fr.204a+ 41.Jahrgang Ausgabe A Nr. 104 Bezugspreis: Böchentlich 70 Golbpfennig, menafth 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Buremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit" mit ,, Gied. Jung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblaft 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Deinfpaltige Roupare Beile 0,70 Goldmart, Reklamezeile -Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Mort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten geile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für bie nächste Summer müssen bis 4% Uhr nachmittags in Sauptgeschäft, Berlin SB 68, Linbenftraße 3, abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 erlag: Dönbeff 2506-2507 Freitag, den 2. Mai 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Maifest im Wahlkampf. Würdiger Verlauf in Groß- Berlin. Die Maifeier des gestrigen Tages ist bei massenhafter Beteiligung der arbeitenden Bevölkerung Groß- Berlins impo sant und würdig verlaufen. Dieser Erfolg ist um so höher zu werten, als sich gegen ihn alle Mächte des Schicksals verschworen zu haben schienen: Die Ungunst der wirtschaft lichen Berhältnisse, der gesteigerte Druck des Unternehmertums, das Verbot von Umzügen und Versammlungen unter freiem Himmel, schließlich die Störungsaktion der Kommunisten, die nach den bombastischen Ankündigungen der„ Roten Fahne" alles mitreißen sollte, was nicht mitwollte, alles über den Haufen rennen sollte, was sich entgegenstellte. Nun ist die Probe aufs Erempel gemacht. Sozialdemofratie und Gewerkschaften haben einen glänzenden und wir tungsvollen Verlauf ihrer Maifeier zu verzeichnen, während die Kommunisten nichts ernteten als eine flägliche Blamage. Das Bürgertum hat es sich ja schon längst abgewöhnt, die Kommunisten als Gegner ernst zu nehmen, es sieht in ihnen weiter nichts als Radauhelden, deren Bekämpfung man ohne Sorge der Straßenpolizei überlassen kann. Kein Kapitalist läßt sich mehr den Schlaf seiner Nächte durch bolschewistische Angstträume stören. Was sich gestern ereignet hat, dient vollends dazu, den kommunistischen Weltrevolutionären" den letzten Rest von Reputation zu rauben und sie als Leute zu entlarven, die nur in Worten, nicht in Taten start sind. Die wirkliche Macht der Arbeiterbewegung - das ist die klare Lehre dieses ersten Mairuht bei der Sozialdemokratie und bei den Gewerkschaften. Sie zu zermürben, ist die einzige Aufgabe, deren der Kommunismus sich noch einigermaßen fähig fühlt und der er sich auch mit nie versiegendem Eifer hingibt. Ueber die Vorgänge des gestrigen Tages berichten wir an anderer Stelle ausführlich. " Es ist selbstverständlich, daß die sozialdemokratische Maifeier ganz im Zeichen des Wahlkampfes stand. Wir sind in seine entscheidenden Tage eingetreten. Von den rund 30 Millionen Wählerinnen und Wählern, die am 4. März zur Urne gerufen sind, mögen vielleicht zwei Drittel jetzt schon politisch festgelegt sein. Annähernd zehn Millionen dürften aber auch heute noch nicht wissen, ob sie am Sonntag zur Wahl gehen und men sie wählen werden. Das ist die große Masse der Nichtwähler und der Mitläufer; um ihre Gewinnung entspinnt sich jetzt erst unter den Parteien der eigentliche Entscheidungstampf. Natürlich ist auch dieses politische Treibholz nicht ganz ohne eigene Meinung und eigenen Willen. Auch von ihm werden hoffentlich die meisten immer noch politischen Berstand genug befizen, um sich wenigstens nicht von einem der anderthalb Dugend Splittergrüppchen einfangen zu lassen, die sich in den Wahlgewässern als vergnügte Infusorien herumtummeln. Auch die scheinbar ganz unpolitischen" Wähler sind außerdem fast immer irgendwie politisch vorbelastet, wobei ihre eigene foziale Stellung zumeist entscheidend ist. So ist die Entscheidung, zu der sie sich zum Schluß herbeilassen, doch nicht so ganz zufällig, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Ganz zufällig ist sie vor allem aber deswegen nicht, weil im Kampf um das politische Treibholz die Aktivität der werbenden Parteien ein bestimmender Faktor ist. Was heute und morgen versäumt wird, ist in Jahren nicht gut zu machen. Regiamkeit und Entschlossenheit können aber in diesen Tagen geradezu Wunder wirken. Sie können alle Berechnungen unserer Feinde zunichte machen und dem politischen Deutschland ein ganz anderes Gesicht geben, als jene erwarten. 17 Kläglicher Abfall der Kommunisten. | scheidenden Momenten leicht geneigt, fich denen anzuschließen, die die stärksten Töne reden. Hier ist das Reservoir für den fommunistischen und für den völkischen Stimmenfang. Heran an die Massen!" lautet der Ruf der einen wie der anderen. Sie können damit nicht die Millionen meinen, die felfenfest zur Sozialdemokratie stehen und die durch ihre höhere politische Bildung gegen alle rechtsund linksradikalen Künste gefeit sind. Die Massen, die sie meinen, sind die Massen der politisch Unaufgeklärten und Unwissenden, sie sind es, um die jetzt der Kampf geht. Wer Wählerversammlungen mitgemacht hat, der hat es in unzähligen Fällen erlebt, daß in der Diskussion ein„ einfacher" fozialdemokratischer Arbeiter aufstand und die kommunistischen Diskussionsredner in einer Weise abfertigte, daß nichts von ihnen übrig blieb. Die Lektion gestaltete fich dann so eindringlich, daß auch unschlüssige und politisch unaufgeflärte Ruhörer flar erkennen mußten, auf welcher Seite die Bernunft war. Das gibt uns die Gewißheit, daß sich die Ueberzeugungskraft unserer Genossen überall durchsehen kann, wo sie im Betriebe, im engeren Kreis, in gelegentlichen Gesprächen eingesetzt wird. Heute und morgen wird überall, wo ein paar Wähle rinnen und Wähler durch Beruf oder Zufall zusammengeführt werden, von den Wahlen die Rede sein. Wo eine Sozial. demokratin, ein Sozialdemokrat dabei ist, da müssen sie sich zum Wort melden". Was der 4. Mai bringen wird, weiß niemand. Aber jeder, der den Dingen nahesteht, weiß, daß unsere Partei sich glänzend schlägt. Unsere Versammlungen sind überfüllt, unsere Redner ernten stürmischen Beifall, durch das Ganze geht ein hinreißender Zug. Unsere Gegner leiden dagegen alle an innerer Unsicherheit, und wie kann das anders sein, da auch diejenigen von ihnen, die auf Wahlerfolge rechnen, nicht wissen, was sie damit anfangen sollen! Bölkische Trillerpfeifenkonzerte, die bereits angekündigt find, planmäßig provozierte Hinauswürfe kommunistischer Lärmmacher werden das deutsche Volk nicht retten. Praktische wohlüberlegte Arbeit zur Besserung unserer bedrängten auswärtigen Lage und zur Hebung der mit Kopf und Hand arbeitenden Massen, das ist unser Programm für die nächste Zukunft. Nur dadurch wird der Weg zum letzten und höchsten Ziel frei, zur Befreiung aus dem Joch der nationalen und internationalen Rapitalsherrschaft. Diese Erkenntnis hat sich mit jedem Tag mehr und mehr durchgesetzt. Mit jedem Tag ist die Zuversicht unserer Kämpfer und Kämpferinnen gestiegen. Jetzt gilt es, die letzten Tage und Stunden zu nügen, gilt es eine letzte Anstrengung. Sie wird jede Genossin und jeden Genoffen auf dem Posten finden. Denn sie wissen alle: die 3ukunft des deutschen Volkes und der deut schen Arbeiterklasse hängt von ihr ab! Maifeiern im Reich und im Ausland. Unsere Maifeiern im Reiche sind ruhig und würdig verlaufen. Sie waren nach den vorliegenden Nachrichten gut besucht und von einer zuversichtlichen Stimmung getragen. Der Versuch der Kommunisten, den ersten Mai durch Provofationen zu einem Bluttage zu gestalten, ist nicht geglückt. Ihr Aufruf, entgegen dem noch bestehenden Verbot von Umzügen und Versammlungen im Freien auf der Straße zu demonstrieren, hatte einen geradezu kläglichen Erfolg. Selbst in Mannheim, wo der Umzug gestattet war, brachten sie nur etwa 3500 Mann auf die Beine. Zu schweren Zusammen ftößen tam es nach den bisherigen Meldungen lediglich in Königsberg, Greiz und Hindenburg. In den anderen Orten war die Menge, wo sie mißbräuchlich von den Kommunisten auf die Straße gelockt worden war, vernünftig genug, den Anweisungen der Polizei zu folgen. Im einzelnen liegen folgende Meldungen vor: Dresden, 1. Mat.( Eigener Drahtbericht.) Die Maifeiern in Dresden find überall ruhig verlaufen. Bom Polizeipräsidium wird auf Anfrage mitgeteilt, daß die in erhöhter Bereit schaft gehaltenen Sicherheitsorgane nirgends Anlaß fanden, einzuschreiten. Trotz der kommunistischen Agitation ist während des ganzen Tages fein Versuch unternommen worden, Demonstrationen und Straßenumzüge zu veranstalten. Die Stadt steht im Zeichen des Feiertages. Auch aus dem Lande sind bis zur Stunde irgendwelche Zwischenfälle nicht gemeldet worden. die Mitglieder der sozialdemokratischen Bartei zu einer Feier im Tierpart. Bochum, 1. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Im Ruhrgebiet nahm die Maifeier einen würdigen und ruhigen Ver. auf. Infoige des Versammlungs- und Demonstrationsverbots der Besatzungsbehörden beschränkten sich die Veranstaltungen auf durchweg gut besuchte Saalversammlungen. Die Kommunisten benutzten ihre Versammlungen unter Ausnutzung der im Ruhrbergbau durch Ablehnung des Schiedsspruchs über die Arbeitszeitregelung entstandenen schweren Krise zur Generalstreifpropaganda. Zusammenstöße inkönigsberg, Greiz und Oberschlesien Königsberg, 1. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Bei der Maifeier fam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen der Polizei und kommunistischen Arbeitern, die dem polizeilichen Berbot zuwider einen Demonstrationszug bildeten. Als die Polizei eingriff, um den Zug zu zerstreuen, fielen bei dem Handgemenge, das sich entwickelte, Schüsse. Schwerverlegt wurde ein Polizeimachtmeister und ein Arbeiter. Nach der Darstellung der Polizei soll zuerst aus der Menge geschossen worden sein. Die Menge zerstreute sich nach dem Zwischenfall Greiz, 1. Mai.( WTB.) Heute morgen versuchten radikale Elemente, die Arbeitswilligen von der Arbeit zurückzuhalten, so daß fich die Polizei zum Einschreiten veranlaßt sah. In der Mittagsstunde zog ein großer Trupp demonstrierender Kommunisten durch die Straßen. Hierbei tam es zu schweren Zufammenstößen mit der Polizei, die von ihren Gummiknüppeln und Karabinerkolben Gebrauch machte. Nach halbstündigem Kampf wurde die Ruhe wieder hergestellt. Eine große Anzahl Ver. haftungen wurde vorgenommen. Nachmittags versammelte sich die Menge vor dem Rathaus, wo die Verhafteten untergebracht waren. Leipzig. 1. Mai.( WTB.) Die Maifeier ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Die Kommunist en hatten beabsichtigt, auf dem Augustusplatz eine Demonstrationsversammlung dem Augustusplatz eine Demonstrationsversammlung abzuhalten. Die 1500 bis 2000 Personen, die zum Augustusplatz ziehen wollten, wurden von der Polizei abgedrängt, ohne daß es zu Ausschreitungen gefommen wäre. Die Teilnehmer hielten dann Von der Energie und Initiative, die auf dem Spielplatz der Rennbahn eine Versammlung ab. Die Hindenburg, 1. Mai.( WTB.) Heute kam es gelegentlich eines unsere Genossinnen und Genossen im End Maifeier der Gewerkschaften fand unter starker Be- troz Berbots abgehaltenen Demonstrationszuges zu einer tampf entwickeln werden, hängt alles ab! teiligung im Palmengarten statt. Echießerei. Ein Polizeiaufgebot suchte den Zug zu zerstreuen. Heute und morgen bringt sie die Gemeinschaft der Arbeit und München, 1. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Münchener Dabei fielen aus der Menge Schüsse, worauf die Polizei das Feuer des Wegs mit ihren Berufskollegen zusammen, ist ihnen die Arbeiterschaft feierte den 1. Mai in neun von den freien Gemert- erwiderte. 3wei Personen wurden getötet, fünf verGelegenheit geboten, noch in letter Stunde auftläschaften für die einzelnen Industriegruppen einberufenen Verletzt, darunter eine lebensgefährlich. Der Anführer der Leute, rend zu wirken. sammlungen. Diese Versammlungen, die in den größten die geschossen hatten, Glodnick aus Kochlowitz( Polnisch- OberSälen Münchens atgehalten wurden, waren durchweg sehr schlesien), wurde festgenommen. gut besucht und nahmen einen erhebenden Verlauf. In ein zeinen Fällen versuchten die Kommunisten, deren selbständige Berfammlungen von der Polizei verboten worden waren, erfolglos eine Entschließung durchzudrücken, in der u. a. die unbedingte Ablehnung des Sachverständigengutachtens gefordert wurde. Auch die freie Arbeiter- Union Deutschlands suchte durch Flugblätter für ihre Ideen zu wirken. Die Völkischen trauten sich mit ihrer Um fchmeichelung der Arbeiter mcht auf den Plan zu treten. Nach Schluß der Bersammlungen zogen die sozialdemokratischen Seftionen geschlossen und unter Vorantragen von roten Fahnen in ihre Stadtlokale zurüd. Am Nachmittag bereinigten sich Auch in den Betrieben gibt es viel Treibholz. Da sind die Unorganisierten, die Indifferenten, die Leute, die keine Zeitung lesen. Da sie weder Partei- noch Gewerkschaftsbeiträge zahlen, ist das Geschimpfe auf Partei- und Gewerkschaftsbonzen Labial für ihre Ohren, denn sie finden darin die beste Rechtfertigung ihres eigenen Verhaltens. Auf einen Arbeiter, den die Kommunisten organisatorisch für sich einfangen, fommen hundert, denen das Gezeter über die verräterischen Führer" und die Quengelei über Taktik nur ein bequemer Vorwand find, sich der Arbeiterbewegung überhaupt ganz zu entfremden. Da diese Leute nicht gewohnt sind, über verwickelte politische Fragen nachzudenken, sind sie in entDie Maifeier in Wien. Wien, 1. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Als der Maifeierbeschluß der Internationale gefaßt wurde, waren in dem induſtriellen Deſterreich die Arbeiter eben erst vom Ausnahmezustand befreit, politisch noch entrechte. Die Maifeier war viele Jahre hindurch die stärkste aller Wahlrechtsfundgebungen und daraus erwuchs ihr die Stärke, die gerade die Maifeier in Desterreich durch fast vollständige Arbeitsruhe und gewaltige Massenumzüge besonders imposant machte. Seit dem Zerfall der Habsburger Monarchie ist der 1. Mai in DeutschDesterreich mie in der Tschechoslowakei Staatsfeiertg. Die Eringlmg der Mehrheit in der Wimer Stadwerwatwng durch di« Sozialdemokratie hat dazu geführt, daß die früheren Vormittags- Versammlungen in Sälen und der Nachmitiagsmarsch mit Fahnen und Standarten in den Prater durch den Massenaufmarsch auf der Ringstraße ersetzt worden find.'Diesmal mußten schon vier Riesen- Versammlungen, vor dem Rathaus, dem Parlament, dem Burgtheater und der Universität, auf der Hakmkreuzler mit Unterstützung gewisser Professoren ihre 5>>tzerei«n treiben, abgehalten werden. Fanfaren vom Rachausturm erffnetm die Feier, die Arbeitersänger begrüßten die Hunderttausende, die in Aehnerreihen, von den Ordnertruppen geleitet, singend heranmarschiert waren. Dann sprachen die Redner, worauf Chöre von Joses Scheu und die„Schöne blaue Donau" mit Orchesterbegleitung und Bläfermustk die Demonstration beendetem Die Sammelplätze waren bis zum Eintreffen der BezWszüge von Ordnerkompagnien abgesperrt. Einzelteilnehmer wurden nicht zuge- lassen, so daß nur organisierte Genossinnen und Genossen die Demon. stranten stellen: sie trugen die Erkennungsschleif«, die das früher übliche metallen« Maifeftzeichen erfetzt hat. Der Rückmarsch erfolgt« wieder geschlossen. Am Nachmittag fuhren tausende Arbeiterradfahrer mit geschmück 'en Rädern über den Ring zum Freiheitsplatz vor dem Rothau», wo die Arbeiterturner sin großes Schauturnen veranstalteten und ihr« Fahnen enthüllten. Schon am Mittwochabend, besonder» aber am Nachmittag und Abend des Staatsfeiertages gab es zahlreiche künstlerische Veranst.il- tungen der Organisationen in fast allen Theatern, im neuen Saal der H»st>urg und in vielen der schönsten Festlokale Wien». Zum erstenmal waren zu Ehren der Maifeier sowohl die Häuser in den Arbeitcrbezirken wie die städtischen Amtsgebäude mit Fahnen geschmückt. Starke öeteiligung in Lrankreich. Paris, 1. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Frier de» 1. Mai ist in Paris ruhig und ohne Zwischenfall verlaufen. Die Beteiligung an der von den Gewerkschaften organisierten Manifestation im Tro- cadero war ungewöhnlich stark. Auch die 16 von den Rom» niunisten einberufenen Versammlungen waren gut besucht. Di« Durchführung der Arbeitsruhe war, wie vorauszusehen, nicht vollständig. Trotzdem war die Zahl der Feiernden größer. als in den Gewerkschastskreifen noch am Mittwoch angenommen worden war und als im vergangenen Jahr. Mit einer für fran« zösrsche Verhältnisse staunenswerten Disziplin waren die etwa 12 000 Chauffeure der Poriser Droschken der von ihren Gewerkschasten ausgegebenen Parole zur E I n st e l l u n g der Arbeit gefolgt. Man sah den ganzen Tag nicht eine Droschke auf der Straße. Auch da» Fahrpersonal der S t r a ß en b a h n und der Autobusse hat zum größten Teil gefeiert. In einzelnen Depots betrug die Zahl der Feiernden bis zu 70 Proz. und die Gesellschaft mußte, um den Der- kehr auf ein Drittel des gewöhnlichen Umfange» aufrechterhalten zu können, auf die Dienste der freiwilligen Technischen Nothllfe zurückgreifen. Auch in den Kommunalbetrleben wie» da» Personal am Donnerstag starke Lücken auf. Besonders stark war die Be> tciligung an der Arbeitsruhe in der Holz-, Möbel-, Glas», Leder». Metall- und Bauindustrie. In Le Havre betrug die Zahl der Feiernden mehr als SO Proz. der gesamten Arbeiterschaft: die Straßenbahn tonnte noch nicht 20 Proz. ihrer Wagen In den Verkehr bringen. In Lorient beteiligte sich an einem Umzüge durch die Straßen die gesamte Arbeiterschaft de» Marin earsenals und der kommunalen Betrieb«. UnbefrieSigenüer verlauf la Euglauü. London. 1. Mal.(Eigener Drahtbericht.) Di« Maifeier in England war zersplittert. Nur teilweife fanden am Donnerstag Mai- feiern statt. Teilweise haben die Organisationen der Arbeiterpartei für Sonntag Feiern angesetzt.„Daily Herald" beklagt di« unge- nügende Organisation und hofft, daß zukünftig der 1. Mai unter der Arbeiterregierung zu einem wahren Feiertag wird. Mecklenburgs warneaöes Se,'spiel -lurrf) R-chtssi-g z,,m Narrenhaus.* Mecklenburg- Schwerin, I. Mai.(TU.) Nach den „Mecklenburger Nochrichten" hat die Fraktion der Deutschvölki- scheu Freiheilspartei dem Vorsitzenden der deulschaatio. nalen candlagsfroklion erklärt, daß sie nicht in der Lage fei. gegen den von den Sozialdemokraten und Kommunisten angekündigten Mißtraaensantrag gegen da» Ministerium Vrandeusteiu zu stimmen, wenn nicht vor dem wiederzusammentritt des Landtages der Rücktritt de» Ministerpräsidenten v. Branden- stein erfolgt wäre. Brandensteln fei infolge seiner Stellungnahme zu dem Sachoerständigengulachten für die Freiheitsportei untragbar. Da die Veutschuationale Volkspartei nicht gewilll ist. Brandensteiu zum Rücktritt zu veranlasien. ist der Sturz desMinifleriams unvermeidlich, falls die Freiheilsparlei ans ihrem Standpunkte verharrt. Di« Ministerknse in Mecklenburg-Schwerin sollte ein Warnungszeichen für die Reichstagswähler am 4. Mai fein. Die Deutschnationalen sind mit dem Schlachtruf: „Gegen jede Erfüllungspoliti!— Nieder mit dem Vertrag von Versailles" in den Kampf gezogen. Innerlich waren sie von der Verlogenheit dieses Schlagworts von vornherein überzeugt. Aber ihnen kam es lediglich darauf an, die Massen zu verblenden und aus der nationalistischen Der- hetzung der Deutschoölkischen ihren Nutzen zu ziehen. Sie haben ihre Rechnung ohne die Deutschvölkischen ge» macht. Ueberall, wo die Rechtsparteien am Ruder sind— wie in Thüringen und Mecklenburg-Schwerin—, betrachten sie sich als die Polizeibüttel der bürgerlichen jede praktisch« Regierungsarbeit lahm. Parteien. Sie legen Thüringen schwankt seit dem Antritt der Ordnungsbund-Regierung von Krise zu Krise. Nicht anders ist es in Mecklenburg-Schwerin. Minister. Präsident v. Branden st ein hat— wie sämtliche Minister- Präsidenten des Reiches— dafür gestimmt, das Sachoerständi- gcngutachten anzunehmen— folglich muß er gehen. So wollen es die Deutschvöltischen, und sie sind in dieser Forderung kon» seqüenter als die Deutschnationalen, die sich öffentlich in schärffter Form gegen das Gutachten aussprechen, hinter geschlossenen Türen aber für seine Annabme stimmen. Die Folge ist ein heilloses Durcheinander in Mecklenburg- Schwerin. Die deutschnationale Rechtsregierung kann ohne deutschvölkische Hilfe nicht regieren, eine Regierung der großen Koalition ist nur mit Unterstützung der Deutschnationalen denkbar. Was wird die Folge fein? Die Mecklenburger Deutschnasionalcn haben es weit gebracht. Nach zwei Monaten bereits haben sie abgewirtschaftet und hinterlassen ein C h a o s. das nur zu sehr an das Chaos erinnert, das die reaktionäre Regierung in Bayern verursacht hat. Soll sich das Mecklenburger Trauerspiel im Reich wiederholen? Auch hier wäre eine deutschnationale Rechts- regierung von der Gnade der Deutschoölkischen abhängig. Auch hier wären die Deutschnationalen gezwungen, Erfüllungs- Politik zu treiben. Auch hier würden sie wie in Mecklenburg- Schwerin von den Deutschvölkischen schachmatt gesetzt werden, und das Chaos würde hier zur K a t a st r o p h e. Das zu oerhindern gibt es nur einen Ausweg: den deutsch- nationalen Lügenbolden, die sich wieder einmal in«ine Kata- strophenpolitik hineinmanövriert haben, das Handwerk zu legen, ehe sie Unhell angerichtet haben. Dafür zu sorgen ist die Pflicht jedes einzelnen am 4. Mai. Imposante Zeier in hollanü. Amsterdam, 1. Mai.(WTB.) Der 1. Mai wurde von den So- zialdemokraten in beinahe allen Städten Hollands durch Kund- gedungen und Umzüge mit Musik gefeiert. In Amsterdam hatten die städtischen Behörden einen öffentlichen Park zur Abhaltung einer Massenversammlung freigegeben. Auf mehreren Plätzen Amster- dams wurden Konzerte gegeben und Kinderspiele veranstaltet. Am Vormittag bewegten sich zahlreiche Züge von Arbeiterorganisationen mit Mustt und unter Borantragung von Fahnen nach dem erwähn- ten Park. Am Abend werden mehrere Bersammlungen in ver» schiedenen Lokalen abgehalten werden. Bisher ist weder au» Amster- dam noch aus den übrigen Teilen des Landes eln Zwischenfall ge- meldet worden. Ver?. Mai in polen. Warschau, 1. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In Polen haben heute di« Industriearbeiter gefeiert, mit Ausnahme von Eisenbahn und Elektrizität. In Warschau kam es zwischen Sozialisten und Kom- munisten zu Schlägereien, so daß die Polizei einschritt. Die Straße mit dem Gelände der Sowjetgesandtschaft, die ein« große rot« Fahne gehißt hatte, war gesperrt. Rote Zahne in Rom. Rom, 1. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« Gesandtschaft der russischen Sowjetunion hat am 1. Mai rot geflaggt. Gegen faschistische Angriffe oder Demonstrationen hatten die Kommunisten rings um die Gesandtschaft«inen Sicherungsdienst gestellt. Die Carabineri« der Regierung sorgte dafür, daß dieser Sicherheitsdienst nicht ange- griffen wurde. Polizeiattacke in Mhen. Athen, 1. Mol.(Eigener Drahtbericht.) Die Masse! er demon- stration der Arbeiter ist von der Polizei mit der Masse gesprengt worden. Dabei wurden mehrere Manifestanten erheblich verletzt. Ver Weltfeiertag öer Zukunft. Eine Anregung Macdonalds. London. 1. Mai.(Eca.) Znm 1. Mai hat Ramsay Mae- d o n a l d folgende votschasl an dl«„Vereinigung zugunsten der Arbeiter, und politischen Bewegung" gerichtet: Es ist mein glühend- stet Wunsch, daß an einem späteren 1. Mai der Völkerbund das varlament aller Völker geworden fein möge. Ich erlaube mir die Anregung, daß dieses große Ereigni» am besten dadurch gefeiert werde, daß das erste Gesetz, da» der Völkerbund annimmt, den 1. Mai in Uebereiostimmung mit alle« Ländern zum Fest der weltverbrüderuug erklärt. Dieser Tag wird ein Fest zur EInnerung an frühere widrige Slreitigkeiten und«in Tag der Hoffnung auf die endliche SolidarilSt der Menschheit sein. Eine Verordnung de» Reichsxrästdenkeu zur Ergänzung der Per- ordnung vom 28. Februar d. I. setzt für Teilnahme an nicht zu- gelassenen Veranstaltungen im Freien Hast»der Geldstrafe vis ISO M., für die Veranstalter oder Redner Gefängnis oder Geld« straf« fest. Sozialüemokratische Runüfunkreöe. Genosse Breitscheid spricht drahtlos am Abend des l.Mai. In der Reihe von Wahlreden, die der Berliner Unterhaltungs- rundfunk feinen Hörern bietet, kam gestern abend unser Genosse Dr. Rudolf Breltscheid zu Wort. Er führte aus: Da» Glück des Loses hat es gefügt, daß ich als Vertreter der Sozialdemokratie am 1. Mai zu Ihnen sprechen darf. Auf einem internationalen Kongreß, der vor 3S Iahren stattfand, wurde der 1. Mai zum Festtag der Arbeiter der Welt bestimmt, an dem sie für den Weltfrieden und die achtstündige Arbeitszeit als das Symbol des sozialen Fortschritts demonstrieren sollen. Mancherlei Schicksale hat da« Proletariat seitdem durchlebt, und manchen ersten Mai, an dem bald die eine, bald die andere der Maiforderungen im Bordergrund« stand. Aber kaum jemals zuvor sind beide zugleich so akut und so dringend gewesen wie heute, und dazu kommt, daß wir diesmal nicht nur«in platonisches Bekenntnis zu unserem Programm ablegen, son- dern daß wir in wenigen Tagen Gelegenheit haben, uns mit dem Stimmzettel in der Hand für unsere Forderungen einzusetzen. Am 4. Mai soll darüber entschieden werden, ob das deutsche Volk alles tun wird, was in seinem Bermögen liegt, um die Grundlage für Frieden und Berftändigung zu schaffen. Noch im sechsten Jahr nach Beendigung des Krieges leben wir noch nicht in einem Zustand, der als wirklicher Friede angesprochen werden kann. Fremd« Truppen stehen innerhalb unserer Grenzen und fremd« Regierungen üben nicht nur«inen militärischen, sondem auch den stärksten wirtschaftlichen Druck auf Deutschland aus. Die ökonomssche Einheit unseres Landes ist zerstört, und die Wirkungen dieser aus dem sogenannten Frieden» vertrag und den zahlreichen Sanktionen folgenden Maßregeln machen sich nicht nur in den besetzten, sondern auch in den unbesetzten Gebieten tausendfältig fühlbar. Aber— wenn auch im geringeren Grad«— sehen wir ähnliche Erscheinungen auch in den Sieger st a a t e n. Di« Weltwirtschaft ist aus dem Gefüge, Unruhe und Un sicherheit sind das Kennzeichen der Situation in den meisten Ländern, und die, die aus dem Krieg« zurückgekommen sind, haben nirgendwo verwirklicht gefunden, was Lloyd George den englischen Soldaten während de» Kriege» versprach, die Heimat nämlich, in d«r e» eln Glück ist für Heloen zu wohnen. Für uns ergibt sich daraus in erster Linie, daß'<'•! der Kapitalismus nicht imstande gewesen ist, dl« Wunden zu heilen, die er geschlagen hat, er konnte einen Well krieg entfesseln, aber er konnte di« zerstörte Welt nicht wieder aufbauen. Der Kampf wider das kapitalistische Wirtschaftssystem ist daher unsere erste und wichtigste Parole, auch in diesem Wahlkampf. Aber diese allgemein« Formulierung des sozialistischen Endziels genügt nicht. Wir haben uns an die wichtigsten Problem« des Tages ?u halten, und da müssen wir uns zunächst bemühen, auch unter der apitalistischen Ordnung«inen Weg zu finden, aus dem wir wenig- sten» zu einer Erleichterung des unmittelbaren Drucks und zu einer Beseitigung der unmittelbar drohenden Gefahren gelangen können. Das Gutachten der internationalen Sachverständigen über die deutsche Leistungsfähigkeit hat die gegenwärtige Regierung als Basis für weitere Diskussionen anerkannt, und die Frage ist nun die, ob der Reichstag in seiner neuen Zusammensetzung diesem Beschluß bei- treten und aus ihm die notwendigen gesetzgeberischen Konsequenzen ziehen wird. Die Sozialdemokratie ihrerseits ist dazu bereit. Sie weih zwar, daß das, was die Sachverständigen vorschlagen, eine Lösung in kapitalistischem Sinne ist, aber solange die Arbeiter- s ch a f t der Welt nicht stark und einig genug ist, um andere Methoden vorschlagen zu können, sind wir genau so gut wie S o w j e t r u ß» l a n d genötigt, auch kapitalistischen Lösungsversuchen zuzustimmen, wenn fle uns einen Fortschritt versprechen. Die Sozialdemokratie verheimlicht weder sich noch anderen, daß die Belastung, die da» Gutachten vorsteht, gewaltig ist. Eine Jahresleistung von 2500 Millionen Goldmark vom fünften Jahre ab gerechnet, ist sicherlich kein Betrag, der leichten Herzens von Deutschland übernommen werden könnte. Dazu di« Entnahme der Eisenbahnen aus dem Reichsbesitz, die Belastung der Industrie und Landwirtschaft und die Ankündi- gung neuer Verbrauchsabgaben. Und auch damit muß gerechnet wer- den, daß der Versuch gemacht wird, alle diese Lasten in der Haupt- 'ache der arbeitenoen Bevölkerung aufzubürden. Und daß es der größten Sraftanstrengnng von unserer Seile bedarf, um eine gerechlere Verteilung der Soften durchzusehen. Und dennoch haben wir uns damit einverstanden erklärt, daß das Sachverständigengutachten zur Grundlage der Diskussion gemacht werde. Die Parteien der Rechten erinnern wir daran, daß das Wesentlichste von dem, was das Gutachten fordert, bereits im Memorandum der Cuno-Regierung vom 7. Juni 1023 der Entente angeboten worden ist: in dieser Regierung saßen keine Sozialdemokraten, und gegen diesen Schritt haben die Deuischnatio- nalen Protest nicht erhoben. Der bekannte englische Rationalötonom Keynes, den oft genug deutschnationale Redner im Reichstag als Kronzeugen gegen den Dersailler Vertrag zitiert haben, schreibt jetzt: „Deutschland kann bessere Bedingungen als diese kaum erwarten. Der Bericht atmet eine neue Gesinnung und ist in einem neuen Geiste versaßt, er schafft eine Atmosphäre der Unparteilichkeit und eröffnet ein neues Kapitel." Zu diesen, günstigen Urteil aber hm Keynes vor allen Dingen deshalb ein Recht, weil die Sachverständigen an die Spitze ihres Gutachtens den Satz stellen, daß Deutschland nur leisten kann, wenn sein« wirtschaftliche Einheit wiederhergestellt wird. Da» Gutachten grundsätzlich ablehnen, bedeutet die Verlängerung und Verewigung de» ans an, lassenden Druck» oder treibt uns über kurz oder lang w einen neuen bewaffneten Kon- fllkt hinein, der für Deutschland vollkommen aussichtslos wäre. Der neu« Reichstag dar? also kein« Mehrheit haben, die die Dinge treiben oder es gar auf einen neuen bewaffneten Konflikt an- kommen läßt. Es muß Erfüllungspolitik gemacht werden in dem Sinne der von uns unterstützten Ersüllungspolitik Wirths und Rathenaus, die nichts anderes zum Zweck hatte, als die Befreiung Deutschlands mit wirtschaftlichen Opfern zu erkaufen. Wenn trotz dieser klaren Tatsachen heute leider so viel« denen folgen, di« nationalistische Reden im Munde führen und eine aktive ouswärtig« Politik empfehlen, für die die Voraussetzungen nicht ge- geben sind, so rührt das in erster Linie ans der entsetzlichen wirt- schaftlichen Not der letzten Jahre, die den Boden für die Aufnahme- der radikalen Parolen bereitet hat, wenn sie nur ein« schnelle Hei- lung tn Aussicht stellten. Auf diesem Boden konnte die Saat der Kommmristen sowohl wie der Deusschvölkischen aufgehen. Auch die Kommunisten, die das Sozial« in den Vordergrund stellen, bekämpfen außenpolitisch di« Erfüllungspolitik, und die Deutschoölkischen, die in erster Linie das sogenannte Nationale betonen, hoben sich mit einem sozialen Programm versehen. Einem sozialen Programm freilich. an dessen Ernst kein Dernllnstiger glauben kann, und das in einem blöden Antisemitismus gipfelt. Di« Kunst all dieser Aerzte wird versagen. Boraussetzun«, der Gesundung ist die außenpolitische Verständigung und Ueberwindung des Ratio na- Ii sm us und gleichzeitig der entschlossen« Bruch mit einer Wirt- fchaftspolitik, die neben der Rücksichtslosigkeit Frankreichs für die Not des deutschen Volke» verantwortlich gemocht werden muß. Die Inflation hat die Sozialdemokrat!« mit allen Kräften zu bekämpfen gesuchr. Sie stellte Anträge über Anträge, um durch die sogenannt« Erfassung der Sachwerte, durch wertbeständige Steuern usw. das Gleictytewicht des Haushalts herzustellen und damit die wesentlichst« Borbedingung für eine feste Währung zu schaffen. All ihre Bemühungen scheiterten an dem Widerstand der b ü r g« r» lichen Parteien, an dem Egoismus der Großmdustri« und der großen Landwirtschaft und an der wahnwitzigen KreditpolUik der Reichsbank. Den Vorteil hatten d!« Sachwertbesttzer in Industrie und Landwirtschaft, und erst in dem Augenblick, als Ende 1923 die Gold- rechnuna Platz zu greifen begann und die Inflationsoewiimler ihren Vorteil schwinden sahen, entschlossen st« sich zu einer Tat. zu der die Sozialdemokratie sie Jahr« lang vergebens mitzureißen oersucht Hatte. Di« Rentenmark wurde geschaffen und ernsthafte Anstrengungen wurden gemacht, den Staatsbanshalt ins Gleichgewicht zu bringen. Aber leider mußten jetzt die Kosten in allererster Linie die a r b« i- ten den Schichten der Bevölkerung tragen, weil die Nutznießer der llaflafioa auch das erreicht hatten, daß in der Zeit der Papiergeldwirtschaft die Arbeiter so verarmt waren, daß sich ihre politischen und gewerkschaft- lichen Organisationen schwächten und ihr« Presse fast vor dem Unter- gang stand. Unter dem Schutz des Ermächtigungsgesetzes, dem die Sozialdemokratie zugestimmt hatte, um sich nicht den Vor- wurf zuzuziehen, als habe sie irgend etwas versäumt, was die Sicher- stellung der Rentenmark gewährleisten könne, setzte der große Abbau ein, auch der Abbau der sozialen Reformen. Wir versuchten nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages in unseren Anträgen diesen oerfehlten Methoden zu begegnen. Da wurde das Parlament auf- gelöst, und der Kamps wird jetzt nach den Neuwahlen auszuscchten sein. Wir wollen die Festigkeit der Währung erhalten sehen. Aber wir wollen nicht, daß die Arbeitenden, hie während der Inflation ge- nügend gelitten haben, nun auch die Lasten des Wiederaufbaues tragen. Wir wissen, daß die Mark nur provisorisch stabilisiert ist. Eine Gefahr droht ihr nicht zuletzt von dem großen Defizit in unserem Außenhandel. Diese» Defizit wird nicht ausgeglichen, indem man auf die Löhne und die Lebenshaltung der Arbeiter drückt, denn unser Export hat zur Voraussetzung einen geistig und körperlich gesunden Arbeiterstand. Die hohen Preise unserer Industrie rühren nicht her von zu hohen Arbeitslöhnen, sondern fle sind viel- mehr diktiert durch falsche Kalkulationen bei der Produk» tion, durch die Preisbildung der Syndikate und Trusts und durch di« Uebersetzung des Zwischenhandels. H i« r hat der Kampf«inzusetzen. Für die Mederherstellung einer großzügigen Sozialpolitik, für die Wiederherstellung vor allem des Achlslundenlags, über den wir nach den Wahlen den Volksentscheid«mrusen wollen, für die Befreiung der Arbeiterklasse, die mit der Befreiung vom ausländischen Druck Hand in gand gehen muß. Diesen Kampf wollen wir nicht führen nach den kommunistischen Rezepten mit dem bewaffneten Ausstand, sondern mit den Mitteln der Demokratie auf dem Boden der Republik, die uns, wie sie sich heute darstellt, sicher nicht als ein Ideal erscheint, die uns aber eine Form ist, die wir nicht zerbrechen lassen, und der wir einen sozialistischen Inhalt geben wollen, lim diese Ziele zu erreichen. gehen wir in den Reichstag, von dem wir wissen, daß er nicht die einzig« Waffe der Arbeiterschaft ist, aber doch eine Waffe, die nicht zerstört werden darf. Di« letzten Entscheidungen werden in den Auseinandersetzungen zwischen den wirtschaftlichen Kräften der Arbeit und de» Kapitals fallen, aber auch Im Parlament sollen und wollen wir wirken, daß sich unsere Maiforderungen verwirk- lichen und daß einmal die Zeit kommt, von der Richard Dehmcl träumt: Doch kommt einmal«in erster Mai, Da stehr das Volk in einer Reih'. Mit einem Schlage hat's all« Tag« Ein paar Stunden zur Freude frei. Ein wahres Wort an falschem Ort. Heiterkeit in ernster Zeit. Auge gelaffen und sei bereit, allen Einfluß, den sie befiße, für die Wiederherstellung normaler Berhältnisse im besetzten Gebiet anzuwenden. In dieser Zeit aber, wo man vernünftigerweise die die Regelung größerer Fragen erhoffen könne, fühle er sich nicht berechtigt, diefes Sonderproblem eingehender zu behandeln. Die Zeit fei für eine solche Erörterung noch nicht geeignet. Besatzungsjustiz. nationales Ehrgefühl befize. Auf die Zwischenfrage des Referenten,| Die Regierung habe indes die Frage feinen Augenblid axs dem ob er behaupten wolle, daß es Amerikaner oder Engländer gäbe, die Deutschland zur Ablehnung des Sachverständigengutachtens rieten, fettgefchränkte er allerdings sofort diefe merkwürdige Erflärung ein mit der Bemerkung, daß er dies nicht habe behaupten wollen! Obwohl nun wiederholt der Referent an ihn die Frage richtete, ob er ut gutem Gewissen behaupten fönnte, daß bei einer Ablehnung des Gutachtens durch eine rechtsgerichtete Reichstagsmehrheit, wie er fie wünsche, die Rentenmart auch nur einen Tag länger gehalten dende Frage überhaupt nicht! In einer Wahlzeitung finden wir folgenden druckten Aufruf: Hand- und Kopfarbeiter! Tausende von Bersprechungen werden Euch gemacht, alle Bar teien reißen sich um Eure Gunft. Glaubt nicht baran! Was tampilos versprochen wird, wird nie gehalten! Die Deutfchnatio. nalen gründen mit großen Geldern Arbeitervereine, ihre Agitato- werben fönnte, antwortete er auf biefe entschei Noch immer 140000 Ausgewiesene und 1700 Gefangene. ren sind bezahlt. Wir sagen Euch: Erkämpft Euch Euer Recht! Nur das erfämpfte Recht ist wertbeständig. o steht das geschrieben? Wo ist diefer Aufruf zum Klaffentampf abgedruckt? Im National- Echo", dem Nachrichtenblatt der Deutschen Boltspartei für den Wahlkreis Teltow- Beestow! Der Aufruf endet mit einer Auf forderung, für die Bartei Stresemanns zu stimmen. Worüber die Hand- und Kopfarbeiter wahrscheinlich herzlich lachen müssen. Denn in der Partei der Großindustriellen„ fämpfende" Hand- und Kopfarbeiter, das ist zu spaßig! Bei mir- Streichhölzer! Die Deutsche Boltspartei läßt in Berlin Streichhölzer zum Ab. reißen gratis verteilen. Der Umschlag ist mit Lobsprüchen auf die Partei geziert, die uns von roten Retten freimacht. Efau verkaufte sein Erstgeburtsrecht für ein Linfengericht. Wer verkauft der Volkspartei seine Seele für zwanzig Streichhölzer? Ludendorff geht in den Reichstag. München, 1. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Ludendorff gibt folgende Erklärung befannt: Die Nachricht, daß ich im Falle einer Wahl zum Reichstag mein Mandat alsbald nach erfolgter Wahl niederlegen würde, ist unrichtig. Der Giftkrieg. Das Sehnsuchtsziel der Rechtsparteiler. Haag, 1. Mai.( WTB.) In der Ersten Stammer erflärte gestern Ministerpräsident Ruys de Beerenbroud in Erwiderung auf einige Bemerkungen über die Frage der Landesverteidigung, der chemische Krieg der Zukunft werde noch fürchterlicher sein als der lehte Krieg. Die Verantwortung der Staatsmänner sei dadurch noch schwerer geworden. Es wäre jedoch falsch, die Waffen fortzuwerfen, weil sie furchtbarer geworden wären. Erst eine internationale Berständigung könne zu diesem Ziele führen. Reichstagswahlen und Rentenmark. Ein Rentenbanklciter für Ratastrophenpolitik. So erfreulich es ist, daß es bisher gelungen ist, die Rentenmart stabil zu halten, so sicher ist es auch, daß diese Bemühungen bei uns veränderter außenpolitischer und wirtschaftlicher Lage auf die Dauer zum Scheitern verurteilt find. Bekanntlich ist die Rentenmart als solche nur ein inneres Zahlungsmittel, tas auf dem Weli marft nicht offiziell gehandelt wird. Solange aber auch außerhalb Deutschlands der Umrechnungsturs 1 Dollar= 4.2 Billionen Papier. mart= 4,2 Rentenmart anerkannt bleibt, ist auch die Rentenmart als stabil anzusehen. Wie schwer es aber ist, diesen Zustand aufrecht zu erhalten, geht aus der einzigen Lalfache hervor, daß bereits seit Wochen en der Berliner Börse die wichtigsten Devisen nur in ganz minimalen Prozentfäzen, meist 1 Brez, zugeteilt werden, während auf den ausländischen Börsen die Aufrechterhaltung des obigen Surfes einer unermüdlichen Wachsamteit und Interventionstätigfcit Dor Reichsbantvertreter bebanf. Nur die Aussicht auf eine Gesamtregelung der Reparationsfragen und auf die dadurch bewirkte außenpolitische Entspannung und wirtschaftliche Erholung, Die an die Arbeit der Sachverständigen seit Monaten geknüpft with, hat dieses Kunststück der Sicbilisierung bisher ermöglicht. Es ist aber flar, daß von dem Augenblid cn, wo diese Aussicht infolge einer Beigerung Deutschlands, das Sachverständigenprogramm an zunehmen und durchzuführen, verschwände, die Rentenmart auto. matisch zusammenbrechen und den Weg der Papiermart nehmen würde. Keine Antwort war in diesem Falle auch eine Antwort, und zwar eine sehr deutliche. Was foll ran aber ven solchen Verwaltungsratsmitgliedern der Rentenbank halten, die eine Politik empfehlen, die zum Zusammenbruch der Rentenmart führen muß? Was würde man im privatwirtschiftlichen Leben von einem Industriellen, einem Kaufmann oder auch einem Landwirt tenfen, ter den Ruin seines Unternehmens bewußt herbeiführt oder zumindest Transaktionen empfiehlt, von denen er wissen muß, daß sie mit dem Banterott enden müssen? Besetztes Gebiet und Reparationsplan. Der Wirtschaftsausschuß für Annahme des Gutachtens. Für die Annahme des Sachverständigengutachtens hat sich jetzt auch der Vorstand des Wirtschaftsausschusses für das befeßte Gebiet ausgesprochen, und zwar mit ähnlichen Bor behalten, wie sie bereits der Industrie- und Handelstag geäußert hatten. Insbesondere wird die Wiederherstellung der Hoheit des Reiches im besetzten Gebiet und die Aufrechterhaltung der Tarif. hoheit bei der Reichsbahn verlangt. Aus der Begründung der Entschließung ist folgender Sah besonders bemerkenswert: Die Verhältnisse, wie sie sich in der rücksichtslosen Ausbeutung des besetzten Gebietes als Reparationsprovinz einerseits und der überaus fritischen Lage der Finanzmärkte andererseits entwickelt haben, verlangen gebieterisch ein raiches und entschloffenes Handeln, wenn die deutsche und mit ihr die europäische Wirtschaft nicht gänzlich ruiniert werden sollen." Bir glauben nicht, daß dieser Appell an das nationale Gewiffen und an die wirtschaftliche Bernunft auf die Rechtspolitiker auch nur den geringsten Eindrud machen wird! Deutschland und das Gutachten. Erklärung des Reichskanzlers. London, 1. Mai.( WIB.) Dem Berliner Berichterstatter des „ Daily Expreß" sagte Reichsfanzler Marg: „ Die deutsche Regierung hat mit Befriedigung gesehen, daß England den Bericht als Ganzes und ohne Vorbehalte ange. nommen hat. Obwohl der Sachverständigenplan Deutschland Lasten auferlegt, beren Durchführbarkeit erst die Zukunft lehren fann, hat die deutsche Regierung den Bericht als Grundlage für die Lösung des Reparationsproblems angenommen unter der Boraussetzung, baß bie wirtschaftliche und fistalische Einheit Deutschlands und feine Souveränität in den befeßten Gebieten fofort wiederhergeftellt wird, wie es der Bericht vorsteht. In der Antwort Englands glaubt die deutsche Regierung die Würdigung ihrer Auffassung zu erkennen, und sie hofft, daß es ohne Verzögerung gelingen wird, die wichtigste Voraussetzung für die Inangriffnahme des Planes zu 10 atdod moist wg modest fchaffen Die deutsche Regierung ist zurzeit damit befaßt, die gefeß geberischen Maßnahmen vorzubereiten, die der Sach verständigenbericht vorfieht." 7000 Die belgischen Minister in London. Condon, 1. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die belgischen Mini. fter Theunis und Hymans find in London eingetroffen Sie merden am Freitag mit Macdonald die allgemeinen Angelegenheiten der Reparationsfrage und der Durchführung der Sachverständigenvorschläge besprechen. Das ist das erstemai seit dem Ruhreinbruch, daß britische und belgische Minister in persönlichen Gedankenaustausch treten. Besprechungen in Washington. Washington, 1. Mai.( BIB.) General Dawes, Young und Robertson hatten eine lange Unterredung mit Präsident Coolidge, Außenminister Hughes und Schazsekretär Mellon. Die Sach verständigen haben jede Erklärung über die Unterredung abgelehnt. Descamps im Vorbereitungsausschuß. Amtlich wird gemeldet: Da in der Debatte im englischen Unterhaus über die Zahl ter Gefangenen und Ausgewiesenen des besetzten deutschen Gebiets von Regierungsseite Zahlen angegeben worden find, die nach den deutschen Feststellungen unzutreffend sind und nach Angabe des Regierungsvertreters im wesentlichen auf franzö fifchen und belgischen Quellen beruhen, ist seitens der deutschen Deffentlichkeit hieraus der Schluß gezogen worden, daß die deutsche Regierung eine Information der auswärtigen Regie.. rungen über diese Fragen unterlassen hat. Dies trifft, wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, nicht zu. Die deutschen Missionen in den hauptsächlichsten Ländern haben entsprechend den ihnen erteilten Instruktionen fortdauernd die Regierungen, bei benen fie beglaubigt find, auf die besondere Wichtigkeit der Frage: der Gefangenen und Ausgewiesenen hingewiesen und haben bei diesen Gelegenheiten genaue Zahlen angegeben. Nach den legten deutschen Feststellungen beträgt die Zahl der Aus. gewiesenen aus dem gesamten besetzten Gebiet noch, immer rund 140 000. In den Gefängnissen des besetzten Gebiets be finden sich auf Grund von Anordnungen der französischen und belgischen Militärgerichtsbarkeit ungefähr 1700 Deutsche in Straf und Untersuchungshaft. Diese Zahl verteilt sich auf die verschiedenen Rategorien folgenderweise: etwa 1000 befinden sich in Strafhaft, hiervon find etwa 300 nach deutscher Auffassung als pofitische Gefangene anzusehen. In Untersuchungshaft befinden sich zurzeit etwa 700. Da die Boruntersuchung und das Ermittelungsverfahren nicht öffentlich find, zum Teil sogar mit einem absoluten Geheimnis umgeben werden, lassen sich durchaus zuverlässige Angaben über den Charakter der diesen Untersuchungsgefangenen zur Last gelegten Taten nicht machen. Schäßungsweise dürften etwa 300 don diesen Untersuchungsgefangenen als Gefangene politischen Charak ters anzusehen sein. In Gefangenenanstalten Frant reichs und Belgiens find im ganzen 54 Deutsche verschleppt. worbert. Die Militärkontrolle. Paris, 1. Mai.( WTB.) Havas veröffentlicht folgendes Kommuniqué: Die Botschaftertonferenz hat sich in einer heute vormittag abgehaltenen Sigung mit laufenden Angelegenheiten sowie mit der Antwort beschäftigt, die demnächst Deutschland in der Frage der interafliierten Militärkontrolle erteilt werden soll. Diese Note wird nicht vor nächster Boche nach Berlin abgehen können. Amerika fordert Abrüstung. Der Kongres wünscht eine Weltkonferenz. Condon, 1. Mai.( WTB.) Der Senat hat das Marinebudget von 275 Millionen Dollar genehmigt. Senat und Repräsentantenhaus haben eine Klaufel hinzugefügt, betreffend Einberufung einer Ronferenz über die Rüstungen in der Luft und zu Lande. In der Klaufel wird gefordert, daß die Einladung zu einer solchen Kon ferenz, fich nicht auf die Teilnehmer an der Konferenz von 1921 be schränken, sondern auch Nationen umfaffen solle, deren Teilnahme ber Bräfident für ratfam erachte. Die Liberalen für Snowden. London, 30. April.( WTB.) Die Bersammlung der Liberalen Partei im Unterhause dauerte zwei Stunden. Ihr Ergebnis war die allgemeine Uebereinstimmung, das Budget Gnombens zu unterstüßen, von dem Asquith sagte, er betrachte es als eine Rechtfertigung für den Beschluß der Liberalen Partei, die Regierung Baldwin zu stürzen. Arbeiterparteiler für Schutzoll. London, 1. Mai.( WTB.) Im Unterhaus haben drei mit. glie ber der Arbeiterpartei somie der Abgeordnete für Coventry, dem Mittelpunkt der Motorindustrie, einen Abänderungsantrag zum Budget eingebracht mit dem Ziel einer Fortfüh rung des Mac- Kenna- Schutzzolls bis zum Mai 1925. Das aber verschweigen gefliffentlich alle diejenigen Bar teien, die die Ablehnung des Sachverständigengutachtens ,, tomnie, was tommen mag" zu ihrer Wahlparole gemacht haben, nämlich die Deutschbölfischen, die Deutschnationalen und die Kom munisten. In diesem Zusammenhang mag das Verhalten gewisser Leiter der Rentenbank besonders interessieren. Die industriellen Vertreter im Verwaltungsrat der Rentenbant, z. B. Dr. Sorge, Dr. Büder und Kraemer, haben sich, ebenso wie der Reichsverband der Deutschen Industrie, für die Annahme des Berichtes aus. gesprochen. Es ist übrigens ein offenes Geheimnis, daß es gerade Fie rheinisch- westfälische Schwerindustrie gewesen ist, die im Hin blid auf die unerträglichen Zustände, die durch die Micum- Berträge hervorgerufen worden sind, mit aller Entschiedenheit von der ersten um Mitglied des Ausschusses für die industrielle Organisation wird schlossen auf Anregung des Vorsitzenden, der österreichischen Regie: Stunde an bei der Reichsregierung kategorisch verlangt hat, daß die Anfrage der Reparationsfommiffion unverzüglich in bejahendem Sinne beantwortet werde. Nebenbei bemerti maren dies gerade solche Industriellen, die bis zur Ruhrbesetzung zu den Hauptbekämpfern und Saboteuren der Erfüllungspolitik gehörten. Baris, 1. Mai.( Eca.) In französischen Kreifen wird anläßlich der Ernennung des Direttors der Banque Générale du Nord, Descamps, zum Mitglied des Ausschusses für die industriellen Drganisationen barauf aufmertfam gemacht, baß biefer als Borfizender der Handelstammer von Lille als einer der Hauptvertrauens leute der induftriereichsten Gegenden Frankreichs gilt. Descamps ist oußerdem Bizepräsident des Aufsichtsrates der Gesellschaft der Rohlengruben des französischen Nordens und als besonderer Renner der Gruben und Kohlenfragen bekannt. Seine Ernennung Fragen zurüdgeführt. Die deutschen Eisenbahn- Sachverständigen in Paris. Paris, 1. Mai.( TU.) Die deutschen Sachverständigen im Komitee für Eisenbahnfragen, Staatsfekretär Bogt vom Reichsverfehrs. ministerium und Staatssekretär a. D. Bergmann, find bereits in Baris eingetroffen. Im Komitee zur Errichtung der Emissionsbant bie deutschen Intereffen vom Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht und einem anderen Sachverständigen, der noch nicht ernannt worden ist, vertreten. werden Deutsch- polnische Konferenz in Wien. Wien, 1. Mai.( WTB.) In der Burg fand gestern die Eröffnungsfigung ber polnischen und der deutschen Delegation statt, die über die Auslegung der Bestimmungen des Minderheitenvertrages vom 28. Juni 1919 zu beraten haben. Die beiden Delegationen be rung für ihre in der zuvorkommendsten Weise gewährte Gestfreund schaft den wärmsten und verbindlichsten Dant zum Ausdrud zu bringen. Eine Kroatenkonferenz verboten. Wien, 1. Mai.( WTB.) Die von dem Führer der Kroaten in Südflawien( Raditsch) geplante Einberufung einer Minderheiten. fonferenz in Wien hat der österreichischen Regierung Anlaß gegeben, den kroatischen Bolitiker zu verständigen, daß fie eine derartige Ber anstaltung auf österreichischem Boden nicht würte zutaffen fönnen. Bei aller weitherzigen Auffassung des Asylrechts würde bie Beranstaltung einer Minderheitenkonferenz in Wien sicherlich in den meisten Nachfolgeftaaten unliebfam empfunden werden und auf die Beziehungen Desterreichs zu diesen Staaten ungünstig zurückwirken. Ein Polizeioberleutnant als Spion. Die agrarischen Vertreter im Verwaltungsrat der Renten. bant predigen im Gegenteil die Ablehnung des Gutachtens, entsprechend der vom Reichslandbund und von der Deutschnationalen Balkspartei, denen sie gleichfalls angehören, ausgegebenen Barole. Se z. B. das Borstandsmitglieb des Reichslandbundes, Dr. Sillger. Dieser ist übrigens von Hause aus gar nicht Agrarier, sondern Berleger, der insbesondere durch den Vertrieb von pairio Die Ruhrbesetzung ein Abenteuer! tischer Literatur in den Kriegsbüchereien ein stattliches Kriegsver Erklärung der britischen Arbeiterregierung. mögen erworben hat, das er zum Anlauf emes Rittergutsbesitzes Run bereist Dr. Hillger den London, 1. Mai.( WTB.) Vor Schluß der gestrigen Unterhausbei Neuruppin verwenden fonnte. Neuruppiner Kreis mit seinem Kraftwagen, den er trotz der be figung lenkte Abg. Harvey( lib.) die Aufmerksamkeit des Ministe fannten ,, Not der Landwirtschaft" erwerben und behalten fonale, riums auf die Zahl der Deutschen, die jetzt wegen politischer oder und hält, deutsch nationale Reden m eigenen und in anderer Bergehen infolge der Urteilsfprüche alliierter gegnerischen Wählerversammlungen. So trat er vor einigen Tagen Kriegsgerichte im befeßten Gebiet Gefängnisstrafen zu ver. in einer Dorfverfammlung einem fozialdemokratischen Referensen büßen hätten. Harven fragte, ob für diese Fälle eine allgemeine Amnestie geplant fei, und richtet an die Regierung die Auf entgegen, der auf die Bedeutung des 4. Mai im Zusammenhang mit der Reparationsfrage und auf die Notwendigkeit hingewiesen hatte, forderung, ihren Einfluß bei Frankreich und Belgien zur Freigetreten, hatte für ihn Reisen unternommen und ihm in 30 Briefen fassung dieser Gefangenen geltend zu machen. Unterstaatssekretär die Bildung einer Mehrheit von Ablehnern des Sachverständigen. des Aeußern Ponsonby versicherte Harvey, daß die von ihm er programms im neuen Reichstag unter allen Umständen zu verhindein Herr Hillger aber war ganz entgegengesetzter Meinung. Er wähnten bedauerlichen Umstände dauernd die Aufmert. behauptete natürlich, die Deutschland auferlegben Jahreszahlungen famteit der britischen Regierung beschäftigten. Die von den feien undurchführbar, die Eisenbahn werde dem internationalen Rheinländern eingelegten Protefte sowie die non der britischen Re Rapital ausgeliefert - daß er dabei das Wort„ jüdisch" nicht gegierung unternommene Aktion in der Pfalz feien dem Hause woht brauchte, rednete er sich selbst schmunzelnd als besondere Sachlichkeit und Bornehmheit anturz er trat unzweideutig für Ablehnung Das Ruhrunternehmen sei ein Abenteuer, an dem England nicht cin. Er verstieg sich sogar zu der unvorsichtigen Behauptung, daß er in den legten Tagen wiederholt Briefe aus England und die von den französischen und belgischen Befagungsbehörden und Amerita erhalten hätte, bie die Erwartung ausfprächen, bort verfügten Einterferungen feien von der britischen Regierung daß Deutschland wieder einunat zeigen möge, baß es Rüdgrat und nicht zum Gegenstand amtlicher Borstellungen gemacht worden. bekannt. teilgenommen habe, Breslau, 1. Mai.( Tul.) Der Straffenat des Breslauer Ober landesgerichts verurteilte den 27 Jahre alten Polizeioberleutnant Adolf Baner megen Spionage zugunsten Frankreichs und Bolens zu 12 Jahren Zuchthaus. Bachner war in Kattowiz mit dem französischen Kapitän de Roux, der dort ein Nachrichtenbureau unterhielt und Arbeiter ins Ruhrgebiet entsandte, in Verbindung allerhand Mitteilungen gemacht, deren Geheimhaltung im Interesse des Deutschen Reiches gelegen war. Frankreich und der Often. Die Reise des Gouverneurs bon Indochina nach Tolio vorgeblicher Zwed: Berlobungsglüd wunsch! foll dem Abschluß eines frantojapanischen Bündnisses bienen. Die Türkei gebentt, die frantorumänische Fluggesellschaft auszuweifen; man bringt ihre Fliegerei mit dem Aufstand an der syrischen Grenze in Zusammenhang. Fünf Todesurteile in Petersburg. Das Petersburger Kriegsgericht bat fünf Finnländer wegen Spionage zum Tode ber Die Anklage hatte auch auf versuchter Sprengung von urteilt. Brinden gelautet. する 2014 Gewerkschaftsbewegung Die Lehre des 1. Mai. Troß des ungünftigen Zeitpunktes im Hinblick auf die noch nicht averstandenen Folgen der Inflationsperiode, der fürchterlichen Arbeitslosigkeit und des verminderten Arbeitsverdienstes in der Bor: woche, fann man sagen, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai, entsprechend den Anweisungen der Gewerkschaften eine sehr umfangreiche war. Wenn in Berlin in einigen Berufen die Arbeitsruhe noch größer hätte sein fönnen, so muß man doch die schon erwähnten Umstände berücksichtigen. Im übrigen wird es Sache der gewerkschaftlichen Organisationen sein, eventuelle Lücken und Mängel im Organifationsförper auszufüllen. Die Arbeit der Gewerkschaften wurde aber noch besonders durch den Umstand behindert, daß die nun schon traditionell gewordenen öffentlichen Demonstrationen durch die bekannte Berfügung des Reichsinnenministers Dr. Jarres unterbleiben mußten. Die Kommunisten, die ihre Wahlaussichten von Tag zu Tag verringert sehen, weil ihnen nirgends mehr ein Putsch oder ein wilder Generalstreit" gelingt, haben diese Schwierigkeit noch zu vermehren versucht. In einer wüsten Heze haben sie die Arbeiterschaft gegen ihre Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratie aufzuputschen persucht und aufgefordert, dem Verbot des Reichsinnenministers und der diesem zur Verfügung stehenden bewaffneten Mach zum Trotz im Lustgarten zu demonstrieren. Von den auf den Vormittag angesezten Gewerkschaftsversammlungen aus sollten die Gewerkschaftsmitglieder in geschlossenen Zügen nach dem Luftgarten geführt werden. Die Kommunisten hofften, daß die riesige Masse der Gewerkschafismitglieder den Absperrungsfordon der Schupo an verfchiedenen Stellen durchbrechen und daß es dann zu den von ihnen so fehnlich herbeigewünschten Zusammenstößen fommen würde. Diese Hoffnung ist an der Disziplin der Gewerkschaftsmitglieder und an den Vorsichtsmaßregeln, die die Organisationen selbst getroffen haben, gescheitert. Auf ihre eigene Kraft gestellt, mit der es nicht weit her ist, verpuffte die ganze kommunistische Aktion in fläglicher Weise. Und da die Kommunisten nur ihre eigenen Knochen zu riskieren hatten, waren sie hübsch zahm. Ron den vielgerühmten proletarischen Hundertschaften" war nichts zu sehen. Was wird Sinomjem sagen? Für die Arbeiterschaft, für die Gewerkschaften, für die Sozialdemokratie ist der 1. Mai 1924 eine gute 2ehre. Sie müssen ein für allemal das Tischtuch zwischen sich und den kommunistischen Radauhelden zerschneiden. Sie müssen wieder und weiter ihre alt bewährten traditionellen Wege gehen, unbefümmert um das hysterische Geschrei jener Maulhelden, die selbst schmählich zusammenflappen, wenn es hart auf hart geht. Der Kampf im Baugewerbe. Die Poliere und Schachtmeister faßten in ihrer Berlammlung am Mittwoch abend einstimmig den Beschluß, unter allen Umständen jede Streitarbeit im Baugewerbe zu verweigern. Jeder Werkmeister wird von der Organisation sofort zur Berantwortung gezogen, wenn er diesen Beschluß nicht einhält. Ferner wurde beschlossen, eigene Lohnforderungen zu stellen, und zivar wird ein Monatsgehalt von 260 M.( Wochenishn 60 M.) ge= fordert. Diese Forderungen werden den Arbeitgebern unterbreitet und der Zentral- Schlichtungsfommission vorgelegt. Persönliche Affionen haben zu unterbleiben, desgleichen auch Kündigungen. Erfolg im westfälischen Baugewerbe. In den Verhandlungen, die am Mittwoch in Elberfeld zwischen dem Arbeitgeberverband für das westfälische Baugewerbe und den Gewerkschaften stattfanden, wurde beschlossen, hinsichtlich der Arbeitszeit es bei der bisherigen Regelung zu belassen. Die Löhne der Maurer wurden auf 68 Pf. und die der ZimmerTeute auf 70 f. für die Stunde heraufgesezt. Eine Aussperrung fommt also nicht mehr in Betracht. Aussperrung im bayerischen Baugewerbe. Der geschäftsführende Vorstand des banerischen BaugewerbeVerbandes beschloß, am 2 Mai sämtliche Bauarbeiter in Bayern auszusperren. Für 1200 Betriebe fommen rund 50 000 Bauarbeiter in Frage, doch sind die Betriebe gegenwärtig noch nicht voll beschäftigt gewesen. Streit der Bauanschläger. gehalten, ebenso bie Streiflettung, was wohl in der Arbeiterbewe. gung einzig dasteht. Die Unternehmer hatten den Arbeitern wissen lassen, daß, mer noch Anspruch auf Wiedereinstellung machen wollte, am Mittwoch bis 11 Uhr die Arbeit aufnehmen müßte. Darauf beriefen die kommu nistischen Helden sofort hinter dem Rücken von E. eine Versammlung der Streifenden ein und beschlossen, um 11 Uhr die Arbeit aufzunehmen. Diese Revolutionäre" haben dann, an der Spize der Bevollmächtigte, ein Abkommen unterschrieben, welches einen Wochenlohn von 21 M. für 48stündige Arbeitszeit auch eine Berlängerung der Arbeitszeit auf 54 Stunden zuläßt. Was sagt nun Moskau dazu, daß seine Basallen den Achtstundentag sabotieren? Die Katastrophenpolitifer von links, die jede ernste Gemertschaftsarbeit sabotieren, weil sie nicht ihren politischen Zwecken dient, wollen ja gar nicht die traurige Lage der Arbeiter verbessern, fie wollen diese im Gegenteil immer mehr verelenden, um sie dann, zur Verzweiflung getrieben, besser für ihre Butschpläne gebrauchen zu fönnen. Die Gefängnisse sind voll von diesen irregeleiteten armen Menschen, während ihre Auftraggeber und Heher in den Landtagen und sonstigen gefeßgebenden Körperschaften fizen und dort von ficherer Stelle unter dem Schuße der Immunität die unaufgeklärten Arbeiter verwirren und ins Unglüd stürzen. Die Parole diefer Maulhelden ist Lüge und Tatsachenverdrehung, fiche Generalftreif" der drei Arbeitnehmer im Leunawert von zirka 19 000 Mann Belegschaft. Wenn es ihnen nicht gelingt, die mit allen Mitteln der Demagogie und Lüge angeftifteten Streifs für ihre politischen Zwecke auszubeuten, dann schreien sie„ Verrat der Amster damer" und lassen die Amsterdamer den Karren aus dem Dred ziehen. Welche Nukanwenduna müssen die Arbeiter aus der Schlappe in Apolda, Arnstadt und Gotha ziehen? Los von den Butschpolitifern! Los von Moskau! 3urüd zur gewerkschaft= lichen Arbeit im Sinne der Amsterdamer Richtung. ,, Unter der festen Führung der Opposition". Bom Dachdeckerverband wird uns geschrieben: Zu dem Mai aufruf der KPD. in der„ Roten Fahne", der auch vom Zentral. perband der Dachdecker" unterzeichnet ist, wäre folgendes zu bemerken: Es ist nicht richtig. daß die oppositionellen" Dadydecker Die Zahlstelle Berlin fest in ihrer Hand" haben, obwohl es nach außen diesen Anschein erweden tönnte. Die Unterzeichnung des Aufrufes für den Zentralverband der Dachdecker ist unter Umständen zustande gekommen, die tein ehrlicher Gewerkschafter gut heißen fann. Es wird von jener Seite eben mit Mitteln gearbeitet, die nicht immer einwandfrei sind. Vom Vorstandsmitglied und Kommunisten Narr wurde ganz plöglich eine Vorstandssizung verlangt. In dieser Vorstandssigung stellte Narr das Verlangen an den Vorsitzenden Stolzenhain, er solle den kommunistischen aiaufruf für den Zentralverband der Dachdecker unter zeichnen. Dieses Verlangen wurde von Stolzenhain abge lehnt. Darauf beantragte Narr, darüber abstimmen zu lassen, ob der Aufruf unterzeichnet werden foll, weil er sicher war, daß dieser Antrag angenommen wird. Narr hat den Antrag unterstempelt und mit seinem Namen unterzeichnet. Die Zusammensehung im Vorstand ist fünf Kommunisten gegen zwei BSPD. Aus dieser Zusammensetzung darf nun aber nicht gefolnert werden, daß auch die Mitglieder in ihrer Mehrheit hinter den Kommunisten stehen. Die Kollegen sind in den Borstand gewählt worden, um praktische Gewerkschaftsarbeit zu leisten, nicht aber, um Parteipolitit zu treiben. Diefes Vertrauen mißbrauchen sie aber in der gröblichsten Weise. Gegenwärtiq nüßen sie ihre Zufallsmehrheit aus, um ihre Zwecke zu erreichen. Genau unter denselben Umständen ist auch die Beteiligung an der kommunistischen Zentralstreifleitung für das Baugewerbe zustande gekommen. Es fommt hinzu, daß sehr viel Gewerkschaftsfollegen nicht in die Versammlungen geben, weil sie anaeefelt find von dem Treiben der kommunistischen Kollegen. Da ist es fein Bunder, wenn folche Zufallswahlen zustande kommen. Die Mehrheit im Vorstand hat in den lehten Jahren jedes Jahr gewechselt. Die Mehrheit der Mitglieder steht nicht hinter den fommunistischen Borstandsmitgliedern. Es sieht in Wirklichkeit nicht fo aus. wie es immer hinaustrompetet wird. Der Beweis dafür erbracht durch die Wahl der Delegierten zum Verbands. tage, welche am 27. April stattfand. Gewählt wurden Althaus und Stolzenhain mit erheblicher Stimmenmehrheit gegen die fommunistischen Kollegen Narr und Ruste." Bemerkt sei hierzu nur, daß in dem geftrigen kommunistischen Maiaufruf der„ Roten Fahne" der Verband der Dachdecker und Berufsgenossen nicht mehr offiziell als Organisation aufgeführt ift, sondern mir noch als„ Opp." i. A. Martin. Nur noch die Zimmerer imd Schiffsbootsbauer sind ohne Dop.", d. h. noch unter der festen Führung der Opposition", der KPD. # Bom Deutschen Metallarbeiterverband wird mitgeteilt: Am Freitag, den 25. April 1924, brachten wir schon einen Bericht über den Streif der Bauanschläger. Wir müssen dem noch hinzufügen, daß die Bauanschläger, die ausgesprochene Saisonbeitsministerium stattfanden und die den sonderbaren Zustand bearbeiter find, sämtliche Werkzeuge selbst stellen müssen. Die Forderung auf 1 M. Stundenlohn und 25 Proz. Zuschlag auf Affordarbeiten trägt nur den Leuerungsverhältnissen Rechnung. Am zweiten Streiftage hatten bereits 17 Firmen, die dem ArbeitgeberSchugverband angehören, unseren Revers fchriftlich aner Pannt, ein Zeichen, daß das Gewerbe diese Erhöhung tragen kann. Die Scharfmacherfirmen Blüme, Franke, Benecke und Spengler lehnten den Revers ab. Dann versuchten die Firmen, ihre Arbeiten an Kleinfirmen abzugeben, die den Revers unterzeichnen sollten, um diese Arbeit fertigzumachen. Vorauszusehen ist, daß die Herren den Kampf bis zum Weißbluten führen wollen. Bis jetzt haben die Bauanschläger jede Arbeit, die von den bestreiften Firmen fam, abgelehnt. Die letzte kombinierte Versammlung der Bauanschläger stellte sich auf den Standpunkt, entschlossen den Kampf bis zum endgültigen Siege zu führen. Am 25. April beschlossen die Arbeitgeber in ihrer Generalversammlung die Gesamtausfperrung der Bauanschläger. Kommunistische Sabotenre des Achtstundentages. Hus Gotha wird uns geschrieben: Die Transportarbeiterstreits in Thüringen( Apolda, Arnstadt, Jim cau, Weimar und Gotha) sind nun beigelegt. Der Streit in polda war schon zu Beginn verloren, weil er gegen alle gewerkschaftlichen Regeln von einigen fommunistischen Phrasenhelden inszeniert worden war und mangels Leitung zusammenbrechen mußte. In Arnstadt haben die Streifenden nicht Stange gehalten, sondern sind, als die bekannten Kündigungsbriefe von den Arbeitgebern verfandt wurden, in die Betriebe gegangen, ohne abzuwarten, bis der Berbandsvertreter erscheinen fonnte. Also auch hier kein Bertrauen in die eigene Kraft. Weimar und Ilmenau haben tapfer im Streit ausgehalten, bis sie erträgliche Vereinbarungen abschließen fonnten. Das Schmerzenskind war aber Gotha, die sogenannte Mos fauer Hochburg. Hier haben sich die Streifenden fürchterlich blamiert zum Gaudium der Arbeitgeber. Sie haben an Verwirrung und Rückgratlosigkeit den Arbeitgebern gegenüber geleistet was nur irgend möglich war, dafür sind sie aber sonst radikal bis zum Erzek. Nachdem schon in den ersten Tagen einige Maulhelden, die bie grökte Klappe vor dem Streit hatten und sich ganz blutrünstig geberdeten. Streifbrecher wurden, schien nach Absonderung iefer Helden die Stampfesstimmung out zu fein. Noch in der Diensagverfammlung vor der verräterischen Abwürgung des Straits wurde beschlossen, den Streit auf jeden Fall weitergehen zu laffen, und wenn es bis zum Berhungern wäre".( Ausspruch der Radikainstis, die es am folgenden Mittwoch sehr eilig hatten, hinter dem Rüden des Verbandsfunktionärs Eichholz zur Arbeit zu sehen.) uch die Funktionäre influfive Bevollmächtigten haben nicht stand Um den Angestelltentarif in der Metallindustrie. Bei den Bermittlungsverhandlungen, die am Montag im Arfeitigen follten, daß für die Angestellten der Metallindu ftrie zwei gültige Arbeitszeitabmachungen bestehen, zeiaten die Unterhändler des VBMI. Neiguna, die Bestimmungen des Gedag Abkommens auch für die AfA- Mitglieder durchzudrücken. Die Unternehmer wären dadurch berechtigt gewesen, die Arbeitszeit für alle Angestellten bis auf 60 Stunden pro Woche zu verlängern. Durch den eneraischen Einspruch der AfA- Vertreter wurde diese Abficht vereitelt. Ein Vermittlungsvorschlag des Vorsitzenden hatte dasfelbe Schicksal, so daß schließlich die Verhandlungen scheiterten. Es bleibt also bei dem Schiedsspruch vom 3. März. ( 10 Broz. für die Gruppen T, K, M, und 15 Proz. für die JugendAn ein Berhandeln über die eingereichten Gehaltsforderungen denken. Es wurde ein neuer Verhandlungstermin verabredet. In diesem spielte dann die Frage der Mitgliedsstärke der AfA- Berbände in den Betrieben eine große Rolle; der BBML. behauptete. daß nach den eingelaufenen Meldungen nur verschwindend wenig AfA- Angehörige Anspruch auf das Gehalt nach dem Schiedsspruch vom 3. März erhoben hätten, daß dadurch von einer überwiegenden Bedeutung des Schiedsspruchs feine Rede sein fönne und somit das Gedag- Abkommen maßgebend sein müßte. Demgegenüber wies die AFA- Vertretung auf die Instruktion ihrer Mitglieder, sich nicht als AFA- Mitglieder zu legimitieren, hin und lehnte das Verlangen der Arbeitgeber ab. Im nunmehr zusammentretenden Schiedsgericht machte der Schlichter, Oberregierungsrat Grabe in, den Vorschlag, die Gehaltsfestsetzung in den bisherigen Abkommen dahin zu ändern, daß für die Hauptgruppen ein Richtgehalt festgesetzt wird und die Regelung aller übrigen Gehälter der freien Bereinbarung überlassen sein sollte. Es ist nicht verwunderlich, daß der VBMT. sowohl als auch der Gedag mit dieser beabsichtigten Regelung durchaus einverstanden waren, da damit die Absicht, die Gehälter nicht nach Tarif, sondern nach dem Wohlbetragen der Angestellten zahlen Die AfA- Vertreter verzu fönnen, verwirklicht werden könne. wahrten sich ganz entschieden gegen solche Absichten. Es kam dann ein Schiedsspruch zustande, bei dem bemerkenswert ist, daß ihn der Schlichter fraft feiner amtlichen Befugnis allein fällte, da Arbeitnehmer sowohl als Arbeitgeber ihn ablehnten. Er enthielt für die Gruppen T. und K. für April die Gehaltssäze des Gedaga blommen s, also eine Gehaltsreduzierung, und für die Werkmeister eine Verminderung ihres Gehalts dergestalt, das ihrer Ueberbezahlung über die Gedaggehälter von 15--18 Mart auf 3-8 Mart herabgesetzt wurde. Eine Funktionärversammlung des AFA- Bundes nahm am Mittmoch diesen Bericht Günters entgegen und erteilte nach kurzer Aussprache der Verhandlungskommission Bollmacht, sich zu gegebener Zeit zu dem Schiedsspruch zu erklären. Die Ueberstunden in der Metallindustrie. Nach dem Januarabkommen für die Metallindustrie darf der Arbeitgeber, je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen und der Eigenort des Betriebes, Ueberzeitarbeit bis zu einer Stunde täglich verordnen. Für weitere Ueberstunden ist die Zustimmung des Be triebsrats erforderlich. Der Betriebsrat der AE G.( Brunnenstraße) beantragte beim Arbeitsgericht( Kammer 7 des Gewerbegerichts), die Firma zu verpflichten, ihm vor Anordnung der ersten Ueberstunde, die der Zustimmung des Betriebsrats nicht bedarf, Mitteilung zu machen. Der Betriebsrat begründete feinen Antrag damit, daß er die Aufgaben, die ihm in den§§ 66 und 71 des Betriebsrätegesetzes zugewiesen sind, nicht erfüllen fönne, wenn ihm die Absicht der Betriebsleitung, Ueberstunden anzuordnen, nicht vorher mitgeteilt werde, auch in dem Falle, wo seine Zustimmung nicht erforderlich ist. Der Betriebsrat halte es auch für notwendig, die Frage zu prüfen, ob die wirtſchaftlichen Verhältnisse und die Lage des Betriebes Ueberstunden erforderlich machen. Ferner beantragte der Betriebsrat, die Firma zu verpflichten, ihm die beabsichtigte Einführung Antrage gab die Tatsache Veranlassung, daß die Firma die Revon Affordarbeit vorher mitzuteilen. Zu diesem paratur von Werkzeugmaschinen neuerdings in Afford ausführen läßt, was unwirtschaftlich sei, da solche Arbeiten nicht zuverlässig falkuliert werden könnten. Die Kammer tam zu folgendem Beschluß: Die Firma ist verpflichtet, var Einführung der neunten Arbeitsstunde dem Betriebsrat über die Tatsache der Einführung sowie über die Gründe hierzu Die Rechtswirksamkeit der EinMitteilung zu machen führung der neunten Arbeitsstunde ist hiervon nicht abhängig. Der zweite Antrag des Betriebsrats( Akkordarbeit) wird megen fachlicher Unzuständigkeit abgewiesen. Zur Begründung dieses Beschlusses führte der Vorsitzende, Magistratsrat Schulz, aus: Allerdings ist der Arbeitgeber nach dem Abkommen vom 5. Januar in der Lage, ohne weiteres Ueberstunden bis zu einer Stunde täglich anzuordnen. Der Zustimmung des Betriebsrats bedarf diese Anordnung nicht. Es muß auch zugegeben werden, daß in dem Abkommen nicht gesagt ist, daß dem Betriebsrat die Anordnung der neunten Stunde vorher mitgeteilt werden muß. Aber§ 66 BR G. überweist dem Betriebsrat sehr fchwerwiegende Aufgaben, namentlich die, daß er Differenzen im Betriebe zu verhindern hat. Hierzu ist der Betriebsrat aber nicht in der Lage, wenn die Einführung der neunten Arbeitsstunde Hals über Kopf tommt. Der Arbeitgeber hat zwar das Recht, zu sagen, von morgen ab wird neun Stunden gearbeitet. Wenn es aber deswegen zu Unruhen unter den Arbeitern fommt und vom Betriebsrat verlangt wird, er soll den Betrieb vor Era schütterungen bewahren, dann fann er fagen, ich bin hierzu gar nicht in der Lage, weil ich von dieser Anordnung vorher keine Kenntnis hatte. Für den die Aftordarbeit betreffenden Antrag ist der Schlichtungsausschuß zuständig. Die Gefahr eines Konflikts im Gastwirtsgewerbe. Die Arbeitgeber im Gastwirtsgewerbe haben die Lohnforder rungen des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafés angestellten abgelehnt. Sie erklären sich außerstande, schon jetzt über irgendwelche Zulagen zu verhandeln und stellen anheim, das Tarifamt anzurufen. Dadurch werden ab 1. Mai Lohnvereinbarungen für die gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer nicht mehr bestehen, wenn es nicht gelingt, die Arbeitgeber zur Aufgabe ihres Standpunktes zu veranlassen. Die gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer haben, es in der Hand, den Arbeitgebern die Antwort auf ihre Ankündigung zu erteilen. Sie müssen jedoch die für heute nacht einberufenen Bezirksversammlungen vollzählig besuchen. Neuer Schiedsspruch für die Werften. Nach 17stündiger Verhandlung wurde gestern morgen um 4 Uhr in Hamburg ein neuer Schiedsspruch für die Werften verkündet. Hina sichtlich der Arbeitszeit sieht er vor, daß mit Rücksicht auf die schwierige Wirtschaftslage Deutschlands und die besonderen Schwierigreiten der Seeschiffswerften die normalerweise täglich achtstündige Arbeitszeit zunächst bis zum 31. Januar 1925 auf 54 Stun den wöchentlich festgesetzt wird. Soweit darüber hinaus in dringenden Fällen Ueberstungen notwendig werden, sind sie im Einvernehmen mit der Betriebsvertretung zu leisten. Der Stun denlohn des gelernten Arbeiters stellt sich nach dem Schiedsspruch auf 47 bis 51 Pf. für Bremen, auf 46 bis 50 Pf für die übrigen Werftorte der Nordsee. Hinzu tritt in Bremen und den anderen Werftorten ein weiterer Pfennig, der mit Rücksicht auf die Erhöhung der Arbeitszeit auf alle Stundenlöhne aufgeschlagen wird. Schiedsspruch stellt den Parteien frei, sich bis zum Dienstag, den 6. Mai, nachmittags 6 Uhr, über die Annahme oder Ablehnung der in Borschlag gebrachten Regelung zu entscheiden. Man glaubt also immer noch, den Arbeitern das Aufgeben des Achtstundentags aufzwingen zu können. Die Arbeitszeit in Holland. Der Das Internationale Arbeitsamt gibt eine Reihe furzer Monographien heraus, welche die Regelung der Arbeitsdauer in verschie denen Ländern behandeln. Ein jüngst erschienenes Heft dieser Reihe gibt über Holland Auskunft, wo durch Gesez vom 1. November 1919, abgeändert durch Gesetz vom 20. Mai 1920, die Arbeitszeit geregelt ist. Ursprünglich war sie mit 8 Stunden im Tag und 45 Stunden in der Woche vorgeschrieben, doch wurde sie durch die Novelle von 1920, die am 18. Juni 1922 in Kraft trat, auf 8% Stunden im Tag und 48 Stunden in der Woche verlängert. Gewisse Wirtschaftszweige und Berufe sind Dom Bereich der gesehlichen Regelung ausgenommen, wie z. B. die Landwirtschaft und die häusliche Dienst leistung. Gewisse Ausnahmen von der oben angegebenen Arbeitsdauer find zugelassen; so daß in Betrieben, die ununter brochen in Schichten arbeiten, die Höchst stundenzahl in der Woche 54 und in dreiwöchigen Zeitabschnitten 144 betragen. Durch Kollektivverträge wird die Arbeitszeit weiter geregelt, namentlich in bezug auf Verteilung der Arbeitsstunden; die Beschrän fung der Ueberzeitarbeit und die Ueberstundenbezahlung. Seit 1918 Im hat sich der kollektive Vertragsschluß bedeutend ausgebreitet. Januar 1922 waren 702 Kollektivverträge in Kraft, die für 20 887 Betriebe und 257.552 Arbeiter galien. Achtung, Steindruder! Die Firma Wunsch u. 2ange ( Martin Schlesinger), Berlin, Fennstraße, bat am Mittwoch früh sämtliche Steindrucker und Hilfearbeiter fristlos entlassen. Der Ortsvorstand des Verbandes der Lithographen und Steindrucker. Ausgesperrte ber Turbinenfabrik ber AEG. Heute nachmittag 2 Uhr im Moabiter Gefellschaftshaus, Wiclefstraße, Betriebsversammlung fämtlicher Be rufsgruppen. Die Lohnzahlung erfolgt am Freitag zu folgenden Zeiten: f. 1 von 10-11 Uhr, Tf. 2, 6 und 7 von 11-12 Uhr, f. 4 von 12½- 1 Uhc, f. 5 von 1-1 Uhr. Alle anderen Abteilungen um 1½ Uhr. Die Auszahlung Der Betriebsrat. erfolgt Huttenstr. 16. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Kenter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: S. Gieiner; feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frip Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. Hierzu eine Beilage und Jugend- Borwärts". nehmen die innerhalb lurer Beit im In- und Auslande Gutachten pon namhaften Aeraten, Sanatorien, Krantenhäujern, fowie eine groñe Anzahl oft überid wennlichfte: Dant fagungen von Genelenen liegen vor Nach Aussagen von erften Lungenipezialisten wirtt O.HE noch länzend in vorgeschrittenem Stadium( greitt Magen und Herz ndt an) Duch alle Apotheten erhältlich, ftets vorrätig in Berlin in der Simons apotheke. Spandauer Straße 17, und Barbarossa- Apotheke, Kurfürstendamm 164 Originalver aufspreis 3 Goldmar! pro Karton Cungenleidende( 300)- With mailter perimt wordenen OHE Tabletten Oskar Heinrich Ernit, Fabrik pharmazeut. Präparate, Kempten( Allgäu). Nr. 204a+ 41. Jahrgang Beilage des Vorwärts Die Maifeiern. Freiitag, 2. Mai 1924 Massenbesuch bei allen Veranstaltungen von Partei und Gewerkschaften. Er ist still verlaufen, der erste Mai, also würdevoll, wie es die Sozialdemokratie gewollt und verlangt hat. Die besonnenen Berliner Arbeiter haben sich auch gestern nicht durch das Maulheldentum der Kommunisten, durch ihr Säbelraffeln und Hurrageschrei aufpeitfchen, oder gar aufputschen lassen. Trübe und fühl dämmerte der erste Mai herauf. Aber dann klärte sich das Wetter auf und die Luft wurde warm, so daß die Abteilungen, die für den Vormittag Ausflüge und gemeinsame Spaziergänge ihrer Mitglieder peranstaltet hatten, auf ihre Rechnung famen und den wohlverdienten Ruhetag genießen tonnten. Die Straßen Berlins hatten im allgemeinen ihr Aussehen nicht verändert. Das Leben mit feiner Geschäftigkeit und Unraft ging feinen alten Gang, die Straßenbahn, die Omnibusse, die Stadtbahn und die Hochbahn verkehrten. Nur in den Arbeitervierteln mutete es auf den Straßen wie am Sonntag an. Hier ruhte der große Berkehr der Lastwagen, ber Transportfuhrwerte und der Möbelwagen. In den anderen Teilen der Stadt sah man wenig von der Maifeier, und wenn eine neue und kleine Partei den gestrigen Tag dadurch glaubte am besten und wirkungsvollsten ausnutzen zu können, daß sie aus rotladierten Autos Flugblätter unter die Menschen werfen ließ, so hatte man nur ein Lächeln dafür übrig. Eine Verkehrsstörung, die zuerst ein wenig bedenklich aussah, gab es für furze Zeit vor dem Lotal Neue Welt" in der Hafenheide, wo die Gewerkschaft der Holzarbeiter die Maifeier beging. Der hier fonumandierende Beutnant der Schupo hatte durch ein Versehen auch den Eingang zum Lokal absperren laffen. Infolgedessen stauten sich die Massen. Aber bald wurde das Hindernis beseitigt. Die Versammlungen der Gewerkschaften in den größten Sälen Berlins waren sehr stark besucht. Am Nachmittag fanden die Maifeiern der einzelnen Kreise statt, und auch hier war der Besuch überall groß. Auf den Straßen aber zu den Lokalen war es lebhaft bewegt von unseren Genossen, die zu der Maifeier wanderten. Die Feiern der Gewerkschaften. Bereits am Vormittag hatten die Gewerkschaftstommiffion, die Industriegruppen und die einzelnen Verbände ihre Mitglieder zu ciner ganzen Reihe von Feiern in den größten Sälen Berlins verSammelt. Ueberall Massenbeteiligung, brechend Dolle Säle, Parallelversammlungen. Lange vor 10 Uhr, dem allgemeinen Ber fammlungsbeginn, war die Beranstaltung des Baugewerts: bundes im Saalbau Friedrichshain überfüllt, so daß im Garten eine zweite Bersammlung arrangiert werden mußte. Der Kampf um den Achtstunstag und die Aussper rung im Baugewerbe hatten gerade die Bauarbeiter mit tefonderer Eindringlichkeit auf die Bedeutung des 1. Mai hingewiesen. Genosse Crispien hielt die Festrede. Im Garten der Brauerei Königstadt waren die Bekleidungs- und Zerfilarbeiter, bie Hutmacher und die Friseure zur gemeinsamen Maifeier versammelt. Der Hauptvorsitzende des BeKleidungsarbeiterverbandes, Genosse Pletti, hatte das Referat übernommen. Ueberaus zahlreich waren die Arbeiter und Angestellten der Metallindustrie dem Ruf der Organisationen zur Arbeitsruhe und zur Beteiligung an der Maiversammlung gefolgt. Bon der stimmungsvoll beforierten Bühne des Walhalla theaters sprach Reichstagsabgeordneter Aufhäuser zu den Erschienenen. In Tunnel mußte eine Parallelversammlung abgehalten werden, in der Genosse Hellwig referierte. In der Bormittagsveranstaltung des Verbandes der Lebensmittel= und Getränkearbeiter, denen sich die Mitglieder der verwandten Organisationen der Bäder, Fleischer und der Gast mirtsangestellten angeschlossen hatten, sprach Genosse Heshold über die Bedeutung des 1. Mai. Die Männerchöre der Bäder und der Gastwirtsgehilsen sangen Arbeiterlieder. Die Angehörigen des graphischen Gewerbes füllten den großen Caal und die Nebenräume der Bodbrauerei in der Fidicin Straße bis auf den letzten Plaz. Reicher Beifall lohnte den Fest redner Verbandsvorsitzenden Haß für seine vorzüglichen Ausführungen. In der Königsbank waren die Mitglieder des Gemeinde und Staatsarbeiterverbandes äußerst zahlreich erschenen, um für den Gedanken der Maifeier zu demonfirieren und das Referat thres Hauptvorsitzenden Gen. Müntner anzuhören. Die Arbeiter des Verkehrs, soweit sie im Verkehrs bund und im Deutschen Eisenbahnerverband organisiert sind, veranstalteten in den Gesamträumen des Gewert schaftshauses unter stärkster Beteiligung ihre Maifeier. Hier Sprachen die Genossen Dresse, Bergmann, Wieloch, Mellinger, Echacht und Oltersdorf zu den Maffen. Wohl am eindrucksvollsten war die Kundgebung der Holzarbeiter. Saal und Garten der Neuen Welt waren überfüllt, ein Zeichen dafür, daß diese Kampferprobte Arbeiterkategorie Berlins durch feine Gewalt androhung ihrer Arbeitgeber von der Durchführung der Arbeitsruhe am Wettfeiertag abzubringen ist. Die Arbeitsruhe im Gemerte war vollständig. Heraus aus dem Elend, hinein in die Sonne", schloß Zentralvorsitzender Tarnow seine Festrede; die Erde ist reich genug, um alle Not zu stillen. Nicht die Natur, sondern die Menschen versagen fie uns. Fort mit der Bölfernerhezung! Für Bölfervertändigung, für Friede und Freiheit ist unsere Barole des 1. Mai. Machtvoll braufte die Internationale durch den Raum. " gut organisierter Ordnerdienst den Saalschutz übernommen, und zu nennenswerten Zwischenfällen tam es wohl an teiner Stelle. Die Worte des Redners fanden stürmischen Beifall. Der Sinn aller Ausführungen fam in folgenden Forderungen zum Ausdrud: 1. Ausbau von Arbeiterschutz und Versicherungen. 2. Schutz der werdenden Mütter. 3. Ausbau des Arbeitsrechts, Anerkennung des Achtstundentags. 4. Berbefferung des Betriebsrätegefeges. 5. Ausbau der Er werbslofenfürsorge. In Rehleneri pic por nut befekten Saal Genosse Pfaffenschläger, während der Volkschor Echo einige seiner schönen Lieder vortrug und der Rezitator Hans Fuhrmann durch den Vortrag von Freiheitsgedichten und politischen Satiren die Zuhörer zu starfem Beifall hinriß. Der Gesamteindrud der Veranstaltung in dieser Hochburg der Bulle- und Bestarpleute war fehr gut. Alle Vorträge gipfelten aber in dem Gelöbnis: Krieg Sem Kriege! -XO Der Zentralverband der Angestellten hatte feine Mitglieder in Haberlands Festfalen zufammengerufen. Schon lange vor Beginn der Versammlung strömten die Teilnehmer dem Lokal zu. Oft fonnte man hören, wie in scharfen Worten das Verhalten der Kommunisten, die bekanntlich zu Straßendemonftrationen aufgefordert hatten, verurteilt wurde. Als ein Männerayor die Kundgebung mit dem Liede„ Ich warte dein" stimmungs voll eröffnete, waren auch die Gänge dichtbesetzt. Nach einer rezitatorischen Darbietung ergriff der Borsitzende der Ortsgruppe Berlin des 3dA., Genosse Gottfurcht, das Wort und würdigte in fesselnder Form die Bedeutung des 1. Mai für die Angestellten. Gefesselnder Form die Bedeutung des 1. Mai für die Angestellten. Gefang des Männerchors beschloß die Feier.. Die Steinarbeiter versammelten sich in den Musikerfälen. Hier machten anwesende Kommunisten den Versuch, einen Antrag durchzubringen, der verlangte, daß die KPD. einen- Korreferenten stellen tönne. Die Steinarbeiter lehnten dieſen unsinnigen Antrag glattweg ab. Nach dem ein Männerchor einige Mailieder zum Vortrag gebracht hatte, ergriff der Landtagsabgeordnete Genosse Otto Meier das Wort zu Ausführungen, die lebhaften Beifall im vollbesetzten Saale fan. Einen besonders schönen Verlauf nahm die Feier des Böttherverbandes im übervollen Hause des Rosenthaler Hoses. Der Referent, Kollege Mafchte vom ADGB. erinnerte daran, daß es die Berliner Böttcher waren, die am 1. Mai 1894, also vor 30 Jahren, den 1. Mai festlich begingen und dafür von den Berliner Brauherren ausgesperrt wurden. Der Kampf, der dann weitere Kreise zog und dreiviertel Jahr währte, ist bereits ausführlich in der Mittwochmorgennummer des„ Borwärts" dargelegt. Die Feiern wurden umrahmt durch Gesangsvorträge des Schubert- Chors, der vom Arbeiterfängerbund bereitmilligst in Stärte von 90 Sängern den. -UO Nahmen diese Veranin Ein Appell zur Entschlossenheit. Unter den Rednern sprachen zur Berliner Arbei'erschaft auch die beiden Führer der österreichischen Sozialdeme. fratie, Renner und Otto Bauer. Genosse Renner führte aus: Die öftereichischen Sozialdemokraten haben mehr als 50 Jahre in innigster Berbindung mit der deutschen Sozialdemokratie gestanden. Daher gibt es feinen österreichischen Arbeiter, der sich heute nicht frägt, was wird am 4. Mai in Deutschland geschehen. Wir Dester. reicher haben unsere Reaktion mit Erfolg in unseren starten Arm genommen. Aber sie wartet jetzt auf den Erfolg der Reaktion in Deutschland. Der 4. Mai und der Sonn'ag darauf sind nicht nur für Desterreich, sondern für ganz Eurapa Schidsalstage. An diesen Tagen entscheidet fich, ob Europa endlich der lichteren Zeit des Friedens, des wirtschaftlichen Wiederaufbaues, der steigenden Wohlfahrt aller Völker entgegengehen, oder ob wiederum ein Krieg Europa in Blut und Tränen auchen soll. Ueberall hebt die Reaktion gegenwärtig ihr Haupt. In Deutschland erlebten sie einen wahren Herenfabbat. Aber schon sehen wir eine Wende der Zeit. Allmählich tommt die Bevölkerung Europas zur Besinnung. Noch ist zwar Frankreich eingestellt auf Militarismus, Zwang und Ausbeutung des Sieges. Aber in England hat die Arbeiterpartei die Zügel der Regierung ergriffen und sofort hat sich das Bild Europas gewandelt. Die englische Arbeiterklasse wartet darauf, wie Deutschland, wie Frant reich auf ihren Sieg antworten wird. Diese zwei Wahltage entscheiden daher auch über den fühnen Versuch der englischen Arbeitertiasse, als Minderheit die Regierung zu ergreifen, um der Welt den Frieden zu geben. In Dänemark ist Stauning Ministerpräsident geworden. In Beigien empören sich die Maffen gegen die Gefolgschaft Poincarés. Auch in Frankreich ernüchtern sich die Geister. Laffen Sie zu, daß in Deutschland die Reaktion zur Herrschaft tommt, dann wird das französische Bolt nationalistisch antworten und die Stimmen Englands werden ungehör verhallt sein. Die deutsche Arbeiterschaft muß daher guten Mutes und entschloffen am Sonntag zum Kampf gehen, der ein Kampf ist für die Arbeiterklasse aller Bölker. Mißlungener Kommunistenaufmarsch. Die Kommunisten hatten schon wochenlang vor dem 1. Mai angefündigt, daß sie allen Verboten zum Trotz demonstrieren würden. Ihr geheimer Wunsch war dabei, Zusammenstöße mit der Polizei zu provozieren, um danach die Wahlparole,„ der Sozialdemokrat Richter schießt auf Arbeiter" zugträftiger zu machen. Diese echt arbeiterfreundliche Absicht wurde aber durch das rechtzeitige Eingreifen der Polizei verhindert. Entsprechend der von vor ihren zur Verfügung gestellt war. Zum Schluß wurde die Internationale von den anwesenden Böttchern stehend mitgesungen. Der Verbandsvorsitzende schloß die Feſtversammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. ftaltungen einen würdigen Verlauf, fo war bei den Dach bedern in den Sophien- Sälen das Gegenteil der Fall. Von Beginn an ver suchten hier die Kommunisten den Redner, Genossen Kas par, feinem Referat zu stören. Unwürdige Zwischenrufe burschmirrien der kommunistischen Bartei Brandenburg ausgegebenen Barole den Eaal, und es hatte den Anschein ,, als ob die geplante Versamm- sammelten sich die Mitglieder der KBD. morgens lungssprengung den Moskauer Krafeelern gelingen follte. Nur mu Bahlstellen und zogen dann zu den Bezirkssammelplähen. Die Polizei, die sich in erhöhter Alarmbereitschaft befand, war jedoch großer Mühe fonnte Genoffe Raspar seinen Vortrag beenden. überall vorbereitet und löste die anziehenden Trupps an vielen Stellen auf. So wurden in Neukölln und Bichtenberg, in der Schönhauser Allee sowie in der Frankfurter Allee fleinere Züge von 150 bis 200 Personen von Patrouillen der Schutzpolizei abgefangen und ohne Waffengebrauch aufgelöst. Ebenso hatte die Polizei unter Leitung von Oberst Kaupifch rechtzeitig den ganzen Zuversicht für den Aufstieg der Arbeiterbewegung nach dem Kriegs- und Inflationselend, das war das Kennzeichen der Maifeiern der Gewerkschaften Berlins. Die Feiern der Partei. Sie zuvor dürfte der Tag des ersten Mai so dicht an ein weltgeschichtliches Ereignis herangerückt gewesen sein wie dieser Maitag an die deutsche Reichstagswahl. Vermutlich wird es wiederum, wie in allen Jahren, nicht wenig bürgerliche Zeitungen geben, die in befannier Manier über die Vergnügungssucht der Sozialdemokraten zetern. Als ob, was die Dauer und die Intensität des Genießens anlangt, jeder fleine Schüßen-, Krieger- und Stahlheimverein in dieser Hinsicht uns nicht meit überlegen märe. Schüßenfeste von acht Tagen ununterbrochener Dauer sind in der Provinz gar nichts Seltenes. Und doch sind die Feiern der Sozialdemokratifchen Partet em ersten Mat in beiner Weise mit irgendeiner Ferer irgendeiner bürgerlichen Organisation zu vergleichen. Die in Gewerkschaften und in der Sozialdemokratie Organisierten versuchen in immer stärkerer und entschiedener Weise nach fünstlerischen Ausdrucksformen ihrer Klasse zu suchen. Seit Jahrzehnten gehören dazu in erster Linie tie Arbeiter- Gesangvereine. Sie haben das große Verdienst, zuerst mit der üblichen bürgerlichen Liedertafelei und ihrer unerträglichen byzantinischen Berberrlichung der Dynastien und des Militarismus und der poetisch verkleideten patriotischen Phrase gebrochen zu haben. Der Beq war unfäglich schwer und steinig. Diese rauhen ungefügten Männerfehlen sollten erst gebilder und gezogen werden. Und es gelang. We in allen Borjahren haben auch in diesem Jahr wieder die Arheiter- Gelang vereine Herrliches geleistet. Rampf, Truß- und Freiheitslieder von überwältigender Kraftfulle brausten gestern in all unseren Veranstaltungen in die Seclen der oft zaghaft und zweifelnd Gewordenen. Die Bedeutung des Arbeiteracfances für die Entfachung des Kamokund Truzwillens der Massen fann gar nicht hoch gemug gefchäßt werden Auch die reisere Jugend trägt von Jahr zu Jahr mehr zu der fünstlerischen Gestaltung der Maifeiern bei. Keine fünftlerriche Ausdrucksform erfreut sich heute einer so weitgehenden BeDie Maifeiern der Gewerffchaftsuntertom fiebiheur wie der Tanz, und unsere sozialistischen Jungmädels missionen in Charlottenburg, Spandau, Tempel. laifen es fich angelegen fein, die mannigfachen alten und neueren hof und Wilmersdorf rahmen ebenfalls einen glänzenden Bolkstanze erfolg und siegreich genen die modernen Fox und Jazz Berlauf Der Besuch der Veranstaltungen war sehr starf, der Geist auf den Bühnen vorzuführen. Schöne Bilder erfreuten gestern das ein würdiger. In den Concordia- Festfälen in Spandau war die Auge, wenn sich die Mädchen zu abmachfelungsvollen ReigenRundgebung so start besucht, daß Tische und Stühle hinausgetragen tänzen zusammenfanden. Die Temperamente her einzelnen können sich hier geben wie sie sind, ganz anders als im uniformten werden mußten. Das ist um so mehr bemerkenswert, weil die K PD. in Spandau in einem Flugblatt offen die Gewerkschaftsmitglieder Gesellschaffstanz. Die junge Natürlich beit fommt zum Durchbruch und reißt die Aften mit. Reges Interesse wurde besonders dort aufgefordert hatte, die Feier zu sabotieren. Ernste Rezitationen und ausgelöst, wo die Arbeiterturner auftraten. In ihnen wie die gefanglichen Darbietungen des Arbeitergesangvereins Hoffnung in Spandau umrahmten die Veranstaltung. Den Festvortrag hielt in ellen übrigen Arbeitersportlern stellte sich die förperliche Elibe der Genoffe Hildesheimer. Mit einem brausenden Hoch auf den deutschen Arbeiterschaft vor. Der Arbeiterturner ist gewissermaßen Sozialismus wurde die Versammlung geschlossen. Dem Rufe der die Garde des Proletariats. Brachtvoll gebaute Männer und Jüng Gewerkschaftsunterkommission in Tempelhof maren mehr als linge federnd in den Gelenken von Kraft und Biegsamfeit. Immer 1000 Personen gefolgt, so daß der Saal die große Zahl der Teil mehr strömen den Arbeiter- Turnvereinen zu, immer mehr lösen sich nehmer nicht aufzunehmen vermochte. Eingeleitet wurde die Feier cus dem bürgerlichen Lager. Jebe Kundgebung der Bürgerlichen durch Gefänge des Boltschors Tempelhof Mariendorf. Das Referat fagt es deutlich, laut oder leise, daß sie das Turnen nur als Vorüber die Bedeutung des 1. Mai hielt Genosse Ortmann. Mit bereitung für späteren Krieg ansehen. Wert von fich weist der einem Hochruf auf die Internationale schloß der Leiter die von Arbeiterturner eine folche infame Einstellung. Ihm ist das Turnen gutem Geift getragene Versammlung. Auch in Wilmersdorf Mittel zur Gesunderhaltung feines Störpers. Aus den Werten strömten die Maffen zur Kundgebung, so daß sich auch hier der be- unferer Redner bei den gcftrigen Feiern aber zitterte mehr oder stellte Saal im Biftoriagarten als viel zu flein erwies. Selbst der minder deutlich doch die ungeheure Erregung und Sparnung, die die zu Hilfe genommene große Saal war überfüllt. Die Darbietungen Maffen und ihre verantwortlichen Führer heute, drei Tage vor der tes Wilmersdorfer Männerchors und der Orchesterschule des Mufit. Entscheidung, gzpadt hält. Was wird der 4. Mai bringen? Aber verbandes: Krönt den Tag" und„ Gruß an den Mai", gaben die Massen werben von Tag 3 Toa zuverfichtlicher. Die Selbstder Veranstaltung weihevolles Gepräge. Genosse Infe, Bor- entblößung aller sich um Schwarz- Weiß- Rot scharenden Parteien wird figender des Verkehrsbundes, hielt die Festrede. Durch den Gesang mit jedem Tag deutlicher und gemeiner. Die Selbstbesinnung der ber, Internationale" fand die Feier einen würdigen Abschluß. Hand- und Kopfarbeiter wird mit jedem Tag offensichtlicher. Das Auch in Charlottenburg war die Kundgebung sehr stark bench auf unsere Partei fand überall einen gewaltigen trogig auf fucht, und die feier verlief ruhig und würdig. Ueberall hatte ein stürmenben Biberhall. 9 V Luftgarten abgefperet, " so daß die Demonstranten nicht zum Ziele tamen. Sie hielten dann die Schloßfreiheit, die Breite Straße, den Kupfergraben und den Schinkelplatz in dichten Massen besetzt. Ebenso drängten sich viele Neugierige, die überhaupt das Hauptkontingent der Demonstranten" bildeten, am anderen Ufer der Spree in der Burgstraße und Königftraße. Das ganze Schauspiel machte den völligen Eindruck der Planlosigkeit und hilflofen Verwirrung, der noch verstärkt wurde durch das rüpelhafte Benehmen der zahlreichen jugendlichen Kommunisten, die sich durch Schimpferelen und alberne Herausforderungen der Schupo besonders hervortaten. Gegen 11 Uhr wurden dann die Breite Straße und die angrenzenden Zugangsmege geräumt. Als die Säuberungsaftion fortgesetzt werden sollte, fiel plöglich aus der Menge heraus ein Bist ofenschuk, der aber Auf diesen alücklicherweise feinen Schaden anrichtete. Schuß hin griff dann die Polizei mit starken berittenen Kräften ein Ebenso wurden die und jagte die Demonstranten auseinander. Linden bis zur Oper herunter durch starke Streifen der Schupo wiederholt gefäubert. Gleichwohl blieben bis in die Nachmittagsstunden hinein Scharen von Neugierigen in allen Zugangsstraken zum Luftgarten versammelt. Zu eigentlichen Störungsverinchen fam es dort aber nicht mehr. Dagegen fam es in der Brinzessinnenstraße zu einem bedauerlichen Zusammenstok mit der Polizei, wobei ein Neger Joseph Mambo durch einen Schuß am Kopfe verleht wurde. Weitere blutige Berlekungen sind nicht zu verzeichnen. Gegen 3 Uhr herrschte in ganz Berlin wieder völlige Ruhe. Einen Dienst haben die Kommunisten der Arbeiterschaft mit dieser sinnlosen herausforderung nicht erwiesen. Auf das schärffte muß aber die Verantwortungslosigkeit gerügt werden, Kinder zu Demonstrationszweden zu mißbrauchen, wie gestern geschah. Es muß traurig um eine Partei bestellt fein, wenn fie, der Agitation zuliebe, unmündige Kinder in die Gefahr der Feuerlinie bringt. Die Kommunisten hatten noch in legter Stunde mit allen Mitteln versucht. die Betriebe am 1. Mai gänzlich lahmzulegen. Ueberall standen vor den Fabriken starke fommunistische Trupps, die die zur Arbeit Erschienenen zurückzuhalten suchten. Desgleichen fah man an den Hoch- und Untergrundbahnhöfen älynliche Kolonnen, und es fam hier an einzelnen Stellen zu Zufammenstößen zwischen dem Bublikum und den Kommunisten. Am Untergrundbahnhof Alexanderplat bildeten die Kommunisten vor dem Eingang Kette und sperrten den Zugang, so daß die Baffanten, bis die Polizei Ordnung schaffte, den zweiten Eingang zu benuken gezwungen waren. Aehnliche Vorfälle werden auch aus dem Often Berlins aemeldet, wo die Straßenbahner, die Dienst taten, vor den Bahnhöfen von Kommunist teilweise fogor mißhandelt wurden. Beamte in Deutschland und in Oesterreich. In der gestrigen Beamtenversammlung der BSTD. in CharLottenburg, Schillerstr., sprach zunächst Reg.- Oberinsp. Genosse Bier mann. Er schilderte die außenpolitischen Folgen unserer Wahlen, insbesondere auf die Kammerwahien Frankreichs, und ging dann auf die Bedeutung der Wahlen für den Beamten ein. Das Schicksal des Beamten in den einzelnen Entwicklungsphasen unseres Staates( Monarchie, Anfang der Republie ufm.) wurde treeffend, mit Humor durch mürzt, vor Augen geführt und daraus Schlüffe für die neuen Wahlen Reinfall eines Einbrechers. gezogen. Als nächster Redner sagte Ministerialrat Genosse Falken| Interesse der öffentlichen Ordnung aufs äußerste zugefaßt werden. berg der neuen Regierung ein Parlament auf schwan Es verurteilte ihn wegen Bestechung zu 3 Monaten Gefängnis und fem Boden voraus. Er streifte die Entwicklung der Dinge in 200 Goldmart Geldstrafe. Die übrigen Angeflagten wurden gemäß England, Dänemark und zeigte, daß auch Poincarés Stern dem Antrage des Verteidigers freigesprochen. im Sinfen begriffen ist. Eingehend sprach er sich über die Steuergesetzgebung aus, nachdem sein Vorredner bereits einiges Dorweggenommen hatte und zeigte die linsinnigkeit der Form des Beamtenabbaus, dabei ließ er auch ein grelles Schlaglicht auf die Tätigkeit der Rentenmart fallen. Bon stürmischem Beifall begrüßt konnte darauf der österreichische Staatskanzler a. D. Dr. Renner das Wort ergreifen. Er zog eine Parallele unserer politischen Entmidlung zu der Desterreichs.„ Die Desterreicher haben schon alles hinter sich." Dort ist 1920 der Rechts3ug" gefommen, perbunden mit völkischem Trara, Judenheze usw. usw. Schon nach drei Jahren hatte man die Nase voll" und 1923 standen alle Beamten mit Ausnahme Gruppe einer fleinen höherer" wieder links. Auch den Angehörigen des Heeres sei es in Desterreich möglich, für sich alle in der Verfassung gegebenen Rechte in der Praxis in Anspruch zu nehmen. Auch in Deutschland werde die Entwicklung voraussichtlich ähnliche Wege nehmen, wenn die Beamten verständen, sich an der Seite der Arbeiter und Angestellten zu einer unüberwindlichen Macht zu formieren. Die Umstellung der Beamten zu erreichen, sei nicht leicht, denn sie bedeute eine seelische Revolution. Mit einem warmen Appell an die Beamtenschaft, am 4. Mai der BSPD. ihre Stimme zu geben, schloß der Redner feine Darlegungen, die, ebenso wie die Ausführungen der beiden anderen Referenten, starten Beifall ernteten. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Die gefüllte Bonbonniere. Der Fall eines bestechlichen Wohnungsamtbeamten. Zum zweiten Male beschäftigte sich gestern die Straffammer des Landgerichts I unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Paulus mit einer Wohnungsschiebung, die sich gegen drei Angestellte des Wohnungsamtes Prenzlauer Berg richtet, nach dem die Straffammer in erster Instanz seinerzeit zu einer Freisprechung mangels Beweises gekommen war. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner hatte jedoch Berufung eingelegt und die erneute Be meisaufnahme ergab in manchen Punkten ein wesentlich anderes Bild, indem es recht merkwürdige Praktiken enthüllte, die bei den Wohnungsschiebungen angewendet waren. Der Fingerabdruck bringt es an den Tag. Besonders schlau glaubte ein Einbrecher zu sein, der die Rektorwohnung der Gemeindeschule in der Graunstraße heimsuchte. Bährend der Rektor verreist war, fuhr er zur Nachtzeit mit einem Handmagen vor, schnitt eine Füllung aus der Tür und packte alles zusammen, was er an Wäsche und Kleidungsstücken fand. Beim Durchsuchen der Wohnung fand er auch den Türschlüssel. Als er jetzt aufschloß, um einen bequemeren Ausgang zu haben, schlug die Lärmglode an. Blitzschnell durchschnitt er die Leitung, so daß die Glocke sofort wieder verstummte. Jezt glaubte der Einbrecher Zeit zu haben. Nachdem er seine Beute aufgeladen hatte, fetzte er die Türfüllung behutsam wieder ein und verschmierte die Fugen mit einer Mischung von Stiefelwichse und Mostrich, um die Spuren eines gewaltsamen Einbruchs zu verwischen und die Entdeckung des Einbruchs zu verzögern. Dann brachte er seine Beute nach einem Keller in der Dragonerstraße. Von hier aus gedachte er sie alsbald zu verkaufen. Das gelang ihm je doch nicht. Die Hehler hatten kurz vor Monatsschluß fein Geld und vertrösteten ihn auf den ersten Mai. Unterdessen wurde der Einbruch Kriminalfommissar Dr. Annuschat und seine Beamten untersuchten die Wohnungstür genau, und fanden auf der Stiefelwichse und Mostrichmischung die schönsten Fingerabdrüde. So gelang es, den Einbrecher als einen 27 Jahre alten Grün festzustellen, der schon wiederholt bestraft ist und erst vor kurzem nach Verbüßung von 2 Jahren aus dem Zuchthaus entlassen worden war. Grüns Mittel war zwar sehr geeignet, die Rige zu verfleben, aber noch mehr, die besten Fingerabdrücke aufzunehmen. Daran hatte er nicht gedacht. In einer Kaschemme wurde der Einbrecher von den Beamten ermittelt und festgenommen. Die ganze Beute fand man noch im Keller in der Dragonerstraße. entdeckt. Hauszinssteuer, nicht Mietzinssteuer. Wie bereits von amtlicher Seite betont wurde, ist die neue Zinssteuer feine Mietzinssteuer, sondern eine aus zinssteuer d. h. die Steuer wird nicht vom Mieter, fondern vom Hauseigentümer erhoben. Der Hauseigentümer ist allein Steuerschuldner. 3war darf er die Hauszinssteuer nach dem Berhältnis der Friedensmiete auf die einzelnen Mieter umlegen; dadurch wird aber an seiner Eigenschaft als Steuerschuldner und seiner ausschließlichen Haftung dafür nichts geändert. Die neue Steuer ist nichts anderes als eine Erhöhung der Grundvermögenssteuer und ist deshalb genau wie diese vom Hauseigentümer zu bezahlen. Wenn, wie es im erheblichen Umfange geschehen ist, von seiten der einzelnen Mieter Anträge auf Erlaß, Ermäßigung oder Stun dung des auf sie umgelegten Hauszinssteuerbetrages bei den städtischen Stetterämtern und Steuertassen gestellt worden sind, so besteht nach der jetzigen gesetzlichen Regelung feine Möglichkeit, diese Anträge durch die städtischen Dienststellen oder die Katasterämter zu prüfen und zu entscheiden, da der Mieter dem Staate gegenüber nicht diese Anträge zu den Aften zu nehmen, da bei der großen Masse dieser Gesuche eine Rückgabe und Einzelbescheidung nicht möglich ist. Derartige Anträge fönnen nur von dem Eigen tüm er, dem alleinigen Steuerschuldner ausgehen und sind an den Vorsitzenden des Grundsteuerausschusses( Ratasteramt) zu richten. Wenn es für Wulle Prügel gibt. Die Fleischwarenfirma Faupel u. Haake hatte in der Landsberger Allee Lagerräume, die an die Wohnung des Gastwirts Wenzel stießen. Durch den Gewerbebetrieb, namentlich durch die Kühlräume, waren die Wände der Wohnung Wenzels feucht geworden, so daß das Wasser hinunterlief. Die Fleischwarenfirma benötigte zur Vergrößerung ihres Betriebes dringend der Räume des Gastwirts und wollte diesen heraus haben. Der Angestellte des Wohuungsamtes, Architekt Walter Schmidt, stellte ein Gutachten aus, daß die Wohnung für menschlichen Aufenthalt un= geeignet sei, so daß der Gastwirt heraus mußte. Die Firma übernahm dann die Räume für ihre Zwecke. Als das Er mittlungsverfahren eingefeitet wurde, waren die Akten und insbesondere der Bericht des Architekten verschwunden. In der gleichen Weise waren die Aften bei einer zweiten Boh- Steuerschuldner ist. Die städtischen Stellen find angewiesen worden, nungsschiebung, an der auch Schmidt beteiligt gewesen war, abhanden gekommen. Ein Ehepaar Klug hatte eine Dreizimmer wohnung und wollte eine größere haben. Auf Anraten von Schmidt nahm man die Schwester in die Wohnung und erklärte, daß auch noch zwei weitere Personen einziehen müßten. Für diese fünf Ber. fonen wurde eine größere Wohnung verlangt, und Schmidt befürwortete die Dringlichkeit, so daß das Ehepaar die Zuweisung einer Fünfzimmerwohnung erhielt. Um mum die größere Wohnung zu beschaffen, beschlagnahmte Schmidt einer alten Frau zwei Zimmer ibrer Fünfzimmerwohnung und machte sie durch weiteres rigoroses Borgehen so mürbe, daß sie schließlich in den Wohnungstausch mit dein Ehepaar Klug einwilligte. Zum Dank für seine Bemühungen wurde Schmidt mit seiner Braut von dem Ehepaar eingeladen und bei dieser Gelegenheit wurde der Braut eine Bonbonniere überreicht, in der fünfhundert Mart lagen. In deni ersten Fall sollten außer Schmidt noch die Angestellten des Wohnungsamtes Eberhagen und Poetsch Zuwendungen in Gestalt von freier Zeche und Fleischwaren erhalten haben. Deshalb war der Direktor der Gesellschaft, Robert Freitag, wegen Bestechung mitangeflagt. Letzterer bestritt jede Schuld. Das Gericht fam nach fängerer Beratung zu der Ueberzeugung, daß in dem Falle Faupel u. Haate grobe Pflichtwidrigkeiten vorge tommen seien, und daß der Angeklagte Schmidt unlautere Mittel angewendet habe. Da das Gericht aber nicht die Ueberzeugung.gewinnen konnte, daß Freitag die Angeklagten bestochen hatte, mußte auch die andere Antlage. zusammenfallen. In dem zweiten Falle Klug hat das Gericht die Ueberzeugung gewonnen, daß Schmidt bestochen worden war. Gegen derartige Angestellte müsse im 7] Die Flüchtlinge. Roman von Johannes Cinnantosti. ,, Beh du in die Küche, ich kann jetzt nichts denken. Wir wollen später darüber sprechen nach dem Abendessen." Er persuchte zu lächeln: Beh nun!" Die Frau feufzte auf und schritt mie im Traume wandernd davon. Keskitalo aber jaß und starrte weiter vor sich hin. Bor jeinen Augen zog fein ganzes bisheriges Leben vorüber. In Sorgen und dem Druck der Schuldenlaft hatte es bestan den, doch das häusliche Leben war ungestört und glücklich gewesen. Und einen guten Namen hatten sie als Erbe ge= habt von Geschlecht zu Geschlecht. Nach einer Weile stand er auf und begab sich mit bleiernen Schritten in die Schlafkammer. Dort zündete er die Lampe an und nahm von der Kommode die schwere Bibel. Restitalo las oft in der Bibel, namentlich wenn er por einer besonderen Schwierigkeit stand oder wenn etwas gut gegangen war. Im Alltagsleben wandte er ihre Sprüche als treffende Redensarten an, aber in solchen Stunden suchte er eine Stütze in ihr. Er las lange Zeit, anfangs bedrängt, dann etwas beruhigt. Dann versant er wieder in Gedanken. Es erschien ihm wie eine unbegreifliche Schickung Gottes, daß gerade jeßt, wo er endlich zur Ruhe gelangt zu sein glaubte, eine Last auf seine Schultern gelegt wurde, im Bergleich zu der alles Frühere nur Scherz war. Hatte er das verdient? Da fielen ihm die Unglücksschläge Hiobs ein. Er suchte die Stelle in der Bibel auf und begann fie von neuem zu Tefen. Als er schließlich das Buch zuklappte, fühlte er sich ruhiger und seine Gedanken flarer. Seine Frau tam leise here.. ,, Manta meint dort in ihrer Kammer...," teilte sie mit. Kann die Unverschämte noch meinen?" erwiderte Kestitalo bitter, obwohl er fühlte, daß ihm diese Nachricht unfagbar wohl tat. So etwas hat man ja nie gesehen und gehört," sagte er dann. Das ist nie in meiner Familie vorgekommen und in deiner auch nicht." " Bei einer, in Berlin von der Deutschvölkischen Frei heitspartei veranstalteten öffentlichen Berfammlung, die Mitte März in den„ linion- Festfälen( Greifswalder Straße) stattfand, tam es infolge des Eingreifens von Kommunisten zu den üblichen Radauszenen. Den etwa 12 bis 15 Schupobeamten, die zum Schuß der Versammlungsteilnehmer hinbeordert waren, gelang es nicht ohne Gummifnüppel, nach der Versammlung die Kampfhähne auf der Straße einander fernzuhalten. Als die Kommunisten in der Richtung nach dem Königstor zurückgedrängt wurden, hörte man von entgegengesetter Seite Hoch- und Niederrufe" aus einem gegen die Beamten anmarschierenden deutschoöllischen Haufen, an deffen Spizze sich der Reichstagsabgeordnete Wulle befand. Da die Beamten sich nun auch im Rücken bedroht fühlten und die mehrmalige Aufforderung, auseinanderzugehen, erfolglos blieb, wurde der deutschvölkische Zug mit Gummifnüppeln auseinandergetrieben. Hier bei soll auch Herr Wulle einige Schläge erhalten haben. Er hielt für nötig, sich beschwerdeführend an das Kommando der Schutzpolizei zu wenden und Bestrafung des Schuldigen zu fordern. Man bemühte sich, alle Beamten zu ermitteln, die zu dem Polizei schutz vor den" Union- Festfälen" gehört hatten. Es fand sich aber ,, Nein... Ja, dies ist der erste Fall." ,, Und das unterfängt sich noch, anderen Borwürfe zu machen!" sagte Restitalo, heftig werdend. Ich habe von Anfang an einen Berdacht gehabt," seufzte die Frau. Du bist der Ehre nachgelaufen, Kustaa, jetzt haben wir die Schande auf einmal!" Restitalo wandte sich um und sah sie lange schweigend an. ,, Läßt du mich jetzt auch im Stich?" fragte er dann gebrochen. ,, Ach nein, lieber Bater" die Tränen schossen ihr in die Augen- aber das Herz ist einem ja so voll." Dann begannen ihre Schultern zu zittern. Ich friere so," sagte sie unter Schluchzen. ,, Du mußt dich niederlegen," sprach Restitalo weicher. ,, Das geht nicht so vielleicht ist noch nicht alles verloren wir wollen nachdenken." mit der Hand seine heiße Stirn rieb. Als sich seine Frau Er erhob sich und ging langsam auf und ab, während er ausgestreckt hatte, sehte er sich zu ihr auf den Beitrand. Im Krieg muß man fest auf der Erde stehen," seufzte er. Ich hatte alles so schön ausgedacht. Allen wäre es gut gegangen: Uutela, uns, den Kindern, und sie hätte schon noch einmal einen jungen Mann bekommen fönnen. Aber die Ruchlose! Hast du gesehen, was für ein Gesicht sie machte?" ,, Red nicht daron- fie war nicht bei Sinnen!" Sie brach wieder in Schluchzen aus. Bersuch nun zu schlafen!" beruhigte Reskitalo. Ich werde bis morgen früh schon einen Ausweg finden." Sie versanten beide in schweres Grübeln. * Wir können diese Schande nicht tragen, und wenn man noch so viel nachdenkt," sagte Restitalo wieder. Wo es jeder versteht-wo Uutela so alt ist, und wo er auch in jüngeren Jahren feine Kinder gehabt hat." " Uutela!" rief die Frau entsegt aus. Erst jetzt sah sie die Sache von dieser Seite. Ach Gott, was wird er wohl sagen und tun?" Nach Keskitalos Meinung war dies jedoch nicht das Schlimmste. ,, llutela ist ein guter Kerl, mit ihm täme man immer irgendwie zurecht," sagte er. Und mitten in dem Kummer schlich sich wieder jener schlau verschmigte Alltagszug in seine Mundwinkel:„ Uutela tönnte man immer sagen: tann einem Hundertjährigen noch ein Sohn geboren werden?- Antwort | fein Beamter, der sich zu den an Herrn Wulle ausgeteilten Brügeln bekennen wollte. Vor einigen Tagen griff man nun zu dem Mittel, dem Beschwerdeführer Wulle alle in Frage kommen den Beamten gegenüberzustellen. Wie machte man das? Wurde Herr Wulle gebeten, sich zu dem Dienstgebäude des Schußpolizeikommandos zu bemühen und dort die Beamten zu be fichtigen? Ja, so hätte man es erwarten sollen, aber das Umgekehrte geschah! Die Beamten wurden dienstlich angewiesen, sich bei Herrn Wulle in seinem Parteibureau in der Dessauer Straße einzufinden und sich dort von ihm besichtigen zu lassen. Er tat das, fonnte aber feinen Beamten als den Schuldigen bezeichnen. Als die Beamten die Räume verließen, äußerte ein deutschvölkischer Angestellter:„ Tür zu, Fenster auf, es stinkt hier drin!" Wollte er hiermit die Beamten fränten oder war das Selbstkritik? Der Kampf um das Testament. Rehabilitierung eines ehemaligen Blumenmediums. Das Blumenmedium Anna Abend, die vor einigen Jahrzehnten durch ihre spiritistischen Sitzungen viel von sich reden machte und die auch damals viel in Hoffreisen als Hellseherin und Blumenmedium auftrat, ist der Mittelpunkt eines interessanten Rechtsstreits gemesen. Vor etwa zwei Jahren war der Fabrikant Ernst F. unter Hinterlassung eines Kindes gestorben, nachdem seine Ehefrau ihm bereits im Tode vorangegangenwar. In seiner lettwilligen Verfügung hatte er bestimmt, daß Frau Abend die Sorge für das Kind erhalte und zu einem Drittel an der Erbschaft beteiligt sein soll. Gegen dieses Testament wird seit längerer Zeit von den im Diese beTestament übergangenen Eltern heftig angefämpft. haupten, daß das ganze Teftament unter Einfluß des Blumenmediums und in geistiger Umnachtung ihres Sohnes zustande fei. Ste gefommen und deshalb ungültig hatten auch bereits bei dem Vormundschaftsgericht durchgesetzt, daß Fraut Abend der Sorge für das Kind enthoben werde, und daß das Landgericht in einer einstweiligen Verfügung die Einsehung eines Sequeftors zwecks Verwaltung des Nachlasses anordnete. Nachdem auf eine Beschwerde der Frau Abend das Landgericht den Beschluß des Vormundschaftsgerichtes wieder außer Kraft gefeht hatte, ist nun auch in dem anderen Verfahren die Einsetzung des Sequestors für unzulässig erklärt worden. Das Landgericht I hat zugunsten des Blumenmediums erkannt und ist auf Grund der von den Rechtsanwälten Dr. Alsberg und Welt vorgelegten Unterlagen zu der Ueberzeugung gekommen, daß das Testament des Fabritanten F. unantastbar sei und daß Frau Abend in feiner Weise die Interessen des ihrer Obhut anvertrauten Kindes des Erblassers gefährde. Der vom Vormundschaftsgericht auf Grund des erſtergangenen Beschlusses eingesetzte Pfleger, Justizrat Dr. Berlig, hatte nach längeren Ausführungen Frau Abend als völlig ungeeignet für die Erziehung eines Kindes bezeichnet und insbesondere auf ihre frühere Tätigkeit als Blumenmedium hingewiesen. Frau Abend ließ dem gegenüber durch ihren Rechtsvertreter erklären, daß sie sich schon seit Jahren nicht mehr als Medium betätige. Der geprellte Chinese. Ein schlechtes Geschäft machte gestern ein chinesischer Händler, der feit einem Jahr in Berlin wohnt. Als er in der Gegend des Gör lizer Bahnhofs Läden aufsuchte, um seine Marmorfiguren, Tassen, Zigarettenspizen und Schnitzereien anzubieten, begegneten ihm an der Ede der Görliger und Falkensteinstraße zwei junge Burschen und hielten ihn an, um ihm etwas abzufaufen. Sie bezahlten mit einem alten 50- Martschein, den der Händler für viel Geld hielt, aber nicht wechseln fonnte. Als er ein Ge schäft aufsuchte, um ihn flein zu machen, erfuhr er, daß er nichts wert war. Nichts Gutes ahnend, eilte er wieder hinaus. Aber jetzt waren die beiden Burschen mit seinem Musterkoffer und den ganzen Waren verschwunden. Mitteilungen über die beiden Schwindler und den Berbleib ihrer Beute an Kriminalkommissar Wächter, Zimmer 392a, des Polizeipräsidiums. des Polizeipräsidiums. Der erste Tag des Lichtbildzwangs. Auf der Stadt- und Ringbahn, der Wannseebahnr und den Vorortbahnen war gestern zum erstenmal das Lichtbild notwendig neben der Monatstarte. Die Abonnenten der Wannseebahn müssen allerdings schon seit längerer Zeit ihre Photographie neben der Karte an der Sperre vorweisen, aber die Neuheit, und zwar, das sei gleich betont, die praktische Neuerung, die gestern zum erstenmal in Aftion trat, besteht in dem Rahmen, der Bild und Karte umschließt. Er präsentiert sich als ein gut aussehender und gefälliger Rahmen aus Aluminium. Lange Zeit hat man gebrauch und viele Versuche gemacht, bevor man zu dem Resultat tam, das die Eisen bahndirektion erreichen wollte, daß nämlich in Zukunft mit den Monatsfarten fein Mißbrauch getrieben und sie fein Unbefugter be nugen fonnte. Der neue Aluminiumrahmen ist so kompliziert und boch auch wieder so einfach konstruiert, daß man, wenn Bild und Monatsfarte im Rahmen eingespannt und durch einen Hebel befestigt find, die Monatskarte und das Bild, um die Photographie eines 26 siehe 1. Buch Mose. Aber das schreien ihm die anderen in die Ohren." " Ja, ja, wo sie nun der ganzen Welt gehört, diese Sache!" feufzte die Frau. Dann versanten fie in noch schwerere Gedanken. Die Uhr in der großen Stube schlug zehn, schlug elf und fchlug zwölffie wachten immer noch. Und je mehr die Zeit verging, desto größer wurde ihre Not. Sie sprachen miteinander, fonnten sich aber nicht trösten. Sie beteten miteinander, aber auch das brachte keine Hilfe. langen Jahren. Wie verwickelt war doch das Leben fie Sie erlebten in diesen wenigen Stunden mehr als in vielen hätten nicht geglaubt, daß der Mensch einer solchen Hilflofigfeit anheimfallen könne. Wenn man doch mit Uutela reden müßte?" schlug die Frau in ihrer Berzweiflung vor. Wenn er sich erbarmte und es annähme? Das ist ja auch sonst früher geschehen." Restitalo mies diesen Gedanken schroff zurüd. " Nein, damit hat es feine Eile. Und Uutela ist auch hier nicht die Hauptsache, sondern die Leute. Und die würden es doch nicht glauben, sondern nur lachen." „ Gott, Gott! Was soll denn aus uns werden, da es nirgends eine Rettung gibt!" * Die Uhr schlug eins. Restitalo schrat zusammen, mie menn er die Stimme der Sturmglocke vom Rirchturm gehört hätte. Er hatte in einemfort gedacht: bis zum nächsten Schlag habe ich etwas gefunden. Glockenschlag auf Glockenschlag er folgte, eine immer größere Dunkelheit hüllte sich um ihn. Er fühlte, daß er ganz naß war, ihn begann zu frösteln. " Hat mich Gott ganz verlassen?" feufzte er in seiner Bedrängnis.„ Weshalb? Mancher lebt, wie er will, fümmert sich nie um Dein Wort, und Du prüfft ihn doch nicht mit solcherlei Unglück. Ist dies recht?" Da kam die Verzweiflung über ihn, eine entsetzliche Lust, die Ketten seiner Schande mit Gewalt zu sprengen. Sein Ge sicht verzog sich, Schweißperlen preßten sich auf seiner Stirn hervor, in der Tiefe seiner Seele rangen furchtbare Kräfte. ich " Es muß geschehen es muß beseitigt werdenzwinge sie dazu!" stammelte er vor sich hin. Seine Frau hörte das seltsame Flüstern und setzte sich jählings auf. Fortsetzung folgt.) J andern unterzubringen, nur auf die Weise entfernen kann, daß man fie zerreißt, also unbrauchbar macht. Der Rahmen genießt den Schutz des Patentgefeges, und zwar mit Rech, denn er ist wirklich patent. Wer aber befürchtet, die etwas scharfen Ecken des Rahmens fönnten der Kleidung schaden, vermag diesen Uebelstand schnell und leicht Durch Abreiben mit Schmirgelpapier abzuhelfen. werbe und Kaufmannsgerichten, zu den Schlich. tungsinstanzen sowie auf die Gestaltung der Steuera gefeßgebung Einfluß nehmen. Er will feine Ziele in Gemein schaft mit der Arbeiterklasse zu erreichen suchen. Kürzlich ist auch in Berlin eine Ortsgruppe gegründet worden. Das Eintrittsgeld beträgt 1 M., der Monatsbeitrag 2 M. Alle felbständigen Parteigenoffen, die sich dem Einheitsverband an schließen wollen, mögen sich an Eugen Brager, Berlin NW. 6, Albrechtstr. 16( Norden 3769), wenden. Ende zu machen. Das Eintrittsgeld beträgt für Erwachsene 20 Pf..| Barteipolitif freiben, sondern auf die Wahlen zu Gea für Kinder bis zu 14 Jahren 10 Pf. Schülern bis zu 14 Jahren unter Führung von Lehrern, soweit sie sich in einfachster Form, vom Schulleiter unterschriebenen und gestempelten Schein ausweisen können, soll freier Eintritt gewährt werden. Innerhalb des Klosterhofes der Kirchenruine und des Fürstensaales ist allen Besuchern unbeschränkte Bewegung gestattet. Im allgemeinen soll der Aufenthalt, insbesondere bei größerem Andrang, auf eine halbe Stunde bemessen werden, doch wird bei Besuchern, welche in der Ruine zeichnen, malen oder architettonische Studien treiben wollen, eine solche Beschränkung nicht eintreten; auch wird ihnen die Erlaubnis zum Betreten sonst abgeschlossener Teile, wie z. B. des Wirtschaftshofes der angrenzenden Oberförsterei, jederzeit gern erteilt werden. Grüne Plakatabreißer. Die Flucht des Freiherrn von und zu Egloffstein. Ludwig Freiherr von und zu Egloffstein- Derthel, der schon wiederholt infolge feiner Hochstapeleien und vor allem wegen feiner Flucht aus dem Untersuchungsgefängnis die Deffentlichfeit beschäftigte, versuchte am Sonnabend wiederum aus dem Gerichtsgebäude in Moabit zu entfliehen. Sein erster Fluchtversuch hatte einen komischen Beigeschmad. Er war damals vom Unterfuchungsrichter vernommen worden. Nach Beendigung des Verhörs bedeutete ihm der Richter:„ Sie fönnen gehen." Egloffftein Das Plakat ist ein unentbehrliches Hilfsmittel in den Kämpfen nahm das wörtlich und ging, mit den Dertlichkeiten dank seines langen zur Parlamentswahl der demokratischen Staaten und man muß Aufenthalts im Untersuchungsgefängnis genau vertraut, durch einen von unseren Behörden erwarten, daß sie dieser Art Wahlpropaganda anderen Ausgang aus dem Borzimmer auf den Korridor hinaus und um so weniger Schwierigkeiten bereiten, je maßvoller sie sich bewegt. gelangte von da ins Freie. Monatelang blieb er verschwunden, Ohne Maß und 3iel bewegt sich in erster Linie die vol hielt fich in Frankreich, Spanien und Italien auf. Aistische Plakatpropaganda, die nicht vor den schlimmsten feine Geldmittel erschöpft waren, fehrte er nach Deutschland zurück Verschmutzungen öffentlicher und privater Gebäude zurückschreckt. und beging neue Betrügereien. Schließlich ging er zu seinem da Merkwürdig genug ist es, daß diese öffentlich vor sich gehende maligen Berteidiger Rechtsanwalt Dr. E. H. Treifel, der ihn Dreckerei eine ganz offenfundige Schonung erfährt, denn man veranlaßte, sich freiwillig wieder zu stellen. Nunmehr war es vor sieht die völkischen hetplatate tagelang unange einiger Zeit, da das endlose Strafverfahren immer noch nicht zum fochten überall fleben. hingegen machen sich die völkischen Abschluß gelangen konnte und der Angeklagte bereits mehrere Helden ein besonderes Bergnügen daraus, die an den öffentlichen LitfaßJahre Untersuchungshaft verbüßt hat, dem jezigen Ber- fäulen angeklebten und bezahlten Blafate der republikanischen Parteien teidiger Dr. Themal gelungen, die Freilassung Egloffsteins gegen zu zerfetzen und abzureißen. Leider scheinen nun manche BolizeiRaution zu bewirken. Unterdessen waren aber wieder neue beamte alles andere zu tun als sich um den Schuh dieser erlaubten Strafhandlungen zur Anzeige gelangt. So soll gegen Egloff- Platatierung zu fümmern. So schreibt uns ein Parteigenosse: In stein jetzt auch ein Verfahren wegen Landesverrats schweben. der Bismarckstraße in Charlottenburg gegenüber dem DeutAm Sonnabend wurde er vom Untersuchungsrichter, Landgerichts- schen Opernhaus wurde von mir morgens um 47 Uhr ein Schußrat Toeplit, vernommen und dieser ordnete sein Ver bleiben polizeimachtmeister beobachtet, wie er Platat für in Moabit an. Raum hatte Egloffstein das vernommen, als er Blafat entfernte. Besonders bie Blafate mit den Reichs. aufstand und aus dem Zimmer stürzte. Es folgte eine wilde farben hatten es ihm angetan. Ich fann mir nicht denken, daß es Hezjagd durch die korridore und dem Flüchtling wurde zu den Dienstobliegenheiten der Polizei gehört, antirepublikanische der Ausgang zur Straße versperrt. Egloffstein lief daher bis zum Wahlhilfe zu leisten. dritten Stockwert. Einem ihm hier entgegentretenden Justizwachtmeister rief er zu: Was wollen Sie, ich bin selbst der Staatsanwalt X. Siefennen mich doch." Beinahe wäre ihm dieser Trid gelungen, denn der Beamte war im Augenblick ſtuzig geworden. Zu Eglofffteins Pech öffnete sich im selben Moment aber die Tür und der von ihm benannte Staatsanwalt trat heraus, so daß der Flüchtling nunmehr von den unterdessen herbeiheraus, so daß der Flüchtling nunmehr von den unterdessen herbei: geeilten Beamten festgenommen und ins Untersuchungsgefängnis abgeführt werden konnte. Bon einer Brechftange aufgespießt. Am Mittwoch nachmittag gegen 5 Uhr wurde der 22 Jahre alte Arbeiter Willi Kunger aus der Braunsberger Str. 8 auf dem Fabrikgrundstück der Firma Labischin, Herzbergstr. 50 in Lichtenberg, beim Berschieben eines beladenen Eisenbahn waggons schwer verletzt. Kunger wollte den Waggon an den Rädern mit einer Brechstange vorwärts bringen, blieb aber in einer Schienenweiche steden, worauf der Wagen zurückrollte und die Brechstange dem Kunger in den Leib stieß. Man schaffte den Schwerverletten nach dem Lichtenberger Krankenhaus, wo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Absperrung der Klosterrnine Chorin. Bieber einmal hat das bebauerliche Unverständnis wild gewors dener Ausflügler und Wanderer dazu geführt, daß eines der pracht. nollsten und feltensten historischen Denkmäler der Provinz Branden. burg, die Klosterruine Chorin, für die Deffentlichkeit gesperrt wurde. In der näheren Umgebung ist es, wie die Oberförstere: Chorin soeben mitteilt, durch diese üblen Elemente iiederholt zu schweren Ausschreitungen gefommen, die sogar zu unmittelbaren Beschädigungen der Ruine selbst geführt haben. Infolgedessen haben sich die beteiligten Behörden leider veranlaßt gefehen, den freien Zutritt nunmehr zu beschränken. die Ruine im engeren Umkreis und insbesondere das Innere der Ruine abzusperren und den Eintritt nur gegen Lösung von Eintrittskarten und unter Aufficht eines staatlich angestellten Wärters zu gestatten. Es ist damit auch den Anregungen und Wünschen weiter Kreise entgegen. gekommen, die sich durch das lärmende Benehmen meist jugendlicher Besucher beeinträchtigt fühlten. Schon im letzten Sommer erfolgte eine Maffeneingabe der Märkischen Wander- und Naturschutzvereine an die beteiligten Ministerien, den unerträglichen Zuständen ein Namen- Los. Ronzertumschau von Kurt Singer. Einen guten flingenden Namen zu erringen, zu erhalten, darum tämpft, darauf hofft jeder Künstler. Es geht um Ehre und Ruhm, der sich an ein paar Lettern fnüpft. Es ist Schicksal der Namen, es ift Namen- Los, seinen Träger zu überdauern. Name wird Brogramm, und dieses Programm flattert dem Künstler vorauf. Früher dachte man sich, so man Müller oder Schulze hieß, ein Pseudonym aus. Da aber auch eine Lehmann und Hoffmann, ein Maŋer und ein Kraus Karriere machten, so tuts der übelste, vulgärste Name auch, wenn ihm Persönlichkeitskraft innewohnt. Und Emmy Destinn wäre auch mit dem Geburtsnamen( Müller) ein Star geworden. Den Beginnenden, den Anfänger lodt das Sternbild des berühmten Namens. Meist bleibt das Los seines Namens die Namenlosigkeit. Zuweilen aber rettet sich doch einer aus den flüchtigen Zeichen einer Tagespresse in das Hauptbuch der künstlerischen Ewigkeit. Denn immer neues sucht und braucht die Welt. Wie nameníos glücklich muß solch ein Meteor sein! Wie viel glücklicher, der seinen Namen als Erster heraushob aus den vielen! | Kurzschrift und Eisenbahn. Die Reichseisenbahnverwaltung hat eine Verfügung erlassen, in der die Verwendung der Kurzschrift im Eisenbahndienst angeordnet Der und das System Gabelsberger vorgeschrieben wird. Bezirk Groß- Berlin des Märkischen. Stenographenbundes StolzeSchrey hat sich in seiner Vertretersizung am letzten Sonntag mit dem erwähnten Erlaß beschäftigt und folgende Entschließung gefaßt:„ Die Bertreter pon 23 Stenographenvereinen Groß- Berlins sprechen ihr starkes Befremden darüber aus, daß eine Reichsverwaltung bei Einführung der Kurzschrift für ihren Dienstbetrieb das älteste und fchwierigfte Snfiem gewählt und über das in Breußen weitaus am meisten verbreitete, leichter zu erlernende System Stolze- Schren hinweggegangen ist. Sie erblicken in dieser anscheinend durch baŋerische Wünsche bestimmten Maßnahmen eine Ungerechtigkeit gegenüber meiten Boltskreisen. Die Versammlung fordert eine Nach prüfung der Verfügung und erwartet, daß wenigstens für Norddeutschland die Kurzfchrift Stolze- Schren die ihr gebührende Berüd. fichtigung erfährt." Einheitsverband sozialistischer Unternehmer. Unter diesem Namen ist vor einigen Monaten unter Mitwirkung des Leipziger Gewerkschaftskartells ein Verband sozialistischer Hanbelund Gewerbetreibender und sonstiger selbständiger Geschäftsleute gegründet worden. Der Verband will teine Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 2. Mai. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag des Herrn Sanitätsrats Dr. Frank. Abteilungsvorsteher des Reichsgesundheitsamts:" Gesundes Wohnen". 8.30 Uhr: Berliner Operetten- und Schlagerabend. Mitwirkende: Charlotte Freyer von der Staatsoper Berlin; Hans Batteux von der Staatsoper Berlin; Eduard Kandl vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg Komponist Erik Meyer- Helmund. Am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack. doch schon Auswahl!) Dann Hermann Ambrosius. Wenn sein Quintett jo formgewandt, so frisch und quellend, so ohne jede Qual des Handwerks und des Gemüts geschrieben ist, wie seine jüngere Flötenfonate op. 24, so haben wir von diesem Talent noch viel und gutes zu erwarten. Schwerer Straßenunfall. Gegen 11 Uhr nadyts wurde der 51 Jahre alte Konditor Albert Rothäuffer, Dennewigstr. 15 mohnhaft, vor dem Begasbrunnen am Schloßplaz durch eine Kraftdroschte umgefahren und so unglüdlidy zu Boden ge schleudert, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt. Er fand im Urbanfrankenhause Aufnahme. Die Schuld trifft vermutlich den Ber unglückten felbst, da er trotz wiederholter Warnungssignale den Fahrdamm überschritten haben soll. Der Schrecken des Böhowviertels ist eine Einbrecherbande, die in jener Gegend fast Nacht für Nacht auftritt. Sie bringt in Wohnungen im Erdgeschoß ein und sucht sogar die Zimmer ab, in denen die Leute schlafen. In zwei Fällen sahen Wohnungsinhaber, die durch ein Geräusch im Schlafzimmer selbst oder im Nebenzimmer ermachten, einen der Verbrecher mit brennender Lampe an der Tür stehen. Als sie Lärm schlugen, warf er die Lampe hin, entfloh und entkam mit den anderen. Die Kriminalpolizei hat für das Biertel besondere Streifen eingerichtet. Angaben zur Ermittlung und Festnahme der Bande an Kriminalkommissar Dr. Annuschat im Simmer 51 a des Polizeipräsidiums. Für Postpakete nach dem besetzten Gebiet wird im allgemeinen von den fremden Zollstellen ein nach dem Gemicht abgestufter Bausch zo 11 erhoben. Ausnahmen bestehen für Lebensmittel, die zollfrei in das besetzte Gebiet eingeführt werden können, und für eine Reihe von Warengattungen, u. a. Seidenwaren, Tabat, Zigarren, Zigaretten, Kürschnerwaren, Uhren, Schuhwaren, Kunstgegenstände, die den vollen Zollfäßen des interalliierten Zolltarifs unterliegen. Die Einfuhr dieser Waren in das befehte Gebiet ist nur auf Grund einer Zulaufsgenehmigung gestattet, die der Absender von den zuständigen fremben Zollstellen zu beschaffen hat. Pakete mit derartigen Waren, die bisher von der Postbeförderung cusgeschlossen waren, können jetzt bei allen Postanstalten eingeliefert werden. Nähere Auskunft erteilen die Bostanstalten. Unheilvoller Wirbelsturm in Nordamerika. Ein Wirbelsturm sudyte mehrere südöstliche Staaten der Nordamerikanischen Union heim. Bisher wurden 47 Lote und 130 Verlegte gemeldet, außerdem viele Bermißte. Der Schaden wird auf Nach den zuletzt eingegangemehrere Millionen Dollar geschätzt. nen Nachrichten richtete der im Staat Georgia herrschende Wirbelsturm bedeutend größeren Schaden an, als zuerst angenommen wurde. In einer Anzahl von Diftriften von Allabama und Arkansas wütete der Sturm auf einer Strede von rund 1600 Kilometer. In SüdKarolinen wurden 50 Personen getötet, im ganzen follen über 100 Personen umgekommen sein. An vielen Stellen find unter den Trümmern zusammengestürzter Schulen Kinder verschüttet worden. In Allabama gab es 19, in Georgia 20 Tote. Die Materialschäden werden auf mehr als 10 Millionen Dollar geschätzt. Durch einen dem Wirbelsturm folgenden Sturzregen traten mehrere Flüsse über die Ufer. Mehrere Brücken wurden weggeschwemmit. Fahrt lief heute der neue Dampfer des Norddeutschen Lloyd,„ CoDer„ Columbus" in New Borf eingetroffen. Nach achitägiger lumbus", programmäßig in New- Dort ein. Die Ueberfahrt mar zum Teil stürmisch. Trog Sturm und Nebel fonnte die Fahrzeit plan. mäßig eingehalten werden. Die Untersuchung der Katastrophe von Bellinzona. Der schmei zerische Bundesrat hat, nachdem er einen mündlichen Bericht des Generaldirektors der Bundesbahnen über die Katastrophe bei Bellinzona angehört hat, beschlossen, auf Grund der Untersuchungen einen eingehenden Bericht über das Unglück der Bundesversammlung vorzulegen. 97 Leichen von Bergarbeitern, die bei dem Bergwerfsunglück am 28. April in Wheling( Birginia) verschüttet worden waren, find aufgefunden worden. Jede Hoffnung, daß noch einige der Opfer des Bergwerksunglücks lebend geborgen werden fönnten, ist aufgegeben worden. Die Rettungsmannschaften fanden den Weg im Bergwerk durch Wasser versperrt, das den ganzen Teil der Grube überflutet hat. Mein stilles Glück. Kletternd und springend wie Eichhörnchen fangen wir unsere Neuig Es ist schon so, mir Zeitungsreporter find vielgeplagte Leute. teiten zusammen und der liebe Beitgenosse liest sie dann morgens beim Kaffee und meint zu seiner Amalie: ,, Es steht mal wieder gar nichts Neues drin." Ja, für alles müssen wir uns interessieren, aber an nichts dürfen wir intereffiert sein und selbst, wenn einmal die Welt untergeht, läßt man uns feine Zeit, unfer Haus zu bestellen, sondern jagt uns los für den Extrabericht, der noch unbedingt ins Abendblatt muß. Aber mandymal ist das Leben doch wieder schön. Zum Beis und berufseifrig nach dem Lustgarten, allmo sich ungeheuerliche Zeitereignisse abspielen sollten. Ich war gefaßt auf ekstatisch bewegte Bolksmengen, vulkanische Ausbrüche der politischen Leidenschaften und hatte mir für alle Fälle meinen tugelsicheren Regenschirm mitvöllig leer und bewacht von einer vielhunderttöpfigen Siposchar. genommen. Was aber fand ich einen weiten überfonnten Platz, mit gezückter Pressefarie erschloß ich das Sesam, lustwandelte zu einem Stuhle, ließ mich nieder und wartete. Die Berliner Abende Alfred Bichlers find als gemeinnügige Bereinigung zur populären Mufitpflege zu begrüßen. Auch Unbefannten wird dort der Weg in die Deffentlichkeit bereitet. Die Leute scheinen allerdings mehr von Glaßbrenner- Wigen zu halten, als von den lustigen fein abgestimmten und flangfrohen Stimmen des Frauenterzetts Fled, Hahn, Peiper. Der Abend war in Kostüm, Gehalt, Aufmachung und Stimmung auf Allt- Berlin" eingespiel gestern am ersten des Maien. Da wandere ich ahnungsvoll ſtellt. Emmy Ball gehört noch nicht aufs Bodium, sicher nicht in der anspruchsvollen Form einer Mitwirkung bei den Philharmonifern. Daß sie die Vorschläge in Mozartschen Arien( fogen. Appo giaturen) fo falsch singt, wie es in Konzert und Theater leider üblich ist, tomme nicht auf ihr, sondern auf ihres Lehrers Haupt. Auch daß sie jetzt schon öffentlich singt. Die schöne blonde Frau hat wohl Stimme, aber feinen Ausdruck, ein Legato, das nicht flingt, eine Koloratur, die steifbeinig bleibt, imd dazu eine musikalische Hilflosigkeit, die nur zur Hälfte Befangenheit ist. Sie gehe in ein gutes Konfer= vatorium. Auch Toni a ac sucht zu Mozart erfolglos Beziehungen anzufnüpfen. Ein fladriger, unruhiger Sopran, der in der Tiefe farblos, in der Höhe schreiend- gelb wird. Der anmutige Bortrag enthüllt kein frauliches Erleben, faum ein jung- mädchenhaftes, fehnfüchtiges Empfindungs- Niveau. Der Tonansah ist noch ganz unsicher. Auch dieses junge Mädchen gehört noch zu den Lernenden; auch sie ist im Technischen und Musikalischen( falsche, refp. fehlende Berhaltnoten!) noch unvollendet. Aber nichts geschah. Ich blieb ganz allein, in föstlicher Einfamkeit. Ueber mir windbewegter sonniger Himmel und mein heimliches Paradies, in dem ich allein der liebe Stinnes war, bewacht von 300 grünrödigen Cherubim. Wie unter einer Glasglocke saß ich, fernab der lauten anspruchsvollen Well, die sonst Berlin heißt; und war eigentlich gar nicht böse, daß dieses Mal die Weltrevolution noch nicht tam. Meine Freunde, die wilden Tauben und Enten übrigens auch nicht. Die meinten, man nähme ja schließlich das Publikum der Broden wegen mit in Stauf, aber so ganz unter sich zu sein, wäre doch am schönsten. Und dann träumten wir alle zusammen weiter den schönsten Traum, nämlich an gar nichts dabei zu denken. Ueber mir in den Zweigen schimpften allerdings während der ganzen Zeit ein deutschpölfischer und ein kommunistischer Sperling über die Juden und die Sozialdemokraten, und daß es eine GemeinGreifen wir in den Strom der Namenlosen hinein. Da ist Baul Höffer, der eigene Kompositionen vorführt, einen ganzen Abend lang. Er ist redselig und verstärkt dadurch die Länge des Konzerts. Noch durchaus kein Eigenartiger, erzielt er gemischte Eindrücke. Sein Melos und seine jugendlich- behende, auftrumpfende Ryythmit( etwa in der Cello- Sonate) scheinen von Brahms zu stammen. Zwischen spiele und merkwürdig willkürliche Harmonisierungen verraten den Schrefer- Schüler. Im Bau und der Verarbeitung der Motive, im fugierten Stil zeigt der junge Mann großes Gefchick, Geübtheit des Handwerks. Einer Serenade mit Klarinette ist auch der Humor und das freundliche Kolorit nicht fremd. Aber das Gute, Inspirierte, rein Musikantische verfiegt in einem Strom von mittelmäßiger Er findung, die oft Gefagtes nicht zu neuem Klang, zu neuer Wesenheit zwingt. Aus Länge wird leicht angen Eiber wenn er sich im Bunde mit dem ausdrucksvollen Cellisten Silberstein) auch noch so sehr um darstellerische Größe müht: der Funke einer Bersönlich feit fehlt. Höffer lerne weiter, er fchaffe meiter, er suche fich selber zu erkennen und zu finden. Bielleicht wird aus dem noch umher. irrenden Jüngling ein zielbewußter, fünstlerischer Mann. Man begeht wohl feine Indiskretion, wenn man von der Meisterschule Hans Pfigners plaudert, Meister und Schule- wie reimi sich das? Als Meister geboren ist wohl feiner derer, die in der vornehmen Akademie gehört wurden. Aber nichts ist flüchtig, nichts oberflächlich gemacht. Zucht in jeder Note. Bei Re han stolzieren die NotenIn seinem Streichquartett op. 4 steden gute Anfäße, besonders im töpfe noch etwas steif daher, der rechte Motor kommt nicht in Gang. zweiten und dritten Sat. Er schwört in der Astese der melodischen irgendwie interessant. Sie brauchte das nicht. Musterhaft die Sprache Maßnahmen genau so Front machen, wie gegen allzu über. Reize sicher auf die Worte seines Meisters. Lieder Dome browskis, von Cida au treff- und geschmacksicher im Ausdruck bedacht, wirken durch feine, unaufdringliche Arbeit und Natürlichkeit der Melodie, nicht durch Tiefe( die der Jugend auch nicht gut zu Ges fichte stände). Unter 7 Liedern drei starke wem gelingt das so schnell? Die Schule und ihre Kritik muß gut sein( denn Kritif ist Aber sie würden es ihnen schon anstreichen und man müßte überhaupt mal was dagegen tun. Sie hatten aber meiter feine Wirkung, da die Wildenten ein geschlafen waren und das Wetter zu schön war, um sich aufzuregen. Da wurden fie schließlich böse und sagten, mir maven verrottete Bourgeois und jüdische Margiften, mit welchen Worten sie sich empUnd nun die Namhaften, die Prominenten: Leo Blech( deffen Rüdberufung nach Charlottenburg bevorstehen soll) dirigierte eine G- Dur- Sinfonie Haydns mit größter Delikatesse, rhythmisch geprägter als flangsinnlich getönt, die Zauberflöten- Ouvertüre sehr überlegen, nur mit jenen fast brutalen Akzenten des Hauptthemas, die schon im Theater verstimmen. Emil v. Sauer ist der Grandseigneur des Bianistentums. Das Instrument flingt unter feines Virtuoſen Hän heit fei, ihnen ihre fleinen harmlosen Versammlungen zu verbieten. den so schön, so weich, und feiner kann die Tasten so streicheln wie diefer romantische Liebhaber. Er macht wahr, was Chopin vom Spielen feiner Werke verlangte( und was Liszt erfüllte): die Finger schweben über dem Elfenbein. Sentimentalitäten liegen ihm nicht fern, er fächelt sie mit seiner greifen Mähne fort, oder er biegt ihnen durch Tempobeschleunigungen( Schubert- Impromptu op. 142, Nr. 2) aus. Die Schumann- Phantasie op. 17 wurde schon bedeutender, größer gedacht und gespielt. Steiner jedoch lebt und webt und singt so im schwebenden, dämmerigen, duftenden Salonton, wie erwählte, weiß Schubertsches Lied zu befeelen durch Stimme und dieser Sauer. Wahrlich: ein Meister. Elena Gerhardt, die AusTonwärme allein. Kein subjektives Auslegen der Verse machte sie und Phrasierung, ebenmäßig Ton und Atem. Und jede Köftlichkeit Schuberts wird im Munde dieser Sängerin ein frauliches, trauliches, beschauliches Erlebnis. Die„ Europäischen Nächte" von 28 alter Mehring, über die wir nen nich berichteten, find im Berlag von Elena Gottschalt, Berlin, erschienen, Wir haben sie nicht zurüdgehalten. Hans Wesemann. Die Radiofabrikanten und-händler haben sich nun auch zu einem Berband zusammengeschlossen, der ihre Eonderinteressen fördern foll. Darüber hinaus will er gegen einengende behördliche mütige Kartell- und Trustpolitit. Hoffentlich besteht bei dem Verbei dem die„ allzu übermütige" Kartell. und Trustpolitik beginnt. band auch ein brauchbarer Maßstab zur Feststellung des Punktes, Der Kampf gegen den Krebs. Das belgische Ministerium des Inneren verlangt einen Ergänzungskredit von einer Million Franken zur Unter fügung des Kampfes gegen den Krebs. Deffentliche Wählerfundgebungen! Heute, Freitag, den 2. Mai, abends 7½½ Uhr: Mitte: Sophiensäle( großer Saal), Sophienstr. 17/18. Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Str. 73, und Schulaula Winterfeldtstr. 15. Wedding: Pharusfäle, Müllerstr. 142; Bazenhofer- Ausschant, Chauffeeftr. 64; Schulaula Grünthaler Str. 4/5. Prenzlauer Berg( 31. Abt.): Schulaula Schönfließer Str 7. Prenzlauer Berg u. Friedrichshain: Brauerei Friedrichshain. Kreuzberg: Bodbrauerei, Fidicinstr. 2/3. Charlottenburg: Schule Dandelmannstr. 27( am Kaiser mm). Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Str. 8. Schöneberg: Aula Ühlandschule, Kolonnenstr. 23/24. Friedenau: Bürgerfaal Rathaus am Lauterplay. Lankwitz: Aula Realgymnasium Raulbachstraße. Mariendorf: Aula Gymnasium- Kaiserstraße. Neukölln: Schultheiß, Hasenheide 22( Wintergarten); Aula Oberrealschule Emser Str. 134/137. Die Internationale des Kapitals. Stinnes- Konzern Siemens- Rhein- Elbe Schuckert- Union 72 Unternehmungen Osterreich Ungarn 5 Stinnes 13 Unternehmungen Rumänien Hugo Stinnes G.m.h.H Schweden 3 Schweiz 3 59 42 Dänemark Italien Niederlande 2 2 im Auslande Java 2 Norwegen Rußland 2 Argentinien 1 Nach Angaben des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes 80 Deutsche Ausländische Deutsche Ausländ Unternehmungen Hugo Stinnes GmbH Stinnes Privat- Konzern Brih: Beders Gesellschaftshaus, Chauffeeftr. 97. Grünau: Jägerhaus, Bahnhof- Ede Friedrichstraße. Lichtenberg: Aula Partaue( an der Möllendorfstraße). Karlshorst: Gymnasium Trestowallee. Weißensee: Turnhalle Pistoriusstraße. Pankowo- Niederschönhausen: Schönherr, Niederschönhausen, Lindenstr. 11. Buch: Lofal Göpfert am Bahnhof. Blankenburg: Lotal Klug, Dorfstr. 1. Reinidendorf- Off: Bürgergarten, Hauptstr. 51. Reinickendorf- West: Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr. 108. Hermsdorf: Lofal Bellevue am Bahnhof. Wittenau: Breßtat, Berliner Str. 73. Referenten sind: Aufhäuser, Klara Bohm- Schuch, Dr. Breit scheid, Ed. Bernstein, Criſpien, Dr. Deiters, Rich. Fischer, Hugo Heimann, Heinig, Marie Juchacz, Joachim, Klaußner, Kiezmann, Kuttner, Lüdemann, Dr. Löwenstein, Leid, Litte, Lempert, Dr. Moses, Otto Meier, Herm. Müller, Nietisch, Ruben, Heinrich Schulz, Bittor Schiff, Minna Todenhagen, Wissell, Dr. Wenl, Dr. Zechlin. Außerdem werden als Vertreter der öfterreichischen Sozialdemokratie Dr. Otto Bauer und Dr. Karl Renner, Wien, in verschiedenen öffentlichen Bersammlungen der Partei Ansprachen halten. Lekte BSPD.- Wählerversammlungen Sonnabend, den 3. Mai, abends 71/2 Uhr: Spandau: Concordiasäle, Klosterstr. 13/15. Gatow: Zur Linde"( Hans Krause). Staaten: Lotal Wolf. Wilmersdorf: Bismard- Gymnasium Pfalzburger Str. 27/29. Steglig: Realschule Florastraße. Tempelhof: Realgymnasium Kaiserin- Augusta- Straße. Bohusdorf: Bierbach, Bahnhofstr. 12. Köpenid: Aula der Körner- Schule Lindenstraße. Friedrichshagen: Aula Gynasium Schulstraße. Mahlsdorf- Süd:" Bum Heidekrug", Köpenider Allee. Buchholz: Lokal Kähne, Berliner Str. 39. Borsigwalde: Borsigwalder Festfäle, Spandauer Straße. Referenten find: Aufhäuser, Klara Bohm- Schuch, Crifpien, Dr. Deiters, Hirsch, Künstler, Koblenzer, Litte, Dr. Moses, Ruben, Schiff, Minna Todenhagen, Dr. Zechlin. Tagesordnung in allen Bersammlungen: Gin leztes Wort an die Wähler! 12 12 10 9. Kahle Oel Metallwerke Handel, Schif Maschinenfabe fahrt.Transport Interessen 9 7 Holz, Zellstoff Sonstige Zeitungen Unterne Je stärker die fapitalistische Ronzentration fortschreitet, um so| inniger verflechten sich die Interessen der internationalen Konzerne. Das Kapital tennt eben in seinem Streben nach machterweiterung feine Landesgrenzen. Es ist kein Zufall, sondern ein in der fapitalistischen Entwicklung begründetes Gefeß, wenn auch solche Wirtschaftsführer ihre wirtschaftlichen Interessen mit denen des Auslandes verbinden, die sich in politischen Fragen nicht national" genug gebärden fönnen. Die nachfolgende zeichnerische Darstellung des Stinnes. Ronzerns in feiner Gliederung nach in- und ausländischen Unternehmungen ist für den gegenwärtigen Stand der Entwickelung nichts anderes als ein Beispiel. Ebenso wie bei diesem Trust, tönnten bei der AGG., bei Phönig und bei anderen Großfonzernen die gleichen Entwicklungstendenzen aufgezeigt werden. Nicht anders liegen die Reichswirtschaftsrat und Sachverständigengutachten. Gutachten der Sachverständigen beschäftigt, ist am Dienstag zu einer Der Arbeitsausschuß des Reichswirtschaftsrats, der sich mit dem Sigung zusammengetreten. Der Ausschuß fett fich aus Mitgliedern des Wirtschaftspolitischen und Finanzpolitischen Ausschusses zusammen und hat die Aufgabe, auf Grund der Sachverständigengutachten ein Wirtschaftspro gramm für die nächste Zeit aufzustellen. Insbesondere wird sich der Ausschuß mit den Schlußfolgerungen, die sich für die deutsche Wirtschaft ergeben, zu befassen haben. Er wird aber auch Stellung Borschläge nehmen zu den Vorauslegungen, unter denen die für die deutsche Wirtschaft trogbar sind. Im einzelnen werden steuerpolitische, währungspolitische und sozialpolitische Probleme, die sich aus dem Sachverständigengutachten ergeben, behandelt werden. Auch die Wirkungen der Brrschläge auf Ein- und Ausfuhr werden Gegenstand der Beratungen bilden. Das Ergebnis der auf mehrere Tage berechneten Untersuchungen des Arbeitsausschusses wird der Reichsregierung in Form eines Gutachtens übermittelt neiden. Dem Ausschuß gehören an: Als Arbeitgebervertreter Niederl- Indien 1 Ver St.v. N- Amerika 1 Dinge beim Finanzfapital, bei den Banten. Sogar Heinere Industries und Handelskonzerne reichen heute schon mit Zweig geschäften und eigenen industriellen Betrieben bis weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Durch diese kapitalistische Expansion werden die internationalen Konzerne immer mehr in die Möglichkeit verfekt, niedrige Arbeiterlöhne oder andere ihren Intereffen dienliche Momente in anderen Ländern für sich auszunuzen. Dadurch verstärkt das Unternehmertum seine wirtschaftliche Machtstellung. Die flare Erfenntnis dieser Entwickelung macht es der Arbeiterschaft zur Pflicht, durch Stärkung der eigenen Organifation und durch kraftvollen Einsatz ihrer politischen Macht in allen Ländern den Gefahren entgegenzuwirken, die aus der Intereffenverflechtung des internationalen Kapitals ihr drohen. 28. April dürfte dabei in seinen hauptsächlichsten Ergebnissen schon berücksichtigt worden sein. Im einzelnen ergibt dieser Ausweis einan Rüdgang des Papierumlaufes um 42 auf 674 Millionen, der Umlauf an Rentenbontscheinen sogar um 72,8 auf 1653 entstand für die Reichsbank durch die Zunahme der bei ihr deponier Millionen Goldmart in der letzten Woche. Eine wesentliche Entlastung ten fremben Gelder. Die Girobestände erhöhten sich um 93,9 auf 943,9 Millionen Goldmart. Infolge der Gründung der Golddiskont bant, von der die Reichsbank Attien in Höhe von 5 Millionen Pfund Sterling übernahm, ist das vorher geringfügige Effettenton o um 91.4 auf 91,9 millionen Goldmark angewachsen. Den dafür erforderlichen Devisenbetrag beschaffte sich die Reichsbant durch ein Darlehen von der Bank von England. Der Goldbestand ging um 18 auf 441,8 Millionen Goldmart zurüd. Die Reichsbant hat diesen Betrag verkaufen müffen, um noch afte aus der Kriegszeit herrührende Devisenverpflichtungen zu decken. Auf zur Reichstagswahl!-Alle Stimmen der BSPD.! Dr. Bücher, Dr. Kutscher, Hermann und Liebermann! als Arbeit aussehende Ausfälle teilweise dadurch erlitten habe, daß Kunden ihren ,, Komödie der Worte." Von allen Aufführungen, die unsere frühe Sommersaison bis jetzt gebracht hat, ist diese( in den Kam merspielen) die charmantefte Kein Wunder: es ist eine Schnigler Aufführung. Die Regie führte Bau Bildt. Sie hatte jene Gattung von Lempo", bie man fachlich Schmiß zu nennen pflegt. Ueber alle Mängel aber fluteten, Sünden weg. schwemmend, der temperamentvolle Wig, der melancholische Humor, die naive Intellettualität Arthur Schnitzlers. Albert Bassermann spielte die Hauptrollen in allen drei Stücken der Komödie der Worte": den pathetischen Arzt mit dem tragischen Erlebnis und den lächerlichen Heldentums dan berühmten Schauspieler mit der herzgewinnenden, lügenhaften Seele, den Komödianten, der sich selbst wundert, daß man mit ihm wie mit einem erwachsenen Menschen spricht, den Mann mit der niederträchtigen, prachtvollen Kindlichkeit; und schließlich den Dichter, den erften betrogenen Ehemann der Heltliteratur, der nicht lächerlich wird, sondern den Liebhaber der Frau lächerlich machen darf. Man torante Bassermann von vielen gewinnenden Seiten bewundern: den ,, Verwandlungstünstler fowohl, wie den verständnisvollen Berlebendiger; den geistreichen Interpreten des Worts und den naiven Künstler, der den geist reichen hirngeborenen Big mit dem Impuls des Unterbewußten zum sprachlichen Erlebnis gestaltet; den starten Uebertreiber, der es fich gestatten darf, unwahrscheinlich zu fein, weil seine Umwahrschein lichkeit Wahrheit in grotester Beleuchtung ist. Neben Bassermann war Julia Serda im ersten Stüd der Komödie eine beachtensmerte, sympathisch zurückhaltende Doktorsgattin. Sie hielt gewisser. maßen bie leise vertuschende, mildernde Hand vor jedes fluge Wort des Dichters. Als Theaterbirektor gab im zweiten Stüd Sigmund Nunberg wohlgelingene Ironie, die einem Wiener Theaterdirettor erste Natur ist. Betra John fpiefte einen etwas zu lauten, mehr berlinischen als wienerischen Badfisch mit ¡ mpathischer Recheit. h. nehmervertreter Badert, Baltrusch, Schneider und Tarnow; als Bertreter ber Berbraucher, Beamten und freien Berufe Dr. Berthold, Georg Bernhard, Mar Cohen und Dr. Grund. Die Berreichlichung der Wasserstraßen ist noch immer nicht entschieden. Nach halbamtlicher Mitteilung sind noch große Schwierigteiten zu überwinden. Preußen und Bayern verlangen nach wie vor besondere Beachtung ihrer Verhältniffe. Des Reichsverkehrsministerium ist bemüht, eine schnelle Lölung der Frage berbeizuführen. Die Organisationsfrage der Ber= waltungen ist bereits aus dem Entwurf des Wasserstraßengesetzes entfernt worden, um so die größten Schmierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Das Reichsverkehrsministerium beabsichtigt, mit den Ländern einen Vertragsabschluß herbeizuführen und ist der Meinung, die Berreichlichung auf diese Weise noch im Laufe dieses Sommers durchführen zu können. Kreditbeschränkung und Geldumlauf. Die Reichsbant perfolgt feit einiger Zeit die Politik der Beschränkung der Kredite, um auf diese Weise das Anschwellen des Geldumlaufes und damit die Gefahr einer neuen Inflation zu bekämpfen. Ueber die Erfolge diefer Politik hat, wie wir berichteten, bereits der Reichsbankpräsident vor dem Zentralausschuß der Reichsbank eingebende Mitteilungen gemacht. Der jetzt vorliegende Ausweis der Zentralnotenbank vom Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose 15,50-16,75 Malzkaffee, gepackt Gerstengrütze, lose... 15,50-16,50 Röstgetreide, lose Haferflocken, lose.... 15,75-16,00 Kakao, fettarm Hafergrätze, lose..... 16,00- 16,50 Kakao, leicht entölt Rorgenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kitine.. Bohnen, weiße, I erl. Langbohnen, handverles. Linsen, kleine. Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni Haus der Arbeit. Bom Juni bis August dieses Jahres findet in Aussig a. d. E.( Tichechoslowakei) eine große Ausstellung für Kultur und Wirtschaft Deutschböhmens statt. Zwischen den Hallen und Schaustellungen von Industrie, Handel und Landwirtschaft wird fich, sichtbar schon vom Haupttor ber Ausstellung, ein ernster, muchtiger Bau erheben, hoch überragt von der roten Fahne, das Makkaronimeh? Haus der Arbeit. Mitten in der Schaustellung tapita. Schnittnydein, lose. liftischer Barenkultur richtet es die deutschböhmische Arbeiterschaft auf als fulturelles Wahrzeichen proletarischen Ringens und Strebens. Mit folibarischen Kräften geftalien es Gemertschaften, deutschbömischen Konsumgenossenschaften, die Bruchreis. Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelrels, Java Ringapfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100 Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Sanfenfassen und Kulturorganisationen, um Entwicklung und Größe, Pflaumen, entsteint Schicksale und Errungenschaften des deutschböhmischen Proletariats der Welt zu zeigen. Noch gibt es feine eigene proletarische Kultur. Aber die kulturellen Werte, die bas Proletariat schon innerhalb der kapitalistischen Welt aus eigener Klaffenfraft, mit eigenem Klassen bemußtsein schafft, fie sollen im Haus der Arbeit sichtbar werden. Das deutschböhmische Proleteriat baut sein proletarisches Museum. Emil Sedel, Brofeffor der Rechtswissenschaft an der Berliner Universität, int in einem Sanatorium im Schwarzwald, 60 Sabre alt, gestorben. Seine Arbeitsgebiete waren bas römische und das lanonische Recht. 1920 war er Selter ber Berliner iscritt 42,00 45,00-47,50 23,00-25,00 16.50-13,00 ... 100,00-125,00 $ 130,00-153,00 12,75-14,00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-420,00 18,00-19,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 22,00-25,50 Inlandszucker basis mel. 39,5 14,50-16,00 Inlandszucker Raffinade 42,00-44 00 17,00-21,00 Zucker Würfel 19,00-21,75 Kunsthonig 14,00 17,00 Zuckersirup hell in Eim. 22,25-24,50 Speisesirup dunk. in Eim. 30,00-31,75 Marmelade Einfr. Erdb. 26,00-35,00 Marmelade Vierfrucht 36,50-42,00 Pflaumenmus in Eimern 43.00-49.50 Steinsalz, lose.. 17,0 19,50 Siedesaiz lose 40,00-46,00 Bratenschmalz in Tierces 34,040,00 43,00-49,00 30,00-35,00 108,00-120,00 40,00-48,00 45,00- 48,00 3,10-3,70 4.00- 4,70 68,00 36,00-37,50 Bratenschmalz in Kübeln 69,00 69,50 66,50 67,50-68,00 50,00-53,00 20,00-24,00 Purelard in Tierces 15,73 17,50 Purelard in Kisten 17,00 19,50 Speisetalg in Packung 25,00-31,00 Speisetala in Kübeln 48,00 50,00 31,00 36,00 Margarine, Handelsm. I 58,00 95,00-100,00 desgl. It' 52,00 55,00 43,00-48,00 Margarine, Spezialım. I.. 76,00 53,00 60,00 01,00-65,00 desgl. 11. 75,00 80,00 Molkerelbutter 1. Fässern 215,00-218,00 70,00-90,00 Molkereibutter in Pack. 220,00-223,00 $ 165,00-170, 0 75,00-100,00 Landbutter 77,00-83,00 Auslandbutter in Fässern 215,00-218,00 115,00-1: 5,00 Auslandbutter in Packg 220,00-223,00 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,00 36,00 62,00-70,00 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett. 22,00-35,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 103,00-111,00 Quarkkäse Weißer Pfeffer 138,00-148,00 Tilsiter Käse, vollfett Rohkaffee Brasil 185,00-220,00 Aus!. ungezuck. Condens22,00-24,00 Rohkaffee Zentralamerika225,00-290,00 milch 48/16. Röstkaffee Brasil... 240,00-290,00 Inländische desgl. 48/12 17,50- 18,50 Röstkaffee Zentralam. 300,00-390,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 27,00-28,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer. 140,00-145,00 Quadratkäse 35,00-50,00 Weitere Zahlungsffodungen bei kleinbanken. Die Berwaltung der im April 1922 gegründeten Eibebant A- G. Hamburg hat die Geschäftsaufsicht über das Unternehmen beantragt, da sie nicht vorVerpflichtungen per Ultimo April nicht nachgefommen feien. Die Berwaltung bezeichne den Stand der Bant als derart, daß die Geschäfte voraussichtlich ohne Schädigung Dritter abgemidelt werden fönnten. Die Nordbayerische Handels: und Gewerbebant in Nürnberg hat wegen eingetretener Zahlungsstockungen Geschäftsaufficht beantragt. Diskontermäßigung in New York. Nachdem Deutschland durch die Rediskontkredite der Golddiskontbank in die Lage versezt ist, den amerikanischen Geftmarkt für deutsche Industriefredite in Anspruch zu nehmen, ist die Gestaltung des amerikanischen Geldmarktes für die deutsche Volkswirtschaft von hoher Wichtigkeit geworden. Von ihr wird es abhängen, ob in absehbarer Zeit noch weitere umfangreiche Kredite an Deutschland er' eilt werden. Als günstiges Vorzeichen ist zu bewerten, daß zurzeit die Geldmarktlage in den Vereinigten Staaten im Zeichen einer Entspannuma steht. Die dortige Bentralbant, die Bundesreservebant, hat nämlich den Rediskontsag von 4% auf 4 Proz. ermäßigt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 14. Kreis Reutön. Achtung, Ordner! Seute abend zur öffentlichen Berfamm Jung: 89. bis infl. 96. Abt. Schultheiß, Safenheide: 97. bis 99. Abt. Aula Emfer Straße. Pünktliches Erscheinen Pflicht. 38. bt. Treffpunkte zur Flugblattverbreitung am Sonnabend, abends 6 Uhr: 153. und 161. Bezirk bei Nose, Große Frankfurter Str. 16: 158. Begirl bei Gohlke, Friedrichsberger Str. 22; 160. Bezirf bei Lubotta, Richthofenftr. 1; 183. bis 188. Bezirk bei Mogwig, Barnimstr. 13; Bezirk 189a bei Rosenberg, Langenbedstr. 1. 74. Abt. Zehlendorf. Heute, Freitag, abends 7 Uhr, große öffentliche Volks verfammlung im Großen Gaal des Lindenparts. Redner: Staatsminister a. D. Genoffe Lüdemann. Sport. Carpenfier Sieger in Wien Im Bor- Wettkampf zwischen Townley und Carpentier, der gestern in Wien stattfand, murde Townley in der zweiten Runde durch Knockout befiegt. Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, den 1. Mai. 1. Rennen. 1. Adolphus( Volt), 2. Hellebarde( Nuß), 8. Dro( Sark mannsbenn). Toto: 49: 10. Play: 12, 12: 10. Ferner liejen: Bario, ella( gef.). 2. Rennen. 1. Faun( b. Herder), 2. Ostflucht( Hr. Freese), 3. Granit ( 55r. Staudinger). Toto: 35: 10. Blag: 15, 15: 10. Ferner lief: Jalor. 1. Denfitein( Mate), 2. Siltrud( Dertel), 3. Lavinia ( Saager). Toto: 14:10. Blab: 12, 12:10. Ferner lief: Mellaroja. 4. Reunen. 1. Sonia Midas( Dertel, 2. Narr( Mate), 3. Memling, ausgebrochen( Bismarf). Ioto: 15: 10. 3 liefen. 5. Rennen. 1. Elfchen( v. Borte), 2. Steinberger( b. Fallenbahn), 3. Burgritter( v. Metsch). Toto: 40: 10. Blag: 12, 11: 10. Ferner ltef: Hartenstein. 3. Rennen. 1. Bartolt( Eichhorn), 2. Terz( S. Thiel), 3. Giger! Foto: 30: 10. Blah: 24, 42: 10. Ferner liefen: Turiball, 6. Hennen. ( Sths). Sonnenschein. 7. Stenne it. 1. Becherklang( D. Schmidt), 2. Herenmeister( Stau 120,00-125,00 Dinger), 3. Jays( Dlejni). Toto: 60: 10. Blas: 15, 14, 14: 10. Ferner liefen: Faltenburg, Savitry, Morgenstunde, Heimtraute, sama. Weffer für Berlin und Umgegend. Meist troden, zeitweise heiter bei schwacher Luftbewegung und etwas höherer Lagestemperatur.