Nr. 70. vrschetnt läglich»über Montag». PretS pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich l,io Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ln'S Haus. Einzelne Nummer o Pfg. Sonntags- Nummer mit iHriitr. Sonntags-Betlage„Neue Welt">0 Pfg. Post-Abonnemenr: 3,ZoMl. proQnartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland oMl.pr.Monal. Eingelr. in der Post-geitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 7128. 12. Jahrg. JnsertionS-Sebühr beträgt für die sünfgespaltene Peiitzetle oder deren Raum«0 Pfg., für Vereins- und Versaninilungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis« Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 1 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bt» 9 Uhr Vor- intllags geöffnet. Fernsprecher: Amt>, Ztr. löi>8. Telegramm-Adresse: „Soiialdemolirnt Kerl!»!' Verlmer Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19, Aeutb-Straße 2. Smmavettd> de» 23. März 1893. ßTpedition: SW. 19, Aettth-Straße 3. Abonnements-Einiaiillllg. Zu Beginn eines neuen Quartals richmi wir an alle Freunde und Parteigenvsscu die dringliche Bitte, für die Erioeiterung unseres Abonneutenkrcises mit aller Energie thätig zu sein. Gegen die Partei, deren Zentralorgan der„Vorwärts" ist, haben die v e r- einigten Parteien der Reaktion, denen der Boden unter den Füßen wankt, jetzt alle ihre Kräfte ailf- geboten! durch ein neues Knebelgesetz soll die zahl- reichste Partei in Teutschland, mnndtodt gcniacht, mid sür unsere Feinde und des Volkes Feinde die Ruhe des K i r ch h o f c s hergestellt werden, daniit sie ungestört ihre gemeinschädliche und gemeingefährliche Arbeit verrichten können. Die Kämpfe, in denen wir stehen, sind von entscheidender Bedeutung; und die V e r h a n d l nn gen des Reichstages über die sogenannte U m st n r z v o r l a g e, die jetzt in der Kommisston sich ab- spielen, bald aber im Plenum stattfinden werden, sind von ganz besonderer Wichtigkeit. Unter diesen Umständen ist es doppelt nothwendig, daß die Partei genossen sich in dem Zcntralorgan der Partei über alle Vor kommnisse aufs genaueste unterrichten, und daß sie dafür sorgen, daß der„Vorwärts" immer weiter v e r breitet wird. Je größer die Verbreitung des Zentral organs, desto größer sein Einfluß und seine Wirksamkeit, und desto größer die Macht der Partei. Die Redaktion des„Vorwärts" wird bemüht sein, ihre Pflicht zu thun, und das Zentralorgan der Partei würdig zu machen! Mit dem I. April eröffnen wir ein neues Abonne- meut aus den „Vorwärts" mit der illnstrirten Sonntags-Beilage „Die Nene Welt". Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspediteure, so- wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen cnt- gegen zum monatlichen Preise von I Mark 1« Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- mcnts zum Preise von »,30 M. für das Quartal entgegen.(Eingetragen in die Post-Zcitnngsliste für 1695 unter Nummer 7128.) In unserem Feuilleton wollen wir nach Beendigung der jetzigen Erzählung und einiger kurzer Fenilletonartikel anfangs April mit dem Abdruck der geschichtlichen Erzählung: „Kerliner Märztage� von Michel Deutsch beginnen, auf ivelches Werk wir unsere Leser besonders aufmerksam machen. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Berlin, Ende März l895.Z reuillelott fNächdruck verbolin.f Klnzzen ans dem 38 südamerikanischen Hinterlande. Ein Blatt s ü d a Nl e r i k a n i s ch e r Geschichte. Am Morgen»ach der Ermordung berichtete man, daß mehrere Gefangene, darunter die Mörder Gill's, nnt deni Advokaten als Anführer in der vergangenen Nacht einen Bcfreiungsversuch gemacht hätten und erst nach langem und hartnäckigem Widerstände von der Wachmannschaft überwunden worden wären. Dabei wären mehrere gc- tödtet worden, einigen sei die Flucht geglückt. Der Oberst Meza sah an diesem Tage wiederholt nach einer goldenen Uhr, um die Tageszeit zu wissen, nach einer Uhr, die niemand vorher bei ihm bemerkt hatte. Der Oberleutenant trug ein paar schöne goldene Manschettenknöpfe und der Unterlientenant trug sich mit einem goldenen Stahlfederhalter herum, obwohl es be- kannt war, daß seine Schreibekünste nicht sonderlicher Art waren. Tie schmerzgebeelgte Wittwe des Advokateil erhielt am selben Tage den Leichnam ihres Gatten ausgehändigt. Es erschien zu diesem Zwecke der Präsident in Person und wollte einige tröstende Worte an sie richten, aber die un- glückliche Frau fiel ihm ins Wort:.,. � „Schweigen Sie, Sie Henker... reden Sie kein Wort ... verflucht soll dieses mein Vaterland sein, und verflucht soll ich selber sein, wenn ich noch einen Tag in diesem Lande verweile... verflucht seien Sie selbst und alle, die dies Land bewohnen." GeftfttsnillLtvbetk. Mit Recht wird das G e f ä n g n i ß w e s e n als ein Gebiet bezeichnet, auf welchem Willkür und Rechtlosigkeit am allermeisten zu finden sind i nd welches daher sehr dringend einer weil- gehenden gesetzlichen Regelung, wie auch gründlicher Reformen bedarf. Nicht allein im Interesse der Strafgefangenen, sondern auch in Rücksicht ans das Erwerbsleben. Und hierbei lenkt namentlich die G e s ä n g n i ß a r b e i t mit ihren schädlichen Folgen für das Erwerbsleben die meiste Aufmerksamkeit auf sich; immer stärker werden die Klagen über die Konkurrenz der Beschäsligniig der Strafgefangenen, insbesondere über die Art dieser Beschäftigung. Zunächst ist sestznstellen, daß die allgemeine Unzufriedenheit sich nicht gegen die Beschäftigung der Strafgefangenen an sich, gegen den für gewisse Kategorien bestehenden Arbeits- zwang richtet, sondern meist gegen die Art und Weise der A n s n u tz u n g dieser Arbeitskräfte. Weniger die Zwängsarbeit, als vielmehr die k a p i t a l i st i s ch e Zwangsarbeit wird be- kämpft, und die Rcsormvorschläge fordern nicht geradezu eine Beseilignng der Gesängnixarbeit, wohl aber eine Beseitigung der W a a r e n p r o d u k t i o n und der Privat- Dienstleistungen seitens Strasgesangener. Bei einzelnen Elrasanstallen werden die Insassen weniger beschäftigt, d. h. durch Arbeit erzogen, als vielmehr finanziell ausgenutzt, ja oft genug geradezu verkauft an Privatunter- nchmer. Welche Eindrücke werden hervorgerufen, wenn die Tirektioncn von Slrasanstaltcn öffentlich in der Tagespresse die unbeschäftigten Gefangenen ausbieten und dem Mcistgcbot den Zuschlag zusichern, wenn sie die Billigkeit und sonstigen Vorzüge derselben anpreisen, wie der Gesindemaller seine lebende Waare? Ucber den Umfang der Gesängnißarbeit liegt nur wenig Material vor. Nach einem amtlichen Ausweis sür 1891/92 betrug die Zahl der in£0(dem Ministerium des Innern unter- stellten) Strafanstalten Preußens delinirten beschäftigten Straf- gefangenen im täglichen Durchschnitt 24 480 Köpfe, davon un- beschäftigt(wegen Krankheit, Mangel an Arbeit zc.) 6,42 pCt. Es kamen ans die einzelnen Gruppen der Beschäftigung: a) sür de» eigenen Bedarf der Anstalt(im täglichen Durchschnitt) 5285 Köpfe mit 1 619 423 Arbeitslagen; 1>) sür eigene Rechnung der Anstalt zum Verlause 487 Köpfe mit 144 474 Arbeitstagen; c) sür dritte Personen gegen Lohn 17169 Köpfe mit 5 196 699 Arbeitstagen, hiervon 16 699 Köpfe mit Industrie- und 416 Köpfe mit land- wirlhschafilichen und Tagelöhner- Arbeiten. Ans dieser Gruppe wurden direkt für Reichs- oder Staatsarbeiten beschäftigt 581 Personen, also ca. 3,4 pCt. dieser Gruppe oder 2�/8 pCt. aller Gefangenen. Auch über den A r b e i t s v e r d i e n st der Strafgefangenen dringt wenig an die Oeffentlichleit. Nur preußische Berichte bringen einigen Älusschlnß, wonach der Äielto- Arbeitsverdienst aller Gefangenen.mit Arbeilszwang 1891/92 2 827 286«Mark betrug. Es wurde hierbei ein Lohn- Reinertrag pro Kopf und Detenlionstag von 81,9 Pf. und pro Kops und Arbeitstag von 41,1 Pf. berechnet. Für diese geringe Summe also werden die Slrasgefangenen ausgebeulct. Dieser Arbeitsertrag ist aber nicht der Slrbcilsvcrdiensl des Gefangenen, sondern geht zunächst einer großen Thcilung entgegen, wobei der Gefangene selbst nur bis zu einem Drittel erhalten soll; ein Sechstel wird zur Re- muneration für die beim Arbeilsverdienst„thätig" gewesenen Gesängnißbeamten verwendet und der Restbetrag(drei Sechstel), sowie alle dem Gefangenen wegen Strafen w. vorenthaltenen Sic ließ die Leiche einsargen und nahm sie am nächsten Tage auf dem nach Argentinien gehenden Packetboot mit in die Fremde, wo sie ihn bestattete. Sie ist selber nie wieder nach ihrem Vaterlande zurückgekehrt. Juan Rcgunega, der so glücklich entkommen war, konnte aber seinem Schicksal ebensowenig entgehen. Er war zwar nach dem Chaco eutkonnnen, wo er den Konnnan- dantcn der kleinen Truppe, die zum Schutze gegen die Indianer in Nika Haycs fleht, anssnchtc, der ein alter Be- kannter von ihm war, und von dem er annahm, daß er ihn nicht verrathcn würde. Der Kommandant nahm ihn aller- dings mit einiger Verlegenheit auf, berichtete aber im gc- Heimen an die Regierung. Man weiß nicht, ob man sich dort vor einem Skandal fürchtete, wenn der Entkommene sein Abenteuer erzählen sollte; soviel steht fest, daß Rc- guncga wenige Tage darauf an der Mittagstafel des Kom- Mandanten unter den Zeichen der heftigsten Vergiftung ganz plötzlich starb. Bald darauf heiratheto Frau Concepcion den General Caballero und die Hochzeit war sehr groß und viel besucht. Am 25. November 1878 ging die zeitige Regierungs- Periode zu Ende. Der Neffe Gill's, Higinio Uriarte, trat ab, und nian wählte einen domo novns, Herrn Candida Barreiro, zum Präsidenten. Diese Wahl geschah auf Be- treiben des Apothekers und mit Zustimmung Caballcro's, die wohl noch eine gcheinie Besorgniß vor dem Einflüsse des alten Rivarola hegten. Doch war als ziemlich absoluter Alleinherrscher schon jetzt der General zu betrachten. Barreiro war ein ruhiger stiller Mann, der alles gutivillig that, was man ihn hieß. Von der be- kannten Apotheke ans leiteten ihr Inhaber und der General, der mittlerweile Geschmack und Geschick bei der Sache bekam, das kleine Land nach ihrem Gutdünken und die neue Aera, die Caballero anfing zu inauguriren, war vielversprechend sür die Zukunft. vier von ihnen nicht erhobenen Berdienstantheile werden vom eillgcmeincn Staatsfonds eingezogen. Das ist also schließlich der Veivag, sür den die Gesangenen nicht etwa blos beschäftigt, sondern(zn zwei Drittel ausschließlich) der industriellen Ans- beulung überliefert werden. Sie arbeiten dafür vielfach auf Stück, unter strengster Beaussichligung und Antrieb, und unter der Herrschast des unbedingten Schweiggebots. Und bis jetzt er- halten sie bei etwaiger Berunglückung nicht einmal eine Eni- schädigung oder Rente. Ter Umstand, daß über a/3 der Strafgefangenen mit Arbeits- zwang mit den freien Erwerbsberufen in Konkurrenz treten, hat deshalb eine allgemeine Bewegung gegen die Gesängnißarbeit hervorgerufen, die auck verschiedene in- und ausländische Re- gierungen zu einzelnen Reformen drängle. Hierher gehören die Beschäftigung der Strafanstalten mit Staats- und RegieruugS- auflrägen, das Verbot falscher Waarenbezeichnungen, die Unterstellung der Strnfanstallsproduktion unter die Ge» werbeanssichl und die Ausdehnung der Unsallversicherunz auf die Strafgefangenen. Das sind aber nur schwache Fortschritte, die keineswegs dem entsprechen, was die öffentliche Meinung schon seit Jabrzehnten laut genug fordert. Unbedingt nöihig ist bei einer Reform der Gesängnißarbeit die Beseilignng der W a a r e n p r o d u k t i o n in Strasanstalten, gleichviel ob in eigener Regie oder ans Rechnung von Gewerbe- treibenden eingerichtet. Der Wanrenmarkt ist das hauptsächlichste Feld, wo die Gesängnißarbeit mit den Produkten des freie» Erwerbs kollidirt. Der Handwerker steht sich in seinen Jnter- essen geschädigt, wenn er selbst mit den einfachsten Handwerks» prodnkie» von der Strafhaus-Arbeit aus dem Felde geschlagen wird; der Arbeiter fürchtet mit Recht eine Reduktion der Löhne durch die billige Znchthaus-Arbeit, deren Wohlseilheit oft genug dem Unternehmerthum eine Waffe gegen höhere Lohnsorderungcn in die Hände liefert. Bei beiden kommen aber auch ethische Momente in bewacht; es handelt stich hier gleichzeitig um einen Kampf sür die Freiheit und die Rechte der Arbeit. Eine Reihe von Rechten sind nach Jahrzehnte langen Kämpfen er- rungen worden, um die Interessen der Arbeiter zu schützen, und der allzu großen Ausbeutung entgegen zu treten, unter denen namentlich das Koalitionsrecht den Arbeitern das werthvollste ist. Mit unerschütterlicher Zähigkeit halten sie an diesen Rechten fest und erkämpfen sie täglich von neuem, wo sie angetastet werden. Ter Kampf um ihre Rechte ist ihnen der Kampf um die Zukunft. Mit um so größerer Erbitterung muß es sie daher erfüllen, wenn man jene unfreien, dem blinden Gehorsam unter- worfenen Arbeiter gegen sie in Bewegung setzt, um ihnen den Erwerb zn schmälern, um ihren Widerstand zu brechen. Wurde doch oft genug, wenn Arbeiter in Fabriken gestreikt hatten, während oder nach dem Ausstand ein Theil der Arbeiten in die Gefängnisse verlegt. Die Aufgabe des Staates muß es sein, den Strafgefangenen einen anderen Wirkungskreis zu geben, wo sie nicht mehr die Interessensphäre der freien Arbeit benachtheiiigen. Dieser Wirkungskreis mag die Maffenlieserung des Staats- bezw. Re- gierungs- und des Armeebedarss sein. Vorerst sind aber die Gc- sangenen mehr denn bisher zur Herstellung des Anstaltsbedarfs selbst heranzuziehen, nicht blos des lokalen, sondern des Bedarfs aller gleichartigen Anstalten des Reiches, nach dem Prinzip der Arbeitstheilnng, d. h. der Vertheilung des Gesammtbedarss auf die einzelnen Anstalten. Nun sind zwar an solchen Staats- lieferungen auch die freien Arbeiter und die Unternehmer interessirt, da durch solche Reformen der Erwerb geschmälert wird. Dies scheint aber das kleinere Uedel' zn sein. Higinio Uriarte reiste einige Zeit nach seinem Abtritt nach Buenos Aires, um dort einige Monate zu verbringen. Er befand sich gerade mit seiner Frau ans einem der Bonle- vards und musterte die großen Schaufenster, als ans einmal ein Mann ans ihn zustürzte, in dem er zil seinem Schrecken Nicanor Goydoy erkannte. „Ich ivill Dich nicht tödten, Elendcr, aber ich will Dich hier öffentlich kennzeichnen als den Mörder meiner Freunde..." Sprach's und hieb ihm einige Male mit seiner schweren Hand ins Gesicht, daß rolhe Striemen auf der Wange des Angegriffenen aufliefen und der hohe Seidenzylinder, den er trug, weit ans die Straße rollte.— „Sie können, General, nicht früher aufsteigen," begann eines Tages der Apotheker in dem Staatszentrun» der Apo- thckc,„bis wir diese« letzten Stein des Anstoßes aus dem Wege geräumt haben... Sie wissen»vohl, wen ich meine ... Es ist der Alte in seinem Walddorf... So lange der dort ncch sitzt, ist unsre Rechnnng noch nicht vollkommen sicher und es kann uns ein Strich durch sie gezogen werde», ehe wir sie abschließen. Es wird allerdings schivcr sein, den Alten herzukriegen; er ist ungemein nüßtranisch und menschenscheu geworden durch die letzten Ereignisse; aber ohne das läßt sich nichts Rechtes anfangen.. das werden Sie selber einsehen. „Nun", meinte der General, strengen Sie Ihr Gehirn an... Sie pflegen doch sonst nie um Mittel verlegen zu sein." „Ich denke mir, daß wir ihn nur durch List fangen können und durch nichts weiter... wir müssen ihn möglichst behutsam anpacken.... Mit Gewalt ist bei diesen groben Tabakbanern, die Stein und Bein ans ihren heiligen Rivarola schwören, nichts zn machen, und er geht von dort nicht heraus. Kommt noch dazu, daß er nnverheirathct ist und nicht einmal eine Geliebte vainentlich n'emi man fcibcnlt, daß nicht alle Staats- cnistroge durch EhasanstaMlverlslätten erledigt weiden können. Vor alle» Tinge» wären auch im öffentlichen Jntereffe liegende L a n d e s k u l t u r- A r b e i t e n ins Auge zu fassen. Manche kulturell wichtige Aulagen:c. bleiben heute unausgeffihrt. weil die Kosten die Nentabilitäi in Frage stellen. Daß mit der Beseitigung der Waarenproduktion auch die Diciisileistungen Gefangener für Dritte in Wegfall zu bringen sinch ist selbstverständlich. Eine weitere Nothweudigkeit bildet der Erlast einer fiir alle Bundesstaaten gemeinsame n G efä ii g n i st o r d n un g, zn der die Reichs- gesehgebnng nach der Reich-verfassung kompetent ist. Der Reichstag bat sich schon des öfteren für diese Forderung ausgesprochen. Hierbei sind uainentlich der Arbeitszivang, sowie die Art der Beschäftigung der Gefangenen, der Arbeitsverdienst, wie das Beschwerderecht einer neuen Regelung zu unterziehen. Wenn man den Gefangenen der Staatsgewalt„zur Besserung" überliefert, so darf man ihm doch nicht alle Garantien des Rechts verweigern, sondern must vielmehr bestrebt sein, gerade ihm das geringe Mast seines Rechts sicher zu stellen. Neben der Beseitigung der Waarcuproduklion und der Privat- dienste durch Gefangene, harrt noch eine lange Reihe von sozial- politischen Forderungen aus dem Gebiete des Gefängnistweseus und der Gefängnißarbeit der Erfüllung. Als solche seien hier nur genannt: Beseitigung der Akkordarbeit und der Beaniten- Willkür, die Statuirung des Arbeitszivanges lediglich durch Gesetz und Richterspruch, die Festsetzung eines Maximalarbeitstages für die Gefangenen und eines Normallohncs, Eicherstellung des Be- schwerdeweges, die Abschaffung der Prügelstrafe aus den Ge- fängnißdisziplinen, die Fürsorge für bedürftige Entlassene ic. w. Vielleicht wird die Berathung des Gesetzentwurfs zur Be- kämpfung des„unlauteren Wettbewerbs", die dem Reichstage bevorsteht. Gelegenheil bieten, auch auf die Gefängnist- arbeit etivas näher einzugehen und ein ernstes Wort in dieser Sache zu reden. Die KergmerKs- Katastrophen in Oesterreich. Im österreichischen Abgeordnetenhause stellte der Montan- ausschuß folgenden Tringlichkeitsantrag, der sofort in Berathung gezogen wurde: „I. Das Haus wolle sofort in die eiste Lesung des Antrages des Abgeordneten Dr. Bärnreither betreffs Bestellung von Bergbau-Jnspektoren eingehen und denselben dem Montanausschust mit dem Auftrage zuzuweisen, hierüber binnen längstens drei Wochen Bericht zu erstatten. II. Der Ackerbauminister wird aufgefordert: 1. eine Spezialkom Mission zur Untersuchung der Betriebs-Berhalt nisse des Bergbaues in dem m ährisch.schlesischcn Kohlenrevier, ins- besondere zur Untersuchung der für das Leben und die Sicherheit der dort beschäftigten Personen ge- fährlichen Eigenschasten der dortigen Kohle einzusetzen, und 2. in diese Kommission neben Beamten seines Ressorts auch un betheiligte montanistische Fachmänner sowie Betriebsamte des dortigen Reviers zu berufen und dieselben zu beauftragen, an Ort und Stelle die nothwendigen Erhebungen zu pflegen: 3. auf grund dieser Erhebungen die für dieses Kohlenrevier geltenden Betriebsvorschriften einer Prüfung zu unterziehen und derart zu ergänzen, dast dadurch die Sicherheit des Betriebes so viel als möglich hergestellt wird; 4. das Ergebnist der kommifsionellen Erhebungen sowie die getroffenen Verfiiguiigen dem Reichsralhe längstens binnen drei Monaten bekannt zu geben. III. Die Regierung wird angesichts der großen Gefahren, welche mit fahrlässigen Handlungen in Bergwerken verbunden find, aufgefordert, sich über eine speziell strafrechtliche Bestimmung in dieser Hinsicht schlüssig zn machen und im Hause«ine Novelle zu diesem Zwecke einzubringen." Der Berichterstatter Dr. Bärnreither erklärt namens des Montonausschussks, dieser habe aus dem ganzen Komplex von Anträgen, welche ihm zugewiesen sind, chie in den vorliegenden Anträgen berührten Fragen hervorgehoben, welche besonders dringlich seien. Die Einrichtung von Bergbau-Jnspektoren erfülle ein allgemein anerkanntes Bedürsniß. Der Ausschuß hat. Sie tvissen, daß man häufig genug den Hebel au solchen ganz unscheinbaren Vorspriingen ansetzen kann. Er trinkt auch nicht. Der fatale Mensch hat, kurz gesagt, kein einziges Laster, wenn es nicht seine grenzenlose Leichtgläubig- keit und sein sogenannter Patriotismus ist. Ich schmeichle mir, ein wenig Politiker zu sein, wenigstens soviel ich für meinen Hansgebrauch nöthig habe. Und angesichts meiner politischen Erfahrung will ich meinen, daß dieser letztere Punkt die einzige wunde Stelle ist, an der wir diesen Menschen mit Erfolg kitzeln können. Er hat außerdem noch die Schwachheit, die� Mitmenschen für besser zn halten, sals sie sind... Warten Sie die nächste Depu- tirtensitznng ab, dann wollen wir die Sache einfädeln..." Der brave Apotheker hatte trotz seiner auffälligen Ver- dienste um das Wohl seines Vaterlandes noch immer keine hohe Stufe auf der politischen Leiter erklommen. Man hatte ihm alles mögliche angeboten; aber er hatte es stets kon- seqnent ausgeschlagen; er beharrte bei der löblichen Gesinnung, ein bescheidener und stiller Arbeiter bleiben zu wollen. Selbst Teputirter wollte er nicht mehr werden bei der letzten Wahl und sein Freund, der General, hatte ihn beinahe mit Ge- wall zur Annahme einer solchen Stelle zwingen müssen. Am nächsten Sitznngstage erbat er, der meist wenig in dieser Versammlung redete, das Wort und hielt eine lange Rede. „Meine Herren," sagte er,„ich bin heute eigentlich nicht dazu erschienen, um hier in meiner Eigenschaft als Ab- geordneter zu sprechen, ich komme vielmehr als Bürger und Sohn unserer gemeinsamen Mutter des Vaterlandes und beabsichtige, bei Ihnen ähnliche Saiten ertönen zu lassen, als die, die in meinem Herzen im Geheimen erklingen. Ich gebe mich auch der Hoffnung hin, daß dieser Klang einen Nachhall im Vaterlande und bei unserer hohen Regierung hervorrufen wird. Ich hoffe es mit Sicherheit; ja, ich mag es von vornherein für fest halten, daß dem so sein wird; denn ich bin der Ueberzeugnng, daß die Worte, welche heute mein Mund gebiert, in Ge- danken schon in tansenden von paragnayschen Herzen schlummern. Ich beglückwünsche mich selber dafür, daß es mir vergönnt ist, an dieser Stätte der erste zu sein, welcher mit seinen schwachen Kräften einen geringen Impuls in dieser sttichtung geben kann, die dem noblen Charakter unserer Mitbürger angeboren und im Keime eingepflanzt ist... ich meine, meine Herren, den Sinn für gegenseitige politische Duldung und Achtung und schnelles"Vergessen von etwa früher vorhandenen Gegensätzen. Und solche Gegensätze sind bei uns vor- handen, und sind es gewesen und müssen nach meiner Ueberzeugnng auch sein. Sie erzeugen in Wechsel- seitiger Reibung, wie der Stahl am Stein den Funken, so hier den"stetigen Fortschritt; wenn auch nianchc, war serner mit Rücksicht auf die mehrfach hinter einander erfolgten Unglücksfälle im mährisch- schlesischen Kohlen- gebiete der Ansicht, dast eine spezielle Untersuchung der dortigen Verhalinisse nothweudig sei. Endlich hat der Ans- schuß auch einem inchifachcn Verlangen nachgegeben und die Regierung aufgefordert, jene strafrechtlichen Beftimvinngen einer Revision zu unterziehen, welche sich mit der groben Fahrlässigkeit beschäftigen, die leider häufig in den gefährlichen Bergbaubetrieben vorkomme. Ter Berichterstatter bittet demnach, die Anträge des Monlanausschusses dringlich zu behandeln. Am beinerkenswerlhesteu unter den bei Berathung dieses Antrages gehaltenen Siede» waren die Ausführungen deS Abg. Pernerstorser, aus denen wir die folgendeil Stellen wiedergeben: Oesterreich ist ein unglückliches Land, in welchem erst dann etwas Gescheites geschieht, wenn namenloses Unglück voran- gegangen ist. Nicht viele Wochen mehr, und es jährt sich der Tag der Schlachten von Falkenau und O st r a u, in welchen die österreichische Gendarmerie und das Militär sich so große Lorbeeren erworben bat. (Abgeordneter Dr. Kronawetter: Sie haben auch Me- d a i l l e n d a f ü r b e k o m m e n!) Das Haupthinderniß in der Thatigkeit in bezng auf die Bergwerkssrage ist der Mann, der an der Spitze der Verwaltung steht, der A ck e r b a u m i n i st e r, der den größten Widerstand entgegensetzt, wo es sich daruin handelt, in diese ungeordneten Verhältnisse Ordnung zu bringen. Es ist selbstverständlich, daß ein Mann, der sich öffentlich in diesem Hause zu sagen getraut hat, die Lage der Berg- arbeiter sei eine verhältnißmäßig ganz gute, dadurch seine gänzliche Disqualifikation zur Führung dieser Angelegen- yeiten bewiesen hat, und daß von einem solchen Manne, wenn er sich auch sonst mit dem Evangelium drapirt, nicht zu er- warten ist, daß er etwas Erhebliches für die Besserung der Lage der Bergarbeiter thuii werde. Dr. 5iaizl hat an das christ« liche Gefühl des Hauses appellirt. Es ist bekannt, daß ins- besondere der Ackerbauminister i m C h r i st e n t h n m s o z u- sagen Fachmann ist. Solche Ereignisse aber, wie diese, deren Gründe viel tiefer liegen als in reinen Zusälligkcilen, sind ein Beweis dafür, daß wir weit davon entfernt sind, irgendwie im öffentlichen Leben, besonders aber dann, wenn es sich um Profile handelt, den Geist des Christenthiims walten zu lassen, sondern da werden wir beherrscht von deni Geiste der Bestialität. Daß ein solcher Antrag, wie der des Abgeordneten Bärnreither über die Bergbau-Jnspektoren, überhaupt so lange liegen bleiben konnte, ist eine Schande für dieses Parlament. Ich bin dem Montananeschusse dafür dankbar, daß er sich aus eigenem Antrieb entschlossen hat, heute den Antrag zu stellen und sich selbst eine Frist zu setzen. Nur möchte ich bei dieser Gelegenheit höflichst gebeten haben, diese Frist auch einzuhalten. Sie ist ohnehin viel länger, als sie aus- sieht; denn durch eine Frist von drei Wochen kämen wir in die Ostern hinein. Es werden also vier und fünf Wochen daraus. Auch nimmt es das Haus mit den Fristen nicht so genau. Mit der Einsetzung einer Untersuchungskommission erklärt sich Redner einverstanden. Hätten wir schon eine Wahlreform, durch welche die Leute ihre Vertrauensmänner hier hätten, so hätte der Montaii-Aus- schuß nicht so lange geschlafen. Tie idyllischen Zustände dcs heutigen Parlaments wären dann endgiltig vorbei. Eine Besserung der materiellen Lage werden Sie n i e in a l s mit all Ihre m gesättigten Wohl- wollen diesen unteren Klassen gewähren, so lange nicht die Befriedigung ihrer politischen Wünsche vorausgeht. Graf Sylva Tarouca meinte, die Sache komme spät, aber nicht zu spät. Für die fünfzig Tobten ist es wirklich zu spät. Möglich wäre es immerhin gewesen, daß bei gewissen Vorkehrungen diese fünfzig gerettet worden wären: wenn zum Beispiel die gesetzlichen Bestimmungen über gewisse Kontrollen beim Einfahren in die Schachte bestünden. Eine Version über die Ursachen des Unglücks geht auch dahin, daß Leute mit schlecht funklionireuden Lampen zu den Beamten gegangen seien und gesagt hätten, es scheine etwas nicht i n O r d n u n g z n sein. Die Beamten hätten die Sache geprüft und gesagt: Ja, es ist etivas nicht in Ordnung. Aber weiter sei nichis geschehen, und die Leute mußten mit diesen schlecht sunktioni renken Lanipen in die Grube hinein. Wenn das erwiesen wäre, so wäre es ein außerordentlich wichtiges Moment, und die Leute könnten auch nach dem gegenwärtigen Strafgesetze gesaßt werden. Die Fähigkeit dcs Parlaments, solche Ereignisse absolut zn ver- hüten, ist allerdings eine geringe, aber die Möglichkeit hierzu Einzelne dabei leidet und schwer leidet, lieber das Interesse dcs Allgemeinen geht nichts und das Interesse der einzelnen Personen kommt dabei erst in zweiter Linie. Ueber Rnincn erhebt sich die schönere Zukunft. Mit Thränen in den Augen erinnern wir uns, meine verehrten Mit- bürger, unserer Ahnen, die oft genug ihr Leben opferten für das Wohl ihres Landes; mit bittcrem Schmerz des hinter uns liegenden Krieges. Keinen von uns wird es geben, den diese bitteren und doch süßen Erinnerungen nicht weich stimmen sollten, Sachen zu vergessen, die jüngeren Datums sind, und die nicht, wie damals, fast die ganze Nation, sondern nur einzelne Personen und einzelne Fami- licn betroffen haben. Meine Herren, an frischen Gräbern wollen wir die reinsten Gelübde für die Zukunft schwören! Sie werden schon ahnen, worauf ich hinaus will. Acht Jahre lang hat ein innerer stiller 5irieg unser Vaterland verheert, der ab und zu zu einer hellen Flammen ans der glimmenden Asche cmporstammte. Ich will nicht in Einzel- besten eingehen; ein jeder von Ihnen weiß, was ich meine. Ueber den Gräbern der Leiste, die, ich will es nicht be- hanpten, für eine gerechte oder eine ungerechte Sache ge- fallen sind, sproßt noch blutig das Gras. Einigen wir uns, meine Brüder, über diesen frischen Gräbern und reichen wir uns die Hände zur einträchtigen Arbeit..." Bei dieser Phrase der schwülstigen Rede erhob sich unter den Abgeordneten eine große Aufregung. Alan schrie„Viva" und auch die Zuhörer unter dem Publikum stimmten mit ein. Man eilte auf den Redner zn, schloß ihn in die Arme und schüttelte seine Hände. „Lassen Sie mich fortfahren, meine Herren; mit Thränen der Freude in den Augen," und er bemühte sich einige nicht vorhandene Thränen wegzuwischen,„kann ich wieder einmal seststellen, daß das Gemüth des Paraguayers edel und gut ist. Ich danke Ihnen, meine Herren, für die Begeisterung, mit der Sie meine schlichten Worte ans- genommen haben und laffcn Sie mich zum Schlüsse einer Person gedenken. In den Wäldern unserer Republik ver- birgt sich in der Person eines schlichten Bauern ein Staatsmann ersten Ranges, unser unvergeßlicher erster Präsident Rivarola. Mag er damals gefehlt haben oder nicht; wir sind heute nicht dazu hier, eine Diskussion dar- über anzustellen, wo die edelsten und menschlichsten Re- gungen in unserer Seele erwachen; jedenfalls bin ich der Meinung, daß er bei dem friedlichen Kampfe, der sich jetzt zum Wohle unserer Nation entspinnen muß, ungern cnt- behrt werden wird, daß sein Fernbleiben eine schmerzliche Lücke verursacht. Ein so befähigter und edler Mann, der, wenn er wirklich fehlte, nur allgemeinen menschlichen Re- gungen nachgab, sollte dauernd dem neuen politischen Leben fern bleiben? Nein, das ist undenkbar. Ich sehe ans der I Begeisterung, die aus Ihren Angesichtern heraus leuchtet, wäre vorhanden, wenn in diesem Parkamenke der Geist der Solidarität over gar des Christenthums, wie man manchmal sagt, herrschen würde. Im P a r l a in e n l regieren aber die reichen Leute, die Großgnuid- besitzer, der große Feudaladel, die Leute, die das viele Geld haben. Wir stehen unter dem Drucks dieser Mächte, und die- selben sehen gar genau auf den Profit, weil darauf ihre ganze Macht berühr. So lange wir daher in Zuständen leben, in welchen der Profil das Maßgebende ist. der Gott unserer Gesellschaft, ist der einzige, der keine anderen Götter neben sich duldet, so lange wird man allerdings solche Unglücks- fälle im größten Maßstabe nicht verhindern können, sondern diese werden immer größer und entsetzlicher werden. Mit der Ver- sckiärfung der sirafgesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Nach- lässigkeiten der Arbeiter ebenso wie der Unternehmer glaubt man den Grundsatz der Gleichberechtigung durchgeführt zu haben. Es i st aber keine Gleichberechtigung, iv e n n man den Arbeiter ebenso st rast wie den Unter- n e h m e r. Gerade in den fraglichen Gegenden ist die Klasse der Arbeiter eine intellektuell sehr tiesstehende; serner find Leute. welche sich immer in der Gefahr beivegen, von vornherein geneigt. Gefahren geringer zu schätzen, und endlich kommt es auch vor, daß mau Beschwerden der Leute über Mängel i» der Grube oder an den Maschinen nicht gern hört. Deshalb kann es geschehen, daß diese Leute, um deren Existenz es sich handelt, solcheBesch werden unterlassen und manches- mal vielleicht einen gefahrvollen Umstand verschweigen. Gewiß soll man sie bestrafen, den Unternehmer aber soll man ordentlich bestrafen. Woher wird denn der Mann reich? Wenn die Bergarbeiter sich einmal entschließen~ theoretisch kann mau sich das ja vorstellen— fortzugehen, Sie selber, meine Herren Grubenbesitzer, mit dem, was Sie durch Ihre Arbeit aus der Grube herausbringen würden, hätten Sie nicht genug, sich den Winter über Ihr Zimmer zu heizen. D i e Unternehmer sind keine so n o t h w e n d i g e Gesellschaftsklasse, wie sie glauben. Sie sollen wenigstens den moralischen Antrieb haben, ihre Leute, die sich in so entsetzlicher Arbeit abmühen, materiell so zu stellen, daß keine Klage darüber erhoben werden kann, vor allem aber dafür zu sorgen, daß nicht auf ihren Häuptern die moralische Ver- antwortong für so viele Todte liegt. Wenn ich eine solche Grube besäße, und mir passirte es, daß hunderte von Leute zu gründe gehen, ich könnte es nicht ertragen. Ich bin jedenfalls etwas roher konstruirt. Warum sind Sie heute mit dem Antrags ge- kommen? Wenn Sie nicht gefürchtet hätten, daß wieder in dem Hause unliebsame Debatten hervorgerufen werden, ich fürchte bei- nahe, Sie hätten noch gewartet. Was bedeutet für Sie der Tod von tausend oder Hunderten von Pro» l e t a r i e r n!(Lebhafter Widerspruch und Rufe der Entrüstung. — Abgeordneter Dr. Bauer: Das ist eine Jnpertinenz.) Es ist ja gut für Sie, wenn Sie dieses lebhafte Gefühl haben. Ich zweifle daran.(Neuerliche Rufe der Entrüstung.) Sie können ja an mir auch alles bezweifeln. In diesen Dinge» sind für mich die Thaisachen maßgebend. Der Arbeiterbevölkerung von Mährisch-Ostrau und jenen Gegenden gegenüber ist es sehr leicht und ungefährlich, gar nichts zu thun. Von der ganzen Bergbau- Bevölkerung Oesterreichs ist die Bevölkerung dieses Theiles die am tiefsten stehende, die intellektuell gedrückteste und materiell am meisten zurübgebliebene. Das ist auch ein Umstand, der zu denken gicbt; die Schätze, die aus dem Gebiete gehoben werden, sind unermeßlich, und die Leute, die sie erarbeiten, sind physisch und intellektuell verelendet. Sie können keine sgrößere Anklage für sich und Ihre Gesellschaft finden, als diese einzige Thatsache. Die Leute leben im Schmutze, im physischen, geistigen und natür» lich häusig auch im moralischen; das hängt alles zusammen. Wer kümmert sich aber um die Leute, wer ist ein Segen für sie? Die hohe Regierung? Die ver« ehrten Unternebmer? Nein! Ein Segen für diese Leute sind die sogenannten Hetzer, welche hingehen und ihnen sagen:„Wacht doch aus eurem dumpfen Schlafe auf! JhrseidMen scheu und habtdie- selbe V e st i m m u u g, wie eure hochgeborenen Unternehmer, die euch ausbeuten! Haßt es euch nicht gefallen, organisirt euch, werdet eine Macht gegenüber diesen Mächten!" Beeilen Sie sich also mit Thaten, schaffen Sie eine gründ- liche Reform des ganzen Bergwesens, insbesondere des Kassen- wesens, eine neuerliche Reform des Bruderladenwesens(Zu» stimmung auf der äußersten Linken und bei den Jungczescheu), durch das die Leute so furchtbar hintergangen worden meine Herreu, daß Sie mit mir übereinstimmen. Lassen Sie uns deshalb einmüthig die Regierung auffordern, daß sie Cirilo Rivarola wieder in die Reihen der um die Staats- Maschinen geschäftigen Diener einfügt und ihm einen seiner Vaterlandsliebe und seinen hohen Fähigkeiten würdigen Posten anweist. Es gilt eine patriotische That zu voll- bringen und die Manen mancher im heißen Kampfe Ge» fallenen damit zn sühnen. Ich habe gesprochen." Des Apothekers bombastische Rede fand die allgemeinste Billigung. Man beschloß, die Regierung schleunigst auf- znfordern, eine allgemeine Amnestie für alle vergangenen politischen Vergehen zu erlassen und vor allen Dingen den früheren Präsidenten Rivarola zu ersuchen, seine bewährte und oft erprobte Thatkraft und Erfahrung wieder für das Wohl der Republik zur Verfügung zn stellen. Die Regierung konnte natürtich nicht umhin, dieser spontan und einmüthig kundgegebenen Willensäußerung ihrer Volksvertretung Folge zu leisten und wenige Tage darauf ging eine Deputation angesehener Senatoren und Deputirtcn nach Barrero Grande, um Rivarola aufzn- fordern, geschehene Dinge zu vergessen und nach Asuucion zurückzukehren, wo man seiner mit Aengstlichkeit harre. Der Expräsideut, zu dessen Fehlern wirklich eine übermäßige Leichtgläubigkeit gehörte, und der jetzt, nachdem seine früheren Gefährten theils todt, thcils in der Fremde waren, ziemlich isolirt stand, ließ sich, olnvobl er den perfiden Charakter seiner Laudsleute kennen mußte, wirklich über die Beweggründe, die diese Komödie verursacht hatten, täuschen. Er fiel dem Wortführer weinend um den Hals statt aller Autwort. Er glaubte wirklich, daß das Blut seiner Freunde nicht nutzlos vergossen sei, und daß es beginne, seine Früchte zu zeitigen. So ging auch er hin, der letzte brave Paraguayer. Er versprach in Bälde in Asuucion zu erscheinen. Man drängte ihn die Deputation zu begleiten. Aber er weigerte sich entschieden, das zu thun. Er wollte allein als simpler Bürger kommen. Sollte man für ihn irgend etivas übrig haben, einen Platz, wo er der Nation nützlich sein könnte, so würde er ihn mit Freuden besetzen. Er ritt nach einigen Tagen allein nach der Hauptstadt und bezog sein altes HauS, aus dem er einst als Weib verkleidet geflohen war. Aber es fehlte ihm jetzt sein Freund Eodoy, der ihm früher schützend zur Seite gestanden hatte. Man sprach davon, daß er den ersten vakanten Ministersessel erhalten werde. Die Ver- tretung und das Regierungspersonal gab ihm zu Ehren ein großes Bankett..Der General fiel ihm an der offenen Tafel um den Hals, und der Präsident erklärte, daß dieses der feierlichste Augenblick seines Lebens sei. (Schluß folgt.) fhifc, imt> wenn Sie diese Tbaien vollbracht haben, dann N'urren Sie, ivenn inan Ihnen Vorwürse macht. So lange aber diese Aorivürfe in den Thatsachcn begründet sind, müssen Sie sie ruhig hinnehmen und können höchstens das eine sagen: Wir ver- srrechen, daß wir uns bessern werden. Dieses Versprechen haben Sie zum theil heute schon dadurch abgegeben, daß Sie die Dringlichkeit beschlossen haben. Ich zweifle nicht, daß Sie auch den meritorischen Anträgen zustimmen werden. Aber geben Sie sich nicht der Täuschung hin, daß damit end- giltig die Sache erledigt ist, und daß Sie nicht immer von neuem daran werden gemahnt werden, daß die heutigen ökonomischen Verhältnisse absolut unhaltbar sind, und daß man ans ihnen nicht mit irgendwelchem Flickwerk herauskommen kann. Diese entsetzlichen Zustände können nur einigermaßen gemildert tind abgeschwächt iverden durch grundlegende Refonnen, die in der Regel sreilich von Leuten beantragt und vertheidigt werden, welche Sie für Umstürzler halten, weil sie ein Gebäude her- stellen wollen, in dem es sich lohnt zu leben, während Sie noch immer dieses brüchige Gebäude, in dem wir wohnen, durchaus nicht von Grund aus umarbeiten wollen, sondern immer nur jeweils einmal irgend einen Balken hinstellen, um eine sinkende Mauer zu stützen. Seien Sie sich vollständig Ihrer großen Verantwortung bewußt und legen Sie kein geringeres Gewicht dem Umstände bei, daß wir in Oesterreich auch schon eine große, organistrte Arbeiterpartei haben, der bis heute noch zum kleinsten Theile die Arbeiterbevölkerung der Bergbaugebiete angehört; nn- fehlbar aber wird der Zeitpunkt kommen, wo auch alle die Leute, die in diesem gefährlichen Betriebe beschäsligt sind, dieser Organi- sation angehören, und von diesem Augenblicke an wird— wenn auch die politischen Rechte mit ersochlen sind— Ihr ruhiges und beschauliches Leben ein Ende haben.(Bravo-Rufe.) Volilische AobeoNMk. B e r l i u, 22. März. Der Neichoiag erledigte heute die zweite Lesung des P o st e t a t s ohne crivähueusiverthe Tcoatte. Das Haus war unter dem Eindruck des für morgen geplanten parla- wcutarischen Staatsstreichs, der allerdings nach und nach zu sehr bescheidenen Dimensionen zusammengeschrumpft ist. Man erwartete jeden Augenblick irgend einen Ueber- fall seitens der nationalen Radaubrüder. Es blieb aber ruhig. Erst nach Schluß der Sitzung weiter- leuchtete es ein wenig, als Präsident von Levctzow die Sitzung für morgen festsetzte. Gegeil die vorgeschlagene Tagesordnung(Fortsetzung des Etats) war nichts einzn- wenden. Aber die Zeit! Der Reichstag beginnt sonst seit Beginn dieser Session regelmäßig um 1 Uhr. Heute schlug Herr v. Levctzow 2 Uhr vor. „Das hat etwas zu bedeuten", sagte sich jeder', und Graf Hompesch vom Zentrum beantragte sofort: Beginn um 1 Uhr! Das Abgeordnetenhaus, auf das der Präsident Rücksicht genommen, ivird bis dahin fertig sein. Es kam zur Abstimmung— und die Majorität erklärte sich für 1 Uhr. Und die Majorität bestand aus lauter„Reichsfeiudcn". Die„Nationalen" machten lange Gesichter, als seitens der Linken ihnen zugerufen ward: Das war die P r o b e- A b st i m m n n g für niorgen! Und das war's. Hinter dem Beginn der Sitzung um 2 Uhr stand nänilich die Berechnung, daß ein Theil der entfernt wohnenden Oppositionslcnte, wenn es niorgen über den Bismarck- Stummel zur Abstimmung konimt, schon abgereist sein werde. So macht man nationale Politik. Und so fällt man dabei rein. Also nächste Sitzung morgen 1 Uhr, mit der Tages- ordnnng: nach Friedrichsruh oder in den Papierkorb? Und Rest des Etats.— Der„Antrag Kanitz", der, wie wir gestern be- richteten, im Staalsrath glänzend durchgefallen ist, soll, nach mehreren Informationen, die der„Natiolial-Zeitung" geworden, im Staatsrath nur sehr wenig Freunde gesunden haben. Nach der einen dieser Informationen wäre er gegen 4 Stimmen, nach der anderen gegen 16 Stimmen abgelehnt worden. Vielleicht erklärt sich diese Verschiedenheit der An- gaben so, daß für den ursprünglichen Antrag Kanitz nur 4 Stimmen, für eine Modifikation desselben 16 Stimmen waren. Es nahmen etwa 50 Personen an den VerHand- Innigen theil. Die Agrarier sind, wie dies vorauszusehen war, vor- läufig einigermaßen„zerschmettert". Die„Deutsche Tages- zeilung", das Blatt des Bundes der Landwirthe, klagt: „Der Eindruck, den dieser Beschluß im Lande machen wird, muß der Größe der landivirthschastlichen Nolhlage enlsprcchen, und wir ivürden es verstehen, wenn jetzt wirklich dumpfe Ver- zlbeisinng sich unserer Bauern bemächtigte, die ihre letzte Hoffnung auf die Hebung der Getreidepreise gesetzt haben." Aber im Laufe des heutigen Tages haben sich die Herren Banernbündler schon etwas von dem Schrecken er- holt, und in einem späteren Artikel desselben Blattes heißt es schon mnthiger: „Zunächst ist noch nichts entschieden. Der Staaisrath ist keine gesetzgebende Behörde; seine Beschlissse sind nur Anregungen für die Stellungnahme der Regierung. Ueber die gesetzgeberischen Maßnahmen werden Reichsregierung und Reichstag zu bestimmen haben. Für uns alle aber, die wir die Meinung des Staats- ralhes nicht thcilen können, ergiebt sich ans der gegenwärtigen Lage die Nothwendigkeil, uns enger zusammen- zuschließen, uns fester einzugraben in den Boden unserer Neberzeugung, der uns einen sicher» Halt giebt bei dem Wogen der öffentlichen Meinung, bei den» Wandel der Anschauungen anderer. Nicht einen Schritt können wir zurückweichen— nicht eine Linie abweichen von dem. was wir als Wahrheit erkannt haben! Wir werden weiter kämpfen mit gleicher Entschiedenheit, mit dem Frohmuthe, den die lieber- zeuaung gewährt, und uns nicht irre machen lassen durch An- feiudungen und Verkennunaen, ans die wir gefaßt sind. Uns gehört die Zukunft! Dauäoiu bova causa triurnphat! Endlich siegt die gute Sache!" „Stolz will ich den Spanier!" Ob es aber etwas helfen wird, ist eine andere Frage. Uns scheinen dies nur schön gefügte, klingende Verlcgenheitsphrasen. Ter„Antrag Kanitz" ist todt. Darüber hinweg hilft keine Rhetorik. Mit der T h a t s a ch e heißt es jetzt für die Agrarier sich ab- z u f i n d e n.— Z«r Wahl in Eschwege-Schmalkaldc». Nunmehr liegt das amtlich ermittelte'Resultat der Stichwahl vom 18. Marz vor. TcrK n üppelpastor erhielt 9964 Stimmen, unser Kandidat Huhn 6797 und 62 Stimmen waren un- giltig.— Die„Staatsbürger Zeitung", der es un- angenehm ist, daß ihr Js kraut nur mit Hilfe der Nationallibcralen, Landwirthsbündler und— Frei- finnigen„Volksvertreter" werden konnte, und die durch den antisemitischen Wahlsieg vollständig verrückt geworden zu sein scheint, sucht sich selber weiß zumachen, die freisinnigen Stimmen der Hanptwahl wärcn in der Stichwahl auf dcu Sozial- demotraten, und die sozialdemokratischen Stimmen der Hanplwahl wären in der Stichwahl auf den Jskrant über- gegangen. Daß die„Staatsbürger- Zeitung" es für anständiger hält, von Sozialdemokraten, als von Freisinnigen gewählt zu werden, mögen die Frei- sinnigen mit ihr ausmachen. Aber ein bischen Logik muß man doch auch im größten Freudentaumel bewahren,— sonst sagen die Leute, man wäre ü b e r- geschnappt.— Im Neichstag wird der Präsident sich niorgen er- mächtigen lassen, im Namen des Reichstags Bismarck zu dessen 80. Geburtstag zu gratuliren. Die Vertreter der un- abhängigen Parteien iverden kurze Erklärungen abgeben, daß und warum sie ihre Zustimmung nicht erthcilcu können, und sie werden eine Abstimmung herbeiführen. Die Oppo- sition, wenn vollzählig, ist in starker Majorität. Die Er- klärnng unserer Fraktion wird von Singer verlesen. Komnit es zu einer Debatte, so wird natürlich gesagt, was zu sagen ist. Es scheint, die nationalen Radaubrüder be- absichtigcn einen Skandal. Das wäre der Gelegenheit ja sehr würdig.— Antisemitischer Unfug. Der antisemitische Abgeordnete Vindewald hat im Stcichstagc am Freitag jedes Pult im Sitzungssaal mit einem Flugblatt belegt, welches, mit dem Bilde des Fürsten Bismarck geschmückt, Schmähungen gegen die Stadt Berlin und antisemitische Redensarten des Nationalheros enthielt. Ter Bnreaudirektor ließ die Flug- blätter entfernen.— Piudter der Zweite ist„schmerzlich berührt", daß der Reichstag sich Bismarck am 1. April nicht zu Füßen wirft; er begreift natürlich nicht, daß es Menschen giebt, die Grundsätze haben, und Hauskncchtsbehandlung nicht lieben.— Ei» Tag Ferien! Die„Berliner Korrespondenz" meldet: Der Kultusminister hat mit Allerhöchster Ermächti- gling bestimmt, daß aus Anlaß des 80. Geburtstages des Fürsten Bismarck, am Montag, den 1. April d. I., der Unterricht in allen Schulen ausfällt. Wie werden sich die preußischen Staatsbürger unter 14 Jahren freuen! Etiqnettenfrage». Dieser Tage berechnete die„Frank- furter Zeitung", wie viele Generale und ivie viele taufende von Stabsoffizieren den sich auf viele Millionen beziffern- den Pcnsionsctat belasten, die zum theil pensionirt sind, weil es die— veraltete— Etiqneltc vorschreibt, bei Ueber- gchnng seinen Abschied zu nehmen. Aber es giebt nach der „Volks-Zcitung" noch viel kniffligere Etiqncttenfragen: Der kommandirende General des 6. Armeekorps in Breslau, ein Mann in den besten Jahren, der für besonders tüchtig gilt, Herr von L e w i n s k y ist vor einigen Wochen in Pension gegangen, was bei der allgemeinen Be- liebtheit des Mannes Bedauern, aber zugleich— Erstaunen erregte. Wie nian sich erzählt, ist der Grund eine — Etiqnettenfrage. Nach„preußischer Anschauung" ist der„Kommandirende", der vielleicht 30 000 Mann be- herrscht, der„Höchste" in der Provinz; der Oberpräsidcnt ist erst die zweite„Spitze". Nun wollte es aber der Zufall, daß der neue Oberpräsidcnt von Schlesien, Fürst Hatzfeld, als„Durchlaucht"(natürlich nicht in seiner Eigenschaft als Obcrpräsident) dem Kommandirendcn„über" ist. Also mußte Herr v. Lewiusky nach„preußischer Tradition" den Abschied nehmen! In der kurzen Zeit, bis der erbetene Abschied eintraf, wußte Fürst Hatzfeld, dessen Licbcns- Würdigkeit und Rücksicht allgemein anerkannt und gelobt wird, Kollisionen zu vermeiden. So ging er zu Kaisers Geburtstag auf seine Güter, damit der Konunandircnde, denn dies ist eben„Tradition", das Kaiserhoch beim Diner ausbringen tonnte, was sonst ihm als Durchlaucht zugefallen wäre. Man sucht nun nach einem Kommandircuden, der auch sonst seinem Range nach dem Fürsten Hatzfeldt überlegen wäre. Daher die lange erörterte Frage, ob nicht der Erbprinz von Meiningen, königl. Hoheit, als General nach Breslau gehen solle. Da hier irgend ein Hinderungs- grnnd vorzuliegen scheint, nennt man jetzt den Prinzen Friedrich von Hohenzollern, den Kommandeur des 3. Armee- korps, als Nachfolger des Herrn v. Lewiusky.— „Wer schreit hat unrecht," ist ei» bekannter, schon von den allen Griechen ausgesprochener Erfahrungssatz. Wer die besseren Gründe hat in einein Streit, ist stets ruhig; wer aber dieses Bewußtsein nicht hat, der wird stets durch leidenschaftliche Heiligkeit den Mangel au Logik zu ersetzen suchen. Unsere Agrarier wurden das„Schreien" nicht planmäßig betreiben, wenn sie überzeugt wären, ihre Ansprüche mit stichhaltigen Ver- nunitgründcn stützen zu können. Und der hysterisch-nervöse „Ton", der jetzt bei allen sogenannten nationalen und konservativen Parteien Mode geworden ist, beweist anfs klarste, daß diese Parteien an die Güte ihrer Sache nicht mehr glauben, und nur noch in der Vergewaltigung»nd dein Niederschreien ihrer Gegner das Heil erblicken. Man kann getrost sagen, die konser- vativen und nationalliberalcn Zeitungen können nur noch im Superlativ und mit Ausrusungszeichen schreiben. Wer nicht will, wie sie wollen, ist ein schlechter Mensch, ein schlechter Patriot, ein Vaterlandsseind. ei» Umstürzler und gehört eigentlich ins Ge- sängniß. Einer sachlichen Zlrgumentation sind diese Parteien ganz nnsähig geworden. Wir würden lügen, wollten wir sagen, daß wir über dieses tolle Gepolter und Geschimpfe uns ärgerte». Im Gegentheil. Es erscheint uns als ein höchst erfreuliches Symptom. Je lauter unsere Feinde schimpfen und poltern, desto lauter verkünden sie uns ihren Bankrott.— Sozialpolitik bei der Neichspost. Eine sonderbare Ver- sügmig der kaiserlichen Obcr-Postdireklion rn Schwerin, au alle Postämter des Bezirks gerichtet, ist der„Mecklenburgischen Volks- Zeilung", unserem Bruderorgan, in die Hände gesallen. Tie unterm 12. d. Mls. erlassene Verfügung spricht sich in ihrem Eingang lobend über die Erfolge aus, welche die Versuche der Landbriesbestellung mittelst Schneeschuhen bei mehreren Postämtern während'der Zeit des diesjährige» hohen Schnees gezeitigt haben, und empstehlt den Briefträgern eifrige Nachahmung. Es wird besonders hervorgehoben, daß die Verwendung der Schneeschuhe, ivelche die betreffenden Brief- träger ans eigene Rechnung beschafft hatte», es mehrfach er- möglicht haben,„ohne Einstellung von Hilfskräften den Bestelldienst geregelt ausrecht zu erhallen." Am Schlüsse der Verfügung heißt es wörtlich: Es wird den kaiserlichen Postämtern anheimgestellt, die- jenigen Landbesteller, welche sich durch ihre Ausdauer eine anerkennenswerlhe Fertigkeit im Gebrauch der Schneeschuhe erworben und hierdurch zur Vermeidung von Störungen im Landbestelldienst beigetragen haben, bei den demnächst von hier zur Einforderung gelangenden Vorschläge» zu Unter- st ü tz u n g e rr u n d V« r g ü t u n g e n zu berücksichtigen. Sehr richtig bemerkt dazu unser meckenburgisches Bruder- blatt:„Es ist gewiß recht lobeuewertb von der Postvcrwaltung, daß sie den Landbriesträgern. welche sie derzeit veranlaßt Hai, sich aus eigene Kosten Schneeschuhe anzuschaffen, eine Eut- schadignng„zuwenden" will, aber weshalb beschafft sie die Schnee- schuhe nicht von vornherein von Amts wegen, da sie doch eingestandenermaben der Postkasse die Einstellung von Hilss- Gräften erspare»? Statt dessen sollen die Schneeschuh-Läuser zu „Unterstützungen und Vergütungen vorgeschlagen" werden, d. h. es sollen ihnen aus denjenigen Mitteln, welche der Reichstag jährlich zur Vertheilung an„w ü r d i g e und bedürftig e" Beamte und Unterbeamte bewilligt, Belräge zugewandt werden. Wer sind denn aber die„bedürftigen" Unterbeamten, diejenigen, ivelche sich zu grinsten der Postbehörde noch auf eigene Kosten Schneeschuhe kaufen können, oder arme m i t K i n d e r n g c- segnete Landbriefträger, welche bei ihren monatlich 50 M. sich keinen solchen Luxus leisten können? Den letzteren werden die für sie bestimmten Unterstützungen geschmälert und anderen gegeben, die natürlich nach Ansicht der Postbehörde auch die„würdigeren" sind. Wer bezahlt also in letzter Linie die Schneeschuhe, welche die„Einstellung von Hilfskräften" er- sparen?"— SoiintagSruhe im Eisenbahuverkehr. Wie der„Schles. Zeitung" offiziös geschrieben wird, haben die Ermittelungen darüber, unter welchen Vorbedingungen es angängig und durch- sührbar sein würde, im Interesse der Sonntagsruhe eine vollständige Einstellung des Güterverkehrs nn Sonn- und Festtagen eintreten zu lassen, zu dem Ergebniß geführt, daß die Sonntagsruhe im Eisenbahnverkehr außer auf den preußischen Staatsbahnen auch für die Eisenbahn- Verwaltungen in Bayern, Württemberg, Baden und Hessen nach Maßgabe der bei den Besprechungen im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten Grundsätze am I. April 1895 eingeführt werden wird. Von diesem Zeitpunkte ab soll der Güterverkehr, aus- schließlich des Vieh- und Eilgntverkehrs, sowie der leicht ver- dcrblichen Güter, Marktgüter aller Art zur Versorgung der größeren Städte, der für den Export für die Seehäfen bestimmten Güter mit knapp bemessener Lieferfrist, der Güter, welche aus Rücksichten des Wettbewerbes mit dem Auslande mit besonderer Beschleunigung gefahren werden müssen, an Sonn- und Feiertagen vollständig ruhen, lieber die gleichzeitig mit der vollständigen Einstellung des Güterverkehrs geplante Schließung von Stationen an Sonn- und Feiertagen ließ sich die seinerzeit eingesetzt ge- wesene Kommission etwa folgendermaßen ans: Die Untersuchungen, ob nicht einzelne Stationen an Sonn- und Feiertagen beim Fort- fall der Güterzuge zu bestimmten Stunden während der vor- geschriebenen Ruhezeit Überhaupt geschlossen oder in Block- slntionen umgewandelt werden können, habe» ergeben, daß eine Schließung von Stationen im allgemeinen nur auf den weniger bedeutenden Linien, aus denen verhält- nißmäßig wenige Persomnzüge verkehren, möglich ist. Auf den meisten Strecken, namentlich aus den Hauptbahnen, auf denen ein reger Personenverkehr herrscht, sind die Zwischen- räume zwischen den einzelnen Zügen zumeist so gering, daß eine Schließung der Stationen während derselben keinen Zweck haben würde. Die fragliche Maßregel habe nur dann den gewünschten Erfolg— die Gewährung einer auskömmlichen, von jeder Ver- antwortlichkeit des Dienstes freien Ruhezeit— wenn der Zeit- räum, während dessen die Station geschlossen werden kann, nicht weniger als etwa drei Stunden beträgt. In einer dem Referate beigegebene» Zusammenstellung waren für die zur Zeit bestehenden II Eisenbahndirektions- Bezirke III Strecken bezw. Stationen namhaft gemacht, hinsichtlich welcher eine Schließung in betracht gezogen werden könnte; auf den Direklionsbezirk Berlin würden 17 derartige Strecken entfallen.— KnegSinvaliden von 1870/71. Der„Reichs- Anzeiger" veröffentlicht in einer Sonderausgabe einen Erlaß des Kaisers, dem wir folgendes entnehmen: „Ich würde es mit hoher Genugthuung begrüßen, wenn den- jcnigen Offizieren, Militärärzten, Beamten und Mannschaften des deutschen Heeres und meiner Marine, welche infolge einer im Kriege von 1870/71 erlittenen Verwundung oder sonstigen Dienst« beschädignng verhindert waren, an den weiteren Unternehmungen des Fcldzuges theilzunehmen, und dadurch der Anrechnung eines zweiten Kriegsjahres bei der Pensionirung verlustig gehen oder gegangen sind, aus Ansuchen der betreffende Pen- sionsanssall fortan erstattet werden könnte. Ebenso würde es meinen Absichten entsprechen, wenn die Bereitstellung von Mitteln erfolgte, um solchen Personen des Unteroffizier- und Mannschaftsstandes des Heeres und der Marine, die am Feld- zuge von 1870/71 oder an den von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriegen ehrenvoll Antheil genommen haben, würdig und infolge von Erwerbsunsähigkeit bedürftig sind und weder eine Jnvalidenpension, noch eine lausende Unterstützuug an stelle der letzteren beziehen, in Zukunft Beihilfen gewähren zu können. Ich verkenne nicht, daß die Umstände nur die Berücksichtigung einer kleinen Anzahl dieser Kriegstheilnehmer gestatten. Es ist aber mein lebhafter Wunsch, daß wenigstens denjenigen Männern der Tank des Vaterlandes bethätigt werde, die als vorzugsweise bedürftig anzusehen sind."— Der Reichskanzler wird dann be- auftragt, Vorschläge zu machen, wie diese Absichten ver- wirklicht werden könnten.— TaS Landtags Wahlrecht in Anhalt ist am 19. ds. Mts. vom anhaltischen Landlage nach der von uns schon geschilderten reaktionären Richtung verändert worden. Wenn man auch den Sozialdemokraten das Wahlrecht zum Landlag rauben konnte, so kann man doch die Entwicklung unserer Partei im anhaltischen Ländchen nicht hindern. In diesem Sinne schreibt unser„Volks- blatt für Anhalt": Die Sozialdemokratie aber wird die durch dieses Gesetz ver- fügbar werdende Zeit und Arbeit für die Landtagswahlen dazu benutzen, das anhaltische Volk über die„Volksfreundlichkeit" seiner Regierung und seiner Gesetzgeber aufzuklären und den Boden für' die Reichstagswahlen vorzubereiten, damit das Volk im stände ist, bei den nächsten Reichstagswahlen die einzige ge- bührende Antwort durch die Wahl zweier sozial- de ni akratischer Reichstags- Abgeordneter zu geben!— Ter Diktaturparagraph in Clsaff-Lothrittgc». Die nationalliberalen„Berliner Neuesten Nachrichten" schreiben heute: „Wie wir höre», wird der Beschluß des Neichtages bezüglich des Diktat urparagraphen in Elsaß-Lothringen voraussichtlich diesmal die Z u st i in m u n g des Bundesraths finden. Wir würden dies ans einem doppelten Grunde be« dauern; einmal weil die Zeit uns nicht danach angethan zu sein scheint, irgend welche Regierungsrechte auszugeben: zum anderen weil wir befürchten, daß im gegebenen Falle an die Stelle des Diktalurparagraphen sehr bald der Belagerungszustand treten würde, und dann ungleich ernstere Verhältnisse Platz griffen, als sie mit dem Diktaturparagraphen überhaupt möglich gewesen wären." Nun, die Besorgnisse der„Berliner Neuesten Nach- richten" waren absolut unbegründet, wie dies übrigens für jeden, der die Grundsätze unserer Regierung einige eit beobachtet hat und kennt, von vorn herein feststand. ie„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" dementirt die für alle reaktionären Seelen so fürchterliche Nachricht von der Aufhebung des Diktaturparagraphen anfs schnellste, indem sie schreibt: In Regiernngskreise» ist, wie wir erfahren, von einer solchen Absicht des Buudesraths nichts bekannt. Im Gegentheil ist nach den Erklärungen der verbündeten Regierungen im Reichstage anzunehmen, daß an eine Aufhebung des Diktaturparagraphen zur Zeit nicht gedacht werden kann. Eine Naivetät sondergleichen, der Regierung liberale Anwandlungen zuzutrauen!— Die schweizerische Bundesversammlung National- und Sländeralh— tritt am 25. März zur grühjahrssession zu- fc iiiuisn. 46 Geschäfte sollen in dieser Session erledigt Iverden, worunter die wichtigsten sind: Lebeiisiiiittel-Gesetzgebuno(neuer �etfasfnngSartifcI), Monopolisirung der Wasserkräfte, Revision der Militärartikel der Bundesverfassung. Bankgesetz, Zlindhölzchen- Monopol, Motion Amtesse, Sliiiiniberechtiguiig der Bahn- aktionäre:c. . Zum Kiiuchf um das allgemeine Wahlrecht für die Geineinderathswahlen in Belgien wird aus Brüssel gemeldet: Die Erregung unter der Bevölkerung nimmt infolge der als Protest gegen das Gemeinde-Wahlgesctz in Szene gesetzten Pro- paganda für den allgenieinen Aussland bebenklick) zu. Im Lntticher Bezirk besindcn sich ca. 3666 Grudenarbeiler im Ans- stand. In Berviers streiken die Weber. In Gent fasjteii gestern die Arbeiter in einer Versanimlnng einstinimig den Beschluß, in den allgemeinen Ausstand einzutreten, falls das allgemeine Wahl- recht geschmälert iverde» sollte.— � Ferner wird noch aus Lütt ich unterm 22. d.M. gemeldet: Gestern durchzog ein Trupp ausständiger Kohlenarbeiter aus Herstal die Straßen von Lüttich. An der Spitze des Zuges wurden rothe Fahnen getragen. Im sozialistischen Volkshause fand eine Versammlung statt, in der für heule der allgemeine Ausstand beschlossen wurde. An vielen Stellen sollen die Streikenden bereits durch andere Arbeiter ersetzt worden sein. Niederlage der«chntzzölluer in Holland. Aus dem Haag wird telegraphirt: Tie zweite Kaminer lehnte einen Antrag auf Revision des Zolltarifes behufs Schutzes der Laudwirthschaft und Industrie mit 62 gegen 33 Stimmen ab. Die Regierung hatte den Antrag lebhast bekämpft.— Ei» Arbeiter gcmaszregelt von Sozialdrmo- kraten! Diese Schreckenskuiide geht jetzt durch die ganze Bourgeoispresse, und voll sittlicher Entrüstung eifern die Vertreter des Geldsaäs über einen so abscheulichen Akt brutaler Intoleranz. Die Komödie ist schon öfters gespielt worden; und da es diesmal den Regisseuren nicht gelang, in Teutschland ein Opfer„sozialdemokratischer Unduldsam- keil" zu entdecken, so sind sie nach Frankreich gegangen, wo sie in der sozialistischen Brotbäckerei von L i m o g e s ihren Mann gesunden habe». Was an der Sache wahr ist, wissen wir nicht— vielleicht ist alles erlogen, vielleicht blos ein Thcil. Aber wenn denn auch alles wahr wäre, was dann? Sehen wir zu. Erzählt wird, ein Arbeiter sei, weil er sich vorschriftswidrig von einem nicht zum Geschäft gehörigen Arbeiter habe helfen lassen, cnt- lassen worden, darauf hin hätten die meisten der Genossenschaftsarbeiter gestreikt, die Verwaltung habe dann andere Arbeiter an stelle der entlassenen ge- nommcn, und ob dieser„brutalen Vergewaltigung" herrsche allgemeine Entrüstung unter den Arbeitern und Sozialisten. Das der angebliche Sachverhalt. Nun, wenn dem wirklich so ist, dann wird die„all- gemeine Entrüstung" sehr bald dazu sichren, daß der gc- maßregelte Arbeiter, falls ihm Unrecht geschehen ist, wieder an seine Stelle kommt. Wer Hilst aber den tausendcn und zehntausenden von Arbeitern, die alljährlich, blos ihrer poli- tischen Gesinnung halber, von Kapitalisten„brutal gemäß- regelt" werden?„Entrüsten" die Herren Bourgeois sich in solchen Fällen? Im Gegentheil: sie versperren den Gemaßregeltcn auch ihre Werkstätten und helfen mit bei dem Kesseltreiben, das die unglücklichen Opfer dcS Kapitals in den Hungertod treiben soll.— Ministerpräsident Ribot über die Veziehiingen zwischen Unternehmer und Arbeiter. Man schreibt uns aus Paris unterm IS. März: Man ist hier seit langem schon so sehr daran gewöhnt, die organisirten Arbeiter bei jeder Gelegenheit von den Ministern ougesallcn zu sehen— erwiesen sich doch die Perier, Dupuy und Konsorlen als die reinsten Kettenhunde des Ausbeuterthums— daß, läge nicht der Entwurf gegen das Streikrecht der Eisenbahnarbeiter vor, man fast versnchi wäre, die jüngst während der Finanzbntgel-Debatte vom Minister- Präsidenten Ribot gehaltene Rede als ein Zeichen des voll- ständigen Umschwunges der diesbezüglichen Regierungspolitik zu begrüßen. Obwohl es sich da um Arbeiter, und zwar um Staats- arbeiter, handelte, und der Ministerpräsident die beiden jüngsten in den Tabak- und Zündholzfabriken stattgehabten Streiks besprach, hat er, weit entfernt davon, die sonst üblich gewesenen gesellschasts- retterischen Ausfälle zu machen und auf die„Streikagentcn" los- zupauken, diese Streiks gewissermaßen für berechtigt erklärt und den Unternehmern dabei gleichzeitig zu verstehcn gegeben, daß cs nicht mehr an der Zeit sei, sich den Aibeitern gegenüber als Autokraten zn geben. Rachdem Herr Ribot sich bereit erklärt hatte, dem Verlangen des sozialistischen Abgeordneten Lavy, alle ans die Zahl, Löhne und Arbeitszeit der in den Staatssabrikcn be- schästigten Arbeiter bezüglichen Taten sammeln und veröffentlichen zn lassen, Folge geben zn wollen, um so deren wahre Lage erkennen zu lassen, suhrte er nämlich im wesentlichen solgrn- des ans: Man habe gesagt, der Staat solle ein Muflerunteinehmer sein. Das sei richtig. Der Staat habe vor allem Gerechtigkeit zu beobachten und die Würde seiner Arbeiter zu respekliren, wie er ja auch verlangt, daß die zur Führung der Ge- schäfte nothwendige Autorität respektirr werde. Von diesen Gefühlen habe er sich auch gelegentlich zweier Streiks leiten lassen, die glücklicherweise von kurzer Dauer waren. In Dijon war in der Tabakfabrik ein Streik ausgebrochen. Die Arbeiter hatten sich beklagt, daß der Direktor einer Arbeilerdelegation gegenüber Worte gebraucht habe, die in Wirklichkeit eine Arbeiterin verletzt, sie in ihrem Privatleben angegriffen und eine Bewegung bervorgerufen haben, die er(Ribot) für eine berechtigte Halle. Er werde von den Direktoren stets verlangen, nicht zu vergessen, daß die Arbeiter dieselben Gefühle der Würde haben wie wir alle. Die Autorität könne durch die gegenseitige Sichtung nur gewinnen. Indem er so gehandelt, glaube er für die Aufrecht- Haltung der Autorität, so weit sie gutes und berechtigtes an sich hat, mehr gethan zu haben, als wenn er die berechtigt gewesenen Beschwerden abgewiesen hätte. Bei dem in den jüngsten Tagen in den beiden Zündholzfabrikcn von Pantin und Slubervilliers stattgehabten Streik habe er die Delegirlen der Zündholz- arbeiter empfangen. Man sagte, daß er sie mit Wohlwollen anhörte. Das sei seine Pflicht gewesen. Er könne mit Höflichkeit vorgebrachte Beschwerden nicht anders ausnehmen. Tie De- legirten hatten ihm da nun erklärt, daß bei dem Streik von 18S3 ein Uebereinkommen bezüglich der Löhne getroffen wurde, die infolge der Ersetzung des früher aus Rußland bezogenen Holzes durch französisches, das die Arbeil erschwere, vermindert worden seien. Die Verwaltung antwortete darauf, daß die Löhne trotz des Holzwechsels die vereinbarte Höhe erreichen. Diesen gegenseitigen Behauptungen gegenüber konnte es nur eine Ant- wort geben: eine von den Interessenten beider Theile vor- zunehmende Untersuchung. Wir haben und können nicht die Prätension haben, die Lohnfrage durch einen Machtsprnch zu entscheiden. An stelle der von oben herab ausgeübten Macht, die ehedem genügt haben konnte, müsse man daran gehen, den Vertrag zu setzen und die gegenseitige Achtung des gegebenen Wortes. Dadurch würden viele Streitigkeiten und Mißver- ständnisse beseitigt werden, die schon manchmal zn höchst bedanernswerthen Zusammenstößen geführt haben. Wir nmssen den Arbeiter als den Gleichgestellten desjenigen betrachten, der ihn anwendet, sowohl dann, wenn es sich darum handelt, die Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(< Slrbeitsbediiigiingen festziifielleit, als wenn es sich darum handelt, die Vertragsbestinimungen durchzuführen. Wir haben da nicht mehr das Recht anzuordnen. Wir haben da gemeinsam mit ihm Untersuchung zn pflegen, zu sehen, ob er recht hat, und ihn mit jener Geduld, jenem Wohlwollen anzuhören, das man sonst im persönlichen Verkehr einander entgegen zu bringen hat. So habe er auch da gehandelt. Wenn die Zündholzarbeiter recht haben, werden ihre Löhne unverzüglich erhöht werden. So verstehe er die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Staatsverwaltung und den Arbeitern, und er hoffe, daß man diesem Beispiele immer mehr und mehr im ganzen Lande folgen werde. Wie Herr Ribot diese Rede, deren Llsfichirung in ganz Frank- reich von der Kammer einstimmig votirt worden ist, mit dem das Koalitionsrecht der Eisenbahnarbeiter betreffenden Gesetz- entwurf in Einklang zu bringen vermag, das ist vorläufig noch sein Geheinmiß, und es ist sehr fraglich, ob er diesen Wider- sprnch auch nur halbwegs zn lösen vermögen wird. Was hin- gegen weniger fraglich ist, das ist, ob die Tabak- und Zündholz- arbeiter jemals zn ihrem Rechte gekouiinen wären, wenn sie nicht tüchtig organisirt wären und sich nicht im Rothfalle des Streiks hätten bedienen können. Das hindert aber nicht anzuerkennen, daß die Ribot'sche Rede sich von denen seiner Vorgänger vortheil- Haft abhebt und im ganzen einen erfreulichen Forlschritt be- deutet.— Der Vauca Nomana-Skandal in Rom zieht noch weitere Kreise. Ein italienisches Blatt, die„Capitale", verzeichnet das Gerücht, der Prozeß in der Vanca Roiiiaiia-Aiigelegeiiheit werde nochmals geprüft werden, indem das Verfahren gegen unbekannte Personen wegen B e st e ch u n g eröffnet werde. Mehrere Ge- schworene in dem genannten Prozesse seien bereits über Gerüchte vernommen worden, welche zur Zeit des Urtheilsspruchcs um- liefen, und nach welchen von ungenannten Personen Geld- betrüge für die Freisprechung bezw. Ver- n r t h e i I u n g angeboten worden wären. Da kann man ja noch saubere Dinge zn hören bekonimen,— wenn nicht von„einflußreicher Seite" dafür gesorgt wird, daß man nichts zu hören bekommt.— Ersatzwahl in England. Bei der Ersatzwahl für das ver- storbene Parlamentsmitglied Sir Joseph Weston am 21. d. M. wurde der radikale Kandidat Sir W. Weills mit 3740 Stim- inen gewählt. Der Gegenkandidat Gore von der U n a b- h ä n g i g e n Arbeiterpartei hatte 3608 Stimmen er- halten.— Spanie». Die Armee, welche nach Ansicht seltsamer Schwärmer die Hauptstütze der staatlichen Ordnung ist, ver- nichtet überall, wo sie das Heft in die Hand bekomnit, Ordnung und Gesetz. So war cs im alten Rom, so ist es jetzt in Spanien. Marfchall Martincz Campos, der Wieder- Hersteller der Monarchie, hat die Verfassung gestürzt, die Königin-Regentin, nebst ihrem Söhnchen, demKönig vonGottcs Gnaden, thatsächlich zn Gefangenen gemacht, das Ministerinni fortgejagt und das 5kricgsrccht, also den Belagcrnngsznstand eingeführt. Ebenso brutal wie die Prätorianer des römischen Kaiserreichs, sind die spanischen auch ebenso habgierig. Höheren Sold und höhere Chargen! Das ist die Losung. Und wer zu behaupten wagt, daß die Armee um des Staats willen und nicht der Staat um der Armee willen da ist, wird vor's Kriegsgericht gestellt, und von den gold- hungrigen Ofsizieren ohne Gnade verurtheilt. Von Erschießungen hat uian bisher noch nichts gehört— die Herren Ordnungsstützen pur excellence scheinen also noch guten Humors zu sein. Im übrigen � spanische Wirlhschaft. Die Volksvertretung(die Cortcs) scheint jeden Einfluß verloren zu haben. Ein Ministerium, d. h. eine Regierung im zivilisirten Sinne des Wortes gicbt cs gar nicht — der Säbel des Marschalls Martinez Campos ist die Regierung. Kurz, die vollendetste Anarchie. Und dieses Ideal der Anarchie verwirklicht durch denjenigen Stand, in welchem gewisse Leute das einzige Bollwerk gegen die Anarchie erblicken! Es ist das einer der besten Witze, welche die Weltgeschichte in neuerer Zeit gemacht hat.— Welcher Mann die Regierung übernimmt, ist also noch absolut uubestinimt. Im übrigen wird jetzt recht lustig im Sinne der Säbeldiktatur über die Zeitungen hergefallen. Allein vom heutigen Tage liegen folgende drei Telegramme vor: Barcelona, 22. März. Die Zeitung„El Tiluvio" ist von dem Militärgericht davon in Kennlniß gesetzt worden, daß ein gerichtliches Versahren gegen sie anhängig ist. Rens, 22. März. Auf Befehl des Militärrichters wurden drei Journalisten, welche der Verlei mdung der Armee beschuldigt sind, verhaftet. SI l i c a n t e, 22. März. Das der Verleunidniig des Heeres angeklagte Blatt„Cri du Peuple" wird vom Kriegsgericht ab- gcurlheilt werden. Vom japanisch- chinesischen Kriegsschauplatz. Inden jetzt eingeleiteten Friedensverhan dl nn gen wird berichtet, Japan wünsche die chinesische Kriegsentschädigung weder in Silber, noch Gold, noch auch in Form einer Gebietsabtretung, sondern in genügend gesicherten Schuldverschreibungen zu erbalten. Japan strebe hierdurch die Störung zu vermeiden, welche die Aiihäusung massenhaften Reichlhums über die Möglichkeit nutz- bringender Zlneignung hinaus für seine Finanzen und das Er- werbslebcn im Gefolge haben könnte; auch möchte Japan lieber selbst an stelle Europas China zum Pfandschuldner haben. Uebrigens bezweifelt man nach einer Meldung anS Doko- Haina, daß die Friedensunterhandlungen, die jetzt in Ehimonoseli eröffnet worden sind, einen Erfolg haben werden. Die japanische Militärpartei, welche für eine Fortsetzung des Krieges bis zu einem vollständigen Siege Japans sei, habe jetzt in der Politik eine vorwiegende Stimme und das japanische Parlament theile diese Slnsicht. Inzwischen werden frische Truppen für den aktiven Dienst abgesandt. Heber die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz selbst liegt heute folgendes Telegramm au? Shanghai vom 21. d. M. vor: Nach Telegrammen aus dem Norden sind viele japanische Schiffe vor Schau- Hai> Kwan. Taku und Khikhou erschienen. Eine Truppenausschiffnug wird binnen kurzem erwartet. Die chinesi- chen Truppen hallen sich bereit, den Einsall zurückzuweisen. Wie verlautet, soll eine japanische Flotte an den Pcscadorcs- Inseln augekommen sein. Eine Depesche aus Hongkong vom heutigen Tage(22.) lautet: Die Japaner haben die P e S c a d o r e s- I n s e l n bei F o r in o s a angegriffen. Der Kampf dauert noch fort.— Ncbcr die Rebellion in Per« liegen jetzt ausführlichere Nachrichten vor. Am letzten Sonntag bei Tagesanbruch drangen die Truppen der Ansständischen in Lima ein und besetzten die Kirchthürme und andere günstige Punkte. Den ganzen Tag tobte heftiger Strabenkampf. In der Nacht herrschte vollkommene Dunkelheit; keine Gaslaterne brannte. Die Stille wurde allein durch das Treiben der trunkenen Soldaten und vereinzelte Schüsse unterbrochen. Am Montag in aller Frühe begann das Gefecht in den Straßen von neuem, und wieder folgte eine 'chreckliche Nacht. Slin Dienstag plünderten die Re- sierungstruppen den„Union Klub" und den„National .ilub""sowie Kaufläden in der Stadt. Durch die Dazwischen- kunst des päpstlichen Nuntius, Msgr. Macchi, und des diplomatischen Korps wurde ein Waffenstillstand von 24 Stunden vereinbart, um die gefallenen Soldaten zu bestatten und die tobten Pserde wegzuschaffen. Die Straßen sind heute in grauen- erregendem Zustande. Verbrannte Leichen liegen umher. Mittwoch Morgen um 11 Uhr kam durch Vermittclung des Nuntius und imil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading i des diplomatischen Korps der Friede zu stände. Auf beiden Seiten sind IS00 Mann kampfunfähig geworden. Der Präsident C a c e r e s hat sich an Bord des chilenischen Kriegsschiffes „Presidente Pinto" begeben. Nunmehr ist ein neuer Präfekt und ein neuer Polizeichef aufgestellt, die Munizipalgarde organisirt, und es herrscht vollkommene Ordnung. Die Tobten sind be- stattet worden. Alle fremden Gesandtschaften waren während der letzten Tage beständig dem Feuer ausgesetzt. In Callao ist alles ruhig.— Nach weiteren Meldungen aus Peru übernahm nach der'Demission von Caceres eine aus Zibgeordiieten beider Parteien zusammenaesetzte provisorische Regierung die Ge- walt. Dieselbe wird die Wähler zum Kongreß einberufen. VÄrkeiNÄckJvWiten. Parteilitevatnr. Die diesjährige Maifestzeituug, die reichhaltiger als die früheren illustrirt ist, gelangt am 9. April zur Versendung, sofern bei der Buchhandlung des„Vor- wärts" die Bestellungen bis spätestens 28. März eingegangen sind. Die Genossen, welche ihre Bestellungen noch nicht aufgegeben haben, mögen also dies umgehend bewerkstelligen. Und da die Genossen in diesem Jahre nicht durch Zirkular be- sonders ausgefordert werden, so werden sie gebeten, diese Keuntniß« gäbe durch die Parteipresse beachten zu wollen. Buchhandlung des„Vorwärts". Die Parleipresse wird um Nachdruck gebeten. ** * Tie Wahlagitation wurde seitens unserer Kölner Parteigenossen am Donnerstag früh mit der Verlheilung eines Flugblattes in den Straßen Kölns eingeleitet. Ans dem Wahlkreise Friedberg- Büdingen! Wie man in Hessen ohne Umsturzvorlage pol'itiscki Andersdenkende behandelt, dafür folgende Thalsachen. Slin I. Mai vor. Jahres fand in Rommelshausen eine Feier statt und zwar im Garten, der an eine Wirthschast stößt und in dem schon 30 Jahre Sonn- tags Wirthschast beirieben wurde. Der Wirth wurde bestraft, und ihm gedroht mit Konzessionsentziehung, weil er für diesen Garten keine Konzession besäße. Nach unendlichen Laufereien, Vor- ladungen, Zeugeiivernehmnngen n. s. w. wurde der Wirth frei- gesprochen und die Polizei abgewiesen.— Ein anderer Mann des Ortes wurde wegen einer Aeußeriing, die er vor zwei Jahren bei der Rcichstagswahl gethan haben soll, dennnzirt und ihm der Prozeß gemocht, der Mann, geängstigt und seiner Stelle verlustig, ließ Frau und Kind im Stich und riß aus nach Amerika. Sein bischen Hab und Gut werden die Gerichtskosten sc. auffressen. — Während der Zeit erhielten fünf Genossen Strasbefehle von je 10 M. und den Kosten, weil sie für Beschickung des Partei- toges 9,36 M. gesammelt hatten.— Ein anderer Genosse wurde wegen Majestälsbeleidigung angeklagt, weil er erklärte, ge« lcgcntlich einer Unterhaltung, daß in früheren Revolutionen schließlich auch die Soldaten von den iieuen Ideen ergriffen gewesen wären und die Waffen nicht zum Nieoerfchießen von Vater, Mutter und Bruder gebraucht hätten.— Schließlicb wurve ein Genosse inhaftirt wegen angeblicher Verleitung zum Meineid. Seit Monaten sitzt er nun im Gefängniß, und alle Mühe, ihn aus der Haft zu befreien, scheiterte. Frau und Kinder sitzen daheim ohne jedweden Verdienst. Nun wurde ihnen auch noch die Wohnung gekündigt, weil die Frau eines Angeklagten bei einem frommen, gutgesinnten Bürger nicht wohnen bleiben dürfe. Detresösten. Wolff'S Telegrnphen-Bureau. Berlin, 22. März. In der am 21. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung des Vundesraths gab der Vorsitzende, königlich bayerische Gesandte Graf von Lerchenfeld-Kösering zunächst der Trauer des Bundesraths über das Hinscheiden des Fürsten Waldemar zur Lippe Ausdruck. Nach dem Eintritt m die Tagesordnung wurden die Vorlage, betreffend die auf den Eisen- bahnen Deutschlands— ausschließlich Bayerns— vor« handenen Abweichungen von der Umgrenzung des lichten Raums, der Entwurf einer Verordnung wegen Einführung der Strandungsordnung in Helgoland, und der Entwurf von Be- ftimmungen zur Ergänzung der Beschlußtafel für die Prüfung von Läufen u. f. w. für ein Einzelgeschoß— den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Zustimmung wurde ertheilt dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen wegen Ab- änderung des Gesetzes vom 24. Juli 1339 und 22. Juni 1391 über Grundeigenthum u. f. w. und über die Einrichtung von Grundbüchern, dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen wegen der in die Geburtsregister einzutragenden Vor- nanien, dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen über die Bestellung von Llmtskautionen, sowie dem Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung des Landeshaushalts- Etats von Elsaß-Lolhringen für k39ö/06 in der Fassung der Beschlüsse des Landesausschusses. Der kgl. sächs. geh. Justizrath Börner wurde als ständiges Mitglied in die Konnnisston für die zweite Lesung des Entwurfs eines Bürgerlichen Gesetzbuchs berufen. Außerdem wurden die Ruhegehälter für eine Anzahl von Reichsbeamten festgesetzt und Eingaben vorgelegt. Brüssel, 22. März. Gerüchtweise verlautet, die Pulver- fabrik in Herenthals bei Antwerpen sei in die Lust geflogen. London, 22. März. Der Börsenverkehr in der Throymorton Street nahm heule seinen gewöhnlichen Verlauf. Die Polizei enthielt sich jeglichen Eingriffs; die Börsenbesucher hielten sich jedoch nur aus der einen Seite der Straße auf. Madrid, 22. März. Sagasta hat sämmtliche Minister, welche ihre Entlassung gegeben haben, zu einer Besprechung be- rufen. Man glaubt, daß von derselben die Slnnahme oder Ablehnung der Bildung des neuen Kabinets seitens Sngasta's abhänge. Kalkutta, 22. März. Nach einer hier vorliegenden Meldung rüstet sich 11 m r a Khan, um jeder Expedition, die zu seiner Vertreibung aus Tschitral entsendet wird, Widerstand zu leisten. Ferner wird berichtet, Sher Slfzul, der von Umra Khan unterstützt wird, sei von den Truppen in Tschitral als rechtmäßiger Herrscher anerkannt und widerstandslos in das bisher von einem englisch» Kommissar besetzte Fort Tschitral eingelassen worden Die indische Garnison, welche sich jetzt nach Mastudsch begiebt, begleitete den Mehtar Emir-ul-Mulk. Die indische Regierung theille den Stämmen mit, sie beabsichtige Umra Khan zu vertreiben, wolle jedoch Tschitral nicht besetzen. (Depeschen-Bnrcan Herold.) Lüttich, 22. März. Bei dem gestrigen Zusammenstoß zwischen Polizisten und Ausständigen trugen von den letzteren 3 Personen schwere Verletzungen durch Säbelhiebe davon. Da für heute Ästend neue Zusammenstöße befürchtet werden, ist die ganze Bürgergarde einberufen worden, um jede Ruhestörung so- fort mit Gewalt zu unterdrücken. Madrid, 22. März. Ter spanischen Regierung ist eine Note des schweizerischen Bundesraths zugegangen, in welcher die Hoffnung ausgesprochen wird, daß das für verschiedene In- dustrien Spaniens eingeführte Monopol nicht auch auf die vom Auslande eingeführten Artikel ausgedehnt werde. Madrid, 22. März. Wie eine Meldung ans Euba besagt, haben General Garrich und Oberst Verssons die Rebellen besiegt und ihnen in Puerto Principe große Mengen Munition und Waffen abgenommen. Bukarest, 22. Marz. In der hiesigen Studentenschaft ist eine große Erregung gegen die Disziplinarordnung des projektirten Hochschulgesetzes zu bemerken, welche fortwährend durch politisch« Opposition geschürt wird. Berlin L1V., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berlintt Volfsblatt. Sonnabend, den Z3. März 1893. 12. Jahrg. Ur. 70. Nsvl�tnenksveviehte. Deutscher Reichstag. K7. Sitzung vom 22. 2ft ä r ä 1895, I U h r. Am Bundesrathslische: Graf Posadowsky, v. Stephan und Kommissarieu. Vor der Sitzung vertheille der antisemitische Abg. Binde- w a I d Flugblätter mit dem Bilde des F n r st e n B i s m a r ck und der Ueberschrift:„Warum der Neicbstag und die Stadt Berlin ihren Ehrenbürger nicht feiern darf", indem er sie auf die Plätze der Abgeordneten aller Parteien legte. Das Flugblatt enthält antisemitische Aussprüche des Fürsten Bismarck und andere antisemitische Aussührungen. Als die Vertheilung eben beendet mar, sammelten die Diener des Hauses jämmlliche Flug- dlütter wieder ein. Aus der Tagesordnung steht zunächst die Verathung der Titel des P o st e t a t s, welche sich aus das D i e n st a l l e r s st u s e n- Cyste m beziehen. Die Koinmission beantragt folgende Resolutionen an- zunehmen: I. den Herren Reichskanzler zu ersuche», bei Aufstellung des nächstjährigen Reichs- Hanshaltsetats für diejenigen 5tlassen von Beamten der Reichspost- und Telegraphen- Verwaltung, ivelche durch Einführung des Dienstallersstufen- Systems in ihren Gchaltsverhältnissen geschädigt werden, die Gehallssiusen so zu erhöhen, daß eine solche Schädigung vermieden wird; 2. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, durch einen Nachtragsetals in einer Pauschaulsmnme diejenigen Mittel zu fordern, die uothivendig sind, nm den durch das System der Tienstalterszulagcn in besonders hohem Maße geschädigten Beamten Zulagen zu gewähre»! 3. die Resolution v. Kardorff unverändert wie folgt anzunehmen: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei Ausstellung des nächstjährigen Reichshaushalts- Etats auf eine Erhöhung des Meistgchalts der Landbrieflräger bis 1000 Mark Bedacht zu nehmen. Der Referent Abg. Möller(natl.) berichtet über die Der- Handlung der Kouimisston, ivelche die verschiedenen Anträge, die bei der früheren Berathuug von den Abgg. Hammachcr, von Kardorff, Müller- Sagan und Singer gestellt ivaren, eingehend berathen hat und zn dem oben mitgetheilten Be- schlusse gekommen ist. Ueber den Antrag Müller- Sagan (betreffend Anrechnung der diätarischen Dienstzeit der Assistenten, ihre Zulassung zur Sekretärprüfung u. s. w.) rst ein Beschluß in der Kommission nicht zu stände gekommen. Abg. Lieber(Z.): Als die Anträge an die Budgetkommission verwiesen wurden, konnte man der Meinung sein, daß im Reichs- tage wie in der Budgetkoinmissiou die Neigung vorhanden sei, die Dicnstaltersstusen nicht z» genehmigen ohne eine gleichzeitige Erhöhung der Gehälter. Die nochmalige Berathuug hat zur Folge gehabt, daß aus den Kreisen der Postbeamten, welche von den Dienstallersstufen einen Vorlheil erwarten, Zuschriften wohl an fast alle Mitglieder gekommen sind, welche für die baldigste Einführung des neuen Systems eintreten. Die Verhandlunge» der Konimission habeu ergeben, daß man die Ueberlragung des Dienstaltersstusen-Systems auf die Post- und Telegraphenverwaltuug nicht mehr verschieben darf. Das Zentrum wird daher für die Anträge der verbündeten Regierungen slim- men, spricht aber die Hoffnung aus, daß es möglichst bald zu einer Gehallsausbeffcrung kommen möge und daß die speziellen Wünsche, welche die Konimission ausgesprochen hat bezüglich ein- zelner Beamtenklassen, berücksichtigt werden. Abg. Müller-Sagan(frs. Vp.) spricht sich für die Einführung der Tienstaltersstusen aus und hofft, daß die Anträge der Kommission recht bald durchgeführt werden trotz des Widerspruchs des Reichsschahsekretärs. Redner empfiehlt dann im Sirne seines Antrages, daß bei der Berechnung des Dienst- alters der Post- und Telegraphenassistenten, sowie der Post- vermalter die diätarische Dienstzeit in Anrechnung gebracht wird, soweit sie mebr als vier Jahre ausmacht. Abg. v. Leipziger(dk.) erklärt sich namens seiner Freunde ebenfalls für die Anträge der Konimission. Besser wäre es aller- diugs gewesen, wenn die Aussührung des Systems noch ein Jahr hätte aufgeschoben werden können bis zur Aufbesserung der Gehälter. Aber eingeführt werden müssen die DieustallerSstuseu; denn es kann nicht, wie der Herr Slaatssclrclär sagte: ein Privilegium postale geschaffen werden. Wenn auch nur einzelne Beamtenklassen geschädigt werden, so wollen wir doch keine Schädigung der Beamten; wir meinen nicht mit Herrn Singer, daß das Tienstaltersstusen- System auch auf das Risiko der Schädigung der Beamten hin, unter allen Umständen eingeführt werden müsse. Tie Annahme der Resolution ist deshalb die Borbedingung für die Annahme der Dienslaltcrsstufcn. Nachdem die Spannung zwischen Matrikularbeiträgen und Uebcrweisunge» durch die Beschlüsse der Budgelkommission aus 6 Millionen reduzirt ist und da wir 9 ivlillionen für Postbaulen übrig haben, wird sich auch wohl ein Weg finden lassen, um den geschädigten Beamten zu ihrem Recht zu verhelfen. Abg. Hammacher(natl.) spricht für die Einführung der Tienstallersstufeu; der Reichstag habe deren Einführung ein- stimmig beschlossen mit der ausdrücklichen Bedingung, daß die Beamten dadurch nicht geschädigt werden sollten. Diese Be- dingung ist durch die Vorschläge der Regierung nicht erfüllt worden. Die finanziellen Bedenke» können nicht maßgebend sein, denn es handelt sich um außergewöhnliche Fälle, die auch außer- gewöhnliche Maßregeln erfordern. Die Anträge des Herrn Müller können jetzt nicht eingehend erörtert werde»; sollten sie ausrecht erhalten werden, so würden sie für jetzt abzulehnen sein. Ter Vizepräsident v. Buol stellt den Antrag Müller-Sagan mit zur Diskussion; derselbe lautet: I. den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß bei Berechnung des für das Dienstallersstufen- System maßgebenden Dienstalters der Post- und Telegrapheuassistente», sowie der Post- verivalter aus der Klasse der Zivilauwärter dre diätarische Dienst- zeit derselben insoweit in Anrechnung gebracht werde, als sie mehr als vier Jahre beträgt, und daß für das Dienstalter der Post- und Telegrapheiiassistenten, sowie der Postverwalter aus der Klasse der Militäranwärter der Tag ihres Eintritts in den Post- bezw. Telegraphcndienst zu gründe gelegt werde; 2. den Reichskanzler zu ersuchen, hinsichtlich der Zulassung zur Sekretär- Prüfung die Gleichstellung der Post- und Telegraphenassistenten, sowie der Postvenvnlter aus der Klasse der Zivil a n w ä r t er mit den Assistenten sowie de» Postverivaltern aus der Klasse der Militäranwärter iviederholt in Erwägung zu ziehen; 3. den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß auch sfür die vor dem 1. Januar 1892 in den Subaltcrudienst übernommenen Militäranivärter der Rcichs-Postverwaltung die Auciennilüt um ein Jahr, oder, wen» die Invalidität vor Ablauf eines Jahres eingetreten ist, um die thatsächlich abgeleistete aktive Dienstzeit zurückdatirt werde, sobald sie elatsmäßige Anstellung erhallen; 4. den Reichskanzler zu ersuche», zu veranlassen, daß die ctats- mäßige Anstellung der Post- und Telegraphen-Assistenten sowie der Postverwalter künstig, ohne Vorbehalt einer Küudigungssrist, auf Lebenszeit erfolge. Staatssekretär Graf v. PosadowSky: Ich habe nicht gc- sagt, daß die Entschädigung der benachtheiligten Postbeamten Millionen erfordern würde, sondern icki habe gesagt, daß, wenn die Beamten aller Ressorts, die geschädigt sind, durch den Dispositionsfonds entschädigt werden sollten, es sich um Millionen handeln würde. Ich habe mich nicht aus finanziellen Gründen gegen die Resolution ausgesprochen, sondern aus dienst- pragmatischen Gründen. Es schien mir nicht angängig, ein- scitig den Postbeamten diese Entschädigung zuzuwenden; das schien mir gegen den Grundsatz zu verstoßen:.jusütia fundamentum regnoram. Auch aus anderen Ressorts werden gleichartige Ansprüche einzelner Beamtenkategorien laut. In allen diesen Ressorts sind die jüngeren Beamten sehr schnell vorgerückt, während die älteren langsamer vorschreiten. Ich bin gern bereit mit den einzelnen Ressorts in Verbindung zu trete» und will auch die preußischen Stimmen dafür zu gewinnen suchen, daß die geschädigten Kategorien der Bcanilen eine Gehaltserhöhung im nächsten Etat erhallen können. Ich bitte Sie nicht an meinem guten Willen zu zweifeln: nicht aus finanziellen Gründen, sondern im Interesse einer gerechten Be- Handlung sämnitlicher Kategorien aller Beamter habe ich Ihre Vorschläge bekämpft. Abg. Richert(fr. Vg.): Die Zurückweisung der Anträge und der Titel an die Kommission halte nicht die Bedeutung, daß das Dienstaltersstusen-System für dieses Jahr abgelehnt»verde» sollte. Trotzdem ist diese Befürchtung in vielen Kreisen der Post- bcainten vorhanden gcivcse». Die Beschlüsse des Reichstages sind nicht ausgeführt ivorden; denn»vir haben ausdrücklich jede Schädigung der Beamten ausschließen»vollen. Daß der Staats- sekretär bedenklich ist, ist begreiflich; aber wenn es sich nur um dienstpragmatische Gründe bandelt, dann»vollen»vir doch erst abivarten, ob nicht die Reichsregierung schließlich doch die An- träge aussührt, zninal»venn es sich nur um eine kleine Anzahl von Beamtenklassen handelt. Abg. Singer(Soz.): Auch die Beamten, welche sich an uns geiraudl haben init Gründen gegen die Einführung des Dienstaltersstufen-Cystenls, bekäiitpfcn dieses Systen» nicht prin- zipiell, sondern haben nur gebeten, die schiveren Ungleichheiten, von denen sie dadurch betroffen werden, irgcnd»vie ariszugleiche». Es»nun ein System eingeführt»Verden,»velches mit keiner si»a»iziklle» Schädigung der Beamten verbunden ist. Die Vorzüge des Systems an sich, die Freimachung der Beainten von der Willkür der Behörde, begrüße»» alle Bean.tenkrcise init derselben Genugthuung. Ten Anträgen der Budgetkommission stimmen »vir zu. Tie Vorzüge des Dienstallersstufen Systems erscheinen uns so groß, daß»vir einzelitc Schädigungen mit in den Kauf nehmen, allerdings unter der Voraussetzung, daß der Reichstag die Regierung ersucht, in» nächsten Etat diese Schädigungen auszugleichen. Wir hoffen, daß es bei den Verhandlungen zivischen den belheiligtcn Ressorts gelingen»vird, eine Ausgleichung zu finde», sei es durch Erhöhung des Maximal- oder Minimal- gehalts; diese Ausgleichung ist nöthig, mir den Bearnten die Freilde an dem Dienstaltersstusen-System nicht zu verderbe». So erfreut die Beamte»» auch über die künftige Sicherheit und Festigkeit ihrer Stellung sind, so»venig kann man ver- langen, daß sie die finanzielle Schädigung freudig auf sich nehmen. Selbst auf die Gefahr, daß durch die Zufrieden- stellung der Beamten manche der Sozialdemokratie enlsremdet »verde», begrüßen»vir eine Gehaltsaufbesserung der Beainten stets mit Frcitde. Ich bedauere, daß der Staatssekretär die Resolution bezüglich des Nachtragsetals nicht so freundlich auf- genommen hat. Tie Bedenke» dagegen sind nicht als durch- schlagend anzuerkennen. Gegenüber der Thalsache, daß schon in allernächster Zeit bei der Einsiihrung der Dieustallerszulagen eine nicht Ilcine Zahl von Beamten bei einem Gehalt von elivn 2509 M. um Summen von 3—400 M. geschädigt»vird, kann sich der Sieichstag nicht der Verpflichtnug entziehen, die Regierung um den Nachtragsetat zu ersuche», uird nicht erst in» nächste» Etatsjahre die Mittel zur Ausgleichung bereit zu stellen. Ich bcdaure, daß die staatsrechtliche» Bedenken des Schatz- sekrelärs so groß sind und so starke» Wiederhall im Hause gefunden habe». Die Koinmission hat leider auf ihren früheren Beschluß»regen der Landbrieflräger verzichtet und die Gehalts- erhöhungen erst für das nächste Etatsjahr vorgeschlagen. Wir »neiiie», daß au der sofortigen Gehaltserhöhuilg der Landbries- träger von 900 auf 1000 M. festgehalten»verde» muß. In der Resolution Müller ist der erste Plmkt auch nach unserer Meinung durchaus berechtigt, ebenso ist der in Punkt 2 berührte Wunsch der Bcainten ein alter»md durchaus berechtigter. Den Zivilanivärtern ist jetz(die Möglichkeit, durch die Ablegung des Cxanleirs in eine feste Stellung zu koiinuen, abgeschnillen. Ter Staatssekretär hat mir privatim eingeiveudet, daß der Militäranwärter eine längere Dienstzeit mitbringe und daß nach dieser Gleichstellung ein solcher Andrang zu de» Stellen entstehe» »rürde, daß nicht alle Beaulten solche Stellen erhallen könnten. Das ist ganz gleich. Jede solche Stelle, die eine»»» Zivilamvärter gegeben wird, bedeutet schon einen Vorlheil, da sie bisher ganz davon ausgeschlossen»raren. Es können selbstverständlich nur so viele drese Stellen erhalle»,»nie Stellen da sind. Ich bitte den Staatssekretär der Postverivaltung dringend, diese Frage in» Sinne der Resolution zu lösen, denn ich sehe leinen Grund,»reshalb die schon bcvorzugtc» Militäranwärter noch einen besonderen Vortheil dadurch erhalten sollten, daß»ua» die Zivilaiuvärter von dem Examen und dieser Stellung über- Haupt ausschließt. Das Gesetz verlangt, daß die Hälfte der Stellen für die Militäranivärter frei bleibt, aber nicht, daß de» Zivilanivärtern einfach die Möglichkeit versagt»vird, trotz allem guten Willen und aller Qualifikation in diese Stellen zu komnien. Ich empschle also die Resolution Müller zur Annahme, und»vir geben auch den Anträgen der Kolmnission»nit Ausnahme des einen»vegen der Landbriefträger unsere Zustiinmuna. Abg. Müller- Sagau tritt»och einmal für seine Anträge ein und vcriveist darauf, daß die einzelnen darin berührten Fragen schon in früheren Debatten berührt seien, so daß das Bedenke» des Abg. Hainniacher gegen den Antrag»in» so»veniger zutreffend sei, als die Nnmmcrn 2 und 4 schon von» Reichstage einmal angenommen seien. Abg. Grober(Z) tritt für die Nnmmern 2 und 4 der An- träge Müller ein; namentlich müsse man die Postassisteiite» zn- laffcn zur Sekretärprüfung, dafür trete man sogar in de» Kreffe» der höheren Postbeamten jetzt ei». Für die Anträge 1 und 3 könne das Zenlruin aber jeyl nicht stimmen. Direktor im Reichs-Postaint Fischer: Die Einrichtung, daß für die Angestellten eine mehr als sünfjährige Vordereilungszeil angerechnet»vird. besieht nicht»»ur i» Preußen, sondern auch im gleiche. Hiervon abzniveichc» liegt keine Möglichkeit und leine Veranlassniig vor. Tie Postbeamte»» treten in der Regel mit dein 17. Lebensjahre ein und eine längere Vorbereitnngszeit ist»öthig, um sie i» alle Ziveige des Poftdiciistcs einzusührcu. Die Post- beainten werden»»» einem Lebensalter angestellt, welches durch- schuiltlich geringer ist als es für die Zivil- Supernumerare in andere» Verivaliiiugen ist. Es liegt also kein Grund vor, die Postbcanitei» günstiger zu stellen als andere Beamteukatcgorie». Ich bitte also die Resolution l des Älbgeorduete» Müller ab- zulehiieii, ebenso»vie die Resolution 3, daß auch für die vor dem I. Januar 1892 in den Subalierndieust übernommene» Militärauivärler der Post die Aiiciemiilät um ei» Jahr zurück- datirt»verde, sobald sie elatsuiäßig angestellt»verde». Es würden hierdurch die Zivilauwärter geschädigt»verde». Der letzte Punkt, welcher verlaugt, daß die etatsmäßige Anstellung der Post- und Telegraphen- Assisteutei» soivie der Postverivalter lüuslig ohne Vorbehalt einer Küudigungssrist, aus Lebens- zeit erfolgen soll, ist in der Budgetkommission nicht an« geregt»vorden, er ist ein Novuin, dessen Durchführung ohne ganz erhebliche organische Aenderung nicht mög« lich ist. Die Beförderung der Assistenten zu Ober» Assistenten erfolgt bis jetzt nach Recht und Gerechtigkeit, u»d zivar nack» Maßgabe der vorhandenen Stellen. Künftighin»vird nun die Ernennung zum Ober-Assistenten erfolgen»ach Ablauf einer dreijährigen Dienstzeit von der Anstellung an. Ich glaube, daß damit dieser Punkt zur Zufriedenheit der Antragsteller ge- regelt ist. Abg. Förster» Renstettin(Deutsch- soziale Reformpartei) will auf seine früheren Bemerkungen über die in» forniatorische beziv. diätarische Beschäftigung der Militär- anivärter zurückkommen, was der Präsident v. Levetzoiv aber als nicht zur Sache gehörig bezeichnet. Redner verzichtet deshalb auf das Wort. Abg. Müller- Sagan zieht die Nummer 4 seines Antrages zurück. Damit schließt die Debatte. Die Anträge Müller 1 und 3 »verde»» abgelehnt; Nummer 2 wird angenommen. Die Resolution 1 und 2 der Kommission werden an» genommen. Ter Titel 2: Gehälter der vortragenden Näihe u. s. w. des Neickspostamts wird genehmigt. Beim Titel 3: geheiine expedirende Sekretäre u. s. w. meist Abg. Müller-Sagan darauf hin, daß die Kasselibeamten ziemliche hohe Kautionen stellen müssen. Das Aufrücken in die Stellen der Kassenbeainten sei dadurch crschivert. Die Beamten müsse,» sich die Kauliouen beschaffen, indem sie Lebensversichermigs- Polizei» verpfänden bei Kautionskaffen, deren Prämien für dieses Geschäft viel höher sind, als das Risiko,»velches dieselben dabei laufe». Denn nach der„Verkehrs-Zeitung" betragen die Defekte 70 Pf. aus 1000 M.. während die Kautionskassen einschließlich der Amortisationsquole 52 M. Prämie für 1000 M. nehmen. Direktor im Reichs-Postamt Fischer: Eine Erklärung dar- über, ob eine Aeiiderung der Bestimmungen über die Kauiions- leistung beabsichtigt ist, kann ich nicht abgeben. Defekte komnien glücklicheriveise recht wenige vor. Auf 1000 M. koinmen wahrscheinlich nicht 70 Pf., sondern nur 7 Pf. Erbebungen über eine Aenderung der Höhe der Kautionen»verden vorgenommen »verde». Bei den Ausgaben für die Post- und Telegraphen- ämter»vcist Abg. Müller-Sagan daraus hin, daß beim Post- amte von Heiurichswalde die höheren Postbeamte» Wahlagitation iii den Tieiiststlinden getrieben haben; gegen einen Redakteur,»velcher davon Mitlheilung»nachte,»viirde vo» der Postverwaltnng Klage an- gestrengt. Redner bringt noch eine» weiteren Fall zurSprache,»vie es scheint, aus Memcl,»ro ei» Postamls-Vorsteher seine Beamlen quält und namentlich hohe Geldstrafen ihnen auferlege; die Ver- »valtting sollte einmal feststellen, wie viel Geldstrafen eingezogen »verde». Direktor im Reichs-Postamt Fischer: Die Gesainintsumme der Strafen beläuft sich jährlich auf 30 bis 35 000 M. Besser wäre es»vohl gewesen,»venu der Vorredner den sich beschiveren- den Beamten de» Rath gegeben hätte, sich an ihre vorgesetzte Dienstbehörde zu»veiiden. In Heinrichsivalde hat ein« Ver- theilung vo» Wahlzetteln nicht innerhalb, sondern außerhalb der Dienststiindei» stattgefunden. Bei Titel 22: P o st a s s i st e n t e n, kommt Abg. Förstcr-Neustettin auf die Anrechnung der diätarischen Dienstzeit der Postassistenten aus das Dienstalter zurück lind bedauert, daß die Postverwaltung bei der Beschäftigung der Militäranivärter nicht S/4 des Stelleneinkommens denselben z»- komnien laßt, sondern,»veil es sich angeblich um informatorische Beschäftigung handelt, geringere Diälensätze gewährt. Abg. Werner(dculschsoz. Resormpartei) bringt Klagen der Postassistente» darüber zur Sprache, daß höhere Postbeamten den Assistenlenvelbaiid schinähen und beschimpfen, daß einem Post- assistcnte» eine Entiernnng von seinem Amisort über 12 Stunden hinaus veriveigert»vurde, als er einer Huldigungsfeier für den Fürsten Bismarck bciivohnen»vollte. Ein Assistent»vnrde von Metz nach ciucin kleinen Orte versetzt,»veil er einen Offizier nicht gegrüßt hatte. Seine Mutter, die bei einem Vorgesetzten sich für ihn verivandte,»vurde mit einem nicht saloiunäßigen Ausdruck empiaugen. Die Maßregelung der Assistenten»vird m de»»leiste»» Fällen auf ihre Zugehörigkeit zum Assistcnteuverbande zurückgesühri. Das dient nicht zur Hebung des Ansehens der Postverivaltung. Direktor Fischer: Ich muß den Vorivurf, daß die Post- assisteuten, welche dem Verbände angehören, von der Zentral- verivaltung anders behandelt»vürden, als die anderen Beamten aus das eiitschiedeuste zurückweisen, und zivar um so energischer. als von den augesührle» Fällen kein einziger an die Zentralstelle gelaugt ist. Abg. Werner: Die Beamten»veuden sich gar nicht erst au das Reichspostamt, weil sie doch»vissen, daß sie nicht recht bekomme»». Direktor Fischer: Wir haben in manchen Fällen schon Remedur geschaffen; jeder Beamte, der sich an das Reichs- postamt lvendet, kann eine unparteiische Untersuchung erivarlen. Abg. Schoenlant(Soz.): Es ist einmal»ölhig, die Frage des Erholungsurlaubs der Unterbeamten anzn- regen. Die Enbalternbeamtei» und höherei» Beamten erhalten Erholungsurlaub, die Uuterbeamten nicht. Die Unterbeainten, mögen sie 10, 12, 20, 30 Jahre dienen, müssen umsonst auf einen Erholungsurlaud warten. Es ist von hoher Bedeutung, daß die große Kategorie der Uiiterbeamtcn, der Postschaffner, Packetträger. Briefträger«. nicht ein einziges Mal im Jahre eine» Erholungs- nrlaub erhalle»,»vährend den Subalternbeamten und höheren Be- amten dieser Urlaub beivilligt»vird. Das trägt nicht dazu bei, die Zufriedenheit der Unterbeamten z» steigern, ebenso»venig, wie sie gesteigert»vird,»veun der Direktor Fischer von den Poithilfsboten als von jungen Menschen von 20 Jahre» spricht, die sozusagen hinter den Ohren noch nicht trocken geworden sind, sich von irgend e i n e»n Frauenzimmer einsaugen lassen und ins Unglück h i n e i»» r u d e r n. Diese Worte des Direktors Fischer haben sicherlich böses Blut gemacht. Der Herr Direktor sollte einmal i» den national- liberale». M ü n ch e»> e r Neueste» Nachrichten", einein Blatte, das von emcr süddeutschen Negierung zu offiziösen Mit- theilunge» benutzt»vird, das Urlheil über seine Ausführungen in dieser Angelegenheit lesen. Es ist sicher nicht angetha», von den- selben Beamten, die man kurz nach ihrem Dienstautritt alle Pflichten des Dien st es erfüllen läßt und zu den s ch>v e r st e n Arbeiten heranzieht, in dieser nicht besonders achtungsvollen Weise zu sprechen. Wenn mau die Beamten so anstrengt, darf man nicht so über sie ur- theilei». Man muß dafür sorgen, daß diese tüchtige» und auss äußerste ausgenutzten Beamte»»nindestens einmal im Jahre eine lurze Ruhepause bekominen, daß ihnen gestattet wird, v o in Dienst einmal ausschnaufe» zu können. In Ergänzung meiner früheren Ausführungen habe ich noch festzustellen, daß das,»ras ich über die Arbeitszeil in dem L e i p- zig er Postamt 13 betreffs der O'/s stündigen Arbeitszeit sagte, sich nicht auf die Beamten des Postamts 13. sondern auf die der Oberpostdirektion bezieht, n»d was ich über die Arbeilszeit der Subalternbeamten(10. 50 Stunden) sagte, die Siibalternbeamten in der Briesträger-Abfertigungsstelle angeht. Ich bitte Sie, darnuf hiiiznlvirken, daß endlich einmal für die Unterbeamten ein günstigerer Zustand dadurch geschaffen wird, daß ihnen ein Erholungsurlaub bewilligt wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Direktor im Reichspostamt Fischer: Daß die Unterbeamten nicht einen Tag Erholungsurlaub im Jahre bekommen, behauptet der Vorredner in vollständiger Unkenntniß der Verhältnisse. Nach den bestehenden Dienstbestimmungen hat die Ober-Post- direktion die Befugniß, die etatsniäßig angestellten Unterbeamten wie den nicht angestellten Beamten einen Erholungsurlaub bis zu zehn Tagen zu gewähren. Llbg. Schoenlank: Es fragt sich nur, ob die Behörde von dieser Befugniß Gebrauch macht. Die Mehrzahl dieser Beamten bekomnit keinen Erholungs« Urlaub, sondern inuß Winter und Somnrer vom frühen Mo r g e n bis zum späten Abend arbeiten. Es handelt sich nicht darum, die diskreditionären Vollmachten zu erhalten, sondern die Gewährung eines Urlaubs festzulegen.(Beifall links.) Direktor Fischer: Was der Abgeordnete verlangt, ist durch die Dienstanweisung der Postverwaltnng geschehen. Genau wie für die anderen Beamten, wird auch für die Unterbeamten Er« hvlungsrulaub bewilligt. Abg. Schoenlank(Soz.): Es wäre erwünscht, wenn der Direktor Fischer dem Reichstage eine Statistik über den an Unterbeanrte ertheilten Erholungsurlaub vorlegte. Es komnit nicht darauf an, was auf dem Papier steht, sondern was wirkt ich ausgeführt wird. Da die Unterbeamten sich beklagen, daß sie keinen Urlaub erhallen, daran ist kein Zweifel. Der Titel„Landbriefträger" wird genehmigt mit der Re- solution III der Kommission. Der Titels zur Herstellung eines neuen Diensigebäudes in Magdeburg, erste Rate 233 300 M. war an die Budgetkommission zurückverwiese» worden, weil es sich um die Erhaltung eines alterthümlichen Hauses handelte. Der Neferenr Möller-Dortmund theilt mit, daß sich heraus- gestellt hat, daß die allerthümliche Fassade des alten Hauses schon längst durch Uinbanlen entstellt sei. Abg. Lieber(Z.) verweist darauf, daß er in der Kommission seinem Befremden darüber Ausdruck gegeben habe, daß dem Hanse ein falsches Bild des alten Hauses vorgelegt worden sei. Darauf hat der Konservator der Denkmäler der Provinz Sachsen lebhasle Beschwerde beim Neichstagspräsidenie» geführt. Redner erklärt, daß er nicht gewußt habe, daß der Kon- servator das falsche Bild überreicht habe. Warum hat er dem Reichstage nicht das richtige Bild vorgelegt? Staatssekretär v. Stephan: Nach der eingehenden noch- maligen Prüfung der Position in der Budgetkommission glaube ich mich darauf beschränken zu können, dem Hause die Annahme derselben zu empfehlen. Abg. v. Leipziger(dl.) erkennt die Nothwendigkeit eines Neubaues an und bedauert, daß der Konservator der Kunst- alterthümer der Provinz Sachsen nicht früher seinen Einspruch geltend gemacht habe. Der Titel wird darauf genehmigt. Die Budgetkommission beantragt schließlich: Die zum Etat der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltnng eingegangenen Petitionen, betreffend die Erhöhung des Post- gewichts für einfache Briefe auf 20 Gramm, resp.»m Einführung von Geld-Postkarten und um Herabsetzung der jährlichen Telephon- gebühren von 130 M. auf 100 M., sowie die Petition der groß- herzoglichen Handelskammer zn Worms um Beseitigung der Soudergebiihr für die Benutzung der Fernsprech-Verbindungen während der Nacht und um Herabsetzung der Fernsprech- Gebühren auf Ivo M. den verbündeten Regierungen zur Er- wägnng zu überweise». Die Abstimmung wird in dritter Lesung erfolgen. Damit ist die zweite Lesung des Etats der Post- und Telegraphen- verivaltnng erledigt. Schluß S>/4 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend I Uhr. (Rest des Etats.) Ein Vorschlag des Präsidenten v. L e v e tz o w, die Sitzung erst um 2 Uhr beginnen zu lassen, fand Widerspruch beim Abg. Hompesch; die Mehrheit des Hauses bestehend ans den Sozialdemokraten, Demokraten, Freisinnigen, Zentrum, Polen, Welsen, Elsässer, entschließt sich für 1 Uhr. VQvlrnnenkQviftfxes. Tabaksteuer-Kommission. Sitzung vom 21. März. Die Abgeordneten Dr. Paaschs(natl.), Müller- Fulda(Z.), Dr. S ch n l tz- L» p i tz(freit.), v. M a s s o w(k.) haben folgenden Antrag eingebracht: 8 I. Ter Zoll ist z» erheben von 100 Kilogramm 1. Tabakblätter, unbearbeitete und Stengel KS M. 2. Tabaksaucen.......... 120„ 3. fabrizirter Tabak Zigarren.......... 900„ Zigaretten......... 1200„ anderer.......... 450„ Der Bundesrath ist ermächtigt, Bras'.llarotten zur Her« fiellung von Schnupftabak unter Kontrolle der Verwendung zuni Zollsatz 22S M. für 100 Kilogramm zuzulassen. 8 la. Tabakblätter,»»bearbeitete und Stengel zahlen außer dem in§ 1 Ziffer 1 angeführten GewichtszoU einen Zuschlagszoll von 15 Prozent des Werths s. Für die Feststellung des Werthes ist bestimmend der Kauf- preis, zn welchem der Tabak aus einer zollfreien Niederlage an den Fabrikanten oder sonstige» Käufer im deutschen Zollgebiete nach Ausweis der Faktura geliefert wird. An stelle des Fakturapreises kann der durch Sachverständige ermittelte Schätzungswerlh treten. Rohtabak in deutschen stolonien und Schutzgebieten erzeugt »nd von dort mit Nrsprungszengniffen eingeführt, unterliegt dem Zuschlagszoll nicht. 8 Id. _ Der innerhalb des Zollgebiets erzeugte Tabak unterliegt der Besteuernng nach Maßgabe dieses Gesetzes. Die Steuer beträgt 45 M. für 100 Kilogramm nacki Maß- gäbe des Gewichtes des Tabaks in sermentirte», oder getrocknetem, sabrikationsreifem Zustande. Die Abgg. Dr. C l e m m und Dr. S ch ä d l e r haben ferner den Antrag eingebracht, den Zoll auf unbearbeiteten Tabak per 100 Kilo ans 125 M. zu erhöhen. Fabrizirter Tabak(Zigarren zc) zahlt 1200 M.. anderer 450 M. Zoll. Tie Diskussion beginnt mit tz 1 der Regierungsvorlage und damit in Verbindung die zu tz 1 eingebrachten Anträge. Abg. Clemm begründet seinen Antrag mit dem Wunsche deittscher Tabakbauern, die Konkurrenz ansländiscden Tabaks durch erhöhten Zoll abzuschwächen. Die deutschen Tabakbauer» müßten bei der erdrückenden Konkurrenz des ausländischen Tabaks zn gründe gehen. Abg. Paaschs: Ich will nicht den Gewichtszoll erhöhen, sondern einen Werthzoll einführen, um für die Finanzreform zu rette», was zu retten ist, nachdem der Regierungsvorlage so- zusagen das Herz ausgeschnitten ist mit der Ablehnung der Fabrikatsteuer. Di« Gefahr der Defraudation ist bei meinem Antrage so groß nicht. Fachleute iverden mir sagen, der Werth- zoll sei derart unmöglich, aber ich glaube das nicht. Die Zigarre des armen Mannes wird durch meinen Antrag nicht vertheuert. Man wird daher den armen Man» gegen meiilNl Antrag nicht ins Feld führen können. Es werden nach meinem Antrag ungefähr 15—16 Millionen Mark mehr aus dem Tabak geschlagen. Ein Preisaufsch�ag der billigen Zigarren ist nicht mit dieser Zollerhöhung verbunden, da- her auch kein Konsnmrückgang und keine Arbeiterentlassung zu befürchten. Abg. Frese: Die Rechnung des Abg. Clemm in letzter Sitzung stimmt nicht. Ter Tabakbau ist noch ertragsfähig und ergiebt mehr als der Anbau manches anderen Produkts. Der Rohtabakwerthzoll bietet technisch so große Beschwerden, daß mir der Schatzsekretär im Vorjahre zustimmte, als ich die Angelegenheit besprach. Redner bespricht eingehend die Qnalitätsverhältnisse. Der Werthzoll ver- leitet außerordentlich zur Defrande. Schon der vorliegende Fabrikatslcuer-Gesetzentwnrf läßt die prozentuale Besteuerung in dieser Hinsicht ausgeschlossen, weil die Sacke zu schwierig. In keinem Lande würde man eine solche Werthsteuer auf den Zoll pfropfen. Die zu erwartende Wiedereinfuhr wird viel geringeren Ertrag bringen, als Herr Paaschs annimmt. Westfalen und Sachsen würden schwer von dieser Besteuerung betroffen. Darauf erkärt Reder die Preisverhältnisse des Tabaks gegenüber dem Vorredner. Der höhere Schutzzoll wird Anreiz zum Anbau von Tabak ans Flächen geben, wo kein gutes Gewächs zu erzielen ist. Abg. S ch ä d l e r: Nachdem die Fabrikatstener gefallen ist, deren Wiederauferstchnng ich erhoffe, stellte ich meinen heutigen Antrag. Der jetzige Schutzzoll genügt nicht. Wenn unser Tabak- bau noch rentabel sein soll, muß der Zoll erhöht iverden. Die Berechnung des Abg. Clemm über de» Tabakbau will genauer geprüft sein. Ich hoffe nicht, daß die Anträge kurz abgelhan iverden. Abg. v. H a m m e r st e i n: Der Antrag Paaschs hat mehr die sinanzielle Seite zu gründe. Der deutsche Tabakbau hängt iveniger von der Konkurrenz ausländischen Tabaks ab. als von den aus grnnd der durch Qualität erzielten Preise. Wir können nur ein bedingtes Quantum deutschen Tabak gebrauchen. Man kann nichl allen Menschen ziimutheu, Pfälzer zn rauchen. Ter An- trag Clemm istj schon durch die Dcnckschrist der Regierung im Jahre 1890 widerlegt. Ich berufe mich zur Widerlegung der Anträge ans die Denkschrift. Abg. B a s s e r m a n n: Ein höherer Schutz kür den Tabak- bau ist nöthig. Die Anbaufläche für Tabak ist zurückgegangen. Die Einfuhr ausländischen Tabaks ist in den letzten Jahren ge- stiegen. Konkurrcnztabake sind Domingo, Brasil und Java. Die Preise dieser Tabake sind so billig, daß wir den deutschen Tabak besser schützen müssen. Abg. Eiern ni polemisirt gegen Frese und hält seine Be- rcchnnng aufrecht, die absolut ricktig sei. Ter vorjährige deutsche Tabak sei wegen seiner guten Qualität stark gefragt, das be- weise, daß eben zn wenig Tabak in Deutschland gebaut wird. Abg. Müller- Fulda: Ich bin gegen den Antrag Clemm. Derselbe kehrt seit Jahren wieder, wird aber wohl ebenso wieder abgelehnt werden. Ich würde einen blanken Werthzoll für das beste halten, aber die Regierung wird nicht aus der Hand geben, was sie jetzt durch den Gewichtszoll sicher hat. Deshalb bin ich für den Zuschlag von Werthzoll zum Gewichts- zoll. Dieser Zuschlag wird die Preise der Zigarren in mäßigster Weise erhöhen. Für die Finanzreform lege ich mich hier nicht fest. Ein Theil meiner Freunde will nur einen Zuschlag eines Wcrthzolles von 10 pCt. Geht das und ist die Regierung ein- verstanden, wäre mir das auch lieber. Abg. Molken buhr: Der Abg. Clemm steht mit der von ihm präsenlirlen Rechnung auf gespannten» Fuße. Die Zahlen sind schon in» Vorjahre den Bauern vorgeführt, sliminen aber nicht. Man schreit über die Konkurrenz des ausländischen Tabaks, ohne die Dinge zu kennen. Tie Preisdifferenz der ausländischen Tabake beruht auf dem Sortiniciit, der Geschmacksrichtung und der veränderten Fabrikation. Man kann den ausländischen Tabak nicht durch inländischen verdrängen, weil letzterer an Qualität weit zurücksteht. Die Werthktassifikation bei den, be- antragten Werthzollzuschlag ist unzutreffend. Ich ziveifle. daß ein ncnnenswerther Ertrag ans diesen Sienern herausgeschlagen werden kann. Wenn die Fabrikanten nicht die Preise zu erhöhen brauchen, wie gesagt wurde, dann werden sie sich für die Zoll- erböhung an den Löhnen schadlos halten und die Löhne herab- drücken. Aus diesen Gründen bin ich gegen jede Erhöhung der Tabaksteuer. Abg. Graf D o n g l a s: Wir wollen das Schutzzoll- verhältniß, wie es vor 1379 bestand, zu gunsten des deutschen Tabaks mit nnserm Antrag wieder herstellen. Abg. Richter: Wir müßten uns einen Vorwurf machen, daß wir nicht schon längst den Wcrthzoll eingeführt hätten, wen» der Autrag Paaschs diskutirbar wäre. Tie„Natiouall. Corr." spricht selbst wegiverscnd über den Autrag. Dieser Werthzoll ist »»möglich. Der Schuhzoll von 1879 ivar nicht größer. Gut, stelle» »vir das alle Verhältniß wieder her. Der frühere Unterschied betrug 20 M., jetzt 40 M. Der Tabakbau befindet sich gegen- »värtig in günstigerer Lage, bedarf daher umsoiveniger eines Schutze?. Sie wolle» aber iveniger Schutz sür die Bauern, als höhere Einnahmen sür die Regierung schaffen. Aber Ihre Be- rechmmgen sind falsch. Die Zigarreiiindnslrie wird den Schaden zu tragen haben und die Industriellen werden den Schade» aus die Arbeiter abwälzen. Das Defizit beträgt gegenwärtig nur »och 10 Millionen; dazu bedarf es neuer Steuern nicht. Regicrungskoiiiinisiar v. Bnchenberger: Ich spreche nicht präjudizirlich sür die Regierung unseres Landes. Ter Fabrilalsleuer stimmte die badische Regierung in der Voraus- setzung zn. daß eben der ausländische Tabak höher besteuert werde. Das letztere soll durch die heute gestellten Anträge auch erzielt werden. Die Befürchtung, daß bei höherer Verzollung ausländischen Tabaks große Ausdehnung des deutschen Tabak- baue» eintreten werde, ist hinfällig. Ich könnte dem Antrag Clemm nicht zustimmen, dagegen ist der Antrag Paaschs bis- kutirbar wegen der mäßigen Erhöhung des Zolles. Es stehen die Interessen kleiner und der kleinsten Leute in Frage, ich bitte das zu beachten. Tie Konnnission würde ein gutes Werk thun, wenn sie eine Erhöhung des Zolles beschließen würde. Abg. E nneccerus: Tie Fabrikalstener hätte nur eine geringe Vertheuerung der 5 Pfennig- Zigarre zur Folge gehabt. Hätte man eine Staffclstener berücksichtigt, war gar keine neiinens- lverthe Berlhenerung zu befürchten. Finanziell hätte man 20 Millionen meicht. Ter Antrag Paaschs führt zu einer gleich- mäßigen Vertheuerung nach dem Werths nn» 15 pCt. Aber er kann umgearbeitet werden, sodaß die billigen Zigarren keine Ver- theuerung erfahren. Ter Wcrthzoll erhöhe die Gefahr der Defraudation. Sowie der Antrag Paaschs vorliegt, ist er un- annehmbar. Staatssekretär Graf Posadowsky: Tie verbündeten Regierungen stehen nach wie vor ans der Fabrikatsteuer. Die heutigen Anträge erfordern die Ausarbeitung und Vorlegung eines neuen Gesctzentwlirfcs. Hätte man in Verbindung mit der Fabrikatstener einen Schutzzoll gewünscht, die Regierung hätte mit sich reden lassen. Aber es handelt sich für uns um das Finanzgesetz. Wir wollen mehr Geld. Solch' hohe Erträge, wie der Abg. Paaschs angab, 15 Millionen, sind unmöglich bei Annahme seines Antrages zn erzielen. Ich meine, die verbün- beten Regierungen haben jahrelang nach einem Wege gesucht zur höheren Besteuerung des Tabaks und käme» zur Fabrikatsteuer. Die Werthsteuer wurde als nicht durchführbar erachtet. An Ihnen ist es. zu beweisen, ob sie zolltechnisch durch- -ührbar ist. Die Gefahr der Defrande ist bei der Werthsteuer am größten. Es sind meine persönlichen Bedenken, die ich geltend machte. Wir hegen den dringenden Wunsch, die Angelegenheit im Plenum zur Sprache zn bringen. Abg. Wattenderg: Ich und einige Freunde stellen den Antrag, den WerthzoNzuschlag zum Antrag Paasche auf 10 pCt. zu setzen. Nächste Sitzung: Mittwoch, vormittags 10 Uhr. Die Budgetkommission des Reichstages hat am 22. d. M. die Berathung der ihr überwiesenen Voranschlagssätze zum Ab- schliiß gebracht. Bei dem Voranschlag der Stempelabgaben wurden die Einnahmen vom Stempel für Kauf- und sonstige Anschaffungs- geschäfte von 13 367 000 M.. einem Antrage des Abg. Müller- Fulda entsprechend, auf 17 084 000 M. erhöht. Bei dem Vor- anschlage des Rechnungshofes und der Allgemeinen Finanz- Verwaltung wurden keine Aenderungen beschlossen. Die Matrikular- beitrüge beziffern sich auf 392 000 953 M.: die„reinen" Matrikularbeiträge auf 380 450 669 M.; die Ueberweisungen ans 373 775 000 M., so daß also 6 675 669 M. mehr von den Einzel- staalen aufzubringen sind, als ihnen überwiesen werden. Die eudgiltigen Zahlen über die Herstellung des Gleichgewichts in Voranschlag und die Höhe der Anleihe werden erst rechnerisch festgestellt.'," Die Justizkommissiou nahm in ihrer Freitagssihmig, welche der Debatte der von der Regierung vorgeschlagenen Ab- önderung des Z 126 Str.-P.-O. galt, unter Ablehnung der Regierungsvorlage einen Antrag des Abg. Vrökma»» an, wonach der§ 126 Str.-P.-O. folgenden Wortlaut erhält: „Ter gemäß Z 125 erlassene Haftbefehl ist aufzuheben, wenn die Staatsanwaltschaft es beantragt, oder wenn nicht binnen zwei Wochen nach Vollstreckung desselben die öffentliche Klage erhoben und die Fortdauer der Hast von dem zuständigen Richter angeordnet, auch diese Anordnung zur Keiintmß des Amtsrichters gelangt ist. Wenn die Frist von 14 Tagen nicht genügt, so kann dieselbe auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Landrichter auf 4 Wochen verlängert werden, wenn es sich um ein Verbrechen oder Vergehen oder eine Uebertretung gegen ß 361 Nr. 3 oder 4 des Strafgesetzbuchs handelt."— In dem Bericht der Donnerstagsitzung muß es statt§ 112 St.-G.-B. heißen:§ 112 St.-P.-O. *« Die Kommission zur Berathung der Gewerbe- Orb- nnngS- Novelle hielt am Freitag Vormittag eine Sitzung ab. Die Regierungsvorlage will in§ 56 den Hausirhandel mit Schmucksachen, Bijouterien, Brille» und optischen Instrumenten ver- bieten. Der Abg. Gröber beantragt, unter diesen Bestinnnuiigcil auch„Putzsachen" einzufügen. Es entspinnt sich zu Anfang der Berathung eine längere Debatte über die weitere Erledigung der Geschäfte. Ter Vor- sitzende giebt nämlich bekannt, daß ihm der Präsident auf eine Anfrage den Bescheid gegeben hat, wenn die Koinmission ihre Berathung nicht bis Ostern beendet, ist garuicht daran zu denken, daß die Vorlage imPlenum bernthen wird. Gröber(Z.) beantragt in anbctrncht dieses Uinstandes, nur die w i ch t i g st e n B e st i m m u n g e n über die Detail- reisenden dem Plenum zu unlerbreiten; dagegen die anderen Bestimmungen über den Hausirhandel fallen zu lassen, damit wenigstens in dieser Session noch etwas zu stände kommt. Gegen diesen Vorschlag wenden sich die Abgeordneten Stronibeck, Weiß und Reißhaus, während von den Abgg. Frank(natl.) und Schwarze(Zent.) der Vor- schlag befürivortet wird. Der Antrag gelangt gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen und der Abgg. Hasse(natl.) und v. S t r o in b e ck(Zent.) zur Annahme. Die Berathung wird vorläufig sortgesetzt, um dann kurz vor den Ferien in ein oder zwei Sitzungen die zweite Lesung über die Paragraphen zu vollziehe», die nach diesem Beschluß dem Reichstage unterbreitet iverden sollen. Bei der weiteren Berathung über§ 56 werden Anträge ans Beseitigung einiger Bestimmungen gestellt. Ter Abgeordnete Weiß will„Brillen und optische Instrumente", der Abg. Strom deck„Schmucksachen" und „Bijouterien" streichen. Die Anträge werde» bei der Abstimmung abgelehnt und die Regierungsvorlage unverändert angenommen. Zur Berathung steht sodann ein Abänderungsantrag des Abg. Gröber zu§ 56. Die Ziffer 10 soll folgende Fassung erhalten: Ausgeschlossen vom Feilbieten im Umherziehen sind ferner: Druckschristen, andere Schriften und Bildwerke, insofern sie in silt- licher oder religiöser Beziehung Aergerniß zu geben geeignet sind, oder welche mittels Zusicherung von Prämien oder Gewinnen vertrieben werden, oder welche in Lieferungen erscheinen, sosern nicht die Zahl der Liesennigen des Werkes und dessen Gesammt- preis auf jeder einzelne» Lieferung an einer in die Augen fallenden Stelle verzeichnet ist. Abg. Hasse(natl.): Diese Bestimmungeil gehören nicht zu deiijeiiigen, die von den Julereffentenkreiseii schwer empfunden werden. Er könnte sich dafür erklären, behält sich aber für die zweite Lesung eine definitive Stellung vor. Abg. Schmidt- Berlin weist darauf hin, wie durch diese Bestimmung nicht die sogenannten Schundromane getroffen werden, sondern vielmehr auch gute, wlsseiischastliche Werke. Der Abg. H o l l e u f s e r(kons.) stellt den Antrag, den Verlagsbuchhändlern zn gestatten, für bestimmte Sckriflen die Genehmigung zum Kolportagebetrieb nachzusuchen. Eine solche Genehiiiiguiig soll für das ganze Deutsche Reich ertheill werden. Ferner soll diese ganze Bestimmung auch Anwendung finde» gegen diejenige», welche Bestelliingen aufsuchen. Abg. Schwarze erklärt sich für den Antrag Holleusser. Die Antrage werden mit dem Antrage Holleuffer ange- noimnen. In»§ 56 a Abs. 4 bezweckt der Antrag Gröber die Ver- Mittelung von Abzahlungsgeschäftei, durch den Hansirhandel zu untersagen. Abgg. Wattendorf und Gröber(Z.) befürworten ein- gehend die Annahme des Paragraphen. Von dem Geheimrath S y d o w werden eine Reihe von Ein- wendungeil gegen diese Bestimmung erhoben und darauf hin- gewiesen, daß ja das Gesetz gegen die Abzahlnugsgeschäfte bereits die schlimmen Auswüchse des Adzahlungsgeschäfies beseitige. Bei der Abstimmung wird der Antrag Gröber angenommen. Vavketnailivrchken. Mit Presiprozesseu werden die sozialdemokratischen Blätter reichlich bedacht. Unsere an dieser Stelle regelmäßig zur Ver- öffentlichuiig gelangenden Berichte, sowie die„Unterm neuen Kurs" monatlich summarisch zusammengestellten Berichte des Parteivorstandes zeugen von den ungeheuren Opfern an Geld- und Gesängiiißstrasen, welche den Genossen von der Presse auf- erlegt werden. Viele dieser Prozesse sind fast unvermeidlich, wenn man bedenkt, welche Aufgaben unsere Presse zu erfüllen hat. Sie soll nicht blos belehrend, aufklärend wirken, sie hat auch nn- nachsicktlich in schärfster Weise Kritik zu üben an den mehr als faule» polilischen und sozialen Verhältnissen nnsererZeit, ohne Rück- ficht ans die daraus entslehende» Folgen. Greift sie das System an, tadelt sie an den Verwaltungen, was ihr tadelnswerth erscheint, so kann sie nicht umhin, hie und da auch die Personen zn treffen als Träger der Systeme, oder besser diese fühlen sich getroffen/ Oh! Sie sind ungeheuer nervös, unsere„Stützen des Staats", vom Minister herab bis zum letzten Polizeibüttel. In gleicher Weise empfindlich sind die übrigen Ordnungs- männer, die, sei es als Handelsherren. Fabrikpaschas. Gruben- besitzer oder auch als Zuckerrüben bauende oder Schnaps brennende Agrarier, sich berufen fühlen, die„heilige Ordnung" zu schützen. Wehe, ivenn eine Zeitung es unternimmt, sie in ihrem ordnungswüthigen Treiben zu stören. Diesem Umstände� ist es denn namentlich zuzuschreiben, daß die sozialdemokratischen. Redakteure so häufig vor den Schranken des Gerichts zn er- scheinen haben. Aber, es muß hier ausgesprochen werden, nicht selten ließe sich ein Prozeß umgehen, wenn diejenigen, die den Parteiblättern Berichte überbringen, in ibren Mittheiliingen mehr Vorsicht ge- brauchen wollten. Zwar liegt meist nicht etwa die Absicht vor, tle Unwahrheit zu sagen, oder auch nur zu überlreiben, solidem es ist eben weit schwerer, als man gewöhnlich annimmt, objektiv zu berichten. Von 10 Personen, die irgend einem Vorgang als Zeuge beiwohnen und darüber Bericht erstatten, werden nicht zivei darin übereinstimmen. Das kommt immer auf den Standpunkt, die Anschauungsweise der betreffenden an. Fehlt aber bei der Beweisführung vor Gericht auch nur das Tüpfelchen, so erfolgt regelmäßig die Verurlheilung des betreffenden Redakteurs. Mögen die Parteigenossen also aus dem oben Gc- sagten die Lehre ziehen, daß sie erstens nicht verlangen können, daß der Redakteur eines Arbeiterblattes sich wegen jeder Lappalie der Gefahr aussetzen kann, ins Gefängniß zu spazieren. zweitens halte man bei seinen Berichten strengstens an der Wahr- heit, behaupte nie zu viel, immer nur soviel, als man im stände ist, durch einwandssreie Zeugen unter Beweis zu stellen. Verwerflich ist es natürlich, wenn aus der Luft gegriffene Lügen dem Redakteur unterbreitet werden, die derselbe in gutem Glauben veröffentlicht, um dabei gründlich hereinzufallen. Ein solcher Fall ist kürzlich dein Gcnvffen Rosenow in Chemnitz passirt. Dem„Beobachter" entnehmen wir darüber folgendes: In unser», Blatte war im Dezember vorigen Jahres ein Vorgang geschildert worden, welcher den Modelltischler Friedrich Th. Münnich betraf. Dieser Mann war seinerzeit in unserer Redaktion vorgesprochen und hatte daselbst erklärt, der Sladtrath habe ihm, gelegentlich der Beerdigung seines Töchterchens, auf dem Friedhofe ein Schreiben zustellen lassen, in welchem er aufgefordert worden sei, das Begräbnißgeld gleich zu bezahle»,„wo nicht, bleibt die Leiche stehen". Ter Mann hatte damals sowohl uns wie anderen Personen den Vorgang in einer Weise geschildert, daß man in seine Glaubwürdigkeit keinen Zweifel setzte. Später stellte sich allerdings heraus, daß der Münnich sich die Sache buchstäblich aus den Fingern gesogen hatte. Wegen Beleidigung des Stadtraths war nun unser Redakteur gezwungen, sich am vergangenen Dienstag neben dem Münnich vor dem hiesigen Landgerichte zu verantworten. Die Personalien ergaben, daß Rosenow mehrmals wegen Beleidigung durch die Presse, Münnich dagegen wegen Widerstands und Unterschlagung vorbestraft ist. Rosenow der, es sich auf die Behauptungen Münnich's. welche dieser sogar mit seiner Unterschrift gegeben. Münnich bewies aber vor Gericht so wenig Wahrhaftigkeit— er verwahrte sich u.a. auch dagegen, Sozialdemokrat zu sein-, daß seinen Aussagen kein Glanben bei- gemessen werden konnte. Dazu kamen die Zeugnisse des Herrn Sladtrathes Otto, des Leicheiibcstcllcrs Cchrolh, des Verlegers Ludwig, des Kausnianns Ed. Zeißig, der Frau Gastwirthin Jrmscher, die alle zu seinen Ungunsten ausfielen. Daher ver- urtheilte das Gericht den Münuich wegen verleumderischer Beleidigung zu zwei Monaten, unseren Redakteur Rosenow wegen einfacher Beleidigung durch die Preffe zu einem Monat Gesängniß. Di: Sozialdemokraten Mannheims— so lesen wir in bürgerlichen Blättern— haben sich unumehr vollständig ge- trennt. Von den Anhängern Rüdt's soll ein besonderer Wahl- verein gegründet worden sein, der den Namen„Sozial- demokratischer Verein Vorwärts" führt, während die Anhänger Dreesbach's den Namen„Sozialdemokratischer Verein Mann- Heini" führen. Die Märzfeier am Sonnlag wurde von den beiden Vereinen getrennt begangen.— Nun, so bedauerlich auch die Zersplitterung der Kräfte, so ist schließlich doch eine„rein- liche Scheidung" den fortwährenden, unfruchtbaren Stänkereicn vorzuziehen. »« AilS Amerika kommt die Nachricht, daß H. W. Fritzsche, der alte Vorkämpfer der Sozialdemokratie, nahezu erblindet ist. Fritzsche, der, wie man weiß, unterm Sozialistengesetz nach Amerika ging, ist noch heute unermüdlich in der Bewegung thätig, obwohl er ein Greis geworden ist. ** Todtcnliste der Partei.' Am Sonnabend, de» 16. März. starb in Eßlingen(Württemberg) der Schriftsetzer Friedrich D i e m(beschäftigt in der I. H. W. Dietz'schen Bnchdruckerei in Stuttgart) nach kurzer Krankheit im Alter von 35 Jahren. Der Verstorbene war Schriftführer des Sozialdemokratischen Vereins Eßlingen und bekleidete während der letzten Landtagswahl das Amt als Vorsitzender des Wahlkomitees für den Bezirk Eßlingen. Sein ruhiger, ehrlicher Charakter sichert ihm ein dauerndes An- denken bei den Genossen. »» Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Gegen den Redakteur Genossen Brecour von der „Schleswig Holsteinischen Volks-Zeilung" war das Strafverfahren eingeleitet ivorden wegen Beleidigung der schlesischen Geistlichkeit. Die Beleidigung wurde gefunden in einem Artikel, welchen die „Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung" der„Breslauer Volks- wacht" entnommen hatte, betitelt: Die Metzelei in Oberschlesien. Wegen dieses Artikels war der Genosse Schebs, Redakteur der „Breslauer Volkswacht" zu ö Monaten Gesängniß verurlheilt worden. Das Strafverfahren gegen den Genossen Brecour ist eingestellt, da der Erzbischof von Breslau den Strafantrag zurück- gezo.e.i bat.— Hat der christliche Erzbischof ein menschliches Rühren empfunden, hat er sich der Worte seines Meislers: Liebet Eure Feinde, Segnet die Euch fluchen, thut wohl denen, die Euch beleidigen und verfolgen, erinnert? — Durch den Abdruck des Fuchs mühler Glaubensbekenntnisses sollte sich Genosse H o f f in a n n, Redakteur des„Saalfelder Volksblattes", der Beschimpfung von Ein- richtungen der christlichen Kirche schuldig gemacht haben.(Z 166 d. Str.-G.-B.) Die Sache wurde vor der Strafkammer in Rudolstadt verhandelt. Nach glänzender Vertheidigung durch den Rechtsanwalt Dr. Harmening- Jena erfolgte Freisprechung, beantragt waren drei Wochen Gesängniß. In München war bei der Verhandlung gegen sieben Redakteure, die wegen der Fuchs- mühler Vorgänge angeklagt waren und zum theil das Fuchs- mühler Glaubensbekenntnis! abgedruckt hatten, nicht einmal von der Staaisanwaltschast eine Religionsschmähnng gefunden. Hier lautete die Anklage vielmehr auf groben Unfug. — Gegen 22 Personen, theils von Ialkcnsicin, thcils von Auerbach i. V. ist Anklage erhoben wegen Vergehen gegen§§ 10 und 33 des sächsischen Vereinsgesetzes. Dieselben sollen ver- dächtig erscheinen, anläßlich der am L6. November v. I. in Falkenstein staltgefundcnen öffentlichen Versammlung nach Aus- losung derselben durch den hiesigen Bürgermeister noch weiter im Versanimlungslokale verblieben zu sein. — Abgewiesen wurden von der königl. Staatsanwalt- schast Plauen die Strafautragsteller des Falk e n st e i n e r Slablverordneten-Kollegiuins vom vorigen Jahre, Friedr. Hecker und Gen. wegen Beleidigung gegen den Redakteur der„Voigtl. Volks-Zeilung, Genoffen Reinh. Meinhold. Die Beleidigung wollen dieselben darin gesunden haben, daß betr. Zeitung zu Ende des vorigen Jahres einige Male unter schwarzer Rand- Verzierung das Resultat der Abstimmung über das neugeschaffene Klassenwahlsystem für die Gemeindewahlen brachte. Achtung, Holzarbeiter 1 Kollegen! Wir haben Euch bereits in der letzten Sonntagsnnmmer des„Vorwärts" initgetheilt, daß 1000 Kollegen und Kolleginnen in Schmölln die Arbeit eingestellt baden. Ter Ausstand dauert unverändert fort. Wir ersuchen Euch deshalb nochmals, diese Aermsten unter unseren Kollegen, welchen zugemuthet wird, mit 7—8 M. mit Familie leben zu können, so viel in Eueren Kräften steht zu unterstützen. Die größte Anzahl der Cchmöllner Kollegen ist trotz ihrer niedrigen Löhne organisirt. Die tu der Werlstatt gesammelten Gelder nimmt Kollege Wiedemann, Arbeitsnachweis. Annenstr. 30. ent- gegen. Marken zum Zentral-Streiksonds werden auf allen Zahl- stellen des Verbandes ausgegeben. Tie Ortsverwaltung des deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Achtung, Bürstenmacher? De» Arbeitern in der Piaffava- Zurichterei von S t e i d t m a n n u. Nagel in Hamburg wurde eine Lohnrednktion von 30 pCt. angekündigt, weshalb wir bitten, den Zuzug streng fernzuhalten. Achtung, Schneider! Kollegen! In den in letzter Zeit von uns abgehaltenen Werkstatt- und Geschäftsdelegirten-Sitzungen für die Maaßbranche sind verschiedene Mißstände, die in den Geschäften wieder eingerissen sind, zur Sprache gebracht, die, wenn wir nicht ganz energisch hierzu Stellung nehmen, alles von uns Errungene einsach illusorisch machen. Es ist daher Pflicht eines jeden Kollegen, dafür mit einzutreten, dieses zu ver- hindern. Wir haben daher zur weiteren Stellungnahme in dieser Sache am Montag, den LS. März, abends 8>/s Uhr, in Norbert's Fcstsälen, Beuthslr. L2, 1 Tr., eine öffentliche Schneider Versammlung anberaumt, um die Tarife der einzelnen Geschäste Revue passiren zu lassen. Da in derselben auch die krassen Mißstände einiger Geschäste einer Besprechung nuterzogen werden sollen, so ist es Pflicht der Kollegen, auf den Posten zu sein. Die Agitationskommission der Schneider und Schneiderinnen Berlins. An die Stcinarbeiter Berlins! Noch nie ist die Arbeits- losigkeit besonders unter den Steinmetzen eine so allgemeine ge- wesen wie in diesem Winter. Trotzdem Arbeit genügend vor- Händen ist, wird auch jetzt noch ein großer Theil der Kollegen von der Arbeit ausgeschlossen. Tie Herren Meister scheinen damit wieder einen besonderen Zweck zn verfolgen, die ganzen Machinationen besonders bei der Firma Wimmel deuten daraus hin. Leute, die schon jahrelang bei der Firma beschäs- tigt sind, müssen schon seil Weihnachten aussetzen und werden von einer zur anderen Woche vertröstet. Auf anderen Plätzen ist es nicht viel besser. Es wird endlich Zeit, daß sich die Berliner Steinmetzen wieder aufraffen und sich mehr um unsere Organisation kümmern, so wie sie das früher vor dem Streik gcthan haben. Am Sonnlag, den 24. März, vormittags 10 Uhr, findet bei Teigmüller, Alte Jakobstraße, eine öffentliche Versammlung der Steinarbeiter Berlins statt, zu der wir hiermit alle einladen. Kollegen! Zeigt, daß Ihr nicht länger gewillt seid. Euch als willenloses Werkzeug in den Händen der Unternehmer benutzen zu lassen. Der Vertrauensmann. DaS Zentral-Syndikat der bulgarischen Buch- dr uckerei- Arbeiter in Sofia berichtet: Drei Monate dauert bereits der Kampf gegen die Prinzipale. In den hiesigen Druckereien bestand bisher der Uebclstand der monatlichen Aus- zahlung, und ein echt orientalischer Schlendrian brachte es dahin, daß diese nicht am ersten jeden Monats erfolgte, sondern gezahlt wurde, wann es dem Prinzipal beliebte. In vielen Druckereien zahlte man, wenn die Arbeiter drängten, zwei, fünf und zehn Franks, je nachdem Baargeld vor- hauden war, und es dauerte ost vier bis sechs Monate, ehe eine Abrechnung erfolgte. Es gab Buchdruckereiarbeiter, denen die Prinzipale 400—500 Frks. an Lohn schuldeten, und die Fälle sind nicht vereinzelt, daß Arbeiter ihren Lohn überhaupt nie aus- gezahlt erhielten. Einige partielle Streiks wurden nun durch- geführt, um diesen Uebelständen zu steuern, und einige Siege, die errungen wurden, berechtigten zur Aussicht ans die endliche Regelung der Lohnzahlungen. Es kam aber anders. Die Prinzipale koalirten sich und stellten den Forderungen der Arbeiter Hindernisse entgegen. Kollegen, welche wegen der Lohn- bewegung bei einer Buchdruckereifirma entlassen wurden, fanden in anderen Qfsizincn keine Aufnahme mehr. Nun blieb nichts anderes übrig als ein allgemeiner Streik. Seit dem 9. d. M. stehen nun dreihundert Buchdruckerei-Arbeiter im Ausstand. Bis jetzt bewilligten 15 Druckereien die aufgestellten Forderungen. Die Streikenden appelliren an die Hilfe aller Genoffen. Lokales, Charlotteuburg. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die aus den nachbezeichneten Stellen ausliegenden Abonnements- listen am Dienstag, den L6. d. M. geschloffen werden. Wir er- suchen die Parteigenossen, bis dorthin noch recht rege für Gr- werbung von Abonnenten zn agitiren. Am genannten Tage findet auch die Wahl des Parteispeditenrs statt; in der betreffenden Versammlung wird ferner zur diesjährigen Maifeier Stellung genommen werden. Hierzu hat der Zieichtagsabgeordnete Genosse Harm-Elberfeld das Referat übernommen. Näheres im Inserat der Sonntagsnnmmer. Obige Listen liegen aus bei: H. Wernicke, Krummestraße 19, G. Beyer, Wallstr. 90, C. Wille, Wallstr. 63. H. Klick, Pesta- lozzistr. 63, A. Sellin, Scharrnstr. 16, Röhr, Leibnitzstr. 23, I. Niemann, Lutherstr. 50, Bredlow, Angsburgerstr. 78, Heinr. Krause, BiLmarckstr. 74, P. Wolter, Magazinstr. 15, Otremba, Marchstr. 21, Gimpel, Osnabrückerstr. 28, Ahlert, Sophie-Char- lottenstr. 80. D i e V e r t r a u e n s p e r s o n. Bon dem„nglücklicheu Neve, der bekanntlich durch P e u k e r t- R e u ß der preußischen Polizei in die Hände ge- liefert wurde, bringt ein hiesiges Blatt folgende grauenhaste Nachricht: „Vor 8 Jahren etwa ist der Tischler Neve zu einer Zucht- hansstrafe von 15 Jahren verurlheilt worden. Nachdem er etwa 5 Jahre der Strafe verbüßt hatte, zeigten sich bei ihm Spuren geistiger Erkrankung, was seine Ueberführnng in die mit der hiesigen Strafanstalt verbundene B e o b- a ch t u n g s st a t i o n für geisteskranke Verbrecher zur Folge hatte. Er saß gegen zwei Jahre in einer Zelle dieser Station, ohne daß er dazu zu bewegen gewesen wäre, sich mit den eingeführten Hausarbeiten zu bc- schäfligen. Kürzlich wurde er der H a u p t a n st a l t wieder überwiesen. Hier verlangte er beständig eine Wiederauf- nähme sei'nes Verfahrens und stellte das Verlangen, zu ihrer Begründung Anträge ganz widersinniger Art dem Staatsanwalt unterbreiten zu dürfen. Man war schließlich ge- nöthigt, ihn nach der I r r e n- A b t h e i 1 n na zurückzusenden. Die Geisteskrankheit des bedauernswerthen Mannes offenbart sich jetzt so, daß er in nächster Zeit dem Jrrenhause überwiesen werden wird." Wir brachten bekanntlich schon vor fünf Jahren die Nachricht von der geistigen Erkrankung Neve's, und ist die jetzige Mittheilung wohl als offiziöse Bestätigung anzusehen dafür, daß Neve's Schicksal endgiltig besiegelt ist. Neve selbst hatte seit seiner Vernrtheilnng alle Hoffnung ausgegeben, je wieder dem Leben und der Freiheit zurückgegeben zu werden, wie dies aus einem seiner Briefe deutlich hervorgeht, die er aus dem Zucht- Hans zu Halle geschrieben und die wir vor Jahresfrist anläßlich der Reuß-Entlarvungs-Artikel veröffentlicht haben. Unserer Achtung vor dem Manne Neve haben wir stets Ausdruck gegeben; er war ein durch und durch lauterer Charakter, opferfreudig und selbstlos wie wenige für die Sache des Proletariats thätig. Seine Ansichten sind den unseren diametral entgegengesetzt gewesen, vor seinem tragischen Schicksal aber muß alle Gegnerschaft verstummen. Und alle anständigen Menschen sind einig in der Verachtung der Judasse, die ihn mit ihrem Kusse verrathen haben! Zu dem Fall Schippe! bemerkt die„Vossische Zeitung": „Für«inen Mann, der im politischen Leben steht, kann es kaum etwas Nicdcrdrückenderes und Grausameres geben, als voll- ständig ohne Berührung mit der Oeffentlichkeit leben zu müssen." Ob die Entrüstung bürgerlicher Blätter Besserung schassen wird? Unnütze Frage bei dem heutigen Stande der Kultur in Preußen! Als Kuriosuui sei noch angeführt, daß unserem Genossen Schippe! außer dem„Reichs-Anzeiger" und den Reichstagsakten auch noch die Aushändigung einer Schrift des— Bundes der Landwirthe verweigert wurde. Da— bis zum heutigen Tage wenigstens— Broschüren und Bücher den politischen Gefangenen im allgemeinen von der Gesängnißvcrwaltung un» beanstandet ausgehändigt werden, so ist es um so verwunder- lichcr, daß die Plötzenseer Zensur gerade die Gedanken der an- geblich treuesten Stützen des Thrones beanstandet hat. Was sagt der Freund des Bundes der Landwirthe, Staatsminister v. Köller hierzu? Herr Stadtverordueter a. D. Dr. Heutig. Von dem tapferen teutschen Bismarckschwärmer Dr. Heutig war bekanntlich gestern berichtet worden, daß er im Ekel über die schmachvolle Gesinnung der Stadtvcrordnetenmajorität, die seinen Freund Evers beleidigen lasse und den Exkanzler nicht ehren wolle, sein Mandat zum städtischen Parlament niedergelegt habe. Das war eine heroische That, die, wenn sie auch etwas von dem Geruch des edlen Ritters von der Mancha an sich hatte, dennoch gar viele antisemitische Esel mit staunender Ehrfurcht erfüllen muhte. Wie nun aber so manchem Helden, der dem Idealen zufliegt, ein Erdenrest zu tragen peinlich bleibt, so scheint sich auch hinter den heroischen Rncktritlsmotiven des Herrn Oberlehrers noch ein anderes Gründchen zu verbergen, das gar nicht hoch und hehr zu schauen ist. Denn nach den in sehr bestimmter Form gebrachten Meldungen des „Berliner Tageblatt" schwebt gegen den teutschen Mann ein kleines Strafverfahren wegen Wuchers. Das genannte Blatt läßt sich il. a. wie folgt über diesen Fall aus: „Das in Rede stehende Strafverfahren gegen Herrn Dr. Heutig ist eröffnet wegen Bewucherung des Loko motiv- f ü h r e r s a. D. S ch e l i n g, der bis vor kurzer Zeit in dem Berliner Vorort Hangelsberg a. d. Spree ansässig war und dort einen Neubau errichtet hatte. Herr Dr. Heutig hatte ihm die Baugcldcr zu demselben, wie die Anklage und der Bewucherte behaupten, gegen Wucherzinsen vorge st reckt; der Scheling'sche Neubau ist inzwischen durch die Intervention des Baumeisters nicht in die Hände des Geldgebers, sondern in anderen Besitz übergegangen, und der ruinirle Scheling hat seinen Wohnsitz von Hangelsberg, seinem Geburtsort, nach Nenstcttin verlegt. „Das Strafverfahren läuft unter dem Aktenzeichen G. 69/95 beim Amtsgericht Fürstenwalde, und es haben in demselben Ende Februar bereits verschiedene Zeugenvernehmungen vor dem Amtsgerichtsrath Herrn Brederek daselbst stattgesunden. „Interessant und bezeichnend ist, daß Herr Dr. Heutig trotz der geschilderten Vorgänge den Muth hatte, seine Ausnahme in den Verschönerungsverein zu Hangelsberg nachzusuchen. Dieselbe wurde jedoch von den Mitgliedern des Vereins ain vergangenen Sonntag einstimmig abgelehnt." So die Mittheilungen, für deren Richtigkeit wir natürlich dem„B. T." die Gewähr überlassen müssen. Wir kondoliren der antisemitischen Partei im übrigen von ganzem Herzen zu den vielen Unglücksfällen, die ihre Helden ihr neuerdings bereitet haben, und geben den teutschen Mannen anheim, möglichst noch vor Verjagung der Inden eine recht gründliche Generalaukmistung ihres eigenen Stalles vorzunehmen. Bei der Eiuweihuug der Guadenkirche, die gestern mit großem militärischen Gepränge und noch größerer Straßen- abspcrrung vollzogen wurde, hat sich, wie vorauszusehen war, ein Stück unverfälschten preußischen Christenthums offenbart. Bis zum letzten Tage haben die in dem Gebäude beschäftigten Arbeiter Tag und Stacht zu niedrigen Löhnen schanzen müssen. diverse Sonntage mußten vorher von ihnen entheiligt werden, damit das Gebäude pünktlich an dem Tage eingeweiht werden konnte, an welchcni einst der Mann geboren wurde, der das Wort sprach, daß die Religion dem Volke erhalten werden müsse. Gegenüber der unbestreitbaren und unbestrittenen Thatsache, daß in der Gnaden- tirche das dritte Gebot des Christengottes gröblich, weil ohne zwingende Ursache, verletzt worden ist, hatte der Mann, der auserkoren war. die Festpredigt zn halten, kein Wort des Tadels in seiner Predigt. Unsere A u f f o r d e c u n g, an rechter Stelle von der angeblich freudigen Freimüthigkeit und Unerschrockenheit der amtlichen Vertreter des Christen- thunis ein Zeugniß abzulegen, ließ der General- superintendent Hofprediger F a b e r, denn so heißt der Hofprediger, unberücksichtigt. Kein einziges der Worte seines Kollegen Hosprediger Baur, die wir ihm vor- gestern als Textunterlage empfohlen haben, ist in dem langen Bericht, den die„Kreuz-Zeitung" über seine Predigt bringt, zu finden. Ja, der Herr Hofprediger hatte Phantasie genug, an- gesichts der Thatsache der Sonntagsentheiligung in diesem Institut, den Bau der Kirche eine Geschichte der rührenden, zarten, opferfreudigen Liebe zu nennen!!! eine Auffassung, um die wir Heiden den Mann wahrlich nicht beneiden. Der hohe Binth und die wirklich bewnnderswerthe Hoffnungsfrendigkeit des Herrn Pastors kam ferner in folgenden Worten zum Ausdruck: „Es giebt so wenig wahrhaste Fröhlichkeit, weil es so wenig Christenhoffnung giebt, und es gehl so viel ungeduldiges Klagen und Seufzen um, weil es so wenig Christenglauben giebt. Und das kommt daher, daß man das Beten verlernt hat. O, daß unser Volk zurückkehrte zu den Altären u. s. w." Es gehört wirklich ein immerhin nicht alltäglicher Muth dazu, den fast absoluten Mangel an Christenglauben im Volke zu beklagen, wo Vertreter dieses Glaubens, fromme Kirchen- älteste, es ohne ein Wort des Tadels mit ansehen, daß„der Tag des Herrn" in einem„Gotteshause" frank und frei durch profane Arbeit entweiht werden darf, daß dem Arbeiter, der mehr als irgend ein anderer Mensch des Sonntags als Ruhetag bedarf, dieser Tag, um mit den Worten des Hofpredigers Baur zu reden, in schwerer Sünde gestohlen wird. Vielleicht kommt der Herr General-Superintendcnt, wenn er abseits vom Militärgeprünge einmal Zeit hat, im stillen Kämmerlein über Welt und Wcltenlanf nachzudenken, auch zu dem Schluß, daß das Volk, das arbeitende, glaubenslose Volk nie und nimmer zu dem C h r i st e n t h u m zurückkehren kann und darf, das sich in Weiheprediglen und Zulassung von Sonntags-Enl- Heiligungen an„heiliger Stätte" fast in einem Athemzuge äußert.-- Doch wir haben schon zuviel Raum an dieser wahrlich nicht allzu abnormen Affäre verschwendet. Das arbeitende Volk, verkörpert in Millionen von kampses- freudigen und idealgesinnten Proletariern, wendet sich achsel- zuckend ab von solchen, nur zu erklärlichen Krankheitsäußerungen einer für immer absterbenden Epoche. Es hilft eine neue Welt ausbauen, eine Welt der Wahrheit und Gerechtigkeit, in der die erhabenen Worte des großen deutschen Dichters zur Geltung kommen sollen— die Worte, von denen wir zu Nutz und Frommen mancher Leute die schönsten hier wiedergeben wollen: Wir wollen auf Erden glücklich sein! Es wächst hinieden Brot genug Für alle Menschenkinder Und Rosen und Myrthcn und Schönheit und Lust Und Zuckererbsen nicht minder. Die feisten Bäckermeister haben in ihrer Wnth darüber. daß die Ausbeutung der Gesellen nicht länger in viehischer Weise betrieben werden soll, eine Versammlungsresolution vom Stapel gelassen, der wir folgendes entnehmen: Die Generalversammlung, (die am 21. d. Mts. von den Mitgliedern der Bäckerinnung zu Berlin abgehalten wurde) erachtet die Festsetzung einer bestimmten Arbeitszeit in Bäckereien ohne tiefgehende Schädigung derselben für unmöglich, und sieht in dem Ilmstande, daß der Meister von dem guten Willen der Gesellen abhängig gemacht werden soll, eine Vernichtung der Autorität desselben und der zur Zeit noch bestehenden guten Beziehungen zwischen beiden. Während das Ausnahmegesetz gegen die Sozial- demokratie aufgehoben worden ist, würde mil Einführung des Maximal- Arbeitstages ein solches gegen einen- strebsamen, fleißigen und königstrcuen Gewerbestand geschaffen werden und spricht die Generalversammlung deshalb die Erwartung aus: die hohen verbündeten Regierungen werden von der Einbringung eines derartigen Gesetzentwurfs im Reichstage noch im letzten Augenblick Abstand nehmen. Wir empfehlen den geängstigtcn Bäckermeistern, zum Trost die Rede gegen die Fortsetzung der Sozialreform zu lesen, welche der Handelsminister v. Berlepsch vor kurzem im Reichstage ge- halten hat. Vielleicht giebt ihnen das einige Hoffnung in ihrer überflüssigen Seelenqual. Etwa 1000 Inhaber von Barbier- n»d Friseur- Geschäften hielten am Donnerstag eine Versammlung ab, in der der Obermeister Wollschläger die Annahme einer Resolution empfahl, die auf die dem Reichstage vor mehr als Jahresfrist überreichte Petition bezug nimmt. In dieser wünschen die Barbiere den§ 41a der Gewerbeordnung ans ihr Gewerbe aus- gedehnt, da sich Unzuträglichkeiten ergeben würden, wenn die Barbiergeschnste, nachdem Arbeitsruhe für das Personal einge- treten, noch geöffnet bleiben dürsten. Die Versammlung beaüs- tragte den Jnnungsvorstand, die dem Reichstage eingereichte Petition dem Polizeipräsidenten mit der Bitte zu überreichen, für das ihm unterstellte Verwaltungsgebiet Bestimmungen zu treffen, nach denen alle Barbiergeschäfte um 2 Uhr zu schließen haben. Die Jnnungsmitglieder verpflichteten sich, freiwillig ihre Geschäfte auf jeden Fall nicht über die angegebene Zeit offen zu hallen. TaS Schiedsgericht der vereinigte» Jnuuugen Berlins scheint eine heillose Angst vor der Oeffcntlichkcit des Verfahrens zu haben. Schon im vorigen Jahre halte der„Vorwärts" über sonderbare Gepflogenheiten des Gerichts, das in der Neuen Friedrichstraße sein Heim besitzt, zu berichten. Eine Stepperin, welche dasselbe in Anspruch zu nehmen gezwungen war, hatte den Schuhmacher Zl. Fl. um seinen Beistand ersucht, und dieser war gern darauf eingegangen, seiner Kollegin einen Gc- fallen zu thun, wie das unter Arbeitern überhaupt Sitte ist. Man wies nun Fl. nicht nur als Beistand zurück, obwohl rechtlich seiner Zulassung als eines solchen nichts im Wege stand, sonder» man wies ihn obendrein noch brüsk aus dem Ver- handlnngsraum, als er höflich darum bat, der Verhandlung als Zuhörer beiwohnen zu dürfen. Am 13. März 1895 hatte nun Fl. selbst das Vergnügen, als Kläger vor dem Schiedsgericht er- scheinen zu müssen. Inzwischen hatte er sich aber vergewissert, daß das von der obere» Verwaltungsbehörde genehmigte Statut für das Schiedsgericht die Oeffentlich- keit des Versahrens gewährleistet. Um zu sehen, wie man diesmal verfahren würde, nahm er den Kollegen K. Fl. als Beistand niit zum Termin. Und richtig, der Verlauf der Dinge war derselbe wie im vorigen Jahre, ganz wie es der Kläger geahnt hatte. K. Fl. wurde vom Vorsitzenden als Beistand abgelehnt und als Zuhörer nicht geduldet, und doch lag ein gesetzlicher Grund gegen sein Verbleiben nicht vor. Als sich der Kläger Fl. gar erfrechte, zu fragen, welcher Gesetzesparagraph dem Vorsitzenden das Recht gebe, ihm den Beistand zu verweigern, und weshalb die Oeffenllichkeit ans- geschloffen worden sei, die doch das Statut des Gerichts festlege, war es mit der Geduld des Vorsitzenden zu Ende. Der Kläger hätte überhaupt nichts zu fragen, fuhr ihn dieser an— allerdings die beste Manier, sich aus der Affäre zu ziehen, und eine auch ander- wärts beliebte Uebung. A. Fl. wird sich, wie uns mitzetheilt wird, über das seiner Meinung nach gesetzwidrige Versahren des Schiedsgerichts beim Minister beschweren. Ob nur der Vor- sitzende, oder ob auch die übrigen Richter für das geschilderte Verfahren verantwortlich zu machen sind, entzieht sich unserer Beurtheilung. Dast eine Zeitungsnotiz erheblich besser wirkt, wen» es gilt, Mißslände abzuschaffen, als jede amtliche Anzeige, hat sich jetzt wieder im Kriminalgericht gezeigt. Im Ansang des vergangenen Monats theilte eine hiesige Korrespondenz niit, daß in den Detentionszellen wahrhast grauenvolle Zu- stände herrschten, wie sie kaum in Schauerromanen zu finden seien. In den Zellen sei als Bedürsnißanstalt ein alter Blecheinier aufgestellt, dessen ekelerregender, meist bereits in Fäulniß übergegangener Inhalt die Atmosphäre förmlich vergifte, so daß selbst das Publikum auf dem Korridor in der Nähe dieser Zellen von Unwohlsein befallen werde. Beiin Betreten dieser Zellen werde ei» normal veranlagter Mensch von einem Ohnmachtsgefühl befallen. In diesen Zellen, die nicht gerade von Gentlemens aber nicht selten doch auch von ganz unschuldigen Verhafteten stundenlang beivohnt werden müßten, sei bei Epidemien geradezu ein Heerd für Ansteckungen vor- handeu. Sehr oft sind von den Gerichtsdienern bei ihren unmittelbaren Vorgesetzten Beschiverden über diese »stände geführt werden. Diese haben aber keinen rfolg gehabt, es blieb eben alles beim alten. Da erschien die Meldung dieser unglaublichen Zustände(nieines Wissens hat sie nur der„Vorwärts" abgedruckt); die Zeitungsmittheilung wurde dem I u st i z m i n i st e r zugestellt und dieser ordnete eine genaue Untersuchung an. Diese hat stattgefunden und erst aus diesem Wege hat der stellvertretende Landgerichtspräsident, Landgerichtsdireklor R i e ck, Kenntniß von den wahrhast unglaublichen Zuständen erhalten und nun ivird derei» Abstellung umgehend erfolgen. Ob damit amtlich anerkannt ist, daß die Presse die Pflicht hat, offenbare Uebelstände, die für die Allgemeinheit verhäugnißvoll werden können, zu rügen und auf deren Abstellung hinzuwirken? Zu der Frage des Salzstreuens bei der Pferdebahn be- richtet der„Deutsche Thierschutzverein": Im verflossenen Winter hat die Frage des Salzstreuens bei Schneefällen ans Veranlassung der Direktion der Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschast zu lebhaften Erörterungen geführt. Der Deutsche Thierschutzverei» ist dieser Angelegenheit näher getreten und hat sestgestellt, daß das Salzstreuen allerdings einzig und allein die Veranlaffung der vielen Erkrankungen der Pferde an den Fesselgelenken ist. Die ganze Pferdewelt Berlins und der Umgegend leidet also unter dem Salzstreuen. Tie Thiere der Pserdebahn-Gesellschaft natür- lich am meisten, was schon aus der außerordentlich großen Zahl der an den Fesfelgelenken erkrankten Pferde hervorgeht. Ju Rixdorf bildet der Selbstmord der beiden Schnlkna'ben Schmidt und Schreiber das Tagesgespräch. Ter entsetzliche Fall ruft in allen Bevölkerungskreisen große Aufregung hervor. Daher kam diese Angelegenheit auch am gestrigen Donnerstag in der Sitzung der Gemeindevertretung zur Sprache. Gemeindeschöffe Fabrikbesitzer S ch u mann fragte an, ob es sich bewahrheite, daß zwei Rixdorfer Knaben, welche von ihrem Lehrer gezüchtigt worden und aldann für den schulfreien Nachmittag nochmals zum Lehrer bestellt worden seien, augenscheinlich aus Furcht vor nochmaliger Bestrafung, sich durch Ertränken in Berlin das Leben genomnien haben und ob eine strenge Untersuchung bereits ein- geleitet worden sei. Nmlssckretär M i e r erwiderte! hierauf, daß noch keineswegs feststehe, daß die ertrunkenen Knaben mit den beiden vermißten Rixdorfer Knaben identisch seien, denn die Leichen seien noch nicht gesunden worden. Nur an einer gc- fundenen Mütze hätten die Eltern angenommen, daß es sich um ihre Kinder handle. Eine Untersuchung könne erst nach Auf- findung der Leichen eingeleitet werden.— Gemeinde- Verordneter Genosse Schröder forderte eine strenge Untersuchung darüber, ob die Knaben ans Furcht vor angedrohten weiteren Strafen den Tod gesucht hätten, denn es sei klar, daß man einen solchen Lehrer hier nicht länger brauchen könne, wenn sich im Umlauf befindliche Gerüchte be- stätigen.— Gemeinde-Vcrordneter Gen. Schenk ist der Ansicht. daß es überhaupt unzulässig sei, daß ein Lehrer die Kinder an Verantwortlicher Redakteur: I. Di schulfreien Nachmittagen zu sich hinbestelle; unter diesen Um- ständen sei es kein Wunder, wenn sich viele Kinder vor der Schule fürchten und hinter dieselbe laufen.— Gemeinde- Ver- ordneter Genosse Mülller bemerkte, daß der Haupt» lehrer Lindecke, um den es sich hier handle, schon lange wegen seiner übergroßen Strenge und seine unmäßigen Prügel st rasen bekannt s e i. Die Aufregung der Einwohnerschaft über den Vorfall sei eine allgemeine.— Schöffe Schumann beantragt, den Schulvorstand um sofortige eingehende Untersuchung des Falles zu ersuchen, wenn auch die Leichen noch nicht gefunden seien. Rixdorf dürfe nicht in den Ruf kommen, daß hier die Lehrer die Kinder dermaßen züchtigen, baß sie zu Selbstmord getrieben würden. Darum müsse der jetzige Fall schnellsten aufgeklärt werden, denn das stehe doch fest, daß ohne Grund die beiden Knaben nicht ins Wasser gegangen sind.— Der Gemeinde- Vorsteher B o d d i n versprach, sofort durch einen Gemeinde- Beamten Recherchen anstellen zu lassen und in der am Freitag Nachmittag stattfindenden Versanimlung der Gemeindevertretung aussührlichen Bericht zu erstatten. Hiermit war die Versamm- lung einverstanden und es wurde vorläufig von weiteren Schritten abgesehen. In der Anklagesache gegen die Lewis, welche wohl die gefährlichste Kupplerin Berlins ist, da sie meist Mädchen im Alter von 1t Jahren und darunter an sich lockte und reichen Wüstlingen auslieferte, hat sich herausgestellt, daß das Ehepaar Lewis noch Gehilfen gehabt hat. Es sind bis jetzt vier Personen angeklagt und verhaftet. Die Vertheidigung zweier Angeklagten ist dem Rechtsanwalt Dr. Coßmann übertragen worden. Ob die vornehmen Schandbuben, welchen die Kupplerin Kinder zu- zuführen hatte, auch an den Pranger der Oeffcntlichkeit gestellt werden? Die Direktion der städtischen Fortbilduugöanstalt im FricdrichS-GyMuastnm ersucht uns um Aufnahme folgender Mitlheilnng: Die S o m in e r k u r s e im Freihand- und Ma- schinenzeichnen, im Französischen, Englischen, Deutschen, kauf- männischcn Rechnen, in der einfachen und doppelten Buchführung und Mathematik beginnen Montag den 1. April. Der Unter- richt wird nach Bedürsniß für Anfänger und Geübtere in ver- schiedenen Abthcilnngen durch bewährte Fachlehrer erthcilt. In den französischen und englischen Kursen werden außer der Lektüre Uebnngen im mündlichen und schriftlichen Gebranch der Sprache, besonders im Briefstil, stattfinde». Das überaus mäßige Honorar von 4 bezw. 2 M. für den einzelnen Kursus macht die Theil- nähme an diesem nach Wahl wie Methode der Fächer durchaus vraklischen Unterrichte einem jeden möglich. Meldungen von Tbeilnehmern nimmt entgegen täglich von 11—12 Uhr und Sonntags von 8—12 Uhr in der Anstalt der Direktor Professor Dr. Voigt. Ncber bedenkliche Folge» der glücklicherweise im Ab- nehmen begriffenen Influenza wird geschrieben: Tie Spiel- arten der durch die Influenza hervorgerufenen Krankheilen sind so mannigfaltig, wie sie bisher noch nicht beobachtet worden sind. Neben den üblichen Erkrankungen der AthmuUgsorgane sind konstatirt worden: Knocheu-Eiterungsn, Augenkrankheiten bis zur Erblindung einzelner Patienten, hochgradige Nervosität, Ohrenleiden und Mnskelentzündungen; ja, in einigen Fällen ist sogar die Zuckerkrankheit die Folge der Influenza gewesen. Die Ursache dieser vielseitigen Folgen der Modekrankheir, welche nachgewiesenermaßen Ende vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts nur unter leichten Krankheitserscheinungen austrat, ist bis jetzt noch nicht festgestellt worden. An einer Mundentziinduug, von der man annimmt, daß sie die Folge des Genusses von Milch von erkrankten Kühen sei, sind 70 Grenadiere vom 1. Garde-Regiment z.F. in Potsdam erkrankt. Zwei seltsame Patienten erschienen am Donnerstag Nach- mittag um 5 Uhr in einem hiesigen Krankenhause. Dem einen waren beide Hände ziemlich schwer zerrissen, während der andere nur leichte Verletzungen an der einen Hand erlitten hatte. Beide ließen sich verbinden und gaben au,' unweit des Zoologischen Gartens eine Patrone gefunden zu haben. Sie hätten mit einein Messer daran gearbeitet, bis der Inhalt plötzlich explodirt sei und ihnen die Verwundungen zugefügt habe. Die Namen beider Personen sind nicht bekannt und man weiß nicht, ob die Schilderung des Vorfalles richtig ist. Der geheimnistvollc Mann, der, wie wir gemeldet haben, augeblich in höherem Austrage im Thiergarten beim Kreuzungs- pnnkt der Sieges-Allee und der Charlottenburger Chaussee nächt- licher Weile Droschken angehalten und die Insassen genau in Augenschein genommen hat, ist, wie die„Voss. Ztg." mittheilt, wahrscheinlich geistesgestört. Tie Polizei ivie die Forstverwaltnng wissen von der Affäre nichts. Zu dem geplante» Raub- und Giftmord, über welchen wir vor einigen Tage» erst berichtet haben, können wir beute auf grnnd eingehender Informationen noch folgendes nmtbeilen: Es handelt sich bei der Angelegenheit nni den Bürstenmacher Weber, Alte Schöuhauserstr. 50 wohnhaft, der daselbst in einem Laden eine» Bürstenhandel betreibt. W., der früher in der Lienen Schönhauserstraße, sodann bis vor einem halbe» Jahre in der Alten Schöuhauserstr. 13 wohnte, erfreute sich in jener Gegend eines sehr guten Rufes und niemand wußte, daß derselbe be- reits IbVs Jahre Gesängniß- und Zuchthausstrafe abgebüßt halte. Auch dachte keiner daran, daß die zahlreichen anonymen Briese und Denunziationen, untcr welchen nebe» anderen Gcschästsleutcn auch der frühere Hauswirth des Weber, der Bürstenhändlcr Heinrich in der Alten Schönhauserstr. 13 zu leide» hatte, von W. ausgingen. Um so überraschender wirkte die Kunde von der Verhaftung des Weber. Ter Plan der Ermordung galt der in der Linienstraße wohnenden Rentiere B., einer reiche» Wittwe, deren Lebcnsgcwohnheiten Weber genau durch seine Frau kannte, welche die Dame täglich frisirte. Die Absicht deö Mordes hat er, wie bereits mitgclheilt, einem gewissen P.. einein polnischen Arbeiter, und später dem Maurer W. l.nter- breitet. Die Angaben, welche W. der Polizei gemacht hat. scheinen sich vollkommen zu bestätigen, da in der einen Flasche Branntwein beträchtliche Theile eines Giftes gefunden sein sollen. Aber wenn auch W. des Mordplanes nicht überführt ivird, dürfte der unheimliche Mensch doch für längere Zeit un- schädlich gemacht werden. Bei der in seiner Wohnung vor- genommenen Haussuchung sind verschiedene Maaren beschlagnahmt worden, welche, wie die Polizei vcrmuthet, aus Diebstählen her- rühren. Auf der Stelle getödtct wurde durch Uebersnhren am Donnerstag Nachmittag um 5 Ilhr die fünfjährige Tochter Walli der Arbeiter Hofsmann'schen Eheleute aus der Köpenickerstr. 174. Das Kind wurde auf der Straße von einem beladenen Mörtel- wagen erfaßt. Ob den Kutscher Emil Schmidt eine Schuld trifft, steht noch nicht fest. Ein großcö Feuer kam Donnerstag Vormittag gegen 8 Uhr in der Nähniaschinenfabrik von Läunnerhirt u. Kompagnie, Thurmstr. 73(Moabit), im Seitenflügel zum Ausbruch, das in kurzer Zeit die sämmtlichen Räume des vier Stock hohen Fabrik- gebäudes ergriff. Die Feuerwehr gab mit sünf Druckspritzen und einer Dampsspritze bis 12Vs Uhr mittags unausgesetzt Wasser, wodurch allmälig die Gewalt des Feuers gebrochen wurde. Um I Uhr konnten die ersten Züge der Feuerwehr wieder abrücken. Die Fabrik ist vollständig ausgebrannt; der Schaden soll mehr als 100 000 M. betragen, indeß durch Versicherung gedeckt sein. Ueber die Entstehungsursache verlautet noch nichts bestimmtes. Eiseubahu-Uufall. In Spandau hat sich Donnerstag früh ein Eisenbahnunfall zugetragen, durch den ein Materialschaden von 20 000 M. verursacht worden ist. Auf grund eines zu unrechter Zeil gegebenen Einsahrtsignals lief um 2 Uhr früh ein irl(Enül Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max B, von Hannover kommender Güterzug in den Lehrter Bahnhof ein, dabei stieß er auf einen Theil eines zur Ausrangirung bestimmten Güterzuges, der das Geleise noch besetzt hielt. Mehrere Güter- wagen, darunter ein Biertransportwagen der Moabiter Brauerei, sowie die auflaufende Maschine sind schwer beschädigt worden. Die Schienen wurden auf einer Strecke von 30 Meter auf- gerissen. Vom Fahrpersonal ist niemand zu Schaden gekommen. Die Ausräumungsarbeiten und die Wiederherstellung des Geleises sollten im Laufe des Tages bewerkstelligt sein. Schwerer Verdacht. Ter„Posener Zeitung" zufolge wurde gestern Nachmittag in Schwerin a. W. der zwanzigjährige Schiffer Paul Bande unter dem Verdacht, am 18. November 1893 in Spandau die sechsjährige Hedwig Franke ermordet zu haben, verhaftet. Derselbe soll heute nach Berlin ins Unter- suchnngsgesängniß gebracht werden. Bande war schon einmal unter demselben Verdacht verhastet, aber wegen ungenügender Beweise entlassen worden. I» einem Gasthofe in der Klosterstraße hat sich am Donnerstag ein 47jähriger unbekannter Mann erhängt. Gesperrt: Die Liebenwalderstraße von der Reinickendorfer- straße bis zur Henningsdorferstraße behufs Umpflasterung vom 23. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter. Polizeibericht. Am 21. d. M. vormittags sprang eine Frau von dem Balkon ihrer im vierten Stocke eines Hauses in der Friedensiraße belegenen Wohnung auf die Straße hinab und zog sich sehr schwere" Verletzungen zu.— In einem Gasthofe wurde ein am Llbend vorher dort eingekehrter Mann erhängt vorgefunden.— Nachmittags wurde auf dem Felde, gegenüber dem Grundstücke Pappelallee 52, die bereits stark verweste Leiche eines neugeborenen Kindes ausgesunden.— In der Lothringer- straße gerieth ein sechsjähriger Knabe unter die Räder eines Geschäfiswngcr.s und erlitt erhebliche Quetschungen des Unter- schenkels.— In der Einfahrt eines Grundstückes in der Köpnicker- straße wurde ein fünfjähriges Mädchen durch einen Mörtelwagen überfahren und auf der Stelle gelödtet.— In der Kanonierstraße fiel ein etwa 35 Jahre alter Mann hin und zog sich eine so schwere Verletzung am Hinterkopfe zu, daß er bewußtlos liegen blieb. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Vor- mittags entstand im Qucrgcbände des Hauses Thurmstraße 73 durch Zerspringen eines im Keller befindlichen Backofens Feuer, wodurch drei darübcrliegeude Fabriken zum größten Theile zerstört wurden. Bei den Löschungsarbeiten wurden ein Oberseuermann und zwei Feuermänner leicht verletzt. Außerdem fand abends noch ein unbedeutendes Feuer statt. Witterungöiibcrsicht vom 22. März 1805. Wetter-Prognose für Sonnabend, A3. März 1805. Zeitweise heileres, vorherrschend wolkiges Wetter mit Nieder- schlügen und auffrischenden nordwestlichen Winden; Temperatnr wenig verändert. Berliner Wetlerbureau. Kmlst irnii WissenM. Von der VersuchSbiihue. Das polizeiliche Verbot der ersten Vorstellung des Vereins„ V e r f u ch s b ü h n e" hat eine Hinausschiebung der zweiten Vorstellung um acht Tage nöthig aemacht. Die zweite Vorstellung, zu welcher das dreiaktige Drama„Zu Hause" von Franz Servaes ausersehen ist, wird am Sonntag, den 7. April, 12 Uhr mittags, im Zentral» Theater in Szene gehen._ Gevickks�eikung. Wegen Verbreitung verbotener Druckschriften stand. wie wir vor einigen Tagen mittheilten, der Metallschleifer Roth vor der 7. Slraskammer hiesigen Landgerichts 1. Er war dabei abgefaßt worden, als er in einem Schanklokal das vor Jahren mit Beschlag belegte„Neue Winter- märchen" abzusetzen versuchte. Bei der vor acht Tagen statt- gefundenen Verhandlnng machie der Vertheidiger so viele recht- liche Bedenken geltend, daß der Gerichtshos beschloß, die Urtheilsveiiündigung auf den 22. d. Mts. zu vertagen. Das Nrlhcil fiel zu Ungunsten des Angeklagten aus. Der Gerichtshos halte leinen Zweifel darüber, das die seinerzeit erfolgte Beschlagnahme und Unbrauchbarmachung jener den Kaiser Wilhelm I. beleidigenden Schrift eine dauernde sei und sich auch aus die von deni Angeklagten vertriebene Ausgabe vom Jabre 1886 bezieht, da diese lediglich einen Abdruck der früheren Auflage darstellt. Der Angellagle wurde deshalb zu einem Monat Gefängniß vcrurtheilt. Nach dieser Judikatur, die denn doch sehr anfechtbar ist, könnten Majestätsbeleidignnaen ans Olims Zeiten heule noch strafbar sein, wenn nachgewiesen wird, daß weiland irgend ein Gerichtshos in einem Wahrheits- zeugniß über einen Fürsten ein Vergehen gegen die Gesetze ge- sunde» hat. Vevmifickzkes. Zu den Nachrichten über die NeberschwemmiiugS- gefahr berichtet die„Breslauer Zeitung", daß es sich bei der Ueberschweinmung im Odergebiel nicht um einen Bruch des Ohlauer Schutzdannnes, sondern nur um eine Ueberflnthung und Dnrchspülung des Vordammes handelt. Eine Gefahr für die Dörfer sei nicht vorhanden; auch sei das erwartete Sinken des Wassers bereits eingetreten. Aus Evansto»(Wyoming. Nordamerika) wird über«ine Explosion berichtet, die in einem Kohlenbergwerke in den Rocky Mountains bei Red Canuon stattgefunden hat. Man befürchtet, daß 66 Menschen ums Leben gekommen sind. Der Eingang zu den Werken in durch Trümmer versperrt, und es wird drei Tage dauern, ehe die Bergungswannschasten zu den Leichen vordringen können. Tie Maschinenräume, Apparate und andere Baulich- leiten wurden völlig zerstört, auch der übrige Schaden ist beträchtlich. Wahrscheinlich wurde die Explosion durch Enl- zündung von Kohlenstaub verursacht. VviefkaTen der Expedition» Tischler AO. Sie müssen zu Anfang eines Quartals auf das ganze Vierteljahr abonniren und beträgt der Abonnements- preis bei der Post 3.30 M. Nach Ablauf des ersten oder zweiten Monats im Quartal können Sie auf die übrigen zwei resp. einen Monat im Quartal abonniren und beträgt der Abonne- mentspreis für zwei Monate 2,20 M., für einen Monat 1,10 M. Von uns unter Kreuzband täglich bezogen beträgt der„Vor- wärts" pro Monat 2 M., bei vorheriger Einsendung des Be- träges. Sie können den Betrag auch in Briefmarken einsenden. Die Anfrage im Briefkasten kostet nichts. Sing in Berlin. SW, Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 70. Sonnabend, den 33. Marz 1893. 13. Jahrg. �ozinle Ttebevstcht. Der Bund deutscher Tchuhmacher-Jnnungen erläßt einen Aufruf zur Beschickung seines diesjährigen Ver'bandstages, in dem sich falsches Pathos mit unfreiwilliger Komik seltsam paart. Man will eine Ausstellung von allen Sorten Schuhwerk. dar- unter auch Kriegsschuhzeug, veranstalten,„um dem Publikum zu zeigen, daß das Handwerk noch lebendig und leistungsfähig ist und gleichzeitig(!) der Staatsregierung damit erneute Anregung geben, den so oft ausgesprochene» Forderungen des deutschen Handwerks ein geneigtes Ohr zu schenken, um diesen werkthätigen Stand zum Wohle des Staates und der bürgerlichen Gesellschaft zu erhalten". Wir fürchten, daß„gleichzeitig" beides mißglückt. Gegen den Qucbrachoholz-Zoll sprach sich eine Der- sammlung von Gerbern und Lederindustricllen in Altona aus. Die Versammlung nahm zwei Resolutionen an. In der Resolution an den Reichskanzler heißt es, daß die Einführung des genannten Zolles den vollständigen Niedergang der Lederindustrie in Deutsch- land herbeiführen würde und daß somit nicht die inländischen, sondern die ausländischen Besitzer von Schälwaldungen und die ausländischen Lederinduslriellcn Bortheile erzielen würden.— Eine zweite Resolution wendet sich an den Abgeordneten des Kreises, Genossen Froh nie, ivelcher aufgefordert wird, alles zu lhiin, um die Einsühruiig des Zolles abzuwenden. Zum I. internationalen Kongreß gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, der, wie früher angezeigt, vom 20. bis 22. August d. I. in Basel stattfindet, sind eingeladen alle,„die überzeugt sind, daß der Mißbrauch geistiger Getränke eine Quelle von Krankheit, Elend und Verbrechen, seine Bekämpfung somit eine Pflicht der Vaterlands- und Menschenliebe ist." „Wer arbeiten will, der findet Zlrbcit." Eine Probe auf diesen Weisheitssatz des denkfaulen Mastbürgerlbums bietet nachstehende Notiz, die wir Münchener bürgerlichen Blättern entnehmen:„Wie schlecht es mit den heutigen Erwerbsverhält- nissen bestellt ist, zeigt neuerdings die Thatsache, daß bei Be- Werbung um eine Skribcntenstelle bei einem Rechtsanwalt sich nicht weniger als 168 Bewerber im Laufe eines einzigen Vor- mittages gemeldet haben, worunter sich 2 Juristen. I Mediziner und ein Philologe befanden, abgesehen von einer Anzahl von Leuten, welche die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligendienst und Gymnasialbildung haben.— Sämmtliche 168 Bewerber zu „Vagabonden" zu stempeln, war selbst der nach dieser Richtung weitherzigen Bourgeoispresse nicht möglich. Nvthleidende Zecheubesißer. Die Gewerkschaft des Berg- werks Zentrum bei Wattenscheid erzielte im Jahre I89s bei einer Förderung von 787 789 D. und einer Koals- Erzeugung von 172 376 T. einen Betriebs-Ueberschuß von 801 166 M. gegen 830 845 M. im Vorjahr. Davon wurden für Verzinsung und Tilgung der Grundschuld 141 060 M. verwendet, für außerordent- liche Betriebsausgabe» 517 000 M., während auf die 802 Kuxe als Ausbeute je 180 M. mit 144 360 M. vcrlheilt werden. Für außerordentliche Betriebsausgaben sind nunmehr noch 196 473 M. zu verrechnen, die in der ersten Hälfte 1895 zur Abstoßung ge langen werden, so daß alsdann voraussichtlich eine höhere Aus« beiue verlhcilt werden kann. Das zwischen den belgischen Koaks- werken und dem westfälischen Koaks-.Syndikat getroffene Ab kommen lasse eine Erhöhung der Verkaufspreise für das Ausland erwarten.— Ob dann auch die Löhne der Bergleute steigen werden? EutbehrungSlöhne. Die Mechanische Baum- Wollspinnerei und Weberei Augsburg erzielte in 1894 einen Reingewinn von 798 060 M.(907 188 M. sin Vor jähre) und beantragte die Vertheilung von 17>/2 pCl. Dividende (wie im Vorjahr.)— Dresdener Gardinen- und S p i tz e n- M a n u f a k t u r- A k t i e n g e s e l l s ch a f t. Nack) reichlichen Abschreibungen und Reservestellungen stellt sich die Dividende auf 9 pCt.— Der Aussichtsrath der Jute- spinnerei und Weberei Bolmen hat beschlossen, nach 13 000 M. Abschreibungen, Ueberweisung von 70 000 M. zum Reservefonds und Verwendung von 10 600 M. zur Bildung eines Arbeitcr-Untersintzungsfonds Iv pCt. Dividende zu vertheile».— Die Spinnerei Wertach in Augsburg erzielte einen Reingewinn von 55 006 M. Es wird die Vertheilung von 3 pCt. (im Vorjahre 2 pCt., 1392 0pCt.) vorgeschlagen. Grnben-Nnfälle. Der„I-otta cki klassa"(Der Klassen- kavipf) entnimmt die„Rhein. Ztg." folgende Tabelle über die Explosionen schlagender Wetter, die in den letzten 20 Jahren statlgefunden haben: Ort Datum Zahl der Opfer Barussey 6. Dezember 1875 154 Möns 16. Dezember 1875 115 Sainl-Etienne 4. Februar 1376 22 l Blantyre 22. Oktober 1377 200 Wigau 7. Juni 1378 200 Mcrkorne II. September 1878 278 Tinas 13. Januar 1879 60 Leycet 21. Januar 1880 63 Andcrlues 21. Januar 1880 52 Newport 15. Juli 1330 119 Seaham 8. September 1380 162 Penycraig 10. Dezember 1880 90 Trindon-Grange 16. Februar 1832 70 Eamphausen 17. März 1385 180 Dudweiler 20. Juni 1885>8 Möns 4. Februar 1837 150 Panaimo 4. Mai 1887 160 Blantyre 28. Mai 1887 80 Kreuzgraben 25. Februar 1889 42 Blanech 5. Januar 1890 176 La Machine 19. Februar 1890 41 Saint Etienne 29. Juli 1890 112 Saint Pelissier 29. Juli 1890 120 Saint Etienne 4. August 1390 4 Rokowski 20. Januar 1891 100 Gelsenkircken 23. Januar 1891 52 Frichs Ecke 23. Januar 1891 122 Saint Etienne 6. Dezember 1891.74 Anderlues 6. Dezember 1892 160 Andcrlues 4. Dezember 1894 10 Albion 6. Juni 1894 105 Charleroi 1. Juni 1894 160 Corvin Juni 1894 235 Point-y-Pridd Juni 1894 251 Les Aslurias Juni 1894 12 Obige Ausstellung ist bei weitem nicht vollständig. ES fehlen für den Ober-Bergamtsbczirk Dortmund allein an die 20 größere Unglücksfälle, welche zusammen über 400 Bergleuten das Leben kostete. Bon echt prostenhafter Frechheit zeugt ein Gesehesantrag, den die republikanische Partei im Abgeordnetenhause des Staates N e w- I o r k eingebracht haben. Dieser soll die„Beziehungen" der Arbeiter und Unternehmer folgendermaßen„regeln". Jeder Monate binden. Jeder Kontraktbruch wird mit einer Geldstrafe von 500 Dollars geahndet, außerdem soll dieser Kontraklbruch als Kriminalverbrechen bestrafe werden. Zwar wird jeder Kon- traktbruch von feiten der Unternehmer bestraft, aber nur dann, wenn keine„höheren Gewalten" in Frage kommen. Wird der Vorschlag Gesetz, dann ist den Arbeitern die natürliche Waffe der Arbeitseinstellung so gut wie entwunden, sie habe» das Recht, von ihrem Kontrakt zurückzutreten nur dann, wenn sie durch Krankheit oder Verletzung zur Arbeit unfähig geworden sind.— Daß die amerikanischen Arbeiter sich ein solches Schandgesetz aufzwingen lassen sollten, glauben wir nicht. IS.? Diamantschleifer wurden bei ihrer Landung in N e w- I o r k angeballen, da vcrmuthet wird, daß dieselben unter festem Arbeitskontrakte einwandern. GotverksiholftliÄtos. Achtung, Arbeiterinne«! Am Mittwoch, den 27. d. M., finden zwei Versammlungen statt und zwar die eine in„Keller's Festsälen. Koppenstr. 29, die andere in„Sanssouci", Kottbuser- straße 4a, mit dem Thema: 1.„Die Auflösung der Frauen-Agitations- K o in n> i s s i o n". 2.„Die Bedeutung der GewerkschaftSorgani- s a t i o n für die Arbeiterinnen". Referenten: Reichs- tags-Abgeordnete Legten und v. E l m.(Siehe auch Inserat in der Sonntagsnummer.) Arbeiterinnen! Die ungeheuere Zunahme der Frauenarbeit auf jedem Gebiete macht es zur dringenden Nothwendigkeit, daß jede in der Industrie thätige Frau ihrer betreffenden Gewerk- schaflsorganisalion angehört. Die einzige Waffe, welche den Arbeiterinnen zu Gebote steht, um sich gegen kapitalistische Ausbeutung einigermaßen zu schützen, ist, daß sie aufgeklärt und gewerkschaftlich organisirt sind. Denn nur dann wird die Arbeiterin aufhören, bei Ausständen und Lohndrückereien Schmutzkonkurrenlin des Mannes zu sein, sie wird dann seine wirkliche Kampfes- genossia werden. Darum, Frauen und Mädchen des Proletariats. ist es Eure Pflicht, in diesen Versammlungen zu erscheinen und Eure indifferenten Arbeitskolleginnen ebenfalls dazu zu veranlassen. Die Einberufer in. Achtung, Tapezirer! Die Generalversammlung des All- gemeine» deutschen Tapezirer-Vereins, welche am 6. und 7. März in Hamburg stattfand, hat den Beschluß gefaßt, mit allem Eiser für den Ausbau der Gewerkschaft einzutreten. Wir haben also die Pflicht, zu zeigen, daß wir die Beschüsse des Halber- st adle r Kongresses, des Kölner Parteitages und der Generalversammlung respektiren und dies dadurch beweisen, daß wir uns einmüthig der Vereinigung anschließen. Kollegen! Die Zustände in unserem Berufe sind keines- wegs so gute, daß wir die Hände in den Schooß legen können, um ruhig das Kommende abzuwarten. Seht Euch die Werkstätten an, in welchen wir arbeiten müssen. Sie entsprechen in ihrer übergroßen Mehrzahl auch nicht im ge- riugsten den Anforderungen der moderneu Hygiene. Bis jetzt lagen wir auf der Straße und nun, wo die Saison begonnen hat, werden die Errungenschaften unserer Lohnkämpse, die neunstündige Arbeitszeit, durch Uebcrstunden und Sonutagsarbeit illusorisch gemacht; trotzdem noch ein großer Theil unserer Kol legen arbeitslos ist. Dabei sind die Löhne äußerst gering. Kollegen! Beseitigt endlich einmal den Knnstlerstolz und zeigt Euch als das, was Ihr seid, als unterdrückte Arbeiter. Laßt endlich einmal das blöde Wort:„Es nützt ja doch nichts" beiseile und beweist durch Euren Anschluß an die Organijalio», daß Einmülhigkeit und Zusammenhalten der Arbeiter doch etwas nützt. Auch an die Näherinnen möchten wir die Bitte richten, mit uns Hand in Hand zu gehen; gerade sie sind die ausgebeutetslen Geschöpfe in unserem Berufe und infolge ihres Jndifferentismus die machtlosesten. Also Kollegen und Kolleginnen, auf zu neuer Arbeit, auf zur Organisation, auf zum Kampf um bessere Verhältnisse Erscheint alle am Montag, den 25. März, abends 8 Uhr, in der Versammlung bei Oswald Grauer, Oranienstr. 121. Die O r l s v e r w a l l u n g. An die Zimmerer! Kameraden! Bei Beginn des Früh jahrs, zu'Ansang der Banpcriode, ist es wobl an der Zeit, wieder die ernste Mahnung an Euch zu richten, daß Ihr der Organisation beitretet. Bedenket die drückende Roth, die im vergangenen Winter auf Euch gelastet, bedenket, was es werden soll, wenn Ihr dem Unternehmer durch Eure Theilnahmslosigkcit an der Bewegung die Mittel in die Hand gebt, Lodnreduzirungen vor- zunehmen. Was vermag der einzelne gegen solche Machinatio» V Einfach nichts. Das einzige Mittel ist die Organisation. Darum ersuchen wir die bis jetzt organisirten Kameraden, die Verkehrs- lokale an densSonnlage» vormiilags zu besuchen und die Agitation in der Weise zu betreibe», daß ein jeder sich zur Aufgabe macht, am Sonnlag mindestens einen von den Un organisirten mit dort- hin zu bringen, um ihn dem Verein der Zimmerer zuzuführen; die Zahl der Kämpfer muß eine größere werden, darum thue jeder seine Pflicht. Zahlstellen des Vereins sind: Osten: Audreasstr. 26 bei Wilke. Süden: Mariendorser- straße 5 bei Grube. Westen: Gruncwaldstr. 110 bei Keßner. Norden: Schnlstr. 43 bei Restauratenr LehmaltN. Nordost: Treskowstr. 24 bei Schmidt. Moabit: Birkenstr. 24 bei Gebauer. Charlottenburg: Leibnitz- und Göiheslr.-Ecke bei Röhr. Steglitz: Ahornstr. 15 im Ganibrinns. Reinickendorf: Provinz- und Bürgerstr.-Ecke bei Gabler. Weißensce: Gustav Adolfsir. 14, S. 1 bei Kusche. Der Vorstand des Vereins der Zimmerer Berlins und U m g e g e n d. I. A.: E. Obst. Blumenstraße. 3. Zur Miillerbewegung. Von den sechs von der Krämer- schen Kunst mühle in Müiichen ausgesperrten Müllern sind vier anderweitig untergebracht. Der Krämer'schen Kunstmühle wurden folgende Forderungen unterbreitet: 1. Schaffung einer Arbeilsordnnng; 2. freies Koalitionsrccht: 3. ein Minimallohn von mindestens 3 M.; 4. Regelung der Arbeitszeit obligatorisch von 6 bis 6 Nhr mit den üblichen Zwischenpause»; 5. be» lieber- stunden sei ein enlsprechciider Lohnzuschlag zu bezahlen, nnd 6 eine zufriedenstellende Behandlung der Gehilsen.— Von den 160 Münchener Müllergehilsen sind bis jetzt 71 Mann organisirt. Eine Bauarbeiter- Versammlung in Freiburg i. B. beschloß eine Pelitio» an den Stadiralh abgehen zu lassen, in der verlangt wird, daß für alle städtischen Arbeite» die lOstündige Arbeitszeil eingeführt werde. Zu der betreffenden Versammlung ließ die Polizei junge Leute unler 2 l Jahren nicht zu. Beschwerde hiergegen ist eingelegt. Tie angeblichen Streikexzesse in Schmöllns von denen die bürgerlichen Blätter zu berichten wußten, erweisen sich als aufgebauschle Lügen. Die„Leipziger Volkszeitung" erhielt vo» einem zuverlässigen Gewährsmann folgende Information: Streik Arbeiter, der eineii Dienst antntt.M aus drei er, esse sind nicht vorgekommen. D/e Leute halten sich blos ans- gestellt, weil der Hirsch-Duncker'sche Gewerkvereins- Vorsitzende Bahlke-Verlin seine Mitglieder zur Arbeit kommandirle und so den gewinngierigen Knopifabrikauten Streikbrecher zutrieb. Gerade so wie in Güstrow, wo die„klassenbewußten" Hirsch-Dunckerschen das Scheitern des heldenmüthigen Ausstandes in der Waggon- fabrik durch Wort und That herbeiführen halfen. Es ist in Schmölln nieniand belästigt worden,»ur zwei Mann wurden, weil sie stehen blieben, verhaftet. Sie sind wieder freigelassen und zu 7 Tagen Polizeistrafe verurtheilt worden. Die Sache ist ganz bedeutungslos, und nur Böswilligkeit konnte sie aufbauschen. Die Polizei wurde um 10 Gendarmen verstärkt. Jetzt ist alles wieder ruhig. Arbeitseinstellung tu der Malzfabrik Pieschen. In der König'schen Malzfabrik haben gestern Morgen sämmtliche Mälzer die Arbeit eingestellt. Urlache ist die dort herrschende übermäßig lange Arbeitszeit. Während die Arbeiter danach strebten, eine geregelte Arbeitszeil zu erhalten, hat der Besitzer einige Aufscher mehr angestellt, um die durch 16- und 13stüiidige Arbeitszeit erschlafften Arbeiter vor dem Einschlasen zu bewahren. Der Streik der Schalenmacher in Grenchen(Kanton Solothurn), der wegen Mißhandlung eines Arbeiters durch den Meister ausbrach, wurde nach achttägiger Tauer zu gunsten der 'Arbeiter beendigt. Sämmlliche Forderungen der Streikenden wurden gciiehmigt. Ein Ansetzerstreik ist am Freitag bei Ch. Mieg u. Cie. in Mülhausen ausgebrochen. Inhaber der Firma ist Herr Jean Mieg-Köchlin, Mitglied des Bczirktages— ein Manu, dessen Arbeilerfreundlichkeit bei den letzten Wahlen eine große Rolle fpielle. Ursache des jetzige» Konfliktes sind Lohnstreitig- keiten: die Ansctzer und Ausstecker behaupten, nicht mehr aus ibrcn srüherei, Lohn zukommen, da das zu verarbeitende Material sich verschlechlert habe. Heute sollen die Ansetzer kaum noch 2 M. verdieuen. Am Freitag früh begaben sich die Ansetzer aufs Bureau und nntcrhandclten mit der Fabrikleitung; sie wurden jedock zurückgewiesen. Daraufhin stellten nachmittags 32 Ansetzer und 9 Ausstecker die Arbcil ein. Es wird vor Zuzug gewarnt. um den Ausständigen in ihrem gerechten Kampf nicht Nacktheil zu bringen. Unterstlitzungen nimmt entgegen Alois Muhla, Didcnheimerstr. 23 zu Mülhausen.— Arbeilerblätter werden um Nachdruck ersucht. Ein Weberstrcik brach am 19. März in Berviers(Bei- aien) in der Fabrik von Simonis ans. Die Zahl der Streikenden beträgt 350. Gegen 2000 Bergarbeiter dcS L ü t t i ch e r Beckens haben beschloffeu, in den Ausstand zu treten. Ter Ratio, lalkongrefi der französischen Bergarbeiter ist gestern Vormittag in L e n s eröffnet worden. Ans oemselben sind Vertreter aller sranzösischcn Bergwerks- Gesellschaften an- tvesend. In der Vormillags-Sitzuiig wurde die Zahl der Stimmen festgestellt, tvclche jedem einzelnen Kohlenbecken zuertheilt werden. Den Vorsitz führte der Deputirte Basly. Ter französische Bergarbeiter> Kongreß hat den Vor» schlag augeiiomme», wonach der Arbeitstag in de» Bergwerken elnschlicßltch der Ein- und Ausfahrt aus 3 Stunden festgesetzt und schwere Strafen für Bclriebleiter bestimmt werden, welche Arbeiter zu einer Mehrarbeit nöthigen. Gleichzeitig mit dem Schub,„acheranSschluß kündigt sich, wie uns aus London geschrieben wird, ein Ausschluß d e r M ä n t e l s ch u e i d e r i in E a st- E n d an. Hier ist die Zerstörung der Union der Arbeiter der nnverhüllte Zweck der Maßregel. Tie iArbciterunion hatte versucht, dem Zwischenmeister-Systcm in dieser Industrie zu Leibe zu gehen, aber das Siesultat war, daß die„Schwitzer" sich organisirten, und deren Verein hat jetzt den Beschluß gesaßt, vom nächsten Sonnabend ab alle der Arbeiterunion angehörenden Arbeiter, bezw. Arbeiterinnen zu entlassen. Da die Union nicht über- mäßig stark ist, und der Kampf der Schuhmacher das öffentliche Jnleresse vornehmlich i» Auspruch uimml, in nicht wenigen Fälle» wohl auch Familien von beiden Ausschlüssen betroffen werde», stehen die Aussichten der armen Mäntel-:c. Schneider, die es doch wirklich nölhig hätte», leider nicht sehr günstig. Ter Kohle, larbeiter-Bcrband von Illinois(Nordamerika) wählte zum Präsidenten den bekannten Sozialisten James O'Connor, einen der Gründer der vor einem Jahre in Spring Valley ins Lebe» gerufenen englischen Sektion der sozialistischen Arbeiterpartei. O'Connor ist auch mit der Feder für die Sache des Sozialismus lhätig. VevrämmUmgen. Für die ckiirnrgischen Jnstrumentenmacher tagte am 12. März cine Versammlung, in der Genosse Rohrlack einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Die Stellung zur Mai- seier soll in einer öffentlichen Versammlung erfolgen. Das An- denken des verstorbenen Mitgliedes Czerny ehrte die Versammlung in der üblichen Weise. Die ordentliche Generalversammlung der Orts-Krankell- lasse für das Buchdruckgeiverbe tagte am 17. März. Da der Jahresbericht, mil ausführliche» Erläuterungen versehe», gedruckt vorlag und sämmtlicheu Mitgliedern zur Verfügung steht, erlibngte sich ein näheres Eingehen aus den 1. Punkt. Die Einnahmen be- trugen insgesamt»! 325 987,18 M. Die Ausgabe» betrugen: ärztliche Behandlung 28 265,40, Arznei zc. 45 946,16, Krankengeld 138 527,66, an Wöchnerinnen 1914,—, Begräbnißgeld 14 300,—, Kur- und Verpflegnngskoste» in Heilanstalte» 23 977,15 M., insgesammt (inkl. 51 681,76 Kapitalanlagen) 328 472.21 M. Dem Reserve- sonds wurde» in 1894 zugesührt 33 579,26 M. und übersteigt dieser die gesetzlich vorgeschriebene Höhe»>m rund 30 000 M. Da den so günstigen Stand der Kasse selbst die in den letzten Monaten sehr stark aufgetretene Influenza-Epidemie nichl er- schntlern konnte, so ist Aussicht vorhanden, daß der nächsten Gcneralvirsannnlung seitens des Vorstandes entweder eine Er- höhnng der Leistungen oder eine Ernicdrignng der Beiträge empfohlen werden kann. Eine gutbesuchte Mitgliederversammlung deS Veretnö der Zimmerer lagle am Sonntag, den 17. März er., i» den Arminhallen. Bei den Vereinsaiigelegenheilen gab der Vorsitzende bekannl. daß die Broschüren über das Submissionswese» dein Bezirkskassircr übergeben sind, durch Borzeigen des Mitglieds- buchcS können dieselben bei den Zahlstellen in Empfang ge- nommcn werden. Allgemeine Entrüstung rief die Aeußerniig des Zimmerers Kietschke hervor; derselbe glaubt, dem beim Dombau verunglückten Kamerad Köhler selbst die Schuld beimessen zu können, trotzdem er den Unglücksfall nicht einmal genau gesehen haben kann. Nunmehr referirte Genosse Jabn über:„Der 18. März und das Vermächtniß der Tobten." Die Slusmerksam- keit, mil der die Zuhörer den Aussühruiige» des Referenten folgten und der reiche Beifall, der am Schlüsse des Referats ge- zoll, wurde, zeigte, daß die Anwesenden sich der Bedeutung des 18. März voll bewußt waren. Beim dritten Punkt der Tages- rviniuiifl forderte Kamerad Neumann auf /den Zuzug nach dem Bau Mosel- und Rheiustraßcn- Ecke in Friedenau fernzuhalten. da sie daselbst säiumtlich wegen Kürzung des Stundenlohns die Arbeit eingestellt habe». Die Möbelpolirer hielten in ihrer Filiale„Osien" am 18. März eine gutbesnchte Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung die Tobten durch aufstehe» von den Plätzen. Aus den Werkstätten von Jerike sowie von Dräsel rvaren smmntliche Polirer erschienen und legten klar, warum sie einmüthig die Arbeit niedergelegt hätten. Die Versammelten erklärten sich solidarisch mit den' Kollegen und hoffen, dast in kürzester Zeit in beiden Werkstätten die Kollegen zu ihrem Recht vcrholfen werden. Eine gntbesuchtc Versammlung der Kistenmachcr tagte am 13. d. M. in den Armin-Hallen. Die Tagesordnung lautete: „Wann treten wir in eine Lohnbewegung ein." Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der Märzgefallenen durch Erheben von den Plätzen. Nachdem im Verlaufe der Debatte die meisten Redner den gegenwärtigen Zeit- punkt für einen Streik ungeeignet hielten, ivnrde folgende Re- sölution gegen zwei Stimmen angenommen:„Die heutige Ver- sammluiia erkennt die Nolhioendigkeit an, dast in diesem Jahre die Tarissrage erledigt werden muß und so bereiten sich die Kislenmacher vor, damit sie zur geeigneten Zeit in die Bewegung eintreten können." Im Verein zur Wahrnug der Interessen der Knopf- Zlrbciter nnd Arbeiterinnen sprach am 18. d. Mts., nachdem das Andenken der Märzgefallenen in üblicher Weise geehrt war, Fräulein Baader über das Thema:„Ohne ideale Bestrebungen hat das Leben keinen Werth". Tie Vortragende resumirte sich dahin, daß die wirklich ideale» Bestrebungen nur bei der aus- geklärten Arbeitermasse vorhanden sind. Sie erntete für ihre trefflichen Ausführungen großen Beifall. Unter Verschiedenem unterzog Kollege Spich das Verhalterl der Kollegen von den Firmen Leuschoiv». Markert, Kasche u. a. einer herben Kritik. Zur Zeit des Streiks in obigen Fabriken, als die Kollegen monatelang unterstützt wurden, da ivnßlen sie sich des Vereins zu erinnern; doch jetzt kehren sie dein Verein den öiücken. Dieses Benehmen wurde allgemein in der Versammlung verurtheilt. Nachdem noch aufgefordert wurde, das gemüthliche Beisammen- scin bei Wiedemann am 2. Osterlag recht zahlreich zu besuchen, erfolgte Schluß der Versammlung. Eine öffentliche Versammlung der Metallarbeiter, ein- berufen für die Arbeiter bei den Firmen Auerbach, Grünauer- straße 17, und Thiele u. Ko.. Prinzenstr. 86, tagte bei recht zahlreicher Bclhciliguug am 20. März im Klubhaus Südost. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde dem Bureau ein Schreiben des Herrn Auerbach überreicht, worin derselbe dagegen protestirt, daß über Mißstände, von deren Vorhandensein in seiner Fabrik ihm nichts bewußt sei, öffentlich verhandelt werden soll. Ferner erklärt er, daß die Arbeiter durch Anerkennung seiner Arbeitsordnung verpflichtet wären, bei Ausnahmefällen lieber- stunden ohne besonderen Lohnzuschlag zu machen; im übrigen mären seine Arbeiter bisher damit zufrieden ge- wesen und hätten sich wohl dabei gefühlt. Kollege Rüther dagegen erklärte, daß besagte Arbeitsordnung aller- dings einen derartigen Passus ciuhalte; Punkt II dieser Arbeits- ordnung schreibt aber eine S stündige Arbeitszeit vor, und zwar von früh 6ll2 bis nachmittags ö'/e Uhr, dieselbe ist nur einige Wochen(Rufe:„Niemals" und„nur eine Woche") iune gehalten worden. Seit über zwei Jahren ist 10 Stunden gearbeitet worden, eine Arbeitszeit, die durch Anschreibe» an der schwarzen Tafel willkürlich bis auf II Stunde» und darüber ausgedehnt wurde. Dasselbe gilt von der Firma Thiele u. Ko. Durch das Verfahren, nicht gleich allen Sälen zugleich, sondern nur einzelne» längere Arbeitszeit vorzuschreiben, wird die Solidarirät der Arbeiter vereitelt; in Arbeitssäle», in denen ei» aller Stamm vorhanden, lassen sich solche Maßnahmen leicht durchführen und gewöhnen sich die Arbeiter an derartige Korruptionen. Ein Beispiel korrupter Zustände, welches vielen An- wefenden ein lautes„Pfui" entlockte, nahm Rüther Gelegenheit, hier zu streifen. Vor kurzer Zeit feierte der Geheime Rommerzienrath Pinlsch sein Fabrikjubiläum, um ihn, anläßlich desselben, eine Büste zu schenken, war von den Arbeitern über I Jahr eine„freiwillige" Sammlung im Gange, zu welcher einzelne wiederholt 1 Mark auch 1,50 Mark beisteuerten, sodaß eine Summe von 4606 M. für das Geschenk zusammen- gekommen war. Anders waren seinerzeit denn doch die Löwe'schen Arbeiter zuwege gegangen, iudim sie zur Zeit in zwei öffentlichen Versammlungen gegen ein ebenfalls so„freiwilliges" Sammeln zu einem ähnlichen Zwecke proteslirten, und das mit Erfolg. Redner ersucht, etwaige anivesende Vertreter der Firmen, Miß- stände betreffend Ueberschreitung der 9sründigen Arbeitszeit zu widerlegen. Ein anwesender Vertreter von der Firma Auerbach erklärt, daß je»ach de» Geschäftsverhällnissen länger gearbeitet werde, Herr Auerbach seine Aroeiter aber auch in der flauen Zeit behalte, und bestrebt sei jedem gerecht zu werden; außerdem seien die Arbeiter ja mit der längeren Arbeitszeit zufrietcn. Einige Arbeiter versuchten dasselbe Loblied wie der Ver- treter dcr Firma zu singen, während andere Tiskussions- redncr sich energisch dagegen wandten und speziell den Anerbach'schen Arbeitern anheimgaben, Wandel zu schaffen, zumal von dem Vertreter betont wurde, wie werthvoll für die betreffende Firma die allen eingearbeitele» Arbeiter seien. Rälher wandle sich hierauf mit aller Schärfe gegen diejenigen Aussnhrungen, die seitens der Redner im Interesse des Fabrikanten gepflogen waren, wies sie auf ihre Pflicht gegen die Gesammtheit und gegen die Organisation hin, berechnete ihnen, daß sie, 150 bis 160 an der Zahl, durch täglich eine Stunde längere Arbeit während zweierJahre 15—16 Zlrbeilern ihren Broterwerb genommen haben. Er erklärte, daß entweder ein Fabrikant nicht mehr Arbeit zu übernehme» habe, wie bei geregelter Arbeitszeit mit den Arbeitern in den vorhandenen Fabrikränmen fertig zu stellen ist, oder, daß er weitere Räume und Werkzeuge für mehr einzustellende Arbeits- kräfte beschafft. Vor allen Dingen sei dem Ueberstundenunivesen energisch zu steuern. Dem Antrage:„Die heutige Ver- s a m m l u n g p r o t e st i r t ganz energisch gegen die tvillkürliche Ausdehnung der Arbeitszeit über die Arbeitsordnung hinaus" stinimten unter lauteni „Bravo" die Arbeiter der Firma Auerbach und der Firma Thiele u. Komp. ohne eine Gegenstimme zu. Der Arbeiterinnen- Bildiingsvcrein in Friedrichsberg hatte am 12. März eine Versammlung einberufen, in der Frau Schädlich über das Thema sprach: Warum hat die Frau nur Pflichten und kein Recht? Von einer Diskussion wurde Abstand genommen, worauf die Vcrsanimlung nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten geschlossen wurde. Eharlotteubnrg. Zu Ehren dcr Märzgefallenen fand hier am 13. März in„Bismarckshühe"«ine stark besuchte Bolls- Versammlung, an der sich erfreulicherweise viele Frauen bethei- ligten, statt. Da der angekündigte Referent, Reichstags- Abgeordneter Harm, nicht erschien, so übernahm in letzter Stunde der Genosse Klick das Referat. Redner gab unter dem Beifall der Versammelten einen kurzen Ueberblick der Vorgänge in den Jahre» 1848 und 1871. Mit der Absingung dcr Arbeiter- Marseillaise nnd einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Die Volköbersammlnng in Spandau, welche von den dortigen Genossen anläßlich der Märzfeier am Dienstag, den 19. März, in Bock's Lokal stattfand, war von ca. 500 Personen, darunter vielen Frauen besucht, welche weder Weg noch Wetter gescheut hatten, das Andenken der Gefallenen zu ehren. Genosse Jahn-Berlin referirte in etwa zweistündiger Rede über:„Ter 18. März und die Umsturzvorlage", indem er zunächst die Kämpfe des Proletariats im Laufe der Geschichte in eingehender Weise behandelte und nach Schilderung der 48er nnd 49er Re- volution ans die gegenwärtige Gestalt dcr Ilmsturzvorlage des näheren einging und die Ablehnng dieser als wünschenswerth voraus setzte. Tie Versnnimlung, welche mit der größten Aufmerksamkeit bis zum Schluß den Ausführungen deS Redners gefolgt war, bekundete am Schluß derselbe» durch brausenden Beifall ihr leb- Haftes Einversländniß mit dem Redner. Eine Diskussion fand nicht statt und ging man zum dritten Punkt der Tagesordnung über: Stellung zur Maiseier. Ter hierzu vcm Vorsitzenden, Stadtverordneten S ch r ö e r, gemachte Vorschlag, einen Ausflug, uachmiltags Versammlung mil'darauf folgendem Konzert voraussichtlich in demselben Lokal, wurde ohne Widerspruch an- genommen und die Genossen Ducksch, Schröer, Müller, Stein bring, Win dt, Sen stieben und Berlin als Komitee mit der Ausführung betraut. In die Loknlkommisflon wurden die Genossen Berlin, Kunkel, G l i e s e»nd P r e n ß gewählt. Nach einem kräftigen Appell an die Ver- samiileltt», mnthig auszuharren im Kampfe sur die Freiheil, schloß der Vorsitzende mit einem dreifachen Hoch auf die Sozial- demokratie die Versammlung. cZahIsiille VerUn Nord). Domitag, den ii. März, vormittags 10 Uhr: Beisammlung bei Witzel, Ackerstr. lts. Lachtierri» dcr Zlhrinach-r»»d»rrn>. Krrnfegcnosscn. Heute, Soonadei'.d, es. Mär,, abends g Uhr. Im Lokale von Wienerte, Alte Jrilob- firahc 85: Versammlung. Vortrag de» Herr» Mannes:„Abschossung der Enmb- und Bodenrente und deren Bedeutung sllr die SoUaldeuiokralte." Jtloodittr J)n>idn>ri-lirr-i'trtin. Hcule Abend 8 Uhr im ArluS-Hof, PerlebergeisUahe 23; Vortrag dl» Herrn 0r. xtiil.(5. Joel:„Tie heutige Naturanschciuung." Vrrs»i:g»>ia«vrre!n„Italla". Noland, Slsasserstraße Nr. so, i Tr.: Sonntag» Uhr, FidelttaS. SZ-I-ItlS-r-zcrrtn..Lrohfinn". Abends 8 Uhr bei HIetztg, Falilen- steinftr.«>: Sencrat-Verlamnilung. Arl>ritcr-Kilduna»sch»I«. Sonnabend Abend 7?;—»� Uhr: Lektüre. s*;— ioV; Uhr: Nord. Schule, MiUlerstr. I78a, Diilutir-Ncbunge»; Süd- O s»- E ch u l e, Waldemarftr. l«: Dtstultr-Nebungcn. sThema: Punlt 8 drS ijrfurter Programms über Nnenlgellltchkei! der ärztlichen HNseleisiung. Leiier: Tr. Hchman». Reserenl:h. Slalitzersir. 5i— 53.— S-mtschter Chor Gleichheit, Abends 8 Uhr, Zivingllstrabe«a im Resiauranl. Milgtieder werde» dascibst ausginouimen.— Buhueuvcrdand N o r m a n t a, jeden letzien Donnabenb im Monal Sitzung bei '44.— Thealerveretn Lustig« Brüder II, Sitzung jeden Sonnatcnd, Abend? s Uhr, bei Licichell, Hasenhaide Nr. 45/47.— Thcatergesellschaft Immer Lustig, Abends 8 Uhr, Sitzung bei Ruhr, Chorincrstr. 53.— Vergnügungsklub Oftend, Sitzung Abends 8 Uhr im Restaurant Rudolf. Kraulstrabe 6.— Geselliger Arbeiter- Verein Proletaria, Sonnabend nach dem l. und 15. jeden Monats, Abends 8 Uhr bei Sommer, Grünftrahe»I.— Rauchllub Blaue W 0 ll e II, Sitzung jeden Sonnabend 8 Uhr im Reftaurant F. Steuer. Weinstrabe 22.— Rauchllub Dornröschen, jeden Sonnabend, Abends 8 Ubr, bei F. Krüger, Fennstrabe s.— Rauchklub Unverzagt. Abends 8 Uhr bei Vogel, Lebuscrstr. 13.— Staitiub Blaue Blouse, jeden Sonnabend bei Wuitke. Graudenzerstr. 2.— Stattlub Revolution, Sitzung jeden Sonnabend 8 Uhr bei Hauptmann, Wienerslrabe l— 6— Skaitlub Brüderlichkeit, Sonnabend von 8— U Uhr Sitzung bei Wiltwe Lehn, Stralsundcrstr. 19.— BergnügungSverein Alpenveilchen, jeden Sonn- abend%10 Uhr Sitzung bei Ruppin, Blumenstr. 48.— Tamdourverein Ruf, Sonnabend, abends g Uhr, beim Restauraieur Sodtks, Jnselstr. l.— Ar- dctler-Zitherklud Frohsinn abends 8 Uhr im Restaurant Reich, Blumen- strab« 32. veasll Forening Freja, Oranienstrasse 5 1, Mddeafien hver Lördag Kl. 9. Besögende ere velkoninc. Dansks Aviser lindes i Lokale» Dcntschrr fc-ialdrinokrntl schcr frsrlilub tu pari». Rue St. Honore 314 Cafe du Ston de Beljorr. Jeden Sonnabend öffentliche Ber- sainmlung: reiche Bidltvthek, Feilungen, stanzösischer Uuierrichl, Zondo». Ter einzige hiesig« sozialdeinolratische Verein London?, der alle, von Karl Marx und Friedrich Engels 184» mildegründel« Kommunistische Arbeiter-Bild ungsverein bestndel sich nach wle vor 4» Tollenham Slrecl.Tonenham Eourr Rd.. W. London. VevnrisÄzkes. Wie Diplomaten daö Gesetz achten. Ein arger Skandal hat sich, wie das„Volk" berichtel, in Wiener diplomatischen Kreisen zugetragen. Die Vertreter auswärtiger Mächte genießen das Vorrecht, sich alles, was sie brauchen, aus de», Anslaude kommen zu lassen, ohne Zoll zahlen zn müssen. Ein hoher Botschaflsbeamler benutzte nun das Vorrecht, um sich seit etwa drei Jahren unter der Adresse der Botschaft bedeutende Mengen feinster Weine kommen zu lassen, die er dann zu», größten Theile verkaufte. Im Jahre 1394 soll der Herr mehr als 100 000 Flaschen Wein, die er zollsrei eingeführt hatte, ver- kauft haben. Schließlich wurden die Zollbehörden an den Grenzen aufmerksam und erstatteten dem Handelsininistcr Bericht. Dcr Handelsminister setzte den Minister des Acußeren in Kenntniß, und dieser benachrichtigte seinerseits die in Frage kommende Botschaft. Ter vornehme Schmuggler wurde sofort seines Postens enthoben. Zum Untergang dcr„Elbe" liegt aus Lowestoft folgende, vom Donnerstag datirle Nachricht vor: Infolge von verschiedenen Vorstellungen beschloß der Coroner die Unter- siickung über die mit der„Elbe" untergegangenen Passagiere ans unbestimmte Zeil zu vertagen. Dcr Coroner erhielt von der deutschen Regierung eine Miltheilung ihrer Absicht, den Ge- Heime» Negierungsrath Kapitän zur See a. D. Donner !zll entsenden, und zugleich die Anfrage, ob die Unter- suchung lveiter hinausgeschoben werde. Ebenso empfing er auch die Bitte um Vertagung von de» Eigenthümern der „Crathie". Was den Umstand betrifft, daß die Verhandlungen vor dem Rollerdamer Gericht noch nicht zu Ende geführt find. so verweigern die Eigenthümer der„Crathie", ihren Zeugen vre Zengnißablegung zu gestatten; sie machen geltend, es könne prä- indtzirend ans das Verdikt der englischen Jury wirken, wenn der Befund des Rotterdamer Gerichtshofes vorher bekannt wäre. Dcr Norddeutsche Lloyd theilte dem Coroner mit, daß die Zeugen in der die„Elbe" betreffenden Sache nicht vor einer Woche sich für die Untersuchung zur Verfügung stellen könnten. Besuchszeit verschiedener Musecu und soustiaer SehenSiviirdig?eite». Altes und Neues Museum am Lustgarten. Besuchszeit täglich, mit Ausnahme des Montags in den 6 Wintermonaten von 10— 3 Uhr, in den 6 Sommermonaten von s— 3 Uhr: Sonntags tm Aprtl— September 12 bi« 3 Uhr Ottober und März 12-5 Uhr, November und Februar li— 4 Uhr, Dezember und Januar 12-3 Uhr(Nncnlgcllltch).— Die National- gallerle in dcr Museumsstrahe. B-suchSzoir Wochentags von lo— 3 Uhr kMantagS ausgenommen). Sonntag» im April— Sepleinber von Ii di» 3 Uhr im März und Oklober 12—» Uhr, Februar und November Ii di« 4 Uhr' Januar und Tczember 12—3 Uhr illnenlgelllichj.— Kunst gewerb«. Museum Prinz RIdrechlslr. 7. Geöffnei an den Wochentagen(Montagü ausgenommen) im Sommer von 8—3 Uhr. im Winler von lo— 8 Nim. S 0 n» l a g S. Apr-l— September von 12—3 Uhr, Oktober und März 12—3«o- Rovember und Feb ruar 12—1 Uhr. Dezember und Januar i»-3 Uhr(Unenr gclilli).— Museum für Völlerkunde, Köntggrätzersir. 120. Besuchszeit wie tm Kunslgemerde-Museum sunenlgeltttch).-Hvgtene-Museum. Klosterftr. 3». B-suchszett Sonntags wie tm«unstgewerbe-Museum. Auher- dem Di-nstagS und FreNag« von 10—2 Uhr(Unenlgeltlich).— Museum für Nalurlunde, Jnvaltdenslr. 42 Besuchszeit Sonntags wie im Kunst- «ewerbe-Museum. Außerdem Montags und Sonnabend» von n-3 Uhr.— Museum für d e n I s ch- Bollstrachten und Erzeugnisfede« Hausgewerbe», Klosterftr. 33. Jeden Tag mit Ausnahme des Mittwochs von II— 2 Uhr gköflnet. Einlrittsgela: Erwachsene 50 Pf., Kinder 25 Pt., Vereine Eonnlags 10 Pf.— R- t ch S p 0 st- AI u s- u m, L-ipzigerstr. 15. Ge- öffnet Sonntags 12-2 Uhr. Montags, Dienstags. Donnerstags. Freitag» von U— 2 NHr(Nnentgeilitch).— Rath hau»,«öntgitraße. Geöffnet läglich außer Donnerstag und Freitag von II— 3 Uhr(Unentgelttich). AussichUihurm ooPf.— Kunstausil-tiung de» B-retnsB-rliner Künstler, Wilhelmstr. 82. Sonntags l>—- Uhr, Wochentags 10—« Uhr. 50 Pf. Eniree. — Sternwarte Einkeplay Sa. Mittwoch» und Sonnabends von 8 bi» I, Uhr Vormtltaqs.— Urania, Wissenschaftliches Thcaler.«ternivarie. Jnvalidenstr. 57-32. Geöffnet von 5 NHr Nachmittag« bis Iv-z Uhr Abends. Snlree 50 Pf. Zuschlag siir Thealer von 53 Ps. bi» 2 vi.—«q uarium Schadowslr. 14. Weössncl von 8-3 Uhr. Entree Sonntags 50 Pf., an jedem lelilen Sonntag im Monat 25 Pf.— Eastan's Panopttlum, Friedrich. straße. Geöffnet 10— 13 Uhr. Emtrilispreis 6« Pf.— Paffage, Panopttlum 10-10 Uhr.«tnlrlllspreis öd Pf.— Marin e. Panorama, Am Ledrter Bahnhos. Sonntags von 8—8 Uhr. Entree 50 Ps.—»atfer-Panorama, Passage(Unter den Linden). G-östnel von 8 Uhr Morgen« bt» io NHr Abends. 333 v-rschtedcne Reisen, Landschafls- dilder Jede Reise 20 Pf.— l!i« a p e l- P a n o r a m a am Bahn hos Thier- garten, zwei neue Tioramen:«alalomben des KapuzinerllosterS zu Palermo und V-suvonsbrn». Sonntags»5 Pf. Einirillspreis. Das Panorama ist bis k? Uhr Abends zu besichtige».— Zo alogischer Garten, Lützawufer. Sonnlag« 53 Pf.— Bari ig'»«arten Ulil Palmenhau«, Alt- Maabil 85—83. Eintrittspreis 53 Pf. Große Kerlwer Schneider-Akademie. 15111-" Lenlin L., Koßkv» Sckioss nue»>iio. I. Gröfitr«nd besuchtsste Fachschule;„Uciniger Zlntrrvi cht nach der«linbertreffbarrn und allgeniein al« belle anrekannte» Nlethode Kni)»». Wirkliche Garantie für gediegene theoretische und besondero praktische Auobiidung i» der Kerreu-, Kamen- nnd Mäscheschneiderei. Kostenfreier Stellennachweis. Prospekte gratis.— Ginpfrlflenvwrrth: Letzrbiicher für Herren- nnd Damenschneiderei.— Man beachte genau unsere Firma und Hausnumnier: nun tko. t._ pie Direktion. CÄ■ d Kaufen Sie nur echte Branntweine, 1*1� lY � alten ziordhäufer, Cognak, Nnm, Arrak � O, j, Engelke, Neue Jacobstr. 26. Kleinverkauf von 10 Ps. ab. ri B Schneidermeister, Oranienstr. 204. rTIi? DOCK, Herren-«.Knafcongariierolie, fertig und nach Maaß.— Garantie für tadellosen Sitz. Große Auswahl in deutschen und englischen Stoffen. _ Bestellungen in kürzester Zeit.— Billigste, feste Preise._ Gin fegnnngs Anznge in bla»«nd schwarz Kammgarn und Cheviot?n sehr billige», aber Mm»«mn, j ynjei,|,aum 5r Frankfürterstr. 139. Feste Preels. Spezial.: Anfertlgnna nach Maas«. Feste Preise. Spiegel und Polster-Waaren. Ausstattungen in Walfagoni u. Knßbanm; Küchen- »nöbel empfiehlt;?rslsU»ton auf Wunsch franco.* ? Franz Tutzauer, sw. Biucherstr. 14. Nußbaum- Möbel. Verkaufe sof. vollständige Wohn- und Schlafziniiner-Einricht. spottbill., auch einzeln, sowie Regulator, Teppiche, Bilder, Steppdecken, Plüschgarnitur (Brautleuten empfehlensmerlh). Land- ivehrstraße 5/6._* . Utenstli,,» und ' Ulolkereigcräthe. Jordan, Kleine Marknsstr. 28.* Mlitechbrik-Wechlltt ist wegen Todesfall zu verkanfen. Trockenofen niit Dampf, Blöcke, Näh- Maschinen, Regale u. Vgl. bei Meier, Franlecknltr. SJ5. 8 Tr. 153b Tuchstoff-Reste zu KnabenanzUgen, Gelegenheitskauf, spottbillig. Herrenhosen-Reste 5 M., feinste Waare. Münzstr. 4.[45|2 Papageien, Kanarien- , rollet, Heckweibchen. Heckbauer bill. Schnelle, Jnvalidenstr. 7. Wirthschaften, reell nnd billig, panerlsoptza, gebraucht, Andreas- straße 12, Keller. I51b Empfehle mein Meiß- u. Kairisch- Bierlokal. USb E. Reichert, Willibald-Alcxisstr. 22. föffiiifrnm-®efc�aft 31oUe' M-hi' �lUUllllul'u. Vorkost wegen Todesfall. Ausk. BeniSke, Graudenzerstr. 14- Herren-äseiige naeli tess 33 B.".'"•s-ä; Sommer-Paletots nac!) Maass 30 Einsegnungs-AnzUge nach Maaß für Äl> ZU. in guten reinwoll. Stoffen. JOT Achtung 1'9U Zahnersatz, auch Theilzahl., wöchentl. I Mark, G n ck e l, Lausther Platz 2, Elsasserstr. 12._ Reell und billig kailft man in der Norddeutsche» Schuh- fabrik von V. Hitsohke, gegründet 1872, Skalitzerstr. 13, Ecke Admiralstraße, au» Koltbuser Thor. 1337L" Achtung I Rein l-nrien, Hontroll-Srisntzmarke. Nur eigene Fabrikarion, 25 Zigarren 1 Mark. Gnranlie rein amerikanische Tabake. Rippenrabak 2 Pfv. 70 Pfg. 14631." K. F. Kinsiage, _ Kottbuferstr. 4, Hof vart. Hosen! Hosen! billig Pfandleihe Skalitzerstr. 13. Briesiukkt«,"XLZwT" knifft Kaim, Friedrichstr. 236, SVlartin Klein, Zlhrinacher, q- äO Neue Hoch-Strasse&0 Lager aller Arten Uhren. Reparatur»» in soliden Preise« Wohnungen, 1—3 Stuben von 7 bis 30 M. monatlich, sofort od. z. I.April Hennigsdorferstr. 26.__ 1633L" Kchnlstr. 50 sof. u. später: Wohnungen 1 St. 1 K. Wolga sterstr. 3— 4 soj. u. später: Wohnungen 2 u. 1 St. 1 K Maybach-Ufer 2 1 Laven»i. Wohn. evtl. in. Berwaltg I St. 1 K. Hinterhans 1, 2 u. 3 Tr Nolleildorfstr. 20, Hofw., IV. 240 M. Füstlierstr. 13 bill. Wohnungen 1 und 3 Tr. 2646b Bord.-, Gart.-, Hofwohn. 7—36 M. monatl. Hennigsdorferstr. 28." Theil». z. möbl. Schlafstelle, 2fenstr. Mauteuffelstr. 26 v. 2 Tr. b. Kalusche. Schlafstelle Am Friedrichshain 32 H. 3 Tr. bei Jkehbein. 139d Junger Manu sucht z. 1. April gute Schlafstelle, allein. Off. an Müller b. Hermsdorf, Franks. Allee 109 1 Tr. Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perautlvortung Tlseater. Sonnabend, den 23. März. Opernhaus. Rienzi, der letzte der Tribüne». Zchan spiel Hans. Wie die Alten sungen. Deutsches Theater. Die Weber. Lesstng- Theater. Der Königs- lieutenant. Hierauf: Eine Partie Piquet. f erliner Theater. Nathan der Weise. «stdens-Theater. Fernand's Ehe» kontrakt. Zteue» Theater. Ferrsol. Schiller- Theater. Die Journalisten. Friedrich- Mühelmstadt. Theater. Der Odersteiger. Theater Unter de» Linden. Nanon. Central-Theater. Unsere Renliers. Adolph Trust- Theater. Madame Suzette. Kellealliauce» Theater. Verliebte Mädchen. Alrranderplah- Theater. Durch- gegangene Weiber. Zlatioiiat- Theater. Die lebende Brücke. Rrlchshalleit- Theater. Spezialitäten-Vorstellung. American- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Saufmaun'« Uansts. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Schiller-Thealer. (Wallner- Theater.) Konnabend, 23. März, nachmittags 3 Uhr: Grarchn», der ZJolKs- tribnn.— Abends 8 Uhr: Die Journalisten Sonntag. 24. März, nachm. 3 Uhr: De« Meere» und der Liebe Melle«».-■ Abends 8 Uhr: Die Journalisten. Montag, 2S. März, abends 8 Uhr: Prin? Friedrich von Kouiburg. Dienstag, 26. März, abends 8 Uhr: Die Journalisten. National-Theater. Große Frankfnrterstraße 132. Direktion: Max Samst. OstT* Sensationelle Novität! Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft William valeter vie lebenilo Li'üeke. Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akte»(II Bilder»), nach dein Eng- tischen von Sntton Vane, übersetzt von §. Schwab. Dirigent: ASolpli Wiedecke. lektr. Beleuchtnngseffekie v. Lakolvsky. Regie: ILar Lawst. Aassenöffnung ll'/sUhr.- Ans. 7>/-Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. MolphLrvLt-l'kkatkr Zunr ersten Male: Madame Kmette. Vandeville in 3 Akten von Ordonneau. Musik von Edmoud Audran.(Novität) In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 7l/s Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. tteHM-'HikAter Alte Jakobstrasz« U r. 30. Emil Thomlis a. »ovltäh! Zum SS. Male: Novität! Unsere Uentievs. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Alten von Wilhelm Maunstädt und Julius Freund. Musik von Julius Eiuödshofer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang>/e3 Uhr. Sonntag, den 24. März 18Sb, nachm. 21/J Uhr: Wohlthätiglreito- Darstellung. Euiü Thomas. Oskar Blenke. Die Leibrente. Schwank in S Akten von G. v. Moser. Billels zu dieser Vorstellung sind von heute ab an der Kasse des Central Theaters zu haben. töryue Variätä (frQhep Circus G. Schumann). Sonnabend, den 23. Uärs 1895, nachm. 4 ühr: Gr. Kinder-Vorstellung. Erwachsene zahlen die bekannten kleinen Preise, Kinder auf allen Plätzen nur SSS" 20 Pf.-MlZ Abends 7V* Obr: Gr. Volks-Vorstellung. Auftreten sämmtlicher Künstler, u. anderem auch des Kauonenkönigs Mr. Holtum aus Chicago. Kleine Preise.-Wg Loge 1,50 M, Parquet u. Tribüne 1 M. 1. Platz 75 Pf. 2. Platz 50 Pf. üallerie 30 Pf. Sonntag, den 24. klärz, am 4q. T'/eühr: 2 gr. Elite-Vorstellungen. Urania Anstalt für Tolksthümliche Naturkunde. Am Landes-Auostellungspark (Lehrter Bahnbol). Gefiffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. KatifmamTs Variete. Jet rtte M-Eefch dieser Saison! Gastspiel von Emil Burlesqne mit Gesang und Tanz von Lmil Xauelik& A. Frankel Mnsik von O. Blume. biauclie als Dprelerinl Kauche als Oascaileurl Naucke als fliegender Uensch! Naucke als Komiker. Passage- Paneptin. 27 Gitanos (andalnsisclie Sänger, Tänzer u. Tänzerinnen) Vorstellung um 4, 5, 6, 7, 8 u. 9 ühr. Feea-Paiast Durgstr. 22, neben der Körse! und seine originell dressirten Esel, Schweine, Perke!, Katzen, Hnnde, Hühner u. f. w. B 1 o ii d i n j u n i o rn |Ser beste Tanzkünstler d. Gegenwart.� «In. SUhlno. ????? Das RälHsel.????? Wilhelm FröbeB mit einer ganzen Waggonladung neuer zündender Coi�plets. j!! Grosses Brognunm!� Anfang: Wochen i. l'/e, Sonntags 6>/sUhr. Kassen öffn.l Stde. vorher Unter äen Binden 21. £inzig in seiner Art. Heute Täglich abends V,8 Uhr Orlental. Preise; 3, 2 1 M. Sitzplatz. Jeden Sonntag Nachmittag 4 ühr: Familien-Vorstellung gW*' zu halben Preisen. 99 Sanssouci" Kottbnserflraße 4 a Jeden Sonntag n. Donnerstag: Steitiner Sänger. 4272. Soiree in Berlin. (Rleysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Ans. 7 Uhr. Entr.50Pf. Heu! Zum Schluß: Nsn! Der Orcliesterverein inFriesack. Ensemble von Meysel. Dienstag: Böhmisches Brauhaus, j Sonnabend, den 23. Mörzi xamilikn-KrSnOeil. Hierzu ladet sremitlichst ein kr. 2üdejl, McHr.lljk. vastsn'L kanoptiknm. me hligelvesen!� Di« Riesen dr» dunkeln Erdtheils: vie vistiis. 40 Männer, Kranen u. Kinder. Bas scheekige Mädchen Marietta. „Präsident Fairer Parodie-Theater Granien-Straße 52(am Moritzpl.). Die Weber. Vorher: Aladaui« 8auS'Geiie. Zum Schluß: UeitNÄth. Kasseneröffnung 6V2 Uhr. Ans. 7l/2 Uhr. Bluk-Ämmi Tempelhofer Berg. 57. Bock- Saison. Militär-Konzert. Anfang 5 Uhr. Konntags 4 Uhr. Kerichtignng. Die Beerdigung meiner Frau findet nicht Sonntag, sondern Sonnabend nachm. 31/2 Uhr von der Leichenhalle der Charitee aus statt. Der trauernde Gatte Rod. GoddSus, 50 M. Kelohmmg! Zwischen dem 10. und 13. März sind mir aus meinem Stadtbahnbogen Nr. 63 in der verl. Schvnebergerstraße 2 Fuhren Dachpappen gestohlen worden. Die Umhüllung trägt folgendes Etikett: Asphalt-Stoinpappe Klasse I oder Asphalt-Klebepappe Klasse I u. 0 aus der Pommerschen Asphalt- und Sleinpavpen- Fabrik Wilh. Meissner, Stargard-Pommern. Wer mir Mitlheilnngen machen kann, auf grund welcher ich den Tbäter be- langen kann, erhält obige Belohnung. Meldungen sind zu machen aus jedem Polizeibureau und in meinem Komloir mm. Hoff mann, Uli) dt er u st f. 51. für Brautleute: Im Möbelspeicher Neue Königsir. 59. vorn I., sollen über 100 Wirlhichaftseinrichtungen, kurze Zeit verliehen gewesene». neue Möbel spottbillig verkanst werden. Ganze Einrichtungen 100, 150. 200—1000 Ai. Theilzahlung gestaltet. Beamten ohne Anzahlung. Kleiderspindeir 15, Küchen- spinden, Kommoden 12, Sophas 15 M., Bettstellen mit Sprungfeder-Matratzen 18, Nußbaum-Kleiderspinden 30, Stühle 3 Mark, hochfeine Mnschelkeiderspinden 40, Plüschgarnituren 60 Mark, Herren- schreibtische, Damenschreibtische 30. Cylinderbureaus, Schreibsekretäre 15 Mark, Garderobenspindcn, Paneel� sophas 75, Büffets, Trnmeans 65 M., Betten, Conlissentische, alles spott billig. Auch einzelne Gegenstände werden zu Engrospreisen verkauft. Empfehle allen Herrschasien, mein größtes Möbellager Berlins zu besichtigen n. sich von den staunend billigen Preisen zu überzeugen. Gekanfle Möbel können bis April kostenfrei stehen bleiben und werde» durch eigene Ge- spanne transporlirt und ausgestellt. 83 Extrafeines KlchNthl 00 in Leinen-Beuteln k 10 Pfd., a Vi Ctr., a l/8 Ctr. Mt. 1,20 2,85 6,60 Bou V« Ctr. ab frei in's Haus. �Weizenmehl-! Niederlage |Paisl Ziegie�l Mühleustraße 8 nahe der Warscbauerstraße. M Neu eröffnet! � tSASiöiiarell-Füljl'ik iL, llithner, Granieu-Straffe Ur. 206. Hanptgeschäst: Uosenthalerstraste Ur. tS. Zu außergewöhnlich billigen Preisen werden verkaust: Hemnstlekeln von 4,75, 5,00, 6,00, 7,60 bis 10,00 Mark. Damenstiekeln von 3,50 Mark bis zu de» elegantesten, soivie jede Sorte Schuhwaaren.* Deutscher Holzarbeiter-Berbanb. Sonntag, den 24. März, vormittags 10 Uhr; Bpanchesv-ITersammHung der Hursten- u. Pinselmacher im Lokale des Herrn Rehlitz, Bergstrasse No. 12. Tages-Ordnung: 1, Unsere schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse und welche Stellung nehmen wir hierzu? 2. Das neue Werkstatt-Vertrauens- Männersystem. 3. Verschiedenes. Alle Kollegen und Berufsgenossen, auch NichtMitglieder werden dringend ersucht, zu erscheinen. 141/9 AAu»! Drechsler und Berufsgenossen. M«! Sonntag, de» 24. März, vormittags 16 Uhr, im Lokale des Kerrn Schneider, Annrnstrahe 16; Große öffentliche Wersammluug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Theodor Metzner über:„Die wirth- fchaftlichen Krisen und die Arbeitslosigkeit." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 203/10 Der Uertrauenomaiu» der Holsarlleitev: E. Wiedomann. Lerbilild der in Bchbilldtreie«, der Papier- und Ledergalanteriewaaren-Jndustrie beschäst. Arbeiter u. Arbeiterinnen(Mitgliedschaft Berlin). Dienstag, den 26. März, abends S'/e Uhr, bei Oeigmttller, Alte Jakobstrasse No. 48 ai DV" Miiglieder-Nersammlmtg."WD Tagesordnung: I.Vortrag des Herrn Br. Hermann:„Wie ist für den kranken Arbeiter gesorgt?" 2. Mitgliedschaftsangelegenheiten. Tie Sperre bei J. P. Hamann, Beuthstraße. 3. Verschiedenes. 78/1__ Der Dorstand. Achtung! Köttcher. Achws! Sonntag, den 21. Ulär?, nachmittags 4 Uhr, im Lokale de» Aerrn Pritz Wiike, Attdreitvstraffe 26: 97/14 □ef fentliche Versammlung der Böttcher Berlins und Umgegend mit Frauen. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. Bor Elnhernler. Nach Schluß der Versammlung: Geselliges Beisammensein verbunden mit Tanz und hnmoristlschen Vorträgen, arrangirt vom Verein der Böttcher. Aufruf I Sämmtliche Maurer, jung und alt, welche auf dem Boden der losen Zentralisation stehen, werden hier- durch aufgefordert, am Sonntag, den 24. März, in der Maurer- n. Putzer-Versammlung um 9-/-Uhr vormittags, pünktlich zu erscheinen. 189/9 Tie Vertrilileilsmünner der Murer Berlins und Umgegend. I. A.: B. Lchnlz, Swinemünderstr. 33. Ftaktamg! Achtung! Stock- und Schirmarboiter und-Arbelterinnen. Sonntag, den 24. März, abends 6'/- Uhr: it» den„Industrie-Festsälen", Keuthstraffe 26, I.(nicht 22.); Oefientliche Versammlong. Tages-Ordnung: 229/9 1. Vortrag des Genoffen Sasseudach über„Heinrich Heine". 2. Diskusston. Um zahlreickes Erscheinen ersucht Di« Agitations-Kommifston. IfL. Nach der Versammlung vera»stallel unser Verein ein geselliges Del sammru sein mit Tank, wozu die Mitglieder frenndlichst eingeladen werden. Der Vorstand. Fachverein der Musikiestrümenten-Arbeiter. Montag, den 25. Mär?, abends 8'/z Uhr, im I.okalo des Herrn Deigmiiller, Alte Jakobstrasse 48a i fPST Versammlung."Mg Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Regierungs-Baunieister Gnst. Keßler über: Kultlireutivickelung und Form von Staat lind Gesellschaft". 2. Diskussion. i. Abrechnung vom Maskenball. 4. Vereinsangelegenheiten. Die 5iollegen werde» gebeten, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 204/15 Oer Vorstand. Wedding. Achtung! iloabit. Sonntag, de» 21. Miir? 1865, abends 5 Uhr, im Kolberger Salon, Kotbergerstraße Ur. 26: Vttsill!li!!llingfjlrMnilern.Frlliien. Vortrag des Genossen vtle Stelubarth von ver Arbeiter-Bildungsschnle über:„Tie technische Revolution mit besonderer Berücksichtigung der Frauen." Tellersamnilung findet statt. Nach der Versammlung MZl- Vanz.-�bg Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet Her Vorstand des Frauen» und Mädchen- Bildungsvereins 126/20(Filiale Moabit). Cdpemck. Große öffentliche Versammlung «Non Aphsetsn u. Arbeiterinnen Mittwoch, dr» 27. d. M., abend» 7� Uhr, in Klein'« Hotel. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Ueichvtagv-Abgeordneten 1. Seisert über„die wirthschaftliche und politische Lage." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht aller Arbeiter und Arbeilerinnen ist es, pünktlich zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten Eutree 10 Pf. Arbeitslose haben freien Zutritt. 70/1 Vertrauensmann®. Schüler. Meinen werthen Freunden und Bekannten zur Kenntnißnahme, daß ich 36 Iiidrnstraße 36. Weiß- und Bairifch- Bier- Lokal öffnet habe. MF- Urrelnszimmer stehe»?ur Verfngnng."MZ I früher Büffetier im Restaurant R s»,� xbrenberg, Annenstraße 16. Mimhr-Wrk i. Berlin. (provinzial-Infanterie, Pamensanfanosbnchstabe« A, bis II» Bekannt machung betreffend die Fruhjahrs-KontroUversammlungen im Jahre 189?. Die Frühjahrs-Koiilrollversammlungen der in Berlin wohnhaften und vom Bezirkstommando I kontrollirten Mannschaften werden in der Zeit vom 4. bis 11. Aprit er. au folgenden Tagen und Stunden abgehallen werden: >. Für die Mannschaften der Reserve der Provinzial-Jnfanterie. zlamenvanfangsbuchltabe» A. und B. Jahrgang 1887 und 1888 am Donnerstag, den 4. April, vorm. 8 Uhr, 1839.. 1390..„ 4..., 10 „ 1891, 1892, 1893tl. 1894,,„„ S.„„ 8 B NamrnsanfangsbuchAabe» C. D. F. und J. Jahrgang 1891, 1892, 1893 u. 1894 am Freitag, den s. April, vorm. 10 Uhr, „ 1837 und 1883„ Sonnabend,„ 6.„„ 8„ „ 1889 1890....„ 6.... 10.. ziamensanfangsbnchOaben G. nnd H. Jahrgang 1887 und 1888 am Montag, den 8. April, vorm. 8 Uhr, 1839.. 1890..„ 8.„„ 10.. „ 1891, 1892, 1893 u. 1894 am Mittwoch,„ 10.„„ 8 H ZIamensanfangsbuchst-ben E. und K. Jahrgang 1891, 1892. 1893 u. 1894 am Mittwoch, den 10. April, vorm. 10 Uhr, „ 1837 und 1888„ Donnerstag„ 11.„„ 8„ 1339„ 1390„.. II.... 10.. in der Kaserne des 2. Garde-Dragoner-Regiments; Eingang Bärwaldstrajze. II. Für die Mannschaften der Fandwehr 1. Aufgebot» der Pr«vin?ial Infanterie. Atamenoanfangobnchstabrn A. B. C. D. E. F. und I. Jahrgang 1336 und 188S am Donnerstag, de» 4. April, vorm. 8 Uhr 1834 1833.,.. 4.„ 10„ „ 1882„ Sonnabend., 6.„, 8 B ZlamensanfangvbuchKabe» G. H. und K. Jahrgang 1886 und 1885 am Freilag, den 5. April, vorm. 8 Uhr 1884„ 1833„„.. 5.„„ 10 „ 1882„ Sonnabend,„ 6.„„ 8„ Iii. Für die Mannschaften der Ersatz-Reserve der provinziai- Infanterie. Rnmrnoanfangsbnchftaben A. B. C. D. E. F. und L Jahrgang 1894, 1893, 1892, 1891 und 1890 am Sonnabend, 6. April, vorm. 10 Uhr, „ 1889 nnd 1338„ Montag, 8.„„ 8„ „ 1887, 1886, 1885, 1884, 1883«. 1882,,„ 8..,„ 10„ Uamensanfangsbuchllaben G. H. und K. Jahrgang 1890, 1891, 1892, 1893 nnd 1894 am Mittwoch, 10. April, vorm. 8 Uhr, 1888 und 1889„„ 10.„„ 10„ 1332, 1883, 1834, 1835, 1886». 1637 Donnerstag. 11. ,... 8„ Die Beorderung»u den KontroU-Dersammlnngen erfolgt nur durch ölfentliche Bekanntmachung; besondere Gestellungsbefehle ergehen nicht. Die Militür-Dapiere sind mit?ubringen. Welchem Jahrgänge jeder einzelne zugehört, ist auf dem Deckel de» Miliiar-Dasses vermerkt. Für die in den Dororten Wohnenden erfolgt besondere Bekannt- niachung durch die Kreis- pp. Blätter und in einzelne« Orten durch öffentlichen Anschlag. Stoong ueslie BeilieniHng, LScliylBii@ister Schneidermeister, Dresdener-Strasse 4, Kottbuser Thor, empfiehlt zur bevorstehenden Saison nachstehende Spezialartikel: Gin segmmgs-Anznge wollenem Satin, Kammgarn u. glatte z«Mtt-A»jiizl t f äs°'.n,° in glatten Diagonal-, Kammgarn-, Cheviot- u. Satin-Stoffen, 1- u. 2reihig....... modernster Farben in Satin- u. englischen Cheviot-Stoffen, eleg. Ausführung > 1- und 2reihig, in rein- glätten Tuchstoffen von M. 12 an. 18-24 20-35 stiaik-Antna- i. guten, wollenen, schwarz. Kammg.- gloU'/tltjUljr u. Satin-Stoffen� moderner Fa?ons 22-30! 25-38 1 30-45 15-30 1 20—35 18-27| 5-10 8-14| CchAAiM StiJSlÄ N-7° ?s|» echtfarbig in Satin und Diagonal iZsIfMrisX i.hochf.Kammg.- u. Cheviot-Stoffen R. Saclfayons, ohne Naht.... ik«tnks-ih»l«'» dauerhaft., wollenen Stoffen, versch. Fltinllllvlt Farben. Kammgarn und Cheviot. Beinkleider, in engl. Dessins und engl. Fa?ons. Knabenpaletots, Knabenanzüge kleidsamer Fagons in großer Auswahl Schulanzüge in Cheviot-, Velour- und dauerhaften Zwirn-Stoften, 1- und 2 reihig zc. 17462' Bestellungen nach Maass von englischen, französischen und deutschen Stoffen werden in eigener Werkstatt unter meiner persönlichen Leitung gnt nnd hillig ausgeführt. Begründung des Geschäfts 8870.' Zum rothen Cylinderhutl Hüte 1256L* mit Arbeiter-Kontrollmarke. Angwahl in Schirmen. A W. Zapel, Skalitzerstr.131 neben Frister& Rossmann. Möbel aller Art, in Mahagoni u. Nussbaum in grösster Ausw. hilligst bei A.Schatz sr., Brunnenstr. 160. __ Für WieeSer Verkäufer!____ 6er. Schinken 6—12 Pfund schwer, ä Pfd. 65-80-86., Ger. Speck, von 5 Pfd. an, ä Pfd. 56-60-63 Pf. Salami-, f. Leber- u. Schlackwurst, 5 Pfd. gemischt, a Pfd. 75 Pf. Roth-, Zwiebel- u. Mettwurst, 5 Pfd. gemischt, ä Pfd. 48 Pf. Pökelkamm, ohne Knochen, ä Pfd. 60 Pf. isoes* J. A. Parlenhelmer, Kaiser MilhelmUr. 19a, n. d, Markth., a. d. Münzstr. Nilkplm! Weiö- u«) KairisGm-Lsklll, IBllllvtilM II v i Mgldemarstr.Ol, Ecke Mariannenplatz. Hochfeine Weiße, vorzügliches Lagerbier(Uranerei FlobelLaork), kalte und warine Speise» u. Getränke zu jeder Tageszeit. Vereinsniminer mit Pianino für 40 Personen. Zahlstelle der„Berliner Banhandwerker-Krankenkasse", unentgeltlicher Arbeitsnachweis und Verkehrslokal(jeden Sonntag Morgen- spräche) der Maurer des Süö-Ostens. 1743L' Vollst. schnierzl. Zahnziehen IM. Plomben 1,50 M. Rep. IvllIlSU.AiullllCgof.Tbciiz Zahnarzt Wolf, Lelpzigerstr. 22. Spr. 8-7Dhr. Hut-Engros-6eschäff v$n 1741L* Alwin Sussmann9 Holzmarktstraße 38, Part, rechts. Grösste Auswahl in dieser Branche. Steife und weiche Herrenhüte von 2,—, 2,40. Extra- Qualität 2,30. KinderhOte von 1,— an. CylinderhAte von 5—10 M. Chapeau-Claques 9—12 M. Möbel- Gelegelcheitskanf zu außergewöhnlich billigen Preisen. Für Brautleute ganze Einrichtungen von 200—1000 M. Theilzahlung ge- stattet. Elegante Nußbaum-u. Mahagoni- Kleiderspinden und Vertilows 30 M., einfache 15 M., Sophas, Bettstellen mit Matratzen 20 M., Maschtoilctlen, Küchenspinden, Kommoden 12 M., Stühle 3 M., Sophatische 6 M., Sänlen- Trumeaux 65 M., Plüsch- garnitur 60 u. 100 M., Mnschelspinden 40 M., Pancelsophas 80 M. Büffets. Silberschränke, Herren- Schreibtische, Schreibsekretäre, Zylinder- Bureaux, Spiegel. Wenig gebrauchte Möbel zu halben Preisen und sollte es niemand versäumen, der gut und reell kaufen will, mein großes Lager zu besichtigen. Gekaufte Ntöbel werden bis 1. April kostenfrei ansbewahrt, transportirt und aufgestellt. 1664L' Schützenstr. 2, Möbelfabrik. NeiMiiilckfte BepijSpIle Berliner In Flaschen und in Fässern. Fabriken und Mrrkstatte» erhalten Wirderverkäufer-Preise. 8eii. Export-Weissliier- Orauerei A. Seidler Schöneberg— Berlin W. Sedanstr. 73-75 u. 82. „ Alle V fallen es erfahren! Durch Ankauf auf AnKtionen und von Konkurs» maffcn bin ich in der Lage. iedes Stück billiger zu verkaufen, als alle anderen Geschäfte! Ich verkaufe daher: Hoch- elegante Einsegnungsanzüge v. 9,50 M. an, hochfeine Herren-Sommer-Palelots v. 9,75 M. an, elegante Damenmäntel n. Jaquets von 5,50 M. an, hocheleg. terren-Anzuge v. i2,50M. an, hochfeine erren-Hosen von 2,75 M. an. Leder- u. Arbeits-Hosen zu 2,35 M., hocheleg. Kellner-Jaquets u. Hosen v. 4,75 M. au. Knaben- und Burschen-Anzüge in allen Größen. Hüte, Schirme, Stöcke. Wäsche, Stiefel, Koffer, Operngläser, Keffel, Re- volver, Teschings. Gewehre, Harmonikas, Betten. Uhren, Ketten, Ringe u. s. w. zu enorm billigen preisen! Gustav Lücke, 131. Granienftr. 131. Mer-Weckge. Eine auswärtige Brauerei, die in Berlin Kundschaft hat, sucht einen ge- eigneten kautionsfähigen Vertreter. Solche, die Kellerei und Fuhrwerk haben, werden bevorzugt. Offerten unter A. B. I an die Exp. d. Bl. erbeten. 150b Ausverkaui o.'Möbeln, Spiegeln u.Poloter- waaren wegen Aufgabe des Laden- geschäfls zu herabgesetzten Preisen •Julius Apelt| Sebostianstr. riO._ von Schuh n. Stiefel mit Kontrollmarke.[1462L* Empfehle mein Schuh- nnd Stielet- Geschält Gr. Ausw. i.Winter-Ärtiheln. Louis Zaake, Küstrmer Platz Nr. 8. Hobelbänke v. TiMrnierkzeug billig zu verk. Zehlendorf, Königstr. 13. Jede Uhr zu repariren und reinigen kostet bei uns unter Garantie des Gtltgehens nur i Wik. 50 Pfg.(außer Bruch), kleine Reparaturen billiger. Großes Lager neuer und gebrauchter Uhren, getragene Uhren von 5 M. an. Neue filberne Cylinder-Remontoirs, 6 Steine, von 12 M. an, do. 10 Steine, von 16M. an, goldene Damen-Rcmontoirs, 14-Karat Gold v. 24 M. an. Gold- und Silber- waaren in gr. Auswahl zu Fabrikvreisen E. Rothert& Stolz, 5466L* zllirmachcr._ Geschäft: Andreasstr. 62. ff Chausseestr. 78 Frfihjahrs-Hflte in modernster Ausführung für Damen und Kinder, garnirt und ungarnirt, empfiehlt zu billigsten Preisen Siegfried Sa bor, Kleranderstraße 22, nahe dem Bahnhof Jannowitzbrücke. Arbeiter nur Hllie mit > Kontrollmarke Achtung: Ssal � V"" Kiihur mit noch zu vergeben. Buske(früher Scefeldt), Grrnabirrstr. 33. - Eröffnung! Mache meinen vielfachen Freunden und Bekannten die erzebene Mit- theilung, daß ich am 1 ein Weiß- n. Bairisch-Bier-ZM eröffnet habe. Mit dem Ersuchen, das mir bisher geschenkte Wohlwollen und Vertrauen auch ferner zu bezeuge», zeichnet achtungsvoll Louis Ehrenberg (früherer Inhaber des Lokals Annenstraße 16). Destillation mit Nebenräumen und großem Vereins- zimmer, existenzsähig, an einen Partei- genossen zu verk. Swinemündernr. 45. iTulWernau's Waumt „Zur Erholung" C., Rosenthalerstr. 57. Vereinszimmer. Kalten, warme Speisen. Glas Bier 10 Pf StmeSjiMersmÄ-'LM,-. Mtoll Boeker's Restaurant, NllllmiHr.78. Verkehrslolral und ArheUsnachveis der Nnsihinstrnmenten-Arbeiter. Gemüthl-kamillcnanienthalt. Vereinszimmer. Franz. Billard. Oswald Grauer! 181, Vranieustr. 131. Zimmer iilr Vereine mit Piano, 40—80 Personen fassend. 99" Kegelbahn."*6 Mart. Berndt'3 Würstelstube empfiehlt nach wie vor alle» Freunden und Bekannten seinen vorzuglichen Frühstücks-, mittags- und Abendtisch. Jeden Sonnabend von 6 Uhr ab: ll. Eisbeine. Für gute Biete ist selbst. verständlich bestens Sorge getragen. Um zahlreichen Besuch bittet Hartin Berndt, Oranien- u. Alexandrinenstraßen- Ecke. Barl'tutzaller Admiralstr. 38. I OCF" Säle für Vereine. ICegelbahn noch einige Tage frei. Fest-Siml _ Küjne Brunnenstr. 188 (500 persou««) zu Versammlungen und Feftlichkeiten noch einige Tage frei. W. Gründel. Etablissement„Süd-Ost" Waldemarstr. 79. Empfehle meinen Saal(500 Personen fassend) und Restaurant zu Versamm» lungen und Festlichkeiten jeder Art. Sonnabende u. Sonntage sind noch frei. 1865L' C. Ulrich. Englischer Hof Zleue Uoststr. 3. Feßsiile Mb Vereillszmlller. hisiZrl? kosten 2 Kabinet. • it/i iflctl h, und 12 Visitbilder bei Böhme, LiudenSr. 43, gegenüber der Zimmerstraße. empfiehlt sich in und m�in.a Mauteuffel-Str''�"Hf l.p Forsber» Irifmln, außer dem Hause ArbeitsiRrtt. Ueber die Buchbinderei von tl.B.Hamaim, Mir. 5, ist infolge der unsittlichen Handlungen des Inhabers die Sperr« verhängt. Zuzug ist fernzuhalten. 73/2 Der Drrtrauenomann. Möbelpolirer! Wegen Differenzen ist der Zuzug von Polirern bei Jericke, in Firina pückmartt,& Riegel. Wienerstr. 50, und Dräsel, Admiralstr. 7, bis auf weiteres fernzuhalten. 201/20 Die Kommisstau. In der Firmenschilder-Fabrik von J. Kaufmann 1456 ist die erste Stelle als Kuchssabeu- Klempner sofort dauernd zu besetzen. Tüchtige Mechaniker ans Ziffern- werke und Graveure auf Schwarz- druck verlangt 137b R. Auerbach, Grünauerstr. 17. pretzvergolder für Kranzschleifen wird gesucht. Nur solche, die darin etivas tüchtiges leisten, wollen sich melden bei Rerrmann Blum A Co., Rilterstr. 5. 174b Manschetten-Plätterinnen sucht bei dauernder Beschäftigung Felix Harpe, Blumenstr. 70. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW., Beuthstraße 3.