Nr. 208 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 106 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monalfidy 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Bitauen, Buremburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und geit" mit..Gied. Jung und Aleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Seimmelt" und Frauenbeilage ,, Frauenstimme" erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abdreffe: Gozialbemotrat Berlin" Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille seile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 4.Goldmart. Aleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( zulässig awei fettgebruckte Worte), jebes wettere Bort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben gählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,28. Anzeigen für die nächste Rummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nahm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 4. Mai 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Es lebe die Sozialdemokratie! Herzen hoch- Fahnen hoch! Bon Otto Bauer( Wien). stische Welle mögen im Augenblick noch so hoch gehen; sie| Europa wird, wenn erst nicht mehr die Notwendigkeiten der brechen sich bald an dem Fels harter Tatsachen. Der Flut folgt bald die Ebbe! Aber wenn fie vorüber gehen, bleiben wird die Die sozialistische Internationale blickt heute auf deutsche Sozialdemokratie! Bleiben wird die große Deutschland. In höchster Spannung erwarten die Arbeiter- Partei August Bebels. Sie hat das Sozialistengesetz zer massen aller Länder das Ergebnis der Reichstags brochen. Sie hat die Hohenzollern überlebt. Sie wird auch wahlen. die Rebellion der Phantasten gegen die Tatsachen überleben. Und wenn erst, wozu jetzt zum erstenmal Hoffnung ist, die Brobleme, die der Krieg der Habsburger und Hohenzollern aufgeworfen hat, endlich gelöst werden, endlich Friede in Die französischen Sozialisten wissen: jede völkische Stimme am 4. Mai in Deutschland treibt dem bloc national am 11. Mai in Frankreich zwei Stimmen zu! Die britischen Arbeiter wissen: Eine Niederlage der Demokratie, ein Sieg des Nationalismus in Deutschland am heutigen Tage macht die Fortführung der Friedenspolitik der Arbeiterregierung unmöglich. Jede Stimme für die Nationalisten in Deutschland stärkt die Jingoes in England! Wir Desterreicher wissen: Jeder Sieg der Reaktion in Deutschland stärkt die Reaktion in Deutschösterreich. Und die Reaktion in Deutschösterreich ist ultramontan, schwarzgelb, habsburgisch. Ihr Traum ist die Wiederherstellung des habsburgischen Zehn- Bölker- Reiches. Sie ist darum totfeind dem Gedanken des Anschlusses Deutschösterreichs an Deutschland! Jebe Stimme für die Reaktion in Deutschland ist eine Stimme für die dem Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland feind liche, schwarzgelbe Reaktion in Desterreich. Wir alle wissen: unsere deutschen Genossen kämpfen heute gegen Wind und Wetter. Man sagt: die deutsche Sozialdemokratie habe schmere Fehler begangen. Mag sein! Aber wer, der in den entseglichen Jahren der Nachfriegswirren handeln mußte, mer, der in diesen Jahren nicht müßig am Ofen lag, hat keine Fehler begangen? Marr schrieb einmal: In jeder Revolution werden Dummheiten gemacht." Von dieser Regel bildet feine Partei eine Ausnahme, weder in Deutschland noch anderswo. Aber nicht wegen ihrer Fehler, sondern wegen dessen, was fie gut und recht gemacht hat, hat die deutsche Sozialdemokratie heute so furchtbar starten Ansturm zu bestehen. Weil ihre ganze Politit seit 1918 darauf gerichtet war, durch Erfüllung des Friedensvertrages, soweit er erfüllbar ist, neuen schweren Konflikt mit übermächtigem Feind zu vermeiden, und den Notwendigkeiten alles andere unterordnete, deshalb richtet sich gegen sie der wilde Ansturm all derer, deren Bolitik auf einen neuen Krieg im Westen und im Osten lossteuert, sowohl derer, die den Krieg unter der schwarzweißroten, wie derer, die den Krieg unter roter Flagge führen zu können Kriegerischen Konflikt mit Frankreich vermeiden, das heißt: das Reich retten, das neuer Krieg in Trümmer schlagen würde; das heißt: die Nation vor neuer Invasion bewahren; das heißt: die Entwicklung verhüten, die ganz Europa abermals einem furchtbaren Maffengemegel zutreiben würde. meinen. Wie notwendig diese Erfüllungspolitif war, das beweisen die entsetzlichen Erfahrungen des Ruhrkriegs; das beweist die Tatsache, daß diefelben deutschen Rapitalisten, die Jahre lang die Erfüllungspolitik bekämpft haben, jezt für die Annahme des Sachverständigen gutachtens eintreten; das beweist die Hoffnung, daß dieses Sachverständigengutachten endlich der Weg zu wirklichem Frieden in Europa und damit zur Wiederherstellung der Weltwirtschaft führen wird! Trotzdem bekämpfen breite Maten die Sozialdemokratie gerade wegen dessen, was Voraussetzung, Erfordernis, Notwendigkeit dieser Erfüllungspolitik war! Das ist menschlich begreiflich; ist das Resultat der gewalttätigen Politit des französischen Imperialismus. Aber es ist dennoch töricht; ist das Resultat des Unvermögens, reale Machtverhältnisse zu sehen, wie sie sind. auswärtigen Politik die innere Politik Deutschlands beherrschen und sich unterordnen, dann stellt sich auch in Deutschland die natürliche Klassenfront, hie Arbeit, hie Kapital! wieder her, dann sammelt sich auch in Deutschland die ganze große deutsche Arbeiterklasse wieder hinter dem Banner der Sozialdemokratie! Darum feine Ermattung, feinen Kleinmut, Genossen! Gerade in schwerer Zeit muß sich unsere innere Kraft bewähren! Unser ist die Zukunft tron alledem. Die Herzen hoch, die Fahnen hoch! Willst Du? Selbstbestimmung WAHLURNE Beldenen. tur Diktatur 5 Hi Wähle V. J. P. D. Wähle völkisch oder K.P.D. Am Ende des Wahlkampfs. Ein Rückblick. Wir stehen am Ende des Wahlkampfs. Heute freilich wird es noch heiß hergehen, aber es bedarf keiner aufmunternden Worte mehr. Unsere Genoffinnen und Genossen haben bisher fo prachtvoll ihre Pflicht getan, daß sie gewiß auch dieser Tag auf der Höhe ihrer Aufgabe finden wird. Bon morgen ab wird sich alles Interesse auf die Wahlergebnisse fonzentrieren und auf die Neugestaltung der politischen Brobleme, die sich aus ihnen ergeben wird. Darum ist es jetzt schon an der Zeit, einen Blick auf die Kämpfe zu Die Völkischen wollen den Krieg. Den Krieg mit werfen, die heute abend hinter uns liegen werden. nadten Fäusten gegen die furchtbarste Gewaltmaschinerie der Die Monarchie fann nicht besser sein, als der Monarch Die Monarchie kann nicht besser sein, als der Monarch Welt. Den Krieg, der Deutschlands Ende wäre. Die Komist, darum war fie, von seltenen Ausnahmen abgesehen, ipott munisten wollen Bürgerkrieg und Diktatur. Den Bürger- schlecht. Die Demokratie, die Volksherrschaft, fann nicht beffer frieg, der unter den Machtverhältnissen, wie sie sind, nur mit fein als das Bolt ist, und damit ist schon gejagt, daß fie, der Dittatur des alten wilhelminischen am allerwenigsten gleich von Anfang an, vollkommen sein Deutschland über das Proletariat enden würde. Beide fann. appellieren an die Gewalt unter Umständen, unter denen die Das deutsche Bolt gehört auf un politischem Gebiet zu Gewalt national und sozial in den Händen der anderen, in den dem gebildetsten der Welt. Aber später als andere ist es dazu gekommen, auf dem Gebiet der Selbstregierung Erfahrungen zu machen und sich selbst zur Reife zu erziehen. Darum ist die politische Unwissenheit, die politische Instinktlosigkeit bei breiten Schichten noch sehr groß. Händen des Feindes ist! Mögen viele noch, dem Gefühl, nicht dem Berftande folgend, den Romantikern des Krieges links und rechts folgen: die Tatsachen erweisen sich immer stärker als alle Romantik. Binnen furzem versteht es jeder Deutsche: wer uns jetzt den franzöfifchen Tanks entgegentreibt, treibt Deutschland zur Katastrophe! Binnen furzem versteht es jeder Arbeiter: Wer uns jetzt den Maschinengewehren der Bourgeoisie entgegen treibt, treibt die deutsche Arbeiterklasse dorthin, wo die italienische, wo die ungarische ist! Die völkische und die kommunidie jeden anständigen und unterrichteten Menschen, gleichviel, welcher Richtung es sei, hätten anwidern müssen, und die bei politisch erzogenen Massen nur das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erreichen könnten. Das Wahlergebnis wird zeigen, wie weit sie dennoch wirksam sind und wie groß die Teile der Bevölkerung sind, auf die man mit den blöden Lügen nationalistischer und bolfchewiftischer Sozialistentöter Eindruck machen kann. Die Sozialdemokratie hat es vermieden, auf das Niveau ihrer Bekämpfer herabzusteigen, und sie hat damit recht getan. Denn sie darf nicht auf die Unwissenheit spekulieren, sondern muß sie bekämpfen, sie hat die Aufgabe, nicht zu verwirren, um dann im trüben fischen zu können, sondern aufzuklären und zu erziehen. Es ist gewiß viel bequemer, in die Massen, die dafür empfänglich sind, leere Schlagworte hineinzuwerfen, als die oft komplizierten Notwendigkeiten zu erklären, die sich aus jeder praktisch auf Besserung gerich teten Politik ron selbst ergeben. Aber diese mühselige Arbeit bereitet den Boden für dauernde Ernte, während das andere doch nur Schwindelhaber ist. mit man gesündigt hat, beginnt sich ja an der Rechten Die alte Wahrheit, daß man an dem gestraft wird, woSchon zu erfüllen. Bis in die legten Tage hinein haben die Deutschnationalen beteuert, völlisch und deutsch= national fei ein und dasselbe. Gestern abend warfen fie aber ein Flugblatt hinaus, in dem auseinandergesetzt wird, daß völkisch und tommunistisch dasselbe sei.( Sind amei Größen einer dritten gleich, so sind sie auch untereinander Daraus erklärt sich das tiefe Niveau, auf das der Wahi tampf stellenweise herabsinken konnte, die Zersplitterung, die öde, mit den plumpften Mitteln arbeitende Marktschreierei, mit der von rechts und ganz links gearbeitet wurde. Rampf gegen die Sozialdemokratie sind von Auf der anderen Seite ist es die völkische Presse, diesen beiden Seiten Mittel zur Anwendung gebracht worden, die in letzter Stunde erklärt: Wer am 4. MaideutschIm gleich.) nattonalwähli, der unterzeichnet das zweit« Versailles." Helfserich war es, der kurz vor seinem Tod« das unwahrhaftige Schlagwort vom„zweiten Versailles" in Me Welt geschleudert hat, nun rächt sich diese Demagogie an >en Nachfahren, die der„Erfüllungspolitik" Konzessionen machen müssen, in demselben Augenblick, in dem sie auch nur daran denken, in eine deutsche Regierung einzutreten. Die Zeichen der Zersetzung sind der Rechten aus die Stirn geschrieben, und gar bald wird es für diese Hasardeure der Politik heißen:„Wie gewonnen, so zerronnen." Genau dasselbe gilt aber auch für die Kommu- nisten. Sie haben es abgelehnt, die Wege der praktischen Arbeiterpolitik zu beschreiten und haben alles auf«inen G e» w a l t s i e g eingestellt, von dem sie reden, ohne an ihn zu glauben. Sie sind, ebenso wie die Rechtsradikalen auf ande- rem Gebiet, die umgekehrten Gambettas, sie sagen:„Immer davon reden, nie ernstlich daran denken." Lange kann es aber nicht dauern, bis es auch der letzte Arbeiter ablehnt, sich am Narrenseil führen zu lassen. Die geradezu krankhafte Verleumdungs- sucht, durch die sich diese Leute auszeichnen, ist uns ein Zeichen ihrer inneren Unsicherheit. Mangels besserer Beweise versuchen sie durch ein wahres Kotbrechen über den gesund- gebliebenen Teil der Arbeiterbewegung chren Radikalismus zu beweisen. Das mag ihnen eine Weile helfen, aber nicht lange. Schon hat die vollkommene Pleite der so großartig angekündigten Störung der Maifeier gezeigt, daß auch die neue„linke" Führerschaft nur mit Wasser kocht. Viel- leicht ist auch sie schon zum Absägen reif. Einen Erfolg haben die Kommunisten allerdings zu verzeichnen. Sie haben erreicht, daß die weiter rechts» stehenden Wähler diesmal in weitem Umfang den sozialdemokratischen Versammlungen fernblieben, weil ihnen der Krakeel, den dort die Kommunisten machten, zum Halse herauskam. Dadurch wurde der Werbekraft der Sozialdemo- lratie nach rechts hinüber Abbruch getan. Die bürger- lichs Mitte hat allen Grund, den Kommunisten dafür dankbar zu sein. Eine parlamentarische Mbeiterregkierung wird in Deutsch- land erst möglich sein, wenn es der Sozialdemokratie gelingt, breite Wählermasien, die jetzt noch in der Mitte und rechts stehen, zu sich herüberzuziehen. Dazu muß sie aber erst den Rücken frei bekommen! Die Liquidierung des Kommunis- mus, das lehrt uns dieser Wahlkampf, ist die Voraussetzung für den weiteren Fortschritt der Arbeiterbewegung. Diese Liquidierung wird nicht lange auf sick) warten lasien: si« zu beschleunigen wird unsere Aufgabe sein. Die Sozialdemokratische Partei wird auf diesen Wahl- kämpf stets m i t S t o l z u n d Genugtuung zurückblicken. Da sie sich in keinem Phrasenrausch versetzt hat, ist sie vor dem Katzenjammer, der anderen nicht ausbleiben wird, geschützt. Sie weiß, w i e-s ch w e r dieser Kampf war, sie hat den Haß gefühlt, der sie umbrandete, sie weiß, daß auch heute noch die Worte ihres alten Trutzliedes gelten: Der Feind, den wir am tiefsten hasse;:, Der uns umlagert, schwer und dicht, Das ist der Unverstand der Massen. Aber der Druck von außen hat uNs fester zu sa m- ni e n gesch w e i ßt. Während uns von allen Seiten das Wutgeschrei entgegenscholl:„Nieder mit der Sozialdemo- kratie!" wuchs der Stolz, Sozialdemokrat, Sozial- demokratin zu sein, in Millionen Herzen höher. Alle Energien sind gestrafft, das Bewußtsein ist lebendig, daß dieser Wahlkampf kein Abschluß, sondern nur ein Anfangneuer Kämpfe ist, in denen sich die Notwendigkeit einer starken, einigen, festgefügten Sozialdemokratischen Partei dem gan- zen arbeitenden Volk offenbaren wird. Darum heute, morgen und alle Zeit allen Gegnern ein trotziges Trotzalledem: Es lebe die Sozialdemokratie! Politik und Charakter. Der letzte Wahlschwindel der Volkspartei. Di« Deutsche Lolksportei versucht in letzter Stunde, in einem Wahlaufruf sich als die Retterin Deutschlands aus der Not der Inflation und der fürchterlichen Krise von 1923 anzupreisen. Sie fragt: „Wie war es im August 1923? Die deutsch« Mark er- lebte einen Tiefstand nach dem anderen. Lohn und Gehalt schwanden dahin vor der Inflation." Seit August 1923 nun regiert Stresemann, und seitdem hat die Deutsch« Voltspartei alles besser gemacht: da» ist der letzte Wahlschwindel, den die Lolkspartei an den Mann bringt. Wer regiert« vor Strefemany im August 1923? Damals war die„Deutsche Volts Partei" ebenfalls „führend an verantwortlicher Stelle in der Reichsregierung" tätig. Der Reichskanzler Cuno stand ihr nah« Reichs wirt- schaftsminister aber war in dieser Zeit des Zusammenbruchs, der fürchterlichsten Wirtschaftskrise, der Aushungerung der Arbeiter das geschätzte und führende Mitglied der Deutschen Boltspartei— Herr Dr. Becker. Er gehörte zu dem mgeren Kabinett, daß den Gang der deutschen Politik damals bestimmt«. Dies« Regierung, in der die Deutsche Volkspartei„führend an verantwortlicher Stelle" tätig war, versäumte es, den Ruhrkampf rechtzeitig zu be- enden. Sie verstand es nicht, den Verhandlungsweg zu betreten. Sie duldete die Untergrabung der Souverämtät des Staates durch die Schwerindustrie. Sie schuf die Bedingungen für den endgültigen Zusammenbruch der Währung. Wenn die Deutsche Volks- M zur Wahl! Stehe auf, nimmt Deinen Wohnungsmeldeschein, einen Bleistift und geh wählen! Jetzt gleich mußt Du gehen, nicht nachher! Geh wählen, D u m n ß t, es geht um Dein Schicksal! E» gibt keine Ausrede und keine Saumseligkeit! Um 5 Uhr ist« zu spät! Wie Du wählen sollst? Werke: Auf dem amtlichen Stimmzekiel für Berlin steht die BSPD. an erster Stelle, für Tellow-Veeskow (Potsdam II) an zweiter, für Riederbarnim (Potsdam I) an dritter Stelle. Plakate unserer Partei mit Abbildungen de» Stimmzettels werden erkenntlich machen, wie gewählt werden muß. damit kein Irrtum entsteht. Unsere Listen beginnen für Berlin: Crispien, Heimann, für Telkow-Beeskow: Znbeil, Bernstein, für Riede rbarnlm: Wiffell. Breilfcheid. wo wird gewählt? Die Wahllokale sind heule durch Säuleuanfchlag bekannlgemacht. Gebote für öie Vöhl: L Gehe am 4. Mai früh zur wohl. 2. Nimm einen Bleistift mit. Z. Laß dir beim Eintritt ins Wahllokal den amMcheu Stimmzettel und den amtlichen Umschlag geben. 4. Mache in dem dazu vorgesehenen Bau« ein kreuz in das Feld der BSPD. 5. Siecke den Stimmzettel in den Umschlag und gib ihn dann dem Wahlvorsteher. v. wenn Du Freunde und Rachbarn weißt, die nochnichl gewählt haben, briagesieandle Wahlurne! wirb für unsere Pariei! Männer und Frauen, auf zur Wahl, zum Mofsenaufgebol aller Sozialisten. Eure Partei ist die vereinigte Sozialüemokratische Partei deutschlanüs. Partei fragt:„wie war es im August 1923?*, p»«mtworten wir: «s war fchreckkich— durch die Schuld d er Deutschen Volkspartei! Wie steht es mm aber mit der Errettung durch Strefe- mann? In der Regierung der großen Koalition war esdieSozial- demokrati«, die mit aller Energie auf die Beendung des Ruhr- tampfes drängt«. Unser Genosse Hilferding legte die ganz« Verwahrlosung der Reichsfinanzen offen. Er forderte den Abbruch des pafstoen Widerstandes, die Befreiung der Reichsfinanzen von den ungeheuren Lasten, die mit dem Ruhrkarnpf verbunden waren. Di« Volkspartei aber leistete osjenen und versteckten Wider- stand! Hilserding begann energisch Ordnung zu schaffen, um die Vahn freizumachen für die Stabilisierung. Er hat die schwierigste und undankbarste Arbeit an der Stabilisierung geleistet. Da er aber zugleich die Lasten gerecht verteilen wollte, wurde er h«süg bekämpft. Sein Nachfolger Luther aber wälzt« im Sinne der Deutschen Volksportei die Lasten auf die Arbeiter. So sieht die verantwortliche Arbeit der Deutschen Volkspartei aus: vor dem August-1923 und seit dem August 1923. Neber dem Wahlaufruf der Dolkspartei steht:„Politik treiben, heißt Eharaktcr haben". Charakter haben aber heißt wahr sein.__• Die Generaldirektoren. Ei» Steckbrief der Deutsche» Volkspartei. Nachdem die„Nationalliberale Vereinigung" sich von der Strese- mcmn-Partei getrennt hat, gibt es zwischen den beiden keine Rück- sichten mehr, Die Partei Stresemann-Raumer veröffentlicht jetzt gegen ihre früheren Freunde folgenden Steckbrief: wer steht hinler der �kalionalliberalen Vereinigung"? lieber die Gründungverjammlung der„Rationalliberalen Vereinigung" ist von dieser ein Protokoll herausgegeben. Nach diesem Protokoll war diese Versammlung von ganzen 2 4 Personen besucht! Zu diesen gekörten die nicht wieder ausgeslcllken Kandidaten Dr. Maretzl, Freiherr v. Lersner und Gehcimrat Ouaah sowie neben wenigen anderen Personen nachfolgende 14 Generaldirektoren der Schwerindustrie: Generaldirektor Vög- l- e r, Direktor Klönne, Generaldirektor H o f f m a n n- Halle, Generaldirektor Berckemeyer, Dr. Sempell- Dortmund, Generaldirektor Flick, Fabrikdirektor K n i p p i n g- Altena, Bergwerksdirektvr Hobrecker- Hamm, Gcneraldirekor Viel- haber, Direktor H ö s ch-Dortmund. Bergwerksassesior Brandt- Dortmund, Bergrat Dr. Gröbler, Bergafsessor B a t t! g. Seitdem sind die Genera ldir«stören hinter die Kulissen getreten und aus der Oesientlichteit ausgeschieden. Die Kandidale» sind geblieben, Herr Q u a a tz und Herr Klönne haben bereits auf der deutschnationalen Liste Zuflucht gc- funden und haben ihre Dorstandsämter in der Vereinigung nieder- gelegt. Von dem Dr. Maretzki, dem bisherigen deutschvolkspar- t e i l i ch e n Abgeordneten, wird versichert: Keine feiner Reden könnte darüber hinwegtäuschen, daß er„ebenso bereit war. für die Deuische Volkspartei zu sprechen, wenn er bei der Ausstellung in seinem Dahl- krei» 10 Stimmen mehr erhallen hätte, wie er jetzt der Deutschen Dolkspartei den Rücken kehrt, weil ihm 10 Stimmen für die Auf- stellung als Kandidat fehlten". ' Diese Charakteristik für deutschvvlksparteilich- nationalliberale Waubenssiärk« ist zu treffend, als daß wir sie der Nachwelt nicht er- halten sollten. Ob der verspätet« Steckbrief gegen die General- direktoren der Schwerindustrie allerdings noch Nutzen bringen wird für die Voltspartei, wagen wir zu bezweifeln. Der Geist der Schwer- industrie wird auch fernerhin in der Dolkspartei tätig sein. Denn noch sind ja die Gildenmeister und Piper da, und sie werden schon die Verbindung mit den Lersner und Ouaatz und auf diesem Wege die zu den Deutschnationaleu au ft echterhalle»! General de weh hat»ach einer Münchener Blättermeldung bei der bayerischen Regierung Schritte wegen der Entlassung eines von den rechtsrheinischen Behörden unter Beschuldigung des Landesverrats verhosteten Separatisten namens Gilcher aus Lauter- ecken unternommen. Verkäuferinnen. Von Wilhelm Lichtenberg. In der Schul« hat man uns gelehrt, wen wir eigentlich als Helden zu verehren haben. Also— Odysicus war ein Held. Alexander, Barbarossa— na, unü» so weiter! Später haben uns die Zeitungen und die Schlachtenberichte eingetrichtert, wer als Held anzusprechen wäre, und auch dagegen gab es km« wie immer geartete Auflehnung. Der Begriff hat sich also mit der Zeit sistgesetzt. daß .Heiden diejenigen Menschen sind, die viel« Menschen totschlagen, oder wenigstens— dies gilt für modern« Zeiten— sehr fleißig den Aus- trag geben, daß recht viel« Menschen wieder recht viele töten. Manchmal kann das stimmen. E» kommt ganz darauf an, ob gerade ein patriotisches oder ein internationales Zeitalter angebrochen ist. Man ersieht e» dann immer daraus, ob die Bürger auf den Straßen Lieder singen, oder ob sie demonstrieren. Manchmal macht man sich aber doch seine Gedanken und kommt zu dem Schluß, daß es auch Helden außerhalb der Geschichtsstund« und der Schlachten- berichte geben muß! Zu diesen stillen, nicht offiziell anerkcmnten Helden zähle ich in erster Reihe auch die Derkäufennnen. Sie sind es freilich nicht aus innerster Neigung, sie müssen sich gewiß alle einmal gegen ihr Schicksal ausgelehnt haben, ober man sieht ihren zarten, feinen und sanften Mienen an. daß sie sich im Laufe ihrer Tätigkeit zu einer weisen und verzeihenden Resignation durchgeiungen haben, die sie für mich eben zu jenen Heidinnen macht, als welche ich sie seither verehre! Si« sind ihr Leben lang hinter Ladentische gebannt, vor hohen und feenhaften Regalen, die all« Herrlichkeiten mithalten, nach welchen sich Frauengemüter mit der ganzen Intensität ihrer Träume sehnen. St« empfangen diese mäichenhaften Dinge, sie..zeichnen sie ans", sie sortieren ste, si« ordnen sie verlockend ein, sie holen sie hervor, sie breiten sie aus. sie pveren sie an und freuen sich, wenn diese Herrlichkeiten an die Frau kommen! Wie würde sich«in Hungernder in einem Wurfttckden benehmen? Wie benelpnen sich Verkäuferinnen in einem Laden, der Modeartikel verschleißt? Ich weiß mir keinen anderen Ausdruck dafür: Wie Heldlinnen! Sie sind alle ein wenig blaß, diese guten sanften Frauen. Denn sie stehen viele Stunden hinter den Ladentischen und die großen Kaufhäuser lassen wenig Luft und Sonne herein. Sie sind alle ein wenig müde, denn es Ist aufreibend, Dinge als das Notwendigste von der Welt anzupreisen, die zu besitzen einem auch nicht im Traum« einfallen darf. Aber— sie lassen sich alles das nicht anmerken. Denn müde und abgespannt dürfen doch nur die Käufenmien sein. die in atemloser Hätz von Laden zu Loden eilen, weil man doch nirgends was Vernünftiges bekommt und wcil die„Mädels" doch nicht wissen, was sie vorzuzeigen haben, um einen verwöhnten Ge- schmack zu befriedigen! Es ist siclierlich herrlich. Anderen Ding« anzupreisen, nach denen man sich selbst verzehrt. Das Herrlichste an den Verkaufsrinnen ist die bibliich« Sanftmut, mit welcher si» allen Launen der Damen, allen Fallstricke» ihrer Fähigkeiten begegnen! Man hat alle Berufs- kategoiien schon grob und unwillig gesehen. Man hat es erlebt, daß Beamte kotzengrob wurden, trotzdem sie sicherlich kein« Gelüste nach einem amtlichen Totenschein oder einem zehnfach vidierten Paß hatten. Schriftsteller werden ungehalten, wenn ihnen die Redaktion einen meisterhaften Aufsatz zurücksendet, Schauspieler, wenn der Rezensent nicht anerkennt, daß sie das direkte Erb« Mitterwurzer» angetreten haben. Wer hat aber Verkäuferinnen jemals ungeduldig oder gar unwillig gesehen?-- Sie begrüßen so nett und freund- lich, sie fragen mit unnachahmlichem Charme noch den Wünschen, sie verstehen sofort alles, trotzdem die Kausenden durchaus nicht immer wissen, was sie wollen, kein Regal ist ihnen zu tief, keines zu hoch, sie klettern mit Anmut über Leitern, ste holen mit Grazie schweoe Ballen herunter, ste breiten alles mit persönlichem Gesckmack aus, sie wissen so nette Dinge zu sagen, sie machen so entzückende Kompli- mcnte— sie sind mit einem Worte— wundervoll! Sie sprechen über die Dinge, die sie zu verkaufen haben, in einer Weise, als könnt« nian ohne dies« Herrlichkeiten nicht mehr weiterleben— und ste glauben alles das beinahe selbst. Wenigstens so lang« die Kund- lchaft vor ihnen ist. Sie wissen es zu gut, daß unter zehn Damen, die das Lokal betreten, doch gut wieiwr sechs umkehren, ohne gekauft zu haben. Sie lassen aber diese Erkenntnis keine entgelten. Sie wissen auch beinah, welche Domen es fein werden, die wieder um- kehren, ohne einen Faden genommen zu haben, aber auch gegen diese benehmen si« sich nicht anders, wie gegen die Käuferinnen, die ihrem Chef Geld zu verdienen geben. Und wenn sich die Damen eine Stunde lang die Regal« und Magazine ausräumen ließen, um schließlich zu erklären, daß es doch nicht das Richtige wäre, dann bleiben die Verkäuferinnen nett und freundlich, sagen«inen artigen Gruß und räumen eine halbe Stunde lang das auf. was eine Stund« lang hcrunteraholt wurde. Sie werfen nicht einmal einen bösen Blick nach. Sie sind gut geworden im Laufe der Zeilen. Und mehr als das. sie sind selbstlos geworden. Denn manch« von ihnen dürfen sich nicht darauf beschränken, das, was die Domen kern haben, m den Händen zu halten, und verlockend vor' den Käuferinnen auszubreiten. Viele sind dazu verhalten, auch Kleider anzulegen und den Damen den Mund wässrip zu machen. Man gibt ihnen dafür einiges Geld und einen sehr sch«nen französischen Namen: Mannequins... Sie ziehen über ihre wundervollen, schlanken.Leiber die schmiegsame Seide, den lockenden Covercoat. Sie tragen dies alles mit vollendeter Anmut. DI« andern, die vi«! Geld, aber keinen snmzösi'chsm Namen haben, sitzen davor und wissen n�cht, daß sie kein« so schönen schlantm Leiber haben urO kaufen, kaufen... Dann zieht die Verkäuferin die schmiegsame Seide wieder von ihrem Körper und versinkt in ihr« reizend? Bedeuiuirgs. loslakeit. S-e trägt in den Geschüftsstiinden viele wunderschönen Kleider. In den krejen Stuniden, auf die es ankäme, trägt st« den Gorienschein des heiligen Verzichtens. Ich muht« einmal dieses Lied singen von dem Heldentum der Verkäuferinnen. Man wird sie ja deshalb nicht tn die Lesebücher geben unb auch Denkmäler aus Siein wird man ihnen nicht errichten. Aber vielleicht findet so ein Mädel Zeit, in einer Zeitung zu lesen, und es lockt s!« der Titel meines Aufsatzes: Verkäusennnenl... Ich sehe sie lächeln und vielleicht sagen:„Der Kerl ist überspannt!" Meinetwegen. Das schönste Heldentum ist jene», das nicht« von sich weiß und sich nicht in die Brust wirst. Liebe Berkäuferinnent Lautloser Einbruch. Man hat in der Bleibtreustraße eingebrochen. In Berlin ist das etwas Alktägliches. Weniger alltäglich ist die Gesch! cklichkert, mit der die Diebe nachts arbeiteten, ohne daß man sie hörte. Das wäre un- gefähr so, als ob mich mein Barbier rasiert, ohne daß ich etwa« merke! Aber der Einbruch ist auch sonst nach„bemerkenswert". Es wurden wunderbare, zahlreiche Perlen erbeutet. Sogenannter„alter Familienschmuck". Die Diebe toten recht daran: Perlen bedeuten Tränen, besonders wenn sie gestohlen werden. Man raunt von 82, ja 84 Perlen, auf ein« schmiegsame Schnur gereiht, mit einem soliden, fünfmarkstückgroßen Brillantherzen. Ferner Arbeiter! Nehmt ein Exempel hieran! Tragi euren alten Familienschmuck in die feuersicheren Tresors einer altbewährten Bank! Laßt eure Brillantherzen nicht unachtsam riaben der Zahnbürste aus dem Naclütisch liegen! Laßt nicht verräterisch die Enden eurer meter- langen Perlenketten aus dem goldenen Schmuckkästchen baumeln! Hütet eure Schätze! Denn die Einbrecher sind l>«utzutage geschickt! Sie waren so herzlos, ein« schwer« Stahkkassett« mitzunehmen, die leider nicht leer war! Im Gegenteil: Sie enthielt 590 echte,«nnerika- Nische Dollar! Ist tvr Deviienkocnmiflar schon abgebaut? dvü Dollar! Woher? Hm— Herr Devisenkmmnissar, vielleicht interessiert Sie da»—- Aber die lautlose Diebe haben schonungslos Razzia gemacht. unächst verhafteten sie 619 Rentenmark. Dann aber 49 Goldstück«. s ist unerhört, daß die Münz« wieder Goldstück« prägt, ohne daß nian davon unterrichtet wird. Oder sind die gar schon von der neuen Golddiskontbank? Rein— mir schwant etwas Furchtbares! Dies« Goldstücke ruhen noch au« einer Zelt her. über die ein« opferwillige Reaierunq mit dem Schwerte schrieb: Gold gab ich für Eisen.— Eine Zeit, in der unter strengen Strafen Ablieferung aller edlen und unedlen Metalle gefordert wurde, sofern diese nur verwendbar waren! 49 Goldstück«! — Ich kenn« viel«, die ihr« Goldstücke in Kriegsanleihe anlegten oder sonstwo aus dem Altar des Vaterlandes opferten. Dies« Leute kamen sich dazumal äußerst schlau vor. Es scheint aber, als habe es noch Schlauer« gegeben. Dem, 49 Goldstücke sind immerhin kein Pappen. stiel. Aber wie gesagt: Niemond ist so schlau, daß es nicht noch einen gäbe, der wiederum' schlauer ist. Und so wünschen ich dem Herren Dieben mit der feinen Witterung und der geräuschlose,> Arbeit weiterhin solch« günstigen„Dinger", weil nichts bester geeignet wäre als solche„Enthüllungen", die dem Volke zeigen, w e r den Krieg verloren Hot. C m i l R a t h. Studenken streik? Am 1. Mai hatte das„Kartell Revolutionärer Studenten" ein« Studentenverlammlung einberufen, die von ungefähr 200 Studierenden besucht war. Auf der Tagesordnung stand die Aussprach« über die hohen Studiengebühren. Zum Schluß wurde mit allen gegen eine Stimm« folgende R e s o- lutlon angenommen:„Die Versammlung stellt fest, daß besonder» durch die hohen Gebühren dam größten Teil der Studenten das Studium unmöglich gemacht wird. Sie ist deslzalb der Ansicht, daß der Studentenausschuß binnen einer Woche eine Allgemeine Studentenversammlung Berlins einberuft, um zum Streik oder zur Demonstration aufzurufen, wenn die Studien- gebühren nicht herabgesetzt werden." Der Mecklenburger Krieg. Die Deutschnationalen in der Klemme. Die Medienburger Barte", das Organ Graefes, ver öffentlicht jeht genaue Mitteilungen über die Berhandlungen zwischen den Mecklenburger Deutschnationalen und Deutsch völkischen. Der Bericht ist so schön, daß wir ihn wörtlich bringen: Am Mittwoch, den 30. April, fand in Güstrow eine für die Entwicklung der medlenburgischen Regierungspolitit hochbedeutsame Sigung ftait. Im Namen der deutschvöltischen Landtagsfraktion verhandellen die Landtagsabgeordneten Maertens, Bogelberg und Hildebrandt mit dem Führer der deutschnationalen Landtegsfrattion, Dr.& nebuf, um eine Klärung des Falles Brandenstein herbeizuführen. Die Sprecher der deutschpöllischen Landtagsfraktion erklärten dem Borsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei folgendes: Auf Grund seiner Stellungnahme zum Sachverständigengutachten fei Egzellenz v. Brandenstein als medlenburgischer Ministerpräsident für die Deutschvölfische Freiheitspartei nicht mehr tragbar. Um da gegen das Rechtsministerium zu stützen, baten bie Deutschvölkischen, einen Personenwechsel vorzunehmen und für Herrn von Branden stein einen anderen Ministerpräsidenten vorzuschlagen. Denn wenn Herr von Brandenstein nach dem Zusammentritt des Landtages noch das Amt eines Ministerpräsidenten befleidete, würde die deutschvöllische Landtagsfration nicht in der Lage sein, gegen das von feilen ter Sozialdemokraten und Kommunisten zu erwartende Mißfrauensvotum zu stimmen. Da dieses Mißtrauensvotum sich gegen das Gesamtministerium richte, die deutschvölkische Fraktion jedoch clles tun wolle, um das Rechtsministerium zu stügen, bitte die Fraktion darum, bis zum Wiederzusammentritt des Landtages den durch die Haltung des Ministerpräsidenten in der Erfüllungsfrage notwendig gewordenen Personenwechsel vorzunehmen. Sollte eine Klärung der Frage bis dahin aus irgendwelchen Gründen nicht mög lich sein, so würde die deutschvöltische Fraktion von sich aus ein Mißtrauensvotum gegen Herrn von Brandenstein einbringen, um dem fozialdemokratisch- tommunistischen Stürzungsversuch die Spitze abzubrechen. Brandenftein in der Sachverständigenfcage gespielt hat, das Ministe. rium Brandenffein an feiner eigenen Unwahrhaftigkeit scheitert!" Danach ist also Herr v. Brandenstein in Mecklenburg erledigt. Was freilich danach werden soll, wird wohl weder Herr v. Graefe noch der höfliche Juftigrat Knebush wissen. Man fann sich denken, daß die Deutschvölkischen nach so viel Mannesmut bei ihren deutschnationalen Freunden ihre Ant griffe verstärken. Die Warte" vergleicht auch prompt die Walhallhelden aus München mit dem parlamentarisch verfuchten Justizrat, Junkern und Geldsadmännern. Krieg oder Frieden? Boltische und Deutschnationale wollen neuen Krieg. Sie wollen dem deutschen Bolle eine furchtbare Todestragödie bereiten. Untergang des ganzen Boltes! & ommuniffen wollen Deutschland zum Schlacht feld eines neuen Weltkrieges in Dienst des russischen 3mperialismus machen. Wir wollen nicht untergehen! Wir wollen leben und frei sein! Wir wollen wieder ein großes, geachtetes, freies Kulfurvolt werden! Nieder mit den selbstmörderischen Kriegsplänen der Rechten und der Kommunisien. Für Frieden und Freiheit! Wählt sozialdemokratisch! Im Zeichen der Einigkeit. Bon den Deutschnationalen haben sich die Böttischen aller Richtungen abgespalten, die selbst wieder in Dutzende von Gruppen und Richtungen zerfallen. Be starp gegen Graefe. Baeder gegen Dinter, Ludendorff gegen Ehrhardtfo fieht es im Lager der Rechten aus. Die Deutsche Boltspartei ist mitten im Wahlkampf auseinandergebrochen. Nationalliberale und Boitspartei haben Kandidaten gegeneinander aufgestellt und befämpfen fich heftig: Strefemann gegen Quaaz und Marezki. Die Kommunist en predigen die proletarische Einheitsfront aber sie werden felbst von heftigen Richtungsfämpfen zerrissen. Im Zeichen der Einheitsfront zersplittern sie die Gewerkschaften und fchwädjen die Arbeiterbewegung. Die beiden sozialistischen Parteien aber, die bei der Bahl von 1920 noch gegeneinander standen, haben die Einigkeit zur Lat gemacht. Sie haben sich 1922 vereinigt und stehen als die alte gefchloffene Partei gegen den Massenansturm der Feinde der Arbeiterfdaft. Die Bereinigte fozialdemokratische Partei ist die Partei der zielbewußten organisierten Arbeiter und Angestellten. In ihrem Lager ist Sammlung und Ge. fchloffenheit, während die anderen Parteien zerfallen! Deutschland entscheidet die Kammerwahl! Paris, 3. Mai.( EP.) Die Preffe erkennt an, daß der Ausgang der franzöfifchen Wahlen von den deutschen Wahlen abhängen werde. Dabei scheint aber in der nationalistischen Preffe die Tendenz zu bestehen, ohne weiteres an einen Sieg der Rechtsparteien glauben zu wollen. Polizei in der Sowjet- Handelsdelegation Botschafter Krestinski reist ab. Justizrat nebusch ließ in der Sigung, die von beiden Seiten als vertraulich angesehen wurde, durchblicken, daß auch er mit der Haltung des Herrn von Brandenftein in der Frage des Saaverständigengutachtens nicht einverstanden fei, erklärte aber, daß die Deutschnationalen teinen anderen Mann hätten, den fie als Ministerpräsidenten vorschlagen fönnten. Darauf wurde ihm Ueber eine Hausfuchung, die gestern nachmittag in der russischen von Herrn Maertens erwidert, daß unter den 95 000 a handelsvertretung in der Lindenstraße vorgenommen wurde, wird lern doch wohl ein einziger fein müßte, der für das folgender amtlicher Bericht ausgegeben: Amt in Frage fäme.( Die Deutfchynationalen behaupten doch sonst immer jo großfpurig, daß fie die Partei der Köpfe" find! D. Schriftleitung.) Herr Bogelberg meinte, Justizrat nebusch lönne ja felbft das Amt übernehmen. Darob sehr erschreckt sette Justizrat Knebusch den Herren auseinander, daß er erstens nicht Fraktionsführer und Ministerpräsident zugleich fein fönnte und daß zweitens durch seine politische Tätigkeit seine Pragis schon so zurückgegangen sei, daß er den Ministerpräsidentenposten nicht übernehmen könnte, weil sie dann noch weiter zurückgehen werde und er von seinen Nebeneinfünften nicht leben Pönnte. Nachdem die deutschvöltischen Herren ihren Standpunkt noch einmal wiederholt hatten, wurde die Sigung ohne endgültiges Ergebnis gefchloffen. Später folgt dann noch eine andere Schilderung: In einem Gespräch, das Justizrat Dr. Rnebusch mit Herrn Don Graefe in der Eisenbahn führte, erklärte Justizrat Dr. Knebusch, daß auch er mit der Haltung Brandensteins durchaus nicht einverstanden sei. Es ergab sich zwischen den Ansichten der Herren von Graefe und Knebusch vollständige Uebereinstimmung bis auf einen Punkt, nämlich, daß Knebusch als der große Barlamen terier, der er doch sein will, es nicht für notwendig anfah, daß der ven den Deutschnationalen zum verantwortlichen Regierungsleiter bestimmte Ministerpräsident vor fold schweren Entscheidungen mit den deutschnationalen Parteiführern hätte Fühlung aufnehmen müssen. Wahrlich, ein merkwürdiger Parlamentarier, der sich mit einer fo felbft herrlichen Entscheidung des Ministerpräsidenten ohne Fühlungnahme mit der Parteileitung abfindet, trotzdem er persönlich die Haltung nicht billigt. Und nun hat Dr. Knebusch, der Brandenfteins Haltung ausbrüdlich mißbilligte, bie Stirn, den Deutschvölkischen, die einen Berfonen wechsel verlangen, um das Ministerium zu fügen, die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn durch die tägliche Rolle, die Exzellenz von Berblüffende Heilrefulfate bei Tuberkulose. Auf dem öfter. reichischen Tuberkulosetag- machte der Assistent Weffeln fenfationelle Mitteilungen über die Heilbarkeit der Rehltopftuberkulose. Assistent Weffeln hatte die biologische Heilkraft der Sonne studiert und fest gestellt, daß die ultravioletten Strahlen als Sonnenerfag gelten können. Damit war das Rätsel der Gebirgssonne gelöst. Diese ultravioletten Strahlen zerstören das Tuberkulofegewebe und regen das Bindegewebe zur Wucherung und Narbenbildung an und beeinflussen Blut, Puls, Atmung und Allgemeinbefinden in äußerst günstigem Sinne. Er tonftruierte eine Rohlenbogenlampe, deren Kohle mit bestimmten metallischen Salzen impräniert ist. Daburch erzielte er ein neues Licht, welches an Qualität und Quantität die Heilfraft der Hochgebirgssonne übertrifft. Die Bestrahlung der er frankten Partien der oberen Luftwege findet durch den Mund statt. Das einfallende Licht wird durch einen in einfacher Weise figierten Nidelspiegel reflettiert oder wirkt ohne Reflexion direkt ein. Die Bestrahlung wird mit der Uhr in der Hand bosiert. Die Behandlung wird ambulatorisch durchgeführt und löst feinerlei unangenehme Reaktionserscheinung aus. Die Dauer der Behandlung erftredt fich auf Monate, die Heilerfolge find geradezu verblüffend. Allerdings tamen auch Rückfälle vor, so daß die Patienten zweitweise ärztlicher Kontrolle bedürfen. Auch bei chirurgischer Tuberkulose wurde die Heil. mirkung dieses neuen Lichtes erprobt. In der Diskussion wies Brofeffor Freund auf den Wert dieser Behandlungen für Lupus und Hauttubertulofe hin. An einem Vormittag fönnen mit der neuen Sonne 25 Patienten bestrahlt werden, so daß eine Massenbehandlung möglich ist. Maljefifpiele in Chemnitz- ein Ueberblid über deutsche Theaterfunft. Das unter der Leitung von Intendant Tauber stehende Reue Stadttheater in Chemni peranstaltet vom 18. Mai bis 1. Juni große Maifeftfpiele, die einen Ueberblick über das geben sollen, was die deutsche Theaterkunft heute bietet. Unter anderem wird Pfigners Balestrina" unter Leitung des Romponisten aufgeführt, einige Lage gaftiert das Berliner Staatstheater unter persönlicher Leitung des Intendanten Jeßner, einige Tage das Dresdener Staatstheater unter Leitung des Generalintendanten Reudner dann finden Opernaufführungen statt, die dirigier' werden von Generalintendant May von Schillings, Generalmusikdirektor Leo Blech, Generalmusikdirektor Erich Rleiber, Generalmusikdirektor Klemperer. Jahrhundertfeler der IX. Symphonie von Beethoven. Anfäßlich bes 100jährigen Bestehens der IX. Symphonie findet am 5. Mai in der Bhi harmonie eine Aufführung des Werkes unter Beitung von General musikdirektor Erich Kleiber statt. Das valästinensche Theater, bas in hebräischer Sprache spielt, wird demmächst ein Gastspiel in Berlin veranstalten. Die Bühne stammt aus stiew; sie baut ihre Arbeit auf den Inszenierungsprinzipien Tairoffs auf. Charles Brown, ber hervorragende Fachmann für Elektrotechnik und Hauptgründer der Aktiengesellschaft Broton, Boveri. Co., ist in Monfignola, wohin er fich zurückgezogen hatte, gestorben. Der 700. Jahrestag der Gründung der Universität Neapel wurde in Gegenwart von Abordnungen der Universitäten aller Welt feierlich be gangen. Es wurden zahlreiche Neben gehalten,&. a. von Bertretern Deutschlands, Dänemarks, Schwebens und Norwegend „ Der vom Staatsgerichtshof zum Schuße der Republit gesuchte Kommunist Bohenhardt, der Angestellter der vorgenannten ruffischen Handelsvertretung ist, war in Württemberg feft genommen und follte gemäß der Weifung des Untersuchungsrichters von Württemberg nach Bommern gebracht werden. Beim Durchtransport durch Berlin veranlaßte der feftgenommene Bogen hardt die ihn begleitenden beiden württembergischen Bolizeibeamten, das Gebäude der Handelsvertretung in der Lindenstraße aufzusuchen, und zwar wurde ben ortsunfundigen württem bergischen Beamten vorgespiegelt, daß sich in diesem Gebäude ein Café befindet, in welchem eine fleine Erfrischung eingenommen werben sollte. Nach Eintritt in das Gebäude befreite fich Bogenhardt unter Beihilfe von mehreren Angestellten der Handelsvertretung. Die württembergischen Beamten felbst wurden von den Angestellten der Handelsvertretung einige Zeit hindurch festgehalten; erst nach energischsten Borstellungen war es den Beamten möglich, ihre Freiheit wieder zu erlangen. Die nach diesem Borfall von der Berliner politischen Polizei vorgenommene Durchluchung führte zur Festnahme von fünf Angestellten der russischen Handelsvertretung, die fid) demnächst wegen Beihilfe zur Gefangenen befreiung, wegen Freiheitsberaubung und Nötigung vor dem Gericht zu verant morten haben werden. Außerdem wurden drei weitere Angestellte der Handelsvertretung megen Widerstandes gegen die Staats gewalt und wegen Baßvergehens festgenommen. Bogenhardt wurde nicht mehr im Gebäude der Handelsvertretung an getroffen. Wegen des Verhaltens der Angestellten der Handels vertretung hat das Auswärtige Amt bei der hiesigen Russischen Botschaft Proteft erhoben." haltens einiger Angestellter der russischen Handelsdelegation liegt Außer dem Protest des Auswärtigen Amtes wegen des Ver allerdings auch ein Protest der Russischen Botschaft gegen die Abhaltung der Hausfuchung vor. Die Ruffische Botschaft vertritt die Auffassung, daß ihre Handelsdelegation, die in dem Haufe der Viktoria- Versicherung in der Lindenstraße untergebracht ist, egterritorial sei. Andere Stellen erklären diese Auffassung für rechtsirrtümlich. Wir möchten uns in diesen juristischen Streit nicht einmischen. Wir möchten nur eine Gegenfrage stellen: Was würde bie ruffische Sowjetregierung in Moskau tun, wenn die Deutsche Botschaft in Moskau und eine ihr angegliederte handelsvertretung zum offenfundigen und gerichtsnotorischen Mittelpuntt gewaltfamer Umstura bestrebungen in Somjet. rußland ausgebaut würde? Was würde sie tun, wenn 3. B. eine deutsche Handelsvertretung in Moskau der Mittelpunkt weißgardisti fcher. Organisationen, geheimer Verbände, Stapellager für anti. sowjetistisches Flugblattmaterial usw. würde? So wie mir die Bolschewifi au lennen glauben, zweifeln wir nicht daran, daß die Herren sich nicht der liebenswürdigen Formen bedienen würden. Die bei uns zu Lande üblich sind. Tatfadye ist doch, daß die halbe tommunistische Partei in der Handelsbelegation angestellt ist. Die großen und fleinen Bonzen der KPD. bezogen dort zur Zeit der ersten Inflation ihre Dollargehälter. Nicht nur bie Bropaganda, sondern auch die Organisation der KPD., vor allen Dingen die illegale Organisation, findet in ben erterritorialen Räumen einen geeigneten und uneinnehmbaren Mittelpunkt. Alle Freund schaft in Ehren, aber auch die Herren der Sowjetregierung werden einsehen, daß das sich auf die Dauer fein Staat gefallen at Die russische Darstellung. Stresemann, der die Unzuläffigkeit dieses polizeilichen Borgehens an. erkannte, energische Vorstellungen gemacht hat und die Zusicherung sofortiger Einstellung der Polizeiaftion erhielt, wurde dieselbe von der Polizei bis 4,20 Uhr fortgefeßt. Die Botschaft betrachtet dieses Borgehen der Behörden als eine unerhörte Berlegung der Egterritorialität und aller völkerrechtlicher und diploma. tischer Gebräuche. Der Botschafter hat die fofortieg Schließung der Handelsvertretung und die Einstellung ihrer Tätigkeit bis auf weiteres angeordnet. Der Botschafter begibt sich umgehend nach Moskau. * Botschafter Krestinstt reist heute Sonntag früh nach Moskau ab. Eine deutsche Note. Das Auswärtige Amt hat gestern nachmittag der bevollmächtigten Vertretung( Botschaft) der Union der SSR. Berlin folgende Ber balnote übersandt: „ Das Auswärtige Amt beehrt sich, der Bevollmächtigten Ber tretung( Botschaft) der Union ber Sozialistischen Somjesrepublik unter Bezugnahme auf den von Herrn Botschafter Krestinstt heute zur Sprache gebrachten Vorfall im Gebäude der hiesigen Handelsvertretung der Union der Sozialistischen Sowjetrepublik ambei eine Aufzeichnung zu übersenden, die auf der amtlichen Bernehmung der beiden beteiligten deutschen Kriminalbeamten beruht. Nach dieser Aufzeichnung steht fest, daß Angehörige der Handelsvertretung die Flucht eines beutschen Gefangenen ermöglicht haben, indem sie die begleitenden Kriminalbeamten an feiner Berfolgung gemaltfam bem Gebäude eine Zeitlang festgehalten und zu bestimmten verhinderten. Es steht weiter feft, daß die Angehörigen der Handelsvertretung die beiden Kriminalbeamten widerrechtlich in handlungen genötigt haben. Dieses Berhalten der Angehörigen der Handelsvertretung hat der hiesigen Polizeibehörde Anlaß gegeben, das Gebäude der Handelsvertretung mit Polizeiträften zu umstellen, eine Durchsuchung des Gebäudes nach dem entwichenen Gefangenen vorzunehmen und fünf Angehörige der Handelsvertretung, die sich an den Maßnahmen gegen die Kriminalbeamten beteiligt hatten, nämlich 1. Alexej Fo. min, 2. Paul Gelaniti, 3. Alexander Bosnit off, 4. Theodor Raplan, 5. Oskar Wische rup, in haft zu nehmen. Ferner find bei der Durchsuchung zwei weitere Angehörige der, Handelsver tretung, nämlich Nelson Shiffrin und Fritz Meyer, wegen Widerstandes gegen die Staatsgemalt fowie der Angehörige der Handelsvertretung Jonas BoB wegen eines bei dieser Gelegenheit festgestellten Baßvergehens verhaftet worden. Hinsichtlich dieses Vorgehens der Polizeibehörde beehrt sich das Auswärtige Umt auf die Tatsache hinzuweisen, daß dem von der Handelsvertretung gemieteten Gebäude nicht etwa die besonderen Borrechte zustehen, wie fie die Gebäude der hier beglaubigten Miffionen genießen. Das Auswärtige Amt muß gegen das Berhalten der Angehört gen der Handelsvertretung, das einen groben Verstoß gegen die deutschen Gefeße darstellt, nachbrücklich Verwahrung einlegen. Es wird Sache der deutschen Strafverfolgungsbehörden sein, die Berantwortlichkeit der Beteiligten nach Maßgabe der deutfchen Gefeße festzustellen. Die in der Berbalnote erwähnte Aufzeichnung hat folgenden Wortlaut: Zwei Beamte der württembergischen Kriminalpofizei, Gri. ner und Rässer, hatten den Auftrag, den UntersuchungsInfolge der Hausfuchung, die durch die Berliner politische Polizei gefangenen Bogenhardt von Stuttgart über Berlin nach gestern nadymittag in der russischen Handelsbelegation stattfand, wird Stargard zu transportieren. Da fie infolge von Zugverspätung der russische Botschafter in Berlin Krestinsti um den Anschluß nach Stargard versäumt hatten, beabsichtigten sie in der gehend nach Mostau abfahren. Er hat außerdem die Stadt eine Erfrischung einzunehmen. Auf Anraten des Bozzenhardt sofortige Schließung der Handelsvertretung durch die betraten die beiden Beamten ein Gebäude in der Lindenstraße, in Einstellung ihrer Tätigkeit bis auf meiteres angeordnet. dem sich nach Angabe des Bohenhardt ein geeignetes ErfrischungsDie Botschaft der Union der Somjetrepubliken in Berlin gibt in Total befinden follte, ohne zu wissen, daß in dem betreffenden Gespäter Abendstunde folgende Mitteilung aus: Heute gegen 12 ihr ift bäude eine russische Handelsvertretung untergebracht ein großes Aufgebot von Schuh und Geheimpolizei in das egterri- ift. In einem Empfangsraum, in den sie geführt wurden, rief toriale Gebäude der Handelsvertretung Lindenstraße 22 ein Bogenhardt den Anwesenden zu:„ Ich bin Bogenhardt und hier angedrungen. Die Bureauräume wurden besetzt. Das Bersonal wurde gestellt. Dies sind zwei Polizeibeamte, aus Württemberg, die mich auf den Hof getrieben. Schreibtische und Schränke wurden mit in Württemberg wegen Landesverrats festgenommen haben und Bajonetten gewaltfam erbrochen und durchsucht. nach Stargard bringen", worauf er die Flucht ergriff. At Selbst die dem Diplomatischen Korps angehörenden Leiter der der Verfolgung des Gefangenen wurden die beiden Polizeibeamten Handelsvertretung wurden in brutaler Beife in ihrer Beburch die anwesenden Mitarbeiter der ruffischen Handelsvertretung wegungsfreiheit behindert. Ginem von ihnen wurde der gehindert und außerdem genötigt, mit ihnen zu einem von ihnen Diplomatenausweis abgenommen. Einige Beamte wurben tätlich als Direttor" bezeichneten Herrn zu kommen. Als die Bemißhandelt, mehrere wurden verhaftet und in Handschellen ins amten in dem Zimmer des Direttors angekommen waren, wurde Polizeipräsidium fibergeführt. Die Aktion wurde vom Ober die Tür hinter ihnen verschlossen. Erst nachdem die regierungsrat Beiß persönlich geleitet. Das ganze Beamten genötigt worden waren, ihre Namen aufzuschreiben, wurde Auftreten der Polizei war ungewöhnlich brutal. Obwohl die Tür wieder geöffnet und den Beamten gestattet, das Haus zu der Botschafter Krestinsti fofort beim Reichsminifter des Keußern verlassen. .. Gewerkschaftsbewegung ber Ausfahrt feine besonderen Hindernisse in den Weg legen, haben Um die Rechte der Arbeitnehmer. renb an einigen Drien, fo am infen Niederrhein, ble Berwaltungen| Bertehrsbunb ein Zarifverhältnis, bas som Arbeitgeberver band friftgemäß zum 1. April 1924 gekündigt wurde. Am 26. März fie an anderen Stellen mit der Aussperrung gedroht und wurde dem Arbeitgeberverband ein neuer Tarif vom Deutschen Verdementsprechende Anschläge gemacht. Die Uebereinstimmung des fehrsbund unterbreitet. Am 5. April teilte der Arbeitgeberverband Tertes der Anschläge läßt tarauf schließen, daß die Verwaltungen mit, daß er nach kurzer Zeit auf den Tarif zurückkommen werde. Am 10. April wurde angefragt, wann die nachgesuchte Verhandlung Die heutige Wahl soll über den Achtstunden tag, über den auf Anweisung des Zechen verbandes vorgehen. Auf ein- ftattfinden werde. Am 15. April ſehre der Verkehrsbund selbst eine Abbau der Sozialpolitik, über die Berlängerung zeinen Schachtanlagen find wegen der Ausfahrt Maßregelun Berhandlung an zum 17. April, zu der aber die Arbeitgeber nicht der Arbeitszeit der Beamten, Angestellten und Arbeiter in öffentlichen Diensten, über die Bertei diesem Grunde auch die übrige Belegschaft nicht angefahren. Meles der Arbeitgeberverband ablehnt, einen TarifArbeiter in öffentlichen Diensten, über die Berteigen erfolgt. Auf der Zeche Brinzregent bei Bochum ist aus erschienen. Dafür erhielt der Berkehrsbund ein Schreiben, wonach lung der Steuerlasten entscheiben. Der Reichstag wurde Hat aufgelöst, weil die Regierung die von den Sozialdemokraten bean bungen von Aussperrungen kommen auch aus Caftrop, at vertrag abzuschließen. Hierauf wurde der Schlichtungstingen und Essen. Zum Teil handelt es sich hierbei nur um ausschuß angerufen. Das mehrfache Ersuchen, sich zu Berhandlungen tragte Nachprüfung ihrer Berordnungen durch das Parlament nicht lebertagarbeiter. Nur ganz vereinzelt haben sich auf manzu stellen, wurde von den Arbeitgebern ignoriert. Jeht war die zulassen wollte, in ber Hoffnung, daß ihre reaktionäre, profapita- chen Bechen Bergarbeiter zur Ueberarbeit bereitgefunden. Die Be- Ruhe nicht mehr zu halten, und so griffen die Arbeiter am 2. Mai listische Politik von den Wählern gebilligt werden würde. Die große Mehrheit der Wähler ist jedoch eine proleta hauser und Gladbecker Revier nahmen 80 bis 90 Proz. der Beleg Land gegangen ist und es fehr wohl möglich gewesen wäre, die wegung hat sich ohne jede Ruheftörung vollzogen. Im Redling zum legten Mittel, dem Streif. Es muß festgestellt werden, daß eine Zeit von 5½ Wochen ins rische Bählt sie entsprechend ihren Interessen, d. h. sozial- schaft an der Bewegung teil. Ein ähnlicher Prozentsaz wird aus Differenzen in dieser Zeit zu regeln. demokratisch, dann erfolgt die Revision der Arbeitszeitverord- Dortmund und dem Bochumer Bezirt gemeldet. nung im Sinne der Aufrechterhaltung des Achtstundentages; dann merden alle Berordnungen, die die Beamten, Angestellten und Arbeiter in öffentlichen Diensten zu Arbeitnehmern minderen Rechts ftempeln, aufgehoben, dann wird die Belastung der Mieter zugunsten des entschuldeten Hausbesizes unmöglich gemacht; dann folgt dem Abbau der Aufbau der Sozialpolitif; dann wird die Entlastung der Befizenden auf Konto der Arbeitenden beseitigt. Bohl noch bei feiner Wahl standen so wie heute die Interessen und Rechte der Arbeitnehmer im Mittelpunkt des Kampfes. 3war fft infolge der Veröffentlichung des Berichts der Sachverständigen an die Reparationstommiffion das ursprüngliche Kampfobjeft der Reichstagswahlen durch die Reparationsfrage in den Hintergrund gedrängt worden, die Tatsache bleibt aber bestehen, daß vom Ausgang der Reichstagswahi das Schicksal der Rechte und Lebenshaltung der Beamten, Angestellten und Arbeiter abhängt. In Erkenntnis diefer Tatsache sind die Gewerkschaften diesmal aus ihrer Reserve herausgetreten und haben sich entschieden für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten ausgesprochen. Der ADGB. hat offiziell in diesem Sinne einen Aufruf erlassen. Man hat versucht, dies als eine Verlegung der politischen Neutralität hinzustellen. Ronnten, durften die Gewertschaften anders handeln, wenn sie sich nicht der Preisgabe der Interessen ihrer Mitglieder schuldig machen wollten? Die jeßige Regierung, die die Berordnung erlassen hat, ist eine Regierung der sogenannten bürgerlichen Mitte. Demokra ten, Volksparteiler und 3entrum haben diese Politik gegen die Rechte und Lebensnotwendigkeiten aller Arbeitnehmer durchgeführt. Sie wählen, hieße diese Politik gegen die Arbeitnehmer billigen. Someit rechts von diesen Parteien Opposition gegen die Regierungspolitik gemacht wird, ift fie begründet durch das Berlangen, noch schärfer gegen die Arbeitnehmer vorzugehen. Den Deutsch. nationalen und den Bölkischen ist die reaktionäre Politit der Regierung noch nicht reaftionär genug. Die Kommunist en aber erklären in ihrem Wahlaufruf, daß sie sich im Barlament an feiner Arbeit praktisch beteiligen, sondern nur Agitationsreden halten wollen. Kommunisten wählen heißt also praktisch, der Reaktion im Parlament für die Vergangen heit wie für die Zukunft frei and laffen. Die Kommunisten erklären sich weiter ausdrücklich als Feinde der Demokratie und Anhänger der Dittatur. Da in Deutschland die Ar beitnehmer die große Mehrheit tilben, bedeutet das praftifch, fich zu Anhängern der gewalttätigen Herrschaft etner Minderheit er. Hären, b h. ber Feinde der Arbeiterklaffe. Die Gewerkschaften als Bertretungen der Arbeiterklasse tönnen gar rricht anders, als Verfechter der Demokratie, d. h. der Herrschaft der Mehrheit fein. Sie fonnten also in diesem Wahlkampf, wo es sich um ausgesprochene Arbeitnehmerinteressen handelt, gar nicht anders, als zur Wahl der Kandidaten der Ber einigten Sozialdemokratischen Partei aufzufordern. Wer von den Beamten, den Arbeitern und Angestellten seine Rechte, feine Lebensintereffen nicht preisgeben will, der muß also heute nicht nur selbst seine Stimme für die Liste der BSP D. abgeben, sondern, dem Rate der Gewerkschaften folgend, werbend dafür eintreten, daß die Vereinigte Sozialdemokratie in muchtiger Zahl in den Reichstag einzieht. Der Konflikt im Bergbau. Effen, 3. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Soweit sich bis nach inittags übersehen läßt, haben in allen Teilen des Ruhrgebiets die Bergarbeiter auf der Ausfahrt nach siebenstündiger Schichtzeit bestanden und an den meisten Orten die Ausfahrt durchgeführt. Wäh Der Schiedsspruch des Reichsarbeitsministers. Hamm, 3. Mai.( Mtb.) Hier wurde heute auf Einladung des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns zwischen den Arbeiterverbänden und dem Zechenverband über die augenblicklich schwebenden Streit fragen verhandelt. Die Aussprache hatte nach neunstündiger Verhandlung folgendes Ergebnis: Der Schiedsspruch vom 28. April über die Regelung der Arbeitszeit und den Landestarifvertrag wurde vom Reichsarbeitsministe rium mit Wirkung bis zum 31. Mai 1924 für verbindlich erklärt. Auf Grund des Schiedsspruches bleibt für die bet den Koksofen, in den Nebenproduktenbetrieben, Stochteffeln und in den Brifettfabriken Beschäftigten die Arbeits- und Schichtzeit nach dem Schiedsspruch vom 4. Januar 1924 bis zum 31. Mai bestehen. Der Schiedsspruch vom 23. April( enthaltend eine Lohnerhöhung von 15 Broz.) wird mit Wirkung vom 1. Mai 1924 vom Reichs. arbeitsminister für verbindlich erklärt. Die Tarifparteien sind sich darüber einig, daß über die schweben. den Streitfragen in Berhandlungen eingetreten wird und daß diese bis zum 17. Mai 1924 zwischen den Parteien beendet sein müssen. Der Zechenverband erklärt, daß er den Urlaub bis zum 31. Mai 1924 auf Grund des bisherigen Tarifvertrages in normalem Umfange durchführen wird; damit ist die verhängte Sperre des Urlaubs aufgehoben. Feterschichten aus Anlaß des 1. Mai werden nach den Bestim mungen des Tarifvertrages behandelt. Bestrafungen und Maß regelungen anläßlich der letzten Tarifftreitigkeiten finden nicht statt. Der Reichsarbeitsminister erwartet, daß beide Parteien auf Grund dieser Sachlage von beabsichtigten Kampfmaßnahmen ab. fehen und innerhalb ihrer Organisationen dafür eintreten, daß obige Regelung für den Monat Mai unverändert durchgeführt wird. Die Organisationen werden sofort zu dieser neuen Sachlage Stellung nehmen. Konflikt auch in Oberschlesien. Im oberschlesischen Steinfohlenbergbau ist es zu einem Konflikt über die Arbeitszeit gefommen Obwohl der Schiedsspruch über die Arbeitszeit für verbindlich erklärt worden ist, fuhren die Bergarbeiter nach 7% stündiger Schicht aus den Gruben aus. Daraufhin haben die staatlichen Gruben und einige Privatgruben Feierschichten eingelegt. Einzelne Schichten find auch ausgefperrt worden. Es ist zu befürchten, daß am Montag die Aussperrung allgemein sein wird. Eine Falschmeldung. Bam Genoffen Scharfschwerdt, Borsigender der Reichs gewertschaft Deutscher Eisenbahnbeamber, wird uns geschrieben: In der lehten Nummier des Bedruf" ist eine Notiz enthalten, in der mitgeteilt wird, daß ich mich auf der Randidatenliste der Deutschen Arbeitnehmerpartei" für die fommenden Reichstagswahlen be. fände. Es wird sogar die Behauptung aufgestellt, daß ich deren Spitzenkandidat sei. Da ich eingeschriebenes Mitglied der VSPD. bin, lege ich Wert darauf, dieser Falschmeldung entgegenzutreten. Da der Bedruf" faft mit Ausschluß der Deffentlichkeit erscheint, das Herumsprechen dieser unwahren Notiz in den Gewerkschaftstreifen aber nicht verhindert werden kann, so bitte ich die Redaktion des Borwärts", meine Richtigstellung veröffentlichen zu wollen. Ich er. fläre ausdrücklich, daß ich niemals mit der Parteileitung der Darpa, noch mit Beauftragten derselben, noch mit irgendwelchen anderen Personen irgendwie nach dieser Richtung hin Unterhaltungen ge Pflogen oder gar Abmachungen getroffen habe. Streik in Hoppegarten. Das Rennstallpersonal, wie Futtermeister und Stafleute, be. findet sich seit dem Eröffnungstage der Rennfaison auf der Hoppegartener Rennbahn im Sireil. Die Ursachen diefes Streifs find furz folgende: Seit dem Jahre 1919 bestand zwischen dem Arbeitgeberverband der Rennställe für den Kreis Niederbarnim und dem deutschen Sommer- Preisliste auf Wunsch kostenfrel Kleiderstoffe Blusen- u. Kleiderstoffe in feschen Streifen...... Mtr. Reinwollene Streifen 1.90 in Crêpe und Foulé, moderne 3.30 Farben...... .Mtr. Reinwollene Kostümstoffe mit Strichkaros, Neuheit, .Mtr. Wirkwaren Damen- Strümpfe Kunstseide m. Laufmaschen, meliert 4.90 Schlupfbeinkleider für Damen, Kunstseide, farbig od. schwarz 6.75 ReinwolleneÜberjäckchen in reicher Farbenauswahl, 8.75 Handarbeit. 5.90 130 cm.... Wollmarocain mit einfarbigen Streifen in neuen Farben, 7.80 130 cm ..... Mtr. Reinwollener Gabardin marine- und sandfarbig, 130 cm breit........... Mtr. Seidenstoffe 6.50 Japanische Waschseide elfenbeinfarbig, 90 cm... Mtr. 5.60 Shantung vorzügliche, echt chinesische Seide für Kleider 7.40 und Wäsche, ca. 80 cm. Mtr. Gestreifte Reinseide für Oberhemd. u. 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Red.) befinden, am Eröffnungstage nicht auf feine Rechnung gekommen ist, so ist lediglich der rigorose Herrenstandpunkt der Arbeitgeber daran schuld. Auch unsere alte grüne Polizei, die Herren Landgendarmen, müssen sich wieder der Herren Arbeitgeber warm annehmen, denn den Streifenden, die ein Plakat trugen, wurde dieses abgenommen und sie obendrein verhaftet. Es gibt doch noch recht liebe gute Gendarmen, die bestrebt sind, die Träger" der Republik zu schüßen. Alle pferdekundigen Arbeiter werden dringend gebeten, jedwede Arbeit auf den Rennbahnen zurückzuweisen. Die Streifleitung. Arbeitsaufnahme in den Efha Werken. Man schreibt uns: Die Direktion der Esha- Werte berichtet in der bürgerlichen Presse über die Wiederaufnahme der Arbeit in einer Weise, die nicht den Tatsachen entspricht. Die neunstündige Arbeitszeit ist nicht bis auf weiteres" festgelegt, fondern entsprechend dem Vergleichsvorschlag des Schlichtungsaus schusses erklärte die Belegschaft sich bereit, zum beilweisen Ausgleich der durch den 14tägigen Streif verlorenen Arbeitszeit bis zum 15. Juni 1924 täglich eine zuschlagsfreie Ueberstunde zu leisten. Es stimmt auch nicht, wenn behauptet wird, die Fabrikation von Dosenschinten hätte überhaupt feine Unterbrechung erfahren. Es müßte gerade sein, daß die unzähligen Herren Direktoren und oberen Berwaltungsbeamten der Efha- Werte einmal produttive Arbeit geleistet hätten. Die Belegschaft selbst stand bis auf einige Meister, die jede Streifarbeit ablehnten, restlos im Streit. Wenn die Efha- Werte trotzdem Dosenschinten liefern fönnen, so sind diese nicht während des Streits hergestellt worden, sondern es handelt sich um Lagerware, die noch reichlich vorhanden ist. Während der Inflationszeit hat man sich auf diese Art in die Sachwerte geflüchtet, und nachher hat man es nicht verstanden, den Betrieb, den neuen Verhältnissen entsprechend, umzustellen. ,, Alles Schwindel". Man tennt die vereinfachte Methode, gegnerische Argumente oder die Anführung von Tatsachen zu widerlegen"; man schreit einfach: Alles Schwindel!" Nach diesem Rezept verfährt die Rote Fabne", um den von uns veröffentlichten Bericht über den Berlauf der Transportarbeiterstreifs in Thüringen, bei denen die Kommunisten eine erbärmliche Rolle spielten, zu beSie erklärt schlankweg und in Fettbrud: In Gotha richtigen". haben die Gemeindearbeiter überhaupt nicht gestreift. Bas wit gar nicht behauptet haben. Wir berichteten über den ar Transportarbeiterstreit. Die Rote Fahne schäßt ihre Refer offenbar für so dumm ein, daß fie annimmt, fie wüßten zwischen Transport und Gemeindearbeiter nicht zu unterscheiden. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 3. Beilage.) Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fridor. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski, Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei unb Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68., Lindenstraße 3, Hierzu 4 Beilagen. Koch& Leeland bringen die feinsten Aachener Fabrikate Herrenstoffe ,, aparte Dessins" 20...Kammgarne" das Beste im Tragen. Mir. Damenstoffe., das Neueste" Gabardine, Rips, Cottelé. Mir. 12.Sertraudtenstr 20/21 Segn 1893 Mengenabgabe sämtlicher Artikel vorbehalten Tisch- u. Hauswäsche Tischtuch halblein. Jacquard Wäsche- Stickereien für Damen- u. Kinderwäsche 130-130 cm4.40 130 × 160 cm5.35 Verkauf nur in Stücken= 4 Meter Servietten 60x60 cm.. 0.95 Serie L. Schmale Ansätze, Mt. 0.25 Stubenhandtuchreinlein.Gersten- Serie II. Schmale Ansätze, Mtr. 0.30 korn mit weiß. Querkanten od. 1.50 Serie III. 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Man hotte ja damals immer nur das Prinzip, den Arbeiter zu entrechten, und jedes Mitiel, dos zu diesem Ziel führen konnte, war genehw- Dic Herrschaften, die damals in der Regierung saßen, sagten sich mit der List, die sie stets ausgezeichnet hat. wenn die Arbeiter in den. ünzelnen Betrieben und Fabriken auch nicht an der Ausübung der Wahl verhindert werden, weil am Wochentag und zur Arbeits» zeit gewählt werden muß, Schwierigkeiten und Scherereien mit dem Arbeitgeber werden sie bestimmt haben. Das stimmte nur zu sehr. Trotzdem har sich der Arbeiter an der Ausübung seines Wahlrechts durch keine noch so groß« Schwierigkeiten verhindern lasien. Der alte Obrigkeitsstaat behauptete bekanntlich außerdem, die Wahl am Sonntag ist unsittlich, weil die„Heiligkeit des Sonntags" gestört wird. Oer pflichttag. In einer Stadt wie Berlin mit de? Hast und Hetze der erwerbs» tötigen Bevölkerung, mit dem lauten Treiben des Straßenverkehrs, ging der Wahltag damals ziemlich unbemerkt im Straßenbild vorüber. Dann kam die Revolution, und zum erstenmal war der Sonntag«in Wahllag. um der Bevölkerung zur Ausübung ihrer wichtigsten staots» bürgerlichen Pflicht die nötige Muße zu geben. Dieser erste Wahl» tag nach der Revolution, dieser erste Sonntag, stellte, man möchte fast sagen, die Stadt aus den Kopf. Man erinnert sich gewiß noch daran, daß damals ganz Berlin in ein Meer von Flugblättern aller Art, aller Sorten und Formate verwandelt war, daß man vor dem papierenen„Segen" nicht wußte wohin, und daß der Wind den Passanten diese Milliarden loser Blätter zusammen mit dem Straßenstaub in sehr unangenehmer Weise um die Köpfe wirbelte. Und aus großen Lastautos, die durch alle Teile der Stadt fuhren, wurden immer neue Massen Papier auf die Straßen geschleudert. All« Häuser, alle Zäune, alle Denkmäler waren von oben bis unten mit Plakaten beklebt, und Wochen hat es gedauert, bis der Kleister entfernt war. Bei dieser Wahl hat man von ollen diesen Dingen nichts oder fast nichts gesehen. Dos Ankleben der Plakate an die Häuser ist oerboten und wird als Sachbeschädigung bestraft. Ohne Ankündigungen, Aufrufe und Hinweise auf die Wahl ist es natürlich auch diesmal Nicht abgegangen, die rechtsradikalen Par» tsien wollten anscheinend das alte, wahre Wort:„Narrenhände beschmieren Tisch und wände!" besonders zu Ehren bringen und bemalten und bekritzellen Wände und Türen mit ihnen blöden Phrasen. Der Platz für die Plakate war diesmal die offiziell« Litfaßsäule, wobei sich dann einzeln« Mitbürger, die sich gewiß sehr witzig vorkamen, das Bergnügen leisteten, in die Plakate der gegnerischen Parteien Zettel zu veben, die diese Plakate dem Hohn und Spott preisgeben sollten. Das Verbot des Plakate- anklebens reizte natürlich, dos Verbot zu übertreten und schlau und geschickt bei Ausübung der Tat vorzugehen. So konnte man denn des Nachts überall in der Stadt seltsame Szenen erleben und lächelnd beobachten: da schlichen ein paar mit Pinsel, Plakaten, Leiter und Kleistertopf durch die Nacht, erspähten die günstigste Ge- legenheit, und wennn die Lust„rein" und«in Grüner nicht in der Nähe war, wurde schnell das Plakat geklebt und man verschwand eiligst vom Schauplatz der Tat, um ein paar Häuser weiter dasselbe Kunststück zu vollführem Kam aber mal der Grüne unverhofft und ohne bemerkt zu werden, über diese..Nachtarbeiter", geschah «s wohl, daß er die Attentäter mit Stillschweigen überging. Aber nicht nur die Polizei machte 3agd aus die Plakate und die Plakateträger, sondern auch besondere Abordnungen der Parteien. Die Kommunisten haben, was hier bereits vor einiger Zeit an anderer Stell« betont wurde,„rühmliches" gei eistet und versucht, alle Plakate und Zettel unserer Partei zu entfernen. Kinder bleiben eben Kinder und werden immer kindische Sachen betreiben. Am aberschlimmsten ober sind die Taten politischer Sinder. Diese Manöver, die Plakate abzureißen oder un- kenntlich und unleserlich zu machen, wurden natürlich auch des Nachts ausgeführt. Manchmal war die Kolonne, die glücklich ihr Plakat„untergebracht" hatte, kaum um die Eck« verschwunden, kamen andere angeschlichen, die ebenfalls mit Leitern bewaffnet waren und holten herunter, was die vor ihnen soeben unter allerlei Mühen und Beschwerden placiert Kotten. Der Wahlsonntag freilich, der Tag der Wahl, wird sich im Strahenbild nur sehr wenig von anderen Sonntagen unterscheiden. Man wird heut« nur bemerken, daß cm den Stellen, wo Wahllokale«ingerichtet sind, schon bald uach acht Uhr der Verkehr ein lebhafterer ist als an sonstigen Sonntogen. Denn um acht Uhr morgens beginnt der Wahlakt, und so manche wählen gleich am Morgen, uni den Tag für sich zu haben zu Ausflüge» oder zur Arbeit auf dem Loubengelände. Und noch ein anderes Zeichen fällt heute auf: Lokale, in denen noch am Sonnabend bis ein Uhr nachts die Gäste und Azcher gesessen haben, sind in Wahllokale verwandelt, und vor ihnen stehen als lebende Mahner die Beauftragten der verschiedenen Parteien mit den Wahlplataten. Drinnen in den Lokalen aber wird sich still- schweigend dos Schicksal des deutschen Volkes entscheiden. Wahlgang. Man hat svvrel von der Wahlmüdigkeit gesprochen. Aber die Erfahrungen der letzten Wahlen im Reiche widersprechen dieser skep- tische» Auffassung. Mancher, der seine Entscheidung bis zum letzten Tage auffchob, vielleicht sogar mit der Absicht, dieses Mal nicht mehr mitzumachen, wird sich am Entscheidungstag« doch noch besinnen und gehen. Der Wahldienst der Parteien wird die Säumigen her- anschleppen und schließlich dämmert es doch selbst in den unpoli» lifchsten Köpfen, daß zu viel auf dem Spiel« steht, um zu Haus« bleiben zu können. So gehen sie denn zur Wahl. Der Herr Kommcrzienrat und Gattin und Hausmädchen. das sie fürsoralich in die Mitte genommen haben und dem sie auch die„richtige Partei" schon eingebläut haben, die sie bei Strafe der sofortigen Kündigung ankreuzen muß. Die deutschnational e n Jungsraucnvereine werden auch wieder anrücken und die Knaben mit dem Hakenkreuz werden sle für ihre völ- tische Firma einzusangen versuchen. Und die alten Leute werden kommen und nach entsprechender' Belehrung ihren Zettel ankreuzen. Der Arbeitende aber geht frühzeitig mit seiner Frau und den wähl- fähigen Kindern zur Wahl und stimmt für seine alte bewährte Partei, die VSPD. Seine Kinder aber verteilen Flugblätter und Wahlzettel unid tun auf diese Weise auch schon Dienst am Sozia- lismus, von dem sie wissen, daß er allein den Arbeitern helfen kann. Frau B e r o l i n a aber gibt öfseutiich bekannt, daß die Deutsche Volkspartei mit ihren Plakaten„Bei m r— Berolma" sich zu Un- recht auf sie beruft und daß sie deshalb jederniann warnt, dieser Partei irgendwelchen politische Kredit zu geben, da sie fiir nichts aufkommt. Um fünf Uhr abends ist der Wahlakt vorüber. Der Wahlvor- stand und die Beisitzer wählen als letzte, und dann beginnt iir den einzelnen Wahllokalen die Auszählung der Stimmen. Gegen sieben und acht Uhr abends wird sich wieder ein lebhaftes Treiben auf den Straßen bemerkbar machen. Radfahrer werden von den einzelnen Wahllokalen zum Zentralwahlbureau der verschiedenen Parteien flitzen und die Resultate aus den einzelnen Bezirken übermitteln. Von den Telegraphen- und Postämtern werden die Radfahrer mit Telegrammen über d«n Wahlausfall im Reich zu den Zeitung« redaktionen saufen, und man wird überhaupt viel Aufregung und Spannung unter den Passanten bemerken. Am nächsten Tag ab« wird sich bereits übersehen losten, ob man ans die eindringliche Mab nung unserer Partei gehört hat, die nichts in diesem Wahlkamv' Unterlasten hat, um die Wähler darüber zu belehren, daß nur der für die Republik, für Freiheit, Recht und Gerechfigkeil eintritt, der sozialdemokratisch wählt, oder ob das deutsche Volk am Montag mit einem Katzenjammer ob des Ausfalls der Wahl aufwacht, der die Katastrophe unseres Vaterlandes aus politischem und wiriselxifilicheni Gebiet zur Folge hat. � Zum Schutz der heutigen Reichstagsivahl hat die Polizei um sossende Mahnahmen getroffen. Die Schutzpolizei befindet sich morgen in höchster Alarmbereitschaft, die Wahllokale werden durch Streifen gesichert. Gegen Schluß der Wahl ist für einen Schutz der Ergebnisse und des Transportes der Wahl- innen zu de» Bezirksämtern Sorge getragen, lim Störungen der Feststellungen des Wahlergebnisses in den Bezirksämtern zu ver- hindern, wird auch dort bis zur Beendigung dieser Arbeit die Schutz- polize! zur Stelle sein. q Die Flüchtlinge. Roman von Johannes Linnemkoski. Namentlich dann bei dem Kauf zeigte es sich noch deut- Ncher— fuhr er in seinen Erinnerungen fort. So ein alter Mensch müßte doch verstehen, daß man beim Handeln nicht hasten darf. Nun. über den Preis des Gehöfts selbst will ich nichts sagen, obwohl man auch den um einige Tausend hätte herabdrücken können. Es ist ja ein ganzes Gut und anständig gebaut wie nur ein aller herrschaftlicher Besitz. Aber daß da für das Inventar, für diese Frösche von Kühen, das dumpfige Heu und die halbverfaultcn Korndlemen— wie sie's nur fertigbringen, die Gottesgabe unter freiem Himmel vermodern zu lasten, die Schurken!— daß dafür zwölftausend bezahll werden mußten, mindestens fünftausend zuviel! Und er ver- steht es nicht, obwohl ich ihm zuzwinkere und es schließlich auch sage. Wie wenn das Leben von dem Kauf abgehangen. hätte! Und ist nichts zu machen: man muß zusehen, wie diese schlauen Savolaxer lächeln und sich hinterm Rücken zublinzeln: so muß man die langhaarigen Tavastenschädel scheren!— Donner- weiter noch einmal! Seine tavastländische Natur hatte sich bei diesen Erinne- rungen so gegen die Savolaxer empört, daß er Keskitalo ganz vergaß.— Diese verflixten Stocknarren! Einen Spazierstock müssen sie immer in der Hand schwenken, aber sieht man wohl einen Nadelzweig auf ihren Aeckern?) Nun ja, beruhigte er sich. Die Arbeit der tavastländi- schen Männer wird den Schaden bald ausbessern. Aber es ist doch Sünde und Schande, solchen Schlingeln fünftausend in den Rachen zu werfen. Keskitalo halle angefangen leise zu schnarchen. Da erinnerte sich Uutelo seiner wieder. Auch darüber habe ich mich gewundert, weshalb er den Kaufvertrag nur in meinem Namen hat ausstellen lasien. Nun. das Geld ist ja freilich von wir, aber wir hätten doch auch beide die Herren fein können, da wir einmal zusammen sind und ich nur Schwiegersohn geworden bin. Sollte er dort in Tavastland eine alte, dunkle Schuld haben, vor der er sich sozusagen aus dem Staube macht, da er mich in dieser Weise vorschiebt? Und weshalb hat er mir nie etwas davon mitgeteill? Was hat das zu bedeuten...? Er beugte sich vor und begann Keskitalo forschend ins *) Kleingehackte Nadelbaumzweige werden unter den Dünger gemischt und die Düngerhaufen im Herbst auf die Aecker gefahren. Gesicht zu schauen. Er wollte gleichsam in sein Gehirn ein- dringen und sehen, was sich dort regte— jetzt, da der Mann schlief und nicht aus der Hut sein konntc. Seinem Fuchsgesicht ist nichts anzusehen, nicht int Schlafen und nicht im Wachen! sagte er sich ärgerlich. Dos ist ein Kerl! Schleppt einen bis nach Savolax, läßt einen Güter kaufen und behält die Fäden für sich wie in einem Felsen. Und daß jetzt alles nach deinem Sinn gegangen ist, das sehe ich allerdings— sonst könntest du nicht so schön schlafen. Und noch ein Lochen um den Mund— ich wache und wache hier und bekomme keinen Schlaf, was ich auch tmr mag! Er fühlle in diesem Augenblick, daß er Keskitalo haßte, wegen des Geheimnisses, das er ihm, wie er argwöhnte, vor- cnthiell. Weshalb verrät er es mir nicht, wo wir einmal Freunde und Verwandte sind? Nun, vielleicht we ich ihm doch unrecht— dachte er wieder—, daß ich ihn so verdächtige. Warum soll er nicht für seine Kinder arbeiten, jetzt, wo er einen Anlauf nehmen kann. Ebenso habe ich's ja selbst seiner, zeit gemacht— seine besten Pläne behält einer doch für sich, ja! Und dennoch war es ihm eigentümlich— wie wenn un- sichtbare Hände nach den Zügeln seines Lebens gegriffen hätten, um sie an sich zu reißen. Aber die Sache war abgemacht, das Gehöft erstanden. Und jetzt bin ich ein Gutsherr! Ein Lächeln flog über sein Gesicht.— Nun, wir schassen dort nebeneinander als Herren, wessen Name auch in den Papieren steht. Und wir werden de« r'erfluchten Stocknarren schon beweisen, aus was für Holz Löffel geschnitzt werden! Ich werde noch einmal ein Gehöft in die Höhe bringen und zeigen, wie der Taoaste das Weiden- gesllüpp von den Rainen verjagt! Er geriet immer inehr in Eifer— die langen Ackerbeete dort mit den seichten Gräben aus dem Gut riefen ihn und die tavastländische Kraft gewissermaßen zu Hilfe. Ja. jetzt heißt's sich rühren, bis Keskitalo und die Sachen verkauft sind und alles ftir den Umzug bereit steht, dachte er wieder. � Zugleich hielt der Zug polternd auf einer Station. „Oho!" rief Keskitalo, wie aus einem bösen Traum er- io«chend. und sah sich mit weiten Augen um.„Wo sind wir denn eigentlich?" „Auf der Gutskaufreise. Nachbar." schmunzelle Uutela mit stillstrahlenden Augen bei dem Ausschreckeu des anderen, Keskitalo begriff auch gleich. Sie stimmten beide ein her.z- liches Lachen an. ö. Der Boden war noch nicht gefroren, obwohl man schon November halle. Die tavastländischen Ejpen in den Ecken der Gärten und Hosplätze weinten entlaubt in der nebligen Luft des Spät- herbstes. Die tavastländischen Fichten auf den Hiigelchen und an den Gatterpfosten seufzten voll Sehnsucht, und kleine glänz- lose Tropfen saßen an den Knoten der Aeste und an den ver- dorrten Stengeln der Gräser, obwohl der Tag schon bis in die Mitte vorgeschritten war. Uebcr allein ruhte flach und schwer ein dunkelgrauer Himmel. Die Leute von Keskitalo traten den UmMg nach Savo- tax an. Schon an den zwei vorhergehenden Tagen war allerlei Gerät und Arbeitswerkzeug nach der Station gefahren worden. Biel halle sich auch angesammelt— altes Trautes und Liebes, von dem man sich nicht trennen mochte, wenn man es auch nicht notwendig brauchte. Heute war der eigentliche Tag des Aufbruchs. Zu langem Abschied war keine Zeit gewesen, obwohl man die liebe Heimat verließ. Zum Teil konnten sie kaum mehr als einen Sestenblick hinwerfen, als es durch das Tor ging. denn das Bich lief und brüllte wirr durcheinander, da es glaubte, es werde auf die Weide gelassen. Voran wanderten, von Hanna und der dreizehnjährigen Hclka behütet, etwa, zehn Schafe. Auf dem Gutshos gab es ihrer nur wenige, und überhaupt sollte es in Savolax nicht viele geben. Dann folgten sieben Kühe und ein breitgestirnter Ochs, den der älteste Sohn Vihtori an einem Strick leitete. Die anderen hätten sich mit einer geringeren Menge Vieh begnügt, doch Uutela war unerschütterlich gewesen, er glaubte von den „Savolaxer Fröschen" nichts Gutes.— Er hatte auf der Reise nach Savolax ein hartnäckiges Mißtrauen gegen alles Savo- laxische erhalten. Zuletzt gingen die beiden Frauen, die alte und die limge, mit allerlei kleinem Kram auf dem vollbepackten Wagen, wäh- rend Liina hinten angebunden nochlief. Noch befand sich auf dem Wagen, in einem mit einem Sack bedeckten Spankorb, der große schwarz- und weißgefleckte Kater Mikko. Uutela wollte auch ihn mithaben— er traute eben nicht einmal den savolaxischen Katzen. (Fortsetzung folgt) „ Alles die Frucht des 9. November!" In der Wahlagitation hat den bürgerlichen Parteien der 9. November als ein Agitationsmittel dienen müssen, das sie nach Kräften auszunußen sich bemüht haben. Alles Widrige, das wir in den letzten Jahren durchzumachen hatten, wird von den Bürgerlichen ols Frucht der Revolution hingestellt. Alles was uns verdrießt und bedrückt, die Geldentwertung, die Teuerung des gesamten Lebensunterhaltes, der allgemeine Mangel am Nötigsten, das bittere Elend der Arbeitslosen, dazu die Erscheinungen sittlichen Niederganges, ble rücksichtslose Geltendmachung der Selbstfucht, das gewiffenlose Treiben widerwärtiger Raffgier alles das und noch vieles mehr soll dem 9. November zu verdanken sein. In Zeitungsartikeln und Berfammlungsreden, in Flugblättern und Straßenplakaten wird den gläubigen Wählern und meist noch gläubigeren Wählerinnen erzählt, daß alles Unglück von der Revolution und der Republit" fommt. Woraus dann die Einfalt den Schluß zieht, daß unter der Monarchie, wenn wir fie trotz des Kriegszusammenbruchs noch hätten, alles das nicht so wäre" und es uns glänzend ginge. So ähnlich scheint man auch in einer für Kirchlichgesinnte einberufenen Bersammlung im Norden Berlins agitiert zu haben, über deren Berlauf eine uns zugegangene Schilderung berichtet. U. a. hat dort ein Pastor die Zunahme der Chefcheidungen, die Verwahrlosung der Jugend, die Trunkenheit minderjähriger, die Auflehnung der Kinder gegen die elterliche Zucht als Früchte des 9. November beklagt. Der Herr Pastor hat wohl übersehen, daß die 3 u nahme der Ehescheidungen eine Folge der leichtsinnigen Kriegstrauungen ist, auf deren Zustandekommen auch mancher Baftor hingewirkt haben dürfte. Er scheint auch vergessen zu haben, daß die von ihm beklagte Berwahriosung der Jugend von der Kriegszeit ausgegangen ist, in der jede Ordnung fich lockerte und die Kinder und Jugendlichen allen verwahr losenden Einflüssen ausgefeßt waren. Die jetzt Sechzehnjährigen waren eben schulpflichtig geworden, als der Krieg ausbrach, und die ersten vierundeinhalb Jahre ihrer Schullaufbahn litten unter all den Störungen, die der Krieg brachte: Militäreinquartierungen der Schulhäuser, Unterrichtsausfall wegen der Siegesfeiern, Beteiligung von Schulkindern an allen möglichen Einfammfungen, Mangel an Aufsicht, weil der Vater eingezogen war and die Mutter in die Munitionsfabrit gehen mußte, balb auch zunehmende Not infolge der Teuerung aller Lebensmittel. Die jeßt 3wanzigjährigen waren beim Ausbruch des Krieges zehn Jahre alt, und die letzten vier Jahre ihrer Schullauf bahn( soweit sie nur die Volksschule besuchten) standen unter dem Einfluß all der Störungen, die wir hier aufgezählt haben. Uebrigens soll der Herr Bastor sich doch mal bei der Jugend derjenigen Kreise umsehen, in denen man die Männer des 9. November mit giftigstem Haß verfolgt und ihnen Todfeindschaft geschworen hat. Gerade in der Kriegszeit hatte in Berlin die Verwahrlosung der Schüler und Schülerinnen höherer Schulen so bedrohliche Formen angenommen, daß der Magistrat sich damals genötigt sah, die Einführung befonderer Legitimationstarten für die Sprößlinge der Bürgerlichen zu fordern, damit bei Ausschreitungen auf der Straße fofortige Festftellung möglich sei. Aus diesen Kreisen sind die Mordbuben hervorgegangen, die politische Gegner im Hinterhalt auflauern und feige sie niedertnallen. Das sind die Früchte nicht des 9. November, herr Pastor, sondern des flu ch würdigen Krieges, ben auch die Kirche verherrlicht hat. Am 4. Mai hält das deutsche Boll Abrechnung mit den Schuldigen, die es ins Unglück gebracht haben! Um die Frauen. Ich bin Junggefelle. Zweimal in der Woche besucht mich eine neue Aufwartefrau.„ Wen wählen Sie denn?" Berlegenes Schweigen. ,, Ist es ein Geheimnis?" Ja. Wenn man so bei verschiedenen Beuten herumkommt ,, Na, ganz rechts und ganz links wählen Sie doch nicht?" Rechts können wir doch nicht wählen." Na also, wie dann?" Ich bin ganz Arbeiterfrau." Dann müssen Sie sozial demokratisch wählen." Schweigen. Wie haben Sie voriges mal gewählt?" Berlegenes Lächeln. Haben Sie unabhängig gewählt? Mir können Sie es ruhig sagen." Ja. Wir, mit dem Mann, haben immer sozialdemokratisch gewählt. Na, dann müssen Sie jetzt wieder dieselbe Partei wählen. Soviel Vertrauen müssen Sie zu den Führern haben. Wählen Sie die Kommunisten, was geschieht dann? Der Reichstag kann doch keine Arbeit leisten und fliegt wieder auf. Und die französischen Nationalisten freuen sich darüber." Ich erkläre ihr ausführlich, weshalb sie die VSPD. wählen muß. Die Frau hört interessiert zu: sie hat ja zu Hause keine Zeitung. Jetzt leuchtet in ihren Augen Verständnis. Ich glaube sie überzeugt Jeder hole sich zwei, drei Frauen und auch ihre Männer heran und führe fie zur Wahl für die Sozialdemokratie. zu haben. = Ein sehr unhöflicher Eisenbahnstationsbeamter. Eine außerordentlich bemerkenswerte Szene spielte sich am gestrigen Abend um 7 Uhr unmittelbar am Eingang zum Bahn hof Zehlendorf- Mitte ab. Dort waren Schüler der unteren Klassen des Zehlendorfer Gymnasiums und der 3 eh lendorfer Oberrealschule, also Kinder, damit beschäftigt, die zur Bahn Gehenden und aus dem Bahnhof kommenden mit pöllischen Flugblättern zu belästigen, in denen in scham lofefter Weise gegen unsere jüdischen Mitbürger geheizt wurde. Als die Kinder unter Führung eines älteren faschistisch aufgepuzten Schülers sogar in den Schalterraum des Bahnhofs eindrangen und zurückgewiefen. Darauf wurde der ältere Schüler frech. Nunmehr dort ihre Schmähschriften verteilten, wurden sie von einem Herrn begab sich der Herr zu dem Stationsbureau, feilte dem anwesenden Beamten( es war um 7 Uhr abend, und der Beamte wird demnach festzustellen sein) den Sachverhalt mit und bat, die Kinder mit den Heßflugblättern aus den Bahnhofsräumen zu entfernen. Der preußische Beamte in Uniform meinte zuerst freundlich, man könne ba nicht immerzu hinterher sein. Als der Herr, um die jugendlichen Flugblattverteiler feststellen zu lassen, dann zweimal ersuchte, so= gleich etwas zu unternehmen, schlug die Stimmung des Beamten plößlich um. Er brüllte den verdugten Herrn an: Ich lasse mir nichts befehlen!", schlug mit einem lauten Krach dem Herrn die Tür vor der Rafe zu und verschwand. Das war so ganz die Art und der Ton des alten preußischen, dunkel haften, hochmütigen Beamtentums, das Deutsch ( and in der Welt so verhaßt gemacht hat. Auch da Dujardin der wundervolle Weinbrand UERDINGEN A RH. gegen gilt es am 4. Mai au proteftteren. An den nenen Berliner Herrn Reichsbahndirektionspräsidenten ergeht aber die Anfrage, ob er tatsächlich ein derartig ungehobeltes Benehmen eines feiner Beamten durchgehen lassen will, Amtsrichter gegen Jugendrichter. Die deutsche Juftizfchmach und der 4. Mai. Neues Kriminalgericht in Moabit. Vor der Tür eines der Schöffenfäle ein häuflein Menschen, elegant gekleidete Herren und Damen. Auf der Bant einsam ein etwa fiebzehnjähriger Junge. Worum handelt es sich?" frage ich. lm hehlerei", lautete die Antwort. Ich trete in den Gerichtssaal. Elegante Angeklagte, Herren und Damen. Sie haben von dem Jungen geftohlene Sachen gekauft und sollen gewußt haben, daß die Sachen Parteigenoffinnen, parteigenossen! Heute fordern wir euch zur tätigen Mitarbeit auf. Es geht um die Erhaltung der Republik und um die Durchsetzung unserer sozialistischen Forderungen. Alle treffen sich pünktlich früh 8 Uhr in ihren Abteilungen an den bekannten Stellen. Wer für den Wahltag noch keine bestimmte Arbeit zugewiesen erhalten hat, geht in das Zentralwahl bureau seines Kreises, und zwar sind dies folgende Stellen: Mitte: Spiegel, N., Aderstr. 1( Norden 2736). Tiergarten: Schmidt, NW., Wiclefftr. 17( Moabit 663). Wedding: Schade, N., Rösliner Str. 9( Moabit 9781). Prenzlauer Berg: Klug, N., Danziger Str. 71( Humboldt 725). Friedrichshain: Lojat, O. 17, Benmestr. 8( Alexander 2570). Kreuzberg: Krüger, SW., Grimmstr. 1( Morißpl. 12702). Charlottenburg: Jugendheim, Rosinenstr. 4( Wilhelm 1284). Spandau: Reft. Alpenfranzl, Staatener Str. 85( Spandau 975). Wilmersdorf: Ihlenfeldt, Uhlandstraße 74, Ece Günzelstraße ( Pfalzburg 2438). Schöneberg: Will, Martin- Luther- Str. 69( Steinpl. 4049). Steglih: Schulz, Südende, Brandenburgische Str. 5, III Tr. ( Steglitz 1611). bedentlich lebhaft, doch mußten die volttien Distuffions redner selbst zugeben, daß sie manches von den Ausführungen des Genossen B. unterschreiben könnten. Mit dem Dank an die Völkischen für ihre fiebenswürdige Mühewaltung um das Zustandekommen diefer sozialdemokratischen Versammlung wurde die Versammlung nach Mitternacht geschlossen. Wer uns zuwider, den schlagen wir nieder!" Eine Pleite der„ Pleite". Ein gewisser Hermann Herzfeld, Zeichner von Beruf, und ein gewiffer Dr. Ostar Kannehl, seines Zeichens Schriftsteller und auch Regisseur, hatten das Bedürfnis, sich einmal öffentlich zu blamieren, und da ihnen dafür nichts Besseres einfiel, gründeten sie ein Zeits schriftchen, das sie die„ Bleite" nannten und in der sie die Republik und ihre Hoheitszeichen vermiesbachten. Der Staatsanwalt aber verftand feinen Spaß und langte sich die Herren. Nun standen sie vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte, wo fie fich wegen Aufa reizung zum Klassenhaß und Beschimpfung der republis tanischen Staatsform und der Reichsfarben, also recht übler Dinge, zu verantworten hatten. " " In der Pleite" war ein Artifel erschienen mit der Ueberschrift: Rettet die Republik", in dem es hieß:" Fluch, Haß und Tod dieser Republik!" An anderer Stelle war in derselben Nummer von der Schwarz- Rot- Mostrich- Farbe der Reichsfahne die Rede. Vom Ans geflagten Kannehl stammte ein Gedicht„ Straße frei". Darin wurde zur gewaltsamen Befreiung der Märtyrer der Freiheit aus den Buchthäusern und Gefängnissen aufgefordert, und es hieß am Schluß: Wer uns ist zuwider, den schlagen wir nieder!" Die Angefiagten bekannten sich als Anhänger der Räterepublit und Gegner der gegenwärtigen Staatsform. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Burchardi beantragte gegen Herzfeld 100 m. Geldstrafe, gegen Rannehl 1 Monat Gefängnis. Die Bera teidiger erblickten in dem Gedicht ein- Kunstwert und bestritten, daß durch solch ein Kunstwert eine strafbare Handlung begangen werden könne. Das Gericht brachte im Urteil zum Ausdruck, daß das Gedicht feineswegs ein Kunstwert sei, denn es enthalte Berse, bei denen sich die Haare sträuben. Auch in rechtlicher Beziehung stand das Gericht auf einem anderen Standpunkt als die Verteidiger. Jeder Staatsbürger habe zwar das Recht, staatliche Einrichtungen zu fritisieren. Dieser Kritik seien aber Grenzen gezogen durch Anstand und Gesez. Hier liege der typische Fall der öffentlichen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten durch ein Gedicht vor. Das Gericht betrachte diese Dinge nicht nach politischen Gesichtspunkten, sondern unter der Lupe des Gefeßes, Bon einem literarischen Prozeß fönne bei einem Gedicht dieser Art angesichts der fanatischen Einstellung Abstand genommen. Straf mildernd war auch die geringe Verbreitung der Zeitschrift. Der Angeflagte Rannehl erhielt wegen Aufreizung 200 M., der Angeklagte Herzfeld wegen Aufreizung sowie wegen Beschimpfung der Republik und der Reichsfarben insgesamt 1000 m. Geldstrafe oder im Falle der Nichtzahlung 40 Tage Gefängnis. Man sieht, die Richter der Republit find barmherzig, milde und von großer Güte und ahnden nur mit so viel Mark Geldstrafe wie früher die föniglichen Richter ähnliche Delikte vermutlich mit Tagen Gefängnis bestraft hätten. Tempelhof: Niendorf, Mariendorf, Chausseestr. 19( Südring 1548). Neukölln: Ideal- Casino, Weichselstr. 8( Neukölln 406). Treptow: Grahl, Niederschöneweide, Berliner Straße 129 auch eine Rede sein. Von einer Gefängnisstrafe hat das Gericht ( Oberschöneweide 399). Köpenid: Babel, Freiheit 5( Röpenid 678). Lichtenberg: Seipfe, Kronprinzenstr. 47( Rönigftadt 851). Weißensee: Stärke, Charlottenburger Str. 3( Weißensee 377). Pankow: Türkisches Zelt, Breite Str. 14( Bantom 266). Reinickendorf: Dölchner, Reinickendorf- Oft, Residenzstraße 53, Ecke Holländer Straße( Reinickendorf 3302). Die Zentralwahlleitung ift im Bezirkssekretariat Lindenstr. 3, Telephon: Dönhoff 5086, 5087, 5088. Radfahrer stehen den Abteilungen auf Anruf Morihplak 115 07( Gewerf schaftshaus) zur Verfügung. Auf zum Kampf und zum Sieg! Der Bezirksvorstand. gestohlen waren. Der Junge erscheint als Zeuge. Kaum hat er den Mund geöffnet, so wird er in den höchsten Tönen von dem Richter angeschnauzt ungefähr so wie früher Soldaten auf dem Rafernenhof. Sie sollen die Wahrheit sagen, überlegen Sie, was Sie reben; Sie haben die Sachen gestohlen auf ihrer Arbeitsstelle. Sind Sie verurteilt worden?" Ja, zu drei Monaten Gefängnis." Haben Sie Bewährungsfrist erhalten?" Ja."" So! Hat wenig stens Ihr Vater Ihnen eine Tracht Brügel gegeben? Auch das nicht? Schade! Also Sie sollen die Wahrheit reden! Bollen Sie hier die Menschen unglücklich machen?" Die Töne werden immer schärfer. Der Richter befindet sich in hellster Aufregung, seine Stimire appt um. Ich befürchte faft, daß er einen Anfall bekommt. Endlich kommt der Junge zum Reden. Er ist ganz eingeschüchtert und soll nun als Zeuge feine wahrheitsgemäße Aussage machen. Mich befällt ein Ekel. Ich verlasse den Saal. Das ist ein Richter, foll wenigstens einer sein. Ihm wird das Schicksal von Menschen anvertraut. Natürlich! Hätte er über den Jungen zu Gericht zu fizen und nicht der Jugendrichter, er hätte ihn verdonnert, ohne Be währungsfrist, denn das Gefängnis foll abschrecken und fühnen. Hätte er es geformt, so wäre dem Jungen von ihm als höchstes Ere ziehungsmittel noch eine Tracht Prügel verschrieben worden. So stehen zwei Weltanschauungen einander gegenüber. des Jugendrichters, des Richters der Zukunft, der den Menschen zu verstehen versucht, erziehen und bessern will und nur mit Wider streben von seinem Recht, ins Gefängnis zu schicken, Gebrauch macht, da er weiß, daß es für die Seele des Menschen und für die Gesell: schaft ein Verderb ist und der Erwachsenen- Richter, für den( mit menigen Ausnahmen) Gefängnis und Zuchthaus das A und O der Weisheit sind, für den nicht der Mensch, sondern nur seine Tat und der Gesetzesparagraph existiert. Wenn es sich um den Schutz der herrschenden Gesellschaft handelt, setzt er sich unter Umständen fogar über den Gefeßesparagraphen hinweg. Das waren die Richter von und Hitler, das waren die Richter, die Laufende von Arbeitern ins Toller und Mühjam, von Fechenbach und Beigner, von Bubendorff Gefängnis und Zuchthaus geschickt haben, das sind die, die den kleinen Mann, der durch die Not getrieben zum Verbrecher wird, verdonnern für Hochverrat und Landfriedensbruch, sind Emmingers treue Kollegen und gelehrige Schüler. Will der Arbeiter, daß die Justiz schmach endlich aufhöre, so wähle er am 4. Mai die BSPD. Wie Völkische zu Sozialdemokraten kamen. Wie die Bölkischen für das Zustandekommen einer sozialdemokratischen Wählerversammlung sorgten, fonnten zur allgemeinen Erheiterung fürzlich die Besucher einer deutschvöltischen Bersammlung in Wilhelmshagen erleben. Als die Versammelten bereits über Stunde vergeblich auf den Redner des Abends warteten, erschienen plötzlich zwei unserer Leute, die Genossen H. und B., ließen sich vom Wirt das neben dem Versammlungsraum befindliche Vereinszimmer geben, das schnell für eine Panaitetversammlung hergerichtet wurde. Dann vers teilten sie unsere schwarzweißroten Flugblätter an die Erschienenen und luden sie freundlichst ein, in den Nebenraum zu kommen. Dort fömmten fie einen Bortrag über die deutschvölkische Bewegung hören, imd zwar von unserem Genossen B. Der völtische Einberufer ver suchte zwar durch sofortige Eröffnung der Versammlung die Situation zu retten, fonnte aber nicht verhindern, daß Genosse H. im Neben raum die Parallelversammlung bereits eröffnet und dem Genoffen B. das Wort erteilt hatte. Aus der Zuhörerzahl von zunächst 12 Perfonen murden bald 30 bis 40, und die völkischen Veranstalter mußten, wenn sie nicht ganz allein im Saale bleiben wollten, ihre Versammlung nach furzer Zeit wieder schließen. Nach Hochziehen der zwischen den beiden Räumen befindlichen Rolljalousie konnten nun auch die restlichen Besucher der völkischen Veranstaltung dem Vortrage des Genojen B. folgen. Die anschließende Aussprache war zeitweife Der schlanke Lange und der kurze Dicke. Festnahme einer Einbrecherbande. Eine Einbrecherbande, die lange Zeit die Sommertotale und andere Wirtschaften in der Umgebung Berlins heimsuchte, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht Ihre Führer waren ein gewiſſer Artur Nitschle mit dem Spiznamen der chwarze Artur", ein lang aufgeschoffener Mensch, und ein Mufiter Hermann Bussac, ein ganz furzer gedrungener Mann. Buffad fpielte in vielen Lofalen zur Aushilfe und tundschaftete dabei die Gelegenheiten zum Einbruch aus. Dann fuhren beide mit einem Chauffeur Grunower, der noch einen Berufsgenossen Traut mann hinzugenommen hatte, hinaus, stahlen, was fie für mitnehmenswert hielten, brachten die Beute mit dem Auto gleich nach Berlin und verkauften fie, Wein, Liköre an fleine Schankwirte. Aufsehen erregte im Juli vorigen Jahres ein großer Einbruch dieser Art in Tegel. Die Einbrecher ließen ihr Auto abgeblendet im Walde bei Tegelort stehen, wo Grunomer es bewachte. Sie machten dann drei bis viermal den Weg nach einem großen Lokal und st ahlen dreihundert Liter Likör und eine große Menge Lebensmittel. Die Kriminalpolizei stellte bei ihren Ermittlungen jest, daß die Einbrecher den Wagen Grunowers benutt haften, und fannte auch dessen Nummer. Aber er war nicht zu finden, weil dieser Chauffeur nur schwarze Fahrten" machte. Bei ein schlanker langer und ein kurzer dicker Mann die Verkäufer geSen Ermittlungen nach den Abnehmern ergab sich nun, daß immer Als diese beiden, Nitschke und Bufsack, wieder ein wesen waren. Geschäft machen wollten, wurden fie festgenommen. Auch Grunower, ermittelt und darauf die ganze Gesellschaft nach Moabit gebracht. Die der nirgends gemeldet war, und sein Gehilfe Trautmann wurden Berhafteten, die geständig find, haben eine ganze Reihe von Einbrüchen in Berlin, Lichterfelde, Stegliz usw. auf dem KerbholzDer Deckeneinsturz des Mosse- Baues vor Gericht. Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wird am 8. Mai der Strafprozeß beginnen, der sich an dem verhängnisvollen Deckeneinsturz bei der Aufstockung des Mosse- Hauses an der Ecke Jerusalemer und Schüßenstraße am 24. Januar ereignete und der 13 Lote und 11 Schwerverletzte zur Folge hatte. Die Anklage richtet sich gegen 9 Personen, n. a. gegen den Architekten Georg Jakobowiz und den Baumeister O'to Lazarus. Die Beschuldigung geht auf fahrlässige Tötung, Körperverlegung und dahin, daß bei der Leitung außer acht gelaffen und wider die Regel der Baukunft gehandelt Bruening und Staatsanwaltschaftsrat Polzin vertreten. in Anspruch nehmen. Die Anflage wird durch Oberstaatsanwalt Ein blutiger Streit speilte sich in der vergangenen Nacht bald nach 1 Uhr in Alt- Moabit ab. Hier gerieten mehrere Männer, die dem Alkohol stark zugesprochen hatten, in einen Streit, der schließlich in eine müfte Schlägerei ausartete, wobei Messer und Revolver eine große Rolle spielten. Dabei erhielt der 36 Jahre alte Kraftdroschkenführer Anton Lonig aus der Kolberger Str. 31 einen Schuß Kathreiners Malzkaffee Deintägliches Hausgetränk! Wählt vormittags! Um 5 Uhr ist Wahlschluß! durch den rechten Oberschenkel, der 21 Jahre alte Droschtenfutscher Paul Rothe aus der Bellestr. 13 einen Messerstich in die linke Achselhöhle und der 46 Jahre alte Kraftdroschtenführer Gustav Stenzel aus der Heideftr. 53 mehrere Verlegungen am Kopf und im Gesicht. Als die Polizei eingriff, waren die Täter bereits geflüchtet. Lonik und Rothe waren so erheblich verletzt, daß sie nach der Charité geschafft werden mußten. Stenzel fonnte sich nach Anlegung von Verbänden nach seiner Wohnung begeben. Holländische Austern. " Die märkischen Jugendherbergen. andererseits die gewünschte direkte Berbindung nach dein Spittelmarkt zu geben, geführt. Die am 5. Mai neu eingerichtete Linie 15 fährt micht über die Rathenower und Turmstraße, sondern durch die Straße Alt Moabit, Stromstraße, Turmstraße. schiedenen Stellen Berlins bekanntgegeben. Sie werden, wie man Stadthaus von Beginn der Wahlhandlung ab bis zur vorläufigen Der Magistrat gibt befannt: Am Tage der Reichstagswahl, Feststellung des Ergebnisses ohne Unterbrechung geöffnet. Ebenso find die Bezirtsämter ersucht worden, ihre Wahle nter offen zu halten. 4. Mai 1924, ist das Hauptwahlamt der Stadt Berlin, im Goeben gibt der Zweigausschuß Mart Brandenburg der Deutfchen Jugendherbergen seinen Geschäftsbericht für 1923 gedruckt heraus. Der Beruht läßt erkennen, daß troh der Schwierigwert vorwärts gegangen ist. Die Zahl der Mitglieder ist von 3000 Die Wahlrefultate werden noch am heutigen Abend an verfeiten der letzten Zeit dieses von allen Kreisen des Boltes getragene auf 7000 gestiegen. Zahlreiche neue Ortsgruppen in den Berliner uns mitteilt, am Hause Lindenstr. 26 in den Abend und NachtBezirken und in den Provinzen sorgen für Verbreitung des Gestunden etwa in der Zeit von 8 bis 1 Uhr im Lichtbild auf der dankens und richten teilweise eigene Jugendherbergen ein. Neue Leinwand erscheinen. Daß der Funkdienst zur raschen Uebermitte Herbergen fonnten geschaffen werden am Plauer See bei lung der Wahlresultate aus dem Reiche benutzt wird, versteht sich 5 Aufter 5 Mark fündet das Preisverzeichnis einer unserer Brandenburg an der Havel, Wittstock, Lehnin, Belzig, DippmannsGroß- Speise- und Trinkstätten an. Ist dieses Gericht wirklich nötig? Teget, Zehlendorf, Klein- Köris, Klein- Sterbik, Neuwedel, Degeln, dorf, Golzow, Berniß, Cammer, Stadion( Grunewald), Köpenid, Wenn aus Holland Gemüse, Käse usw. eingeführt wird, so liegt dies Potsdam, Quenzjee bei Brandenburg, Rathenow, Werder, Wilhelmsin den wirtschaftlichen Belangen" um dieses völlische Neuwort hagen, Treuenbrießen, Dahme, Alt- Zauche, Schwedt, Stechlinsee, doch auch mal unseren Lesern vorzuführen- begründet; das klimatisch Soldin, Boberom, Kezin. An Ausstattungsgegenständen, begünstigte und in gärtnerischen Kulturen hoch entwickelte Nachbar hauptsächlich Bettstellen, Strohfäden und Decken, fonnte zu er land liefert uns notwendige Nahrungsmittel und wirkt dadurch schwinglichen Breijen ein größeres Lager angelegt werden, aus dem gleichzeitig als Preisregulator. Aber Austern? Ich glaube, daß der zahlreiche neue Herbergen ausgestattet werden können. Der Besuch Leiter jener Stätte einem Gaste auf dessen Verlangen nach Austern der Herbergen hat sich wiederum fast verdoppe it und nach berühmtem Muster geantwortet hätte: Ausgerechnet Austern ver- ist von 58 000 auf 95 000 gestiegen. Das Amt des 1. Borfißenden langen Sie? Wie wäre es mit dem so schönen und nahrhaften übernahm Oberbürgermeister Böß; die Ministerien für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und für Bolkswohlfahrt fandten Vertreter Gericht: Erbsen mit Speck? Aber es scheint, daß Ehrgeiz das Wort in den Beirat.- Die vorjährige Jugendherbergswerbewoche hatte geführt hat und dem Gaste Austern angeboten werden, ehe dieser einen großen ideellen und gelblichen Erfolg. Soeben wird eine neue an dieser Stelle danach Verlangen gezeigt hätte. Wir follen aber Werbewoche für den 18. bis 25. Mai d. J. vorbereitet. Zur Aufimmer eingedent fein, daß wir im ganzen ein armes Volf geworden flärung und Werbung wurde mit Unterstützung des Zweigausschusses sind, das seine Taschen zuhalten sollte, wenn es sich um Einfuhr der Deutsche Wander- und Herbergsfilm„ Ich fahr in die Welt" her. hochwertiger Lurusgegenstände handelt. Die Auster wie früher gestellt, der inzwischen in ganz Deutschland Berbreitung gefunden à 10 Pfennig das würde den ärgsten Sittenrichter entwaffnen, hat. Ein neuer Nachrichtendienst ,, Wanderdienst" wurde gedenn die Auster ist ein hochwertiges Stärkungsmittel für jeden geschaffen. der jegt 14tägig erscheint und alle wichtigen Wandernachschwächten Körper. Gegen die Einfuhr der Apfelsinen zu eisern, richten den beteiligten Kreisen schnell zuführen foll. Die Haupiwird keinem billig Denkenden einfallen; hier treffen Wohlfeilheit und preiswerte Wanderkarten sorgt, wurde im vergangenen Jahr wanderauskunftsstelle( Berlin C 2, Poststraße 16), die auch für gute und gesundheitliche Nüglichkeit zusammen. Aber schon bei den Bananen haben wir gesehen, daß für die große Masse 30 und ganz außerordentlich in Anspruch genommen.- Die Bermögens 40 Pfennig heute mehr bedeuten als in früherer Friebenszeit. Und übersicht ergibt einen Bestand von etwa 76 000 Goldmart. wenn einzelne auch die Austern à 1 M. gerne schlucken mögen-- not wendig ist es nicht. Ein Grenzfall. Krankhaft geistesgestört und dennoch verantwortlich? Ein fompliziertes Seelenleben lag bei einer Hochstaplerin vor, die sich vor dem Schöffengericht Schöneberg megen Betrug und Untreue zu verantworten hatte. Die jetzt 30jährige unverehelichte Dora Cohn entstammt einer angesehenen Hamburger Familie. Geit einer Reihe von Jahren bewegt sie sich in den Kreisen der Lebewelt und hat zahllose Hochstapeleien, Juwelendiebstähle und Betrügereien begangen. Bisher war sie jedoch immer wieder von der Strafe freigefommen und in die verschiedensten Irrenhäuser eingeliefert worden. Es handelt sich in der Tat um einen außerordentlich schwierigen Grenizfall, in dem sich das Gericht aber für volle zurechnungsfähigkeit und Berantwortlichkeit dieses zweifellos durch und durch kranken Menschen entschied. Die Frau hatte die Gewohnheit, sich als die Ehefrau bekannter Rechtsanwälte und Aerzte aufzuspielen und unter diesem Namen Hochstapeleien zu verüben. So hatte sie als eine Frau Dr. Behrens einer Antiquitätenhändlerin Cohn Wertgegenstände abgeschwindelt, indem sie vorgab, daß sie die Gegenstände an einen Spieltlubinhaber Benjamin vorteilhaft verkaufen könnte. Die Geschäftsinhaberin hat aber für die in Kommission gegebenen Gegenstände niemals Geld erhalten. Die Angeklagte beftritt eine Betrugsabficht und behauptete; daß der übrigens jetzt nicht auffindbare Benjamin ihr die Sachen im Spielklub durch Falschspiel abgenommen habe. Die strafbaren Handlungen habe sie immer nur im Zustand der Schwangerschaft begangen. Die Angeklagte ist Mutter von zwei Kindern. Gefängnisarzt Dr. Hirsch hat die Angeklagte als anormale Masochist in bezeichnet. Für ihre tranthafte Beranlagung fei es immerhin bezeichnend, daß sie, um sich besondere Reizempfindungen zu verfchaffen, Bahnärzte aufgesucht und sich die Zähne habe anbohren laffen. Ihr ganzes Leben weise eine Fülleschwerster Perversionen auf. In den letzten 5 Jahren habe sie ein wildes Leben geführt. Während der Jahre 1917 bis 1922 fei fie vielfach in Irrenanstalten gewesen und eine ganze Reihe von Berfahren seien auf Grund des§ 51 eingestellt worden. Wenn sie auch gegenwärtig als gesund zu bezeichnen sei, so ist der Sachverständige doch der Meinung, daß sie zur Zeit der Strafhandlung in franthafter Geistesstörung gehandelt habe. Auf alle Fäller aber sei fie eine gemeingefährliche Geiftestrante. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann war der Meinung, daß die raffiniert durchgeführten Betrügereien nicht von Geistesfrankheit zeugen, und beantragte neun Monate Gefängnis, während Rechtsanwalt Dr. Brandt Freisprechung verlangte. Landgerichtsdirektor Schneider erklärte im Urteil, daß das Gericht zu der Ueberzeugung gelangt sei, daß die Angeklagte ihre Betrügereien nicht im Zustande der Geiftesstörung verübt habe und verurteilte sie wegen Betruges in zwei Fällen zu 6 Monaten Gefängnis. Eisenbahner dürfen frettieren! In großer Zahl wurden in letzter Zeit Eisenbahnbeamte von den Landjägern zur Anzeige gebracht, weil sie an den Bahndämmen frettiert", b. h. mit Frettchen nach Kaninchen gejagt hatten. Die Strafbefehle schwankten zwischen 30 und 50 Goldmark. Die Beamten fühlten sich zu Unrecht beftraft, denn nach ihrer Meis nung hatten sie das Recht zum Frettieren", da die Eisenbahnbehörde es auf den Bahndämmen stillschweigend dulde. Sie legten gegen die Strafbefehle Einspruch ein. Das Gericht hat jeht die Angelegen. heit geklärt, indem es als seine Anflägerin die Auskunft der Eisenbahnbehörde in dieser Sache einholte. Die Antwort lautete: Die Eisenbahner sind von uns ein für allemal ermächtigt, den Karnickelfang auf den Bahndämmen auszuüben, ja es ist eine foziale Pflicht, die Bühlarbeiten mit allen gefeßlichen Mitteln zu verhindern. Besondere Ausweise brauchen unsere Beamten zum Frettieren nicht." Nicht nur Befremben, sondern Entrüftung muß die Höhe der Geldstrafen von 30 bis 50 Goldmark erregen. Dafür, daß die Beamten schädliche Nager um die Ecke brachten, hatten sie ein halbes Monatsgehalt Strafe zu zahlen. Bielleicht zieht die übergeordnete Behörde einmal Erkundigungen ein, wer sich für befugt erachtete, derartige hohe Geldstrafen für lebertretungen zu ver hängen. Die Stadtverordnetenversammlung hat in dieser Woche zwei Sizungen, eine außerordentliche am Dienstag um 6 Uhr und die ordentliche am Donnerstag um 345 Uhr. Auf der Tages ordnung steht unter anderem die erste Beratung des Stabt haushaltplanes, den der Kämmerer in der vorigen Sigung borlegte. Die Veteranenspende. Die Wohlfahrtdeputation teilt mit: Cine nom Bezirksamt Prenzlauer Berg aus fürzlich veranlaßte Mitteilung über die Beteranenspende hat durch Kürzung des Wortaus zu Irrtümern Anlik gegeben. Um weiter Beun ruhigungen unter den alten Be'eran'n, zu vermeiden, wird mitgeteilt, daß demnächst Genaueres über die einzelnen Melbestellen bekanntgegeben wird. Zunächst wird dringend geraten, daß die alten Veteranen von persönlichen Meldungen Abstand nehmen. Die Juristische Sprechstunde findet vom Montag, den 5. d. M., täglich von 3 bis 6 Uhr staff, Sonnabends jedoch nur von 3 bis 5 Uhr. Gustav Lilienthal beginnt am 15. Mai eine Vortragsfolge über den Ruder und Segelflug. Der bekannte Flugforscher wird durch 10 Vorträge mit Experimenten die Ergebnisse seiner Studien flugiportlichen Streifen bekannt geben. Das ist zu begrüßen, da die Ansicht verbreitet wird, die Vögel fönnten ohne Hangwind, aufsteigende Ströme durch Wärme oder Richtungsänderungen des Windes feinen wirklichen Segelflug ausführen. Dieser entmutigenden Ansicht wird Lilienthal, gestüßt auf Experimente, entgegentreten. Auch die Ansicht, der Ruderflug fei nicht nachzuahmen, wird von Lilienthal widerlegt. Das Honorar für die Vortragsfolge beträgt 20 Goldmart. Tageszeit und Lokal werden noch bekannt gegeben. Anmeldungen nimmt der Vortragende, Lichterfelde, Marthastr. 5, entgegen. Eine Desterreichische Ausstellung für Hotel-, Gaft, Kaffeehauszum 12. Mai in Linz a. b. Donau statt, und zwar als erste ihrer Art. gewerbe und Fremdenverkehrswejen findet zurzeit, und zwar bis Sie ist verbunden mit einer einschlägigen Gewerbe, Induſtrie-, Waren, landwirtschaftlichen Maschinen- und Geräteschau. Die Besucher dieser Ausstellung bekommen nicht nur die halbe Normalgebühr für Sichtvermert bewilligt, sondern erhalten auch von der Das Wahlrecht der Gastwirtsangestellten. Landesgrenze ab eine 25prozentige Fahrpreisermäßigung für Hinund Rückfahrt, wenn sie sich Borverkaufstarten beschafft haben, Neben den Verkehrsarbeitern und vielleicht den Musikern find welche bei der österreichischen Gesandtschaft, Berlin es in der Hauptsache die gastwirtschaftlichen Arbeit. 10, Bendlerstr. 15, erhältlich sind. Die Fremdenverkehrsnehmer, die am Wahltage, am 4. Mai, durch ihre Arbeit an der ausstellung in Linz wird die größte Veranstaltung dieser Art Ausübung ihres Wahlrechtes behindert sind. Es erscheint deswegen werden. wichtig, darauf hinzuweisen, daß diese Arbeitnehmergruppen nach dem Wahlgeset das Recht haben, vom Arbeitgeber die 3eit zur Ausübung ihres Wahlrechtes zu verlangen. Es muß als selbstverständlich vorausgesetzt werden, daß die Arbeitgeber mittags beschäftigten Arbeitnehmern Gelegenheit zur Ausübung des von sich aus den in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachetwa von einzelnen Arbeitgebern gemachte Schwierigkeiten von Wahlrechts geben. Auf alle Fälle darf sich kein Arbeitnehmer burch der Abgabe seiner Stimme abhalten laffen. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten hat sich deshalb an den Arbeitgeberverband im Gastwirtsgewerbe gewandt. Geschloffene Wartehallen auf den Bahnsteigen. Man schreibt uns aus Lesertreisen: Seit zirta 6 Bochen sind nunmehr die Bahnhofswartehallen auf den Stationen der Berliner Stadt und Ringbahn dem eigentlichen Zwed entzogen. Das wurde besonders unangenehm in den letzten falten Tagen( wie beispielsweise Osterfest) empfunden und mit Recht wird über diese rigorose durch nichts zu rechtfertigende Maßnahme der Eisenbahnverwaltung Klage geführt. Sehr- ungehalten waren besonders in den Feiertagen die Fahrgäste über die Schließung der Warteräume auf Bahnhof StralauRummelsburg, wo sie bei faltem, zugigem Wetter auf Kaulsdorfer Züge warten mußten. Es muß geradezu als perkehrswidrig bezeichnet werden, wenn die Eisenbahnverwaltung diese Hallen für eine ausgedehnte Zeit dem eigentlichen 3wed entzieht und sie ein fach an Unternehmer zur Herstellung von Lichtbildern verpachtet. Gehören die Wartehallen mit zur Betriebseinrichtung, so ist die Schließung durch nichts zu rechtfertigen; denn die Lichtbilderanfertigung geschieht doch zuguterletzt im Interesse der Kasse der Eisenbahnverwaltung. Man kann der Eisenbahnverwaltung nicht das Recht absprechen, sich gegen Einführung des Lichtbildzwanges gegen fälschliche Benutzung der Abonnements zu schützen. Einbrecher und Mörder. Bon einem Einbrecher wurde in der Nacht zum 20. d. M. der Kriminalbetriebsassistent Schramm in Friedland, im Bezirk Breslau, erschossen. Als Mörder ist jetzt ein 24 Jahre alter, aus Breslau gebürtiger Arbeiter Frig Menzel feftgestellt, der in Oberwaldenburg in der Kirchstr. 16 wohnte. Dieser hatte in der Nacht zum 16. in Als Schramm ihn festnehmen wollte, schoß er ihn über den Glatz zwei Einbrüche in Schantwirtschaften verübt. Haufen und entfloh. Höchstwahrscheinlich hat er sich nach Berlin gewandt, um hier unterzutauchen. Bei einem Einbruch er. beutete er für 20 Rentenmart neue 5- Pfennigftüde, die noch nicht im Berkehr gewesen waren. Da er teine weiteren Mittel hat, so vermutet man, daß er auch in Berlin wieder Einbrüche verüben wird. Cinienänderung. Von Montag, den 5. Mai, ab wird die Linie 27 zwischen Morigplatz und Moltenmarkt nicht mehr über Brinzenstraße, Gertraudtenbrücke, sondern durch Dranienstraße, Kommandantenstraße, Beuthstraße, Spittelmarkt, Gertraudtenstraße, Moltenmarkt, um der Hermannstraße einerseits und der Müllerstraße Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 4. Mai. 4 Uhr: Exotische Tiergeschichten( Jugendvortrag). 4.30 bis 5.45 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 6 Uhr: Mozart- Abend. Dirigent: Otto Urack, fr. Kapellmeister an der Staatsoper. 1. Arie aus II rè pastore"( mit obligater Violine) ( Marie Flocke- Hagemann). 2. Eine kleine Nachtmusik( Das Lambinon- Quartett und Mitglieder des Blüthner- Orchesters). 3. Arie aus der Oper„ Idomeneo"( Marie Flocke- Hagemann). 4. Ein musikalischer Scherz für fünf Streicher und zwei Hörner( Das Lambinon- Quartett und Mitglieder des Blüthner- Orehesters). Montag, den 5. Mai. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Nachm. 1.05 Uhr: 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Sprachunterricht( Englisch). 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Oberingenieurs H. J. Gramatzky, Mitglied der astronomischen Gesellschaft: Gibt es ein Leben auf anderen Planeten. 8.30 Uhr: 1. Aus der Dichterliebe: a) Im wunderschönen Monat Mai, von Schumann, b) Ich grolle nicht, von Schumann, e) Im Rhein, im heiligen Strome, von Schumann( Konzertsänger Alfred Wilde). 2. Rondo capriccioso, von Saint- Saëns( Stefan Frenkel, Violine). 3. a) Von ewiger Liebe, von Brahms, b) Meine Liebe ist grün, von Brahms( Susi Marschall). 4. a) Mondnacht, von Schumann. b) Frühlingsnacht, von Schumann, c) Der Hidalgo, von Schumann Konzertsänger Alfred Wilde). 5. Zigeunertänze, von Nachez ( Stefan Frenkel, Violine). 6. a) Vorrei morir, von Tosti, b) Le folletta, von Marchesi( Susi Marschall). Am Steinway- Flügel: Kapallmeister Otto Urack Groß- Berliner Parteinachrichten. 2. Kreis Tiergarten. Sentralwahllokal: Schmidt, Wiclefftr. 17. Telephon: Sanfa 663. 9. Kreis Wilmersdorf. Montag, 5. Mai, abends 8 Uhr, bei Shlefeldt, Uhland-, Ecke Ginzelstraße, Susammenkunft sämtlicher parteigenössischer Beamten des 9. Kreifes. Erscheinen ist Pflicht. Referent Gen. Biermann. 12. Kreis Steglig, Lichterfelde, Lankwiß. Die ordentliche Kreisvorstandssitung am Montag fällt aus. 14. Kreis Reutöln. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold: Dienstag, den 6. Mai, 7 Uhr bei Förster, Herzbergstraße; äußerst wichtige Sigung. Parteibuch ift mitzubringen. Heute, Sonntag, den 4. Mai: 4. Abt. Die Wahlhelfer treffen fich um 7 Uhr frith bei 25bfchett, Neue Friedrichstr. 108. 14. b. Die Genoffen melden fich im Abteilungswahllobal Engel Sminemünder Str. 65. 16. bt. Rentralmahiotal bei Rriger, Sufitenftr. 34. Tel.: Sumboldt 3462. Wahlhelfer werden gebeten, fich dort einzufinden. 34. Abt. Arbeitslotal: Dide, Barschauer Str. 17. 42. Abt. Sämtliche noch nicht eingeteilten Mitglieder verfammeln fich Sonne tog frilh bei Söhlte, Bergmannstr. 69. 44. Abt. Meldung der noch nicht eingeteilten Genossen zur Wahlarbeit Reichenberger Str. 147. 58. Abt. Charlottenburg. Wahl- und Berkehrslotal: Giemiatkomstn, Augs. burger, Ede Lutherstraße. Telephon: Lützow 2507. 77. Abt. Schöneberg. Abteilungswahlbureau: Roschenz, Apostel- Paulus- Str. 27. Frauenveranstaltung am Dienstag, den 6. Mai: 20. bt. 7 Uhr bei Linde, Rofonieftr. 34, 2 Tr., Leseabend. Thema: Die Frau und der Sozialismus" Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 72. Abt. Wilmersdorf. Der Genoffe Rechtsanwalt Dr. Martin Möller ist am 1. Mai perftorben. Die Einäscherung findet Dienstag vormittag 11 Uhr im Krematorium Wilmersdorf statt. 88. Abt. Lichtenrabe. Der Abteilungsleiter der 88. Abteilung ist am 27. April plöglich verstorben. Die Einäscherung findet am Dienstag, den 6. Mai, abends 6 Uhr, int Strematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 91. Abt. Reutölln. Genoffin Gose, Wiffmannstr. 46, ist verstorben. Einäscherung Montag, den 5, Mai, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg.. Sport. Renuen zu Ruhleben am Sonnabend, den 3. Mai: 1. Rennen: 1. Dr. Bingen( J. Mills), 2. Ludmill I( 2. Mogotosti), 3. Starneval( E. Baul). Toto: 22:10. Plat: 15, 18, 83:10. Ferner liesen: Bassander, Cobra, Margot I, Germania W, Federnelle, Ballonfönigin, Hauptmann, Jeffries jr.( disqu.), Imme I. 2. Rennen. 1. Jdealist( G. Kaupper), Else BI( S. Grube), 3. Jimiene( s. Schleusner). Toto: 11: 10. Blat: 10, 10, 10: 10. Ferner liefen: Pepita Watts, Nobelle I, Hofjunge, Niagara I. 3. Rennen. 1. Schlips(. Rüdert), 2. Jason jr.( E. Bert), 3. Maitönigin( B. Rösler). Toto: 98: 10. Blak: 29, 29, 25: 10. Ferner liesen: Heidepring I, Arworthy J, Bring Kudud, Hartenfels, Kronprinz I, Edinhardt, Walfisch, True For, Baron Klatawah. 4. Renne it. 1. Imperialist( E. Treuberz), 2. Wildkage( H. Grube), Ferner 3. Dlley B( B. Hackert). Toto: 68: 10. Plat: 19, 15, 15:10. liefen: Gadlac Ariporthy, Schwarzwaldmädel, Inge I, Coriolanus, Capua, Natter, Altgold. 5. Rennen. 1. Stella Harf( W. Buhrmester), 2. Silverius( F. Schulz), 3. Prinz Adbell( B. Hedert). Toto: 76: 10. Blag: 33, 19, 52: 10. Ferner liefen: Aberglaube, Baron 800, Clematis blau, Adler, Talfun. 6. Rennen. 1. Gilzug( S. Mills), 2. Erdmann( B. Hedert), 3. Qui vive( Großmann). Toto: 44: 10. Blak: 17, 17, 15: 10. Ferner liefen: Stuart Webbs, Berdun, Wiedchopf, Albatros, Feuerwehr. 7, Rennen. 1. Lucullus( Großmann), 2. Frantenstein( S. Mills), 3. Craffus( H. Schröder). Toto: 25: 10. Plat: 13, 13: 10. Ferner liefen: Dolina, Florian. 8. Stennen. 1. Faistar( G. Kaupper), 2. Josef( W. Freundt), 3. Berthold( E. Pert). Toto: 30: 10. Blat: 11, 22, 14: 10. Ferner liefen: Rady Petaurist, Billy I, Harry W, Jma Guy, Angriff, Zeitgeist. Wetter für Berlin und Umgegend. Mild, wechselnde Bewöllung, noch einzelne leichte Regenfälle bei mäßigen westlichen Winden, später Aufheiterung und etwas Abfühlung. Herren- u. Damen- Stoffe Größte Auswahl! Billigste Preise! Gabardine, Tuche, Ripse für Mäntel, Kostüme u. Kleider, Sammete, Seidenund Futterstoffe, Herren- Anzugstoffe, Gabardine, Kammgarne, best. Qualitäten 1. Geschäft: Warschauer Str. 79 2. Paul Karle 2: Geschäft: Frankfurter Allee 49 A.Wertheim Extra- Preise Leipziger Straße Windjacke Königstraße für Damen aus gutem imprägnierten Stoff... Rosenthaler Straße Moritzplatz 1550 Wettermantel 225 imprägnierter Baumwoll- Covercoat Wettermantel impr. Wolltoff, lose Form m. Gürtel 50 37M Gummimantel 51M aus Seide, lose elegante Ausführung Plissé- Rock 75 aus römisch- gestreiften Stoffen Waschstoffe ca. 80 cm breit • Baumwoll. Musselin Streifen u. Ramage Muster 80 Pt. 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Solange die materiellen Güter des Lebens als Folge unserer fapitalistischen Gesellschaftsordnung ungleich verteilt sind, bleiben die Schätze der Kultur und Geisteswelt der großen Menge verschloffen und nur eine dünne Oberschicht fonnt sich im Glanze der Schöpfungen von Kunst und Wissenschaft. Die millionenstarte Masse aber muß dumpf im Dunkel wandeln. Entbehrungen und überlange Arbeitszeit fniden die Flügel der Phantasie und drohen, wie erstidender Mehltau alle Regungen des Geiftes zu töten. Darum heißt es Zeit zu gewinnen und diese zu nügen nicht nur für den wirtschaftlichen und politischen, sondern auch für den geistigen Kampf. Wir haben die Riesenaufgabe zu erfüllen, die Welt zu verändern und die heutige tapitalistische Gesellschaftsordnung durch die zufünftige sozialistische zu er fehen. Wir planen gewaltige Umwälzungen auf wirtschaftlichem Gebiete, und damit der Lebensbedingungen der Menschen. Alle im Produktionsprozeß stehenden Männer und Frauen follen an der Umgestaltung und planmäßigen Organifierung der Gütererzeugung und Berteilung bewußt Anteil nehmen und die schwierige Aufgabe lösen helfen, die Welt beffer zu gestalten durch den Uebergang von der Privatwirt schaft zur Gemeinwirtschaft. Das erfordert tiefes Erkennen und höchstes Verstehen, startes Verantwortungsgefühl und begeisterten Willen zur Tat. Die Sozialisierung ist nicht allein zu erreichen durch ein System technischer und organisatorischer Maßnahmen, son dern in engster Berbindung und Wechselwirkung damit steht der Umfang des Wissens und der schöpferischen Kraft und Begeisterung, die in der Arbeiterflaffe lebendig find. Bor der Revolution war die Berwirklichung des Sozialismus Inhalt unseres Sehnens, heute stehen wir vor der Notwendigkeit feiner praktischen Durchführung, fie liegt unerbittlich vor uns als ein Programm wirtschaftlicher und rechtlicher Maßnahmen, die unbedingt erfüllt werden müssen. Vergiß nicht: wenn du wählen gehst, so brauchst du: Ausweispapier- Wohnungsmeldeschein Bleistift Geh frühzeitig zur Wahl! Der Sozialismus mirh. Je eher mir ftart genug sind, hie Reaktion niederzuringen, um so schneller wird die fapifalistische zu einer sozialistischen Weltordnung merden. Drum bentt paran, baß mir am Mahltag auch Raum schaffen müffen für die ungehinderte Ausbreitung und Bertiefung unserer geiftigen Bewegung. Der Arbeiter ist der gefährlichste Feind der Reaktion, Der Tatkraft und flare Erfenntnis miteinander verbindet. Deshalb ber mütende Ansturm aus allen Lagern unserer Geg ner, wenn es fich darum handelt, die Erziehungseinrichtungen für das Bolt auszugeftalten und umzuwandeln. Ob es sich um Forderungen zur Erziehung der Kinder oder um Bildungseinrichtungen für Erwachsene handelt, immer stoßen wir auf heftigste Gegenwehr und Ablehnung durch unsere Gegner unter Berufung auf die ,, altbewährten pädagogischen Grundsäge einer verfuntenen Bergangenheit. Für uns aber ist es notwendig, die Menschen in ihrem Fühlen und Denken umzugeftalten, fie frei zu machen von der Untermürfigkeit und bedingungslosen Anerkennung göttlicher und menschlicher Autoritäten. Unser Ziel ist, alle Arbeiter mit Gemeins fchaftsgeift zu erfüllen und sie ihren Wert als Maffe erkennen zu lehren. Eine ungehemmte, von allen Feffeln firchlicher und staatlicher Bevormundung befreite Bildungsarbeit ist der wichtigste Bestandteil unseres Emanzipationstampfes. Die Reaktion mürbe mit der Stärkung ihres politischen Cinfluffes dem geistigen Ringen des Proletariats schmere Hindernisse in den Weg rollen. Sie könnte zwar den Geist nicht töten, aber die schnellere Ausbreitung der Erkenntnis Sonntag, 4. Mai 1924 Wählt VSPD.! Das Kreuz an die richtige Stelle! Unfere Abbildungen zeigen die fegs oberften Felder der Stimmzettel für Berlin, Potsdam 1 und Potsdam II. Da es noch mehr Barteien gibt, die fich um die Gunft der Wähler bewerben, sind die vollständigen Zettel entsprechend länger. Sozialdemokratische wähler brauchen aber nur in die oberste Reihe zu sehen. Sie finden dort ihre Partei und machen ihr Kreuz dort, wo es in unserem Muffer vorgedruckt ift. Bereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands + Crispien Heimann Bohm- Schuch Aufhäuser Berlin. Deutsche demokratische Partei 3 Liste der Kommunisten Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes Dentschsoziale Partei Säußerbund О 2 3 Gegnerische Partei Potsdam II( Teltow Beeskow). Bereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands Subeil Bernstein Künstler Ryneck Gegnerische Partei + Gegnerische Partei Gegnerische Partei Gegnerische Partei Potsdam I( Niederbarnim). Gegnerische Partei 3 Bereinigte Sozialdemokratische Gegnerische Partei О + Gegnerische Partei О Gegnerische Partei einer neuen, alle Menschen umfassenden Gemeinschaftskultur. Wähler, denkt daran! Wer nicht nur für die materielle, sondern auch für die stören und damit die Entwicklung zum Sozialismus hemmen. fulturelle Befreiung der Menschheit kämpfen will, der gibt am 4. Mai seine Stimme der Vereinigten Sozialbemokratischen Partei. Albert Horlig. Die Proletarier find der wichtigste Teil des ganzen Volfes. Ihr Schicksal ist durch tausend Fäden rerknüpft mit dem Aufstieg oder Niedergang des Staates. Ertennen wir die Wechselwirkungen: Das Ringen um die Beseitigung der kapitalistischen Wirtschaftsform und der Aufbau der sozialistischen Gemeinwirtschaft zwingen uns zur Führung nicht nur des wirtschaftlichen und politischen, sondern auch des geistigen Kampfes. Die Ergebnisse unseres geistigen Ringens aber werden um so größer sein, je mehr politische Freiheiten und mirtschaftliche Macht wir befizen. Diesen Zusammenhang vergeffe feiner am Wahltag! Auflösung und Neuwahlen? Die Folgen der Zersplitterung. Brennende und schicialsschwere Fragen müssen im neuen Reichsfag rasch entschieden werden: die Ausführung des Sachverständigen gutachtens, die Neuregelung der Steuergesetzgebung, die Regelung der brennenden fozialpolitischen Fragen. Führt die Wahl am 4. Mai nicht zur Bildung einer festen Regierung auf der Grundlage einer festen Mehrheit, die diese Fragen im Geile der Freiheit und Gerechtigkeit löft, so ist Partei Deutschlands Wissell Breitscheid Juchacz 6 Gegnerische Partei Die Völkischen im Wahlkampf. ten Zeit den Deutschvölkischen, den Nationalsozialisten, oder Verschiedene Landesparlamentswahlen haben in der lezz wie immer sie sich nennen, erhebliche Erfolge eingetragen. Es unterliegt hierbei feinem 3meifel, daß ein großer Teil ihrer Wähler sich aus dem Lager der Unzufriedenen aller Parteien, also auch aus dem der Sozialdemokratie refrutiert. Wahlen sind ein Teil des Klaffentampfes; der Wähler, der für eine proletarische Partei seine Stimme abgibt, legt hiermit ein Klaffenbekenntnis ab und gibt dem Willen Ausdruc, auch mittels des Barlaments zur Befreiung seiner Klasse und da mit seiner selbst beitzutragen. Die politischen Parteien, die im Laufe der letzten Jahrzehnte ihre gegenwärtige Form angenommen haben ein paar Firmenänderungen zwed's Boltsanbiederung im November 1918 tönnen hieran nichts ändern find im Bewußtsein ihrer Wähler, wie ihrer ganzen Stuttur nach zu Vertreterinnen bestimmter Klaffenanschauungen geworden, die fich allmählich zu Klaffendogmen verdichteten. Es wäre falsch, Partei und Klasse identifistimmter Klaffen sprechen, die, gewollt oder ungewollt, sich zu Trägern bestimmter Klasseninteressen machen. So kann man ohne weiteres sagen, daß die sozialdemokratische wie auch die Kommunistische Partei Bertreter der Arbeiterklasse, die Demokratische Partei diejenige des wenig befizenden Mittelstandes fowie breiter, indifferenter Schichten des Bürgertums, das Zentrum in erster Linie die Partei des deutschen Katholizismus mit teils demokratischer, teils ultramontaner Einstellung, die Deutsche Volkspartei die Partei des befizenden Bürgertums und die Deutschnationale Bolts"-Partei die Ver. tretung des Großgrundbesizes, des Feudaladels und der alten Offizierskafte ift. Die Reaktion hat ihren Kampf gegen die Arbeiter von jeher nicht nur mit politischen und wirtschaftlichen Zwangs maßnahmen geführt, fondern sie hat auch alle Zeit die Maffen geistig gefnebelt. Der dünmfte Arbeiter ist das willfährigite die Auflösung des neuen Reichstags und die Anberaumung einer zieren zu wollen, mohl aber fann man von Parteien be Ausbeutungsobjekt. neuen Wahl unvermeidlich. Die spärlichen Erfolge, die für die Maffenbildung erreicht wurden, haben wir ihnen unter den heftigsten Kämpfen abgerungen. Was unfere Gegner für die allgemeine Erziehung und Bildung getan haben, geschah nur zur Glorifizierung ihrer Weltanschaining, zur Züchtung eines Herrenmenschentums und eines verderblichen Indi vidualismus. Ist das Kultur? Soll das Proletariat Träger dieser Kultur fein? An dieser Kultur fleben Blut und Verbrechen. Der Weg dieser Kultur ist durch Unterdrückung und Krieg, durch Gewalt und Berleumdung bezeichnet. Wir müssen unferen Emanzipationskampf vollenden durch den Aufbau Dann bleibt die Reparationsfrage ungelöst und die äußere Cage Deutschlands frifisch und gefahruoll. Dann dauert die Rechtsunsicherheit in Deutschland auf allen Gebieten, namentlich auf dem Gebiete der Wirtschaft und des Steuerwesens an. Dann gehen die erbitterten sozialen kämpfe welter. Dann ift die Zeit reif für neue Putsche der Extreme von rechts und links. Das zu vermeiden, ist nur ein Mittel: die Stimmabgabe für die Bereinigte Sozialdemokratische Partei Ohne fie ift eine feffe Regierungsmehrheit nicht möglich. Westarp. Zch ttu et» deuksth« Mann von echtem Schrot rmd Sora »od imponier mir selber gauz enorm, da» Zudeu und Franzosen schwör ich Zorn und Tod und ohne Schuhzoll kriegt da» deutsche Volk kein Brot. • Amen. Da entsteht unwillkürlich die Frag«, wo dt« VSl» tischen bleiben, und als Vertreter welcher Klasse st« anzusehen sind. Doch die Frage stellen, heistt in diesem Falle. nicht sie beantworten. Die sogenannte Freiheitspartei ist ein Gebilde jungen Datums. In ihr sammeln sich all« jene destruk- tiven Kräfte, die aus nationalistischer Verblendung, aus fana- tischcm Rassenhaß, aus politischem Unverstand und Wirtschaft« licher Ignoranz so etwas wie eine einheitliche Partei bilden möchten. Besonders charakteristisch ist die Einstellung, die gewisse Offiziere der alten Armee diesem monströsen Gebilde gegenüber einnehmen. Hätte das deutsche Volk nicht ein so beklagenswert schlechtes Gedächtnis, daim würde es sich wohl jener glorreichen Jahre von 1914 bis 1918 entsinnen, wo der deutsche Soldat zwar sein Leben täglich und stündlich aufs Spiel setzen durste, im übrigen aber von manchen Offizieren als Stück Vieh angesehen wurde, ja geringer als dies, well ein »Kerl' leichter zu ersetzen war als ein Pferd. Es würde jener Speisekarten aus kaiserlichem und anderen Quartieren gedenken, auf denen niemals jenes Futter zu finden war, das der Soldat mit einem bitteren aber treffenden Ausdruck als »Stacheldraht' zu bezeichnen pflegte. Aber das deutsche Volk hat nun einmal«w schlechtes Gedächtnis, und man hat den fils wir noch einen Kaiser halten. «u»! KwSU Z«b« bsitsche» KaNerhvt, AufzriSnum«» bts «tofen Robert gedNtz-arvtkchler. eheuu Hofmarschalls Dilhellns U. JSSetm Mich die Tätigkeit des chosinorschotls auf Reisen nichts Weltdewogende, hat und nicht«nlfernt mit unserem Betrieb zu Hm» verglichen werden kann, wo 7K Schlösser verwaltet. über eine Million jährlich allein für Instand» fehnngen oerausgabt, zuzeiten 49 Köche in Ar» beit gehalten, bis z« 599 Personen Dienerschaft gekleidet, für hunderttausende von Mark Zgarenabschlüsse gemacht werden müssen usw.' (Seite 143.) JZba der Dienstüberficht der 5 Hoffuriere, 8 Salon kanuner. diener. 7 Leibjäger. 7 Hofsäger. S Kammerlateien. 18 Hoflateie» geht hervor, wie unglaublich wenig die Livreedienerschast, selbst an einem großen Hos« mit soviel llnrnhe wie bei uns. zu beschäfti- gen ist. Da sind Hoflateien, die... im ganzen Jahr nur an 81 Tagen Dienst gehobt haben. An mehr als 139 Tagen hat kein ein- ziger Hoslakei Dienst getan. Dann haben sie, je noch Wunsch, bis zu 48 Tagen Urlaub erhalten, den Rest des Jahres aber, also unter Umständen etwa 289 Tage, sind sie hier in Berlin stch völlig ohne Beschäftigung selbst überlasten gewesen. Don den Kammerlateien war keiner mehr als 159 Tage dienstlich im Jahr beschäftigt. Di« Hosjäger waren im Durchschnitt 129 Tage im Jahr dienstlich in Anspruch genommen, die Leibjäger ungefähr ebensoviel und nur die Salon kammerdiener erheblich geringer.' (Seiet« 232.) .Bei einer der letzten Mittagstafeln kam die Rede auf einige her vorgekommenen Verbrechen, dann ging man über zu der zu- nehmenden Roheit im Volke, und da gerade einige Scharfmacher die günstige Gelegenheit«rgrissen hatten, in ihrem Sinne zu wirken, so ging die impulsive btatur des Kaisers weiter und an die Lchwierigkell denkend, ein Volk mit dieser zunehmenden Roheit zu regieren, sagte er:.Ja, ohne einen ordentlichen Ader- laß mit Daz wisch en schi e h en wird es wohl in der nächsten Zeit nicht abgehen." .Aehnlich muß es wohl zugsgangen sein, als es hegerischen Gmslusten gelang, die Stimmung des Kaisers so zu beeinslussen, daß, j�ÄeseniLltz b« StrÄs der.StrvKeubohnirn�estelltrn üß Jahre 1300 Eindruck, daß viele stch nach der Knute sestuen, von der der gewaltig« Ruck im November 1918 uns endlich— viel zu spät— befreit hatte. So konnte eine Partei entstehen, die die Dreistigkeit besitzt. sich als Arbeiterpartei zu bezeichnen, als wüßte man nicht allzu genau, mit welcher wahren Gesinnung ein Ludendorff einem Arbeiter gegenübertritt. Handelt es sich darum, eine Arbeiterstimme zu gewinnen, so schüttest man bieder die Reckst« desselben Mannes, vor dem man sonst die Nase rümpfen würde. Aus dem Wachstum einer Partei lasten stch meist Schlüste auf ihre weitere Entwicklung ziehen. Der gewaltige Aufftieg der Sozialdemokratie in den 80er und 90er Jähren des vorigen Jahrhunderts deutete unverkennbar darauf hin. daß diese Partei noch einmal berufen fein würde, bei den Geschicken des deutschen Volkes eine entscheidende Rolle zu spielen. Nur der deutsche Bureaukratismus und Militarismus konnten eine Tatsache übersehen, die selbst politischen Kindern nicht hätte verborgen bleiben dürfen, und um so fürchterlicher denn auch das Erwachen. Wem aber dankt die Sozialdemokratie diese Entwicklung? Allein der Tatsache, daß sie sich bewußt als Vertreterin der Klasteninteresten der breiten Masten des werktätigen Volkes bekannte. In dieser Antwort aber liegt gleichzeitig die Beantwortung nach der Zukunft der Völkischen Partei. Ihr Anwachsen war nicht organisch bedingt, es sehst ihr der ökonomische Boden, in dem sie würzest, es fehst ihr die spezifische Note, die sie zur Trägerin einer bestimmt eingestellten Klastenposttik machen könnte. Denn, ihr geistloser, allen wistenfchaftlichen Grundsätzen hohnsprechender Antisemitismus. ihr Predigen des Rassenhasses hat mit einer Politik des gesunden Klastenkampfes nichts zu tun. Wenn die Sozial- demokratie auf ihrer unerschüttert richtigen marxistischen Grundlag« westerhin Arbesterpolitik zu machen bereit sein wird, wird sie berufen sein, alle jene mregeleiteten Arbeiter, die in das Lager der Völkischen übergelaufen sind, zurück- Zugewinnen und als großes, lebenspendendes Reservoir in sich zu sammeln., Wo steht üer ZeiaüZ Dem Volke drohen Gefahren von ollen Seifen! Wählt es nicht richtig, so wird der Feldzng der Interesseutengruppea gegen die m tt T i■« i ii i fTi�i f n i ä i nf n4< ittKrfliuieunra fOngrtetji. Die Agrarier wollen veve Lebenzmittetteuenwg. Sie rufe» noch Schutzzöllen. Sie wollen uns Brot und Fleisch und Sartoffel» verteuern. Sie wollen die Masten in den Städte» de» Hunger preisgeben! Sollen die uns regieren? Die Großindustrie will ans Rosten des Volkes ihren Kelch. tum und ihre Macht verwehren. Sie will länger« Arbeitszeit bel niedrigen Löhnen an» de« Arbeitern, de« Angestellten, den veamlen heranspresten. Die Arbeiter sollen zahlen! Sollea wir an» von der«roßiadastrte naler» drücken lasse»? Herrschaft von Agrarlertm» und Großindustrie bringt ans Hunger and neue schwere Lasten, führt zum Zusammenbruch der Swatsfinanzen. zum Sturz de» neuen Gelder Dana beginnt der Schrecken von neuem. Sollen die Fraaea de» Volke» wieder st, ade». lang in Voloaäfea norden Vrotlädea flehe«? Kur durch Einigkeit können Agrarier vud Großindustrie de- kämpft werden. Wer die Arbeiterfchost zersplittert, wer Arbeiter zum Lumps gegen Arbeiter führt, der dient der Reaktion und den Feinde» des Volke». Die Zerspütteeer find der dritte Feind! Heule wüsten diese Feinde besieg! werden! Ans zur Wahl für die Partei des Volles, für die verelukgte sozialüemotratisthe Partei! Denkt an Sie Nuhrbesetzong! Mit zusmmnengebiffenen Zähnen hat die deutsche Bevölkerung der befetzten Gebiet«, hat die Arbeiterschaft in ganz Deutsch- land während der Ruhrbesetzung tiefe Not und tausendfältige» Leiden aus sich genommen. Der Abwehr des französischen Im- perialismus und seines Anschlages auf die deutsch« Republik galt der und der damst verbundenen Unruhen auf dem Dönhoffsplatz an das Generalkommando des Gardetorps folgendes Telegramm er» ging:.Ich erwarte, daß beim Einschreite» der Truppen mindesten» 599 Leute zur Strecke ge- bracht werden.'(Seite 74— 75.) »Die Wahldemonstrationen seit de« 1V. Januar haben ge- zeitigt, daß wir täglich 19 Polizeioffiziere und ungefähr 159 Schutz- leute im Schloß haben. Es sieht also im Schloß schon ganz kriege» risch au», und der Kaiser äußerte sich wiederholenllich zu seinem Adjutanten:'Wenn ich am Sonntag gewußt hätte, daß die Uu- ordnung so groß, dann hätte ich da» Alexandcrregiment alarmiert und hätte selber mit dem Regiment die Straßen ge» säubert.'(Seste 187.) 18. Dezember 1997. »Räch der Rückkehr aus England sprach der Kaffer immer noch sehr erregt über den Horden-Prozeß. Besondere getränkt hat ihn, daß die Altgelegenheit so offen im Reichstag besprochen fft... Der ganze Groll des Kaisers über das Derhattm der Volksvertretung in diesem Fall kam zum Durchbruch, als«r das Gespräch eines Tages abbrach und im Fortgehen, gewissermaßen zu sich selbst, aber doch so laut, daß es deutlich zu verstehen war, sagte:»Und ein solches Lumpenpack soll man nun regieren. Sie sind eben absolut nicht reif für eine Verfassung.'(S. 131.) »Da der Kaiser alle englischen Briefe vom Zivilkabinett vor- gelegt zu sehen wünschte, während dies bei den anderen nicht so ge. schieht, hat er jetzt auch einige sehr grobe erhalten. Er hat aber dabei immerhin die Wahrheit hören können und gesehen, daß auch dort eine starke Mißstimmung gegen ihn vorhanden fft. So schrieb z. B. neu- lich ein Engländer:..er riete ihm.«s aufzugeben, an der Spitze eines Volkes von 69 Millionen zu stehen und statt dessen Präsident eines Fußball- oder Krickeikluds zu werden, dazu würde er bester passen.'(S. 199.) Warum ßerr Müller zur Wahl geht! . Von Hans W es« mann. Es ist Sonntag mittag. Herr Müller liegt leise schnarchend auf der Ehoiselongue im Herrenzimmer. Der„Lokü-Auzeiger' mit dem flammenden Wahlartikel Hussongs auf der ersten Seite bedeckt sein sanft gllatlte- Gesicht. Im Aschenbecher ruht die angekohlte Vrasil- Orgel, Orgel nult uukl ach, nttt find schon ganz tapatl. Seht das Elend miserer Qual, nicht zn« Sekt reicht's mehr etumal. Orgel. Orgel pfol pfnl pful, werft'neu Schutzzoll in den Hut, gebt Kredit uns auch dabei and dann noch so allerlei. Orgel. Orgel trallalla. die Moneten find schon da.— helft ihr ans au» unserm Dalle», gehl uns Deutschland über alle,— aber soll? es nicht so{du. ichlogen wir alle» kurz and klein. Darum als«: Geld oder Slandal. Helft uns! Hiwmeldounerwetternichnochmall Kampf! Ab« während die Masten ihre Pflicht täte» und litten, blühte da» Spekulanten- und Schiebertum. saugten sich die Groß» Verdiener mit Reichtum voll auf Kosten de» Volles! Da» darf nicht noch einmal so kommen! Die Kräfte ff» Deutschland, die auf eine neue Katastrophe hinarbeiten, müssen bei dieser Wahl besiegt werden. Da» deuffch« Volt muß diese Kräfte hemmen, um Abrechnung mit ihnen halten zu können. Sie sind es auch, die uns in die Katastrophe führten. Wölfl sind es die imperialistischen Gelüste de« militärischen Frankreich, die rnwer, söhnlich« Pokttk Poincares, die zur Katastrophe trieben., Ihr Wirke» aber entlastet nicht die Männer in Deutschland, die durch ihre Interessenpolitit in Deutschland Pow» earö das Spiel erleichtert haben. S t i n n e s, der Exponent der Schwerindustrie, H e l f f e r i ch, der Worfführer de, Chauvinismus und der Reaktion, sie haben Deutschland ins Perderbe« gestürzt. Gegen den französischen Imperialismus protestieren wir vor der Welt. E i e klagen wir an vor dem deuffchen Volke! Soll uns der Geist der Stämes und Helfferich regieren? Soll er uns i» neue Katastrophen tteiben? Mit ihm gilt es am 4. Mai abzurechnen. Denkt an die Leiden von 192 3! zigarve. Herr Müller hat prachtvoll gespeist, Gänsebraten und Speise, dazu hat er mit der wwen Gattm ein« Flasche Roffpohn getrunken. Und mm ruht er ans von getaner Pflicht und träumt Süße Bilder umgaukeln ihn. Di« nationale Befreiung fft endlich gekommen und mit ihr das Glück für alle teutfchen Bürger. Herr Müller steigert in fernem Haufe sofort che Meten mn 599 Proz.. und alz die Mieter, diese steche Bande, sich mucksen, erscheinen sofort ein Leutnant und 19 Mann und schlagen die Widerspenstigen ans Haken- kreuz. Ho, wie wohl das tut, wieder Herr im Haufe zu fein. Müller schnaubt un Schlaf wie ein gereizter Elefant und träuntt dann weit«. Natürlich werden alle Judenblätter verboten, erlaubt bleiben nur der.LokalLlnzeiger' und fein Käseblättchen des Haus, und Grundbesttzervereins, das mm als Generolstoatsanzeiger erscheint und ihm umsonst ins Ha», geliefert wird. Und dann gibt e» jeden Rochmittag Militärkonzert mit freien» Kaff« und Schlagsohn« für ihn und seine Frau. Und natürlich kommen dann auch allerhöchste Herrfchaften, denen er zujubeln darf und die er dann in der„Garten- laude' abgedruckt sieht. Und— o höchstes Glück— Herr Müller strampelt vor freudig« Erregung im Schlafe— er ist Hoflieferant geworden und ein allerhöchstes Handschreiben, da» unter Glas und Rahmen an d« Wand kommt, verleiht ihm den orangenen Kakadu 23. Klasse.— Ach, wie herrlich lebt Herr Müller in der neu hergestellten Koffer- Herrlichkeit. Die soziale Frag« ist ganz einfach gelöst. Die Proleten sind von 6 Uhr stüh bis 12 Uhr nachts unter strenger Aufsicht bei nützlicher Arbeit und sind stoh, wenn sie das Leben behalten dürfen. Herr Müller sieht und hört nichts mehr von ihnen, sie haben ihn lange genug geärgert. Höchstens ihre hübschen Mädel« als Dienst- boten, die läßt er vor fein Angesicht und ist gnädig wie ein Gott zu ihnen. Denn im Grunde ist«r ja gar kein so schlechter Kerl. Nur Ruhe und Ordnung muß sein und ungestörtes Geschäft— ver- steht sich. Und nichts denken will er, das ist das' Schlimmste von allem. Nein, das darf keiner von ihm verlangen, sonst wird er fuchsteufelswild und schlägt alles kurz ur.d klein. „Aber. Mann, was schreist du denn so?' erweckt ihn seine liebende Gattin,„es ist gleich halb fünf, höchste Zeit zur Wahl zu gehen.' Herr Müller sieht sie etwas blöde an, sein Traum war zu schön und nun ist es doch noch nicht so weit. Aber dann ermannt er sich und gebt deuffchnottonal wählen, auf daß fein Traum in Er- Mung gehe... ORDE Der Beweis wie billig P Voileblusen man fein kann! farbig, aus prima Vollvolle, mit Schoss und Handhohl saum bemalt, in vielen Farbstellungen, wie Abbildung 69⁰ 1275 5.50 Hemdblusen guter Flanell, schöne mod Streilen, wie Abbildung 19,75; 16,75 Trikotjumper do., Kunstseide, mit à jour, in vielen verschiedenen schönen Farben, wie Abbildung 1275 do., Kunstseide, aparte For men, mit Malerei, Stickerei und Häkelei 29,75, 24,75, 19,75 975 1475 25 6,90 9.75 Ein grosser Pasten Kleider aus vorzüglichen Wollstoffen und k'seidenen Trikots, verschiedene Farben, wie Abbildung aus prima Woll- und K'seidenen Stoffen, besonders als hübsche Nachmittagskleidung. 1975 2925 moderne Formen und gute Verarbeitung, in Twill, Gabardine und Seidentrikot..... flotte Formen und Farben, ganz unge wöhnlich billig 59,75 3975 4975 Sportröcke aus prima Donegalstoffen............ 14,75 975 Westen aus gestreiftem Frotté in guter Qualität........... 425 Leiser Tauentzienstr. 20 Leipziger Str. 65 1975 Mengenabgabe vorbehalten. 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Hamatit von 1,50 bis 3 Mt. pro Tonne je nach Abfahgebiet. Gießereiroheifen I und III von 2 Mt. bis 9 mt. pro Tonne je nach Absatzgebiet. Selbstverständlich beruft sich der Roheisenverband darauf, daß Die bisherigen Preise nicht ausreichen. Anstatt den Ausgleich in eine intensivere Produktion und in einer rationelleren Ausnutzung der Produktionsmittel zu suchen, greift man jedoch zum bequemeren und profitableren Mittel der Preiserhöhung, obwohl diese wieder eine Berteuerung der gesamten übrigen Produktion zur Folge haben muß und obwohl schon jetzt die industriellen Verarbeiter erflären, die hohen Preise nicht mehr bemilligen zu können. Es ist dieselbe Preispolitik, die diese Kreise feit dem Kriege maner wieder verfolgt haben. Wenn sich die Unternehmer auf die Erhöhung ihrer Produktionskosten berufen, so laffen sich ihre Mitteilungen nicht nachprüfen, da die Schwerindustrie fich einer gemeinwirtschaftlichen Kontrolle zu entziehen gewußt hat. Benn man aber gleichzeitig die hohen Brennstoffpreise imd Eisenbahnfrachten für die Preiserhöhung des Roheisens ver antwortlich macht, so läuft dieses ganze Berfahren auf eine Irre führung der Deffentlichkeit hinaus. Die Schwerindustrie besitzt genügend Einfluß im Kohlenbergbau, um eine Herabsetzung der Preise zu erzwingen. Sie tut es aber nicht, sondern läßt die Kohlenpreise auf der nach ihrer eigenen Meinung untrag baren Höhe, und zwingt so die Eisenbahnen, auch ihrerseits die Tarife hoch zu halten, da diese ja in erster Linie von dem Stand der Kohlen- und Eisenpreise abhängig find. So verfährt dieselbe Schmerindustrie, die mit allen möglichen Wahlversprechungen die breiten Massen für sich zu gewinnen sucht, in Wirklichkeit aber ohne Rücksicht auf das Volkswohl ihr Bestes dazu tut, die Leuerung zu beschleunigen. Beruft sich doch selbst die Landwirtschaft bei ihren Preisforderungen immer wieder auf die Verteuerung von Kohle und Eisen. Aufstieg der Berliner Konsumgenossenschaft. M Die Konsumgenossenschaft Berlin und um gebung veröffentlich in ihrem Mitteilungsblatt Angaben über die Entmidlung ihrer Wahrenverteilung und ihres Mitgliederbestandes in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 1923/24. Obwohl diese Zeit noch unter dem Einfluß der Inflation und ihrer Nachwirtungen stand, zeugen die Ergebnisse der fonfumgenossenschaftlichen Tätigkeit von einer so starken Werbefraft des genossenschaftlichen Gedankens, daß fie weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu werden verdient. Geradezu gewaltig ist in Papiermart ausgedrüdt die Steige rung der Umfazziffern. Hatten diese schon im Vorjahre riesige Be träge( in Papiermar?) angenommen, so muchfen sie jeßt ins Phan tastische. In den einzelnen Monaten betrugen die Umsätze: 1928 Juli August September Oftober November Dezember 58 804 339 020. Papiermark 1 095 482 343 847 22 410 893 025 356 5 912 687 521 247 135 1 479 502 218 347 143 765 2 583 305 109 543 173 829 Wie die Zahlen zeigen, stiegen die Umsätze von Monat zu Monat um das Hundertfache und noch mehr. Hier tritt wieder die Frage auf: Entspricht die Steigerung des Umsatzes der in der Zwischenzeit eingetretenen Entwertung des Geldes? Um hierüber Klarheit zu gewinnen, müssen wir, ebenso wie im Vorjahre, die vom Statistischen Reichsamt ermittelten Inderziffern zum Ver: gleich heranziehen. Dann ergibt sich folgendes Bild: Die Inderziffer bes Statistischen Reichsamts Steigerung geg. b. Bor monat. Broz. + Proz. Die Bergleichszahl der RGB. 37 651 Juli August. 392,2 40 657 236,3 586 045 1457 757 409 1763 Septbr. 15 000 000 3 657 000 000 657 000 000 000 Dezember 1 247 000 000 000 2460 15 500 000 1.946 24 280 17 866 89,8 4 088 000 000 26 283 Ditober November 1 023 000 000 000 24 922 1786 000 000 000 74,6 Wir ersehen daraus, daß, wenn auch die Steigerung von Monat zu Monat nicht die gleiche ist wie die der Inderziffer, die Vergleichszahl der Konsumgenossenschaft Berlin doch die Inderziffer, teilweise bis zu 55 Prozent, ständig überragt, b. h. unser Umsatz ist mit der Teuerung nicht nur mitgegangen, sondern hat sich darüber hinaus noch gehoben. Bei der ständig steigenden Zahl der Mitglieder kann und darf es ja auch nicht anders fein. Allerdings fommt die höhere Mitgliederzahl nur unvollkommen in den Umsatziffern zum Ausdrud, benn gerade die Berichtszeit war für die arbeitende Bevölkerung eine besonders schwere. Arbeits. Tofigkeit und Kurzarbeit minderten die Kauftraft der Mitgliedschaft in ganz erheblichem Maße. Im Februar d. 3. erfolgte die Verschmelzung des Konsumvereins Merkur für Spandau und Umgegend mit der Berliner Konsum genossenschaft. Letztere erhielt dadurch einen Zuwachs von 3 339 Mitgliedern und 9 Abgabestellen. Die Mitgliederzahl ist jedoch durch Neuaufnahmen noch erheblich weiter geftiegen. Ohne den Zu Wer gang des Spandauer Vereins betrug nämlich die Mitgliederzahl am Ende des vorigen Jahres 156 466 gegen 143 688 am 30. Juni. Das bedeutet einen Zuwachs von 12 778 Mitgliedern. Die bisherige Entwicklung des Geschäftsjahres, dem 25. seit der Gründung der Konsumgenossenschaft Berlin, ist also eine außerordentlich günstige, besonders, wenn man die schwierige Lage der arbeitenden Klasse in der letzten Zeit der Inflation und der Stabilisierung der Mart dabei berücksichtigt. Aber es muß noch mehr geschehen, wenn in die kapitalistische Warenverteilung eine Brefche gelegt werden soll, die den Weg zur gemeinwirtschaftlichen Kontrolle und Beeinflussung der Warenverteilung überhaupt eröffnet. Noch viele find für den Genossenschaftsgedanken zu gewinnen, und darum kommit cs jetzt besonders auf die Entfaltung einer intensiven Werbetätigkeit an. Die Wirtschaftslage im Aprii. Nach den vom preußischen Handelsministerium zufammengestellten Handelskammerberichten war die Wirtschaftslage im Monat April durch eine fteigende Kreditnot gekennzeichnet, welche auf die an sich nicht ungünstige Entwicklung einen start hemmen den Einfluß ausübte. Der Beschäftigungsgrad nahm weiter zu. Die Arbeitsintensität wurde durch Teilftreits beeinträchtigt. Unfere Handelsbilanz blieb mit rund 200 Millionen, wie in den Bormonaten, passiv, ein Zeichen, daß die verbesserte Konjunktur im wesentlichen dem Absatz auf dem Inlandsmarkt zu danken ist. Zur Hebung der Ausfuhr ist Abbau der hohen Schutzölle der anderen Länder und fortschreitende Besserung der Betriebsorganisation unter absoluter Verhinderung des Leerlaufes in den Betrieben erforderlich. Die Einzelberichte über die verschiedenen Industriezweige beftätigen im allgemeinen dieses Bild. Anzeichen des Umschwunges find a. B. in einem Nachlaffen des Geschäftsganges der ober chleifen Fertigeisenindustrie zu sehen, während die mestdeutsche Schwerindustrie noch lebhaften Absatz verzeichnet. Betriebe des Baugewerbes sind mit der Bearbeitung neuer Projekte Die Lage des Baumarktes hat sich etwas gebeffert. Viele beschäftigt. Die Arbeitslosigkeit hat schnell abgenommen. In Berlin zeigt sich, daß die Zahl der vorhandenen Facharbeiter des Baugemerbes faum ausreicht, um eine auch nur annähernd normale Bautätigkeit durchzuführen. Insbesondere fehlen Zimmerleute. Zurzeit ist der Hochbau am besten beschäftigt. Im Betonbau ist die Be schäftigung geringer, am schlechteften sieht es im Tiefbau aus, der mit Ausnahme von Notstandsarbeiten auf die nicht sehr zahlreichen Aufträge der Eisenbahnverwaltung angewiesen ist. Das Baustoffgeschäft ist ziemlich flott. Bauholz ist erheblich teurer geworden. Die Textilindustrie gehört, mie in den Bormonaten, noch immer zu den meist beschäftigten Industriezweigen Deutschlands. Dies ist auf eine anhaltende Inlandstonjunktur zurüdzuführen, während der Export starf eingeschränkt ist. Allerdings be ginnen sich auch in der Textilindustrie die 3 weifel zu mehren, ob auf einen weiteren günstigen Berlauf des Absages zu rechnen ist. Vor allen Dingen erscheint es fraglich, ob die Aufträge der Tertilfabriken, die die Beschäftigung bis zum Herbst oder Ende des Jahres sichern fönnten, tatsächlich abgenommen werden, und es wird von Fachleuten die Annullierung eines großen Teiles der Aufträge für die Jahresmitte befürchtet. Der Inlandsbedarf fcheint gebedt zu sein und die Kaufkraft der Berbraucher den gestiegenen Preisen nicht mehr nachkommen zu können. Bereits jetzt hat die Nachfrage nach Garnen, Bolle und Baummollgeweben im Rheinland nachgelaffen; ebenso verminderte sich der Auftragseingang nach Leinenwaren und Wäsche. In der Berliner Konfettionsindustrie fodt das Geschäft. In anderen Teilen des Tertilgewerbes ist, wie schon eingangs erwähnt, die Nachfrage lebhaft. In der Lederindustrie wurden die Umfäge im Laufe des Monats immer kleiner. Die letzten Auktionen auf dem Rohhautemartt weisen Preisrüdgänge bis zu 20 Broz. für einzelne Sorten Rindhäute sowie für Kalbsfelle auf, während Schaffelle sich beffer behaupten fonnten. Auf dem Ledermarkte behaupten sich die Preise. Die Schuhle derindustrie war start beschäftigt. Sonntag, 4. Mai 1924 umschwung, der vor allem durch die falsche, die geringe Kaufkraft der Verbraucher nicht berücksichtigende Preispolitik der Produ zenten begründet ist. Die Reichsfinanzen im April. Die letzten zehn Tage des April brachten der Reichsfinanzvers waltung einen 3uschußbedarf von 22,7 Millionen Goldmart, so daß der erste Monat des neuen Etatsjahres, da vorher ein Ueberschuß vorhanden war, Zuschüsse in Höhe von 20 Millionen Goldmart erforderte. Dem steht allerdings gegenüber, daß das Reich zum Zwecke der Kursstüßung während des Monats April für 76. Milfionen Goldmark Goldschakanweisungen, davon für 24,2 Millionen in der letten Detade, aufgekauft und so seine Schuld getilgi hat Gleichzeitig find aber auch die laufenden, durch Ausgabe von Renten martschagwechseln entstandenen Schulden des Reiches etwas ver mindert worden. In der letzten Defade wurden für 13,5 Millionen Goldmart Rentenmarfschazwechsel zurückgekauft. Die Einnahmen des Reiches betrugen in der Zeit vom 21. bis 30. April 217,3, die Ausgaben rund 240 Millionen Goldmart, wobei allerdings die von den Finanzkassen unmittelbar geleisteten Bahlungen nicht berücksichtigt sind. Die Ausgaben des Monats April verteilen fich auf die allgemeine Reichsverwaltung einschließlich Ausführung des Friedensvertrages mit 211,3, Steuer überweisungen an Länder und Gemeinden mit 184,9, Rückauf von Goldschazanweisungen usw. mit 76 Millionen Goldmart. Die Ausgaben der allgemeinen Reichsverwaltung bewegen sich bei einem Tagesdurchschnitt von 9,2 Millionen Mart fast auf derselben Höhe wie im März. Eine dunkle Angelegenheit. Tertilverarbeiter und sonstige Abnehmer der Textilfabriken führen feit längerer Zeit darüber Klage, daß die Liferanten von ihnen Bahlung in fremder Währung verlangen. Jetzt- während eine Untersuchung des Reichswirtschaftsrats über die Preisgebarung und Preferbedingungen der Textilwirtschaft im Gange ist verbreitet die„ Tertilwoche" folgende Meldung: In der fezten Sigung der Handelskammer in Bradford murden lebhafte Beschwerden wegen des schleppenden Eingangs von Zahlungen aus Deutschland vorgebracht. Die Bradforder Wolfindustrie hat in den letzten zwei Monaten Waren im Werte von 3 Millionen nach Deutschland verkauft. Während nun bis Ende des vergangenen Jahres die deutschen Zahlungen ziemlich prompt einliefen, find fie jezt arg in Rüdstand ge rater und zwar, wie beiderseits angegeben wird, deswegen, weil Tag für Tag auf die Devisenanforderungen der deutschen Impor teure nur 1 bis 1½ Proz. an Devisen zugewiesen werden. Infolge diefer verlangsamten Zahlungsweise sind die Außenstände der Exporthäuser in Bradford seit Anfang des Jahres um 50 Pro 3. gestiegen. Man hält diese Situation in Bradford für so ernst, daß mon an das englische Handelsamt herangetreten ist, welches seinerseits mit dem englischen Auswärtigen Amt in dieser Angelegenheit Fühlung genommen hat. Hier ist irgend etwas in Unordnung. Die Importeure haben nach den deutschen Devisenvorschriften das Recht, Zahlung in Devisen zu verlangen und sie tun dies auch, wie die vielen Klagen der Wenn nun die Importeure so die be Tertilabnehmer beweisen. nötigten Zahlungsmittel bekommen, so dürfen sie sich nicht auf die tnappen Zuweisungen am Devisenmarkt berufen, da sie ja mit diefem Markt nichts zu tun haben, sondern es ihren Abnehmern überlaffen, auf welche Beise fie fich die fremden Zahlungsmittel bei forgen. Es ist demnach nicht ersichtlich, ob hier wieder einmal ent Danoner vorliegt, um für die Textileinfuhr mehr Devisen freizubekommen, oder ob etwa von Importeuren, die ihrerseits Devisen nom. Abnehmer verlangen, diese zurückgehalten und für andere 3 mede verwandt werden. Denfbar ist schließlich noch, daß Importeure ihren Abnehmern langfristige Kredite eingeräumt oder die Ware auf Vorrat getauft und noch nicht abgesetzt haben, ohne sich darüber zu vergewissern, ob auch der englische Lieferant Berzögerung der Zahlung annehmen will. Die ganze AngelegenIn einzelnen Zweigen der Nahrungs und Genußmittel industrien, so in der Margarineindustrie und in der Fleischheit bedarf dringend der Aufklärung, wenn nicht durch derartige marenindustrie war der Abfah schlecht. Es fehlt also nicht an Anzeichen für einen Ronjunttur Zentner frei Haus Berlin. 16.50-18,00 Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. 15,50 16,75| Malzkaffee, gepackt 23,00 25,00 Gerstengrütze, lose... 15,50-16,50 Röstgetreide, lose 15,50-15,75 Kakao. fettarm 100,00-120.00 Haferflocken, lose Hafergrütze, lose... 16,00-16,50 Kakao, leicht entölt 130,00-153,00 Roggenmehl 0/1 12,75-14,00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-420,00 Weizengrieß Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine. Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen. große Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis 45,00-47,50 34,00-40,00 43,00- 49,00 108,00-120,00 18,00 19,50 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 22,00 25,50 Inlandszucker basis mel. 39,5 42,00 14,25-16,00 Inlandszucker Raffinade 42,00-44.00 17,00 21,00 Zucker Würfel. 18.75-21,50 Kunsthonig 14,00 16,50 Zuckersirup hell in Eim. 22,2524,50 Speisesirup dunk. in Eim. 30,00-35,00 29.0031,75 Marmelade Einfr. Erdb. 26,00-35,00| Marmelade Vierfrucht 36,50-42.00 Pflaumenmus in Eimern 43,00-49.50 Steinsatz, lose.. 18,0)-21,00 Siedesalz. lose 40,00 46,00 Bratenschmalz in Tierces 36,00-37,50 Bratenschmalz in Kübeln 20,00-24,00 Purelard in Tierces 15,50-17,25 Purelard in Kisten 17,00 19,50 Speisetalg in Packung 31,00-36,00 Margarine, Handelsm. I 58,00 95,00-100,00 desgl. II 43,00 48,00 Margarine, Spezialm.I.. 76,00 55,00 60,00 desgl. II 61,00-65,00 Tafelreis, glasiert, Patna 25,00-31,00 Speisetale in Kübeln Tafelreis, java Ringäpfel, amerik. Getr Pflaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Korinthen, choice Zimt( Cassia). 9 9 40,00-48,00 45,00- 48,00 3,10-3,70 4.00 4,70 67,50 68,00- 68.50 65,00 www Geschäftspraktiken die Kreditfähigkeit des deutschen Import handels leiden foll Weitere Bantinsolvenzen. In Königsberg ist außer der Osteuropäischen Bant für Holzhandel und Industrie, deren Zahlungs. unfähigkeit wir bereits gemeldet haben, auch die Nordost preu Bifche Bank in Zahlungsschwierigkeiten geraten und hat die Gefchäftsaufsicht über sich beantragt. Sie erklärt, daß sie an Denisenfpekulationen nicht beteiligt war, sondern vielmehr durch ZahlungsSchwierigkeiten anderer Bankhäuser in Mitleidenschaft gezogen wor ben ist und im übrigen über genügend Attiven verfügt, um im Laufe Rajanol Feinste Pfefferminz Zahnpasta 66,00-66,50 Hervorragendes Zahnreinigungsmittel, erfrischt und desinfiziert die Mundhöhle, 50,00-53,00 48,00-50,00 $ 2,00-55,00 75,00 80,00 Molkereibutter i. 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Kümmel, holländischer 135,00-140,00 Quadratkäse Schwarzer Pfeffer Singap. 103,00-111,00 Quarkkäse 185,00-220,00 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika225,00-290,00 milch 48/16 22,00-24,00 Röstkaffee Brasil 240,00-290,00 Inländische desgl. 48/12 17,50-18,50 Weißer Pfeffer 22,00-35,00 9 2.95, 3.25, 4.50 5.90, 6.50, 7.90 138,00-148,00 Tilsiter Käse, vollfett 120,00-125,00 Gabardine und Kammgarn, 150 breit 11.50, 13.50, 16.50 Seidenstoffe, Futterstoffe, Sammet sehr billig! nur im Röstkaffee Zentralam.. 300,00-390,00 inl. gez. Condensm. 48/14 27,00-28,00 Rester- Haus Moabit, Turmstrasse 58, Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. DER zwischen Wald- und Beusselstrasse, Probt Jobt die ,, Kleine Massary" Zigarette 2 s von zwei Monaten die Schwierigkeiten zu beheben. Eine andere Banffirma Emil u. Hugo Levy in Hannover, die schon seit längerer 3eit sich um eine Etüßungsattion bemüht hat, ließ sich jeht ebenfalls unter Geschäftsaufsicht stellen. Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Vierzehnstundentag in einer Jerenanstalt. Holland und die Ruhrbefehung. Die internationalen Schäden, die die Ruhrbesehung herbeigeführt hat, mußten ganz besonders starf in Holland auftreten, das mit Industrie und Handel WestdeutschDie kommunistischen Bertreter stimmen zu. lands auf das engste verfnupft. ist. Wir wir einem Wirtschaftsbericht Bekanntlich ist für das Personal der Kranten und der Banffirma Proehl, Gutmann u. Co. entnehmen, leidet Holland nicht unerheblich unter den Micum- Verträgen, wie namentlich unter Pflegeanstalten der Stadt Berlin die durchaus gutbewährte der Ruhrbesetzung. Hierüber vorliegende ausführliche statistische Unter- 54stündige umgewandelt worden, um Personaleriparnisse zu machen. suchungen weisen nach, welche schwerwiegenden Benachteiligungen 54fündige umgewandelt worden, um Personalersparnise zu machen. u. a. der Eisenbahnverkehr zwischen Holland und Diese verlängerte Arbeitszeit muß bis zum 10. Mai durchgeführt sein. Nach§ 3 der Verordnung vom 13 Februar 1924 über die ArDeutschland erlitten hat, nämlich eine Berminderung um beitszeit für das Krantenpflegepersonal ist den Anftaltsper 821000 Tonnen oder 24 Proz. des Güterquantums allein in waltungen das Recht zuerfannt worden, die Dauer und den ersten 9 Monaten des vergangenen Jahres. Am schwersten wurde die Durch fuhr getroffen, ein Wirtschaftszweig, in welchem Berteilung der Arbeitszeit und der Baufen sowie auch der möchent Halland befonders große Kapitalien investiert hat. Die Durchführlichen Freizeiten selbständig zu regeln, die Betriebsver mit limladung nach Deutschland ging von 9,4 auf 6,1, das sind also tretung braucht nur angehört zu werden, ein mitbestimmendes Recht 3,3 Millionen Tonnen, mithin um 36 Proz. zurüd, und in umgeNach menschlichem Ermessen sowie auch bei einigermaßen so tehrier Richtung zeigt sich sogar eine Abnahme um 48 Broz, nämlich voit 2,9 auf 1,5 Millionen Tonnen. Starf geschädigt ist der Hafen zialem Verständnis muß man annehmen, daß jede Anstaltsverwalvon Rotterdam, indem der dortige Güterumfag von 19,8 tung bei der Durchführung der verlängerten Arbeitszeit das erträg Millionen Zonnen im Jahre 1922 auf 16,4 im Jahre 1923 zurückging. liche Maß anwenden würde. Doch weit gefehlt, die Anstaltsver Hallands Getreide handel wurde von einem großen Teil seines waltung der 3. Irrenanstalt Buch ordnet an, daß vom natürlichen Hinterlandes abgeschlossen, und es war fein Borteil für 5. Mai ab folgender Arbeitsplan für das Pflegepersonal Gel tung hat: das Land, wenn an die Stelle der deutschen die französische In 7 Arbeitstagen fünfmal 8 Stunden, einmal 14 Stun Vaiutatonkurrenz trat. Einige Vorteile, die Holland aus der den, ein freier Tag. Ruhrbesetzung erwachsen sind, wiegen jedenfalls bei weitem die vielen schweren Nachteile nicht auf. Frankenbesserung und französischer Textilerport. Die plötzlich eingetretene Frankenhausse hat mit einem Schlage die zahlreichen inund ausländischen Einfäufer von den französischen Textilwarenmärtten vertrieben. Besonders ungünstig hat sich die Frankensteigerung auf dem Lüll- und Spigenmarkt in Caudry ausgewirft. Italien und Belgien fowie England, die ziemlich lebhaft am arft vertreten waren, haben sofort mit dem Einkauf gestockt, nur aus Amerika sind kleinere Bestellungen in Chantillyspiken erfolgt. Die Rohmaterialienpreise sind, vor allem für Seide, um 30 bis 35 Broz. gefunden. Der Reichtum der Vereinigten Staaten an Naturschätzen und Rohstoffen. Die vom Internationalen Arbeitsamt vor furzem veröffentlichte Untersuchung über die Produktion enthält die Ziffern der Weiterzeugung für die dreißig wichtigsten Produkte und den Anteil der einzelnen Staaten daran. Aus den Ziffern geht der ungebeure Reichtum der Bereinigten Staaten an Rohstoffen und ihr gewaltig gestiegener Anteil an der Rohstoff erzeugung der Welt seit dem Kriege hervor. Zum Vergleich des Anteils der Bereinigten Staaten an der Weltproduktion nach dem Kriege dem Jehre 1913 gegenüber eignet sich unter den Jahren, deren Broduktion ermittelt wurde, am besten das Jahr 1919, da 1917 die europäische Produktion infolge des Krieges noch unterbunden war, 1921 aber ein Strifenjahr für die Vereinigten Staaten darstellte, während die euro pätsche Krise erst 1922 begann. 1919 dagegen war ein konjunkturjahr für die ganze Welt zugleich. Der Anteil der Bereinigten Staaten an der Welterzeugung, in Prozenten ausgedrückt, betrug: Noble Del Eisenerz 9 Moheisen Stahl. Kupfer Blei Bint Silber Schwefel. Baumwolle Weizen und Noggen Mais 1918. 1910 43 49,2. 63 67,7 86 57,2 41 60,7 43 61,3 58 57,8 32,8 46 31,8 80,8 66,5 31,8 52 85 60,4 65,1 21,7 72 13,6 69,7 Hierzu fommt noch eine beträchtliche Erzeugung an Aluminium ( 40 bis 55 Proz. der Welterzeugung), Quedfilber( 17 bis 24 Broz.), Gold( 18 bis 26 Broz.), Phosphaten( 51 bis 65 Broz.), Wolle( zehn Brez.). Auch fönnen wir die anferzeugung der Philippini schen Inseln( 23 bis 26 Pro3. der Welterzeugung) und die 3udet produktion von Kuba, die sich gänzlich in amerikanischen Händen befindet, hinzurechnen. Mit diesen betrug der Anteil der Bereinigten Staaten an der Rüben- und Rohrzuckererzeugung der Welt vor dem Kriege 18,2, 1919 dagegen 31 Broz. Nur folgende wichtige Produkte werden in den Bereinigten Staaten nicht gewonnen: Gummi, Roh fcide, Leinen, Jute, Kali und Reis. Jugendveranstaltungen. Achtung, Jugendgenossen und Jugendgenoffinnen! Sente muß unbedingt jebes Mitglieb ben Barteigenossen bei ber Bahlarbeit zur Seite stehen. Morgen, Montag, den 5. Mai, abends 7% Uhr: Friebenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Bortrag: Schöpfung oder Karlshorst: Gemeindeschule. Auguste- Bittoric- Straße, Mitglicberperfammlung. Moabit 1: Schule Waldenfer Str. 21, Mitgliederverfammlung. Rosenthaler Borstadt: Schule Gipsste. 23a, Mitglieberverfammlang. Often( Stralauer Biertel): Schule Naglerstr. 3. Bortrag: Weltverkehr", Entwicklung?" 2 Teil. Werbebezirk Brenzlauer Vorstadt: Abt. Nordring, Brenzlauer Borstadt, Schönhaufer Vorstadt und Genefelder- Biertel, morgen, Montag, beginnen die Sommerspiele auf dem Ererzierplak( Einsame Pappel). Achtung, Jugendhöre! Am Donnerstag, ben 8. Mai, abends 7 Uhr ,. Bufammenkunft aller Chormitglieder im Gesangsaal der Schule Steinmegftr. 32-34. Ueben zum Mai- Jugendtag. Erscheinen aller Chormit glicber ift Pflicht. Arbeitersport. hat sie nicht. Brattisch wird sich diefer Plan aber folgendermaßen aus: fechsmai 8 Stunden, einmal 14 Stunden, der achte Tag dienstfrei Die Arbeitsgruppe, die am Freitag ihren dienstfreien Tag hat, muß bann ab Sonnabend und Sonntag je 14 Stunden ununterbrochen Dienst tun. Durch die Anstaltsverwaltung erfolgte am 30. April die gefeßlich vorgeschriebene Anhörung der Betriebsvertretung( Angestelltenrat) über den gefennzeichneten Arbeitsplan, und in dieser Berhandlung Demastierten sich wieder einmal die fünf fommunistischen Angestelltenratsvertreter und Strategen der Union der Hand und Kopfarbeiter. Sie hießen den Arbeitsplan der Berwal tung nicht nur für gut, sondern auch für das davon betroffene Personal für am erträglich sten. Die Begründung, die der Borsitzende des Angestelltenrats für seine zustimmende Erklärung gab, war derart lächerlich und fadenscheinig, daß es sich nicht ichnt, sie wiederzugeben. Die drei BSP D.- Kollegen des Angestellten. rats wendeten sich mit aller Schärfe gegen diesen unerträglichen und gesundheitsschädlichen Plan und schlugen zwei andere Arbeitspläne vor, die bei einigermaßen gutem Willen reibungslos durchgeführt werden konnten. Aber sie fanden leider bei der Berwaltung sowie auch bei den fünf fommunistischen Angestelltenratsvertretern fein Verständnis. Die Anstaltsverwaltung im Verein mit den fünf so, genannten Arbeitervertretern muten also dem Irrenpflegepersonal genannten Arbeitervertretern muten also dem Irrenpflegepersonal nicht bloß zu, an zwei Tagen hintereinander je 14 Stunden ununter. brochen bei Geistestranten Dienst zu fun, sondern es wird dem Berjonal auch zugemutet, an diesen beiden Tagen auch ohne warmes Essen zu sein. S. B. Sparta 1911. Am Montag, ben 5. Mai, Bollversammlung bei Gollmann, Rigaer Str. 67. Tagesordnung: Lokalfrage, Statutenberatung. Bitte weitere Nachrichten im Blatt zu verfolgen. Erscheinen aller Genoffen er forderlich. 1000- Augul- Kampf. Am Sonntag, den 4. Mai, findet in Mag Engels Reglerheim, Swinemünder Str. 65, auf den neu erbauten Bundesbahnen ein ben 23) und Paul Domnit( Fidele Brüder Norb) statt. Anfang 2 Uhr. Wir hoffen und wünschen, daß die vorgesezte städtische Behörde hier eingreift, so daß dieser Arbeitsplan nicht in die Tat umgesetzt wird, sondern dahin befördert wird, wohin er gehört. Dem Ber sonal der Jrrenanstalt Buch rufen wir aber in legter Stunde nochmals zu, fich feine Bertreter anzusehen, denen es heute feine Stimme geben will. " 1 mit der Reitpeitsme nah dem Gesicht. Da Heinrich schnell zurücksprang, traf die Peitsche nur die Bruft. 99 Am 25, April gegen Abend lagerte eine Anzahl Streifender in dem Chauffeegraben in der Nähe einer Gastwirtschaft, genannt der Gänsekrug", an der Chaussee zwischen Arnau und Waldau. Sie warteten dort auf den Ortsgruppenführer Eduard Czernewsfi aus Fuchshöfen, welcher als Mitglied der Streifleitung tagsüber in Rönigsberg gewesen war. Plöglich erschienen brei Autos mit 3ivilisten, Schupobeamten und den Landjägern Goldbach und Roig, beide aus Waldau. Sie erklärten die bort lagernden Arbeiter ohne weiteres für verhaftet. Mitlerweile erschien auch Czernewsti. Er wurde fofort erkannt, da sich unter den Zivilisten auch sein Arbeitgeber, Gutsbefizer von Basewiß aus Fuchshöfen, befand, Der Landjäger Rozig erklärte Czernewsfi, daß er verhaftet sei. Auf dessen Frage, aus welchem Grunde dieses geschehe, wurde ihm erwidert, daß er den Mund zu halten habe und fein Wort sprechen dürfte. Er wurde dann von einem Zivilisten, den Czernewsfi nicht tannte, in das Auto gestoßen, wobei seine Uhr entzwei ging. Gämtliche Verhafteten wurden dann nach Waldau transportiert und in einem Rohlenfeller eingesperrt. Czernewski und ein Arbeiter General wurden von den anderen getrennt und in einen besonderen Raum neben dem Kohlenfeller gebracht. Hier wurden sie von demselben Zivilisten, der Czernewsti ins Auto gestoßen hatte und von dem Gutsbesiger Dr. Wendt, Hohen. rade, zu Boden geworfen und mit Totschlägern berart mißhandelt, daß ihre Schmerzensschreie von den anderen Berhafteten deutlich gehört wurden. Czernewsfi wurde eine HandDoll Sägefpäne in den Mund gestedt mit der Bemerkung:„ Das kannst du Hund fressen." Alle Arbeiter wurden erst am nächsten Tage wieder entlassen. Czernewsfi wurde morgens zu Meyer gebracht, wobei dieser zu ihm äußerte, für ihn gäbe es feine Regierung und feine Geseze, er mache fich die Gefehe selber, er schieße alles über den Haufen oder reite es mit seinen Reitern über." Unscr Gewährsmann bemerkt dazu, daß Meyer schon seit Jahren als gewalttätiger Mensch befannt ist. Hierzu fei bemerft: Die Berordnung über die Arbeitszeit in Strantenpflegeanstalten läßt zwar eine 60ftündige Höchftarbeitswoche zu, jedoch nur eine täglich zehnstündige Arbeitszeit in Der Regel. Der Oberregierungsrat Bruno Kühne gibt in Nr. 7 tes Reichsarbeitsblatt" einen Kommentar zu dieser Berordnung. morin er fagt: Das Höchstmaß von täglich 00 Etunden soll regel mäßig auch dann nicht überschritten werden, wenn die Wochen arbeitszeit unter 60 Stunden bleibt. Ein regelmäßiges Hinaus gehen über die Arbeitszeit von 10 Stunden an einzelnen Tagen ber Woche tönnte unter Umständen dann gerechtfertigt erscheinen, menn an anderen Tagen der Woche Nachtdienst von turzer Dauer zu leisten ist, um den Zweifchichtwechsel zu ermöglichen. Bielfach wird es aber in diesem Falle ausreichen, die Tagschichten durch angemeffen verlängerte Bausen zu streden. Als angemessene Paufen bei einem zehnftündigen Arbeitstag erklärt Kühne zwei Stunden, so daß die tägliche Arbeitszeit sich über 12 Stunden verteilt. Zum Schluß aber erklärte Kühne: Gegenüber einer 14-, ja 16stündigen Dienstbereitschaft, wie sie vor Sem Striege allgemein und nachher noch vielfach in diesem Beruf üblich war, bedeutet die Schuhvorschrift der Verordnung einen nicht unwesentlichen sozialen Fortschritt, " Dieser Fortschritt" wird durch eine fo finnlose Einteilung, bei der an zwei aufeinanderfolgenden Tagen je 14 Stunden Dienst zu leiften ist, einfach rüdgängig gemacht. Daß Kommunisten Die Hand dazu bieten, macht die Sache nicht beffer. Wie man in Ostpreußen Streikende mißhandelt. Bom deutschen Landarbeiterverband wird uns geschrieben: Anläßlich des Streits in den Kreisen Königsberg und Fischhausen ( Ostpr.) sind uns von der Streifleitung eine Anzahl Terroratie von Gutsbesizern resp. deren Inspektoren, sowie von Bandjägern und Schupobeamten, mitgeteilt worden, von denen wir einige hier mitteilen. Der Domänenpächter Meyer aus Waldau, Kreis Rönigsberg, hat eine Anzahl berittener 3iviliften( Reiterverein) um sich gefchart und reitet mit diesen die Straßen der dortigen Gegend entlang. Alle Streifenden, welche auf den Straßen..angetroffen werden, werden von den Reitern angehalten und zum Teil mit der Reitpeitsche mißhandelt oder übergeritten. Go wurde der Arbeiter Bo B, welcher sich allein auf dem Wege von Fuchshöfen nach Gamsau zum Besuche seiner Braut befand, von Meyer ohne weiteres mit der Reitpeitsche ins Gesicht geschlagen, dann wurde er gezwungen, seinen Spazierstod zu zerbrechen und mußte dann wieder auf dem Wege umfehren. Mener befand sich in Begleitung einiger Reiter, welche alle mit Schieß maffen versehen waren. Boz hat erhebliche Berlegun gen im Gesicht davongetragen. Der Arbeiter Heinrich aus Stangau ftand vor feiner Haus. türe als Meyer und Herr von Basewis, Fuchshöfen, an ihn 1000- Augel- Regeln zwischen den bekannten Kampflegtern Felix Unger( or herangeritten tamen. Unter Beschimpfungen schlug Mener Heinrich herangeritten tamen. Unter Beschimpfungen schlug Mener Heinrich Eingetr, W. 2 N9 18755 DUBECZIGARETTEN GEORG A.JASMATZI AKTIENGESELLSCHAFT DRESDEN IN96 In Kgl. Neuendorf, Kreis Rönigsberg, ist ein Schupotommando bei dem Gutsbefizer Raiser ftationiert, über welches gleichfalls sehr lebhafte Beschwerde geführt wird. So wurden einige junge Leute, welche sich auf dem Wege von Rinau nach Kqi. Neuendorf befanden, von Schupobeamten verhaftet, gefeifelt und auf, den Hof des Gutsbesikers Raiser gebracht. Dort traten ihnen die Schupobeamten mehrfach auf die Zehen und schlugen ihnen gleichfalls mit der Faust unters Kinn. Dann brachte man fie in das Sprigenhaus, wo sie von Schupo- und Stahlhelmleuten bewacht wurden. In der Nacht wurden fie in die Wohnung von Kaiser zur Vernehmung geholt. Nach der Bernehmung ließ man sie einzeln aus dem 3immer gehen. Bor der Zür wurden fie mit Totschlägern mißhandelt. Ob die Schläge von Schupobeamten oder Zivilisten waren, fonnten sie in der Dunkelheit nicht feststellen. Alle mit Ausnahme von einem, welchen die Schläge nicht trafen, wurden mehr oder minder erheblich verleht. Am fchwersten waren die Berlegungen bei einem Hofaänger Günther aus Kufeim. Berhaftet waren insgesamt neun Mann. Sieben von ihnen wurden in der Nacht entlassen, während die Hofgänger Fritz Böckel und Otto Teude bis heute noch nicht zu ihren Eltern zurüdgefehrt sind. Die Verhaftung erfolgte am 25. April. Zu diesen Mitteilungen ist noch hinzuzufügen, dan bisher, wie das Wolff- Bureau meldet, in dem Streit 1300 Rothelfer eingefeßt wurden. Die Gesindeordnung ist wohl aufgehoben, wie man aber das Stre frecht der Landarbeiter und diese selbst respektiert, dafür sprechen diese Totlachen eine laute Sprache. Wir teilen fie mit, um den preußischen Minister des Innern zum Einfreiten zu veranlaffen. Neuwahl von Betriebsvertretungen. Da bie Wahlzeit der nach der Verordnung zur Ausführung des§ 61 des Betriebsrätenefekes vom 4. Februar 1920 in ben dem Finanzminister und dem Minister des Immern unterstellten Zweigen der Staatsverwaltung vom 7. februar 1921 gewählten Betriebsvertretungen mit dem 31. März d. J. geendet hat, ist zu einer Neumahl zu schreiten. In einer gemeinsamen Berfügung der beiden genannten Minister wird deshalb bestimmt, daß die Stimmabgabe zur Neuwahl der örtlichen Betriebsvertretungen( Betriebsräte, Betriebsobleute), der Be am des Hauptbetriebsrats zirksbetriebsräte und 31. Mai, und Sonntag, 1. Juni d. 3., stattzufinden hat. Der Streit auf dem Lübecker Hochofenwert gegen die Einführung des Zweiichicht an Stelle des Dreischichtwechsels hat mit einer Niederlage der feit Wochen ausgesperrten Belegichaft geendet. Diese hat nunmehr beschlossen, die Arbeit zu den von der Werfsleitung biltierten Bedingungen aufzunehmen. Sonnabend, Angestellte der Buchbindereien erbalten für ben Monat April einen Buichlag von 10 Broz. auf die Märggehälter. Gehaltstabelle: find im Ortsbureau des Zentralverbandes der Angestellten, Beliealliance- Str. 7/10, erhältlich. Facharbeiter im Einzelhandel. Montag abend 8 1hr Bertrauensmänner. Derfammlung im Verbandshaus. Rungeftr. 30. Die Ortsverwaltung. Achtung, Transportarbeiter und-arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie! Dienstag abend 6% Uhr allgemeine Versammlung aller in der Metallindufirie befchäftigten Silfs, Lager. Transportarbeiter und-arbeiterinnen in den Germania- Sälen, Chauffeeftr. 10. Rollegen und Rolleginnen, forgt für Maffen. besuch burch bie notwendige Bekanntmachung in ben Betrieben. Deutscher Berlehrsbund, Geltion 5. Sentralverband der Schuhmacher. Montag: Schoß- und Reparatur. branche: Abends 7 Uhr Bezirksverfammlungen in den bekannten Lotalen. Maßschuhmacher: Abends 7 Uhr Branchenversammlung in den Armin- Sälen, Rommandantenftr. 58-59. Jn allen Bersammlungen: Bericht über die Lohnverhandlungen. Dienstag: Branchenversammlung der Schäftemacher abends 6 Uhr bei Sentidel, Röpenider Str. 127a. Mittwoch: Age, meine Funktionärversammlung nachmittags 5½ Uhr in ben Residenz- Festfälen, Landsberger Str. 31. Sophien- Säle Säle frei! 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Ein größeres Dorf war es, am Saume des Schwarzwaldes herrlich gelegen. Glücklicher Frieden lag über dem Dorf. Die Bauernhöfe und Arbeiterhütten huschelten sich um eine stattliche Kirche, wie die Kücken um die Glucke. In diesen Frieden sollte ich die Gedanken des revolutionären Sozialismus tragen. Aus einem benachbarten Industrieort war ein Genosse als Versammlungsleiter mitgegangen. Nach zweistündiger Fußtour langten wir im Ort an. Das Lokal, die offene Gaststube eines Wirtshauses, war dicht gefüllt( Versammlungsfäle sind in diesen Orten felben zu finden, man spricht dort in den öffentlichen Gaststuben). Wir suchten uns im Zimmer wegen der Akustik! die beste Ecke aus und ich sah in dem Winkel gegenüber dem Schenktisch, in dem ein meterhohes Kruzifig umgeben von Madonnenbildern hing, den besten Platz für den Redner. Mein Freund war der gleichen Ansicht und ohne große Umschweise pacten wir aus. Er eröffnete die öffentliche Wählerversammlung der Sozialdemokratie, und ich bekam das Wort zum Vortrag. Der mir zu Häupten hängende Heiland zeigte schmerzliche Züge. Ich tat, was meine Pflicht war, zeigte die Schlechtigkeit der Gegner und zeichnete das von uns Getane in den besten Farben. Die Ruhe in solchen Versammlungen ist mustergültig. Das war ich im Oberland gewöhnt. Immerhin glaubte ich plötzlich eine ganz besondere Stille feststellen zu müssen, während der mich begleitende Genosse fest an meinen Rockschlippen zerrte. Ich begriff nicht gleich. Draußen bimmelte ein Kirchenglöckchen mit dünner Stimme. Ich wurde unruhig und kam etwas aus dem Konzept. Zum Glück sah ich eine Frau auf einer Bank an der Wand, mit gefalteten, bis zur Mundhöhe erhobenen Händen fizen. Jezt wurde mir alles flar. Die ganze Versammlung saß im Gebet versunken und mein Freund bemühte sich, mich zum Schweigen zu bringen. Die Betglocke läutete. Ich schwieg und setzte mich, bis die Versammlung mit Beten fertig war. Dann legte ich weiter los über die Schlechtigkeit der Welt im allgemeinen und die der Kapitalisten im besonderen. Reicher Beifall am Schluß bekundete das Einverständnis der Versammelten. Mein Begleiter versicherte mir, wenn ich nicht während des Betens aufgehört hätte mit Reden, wäre der mitanwesende fatholische Geist liche auf und davongegangen und die Versammlung hinterbrein. Bor leeren Bänken hätte ich dann ausreden fönnen. Wir erhielten bei der Wahl in diesem Ort eine ganz ansehnliche Stimmenzahl. Das war eine sozialdemokratische Versammlung mit allgemeinem Gebet. Ein anderes Mal mußte ich mit den Zentrumsleuten etwas andere Töne reden. In einem Landort hatte sich ein junger Bauarbeiter bereit gefunden, eine sozialdemokratische Wählerversammlung zu veranstalten. Die Rede zu halten, erhielt ich den Auftrag. An dem betreffenden Ort war Politik unverstandenes Fremdwort. Das Zentrum herrschte. Es war ein erster Versuch, mit dem Sozialismus einzubringen. Der begeisterte junge Genosse ließ in der voraufgehenden Woche die Bersammlung zweimal mit der ortsüblichen Dorfichelle austlingeln, mathie aber dem Wirt der einzigen Gastwirtschaft teine Mitteilung. Die Zentrumsleute glaubten nun, dieses Versehen für sich ausbeuten zu tönnen. Sie bestellten beim Wirt für den fraglichen Abend das Lotal, unterließen es aber, von sich aus die Versammlung öffentlich einzuladen. Sie wollten dadurch die Kosten für Einladung der Wähler sparen. Der Abend kam. Ich fand eine volle Bersammlung, denn die Zentrumsleute hatten in der Stille noch ihren ganzen Heerbann zusammengetrommelt. Als ich mit dem Wirt sprach, erflärte er mir, hier sei eine Zentrumsversammlung. Ich mußte, was die Glode geschlagen hatte. So machte ich den Zentrumsleuten den Vorschlag, da hier ein offensichtlicher Irrtum vorliege, die Verfammlung gemeinsam abzuhalten. Die Macher wollten davon nichts wissen. Ohne viel Federlesens machte ich darauf der Versammlung den Vorschlag, und die hieß ihn gut. Man verlangte fogar, daß ich beginnen sollte, da der andere Redner noch nicht da sei. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und trat an. Es war halb acht, der letzte Zug nach der Stadt ging um elf, und es war bis zum nächsten Bahnhof gut eine dreiviertel Stunde Beg. Das waren also gut 24 Stunden Zeit, und die mußten von mir ausgefüllt werden, damit Der Schwarze nicht zu Wort tam. Mit Aufbietung von Grüße und Wiz versuchte ich die Versammlung für mich zu gewinnen. Das gelang mir auch, denn als der inzwischen angekommene Zentrums referent ob meiner langen Rede maulte, wurde er verschiedentlich zur Ruhe gemahnt. Als das nichts half, wurden die Arbeiter deut licher und riefen ihm zu: Halt dei Gosch!" Ich redete weiter, redete zur Abwechslung etwas von Krieg und Revolution, fam dann wieder auf die Politik zu sprechen, um die Aufmerksamkeit nicht zu gefährden, und mein Gegner maulte immer lauter, bis ein Arbeiter thm ob feiner fortgefeßten Störungen einen ziemlich hörbaren Buff verabreichte. Dann war es still. Meine Zeit war bald um, und mit einem träftigen Appell, bei der Wahl für die Sozialdemokratie zu ftimmen, raffte ich meine Sachen zusammen und saufte nach der Eisenbahn, der Zentrumsreferent hinterher, denn er mußte den Abend ebenfalls wieder nach der Stadt. Ich fonnte gerade noch hören, wie einer sagte: Dös isch e ganz Liedrischer geme!" Die Schwarzen wollten uns prellen, dabei waren sie unter den Schlitten geraten. Sonntag, 4. Mai 1924 In der großen blanten und hellen Rajüte 3. Klaffe eine Gruppe deutscher Ferienkinder, die dem Sammelplak Fredericia zureisen, um Don dort über Flensburg, Hamburg nach Hause zu gelangen. Es ist nur ein kleiner Trupp, der den Haupttransport, der bei Lage über das Wasser ging, versäumte und nun nachkommt. Die Begleiterin nicht auch und macht im Schlaf ein sehr geistreiches Gesicht. Wahrscheinlich träumt sie, daß alle die Bakete, die die fürsorglichen Pflegeeltern mit der Bahn nach Hamburg, Bebra oder sonstwo, wo eben des Kindes Reiseziel ist, aufgegeben haben, ihr plößlich ausgehändigt werden und sie vergebens diesen Berg von Paketen zu bewältigen sucht... Den ganzen Tag über haben sie im Eisenbahnfupee geplappert, Müzen, die sie von den Pflegeeltern mitbekamen, gegenseitig gezeigt, ihre Puppen und Andenken und neuen Schärpen, Schleifen und alle Patete ein halb dugendmal auf und wieder zugeschnürt( zum Die Bersammlungsleitung macht oft dem Redner zu schaffen. geheimen Entsehen der Begleiter, die beim Zusammenpaden fiets zur In einem schwarzen Oberamtsstädtchen sollte ebenfalls eine Wähler- Hilfe gerufen wurden), gegessen und genascht den ganzen Weg- nun versammlung abgehalten werden. Von einem benachbarten Flecken find fie müde und schlafen auf den gepolsterten Bänken, in den Schlaf aus wurden die Vorarbeiten geleistet. Alles klappte vorzüglich. gewiegt von dem dumpfen Taft der Turbinen, der das ganze Schiff nur schichte an dem betreffenden Abend der Bezirksvorsitzende, da durchströmt wie nimmermüder Bulsschlag. Einige lächeln im Schlaf träumen sie vom endlichen Wiedersehen zu Hause oder von den er selbst verhindert war, einen 17jährigen Kunstgewerbeschüler als fetten Tagen auf Seeland? Andere haben noch die Spuren der Versammlungsleiter in meine Bersammlung. Ein junger, prächtiger Abschiedstränen auf ihren Zügen. Wenn eine Eisscholle an der Mensch mit überschwänglicher Begeisterung. Er hatte ein feuriges Schiffswand entlangfragt, wacht wohl ein Kind auf und schaut mit Herz für den Sozialismus, aber nicht die geringste Ahnung von der großen Augen um sich, wo es wohl sei und wundert sich, daß die Leitung einer Bersammlung. Ich flärte ihn auf, so gut es eben Fahrt so ruhig ist, gar nicht zum seetrant werden. unter den augenblicklichen Verhältnissen möglich war; sagte ihm, daß er mit der Klingel tüchtig klingeln und dann im Namen der Sozialdemokratie die Versammlung für eröffnet erklären solle. Wenn Lärm entstehe, müsse er wieder flingeln und um Ruhe bitten. Und am Schluß müsse er wieder klingeln und die Versammlung schließen. ahmlichen Grazie die Glode, eröffnete die Versammlung und er Es ging alles gut. Der junge Mann schwang mit einer unnachteilte mir das Wort. Leider legte er dann die Klingel nicht wieder aus der Hand, und wo auch nur einer hustete oder einen zahmen Zwischenruf wagte, schweng er die Glode wie wild und bat um Ruhe, wo gar nichts zu bitten war. Meinem Vortrag war dies Gebaren nicht sonderlich zuträglich. Das schönste kam aber zuletzt. Der Bortrag war beendet. Ich setzte mich. Prompt stand der junge Mann auf, tlingelte laut und anhaltend und erklärte:„ Die Bersammlung ist geschlossen." Plaut. Befriedigt setzte er sich, und ich hatte große Mühe, die Situation zu retten. Er war einer Belehrung zugänglich, eröffnete die Sigung wieder unter tüchtigem Klingeln und forderte Wortmeldungen. Es meldete sich ein Gegner zum Wort. Er erhielt es, und als er geendet, schloß der Jüngling zu meinem Entfehen wieder die Versammlung. Ich renkte die Sache wieder ein. Der nächste Diskussionsredner fam, und obwohl ich meinem Freund gesagt hatte, ich müsse das Schlußwort halten, schloß er prompt wieder die Versammlung. Ich scherte mich nicht daran, hielt das Schlußwort, nachdem die Versammlung zum dritten Mal geschlossen war, und dann ließ ich ihn die Versammlung nochmal schließen. Diesmal das vierte und letztemal. Schön war's doch, und der junge Genoffe freute sich, eine große Bersammlung geleitet zu haben! Auch die Wähler ärgern die Redner, manchmal freut man fich aber auch über sie. Ich hatte in einer Versammlung den Vortrag beendet, das Wort zur Erwiderung wurde nicht gewünscht. Der Beiter schloß die Wählerversammlung, als sich ein alter Bater heran machte. Er drüdte mir einen Zettel in die Hand. Erstaunt sah ich Darauf, es war ein Stimmzettel unserer Partei. Bermundert fragte ich den Alten, was er damit wolle. Er erklärte treuherzig:„ Sie will i wähle!" Der Sinn der Rede war etwas dunkel, aber ich bekam doch heraus, was dahinter steckte. Der Mann hatte in seinem Leben noch nie gewählt, und am letzten Sonntag hatte er ein sozialdemokratisches Flugblatt erhalten, an dessen Schluß zu lesen stand: Arbeiter und Arbeiterinnen, gebt den sozial demokratischen Randidaten Gure StimmelUnd richtig, der gute Bater drückte mir den dem Flugblatt beiliegenden Stimmzettel in die Hand. Es tostete einige Mühe, ihm verständlich zu machen, daß wählen anders gemacht würde und daß man dazu in besondere Wahllokale gehen müsse. Ob er es befolgte, vermag ich nicht zu sagen. O welche Luft, Versammlungsredner zu sein! Heimwärts. Eine Kinderfahrt Dänemark- Deutschland. Die große Zwei- Schornsteinfähre Nyburg- Korför schiebt sich über ben großen Belt. In der Nacht bleibt Korför, die Fährstation auf Seeland, zurück als eine Reihe irgendwo in der Dunkelheit hängen der Lichtpunkte, ganz weit vorn, mit dem bloßen Auge faum ertennbar, eine andere Gruppe Lichter, das ist das Ziel, Korför. Die währe gleitet wie ein riesiger breitbrüftiger Machen über das tiefdunkle Wasser, sie ist ein kleiner schwimmender Bahnhof mit ihrem doppelten Paar Gleisen im Leib, auf dem Güter- und Schlafwagen dichtgedrängt stehen und harren, bis sie wieder auf Land ge zogen werden, auf eigenen Rädern Weg zurücklegen können. Hoch oben über dem Schiff schwebt die Kommandobrüde, wie ein schmales, wachsames Stellwerthäuschen. Rechts und links der Gleise ein Qui bau, der Rauchzimmer, Mannschaftskajüte und Fährküche birgt, auf ihm ein schmales Dec, von dem man hoch hinab auf das Wasser schauen fann, das schwachsilberne Schaumftreifen vom Bug des Roloffes fließen läßt wie in der Dunkelheit verflatternde Schleier. Ab und zu zeigt sich ein milchiger Fleck in dem Dämmer, der aus den Kajütluten auf das Wesser fällt eine Eisscholle, die immer noch nicht begreifen will, daß ihre Zeit vorbei, daß es nun Frühling wird. WAHLERGEBNIS: spazieren, eifrig diskutierend, unter den über sie schwebenden Auf Deck weht ein straffer, scharfer Wind. Nur drei Männer Rettungsbooten hin und her. Schließlich kommt das Gespräch auch auf die deutschen Kinder. Es hat feiner etwas gegen das Liebeswert unferes dänischen Genossen J. P. Nielsen, sie geben alle zu, daß die tommt, wie aus dem dunkelsten Dunkel, die Sorgenfrage des einen: Kinder, die sie sahen, sehr erholungsbedürftig waren. Aber plötzlich Tja, aber wer garantiert uns dafür, daß die Jungen, die wir jegt freundschaftlich empfangen, nicht einst gegen uns mat schieren?" Plötzlich ist die Nacht talt und schwer geworden, die Lichter vom Lande gleißen feindselig und fremd, die Leuchtkoje zudt auf wie ein Lichtfunker, der Lügen morft. Und ich denke an die hysterische Hezpropaganda hüben und drüben, an die Lügen von den abgeschnittenen Gefangenen in Deutschland, mit denen eine von Wallstreet und Quai d'Orsay gespeiste Propaganda während des Krieges das Land aufpeitschte. Und ich dente: Wählt ihr in Deutschland euren Wels und erinnert euch in Frankreich an Jaurès, dann marschieren sie nicht! Von der äußersten Spize Dänemarts, von Stagen, von Aalborg und den anderen Städten und Dörfern des Limpfffords, tommt der große Heimtransport aus Jütland herunter. Da droben ist noch einmal Schnee gefallen, urplöglich und hat dem Land bis füdlich des Nacht und einen Morgen lang, die erste Mittagssonne räumt mit dem Limpffjords noch einmal ein schäbiges Winterkleid angezogen. Eine himmlischen Versehen auf. Der Zug eilt durch flaches Land, vorbei an breiten behäbigen Bauernhöfen. Ein burgähnlich geschlossenes Biered bilden die Ge bäude, mit festen, biden Steinwänden gebaut, sogar die dicken Schilfdächer, die sie weit über die Stirn gezogen haben, stören nicht den Eindruck der Wohlhabenheit. Und wenn wirklich ein Haus armfeliger, ungepflegter aussieht, ist es sicher ein Knechtewohnhaus. Die Kinder treiben in allen Kupees dasselbe Spiel: fie nafchen unaufhörlich, daß man schaudernd an alle die kommenden verdorbenen Magen denkt, versuchen einander zu übertrumpfen mit der Aufzählung all deffen, was sie als Abschiedsgeschenk bekommen haben und schnattern in einem beluftigenden Gemisch von dänisch und deutsch viele von ihnen haben drei Monate lang fein Wort Deutsch gehört. Die Geschenke: Man ist erstaunt und gerührt darüber, was alles die Pflegeltern für die Kleinen, die aus fernem, verleumdetem Land zu ihnen tamen, geleistet haben. Von Anzügen und Kleidern bis zu Buppen und Lebensmitteln für die Eltern zu Hause fehlt nichts. Die Jungen haben viel die sehr fleidsamen dänischen Matrosenanzüge bekommen, mit Matrosenmüßen ohne Bänder, aber mit einer rotweißen Landestokarde und immer und immer wieder hört man, daß auf den deutschen Bahnhöfen, die die Heimreisenden passieren müssen, vornehme Herren, selbst höhere Bahnbeamte fein größeres Interesse haben, als den Jungen 50 Pfennige oder sogar eine Rentenmark anzubieten, damit sie die ausländische" Kofarde abmachten! Solche nationalistischen Flegel scheint es nur in Deutschland zu geben, in Dänemark halten fich die Kreise und es sind auch hier meist vornehme"- die die deutschen Kinder nicht gern sehen, einfach zurück und gehen ihnen aus dem Wege, von chauvinistischer Anpöbelung ist in den ganzen drei Jahren der Kindertransporte tein einziger Fall befannt geworden. Hunyadi János Bestes Natürliches Bitterwasser. Vorzüglich gegen Verstopfung, Congestionen, VerdauungsBeschwerden, Blutstauungen nach d. 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Die roten Wangen, die von Abschiedstränen verweinten Augen, die vielen Grüße an die Eltern und Einladungen, doch im Sommer wiederzukommen, zeigen, daß es wirklich eine Erholung ein Aufatmen für die Kinder gewesen ist. Zehn, fünfzehn, zwanzig Pfund zugenommen hört man überall und der eine Fall rührender Arbeiterfolidarität gegenüber einem deutschen Kind nur sei aus den vielen herausgehoben. In A. war ein Kind bei einem Vorarbeiter oder Aufseher in einer fleinen Trifotagenfabrik in Pflege. Und als die Zeit der Abreise gekommen war, schickte der Pflegevater eine Liste durch die Fabrik, in der stand: ,, Als eine kleine Aufmerksamkeit bei Margarethes Fortreise in ihr deutsches Heimatland zurüd tönnten wir uns denken, ihr ein Paar solide dänische Stiefel zu verehren, und bitten wir Gleichdenkende, auf dieser Liste Namen und Beitragsgröße aufzuführen. Der Betrag wird am nächsten Lohntag eintassiert.“ Es folgen die Namen von fünfundzwanzig Arbeitern mit dreißig Dere, fünfzig, sogar einer Krone. Und Margarethe strect nun die Beine so weit wie möglich von sich, damit auch jeder die neuen Stiefel sehen soll und schwört, die Lifte, die sie gleichfalls mitbekam, emig aufzuheben. Auf jedem fleinen Heidebahnhof gibt es 3umachs. Aus den Bauernhöfen, von den Lehrerhäusern, aus den Kätnerhütten und den Arbeiterwohnungen kommen die Kinder. Und es ist, als führen sie nicht in die Heimat, zu ihren richtigen Eltern zurüd, sondern von ihnen fort, so fließen die Tränen. Nicht nur die Kinder, die Frauen selbst, deren Kind sie für 3 Monate waren, weinen, als schicken fie ein eigenes Kind in die Fremde. Es ist ein eigenes, ergreifendes Bild, auf den stillen, schläfrigen fleinen Stationen, die Weinenden, Küsse und wieder Küsse, Winten mit naßgemeinten Taschentüchern, solange der Zug nur zu sehen ist. Da läuft eine Da läuft eine Bahnwärterfrau meinend neben dem Zug her. Sicher hat das Kind bei ihr nicht den Reichtum gefunden, wie so manches andere, aber es tann sich nicht faffen, will heraus aus dem Zug, will dableiben der Frau war vor einem Jahre ihr einziges Mädchen gestorben und nun tam das deutsche Mädchen, und spielte mit den Puppen der Berstorbenen, trug ihre Kleider, war, als sei die Tote wiedergeboren aber sechs Monate sind die längste Zeit, die die deutsch- dänische Bereinbarung erlaubt, es muß fort. Und hat auch zu Hause eine Mutter, die schrieb:" Du mußt nun endlich tommen, wir weinen schon, wenn wir daran denken, wie lange du meg bleibst". So quäit fich ihr feines Herz zwischen den beiden Müttern, sie weint, und weint vor Schmerz, ihre dänische Mutter zu verlassen, und meint vor Freude, ihre deutsche wiederzusehen. Wie viel folcher Kindertragödien wohl deutsche Mietstafernen heime und jütische Kleinfamilienhäuschen verbinden? Aber wie viel freundschaftliche, dauernde Anknüpfungen wohl die Kinder von Deutschland nach Dänemark tragen? Wie viel Nachdenken über den Bahnwiz des Dölfertrennenden, völferentfremdenden Nationalismus, des Marschierenwollens", die feinen, frieggeschlagenen Gäste wohl in deutsche wie dänische Heime säen mögen? Der Zug fährt durch Mitteljütland, durch Jütlands schönste Gegend. Hügel mit Buchen und Nadelwald mellen sich in sanften Budeln, See auf See lächelt sein erftes eisbefreites Frühjahrslächeln über schneegefüllte Raine hinauf zu den entlaubten Bäumen, schmelzmaffergefüllte Bäche haben Wiesen und Felder überflutet, Häufer und Dörfer schmiegen sich in die Hügelfalten, als versteckten sie sich, bis der Sommer tommt. Und dann biegt die Bahn lints ab, um Dänemarks andere Schönheit zu zeigen, Meer und Fjord. Am Bejlefjord, dem herrlichsten Fjord Jutlands, geht es vorbei, das Städchen Bejle liefert neue Heimreisende, neue vermeinte Augen, neue Anfragen, wie weit es noch bis Deutschland wäre, und ob im Sommer noch ein Transport ginge, mit denen sie wiederkommen tönnten.( Das Wiederkommen fo gerne es man den Kindern gönnt ist es doch vielleicht eine Einschränkung des Hilfswerks, das anderen bedürftigen entzieht, was es den schon einmal in Dänemark gewesenen Kindern doppelt und dreifach gibt.) So geht es weiter, von Stadt zu Stadt, irgendeinmal muß der Zug über die alte deutsch- dänische Königsaugrenze geglitten sein man merkt nichts davon, das Aussehen der Landschaft ist genau das. felbe wie vorher, vielleicht sprechen nun die Leute auf den Bahnhöfen SCHUTZMARKE DETHOMPSON'S SEIFENPULVER SCHUTZMARKE Dr. Dem Gen. Offo Bannewih, Büschingst. 24, zum 50. Geburtstage und 25 jährigen Partetjubiläum die herzlichste Gratulation! Die Gen. Der 38. Abteilung. Danksagung. lieben Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäfcherung meines Mannes, unseres lieben Baters, Schwiegervaters und Großvaters 3794b Fritz Schwemke fagen wir allen Freunden und Bekannten, den Genossen der 48 Abteilung, sowie dem Verein der Freidenter aufrichtigsten Dant. Cuife Schwemte nebst Rindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Schwagers, bes Rohlenhändlers Nichard Weiß fage ich allen Freunden und Befannten meinen herzlichsten Dant. 74/ 13a Frau Hedwig Weiß nebst Kindern. Dantjagung. Für die Beweise liebevoller Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Sohnes Walter Kühschall fagen wir allen Freunden und Bekannten Somle Herrn Klügner für die trostreichen ihr Dänisch noch breiter, härter, aber erst ganz unten, an der neuen Grenze, nehmen Pflegeeltern auf deutsch Abschied von ihren Pflegebefohlenen. zessin, die ihrem rohen Gatten durchgeht und sich ausgerechnet in einen Gentleman- Einbrecher verliebt, der natürlich ein höchst edler und vollendeter Mensch ist. Zahlreiche, spannende Abenteuer, gewaltsame Trennung und tung. Lotte Neumann ist eine entzückende Frau, die diesen Film der feine höheren Ansprüche stellt, als eine amüsante Affäre von einer Stumde zu sein durchaus genießbar macht. Schöne Landschaftsaufnahmen und eine geschickte Regie leisten dabei erhebliche Hilfe. Und dann steigen große, straffe Herren in den Wagen, mit gold- schließlich Wiedervereinigung des liebenden Paares sorgen für Unterhalbelizter Uniform der eine. Staatspolizei, die die Listen und Zettel kontrollieren, die der Kinder Pässe ersehen. Die Kinder merken davon nicht viel, die Begleiterinnen haben die Mühe der zweimaligen Grenz fontrolle für die über hundert Kinder zu tragen die beiderseitigen Grenzbehörden haben den Kindertransporten ein anerkennenswertes Stüd Baßbureaufratismus geopfert. Die letzte dänische Station, die letzten Kinder. Und während auf dem Bahnsteig noch herzlicher Abschied stattfindet, tönt aus einem der letzten Rupees, wie ein Abschiedsgruß an Fjord und Meer, an Düne und Wald, an See und liebe, elterlich besorgte Pflegeeltern der deutsche Volksliedvers in den dämmernden Abend: M... Dir mein stilles Tal, Gruß zum letztenmal... Ein Pfiff. Tücherschwenken, mit Weinen und Lachen gemischtes Farvel" und noch einmal, zurückwinkend aus dem der Grenze zurollenden Zug: Gruß zum Mal-" legten Filmschau. Der Nibelungen- Film II. P. V. Der erste Teil des Nibelungenfilms unter Frizz Langs Regie wurde zu einem Triumph der deutschen Filmfunst. Kein deutscher Film hat solch mächtigen Eindruck hinterlassen wie dieser, feiner hatte soviel Monumentalität wie dieser und keiner solchen Erfolg. Auch das Ausland stimmt in dieses Urteil ein. Der zweite Teil, der Kriemhilds Nache zum Inhalt hat, konnte von vornherein nicht mit der gleichen Wirkung rechnen. Der Stoff ist allzu düster, nichts als Kampf und Tod erfüllt ihn, das Gefühl für Blutrache und das Ideal der Mannentreue, das unerbittlich in ihm waltet, ist uns in feiner Starrheit völlig fremd geworden. Das Blutgesetz der Sippe wie das Treueverhältnis des Rittertums erwedt feine Gefühls resonanz mehr in uns. Und der Regisseur hat wenig getan, um die Monotonie, die uns befremdet und die wie ein Alp auf uns lastet, auf suhellen. Das Märchenhafte des ersten Teils fehlt ganz. Die Landschaft ist düster winterlich im Burgunderland, das Hunnenmilieu mit seinen Erdhöhlenbewohnern und barbarischen Bräuchen zwar ethnographisch sehr interessant( ob es ,, echt" ist, bleibt fraglich), aber es fällt doch ganz aus der Welt der Nibelungendichter heraus, es ist um Jahrhunderte zurückdatiert. Meisterhaft und voller Schönheit sind viele Bilder für sich( z. B. Kriemlingsbaum), voller fast spulhafter Lebendigkeit die bizarren Szenen aus hilds Abschied von der heimatlichen Erde, der Kindertanz um den Früh dem Hunnenleben. So mögen diese Wilden einst, mit ihren Pferden berwachsen, durch die Lande gejagt sein, so mögen sie ihre barbarischen Schmausereien und Tänze begangen haben. Unheimlich, urhäßlich mit monftrösem Schopf, goldbehangen ist der verwitterte, schon welfe König Ezel( Rudi Klein- Rogge). In lebendigstem Kontrast zu dieser allzu realistischen Kleinmalerei stehen die germanischen Reden. Monumental, zur Statue versteinert, wirkt Kriemhild ihr grauses Amt, taum die Lippen und nur unmerklich die Augenbrauen bewegend, eine hehre Rachegöttin, die alles Menschliche verloren hat! Da Margarete Schön mit Absicht jeden stärkeren Ausdrud meidet und meiden muß, bleibt sie ohne ohne Steigerung, starr und monoton. Grandios ist Rittner3 Mart. graf Rüdiger; der Zwiespalt zwischen Vasallentreue und Menschlichkeit wird ergreifend lebendig. Machtvoll ist G. A. Koch& Gestalt bes Hildebrand, eine Figur von seinem Adel Albertis Dietrich von Bern. Die Nibelungen sind von den gleichen Darstellern verkörpert wie im ersten Teil: Schlettows ingrimmiger, finsterer Hagen dominiert ob allen. Ganz grotest, aber höchst lebendig charaferisiert Georg John Ezels Bruder Blaodel. Mit ungeheurer Disziplin, mit unendlicher Treue und Liebe ist der ganze Film geschaffen, er wird immer Bewunderung berbienen, aber unser Gefühl erstarrt, es atmet erst auf, als diese ganze Welt mit Egels brennender Burg( übrigens eine erstaunliche, wildprächtige Leistung) zusammengefunken und erloschen ist. Ausgerechnet Wolfenkraker"( Mozartfaal) zeigt einen Meister der amerikanischen Grotesttechnik in einer Bravourrolle. Harold Lloyd ist uns schon in vielen fleinen Filmen bekannt geworden als eine Klasse für fich: modernster Großstadtclown, fabelhafter Afrobat, ein Apparat der Firigkeit mit einem mastenhaften Gesicht, das nur einige Grimassen fennt. In all diesen Künsten und einigen mehr zeigt er sich jetzt in biesem größeren Film, der ihn als Bezwinger jeder Situation, als ein Opfer offenbart, das mit raschester Kombination jeder Fährlichkeit Herr wird, selbst wenn er wider Willen einen Wolfenkraber hinaufflettern muß. An diesem grausamen Sport, der natürlich, mit Hilfe der Tricks ungefährlich ist, hat das Publikum eine Riesenfreude. Was der Kasper den Jungen und die lustige Person in der alten Komödie bedeutet, das ist mit modernsten Mitteln Harold Lloyd den großen Leuten von heute: der Mann, der mit allen Mitteln und Humoren zum Lachen bringt. Der Mann ohne Herz"( Alhambra), nach einem Roman von Ernst Mein, befriedigt bequemer und anschaulicher alle die Bedürfnisse, die Freunde des Sensations- und Kriminalromans sonst durch die Lektüre stillen. Eine sehr bewegte Sache von einer unglücklich verheirateten PrinDie Heimat ruft", ein Svensta- Film, wurde vor geladenen Gaffen im Primuspalast vorgeführt. Es ist ein politisches Drama aus dem Be freiungskampf der Finnländer, das in dem Attentat auf den Gouverneur ( Bobrykow) gipfelt. Ein Vater opfert sich für seinen Sohn, den das Los zu diesem politischen Mord bestimmte. Das Werk( nach einem Bühnendrama von Tor Hedberg bearbeitet) ist ganz auf Seelenwirkung gestimmt, es hat die feine, vornehme Haltung der Schwedensame und dabei den Elan des äußeren Geschehens. Wir kommen auf den Film zurück, sobald er öffentlich aufgeführt wird, wir wollen aber schon jest energischen Protest erheben gegen die törichten Versuche, politisches Kapital aus ihm für die chauvinistische Heße zu schlagen. Es ist mehr als eine Geschmacklosigkeit, durch Hinzuziehung von Rheinbildern und Texten dem Film deutsche Aktualität zu verleihen. " d. " Zalamort" fonnte, nachdem es wiederholt von der Filmzensur verboten gewesen war, endlich in genehmigter Bearbeitung im Marmorhaus herauskommen. Der gute Geschmack sollte aber die Aufführung dieses Fern- Andra- Apachenfilms ein für allemal verbieten. Emilio Ghione hat ein Manuskript zusammengeschustert, daß er dem vorzügliche Bildausschnitte zeigenden Film zu einem wohl faum mehr zu überbietenden Reinfall verhalf. Im Vorraum des Marmorhauses sah man einen Kranz in Wagenradgröße und die foftbarsten Blumentörbe, die Fern Andra gewidmet waren, doch das sonst so wohlwollende und rücksichtsvolle Publikum des Kurfürstendammes ließ sich diesmal nicht verblüffen und war einmütig in seiner sehr energischen Ablehnung. Ein jeder wurde irgendwie zum Afteur, um sein Mißfallen laut zu äußern. Der Film heißt mit seinem Untertitel ,, Der Traum der Zalarie", und die aktelang träumende Zalarie wurde durch das empörte Publikum derart illustriert, daß es laut schnarchend sich gegen das Orchester durchsetzte. Ebenso wurde als Gegendemonstration die Musit durch ein Pfeiffonzert übertönt. Die Photographie bringt Aufnahmen und Bildtönungen, die Meisterwerke find, doch ist es jammerschade um den Mond und um die Sonne, die in dieses Filmmanuskript hineinscheinen. Der Kurfürstendamm ließ sich diesen Blödsinn nichi bieten, und es ist dringend zu wünschen, daß Zalamort nun nicht in den leinen und fleinsten Lichtspieltheatern auftaucht. Ganz andere Werte hat Das Tagebuch eines Pfarrers", das die RichardOswald- Lichtspiele herausbrachten. Handelte es sich doch um Lamartins Jocelyn, den Herwegh 1840 ins Deutsche übertrug. Der Inhalt, der von Revolutionsgreueln und dem schweren Seelenlampf eines fatholischen Priesters zwischen Liebe und Amt erzählt, gibt den wichtigen Grundton zu einem verinnerlichten Film. Diese Aufgabe ist erfüllt worden, obwohl etliche Längen das Wert beschweren. Natürlich kann ein solcher Film nicht Allgemeingeschmack sein, denn ein großer Teil des Publikums iſt namentlich durch die Amerikaner so sehr auf Abwechslung, Akrobatik und Sensation eingestellt, daß es in seiner Oberflächlichkeit feiner seelischen Stimmung mehr folgen will. Aber für den Film und für die Zuschauer wäre es besser, wenn der verinnerlichte Film, ohne daß er in verlogene Sentimentalität ausartet, fich durchfette. Der Wille, etwas zu leisten, durchflingt auch den Film Im Schatten des Mächtigen", den die Marathon- Film- Ges. im Germania- Palast, Charlottenburg, uraufführen ließ. Man läßt den Tod als Beschüßer eines Kindes auftreten, das später, zur Jungfrau erblüht, aus eigenem Willen heraus, hier auf Erden sein eigen wird. Ms der Tod mit seinen graufigen Zerstörungswerken: Strieg und Seuchen über die Welt zieht, geht die junge Frau flirtend ihre eigenen Wege. Das führt zum Stampf zwischen ihr und dem allmächtigen Tod, bis er, sich ihrer erbarmend, sie vom Leben erlöst. Der Regisseur Beier meisterte diesen Stoff durch ein Kompromiß. Er schuf einen Gesellschaftsfilm mit Märcheneinschlag, und es gelang ihm sehr gut. Raoul Aslan war ein glänzender Vertreter der Hauptrolle. Einmal huschte ein leises Lächeln über sein Gesicht. Das war das einzige, was man an ihm missen möchte. e. b. Jogal Gicht, Rheuma, Ischias, - Tabletten hervorragend bewährt bei Hexenschuß, Nerven- und Kopfschmerzen, Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Sarnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,3% Acid acet. salic., 0406% Chinin, 12,6% Lit., ad 100 Amyl. Thompsons Seifenpulver schont die Wäsche, macht sie blendend weiß Dr. Thompsons Seifenpulver( Marke Schwan) das Paket 30 Pfennig Danksagung Für die anläßlich des Hinscheidens meines lieben Wiannes, unseres Baters, Schwieger- und Großvaters, des Ger wertschaftssekretärs 37826 Max Möckel erwiesene Teilnahme und Beteiligung an der Einäscherung sagen wir allen Bertretern des Deutschen Hutarbeiterverbandes, des Gastwirteverbandes, des Gesangvereins Einigfett Berlin Mitte", der Gewerkschaftskommission Berlins fowie allen Freunden, Berwandten und Betannten auf diesem Wege unseren tiefgefühlten Dant. 28we. Therese Möckel nebst Kindern. Eleg. 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Mai, abends 7 Uhr, im Berbandshanse( Sigungsfaal): Bertranensmännertonferenz. Unbedingtes Erscheinen ist erforderlich. Achtung! 2. Bezitt Achtung! Dienstag, den 6. mai, im Solal von Rofin, Gubenter Straße 19: Bezirks leitungsfikung Wagen- und Karofferiearbeiter Dienstag, den 6. Mai, nahm. 5 Uhr, in Boeters Festfälen, Weberstraße 17: Vollversammlung Tagesordnung: 1. Bericht über unsere Bohnverhandlungen. 2. Diskussion. Mitgliedsbuch der freien Gewerkschaft legitimiert. Die Ortsverwaltung. Grosse Ausstattungswoche in der Wäschefabrik Sonderpreise neueste Must. Oberhemden mit 2 Kragen 6.50 Herren- Unterjacken 3.00 2.90| Dam.- Hemd.u.Beinkl. 1.75..| Damen Unterhemd gr. 85 P feinst. 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