Abendausgabe Nr. 19341. Jahrgang Ausgabe B Nr. 97 Bezugsbedingungen unb Anzeigenpreffe sind in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlis 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag Vorwärts= Berliner Dolksblatt 24. April 1924 Berlag und anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 1hr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68. Cindenstraße 3 Ferafprecher: Danhoff 2506-2307 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Helfferich tödlich verunglückt. Mit seiner Mutter im Gotthardtzug verbrannt. Jansbrud, 24. April.( TU.) Der deutsche Konjul in Lugano feilt mit, daß auf Grund der gefundenen Ausweispapiere festgestellt werden kann, daß sich der frühere Staatssekretär des Reichsschabambes Dr. Helfferich und feine Mutter unter den Todesopfern des Eisenbahnunglüds von Bellinzona befinden. med sine Stellt die Weichen richtig! Verkehr und Politik. Das Eisenbahnunglück von Bellinzona beschäftigt alle Welt. Alles beklagt die Opfer und ruft nach Feststellung und Bestrafung der Schuldigen. Die Aufregung wäre wahrscheinlich nicht so groß, wenn es fich statt um einen Luxuszug um einen Arbeiterzu gehan delt hätte. Aber es ist einmal noch so in der Welt, daß man fich für die Großen mehr intereffiert als für die Kleinen. Das Eisenbahnunglück von Bellinzona ist eben nicht nur ein menschliches, es ist auch ein gesellschaftliches" Ereignis. Immerhin: wenn sich dreißig lebende Menschen auf einmal in blutige Fehen und verfohlte Klumpen verwandeln, redet man wieder darüber, entsegt man sich wieder darüber, fragt man nach Verantwortung und Schuld, nicht nach Geminn und Berlust, Erfolg oder Niederlage. Kein Hurra der Sieger braust über die verstümmelten Leichen hinweg. Schließlich wurde helfferich Deutschnationaler. Die Deutschnationalen waren in ihren Anfängen eine Partei der früheren faiserlichen Staatssekretäre, neben Helfferich nahmen auch Posadowski und Delbrüd in ihr Play. Rasch jedoch geriet sie immer mehr in ein ultrareaktionär und demagogisch- nationalistisches Fahrwasser, in dem sich weder BofaDurch den Tod Karl Helfferichs verliert die Deutsch- bowski und Delbrüd, die Männer staatsmännischer Abgenationale Partei die einzige bedeutende geistige Kraft, über mogenheit wohl fühlen konnten. Helfferich aber plätscherte in die fie verfügte. diefem trüben Strom weiter und schwang sich in der Partei Helfferich war am 22. Juni 1872 zu Neustadt a. d. Haardt zu einer führenden Stellung auf. in der Rheinpfalz als Sohn eines Fabrifbesizers geboren. Aus bürgerlich- freisinnigen Kreisen stammend, verkehrte er in der Jugend mit liberalen Führern wie Bamberger, dem er viel Anregung und Förderung verdankte. Mit 22 Jahren so wurde er Dozent an der Berliner Universität, mit 29 schon wurde er Dozent an der Berliner Universität, mit 29 schon Professor der Nationalökonomie. Doch seine sprunghafte und ehrgeizige Natur war für die stille Gelehrtenlaufbahn nicht ehrgeizige Natur war für die stille Gelehrtenlaufbahn nicht geeignet. 1901 geht er in den Staatsdienst über, zunächst als Referent in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes. Das verschaffte ihm auswärtige Beziehungen, und 1908 sehen wir ihn in der Leitung der Bagdadbahn. Er entwidelte starte geschäftliche Talente, wird 1908 Direktor der Deutschen Bant und bleibt es bis 1915, da wird er im Februar des zweiten Kriegsjahres zum Staatssekretär des Reichsschazzamies berufen, und damit beginnt feine unbe il polle Rolle in der Bolitif. Er war es, der die Finanzpolitit des Krieges ganz auf die Anleihewirtschaft schob und im Gegensatz zu der Klugen englischen Finanzpolitik jede Deckung der Ausgaben durch kräftiges Anziehen der Steuerschraube unterließ. Die kapitalistische Belastung war für den Reichs finanzminister hemmend. Er tröstete sich und den Reichstag damit, daß die Gegner Deutschlands nach dem Sieg schon die Tage hinein. Er und seine Partei haben nichts als Unheil was würde man non einem Eisenbahnbeamten fagen, der deutschen Schulden und noch mehr bezahlen würden. Im Mai 1916 wurde helfferich Staatssekretär des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers Bethmann Hollweg, dessen treue Stütze er war und den er gegen die wütenden Angriffe von rechts mit verteidigen half. Bon einer extremnationalistisch- reaktionären Einstellung war damals an ihm noch nicht das Geringfte zu bemerken. Er war vielmehr mit verantwortlicher und Mitträger des der äußersten Rechten so verhaßten„ B- Systems". Helfferich war wirtschaftlich ein unbedingter Berfechter des Rapitalismus, den er als den Bollbringer der größten Kulturmerte pries. War er auch nicht von Haus aus reaktionär, fo lag ihm doch soziales Empfinden von vornherein fern. Er war reich an Einzelwiffen und von aber abgesehen von der kapitalistischen Einstellung wird man rascher Auffassungsgabe, von sprudelnder Redegewandtheit, vergebens einen großen einheitlichen Zug im Leben dieses Politikers finden. Er war von feiner starken lleber3eugung getragen, und wie er in seiner äußeren Lebensstellung zwischen Dozentur, Bankgeschäft, Staatsdienst, politischer Führerschaft hin und her sprang nach Havensteins Tob wallte er Reichsbankpräsident werden und aller Politik entso hat er im Laufe feiner 52 Lebensjahre die verlagen fo hat er im Laufe feiner 52 Lebensjahre die verfchiedensten politischen Meinungen mit stets gleichhißigem Temperament und unermüdlicher Streitluft vertreten. Er war ihm viel und vor allem eins: das Gewissen. Bo er Einein vielgewandter, pielbegabter Mann, aber zur Größe fehlte ihm fluß zu gewinnen verstand, da wirkte er als der böse Geist der deutschen Finanzpolitit bis in Cuno- Havensteins unfelige angerichtet. Die Deutschnationale Partei hat mit Helfferich ihre stärkste geistige Kraft verloren. Aber es wäre noch besonders zu unterfuchen, ob diese Kraft ihr wirklich gehörte und wie lange fie ihr noch gehört hätte. Denn es war nicht Helfferichs Art, feine Berfon einer Sache unterzuordnen. Auch die Deutsch nationale Partei wäre für ihn nur eine Station unter vielen gewesen, wenn nicht ein unvorhergesehenes Etwas der Schnell zugsreise dieses Menschenlebens ein plötzliches Ende bereitet hätte! ap Reichsbankpräsident Schacht nicht verunglückt. Helfferich blieb auch noch unter Michaelis. Er machte Anstalten, auch noch unter Hertling zu bleiben. Die Freifintnigen erhoben aber in diesem halbparlamentaristischen Kabinett Anspruch auf den Bizefanzler, und so mußte Helfferich schließlich Bayer weichen. Er hat das der Linken nie verziehen.. Aber noch nach der Ermordung des Grafen Mirverziehen.. Aber noch nach der Ermordung des Grafen Mir- ben, daß sich auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht unter den bach in Moskau nahm er ein neues Amt im Reichsdienst an, indem er im Sommer 1918 Botschafter in Rußland wurde, wo er jedoch nicht lange blieb. Belgien drängt zur Eile. Brüssel, 24. April.( Eca.) Troß der neuen Verzögerung, die die weitere Behandlung der Sachverständigenberichte erhalten hat, find die belglichen Regierungstreise gewillt, zu einer Be. fleunigung der weiteren Berhandlungen nach Möglichkeit beizutragen. Jedenfalls beschäftigte fich ein belgischer kabinettsrat gestern mit der Frage des SachverStändigengutachtens und beschloß, fich endgültig auf den Boden der Sachverständigengutachten zu stellen und eine entsprechende Miffeilung unverzüglich der Reparationstommiffion zugehen zu laffen. Die Möglichkeit einer Zusammenkunft der belgischen Minister Theunis und Hymans mit Poincaré gewinnt erneut greifbare Formen. Die Rede Macdonalds, die Rede des Präsidenten Coolidge und vor allen Dingen gewiffe Besprechungen, die der belgische Botschafter in London, Baron Moncheur, in den letzten Tagen in Brüffel mit Hymans hatte, haben eine starke Wirkung in Brüffel ausgelöft und bei den belgischen Miniſtern den Wunsch erweckt, zwed's Beschleunigung der Verhandlungen mit Poincaré mündlich zu verhandeln. Paris, 24. April.( WIB.) Wie der Brüffeler Berichterstatter des„ Echo de Paris" meldet, bereitet die belgische Regierung die Antwort auf die Entscheidung der Reparationsfommission vor. Ueber den Inhalt der Antwort fel noch nichts befannt. Das Brüffeler kabinett habe plötzlich den Wunsch geäußert, unverzüglich mit Poincaré zu verhandeln. Der Berichterstatter des Blafles glaubt, daß die belgischen Minister Theunis und Hymans bei Poincaré zum Ausdruck bringen werden, daß man die gebotene Gelegenheit, die deutsche Anleihe in Amerika zum Gefingen zu führen, bei den Haaren ergreifen müffe. England und Amerika müßten zu diefem 3wed gewonnen werden. Condon, 24. April.( WIB.) Der Brüffeler Berichterstatter der Times" erfährt von gut unterrichteter Seite, die belgische Regierung fiehe vollkommen zu den Schläffen der Sachverständigen. Es gebe jedoch gewiffe Punkte, wie der Projenifah der Berteilung der deutschen Zahlungen, die Bedingungen für die Räumung des Ruhrgebietes, inferalliierte Schulden usw., über die en me nungsaustausch zwischen Frankreich und Belgien für nöfig erachtet werde. Was die Ruhr betreffe, jo jei man in Brüffel der Ansicht, daß die Befehung beendet werden müffe, aber unter der Bedingung, daß gewiffe eru fte Garanfien vereinbart werden. Die Hauptfache fet, daß eine In einzelnen Blättern war die Vermutung ausgesprochen worBerunglückten bei der Eisenbahnfatastrophe in Bellinzona befand. Die Vermutung ist falsch. Reichsbantpräsident Dr. Schacht befindet fich in Berlin. iphähre des Vertrauens geschaffen werde, damit die Frage der deutschen auswärtigen Anleihe, die bei der Löfung des Reparafionsproblems mithelfen solle, gesichert werde. Amerika hilft wenn Europa sich selbst hilft! Condon, 24. April.( WTB.)„ Times" schreibt in einem Leit. artifel zu der Rebe des amerikanischen Präsidenten, die große und einfiußreiche Unterstübung der Bereinigten Staaten fet jetzt für den von den Sachverständigen niedergelegten Blan ge fichert. Der Washingtoner Berichterstatter der Times" schreibt, es dürfe feinesfalls mit der Wahrscheinlichkeit irgendeiner unmittel baren Aftion gerechnet werden, der Präsident habe mohlweislich von der foliden Regelung der Reparationsfrage gesprochen, die der Einberufung einer Konferenz vorangehen müsse. Daraus, sei der Schluß zu ziehen, daß man für den Augenblid feine Aufmerksamkeit cher der Anwendung des Dawes- Berichtes, als dem, was daraus folgen fönne, zuwenden müsse. Coolidge habe die Zeit als reif für ein Wort der Ermutigung Europas angesehen, aber ießten Endes habe er gefagt, was bereits fo oft in den letzten drei Jahren gesagt worden sei, daß die Bereinigten Staaten Europa nur helfen tönnten, wenn Europa fich felbft helfe. Coolidge habe den sehr wichtigen Schritt getan, die Schlüsse der Sachverständigen zu loben und den Plan einer internationalen Ankihe zu unterstützen. Geldknappheit an der Börse. Bei Beginn der heutigen Börse gewann man den Einbrud, als ob fich eine leichte Erholung anbahne. Am Petroleummartte wurde das herauskommende material glatt von den interessierten Großbanten aufgenommen und auch am Anleihomartte bemerkte man Stügungsfäufe der zuständigen Institute. Im weiteren Berlaufe der Börje fonnte jedoch diese feste Tendenz nicht anhalten. Die Gelb frage und die Gorge vor weiteren 8ahlungsschwierig teiten der an der Frantspekulation und am Metallmarkte intereffierten Kreise stehen noch zu sehr im Vordergrund, als daß von einer durchgreifenden Erholung die Rede sein könnte. Am Geldmarfte spiste fich die Bage heute bedenklich zu. Man forderte segar für tägliches Geld 1½ bis 2 pro Mille, Renfenmarkkredite sind fast gar nicht zu bekommen. Eine gewisse Beruhi gung schuf allerdings die schwache Tendenz des franzöfitme- fchen Frant. Man handelte London mit 67 bis 68 Frant. Es besteht allgemeines Einverständnis über die Notwendigkeit, das Berkehrswejen so zu gestalten, daß Berluste von Menschenleben vermieden werden. Aber gilt dieses Gebot nicht auch für das Gebiet der Politik? Fasche: Weichenstellung auf der Eisenbahn kostet Dußende Den Menschenleben. Falsche Weichenstellung in der Politit toftet hunderttausende und Millionen von Menschenleben! Sinnlose Bergeudung von Menschenblut bildet den Inhalt der Geschichte von Anbeginn bis in die neueste Zeit. Stets find die Mächtigen und Einflußreichsten der Erde mit fremben Menschenleben verschwenderisch umgegangen. Und stets war die babei blutete, während die Anstifter zu Ruhm und es die Maffe der Namenlosen, der Armen, der Unterdrückten, Reichtum emporitiegen und selbst in ihrem Sturz meist sich meicher fielen, als sie es verdienten. Zusammenstöße tünstlich arrangiert? Aber Politifer, die es aus Leichtsinn und Gewiffenlosigkeit darauf ankommen laffen, daß bewaffnete Menschenhaufen sich in leidenschaftlicher But aufeinanderstürzen und daß unzählige Opfer fallen, werden als Helden gefeiert, und eine gedankenlose Herde läuft ihnen hurraschreiend nach. Ein Bürgerkrieg foftet tausendmal, ein Völker. frieg hunderttausendmal mehr Opfer als das schlimmste Eisenbahnunglüd. Und doch gibt es unzählige Menschen, die nach dem Bürgerkrieg oder nach dem Bölferkrieg oder momöglich nach ihnen beiden brüllen, als erblühte aus ihnen für die gefchundene Menschheit das größte Glüd. Dieser Schrei nach blutiger Gewalt entspringt oft der. 3enlosen unverstand. Jede Politik, die ihren Namen Berzweiflung, gewiß, aber ebenso sicher auch einem grenverdient, muß von dem Grundfah ausgehen, daß Menschenleben gefchont, vermeidbare Opfer vermieden werden. Unvermeidlich find die Rämpfe der gegeneinander stehenden. Intereffen. Aber sie mit zivilisierten Mitteln zu führen und Blut zu sparen, sollte das Streben aller sein, in welchem Lager fie auch immer stehen, wenn sie den Anspruch. darauf erheben, wahre Menschen zu sein. Die Sozialdemokratie hat von ihrer Entstehung an den Kampf gegen Unrecht und Ausbeutung geführt. Aber auch in ihrer stürmischsten Jugend hat sie nie den Respekt vor Menfchenleben verleugnet, Ihr leidenschaftlichster Füh rer August Bebel war zugleich ihr vorsichtigster, feiner würde mit größerer Entrüstung den Gedanken zurückgewiesen haben, für irgendwelche unflaren und ungewiffen Experimente Menschenleben auf das Spiel zu setzen. Was für die innere Politik gilt, gilt auch für die äußere. Die Streitigkeiten der Bölfer zu schlichten, ohne daß immer wieder Millionen getötet und die ganze menschliche Kultur auf Jahrzehnte zurückgeworfen wird, ist das Streben der Sozialistischen Arbeiterinternationale. Daß fie die Katastrophe von 1914 nicht verhindern konnte, wer nicht ihre Schuld, denn in feinem Land der Welt hatte sie entfcheidenden Einfluß. Hätte damals Bebel in Berlin, Jaurès in Paris, Adler in Bien, Macdonald wie jetzt in London regiert, wer glaubt, daß es dann über den Fürstenmord von Serajewo zu einem allgemeinen Menschenschlachten ohne Ende gekommen wäre? Was die Sozialdemokratie lehrt, ist nicht Unterwerfung unter widerrechtliche Gewalt, nicht Berzicht auf Selbfiverteidigung, auch nicht grundsäßlicher Berzicht darauf, einem Gegner mit den Mitteln, die er selbst anwendet, zu bekämpfen. Was die Sozialdemokratie lehrt, das ist, in der Wahl der Rampfmittel ein Höchstmaß von zweckmäßigkeit mit einem Höchstmaß von Menschlichkeit verbinden. In vollem Widerspruch dazu steht, was die äußerste Rechte und die äußerste Linte lehrt und treibt. Wir sind nicht der Meinung, daß die Anwendung von brutaler Gewalt durch den Erfolg gerechtfertigt wird. Aber sicher wird fie durch den Mißerfolg verurteilt. Man kann diejenigen, bie aus Berzweiflung zur Gewalt greifen, ohne daß baniit die geringste Aussicht auf Erfolg verbunden ist, bemitleiden und man fann ihren Heldenmut bewundern. Aber zu verurteilen find die Führer, die die ihnen vertrauenden Maffen in aussichtslose Kämpfe hineinheßen, die leichtfertig fremdes Glüd, fremde Freiheit, fremde Leben opfern für ihren Ehrgeiz und ihre Verblendung. Diese falschen Weichensteller, diese gewiffenlosen Anstifter m Zusammenstößen aus der Politit fernzuhalten, ist och unendlich wichtiger als die Sicherung des Verkehrs. Denkt am 4. Mai daran, daß es um Menschenleben cht! Der Schwindel mit Max Hölz. Bergebliche Ausreden. Es muß einigermaßen sonderbar in den Röpfen der Deutſch nationalen aussehen, wenn deutschnationale Verleger es wagen dürfen, mit derartigen Grufelgeschichten auf den Abonnentenfang zu gehen. Sie verraten damit eine fatale Geiftesgemeinschaft mit jenen deutschvöltischen Helden", die sich auf entlegenen Gutshöfen gegenseitig um die Ede bringen und die, wie in Münster und München, in der Zerstörung scgialdemokratischer Zeitungseinrich tungen eine nationale Tat sehen. प Die Vorwürfe gegen das„ Bauhaus" laffen aufs neute die verlogene Demagogie der Böllischen erkennen. Zu ihrer Widerlegung genügt es, die wesentlichen Punkte aus der Erwiderung hervorzu heben, die Professor Gropius auf die Kleine Anfrage veröffentlicht hat. Das Bauhaus ist überhaupt feine eigentliche Handwerkerschule, fondern aus einer Bufammenlegung der ehemaligen hochschule für bildende Kunst und der ehemaligen Kunstgewerbe. chule entstanden. Seit 1919 find 526 Studierende dort zu ihrer Ausbildung eingetreten, von denen 129 noch heute dort find. Es haben nicht nur erheblich mehr Lehrlinge, als in der Anfrage ge= Bor einigen Tagen veröffentlichte die„ Rote Fahne" einen nannt werden, ihre Gesellenprüfung, sondern auch eine Anzahl ihre ierlichen Beschluß der KPD.- Zentrale, Mar Hölz als Meisterprüfung bestanden. Für eine Anzahl von Fächern( Weberei, Die Hitlergarde vor Gericht. Spizenkandidat der kommunistischen Reichsliste aufzustellen. Bühne, Glasmalerei) werden öffentliche Lehrbriefe auch bei abge Der große Unbekannte tritt auf. Daraufhin veröffentlichte der„ Borwärts" zwei Doku- fchloffener Bildung nicht ausgestellt. 47 Bewerber mußten mit 35. München, 24. April. Um zweiten Berhandlungs iente, aus denen hervorgeht, daß Hölz fich von der Politik der Rücksicht auf die beschränkten Raumverhältnisse und die hohen Andas Berhör be BD. abgewandt hat und ihre sinnlose Butscherei verforderungen, die gestellt werden, zurüdgewiesen werden. Der tage des fleinen Htler- Prozesses wurde rteilt. Folge davon war, daß die KPD. von der Aufstellung 30 292 Goldmark in Sach- und Barwerten erzielt, der durch die Auf de Des Stoßtrupps Hitler fortgesetzt. Probuftiobetrieb bes Bauhauses hat einen Ueberschuß von angefagten Angehörigen des moren im mesentlichen geständig, wollen jebech jölz' als Reichsspikenkandidaten absah. Eichhorn, der die träge aus der letzten Leipziger Frühjahrsmesse noch um ein Biel- nicht gewußt haben, daß die Reichsregierung gecommunisten im Reichswahlausschuß bei der Feststellung der faches gesteigert wird. Nur zwei Meister find Ausländer. Bon fürzt werden sollte. Einer der Angeklagten verstieg sich sogar hit, die mit Namen faches mothe teichslisten vertrat, brachte eine Liste mit, die mit dem Namen biefen hat der Weltruf genießende russische Maler Kanzu der Behauptung, er habe angenommen, daß zwischen Hitler und hälmann beginnt. Von Hölz war gar nicht mehr die dinity fast sein ganzes Leben in Deutschland verbracht und seine Berlin Einvernehmen herrsche. Unter allgemeiner Heiterteit betebe. literarhistorischen Werte in deutscher Sprache geschrieben. Die Bermerfie der Borsigende hierzu: Dann wäre die Besehung des Bürger Die Rote Fahne" unterschlägt ihren Lefern diefe Zu- dächtigungen gegen Professor Gropius entspringen Anschuldigungen, bräufellers wohl unterblieben. Wenn der hochverräterische Charafter immenhänge, fie unterschlägt ihnen die von uns veröffentlich die amtlich untersucht und als unbegründet, unverantwortlich" und des Unternehmens bestritten wird, kann das Gericht unter Umständen en Dokumente, fie unterschlägt ihnen den Reinfall der KPD.- ehrverlegend" vom Ministerium für Bolfsbildung zurückgewiefen Deranicht fein, die ben Angeklagten zur Laft liegenden Handlungen Zentrale. sind und ihrer gerichtlichen Ahndung entgegengehen. als Landfriedensbruch uw. zu bewerten, so daß auf Ge fängnis erfant werden müßte. Juftizrat Kohl: Eine Judittatur, Dafür redet sie sich darauf hinaus, daß die Aufstellung Abbau bei den Gemeinden. die den Soldaten mit Gefängnis beftraft und den& eid= on Hölz nicht möglich gewesen fei, weil der Reichspräsi Die Beunruhigung meiter Kreise der Thüringer Bevölkerung herrn freispricht, wäre ein Schn auf das Rechtsempfinden ent dem Verlangen der KPD., Hölz die Ehrenrechte wieder infolge der autokratischen Methoden der„ Ordnungsbund"-Regierung Bewußtsein des hochwerräterischen Charakters ihrer Handlungen in bes Boltes. Der Vorsitzende betonte, daß die Angeklagten des ugeben, nicht nachgefommen sei. Hat die kommunistische Ben- tam deutlich auf einer fürzlich erfolgten Ronferenz ber Ge. rale nicht schon zuvor gewußt, daß Begnadigungen Regie- meindevorsteher Thüringens zum Ausdrud. Man nahm aufs au cem pflichtmäßigen Borhalt veranlaßt, daß man die Handlungen Borverjahren nicht beftritten haben. Ihre jetzige Haltung habe ih ungsafte find, und daß bei den gegenwärtigen Regie- schärffte gegen die Eingriffe der Regierung in die Selbständigkeit unter einem anderen rechtlichen Gesichtspuntt bewerten fönne. 3m ungsverhältniffen auf Begnadigung von Linkspuffchiften der Gemeinden Stellung und einigte sich auf eine Resolution, in der weiteren Verlauf des Berhörs kam es erneut zu einem scharfen Zu eine Aussicht besteht? Die Behauptung, durch die Ankündiilo rust adom sg bad fammenstoß zwischen der Berteidigung einerseits und dem Staats ung der Hölz- Kandidatur habe die Zentrale nur einen Die vom Minifterium des Innern bei der Durchführung des anwalt sowie dem Borfizenden andererseits, da die Berteidigung 3nadenatt herbeiführen wollen, ist sinnlos. Berfonalabbaues" beliebte Bevormundung des Gewiederholt, erklärte, daß von einem der Angellagten bedeutends meinbevorstehers bis in Einzelheiten des ordentlichen Aussagen durch Drohungen mit Schuhhaft oder Ausweifung Diensteinteilungsplanes wird als eine unerträgliche, bei einer Bermeigerung der Aussage erzwungen worden feien. entwicklungsfeindliche Bevormundung des Gemeindevorstehers und Justizrat Rohl ertlärte, in einem Fall habe ihm der Vorsigente als ein Eingriff in das tommunale Selbstvermal des Boltsgerichts felbft nahegelegt, von einer Haftbeschwerde chtungsrecht entschieden zurüdgewiesen. Die Gemeindevorsteher zusehen, da der Betrefferte auch ganz ficher in Shuzhaft genoutmen fonferenz erachtet das Notgefeß Dom 27. März 1924 zur werde, wenn das Gericht ihn freilaffe. Es fönne nicht beftritten Bereinfachung der Verwaltung in wesentlichen Bunften für rüd werden, daß jemals größerer fchrittlich, insbesondere die Aenderung des§ 67 der GKD., durch welche die fommunale Selbständigkeit des Gemeindevorstehers verhängnisvoll unterbunden wird. Sie bestreitet, daß die durch§ 33 der Berfassung des Landes Thüringen geforderten Borausfehungen für den Erlaß von Notgesetzen im Falle dieses Notgefezes erfüllt waren und bezweifel die Rechtmäßigteit diefes Notgefeges. Sie bittet den Thüringischen Landtag eindring lich, daß diefem Notgefeß die nach§ 33 der Berfaffung des Landes Thüringen erforderliche Bestätigung zu versagen. Ele erachtet auch die Maßnahmen des Ministers Dr. Sattler in der Frage der Eingemeindung als schädlich für die kommunale Entwicklung." Im Landtag häufen sich inzwischen die Proteste gegen die Art, wie die Regierung ohne jeden Zwang und gegen alle demokratischen Gepflogenheiten mit Hilfe von Notgesehen regiert. So lagert fich in Thüringen ein gefährlicher Zündstoff an, der eines Tages zur Explosion führen kann. olls on dit bie m Die Rote Fahne" schreibt: In den Gefängnissen der deutschen Republik fizen 7000 politische 3efangene. Dent daran, wenn Du zur Wahlurne gehst! Jawohl, denk daran, daß fommunistische Gewissenlofigkeit Caufende zu finnlosen, die Arbeiterfache schädigenden Gewaltätigkeiten verleitet hat, für die sie jest büßen müssen. Dent Daran, daß die Sozialdemokratie unter günstigeren olitischen Verhältniffen als den gegenwärtigen schon unzähigen diefer Unglücklichen die Freiheit wiederver= ich afft hat, daß aber das fommunistische Spiel mit dem Arbeiterschicksal die Gefängnisse immer wieder mit neuen Opfern füllt. Dent daran, daß jeder blöde Putsch neue Tote und neue Gefangene foftet und daß die Aussichten der jetzt im Kerfer Befindlichen auf vorzeitige Freilassung durch die finnlosen Drohungen der Kommunisten mit„ bewaffneten Rämpfen" vernichtet werden. ude Dent daran, wenn du zur Wahlurne gehst! Kulturpolitik in Thüringen. Die Völkischen als Zerstörer.dlodd 99 In einer Kleinen Anfrage des volfilch fozialen Blods im Thüringer Landtag, die sich gegen bas Staatliche Bauhaus" in Weimar richtet und in der darauf hingewiesen wird, daß für die Bauhausschüler als Abschluß der Werklehre die Gefellenprüfung vor der Handwerkskammer vorgesehen ist, wird bemängelt, daß der Behrtörper des staatlichen Bauhaufes aus 19 Meistern bestehe, während bisher angeblich innerhalb 4% Jahren nur etwa 15 Schüler den. Bauhauslehrgang voll durchlaufen und die Brüfung abgelegt hätten und von diesen nur noch fünf am Bauhaufe tätig feien. Es wird deshalb angesichts dieses angeblich schreienden Mißverhältnisses" der Zahl von Lehrer und Schülern die Einschränkung der großen Aufwendingen" für den Bauhausetat und ber, Abbau einer so unrentablen Einrichtung" durch Kündigung einer Anzahl von Bauhausmeistern gefordert. Selbstverständlich gehört auch zu einer echten völtischen Anfrage ein Protest gegen Ausländer unter den Lehrkräften des Bauhaufes und eine faum verhüllte Berdächtigung der„ moralischen Qualitäten" des Bauhausleiters Profeffor Walter Gropius. Sockenpost. Bon Hans Besemann. Es ließ sich nicht länger verheimlichen, ich mußte mir ein Baar neue Soden taufen. Wer eine Junggesellenwirtschaft kennt, wird begreifen, daß das öfters nötig ist. Also auf zu Wertheim, irgendein Paar aus dem großen Haufen herausgegriffen und bezahlt. 1,75 m. lofteten sie und waren schwarz und baumwollen, hatten aber sonst durchaus nichts besonderes an sich. Wie ich nun aber zu Haufe meine Füße hineintauchen will, iniftert es leise und ich fördere einen Zettel hervor. In steilen forg fältig gezogenen. Buchstaben, so wie fleine Schulmädchen schreiben, lese ich: Biele Grüße von einer Arbeiterin, die an diesen Socken gearbeitet hat. Wünsche Ihnen auch, daß sie recht gut halten.( Du ahnungsvoller Engel. Der Berf.) Würde mich sehr freuen, wenn Sie mir auch einen Gruß zukommen ließen. Renate- Chemnik." Du lieber Gott, da sigt so ein fleines Mädchen Tag für Tag bei seiner großen blanten Maschine und sieht die Fäden laufen. Mafchen fallen, ehe man sich's versieht, ist ein Paar Strümpfe fertig und geht hinaus in die weite unbekannte Welt, die gleich hinter Chemnitz anfängt. Und das kleine Mädchen träumt feine lieben naio- fentimentalischen Wünsche, schreibt sie auf einen Zettel und schickt ihn los. Vielleicht bekommt ihn der Rechte. Wenn ihn z. B. Berffel gefunden hätte, ach, er hätte uns einen neuen herrlichen Gefang an die fleine Schwester" gebracht und vielleicht einen jungen romantischen Millionär damit so gerührt, daß er ausgezogen wäre nach Chemnitz und folange gesucht hätte, bis er das fleine hold erschrocene Mädchen gefunden und geehelicht hätte. Sowas fommt im Leben vor, verfichert Frau Courts- Mahler. Aber in diesem Falle ist es wirklich hoffnungslos. Liebe Unbefannte, wie und wo soll ich dich finden und wenn ich dich fände und mich in dich verliebte und es fäme dann bald der übliche Kreislauf wie langweilig und ernüchternd wäre das und dann bedente doch ein freier Schriftsteller. Nein, so bist du nur ein Geheimnis, gibst mir zu raten auf und das macht dich interessant. Lassen wir es dabei, es ist besser so. Aber der Strumpf hat schon wieder ein Loch. Nachruf an Auguste Hauschner. Gesprochen bei ihrer Einäfcherung von Armin 2. Wegnet. Liebe Freundin! Wir haben uns hier am Bett beines letzten Schlafes verlammelt, um noch einmal auf das Große zu schauen, das uns von dir bleiben wird: auf deinen flugen, gütigen Geist, dein stets von Freundschaft erfülltes Herz, Bir Jungen haben dich nicht in deiner Jugend gefannt, als du in Brag aufwuchseft; aber wir wiffen, daß bu immer in Treue an den Straßen deiner Baterftabt hingst. Ist es nicht ein finnvolles Zeichen daffir. baß das fekte Buch, an dem du schriebst, in Prag spielt, jenes Buch, das noch auf deinem es heißt: hoch es im mißbrauch mit der Schuhhaft getrieben worden fi, als unter Rahr. Staatsanwalt und Borfigenber wielen allgemeine Angriffe ohne substanziierte Unterlagen zurück. Weitere erregte Erfiärungen der Verteidiger und ver fchiedener Angeflagier wies der Borsigende mit der Feststellung ab, daß die Frage der Schußhaft nicht in dieses Berfahren gehört. lleber die behauptete Erzmingung von Auslagen werde er Zeugen vernehmen. Im weiteren Berlauf der Verhandlungen tam auch der Angeflagte Otto Feist meyer zur Bernehmung, dem die Anflage schweren Diebstahl zur Laft legt. Er will heute die in der Münchener Post" entwendebe und in seinem Besiz gefundene Bindjade von einem Unbefannten erhalten haben. Die übrigen Gegenstände, ein Reißzeug und eine Lupe, habe er in den Taschen der Jade gefunden. Um nicht den Verdacht auf fich au fenfen, daß er die Sachen genonimen habe, habe er fie dama's nicht zurückgegeben. Bemerkenswert war die Aussage des Stu " der Münchener Best" nicht beteiligt, meil thm dieser Befehl Der„ Vorwärts" als„ Brandstifter".benten obte, der erklärte, er habe sich an dem Zerstörungsaus taftifchen und anderen Grünten gegen den Strich gegangen fei. Daß er die Fernsprechleitung durchschnitt, erfiäre er aus Gründen mulitärischer Rotwendigkeit. Das weitere Berhör ergab fachlich feine neuen Momente. Die Bernehmung dürfte am Nachmittag beendet werden. Die Zeugen find zum Freitag gelaten. Uns geht ein Propagandafchreiben der deutschnationalen alleschen Beitung" zu, das vom 25. Februar datiert ist und folgenden Absatz enthält: Bolt und Parlament find durch Revolution, durch inter. nationalistische Liebäugeleien verseucht! Jept gift es, von neuem aufzubauen! Der deutsche Michel muß aus feinem Winterschlaf heraus! Die tommenden Wahlen sind der Prüfftein feiner politischen Reife auch Ihrer, fehr geehrter Herr. Darum leiften Sie Aufklärungsarbeit nicht nur unter Belannten, sondern abonnieren Sie für Ihre Leute eine nationale Zeitung, welche die deutschen und die nationalen Ziele erstrebt. Geben Sie Thren Leuten unsere Zeitung in die Hand. Falls Sie es nicht für nötig halten, so wundern Sie sich über den Ausfall der Wahlen nicht. Wundern Sie sich fiber Scheunen- und Gutsbrände nicht, wenn Zeitungen wie„ Klaffenfampf", Borwärts" ufw. Einzug in die Reihen Ihrer Arbeiter gehalten haben!" Sterbebette in deinen Gedanken umging und in bas bu beine ganze Seele zu legen suchteft? Die wenigsten von uns haben auch noch den Mann und Gefährten gekannt, der so früh von deiner Seite ge fchieden ist. Aber in den dreißig Jahren, die nun folgten, sind wir alle früher oder später in den Kreis deiner Freundschaft getreten, baben wir alle die Klugheit und Güte achten und lieben gelernt, mit denen du diefen Kreis von Menschen umgabst: deine tiefe weibliche Freundschaft. Das Leben hatte dir feine eigenen Kinder geschenkt, und vielleicht ist dies die Quelle deiner größten Kraft geworden, der Menschheit zu schenken, was dir vom eigenen Fleische versagt blieb. Dein dreißigjähriges Witwentum ist auch eine dreißigjährige Mutterschaft gewesen. Drei Geschlechter von Männern und Frauen, Don Jünglingen und Mädchen sind durch die Räume deines Berliner Hauses gezogen. Allen bist du ein Freund und Begweiser, ein Herold der kommenden gewesen. Obwohl du felber ein umfangreiches und achtenswertes Werf schufft, das deinen Namen ver breitete, wird es dennoch überragt von der Tiefe und Größe beiner Persönlichfeit, die sich der Welt der andern hingab. Immer hattest du ein offenes Ohr für den wahren Wert des Neuen. Kluge Stepsis und Zweifel verbanden sich bei dir mit liebender Ertenntnis. Welche Bescheidenheit! Welche Selbstaufopferung! Noch einmal denken wir jegt an den Herd deines Hauses zurüd: an das offene Feuer des Dfens, um den der Kreis deiner Menschen stets wachsend und sich erneuernd versammelte, an eine Taffe Tee, die du uns reichtest, an ein füßes Gebäd, eine Zigarette, an ein schön geschmücktes Mahl, und dies alles überfirahlt von dem Lächeln beiner Büte, von einem flugen und geistvollen Gespräch. Sa, bas war das Wunderbare und Große an dir, daß sich fritisches Verständ. nis und Güte bei dir vereinten. Denn im Grunde warst bu eine große Menschenverächterin, die ftets zweifelte an dem Fortschritt der Welt. Aber es war jenes fieghafte menschliche Dennoch in dir, bas bich immer veranlaßte, noch gegen diefen Zweifel den andern felbstlos zu helfen: ein höheres Pflichtaefühl reiner Güte. So ftandest du ruhig und gelassen, wie eine schöne mütterliche Buche, in dem dichten Menschenwald, der dich umgab, Es waren starke und wilde Söhne und Brüder darunter, und wenn der Sturm dieser Zeit verheerend durch die Aeste ihrer Kronen fuhr, fo bangtest du in fdymerzlichem Rummer und in Sorge um fie, wie nur je eine Mutter um das Glück ihrer Kinder gebangt hat. Die Zeit ist wie ein Holzfäller durch diesen Wald gegangen. Sie hat die schönsten und stärksten Stämme niedergeschlagen: zuerst vor Jahren fchon Artur Levisohn, den älteren Freund, dann Gustav Lan bauer, ben wilden Sohn und Bruder, Frig Mauthner, den ruhigen und flaren Geist, Hedwig Weiß und viele, viele andere. Es ist einfam um dich geworden, und als die letzte aus einem großen Geschwistertreis gehst du zur Ruhe. Aber noch stehen die beiden besten Freundinnen am Bett deines Todes, die in duldender Liebe das Leid der lekten Tage mit bir ertrugen, noch steht an ihrer Seite die treue, langjährige und liebende Magd des Hauses. Roch fiehen hier draußen in der Welt die zahlreichen Entel deiner Freund chaft, um den Geist deines Lebens und Wirkens unerschöpflich weiter zu tragen. Gleich wird der Boden sich unter bir auftun, und lautlos wird in der Tiefe verfinten, was unsere Augen noch zu halten suchen mit Kommunistische Waffen. Steffin, 23. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Ostersonnabend wurde in Torgelow von Landjägern eine Riste mit Waffen, enthaltend 18 neue Gewehre, 4 Maschinengewehrschlösser und 1400 Schuß Munition gefunden und beschlagnahmi. Als Empfänger wurde der Kommunist Adolf Bybed ermittelt, der die Kiste mit Fuhrwert von Uedermünde geholt hat. B. wurde verhaftet und dem Landesgefängnis zugeführt. lehter Zärtlichkeit. Aber wir trauern nicht, daß in wenigen Minuten die Flamme den Leib verzehren wird, in dessen Seele stets die Glut eines neinen Feuers wohnte. Wir wissen, daß auch der Schoß der Erde, in den wir eingehen, uns Weihe und Empfängnis jein muß zu neuem Dasein, daß die Saat nicht sterben fann, die aus deiner Seele in unsere Gecle fiel. Denn, wenn diese Stunde auch schmerz lich ist, so ist sie doch groß und erhaben wie jeder Abschied. Und auch dieses noch ist ein Gefchent, weil wir noch einmal in diesem Augenblid in ganzer Stärke den Reichtum fühlen dürfen, der von bir ausströmte. Noch einmal danken wir dir dafür, wir täglich Ber waiften, wir täglich Beschenkten. Noch einmal rühren wir an beinen Schatten bis zu der Stunde, die auch uns gezeichnet ist. Dant bir, Freundin und Mutter der Welt, großes, liebendes Herz sei gegrüßt! Byron- Feier auf der Afropolis. Die griechische Nation hat ihre Dankbarkeit für den Dichterlord durch eine eindrudsoolle Feier am Todestage Byrons zum Ausdrud gebracht. Zehntausende von Men schen drängten sich auf dem zur Afropolis hinaufführenden Hügel. Aller Augen waren auf die majestätische Säulenhalle des Parthenon gerichtet, über die der Mond ein mildes Licht ergoß. Blöglich hörte in Reihen zu zweien aus dem Tempel der jungfräulichen Athene man Harfenattorde aus dem Tempel bringen; gleichzeitig schritten 300 anmutige junge Mädchen in fließenden altgriechischen Gewänbern, bas Haar mit bunten Bändern durchflochten. Sie fangen im Chor Burons Mädchen ven Athen" nach der von Gounod kompsnierten Beife. Es folgten Deflamationen Byronfcher Gebichte, und um Mitternacht zog die Menge unter dem Abfingen der briti den Nationalhymne den Hügel abwärts nach Athen. Auch griechische Länge wurden im Rahmen der Feftfeier von Zöglingen der griechifchen Töchterschue ausgeführt. " Bergiftung durch Infulin. Das Insulin, deffen Bedeutung für die Bekämpfung der Zuckerfranfheit nicht hoch genug eingeschänt werben fann und das daher jeg auf dem Rongreß für innere Medizin in Riffingen im Mittelpunkt der Berhandlungen fteht, hat auch seine Gefahren. Ueber Beraiftungserscheinungen ist schon mehrfach in ber Fachwelt berichtet morben: Jekt ist im Hamburger St. Georg Krankenhause, dem Bharmatologischen Institut der dortigen Univerfi. tät, ein Fall von Vergiftung eines gefunden Menschen beobachtet worden. Die Bergiftung war schwer und ihre Behandlung machte besondere Schmierinteiten, ihre Anzeichen aingen nur sehr lang'am Aurüd. Die Vergiftung zeigte eine hoch radice 11nabhanginfeit von Blutzucker. In dem Hamburger Falle. über den Brof. Bornftein und Curt Holm in der Deutscyn Medizinischen Wochenfchrift" berichten, erfolgte fie bei einem durchaus normalen Blutzuckernehalt. Die Bere ciftungsgefahr ist übrigens, wie Brof. Rich'er vom Berliner Stäbli fchen Krankenhaufe om Friedrichshain an aleider Stelle au führt, richt die eirine Shabina, mit der die Infinbehandla broht. Doch laffen sich diese Gefahren verhältnismäßig einfach beseitigen. Mafeumsführungen. Sonntag, den 27, 10 Uhr vorm.. findet eine missens fchaftliche Führung im aifer riedrich Mufeum( Miffel", Dr. Bange) statt. Eintrittsscheine find vor Beginn am Eingang des genannten Museums erhältlich. Das Rheinland als Reparationsprovinz. TU. meldet aus amtlicher Quelle: Die feit Monaten zwischen der deutschen, französischen und bel gischen Regierung schwebenden Verhandlungen über die für diese beiden Staaten in Auftrag gegebenen Binnenschiffsneu. bauten im Zusammenhang mit einer Freigabe des von Frant reich in großen Umfange beschlagnahmten Rheinsch ffsraums find nunmehr zum Abschluß gebracht worden. Die Rheinschiff fahrt muß, um die Freiheit ihres Betriebes zu sichern, wiederum pier Rhein- Raddampfer neuesten Inps und elf Rähne den Allierten zu Eigentum überlassen. Die im unbelegten Gebiet herg stellten Schiffsneubauten werden an Frankreich sobald wie möglich abgelicfert, während die auf rheinischen Schiffswerften liegenden Neubauten nur zu einem Teil fertiggestellt werden. Das Abkommen legt der Rheinschiffahrt neue schwere Basten auf, zu deren Erleichterung sich die deutsche Regierung zurzeit außer stande steht. Um so mehr müssen die Rheinschiffahrttreibenden erwarten, daß nunmehr die Herstellung der vollen Freiheit in der Rheinschiffahrt schnellstens durchgeführt wird und fünftig unberührt bleibt. Den an dem Abkommen noch nicht beteiligten Firmen ist der Beitritt zur Sicherstellung auch ihrer Freiheit offengehalten. Eine Gruppe der größeren Rohlenreedereien hat mit der französisch- belgischen Transportkommission eine Regelung über die Reparationstohlentransporte getroffen, die bis zu irgendeiner anderweitigen Regelung dieser Frage zwischen den beteiligten Regierungen Geltung haben soll und die den beteiligten Reedereien bei teilweiser Uebernahme der Transportfosten die freie Berfügung über ihren Schiffsraum gibt. Dauerkrise in Polen. Aus Warschau wird uns geschrieben: Als bei den polnischen Wahlen im Herbst 1922 die Hoffnung der Rechten getrogen hatte, die absolute Mehrheit zu erringen, war es flar, daß jede stabile Mehrheitsbildung im polnischen Sejm mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft sein würde. Denn außer der geschlossenen starten Rechten und der schwächeren, start zersplitterten Linten waren in das Parlament in Stärfe von fast 90 Mann die Bertreter der nationalen Minderheiten eingezogen, ohne die eine fefte Mehrheit taum zu bilden war. Wer die polnischen innerpolitischen Berhältnisse fennt, weiß aber, daß eine Regierungsbildung mit den Minderheiten eine Unmöglichkeit ist. Die Rechte propagierte von vornherein das Schlagwort der polnischen Mehrheit", und tatsächlich gelang es ihr, nachdem sie den ehrgeizigen Witos für ihre Pläne eingefangen hatte, mit deffen Partei vorübergehend eine solche polnische Mehrheit im Sejm herzustellen. Die Witos- Partei mußte jedoch das unnatürliche Bündnis ihres Führers mit mehreren Spal. tungen büßen, und schließlich reichte es zur Mehrheit nicht mehr. Mitos stürzte Ende vorigen Jahres, und an seine Stelle trat der Witos stürzte Ende vorigen Jahres, und an seine Stelle trat der augenblickliche Ministerpräsident Grabfti Die Existenz des Rabinet's Grabiti, das inzwischen bereits mehr fach einen Berfonalwechsel erfahren hat, beruht jedoch nur auf der gebieterischen Notwendigkeit, alle Energie an die Sanierung ber Finanzen zu sehen, Parteifämpfe aber, die den Sturz des Kabinetts herbeiführen könnten, nach Möglichkeit zu vermeiden. Das bedingt natürlich eine gewisse politische Zurückhaltung. Db eine glüd fidye Bösung des Finanzproblems erzielt werden wird, ist noch unge. wiß. Aber sicher ist, daß das gegenwärtige Kabinett der Sanierung nur ein latente Rabinettstrise verbeckt. An Einzelfragen läßt sich am besten zeigen, wie weit Bolen davon entfernt ist, einen seinen wirklichen Interessen entsprechenden flaren und stetigen Kurs au steuern. Bei der Diskussion über die Memelfrage sagte der sozialistische Abgeordnete Niedzialkowski am 10. April in dem Sejmausschuß für Aeußeres: Bolen ist noch ein im Inneren schwacher Staat, aber Bolen Pann und muß eine felbständige Außenpolitit führen. Das Verhäl'nis unferer Außenpolitit zu Frankreich war nicht ein Bündnis unter gleichen, sondern das Verhältnis eines Schattens zu einem lebenden und tätigen Menschen... Wir haben die Forde rung einer Annäherung an England und der Unterstügung des Bölferbunds- Programms der Labour Party aufgestellt. Nichts ist bisher in dieser Richtung geschehen. Aber die Möglichkeiten sind ungeheuer... In der Tat hat der sozialistische Redner im Kerne seines Borwurfs recht: Der polnischen Außenpolitit, von welchem Standpunkt man sie auch ansehen mag, fehlt jede eigene Initiative, und heute noch fann man, wie einst Lloyd George jagen, niemand fennt die polnische Politit". Denn was man davon sieht, ist eben nur der Schatten Frankreichs". Es liegt auf der Hand, daß eine solche Bolizit nicht geeignet ist, als Grundlage für ein starkes Rabinett zu bienen. Die britische Reichsausstellung. Eröffnungsreden des Königs und des Thronfolgers. Condon, 23. April.( Eigener Drahtbericht.) Unter einem großen Aufwande höfifchen und militärischen Prunts wurde am Mittwoch vormittag vom König und dem Prinzen von Wales die große Britische Reichsausstellung in Bemblen eröffnet. Hundert taufende hatten sich schon in den frühen Morgenstunden einge funden, um diesem Schauspiel beizuwohnen. Im Stadion, wo die 3eremonie der Eröffnung vor fich ging, wehten hunderte Union Jads". Der Brinz von Wales helt als Präsident der Ausstellung die Begrüßungsansprache an den König und hob dabei in längerer Rede die Bedeutung und den Wert dieser Veranstaltung hervor, die ein lebendiges Bild der Geschichte und der heutigen politischen und wirtschaftlichen Macht des britischen Reiches per mittle. Die Ausstellung sei ein Beweis dafür, daß Großbritannien heute die größte zivilifatorische Macht der Erde fei und nur friebliche Biele und das Wohl der gesamten Menschheit im Auge habe. Nach ihm ergriff der König das Wort zur Eröffnungsansprache, in der er barauf hinwies, daß die Aus stellung eine treffende Illustration für jenen Geist freier und buld famer Zusammenarbeit darstelle, von dem die verschiedenen unter der britischen Flagge lebenden Böller in ihren Bestrebungen befeelt feien, einen gemeinsamen Wohlstand zu schaffen und die verschiebenen nationalen Begatungen zu einem grßen Ziele zusammenzufassen. Er hoffe, daß diese Ausstellung nicht nur das Familiengefühl zwischen den einzelnen britischen Ländern und Bölkern stärken, fon bern auch geeignet sein werde, die durch den Weltkrieg in Berwirrung und Desorganisation geratene Weltwirtschaft wieder in normale Bahnen und gefunde Entwicklung zu lenten. Ein Gebet des Bischofs von London beendete den feierlichen Eröffnungsaft. Die Katastrophe auf der Gotthardtbahn. Die Gefamizahl der Opfer bei dem Eisenbahnunglüd von Bellinzona deint rah den neuesten Mitteilungen aus Bafet nicht die zuerst befürchtete Höhe erreicht zu haben. Man zählt jetzt 16 Tote, darunter 6 Eisenbahnbeamle und 10 Fahrgäste. Es ist aber vollständig unmöglich, die Toten zuidentifizieren, da es sich fast aus dließlich um verkohlte Leichenreste handelt. Eine Nachprüfung der Beichen bot einwandfrei feft gestellt, daß die Weichen vorfdriftsmäßig gestellt bespannt, die in voller Fahrt ineinanderliefen. Die beiden vorderen waren. Die beiden Züge waren mit je zwei elektrischen Maschinen Lokomotiven wurden in die Höhe gehoben und quer über das Gleis geschoben. Die beiden Führerstände wurden vollkommen erquetfcht. Der verantwortliche Lokomotivführer, der das Einfahrtsignal nicht beachtet hat, ist getötet. Die größte Zahl der Opfer ist in den beiden verbrannten Wagen zu beflagen. Die in Italien gehegte Befürchtung, daß sich unter den Getöteten der italienische Gesandte in Kopenhagen, Graf bella Torre, befinde, hat sich nicht bestätigt. Der Gesandte hatte von Lugano aus, wo er die Fahrt unterbrochen hatte, den ersten Expreßzug nach Bafel be. nutzt und hat die Grenzpolizei benachrichtigt, daß er bereits nach Kopenhagen weitergereift sei. In der Nacht wurde befannt, daß drei Reisende sich aus dem brennenden badischen Wagen retten fonnten. Es sind dies zwei Herren aus Frankfurt und ein Professor aus Nancy, die ihre Reise fofort fortfekten. Eine Erklärung des Reichsverkehrsministeriums. In Erklärungen der Leitung der Schweizer Bundesbahnen wird, mie mitgeteilt, die Größe des Unglüds auf der Gotthardtbahn auch darauf zurückgeführt, daß ein deutscher Wagen noch Gasbeleuch tung hatte und das Gas des Behälters nach dem Zusammenstoß Feuer gefangen hat. Dazu erklärt das Deutsche Reichsver fehrministerium: Im internationalen Verkehr laufen durch meg nur elettrisch beleuchtete deutsche Wagen. Sollte ein deutscher Bagen mit Gasbeleuchtung in dem Zug gewesen sein, dann fann es sich nur um einen Verstärkungswagen gehandelt haben, der wegen des starten Festtagsverkehrs eingestellt worden wäre. Von den deutschen D- 3ug- Wagen find zwei Drittel mit elektrischer Beleuchtung versehen und alle in den letzten zwölf Eine Abrechnung mit dem Antisemitismus. des Antisemitismus mit besonderem Eifer den Judenhaß ichüren, Da in der Zeit vor den Reichstagswahlen die Agitatoren hatte zur Abwehr die Berliner Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten am Mittwoch eine öffentliche ersammlung einberufen. Der Zubrang war so start, daß im Lehrervereinshaus am Alexanderplatz der große Saal samt dem Borraum fich rasch bis auf den letzten Winkel füllte und für die Hunderte der Abgewicfenen in einem anderen Saal eme Parallelberjammlung ftattfinden mußte. Der Hauptversammlung referierte, sprach einleitend von der Notwendigkeit, zur Wiederaufrichtung des deutschen Boltes eine Einheitsfront zu schaffen. Er geißelte das Verfahren der Antifemiten, die Gesamtheit der jüdischen Bolts genoffen für die Verfehlungen von Einzelpersonen berantwortlich zu machen. Den gegen die Juden erbobenen Borturf feiger Drüdebergerei im Kriege widerlegte er mit dem hin weis auf die große Zahl der Juden( über 96 000), die an der Front geftanden haben und von denen viele( über 12 000) ihr Boben gelassen haben. Let's aus Torheit, teils aus Bösmilligtert wird Schlechtes und Berächtliches, das bei Juben wie bei Nichtjuden zu finden ist, nur bei Juden beachtet und dann in unberechtigter Berallgemeinerung dem ganzen Judentum zur Laft gelegt. Mit ein. dringlichen Worten wandte der Redner sich gegen die Gewissenlofigfeit, auch die Jugend zu verheßen und den Antisemitismus ich nicht scheuen. Der Antisemitismus ki, fchloß Henning, nicht eine in die Schule hineinzutragen, was zu tun selbst chrer 26ngelegenheit, die nur die Juden angeht, sondern eine Angelegen heit des ganzen deutschen Bolles, das durch die Judenheze vergiftet und auch vor der gesamten Welt bloßgestellt und beschimpft wird. ( Stürmischer Beifall.) Als zweiter Referent sprach Bundesmitglied Arneld Stein. Er zeigte die teils wirtschaftlichen, teils poiiiifchen Motive des Antisemitismus, dem der Großgrundbesig und die Schwerindustrie die reichlichen Mittet liefere. Unter lebhafter Zustimmung erflärte er: Bir Juden haben es fatt, uns befudein zu lassen. Wir dulden nicht länger, daß man uns jüdische Frontsoldaten in den Rot zieht. Wir werden gegen die Heger unsere Fäuste genau so gebrauchen, wie wir es im Kriege getan haben. Mit stärkstem Belfoll unterstrich die Versammlung die Schlußnorte des Redners, in denen er die Treue der deut en Juden zum deutschen Vaterlande betonte. Der nicht jüdische Studienrat Hans Henning- Berlin, der in in der Distuffion tam naturgemäß die Stellungnahme der Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist politisch neutral, aber politischen Parteien zum Ausdrud, Unser Genosse rille, der bier an erster Stelle fprady, erinnerte daran, daß die Sozial bemotratie fich stets gegen den Antisemitismus gewandt hat. Er wies auf die tieferen fozialen Uriagen des Antisemitismus hin, auf die Folgen des Krieges, ben wirtschaftlichen Zufammenbruch, der weite Kreise der in Not geratenen Bevöiferung enipfänglicher für die Hegereien der antisemitischen Agitation macht. Krille schloß unter lebhaftem Beifall mit der Erklärung, daß die Sozialdemokratie nach wie vor sich mit ganzer Kraft für den Schutz ter Gleichberechtigung aller Staatsbürger einsetzen wird. In der weiteren Disfuffion sprachen gegen den Antisemitismus unter anderem der zur KAPD. gehörende Ficht mann und der demofratische Abgeordnete uschte. Ein Redner, der sich als„ vangelicher Christ" vorstellte, war wohl durch persönliches Unglüd aus dem seelischen Gleichgewicht gekommen. Das wollte er nun dem Judentum entgelten laffen. Unsere Wählerversammlungen. In zehn großen und sehr gut besuchten Berfammlungen haben gestern Redner der vereinigten fozialdemokratischen Partei über die Bedeutung des 4. Mai für die Arbeiterschaft und das Schickjal der Republit überhaupt gesprochen. Im Norden sprach in der Schulaula, Plantagenstraße, Genosse Bartels. Der Redner befeuchtete die wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft und fam dann auf die Stellungnahme der Parteien zu sprechen. Weber die Rechts. noch Linksegiremen fönnen mit ihren Radikalmitteln mehr tun als fühne Reder schwingen. In der Diskussion sprochen zwei Mitglieder der USPD., welche sich im Großen und Ganzen mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärten. Sie glauben aber nicht an die Laten der BSBD, und darum fei die USPD. eine Notwenditeit. Im Schlußwort wies der Referent auf die Spielerei hin, die vie Genossen von der USPD. treiben. Was werden diefe Gruppen weiter erreichen als die Zusammen faffung einiger zehntausend Stimmen, die der Arbeiterklasse nur verloren gehen. Eine gut besuchte Wäherversammlung in ben 3e In Sophienfaien hörte ein Referat des Genoffen Dr. 3 elin. I feinen Ausführungen zeichnete er an Hand eines reichen Taifachen. materials ein Bild der Politit unserer Partei während der ver floffenen Reichstagsfeffion. Sollte es am 4. Mai nicht gelingen, eine eheliche republikanische Mehrheit in den Reichstag zu wählen, wird das deutsche Bolt die jeßt auseinanderstrebende Entente wieber gefchoffen gegen fich fehen. In einer gut besuchten öffentlichen zudorf. Gr betonte die Notwendigkeit, am 4. Mai die Stimmen für Wählerversammlung in Neutölin fprach Gencse Dr. Mieren. Die Soziademotretie abzugeben, da diese bie einzige Partei fei, welche die Interessen des Proletariats vertritt. Während der Ausführungen bes Redners machten die anwesenden Kommunisten wiederholt Ein japanisches Tausch angebot. Moskau, 23. April.( Eigener Drahtbericht.) Wie wir erfahren, hat Japan Rußland verständigt, daß es bereit sei, Sachalin räumen, unter der Bedingung, daß die russische Konzession an die Petroleumgesellschaft Sinclair rüd gängig gemacht wird, und daß bie oftchinesische Bahn an Japan übergeht. Jahren neu geschaffenen deutschen D- Bug- Wagen haben ausschließlich elettrifche Beleuchtung. Die Gotthardtbahn ist seit dem Kriege, da die Schweiz teine Kohle befam, elettrifiert, dort fonnte man letcht die elektrische Zugbeleuchtung einführen, während bei dem deutschen wären. Die Schweizer Bahnen führen hinter der Lokomotive einen Dampfbetrieb erhebliche Aufwendungen dazu erforderlich gewesen Heizkeffelwagen mit, um den Zug zu erwärmen, während bei uns elettrische Zugheizung besteht. Möglicherweise ist das Unglüd aud durch diese Mitführung von heizteffelwagen vergrößert worden. Die Darstellung eines Augenzeugen. Hans Forthmann, der feinen verlegten Bater, die Mutter und Schwefter aus dem zweiten Wagen bes Mailänder Zuges rettete, erzählt über den Hergang des Unglüdsfalles: Wir befanden uns im vorderen Abteil des zweiten italienischen Wagens bes Mailänder Zuges und wurden durch den heftigen Zusammenstoß gewedt. Nur mit gewaltigen Anstrengungen fonnte ich mich von meiner Einflemmung freimachen und mit der Fauft die Fensterscheiben einschlagen, um ins Freie zu gelangen. Auf diese Weise konnte ich meine Mutter, meinen Bater und meine Schwefter retten, trotzdem die beiden letzteren verlegt waren. Im Rebenabteif fonnte sich auch mein Vetter Wilhelm Forthmann aus Köln retten. Nur mit Mühe und Not fonnte ich die Berlegten vom Wagen wegtragen, der zu brennen begann. Trotz der großen Banik und Bestürzung half der Schaffner Cantarina mutig etwa zehn anderen Reifenden aus dem gefährdeten Wagen. Andere Ueberlebende aus dem zweiten Wagen erzählen, sie hätten vam ersten Wagen sofort die Flam. men lighterloh ausbrechen fehen und Hilferufe und Stöhnen aus dem brennenden Wagen gehört, in denen Menschenförper wie in einem Krematorium verbrannien. Im Nu halten die Flammen alles Brennbare verschlungen. Die Hauptschuld an dem Bufammenstoß trifft den getöteten Zugführer Cavigioli, der das Haltefignat des Rangierbahnhofes trop der Warnung seines Hilfsführers überfahren hatte. Die Nachricht vom Tode Dr. Helfferichs und feiner Mutter, die sich eber falls unter den Berunglückten befanden, finden unsere Lefer an anderer Stelle. unfinnige Zwischenrufe, in der Diskussion meldete fich aber niemand. In einer außerordentlich gut besuchten öffentlichen Bäller Büdemann. Den Versammlungsteilnehmern wurden die Rechts. versammlung in Raulsdorf sprachen die Genoffen Südte und beugungen im Hitler- Brozeß in treffenden Worten vor Augen geführt. Bon den gegnerischen Parteien wurden die lügenhaften Phrasen der Deutschooltischen und der Kommunisten unter allge meiner Zuftimmung ber Anwesenden gebührend gebrandmarkt, und ols Genoffe Lüdemann den Kommunisten zurief: The tönnt uns Rußland nicht als Musterbeispiel vor Augen führen", bekannten die Kommunisten frei und flenmütig Das wollen wir auch nicht. Als Genosse Lubemann auf seine weitere Frage: Bollt ihr 120 Sige oder noch mehr im neuen Reichstag haben", erhielt er von den Kommunisten die Antwort:„ Wir sind mit meniger zufrieden", so daß er unter Beifall der Unwesenden die Hoffnung aussprechen fonnte, daß die VSPD. auch nach dem 4. Mai noch die Kommunisten auf die Arme nehmen tönne. In der Bockbrauerei sprach Genoffe Breuer vor den Wählern der 47. Abteilung Genoffe Leid, in der Schulaula in der Pestalozziftraße in Charlottenburg Genosse Faldenberg. Lihtenberg Friedrichs felde Genosse Reimann. im Friedrichshain Genosse Joachim und am Wedding Genoffe Dr. Freund. Auch diese Redner hatten die gespannteste Aufmerksamkeit der Versammlungsteilnehmer für sich, und mit Hochrufen auf die BEPD. wurden die Bersammlungen geschlossen, in Das Ende des Brandes in Moabit. Die Berliner Feuerwehr hat an der Brandstelle in Moobit, Feuer in der Nacht aus Mangel an Nahrung erloschen ist. Diefer Gozłowstnstraße 20, mit der Aufräumung begonnen, nachbein das Brand beansprucht in der Berliner Brandchronif einen besonderen Blag wegen des Brandobjetts und der eigenartigen Umstände. Bo der Brand ausgefommen ist oder wie er entstanden ist, weiß man noch nicht. Bemerkenswert ist ferner, daß froß der großen Ausdehnung der Brandstelle in verhältnismäßig furzer Zeit die Feuer wehr, die 12 Schlauchleitungen benutzte, das Feuer in der Gewalt hatte und eine weitere Ausdehnung verhüten tonnte. Die bren nenden bzw. glühenden Magnesiumporräte brannten unter grünlichem Licht. Für die vielen Zuschauer in den Straßen und auf der Goytomskybrüde mar der Brand ein Schau spiel, wie bei einem Feuerwer? oder in einem Rino. Die Feuerwehr beschränkte sich nachts darauf, die einzelnen an mehreren Stellen glühende Kisten von etwa 1 Rubikmeter Inhalt zu beobachten in alle brennenden Holzteile, Baviervorräte usw. auf den Hof zu werfen, der vollständig mit solchem Brandschutt bedeckt war. Anerkennung verdienen die Mannschaften für ihre Tätigkeit bei der enormen Hize und den erstidenden Dämpfen, wodurch verhindert wurde, daß die Stichlammen auf das Quergebäude und die Wohnungen im Border haufe übergriffen. Die Böhm- Werte A.-G. find mit der Gesellschaft ,, Adrema" ganz erheblich geschädigt worden. Schwarzweißrote Frechheit. Am 18. April( Karfreitag) wurde in Rarom die Tochter eines Kleinbauern beerdigt. Der dortige Bismard Bund hatte sich zu der Trauerfeier vor dem Hause seines Ehrenvorsigenden, zwei Kilometer vom Kirchhof entfernt, versammelt und marschierte mit aufgerolltem fchwarzweißroten Banner in Stärke von 16 bis 20 Mann geschlossen durch den Ort. In der= selben Weise wurde der Rückmarsch angetreten. Rarow, das bes fanntlich zu Groß- Berlin gehört, hat auch eine nicht unerhebliche Anzahl sozialdemokratischer urb republikanischer Einwohner, die mit Erstaunen wieder einmal von der Frechheit der Faschisten und von der Abwesenheit der Schußpolizei Kenntnis nehmen tonnte. Ganz und gar unmöglich wären aber derartige freche Provokationen, menn sich an jedem Ort, in dem Republikaner, Sozialisten und Demo fraten wohnen, aus diesen eine Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarzrotgold, Bumb republikanischer Kriegsteilnehmer, bilben würde, von dem es in Brandenburg schon über 400 Ortsgruppen gibt. 7% Uhr, findet im Jungwähler heraus! Am Freitag, den 25. April, abends Straße 147, eine öffentliche Jungwählerversammlung Reichenberger of", Reichenberger mit dem Thema„ Die Jugend und die Reichstagswahl" statt. Rebner ist ber Genoffe Mag Westphal. Das Erscheinen aller Jungwähler ift dringend erforderlich! interfonzert im Gr. Gaal der Neuen Welt. Mitwirkende: Berftärites Blüthnerorchefter, Dirigent Leo Blech. Solift: Professor Anforge. Karten bei Bertheim, Bote& Bod und ben bekannten Berlaufsstellen. Un der Abendkaffe erhöhte Breife. Aunffgemeinde Neutoun. Freitag, 25. Plpril, abends 8 Uhr, legtes Groß- Berliner Parteinachrichten. 17. Streis. Lichtenberg. Die Abteilungen werben erfuch, bie entnommenen Theater tarten, fowie bie Karten zur Broletarischen Feteritunde beftimmt am Sonn abend, ben 26 April, abbs. 6 Uhr ab. in ber Bibliothel, Beichfelstraße 28, abSurechnen. 28. bt. Freitag, abbs. 7 Uhr, bei Büttner, Schwebter Str. 28. Gigung der Be zirfsführer und politischen Bertrauensleute 29. t. 7 Uhr wichtige Funktionärkigung mit den Bertranensleuten, bei Burg, Brenzlauer Allee 189. 02. Abt. Nuföln. Flugblätter und Blafate finb sofort beim Abteilungsleiter Schindler, Railer- Friedrich- Str. 65. 4Sr., in Empfang zu nehmen. Die Riebetommiffion tritt Gommahenb, 8 Uhr, bei Bolf, Kaiser- Friedrich- Str 17, qu einer wichtigen Besprechung zusammen. Sonntag, ben 27, borm. 8, Uhr. große Flugblattverbreitung. Steffpuntt bet Wolf, Raijer- Friedrich- Str. 178 Gewerkschaftsbewegung Die KPD. gegen den Achtstundentag. Bor einigen Tagen veröffentlichte die Rote Fahne" einen paitenlangen Artikel gegen die Absicht des ADGB., über den Acht stundentag eine Boltsabstimmung herbeizuführen. Wir hiel ten es nicht der Mühe wert, auf das blödsinnige Geschrei dieses Blattes, bem ja fein ernster Mensch mehr irgendwelche Bedeutung beimißt, zu erwidern. Nun hält es das„ Bolbureau der Zentrale der KPD." für notwendig, unter der fetten Ueberschrift:„ Gegen die neueste Schwindelaktion des ADGB. eine fettgebrudte Erflärung loszulassen. heutige Steuergeleggebung in ihrer Ingenauigkeit unb ftets medfeinden Anwendung und Auslegung den Kalkulierenden zwingt, für alle Bandlungen auf diesem Gebiete, sollen nicht Beriufte ihn ireffen, eine andere Rififoprämie einzurechnen? Und weiter: muß der exportierende Kaufmann zumal dann, wenn er nicht sofort, sondern erst nach längerer Frist zu liefern in der Lage ist, nicht eine weitere Risikoprämie in seine Berech nung aufnehmen im Hinblick auf die stets schwankende, jeden Tag wechselnde Wirtschaftspolitik des Reiches, die vielleicht momentan Entlastungen schafft, aber am nächsten Tag sich selber widersprechend schon wieder neue Belastungen bringt? a Die Sicherheit wird aber noch weiter beeinträchtigt, bei den fteten, die Berechnung jeder festen Unterlage beraubenden Ar beitstämpfen, die erheblichste Förderung auch wieder in den fie bireft provozierenden Maßnahmen der Regierung erfahren. Wie foll mit bestimmten Löhnen, wie soll mit bestimmten Zuschlägen faltuliert werden, wenn ein Federstrich auf dem Gebiete der Arbeitszeit und Tarifgefeggebung über Nacht alle Berechnungen umwerfen fann?" Bekanntlich fand fürzlich in der Schweiz eine Boltsabstimmung ftatt über einen Barlamentsbeschluß, der den Achtstundentag beseitigt hatte. Das Ergebnis der Volksabstimmung war die Verwerfung des Parlamentsbeschluffes mit einer großen Mehrheit. Es besteht für uns fein Zweifel, daß auch in Deutschland eine Voltsabstimmung ein gleiches Resultat, ergeben würde, vorausgesetzt, es geht ihm eine Dr. Guggenheimer vergißt unter all den Faktoren, die er anführt, intensive Aufklärungsarbeit voraus. In welcher Form fönnte am einen, und zwar den wesentlichen: die Ueberteuerung durch das einfachsten und Marsten die Bolksabstimmung sich über den Acht Rartellun wesen, besonders in der Schwerindustrie. Aber wenn stundentag äußern? Da ein Parlamentsbeschluß nicht vorliegt, sonman weiß, daß die Fabrik, deren Generaldirektor Dr. Guggenheimer dern nur eine Verordnung über die Arbeitszeit, die aber auch nur für die Brivatindustrie Geitung hat, eine Verordnung, die grund- ift, dem Stinnes- Konzern angehört, dann wird man nicht überjäglich wohl den Achtstundentag aufrecht erhält, tatsächlich ihn aber so gut wie ganz beseitigt, da außerdem bei Ablehnung der Arbeitszeitverordnung noch nicht ein Geseß geschaffen wäre, das den Achtstundentag einführt, so ergibt sich mit zwingender Logit, daß eine Abstimmung barüber ihren Zwed vollständig verfehlen würde. Es ist deshalb in Aussicht genommen, der Boltsabstimmung die Rati fizierung des Abkommens von Washington zu unterbreiten. Dieses blommen hat den Vorteil, ein internationales Gesetz zu Achtung, Eisenbahner! Am Freitag, den 25. April 1924, abends 7 Uhr, im „ Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Straße 53 Große öffentliche jein, das von einer Reihe von Staaten ratifiziert, ift, und beffen Eisenbahnerversammlung Ratifizierung durch ganz zweifellos Ratifizierung durch diejenigen Staaten, die es bisher nicht getan haben, zur Folge Der Streit der Bauanschläger. Die Bauanschläger befinden sich seit 14 Tagen im Streif. Sie hatten an den Schußverband der Schlossereien den Antrag auf Er höhung ihrer Stundenlöhne um 15 Proz. gestellt. Aber die Arbeitgeber, wie auch der angerufene Schlichtungsausschuß, lehn ten die Forderung ab, letzterer mit der Begründung, daß ein Stun denlohn von 80 Pf. den bestehenden Verhältnissen durchaus entspräche. Inzwischen haben 17 Firmen, die zum größten Teil dem Schutz verband angehören, die Forderung der Streifenden bewilligt, obwohl der ursprüngliche Antrag, den verteuerten Lebensverhältnissen entsprechend, auf 1 M. Stundenlohn und Erhöhung der Affordsäge um 25 Broz. erweitert worden war. Dadurch haben die Arbeitgeber selbst den Beweis erbracht, daß das Gewerbe durchaus imftande ist, die geforderten Löhne zu zahlen, und daß lediglich die Scharfmacherei des Schutzverbandes schuld daran ist, wenn im Gewerbe feine Ruhe zu halten ist. Als legtes Mittel follte nun die Aussperrung fämtlicher Anschläger durchgeführt werden, doch ist es auch damit beim Verfuch geblieben. Die Firmen, die bewilligt haben, leisteten dieser freundlichen Aufforderung keine Folge und bei den anderen Arbeitgebern standen die Arbeiter vollzählig im Streit. Zur Unterstügung der Streifenden haben sich die arbeitenden Anfaläger bereit erflärt, ein Biertel ihres Wochenverdienstes an die Streiftasse abzuführen. Eine gestern abgehaltene Streifver fammlung billigte die Maßnahmen der Streifleitung und gelobte, bis zur erfolgreichen Bendigung des Kampfes zusammenzuhalten. Die Bauanschläger erfuchen die gesamten Bauarbeiter, fie in diesem Kampfe zu unterstügen und alle auf Bauten arbeitende Anschläger nach der Arbeitsberechtigungsbarte zu fragen. Alle zur Arbeit berechtigte Anschläger müssen im Besitz einer solchen Karte fein. Leichenfledderer. Auf unsere Entlarvung über den kommunistischen Gewerkschafts führer Baumann glaubte die„ Rote Fahne" damit erwidern zu behauptete, unter den Amsterdamern" seien? Beweise Eisenbahnerversammlung. Bum Bemeffe erzählt fie die Geſchichte eines gewiffen Tagesordnung: Referent: Bezirksverordneter Cempert. haben würde. Damit wären den international geführten Angriffen 1. Die Bedeutung des neuen Reichstags für die Eisenbahner der Unternehmer, den Achtſtundentag in dem einen Lande zu befeitigen, um mit dem Argument der Konkurrenz ihn dann in einem anderen Lande abzumürgen, ein für allemal Tür und Tor ge- 2. Freie Aussprache. Eisenbahner, forgt für Maffenbesuch! fchloffen. Es ist deshalb zu erwarten, daß die Unternehmer durch ihre Breffe, durch die bürgerlichen Parteien alle Hebel in Bewegung fehen werden, um die Bolksabstimmung zu hintertreiben bzw. die Ablehnung des Abkommens von Washington herbeizuführen. Der Werbeausschuß der BSPD.- Eisenbahner. Daß aber die KPD., die für sich immer noch in Anspruch nimmt, rascht sein, daß er gerade dieses Moment mit Stillschweigen über eine Arbeiterpartei zu sein, den Unternehmern von vornherein zu geht. Immerhin ist es interessant, daß selbst Buggenheimer zugibt, Hilfe tommt und gegen das Abkommen von Washington und seine Ratifizierung durch eire Boltsabstimmung Stellung nimmt, zeigt baß die Löhne der deutschen Arbeiter hinter denen ihrer aus deutlich genug, daß sie in Wirklichkeit aufgehört hat, eine Arbeiterländischen Kollegen zurüd bleiben. Damit gesteht er ein, daß zurückbleiben. partei zu fein. Die KPD. erklärt also offiziell:„ Die Kommunistische Partei wird diesem Manöver( gemeint ist die Boltsabstimmung über das Abkommen von Washington) mit aller Macht entgegen treten." Wenn dieser Erklärung hinzugefügt wird, daß nur durch Führung von Kämpfen der Achtstundentag gesichert werden könne, dann sei daran erinnert, daß die kommunistisch orientierte Arbeiterschaft in den Leuna Werken und in Bitterfeld es nicht nur ablehnte, sich mit den Streifenden von Ludwigshafen folidarisch zu erklären, sondern fogar neun und zehn Stunden arbeitet. So sehen die kommunistischen Kämpfer für den Achtstundentag aus! Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit. Unter diefem Titel veröffentlicht die Deutsche BergwertsBeitung vom 20. April einen Artikel des befannten Generaldirektors der Maschinenfabrit Augsburg- Nürnberg, Dr. Guggenheimer. Der Berfasser untersucht, wie weit die deutsche Industrie im Aus: fande gegenwärtig wettbewerbsfähig ist und was ihre Wettbewerbs fähigkeit beeinträchtigt. Er schreibt u a.: Auf das Zurüdstehen der deutschen Real. Löhne gegentiber jenen fremder Produffionsgebiete wird immer bingewiesen, wenn bezweifelt wird, daß die deutsche Ware wirklich den Wettbewerb nicht aushält. Hierbei aber wird verkannt, daß die in Wegfall gekommenen Hindernisse nur einen einen Teil der bestehenden darstellten, und daß die noch vorhandenen weitaus den etra noch rintenden Vorteil geringerer deutscher Löhne aufwiegen. Es wird vergeffen, baß auch heute noch die Frachten wesentlich höher fich gestalten als die des Auslandes und namentlich nicht annähernd jene Rücksichten auf der Export nehmen, wie dies in Ronfirrengländern der Fall ist. Es wird nicht daran gedacht, daß wir uns einer umfassteuer in einer schwer belastenden Höhe zu erfreuen haben und daß selbst die notwendigen Zahlungen in fremder Baluta ciner die Zahlung selbst noch belastenden ganz ungerechtfertigten Devifenumfahstener unterliegen. Hierzu treten die unproduttiven Laften, die eine fünfjährige staatliche und tarifliche Mißwirtschaft geschaffen haben und nicht mit einem Echage zu beseitigen waren. Hierzu rechnet all das, was eine unselige Demobilmachungsver= ordnung an Bermehrung der unpreduttiven Kräfte gebracht hat und bis heute nur zu einem geringen Prozentfage beseitigt wer den konnte. Hierzu rechnet auch die schwere Belastung der Bro Euktion durch nicht genügende Ausnugung der Betriebsanlagen und Einrichtungen infolge eines allgemein als undurchführbar erkunnten, aber gleichwohl durch Regierungsmaß nahmen noch protegierten chistundenarbeitstages; und hierher redynet weiter die durá sogenannte Sozialtarife gefccffene und noch aufrecht erhaltene geringe Spanne zwischen den Löhnen von gelernten und ungelernten Arbeitern. Dies nur die wesentlichsten Gründe für die Erschwerung der deutschen Selbsttoftenberechnung. Bie wenig fann demgegenüber die Mahnung des Reichswirtschaftsministers verfangen, felbft genau auf den Pfennig zu falfulieren? Wie soll dies möglich sein, wenn amar die infolge des Währungsverfalls früher in die Raffulation aufzunehmende Rififoprömie in Wegfall gekommen ist, aber die Das Beste das Billigste! Herrenanzüge 48,- 38,- 32,-19, Knabenanzüge 19,- 16,- 12,- 9, Hosen 18, 15, 12, 9.- 3, Riesenauswahl! Alle Waren spottbillig! Fahrtvergütung. Vormittags jeder Kunde ein Geschenk G. Prager, Brunnenstraße 81, Frage: 3 Min. v. Bhf. Gesundbr. Wo kaufe ich billig Schokoladen? Antwort Nur bei bonis Elsen& Diamani Kaiserstraße 4. Abteilung II: Zigaretten- Engros- Vertrieb Andreasstr. 13( Schles. Bahnh.) v 120 Goldmarkan Ständiges Lager von über 150 Standuhren in allen Holz- und Stilarten Schriftl. Garantie Büro- u.Ladenuhren Wand- u.Küchenuhr. Stopp- u. Autouhren Glash. Lange- Uhren 14 Karat Gold- Armband- Uhren sowie Herren- Uhren Gold. 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Interessant ist, was Guggenheimer über die neue Risikoprämie schreibt. Danach falfulieren die Unternehmer eine Risiko. prämie für die Steuern, die sie eventuell zahlen müßten, aber bis icht noch nicht gezahlt haben. Bei derartigen Kalkulationsmethoden darf man sich freilich nicht wundern, wenn die deutsche Industrie ihre Preise überteuert. Schleierhaft ist uns die weitere Risito prämie", die ber exportierende Raufmann, nach Guggenheimer, im Hinblick auf die stets schwankende Wirtschaftspolitik des Reiches im Hinblick auf die stets schwankende Wirtschaftspolitik des Reiches in die Kalkulation einstellen muß. Die Klagen über die Arbeitstämpfe nehmen sich im Munde eines Metallindustriellen sehr eigentümlich aus. Seit 8 Wochen find die deutschen Werftarbeiter ausgefperrt, meil fie fich weigern, ohne wirtschaftliche Notwendigkeit leberarbeit zu leisten. Jetzt drohen die Metallindustriellen eine Aussperrung der gesamten metallarbeiter Deutschlands vorzunehmen, wenn die Werftarbeiter fich nicht dem Diftat der Unternehmer unterwerfen. Dann aber stellt sich Dr. Guggenheimer hin und flagt über Arbeitsfämpfe, die, wie er sagt, durch die direkt provozierenden Maßnahmen der Regierung gefördert werden. Nun ist die Regierung in den Arbeitsfonflikten den Unternehmern immer zu Hilfe gekommen. Sie hat ganz unnötige Schiedssprüche, die den einfeitigen Unternehmerwünschen gerecht werben, für rechisperbindlich erklärt und damit den Gewerkschaften die Hände gebunden. Dr. Guggenheimer fagt nichts von einer dritten Risito Und das ist die Subventionierung der prämie. deutschvölkischen Banden durch die Industrie, insbesondere durch den Teil der Industrie, dem Dr. Guggenheimer nahesteht. Er fagt auch nichts von dem Wucher, den die Banten heute noch immer treiben. Aber wenn man auch nur nimmt, was der General direktor der Maschinenfabrit Augsburg- Nürnberg selbst zugibt, so steht fest, daß weder die Löhne noch die Arbeitszeit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie beeinträchtigen, daß es somit allein die Wirtschaftspolitik und die Kalkulationsmethoden ber Unternehmer find, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands aufs schwerste gefährden. Wilhelm Klein", vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer, entwendet, den Gelbfcrant geöffnet hätte usw. Dazu ist zu erwidern, ber im Verbandshause in Berlin eingetrechen, acht Schreibmaschinen daß diefer gewisse Klein vor zwei Jahren im Irrenhaus ge. storben ist und fich bereits in der Jrrenanstalt befand, als im Ber. bandshuse der Maschiniften und Heizer eingebrochen wurde. Diese geradezu hahnebüchene Geschichte stand schon vor einem Monat im fommunistischen Blatt von Mannheim und wurde vom Hauptpor. stand des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer fofort be Leichenfledderei an dem vor zwei Jahren verstorbenen Ehrenmann richtigt. Was die Rote Fahne" natürlich nicht hindert, nochmals Wilhelm Klein zu verüben. Der Kampf der Brauereiarbeiter in Rheinland- Westfalen. Durch die Maßnahmen der Unternehmer hat der Kampf an Schärfe zugenommen. Am 16. April traten die Brauereiarbeiter im Gebiet des Rheinisch- Westfälischen Brauereiverbands in den Streit, weil die Unternehmer jedes Lohnangebot ablehnten. Die vom Schlichter einberufene Schlichtungstommer fällte am 17. April einen Schieds spruch. Die Brauereiarbeiter nahmen den Echiedsspruch an, die Unternehmer lehnten ihn ab, entgegen ihrer Erklärung. Die Lohnkommission der Brauereiarbeiter hat dann den Antrag auf Verbindlichertlärung gestellt und in den nach barung zwischen den Parteien erzielt mit der Bestimmung:„ Ar folgenden Verhandlungen am 19. April wurde eine Verein beitsaufnahme Dienstag, den 22. April 1924". Das heißt: Arbeitse aufnahme allgemein, ohne Maßregelung, ohne Auslefe. Entgegen der zweifelsfreien Bereinbarung begannen die Brauereien mit der Zurüdweisung mißliebiger" Arbeiter. Wo die Unternehmer rethis. widrig Maßregelungen vornehmen wollen, nahmen die Ar beiter die Arbeit nicht auf. Das gab der Unternehmerorganisation Beranlaffung zur Anweisung, auch in den Betrieben die Arbeiter wieder auszusperren, wo Maßregelungen nicht versucht und die Arbeit wieder aufgenommen war.. Sn hat jetzt der Kampf an Schärfe zugenommen, verursacht durch die Willkür und den Kriegswillen der Unternehmer. Er wird fo lange geführt werden, bis bei den Unternehmern das Maß von Bernunft wiederkehrt, um zu erkennen, daß die von ihnen geplanten Maßnahmen nicht mehr zeitgemäß und nicht profitabel find. Landarbeiterstreit in Offpreußen. Infolge Tarifftreitigkeiten find auf etwa 45 Gütern in den Kreisen Königsberg- Band und Fisch haufen die Bandarbeiter ausständig geworden. Da die Notstands arbeiten nicht genügend verrichtet werden, wird am Donnerstag die Technische Nothilfe eingesetzt werden. Butab. Morgen, Freitag, allgemeine Butab- Mitgliedervefammlung im Apollo- Saal" des Deutschen Sofes", Ludauer Str. 15. 1. Vortrag von Erich 2. Wahl der Bertreter zum Gautag Brandenburg. Erscheinen aller Haendeler: Die Angestellten und bie Reichstagswahlen." Mitglieder dringendst notwendig! Einlaß nur gegen Borzeigung des Mitglieds buches. Beiträge können in der Bersammlung entrichtet werden. Aus der Partei. An die Bezirksorganisationen. Die Bertrauensleute für die Kreiswahlvor. fhläge werden darauf aufmerksam gemacht, daß bis späte. ffens am fommenden Sonnabend bei den Kreiswahlleitern eine Erklärung eingereicht werden muß, daß der Kreiswahl vorschlag verbunden ist mit dem Reichswahlvorschlag der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei, beginnend mit den Namen Hermann Müller, Wels, Crispien, Hilferding, da sonst die Reststimmen des Wahlkreises beim Zuteilungsverfahren für das Reich ausscheiden würden. Gewerkschaftsbewegung: 3. Steinez; Feuilleton: Dr. John Schiforsti; Lotales Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Verlagsanftalt Baul Singer u. Co... Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Wäschepracht Möbell Metallbetten Die gute reine Kernseife 66% Fettgehalt. Bettwäsche Nur aus besten Rohstoffen! 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