fr.188a 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 95 Bezugspreis: 33chentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat 27 Der., Borwärts" mit der Sonntags. beilage Boll und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten". fowie ber Unterhaltungsbeilage Heimwelt und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 0,70 Goldmart, Retlamezeile 4.- Goldmark. Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), febes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, iedes meitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Rebattion: Douboff 292-295 erlag: Dönhoff 2306-2507 modusb Dienstag, den 22. April 1924 Das Ministerium Stauning. 2 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Pofticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenfase Lindenstraße 3 Die Aenderung des Wahlrechts. Bon Hermann Müller- Franten. Hypothet vermitteln, die Steuern erhöhen usw. Also erst, wenn das Aufgabe bald in Angriff nehmen müssen, denn es geht nicht an, Deutsche Reich einen sid fichtbaren Beweis feines Willens Frau Nina Bang, Unterrichtsminister. Kopenhagen, 21. April.( Eigener Drahtbericht.) Das neue dänische Ministerium mit dem Genossen Th. Stauning als Ministerpräsidenten ist gebildet; aber die Namen der neuen Minister werden erft offiziell veröffentlicht werden, wenn der König am 24. April von seiner Offerreise zurüdgelehrt ist. Die Namen der wichtigsten Mitglieder des Ministeriums find: Der Chefredakteur des „ Socialdemokraten" F. 3. Borgbjerg übernimmt den sehr wich figen Posten des Arbeitsministers. Borgbjerg ist über 25 Jahre Mitglied des dänischen Reichstages und der Sprecher der Partei in fast allen wichtigen sozialen Fragen gewesen. Er ist eines der dänischen Mitglieder des Bölkerbundes und war seit Jahrzehnten ein sehr fäfiger Teilnehmer an allen internationalen sozialistischen Kongreffen. An literarischen Arbeiten hat er unter anderem das große Wert„ Das Jahrhundert der Sozialdemokratie" veröffentlicht. Alis den Außenminister des Kabinetts Stauning haben wir bereits früher den bisherigen dänischen Gesandten in Berlin, Graf karl moitte genannt. Er hat nun seine endgültige Zusage gegeben, in das Minifterium einzutreten. Am meisten Aufsehen wird es jedoch auch jenseits der Grenzen Dänemarks erweden, daß unsere dänische Bruderpartei eine Frau zum geschäftsführenden Minister ernennt. Unfere befannte Parteigenoffin Nina Bang wird das Unterrichtsministerium übernehmen. Frau Bang besitzt einen geschähten Namen in der internationalen wissenschaftlichen Welt mit Rüdsicht auf ihre nationalökonomischen Arbeiten. Sie hat außerdem mehr als 25 Jahre mit großer Energie an der Partelarbeit in Dänemarkt teilgenommen, u. a. als Mitglied der Ersten Kammer und durch ihre eifrige Mitarbeit am Socialdemokrat". Mina Bang ist die Witwe unferes Partelgenoffen Dr. Gustav Bang, des dänischen Margforschers, der bekanntlich auch in enger Zusammenarbeit mit Karl Kautsky. wirfte. Carl Bramsnaes, der den Posten des Finanzministers übernimmt, hat auch eine ganz internationale Caufbahn hinter sich. Er war ursprünglich Buchdrucker, begann jedoch im reiferen Alter Nationalökonomie an der Kopenhagener Universität zu studieren und legte nach einigen Jahren ein ausgezeichnetes Examen ab. Nun ist der frühere Buchdruder ein sehr angesehener Dozent an der Universität und befißt die besten Borbedingungen für seine Wirkjamteit als Dänemarts erster sozialdemokratischer Finanzminister. Der neue Kriegsminister, Reichstagsabgeordneter L. Rasmuffen, ist auch Buchdrucker. Er ist viele Jahre lang Sprecher unferer Partei im Reichstage bei den Militärdebatten gewesen. Der Kampf um die Endlösung. Frankreich verlangt Garantien. Paris, 20. April.( WTB.) Nach einer von der Agentur Havas verbreiteten halbamtlichen Erklärung sind die französischen offiziellen Kreise der Ansicht, die am Donnerstag von der Reparationsfommiffion getroffene Entscheidung werde gewinnen, wenn sie perpolltommnet und präzisiert würde. Zweifelsohne werde die französische Delegation bei der Reparationstommiffion unverzüglich offiziell über den Standpunkt des französischen Minifter. präsidenten unterrichtet werden. Die französische Regierung habe die Initiative ergriffen, Sachverständigenausschüsse einzusetzen, und sie habe nicht gezögert, das Verdienst ihrer Arbeiten anzuerkennen und Ihre Schlußfolgerungen en bloc anzunehmen. Die französische Regierung wolle also heute nichts davon zurücknehmen, jedoch müßten die alliierten Regierungen vor eine flare und formelle Entscheidung der Reparationskommiffion gestellt werden die in der Zukunft zu feinerlei Zweideutigkeiten Anlaß gebe. Die Reparationskommisiten habe nun in ihrer Ent. Scheidung vom 17. April ohne andere Präzisierung die Schlußfolgerungen und die Methoden des Sachverständigenplanes, soweit sie threr Kompetenz unterstehen, angenommen, andererseits aber den alliierten Regierungen die Schlußfolgerungen zur Annahme empfohlen, die ihrer Kompetenz unterstehen. Es bestehe also fein Interesse, daß die Reparationstommission ausdrücklich erkläre, was bei der Aus. führung des sehr verwidelten Planes den intereffierten Parteien zur Durchführung zustehe, nämlich der Reparationstommiffion, den allierten Regierungen und Deutschland selbst. Nach Ansicht der Sachverständigen habe tatsächlich die Reparationsfommission alle Be fugniffe, gewiffe Organisationen des neuen Planes zu figieren. Aber die Sachverständigen hätten eine grundsägliche Regel auf gestellt, über die die französische Regierung nicht feilschen fönne, fie müsse aber wiffen, ob die franzöfifch- belgischen Organi fationen im Ruhrgebiete aufgegeben oder ob sie erst in dem Maße, in dem sie die wirtschaftliche Einheit Deutschlands stören, umgewandelt werden sollen, wenn Deutschland den anempfohlenen Plan zur Ausführung gebracht hat. Die deutsche Regierung müsse vor allem Die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen erlassen und die nötigen Organisationen für die Bildung der Emissionsbant und für die Reichseisenbahngesellschaft durchführen, sie müsse die industrielle gegeben habe, an dem endgültigen Plan der Reparationstommiffion mitzuarbeiten, tönnten Frankreich und Belgien aufgefordert werden, das wirtschaftliche Pfand im Ruhrgebiet gegen ein anderes, weitergehendes Kontrollsystem auszutauschen. Dann werde unvermeidlich die Frage der Garantien und der Sanktionen aufgeworfen, die die Sachverständigen nicht behandelt hätten, da diese Maßnahmen einen politischen Charakter hätten. Die franzöfifche Regierung nun wolle, bevor sie die Drudmittel auf gebe, über die sie jetzt verfüge, sich von vornherein mit den anderen alliierten Mächten über die Sanffionen verständigen, bie nach gemeinsamem Abkommen für den Fall getroffen werden müßten, daß Deutschland bei der Ausführung der neuen Bedin. gungen verfage, in London bagegen wolle man sich erst nach einer etwaigen Berfehlung des Deutschen Reiches, und zwar nach Kenntnis des Charakters derselben darüber aussprechen. Es sei klar, daß Boincaré darauf bestehen würde, feine These zum Siege zu führen, wenn die Stunde der Berhandlungen zwischen den alliierten Regierungen gekommen fei. Er werde das mit um so größerer Ueberzeugung tun, als die Erfahrung gezeigt habe, daß man teine Santtionen anzuwenden brauchte, wenn die Alliierten entschlossen waren, sie durchzuführen. Frankreich, das Pfänder im Ruhrgebiet befihe, deren Wirksamkeit bewiesen sei, würde sehr naio handeln, wenn es fie gegen ein einfaches Versprechen der deutschen Mitarbeit aufgabe und ohne versichert zu sein, daß das Deutsche Reich sich nicht noch einmal jeinen Verpflichtungen entziehen werde. Frankreich zeige sein Entgegenkommen genügend dadurch, daß es die Empfehlungen der Sachverständigen annehme, man fönne ihm also nicht die unerläßlichen Garantien verweigern, deren Berechtigung die Sachverständigen sogar anerkannt hätten. ed Dr. Schacht für schleunige Regelung. Am besten schon vor den Wahlen. Paris, 20. April.( WIB.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat einen Berichterstatter des„ Excelfior" empfangen, dem er u. a. er flärte, die Arbeit der Sachverständigen sei aufgebaut auf finanziellen und wirtschaftlichen Grundsägen von unantastbarer Folgerichtigkeit. Es scheine ihm jedoch, daß die in den ersten Jahren zu zahlenden Summen zu hoch seien. Es wäre von großem Wert, wenn eine Regelung schon vor den Wahlen in Deutschland und Frankreich erfolgen könnte, denn die Durchführung des Abkommens fei das sicherste Mittel, die politischen Leidenschaften zu dämpfen. wenn man aber zu diesem Ziel gelangen wolle, müsse man die biplomatischen Noten durch persönliche Aussprachen zwischen Männern ersetzen, deren Kompetenz anerkannt fei, und die von der Größe ihrer Mission überzeugt seien. Der englische Parteitag. Zu den Aufgaben, die der am 4. Mai zu wählende Reichstag zu erledigen hat, wird die Aenderung des Reichs= tagswahlrechts gehören. Der neue Reichstag wird diese daß auch der zweite Reichstag der Republik zu Ende geht, ohne die notwendigen Berbesserungen am geltenden Wahlrecht vorgenommen zu haben. Ob der neue Reichstag normal seine vier Jahre aushält, erscheint fehr fraglich. Wenn die Spizenfandidaten von ganz recht und ganz links, Erich Ludendorff und Mar Hölz, eine größere Zahl von Hintermännern erhalten sollten, so wird mit dem nächsten Reichstag schwer zu arbeiten sein. Die großen Aufgaben, die infolge der außenpolitischen Lage bald zu lösen sein werden, fordern aber gebieterisch, daß ein arbeitsfähigeres Barlament vorhanden ist. Geht ein solches aus den Wahlen vom 4. Mai nicht hervor, so werden die Wählerinnen und Wähler bald in einem neuen Wahlkampf über Deutschlands Sein oder Nichtsein zu entscheiden haben. Wenn von Wahlrechtsverbesserung die Rede ist, so muß charatter bes bestehenden Wahlrechts nichts geändert von vornherein bemerti werden, daß an dem Grundwerden soll. Daß das Reichstagswahlrecht des Kaiserreichs, das ein zugunsten des platten Landes wirkendes Pluralwahlrecht und nur scheinbar ein gleiches war, die wirkliche Boltsmeinung verfälschte und infolgedessen schlechter war als das geltende, daran ist kein Zweifel. Auch eine Heraufsegung der Altersgrenze tann nicht in Frage fommen. Das Frauenwahlrecht wieder abzuschaffen, fann teine politische Partei magen, trotzdem die Bölkischen grundfäßlich feine Frauen zur Wahl stellen. Die sozialdemotratische Forderung der Gleichberechtigung der Frauen ist im Wahlrecht für immer durchgefeht. Das Verhältniswahlsystem, das jede für seine Partei abDie Unzuträglichkeiten, die sich unter diesem Wahlrecht ergeben gegebene Stimme zur Geltung bringt, muß erhalten bleiben. haben, sind mit Leichtigkeit zu beseitigen, ohne daß das Brinzip des Bahlrechts geändert wird. Wenn es nach dem Willen der fozialdemokratischen Frattion gegangen wäre, so hätte der aufgelöste Reichstag schon vor einem Jahre die notwendigen Korrekturen vorgenommen. Die Diskussion hierüber war damals in Fluß gebracht. Der Regierungsent später drängte, tam so spät, daß er wegen der Wahlvorberei wurf über die Wahlrechtsänderung, auf die der Reichsrat tungen aller Parteien nicht mehr verabschiedet werden konnte und infolge der einmütigen Haltung des Aeltestenausschusses gar nicht mehr an den Reichsrat gelangte. Wenn eine Reform des Wahlrechts erfolgt, muß über eines von vornherein Klarheit herrschen: Die Wünsche aller Kritifer am bestehenden Wahlrecht werden nicht erfüllt werden können. An dem geltenden Wahlrecht wird nicht nur bei uns, sondern in allen Ländern schärfste Kritif geübt. Das englische Barlament, das unserem oft als Muster entgegengehalten wird, beruht auf feinem besseren Wahlrecht. Benigstens hat noch ruht auf feinem besseren Wahlrecht. Wenigstens hat noch Ramsay Macdonald fagt in seinem allen deutschen niemand seine Einführung in Deutschland empfohlen. Politikern zur Lektüre empfohlenen Buch„ Unsere Politit" ( Ueberlegung erschienen in Laubs Verlag, Berlin 1924, S. 127): Die Debatten über Auslandspolitif im Unterhause sind, vielleicht mit Ausnahme des alten Reichstags, die oberflächlich sten, die am schlechtesten informierten und am wenigften bedeutenden dieser Art in allen einflußreichen Kammern; das britische Barlament hat foviel Einfluß auf die politischen Entwicklungen im der Infelgruppe von Jersen." Bort, 21. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag wurde hier der Parteitag der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands ( 3. C. P.) mit einer Aufprache des sozialistischen Bürgermeisters von Bort eröffnet. Anwesend find 500 Delegierte, darunter mehrere M- Ausland im Laufe der legten Generation ausgeübt, wie die Staaten nifter. In feiner Eröffnungsansprache behandelte der Parteivor figende Clifford Allen die Stellung der Partei zur Regierung. Er fagie u. a., daß die Propagandaarbeit der Partei jetzt erst recht begonnen habe. Es sei Pflicht der Partei, die Regierung loyal zu unterstützen und fie gleichzeitig zu fozialistischen Maß nahmen zu drängen. Bei der Berhandlung über den Bericht der Parteileitung fam es zu einer Debatte über die Reparationspolitit, Am Sonntag abend fanden zwei Maffenversammlungen ftatt, in denen u. a. Minister Wheatley sprach. In der Montag vormittagsfihung des Parteitages wurde der Bericht der Parlamentsfraktion erörtert, wobei auch Ramjay Macdonald das Wort ergriff. Der Parteltag nahm eine Resolution über Arbeiterregte. tung und Sozialismus“ an, in der die Treue zur Regierung mit einem Betenntnis zum Sozialismus verbunden worden ist. In der weiteren Debalte wurde über Refolutionen verhandelt, die folgende Fragen betrafen: Abrüstung, Arbeitslosigkeit, Sozialifierung, Mindestlohne, Erziehung, Wohnungsbau und Indien. Die Montag- Nachmittagsfihung des Parteltags begann mit Ansprachen der auswärtigen Delegierten: Friedrich Adler, Sekretär der Sozialistischen Arbeiter- Internationale, Conguet- Frankreich und Johnson, Sefretär der Jrischen Arbeiterpartei. Zu lebhafter Debatte tam es über die Abrüftungsfrage. Abgeordneter Ayles vertrat den pazififfifchen Standpunkt. Eine Resolution zu gunsten einer internationalen Abrüfungskonferenz wurde angenommen. Macdonald wird für seine Kritik am englischen Barlament triftige Gründe haben. Wir selbst wissen, wie sehr wir auch im neuen Reichstag über mangelnden Einfluß auf die auswärtige Politik zu flagen haben. Dabei darf der deutsche Kritiker nicht vergessen, daß die deutsche Politik nach dem verlorenen Kriege leider vielfach zwangsläufig ist. Das hat nicht zuletzt das Interesse an der Arbeit des Parlaments start vermindert. Je mehr wir von äußerem Drud frei werden, desto mehr wird sich dieses Interesse wieder beleben. Uebrigens hat sich bei den Wahlen bisher immer starkes Intereffe fiehe Wahlbeteiligung!- gezeigt. gezeigt. Nur während der Arbeit des Barlaments war das Intereffe des Boltes gemindert. Viele Wähler famen eben nicht auf ihre Rechnung. Ist das nicht begreiflich? Was hat z. B. bei den letzten Wahlen die Deutsche Volks partei den Wählern alles versprochen, wenn Deutschland erst von den roten Retten befreit sein würde? Und was haben die Wähler nachher erlebt? Parteien, die den Barlamentarismus nicht diskreditieren wollen, müssen ihren Wählern über die begrenzten Erfolgsmöglichkeiten der deutschen Politik der nächsten Jahre flaren Wein einschänken. Dabei fann im Wahlkampf die Weltanschauung jeder Partei voll zur Geltung kommen. Die Wähler müssen begreifen lernen, daß das Programm einer Partei erst restlos durchgesetzt werden kann, wenn die Partei durch den Willend«rWähl«rdie Mehrheit erlangt hat. In England, dessen Wähler ältere politische Traditionen haben. wird heute niemand von der regierende Arbeiterpartei ver- langen, daß sie als Minderheitsregierung die Kapitalabgabe durchsetzt, die der Hauptpunkt ihres Wahlprogramms war. Dem geltenden Reichstagswahlrecht wird von seinen Kritikern vor allem nachgesagt, daß es geistig bedeutende Persönlichkeiten nicht aufkommen lasse und so die Züchtung von Führern des Volkes hindere. Derselbe Borwurf wurde schon unter dem früheren Reichstagswahlrecht erhoben. Es ist heute vergessen, daß dem Reichstag aus derr Zest Wil- Helms II. auch schon die glänzenden Führer aus den 70er Jahren die Windthorst, Bennigsen, Laster, Forkenbeck, Simson, Miguel entgegengehalten wurden. Wenn heutzutage Führer im deutschen Geistesleben sich für parlamentarische Betätigung so wenig zur Verfügung stellen, so vor allem deshalb, weil heute der Reichstag fast über das ganze Jahr tagt. In den 70er Jahren war das nicht der Fall. Ein deutscher Universitätsprofessor z. B., der im Reichstag sitzt, kann seinen Beruf nur dann weiter ausüben, wenn er an einer der Berliner Hoch- schulen liest. Erst wenn die Reparationsfrage gelöst ist. und wir wieder in Deutschland normal arbeiten können, wird auch die Tagungszeit der Parlamente wieder verkürzt werden kön- nen. Darin kann uns das englische Parlament Muster sein. Einige Kritiker des geltenden Reichstagswahlrechts schie- ßen weit über das Ziel hinaus. Wir wollen ihnen das aber nicht zu sehr übelnehmen, weil ihr ungerechtes Urteil dadurch beeinflußt ist, daß sie unter diesem Wahlrecht nicht gewählt wurden, obwohl sie fest davon überzeugt sind, daß ihr Einzug den Reichstag um eine Persönlichkeit bereichern würde. Schäd- lich wirken diese Kritiker erst, wenn sie dazu übergehen, eine eigene neue Partei zu gründen, weil sie in der Partei, in der sie bislang gewirkt haben, die Rolle des Sauerteigs mcht spielen wollten, da sie ihnen zu viel Unbequemlichkeiten ge- bracht hätte. Wer für das demokratische Deutschland erfolg- reich wirken will, der darf die Parteien nicht vermehren. Wir brauchen wSniger, nicht mehr Parteien. Wer jede Woche etwas Neues organisieren muß, der soll zur Modewarenindustrie gehen. In der Politik wirkt er nur verderblich. Unter dem geltenden Wahlrecht sollen angeblich die Partei in aschinen und die Wirtschaftsverbände zu viel Einfluß auf die Kandidatenaufstellung haben. Was die letzteren angeht, so beschweren sich die Jnteressentenver- bände bei den Parteileitungen aller Parteien, daß ihre Wünsche nicht genügend berücksichtigt würden. Daß anderer- sdts die Fi»ktionen Wert darauf legen, für besondere Gebiete Spezialisten zu besitzen und solche auf der Reichsliste unterzubringen, soweit sie nicht sichere Wahlkreise haben, liegt im Interesse einer zweckmäßigen Arbeitsleistung im Parla- mcnt. In den Fraktionen aber haben die Politiker da- iür zu sorgen, daß die Politik nicht von Spezial- i n t e r e s s e n b e st i m m t wird. Jeder Abgeordnete ist Ver- treter des ganzen deutschen Volkes oder soll es wenigstens sein! Ueber die Allmacht der Parteileitungen bei der Aufstellung ber Kandidaten im Lande wird besonders gerne von Möchte- «ujrn-Parlamentarier« gefabelt. Die Reichstagskandidaten werden aber in den Wahlbezirken aufgestellt. In der sozial- demokratischen Partei kann der Parteivorstand nur ein» greifen, wenn Mischen beteiligten Organisationen Differenzen ausbrechen, die nicht im Wahlbezirk cmszugleichen sind. Bei den bürgerlichen Parteien ist vielfach nicht einmal ein solches Recht zum Eingreifen statuiert. Daß in den Wahlbezirken Freiheit in der Auswahl der Kandidaten herrscht, haben die Kämpfe um die Kandidaturen in allen Parteien reichlich be- wiesen. Freilich sind nicht alle Kandidaten von dem Ausgang dieser Kämpf« entzückt. Reu« Kräfte würden begreiflicher- weise oft gerne schneller zum Ziel kommen. Sie machen dawl den„Alten" Vorwürfe. Sie sehen im Reichstag der Republik nur die„Alten" aus der Zeit des Kaiserreichs am Werte und � ziehen in ihrem unbefriedigten Tätigkeitsdrang"»gen die„ver- der Chef fährt nach Italien. Bon Arno Wagner. Die Stenotypistin stand klapsenden Herzens vor der Tür des Prioatkontors. Zaghaft legte sie ihre Hand auf die Klinke. Zögernd krümmte sich ihr Finger, um zu klopfen, aber mutlos sank die Hand wieder herab. Sie wußte, es hatte gar keinen Zweck, um Gehalts- Zulage zu bitten. Sie würde nur dieselben Worte wieder hören: „Schlechte Finanzlage der Firma, sowieso Durchschleppen des Ange- stelltenhecres, Gebundenheit an den Tarif der Arbeitgebervereini- gung, allerhöchstens— später mal wieder vorsprechen." Somit war immer jede Konferenz dieser Art erledigt gewesen. Aber die Mutter war ja krank! Dos Gehalt reicht«„knapp vor dem Hunger zu bewahren". An Kleidung, späteres Heiratsgut, oder gar teure Arznei für die Mutter war nicht zu denken. Es mußte deshalb unbedingt noch einmal versucht werden, Zulage zu be- kommen. Ein kurzes, schweres Atemholen und sie klopfte zweimal kurz an. „Hevein!" schnarrte«in« Stimme. „Was wollen Sie denn eigentlich jetzt? Ich habe Sie ja gar nicht rufen lassen? Aber weil Sie einmal da sind, da können Sie gleich ein Diktat ausnehmen. Also schreiben Sie:„Sehr vertraulich! An den Werbeausschuß der bürgerlichen Parteien, zu Händen Herrn Geheimrat— na, die Adresse lassen Sie sich von Herrn Schulze geben. Also: Sehr geehrter Herr Geheimrat, ich empfing Ihr« Zeilen »on heute vorniirtag und bin ganz Ihrer Meinung, daß wir alles tun müssen, um ja nicht die rote Sippe bei den Wahlen hochkommen zu lassen, wir wären ja schließlich sonst gezwungen, den Arbeit- nehmern günstiger« Arbeitsbedingungen und bessere Gehälter und Löhne zu gewähren. Lieber wollen wir deshalb pro Mitglied noch weitere Tausende springen lassen und für Propaganda opfern. Am besten zieht ja, wenn wir dabei betonen, on der Ruhrbesetzung(wo- bei meine Firma jetzt ihr Hauptgeschäft machen wird) sei die rot« Rotte schuld. Hoffentlich bekommen wir als Erfolg unserer Geldspenden den für die Bügerlichen günstigen Wahlausgang dann da- durch zu spüren, daß die gesegneten kaiserlichen Zeiten wiederkommen. Keinesfalls darf also der Sieg unserer Parteien über die gefährliche rote Bande an der Geldsrage scheitern. Ich lasse Ihnen deshalb die gewünschten-- den Betrag nenn« ich noch, lassen Sie dafür eine fünfstellige Zahl in Mark frei—— sofort überweisen. Aus Freude darüber, daß ich eben meinm Pah. der ja mir 600 Mark kostet, zur Italienreise bekam und deshalb noch heute über die Schweiz nach Venedig fahre, sollen Sie als Extrabeitrag den vierfachen Betrag dieser Summ« zu den Druckkosten für Wahlplakote erhalten. Meine Frau freut sich auf Neapel und Rom. Ihre einzigen Kopfschn'.erzen sind, ob sie noch die beiden Rohrplattenkofser kaust, oder nicht, da sie wahrscheinlich ihr« Kleider sonst nicht in genügender Menge mit- »hmen kann. Wie besprochen, kaufte ich die drei Brillarrten, welche kalkten" Asten vom Letzer. Solches Tedaren schießt weit über das Ziel. Die Gerechtigkeit gebietet anzuerkennen, daß viele der Alten auch unter den neuen Verhältnissen mehr geleistet haben, als mancher Junge leisten konnte. Die Art, in der z. B. Konstantin Fehrenbach mehrfach für die Re- publik, als die seit dem Kriegsende einzig mögliche Staats- form, und für den Reichspräsidenten Ebert gegen dessen Kritiker eingetreten ist, hat dem neuen Staat mehr genützt, als die beißende Kritik, in der sich oft bürgerliche Republikaner auch bei unpassender Gelegenheit ergehen, wenn ihnen irgend- eine Institution des heutigen Staates, dessen Unvollkommen- heit wir Sozialisten am wenigsten leugnen, nickst richtig zu arbeiten scheint. Endlich ist«s aber auch gar nicht wahr, daß sich gegen früher personell an den Fraktionen nur wenig geändert hätte. Von den 171 Mitgliedern, die die Fraktion der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei z. B. bei der Auflösung hatte, haben nur 60 bereits dem Reichstag des Kaiserreichs ange- hört. Da viele ältere sozialdemokratische Abgeordnete jetzt nicht mehr kandidieren, werden im nächsten Reichstag höchstens 35 Abgeordnete sitzen, die bereits 1918 im Reichstag waren. Ich glaube, daß dieser Wechsel für einen Zeitraum von sechs Iahren stark genug ist. Der alle Reichstag mit seinen Ein- männer-Kreisen hatte wertbeständigere Mandate. Zu dem alten Wahlsystem wird keine Reform zurückgehen können. Die Reichsliste wird bleiben müssen, um die Stimm- reste für die Parteien voll zur Geltung zu bringen. Was aber geändert werden muß, dcks sind die großen Wahlkreise mit ihren langen Listen. Mein Wahlkreis z. B. geht von Aschaffenburg bis nach der böhmischen Grenze und von Koburg bis an die Donau. Das sind Wahlkreise, die persön- lich nicht mehr so bearbeitet werden können, wie das früher bei den kleineren Wahlkreisen der Fall war und wie das heute noch jeder Kandidat wünscht. Ein« Verkleinerung der Wahl- kreise wird aber an sich alle Parteien zu einer sorgfältigen Auswahl der Kandidaten erziehen. In den kleineren Wahl- kreisen werden alle Parteien das äußerste tun. um die leichter übersehbaren Grenzschichten zu gewinnen, die von Wahl zu Wahl zwischen den Parteien hin und her ziehen und die auf kein Parteiprogramm eingeschworen sind. Eine Reform des Wahlrechts, die uns kleinere Wahllreife bringt, kann im neuen Reichstag schnell verabschiedet werden. Bei dieser Gelegen- heit kann auch die Zahl der Abgeordneten ver- mindert werden. Der letzte Regierungsentwurf sah 399 Abgeordnte vor, gegen 397 im asten Reichstag. Für die Erzielung der besten Auslese politischer Führer ist aber nichts mehr entscheidend, als die P o l i t i- sterung des Volkes. Die Wahlarbeit allein genügt dazu nicht. Das Interesse des Volles muß während des ganzen Jahres wach sein. Wer politisch allezeit mit seinem Volke lebt, ist gegen die Schlagwort-Propaganda gefeit, wie sie besonders von den Völkischen und Kommunisten getrieben wird. Deshalb: Her mit dem besten Wohlrecht, damit in seinem Rahmen die politische V i l d u n cf zu ihrem Recht kommt! Ohne polstische Durchbildung des Volles kann das beste Wahlrecht zu einem Werkzeug der Reaktion werden. Das zu verhüten, ist am 4. Mai Aufgabe der deutschen Wähle- rinnen und Wähler. Dokumentenfälscher. Kommunistischer Schwindel aufgedeckt. Köln. 20. April.(Eigener Drcchtbericht.) Das Organ der Kölner Kommunisten, die„Sozialistische Republik", hatte am IL. April einen angeblichen Brief des Kölner Polizeipräsidenten, Genoffen Zörrgiebel, veröffentlicht, aus dem sie dann die Folgerung zog. daß der Sozialdemokrat Zörrgiebel von seinen Spitzeln und Subjekten Berichte über Kommunisten fabrizieren lasse und andere Stellen zu denfÄ>en Methoden veranlass«. Der Polizeipräsident hatte in einer Zuschrift an die Redaktion dos Schreiben als seinem ganzen Inhalte nach verlogen be- zeichnet. Die„Sozialistische Republik" nannte diese Berichtigung „verlogen". Sie erklärte:„Der entlarvte Zörrgiebel kneift" und wir Ellen gemeinsam zum Geburtstag schenken wollen. Ich fürchte, daß dies ober noch«in bißchen zu wenig aussieht. Vor allem darf ich Sie aber noch bitten, freundlichst mit Sorge zu trogen, daß ich es meiner Tochter als besondere Ueberraschung nach der Rückkehr von Italien schenken kann. Empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlin und sagen Sie Ihr bitte, daß der Kaviar gestern wunderbar war. Mit freundlichem Gruß bin ich Ihr ergebener— Donnerwetter, wo habe ich denn die Kiste mit den M-Pfennig-Zigarreu hingelegt?— Also schreiben Sie rasch, Fräulein, denn ich muß um 6 Uhr weg.(Die anderen Briefe können Sie nach 6 Uhr schreiben, soviel Interesse am Geschäft müssen Sie haben, daß Sie mal ein paar Ueber stunden freiwillig leisten. Was bleiben Sie stehen?" „Ach, ich wollt« nur wegen der Gehaltszulage für mich vor. sprechen. Ich kann unmöglich auskommen, die Mutter ist--" „Was, Sie können nickst auskommen? Aber, ich bitte Sie. ander« Angestellt« verdienen doch auch nicht mehr, oder find gor arbeitslos. Jetzt heißt es eben sich einschränken! Wir müssen uns alle einschränken. Nein, Fräulein, seien Sie doch froh, überhaupt «ine Stellung zu hoben. Sehen Sie, dies« Zustände rühren daher, weil Sie nicht das letztemal olle bürgerlich wählten, denn dann hätten wir schon lange den Zehnsttmdentag, und wir oerdienten mehr und hätten vielleicht wieder Monarchie und Krieg, wobei wir natürlich siegen. Aber, Gott, mein Italien-Expreß darf mir doch nicht vor der Nase wegfahren! Also, schreiben Sie jetzt den Brief. Ich habe keine Zeit weiter."---- Und in der folgenden Nacht stand em Mädchen mehr, als sonst, unter der Eisenbahnbriick« und sprach stockfremde Männer an. wenn sie allein vorbeikamen. Und als sie das erst« verdiente Geld in den Händen hielt, rollten bitter« Tränen aus den Augen. Hoch oben über die Brücke aber donnerte der Itasten-Nacht- «xpreßzug. Eleonore dufe gestorben. Eleonore Duse ist am 21. April in Pittsburg in Amerika an den Folgen eines Autounfalls g e st o r b« n. Wieder ist eine Große von den Brettern abgetreten, die eine Welt bedeuten. Wie ihr Landsmann Caruso kam sie von kleinen Anfängen her und stieg dann zu einer Höhe des Erfolges, der eine ganze Welt umfaßte. Geboren am 3. Oktober 1859 in Vigeoano in Italien, trat sie, kaum zwanzigjährig, zum ersten Male und gleich mit bezwingendem Spiele in einem der modernen Sillendramen auf, die ihre eigentliche Domäne geblieben find. Sardou, Dumas gaben ihr die ersten großen Rollen. Vor allem aber blieb dÄnnunzio, dem sie auch menschlich nahe stand, von ttcfer Bedeutung für ihr künsllerisches Werden. Den größten äußeren Erfolg aber errang sie mit Ibsen und— Sudermann aus ihren Gastspielreisen, die ihren Weltruf be- gründeten. Ihr Spiel war ausgezeichnet durch meisterhafte Beherrschung stellte an den PolizeipräsSienten die Frage:„Wollen Sie behaupten, daß Unterschrift und Stempel des Polizeiprästdenten gefälscht sind?" Die Antwort erfolgte prompt. Der Polizeipräsident erklärte den Brief für eine Fälschung und forderte die Redaktion auf, das angebliche Originalschreiben auf dem schnellsten Wege vor- zulegen. Die„Sozialistische Republik" hat diese Aufforderung ihren Lesem bisher vorbehalten. Aus begreiflichen Gründen. Dos Ejn- geständnis der Haltlosigkeit ihrer Verleumdung würde der Wahl- mache Eintrag tun. Der gefälschte Brief paßte so schön in ihre Hetze gegen die Sozialdemokratie. Die Verleumdung wird ein gerichtliches Nachspiel hoben. Dom Polizeipräsidium ist bereits Anttag auf Strafverfolgung gestellt worden._ die Internationale der Monarchen. Wir berichteten kürzlich über die Pariser Reis« des Hohen- zollern Ferdinand, der augenblicklich das Amt eines Königs von Rumänien hat. Ferdinand empfahl sich in Paris als vorgerückt« Schildwache der lateinischen Zivilisation. Die Hohenzollern haben überhaupt ein« auffallende Vorliebe für dies« lateinisch« Zivilisation, sofern sie nicht von Deutschland besoldet werden. So erinnert der deutschnationale„Tag" daran, daß auch die Mutter des Königs Albert oon Belgien eine Hohenzollern war. Der„Tag" bleibt aber bei dieser mageren Liste nicht stehen. Er macht eine Statistik der internationalen Versippung ehemaliger gekrönter Häupter Deutschlands auf, daß es einem wasch- echten Deutschvölkischen kalt über den Rücken laufen muß. Der Ut- sprung des belgischen Königshauses ist im Haufe Coburg zu finden. Im Weltkrieg freilich verleugneten dies« Germanen plötzlich ihr« Herkunft. Die Frau des Königs von Belgien stammt aus dem Hause W i t t e l s b a ch. Herzog Emanuel von V e n d o m e ist Sohn einer bayerischen, Enkel einer sächsischen Prinzessin. Prinz Napoleon ist Enkel der Prinzessin Katharina von Württemberg. Man wird erstaunt fragen, weshalb das völkisch-nattonale Blatt mit solchem Eifer die international« Verbindung deutscher und französischer Fürstengeschlechter nachweist. Will der deutsch- nationale„Tag" etwa für die Republik oder für ein« deutsch-fran- zöstsche Verständigung Propaganda machen? Keineswegs. Der An- laß ist viel ernster. Ein« belgische Zeitschrist hatte ihren Lesern eine Skandalchronik aus gekrönten Häusern serviert, in der die Deutschen nicht gerade gut wegkamen. Es hieß da unter anderem: „Betrachten wir das Unglück aller an Oesterreicher und Deutsch« durch die El�e gebundenen belgischen Prin- zessinnen. Da finden wir die Kaiserin Charlotte von Mexiko, Witwe Maximilians von O« st erreich, die für ewig ihres Per- standes durch das Drama von Queretaro beraubt wurde, mrd die Prinzessin Stephanie. Tochter Leopolds II., die noch durch den Tod ihres als blutbefleckter Leichnam neben dem Leichnam einer Mätresse in Meyerling aufgefundenen Gatten, des Krön- Prinzen Rudolf von Oesterreich, schimpflich beleidigt wurde. Ihre S ch w e st« r, die Prinzessin Luise, wird an den Prinzen Philipp von Sochsen-Coburg verheiratet, der sie mißhandelt, in«in Irrenhaus sperrt und am Ende zu einem jammervollen Vagabunden- schicksal zwingt.". Weiter heißt es dann- „W ü r d e u n d G l ü ck in der Ehe haben einzig diejenigen belgischen Prinzessiniten, die die Gattinnen v o n F r a n- zojen wurden, gefunden: die Herzogin von Vendöme, die Prinzessin Napoleon. Welche Lehr« für die Auswohl fürstlicher Eh:- bündnisse!" Das bringt d«n guten„Tag" derart au, der Fassung, daß er der Lifte über Blutmischungen zwischen deutschen und belgischen Wclsgeschlechtern eine zweit« von deutsch-französischer Adelsver- sippung hinzufügt._ ?ungüo gegen Republik. Und gegen die Staatsantorität. Blankenburg i. Th., 21. April.(Eigener Drahtbericht.) Hier fand am Sonntag die Bannerweihe des Iungdo entgegen der Polizeianordnung mit geschlossenem Aufzug und entrollten Fahnen statt. Es wurdm Schmähreden gegen die Reichs- färben geholten. Der Zug bestand aus etwa tausend Personen. des Empfindungsausdrucks und bezwingend« Kraft menschlichen Ge- fühl-. Nach einer Pause von mehr als 10 Iahren ttot sie vor kurzem wieder on die Oeffentlichkeit mit einer Tournee in einem recht schwachen italienischen Stück«. Ihre darstellerische� Kraft aber war die gleiche geblieben. Mitten in einem neuen Tri'umphzuge hat sie nun der Tod überrascht. hw. Die Zusammenlegung der Berliner Kunstschulen. Der Umzug der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums in die Räume der akademischen Hochschule für die bildenden Künste ist bis auf unwesentliche Teile erfolgt. Das ist ohne technisch«, räumlich« oder persönliche Schwierigkeiten geschehen, und die Angelegenheit, die soviel Staub aufwirbelte, scheint damit m ein ruhigeres Fahr- wasser gekommen zu sein. Dem Beschluß des Unterrichtsausschusses des Landtages entsprechend, wird das Kultusministerium eine Ber- tretung von sachverständigen Jnteressenten zu beratenden Zwecken hören, wenn nun auf der Grundlage der erfolgten räumlichen Zu- sammenlegung die organisotorische Vereinigung der Schulen und der Neuaufbau einer einheitlichen Kunstunterrichtsanstalt vorbereitet wird. Der Kommission gehören außer je zwei Lehrern der beiden Schulen als Vertreter der Berliner Akademie der Künste an: der Maler Prof. Philipp Franck. Direktor der Staatlichen Kunstschule in Berlin, der Bildhauer Prof. Ernst Wenck, der Architekt Pros. Heinrich Sttoumer, der Maler und Graphiker Prof. Rudolf Schult« im Hof«. Zurzeit'st in der Hochschule der Bau der neuen Schülerateliers im Gange: zu den schon dort bestehenden 15 kommen 25 weitere, so daß insgesamt wieder 40 wie vorher zur Verfügung stehen werden. Diejenigen, die in der Hochschule ihre Werkstätten haben räumen müssen, haben nun in der frei werdenden Kunstgewerbeschule die Möglichkeit unter- ukommen. Di« Zusammenlegung der Organisation ober wirst die edeutungsvolle Frage einer Verbindung mit der räumlich gleichfalls benachbarten Architekturabteilung der Technischen Hochschule auf. Für eine solche Arbeitsgemeinschaft liegen, wie wir hören, interessante neue Vorschläge von Pros. Hans Poelzig vor, der jetzt die Meister- ateliers der Akademie in den Eommuns am Potsda«ncr Neuen Palais leitet. Analole Arance gegen das Semikolon. Anatol« France, von dem aus Anlaß seines 80. Geburtstages in den Poriser Blättern wieder viel die Rede ist. hat in einer der Unterredungen, die mit- «teilt werden, dem Semikolon den Kampf bis aufs Messer erklärt. Er fordert, daß es vollkommen aus der Interpunktionslehre ver- schwindet.„Dieser Bastard," rief er zornig aus,„der weder ein Komma ist noch ein Punkt, beansprucht den Platz dieser beiden Zeichen, ohne sie voll zu ersetzen, und ist ganz überflüssig, ausge» nommen vielleicht in Leichenreden."„Er hätte politische Reden hin- zufügen können, und insbesondere die von Poincare," fügt ein Blatt hinzu.„Denn Poincare verwendet diesen Bastard im Ueberfluß, vielleicht weil er nie genau weiß, wo seine Sätze aufhören und wo nicht."_ Em« LuchsachaossteUung wird unter dem Nomen.Buchsommer- zu Pfingsten in Erfurt eröffnet werden. Sie schlieft sich an die Tagung des„Vereins Deutscher Bibliothekare" an und soll sowoh» alle wie neue Buchkunst vorsfihren. LMY Die Kantfeier in Königsberg. Zu der Feier des 200. Geburtstages Immanuel Kants, die am Sonnabend begann, haben sich unter anderem von den Reichs, und Staatsbehörden Reichsinnenminister Dr. Jarres, preußischer Ministerpräsident Braun und Kultusminister Dr. Boelig nach Königsberg begeben. Ferner sind aus dem Inlande die Rektoren fast sämtlicher deutschen Hochschulen sowie zahlreiche andere hervorragende Gelehrte, Philosophen und Rantforscher, im ganzen etwa 200 Personen, erschienen. Dazu kommen die Vertreter aus dem Auslande, und zwar aus Desterreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, Lettland, Finnland, England, Amerifa, Argentinien und Japan. Die Veranstaltungen wurden am Sonnabend abend durch eine Festfihung der Ortsgruppe Rönigsberg der Kantgesellschaft eingeleitet. Nach einem Orgelvorspiel hieß der Borsitzende der Drtsgruppe, Professor Dr. Kowalewski- Königsberg, die zahlreich erschienenen Damen und Herren herzlich willkommen, wobei er darauf hinwies, daß man in der ganzen Kulturwelt an diesem Tage Immanuel Kants gedente. Professor Kowalewski sprach alsdann vom Heimatgeist in der Rantschen Philosophie". Profeffor Dr. Otto Schöndörffer, ebenfalls aus Königsberg, der als zweiter Redner das Wort ergriff, feierte Rudolf Reide und Emil Arnoldt als Wiedererwecker des Interesses an der Philosophie Rants.. Der dritte Redner des Abends, Professor Dr. Artur Liebert, der Geschäftsführer der Kantgesellschaft, hielt einen Vortrag über Kant und die geschichtliche Weltansicht". Er schloß mit den Borten: Schöpferische Arbeit vermag nur auf dem Boden der Freiheit zu erstehen; schöpferische Arbeit kann nur geleistet werden unter der Borauslegung und unter der Führung des autonomen, also fritischen Geistes. Dieser Geist des Kritizismus ist darum der ewige Träger der Geschichte. Feftfihung der Kantgesellschaft. Die große Rant- Gesellschaft hielt am Sonntag vor mittag zunächst eine geschäftliche Sigung ab. Gegen 12 Uhr mittags wurde alsdann in dem bis auf den letzten Blab besetzten großen Gaal der Universität die öffentliche Festfizung der KantGesellschaft durch Professor Dr. Artur Liebert eröffnet, der mit teilte, daß der an erster Stelle vorgesehene Festredner Geheimrat Profeffor Dr. Vaihinger wegen seines unsicheren Gesundheitszustandes verhindert sei, feine Ansprache über Rant in der Philosophie der Gegenwart" selbst zu halten. In dieser die darauf von Professor Liebert verlesen wurde, sucht der Nestor der deutschen Kantforscher zu zeigen, wie troß mancher Ab. weichungen vom Buchstaben des Kritizismus doch der Geist des großen Königsberger Denters alle modernen philosophi schen Bersuche direkt oder indirekt beeinflußt und so fortwirft. Die einzelnen philosophischen Hauptsysteme der Gegenwart werden in prägnanten Skizzen vorgeführt und fritisch beleuchtet. Besondere Berücksichtigung finden u. a. Rickert, Huffert und Driesch an der Hand ihrer neuesten Publikationen. Der Schluß der Rede lautete: Heute berufen fich die verschiedensten Richtungen auf den Königsberger Denter, der in allen von ihnen lebt, bald betonen fie den Willen, in dem Kants Praktische Bernunft" weiter fortwirft, bald den Begriff des Wertes, den schon Rant andeutete, indem er die me cha nische Beltordnung von der Welt des Gittlichen streng trennte. Andere betonen den Begriff des Als ob" bei Rant. und so zeigen, man fann fagen, sämtliche philosophische Richtungen heute, auch die entlegensten, die Beziehung auf Kant, der in uns allen schafft und wirkt. Am Schluß der Berlesung des Bortrags grüßte die Versammlung die Absendung eines Dant- und Grußtele gramms an Professor Vaihinger mit lebhaftem Beifall. lens. 19 Berlin in den Feiertagen. Das war für viele ein höchft fragwürdiges Osterfest Mit großen Wanderplänen trugen sich wohl die wenigsten, aber selbst die ganz bescheidenen Hoffnungen wurden enttäuscht Am ersten Tag ein bis chen Sonne und ein bischen ersehnte Wärme um die Mittagszeit, dann Wolken, Kühle und wieder ein bischen Sonne und noch mehr Stühle, so daß für die große Masse der Abendlintopp als feiertäglicher Abschluß wieder herhalten mußte. Der zweite Tag noch einige Grade mürrischer, feine Sonne, dafür Regen und viel Kühle und heulende Winde. Der erste Feiertag mit seinen bescheidenen Wetterversprech ungen brachte zeitweise eine leine Flucht in die noch recht fahlen und winddurchstreiften Wälder. Denn es gab Taufende und Abertausende, die auferstehen wollten aus dem Staub der dunstigen Wohnungen, in denen ein trüber Winter die Sorgen wändehoch auf gestapelt hatte. Und die anderen? Die tausend anderen? Was soll man da neues sagen? Auch sie sind draußen gewesen, und als es a zweiten Feiertage regnete, waren die 2Lokale drinnen in der Stadt tnüppeldicke voll, denn die meisten von ihnen drängte es a nicht, den Blicken statt der grauen Häuser und dem griesen Asphalt ein Stück Grünes zu bieten. Sie wollten sich selbst sehen lassen, und die neuen Hüte und Kleider. Und außerdem, in den Wald können sie ja immer und brauchen dazu nicht cuf das Osterfest zu warten. Aber etwas Neues war doch zu sehen, worüber ein Wort ge fagt werden muß. Auf allen Chauſſeen und Wegen durch den Wald ratterten Motorräder, deren Zahl in der letzten Zeit ganz gewaltig zugenommen hat. Hinten drauf" Fräulein Braut", ebenso wie Er in tadellofem Sportdreß, Lederjade und Leberkappe, so fauchten fie dahin, Geftant um sich vertreitend und Staub hinter sich laffend. Der Spreewald und Budow war in der Hauptsache das Ziel dieser Herrschaften. Könnte der Staat hier nicht die Vorsehung der armen Ausflügler spielen, die vor den vielen Autos und Motorrädern mit den großen Gefahrenquellen denn auf den Chauffeen faufen fie mit unheimlicher Geschwindigkeit nicht mehr wissen, wohin? Ostern im Fluge auf einem frachenden, fnatternden Maschinenpulfan. Die Geschmäcker sind eben verschieden und Goethe hätte diese Gestalten bestimmt nicht für möglich gehalten, als er feinen Osterspaziergang schrieb. Neues Leben im Zoo. Boran stolzierte majestätisch ein Elefant, auf dem Rüden eine halb Jeder ältere Berliner wird sich der bunten Rarawanen erinnern. ängstlich, halb freudig erregte Kinderschar, ihm folgten Kamele, Efel und Shetland ponies, sämtlich mit fühnen fleinen Reitern und Reite rinnen bepadt. Die am Ostersonntag im 300 wieder verkehrenden" Rinderkarawanen bestanden zunächst aus Kamelen, Ziegenbod. gespannen und Shetlandponies, die Heranziehung weiterer Reittiere ist nicht ausgeschlossen. Die Besucher hatten Gelegenheit, eine größere Anzahl neuer Insassen des 300 begrüßen zu Pönnen. Zunächst die beiden neuen jungen Elefanten Karl" und" Mampe", zwei drollige kleine Burschen. Im großen Raubtierhaus ist ein schwarzes Panterpärchen eingetroffen, ebenfo zwei neue prächtige Tiger. Auch zwei Leoparden sind feit vorigem Herbst neu vorhanden. Das kleine Raubtierhaus wird ebenfalls in Bälde wieder mit neuen Bewohnern besetzt sein. Bebefonders zahlreich sind die Neuankömmlinge in der Bogel melt des 300. Weiter werden sich zwei neue Zwergantilopen vor. stellen, sowie ein Zwergmofchustier, auch ein fleiner Bubuhirsch wohnt in einem der niedrigen Glasfäfige. Aus der Kamelfippe ist eine Dromedarstute edelster Raffe aus Abeffynien angelangt, mit ihr zwei neue muntere Wasserböde, zwei stramme Rappenantilopen und ein Brachteremplar aus dem Geschlechte der Elenantilopen und andere mehr. Im ganzen sind in den letzten Wochen für die täglich aus allen Weltteilen eintreffenden Tiertransporte über 70 000 m. aus gegeben worden. Von Hagenbed trafen allein 29 große Kisten mit allerlei Gefier ein, desgleichen große Vogelfendungen aus Hamburg und Alfeld an der Leine. Sodann sprach Dr. Eugen Kühnemann, Profeffor an der Universität Breslau, über ,, Kant und Herder". Er führte u. a. aus: Kant wird der große Lehrer. des europäischen Gedankens von der in fich felber und in ihrer Freiheit begründeten Sittlichkeit. Das fittliche Beben freilich fennt und findet Gott in dem Glauben, der feine Seele ift, an diese Welt als eine Welt des heiligen Wil Das Schöne endlich ist ein Reich der Freude am reinen Schauen und an der reinen Gestalt, ein Reich des bloßen Scheins, das im Spiel der Einbildungskraft entspringt. Rein Zufall, daß der Gegensatz an der Geschichtsphilosophie zum Ausdrud fommt. Das Wert Herders wird im Innersten vernichtet durch den Nachweis, daß es einmal dem großen Geschichtsfeher an einem Begriff der Geschichte fehlt, und daß sodann das große Wert reine dogmatische Metaphyfit ohne jebe Begründung in den tragenden Begriffen ist, Im Grunde aber vollendet Rant die Revolution, zu der Herder auf dem Wege ist. Das Ziel der wissenschaftlichen Bildung liegt in der Bereinigung der logischen Bewußtheit mit dem schauenden Berstehen. Gegen 3 Uhr tritt in den Borträgen eine Pause bis 5 Uhr nach mittags ein, 0 Prof. Dr. Erich Abides Tübingen sprach als dritter Redner in der Vormittagsfizung über Kants Erbe. Redner betrachtet Kants Erbe als ein System mit zwei Polen, die einander im großen und ganzen gleichberechtigt gegenüberstehen. Auf der Wissensfeite ftrebt Rant eine Neubegründung der nationalen Wissenschaft an. Auf der Glaubensseite ist Rants Ziel: Schuß der religiösen Weltanschauung durch Zurüdführung derselben auf den praktischen moralischen Glauben. Die rationalistische Gedantengruppe ist die ursprünglichste, und auch im fertigen System steht sie im allge meinen im Vordergrund. Redner richtet zum Schluß einen Appell an die deutsche Philosophenwelt, sich eine Zeitlang der rein historischen Erforschung des Kantschen Systems besonders energisch zu widmen, und zwar in der ausgesprochenen Absicht, eine größere lebereinstimmung der Auffassungen zu erzielen. Die gemeinsame Arbeit soll in einer. Art öffentlicher Distusfion erfolgen. Organ für diese Diskussion sollen besondere Beihefte der Kantstudien fein. Als erstes Diskussionsthema schlägt Redner das Ding an- fich- Problem vor. Um die Diskussion in Fluß zu bringen, läßt er zum Rantjubiläum eine Schrift ,, Rant und das Ding an sich" erscheinen. Nach der um 5 Uhr beendeten Baufe fprad Profeffor Hans Driefch( Leipzig) über Rant und die Ganzheit. Als legter Redner sollte Dr. Heinrich Scholz, Professor der Bhilosophie an der Universität Kiel, über Kant als Klaffiter der Metaphyfit sprechen; da er am Erscheinen verhindert war, wurde fein Vortrag durch Professor Menzer- Halle verlesen. Darauf schloß gegen 8 Uhr abends Prof. Dr. Liebert die wissenschaftlichen Veranstaltungen der Kant- Gesellschaft mit einem herzlichen Dant an die Erschienenen. Einweihung des Grabmals. Am Montag mittag erfolgte die Einweihung des meu ge. fchaffenen Grabmals Immanuel Rants am Dom. Die Feier fand im Dom statt. Zunächst sprach Stadtschulrat Profeffor Dr. Stettiner über die Bedeutung Rants für Königsberg. Er schloß mit den Worten: Durch Rant hat die Stadt nicht nur für Deutschland als Vorort des Idealismus Ruhm erworben, sie ist auch welt. historisch geadelt, So dürfen die Königsberger wie der große Weimaraner mit Stolz und ohne Ueberhebung sagen:" Bin Rönigsberge, bin Weltenbürger!" Er Darauf sprach Profeffor D Dr. Adolf von Harnad. sprach von der wissenschaftlichen Persönlichkeit Kants, von feinem Wert und von den Wirkungen diefes Werks bis zur Gegenwart. Nach der Feier im Dom wurde das Denkmal eingeweiht. Ober. bürgermeister Dr. Lohmeyer hielt eine Ansprache und öffnete dann die Tür des Säulentempels, um an der Grabstätte, über der in goldenen Buchstaben nur die Worte stehen: Immanuel Kant", einen schlichten Kranz niederzulegen. Denn löfte sich die Fefiverfammlung auf. Die Polizeichronik der Ostertage. Beim Spiel erschossen. Um einen Hund. Ein in seinen Zusammenhängen noch nicht aufgeklärter Borfall hat sich in der Nacht zum zweiten Feiertag in der Huttenstraße abgespielt. Gegen 2 Uhr nachts brachte der Friseur Hikinger aus der Huttenstraße 69 den 27 Jahre alten Kaufmann Albrecht Stern aus der Brüdenallee mit einer Schußverlegung am Kopfe nach dem Moabiter Krankenhause, wo der Arzt aber nur noch den Deffentliche Wählerversammlungen heute, Dienstag, den 22. April, abends 7% Uhr: Alt- Glienice: Lokal Bohne, Grünauer Straße. Weißensee: Aula Realgymnasium, Woeldpromenade( Licht bildervortrag). Referenten: Alb. Horlih, Franz Künstler. Mord und Selbstmord. Gestern früh wurden Bewohner des Hauses Charlotten. straße 3a in Wannsee auf die Wohnung des Malermeisters Liegenau aufmerffam, aus der intensiver Gasgeruch drang. Die Bolizei wurde benachrichtigt und als diese in die Wohnung eindrang, fand sie die 46 Jahre alte Frau Liegenau am Boden lie. gend, in der rechten Hand einen Handfeger haltend, besinnungslos auf. Die Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Ermittelungen nach den Ursachen des zuerst anger.ommenen Selbstmordes ließen aber doch den Berdacht auftauchen, daß ein Mord vorliegen fönnte und der Selbstmord mir vorgetäuscht sei. Der Gatte der Toten, Oswald Liegenau, wurde, als er nach Hause fam, in polizeilichen Gewahrsam genommen. Nach seinen Angaben ist er am 1. Osterfeiertag morgens um 7 Uhr fortgegangen und hat die ganze Zeit bei feiner Geliebten in Nicolasfee zugebracht. Hausbewohner wollen aber in der fraglichen Nacht einen Streit in der Wohnung gehört haben und danach einen schweren Fall. Völlige Aufklärung werden erst die weiteren Ermittlungen bringen, mit denen Kriminalfommiffar Quoß beauftragt wurde. Mitteilungen werden im Polizeipräsidium Zimmer 96 entgegengenommen. Besonders wichtig ist, daß sich die Motorradfahrer hier melden, um über ihre Beobachtungen befragt werden zu können. -www | Tod feststellen fonnte. Hizinger und Stern hatten in der Wohnung des ersteren Karten gespielt, als gegen 1% Uhr nachts noch der in demselben Hause wohnende 22jährige Kellner Fris Reimann erschien; um an dem Spiel teilzunehmen, zeigte er eine Pistole. Plöglich löste sich ein Schuß, und Stern brach, tödlich getroffen, zusammen. Der Täter flüchtete unter Mitnahme feiner Waffe und konnte noch nicht wieder gefunden werden. Als nachts gegen 1% Uhr der Oberwachtmeister A. und der Wachtmeister 3. die Antonstraße passierten, standen vor dem Hause Nr. 4 der 39 Jahre alte 3igarrenhändler Karl Liloff, dessen 43 Jahre alter Bruder Emil und der 27 Jahre alte Bäder Wilhelm Heyn. Liloff hatte seinen und ohne Maulforb in ruhiger Weise aufforderte, seinen Hund an die Leine zu nehmen, und Leine frei umherlaufen lassen. Als ihn der Oberwachtmeister schlug Liloff mit einem Knüppel dem Beamten über ben Kopf, so daß dieser eine blutende Berlegung davontrug. Dann flüchtete er in seinen Laden und leistete, unterstützt von seinem Bruder, bei seiner Festnahme den heftigsten Widerstand. Man st a ch mit Messern auf den Beamten ein, und nur dem Umstand, daß er in der linken Brusttasche ein Notizbuch trug, hatte er die Rettung feines Lebens zu verdanken. Durch einen zweiten Messerstich ist er an der linken Hand verlegt worden. Sein Ramerad, der Wachtmeister 3., wurde durch einen Tritt gegen den Unterleib ebenfalls erheblich verlegt, konnte aber von seiner Hiebwaffe noch Gebrauch machen und den Oberwachtmeister A. befreien. Schließlich gelang es einer Streife, die Schläger festzunehmen. Die beiden Beamten mußten auf der Sanitätsstelle Wedding verbunden werden. Berunglückte Kinder. Beim Am 2. Feiertag gegen 12 Uhr mittags fiel die sechsjährige Hildegard Steiner, die bei ihren Eltern in Spandau wohnt, beim Spielen an der Landungsbrücke in der Triftstraße in Spandau ins unter Benutzung einer Stange wieder herausziehen, doch waren alle Wasser. Ein Schiffer fonnte nach etwa fünf Minuten das Kind Bieberbelebungsverfuche ohne Erfolg. Spielen auf dem Hof des Grundstücs Delbrücftr. 11 stürzte das pierjährige Kind Waldemar Bolies in einem unbewachten Augenblick in das 3 affin tes bort befindlichen Springbrunnens und ertrant. Die Unfitte der Kinder, auf die für trigono. metrische Meffungen aufgestellten Gerüste zu Mettern, hat in letzter Seit drei schwere Unfälle zur Folge gehabt. Als gestern nachmittag der 14jährige Schüler Rudo Bundel aus Wilmersdorf auf ein bei schmere innere Verlegungen davon. Dahlem stehendes derartiges Gerüft fletterte, fiel er infolge des Fehlens einer Sproffe aus beträchtlicher Höhe herab und trug Man schaffte ihn nach der nächsten Rettungsstelle und dann nach der elterlichen Woh Ma I chow, Dorfstr. 28, ereignete sich gestern ebenfalls ein schwerer nung. Auf dem Hofe des Besitzers Hermann Wartenberg in Unglüdsfall. Der 13jährige Sohn des Besizers hatte eine von der Feuerwerksfabrik Bergmann in Malchow abgeschossene, jedoch nicht explodierte Ratete auf dem Hof gefunden und wollte sie auseinandernehmen. Dabei explodierte die Ratete wunden davon und wurde von seinem Vater einem Arzt zugeführt. und ging dem Knaben ins Gesicht. Dieser trug schwere BrandGroßfeuer in Neukölln. ermittelter Ursache in Reukölln in einem Edhause Prinz Großfeuer fam am zweiten Osterfeiertag aus noch nicht handjern- Straße und Faltstraße 7 zum Ausbruch und machte der Feuerwehr sehr viel zu schaffen. Als die Hausbewohner die Gefahr bemerkten, schlugen die hellen Flammen schon an mehreren Stellen mit dicken Rauchschwaden vermischt empor. Die sofort alarmierte Feuerwehr fand bereits einen ausgedehnten Brandherd vor, was den Schluß zuläßt, daß der Brand längere Zeit unbe= merft gemütet haben muß. Zahlreiche Bodenkammern mit Inhalt sowie der Dachstuhl und die Treppenaufgänge waren total verqualmt und standen in Flammen. Das Feuer hatte sehr reichliche Nahrung gefunden und wurde mehrfach von dem herrschenden Sturm Don neuem angefacht, wodurch sich die Löschung verzögerte. Erst gegen Abend, als fich der Wind legte, wurde die Feuerwehr des Feuers Herr. Die Löschung ging bann schneller vonstatten. Der Dachstuhl ist niedergebrannt, auch haben die oberen Stock. merle durch Wasser gelitten. Im Hause Ruheplatz 22 entstand gestern abend gegen 7 Uhr ein Küchenbrand, der durch den Einsturz der schadhaften Kochmaschine verursacht wurde. Die herbei. gerufene Feuerwehr löschte den Brand in furzer Zeit. Zurückzuführen ist der Brand auf die Nachlässigkeit des Hausmirtes, der trog wiederholter Aufforderung feine Reparaturen vornehmen läßt. 7-8. Bollstanz: Gemeindeschule Wilmersdorf, Babelsberger Straße Brogramm ( am Schöneberger Stadtpart): Donnerstag, 24. d. M., 8-10. ( 10 Pf.) und Auskunft durch Sekretariat, W35, Sturfürstenstr. 48( Kurfürst 1309) Schwere Brandkatastrophe in Chicago. Exchange Telegraph" meldet aus New Yort, daß die Curran Hall in Chicago abgebrannt ist. Während des Brandes ereignete fich eine heftige Explosion, die den Einsturz von vier Etagen verursachte. Ein Trupp Feuerwehrleute, die gerade auf dem oberen Stockwert mit Löscharbeiten beschäftigt waren, stürzte in die Fiammen hinab. 3wanzig Feuerwehrleute find unter gräßlichen Qualen gestorben, während zwölf mit schweren Brandwunden ins Hospital gebracht wurden. Groß- Berliner Parteinachrichten. 1 11. Rreis Schöneberg- Friebenau. Mittwoch, den 23. April, 7% Uhr, Sufammentunft fämtlicher Gaalordner bei Groß, Gedanstr. 17.- 11. Kreis. Plakate abholen Mittwoch, den 28. April, 6 Uhr, von Will, Martin- Luther- Str. 68. 13. Kreis Tempelhof Marienborf. Mittwoch, den 23. April, 7½ Uhr, Simmer 26, Kreisvorstandssigung. fon Sport. Rennen zu Mariendorf am Sonntag, den 20. April. ( Solati). Sot.: 82:10, BI.: 11, 10:10. 6-4 g. 1. Rennen: 1. Minz( Rogowski). 2. Federnelle( F. Schmidt), 3. Bella Daw 2. Rennen. 1. Invasion( L. Weiß), 2. Klud( Ss. Schleusner), 3. Beter Sarvefter( S. Grube). Tot.: 13:10, B1.: 12, 18, 18:00. 2-3 Lg. 3. Rennen. 1. Adler( D. Jirgens), 2. Schlips( A. Rüdert), 3. Barometer ( G. Serforth). Tot.: 17: 10, Blak: 11, 15, 19: 10. 3-5£ g. 4. Rennen. 1. Bez( Wiltshire), 2. Franfenftein( M. Ringius), 3. Setman ( Beidmüller). Tot.: 14: 10, Blah: 12, 17, 22:10. 1½- ½ g. 5. Rennen. 1. Albatros( J. Mills), 2. Jeffries ir.( W. Freundt), 3. Wiede. 6. Rennen. Dr. Bingen( J. Mills), 2. Heideprina I( E. Paul), 3. Bardo bopf( e. Weiß). Lot.: 174: 110, Blag: 82, 22, 17:10. 2- ½ 29. ( ss. Galeusner). Tot.: 17:10, Blak: 13, 30: 10. 7. Rennen. 1. Marie S.( Weidmüller), 2. Feuerwehr( Wiltshire), 3. Edeltochter( L. Weiß). Tot.: 15: 10, Blag: 10, 11, 14:10. 3-2 2g. 8. Rennen. 1. Lump( Th. Steger), 2. Alpenfer( 3. Mills), 3. Rovanna ( F. Schmidt). Tot.: 27:10, Blag: 13, 13, 12:10. 1-2 2g. 1. Rennen. Brise( Bosch) ging allein über die Bahn. 2. Rennen. 1. Duhr Spis( v. Falkenhann), 2. Oftflucht. Tot.: 23:10. Ein Rettungswert mit Hinderniffen. Eine noch nicht festgestellte Rennen zu Karlshorst am Montag, den 21. April.R Frau sprang am Ostersonntag abend in das Engelbeden. Der Schloffer Waldemar Wegener aus der Koppenstr. 17 stürzte ihr nach. Ded gelang es ihm nicht, die Lebensmüde ans Ufer zu bringen. 2 Tiefen. 1 2änge. Erst mit Hilfe einer zugeworfenen Leine sowie eines Rettungsringes tonnte er die Frau so lange über Wasser halten, bis die alarmierte Feuerwehr erschien und beide herausholte. Die Lebensmüde fand fm Bethanienfrankenhause Aufnahme. Rahmen der Boltshochschulkmse der Deutschen Hochschule für Leibesübungeni. Kurse in Rhythmischer Gymnaffif und Bolfstanz beginnen demnächst im System Bode: Montag, 28. d. M., 5-6( für Fortgeschrittene). 6-7 und 7-8( für Anfänger) ehemaliges Friedrichs- Gymnasium, Albrechtstr. 26. Dorotheenbund: Charlottenburg, Leibnizstr. 79: Donnerstag, den 24. April, 7-8, und Neukölln, Gemeindeschule Rütliplat: Montag, 28. d. M., 3. Rennen. 1. Balbung( Schuller), 2. Giramete( Edler), 3. Lavinia. Tot. 11:10. 3 liefen. 3- Weile. 4. Rennen: 1. Eichwald( Mate), 2. Memling( Gaager), 3. Serzog( Dertel). Tot.: 27:10, Blas: 5, 15, 17:10. 1-5-%£ g. 5. Rennen. 1. Sham Dich( Quade), 2. Siltraud( Dertel), 3. Adolphus( Mate). Tot.: 41: 10, Blak: 18, 11:10. 5-7- ½ 2g. 6. Rennen, 1. Rönig Midas( Dertel), 2. Maral( Cbler), 3. Algebra. Tot.: 18:10. 3 liefen. 8- Weile. 7. Rennen. 1. Denkstein( Serr Freese), 2. Ezzelsior( v. Pelzer), 3. Cäsar II ( Serr Walter). Tot.: 34: 10, Blag: 13, 12:10. 3-2-2 2g. 3m Fußballwettspiel Deutschland- Holland hat die deutsche Mannschaft mit 1: 0 gewonnen. Gewerkschaftsbewegung Zur kommunistischen Gewerkschaftstaktik. Am Sonntag berichtete die„ Rote Fahne für Brandenburg" über die Stellungnahme der Berlin- Brandenburger KPD.- Funktionäre zum kommunistischen Parteitag. Der Referen, ein Vertreter der Berliner Bezirksleitung, führte u. a. aus: nur in der Gewertschaftsfrage haben die Vertreter der Erefutive eine gemije Berechtigung hinsichtlich ihrer Bedenten. Die vor. handenen Differenzen werden metter bestehen und noch zu regen Diskussionen und Anregungen in der Mitgliedschaft führen, Die ungewollte Folge dieser etwas übertriebenen Befürch tungen führten zu einer verstärkten Angriffsluft des Zentrumsver treters." Ein gegen die Gewerkschaften angestellter Gewerkschaftsfunktionär erklärte: Wir müssen die Gemertschaftsfrage im Interesse des gesamten Proletariats lofen. Der Ausdrud der proletarischen Kräfteverhältnille mirb der Arbeitertongreß fein.( 3u dem Delegierte der„ re. volutionären Unorganisierten" gestellt und natürlich auch bezahlt werden. Red d.„ B.") Der Gründung von Industrieverbänden muß die verschärfte Frattionsarbeit in den Gemertschaften entgegengesetzt werden. Die Lösung dieses wichtigsten Problems, der Gewerkschaftsfrage, hängt von der praktischen Tätigkeit etres jeden Parteigenossen innerhalb und außerhalb der Gewerk schaften ab." Der erste Diskussionsredner bezeichnete die Forderung nach der Macht durch die Betriebsräte als ebenso utopisch, wie die frühere Parole der Arbeiterregierung". Solange der Kapitalismus noch in ungebrochenen Positionen throne, solange tönnte die Uebernahme der politischen Macht durch die Arbeiter nicht erfolgen. Diese Webernahme tönne erst dann erfolgen, wenn das Proletariat alle Macht übernommen habe. Wenn ein Amsterdamer" die im Borderfaß ent haltene Erkenntnis ausspricht, wird er als„ Sozialverräter" be. schimpft. Und wenn er eine so einfältige Schlußfolgerung daraus ziehen würde, wie es hier geschehen ist, würde er von seinen Genoffen ausgelacht werden. Ostromfti fagte, was der Parteitag in der Gewerkschafts. frage offengelaffen habe, müsse der Arbeiterfongreß vollenden.( 1) Die Industrieverbände müßten der RGI. und der 3.( Mostauer) Internationale angeschloffen werden. Der letzte Diskussionsredner will das Hauptgewicht auf die Betriebe gelegt wiffen. Dort tönne nur attive Arbeit geleistet werden, wenn alle Funktionäre mit arbeiteten. Unter aktiver Arbeit ist hier die fommunistische Barclenpolitit zu verstehen. Die Stellung des Parteitags zur Gewerkschaftsfrage ift noch eine sehr unflare." Der Referent stellte in feinem Schlußmorrt feſt, „ baß der Parteitag gar feine bindende Entscheidung in der Gewertschaftsfrage stellen fonnte. Es ist eine Linie gefunden worden, die für die Zukunft praktische Arbeit ermöglicht. Wir müssen so Eingew, W. Z. NO 15788 DUBECZIGARETTEN Nº6 GEORG A.JASMATZI AKTIENGESELLSCHAFT DRESDENTheater, Lichtspiele usw. befchließen, als daß ich die Mägerin weiter beschäftige. Ich werde sie wieder einstellen. Ich werde schon mit ihr fertig werden. Ich werde sie zwingen, ihre Arbeit zu machen. Wir stehen uns feindlich gegenüber, weil sie die Politik in meine Werkstatt getragen hat. Wenn ich sie wieder einstellen muß, dann werde ich ihr zeigen, wie man mit ihr umzugehen hat." arbeiten, daß dabei die fozialdemokratischen Gewerkschaftsführer ihren Anhang verlieren, wie das jetzt in Remscheid beim Metallarbeiterverband der Fall ist. Wenn wir die Arbeiter so hinter uns haben, wie heute der Industrieverband für Chemie beim Streit in Ludwigs hafen( eine fommunistische Sondergewerkschaft. Red. d." B."), dann fönnen wir an den allgemeinen Austritt aus den Gewerkschaften denten. Denn dann haben wir die Maffen hinter uns. Diese Drohungen eines aufgeregten Unternehmers wies der BorEinstweilen aber wird an anderer Stelle des Blattes gefagt- fizende mit den Werten zurüd: So geht das nicht, zwingen dürfen muß sich der 5. Rongreß der Kommunistischen Internationale mit Sie eine Arbeiterin nicht, eine Werfftatt ist doch feine Kaserne." der ganzen Kraft seiner Autorität, der größten Entschiedenheit Nach diesem Auftreten des Beklagten zu urteilen, scheint es in und Bestimmtheit gegen den Austritt aus den sozialdemokratischen der Tat, daß er sich im Kriegszustand mit dem Betriebsrat befindet Gewerkschaften erklären. Gleichzeitig soll dieser Kongreß die Frage und daß die Annahme der Klägerin, fie sei wegen ihrer Betriebsratsprattifch lösen, wie jene Arbeiter, die durch die sozialdemokratischen tätigfeit entlaffen, nicht unbegrümbet ist, wenn auch die aus der Führer aus den Gewerkschaften entfernt werden, zu organisieren hielt es ber Beklagte, da der Ausgang des Rechtsstreits für ihn doch Lohnfrage entstandenen Gegensätze mitgespielt haben. Schließlich find. Die Frage der Gewerkschaften werde eine bedeutende Stelle zweifelhaft erschien, für geraten, den Kriegszustand durch einen auf der Kongreß einnehmen. Bergleich zu beenden, wonach er der Klägerin den Lohn für drei Wochen, die sie seit der Entlassung arbeitslos mar, auszahlt. zu An fich ist das michs Neues. Die praktische Arbeit" der fom munistischen Barteiagitatoren wird nach wie vor hauptsächlich darin bestehen, das Bertrauen der Gewerkschaftsmitglieder zu den Führern 3u untergraben, die Gewerkschaften zu„ Aktionen" zu treiben, die Einheitsfront" zu predigen und die Mißachtung der ganzen gewert. schaftlichen Verfassung, ihre Sagungen, Beschlüsse und Einrichtungen zu provozieren, furzum es in jeder Weise auf Ausschlüsse aus den Berbänden anzulegen, um dann über„ Spaltung“ zu schreien, so laut, daß die Gründung kommunistischer Sonberorgani. fationen der Ausgeschlossenen und Unorganisierten übertönt wird. hat man erst die Massen hinter sich und die kommunistischen Organi fationen vollends aufgezogen, dann fommt der allgemeine Austritt aus den Gewerkschaften. Dann ist das Ziel erreicht, die in den Gewerkschaften organisierten Arbeitermassen zu erfassen, zu politifieren und hinter die RPD. zu bringen." Nur gut, daß die Amsterdamer" dabei auch noch ein Wort mitreben und den kommunistischen Gewerkschaftsverderbern auf die Finger sehen. Im Kriegszustand mit dem Betriebsrat. Eine Näherin, die in dem Kürschnergeschäft von Wolf befchäftigt war und dem Betriebsrat angehörte, ist fristlos ent laffen worden und flagte deshalb beim Gewerbegericht. Der Arbeitgeber und sein Wertführer gaben als Entlassungsgrund an, die Klägerin habe nicht halb soviel gearbeitet, wie fie be igutem Willen hätte leiften fönnen. So habe sie die Arbeit sabotiert, weil fie als ungeübte Arbeiterin einen geringeren Lohn bekam wie ihre fehr geübte Kollegin. Die Klägerin behauptete dagegen, das sei nicht wahr, fie fei wegen ihrer Tätigteit als Mitglied laffen worden. Zwischen dem Betriebsrat und Herrn Wolf herrscht des Betriebsrats feit Monaten schisaniert und schließlich ent allerdings wie fich im Laufe der Berhandlung zeigte ein fehr gespanntes Berhältnis, das wenigstens von Herrn Wolf sozusagen als Kriegszustand betrachtet wird. Als der Borsigende des Gewerbegerichts zum Bergleich riet, lehnte Wolf jeden Vergleich ab und sagte zum Gericht:„ Sie können doch nichts weiter -ww Aufhebung eines internationalen Boykotts. ( I. G. B.) Die Erefutine der Internationalen Union der Orga nifationen der Arbeiter und Arbeiterinnen der Lebens. und Ge. nußmittelindustrie hat den am 22. Januar 1922 infolge der Maßregelung von 57 Arbeitern über die Firma Remy A.-G. in ygmael, Belgien, verhängten Boykott aufgehoben. Vor eini gen Wochen hat der Verwaltungsrat der Remy A.-A. den seinerzurückgezogen. Diesem Beschluß ist seither durch die Anstellung eines zeit gefaßten Beschluß, die 57 Arbeiter nicht mehr einzustellen, Teiles der Gemaßregelten sowie durch die Pensionierung der älteren unter ihnen nachgekommen worden. Achtung! BSPD.- Genoffen bez graphischen Industrie! Donnerstag abend graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen( fiehe Inserat). Tagesordnung: Die bent. Berbandslegitimation vorzeigen! Der Berbeausschuß. J. A.: R. Sertommenden Reichstagswahlen." Referent: Rollege Loebe, Reichstagspräst mann. D. Bleich. 6 Uhr im Dresbener Rafino, Dresbener Str. 96, öffentliche Versammlung der Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Fris Rarftäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68.. Lindenſtrake 3. 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