Nr. 188 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 94 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Auslanb 5.50 Goldmart pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und geit" mit..Gied lung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage..Frauenwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart, Retlamezeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 0,20 Gold mart( auläffig zwei fettgedrudte Worte), jebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Cine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Sonntag, den 20. April 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenfasse Lindenstraße 3 Die Auferstehung der Vernunft. Zum zweihundertsten Geburtstag Immanuel Kants. Deutschland und die ganze zivilisierte Welt hätten allen Anlaß, das Osterfest dieses Jahres als ein Auferstehungs fest der Vernunft zu feiern, wenn sie nicht, zumindest auf dem Gebiet der Politik, die Vernunft schon längst wieder begraben und die Soldaten vor das Grab geftellt hätten. Denn am Ofterdienstag vollenden sich zwei Jahrhunderte seit der Geburt des großen Befreiers der Geister: Immanuel Kants. Kant war am 22. April 1724 als Sohn eines Sattlermeisters in Königsberg geboren. Abgesehen von einigen Jahren, die er auf ostpreußischen Gütern als Hauslehrer verbrachte, hat er fein ganzes 80jähriges Leben in dieser einen Stadt verbracht. Es war eine Stadt von etwa 50 000 Einwohnern, Hauptstadt eines dünnbevölkerten Landes, vorges schobener Bosten der europäischen Kultur. Dahinter lag das zerfallende Polen, lag das unermeßliche barbarische Rußland, das in den Jahren 1757 bis 1762 auch Königsberg besetzt hielt. Kant, dessen Geist in allen Erdteilen und im ganzen Weltall zu Hause war, verließ nie die engen Straßen feiner Geburtsstadt. Aber fein Antlig war dem Westen zugewandt. Das Deutsche Reich war ein geographischer Begriff, feine politische Realität. Eine politische Realität war Breußen, Rant war vier preußischen Königen Untertan, vom ersten Friedrich Wilhelm über Friedrich II. bis zum dritten. Die Menschen lebten unter dem Abfolutismus wie die Würmer unter dem Stein, was droben hing, war eine gottgewollte Tatfache, gegen die man nicht rebellierte, über die man faum nachdachte. Auch unter Friedrich war, nach Lessings Zeugnis, Breuken das sflavischeste Land der Welt". Die Technit lag noch im Winterschlaf, aber der Industriefapitalismus begann sich zu regen. Er sprengte die Zunft ordnung, die den Meistern eine bestimmte Höchstzahl von Gesellen vorschrieb und schuf die Manufattur. Die erste Spinnmaschine wurde in England ungefähr zu derselben Beit erfunden, in der Kant seine Kritik der reinen Bernunft" schrieb. Ostpreußen blieb ein Land der Landwirtschaft mit Großgütern und Fronbauern, Königsberg eine Handels- und Handwerker stadt mit agrarischem Hinterland und mit einer Universität, an der die Söhne der Gutsbefizer und der Bürger studierten. Dort erhielt Rant nach langem Warten eine Professur. Rant ging von der Physik und der Astronomie aus. Auf Newtons Gravitationslehre fußend, schrieb er, 31jährig, die Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels". Die Theorie, die er dort entwickelte, ist in der Ergänzung, die sie durch den Franzosen Laplace erhielt, als die Kant- Laplacefche Weltentstehungstheorie" bekannt. Das war ein fühner Borstoß des Forschergeistes in ein Gebiet, in dem die naive Mythologie der biblischen Schöpfungsgeschichte vordem unbestritten geherrscht hatte. Glauben und wiffen stießen hart aneinander. Hand in Hand mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Bürgertums, dem in England und Frankreich rascher als in Deutschland auch der politische folgte, ging diefer Rampf zwischen der überkommenen Glaubenslehre und der vordrin genden wissenschaftlichen Erkenntnis. Schien es, als ob die erste die zweite gewaltsam erbrüden wollte, so drohte die zweite die erste auf den Rehrichthaufen zu werfen. Kant hat in feinen kritischen Hauptwerfen in gründlichster, tiefftschürfender Arbeit zwischen beiden die Grenzen abgesteckt. Die Religion, im fitilichen Bewußtsein, auch in Rants eigenem, verwurzelt, mochte sich in ihrem Reich frei entfalten. Aber nicht mehr sollte es ihr erlaubt fein, ihre Aefte beschattend über das Feld der Wissenschaft zu strecken, die des freien Sonnenlichts der Erfenntnis bedarf. Kant ging nicht darauf aus, die Religion zu vernichten, die eine große geschichtliche Tatsache der Menschheit ist. Aber wenn der Streit zwischen ihr und der Wissenschaft heute im großen und ganzen geschlichtet ist und wenn die freie For schung auf allen Gebieten nicht mehr an Kloster- und Kirchenmauern stößt, fo ist das vor allem fein geistiges Berdienst. Es ist hier feine Möglichkeit, auch nur die leisefte Vorftellung zu geben von dem ungeheuren Berk philosophischer Hirnarbeit, die zu diesem Zweck vollbracht werden mußte. Was uns hier interessiert, ist nicht die Arbeit, sondern nur ihr Gewinn. Bollzog sich die endgültige Verweisung der Mythologie cus dem Gebiet der wissenschaftlichen Erkenntnis durch die Kritik der reinen Vernunft", so diente die„ Kritik der praftischen Vernunft" dazu, für die neue Weltanschauung die littlichen Fundamente zu zimmern. Heute schwimmt im Bewußtsein der Durchschnittsbildung von Rants Ethit taum mehr als das Wort vom„ kategorischen Imperativ" und auch dieses oft in gräßlich mißbrauchter Form. Der„ tategorische Imperativ" ist kein von außen aufgedrungenes Muß, sondern freier Antrieb vernünftig- sittlichem Handeln. Humanität, freiwillige Unterordnung der Person unter die Sache, Hingabe an eine Idee- das ist es, mas Rants Ethik in ihrem Kern verkündet. Und dieser Kern bleibt frisch, so dürr auch die Schale der scholastischen Methode sein mag, die ihn umgibt. " Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Berfon als in der Person eines je den anderen, jederzeit zugleich als 3 wed, niemals bloß als Mittel brauch st." Dieser Say ist mitunter so gedeutet worden, als ob er schon den ganzen Sozialismus in sich einschlösse. Aber den Beweis dafür zu führen, daß Humanität, auf die Wirtschaft angewendet, Sozialismus wird, hat Kant nie versucht. Dies ganze Gebiet war ihm fremd. Zu Rousseau hat er sich begeistert bekannt. * Rant nahm brennendes Interesse an der Politit. Er begrüßte die Unabhängigkeit Ameritas, sein Herz war mit der französischen Revolution felbft dann noch, als sich die meisten gebildeten Deutschen von ihrem blutigen Schrecken abwandten. Den Krieg verabscheute er als vernunftwidrig, fah in ihm nur eine Fortfegung der Menschenfresserei und entwarf in seiner Schrift über den Ewigen Frieden" einen Plan zur Kriegsverhütung durch die Mittel des Bölkerrechts. " Die Hohenzollern hatten sich um ihren größten Untertan niemals gefümmert. Friedrich II., den die Böltischen jetzt als ihren Heros verehren, hatte zum deutschen Kultur und Geistesleben überhaupt feine Beziehungen. Der Philo foph von Königsberg eristierte für den Philosophen von Sanssouci" ebensowenig, wie Goethe, Schiller, Lessing, Herder für ihn existierten. Der Professor wußte, daß zur gegebenen Zeit der praktische Eingriff eines gewöhnlichen Untertons in die Politit etwas ebenso Undenkbares war wie eine Reise auf den Mond. Er blieb im Reich der Theorie und durfte froh sein, wenn man ihn hier nicht genierte.-Aber es blieb nicht immer so. an der Arbeit gehindert. Aber noch bleibt das große Problem, Politif und Wirtschaft mit den großen Forderungen der Humanität in Einklang zu bringen, ringt ein System, das die Lösung sucht, um Anerkennung das System des margismus. Nieder mit dem Margismus! Der Ruf gellt durch alle Straßen, durch die Säle, mo bürgerliche Wahlverfammlungen gehalten werden, flebt in dicken Lettern an den Mauern. Wöllners Nachfolger fönnen nicht mehr mit Kabinettsordres agieren, mit Gummifnüppeln und Schlagworten wollen sie den Geist erschlagen. Aber wir Sozialdemokraten glauben an die Aufs erstehung der Bernunft. Auferstehungswille. Bon Rudolf Breitscheid. Nach welchem Ritus wir auch das österliche Fest begehen: der Sinn ist der, daß eine Zeit der Not und der Trauer ihr Ende gefunden hat, und daß wir aus der Dunkelheit in ein neues Licht trefen. Wenn die Christen die Auferstehung des Herrn feiern, wenn die Juden der Erlösung aus der ägyptischen Gefangenschaft gedenten, wenn die deutschböllischen Wotansanbeter der germanischen Frühlingsgöttir Ostara opfern, oder wenn wir ohne alle Mythologie auf dem Spaziergang vor dem Tore das wiedererwachende Leben begrüßen, immer ist es ein Gefühl der Befreiung, das bie Menschheit befeelt. Fesseln sind abgestreift. Das Gebundensein, die Knechtschaft, der Tod find überwunden. Ein neues ist geworden oder will werden. Trübe und zaghafte Gedanken verscheucht die siegende Sonne. Eine Erstarrung ist von uns genommen, Schaffensmut und Schaffensfreude brechen einen lastenden Bann. Im Tale grünet Hoffnungsglück." Diese österliche Stimmung erfaßt den einzelnen, auch den, der von Hause aus vielleicht zum Bessimismus und zur Schwarzfeherei neigt. Aber dürfen wir nicht auch die Erwartung hegen, daß sie von unserer Gemeinschaft, von der Sozialdemokratischen Partei Besiz ergreift? Einer solchen Neubelebung bedürfen wir, denn hinter uns liegt eine Zeit, in der manch einer geneigt war, sich von Mißmut und Hoffnungslosigkeit übermannen zu lassen. Es war ein „ Nieder mit dem Kantianism us!" Alle Thron- Winter des Migoergnügens, der lange por dem astronomischen stützen und Dunkelmänner, die sich um die königliche Person Winter einsetzte und uns viel Bitteres brachte. Unter dem von Friedrich Wilhelm II., Friedrichs Nachfolger, sammelten, ver- dem Ausland ausgeübten Druck und unter der Fuchtel des einigten sich zu diesem Ruf, als Anfang der neunziger Jahre deutschen Kapitalismus haben die arbeitenden Massen eine des achtzehnten Jahrhunderts Rants Lehre alle gebildeten Epoche des fürchterlichsten Elends durchlebt. Die physische Geister der Zeit, Schiller voran, erfaßt hatte. Haupt- und moralische Bermürbung, die die von dem ingegner Kants war der Minister Möllner, der am 1. Of dustriellen und landwirtschaftlichen Großunternehmeriam getober 1792 folgende königliche Kabinettsordre an den gefähr brachte, hemmte den Vormarsch der sozialistischen Arbeiterförderte Entwertung unseres Geldes naturgemäß mit sich förderte Entwertung unseres Geldes naturgemäß mit fich Unsere höchfte Berson hat schon seit geraumer Zeit mit großem bewegung, und fast schien es fo, als ob er seinen Endpunkt mißfallen ersehen, daß Ihr Eure Philosophie zur Ent erreicht habe, und als ob der konzentrische Ansturm wider den ftellung und Herabwürdigung mancher Haupt- und Grundlehren Marrismus einen vollen Erfolg erzielen sollte. Wahlen brachder Heiligen Schrift mißbraucht. Wir haben uns zu Euch äußersten Linken und Rechten, deren radikal klingende BaWir haben uns zu Euch ten uns Niederlagen und verstärkten die Parteien auf der eines Besseren versehen, da Ihr selbst einsehen müßt, wie unverantwortlich Ihr dadurch gegen Eure Bilicht als Lehrer der rolen von einem Teil des ausgepowerten Proletariats mit Be Jugend und gegen Unsere Euch sehr wohlbekannte landesväterliche gierde aufgenommen wurden, während ein anderer mißverAbsicht handelt. Wir verlangen des ehesten Eure gewissenhafte Bergnügt und hoffnungslos dem aussichtslos scheinenden poliantwortung und gewärtigen Uns an Euch, bei Bermeidung Unserer tischen Kampf entfagte. höchsten Ungnade, daß Ihr Euch fünftighin nicht mehr werdet dergleichen zuschulden tommen lassen sondern vielmehr Eurer Bflicht gemäß Unser Ansehen und Eure Talente dazu anwendet, daß unsere landesväterliche Intention je mehr und mehr erreicht werde, widrigenfalls Ihr Euch bei fort gefeßter Renitenz unfehlbar unangenehmer Verfügungen zu gewärtigen habt. lichen Profeffor ertrahierte: So sprach gekrönter Stumpffinn zu einem der größten Geifter aller Beiten. Und der Geist, zur Untertänigkeit verdammt, tapitulierte! Bierzehn Jahre später brach das antifantianische Breußen bei Jena zusammen. Kantianer bauten es später wieder auf. * Engels mahnt uns, nicht zu vergessen, daß wir Sozialdemokraten die Erben nicht nur des großen topiften, sondern auch der klassischen deutschen Philosophie find. Von Kant fluten zwei große Geistesströme über Fichte zu Lassalle, über Hegel zu Marr. Der Streit zwischen Wissen und Glauben ist geschlichtet, neben der amerikanischen und der franzöfifchen Republit, die Kant als Morgenröte einer neuen Zeit begrüßte, steht die Deutsche Republit. Philosophen werden nicht mehr durch brutale Kabinettsordres unserer Fahne treu blieben, vielfach lähmende Mutlosigkeit um Das Schlimmste aber war, daß auch unter denen, die sich griff. Das Wort: es gelingt nichts mehr", das Bismards Gegner ihm in den letzten Jahren seiner Kanzlerschaft höhnend fraten, und indem man nach den Gründen der Fehlzuriefen, wurde refigniertes Befenntnis manches Sozialdemoschläge fuchte, begann man eine Auseinandersetzung über die Politik und die Tattit der Partei, die nicht selten die Formen der Selbstzerfleischung anzunehmen drohte. Nicht als ob die Erörterung begangener Irrtümer an sich bedenklich wäre. Es ist im Gegenteil ein Beweis von Leben, wenn man gemachte Fehler aufbeckt und Mißgriffe eingesteht. Aber wie der Zorn, so ist die Verzweiflung bei solchen Debatten über die Schuldfrage eine schlechte Beraterin, und fie hat oft dazu geführt, daß als Sünde einzelner Personen oder bestimmter Richtun gen" gebrandmarkt wurde, was doch die Folge von Verhältnissen war, die auch die Menschen besten Willens nicht zu meistern vermochten. Darunter litten dann das Gefühl der Gemeinsamteit wie der Glaube an die Sache. Es trübte sich der Blick für die wahren Ursachen des Erfolges der Gegner, und das Ende war eine weitere Beeinträchtigung der Kampffreude und eine Steigerung des der Arbeit abträglichen Unmutes. " Das war der Winter. Aber mit Genugtuung dürfen wir feststellen daß eine Slenb* schon eintrat, bevor der Oster- morgen dämmert. Der Ruf zu den Reichstags- mahlen ermunterte uns und riß uns empor. Der Gedanke der Solidarität belebte sich aufs neue, und im Kampf begann die beschwerende Mutlosigkeit zu weichen. Wir er- kannten, den Gegnern unmittelbar gegenübergestellt, die Schwache ihrer Positionen,.und jedem Sozialdemokraten, der sich mit ihnen zu messen hatte, mußte sich die Ueberzeugung bestärken, daß die Programme, die'sie entwickeln, im besten Fall« nur so lange eine gewisse Wirkung auf die Arbeiterschaft aus» üben können, als die Verkünder der neuen Heilslehren noch nicht Gelegenheit gehabt haben, sie praktisch anzuwenden, und als die wirtschaftliche Not bei den hungernden und nach schneller Erlösung oerlangenden Massen die Fähigkeit zur kriti- scheu Bewertung der ihnen gemachten Versprechungen ein- schränkt. Daran ändert auch nichts das turbulent-siegesgewisse Auftreten der Völkischen und K o m m u n i st e n in den Versammlungen. Der Aufruf zum bewaffneten Aufstand wider den kapitalistischen Staat mag ebenso wie der Avpell zur nationalen Ermannung gegen den französischen Druff bei Menschen, die sich mehr durch das Gefühl als den Verstand leiten lassen, ein vorübergehendes Echo finden, aber jede fach- liche Erwägung fichrt den denkenden Arbeiter, bei dem doch schließlich die letzte Entscheidung liegt, zu der Erkenntnis von der Ucberlegenheit der sozialdemokratischen Ideen für die Lösung der Probleme der inneren und auswärtigen Politik. Damit sind natürlich die Schwierigkeiten und Gefahren des Augenblicks noch nicht überwunden, aber der Resignation ist doch der Boden entzogen. Und dazu kommen dann eine Reihe von ermutigenden politischen Tatsachen. Der Ausgang der bayerischen Wahlen beweist, daß die antimarristischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Daß die sozialistische Arbeiterbewegung im Ausland, In Oe st erreich, in Eng- land, in Dänemark und anderswo, siegreich marschiert, ist auch für uns Deutsche Trost und Ansporn. Daß infolge der Befestigung unseres Geldes, an der die Sozialdemokratie den stärksten Anteil hat, die wirtschaftliche Lage der Arbeiterklasse sich trotz allem Elend, das noch besteht, gegenüber dem Vor- jähr gebessert hat, und unsere Organisationen sich wieder zu festigen beginnen, muß uns mit Zuversicht erfüllen, und wenn es nach dem Bekanntwerden des Berichts der Sachverftän- digen am Horizont der auswärtigen Politik dämmert, so dür» fen wir auch daraus die Hoffnung auf den Sieg der von uns gepredigten und vertretenen Vernunft schöpfen. Wir haben wirklich Grund, uns der Osterbotschast mit zu freuen. Lkur soll es nicht bei dem Vernehmen dieser Botschaft sein Bewenden haben. Der Glaube darf uns nicht fehlen, und mit dem Glauben muß sich der Willen paaren. Der feste Entschluß zur Befreiung aus winterlicher Erstarrung ist not. Die Fesseln der Zweifel und der Bedenken gilt es abzuwerfen. Wir müssen selber auferstehen. Das Vertrauen zu unseren Ldeen und zu unserer Kraft muß wieder erstarken. Selbst» bewußtsein und Selbstvertrauen verleihen die Fähigkeit zum Handeln und verbürgen den schließlichen Sieg. Stresemann oegen �elfferich. Warum must die deutsche Regierung annehmen? Die letzten großen Reden Gustav Stresemanns, insbe» 7bbdere fein Hauptreferat auf dem Parteitag der Deutschen Dolkspartei In Hannover, waren alles eher denn erfreulich. Zum Glück gibt es neben dem Parteiführer Stresemann, der allzu viel auf die Oberlehrerstimmung seiner Anhänger» schaft Rücksicht nimmt, auch einen Außenminister Strese- mann, der in kritischen Augenblicken staatsmännische Einsicht und politisches Verantwortungsgefühl besitzt. Die beiden Ab» Handlungen, die gestern aus der Feder Stresemanns in der „Zeit" und im„8-Uhr-Abendblatt" erschienen sind, stammen offenbar vom Außenminister und nicht vom„besten Kopf" der Oberlehrerpartei. In beiden Aufsätzen setzt Stresemann mit großer Verve und Klarheit auseinander, warum die Reichsregierung ihre Zustimmung zu dem Sachverständigen» Weckruf. Die Bäche schäumen, e» rauscht die Saat. Wacht auf. die noch träumen, der Morgen naht! Entschleiert die Wolken, entfesselt den Knecht! Die Ernte dem Volke! so will es das Recht. wacht auf, die noch säumen, zur Ernte bereit! Die Wellen schäumen, es reift die Zeil. Die Stunden weichen, der Himmel loht, Ein blutiges Zeichen empörter Rot. verdammt sei die klage, verdammt sei die Zelt! Dem Tag folgen Tage, und einer bchreit. Und einer verkündet das jüngste Gericht, Und einer gründet die Zeit des Licht». Zn Flammenströmen verglüht die Zeit. Den Tag übertönen klagen von Leid. Die Tage laßt klingen, laßt singen den Schmerz, Wir aber, wir dringen der Zeit in das herz. wacht auf. die noch träumen, zur Ernte bereit! 3n wellenschäumeu wächst neue Zeit. 5 r i h M» ch e. Metallarbeiter. Ein Schnippchen. von Anna Haag. Die alte Bäuerin hockt« auf einer Fußbank und hielt einem Hustenanfall stand, der durch ihre Lunge pfiff und das Rippenfell krachen machte, ja— unter dem der ganz« hagere Leib der Alten zitterte und raschelte wie dürres Säsilf im Sturm.— Indessen kam ihre Schwiegertochter in die Stube und setzte dem Gesinde das Vesper auf den Tifch. Als sich die Tur hinter der jungen Bäuerin wieder geschlosien hatte, schlich sich das Weib, noch immer hustend, an den Tilch und tjeß die unruhigen Augen von einem Teller zum andern flackern. „SZesus," sagte sie und hustete,„so ein Stück Wurst für den Groß» knacht!— Das geht nicht. Das kann man nicht— das tann man einfach nicht—" Das Weib nahm ein Mesier, säbelte einen Brocken davon weg und schob ihn hinter den spärlichen Lorhang am Fenster. Auch auf dem Teller der Magd war zuviel— und der Kleinknccht, der Knirps, verdiente eigentlich überhaupt kein Lesper.„Der Tag. dieb! Der Faulenzer!" zischte sie zwischen ihrem Husten durch die dünnen Lippen. Mit Befriedigung betrachtet» sie das Ersparte hinter dem Lorhang und stellte fest, daß dies morgen wieder für den Großknecht reichen konnte. Sie griff nach dem Glas des Knechtes, tat ein paar kräftige Züge und füllte das Gefäß mit Wasser auf. Da flel chr Blick auf die Hand, die das Glas umspannt hielt.„Jesus Maria!" Die Hand war geschwollen. Jetzt in dieser Sekunde kam es ihr urplötzlich auch zum Bewußtsein, daß die Füß« ihr wie Programm gegeben hat, und er w arnt das deutsche Volk vor einer Stärkung der extremen Parteien bei den Wahlen. Sein Artikel in der„Zeit" ist eine einzige, außerordent- lich scharfe Antwort aus die von uns bereit» registrierten An- griffe H e l f f e r i ch s in der Rechtspresse gegen die Unter- zeichnung des„zweiten Versailles". Da die Argumente Strese» rnonns gegen Helfserich sich im ellgemeinen wörtlich mit denen i decken, die wir von der ersten Stund« nach Bekanntgabe des Sachverständigengutachtens an hier entwickelt haben, so er» übrigt sich ihre Wiedergabe. Rur in einem Punkte ist seine Polemik besonders interesiant, weil sie den Nachweis führt. daß die jetzige Haltung der Reichsregierung letzten Ende» nur die Fortsetzung einer unter C u n 0 eingeleiteten und von Helfferlch damals gutgeheißenen Politik bildet: Die Vorschläge des Retchstonzln» Dr. C u n o vom Mai und Juni vorigen Jahres sahen Leistungen der Deut'chen Retchseisenbohn, sahen eine Belastung der deutschen Industrie vor. Was war denn der Z w e ck dieses Cunoschen Angebotes? Schließlich hatte doch auch diese» von den Deutschnationalen unterslühle Kabinett mlk seinem Angebot nur da» Ziel vor Augen, dvrch solche Senerolpfänder da» Ruhrpfand einzulösen, weil uns Machtmittel für diesen Zweck nicht zur Verfügung stauben uud wir aus das Eingreifen anderer Mächte zu unseren Gunsten nicht rechnen tonnten. V«. Helfserich hat seiner- zeit beinahe mit Fanatismus da, Slenerprogramm Enno» unter. flüht, nur um diese Regierung zu halten. Diese Regierung Cuno aber hat ihre ganze Politik darauf gerichtet, den Lorfchläoen des Staatssekretärs Hughes Annahme zu sichern, nach denen i n t e r- national« Sachverständige über die Leistungen Deutsch- lands ein Gutachten abgegen sollten. Die Regierung Enno hat sich erboten, die„Entscheidung einer unparlelischen inlernalionalen Znstanz über Höhe und Art der Zahlungen anzunehmen", weshalb richtet dann Herr Dr. Helfserlch seine Kritik gegen die heutige Reichs- regierung, die doch nichts anderes tut, als auf de« Spuren zu man- dein, dl« die Regierung Dr. Enno mit ihren Vorschlägen damals verfolgt hat? Es wird Helfferich kaum gelinsten, diese Beweisführung zu widerlegen. Ebensowenig wird er dos Argument Strese- manns entkräften können, wonach es gerade die unter der Last der Micum»Verträge schwer kämpfende I n d u st r i« in den besetzten Gebieten ist, die die Annahme des Sachverständigenprogramms als unumgänglich bezeichnet. Gegen den Kronzeugen Dr. Sorge von den Krupp-Werken könnte er sich zwar auf den Syndikus der Essener Handels» kammer Dr. Ouaatz berufen, aber dieser hat sogar in seinem eigenen Wirkungskreis politisch abgewirtschaftet. Es ist fteilich für die Herren Stresemann und Jarres etwas peinlich, daß sie sich von der äußeren rechten Seite nachsagen lassen müssen, sie betrieben ein« Politik, die zu» nächst von der Sozialdemokratie verlangt worden sei. Mit dieser„Belastung" wird sich jedoch auch diese soziatistenreinl Reichsregierung abfinden müssen, ebenso wie mit der Tat» fache, daß die Scheidung der Deister, die in der Auseinander» fetzung Stresemann— Helfserich ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. nicht nur bis zum Dahltag, sondern erst recht nachher ihre konsequente Fortsetzung finden wird. Weder für Stresemann noch für Helfferich wird es im neuen Reichstag ein Zur VF geben. Es geht am 4. Mai um die Entscheidung für oder gegen die Er» füllungspolitik und an dieser einen Frage werden in den nächsten Jahren im Reich und in d«o Ländern alle Bürgerblockträume zerschellen. Sajuwarifthe Spekulationen. München, Ig. April.(MTB.) Die„Münchener Reuesten Roch. richten" fdvs Blatt der„Vaterländischen" Red. d.„B.") beschäftigen sich an leitender Stelle mtt der bekannten Entschließung der Repa» rationskommisslon. Hierbei wird auch dt« Frag« erörtert, ob dt« gegenwärttge deutsche Regierung überhaupt befugt gewesen sei, vor den Wahlen ein« Eiklärung zu den Sachverständigen» berichten abzugeben, und die bejahend« Antwort dieser Frag« kam» menliert. Das Blatt führt aus:„Die Fragestellung und dies« Be» Bleiklötz« am Leib« hingen. Ein« jäh» Angst ließ st« schlottern, und ste dacht« daran, daß es ernst werden könnt«. Sollte st« zu so einem Windbeutel von Doktor g«h«n? Sie hatte nicht die geringste Achtung vor dieser Gattung Menschen. Di« Doktoren waren schamlose Ausbeut«?, die nicht» so gut verstanden. als den sich plackenden übrigen Menschen das Geld au» der Tasche zu jagen. Hatte nicht ihr Aller auch so einen Blutsauger gerufen, als es ernst mit ihm wurde? Und trotzdem hatte er sterben müsten. Roch heute täte sich ihr Seliger im Grobe umdrehen, wenn er ertabren könnte, was ihr der Doktor nach dem Begräbnis für eine Rechnung geschickt hatte. Di« Zahl hatte ihr die Haare zu Berg« getrieben uud ihr die ganze schöne Trauer verdorben. Der Doktor hott« sie gezwungen, ihr« Gedanken gleich wieder von dem Jenseitigen weg» und dem irdischen Jammertal zuzuwenden. Wenn er ihrem Dauern wenigstens geholfen hättel Aber rein nichts hatte er genLtzil Be- zahlt man einen anderen Handwerker, der sein Handwerk nicht versteht, der einem die Schuh«, den Anzug, das Brot verhunzt? Da» fällt keinem recht denkenden Menschen ein. Den Doktor aber, den mußte man bezahlen, ob er seine Sache oerstand od« nicht. Und wie bezahlen! Ach Gott, ach Gott! So schlief die Bäuerin noch einmal über dem halben Entschluß in der Hoffnung, daß das schlimme Zeichen an d« Hand morgen verschwunden sein möchte, daß ihr« Füße leicht und gelenkig sein würden und daß nur der Husten noch blieb«, der sie ja schon lange Jahre begleitete, der nichts zu bedeuten hatte, als daß« lästig war. Sagte man nicht: Wer lang« hustet, lebt lange? Also--- AI, st« am anderen Morgen«wacht«, zog es khre Blicke instinktiv und unmittelbar nach der Hand. Aber, da kroch ihr etwa» eistolt über die dürr« Brust und langte zum Herzen. Die Hand war wie ein Kisten so hoch und dick und schillert« unheimlich in bläulicher Färbung. Die Alte schlüpft« in einen besteren Rock(aber nicht in den ganz guten, sonst dachte man, bei ihr sei es haufenweise ausgeschüttet!) und schleppte sich aus ihren klotzig schweren Füßen zum Doktor. Als sie wieder zu Haus« auf ihrem angestammten Platz am Ofen saß, brütete sie dumps vor sich hin. Was hatte der Doktor gesagt?„Wenn«s nicht weiter macht, hat es nicht viel zu sogen. .Wenn es aber weiter schwillt---" Die Schwiegertochter trat wieder in die Stube mit dem Gesinde- esten. Die Alte schielte auf den Tisch und dann aus ihre Hand. Mein Gott! Es schwoll weiter! „Gib auch den Leuten ordentlich zu esten," mahnt« sie die Schwiegertochter. Erstaunt blickt« dies« auf das Weib:„Was ist mit Euch, Mutter?"„Laß dos dumme Fragen! Die Leute sollen nicht sagen, sie hätten ihr Sach' nicht ordentlich gekriegt. Leg' noch ein Stück dazu—" Als die Junge unschlüssig stehen blieb, wiederholte die Alt« noch einem entsetzten Blick auf ihre Hand:.Leg' noch ein Stück zu. sage ich—" Da ging die Schwiegertochter topsichüttelnd zur Tür« hinaus Die Alte aber versteckte das Zeichen ihrer Krankheit unter dem großen Tuch, das sie um den Leib geschlungen hatte. Niemand braucht« zu wissen, wie es um sie stand. So oft jedoch am Tage ihre Augen das Zeichen ihr« Krankheit suchten— und da» war oft—, sielen ihr ihre Sünden zenrnerschw« aus die Seele. antwortung scheinen uns gar nicht den Kern der Sachlage zu treffen. Es handelt sich doch offenbar um nicht» weiter als darum, ob die jetzig» Regierung durch«in« wichtige außenpolitische Entscheidung die nach den Wahlen etwa zusammentretend« neue Regierung vor- weg binden könne. Nun ist aber so viel klar: Die Erklärung. daß die gegenwärtige Regierung die Gutachten als geeignete Grund» läge betrachtet, läßt einer künstigen Regierung und dem künfligen Reichstag— der ja auch«in Wort mitzusprechen hat— noch einen weiten Spielraum, während die Ablehnung einer solchen Erklärung ihnen gar keinen Spielraum liehe, sie vielmehr vor ein« vollzogen« Tatsache von wahrscheinlich sehr oer» hängmsvoller Wirkung stellen würde." « Richtig ist. daß wenn eine Regittung nach den Wünschen der „M. R. R." aus den Wahlen hervorginge, sie einen unendlich„weiten Spielraum" haben würde, um alles wieder kaputtzumachen, nömlich ebenso unendlich weit wie das C h o o». in das Deutschland durch dies«„vaterländische" Politik gestürzt werden würde. Die Herren aus üem ftorden'* Kahr-Verschwörung der Deutschnationale». Als Kahr noch auf der Höhe seiner Macht stand und seinen „legalen" Marsch auf Berlin vorbereitete, ging die Deutsch- nationale Partei und ihr Landbund mit idm durch dick und dünn. Jetzt, da Kohr»' Ansehen im Ludendorsf-Prozeß stark ramponiert ist, will sie nie mit ihm etwas zu hm gehabt haben. Sie läßt in ihrer Korrespondenz versichern: „Rtemois ist Kahr uns« Parteimann gewesen, niemals, am wenigsten in her kritischen Zeit des Generolstaatskommistariats ist Kahr von uns inspiriert worden, niemals hat tx mit uns Verhandlungen geführt." Gegen diese dreiste Ableugming allbekannter Tatsachen tritt nun der frühere deutschnationale Parteisekretär, jetzt rein- völkische Agitator mit der ungarisch-ostjakischen Frau, Pro» fessor E g e n o l f f» Stettin auf den Plan. Er erklärt im „Deutschen Tageblatt": „Am 2Z. Ottob« 1S2S erschien der deutschnationale Vandtagsabgeordnet« Echlange-Schoeni.igen in der„Pommerschen Tagespost" und erklärte im Beisein d« v«ttet« de» Berlage», der Schriftleitung, der Veutschoalionalev Volksparte! und de» Pommerschen Landbunde»(der Vertreter der Partei war ich).« komme im Austrage der deutschnationolen Hauptparteileitung bzw. de» Parteioorsitzenden Exzellenz H e r g t. In den vorhergehenden Tagen sei d« Abgeordneke v. Lindeiner-Wildau von Exzellenz hergt zu Exzellenz v. Lahr ge- fand! worden, um sich über dessen Ziele und Absichten zu infor» Mieren. Herr v. Lind ein« sei von Exzellenz o. kahr lnsiruiert war- den und auf Grund dies« Instruktion bitte Exzellenz tzergl durch den Abgeordneten Schlange die deulschnasionalen Organlsallonen und die deulschuasionale Preste in Pommern mit all« wacht für Herrn v. Sahr einzutreten. Der Abgeordnete Schlang« legte darauf weitere Einzelheiten au, den Besprechungen, die d« Abgeordnet« v. Lindein« in München gekührt hatte, den»er» sammelten Herren mündlich vor. Auf Grund dieser Instruktion entschlosten sich Schriftleitung und Verlag der„Ponunerschen Tagespost", die nächst« Nummer unter d« Ueberschrift„Pommnu steht eisenfest zu kahr" erscheinen zu lassen. Wahr ist also, daß die Deut'chrmttonale Dolkspartei, und zwar In der kritischsten Zeit mit Exz. v. Kahr Verhondlun» gen geführt hat. Wahr ist also, daß st« von ihm inspi» r i« r t worden ist. Wahr ist also, daß sie für sein Tu» uud Lassen mitverantwortlich ist." Solche Abfuhr ist den Mannen um Hergt sehr nützlich. Sie haben damerls die in München so oft zitierten„Herren aus dem Norden" spielen wollen, auf deren Hilfe Kahr seinen Diktaturplan aufbaute. Wir haben erst kürzlich die begeisterte Aufnahme geschildert, die Kahr im Pommerschen Londbund gefunden. Jetzt möchten sie alles ableugnen. Sintemalen ja auch Petrus seinen Herrn dreimal verleugnete, ehe denn der Hahn zweimal geschrien! Da standen die hungrigen Buben von der Armeleutegasie, die ste von der Schwelle gejagt hatte, wenn sie um ein Stückchen Brot baten.— Das war die Hand, die ollfonntäglich in der Kirch« einen Hosenknopf in die Opferbüchse steckt«. Ja— da, war die Hand, die jahrzehntelang jeden Morgen und jeden Abend einen kräftigen Strahl Wasser in den Milcheimer gespritzt hatte, denn„die Milch ist ja viel zu billig", hatte ihr Mund da» Tun d« Hand gerecht» fertigt. Da; Kind aus der Rachbarschast kam, um Milch zu holen. Ein furchtsamer Blick auf die dick« Hand ließ ste in die Küche rusen:„Gib dem Kind einen Apfel!" Da ihr keine Antwort wurde, humpelte sie hinaus und wied«holte ihren Befehl. Als ab« ihr Will« erfüllt worden war, däuchl« ihr, es sei noch nicht genug geton. Sie rief das klein« Mädchen von der Trepp« zurück, tat einen Griff in die Schublade des Küchenkastens und schenkte dem Kind ein Ei. Dann ging ste zurück in ihre Kammer, um ihre Hand zu besehen. Trotz ihrer guten Tat wanderte die Schwulst weit« und ergriff den Arm. Für das Weib begann nun«in« unerträglich« Zeit. Ihre fort- schreitend« Krankheit trieb ste. zu sühnen, Gutes zu tun, Gott gütig zu stimmen, sich schnell noch den sicheren Himmel zu oerdienen. Hatte sie sich aus ihr« Seelenpein heraus ab« zu Guttaten hinreißen lassen, so marterte sie der Gram um da» Derschenkte. Schnell hörte ste auf mit der Wohltätigkeil, wenn es ihr an einem Tage l-«>ien, als ob die Krankheit keine weiteren Fortschritt« gemacht hätte. Wenn gar die Schwulst etwa« zurückgewichen war, verfiel ste schnell und heftig« denn je in ihr alles Lost«. Sie beschnitt die Portionen der Leute, schlich sich in die Küche, um die Milch zu strecken, kroch in den Hühnerstoll, um die Hennen zu befühlen, damit kein Ei unter» schlagen werden tonnt«. Eine» Tages aber streckt« ste die Linke zum Vergleich neben die dicke Recht«. Ein« wahnsinnig« Angst packt« die Alte. Auch die Link« fing nun an zu schwellen.„Es wird ernst," murmelte ste. Da» Grauen vor dem Tode, die Angst vor dem Jenseits, das böie Ge» wissen, wenn sie an ihr« Habsucht dachte, foll«ten die Alte mehr, als der Tod selbst es hätte tun können. Sie nahm«inen Laib Brot von der Hange und schnitt ein Stück Speck aus dem Rauch. Leides barg st« unter ihrer großen Schürze und brachte es der armen Witwe, die im Hause gegenüber wohnte. _ Erleichtert kehrt« ste zurück. Der Tod konnte kommen. Sie hatte gesühnt und war bereit. Aber der Tod kam nicht so schnell. Tage gingen und tröpfelten zu Wochen, ja zu Monden. Immer wieder kam das Grauen, die Angst, das bös« Gewisten. Dann mußte ste etwas herschenken. um den fürchterlichen Bann zu brechen, der auf ihr lastet«. Für Augen» blicke war ihr nun leicht. Dann aber folterten ste die Reue und die B«zwcifluna über das nutzlos Verschwendet« so lange, bis körper» liche Schmerzen oder«in Blick auf ihr« dick verschwollenen Glieder st« wieder zu neuen Wohllaten trieb. Der Schlaf floh ste. Da bat sie den Doktor um ein Schlafmittel. Wie lang« es noch dauere mit Ihr, fragte sie und schielt« den Arzt mißtrauisch von der Seile an „Die können noch sin halbes Jahr und länger leben. Sie sind zäh," meinte der Doktor.„Rehmen Sie aber nicht zu viel von diesem Püloerchen da! Sonst kann', mit einemmal ernst werden," scherzt« er. Kant und Republik. Ein Schreiben des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident hat anläßlich der Kantfeier an ben Oberbürgermeister der Stadt Königsberg und an den Reftor der dortigen Universität das folgende Schreiben gerichtet: Mannes. " Zu meinem lebhaften Bedauern ist es mir nicht möglich, der freundlichen Einladung der Stadt Königsberg und der Albertus. Universität Folge zu leisten und persönlich an der Kantfeier teil zunehmen. Ich huldige aber mit Ihnen dem Gedächtnis des großen An diesem Gedenktag feiert das deutsche Bolt nicht nur den Denker, der in beispiellofer geistiger Kraft und vorbildlicher Aufrichtigkeit und Treue der Arbeit ein neues Beitbild er richtete und damit für alle Bölfer eine neue Epoche des Dentens begründete, es bekennt sich auch zu den unverfieglichen Quellen feiner eigenen seelischen Kraft, die gerade in dem Geiste Rants aus tiefstem Grunde strömen. Rant hat bie hohen 3deafe, bie das Leben bestimmen, in bas Gebiet der persönlichen Ueberzeugung verfeht; er hat den er habenen Pflichtbegriff, der sich an die Freiheit des Menschen richtet, in den Mittelpunkt der Moral gerüdt; er hat den hohen Begriff der Menschenwürde aufgestellt, wonach die Menschen nicht zu bloßen Mitteln für die Zwecke anderer auf Roften ihrer Kultur und ihres Menschentums herabgedrückt werden dürfen; er hat ben sicheren Weg zu einem sinnvollen Zusammenwirten der Bölker und Staaten gewiesen. Aus den Menschen felber aber hat er ihr Bestes herausgeholt, well er ihnen Gutes zu traute. So wurde er in der für die Kultur Deutsch'ands wichtigsten Zeit der moralische Gesetzgeber und zugleich jedem einzelnen Deut. schen ein Vorbild. Die Deutsche Republit wird mit den besten Sträften deutschen Geistes verbündet bleiben, solange fie die Rantsche Idee der Freiheit als Grundlage und Antrieb ihres staatlichen Lebens anertennt und sie in einer Staatsform zu verwirklichen sucht, die auf dem Gedanken Rants beruht: Bas ein Bolt nicht selbst über sich beschließen fann, bas tann auch ein Ge jezgeber nicht über ein Bolt beschließen." Möge die Rantfeier in der ehrwürdigen Stabt feines Wirtens Geist und Sinn aller Boltsgenossen erheben und sie in ihrem Aufstieg aus Zwang und Not beflügeln und stärken!" Die einige KPD. Die Chemnitzer machen nicht mit. Die neue Iinte Barteiführung der Ruth Fischer, Maslow usw. hat in ihrem Aufruf an die Partei defretiert, daß Fraktionsbildungen in Zukunft zu unterbleiben hätten und daß die Bartei jezt einheitlich und geschlossen sei. Diese Einheitlichkeit ist vorläufig noch nicht weit her. Schon aus dem frisierten Bericht der Roten Fahne" geht her por, daß die Egetutive auf dem Parteitag fich gegen einen allzu fchroffen Lini turs gewandt hat. Inzwischen hat nach dem Barteitag sich der Bezirksausschuß Erzgebirge- Bogtland, wo Heckert, Brandler und andere Verräter zu Hause find, als Kristallisationspunkt des Sumpfes etabliert. Das ist bei den Chemnizer Kommunisten wohl nur eine Vorsichtsmaßregel In Wirklichkeit sind gerade die Chemnizer gute brave Rechtsleute. Der Bezirks ausschuß veröffentlicht eine Resolution, in der es heißt: Der Bezirksausschuß muß anderseits erklären, daß troh der Annahme der politischen Plattform der Parteiminderheit durch die Parteimehrheit die Gefahr weiter besteht, daß die Parteimehrheit diese Plattform ebenso verläßt, wie fie bisher die gemeiniam getroffenen Ber einbarungen der legten Mostaner Konferenz in allen Buntten preisgegeben hat. Die Gefahr ist um so naheliegender, als die Vertreter der Parteimehrheit schon auf dem Barteitag gerade bie Gruppe, beren politische Blattform sie übernommen hat, in allen organisatorischen Fra gen vergewaltigt hat: 1. Die neue Bentrale murde gegen den Willen ber Barteiminderheit gewählt. 2. Entgegen den Bereinbarungen in Mostau sind die Bertreter ber Barteiminderheit in der Zentrale gegen den Willen der Gewählten wie gegen den Willen der Ein halbes Jahr! Da hatte sie noch lange Zeit, Butes zu tun und den Himmel zu verdienen. Warum hatte ihr der Esel von einem Dottor bas nicht gleich gejagt? Die geplagten Menschen zu nächst einmal ins Bodshorn jagen, das war natürlich sein Brofit. So hörte die Bäuerin vorläufig auf mit ihren Guttaten. Denn ein halbes Jahr lang fonnte sie das nicht so treiben, wollte sie nicht Das hinausstreuen, was sie während eines langen Lebens mühsam hereingefcharrt hatte. Ein halbes Jahr lang sterben, das war entfehlich! Ein halbes Jahr lang Gutes tun, war noch entfehlicher. Und eine Doftorsrechnung von einem halben Jahr, daß war das Miferentfeßlichste! Da tonnte wohl Null von Null aufgehen, und ihres langen Lebens Mühe und Bladerei war umsonst gewesen. Umsonst wäre sie durch all die dunklen und schmutzigen Wege gewandelt, die zu ihrem heutigen Wohlstande geführt hatten. Sie betete zum Bater im Himmel um einen baldigen, feligen Tod. Bergeblich jedoch barrte fie der Erhörung ihrer Bitte. Es schien, daß man sie im Himmel noch nicht brauchen konnte, daß ihr Gott noch Zeit geben wollte, fich Die Seligkeit zu verdienen. Um ihre Brauchbarkeit für die ewige Seligkeit aber zu beweisen, versuchte sie es wieder einmal mit der Barmherzigfeit. Sie ließ einem armen Berunglüdten einen Rorb mit allerhand Stärkendem füllen. Lege noch eine Flasche von meinem Bein dazu," gebot sie der Schwiegertochter nach einem harten Stampf, den ihr jenseitiger Mensch mit ihrem diesseitigen erfolgreich bestanden hatte. Als aber die Nacht tam und auch diesen Tag ablofte, brachte sie ihr Martern ohne Ende. Sie wollte schlafen und vergessen, was dieser Tag sie wieder gekostet hatte. D, nicht mehr rechnen müssen, was sie heute und schon so oft in ihrer Herzensangst vertan hatte! Riesengroß stand ihr Verlust vor ihren meit geöffneten Augen. Und schloß sie diese, um die Erinnerung daran zu verwischen, so wuchs der Wert des verlorenen Gutes ins Unermeßliche. Jetzt schon fah fie fich ruiniert, der Armut preis. gegeben. Und der Doftor, was würde der erst verlangen! Benn es ein langjames Sterben gab, dann fam er sicher alle Tage. Sie schüttete eines der Schlafpulver in das bereitgestellte Glas und führte es zum Munde. Halt, noch eins, und noch eins! Ruhen will ich und nimmer an mein Elend denten." Als sie aber das Glas geleert hatte, fuhr ihr jäh ein Stich durchs Herz. Wie, wenn sie zuviel von den weißen Bülberchen geschludt hätte? Wenn es ernst werden sollte diese Nacht? Wenn sie nicht mehr aufwachte? Doch nur einen Augenblid währte der Schrecken, denn sie wußte, daß, wenn sie heute stürbe, ihr das Himmelreich nicht fehlen fonnte. Hatte sie heute nicht Gutes getan über ihre Kräfte? So wäre heute eigentlich ganz der richtige Zeitpunkt, zu sterben. Und im Halbschlaf schon träumte fie, wieviel von ihrem irdischen Gut nun doch noch bleiben würde. Sie schmunzelte, wenn fie fich das enttäuschte Gesicht des Doktors rorstellte, den sie durch ihren unerwarteten und schmerzlosen Tod um eine lange Rechnung geprellt hatte. Ja, fie freute fich fogar über das Schnippchen, das fie dem lieben Gaft schlagen würde, men es ernst werben sollte diese Nacht. Bunderbare Träume umgarnten fie. Sie faß zur Rechten des himmlischen Baters. Gott hatte zu seinem Sohne gesagt: ,, Rüde ein wenig zur Seite! Die Frau hat viel Gutes gelan in ihrem Leben." Ganz ferne im Himmel fab sie ihren Gefigen, der gar nicht zu verstehen schien, wie sein eib zu diesem auserforenen Blaze tam. Das war ein Triumph für sie ohnegleichen. Denn wie oft hatte fie fich über ihren Alten geärgert, wenn er fie im Diesseits zumeilen Barteiminberheit gewählt worden. Die von der Bartels| allein find dafür bestimmend. Da die Löhne in Deutschland minderheit gestellten Kandidaten wurden abgelehnt. 3. Die Borschläge des Bezirks Erzgebirge- Bogtland wurden brüst abgewiesen. Selbst ihre Begründung durch die Delegation ist unterbunden worden. 4. Die neue Bentrale beginnt mit politischen Maß. regelungen Führende Genchsen von der Parteiminderheit werden praktisch von jeder Mitarbeit ausgeschaltet" unter den Weltmarktlöhnen, die Preise aber über den Welt. marktpreisen liegen, ist es offenbar, daß die Ueberteuerung, die allein eine Gefahr für die Währung ist, eine Folge der standalösen Uebergewinne ift. Macdonald gegen die Ententepolitik. So wie sie bisher war. Das ist ein net'es Bild der Einigkeit und Geschlossenheit", das die Kommunistische Partei unmittelbar nach ihrem Bar. teitage bietet. Wir wollen nicht ins Prophezeien verfallen, aber Bort, 19. Aprit.( Elgener Drahlbericht) In einer großen Beruns will bünten, daß wir noch manchen Rradh bei den Kommu- sammlung am Vortag des Kongreffes der Unabhängigen Arbeiterniften erleben werden, und daß sie aus ihrer Dauertrife gerade partei( 3.£. P.) sprach Genoffe 3. Ramsay Macdonald über die wegen ihres neuen Kurses erst recht nicht herauskommen werden. Politit der Arbeiterpartei. Ju Besprechung der Außenpolitik jagte Jetzt wird diese Entwicklung durch die Rücksichtnahme auf die Reichs der Premierminister a. a., manches im Sachverständigenbericht getagswahlen noch etwas gehemmt. Dann aber wird der Rampf der falle ihm auch nicht, aber der Streit um Einzelheiten bringe die Kommunistischen Partei mit unverminderter Stärke weitergehen, Welt nicht weiter. Auch die Frage, wer in der Bergangenheit schuld wenn nicht der von der radikalisierten Mitgliedermaffe erwartete fei, entscheide nicht Sicher aber ift, fuhr Macdonald fort, daß, wenn Butsch ihr sowieso den Todesstoß gibt, t es noch zwei Jahre so weiter geht, alles verloren ist, wofür wir fämpfen. Die nationalistische Welle in Deutschland fei eine Gefahr für Europa und ein Verhängnis für Deutschland felbft. Dafür sei die bisherige Politit der Alliierten in hohem Maße verantwortlich. Löhne und Währung. betrefen, so werde Deutschland unwillig fuchen, feinen Berpflichtungen Es gebe zwei Wege, Deutschland zu behandeln: der eine sei der des Mißtrauens und der Pfänder und werde dieser Weg betreten, fo werde Deutschland unwillig fuchen, feinen Berpflichtungen zu entgehen. Wandle man aber den anderen Weg, den des Berfrauens, dann werde Deutschland dieses Vertrauen regifertigen, wie ein Mann, dem man entweder fagt, ich glaube dir, oder ich halte dich für einen Betrüger. Die größte Gefahr sei der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands und die Konkurrenz des unterbezahlten deutschen Arbeiters, der nicht deshalb zehn Stunden arbeite, weil er tein Rüdgrat habe, sondern weil die bisherige internationale Politit 3ahlungen aus dem Fleisch und Blut des deutschen Arbeiters gepreßt habe. Die Spitenorganisation bei Jarres. in Bertretung des Reichskanzlers die Bertreter ber Epigen Wolff- Bureau meldet: Der Bizelanzler Dr. Jarres empfing organisationen der Gewertschaften. An der Be sprechung nahmen außerdem teil der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, der Reichsfinanzmister Dr. Luther und der Reichs. wirtschaftsminister Hamm. In der Besprechung wandten sich die Gewerkschaften gegen die Auffassung, daß jede Lohnerhöhung notwendig eine Gefährdung für die Aufrechterhal tung der Währung nach sich ziehen müsse und vertraten den Standpunkt, daß eine Reihe anderer Momente, insbesondere die noch nicht überall genügend durchgeführte Rationalisierung der Wirtschaft, das Borhandensein zu vieler unprodut. tiver 3 wifchenglieder und zu hoher Gewinnquoten, die Preis- und Lieferungsbedingungen der Kartelle, die noch nicht überall überwundenen Gewohnheiten aus der Inflationszeit und eine vielfach unzweckmäßige Handhabung der Rreditgewährung in höherem Maße die Währung gefähr. deten. Die augenblickliche Erholung bestimmter Wirtschaftszweige beruhe auf den Uebergewinnen gewiffer Boltsschichten, denn die Erholung erftrede fich fast nur auf die ausgesprochene Lugus- Paris, 19. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Londoner Korre industrie( z. B. auf Leber, Holz. Tertilindustrie). Notwendig fei fpondent des Temps" will wiffen, daß man in den Kreisen der eine allgemeine Sentung der Warenpreise, die heute noch englischen Regierung eine persönliche Zusammenkunft zwischen fünftlich hochgehalten würden. Eine Niedrighaltung der Macdonald und Boincaré im Augenblid nicht wünsche, da ein 2öhne hemme bie technische Entwidlung und beein Meinungsaustausch faum pofitive Ergebnisse haben fönne, bevor trächtige die Arbeitsleistung. Die Vertreter der Gemert- nicht die Reparationskommission ihre Arbeiten abgefchloffen habe. schaften forderten endlich nachdrücklich die zwingend gewordene Er- Der Korrespondent glaubt weiterhin zu wissen, daß die englische Rehöhung der Gewerbslofenunterstügungsfäge, die gierung entschlossen sei, teinertet neuen Sanftionen heute schon vorwiegend aus den Plichtbeiträgen gebedt würben; gegen Deutschland ihre Zustimmung zu geben. Die von den eine nennenswerte Beanspruchung von Staatsmitteln werde durch Sachverständigen in Aussicht genommene internationale Anleihe eine Erhöhung nicht eintreten. werde in London sehr günstig beurteilt. Jm weiteren Berlauf seiner Rede gab Macdonald eine für Jndien freundschaftliche Erklärung ab und bezeichnete den Zeitpunkt der nächsten britischen Unterhauswahl als voraussichtlich noch sehr entfernt. Keine Sanktionen mit englischer Zustimmung. Poincarés Manöverplan. Paris, 19. April.( Eigener Drahtbericht.) Die non der Bariser Bresse an dem Beschluß der Reparationstommiffion geübte Striti lüftet die Schleier, in welche die von der französischen Regierung gegen das Werk der Sachverständigen gerichteten Manöver gehülf waren. Man hatte sich in Paris die Sache so gedacht, daß die Necalbigen Erhöhung der Erwerbslosenunterstügungsfäße a ner. Von der Reichsregierung wurde die Notwendigkeit einer kannt, über das erforderliche und mögliche Ausmaß der Erhöhungen gingen allerdings die Auffassungen auseinander. Auch in der allgemeinen Beurteilung der wirtschaftlichen Lage stimmte bie Reichsregierung mit den Gewerkschaftsvertretern im wesentlichen überein und betonte, daß von ihrer Seite alles geschehen werde, traft der Löhne und Gehälter näherzukommen. Diesem Biele würde um dem Ziele einer Preisfentug und Erhöhung der Kaufparationstommiffion zunächst denjenigen Teil des Programms vor allem eine zwedentsprechende Handhabung der. Ein. und Aus fuhrtontrolle, der Kartellgefeßgebung und der Kreditpolitif dienen. Eine vorzeitige Erhöhung der Nominallöhne, ohne daß bereits die Handels. und damit Zahlungsbilanz gegenüber dem Ausland wesentlich verbessert und jede überflüssige Stauftraft in allen Be völkerungsschichten beseitigt wäre, würde allerdings unhaltbar zu einer neuen Inflation führen. Soweit die Meldung. Die am Schluß aufgestellte Behauptung der Reichsregierung wird nicht richtiger, weil sie die Regierung als ihre offizielle Meinung zum beften gibt. Die Löhne haben mit der Zahlungs. und Handelsbilanz gar nichts zu tun. Die Preise gemahnt hatte, doch auch an ihrer Seele Hell zu denken. Ja, ja, man mußte es nur richtig anzugreifen wiffen Als die alte Bäuerin am anderen Morgen nicht zur gewohnten Zeit erwachte, trat die Schwiegertochter in die Kammer der Alten. Sie fand die Schwiegermutter mit triumphierendem Schmunzeln im Geficht zur feligen Ruhe eingegangen. Dawes, der die Verpflichtungen für Deutschland enthält, unter Anpaffung an die franzöfifchen Spezialwünsche zu einem defini. tiven 3ahlungsplan ausgeftaltet; dessen Annahme follte Deutschland durch offiziellen Beschluß gemäß Artikel 234 auf. erlegt werden. Bis dahin sollten die sogenannten politischen Fragen in der Schwebe bleiben, ba man, wie der„ Lemps" fich auf ein präzises Programm zur Ueberführung des gegenwärtigen ausdrüdte, von Frankreich und Belgien nicht verlangen fönne, fich Regimes in den befeßten Gebieten auf die von den Sachverstän digen in Aussicht genommene Regelung festzulegen, bevor nicht Deutschland mit der Erfüllung der ihm auferlegten Verpflichtungen und finanziellen Lasten begonnen habe. Man will also die einseitige Bindung Deutschlands, ohne fich felbst durch die im Dawes- Bericht als unbedingte Borausfezung bezeichnete Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands irgendwelche Verpflichtungen auferlegen zu wollen. Die Reparationstommiffion hat sich zwar dem Versuch, fie auf diesen Beg zu drängen, widerset. Ihr Beschluß zeigt aber deutlich. daß er das Produkt einer Lage ist, aus der man keinen Ausweg zu finden vermocht hat. Das an die deutsche Regierung gestellte Berlangen, die zur Durchführung der Sachverständigenvorschläge notwendigen Gesetze und Berordnungen auszuarbeiten und der Kommission vorzulegen, wodurch Deutschland gezwungen wird, mit der Realisierung des Dames- Planes attiv voranzugehen, hätte erechterweife gleichzeitig aufgewogen werden müssen durch die Aufforderung an die alliierten Regierungen, ihre Bereitschaft zur vorbehaltfofen Annahme des Planes bzw. zur Erfüllung seiner Boraussetzung zu erklären. Das hat die Reparationskommission nicht getan. Die bloße,„ Empfehlung" des Sachverständigenberichtes ermöglicht jedenfalls der französischen Regierung, ihre dilatorische Methode fort zufezen. Trogdem hat der Beschluß der Kommission in der offiziösen französischen Preffe scharfe Krilit Die Torfo- Bühne. Im Renaissance Theater glaubten die meisten Zuschauer gestern, die Tote Stadt" von Gabriele d'Annunzio zu sehen. Wahrscheinlich ist auch der Direttor Theodor Tagger überzeugt, die Tragödie des großen Italieners auf geführt zu haben. Er brachte aber nur eine dramatisierte ausführ liche Inhaltsangabe des Studes. Wenn ich mir erlauben darf, ihm einen Rat zu geben, jo empfehle ich ihm einen Dramaturgen, einen Regiffeur, einen Infpigienten und einen Tischler zu engagieren und fich felbft mehr im Hintergrund zu halten. Der Dramaturg hätte ihm erklärt, daß die Handlung nicht das Wesentliche an einem Drama zu fein braucht. Bei d'Annunzio und vollends in der„ Loten Stadt" ist sie nebenfächlich im Bergleich zu der Bildhaftigkeit, dem Farbenflimmer, dem bezaubernden Reichtum der Sprache. Herr Tagger bat teine Ehrfurcht vor diesem Rausch der Sprache. Er fürzt und türzt und nichts bleibt übrig, als die gleichgültige Handlung von den quälenden Irrwegen der Liebe. Der Regiffeur hätte dem Direktor gesagt, daß auch die t'einste Bühne Möglichkeiten bietet. Der Inspizient hätte für ausreichende Beleuchtung gesorgt. In drei von den fünf Alten lastete undurchdringliches Dunkel auf der Bühne. Ja, und wenn man wenigstens alles hören tönnte! Aber auch das hat seine Schwierigkeiten bei dem quietschenden und fnacenden Gestühl dieses Theaters. Deshalb braucht der Direktor einen Tischler, der den illufionstötenden Lärm der Sige beseitigt. Die Darsteller, die die undankbare Aufgabe hatten, dem Torso von Drama Leben einzuhauchen, verföhnten mit der Enttäuschung, allen voran Lina Loffen als blinde, mit der Seele fehende Anna, eine erschütternde Berkörperung des Schmerzes und der Hingabe. Hans Heinrich v. Twardowski machte die Zerriffenheit von Leonardos Wefen, die an Wahnsinn grenzende Leidenschaft zur Schwester glaubhaft. Ernst Martens befigt streichelnden Wohlmittel in den befepten Gebieten völlig aus der Hand zu geben. Diese laut der Stimme, ist aber arm an Bewegungen und Ausdrud, nur Olga Tschechowa ist zu herb für die Weichheit der Bianca Maria. dgr. In der Volksbühne, Theater am Bülowplah, findet am 25. abends 7 Uhr die Erstaufführung von Vasantasena", Schauspiel in 3 ütten nach dem Indischen, von Lion Feuchtwanger statt. Eitelrolle: Gertrud Kanik, Regie: Baul Hendels, Mufit: Wolfgang Zeller, Bühnenbild: Edward Suhr. Der Neuköllner Sängercher( M. d. D.-A.-S.-B.) veranitaltet am 1. Dfterfeiertag im Neuen Saal der„ Neuen Welt, Safenbeide 105/114, der Staatsoper Am Flügel: Hans Stiebn. Zum Bortrag gelangen u. a. ein Stonzert. Mitwirkende: Baldbornquartett. Mitglieder von der Stapelle Männerchore mit Balbhornquartett und Flügelbegleitung. gefäur 14 Tagen von einem Automobil überfahren. Jest Eleonore Duse wurde auf einer Vorstellungsreise in Amerita bor un bat fie in Bittsburg ihre Reise unterbrechen müssen. Ihr Zustand wird als bedenklich angesehen. Maitia Battistini veranstaltet am 22. in her hilharmonie fein einziges Stonzert. gefunden. Besonders der belgische Delegierte Delacroig, der in der Diskussion gleich den Bertretern Englands, Amerikas und Ita liens fich zu dem von den Sachverständigen aufs nachdrücklichste ver. tretenen Grundlag bekannt hat, daß deren Borschläge ein unteilbares anzes bilden und deshalb nur in ihrer Gesamtheit angenommen oder abgelehnt werden fönnen, bekommt manche Unfreundlichkeit zu höhren. Diese Kritik hat indes den Vorteil, die wahren Absichten Boincarés und seiner Leute restlos aufzudecken. Nach den vom Matin", vom Echo de Paris" und anderen Blättern über die Haltung der französischen Regierung veröffentlichten Informationen bentt diese nicht daran, sich das Programm der Sachverständigen bedingungslos zu eigen zu machen. Sie macht nicht nur ihre Zuftimmung abhängig von der Anullierung der allierten Schulden und der Fefisehung neuer politischer Sanktionen, bie automatisch in Kraft treten sollen, wenn Deutschland mit seinen Berpflichtungen im Rückstand bleiben sollte, sondern sie erklärt auch rund heraus, daß fie feineswegs die Absicht habe, die Druck allzu poreilige Aufbeckung der französischen Karten macht allerdings felbft Blätter wie den Temps", der bisher in der Befürwortung dieser Taktik die Führung hatte, bedentlich und läßt das Blatt an die maßgebenden Stellen die Warnung richten, alles zu ver meiden, was den Einbrud ermeden fönnte, als ob Frankreich das Wert der Sachverständigen zum Scheitern bringen wolle. Belgische Initiative. Zur Einberufung einer Alliiertenkonferenz. Brüssel, 19. April.( WTB.) Theunis und hman& werben anfangs nächster Woche den belgischen Botschafter in London Nach der empfangen, der nach Brüssel gebeten worden ist. Derniere Heure" bängt dieser Befuch mit einem belglischen Schritt bei der englischen Regierung auf Bereinbarung einer Besprechung über die Reparationsfrage zusammen. Gewerkschaftsbewegung Maifeier 19241 An die Arbeitnehmerschaft Berlins! Enffprechend der Bedeutung des Tages haben die unterzeichneten örtlichen Spitzenkörperschaften der freigewerkschaftlichen Organifationen Berlins beschlossen, auch in diesem Jahre den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu begehen. Im übrigen ist anzunehmen, daß der verständigere Teil der Arbeit geber sich der Tragweite der von Herrn Paeth angedrohten Anweisung bewußt ist und seine Gefolgschaft ablehnen wird. Keine Arbeitsdienstpflicht. Geltung hat. Dieser zweite Schiedsspruch ist von den Arbeif. gebern abgelehnt worden, meit fie die FAG. nicht als Tarif fontrahenten anerkennen wollen. Die FA G. aber hat laut schriftlicher Erklärung vom 8. April diesen Schiedsspruch ange nommen und dessen Verbindlichkeitserklärung gefordert, womit fi enn auch die einzelnen Positionen des Manteltarifs aner fan te. Die Entschließung der gemeinsamen Plenarversammlung der Berliner Gewerkschaftskommission und des Ortskartells des AfA- Bundes zur Frage der Arbeitsdienstpflicht, über deren Annahme wir bereits berichteten, hat folgenden Wortlaut: In den Richtlinien für die fünftige Wirksamkeit der GewerkMehr noch als in den voraufgegangenen Jahren gilf es Pro- fchaften, angenommen auf dem 10. Gewerkschaftstongreß in Nürn. Weftens hatten in einer Urabstimmung bei 2209 abgegebenen Stim fe ft zu erheben gegen den Abbau der sozialen und berg, heißt es: politischen Errungenschaften der Arbeitnehmerschaft und gegen den Aufmarsch der gesamten Reaktion, die auch der Republik den Kampf erklärt hat. Die wirksamte Form der Kundgebung gegen reaffionären Uebermut ist die Arbeitsruhe. Darum rufen wir die Arbeitnehmerschaft Berlins auf, einmütig und geschlossen am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen und sich an den von den Gewerkschaften veranstalteten Profefffundgebungen zu beteiligen. Weitere Mitteilungen, wo diese Kundgebungen stattfinden, werden später bekanntgegeben. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Kampfmaßnahmen der Holzindustriellen. Rachdem am 15. Februar der Reichsmantelvertrag für die beutsche Holzinduftrie abgelaufen ist, besteht auch im Groß- Berliner Holzgewerbe ein vertragloser Zustand. Ebenso besteht seit dem 8. März auch in der Lohnfrage feinerlei tarifliche Bindung. Die Die zwischen den beiderseitigen Parteien wiederholt geführten Berhandlungen sind stets an dem Widerstand der Arbeitgeber beswegen gescheitert, weil die Arbeitgeberschaft Anerkennung der gefehlidyen Arbeitszeit" vorweg verlangte. Der Holzarbeiter verband hatte versucht, eine Berständigung mit den Arbeit gebern herbeizuführen, jedoch sollte mit der Arbeitszeitregelung auch die Ferienfrage verabschiedet werden. Während der tarif lofen Zeit waren die Arbeitnehmer innerhalb der Betriebe darauf angewiesen, ihre Löhne den Berhältnissen entsprechend selbst zu regeln In den meisten Fällen ist auch eine Verständigung erzielt worden. Am 26. März beschäftigten sich die Arbeitgeber in einer General versammlung mit dem augenblicklichen Zustand und beschlossen, daß, wenn die Arbeitnehmer von den betriebsweisen Lohnforderungen nicht Abstand nehmen, die Aussperrung erfolgen würde. Jedoch wurde dieser Beschluß bisher nicht durchgeführt. In der neuesten Numiner der Fachzeitung bem Organ der vereinigten Berbände ist an die Arbeitgeber folgende Anordnung ergangen: Wir ersuchen hiermit unsere fämtlichen Betriebsinhaber, fofort bei Beginn der Arbeitsaufnahme nach Ostern nunmehr unbedingt die gefeßliche Arbeitszeit von den Arbeitern zu fordern und durchzuführen. Alle Fälle, in welchen die gesetzliche Arbeitszeit verweigert wird, bitten wir, uns als Bemeismaterial für das Landesarbeitsamt zu melden. Die Durchführung dieser Maßnahme muß unter allen Umständen erfolgen, weil sie von grundfäßlicher Bedeutung für einen von uns gestellten, beim Reichsamt für Arbeitsvermittlung liegenden Antrag ist. Wer sich weigert, 48 Stunden zu arbeiten, ist zu entlassen. Neueinstellungen haben Ipäter nur unter Zusage von 48 Stunden zu erfolgen. Theodor Paeth." Herr Baeth hat nämlich beim Landesarbeitsamt einen Antrag gestellt, allen Tischlern die Erwerbslofen unter stügung zu sperren, damit er auf diese Weise den lang gehegten Wunsch einer Arbeitszeitverlängerung durch führen kann. Das Landesarbeitsamt jedoch hat diesen Antrag abgelehnt und wird nunmehr der nach neuen Taten füfterne Herr Baeth Beschwerde beim Reichsamt für Arbeitsvermittlung einlegen. Die Berwaltungsstelle Berlin des Holzarbeiterverbandes hat zwecks Abschluß eines Lohntarifes sowie eines örtlichen Tarifvertrages ihre Anträge an die hiesigen Arbeitgeberverbände eingereicht; jedoch lag bis zum 19. April feinerlei Mitteilung über etwaige Verhandlungsbereitschaft vor. Statt dessen scheint man auf einen Rampf hinzudrängen und die Arbeitnehmer, die sich weigern, bie von Arbeitgeberseite angeordnete Arbeitszeit anzuerkennen, aus zusperren. Die Holzarbeiter Berlins werden ein wachfames Auge haben müssen, um den gegen sie geführten Schlag zu parieren. srael Die Gewerkschaften erbliden im Sozialismus gegenüber der kapitalistischen Wirtschaft die höhere Form der volts. wirtschaftlichen Organisation." Die Gewerkschaften fämpfen also für die Erreichung einer Wirt. schaftsform, in der die Pflicht zur Arbeit von allen und für alle höchster voltswirtschaftlicher und ethischer Grund fat it. jugend und wird mit innerlichem Drang bestrebt sein, alle Vorauss Für dieses Ziel begeistert fich die gesamte freie GewerkschaftsFür dieses Ziel begeistert sich die gesamte freie GewerkschaftsJegungen zur Erreichung dieses Zieles zu erfüllen. Eine Arbeits. bienftpflicht, wie sie in den Leitfäßen des Hamburger Jugendausschusses vorgeschlagen wird, lehnt die gesamte freie Gewerkschaftsjugend grundsäglich ab. Wohl soll und wird die Jugend nach Neuem ringen, wohl wird sie Gemeinsfinn erftreben und leben, jedoch diesen Drang der Jugend für die vor geschlagene Arbeitsblenftpflicht nutzbar zu machen, erscheint für die Jugend und für die Butunft gefährlich. Ein tapitalistischer Staat hat nicht das Recht, die Jugend für folche Zwecke zu mißbrauchen. Diefer Staat hat nicht bewiesen, daß er neuschöpferisch und neugestaltend in Wirtschafts- und Erziehungsfragen wirft. Diefer Staat deckt eine Wirtschaftsweise, deren Geistlosigkeit und Brutalität in der Nachkriegszeit gerade die Arbeiterklaffe besonders zu spüren bekommen hat und unter der vor allem die Jugend besonders leiden mußte. Alle optimistische Kraft der Jugend gehört dazu, im Gegen. wärtigen noch einen Sinn zu entdecken und neue Ideale zu suchen. In einer Wirtschaftsweise, in der die Arbeiterschaft unter großer Arbeitslosigkeit zu leiden hat, darf tein Plan aufkommen, der der Jugend die Pflicht zur Arbeit auferlegt, ohne die Möglichkeit zur Beschäftigung der Arbeitslofen zu geben. Die in den Leitfäßen für die Arbeitsdienstpflicht enthaltenen Fragen find volkswirtschaftlich anfechtbar, weil der produktive Ertrag der Arbeitsdienstpflicht, besonders wenn sie unter wahre erzieherische Gesichtspuntie gestellt werden foll, keineswegs den einmalig und laufend aufzuwendenden Kosten entsprechen fann. Der erzieherische die darauf gerichteten Bläne nur schlecht die Absicht verdeden, unter Wert muß der Arbeitsdienstpflicht folange abgesprochen werden, als einem fozial- pädagogischen Mantel bie alten militaristi schen Autoritäten bei der Jugend wieder in Ansehen und Geltung zu bringen, so daß der Gedante einer neuen Der= fchleierten Wehrpflicht zutage tritt. Wir stellen uns demgegenüber auf den Boden der Forderungen, flären ferner, alles einzusetzen und dafür zu arbeiten, die Profitwirtdie im Jugendprogramm des AGDB. enthalten sind und erschaft abzuschaffen, ehe wir die Pflicht zum Profitschaffen dulden, Lohnbewegung im Großhandel: handels Schiebssprüche gefällt, wonach die Löhne der HandelsAm 8. bzw. 9 April wurden für 14 Branchen des Großhilfsarbeiter um 8 bis 11 Bros. für den Monat April erhöht werden follen. Die Schiedssprüche für Kurz, Galanterie- und Spielwaren, Raffee, Dung, Leder, Schuh- und Bolfterwaren, Glas und Keramit, Samen, Altmetall und Dele und Fette wurden von beiden Bar. feien angenommen. Für Gruppe Lebensmittel ist nach träglich in birekter Verhandlung eine Berständigung erfolgt. Für diese Gruppen fönnen Tarifverträge vom Bureau des Deutschen Berkehrsbundes, Engelufer 24/25, Bimmer 32, abgeholt werden. Die Arbeitnehmer bes Tertilgroßhandels lehnten den Schiedsspruch ab, desgleichen die Arbeitgeber der Gruppen Chemitalien, Eifen- und Stahlerzeugnisse und Fourage. Am Mittwoch finden für diese vier Branchen Berhand lungen vor dem Schlichter statt. Im Tertilgroßhandel follen jedoch die Löhne vorläufig zur Auszahlung gelangen. Zum Warenhausstreik. in ihrer sachlichen Darstellung im wesentlichen die Mitteilungen Wir erhalten andererseits von der FAG. eine Erwiderung, die des 3d2. bestätigt. Es heißt dann weiter in der Zuschrift der FAG.: " Die Angestellten der Firmen Jandorf u. Co. und Kaufhaus des men mit 1902 Stimmen gegen 297 das Lohnangebot der Arbeitgeber sowie die Kürzung des Urlaubs, die Verlängerung der Arbeits3eit als auch die Beseitigung des freien Nachmittags im Monat abgelehnt und den Streit für Sonnabend, den 12. April 1924, beschlossen. Dieses Resultat war durchaus verständlich, wenn man weiß, daß tros der 10prozentigen Erhöhung der Löhne für die weiblichen Angestellten der untersten Tarifgruppe, und dies find 90 Proz. der beschäftigten Bertaufsträfte, 49,50 bis 82,50 M.( 25. Lebensjahr) Bruttogehälter herauskommen. Bon diefen Löhnen gehen dann noch die Abzüge für Steuern, Krankenkasse Angestelltenversicherung und der Erwerbslosenversicherung ab. Für Jugendliche im 15. bis 17. Lebensjahre betragen die erhöhten Bruttelöhne 22 bis 44 m. im Monat." Wenn die FAG. fich gegen den Vorwurf wehrt, ein Schädling der Freien Gewerkschaftsbewegung zu sein, so müssen wir, so sehr wir die Forderungen der Streifenden als berechtigt anerkennen, doch erklären, daß wir jede Spaltung der gewerkschaftlichen Organifation als schädlich betrachten und somit jede abgesplitterte Aber darüber wird nach dem Streit noch zu reden sein. Organisation als einen Schädling der Gesamtbewegung. 3d2. habe die Berlängerung der Erklärungsfrist zum Schiedsspruch, Wenn die FAG. in ihrer Zuschrift an uns u. a. behauptet, der 3dA. habe die Berlängerung der Erklärungsfrist zum Schiedsspruch, der die zehnprozentige Lohnerhöhung brachte, beantragt, um durch dieses Manöver" abzuwarten, was der Streit ergebe, dann müssen Erklärungsfrist beantragt hat, um auch nur den Anschein zu ver wir demgegenüber feststellen, daß der 3d, die Verlängerung der meiden, als wolle er dei. Streifenden in den Rücken fallen. Es ist also illoyal, die beantragte Verlängerung in ihr Gegenteil umber, darüber wird sich auch die Leitung der FAG. teinem Zweifel zudeuten und damit die Streifenden gegen den 38A. aufzuputschen, hingeben, die allein mögliche Droanisation der freigewerkschaftlich organisierten Angestellten ist. Wir hoffen bestimmt, daß die Streifenden von Jandorf und K. d. W., einft gewerkschaftliche Hochburgen, aus diesem Streit die allein mögliche Konsequenz ziehen: Wiederanschluß an den 3d A. Die Bewegung muß höher stehen als die Personen. Freigewerkschaftliche Betriebsräteschule. An die Hörer und Freunde der Schule! Am Mittwoch, den 23. April, abends 7 Uhr, findet im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24 25, eine Ver fammlung aller hörer der Betriebsräteschule statt, der Schule eingeladen find. In dieser Versammlung sollen wichtige zu der auch alle früheren Kursteilnehmer und sonstigen Freunde Fragen über Fortführung und Ausbau der Arbeit besprochen werden. Mit dem Eintritt stabilerer Verhältnisse und mit der fortschreitenden finanziellen Wiedergefundung der Gewerlichaften macht sich eine, bildung notwendig. Es ist deshalb zu wünschen, daß diese Verberstärkte Eneroieentfaltung auch auf dem Gebiete der Arbeiter sammlung möglichst zahlreich besucht wird. Erfolgreich beendete Holzarbeiteraussperrung. Dortmund, 19. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Aussperrung in der westfälischen Holzindustrie hat ihr Ende gefunden. Der von beiden Parteien angenommene Schiedsspruch sieht vor, daß die Achtundvierzigstundenwoche beste ben bleibt, doch ann vorübergehend aus betrieblichen oder wirtschaftlichen Gründen von der Betriebsleitung im Benehmen mit der gefeßlichen Betriebsvertretung eine Mebrarbeit von wöchentlich vier Stunden festgelegt werden. Diese Mehrarbeit muß mit einem Aufiolag von 10 Pro 3. bezahlt werden. Ab 22. April wird der tarifliche Spigenlohn auf 65 Pf. für die Stunde erhöht. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Beilage.) Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fris Ratstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB. 68., Lindenstraße 3. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Hierzu 4 Bellagen. Übler Mundgeruch Bezüglich des Berichts in unserer gestrigen Morgenausgabe wird uns vom 3entralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin, mitgeteilt, daß es sich um zwei Schiedssprüche handelt, die allerdings gleich autend sind. Der erste Schiedsprudh mar vom 3d2 abgelehnt worden, wurde jedoch für verbindlich erklärt. Die Sonderorganisation der FAG. wollte nunmehr als Tariffontrahent im Einzelhandel anerkannt werden und erzielte einen besonderen Schiedsspruch, wonach der durch Verbindlichkeitserklärung des ersten Schiedsspruches zustande gekommene Manteltarif auch für die Mitglieder der FAG. Der neu erschlenene Sommer- Katalog wird auf Wunsch Kleiderstoffe mit kunstseid. Popeline Streifen. 1.35 Reinwoll. Blusenstoffe Crêpe und Foulé, mit farbigen Streifen..... Mtr. 3.30 Noppenstoffe Donegal, in neuen Must 130 cm Mtr. 3.90 Reinwoll. Kostümstoffe mit Strichkaros, Mtr. 6.50 130 cm cm... Crêpe- Jacquard ,, Neuheit" Reinwolle, 130 cm breit Mtr. 8.50 Reinwoll. 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Darum wünschen wir das Beste, daß wir wieder bessere Zeiten sehen werden, daß jedes Kind sich auch mal an den Leckereien befriedigen fann." nacht tommt da fann mann garnicht schlafen mann ist so neugierig, auf den Osterhasen. Bei uns fommt der Osterhase in der Stube, da kann der Osterhase sehr viel verstecken, bei mir war schon der Osterhase er hat mir auch sehr viel gebracht. Der Osterhase kann nur so viel geben wie er hat, manche Kinder bekommen nie genug ich fenne sehr viel. Wen der Osterhase wieder herraus gesprungen ist dann stehe ich auf und suche aber in Hemd, meil ich teine Zeit habe mich erst anzuziehen nun geht es los zu suchen. Hei da habe ich schon eins da ein zweites und ein drittes ha das ist haber groß und ich ließ die sucherei in stich und legte mich wieden ins Bett aber mit das große Osterei so ging es den ganzen Tag. So verlebe ich jede Osterzeit. Aber ich glaube noch an den Osterhasen." Die Schaufenster sind voll von köstlichen und herrlichen Dingen.| fleine Bonboneier, Schokoladen u. sonstige schöne Sachen. Nun fleine Bonboneier, Schokoladen u. sonstige schöne Sachen. Nun| förmlich vor fich:„ Der Osterhase tommt zu uns. Wenn die Oster. Da sind die ganz großen Schokoladeneier, die innen hohl sind und aus denen das herrlichste Konfekt quillt, an dem man sich auf die Dauer von acht Tagen gut und gern den Magen gründlich ver= derben fann. Da gibt es ganz schwere große Marzipaneter, Trüffeleier, Eier mit den feinsten Likörfüllungen. Und die ganze unabsehbare Fülle der vielen kleinen und kleinsten Eier, die dazu gehören und die man erst gar nicht sonderlich beachtet. Das Auge verweilt bei den herrlichen Dingen. Aber wenn dann die Kinder heimkommen und die sorgenvollen Mienen der Eltern sehen und dennoch den Mut haben, ihre Wünsche vorzubringen, dann zerflattern oft die fühnen Hoffnungen und übrig bleibt nur ein von hörbarem Seufzer begleitetes:„ Ganz egal, wenn man es ein paar Ostereier sind. Es brauchen ja auch gar nicht die ganz großen sein." Und die Nacht zum Osterfeiertag wird wohl in vielen Kinderbetten ebenso unruhig verbracht, wie die letzte Nacht vor dem Weihnachtsfest. So ist das bei Millionen von Kindern. Immer wieder der alte licbe Kinderspuk vom Hasen, der die Eier legt, den die Kinder mit gläubigem Herzen hinnehmen, weil ihre fleinen Seelen Sehnsucht nach Dingen haben, die anders find als der graue böse Alltag. Ein bißchen Romantif, ein bißchen Abenteuer, ein kleines Erlebnis. ,, So magst du es sehen!" wird man nun vielfach dem Schreiber antworten, wie aber sehen es die Kinder selbst?" Auch dafür liegt eine Antwort vor. Wir haben uns an Lehrer Berliner Schulen gewandt, die dann in ihren 2 M, 3 M und 30 Klaffen zufällig waren es nur Mädchentlassen freie Auffahthemen über das Osterfest gestellt und uns die Ergebnisse zugänglich gemacht haben Aus der großen Anzahl der Aufsäge haben wir die herausgesucht, die für ihre Verfasser und die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, in denen sie leben, besonders charakteristisch erscheinen. Man fann dabei eigentlich zwei Grundzüge unterscheiden: die einen suchen und finden immer noch das Märchenhafte, das Wunderbare, das Abenteuerliche in dieser Welt, die anderen beginnen bereits, mit flugen, harten Augen die Welt der Tatsachen zu erfassen. Aber gerade diese Aeußerungen von Kindern, die allzu früh das grausame Leben kennen lernten, sind vielleicht die ergreifendsten, weil oft aus einem Satz oder nur einer Redewendung es wie Trauer und leises Weinen um ein verlorenes Kinderparadies flingt, in dem niel tausend andere noch arglos wandeln und glücklich sein dürfen. Die Kinder stammen fast aus. nahmslos aus Arbeiterfreifen. Die Väter sind Schloffer, Monteure, Buchbinder, Maurer. Oft leben die Kinder auch nur mit der Mutter zusammen, weil der Bater tot ist. Nicht unwichtig ist es, zu beachten, wie diese fast durchmeg zwölfjährigen Mädchen es nerstehen, sich einzustellen, je nachdem der Lehrer das Thema stellt. Da ist z. B. aufgegeben worden, die Arbeit des Osterhasen in seiner Werkstatt zu schildern, und die Zwölfjährigen fabulieren mit blühender Phantasie drauf los, als ob sie Zeit ihres Lebens nichts anderes getan hätten als muntere Märchen zu schreiben. Auf der anderen Seite stehen wieder Elf- und Zwölfjährige, die ihre Eins drücke vor den Schaufenstern schildern und ruhig und fachlich davon sprechen, daß es die Eltern sein werden, die ihnen diese Dinge schenfen. Das Land mit den fabelhaften Osterhasen liegt also schon weit, weit hinter ihnen. So ruhen in derselben Kinderfeele beide, die Realistik und die Phantasie. Es kommt nicht auf die äußeren Umstände an, welche von beiden am längsten in der Kinderseele Tebendig bleiben. Und den Pädagogen und Psychologen vom Fach mag es überlassen bleiben, diese Fäden weiterzufpinnen. Hören wir mummehr wie die Kinder selber sich äußern. Wir bruden die Ant morten wörtlich ab. Ein Spaziergang in den Straßen. Gertrud E. berichtet treuherzig und traurig zugleich:" Die Ron fitürengeschäfte sind jetzt alle sehr reichlich mit Ostereiern versehen. Ich bleibe gerne vor solch einem Geschäft stehen, und sehe mir es an. Die Schokoladeneier sehen am besten aus, diese esse ich auch am liebsten. Dieses Jahr werde ich nichts betommen. Denn mein Vater ist Arbeitslos, und wir haben kein Geld." Lucie E. schreibt: Benn sie Osterzeit naht, dann gehen die Eltern heimlich was für Ostern zu laufen, z. B. gefüllte Dftercier, Osterhasen, fleine Körbchen mit bunten Ostereiern und vieles andres. Aber nicht nur die Eltern sondern auch die Kinder schenken ihren Eltern was, damit sie sich freuen. Aber leider ist dieses Jahr ein sehr trauriges Osterfest. Und wir alle wollen hoffen das nächstes Jahr ein beffres wird." Erna Sch. beginnt schelmisch und endet recht ernsthaft und nachdenklich: Wenn die schöne Osterzeit heranzieht frage ich meine Eltern, ob wir nicht abends ein bißchen spazieren gehen möchten. denn die vollgefüllten Schaufenster locken den Menschen heran. Nun gehen wir da u. dort immer eins schöner wie das andere Fenster. Sin dem einen Fenster sind große gefüllte Eier aus Marzipan, auch Ganz hausmütterlich äußert sich Erna H.:„ Wir Kinder haben ebensoviel zu tun wie unsere Eltern, nun haben wir Kinder ein Pfennige zusamm gespart da müßen wir auch wieder mit rechen. Ich habe meiner Mutter schon etwas getauft es ist wenig aber herzlich. Ein fleines Scherzgeschenk habe ich auch getauft und zwar ein Seifenosterei, das aussieht wie Schokolade. Mit ein paar Worten enthüllt Gertrud W., eine Elfjährige, die Seiten ihrer Gespielinnen:„ Ich ging einmal spazieren. Die kleinen Kinder standen blickend an den Konfitürenläden. Sie hatten ihre kleinen Hände an die Fensterscheibe gedrückt und plauderten hin und her. Das eine Mädchen war habgierig und sagte mit voller Freude:„ Ich möchte den ganzen Laden haben mit all' den feinen Sachen!"" Du bist aus verschämt ich verlange nur ein großes Osterei." Sie ftritten sich noch alle darum bis das eine vernünftige Mädchen sagte:„ Wir bekommen das doch nicht was wir uns wünschen. warst du auch artig?" Da liefen sie nach hause und wollten garnichts haben." " Und wiederum mit ganz wenigen Worten enthüllt Gerda K. die wirtschaftliche und soziale Not, die auch den Kindern die Augen öffnet: ,, Wenn Kinder die Straße entlang gehen dann gucken sie sich traurig die Schaufenster an. Aber im Sinn denken sie daß möchte ich haben. Denn die Bäter vieler Kinder sind arbeitslos oder sind Kriegsinvaliden, da kann die Mutter oder der Vater ihnen nichts kaufen weil sie fein Geld haben. Wenn sie ihre Unterstützung bekommen, das reicht gerade für 1 Pfund Margarine und für zwei Brote. Wenn noch ein bißchen Geld übrig bleibt so reicht es noch nicht mal für ein Gi." Eine einzige, Irma, eine Elfjährige dazu, greift weit über den Rahmen hinaus und zieht mit harten, unerbittlichen Worten eine soziale Barallele, die zugleich eine Antlage ist. Sie nennt ihren Auffaz:„ Osterfest in Neukölln und in Wilmersdorf: Das Osterfest naht, ha HAPTE いら 少 VOGEL ே manche Leute gehen in die Läden und kaufen ein. Aber es find nicht viel die was taufen nämlich es gibt iegt viel Arbeitslose, bei ihnen ist das Osterfest eine traurige Zeit. Aber in Wimlersdorf wo die reichen Leute wohnen die wissen nicht mit dem Gelde was sie machen sollen. Aber wenn ein armer Bettler tommt dann weisen sie ihn ab. Aber in die besten Hotels gehen sie zu Ostern und bestellen sich den besten Osterbraten, und die besten Torten." In der Werkstatt des Osterhasen. Blühende fröhliche Phantasie entfaltet sich, wie schon erwähnt, bei der Behandlung eines anderen Themas, bei dem die Kinder schildern sollten, wie es in der Werkstatt des Osterhasen zugeht. Das gefällige Blaudertalent, das vielen Mädchen eigen ist, entfaltet sich hier zu freundlichen Blüten. Er rief Die Arbeit in der Höhle des Osterhasen" schildert Elly Cz. höchst drollig:„ Stoße die Farbentöpfe nicht um, Stumpfschwänzchen!" rief der Bater. Du weißt die Farbe ist teuer, und unser Geld habe ich in Eier angelegt. Nein, nein, Bater ich sehe mich schon vor!" fagte Stumpfschwänzchen. Eier sind genug da, aber Farbe nicht!" fagte der Bater. Und nun begab er sich in das Zimmer wo die Farbentöpfe und Eier waren. Stumpffchwänzchen herbei. Nun begann die Arbeit. Stumpf schwänzchen brachte den Eierkorb herbei. Der Vater ging dann in die Küche und fochte die Farbe auf. Jetzt wurden die Eier be pinselt. Stumpfschwänzchen fleckste die Eier bunt an, daß es einen Luft war. auch schöne Bilder malte er darauf. Endlich waren fie fertig." " Aehnlich schildert auch die elfjährige Lotte 5., wie es bei Hafens" zugeht: Seid nicht so hastig, sonst läßt ihr die Eier fallen!" ließ fich Herr Hase vernehmen. Nein, Bater wir sind ganz vorsichtig!"" Wenn ihr dann recht fleißig ward, dann friegt ihr auch ein schönes, faftiges Blatt vom Weißfohl. Die Eier sind ganz genau gezählt. Ihr dürft fein's enizwei machen, sonst friegt die fleine Lotte ein Ei zu wenig und dann weint sie wieder wie voriges Jahr. Aber nun an die Arbeit!" Sie holten alle ihre fleinen Stühlchen herbei, und nun pinselten fie drauf' los, so schnell sie nur fonnten. Aber ach, da lag ja ein schönes, rot angemaltes, El. Wer war denn bas!" Scheltete Herr Langohr. Ach, Bater schlage mich doch bitte nicht, ich konnte nicht dafür!" bittete das kleine Frizchen. Herr Hase hatte ein gutes Herz, und darum ließ er diese Strafe durch gehen. Nun ging es weiter. Ach, Vater, ich kann nicht mehr malen. Die Arbeit ist zu schwer!" sagte der Kleinste. haft recht, ich bin auch müde und morgen geht es weiter!" fagte Herr Langohr." Wie Ostern verlebt wird. Schließlich hatte eine andere Klasse die Aufgabe bekommen, zu fchildern, wie sich der bzw. die einzelne ihr diesjähriges Osterfest denkt. Auch hierbei find allerlei niedliche, aber auch nachdenkliche Beobachtungen herausgekommen. In der folgenden Schilderung, die von Gertrud K. stammt, sieht man das luftige und tece Mädel Ganz anders flingt es bei Hildegard St.:„ Dieses Jahr wird wohl mein Osterfest nicht so ausfallen, denn mein Papa bringt nicht so viel Geld. Ich bin zufrieden was ich bekomme. Das eine weiß ich schon, und zwar ein Kleid. Meine Schwester wird mohl schwerlich was bekommen, denn das Geld ist knapp. Vorieges Jahr war es besser, das ist nicht schön wenn viele Väter verkürzt arbeiter oder sogar Arbeitslos find." Den Schluß mögen die Schilderungen zweier fleinen Schönen machen, die offenbar das Glück haben, sich um ihre Geschenke wenig forgen zu müssen. Es scheint, wie der Berliner sagt, alles da zu fein. Gönnen wir ihnen ihr sorglofes Genießen und hoffen und münschen wir, daß es vielen, vielen anderen recht bald ebenso gut gehen möge. Zufällig heißen beide Gerda und beide haben über das Thema geschrieben:" Wie ich Ostern verleben werde." Gerda J. schreibt:„ Ostern befomme ich sehr viel ich bekomme Ostereier und noch viel mehr. Zu Ostern fommen piele Tanten zu uns. Es wird sehr gemütlich bei uns werden. Wir müßen einen Tag vor Oster sauber machen. Ich muß auch mit helfen. Wir Baden Kuchen. Zu Ostern müßen wir unsere Geschente suchen." 11 Gerda S. läßt sich wohlgefällig also vernehmen:„ Ich werde Ostern Ostereier suchen müssen. Ich werde sehr viel bekommen. Dann fahre ich Ostern zu meiner Tante da werte ich auch was bekommen. Ich ziehe mich Ostern schön an. Ich bin de mir meine rote Schleife ein. Wenn das Wetter zu Ostern schön ist, und die Sonne scheint dann ziehe ich mein weißes Kleid an. Ich werde Ostern gut erleben." Eines ist an allen diesen Niederschriften wichtig: Sie sind von den Kindern unvorbereitet in der Klasse angefertigt worden. Irgendein unmittelbarer Einfluß der Eltern steht also nicht dahinter. Der Lehrer hat ein paar Andeutungen über den Weg gemacht und dann haben die Kinder losgeplaudert, wie ihnen ums Herz war. Ein großer Teil der Schilderungen ist natürlich schematisch und in engster Anlehnung an die Andeutungen des Lehrers. Aber aus der nicht geringen Anzahl selbständiger Bersuche haben wir diese ausgewählt. Der Einfluß der täglichen Umgebung, des Milieus wie der sozialen Verhältnisse ist ganz undertennbar. Ein anderes aber haben diese fleinen Schilderungen auch noch erbracht, nämlich wieviel Beobachtungs- und Schilderungstalente, teils liebenswürdig- optimistischer, teils ernsthaft- kritischer Art in diesen jungen Kindern stecken, die fast alle aus den ProIetarierhäusern fommen. Und mit einem gewissen Schrecken denkt man daran, welch ungeheure Verantwortung die Schule und jeder einzelne Lehrer übernimmt, wenn sie an die Aufgabe herangehen, aus diesen Kindern Menschen zu formen. Was kann aus den Seelen dieser Kinder nicht alles an Gutem und Schönem herausgeholt werden, und in der Tat sind diese Kinder in guter Hui, denn sie gehören der weltlichen Schule an. Mögen sich alle Schulleiter imd alle Lehrer bald und endlich ihrer wahren Aufgabe bewußt werden, zuerst einmal wahre und echte Menschen zu bilden. Osterblumen. Ein schöner Frühlingstag im Berliner Westen. Auf dem Asphalt rollen die Lurusautos und Wagen. Der patroullierende Schupo hat ein paar neue weiße Handschuhe an und die Blumenfrauen mit ihren Frühlingssträußen machen gute Geschäfte. Besonders die mit dem Stand vor dem Lugusrestaurant. Wenn da die Herren mit ihren Damen herauskommen, dann taufen sie fast alle und immer die teuren Rosen und Nelken, die das gewöhnliche Publikum nicht erfhwingen fann. Weniger gut aber geht es dem alten Mann, der aussieht wie der liebe Gott im Eril. Stundenlang steht er in seiner Ecke und hält immer wieder mit derselben schweigenden Bitte seinen durchlöcherten alten Hut hin, wenn die Türe sich öffnet. Dann kommt jedesmal ein feiner warmer Hauch von Personen und Speisen und gedämpfic Deusit flingt an sein Dhr. Aber in seine Müze fällt nur wenig. Die Leute haben feine Zeit und fönnen doch auch nicht den lieben Gott in seiner Berkleidung erkennen. Do geht wieder die Tür. Ein junges Baar tommt. Beide elegant, luftig und sehr verliebt. Sie steht einen Augenblid und tnöpft an ihren Handschuhen. Die Blumenfrau hält ihre Rosen hin. Lächelnd nimmt der junge Herr den ganzen greßen Strauß und überreicht ihn mit einem galanten Worte seiner Dame. Die dankt flüchtig, riecht einen Augenblick an den Blumen und entdeckt dann, aussehend, plötzlich den alten Mann, der sie weh. mütig ansieht, ganz geblendet von so viel Anmut und schöner Jugend. Die Dame greift in ihr Täschchen, nimmt wahllos einen größeren Schein, reicht ihn dem Bettler. Und plötzlich, einer Laune folgend, nimmt sie einige der schönsten Rosen und legt sie in feite Müze. hier, weil Ostern ist." Ihr Begleiter hat die fleine Szene beobachtet. Jekt öffnet er den Schlag seines Autos und hilft ihr beim Einsteigen. Sentimental ist sie aber ganz nettbentt er im Stillen. Auf Ostererkundung. Zärtliche Erinnerung. Vor zwei Jahren saßen wir am Ofter jonnabend vorm Forsthaus Heidekrug und guten ins lyrische Abendrot. Dann fletterten wir auf den Heuboden und schliefen wie die Ferkel. Als wir aufwachten, blinzelte osterliche Sonne durch die Dachrizen. Jemand deklamierte sogleich mit sehr viel Pathos den Ofterspaziergang. Das war immerhin eine Zumutung für den nüchternen Magen. Als schließlich einer fragte, ob man sich trotzdem die Zähne putzen könne, wurde es still. Nur die sächsische Ede fletschte: " Da hald doch eire Glabbe wenn' r se nich halden fennd. Is' n eich gar nischt heilig? Zärtliche Erinnerung. ** Run fizzen wir wieder vorm Forsthaus Heibetrug. Schlürfen heißen Kaffee und fingen Landsknechtslieder. Unse lieben Frauen vom falten Bronnen, bescher' uns armen Landsknecht ein warme Sonnen, daß wir nicht erfrieren..." Und feiner ist, der Goethe deklamiert und feiner, dem nichts heilig ist, denn für den warmen Kaffee das nehme ich auf Eid läßt sich von unsern Mannen jeder einzelne stinnefieren. Es wird eine schlimme Nacht werden. So schlimm war es nicht. Vor dem Einschlafen hörte ich, wie der liebe Gott vor dem Boltsgericht vernommen wurde. Geben Sie zu, die Welt erschaffen zu haben?"" Waren Sie sich der Tragweite ihrer Handlung bewußt?"... Es ist ein sehr luftiges Gericht. Dem Angeklagten wird nicht viel passieren, huschte es mir so durch den Kopf. Ganz im Dämmer lallte es fonnte deshalb auch nicht wiffen... dachte ein legales Direktorium... freigesprochen!" Wir wandern die Seentette entlang. Viele tote, ach so tote Fische liegen am Strande. Erfroren? Vergiftet? Wer fann das wissen.- Der Wald ist noch tahl. Ob er jemals wieder erwacht. Aber da sind auf einmal Kätzchen da und ein, zwei Leberblümchen. Läßt sich also gar nicht mehr verheimlichen. Ja, ja da fingen ja auch schon die kleinen Vögelchen. Ob man ein Gedicht macht? Da sind nun wieder Käßchen. Ob ich mir ein paar abreiße? Komm her, Hertha, ich lasse die Knöpfe deines Lodenmantels bestimmen. Ich reiß ich reiß nicht ich reiß... Eine schwere Hand legt sich auf die Schulter. Eine dumpfe Stimme brummelt:„ Lieber nich!" Gott beschütze mich: der Förster. Irgendwie liege ich jetzt in der Linie Charlie Chaplin ich weiß nur die Fortsetzung nicht. Nun find wir in Strausberg. Das Städtchen steht im Zeichen des Dfterlamms. Auf den Straßen trippeln Frauen und Kinder mit Kuchennäpfen und schönen großen, rosinengespidten Blechkuchen. Die Restaurants sehen erwartungsvoll aus. Alle Läden stehen voll Handkörben mit Hausfrauen. Morgen ist Ostern! Troßdem: Strausberg ist eine charakterlose Stadt. Nichts Ganzes und nichts Halbes. Von Stil nicht der Dunst einer blauen Ahnung. Immer hat man das Gefühl, daß diesem Bürgerstädtchen etwas fehlt. So ein Spielzeug, ein fleines, Reichswehr, denke ich. Also jebt det Kind die Bulletten, es ißt se ja nich, et spielt ja bloß mit. Aufhebung eines Geschworenen- Fehlspruches. Erneute Berhandlung in dem Mordprozeß Raedling. Am 8. und 9. Mai wird vor dem Schwurgericht des Landge. richts I unter Borsig von Landgerichtsdirektor Dr. Tolf die neue Ver. handlung gegen den Former Theodor Juft und die Witwe Mathilde Staberod megen Ermordung der Portierfrau Raeckling aus der Brückenstraße stattfinden. Die unter grauenhaftesten Umständen erfolgte Ermordung der alten Frau hatte bereits im Dezember das Schwurgericht beschäftigt. Die Geschworenen hatten damals, wie nach den ausführlichen Berichten des„ Borwärts" erinnerlich fein wird, Just des Mordes schuldig gesprochen, bei Frau Staberod aber die Mittäterschaft verneint und Anstiftung zum Morde fowie Mordversuch angenommen. Der Gerichtshof hatte den Spruch der Geschworenen, soweit er sich auf den Mord selbst bezog, gemäß§ 316, aufgehoben, weil die Geschworenen sich zu ungunsten der Angeklagten geirrt hätten, und die Sache an das nächste Schwurgericht verwiesen. Gegen die Freisprechung der Angeflagten Staberod wegen Mitäterschaft am Morde hatte der Staatsanwalt Revision angemeldet, und das Reichsgericht hat dieses Urteil aufgehoben. Rechtskräftig verurteilt ist Frau Staberod somit 1] Das Zeichen. Bon Daniel Cortery. 1. In einem Landstrich Irlands war mir damals noch kein befreundetes Haus bekannt: wir hatten dort noch nicht gearbeitet ( jetzt haben wir drei Kompagnien völlig zuverlässiger Freiwilliger dort stehen), darum mußte ich mich einem kleinen Wirtshause anvertrauen, wie man es überall in Ortschaften trifft, die weder ein reges Geschäftsleben noch eine besondere Anziehung haben. Es war ein gewöhnliches Wirtshaus mit nur ein paar fleinen stidigen Gaftzimmern, die monatelang unbenutt bleiben, so daß man baum daran denkt, man könnte überhaupt dort übernachten. Manchmal tommt irgendein wunderlicher Angler dorthin oder ein Geschäftsreisender, der einen jungfräulichen Boden für seinen Artikel zu finden glaubt, oder irgendeiner der vielen Dubliner Beamten. Wenn das einmal geschieht, dann könnte man vielleicht für einige Wochen an eine Art Hotel denken, sonst ist es die meiste Zeit des Jahres nur ein ein faches Wirtshaus an einer Landstraße, die durch eine Schafzüchter. gegend geht, im Sommer verschlafen, im Winter faft ganz vergeffen, die Tür bewegt sich fast den ganzen Tag nicht. Es war noch ein Angler da, ein Mann in mittleren Jahren, der kein Wort sprach, sonst war ich ganz allein im Hause. Ich war schon im Bett, als er vom See in den Bergen zurückkam, und ich hoffte schon weit fort zu sein, wenn er sich am Morgen wieder dahin aufmachen würde. Ich hielt es darum nicht erst für nötig, die zufällige Begegnung durch eine halbstündige Unterhaltung zu besprechen. Ich hörte ihn heimkommen und dann einen Flaschentorten in der schweigenden Nacht knallen, dann schlief ich bald wieder ein und alles verschwamm in ein paar Augenblicken wieder. Plöglich hörte ich das Rattern eines Motorrades, das mit solcher Geschwindigkeit fuhr, daß ich sicher glaubte, es würde vorüberfahren, ohne anzuhalten. Aber dann hörte ich, wie es auf das Haus zufam und anhielt, dann hörte ich hastige, tiefe, harte, bestimmte Stimmen, dann das Aufstoßen von Waffen, dann Fußtritte auf der Treppe und den Wirt ununterbrochen jammern:„ Das ist nicht recht von ihnen, meine Herren, das ist überhaupt nicht anständig!" Man mußte bald bei mir sein. Ich verlor fast den Verstand vor But, daß ich so schnell und so leicht in ihre Hände fallen sollte. Ich Lag noch immer im Bett und hatte noch gar nicht an Flucht gedacht. Jezt klopften Männer sehr bestimmt an meines Nachbars Tür, rütteiten an der Klinke und stapften dann laut hinein, daß die Waffen flirrten. Jest waren sie an meiner Tür: fie flog auf, und ein Lichtschein spielte auf den Wänden und der Decke. Mit einer Reflerbewegung legte ich meinen linken Unterarm über die Augen, um das Licht ihrer Laternen abzuhalten, und brummte mürrisch, verschlafen. Ich hörte, wie der Wirt sie beiseite drängte:„ Sehen Sie denn nicht, daß das nicht der Mann ist, den Sie suchen?" bisher nur zu vier Jahren Zuchthaus wegen eines voraufgegangenen Mordverfuches an Frau Raedling. Nunmehr werden sich daher Just wegen Mordes und Frau Staberod wegen Mittäterschaft am Morde von neuem vor dem Schwurgericht zu verantworten haben. Der neue Berliner Etat. In der nächsten Stadtverordnetenversammlung am tommenden Donnerstag wird vom Stadttämmerer Dr. Karding der neue Etat eingebracht werden. In den Drucksachen der Stadtverordneten versammlung findet sich die Uebersichtsaufstellung, aller dings noch ohne die Abschlußziffer der einzelnen Kapitel. Der Etat ist dies Jahr neu gruppiert, übersichtlicher gestaltet und präsentiert fich infolgedeffen in wesentlich fleinerem Umfange als in den Bor jahren. Dieses Jahr sind bereits die bisherigen gemeinsamen Einrichtungen der Innenbezirke auf die Bezirke verteilt. Jim Borbericht des Kämmerers heißt es u. a.: Ein Bergleich der Haushaltsziffern ohne Nachtragshaushalt mit dem Groß- Berliner Haushalt für 1913 läßt den Grab erfennen, bis zu dem der städtische Haushalt gegen den Vorfriegsstand immer noch leidend ist. 1913 mar der Haushalt ohne Berfe mit 335 Goldmillionen ausgestattet, 1924 sind es nach dem Geldwerte der Borfriegsjahre nur etwa 273 Millionen Goldmark. Daß sich der Unterschied nur zum Teil aus der Verringerung des Schuldendienstes erklärt, zeigt u. a. die Entwicklung bei einzelnen Posten des Haushalts, so bei den einmaligen Ausgaben der ordentlichen Berwaltung( 1924: 3 Millionen Goldmarf, vor dem Kriege mindestens 30 bis 40 Millionen Goldmark) der außerordentlichen Verwaltung( 1924: und 3 Millionen Goldmart, vor dem Kriege durchschnittlich 75 Millionen Goldmart). Bei der trostlosen Lage des Anleihemarties müssen wir damit rechnen, auch letztere geringe Summe auf die ordentliche Berwaltung zu nehmen. Der durch das Gefeß Groß- Berlin geforderte angemessene Spielraum für die Durchführung des Haushalts wird den Bezirken auch in diesem Jahre durch Vorbehaltsmittel gewährt. Sie betragen ins gefamt 564 670 Goldmart, also durchschnittlich für den Bezirk noch nicht 30000 Mart. Die zentralen Vorbehaltsmittel sind stärkung enthält der Nachtragshaushalt 5 000 000 Goldmart. noch mäßiger( 312 500 Goldmart). Zu ihrer unbedingt nötigen BerDie Zusammenfassung der Haushaltsposten führt an sich für Bezirke und Zentralverwaltungen zu einer größeren Gelb ständigkeit in der Wirtschaft. Diese Selbständigkeit foll aber auch durch Aenderung der bisherigen Bestimmungen( Ueberweitert werden. Künftig sollen alle Boften für fächliche Aus tragbarkeit innerhalb der fächlichen Bosten desselben Titels) ergaben derselben Abteilung als übertragbar gelten. Die Personal Posten sind, wie im Vorjahre, in einer Summe angesetzt, und zwar nach dem Stande des Personalabbaues am 1. Februar 1924. An Aufstellung eines Stellenplanes fann erst nach Abschluß des Abbaues gedacht werden. Der Haushaltsplan ist im Gegensatz zu denen der Vorjahre in Goldmart aufgestellt. Dabei ist der Stand der Preise von Januar/ Februar 1924 zugrunde gelegt. Ein be. sonderer Nachtragshaushalt enthält den Bedarf für die am 1. April 1924 eingetretene Erhöhung der persönlichen Bezüge und die Wartegelder für die in den einstweiligen Ruhestand versetzten Beamten und Festangestellten. In ihm ist außerdem die finan- besserung zu rechnen sein. 3ielle Wirkung der 3. Steuernotverorbnung dar gestellt, die auf der Einnahmeseite die Mietzinssteuer, auf der Aus gabefeite den Wegfall der Zuschüsse für Wohlfahrtszwecke auf Grund zuwachssteuer ist gleichfalls berücksichtigt. des§ 42 der 3. Steuernotverordnung enthält. Die neue Wert Das Rundfunkprogramm. Heute, Sonntag, den 20. April. 4 Uhr: Osterlieder und Märchen( Jugendvortrag). 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 6 Uhr: Opernabend: Szenen aus der Oper Parsifal", von Richard Wagner. Dirigent: Otto Urack, früherer Kapellmeister an der Staatsoper. Parsifal: Hendrik Appels von der Großen Volksoper, Berlin. Amfortas: Kammersänger Cornelius Bronsgeest. Gurnemanz: Eduard Kandl Ein KammerDeutschen Opernhaus, Charlottenburg. Orchesters. orchester, bestehend aus Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Montag, den 21. April. vom 4 Uhr: Vortrag des Herrn Bruno H. Bürgel„ Der Mensch und die Natur". 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 6 Uhr: 1. a) Andante, von Haydn; b) Menuett, von Haydn ( Walter Schulz, Solocellist des Berliner Philharmonischen Orchesters). 2. Polonäse aus der Oper„ Mignon", von Thomas ( Mizzi Fink). 8. a) Ostermorgen, von Geibel; b) Was mir der Lehrer erzählte, von Max Möller( Johanna Meyer, Rezitation). 4. a) Die Waldschenke, von R. Simon; b) Im tiefen Keller( Kammersänger Adolf Lieban). 5. a) Chant de Ministrel, von Glazounoff; b) Mazurek, von Neruda( Walter Schulz, Solocellist des Berliner Philharmonischen Orchesters). 6. Zwei Kinderlinder, von Leo Blech( Mizzi Fink). 7. Der Osterhase, von Rudolf Presber ( Johanna Meyer, Rezitation). 8. a) Radio- Shimmy, von Ridi Faust; b) Das Fräulein an der Himmelstür, von R. Genée( Kammersänger Adolf Lieban). Am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Dienstag, den 22. April. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Nachm. 1.05 Uhr: Vortrag des Herrn Oberstudienrats Prof. Dr. Paul Hildebrandt: 4.80-8 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Wie wirkt die Schulreform auf Eltern und Kinder?" 8.30 Uhr: VII. Sonderveranstaltung der Funkstunde A.- G.: Josef Plaut. 1. Die Teufelszunge, von Schmidt( Richard Stegmann, Solotrompeter des Berliner Philharmonischen Orchesters). 2. Josef Plaut( Rezitation). 3. Drei Kinderlieder, von Taubert( Alice Götze). 4. a) Wer hat uns getraut? von J. Strauß; b) Behüt dich Gott, von Neßler ( Richard Stegmann, Solotrompeter des Berliner Philharmonischen Orchesters). 5. a) Die kleine Bohèmienne, von Aletter; b) Drei gute Freunde, von Aletter( Alice Götze). 6. Josef Plaut( Rezitation). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Ich knurrte wieder und stieß die Luft schwer zwischen den Appen hervor." Nicht fprechen!" hörte ich eine befannte Stimme. Es war der Diftrittsinspektor. Die Leistungen der Elettrizitäts-, Gas- und asserwerte sind in der vertraglichen Höhe eingestellt. Die Zentner Roggen berücksichtigt. Wenn die Werke für den Haushalt nicht die gleiche Rolle wie vor dem Kriege spielen( Ueberschüsse 1913 rund 18 Millionen Goldmart, jetzt 7 Millionen Goldmark), so liegt das daran, daß sie durch den Raubbau in der Inflationszeit außerordentlich mitgenommen sind. Sie haben eine Atempause dringend nötig, doch wird bei ihnen in den kommenden Jahren mit einer BerUmgekehrt ist die Lage bei den Steuern. Sie betragen( ohne die neue Wertzuwachssteuer und die Mietzinssteuer) mit 187 Millionen Goldmart zur Entlastung des Haushalts bei, während sie 1913 nur 160 Millionen Goldmart zum Haushalt einzubringen brauchten. Die Anteile an der Einkommensteuer und Umsatzsteuer sind gesetzlich festgelegt. Bei den Realsteuern hoffen wir, wenn die Wirtschaftslage nicht neue Erschütterungen des Haushalts bringt, mit den bisherigen Zuschlägen zur Grundvermögenssteuer und Gewerbesteuer auszukommen." Auf die Einzelheiten des Etats werden wir zurüdtommen, wenn die Einzelaufstellung für die Rapitel und die Etatsbegrfindung des Rämmerers vorliegt. Coleurmüße und Monokel. Harte Strafe für einen unehrlichen Schüler. Es gilt bei den höheren Schülern in Potsdam für totfchid, auf dem Sechs- Uhr- Bummel in bunter Müße zu erscheinen. Man machte damit bei den Hängezopfdamen entschieden mehr Eindruck. Der 17jährige Setumdaner F. der Potsdamer Oberrealschule fonnte fich die bunte Berbindungsmüße von seinem Taschengeld nicht leisten. Eines Tages holte ein Mitschüler für den Pensionswirt eine höhere Geldsumme und ließ diefe zwei Minuten in seinem Baletot stecken. F. stahl den ganzen Betrag und taufte sich dafür eine bunte Couleurmüze. Ein anderes Mal fehlten ihm Handschuhe zum Schülerball. Kurzerhand entwendete der 17jährige Dom Boden ein Fahrrad, verfaufte diefes und schaffte fich dafür Handschuhe an und verjubelte den Rest des Geldes in Berlin. Niemand ahnte, daß F. das Geld zum Kaufe der Gegenstände fich auf so erbärmliche Art verschafft hatte. As furz darauf aber einem MitSchüler eine Litewfa verfdymand, wurde man auf F. aufmerksam, und eine Hausfuchung förderte die Litewka zutage. Für den Erlös derfelben wollte er fich ein Monotel anjchaffen, um damit mehr Eindrud zu machen. Das Potsdamer Amtsgericht, vor dem fich F. wegen drei vollendeter Diebstähle zu verantworten hatte, verurteilte den jungen Menschen zu der harten Strafe von fechs Monaten Gefängnis. Eine Bewährungsfrist behielt sich bas Gericht vor. 3m Berliner Zoologischen Garten findet an den beiden Ofter. feiertagen großes Konzert statt, bei ungünstigem Wetter im Saal, ebenso an den darauffolgenden Sonntagem. Die Sommersaison be ginnt am 15. Mai bei täglichem Doppelfonzert. Die Eintrittspreife betragen an Wochentagen für Erwachsene 1,50 M., für Kinder 50 Pf., an Sonn- und Feiertagen für Erwachsene 1 M. und für Kinder 50 Pf. Im Wintergarten des Antilopenhauses ist eine Tier. Runstausstellung neu eröffnet. der Tür vor, zündete das Licht wieder an, zog einen Stuhl an mein Bett, setzte sich und fah mit einem mertwürdigen Lächeln auf mich. Ich konnte ihm anmerfen, wie er eine innere Bewegung zu ver bergen fuchbe. Rennen Sie mich?" fragte ich ihn. Rein, fagte er, aber ich wußte gleich, wie es mit Ihnen stand, " Was soll das heißen, vier gegen einen, das ist ein verdammt feiger Handel, fchämt Euch in Eure Seele hinein," fluchte ich unb fah ihnen gerade ins Gesicht. ,, Sehen Sie noch nicht, das ist ein Bauernbursche, war auf dem als Sie zur Tür hereintamen." Jahrmarkt und hat kein Geld mehr!" Sie schüttelten mich: Wie heißen Sie?" Machen Sie doch nicht erst soviele Geschichten, Sie wollen doch bloß Geld haben" und ohne mich weiter um fie zu fümmern, warf ich ihnen noch ein Duhend Flüche ins Geficht. -Ich habe ja gleich gesagt, was mit ihm los ist," fagte der Wirt, er hat den ganzen Whisky ausgetrunken, den ich hatte." Er unter drückte ein Lachen, ich merkte er war auf meiner Seite. „ Ob Sie ihn nun aufwecken oder schlafen laffen, das bleibt fich ganz gleich. Viel werden Sie von ihm nicht herausbekommen du, wach auf, mein Junge!" drängte er und gab mir dabei mit seinem Griff ein fleines Zeichen. Aber ich schien zu betrunken zu sein, um aufzuwachen und ließ meinen Kopf nur von einer Seite auf die andere fallen, wie ein fleiner Junge, der in der Mittagfonne eingeschlafen ist. Ich hörte sie miteinander sprechen. Wach auf, mein nach ihm. Ich komme schon, ich tomm schon," gab der Wirt zurück Jungchen," sagte der Wirt wieder. Dann rief der Angler furchtfam und kniff mir wieder in den Arm. " Ich hörte, wie er aus dem Zimmer ging. Was würde nun tommen. „ Ich glaub' nicht, daß er's ist," hörbe ich. Ich find nun ein langes Selbstgespräch an, in dem weder Sinn noch Verstand war, aber ich sprach immer weiter und wiederholte immer dasselbe wohl fünf- oder sechsmal, ohne die geringste Atempause zu machen. Und während ich diesen Wortschwall hervorstieß, fühlte ich, wie der Raum um mich still und eisigschweigend wurde. Sie hatten sich wieder fortgemacht. Sie hatten nicht nach mir gesucht, sondern nach einem gewiffen Killennan, sie hatten feine Spur von Dublin bis in diese Gegend verfolgt und hatten sie dann augenscheinlich verloren. Indes, unter den flüsternden Stimmen um mein Bett war eine, mit der ich schon einmal zu tun gehabt hatte. Ich hatte sie vor dem Kriegsgericht in Corf gegen mich Zeugnis ablegen hören, und gerade auf dieses Zeugnis hin hatte man mich zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, aber ich hatte davon nicht ganz einen Monat abgemacht. Der Wachtmeister Naylor würde mit dem Fang sehr zufrieden gewesen sein in dieser Herbstnacht, dachte id 2. Etwas Seltsames geschah, als sie gegangen waren. Ich saß aufrecht im Bett und horchte hinaus, wie der Wagen sich nach den Hügeln zu wie mit Windesgeschwindigkeit entfernte, Blöglich tam der Wirt in mein Zimmer hereingehuscht, schob leise den Riegel an Ich war überrascht, denn er hatte nicht mit dem leisesten Blick oder Wort verraten, daß er Bescheid wußte. Boran erkannten Sie, was ich fei?" Er lächelte wieder, redte sich auf und gab seinem Kopfe einen leisen Rud. Ich wußte sofort, was das Zeichen bedeutete, obwohl es mir bisher noch nicht besonders aufgefallen war. Ich hatte es bei unseren Burschen gefehen, wenn sie vor dem Kriegsgericht nach etmas gefragt wurden, und womit sie etwa zu sagen schienen, daß sie sich den Teufel barum fümmerten, was das Gericht von ihnen verlangte. Aber ich hatte bisher nicht sonderlich darauf geachtet, und dann hatte ich es hier nicht erwartet, besonders nicht bei einem ländlichen Gastwirt. Er lächelte mit einer gewissen Scheu in seinen Augen. fagte ich. Ich streckte ihm die Hand hin:„ Ich muß Ihnen sehr danten," " Haben wir's nicht gut gemacht, beffer als wenn wir uns vorher verabredet hätten?" und fein Blid war ganz lauernd. „ Ja, viel besser," war alles, was ich sagen konnte. " Ich weiß nicht, wie ich es fertig brachte, ich habe nicht gerade viel lebung darin, Leute hinters Licht zu führen, ich lasse sie machen, was sie wollen, aber etwas hatte mich stußig gemacht." Seine Stimme war plötzlich ganz leise geworden, feine Finger frochen müde über seine Stirn, ich sah Schweiß auf ihr, er war ganz bleich geworden. Ich sprang aus dem Bett. " Ruhig! Es ist nichts, gar nichts!" Weiter brachte er fein Wort hervor. Ich wollte sehen, ob der Angler etwas Whisky hätte, und nahm das Licht. Der hatte sich eben wieder ins Bett gelegt. Ich griff nach der kleinen Flasche:" Der alte Mann fühlt sich nicht wohl, er ist ohnmächtig geworden, sie haben ihn zu sehr er. schreckt." Er wollte mitkommen, mir helfen, aber ich hielt ihn zurüd. „ Ich werde eben alt," sagte der Gastwirt, als der Anfall vorüber war. Aber ein Man sollte doch soviel aushalten können in diesen Zeiten, fügte er mit einem scheuen Lächeln hinzu. Ich brachte ihn zu Bett es war sonst niemand im Hauseund ich ließ ihn stolz und glücklich zurück, daß er mich aus den Händen meiner Feinde errettet hatte. „ Es wäre mir sehr schrecklich gewesen, wenn man sie gerade unter meinem Dache gekriegt hätte," sagte er noch zuletzt. ( Fortsetzung folgt.) Der Berliner Magistratsabban. verordnetenverfammlung an und verfah felt der Bildung des BeztrfsEntgegen den Beschlüssen des Stadtverordnetenausschusses, der amtes Friedrichshain daselbst als unbesolbete Stadträtin das Dezer Quartett und Sologefänge, fomische Vorträge, fowie ein humorvoller Gin in der unsinnigsten Weise den Magistratsabbau sportsmäßig be= treibt, hat der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung eine neue Vorlage zugehen lassen, in der er sie ersucht, die durch das Ausscheiden der Stadträte hinge, hoffmann und Rabnow freiwerdenden Stellen neu zu besetzen. Im übrigen scheint auch die bisherige Mehrheit doch etwas schwan tend geworden zu sein, ob ihr Abbau- Sadismus wirklich haltbar ist. Wenigstens meldet eine in der Regel gut unterrichtete Rorrespondenz, daß die Proteste, die von allen Seiten gegen die Abbauvorschläge erfolgen, nicht ohne Eindrud geblieben sind, und daß man jezt außer dem Stadtbaurat Hahn auch den Baurat für das Verkehrswesen, Dr. Adler, halten molle. 19 " Im Berliner Tageblatt" wendet sich jetzt auch Paul Micha elis gegen die Abbaubeschlüsse. Trogdem Michaelis glaubt, bei aller Anerkennung der Fähigkeiten und des reinen Willens" des Stadtschulrats Paulsen doch seine besondere verwaltungsorganisatorische Fähigkeit bestreiten zu müssen( Gründe dafür führt er nicht an), ist er doch dagegen, daß das Schul dezernat im Magistrat beseitigt wird: ,, Ein Vertreter der Schule gehört unseres Erach tens unbedingt in den Magistrat hinein; die Schule tann unmöglich auf die Dauer von Dezernenten vertreten werden, die im Magistrat höchstens einmal referieren, die aber nicht mitstimmen fönnen. Insofern halten wir dafür, daß in Sachen Paulsen noch nicht das legte Wort gesprochen fein tann. Michaelis wendet sich ferner gegen den Abbau der übrigen Magistratsmitglieder. Da man früher in nicht wiederzugebender Weise sozialdemokratische Stadträte als unfähig" beschimpft hat und gerade von bürgerlicher Seite immer wieder gegenüber den angeblich unfähigen Sozialdemokraten auf die Notwendigkeit von Fach". Stadträten hingewiesen hatte, ist es vielleicht boch wertvoll, das Urteil von Michaelis zu zitieren. Er schreibt: „ Der Abbau von fünf weiteren nicht fachmännischen Stadträten dürfte, wenn man an der Zahl 8 festhält, unvermeidlich sein. Daß Herr Schüning dem Magiftrat erhalten bleiben muß, darüber herrscht auf allen Bänken der Stadtverordnetenversammlung Einmütigkeit. Bei der Wahl zwischen den Stadträten Brühl und Wuzky dürfe indessen die Bevorzugung Brühls nicht ganz berechtigt fein. Herr Brühl hat das Arbeitsamt 3 weifellos sehr geschidt und fachgemäß geleitet, und wir möchten gewiß nicht, daß er diesen Plag ver. ließe. Aber Herr Wuty ist unter allen Umständen ein sehr pielfeitiger, in verschiedenen Sätteln gerechter Stadtrat, deffen Bewährung außer allem 3 mei fel steht. Es wäre bebauerlich, wenn feine Kraft dem verfleinerten Magistrat, in dem es auf die Röpfe antommt, verloren ginge. Auch Männer, wie die Stadträte Pötsch und Koblenzer, haben während ihrer Amtsführung treue und nüßliche Arbeit geleistet. Wenn sie im Magistrat selbst nicht gehalten werden fönnen, so wird man doch dafür sorgen müssen, daß ihre Arbeitskraft auch weiterhin nutbringende Verwendung findet. Ueberhaupt sollte man bei der endgültigen Entscheidung nicht die nadte Baht allein entscheiden lassen, sondern das Hauptaugenmert darauf richten, daß der zentrale Magiftrat feinen vielfältigen Aufgaben auch in seinem verfleinerten Rahmen gewachsen bleibt. Auch in diesem Falle soll man fich davor hüten, den Abbau zu weit zu treiben und das Rind mit dem Bade auszuschütten." Eins tann Herr Michaelis nur nicht schreiben, und wir können auch sehr gut verstehen, daß er sich darüber nicht äußert. Der ganze Unfug des Magistratsabbaues, wie er im Rathaus betrieben wird, geht in erster Linie auf den Vorsitzenden der demokratischen Fraktion, Herrn Merten, zurüd, der unbedingt und unter allen Umständen Paulsen beseitigen will. Natürlich nur aus rein fachlichen Motiven. Die anderen bürgerlichen Frattionen machen diesen Kampf mit dem größten Bergnügen mit, und man jayeut sich nicht, zu diesem Swed den ganzen Berwaltungsapparat der Stadt durcheinander zu werfen. Freilich, auch wir glauben mit Herrn Michaelis, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen ist." Die Trauerfeier für Martha Demmning findet am Dienstag, den 22. April, nachmittags 5 Uhr, in der Stadthalle, Kloster. straße, statt. Die Feier wird durch Darbietungen des Maibaumschen Bläserchors und des Männerchors Friedrichshain eingeleitet unb geschlossen. Die Gedächtnisrede hält Genoffe Artur Erispien. Es folgen Ansprachen von Bertretern der Rommunal- und Bezirks törperschaften. Anschließend leberführung der Leiche nach dem Rrematorium Gerichtstraße. Karten werben nicht ausgegeben. Das Bezirksamt Friedrichshain widmet der verstorbenen Genoffin folgenden Nachruf: Am 16. April verftarb die Stadtverordnete und Stadträtin Martha Demmning im 49. Lebensjahre. Frau Demmning gehörte als Stadtverordnete fett 1920 der Stadtnat für Jugendpflege. Schon vor dem Kriege in der Kinderschutz bewegung tätig, erwarb sie sich große Verdienste um die Organi sierung der Kindertransporte nach der Schweiz und nach Schweden, immer hilfsbereit und allseitig beliebt und bis zuletzt trop der schweren Erfrantung tätig. 2700 Rentenmart verloren. Der Rutscher Baberowski von der Firma Hans Förste verlor am Sonnabend auf dem Wege vom Leipziger Platz bis zum Hackeschen Markt die Geldtasche mit Summe ersehen muß, wird der ehrliche Finder gebeten, den Betrag 2758 Mart Inhalt. Da der Verlierer haftpflichtig ist und die an die in der Tasche befindliche genaue Adresse gegen 10 Proz. Belohnung an die Firma zurüdzugeben. Der Polizeipräsident als Retter in der Not. Etwa sechzig hart um ihr tägliches Brot ringende Künstler in Gemeinschaft mit der „ Sozialen Hilfe", hatten mit Erlaubnis des Magistrats in der großen Borhalle zum Stadtverordnetenfißungsjaal eine in japani chem Stile gehaltene Ausstellung von allerlei funstgewerblichen Gegenständen veranstaltet, die aber, faum eröffnet, polizeilich wieder geschlossen wurde, weil die Künstler nicht daran gedacht hatten, daß man, wenn man den Menschen mit der Darbietung hübscher, geschmackvoller und eigenartiger Kunstwerte eine Freude machen will, dazu vorher eine polizeiliche Erlaubnis haben muß. Im letzten Augenblick rettete Bolizeipräsident Richter die Situation, indem er den Künstlern ermöglichte, ihre Ausstellung zu Ende zu führen. Jrrfum beim Berkauf von Einkommensteuermarten. Einen erheblichen Verlust erlitt ein Bostbeamter beim Post amt 8 in Charlottenburg, Replerstr. 43, der irrtümlich Ein. tommensteuermarten in hohen Martwerten anstatt in Pfennigwerten an das Publikum abgegeben hat. Der Schaden für den Postbeamten beläuft sich auf mehr als 5200 Renten. mart. Käufer von Einfommensteuermarken, die ihren Martenbedarf beim Postamt 8 in Charlottenburg eingedeckt haben, werden gebeten, die empfangenen Marten einer Durchsicht zu unterziehen und die etwa unrichtig empfangenen hohen Werbe bei dem genannten Bostamt um zutauschen. Die Tollwufgefahr. Der preußische Minister für Boltswohl. fahrt hat angeordnet, daß zur Entlastung der beim Berliner staatlichen Institut für Infektionskrankheiten Robert Roch" in Berlin, Föhrerstraße 2, vorhandenen Abteilung für Schuhimpfungen gegen Zollmut in Zukunft nur bie Röpfe folcher verdächtigen Tiere( Sunde ufw.) dem Institut zugesandt werden, von denen Menschen gebissen oder sonst verlegt worden sind. Diese Tierföpfe müssen in ein mit 1 Broz. Sublimat getränktem Tuch ein. geschlagen und mit einer Wärme nicht leitenden, gleichzeitig Flüssigkeit auffaugenden Umhüllung umgeben sein( wie Holzwolle, Torfftreu, Stroh, Hädsel, Sägespäne). Im Sommer hat die Berpadung mög. fichst in Eis zu erfolgen. Bermißt wird felt Donnerstag, den 10. April d. 3., der Handlungsgehilfe ein rich Grosch e gen. Engel, geb. 12. Juni 1901 in Dresden. Er bezahlte am genannten Tage mittags auf dem Steueramt Friedrich straße Umfabfteuer, hat dann in einem Delikatessengeschäft in der Dirdſenftraße Einfäufe besorgt und fehlt von hier ab jebe Spur. Der Bermißte ift 1,65 Meter groß, bartlos, hat hellblonde Haare und fehlen ihm vorn bier Zähne. Er war bekleidet mit gestreifter Hose, schwarzen Cutaways, covercoatfarbigem Sommerüberzieher, hellem grauen Filahut, schwarzen Schnürschuhen, weichem Umlegetragen mit hellblau gesprenteltem feidenen Selbstbinder und schwarzweiß gestreiftem Schal Er hatte eine filberne Herrenuhr mit Schlüsselauszug und Nideltette bei fi. Bweddienliche Angaben werden erbeten an Mar Engel, Swinemünder Str. 64( Humboldt 1948) ebentl. jedes Polizeirevier. Bezirksamt Rentölln. Legtes Konzert der Kunstgemeinde Reukölln am Freitag, 25. April, abends 8 Uhr, im großen Saal der Neuen Belt, Hasenheide. Berstärktes Blüthner Drchester. Dirigent: Generalmufil direttur Leo Blech. Solist: Profeffor Konrad Ansorge. Karten bei Bote u. Bod, Bertheim, sowie in allen Berkaufsstellen der Kunstgemeinde Colmon 3m Theater am Roffbufer Tor bieten ble Itte 6& nger( in mener Stunden. atter, in dem auch die Damenrollen von den Herren des Ensembles in flotter Weise dargestellt werden, wechseln in bunter Reihenfolge. Un SonnDie Eintrittspreise und Feiertagen finden Nachmittagsvorstellungen statt. find fo mäßig, daß auch Minderbemittelte fich an den Darbietungen, die frei von politischen Geschmacklosigkeiten, erfreuen können. Jugendweihe Neukölln. Anmeldungen zur Jugendweihe werden in den Boripärtsspeditionen, Nedarstr. 2 und Siegfriedstraße, nachmittags von 2 bis 6 Uhr angenommen. Anmeldegebühr 50 Pf. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute, bünftlich 2 1hr nachBorraum des Theaters zu haben. Sonntag, den 27. April, vormittags mittags, im Staatstheater Charlottenburg( Schiller- Theater): orquain Tasso von Goethe. Karten zum Preise von 1,10 GM. find noch im 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus: Proletarische Feierstunde. Karten zum Bretje von 80 Goldpfg. find zu haben im Bureau des Bezirks. bildungsausschusses, Lindenstr. 3, Jugendsekretariat, Lindenstr. 3, Vorwärts buchhandlung, Zindenstr. 2, im Bigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25 ( Gewerkschaftshaus), sowie bet sämtlichen Obleuten der Kreisbildungs. ausschüsse. 20 Feuerwehrleute umgekommen. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend find in Chibago bei einem Großfeuer zwanzig Feuerwehrleute von einer einstürzenden Gebäudefront verfchüttet und getötet worden. Die Zahl der Verwundeten soll 50 über, schreiten. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag Uhr, Bappelallee 15, Festvortrag des Herrn Dr. A. Rosenberg: Ostern". Gäste willkommen. Arbeitersport. Heben und Ringen. Am 1. Osterfeiertag veranstaltet die Berliner Sportereinigung Nord- West"( M. d. A. A. B. D. 4. Kreis) thren diesjährigen Klubweitstreit im eben und Ringen. Die Ver. einigung steht mit an der Spike der Berliner Schwerathletit- Bereine. Da diesmal die aktiven Heber und Ringer des Vereins gemeldet haben, so ist mit harten und interessanten Kämpfen zu rechnen. Die alten Klubmeister Engelhardt, Bantamgewicht; Schinkowski, Federgewicht; Gebrüder Nowad, Leichtgewicht; Rich. Pfände, leichtes Mittelgewicht; Bruno Razkowski, fchweres Mittelgewicht und der jugendliche Bohlfuß, Schwergewicht, welche zum Teil internationale Größen sind, nehmen an diesem Wettstreit teil. Auch die Heber treten vollzählig an; hier ist besonders zu nennen der ausgezeichnete Karl Belling, der alte Rämpe Otto Görig fomte deffen Schüler Otto Kohn und Paul Held. Durch das Ausscheiden des Refordstemmers Richard Buzmann rückt an dessen Stelle der zurzett beste Schwer. gewichtsheber Julius Scheurich. Hier sind ebenfalls ausgezeichnete Leistungen zu erwarten. Der Wettstreit findet im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftr. 24, ftatt. Beginn 1 Uhr nachmittags. Rartell für Boltsbildung, Sport und Körperpflege, 1. Aveis, 5. Bezirk. Am 1. Osterfeiertag veranstalten die Turnvereine von Köpenid, Friedrichs hagen, Adlershof, Oberspree, Erkner, Johannisthal, Schöneidhje ufm. eine gemeinsame Feier in der Rrampenburg, gegenüber Schmödwiß. Zwischen 4 und 5 Uhr treffen bie Vereine in R. ein. Für Ablershof, Oberiptec, Johannisthal ift Treffpunkt und Abmarsch um 2 Uhr in Röpenid, Schloßplak. Die Mufitabteilungen haben vollzähig anzutreten. Die Brudervereine find herzlichst eingeladen. ftaltet der Arbeiter- Turn- und Sportverein Frisch Fret" in NiederArbeiter- Turn- und Sportverein Frisch- Frei". Am 1. 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Lebten wir unter stabilen Verhältnissen, dann würden jene Vorläufer der allgemeinen Wahlen deren Ausgang berests im vor- hinein erkennen lassen. Aber die Verhältnisse, unter denen wir in Deutschland leben, sind noch west davon entfernt, stabil zu sein. Die Situationen wechseln rasch und sprunghaft. Die dem Verlust der Ruhrkampagne fol- gende Panikstimmung ist vorbei, unter der die lokalen und regionalen Wahlen der letzten Zeil vor sich gingen; die So- z i o l d e m o k r a t i e, die unter dem damaligen ökonomischen Zusammenbruch am meisten litt, erholt sich sichtlich. In den nächsten Wochen kann sich noch manches ereignen, das unsere Agitation energisch unterstützt, allerdings auch manches, das sie hemmt. Der Ausgang des Wahlkampfes ist daher ganz ungewiß. Aber um so mehr liegt aller Grund vor, die äußersten Anstrengungen zu machen, um den Sieg an unsere Fahnen zu heften. Der Kampf wird auf jeden Fall ein sehr harter werden. Denn wie immer die Situation sich gestalten mag, die Sozial- demokratie hat schwer daran zu tragen, daß sie seit 1918 fast stets an der Reichsregierung beteiligt war. Eine jede regierende Partei unterliegt der Gefahr, sich im Laufe der Zeit abzunutzen; am meisten dann, wenn sie zu schwach ist, allein zu regieren, und namentlich eine Partei der Ausgebeuteten. Die Leiden der arbestenden Masse sind so groß und so tiefgewurzelt, daß selbst eine starke p r o l e t a- rische Regierung unter günstigen ökonomischen Be- dingungen nicht imstande wäre, ihnen rasch in erheblichem Maße abzuhelfen. Um so weniger eine schwache Koalitions- regierung in einem verarmten, von Krisen erschütterten Lande. Der nicht politisch geschulte Mensch neigt aber dazu, die Lei- stungen einer Regierung nicht an den gegebenen tatsächlichen Bedingungen und Machwerhällnissen, sondern nach seinen Be- dürfnissen und Erwartungen zu messen. Hinter diesen mußte bisher iede regierend« Partei zurückbleiben, auch wenn ihr das Jnteresie des arbeitenden Volkes noch fo sehr am Herzen lag. Je länger sie regiert, desto größer die Zahl derjenigen, die sie enttäuscht. Sie werden entweder indifferent oder fallen den Lockungen anderer Parteien zum Opfer, die bisher in der Opposition standen und als solche nur zu fordern, aber nichts Praktisches zu leisten hatten. Die Opposition muh dann freilich, nachdem sie zur Re- gierung gelangt, sich ihrerseits abnutzen, besonders dann, wenn Ihre Volksfreundlichkeit nur demagogische Heuchelei war. So ist es in einem festgefügten Staate unvermeidlich, daß kein« Partei dauernd am Ruder bleibt, jede große Massen- vartei einmal in der Regierung ist, sich abnutzt und nach ihrem Sturze als Opposition neue Kräfte sammelt. Bei diesem Auf- und Abwogen der Parteien sind es stets die Parteien der Masten, in großindustriellen Staaten die des Proleta- riats, die stetig vorwärtsschreiten und immer wieder mit vermehrter Kraft zurückkehren. Bon diesem Standpunkt aus könnte man mit einer gewissen Gemütsruhe abwarten, ob wir bei den nächsten Wahlen geschlagen werden. Man könnte förmlich wünschen, daß die Deutschoölkischen und ihre Vasallen die Mehrhest gewinnen. um zu zeigen, was sie können. Keine Regierung würde sich so rasch abnutzen wie die ihre, und rasch und massenhaft müßten die Massen wieder der Sozialdemokratie zuströmen, der sie nun gewitzigt und mit größerer Treue anhängen würden. Die anfängliche Niederlage würde so die Bürgschaft eines ihr rasch folgenden gewalligen Sieges. Diese Rechnung wäre ganz richtig in einem festgefügten parlamentarischen Staate. Aber Deutschland ist im Augenblick kein solcher. Oekonomie, Finanzen, Politik, Verwaltung, alles ist bei uns in einem höchst labilen Gleichgewicht, das ein ge- ringfügiger Anstoß bereits zum Umsturz bringen kann. Siegt die deutschvölkische Opposition, kommt sie zur Re- gierung, so wird sie nicht etwa weiterwursteln, bis sie sich ab- genutzt hat, um dann wieder einer anderen, inzwischen er- (tarkten Partei im Staate gutwillig Platz zu machen, sondern ie wird sofort das bestehende Staatswesen zertrüm- mern» jede Basis beseitigen, auf der eine andere Partei, namentlich eine proletarische Partei, ohne abermaligen, neuen Umsturz emporkommen könnte. Nicht dämm wird heute gekämpft, ob die Sozialdemo- kratie stark genug sein soll, wieder in die nächste Regiemng einzutreten, oder ob sie ein paar Jahre damit warten soll, sondern dämm, ob die Sozialdemokratie stark genug sein soll, dieRepublikzuerhalten, oder ob ihr die Kraft fehlen wird, die Monarchie abzuwehren. II. Daß es sich im kommenden Wahlkampf um die Eni- scheidung handelt, ob Republik oder Monarchie, wird wohl allgemein anerkannt. Aber so richtig das ist, es ist noch nicht die ganze Wahrhest. Es gibt verschiedene Arten von Monarchien. Die eng- tische zum Beispiel ist zu einer bloßen Dekoration geworden. die wohl nicht ganz ohne Einfluß im Staate ist, viel kostet und noch einmal unbequem werden kann. Augenblicklich bildet jedoch der britische König ein geringeres Hindernis für den Fortschrtt des Proletariats und der Gesellschaft überhaupt als etwa der Präsident der Republik Frankreich. Aber nicht alle Monarchien sind so harmlos. Der naive deutsche Monarchist von heute vergleicht die Zustände unter dem Kaiserreich vor 1914 mit denen unter der Republik seit 1918 und findet, damals sei es viel schöner Steden gewesen wie heute. Das stimmt. Aber der größere ohlstand von ehedem war nicht Folge der Monarchie, son- dem des hundertjährigen Friedenszustandes. in dem Deutschland von 1813 bis 1914 lebte, mit einer kurzen Unterbrechung von 1864 bis 1871. in die drei Kriege fallen. von denen nur einer größere Dimensionen erreichte, keiner das Erwerbsleben störte, jeder ohne Schwächung der Volks- Wirtschaft mit einem Siege endete. Die lange Friedensperiode war nicht das Verdienst der monarchischen Institutionen, son- dem der allgemeinen europäischen Lage. Die Monarchie hatte w dem Jahrhundert vor ILlö Preußen nicht vor den erschöp- fendsten Kriegen bewahrt, die das Land zweimal, im Sieben- jähngen Krieg und nach der Schlacht von Jena, an den Rand des Abgrundes brachten. Und nicht die Republik, sondem die Monarchie war es, die in den Krieg von 1914 Hineintorkelle, unter Umständen, wie sie für Deutschland nicht ungünstiger liegen konnten, und die zu dem furchtbarsten militärischen und ökonomischen Zu- sammenbruch führten. Es ist diese kaiserliche Politik, an der die deutsch« Republik heute noch schwer leidet. Im Militärstaat Preußen besaßen die Generäle zumeist großen Einfluß. Bismarck hatte stets mit ihnen zu kämpfen. Seine besten Leistungen in der auswärtigen Polstik, zum Bei- spiel den Friedensschluß mst Oesterreich 1866. mußt« er in einem wütenden Kampf gegen den Generalstab durchsetzen. Weniger Widerstandskraft bewies er bei dem Friedensschluß von 1871; immerhin lehnte er die gröbsten der Fehler ab, zu denen ihn die Generäle drängten. Wilhelm II, besaß nicht die gleiche Widerstandstrast gegenüber den Generälen, zu denen sich unter ihm auch noch die Admiräle gesellten. Wo ihre Forderungen mit denen des jeweiligen«Zivilreichskanzlers" in Widerspruch gerieten, muhte in der Regel dieser nachgeben. Bismarck wußte sehr wohl, daß im heutigen Europa ein Staat verloren ist, der auf sich gestellt bleibt. Seine auswär- tige Politik ging stets darauf hinaus, den Gegner zu isolieren— 1864 Dänemark. 1866 Oesterreich, 1870 Frankreich— und selbst starke Bundesgenossen oder doch reich- liche Rückendeckung zu gewinnen— 1864 Oesterreich, 1866 Italien, 1870 Rußland. Die Generalstäbler dagegen sahen in der auswärtigen Politik nur ein Machtmittel: eine starke Armee und Flotte. Es lag ihnen nichts daran, diese Mittel in einer Weise zu entwickeln, die Deutschland immer mehr isoliert«, ihm immer mehr Feinde schuf. Bismarck wußte den WertderöffentlichenMei- n u n g Europas(und Amerikas) sehr wohl einzuschätzen. Mit diabolischer Geschicklichkeit wußte er es herbeizuführen, daß nicht von ihm, sondern von Napoleon 1870 die Kriegserklä- rung ausging. Die deutschen Generalstäbler von 1914 dagegen bewirkten, daß diesmal die Kriegserklärungen von Deutsch- land ausgingen, zu einer Zeit, wo noch nicht alles für den Frieden verloren schien; sie bewirkten die unglückselige Ver- letzung der belgischen Neutralität— das eine wie das andere um sehr zweifelhafter strategischer Vorteile willen, die bereits in der Marneschlacht(September 1914) völlig verloren gingen, während unter der moralischen Belastung durch dieses Vorgehen das deutsche Volk noch heute seufzt. Das Gebaren des deutschen Kaisertums wurde vollends verhängnisvoll dadurch, daß es nicht bloß den Suggestionen der deutschen, sondern auch denen der ganz wahnsinnigen österreichischen Generalspolitik unterlag Gerade diese, die verderblichste Seit« der allen Monarchie ist es, die mit deren Herstellung wiedererstehen würde, stärker als je, indes doch die einzige Vorbedingung geschwunden wäre, die jener Seite noch einigen Erfolg versprechen könnte. Ein neuer Kaiser könnte nur wieder auf den Thron kommen als bloße Marionette seiner Generäle, in einem Deutschland, das aus dem Lande der weitaus stärksten, bestbewaffneten Armee der Well zu einem völlig wehrlosen Staatswesen herabgedrückt worden ist. Die monarchisttschen Generäle aber, das zeigte erst jüngst wieder die Rederei Ludendorffs in seinem Prozeß, haben nichts gelernt und nichts vergesien. Die Erfüllungspolitik betrachten siö als ewe Schmach. Aber worum handelt es sich bei dieser Polstik? Doch nicht darum, ob wir dem«Erbfeind" etwas schenken wollen, das er sonst nicht bekäme. Die Frage ist vielmehr die, ob es eine andere Mechode gibt, den Feind aus dem Lande herauszubringen. Jede Ablehnung der Erfüllungspolstik be- deutet nichts anderes als eine Aufforderung oder doch einen Borwand für den«Erbfeind", das. was chm vertragsmäßig unter der Zustimmung der anderen Mächte zusteht, gewaltsam zu holen. Es bringt die Franzosen nicht aus Deutschland her- aus, sondern immer tiefer in unser Land hinein. Es befreit nicht das Baterland, mindert nicht seine Lasten, sondem mehrt die Ausdehnung und den Druck der Fremdherrschaft. Nur die Erfüllungspolstik der demokratischen Republik kann uns davor retten. Die Monarchie dagegen ist unter den heutigen Begingungen gleichbedeutend mit feindlicher Invasion und Zertrümmerung des Reiches. IH. Nicht minder verhängnisvoll wie in der äußeren müßte die Wiederaufrichtung der Monarchie in der inneren Politik wirken. Die Erinnerungen an das alte Kaiserreich sind verknüpft mit dem Bilde des Wohlstandes und der Sicherheit. Sicherheit der Währung, des Verkehrs, des ganzen gesellschaftlichen Lebens. Das hat sich seit dem Krieg sehr zum Schlechteren ge- wondell. Nur langsam und mst schmerzhaften Rückschlägen bestem sich die Berhältnist«. Die Monarchie müßte den Prozeß der Bestemng gewaltsam unterbrechen. Eine der verheerendsten Folgen des Krieges und der Niederlage war die massenhafte Proletarisiemng des Mittel- standes, der kleinen Unternehmer sowie der Intellektuellen, wozu auch die Offiziere zu rechnen sind. Wir erwarteten, sie alle würden die Reihen des Proletariats vermehren und so unsere Bewegung mächtig stärken. Doch diese Erwartung ist nur in geringem Maße eingetroffen. Die meisten unter ihnen wurden bloß deklassiert, verloren den moralischen Halt der Klaste, der sie angehörten, nicht aber ihre Ansprüche und Vor- urteile. Nicht dem industriellen Proletariat wen- deten sie sich zu, sie wurden bielmehr zu einer anspmchsvollen, überheblichen, gewalttätigen Sorte des Lumpenprole- t a r i a t s, die aber von der Staatsgewalt nicht niedergehal- ten, sondem von einem großen Teil der in Amt und Würden verbliebenen Klastengenossen mst Sympathie behandelt, ja, förmlich gehätschelt wird. Wie die übrigen Arten von Lumpenproletariat stellt auch diese Sorte ihre Sache aufs Betteln und Plündern. Meist tun sie das erster« und bereiten sich vor auf das letztere. Aus dem Krieg her haben sie sich besten Denkweise erhalten, zum Teil auch Waffen. Vereinzelt, wie gewöhnliche Verbrecher, vermöchten sie nichts. Sie schließen sich zu Banden oder ,.Bcr- bänden" zusammen, unter der Führung gewesener Offiziere. Am liebsten sähen sie natürlich den Kampf gegen den äußeren Feind. Sie reden und singen und träumen davon. In Wirk- lichkest weichen sie dem ebensowenig gefährlich, als ehedem die anarchistische«Propaganda der Tat" der bürger- lichen Gesellschaft gefährlich wurde. Die kleinen Nadelstiche, die sie dem ihnen gegenüberstehenden Elefanten versetzen können, vermögen nur dessen Wut anzustacheln. Wie die anarchisttschen Terroristen ehedem— und heute die kommu- nisttschen Putschisten— nichts anderes erreichten als die Reaktion zu stärken, so können auch die vaterländischen Ver- bände das gewaltige Heer der Franzosen nicht abwehren oder gar vertreiben, sondem nur zu Gewalttaten anstacheln, die, wie immer, weniger die Kämpfenden als die Mäste der fried- lichen Bevölkerung treffen. Ein erfolgreicher Guerillakrieg war vor hundert Jahren in Spanien möglich, er wird ein Wahnsinn im hochindustriellen Deutschland von heute. In Wirklichkeit können dies« Banden eine Gefahr wer- den nicht für den äußeren Feind, sondem nur für den inneren, den«M a r x i s m u s", worunter man im hakenkreuzlerischen Bandenjargon natürlich nicht die marxistische Lehre versteht, von der sie keine Ahnung haben, sondern die Gesamtheit aller Elemente, von denen sie keine Subvention zu erwarten haben. Denn nicht jeder Tag bringt einen Putsch, bei dem man «requirieren" und«Marxisten" plündem kann. Jeder Tag aber stellt seine Anforderungen an den Geldbeutel. Die sind in Zesten der«Ruhe" nur durch milde Gaben edler «Patrioten" zu decken. Und an Gönnern dieser Art fehlt es nicht. Neben den Generälen waren es die Monopolisten des Bodens und der Schwerindustrie, die die Monarchie lenkten und ausnützten. Sie haben ihren alten Einfluß nach kurzer Unterbrechung durch die Revolution in der Republik fast völlig wiedergewonnen. Aber sie fühlen doch, daß der republikanische Boden bei einer erstarkenden Sozialdemokratie«in zu unsicheres Terrain für sie ist. Ge- länge es chnen dagegen, die Monarchie wiederherzustellen. dann wäre diese von vomherein ihre willenlose Gefangene. Zu den Monopolisten hat sich im Krieg und nach ihm das Spekulantentum gesellt. Die Spekulation ist mit dem Kapi- talismus unzertrennlich verbunden. Aber sie findet ziemlich enge Schranken in festgeordneten Berhältnissen. Die Unsicher- heit ist dagegen das Element, in dem sie blüht und gedeiht. Die Unsicherheit des Kriegsausganges gab ihr bereits vor einem Jahrzehnt einen machtigen Anstoß. Einen weiteren er- hielt sie durch die Inflation, die unter H e l f f e r i ch begann. Der wahnsinnige Friedensvertrag beendete nicht die Unsicherheit, die Krieg und Inflation geschaffen, sondern machte sie zu einer desernden Erscheinung. Jetzt endlich scheint der Moment zu nähen, wo ihr«in Ende berettet wer- den soll. Da stt es die Gefährdung der Deutsche.: Republik, die den Prozeß der BemhigMg durchbrechen und von neuem schllmmste Unsicherheit schaffen soll. Alle produzierenden Klassen leiden darimter aufs tiestte, nicht aber die Banditen und die Spekulanten. Das sind die Elemente, von denen die Monarchie auf ihr Schild gehoben wird, weil sie in ihr die sicherste Bürgschaft ihres Gedeihens erblickten. Mst Recht wirft man der Deutschen Republik vor, daß sie zu schwach sei gegenüber den Generälen, den Banden, den Schiebem und Monopolisten. Die bloße Form der Republik schützt sicher nicht gegen sie ohne ein starkes Proletariat. Aber der Uebergang zur Monarchie würde mehr als Schwäche gegenüber diesen Elementen bedeuten: er müßte die' Staatsgewall ganz in ihre Hände bringen. In letzter Linie wären es jedoch nur die Banden, die herrschen würden. Monarchen, Generäle, Schieber, sie könnten nur siegen durch die Banden. Diese bilden jedoch nicht wie in Italien einen einheitlichen, festgefügten Organismus. Im Gegenteil, sie könnten nicht siegen, ohne auch im legalen stehenden Heer die Disziplin völlig aufzulösen. Dabei sind der Banditen und und ihrer Anhänger zu viele, die alle kraft ihrer Macht vom verarmten deutschen Boll leben und Wohlleben wollen. Heute schon zerfallen die völkischen Herostraten in zahl- lose Gruppen und Banden. Sie mögen sich gegelentlich zu- sammensinden, wenn sie glauben, der Moment sei gekommen. der Republik an die Gurgel zu springen. Aber nach deren Abwürgung müßten sie sofort übereinander herfallen im Kampfe um die Plätze an der Krippe. Nicht Sicherheit und Ordming brächte die Monarchie, sondern den Bürgerkrieg. Wie es verschiedene Formen der Monarchie gibt, so auch verschiedene Formen des Bürgerkriegs. Die. deutsche Monarchie könnte unter den geaebenen Verhältnissen mir die schlimm st e FormderMonarchie darstellen, die möglich ist, denn sie wäre das blinde Werkzeug der für den Wohlstand des Volkes und das Gedeihen des Reiches bedenklichsten Elemente. Und sie würde nicht nur eine erneute und erweiterte Invasion des Landesfeindes und erhöhte Belastung durch ihn herbeiführen, sondern auch die schlimmste Form des Bürgerkrieges, die es gibt: nicht etwa den Kampf um große, menschenbefreiende Ideale, sondern die Kämpfe skrupelloser Banditen imtereinander über die Teilung der Beute. Ganz Deutschland müßte darob in Flammen aufgehen und als rauchender Trümmerhaufen übrigbleiben. Das mag die Banditen nicht viel kümmern — in brennenden Häusern plündert es sich am leichtesten—, auch nicht die Schieber, wenn es ihnen nur gelingt, recht- zeitig mit ihrer Beute den Ausgang zu finden. Mit dem nötigen Kleingeld kann man auch außerhalb Deutschlands recht gut leben. Nicht gleichgültig aber kann das die arbeitende Bevölkerung lasten, die in Deutschland zu bleiben und dort Werte zu schaffen hat. um von dem ihr zufallenden Anteil an diesen zu leben. Darum bedeutet die Partei des Proletariats, die So- zialdemokratie in Deutschland, wie in anderen kapi- tallslischen Ländern heute mehr als jedieZukunftund das Gedeihen der Nation, die Reaktionäre dagegen bedeuten ihren Untergang. So wird bei der kommenden Mahl die Frage der Selbstbehauptung der Sozialdemokratie zur Frage der Selbstbehauptung des deutschen Volkes, aber auch zur Frage der Herstellung des Friedens der Welt. Darum sehen alle Freunde des deutschen �Volkes, alle Freunde des Weltfriedens in allen Ländern in höchster Spannung dem Wahlergebnis entgegen. Weil mehr als eine gewöhnliche Parlamev.kswahl wird die kommende zu einem weltgeschichtlichen Ereignis werden. Möge der große Moment ein großes Geschlecht finden! Max Hölz über sich selbst. Geständnis seiner politischen Irrtümer. Dem aften Befenntnis des tommunistischen Reichs| faßte:, Der erste, der ein Stüd Land einzäunte, und dann zu| Willen zu haben, um die fozialen Uebel ändern zu helfen, sondern spihentandidaten, Mar Hölz, gegen die Politik der Partei, fogen fich anmaßte; das gehört mir, und Leute fand, die einfältig daß es dazu vor allem auch der Kenntnis der Kaufalität der wirtdie ihn fandidiert abgedruckt in Mr. 185 d. Bl. laffen genug waren, es zu glauben, wurde der wahre Begründer der bürgerschaftlichen und politischen Zusammenhänge bedarf. wir ein zweites folgen, das von entscheidender Belichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriegs- und Mordtaten, deutung ist, eil es aus allerjüngster Zeit stammt. Es ist die Eingabe des zu lebenslänglichem Zuchthaus Verurteilten an den Amnestieausschuß des Reichstags Dom Februar d. I. Das Dokument, das flart zugunsten des Berfaffers wirkt, ist die schärfste Brandmarfung des neuen Kurses der KPD., die sich überhaupt denten läßt. Es liefert den unwiderleglichen Beweis dafür, daß die KPD. Zentrale schamlosen Mißbrauch mit einem Unglüdlichen treibt, der ein Opfer der von ihr empfohlenen Methoden ift und dies selber längst ertannt hat. A III 93 Höfz. Red. d.„ Borwärts". 5 Bogen. 17. Februar 1924. Un den Reichsamin eftteausschuß in Berlin. Dem Amnestieausschuß unterbreite ich hiermit die Bitte: den im Juni 1921 von einem Moabiter Landgericht gegen mich gefällten Spruch in eine befristete Festungshaft umzuwandeln. wieviel Elend und Grausamkeit hätte derjenige dem Menschen. geschlechte erspart, der, indem er die Pfähle aus dem Boden riß, oder die Gräben zuschüttete, seinen Mitmenschen zugerufen hätte:„ Glaubt dem Betrüger nicht, ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte des Bodens allen gehören, und daß der Boden selbst nie. mand gehört." Ich habe nie auch nur einen Augenblid an eine materielle und ideelle Gleichmachung" der Menschen gedacht, sondern ich wähnte: es müsse ein Ausgleich in den Besitzverhältnissen geschaffen werden, dergestalt, daß feinem erlaubt fein dürfe, von anderer als von seiner eigenen Arbeit zu leben. So oft ich mich in meinem Leben für eine Sache einfegte, geschah es immer mit ganzem Beib und ganger Seele. Meiner damaligen Ein stellung und Ueberzeugung nach, bedurfte es nur des ersten Ansturmes einer Schar entschlossener Männer, die von gleichen Idealen beseelt, um gegen die ungerechten Besitzverhältnisse anzulaufen, dann freunde anschließen. würden sich von selbst alle übrigen Unterdrückten und Menschen. Unter den von mir verübten Gewaltanwendungen habe ich feelisch weit mehr gelitten als diejenigen, gegen die sich die Gewaltanwendungen richteten. Troß der Beweisführung des Sondergerichts werden Sie wohl taum behaupten wollen, daß meine Handlungen niedrigen Motiven ober verbrecherischen Instinkten entsprungen find. Sie wollen bitte in Erwägung ziehen, daß ich seit dem ersten Tage meiner politischen Tätigkeit unter Aussehung eines Kopfpreises verfolgt wurde, und daß ich alle Gewalthandlungen als ein seit Jahren von Drt zu Ort gehegter und verfolgter Mensch beging, der noch unter den un mittelbaren Eindrücken und Nachwirkungen des Krieges stand. Daß ich von Natur aus ein Gewaltmensch oder ein Anbeter der Gewalt bin, wird niemand behaupten wollen, der mich näher tennt. Ich verweise hier auf die Aussage des durch mich schwer geschädigten Belastungszeugen Pfarrer Schmidt aus Hjelbra eines der wenigen Zeugen, bie nur das befundeten, was sie wirklich vor ihrem Gewissen verant. worten konnten; nachdem mich Pfarrer Schmidt den wirklichen Tatsachen entsprechend sa chlich schmer belastet, ertiärte er dem Gericht, daß er, der drei Tage als Geisel festgehalten und bedroht morden war, den Eindrud hatte, daß mir meine Gewalthandlungen im Innersten selbst zuwider waren und ich sie nur mit Widerstreben beging. Ihnen, die Sie mich nur aus den Aften, den Zeitungen und von Leuten kennen, die mich hassen, weil sie direkt oder indirekt burch meine Handlungen geschädigt murden, mag es parabog flingen, wenn ich behaupte, -UTO Imir ist von Natur aus jede Gewalthandlung mindestens ebenfo verhaßt, wie Ihnen; umMeine Bitte begründe ich wie folgt: Durch Selbststudium und frog mangelhaftester Dorfschulbildung habe ich mich vom Taglöhner bis zum Eisenbahntechnifer emporgearbeitet. In den ersten beiden Jahren nach meiner Entlassung aus der Dorfschule arbeitete ich als Adertnecht bei dem Gutsbesizer Alfred Klogiche in Leuteritz bei Riesa. Zwei Jahre später fand ich Anstellung als Technißer bei der Um dies zu begreifen, müßten Sie meine ganze Dent. und Vor. Eisenbahnbaufirma Artur Roppel. G., Berlin( damais Dorotheen- ftellungsweise und mein Empfindungsleben verstehen. Ein praf. straße), die später mit Drenstein und Koppel fufionierte; von tischer Arzt kann sich in die Notwendigkeit versetzt sehen, einem AnArtur Koppel tam ich zur Eisenbahnbaufirma Hermann Bach gehörigen, den er über alles liebt, Gewalt anzutun und ihm burch Ihre Ungläubigfelt und Ihre begreiflichen Zweifel ändern aber doch stein Berlin, Broßbeerenstraße. Die Stellung bei Bachstein gab ich einen operativen Eingriff starte Schmerzen zu bereiten. Sie wer auf, um durch den Besuch einer technischen Schule mein mangelndes ben diefen Mann nicht einen Gewaltmenschen schelten. Ich bin nicht an der Tatsache, daß es fo ift, nichts. Der große Nazarener, als er bbe mit Striden die Wechsler aus dem Tempel trieb, und die Tische um theoretisches Bissen zu ergänzen. Da mir die materiellen Mittel zum so vermessen, mich mit einem Arzt zu vergleichen, aber ich glaubte stieß, beging eine Gewalthandlung, und doch war dieser Friedfertigfte Studium fehlten, war ich genötigt, mir dieselben burdy Neben- refp. damals: der Widerstand, der sich ber Berwirklichung unserer aller Friebfertigen bas traffefte Gegenteil von einem Gewaltmenschen. unferere, Abenbbeschäftigung zu verdienen. In Halle und später in Dresben been entgegenstellte, müsse mit Gewalt gebrochen werden, im bebiente ich in den Abendstunden den Apparat für die Borführungen Intereffe der Arbeitenben. Don Filmen. Damit erwarb ich die Mittel und erübrigte ich die Zeit, um in Dresden das Borbereitungsinstitut von Dir. Biener( Bürger miese) zu besuchen. Infolge mangelhafter Ernährung und der auf reibenden Doppelbeschäftigung erlitt ich in Dresden einen förper. lichen Zusammenbruch. Obwohl bei allen vorhergehenden Musterungen zum Militärdienst für tauglich befunden und nur mit Rüdsicht auf meine Studien zurückgestellt, wurde ich jetzt bei der letzten Musterung wegen Verdachtes der Lungentuberkulose endgültig vom Heeresdienst losgefprechen. Auf Anraten ber Aerzte suchte dann Beschäftigung im Bogtland. In Falkenstein( Bogtland) traf mich der Kriegsausbruch Ich meldete mich in den ersten Tagen des August als Kriegsfreiwilliger und wurde am 10. August in bas 18. Hufarenregiment in Großen hain eingestellt. Bom Oktober 1914 bis in den Sommer 1918 mar ich ununterbrochen als Meldereiter bet der 105. und 106. Referve infanteriebrigade an der Front. Nach einer Operation im KriegsLazarett Birton in Belgien tam ich im Sommer 1918 nach Deutsch land zurück und wurde am 31. Oftober 1918 als Kriegsbeschädigter anit einer geringen Rente aus dem Heeresdienst entlassen. Bis 1919 habe ich mit dem Gericht nichts zu tun gehabt und bin nie mit den Gefeßen in Ronflift geraten. Auch während meiner Militärzeit bin Ich unbestraft. Meine Führung im Militärpaß lautet auf„ gut“ und fehr gut". Ich erhielt das„ E. A. II" und die Friedrich- AugustMedaille". Bis zu den Novemberereigniffen habe ich mich nie politisch betätigt. Mir fehlte bis dahin jedwede Anregung und Hinlentung auf politische Ideen. Bis zum Kriegsausbruch und zum Tell noch während des Krieges mar meine Weltanschauung eine ausschließlich religiöse. Ich hätte es faum für möglich gehalten, daß der chriftliche Glaube, in dem mich meine Eltern erzogen haben und der mir bis ins Mannesalter hinein stets innerftes und tiefstes Be dürfnis war, in mir emmal wankend werden würde. All mein Tenten feit meiner Entlassung aus der Dorfschule richtete sich nur darauf: im Leben vorwärts zu können, damit ich in späteren Jahren meinen Eltern eine Stühje fein könne. Die wenigen Erholungs stunden, die mir bei meiner späteren Tätigkeit und meinem Studium verblieben, verbrachte ich ausschließlich im Kreise von Menschen, die meine religiöse Weltanschauung mit mir teilten. In Berlin und Dresden war ich fäfiges Mitglied des Chriffl. Vereins junger Männer. Ich bedauere aufs fieffte, daß ich Handlungen beging, die nicht nur viele Menschen schädigten, sondern die auch der Idee schadeten, der ich damit zu dienen glaubte. Schon vor meiner Berhaftung habe ich begreifen gelernt, daß die Voraussetzungen, unter denen ich meine Handlungen beging, Meine politische Tätigkeit begann damit, daß ich ganz zu Anfang den Tatsachen und ihren Zusammenhängen nicht entsprachen. Daß des Jahres 1919 als Sprecher bei einer Arbeitslosendemon. ich trotzdem bis furz vor meiner Berhaftung bei den Gewaltanwen- ftration in Falkenstein fungierte. Es herrschte Belagerungs Dungen verharrte, lag zum wesentlichen Teil daran, daß ich feit zustand. Demonstrationen waren verboten. Ich wurde als Räbels. Jahren unter Aussehung eines ganz ungewöhnlich hohen Kopfpreises führer angesprochen und von diesem Tage an stedbrieflich ververfolgt wurde. Dies führe ich nicht an, um mich van der Berfolgt. So lebte ich ununterbrochen von Anfang 1919 bis zu meiner antwortung für meine Handlungen zu drüden, Berhaftung im April 1921 illegal und verfolgt. In der Zwischenzeit ſondern damit Sie meine Entwicklung zu den Gewaltanwendungen häuften fich die Delitte, so bei Anlaß des Rapp- Butsches und im verstehen. Die Psychologie und Logit des Verfolgten find game März 1921. Vor einem ordentlichen Gericht werden meines anders als die des egal lebenden Menschen. Der Berfolgte, noch wiffens auch alle fene Umstände erörtert und je nach Maß berüd. bazu ber jahrelang Berfolgte, teurteilt alle Dinge um fichtigt, die mehr oder weniger zugunsten des Angeschuldigten sprechen. ihn von einem zu einseitigen Gesichtspunkte aus; er verliert jeglichen Jm allgemeinen wird der wirklich gerecht sein wollende Richter nicht Maßstab fachlicher Beurteilung seiner Umwelt und der Gefchehnisse. nur allein die Wirkungen einer Handlung als maßgebend für Bei dem Moabiber Prozeß hätten mich der Selbsterhaltungstrieb die Urtellsbemeffung in Erwägung ziehen, sondern das Gefeß schreibt Dor, daß auch die mittelbaren oder unmittelbaren Ursachen, die zu den Wirkungen erst führten, berücksichtigt werden. Die Sonder gerichte ignorieren dieses Kaufalitätsprinzip, das wird Ihnen am besten die vom Sondergericht gegen mich ergangene Urteilsschrift bezeugen. Ich würde ganz zweifelsohne die mir auferlegte Last ruhiger tragen und würde Sie nicht mit meinen Anliegen belästigen, fofern der Maßstab, der von den Gerichten und Behörden an meine Handlungen angelegt wird, und 1212-007 die Erkenntnis des Zwecklojen meiner Handlungen sehr wohl bestimmen können, vor dem Gericht ein flares Gin geständnis meiner politischen 3rrungen abzulegen. Ich habe dies auch aus dem Grunde nicht getan, weil ein solches Bekenntnis doch nur dahin ausgelegt worden wäre, als wollte ich mir dadurch eine milde Beurteilung verschaffen. Außerdem stand ich zu sehr unter dem Eindruck, daß eine Berliner Behörde noch nach meiner erfolgten Verhaftung eine sehr hohe Summe als Belohnung auch an die von poliflich rechts orientierter Seife für diejenigen öffentlich ausfezte, die imftande selen, belastende begangenen Handlungen Aussagen zu machen, die zu einer Berurteilung des Hölz führen. angelegt würde. Daß dies aber bei weitem nicht der Fall ist, werden Gelbft bürgerliche Juristen und Publizisten erklärten: daß eine folche Sie mir bestätigen müssen, auch ohne daß ich Ihnen erst Hunderte Ausfegung einer Belohnung für belastende Aussagen bisher ganz Don Beispielen dafür anführe. Ich geftatte mir nur, den Ausschuß einzig dastehend in der gesamten Strafrechtspflege set. Die an und auf die Denkschrift hinzuweisen, die das Reichsjuftizministe. für sich- infolge meines Borgehens und meiner Gemaltan, rium im November v. J. dem Reichstage übermittelte und die die mendungen gegen mich bestehende Bogromstimmung und von der rechten Seite an Arbeitern und Republikanern begangenen die Tatsache einer Belohnung für Aussagen haben ein Tötungen zum Gegenstande hat. Da sehr wohl die Möglichkeit be. Belaftungsmaterial hervorgebracht, das völlig ausreichen würde, steht, daß der Reichstag noch vor Ablauf der Legislaturperiode nich auf Jahrtausende hinter Zuchthausmauern zu verbannen. Das auseinandergeht, wodurch auch der Amnestieausschuß seine Tätigkeit Gericht geht mit leifen Sohlen darüber hinweg, daß die Hauptbe einstellen würde, bitte ich Sie noch ganz besonders: baldmöglichst faftungszeugin Frau Heß ihre Aussagen mehrere Male in den über meinen Antrag zu entscheiden. Seien Sie dessen versichert, daß wesentlichsten Punkten geändert hat. Sie hat, wie die Atten die nunmehr fast drei Jahre, die ich unter dem psychologisch furchtbar ausweisen, bei ihrer ersten Bernehmung in der Boruntersuchung wirkenden Drud: lebenslänglich Zuchthaus" verbringe, an Wir. bei der Gegenüberstellung wiederholt ausdrücklich erklärt: ich feitung einer bereits verbrachten 15jährigen Zucht. nicht derjenige, der auf ihren Mann geschossen hat. Das Gericht haushaft gleich tommen. Ich sehe das Bertrauen in bas lehnt meinen Wiederaufnahmeantrag ab, indem es die von mir Gerechtigkeitsempfinden des Ausschusses, daß er seine Tätigkeit nicht benannten Zeugen als meiner Truppe zugehörig bezeichnet, die nur abbrechen wird, ohne vorher eine Umwandlung meiner Haft herbei. uneidlich vernommen werden könnten; das Gericht stützt sich dabei aber in seinem Urteil gerade auf die Aussagen der unvereidig führen zu helfen. Da ich zurzeit ohne Rechtsbeistand bin ten Zeugen lebe und Reller, die beide zur Truppe gehörten. Alle noch nicht aufgenommen, weil ich bis heute noch nicht in der Lage Bemühungen auf eine Aenderung meiner Lage find bisher ge scheitert. Ich fann dies mur darauf zurückführen, daß die Behörde mir mitzuteilen, wann eine Sigung in meiner Sache anberaumt mar, die stoffen für ihn aufzubringen, bitte ich den Ausschuß: ihre Echlußfolgerungen lediglich aus den Atten ziehen und die Motive meiner Handlungen und mein wirkliches Wollen gänzlich Hochachtungsvoll! unterücksichtigt laffen. Durch die Erlebnisse und unmittelbaren Eindrüde während des Krieges bin ich am Chriftlichen Glauben und an meiner religiösen Weltanschauung irre geworden. Es bildet nicht bas ben Menschen, was er erlebt, sondern wie er das empfindet, was er erlebt. Ich habe mich zu taufenden von Malen während des Krieges gefragt: warum es sein soll, fein muß, daß sich Millionen von Menschen, die sich persönlich im Leben nie etwas zu Belbe taten, ja, bie fich nicht einmal tannten, sich im Felde in der entfehlichsten Weise binGewiß, ich habe mich gegen die Gefeße vergangen, mordeten. Ich habe eine wirkliche Notwendigkeit dieses gegenseitigen Mordens nie zu erkennen vermögen, und alle fich mir aufbrängenden und ich darf nicht jammern, wenn dafür Bergeltung an mir geübt Fragen bileben umbeantwortet, da mir jede Gelegenheit mangelte, wird. Aber für das, was ich wirklich und tatsächlich an den Gesezen mit einem Menfchen darüber zu sprechen. Nur über eins wurde ich gefehlt habe, habe ich phyfisch und feelisch schon schwer gelitten. Ich mir in den vier Jahren flar: daß, wenn dieses Morden habe in vielem geirrt, ich glaubte, einer Idee zu dienen, und ich einmal zu Ende sein würde, es meine Pflicht sein müsse, daran habe diesem Glauben alles geopfert, was ich ideell und materiell mitzuwirken, daß ein ähnliches Unglüd nicht wieder über die Mensch besaß. Ich habe meine Gesundheit, meinen Beruf, meine Freiheit heit kommen dürfe. Auf welche Weise aber eine solche Böller und mein Leben aufs Spiel gefeßt, und meine Habfeligzerfleischung für die Zukunft verhindert werden könne, darüber tonnte feiten und Sparpfennige für die 3bee geopfert. ich mir eine befriedigende Antwort nicht geben. Erst nach dem Meine Angehörigen, Eltern und Geschwister sind unverschuldeterweise Novemberumftur, als ich in Fühlung mit den politischen Strömungen burch mich in schweren Verruf gekommen und haben unter meiner und Ideen geriet, glaubte ich die Ursachen des Krieges und des politischen Tätigteit sehr viel leiden müffen. Genau so, wie ich glaubte, 1914 meine Pflicht gegenüber der Allgemeinheit zu tum, fozialen Elends indem ich mich freiwillig in das Heer einreihte, genau fo glaubte ich, es sei meine Pflicht, an dem Rampfe um Besserung des fozialen Elends teilzunehmen. in den ungleichen Befihverhältnissen der Menschen zu sehen. Der leitende Gedanke für meine fpäteren Handlungen wurde ein Ausspruch Rousseaus so wie ich ihn damals aufHeute allerdings weiß ich, daß es nicht allein genügt, den besten wird. Breslau, 17. Februar 1924. gez.: Maroela Dujardin der wundervolle Weinbrand UERDINGEN A RH. ein BERNHARD SCHWARTZ Berlin C, Wallstraße 13( Spindlershof) Gardinen* Steppdecken* Teppiche Engros Export Garantiert reine Terpentinölware Konserviert das Leder, gibt allerb.Hochglanz B Bega BESTER SCHUHPUTZ GARANTIERT REIN Sparsamer Verbrauch, sehr preiswert Ueberall zu haben; evtl. erfrage man Bezugsquellen beim BEGA- VERTRIEB Berlin S 14, Alte Jakobstraße 93 Merkur 8191 Vertreter gesucht! Diebeste Reklame Mein guter Name! Speisezimmer Herrenzimmer Schlafzimmer Klubmöbel beste Qualitäten, niedrigste Preise. Transport, Lagerung kostenlos! Moritz Hirschowitz Südosten 25 Skalitzer Straße 25 Hochbahn Kottbuser Tor! Am 17. ds Mts. rüh 3 Uhr entschief plötzlich und unerwartet durch Herzschlag mein treusorgender lieber Mann, einzigster Bruder, Sehwager und Onkel Friedrich Scheffler im Alter von 59 Jahren. In tiefstem Schmerz Laura Scheffler geb. Buth Hudolf Scheffler Charlottenburg( Kantstr 13>), April 1924 Die Beerdigung findet Dienstag, 22. April, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Stansdorfer Friedhofes aus statt. Deutscher Bekleidungsarbeiter- Verband Filiale Berlin Sebastianstr. 37/38 Unser angjähr. Mitglied Kollege Robert Pasewaldt ist nach längerem, schwerem Leiden am 18 April cr. im 56. Lebensjahre plötzlich verstorben. Wir verlieren in ihm einen Kollegen und Angestellten, der bereits seit mehr als 33 Jahren Mitel ed und Mitbegründer des früheren Wäschear belter- Verbandes gewesen ist. Sein stets hilfsbereites Wesen und sein immer autrichtiger Charakter sichern ihm in unsere Organisation ein dauerndes Andenken! Die Filialleitung. Die Einäscherung erfolgt am Dienstag, den 22. 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April, 6% Uhr Alt- Berlin in der Biedermelerzelt". Vortr. Dr. v. Leszel. Gesangs- und Coupleteinlagen. am 25. u 27. April, 9 Uhr: Polarforscher Ledon: Unter den Nachbarn des NordWertheim, K. d W. u. Uraniakasse pols". Lichtb. u. Filmvortr Vorverk. A. Amtliche Wettannahme des Union- Klubs Berlin NW. 7, Schadowstraße 8. Annahme von Wetten für alle Beriner Rennen in der Zentrale, Schadowstr. 8, in alien Filialen einen im Reiche. und bei den gröderen Renn- VerAuszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug. Schriftliche Aufträge und Aufträge auf Konto- Einrichtung sind nur an die Zentrale zu richten. Metropol- Varieté Trabrennen KOMISCHE OPER Mariendorf 71 Uhr Direktion: James Klein Allabendlich 7½ Uhr Die tanzende Prinzessin Operette in 3 Akten v. Richard Keßler/ Gesangstexte v. Willi Kollo Musik von Walter Kollo laszanierung: Herm. Feiner/ Tänze: Armin Seffers/ Musik. Leitung: Artur Guttmann Hauptdarsteller: Grete Freund/ Paul Heidemann Dora Hrach/ Siegfried Arno Ernst Behmer/ Wilh. Chandon/ Erich Poremski Die Theaterkasse ist von 11 Uhr vorm. ab ununterbrochen geöffnet! Vorverkauf auch bei Wertheim, Invalidendank, Hotelportiers upd allen bekannten Theaterkassen Berliner Volks- Chor Mitglied des D. A.-S.-B. Dirigent: Dr. E. ZANDER Montag, den 28. April, abds. 8 Uhr, im großen Saal der„ Neuen Welt", Hasenheide 108/114: Beethoven- Abend Mitwirkende: Frau EBEL- WILDE, Frau P. WEINBAUM, Herr Prof. von RAASS- BROCKMANN, Herr A. WITTENBERG und das verstärkte Berliner Sinfonie- Orchester( Blüthner). Programm: Beethoven: Violin- Konzert, IX. Sinfonie Eintrittspreis: 1.25 M. in den mit Plakaten belegten Verkaufsstellen An der Abendkasse erhöhter Preis. Zoologischer Garten B Ctablissemen Garten Zeka An beiden Ostertagen: Gr. Konzert:: Aquarium Tier Kunst- Aussteliung Dauerfarten gültig vom 1. Oftbr. 1923 bis 80. Gep: br. 1924, werben täglich an ben Gartenlaffen ausgegeben. Breis für Erwachsene. 30 ML für Kinder unter 16 Jahren 15 Mr. Die Ausgabebedingungen find an den Raffen erhältlich Friedrichstr.60 Ecke Leipziger Str 1. gr. Konzertsaal .L.Magaretensaal An allen 3730b Theater Sonntag, den 20. April 2 Uhr Casino- Theater Reichshallen- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr, Sonnt nachm. 3 Uhr Tagl. 8 Uhr Wieder ein neuer Schlager Stettiner Pummels Martha Volksstück in drei Aufzügen Vorher: D. Herr aus Kyritz. Posse 1. 1Akt and der neue bunte Teil An den beiden Sänger Komponisten im Olymp Dönhoff- Bretti Anfang 8 Uhr Jeden 1. u. 16. neues Programm! Bekanntmachung. Bel Gelegenheit verschiedener großer Regengliffe hat es fich gezeigt, daß mehr fach in die Keller der an die öffentlichen Stadtentwässerungsanlagen angefchloffe. nen Grundstilde Waffer gedrungen ist, und war teils durch die Kellerfenſter und Rellertüren vom Hofe aus, teils aus im Keller liegenden Ausgüssen, Klosetts, aus undichten Muffen, offenen Fettfangtäften, Reinigungsöffnungen, Saus bes Grundmauerwerts. täften und endlich durch undichte Stellen Um diesen Uebelständen vorzubeugen, ift folgendes zu beachten: 1. Die Regeneinlässe auf bem Sofe müffen möglichst häufig von Gand und Schlamm gereinigt und ihr Einfallgitter von Stroh, Blättern, Ee miferesten und Gegenständen, die durch das abfließende Regenwasser vom Sof nach den Regeneinläffen bin gespült werden und das Gitter perftopfen, auch nötigenfalls während bes Regens freigehalten werden. 4 Die in den Abflugleitungen der unter Ostereiertagen Trauerfpenden Straßenbe liegenden einläufe an 2 stellungen? Vaileté Spielplan Nachm, 3( Ermas.Pr.) Abends Uhr jeder Art liefert preiswert Paul Golletz, vormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Tele.: Morigpl 10803. teppdecken preiswert, direkt Fabrik Bernhard Strohmandel, 72Wallst.72Fil.Spittelmarkt, E.Seydelit u Nikolsburg.Pl.2 AlteStevpbed.werd aufgearb BREMEN Folies Caprice AMERIKA 8 U. Liebes 8 U. Reigen Vorzeiger dieses zahlen: Orch- Faut. 1, 1. Parkett... 0,75 2. Parkett.... 0.50 OSTASIEN AUSTRALIEN 3 Felertagen Theatera. Rottb. Ter Regelmäßiger Personen- und Frachtnachmittags4Uhr abends 7% Ubr Das große Oster- Programm mit Rennen zu Strausberg Pant Deckers Paul Dienstag, d.22.April, nachmittags 3 Uhr Fr. Sylvaré EL Kottbuser Straße 6 Tägl. 8 u. an beiden Feiertag.nchm 3 Uhr EliteSänger in neuer Besetzung Dazu Gastspiel: Alex Stamer Fahrplan der Sonderzüge: Jean Morean Pris Charlottbg.. ab 1247 107 14 ZOO Friedrichstr. 8 Uhr Behrenstr. 54 Kurzes Gastspiel 12 " 118 150 104 99 134 201 8 Uhr Alexanderpl. 90 130 180 207 Elly Gläßner Schles. Bhf.. 99 116 136 213 201 an 231 258 Janos u. Olivia Lilly Flohr Strausberg Wolfgang Zilzer Rennen zu Karlshorst in:, Der erste Kuß' ,, Wurstmaxe', Jackle Coogan' Außerdem das hervorragende Oster- Programm: Jansen Jackobs& Lo Castini Teubers Marionetten, Herm. Funke jr. Dolf Dolfini, 5 Gordonettis, Geschw. Stehle, Walter Pintus Kleines Entree! Kleine Preise! Ostermontag, 21. April, nachm. 8 Uhr Oster- Preis Sonderzüge: u. Lony Bowltz Jues Mesina Ly Neumann Bepp Marelly Gust. Freund Stimmungs- Gesang im Auditorium Charlottenbg. ab 12 49 1. Zug, 2.06 letz. Z. 2 Kapellen Zoo 12.55 2.12 " 99 15 99 Friedrichstr. Alexanderpl. Schles. Bht.. 1.05 2.22 " 37 1.11 2.28 W. Grabmann und V. Hofmann. . n 9 99 1.17 2.34 99 90 2.45 99 99 Große Billardsale. Karlshorst.. an 1.28 Palasi Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. NANUK der Eskimo 6 Akte Jugendliche haben Zutritt Beginn 7 und 9. Sonnt. 5, 7 und 9 Uhr verkehr mit eigenen Dampfern. Anerkannt vorzügl. Unterbringung u. Verpflegung für Reisende aller Klassen ReisegepäckVersicherung Nghere Auskunft durch NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN+ nd seine Vertretungen in Berlin W.8: Norddeutsch. Lloyd, Kajütenbureau Berlin, Unter den Linden 1( Hotel Adlon). in Berlin Kw. 40: Generalvertretung: F. Montanus, Invalidenstr.93( zwisch. Lehrter u. Stettiner Bahnhof). in Berlin W.9 Transatlantisches Reise- und Verkehrsbureau, Budapester Straße 4. in Berlin W. 8: Weltreiseburean Union", Unter den Linden 22. Nur für Frachten: Norddeutsch. Lloyd, Frachtenbureau Berlin, Unter den Linden 57/58. gebrachten Rüdftauvorrichtungen find häufiger, mindestens jedoch alljähr lich einmal, und zwar vor dem Mo nat Mai, dem Beginne der großen Regengüffe, auf ihre Gangbarkeit au unterfuchen und in betriebsfähigen Rustand zu fezen. Bei felbfttätigen Vorrichtungen find die Klappen und Rugelventile vom Schmus au reini gen, die Bänder und Gelente zu Blen, bei Hähnen die Gleitflächen des Rüdens und bei Schiebern die Schieberfcheibe, bie Gleitflächen und Schrauben zu reinigen und zu fetten. Diese müssen baher leicht zugänglich und bas Gehäuse, in welchem die felbfttätige Rüditauvorrichtung fich befindet, nötigenfalls mit wasserdicht verschließbaren Reinigungsöffnungen versehen sein. 3. Die im Reller befindlichen Reini gungsöffnungen, Fettfangfästen fowie der an der ftraßenseitigen Grundmauer burch die Stadtentwässerung gefekte Haustasten milffen stets wasserdicht und fest verschloffen ge halten werden. Durch den ungenügenden Berfaluk ber genannten Entwässerungsteile find mehrfach ganz erhebliche Ueberfchwemmungen eingetreten. 4. Tritt Waffer von der Straße her burch das Grundmauerwerk oder durch den Saustasten in den Reller, oder zeigt sich in der von der Stadtent. wäfferung ausgeführten Anschlußleitung ein ungenügender Abfluß oder eine Berstopfung, fo ift fofort der Leiter der örtlichen Dienststelle der Stadtentwäfferung um Abhilfe zu erfuchen. 5! Das beste Mittel, um das Eindringen des Waffers von der Straße zit ver. hindern, bleibt Dichtung des Grund mauerwerks im allgemeinen, befon. ders aber an den Stellen, mo RohrTeitungen( wie Gas., Waffer- und Entwässerungsröhren) durch basselbe hindurchgehen. 6. Der oberirdische Sufluß von Regenwaffer in Gebäudetelle Fann in mannigfacher Art. z. B. durch Abbeckung der Rellerlichtfächte mit Glasplatten, durch Aufmanern von Rellerfränzen, gegebenenfalls unter befonders nachzusuchender poliarilicher Genehmigung, burch zmedentsprechende Geftaltung der Geländeneigung im Anschluß an Rellerlichtfchächte. Tür öffnungen, Einfahrten u. bgl. und burch ähnliche Maßnahmen verhütet werden. Die Eigentümer werden unter$ in. weis auf die gefeßlichen Borfchriften über bie Saftpflicht für Beschädigung und Gefährdung von Berfonen und Sachen aufaefordert, die Herstellung geeigneter Schuhmaßregeln in dieser Be. stehung fich angelegen fein au laffen. Berlin, ben 15. April 1924. Tiefbaubeputation, Stadtentwäfferung. gea. Bangbein. Der heutigen Gesamtauflage liegt ein Profbekt ber..Kukirolfabrik Kurt Krisp. GroßSalze bei Magdeburg" bet, worauf wir unsere Refer be fonders aufmerksam machen. Nr. 188+41. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts England und Deutschland. Ein Vergleich. Die Bildung der englischen Arbeiterregierung hat in Deutschland ein eigentümliches Echo hervorgerufen. Die bürgerliche Pressefast ausnahmslos fann sich nicht genug in dem Ruhm der englischen Arbeiterminister erschöpfen. Kaum war das Kabinett gebildet, so ertönte sein Ruhm schon in allen Lagern. Was für ein Kabinett! Was für Minister! Was für ein glänzendes und tiefdurchdachtes Programm! Was für eine bewundernswert nationale Gesinnung bei diesen englischen Arbeitern! Es geht uns immer jo. Im Ausland sind die Sozialdemokraten immer hervorragende Staatsmänner, glühende Patrioten, Männer von Weitblick und Schulung. Merkwürdig, in Deutschland fennt man im allgemeinen in der bürgerlichen Presse die Sozialdemokraten als„ unfähige"," unintelligente", marristischinternational verfeuchte Gestalten. Bei uns zu Lande herrscht im Bürgertum in den weitesten Kreisen die Vorstellung, daß Sozialdemokraten im besten Falle ein unvermeidliches Uebel sind, mit dem man leider rechnen muß. In England verwandeln sie sich in der Vorstellung des deutschen Spießers in Staatsmänner von großem Format, denen gegenüber der Ruhm Lloyd Georges bedenklich verblaßt. Uns drängt sich ein anderer Vergleich auf. Ein Vergleich, der vielleicht näher liegt, wenn er auch für Deutschland schmerzlicher sein mag. Wie steht es, wenn man Deutschlands Bürgertum mit dem englischen Bürgertum vergleicht? In England zahlte das Bürgertum seine Kriegssteuern. In England gab es feinen Helfferich, der mit fchönen Reden das Bolt belog, der die Inflation erfand, um Schwerindustriellen und Industriemagnaten zu Gefallen zu sein und den patriotischen Bürger von der unangenehmen Last des Steuerzahlens zu befreien. In England war es nicht notwendig, den Patriotismus des Bürgers mit Giegesnachrichten anzufeuern, war es nicht möglich und auch nicht nötig, durch falsche Berichte den Bürger zum Ausharren zu ermahnen. Das englische Bürgertum, gewohnt, Berantwortung zu tragen, sah den Dingen nüchtern und offen ins Gesicht. Es überließ die Verantwortung nicht politi fchen Phantasten wie Ludendorff. Die englische Re gierung fonnte im Gegenteil höchsten Patriotismus durch offene Schilderung drohender Gefahren entfachen. Patriotismus war feine Ware, die sich nach dem Geschäft richtete, Sonntag, 20. April 1924 Der Erfinder der Dolchstoßlegende. 見 Am andern Tag besprach mein Vater vormittags mit dem Kaiser wiederum die Frage der Nachfolgerschaft im Kanzleramt. Während der Unterredung betrat auf einmal Ludendorff unangemeldet das Zimmer und fragte fofort im Towe höchster Erregung: Ist die neue Regierung noch nicht gebildet?" worauf der Kaiser ziemlich barsch erwiderte:" Ich kann doch nicht zaubern!" Daraufhin Ludendorff:„ Die Regierung muß aber sofort gebildet werden, denn das Friedensangebot muß noch heute heraus!" Der Kaiser:„ Das hätten Sie mir vor 14 Tagen sagen sollen." Aus den Erinnerungen des Grafen Hertling jun. das damit zu machen war. Das englische Bürgertum opferte D- Zug nicht nur Blut, sondern auch Gut. Wer denkt nicht an die Rundgebung der Nationalliberalen im Kriege, daß es unmöglich sei, von einer Generation bei des, Gut und Blut, zu verlangen. Wo wären wir heute in Deutschland, wenn wir ein Bürgertum hätten, dessen Patriotismus fich auch im 3 a hlen äußerte? Würden unsere Brüder am Rhein und der Ruhr so unter französischem Druc zu leiden haben? Hätten wir all die Opfer und Rückschläge des Ruhrkrieges erleben müssen, wenn unsere engstirnigen Ruhrindustriellen rechtzeitig getan hätten, was ihrem Lande gegenüber, ihren Volksgenossen gegenüber ihre Pflicht von Anfang an gewesen wäre? Heute bezahlen sie mit MicumBerträgen, heute bezahlen die Millionenmassen der Arbeiterschaft mit unendlichem Elend vielfach für die Steuerscheu Der Batrioten. -S Das deutsche Bürgertum zahlt aberwißige Summen für die Organisation des Bürgerfrieges, Die Banden der Roßbach, Ehrhardt, Hitler- Leute wie fönnten sie eristieren, wenn nicht die Industrie fie finanzierte? Glaubt irgend jemand, der Englands Bürgertum, seine Tradition und Schu fung fennt, daß dort irgendwie nennenswerte Kreise- gleidh ob unter den Liberalen oder den Tories es zulassen würden, daß ihr Land in ein Narrenhaus verwandelt wird, in dem Banden gegen die eigenen Boltsgenossen organisiert werden? Wenn Churchill, der fanatischste Gegner der Arbeiterpartei, in einer Wahlversammlung spricht und der Kandidat der Arbeiterpartei gegen ihn auftritt, dann betont er, daß er den Gegner als Menschen und als Politiker achtet, daß er auch vor ihm, dem Gegner, Respett empfindet, und daß er mit geistigen Waffen mit ihm um die Stimme des Volkes ringt. Das englische Bürgertum hat feinen Bismard- Stil im Innern großgezüchtet, feinen Kulturkampf geduldet, kein Sozialistengefeß angewandt. Der Arbeiter ist ein Bürger feines Landes wie jeder andere auch. Gewiß, die englische Bourgeoisie ist eine fapitalistische, eine imperia listische, aber mit weltumspannendem Horizont. Ihre Methoden der Beherrschung der Volksmassen sind andere, sind denen des deutschen Bürgertums turmhoch überlegen. In England kann sich der Aufstieg der Arbeiterklasse geräuschlos, unmerkbar, ohne Erschütterung vollziehen. Der Wahlkampf des deutschen Bürgertums steht im Zeichen der Demagogen und Dilettanten. Die Deutschvölkische Freiheitspartei, diese groteske Mischung von blutigstem Dilettantismus, primitiver Barbarei und albernem Größenwahn, wäre sie in England auch nur denkbar? Das deutsche Bürgertum spaltet und zersplittert sich zwei Wochen vor den Wahlen in Dugende von Parteien. Mandatsjägerei, fleinlichster Gruppenegoismus, politische Kurzsichtigkeit äußern sich um die Bette in dem mangelnden politischen Gestaltungsvermögen, in dem Fehlen st a atsbildender Kraft im deutschen Bürgertum. Die deutsche Sozialdemokratie rettete das Reich, rettete den Staat im Augenblick der höchsten Gefahr. Sie sprang in die Bresche, als die alten Gewalten feige das Land verließen und das Bürgertum vor dem Trümmerhaufen stand, den die Unfähigkeit der wilhelminifchen Gewalthaber und die politische Abstinenz der deutschen Bourgeoisie hinterlaffen hatte. Wie tritt das englische Bürgertum der ersten englischen Arbeiterregierung entgegen und wie glaubte das deutsche Bürgertum der eigenen Arbeiterschaft danken zu sollen, die Existenz und Zukunft der Heimat in größter Gefahr rettete! Was anderes tat die deutsche Sozialdemokratie, als immer wieder in die Bresche springen, wenn bürgerliche Bar feien zu feige maren, Berantwortung zu tragen! Selbst die Parteien, die in Deutschland genau wissen, daß teine andere Politik, als die der Sozialdemokratie außenpolitisch möglich ist, haben sie den Mut, im Wahlkampf das offen zu bekennen? Man braucht nur an Stresemann in Hannover zu denken und die Frage ist beantwortet. Die Ideen und Ideal Tofigkeit des Bürgertums, die Stresemann im Reichstag einmal für die Borkriegszeit betlagt hat, sie ist heute in Deutschland sicher taum geringer geworden. Luden = nach Schweden = 000 九 Danach hat General Ludendorff am 1. Oktober d. J. unsere militärische Lage für verzweifelt gehalten und sofortiges Waffensiillstandsangebot gefordert. Acht Tage darauf geftand er, sich in der Bewertung der Kriegslage geirrt zu haben. Einen folgenschwereren Irrtum hat es nie gegeben. Er hat ein ganzes Bolt dem Unglück und der Schande überliefert." Die Boft"( deutichnational) am 18. November 1918. Aus dem republikanischen Wikblatt„ Cachen lints". dorff beherrscht das Feld und Helfferich, der Vater der Inflation, darf es wagen, den demagogischen Kampf in schwerfter Not gegen die eigene Regierung zu führen. lohnt! Das deutsche Bürgertum wird noch vieles lernen Wirklich, der Bergleich zwischen England und Deutschland müssen, ehe es diesen Vergleich bestehen kann! Die Wahlvorschläge für Berlin. Eine Anzahl ein, Der Wahlausschuß für den Reichstagswahlkreis 2( Berlin) nahm gestern die Prüfung und Feſtſetzung der für die Reichstagswahlen eingegangenen Wahlvorschläge für Berlin vor. gereichter Borschläge verfiel der Ablehnung. Zugelaffen wurden folgende 17 Wahlvorschläge: 1. Bereinigte Sozialdemokraten. 2. De mofraten. 3. Kommunisten. 4. Wirtschaftspartei. 5. Deutschsoziale. 6. Häußer- Bund. 7. Zentrum. 8. Böltische Freiheitspartei. 9. Sozialistischer Bund( Bedebour- Gruppe). 10. Deutsche Boltspartei. 11. Bolnische Bolkspartei. 12. Unabhängige Sozialdemokraten. 16. Deutsche Arbeitnehmerpartei. 17. Deutschnationale Bolkspartei. 13. Republikaner. 14. Rationale Freiheitspartei. 15. Bodenreformer. 18. Nationalliberale Vereinigung. dem Stimmzettel lints oben an erster Stelle. Die Bereinigte Sozialdemokratie steht also auf Sozialdemokratische Reichswahlliste. Eine aus Mitgliedern des Parteiausschusses und Mitgliedern des Parteivorstandes zufammengefeßte Kommission war vom Barteiausschuß bestimmt worden, die Kandidaten für die Reichslifte aufzustellen. Die Liste enthält folgende Namen: S 1. Herm. Müller, 2. Wels, 3. Crispien, 4. Dr. Hilfer. ding, 5. Marie Juchacz, 6. Dr. Her 3, 7. Georg Schmidt ( Lanbarb.- Verb.), 8. Dittmann, 9. Rechtsanwalt Saenger. München, 10. Steintopf( Beamten Berbände), 11. Johanna Reiße, 12 Stampfer, 13. Dr. A. Braun, 14. Konrad Ludmig, 15. Goffmann, 16. Heinr. Schul 3, 17. Scheffer( Eisenbahner- Berband), 18. Prof. Grotjahn, 19. Luise Schröder, 20. Roßmann( Reichsbund der Kriegsbeschädigten), 21. Dr. med. Mofes, 22. Jädel( Tertilarbeiter- Berband), 23. 5üttmann, 24. Stüdlen, 25. Dr. Lohmann, 26. Adele Schreiber. Krieger, 27. Müntner( Berband d. Gemeinde- u. Staatsarbeiter). die vielfach mit guter Begründung die Empfehlung für die Es lagen von 52 Rorporationen usw. Borschläge dafür vor, vorgeschlagenen Kandidaten enthielten, daß sie auf Spezialgebieten besondere Sach- und Fachkenntnisse besäßen. Die Kommission mußte jedoch bei der Auswahl der Kandidaten darauf bedacht sein, daß gerade unter Berücksichtigung dieser Begründung vorerst Genossen auf die Liste kamen, die die Fraftion infolge ihrer besonderen finanztechnischen, steuerpolitischen, juristischen usw. Kenntniffe nicht entbehren fann. Somit fonnten viele sonst sehr afzeptable Bor. fchläge beim besten Willen nicht berücksichtigt werden. Die fünfte Woche des Wahlkampfes. Die Problemftellung. Deutschlands stehen in engster Wechselwirkung. Auf der einen Seite hat die gewiffenlose Agitation der Völkischen und der Deutschnationalen drohende Gefahren für Deutschland heraufbeschworen. Auf der anderen Seite zwingt die Entwicklung der Reparationsfrage zu realpolitischen Entschlüssen. Die fleinen Splitterparteien von den Dimensionen größerer Vergnügungsvereine mögen immerhin im feichten Wasser gewöhnlicher Bahldemagogie dahinplätschern vor den großen Parteien steht die Frage der Berantwortung, der 3wang, nicht nur die Wahl selbst, sondern auch die nächsten Schritte praktischer Politik nach der Wahl ins Auge zu faffen. Indem die Parteien Stellung genommen haben zu der durch das Gutachten der Sachverständigen und die Entschließung der Reparationskommission geschaffenen Situation, haben fie flarer und fchiedener ihren politischen Willen offenbart, als es durch Wahlprogramme und Wahlreden geschehen fann. Da zeigt fid), daß in der Stellungnahme zu den außenpolitischen Problemen die Kon ftellation dieselbe geblieben ist. Die übermächtige Einwirkung ber äußeren Bolitit bestimmt die parteipolitische Konstellation im Innern. Der Berlauf des Wahlkampfes und die außenpolitische Lage ent Aber wenn auch die bürgerlichen Parteien der Mitte einen stetigen Kurs der deutschen Außenpolitik auf der Linie: Befreiung durch Erfüllung anstreben, so fehlt es ihnen an Mut und Konfequenz, um für die inneren Probleme Deutschlands ihre Stellung Dementsprechend zu bestimmen. Die innerpolitische Ergänzung zu dem unverrückbaren Kurs der deutschen Außenpolitik ist im allgemeinen der Kurs, der von der Mehrheit der Nationalversammlung eingefdlagen wurde. Gelingt es nicht, diese Uebereinstimmung her zustellen, so wird immer wieder die Krise in Deutschland regieren, bie mit innerem und äußerem Zusammenbruch droht. Hier liegt die Schwäche der bfirgerlichen Mitte, die außenpolitisch das Steuer wohl im richtigen Kurse halten möchte, innenpolitisch aber von den reaktionären Tendenzen ungemein starf angezogen wird. Es ist nicht nur die wilde und verantwortungslose Agitation der Extremen, nicht nur die Aufpeitschung von Chauvinismus und Revanchegeschrei durch die Deutschnationalen, die die Entstehung einer festen Regierung in Deutschland nach den Wahlen gefährdet, fondern auch der Geist des sozialen Rückschritts, der in ben Mittelparteien start ist. Der Klaffenkampf gegen die Arbeiterschaft, der Kurs der deutschen Justiz rütteln an den Grundlagen des Staates. Das ist das bemerkenswerteste in dieser Woche des Wahlkampfes, wie außerhalb der eigentlichen Wahlkamragne fieberhaft daran gearbeitet wird, die Arbeiter und die Sozialdemokratie die Macht eines vom Geiste bürgerlich- reaktionären Klaffentampfes erfüllten Staates empfinden zu laffen. Damit fündigen sich große Auseinandersetzungen für die Zeit nach der Waht an. Die Sozialdemokratie ringt um die Heraus. arbeitung wahren Staatsbewußtseins und wahrhaft nationalen Den 1. Die Gewaltpolitit Frankreichs untergrub das Vertrauen zur ruhigen Entwicklung der Weltwirtschaft. Seine Drohungen waren immer neues Wasser auf die Mühle der deutschen Nationalisten, die zuerst den unerfüllbaren Friedensvertrag als Vorwand für die Steuer. sabotage benutten, dann Erzberger und Rathenau ermordeten und zuletzt Deutschland in den Ruhr. frieg hineinbetten. Diese Feststellungen mindern mohl die Berantwortung Deutschlands für den Verfall seiner Reichsfinanzen herab, aber sie beseitigen nicht die Berantwortung, die auf der Regierung und auf der Reichstagsmehrheit ruht. Gerechte Finanzreform ist mur möglich, wenn das Bolk am 4. Mai gegen die Nationalisten entscheidet. 2. Die zweite Ursache ist die Tatenlosigkeit, mit der die bürgerlichen Parteien diefer Entwicklung zusahen, die immer meinten, Deutschland müsse den Weg Desterreichs gehen. Der Marksturz, der Ende 1922 von der Die Rettung Europas ist das Ziel der sozialistischen Außenpolitik: in England, wo die Arbeiterpartei die Politik bestimmt, in Frankreich, wo die Sozialisten mit den bürgerlichen Gegnern der Vernichtungspolitik Poincarés den Linfsblock für den Wahlkampf gebildet haben, fens im Volte. Dazu gehört ihre praktische Mitarbeit, dazu auch in Deutschland, ein freiheitlicher Rurs im Innern. In diesen Fragen scheinen die bürgerlichen Mittelparteien mit politischer Blindheit geschlagen. Ihre innerpofitische Tendenz nach rechts gefährdet die Durchführung der Außenpolitit, die sie selbst für richtig halten. Die Fragen der wo am 4. Mai die hetzenden Zutreiber Poincarés aufs Haupt geschlagen werden müssen, damit überall zum Sieg geführt werde wirklichen Finanzreform Deutschlands stehen heute schon auf der das Friedenswerk der Sozialdemokratie. Tagesordnung. Solange die dritte Steuernotverordnung das letzte Wort der Mittelrartesen ist, folange ist feine wirkliche Finanzreform möglich. Wo aber ist die bürgerliche Mittelpartei, die im Wahltampf entschloffen diese Fragen aufwirft? Diese Woche des Wahlkampfes bebeutet entschiebene Broblemstellung. Die Abstimmungsfrage für den 4. Mai heißt: Soll eine deutsche Außenpolitit getrieben werben, die das Band vor neuen Katastrophen bewahrt und die durch Sachverständige und Rerarationsfommiffion gefchaffene Lage ausrugt? Soll in Deutschland ein freiheitlicher Rurs im Geiste fozialer Gerechtigkeit gesteuert werden? Aeußere und innere Freiheit für Deutschland, oder als Folge der Ka'astrophenpolitif neue äußere ne chtung und Diftatur der äußersten Rechten oder Linfen im Innern? Freiheit nach außen und Freiheit im Innern bas ist das Ziel der VSPD! Was die Völkischen wollen. Aus dem Ehrhardt- Lied. Arbeiter, The Lumpen, wie wird es Euch ergehen Wenn Ihr die Brigade Ehrhardt werdet jehen. Die Brigade Ehrhardt schießt alles furz und flein, Wehe Dir, ja wehe Dir, Du Arbeiterschwein!" Nieder mit diesen Tolfeinden der Arbeiter! Wählt sozialdemokratisch! Gerechte Reichsfinanzreform. Wer hat die Reichsfinanzen zerrüttet? Die Befreiung Deutschlands erfordert, daß im Innern tatkräftige Anstrengungen gemacht werden, um die Opfer aufzubringen, die für die Befreiung gebracht werden müssen. Boraussetzung dazu ist eine große und gerechte Finanzreform, die die Zerrüttung der Reichsfinanzen beseitigt. Die Ursachen der Zerrüttung der Reichsfinanzen zeigen, wo dabei der Hebel angefeßt werden muß. Drei Ursachen haben die Zerrüttung der Reichsfinanzen herbeigeführt: Etwas vom Abbauen. Bon Lena. Also ich hatte in der Zeitung vom Abbauen geleien. Daß man Beamte megschicht irgendwo in Deutschland, weil sie eine andere Meinung haben als der, der in der Lage ist, sie weg. zufchiden und daß man, um zu sparen, einen Spartommiffar eingesetzt hat, der viel Geld fostet und in Berlin sechs Arbeitsvermittlungs- und Beratungsstellen für Abgebaute eingerichtet hat, natür lich auch, um zu sparen und daß man Beschwerdeinstanzen ge fchaffen hat, die wohl Arbeit haben werden und vielleicht nicht ausreichen usw. usw. Danach legte ich mich zu Bett, und vor dem Einschlafen gudte ich wie immer auf das Bild vom lieben Gott, der aus seinem Finger das Leben in den Udern strömen läßt, so, wie ihn Michelangelo in Rom gemalt hat. Das Bild hängt nämlich gerade meinem Bett gegenüber an der Wand. Ja, dann bin ich vielleicht eingeschlafen. Ich weiß es nicht so ganz genau. Aber auf einmal stand ein alter Herr vor meinem Bett. Er hatte sowas an wie einen altmodischen Schlafrod und hatte über den Hüften eine dide goldene Schnur darum geschlungen, die ihn zufammenhielt. An der hing ein großes Schlüffelbund. An jedem Schlüffet ist ein kleines Schildchen mit einer Nummer und einer Inschrift gewesen. Ich konnte lesen: Nr. 1. Züm lieben Gott. Nr. 2. Zur Jungfrau Maria. Ich bin ,, Bitte, stehen Sie schnell auf," fagte der alte Mann. nämlich der Peter, der Sankt Peter, sozusagen, und Sie sollen mit mir nach oben fommen zum allers, allerhöchsten Herrn." Ich wollte gerade sagen, daß ich eine gute Republikanerin sei und nichts mit hohen, höchsten, allerhöchsten und aller, allerhöchsten Herrschaften zu schaffen haben wolle, aber ich befann mich, denn ein bischen neugierig war ich doch, und so etwas wird einem nicht alle Tage geboten. So fagte ich nur: ,, Aber ich habe nur ein Nachthemd an." Das macht nichts," sagte der alte Peter, die Engel tragen auch nichts anderes." Er faßte mich an der Hand, und huit" flogen wir nach oben. Wir flogen gerade durch das Fenster hindurch. Es war, als ob gar tein Fenster da wäre. Und nun hielten wir an vor einer mächtig großen Tür. Sie war früher wohl ziemlich blant gewesen, es schien beinahe, als sei befennt. Aber dagegen richten Sie einen Damm auf, wenn es portummen tann, daß hier von Regierungsfeite erklärt wird: das Ultimatum ist erfüllbar, wir fönnen erfüllen, wenn wir nur wollen! Das ist das Gegenteil der Politik, die richtig ist. Und es ist auch das Gegenteil der Wahrheit! Herr Reichstanzier! Ich richte an Sie den Appell: Unterlaffen Sie solche Aeußerungen und sorgen Sie dafür, daß von jedem Mitglied der Regierung in Zukunft solche Aeußerungen unterlassen werden. Ich bin fest überzeugt, es gibt niemand auf der Regierungstant, es fann niemand auf der Regierungs bant geben, der im Ernst glaubt, daß das Ultimatum auf irgend welche längere Dauer erfüllbar sei. Aber Sie glauben in Taftif machen zu müssen zugunsten des deutschen Voltes, indem Sie das Ultimatum als erfüllbar hinstellen. Diese Taftit ist grundfalsch, ift grundverkehrt! Meine Herren von der Regierung, fagen Sie die Wahrheit! Das ist die beste Laftif! Das ist die einzige Rettung!" Er hatte die Regierung Wirth als Handlanger der Entente hingestellt. Er unterstellte ihr, daß sie wider besseres Wissen das Bolt belüge und betrüge. Scine Anhänger sollten Berrat, Berrat durch die Regierung ahnen! Am 26. August 1921 wurde Erzberger ermordet! Nach der Konferenz von Genua hielt helfferich am 23. Juni 1922 eine neue Heßrede. Er warf der Regierung Wirth Wahnsinn und Verbrechen vor: Meine Damen und Herren! Die Berpflichtung, die, menn auch in bedingter Form, übernommen worden ist, ist nach meiner Ansicht hellid, ter Wahnsinn, ist mehr als das, ist ein Verbrechen. Sie ist um so unsinniger und verbrecherischer, als uns selbst das unerfüllbare Teil. moratorium nur für 1922 zugestanden worden ist und vom 1. Jas nuar 1923 n alles in Frage steht, das heißt alles in den Händen der Reperationstommiffion liegt." Offen forderte er den offenen, friegerischen Konflikt: Man muß draußen im Lande verstehen lernen, daß hinter einer Weigerung, hinter einer Ablehnung der deutschen Regierung gegenüber folchen unerhörten Forderungen die legte Ron. fequenz fteht." Er stelle Wirth und Rathena u als Liebediener der Franzosen hin, er unterstellte, daß ein Stirnrungeln der Franzosen ihnen mehr bedeute als das Leiden deutscher Boltsgenossen. So sprach durch seinen Mund die gewiffenlofefte Heße in Deutschland am Juni 1922. Ermordung Rathenaus seinen Ausgang nahm, wäre zu vermeiden gewesen, wenn die maßgebenden Wirt- 23. fchaftstreise und die bürgerlichen Parteien ihn hätten vermeiden wollen. Daher feine Stimme einer bürgerlichen Partei! des Belikes durch Steuern. Denn trok hoher 3. Die dritte Ursache ist die mangelnde Belastung Steuerbelastung wurde die Steuerbelastung des Befihes immer geringer, da die fortschreitende Geldentwertung den Gold martbetrag einer jeden Steuerleistung zwischen Beranlagung und Rahlung auf einen Bruchteil verringerte. Die gerechte Verteilung der Steuerlasten hat allein die Sozialdemokratie im vergangenen Reichstag angestrebt. Nur der Stimmzettel für die Vereinigte Sozial demokratie gewährleistet gerechte Reichs. finanzreform! Heter Helfferich. Ein Verderber Deutschlands. Helfferich mendet sich gegen die Annahme bes Sachperständigengutachtens in einer Tonart, die der seiner schlimmsten 5) e z. reden aus dem Jahre 1921 und 1922 würdig ist. Er betreibt mieder die Methode, alle Deutschen, die an der Ausführung der Be dingungen des Gutachtens arbeiten werden um der Befreiung der befeßten Gebiete willen, von vornherein als Lumpen und Baterlandsperräter zu beschimpfen. Das ist der Wiederbeginn der Mordhege! Die hem. mungslosen Reden Helfferichs im Reichstag haben die nöltische Be wegung und damit die Mordheze gezüchtet. Am 6. Juli 1921 sprach er im Reichstag gegen Wirth und die Erfüllungspolitif: „ Der Weg der Rettung des deutschen Boltes ist nicht das Programm der Erfüllung, nicht die unmögliche Erfüllung des Ultimatums, fondern diefer Weg ist die Revision des Ultimatums, die Befreiung vom Ultimatum. Und damit wende ich mich noch einmal an die Regierung. Meine Damen und Herren! Diesem Bestreben, dahin zu wirken, baß die Welt einsieht, das Ultimatum ist eine Unmöglichkeit, tann nur dann draußen in der Welt die Bahn gebrochen werden, menn zu allererst das deutsche Bolt das einsieht und sich dazu fie von Gold, jetzt aber fah fie verrußt und verstaubt aus, fo, als ob man nicht allzu oft hindurchginge. Ueber der Tür standen in das Metall gegraben die Worte: Nr. 1. Zum lieben Gott. Beter stedte den Schlüffel ein und schloß auf. ,, Bitte, treten Sie näher," sagte er. Da faß wahrhaftig der liebe Gott und fah gerade aus wie auf dem Bilde von Michelangelo. Vielleicht fah er ein ganz flein wenig älter aus und vielleicht nicht ganz so schaffensfreudig wie damals, aber das ist am Ende kein Wunder. Hören Sie," fagte der liebe Gott ,,, man soll da in Deutschland allerlei abbauen, um zu sparen. Ich habe das leider nicht ganz fo genau verfolgt, denn ich hatte mir gerade in Aegypten das alte Königsgrab, das sie jest geöffnet haben, ein bißchen angesehen, aber soviel habe ich doch gemerkt, daß sie das mit dem Abbauen nicht allzu gescheit angefangen haben. Können Sie mir nicht ein paar bessere Dinge zum Abbauen vorschlagen? Ich will dann nachprüfen, was man dabei spart." Gott ,, Ja, ich wüßte wohl so allerlei, das man abbauen tönnte, lieber aber ob dir das recht sein wird?" ,, Na, los damit," jagte er aufmunternd. abzubauen." Also, ich würde vorschlagen, die Herren Dinter, von Graefe und Bulle und ihr deutschvölkisches Gefolge, furz alle Hatentreualer Einverstanden. Damit würde man Deutschland eine schimpfliche Blamage vor dem Ausland und möglicherweise eine Anzahl neuer Mordtaten ersparen." Ich würde alle sogenannten nationalen Hezer abbauen." Recht so. Damit würde man Deutschland einen neuen Krieg ersparen. Das ist schon der Mühe wert." ,, Dann würde ich alle Schieber und Bucherer und Ausbeuter abbauen, die am Schaden des Boltes reich werden." Bravo! Dann würde den Armen manche Not, Hunger und Elend erspart." Ich würbe alle parteiischen Richter abbauen, die ein ungerechtes | Urteil sprechen." ,, Damit würdest du Deutschland einen Schandfled in seiner Kultur ersparen. Doch fahre fort." Ich würde alle dummen und schtechten Geseze und Verord nungen abbauen." Am 24. Juni 1922 wurde Rathenau ermordet. Ein Sturm der Entrüstung wider die Mordhehe erhob sich. Soll mun diese hetze aufs neue beginnen? Soll ein helfferi Republik und Republikaner niederheben? Am 4. Mai gebührt ihm die richtige Antwort! Nur amtliche Stimmzettel. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichswahlgefeß in der Fassung Dom. 6. März 1924 fennt nur amtliche, auf Kosten des Reichs hergestellte Stimmzettel. Daher hat die mit Bustimmung des Reichsrates vom Reichsminister des Innern erlassene Reichsstimmordnung vorgesehen, daß jeder Wähler nach Betreten des Abstimmungsraumes Stimmzettel und Umschlag erhält, im Abstimmungsraum den. Stimmzettel auszufüllen hat, und daß Stimmzettel, die als nicht amtlich hergestellt erfennbar find, ungültig sind. Dem vom Reichstage bei Einführung des amtlichen Stimmzettels verfolgten Zwed würde es widersprechen, wenn den Parteien gestattet würde, den amtlichen Stimmzettel nachzudrucken, um ihn, mit einer entsprechenden Eintragung ausgefüllt, an ihre Anhänger zu verfchiden. Desgleichen ist es mit den Wahlbestimmungen nicht vereinbar, die amtlichen Stimmigettel gegen Roſtenerfaz an die Parteileitungen auszugeben, bamit der Stimmzettel außerhalb des Abstimmungsraumes parteimäßig hergerichtet werden kann. Politische Verlotterung. Schlagring- Kommunisten als Versammlungssprenger. In einer Berfammlung in Düsseldorf, in der Genoffe hente sprach, fam es infolge von Ausschreitungen der Rommunisten zu wüsten Tumultszenen. Die Kommunisten warfen Stühle von der Galerie gegen den Redner und drangen gegen das Podium vor. Hente wurde erheblich Der fozialdemokratische Parteisekretär Agnes wurde von den Kommunisten, die mit Schlagringen gegen ihn vordrangen, start verlegt. verwundet. Dieses Rowdytum bildet sich ein, der Bortrupp und die geistige Elite der deutschen Arbeiterschaft zu sein! Jeder Arbeiter muß sich mit Berachtung von diesem Gesindel abwenden. ,, Und alle Geistlichen würde ich abbauen, die auf der Kanzel von Liebe reden und dem Haffe im eigenen Bolt und zwischen den Bölkern leben." ,, Dann würdest du meinem Sohn Christus einen bitteren Rummer er paren." ,, Alle kommunistischen Schwäher und Hezer und Lügner würde ich abbauen, die in fremdem Solde stehen und durch Spaltung Kraft und Einheit der Arbeiterschaft lähmen." ,, Du würdest der Arbeiterschaft eine Niederlage und bittere Enttäuschung ersparen." ,, Alle eigensüchtigen Politiker, die nicht das Wohl des Ganzen im Auge haben, würde ich abbauen." ,, Dadurch würden freilich die deutschen Parlamente viel fleiner werden, und ihr würdet Diäten sparen und Zeit an unnügen Reden." Und schließlich würde ich alle Arbeiter und rauen abbauen, die nicht am 4. mai fozialistisch wählen." Gut, gut, gut!" fagte der liebe Gott. So würdest du den Arbeitern und den Frauen die allergrößte Dummheit ersparen. Geh nur, ich sehe, du verstehst deine Sache und wirft es schon recht machen." tann, und dachte:„ Manchmal tönnen doch auch allerallerhöchſte Ich machte eine Berbeugung, fo gut man das im Nachthemde Herren recht nett fein," denn der liebe Gott gefiel mir. Als ich gerade aus der Tür gehen wollte, rief er mich noch einmal an. ,, Du," sagte er ,,, wenn der Tod kommt und will die Dinter, Graefe und Bulle abtauen, vann lasse sie um teinen Preis hier hinauf in den Himmel!" ,, Warum denn nicht, lieber Gott?" fragte ich zurüd. Ja, die würden mich selber abbauen, weil mein Sohn ein Jude mar." Ich ging. Sankt Peter machte die Tür hinter mir zu und steckte den Schlüffel- ein( den Nr. 1. zum lieben Gott). Ich hörte, wie das Schloß fnarrte, als er ihn umdrehte. ,, Mutter, steh auf, du verschläfft die Zeit!" rief die Stimme meiner Tochter, und ich hörte, wie das Schloß fnarrte, als sie bie Haustür aufschloß. Da machte ich die Augen auf. Ich lag wieder in meinem Bett „ Du hättest viel zu tun, aber mindestens würdet ihr ungeheuer und fonnte meine Träume abbauen. viel Papier sparen... „ Schön wäre es freilich gewesen," bachte ich. Wirtschaft Der Reichsindex für die Lebenshaltung. ( 1913/14= 1) 7. Januar 14. 19 21. 99 28. 99 4. Februar 11. 18. 25. 3. März 17. 9. April 15. 99 • 1,13 1,11 1,08 1,06 1,04 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 • 1,11 1,12 Steigerung gegen die Borwoche 0,9 Proz. Krisengefahr und Wirtschaftspolitik. Die Beobachtung der wirtschaftlichen Ronjunktur ist für die Arbeitnehmer deshalb ein so dringendes Erfordernis, weil der Ausgang von Lohnkämpfen und die gewerkschaftliche Taktik in hohem Maße davon abhängt, ob die Arbeitskraft vom Unternehmer dringend benötigt wird oder nicht. Steigender Absatz mit steigenden Waren. preisen stärfen nicht nur die Macht der Unternehmer über den Waren. marft, sie stärfen auch gleichzeitig die gewerkschaftliche Schlagkraft, weil die schönsten Fabriten teinen Profit bringen, wenn man teine Arbeitskräfte dafür gewinnen fann. Die wachsende Profitrate des Unternehmers, die immer bei steigender Konjunktur zu verzeichnen ist, macht ihn daher geneigt, Lohnforderungen starter Arbeiter organisationen eher entgegenzukommen als in Seiten sinkenden Geschäftsganges, wo die Frage der Betriebseinschränkungen und Still legungen immer näher rüd: und die fallende Profitrate den Anreiz, Unternehmungen in Bang zu halten, schwächt und schließlich ertötet. Diese Grundelemente wirtschaftlicher Erkenntnis find noch weiten Arbeitertreisen fremd. Sonst wäre es undentbar, daß noch piele Arbeitnehmer der wirtschaftlichen Entwicklung wenig Beachtung schenten, folange sie nicht selbst davon nachteilig betroffen werden. Und es wäre ebenso ausgeschlossen, daß man oft genug den Fchlschlag von Lohnbewegungen furzerhand den Arbeiterführern zur Laft legt, während sie in Wirklichkeit vom Verlauf der Konjunktur entfcheidend bestimmt werden." Die gegenwärtige Wirtschaftsperiode, äußerlich gekennzeichnet durch steigenden Absah, steigende Preise und vereinzelt fogar steigende Löhne obwohl die letzteren hinter dem Reallohn der Vorfriegszeit meist noch zurückbleiben- birgt in fich alle Merkmale einer sich vor bereitenden schweren Krise. Die Belebung der Kon junktur, die in der letzten Zeit zu verzeichnen war und über die bei uns insbesondere an Hand der Meldungen vom Arbeitsmartt berichtet wurde, steht in einem schreienden Gegensatz zu der Kauffraft des inneren Marktes. Diese ist außerordentlich geschwächt. Der Export ist für viele Industrien unlohnend geworden, weil die In habie& auitätigteit im Inland trog der verminderten Kauf. fraft eingelegt hat, so ift das nur eine natürliche Rückwirkung des ungeheuer angewachsenen Bedarfs gerade derjenigen Schichten, die während der Inflation sich nur das zum Leben notwendigste ver. dienen konnten, also Arbeitnehmer aller Art und mit ihnen Kleinrentner und ähnliche Erwerbsgruppen, die von der Geldentwertung zugunsten des Großbefizes enteignet wurden. Mit der Minderung Der Rauftraft im Inland steht auch die Tatsache in Widerspruch, daß auf manchen Märkten jogar ein gewisser Burusperbrauch zu verzeichnen ist. Ein Bolt, das zehn Jahre lang Südfrüchte, faft nur für feine bevorzugte Riaffe bestimmt, in den Feinkostläden der vornehmen Stadtteile anstaunen durfte, jetzt aber diese zu einem einiger maßen erschwinglichen Preise angeboten erhält, wird natürlich derlei an sich überflüssigen Waren einen stärkeren Bedarf entgegenbringen, als vor dem Kriege. Künstlich entfacht wurde die Nachfrage weiter Durch den vorangegangenen langjährigen Mangel un nicht zu teuren Kleidungsstüden, an Wäsches, an Mobilar. Gerade Die Kauffraft der Schichten, die am meisten gelitten haben, stellt nach der Stabilisierung wieder eine Größe vor, die man früher gar nicht KON UNON Kathreiners Malzkaffee Dial nachgrafun doch nie erreicht! • Gnfalt macht!. SM beachtet hatte und man braucht sich nicht zu wundern, daß infolge. dessen die Einfuhr an Tertilen aller Art steigt. Aber schon jetzt tritt in denjenigen Teilen. der Textilindustrie, die dem Berbrauch am nächsten stehen, also in der Bekleidungswarenindustrie ein Rüd. gang der Nachfrage ein. Die eigentliche Stabilisierungsfrise fündigt sich darin an. Im Banfgewerbe und in einzelnen Teilen des Großhandels ift fie bereits eingetreten. Die Frankenverluste des Metallhandels werden noch immer in der Fachpresse lebhaft erörtert. Es vergeht ferner tein Tag, wo nicht von irgendeiner Seite Zahlungsschwierig teiten gemeldet werden. Es ist bezeichnend für die Situation, daß felbst ein angefehenes Banthaus wie die Effener Firma Schwab, Roelle u. Co. eine im Augenhandel führende Firma, durch Frankenspekulation derart in Mitleidenschaft gezogen wurde, daß Zahlungsschwierigkeiten bei diesem Hause entstanden. Im Leipziger Rauchwarenhandel wurde die Firma Mag Delmonte A.-G. in Schwierigkeiten gebracht. In Berlin hat die noch junge Produften. firma Bloch u. Enoch die Geschäftsaufsicht beantragt, um das Kontursverfahren abzuwenden. Das sind nur einige der neueren Insolvenzen. Daneben wollen Berichte nicht verstummen, die über Deffentliche Wählerversammlungen Dienstag, den 22. April, abends 7½ Uhr: Alt- Glienice: Lokal Bohne, Grünauer Straße. Weißenfee: Aula Realgymnasium, Woeldpromenade( Licht. bildervortrag). Referenten: Alb. Horliz, Franz Künstler. Mittwoch, den 23. April, abends 7% Uhr: Berlin- Mitte: Sophiensäle, Sophienstraße 17/18. Wedding( 21. Abt.): Schulaula Plantagenstraße 15/17. Wedding( 22. Abt.): Schulaula Lütticher Straße 47/48. Friedrichshain( 38. Abt.): Lofal Schmidt, Fruchtstraße 36a ( oberer Saal). Kreuzberg( 40. und 41. Abt.): Bodbrauerei, Fidicinstraße 2/3 ( fleiner Saal). Kreuzberg( 47. Abt.): Lokal Behrendt, Manteuffelstraße 95. Neukölln( 95. Abt.): Kindl- Brauerei, Hermannstraße. Friedrichsfelde: Lokal Tempel, Prinzen- Allee 30. Kaulsdorf: Turnhalle Schule Adolfstraße. Tagesordnung in allen Versammlungen: der 4. Mai" „ Der Tag der Entscheidung Referenten sind: Bartels, Robert Breuer, Dr. Freund, Seachim, Karl Leid, Hermann Lüdemann, Dr. Mierendorf, Wilh. Reimann, Dr. Zechlin. Deffentliche Wählerinnenversammlungen Spandau: Konkordiajäle, Klosterstraße 13/15. Breife wird fünftlich überhöht, ber Reallohn muß fimfen, weil die Rauffraft zurückgeht. Diese Gefahr wurde von einsichtigen Wirtschaftsfritifern schon lange norausgesehen und darum war bie Wirtschaftspolitik des Reiches, solange sie unter sozialistischem Einfluß stand, darauf gerichtet, die deutsche Volkswirtschaft gegen den brohenden Konkurrenstampf ft art zu machen. Gerade jegt, wo durch die Golddisfontbant Auslandskredite in erhöhtem Maße für uns nutzbar gemacht werden sollen, lohnt es sich, daran zu erinnern, daß Genosse Robert Schmidt als Reichswirtschaftsminister bereits im Jahre 1920 das gleiche Biel mit gemeinwirtschaftlichen Mitteln zu erreichen suchte, damals aber von den Bürgerlichen überstimmt murde. Man hat eben jebe gemeinwirtschaftliche Regulierung und Stärtung der Wirtschaft betämpft. Jetzt haben wir bereits seit mehr als einem halben Jahr die größte Kreditknappheit, selbst bei solchen Unternehmungen, deren Produktionswert außer Frage steht, und trog der beträchtlichen von der Rentenbank in die Wirtschaft gepumpten Kredite. Die Kreditknappheit hindert aber nicht, daß verfügbare Geldbeträge zu gänzlich unwirtschaftlichen Zweden, wie z. B. der Frantspekulation, ausgeworfen werden. Andererseits treten als Kreditfucher auch viele Firmen auf, die im Grunde nicht mehr egiftenzfähig find. Dadurch wird die Kreditknappheit noch vergrößert, bas Produktionstapital weiter verteuert, die Krife in die Länge gezogen. Es besteht nun, nachdem die gemeinwirtschaftliche Beeinflussung der Produktion von den Bürgerlichen abgelehnt wurde, fein anderes Mittel zur Wiederherstellung gesunder Wirtschaftsverhältnisse mehr, als das, jetzt wenigstens diejenigen Hemmungen in die Wirschaft einzuschalten, die in normalen Zeiten die Säuberung der tapitalistischen Wirtschaft von lebensunfähigen Elementen herbeiführten. Noch heute ist es so, daß eine Firma, die fich gänzlich verspekuliert hat, deswegen nicht sofort Konkurs anzumelden braucht, sondern sich unter Geschäftsaufsicht stellen lassen fann, um den Konfurs zu vermeiden. Diese Bestimmung wurde während des Krieges getroffen und hatte zur Abwendung der Kriegsfolgen einen Sinn. Der Sinn wird aber in sein Gegenteil verfehrt, wenn Firmen, die der Inflation, also der schwersten wirtschaftlichen Kriegsfolge ihre Eristenz verdanken, und sich diese gehörig zunuze gemacht haben, ießt auf einmal die Staatshilfe gegen ihre Gläubiger in Anspruch nehmen. Die Umstellung der Wirtschaft zu besserer und billigerer Produktion und die Freimachung von Geldern, die jetzt noch ganz unwirtschaftlich beschäftigt werden, wird auf diese Weise nur perzögert. Wenn die Krise unvermeidlich ist, so haben wir nur den Wunsch, daß sie sich rasch und weniger schmerzvoll auswirkt, als das der Fall sein muß, wenn man schwache Betriebe fünftlich aufrecht erhält. Die jetzt heraufziehende Krise wird die für die Wirtschaftspolitik verantwortlichen Regierungsorgane vor die fchwersten Aufgaben stellen. Wie sich die Unternehmer eine Lösung denten, haben die Kämpfe um Lohn und Arbeitszeit in der letzten Zeit genug bewiesen. Das deutsche Bolt wird mit dem Stimmzettel in der Hand am 4. Mai darüber zu entscheiden haben, ob die notwendige Bereinigung der Wirtschaft im sozialistischen Geiste erfolgen oder zu einer Stärkung der Interessen des Großlapitals führen foll. Das Steuerjahr 1923/24. Ober- und Niederschöneweide, Johannisthal: Aula Mädchen- 3öllen und Abgaben für das Ende März d. 3. abgelaufene schule in Niederschöneweide, Berliner Straße. Tagesordnung: " Wie wählen die Frauen am 4. Mai?" Referentinnen: Gertrud Hanna, Hedwig Wachenheim. Die Uebersicht über die Reich seinnahmen an Steuern, Rechnungsjahr liegen nunmehr vor. Die Endergebnisse sind jedoch nur von geringem Wert deshalb, weil das Reich unentwegt an der Papiermartrechnung festgehalten hat. Die Steuer. erträgnisse sind in Billionen Mart angegeben, ganz gleichgültig, ob diese Mart im April v. 3. bei einem Kursftand des Dollars von zirka 20.000 eingegangen sind oder in den letzten Monaten zu einem Kursstand von 4 200 000 000 000. Dadurch muß das Bild der Lasten. verteilung ebenso falsch sein auf Besiz und Berbrauch, wie Sie Endreits in Erscheinung, wenn man das Ergebnis der Gesamtsteuer1923/24 nämlich find insgesamt 1862,2 Trillionen Papiermart einjahre mit dem des Monats März allein vergleicht. Im Jahre gegangen, davon allein ein Drittet, genau 595,26 Trillionen, im Menat März. Die Unmöglichkeit der Papiermarkrechnung der legten vier Monate zusammenfaßt. tritt noch schärfer zutage, wenn man einmal die Reichsemnahmen Jogal = Tabletten Es ergibt Bahrungsschwierigkeiten von weiteren Banffirmen zu berichten wiffen. Fläche viel größer ist, als sie nach außen hin in Erscheinung tritt, Es hat demnach den Anschein, daß die Krife unter der Oberergebniffe der Haushaltsrechnung überhaupt; äußerlich tritt das beFinanzgruppen aufgehalten werden. Für diese Annahme spricht aud nur daß größere Busammenbrüche nur durch gegenseitige Hilfe von die schwache Haltung des Effektenmarktes, die immer wieder mit auf diese Weise die notwendigen Barmittel zu verfchaffen fuchten. 3wangspertäufen von Firmen begründet werden, welche sich Handelszweige und des Bankgewerbes wirft sich die Frage auf, wie Angesichts diefer fritischen Verfassung gemisfer Produktions- und fich die Arbeiterschaft zu ihr stellen soll. Bieberholt wurde an dieser Stelle dargelegt, welche ungesunde Aufblähung des Produktionsapparates durch die Beldentwertung eingetreten ist. Die Sucht nach Sachwerten hat eine Unmenge von Betrieben entstehen lassen, die in der fünftlichen Absperrung Deutschlands vom Weltmarkt glänzend gedeihen fonnten, beim Eintreten ausländischer Konturrenz aber vor den größten Schwierigkeiten stehen. Die Proteste der Automobilindustrie gegen die Einfuhr der billigen Ford- Automobile ist zu bezeichnend dafür. Die amerikanischen Ford- Automobile werden mit viel höheren Löhnen hergestellt als die deutschen. Trotzdem befennt sich die deutsche Automobilindustrie der Konkurrenz nicht gewachsen und verlangt für sich eine Schonfrift, innerhalb der die Einfuhr erschwert werden soll. Wenn man sich daran erinnert, daß die Gesamtzahl der Aktiengesellschaften und der Ge. fellschaften mit beschränkter Haftung von Ende 1913 bis 1923 rund auf das Dreifache angewachsen ist, während das deutsche Absatzgebiet im Inland schon durch den Friedensvertrag eingeengt ist, fo erkennt man, daß wir zu viel Produktionsmittel, zu viel Handels und Banffirmen haben. Alle Unternehmungen aber, die einem scharfen Konkurrenzfampf mit dem Ausland nicht ge wachsen sind und zu teuer produzieren oder vertreiben, bedeuten eine Belastung, die sich im letzten Ende nicht anders auswirkt, wie eine Steuer auf den wirtschaftlich Echwächsten. Das Gesamtniveau der EINE ZIGARETTE 5 VON S RANG Gicht, Rheuma, Ischias, hervorragend bewährt bei Hexenschuß, Nerven- und Kopfschmerzen, Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Barnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,8% Acid acet. salic., 0406% Chinin, 12.6% Lit, ad 100 Amyl. MASSARY ROAL fich dann, daß nach der Stabilisierung, alfo feit bem Dezember 1829 Trillionen Papiermart dem Reich zugeführt worden sind, während auf die übrigen acht Monate des Jahres demnach nur rund 33 Trillionen entfallen würden, die bei einer Umrechnung zum Stabilisierungsturs 33 Millionen Goldmark ergeben würden. Daß nun die Reichseinnahmen wesentlich höher waren als 4 Millionen Goldmark im Monat, dafür haben schon die bedeutenden Erträge aus der Lohnsteuer, aus der Umfazfteuer und aus Zöllen gesorgt, die ja in der Zeit des Martperfalls ganz wesentlich höhere Goldmarkbeträge einbrachten als bie Befizsteuern und sonstigen später fälligen Steuern. n Diefe Borbehalte müssen gemacht werden, um zu verhindern, daß mit Hilfe der Rechnung Mart gleich Mart" die Besizsteuern als wesentlich höher hingestellt werden als sie in Wirklichkeit waren. Diefe Vorbehalte sind auch von Wichtigkeit, wenn man in der nachfolgenden Tabelle die im letzten Rechnungsjahr erzielten Einnahmen richtig würdigen will. Befentliche Besißsteuern sind ja überhaupt erst flüssig gemacht worden seit der Erhebung der Rhein- Ruhre Abgabe, die den Auftakt zu einer wirffameren Steuerbelastung bes Rapitals bildeten und der Umstellung der Steuern auf Gold, die eine Ausnutzung der Gewertung zur Verminde rung der Stenerlast, also zum Steuerbetrug verhinderten. Beide Maßnahmen find in erster Linie ein Erfolg der sozialdemokratischen Steuerpolitit. Schon die Haltung der Reichsregierung bei der zweiten und dritten Steuernotverordnung zeigte, daß die burger. lichen Parteien vor einer wirtlichen Begsteuerung der Infla tionsgewinne zurückscheuten. In der Uetersicht sind nur diejenigen Steuern aufgeführt, deren Ertrag im Monat März größer als 3 Millionen Goldmart war. So find z. B. darin nicht enthalten die Arbeitgeberabgabe, die im Laufe des Rechnungsjahres Sie immerhin erhebliche Einnahme von 47,4 Trillionen Mark ergab. Nicht enthalten ist darin auch die Landabgabe, die ursprünglich über 10 Trillionen Mart eingebracht hatte, aber tis auf einen fleinen Rest im März den Landwirten wieder zurüderstattet worden ist. Steuereinnahmen des Reiches. Einkommensteuer: a) aus Lohnabzügen. b) andere Körperschaftssteuer 0 Vermögensstener mit Zuschlag Umsatzsteuer, allgemeine erhöhte Rapitalverkehrssteuern: a) Gesellschaftssteuer b) Börsenumfassteuer Versicherungssteuer Wechselstempelsteuer. 1000 Bill, M. om 1.4, 23 bis 31. 3. 24 252 608 248 685 89 827 120 285 Eingegang. sind in im März 24 71 231 88 472 26 782 111 832 118 443 8141 871 721 22065 3.577 20 613 3 300 4879 Beförderungssteuer: a) Personalbeförderung 4436 6 646 Rhein- Ruhrabgabe: von Einkommensteuerpflichtigen. Störperschaftssteuerpflichtigen. 12 804 4 374 Obligationensteuer 30 256 Zölle Zabalsteuer. Biersteuer Weinsteuer 17 857 22718 9414 6.048 5953 16 848 18 278 41 575 57 672 b) Güterbeförderung. 17 Einnahme ans der Branntweinverwertung Buderftener. Brotversorgungsabgabe 12 303 4530 11 685 96 287 8072 15 729 4.909 8424 181 142 56 610 30 263 50 993 58 372 30559 | brauchs mit Steuern. Diese tritt noch drastischer hervor, wenn man wahrnimmt, daß in der Aufstellung Steuereinnahmen wie die aus der Erbschaftssteuer, der Grunderwerbssteuer, der Kraftfahrzeugsteuer u. a. m. in unserer Aufstellung gar nicht enthalten sind, Steuern, deren Zweck die erhöhte Belastung des Besizes war, aber sehr wenig einbrachten. Die Erbschaftssteuer mit ganzen 471 704 Goldmark im Monat März ist überhaupt ein Beilchen, das Erbschaften erschließen könnte, ist noch so gut wie gar nicht im Berborgenen blüht. Die Steuerquelle, die die Erfassung der ausgenügt. Post- Abonnenten D amit die regelmäßige Zustellung des Dorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Post- Abonnenten, das Abonnement für den kommenden Monat bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Filmschau. Die Filme der Woche. Der deutsche Wald und sein Tierleben wird immer ein dankbares Bublifum finden. Die Sehnsucht des Großstädters, Hirschrudel, äsende Rehe, oder gar eine Treibjagd und Saubah, wenigstens im Bilde, tennen zu lernen, da er in der Wirklichkeit immer seltener Gelegenheit dazu hat, ist begreiflich. Der Ufa- Kulturfilm Horrido" von dem Jagdschriftsteller Mag Böttcher( im Tauenhien- Palaft) batte daher gewonnenes Spiel, da der Photograph Dtto Tober ebenso echte wie entzüdende Jagd- und Tier. bilder geliefert hatte. Man sab alle Arten deutschen Wildes vom Damhirsch bis Meister Lampe und war Zeuge aller Arten der Jagd, und in großen Scharen rüdten die Tiere an. Geradezu entzüdend waren die Wildschweine mit ihren Jungen, die vor der Kamera am wenigsten Respekt zu haben schienen, aber auch der schlaue Fuchs war gefnipst worden. Eine etwas wilde Handlung umspannt die Bilder mit ihrem Rahmen: Der Rampf einer alten Ariftofratenfamilie mit dem Neureichen, der sie aus dem Befiz gedrängt hat, um das Erbe und die Jagd. Sie ist spannend, aber auch reichlich naiv und unnatürlich, zwei Väter und der Raffle müssen auf der Strede bleiben, damit der adelige Sohn wieder zu seinem Gut und außerdem zu feiner Forftmelfterstochter fommt. Wilddieberei, Duell zwischen Förster und Bilddieb, ftrahlender Edelmut und schwarze Schurterei find einige der gebrauchten Ingredienzien. Aus den Darstellern ist nicht alles herausgeholt: Lia Eibenschut und Viktor Schwannede( ber böse Neureiche) hätten noch mehr bieten fönnen, wenn das Spiel von Jagd und Liebe" höhere Aspirationen gehabt hätten. Mitig war Henry Bender in einer Nebenrolle. Brab das Liebespaar: Rudolf Forster Charlotte Anders. Die Natur erwies fich stärker als die Kunst, was in diesem Fall auch lein allzu großer Fehler war. „ Das Werden des Menschen" in das Tema eines naturwissenschaftlich belehrenden Films, der unter Leitung von Brofeffor Friedenthal die Borgänge der Menschbildung von der Empfängnis bis zur Geburt vorführt( Cob- Film in der„ Alhambra"). Die sehr instruktiven und selbstvertandlich niemals unfachlichen und das Schamgefühl verlegenden Bilder leider unbekannte Borgeschichte zu vermitteln und viele falsche Vorstellungen find sehr geeignet, den Massen die Kenntnis über ihre eigene den meisten zu zerstreuen. Umsomehr wenn sie von einem einführenden taltvollen Bors der Mensch soll dem Menschen das wichtigste Thema sein, ist für diefes trage( von Dr. Paul Meißner) begleitet werden. Die Forderung: Gebiet wenigstens mit filmerischer Anschaulichkeit erfüllt. Alle Filmmethoden find geschict tombiniert: Schematische Zeichnungen wirken mit Triebbildern und Naturphotographien zusammen. Der abenteuerliche Vorgang der Befruchtung, die Bellteilung, das Wachsen des Eis, die Feststellung der Schwangerschaft mittels Blutprobe oder Röntgenschirm und vieles mehr wird hier kund in einer Bollendung, wie sie nur der Film gewähren kann. Sport. Rennen zu Strausberg am Sonnabend, den 19. April: 1. Rennen. 1. Rubel( Streit), 2. Sultan( Dertel), 3. Felicia( D. Dreißig). Toto: 11:10. Blag 10, 10:10. Ferner lief: Erdrofe 2. Rennent. 1. Faun( v. Herder), 2. Goldammer( v. Fallenbahn), 3. Tor di Quinto( v. Borke). Loto: 13:10. Plak: 11, 12:10. Ferner liefen: Hella, Eisenbraut. 3. Rennen. 1. Catania( Hellebrandt), 2. Douschka( M. Schmidt), 3. Zwirn( Kaiser). Toto: 107: 10. Plaz: 19, 14, 20:10. Ferner liefen: Cicero, Ananas, Narr, Wind, Modepuppe. 4. Rennen. 1. Lilienstein( H. Gröschel), 2. Diamant( S. Edler), 3. Blautopaz( Dertel). Zoto: 139: 10. Blat: 30, 18, 18: 10. Ferner liefen: Terz, Mirakel, Jafor, Otello. 5. Rennen. 1. Chartreuse II( Franzle), 2. Staffelei( P. Ludwig), 3. Fata Morgana( D. Schmidt). Toto: 26: 10. Plat: 19, 33: 10. Ferner liefen: Primavera, Stummer Teufel 6. Rennen. 1. Fateiber(. Edler), 3. Ehrentraut( tranzlein). Toto: 18: 10. liefen: Spöfentieker, Landrichter. 2. Sonnenschein( Duabe), Plat: 15, 23:10. Ferner 7. Rennent. 1. Balant(. Schmidt), 2. Heliade( Hellebrandt), 3. Treue Wacht( D. Schmidt). Toto: 30: 10. Blaz: 14, 13, 15: 10. Ferner liefen: Solo, Fechterin, Zauberflöte, Prinz Starneval. Koch& Leeland bringen die feinsten Aachener Fabrikate Herrenstoffe ,, aparte Dessins" ,, Kammgarne" das Beste im Tragen. Mfr. Damenstoffe ,, das Neueste" Gabardine, Rips, Cottelé. 20.Mtr. 12.• Sertraudtenstr 20/21 Sege: 1893 Rajanol Zahnpasta Feinste PfefferminzZahnpasta Hervorragendes Zahnreinigungsmittel, erfrischt und desinfiziert die Mundhöhle. Zu haven in allen einschlägigen Geschäften Fernsprecher: Obersaöneweide 555 n. 744 M. Riethmüller seit 1902 The Hottentot", ehte amerikanische Importe, wird im Mozart- Saat RAJANOL G. m. b. H., Berlin- Oberschöneweide Im Monat März ergab sich also bei einer Gesamteinnahme bem Bublifum dargeboten. Bestände dieser Film nur aus dem ersten und Don 595 Millionen Goldmart folgendes Bild: Die Edpfeiler bem letzten Aft, bann wäre er fabelhaft, ja, er wäre nahezu unübertrefflich. Der Steuergesetzgebung, die noch jeht über 50 Einnahmeposten auf reiten fann, aber einer Verwechslungs halber und um einer Schönen zu geAber er hat viele Alte und die Geschichte von einem Sportsmann, der nicht zählt, find Einkommensteuer, umfassteuer und im fallen, ein berüchtigtes Pferd zum Siege steuert, wird zuweilen mehr tertlich legten Monat, in den die wichtigsten Zahlungstermine fielen, auch als bildlich erzählt. Der Trumpf ist das Duerfeldeinrennen. Der Photoble Bermögenssteuer. Die Obligationssteuer, die Körper graph nahm das galoppierende Feld aus der Bogelperspettive auf, auch schaftssteuer, die Tabatsteuer, die Börsenumfaßzsteuer brachten im photographierte er die Pferde, als fie über den schweren natürlichen Kurs März noch je über 20 millionen Goldmart, der Ertrag gingen im Sprung von hinten, seitwärts und von vorne. Hier wechselt die der Börsensteuer dürfte aber noch ihrer Ermäßigung in der nächsten Amerikaner lädt mit Hochspannung, jedoch führt er diesmal nicht den Film, Photographiekunft schon zum photographischen Artiſtentum hinüber. Der Zeit wesentlich zurüdgehen. Namhafte Einnahmeposten ftellten im sondern den Trid im Film zum Siege. Dann sab man noch Linder und März noch die 8ölle, die Zudersteuer, die erhöhte Umfah zwar als mag und die Mustrepiere. As Regisseur versteht er sich auf AnSteuer( Lurussteuer), die Biersteuer und die Beförderungssteuer bar. leihen und auf doppelte Berwertung eigener Gedanken. Als Schauspieler Schon diese Aufzählung zeigt die erhebliche Belastung des Berzwingt er zum Lachen, womit er feinen beabsichtigten Zwed erreicht hat. Rauchringel ( Berichterstatter der Prüfungskommission) spricht: DAS HAUS DER TUCHE" Berlin C 2, Molkenmarkt 15( Ecke Post- Strasse) Riesenauswahl! Solide Preise! Gute Bedienung! Herrenstoffe: Gabardine, Kammgarne 12.- 15.- 18.Damenstoffe: Ripse, Popeline 4.75 5.50 7.90 Einladung Fur ordentlichen Ausschußfhang der Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin am Montag, den 28. April 1924, nachmittags 5 Uhr im Rathause zu Berlin, Röntg Braße 15/18, Eingang Jüdenfte, Zimmer 109 Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung für das Geschäftsjahr 1923. 2. Gagungsänderung( Serab fehung der Beiträge usw. 3. Ber schiedenes. Anfragen oder Beschwerden, zu deren Erledigung Atteneinficht oder anderweite Feststellungen erforderlich sind, müffen mindestens 3 Tage vorher beim Borfigenden des Borstandes eingereicht werden. Vor der Sigung findet um 3 Uhr in demselben Zimmer des Rathauses die übliche Borbefprechung unter den Ausschußmitgliebern ftatt. Pünktliches Erscheinen ist bringend notwendig, ba die Benugungszeit bes 8immers beschränkt ist. Berlin, den 15. April 1924. Der Vorsitzende des Vorstandes der Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin. Stolt. 104/2 Feberbetten 9.- Febertiffen 4Bist du Raucher? Rauch Asory! fertige Suletts 6., Riffeninletts 2.v.120 Goldmark an Invalidenstraße neun. Ständiges Lager von über DBEIER Handelsverbot. Auf Grund der Bekanntmachung zur Fernhaltung unzuverlässiger Berfonen vom andel vom 13. Juli 1928( R. G. BL. G. 706) 150 Standuhren habe ich dem Ronditore befizer Ettora in allen Holz- und Stilarten Schriftl. Garantie Büro- u.Ladenuhren Wand- u.Küchenuhr. Stopp- u. Autouhren Glash. Lange- Uhren 14 Karat Gold- Armband- Uhren sowie Herren- Uhren Gold. 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Und es ist auch nicht leicht, es allgemein verständlich und dem nicht fach- mäßig geschulten Laien zugänglich zu machen. Denn schon forma! sind gerade seine wichtigsten und epochemachendsten Werke, vor ollem die„Kritik der reinen Vernunft" und die„K r'i t i t d e r Urteilskraft" in einer so abstrusen, mühsam um den Ausdruck ringenden Sprache geschrieben, daß sie den Fachmann oft zur Der- Zweiflung bringen, dem Neuling aber vollends ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Und auch sachlich klingt manches wunderich und paradox genug, ja, vieles mutet dem neuen Bewußtsein scheinbar unerfüllbare Opfer des Intellekts zu: so vor allem, wenn Kant lehrt. daß wir es sind, die der Natur ihre Gesetze vorschreiben, ja, durch unsere Anschauung?- und Erkenntn'.sformen eine Natur überhaupt erst Möglich machen. Und doch liegt gerade in dieser Lehre, die man nach Kants eigenem Vorgang als„kriti schon" oder„transzendentalen" Jdealis» mus zu bezeichnen pflegt, der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Leistung und eine Entdeckung von epochemachender Tragweite, die er selbst wiederholt als sein« Kopernikus-Tat bezeichnet hat. Ko- pernikus hat die Erde aus den, Mittelpunkt der Welt hinausgerückt und damit die Weltbetrachtung sozusagen auf den Kopf gestellt. Fast noch radikaler— wenn auch sachlich gerade in umgekehrter Rich- tung— ist die Revolution, di« Kant mit unserem Verhältnis zur Welt oornahni. Allerdings knüpft er dabei, teils bewußt, teils unbewußt, an die bahnbrechenden erkenntnistheoretischen Arbeiten der Engländer an. Daß bei allen unseren Wahrnehmungen, die uns die Kenntnis der Außenwelt vermitteln, die Besonderheiten der unmittelbaren Sinneseindrücke tFarben, Töne, Düfte, Druckempfindungen usw.) wesentlich durch die Beschaffenheit unserer Sinnesorgane mitbe- stimmt und insofern subjektiv seien, halte schon Locke in seinem „Versuch über d«n menschlichen Verstand" und ihm folgend B e r k e» l e y und ch u m e gezeigt. lind nach den Ergebnissen der Sinnes- Physiologie ist an der Richtigkeit dieser Lehr« nicht wohl zu zweifeln: Der gleiche elektrische©rrcrn wird vom Auge als Lichtstrahl, von den chautorganen als Stechen oder Prickeln, von der Zunge als säuerlicher Geschmack empfunden. Zlber Kant ging weit über Locke hinaus, indem er alle unsere Erfahrungserkenntnis aus einem Zusammenwirken unserer Verstandesfunktionen mit den Eindrücken der Außenwelt ableitete, wobei dos Schwergewicht durchaus auf den subjektiven Faktor fällt. Die Sinn« geben uns nach ihm nur den rohen Stoff, dos chaotische Materiol, das erst durch die in uns liegenden Anfchauunzssormsn und geistigen Funktionen zu objektiv güläzen Erfahrungen geformt wird Diese Formen und Funk- tionen, die jedem menschlichen Individuum angeboren oder, wie Kaitt es nennt,„apriorisch" sind,'bilden gleichsam das u-nentrinn- bare Netzwert, in das wir den Stoff der einzelnen Sinneseindrück« einfangen, um sie zu gesetzlich geordneter Erfahrung zu gestatten. Sie stammen nicht a u s der Erfahrung, sollen aber nach Kant doch nur für die Erfahrung gelten, der sie, eben wegen ihrer gattungs- mäßigen Allgemeingültigkeit, ihren objektiven Charakter verleihen. Solche subjeknoen Formen und Gesetze der sinnlichen Wirklichkeit sind vor allem Raum und Zeit, mit deren gesetzmäßigen Be- ziehungen sich die Mathematik beschäftigt, und die von Kant so genannten reinen Berstandesbegrifje oder Kategorien, vor allem Kausalität und Substanzialtät, die letzten Elemente der Natur- Wissenschaft. Auf solch-« Weise kommt di« gesetzlich geordnet« E r- scheinungswelt zustande, mit der es olle echt« Wissenschaft allein zu tun hat. Ihr Ideal ist für Kant di« mathematische Natur- wisjenschaft(theoretische Physik, Astronomie). Don der Beschaffen- heit der Ding« an sich, dem Reich jenseits der Erscheinungen, können wir nichts wissen. Und noch weniger von den jenseits aller Erfahrung gelegenen„Vernunstideen" oder Glaubenssätzen, die jahrhundertelang das Ziel und den Gegenstand einer einflußreichen Scheinwissenschast. der Metaphysik, gebildet haben. Kant, der sich in seiner vorkrittschen Periode selbst eiftig um diese Wissenschast bemüht hatte, für die er eine nie verleugnete Vorliebe behielt, zeigt doch ihre völlige Aussichtslosigkeit und Unmöglichkeit. Scharfsinnig beweist er sie im einzelnen an den Trugschlüssen der Psychologie, di« über«ine immateriell« Seele etwas aussogen will, von der wir doch nichts wissen können, und an den falschen Schlüssen der Theo- logie, die das Dasein Gottes beweisen will, was unmöglich ist. Und doch— seltsamer psychologischer Widerspruch— hing Kant persönlich(wohl auf Grund pietistischer Iug endeindrücke) so fest an diesen Ideen einer übersinnlichen Welt, daß«r all feinen Kant unö Raffke Ihren Werken verdient? Sani: Die Unsterblichkeit. Raffke: Wak id mir dafor koofe! Zlooben Se. ick bin«ich unsterblich? Scharfsinn aufbot, um sie wenigstens als Glaubenssätze, als Postulat«(Forderumgen) unserer sittlichen Natur zu retten. Was die theorettsche Vernunft nicht beweisen und erkennen kann, dos soll die praktische glauben.„Ich mußte das Wissen ausheben," sagt Kant cm einer berühmten Stelle det 2 Auslage seiner„Kritik der reinen Vernunft",„um Platz für den Glauben zu gewinnen." Kant hat aus seiner Ethik, den„Eudämonismus", das Streben des Einzelnen nach Glückseligkeit, schroff hinausgewiesen: aber das höchste Ideal des sittlichen Handelns bleibt doch auch ihm die Ver- «inigung von höchster Tugend und Glückseligkeit des Einzelnen. Da wir aber in dieser sinnlichen Welt niemals vollkommen gut werden. so bedarf cs eines unendlichen Fortschreitens und Forllebens, der Unsterblichkeit der Seele: und zur Ausgleichung zwischen sittlichem Verhalten und persönlichem Wohlergehen bedarf es eines Gottes, der Herr ist über den Naturlauf und diesen dem sittlichen Verhalten des Menschen entsprechend gestaltet, also selbst ein moralisches Wesen sein muh. Das alles läßt sich freilich nicht beweisen, sondern nur glauben: es sind Posta i ne eines reinen moralischen Vernunft- glaubens. Der Mensch ist ein Bürger zweier Welten: der Vernunftwelt und der Smnenwelt. Die Vernunftwelt zu erkennen, ist seinen blinden Moulwurssaugen unmöglich. Aber von ihrem Dasein gibt es einen vernehmlich und unmißverständlich redenden Zeugen in ihm selbst: die Stimme des Gewissens, das Sitbsngesetz. Und diese Stimme kündet nach Kant läuterst« Wahrheit und weist uns zugleich auf unseren ewigen Weltberuf. Nicht Erkennen, sondern Handeln i st unsere wahre Bestimmung: alle unsere Erkenntnis ist unvollkommen und hohl. Im Gutsem allein, in der Reinheit des Willens und der Gesinnung liegt aller Wert und alle Wahrheit: in der Pflichterfüllung des Menschen höchst« Bewährung. Wie s«hr Kant in seinem persönlichen Leben von diesem Pflicht- gedanken erfüllt war, ist bekannt: er zeigt sich auch in jenem sonst bei ihm ungewöhnlichen Pathos, mit dem er ihn neben die Er- habenheit des Sternenhimmels stellt.„Der gestirnte Him> m el über mir und das moralische Gesetz in mir"— mit Recht hat man diese Worte als Denkfpruch auf das Grabmal des Mannes gesetzt. Neues vom greisen Kant. Von Dr. Ludwig G o l d ste i n. Auf der Staats- und Universitätsbibliothek in Königsberg be- siedet sich ein alles unscheinbares Bändchen, das Handexemplar von Wafianfkis Buch„Kant in feinen, letzten Lebensjahren". Der Diakonus Wasianfki in Königsberg hat mit dein alten Kant in ver- trautester Gemeinschaft gelebt, und seine Aufzeichnungen gelten als die zuverlässigst!: Quelle über Kants Greisenzeit. In dieses ganz mit weißem Papier durchschossene Handbuch hat nun der Verfasser neben den gedruckten Text eine Reihe von Anmerkungen geschrieben, die nicht für das Publikum seiner Zeit bestimmt und nicht gerade wichtig waren, für die Vervollständigung des Kantischen Lebensbildes ober doch von Reiz und Interesse sind. Mancherlei Hübsches erfahren wir hier über den Freundes- kreis des Philosophen, von dessen persönlicher Liebenswürdigkeit Wasianfki nicht genug Rühmens machen kann. Er liebt«, wie man weiß, ein« kleine gesprächige Tafelrunde, zu der er die Einladungen erst an demselben Tage ergehen ließ, damit niemand um seinetwillen eine andere Einladung ausschlüge. Mit den Gegenständen der Unter- hallung in seinen Tischzesprächen ging er haushöltensch um und sah gcrne einen nach dem andern durchgesprochen— jedoch in steter Verbindung miteinander.„Er pflegte zu jagen, man müsse vom Kalbs- braten anfangen und vom Kometen den Diskurs ohne Unterbrechung des Gegenstandes endigen können." Gegen Besuchs zu unerwarteter Stund« war er empfindlich,„weil er seine Zeit stets richtig einteilte und abmaß und in seinen Absichten nicht gestört sein wollte". Sein« Gesundheit war mehr als die bloße Abwesenheit von Schmerzen: er empfand sie als«inen bewußten Genuß und pflegte darüber zu sagen: er habe noch keinen faulen Flecken wie r.n gefallener Apfel. In seinen frühesten akademischen Iahren Hatto er einmal ein kaltes Fieber gehabt, das er sich durch einen Spaziergang zum Friedländer Tor vertrieben hatte. Auf seiner Heimrehr, so er- zählt der Biograph in einer Randbemerkung,„kam er fast ver- schmachtet ans Friedländifche Tor, setzte sich auf die Bank bei der Akzise und bat eine Frau um ein Glas Wasser. El' vergoß in den spätesten Iahren seines Lebens diese Gefälligkeit nicht und hielt dieses Glos Wasser fütt das größte Labsal, das er jemals genossen hotte". In den späteren Jahren erlitt er einmal«ine Kopsverletzung durch einen Stoß an der' Türe.„Indem er mich," schreibt Wasianjki,„da ich weggegangen war. zurückrufen wollte, verfehlte er die Richtung mit dem Kopf« und stieß sich beinahe tödlich, so daß er zurückprallte und sinnlos zur Erde fiel." Es war das einzige Mal, daß Kant ernst- lich trank war. Er war ja auch so vorsichtig auf die Erhaltung seiner Gesundheit bedacht: Täglich zweimal, um 5 Uhr morgens unmittelbar nach dem Aufftehen und um 11 Uhr vormittags nahm er Waschungen und ein« Mundreinigung vor. In seinem Zimmer herrschte eine ziemlich hohe Temperatur, und zur Sicherheit trug er stets zwei Schlosröck« üb-sreinander. Aber trotz oller Vorsicht niacht« sich all- mählich das hohe Alter geltend.„Seit einigen Iahren zog er sich gleichsam hinter der Kulisse zmück," gewöhnte sich daran, seinem Gedächtnis fortwährend durch Notizen zu Hilf« zu kommen, machte aus seiner Vergeßlichkeit kein Geheimnis und„fühlte nur zu lebhaft, daß er nicht mehr sei, was er war". Damals nahm dem Greise fast Der Häftling. Aus einem unverüfsenlli6)ten Roman:„Die Rebellion". Von Joseph Roth. An seine Zell« gewöhnte sich Andreas sehr schnell: an ihre saure Feuchtigkeit, ihr« durchdringende Kälte und an das schraffierte Grau, das ihr Tageslicht war. Ja, er leinte die Phasen der Dunkelheit unterscheiden, welche den Morgen, den Abend, die Rocht und die nebelhaften Stunden der Dämmeruiig kennzeichneten. Er wuchs in die Finsternis der Nächte hinein, sein Auge durchbohrt« ihre Undurch- dringlichkeit, daß sie durchsichiig wurde, wie dunkelgefärbtes Glas am Mittag. Er entlockte den wenigen Gegenständen, unter denen er lebte, ihr eigenes Licht, so daß er si« in der Nacht bettach�n konnte und sie ihm selbst ihre Konturen darboten. Er lernt« die Stimm« der Finsternis kennen und den Gesang der lautlosen Dinge, deren Stumm. hcit zu klingen beginnt, wenn die polternden Tage vergehen. Das Geräusch einer kle:ternden Mauerassel konnte er«ernehmen, sobald sie die glatte Wandfiäche verließ und eine Stelle erreichte, di« den Mörtel verloren hatte und in ihrer riesigen Ziegelnacktheit lag. Di« kümmerlichen Aeußerungen der großen Stadt, die bis zum Gesang- nis drangen, erkannte er, jede in ihrer Art und einer jeden Herkunft und Abstammung. An den feinsten Unterschieden ihrer Laute er- kannte er Wesen und Gestalt und Ausmaß der Ding«. Er wußte, ob ein vornehmer Privatwagen draußen vorbeisauste oder nur eine gutgebaute Droschke; er kannte den Unterschied zwischen dem starten Trab des Rosfes, das«in leichtes Wägelchen auf stummen Gummi- rädern führte, und jenem, das auf seinem Rücken den Herrenretter trug. Er erkannte den schleppenden Schritt des alten Mannes und den schlendernden des jungen Nalurliebhabers; das flotte Getrippel des hurtigen Mäkchens und den zielbewußten Tritt der geschäftigen Mutter. Er tonnte mit dem Ohr einen Spaziergänger von einem Wanderer unterjchelden: den Zartzebauten von dem Bierschröijgen: den Kräftigen von dem Schwachen. Er bekam die zauberhasten Gaben eines Blinden. Sein Ohr wurde sehend. An den ersten Tagen feiner Haft versuchte er noch, durch das höh« Gitter hinauszusehen. Er schob die Holzbank zum Fenster und ließ nicht nacd, bis er mtt feinen beiden Händen den unteren Rand der Mauerbuchtung gefaßt hatte, in der das Gitter faß. Ach— er war nur einbeinig, die stumpf« Krück« fand an der glatten Mauer nicht einmal den kümmerlichen Halt, den sein gesunder Fuß noch mühevoll ertastete, und er hing sekundenlang mit seinem ganzen Gewicht an den trompf- durchzuckten letzten Gliedern seiner Finger. So schwebte er in der Lust und zwischen dem Derlangen, einen kargen Ausschnitt der Welt zu sehen und der Furcht, hinunterzufallen und den Tod zu finden. Nie haue«r größer« Gefahr gekannt. Denn njemoi«— auch m Felde nicht— hatte er pz du Kostbortest de« Lebeas emp. funden, dieses kleinen Lebensrestes, den ihm die Zell« gewährte. Ihr entriß er mit List und mtt taufend Mühen den kurzen Ausblick in die Well durch das schmutzig« Glas hinter den engen Quadraten und kehrt« dennoch erstifcht und bereichert in das ewige Dunkelgrau hinunter, als hätte er alle Schönheiten der Erde genossen. Diese kleinen Ausflüge, die fein Auge unternahm, versöhnten ihn immer wieder mit der Unerbittlichkell seines Kerkers; bewiesen sie ihm doch, daß nicht einmal di« Zelle, die ihn abschloß, außerhalb der Welt war und daß auch«r noch dem Leben gehörte. Er war ein Krüppel und nicht unbeschränkter Herr über die Erde, wie ein zweibeiniger Mensch. Er konnte nicht lauttos gehen, nicht hüpfen, nicht laufen. Aber er durfte wenigstens hinken und mit einer Sohle die Erde betreten— später, sechs Wochen später, kurze sechs Wochen später. Manchmal hofft« er, die klein« Katze wiederzufehen, die er beim Eintritt in die Anstalt getroffen Aber fem Auge erreicht« gerade noch den Saum des dunklen Föhrenwotdes in der Fern« und einen schmalen.Streifen des Himmels: manchmal ein geflügeltes Tier; ein« hurtige Wolke; einmal sogar die schmalen Tragflächen eines Aeroplans, dessen Geräusch er immer hört«— denn ein Flugplatz befand sich in der Nähe. Er aber sehnte sich nach der jungen Katze. Sie hatte er in dem letzten Augenblick feiner Freiheit gesehen. In der Nacht hörte fein geschärftes Ohr«in liebliches kleines Läuten. Cr bildet« sich ein, es käme von der Schell«, die um den Hals des Tieres gehängt war. Bald aber vergaß er es. Er kroch nicht mehr die Wand hinauf. Traulich erschien ihm die Zelle. Taufend Bilder erblühten aus seiner Einsamkeit. Tausend Stimmen erfüllten sie. Er sah ein Schwein, dos mit dem Rüffel in die Fuge zwischen Tür und Wand des Stalles geraten war und sich nicht wieder befreien konnte. Er kann:« dieses Bild Als Knabe, bei feinem Onkel, der ein Steuer- einnehmer auf dem Land« war und«inen Hof befaß, hatte er es gesehen. Er sah ein Schwalbennest im Klosett: einen Papagei an einer Kette, der nach seinem Finger schnappt«: den Kompaß und den stlbergefaßten Zahn an der Uhrkette des Vaters: die Geburt eines Schmetterlings aus her gebrechlichen Hülle der Puppe in einer grasgefütterten Streichholzschachtel: getrocknete Anemonen in einem .Herbarium; ein goldgerändertes Gesangbuch und den ersten Schlips aus roter Seid«. Andreas hotte viel zu tun. Er mußt« die Bilder einordnen. Wie ein Kind an den Sprossen einer Leiter, so vettert« der neu- geborene Andreas an diesen kleinen Erinnerungen zaghast empor. Es schien ihm, als müßte er noch lang« vettern, um zu sich selbst zu gelangen. Er entdeckte sich selbst. Er schloß die Augen und freute sich. Wenn er sie öfsnete. holte er ein neues Stück entdeckt, eine Beziehung, einen Klang, einen Tag und ein Bild. Ihm war. als begönne er zu lernen und Geheimnisse täten sich vor ihm auf. So halt« er also fünfundviorzig Jahre in Blindheit gelebt, ohne sich jeidst und du Weit zu tetrnu, Dos Leben mußte anders sein, als er es gesehen. Eine Frau, die ihn liebt«, verriet ihn in der Not. Hätte er sie gekannt, niemals wäre es ihm zugestoßen. Was aber hatte er von ihr gekannt? Nur die Hüften, den Busen, ihr Fleisch, ihr breites Gesicht und den schwülen Hauch, den sie ausströmte. Woran hatte er geglaubt? An Gott, an di« Gerechtigkeit, an die Regierung. Im Kriege verlor er sein Bein. Cr bekam ein« Auszeichnung. Nicht einmal eine Prothese verschassten sie ihm. Jahrelang trug er dos Kreuz mit Stolz. Seme Lizenz, die Kurbel eines Ltterkastens in den Höfen zu drehen, schien ihm höchste Belohnung. Aber di« Welt erwies sich eines Tages nicht so einfach, wie er sie in seiner frommen Einfalt gesehen hatte. Die Regierung war nicht gerecht. Sie verfolgte nicht nur die Raubmörder, die Taschendiebe, die Heiden. Offenbar geschah es, daß sie sogar einen Raubmörder auszeichnete, da sie doch Andreas, dm Frommen, ins Gefängnis schloß, obwohl er sie ver- ehrt«. So ähnlich handelte Gott: er irrte sich. War Gott noch Gott, wenn er sich irrt«? Was blieb überhaupt noch es selbst? Dos Boterland? Wem gehörte es? Demjenigen, der die Kurbel des Leierkastens drehte? Oder Willi, der die Würste stahl? Oder dem Krämer, dem sie gehörten? Dem Richter im Talar? Dem Aus- jeher, der die Gefangenen spazieren führte? Jeden Morgen gingen die Insassen dieses 5)aiis«s im Hof spazieren. Der Hof dicht gepflastert, von kleinen Ziegelsteinchen war der Boden bedeckt, und man sah kein Stückchen Staub, kein Stück- chen Erde. Als ein großes Ereignis galt eine Henne, die oft im Hof erschien. Hundertvierundfünfzig Sträflinge wallten, einer hinter dem anderen, mit gesenkten Köpfen immer in der Richtung von rechts nach links, immer an den vier Wänden enllang. In der Mitte gingen die weißbraun gesprenkelte Henne und der Aufseher, der ein Rohrstäbchen in der Hand schwang und«inen Revolver an der Hüfte trug. Am linken Aermel trugen die Gefangenen ihre schwarze Nummer. Der Zug begann mit eins und endet« mtt ein- hundertvierundfünfzig. Viermal gingen sie das Quadrat de« Hofes ab. Dann war die Stunde mm Si« sprachen nicht miteinander. Sie sahen sehnsüchtig nach der Henne. Einer lächell« manchmal. Der dreiundsiebzigst« war Andreas Pum. Einmal erblickte er im Hof ein Stückchen Zeitungspapier. Der Aufseher sah gerade in die entgegengesetzte Richtung. Andreas hob es auf und borg es in der Hand. Er war sehr neugierig. Es war, als würde in seiner Zelle ein Mensch erscheinen, um mit ihm zu sprechen. Vielleicht, ja wahrscheinlich enthiell dieses Stückchen Papier eine lustige oder«in« merkwürdige Geschichte. Er zerknüllt« es in der Hand und hiett es zwischen zwei Fingern. So konnte er vorschriftsmäßig die Hände an der Hosennaht halten. Der Weg er- schien ihm lang, die Stunde unendlich, der Hof grausam gewachsen. Endlich ertönte der Pfiff des Aufsehers. Andreas kam in die Zell« und wariete, bis sich feine Augen an die Duntell)eü gewöhnten. Dann entfaltet««r das Papier, rückte di« Bank zum Fenster und m W.«r ta* I jeder Freund einen Zweig der Hauswirtschaft ab: Profeffor Riesewetter sorgte für die Küche im allgemeinen, Kriminalrat Jenisch stopfte ihm jeben Donnerstag die Pfeifen, also fieben auf einmal, Brediger Börschte besorgte durch feine Gattin das Trocknen der Schetenerbsen und Schwertbohnen, Kaufmann Motherby den Cabiiau und englischen Käse und so fort. Man mußte Kant näher kennen, um es einzusehen, wie wenig Verdienst es war, wie wenig Auf opferung dazu erfordert wurde, bei seiner Bescheidenheit von der einen und seiner Dankbarkeit von der anderen Seite, ihm gefällig und behilflich zu sein." Er selbst war unermüdlich in Freundesdiensten. Auch seinen alten Diener Lampe vergaß er nicht. Im Testament Kants war dem Lampe eine jährliche Pension van 400 Tabern ausgefeßt, nach seinem Ableben sollte die Witwe die Hälfte zeitlebens und nach deren Tode die Tochter des Lampe ein Kapital Don 1000 Talern erhalten." Seinerseits war Rant für Gefchente nicht empfänglich wohl auch deshalb, weil er so wenig brauchte. Er nahm Geschenke nur höchst ungern an, und wenn er es gar nicht vermeiden fonnte, so fchentte er sie entweder gleich auf der Stelle oder bald hernach wieder weg. Den Garten an seinem Hause in der Prinzessinstraße dessen fchte Reste erst vor 30 Jahren bebaut wurden besuchte der aíte Kant der Regel nach nie, die Hauptursache davon war die Furcht, von den Steinen, welche die Gaffenbuben über seinen Gartenzaun nach dem Obst warfen, getroffen oder wohl gar getötet zu merden." fuch seine früher fo regelmäßigen Spaziergänge( Bunft 4 Uhr trat er aus dem Hause, er war die Uhr der Königsberger) gab er in en legten Jahren auf. Bekannt ist die Anekdote, daß er auf einem Spaziergang einmal hinfiel und ihm zwei Damen beim Aufstehen behilflich waren, denen er zum Andenten eine Rose verehrte, die er gerade in der Hand trug. Ueberraschend ist zu hören, daß Kant auch ein gewisses tomisches Talent besessen hat. Bolnische Juden, die in der selt herumfamen, hatten öfters Privatnachrichten über politische selt herumfamen, hatten öfters Privatnachrichten über politische Ereignisse gebracht, die aber naturgemäß nicht allzu viel wert waren und nicht viel befagten. Kant ahmte bisweilen in gutmütiger Beiße den jüdisch- deutschen Dialekt nach: so in dem folgenden harmiojen Gespräch, das den nahen Einfall der Türken behandelt" und das 2afiansti im Tegt nur ermähnt: A.: Der Tärt wert fämmen. B.: Nun, wie wert er fämmen, reitendig oder fahrendig! A.: Nun, ob er fämmt reitendig oder fahrendig, fämmt er so, fämmt er fo, und als er fämmt, so ift er doh!" Jm Munde Kants muß fich dieser Jargon allerdings drollig genug angehört haben! Die intimen Aufzeichnungen Wasianstis sind nicht gerade welterschütternd; aber sie bestätigen wieder einmal, daß der meiseste Mensch auch einer der harmlosesten und liebenswürdigsten war. Kant- Anekdoten. Kant, der aus engen Berhältniffen, als Sohn eines Sattlers, sich emporgearbeitet hat, war in den ersten Jahren seiner Dozenten laufbahn in seinen finanziellen Verhältnissen oft recht bedrängt. Er hatte über Baumeisters Metaphyfit gelesen. Als nun die von Baumgarten erschien, fragte er seine Hörer, ob sie gern über die neue Baumgartensche hören möchten, und ein Student sprach sich mit besonderer Wärme hierfür aus, während die anderen lieber bei der alten Metaphyfit bleiben wollten. Kant, der den einen Studenten liebgewonnen hatte, willigte ein, ihn privatim über die neue Methode zu belehren. Als das Semester aber zu Ende war, fand sich der Student, dessen elterlicher Wechsel ausgeblieben war, außer stande, die Kollegiengelder zu zahlen. Als er dann nach einiger Zeit burch einen Glüdszufall in den Besitz von zwei Dutaten tam, eilte er fofort zu feinem Lehrer, ihm diese als seine Schuld abzuzahlen. As Rant nun vernahm, daß der Student durch das Ausbleiben feines Geldes in allerlei Verlegenheiten gefommen war, die noch nicht behoben feien, sagte er: An meiner Miete fehlt mir gerade noch ein Laler, den werde ich von Ihrem Gelde nehmen, das andere behalten Sie für Ihre Bedürfniffe. 17 Rant mar von schwacher törperlicher Konstitution, über die er felbft öfter scherzte. So gab er eines Tages den Grund an, weshalb er teine schwarzen Strümpfe trage, weil in fchwarzen Strümpfen die Waden dünner, als sie sind, erschienen, und er eben feinen sträf lichen Ueberfluß an Waden habe, um sie noch dünner erscheinen zu laffen. Er lachte auch herzlich darüber, daß sein alter Diener nie hinter seinem Stuhl bei Tische vorbeiging, ohne ihm mit der ernsthaftesten Miene von der Welt den Haarbeutel, der immer von dem höheren Schulterblatte auf das niedrigere herabglitt, in die Mitte des Rückens zu legen, um diese Deformität nicht bemerkbar werden zu lassen. Die Schilderung Jachmanns von Kants äußerer Persön lichkeit fei hier angefügt: Ich muß Ihnen doch meinen Kant vom Haupt bis zu den Fußsohlen schildern. Er trug einen fleinen drei„ Personalien." Als Verlobte empfehlen sich Fräulein Elsbeth Waldeck, die Tochter von Prof. Leopold Walbed und Dr. med. Edwin Aronomsty, Fräulein Hildegard Goldschmidt und Dr. jur. Siegfried Türtel, Fräulein Erna Balter und Herr Willi Reizenbaum. Der Bankdirektor Milliba ld Rowolsti und Frau Martha Maria geb. Zabit zeigen hocherfreut die Geburt eines Sohnes an. Frau Hedwig Kalischer geb. Goldenring betrauert das hinscheiden ihres Gatten Leopold Ralischer, Mitinhaber der Firma König, Schrumm und Kalischer, Borsitzender des Aufsichtsrates der Gemeinschaft der Chemikalienhändler A.-G., der nach schwerem Leiden im 62. Lebensjahre gestorben ist. Herr Johann Royz zeigt das Ab. leben feiner Gattin Frau Helene Koz an. Bergwerksdirettor Bergaffeffor Harald Kreuth gibt Nachricht vom Tod seines Vaters Sigismund Johann Kreuth. Im 77. Lebensjahre verschied nach langem Leiden der Geheime Sanitätsrat Dr. med. Mar Treitel. Andreas wendete das Papier und las auf der Rückseite: " Wenn das zutrifft, so versteht man jeßt, warum in den letzten Tagen die Poincaré- Bresse den Sachverständigenbericht so gefliffentlich als pro- französisch gepriesen hat um ihren Herrn zu decken.„ Daily Mail", aus Paris direft unterrichtet, zählt in bestimmter Form Hier brach das Papier ab. digen 5ut, eine edigen Sut, eine fleine blondhaarige, weißgepuderie Berüde mit einem Haarbeutel, eine schwarze Halsbinde und ein Oberhemd mit einer Halstraufe und mit Manschetten, ein mit Seide gefüttertes Kleid von feinem, gewöhnlich schwarz, braun und gelb meliertem Tuch, woraus auch die Beste und die Beinkleider verfertigt waren, graufeidene Strümpfe, Schuhe mit filbernen Schnallen und einen Degen, als dieser in Gesellschaften noch Mode war, nachmals einen gewöhnlichen Rohrstock. Nach der herrschenden Mode waren Rod, Wefte und Beinkleider auch mit einer Goldschnur eingefaßt und die Knöpfe mit Gold oder mit Seide befponnen. Eine ähnliche Kleidung trug er täglich, selbst in seinem Hörsaal. * # Rant verwandte während seines ganzen Lebens eine ungemein große Sorgfalt auf die Erhaltung seiner Gesundheit. Er sah daher fein anhaltendes förperliches Wohlbefinden und sein langes Leben fast als sein eigenes Wert an; ja, als ein Kunststüd, wie er es felbst nannte: bei so vielen Gefahren, denen das Leben ausgesetzt ist, sich noch bei allem Schwanken im Gleichgewicht zu erhalten. Scherzend bemerkte er zuweilen: Es sei immerhin etwas impertinent, fo fange zu leben wie er, weil dadurch jüngere Leute nur erst spät zu Brot fämen. maßen zeitlebens selbst. Wie charakteristisch find dafür die folgenden Rant beobachtete fich selbst und behandelte sich auch gewiffer bloßen Borsah seiner frankhaften Gefühle Meister zu sein" der perWorte seiner Abhandlung:„ Von der Macht des Gemüts, durch den förlichsten Schrift, die kant verfaßt hat:„ Ich habe wegen meiner flachen und engen Bruft, die für die Bewegung des Herzens und der Lunge wenig Spielraum läßt, eine natürliche Anlage zur Hypochondrie, welche in früheren Jahren bis an den Ueberdruß des Lebens grenzte. Aber die Ueberlegung, daß die Ursache dieser Herzbeklemmung vielleicht bloß mechanisch und nicht zu heben sei, brachte dessen, daß ich mich in der Brust beklommen fühlte, im Kopf doch es bald dahin, daß ich mich an sie gar nicht fehrte, und während Ruhe und Heiterkeit herrschte, die sich auch in der Gesellschaft nicht nach abwechselnden Launen, sondern absichtlich und natürlich mit zuteilen nicht ermangelte. Und da man des Lebens mehr froh wird durch das, was man im freien Gebrauch desselben tut, als was man genießt, so fönnen Geistesarbeiten eine andere Art von befördertem Lebensgefühl den Hemmungen entgegensehen, welche bloß den Körper angehen. Die Beklemmung ist mir geblieben; denn ihre Ursache liegt in meinem förperlichen Bau. Aber über ihren Einfluß auf meine Gedanken und Handlungen bin ich Meister geworden durch Abkehrung der Aufmerksamkeit von diesem Gefühle, als ob es mich gar nichts anginge." * Daß Kant nicht ohne Leidenschaften mar, beweist seine Vorliebe für den Tabak. Aber er hatte sich über das Tabatrauchen, welches vielleicht sein höchstes finnliches Bergnügen war, die Marime gemacht, täglich nur eine Tonpfeife auszurauchen, weil er nicht absah, wo er sonst stehen bleiben sollte. Hätte es eine Art von Tonpfeifen gegeben, die mehrere fleinere in fich faßte, fo hätte er fie gewiß benutzt, weil dies nicht gegen seine Marime stritt, aber selbst zu cinem anderen Pfeifentopf war er nicht zu bereden. Dagegen schnupfte Rant start Tabat und genoß dieses Vergnügen höchst aus. giebig. Rant trant nie Bier. Er erklärte das Bier für ein lang. fam tötendes Gift. fam tötendes Gift.- 3um Kaffee hatte Rant eine so große Reigung, daß es ihm die größte lleberwindung foftete, ihn nicht zu trinken, besonders, wenn ihn in Gesellschaft der Geruch dazu reizte; aber er hielt das Del des Kaffees für schädlich und vermied ihn daher gänzlich. Rants erklärte Lieblingsgerichte waren Käse und Rabeljau. Er verfidyerte eines Tages, als er schon völlig gesättigt war, daß er noch mit vielem Appetit einen tiefen Teller mit Rabeljau zu sich nehmen tönnie. -1000 Es gewährt einen besonderen Reiz, Rant mit den perfchiedenen Geificsströmungen der Gegenwart in Berbindung zu bringen und zu untersuchen, was Rant eigentlich bem modernen Menschen be. deutet. So geben die meitverbreiteten offuftiftifchen Reigungen der BERLIN MOSKAU MAİKAPAR 99 Nur- Nur 99 Seit Gegenwart dem Königsberger Psychiater Ernst Meyer Veranlassung, in einer Abhandlung„ Kant und der Okkultismus" in der von der Universität Königsberg herausgegebenen Festschrift den Fragen nachzugehen, welche Stellung der große Philosoph der Aufklärung zu den Problemen des lebersinnlichen und der Geisterseherei, die auch in seiner Zeit die Gemüter selbst der bedeutendsten Köpfe mächtig berührte, einnahm. Ausführlich hierüber spricht sich Kant in zwei Briefen an Moses Mendelssohn und in feiner Schrift: ,, Träume eines Geistersehers erläutert durch Träume der Metaphyfit" aus. In letzterer stellt Kant die Tatsachen, die Für und Wider die Hellseherei sprechen, gegenüber, beschäftigt sich mit dem bekannten Theosophen und Mystiker Swedenborg und allgemein mit Beistern und Geifterseherei. Fragen wir uns nad) der endgültigen Stellungnahme Kants zum Offultismus, so ist Meyers Ansicht, daß der Philosoph sich selbst festzulegen vermeidet und einer direkten Ablehnung aus dem Wege geht, da ihm doch gewiffe Tatsachen für die Existenz von Hellseherei zu sprechen scheinen. Was Kant an Mendelssohn schreibt: 3war denke ich vieles mit der allerkläresten Ueberzeugung und zu meiner großen Zufriedenheit, was ich niemals den Mut haben werde zu sagen; niemals aber werde ich etwas fagen, was ich nicht dente," flingt überall als Leitmotiv durch. Kants der eigenen Lebensarbeit allen diesen Fragen gegenüber zu be Betrachtungen follen offenbar in dem Rate gipfeln, sich im Interesse besorgen, in den Garten gehen und arbeiten." scheiden und Candides Worten zu folgen: Laßt uns unser Glüc " Seele nach dem Tode in einer anderen Welt zu sprechen.„ Na, Ihrer In Gegenwart Rants tam man einmal auf die Fortdauer der wird man," so meinte jemand aus der Gesellschaft, wohl wenig im „ Warum?" fragte Kant.Jenseits habhaft werden können." Nun," war die Antwort, ich denke mir, daß Sie sich da in der einen himmlischen Klub von Gelehrten gründen werden." Gesellschaft aller Weifen der alten und neuen Zeit befinden und „ Ach, mein lieber Freund," verfeßte Kant, bleiben Sie mir vom Leibe mit den Gelehrten! Wenn ich in der anderen Welt meinem alten Lampe feinem Dienerbegegnen werde, so werde ich froh sein und ausrufen: Gottlob, ich bin in guter Gesellschaft!" * -A Ein Gelehrter erwähnte im Gespräch mit Kant ben befannten Ausspruch: Die Philosophie ist die Magd der Theologie." Ist die Philofophie eine Magd," meinte dazu Kant, so ist die Frage, ob sie der Theologie die Fadel vor oder die Schleppe nachträgt." Kant- Sprüche. Der Mensch muß sich in die Natur fchiden lernen; aber er will, daß fie fich in ihn sayiden soll. * Ber nicht arbeitet, verschmachtet vor Langerweile und ist allenfalls von Ergöglichkeit betäubt und erschöpft, niemais aber erquidt und befriedigt. In der menschlichen Natur finden sich niemals rühmliche Eigenfchaften, ohne daß zugleich Abartungen derselben durch unendliche Schattierungen bis zur äußersten Unvollkommenheit übergehen follten. Ich kann niemand beffer madjen als durch den Rest des Guten, das in ihm ist; ich fann niemand Nüger machen als durch den Rest der Riugheit, die in ihm ist. Man fchäßt manchen viel zu hoch, als daß man ihn lieben tönnbe. Er flößt Bewunderung ein, aber er ist zu meit über uns, als baß wir mit der Bertraulichkeit der Liebe uns ihm zu nähern getrauen. Man täuscht fich nirgends leichter, als in dem, was die gute Meinung son fich felber begünstigt. Die Zigarettenfabrik Malkapar hat sich die Aufgabe gestellt, speziell dem Berliner Raucher eine Zigarette anzubieten, die in Rezug auf Qualität das denkbar Reste darstellt. Diese Aufgabe war nicht anders zu lösen, als durch die Herstellung eines Fabrikats, welches seinen Absatz nur in Berlin finden soll. Durch den Fortfall von Frachtand Verpackungkosten, sowie der recht erheblichen Ver triebsspesen wurde die Verwendung nur hochqualifizierter, rassiger Tabake ermöglicht, sodaß dem Qualitätsraucher ein wirklich konkurrenzloses Erzeugnis zur Verfügung steht, dessen sich also nur der Berliner Raucher freuen kann. 60Jahren bewährt und anerkannt Spratt's Hundekuchen Niederlegen durch Schilder kenntlich Prospekte und Preislisten durch Spratt's Akt.- Ges, Berlin- Rammelsburg A2 Andreas Bum versuchte, sich die Menschen vorzustellen, von beren Leben er bie wichtigsten Abschnitte erfahren hatte. Fräulein Elsbeth Walbed war blond und vornehm, die Tochter eines Profeffors, bie Braut eines Arztes. Der Doffor Siegfried Türkel war vielleicht ein Rechtsanwalt, und es wäre nicht von Schaden, seine Bekanntschaft zu machen. Bielleicht geriet man überhaupt nicht ins Gefängnis, wenn man mit dem Rechtsanwalt Türtel bekannt war. Ja, es war fo: Alle, deren Namen auf diesem Stüdchen ZeitungsLapier ftanden, mußten miteinander befreundet jein. Der Doftor Bronowity behandelte die Frau Martha Maria geb. Zadik und der Bergaffeffor Harald Kreuth lieh fich Geld vom Bankdirektor Willi bald Rowolffy. Diefen vertrat der Rechtsanwalt Türfel bei Gericht und der Rechtsanwalt Türfel macht dem Herrn Johann Koh einen Rondolenzbesuch. Die Namen sprangen selbständig aus den Zeilen und verbanden sich wechselweise. Da hüpfte der Sanitätsrat zum Herren- u.Knabenanzüge Affeffor und dieser zum Rechtsanwalt. Die Namen waren lebendig. Sie nahmen menschliche Gestalten an. Andreas Bum blickte auf das bebrudte Papier wie in ein Zimmer, in dem sich alle diese Menschen befanden und herumgingen und miteinander sprachen. Dieses Bild bewegte ihn. Er stellte sich die Gesellschaft sehr glänzend vor. Es schien ihm, daß er hinter das Geheimnis der Welt gekommen war. Er glaubte zu wiffen, daß er in der Zelle saß, weil er feinen von diesen Verlobten, Geborenen und Verstorbenen kannte. Weshalb stand es nicht gedruckt, daß Herr Andreas Bum, Lizenzinhaber, nach ungerechter Behandling und ohne gehört zu werden, zu sechs Wochen verurteilt war? HOSEN MOSEN 99 99 93 99 Militär- Hosen von 3,80 an Streifen" 4,50 Anzug 4,00" Kammgarn- Hosen 12 bis 33 Mk. Breeches Hosen von 4,50 an Engl. Leder- Hosen von 4,80 an Junglings Hosen von 3.90 an Manchester Joppen 25 Mk. Bauchhosen in allen Weiten Sportanzüge. Regenmäntel München- Gladbacher Hosenzentrale Neukla, Berner Strate 18-19, Ecke Reuterstraße Berlin 17, Ciriner Platz 10 Frage: Für 5 Pfennige ein Mittagessen für 7 Personen kochen Sie mit dem Wunderherd FESTTAB" Gasersparnis 74%( amtl. festgestellt) Bratet Kocht Festtag D.R.P.a Sterilisiert Backt Dämpft Dörrt ohne jede Wartong. Anbrennen oder Ueber laufen der Speisin ausgeschlossen 25% mehr Nahrkraft der Speisen. Verlangen Sie Prospekt von der VESTA Aktiengesellschaft Ladwigsburg( Württ.) Generalvertreter für Berlin u. Brandenburg: Paul Schenker, Berlin NO 18, Gr. Frankfurter Str. 97 Ausstellungslokal Blumenstr. 65 Wo kaufe ich billig Schokoladen? Antwort: Nur bei Eisen& Diamant Kaiserstraße 4. Abteilung 1: DeutscherMetallarbeiter Verband Achtung! UnBenmonteure Achtung! Montag, 21. April( 2. Offerfeiertag). vorm. 10 2hr, im Berbandshause ( großer Saal), Linienstraße 83/85: Versammlung fämtlicher Außenmonteure. Tagesordnung: 1 Bericht über die legten Berhandlungen mit dem BBMJ. 2. Monteurangelegenheiten. Das Erscheinen fämtlicher monteure ift Pflicht. AußenAchtung! Bauanschläger Achtung! Mittwoch, den 23. Apeil, nachmittags 5 2hr, im Berbandshause ( Sigungsfaal), Linienstraße 83/85: Kombinierte Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand unseres Streits. 2. Ber fchiedenes. Achtung! Gold- u. Silberschmiede Mittwoch, ben 23. April, nach mittags 52 2hr, in legandriner", Alexandrinenftrage 37a: Branchenversammlung Tagesordnung: 1. Bortrag bes Rollegen Bista über Industrieorganisation. 2. Branchenangelegenheiten. 165/8 Die Ortsverwaltung. Rheumatismus und Blutreinigung! Reinigt das Blut! Eine Blutreinigungss fur ift für jeden Menschen, ob gefund oder trant, ein Gebot der Notwendigkeit. Ein bekanntes Blutreinigungsmittel ist der antirheumatische Blutreinigungstee Marte Bulneral" des Apothekers Grund mann, Berlin SW. 68, Friedrichstr. 208. Der Tee wird als diätetisches Genußmittel bet Neigung zu Säfteverderbnis, Flechtest, Sautausschlägen, Arterienvertaltung Gicht und Rheumatismus, Sachtlebens Blafen- und Nierenleiden, sowie Blut andrang nach dem Kopfe mit glänzendem Erfolge angewendet und darf demnach in teiner Familie fehlen. Große Original patete zu billigften Tagespreifen. Bu einer Kur erforderlich: brei Batete. In Apothelen, Depots: Berlin, Alexander Apotheke, Alexanderstraße 8, Apotheke zum weißen Adler, Friedrichstr. 206, Allgem. Ortskrankenkasse Berlin- Wilmersdorf Son's Apotheke, SpandauerStr.17, Marien Apotheke, Der 19. Nachtrag gur Raffenjagung Wörther Str. 40( am Wörther Platz), 1924 in raft. Bon btelem Tage ab be Apotheke zum goldenen Phonix, ift genehmigt und tritt mit dem 21 April Marienburg. Apotheke, Winsstr.22, tragen die Beiträge( 48 ber Sagung) Chausseestr. 93, Pelikan- Apotheke, 7 Prog. bes Arbeitsverdienftes und find Leipziger Str. 93, Adler- Apotheke, an jedem Lohnzahlungstage unanige Brunnenstr. 132, Zions- Apotheke, fordert ber Raise zuzuführen. Anklamer Str. 39, nahe Ecke BrunnenDie Beiträge für unitändig Beschäftigte straße, Nordwest- Apotheke, Rathe ( 8 61 der Sagung) betragen von diesem nower Straße 26, Oldenburger Tage ab 6 Broz. des Ortslohns. Apotheke, Oldenburger Straße 37, Germania Apotheke, Lothringer Straße 50, am Rosenthaler Tor. Für alle Verfonen, welche auf Grund hres Berbienftes noch, nach Grundtohn frufen eingereiht werben, wie: Baus ngeftelte, Bortierleute und freiwillige Bis auf weiteres gebe ich meiner westen Mitglieder betragen die Beiträge in RundBreunigen: Stufe 1 5. Stufe il 9. Stufe haft auf Zigaretten, Zigarren, Tabake 15, Stufe IV 21, Stufe V 27, Stufe VI 36 bei Barzahlung 2% Rabatt und Stufe VII 42 pro Tag. Lehrlinge Alle bekannten Marten wieder em Lager Zigaretten- Engros- Vertriebne utgelt aahlen zwei Drittel des in Andreasstr. 13( Schles. Bahnh.) teftgelegten Betrages. 104/4 Berlin- Wilmersdorf, den 19. April 1924. R. Engelhardt, Fr. Wiemann, Borsigender, Schriftführer: Zigarren von 3-30 Pf. pro Stüd Zabate bedeutend billiger geworbent Arno Geßner, TabatwarenGroß- Handlung, Berlin NW, Werftstr.21, am friminalgericht Gewerkschaftsbewegung Die Betriebsräte in Sowjet- Rußland. Der Zentralrat der russischen Gewerkschaften hat durch seine Inspektoren die Lage der Betriebsräte untersuchen lassen und das Ergebnis im Gewerkschaftsblatt Trud" veröffentlicht. Es heißt in diesem Bericht: Indifferenz und Schüchternheit der Arbeiter sind als Folgen der allgemeinen Lage in den Betrieben zu betrachten. Der Be: triebsrat ist im Bewußtsein der Masse nicht deutlich genug von der Betriebsleitung geschieden. Es ist gang und gäbe, daß der Betriebsrat, wenn die Arbeiterschaft größere materielle Forderungen aufstellt, den Standpunft der Betriebs leitung vertritt. Das hat zur Folge, daß die Massen miß trauisch gegen die Gesetze, gegen die Gewerkschaften und schließlich indifferent werden. Die Betriebsleitung sollte die fieren, mit mehr Achtung und Toleranz behandeln. Die Be triebsräte felbst haben ein großes Interesse daran, der Maffe Gelegenheit zur Meinungsäußerung zu geben; die Betriebsversammlungen sind nur eine Form= sache; die Fragen werden in der Zelle( d. h. in der kommunistischen Zelle. Red.) oder im Betriebsrat entschieden.... Achtung, Maler! Das von der RBD. verbreitete Gerücht, als ob innerhalb unseres Gewerbes ein Streif bestehe, ist Schwindel. Sämt liche Kollegen haben nur die von der Ortsverwaltung herausgegebe nen Weisungen zu befolgen. Die Ortsverwaltung, Schiemann. Achtung, Bauarbeiter! Die Erklärungsfrist des unter dem 14. April gefällten Schiedsspruches läuft am 17. April ab. Bekanntlich hat die Generalversammlung des Deutschen Baugewerksbundes lich hat die Generalversammlung des Deutschen Baugewerksbundes den Schiedsspruch abgelehnt und beschlossen, einstweilen die Berliner Zimmerer seit Sonnabend im Streit. Infolge der hier. cine abwartende Stellung einzunehmen. Dagegen stehen durch geschaffenen Situation haben die Arbeitgeberverbände beim Schlichter beantragt, ihre Entscheidung erst bis einschließlich Dienstag, Schlichter beantragt, ihre Entscheidung erst bis einschließlich Dienstag, den 22. April, treffen zu können. Im übrigen sei an dieser Stelle auf die am Mittwoch, den 23. April, im Gewerkschaftshaus statt findende Baudelegiertenversammlung des Baugewerksbundes hingewiesen. Arbeiter, die in den Betriebsverſammlungen ihre Tätigkeit friti: Graphische Arbeiter und Arbeiterinnen! Ein Gefühl der Verantwortlichkeit den Arbei. Donnerstag, den 24. April, abends 6 Uhr, im Dresdener Kafino, Dresdener Str. 96: Oeffentlich. Wählerversammlung tern gegenüber existiert bei den Betriebsräten der graphischen Industrie. noch nicht; man fürchtet nur eine plötzliche Revision der Orts verwaltung des Verbandes oder eines höheren gewerkschaftlichen Organs Nach dem Bericht des Betriebsrats in der Versammlung der Belegschaft diese Berichte sind äußerst selten) finden De= batten überhaupt nicht statt, es sei denn, daß die Tagesordnung: 1. Reffung oder Katastrophe? Referent: Genoffe Redakteur Alexander Stein. 2. Freie Aussprache. Verbandsausweis der graphischen Berufe gilt als Legitimation. Noch schärfer äußert sich die Redaktion des„ Trud" in Werbeausschuß der graphischen Industrie. einem Leitartikel über die Tätigkeit der Betriebsräte: " Die Betriebsräte fennen die wirkliche Lage der Produktion nicht; fie afzeptieren häufig jede Erklärung der Be triebsleitung ohne weiteres als wahr und übernehmen die „ edle" Pflicht, jebe Maßnahme der Betriebsleitung zu verteidigen, selbst wenn ihre Unannehmbarkeit deutlich ertennbar ist. Das führt zur Isolierung der Betriebsräte in der Belegschaft und zur Berringerung ihrer Autorität." Diese erniedrigende Stellung der russischen Betriebsräte, die zwischen der Betriebsleitung und der Arbeitermaffe in der Luft hängen, erflärt sich feineswegs daraus, daß die Betriebsräteidee schlecht sei. Sie zeigt vielmehr, daß für eine nugbringende Tätigkeit der Betriebsräte eine entsprechende Atmosphäre, in erster Linie das Recht der freien Rritit, notwendig ist. Eine Kontrolle der freien Presse ist notwendig, die gleichfalls in Rußland nicht vorhanden ist. Ohne diefe Voraussetzungen stirbt das öffentliche Leben in der Arbeitertiajje ab und die Betriebsräte verwandeln sich in tote Organe. Kommunistische Generalstreikspielerei. Bodhum, 19. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Karfreitag hielten die Kommunisten in Bochum einen Bergarbeiterfongreß ab, auf dem fie von ihrem Standpunkt aus zu den schwebenden Lohnund Arbeitszeitfragen Stellung nahmen. Die Kommunisten hoffen, daß der demnächst zu erwartende Schiedsspruch im Bergbau ihnen die Gelegenheit zu einer größeren Aktion gibt. Der Kongreß beschloß, an den alten fommunistischen Forderungen auf Wieder einführung der Siebenstundenschicht und einer Lohnzulaae von 30 Bro3. über dem Borfriegslohn festzuhalten. Werden diese Forderungen nicht erfüllt, so soll mit dem Generalstreit geantwortet werden, den sie über ganz Deutschland aus= Sehnen und in den sie auch weitere Berufsgruppen einbeziehen wollen. Man will damit, wie der Hauptreferent ausführte, dem Rapitalismus den entscheidenden Schlag" perfegen. ( Wenn die Kommunisten über feine anderen Waffen verfügen, dann werden sie mit ihrem entscheidenden Schlag" dem Kapitalismus ficher nicht wehe tun.) Die Werftbefizer machen ihren Laden wieder auf. Die Seeschiffswerften gaben gestern unter Hinweis darauf, daß weite Streise der Arbeiter entgegen dem Verhalten der Gewerkschaften durchaus gewillt seien, zu den von den Werften gebotenen Bedingungen zu arbeiten, die angeblich günstiger seien als der Schiedsspruch des Reichsarbeitsministers vom 18. Februar, bekannt, daß sie sich entschloffen haben, die Betriebe für Arbeitswillige am Mittwoch, den 23. April, wieder zu öffnen. Der Streit auf den Flußschiffsbootwerften in Hamburg ist nach mehrwöchiger Dauer beigelegt. Holzarbeiteraussperrung in Augsburg. Nachdem die Lohntarif berhandlungen im Augsburger Holagewerbe gescheitert waren, hat der Arbeitgeberverband in Augsburg die Aussperrung aller Arbeiter beschlossen. Bisher haben zehn Betriebe mit ungefähr 480 Mann diefen Beschluß zur Ausführung gebracht. Achtung, VSPD.- Gemeinde- und Staatsarbeiter! Mittwoch abend 6½ Uhr im Rofenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11-12( Großer Gaal), Bersammlung aller BSPD.- Genossen der Gemeinde und Staatsbetriebe. Sehr wichtige Tagesordnung. Das Erscheinen aller ist unbedingt notwendig. Parteiausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Graphisches Gewerbe! 8u der Bersammlung am 24. April ift ant Dienstag, den 22., und am Mittwoch, den 23. April, Material bei Krüger, Engelufer 23, abzuholen. Kein Betrieb darf fehlen. Werbeausschuh für das graphische Gewerbe. Achtung, Baudelegierte! Am Mittwoch, ben 23. April, nachmittags 5 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Gaal 1, wichtige Bersammlung aller Baubelegierten des Baugewerksbundes. Mitgliedsbuch und Delegiertentarte finb als Ausweis vorzuzeigen. Deutscher Bangewerksbund, Fachgruppe bez Zöpfer. Generalversammlung in den Residenzfestfälen, Landsberger Str. 31, am Dienstag, den 22. April, nachmittags 5 Uhr. Bericht vom 1. Quartal. Bericht der Lohnkommiffion und Stellungnahme zum Angebot der Unternehmer. Eintritt nur gegen Borzeigung des Mitgliedsbuches Deutscher Bekleidungsarbeiterverband, Herrenmaßbranche. Freitag, den 25., abenbs pilnktlich 6 Uhr, Versammlung in der Schulaula Roftr. 16. Borttag des Genossen Fride: Die wirtschaftliche Organisation der Unternehmer und die Lage der Bekleidungsarbeiter". Bahl der Delegierten aur Generalversammlung. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Zentralverband der Schuhmacher. Donnerstag, den 24. April, abends 7 Uhr, Generalversammlung bei Boeker, Weberstr. 17. ( Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Verbandstag der Textilarbeiter. Kaffel, 19. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Freitagfizung des Tegtilarbeiterfongresses begann mit der Statutenberatung. Den Bericht darüber gab Schrader vom Hauptvorstand. Eine Statutenänderung habe sich notwendig gemacht, damit der Vorstand befugt werde, zur Stärkung des Berbandes gewisse Handlungen selbständig vorzunehmen. Die Anträge auf Abschaffung der Erwerbsloserunterstüßung bitte er abzulehnen, denn unter den heutigen Berhältnissen könnten die Textilarbeiter auf die Erwerbslojenunterstützung nicht verzichten. Die Redaktion des„ Tertilarbeiter" soll nach dem neuen In einer Versammlung der Vertrauensleute und Betriebsräte Statut mit dem Vorstand im Einvernehmen stehen. Der Verbandsder Werftarbeiterschaft, die hierzu Stellung nahm, wurde ein st i mausschuß soll nicht mehr von der Filiale seines Sizes, sondern von mig eine Entschließung gefaßt, in der erklärt wird, daß nur durch dem Verbandstag felbst gewählt werden. Der Berbandstag jezt Berhandlungen mit den beteiligten Organisationen der Kampf fich nach dem Statutenentwurf zusammen aus den gewählten Ber beendet werden Lönne, und der Arbeiterschaft empfohlen wird, das tretern, den zur Wahl stehenden Vorstandsmitgliedern, dem ReAngebot der Werftbefizer einmütig abzulehnen und im Kampfe dakteur des Tertilarbeiter", den Gauleitern, den Vertretern des auszuharren. Verbandsausschusses, den Vertretern des Beirates, den Vertretern der unbefoldeten Borstandsmitglieder und dem Vertreter der Revi foren. Der Verbandstag tritt nur noch alle drei Jahre zusammen. Rein Vertreter darf ein gebundenes Mandat annehmen. Der Ausschluß eines Mitgliedes tann erfolgen, wenn es sich Handlungen zuschulden kommen läßt, die gegen die Verbandsintereffen ver. stoßen, fich beharrlich weigert, den Anordnungen des Hauptvor ftandes, der Gauleitungen oder der Drisverwaltungen Folge zu leisten, sofern diese Anordnungen im Statut begründet sind oder fich auf Verbands- und Beiratsbeschlüsse stüßen, und schließlich, wenn fich das Mitglied vor einem Schiedsgericht nicht rechtfertigt oder teine Beifizer ernennt, obgleich es dazu in der Lage war. Fortschritte des Achtstundentages in Amerika. Es scheint, daß die Unternehmer in den Vereinigten Staaten dem Achtstundentag mehr und mehr geneigt werden. Namentlich in der Eisen und Stahlindustrie wird die Zwölfftundenschicht langfam beseitigt. Wie die Zeitschrift Industrial and Labour Information"( herausgegeben vom Internationalen Arbeitsamt) berichtet, arbeiteten bei der Bethlehem Stahlgesellschaft Anfang 1924 nicht mehr als 2 Broz. des Personals über 10 Stunden täglich Die Umstellung der Anlagen zum Zwecke der Anpaffung an die ver. fürzte Arbeitszeit macht rasche Fortschritte. Die United States Steel Corporation hat in ihren Betrieben in der Umgebung Don Chicago die 3 wölfftunde nschicht abgeschafft. Im Bezirt Pittsburg, in Buffalo, dann in Ohio und Kentucky wird die Zwölfftundenschicht gleichfalls abgeschafft; in 80 Pro 3. der Betriebe ist dort bereits die Achtstundenfchicht eingeführt. fand nicht die genügende Unterstützung. Die Jugend-, Arbeiterinnen und Betriebsrätefragen wurden dem Vorstand zur beschleunigten Erledigung überwiesen. Zu Borfizenden wurden gewählt: Hübsch, Jaeckel und Schrader; zu Kassierern 3e hms und Brillmik; zu Sefre tären Reichelt, Feinhals, Schulze, Rödel und Dressel. Als Sekretäre der Internationale wurden bestimmt 3a edel und Rödel. Auf die Aeußerung eines fommunistischen Delegierten, daß der Verband mit der Aenderung des Statuts die Demokratie aufgegeben" habe( ausgerechnet die Kommunisten spielen sich als Verteidiger der Demokratie auf!), erklärte Jaeckel, der Vorstand werde seine Bollmachten gegen die Kommunisten folange nicht zur Anwendung bringen, als diese fich den gefaßten Beschlüssen fügten. Nachdem der Vorsitzende Hübsch noch den Kasseler Kollegen für die freundliche Aufnahme gedankt hatte, wurde die 15. Generalver fammlung mit einem Hoch auf den Verband und mit dem Gesang der Internationale geschlossen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 18. Kreis Beißensee. Eintrittskarten für die Taffo- Vorstellung am 1. Feier tag im Staatstheater( 1,10 m.) und für die Note Nobe" am 27. April im Neuen Theater am 800 find noch beim Genossen Heini, Gäblerstr. 7, zu haben. 2. Kreis Tiergarten. Familienabend mit Gefang, Konzert und Tanz am Dienstag, den 22. b. M., 5 Uhr, in den Arminius- Hallen, Bremer Str. 73. Cintritt 50 Bf. 5. Kreis Friedrichshain. Die Trauerfeier für die Genoffin Demmning findet Dienstag, den 22. April, nachmittags 5 Uhr, in der Stadthalle Klosterstraße statt. Besondere Einlaßkarten werden nicht ausgegeben. Erweiterte Kreisvorstandssikung Mittwoch, 23. April, abends 7 Uhr, bei Wittschuk, Petersburger Str. 5. Jede Abteilung mus vertreten sein. 6. Kreis Kreuzberg. Dienstag, den 22. April, 7 Uhr, Sigung mit den Abteilungsvorfigenden bei Bieber, Dieffenbachstr. 76. Jede Abteilung muß Dertreten fein. 9. Kreis Wilmersdorf. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Am Dienstag( 3. Feiertag) Ausflug nach dem Grunewald, Spielplay bei der Waldfchänke, Kronprinzenallee, Ece Bucklerstraße( am Aussichtsturm). Abmarsch 1 Uhr Bahnhof Schmargendorf. Gäste und Stachzügler willfominen. Dienstag, den 22. April. 8 Uhr, wichtige Sigung( Wahlarbeiten) ber Beamtenobleute und Beanienwerbeausschiffe bei Pieper. Solsteinische Str. 60. Die Oblente milffen möglichst Wahllistenabschriften mitbringen. Gigung des Wahlkomitees Dienstag abend 7% Uhr bei Pieper, Solsteinische Str. 60. Der wichtigen Tagesordnung wegen, Erfcheinen unbedingt notwendig. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Am Dienstag, den 22. April. Sigung des engeren Kreisvorstandes und der Abteilungsleiter beim Genossen König. Dringende Besprechung. Zusammenkunft aller Eaalordner am Mittwoch, den 23. April. 7 Uhr, bei Groß, Sedanstr. 17. 13. Kreis Tempelhof- Marienboef. Mittwoch, den 28. April, 7% Uhr, Kreisvorstandsfizung, Zimmer 26. 14. Reris Reutöln. Dienstag, den 22. April( 3. Feiertag), nachmittags 3 Uhr, in der Rinbl- Brauerei, Hermannstraße, gemiltliches Belsammensein der Genoffinnen. Borträge, Mufit, Kaffeekochen, Tanz. Sympathisierende Fönnen eingeführt werden. Bildungsausschuß: Am Dienstag 7 Uhe Gigung, Rindl- Brauerei. Abteilungsleiter: Entgegennahme von Wahlmaterial am Mittwoch, den 23. April, abends, im Parteibureau, NeckarStraße 3. 4. Rreis Brenzlauer Berg. Die Genofsinnen laden zu der am 25. April statt. findenden öffentlichen Versammlung ein. 7. Kreis Charlottenburg. Mittwoch, den 23. April, 7 Uhr, erweiterte Kreis. vorstandsfizung, Zimmer 1. Dafelbft Plakate in Empfang nehmen. 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, den 23. April, 7% Uhr, Kreisvorstands fisung in der Bibliother Weichselste. 28. Abteilungen, die an diesem Abend besondere Beranstaltungen vorgesehen haben, müssen unbedingt einen Vertreter entfenden. Morgen, Montag, den 21. April: 47. Abt. Bormittags 9 Uhr Konferenz aller Funktionäre zu sehr wichtiger Parteiarbeit bei Gefche, Wrangelstr. 21. Dienstag, den 22. April, 41 Uhr, Parteiarbeit. Treffpunkt Siebentopf, Muskauer Str. 35. 119. Abt. Sitenberg. Bei schönem Wetter, früh 9 Uhr Flugblattverbreitung an die Laubenkolonisten vom Lokal Siete, Möllendorff, Ede Rittergut straße, aus. Uebermorgen, Dienstag, den 22. April: 19. Abt. Funktionäre, Material abholen beim Genoffen Kiefer, Badftr. 58. 24. bt. Funktionäre, Betriebsvertrauensleute. Ordner, 7½ Uhr wichtige Sigung bei Winzer, Chrisburger Str. 9. Materialausgabe. 25. bt. 7 2hr bei Gott wichtige Funktionärsigung. 27. 6t. 7 Uhr Funktionärtonferenz in der Schule Sonnenburger Str. 20. 30. 26t. 7 Uhr wichtige Funktionärkonferens bei Mahnkopf, Carmen- SylvaGtraße 128. 31. abt. 8 Uhr bei Goldschmidt, Stofpische Str. 36, wichtige Funktionärthung. 41. bt. 6% Uhr von Schult aus Handzettelverbreitung. Alle Gruppenleiter müffen au einer Besprechung pünktlich anwesend fein. Am Mittwoch in. der Bodbrauerei Wählerversammlung. 58. Abt. Charlottenburg. Pünktlich 8 Uhr im Rofal Siemiatkowski, Buthers, Ede Augsburger Straße, Funktionärtigung. 80. Abt. Schöneberg. 8 Uhr bei Lähn, Rubenstr. 49, allgemeine Funktionär persammlung. Die Bezirksführer lader die Funktionäre und bekannten Genoffen ein. 83. Abt. Lichterfelbe. 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Kraft, Heinersdorfer Straße 18. 104. Abt. Rieberschönemeibe. 7% Uhr Sigung sämtlicher Funktionäre, Beamten. 100. st. Sohannisthal. 7% Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre bei Gobin.. 125. und Betriebsvertrauensleute im Lokal Thiele, Berliner Straße. Roonftr. 2. bt. Weißenfee. 6 Uhr bei Stärke, Charlottenburger Str. 3, Funktionär Tonferens.( Die Gruppenführter milfsen zur öffentlichen Bersammlung am felben Abend einladen.) Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 22. April: 13. Areis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelbe und Lichtenrabe. Am Diens tag im Wilhelmsgarten, Tempelhof, Berliner Straße, Seiterer Frauenabend. Anfang 6% Uhr. Eintritt 20 Bf. Aufführungen der Jugend. 28. bt. 4 1hr nachmittags bei Büttner, Schwebter Str. 23, gemütliches Beifanmenfein. Raffectochen. Gäste willkommen. 40. st. 7% Uhr im großen Sigungsfaal des Bezirksamtes, Yordstr. 11, Lichtbildervortrag über Die Bedeutung der Geschlechtsleiden und-krantheiten für die Frau". Referent Genosse Dr. Löwenstein. Alle Genossinnen der Nachbarabteilungen find hierzu herzlich eingeladen. Gäste willkommen. 77./78, Abt. Schöneberg. 7% Uhr bei Will, Martin- Luther- Str. 60, Bortrag der Genoffin Todenhagen: Was erwarten die Frauen vom fommenden Reichstag". 15. t. * Mittwoch Mitgliederversammlung. Wahl eines Abteilungsleiters. Die Bezirksführer laden ein. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 30. Abt. Gen. Basewaldt, Wichertstr. 41, ist verstorben. Einäscherung Dienstag, ben 22. April, nachmittags 4 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. 108. abt. Röpenid. Die Genoffin Martha Deminning ist am 16. April verftorben. Die Trauerfeier findet Dienstag, den 22. April, abends 5 Uhr, im In der Aussprache wurde von Mertens M.- Gladbach betent, die Aenderung des Statuts hätte erfolgen müffen, um das perbandsschädigende Treiben der tommunisti. Stadthaus, Klosterstraße, statt. Beifegung 7 Uhr, Krematorium Gerichtstrate. fchen Mitglieder unmöglich zu machen. Bon ben Rednern der Opposition wurde die Statutenänderung auf das schärffte betämpft. Sie habe den 3wed, jede dem Vorstand mangenehme Richtung zu vergewaltigen". Die Beibehaltung der Erwerbslofen. unterstügung nehme dem Berband den Charakter des Klassentampfes! KIOS Achtung, Zimmerer! Die Zahlstellenversammlung vom 15. April 1924 hat ab Sonnabend, den 19. April 1924, den allgemeinen Zimmererstreit für das Hoch, Beton- und Tiefbaugewerbe beschlossen. Die Abstimmung über die Statutenänderung war nament. Hochvollendet Um Mißverständnissen zu begegnen, sei hiermit nochmals ausdrücklich lich. Das Statut wurde mit 255 gegen 56 Stimmen bei drei auf diesen Beschluß hingewiesen. Bo also irrfümlich gestern noch Stimmenthaltungen angenommen. Ein fommunistischer Angearbeitet wurde, hat bestimmt am Dienstag, den 22. April, die trag, diejenigen Reichstagsabgeordneten, die dem ErmächtigungsArbeit zu ruhen. Der Vorstand. gefeß zugestimmt haben, aus dem Berbande auszuschließen( 1), Die deutsche Cigarette! E. ROBERT BÖHME DRESDEN . im Geschmack unübertroffen Ueberall erhältlich Sophien- Sale Sophienstraße 18 Säle frei* Nrd. 9296 Unübertroffene Qualität ist das Merkmal der HALPAUS CIGARETTE RARITÄT- SPECIAL RARITÄT- EXTRA RARITAT- DELIKAT RARITAT- LUXUS DE THOMPSON'S DI THOMPSON'S SchwanIst ausgiebig im Gebrauch, spart Zeit und Mühe. Fabrik S SCHUTZ- MARKE SCHUTZ- MARKE SEIFEN- PULVER SEIFENPULVER Die ideale Bettfüllung: Echt chinesische Bettfedern Lustig Monopoldaunen Aufpassen Man irrt sich- Lustig nur Verkäufe Cundvierzig . Gesetzl. gesch. p.Pfd. 8- Gm. Komplette Simmer, Wenger, 43 Marfiliusstraße * 3-4 Pfund zum Oberbett * Weingartens Pfandleihe Speife verkauft Metallbetten, Auflegmatraßen, Batent. Credit- Rath, Schlafzimmer, Maschinenbau, Elektrotechnik, Abend. Einzelmöbel, Bolfterwaren. Iehrgänge. Beginn: April. 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