Str. 212 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 109 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Gonntagsbeilage Bolt und 8eit" mit..Sied. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und Frauenbeilage ,, Frauenstimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal -Telegramm- Abresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille zeile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmart. Aleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 0,20 Golde mart( zuläffig zwei fettgedruckte Morte), fedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes meitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Sie erklären den Erfolg, den die extreme Rechte und die extreme Linte auf Kosten der gemäßigten Parteien davon getragen haben, für im höchsten Grade bedauerlich, erkennen aber zugleich an, daß die ultranationalistische Bewegung sich als weit geringer erwiesen habe, als man in Frankreich bisher an genommen hatte. artigen Demagogie mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Er meist darauf hin, daß die nationalistischen Parteien in Deutschland troß ihres Stimmenzuwachses im Reichstag nur eine minder heit bilden und daß deshalb noch immer möglich teiten für eine Berständigung mit Deutschland bestünden. Poincaré der Schrittmacher Westarps. A Wien, 6. Mai.( WTB.) Die Arbeiter 3eitung" schreibt: Es war eine Wahl des Nationalismus infolge der täglichen Demütigungen der deutschen Republit durch den französischen Imperialismus und infolge des Ruhrein falls sowie der brutalen Mißhandlung der Deutschen in den besetzten Gebieten. Un ameifelhaft ist auch ein Teil der Arbeiter von den Nationalisten mit geriffen worden, was für die Gesamtvertretung der Arbeiter zum aber das Bolt erkennen, daß nur die Politik der Verständigung und Berlust zahlreicher Mandate führte. Binnen wenigen Wochen wird der Erfüllung, also die Politik der Sozialdemokratie möglich ist. Englische Befürchtungen. Die Partei des unversöhnlichen Widerstandes gegen die Alliierten und der Revanche gegen Frankreich, schreibt der sozialistische Bopulaire", werde im neuen Reichstag eine sehr unbedeutende Rolle spielen, und der Nationale Blod in Frankreich werde sich ihrer faunt mehr als Schreckgespenft bedienen fönnen, um die Wähler von der Richtigkeit und Notwendigkeit seiner Politik zu überzeugen. Als Condon, 6. Mat.( Eigener Drahtbericht.) Die englische öffentbesonders erfreulich bezeichnet es das Blatt, daß trotz des unleugbaren Erfolges der Kommunisten die Sozialdemokratie nach wie liche Meinung beurteilt den Ausfall der deutschen Reichstagswahlen vor unter den politischen Parteien Deutschlands an erster Stelle lediglich vom Gesichtspunkt der Befriedung Europas durch den stehe. Man dürfe fich darüber um so mehr freuen, als man auf Sachverständigen plan. Ueberraschungen hat nur der Beweit größere Berluste gefaßt gewesen sei. Die Kommunisten hätten winn der Kommunisten hervorgerufen. Allgemein ist die englische allen Grund, nicht allzu laut über ihren Sieg zu jubeln; sie brauchten Presse mit ihrem Urteil viel zurückhaltender als die frannur ihre eigenen Stimmen und die der Sozialdemokratie zufammen- zöfifche Preffe. Nur„ Daily Mail" macht eine Ausnahme und nennt das Wahlergebnis eine Ohrfeige für die Alliierten. Groß ist das Reichstag weit weniger start vertreten ist als im alten. Es Rätfeiraten über die Regierungsbildung. Allgemein wird überall ein Eintritt der Sozialdemokraten in die Regierung zur Durchführung des Sachverständigenplanes angenommen, aber auch die Möglichkeit eines Umfalls der Deutschnationalen in Betracht ge 80gen. Besonders erörtert werben bie Schwierigkeiten für eine tommende Regierung der Mitte megen der mangelnden Zweibritte mehrheit im neuen Reichstag. Einstimmigkeit herrscht über die zählen, um zu erkennen, daß die Arbeiterschaft im neuen habe sich wieder einmal gezeigt, daß die Politik der Spaltung und Uneinigteit nur zu einer Schwächung des Proletariats führe. Das Gewerkschaftsorgan" Peuple" meint, die Kommunisten hätten im reichen Maße von der Erbitterung der Arbeiter fchaft über die ultranationalistischen Provokationen, über die mise, rablen Eristenzbedingungen und die schamlose Ausbeutung des Unternehmertums profiliert. Diese Stimmung habe es den Kommunisten leicht gemacht, die Truppen der ehemaligen Unabhängigen Sozial demokratie zu sich herüberzuziehen. Von der alten sozialdemokratischen Wählerschaft hätten fie offenbar teine Stimme erhalten. Der radikal- soziale" Paris Soir" tritt einem von der nationalistischen Presse versuchten Manöver entgegen mit der Erklärung, es fei einfach lächerlich, beheupten zu wollen, daß die franzö friche Ruhrpolitik teinerlei Einfluß auf den Ausfall der Wahl im besetzten Gebiet gehabt habe. Der kommunistische Erfolg im Industrierevier sei im Grunde nichts anderes als der Profest der Arbeiterschaft gegen die Befehung. Herr Poincaré habe sich als ein glänzender Werber für die dritte Internationale erwiefen. Das Blatt meint, wenn die Wahl einige Wochen später stattgefunden hätte, so daß die Besserung, die die internationale Lage erfahren habe, sich hätte auswirken fönnen, der Erfolg der Nationalisten wahrscheinlich geringer gewesen wäre. Immerhin sei durch das Ergebnis die Lage feineswegs so, daß es leinen Ausweg mehr gäbe. Wenn am nächsten Sonntag in Frankreich die Linke siege, dann werde man trotz allem noch immer mit einer raschen Lösung des Reparationsproblems rechnen dürfen. „ Deuvre" stellt fest, daß man in den nationalistischen Streifen, wo man auf einen weit größeren Erfolg der extremen Rechten gehofft habe, start enttäuscht ist, da man nunmehr um eine zugfräftige Wahlparole gekommen sei. Darin scheint sich das Bicit allerdings zu täuschen. Der Nationale Blod ist nicht so litiſche Breiſe, bas beut che Wahlergebnis zu fälschen, indem sie den leicht in Verlegenheit zu sehen. Schon jetzt versucht die nationaStimmenzuwachs der Deutschnationalen einfach den Völkischen zuzählt, um jo den Erfolg der Ludendorff- Bartei zu erhöhen. Noch ichlimmer ist die Brunnenvergiftung, deren sich gewisse offiziöse Stellen schuldig machen, die erflären lajfen, daß die deutschen Nationalisten weit mehr Stimmen erhalten hätten als die bisher veröffentlichten Zahlen auswiesen, da die Rechte, um das Ausland zu täuschen, einen Teil ihrer Anhänger unter falscher Etikette habe wählen lassen. Die außenpolitischen Folgerungen, die die nationalistische Presse Frankreichs aus dem Ergebnis der Reichstagswahl zieht, find natürlich die, daß die bisherige Politit Frankreichs ihre volle Rechtfertigung erfahren habe. Man werde der französischen Regierung nicht länger zumuten fönnen, dem deutschen Bolf irgendwelches Vertrauen entgegenzubringen und ohne entsprechende Garantien auf die Pfänder im Ruhrgebiet zu verzichten. Auch Ramsay Macdonald werde das nunmehr einsehen müssen. Erfreulich ist demgegenüber, daß felbft der Temps" sich am Dienstagabend veranlaßt sieht, einer der Gefahr einer deutschen Rechtsregierung für Europa. Morning Post" nennt die Möglichkeit einer Verwerfung des Sach verständigenplanes eine Herausforderung nicht nur Europas, sondern auch Ameritas, die Deutschland isolieren würde wie zur ,, Iimes" nennt die Beit des unbeschränkten U- Boot- Krieges. durch die Neuwahlen geschaffene Situation äußerst bedauernswert; die Aussichten für die Durchführung des Sachverständigenberichtes feien 3 weifelhaft. Durch eine Ablehnung würde jede Hoffnung auf eine Wiedergefundung Europas zerschlagen. Westminster Gazette" sieht in dem Wahlergebnis eine Reaktion auf Boin carés Politit. Die mangelnde 3weidrittelmehrheit für eine Regierung der bisherigen Roalition im neuen Reichstag lege das Schicksal Europas in die Hände der Deutsch nationalen. Nur eine vernünftige Politit Frankreichs fönne diese Kräftebilanz zugunsten des Friedens umsehen. Manchester Guardian erklärt, der neue Reichstag sei gleichzeitig ein Zeichen der Hoffnung und eine Warnung für Europa. " " Italien bedauert den Wahlausfall. Rom, 6. Mai.( EP.) Der Ausgang der Reichstagswahlen wird von den römischen Blättern als wenig aussichtsreich für eine rasche Regelung der Reparationsfrage angefehen. Der faschistische„ Nuovo Ergebnis einen ernsten Mißerfolg der Regierung Marr- Strese Baefe" meint:" Für die auswärtige Politit Deutschlands bilde das mann, die der Wahlkampf auf die Annahme der Sachverständigen berichte eingestellt hatte. Gleichzeitig liefere es Poincarés lln der föhnlichkeit ein neues Urgument zugunsten der Ruhrbefehung, während der versöhnliche Standpunkt Macdonalds im heiffen Augenblick der belgisch- englisch- italienischen Besprechungen erschüt tert werde. Reine Koalition werde der Regierung die notwen dige Zweidrittelmehrheit geben, um die Erfüllungspolitit der Sach verständigen durchzuführen. Die sozialistische Giustizia" fchreibt: Die Rechtsorientierung der deutschen Wählermassen sei unbeftreitbar, wie auch die Schwächung der Sozialdemokratie durch die Kommunisten. Immerhin aber bedeute die Rechtsorientierung nicht jene pollständige Umwälzung, wie viele vorausgesetzt und ge. wünscht hätten. Dafür genlige bie Feststellung, daß die deutsch völkisden Uebernationalisten fich mit 30 bis 35 Sigen begnügen müßten. Diefer Mißerfolg zeige, daß die Deutschen nicht gewillt feien, biefen überspannten und gefährlichen Reaktionären Gefolgschaft zu leisten. Beg. Nach Artikel 18 der Reichsverfassung ordnet die Reichs. regierung die Abstimmung an, wenn ein Drittel der zum Reichstag wahlberechtigten Einwohner des abzutrennenden Gebiets es verlangt. Die Vorabstimmung in Hannover. Hannover, 6. Mai.( TU.) Die Deutschhannoveraner haben im ganzen Wahlkreisverbande Niedersachsen, also einschließlich Braunschweig, Bremen, Oldenburg und Ostfriesland 308 379 Stimmen aufgebracht, gegen 1920 rund 10 000 Stimmen meniger. Hannover, 6. Mai.( WTB.) In einer Versammlung von BerFür die Vorabstimmung am 18. Mai tönnen die Deutsch tretern der Brovinz Hannover, zu der Oberpräsident Noste ein hannoveraner aber von dieser Summe teinen vollen Gebrauch geladen hatte und an der Ministerpräsident Braun, die Minister machen, da von ihr die Stimmen abzusehen sind, die im Regierungs. v. Richter, Severing und Hirtsiefer, Ministerialrat bezirk Aurich und selbstverständlich auch in Braunschweig, Olden Meister und Geheimrat Graefer vom Ministerium des Innern burg und Bremen aufgebracht wurden. Es sind dies 10 580 teilnahmen, verlas Ministerpräsident Braun nach einleitenden Worten Stimmen. Für die Borabstimmung hätten die Deutschhannoveraner des Oberpräsidenten Roste eine Erklärung der preußischen Regie alsdann mur 297 799 Stimmen einzusehen. Bis zu den erforder- rung, die sich gegen die Loslösungsbestrebungen der Belfen in Han Bichen rund 500 000 3a- Stimmen ist affo noch ein weiter| nover mendet Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Was macht man damit? Allgemeines Kopfzerbrechen. Bas wird mit dem neuen Reichstag? Wird er arbeitsfähig sein? Wie werden sich die Parteien in ihm gruppieren? Wie wird die nächste deutsche Reichsregierung aus fehen, und welche Politik wird sie betreiben? Im alten Reichstag gab es drei Völkische und 17 Roms munisten. Im neuen wird es 32 Bölkische und 62 Kommu nisten geben. Werden sich diese Leute den parlamentarischen Gepflogenheiten anpassen oder werden sie als grundsätzliche Gegner des Parlamentarismus den Reichstag durch Radau arbeitsunfähig machen? Der Lag" meldet den Anspruch der Deutschnationalen auf den Reichstagspräsidenten an. Zwar ist die deutschnationale Fraftion um vier Mandate hinter der sozialdemokratischen zurückgeblieben, aber sie beabsichtigt, die auf dadurch auf 105 zu verstärken. der Landliste gewählten Abgeordneten mitheranzuholen und sich Gleichviel, wer Reichstagspräsident wird, sicher ist soviel, daß von der Wahl der Persönlichkeit für die Arbeitsfähigkeit des Reichstags alles abhängt. Nur ein Meister in der Kunst, parlamentarische Stürme zu beschwören, wird es schaffen können. Als ein solcher Meister ist der bisherige Reichstagspräsident, Genosse Löbe, allgemein anerfannt. Durch die Wahl eines weniger geschickten, weniger ruhigen und unparteiischen Mannes fönnte der Reichstag leicht das Todesurteil über sich selber aussprechen. Tageblatt" rechnet Ernst Feder für die Große Koalition" eine Wie werden sich die Parteien gruppieren? Im„ Berliner Mehrheit von 252 Stimmen aus, wobei er den Bayerischen Bauernbund samt Mittelstandspartei mit 10 und die Hannoveraner mit 5 Mandaten zurechnet. Auch ohne diese 15 bliebe eine ganz knappe Mehrheit von 237, eine Stimme über die abfolute Mehrheit, übrig. Damit erfährt auch, auf Grund der letzten Ziffern, unsere Annahme eine Korrektur, daß diejenigen Parteien, die sich im Wahlkampf für die SachDerständigenvorschläge aussprachen, ganz inapp in die Minderheit gekommen seien. In Wirklichkeit sind sie ebenso fnapp in der Mehrheit geblieben. Auf die Deutsch nationalen sind alle Blicke ge richtet. Was werden sie tun? Der" Deutsche" des Herrn Stegerwald redet ihnen gut zu, sich zur Erfüllungspolitik zu befehren und die Führung in einem Bürgerblock zu übernehmen. Er schreibt: Im Mittelpunkte aller weiteren Koalitionsmöglichkeiten steht die Frage: Annahme oder Ablehnung des Sachver ständigen gutachten s. Die Parteien, die den Wahlkampf mit der Parole der Ablehnung geführt haben, sind bisher nicht mit einem Programm hervorgetreten, was nach der Ablehnung außenpolitisch und vor allem auch wirtschaftlich zu geschehen habe. Es wäre auch nicht abzusehen, welche Regierung die schroffe Ablehnung des Gutachtens verantwortungsbewußt auf sich nehmen tönnte. der Eindruck nicht täuscht, war daher gerade bei den Führern der Deutschnationalen Bolkspartei schon in der letzten Woche vor dem Wahltag die Neigung zu beobachten, nicht die grundfähliche Ableh nung zu befonen, sondern nach Möglichkeiten zu suchen, die die graufame Belastung erträglicher gestalten und die Annahme des Gutachtens zum mindesten als Berhandlungsgrundlage rechtfertigen fönnten. In der Tat ergibt sich nur auf diesem Wege eine Möglichkeit für die Deutschnationalen im Berein mit den Mittel parteien, sei es mit, sei es ohne Demokraten, fich zu einer parlas mentarisch aktionsfähigen Mehrheit( soweit davon überhaupt in diesem Reichstag die Rede sein wird) zufammenfinden. Bielleicht ergibt sich unter dem Druck der Verantwortung, der damit zum ersten Male den Deutschnationalen aufgebürdet ist, diese Entwicklung schneller als man glaubt. Nach derselben Richtung wirkt das Blatt von Stinnes Erben, die schwerindustrielle Deutsche Allgemeine 3eitung":" Allein die verantwortliche Mitarbeit der Deutschnationalen an entscheidender Stelle fann zu einer erträglichen Bösung der mit dem Sachverständigen gutachten zusammenhängenden Fragen führen. Formell, da auf diesem Wege die notwendige Zweidrittelmehrheit für gewisse Gefehentwürfe gesichert ist, materiell, da denn doch ein außerordentlich großer Spielraum zwifchen glatter Annahme und glatter Ablehnung des Sachverständigengutachtens besteht. Die deutschnationale Kreuz- 3eitung" ist gegenüber diesem Werben recht zurückhaltend, läßt aber durchblicken, daß fie über diese Dinge mit sich reden laffe. Nachdem sie betont hat, daß sich die Mehrheit der Wähler teineswegs für eine Annahme" der Vorschläge ausbedingungslofe gesprochen habe, sagt sie weiter: Aber abgesehen von dieser verkehrten Darstellung der Regierungspreffe ift es außenpolitisch ein grober Fehler, bei unseren Gegnern die Meinung zu nähren, als wenn die Reichstagswahlen erkennen ließen, daß die Widerstandskraft gegen die geplante Beriflanung nun noch weiter nachgelassen hätte. Denn etwas anderes werden unsere äußeren Feinde aus folchen Darstellungen leider nicht herauslesen. Selbst derjenige, der glaubt, das Sachvers ständigengutachten mit aut und haaren schluden zu tönnen, würde doch politisch flüger handeln, wenn er diese Bereitwilligkeit nicht allzu offen zur Schau trüge. Frankreich verhält sich bekanntlich ganz anders. Surzeit sind die Belgier fortwährend unterwegs, um| ein Rompromiß zu finden, das für Poincaré annehmbar wäre. Unsere außenpolitische Situation würde wesentlich besser sein, wenn alle zuni mindesten den nationalen Standpunkt nach außen zur Schau trügen, daß wir ebenso wie unser Gegenspieler Poincaré zwar das Saverständigen gutachten nicht a limine ab lehnen, aber doch über einzelne un annehmbare Buntte verhandeln müssen. Wir wollen heute zunächst nicht die unerläßlichen Bedingungen festlegen, die unseres Erachtens von vornherein bei einer solchen Berhandlung vorweggenommen werden müßten. Wir möchten uns darauf beschränken, zu sagen, daß fie präzise und flar formuliert sein müssen. Das ist schon aus dem Grunde nötig, da ste ja für eine eventuelle Regierungs. bildung, falls die Deutschnationalen als die stärkste Partei den Auftrag zu einer solchen erhalten, ebenfalls als Grundlage werden dienen müffen. Im übrigen möge bem angeblich demokratisch regierten Auslande anheimgegeben sein, daß bekanntlich die Barbeien ihre Grundsätze und ihre Auffassungen, die sie ihren Wählern zuvor befanntgegeben haben, nicht nach der Wahl verleugnen tönnen. Nach unserer Ansicht muß dieser Grundsatz der Ehrlichkeit awischen Wählern und Gewählten als selbstverständlich gelten. Aus dem Diplomatischen ins Deutsche übersetzt heißt das, daß die Deutschnationalen bereit sind, die Regierungsbildung zu übernehmen und mit den Alliierten über das Sachverstänbigengutachten zu verhandeln. Ob man damit durchkommen fann, muß abgewartet werden. Daß über die Ausführung Der Borschläge, nach ihrer grundsäglichen Annahme als eines unteilbaren Ganzen", verhandelt werden muß, daß Schwie rigkeiten, vielleicht Unmöglichkeiten, die sich später einmal bei der Durchführung ergeben tönnten, gleichfalls auf dem Wege der Verhandlungen befeiligt werden müssen, das ist auch für diejenigen, die für die glatte Annahme der Vorschläge eingetreten find, selbstverständlich. Der Weg zu solchen Berhand. getreten sind, selbstverständlich. Der Weg zu solchen Berhandlamgen tann aber erst dadurch geöffnet werden, daß man die Vorschläge als ein unteilbares Ganzes annimmt. Diese Annahme ist durch die gegenwärtige Regierung bereits erfolgt. Die Frage ist, ob ihre Nachfolgerin das Wort der gegenwärtigen Regierung anerkennen oder verleugnen wird. Es geht also nicht, sich zwischen Ja und ein herumzudrüden oder zu philosophieren: Schwarz und Weiß, das sind Ertreme! Grau, das ist das Angenehme, Das so Schwarz wie Weiß enthält. Daß die Vorschläge Herrn Poincaré sehr unbequem find, meiß jedes Kind. Herr Poincaré ist aber Politifer genug. nicht zu sagen, er betrachte sie nur als eine" Berhandlungs. grundlage", er will sich nicht nachfagen lassen, daß er eine Haltung eingenommen habe, die einer ablehnung des unteilbaren Ganzen" gleichfomme. Also versucht er es mit ben verwegenſten Auslegungsfünften. Inzwischen lauert er auf eine Gelegenheit, mit einem Schein von Recht sagen zu fönnen, das Verhalten der Deutschen sei hinterhältig und zweideutig. felbst wenn fie angenommen würden, wie lange follen fie und mit ihnen die unerträglichen Zustände im bese ten Gebiet dauern? Am 15. Juni laufen die verlängerten Micumverträge ab. Keine französische Regierung wird auf Micumverträge, Regie, Zollabschnürung usw. verzichten, folange nicht eine allgemeine, einverständliche Regelung der Reparationsfrage erfolgt ist. Bleibt diese Regelung aus, was wird mit der Stabilisierung der Währung, die bei den Wahlen von allen bürgerlichen Parteien versprochen worden ist? Man sieht einstweilen nicht im entferntesten, wie auf dem Weg eines Bürgerblod- Kompromisses eine attive" Außen politik" zustande kommen soll. Vielmehr ist zu befürchten, daß wir in eine Aera der außenpolitischen Unentschlossen. heit, Passivität und Unfähigteit hineingeraten werden, der gegenüber sich auch noch die Aera Cuno Rosenberg als ein Lichtblid in der deutschen Geschichte ausnehmen wird. wartet ab. Die Reichsregierung wartet ab. Bayerns künftiger Kurs. München, 6. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In der Pfalz wird das Ergebnis der Landtagswahl amilich erst am 10 Mai festgestellt, so daß zur offiziellen Feststellung des Gesamtergebnisses der Landtagswahl für ganz Bayern der Landeswahlausschuß erst Ende der nächsten Woche zusammentreten fann. Die Einberufung des Landtage s erfolgt voraussichtlich für die erste Woche des Suni. Bis dahin wird dann auch die Frage der Regierungs. bildung endgültig gelöst sein. Rein zahlenmäßig ist die bisherige Roalition zwischen Bayerischer Volkspartei, Deutschnationalen und Bauernbund möglich, deren glatte Mehrheit wohl in den meisten Fragen mit der Unterstützung oder mindestens mit der wohlwollenden Neutralität der 3 Demokraten und der 3 Zentrumsleute rechnen darf. Ob unter diesen Umständen die Bayerische Bolkspartei tatfächlich den Verfuch machen wird, auf sich allein gestellt die Re. gierung zu übernehmen, ist sehr zweifelhaft, um so mehr als jetzt, nach allem, was man hört, mit Sicherheit angenommen werden muß, daß die Bayerische Boltspartei wiederum Knilling zum Mi. nisterpräsidenten macht. Da Knilling außer der Freundschaft der Deutschnationalen auch die offen erklärte Sympathie der 251. In einer Besprechung des Reichskabinetts fellte der Reichs- margistische Kurs weitergesteuert werden. Die Katastrophe vom tischen besitzt, dürfte in Bayern also der alte sogenannte antiminister des Innern heute mit, daß die amflichen Wahlergeb- 8. November 1923 war ben weißblauen Reaktionären offenbar nicht Wahlergeb- margiftische niffe nicht vor dem 16. d. M. zu erwarten find. Das lehrreich genug Da nach wiederholten Erklärungen die Bölkischen Reichskabinett bleibt auf jeden Fall bis zum zusammen- ihre Haupttätigkeit auch fünftighin auf außen parlamenta tritt des Reichstages im Amt. rische Attionen richten, wird man unter der neuen Aera Rnilling auch mit einer Neuauflage der Bürgerbräu- Ereignisse zu rechnen haben. Was dann tommen wird, darüber hat sich am Abend der Bahl einer der Führer der Münchener Bölkischen, Rechtsanwalt Budelen, ausgesprochen. Er verkündete dabei pathetisch, daß im tünftigen völbischen Staat tein Mann auf einem Ministersessel munisten stellten am Dienstag im Landtag den Antrag, dem Ge- figen werde, der nicht mit schwarzweißroter Rotarde an der Front iamtminifterium das Vertrauen zu entziehen. Diefer Antrag gefämpft habe. Nach diesem Grundsatz wird allerdings für den wurde abgelehnt. Im Anschluß daran beantragte die Völkische Führer der Völkischen, den ehemaligen Juſtizminiſter Roth, der immer von neuem seinen unbändigen Ehrgeiz nach einem Ministers Freiheitspartei, dem Ministerpräsidenten Herrn v. Brandenstein das Vertrauen zu entziehen, da er keine klare Stellung zu dem Sadhvet- fefsel tundgibt, der Herzenswunsch niemals in Erfüllung gehen. ständigenbericht eingenommen habe. Dieser Antrag wurde mit Denn er sowohl wie der Hochverräter und jezige Reichstagsabge 36 gegen 27 Stimmen angenommen. Dafür stimmten Bölfische, ordnete Dr. Frid haben es als Hauptmann bzm. Leutnant der Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten. Das Mini- Reserve vorgezogen, von 1914 bis 1918 im Münchener General fterium erklärte darauf in seiner Gesamtheit feinen tommando zu bleiben. Rüdtritt. Auf die Tagesordnung der morgigen Nachmittagsfizung ist als erster Punkt die Neuwahl des Ministeriums gesetzt. Brandenstein gestürzt! Wegen Erfüllungspolitik. Schwerin, 6. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die komDer Sturz des mit völkischer Hilfe zum Ministerpräsi denten pon Mecklenburg- Schwerin gewählten Rittergutsbesikers von Brande nit ein erfolgt hauptsächlich durch die vol fischen Klassen- und Rassengenossen diefer vornovemberlichen Exzellenz Er ist zugleich ein Vorspiel der Dinge, die sich im Reiche und in Thüringen ereignen fönnen. Wo die Deutsch nationalen auch die Regierung übernehmen werden, stehen sie vor der Revolvermündung derer, denen es nicht auf irgendwelche ernste Arbeit im Parlament antommt, sondern auf Lärm, Trillerpfeifentonzert und dergleichen. Brandenstein hat als Ministerpräsident sich für die An nahme des Sachverständigengutachtens ausgesprochen, also für Es fann sich in der Tat nur noch um die Auslegung und Erfüllungspolitit. Das mag ihm sauer angekommen fein, aber Ausführung der Vorschläge handeln, nicht um ihre Aber mußte angesichts der erdrückenden Tatsachen. Wegen änderung. Parteien, die diesen Sachverhalt zu verschleiern dieser Zustimmung hat ihn die völfische Gruppe geftürzt, die fuchen, fügen damit aus innerpolitischen Gründen Deutschland ihn wenige Wochen vordem gewählt hatte. Was Branden. den schwersten Schaden zu. stein in medlenburg, das hat Leutheußer in Thü. thin Man tann sagen, diese Vorschläge seien das zweite Berringen verbrochen. Auch er hat bem Sachverständigengut sailles", seien die Versklavung", dann muß man sie ab achten zugestimmt, auch er ist für Erfüllungspolitik. Aber auch Lehnen, fomme, was da wolle. Man tann meinen, fie in Thüringen haben die Bölkischen die Hand an der Gurgel brächten für Deutschland immerhin eine Erleichterung und eine des Parlamentes, um mit Dinter zu reden. Sie werden also Hoffnung, dann muß man fie als das unteilbare auch dort mit dem Erfüllungsminister abrechnen, wie sie das Ganze", das sie sind, annehmen. Es geht aber nicht an, in Mecklenburg getan haben. sich zwischen Annahme und Ablehnung hindurchzuschlängeln. Ein solches Verhalten würde weder durch Mut imponieren noch durch Ehrlichkeit überzeugen, noch nach innen begeisternd mirfen. Soll man Berhandlungen über eine Aenderung der Vorschläge anstreben? Sie werden abgelehnt werden! Aber 100 Jahre IX. Sinfonie. Bon Dr. Kurt Singer. Das ist nun wahrlich ein Ereignis. Das Bert, das Hundert taufende immer wieder von der irdischen Gemeinheit emporreißt zur Himmelshöhe des Gefühls, des braufenden Freudenfangs, des freiheit ficher Jubels, diese IX. Sinfonie Beethovens steht als Martstein höchster menschlicher und künstlerischer Kultur seit 100 Jahren fest im Repertoire aller Weltorchester. Und was mehr bedeutet, es erschüttert, so aft seine Festesweise durch den Raum flingt. Der ganze Beethoven, von der Eroika bis zur VIII. Sinfonie, ist ein Bortlang zu diesem großan Wurf der 1X., in der sich Leben, Schaffen, Runst und Ethos des Bleifters wie in einem großen Reflektor spiegeln. Das Leiden und die Frieblosigkeit, die Unraft des Daseins und das Nichterfülltsein höchster Sehnsucht fuchten, über die Schlußtöne ber missa solemnis hinaus, einen weisen, philosophischen, fünstlerisch gehärteten Ausgleich. Schmerz, Schreden und Enttäuschung, all das liegt nun als Erinne cung hinter dem fämpfenden Beethoven. Der Sieg über das Schicksal, über die Menschen, über sein eigenes Wesen wird offenbar in dem ftrahlenden Hymnus, der Schillerschen Ode an die Freude". Nicht in einem einzigen großen Zug ist dieses Werk geschaffen. Und wer von der Einheitlichkeit der IX. Sinfonie, von der Notmendigkeit, Menschenstimmen zu den Instrumenten zu bemühen, spricht, der irrt, historisch wie im fünstlerischen Geschmad. Beethoven hat mit dem Stoff und feiner Bearbeitung wirklich gerungen. Zum Scherzo finden sich Stizzen schon 1815, zun 1. Sat 1818. Der Finalfag dieser sinfonie allemand" follte einmal eine groß angelegte Drchefterfuge, dann wieder ein hymnischer Gesang werden. Ein organischer Zusammenhang zwischen den Sägen existiert nicht; und wenn wir sie heute, dant der genialen Borbereitung des Schlußfages, innerlich auch empfinden, so ist dieses Chorfinale legten Endes doch hinterher aus den Stimmungen der früheren Säße herausgearbeitet, micht entwickelt. Die groß gebaute Brüde fehlt. Vom ersten bis zum letten Ton des Werkes hat Beethoven mehr als fechs Jahre gebraucht. Die Hauptjahre des Schaffens find 1822 und 1823. Auch die Melodie, die uns allen zum Besiz geworden ist, jene fast nur in einem Quint. abstand voneinander gleitenden, zueinander firebenden Freudentöne, Schuf nicht ein einziger inspiratorischer Augenblic. Nach langem Euchen und Aendern ruft Beethoven endlich aus: Ja, dieses ist es, es ist nun gefunden!" Gefunden war eine in ihrer Schlichtheit er greifende, kunstvolle und doch vollstonmäßige Melodie, die aus dem Rhythmus Schillerscher Worte herauszuwachsen scheint, bie erst zag. haft flingt, dann immer mehr Farbe bekommt, immer mehr Instrumente vor ihren Siegeswagen spannt, größer wird, freier, jubeinder, fester und die schließlich einer ganzen Welt Freude, Jubel, Glück. Umarmung fündet. Diese Freude ist teine alltägliche, sondern eine fonntäglich- festliche, feine laute, sondern eine männlich- erhabene, feine äußere Bravourleidenschaft, sondern nur eine non innen drängende, Und man muß anerkennen, daß fie in ihrem Understand weninstens fonsequent find. Die Deutschnationalen aber haben ihre Wahlagitation mit Helfferich- Argumenten gegen das zweite Versailles betrieben. Was werden sie im Reichstag tun, wenn sie endlich an die Regierung fommen, nach der sie so lange sich gesehnt haben? " jebes törperliche Bedenken megjagende, große Freiheitsstimmung. Alles, was spekulativ und gedanklich in Schillers Strophen war, wurde ausgemerzt. Die einfache, lüstern- finnliche Freude galt dem meisen Künstler nichts mehr. Also fort mit der Freude, die in Botalen sprudelt! Das Ersterben in Ehrfurcht galt ihm, dem strengen Republikaner, dem großen Arbeitsmann, erst recht nichts. Also fort mit Tyrannen, fort mit dem schwächlichen Männerftolz vor Stönigs thronen". Wie charakteristisch ist das für den Menschen, der Frieden mit Gott, Welt und Teufeln schließen will. In immer größeren Ausdruckssteigerungen, gesangliche Hemmungen nicht achtend, von der engelhaften Beruhigung des fanften Flügelschlages bis zur stürmischen Annäherung an das Sternenzelt des lieben göttlichen Baters welch eine Stala der dogmatischen, rhythmischen, melodischen, in Quartett, Chor, Orchester und Soli wunderartig gestuften Empfindungen! Bollen Instrumente und Stimmen wirklich zufammengehen? Sie wollen nicht, sie müssen. Beethoven schafft fein Muster neuer Sinfonie, feinen Nachtlang der Choralphantasie; ja, er erklärt Czerny gegenüber den Schlußsatz für einen Mißgriff. Er ist es, was die Form betrifft. Aber dieses Einmalige wird einsam und allein leben, als individuelle Sprache, als Resultat eines übergewaltigen Ringens und Lebens, eines Schaffens, das im endlosen Sturm der über die Welt hinjagenden Freude zuletzt seinen Einklang mit dem Kosmos gewaltig findet. Bettes Bekenntnis eines von höchsten sozialen Impullen angefeuerten Freiheitsmannes: alle Menschen mer. den Brüder!" Nach Gehalt, Formschönheit, letzter inftrumentaler Beseelung find die ersten drei Säße der IX. Sinfonie ihre Krone. Nach Be geisterung, Freiheitsregung, Gefühlsübertragung, Ethos und mensch lichem Fanfarentlang der Hymnus. Der 7. mai 1824 erlebte bie Uraufführung im Wiener Rärtnerthortheater. Das übervolle Haus dankte enthusiastisch dem tauben Meister, dar nur mit den Augen den Beifall erleben fonnte. Die Kaiserloge war leer. 100 Jahre lang das Lied der Menschenverbrüderung durch die sogenannte fultivierte Welt. In 100 Jahren ist sie weiber rüdwärts geschritten. Wir haben feinen Brund, uns der Freude des Daseins hinzugeben. Die Fadel der IX. Beethovenfchen Sinfonie aber wird uns leuchten, wo immer und wann immer eine Feier zu Ehren der Freiheit Menschen verfammelt, fie wird angezündet bleiben, bis ein größerer, befferer Teil der Welt aus der Fronarbeit, Elend und Not befreit ist und bis wir alle wagen dürfen, im Bewußtsein, unsere soziale Pflicht erfüllt zu haben, der Freude zuzurufen: Wir betreten feuertrunken, Himm lische, dein Heiligtum!" 18 Uhr im Meistersaal, Köthener Str. 38, ein Bortrag von Julius Bab Borfräge. Im Deutschen Monistenbund findet am Donnerstag über Boltaire and Goethe" ftatt. Mittwoch 6 Uhr hält in Der Urania ber Münchener Biologe Dr. Römmert einen Vortrag über die under der unsichtbaren Belten mit Mitroprojektionen lebender Drganismen. Ausstellung von Arbeiten des Bildhauers Gerhard Mards. Die Galerie Ferdinand Möller, Potsdamer Str. 134 e, eröffnete eine Die Verhaftung des Günther Brandt. " B. S. Leipzig, 6. Mai. Die Berhaftung des Studenten Brandt zieht immer weitere Kreise, da sich jezt erst herausstellt, daß Brandt in der Organisation Consul eine führende Rolle gespielt hat und in Mitteldeutschland einer der hervorragendsten Leiter der Ehre hardt- Organisation gewesen ist. Aus den bei ihm gefundenen Akten geht hervor, daß er für Mitteldeutschland fast das gesamte Adressen. material der O. C. besaß, daß Neuanmeldungen, Aktionsvorschläge usw. durch seine Hand gegangen sind. Unvorsichtigerweise hat Brandt dieses gesamte Material nicht, wie es eigentlich Anweisung des Füh rers war, alsbald vernichtet, sondern einem Studienfreunde zur Aufbemahrung gegeben, bei dem die Aften dann beschlagnahmt wurden. Brandt arbeitete Hand in Hand mit einem gewissen Dr. Bogt in Berlin, der jedoch diesen Namen auch nur als Pseudonym gewählt hatte. Brandts Kriegs name" war Brett". Der wegen der Ermordung des Reichsministers Rathenau verurteilte Student Techow hatte von Kern den Auftrag erhalten, sich an Brett in Dresden zu menden, doch kannte Techow Brandt zufällig von früher und so war es in der Untersuchung möglich, den wirklichen Namen des geflüchteten Bertrauensmannes der O. C. zu ermitteln. In dem tommenden großen Prozeß gegen die O. C. in Leipzig wird Brandt, der sich natürlich wegen der anderen ihm zur Last gelegten Ber. gehen besonders zu verantworten haben wird, eine nicht un wichtige Rolle spielen, da er zweifellos als einer der Unterführer der über ganz Deutschland verzweigten Organisation Ehrhardt zu betrachten ist. Das gesamte Attenmaterial, bas von den verschieden ften Polizeibehörden über Brandt- Brett zusammengetragen worden ist, ist an den Dberreichsanwalt Ebermeyer abgeliefert, der nunmehr die Fortführung des feinerzeit infolge der Flucht Brandts zurüdgestellten Berfahrens angeordnet hat. Wahlerlebnisse. Bon Friz Müller, Chemnit Ein Bahlleiter liefert den amtlichen Bleistift vollständig unver fehrt ab, während die übrigen Bleistifte in Gestalt mehr oder weniger fleiner Stummel" zurüdgegeben werden. Gefragt, wie das zus gehe, antwortet er:„ Ich bin Straßenbahnschaffner. Da mir ber schöne Bleistift leib tat, habe ich dafür meine Rnipszange in bie Wahlzelle gehängt!" „ Ach, gestern mar Mahl? Ich dachte, fie wäre erst nächsten Sonntag! Um den deutschnationalen Wahlleiter zu ärgern, hatten vers fchiedene Genossen in den Kreis, der die fozialdemokratische Lifte bezeichnet, af en treuze gemalt. ** Beschreibe ein Wahlplafat!" hießt der neue Auffah. Ber. fchiedene Kinder unterzogen sich der Aufgabe mit gutem Geldid. manche aber schrieben merkwürdiges Zeug. Den Bogel schoß ein Junge ab, der das Platat von einem Sabarett Blaue Maus" beschrieben hatte! Auto zum Wahllofal holen lassen? A.: Was, du hast dich von den Deutscositischen im B.: Was ist denn weiter dabei? Mit meinem lahmen Bein.... C.: Hättest du was gesagt. da hätte ich dir geholfen! A.: Wer weiß, wann ich wieder einmal im Auto fahren darf! B.: Und wegen einer fumpigen Autofahrt verlaufst du deine Stimme? C.: Berrätst du deine Klasse?! A.: Was, ich soll Berrat verübt haben? B.: Wenn du deutschvölkisch wählst fo ist das nichts anderes.... A: Wer redet denn vom Bählen? Als die Bande mich humpeln fah, hat sie mich ins Bahllofal gefahren. Gewählt aber habe ich selbstverständlich SPD.! Am Sonnabend vor der Wahl ließen die Deutschnatio. nalen ein Plakat ankleben. Im Hintergrunde liegt eine Stadt in Trümmern. Davor grinft ein Lotenschädel, der eine rote Müge trägt. Darunter steht: Dentt baran! erfahren. Ueber das Mittelsted der Mühe, das heißt zwischen den In der Nacht aber hatte das P'afat eine feine Veränderung schwarzen Schirm und den roten Ballon, war ein weißer Streifen mit einer schwarzweißroten Rofarbe geklebt worden! * Der Haus befizer N. ist sich nicht recht flar, ob die Liste der Mittelstandsvereinigung, die ihm durch eine Zuſchrift empfohlen worden war, die richtige fei, oder ob er doch lieber deutschnational wählen sollte, wie ein Aufruf An die Hausbesizer!" ihm zurief. Ein Wigbold riet ihm, die Liste vom äußer Bund zu wählen. häuser bund" leuchtete ihm ein. Er gab seiner Familie entfprechende Anweisung, was zur Folge hatte, daß in seinem Bezirk die Impfgegner brei Stimmen erhielten! Zeitungsverleger: Eben habe ich eine Beschwerde von den De. Das Ergebnis der Gemeindewahlen. Soweit sich die Resultate der preußischen Gemeindemahlen übersehen lassen, sind sie nicht wesentlich anders ausgefallen, als die Wahlen zum Reichstag. Sie haben nur insofern eine andere Bedeutung, als örtlich der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen überall da eine viel größere Rolle spielen wird, wo die Sozialdemokratie ihre bisherige absolute Mehrheit in den Gemeindeverwaltungen verloren hat. Der Stimmenzuwachs der Kommunisten reicht nirgends aus, um den Verlust an Arbeiterstimmen mettzumachen. Der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen wird in der Regel vielmehr ein Schlag für die Gemeinde als eine Niederlage der Sozialdemokratie fein. Die neuen Mehr heiten, die in diesen Orten jetzt einziehen, entbehren vollständig Ser Geschlossenheit, ohne die die Geschäfte der Gemeinde nicht geführt werden können, und was für die Gemeinden bedeutend wichtiger ist, sie haben der Gemeindeverwaltung gegenüber in teinem Falle die positive Einstellung, mit der die Sozial demokratie unter großen Opfern in den letzten Jahren die Gemeindewirtschaft hat aufrechterhalten helfen. Besonders charakteristisch ist, soweit bisher Resultate vor. fiegen, das starte Anwachsen von 3erfplitterungs Itsten wirtschaftlicher Interessentengruppen. Die Mittelständler, als Wirtschaftspartei organisiert, aber auch Mieter Derbände, Rentner, Hausbesizer, Kleingärtner ufm. wechseln fich in einzelnen Gemeinden in bunter Reihenfolge ab. Das Bürgertum, das zu einem großen Teil mit diesen Liften fich schen im Wahlkampf zersplittert hat, wird seiner Mehrheit nicht froh werden, denn mit diesen Gruppen ist eine für die Gemeindearbeit erträgliche Mehrheitsbildung nicht möglich. Es wird also in den preußischen Gemeinden genau so, wie man es in Sachsen und in anderen Gegenden Deutschlands hat beobachten können, sehr bald zu einem 3 erfall der bürgerlichen Mehrheiten tommen. Die Sozialdemokratie wird also aus der Gemeindearbeit nicht ausgeschaltet werden. Im Gegenteil, sie wird vielleicht unter politisch günstigeren Bedingungen jetzt zeigen fönnen, daß sie die Partei der aufbauenden Gemeindearbeit ist. Gerade die sächsischen Erfahrungen zeigen, in welch startem Maße die Leistungen der Gemeindepelitit auch für die allgemeine Entwicklung von Bedeutung fein tönnen. Dort haben die Wähler feit einigen Monaten erproben fönnen, zu welchen Leistungen ihre neu gewählten pöllischen und kommunistischen Vertreter, die neu eingesetzten bürgerlichen Mehrheiten wirklich fähig sind. Der starte Stimmenrüdgang der Kommunisten in Dresden, Leipzig und zahllosen anderen Orten Sachsens ist zweifellos durch die Erfahrungen in der Gemeindepolitit in den lekten Monaten mit beeinflußt. Gerade bei dem Kampf um die neu zu beschließenden Gemeindeverfassungen hatte es sich dort überall gezeigt, daß die extrem linfe Einstellung der Kommu nisten nur der Arbeiterschaft schadet und daß auf der anderen Seite auch das Bürgertum von sich aus nicht imstande ist, die Sozialdemokratie auszuschalten. Eine Einzeluntersuchung der Gemeindewahlergebnisse würde den allgemeinen Eindrud zweifellos bestätigen. So ist es charatteristisch, daß z. B. in Altona bei den Gemeindewahlen die Sozialdemokratie 3000 Stimmen mehr, die Kommunisten 3000 Stimmen meniger erhielten als bei den Reichstagswahlen. Erfolg beweisen fönnen, daß fie feine Intereffentenpartei, fondern daß sie die Partei der Gemeinde schlechthin ist. Gemeindewahlresultate. Kaffel, 6. Mai.( Tul.) Die endgültigen Ziffern der Stadtver ordnetenwahlen ergaben, daß die Sozialdemokratie ihre 19 SPD, 13 Deutschnationale, 9 Bolkspartei, 5 Demotraten. abfolute Mehrheit verloren hat. Es find endgültig gemählt: ordnetenversammlung feht sich aus 55 Mitgliedern zusammen gegen 4 Bölkische, 3 Kommunisten und 2 Zentrum. Dié jezige Stadtver. bisher 72. In der alten Körperschaft waren vertreten: 37 BSBD., 20 Demokraten, 9 Deutschnationale, 3 Zentrum, 2 Deutsche Volks. partei und 1 Wohnungsreformer. Kommunisten und Böltisch- Soziale waren nicht vertreten. In der neuen Bersammlung fehlen die Wohnungsreformer. Wahlfreis 29 Ceipzig: Rebatteur Johann Seger, Staatsminister a. D. Richard Lipinski, Redakteur Anton Saupe. Wahlfreis 30 Chemnih- 3widau: Schriftsteller Heinrich Ströbel, Hauptschriftleiter Mar Seydewig, Amtshauptmann Bernhard Kuhnt, Rechtsanwalt Dr. Paul Cevi. Wahlkreis 31 Württemberg: Redakteur Wilhelm Keil, Gesandter Bahlkreis 32 Baden: Redakteur Ostar Ged, Rebatteur Georg Karl Hildenbrand, Direktor Erich Rohmann. Schöpflin Wahlkreis 33 Hessen- Darmstadt: Staatspräsident Karl Ulrich, Reichs. minister a. D. Dr. Eduard David, Redakteur Ludwig Queffel. Bahlkreis 34 Hamburg: Gewerkschaftsangestellter Peter Graßmann, Frau Johanne Reihe, Schriftsteller Franz Cauffötter. Wahlkreis 35 Medlenburg: Barteisekretär Wilhelm Kröger, Schrift leiter Dr. Julius Cebet. amtlichen Wahlziffern wird sich die Stadtverordnetenversammlung Frankfurt a. M., 6. Mai.( TU.) Nach den bis jetzt vorliegenden wie folgt zusammensetzen: Dazu tommen noch von der Reichsliste: Reichsminister a. D. 21 BSBD., 12 Deutschnationale, Dr. Rudolf Hilferding, Schriftsteller Dr. Paul Herh. Verbandsvor 7 Deutsche Boltspartei, 3 Deutsch- Bölitische, 3 Wirtschaftspartei, figender Georg Schmidt, Rechtsanwalt Alwin Saenger, Bostinspektor 8 Bentrum, 9 Demokraten, 1 Unabhängiger, 1 Arbeitnehmergruppe, win Steintopf. Chefredakteur Friedrich Stampfer, Schriftsteller 7 Kommunisten. Kleine Wenderungen find nicht ausgeschlossen. Höchst, 6. Mai.( TU.) Nach dem endgültigen Wahlergebnis wird bie Stadtverordnetenversammlung aus 9 VSPD. 9 Mitgliedern der Bürgerpartei, 7 des Zentrums, 3 Demokraten und 6 Kommunisten bestehen. Die Gemeindevertretung hat also jetzt eine bür gerliche Mehrheit. Stettin, 6. Mai.( TU) Bei den Stadtverordnetenwahlen haben den größten Gewinn die Kommunisten gehabt, die sieben neue Mandate gewannen. Die Deutschnationalen haben fechs neue Siße errungen. Die neue Verteilung der Sitze der wichtigsten Parteien ist folgende: 15 353D., 11 Deutschnationale, 3 Arbeitnehmerpartei, Deutschsoziale Bartei, 1 Deutschvölkisch, 3 Deutsche Boltspartei, 1 Demofrat, 1 Rommunift Maurenbrechers trockener Putsch. In der„ Deutschen Zeitung" sieht Mar Maurenbrecher die Gefahr, daß ein Teil der Deutschnationalen zur Erfüllungspolitik neigen und daß es darüber zur Spaltung der Fraktion tommen tönnte, als riefengroß an. Er empfiehlt die Gründung eines volfisch nationalen Blocks, dem er die Bayerische Boltspartei, den Bayerischen Bauernbund, die Honnoveraner und die Knüppel- Runzes zurechnet, wodurch er es auf eine Zahl von 174 bringt. Dieser Blod müßbe Dom Reichspräsidenten erzwingen, daß er ihm die Reichs. tanglerfchaft übergibt. Bersagt der Reichstag dem erzwungenen Reichskanzler das Vertrauen, so wird er, nämlich der Reichstag, nach hause geschickt, und es werden unter ganz anderen Boraussetzungen" - nach mussolinischem Beispiel- Neuwahlen gemacht. Will Ebert nicht, so muß durch Boltsentscheid die Neuwahl des Reichspräsidenten erzwungen" werden. Und hilft das alles nicht, dann muß der völlisch- nationale Blod burch Obstruktion jebe parla mentarische Arbeit verhindern, wobei er bas fügen wir hinzu auf die begeisterte Unterstützung der Raß und Scholem rechnen darf. Für Pläne zur Eroberung der politischen Macht war Mar Maurenbrecher schon in seinen fozialdemokratischen Tagen Spezialist. Er ist noch immer der himmelhoch jauchzende und zu Tode betrübte Phantast, der er schon früher gewesen ist. Aber der Umstand, daß er heute Sprachrohr des all deutschen Butschismus geworden ift, gibt seinen Plänen über die Person hinausreichendes Interesse. Unsere Partei im Reichstag. Dr. Adolf Braun, Sekretär Konrad Ludwig. Poincaré obenauf. heute abend auf einem Banbett der französi gen Handelstammern Paris, 6. Mai.( WTB.) Ministerpräffent Poincaré hat eine Rede gehalten, in der er sich zu Beginn über die Regelung der franzöfifchen Handelsbeziehungen zum Auslande äußerte. Nach dem Striege, fo erklärte er, habe Frankreich Anlaß gefunden, feine Han delsftatuten auf neuen Grundlagen zu reorganisieren. Bis 1914 feien seine Beziehungen zum Auslande durch Verträge geregelt gewesen, die die gegenseitige Meistbegünstigung und Ründi gungsfrist von durchschnittlich einem Jahr vorgesehen hätten. Geit dem Waffenstillstand habe Frankreich jedoch erkannt, daß die internationalen Wirtschaftsverhältnisse ihm für eine gewisse Zeit nicht mehr gestatten, sich durch allzulange Konventionen zu Es habe also feine Handelsbeziehungen gefündigt unb ftill. binden. schmeigende Verlängerungen von brei zu brei Monaten eingeführt. Doch in nächster Zukunft würde Frankreich nun z. B. mit Portugal, Belgien, Japan und sogar mit Deutschland Verhandlungen be ginnen. Niemals habe der franzöfifchen Regierung die Unterstützung biefer langen Reihe von internationalen Abmachungen, die für die der französischen Handelskammern wertvoller fein fönnen, als bei dieser langen Reihe von internationalen Abmachungen, die für die Erholung Frankreichs von so großer Wichtigkeit feien, politischen Verhältnisse zu sprechen. Seine Ausführungen waren Im weiteren Verlaufe seiner Rebe fam Poincaré auf die natürlich auf eingestellt, und da polemisierte er gegen einen Artikel des Abgeord die deutschen Wahlen und auf die Wahlkampagne in Frankreich neten Blum. Wenn der Verfasser und seine Freunde„ das Leiden und die Ungerechtigkeit unter den Menschen vermindern wollten, bis auf einen Reft, gegen den niemand etwas vermöge", so sagte er, dann sei auch er Sozialist". Indessen würde er sich nicht mehr ficher fühlen, wenn demnächst der Einfluß einer internationalen Partei bei der Regelung der Reparationsfragen nachbrüdlich sich geltend mache. Die französische Regierung habe wiederholt erklärt, daß Frankreich gern und durchaus spontan die Entschließungen der Sachverständigen, wie sie die Reparationskommission fich zu eigen gemacht habe, annehmen, und daß sie die deutsche Wirtschaftseinheit wiederherstellen würde, sobald Deutschland das von der Rapto aufgestellte Programm zur Ausführung gebracht habe. Aber man wisse vorläufig weder wann noch wie oder ob DeutschNach den amtlichen, immer noch als vorläufig bezeichneten Erland überhaupt dieses Brogramm ausführen werde. Weber bie in den letzten Wochen von Deutschland gemachten Versuche, ihn, Boin caré, über seine wahren Absichten zu täuschen und die Verantwortung für den weiteren Erfolg der Sachverständigengutachten auf Frantreid abzumälzen, noch das Ergebnis der Reichstagswahlen Wahlkreis 1 Ostpreußen: Ministerpräsident Otto Braun, Bolizei präsident Josef Lübbring. So wenig flug es sein würde, die Bedeutung des Stim- gebnissen der Reichstagswahl sind von unseren Parteigenossen in menridganges der Sozialdemokratie in der Gemeinde zu den Reichstag gewählt: unterschäzen, so wenig liegt auch Veranlassung vor, daraus irgendwelche pessimistischen Schlüsse zu ziehen. Jezt erst recht werden die sozialdemokratischen Gemeindevertreter an die Arbeit gehen und zeigen können, daß sie die Partei aufbauender Leistung vertreten. Das Bürgertum hat mehr oder minder überall den Abbau, die„ Sparsamfeit" als Parole ausgegeben. Die Sozialdemokratie wird demgegenüber mit Recht und mit mofraten bekommen, Sie hätten die Aufnahme der demokratischen Wahlaufrufe verweigert! Ist das wahr? Annoncenchef: Das stimmt! Wir sind doch eine deutsch nationale Zeitung und da dachte ich Beitungsverleger: Ach was! Sie find ein ganz großes Rindrich! Wie fönnen Sie sich denn so einen Auftrag entgehen lassen? Bären Sie ganz schau gewesen, bann hätten Sie von der Bande 50 Prozent Sufchlag verlangt! Die Andacht. Der fozialistische Boltsbildungsminister eines deutfchen Freistaates war Anfang des Jahres 1924 durch einen Rechtsanwalt aus der Boltspartei abgelöst worden. Seine erste Amts handlung war die Wiederherstellung des Schulfriedens; d. h. er hob Die Toleranzverordnung feines Borgängers auf, durch die die Bor nahme firchlicher Exerzitien im allgemein verbindlichen Unterricht verboten war. Als am folgenden Tage Dr. Christian Morgenrot ( Dienstbezeichnung Studienrat, Gruppe 10.3), der es verstanden hatte, trok seiner Zugehörigkeit zu den Roten sich die Sympathie der anständigen Schüler zu bewahren, die Obertertia betrat, riefen ein paar chriftliche Hitlerfnaben: Beten". Christian Morgenrot ließ sich ein neues Teftament reichen, forderte die Klaffe auf, sich von den Bläzen zu erheben, und sprach: Bernehmet in Andacht, was Jesus von Nazareth, der große Prophet und Vorfämpfer für den Weltfrieden, der Anwalt der Armen und Unterdrückten, der von den Priestern und Rechtgläubigen ans Kreuz gebracht wurde, in der Bergpredigt fagt, wie es geschrieben steht Matth. 6 Vers 6: ,, Wenn Du beteft, fo gehe in Dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu Deinem Bater im Verborgenen; und Dein Bater, der in das Berborgene fieht. wirh Dirs vergelten öffentlich. Amen." " Dr. Morgenrot wurde nie wieder veranlaßt, bie erste Unterrichtsstunde durch ein Gebet um 5 Minuten zu verkürzen. " Streit um die Sommeroperette des Staatstheaters. Im Staats. theater beabsichtigt die Sommerdirektion Walter Steinert, die Operette Mi Sopps, Mufit von Bittor Corzilius. Tert Den Bordes Milo, nach einem Lustspiel des englischen Autors Jerome, zur Uraufführung zu bringen. Dagegen hat jetzt die Bertriebsstelle des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenfomponisten rechtliche Berwahrung eingelegt, da ihr das Aufführungsrecht der Operette zusteht. Das schiedsgerichtliche Urteil hat sich berets für die Bertriebsstelle entschieden. Und der Grund zu diesem Streit? Herr Bordes- Milo hat" nur" mit drei verschiedenen Komponisten und zwei Bertriebsfirmen Kontrafte über die Operette abgefchloffen. Das Graphische Kabinett J. B. Neumann, Kurfürstendamm 232, eröffnete eine Ausstellung von Hanbzeichnungen, Graphit und Plastiken bon Suffuff' Abbo. Wagner in Condon. Die deutsche Dperniation in der Tovent Garden Oper wurde vor dichtheießtem Haus mit der Aufführung bon theingold eröffnet, die ftarten Beifall erntete. Die Breffe zollt der zum erstenmal ſeit zehn Jahren wieder in beutscher Sprache vorgetragenen Aufführung bobes Lob. Japan und die kant- Feier. Die zweihundertjährige Bieberkehr bes Bebin tstages Immanuel Stants ist auch in Japan feierlich begangen worden. Die Etudenten der Universität in Tolio bielten eine Bersammlung zu Ebren des Pbilofopben ab, Biofessoren der Universität hielten Reden. Auch andere Universitäten Sepans hielten Festversammlungen ab. Wahlfreis 2 Berlin: Schriftsteller Artur Crifpien, Stadtverordneter Hugo Heimann, Frau Clara Bohm- Schuch, Berbandsvor. fizender Siegfried Aufhäuser. Wahlkreis 3 Potsdam II: Stabtrat Friedrich Zubell, Schriftsteller Ed. Bernstein, Wahlkreis 4 Potsdam I: Schlichter Rudolf Wiffell, Schriftsteller Dr. Rudolf Breitscheid, Frau Marie Juchacz. Wahlkreis 5 Frankfurt a. D.: Barteivorsitzender Dito Wels, Gemert. schaftsbeamter Oswald Schumann. Wahlkreis 6 Pommern: Schriftleiter Gustav Schumann, Gemeinde vorsteher Offo Paffehl. Bahlkreis 7 Breslau: Reichstagspräffbent Baul Cobe, Rebatteur Franz Feldmann, Redakteur Karl Wendemuth, Oberpoft Schaffner Mag Seppel. Wahlkreis 8 Ciegnih: Rebatteur Paul Taubadet, Parteifetretär Offo Buchwih. feien bazu angetan, Frankreich größeres Bertrauen einzuflößen. Die französische Regierung sei also gezwungen, bei der Politit der a chamfeit und der Festigkeit zu verharren, und nach mie vor entschloffen, ihre Truppen aus dem Ruhrgebiet nur nac Maßgabe der Bahlungen zurüdzuziehen. Die, bie ber franzöfifchen Regierung ihr Verhalten in der Bergangenheit, bei dem ie bie einmütige Zustimmung des Senats und der ungeheuren Mehr heit der Kammer gehabt habe, vorhalten, feien nicht berufen, in ber diftieren. Ebensowenig wie die französische Regierung im Innern Zukunft den Republikanern in der Außenpolitit ihr Berhalten zuz fich einem Dittat unterwerfen wolle, ebensowenig wie sie geneigt sei, Don irgendjemandem die republikanische Einheit stören zu lassen, ebensowenig wolle fie, daß das Schicksal Frankreichs auf außen politischem Gebiet auf den internationalen Konferenzen einer politischen Partei entschieben werde. Die Deutschen, die auf diesen Konferenzen häufig anzutreffen feien, benußten die Gele Wahlkreis 10 Magdeburg: Reichsminifter a. D. Gustav Bauer, Ge Wahlkreis 10 Magdeburg: Reichsminister a. D. Gustav Bauer, Gegenheit zu oft, die Verantwortung ihres Landes für den Ausbruch des Krieges abzumälzen ober abzuwertschaftssekretär Hermann Silberschmidt, Parteisekretär schwächen, um die Revision der Friedensverträge zu Wilhelm Diffmann, Gewerkschaftssekretär Ferdinand Bender. verlangen und Frankreichs Sieg zu verkleinern. Wahlkreis 11 Merseburg: Schriftsteller Frih Kunert, Geschäftsführer perlangten nichts als ihr gutes Recht in Frieden, aber diefes Die Franzosen Richard Krüger. Wahlkreis 12 Thüringen: Kleinrentner Wilhelm Bod, Rechtsanwalt Rechtes würden sie sich nicht berauben lassen. Dr. Kurt Rosenfeld, Staatsminister i M. August Fröhlich, Mahlkreis 13 Schleswig- Holstein: Frau Cuise Schröder, Barbei Schriftstellerin Mathilde Wurm. fetretär Offo Eggerstedt, Gewerkschaftssekretär Mag Richter. Wahlkreis 14 Wefer- Ems: Stadtrat Alfred Hente, Barteisetretär Oskar Hünlich. Wahlkreis 15 Offhannover: Genossenschaftssekretär Friedrich Peine, Gewerkschaftsangestellter Friedrich Nowad. Wahlfreis 16 Sübhannover- Braunschweig: Berbandsvorsitzender August Bren, Parteisekretär Paul Junker, Frau Elise Bartels, Arbeiterfefretär August Karsten, Gemertschaftsangestellter ablfreis 17 Wefffeten- Nord: Minifter af Severing, Stadtrat Joseph Harflelb. Karl Schred, Verbandssekretär Alfred Janschet. Wahlfreis 18 Westfalen- Süb: Regierungspräsident Mag König, Minister a. D. Robert Schmidt, Gewerkschaftsbeamter Frib Husemann. Wahlkreis 19 Heffen- affau: Oberbürgermeister Philipp Scheidemann, Verbandsvorsitzender Robert Dißmann, Schriftsteller Gustav Hoch, Parteisekretär Michael Schnabrich. Wahlkreis 20 Köln- Aachen: Redakteur Wilhelm Sellmann. Wahlfreis 21 Koblenz- Trier: Redakteur Emil Kirschmann. Wahlfreis 22 Düsseldorf- Oft: Schriftleiter Heinrich Cimberk, Frau Lore Agnes. Wahlkreis 23 Düffeldorf- West: Ministerpräsident Offo Brann. Wahlkreis 24 Oberbayern- Schwaben: Hauptschriftleiter Erhard Auer, Redakteur Georg Simon. Wahlfreis 25 Franken: Reichsminister a. D. Hermann Müller, Barteifekretär Johann Bogel, Berbandsporfigender Josef Simon, Barteifekretär Hans Seidel. Wahlkreis 27 Dials: Lehrer a. D. Johannes Hoffmann. Wahlkreis 28 Dresden- Baußen: Minister a. D. Hermann Fleißner, Redakteurin Toni Sender, Amtshauptmann Richard Schmidt, Ter'ilvertreter Hermann Krähia. Amtshauptmann Johannes Schirmer, Aerztin Dr. med. Marg. Stegmann. Der Konflikt mit Rußland. Einstellung aller Handelsbeziehungen. Im Zusammenhang mit der Schließung der Somjethandelsver. tretung sind, wie der Dit- Expreß erfährt, von russischer Seite fol. gende Maßnahmen getroffen worden: 1. die Teilnahme an der Kölner Messe wird aufgegeben; 2. die Rauchmaren auftion in Leipzig findet nicht statt; 3. die Filialen der Handelsvertretung in Hamburg und Leipzig werden geschlossen; 4. die für Königsberg geplante Filiale wird nicht eröffnet; 5. feit Montag ift der Berkauf von russischem Getreide in Deutschland einge. ftatt; 7. die für Deutschland bestimmten Eiersendungen aus ber stellt; 6. Getreidetransporte in deutsche Säfen finden nicht mehr der Ukraine find über Danzig nach England geleitet worden, das gleiche wird mit zwei weiteren Sendungen geschehen; 8. der Be amtenbestand der Handelsvertretung wird zum 15. Mai um 25 Broz. Derringert, später soll die gleiche Einschränkung wiederholt nerden; 9. der Eintritt in die Handelsvertretung für Bertreter deutscher Firmen findet nur noch von 11-12 Uhr vormittags statt, ebenso die telephonische Berständigung, die von einem besonderen Be amten tontrolliert wird; 10. allen Handelsvertretungen ist die Schließung der Berliner Vertretung angezeigt worden; 11. die Ab teilungen der Truste, Syndikate und des Zentroßojus find ebenfalls geschlossen worden, der Bertreter des„ Refinotruft", der einen größeren Abschluß machen sollte, hat Berlin verlassen. Die allen Handelsvertretungen des Sowjetbundes gemachte Mitteilung über die Schließung der Berliner Vertretung wird zur Folge haben, daß auch die anderen Handelsvertretungen den Verkauf von Waren nach Deutschland und den Ankauf deutscher Waren nicht mehr ausführen werden. Stommoniatom trifft heute aus London in Berlin ein. Wie verlautet, wird er sich gemeinsam mit dem Botschafter Kreftinſti am Mittwoch nach Moskau begeben. Krestinsti hat an Sirese mann eine turze Note gerichtet, in welcher er alle feine früheren Erklärungen in vollem Umfange aufrecht erhält. Der Arbeitszeitkampf im Ruhrbergbau Kundgebung der Organisationen. Bochum, 6. Mai, abends 10 Uhr.( Eigener Drahtbericht.) Die vier Bergarbeiterorganisationen veröffentlichen in später Abendstunde folgende Kundgebung: Die Konferenzen der an dem Tarifvertrage für den Ruhrbergbau beteiligten Organisationen haben befchloffen, die bisherige tarifliche Schicht von 7 Stunden unter und 8 Stun den über Tage beizubehalten und zu verfahren. Ein Streit wurde von der Konferenz ausdrücklich abgelehnt. Sollten sich jedoch durch das Borgehen der Unternehmer Rämpfe entwickeln, so sind diefe streng nach den gewertschaftlichen Grundsäzen zu führen. Jede diesen Grundfäßen wider. sprechende, nicht von den unterzeichneten Verbänden ausgehende Parole ist entschieden zurückzuweisen. Kameraden, wahrt gewerf fchaftliche Desziplin! Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands. Gewerkverein christlicher Bergarbeiter. Sölnische Berufsvereinigung. Gewerkschaft Hirsch- Dunder. Revierkonferenz des deutschen Bergarbeiterverbandes. Bodrum, 6. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Reviertonferenz des Deutschen Bergarbeiterverbandes am Dienstag faßte folgenden Beschluß: " Die Revierkonferenz ftellt sich hinter den Beschluß der Konferenz vom 30. April und bringt nachdrücklich zum Ausdrud, daß fie alle Barolen politischer Parteien, insbesondere die in letter Zeit herausgegebene Generalftreitparole der KPD., ab. lehnt, da fie nicht gewillt ist, die rein wirtschaftliche und gemertschaftliche Tendenz diefes den Bergarbeitern aufgezwungenen Rampfes durch parteipolitische Machenschaften trüben zu lassen." Der Sinn dieses Beschlusses ist eine Wiederholung der Auf forderung an die Bergarbeiter, nach fieben und achtstündiger Schicht zeit auszufahren. Der Bergarbeiterverband weist nachdrücklich darauf hin, daß er von politischen Generalstreifparolen nichts missen will. Tatsächlich sind die Wirkungen dieses Beschluffes eine Stiflegung Des Ruhrbergbaues, da die Unternehmer die von ihnen angefündigte Aussperrung der Arbeiter, die nach fieben, resp. achtstündiger Arbeitszeit die Grube verlassen, in allen Zechen des Ruhrgebietes fonsequent durchführen. Auf einer Anzahl von Zechen ist mit dem Streit geantwortet worden. Bielfach merden auch die Notstandsarbeiten verweigert, und zwar auf den Zechen Consul I, II, III, IV, Dahlburg, Rhein- Elbe und Alma. * Eine von der Union der Hand- und Kopfarbeiter und von der Kommunistischen Partei einberufene Konferenz der Betriebsräte des Ruhrbergbaues nahm eine Entschließung an, deren Hauptsah lautet: „ Die Konferenz beschließt, ab Mittwoch, den 7. Mai, den Streif der Transportarbeiter der Metallindustrie. Es In einer überfüllten Bersammlung nahmen gestern abend die Transportarbeiter der Metallindustrie Stellung zum Ergebnis der bisher gepflogenen Berhandlungen wegen Abschluß eines neuen Rahmentarifs. Gauleiter romte führte dazu aus: Nach dem der Berband Berliner Metallindustrieller den Rahmenvertrag Ende vorigen Jahres gekündigt hatte, tamen erft Anfang April d. J. Berhandlungen zustande, bei denen feltsamerweise die Unternehmer: vertreter die Arbeitervertreter nach ihren Wünschen fragten. wurde den BBM- Bertretern aber bedeutet, daß mit der Ründigung auch Beränderungsabfichten verbunden fein müßten, fonft hätte Sie Kündigung feinen Sinn. Es tam schließlich dahin, daß die Arbeit geber Berschlechterungsanträge formulierten, die in der Hauptsache die Arbeitszeit und den Urlaub betrafen. Gleich. zeitig machte Herr v. Borfig auch Borschläge zu einer Menderung Der tariflich festgelegten Schlichtungsinstanzen, die dahin gingen, daß ber Schlichtungsausschuß ausgeschaltet werden follte und an feine Stelle eine aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu fammengefeßte Instanz treten follte. Das Metallfartell lehnte biese Borschläge der Unternehmer ab. Als Ergebnis späterer Ver handlungen fam dann eine Formulierung der Arbeitszeitbestimmun gen zustande, die im wesentlichen den Abmachungen nach der Banuar- Aussperrung in der Metallindustrie entspricht und den Unternehmern das Recht gibt, nach den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Betriebes und nach Anhörung des Betriebsrats ueberarbeits. zeit anzuordnen. Ein Ueberstundenzufchlag follte erft von der elften Stunde an gezahlt werden. Beim Urlaub follte eine Berlängerung der Karenzzeit eintreten. Diese Borschläge find aber inzwischen von den Obleuten der Transportarbeiter ab. gelehnt worden und auch die Vertreter der anderen Berufe im Metallfartell konnten ihre Zustimmung dazu nicht geben. Als den Unternehmern dies mitgeteilt wurde, waren fie recht ungehalten, da fie, nach ihren Angaben, geglaubt hatten, bereits ein fertiges Abtommen vor sich zu haben. Dem energischen Vorgehen des Kartells gelang es dann schließlich, die Verlängerung des alten Rahmentarijs bis zum 1. Juni zu erreichen. Bezüglich der Lohnverhandlungen fonnte Fromte folgendes mitteilen: Gewerberat Körner hatte in einem Schreiben die Barteien um eine Erklärung gebeten, ob sie geneigt feien, zweds Abschluß eines neuen Lohnabkommens in Berhandlungen zu treten. Das Metallfartell vertrat die Auffaffung, daß von gemeinsamen Berhandlungen so lange feine Rede sein könne, so lange die Unternehmer auf dem Standpunkt stehen, nicht nur teine Lohnerhöhungen gewähren zu können, sondern im Gegenteil einen Abbau vornehmen zu müssen. Bezeichnenderweise erfolgte nunmehr eine amt. liche Vorladung vor den Schlichtungsausschuß, wobei Gewerberat Körner als Grund für seine Bemühungen angab, daß bei der gegenwärtigen tariflofen Zeit nicht weniger als 80 Klagen beim Schlichtungsausschuß anhängig gemacht sind, deren Erledigung eine glatte Unmöglichkeit ist. Auch hier vertraten die Arbeitervertreter wieber ihren alten Standpunkt, so daß der Borfigende in SonderBeginn der Aussperrungen. 1 Verbotene Eigenmächtigkeit gegen verbotene Schriften. Die Direktion der Siemens Echudertmerke war der Meinung, daß in ihren Betriebsräumen in Charlottenburg eine 8entraistelle zur Verbreitung fommunistischer Schrif den bestehe. Die Direktion ließ deshalb eine Revision der gefamten Bergarbeiter. Ferner wurde ein Antrag angenommen, ertzeugschränke der Arbeiter vornehmen. Der Vorsitzende des Arbeiterrats, ein Kommunist, war an dem betreffenden Tage fämtliche Rotstandsarbeiten einzustellen. nicht im Betriebe anwesend. Sein Schrant fowie fein vera schlossener Tischkasten wurden geöffnet und in dem fegteren eine Menge tommunisticher Drudschriften gefunden, die damals unter der Herrschaft des militärischen Ausnahmezustandes verboten maren. Diese Drucksachen überwies die Direktion der Polizei. Der von dieser Maßnahme betroffene Arbeiterratsoorsigende erstattete nun seinerseits bei der Polizei Anzeige gegen die Direktion, weil sie seinen Rasten erbrochen und fich fein Eigentum angeeignet habe. Er soll diese Handlung der Direktion als glatten Dieb ft a h 1" bezeichnet haten und wurde deshalb wegen grober Beleidigung feines Arbeitgebers fristlos entlassen. Bon den Aussperrungen im Bergrevier Hamm find bisher die Belegschaften der Zechen de Wendel, Radbod, Sachsen und Westfalen betroffen. Da die Stadt Hamm von der Zeche Radbod das Gas bezieht, so tamn infolge der Stillegung dieser Zeche die Stadt Hamm cb Mittwoch früh fein Gas mehr liefern. Die Gasversorgung wird daher vorerst ganz eingestellt. Da auch auf den meisten Bechen in Gelsenkirchen und Herne die Belegschaften nach 7 Stunden ausgefahren find, find auch hier AusSperrungen vorgenommen worden. Auf den teilweise ausgesperrten Bechen haben die Arbeiter ihrerseits mit dem Streit geantwortet und zum Teil auch die Notstandsarbeiten verweigert, so auf den Zechen Konful I- IV, Ama, Rheinelbe und Dahlbusch. * Düsseldorf. Seit heute früh 6 Uhr liegen alle Zechen im rheinisch- westfälischen Industriegebiet still. Die Bechenbefizer haben die Belegschaften ausgesperrt, weil sie am fiebenstündigen Arbeitstage festhalten. Heute mittag hat eine Abordnung der Bergarbeiter den Stellvertreter des Degoutte aufgesucht. Die Lage ist sehr gespannt. Die radikalen Perteien und die Separatisten affistieren start. Stellungnahme der Besatzungsbehörden. Der Entlassene flagte beim Gewerbegericht mit dem Antrage, feine fristlose Ertlassung als unrechtmäßig zu erklären.- Das Gericht erkannte tiefem Antrage gemäß und führte in der Urteilsbegründung aus: Der Besitz von verbotenen Schriften berechtigt nicht ohne weiteres zur fristlosen Entlassung. Es sei nicht erwiesen, daß der Kläger die Schriften verkauft coer verbreitet hate oder daß er versucht habe, andere Arbeiter zu gesetzwidrigen Handlungen zu ver leiben. Die Direktion sei nicht berechtigt gewesen, die dem Kläger gehörenden Drucksachen an sich zu nehmen. Indem sie dies tat, habe sie sich der verbotenen Eigenmacht im Sinne des§ 858 BGB. schuldig gemacht. Wenn der Kläger deswegen Anzeige bei der Polizei erstattete, so habe er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Mindestens sei nicht nachgewiefen, daß er den Zined verfolgt habe, feinen Arbeitgeber zu beleidigen. Lohukonflikt in den Bau- und Geldschrankschlossereien. Aus Amsterdam wird gemeldet: Wie der Ruhrgebietsver treber von het Bolt" von zuverlässiger Seite erfahren haben will, werden die Besaßungsbehörden in jedem Falle bei einer eventuellen Stillegung des Ruhrbergbaues infolge eines Generalstreits der Bergarbeiter ober einer Generalaussperrung der Unternehmer Maßnahmen für die ftritte Durchführung der Ruhr tohlenreparationslieferungen treffen, evtl. Durch Beschlagnahme von Rohlen- und Rofsvorräten oder durch lebernahme weiterer Zechen die Ausführung der Kohlenpflichtfieferungen ficherstellen. Ebenso fei die Ausführung der Rohlenpflichtfieferumgen ficherstellen. Ebenso sei damit zu rechnen, daß die Besatzungsbehörde bei prinzipieller Abrief daraufhin den Schlichtungsausschuß an, der in einem Spru lehnung in den Konflikt zwischen den Unternehmern und Berg arbeitern eingreifen, Ruhe und Sicherheit aufrechterhalten und Sabotageafie verhindern würde. Aussperrung der fächsischen Bergarbeiter. Dresden, 6. Mai,( Eigener Drahtbericht.) In fämtlichen Betrieben des fächfifchen Bergbaues wurde am Montag durch Anfchlag bekannt gemacht, daß sich alle Arbeiter bei weiterer Weigerung, die durch den Schiedsspruch bestimmten Schichten zu berfahren, als entlaffen zu betrachten baben. Die Bergarbeiter fügten sich diesem Diftat nicht. Daraufhin ist am Dienstag in allen Betrieben mit Ausnahme der staatlichen Steinfohlenbergwerfe in 8 auterobe- die Gesamtausiper rung erfolgt. Die Notstandsarbeiten werden zunächst in der Hauptsache von den Wertbeamten berrichtet. Bufage zur Berhandlungsbereitschaft erhielt, wobei sie allerdings die Bedingung stellten, daß der eventuelle Spruch des Schiedsgerichts nicht für verbindlich erklärt werden dürfe. Nachdem so die Arbeitgeber indireft zugegeben hatten, daß ihnen bas betriebsweise Borgehen der Arbeiterschaft in der tariflosen Zeit einigermaßen unangenehm ift, stimmten auch die Vertreter des Metallfartells unter den gleichen Bedingungen den Verhandlungen zu. Fromte erklärte am Schluß seiner Ausführungen, daß es nunmehr an den Unternehmern liegen werde, wieweit sie den Transportarbeitern der Metallindustrie, deren Löhne kaum die Hälfte der Löhne anderer Transportarbeitergruppen betragen, entgegen tommen wollen. Wie ernst es den Transportarbeitern mit der Er ringung höherer Löhne ist, beweisen die Arbeitseinstellungen der leg ten Zeit in den größten Betrieben. Die Versammlung lehnte nach eingehender Aussprache die beabsichtigten Verschlechterungen für den Manteltarif gleichfalls ab und beauftragte die Berhandlungskommiffion, bei den heute stattfindenden Berhandlungen mit aller Energie eine angemessene Erhöhung der Transportarbeiterlöhne durchzusetzen. Zum Streit im Stuck und Gipsban. Die feit dem 1. April im Streif stehenden Stuckateure und Gipsbaufacharbeiter hielten am 6. Mai ihre Streifversammlung der sechsten Woche ab. Bon Anfang des Streißs an war zu erkennen, baß der aufgezwungene Rampf nicht leicht sein würde. Die große Bedeutung der fünf Hauptpunkte des Tarifvertrages, auf deren Rückwärtsrevidierung die Unternehmer bestanden, veranlaßte die gefamte Fachgruppe zu ihrer einmütigen Stellungnahme. 10 Die Arbeitgeber der Bau-, Geldschrank- und Möbelschlossereien hatten, wie wir bereits berichteten, alle Lohnaufbesserungen für die in ihren Betrieben Beschäftigten abgelehnt. Die Branchenleitung die Löhne um 4 bis 6 Bf. erhöhte. De die Arbeitgeber es zum offenen Konflikt treiben wollen, lehrten fie auch diesen Spruch ab. Eine Branchenversammlung der Schlosser nahm gestern zu der Situation Stelling. Der Schiedsspruch wurde angenommen und die Branchenleitung beauftragt, seine Berbindlichkeitserklärung zu beantragen. Die Werftarbeiter lehnen den Schiedsspruch ab. Die Hamburger Werftarbeiterschaft hat mit großer Mehrheit in geheimer Abstimmung den Schiedsspruch vom 1. Mai abgelehnt, Auch die Werftarbeiter von fo daß der Kampf weitergeht. Bremerhaven und Flensburg haben beschlossen, den Spruch abzulehnen. Bei der Urabstimmung auf den Kieler Werften wurde ber Hamburger Schiedsspruch mit 90 Proz. der abgegebenen Stimmen abgelehnt. Achtung, Zimmerer und Bauarbeifer! Alle Zimmerarbeiteit, welche gegenwärtig im Lunapart- halenfee durch Tischler und außerdem von drei Zimmerein, die von Friedrichsthal bei Oraniens burg tommen, ausgeführt werden, sind als Streifbrecher arbeiten anzusehen. Die Baustelle Lunapark ist geiperrt. Der Vorstand. Die Aussperrung im Kieler Marinearjenal ist beendet. Nachdem die Marineleitung sich bereit erklärt hat, für ihre Belegschaft einen besonderen von den Seeschiffswerften unabhängigen Tarifvertrag mit den in Frage tommenden Organisationen abzuschließen, wurde die Arbeit am 5. Mai wieder aufgenommen. In der nordwestlichen Gruppe der Metallindustrie steht die 2 beiterschaft schon seit einiger Zeit in Verhandlungen über Lohn erhöhungen. Am Donnerstag dieser Woche soll in dieser Frage der Reichskommissar einen Schiedsspruch fällen. In einzelnen Betrieben hat am Sonnabend ein Teil der Arbeiterschaft die Arbeit niedergelegt. Deutscher Solzarbeiterverband. Bertrauensmännerversammlung morgen, Donnerstag, 6½ Uhr, in den Andreasfälen. Andreasstr. 21. Sattler, Tapezierer- und Bortefeuiller- Verbaub. Morgen, Donnerstag, abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus Quartalsgeneralversammlung. Bericht vom 1. Quartal 1924. Eintritt nur gegen Legitimation. Berantwortlich für Politik: Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lotales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruderei Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. und Berlagsanftalt Paul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. Du brauchst bei Regenwetter Der bereits im Jahre 1912 von den Studateuren in neun Streitwochen erfämpfte Achtstundentag soll beseitigt werden. Der Arbeitsnachweis foll wieder als nur im Notfall benut bar geändert werden. Die Affordarbeit soll bei willkürlichster Preisfestsetzung zum Konkurrenzgebilde unter den Arbeitnehmern eingeführt werden. Die als notwendige soziale Einrichtung gefchaffenen Ferien sollen restlos beseitigt werden. Die Lehrlinsausbildung und bezahlung, die als wichtige Angelegenheit aller Berufsangehörigen im Tarif geregelt ist, soll der willkürlichsten Ausbeutungsmöglichkeit des Unternehmers preisge geben werden. Die Löhne follen allgemein herabgesetzt werden. Und so foll faft der gesamte Tarifvertrag verschlechtert werden. Bon verschiedenen Firmen liegen Schreiben und Anfragen vor, monach dieselben bereit sind, die vom Baugewertsbund gestellten Forderungen anzuerkennen und um Arbeitsaufnahme ersuchen. Die Bersammelten enblicken jedoch hierin nur die Absicht, bestimmte notwendige Arbeiten fertigstellen zu laffet, worauf die Unterschriften zurüdgezogen würden. Die Streifenden zeigten sich noch von demselben Geifte befealt, wie am Anfang der Bewegung. Ihre Barole lautet: Riesen Auswahl! Durchhalten" bis zum endgültigen Siege. Former und Gießerei- Hilfsarbeiter! Jeder 8uzug nac A.G. 85 MK Damen- Strümpfe Ia Seidenflor Schwarz u. farbig Herren- Socken Baumwolle schwarz 85 GebrGrumach Mef- Stoffe Königstr. Ecke Spandauerstr. durch Güte und Preiswürdigkeit seit Jahren bekannt Herren- Gabardine! M. 9.80, 12.80, 13.20, 14.60, 15.60, 16.95, 17.80, 18.50 bis 19.80 Modernste Musterungen! Ia Qualitäten! Alle Neuheiten in Damenstoffen, reichste Auswahl, reine Wolle Mk. 5.90 an verhandlungen mit den Parteien von den Unternehmern die übed ist infolge dort bestehender Differenzen fernzuhalten Tuchhaus M. E. Freitag, Molenmarkt 14 Im Paddelboot wirst frisch und frok rauchst Du DOTA RADIO DOTA DIE 2 PFG ZIGARETTE DER BEHAGLICHKEIT WIND MULLER 24. Hr. 212+ 41.Jahrgang 261. 1. Beilage des Vorwärts Die Parteien zum Stadthaushaltplan. Woher sind die Mittel zu nehmen wer soll die Lasten tragen? In der Berliner Stadtverordnetenversammlung| millionenstadt hat ohne diese Beamten auszukommen. Eine folche begann gestern die allgemeine Debatte über den Stadthaus Politif bes Sparens an der Boltsgesundheit, an den fulturellen Behaltplan für 1924. Nur die vier größeren Parteien tamen dürfnissen der breiben Massen ist ein Verbrechen; es offenbart fich bisher zum Wort, und zwar in der durch ihre Stärte gegebenen barin der Reihenfolge: Sozialdemokraten, Deutschnationale, Deutsche Bolkspartet, Kommunisten. In der Beurteilung der Finanziage teilten die Redner im wesentlichen die Auffassung des Kämmerers, der in der vorigen Eizung erklärt hatte, daß man noch nicht von dem Anfang einer Besserung, sondern nur erst von einer Atempause reden dürfe. Einig war man auch darin, daß zu einer Gesundung eine wirksame Steigerung der Einnahmen nötig ist. Aber darüber, wer die 2aften tragen soll, gehen die Meinungen fehr auseinander. Von dieser Frage wird, wie der sozialdemokra. tische Redner, Genoffe Dr. Lohmann, ausführte, die Entscheidung über den Haushaltplan abhängen. Er erklärte, daß die fozial demokratische Fraktion an der Seite der wirt. schaftlich Schwachen stehen wird. Sie werde nicht dulden, daß zugunsten der Großverdiener die Lasten der Arbeiter gesteigert werden. Herr von Ennern, der für die Deutsche Bolkspartei fprach, erlaubte fich in seinen Bemerkungen über den Magiftra's. abbau einen taftlofen Ausfall gegen Stadtschulrat Paulsen. Mit der notwendigen Schärfe wies unser Genoffe Paulsen ihn zurüd. Die gestrige außerordentliche Sigung begann um 6% Uhr. Nach dem Uebereinkommen im Aeltestenausschuß follte sie lediglich der ersten Lesung des Stadthaushalts für 1924 gewidmet sein. Jedem Rebner sind 45 Minuten Redezeit zugebilligt. Dem Wunsche einer Fraktion, einen zweiten Etatredner vorzuschicken, soll entsprochen werden. Den Reigen eröffnete Gen. Dr. Lohmann: Bor uns liegt, so führte er aus, der erste Etat, der wieder auf wertbeständiger Basis aufgestellt ist. Noch der vorige Haus haltsplan scheiterte zunächst an dieser Frage der Wertbeständigkeit, und da waren es gerade biefelben bürgerlichen Bar teien, die jetzt das Verdienst der Stabilisierung der Währung für fich in Anspruch nehmen, die von der Wertbeständigteit der Steuern nichts wiffen wollben, die eine wertbeständige Besteuerung des Besizes zu vergintern wußten. Ber wird jebt die Lasten unserer städtischen Wirtschaft tragen? An der Beantwortung dieser Frage hängt die Entscheidung über den Etat. Den bürger. lichen Reichsregierungen des letzten Jahres muß man das Verdienst laffen, daß sie sehr großes finnlose Haß gegen den sozialistischen Magistrat. Zur Binderung der Not im letzten Jahre hat die Stadt ihre Schuldigkeit getan; menn Berlin über die Wirtschaftskrise hinwegtommen fonnte, so ist das nicht zuletzt auch das Berdienst der fozial. demokratischen Partei. Die Not ist aber immer noch groß genug; die Kämmerei muß neue Mittet beschaffen, u. a. für die Erwerbs. lofenfürsorge und für die Behebung der Wohnungsnot. Hier werden ja bie Interessenten des Hausbefizes der neuen Wohnungs. fürsorgegesellschaft allerlei Knüppel zwischen die Beine werfen; auch hier stehen die Deutschnationalen im Bordergrunde, wie sie in ihrem Bestreben, die Wohlfahrtseinrichtungen abzubauen, auch zur Schließung der Beamtenwohnhäuser bereit waren! Wir haben folcher Ratastrophenpolitik den entschiedensten Widerstand entgegengesetzt. Die kommunalen Wohlfahrtseinrichtungen mifen aud in Zeiten schwerster Not aufrechterhalten werden. Die Wohlfahrtspflege und insbesondere die Jugendpflege muß unmer mehr von der Allgemeinheit getragen unb fontrolliert werden, sie darf nicht mehr in der Hauptsache Privaten überlassen bleiben. Das gilt auch von der Schulpolibit. Hier haben sich leider die Mittelparteien oon der Reattion ins Schepptau nehmen assen; in seiner verunglückten diesjährigen Vorsteheramts- Antrittsrede hat Dr. Calpari in diesem Punkt buchstäblich aus der Schule geplaudert". Bloß um den sozialistischen Einschlag des Berliner Schul wesens zu beseitigen, haben sie der vorwärtsdrängenden Schulpolitik eine fleinliche Politit der Bremstöße entgegengestellt, haben sie überjüssige Privatschulen mit stödtischen Geldern verschwenderisch unterstützt, haben sie die Aufteilung des Berliner Schulwesens aus parteipolitischen Gründen verhindert, haben sie schließlich mit dem Abbau des Stadijchulratspostens eine antifoziale Kulturpolitit getrieben, die auch vor den abenteuerlichsten Konsequenzen nicht zurückschreckt. Auch die Berufsschule droht den Privatintereffen ge wisser Gewerbezweige geopfert zu werden. Berlin hat bisher in allzu großem Bertrauen eine Finanzpolitit von der Hand in den Munb getrieben; sie war so bei den Anleihen eine Politik der ver paßten Möglichkeiten, fie hat aber auch politische Möglichkeiten per paßt. Die Kommunisten haben in der Bekämpfung der sozialistischen Arbeit ihre vornehmste Aufgabe erblickt. Wir haben oft auf die Plan- und Systemiofigkeit in den Arbeiten der Verwaltung auf merkjam gemacht, aber der Magistrat ließ jebe prat. tife politische Führung vermiffen. Und dazu gefellte fich ein erschreckender Mangel an politischer Klugheit und program inatischer Sicherheit bei den Mittelparteien. Mit einer Bolitit der nicht zu verwalten. Einer offenen oder versteckten Politik des Bürgerblods, die ja oft versucht worden ist und noch öfter Schiffbruch gelitten hat, werden wir nicht die Steigbügel halten, sondern ihr jedenfalls den äußersten Widerstand entgegensetzen. Städtische Werte Talent im Erfinden unsozialer Steuern besessen haben( sehr gut! links). So haben sie uns u. a. die famofe Mietsteuer beschert, obgleich jedermann weiß, wie schwer gewechfeinden Mehrheiten ist eine Weltstadt we Berlin auf die Dauer rade die feinen Einkommen belastet sind, wie die Lebenshaltung der treiten Massen bis unter die Grenze des Erträglichen herabgebrüdt ist. Der Rampf um die Steuern wird sich ja diesmal wieder. holen; wir werben da wie früher auf der Seite der wirb schaftlich Schmachen stehen. Bor einem Jahr stand die Etatberatung im Zeichen der Frage Groß- Berlin; mif Genugtuung ift feststzustellen, daß sie start in den Hintergrund getreten ist. Bir find van feber für eine vernünftige Dezentralisation und für eine Dezentralisation der Bernunft eingetreten, num endlich geht man diesen Weg auch im Etat, indem man statt der von den Bürgerlichen angestrebten Gefeßesmacherei eine vernünftige, fach gemäße Arbeitsverteilung vorsicht, die dann auch eine Berminberung Der Arbeit in allen Berwaltungszweigen und damit eine Berein fachung des Verwaltungsapparats, einen Abbau" ermöglicht. Frei lich hätte eine mehr vorausschauende Politik im Reich wie in den Kommunen uns vor dem jetzigen sind für uns feine Wohlfahrtseinrichtungen, aber auch leine Profit betriebe um jeden Breis. Für uns liegt der Wert fommunaler Be triebe in der Möglichkeit, Rentabilität und soziales Berant. wortungsgefühl gegenüber der Arbeiterschaft wie den Berbrauchern bzw. Abnehmern zu vereinigen. Darum haben wir gegen die Arbeiterpoliti? der Berliner Straßenbahn. birektion mit allen Kräften angefämpft, darum wehren wir uns gegen eine übertriebene Ueberschußwirtschaft der Werke, die feine Rüdsicht auf die Leistungsfähigkeit der ärmeren Bevölkerung nimmt. Wir treten ein für einen planmäßigen überstürzten Abbau mit seinen Härten und Rücksichtslosigkeiten Ausbau der gemeinwirtschaftlichen Betriebe. Die Kommunalbetriebe bewahrt. Das Musterstück dessen, was die bürgerlichen Kommunals follen in je der Beziehung Musterbetriebe sein. Herr Koch von politiker dieses Hauses unter Abbau verstehen, ist der Magistrats. ganz rechts und Herr Dörr von ganz links haben gemeinsam pro abbaul Lediglich um den sozialistischen Einfluß einzubämmen, hat phezeit, daß bei den Wahlen die Sozialdemokratie in Berlin„ wegman die wichtigsten Boften, wie den Stadtmedizinalrat und den gefegt". liquidiert" werden würde. Einstweilen hat es mit dem Stadtfchulrat zu streichen befaloffen; hier hatten felbst einfichtige Quiquidieren noch gute Bege. Geschichtliche Notwendig. Mitglieder der Mittelparteien starte Bedenten, aber die Deutsch- teiten laffen sich so leicht und schnell nicht wegfegen. Und eine tationalen bestanden auf ihrem Schein: die Verwaltung einer Vier- geschichtliche Notwendigkeit ist es, daß wir 11] Die Flüchtlinge. Roman von Johannes Cinnanfosti. Niemand sprach, sogar Restitalo schien bewegt. Wortlos fchritten sie langsam auf die Ebene hinab. Uutela fonnte fich nicht ableugnen, daß ihm weh zumute ward. Er wußte selber nicht, was er eigentlich wünschtees war nur während des langen schweigenden hinschauens entstanden, das die Zäune, die Beete und Gräben, die Bäume, Steine und Scheunen, die Cehöste mit den rauchenden Schorn steinen oder den leise qualmenden Korndarren, das Leben des ganzen Dorfes umfaßt hatte. Und als er nun, ganz hinten geblieben, die in einem ziemlich langen Zug den Hügel hinabziehenden Schafe und Kühe mit ihren Treibern, den Wagen mit seinen Insassen und dem nachlaufenden Bjerde sah, da tommte er nicht mehr gegen das Gefühl des Augenblics antämpfen. " Dies ist doch merkwürdig," sagte er, zu den anderen fommend, mit bebender Stimme. Wie wenn man Abraham und Lot wäre und ins Land Ranaan wanderte." 1 Keskitalos Mundwinkel verzogen sich zu einem ver gnügten Lächeln, weil Uutela einmal einen biblischen Bergleich gebrauchte. Er wandte sich zu ihm: Und beiden ging es wohl und ihrem Volfe auch Männer und Gebrüder waren untereinander!" wie sie Uutela schwebte ein beißendes Wort auf der Bunge wegen dieses Abschlusses und des fromm füßlichen Tones, in dem er ausgesprochen wurde. Aber sein eigenes Gefühl war so wahr und feierlich, daß er seinen erger hinunterschluckte und nichts erwiderte. Restitalo dagegen redete um so mehr. Er begann breit davon zu erzählen, von welcher Art Savolax war und wie es dort aussah. " Du flunkerst!" dachte Uutela ärgerlich. Ich habe nichts bergleichen gesehen. Obwohl: ich weiß, worauf bu hinaus. willft!" www Auch die anderen hörten faum noch mit halbem Ohre es hatte sie dasselbe Gefühl erfaßt wie Uutela. Seht mal, was für eine prächtige Saat!" In Arvola ist eine neue Glaslaube gebaut worden! Haben fie dort im Sommer Blumen?" Ausrufe und Gebanten freuzten ein ander. Alles war so schön und lieb, daß es nirgends feinesgleichen gab. Am Lore eines nach links abbiegenden Baunweges muchs eine große Fichte, die als Gatterpfosten diente. " Halt mal einen Augenblick!" rief der älteste Sohn, das Leitfeil des Ochsen Hanna zuwerfend. Er selbst eilte zu der Fichte und schlang jungenhaft ausgelassen seine beiden Arme barum.- Die Hände erreichten sich nicht. Romm mal, Ralle!" rief er seinem Bruder zu. Ob wir's wenigstens zu zweien fertigbringen?" Der jüngere Bruder tam erfreut herbeigelaufen. Er brauchte jedoch nicht soviel, um den Baum zu umspannen. Aber sie maßen immer weiter, wie wenn sie die alte schrundige Fichte heimlich umarmten- während die anderen lächelnd zusahen. " Solche Kerle wachsen nicht überall!" rühmte Vihtori. " Nein, so eine Fichte am Gatter ist doch was Prächtiges!" " Hinter dem Pferdestall von Arvola steht genau so eine!" rief Hanna, mit der Hand dorthin deutend. Und dort seht ihr? Es gibt doch prächtige Fichten in Tavastland!" Die mußhe man jetzt alle verlassen. Und dahinten dämmerte, durch Uutelas Vergleich emporgehoben, der geheimnisvoll lastende, schicksalsschwangere Hintergrund der Reise. Nur von den Männern Gottes, von Königen und Helden hatten sie gelesen, daß fie folche Pfade wanderten, nie von bäuerlichen Menschen und nicht wegen folcher Dinge. Sie wanderten sie jetzt.. Uutela blieb stehen, hob die Hand über die Augen und blickte darunter hervor, wie wenn er nicht geglaubt hätte, was er jah. 2n dem auf die Landstraße mündenden Seitenweg stand eine ältere Frau. Gleh mal an, Karoliina!" rief Restitalo aus. Und so weit her!" Man muß doch wenigstens Lebewohl fagen," entgegnete Karoliina in ihrer gutmütigen Art, die Vorbeiwandernden mit der Hand begrüßend. Die Geschwister blieben hinter den anderen zuüd. ,, Es ist soviel zu tun gewefen," fagte Uutela, wie um Ber. zeihung bittend, daß er nicht zum Abschiednehmen gefommen mar, sondern daß sich die Schwester hatte aufmachen müssen. Mittwoch, 7. Mai 1924 aus dem Chaos der Nachkriegswirtschaft durch planmäßigen Aufbau und Ausbau herauskommen, durch eine gerechtere Berteilung der Lasten, Pflichten und Rechte. Dieser unser Klaffentampf in des Wortes tiefer ge=. schichtlicher und sittlicher Bedeutung muß auch in der fommunalen Politik geführt werden und wird zum Siege führen troß allebem und allebem!( Lebhafter Beifall.) beiden Rechtsparteien, Dr. Steiniger( Dnail.) und v. Eynern Nach unferem Genossen sprachen zunächst die Vertreter der ( D. Bp.). Beide legten fich in ihren Ausführungen zum Etat starte Beschränkung auf und konnten auch nicht anders, da ja bisher der Etat felbst noch gar nicht vorliegt, die Kritik vielmehr nur an der Etatsrede des Kämmerers anzusehen vermag. Dr. Steiniger richtete einen Appell zu gemeinsamer Arbeit an die Parteien. Herr v. Eynern schloß sich dem erwähnten Appell an, tritifierte u. a. die" Syftemfosigkeit" der Verwaltung in der Wohlfahrtspflege, gefiel fich aber daneben in ungemein schroffen Ausfällen gegen den Stadtschulrat Paulfen, dem er die Eignung und die Reife für sein Amt, für das er auch dem er die Eignung und die Reife für sein Amt, für das er auch nicht die einfachsten Borbedingungen mitbringe, vollständig absprach. Stadtschulrat Baulfen legte gegen dieses beispiellofe Borgehen, gegen eine solche Beleidigung eines Magistratsmitgliedes Protest Urteil über feine Arbeit und über seine Leistungen in diesen brei ein; diefe Beleidigungen erreichten ihn nicht, das Urteil über seine Arbeit und über seine Leistungen in diesen brei Jahren überlasse er den Sachverständigen, die ihm maßgebender feien, als Ser.net. Schwend lehnte für die Kommunisten die unsoziale und unfinnige" Politit des Magistrats ab. Er wandte sich auch gegen ben plumpen Polizeigeist", mit dem man gegen die sowjetrussische Handelsvertretung vorgegangen sei. Dann vertagte man die Fortfegung der ersten Etatslefung auf Donnerstag. Herr v. Eynern erflärte in persönlicher Bemerkung gegen Bauffen, er habe mit seiner Kritit lediglich von seinem Rechte Gebrauch gemacht. Lokalrummel. ,, Erstens tommt es anders, zweitens als man denkt!" Schade, schade, daß unser liebes, gutes, altes Lokalblättchen niemanden, feinen guten, treuen, wohlmeinenden Freund hatte, der ihm dieses klassische Sätzchen in die Ohräpfel flüsterte! Also: das Lokalblättchen hatte für die Nacht nach den Wahlen den Berliner Rundfunksender gemietet. 3wed dieser Beschlagnahmung aber war gewesen, dem„ deutschen Bolle" die( pofitiv und feft erwarteten) Riefenerfolge der Deutschnationalen oder wenigstens die Riesenpleite der neunmal verfluchten„ Roten" als Wahlresultate per Rundfunt bekanntzugeben. Natürlich, natürlich, selbstredend mit entsprechender Pausenausfüllung durch durchaus zeitgemäße, den einerfettigen Riesenerfolgen und der anderseitigen Riefenpleite angepaste Bläsermusit, besser gesagt Militärmusit. Man hatte sich die Sache so fchön gedacht: zwischen der„ Wacht am Rhein und dem ,, Fridericus Reg" ein faftiges Resultat, sagen wir: Deutschoölkisch 25 Prozent, Deutschnational 25 Prozent, Deutsche Volkspartei 25 Prozent, das Kleinzeug( na, gutwillig) 20 Prozent und die„ Roten" die Bombenpleite von 5 Prozent! Die Wacht am Rhein", der Fridericus", Militärmärsche, dazwischen natürlich( bis zwei Uhr nachts ist's fange und man fann nicht immer patriotisch sein, man muß auch dazwischen mal erotisch sein!) ein paar fefche Operettenschlager, ein paar Dernier- cri- Melodien, Potpourries waren zu haben; was leider nicht für das Lotalblättchen zu haben war, war die Pleite der Roten und der Steg der deutschen Volkspartei! Woraus das Lofalblättchen ent nehmen Bann, baß man zwar Rundfuntfender und Militärmulit prompt bestellen fann, nicht aber Wahlrefultate, Siege und Pleiten! Was aber wird man in Paris, in London, sonst im Ausland, wo man in Heimen und Zeitungen spannend auf die Resultate gewartet hat, gefagt und gedacht haben, als man die Resultate vernahm ausgerechnet mit Klängen, die weniger friedlich als die Resultate selbst flangen! Wird man das drüben eine Demonstration nennen, ein Omen, eine Tatsache, die man berücksichtigen müsse? Hoffen wir nicht: sonst könnte dieser dumme Lugus des Spießerblättchens uns vielleicht noch manches zu denken geben. fo Mer aber hier am Rundfunk faß, bedauert die Kapelle, die sich weiß Gott! so Gutes leistete, daß gebrauchen ließ und die man fie gerne häufig im Rundfunt hören möchte. Darauf folgte ein langes Schweigen. Jah hätte nicht geglaubt, daß es eine fo weite Reise für dich werden würde," sagte schließlich die Schwester. " Ich auch nicht." Dann gingen fie wieder in eigenen Gedanken vorwärts. Das Dorfgelände war zu Ende, sie waren einen fleinen bewaldeten Hügel hinangestiegen. Jeßt fehre ich um," fagte die Schwester. Sie hielt die Hand des Bruders in der ihren, beider Augen waren feucht. Nun Gott befohlen!" ,, Desgleichen!" Die Schwester hätte noch sagen wollen: ist dies das legte Mal, daß wir uns gesehen haben? Aber sie magte es nicht, sowohl ihret. als seinetwegen. Go trennten fie sich. „ Ich hab's ja ganz vergessen!" rief die Schwester zurückfehrend und ihrem Bruder fast heimlich ein fleines Bündel in die Hand gebend. Uutela fühlte, daß es dice. Wollstrümpfe waren. Er warf feiner Schwester einen dankbaren Blick zu und wandte sich eilig ab. Allein geblieben, wischte er sich mit dem Handrücken über bie Augen. Die anderen hatten schon einen großen Vorsprung gewonnen. Die Straße ging schnurgerade, auf beiden Seiten die weittragende Linie der Telephonstangen mit den wunderbaren Drähten. Das gab Uutela die Borstellung einer so unermeßlich weiten Reise, wie wenn er in die ferne Ewigkeit gewandert wäre. Er holte die anderen auf angebautem ebenen Gelände ein. Der Weg war schmußig geworden, die Radipuren hatten sich vertieft, die Tiere wateten bis zur Mitte der Beine im Schlamm. Raroliina läßt euch grüßen- ich bin weit zurückgeblieben," fagte Uutela, um etwas zu sprechen. " Dante schön." Die Rühe hatten Halt gemacht, um einen Augenblick zu verschnaufen. „ Das platscht ja bis hierher!" flagte Selfa weinerlich, während sie vom Schenkel einer Kuh einen Schmußfled mit ( Fortsehung folgt.) der Schürze abwischte, Attendiebstäble. Der angeflagte Beamte mangels Bewelse freigesprochen. Eine Attendiebstahlsaffäre beschäftigte das erweiterte Schöffen gericht Berlin- Mitte. Beim Fremdenamt und der Abteilung I A bes Berliner Polizeipräsidiums waren fortgesetzt Atten verschwunden, die Ausweisungsfälle betrafen. Durch Vertrauensleute hatte man erfahren, daß sich in einer Diele in der Nähe des Alexanderplatzes die Zentrale für derartige Verschiebungen befinde, und es wurde ein umfangreicher Beobachtungsdienst eingerichtet. Im Frühjahr 1923 hatte auch der Bädermeister Wolf Beigel Im Frühjahr 1923 hatte auch der Bäckermeister Wolf Beigel einen Ausweisungs befehl erhalten. Beigel hatte sich an den Kaufmann Emtner gewendet, der in dem Ruf stand, daß er durch feine Beziehungen derartige Sachen„ beilegen" tönne. Emtner gab auch an, daß er bei dem Polizeipräsidium Dolmetscher und Vertrauensmann sei und die Sachen machen tönne. Verabredetermaßen traf sich Beigel mit Eminer eines Tages in der Diele am Alexanderplay. Hier händigte er. Emtner einen erheblichen Betrag aus. In dem Augenblick aber, als Emtner ihm die Aften übergeben wollte, schritt die Kriminalpolizei ein und nahm die Berhaftung vor. Da Emtner die Akten nur mit Hilfe eines Beamten des Polizei präsidiums erhalten haben konnte, richtete fich der Berdacht gegen den Kriminalbetriebsassistenten D., der aufwartender Beamter bei zwei leitenden Beamten war. D. leugnete, mit der Sache etwas zu tun zu haben. Es wurde jedoch gegen ihn ebenso wie gegen Eminer Antlage erhoben, die fich auf eine Reihe von Indizien füßte. Zu fällig hatten zwei Kriminalbeamte D. eine halbe Stunde vor der Attenübergabe in der Dircksenstraße getroffen, als er nach Dienst schluß nochmals zum Polizeipräsidium ging. Außerdem hatte die Kriminalpolizei in Erfahrung gebracht, daß die Attenübergabe schon einen Tag vorher hätte erfolgen sollen, daß das aber verschoben werden mußte, weil die Frau des vermittelnden Beamten lebensgefährlich erfranft war und dieser fie pflegen mußte. Tatsächlich war die Ehefrau D.s am Tage vorher schwer trant geworden. Die Anflage lautete gegen D. auf Aftenunterbrüdung und Bestechung, gegen Eminer auf Anstiftung dazu sowie auf Bestechung. Der Staatsanwalt hatte Zuchthausstrafe beantragt. Die Berteidiger be. riefen sich auf die Aussage Emtners, baß ein anderer Von Tänzern und Sängern. Aus dem Reiche der Staatsoper. Bei dem Gedanken an Ballett und Ballettängerin schmunzelt ber biebere Bürger, und so etwas wie ein lüfterner Schauer ergreift ihn. Die Verständnislosigkeit gegenüber Schauspielern und Schau spielerinnen überhaupt ist trotz aller Aufklärungsarbeit und aller Aufklärungsversuche der Bühnengenossenschaft in der breiten Maffe Aufklärungsversuche der Bühnengenoffenschaft in der breiten Maffe noch immer sehr groß. Am allergrößten und allerschlimmsten aber ist die Verständnislosigkeit gegenüber dem Ballett, dem Leben und der Eristenz der Balletteuse und der Prima Ballerina. Der Spießbürger fieht im Geist, hört er etwas von Balletteuse, pralles Trikot über lodende, wunderschöne Körperformen, und das Waffer läuft ihm im Mund zusammen. Er weiß natürlich ganz genau, daß die Balletteuse das schlemmerhafteste und selbstverständlich unfittlichste Leben von der Welt führt. Abends ein paar Tatte Tanz auf der Bühne, dann Souper mit Seft und Orgien bis zum grauenden Morgen. Und er weiß, daß viele diefer Balletteusen die reichsten Heiraten machen und herrlich und in Freuden bis an ihr unfeliges Ende leben. Die Wirklichkeit ist, weiß Gott, wefentlich anders. Wie viel Fleiß, wieviel Energie von frühester Jugend an gehört dazu, bevor an ein erftes öffentliches Auftreten an hervorragender Bühne gedacht werden kann. Wieviel herbe Enttäuschungen, wieviel De mütigungen, wieviel getränkter Ehrgeiz müffen bei dieser Laufbahn in Rauf genommen werden. Wie ungünstig sind die Existenzmöglich feiten, mie niedrig die Einfünfte, und wie hart ist das Los der meisten im Alter! Und sie altern schneller, viel schneller als andere Frauen und Mädchen. Eine Ballettänzerin heißt alt schon in Jahren, die bei anderen weiblichen Personen noch zu den guten und günftigen gezählt werden. Bon diesen Dingen foll der nachstehende Artitel Kenntnis geben, Tatsachen weiß. Das Notbrot der Namenlosen. 84 Röpfe start. Infolge des Streits der Ballettänzer und Chorfänger wird sich auch diese Zahl noch verringern, da die leitenden Ballett fönne noch einen weiteren Abbau vertragen. Erwähnt soil Körperschaften in der Staatsoper auf dem Standpunti stehen, das hierbei noch werden, daß 1914 das Tanzpersonal nur für die Staatsoper arbeitete, während heute noch die Krolloper zu versorgen ist. Laut Anstellungsvertrag, der im Manteltarif enthalten ist, sollen beim Ballett vom 14. bis 16. Lebensjahre ein Drittel, Dom 16. bis 18. Lebensjahre zwei Dritte! des Gehaltes und nach dem 18. Lebensjahre das Bollgehalt eines Ballettänzers gezahlt werden. Diese tarifliche Festlegung ist von der Staatsoper nicht eingehalten worden. Jm Augenblid erhalten 14-16jährige 45 Mark und 16-18jährige 67,50 Mark Monatsgage. Daß diese Bezahlung als eine ausreichende anzusprechen ist, wird niemand behaupten fönnen, um so weniger, wenn man weiß, was dafür verlangt wird. Das gesamte Tanzpersonal ist zu täglichen Uebungen und Proben verpflichtet, wenngleich dies auch nicht jeden Tag der Fall ist. Oft uüffen die einzelnen Tanzgruppen dabei stundenlang warten, fie berhaupt an die Reihe kommen. Der Chorfänger. bevor Ein ebenfalls wichtiger Bestandteil der Oper, die Chorsänger, fangen verhältnismäßig fpät an, fich für ihren zufünftigen Beruf vor= zubereiten. Läßt sich doch erst im 19. Lebensjahr etwa der Wert der Stimune erfennen Die Ausbildung der Stimme geschieht zum größten Teil in den Staatlichen Chorschulen. Welche Leistungen von den Chorfängern gefordert werden, mag das Beispiel zeigen, daß von einem Sänger in feinem ersten Dienstjahr ein Repertoire von einzelt dastehen, denn es gehört immerhin eine besondere Fähigkeit nicht weniger als 40 Opern verlangt wurde. Dieser Fall mag verdazu, ein derartiges Repertoire zu beherrschen, zeigt aber doch, was im ersten Dienſtjahre Beamter fein Gehilfe gewesen sei, nicht der Mitangeklagte der nichts von der pergoldenden Phantasie, sondern nur von nadten geleistet werden muß. Erst nach dreijähriger Dienstzeit soll der und machten geltend, daß der Indizienbeweis nicht ausreiche, um einen Beamten, der 28 Jahre im Dienst sich einwand frei geführt habe, zu bestrafen. Nach längerer Beratung fprach das Gericht D. mangels ausreichender Beweise frei, während Emtner zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Panik beim Brande einer Elektrischen". Fünf Personen zu Schaden gekommen. Gestern mittag um 12 Uhr geriet der Straßenbahnwagen Nr. 5008 der Linie 69 vor dem Hause Landsberger Str. 57 infolge Kurzfluffes in Brand. Unter den Fahrgäften entstand eine ungebeure Panit, fie aertrümmerten die Glasscheiben des Bagens und gelangten auf diese Weise ins Freie. Dabei find fünf Personen zu Schaden gekommen. Der Kaufmann Josef Rofalt aus der kleiftstraße 14 trug eine Gehirnerschütterung und einen Beckenbruch, die Frau Gertrud Lindenberg aus Wandlitsee Brenzlauer Chauffee 88, einen Nerbenschod, die Frau Helene Schmidt aus der Friedenstr. 40 Berlegungen an der linlen Hanb, bie Frau Meta Schwän aus der Revaler Str. 16 eine Verftauchung der linken Hand davon. Eine fünfte Person, die befinnungslos aus bem brennenden Wagen gerettet werden mußte, ist nach dem Krankenhause am Friedrichshain geschafft worden. Die Feuerwehr Löschte den Brand in 20 Minuten. Hoffentlich führt der Borfall au einer eingehenden Untersuchung, aus der sich vielleicht doch ergibt, daß in Zukunft die dem öffentlichen Verkehr dienenden Gefährte auch ein Feuerlöschgerät bei fich führen müffen. Das Theater lehnt Haftpflicht ab! In einer Borstellung ber Bolfsbühne in der Strolloper hatte ein Besucher bei Abgabe der Garderobe in feinen Ueberzieher, wie es feit langem feine Gewohnheit war und wie er es auch oft genug in anderen Garderobenablagen getan hatte, feinen feidenen Schal feft in die innere Manteltasche gesteckt. Als er den Mantel wieder in Empfang nahm, war der Schai verschwunden. Sofort angebrachte Mitteilung war ergebnisios. Darauf wunde bei der Direktion Beschwerde erhoben unter Benennung des Wertes bes Gegenstandes. Die Generalverwaltung der Staatstheater teilte nun dem Betreffenden mit, daß Nachforschungen vergeblich waren und eine Berpflichtung zum Schadenersatz nicht anerkannt werden könne, da nach den Bestimmungen über die Garderobenzwangsversicherung der Tascheninhalt von ber Bersicherung bzw. haf tung ausgenommen werde. Das Verschwinden des Schals innerhalb des Bereichs der Garderobe steht nun aber außer Frage. Dennoch hat hiernach die Verwaltung offenbar ein Recht, den Ersatz abzulehnen. Das tann unter Umständen zu Ronsequenzen führen, die der Berwaltung eines Theaters nicht angenehm fein werden. Um sich unbedingt gegen jeden Berluft zu schüßen, werden die Besucher der Theater, wie es in vielen Rinos geschieht, dazu übergehen, mit Doller Garderobe in den Zuschauerraum zu gehen, wie es übrigens die Logenbesucher schon lange tun, die allerdings die Möglichteit haben, die Sachen abzulegen. Man sollte also die Haftpflicht dahin ermettern, baß ber Garderobenfrau bei Abgabe der Sachen mitgeteilt wird, was fidy darin befindet. Die Garderobengebühren sind heute in den meisten Theatern derart hoch, daß der Besucher verlangen fann, daß seine Sachen voll versichert werden. Oder man muß ihm gestatten, auch mit Ueberziehern und Mänteln den Zuschauerraum zu betreten. Die Benutzung der Jugendherbergen ist durch Beschluß des 6. Deutschen Jugendherbergetages in Spangenberg wie folgt geregelt worden: Jugend bis 14 Jahren und sämtliche Schulgruppen unter Führung von Lehrern fönnen ohne besonderen Aus meis alle herbergen im Reich benugen. Die Jugend von 14 bis 18 Jahren muß im Befih eines Bleiben. ausweises fein, der zum Preise von 50 Bf. bei allen Zweig. ausschüssen und Ortsgruppen für Jugendherbergen erhältlich und das ganze Stalenderjahr gültig ist. Wanderer über 18 Jahre müffen Mitglied des Berbandes für Deutsche Jugendherbergen fein und fich durch eine Mitgliedstarte ausweisen fönnen. Der Jahres beitrag beträgt mindeſtens 3 M. Die Mitgliedschaft ist bei allen Zweigausschüssen und Ortsgruppen zu erwerben. Es ist also allen Wanderern, die die Jugendherbergen benußen wollen, zu empJogal = Tabletten hervorragend bewährt bei Hexenschuß, Herven- und Gicht, Rheuma, Ischias, Kopfschmerzen, Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Barnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,3% Acid. acet. salic, 0406% Chinin, 12,6% Lit, ad 100 Amyl. Der Werdegang des Ballettänzers. SC4 mit zwei Fünfteln, im zweiten mit drei Fünfteln und im dritten Dienst jahr mit vier Fünfteln des vollen Mindestgehaltes begnügen. Aber auch diese geringe Bezahlung, die ebenfalls im Anstellungsvertrag tariflich veranfert ist, hat die Staatsoper abgelehnt und es so zu Differenzen tommen laffen, die zum Auseinandergehen des glänzen den Chors führten. Ein Teil der streifenden Chormitglieder hat die Arbeit wieder aufgenommen, während der andere Teil noch im Ausstand verharrt. Was der Chorfänger leisten muß, ist schon erwähnt worben. Bormittags finden die Chorproben statt, die in ber Regel 1-1% Stunden dauern. Länger kann die Probe nicht aus. gedehnt werden, da sonst das Fassungsvermögen der Sänger nach läßt. Dann folgen die" Probierproben. Bei Szenenproben müssen oft die Chormitglieder stundenlang paffiv verweilen, ehe fie hinzugezogen werden. Gelangt eine neue Oper zur Einstudierung, fo gechieht das stimmenweise. Erst wenn das Stüd figt", fommen alle zur Arrangierprobe zufammen. Weiter folgen Orchester, Siz- und Hauptproben sowie endlich die Generalprobe. Die fünfeinhalbftündige Ruhepause, die zwischen den Proben und der Aufführung eingehalten wird, haben die Mitglieder des Chors, die von Probe zu Probe hehen, mehr als nötig. Wie dem Schüler in der Schule zur Pflicht gemacht wird, das Abe zu lernen, damit er später in der Lage ist, Säße bilden zu fönnen und Auffäße zu schreiben, so muß der Tanzschüler erst die einzelnen Schritte und rhythmischen Bewegungen üben, um später daraus einen formvollendeten Tanz vorführen zu können. Kurz: Auch der Tanz hat seine Grammatif. Richt jeder ist zum Ergreifen des Tanzberufes geeignet. Bom 6. Lebensjahre an erhalten die Aus. erwählten ihren Unterricht, und in diesen Anfangsjahren liegt der Rern der Kunst. Je früher mit der Ausbildung begonnen wird, desto gründlicher wird fie figen. Ja, beim Spikentanz wird überhaupt die Ausbildung vom Alter der lernenden Person abhängig gemacht. nur in den seltensten Fällen können Weltere diefen Tanz noch lernen. Neben den privaten Ausbildungsschulen bestehen auch staatliche, so an de Staatsoper. Hier nimmt man Anmeldungen für Aus bilbungen entgegen und entscheidet nach einer Brüfung die eventuelle Aufnahme. Die Ausbildung selbst geschieht to stenlos und die Kinder erhalten, sobald sie an Aufführungen teilnehmen, für eine Aufführung bis zum 14. Lebensjahre 1,50 Mart Spielhonorar. Mit Das fireitende Chor- und Ballettpersonal der Staatsoper gab. dem gleichen Tage, an dem der zukünftige Tanzfünstler in die Lanzschule der Staatsoper eintritt, wird er auch in die Elementarschule am Sonntag in dem großen Saal der„ Neuen Welt" einen Kunstaufgenommen. Hier wird Unterricht in Lesen, Schreiben, Rechnen und gerechten Sache gewünscht hätte. Der Wahltag warf auf diese fie besteht aus zwei Klaffen, die jede zwei Abteilungen haben abend. Leider war der Besuch nicht, so, wie man es der guten usw. erteilt. Allerdings soll die Unterrichtsform dieser Schule noch in einer primitiven Urform steden. Nur eine Lehrerin ist vorhanden, Veranstaltung seine Schatten, und so manche waren fortgeblieben, und fortgeschrittene Schüler müssen die jüngeren unterrichten. Die die an einem anderen Sonntag den weiten Weg nach der Hafenheide Rinder fönnen zu jeder Stunde aus dem Unterricht genommen nicht gefcheut hätten. Es sei vornemcg gesagt, daß der Besuch& merden, wenn ihre Anwesenheit bei einer Probe erforderlich ist. Alle diefer Kunstabende nicht eindringlich genug empfohlen werden kann. Schüler der Tanzschule bleiben fo lange Schüler", bis ein etats. Nicht nur um Künstler, Lie schwer um ihre Eristenz ringen und beirod mäßiger Boften als Tänzer frei wird. Das dauert oft fehr lange den verantwortlichen Stellen nur Berständnislosigkeit finden, zu und man findet noch zwanzig, ja fünfundzwanzigjährige Tänzer als Schüler. Nun wird der Laie annehmen, daß immer der befähigfte unterſtüßen, sondern auch, weil hier für geringes Geld beste Runft Schüler den freigewordenen Boften befegen fann. Das alte System, geboten wird. Ein Künstler wie Clemens Smal stich hat sich das von sich behauptete, die Runft zu fördern, wollte es anders. Die für seine ftreifenden Kollegen, mit denen er gemeinsame Sache macht, freigewordene Stelle wurde immer von demjenigen besetzt, der ge- in rührender Weise eingesetzt. Unermüdlich ist er bei den Proben, rade an der Reihe war, mochten tünstlerische Eigenschaften vor. und überall legt er bei den Kunstabenden helfende Hand an. Er handen fein oder nicht. Die Fälle, wo Tänzer erst nach ihrem dirigiert die Rapelle, die unter seiner raffigen Leitung Stüde von 60. Lebensjahre zum Solopersonal befördert wurden, follen nicht Smetana und Nicolai Klangschön spielt. Er begleitet am Klavier vereinzelt dastehen. Erst ber befannte Ballettmeister Heinrich vereinzelt dastehen. Erst der bekannte Ballettmeister Heinrich den Chorgesang, der Chorgefänge aus den verschiedensten Opern Krölla( jekt in Wien und München) durchbrach dieses Prinzip und beförderte befähigte Schüler zu Soliften. Bei der Staatsoper geht brachte mit einer Eraftheit und Bucht, die so recht erkennen ließen, es aber heute noch etwas sonderbar zu. Neuerdings hat man im auf welcher überragenden fünstlerischen Höhe die Leistungen des Runftballett eine Gruppe gefchaffen, die den Namen„ Bewegungs. Chors des Berliner Opernhauses stehen. Für das Bublitünstler erhalten hat Auch die Stärke des Balletts eines Hauses, tum aber haben diefe Kunstabende ein besonderes Interesse und einen das mit feinen Darbietungen die erste Flöte blasen soll, läßt zu eigenartigen Reiz dadurch, daß man hier, viel besser als bei den wünschen übrig. Im Jahre 1914 zählte das Tanzperfonal 120 Ber- Borstellungen, und nicht abgelenkt durch Kostüme, Kuliffen und Deto fonen. Das Heine Wien leistete sich damals 180 und hat diefe ration, die einzelnen und ihre Leistungen beobachten und würdigen Bahl trotz aller Not aufrechterhalten. Fragen wir aber heute ein. mal in der Kunststätte Unter den Linden bescheiden an, wie es jetzt tann. Das gilt namentlich auch für die Ballettaufführun mit der Stärke des Balletts steht, so wird man eine Antwort erhalten, gen, mit denen der Abend am Sonntag schloß. Reicher und ge die Erstaunen hervorruft. Das ganze Tanzpersonal ist nur noch rechter Beifall belohnte die tapfene Künstlerschar. fehlen, sich vorher rechtzeitig mit ben erforderlichen Ausweisen zu| 646, Bolen mit 604, England mit 567, Schweden mit 558, Tſcheco versehen. Der Zweigausschuß Mart Brandenburg hat seinen Sig in flowafei mit 496, Dänemark mit 408. die Schweiz mit 226 2c. Berlin C. 2, Poſtſtr. 16, Zimmer 28( 8 bis 4, Montags und Auch Frankreich und Belgien find wieder, wenn auch nur mit 125 Donnerstags 8 bis 8, Sonnabends 8 bis 1 Uhr). Ein Berzeichnis und 59 Gästen, vertreten. aller herbergen im Reiche ist ebenda zum Preise von 75 Pf. erhältlich. Bom Anto getötet. Am Dienstagnachmittag gegen 5% Uhr fuhr der Kraftwagen a 20662 mit zwei Infaffen in der Richtung Rottbuser Lor die Staliger Straße entlang. Der Chauffeur versuchte an einem vor ihm herfahrenden Straßenbahnwagen vorbeizukommen und geriet babei auf die linte Seite der Straße. In diesem Augenblid wollte eine Frau Ida Schröter aus der Manteuffelstr. 50 und die in ihrem Haufe wohnende Rontoriftin Charlotte Gallmeister den Straßen Beide wurden von dem Kraft damm überschreiten. magen angefahren. Die Räder gingen über Frau Schröter hinweg. Mit einem Schädelbruch brachte man fie nach der nächsten Rettungsstelle, wo der Arzt aber nur noch den inzwischen eingetretenen Lob feststellen fonnte. Fräulein Gallmeister, die zur Seite geschleudert worden war, ist mit einem Nervenfchod und Hautabfchürfungen davongekommen. Eine dritte Person, die ebenfalls angefahren worden war, hatte sich entfernt. Die Schuldfrage bedarf noch der Aufklärung, da die Zeugenausfagen sich außerordentlich widersprechen. Rückgang des Berliner Fremdenverkehrs. Berlins Fremdenverkehr, der in erfreulichem Aufstieg begriffen war, hat im abgelaufenen April einen Rüdichlag erlitten. Er ging bon 98 510 im März auf 92 830, alfo um fast rund 6000, zurüd. Es macht sich in diesem Rüdgange namentlich auch die Ber. ftimmung des Auslandes über die neue deutsche Ver. Wegen Unterernährung zusammengebrochen. Der 33 Jahre alte Arbeiter Karl König brach in der Berliner Straße in Charlottenburg plöglich fraftlos zufammen. Man schaffte ihn nach dem Krankenhaufe Moabit, wo der Arzt völlige Unterernährung festftellte. König war feit längerer Zeit arbeitslos und litt unter dem größten Mangel. Wieder Schüffe auf Ringbahnzüge. Am Wahlsonntag ist wieder verschiedentlich von dummen Jungen auf Ringbahnzüge geschoffen worden, so um 6 und 9 Uhr abends in Treptow auf den Südringzug, der von Baumschulen weg nach dem Stadtinneru ging die Scheibe eines Abteils in Trümmer. fuhr. Zum Glück ist niemand verlegt worden. In dem einen Falle Wirklich wertbeständig angelegt sind die Ausgaben für vernunftgemässe Körperpflege ordnung zur Berhinderung der Auslandsreisen geltend. Bon CALCIFORM Amerila abgefehen, das einen Reifendenzuzug aus Deutschland nicht anstrebt und wo die Auslandsreise- Verordnung fich noch nicht ausgewirkt bat, weist, nach der von der Bentralstelle für den Frembenverkehr Groß- Berlins" mitgeteilten amtlichen Zusammen. stellung. jedes einzelne Land in dem Zuzug nach Berlin einen mehr oder minder auffallenden Rückschritt auf. An erster Stelle erscheint diesmal wieder Desterreich mit 944 Fremden, an zweiter Stelle Amerifa mit 782, es folgt Holland mit 681, Rußland mit: CAVALIN das hervorragende Mittel zur Verhütung von Grippe wirksamstes Streapulver QUALITATSMARKE RASE bei Schweiss- Entwicklung Das Asyl als Großbank der Geldfälscher. # Nahezu 300 Fälle von Falschmünzerei. E Als die Großzentrale für alle Falschgeldangelegenheiten be. zeichnete der Staatsanwalt das Asyl für Obdachlose und führte weiterhin aus, daß durch die starte Zunahme der Bant. notenfälschungen die Inflation des vorigen Jahres erheblich gestärft worden sei. Das Land um den Amazonenstrom. Ein Parteigenoffe in Brasilien schreibt uns: Auswandern oder nicht? haben Während im vorigen Jahre im ganzen hundert Fälle von Die großen Passagier- Dampfschiffahrts- Gesellschaften Falschmünzerei anhängig waren, beträgt deren Zahl in diesem Jahr Hochkonjunktur. Die Pläge aller Schiffe der drei großen deutschen beinahe schon dreihundert. Das Schöffengericht Berlin- Mitte Gesellschaften find auf Monate im voraus belegt. Man muß von hatte sich nämlich mit mehreren Fällen von Banknotenfälschungen Dampfers noch einen Wohndedplatz zu erwischen. Wie in den Glüd sagen, wenn es gelingt, einen Monat por Abfahrt eines zu beschäftigen. Der Schlächter Joseph Mayer aus Nürnberg hatte jaische Billionenscheine abgesetzt, die er in der Passage erworben fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein ununterbrochener haben wollte. Obwohl er feine eigene Wohnung hatte und im Asyl Buſtrom von Europäern nach Nordamerika erfolgte, so hat nach Bemächtigte, war er doch in Konfitürengeschäfte gegangen und hatte endigung des Weltkrieges ein solcher nach den Südstaaten Ameritas. feine Süßigkeiten getauft, bei denen er die Billionenscheine in Bah- namentlich nach Brafilien eingefeßt. Der Hauptanteil entfällt auf lung gab und sich dann den Restbetrag herausgeben ließ. Das Ges Deutschland, und seit dem vorigen Jahre nach der erfolgten lung gab und fich dann den Restbetrag herausgeben ließ. Das Ge Ruhrbesehung und der dadurch bewirtten Wirtschaftstrife auf richt verurteilte ihn 31: 9 Monaten Gefängnis. Der zweite Fall das westliche Deutschland. Tausende und Abertausende betraf einen Kaufmann 5013, der wiederum Läden aufsuchte und ebenfalls mit dem Wechseltrid arbeitete. Deshalb ging er immertüchtiger, oft der besten Arbeiterfamilien haben seit dem Ruhrerst bei eintretender Dunkelheit in die Läten. Eine Verkäuferin in einbruch ihr legtes Hab und Gut verkauft, um das Reisegeld zu erder Baufstraße bemerkte jedoch die Fälschung und veranlaßte seine halten und sich eine neue Heimat zu suchen. Welchen Umfang diele Festnahme. Vor der Tür hatten einige verdächtige Gestalten geAuswanderung angenommen hat, zeigt die amtliche Einwanderungsftanden, offenbar feine Helfershelfer, die aber, als fie Unheil wither- fbatiftit in Rio de Janeiro. Allein im März 1924 find in Rio ten, eiligst verschwanden. Der bereits vielfach vorbestrafte Ange- Blumeninfel untergebracht und von dort weiterbefördert worden. an 5000 Personen gelandet, und von diesen fast 3000 auf der flagte erhielt zwei Jahre Gefängnis. ( Auf der Blumeninsel werden nur Deutsche untergebracht.) Rechnet man hierzu noch die Einwanderung in den übrigen Häfen mit nur 1000, fo ergibt die Einwanderung in einem Monat rund 6000 Berfanen. Es wird deshalb zweckmäßig sein, die Ansicht eines alten deutschen Parteigenossen über die Berhältnisse in Brasilien tennen zu lernen, wie sie bei seiner Ankunft Ende März bestanden. Aufklärung wird unbedingt notwendig sein, damit nicht Deutsche durch Verlockungen, falsche Informationen usw. dazu verleitet werden, ihr lektes Hab und Gut zu verkaufen, um nur das Reisegeld nach Brasilien herauszuschlagen, und dann ohne einen Pfennig Geld anzukommen, hoffend, daß ihnen das verauslagte Reisegeld zurüderstattet, aber von der brasilianischen Regierung für ihre weitere Eristeng gesorgt wird. Wer jedoch über einiges Vermögen verfügt, und einmal den Entschluß zur Auswanderung gefaßt hat, dem werden die nachfolgenden Ausführungen ebenfalls von großem Rugen sein. Raubüberfall auf einen Kaffenboten. Eine Firma in Halensee schichte am Dienstag vormittag einen 70 Jahre alten Kassenboten mit dem Auftrag, von einer Bank in der Dorotheenstraße 5000 Goldmark abzuholen, fort. Der Bote hatte das Geld abgehoben und war dann mit dem Zuge 1351 von Bahnhof Friedrichstraße, der nach Grunewald fährt, abgefahren. Als er auf dem Bahnhof Charlottenburg den Zug ver lassen wollte, um in den Zug nach Halensee umzusteigen, erhielt er plöglich einen Stoß, der ihn auf den Bahnsteig warf. Gleichzeitig wurde ihm die Tasche mit dem Geld von dem Unbekannten entrissen, der sich nun auf ben schon wieder in voller Fahrt befindlichen Bug fchwang. Der Ueberfallene benachrichtigte sofort den Bahnhofsvorsteher. Dieser telephonierte unverzüglich alle Stationen, insbesondere Bahnhof Eichlamp an, um auf den Räuber aufmerksam zu machen und dessen Verhaftung zu veranlassen. Der Räuber, der bies wohl ahnte, ist wie spätere Ermittelungen ergaben, ca. 100 Meter por ber Station Eichtamp aus dem fahren den 3ug gefprungen, die Böschung hinaufgestiegen und durch das sich anschließende Laubengelände entkommen. Alle Personen, die den Räuber auf dem Bahnhof Charlottenburg oder beim Abfpringen aus dem fahrenden Zug beobachtet haben, werden gebeten, fich bei dem Raubdezernat, Kriminalfommissar Werneburg, Bolizei präsidium, Zimmer 80 umgehend zu melden. Der Täter hat sicher den Kassenboten schon auf der Bank in der Dorotheenstraße beob. achtet, ist ihm gefolgt und hat im günstigsten Augenblick den Raub ausgeführt. Theaterstandal Während der geftrigen Aufführung des Schau spiels 3 apfenstreich im Trianon- Theater fam es zu einer unliebfamen Störung. Gegen 9 Uhr, als der zweite Aft über die Szene ging, unterhielt sich der 39 Jahre alte Bädermeister Otto St. damit, laute Zwischenbemerkungen zu machen, zu schimpfen und die neben und vor ihm fizenden Theaterbesucher zu belästigen. Schließ lich verließen die Schauspieler die Bühne und die Vorstellung wurde bis nach Entfernung des Störenfrieds durch Polizeibeamte unter brochen. Nach Feststellung seiner Persönlichkeit auf der nächsten Bache ist St., der start angetrunken war, wieder entlassen worden. Vermikt wird seit dem 23. April der Kaufmann Karl Witt, Berlin, Schivelbeiner Str.& wohnhaft. Er ist von großer, starter Figur, hat rundes, volles Geficht und fleinen amerikanischen Schnurr bart.Bekleidet war er mit grauem Baletot, schwarzem weichen Hut, dunklem Anzug, grauem Normalbemb, grauen Strümpfen und schwarzen Schnürstiefe'n. Meldungen erbittet Frau Hedwig Rienert, geb. Witt, Neukölln, Kaiser- Friedrich- Str. 167. Englisch und Spanisch für Anfänger. In der Sprachen. fchule für Proletarier beginnen in der fommenden Woche zum letzten Male in diesem Halbjahr neue Abendkurse in Englisch und Spanisch für Anfänger ohne Vorkenntnisse. Unterrichtsabende: Mittwoch oder Freitag von 8-10 Uhr. An den vorge. rückten Kursen fönnen noch Genoffinnen und Genossen mit Vorfenntnissen teilnehmen. Anmeldungen: Freitag, den 9. Mai, abends von 7-9 Uhr, und Sonnabend, den 10. Mai, abends von 6-8 Uhr in der Gemeindeschule, Gipsstr. 23a( Nähe Bahnhof Börse); desgleichen am Mittwoch, den 14. Mai, abends von 7-9 Uhr in Neufölln, Boddinstr. 52/53( Gemeinde- Mädchenschule). Sprech Chor für proletarische Feierfiunden. Morgen, Donnerstag, pünktlich 7, Uhr abends, lebungsstunde im Gesangssaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17. Es wird darum gebeten, die Karten für die legte Feierstunde abzurechnen. Todesurteil für einen Mörder. Das Landgericht in Münster in Westfalen hat den 18 Jahre alten Baul Krause aus Reine zum Lode verurteilt, der in Gemeinschaft mit feinem jüngeren Bruder den Sohn eines angesehenen Bürgers nach einem mißglückten Erpreffungsversuch ermordet hatte. Das Rhein- Hochwasser hat seit gestern einen Stand erreicht, der die ersten Beschränkungen in der Rheinschiffahrt zur Folge hat. Danach müssen sich Schiffszüge 80 Meter vom Ufer entfernt halten. Der vermißte amerikanische Weltumflieger gesichtet. Wie aus Miasta gemeldet wird, haben Eingeborene den vermißten Führer des amerikanischen Weltrundfluges, Major Martin, auf seinem Flugzeug in der Richtung nach dem Behringmeer fliegen fehen. Die in das Gebirge entfandte Rettungsexpedition ist zurüdberufen und statt ihrer ein Dampfer in das Behringmeer entfandt worden, um nach Major Martin zu suchen. Warum kauften Sie einen Lastkraftwagen? Um Ihre Ware schneller zu befördern, Zeit und Geld zu sparen. Dies können Sie aber nur, wenn der eigentliche die Bereifung Träger nicht versagt. Wählen Sie Continental Vollreifen der versagt nie! A Ueberfahrt und erster Aufenthalt. Borerst über die Auswahl eines Dampfers. Man wähle zur Ueberfahrt am zweckmäßigsten einen Dampfer, der nur 3. Klasse Baffagiere befördert, da auf diesen Dampfern den Wohndedpassa gieren diefelben Rechte in bezug auf Benutzung der Rauch, Schreibzimmer usw. zustehen wie den Reisenden in Kammern. Die Hapag hat drei solche Dampfer:" Bayern"," Baden" und Württemberg" in ihren Dienst nach Südamerika gestellt. Ich habe feststellen tönnen, daß Behandlung und Verpflegung gut waren, was aud) von allen Seiten bestätigt murde, während ich sonst viele Klagen über Gesellschaften hörbe, die mit viel Reklame Passagiere zur Auswan derung verleiteten. Die Ueberfahrt von Hamburg bis Rio de Jameiro bauert in der Regel 18 bis 21 Tage. Man hüte sich beim Antegen der Schiffe unterwegs von den an Bord tommemnden Händlern, Waren zu kaufen, da diese vielfach Preise fordern, die höher find wie in Deutschland. An Land erhält man dasselbe oft unter der Hälfte Beim Aussteigen in Rio trage man feine Kurzwaffen, wie Revolver und Dolche in der Kleidung, da dies verboten und folche Waffen beschlagnahmt werden. Ein Jagdgewehr fann man öffentlich mitnehmen. Nach der Ausschiffung erfolgt die Revision des Handgepäcks durch die Zollbehörde. Diejenigen Auswanderer. die in Rio bleiben wollen, sei es, daß sie hier in Stellungen gehen oder fenft Berbindungen haben, oder auch über reichliche Geldmittel verfügen, um den Aufenthalt in Rio zu bezahlen, fönnen nun durch die Belliperre in die Stadt gehen. Die übrigen, und dies ist die greße Mehrzahl. läßt sich auf Kosten der Regierung nach der Blumeninsel befördern und dort frei verpflegen und später auch nach dem gewählten Bestimmungsort frei befördern. Die Lebensverhält niffe in Rio sind für den Deutschen ganz gemiß fein Ideal. Die Hiße ist unerträglich. Die Preise für Lebensunterhaltungskosten im Durchschnitt teurer wie in deutschen Großstädten. Butter zum Beifpiel toftet das Pfund 3,50 bis 5 M., Wohnungen und Kleidung doppelt so teuer. Haushaltsgegenstände, Glas und Borzellanwaren find bedeutend teurer. Etwas billiger dagegen ist lebendes Vieh und Geflügel und die Preise in den Gastwirtschaften für Speisen ( Getränke f. jedoch teurer). Ich habe verschiedentlich Leute gesprochen, die erflärten, fie feien wegen der hohen Steuern aus Deutschland ausgewandert; fie sind hier befehrt. In Rio gibt es faft gar nichts, wofür man nicht indirekte Steuern entrichtet; von Streichhölzern, Bigarren und Zigaretten ganz zu schweigen. Streichhölzern, Zigarren und Zigaretten ganz zu schweigen. Fast jedes Stüd, das man fauft, hat seine Steuerbanderole. Jeder Käse Wiedereröffnung des.englischen Flugdienstes. Am Montag ist der englische Flugdienst wieder offiziell eröffnet worden, nachdem er feit dem 31. März infolge des Ausstandes auf dem Flugplah Croydon still gelegen hatte. Man hofft, daß noch vor Ablauf dieser Woche der regelmäßige Dienst nach Paris. Brüssel, Ostende, Köln, Amsterdam, Berlin, Zürich und den Kanalinfeln wieder R51n, normal in Betrieb sein wird. hat feine Steuermarte, jebe Tafel Schokolade. Kauft man sich ein Baar einfache Sodenhalter, so ist die Steuermarte aufgeklebt. 38 man in einem Speisehaus, so hat selbst die Serviette ihre Steuerbanderole. Auf der Blumeninsel. Die Verhältnisse in den anderen Staaten sind etwas günstiger. Brasilien hat 20 felbständige Staaten, die auch in steuerlicher Hin ficht einige Selbständigkeiten befizen. Auch die Lebensmittel- und ohnungspreise gehen in diesen Staaten um ein bedeutendes gegen Rio herunter. Nun einige Worte zu den Existenzmöglichkeiten, der insel. Haben die Baffagiere die Bollrevision passiert, so werden sie leberweisung von Land und der Unterbringung auf der Blumenfrei befördert, das große Gepäd" wird später in Gegenwart der mit ihrem Handgepäd nach der Ilsa das Floves"( Blumeninsel) der Revision dieses Gepäcks mangelt es an deutschem Ordnungsgeist. Auswanderer revidiert und dann ebenfalls dorthin geschafft. Bei Sämtliche Auswanderer werden zugleich in den Bollabfertigungsftüde zusammen und öffnet sie zur Revision. Kein Beamter fragt raum hineingelassen. Ein jeder sucht sich nun seine großen Gepäc ihn, wieviel Gepäckstücke er hat. Man muß anerkennen, daß das Ehrlichkeitsgefühl der deutschen Auswanderer fehr ausgeprägt ist, sonst hätten sich schon viele Mißhelligkeiten herausgestellt, da kein Mensch danach fragt, ob man 4 oder 6 Gepädftüde herausbefördert. Die Blumeninsel liegt rund eine Stunde Dampferfahrt von Rio entfernt. Hier sind im Durchschnitt rund 1000 Personen untergebracht, oft jedoch sind es 1500-1700. Als Schlafgelegenheit dienen eiserne Bettstellen mit einer Schilfmatratze und Kopfteil; jedoch ohne Dede, da es so heiß ist, daß eine solche nicht gebraucht werden könnte. Das Effen ist einfach; morgens Kaffee und Brot, mittags Nudeln mit etwas Fleisch und Reis, abends schwarze, gutschmeckende Bohnen und Brot. Benn man auch anerkennen muß, daß die Verpflegung und Unterbringung dieser vielen Tausende und Abertausende von Einwanderern dem brasilianischen Staate erhebliche Summen tofſtet, fo herrscht doch ein Mangel an allen hygienischen Einrichtungen. Ein Arzt ist auf der Insel nicht stationiert. Jeden Tag tommt ein Arzt von Rio. Es ist dies doppelt schlimm für die kleinen Kinder, die den Klimamedyfel viel schlimmer empfinden als Erwachsene. Badegelegenheit ist von 6-8 Uhr morgens im Freien, auch stehen Brausebäder den ganzen Tag über zur Verfügung, die jedoch meist durch unsachgemäße Behandlung nicht gebrauchsfähig sind. Aehnlich ist es mit der Waschgelegenheit und den Toiletten. Diebstähle tommen so gut wie gar nicht vor, da sie mit der Verweisung von der Insel und zwei Jahren Zwangsarbeit bestraft werden. Die Auswanderer haben nun auf der Insel ihr Reiseziel anzugeben und werden, sofern nach einem Staate sich eine genügende Anzahl, 150-300, gemeldet hat, zu einem Transport zusammengestellt und mit ihrem Gepäd frei mittels Dampfer nach der Hauptstadt biefes Staates befördert. Auch die Verpflegung auf diesen Dampfern ist frei. Neues Land. Sofern die Regierungen der Einzelstaaten vermessenes Land zur Verfügung haben, wird solches den Auswanderern zu mäßigem Breise überlassen; in den Nordstaaten sogar unentgeltlich. Da die Zahl der Einwanderer jedoch über alle Maßen groß ist, können die einzelnen Staaten faum so schnell die Vermessungen vornehmen lassen. Alle Vorteile vorausgesetzt. soll sich kein Deutscher ent schließen auszuwandern, wenn er nicht bei seiner Anfunft in Brafilien noch wenigstens über soviel Mittel verfügt, daß er bis zur nächsten Ernie ou leben hat. Sofern er fich einem Händler resp. Krämer in die Hände gibt, fommt er nicht mehr von ihm los. Hinzu kommt, daß nicht jeder den Klima wechsel ohne gefundheitliche Gefahren übersteht. Dies trifft in erster Linie für die nördlich von Rio gelegenen Distritte zu, in benen man fich nur auf dem Hoch.and, mindestens 400-600 meter über dem Meeresspiegel. ansiedeln sollte. Die gesundheitlichen Ge. fahren sind für fleine Kinder besonders groß. Alle Also nochmals: auf teine Versprechungen und Re. flamen hineinfallen, daß hier das Reisegeld zurückerstattet werde und für den Lebensunterhalt durch die brasilianische Regie. rung gefergt sei durch lleberweisung einer Farm oder in anderer Weise. Borsicht aber auch bei der Gründung von beut. fchen Gesellschaften zum Zwecke der Auswanderung Beteiligten haben dabei schwere Enttäuschungen erfahren. Die sogenannten Hilfsvereine haben zwar diesen Namen, man verlasse sich jedoch nicht darauf, sondern nur auf sich selbst. Dann wird man auch hier sein Austommen, und vielleicht besser als in Deutschland finden. Paul Freyer. 5. Rennen. 1. Augias( D. Schmidt), 2. Hampelmann( Dlejnit), 3. Gigilbert( M. Jentsch). Toto: 11: 10. 3 liefen. tala( Reiß). Toto: 81:10. Blaz: 12, 11, 11: 10. Ferner liefen: Sanit 6. Rennen. 1. Paloma( Breege), 2. Vergleich( H. Blume), 3. Mor Thomas, Tingin Tang, Ordensrit: er, Padea. 7. Rennen. 1. Cicero( Breege), 2. Duarta( Huguenin), 3. Einspruch ( b. Edartsberg). Toto: 57: 10. Blak: 19, 20, 96 10. Ferner Hefen: Roderich, Convention, Hüteger, Parioli, Heldin, Denar, Mime, Herbststurm. Wetterbericht: Meift bewölkt, jedoch feine erheblichen Niederschläge. Schweres Sturmwefter in Indien. Nach einer Meldung aus Allahabad ist in dem Gebiete von Dudh ein schweres Sturmwetter Temperatur wenig geändert. Mäßige südöstliche bis südliche Winde. niedergegangen. 46 Menschen sind nach den bisherigen Schäßungen ums Leben gekommen, 100 verlegt. Ungeheure Verluste an Bieh find zu beklagen. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Dienstag, den 6. Mai. 1. Rennen. 1. Sannar( D. Schmidt), 2. Sonnenftrabl( H. Schmidt), 3. Sheitan( Franzle). Toto: 25: 10. Blag: 13, 19, 36: 10. Ferner liefen: Berlenfischer. Eito, Prinz Karneval, Heimattreuer, Nonius, Liffa, Abwehr, Rasvibr, Restva. 2. Rennen. 1. Gilenritter( Bachmeier), 2. Bafalt( F. Bas), 3. Laon ( D. Schmidt). Toto: 86: 10. Blaz: 23, 15, 19: 10. Ferner liefen: Dlifant, Neptun, Karawanka, Fata Morgana, Solo, Tamara, Tiefurt, Favilla, Graciosa. 3. Rennen. 1. Faltenburg( H. Brown), 2. Becherllang( D. Schmidt), 3. Angelus( H. Blume). Toto: 90: 10. Plat: 15, 12, 12: 10. Ferner liefen: Herenmeister, Marabu, Emeritus, Teufelsnarrin, Baltüre, Wilhelma, Anarchist II. 4. Rennen. 1. Balamedes( D. Schmidt), 2. Falsum( Grabsch), 3. Mandarin( H. Schmidt). Zoto: 15: 10. Plak: 10, 12: 10. liefen: Caprivi, Patrigter. Das Rundfunkprogramm. Ferner Mittwoch, den 7. Mai. Vormittags, 10 Uhr: Nachrichten dienst. BeTageseintellung kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4 Uhr: Erlebnisse im Wüstensand"( Jugendvortrag). 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. Chop:„ Anton Dvorak. 830 Uhr: Zum 20. Todestage Anton Dvoraks: Aus seinen Werken. 1. Andante aus dem Cellokonzert H- moll( Otto Urack). 2. Aus den biblischen Liedern: a) Um ihn her, b) Höre Gott, mein Flehen, c) An den Wassern von Babylon( Manfred Lewandowski). 3. a) Andante aus dem Konzert für Violine. b) Humoreske( Rudolf Deman, Konzertmeister an der Staatsoper Berlin). 4. Aus den Zigeunerliedern( Else Jörn von der Staatsoper Berlin). 5. Zwei Sätze aus dem Trio C- dur( Konzertmeister Rudolf Deman, Violine; Otto Urack, Cello; Dr. Felix Günther, Klavier). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Unübertrefflich! 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Genoffe Frans Achier, Sparrir. 21, ift verstorben. Bestattung heute, Mittwoch, den 7, Mai, mittaas 12% Uhr, auf dem Friedhof in Buch. 20, Abt. Genoffe Wilhelm Schreiber, Stocholmer Str. 32, it am 1. Mai perstorben. Cinäscherung Donnerstag, den 8. Mai, frith 40% Uhr, im Are matorium Gerichtstraße. 1136 1Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Wir machen darauf aufmerksam, daß fofort die Juni- Brogramme abgeliefert werden müssen. Ferner stehen von verschiedenen Abteilungen noch die Berichtsbogen vom 4. Quartal aus und müssen auch diefe unbedingt schnellstens abgegeben werden. Auch fehlen uns noch von einigen Abteilungen die Treffpunkte zum Mai- Jugendtag und die Namen der Ordner zur Rundgebung. Achtung, stellungstaffiezet! Die Beitragsmarken für April find abzurechnen und für Mai in Empfang zu nehmen; fermer ist die Arbeiterjugend Reitung und unser Jugend vovan" vom Monat Mai und die Internationale" und der Führer" vom Monat April abzuholen. Heute, Mittwoch, den 7. Mai, abends 71 Uhr: Abteilungs- Mitgliederversammlungen: Friedrichsfelde: Jugendheim, Berliner Str. 45, Ede Schloßstraße. Friedrichshagen: Jugendheim, Scharnweberstr. 105. Karow: Restaurant Rum Banigrafen Bantgrafenstraße, Borttag: SAJ. und ſeguelle Frage. Lichter Raulsborf: Schule, Abolfitr. 25. Lanfwig: Schule, Schulstraße, felbe: Jugendheim, Albrechtstr. 14a. Lichtenberg- Mitte: Jugendheim, Doffe ftraße 22. Reu- Lichtenberg: Jugendheim, Markifte. 12. Buisenstadt: Schule, Stallschreiberstr. 54. Reinickendorf. Often F.- B.: Schule, Tilfiter Str. 4. Tempelhof: Lygeum, Kinberhort, Weft: Kinderhort. Augufta Bittoria- ee. Germaniastr. 4/6. Webbing: Katholische Schule, Ruheplas, Ede Anton ftraße, Aussprache über die Reichstagswahlen". AUSSTELLUNG Arbeitersport. Freie Turnerschaft Reutölin- Brig. Die Urmahl ber Delegierten zum Bundestag findet ftatt für die Fußball- bteilung am Freitag, 9. Mai, auf dem Turnplag, für das Sambour- korps am Donnerstag, ben 8. Mai, bei Wolf, Pring Sandjern- Str. 66, für alle übrigen Mitglieder am Gonntag, den 11. Mai, nachm. 2-7 Uhr, auf dem Turnplay. Mitglieds. bücher find mitzubringen. Sportklub Küftig- Borwärts 1913 fucht für ben 11. Mai Gegner mit brei Männermannschaften auf ihren Play. Buschriften an B. Bier, Neukölln, Johann- Huß- Str. 5. Touristen Verein Die Naturfreunde", Ast. Ereptow. Freitag, 9. Mai, abends 8 Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung im Seim, Elfenftr. 3. Aeußerst wichtige Tagesobnung. Berliner Arbeiter- Schachklub, Abt. Norden 2, Spielt jeben Donnerstag bet Wende, Rolonieftr. 147. Diese Woche findet der Spielabend umständehalber am Freitag ftatt. Donnerstag, den 22. Mai, Bortrag: Humor im Schach" von Schachgenoffen Elison. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Theosophische Gesellschaft, Amcig Berlin. Mittwoch, ben 7. Mai, 7% Uhr, in den Gesellschaftsräumen, Bilhelmstr. 120, öffentlicher Vortrag: Der Ring der Nibelungen im Bidhte der Theosophie" von A. Nem be. Anschließend Diskussion. Eintritt frei. DIE MODERNE KUCHE Verkauf nur soweit Vorrat 850 Gas- Plätten Garnitur: 2 Plätten, 1 Erhitzer 750 850 900 Spiritus- Plätten Holzkohle- Gustoff- Plätten 400 450 Bolzen- Plätten 450 500 verbunden mit Vorführung wirtschaftlicher Maschinen Wandkaffeemühlen mit Ia Werk... 550 Teigknetmaschinen... 1450 1850 Eismaschinen........... 1000 1350 Buttermaschinen 225 275 325 ***** Fleischmaschinen... 525 600 750 Reibemaschinen 225 375 Messerputzmaschinen............ 1075 Brotschneidemaschinen.... 653 875 Mengenabgabe vorbehalten Wringmaschinen.... 1850 1950 2050 Waschmaschinen.......... 4850 5500 Wäschemangeln............ 4250 5250 Waschbretter 125 195 verzinkt, mit Ein. 450 500 550 Waschtöpfe verzinkt, mit EinZinkwaschfässer 1175 1350 1675 satz und Deckel 975 Vorführung elektrischer Artikel Zinkwaschzober.... 9% 13% 1750 Plätteisen- Untersätze..... 35, 45PC. 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Trog aller Verleumdung, trotz Schlagring und Messer ist aber die Sozialdemokratische Partet nicht niedergeschlagen morden. Die Sozialdemokratie hat in diesem schwersten aller Wahlkämpfe sich nicht nur glänzend geschlagen, sondern auch als politische Macht behauptet. Die Arbeiter, auch die, welche rein gefühlsmäßig diesmal der antiparlamentarischen fommunistischen Partei zu einem parlamentarischen Wahlerfolg verhalfen, werden bald erfennen, wie bitter not mendig eine starte sozialdemokratische Partei für den Lebens fompf des Proletariats ist. Die Arbeiterschaft wird bald ein fehen, daß die tommunistische Partei unfähig ist, eine proletorische und sozialistische Politik zu treiben. Schimpfereien und Gewalt gegen die eigenen Klaffengenossen sind feine Mittel, um die Arbeiter auf die Dauer zufriedenzustellen. Mit am schwersten hatten es in diesem Wahlkampf unsere Berliner Genossen. Hier in der Reichshauptstadt sollte die Sozialdemokratie aus ihrer führenden Stellung geworfen werden. Das war die Abficht unserer Gegner. Es ist ihnen nicht gelungen! Die aufopfernde Arbeit unserer Parteigenoffen, die oft fogar unter Gefährdung ihres Lebens ihre Pflicht taten, ist es zu danken, daß weder Deutschnationale noch Kommunisten bie Sozialdemokratie überflügeln fonnten. Die vor dem Wahlkampf in Berlin totgefagte Sozialdemokratie fonnte am 6. Mai weit über eine halbe Million Stimmen in der Gemeinde Groß- Berlint zählen. Die Kommunisten, die sich schon als die stärkste Partei sahen, sind um eine Hoffnung ärmer. Unsere Barteigenoffen werden jetzt unverzagtanbie Arbeit gehen, um die verloren gegangenen Positionen in fürzester Frist zurückzuerobern. Bei der Kampfentschlossenheit und Bähigkeit, die unseren Genoffen innewohnt, wird das einmal gesteckte Ziel erreicht werden. Die Kommunisten Stehen an einem entscheidungsvollen Bendepunkt ihrer Entwidlung. Sie haben mit ihrer starten Reichstagsfraktion icht den Beweis zu erbringen, ob sie gewillt und fähig sind, ber Arbeiterschaft zu dienen. Die Arbeiter werden sich nicht mehr mit importierten Parolen und Redensarten abspeisen laffen. Bei der inneren 3erfahrenheit der mmunistischen Partei, die infolge des Wahlkampfes der breiten Deffentlichfeit nicht deutlich genug vor Augen trat, fann man heute fchon sagen, daß die Kommunisten unfähig sind, sozialistische Arbeiterpolitik zu treiben. Das wird den Arbeitern recht bald zum Bewußtsein tommen. Wenn die Rote Fahne" in ihrem gestrigen Leitartikel die nächste Aufgabe der Kommunisten dahin umschreibt: Berschärfter, fchonungsloser, unerbittlicher Kampf bis zur Vernichtung das ist die Aufgabe der Partet der BSBD. gegenüber so wollen wir diesen Arbeiterpolitikern" schon fagen, daß sie ihr Ziel niemals erreichen werden. Sozialdemokraten lassen sich weder von Heil- Rufen" der Völkischen noch von dem hysterischen Verratgefchrei der Kommunisten beeinflussen. Bir Sozialdemokraten sehen unsere vornehmste Aufgabe darin, der erstartten wirtschaft lichen und politischen Reaktion eine geschlossene, zielbewußte Arbeiterschaft entgegenzusehen. Die Zeit der proletarischen Berriffenheit muß ein für allemal vorbei sein, wenn nicht die gesamten Arbeiterintereffen schwersten Schaden leiden sollen. Das erkennen die Arbeiter immer mehr und werden demzu folge dem unverantwortlichen Spiel der Kommunisten bald eine Absage erteilen. Wer die Arbeiter gegeneinander auf bringt und darüber den Kampf gegen den gemeinsamen Feind vergißt, treibt ein frepelhaftes Spiel mit den Intereffen der Proletarier. Die Kommunisten werden sehr bald in Berlin erkennen müffen, daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die Berliner Sozialdemokraten werden mit unver minderter Kraft gegen die Feinde und falschen Freunde ber Arbeiterschaft im Kampfe stehen. Ihre Losung ist:„ Der Bahlkampf ist zu Ende, es lebe der Kampf für die SozialFranz Künstler. demokratie!" Wirtschaft Die Gefahren der gegenwärtigen Konjunktur. Immer mehr seht sich die Erkenntnis durch, daß die Belebung der Nachfrage in der Industrie und die damit steigenden Preise nicht Anzeichen einer Gesundung der wirtschaftlichen Entwicklung sind, fondern vielmehr durch Momente veranlaßt wurden, die nicht auf die Dauer wirksam bleiben können. Mit der Stabilisierung trat zu gleich der lange zurückgedrängte Bedarf breiter Bevölkerungsfreise nach waren verschiedenster Art hervor, die früher nicht beschafft werden fonnten. Zur Befriedigung des Bedarfs wurde, weil er eben bringend war, oft ein ungerechtfertigt hoher Breis bewilligt. Die umfangreichen und erst im letzten Monat zurüdgedämmten Kredit. gewährungen der Reichsbank und Rentenbank erleichterten dem Han del und den industriellen Berarbeitern, im Vertrauen auf das weitere Steigen der Preise große Aufträge zu ertellen. So wirkten echter, aber infolge der Zeitumstände künstlich übersteiger ter Bedarf und fünstlich gefchaffene Rauftraft zu sammen, um eine neue Belebung der Konjunktur herbeizuführen. Der echte Bedarf mußte zusammenfchrumpfen, sobald die dringendste Not zu einem fleinen Teil befriedigt war und steigende Preise den breiten Maffen das Kaufen unmöglich machten. Die Schaffung von Rauftraft durch Kredite ist bereits abgestoppt. Einen erneuten Barnruf zur Üleberschäzung der gegenwärtig so günstig erscheinenden Konjunktur stößt das Rheinische Landesarbeitsamt aus, indem es schreibt: Die tatsächliche Lage des Arbeitsmarktes und feine Entwicklungslinie in der nächsten Zeit tönnen besonders heute nur richtig beurteilt werden, wenn man ihn in die allgemeine Wirtschaftslage hineinstellt. Die Verzögerung der Reparationsregelung und das Nagen der französischen Presse an dem Sach verständigengutachten drücken auf die Unternehmungsluft. Ferner setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, daß man sich im Fe bruar, März und April in den Preisdispositionen etwas ver galoppiert hat. Hinzu kommt das Insolvenzmißtrauen. Bum Beweise der Dauerhaftigkeit der guten Beschäftigung wird vielfach auf den großen Auftragsbestand auch für entferntere Monabe hingewiesen und nicht beachtet, daß die Befbellungen auf der recht optimistischen Einstellung ber letzten Momate beruhen. Die Besteller glauben oder glaubten, in der 3wischenzeit bis zur Bezahlung der Bestellung genügend abgefeßt zu haben, um die Aufträge abnehmen und bezahlen zu können. Ueber den Eingang der Zahlungen wird geflagt und stocender Zahlungseingang und Auftragsannullierun gen pflegen Geschwister zu sein. Auch die Schwäche an einzelnen Rohstoffmärkten, die nicht nur auf Geldknappheit, sondern auch auf Ueberlegungen über den Absatz der Fertigwaren zurüdzu führen ist, sollte zum Nachdenken über die Dauer der guten Bes fchäftigung anregen. Es wird wieder mit dem spizzen Bleistift gerechnet und scharfe Kalkulation und Ueberlegung müssen sich überall durchsetzen." Das Arbeitsamt ist jedoch im Irrtum, wenn es in weiteren Ausführungen der Arbeiterschaft zuredet, von Lohnerhöhungen abzuPreisnotierungen für Nahrungsmittel, Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. Gerstengrütze, lose... Haferflocken, losa.... Roggenmehl 0/1..... Hafergrütze, lose Welzengrieß Hartgries Weizen Auszugmeh! 70% Weizenmehl Speiseerbsen, Viktorla Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, I erl Linsen, kleine. Kartoffelmehl Langbohnen, handverles. Linsen, mittel Linsen, große Makkaroni Makkaronimehi Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, Java Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Schnittnudein, lose. Tafelreis, glasiert, Patna Ringäpfel, amerik. Cal. Pflaumen 40/50 Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer 17,00-21,00 Zucker Würfel 18,75-21,0 Kunsthonig 22,00-24,00 45,00-47,50 Zentner frei Haus Berlin... 15,50 16,751 Malzkaffee, gepackt 15,50- 16,50 Röstgetreide, lose.... 16.50-18,00 100,00-120,00 15,70-15,75 Kakao. fettarm 16,00-16,50 Kakao, leicht entölt 120,00-150,00 12,75-14,00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 18,00-19,50 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 22,00-25,50 Inlandszucker basis mel. 39,0 42,00 14.25-16,00 Inlandszucker Raffinade 42,00-44.00 34,00 40,00 14.00-16,50 Zuckersirup hell in Elm. 43,00-49,00 22,25-24,50 Speisesirup dunk. in Eim. 28,00- 33,00 25,00-35,00 Marmelade Vierfrucht 40.00-48.00 29,00-31,75 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-120,00 36,50-42,00 Pflaumenmus in Eimern 45,00-48,00 43,00-49,50 Steinsalz, lose...... 4.00- 4,70 18,00-21.00 Siedesalz. Iose 40,00 46,00 Bratenschmalz in Tierces 67,50 36,00-37,50 Bratenschmalz in Kübeln 68,00- 68,50 65,00 20,00-24,00 Purelard in Tierces 15,50-17,25 Purelard in Kisten... 65,50-66,00 17,00-19,50 Speisetalg in Packung 50,00-53,00 48,00-50,00 25,00-31,00 Speisetalg in Kübeln 31,00-36,60 Margarine, Handelsm. 58,00 90,00-95,00 desgl. II 76,00 43,00-45,00 Margarine, Spezialm. I. 50,00-5,00 desgl. 11. 61,00-65,00 3,10- 3,70 52,00-55,00 165,00 70,00 25,00 Molkereibutter i. Fässern 215,00-218,00 70,00 85,00 Molkereibutter in Pack. 220,00-223,00 75,00-90,00 Landbutter 77,00-83,00 Auslandbutter in Fässern 215,00-218,00 145,00-135,00 Auslandbutter in Packg 220,00-223,00 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00-70,00 22,00- 35,00 35,00-50,00 120,00-125,00 130,00-135,00 Quadratkäse. Schwarzer Pfeffer Singap. 103,00-111,00 Quarkkäse 138,00-148,00 Tilsiter Käse, vollfett Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 185,00-220,00 Ausl. ungezuck. CondensRohkaffee Zentralamerika225,00-292,00 Röstkaffee Zentralam. Röstkaffee Brasil. milch 48/16 21,00-24,00 240,00-290,00 Inländische.desgl. 48/12 17,50- 18,50 300,00-390,00| Inl. gez. Condensm. 48/14 27,00-28,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Mittwoch, 7. Mai 1924 fehen, um nicht den notwendigen Breis abbau zu verhindern! Zum Preisabbau war während der Zeit, wo den Arbeitnehmern rüdsichtslos die Löhne reduziert wurden, den Unternehmern Ge. legenheit genug gegeben Noch heute werden Brodukte, die einen sehr hohen Anteil menschlicher Arbeit enthalten, zu Beitmarktpreisen und darüber verkauft, obwohl die deutschen Löhne weit hinter denen des Auslands zurückbleiben. und schließlich muß man die Frage aufwerfen, wie denn die Industrie den notwendigen Absatz finden will, wenn weiter wie bisher Preise und Löhne einander nicht entsprechen? Der Appell an die Arbeiterschaft ist daher nicht gerechtfertigt. Von ihr fann man nicht verlangen, daß fie außer den hohen Steuern noch Lohneinbußen ertragen soll, ohne daß die Regierung an eine ernsthafte Befämpfung des Rartellwuchers, der kapitalistischen Spefulation, ber Ueberfüllung des Handels und der übrigen Krifenerscheinungen der Inflationswirtschaft herantritt. Und diejenigen Unternehmer, die ohne Rücksicht auf die für die Gesamtwirtschaft zu erwarteten Folgen Preise heraufsehen, Lohnerhöhungen aber bekämpfen, haben gewiß Beinen Anlaß, über mangelndes Verständnis der Arbeiterschaft zu reden, wenn man diefer zumutet, bei fallender Ronjunttur Lohnherabfegungen hinzunehmen, bei steigender aber auch auf die an sich notwendige Lohnsteigerung zu verzichten! Allerdings werden die Gewerkschaften wie feit jeher bei jedem einzelnen Lolyntampf darauf zu achten haben, ob die Borbedingungen für eine erfolgreiche Bewegung in einem guten Gefchäftsgang des fraglichen Gewerbezweiges gegeben sind. Das erfordert schon ihr Eigeninteresse und die Berantwortung für den Erfolg. Ehe man aber von der Arbeiterschaft eine Mäßigung im Rampfe um die Grundlagen ihrer Eristenz und ihrer Arbeitsfähigkeit verlangt, ist es Pflicht der Unternehmer, zu zeigen, daß es ihnen mit einem Preis abbau ernst ist. Bisher haben sie das jedenfalls nicht bewiesen. Der erste Ausweis der Golddiskontbank. Nachdem die Reichsbant aus Gründen der Währungsstüßung ihre Kreditgewährung wesentlich hat einschränken müssen, ist die Golddiskontbant als Rotheifer in die Bresche gesprungen. Ihre Kredite unterscheiden sich von denen der Reichsbant von vornherein dadurch, daß sie auf englische Pfund lauten. Sie find, soweit nicht das Eigenkapital der Bank zur Dedung herangezogen wird, lediglich weitergeleitete Kredite, die man im Ausland für e deutsche Wirtschaft flüffig gemacht hat. Der erste Ausweis der Gold diskontbank vom 30. April hat folgendes Aussehen: Attiva 1. Goldbeftand 2. Noten ausländischer Banken. ₤ 8. Täglich fällige Forderungen im Ausland 5 644 307 4. Wechsel und Scheds davon furzfristig 5. Noch nicht eingezahltes Attienkapital 6. Sonstige Aktiva Passiva 1. Grundkapital 2. Reservefonds 3. Banknotenumlauf 4. Täglich fällige Verbindlichkeiten 5. Sonstige Passiva. Giroverbindlichkeiten: teine. sh 9 000 5 505 2 9 585 189 16 8 806 000 10 050 001 18 10 10 000 000 86 657 13 2 13 344 10 050 001 18 10 Die Golddiskontbant hat alfo bis Ende April erft 585 189 Brunid ( etwa 11,7 Millionen Goldmart) gegen langfristige Wechsel der Wirt fchaft zur Verfügung gestellt. Gin wesentlich größerer Betrag ist inzwischen bewilligt worden. Das Eigentapital ist zum Teil, näm fich in Höhe von 3 806 000 fund, bei den Aktionären noch nicht ein. gefordert. Der Bant stehen 5 644 307 Pfund Auslandsgut. haben zur Verfügung. Der eigene Beftand an Geld und Auslands. noben beziffert sich auf 14 505 Pfund. Auf der Passivseite erscheinen außer dem Grundkapital 50 001 Pfund als Berbindlichkeiten, die sich größtenteils aus erteilten, aber noch nicht erhobenen Krediten zu famunenfeßen dürften. Vom Arbeitsmarkt. Landesarbeitsamt Berlin. Die Feftigung der Wirtschaft gewinnt trag der be fannten entgegenstehenden Hemmungen mehr und mehr an Naum. Die Arbeitslosigteit ist in ständiger Abnahme begriffen. Nach der leßten Sentung hat biefelbe jetzt zahlenmäßig mit 98 328 Arbeitslofen gegen 100 202 der Borwoche etwa den Durchschnittsstand der Bortriegszeit erreicht. Von der Befferung der wirtschaftlichen Lage find mehr oder minder alle Berufsgruppen erfaßt worden. Übler Mundgeruch wirt ab Stoßend. Säßlich gefärbte Zähne entstellen bas schönste Antlig. Beide übel werden sofort in vollkommen un Vädlicher Weise beseitigt durch die bewährte 3abnpaite Chlorodont. Was ist eigentlich Flor"? SiWas sind, reguläre" Trikolagen? Wie wäscht man farbige Oberhemden? widamer Diese und ähnliche Fragen beantwortet in grundlichster Weise unsere Schaufenster- Ausstellung vom 7. bis 10 Mai! Max Kihl Leipzigerstr. 81, am Dönhoffplatz Altbewährtes Spezialhaus für Strümpfe, Trikotagen, Strickkleidung, Herrenwäsche = Cine besondere Ausnahme hiervon bildet jedoch noch immer der Stellennachweis für Bureau angestellte. Der Zugang von abgebauten Beamten und Angestellten belastet in hervorragendem Maße diese Berufsgruppen. Die Vermittlungstätigkeit im Bau gewerbe, welches bisher nur zögernd der allgemeinen Aufwärtsbewegung folge, ist durch die Wirtschaftskämpfe der Hauptberufe fast zum Stillstand gekommen. Eine Ausnahme hiervon bilden die Nebenberufe, insbesondere die Maler, für die noch immer gute Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden sind. Unter den insgesamt bei den Arbeitsnachweisen eingetragenen Personen befanden fich 75 838( 77 550) männliche und 22 490( 22 652) weibliche Bersonen. Unterstützung bezogen 25 724( 30 852) männ liche und 4185( 5155) weibliche, insgesamt 29 909( 36 007) Berfonen. Die Zahl der zu gemeinnüßigen Pflichtarbeiten lleberwiesenen betrug 2195 gegen 2146 der Vorwoche. Die Landwirtschaft und Gärtnereien ftanden weiter im Zeichen eines großen Kräftebedarfs. Insbesondere mangelt es an jugendlichen und weiblichen Arbeitskräften. Die Nachfrage nach Spezialfräften in der Metallindustrie und im Spinnstoffgewerbe hat angehalten. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist weiter zurüdgegangen. Die Vermittlungsergebnisse in der Zellstoff- und Papierherstellung und verarbeitung sowie in der LederBreußisch- Süddeutsche Klaffenlotterie: abend, ben 10. b. W statt. Höchftgewinn: 100 000 Rentenmart. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß das Spielen in auswärtigen Lotterien, auch in der Hamburger und Sächsischen Lotterie, bei Strafe verboten tit. 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Im Bekleidungsgewerbe ist eine starte Nachfrage nach geübten Kräften noch immer vorherrschend. Insbesondere mangelt es an jugendlichen Arbeiterinnen der Buzz- und Federnbranche, sowie an ersten Kräften für Maß- und Konfektionsarbeit. Eine Belebung der Nachfrage nach Arbeitsfräften herrschte auch im Bervielfältigungsgewerbe, im Gastwirts- und im Handelsgewerbe. Aus den Ergebnissen der Arbeitsnachweis statistit geht hervor, daß der März eine erhebliche Belebung der Inanspruchnahme feibens der Arbeitgeber gebracht hat. Das Angebot offener Stellen stieg von 487 830 im Februar auf 677 947 im März, d. h. um 39 Proz., während die Zahl der Arbeitsgesuche von 2,66 auf 2,24 Millionen zurückging, d. h. um 15,6 Proz. Die Gesamtandrangsziffer fant entsprechend von 545 auf 331 Arbeitsgesuche auf je 100 offene Stellen. Die Inanspruchnahme der Erwerbslojen fürsorge im unbefehten Gebiet hat nach den bis Mitte April vorliegenden Meldungen weiter starf nachgelassen. Es wurden unterstützt am 15. März 975 885 Bollerwerbslose, am 15. April 475 988, b. h. nur noch etwa die Hälfte. Kurzarbeiter werden infolge einer Aenderung der Bestimmungen im allgemeinen überhaupt nicht mehr unterstützt. Creme Die Creme der vornchmen Welt! Der deutsche Arbeitsmarkt im März und April. Nach dem erst jetzt vorliegenden Bericht des Reichs= arbeitsblattes" über den deutschen Arbeitsmarkt im März und Anfang April hat sich der Arbeitsmarkt im ganzen Reichhe belebt. Nur im Bergbau herrschte eine überwiegend ungünstige Entwicklung. Der Beschäftigungsgrad im ganzen ist aber noch längst nicht befrie= digend troh der in den letzten Monaten eingetretenen Besserung. Die Arbeitslosigkeit in den Gewerkschaften war am 29. März immer noch beträchtlich. Man zählte dort 16,6 Proz. Arbeitslose gegen 25,1 Proz. im Februar und 9,9 Proz. Kurzarbeiter( im Februar 9,9 Proz.). Demnach war an diesem Zeitpunkt in Deutschland immer noch jeder sech ste Arbeiter arbeitslos, jeder vierte Arbeiter durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit seines Arbeitsverdienstes ganz oder teilweise beraubt. Aus den Berichten feien noch folgende Zahlen wiedergegeben: Die Krantentaffen statistit ergibt RAJANOL G. m. b. H., Berlin- Oberschöneweide eine Zunahme der Versicherungspflichtigen bei 5382 Kaffen( im VorSEIFEN- PULVER Dr.Thompson's Seifenpulver frotz größter Waschkraff garantierf unschädlich! Große Auswahl für starke und stärkste Figuren Für beste Qualitäten seit 36 Jahren bekannt Extra- Vorteile! Größte Elle geboten! Von Mittwoch bis Sonnabend! Preise ganz bedeutend herabgesetzt! Einige Beispiele! 88.Fesche Mäntel... 18.- 191 27.-| Impr. Mäntel Feine Tachmäntel... 58.- 78.- 96.- Reinw. Kostüme mit Tressen verzierung. 49.Modell- Kostüme u. Mäntel, zem Aussuchen.. 98.- Gummimäntel für Herren u. 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