Abendausgabe Sr. 20141. Jahrgang 5 Goldpfennig 50 Milliarden Dienstag = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 101 Find in der Morgenausgabe angegeben Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Ubreffe: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 29. April 1924 Berlag and ung eigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Cindenstraße 3 Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Fernsprecher: Dönhoff 2508-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Fort mit der Hakenkreuzjustiz! Festungsprämie für Ludendorffs Plünderer und Räuber. Das sogenannte Münchener Boltsgericht hat die hitlerisch Ludendorfischen Banditen noch milder behandelt, als felbft der Staatsanwalt sie behandelt wissen wollte. Es hat jene Burschen, die mit bewaffneter Gewalt in die Wohnung unseres Genossen Auer einbrachen, dort wie Vandalen hausten, die Gattin Auers mißhandelten, die Einrichtung zerstörten, die ferner die Münchener Post" heimsuchten und dort Maschinen, Segerfästen und Geldschränke zertrümmerten, zu Festung verurteilt und dabei ihre heiße Vaterlandsliebe" besonders zu betonen für zweckmäßig gefunden. Daß der Oberbürgermeister von München und eine Reihe von Stadträten, nur weil sie Sozialisten waren, von diesen Banden gewaltsam an der Ausübung ihres Amtes verhindert, förperlich mißhandelt und bann verschleppt wurden, ist für das Boltsgericht ein Ausfluß so heißer Bateríandsliebe", daß dafür nur einige Monate ehrenvoller Festungshaft als angemessen angesehen werden und die Bewährungsfrist diese Strafe" praktisch aufhebt! Der vollkommene 3erfall deutscher Justiz tommt in diesem Urteil aufs neue zum Ausdrud, ein 3erfall, ber auch gut bürgerlichen Deutschen die Röte der Scham ins Gesicht steigen läßt. Wir sehen heute davon ab, daß das urteilende fogenannte Boltsgericht an sich rechts und ver faffungswidrig ist, daß es sogar im Gegensatz zu den feier lichen Bereinbarungen der bürgerlichen Reichsregierung mit der bayerischen Landesregierung über den 1. April weg aufrecht erhalten worden ist. Aber die ganze Aufmachung des Prozesses vor dem gefezwidrigen Gericht zeugte von jener. offenen Parteilichteit, die in Bayern besonders grok aezogen worden ist. Seit Jahr und Tag konnten sich die Hitlerschen Banden erlauben, was niemand sonst in Deutsch land erlaubt war. Die Schwäche der banerischen Regierungs. treise und ihre wohlwollende, Unterstützung des offenen Auf ruhrs haben die Ludendorff- Banden erst zu dem werden laffen, was fie in ganz Deutschland heute bedeuten: zu einer Gefahr nicht nur für den Frieden des einzelnen, sondern auch zu einer Gefahr für die deutsche Rechtseinheit! Man erinnere sich, daß schon im Januar 1923 über Bayern der Ausnahme zustand verhängt werden mußte, weil die bayerische Regierung mit den bewaffneten Hitler garden in Konflikt geriet. Schon damals ließ das Ministe rium zur Begründung für die Berhängung des Aus nahmezustandes öffentlich verkünden: Den Führern der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei wurde eröffnet, daß unter diesen Umständen anläßlich ihres Parteitages Beranstaltungen und Festlichkeiten unter freiem Himmel nicht zugelassen werden. Sie lehnten die Beachtung dieser Anordnungen ab und drohten, daß der staatlichen Gewalt Gewalt entgegengesetzt werde. Damit hat die„ Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei" den gefehmäßigen Boden verlassen und der verfassungsmäßigen Regierung den Kampf angesagt." Der damals neugebadene Generalstaatstommiffar teilte zudem der Bresse mit, daß Hitler selbst den Bolizeipräfibenten, der ihm von dem Verbot der Versammlung unter freiem Himmel Renntnis gab, mit gewaltfamem Widerstand bedroht habe. Der Polizeipräsident es mar jener Boehner, der später mit Hitler gemeinsam den Aufruhr vom 8. November inszenierteliek nicht etwa den Burschen verhaften, sondern schickte ihn ins Ministerium, damit er eine Berständigung suche. Hitler fandte dann zwei Beauftragte zum Minister, um ihn zur Rede zu stellen" und ihm zu erflären, daß die verbotenen Kundgebungen unter allen Umständen stattfin. ben würden, Feiglinge werden nicht dabei sein". übten sie nur aus, wozu fie feit langem erzogen waren. Das jogen. Bolksgericht aber erklärte das für einen Ausfluß ihrer Baterlandsliebe, bedauert, daß es überhaupt eine Strafe aussprechen muß und schickt sie dann in Bewährungsfrist! Man vergleicht dieses ungeheuerliche Urteil ganz unwill fürlich mit den anderen, die in Bayern gefällt worden sind. Selbst vor diesem Volksgericht wurde ausgesprochen, daß sogar in den schlimmsten Tagen der Rätewirtschaft in München nicht so gehaust worden ist, wie die 3öglinge Ludendorffs gehauft haben. Aber die Politiker, die damals an der Leitung der Räterepublik München beteiligt maren direkt und indirekt, find auf lange Jahre ins Gefängnis gesperrt, das man auf dem Papier als Festung bezeichnet. Ernst Toller, Erich Mühsam und viele andere, denen man idealistische Gesinnung so wenig absprechen fann wie irgendeinem derer, die um Ludendorff wie Planeten um tie Sonne schwirren, werden in ihrer Haft behandelt, als wenn fie Verbrecher am geheiligten Eigentum wären. Den gesichts solcher Urteile, wie sie in München gefällt murden? kann man sich darüber wundern, menn jetzt fogar in der Reichs hauptstadt bandenmäßig auftretende Hitlera gestalten von jedem Republikaner als eine Provo fation empfunden werden? Das Münchener Urteil ist ein Symptom und ein Signal. Ein Symptom für die Durchfegung der bürgerlichen Welt mit nationalistischer Gewaltanbetung. Und ein Signal für alle, die daraus die erwachsende Gefahr für das Volksganze zu er fennen vermögen. Es ruft jeden ehrlichen Mann und jede Frau auf, gegen diese nationalistische Hirnseuche auf den Blan zu treten. Wer in Deutschland verhindern will, daß die Rechtsprechung in den Dienst nationalistischer Räuberromantik gestellt wird, wer am Glauben festhält, daß ein einheitliches Recht und nicht eine parteiische Justiz in Deutschland herrschen muß, wer die Republif vor ihrer Zerstörung durch die Komitatschi Ludendorffs. sowohl wie vor ihrer A u shöhlung durch eine falsche Rechtsprechung verhindern will, Hunderttausende politisch unaufgeklärter Frauen und Männer wissen auch heute noch nicht, wen sie am 4. Mai wählen follen. Sagt es ihnen! Genoffinnen und Genossen! Hunderttausende Stimmen find noch zu gewinnen, wenn Ihr auf dem Posten seid! Sozialisten Fechenbach hält man noch immer im 3ucht hause fest, wo er nach dem Willen der bayerischen Richter elf Jahre zubringen foll, weil er als Berufsjournalist Nach richten im Auslande veröffentlichte. Man vergleicht das neueſte Urteil des weiteren mit all jenen furchtbaren Strafen, die gegen sozialistische und kommunistische Ar= beiter verhängt wurden, weil sie die Republik verteidigten, in deren Namen auch das Volksgericht von München Recht sprach und von der auch die Richter dieses Gerichts Bezahlung empfangen. Das Urteil wirft in seiner brutalen Nacktheit wie eine Prämie auf nationalistische Gewalttaten. Es wirkt aber darüber hinaus geradezu aufreizend auf alle. die der Deutschen Republit eine innere Gesundung und fried liche Entwicklung wünschen. Bir Sozialdemokraten, die gegen die gewalttätigen Methoden der Kommunisten in dauern dem Kampfe stehen, die wir die irregeführten Arbeiter von der Zwecklosigkeit und Schädlichkeit solcher Gewalt methoden zu überzeugen suchen, vermissen auf der anderen Seite eine gleich entschiedene Bekämpfung der nationa fiftischen Gewalttheorien durch die bürgerlichen Rechtsparteien. Dieselben, die über jede kommunistische Aus schreitung ein Riesengeschrei anstimmen, das von Tilsit bis Besel schallt, haben für alle brutalen Bergewaltigungen nur liebevolle Entschuldigungen, wenn sie von den Anbetern Walhalls begangen worden sind. Man sieht das jetzt wieder an dem Fall der kommunistischen Tscheka, an Daraufhin wurde der Ausnahmezustand verhängt. Als dem von ihr geplanten Mordanschlag auf Seeckt und was erste Maßnahme erfolgte das Verbot sozialbemo damit zusammenhängt. Darüber bringen die Rechtsblätter fratischer Rundgebungen und das Verbot des fom- spaltenlange Berichte, während sie von der völkischen munistischen Blattes. Mit den Leuten aber, die der Regie- Feme- Organisation nichts wissen und während es von dem rung offene Gewalt angedroht hatten, wurde weiter ver Fall Grandel Thormann merkwürdig still über den handelt und die verbotenen Rundgebungen zu fünfzig Gewässern geworden ist. Man erfährt nichts mehr, was es Brozent gestattet! Die verbotenen Umzüge der mit diesem nationalistischen Mordanschlag auf Hitler- Banditen fanden trotz allem ftatt und unter freiem Seedt auf sich habe. Aber als die ersten Nachrichten von ihm Himmel selbstverständlich auch die ebenso verbotene Fahnen- in die Deffentlichkeit drangen, da bemühten sich gerade dieweihe. Hitler fonnte dabei die Reichsflagge beschimpfen. ohne jenigen deutsch nationalen Zeitungen, die den Hitlergestört zu werden, und der deutsch nationale Oberst Leuten von je die Stange hielten, um den Nachweis, daß das non Xylander gratulierte öffentlich den Nationalsozia- ganze Attentat auf Seedt irgendeine Spikelarbeit darstelle. ften dazu, daß fie trok aller Furcht und Aengite der„ sogenannten" Regierung" ihre Beranstaltungen getroffen hätten. Bumindest seit jenen Januartagen von 1923 mußte man In Bayern wissen, weisen man sich von den Banden Luden. bcrffs zu versehen hatte. Man hat sie weiter wirtschaften laffen, als wenn sie die Herren im Staate wären, bis fie am 8. November von ihrem vermeintlichen Recht, den Staat umguftoßen, ganz offen Gebrauch machten. Seit langen Monaten waren die Sturmtrupps" auf Gewalttätigkeit bressiert, und als die Banditen das Rathaus stürmten und die Stadträte fortschleppten, als fie die sozialdemokratische Druckerei demolierten und in der Wohnung des sozialdemokra tischen Führers ihren vandalistischen Gelüften fröhnten, da der darf am 4. Mainicht fehlen! Er muß durch die Wahl von Sozialdemokraten dafür sorgen helfen, daß die völkischen Bäume nicht in den Himmel wachsen und daß die Justiz endlich wieder Recht zu sprechen lernt! Deutsches Bürgertum. Feststellung eines Zentrumsmannes. In der„ Germania" veröffentlicht Adam Roeder, der befannte früher fonservative füddeutsche Schriftsteller, den bas Bentrum auf eine sichere Stelle des Reichswahlvorschlages gefeßt hat, eine treffende Charakteristik der reaktionären Strö mungen im deutschen Bürgertum. Er schildert das Wiedererwachen der Reaktion, die 1918 nicht den Mut hatte, offen aufzutreten und sich zu verteidigen. Er kommt zu einem der nichtenden Urteil: „ Die übergroße Mehrheit der heutigen Rechtsstehenden fiehi bloß, daß sie von der Macht entfernt ist und viele Steuern ahlen muß: fie will gerne wieder fagbudein, wenn fi nur wieder zu Macht, zu Einfluß, zur wirtschaftlich- sozialen Präponderanz fommt, wenn fie die Mit Herrschaft der affe, die Betriebsräte und den Achtstundentag los werben und die übermäßigen diretten Steuern Es ist durchaus berechnende Demogogie, wenn das Bürgertum Nationalismus, Monarchie und Antides Gefühlsmäßigen und Instinktmäßigen befizen, der die Natio des politischen bei weitem übersteigt. So begreift es sich auch, daß diese Rechts"-Richtung-es ift bezeichnend, daß man das geschicht liche Ebelwort Konservativ" vermeidet aus allen bürgerlichen Lagern, aus dem katholischen, aus dem liberalen, aus dem deme fratischen, Zulauf findet. Der Bourgeois". er, der im schwersten Rampf gegen die feudalistischen herrschenden Gewalten von 1789 an eine Emanzipation und Gleichberechtigung errungen hat, ist von trupellofer reattionärer Besinnung, wenn sichs darum handelt, dem vierten Stande wirtschaft. lige, foziale und politische Gleichberechtigung 3u gewähren." femitismus vorfdyiebt, weil es weiß, daß diese Dinge einen Beri Roeder kommt zu dem Ergebnis, daß die meisten Erschei nungen der augenblicklichen Reaktionswelle Zeichen des Niederganges sind. Die nationalistische Presse mit ihrer Berdummungstendenz auf der einen und mit ihrer Berhebung auf der anderen Seite bildet den Schleppenträger einer Just i 3, wie sie fich jetzt in München wieder offenbart hat. Jener Teil des Bürgertums, dem wirklich jede Gewaltanwen bung ein Breuel ist, findet nicht die Kraft, sich selbst gegen biefe nationalistischen Banden zur Wehr zu sehen und die publizistische Verherrlichung der Ludendorff- Methoden zu verhindern. Kann er sich dann darüber wundern, daß nicht nur in fommunistischen Arbeiterkreisen jeder Glaube an mirtliche Gerechtigkeit in Deutschland schwindet, und daß felbft nüchtern urteilende und die Zusammenhänge flar über- Man muß wirklich schon ein Leutnant oder farben. blickende Arbeiter non tiefem Groff erfaßt merden antragender Student Dom Satentreuz sein, aber Der verlorene Krieg, den der Hochmut, der Generals, Leutnants, Feldmebel- und Unteroffiziersgeist des preußischen Militärs und seiner Affiliierten. des Nationalismus und Chauvinismus, als Tat fache nicht innerlich verwinden tann, für den der Generalsgeist auch heute noch immer andere Ursachen sieht, als fie es in Wirklichkeit sind, die aber für jeden, der gerecht und unbefangen denkt, auf der Handliegen. mit Adylf j)itlerschen Gedankengängen da« Negativ um des menschlichen Verstandes massiert haben, um glauben zu können, daß der Dolchstoß von hinten den Krieg verlor und die wirt- schaftliche Deroute in Deutschland von einer Handvoll literarisch, politisch cfcer wirtschastlich tötiger Juden veranlaßt sein könne. Es ist der Niedergang des deutschen Charakter», daß ein« so ge- formte Ideenwelt, von Niedergangs- und Zusammenbruchsslementen propagiert, in den Kreisen deutscher Bildung Eingang finden konnte. Wenn in 73 Verbänden des deutschen Rechtsradikalismu« jung«, un- erfahrene Männer, die nicht von des Gedankens Bläffe angekränkelt sind, sich zusammenschließen— und dabei sich wieder nach guter deutscher Gepflogenheit untereinander bekämpfen bis aufs Blut—, den Reo an che krieg predigen, mit Fäusten. Attentaten Wider- stand leisten, eine Erhebung hervorbringen, Juden, Marxisten und Besatzungsfranzosen totschlagen wollen, so kann man dies Exudat einer Mischung von falsch gerichtetem Idealismus und Fanatismus halbwegs verstehen: daß aber' von deutschen voll- jährigen Männern solch« Ideen zur Unterlage praktische? Politik gemacht werden, das ist ein Verbrechen, für das es keine Entschuldigung gibt/' So spiegelt sich das deutsche Bürgertum, wie es leibt und lebt, im Urteil eines anständigen bürgerlichen Politikers wieder. Es ist gut, daß Roeder bei seiner Charakteristik nicht vergessen hat. zu betonen, daß die soziale Reaktion, die sich der nationalistischen Phrase, der Hitlerschen Reklame und der Schlagworte der großindustriellen Presse nur gar zu gern bedient, aus allen bürgerlichen Lagern Zulauf erhält. Wenn auch die reaktionäre Welle in der letzten Zeit fühlbar ab geebbt ist und die Arbeiterschaft wirtschaftlich und politisch neu erstarkt, so kann doch nicht vergessen werden, daß keine einzige bürgerliche Partei einen ernsthaften und zuver- lässigen Damm gegen die soziale Reaktion mit auszurichten geholfen hat. Di« Mittelparteien reden auch jetzt noch ge- legentlich davon, daß die Sozialdemokratie durch ihren Austritt aus der Reichsregierung„bewiesen" habe, daß sie die Verantwortung der Regierung nicht habe dauernd tragen wollen und können. Männer, wie Roeder, werden wissen, daß in Wirklichkeit die Mittelparteien nicht den Mut hatten, sich den allgemeinen reaktionären Strömun» gen entgegenzustellen und daß sie aus Feigheit vor der Per- antwortung wider besseres Wissen auch m ihrer inneren Politik anfingen, die abschüssige Bahn zu betreten, die über Bayern ins völkische Lager hätte führen müssen. Die Arbeiterschaft kann jedenfalls, genau so wie alle an einer ireibeitlichen Entwicklung Interessierten, in den bürgerlichen Mittelparteien keinen zuverlässigen Schutz für ein« freiheit» liche Entwicklung Deutschlands finden. Sie weiß, daß dieser Schutz nur in der festgefügten Organisation der sozialistischen Massen, in der Sozialdemokratie liegt. Ein üeutscknationaler Arbeiter*- Ktmöiönt. Im volksparteilichen Spiegel. Das voltsparteiliche„Nachrichtenblatt für Teltow-Beeskow' bringt eine Charakteristik des famosen Herrn Geieler, der wir nichts hinzuzufügen hoben. Es schreibt über diesen„Arbeiterführer": „Zu Beginn des Jahres 1920 wurde Herr Geisler als G« w« r k- schattss ekretär des Deutschen Arbeiterbundes noch Bremen gerufen, um dort die Organisation des Deutschen Slrbei'erbunde» wieder aufzunehmen. Er wohnle in Brem«« im zweilb eilen Hotel, im Hotel Alberti, und hakte dort ein« der reizend. sten Zimmer des Hotels mue. An Unkosten betrug fein monatlicher Ausenthast mehr als 3500 AI., sich selbst setzte er ein Monats« geholt von 2000 M. aus, ein Bettag, der clwa dem Vierfachen des Gehalks eine» mikilerea Beamten gleichkam. Die Anqelegenh'i' wurd« später unter seinen Kollegen bekannt und der Aerger über dieses Bonzentum war selbstverständlich sehr groß. Interessant ist dabei, daß er die obenerwähnten Auslagen für«inen Monat nicht nur bei feinem Auftraggeber liquidierte und bezahlt erhielt, sondern auch bei der Hauptgeschäftsstelle seines Bun- des. Es gibt Leute, die darüber noch einiges Interessante sagen könnten. Herr Geisler wurde dann Abgeordneter der Deutschen Volts- Partei. Gewiß waren bei seiner Aufstellung lebhafte Beden» ken«ingewandt worden, er siegte ober schließlich, denn die Mehr- zahl der Delegierten überschätzte seinen Einfluß und seine Anhänger- schaft. In der Fraktion der Deutschen Bolkspartei war Herr Gcisler einer der jüngsten Abgeordneten. Es kam schließlich so weit, daß er aus der Fraktion ausscheiden mußte. In einer Fraktionssitzung wurde ihm in einer Entschließung«instimmig bescheinigt, daß er bewußt wahrheltswidrig gehandelt Hab«. Herr Geieler hatte damals als Abgeordneter der Deutschen Bolkspartei in gegnerischen Blättern zu entscheidenden und wichtigen Gesetzen gegen die Deutsch« Volks- Partei Stellung genommen und sich einer höchst überflüssigen Pole- mit gegm die Deutsche Bolkspartei befleißigt. Das gab der Fraktion Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß sein Verhalten mit seinem Mandat als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei nicht vereinbar sei. Herr Deisler hat damals eine Erklärung abgegeben, die m ihrem Hauptinhast folgenden Wortlaut hat: „Ferner verpflichte ich mich, künstig in meinem politischen Lerhalten nach außen unbedingt diejenige Grenze einzuhalten. die die Rücksicht auf die G«famtpolltik und Geschlossenheit der Partei erfordert." Heber dies« seine Erklärung und die dabei gepflogenen VerHand. lungen hatte Herr Geisler in der Press« ein« Darstellung verbreitet, von der, wie bereits gesagt, ein einstimmiger Beschluß der Gesamt- fraktion besagt, daß sie bewußt wahrheitswidrig sei." Es versteht sich, daß dieser ehrenwert« Herr als Vorsitzender der „vaterländischen" Verbände zu den Erneuerern Deutschlands gehört, die uns aus„sittlichem Verfall" befreien wollen! �Staatsbürgerliche Erziehung*. Politische Verhetzung der Schuljugend. Die in Hamburg herausgegebene Zeitschrift„Die Fanfare" ttitt angeblich dafür ein, daß die„deutsche geistige Jugend"„ohne die Gesinnungsbrille" der Partei durch das Leben gebe. Dies suchen die Herausgeber§u erreichen durch eine kaum glaubliche A n- Häufung von Schi mp f w o r t e n.„Ein immer dieselbe Li- tan«, herblökendes Stimmvieh mit stumpfsinnig auf den Leithammel glotzenden Augen pilgert gläubig zur Wahlurne und verrichtet die Wahlhandlung". lieber den R e i ch s t a g wird das fügende Urteil gefallt:„Welch jammervolles, zugleich beschämendes und ticfttaurige» Bild bietet die Volksvertretung, die sich in diesen Tagen Schlimmeres antut, als je der heftigste Feind ihr antun würde. In himmelschreiender Ohn- macht und verzweifelter Ratlosigkeit taumelt man von einer- lüg- neris chen Verlegenheitslösung in die andere.„Seht ihn euch doch an, den Deutschen Reichstag aus dem Jahre der Heil- lostgleit 1923: Perhetzer rechts, Verhetze? links, der Kompromißler in der Mitte!" Das Ungtarrdlichst« kst es aber, daß der Direktor der Ber- liner Dertram-Realschule, Professor Dr. Kuttner, die Schüler auf dieses Lexikon von Schimpfworten aufmerkfam gemacht hat, indem er vor einiger Zeit am schwarzen Brett ein Werbe- plakat aushängte. Die» ist eine große Leichtfertig- k e> t. Denn es ist nicht anzunehmen, daß er die empfohlene Zeit» schrlft selbst gelesen hat. Einem deurscheri Beamten, der doch den Eid auf die Reichsvenalsunq gleistet hat. ist es nicht zuzutraucn, daß er unter seinen Schülern Propaganda für«in Blatt macht, in dem von Spenglers Schrift„Preußentum und Sozialismus" ohne ein Wort der Kritik ein« Inhaltsangabe abgedruckt wird, worin die Nationalversammlung in folgender Weise charakterisiert wird:„Eine Bersammtung ratloser Parteiführer, die bc- houpteten, Vertreter des deutschen„Volkes" zu sein, tagt« zu Weimar und gab dem deutschen Dokk«ine Verfassung."„Es war«in« große Pleite." Wtt erwarten von dem preußischen Kultusminister, daß er die Verbreitung der Zeitschrist in den Schulen verbietet und gegen die Lebrer, die gegen das Verbot verstoßen» disziplinarisch einschreitet. Wir können dies um so eher von ihm annehmen, als er einer der Parteiführer der Deuts an Lokksparlei ist und als solcher ja auch zu den sogenannten„Parteiagenten" gehorr, die noch der Ansicht der Herausgeber„kriecherische, augendienerische und speichelleckerische Schnüffler sind und einen Ablaßhandel treiben(schnöder und unoerhüllter, als es jemals der katholische!), wider den vielleicht einmal cm parlamentarischer Luther aufstehen wird!" Der Oandesrak de» Saargebiete» wählte den kommunistischen Abg. Eitler mit 16 von 28 Stimmen zum zweite» Vizepräsidenten. Die übrigen Stimmzettel waren weiß. Die Wahl war notwendig geworden durch die Ernennung de« bisherigen Präsidenten Koß- mann zum Saarmitglied der RegierungSkommiision. Lausbüberei statt Weltrevolution. Konimunistcnkampf gegen sozialdemokratische Plakate. Aus allen Teilen Berlins kommen enlrüstele klagen unserer Genossen über das Treiben der Kommunisten, die die sozialdemo- kratischen Plakakc herunterreißen und überkleben, llusece Genossen erklären, daß sie sich das nicht gefallen lassen werden und zur gleichen Taklik gegen die Kommunisten übergehcu werden, wenn der Unfug nicht sosorl aufhört. wenn die Kommunisten den Sozialdemokralea die Wahlplakakc herunterreißen und dadurch die Sozialdemokraten zwingen. Gleiches mit Gleichem zu vergellen, so ist das offenbar der„revolukouäre Klassenkampf gegen die Bourgeoisie", wie er den Kommunisten vor- schwebt. Was die Kommunisten kreibeo, ist nicht Wellrevolution, fondern Lausbüberei. Zeder ehrliche Arbeiter wendet sich von solchem Gc- baren mit Ekel und verachtuug ab! Die belgisch-französtsche Einigung. Paris. 29. April.(WTB.) Ueber die gestrige französisch- belgische Konferenz berichtet„Echo de Paris", die Besprechung am Vormittag habe der fr anzösisch-belxischen Politik im Ruhrgebiet im allgemeinen gegolten, während am Nachmittag im Beisein von Sachverständigen einige Spezialfragen zur Erörte- ruvg gekommen seien. Nach dem„Petit Parisien" habe man sich If'chl über die Notwendigkeit geeinigt, die Reparalionskommission handeln zu lassen, die damit beauftragt sei, die zur Ausführung des Sachverstäi-digen- plons notwendigen Mahnahmen vorzubereiten. Man habe sich ferner dahin entschieden, daß die wirtschaftlich« Räumung des Rubrgebiets nicht die Zurückziehung der Truppen in sich schließ«, die— wenn auch herabgesetzt und in wenig sichtbarer Wesse— zurückbleiben müßten bis zu dem Augenblick, in dem Teutschland seine Verpflichtungen erfüllt Hab«. Andererseits aber könne die wirlschafkllche und die administrative Einheit Deutschlands nach dem von den Sachverständigen ausgedrückten Wunsch pro- gressiv wiederhergestellt werden, aber erst nachdem der Dawes-Beriäft in Ausführung begriffen fei. Was die sranzösisch-belgische Eisenbahnregie anbetreffe, so sei man übereingekommen, daß sie in dem allgemeinen Eisenbahnnetz aus- gehen könne, baß aber alle Maßnahmen getroffen werden müßten, um die Sicherheit der sranzösisch-belgischen Truppen zu gewährleisten. Nach dem„New Dork Herald" sollen gestern zwei Be- schlüsse gefaßt worden sein: 1. Es solle versucht werden, die von den Alliierten im Falle einer deutschen Verfehlung gemeinsam dlirch-- zuführenden Strafmaßnabmen festzusetzen. 2. Belgien und Flans- reich werden im Ruhrg'ebiet bleiben, bis de? Dawes-Plan zufrieden- stellend funktioniere. Es verlaute, daß Theuni» in feinen Be- sprechungen mit Macdonald die Beschlüsse als Grundloge für die Wiederherstellung der eaglisch-sraozösijchen Entente vertreten werde. Er gehe von dem Gedanken aus, daß es nach den französischen und den deutschen Wahlen möglich sein werde, die polt- tisch« Seite des Dawes-Planes mit größerem Entgegen- kommen von beide» Letten zu regeln. Di« französische und die belgische Regierung würden wahlscheinlich ihre Vertreter in der Reparatlonokomniission anweisen, die technische Organisation, die. der Tawes-Plan vorsehe, so rasch wie möglich zu vervollständigen und die Bankiers anzugehen, bei der Borbereitung der ersten Anlrihe von 800 Millionen keine Zeit zu verlieren. Ein neuer Schritt zur Verständigung. London, 29. April.(WTB.) Der Berliner Berichterstatter der „Times" schreibt, die. Ernennung deutscher Vertreter in die verschiedenen Kommissionen müsse ein neuer Schritt in Richtung aus ein« Annahm« der Sachverständigenberichte sowohl noch dem Geiste als auch nach dem Buchstaben angesehen werden. Es könne wenig Zweifel bestehen, daß die deutsche Regierung beschlossen habe, den Bericht als Ganzes anzunehmen, mit keinem anderen Bor- beHall als den aus dem Bericht selbst entstehenden. Der Mufiker. Ein Leitvag zur Berufswahl von Elvira Rosenb«rg-St«rm. Der junge Nachwuchs will in die Berufe strömen. Einige Worte daher zu dem des Musikers. Denn an keinem ist die durchlüftende Umwälzung von 1918 so spurlos vorübergegangen, als an dem die Menschen so unendlich erhebenden und erfreuenden des Musikers. Noch immer ist, von wenigen Großstädten abgesehen, sein Beruf völlig vogelfrei. Dogelfrei m Ausbildung und in Bezahlung. Im allgemeinen pflegen die Menschen ihr Dergnügen sich etwas kosten zu lassen; m bezug auf die Musik dabei sind sie knauserig und daher rühreich anspruchslos. In jedem Gewerbe werden die Pfuscher rück- sichlslos bekämpft, nicht nur durch die Zunft selbst, sondern auch durch da« Gesetz. In der Musik jedoch haben sie einen ungestörten Tummelplatz als Charlatane und Lohndrücker. Groß« Summen wenden die Staaten an Malerei und Plastik; die Musik hat das Nachsehen von jeher dabei. Jeder größenwahn- sinnige Iungdachs kann ohne weiteres in den Künstlerfrack steigen. Kein Beruf ist daher so mit Unwürdigen durchsetzt als dieser. Die ernsten Musiker wjssen das nur zu gut. Seit einem Menschenolter flehen sie kwn Staat um den Zwang des Befähigungsnachweises an, vergeblich. Mll Ausnahme der ganz Großen in der Musik hungern sie alle wieder. Der kurze Gagenglanz der Vorkriegs-Eaföhaus-Musiker ist dahin. Die Anzahl der Cafes stark vermindert. Die Konkurrenz erdrückend, vermehrt noch durch die entlassenen Militärmustker. Schlimm für den Schüler, besonders der Großstädte, ist eine ge- wsss« Kategorie der Unterrichteichen. Annoncen preisen ihn an wie Hüherougenmittel. Erfolg: der begabte Schüler wird verdorben, kommt nicht vorwärts, die Eltern, sich das letzte versagend, verzagen, der Junge oerzweifelt. Denn Talent ist sicher der ehrlichst« Kritiker immer selbst. Diese Sorte Lelnsr sagt nie dem Schüler, unter Um- ständen grab aber ehrlich:„Geh lieber Holz hacken als Geigespielen Bestenfalls wirst du Mittelmaß. Such- dein Brot wo anders." Geradezu tragisch ist hierin das Gebiet des Gefongr«. Und am übelsten natürlich sind die Kinder des Proletariat» dran. Denn völlig hilf- und ratlos können sie nur gewarnt werden, dieser dornenvollen Laufbahn sich zu widmen. Geld und Stimm« sind oft beide verloren und— das böseste— die Zell dazu, in der etwas Nützliches gelernt werden konnte. An Holzbläsern, macht« die Hochschule für Musik vor einiger Zeit bekannt, sei Mangel, so daß sie zu Ermäßigungen und B«r- günstigungen bereit sei. Freilich: da würde der feste Will« zu völli- ger Hingab« an das Instrument verlangt, das in der Menge ver- schwindet. Nur wenigen Insttumenten ist ja die Führung und die zur Schau gestellte Persönlichkeit gestattet. Bei diesen Wenigen liegen die Lorbeeren. Und sehr viel Eitelkeit in der Kunst will I lieber Lorbeeren ernttn als ernste Arbeit leisten. Lorbeeren und Geld. Da» Bürgertum als Klosse hebt sich ab. und abheben von der Mass« wollen sich auch sein« Träger. Bei solchen Instrumenten wäre dann und wann noch Raum. Verschwiegen darf natürl ch nicht werden, daß die Gefahr des beschränkten Tätigkeitsfeldes be- steht. In den kleinen Städten blühen die Qehrlingsquetschen mit ihrem üblen Lusbeuiungssystem, bei dem Schmalhans Küchenmeister ist. Denn der Musikerlehrimg steht in Kost beim Herrn Kapellmeister Mit Mühe tonnte ich den Cohn einer verwitweten Genossin vor einer solchen bewahren. Sie verstand mich gar nicht. Der Junge sollte sich doch nur nicht so quälen im Leben. Der aber, der sich vor den vielen Moll- und Durakkorden graulte, bei deren Auswendig- lernen es Hiebe setzte, mehr als bei dem Arbeiten auf der Ziegelei. griff freudig nach meinem Rettungsanker. Und die Musik hatte einen Lohnsklaoen weniger. Die ungeheuerliche Konkurrenz des mil'ttörischen Staates mit feinen Militärmusikern ist zwar in der Blechmusik vermindert, da kein Nachwuchs herankommt. Aber dem- entspreche nd hat auch das Interesse an Blechmusik erheblich abze- noimnen.... Als reine wirtschaftliche Beratung kommt in erster Linie stet» die Hochschule für Musik, Berlin-Charlottenburg, in Frag«. Leider ist im Proletariat seit ungefähr einem Jahrzehnt die Unsitte verbreitet, Geld an unnütz« Klaoierklimperei der Kinder zu verwenden. Das musikbegabte Kind hebt sich bereits ab im Gesang, mit der Mundharmonika, der Mandoline. Ist hier der kräftige Hauch von Rhythmus, Lidenschafttichkeit des Gefühls, leichtes Ton- treffen, Melodiegedächtnis zu spüren, dann, wäre ein entttts Instrument zu wagen. Zunächst als reine Ausübung musikalischer Fähigkeiten, die zu allen Stunden reinste Lebensfreude oder Trost gewähren können.... Faulheit und Trägheit aber sind stets ernste Warner. Denn nicht nur Genie ist Fleiß, sondern auch Talent, das «niwicklungswillige. sucht fleißig zu sein. Sind solch« Vorzeichen für da» Kind erfüllt, gehe man in d!« Sprechstunde entweder des Musikschullehrers einer weltlichen Schul« oder des Stadtschulra!» oder einer proletarischen Partei und lasse sich raten. Auf jeden Fall hüte man sich, den Musikerberuf als«inen von vielen zu nehmen. Raum für all« Begabungen ist nur nn sozialistischen Staat. Daher hat es das Kind des Proletariat» in der Kunst besonder» schwer, und nur unter äußerster Borsicht darf es das Land der Musik im bürgerlichen Staat betreten. vi« pesteigung des Woonl Everest, von dem die Zeitungen so viel berichtet hoben, kann man jetzt auch im Film miterleben. Während die neue Expedition unterwegs ist. die boffenilich zur völ- ligen Bezwingung des höchsten Berges der Welt(8882 Meter) führen wird, können wir im Blüthner-Saal eine anschauliche Vor- stellung davon gewinnen, mit welchen Schwierigkeiten und Stta» pazen die englisch« Expedition im vorigen Sommer zu kämpfen hatte und welche interessanten Einblicke in die grandiose Natur des Hi> malaja(„Sitz des Schnees") und das merkwürdig« Völkerleben an seinem Fuße sie«röfsnct«. Di« Expeditton, die 1600 Menschen be- schäftigte, um durch Urwald und durch Steppen und Wüsten Pro- viant und Material transportieren zu lassen, wird uns im Bild sehr lebendig vorgeführt. Die Schönheilen tropischer Gebirgslandschaften mit dem üppigsten Wachstum einer Treibhousatmosphär«. die Oeds des tibetanischen Hochlandes, die Wildheit und Erhabenheit der Eis- regionen mit ihrer geradezu phantastischen Schneearchttekwr und da- neben das Leben und Treiben der noch ganz unberührten Tibetaner. die Merkwürdigkeiten ihrer religiösen Kultur(mit großen Tanzoor- führungen)— alles dies und vieles ander« steigt im Fiimbilde vor uns auf. Zum Schluß kommt dann dos gigantische Ringen mit dem Berge selbst; die Ausrüstung, die Anlage der verschiedenen Lager Urft» die Vorstöße der Klettertrupps(zuletzt mit Sauerstojsapparaterf ausgerüstet, um die dünne Luft zu ertragen) wird anschaulich gemacht. Dreimal wird der letzt« Angriff angesetzt: keiner führt bis zur Spitze. Ein»aar hundert Meier bleiben unbezwungen. Wettervataftrophen und die enorme Kälte verhindern den letzten Triumph. Ein Teil der kühnen Pioniere wird von einer Lowm« verschüttei. Aber aus den Erfahrungen wird man lernen, und in diesem Jahr dem höchsten der Eisriesen sein letzte Geheimnis entreißen. Kanl-Ausstellung in der preußischen Slaaksbiblioche?. Die preußische Stcalsbiblioihek hat aus ihren Beständen«ine Reih« von Kants Schriften und auf Kant bezügliche Bücher ou-gesteltt. Inter- «ssteren dürsten besonders die Kant-Autographen. Ein Zettel aus dem Jahr« 1802 zeigt Königsberger Geburt»- und Todesstatisttken. wie sie von Kant in feinen letzten Levensjahren häufig geführt wur- den. Es folgen dann Akt«»' nick«, die sich aus die Verwe-.gerurg der Druckerlaubnis für einen Aufsatz Kants beziehen, der in der„Ber- linischen Monatsschrift" erscheinen sollt«. Ein mehrfach korrigierter Entwurf Kants zu einer Antwort an. König Friedrich Wilhelm II. bekundet, welch« Müh« er darauf verwandt hat. um sich gegen die ihm widerfahrene Maßregelung zur Wehr zl»s«tzen. In den nächsten Schaukästen erscheinen die Schriften Kants, soweit sie zu seinen Leb zeiten herauskamen, in chronologischer ReiHensolge, sowi« einige der vielen Kamischen Zeitschristenaufsötz« und Notizen. Von der Erit- ausgäbe der Kritik der praktischen Vernunft liegt Kants Hand- «xemplar vor das eine eigenhändig« Anmerkung Kants sowie ein Autogramm Arthur Schopenhauers enthält. Nochgeloffeive und von Freunden und Anhängern heraus�geben« Schriften, di« Gesamt- ausgaben sowie Nachschriften von Vorlesungen Kants schließen die eine Hälft« der kleinen Ausstellung ab. Di« aus der andere» Seit« befindlichen Schaukästen geben zunächst die zeitgenössische, jy�n Auswahl der späteren in- und ausländischen Literatur, d!« auf Kon« ausdrücklich bezug nimmt. Der letzte Schaukasten enthält ei»-«». sammenstellung von Kant-Bildnissen. � Die Ausstellung ist bis zum 3. Mai einschließlich an Wock«? tagen von 10 bis 3 Uhr, unentgeltlich geöffnet. � 3n der Urania ist die Ur-msfildrunq bei ftilmS: krantheit-n", die am Dienstag stattfinden jollt� d«l?gt �rd!w Wer sind die Mörder? Kommunisten oder Deutschvölkische? Die„ B3." spricht den Berdacht aus, daß es sich im Falle Jonas, genau wie bei der Beseitigung des Kadow im Walde bei Bardhim, der ja auch bei den Kommunisten für die Deutschvölkischen und bei den Deutschvölkischen für die Kommunisten spigelte, um einen völ tischen Fememord handelt. Ob allerdings die medienburgt schen Justizbehörden, die bisher den Spuren dieser Verdachtsmomente noch nicht gefolgt find, besonders geeignet find, völlische Fememorde aufzudecken, das möchten wir nach den Erfahrungen, die wir ganz besonders bei dem Parchimer Fememord machen fonnten, vorläufig bezweifeln. Es dürfte gut fein, wenn ber Es dürfte gut sein, wenn ber Staatsgerichtshof in Leipzig, der auch die Einzelheiten des Parchimer Fememordes mit anerkennenswerter Energie verfolgt hat, fich dieser Sache annimmt. Das Banditentum muß, von welcher Seite es auch fommen mag, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Die örtlichen Justizbehörden entwickeln nicht inumer die Energie, die dazu notwendig ist; vor allen Dingen gehen sie den politischen Wurzeln dieser Mordtaten nicht nach. Aluminium. " Musikus, spiel' auf! Zum ersten Male murbe in Berlin eine Ausstellung eröffnet, Wie„ Kundgebungen" in Kneipen gemacht" werden. Auf Grund der bisherigen Untersuchungen der Juftizbehörden die den ganzen Umfang der deutschen Aluminiumindustrie ahnen Förderung ihrer Bühlarbeit nüben sie auch das Kneipenleben aus. Die Feinde der Republi? verstehen ihr Geschäft. Zur war durch die Bresse eine Meidung gegangen, die auch der„ Bor- läßt. Inmitten der unzähligen Schäße, die der große Messelpalast Förderung ihrer Wühlarbeit nühen sie auch das Kneipenleben aus. märts" gebracht hatte, daß die Ermordnung des Kommunistenführers am Leipziger Piaz( Wertheim) birgt, sind zahlreiche Dinge aus Genüssen für Zunge und Magen auch Unterhaltungsmufit bieten, Cafés, Restaurants und andere Erfrischungsstätten, die neben Jonas aus Hagenow in Medienburg auf eine Feme in der Aluminium zu einer Ausstellung zusammengetragen, wie sie unter werden in den Dienst der crtirepublikanischen Agitation gestellt. Kommunistischen Partei zurückzuführen sei. Die„ B3." bringt jetzt richtender mohl nicht gedacht werden fann. Der Besucher, der Be Nichtsahnend will der Gast seine Tasse Kaffee oder sein Glas Bier zu über diesen Mord eine Darstellung, die das größte Aufsehen erregen lehrung erwartet, wird hier auf seine Kosten lommen. 673 sich nehmen muß. Danach hat Jonas nicht nur für die Rommunisten, font. da flingen an fein Ohr die Klänge eines strammen Zunächst wird die Herstellung des Aluminiums er- Militärmarshes oder gar das heil dir im Sieger, dern auch für die Völkischen gearbeitet, ein bei ben extremen läutert. Da liegen fauftgroße, wie perrostetes Eisen anmutende franz". Ein paar der Gäste stehen auf und fingen mit, burá Barteien, wie bekannt, nicht seltenes Verfahren. Für die Arbeit Steine, der Baurit, der im Tagebau gewonnen wird, zum Beichen und ermunternde Worte mahnen sie andere, ihrem Beispiel bei den Bölkischen soll Jonas bedeutende Geldmittel er. Teil auch auf den Feldern, beim Adern von den Bauern gefunden zu folgen. In der Regel haben sie ja mit diesen Bemühungen nicht halten haben, die seine wirtschaftlichen Verhältnisse unvermittelt und und gegen Entgelt abgeliefert wird. Diefes Ausgangsprodukt der viel Glfid, aber mancher Zuhörer glaubt vielleicht doch, Zeuge einer in auffallendem Maße" besserten. Wiederholt hat Jonas zu Ber Tonerde verwandelt und daraus entsteht dann durch den elektri- die in Berlin weilen und zufällig Gelegenheit haben, an einem ders Aluminiumerzeugung wird unter Zuhilfenahme von Soda in undgebung" geworden zu sein. Besonders Ausländer, trauten aud) geäußert, die Deutschvölkischen muteten ihm Handlungen fchen Strom bas metallische Aluminium. Eine große artigen Ohrenschmaus teilzunehmen, dürften leicht der Täuschung er. zu, die er mit Rücksicht auf seine Familie nicht ausüben fönne". Bandtafel, bie allerdings für den Laien etwas übersichtlicher ge liegen, daß dies der Ausdrud ciner" echten" Stimmung fei. Bon ordnet fein müßte, zeigt diefen in der Braris recht verwidelten Weg unterrichteter Seite wird uns gefagt, daß es sich hier um eine pianrom Ausgangsstoff zum fertigen Aluminium. Das erste deutsche volle Mache handelt, womit allerdings nur bestätigt würde, was Aluminium werf war das fleine Werk in Rheinfelden, wir längst vermutet haben. Gruppen von mehreren Personen be des Krieges aber wuds diese Industrie empor. Leider wurde in hergeben, und glauben dann fordern zu dürfen, daß ihnen auch die bas etwa 1000 Tonnen Aluminiun im Jahre herstellte. Während suchen diese Kneipen, lassen tüchtig auftragen, mas Küche und Keller dieser Zeit auf die vorhandenen Bafferkräfte, die zur Aluminium Mujit aufgespielt wird, die nach ihrem Geschmad ist. Wo sie nicht erzeugung unschägbare Dienste hätten leisten fönnen, feine Rücksicht von vornherein auf willige Erfüllung ihres Berlangens rechnen genommen. Im Sommer dieses Jahres wird das große Innfönnen, versuchen sie nachzuhelfen, indem sie dem Widerstrebenden werf in Bayern, in dem die Wasserkräfte nach jeder Richtung hin die fleme Mühe mit einer nicht zu tnapp bemessenen Spende aus wirtschaftlich ausgenugt werden, mit einer Jahresprodut ihrer gut gefpicien Brieftasche vergüten. Für Gelb fann man, tion von 10000 Tonnen in Betrieb genommen werden. wie ein Sprichwort fagt, den Teufel tangen lassen, warum sollte man Beinungen und Photographien zeigen den Umfang da nicht auch einen Dusitus bewegen fönnen, ei bir im SiegerBlöden zu sogenannten Maffeln geworden ist, werden aus ihm folchen Rundgebungen" nicht laufen laffen, sondern diefer Sorte von einiger Aluminiumunerfe an. Wenn das Aluminium zu großen frang" zu spielen! Mufiter mit Ehrgefühl werden sich allerdings zu Bleche, Rohre, Drähte usw. hergestellt. Auch diesen EntwidlungsMusikfreunden" die gebührende Antwort geben. Die zum Schuh gang zeigt die Ausstellung. Man sieht die vielen Regierungen, der Republik berufenen Stellen sollten sich bemühen, dem Treiwie Duraluminium, Alubur, Stleron, Silumin, dazu aluminoter- ben nachzuspüren und ihm ein Ende zu bereiten. Wenn die uns gemische Apparate, mit denen man u. a. Vanadium erzeugt, das machten Angaben zutreffen, fann es bei leberwachung solcher die beutsche Industrie voraussichtlich von den ausländischen Stahl Kneipen durch Kriminalpolizei nicht schwer fein, fehr bald ein paar härtungsmetallen wie Chrom, Wolfram und ähnlichem unabhängig der Burschen abzufaffen. Wir vermuten, daß die Jagd auf sie gerade machen wird. Mis Nebenprodukte entstehen bei der Alu- in tiefen legten Tagen vor der Wahl noch recht ertragreich sein farbe aus Rotschlamm, der in den Filterpressen zurückbleibt. miniumfabritation Teer aus der Brauntohle, Verula Die ganze Ausstellung wird überragt und gleichsam gekrönt durch ein Junters Ganzmetallflugzeug, dessen Flügel eine Spannweite Don 18 Metern haten. Ein Duraluminium boot von 6,5 Metern Länge, bas bereits drei Jahre in Betrieb gestanden hat, soll die Brauchbarkeit dieses Metalls für den Bootsbau dartun. Die AEG. Stellt Motorgehäuse, Maschinenteile aller Art sowie Kabel aus Aluminium und ähnliches aus. An einigen Stellen wird gezeigt, wie Aluminium geschweißt und getötet werden kann. Be sonderes Intereffe dürfte das Sprigverfahren erregen, mit dem alle möglichen unedlen Stoffe, wie Eisen, Holz, Papier, mit einem haltbaren Aluminiumüberzug versehen werden. Es hat den Anschein, als ob es fast nichts gäbe, mobei nicht irgendwie Aluminium Berwendung finden fönnte. Unablässig sind Wissenschaft und Technit bemüht, die Aluminiumforschung so zu fördern, daß alle die Mängel, über die früher, insbesondere in der Zeit nach dem Kriege, bei den im Gebrauch befindlichen Aluminiumgegenständen getlagt wurde, beseitigt werden. Die großen Werte der Aluminium. Aluminium von einer Reinheit, das sich im Gebrauch nicht verändert. Kurz nach der Eröffnung der Ausstellung drängte sich bereits ein fauflustiges Bublikum durch die von Silberglanz bestrahlten Berkaufsstände, und es hatte den Anschein, als wenn die Berläufe. rinnen fehr fleißig sein müßten, um allen Wünschen der Käufer gerecht werden zu fönnen, die, von der Ausstellung angezogen, fich alsbald all des Fehlenden erinnerten, das infolge der Kriegs- und Inflationszeit im Haushalt nicht beschafft oder ersetzt worden war, Auch sonst ist dafür gesorgt, daß im völkischen Bager teine Ruhe einfehrt. Seit dem Hagenower Mord ist der deutschvöltische Landtagsabgeordnete Giefe fpurlos verfchwun den. Zunächst wurde verbreitet, er befände sich auf einer Italien reise. Jetzt bequemt man sich selbst bei den Bölkischen zu dem zu geftändnis, daß Giefe fobald nicht zurüdtomme". Diese Möglichkeit besteht auch, denn Giese ist flüchtig. In deutsch nationalen Kreisen will man wiffen, es handle sich um fittliche Berfehlungen, während aus völlischen Kreifen veríautel, es handle fich um Unstimmigkeiten in der Verwaltung van Parteigeldern. eff will nicht in den Re Ludendorff will nicht in den Reichstag. Ein Judenftämmling weniger. Nach Münchener Melbungen, die von der„ Süddeutschen Zeitung in Stuttgart verbreitet werden, denkt Ludendorff nicht daran, ein Reichstagsmandat anzunehmen. Das wäre menschlich verftändlich, denn nirgends wird Ignoranz so schnell an den Branger gestellt wie im Barlament. Ludendorff soll die Absicht haben, sofort nach der Wahl auf sein Mandat zu verzichten. Das foll auch für die auf der deutschoöllischen Liste stehenden Münchener Helden Böhner und Kriebel gelten. Es sind nach der Versicherung des Blattes nur Namen, die mit der Stärte eines Programms auf die Wähler wirten sollen". Es ist wirklich schade, daß Erich Ludendorff nicht den Deutschen Reichstag zieren will Schabe nicht nur beshalb, weil er bort feines Ruhmes fehr bald entfleidet werden würde, sondern auch deshalb, meil in den Reichstag dann ein Judensprößling meniger einzieht. Bekanntlich war in den Familiengeschichtlichen Blättern", dem Organ des Deutschen Familienardins in Leipzig, zu lesen, baß Erich Ludendorff, der Abgott der Hatentreugler, ein Juben stämmling fei. Einer seiner Borfahren, der Stettiner Raufmann Karl Otto Ludendorff, hat nämlich die Tochter eines jüdischen Seifenhändlers Abraham Weilandt in Steffin geheiratet! Diese Schande wird wohl nie ganz aufgeklärt werden, denn auch der dunkle Bunft mit der jüdischen Großmutter Bulles, ber lichten arischen Baldurgestalt im Reichstag, ist.immer noch nicht reftlos geflärt worden. Die verdammten Juden haben eine merkwürdige Fähig feit, sich bis in die allerreinsten und urarischsten Familien unserer heldischen Befreier und Erneuerer einzuschleichen. Jedenfalls werden wir im Reichstag den Judenstämmling nur ungern entbehren. Völkische Verleumderflucht. 6 Zur Aufklärung zweier Mordtaten. 500 Goldmark Belohnung in der Jüterboger Mordaffäre. Der Mord an dem Biertutscher Haufe aus Jüterbog, der in der Nacht zum 16. August 1922 auf der Fahrt nach Jüterbog erschossen und am nächsten Morgen im Chauffeegraben beraubt aufgefunden wurde, ist, wie wir vor einiger Zeit schon mitteilten, aufgeflärt morben. Der bei der Begehung der Tat erft 16% Jahre albe Für forgezägling Lönning und der in Oberschlesien festgenommene Tischler: geselle Mar Simon, die Haufe aus Gefälligkeit auf feinem Wagen mitnahm, hatten beide bas Geständnis ab gelegt, daß Lönning auf Veranlassung des Simon, der ihm auch Gimon, ber zweifellos der intelleftuelle Urheber diefer furchtbaren die Waffe in die Hand gebrüdt hatte, den Kutscher ermordet hat. Tat gewesen ist, die einem Familienvater mit brei un erwachsenen Kindern für seine Gutmütigkeit das Leben getostet hat, hat jezt sein Geständnis, das er mehrbuod mo, au por bem Richber, wiederholt hatte, widerrufen und nunfach, auch mehr Angaben gemacht, die den Stempel des Unwahrscheinlichen an fich tragen. Zur restlosen Aufklärung der schändlichen Tat hat jetzt die Babenhofer Brauerei in llebereinstimmung mit der Behörde im Interesse ihrer Angestellien und des Publikums überhaupt eine wertbeständige Belohnung von 500 Mart ausgefeßt, um zu veranlassen, daß das Publikum sich an der volltommenen Ueberführung des Eimon beteiligt. Simon hat seinerzeit im Hotel Magdeburg in Luckenwalde Hausdienerarbeiten verrichtet und gehörte vorher und nachher zu den Metallsammlern des Schießplages Jüterbog. Hier war er eine bekannte Berfönlichkeit Wenn Simon fich unbeachtet glaubte, verschwand er mit dem Metall, das andere gesammelt hatten. Durch diese Handlungen hatte er sich den 3orn vieler Jitterboger Schießplatsammier zu gezogen. Alle Personen, die über seine Lebensweise und vor allen Dingen darüber Auskunft geben tönnen, daß Simon im Besiz von Fahrrädern und Schmudfachen, namentlich von Ringen, gewefen ift, ohnung gebeten, fich bei Kriminalfemmiffar Dr. Berndorff im Bolizeipräsidium am Alexanderplat, Zimmer 51 a, zu melden. Fahr. toften werden ihnen ersetzt. Wie man fich erinnert, hat Dr. Ganßer aus Berlin seiner zeit in München auf der Straße ben Reichspräsidenten einen Landesverräter geheißen und dies damit begründet, daß der Reichspräsident im Januar 1918 ben Munitionsarbeiterstreit an geftiftet habe. Eine vom Reichspräsidenten darauf in München ein geleitete Beleidigungsflage endete, nachdem eine eingehende Beweis. aufnahme die völlige unrigtigteit dieser Angaben gezeigt hate, aus strafprozeffuaten Gründen damit, daß der Strafantrag zu rüdgenommen wurde. Ganßer veröffentlichte darauf in der Bresse einen offenen Brief, in welchem er im Interesse der geschichtlichen Wahrheit" die Beschuldigung wiederholte und sich bereiterklärte, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Der Reichspräsident stellte darauf erneut megen verleumderischer Beleidigung Strafantrag gegen tönnte. Unsere Wählerversammlungen. Es ist eine bezeichnende und erfreuliche Tatsache zugleich, daß am Ende des Wahlkampfes Angehörige der bürgerlichen Parteien zahlreich in sozialdemokratischen Bersammlungen erscheinen, um sich informieren zu lassen. Das sah man auch gestern in der außerordentlich stark besuchten Versammlung in Halenfee, wo Genoffe Schulz das Wort hatte. Er unterstrich die politische Unreife, die sich jetzt so fraß in den unendlich vielen neuen Parteien fundtue, und er stellte demgegenüber die energische, zielbewußte Arbeit der Sozialdemokratischen Partei. Nur diese Partei könne daher auch dafür sorgen, daß das foziale Los aller arbeitenden Kreise verbeffert wird. Genoffe Schulz betonte ferner, daß ein Rückschlag durch den Wahlausfall auf Entwicklung und weitere Berbreitung des Sozialismus feinen wie immer gearteten Einfluß ausüben tönne. Einer der anwesenden Bürgerlichen legte, nachdem er sich in der Debatte noch über verfchiedene Fragen hatte belehren lassen, Befenntnis zur Sozialdemokratie ab. Vor den Biesdorfer Wählern hielt Genosse Heshold Abredmung mit den Kriegsheßern und denen, die mit ihnen ein gut Stüd Weges zusammengehen" wollen. Die Sozialdemokratie hat die Entwicklung für fich, fie ift die Partei der Zukunft. In Biesdorf- Süd legte Ge noffe Reimann überzeugend dar, daß am 4. Mai über Deutschlends Schicksal und seine Arbeiterschaft entschieden wird, und daß die BSPD. ftets bereit war, bas bestmöglichste für das Bolt heraus. zuholen. Wer anders als REPD. mählt, versündigt sich und fördert neuen Krieg und Brudermord. In Marzahn sprach Genosse Lempert über die Folgen einer Rechtsmehrheit im neuen Reichs tag. Die Ausführungen wurden andächtig entgegengenommen und tommunistische Zwischenrufe sofort erledigt. In Berlins Mitte referierte Genoffe Moses. Seine treffende Kennzeichnung des fommunistischen Raditalismus als Kinderfrankheit wurde noch besonders unterstrichen durch den persönlichen Bericht eines ruffischen Genoffen, der bie unerhörten Drangsalierungen ruffischer Sozialister durch die Kommunisten schilderte. Auch die Bersammlungen in Charlottenburg, Adlershof und Oberschöneweide, in denen die Genossen Crispien, Ruttner und Lempert fprachen, waren star? besucht und legten 3eugnis ab von der vorzüglichen Stimmung der Bersammlungsteilnehmer. Eine öffentliche Wählerversammlung in Bernau munisten, die von Anfang an diefe Abficht ertennen liehen, gelang war sehr gut besucht. Troh dauernder Störungsversuche der Komes dem Genossen er, seine fast zweistündigen Ausführungen zu Ende zu bringen. Zur Diskussion hatten sich fünf Redner gemeldet. Die Redezeit wurde infolgedeffen auf 10 Minuten begrenzt. 2s der erſte tommuniſtiſche Rebner, Rühl, bas Wort erhielt, erklärte er fofort, daß er auch nach Ablauf seiner Rebezeit weitersprechen würde. Diese Absicht führte er auch aus und bestätigte damit, daß die Kom munisten auch in Bernau nichts anderes tömmen, als durch Radau und Tumult die Position der Arbeiterklasse zu erschüttern. * In einer sehr gut bejuchten Frauenpersammlung in der Aula der Hohenzollernschule in Schöneberg sprach Genoffin Elfriede Ryned. Ausgehend von der Bedeutung der Frauen, arbeit im Reichstag wies fie darauf hin, daß beim Kampf um die Gleichstellung der Frau und Mutter im deutschen Re die Sozialdemokratie immer alleingestanden habe. Einen Teil ihrer alten Forderungen habe sie durchfehen können. Wenn man das erhalten und weiteres erreichen, wenn man vor allem als Frau und Mutter unser Bolt vor einem neuen Krieg bewahren wolle, dann könne man nur die Partei wählen, die sich den Forderungen der Frauen Build Ganßer, und zwar in Berlin, wo Ganzer feinen ständigen Wohnsiz werden unter Hinweis auf die nur dem Bublifum zukommende Be gegenüber stets bewährt habe, die VSPD. Sills Bal Sorgen der Börse. Der Tiefenseer Mordfall. 2914813 hat. Seither ist Banßer aber aus Berlin verschwunden und b Rückkehr des Berliner Kinderchors. hat es vorgezogen, ber Borladung des Untersuchungsrichters nicht Der Berliner( Schwarzmeiersche) Kinderchor, der fürzlich nach zu folgen. Nach Feststellung des Gerichts hält sich Ganger in der Desterreich gefahren war, um die österreichischen Freunde durch seine Schweiz auf, er scheint, entgegen seiner Behauptung, an der AufDarbietungen zu erfreuen, ist heute morgen von seiner Sängerfahrt flärung der Sache das größte politische Interesse zu haben, nun auf Ein Kapitalverbrechen, das im Oftober v. 3. in Tiefenfee 10 Ein Kapitalverbrechen, das im Oftober v. 3. in Tiefenfee mit im ganzen 438 Kindern zurückgekehrt. Bon den übrigen 82 Kin einmal feinen Wert auf die gerichtliche Klärung zu legen. Ihm verübt wurde, beschäftigt noch immer die Kriminalpolizei. Ein bern find 14 ertranft, die noch fürgere Zeit in Desterreich zur Beodgenügt es, die verleumderische Beleidigung für den Wahltampf junger Mann namens Rudolf Rienner aus der Alten Jatobachtung bleiben müssen, sich jedoch unter Obhut einer reichsdeutschen in die Welt gefeßt zu haben. Straße hatte für feine Eltern aus der Gegend von Tiefensee wieder. Schwester in befter Pflege befinden, so daß feinerlei Grund zur Bes holt Kartoffeln besorgt. Im Oktober v. 3. fuhr er wieder hinaus unruhigung vorhanden ist. Die übrigen 68 Kinder werden vorausund nahm das erforderliche Gelb mit. Jeht aber fehrte er nicht fichtlich am 1. oder 3. Mai die Rüdreise nach Deutschland antreten. wieder zurüd. Sein Verschwinden blieb unaufgeflärt, bis man ihn am 23. November in einer Schonung ermordet und be. 19. Oftober mit arvei Männern zusammen gesehen hatte. Auf biefe raubt wiedersand. Die Ermittelungen ergaben, daß man ihn am ihnen, einen hinfenden Mann, der ein blaues Fahrrad mit sich beiben fiel ber Berdacht. Der Kriminalpolizei gelang es, einen vo führte, in Berlin zu ermitteln. Das Ergebnis der Ermittelungen und der Nachprüfungen seiner Angaben war jedoch, daß er an dem Berbrechen nicht beteiligt ist. Wer der zweite Mann war, weiß man immer noch nicht. Auf seine Ermittelungen hat jegt der Ober eine Belohnung Don ftaatsanwalt von Brenzlau 19 bis 20 Jahre alt, fchlant und breitschulterig. hat ein langes Ge 200 Goldmart ausgefeßt. Der Verdächtige ift etwa sicht und trug einen nicht mehr neuen bunkelblauen Anzug, ein Halstuch und eine Schiebermüge. Er machte den Einbrud eines Knechtes. Mitteilungen zu feiner Ergreifung nimmt Kriminal tommiffar Salzow im Bolizeipräsidium entgegen. Im allgemeinen war bie Tendenz an der heutigen Effetten börse wieder etwas freundlicher Allerdings prägt sich diefe Stimmung in den Rurfen nur in sehr bescheidenem Umfange aus. Einer durchgreifenden Erholung wirken noch immer diejenigen Faftoren entgegen, die schon in der vergangenen Woche die Unternehmungsluft start hemmten. Das sind in erster Linie die Gor. gen, die man sich hinsichtlich der Abwicklung der Maigeschäfte am Metallmarkt und auch der Frantspetulation macht, ferner die immer wieder auftauchenden Gerichte über 8ahlungs. schwierigkeiten. Außerdem will man wissen, daß für Rech. nung einer westdeutschen Bantfirma größere Exekutionen an der hiesigen Börse erfolgten. Genaues ließ sich bisher nicht feststellen. An günstigen Momenten sind vor allem jene Räufe zu nennen, bie, offenbar vom Auslande ausgehend, zunächst ben Montan und Maschinenmarkt besonders bevorzugen. Im übrigen trägt das Geschäft noch ziemlich schleppenden Charakter. Die Geldmarktlage ist für turzfristige Ausleihungen flüssig, für langfristige Kredite jedoch unverändert fnapp. Am De bifenmarkt zeigen fich teine nennenswerten Beränderungen. Mieterbund Köpenid. Heute abenb 18 Uhr Mitgliederversammfung in der Aula Der Dorotheen schule. Wichtige Tagesordnung. Besirf Tiergarten, beranſtaltet am Dienstag, den 29. April, abends 72% Uhr, Mieter, wie wählen wir in den Reichstag? Der Berliner Mieterbund, zu dem obigen Thema. Die Vertreter der politischen Barleien sind ein eine öffentliche Versammlung im Nationalhof, Bülowftr. 37( großer Saal), geladen. 114 Bergleufe verschüttet. Zu der Meldung über das Gruben unglück bei Wheeling in Weft virginien erfahren wir folgende Einzelheiten: 114 Bergleute wurden durch ein Schlagmetter gestern früh um 730 Uhr in emer der Gruben der Gegend verschüttet. Der Eingang der Meine ist versperrt und bisher ift es nur gelungen, zwei schwerverleßte Bergarbeiter und zwei Leichen zutage zu fördern. Nach Ansicht eines Sachverständigen müssen die übrigen Berschüttchen als verloren gelten. Henen Groß- Berliner Parteinachrichten. findet heute Dienstar, den 29. April, abends 7 Uhr, im Lokal Eine große Profeffoerjammlung aller Kleingärtner Lichtenbergs Sdyward, Möllendorfstraße 25-26, statt. Tagesordnung: Was geht im Bezirt Lichtenberg vor? 6. Kreis Kreuzberg. Alle Abteilungen fofort im Gekretariat, Lindenstraße 8, Rimmer 7. Blafate abholen für bie Freitag- Bersammlung. 97. bt. Neurolla. Alle Funktionäre haben fich mit ihren Wahlhelfern am Mitt moth, 30. April, abends 6 Uhr, in ber Borwärtsspedition beim Genossen Rohr einzufinden. Gewerkschaftsbewegung Die Lohnpolitik der Regierung. Als die deutsche Wirtschaft im November 1923 zur Rentenmart überging, erklärte die Regierung, Löhne und Gehälter der Reichs. arbeiter nicht mehr nach den tatsächlichen Bedürfnissen, sondern nur nach den zur Verfügung stehenden Mitteln zahlen zu können. Im Laufe der Berhandlungen sekten die Regierungsvertreter durch, daß für die Arbeiter brei Sohngebiete geschaffen wurden, während die Beamten und Angestellten nach einer einheitlichen für das ganze Reich geltenden Resoldungsordnung ihre Gehälter beziehen. Weiter wurde das während der Inflationsperiode befolgte Brinzip, den in feiner Tätigkeit vergleichbaren Beamten und Arbeiter annähernd gleichmäßig zu entlohnen, fallen gelassen. Dagegen vertrat man die Auffassung, daß die Löhne der Arbeiter nur an den Löhnen der Privatindustrie und allenfalls an den der kommunalen Betriebe gemessen werden können. Gehandelt aber wurde nicht da nach. So erhielt nach der Novemberregelung z. B. ein gelernter Handwerker im Wirtschaftsgebiet I( öftlicher Teil Deutschlands) Ortsflaffe A pro Stunde 35 Bf., der Beamte 42 Bf... bei mehrjähriger Dienstzeit steigern sich die Säße für den Beamten jogar bis zu 52 Bf. pro Stunde. Der ungelernte Arbeiter, der in den legten Jahren mit ben Beamten der Gehaltsgruppe III Stufe 3 perglichen wurde, erhält jegt einen Stundenlohn von 30 Bf. gegenüber 37 Pf. des Beamien. Auch in diesem Falle steigern sich die Säge des legteren je nach der Dienstzeit bis zu 46 P. Rechnet man dazu noch, daß der Beamte durchschnittlich 5 Pf. Kinderzulage pro Stunde gegenüber 3 Bf. des Arbeiters erhält, so verschlechtert fich das Berhältnis immer mehr zuungunsten des Arbeiters. Gelbst im Wirtschaftsgebiet II, in welchem bedeutend mehr Arbeiter als im Wirtschaftsgebiet I vor. banden sind, ist immer noch ein Plus zugunsten des Beamten vorhanden und erst im Lohngebiet III( besetztes Gebiet) gleicht sich das Berhältnis einigermaßen aus. Ausdrücklich bemerken mir, daß es uns fern liegt, mit den an gezogenen Bergleichen etwa zum Ausdrud bringen zu wollen, daß bie Beamten zu hohe Bezüge hätten. Im Gegenteil! Auch die Beamtengehälter, besonders der unteren Beamtengruppen, find viel zu niedrig. Morauf es antommt, ist, in aller Deffentlichkeit einma! zu zeigen, daß die Lohnpolitik der Regierung durchaus unzulänglich und nicht zu rechtfertigen ist. Deshalb versagten die Organisationen der Reichsarbeiter dieser Bolitit ihre Zustimmung. Wohl veriröftete die Regierung die Arbeiter ständig mit dem Veriorechen, sobald es ihr finanziell mög lich sei, eine Erhöhung der Säße eintreten zu lassen. Unterdessen find Monate ins Land gegangen, ohne daß die Regierung sich veranlaßt fühlte, etwas nu tum. Auch die legte Regelung beließ es ab 1. April bei folgenden Sägen Es erhalten ab 1. April im Lohngebiet I der Arbeiter in Lohngruppe V 32 Pf. Stundenlohn, der vergleichbare Beamte in Grunde II Stufe 3 42,9 Bf. Ein Handwerker in Lohngruppe I 37. Bf., der vergleichbare Beamte 46 Pf. Während die Gehälter der Beamten nach Dienstjahren im ersteren Falle bis zu 50 Bf., im zweiten Falle bis zu 60 Pf. steigen, hat der Arbeiter feine Möglichkeit, sofern er das 24. Lebensjahr erreicht hat, in seinem Lohne höher zu kommen. Im Lohngebiet II erhalten die beiden vergleichbaren Gruppen Arbeiter 36 bzw. 43 Pf., der Beamte wie oben. Dabei barf nicht vergeffen werden daß die Beamten eine Kinderzulage im Durchschnitt von 6 Pf pro Stunde erhalten, während der Arbeiter nur eine solche von 3 Bf. pro Stunde be tommt. Damit haben wir es unter der jegigen Aera soweit gebracht, daß der Reichswehrsoldat beim Beginn feiner Dienstzeit mehr erhält als der ungelernte Arbeiter im Reich und daß in den Betrieben und Berwaltungen Arbeitnehmer, mit der gleichen Tätigkeit be fchäftigt, Lohnunterschiede bis zu 75 Bros. aufweisen. Daß höhere Beamte bei der legten Gehaltsregelung mehr Bulage erhalten haben, als ein Arbeiter im ganzen Jahre verdient, sei nur nebenbei erwähnt. Abgesehen von diesen Mißständen, die auf die Arbeitsenergie und Arbeitsluft zurüdwirfen, bleiben die Löhne der Reichsarbeiter beträchtlich hinter denen der Privatindustrie und der Gemeinden zurüd. Heute ist das Berhältnis fo, daß selbst in einem so reattionären Bezirk wie Königsberg, auf den die Regierung bis jeht immer hingewiesen hat, wenn es galt, die Löhne zu drüden, die Gemeinde arbeiter bis zu 5 Pf. die Stunde mehr verdienen als die Reichs arbeiter. In anderen Gegenden Deutschlands ist es ähnlich. So stehen z. B. in Baden, Württemberg, Bayern und Sachsen die Löhne der Gemeindearbeiter zum Teil bis zu 10 Pf. pro Stunde über den Löhnen der Reichsarbeiter. Genau so verhält es sich mit einem Auf Teilzahlung! Komplette Zimmer sowie Einzelmöbel zu sehr billigen Preisen! CAMNITZER Schönhauser Allee 821. am Untergrundbhi. Nordring. Strickwesten Gabardine Dezimalwagen 130 br.. r. Wolle. 8.50 M., 9.75 M Kostüm, Kleider, Futterstoffe bedeutend unt.Preis. Haarpuder Schöneberg, Goltzstr. 2 a d.Grunewaldstr. Tafelwag.Gewichte, Billigste Preise. Graßes Lager Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Kein Ladengeschäft Kapitän- Kaufabak Bleyles Kinderkleidung unerreicht im Wohlgeschmack. Nur echt scheiden: Bergleich in der Brinatinduftrie. In Würtemberg z. B. erhalten| Stammer 11 des Gewerbegerichts Berfin in folgenbem Falle zu ent Maurer, Schloffer, Schmiede ufw: 55 Pf. pro Stunde, der Reichs arbeiter dagegen aber nur 43 Pf., der Bauhilfsarbeiter im Alter von 18 bis 19 Jahren 41 Pf., der ungelernte Arbeiter über 24 Jahre im Reich dagegen nur 32 Bf. Eine solche Lohnpolitik wird von der Regierung zweifellos mit Absicht verfolgt. Die Reichsarbeiter haben am 4. Mai Gelegen heit, gegen die bestehende ungerechtigkeit mit dem Stimm Bettel au antworten. Kommunistischer Zusammenbruch in Mitteldeutschland. Aus Halle wird uns berichtet: T Bei der Firma Rallenius( Metallindustrie) war dem Wahl vorstand am 14. März eine Borschlagsliste eingereicht. Andere Listen maren nicht vorhanden. Auf der eingereichten Liste stand auch der Dreher K. Am 29. März wurde R. von der Firma entlassen, weil eine geeignete Beschäftigung für ihn nicht mehr im Betriebe vor. handen war. Der alte Betriebsrat, in der Meinung, daß seine Amisperiode bis zum 31. März lief, erkannte den Entlassungsgrund als berechtigt an, ohne aber ausdrüdlich zu erflären, daß er der Ente laffung zustimme. Dieser Erklärung trat später auch der neue Be triebsraf bei, und zwar in einer Sigung, zu der R. gar nicht hinzu gezogen war. Dann hat der Wahlvorstand eine Bekanntmachung erlassen des Inhalts, daß an Stelle des Drehers R. ein Ersagmitglied in den Betriebsrat eingetreten sei, und dieser Betriebsrat hat am 9. April der Entlassung des Drehers R. zugestimmt. R. flagte gegen seine Entlassung, weil die Zustimmung des Begewählt, mit diesem Zeitpunkt fei die Funktion des alten Betriebsrats erledigt gewesen, er habe also über die Entlassung nicht mehr zu befinden gehabt. Die Entscheidung des neuen Betriebsrats fei hinfällig, weil er sein Mitglied, den Kollegen K., nicht hinzugezogen habe. Die Erflärung, die den Entlassungsgrund anerkennt, fei übrigens noch feine ausdrüdliche Zustimmung zur Entlassung. Nach einer langen Beratung verfündete der Vorsitzende den Standpunkt der Kammer dahingehend: Der Kläger fei am 29. März, dem Tage seiner Entlassung, gewählt gewesen, er habe also nicht ohne Zustimmung. des Betriebsrats entlassen werden können. Die Zustimmung des alten Betriebsrats fomme nicht in Frage, sonbern nur die des neuen, aber nicht die erfte, bei der Kläger nicht mitgewirkt habe, fondem die am 9. April abgegebene Zustimmung sei maßgebend. Mithin stehe dem Kläger der Lohn bis zum 9. April zu. Die Kommistische Partei bemüht fich trampfhaft, die Gewerf schaften in das fommunistische Butschfahrwasser zu leiten. Nachdem fie in einer ganzen Reihe von Organisationen schmählichen Schiff bruch erlitten hat, versucht sie nunmehr, die mitteldeutsche Bergarbeiterschaft in einen Generalftreif, oder beffer getriebsrats gefehlt habe, denn der neue Betriebsrat fei am 14. März fagt, in einen Generalputsch hineinzutreiben. Zu diesem Zwecke hatte die Kommunistische Partei für Sonntag, den 27. April, einen Rongreß der mitteldeutschen Bergarbeiter nach Leipzig einberufen. Eingeladen waren die Funktionäre und Betriebsräte des gesamten Bergbaus Mitteldeutschlands. Der kommunistische Klassen fampf" hatte feit 8 Tagen einen fich täglich steigernden Radau geschlagen und auch durch eine Reihe aufpeitschender Artikel Propaganda für diesen Kongreß gemacht. Nach der ganzen Aufmachung u urteilen, hätte der Kongreß ein Riesenausmaß haben müssen. Das Gegenteil trat ein. Die mitteldeutschen Bergarbeiter, foweit fie organisiert sind, haben die Kommunisten unter sich ge faffen. Auf dem Rongreß waren vertreten die Bezirke Beth, Nordhausen, Hildesheim, Genftenberg, Delsnik, Zwidau und Schle fien. Aus dem Ruhrgebiet waren Gäste anwesend. Es hätte alfo ein riefiger Aufmarsch der Kameraden stattfinden müssen. Nichts von alledem. Ganze 42 Delegierte aus all den großen Bezirken maren anwesend und maßten fich an, weit über 400 Betriebe ver treten zu wollen. Von diesen Delegierten gehörten 33 der KPD. an, 2 der USP. und die übrigen waren parteilos. Bom Berg arbeiterverband nahmen aus der sogenannten Oppofition etwa acht Delegierte teil. Man fann also von einem ganz glatten Zusammenwoche. Gelegentlich der ersten Tagung des neuen Wirtschaftsrates bruch der kommunistischen Berbearbeit unter den Bergarbeitern reden. Das Referat hielt Schröder( Berlin), der zum Ausdrud brachte, daß die heutige reformistische Gewerkschaftsarbeit erfekt werden müsse durch eine aggreffive Rampftätigkeit. Er bat dann die Delegierten um Stimmungsberichte aus den einzelnen Renieren, und da erlebte Schröder eine völlige Ernüchterung. Der größte Teil der Delegierten berichtete, daß infolge der vergangenen Kämpfe Rampfftimmung für einen Generalstreit nicht vorhanden fei. Ein Delegierter aus Dberflefien berichtete, daß zur Durchführung der offenen Entscheidungsfämpfe der Bergarbeiter alle Maßnahmen getroffen seien. Es seien hundertschaften gebildet in Stärfe von etwa 4000 Bergarbeitern, die in der legten Zeit fleißig Felddienstübungen vorgenommen hätten, um tampfgerüftet zu sein. Diese Ausführungen wurden von start zweifelnden 3wischenrufen begleitet. Nichtsdestoweniger peitschte Schröder in seinem Schlußwort die Delegierten auf, den zentralen Beschlüssen zuzustimmen. Demnach soll am 1. Mai der Generalstreit der mitteldeutschen Berg arbeiter proflamiert werden. Zu diesem Zwede wurde eine fechs gliedrige Rampfleitung gewählt, die die Borarbeiten für die Ginfeitung des fommunistischen Generalstreifs treffen foll. Der größte Teil der Delegierten gehörte der Union" an. Dar aus geht unzweifelhaft hervor, daß die Kommunistische Partei ledig fich Agitation für die Union leisten will unter Zuhilfenahme der verlogenften Mittel, denn sie hat den Namen des ADGB. zur Einladung mißbraut und gefälscht. Die freien Gewerkschaftler haben, diese Fälschung aber rechtzeitig erkannt und find auf diesen plumpen Trid nicht hereingefallen. Wanu beginnt die Amtsperiode des Betriebsrats. Ueber diese Frage sind die Rechtskundigen verschiedener Meinung. Eine Anficht geht dahin, daß die Amtsperiode mit der Einreichung der Borschlagsliste beim Wahlvorstand beginnt, falls nur eine Lifte vorhanden ist, oder bei mehreren Liften nach vollzogener Wahl. Eine andere Meinung läßt die Amtsperiode mit der Bekannt gabe des Wahlergebnisses oder der Einheitsliste beginnen. Eine britte Ansicht will erst die Einspruchsfrist ablaufen lassen, und eine pierte Meinung geht dahin, daß die erste Sizung, in der sich der Betriebsrat fonftituriert, den Beginn der Amtsperiode darstellt. Welche von diesen Ansichten zutreffend ist, darüber hatte die Teppiche Ständig großes Fabriklager in Strick- mit Firmenzettel!. In den meisten Genur erft laffige Fabritate in allen Größen und Wirkwaren aller Art zum Einzelverkauf.. 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Schöneberg Nur Hauptstr. 5. Seit 1897 Polen und der Achtstundentag. Eine jüngste Aeußerung des polnischen Ministerpräsidenten zur Frage der Arbeitszeit ist beachtenswert. Polen hat seit pier Jahren den gesehlichen Achstundentag und die 46- Stundenwurde von Unternehmerseite die Berlängerung der Arbeitszeit angeregt. Der Ministerpräsident erflärte demgegenüber, daß er überzeugt. sei, der Achistundentag sei für den industriellen Fortschritt resentlich. Der Entschluß der Regierung, den Achtstundentag zu erhalten, ist um so bemmerenswerter, als sich das Land in einer Wirtschaftsfrise befindet, und überdies, weil es Nachbar Deutschlands ist, mo bereits vielfach vom Achtstundentag abgewichen ist. Ferner ist zu berücksichtigen, daß Bolen das Washingtoner Achtſtundenüberein. kommen bisher nicht ratifiziert hat, so daß feine internationale Berpflidstima der Ausdehnung des Arbeitstages im Wege stünde. Aus der Partei. Bom ungarischen Parteifongreß 9 Auf dem Jahresparteitag der ungarischen Sozialdemokratic wurde dem Genossen Abg. Schäfer Reichenberg, der für die deutsche Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei erschienen war, vom Regierungsvertreter das Wort entzogen. Bei der Wahl des Vorsitzenden fam es zu stürmischen Szenen, da es sich herausstellte, daß etwa dreißig Bolizeifpigel im Gaal waren; diese mußten fluchtartig den Gaal verlassen. Den Bericht des Parteivorstandes erstattete Farkasch, den Bericht der Fraktion Banzat. Dieser wendete sich gegen die Wünsche, die Partei möge die Nationalverfammlung boyfottieren, und wies auf die schweren Gefahren der Abstinenzpolitik hin. In der Debatte zeigte sich eine anfehnliche oppositionelle Gruppe. Diese verlangte, daß die Partei alles aufbieten folle, um die Eingeferferten und Internierten zu befreien und die Rückkehr der Emigranten nach Ungarn zu sichern. Eine pon der Opposition eingebrachte Resolution wurde abgelehnt, aber eine Resolution des Parteivorstandes angenommen, die ebenfalls die Liquidierung der Gegenrevolution und die Wiederherstellung demo. fratischer Einrichtungen verlangt. Bei der Wahl der Parteivertretung stellte die Opposition eine besondere Liste auf, auf der sich auch der chemalige Generalstabschef der Roten Armee, Aurel Stromfeld, befand. Die Liste der Opposition unterlag gegen die Liste des Partei Dorstandes. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Shilowski; Lofales und Sonstiges: Fris Rarftabt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwäris- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co., Berlin SB. 68.. Lindenstraße 8. 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