Nr. 21041.Jahrgang Ausgabe Nr. 108 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmart voraus zahlbar. Unter Arenzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Bitauen, Lucemburg 4.25 Goldmart, fite das übrige Ausland 5,25 Goldmart pro Monat. Der., Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit Sied. Lung und Kleingarten. fomte ber Unterhaltungsbeilage Seimmelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareils geile 0,70 Goldmart. Reklameaetle 4 Goldmart. ,, Kleine Anzeigen das fettgedrudte Bori 0,20 Goldmart( zuläffig awei fettaebrudte Marte), icdes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark jedes meitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar acteilt Burch 4,20. GLASE Anzeigen Hie die naaste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SB 68, Linden ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nagm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-293 Verlag: Donbok 2506-2507 Dienstag, den 6. Mai 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bosticheckkonto: Berlin 375 36 Banffonto: Direktion der Distonto- Gefellichaft. Devontentaie Lindenstraße 3 99 Sozialdemokraten. Die deutschnationalen Sieger in Verlegenheit. Die Zusammenfegung des neuen Reichstags läßt sich vollstandig noch nicht feststellen. Heute schon Kombinationen darüber anzustellen, wie die Parteigruppierung und die Regierungsbildung im neuen Reichstag sich gestalten tönnte, ist darum müßig. Eines aber läßt sich heute schon mit Bestimmtheit fagen: b.er Traum der Rechten vom großen und entscheidenden Endsieg ist zerstoben. Wohl hat sie Mandatsund Stimmengewinn zu verzeichnen, aber fein eigentlich politisches Resultat. Sie ist mit großen Hoffnungen und Zielen in die Wahlschlacht gezogen. Das Ziel, das der deutschnationale Führer Westarp geftedt hatte, war, den Bürgerblod unter deutschnationaler Führung zur mathematisch zwingenden Nots mendigkeit zu machen. Dieser Traum hat sich nicht erfüllt. Die Schwächung der Mitte ist aber immerhin so groß, daß die Grundlagen für die Bildung einer festen Regierung der Mitte schwankend sind. Schon heute zeigt sich daher eine neue politische Verstrickung. Wenn das Wahlergebnis schließlich auch die Bildung einer Regierung gestatten wird, die ihre Außenpolitif unter dem Gesichtspunkt der Annahme des Sachverständigengutachtens betreibt, so ist doch das Zustande fommen einer 3 weidrittelmehrheit für das Eisenbahngefeh, das zur Durchführung der Sachverständigen gutachten nötig wäre, nicht möglich, wenn die Deutschnationalen ihre politische Linie aus der Wahlzeit konfequent innehalten werden. Diese Frage aber verlegt heute schon die Deutschnationalen in unverkennbare Verlegenheit Sie haben in den Wahlen die Grundlagen schaffen wollen für eine innere Diftatur der Rechten. Sie haben dieses Ziel nicht erreicht. Was sollen sie nun beginnen? Sie haben den Wahl tampf geführt mit der Forderung der Ablehnung der SachDerständigengutachten. Sollen sie daraus im Reichstag die Konsequenzen ziehen und mit allen Mitteln, vor allem mit dem Mittel der Verhinderung des Zustandekommens des Eisenbahngefehes, die Ausführung des Sachverständigengutachtens verhindern? Das sind die Fragen, über die nicht wir, sondern die Rechtspresse von gestern abend sich den Kopf gerbricht, wobei sie außer acht läßt, daß die Frage, ob das Eisenbahngefeß einer qualifizierten Mehrheit bedarf, juristisch noch nicht geklärt ist. Allen Zeitungsstimmen der Rechten ist ein Gedanke gemeinsam. Sie wollen die bürgerliche Regierung unter der Führung der Deutschnationalen, und sie drängen die bürgerlichen Mittelparteien, sich von dem Gedanken der großen Roalition abzuwenden, um sich unter deutschnationale Führung zu begeben. Die reuz- 3eitung" bezeichnet den Gedanken an ein Wiederaufleben der großen Koalition als Betrug an der Volksmeinung. Die Deutsche Tageszeitung" schreibt: 3weifelsfrei fest steht allerdings schon jetzt die Möglichkeit einer nach rechts tendierenden Regierung, für deren parlamentarische Mehrheit die Demofraten entbehrlich find." Der Lokal Anzeiger mendet sich mit folgenden Ausführungen an die Deutsche Volkspartei:" Die Nation hat mit diesem Wahlergebnis eine große bür. gerlige Koalition mit einem start nach rechts ver. ridien Schwerpuntt ermöglicht und gefordert, und es ist Die Aufgabe der Deutschen Bolfspartei, von diefer Möglichkeit Ge brauch zu machen und diese Forderung erfüllen zu helfen." Und die Nachtausgabe des Tag" schreibt: „ Die, bürgerliche Regierung mit Rechtsturs, das muß das Ergebnis sein, wenn dieser 4. Mai seinen Sinn er füllen fall." Soweit herrscht also unter den Deutschnationalen Einig feit über das, was sie wollen. Die Frage ist nur, was unter dem Rechtsturs verstanden werden soll. Hier ist der Bunft, an dem sich die innere unsicherheit, ber mangelnde einheitlich politische Wille und der Mangel an politischer Orientie rung bei den Deutschnationalen offenbart.„ Kreuz- Zeitung" und„ Deutsche Tageszeitung" verstehen unter dem Rechtsturs eine Regierung unter deutschnationaler Führung, die Ablehnung des Sachverständigengutachtens. Die Kreuz Zeitung" schreibt: " Der Gedante, im Falle eines Scheiterns einer folchen Roali tionsregierung, den Reichstag aufs neue aufzulösen, ift bereits im Wahlkampf des öfteren erörtert worden. Obwohl wir auch einen folchen 3 weiten Rampf feineswegs zu fcheuen hätten, vor allem nicht, wenn es sich um die Fragestellung handelt, ob mir endgültig uns dem Feinde mit Ehre, hab und Gut unterwerfen wollen, würde es unverantwort Bich sein, ein solches Experiment erst in Angriff zu nehmen." Sie läßt den Willen erkennen, das Zustandekommen einer 3meibrittelmehrheit für das Eisenbahngefeß im Reichstage zu Derhindern Das amtliche Ergebnis. 9 99 Mandate Ueberlegungen und Gespräche der Rechtspreffe über die fünf tige deutschnationale Politif und ihre Stellungnahme zu den läufigen amtlichen Endergebnis haben erhalten: Berlin, 5. mai, 12 Uhr nachts. Nach dem vor- nächsten politischen Problemen offenbaren das wahre Wesen Sozialdemokraten Deutschnationale Zentrum kommunisten Volkspartei Bölkische. Demofraten Bayerische Volkspartei 99 62 61 45 32 24 15 9 9 Bayerischer Bauernbund mit Wirtschaftspartei 10 Landlifte mit Nationalliberale Bereinigung Hannoveraner Deutschsoziale 4 5 4 Der neue Reichstag wird demnach 465 Mitglieder zählen, die sich auf 13 Parteien und Gruppen verteilen. Mit ihrer Stimmenzahl froh Ueberschreitung von 60 000 Stimmen ohne Mandat geblieben find die USPD., die Chriftlich- soziale Bolfsgemeinschaft, der Freiwirtschaftsbund, der Mieterschutz und Bodenrecht und die Nationalen Minderheiten Deutsch lands, well fie la feinem Wahlkreisverband die Mindestzahl von 60 000 Stimmen erreichten. Außerdem verlieren aus diesem Grunde der Bayerische Bauernbund mit der Wirtschaftspartei und die Deutschsoziale Partei je zwei Site, so daß 14 Sie mit über 800 000 abgegebenen Stimmen wegfallen die ST Das amtliche Berliner Wahlergebnis. Gültige Stimmen. Sozialdemokraten Demofraten Kommunisten 4 Wirtschaftspartei Deutschjoziale Häußer Zentrum Deutschvölkische Sozialistischer Bund Deutsche Volkspartei. Polen.. usp.. Republitauische Partei Nationale Freiheitspartei Arbeitnehmerpartei Deutschaationale Nationalliberale Vereinigung 1096 826 238 861 93 953 225 194 41 388 35 218 976 44 161 40 064 7 323 77 251 4589 33 559 7633 2 330 3 163 235 151 5282 Durch Liftenverbindung mit Wahlkreis Potsdam 2 haben Demokraten ein zweites Mandat erlangt, das auf Frau Dr. Lüders entfält. Wie bereits mitgeteilt, ist auch Genoffe Aufhäuser durch Liftenverbindung als vierter gesichert. Neben diefer einen Richtung der deutschnationalen Politit, mie sie in Kreuz- Zeitung" und" Deutscher Tageszeitung" ertennbar ist, steht eine andere. Für diese andere Richtung bedeutet Rechtskurs Teilnahme der Deutschnationalen an der Regierung, innerpolitische Orientierung nach rechts hin, außenpolitisch aber Erfüllungspolitik. So schreibt der Tag": ,, Es wird also unter vernünftigen politischen und wirtschaftlichen Gefichtspunkten ganz ausgeschloffen sein, daß bürgerliche Parteien, die nach dem Eingeständnis des Außenministers schon mit der bisherigen Sozialdemokratie nicht regieren konnten, mit biefer wesentlich rabifaleren sozialistischen Frattion regieren. Dazu tommt, daß eine folche Große Roalition niemals die 3 weidrittelmehrheit für die Gefeße bekommen würde, die bei der Durchführung der Sachverständigengutachten gemacht werden müßten. Demgegenüber würde eine bürgerliche oalition in fehr vielen Fragen sicher auch der Untertügung der Deutschöllischen und der Demotraten dyer fein. Sie hätte in der auswärtigen Bolitit freie and im Sinne der legten Erklärungen der Deutschnationalen, und könnte, falls fie Geseze mit verfaffungsändern der Mehrheit für die Durchführung irgendwelcher Reparationsverpflichtungen maden wollte, auch ber Buftimmung der Sozialdemokratie fidher sein." Mit anderen Worten: die Deutschnationalen sollen fich the patentierte nationale Haltung gegenüber ber Er füllungspolitit für Ministerporbefeuilles abfaufen lassen. Diese der Deutschnationalen Partei. Diese Leute, die ohne festeat Willen, ohne ein flares Bild zu haben, von dem, was sie wirflich wollten in den wichtigsten politischen Fragen, in den Kampf gezogen sind, indem sie sich als die Retter Deutschlands onpriesen, sind nichts anderes, als gewöhnliche Demagogen, die aus der verworrenen Lage Deutschlands parteipolitisches Kapital und Reichstagsmandate herausschlagen wollten. Sieger, die nicht wissen, was sie mit dem Sieg" anfangen sollen, nicht einmal, was fie eigentlich wollen. Sie schwanken hin und her zwischen dem Festhalten an dem, was sie während des Wahlkampfes gepredigt haben und ihrer Machtbegierde. Auf welche Seite fie schließlich fallen merden, das steht dahin. Die radikalen Deutschnationalen sind aber bereits schwüler Ahnungen voll. In der Deutschen Zeitung" stößt Maurenbrecher einen Alarmruf aus. Der Gedanke der Bürgerfoalition ist für ihn schon„ Verwässerung der nationalen Opposition": ,, Die große Gefahr für die Deutschnationalen ist heute, daß sie sich dazu verführen lassen, nunmehr auch eine heute, daß sie sich dazu verführen lassen, nunmehr auch eine Mittelpartei zu werden. Wie die Sozialdemokraten in den Kommunisten, so haben die Deutschnationalen heute in ben Bartei-, Bölkischen eine Flügelparbei, der es äußerst erwünscht kommen würde, wenn es ihr gelänge, die Mutterpartei nach der Mitte abzudrängen. Die Deutschnationalen haben es heute in der Hand, entweder sich in die Mitte der großen Roalition abdrängen zu Ieffen, oder die Führung ber nationalen Freiheitsbewegung zu gewinnen. Bon ihrer Entscheidung wird es abhängen, ob der große Aufschwung, den der nationale Gedante bei diesen Wahlen nahm, zum endgültigen Siege führen wird oder nicht." Ob die Deutschnationalen sich für das eine oder für das andere, für die Fortsetzung der Demagogie oder für die Sti lung ihrer Machtbegierde entscheiden werden: die Zukunft und die Dauer des neuen Reichstags ist jedenfalls auf das höchste ungewiß. Wollen sie ihre Zustimmung zur Erfüllungspolitik erfaufen um den Preis von Ministerportefeuilles und eines reaktionären Kurses in der inneren Polit so wird die Sozialdemokratie, immer noch die stärkste Fraßs tion des Reichstags, mit ihrer ganzen Kraft fich diesem Rechtsfurs entgegenwerfen. Wollen sie aber die Lösung der Reparationsfrage verhindern, so wird die Entscheidung über das Geschid des neuen Reichstags sehr bald fallen müssen. Mandatszuteilung und Zwergparteien. Meber die Mandatszuteilung auf die Zwergparteien herrscht vielfach eine irrige Auffassung. Deshalb sei hier darauf hingewiesen, daß eine Partei auch durch Listenverbin dung im Bezirksverband und auf der Reichsliste fein Mandat erhält, menn fie nicht in einem der Wahlkreise mindestens ein Mandat, also 60 000 Stim. men, befommen hat. Die Listenverbindung in den Wahlkreis verbänden fonn nur dann ein weiteres(§ 31 RWG.) Mandat bringen, wenn die Partei in dem betreffenden Einzelwahlkreise 1. mins destens ein volles Mandat und 2. mindestens 30 000 Reftstimmen bekommen hat. Andernfalls wird im Bezirksverband fein Mandat verteilt, sondern die Reststimmen gehen un verbraucht auf die Reichsliste über. Dort können sie aber auch nur für eine Mandatszuteilung nugbar gemacht werden, wenn die Partei mindestens ein Mandat in einem Einzelwahlkreise erhalten hat. Bei der Wahl 1920 hatten die Kommunisten im ganzen Reiche 441 995 Stimmen erhalten. Da sie aber mur im Chemnizer Bezirk die für ein Mandat erforderlichen 60 000 Stimmen aufgebracht hatten, erhielten sie auf 381 995 test stimmen nur noch ein einziges Mandat, so daß 321 995 fommunistische Reststimmen im letzten Reichstag unvertreten geblieben sind, auf die fünf weitere Mandate gefallen wären, wenn die KPD. damals noch fünf Mandate in den Wahl freisen bekommen hätte. " Allem Anschein nach werden bei der diesmaligen Wahl sowohl die Liebknecht- Gruppe wie die Ledebour- Gruppe, die Runge- Partei" wie die Republikanische Partei", der Häußer. Bund wie der Geusen- Bund und alle übrigen Zwergparteien das Schicksal der KPD. von 1920 teilen. Sie haben in feinem der Wahlbezirte 60 000 Stimmen aufgebracht und erhalten daher auch meder im Bezirksverband noch auf der Reichslifte ein Mandat Nugios abgegebene, weggeworfene Stimmen! Weitere Wahlkreis- Ergebnisse. Wahlkreis 7: Breslau. Borläufiges amtliches Wahlergebnis. 12 Bezirke fehlen noch. SUD. 233 179, RBD. 39 167, Gültige Stimmen: 931 481. 59 3- 167 603, Dntl. 270 068, D. Bp. 68 179, Dem. 36 641, Dtschpölt. 37 762, Dioz. 38 231, Häußerb. 389, NL Bgg. 2972, Republ. 1839. Wahlkreis 8: Liegnih. BSPD. 166 394( 185 018), PD. 36 396( 5544), 3. 52 993( 51 770), Duff. 181 640( 118 497), D. Bp. 48 410( 80 025), Dem. 45 790( 72 278), Difchvölt, 8848, Dio3. 23 224, Nat. Freiheitsp. 5456, Republik. 1483, Wirtschaftsp. 33 297, Wend. Vp. 2077. Es sind demnach gewählt: brei Deutschnationale: Ostar Hergt, Staatsminister, Berlin; Hermann Schröder, Stellenbesiger in Karlstadt; Eduard Manste, Freistadt; zwei Sozialdemokraten: Paul Taubadel, Redakteur in Görlitz; Otto Buchwitz, Parteisekretär in Mays bei Görlig; der bisherige Abg. A opsch und der voltsparteiliche Abg. Beuermann. Wahlkreis 17: Westfalen- Nord. Stimmen: Gülfige Vorläufiges amtliches Wahlergebnis. 1049 983. SU D. 189 314, 33D. 92 656, Usp. 7732, 331.- S03. 36 416, 3. 379 066, Dnatt. 156 179, D. Bp. 101 333, Dem. 38 845, Dffovolt. 36 416, Dioz. 6063, Häußerb. 837, Chrifil. So3. 33 283, Kat. Freiheitspt. 1660, Polen 6560. Einige Orte find noch nicht gemeldet. Wahlkreis 20: Köln- Aachen. Borläufiges amtliches Wahlergebnis. 3 SBD. 91 649, APD. 25 601, Dijdvöll. 13 171, Dioz. 7891, Häußerb. 621, Mieterich. 25 901, 128 145, ups. 6847, 3. 447 694, Dntl. 66 441, D. Bp. 69 713, Dem. Republit. 1370, Bolen 638, Rhein. Wirtschaftsb. 26 736. Die Wahlen in Bayern. München, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In den völkischen Kreifen Bayerns wurde man von dem erheblichen Stimmenrüdgang der Bölkischen Partei außerordentlich überrascht. Allgemein ist man peinlich berührt von der Tatsache, daß aller Wahrschein. lichkeit nach durch das Ergebnis der Wahlen in der Pfalz die völlische Fraktion von ihrem Platz als zweitstärkste Fraktion im Land tag von der Sozialdemokratie verdrängt werden wird. Aller. dings ist die amtliche Aufstellung der Restmandate noch nicht erfolgt. Einstweilen haben durch die Landtagswahl in der Pfalz gewonnen: die Sozialdemokraten 3 Mandate, die Rommunisten und bas Zentrum 1, die Bayerische Boltspartei 2, die Bereinigte Natio nale Rechte 3. Vier Restsize bleiben noch zu verteilen. Die Erregung der Bölfischen über ihren Berlust macht fich in neuen Angriffen auf den Innenminister Dr. Schwener bemerkbar, gegen den sich die besondere Wut der Hakenkreuzler richtet, nachdem er endlich ein grundsägliches Verbot des Tragens der Uni. form und der Abzeichen der alten Wehrmacht er. laffen hat. Das Berbot wurde bereits am Wahlsonntag durchgeführt. Diese Maßnahme führte im Standquartier der Bölkischen zu drohenden Protesten gegen den Innenminister. Landtagswahlen in der Pfalz. Speyer, 5. Mai.( WEB.) Ueber die bayerischen Landtagswahlen wurde bis jeht folgendes Ergebnis bekannt: Es erhielten Sozialdemokraten 80728. Deutscher Blod( Dem.) 29 968, Rommuniffen 42 641, Beamtenbund 3536, Zentrum 31 690, Bayer. Boltspartei 61 104, Bereinigte Nationale Rechte 80 589, Bölkischer Biod 14 699 Stimmen. Der bayerische Volksentscheid. Ludwigshafen, 5. mai.( WIB.) 3m Volfsentscheid über Lenderung der bayerischen Verfassung wurden mit ja 8353, mit nein 28 119 Siimmen abgegeben. Die Ergebnisse von vier Wahlbezirken fehlen noch. Württembergische Landtagswahlen. Stuttgart, 5. Mai.( WEB.) Bei den Landtagswahlen in Württemberg entfallen auf den Bauern- und Weingärtnerbund 17, Deutsche Demokraten. 9, Deutsche Boltspartel 3, Kommunisten 10, Deutschnat. Blod 8, Bereinigte Sozialdemokraten 13, Bölkischsoziale 3, Zentrum 17 Sige. Die alten Parielführer find durchweg wiedergewählt. Die Radio- Scheidung. Bon Bictor Mendel Bor der Kammer für Chefcheidungen des Landgerichts II zu Berlin steht die Klage der Frau Minna Breuß gegen ihren Ehemann, den Mechanifer Karl Breuß, zur Berhandlung. Sie beantragt Sie beantragt Scheidung wegen förperlicher Mißhandlung und Bernachlässigung ehelicher Pflichten. Temperamentvoll schildert sie die trüben letzten Monate ihrer noch jungen Ehe, und haberfüllt fliegen hin und mieder ihre Blicke auf den Beklagten, der zerfnirscht ihre Klagelieber mit anhört.„ Sehen Sie, Herr Präsident, mein Karl war der bejte Mann, bis die verfluchte Mode mit das Radio anfing. Mein Mann ift Elektriker und hatte mal mit feine Strippenzieherei bei eine Herrschaft am Kurfürstendamm zu tun, da muß es der Deibel wollen, daß er da zum erstenmal so eine Funfentute zu hören friegt; er muß sich das Ding natürlich gleich auseinanderpolfen, wobei er noch die Plomben von dem Rasten abreißt, so daß die Leute den größten Shunt mit die Telegraphenverwaltung gefriegt haben." Dafor bin ich Mechanifer, der mit seine Zeit mitjeht und von alle Neuerungen die richtige Konfusion haben will." " Ja, und die haste ja nun auch richtig getriegt, von dein Koft geld hafte mir die nächsten Wochen immer nur noch die Hälfte gegeben, weil du jeden Tag mit neue Rinterlitzchen angezoltelt fommen mußteft. Zuerst habe ich noch gute Miene zum bösen Epiel gemacht, weil er mir mit unjeahnte Genüffe" vertröstete und sich die ganze Chose in eine Zigarrentiste zusammenbauen wollte, aber denn kam die Bildung bei ihn zum Durchbruch, ein Buch nach's andere wurde ins Haus geschleift nu war der Reflektorapperat „ Detektor meint se, Herr Präsebent! Daran fönnen Sie schon fehen, daß eine Frau auf eine solche Stufe von Bildung von mir als nich für geeignet zur Weiterführung des ehelichen Zustandes erachtet werden fonnte." Wie der Kram heißt, is mir fehr piepe! Aber nu war eben der Reflektorapperat nich mehr gut genug, jezt mußte er auch einen Lautsprecher mit Auktionsröhren haben, damit er auch England hören kann, wo der Raffer mit seine janse Bildung vons Englische noch nich mal weiß, was vorn und hinten ist. Nu fings los: Jeden Abend hat er mir das teure Potrofjum literweise verbrannt und wenn ich ihm auch noch so füß zuflüsterte: Na Kari, nu aber mal rinn in die Molle! er huckte bis um breien, vieren bei seine Bastelei. Bloß morjens, wenns zur Arbeit jehen sollte, fonnte er mich raus aus de Posen, so daß ihn sein Meifter schon zweimal rausschmeißen wollte und ich ihn nur durch meine persönliche Fürsprache davor retten tonnie." Bussiert hafte mit den Ollen!" " Bei mir Nordpol! Rich ran zu kommen! Vielleicht möchst de moch Gegentlage erheben? Endlich is er mit seine Bimmerfiste fertig geworden. Nu bloß noch die Arberie, meint er, und: bei mir Gemeindewahlergebnisse. Köln, 5. Mai.( Mtb.) Die Ergebnisse der Stadtverordneten. wahlen in der besegten Westmart zeigen im allgemeinen diefelben Erscheinungen wie die Reichstagswahlen. Die Mittel Deutschnationale sind die lachenden Erben. Am schwersten parteien haben Einbußen erlitten und Kommunisten und hat wohl die Sozialdemokratie gelitten, die in Köln von 44 auf 11, in Düsseldorf von 33 auf 6 Gige fant. Das 3entrum zieht in Köln mit 27( 49), in Düsseldorf mit 21( 33) Vertretern in das Stadtparlament. Seine absolute Mehrheit hat es in Bonn, in Aachen und selbst in der altwestfälischen Bischofsstadt Münster verloren. Die Demokraten verloren auch in Köln und Düsseldorf über die Hälfte ihrer Sige und haben auch an den übrigen rheinischen Hauptplähen taum noch Bedeutung. Die Deutsche Boltspartei, bie bei den Reichstagswahlen ihren Befihstand zahlenmäßig nicht behaupten konnte, hat in den Stadt ratswahlen durchweg ihre Mandatsziffer erhöht. Sie stieg in Düsseldorf von 2 auf 7 Gize, in Köln von 6 auf 8. Den stärksten Buwachs unter den Bürgerlichen verzeichnen durchweg die Deutschnationalen. Immerhin ist in den Stadtparlamenten eine Startung bes bürgerlichen Elements wahrzunehmen, fo in Düsseldorf, wo die Bürgerlichen der Linken nur schwach über legen waren und nun mit voller 3 weidrittelmehrheit gegenübertreten. Allerdings ist die Stoßtraft der Bürgerlichen viel fach geschwächt durch das Auftreten von berufständischen Parteien, wie z. B. des Wirtschaftsbundes in Düsseldorf, der sich in heftiger Fehde mit den Deutschnationalen in den Wahlkampf begab. Bu beachten bleibt natürlich, daß die Stadtparlamente durch weg um ein Fünftel ihres früheren Bestandes an Sigen ge. türzt wurden, ein Umstand, der die Verluste einiger Barteien minder groß, die Zunahme anderer Parteien um so plastischer er Icheinen läßt. Die Wahlbeteiligung war frog des schönen Wahlwetters schwach und betrug an den Hauptplähen ungefähr 66 Prozent. Dortmund, 5. Mai.(( TU.) Bei der Stadtverordnetenwahl erhielten die Kommunisten, die bisher nur zwei Bertreter hatten, die Mehrheit und haben daher den Vorsitzenden zu stellen. Die Sozialdemokraten, die bisher die stärkste Frattion waren und als Borsitzenden den Reichs- und Staatskommissar Mehlich gestellt hatten, find an die vierte Stelle gerüdt. Hamm, 5. Mai.( Mtb.) Bei den gestrigen Stadtverordnetenwahlen wurden gewählt: DSPD. 5, 3. 13, Bereinigte Liberalen 8, Gemischte Bereinigung( Mieterpartei) 5, Dem. 4, RBD. 4, Gewert: verein Hirsch- Dunder 1. Hannover, 5. Mai.( TU.) Bei den Gemeindewahlen in der Provinz Hannover haben die Rechtsparteien gegenüber den merkenswerte Siege errungen. In Lüneburg erhielt der bür Sozialdemokraten und Kommunisten an den meisten Blägen be gerliche Wirtschaftsblod 19 Gige, die Hannoveraner 5. Diesen gegenüber stehen 10 Size der Sozialdemokraten und 3 Size der Kommunisten. In Goslar 17 bürgerliche Size, 6 Sozialisten, in Emden 14 bürgerliche gegen 10 Sozialisten. Erfurt, 5. Mai.( TU) Die geftrige Stadtverordnetenwahl hat die sozialistisch- kommunistische Mehrheit infolge des erheblichen Rüd Rückgangs der sozialdemokratischen Stimmen gebrochen. Frankfurt a. M., 5. Mai.( TU.) Die Wahlen zur Stadtver ordnetenversammlung hatten folgendes Ergebnis: BSPD. 20, Dem. 7, 3. 9, D. Bp. 7, Dntl. 11, KPD. 7, Arbeitnehmergruppe( Gewerkschaftsbund der Angestellten 2, D. Wirtschaftspt. 3, Sog. Arbeitsgem. 2, Völkisch- sozialer Block 3 Sige. Es gewinnen die Deutschnationalen 7, die Kommunisten 6, die Arbeitnehmer 2, die Wirtschaftspartei 3, die Soziale Arbeitsgemeinschaft 2, völkisch- sozialer Blod 3 Sitze. Es verlieren die Scaialdemokraten 11, die Demotraten 10 und das Zentrum 1 Gig. Die Deutsche Volkspartei behauptet ihren bisherigen Befihstand. Königsberg, 5. Mat.( T.) Das Ergebnis der Königsberger Stadtverordnetenwahlen ist folgendes: BSPD. 13 127, Dntl. 16 715, Dem. 5796, D. Bp. 23 698, Dio3.( Runze) 5660, Wieterliste 24 325, RBD. 23 197, Evangelischer Gemeinschaftsbund 6237, 3. 3142, Böltisch- sozialer Freiheitsblod 9224. Die fommunistischen Gefangenen im Gefängnis Fuhlsbüttel find am 1. Mai wegen einer Beschränkung der Besuchszeit in ben Hungerstreit getreten. Rabio, aus alle Rizen Mufife! Zuerst hat er unfere gemeinsame eiferne Bettstelle mit einen Draht ans Klosett gehängt, er hat die Arterie beerdigt". Und so dußlich wie er ist, er hab es trotzdem fertiggefriegt, hin und wieder ein paar Löne rauszudrüden mus hat. Aber nu mars ganz aus! So wie er von die Arbeit tam, meinen einzigen Küchentrichter den er als Lautsprecher angelötet ran an die Rifte und bei mir Taubstummenanstalt. Bei das leiseste Börtchen, das ich mal an ihn zu richten wagte, winfte er mit wide Mörtchen, das ich mal an ihn zu richten wagte, mintte er mit wife Bantaminen ab: Quatsch mir nich in die Wellen! Und wenn ich mir denn endlich todmüde und mutterseelenallein( hier schluchat die Klägerin leise auf, während der Beklagte unruhig zu Boden blickt) in die Flohkifte packte, die bei ihm bloß noch Arterie" hieß, und menn ich dabei mit die nackten Beine auf die Erde tam, brüllte er mir bloß an: Du verfaust mir die janze Illufionierung! Bis mir die Ziden zu dumm wurden, und ich die eiserne Bettstelle mit eine hölzerne von die Nachbarin vertauschte. Worauf er mir die halbe Kücheneinrichtung zertöpperte und eine Innenarterie mit Drähte treuz und quer an die Dede Img anlegte. Daß er babei halbe Kücheneinrichtung zertöpperte und eine Innenarterie mit mit die Leiter umtippte unb 14 Tage von die Arbeit wegbleiben bioß nebenbei. Innerlich war ich trotzdem froh, denn er hatte sich mußte, so daß ich den Strolch mit Wäschewaschen ernähyren mußte, die hölzerne Arterie und ließ feinen Radio trillern. Gines Lages tie Schnauze so gefloppt. daß er ganz fusch war. Nu lag er in aber, id dente an nischt Böfes, und hänge meine Wäsche an die Innenarterie auf, fommt er nich wie wahnsinnig raus, feht mir die faubere Wäsche in den Dred, und wie ich mir das höflich vabitte, indem ich ihm bloß frage, ob es bei ihm pict, da läft er mir so eine, daß ich dente: Bei mir Moffe, vons Dach burch alle Etageren bis in'n Keller! Nu cars aus. Id meine Klamotten einpacken und die Scheidungstlage einreichen, war eins." ftellung der Klägerin einzuwenden und bittet nur, als ihm der VorDer Beklagte hat wenig gegen die an sich zutreffende Dar. fizende tlar macht, daß auf Grund dieser Tatsachen er selbst als schuldiger Teil ertiärt werden müßte, feierlichst um Berzeihung, die ihm seine Gattin denn auch endlich, nach fräftigem Zureden der beiden Anwälte bewilligt, zumal sie hört, daß die Ursache allen 3mistes, der ominöfe Radioapparat, als unangemeldet" befchlag. nahmt wurde. Als sie mit dem reumütig Liebe und Gehorsam schwörenden Kart erhobenen Hauptes den Gerichtsjaal verläßt, tönt es noch einmal von ihren Rosenfippen:„ Du kannst dir gratulieren. Bei mir Hannover: Immer an die Leine!" Arbeitslosigkeit unter den russischen Herzfen. Ein Herzfefongrek, der dieser Tage in Petersburg stattfand, beschäftigte sich mit der schweren Lage des Aerzteftandes in Petersburg. Während die Provinz, wie der Dit. Expreß berichtet, immer wieder vergeblich um die Niederlassung von Aerzten nachsucht, sammeln sich in Petersburg viel zu viel Werzte an. Burzeit find 500 von ihnen arbeitslos. Der Kongres bejchloß, alle Aerzte, die sich grandfäglich weigern, einen Ruf in die Proving anzunehmen, aus dem Bergteverbande auszuschließen. Reichstagswahl und Ausland. Pariser und Londoner Beurteilung des Wahlausfalls. Paris, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Auf Grund der ten denziösen Berichte, die die Berliner Korrespondenten der hiesigen schaft gegeben, hatte man hier mit einem großen Sieg der extremen Blätter seit Wochen über die Stimmung in der deutschen WählerNationalisten gerechnet. Die bisher vorliegenden Wahlresultate zeigen, wie sehr die öffentliche Meinung in Frankreich wieder einmal irregeführt worden ist. Selbst sehr rechtsstehende Blätter müssen anerkennen, daß die Erfolge der Deutschnölkischen weit hinter den Erwartungen zurückbleiben und auch der Stimmenzuwachs der Deutschnationalen feineswegs überwältigend ift. So schreibt der Intransigeant": die extremen Nationalisten felen von der Deutschnationalen Bolfspartei geschlagen worden, und felbft in Bayern habe Tirpik über Ludendorff zu fiegen vermocht. Troß der maßlosen Propaganda der chauvinistischen und Revanchepolitiker habe das deutsche Volt es abgelehnt, sich der Reaktion in die Arme zu werfen. Offenbar habe man in Deutschland erkannt, daß alle Revancheabsichten Europa in geschloffener Abwehrfront be reiffinden würden. Das Urteil des Temps" geht dahin, daß die Wahlen 6 feinerlei grundstürzende Aenderung in der politischen Struttur Deutschlands herbeigeführt haben. Die beiden bemerkenswerteften Resultate feien, daß die Deutschnationalen nach links an Boden gewonnen, fehr wenig nach rechts verloren hätten, und die Stimmen, die 1920 der Unabhängigen Sozialdemokratie zugefallen, diesmal zum größten Teil zu den Kommunisten übergegangen seien. Außenpolitisch bedeut sam sei, daß die Oppositionsparteien, Deutschvölkische, Deutſchnatio= nale, Bayrische Boltspartei und Kommunisten, start genug feien, um die zur Durchführung des Sachverständigenprogramms notwendi gen Geseke, die meist eine Zweidrittelmehrheit erforderten, em Reichs tag zu Fall zu bringen. Der Zuwachs der nationalistischen Rechten," schließt das Blatt, dürfte an sich nicht schlimm sein, wenn nicht die raditale Arbeiterschaft die Reihen der Sozialdemokratie verlassen haben würde, um sich der Diffatur Mostaus zu unterwerfen. Denn Mostau habe es nunmehr in der Hand, die von den Experten vorgeschlagene Lösung des Reparationsproblems, zum Scheitern zu bringen." Die„ Liberté" meint: genau wie die fommunistischen Regierungen in Sachsen und Thüringen, so würden auch die kommunistischen Wahlerfolge nur dazu beitragen, die egtreme Rechte weiter zu verstärfen. Condon, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Blätter brüden über die vorliegenden Teilergebnisse der deutschen Wahl ihre Be friedigung darüber aus, daß sie eine Mehrheit für die Annahme des Sachverständigenberichts ergeben hat. Allerdings wird bezweifelt, baß sich im neuen Reichstag eine 3 weidrittelmehrheit für die notwendige Verfassungsänderung finden wird. Amerikanische Presseurteile. New York, 5. Mai.( Frif. 8tg.) Die New Yorker Breffe ift im allgemeinen befriedigt in der Meinung, daß die Annahme des Expertenplanes wohl gesichert fei. Nach Depeichen. die aus Washington in New York eingetroffen find, hat man auch dort einen guten Eindruck von dem Verlauf und Ergebnis der Wahlen in Deutschland gewonnen, weil die Netsparteien nicht die erwarteten großen Gewinne erzielt hätten. Polnische Preffeftimmen. Warichau, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die polnischen Blätter äußern sich dahin, daß die Arbeitsfähigkeit des neuen Reichstags, obwohl die Mittelparteien nicht besonders gelitten hätten, ernstlich in Frage geftellt fei. Falls die Denticnationalen sich an der Regierung beteiligten, würden fie wahrscheinlich eine Verschleppungstaltit den Sachver ständigengutachten gegenüber befolgen. Der Verein der ausländischen Preffe hat am Sonntag im Hotel Esplanade feine jährliche Generalversammlung abgehalten. Zum Borstand für das Bereinsjahr 1924/25 wurden folgende Herren ge wählt: Borsitzender! 3. 2. dem Bano( Argentinien), Stellvertr. Bor fizender: Mar Bloczyl( Holland), Schriftführer Lochner( Bereinigte Staaten), Schagmeister: W. Loewenton- Nafimoff( Rußland). Bei fizer: G. de Benedetti( Italien), B. Bodter( England), S. Miles Bouton( Bereinigte Staaten), 5. S. Daniels( England), Arel Thorsted ( Norwegen), de Billemus( Frankreich). Die Lackschuhe. Bon Hans Bauer Neulich bin ich während einer Eisenbahnfahrt mit einem Herrn meines Abteils ins Blaubern gefommer. Es war nicht meine Schuld, daß das Gespräch in ein politisches ausartete. Die Mitfahrenden aber das wurde anders, als diefer plöglich erklärte: Bor zwei maren eigentlich gar nicht so sehr auf der Seite meines Barmers, Monaten, wiffen Sie, da bin ich durch Serbien gereift, wissen Siel und wissen Sie, was die Arbeiter bort alle tragen? Lackschuhe an den Füßen tragen fie. " Es stellte sich im Laufe der weiteren Erörterungen heraus, daß er bamit hatte sagen wollen: Deutschland hätte den Parlamentarismus nicht einführen und feine Reparationen zahlen dürfen, dann stünde es heute nicht schlechter da als das armselige Serbien, in dem, weil es feine Reparationen zahlt, sogar die Arbeiter in Lackschuhen spazieren gehen fönnen. Ich gab mir Mühe, den starken Einbrud, den das Argument jenes Herrn auf das Abteil gemacht hat, zu entfräften. Aber ob es nun daran lag, daß ich mich in einem Abteil dritter Klasse befand, wo die Insassen manchmal weniger intellektuell sind als in solchen pierter Büle, oder ob es meiner Rebe an Eindringlichkeit gebrach: ich wirkte nicht. Es gelang mir nicht, das Problem des Parlamen fchen Arbeiter loszulösen. Es verfing teine Logit, die einleuchtend farismus und das der Reparationen von den Lackschuhen der serbi fompler nicht mit einer so nebenfächlichen Sache in Berbindung ge zu machen versuchte, daß ein hochpolitischer, fomplizierter Fragenbracht werden dürfe, die noch dazu auf einer vagen Behauptung beruhte. 22 Da hielt ich die Bartie schon verloren, als mir plößlich ein Herr zu Syilfe fam, der fehr nachdenklich bisher in seiner Ede gesessen hatte. Es fragt sich natürlich," warf er ein, was es mit den Lad schuhen auf sich hat. Auf dem Baltan, müssen Sie wissen, wird häufig eine Badimitation getragen. Wer nicht, wie ich, von der Branche ist, läßt sich leicht täuschen." Das Abteil horchte auf. Der Serbienreisende fonnte nicht recht Rede und Antwort stehen. Da wurde das Abteil mißtrauisch. einen Vortrag gehalten hätte, würde seinem Verständnis eher be Wer ihm jetzt über die Notwendigkeit der Reparationszahlungen gegnet fein. Ich hatte keine Luft dazu. Der Stidstoffverbrauch der Erde stieg nach einem Bericht der Umschau" von 808 031 Tonnen im Jahre 1913 auf 1 285 399 Tonnen im Jahre 1918, alfo um 59 Prog. Dabei baben fich die Methoden der Gewinnung in sehr bezeichnender Weise verändert. Die Bindung von Lufiftichstoff hat cußerordentlich zugenommen, während die Ber wendung von Chilefalpeter und Rotereiprobuften zurüdgegangen ist. Der Luftstickstoff deste im Jahre 1922 41 Bros. des Gesamtver brauches von 875 000 Tonnen; 35 Broz. tamen auf den Chilefalpeter und 24 Broz. wurden auf anderem Wege gewonnen, hauptsächlich aus den Waschwässern der Rotereien und Gasanstalten. In den Vers einigten Staaten überwiegen die letzteren Quellen noch bedeutend die Bindung des Luftftichstoffes, der nur 8 Prozent von dem Jahresver brauch von 179 000 Tonnen im Jahre 1922 ausmachte. Der bayerische Ausnahmezustand. Wieder in voller Blüte. München, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Mit Erledigung der Wahlen hat die vielumstrittene Berordnung der bayerischen Regie. rung durch Sicherung der Wahlfreiheit bzw. Einschrän fung des Ausnahmezustandes ihre Gültigkeit verloren, so daß seit Montag in Bayern der Ausnahmezustand in vollem Umfange wieder in Kraft ist. Das vom ehemaligen Generalstaatsfommiffar erlassene grundsätzliche Verbot der Kommunistischen Partei und der völkischen Organisation des Rampfbundes mird jetzt wieder uneingeschränkt durchgeführt. Offenbar in Erwartung dieser Maßnahmen haben die Bölkischen den verbotenen und aufgelöften Kampfbund in einer neuen Organisation aufgenommen. Bereits am 1. Mai haben sich in Nürnberg in Form einer Arbeitsgemeinschaft der„ Deutsche Schützen- und Wanderbund", die„ Reichsflagge", der Jungdeutsche Orden Franken" und der„ Bund Frankenland" zum völkischen Wehrring in Bayern zusammengeschlossen. Wie man jetzt erst erfährt, ist vorige Woche in München der feit langem ftedbrieflich verfolgte Günther Brand verhaftet worden, der in dem Verdacht steht, das Automobil zur Flucht der Erzberger Mörder, die ihren Weg bekanntlich über München nahmen, gestellt zu haben. Knilling demiffioniert. München, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die bayerische Re gierung Knilling hat bereits am Montag nachmittag offiziell thren Rücktritt erklärt, indem der Ministerpräsident folgende Schreiben an den Präsidenten des Landtages richtete:„ Nach§ 58 der bayerischen Verfassung wird das Gesamtministerium durch den Landtag bestellt. Der Landtag, aus dessen Bestellung das gegenwärtige Ministerium hervorgegangen ist, ist aufgelöst. An seine Stelle tritt nunmehr nach Vollzug der Neuwahlen in ganz Bayern der fünftige Landtag. In Uebereinstimmung mit den übrigen Regierungsmit gliedern erkläre ich deshalb im Namen des Gesamtministeriums den Rücktritt. Die Mitglieder des bisherigen Kabinetts werden entsprechend ihrer verfassungsmäßigen Berpflichtung die Geschäfte bis zur Bildung der neuen Regierung weiterführen." Für die Neubildung der Regierung find Ausführungen be merkenswert, die der Führer der Deutschnationalen Mittelpartei, Profeffor Hilpert, am Sonntag abend gemacht hat. Er wies darauf hin, daß die Bayerische Bolkspartei in einer gründlichen Untersuchung der durch die Neuwahlen geschaffenen politischen Ronstellation zu dem Ergebnis gekommen sei, die Regierung allein zu übernehmen. Hierzu brauche die Bayerische Volkspartei aber Rückendeckung, und diese suche sie nicht bei den Bölkischen, sondern nach links hin. über, ohne sich aber mit der Linken zu foalieren. Der Preis, um den diese wohlwollende Neutralität erkauft werde, fei ein schärferes Vorgehen gegen die völfische Bewegung, gegen die Bewegung also, von der auch die Deutschnationalen ein Teil seien. Danach hätte man in Bayern mit einer Minderheits. regierung der Bayerischen Volkspartei zu redynen, die offenbar unterstützt werden soll von den drei Abgeordneten der Demofraten und den acht Abgeordneten des Bayerischen Bauernbundes. Macdonald und die Belgier. London, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die am Wochen. ende abgehaltenen Besprechungen Macdonalds mit den belgischen Ministern wird in offiziellen Kreisen gesagt, daß sie ganz unvers bindlich und„ informal" die Reparationsfrage behandelten. Rolonial minister Thomas fagte in einer Rede in Derby, daß die Hoffnungen Don Millionen Menschen auf gütliche Regelung der Angelegenheit nicht vergeblich seien. Die Besprechungen bei Macdonald feien ge eignet, eine Atmosphäre des Friedens und bes guten Willens zu schaffen. Macdonald wünscht Ende Mai eine interalliierte Ronferenz, nach der dann sofort die Sachverständigenvorschläge zur Ausführung gebracht werden sollen. Wie der Nordpolflug vor fich gehen soll. Einar Larsen, ein Teilnehmer am Nordpolflug Amundsens, erklärbe auf seiner Reife nach Pisa, nach den lebungsflügen bei Pisa und auf Spigbergen zur genauen Feststellung des Benzinverbrauchs und der Leistungsfähigkeit der Motoren, sowie nach einigen Probeflügen im Polargebiet zur Feststellung der Landungsmöglichkeiten, werde die Expe bition folgenden Berlauf nehmen: Da fein Apparat genügend Ben zin für den ganzen Flug von Spizbergen bis Alasta mitzunehmen imftande fet, würden zwei Flugzeuge dem Benzintransport dienen und nur eines die ganze Strecke zurüdlegen. Beim Aufstieg werde jeder Apparat Benzin für 16 Flugstunden mitführen. Nach vier Stunden würden sie niedergehen. Eine Maschine werde dann der anderen für weitere drei Shunden Benzin abtreten und sofort nach Epißbergen zurüdfliegen. Die beiden anderen würden acht Stum. den weiterfliegen. Dann werde das letzte Flugzeug feinen ganzen Benzinvorrat dem Expeditionsflugzeug abgeben und zurüdgelaffen werden. Seine Mannschaft werde auf diesem Flugzeug nach Alasta fliegen. Die Speifung von 1 Million deutschen Kindern. Die Speisungen des Amerikanisch- deutschen Kinderhilfswerks fönnen, wie in der Klinischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, durch die vom General 2llen veranstalteten Sammlungen im tommenden Sommer weiter. geführt werden. Die Zahl der zur Speisung zugelassenen Kinder fann von 500 000 auf 1 million vermehrt und die Menge der für die Einzelmahlzeit angefeßten Wärmeeinheiten trobem etwas erhöht werden; durch Zulassung von Cornedbeef wird ihre Zusammensetzung etwas mannigfacher. In der zweiten Hälfte des Sommers follen die Erholunasheime für Rinber befonders bedacht werden. Unter Unter ben bisher Gespeisten betrug die Zahl der Schulkinder 90 Broz. Das Land der fliegenden Tiere. Australien ist besonders reich an fliegenden Tieren, die nicht dem Bogelgeschlecht angehören. Es gibt zwanzig folcher Arten, und darunter fliegende Eichhörnchen, fliegende Opossums, fliegende Mäuse und jogar fliegende Bören. Alle diese Liere sind nicht eigentlich Flieger, sondern Gleitflieger; fie haben nämlich Flughäute an den Gliedmaßen, mit denen sie anmutig von fach als das schönste Gäugetier der Welt geschildert. Merkwürdiger weise gibt es in diesem Baub der fliegenden Tiere" verschiedene Vögel, die nicht fliegen können. Der Emu, der australische Strauß, und der Rasuar sind beide flügellos und sind auf ihre langen und ftarten Beine angewiesen, wenn sie ihren Feinden entgehen wollen. Die Große Boffsoper bat bas Ausführungsvedt von Tidhaifotostos Bique Da me" erworben. Das Wert wird in nächster Spielzeit in Szene gehen. Josef Schwarz beginnt am Dienstag im Deutsen Dpern. haus feln Gafiipiel in offmanns Gradblungen". Herwarth Walden lieft am 7. in der Kunstausstellung Der Sturm, Potsdamer Str. 134a, aus eigenen Dramen und Schriften. Münchener Jeltiplele 1924. Die biesjährigen Obernfestspiele Bom 1. Auguft bis 9. September bringen Meisterweile von Mozart und agner. Vom 8. bis 15. Suni tirb eine Nigard Straußoche bom 11. bis 19. September eine Hans.figner ode veranstaltet, in denen ein Ueberblid über das Gesamtschaffen der beiben Meister geboten wird. Blockade gegen Deutschland? Paris, 5. Mai.( Eig. Drahtbericht.) Das in franzöfifchen politifchen Kreisen verbreitete Gerücht, daß England und Belgien einig feien, event, das Mittel der Blockade gegen Deutschland anzu menben, wenn es den Plan der Sachverständigen nicht ausführt, wird im französischen Außenministerium feptisch aufgenommen. Man ist der Meinung, daß es ber belgischen Diplomatie nicht gelungen gehen gegen Deutschland zu erreichen, falls dieses in der Reparations. ist, von Macdonald das Einverständnis zu einem attiven Bor frage fünftig versagen sollte. Weiterhin glaubt man, daß es ta u m möglich sein wird, die Schwierigkeiten zu überwinden, die einer gemeinsamen Blockadeaktion der Alliierten gegen Deutschland im Wege stehen. Polizei und Russenmission. Notenwechsel Krestinski- Stresemann. Durch eine amtliche Darstellung, die WTB. am Wahlfonntag| deutschen und anderen europäischen Firmen aud Instruktionen über verbreitete, sind die Angaben des sowjetoffiziösen Berichts über ein die Richtlinien der Konzessions- und Handelspolitik des Sowjet. brutales Vorgehen der Polizei bei der Durchführung der Russischen bundes aufbewahrt, die als Staatsgeheheimnisse gelten. Handelsmission und bei der Kontrollierung des dort anwesenden Personals als durchaus unwahr erklärt und das gerade Gegen teil als Wahrheit bezeichnet worden. Nun wird eine sehr lange Note des Sowjetbotschafters Krestinsti vom 4. Mai an das Reichsaußenministerium- man nennt es jetzt amtlich wieder Auswärtiges Amt veröffentlicht, bie zunächst das Betreten der Handelsmission durch zwei bewaffnete Balizebeamte offenbar die Transporteure des entwichenen fommunistischen Häftlings Botzenhart- als Verletzung des Bölkerrechts bezeichnet und dann fortfährt: In der Handelsvertretung und im allgemeinen in der Botschaft der 1. d. S. S. R. find viele deutsche Staats. angehörige angestellt Sehr viele deutsche Staatsangehörige besuchen während der Amtsstunden die amtlichen Stellen der II. b. S. S. R. in den verschiedenen geschäftlichen Angelegenheiten. Es ist selbstverständlich nicht ausgefchloffen, Baß unter den vielen Angestellten und Besuchern mitunter sich Beute finden tönnen, die von der Polizei aus wegen politischer oder frimineller Delitte verfolgt werden. Die deutsche Polizei hat die volle Möglichkeit, solche Personen in ihrer Wohnung oder auf der Straße vor dem Eintritt oder nach dem Berlassen bes erferri torialen Gebäudes festzunehmen. Hätte die Polizei die Vermutung, daß der Verfolgte die Absicht hat, sich im Haufe der Bertretung der 1. b. S. S. R. zu versteden, so müßte sie sich gemäß den Bestimmungen des Bölkerrechts durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes an mich wenden, und ich würde natürlich dem ungefeßlichen Aufenthalt des verfolgten deutschen Staatsangehörigen in unseren Räumen ein Ende gemacht haben. Rrestinski betont weiter, daß der die Haussuchung leitende Kommiffar Heller unterließ, ben schriftlichen Untersuchungsbefehl vor zuzeigen und feinerlei Erklärung über Ursache und Zweck der Unterfuchung gab. Er verhaftete den stellvertretenden Handelsvertreter, bas Mitglied des diplomatischen Korps, Herrn Starfoff, im Arbeitszimmer des anderen Stellvertreters Herrn Turoff und stellte ihn unter Bewachung. Herr Turoff, ebenfalls Mitglied des diploma tischen Korps, wurde zwangsweise aus seinem Arbeitszimmer entfernt. Beiben wurde verboten, sich zwecks Berichterstattung zum Botschafter zu begeben und Turoff mit Gewalt vom Telephonapparat entfernt. Krestinski schreibt dann, daß Außenminifter Stresemann ihm um 7 Uhr persönlich mitteilte, daß er( Stresemann) die polizeilichen Handlungen, unabhängig von der Richtigkeit oder Unrichtigkeit des Polizeiberichts als ungefeßmäßig bezeichnet und zum Ausbrud gebracht habe, daß die Polizei nicht berechtigt sei, ein egterritoriales Gebäude zu betreten; wäre selbst der Fall eingetreten, daß die Angestellten der Handelsvertretung deutsche Polizeibeamte festgenommen und unter Arrest genommen hätten, so hätte nach Stresemanns Meinung die Polizeibehörde sich zuerst mit ihm in Verbindung zu feßen gehabt. Die Note schidert dann die weiteren Verhandlungen. Das preu Bifche Minifterium des Innern als Borgesetzter der Polizei habe er. flärt, die Handelsmission nicht als erterritorial anzusehen, fich aber bann nach Strefemanns Mitteilung- doch zur Beendigung der polizeilichen Maßnahmen entschlossen, trotzdem aber ihr brutales Borgehen fortgefeßt, und trog dem ihr zugegangenen Abzugsbefehl habe Regierungsrat Weiß den Botschaftsrat Brodowski grob angefahren, es gehe ihn nichts an, wann und wie Weiß feine Befehle ausführen werbe. Nach nochmaliger Aufzählung der Gewalttaten der Polizei, entsprechend der schon veröffentlichten sowjetoffiziöfen Darstellung, fchließt die Note Krestinstis: Bom 5. Mai ab ist die Sowjethandelsvertretung gefchloffen. Neue Verhandlungen und Abschlüsse werden nicht aufgenommen. Zutritt in die Sowjethandelsvertretung haben nur Personen, die wegen schon abgeschlossener Geschäfte erscheinen: Auszahlung von Vorschüssen, Entgegennahme von Zahlungen usw. Die Bertretung wird ihre Tätigkeit dies freilich in vollem Umfangeauf die Abwidelung der begonnenen Geschäfte beschränken. Die Beteiligung Sowjetrußlands an der Kölner Messe ist nicht in Frage gestellt, ebenso auch nicht die Beranstaltung der Rauchwarenauftion in Leipzig am 19. Mai. Doch ist es möglich, daß auch in diesen Fragen in Moskau neue Beschlüsse gefaßt werden. Weiterer Notenwechsel Krestinski/ Stresemann. In später Stunde wird eine weitere Note Krestinstis an Strefes mann vom 4. Mai veröffentlicht; sie führt Beschwerde gegen die am Morgen des 4. Mai veröffentlichte deutsche Berbalnote und führt die Darstellung der zwei württembergischen Polizeibeamten über Ge. walttaten, die zur Befreiung ihres Gefangenen angewendet worden fei, auf das Bestreben dieser Beamten zurüd, ihr stundenlanges er umziehen mit dem Gefangenen in Berlin in milderem Licht erscheinen zu laffen. Die Angaben über die Vorgänge im Gebäude seien durchaus unglaubhaft. Dagegen sei die Schilderung der Bea amten der Handelsmission verläßlich. Krestinsti fährt fort: Und im Angesicht dieser meiner Schilderung und demgegenüber die zweifellose Unglaubwürdigkeit der Aussagen der Polizeibeamten por Augen, nimmt das Auswärtige Amt in feiner Berbalnote die Döllig grundlofen, unglaubhaften Behauptungen persönlich intereffierter Beamten auf Treu und Glauben hin! Was das Vorgehen der Berliner Polizei betrifft, welche in die effierter Beamten auf Treu und Glauben hin! Handelsvertretung eingedrungen ist und dort eine brutale Hausdurchsuchung durchgeführt hat, so behauptet die Verbalnote in vollem Widerspruch zu Ihren Erklärungen, Herr Reichsminister, und in gänglicher Mißachtung der zwischen der Union der S. S. R. bestehenden Verträge, daß die Handelsvertretung feine Erterritorialität genieße, mit der zumindest sonderbaren Begründung, daß sie nicht im eigenen, sondern in einem Miethaus untergebracht ist. im eigenen, sondern in einem Miethaus untergebracht ist. Und als Schlußfolgerung aus dieser Behauptung rechtfertigt die Berbalnote alle widerrechtlichen Handlungen der Polizei. Endlich auf meinen gestern mündlich erhobenen Brobest gegen die unerhört fchtoffe Verlegung der Rechte unserer Vertretung und die dadurch meiner Regierung zugefügte schwere Beleidi meine Vorstellungen hin für möglich, Berwahrung einzulegen gegen gung hin, hält es das Auswärtige Amt unter Bezugnahme auf das pflichttreue Berhalten der Angestellten der Handelsvertretung ja es erachtet es für möglich, beren gesetzwidrige Verhaftung und den Versuch ihrer gerichtlichen Berfolgung zu rechtfertigen. Angesichts des oben Dargelegten sehe ich mich gezwungen, die vom Auswärtigen Amt eingelegte Verwahrung zurüdzuweisen. Darauf hat Minister Stresemann mit einer Note geant mortet, die u. a. ausführt, daß für das Auswärtige Amt feinerlei Beraniaffung bestand, in die amtlichen Aussagen der beiden deutschen Siriminalbeamten, obwohl sie eine untergeordnete Dienststelle ein nehmen, irgendwelche Zweifel zu setzen. Stresemann fährt fort: Ohne die Möglichkeit von Irrtümern in den Aussagen derartiger Organe von vornherein ausschließen zu wollen, hätte ich jedenfalls Ausfagen nicht lediglich allgemeine Hinweise auf ihre unwahrschein erwarten dürfen, daß den ihnen vom Auswärtigen Amt mitgeteilten lichkeit, sondern die Angabe tontreter tatsächlicher Umstände ent gegengesegt wurde. Derartige tatsächliche Umstände, welche die Aussagen der beiden orts untundigen Kriminalbeamten über die Art und Weise, wie sie in das Gebäude der Handelsvertretung gelangt find, als unglaubwürdig erscheinen laffen fönnten, vermag ich Ihrer Note nicht zu entnehmen. Angesichts dieser Tatsache fann ich nicht umhin, mein Befremden darüber zum Ausdruck zu brirgen, daß Sie es für richtig halten, mir nicht verständliche Ber nuttungen über anderweitige Motive für das Erscheinen der beiden Beamten in den Räumen der Handelsvertretung anzudeuten. Was die tatsächlichen Angaben der Mitarbeiter der Handelsver tretung Bostnikoff und Fomin über die Vorgänge innerhalb der Handelsvertretung anlangt, so merte ich sie ebenso wie das mir in Shrer früheren Note Nr. 1344 mitgeteilte Material den zuständigen inneren Behörden übermitteln. Es wird Aufgabe dieser Behörden sein, die Abweichungen jener Angaben von den Angaben der deutschen Beamten aufzuffären. Weitere Mitteilung über das ErIch behalte mir das Recht meiner Regierung vor, diejenigen Konsequenzen aus der Tatsache der ihr zugefügten schweren Beleidigungen zu ziehen, die sie für notwendig erachten wird. Schon jeßt aber fehe ich mich veranlaßt, im Anschluß an meine münbichen Vorstellungen vom geftrigen Tage den ent schiedensten Proteft zu erheben gegen die stattgefundene Hausfudung in der Handelsvertretung, gecen die etlatante Berlegung der biplomatischen Unantastbarkeit der Herren Stemoniatoff, Startoff. Turoff, Friedrichsohn, Fischmann, Fr. Brabomsti und anderer, gegen die gesek widrige Verhaftung einer Anzahl von Angestellten der Handelsvertretung, deren fofortine Freilaffung ich als felbstverständlich erwarte und gegen fämtliche während der Durchsuchung vollzogenen rechtsgebnis habe ich Ihnen bereits zugesagt. Ich muß jedoch schon je wibrigen Handlungen. Die Antwort darauf gab folgende Note Stresemanns: „ Ich beehre mich, den Empfang Ihrer foeben eingegangenen Note vom 4. Mai Nr. 1341 über die Borfälle in der Handelsvertretung der U. d. 6. S. Ram 3. Mai ergebenft zu bestätigen. Bereits in der Berbalnote des Auswärtigen Amts vom 3. Mai, auf die Gie in Ihrer Note nicht Bezug nehmen, ist der Botschaft der U. d. G. G. R. Ihrer Note nicht Bezug nehmen, ist der Botschaft der U. d. S. S. N. mitgeteilt worden, wie sich der Sachverhalt nach den damals im Auswärtigen Amt vorliegenden Berichten der inneren beut fchen Behörden darstellt. Von diesen Berichten weicht die von Ihnen mitgeteilte Schilderung der Borfälle in weitem Umfang, ab, auch die feit Sonnabend hier eingegangenen Berichte der inneren Be hörden stimmen mit Ihren Mitteilungen in wesentlichen Punkten nicht überein. Um unverzüglich eine weitere Klärung der Angelegenheit herbeizuführen, habe ich den Inhalt Ihrer Note zunächst den zuständigen inneren Behörden mitgeteilt, damit sie zu dieser Angelegenheit, insbesondere zu dem Antrag auf Freilassung ber festgenommenen Personen Stellung nehmen. Ich darf mir er gebenst vorbehalten, auf die Angelegenheit zurüdzutommen, fobald die eingeleiteten Untersuchungen, die nach Möglichkeit beschleunigt werden, abgeschlossen find." Botschafter Krestinsti begab sich, wie der Ost- Expreß erfährt, gestern Montagabend nach Mostau. Er hat bisher in feiner Form Genugtuung gefordert und wird es auch nicht tun, bevor er feiner Regierung Bericht erstattet hat. Die Somjet. regierung wird über die notwendigen Schritte entscheiden. In der Sowjethandelsvertretung werden in den am Sonnabend burchsuchten Simmern Stomontatoffs und der Abteilungsleiter außer den Handelsverträgen und Abschlüssen mit Die Unterstellung, daß die Beamten aus persönlichem Interesse von der Wahrheit abgewichen wären, um so energischer zurückweisen, als ein solches perjönliches Intereffe zum mindesten im gleichen Um fange bei den beteiligten russischen Persönlichkeiten vorliegt, die doch sehr wohl durch den Wunsch geleitet sein könnten, der Berantwortung üfr die Befreiung eines wegen Hochverrats in haft befindlichen deutschen Kommuniffen Schließlich weist Stresemann den Borwurf der Mißachtung der bestehenden Verträge und der Rechtswidrigkeit der Berhaftung einiger nicht egterritorialer Mitarbeiter der Handelsverzu entgehen tretung als unbegründet zurück. Es sei stets der Wunsch des Auswärtigen Ambes gewesen, in der Praxis die Tätigkeit der Handelsvertretung durch weitgehende Berschonung mit Maßnahmen der vollziehenden Behörden zu erleichtern. Dieser Wunsch habe Strefes mann veranlaßt, für die alsbaldige Einstellung der am 3. Mai aus Anlaß des Entweichens des verhafteten Kommunisten Botzenhard eingeleiteten Maßnahmen Sorge zu trager Bon den in der russischen Handelsvertretung polizeilich festge nommenen Personen sind gestern Montag sieben der Festgenommenen dem zuständigen Richter vorgeführt worden. Gegen fünf von ihnen hat der Richter Haftbefehl erlassen. Die zwei anderen find aus der Haft entlassen. Erklärung der württembergischen Polizei. Stuttgart, 5. Mai.( TU) Bon zuständiger Seite wird zu ber Angelegenheit des mißglückten Transportes des Kommunisten Bogenhardt mitgeteilt, daß die württembergische Kriminalpolizei Damit nichts zu tun habe. Der Transport sei durch zwei Ge. mein bebeamte des Ortes erfolgt, in welchem Bogenhardt auf Ersuchen des Untersuchungsrichters des Staatsgerichtshofes ergriffen worden ist. Gewerkschaftsbewegung Wahlausfall und Gewerkschaften. Sind die Gewerkschaften schon rein organisatorisch daran intereffiert, ob ihre 3entraloorfigenden, die bisher dem Reichs toge angehört hatten, wiedergewählt wurden, ob die Zahl der in der Gemertschaftsbewegung attiv tätigen Reichstagsabgeordneten größer aber geringer geworden ist, so nicht minder baran, ob die aus thren Reihen hervorgegangenen Abgeordneten, die auf dem Gebiete der Sozialpolitit als Spezialisten gelten, ihre Boften wieder heziehen fönnen. Als neuer Mann tommt der zweite Borsitzende Des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Genosse Beter Graßmann, von den Hamburger Genoffen gewählt, in den Reichstag. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen sind die Bor fizenden des Af- Bundes, Siegfried Aufhäuser, bes Bergarbeiternerbandes, Frig Husemann, des Fabritarbeiterverbandes, August Brey, des Metallarbeiterverbandes, Robert Dißmann, des Schuhmacherverbandes, Josef Simon, und des Berkehrsbundes Oswald Schumann wiedergewählt. Ift dieses Resultat auch noch nicht vollständig, so steht doch fest, daß auch unsere Gemertschaftsgenossen nicht mehr in der früheren Zahl in den neuen Reichstag zurückchen werden. Der Bahlausfall ist nun aber weit weniger eine Verbands- und Bersonenfrage für, die Gewerkschaften als eine Frage nach dem Stande der Gewerkschaftsbewegung überhaupt. Der Rückschlag trifft auch die Gewerkschaften, deren Preise sich fast ausnahmslos für die Wahl der VSPD.- Lifte eingeseht hatte. Er tommi feineswegs unerwartet. Die Gemert haften fonnten weder die Infiationsperiode Gewertihaften verhindern, noch den Abbau der Arbeiter, Angestellten und Beaniten. Man follte nun annehmen, daß die Arbeitslosigkeit, die Verschlechte. tung der Sohn und Arbeitsbedingungen aufrütteid gemirit haben. Der wirtschaftlich stärkere Drud. hat jedoch nur verbitternd gewirft. Der fommunistische Stimmenzuwachs bedeutet sicherlich für die Ge werkschaften und die sozialdemokratische Partei feinen dauernden Berlust. Das wäre dennoch nach der ganzen Einstellung der KPD. gegen unsere Gemerfschaften ein schlechter Trost, wollten wir barin mir eine Stimmenverschiebung erbliden, die im großen und ganzen für die Gewerkschaffen nicht von Bedeutung fei. Die Gewert. fchaftsbewegung, die der RBD. nur als Mittel für ihre Swede gilt hat von dem Stimmenzuwachs dieser Bartei nichts zu erwarten. Er entspringt materiell wie geistig den gleichen Quellen, die zu der Fahnenflucht nach rechts führten: dem wirtschaftlichen Niedergang und der mangelnden Auftlärung. Die wirtschaftliche Konjuntiur ist Scypantungen unterworfen, deren Ursachen die Gewerkschaften machilas gegen überstehen. Ihren Auswirkungen müssen sie ihre Tattif anpassen zur Abwehr von Berschlechterungen oder zur Erreichung von Berbesserungen der Arbeitsbedingungen. Nun wird zwar auch Die geistige Einstellung der großen Masse zweifellos hen wirtschaftlichen Verhältnissen beeinflußt. Es kommt dabei jedoch in hohem. Maße, auf den Grad der gewerkschaftlichen AufWarung und Schulung an. Die unserer Bewegung auch bei der Bahl am Sonntag treugebliebenen Genossen waren ja den gleichen wirtschaftlichen Beeinträstigungen unterworfen wie die fahnen flüchtigen und bilden so den trefflichsten Beweis dafür, daß die Er Penntnis den besten Halt gibt. Die Gewerkschaften wissen selber am besten, wie verhältnismäßig menig eigentlich schon feit Nopember 1918 für die Zuftlärung der neuen Mitglieder gefchehen fonnte, zumal in legler Zeit, wo es aus Goldmangel nicht einmal mehr möglich war, ein ordentliches Berbandsorgan herauszubringen. In der furzen Zeit aber, in der die Bemerfschaften wieder etwas Muße und Mittel auch zur Aufklärung der Mitglieder gewinnen, fonnte fich unmöglich ein gründlicher Wandel vollziehen, eine Rüdfehr zu Agitation der Borkriegszeit erfolgen. Auch ohne die jchige Reichstagsmahi, insbesondere schon durch das Treiben der kommunistischen Partei gegen die Gewertschaften war die Notwendigkeit einer intensiven Gewertschaftsagitation in Bort und Schrift gegeben. Der Bahlausfall hat diese Notwendigkeit jedo erneut und ganz besonders deutlich aufgezeigt. Der aufgeklärte Ge Tätigkeit, in der Meinung, bei längerer Mitgliedschaft ergäbe fich die gehörige Aufklärung nach und nach ganz von selbst. Das ist ein großer Irrtum. Ohne systematische, andauernde und gründliche Agitationsarbeit ist feiue gewerkschaftliche Aufklärung zu erwarten. Ohne die Schuld der Gewerffchaften ist darin vieles versäumt worden. Biele junge Angestellten beiderlei Geschlechts, mit Monatsgehältern, die nicht einmal zur Beschaffung der Kleidung ausreichen, die mit ihren Gehältern verhungern müßten, wenn die Eltern sie nicht miternährten, haben bei diefer Bahl ihre erste Stimme als Reichstags mähler den redytsstehenden bürgerlichen Parteien gegeben. Und wenn wir fragen:„ le ift das möglich?" dani müffen wir schon sagen, es hat da an der nötigen Aufflärung im allgemeinen gefehlt. Die Lehre aus dieser Wahl für die Gewerkschaften ergibt sich Damit ohne weiteres. wertschaftsgenoffe unterschäßt sehr leicht die besondere agitatorische Sophien- Säle Säle frei! Telephon: Norden 9296 Sophienstr. 18 Allgemeiner Streit der Fliesenleger. Die Fliesenleger und Helfer Berlins, die in den legten Bochen tariflos arbeiteten, stellten am Mittwoch, den 30. April Lohn forberungen. Die Arbeitgeber machten eine Stellungnahme zu diesen Forderungen abhängig von der Zustimmung des vor kurzem abgelehnten Tarifvertrages. Diefes Ansinnen wurde in einer gemeinsamen Beriammlung am Montag abgelehnt und befchloffen, daß beute die Arbeit auf allen Arbeitsstellen in Gebiet Groß Berlin zu ruhen hat. Tarifvertrag der Berliner Magistratsangestellten. Der Zentralverband der Angestellten teilt uns mit: Der Manteltarifvertrag( r. 4) für die nichtständigen Angestellten des Magistrats Groß- Berlins if am 29. April vom 36. unterzeichnet worden. Es wurde beim Abschluß festgelegt, daß die gelblichen Internationaler Anti- Kriegstag 1924 am dritten Sonntag im September Leistungen ab 1. April Wirksamkeit haben, während die ideellen Bestimmungen ab 1. Mai in Kraft treten follten. Bur endgültigen Genehmigung der Vereinbarungen bedarf es der Zustimmung des Magistrats, der eine Kommiffion mit der Durcharbeitung des recht umfangreichen Bertragswertes beauftragte. Um nun für den Fall einer Sinanszögerung der Entscheidung nicht ohne Bertragsbestim mungen zu fein, bat der 36. mit dem Tarifvertragsamt eine Verlängerung der Gültigkeit des alten( briiten) Mantelbertrages bis zum 31. Mai vereinbart. Bei Kündigungen gelten also die entsprechenden Vorschriften des alten Bertrages( weitergehendes Mitbestimmungsrecht als in neuen), both foll die nachträgliche Bekanntgabe der Kündigungen an den Betriebsrat bzw. Gesamtbetriebsrat feinerlei Rechtsfolgen haben. Weitere Steigerung der Kranfenfaffenbeiträge. Berficherte und Arbeitgeber seufzen schmer unter den hohen Bei trägen der Krankenkassen, obwohl diese durch die energischen Sparmaßnahmen der Kassenverwaltungen gegenüber dem Vorjahre schon wesentlich herabgemindert worden sind. Jezt droht eine weitere fahrt foeben in einer Berordnung eine Erhöhung der Arzt Erhöhung, weil der preußische Minister für Volts wohl honorare um ein Drittel rerfügt hat. Dabei sind die hohen Rassenbeiträge in erster Linie auf die übermäßig gesteigerten Arzthonorare zurückzuführen. Bor dem Kriege betrugen die Ausgaben der Kranfenfaffen für Arzthonorare 15 Pro3., jest 30 Broz. ihrer Einnahmen. Nunmehr wird eine weitere Steigerung um 10 Pro 3. eintreten. Dabei verdienen die erge aus der Kaffenpraris jezt schon im Durchschnitt Aerzte 1000, 1500, ja 2000 m. und mehr im Monat von einer ein500 bis 600 m. im Monat, während ein nicht unerheblicher Teil der zelnen Stranfenfaise an Honorar bezieht. Die Krankenversicherung wird damit immer mehr zu einer Bersorgungsanstalt für hie Aerzte. Ohne die Krantenversicherung würde das deutsche Bolt nicht entfernt fpviel für die Merzieschaft aufzuwenden haben. Die Krankentajienvorstände haben gegen diese Berordnung fofort schärfften Proteft eingelegt und eine wesentliche herabfehung der Gebühren verlangt. Es ist notwendig, daß sich auch die Bevölkerung mit dieser Frage beschäftigt und gegen eine derstandes Berwahrung einlegt. artige, durch nichts berechtigte Benorzugung eines einzelnen BerufsDer Streik in Ludwigshafen vor dem Ende? Aus Mannheim berichtet WTB: Die badische Anilin- und Sodafabrik werde gegen Ende dieser Woche den Betrieb wieder eröffnen, nachdem fich die zur. ordnungsmäßigen Führung des Bes triebes erforderliche Zahl der Arbeiter bereit erflärt habe, unter Anerkennung der Tarifverträge und der Schiedssprüche die Arbeit wieder aufzunehmen. Ernster Konflikt auch im sächsischen Steinkohlenbergbau. flags, fantliche Belegschaftsmitglieder wieder zur Arbeit z1312= laffen, in der Erwartung, daß jedes Belegschaftsmitglied nunmehr die Aprilarbeitszeit innehält. Bumiderhandelnde merden fristlos entlassen. Eine Revierkonferenz für den Ruhrbergban einberufen. Der Bergarbeiterverband gibt befannt, daß er zu den BerhandLungen in Hamm und der durch die Verbindlichkeitserklärung der beiden Schiedssprüche geschaffenen Lage in einer sofort einzuberufenden Revierkonferenz Stellung nehmen wird Die Ronferenz findet heute statt. Der Bergarbeiterftreik in Oft- Oberschleften. Wie schon im gestrigen Abendblatt des„ Borwärts" berichtet, streiten seit Montag früh sämtliche Bergarbeiter auf den oft- ober Schlesischen Zechen, so daß mit einer einzigen Ausnahme der Grubenbetrieb still liegt. Der Ausstand ist die Folge davon, daß der Schiedsspruch über die Verlängerung des Arbeitszeitabfomumens, der vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt worden ist, von den Arbeitern abgelehnt worden ist. Der Streif ist von den Betriebsräten ausgerufen, die in einer Konferenz einen entsprechenden Beschluß faßten. Die Hüttenarbeiter beteiligen fich nicht an dem Streif. Die Gewerkschaften haben zu dem Streif noch nicht Stellung genommen. Kein Bau- und Holzarbeiter in die Schweiz! Der Zentralberband des Bau- und Holzarbeiterverbandes ber Schweiz berichtet u. a.: Der Druck der Unternehmer in der Schweiz ist am stärksten gegen die Bauarbeiter und Holzarbeiter gerichtet. In Zürich stehen die Maler und Gipser noch im Streit und die aurer und Holzarbeiter in Bewegung. In Bern streifen die Steinhauer, die auch an anderen Orten in Bewegung find, die Bimmerleute haben gekündigt, Maurer und Holzarbeiter stehen noch in Verhandlungen. Die Marmorarbeiter find in Binterthur und Richen bei Bafel in Lohnbifferenzen. Die Unternehmer fuchen nach wie vor Arbeitswillige im Auslande, vor allem in Süddeutschland, anzuwerben. Die deutschen Bau- und Holzarbeiter werden daher ersucht, keinerlei Arbeit in der Schweiz anzunehmen, ohne fich zuvor bei ben örtlichen Setder Schweiz anzunehmen, ohne fich zuvor bei den örtlichen Sektionen des Verbandes zu erkundigen. Die Candarbeiter im Bezirt Ceipzig find nach Meldung ber Leipziger Bolfszeitung" auf 12 Gütern wegen Lohndifferenzen in den Streit getreten. Arise in der Bielefelder Metallindustrie. In Bielefeld hat die Urabstimmung über den am 25. April vom amtlichen Schlichtungs Der Schiedsspruch wurde mit einer Mehrheit von 92 Broz. der abausschuß gefällten Schiedsspruch in der Metallindustrie stattgefunden. gegebenen Stimmen abgelehnt. Es soll die Weisung an die Metallarbeiter ergangen fein, eine Ueberschreitung des Achtstunden. tages abzulehnen und die Betriebe nach achtstündiger Arbeitszeit zu perlaffen. Es steht zu befürchten, daß mit der Ablehnung des Schiedsspruces eine neue Krise in der Metallindustrie beraufbeschworen wird. Der chriftliche Metallarbeiterverband hat den Schiedsspruch engenommen, so daß für diese Mitglieder die bisherige Arbeitszeit von 55 Stunden pro Woche bestehen bleibt. Achtung, Streifende vom Stahlwerk Sennigsdorf! Seute, Dienstag, nadut. 4 Uhr Versammlung bei Brofe, Sennigsdorf. Die Streifleitung. Deutscher Solzarbeiterverband, Muffinstrumentenarbeiter. Sente nad mittag 5 Uhr im Reichenberger Sof" Funktionärversammlung. Alle Betriebe müssen vertreten fein! Deutscher Berfmeister- Berband, Bezirksverein Berlin und Fachgruppe Metall. Seute, Dienstag, abend 7 Uhr Monaisverfammlung, Schönhaufer See 129. Bortrag des Kollegen Rothe. Sonntag, den 11. Mai, Wanderung, Ertner- Rüdersdorfer Ralfberge. Näheres heute in der Bep fammlung. Bekleidungsarbeiter- Berband, Damenkonfettion( Mäntel, Roftime). Mit gliederversammlung morgen abend 6 Uhr in den Arminhallen, Romman bantenstraße 58/59. Der Streit der Swischenmeister. Bericht über die neuen Lohnverhandlungen: Mitgliebsausweis legitimiert. Neuaufnahmen am Eins gang des Gaales. Die Rommiffion. Bolizeibeamte! Donnerstag, 8. Mai, vorm. 10 Uhr, Bezirksgruppentag bes Bezbandes Preußischer Bolizeibeamten E. B. in den Musikersälen, Raise Wilhelm- Str. 31. Berantwortlich für Bolifit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski, Lolales und Sonstiges: Frik Raritädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin.. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlagsanfalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 88., Lindenstraße 3. Sierzu 2 Bellagen. fchen Steinfoblenrevier jebt scharf augeinigt. Die Berhandlungen Den Glauben verloren Wie aus Zwidau gemeldet wird, hat sich die Lage im fäcjidauern zwar noch an, doch ist. falls die Belegidaften heute wieder nach der fürzeren Schicht ausfahren, an verschiedenen Stellen mit fofortigen usfperrungen zu rechnen. Dresden, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht. Die Belegschaften in den fächsischen Kohlenbezirken haben beschlossen, den Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums abzulehnen, der eine Verlängerung des Ueberschichtenablommens auf weitere vier Monate, aber feine Stampi bereits eingefeßt. Es muß damit gerechnet werden, daß in Lohnerhöhung vorsieht. In verschiedenen Bezirken hat der lokale Grube Concordia ist es bereits zu Zwischenfällen und Lätlichkeiten den nächsten Tagen eine allgemeine Aussperrung erfolgt. Auf der zwischen Bergarbeitern und Wertbeamten gekommen. Aufforderung an die Ruhrbergarbeiter. Sämtlichen Zechen des Ruhrbergbaus ist die in Hamm getroffene Bereinbarung durch Werfanschlag mitgeteilt worden. Darin befindet sich folgender 3ujah: Auf Grund vorstehender Gr. flärung find wir bereit, unter Abänderung unseres früheren AnAlles verloren. Lungentuberkulose nehmen mit Erfolg die O.H.E- Tabletten. Die felben wirfen nach Ausfage namhafter Lungenspezialisten noch glänzend in vorgerüidem Stadium. Unzählige Dantschreiber Genesener liegen vor. Bu beziehen durch alle Apo heten im Deut schen Reich, ftets vorrätig in Berlin in der Simons- Apotheke, Spandauer Straße 17 u. Barbaroffa- Apotheke, Kurfürstendamm 164. Originalverkaufeprets 3 Goldmart p Karton. 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Heilage öes vorwärts Vkenstag. H. Mai 1H24 K3ÄI!BFr?3aTa Ein Morgenbesuch im Zoo. Am frühen Morgen trete» wir aus den Wirtschaftshof de» Ivo. wo schon Dr. Heck auf uns wartet, den wir auf seinem allmorgend» kichea Rundgang« begleiten wollen. Au» dem nahen Garten klingt greller Dogelschrei, einmal auch ein dumpfes Brüllen. Die Infaffen des Raubtierhaufes meiden sich. Auf den künstlichen Teichen sind jne zahlreichen Enten schon in voller Bewegung und schießen gierig auf«in hingeworfenes Stück Brot. Aber unser Interesse gilt heute anderen Dingen. . Die neuen Setvohner. Em afrikanisches Mähnenfchaf ist neu eingetroffen und zum ersten Mal« aus seinem Stalle ins Frei« gelassen worden. Einig« Warler sind beordert, das Gitter für alle Fälle zu stützen, ist ez doch wiederholt vorgekommen, daß dies« ebenso stallen wie gewandten lBiederkauer hinübersetzten. Die Tür öffnet sich: ein prachtvoller Bursche mit seinem rostbraunen Pelze und den mächtigen Hörnern. Einen Augenblick steht«r witteind, dann mit einem Satze den Felsen hinunter und gegen das Gitter geprallt, daß wir zurückfahren. Ein paar Sprünge macht er noch, dann kehrt er schmollend in seinen Srall zurück und läßt sich nicht mehr sehen. Langsam gehen wir weiter, an den übrigen Wioderkäuern vorbei. Ueberall machen die Wärter ihre Meldungen über besondere Vorfälle, sind doch gerade in letzter Zeit dauernd neue Tiertransporte ein» p« t r o f f« n, die meisten im Tausch gegen eigenes Material von auswärtigen Timhandlungen. Da sind ein paar neue Reunkiere aus Aordschwedea und zwei schön« starke Hirsch« aus Ostpreußen sind für die nächsten Tage angekündigt. Ebenso hat das Antilopen- haus neuen Zuwachs mit ei» paar ZwergauKlopeo bekommen. Für ein Paar der ebenso seltenen wie schönen Wasserböcke wurden ei» paar alle Löwe» zum Tausch«gebe»! Man sieht, der König der Tiere steht nicht allzu hoch im Preis«.— Wir treten in das Jnnere des Affenhauses. Ein ohreubetäubendes husten empfängt uns, alle Affen sind erkältet.„Sie tollen an den Be'uchstagen zuviel herum und holen sich dann leicht etwas weg", erklärt uns Dr. Heck, und fütteit fachgemäß die kleinen und kleinsten Affen, wobei die alten bosbaiten Männchen immer wieder zurückgescheucht werden müssen. Ein Paar schöne Seidenschwonzaffen, die zärtlich umschlungen in einer Ecke sitzen, nehmen mit leisem Geckern eine Banane. Zum eisten Mal«, bislang hatten sie alle Nahrung zurückgewiesen. Wir geben weiter, begleitet von dem wütenden Geschimpfe der erbosten Affen, nur ein alter Pavian zeigt in schweigend« Perachtung seinen schönen Rückyr. 3m Raubtierhavfe ist es sehr ruhig. Die Löwen und Tiger liegen gähnend hinter den Gittern, sie haben gestern ihren ollwöchentlichen Fasttag gehabt und ruhen nun nach dem ersten Frühstück. Ein Terrier gebt als Amme mit einem Löwenbaby spazieren, die Mama verschlang zwei ihrer Sprößlinge, da bracht» man den letzten in Fürsorge. In eine Ecke geknäult liegen zwei schwarze Panther und fauchen unaufhörlich mit bösen, scheuen Augen, wenn sich ihnen jemand nähert. Sie sind frisch gesangen und noch ganz wild. Wir fragen nach den bei Raubtieren so häufigen Verletzungen und ihrer Behandlung. Di« häufigsten Fälle von Wunden entstehen durch das Einwachsen der krallen, man beschneidet sie dann gleich an Ort und Stelle, nachdem man sie mit Lbergewolsenen Schlingen an das Gitter gezogen und festgebunden Hot. Ebenso werden Zohnoperationen und Kiefereiterungen be- bandelt. Die gesamten Tier« stehen unter der Ueberwachung de, städtischen Tierarztes, ebenso ist eine eng« Zusammenarbeit mit der tierärztlichen Hochschul« oorhanben, deren Kliniken besonders inter- cncmte Fälle überwiesen werden. Räch ihrem Tode wandern die Tiere ins Museum für Raturkunde, kranke und infizierte Kadaver kc-mmen zur Untersuchung in» bakteriologische Institut. So geht alles feinen geregelten Gang. d!e kleinen Elefanten. Nun wollen wir aber auch die beiden neuen Elefanten sehen. Freudig erregt liebkosen sie Dr. Heck mit ihnen Rüsseln und durch- suchen dann sein« Toscfcn nach Leckerbissen. Sie sind sehr zutraulich und leicht zu behandeln. Aber ihr großer Bruder, der alt« grimmige indisch« Elefant, ist ein gefährlicher Patron. Rlemand. auch der Wärter nicht, darf ihm zn nahe kommen, er hat doch schon zwei Menschenleben auf dem Gewissen. Da ist der andere Dickhäuter, das Nilpferd, doch entschieden gemütlicher. Es ist aus feinem Winterquartier im Elefanienhause wieder m sein eigenes Heim zurückgekehrt und schwimmt nun leise prustend und schnaubend im behaglich gewärmten Wasser seines Bassins. Ein Bist» Nessten Soctenfriodens und bürgerlichen Glücks. Draußen laufen ein Paar zahme Kraniche über den Weg. Sie sind i n d e r Mark gefangen worden und ihr Besitzer, der Direktor des Aauariums, hat sie so gezähmt, daß sie frei wie Haustiere herum- lausen. Und von einem kleinen Ausfluge in die Wipfel der Bäume kehren sie auf einen Pfiff gehorsam zu ihrem Herrn zurück. Der Direktor des Aquariums hat übrigens auch recht interesiante Persuche mit Tieren gemacht, die er aus dem Ei im Prulosen ausbrüten ließ. Die Vögel, ebenfalls Kraniche, gewöhnten sich so an ihre Pflege- ellern, daß sie alle ihre Gnttungsinstinkte auf sie übertragen, z. B. vor ihnen balzten und sie liebkosten, was wild eingefangen« Vögel, und feien sie auch nur einige Tage alt, niemals tun. Sei den Kaltblütlern. Zum Abschied treten wir in» Aquarium. Die Krokodile liegen unbeweglich im Waffer. 14 auf der einen Seite, Kaimans und Alligatoren. Auf der anderen Seite allein mit einem kleinen Welbchen. damit es ihm nicht zu langweilig wird, ein mäch- kige» Rilkrokodil. Man nmßte sie trennen, weil blutige Beihereien cm der Tagesordnung waren. Es ist jetzt gerade Paarungszeit. Zwei der Echten wälzen sich im tiefen Wasser. Es werden übrigens regelmäßig jedes Jahr Eier gelegt, aber man hat ste noch nie aus- brüten können. Außerdem sind manch« der Krokodile so bequem, daß sie die Eier einfach ins Wasser legten, wenn die Sandbank besetzt war, wo sie natürlich verlorengingen. Der Wärter wirst ein Stück Holz ins Wasser. Wie ein geölter Blitz wirft sich der mächtige Leib des Nilkrokodils herum und der Rachen klappt zu wie eine Geld- schranktiir«. Der Wärter tippt ein anderes leicht mit einem Stocke, ein durchdringendes Zischen, wie aus einer Dampfheizung, antwortet ihm.„Ganz gemütliche Viecher, wir vertragen uns sehr gut", meint der Wärter. Nun zu den Schlangenkäflgen. Der Wärter öffnet von hinten den Käfig und saßt ungeniert hinein, um ein trocken«, Blatt abzuschnipsen. Allerdings sieht er vorher vorne durchs Glas, um zu sehen, wie die Schlangen mit dem Kopfe liegen. Man füttert sie mit Ratten. Mäusen und Fröschen. Di« Riefen- schlangen bekommen Kaninchen. Man muß nur auspassen, daß sie sich dabei nicht gegenseitig runterwürgen, wie es einmal bei zwei Anakondas geschah. Vor dem Käfig mit den Kreuzottern bleiben wir stehen. Man hat ihnen Eidechsen als Gefährten und Nahrung hineingesetzt, die sie dann durch einen Biß lähmen und verzebren. Demselben Zwecke dienen Frösche und Blindschleichen. Der Wärter kommt mit einem fette, Grünrock. Er hält den leise Quakenden, der sich sichtlich unbehaglich fühlt, einer Baunmolter vor die Nase, die ober dankend verzichtet. Nun bekommt ihn eine Ringelnatter vorgehalten— ein Ruck, und sie hat ihn beim Kragen. Langsam stülpt sie sich über ihn. Erst den Kopf, dann den Bauch, traurig winken die langen Beine— weg ist er. Prosit Mahlzeit. „Haben Sie denn gar kein« Angst, daß Sie mal gebisien wer- den?" frag« ich ihm Er lächelt nur, öffnet den Käsig, und hält auch schon eine große Kreuzotter am Schwanz in die Lust. Die windet sich wütend, kann ihn aber nicht fassen, da sie sich nur bis zu% ihrer Korpcrlänge ausrichten kann. Dann schlenkert der Wärter ste wieder hinein und schließt sorgfältig zu.„Wenn Sie nun aber doch mal eine beißt?" frage ich weiter.„Na, dann schneide ich mir eben den Finger ab", und dabei zeigt er mir feine Hand, die ein paar tiefe Narben zeigt.„Das waren«in paar Kostproben!" Angenehmer Beruf, so mit Klapperschlangen zu hantieren, dann schon lieber jeden Tag einen Lttlartikel von Hussong lesen, als sowas betreuen. Wir nehmen freundlichen Abschied, der Menschenaffe spielt mit sich selber Karussell und tief unter uns liegt der alte Riefe von Krokodil und steht uns ganz niederträchtig an. ch Draußen auf der Straße klappert ein alter Droschkengaul mit hängendem Kopse vorbei. Ahnt der wohl, wohin er dereinst kommen wirdl Die Dame und die Slume. Der Kapitalismus hat schon seine Sorgen.... Man denke nur ja nicht, daß er sich kein« Gedanken zu machen braucht! I, er hat sogar schwer« Sorgen! Und zu seinen schwersten gehört die: „Welche Frau trögt welch« Blume zu welchem Kleide?" Denn wieso käme er sonst dazu, ein« unter diesem Schlagertitel vor kurzem im Feudalhotel Esplanade veranstaltete modische Revue für höchst notwendig zu befinden und dementsprechend zu frequentieren. Daß diese Veranstaltung nicht etwa für Proletarier gewesen war, geht ja schon daraus hervor, daß sie im Esplanade stattfand und die Eintrittskarten S0 und 7S Mark gekostet haben. Also ein Monats- einkommen mancher Proletarier. Außerdem kommt ein internatio-' uales Kabarett und ein« amerikanische Auktion von Kakteen, Orchideen und Coniferen für Leute vom Mittelstand abwärts schon gar nicht in Frage. Das schloß sich aber dieser Veranstaltung an. Die Kritik der bürgerlichen Press« verfehlt« nicht, dieses Ereignis gebührend zu feiern. Sogar Zeichner waren aufgeboten nebst Photographen, um das hvchkulturell« Geschehnis der Nachwelt aufzubewahren. Waren es doch vierzig körperlich exzellent« weibliche Schönheiten, die Frau Raffte und von Hochnasewitz vorführten, was ste nun, um halbwegs menschlich gekleidet zu sein, anziehen müßten! Und aus dem, was man ihrer Meinung anziehen muß, um halbwegs menschlich gekleidet zu sein, ergibt sich daß der Prolet kaum menschlich gekleidet ist. (Immerhin eine festzunagelnde Feststellung, deren nähere Erklärung aber der kapitalistischen Bourgeoisie auf die Nerven fällt.) So dachte ich, als ich die Kritiken durchlas und auf eine stieß, die folgender- maßen anfing:„Wenn man sich gestern abend in das Hotel Esplanade begab, tonnte man deutlich sehen, wie sich die Gegensätze berühren (schon sagt« ich„Bravo!", endlich mal einer, der sozial wird und Ihnen setzt wohl die Meinung sogen wird, als ich aber werderlas:) aus der Straße fegte ein eisiger Wind die schweren Flockm des Aprilschnees vor sich, während In dem großen Saal Frühlingskleide? blühten!" Und zum Schluß der Kritik heißt es:„Der Frühlingsschau folgte dann ein Kabarett und der unvermeidliche Tanz, der die Gesellschaft bis In die frühen Morgenstunden beisammen hielt." Und dahinter schreibe ich:„In denen die Arberterkolonnen am erleuchteten Hotel vorbei zu ihrer Tretmaschine sich schleppten, die ihnen nicht genug gibt, um sich nur einigermaßen„menschlich" zu fühlen, geschweige denn zu„kleiden", die den Tänzern drinnen aber das Kopital einbringt, das die oerbrauchen, um den mondänen Ge- setzen entsprechend zu leben!" Tja! Der Kapitalismus hat schon seine Sorgen... Elternbeiratswohlen finden in Berlin für sämtliche Schulen am Sonnlag. den 22. Juni, statt. Der Termin kann aber um einen Tag verschoben werden, falls durch den Ausfall von Eisen« bahnzügen am Sonntag eine Beeinträchtigung des Wahlrechts aus- wärtiger Eltern zu befürchten ist. Alle Elternbeiräte find neu zu wäblen. 10] Die MchtNnge. Roman von Johann« Linvankoski. Nachdem die Tiere die heimischen Aecker hinter sich hatten. beruhigten sie sich auch schon. Der Weg stieg mit sanfter Böschung eine kleine Hügelkuppe hinan. „Ach. der Keskitalo-Hof ist doch schön!" seufzt« Hanna mit ihrer weichen Stimme, und ihre teuschblauen Augen flim» werten sehnsüchtig. �_ „Das ist er, erwiderte Uutela in demselben weichen Ton. —„Aber nun bleibt er dort." Keskitalo blickte nach Uutela: es war Zeit, daß er ein- � �.Er bleibt dort!* sagte er wie von etwas, das vergangen ist.„Aber ich wette, daß wir keine volle drei Stunden zu mar- schieren brauchen, so blinken uns schon die Dächer des Gutshoss entgegen!" Er sagte dies mit so ansteckender Laune, daß alle zu lächeln und gleichsam an sene neuen Dächer zu denken be- gannen. Helka allein schaute verwundert drein, doch als sie begriffen hatte, daß sich in den Worten ihres Vaters ein Witz versteckte, lachte sie laut über diese Erkenntnis. „Macht nur, daß ihr vorwärtskommt, der Tag vergeht!" sprach Keskitalo heiter.„Hü. bü, Heipparinnal" er schmitzte eine Kuh mit seiner Peitsche.„Und was hat denn die Onnike dort drüben zu suchen— lauf wai hin. Kalle. Erleichtert gingen sie weiter. Nur die alte Frau wischte sich mit dem Zipfel ihres Kopftuches heimlich den Augenwinkel aus. » Der Weg führte dauernd durch angebaut« Gegend. Hier und dort war immer ein Gehöft, eine Kätnerel oder eine Hütte. Es tat so wohl, daß diese alten Bekannten da waren, die gleichsam Lebewohl sagten und Glück wünschten. Fast in allen, auch den abgelegeneren, bemerkte man ihren Zug. Stets erschien im Fenster ein Kopf, dann mehrere—>, die blickten dort zwischen den Myrten. Balsammen. Fuchsien und Pelargonien hindurch und dachten warme Abschieds- gedanken. An einigen Stellen kamen die Leute bis auf den Hof und schauten von dort nach. Aus einigen näheren wurde gerufen: „Glückliche Reise!" Dann aber kam«ne unbewohnte waldige Strecke, und dort legte sich mit Gewalt ein Druck auf die Gemüter. Jeder versuchte ihn den anderen zu verbergen— mau rief dem Vieh zu. lief und schwang die Peitsche, wiewohl es nicht immer nötig war. Auch Uutelas stilles Lächeln begann zu schwinden. Er war durch die mehrtägige Arbeit etwas ermüdet, und als nun lange Zeit kein anderer Laut als das eintönige Trappen der Vieh- Hufe und das ständige Knirschen der Wagenräder zu hören ge- wesen war, peinigte es ihn allmählich. Sie wanderten über eine kleine, aus Stein gebaut« Laich- straßenbrücke. „Sieh, da haben sie ordentlich Steine als Geländer ange- fahren— das habe ich früher nickst bemerkt!" äußerte Uutela. froh, daß sich ein Gesprächsstoff bot. „Die sind den ganzen Sommer da gewesen," beeilte sich Keskitalo fortzufahren.„Sind auch tüchtige Kerlel" Uutela lief von dem Weg hinunter, um die Brücke auch von der Seite zu betrachten. „Das ist gewölbt wie eine Kellerdecke." sprach er.„Solche werden auch nirgends als in Tavastland gemacht!" „Ja gewiß!" stand es auch in den Augen der anderen. Keskitalo merkte, daß die Dinge eine schlimme Wendung zu nehmen drohten. „Jetzt werden schon überall steinerne Brücken gebaut. sagte er schnell. Dann fing er an, von Oskari Hemilä, dem Brückenbauer, von seinen Kuhställen. Brunnen und Brücken zu reden.. Cr war heute federnd wie ein Bogen und bemuhte sich. aller Enden die gute Laune lebendig zu erhalten. Uutela aber blickte ibn von Zeit zu Zeit von der Seite cm und hatte seine eigenen Gedanken. Auf dem Wege wurde das Knarren eines Wagens hörbar — dort kam ein Bekannter aus dem Nachbardorf angefahren. Da ergriff helle Freude die Gemüter. „Ihr seid also nun auf der weiten Reise." sagte der Mann, sein Pierd anhaltend.». „Was heißt da lang, ein paar Stunden bis zur Lahn! warf Keskitalo hin. „Na na." lachte der andere.„Mich wundert doch, weshalb ihr dort hinter die Welt ziehen mögt." t „Weshalb?" lachte Keskitalo. Er zeigte lebhast mit der Hand:„Zwei solche alte Knaben hier und zwei solche Schollen- trampler dort— uns wird diss Tavastland zu eng!" „Na na." machte der andere.„May hat auch früher hier gelebt.",.. „Freilich hat man gelebt, aber wir wollm fa reich wer- denk" fiel Keskitalo ein. Alle fingen an zu lachen. „Und was redest du denn: der Uutela da hat schon drei Gehöfte zustandegebracht— er muß doch wohl noch ein viertes zustandebringen dürfen, und in Tavasttand sind die Gehöft« beinah schon alle in Ordnung!." Das hob die Freude noch mehr. „Ja ja," lachte der Mann.—„Na, Glück zu, und läßt's euch gut gehen!" Er fuhr davon. Keskitalo aber rief ihm noch nach: „Schick mir nur einen Brief, wenn dich auch nach Reich- wm gelüstet— du kommst doch noch mal hinterdrein!" „So muß man's machen!" dachte Uutela. Seine Seele begann sich wieder gegen Keskitalo zu empören. Obwohl er andererseits den Mann bewundern mußte, der so anführte, be- herrschte und die in Niedergeschlagenheit versinkenden Gemüter im Zaume hielt. „Was ist denn dabei? es ist ja recht so— aber weshalb sagt er mir nichts, weshalb hält er auch mich im Zaum?" * Es war auf der letzten Streck« fortwährend langsam hügelan gegangen. Jetzt hörte der Wald auf. der Weg machte eine Biegung, und vor ihnen breitete sich plötzlich eine kleine tavastländische Dorflandschast aus. Sie machten alle hall— nur das Vieh fetzte aus eigenem Antrieb seinen langsamen Trott fort. Das Dorf war altbekannt, aber es hatte nie so schön und ernst feierlich ausgesehen wie jetzt. In der Mitte schlängelte sich der gelbbraun« Weg zwischen Feldern und Hügelchen hin, wie wenn er nach einer erlaubten Bahn für sich suchte. Zu beiden Seiten wimmelte es von grauen Stangenzäunen. In ihrem Bereich liefen die lockerest. dick mit Humus überzogenen Ackerbeete, die einen in langen Streifen bis an den Waldrand, die anderen von kleinen Er- Hebungen nach allen Himmelsrichtungen auseinandergestreut, manche üppig und grün von der jungen Staat, manche grau- blast- Stoppelfelder, die dritten massig fett, vom Pfluge auf- gerisien und mit tiefen, steilen Gräben, die noch von den Spatenstichen glänzten. Sie alle wurden beherrscht von roten oder grauen Gehöften— am Waldrand, an der Landstraße. auf Hügeln inmitten der Felder. Hier und da auf den Acker- buckeln'eine einsame Kiefer oder ein großer Steinblock, von Wacholderbüschen umgeben, noch öfter eine graue Scheune oder ein rot« Göpelwert.~ � #«rn i*ti a Mim n rnniT I Wie man Dollars„ jungen" läßt. Ein raffinierter Betrug und ein böser Reinfall. Im Jahre 1922 tauchte in Berlin ein Mann auf, der fich als amerikanischer Frauenarzt ausgab und sich bald Dr. Stein, bald Dr. Landau nannte und am Kaiferdamm ein großes Ganatorium einrichtete. In Wirklichkeit handelte es sich um den Textilkaufmann Julius Spanier, der bereits vielfach wegen Betruges vorbestraft mar. Er war früher mit jener Frau Helene Spanier verheiratet, bie sich durch die Inszenierung des Raubmorbes an dem Leppich händler Neißer einen üblen Namen verschaffte. Julius Spanier hatte nach Berbüßung einer 3½jährigen Gefängnisstrafe eine„ Studienreise" nach Amerita unternommmen, von der er zurückkehrte als der berühmte amerikanische Frauenarzt Dr. Geo Stein- Sallert, prämiert von der medizinischen Fakultät der Universität Brooklyn". Später trat er ois Dr. Lanbau auf. Das Gaunerstückchen, das ihn wieder ins Gefängnis und jezt von neuem vor den Strafrichter des großen Schöffengerichts Schöneberg führte, war ein Schwindel mit der sogenannten Dol: farmaschine. Einem Bichtommiffionär Stern und einem Schlächermeister Starte erzählte er, daß zwei Freunde von ihm, awei russische Chemiker nach zehnjährigem Bemühen das Drei farbenproblem gelöst hätten, durch das es möglich sei, auf chemischem Wege aus einer ausländischen Bantnote 3 mei zu machen. Starke wurde dadurch veranlaßt, feinen Devisenbesiz zur Verfügung zu stellen. Der angebliche Dr. Landau führte die beiden Leichtgläubigen in eine Bension in der Stegliger Straße, wo er ein Zimmer auf einen Tag gemietet hatte, das er aber als feine Wohnung ausgab. Dort erschienen auch zwei Fremde, die als bie Erfinder vorgestellt wurden und sich Chemiter Dr. Green und Dr. Schneider nannten. Stern und Starke händigten dem ameri fanischen Arzte eine große Menge von Dollars, Pfundnoten und Gulden aus und es wurde dann ein großer Hokuspokus mit der Dollarmaschine unter Anwendung von Dämpfen und Retorten veranstattet. Während der Operation verschwanden die beiden Che. miter und dann der angebliche Dr. Landau. Als Starte die Bresse öffnete, fand er darin nur leere Papierblätter. Bor Gericht fuchte fich der Angeklagte herauszureden, indem er behauptete, daß er selbst von den beiden Fremden getäuscht worden sei. Der am meisten gefchädigte Beuge Starte ist wegen Schwachsinn entmün bigt und behauptet, daß sein früherer Freund Stern mit den Be. trügern unter einer Decke gesteckt habe. Stern selbst beftritt das. ein 2bteilungstofat zu stürmen versucht und schließlich wenigftens bie die Frau hinzuhaften. Das Ehepaar war inzwischen verschwunden, Fenster eingeworfen. In der Nacht vor dem Wahltage waren sie und die Anklage nimmt an, daß es sich um ein Zusammenspiel der in starten Trupps unterwegs und sie griffen sogar zu dem Mittel, Angeklagten mit dem Gaunerpaar handelte. Wie verschiedene Zeugen ganz polizeimäßig eine Straße abzusperren. Alle befundeben, haben die Angeklagten immer von ihren guten Be in dem Absperrungsgebiet befindlichen Personen erhielten den Beziehungen zur Polizei und zum Wohnungsamt fehl: hände hoch!" und mußten sich eine Durchsuchung gefallen gesprochen, und Löffler soll wiederholt als Beamter des Wohnungs laffen, wobei ihnen alles Material für Wahlpropa. amtes ausgegeben worden sein. Die Angeklagten hatten mit ihrer kommunistentrupps von 40 bis 50 Mann fleine Klebekolonnen, aufklären ließen so daß hier Freisprechung erfolgen mußte. In vier ganda abgenommen wurde. An anderen Stellen überfielen Berufung insofern Glück, als sich einige Betrugsfälle nicht mehr voll attadierten sie mit Messern und verletzten einige unserer Genossen Fällen wurden sie des fortgfeyten Betruges schuldig befunden. Oberheblich. Viele dieser Rowdies waren auch an den Exzessen in der nohl das Gericht tas Treiben der Angeklagten als gemeingefährlich Brauerei Königstabt beteiligt, mo fie sogar gegen die Arbeiter- charakterisiecte, ging es wesentlich unter des Strafmaß des Vordersamariter tätlich vorgegangen sind. Gegenüber solcher Kampfes richters hinaus und erkannte gegen Jilgen auf 6 Monate, methode muß jedem anständigen Arbeiter das Gefühl des Abscheus gegen Löffler auf 4 Monate und gegen Sievert auf 3 Mo und Eteis überkommen. nate Gefängnis. Ein unbeabsichtigter Fausthieb. Wie der Rud des Schupo- Oberwachtmeisters wirkte. Ein im„ Vorwärts" Nr. 206 vom 3. Mai veröffentlichter Artikel: Ha, welche Luft, Schupo zu sein" berichtete aus der Schußpolizeiinspektion Charlottenburg über den Fausthieb eines Oberwachtmeisters, dessen Opfer ein Unterwacht meister wurde. Hierzu teilt uns die Pressestelle des Polizeipräsidiums mit: " Der Borfall ist bereits, bevor er in der Bresse erschien, durch den Oberwachtmeister der Polizeiinspektion Charlottenburg dienstlich gemeldet und von dieser der Untersuchung zugeführt worden. Auf Grund der Vernehmungen hat sich ergeben, daß die Ihnen übermittelte Schilderung die Tatsachen doch start entstellt wiedergibt. Es hat sich um Differenzen zwischen dem Oberwachtmeister D. und dem Unterwachtmeister M. gehandelt, die auf dem Hinmarsch zum Schießunterwachtmeister M. den neben ihm marschierenden Vorgesetzstand schon begonnen hatten. Auf dem Rückmarsch hat dann der ten, Oberwachtmeister D., im Berfolg der früheren Zäntereien am ten, Oberwachtmeister D., im Berfolg der früheren Zäntereien am Handgelent gefaßt, angeblich, um ihn zurückzuhalten, da er nicht genau neben ihm marschierte. In der schon bestehenden Berärge rung gegen M. hat der Oberwachtmeister D. feinen Arm mit einem starten Rud losgerissen und bei dieser heftigen Bewegung den unterwachtmeister unabsichtlich ins Gesicht geschlagen. Es handelt sich also in der Tat nicht um eine vorfägliche Mißhandlung eines Untergebenen durch einen Borgefeßten. Trotzdem hat der Große Heiterfeit erregte die Aussage Startes, als diefer erzählte: Mißbilligung gefunden und es werden die Beamten, die zweifellos Borgang bei der vorgesetzten Dienststelle selbstverständlich starke Mir wurde gesagt, der Angeklagte fei der berühmte Frauenarzt beibe an diefem durchaus ungehörigen und besonders in der Deffent. aus Amerika, der auch aus alten Dollars junge machen tönne, so wie es ja auch bei den Aftien geschieht. Während des geheimnis- lichkeit höchst unerwünschten Borfall Schuld tragen, zur Rechenschaft vollen Druckverfahrens ließ uns Dr. Landau starten Raffee und gezogen werden. Die Polizeiinspektion Charlottenburg legt befonZigaretten reichen. Aus einer Retorte stiegen Dämpfe auf und das deren Wert darauf festzustellen, daß Mißhandlungen unter feinen ganze Zimmer roch nach Mandelöl. Plötzlich erklärte Etern, daß Umständen geduldet und etwaige vorkommende Ausschreitungen auf ihm schlecht fei und daß er Schüttelfrost habe. Darauf ging er meg. bas schärffte geahndet werden." Auch die anderen entfernten fich. Ich hielt allein geblieben, die Hände fest auf der Presse, genau nach dem Rezept des Doktors. Dann bin ich aber eingeschlafen. Als ich wieder erwachte, mar es tiefe Nacht. Da niemand wiederfam, habe ich allein die Presse geöffnet und mußte die Entdeckung machen, daß meine Dollars und Bfunde nicht gejungt" hatten, sondern in Bapierblätter verwandelt Er versicherte noch, daß er auf die Versprechung hin seinen ganzen Devisenbesib hingegeben habe, weil er recht viel haben wollte und hoffte, dann ein gutes Leben führen zu können. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Orimann beantragte gegen Stein- Spanier megen Betruges 1½ Jahre Gefängnis. Die R.- 2. Dr. Pindar und Dr. Fromberg betonten, daß es sich bei den beiden Zeugen um betrogene Betrüger handelt, die ihr Geld in ein schweres Münzverbrechen steden wollten. Das Gericht berücksichtigte auch Diese Gesichtspunkte, indem es davon ausging, daß Leute, die aus Geldgier auf einen derartigen Schwindel hineinfallen, tein Mitleid verdienen. Daher mußte die Strafe milder ausfallen, trotz des großen Raffinements. Das Urteil lautete auf 9 Monate Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. worden waren. Mit dem Küchenbeil erschlagen. " Sie hat ihm nur eins auswischen wollen!* Unter der Anklage des Tobfchlages hatte sich die Arbeiterin Klara Simon vor dem Schwurgericht I unter Borsiz von Landgerichtsdirektor Dr. Tolt zu verantworten. Die Berhandlung enta rollte ein trübes Familienbild. Am 21. Mai 1923 hatte die Angetlagte ihrem Mann mit einem Küchenbeil se chs Schläge auf. den Kopf versetzt, wodurch der Tod herbeigeführt wurde. Die Angeklagte behauptet, daß fie in Notwehr gehandelt habe. Sie habe an dem Abend ihren Mann aus der Kneipe heinholen müssen, da er Daß etwaige Mißhandlungen aufs fchärffte geahndet werden müssen, versteht sich ja von felter. Wir finden, daß an dem Vorfommnis auch nach der auf Grund der Vernehmungen gegebenen Darstellung immer noch munches Sonderbare ist. Der Unterwachermeister faßt den nicht genau neben ihm marschierenden Oberwachtmeister beim Handgelent, der verärgerte Oberwachtmeister reißt seinen Arm mit einem starten Rud los, und bei diefer hef tigen Bewegung des im Marschieren doch wohl herabhängenden Armes schlägt er den Unterwachtmeister nicht etwa gegen den Bauch, fondera ins Gesicht. Mit welcher Gewalt muß der Oberwachtmeister fich von dem Unterwachtmeister, der ihn beim andgelent faßte ( nich etwa padte oder zerrte), losgeriffen haben, wenn dabei die Fauft so hoch fliegen fonnte, daß sie dem Unterwachtmeister auf die machtmeister zurückhalten wollte, der Oberwachtmeister muß ihm also Nafe tam. Der Untermachtmeister hat angegeben, daß er den Oberum ein Stüd voraus gewesen sein. Der von hinten gefaßte und mit einem starken Rud losgeriffen Arm fuhr aber nicht nach vorn, sonbern nach hinten und die Faust gab dem Unterwachtmeister den Sieb auf die Nase. Diefer unbeabsichtigte Sieb war so heftig, daß wie wir erfahren noch nach einigen Tagen der Unterwacht meister auf dem Rafenrüden eine blutig- verschorfte Abschürfung hatte und ihm unter beiden Augen die oberen Partien der Wangen start blau verfärbt waren Eo ungewöhnliche Wirkungen hatte der Rud des Schupo- Oberwachtmeisters. Die Zentrale für Wohnungssuchende. Auch eine Ausbeutung der Wohnungsnot. Die herrschende Wohnungsnot hat sich ein Schwindlertrio zunuze gemacht und zahlreichen Wohnungsuchenden erhebliche Beträge für Borschüsse abgeschwindelt. Der Kaufmann Kuri 311gen hatte in Ramafan- Bairam. Die Mohammedaner rechnen noch bis auf den heutigen Tag nach Mondmunaten, und ein solcher Mondmonat, der den Namen Ramadan trägt, ist der Fastenmonat. Nach unserer Zeitrechnung. dauert er diesmal vom 6. April bis 4. Mai. Der gläubige Moslem ist und trinkt an diesen Tagen von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang nichts, nur Kranten und Reisenden gestattet ma ein Abweichen von den Vorschriften. Der Fastenmonat selbst findet durch den Ramafan- Bairam, ein großes Volksfest, seinen Abschluß. Die Berliner Anhänger des Islams und ihre Freunde hielten ihren Ramain- Ba'ram am 5. Mai in der Moschee zu Wüns dorf ab. Das Bild war in diesem Jahre nicht so farbenfreudin. mie es in den vorhergehenden Jahren war. Ein Teil der Mohamme daner fuhr nämlich nach Wannsee, die afghanischen und bucharischen Schüler hatte man zu Hause gelassen, und hinzu kommt noch, de der Fremderstrom sich jetzt aus Deutschland verflüchtigt hat. Ge weilen und hier heimisch wurden, Kaufleute, die ihr Geld in die blieben sind die Orientalen, die schon seit Jahrzehnten in Deutschland deutsche Wirtschaft steckten, und vor allen Dingen die Medizinstudie renden beiderlei Geschlechts. Die Inder trugen ihren Turban, die Türken aber durchweg die schwarze Krimmermühe, so daß der rote Fez gerade zweimal aufleuchtete. Auf der Hinfahrt, die nom Potsdamer Ringbahnhof aus angetreten wurde, flagte man über den schrecklichen deutschen Winter, erzählte aber auch, daß es in Konstantinopel unerhört falt gewesen sei und man ganz oro Schneeflocken fennengelernt habe. In der Moschee wirkte Schüfri vorher vom Minaret der Moschee aus zum Gebet gerufen hatte. Ben, von der afahanischen Gesandtschaft, als Imam, nachdem er Mährend seiner in türkischer Sprache gehaltenen Rede widmete er dem in Berlin plöglich am Herzschlag verstorbenen Imam Dr. Hasis Schütri Ben einen Nachruf, betete für den Ralifen, für viele oricntalische Herrscher und forderte die Moslem auf, Mildtätigkeit zu üben und durch ihr eigenes vorbildliches Leben ein gutes Beispiel zu geben. Die Feiernden waren Angehörige der verschiedensten Nationen, aber ein jeder von ihnen trug ein Stückchen Heimat in sich, und ausgerechnet am Ramajan- Bairam dachten viele recht innig an zu Hause. Man hörte:„ Bei uns ist jetzt alles mit Blumen geschmückt." und Bei uns tragen sogar die über und über mit Fahnen bedeckten Schiffe Blumen."" Es ist ein eigenartiges Gefühl, Bolfsfefte in der Fremde feiern zu müssen. Dem Deutschen fagt fein Weihnachtsfeft auch nicht zu, wenn er es, bei 40 Grad Wärme, vor Hize ſtöhnend. im dürftigen Schatten einer Balme verbringen muß. Eine Steuerbehörde nimmt kein Bargeld an. dem Steueramt, dem Bolizeirevier und bei anderen Behörden. Wer Wir verbringen unfere schönsten und kostbarsten Stunden auf diese Stellen fints fiegen lassen tann, möge sich bei mir meiden. Manchmal geschieht es, daß wir uns grün und blau ärgern, daß wir fähig sind, die Piſtole zu ergreifen, um uns zu töten, daß wir am anal auf und ab spazieren, um uns das Leben zu nehmen. Schließlich aber lachen wir hell auf:" Quatsch!... die Behörde hat Leute in ihrer Mitte, die nichts dafür fönnen... Gott heffe ihnen... Unfer Mitarbeiter H. E. St. schreibt uns: Amen!" Mein Freund fandte ordmmgsgemäß seine Bermögenssteuererflärung ein: Stadtbezirk... Steuernummer... Und er schrieb: Anbei reiche ich meine Bermögenssteuererklärung 1923 ein und als Steuerrestzahlung sende ich einen Barsched Nr. D 715 745 in Höhe Mart. Hochachtend A. K." Die Finanztasse schrieb am der Sched eingegangen am 1. Mai ist auf den 4. Mai ausgesteut. 1. Mai 1924: 1 Sched urschriftlich zurüd an Herrn A. R. AnliegenBordatierte Echeds tönnen nicht angenommen werden. von Es wird immer den ganzen Arbeitsverdienst verirunten habe. Zu Hause habe der Gollnorstraße unter der Firma Illgen, 3entrale für gebeten, den Sdyed mit dem Datum des Einfendungstages zu ver er Geld von der Kommode genommen und wieder zu feinen Kneipfreunden zurückkehren wollen. Als fie das Geld zurückverlangte, habe er fie geschlagen, und da habe sie in der Aufregung zum Beil gegriffen. Mehrere Beugen befundeten, daß die Angetlagte ihren Mann, der schwächlich und vertrüppelt war, häufig geschlagen habe, und daß der Mann vor seiner robuften Ehefrau stets in Angst und Furcht gewefen fei. Andererseits brachte Rechtsanwalt Dr. Hirschowiß mehrere Zeugen bei, die befundeten, daß der Getötete seine Frau ebenfalls mißhandelt habe und auch einmal mit dem Meffer auf sie los gegangen sei. Während Staatsanwaltschaftsrat Hirschmann drei Jahre Gefängnis beantragte, vertrat der Berteidiger den Standpunti, bak die an Epilepsie leidende Angeklagte die Tat im pathologischen Affekt verübt habe. Das Gericht tam zu der Ueberzeugung, daß die Angeklagte zwar nicht in Notwehr gehandelt habe, aber auch nicht in der Absicht, ihren Mann zu töten. Sie habe ihm nur eins, auswischen wollen. Der Angeklagten, die Mutter eines einjährigen Kindes ist, wurden mildernde Umstände im weitesten Maße zu gebilligt. Da es fich aber um ein Menschenleben und noch dazu den Ehemann handete, hat das Gericht immerhin auf 1 Jahr Gefängnis megen Körperverlegung mit tödlichem Ausgang erfannt. Der Museumskrieg vor Gericht. Der Streit um die Neubauten der, Museen wird demnächst die Strafabteilung des Amtsgerichts Berlin- Mitte beschäftigen. Die vielfachen Angriffe, die der Kunstschriftsteller Karl Scheffler in seiner Broschüre Der Museumsfrieg" und danach in verschiedenen Artikeln gegen den verstorbenen Alfred Messel und den Geh. Baurat Dr. Ludwig Hoffmann erhoben hat, haben Hoffmann veranlaßt, durch R.-A. Dr. Alsberg die Beleidi, gungstlage gegen Scheffler einzureichen. Geh.- Hat Dr. Hoffmann fühlt sich besonders durch den Vorwurf beleidigt, daß er eine von Messel begonnene bewußte Täuschung fortgefegt habe, Um zu erklären, wie Scheffler zu seinen, den Brivattläger beleidigen den Vorwürfen gekommen ist, wird voraussichtlich die Geschichte der Museumsneubauten, die bereits Gegenstand heftiger Erörterungen im Landtag gewesen ist, aufgerellt werden. Die Rolle, die bei diesem Etreit Grb. Rat Bade gespielt hat, with muhmaßich en bedeutungsvolles Stück des Prozesses bilden. Die gesetzlichen Bestimmungen, durch die Beleidigungsklagen von Angehörigen Verstorbener in mei testem Maße eingeschränkt sind, haben es der Witwe Alfred Meſſels unmöglich gemacht, fich der Klage anzuschließen. Seldentaten" der Kommunisten. Ueber den Terrorismus, mit dem die Kommunisten ihre Bahiagitation betrieben haben, wurde im Vorwärts" mehr fach berichtet. Nachdem ste in den Wochen vor der Bull immer mieber unsere Wählerversammlungen zu stören versucht hatten, frönten sie ihr Wert in den lehten Tagen mit gewalttätigen Au= griffen gegen unsere gettetantlebenden Ge= noflen. As Herren der Straße gebärderen sich Kommunisten, wie uns nachträglich mitgeteilt wird, gegenüber unseren Genossen im Kreise Prenzlauer Berg. Getreu der Anweisung von Mostau, gegnerische Wahlpropaganda zu verhindern, hatten fie fchon einmal ohnung suchende", ein Wohnungsvermittlungsbureau er öffnet und in Gemeinschaft mit den Angestellten Erich öffler und einem Heinrich Siewert betrieben. Bei der Handhabung des Ge. schäfts wurden so eigenartige Brattiten angewendet, daß sich schließ. lich der Strafrichter mit der Sache beschäftigen mußie und daß gegen die drei Beteiligten Anklage wegen gemeinschaftlichen Be truges in zahlreichen Fällen erhoben wurde. 4 Monate, gegen Löffler auf 1 Jahr und gegen Sievert Das Schöffengericht mitte hatte gegen 31lgen auf 1 Jahr auf 3 Monate Gefängnis erfannt. Da gegen dieses Urtet Berufung eingelegt war, beschäftigte sich die Straffammer nochmals mit dem Fall. Es wurden zahlreiche Zeugen vernommen. Die Be weisaufnahme ergab u. a., daß die Wohnungsuchenden zahlreiche Adressen in allen Stadtgegenden Berlins aufgegeben erhielten, von In einem Falle waren die Leute nach einem Hause zu Schulz ge denen manche überhaupt gar feine offenen Wohnungsstellen betrafen. schickt worden. Es wohnten aber in dem Hause mehrere Schutz und unglückseligerweise tehrte einer dieser Namensträger erst spät abends nach Haule und fand vor seiner Tür 15 Personen war. tend, um mit ihm über die abzugebende Wohnung zu verhandeln. Der Mann mußte davon gar nichts und war froh, daß er feibst fein Dach über dem Kopfe hatte. Am fibeliten ging es einer Frau Templin, die nach der Auguststraße zu einem angeblichen Ehe paar geschickt wurde, das ihre 3meizimmerwohnung beitaufen wollte. Sie zahlte einen ansehnlichen Betrag für den Wohnungsver fauf unter Uebernahme der Möbel. Hinterher stellte sich heraus, daß tie Wohnung schon längst beschlagnahmt war und daß das Ehepaar gar nicht Inhaber der Wohnung war. Frau L. hatte auch gar feinen Raufvertrag unterschrieben, sondern einen Rautions vertrag, durch den die Summe nur zur Sichersteung für die ihr abnermieteten zwei Zimmer gezahlt worden war. Die Möbel waren sogenannte Klamotten". Als die Zeugin zu Illgen hinlief, war diefer nicht zu sprechen, und die beiden anderen Angeklagten fuchten Das Rundfunkprogramm. Dientsag, den 6. Mai. kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bein der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Verbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Hygiene und Sport". 8.30 Uhr: 1. a) O wüßt ich doch den Weg Vertrag: Die feine Küche. 7.30 Uhr: Vortrag des Hm. Dr. Harms: zurück, von Brahms; b) Wie traulich war das Fleckchen, von Brahms; c) Ich sah als Knabe Blumen blüh'n, von Brahms( Margarete Schlenzka- Kramm). 2. Aus der Jacobsen- Suite: a) Präludium: Der alte Springbrunnen, von Walter; b) Romanze: Rosenzeit, von Niemann( Celeste Chop- Groenevelt, Klavier). 3. Aus Palmström, Marx; b) Japan. Regenlied, von Marx( Margarete SchlenzkaChr. Morgenstern( Leo Menster, Rezitation). 4. a) Wie einst, von Kramm). Menter. Rezitation). 6. Militärmarsch, von Schubert- Taussig( Celeste 5. Aus Galgenliedern", von Chr. Morgenstern( Leo Chop- Groenevelt). Am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack sehen. J. A.: und --einzureichen, was geschehen ist. Die Zahlung ist bis fpätestens am 7. mai fällig( Schonzeit). Der Scheck ist auf den 4. Mai ausgestellt, alfo 3 Tage früher als die letzte festgelegte Frift. Die Behörde hatte alfo 3 Tage früher, als nötig gewesen wäre, die Zahlung erhalten hörde verschwendet Zeit, Kuverts und belastet die Bost 2. Der Empfänger muß freie Beit im Stich laffen und den Beamten aufflären, daß er wider die gefehliche Borschrift gehandelt hat. 3. Dem hörde? Sie will fein Geld früher afzeptieren, als es unbedingt zu Empfänger läuft langsam die Galle über. Was also will die Be zahlen wäre.( Sie fann sich's ja leisten.) Warum? Aus Bequemlichkeit? durch diesen Fall absolut bewiesen. lichkeit? Nein: Die Unterminis in geschäftlichen Dingen wir Also: Die Steuererklärung war am 30. April Das Oranienburger Eisenbahnunglück vor Gericht. nachtsefeiertag v. 3. furz vor Oranienburg ereignete und bei dein Das Eisenbahnunglüd in Oranienburg, das sich am ersten Weihein Postschaffner den Tod fand und mehrere Personen erheblich verlegt wurden, wird am Dienstag, den 6. Mai, vor dem Amtsgericht in Oranienburg fein gerichtliches Nachspiel finden. Unter Anlage steht der Lokomotivführer des verunglückten Zuges. Das Unglück geschah in folgender Weise: Es herrschte am Morgen des ersten Feiertages ein außerordentlich schmeres Unwetter mit Sturm und startem Schneetreiben, das jede Orientierung unmöglich machte auch waren auf dem Bahnhof Oranienburg die Weichen unbrauch bar geworden. Aus diesem Grunde mußte der morgens gegen 5 Uhr hof Oranienburg halten. aus Berlin abgehende Vorortzug auf offener Strede vor dem Bahn Dies geschah, ohne daß das Ende des Buges gegen den alsbald nachfolgenden beschleunigten Personenzu entsprechend gesichert wurde, und ohne daß der Führer des nod folgenden Zuges durch Warnungssignale in entsprechender Weise ( Magnesiumfacel oder Knallfapfein) aufmerksam gemacht wurde, de er die Einfahrtsignale nicht sehen fonnte. Er fuhr daher auf den Personenzug auf, da er er durch eine geschwungene Handlaterne, faum 20 Meter vor dem Zug, auf die Gefahr aufmerksam gemach! wurde. Auf dies furze Entfernung fonnte er jedoch den Bug trek start verringerter Geschwindigkeit nicht zum Halten bringen. Die Berhandlung findet vor dem erweiterten Schöffengericht statt, wäh Verluste von Menschenleben zu beklagen waren, die vollbesetzte Stro rend früher, wenn es sich um ein Unglüd handelt. bei welchem fammer zuständig gewesen ist. Zur Frage der weltlichen Schule. Republi! nahm auf ihrem Kongres in Leipzig folgente Resolution Die Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände der deutschen zur Schulfrage an: Die Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände der deutschen Republik stellt fest, daß das durch die Reichsverfaffung gewährleistete Recht auf Ein. fil brung weltlicher Schulen dem deutschen Wolfe bisher borenthalten worden ist. Große Teile unferes Volfes empfinden tigkeit für Kinder, Eltern und Lebrer. Die Arbeitsgemeinichan diefen Buitand als Gewissensbedrüdung und große Ungered. freigeiffiger Verbände ist nicht gewillt, diese Geiftesknechtung zu ertragen und fordert beshalb die rafe Berabfdiebung eines Rotgefezes, das die Errichtung weltlicher Schulen ermöglicht, und sie ist nicht bereit, die weitere Vorenthaltung eines verfassungs mäßigen Rechts untätig hinzunehmen, sondern wird bei weiterer Verschleppung der Angelegenheit zur Selbsthilfe gezwungen jein." ° Die Bekämpfung der Steuerhinterziehungen ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Besondere Erfolge auf diesem Gebiet hat das Landesfinanzamt Groß- Berlin( Steueraußendienst) erzielt, durch dessen Tätigkeit im legten Vierteljahr an Strafen und Nach steuern über fünf Millionen Goldmart rechtsträftig festgesetzt worden sind. Für die Betroffenen handelt es sich dabei oft um recht empfindliche Strafen. Neuerdings hat der Gesetzgeber für steuerliche Rückfallvergehen fogar Gefängnisstrafen vorgefeben, auf welche von den Gerichten in der Regel erkannt werden muß Ein neues Theater für Kinouraufführungen wurde am Sonn. abend am Kurfürstendamm 193/94 eröffnet. Es nennt fich Baf ag Theater und dient der Britisch- Amerikanischen Film- 2.- G., die sich dem Filmaustausch zwischen 2merita und Deutsch and widmen will. Die Gesellschaft hat den Vertrieb für leistungsfähige Film produzenten. Leider war der Eröffnungsfilm, deffen Borführung unter ungünstigen Lichtverhältnissen litt, für deutsche Verhältnisse nicht gut gewählt. Mag Der Gefangene von Benda" noch soviel Millionen getostet und noch soviel Personen zur Mitwirkung herangezogen haben, diese politische Liebesgeschichte im Stile des seligen Gregor Samarom intereffiert uns nicht mehr. Wir überlassen gern den Amerikanern die Begeisterung für Uniformen. Orden, Aufzüge furzum all den absolutistisch militaristichen Klimbim, den fie uns früher mit Recht vorhielten. Daß der Film ausgezeichnete Aufnahmen vorführt und daß in ihm schöne, stattliche Menschen mitwirken, darunter eine Darstellerin ersten Ranges, die anmutige Alice Terry, sei dabei gern zugegeben. Das fleine Theater, das 600 Personen faßt und sehr modern ausgestattet ist, wird uns bald beffere Proben amerikanischer Filmkunst zeigen müssen. Die Bolfs'ücherei Treptow- Süd( Baum chulenweg) wird am 5. Mai wieder eröffnet. Groß- Berliner Parteinachrichten. 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch, den 7. Mai, Sigung des engeren Kreis. vorstandes mit den Abteilungsführern, den Beamtenobleuten und ben parteigenössischen Borfizenden des Reichsbanners, abends 8 Uhr, Sol. steinifde Str. 60 bei Pieper. 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, ben 7. Mai, abends 8. Uhr, Kreisvorstands. figung in der Bibliothek. Weichselstr. 28. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Die Bentralarbeitsaus Schuh- Sigung vom 7. Mai 1924 wird wegen eines Filmabends über ruffisches Schulwefen in der Aula des Französischen Gymnasiums, Reichstagsufer 6, auf Mittwoch, den 14. Mai, verschoben. Wir legen allen Genoffen nahe, die oben genannte Beranstaltung zu befuchen. Näheres über die GU Arbeiter- Sport Leibesübungen der Kinder. 8,17 Min., 2. Spandau 3.19 Min. Jugendmehrkampf: L. Lichtenberg 102% Buntte, 2. Weißenfee 98. Buntte, 3. Charlottenburg 93 Punkte. Männerlagenftafette: 1. fallenfee 2,32 Min., 2. Union 2,85 min., 3. Norden 2,37 Min. Bruftfchwimmen, 100 meter, intern, Jugend: 1. Schiller 1,58 min., 2. Streng 2,02 min, Männer: 1. Klefeld 1,41 min., 2. Genste 1,44 Min. Frayenrücken155 min., 3. Sennig- D.S.B. 1923, 2,04 Min. fchwimmen, 100 meter: 1. Giersch- Borwärts 1,54 Min., 2. Schwedler- Norden Weibl. Jugendbruststafette, 3X 50 Meter:. Lichtenberg 2,88 min., 2. Charlottenburg 2,40 min., 3. Norden 2,46 Min. Schwimmen 50 Meter für Bereine ohne Winterbad: 1. HildebrandBerleberg 40 Get., 2. Rolbed- Perleberg 41 Gef. Jugendbrustschwellstafette, 50, 100, 150, 100, 50 meter: 1. Bormärts 7,08 min., 2. Faltensee 7,29 Min. Männerbruftfchwimmen, 50 Meter, über 35 Jahre: 1. Mante- Charlottenburg 48 Set., 2 Rühn- Lichtenberg 50 Gef., 8, Rösler- Spandau 50 Set. Schwimmen, 100 Meter beliebig, Alaffe A: 1. Singe Union 1,14 min., 2. Kärner- Norden 1.20 Min., Dahle- Reukölln, außer Ronkurrenz. 1,48 Min. Wasserballspiele. Jugend: Weißenfee- Charlottenburg 30. Männer: Faltenfee- Berleberg 7: 0, Union- Norden 6: 2 Großkampftag im Jiu- Jiffu und Ringen. Gesunde Kinder wünschen sich alle Eltern, denn fräntliche und schwache Kinder bringen Kummer und Sorge ins Haus. Gesundheit und Kraft find aber nicht Wunderdinge für wenige Auserwählte, die das große Los gezogen haben, sondern abgesehen den Auss nahmefällen bas Resultat systematischer Rörper fultur! mit Recht verlanat das arbeitende Bolt einen Lebensstandard, der eine genügende Ernährung ermöglicht und die Lebens energie aufrecht erhält. Bei hungrigem Magen fönnen Kraft und Gesundheit sich nicht entwickeln, der Mensch verkümmert. Aber der Gefundheitszustand innerhalb der Arbei erschaft und ins besondere der Kinder weist so große Differenzen auf, daß zu einem Teil wohl auch von eigener Schuld gesprochen werden muß. Ohne natürliche Lebensweise, Bewegung in frischer Luft, Aus= arbeitung des Körpers fönnen Kinder, selbst wenn die Ernährung ge. nügend ist, sich nicht zu gefunden und träftigen Menschen entwidein. Das Sigen in der Schule und die mit dem Unterricht verbundene Anspannung üben eine nachteilige Wirkung auf den Körper aus, wenn diese Nachteile nicht durch eine instematische Betätigung der Muskulatur parainfiert werden. Gerade in der Kinderzeit, mo Wachstum und Entwicklung der inneren Organe ein Magimum an fyftematischer Körperpflege verlangen, glauben die meisten Eltern, mit einem Spaziergang am Sonntag schon genügend getan zu haben. Vie fach ist auch Alengstlichkeit vorhanden, daß den Kindern bei den lebungen ein Unfall zustoßen könnte. Diese Besorgnis ist aber nicht am Blaze, da gewandte Kinder, die ihren Körper zu beherrschen verstehen, durch Turnen. Schwimmen usw. die Fähigkeit erlernen, felbst im Großstadtverkehr sich gegen Unfälle besser zu schützen als undeübte und schwächliche Kinder. Schon jetzt üben einige tausend Kinder in den Arbeitersportvereinen Groß- Berlins unter fachgemäßergebnis nicht recht befriedigte. Der 16. Mai wird hoffentlich eine flare Ente Leitung Wer dem frischen, fröhlichen Treiben zusieht, hat seine rechte Freude daran. Mehr als Worte zeigt das Frohsein beim emfigen leben und die leuchtenden Augen der Kinder, daß hier unfere Jugend eine Lebensquelle gefunden hat, an der sie ohne es felbft zu ahnen- gefundet. Die Arbeiterfportvereine wollen die Rinder gesund und fröhlich erhalten. Ben allen Eltern wünschen sie aber Unterstützung und Aufklärung weiterer Kreise über die Notwendigkeit und Nüklichkeit einer fyftematischen Körperkultur, damit eine Jungmannschaft heranwächst. gesund und mit Lebensenergie, wie wir fie im Stampf um eine beffere Zukunft brauchen. nächste Sißung wird noch bekannt gegeben. Bezirksstelle Benzlauer fchaft Groß- Berlin am nächsten Sonntag, nachmittags 3 bis Berg. Helfer und Delegierte der Bezirksstelle treffen sich Donnerstag, den 8. Mai, pünktlich abends 7% Uhr, im Ronferenzzimmer Danziger Str. 23. Auf der Tagesordnung steht: Bericht aus Geva, Maijugendtag, Sonnwend. feier, Erziehungsorganisation, Berschiedenes. Wir bitten alle, vollzählig zu erscheinen. Heute, Dienstag, den 6. Mai: 20. St. 7 Uhr Frauenabend bei Linde, Rolonieftr. 34, Frauenleseabenb. Thema: Die Frau und der Sozialismus." Jungfosialisten, Gruppe Tempelhof- Mariendorf. 7 Uhr im Jugendheim Tempelhof, Germaniaftr. 4/6, Bortrag des Genoffen Mödel. Morgen, Mittwoch, den 7. mai: 82. bt. Stenlik. 8 Uhr Funktionärfitung bei Behnde, Beefeftr. 2. 92. Abt. Renkölln. Pünktlich 7% Uhr bei Wolf, Raiser- Friedrich- Str. 173, Funktionärßigung. Alle Funktionäre, besonders die Gruppenführer, müssen erfcheinen. Abrechnung der Gammelliften und Maikarten. Jungfosialisten, Gruppe Süden. 8 Uhr Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3, Lefe- und Diskussionsabend. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 20. Abt. Genoffe Wilhelm Wende, Rolonieftr. 122, ift am 30. April: ver storben. Einäfcherung Mittwoch, den 7 Mai, füh 10 Uhr. Ein Kinder- Schauturnen veranstaltet ble Freie Turner. 6 Uhr, in der Zentra'turnhalle, Brinzenstraße 70. Eröffnung der Turnhalle 2% Uhr. Eintritt 30 Pf. einschließlich Programm und Verzeichnis fämlicher Turnabteilungen, Kinder zahlen 10 Pf. Alle Mitwirkenden Ordner usw, müssen pünktlich 1% Uhr zur Stelle fein.-- An alle Eltern und Kinderfreunde ergeht die Bitte, sich durch zahlreichen Befuch von dem lebungsbetrieb und dem Können dieser jüngsbu Arbeitersportler zu überzeugen. Schützt die Natur! 27. Abt. Genoffin Mahlendorf, Cantianstr. 23, ist verstorben. Einäscherung auf denen das Lazern ein recht zweifelhaftes Bergnügen ist. Durch Mittwoch, den 7. Mai, nachm. 2 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Es stehen von vielen Abteilungen noch die Treffpunkte zum Mai- Jugenbtag aus und find ferner noch nicht die Ordner zur Rundgebung an uns übermittelt. Wir bitten, umachend das Bersäumte nachzuholen, damit alle Abteilungen thre Orbner ftellen und bie Treffpunkte aller Abteilungen im Borwärts" veröffentlicht werben tönnen. Achtung, Abteilungstaffierer! Die Beitragsmarken für Mai find abzuholen und die April.Marten aban. rechnen. Ferner find die Arbeiteringend Zeitungen", anfer Jugend soran vom Monat Mai, bie Internationale" und der Führer vom Monat April in Empfang zu nehmen. Achtung, Jugendchōre! Am Donnerstag, ben 8. b. M., abends 7 Uhr, im Gefangstaal ber Schule Stein ft. 32/34( nicht Steinmenstraße), Rusammenkunft aller Chormitglieber! leben zum Mai- Jugendteg. Erscheinen aller Chormitglieber ift Pflicht! Heute, Dienstag, den 6. Mai, abends 71 Uhr. Abteilungs- Mitgliederversammlungen: Moabit IT: Gesundbrunnen II: Gemeindefchule, Pant., Ede Wiesenstraße. Gemeindeschule, Am Stephansplag. Reutölln VI: Schule, Raiser- Friedrich. Str. 4. Nordost I: Schule, Georgenkirchstr. 2. Nordost II: Schule, Danziger Str. 23. Schönhauser Vorstadt: Schule, Jbsenste, 17. Staaten: Jugendheim, Stegliz I: Albrechtstr. 46. Bahnhofftr. 30a. Tegel: Jugendheim, Bahnhof. Wannsee: Jugendheim, Charlottenstraße. ftr. 15. Westen: Baugewertschule, Rurfürstenstr. 141. Gdöneberg 1: Jugendheim, Rubens, Ede Sauptstraße. Diskussion: Das Ergebnis der Wahlen." Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Arbeiter Abstinenten- Bunb. Gruppe eu! BIIn: Mittwoch,& Mai, 74 Uhr, Schiertestr. 44: Bildungsarbeit. Ortsgruppe Berlin Donnerstag, 9. Mai, 7½ Uhr. Gerichtste. 67, Funktionärverfammlung. Abrech Ausgabe von Werbematerial. mung und Monatsprogramm mitbringen. Simmelfahrtstag für Fahrt freihalten. Bund entschiedener Schulreformer. Deffentlicher Bortrags- und Filmabend: Bom russischen Schulwefen", Mittwoch, T. Mai, 7 Uhr abends. im Franzöfifchen Gnmnasium, Reichstagsufer 6. Es fprechen Otto Corbac über mosta u als Erzieher und der bekannte Arbeiterdichter Mar Barthel zum Film über Ruffifche Arbeitsfculen. Untoften. beitrag. uer it. Bereinigung für Kunstpflege. Mittwoch. den 7. Mai, 8 Uhr, in der Städt. Schule, Charlottenburg. Wislebenstr. 34 am Liegenfee, filmportrag: Redner: Herr Millhahn. bestattungen in alter und neuer Beit." Gäste willkommen. wirtung eines Männerchors. Homöopathischer Verein Hahnemann, Lichtenberg. Dienstag, 6. Mai, 7 Uhr, in der 278. Gemeindeschule, Frankfurter Allee 37, Bortrag über Bele. jahre und Beislu. Referent: Dr. v. Difte. Sur Dedung ber un foften werden 0,30 M. erhoben. Wetterbericht: Größtenteils bewölkt mit einzelnen leichten Regenfällen und mäßigen südwestlichen Winden. Später zeitweise auftlarend; in den Tagesstunden mild. Für Freitag, den 16. mai, abends& Uhr, indigt die Sportl. Bgg. Mord Ost 06" im großen Saale der Königstadt- Brauerei, am Chönhauser Tor, einen Großbampftag im Jiu- Jitsu und Ringen an, der zu einer wahren Seerfchau werden dürfte. Allen Jiu- Jitsuern und Ringsportlern, die noch im bürgerlichen Bager meilen, tann nur dringend empfohlen werden, diese Veran ftaltung zu befuchen. Sie werden dann erkennen müffen, daß die Arbeiter. sportler auf einer vielleicht taum vermuteten Höhe des Könnens ftehen. An biefem Tage foll nur die allererste Berliner Alaffe auf die Matte gehen. Die Susammenstellung der Gegner für das griechisch- römische Ringen ist noch nicht ganz abgefchloffen, jedoch steht fchon iest fest, daß am Start zu finden sein werden: Droas( SC. Berolina, Kreismeister im Bantamgewicht. Mitglied der Ligamannschaft), Oppermann( RO., 1. Sieger in den Jugendmeisterschaften 1923), ber mehrfache Breisträger Utecht( NO.), der vorzügliche Jaroszewski ( SC. Adler) und der Federgewichtler Müller( SC. Neutölln, mehrfacher 1. Preis träger). Weitere Meldungen stehen in Aussicht. Etwas ganz Besonderes wird es auch im Jiu- Jitsu au fehen geben. Zunächst sollen noch einmal die ersten Sieger in den Feder bzw. Leichtgewichtsmeisterschaften, Galfomsti( 114) und Rramezat( 128) einander gegenübergestellt werden. Beide find unglaublich sähe und technisch vollendete Jiu- Jitsuer. Sm März d. konnte Salfomsti itach einem aufregenden, jedoch ziemlich ausgeglichenen Rampfe von 15 Minuten Gesamtzeit über Aramezat fiegen. Man muß gestehen, daß das damalige Er fcheidung bringen. Weiter ist man bemüht, an diesem Tage dem kampferprobten Mittelgewichtler Steinte( 145), an dem sich bis ieht allerdings alle unfere Schwergewichtler vergeblich versuchten, ben riesigen Gillert( 180 Pfund), den erften Gieger in den Schwergewichtsmeisterschaften, entgegenzustellen. Gillert wohnt gegenwärtig in Köln, der Beranstalter hofft jedoch, ihn zu diefem Tage nach Berlin zu bekommen. Auch in den übrigen Jiu- Jitsu Kämpfen follen nur die besten Vertreter dieser japanischen Runft auf die Matte gehen. Maienfest der„ Naturfreunde". Ble in den Borichren, veranstaltet auch in diesem Jahre die Ortsgruppe Berlin. B. des Touristen Bereins Die Naturfreunde" ihr, Maienfest auf dem Gelände ihres Landheims Meißnershof bei Hennigsdorf( ½ Stunde von Sennigsdorf). Gefang: Gemischter Chor, Rezitationen und Sprechchor werden dieser Beranstaltung bie Sote geben, die folch ein Boltsfest im Freien vor anderen Arbeiterveranstaltungen auszeichnet. Anfang 3 Uhr. Abfahrt ber Rüge ab Stettiner Bahnhof: 10.30, 11.30, 12.00, 12.30, 1.00, 1.30. Gesundbrunnen 6 Minuten später. Führer am Bahnhof Hennigsdorf. Die Manns Mannschaftskämpfe des Arbelter- Athletenbundes, schaftskämpfe des 4. Kretses für die Serie 1924/25 haben ein gutes Melbeergebnis gebracht. Im Ringen beteiligen fich etwa 30 Mannschaften. An der A- Klaffe mit 17 Bereinen wird es zu harten Kämpfen kommen, da Vereine wie Siegfried, Lurich, Nordwest und Togel sowie der zum Bund zurückgefundene Verein Berolina alles aufbieten werden, Libertas um den Titel Kreismeister zu bringen. In der B- Klasse ist bei der Gleichwertigkeit eine Voraussage sehr schmer. Das Resultat dürfte zwischen den zweiten Mannschaften von Libertas, Lurich, Nordwest und der ersten Mannschaft von Adler Liegen. Im heben treben fechs Mannschaften an. Hier wird SB. Lichtenberg- Friedrichsfelde der Kreismeistermannschaft SB. Nord west zu schaffen machen. Der Sport- Club Berolina" Reutölln, Abteilung A( Raiser- Friedrich- Str.) traf am Freitag, den 25. April, in seinem ersten Kampf auf den Sport- Club ,, Lurin Berlin. Eingeleitet wurde der Abend burd) die Jugendmannschaften beiber Bereine. Zurig fonnte mit 3½: 2½ gewinnen. In der B- Klasse siegte aber Beroling mit 34: 2½ und die erfte Mannschaft nach heißem Stampfe mit 4: 2 Berolina" stellte die Sieger in Droas, Sentfche I und Warten berg. während non Zurich" Mayer der Sieger war. Die anderen beiden Rämpfe endigten unentschieben, da die Gegner Seelenbinder2uft, Schnadenberg- Stallbaum gleichwertig waren. Am iens tag, den 6. Mai, kommt nun die Abteilung B( Shomasstraße) ,, Berolinas" gicidy mit einem der Anwärter der Meisterschaft. Sport- Club Tegel, zusammen. Für ,, Berolina" starten Neumani, Hellpinski, Schmidt, Rieger, Govran und Tengler. Turn- und Sportverein Fichte", Gruppe Dft- Bezirt. Bersammlung ant 7. Mai, abends 7 Uhr, in der Aula, Straßmannstr. 6. Bortrag und Aussprache: Nadtkultur und Arbeitersport." Referent: Lehrer Schöne. Brudervereine sind eingeladen. Urmahl zum Bundestag in Cassel! Wir machen alle Mitglieder auf das Rundfchreiben an die Abteilungsvorsitzenden aufmerksam. Beteiligt Eua alle an der Wahl. An 15. März ist für den Ortspolizeibezirk Berlin eine Naturfchutz- Polizeirerordnung in Kraft getreten, für deren weiteste Befanntgabe leider bisher wenig geschehen ist. Alle Natur- und Wanderfreunde bedauern es feit langem, daß Wald und Feld in unferer märkischen Heimat mehr und mehr ihrer Schönheit teils durch Unady famfeit, teils aber auch durch ein rüdsichtsloses BanDalentum beraubt merden. Bielbesuchte Waldpartien werden durch Umberwerfen von Papier, Glesem ujm zu großen Schmußflächen, Anlage von Feuerstellen zum Abfochen wird nicht nur Blumen- und Grasschmud des Wald- und Feldbodens vernichtet, sondern auch das Brennmaterial wahllos von Bäumen geriffen. Wilde" Wandervereine, die sich auch in der Bahn und bei der Rückkehr in die Stadt, oft in affoholisiertem Zustand, recht unliebsam bemerkbar machen, sind ein besonderes llebel der Zeit. Der Schmetterlings. sport" rottet systematisch alle feltenen Arten aus. Blumen und blühende Sträucher werden in großen Sträußchen" gesammelt, um nach furzer Zeit weggeworfen zu werden. Diese Uebelstände fönnen aber faum durch eine Polizeiverordnung beseitigt werden, vielmehr Rinderturnausschuß- Sigung in der Geschäftsstelle. Jede Abteilung muß ver sollte in allen Schulen, von den Wander- und Sportvereinen aus eigener Initiative darauf hingewirft werden, daß der Bandalismus an den Naturschönheiten aufhört. Da die neue Polizeiverordnung auf die hier in Betracht kommenden Hauptpunkte des Naturschutes hinweist, fei folgendes furz angeführt: § 1. Innerhalb der im Eigentum des Staates ober der Gemeinde stehen. den Waldgebiete und anderen Grünflächen ist verboten: 1. Papier und Ver. padungsmaterial aller Art fowie Gegenstände aus Glas, Porzellan, Blech u. bal. fortzuwerfen oder liegen zu lassen; 2. feuergefährliche Gegen stände aufzustellen oder liegen au laffen; 3. Solaftöße unbefugt aut besteigen oder die Scheite umherzuwerfen: 4. außerhalb der dazu freigegebe nen Stellen 8 elte zuerrichten, Schaufeln aufzuhängen sowie Matragen auszubreiten.( Die Bekanntgabe der für Relte freigegebenen Stellen follte balbigst erfolgen.) 8 2 verbietet die Beschädigung der Baum- und Strauch bestände.§ 6 zählt die geschützten Schmetterlingsarten usw. auf.§ 7 betrifft den Schuß von Balbträutern und Blumen. Wenn alle Wanderfreunde und Ausflügler den Kampf für den besonders Naturschuß aufnehmen und für miteste Aufklärung auch der Kinder- forgen, dann dürfte es gelingen, auch unfere mär. fische Heimat und besonders das Groß- Berliner Waldgebiet in seiner alben Schönheit wiederherzustellen. Schwimmfest in Spandau. Mit einer Ansprache an die Spandauer Arbeiter wurde das Fest eröffnet. Die Vereinsbruststafette 10mal 50 Meter bot einen intereffanten Rampf, der bei den ersten vier Mannschaften nur eine Inappe Entscheidung brachte. Das Springen zeigte noch manche schwache Seite, denn gerade dieser volkstümliche Zweig bes Schwimmsports verdient mehr hervorgehoben zu werden. Die ein zelnen Wettkämpfe zeigten in allen Altersklassen, daß man auch ohne Diplome und Kränze seine ganze Kraft in den Dienst der Sache tellen fann Nachfolgend die Resultate: Bereinsbruftftafette 10 X 50 Meter. L. Borwärts 7,1 Min, 2. Faltenfee Mädchenbrust. 7,12 min., 3. Weißensee 7.13 min., 4. Spandau 7,14 Min. fchwimmen 50 Meter: 1. Seeger- Lichtenberg 54 Get., 2. Ciche Lichtenberg 56 Get., 8. Giefede- Spandau 1,05 Min. Männerrückenfchwimmen 200 Meter: 1. BuschFaltensee 3,20 Min., 2. Ebert- Sponbau 3,22 Min., 3. Maupach- Spandau. Jugendlagenftafette: 1. Bormärts 2,35 min., 2. Lichtenbera 2,45 Min. Springen: 1. Bendt- Charlottenburg 27 Bunite, 2 Gallwig- Union 21 Punkte, 3. Dedert Spandau 18 Punkte. Anabenbruststafette 4 X 50 Meter: L. Charlottenburg Turn and Sportsercin Fichte. Mittwoch, T. Mai, abends 7 Uhr, treten fein. Bhr. Sport- Verein Sparta 1911, Beichtathletit, Fußball, Soden, Handball. fikenber: Willi Wendt. Berlin- friedrichsfelde, Walderfeestr. 24, Leidbathletik: Walter Wächter, N., Brunnenftr, 82, Fußball: Richard Rogge, O. 112. Meijel freaße 13, Soden: Rar! Springer, NO. 55, Colmarer Str. 4. Geschäftsstelle Erich Grofenic, N. 34, Fehrbelliner Str. 40/41. Jeden Dienstag und Donners tag Training im Lichtenberger Stadion. -P Ruber- Verein Collegia, Charlottenburg( Bootshaus an der Saven. Die Uebungsstunden finden feht wieder jeden Dienstag und Donnerstag im Boots haus statt. Sihung leden Freitag 8% Uhr im Lokal Thunad, Charlottenburg, Wielandstr. 4. Soden Turnen. Fußball Sport- Berein Moabit. Leichtathletik Männer, Frauens, Jugend- und Schüler- Abteilung. Jeden Montag ab 6 Uhr, Mittwoch ab 5 Uhr, Training auf dem Sportplah Tiergarten( Bahnhof 800). Turnabende jeden Dienstag und Freitag von 8-10 Uhr, Schiller Abt. 6-8 Uhr, Rostocker Str. 32. Donnerstag, den 8. Mai, außerordentliche Fußballerzung bei Pilz, Rostoder Str. 27( Moabit 2478). Wichtige Tagesordnung. Erfcheiren Pflicht. Bertreter der Fußball- Abt.: Walter Start, NW 5. Rathenower Str. 21. Sonntag, den 11. Mat, Vereinspartie. Treffpunkt 17 Uhr Bahnhof Putlikitraße. Sonntag, den 25. Mai, Anturnen auf dem Sportalas Tiergarten. Beginn hr mittags. Dienstag, den 27. Mai, Borstandssigung bei Pilz. Geschäfts. stelle: Erich Richter, N. 21, Bielefite. 20. Rubern Atheltik- Sport- Club e. B. Leichtathletik Soden Handball Männer und Frauen- Abteilung: Training jeden Dienstag und Donnerstag auf den Fichtefportplak. Baumfchenweg, Eichbufch- Allee. Jugend- Abteilung: Training leben Dienstag und Freitag ebenda. Sonntag, den 11. Mai, vorm 3410 Uhr: Training sämtlicher Abteilungen auf ber Spielwiese. Treptower Part. Umtleibelotal: Ritfchte, Am Treptower Part 25. Leiter der Jugend- Abteilung: Willi Epftube, Berlin GO. 36, Mantenffelftr. 64. Schritführer der HandballAbteilung: Sans Rahn, Berlin NO. 55, Marienburger Str. 47. Gdhriftführer Geschäfts der Soden- Abteilung: Sons Jogszat, Berlin D. 17, Caprivifte. 4. ftelle: Alfred Behrends, Berlin NW. 87, 8inzendorfire. 7. Gämtliche Arbeiter Radfahrerbund Solidarität", Ortsgruppe Neuöän. Mitglieder, die Pfingsten nach Spremberg mitfahren, müffen bis 10. Mai Mel dung an Bogt, Mainzer Str. 59/60, abgeben. Wer im Besis von Musikinstru menten ist, sofort Adreffe abgeben. Start zur Bezirksfernfahrt 11. Mai, früh 7 Uhr, Bergberg- Blah.-2. Begir. Sonntag, den 11. Mai, Bezirkssternfahrt nach Mogen. Alle Ortsgruppen müffen 12 Uhr mittags in Mogen fein. Sammel start des. Unterbegirts 9.30 in Dahlewiß. des 2. Unterbezirks 10.30 in Gdön eiche, des 8. Unterbegirls 10.30 in Schenkendorf bei Rönigswusterhausen, des 4. Unterbeairfs 10.30 in Schwerin. Quartiermeldeschluß für Spremberg ( Pfingsten) 15. Mai. Touristen Berein ,, Die Naturfreunde", Drtsgruppe Berlin E. V. Mittwoch, den 7. April, Funktionärsihung, Gipsstr. 23. Donnerstag, den 8. April, Schulaula Gipsite. 28, pünktlich um 8 Uhr Probe des Sprechchors. Einzel fprecher um 7 Uhr. Worauf es ankommt Eine Jdee ist nicht unbedingt gut, well sie alt ist, oder schlecht ,. weil sie neu ist; an sich sind odeen überaus wertvoll Worauf es ankommt, ist, síe ín ein praktisches. Qualität der umzuwandeln und dieses Produkt stellt die wundervolle. DOTA RADIO ZU 2 dan 23 WIND ROLLER Nach der Mahl! C& A B бли Spezialhaus für Damen- Backfisch-& Kinderkleidung Königstr. 33 Chausseesir. 113 Am Bahnhof Alexanderpl, Beim Stettiner Bahnhof ( Untergrundbahnstation) JACOBY BOY Problem Cigaretten garantieren erfte Qualität Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theaterksbühne Staats- Theater Vasantasena Opernhaus Th, Uhr: TOSCA Lessing- Th. Opernhaus am Königsplatz Heute bis Freitag 8: Kolportage 7 U: Mona Lisa Sbd. 7 U. z. 1. Male: Schauspielhaus Der G'wissenswurm 7 Uhr: Candida Schiller Theater Deut. Künstler- Th 7: König Nicolo Heute bis Freitag 8: Deutsch. Theater 8 Uhr: Eine flor. Tragödie Varieté Eine musikal, Kur Paracelsus Sonnab. b. Mont. 8: Hierauf: Er ist an Kolportage allem schuld Trianon- Theater Kammerspiele 8 U.: Zapfenstreich 7% Uhr. 5. Alexander, J. Falkenstain Komödie der Worte Rob. Müller, D. v. Oppen Thalia- Theater Gr. Schauspielhaus Pret: 9. Mal, 7%, U. 7 Uhr: Gasparone Theater 1. d. KöniggrätzorStr. Täglich 8 Uhr: So ist es Wiedereröffnung Frasquita Vervarkauf hat begonnen BU. Kleines Th Carola Toelle, Erich Kaiser- Titz in Ist es so? Eine galante Nacht Berliner Theater Residenz- Th. Täglich 7.30: Das Weib Im Purpur Theater am Rünstl. Laitg.; Emil Lind Tägi. 8 Uhr: Hinkemann Ernst Toller, Nollendorfplatz, L. Wagner, Dublin Pritzl Massary FREND. Elektro NAME CESGESCHUTZT DER QUALITÄTSTYPENDRUCKER HIT ELEKTR- ANTRIEB IN- U. 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Es soll zur Ehre des Reichsarbeitsministers angenommen merden, daß er glaubt, was er schreibt, und daß er sich der Wirkungen der Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezelber 1923( RGBL I S. 1249) weder bei der Ausarbeitung der Verordnung in seinem Ministerium, noch bei dem Schreiben seiner Broschüre bewust war. Bekanntlich hat überall die sozialpolitische Gesetzgebung mit Schußgefeßen für Rinder, jugendliche und weibliche Arbeiter begonnen, deren Schuh bevölkerungspolitische Gründe ge bieterisch erforderten. Wie sieht es aber zurzeit auf diesem Gebiete der Sozialpolitik gegenüber der Borkriegszeit aus? Die§§ 136 und 137 der Reichsgewerbeordnungen verbieten eine Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern und Arbeite rinnen in der Nachtzeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Ausnahmen von diesen Vorschriften fonnten nur auf Grund des§ 138a für Arbeiterinnen über 16 Jahre zur Vornahme von Heberabeit bis 9 Uhr abends, im übrigen für jugendliche und weibliche Arbeiter nur auf Grund der§§ 139 und 139a bei Unterbrechungen der Werte durch Naturereignisse oder Unglüdsfälle und für einzelne Industrien( z. B. Verarbeitung leicht verderblicher Waren wie Obst und Gemüsekonserven, ferner zur Ausbildung jugendlicher Arbeiter in Walz und Hammerwerfen) zugelassen werden. Es war schlimm genug für unsere jugendlichen und weiblichen Arbeiter, daß während der Kriegszeit die vorstehend genannten Schutzbestimmungen der Reichsgewerbeordnung außer Kraft gefeßt wurden, um die Durchführung des Schichtenbetriebes zu ermöglichen. Auch die Demobilmachungsverordnung vom 23. 11. 1918/17. 12. 1918 hat dem Bedürfnis, Frauen unter Umständen in zwei Schichten arbeiten zu lassen, Rechnung getragen und durch Ziffer V die Beschäftigung von Arbeiterinnen über 16 Jahre in zwei- oder mehrschichtigen Betrieben bis 10 Uhr abends zugelassen, unter der Bedingung, daß ihnen nach Beendigung der Arbeitszeit eine mindestens 16stündige ununterbrochene Ruhepause und in jeder Schicht Bausen von zusammen mindestens halbstündiger Dauer gewährt werden, die auf die Dauer der achtstündigen Arbeits zeit anzurechnen find. Nach Ziffer VII Abs. 3. der genannten, Berordnung waren die Demobilmachungskommissare befugt, weitergehende Ausnahmen von den Beschäftigungsbeschränfungen jugendlicher und weiblicher Arbeiter im öffentlichen Intereffe zuzulassen. Sie und die von ihnen ermächtigten Gewerbeaufsichtsbeamten haben dies auch reichlich getan. Der achtstündige Arbeitstag brachte es aber mit sich, daß die Schichten in der Regel zwischen 6 Uhr morgens und 11 Uhr abends lagen. Das Ende der zweiten Schicht um 11 Uhr abends wurde meistens im Hinblick auf die durch diesen Arbeitsschluß möglichen Schädigungen der jugendlichen und weiblichen Ar. beiter für unerwünscht gehalten. Im Reichsarbeitsblatt Nr. 11 nichtamtlicher Teil S. 424 des Jahrgangs 1921 hat Regie rungsrat Else Lüders einen Auffah über das 3 mei schichtensystem für jugendliche und weib. fiche Arbeiter veröffentlicht, der sich mit einer englischen Dentschrift über diese Betriebsform beschäftigt. Es werden barin die günstigen englischen Bedingungen dieses Systems hervorgehoben, der Sonnabend- Nachmittag bleibt frei, modurch die wirkliche Arbeitszeit der Woche oft mur 371 bis 45 Stunden beträgt( 6 bis 2, 2 bis 10 Uhr mit je einer halb ftündigen Bause in jeder Schicht). Elfe Lüders erwähnt, daß die Stücklöhne wie die Zeitlöhne so erhöht worden feien, daß dem Schichtenarbeiter fein Schaden aus der Arbeitszeitverfür zung ermächst. Die Behörde hat sogar zehnftündige Wechselschichten, d. h. zehnstündige Tag- und zehnstündige Nacht schichten für Arbeiterinnen zugelaffen. Bo bleibt jetzt der Schuß der jugendlichen und weiblichen Arbeiter gegenüber der Vorkriegszeit? Ist die Gewerbeaufsichtsbehörde sich bewußt, daß sie in erster Linie zur Durchführung der Arbeiterschutzgesetze, insbesondere der aufsichtsbehörde sich bewußt, daß sie in erster Linie zur Schutzbestimmungen der jugendlichen und meiblichen Arbeiter geschaffen worden ist? Die erste Aufgabe der Mitte ver= gangenen Jahrhunderts in Deutschland erstmalig angestellten Fabrifinspektoren war bekanntlich die Beschränkung der Kinder- und Jugendlichen Arbeit in Fabriken. Dieser ihrer wichtigsten Aufgaben scheint ein Teil der Gewerbeaufsichtsbeamten sich heute nicht mehr bewußt zu sein. Dienstag, 6. Mai 1924 Wirtschaft Die Abschlüsse der Konsumgenossenschaften. deutscher Konfumpereine stehen vor ihren Jahresver Die Revisionsverbände des Zentralnerbanbes jammlungen, denen sie ihre Berichte für das Jahr 1923 vorlegen. Diese Berichte find insofern von besonders geschichtlicher Bedeutung drücken, die beispiellosen Erscheinungen auf dem Waren, und Gelbmarft und ihre Auswirkungen auf das Geschäftsleben der Konfum genossenschaften widerspiegeln. In der zweiten Jahreshälfte trat im rasenden, sich überschlagenden Tempo die völlige Berwüstung des Martwerts ein und damit die ungeahnte geschäftliche Not auch für die Konsumgenossenschaften. lich errechneten und ergiebigen Geschäfts- und Betriebsführung zerF Die gesundheitlichen und fittlichen Schädigungen, die den jugendlichen und weiblichen Arbeitern aus einer Arbeit in Alle Möglichkeiten einer übersichtlichen, vorausbedachten, ordent Schichten zwischen 5 Uhr morgens und 2 Uhr nachts entbrachen an den entfesselten Wogen der Inflation, die nie in einer stehen können, find offenkundig. Unsere Jugendlichen von anderen Zeit gewütet und nie von einem anderen Bolt erlitten wor 14 bis 16 Jahren find infolge der Unterernährung den ist. Es war eine stärkste Probe auch auf die Kraft der Konsumwährend und nach der Riegszeit fo in ihrer genossenschaftsbewegung. Die Konsumgenossenschaften haben erheb gesundheitlichen Entwicklung zurückgeblieben, daß sie vielfachliche Substanzverluste erlitten durch Warenabgaben unter dem 11 oder 12jährigen Kindern gleichen. Die Arbeiterinnen Wiederbeschaffungspreis und durch die brüdende Last unproduktiver haben ebenso wie die Jugendlichen unter der Unterernährung ätigteit. War es doch so, daß in den letzten Monaten bes Jahres mindestens die Hälfte des Personals mit Geld. der Kriegsjahre und der Nachkriegszeit gelitten, ferner hat zählen, Nullenschreiben, Breisveränderungen, auch die Kriegszeit starten Raubbau an ihren Kräften und Bestandaufnahmen und Ausrechnen von Differenzscheinen beschäftigt ihrer Gefundheit getrieben. Jedenfalls liegen für den ge- mar. Der geringe Quantenumfaß, der erzielt murde, war deshalb fundheitlichen Schuß der jugendlichen und weiblichen Arbeiter mit einem außergewöhnlich hohen Spesenfah belastet. Die zahlennoch stichhalterische Gründe als in der Borkriegszeit vor. Bei mäßigen Angaben über„ Geschäftsergebnisse sind zu phantaftiſchen dem Wohnungselend, melches oft das Zusammenleben Ausmaßen gewachsen, obwohl die gigantischen Zahlenschwellungen und schlafen der ganzen Familie in einem Raume erzwingt, lüdenhafter Berichterstattung noch nicht einmal in vollem Umfang aus der letzten Marttatastrophe infolge zeitlich verschiedener und ist an ein Schlafen während des Tages oder an ein früh in die Erscheinung treten. Bahlenmäßige Bergleiche mit früheren zeitiges Schlafen eines einzelnen Familienmitglieders am Jahren haben diesmal feinen Sinn, sofern nicht gewisse prozentuale Abend nicht zu denken, auch der für die Frühschicht mit ihrem Gegenüberstellungen und feste Begriffe in Frage lommen. Charal Beginn um 5 Uhr morgens verpflichtete jungendliche oder teriftisch ist der ungewöhnliche Mitglieder zu strom zu den Geweibliche Arbeiter tann erst mit den übrigen Angehörigen noffenschaften trok der vielfachen Eintrittssperren, die der Waren der Familie Ruhe finden, trokdem er schon zwischen 3 und mangel und die Rücksicht auf die alten und treuen Genossenschafter 4 Uhr morgens das Bett verlaffen muß. Dies trifft nicht nur einfach geboten. Auf das fo in ungefanntem Maß ausgedrückte Zu die Jugendlichen, welche mehr denn je ihre Nachtruhe be- des Wiederaufbaues dort gründen, wo die Not des Jahres trauen zu den Konsumgenossenschaften muß fich der Wille zur Tat nötigen, hart, fsondern auch Frauen, die in der Frühe, schon 1923 hemmend und zerstörend aufgetreten ist. ehe fie zur Arbeit gehen, für die Kinder und Familienangehörigen Frühstüd zubereiten, fleinere Kinder ankleiden und sonstige Arbeiten im Haushalt erledigen müssen. Und mer beaufsichtigt die schulpflichtigen Kinder, die die Mutter auch schon in der halben Nacht aus ihren Betten reißen muß, um sie anzuziehen, ehe sie zur Arbeit geht, bis zum Beginne der Schule? Wo bleiben die Kinder, wenn die Mutter in der zweiten Schicht arbeitet, bis 12, 1, 2 oder 3 Uhr nachts? Belchen fittlichen Gefahren die jugendlichen und weiblichen Arbeiter bei der jetzigen Unsicherheit auf den Straßen auf ihren Wegen von und zur Arbeit in den Nachtſtunden ausgefeßt find, ist zur Genüge bekannt. Lage und Aussichten des deutschen Maschinenbaues. Der Bera ein deutscher Maschinenbauanstalten veröffentlicht einen Bericht über den deutschen Maschinenbau im letzten Jahre. Nach einem Hinweis auf die Folgen des Währungszer falls und auf den Ausfuhrrückgang bei Beginn dieses Jahres geht er auf die Schwierigkeiten, Der Rohloff lation der Inflationszeit ein. Besonders während der Ruhrbefeßung war die Versorgung mit Kohle und Roheisen inapp. Sie befferte fich erst beim Jahresende. Am lebhafteften waren die Klagen über verbraucherverbänden, beren Einwirtung wesentliche Breisfentungen die Eisengußpreise. Sie führten zu der Gründung von Gutherbeiführte. Im übrigen hat die Verbandsbildung im Maschiner baugewerbe gleichfalls angehalten. Auch im letzten Jahre haben fich noch einige Sonderzweige diefes Gewerbes zusammengeschloffen. Am Jahresende betrug die Zahl der Fachverbände des Maschinenbaues. 137. Ueber die 3utunftsaussichten fagt der Bericht: Gegenüber der Lage des Jahres 1923, in dem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zeit nach dem Kriege unter dem Einfluß der Ruhr besetzung ihren Höhepunkt erreichten, bietet das neue Geschäfts feftaujahr einigermaßen günstigere Aussichten, die vor allem in der Feftigung der deutschen Währung begründet sind. Es ist be merkenswert, daß auch das Sachverständigengutachten die Stabilität der Währung zur Voraussetzung für eine Reparationsfähigkeit und für eine Gesundung der deutschen Wirtschaft macht, ein Grumbfag. der bei ehrlicher Durchführung zwangsläufig die Höhe unserer Ber pflichtungen an, unsere Leistungsfähigkeit bindet. Stabile Ver. hältnisse sind besonders für den Maschinenbau wegen der Lang fristigteit feiner Aufträge und der Hochwertigkeit feiner Arbet nehmerschaft die wichtigsten Voraussetzungen für ben Au fang eines Biederaufstieges. Aber dies alles scheint dem Reichsarbeitsminister unbefannt zu sein, sonst wäre feine Bilanz nicht zu verstehen. Es müßte daher die erste Aufgabe des neuen Reichs tags sein, nicht mur den Achtstundentag wieder herzustellen, fondern auch sich des Schuhes der jugendlichen und weiblichen Arbeiter anzunehmen und den Schukwall um sie so festzubauen, daß er nicht mehr durch verftedte Paragraphen fo wie jetzt- eingestürzt werden fann. Die Bereinigte Sozialdemokratische Partei muß sich auf alle Fälle gegen den starten Abbau der Sozialpolitif mehren, der Deutschland bezüglich des jugendlichen und weiblichen Arbeiterschuhes weit hinter den Stand der Vorkriegszeit um 1910 auf den Stand vor mehr als 30 Jahren zurüdwirft. Zentner frei Haus Berlin. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. 15,50-16,75 Malzkaffee, gepackt... 22,00- 24,00 Gerstengrütze, lose... 15,50-16,50 Röstgetreide, lose.... 16.50-18,00 Haferflocken, lose.... 15,50-15,78 Kakao. fettarm.. 100,00-120,00 Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1. Weizengries Hartgrieß.... 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Linsen, kleine 16,00-16,50 Kakao, leicht entölt 120,00-150,00 12.75-14,00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430.00 18,00-19,50 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 22,00 25,50 Inlandszucker basis mel. 39,5 42,00 14,25-16,00 Inlandszucker Raffinade 42,00-44.00 17,00 21,00 Zucker Würfel 18,75-21,50 Kunsthonig 45,00-47,50 34,00-40,00 14,00 16,50 Zuckersirup hell in Elm. 43,00-49,00 22,2524,50 Speisesirup dunk. in Eim. 28,00-33,00 Langbohnen, handveries. 29,00-31,75 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-120,00 Linsen, mittel Linsen, große Makkaroni Kartoffelmehl ... Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringapfel, amerik. Getr Pflaumen 90/100 26,00-35,00 Marmelade Vierfrucht 40,00-48,00 36,5042,00 Pflaumenmus in Eimern 45,00- 48,00 43,00-49.50 Steinsalz, lose 3,10- 3,70 18,00 21,00 Siedesalz. lose 4.004,70 40,00 46,00 Bratenschmalz in Tierces 67,50 36,00-37,50 Bratenschmalz in Kübeln 63,00- 68,50 20,00-24,00 Purelard in Tierces 65,00 15,50 17,25 Purelard in Kisten 65,50-66,00 17,00-19,50 Speisėtalg in Packung 50,00-53,00 25,00-31,00 Speisetalg in Kübeln 31,00-$ 6,00 Margarine, Handelsm. I 90,00-95,00 desgl. II. 43,00-48,00 Margarine, Spezialm. I.. 50,00-5,00 desgl. II. In Deutschland werden heute auf Grund des§ 14 der Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 us nahmen zur Beschäftigung von Arbeiterinnen in zwei Schichten erteilt, deren zweite Schicht um 2, 2, 11 Uhr nachts endet. Jugendliche Arbeiter werden mit behördlicher Genehmigung in zwei Schichten beschäftigt, deren erste Schicht um 5 Uhr morgens beginnt und deren zweite Schicht um 12 Uhr nachts endet. Jede Schicht dauert neun Stunden und während der neun Stunden erhalten die jugendlichen und weiblichen Arbeiter meistens nur Bausen Don insgesamt stündiger Dauer. Diese Schichtenarbeit bewilligt die Behörde, damit die tariflich oder behördlich zu gelassene 51. ader, 54stündige Wochenarbeitszeit auch von ben jugendlichen und weiblichen Arbeitern wahrgenommen werden fann. Besonders die Textilindustrie, welche haupt fächlich weibliche Arbeiter beschäftigt, arbeitet mit und viel Teicht auch teilweise ohne behördliche Genehmigung mit solchen Schichten. Es genügt ihr nicht, daß sie durch zwei je achtstündige Schichten zwischen 6 Uhr morgens und 10 Uhr höch ftens 11 Uhr abends ihre Betriebseinrichtungen 16 Stunden ausmusen und dadurch ihre allgemeinen Kosten herabsehen Röstkaffee Zentralam... 300,00-390,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 27,00 28,00 fann, wie es in der Vorkriegszeit niemals möglich war, Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice . Der deutsche Außenhandel im März. Da fich die Berwaltungsverhältnisse im befeßten Gebiet nicht geändert haben, enthalten die handelsstatistischen Ergebnisse im März bie gleichen Fehlerquellen wie in den Vormonaten. Die nachstehenden Bahlen werden deshalb auch nur mit Vorbehalt mitgeteilt. Ins besondere gestatten sie nicht, eine einwandfreie Bilanz des Außenhandels zu ziehen. Es betrug die L. Bebende Tiere. II. Sebensmittel und Getränke Ia. Robftoffe.. Ib. Halbfertige Waren IV. Fertige Waren V. Gold und Silber Einfuhr nach Gegenwartewerten in 1000 GM März Febr. Jan. März 8 208 5502 168 575 154 448 19 688 493 267 809 810 359.051 905 382 9 63 579 146 337 181 048 4 132 827 869 289 4 136 8775 10.606 62 984 Busammen, 695 145 718 587 1 979 275 Ausfuhr nach Gegenwartswerten in 1000 GM Jan.- Mara 48,00-50,00 58,00 52,00-55,00 76,00 61,00-65,00 I. Bebenbe Tiere. März 313 II. Rebensmittel und Getränke IIIa. Rohstoffe 23 642 Febr 463 21.997 978 57 282 28 248 27-740 IIIb. Halbfertige Waren IV. Fertige Waren 27 710 875 886 760 30 687 883 871 1 127 211 1 4408852 466 198 1 858 782 85564 75,00-80,00 Molkereibutter i. Fässern 215,00-218,00 70,00-85,00 Molkereibutter in Pack. 220,00-223,00 75,00-90,00 Landbutter 165,00-170,00 77,00-83,00 Auslandbutter in Fässern 215,00-218,00 Mandeln, süße Barl 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg 220,00-223,00 Mandeln, bittere Bari. Mandeln, bittere Bari.. 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 Zimt( Cassia) 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett.. 62,00-70,00 Kümmel, holländischer. 135,00-140,00 Quadratkäse. Schwarzer Pfeffer Singap. 103,00-111,00 Quarkkäse Weißer Pfeffer 138,00-148,00 Tilsiter Käse, vollfett Rohkaffee Brasil 185,00-220,00 Ausl. ungezuck. CondensRohkaffee Zentralamerika225,00-290,00 milch 48/16. 21,00-24,00 Brasil..... 240,00-290,00 Inländische desgl. 17,50- 18,50 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. 22,00-35,00 35,00 50,00 120,00-125,00 V. Gold und Silber. 79 845 Zusammen 456 559 Demnach ist im März ein geringer Ridgang fowohl bei der Einfuhr als auch bei der Ausfuhr festzustellen. Er ist jedoch bei der Einfuhr größer als bei der Ausfuhr. Die vorstehenden Zahlen lassen aber auch erkennen, daß die Einfuhrverminderung hauptsächlich von Endlich hat er sie entdeckt, und seine Freude darúber 1st groß. Es gibt eben nur eine Massary- Zigarette. Urteilen Sie selbst! KLEINE MASSARY 2 2.ss. dem Rückgang der Rohstoffe herrührt, während die Einfuhr von Lebensmitteln und Getränken sowie von Fertigerzeugnissen gestiegen ist. An der Wenderung der Einfuhr sind die einzelnen Waren gleichmäßiger beteiligt, wenn auch die Fertigwaren die stärkste Steigerung aufweisen. Was die Veränderung im einzelnen angeht, so ist bei den Futtermitteln eine Verminderung, bei den eigentlichen Lebens mitteln und den zu ihrer Herstellung dienenden Rohstoffen vieifach eine Steigerung eingetreten. Die Einfuhr von Gerste, Hafer und Mais sowie von Delfrüchten, deren Rückstände als Futtermittel Berwendung finden, ist nicht unerheblich gesunken, die Einfuhr von Weizen und Roggen dagegen gestiegen. Reis ist in gesteigerten Mengen zur Einfuhr gelangt, jedoch hauptsächlich zu Veredelungszwecken, und wurde daher auch in ungefähr gleicher Höhe nach Beredelung wieder ausgeführt. Eine bedeutende Einfuhrsteige rung ist für Milch und Butter zu verzeichnen, während bei Schweineschmalz ein Rückgang festzustellen ist. Auf der anderen Seite ist eine erhebliche Einfuhr von pflanzlichen Delen und Fetten, die hauptsächlich zur Morgarineherstellung dienen, vorhanden gewesen. Von Luxusnahrungsmitteln zeigen Obst und Südfrüchte, auch Gemüse und andere. Küchengewächse einen Rückgang von zusammen 935 430 Doppelzentnern auf 762 190 Doppelzeniner. Dagegen ist die Einfuhr von Wein und Spirituosen erheblich gestiegen, und zwar von etwa 51 214 Doppelzentner auf etwa 88 50 Doppelzentner. Wein aus Frankreich und Elsaß- Lothringen ist an dieser Einfuhr start beteiligt. Die Rohstoffe weifen zumeist eine rückläufige Bewegung auf. Namentlich gilt dies von Baumwolle, Wolle, den übrigen Faserstoffen und von Häuten. Die Einfuhr von Steinkohle ging auf 9,8 Millionen Doppelzeniner gegenüber 12,3 Millionen Doppelzentner im Vormonat zurück und ist damit unter den Monatsdurchschnitt des Jahres 1922 in Höhe von 10,5 Millionen Doppelzentner gesunken. Die Einfuhr von Rots betrug etwa 4 Million Doppelzentner, das ist die Hälfte der Einfuhr im Vormonat und etwa diejenige des Monats. durchschnitts von 1922. Relativ am stärksten ist unter den wichtige. ren Waren die Einfuhr von Eisenerzen gefunden. Sie beträgt mit 119 000 Doppelzentner etwa ein Drittel der Einfuhr des Bormonats und wenig mehr als 1 Proz. der Monatsdurchschnittseinfuhr Don 1922. Sie ist also fast gänzlich in Fortfall gekommen. Allerdings ist es gerade bei dieser Ware nicht unwahrscheinlich, daß sie infolge der Verhältnisse im besetzten Gebiet nur unvollkommen ftatistisch erfaßt worden ist. Bei Fertigwaren ist die Einfuhr. MAWELI LIKORE WEINBRAND MAWELI AKT- GES- MAINZER WEINBRENNEREI ULIKORFABRIK DM 24 MAINZ- BERLIN S.W. 68 LINDENSTR3.TELDONHOFF 6974 LO 24 Aus Herrn und Frau Butter's Flitterwochen. Ach sich an! Herzlich willkommen! Da sind ja die lieben Kinderchen. Wie großarlig Fifi und Eduard aussehen, na, die Hochzeitsreise scheint ihnen ja sehr gut bekommen zu sein. Das ist der schönste Zug Eures Lebens, mit dem Ihr jetzt gerade angekommen seid. Und nun wollen wir uns aber nicht lange hier aufhalten. Eduard gib mir den Gepäckschein, und wir treffen uns draußen und fahren schnell nach Eurer entzückenden Wohnung( ganz reell durch das Wohnungsamt ohne Schiebung). Fifi wird ja begeistert sein, wie Mutter besonders die Küche eingerichtet hat, das Beste vom Besten. Natürlich fehlt auch nicht der Große Stern, Original Haselhorster Margarine". Sie ist in allen einschlägigen Ge achäften zu haben. Mit Frischmilch aus eigenen Meierei verbuttert. In Buttergeschmack und Nähr wert unübertrefflich 10 steigerung von wollenen und baumwollenen Garnen und Geweben bemerkenswert. Bei uns billig bel guter Ware Die Ausfuhr zeigt in der Gruppe Lebensmittel und Geränte" eine geringe Erhöhung, die durch die bereits erwähnte Wiederausfuhr von veredeltem Reis hervorgerufen worden ist. Die Ausfuhr von Zuder, die im vorigen Monat start eingesetzt hatte, ist dagegen gesunken, fie ist allerdings noch immer wesentlich höher als im Monatsdurchschnitt 1922. Unter den Rohstoffen fällt die Ausfuhrsteigerung von Eisenerzen auf, die, wenn sie auch. im ganzen betrachtet, nicht sehr groß ist, bewirkt hat, daß Deutschland im März mehr Eisenerze ausgeführt als eingeführt hat, obwohl Deutschland ein bedeutendes eifenverarbeitendes Land ist. Andere Steigerungen wie vor allem die starte Ausfuhrerhöhung von Rali. falzen oder von Zement, find als Saisonerscheinungen zu be- Infolge der großen Geldknappheit ist es uns wieder gelungen, werten, die erste als die Folge der Frühjahrsbestellung, die zweite verschiedene große Warenposten gegen sofortige Kasse billig einals die Folge der wiederbeginnenden Bautätigkeit. Unter den zukaufen. Wir bringen dieses wie immer unserer werten KundFertigwaren verdient der Ausfuhrrüdgang von Textilschaft zugute. Wir führen über 500 Sorten Damen-, Herrenerzeugnissen Erwähnung, um so mehr, als in der Einfuhr eine und Kinderartikel bis zu den allerteinsten Luxussachen bei einem Erhöhung eingetreten ist. Die Ausfuhr von Maschinen beträgt mit Lager von über 30 000 Paar. Die Preise sind teils weit unter: etma 206 000 Doppelzeninern ebenfalls die Hälfte des Monatsdurch dem heutigen Herstellungspreis. Hier nur einige Beispiele fchnitts pon 1922( 399 000 Doppelzentner). Einfuhr in 1000 dz Edhf R'Chevreaux März Febr. moderne ganz spitze Form. I. Lebende Tiere. II. Lebensmittel und Getränke IIIa. Robstoffe. IIIb. Halbfertige Waren IV. Fertige Waren V. Gold und Silber · Zusammen Außerdem Pferde( Stück). I. Lebende Tiere. II. Lebensmittel und Getränke IIIa. Rohstoffe IIIb. Halbfertige Waren IV. Fertige Waren V. Gold und Silber 9 Bufammen Außerdem Pferde( Stüd). Jan. März 163 12 913 64 4.062 41 4 153 16 938 19 343 54 259 2735 2575 8.048 1019 1 383 3565 1 1 2 24 819 27.496 78950 1798 1067 3 135 Ausfuhr in 1000 dz März Febr. Jan.- März Runde Form R'Chevreauy und Chromleder 550 790 Halbschnür- u. Spangenschuhe flach. Absatz 490 1 1 2 Original Goodyear- Welf 884 782 2116 echt Boxkali, runde Form 899 2596 2108 7811 2066 1878 5532 Halbschuh mod. breite Spange, Schiebeschnalle... 890 3057 8164 9 100 0 0 0 Prima Lack- Pumps 8604 18 7933 41 Louis XV. Absatz und Lackschnürschuh. 1190 24 561 70 Deutscher Metallarbeiter- Berband Achtung! Bananschläger Achtung! Siemens- Bezirk: Cange, Giemensnachm. 41/2 Braun Heute, Dienstag, ben 6. Mat, abends Buttritt nur gegen Borzeigung bes mit Braune Spangenschuhe echt Chevr., kurze Form 790 lofenjaal), Lintenstraße 83/85: für das Jahr 1924. Die alten( grünen) Brauner Halbschnürschuh 7 Uhr, im Verbandshause( Arbeits- gliedsbuches und der Legitimationsfarte Regimationstarten haben teine Gültigkeit 980 Kombinierte Versammlung me Bon denjenigen Kollegen, die ihre Chevreaux u. Boxrind, ganz spitze Form, halbh. Absatz dio. dunkelbraun Boxrind sehr gut. Fabrikat 1190 Dunkelbr. Spangensdih mod. breite Spange 1480 der Bauanschläger. Mittwoch, den 7. Mai: Bezirks- Vertrauensmännerkonferenzen in folgenden Lokalen: letter bisher noch nicht abgeholt haben, mehr ausüben." Wir werden diefelben Da nehmen wir an, daß fie teine Funktion her in unserer Kartothet streichen. Achtung! Graveure und 3ifeleure 1. Bezirk: 3um Prälaten, Weißensee, Lehderstr. 122, Ede Greifswalder Straße, Mittwoch, den 7. Mai, nach. 5 Uhr, nachmittags 4 Uhr. im Sofal von Redling, Baffertorstr. 71: 2.Bezirk: ,, Comenius- Säle", Memeler Straße 67, nachmittags 5 Uhr. Versammlung 3. Bezirk: Sollmann, Rigaer Str. 67, aller Kollegen, die in den Betrieben nachmittags 5 Uhr. 4. Bezirk: Bähr. Stralauer Allee 47, nachmittags 4 Uhr. 5. und 7. Bezirk: Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147, nachm. 5 Uhr 6. Bezirk: Aindi- Brauerei, Neukölln, der Zwangsinnung der Graveure arbeiten. Tagesordnung: Bericht von den stattgefundenen Verhandlungen. Hermann., Ede Jägerstraße, nachm. 5 Uhr. Metalloleifer u. Galvanifeure! 8.- 10. Bezirk: Gewertschaftshaus, Engelufer 24/25, nachmittags 5 Uhr. Donnerstag, den 8. Mai, nachmittags 11. Bezirk: Rofenthal, Schöneberg, 5 Uhr, bei Ewald, Gtaliger Straße 126: 66, 5 Uhr. 12. Bezirk: Wende, Gieglig, Berlinide Außerordentliche ftraße, Ede Rungestraße, nachm. 5 Uhr. Bertrauensmännerfonferenz. 13. Bezirk: Grimms Bierhallen, Charlottenburg, Raiser- Friedrich- Str. 63, nachmittags 5 Uhr. 14. Bezirki Schulaula, Roſtoder Str. 32, Achtung! Bauflempner fang nachmittags 4 Uhr. Schiebeschnalle, halbh. Abs., echt Boxkalf, das Neueste Das Allerneuestel Grau Nubuk m. dunkelbraun. Boxkalfbes., erstklassige Luxusware In verschiedenen anderen Zusamstellun gen 1850 1980 Beige Sämischleder- Pumps aus erstklassiger Fabrik. . 590 Lack- Spangenschuhe breite Spange, Schlebeschnalle, halbh, Absatz, das Allerneueste, bestick 1580 ( Sigungsfaal) Wildleder imit. Pumps, Spange u. Schnür... 4.90 390 Versammlung Damen- Hochschaffstiefel mod. runde Form.. Donnerstag, 8. Mai, abends 6 Uhr. Berbandshause Linienstraße 83/85: 15. bis 19. Bezirk: Berbandshaus im ( Gigungsfaal). Linienftraße, abbs. 6 Uhr. 20. Bezirk: Silper, Jülicher Straße 2 nachmittags 5 Uhr. 21. Bezirk: Gemeindeschule, Nieder- aller in den Jnnungsbetrieben befchöneweide, Berliner Str., nadm.4% Uhr. 22. Bezirk: Schulz, Köpenid, Bahnhofftraße 34, nachmittags 4%, Uhr. fchäftigten Kollegen, Tagesordnung: 1. Bericht über 23. Bezirk: Klemm, Spandau, Achen- die Lohnverhandlungen. 2. Berbands Edat Rindbox bach, Ede Friedrichstraße, nachm 5 Uhr. und Branchenangelegenheiten. A.E.G.- Bez.: Schulaula, Wiesenstr. 66, nachmittags 32 Uhr. Frage: Wo kaufe ich billig Schokoladen? Antwort: Nur bel Eisen& Diamani Kaiserstraße 4. Abteilung II: Zigaretten- Engros- Vertrieb Andreasstr. 13( Schles. Bahnh.) Von der Reise zurück Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in Herrensficiel dieser Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. 9. Areis, Wilmersdorf. Nachruf. Genoffe Rechtsanwalt Dr. Möller ift am 1. Mat aus der Matfeier heraus jäh verstorben. Wir betrauern in dem Berstorbenen ein treues, der Partei aufrichtig ergebenes Parteimitglied Don lautester Gesinnung und ehrlicher Begeisterung, das auch außerhalb ber Partei viel für unsere Jbeen gewirkt hat, und werden ihm ein dankbares Andenken bewahren. Der Borstand. Gabardine- agen m.Lederbrandsohle Braun Rindspalt leder ohne Vorderkappe 590 6º 00 690 Braune Herrenstiefel, echt Boxkalf 1250 und Boxrind, mod. Farben, mod. Form, Leibende nehmen bie Herrensficic echt Rindbox, mod. spitze und 890 echten Reichel's Ma- runde Formen, gute Fabrikate. 130 br. r. Wolle. 8.50 M., 9.75 M gentropfen, das er Kostüm-, Kleider, Drobte Rezept M.1 deutend unt.Preis. Aucthefen, sonst bei Haarpuder SO, Gifenbahnfr. Futterstoffe be- u 2,50. Jn Drog, und Otto Reichel, Berlin 43, Prof. Dr. Hans Schirokauernberg, Golzstr.2 Lutherstrasse 12. Eiserne Ochherds für Kohle u.Gas Transportable Kachelofen Eiserne Ofen R.Zechlin Berlin C.25, Alexanderpl. 49 in u. nach Berlin Wohnungstausch sowie von Berlin nach auswärts am schnellsten durch eine Anzeige im Greer Wohnungsanzeiger als einzige Spezialzeitung für möblierte Zimmer, Wohnungen u. 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