Abendausgabe Nr. 18941. Jahrgang Ausgabe B Nr. 95 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Rebaffion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Moreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Dienstag 22. April 1924 Berlag und Anzetgenabteilung Geschäftsgett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin SW 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2509-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Belgischer Wahlgruß. Wünsche der belgischen Genossen für die deutsche Sozialdemokratie. Die französische Antwort. Dem Parteivorstand ist folgendes Telegramm des joeben| dann werden wir und unsere Aliierten einander näher stehen als je, flattgefundenen Kongresses der belgischen Arbeiterpartei zugegangen: und wir werden auf das Ergebnis warten. Aber mir der Brüssel, 20. April. Den Arbeitern in Frankreich und Deutsch- trauen euch!" land, die sich in einem schweren Kampfe befinden, deffen Ausgang über die nächste 3ufunft der Demofrafie, des Sozialismus und des Friedens in Europa entscheiden wird, sendet die Arbeiterpartei Bel giens ihren brüderlichen Gruß. Sie spricht die Hoffnung aus, daß der 4. und der 11. Mai Siegestage fein werden für die gejamte Arbeiterinternationale und den Ausgangspunkt bilden für eine neue Zeit, die zur Aufrichtung eines wirklichen Friedens zivi. fchen den Bölfern führt. Es lebe der Sozialismus! Es lebe die sozialistische Arbeiferinfernationale! gez.: van Roosbroed, Generalsekretär. Kongreß der belgischen Arbeiterpartei. Brüffel, 21. April.( EP.) Der Kongreß der belgischen Arbeiterpartei ist am Ostersonntag eröffnet worden. Bandervelde hielt eine längere Rede, worin er hauptsächlich das innerpolitische Brogramm auseinandersetzte. Die Partei fordere die Verminde. rung der Banknotenzirkulation, die Rebuftion der Staatsschulben, und zwar durch eine Vermögensabgabe während 10 Jahren, um die Schulden auf fünf Milliarden Frank herabzubringen. Der Delegierte Ser ruffischen Sozialrevolutionäre Suchomlin, hielt eine Rede, worin er erflärte, daß in Rußland gegenwärtig mehr als eine Million Arbeiter arbeitslos fei. Der frühere belgische Minister Wauters teilte mit, daß die belgische Arbeiterpartei gegenwärtig 632 000 Mitglieder zähle, von denen 52 000 Frauen feien. Der Kongreß nahm eine Entschließung an, in der den franzöfifchen und den deutschen Sozialisten die Grüße der belgischen Arbeiter schaft entboten werden. Der Kongreß wurde abgeschlossen, nachdem eine Entschließung angenommen wurde, die das Programm der Partei für die nächsten Wahlen wie folgt feftfeßt: 1. Berte digung der Berfassung und der Gemertschaften. 2. Herabschung der Militär ausgaben. 3. Zahlung einer Vermögenssteuer und Erhöhung der Wirtschaftssteuer. 4. Etaatliche Ausbeutung ber noch nicht vergebenen Gruben. 5. Aufrechterhaltung des Achtstunden: ages. 6. Ausdehnung der Versicherungsgejeze. 7. Bau billiger Häufer und Verfängerung des Mieterschutzgesetzes. 8. Revision der Kriegsschäden von über Million Frant. 9. Besserung der Lage der Landarbeiter durch gefeßliche Maßnahmen. 10. Ausbau der Gefeße betr. den Arbeiterschuh und den beruflichen Unterricht. anderer Beschlüffe fordert u. a. die Ausdehnung der Propaganda in der Armee und die Gründung eines Attionskomitees gegen den belgischen Faschismus. Der englische Parteitag. Eine Reihe In Ergänzung unserer Meldungen in der heutigen Morgenaus gabe seien, laut dem WTB.- Bericht, folgende Einzelheiten aus den Berhandlungen des Parteitags der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands nachzutragen: Genoffe Longuet von der französischen Sozialistischen Partei erflärte in feiner Begrüßungsansprache u. a.: Wenn eine Gefahr bes Pangermanismus bestehe, so sei niemand mehr verantwortlich dafür als die Nationalisten in Frankreich. Während der Debatte über die Politik der Arbeiterregierung erklärte Ramfay Macdonald u. a., es habe seinerzeit geheißen, daß die Zivilverwaltung alles tun werde, um eine Arbeiterregierung zu behindern, und feine ehrlichen Dienste leisten werde. Er selbst habe dies niemals geglaubt. Er tönne nach drei monatiger Erfahrung erflären, daß dics nicht wahr sei. Die Birilverwaltung sei vollkommen parteilos. Sie sei für den Staat. Mocdonald fagte hier: Ihr wißt, wie wir die Art kritisierten, in der sich das Foreign Office( Auswärtiges Amt) zusammenfeßte." ( Swi'chenruf:„ Warum tut ihr es jetzt nicht mehr?") Macdonald erwiderte:„ Weil eine enderung eingetreten ist. Es ist sehr schade, daß unsere revolutionären Kritiker nicht auf der Höhe find. Ich muß fagen, daß, als ich einigen dieser riesig vormideiten, darunter einigen fast hoffnungslosen Problemen gegenüberzutreten hatte, ich seitens Gutunterrichteter herzliche Unterstützung durchaus aufopfernter Art erfuhr. Ich erhielt diese Unterstützung vor den Männern, mit denen ich zu arbeiten hatte, aís ich Staats'etretär Männern, mit denen ich zu arbeiten hatte, ais ich Staatssekretär des Aeußern wurde." Sum Schluß erklärte der Premierminister. er wisse nicht, wie lange die Regierung im Amte bleiben werde. Sie tue j doch Gutes und verhelfe der Welt zu einer neuer Geistes. verfassung. So lange fie dies tun könne, jei sie vollkommen bereit fortzufahren. Die Bresse habe sich gegenüber der Arbeiter. regierung wirklich sehr gut" verhalten. Macdonald und Deutschland. Conton, 21. April.( WTB.) Die Stelle in Macdonalds Nede in York, in der er barüber sprach, daß man Deutschland Bertrauen entgegenbringen müsse, hat folgenden Wortlaut: Wenn wir aufhören, als Rerfermeister zu handeln, dann fönnen die von Deutschland gegebenen Bürgschaften( pledges) angenommen werden. Laßt uns Deutschland sagen: Wenn ihr erklärt, daß ihr diese Berichte annehmen( take) werdet, fo werden wir euch bei eurem Bortnehmen. Wir haben feinerlei Borbereitungen getroffen, um irgendeinem Berzug auf eurer Seite zu begegnen. Wenn ihr nach dieser feierlichen Verpflichtung in Berzug geratet, Die Reparationskommission soll die Entscheidungen treffen. Paris, 21. April.( WTB.) Der„ Temps" berichtet, die französ fische Regierung habe auf die Mitteilung der Reparationskommission, in der der Beschluß vom legien Donnerstag mitgeteilt wurde, bereits geantwortet. Sie habe die Haltung angenommen, die man vorher gesehen habe. Ihre Meinung über den Bericht der Sachverständi gen weiche nicht von der Meinung der englischen Regierung ab. Sie erwarte jegt. daß die Reparationstommission die EntScheidungen treffe, die ihr zukommen, um den endgültigen Plan auszuarbeiten. Wenn die Reparationstommission jegt in den Grenzen ihrer Befugnisse Beschlüsse faffe, fönne die französische Regierung die Maßnchmen bestimmen, die sie ihrerseits zu ergreifen habe. Das Wort habe also die Reparations tommission. Sie allein fei qualifiziert, im Rahmen ihrer Zuständigkeit, das Werk vorzubereiten, wie sie es am Donnerstag angekündigt habe. Sie allein könne den Beschlüssen der Sachverständi gen Gewicht geben, nachdem sie die vorbereitenden Arbeiten durchgeführt habe. Poincarés Manöver. Die heute früh veröffentlichte Havas- Meldung deckt endgültig den Manöverplan Poincarés auf, über den wir in der Sonntagsausgabe berichteten. Das Stichwort lautet: Wir geben das Ruhrgebiet nicht aus der Hand, wenn wir nicht gleichwertige Garantien und Abmachungen über eventuelle Santtionsmaßnahmen gegen Deutschland erhalten! Dieses Stichwort wird nun von der Bariser Regierungspreise aufgegriffen und, unter heftigen Angriffen gegen Macdonald, variiert. Der Temps" schreibt, menn die englische Regierung es vorziehe, sich jeder vorherigen Abmachung über die Sant. tionen zu enthalten, so sei es einigermaßen natürlich, daß die französische Regierung die von ihr getroffenen Maßregeln bei behalte. Ebenso ertiärt der„ Matin", wenn man in England nicht der Tatsache Rechnung trage, daß Frankreich Pfänder besige und sie nur für gleichwertige für die Gesamtheit der Alliierten gestellte aus der Hand geben werde, so brohe die bemerkenswerte Leistung der Sachverständigen in eine Sac gaffe zu führen. Dieses frivole Spiel der offigiösen Bresse Schärfite verurteilt. So schreibt das Organ der Gewerkschaften wird in der französischen Arbeiterpresse natürlich auf das Le Peuple": 9 Die Rontroverse über die Sanktionen werde sich zweifellos fo fort entwickeln; indessen sei sie nicht einmal das Schlimmste. Sie gehöre zu denen, die sich bei beiderseitigem guten Willen lösen ließen, wenn die sich widersprechenden Auffassungen ohne Hintergedanken formuliert würden. Gefährlicher fei, daß man es auch hier wieder mit dem fundamentalen Gegenfaz zwifchen zwei Arten von Politit zu tun habe. Macdonald habe die bis jetzt betriebene Politik verurteilt und gleichzeitig Deutschland vor den Folgen gewarnt, die sein von der Kurzsichtigkeit der Entente und der Brutalität aufgeftachelter Nationalismus für Deutschland selbst haben feits des Rheins Gehör fände. Was aber Frankreich würde. Es sei zu wünschen, daß diese Warnung jen felbft anlange, so tonne man nicht umhin hervorzuheben, daß auch für Frankreich diese Warnung heute mitten in der Wahlbewegung höchst zeitgemäß fei. Diese Warnung an die Nationalisten hüben und drüben des Rheins ist höchst zeitgemäß. Jedoch noch wichtiger ist, daß die Arbeiterflaffe Deutschlands und Frankreichs am 4. und 11. Mai den nationalistischen Hezern und Brandstiftern eine Absage erteilt, die ihnen endgültig die Möglichkeit nimmt, mit den Lebensinteressen der Volksmaffen Schindlider zu treiben. Schwache Börse. schwacher Haltung. Auf aft allen Märkten fonnte man erhebliche Die Börje eröffnete auch nach den Feiertagen wieder in Realisationen der Spekulation beobachten. In diesen Abgaben tommt Die außerordentlich pessimistische Beurteilung der Lage durch die Börse selbst zum Ausdrud. Die unmittelbar vor Ostern noch bekannt gewordenen Insolvenzen haben die mistrauische und ängstliche Stim mung noch verstärkt. Vor allem ist man an der Börse der Meinung, daß Stüßungsaktionen bei der jeßigen Häufigkeit der 3ahlungsschwierigkeiten kaum noch durchgeführt werden können, zumal nicht nur die Bantwelt, sondern die gesamte Wirtschaft im Zeichen außerordentlich schwierigen Eingangs von Außenständen usw. steht. Besonders start waren heute die Abgaben am Markte der Betroleumaktien. In den Zinsfäßen kommt die schwierige Lage des Geldmarktes noch gar nicht deutlich genug zum Ausdrud. Täg. lich Geld wurde wieder mit% Proz. genannt. Rentenmarkkredite wurden mit monatlich 3% bis 4 Proz. angegeben. In Wirklichkeit find aber auch zu diesen Sätzen vor allem wertbeständige Kredite auf längere nicht zu erfargen. Der franzöfifche Frant bewahrte auf längere Frist nicht zu erlangen. Der französische Frant be wahrte feine feste Haltung. Man nannte heute London gegen Paris Papieren ganz bedeutend. Ludendorff und Hölz. Putschisten als Spitzenkandidaten. Die Namen, die an der Spitze der Reichslisten der Böltischen und der Kommunisten stehen, bedeuten ein Pro= gramm. In ihnen soll das Bekenntnis zur gewalt= famen Umänderung der gegenwärtigen Staatsform zum Ausdruck gebracht werden. Alle, die diesen Listen im Reiche ihre Stimme geben, sollen damit befunden, daß sie die Gewaltanwendung gegen den heutigen Staat als ctwas fittlich Erlaubtes und politisch Notwendiges und der Kommunisten sein mögen, in den Methoden unteranerfennen. So verschieden auch die Ziele der Bölkischen unterscheiden sie sich nicht. Mar Hölz, der Meldereiter aus dem Weltkrieg, der Schlachtenlenter des mitteldeutschen Aufstandes, hat im Bogtlande ungefähr so gehaust, wie Ludendorff, der Feldherr des Weltkrieges, es im Feindesland anordnete. Beide machen Kriegsnotwendigkeiten für ihre Berwüstungen als mildernden Umstand geltend. Beide fahen die Welt nur durch die Brille des Siegerwillens, beide glaubten, auch im Kampf um die innerpolitische Macht die Mittel des Weltkrieges zur Anwendung bringen zu dürfen. Nur ihre eigene Auffassung von der Bedeutung ihrer Ideale oder was sie dafür hielten, sei maßgebend für ihre Entschlüsse und Handlungen. Ludendorff war am Rapp Rutsch beteiligt. Bufällig", wie sich das von selbst versteht, denn der„ Feldherr" muß sich bekanntlich zurückhalten und im gegebenen Augenblic sich erst rufen lassen. Ludendorff war om HitlerButsch beteiligt, ebenso aufällig", wie bekannt. Was der Kapp- Butsch in unmittelbarer und mittelbarer Folgewirtung auch für Schäden und Blutopfer über das deutsche Bolt gebracht hat, das war diesem„ genialen Feldherrn" gleichgültig. Und ob der Hitler- Butsch auch ganz Deutschland in einen furchtbaren Bürgerkrieg hätte bringen können, war ihm ebenso belanglos. Er mußte, zumindest in München, daß seine Sturmtrupps die schamlosesten schamlosesten Vergewaltigungen gegen friedliche Einwohner verübten, er tat nichts, um das zu verhindern. Er fah, wie eine Anzahl älterer Herren von seinen hitlerischen Sturmgefellen„ verhaftet" waren und in einen Keller gesperrt wurden. Er fragte, was das für Leute feien. Und als ihm verfichert wurde, has wären die Stadträte, brehte er sich teilnahmslos um und überliek den Bürgermeister ind feine Amtsgenoffen der freundlichen Initiative jener Burschen, deren rohe Gesinnung durch den Brief des Leutnants Gök zur Genüge erwiesen wurde. Ludendorff stellte sich an die Spike jenes Demonstrationszuges, der gegen die Residenz marschierte und dort zusammengeschoffen wurde. Menschenopfer, die dort fielen, tommen nicht zuletzt auf sein Ronio. Die pörung ganz Deuff hlands diefer Mann vor Gericht behandelt Ludendorff war angeflagt. Man weiß, wie zur Em wurde. Exzellenz, Erzellenz und abermals Erzellena! Schlie lich wurde er freigefprochen, was fogar er als eine Schande empfand. Seine Spiekaefellen aber befamen eine Belohnung in Form einer furzfristigen Feftungshaft mit Bewährungsfrist. Sie empfangen Besuche und werden im ganzen Lande von ihren Anhängern als die notionalen Befre er gepriefen. Hitler steht mit Ludendorff gemeinsam auf der Liste der Bätkischen. Wie anders dagegen Mar Söla! Wir haben seine Methoden auf das schärffte verurteilt. Stand er doch nicht auleht im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, deren andere fonnte oder wollte Hölz stand auch vor Gericht, und zwar Art, Entwicklungen vorwärtszutreiben, er nicht begreifen vor einem außerordentlichen, das auf Grund des Ausnahmezustandes in Berlin zusammengefekt war. Man entsinnt sich jener Verhandlung, auch des Auftretens diefes Mannes, der ein Fanatifer feines Glaubens mar, aber in feinem Augenblid die Berantwortung für das ablehnte, was er getan und gewolf hatte. Er hat sich nicht barauf berufen, daß er nur zufällig" in die Reihen der Aufständigen geraten sei. Er hat sich nicht darauf hinausgeredet, wie fein völkischer Spikenkollege, bak er fich nur einer bereits bestehenden revolutionären Regierung zur Verfügung gestellt" habe. Er hat die Gewaltanwendung nicht abgeleugnet, sondern als fein vermeintliches Recht angesprochen. Er war wie jener ein politischer Bhantaft, aber einer, der an sich selbst und seine Auffich ſelbſt und gabe glaubte. Man hat ihn zu der furchtbarsten Strafe verurteilt, die sich Wie hat man diesen Mar Hölz vor Gericht behandelt! denken läkt, ihn auf Lebenszeit ins Buchthaus gesandt! Für die Richter, die damals Recht sprachen, galt es, die verlegte Staatsautorität wiederherzustellen und ein abfredendes Erempel zu statuieren. Seit drei Jahren fikt Mar Hölz hinter Buchthausmavern für dasselbe Verbrechen, das die Hitler- Leute mir auf Festung mit Bewährungsfrist brachte, dem Ludendorff aber gar die Freisprechung eintrug. Diese verschiedenartige Behandlung zweier Männer, die da sfelbe gewollt und es zum Teil mit denselben Mitteln durchzusehen gestrebt haben, ist geeignet, das gesunde Rechtsempfinden aufs tiefste zu verleken. Die bürgerliche Preffe hat freilich die Verurteilung des hölz als einen Sieg gefeiert, wie nur während des Weltfrieges Ludendorff- Siege gefeiert werden konnten. Für Ludendorffs Putschunternehmen hatte fich jedoch ein ganzes Heer von bürgerlichen Zeitungen zur Verfügung gestellt, um feine vermuteten Erfolge in den üblichen Kriegsberichten zu verherrlichen. In Ludendorff, dem Exponenten der KPD. Aus dem spärlichen Bericht der Roten Fahne" über ihren Parteitag geht hervor, daß die Erefutine bereits hier gegen die Linke Front machte. In dem Bericht über das Referat des Vertreters der Erefutive heißt es: In der Frage der Einheitsfront stellt Genosse Iwanoff feft, daß einzelne prominente linke Führer schwere Fehler begehen. Genojie Scholem z. B. hat es soweit gebracht, daß er in einem Sah seiner Rede in der Berliner Funktionärversammlung drei grobz Fehler begangen hat."( Das ist selbst für Wernerchen eine beach fiche Leistung!) An einer anderen Stelle seines Referats vergleicht der Turke. staner die heutige Lage in Deutschland mit der in Italien im Sommer 1920: | Ich wüße nicht, was unserem unglücklichen Volke jezt mehr not täte, als die Feier eines Tages, der es gemahnt, fich in seinem Tun und Lassen nicht so sehr von seinen materiellen Intereijen, von seinen Leidenschaften leiten zu lassen, sondern vielmehr die Ber nunft im Geiste des großen Königsberger Philofophen zum Ausgangspunkte und zur Richtschnur seines Handelns zu nehmen. tiefe Wunden geschlagen, unerschliche Berlufte ihm zugefügt. Der Friede, der noch lange kein Friebe ist, der vielmehr wie eine Der unglückselige Krieg hat unserem Lande und unserem Bolf: Völkischen, die nach ihrem Programmt den Kapitalismus be-| Erzeffe, von denen die neue Mehrheit der PD. nicht frei ist,| Reichsinnenminister Dr. Jarres, Nach ihm der preußische Minister, seitigen" wollen, erblicken weite Kreise der kapitalistischen zurückweisen." präsident Braun, der u. a. ausführte: Schichten allerdings den Beschüßer ihrer Borrechte, den Vorfämpfer ihrer Herrenrechte, furz den Diktator, der die nach Selbstbestimmung ringenden Arbeitermassen niederhalten soll. In Mar Hölz aber sahen dieselben Kreise einen faszinie renden Rebellen, von dem sie befürchteten, daß seine Metho= den sie in ihren Besitzrechten beschränken fönnten. Deshalb der Haß gegen diesen, die jubelnde Begeisterung für jenen! Für uns aber bleibt die Frage: Soll der eine Butschist lebenslänglich im Zuchthaus bleiben, während der andere als gefeierter Held durch die Weltgeschichte schreitet? Soil Bewährungsfrist nur für Hitler- Leute gelten, nicht aber auch für jenen, der in politischem Fanatismus sich zu Handlungen hinreißen ließ, die er nac) Jahren der Ueberlegung selber bee „ Die italienischen Kommunisten haben nach dieser Niederlage dauert und für verfehlt erkannt hat? Sollen die Fälle Luden- ihre Hauptaufgabe im Kampf gegen Serrati gefehen, fie Lorff und Hölz dauernd bestehen bleiben als beschämende haben dagegen die steigende Kraft des Faschismus ganz über Zeichen von dem Recht, das in der Deutschen Republik gefehen und den Kampf gegen die Faschisten nicht crganisiert. Der fprochen wird? Fehler darf nicht in Deutschland wiederholt werden. Es darf nicht gesagt werden: Lieber eine fleine aber reine Partei." An dieser Beurteilung der italienischen Berhältnisse ist zunächst interessant, daß gerade die erleuchteten Erefutive- Bertreter seiner zeit diejenigen gewefen find, die in Italien den schärfsten Kampf gegen Serrati und die Spaltung der italienischen sozialistischen Bartei verlangten. Vielleicht empfinden die Moskauer dunkel, daß die KPD. auf dem besten Wege ist, sich in die Situation einer einflußlos werdenden Sette hineinzumanöverieren. Nur werden fie den Geist, den sie in den Linken um Maslow großge züchtet haben, nicht los werden. Selbst Sinowjew wird das Steuer nicht mehr herumwerfen können. Die Parteifommunisten wollen crit durch neue bittere Erfahrungen flug gemacht werden und wahr. feinlich werden sie, wenn sie nach neuen Niederlagen mit blutigen Röpfen dastehen, nicht wie ihr Listenführer Hölz Selbst be finnung üben, sondern auf die ander en schimpfen Es scheint uns wirklich an der Zeit zu sein, daß man auch den Fall Hölz einer neuen Prüfung unterzieht, daß man sein Gejuch an den Reichsamnestieausschuß ernsthaft in Er wägung nimmt und zunächst wenigstens die entehrende Buchthausstrafe in hitleriche Festungshaft umwandelt. Die Bewährungsfrist, die in München jo liberal angewandt wurde, würde schließlich auch diesem Manne, aus dessen Schreiben ein tiefes Empfinden und eine große Sehnsucht nach Bildung Hervorleuchtet, die Möglichkeit geben, seine späteren Jahre für tie Gesellschaft nüglich anzubringen. Rechtsparteien und Frauen. al Völlische gegen Deutschnationale. Berfiflage des„ emigen Friedens" wirft, der dem Weisen von Königss berg als Ideal vorschwebte, hat eine furchtbare Bebrüdung und in das deutsche Bolt gebracht. Diese schafft den Nährboden für jene ihrer Auswirkung schlimmste geistige und wirtschaftliche Not fiber 3errissenheit und Selbstzerfleischung, in der unser schwer notleidendes Bolt jetzt seine so start geschwächten Kräfte erschöpft. Eine Verwirrung ist in den Köpfen entstanden und hat zu einer Berwilderung des öffentlichen Lebens geführt, die jeden, der es mit feinem Bolle wohlmeint, mit banger Sorge erfüllen muß. Besonders die geistige Entwicklung eines Teils unferer Jugend gibt zu den schwersten Besorgnissen Anlaß. Ein Bolt, das so niedergebrochen ist wie das deutsche, das fo wehrios einem erbarmungslosen Sieger gegenübersteh, fann fich nur durch innere moralische Stärtung wieder aufrichten und die Kraft gewinnen, deren es bedarf, um fich auf feiner fulturellen Höhe zu halten und den schweren, dornenvollen Weg zum Wiederaufstieg zu beschreiten. In dem wandelbaren Gang der Geschichie hat einmal schon das preußische Voit niedergeschlagen am Boden gelegen. Auch damals ging von Ostpreußen, von Königsberg, der starte Impuls zur B freiung und zum Wiederaufstieg aus. Müge es wieder so sein. Nicht in schablonenhafter Wiederholung der da maligen Ereignisse. Nein, so sdematisch wiederholt sich die Geschichte nicht. Nicht durch den Appell an die rohen Kräfte der Gewalt, sondern nur durch den 2ppellandie Bernunft und das Recht und durchdrungen von dem fategorischen Imperatin unseres großen Immanuel Kant fönnen wir in herber, vor Furcht und hoffnung unbeeinflußter flighter. füllung und zäher Arbeit die geistige und mate arielle Not des deutschen Voltes allmählich bannen und ihm den Weg zur Befreiung öffnen. Denn nur die fo erfämpfte Befreiung gibt die Gewähr für eine dauernde Befriedung, wie sie nicht nur das deutſche Bolk, sondern mit ihm auch die Völker Europas so heiß ersehnen. Se allein fenn uns auch dem ewigen Frieden" näherbringen, den Kant als Marime für das Zusammenleben der Völker so glänzend begründet hat." Wie man aber auch zum Falle Hölz stehen mag, so bleibt hoch seine Aufstellung als Spikentandidat gerade für die Kommunistische Partei ein übler Mißbrauch feines Namens und eine noch üblere Irreführung der Wähler. Die Kommunisten wollen durch seine Benennung ibe pifchistisches Programm hinausstellen, obschon bodh cuch sie wissen müßten, daß May Hölz fich von diesem Irrtum seines Lebens längst abgewandt hat und nicht mehr baran denkt, nocy einmal den Weg zu gehen, den er im VogtDie Völkischen sind die einzige Partei, die aus prinzipiellen lante und in Mitteldeutschland gegangen ist. Die gegenwärtig Gründen davon abgesehen hat, Freuen als Kandidatinnen zu den in der Kommunistischen Partei vorherrschende Richtung", ist in der Auswahl ihrer Mittel strupellos. Sie schädigt mit der Reichstagswahlen zu präsentieren. Der Beschluß wird im Deutschen Aufstellung des Zuchthäuslers" nicht nur dessen persönliche Tagebiet von einer Hafenkreuz- Dame Emma Witte damit be Interessen, sondern auch die ganze Arbeiterbewegung. Sie gründet, daß die Rüdtehr zur männlich- heldischen Weltanschauung" und die Abfehr vom jüdisch- feministischen Geist" notwendig fei. täuscht die Arbeiter über die wahren Absichten und Miso desató! Zufzuklären bleibt nur, roleso dann diese Haken. Ziele ihres Spigentandidaten", fie erweckt bei politisch unreifen, aber durch die wirtschaftlichen Nöte erbitterten Bolts- treuz- Emma für die Zeitung schreiben darf. Cehören die Treise die Vorstellung, daß durch die Stimmabgabe für kommu- Frauen nicht ins Parlament, so gehören sie auch nicht in die refie! nistische Kandidaten die„ Methode Hölz" neu belebt werde, der Aufstandsversuch von 1921 noch einmal in Erscheinung freten fönnte. Sie ruft schließlich dadurch, daß sie den Bedauernswerten in den Bordergrund des politischen Kampfes stellt, alle Papitalistischen Abwehrinstinkte wach und verhindert so, was Hölz crstrebt: nämlich, daß das Recht auch gegen ihn zur Anwendung fomme, das man einem Ludendorff und Hitler hat zuteil werden lassen! Ginowjew bremst. ,, Taltische Erzeke". Ruhe gibt es in der KPD. nicht. Staum hat auf dem Bartei tag die„ Linte" gesiegt und schickt sich an, durch Maßregelungen ihre Aleinherrschaft in der Partei aufzurichten, da fält auch diefer neuen Führung die Erefutive bereits wieder in den Arm. Desfauer Gewelthaber, wie Ginomjem tönnen fich offenbar eine bontiche Parteileitung nur als eine Schar milleniofer Kreaturen vor stellen. In dem Aufruf, der die Einladung zum 5. Beltfongreß der Kommunistischen Internationale enthält, erklärt Sinomjem über die deutsche Bertei; „ Der Kongreß wird zweifellos die opportunistischen Tendenzen in der APD. genau so einschägen, wie es seinerzeit die Erefutine getan hat und er wird gleichzeitig entschieden gegen die in der BD. in Geftaltung befindliche UltraLinte", in Wirklichkeit nicht, bolichemistische Richtung Stellung nehmen und die tattisen „ Dispensehen“. Mittelalterliches aus Desterreich. Von Hanns Margulies( Wien). Wer da glaubt, Desterreich sei ein Land, das verdiene, in Mittelcuropa zu liegen, gibt sich einem holden Irrtum hin. Es gibt Dinge in Lefterreich, die man in einigen Jahrzehnten jogar hier einfach unglaublich finden und für bösartige lebertreibungen halten wird. Das faiserlich- katholische Desterreich hielt start an der Unlösbarleit der katholischen Ehe fest. Die junge Republit magte zwar nicht, diese Ehegesetze über Bord zu werfen, aber die Sozialdemokratische Partei sand doch einen Ausweg, der zwar die Theorie des Gesezes ungeschoren ließ, dafür aber in der Pragis einen frischen Luftzug in den Paragraphenwald brachte: Diejenigen Landesregierungen, Berwaltungsbehörden also, an deren Spize Sozial. demokraten fianden, erteilten über begründeties Ansuchen den soge. nannten„ Dispens vom bestehenden Ehehindernis", als da find: Berschiedenheit des Glaubens, Borhandenjein einer noch lebenden, aber geschiedenen Ehehälfte und so fort. Das ließ die Reaktion, flerifal gefärbi, natürlich nicht ruhen, und es wimmelte nur so von Anträgen auf ungültigkeitserklärun. gen von Dispensehen. Der Oberste Gerichtshof, eine Bersammlung uralter, alter Herren, war natürlich nur zu sehr geneigt, dem revolutionären Borstoß der Dispensehe einen Damm zu setzen und jeder derartigen Forderung auf ungültigkeitserklärung einer angefochtenen Ehe Folge zu leisten. Am Anfang genierte man sich wohl noch ein wenig. 331 uter gibt es in diesen Dingen teine falsche Scham mehr. Zwei Beispiele, für viele, mögen den Cherechtswahnsinn ver deutlichen: Ein ehemaliger Offizier hatte sich von seiner Frau scheiden lassen, wolite mieder heiraten, erbat und erhielt den Dispens und lebe zuci Talyre in ungetrübter Freude mit seiner zweiten Frau, die ihm auch ein Kind schenkte, während die erste Che tinberles geblieben war. Aber die erste Frau verorgie ihm sein Güd. Sie erklärte sich gefchädigt und verlangte, deß die zweite Ehe res geschiedenen Marnes für ungültig erflärt werde, mas das Gericht auch tat. De cher war für sie noch nichts gewonnen. Der Mann lebie nach aje vor mit seiner Frau, die nun allerdings von Rechtswegen nicht mehr eine Frau mor. La holte sie zum zweiten Schlag aus: Sie tiagte auf Ehebruch. Und siehe, des österreid, ische Gesetz, in feiner menschenfreund lichen Weisheit, erkannte zu Recht, daß der geschiedene Mann dadur, daß er nach ungültigkeitserklärung seiner zweiten, ſtondes: aatlich engegangenen Ehe noch mit feiner zimeiten Frau, die nun nicht mehr jeine Frau war, wenn jie auch noch immer die Mulier feines Kindes blieb, intim perfehre, die Ehe mit seiner ersten, wenn Emma Witte, die nur für weibliche Journalisten ist, aber gegen weibliche Parlamentarier, ist auch gegen weibliche Richter. Schwer perübelt fie es den weiblichen Mitgliedern der deutschnationalen Reichstagsfraktion, Margarete Behm und Paula Müller, daß fie für einenf ozialdemokratischen, sogar von Juden(!) mitunterzeichneten Antrag stimmten, der die Zulassung der Frauen zum Schöffen und Geschworenenamt forderte. Nicht schlecht nimmt fie fich auch die Leiterin der deutschnationalen Frauenforrespon deng Dr. Lenore Ripfe Rihn vor, die einmal vor einer leberschäzung der männlichen Menschheitshälfte" marnte, was Emma Witte als„ Männerhaß in Reinfultur" und im letzten Grund unsoffisch begetdinet. Nath biefen polltommen überzeugenden Darlegungen bleibt uns nur übrig, dem armen Dänemarf unser Mitleid auszusprechen, feminifiert ist, daß es einen has to be better eft. Hef tann eben nur ein Land Minister finten, dos son Sozialbemotraten regiert wird!. Ministerreden in Königsberg. Eine Rede Brauns. Jim Rahmen der Kant- Feiern, die in Königsberg veranstaltet werden, haben eine ganze Reihe von Ministern die Gelegen heit bennzt, um politische Ansprachent zu halten. So sprach am Montagabend auf dem Begrüßungsabend in der Stadthalle nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer der Im Stadttheater hielt heute vormittag der preußische Unters richtsminister Dr. Boelig eine Anspreche, in der er die Ne ordnung des Schulwesens als einen„ Kranz, den Preußr am Grabe seines großen Sehers niederlege", bezeichnete. Kahr kehrt zurück. München, 22. April( WTB.) Den Münchener Neueften Nachrichten" zufolge ist v. Kahr am vergangenen Sonnabend von feinem dreiwöchigen Erholungsurlaub aus dem Süden nad München zurückgekehrt. Wie verlautet, follen General v. Cossow und Oberst v. Seißer noch einen Abstecher in die Schwa gmac heben. 4000 Begnadigungen. Köln, 22. April.( WTB.) Wie die Rölnische Zeitung" aus Düsseldorf erfährt, find zum Osterfest auf Befehl des fomman dierenden Generals von den am 7. Dezember 1923 wegen der Bor gänge am Düsseldorfer Sonderbündleriage ver urteilten Mitgliedern der früheren. Düsseldorfer Suspolizei sechs begnadigt worden. Die mußten jedoch am Montag tas bejezte Gebiet verlassen. Bier Polizeibeamte befinden sich noch im Gefängnis. die offizielle Wahlkampagne begonnen, deren Dauer auf orci Bon Die Kammerwahlen in Frankreich. Gestern hat in Frankreich bestimmt ist. Die Kammerwahlen finden am 11. Mai son at hr Dormittags bis sechs Uhr nachmittags statt. Die 3ahi ber 5g ordneten, die sich nicht zur Wiederwahl gestellt haben, beträgt bis jet 57. audy geschiedenen, Frau gebrochen habe und verhängte eine Strafe| an der dargestellten Figur zu einem tiefen menschlichen Intereffe über ihn! Der zweite Fall ist vielleicht roch fraffer: Ein junger Lehrer hatte sich scheiden lassen, wobei die Frau auf alle ferneren Vermögensansprüche verzichtete. Kinder hatten sie nicht. Nun heiratete er wieder, bekam einen Sohn und starb bald darauf. Sein fleines Erbe erhielt zu einem Biertel die Witwe, zu dreiviertel das Kind, wie es das Gefeß vorschreibt. steigert. Man fann sich leicht vorstellen, wie groß die Wirkung sein. muß, wo hinsichtlich des leidenden Ausdrudes Rolle und Leben zu fammenfallen und wo man fühlt, hier wird die gegebene Gestalt faum noch gespielt, sie wird gelebt, fie ist Leben, Natur, Birkichkeit im Bühnengewande." Blötzlich verlangte die erste Frau die ungültigkeitserklärung der zweiten, der Dispensehe. Das Gericht, oh, es ist gerecht, wiesischfreunde Kants, die mit einer eigenartigen und wenig die Forderung ab mit der Begründung, daß, da die erste Frau teine vermögensrechtlichen Ansprüche stellen könne, ihre Forderung auf Grund eines Hofdetrets von anno 1540 oder 1793 unerfüllbar sei. Diesen Wink ließen sich die Eltern des verstorbenen Lehrers nicht zweimal geben. Sie erhoben nun ihrerseits die gleiche Forde rung und diesmal erfüllte das Gericht den Wunsch der Erblüfternen fofort. Die Dispensehe wurde für ungültig erklärt, wodurch Frau und Kind des Erbes verlustig gingen und die Eltern als alleinige Erben in den Besiz des fleinen Vermögens gelangten. Außerhalb Desterreichs wird man vielleicht schon heute staunen. Wir hier haben das Staunen verfernt. Aber vielleicht werden unsere Urenfel einmal anders darüber denken. Die Darstellerin des Schmerzes. Das erste Berliner Giftspiel der Duse vor länger als drei Jahrzehnten entfesselte bei unserm sonst so fühlen und steptischen Bubüfum Stürme der Begeisterung, die in der Presse unvermin. derten Widerhall fanden. Es ist interessant, in alten Zeilungsblättern nachzulesen, was damals über die größte Menschendarstellerin unserer Zeit geschrieben wurde, und es überrascht uns, zu fchen, daß die damalige Charakteristik ihres tünstlerischen Wefens genau mit den Eindrücken übereinstimmt, die wir später und bis julegt vom Spiel der Dufe gewonnen haben.. Sie hat sich nicht geändert, fie blieb, was jie von Anbeginn gewesen war. Mit das Tieffte und Feinste, was über die Kunst der Duse gejagt worden ist und gejagt werden kann, fchrieb damas Lou Andrea: Salome, die befannte Freundin Michfches:„ Es drängte sich mir immer wieder auf, daß es stets die Momente des Schmerzvollen und Rührenden sind, in deren die Duse am unmittelbarsten und mächtigsten ergreift. Mir fam es vor, wie wenn das Leikensvolle in irgendeinem Sinne geradezu von ihrer eigensten Berfönlichkeit ausstrable, wie wenn es fast unnersischbar an ihr hafte, gleich einem rührenden Zug, den fie manchmal mit sichtlicher Selbstüberwindung hier dem Lächeln ihrer jeweiligen Rolle verbirgt. Oft hatte ich die starte Empfindung als warte sie den lebensfrohen, übermütinen, heiteren Situationen und Rollen nur mit Aufbietung aller Kräfte und Stunstmittel gerecht und als würde oft mitten in jolagem Spiel ein Blid, ein Ausdrud on ihr offenbar, der die Illesion zwar zerreißt, aber zugleich im innersten ergreift, indem er das Interesse Kant und der Bohnenkönig. Der 200. Geburtstag Kants ist in Königsberg würdevoll- feierlich begangen worden. Zu den mancheriei ftlichkeiten gehörte auch die Sigung der Gesellschaft der befannten Gitte verbunden ist. Rant liebie, roie das ja auch im Gedenkartikel am Ostersonntag im Vorwärts" betont wurde, die Gelligkeit und die bescheidenen Freuden der Tafel. Allwöchentlich einmal fand sich bei Kant eine kleine Gesellschaft zusammen, die auch nach dem Tode des Philosophen unter dem Namen Tischfreunde Karts zusammenblieb und olljährlich an feinem Geburtstag eine feftfiche Sigung abhielt. Diese Gesellschaft der Tischfreunde Kanis be steht bis auf den heutigen Tag in Königsberg, ihr gehören Professo ren, Kantforscher und Kantoorehrer an, und immer noch gedenten sie des berühmten Philosophen an seinem Geburtstag durch ein Feſteffen, das aber seit einer geraumen Reihe von Jahren mit einer Schluß des Essens kommt nämlich eine Torte auf den Lisch, in die feltfomen Sitte verbunden ist, deren Herkunft unbekannt ist. Am eine Bohne gebaden ist. Derjenige von der Tafelrunde, der tas Stück Torte mit der Bohne erwischt, wird zum Bohnenfönig errannt uns übernimmt damit die Berpflichtung, im nächsten Jahr an Kants Geburtstag eine Gedenkrede zu halten. Eine feltene Himmelserscheinung. Ein Halophänomen, wie man beobachtet, wurde vor einigen Tagen in Stocholm an der Venus es bei Sonne urd Mond recht häufig, bei Planeten aber nur felten wahrgenommen. Der Abendstern, der jetzt ungefähr feinen höchften Stand am Himmel und seine größie Lichtſtärke erreicht hat, zeigte fich gegen 10 Uhr abends von einem prachtvollen Lichthof umgeber, einem ganzen System weißglänzender Ringe, die nach außen hin an Stärke abnahmen. Eine solde" Glorie" ist eine Interferenz erscheinung, die durch Borgung der Lichtstrahlen an den in der Lust schwebenden Wafferteilen cder fleinen Estristallen entschi. Leichte, weißglänzende Federwolken zogen zur Zeit der Erstenung scheinung war. über den Himmel, von denen eine zweifellos die Ursache der E Residenz Theater. Die Gafspieldirektion hat die Aufführung der Sungen Bühne", Arnolt Bronnens Schauspiel Anarchie in Sillian", in den Abendspielplan übernommen. feums, Bring- Albrecht- Str. 7e, petanſtaltet in ihrem Refe‘aal eine ausAusstellungschronit. Die Bibliothek des Stunft gewerbe- n. stelung von Werken deutscher Romantiker, Buch: istrationen und graphischen Mällein.( Wochentäglich von 9-9.) Die Galerie Dr. Goldschmidt- Dr. Wallerstein, Schöneberger User 36a, zeigt in ibrer modernen Abteilung Gemälde und Holzschnitte von Wilhelm tudolph. Dresden, und veranstaltet in den Räumen für alte Stunst eine Ausstellung bedeutender Colzflulpturen bes 13.- 18. Jahrhunderts. Walter Rathenans gesammelte Reden werden in den nächsten Tagea im Berlage von S. Fischer, Berlin, erscheinen. Ostern am Kamin. -Mit der Auferstehung der Natur war es also nichts. Hätte die Sonne warm geschienen und wäre sie von einem milden Westwind unterstützt gewesen, so hätte man buchstäblich das Gros wachsen und die Knospen sich reden sehen können- der mit Feuchtigkeit reich der mit Feuchtigkeit reich gesegnete Boden wartet nur auf den Kuß der Sonne, um eine ganze Kraft an die Bäume, Sträucher und Pflanzen abzugeben. Aber es herrschte kalter Nordwind und am zweiten Tage Regen. Wer nicht gleich am Sonnabend oder Sonntag losgewandert war, blieb nun wohl zu Hause und wärmte sich am Kamin. Ja, wer den jetzt hätte und das nötige Holz dazu! Wie herzig licst es sich in den Romanen er Courths Mahler, wenn die Gesellschaft sich in der großen Halle um das praffelnde Holzfeuer versammelt, dessen Glutstrahlen die hübschen Gesichter der Damen mit rosigem Schein noch reizvoller machen. Ja, ein Romanbild die Wirklichkeit führt uns in die Wohnküche, wo die letzten Brifetts der Vernichtung geweiht werden. Alber deshalb Trübsal blasen? Das gibts nicht. Erstens: es muß doch mal warm werden und zweitens: an Stoff zur lebhaften und interessanten Unterhaltung fehlt es in diesen Tagen wahrlich nicht. Da sind die Wahlen. Wer im großen nicht agitieren fann, foll es im kleinen tun In jeden Freundes- oder richtiger Bekanntenkreise gibt es Laue, Schwankende, Gleichgültige, Alengstliche, auch wohl Belfermissenwollende, die sich in Eigenbrötelei verrennen. Ihnen den Star zu stechen, sie in Reih und Glied zu bringen, ist Aufgabe jedes, der treu zur Fahne hält. Geschlossenheit ist und muß die Parole fein. Und während Murter den Kaffee einschenkt und das Töchierchen den selbstgebadenen Kuchen anbietet, fallen die lehten Hüllen von der Unentschlossenheit und dem Besserwissenwollen. So war auch dieses Ostern am Kamin oder richtiger Kocherd doch kein verlorener Tag! wwwww gefunden, der die Notwendigkeit des Abbaues betont oder unterstützt hätte. In Wirklichkeit würde ein Abbau jetzt eine außerordentlich leichtsinnige und mindestens verfrühte Sache fein. Die Stadt Berlin fann nicht darauf verzichten, auf die Belieferung der Bevölkerung mit Frischmilch maßgebenden Einfluß auszuüben. Die Zeit der Milch schwemme wird vorübergehen und niemand kann heute mit Gewißheit fagen, was im Herbst und Winter sein wird. Hinter dem Antrag der Spize der Unterzeichner die Herren Müller- Franken und Kolfeden zweifellos Interessentengruppen, wie denn auch an legen von der Wirtschaftspartei" stehen. Das fagt genug. effentlich zeigt sich die Stadtverordnetenversammlung einfichtiger und faßt feine übereilten Beschlüsse, die sie nachher bereuen müßte. " Reichsmark find papiermark. Die verführerischen rotgestempelten Tausender. Faben die retgestempelten Tausendmarkscheine mehr Wert als die grünen? Derartige, sehr törichte Fragen hört man leider immer noch, und immer gibt es, taum zu glauben, Leute, die auf den plumpen Schwindel mit den roten Tausender reinfallen. Ein Bei spiel für viele. Da hatte ein schlauer und geschäftsbeftiffener Mann funft darüber gebe, wieviel ein roter Tausendmarkschein wert sei! annonciert, daß er gegen Einsendung von 50 Pfennigen genaue AusViee Hunderte schickten Geld und fragten an. Sie erhielten ein paar mit der Schreibmaschine sauber beschriebene Blatt Papier, auf denen in gesetzten Worten mitgeteilt wurde, daß der rotgestempelte Taufend martschein ebensowenig Wert habe wie der grüne. Entrüftungs-, schreie der Geprellten, die aber im übrigen feine Schritte gegen den Menschenfreund" unternehmen fonnten, da er ja nicht geschwindelt, fendern nur die Wahrheit gesagt hatte. " Schlägerei zwischen Kommunisten und Völkischen. Tausendmarkschein zahlt, und wir hielten eine Veröffentlichung dieser Ein Toter, viele Berletzte.. Beschäftigung für 2000 Arbeiter. Die Stadtverordneten haben ihre nächste Sizung am Donnerstag, um 5% Uhr. In ihr wird der Kämmerer den Stadthaushaltplan für 1924 vorlegen. Auf der Tagesordnung steht eine lange Reihe von Vorlagen und Anträgen, die größtenteils als Refte aus früheren Sigungen übernommen sind. Auch die Abstimmung über den Antrag zum Fall Les soll in dieser Gigung erledigt werden. Die Geschäftsstellen der städtischen Wohlfahrtspflege in den 20 Berliner Verwaltungsbezirfen, sowie die Zentralstellen der amtprivate Fürsorge in Form einer Tabelle übersichtlich zufichen und freien Wohlfahrtspflege sind von der Zentrale für sammengestellt worden. Sie bilden gleichzeitig eine Ergänzung zu dem von derselben Stelle herausgegebenen Buch:„ Die Wohlfahrtseinrichtungen in der Stadtgemeinde Berlin"( 5. Auflage 1922). Die Tabelle ist von der Zentrale für private Fürsorge, W. 35, Flottwell. straße 4, zum Preise von 60 Pf. zu beziehen.( Fernspr.: Kurfürst 9838 und 6611.) 13 Schiffbrüchige auf dem Indischen Ozean geborgen. Eine Mei dung aus Southshields teuf mit, daß der englische Dampfer.„ Sunharem" auf der Fahrt nach Kalkutta nach dem Golf von Siam im Indischen Ozean 13 Schiffbrüchige aufgefunden 18 Tagen auf hoher See umherirrte. Die Schiisbrüchigen waren hat, die sich an Bord eines Wrades befanden, das bereits feit schon mehrere Tage ohne Nahrung und in emem Zustand außer ord allichei Erichöpfung. Groß- Berliner Parteinachrichten. Heute, Dienstag, den 22. April: 74. Abt. Rehlendorf. Laut Beschluß der Funktionäre heute 18 Uhr außerordent fiche Mitgliederversammlung im Barteilokal Botsdamer Straße( Midlen). Tagesordnung: Wahlarbeit. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Genossen, in dieser Bersammlung anwesend zu sein. * 15. Abt. 7 Uhr hei Goldbach, Binctaplag 7, Bortrag des Genoffen Ragenftein. 17. Abt. 7 Uhr Gesellschaftshaus, Triftstraße 63, Bortrag des Genossen Steuk über: ,, Die Reichstagswahl." 22. Abt. Deffentliche Wählerverfamuilung. Siehe Spiegel. 23. Abt. Die für Mittwoch angelegte Mitgliederversammlung findet umstände halber am Donnerstag, den 24. April, in der Schulaula Müllerstr. 48 ftott. 30. Abt. 7 Uhr Rahlabende: Bezirte 943-946 bei Schmidt, Pappelallee 64, 940-942 bei Post, 2nchener Str. 103, 951-954 bei Hoffmann, Endener Str. 8, 971-979 bei Mahnkopf, Carmen- Sylva- Str. 123, 980a- d bei Stolt, Ranzomstr. 10. 31. Abt. 8 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen: Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Meißner, Schönfließer Str. 3, Rimmermann, Malmöer Str. 22. Wegen wichtiger Wahlarbeit Erscheinen Pflicht. Nun hatten wir an dieser Stelle in der Abendausgabe vom 19. April eine amtliche Notiz gebracht, daß die Reichsbank nicht mehr als tausend Reichsmart für einen alten Tatsache eben aus dem Grunde für notwendig, weil immer noch Mitgliederversammlungen und Zahlabende am Mittwoch, Leichtgläubige den Schwindlern mit den rofgestempelten Tausend23. April: Zu einer veryängnisvollen Schlägerei tam es am ersten Feier. mart, cheinen auf den Leim frieden. Doch mit des Geschickes Mächten tage auf dem Gebiete des Gutes Brizhagen bei Budow, in ist das so eine eigene Sache und auch Aufklärungsversuche haben der Märkischen Sayweiz, zwischen fommunistischer und völkischer manchmal eine weniger erbauliche als heitere Geschichte. Die Jugend. Auf den Bollersdorfer Höhen lagerten etwa hunderttausend Reichsmart, die für den Taufender von der Reichsbant be. junge Kommunisten, als gegen 5 Uhr nachmittags auch ein storfer zahlt werden, sind mit- Rentenmart permechselt worden. Loupp Don völkischen Jugendwanderern eintraf. Ady nein, lieber Leser! Es können natürlich nur lumpige Papier. Zwischen ben Parteien fam es alsbald zu einem Worlwechsel. Die mart darunter verstanden werden, und wieviel die wert sind, das Edhimpfereien, Sie von beiden Seiten fielen, gingen in Tätlich weiß ja heute jedes Kind. feiten über, bei denen bald das feststehende Messer eine verhängnisvolle Rolle spielte. Ein Gegner der Kommunisten erhielt einen Stich in den Hals, der die Schlagader traf. Er starb bald an Berblutung. Ein zweiter erhielt ebenfalls einen schweren Stich, mit dem er in das Budower Krankenhaus eingeliefert wurde. Auch ein Kommunft wurde durch einen Stich so schwer verletzt, daß man im Krankenhause an seinem Aufkommen zweifelt. Die Namen der Verletzten sind noch nicht festgestellt. Biele auf beiden Seiten famen mit leichten Verlegungen davon. Erst den von der Nachbarschaft herbeigerufenen Förstern und Ausflüglern gelang es, die Parteien zu trennen. Dre: Kommunisten wurden verhaftet und dem Amtsvorsteher in Budow vorgeführt. Dieser wurde durch Drohungen mit einem Sturm auf das Rathaus von der großen Menge der Kominuniften gezwungen, sie wieder freizugeben. Zwei von ihnen wurden von Beamten der Atteilung I. A. des Berliner Polizeipräsidiums ermittelt und verhaftet. Das getötete Mitglied der Deutschvölkischen ist der 17jährige Schüler Bras, aus der Hebbelstraße 16 in Char lottenburg. Schwerverlegt wurde der 19jährige Schüler WoeId, aus der neuen Kantstraße 15 in Charlottenburg. dr Ein Doppelmörder. 36. Abt. 7 Uhr Schulaula Petersburger Str. 4. Vortrag des Genossen Dr. Deiters über: Die Reichstagswahl am 4. Mai." 37. bt. 7 Uhr Mitgliederversammlung Schulaula Hausburgstr. 20. Gäste, bie eingeladen werden, haben Zutritt. Die Bezirksführer laden ein. Bor trag des Genoffen Dr. Rorach. 39. bt. 7 Uhr Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3, Vortrag des Genossen Litte. 6 Uhr Funktionärsizung. 42. Abt. Die Mitgliederversammlung am 23. April fällt aus. Dafür Funktionärfonferenz bei Wiersdorf, Urbanstr. 6. 44. Abt. 7 Uhr Bezirkszahlabende: 84. Stadtbezirk bei geng. Naunnnstr. 69, 85. Begirt bei Alfert, Oranienstr. 196, 90. Bezirk bei Großkopf, Reichen. berger Str. 162. 45. bt. 7 Uhr Schulaula Forster Str.:,,Die Bedeutung der Wahlen und unfere Pflichten." Der Berliner Magistrat plant weitere Notstands. arbeiten, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Er berichtet an die Stadtverordnetenversammlung, daß im Rahmen der dritten Notstandsaktion die Tiefbauverwaltung im Jahre 1923 insgesamt 103 Arbeiten in Angriff genommen hat. Bei ihnen wurden bis 31. Dezember ins refamt 243 000 Tagewerte geleistet, und die Zahl der bis zur Fertigstellung erforderlichen Tagewerfe wird sich voraussichtlich auf noch rund 100 000 belaufen. Die Kosten betrugen bis 31. Dezember rund 2 000 000 Goldmart. Von Reich und Staat sind an Zuschüssen und Darlehen bisher 1141 000 Goldmart einge.. gangen; über eine weiter beantragte Schlußzahlung hat der Obers präsident noch nicht entschieden. Weil die Arbeitslosigkeit noch fort: Charlottenburg. 52. Abt. 7% Uhr bei Büttner, Kaiferin Augusta Allee 83, dauert, soll die Tiefbauverwaltung neue Notstandsarbeiten ausführen. Es handelt sich hauptsächlich um Erneuerungsarbeiten des Straßeibaues, des Brückenbaures, des Wasserbaues und der Stadtentwässerung. Sie werden voraussichtlich annäherns 300 000 Lage merte erfordern, so daß bei Annahme halbjähriger Bauzeit durchschnittlich 2000 Arbeiter beschäftigt 103. st. Oberschöneweite. 7% Uhr bei Imberg Funktionärsizung. werden können. Die Kosten sind auf 5276 500 Goldmorf veranschlagt. Zuschüffe und Darlehen der Erwerbslosenfürsorge werden daran im günstigsten Fall mit 50 Prozent beteiligt Jein. Reffelexplosion auf einem Tampfboot. Bortrag des Genoffen Albrecht über: Agrarforderungen der Sozial demokratie." 55. Abt. 7% Uhr bei Reimer. Wilmersdorfer Str. 21, Abteilungsverfammlung. 57. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Thunad, Wielandstr. 4. Bortrag über Wahlarbeit einst und jegt". 78. und 79. Abt. Schöneberg. 7% Uhr Funktionärsigung bet Groß, Sedanstr. 17. Bahlhelfer nehmen teil. 81. Abt. Friedenau. 7 Uhr Abteilungsversammlung im Friedenauer Rats. feller, Lautervlak. Bortrag des Genoffen Göring. 32. Abt. Donnerstag, ben 24. April, 6 Uhr, Treffpunkt aller Ordner bei Schmidt, Fruchtstr. 36a. Geschäftliche Mitteilungen. Die bekannte Firma S. Jofeph& Co., Steuton, Berliner Str. 51-53, ver anftaltet einen extra billigen Berkauf in Kleider und Seidenstoffen Wir verweifen Hermann Radge aus Nobelsdorf bei Rummelsburg eine Spazier Am Ostermontag nachmittag unternahm der Sägewerfsbefizer fahrt auf dem Langen See. In der Großen Krampe unmeit der Krampenburg bei Schmöckwitz explodierte gegen 5 Uhr nach auf die Anzeige in vorliegender Nummer. mittags aus noch nicht aufgeflärter Ursache der Kessel. Der Besizer Nadge sowie der 57 Jahre alte Heizer Erich Riffmann aus der Brinz- Albert- Straße trugen erhebliche händen und Füßen davon. Riffmann mußte nach dem Lichtenberger Brandmunden an Krankenhaus gebracht werden, während Nadge nach seiner Wohnung geleitet werden konnte. Parfüm. In der Nacht zum ersten Osterfeiertag vorigen Jahres wurde der ftaatliche Revierförster Dlberg ben brei bewaffneten und. mit Salumasten versehenen Räubern überfallen und ausge plündert. Der zunächst überraschte. Förster gab, als die Räuber mit der Beute entflohen, 14 Schüsse auf sie ab, die aber in der Finsternis fehlgingen. Auf Antrag des Oberpräsidiums Magdeburg ent endte die Berliner Kriminalpolizei den Kriminalbetriebsassistenten Bisdorf an den Tatort. Dieser ermittelte die Räuber in den Brüdern Willi, Franz und Paul Straube, aus Aken a. Elbe, In dem ältesten der Brüder, Willi Straube, ermittelte Bu orf außerdem den Mörder der Schiffer Hesse und Teichert, die er 14 Tage nach dem Ueberfall auf den Förster auf cinem im Elbehafen Afen liegenden Kahne umbrachte und beraubte. Begen des Raubüberfalles auf der Försterei erhielten jetzt Willi Straube 9 Jahre 3uchthaus und 10 Jahre Chr. verlust, feine Brüder Franz und Paul je 6 Jahre ZuchtBenn Sorgen stumpf machen, wie allgemein behauptet wird, haus, und wegen eines Einbruchs je 2 Jahre Zucht so fann es nicht bloße Einbildung, sondern muß aufdringliche Wahr: Wegen des Doppelmordes an den beiden Schiffernheit sein, was ich so schreibt uns ein Lefer troß meinem stabiwird sich Willi Straube demnächst in Magdeburg zu verantworten fisierten Dauerballes jetzt täglich in der Bahn merke: Die Damen haben. parfümieren fich weit mehr als noch vor kurzem. Man muß freilich im Nichtraucherabteil fahren, um das festzustellen, denn im Raucherder Buchenwälder oder der Präriebrand edelfter Halme alles unwie in großer Zeit wagen deckt wiederder Höhenrauch brennen. barmherzig zu. Was die benutzten Parfums angeht, so habe ich mich in längerem Ringen mit der deutschen Sprache zu folgender Erfenntnis durch und abgekämpft: 3fts nicht deutschabträgliche Aus. landsmelange, so betrifft es lediglich Privatbelange. Etwas anderes aber ist es, wenn man heimtückisch in einem Nebenraum mit Parfümierung vergewaltigt wird. Und das mußte ich erdulden, indem mir ein Kaffenfräulein 25 Pfennig in zwei Zichmilliardenfcheinen heraus gab, nach denen jetzt mein bester Anzug. in dessen Tasche ich dieses Kapital eilig geschoben hatte, penetrant riecht. Hiergegen muß ich doch beginnen, in Erwägungen über Erhebung des Einspruchs einzutreten! haus. * Zu dem Tode der Malermeistersfrau Liegenau in Wannsee wird mitgeteilt, daß nach den neueren Ermittlungen der Kriminalpolizei wahrscheinlich doch ein Selbstmord vorliegt. Liegenau hate feit Jahren ein Verhältnis mit einem Mädchen in Nitolassee, zu dem er sich mehr hingezogen fühlte als zu seiner Frau. Diese batte nät ihrer Nebenbuhlerin in der letzten Zeit mehrfach Aus: sprechen. Die letzte jard erst ganz fürzlich in Berlin statt. Auf der Rückfahrt äußere Frau Liegenau beim Abschied zu dem Mädchen, es solle nur dafür sorgen, daß ihr Mann nur noch die Osterfeiertage Sie hat wohl damals schon den Plan aefaßt, während der Feiertage aus dem Leben zu scheiden. Auf dem Küchen. tische fand man die Briefe, die die Frau aus der glücklichen Beit ihrer Ehe, zum Teil noch aus dem Felde, von ihrem Manne erhalten Sie hat alle wohl noch einmal gelesen und dann die Gas: hähne geöffnet, um in den Tod zu gehen.mp bei ihn verlebe hat. ihr Verhaftung eines Geldscheinfälschers. Bei der Verausgabung von falschem Gelde ertappte ein Rauf monn in der Brunnenstraße zwei junge Mädchen, die deutsche Dollarscheine in Zahlung gaben. Er lich die Kundinnen verfolgen liek und die Polizei stellte sie feft. Es zeigte sich, daß diese im Auftrage zweier Brüder Theodor und Leo 3ilinsti eingekauft und mit falschen Scheinen bezahlt hatten. Bei den Brüdern fand man aur noch eine Anzahl diefer Fälschungen. Sie hatten sie von einem befreundeten jungen Manne nomens Schön erhalten, der von der Falschgeldabteilung der Kriminalpolizei in der Schreiner ftro ermittelt und festgenommen wurde. Bei ihm fonnten noch über 5000 Stüd der gefälschten 4,20 Mart= 1 Dollarnoten beschlag nahmt werden. Schön hat von seinen 23 Lebensjahre schon vier im Bud aus verbracht, weil er in Bielefeld einen Geschäftsmann, der ihn beim Einbruch überraschte, niedergeschossen hatte. Nach Pe Jüßung der Strafe legte er sich in Berlin auf die Falschmünzerci. Seine Helfer waren die Brüder Silinski. Als er von ihrer Berhaftung irgendwie Kenntnis erhielt, fchaffte er seine Werkzeuge auf die Seite, nur noch einige Farben fand man in seinem Schlupfwinkel. Er gibt aber zu, die Faischstücke selbst angefertigt zu haben. Abbau des Milchamts? In der Stativerordnetenversammlun haben fämiliche bürgerliche Parteien mit Ausnahme der Deutschnationalen einen Antrag auf Abbau des Milchamies und des Milchwirtschaftsbetriebes eingebracht. Der Antrag wird dadurch begründet, daß zurzeit die Wildversorgung Berlins gesichert fei und daß der Abschluß reuer Lieferungsocrttäse fich erübrige. Der Antrag der bürgerlichen Fraf: tionen ist eingereicht, trobem in der Ernährungsdeputation noch per ganz furzer Zeit über das Mitchaint und über die zufünfte Politik Lor Stedt et gehend gesprochen wurde. Dort hat sich kein Mensch Protestversammlung gegen ruffiiche Gefängnisgreuet. Am Donnerstag, den 24. April, abends 7 Uhr, findet im Großen Saal des Lehrervereinshauses, Alexanderstr. 41, eine öffentliche Protestversammlung gegen die grausamen Berfolgungen der revolutionären Arbeiter in Sowjetrußland statt, die von den Anarchisten, Sondikalisten und Linfen Sozialrevolutionären einbe rufen wird. Pflicht eines jeden flaffenbewußten Arbeiters iſt es, rufen wird. Pflicht eines jeden flassenbewußten Arbeiters ist es, neben dem Kempf für die politischen Gefangenen in Deutschland, auch dafür einzutreten, daß die angeblich fommunistische Sowjet regierung in Rußland ihre barbarischen Verfolgungen der Sozialisten und Anarchisten einstellt. Serr Arnold Stein in einer öffentlichen Berfammlung der Ueber den Judenhaß iprechen Studiendirettor Hansenning und Ortsgruppe Berlin des Reichsbundes jüdischer Frontfol daten am Mittwoch, 23. April. 8 Uhr, im Lehrervereinshaus lleranderpla): Die Udermart, die Metlenburgische Schweiz und die Stätten Frig Reuters zeigt in 120 Lichtbildern Cstar Bolle am Mittwoch, 23. April, 8 Ubr, im Aunstgewerbemuseum( Prinz- Albrecht- Straße 7/8). Starten: Wertheim, Bote& Bod. Kastellan und Abendkasse. Jm Berliner Vo'ts- Chor( Dirigent Dr. Ernit Zander) spricht am Freitag, 25. April, 18 Uhr abds., in der Aula Stoppenftr. 76 Prof. Sternfeld über Beethoven. Zu diesem Vortrag. der zugleich Einführungsabend zu den beiden Beethoven- Feiern des Bolts- Chors ist, haben Gäfte nur in be schränkter Zahl Zutritt. Zur Feier am 7. Mai in der Philharmonie find iamtliche Einlakfarten bergriffen, sum Songert am 28. April in der Neuen Welt find noch Starten in den befannten Verkaufs ftellen zu haben. In der Sonntagsannonce ift verfchentlich unter den Mitwirkenden der Name des Herrn Hendrik Appels pon der Großen Bolksoper, ausgelassen worden. Chemielurjus. Am 23. April d. Js. beginnt an ber 7. städt. Babifortbildungsschule, Chorinerftr. 74, Mittwochs von 1,8 lbr bis 10 Uhr ein neuer chemischer Experimentalfurjus für Anfänger. Er ist für diejenigen bestimmt, die sich auf diesem wittinen Gebiete umfaffendere Renntnisse aneignen woller. Mit dem Kurius find Besichtigungen wichtiger abends im Amtszimmer ter Edule entgegengenommen. Das Schulgeid induinieller Anlagen verbunden. Anmeldungen werden täglich von 6-9 1hr betrugt 0,50 21. fue den Divna. Gewerkschaftsbewegung Der Arbeiterurlaub im Auslande. ( 3GB.) Während vor dem Weltkriege hauptsächlich nur den Staats- und Gemeindeangestellten und-arbeitern ein bezahlter lirlaub gewährt wurde und es zu den Seltenheiten gehörte, daß ähn oder Berufe Geltung hatten, hat sich seit Beendigung des Krieges liche Bestimmungen auch für die Lohnarbeiter einzelner Betriebe dieser Brauch stark verbreitet. In einigen Ländern, so z. B. in Finnland, Defterreich, Rußland und Bolen, bestehen gefeßliche Be ftimmungen, wonach allen Arbeitern das Recht auf einen jährlichen bezahlten Urlaub zusteht. Nach den uns vorliegenden Angaben geben wir nachstehend eine Uebersicht über den Stand der Urlaubsfrage in vierschiedenen Ländern: Finnland: Nach dem Tarifvertragsgefeß steht jedem Arbeiter, welcher ununterbrochen ein Jahr bei demselben Unternehmer be fchäftigt gewesen ist, das Recht auf einen jährlichen bezahlten Urlaub von 7 Arbeitstagen zu. Arbeiter mit halb= jährlicher Beschäftigung erhalten einen Urlaub son 4 Arbeitstagen. Einschränkende Vereinbarungen über Urlaub find ungültig. Defterreich: Nach dem Arbeiterurlaubsgefeß haben gewisse Klassen Don Arbeitern Anspruch auf Urlaub, und zwar in der Dauer von einer Woche bei einjähriger ununterbrochener Beschäfti gung und von zwei Wochen nach fünffähriger Be schäftigung. Rußland: Für alle mit Lohnarbeit beschäftigten Persoren, die mindestens 5% Monate hindurch ununterbrochen in der gleichen Stellung tätig waren, beträgt der Urlaub mindestens 2 Wochen, für Minderjährige unter 18 Jahren einen Monat. Berfonen, die in besonders gesundheitsschädlichen oder gefährlichen Bes trieben arbeiten, find außer dem genannten Urlaub noch Er. gänzungsurlaube von mindestens 2 Wochen zu gewähren. Für Saifonarbeiter ist der Urlaub durch einen 6prozentigen -in gesundheitsschädlichen Betrieben 12prozentigen 2ohn. aufchlag zu erfegen. Polen: Nach dem am 1. Juli 1922 veröffentlichten Gesetz er halten alle Lohnarbeiter nach einjähriger Beschäftigung im gleichen Betriebe einen bezahlten Urlaub von 8 Arbeits. tagen, Arbeiter mit dreijähriger Beschäftigung 15 Tage. Minderjährige unter 18 Jahren und Lehrlinge in Kleinbetrieben ode: Handwerksbetrieben erhalten nach einjähriger Beschäftigung einen jährlichen ununterbrochenen Urlaub con 15 Logen. Kopf. arbeiter im Handel, in der Industrie oder auf Bureaus find nach sechsmonatiger Beschäftigung bei derselben Unternehmung zu einem 3meiwöchigen Urlaub, nach einjähriger Beschäftigung zu einem pierwöchigen Urlaub berechtigt. In den meisten anderen Industrieländern enthält ein großer Teil der abgeschlossenen Tarifverträge Bestimmungen über die Gewährung eines bezahlten Urlaubs. So enthielten von den am 31. De zember 1921 in Deutschland in Kraft stehenden Tarifverträgen 72 Broz. derselben( die 86 Proz. aller durch solche Verträge gedurchschnittliche Urlaubsdauer war in 50 Proz. der Berträge drei bundenen Arbeiter umfaßten) Bestimmungen über Urlaub. Die Tage und in weiteren 41 Brez. Der Beriräge über 3 bis 6 Tage. England: Nach den beim Arbeitsministerium eingegangenen die Gewährung dines bezahlten Urlaubs aufgenommen. In den Berichten find in über hundert Larifverträgen Bestimmungen über meisten Berträgen beftiunt, daß für alle gejeglichen Feiertage fassenden Tarifverträgen enthielten 238 Verträge für 7200 Betriebe eine Bestimmung über Urlaubsgemährung. In den meisten Fällen betrug die Urlaubsdauer mehr als 3 und weniger als 14 Tage. ber Lohn zu zahlen ist und daß jedem Arbeiter das Recht auf einen| gelegt. Von den im Jahre 1921 abgefchloffenen, 8800 Betriebe umjährlichen Urlaub mit vollem Lohn zusteht. Die Urlaubsdauer beträgt meistens 3 bis 12 Arbeitstage. Im allgemeinen ist ein sechs bis zwölfmonatiges Arbeitsverhältnis Boraussetzung für die Bezahlung des Urlaubs. In einigen Fällen wird eine Entschädigung an diejenigen Arbeiter festgesetzt, die vor Antritt bes Urlaubs ihr Arbeitsverhältnis lösen. In Italien wird ein bezahlter Urlaub in den meisten hauptsächlichsten Industriezweigen gewährt. Die Länge des Urlaubs schwankt von sechs Tagen in der chemischen Industrie, der Metall- und der Textilindustrie bis zu 12 oder 15 Tagen in Gas- und Elektrizitätsmerten und im Buchdruckgewerbe. In den meisten Fällen werden die Arbeiter nach einjähriger Beschäftigungsdauer anspruchsberechtigt. Jugoslawien: Aus einem vom Gewerbeinspektor erstatteten Bericht geht hervor, daß die 3ohl der Verträge, die die Gewährung von Urlaub Dorsehen, im Steigen begriffen ist. Zu den in dieser Hinsicht besonders begünstigten Berufen gehören die Buchdrucker und Ges meindearbeiter. So haben die Buchdrucker des Belgrader Bezirks bis zu 15 Tagen Urlaub mit vollem Lohn; im Sarajewoer Bezirk haben sie Anspruch auf einen bezahlten Urlaub non 4 Tagen nach einjähriger Beschäftigung, steigend auf 14 Tage nach fünfjähriger Beschäftigung. Im gleichen Bezirk erhalten die Gemeindearbeiter nach einjähriger Dienstzeit einen vierzehntägigen Urlaub, steigend auf 4 Wochen nach zehnjähriger Dienstzeit. Norwegen: In fast allen Tarifverträgen find Bestimmungen über bic Gewährung von Urlaub enthalten. Die Länge des Urlaubs be trug früher fast allgemein 12 Arbeitstage. Bei den Tarif erneuerungen der legten beiden Jahre wurde die Urlaubsdauer für die Arbeiter derjenigen Industrien, die der Konkurrenz des AusLandes ausgesetzt waren, herabgefeht, während u. a. für die Arbeiter der Bauindustrie die Urlaubsdauer unverändert blieb. Im Jahre 1923 betrug die Länge der Urlaubs für die organi fierten Arbeiter durchschnittlich 9 Lage. Schweden: Bon den im Jahre 1922 abgeschlossenen Tarifver. trägen enthielten 996, 215 733 Arbeiter umfassende Verträge oder 77 Broz, der bei allen Verträgen insgesamt in Betracht kommenden Arbeiterschaft Beftimmungen über Urlaubsgewährung. während in 420 Berträgen für 64 039 Arbeiter fein Urlaub vorgesehen war. Bei 444 Berträgen mit 123 887 Arbeitern betrug die Urlaubsdauer meniger als eine Woche, bei den übrigen Berträgen 6 bis 12 oder mehr Arbeitstage. Tschechoslowakei: Ein Gelegentwurf über Arbeiterurlaub ist feinerzeit dem Barlament vorgelegt worden, jedoch noch nicht er. lebigt. Für die Bergarbeiter ist der Urlaub geseglich festDie Firma ist und bleibt Auch in anderen in dieser Uebersicht nicht genannten Ländern, z. B. in der Schweiz, bestehen für einen Teil der Arbeiter tarif. liche Bestimmungen über Gewährung eines bezahlten Urlaubs. Genaue das Land umfassende Angaben liegen uns jedoch nicht vor, wie ja überhaupt die Angaben über Arbeiterurlaube noch sehr unvollständig sind. Erwähnt sei noch die Urlaubsbestimmung im Tarifvertrag für die Tabatindustrie Dänemarts, wonach alle Betriebe des ganzen Landes in einer bestimmten Woche während des Sommers geschlossen bleiben bei Weiterzahlung des vollen Lohnes bzw. des durchschnittlichen Akkordverdienstes. Zur Tarifbewegung der Fliesenleger. Die Fliesenleger und Helfer nahmen in einer gemeinsamen Versammlung am Donnerstag, den 17. April 1924, den Bericht über die Tarifverhandlungen entgegen, die am Dienstag, den 15. April, ſtattfanden. Dowohl das Ergebnis der Verhandlung gegenüber den vorher gepflogenen Verhandlungen fleine Verbesserungen enthielt, wurde es wegen der immer noch unannehmbaren Regelung der Arbeitszeitfrage und der damit verbundenen Bezahlung der Ueber stunden wie auch wegen der in Fortfall kommenden Bezahlung des verauslagten Fahrgelbes für den Hemen Kreis gegen einige Stimmen abgelehnt. Da nach der gegenwärtigen Einstellung der Arbeitgeber zu dieser Frage eine weitere Verhandlungsmöglichkeit nicht vorliegt, wurde gleichzeitig beschloffen, auf den Abschluß eines Tarifvertrages einstweilen zu verzichten und vorläufig tariffos zu arbeiten. Die gemeinsame Lohnkommission wurde beauftragt, alle fich hieraus ergebenden Schritte zu tun und die gegebenenfalls erforderlichen Anweisungen herauszugeben, die nur allein maßgebend und zu befolgen sind. Die Gruppenleitung. Krankhafte Verirrungen. Aus München schreibt man uns: " Die furiofeste Erscheinung in der Döllischen Freiheits"-Bewegung ist unzweifelhaft der Deutschnationale handlungsgehilfen Berband, die Böitische Gewerkschaft der deutschen Kaufmannsgehilfen". Um 8. April hielt die Ortsgruppe München des DHB. im Bürgerbräufeller ihre diesjährige Bismardfeier ab. Der Obermarristentöter. Geschäftsführer Frühauf, machte nach dem Bericht einer völkischen Zeitung seinem gepreßten Herzen 11. a. mie folgt Luft: ,, Einer ist noch nicht da, ber dieses Feft gerade heute, am Vorabend feines 59. Geburtstages mit uns feiern soll und will, ( Heilrufe.) Der Mann, dan heute andere Bölkische auch feiern wollten, aber nicht feiern durften.( Lebhafte Pfuirufe.) Wir fühlen durch ein solches Vorgehen unsere deutsche Ehre verletzt. ( Beifall.) Sollte es Sr. Exzellenz Ludendorff nicht mehr möglich sein, heute noch zu erscheinen, dann bitte ich Sie um bie Ermächtigung, morgen Sr. Erzellenz unfere innigsten Glückwünsche darzubringen. Möge ihm Gott fiarte Gesundheit geben, damit dieser heldische Mensch noch recht longe dem deutschen Volke erhalten bleibe.( Stürmische Heilrufe.) Möge uns Bismard Be tennermut schenken, dann möge feine Feier 1924 dem deutschen Bolf ein Ehrendentmal fein auf dem Wege zu seiner fittlichen und politischen Erneuerung.( Heilrufe.) Min sterialrat Dr. Roth und Dr. Buttmann werden bei ihrem Erfcheiren im Saal mit stürmischen Heilrufen begrüßt. Die Mitteilung der Vorstandschaft, daß General Ludendorff am Erscheinen verhindert sei und der Bersammlung seine besten Grüße übermittle, rief sichtliche Enttäuschung hervor. Unsere Herzen schlagen doch Sr. Exzellenz entgegen." Ein dreifaches Heil auf Ludendorff fand begeisterte Zustimmung. Ein eil der geistigen Bewegung" des DHB., die sich als angebliche Arbeitnehmerorganisation vor einem Ludendorff platt auf den Bauch legt. Bei der AEG., Brunnenstraße, fand vom 14. bis 16. April die Betriebsratswahl statt. Es zeigte sich bei diefer Wahl, daß trotz aller Berleumdungen und Lügen, die über die VSPD.- Kandidaten verbreitet wurden, allmählich die Vernunft innerhalb der Kollegen sich wieder Bahn bricht. Es erhielten die Freien Gewerf schaftler 2564 und die Kommunisten 1923 Slimmen, so daß 10 BSPD.- Betriebsräte und 2 Arbeiterräte, und von den Kommu nisten 7 Betriebsräte und 1 Arbeiterrat gewählt wurden. Bei den Angestellten erhielt die AfA- Liste 884 und die deu schnationale Liste 283 Stimmen, so daß auf die AfA- Lifte 9 und auf die deutschnationale Liste 3 Kandidaten entfielen. Die Schiffsbauarbeiter von Southampton haben in einer Berfammlung befchloffen, vom nächsten Mittwoch an die Arbeit wieder aufzunehmen. Dadurch wird die Aussperrung in den übrigen Wertstätten Englands, durch die 143 000 Arbeiter betroffen worden wären, automatisch hinfällig. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Caitowski; Cotales Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Sonstiges: Fris Ratstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. 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