Nr.21H�41.Iahrgat»g Ausgabe A Nr. III VezugSpreiS- WZch«ntlich 70(Solipfetmig, ntonaffiA (Bolimtoc! voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danziz. Ellar- und Memelgebiet. Oelierrcich, Litauen, Luxemburg 4.2» Goldmark, pir da» übrige Ausland SLSGoldmark vro Monat. Der„Sottuörls* mit der Sonntag». beilage„Volk und sseit' mit„Siedlung uud Kleingarten�, sowie der UnterhaUungsbeUag«.Leimwelt' nnd ffrauenbeilage„Frauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal« Sonntag» und Montag»«tszaal. Delegramm-Ab reffe: «Sozialtemolrat«erli»' Morgenausgabe c 1« CtolSpwmiw 10« Milliarden 3 Derlinev VolksblÄtt Anzelgenprcise: Die einlpaltige Nonpareille. zeile 0.70 Goldmarl. Reklamrzeile 4.— Eoldmark.„Kleine Anzeigen' das iettgedruckte Wori 0.20 Gold- Marl szulälstg zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 0.10 Goldmark. Stellengesuche das erste Wort 0.10 Doldmarl, icdes weitere Wort O.Ob Goldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, ssamilienanzeigcn für Abonnenten Keile OLO Eoldmar!. Gin« Soldmark— ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis IM- Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW OS, Linden- ftrasseS, abgegeben werden. Geäffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr nachm. Zentralorgan der"Vereinigten Sozialdemokrat» feben parte» Deutfcblanda Ueöaktion und Verlag: Elv tZ, ilnüenstraß« 3 r» Medaktion: Tonhoff 292—295 Aernspreaier. 8 e r!« fl s Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 9. Mai 19&4 vorwärts-verlag G.m.b.H., SM HS, Linöenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin Z75 Z«— Bankkonto: Direktjon der Diskonto-Mekellschaft« Depositenkasse Lindenstrasfe 3 Die Aussperrung vollständig. Ausficht auf Berhandlungeu? Di« Lage im Bergbau hat sich v e r s ch ä r f t. Die A u s- iperrung ist vollständig. Auch im linksrheinischen Bergbau ruht die Arbeit. Alle Meldungen, die von der Ab- reise des Arbeitsministers nach dem Industriegebiet und dem Eintreffen einer Deputation der Ausgesperrten in Berlin z»l berichten wissen, sind mindestens verfrüht. Jedoch werden am Freitag die Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer am Verhandlungstisch zusammentreffen, um über Tariffragen zu verhandeln. Die Verhandlung war vor Ausbruch des Kampfes vorgesehen. Sie gibt jetzt«ine Ver- handlungsmöglichkeit. Die Presse des Unternehmertums fährt fort, die öffentliche Meinung über Ursache und Wesen des Kampfes irrezuführen. Sie spricht von Generalstreik statt von Generalaussperrung. Das Unternehmertum hofft, die Aussperrung zu einer schweren Niederlage der Arbeiter zu machen. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" läßt sich melden: „Immerhin glaubt man in führenden Unternehmerkreisen nicht «n ein« lang« Dauer des Generalstreiks, da die Arbeiter- fchoftkein Geldtnden Händen hat und auch t e i n e O r» ganisationskasse m der Lage ist, den Streik finanzieren zu können." Diese Meldung zeigt, worum es sich handelt: die ausge- hungerte Arbeiterschaft soll vollends niedergerungen werden! Die Sch»lld des Zechenkapitals an der Provokation des Kampfes läßt sich nicht verbergen. Dif schwerindustrielle »Kölnische Zeitung" schreibt zu der Aussperrung der Bergarbeiter: „Es wäre wohl richtiger gewesen, wenn der Zechenverband, schon um den Bergarbeiterverbänden jede Waffe aus der Hand zu nehmen, noch einen Tag gewartet hätte... Der„Kölnischen Zeitung" ist Voreingenommenheit gegen die Bergwerksbesitzer nicht nachzusagen. Es steht also un- zweideutig fest, daß die Grubenbesitzer den gegenwärtigen Zeitpunkt für geeignet halten, um einen Machtkampf zu ent- scheiden. Separatistische Gefahren. Die Aolge der Unternehmerprovokatio«. Das scharfmacherische Vorgehen der Unternehmer hat im Ruhrgebiet die Separatisten wieder auf den Plan ge- rufen. Sie hoffen die bereäitigt« und verständliche Erbitterung der Arbeiterschaft über die Behandlung, der sie von den Unter- nehmern ausgesetzt sind, für ihre Zwecke ausnützen zu können. Uns wird aus dem Ruhrgebiet ein Dokument zur Verfügung gestM, das zeigt, in welche Gefahren nicht nur unsere Wirt- s ch a f t, sondern auch unsere politische Entwicklung durch das Unternehmertum gestürzt wird. In diesem als »Richtlinien für den Ruhrkampf" bezeichneten Schriftstück heißt es: 1. Der Ruhrkrieg und der erste Achtstunden-Arbeitszeitkampf ist verlorengegangen durch die Uneinigkeit der Arbeiterschaft. Die jetzige Generalaussperrung ist dl« beste und letzt« Generalaus- sperrung, ist die beste und letzt« Gelegenheit, der Reaktion die Macht zu entreißen. Di« Gesamtarbeiterschoft hat ihre Arbeitswilligkeit auf Grund des alten Achtstundentages zu erklären. Bei Anpassung der Löhne an die en g l i s ch e n A r b e i t e r l ö h n e. Den Zechenbesitzern ist ein Ultimatum von zwei bis drei Tagen zu stellen. Nach Ablauf dcs Ultimatums müssen aus innen- und außenpolitischen Gründen die Betriebe von der Arbeiter- und Angestellten- schaft übernommen werden. Begründung: Wieder- gutmachung zugunsten der geschädigten Böller durchdieIndustrie bzw. durch deren Produtte, nicht nur durch die Arbeiter mittels Lohnkürzung und Arbeitszeitverlängerung. D i e Besatzungsmächte üben stritt« Neutralität. 2. Nach Uebernahme der Brtriebe sofortige Fühlung. nahm« mit der französischen, belgischen und eng» lischen Regierung bzw. deren Dertreter in Düsseldorf und Koblenz bei gleichzeitiger Anrufung der Arbeiterparteien in den ge- nannten Ländern zwecks allgemeiner Berständigung, Finanzierung durch dj« Besatzungsmächte bzw. Alliierten, Finanzgarantie genügt. Eicherhett durch alliierte Leitung bzw. Kontrolle. 3. Borschlag einer sofortig«« Bildung des unab. hängt ge» Ruhr- und Wirtschaftsstaates unter Kontrolle einer Le t rl e b s v e r t re t u n g. als Leitung ein Wohlfahrtsdirektorium. Letzteres auch besonders für die Der- Handlung mit den Alliiertenvertretern. Die„Barolen" find klar. Sie pasien sick in aefchickter Form den Gedanken an, die im Ruhrgcbiet von Unionisten und Kommunisten in manchen Variationen oft vertreten sind. Der Separatismus muß aus dem Vorgehen der Unternehmer Nahrung ziehen. Um so mehr wäre es Pflicht der Regierung elles zu tun, um auf die Ruhrunternchmer mäßigend einzu- wirken und dafür zu sorgen, daß durch rechtzeitiges Entgegenkommen an die Forderungen der Bergarbeiterfchast sich hier nicht ein Brandherd entzündet, der die schwachm An- sätze zu wirtschaftlicher und politischer Gesundung wieder ver- nichtet. Dem Bürgertum sollten auch diese Dinge wieder klar machen, daß in Deutschland ein Kurs gegen die Arbeiter- schast nur zum allgemeinen Zerfall führen kann. „Die faulen Seryarbeiter". Ein Teil der bürgerlichen Presse bringt im Zusammen- hang mit dem Ruhrftreik Mitteilungen über die Ergebnisse der Kohlenförderung der letzten Zeit, die offenbar von un- kundiger oder böswilliger Seite stammen. Sind sie doch ge- eignet, die bisherige Förderleistung des einzelnen Berg- orbeiters geringer erscheinen zu lassen, als sie tat- sächlich war, so daß der Unbeteiligte leicht zu dem Schlüsse ver- leitet wird, die Bergarbeiter ließen sich entweder zu ihrem Vergnügen oder aus Faulheit aussperren. Die Kohlenförde- rung im Ruhraebiet hat nämlich den Vorkriegsstand nahezu, mindestens zu neun Zehnteln, erreicht. Um diese Tatsache in ihrer Tragweite für die Beurteilung des Streiks abzuschwächen, verweist man darauf, daß die B e l e g- schaft gegen den Vorkriegsstand von 399 999 auf 4S8 999 Arbeiter gestiegen sei. Verschwiegen wird, daß in diesen Belegschaftszahlen nicht nur die Arbeiter des reinen Kohlen- bergbaues, sondern auch die der Kokereien enthalten sind. Nun hat diese Art der Kohlenverarbeitung, deren Produkte außer Kots Ausgangsprodukte hauptsächlich der chemischen Industrie sind, in und nach dem Kriege gewaltig zuge- n o m m e n, ihre Arbeiterzahl ist also wesentlich gestiegen, ohne daß die Kohlenförderung selbst den geringsten Vorteil davon hatte. Rechnet man nun die Arbeiter dieses stark ange» wachsenen Betriebszweiges der Förderung zu, so entsteht eine grobe Irreführung, deren Sinn nur allzu durchsichtig ist. Aber dem Zweck, der Schmähung der streiken- den Arbeiter, sucht man alle Mittel dienstbar zu machen. Die Absicht, die die Bergherren dabei verfolgen, llt nur zu deullich. Bringt doch sogar der„Berliner Börsen- : o u r i e r" eine Zuschrift aus Leserkreisen, die nach einem i Seitenhieb auf die Arbeiter gegen die Absicht der Unternehmer ' protestiert, Kohlenpreisermäßigungen hintan» zuhalten. Es heißt da: „Die Oeffenttichkeit muß es ablehnen, wenn die Kohlen» industriellen aus der Rot ein« Tugend und aus dem Schaden einen Nutzen machen, d. h. wenn sie der deutschen Wirtschaft nicht nur den aus dem Streik direkt erwachsenden Schaden, sondern darüber hinaus einen imaginären Schaden auf- bürden wollen und versuchen, schon setzt in der Oesfentlichkeit den Schein des Rechts für rveiteres Festhalten am hohen Stand der Kohlenpreis« in Anspruch zu nehmen." Die hier erkannte Absicht des Kohlenbergbaues ist denn auch tatsächlich eine der wesentlichsten Triebfedern der Aus- sperrung gewesen, die von den Unternehmern pro- vo ziert wurde. Vermittlungsversuch. Kecklinghaosen. 8. Illd.(ZU.) wie die„Rheinisch-west. sälische Zeitung" aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat der Ober- Präsident von Westfalen, Gronowski, die Reichs- und S laatsregierung gebeten, die v-rmitteluag in den schwebenden Streitfragen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Bergbau zu übernehmen. Verhandlungen am Freitag. Bochum, S. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der in t)amm zwischen den Tarifparteien getroffenen Vereinbarung entsprechend beginnen die Verhandlungen über den Rahnientarif km Rulzrbergbau am Focitagvormittag im Ruhrrevier. Es handelt sich hierbei um eine Beratung zwischen dem Zechenverband und den vier Bergarbeiterorganisationen, die ohne Mitwirkung der Schlichtungsbehördcn stattfinden. Aus der Sachlage ergibt sich, daß dabei auch die übrigen Streitfragen zur Diskussion stehen werden. Di« in Frage kommenden Organisationen haben ihre Teil- nähme an den Verhandlungen zugesagt. Die Aussperrung in Sachsen. Leipzig. S. w-i.(TU.) Die Aussperrung im ganzen sächsischen Steinkohlenbergbau ist, wie die.Leipziger Reuesten Räch- richten" hören, bereits allgamein durchgeführt. Auch im staatlichen Steinkohlenwerk Zaukerode, wo sich die Arbeiter dem Vorgehen ihrer Kollegen im Zwickau-Oelsniher Bezirk angeschlossen hatten, ist die Aussperrung erfolgt. Die Zahl der im Z w i ck a u e r Revier zur Entlassung gekommenen Arbeiter dürste schähunosweise 35 0 0 0 betragen. Die„Chemnitzer Volks- stimme" meldet, daß die Sicherheilspolizei in Oelsnitz zwei Werke beseht hat, weil die Helfer und Maschinisten aus den Gruben „Deutschland" und„Vereinszlück" Schutz verlangt haben. (weitere Nachrichten aus der 3- Seite.) Das welfische Zwischenspiel. Hannover, 8. Mai. Am 18. Mai wird sich in Hannover eine seltsame An- gelegenheit abspielen. Auf Grund des Artikels 16 der Reichs- Verfassung, des dazu ergangenen Ausführungsgesetzes und der dazu ergangenen Ausführungsbestimmungen wird an diesem Tage im größten Teil der preußischen Provinz Hannooer eine Vorabstimmung darüber stattfinden, ob eine A b st i m- m u n g über folgende Frage stattfinden soll: Sollen die preußischen Regierungsbezirke Hannover, Hildes- heim, Lüneburg, Stade, Osnabrück von Preußen abgetrennt wer- den und ein selbständiges Land bilden? Der Antrag, daß diese Vorahstimmung stattfindet, ist ge- stellt worden von der Deutschhannoverschen Partei, die man kurz als die Welsen zu bezeichnen pflegt, weil sie immer noch Anhänger des welfischen, von Preußen im Jahre 1869 entthronten Königshauses sind. Nicht zum erstenmal. Kurz vor dem Einmarsch der Franzosen und Belgier ins Ruhrgebiet haben die Welsen den Antrag schon einmal gestellt; damals mußten sie ihn zurückziehen, weil unter dem Eindruck dieser Vorgänge im Westen die Lffentliche Meinung im Abstim- mungsgebiete derartig eindeutig, gegen ihren Antrag Stellung nahm, daß die Antragsteller befürchten mußten, bei der Vorabstimmung zu Paaren getrieben zu werden Im Spatherbst 1923, als in der Schlußphase der Inflation ringsum in Deutschland alles zusammenzubrechen schien, haben die Deutschhannoveraner ihren Antrag abermals eingebracht. Hätten sie damals sofort die Vornahme der Vorabstimmung durchsetzen können, so hätten sie vielleicht Erfolge erzielt, die ihnen jetzt nicht beschieden sein werden. Wie der 4. Mai all» gemein gezeigt hat, daß die radikalen Flügelentwicklungen in Deutschland schon rückläufig zu werden beginnen, so hat er auch dargetan, daß die Aktien der deutschhannoverschen Be- wegiung, die vorübergehend ziemlich gestiegen waren, bereits wieder im Sinken sind. Nicht einmal ihre Stimmenzvhl vom Juni 1929 hat die Deutschhannoersche Partei wieder voll er- reichen können, rund 13 999 fehlen ihr daran. Die welsische Beweg»mg will die Gebietseinteilung Deutschlands ändern. Ueber den ersten Schritt aus diesem Wege sind ihre Anhänger sich einig, wohin er aber führt und wovor er haltmachen soll, darüber besteht in den Kreisen der Deutschhannoverschen Partei selbst die größte Uneinigkeit. Ein großer Teil von ihr will ein selbständiges Land Hannover im Rahmen des Deutschen Reiches, andere da- gegen betrachten dies nur als einen e r st e n S ch r i t t zu größeren Dingen. Ein G r o ß- N i e d e r f a ch s e n soll be- gründet»Verden, und in den offiziellen Parteizeitungen der Welsen kann man schon ernstgemeinte Aufsätze lesen, gegen die die Redaktion keinen Einspruch erhebt und in denen die sichere Erwartung ausgesprochen wird, daß dem„befreiten� Hannover große andere Teile Deutschlands, Bremen, Braun- schweig, Oldenburg, Schaumburg-Lippe, Lippe-Detmold, sa Hamburg. Schleswig-Holstein, beide Mecklenburg, der Westen der Provinz Sachsen und der Nordosten der Provinz West-- falen sowie der Norden der Provinz Hesien-Nassau sich an- schließen werden. In der Agitation im Lande gehts noch viel gröber zu. Da geht man in den Versprechungen und in der Angabe der zu verfolgenden Ziele noch viel weiter. Die einen Agitatoren begnügen sich damit, die Rückkehr des Welsen- Hauses auf den Königsthron von Hannover zu versprechen, entschlosienere Leute erklären, dieser neue hau- noversche König werde Hannooers Schulden aus seiner Tasche bezahlen und auf sein Vermögen eine selbständige han- noversche Währung aufbauen. Daneben wird eine widerliche Hetze betrieben, die hauptsächlich um zwei Behauptungen sich dreht: einmal um die, daß die Provinz Hannover von Preußen systematisch ausgebeutet werde(der bisherige deutsch- hannoversche Reichstagsabgeordnete Langwost, der diesmal freilich auf der Strecke geblieben ist, versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß diese Ausbeutung Sy* Milliarden Goldmark erreicht habe), sodann um die, daß die hannoversche„Frei- heitsbewegung" von Preußen in der schamlosesten Weise ge- knechtet werde. Beweise für beide Behauptungen fehlen. Das Gegenteil des Behaupteten steht objektiv fest. Trotzdem wird die angegebene Melodie mit großer Beharrlichkeit von Leuten, die es ganz gut besser wissen, weiter gepfiffen und weiter ge- heult und jeder Gegner beschimpft. Wer nicht„geborener Hannoveraner" ist und sich doch um die Sache kümmert, dem wird, wie kürzlich einem Reichsminister, an der Spitze des Zentralorgans der Deutschhannoverschen Partei gesagt, er solle es nicht wagen, noch einmal nach Hannoer zu kommen und dort zu reden; wer aber ein„geborener Hannoveraner" ist und die deutschhannoverschen Zersplitterungsbenrebungen ver- wirft, dem werden Beleidigungen wie die folgenden an den Kopf geworfen:„Ein Verräter oder ein bezahltes Subjekt ist, wer für Preußen eintritt/" Ganz unverhohlen freut sich dieser sich überschlagende Fanatismus, wenn dem verhaßten Preußen ein Schaden ge- schieht. Eins der deutschhannoverschen Blätter schrieb kürzlich triun»phierend: So wie in den letzten Jahren der preußische Adler schon manchen Brocken hätte fahren lassen müssen, so werde ihm auch Hannover, dieser fette Bissen, entrissen werden! Im Namen angeblicher Vaterlands- und Heimatsliebe gibt also diese Hetze gan� unverhohlen der innigen Freude darüber Ausdruck, daß deutsches preußisches Land an Belgien, Dänemark,- Polen und die T s ch e ch o- flo w a k ei verloren ging. Die Deutschhannoversche Partei ist in allen Fragen der Innen- wie Außenpolitik, der Wirt- schafts- wie Sozialpolitik, der Kulturpolitik und der Rechts- pfleg« k r a ß r e a k t i o n ä r. Sie appelliert an alle schmutz!- gen völkischen Instinkte und scheut sich keineswegs, wo es ihr gerade paßt, die neuerdings Mode geworden« Judenhetze in den Dienst ihrer Propaganda Zu stellen. Wer sie bekämpft, wird persönlich mit Dreck beworfen. Sachlich unterstützt von allen anderen Parteien, von den Kommunisten bis zu den Deutschvölkischen, lehnt die preußische Staatsregierung, lehnt namentlich auch die Sozialdemo- kratie der Provinz Hannover diese Destrebungen auf das nachdrücklichste ab. Gerade wir Sozialdemokraten wissen, daß das republikanische Preußen das Rückgrat der sozia- len, republikanischen Demokratie in Deutschland ist. Wir be» kämpfen deshalb jeden, der den Versuch wagt, diese» Rück- grat zu knicken. Am 18. Mai werden die Sozialdemokraten Hannovers dem deutschhannoverschen Vorabstimmungsantrag ihre Stimme verweigern und dadurch zu ihrem Teil dazu bei- trogen, daß dieses gefährliche Attentat engstirniger Partitula- risten der Einigkeit und der Freiheit in Deutschland nicht das Grab schaufeln kann. Ein flufruf üer Sozialüemokratie. Unsere Partei erläßt«neu Aufruf gegen die Los- lösung bestreb un gen der Welfen. Darin heißt es: .Preußen ist heute das Rückgrat des demokratischen Gedankens in Deutschland. Preußens ungeschwScht« Politik und dl« dauer- hafte republikanisch« Koalitionsregierung des preußischen Staates haben auf das polltlsch« und wirtschaftliche Leben des inneren Deutschlands beruhigend gewirkt und das Gleich. gewicht gehalten gegenüber den nationalistischen Umtrieben in Bayern und haben die von den Gewaltpolitikern der Entente, insbesondere von Poincare, angestrebte Trennung de« Rheinland«» und Ruhrgebietes von Deutschland verhindert. D!« Zerstückelung Preußens wäre nur im Interesse der Machtpvlitiker. Wer bei der Abstimmung den Welfen entgegenarbeitet, wer mithllst, ihre Pläne zu vereiteln, der dient dem gesamten deutschen Vaterland. Wir fordern imsere Parteigenossen auf. bsi der Abstimmung am 13. Mai nicht mitzustinunen." tzergt und pokncarS. DaS erste Wunder. Die Wannen H e r g t s sind nach wie vor geteilter Met- nung über die programmatische Erleuchtung ihres Führers. Teils möchten sie gerne mit ihm in die Regierung, tells wollen sie die bequeme Agstotionsgrundlage des Kampfes gegen die Crstillungspolitik nicht aufgeben. Der Vorstand des Reichs- landbundes hat eine Entschließung gefaßt, die eine scharfe Absage an H e r g t bedeutet. In dieser Entschließung heißt es: »Der Reichstorudbund erklärt nach Kenntnisnahme des nunmehr vorliegenden Gesamtplanes der Sachverständigen die darin Deutsch- land zugemutete Preisgabe von Hoheitsrechten für unaunehm- bar und lehnt das Gutachten in der vorliegenden Gestalt als praktische©ninötege für die Lösung des Entschädigungsproblem» o b. Der Reichslandbund fordert, daß ein« Regierung gebildet wird, die dem Feindbunde Gegenvorschläge zustellt, die Wirtschaft» llch erfüllbar sind und politisch die Freiheit bringen." H e r g t zieht hüh, der Relchslandbund zieht hott, und was herauskommt, ist von Hebel. Die Frage der Außen- polstik war vier Jahre lang d i e politische Frag«, an der sich die Geister in Deutschland schieden, und nun offenbart sich. daß die Deutschnationalen heute noch nicht wissen, was sie in dieser Frage wollen. Die Leute, dle sich im Wahlkampf als die berufenen starken Retter Deutschlands aufspielten, schwanken heute hin und her zwischen den außenpolitischen Ansichten ihrer Gegner und zwischen bequemen Agitations- Phrasen. Die außenpolitischen Interesien des Reiches werden von den Deutschnationalen ihren demagogischen Parteibedürfnissen gewidmet. Ihre Sehnsucht nach den Regierungssesseln schadet Deutschland gleichermaßen wie ihre Agitationsphrasen. H e r g t s Wunderrede macht P o i n e a r 6 Hoffnung, daß der Kurs der deutschen Außenpolitik seinen Absichten entgegen- kommen werde. Die Erklärung PoincarSs, daß er das Sach- verftändigengutachten sich gerne zu eigen mache, ist«in diplo- matifcher Schachzug. Er möchte die Rollen wechseln. Statt der bisherigen Situation: deutsche Annahme, dilatorisches Ver- halten Frankreichs, möchte er die Situation: deutsches dila- torisches Verhalten, französische Annahme erscheinen lasten. H e r g t s Rede gibt ihm die Hoffnung, aus der Isolierung herauszukommen und Deutschland in die Isolierung zu drängen. Das Auftreten Hergts hat also schon ein erstes Wunder gezeitigt: PoincarS erscheint mit dem Oelzweig der Verständigung— um die Verständigung mit Hilfe deutsch- nationaler Eseleien um so sicherer durchkreuzen zu können. Gott verschon« uns vor weiteren solchen Wundern! So ernste Möglichkeiten kümmern H e r g t und die Seinen nicht. Das außenpolitische Verantwortungsgefühl ist bei dem Staatsmann des»großen Wunders" so wenig entwickelt wie sein Gefühl für die Grenze, an der gespielte politische Bedeu- tung in Liederlichkeit umschlägt. verabstbleöung Selßers. Richtung Schwester oder Richtung Knilling? München. 8. Mai.((Eigener Drahtbericht.) Di« Verabschiedung des Obersten o. S e i ß e r als Chef des Bayerischen Landes- polizeimntes ist nunmehr Tatsache geworden. Aus einer Halbamt- lich gegebenen Mitteilung geht hervor, daß die Staatsregierung an Herrn v. Seißer mit der Aufforderung herangetreten ist, von seinem Posten zurückzutreten. Der Grund für diese Maßnahme lag für dt« Regierung angeblich in der Erwägung, daß die Landespolizet vollkommen unpolitischen Charakter trägt und Ihr« Reihen vor innerpolitischen Auseinandersetzungen und Gegensätzen bewahrt bleiben müssen. Di« Voraussetzung dafür ist, daß das Landespolizet. amt von einer Persönlichkeit geleitet wird, die nicht selbst politisch umstritten ist. Diese Voraussetzung scheine der Regierung b« Oberst v. Seiher nicht mehr gegeben. Auf diese Aufforderung semer vorgesetzten Behörde hin hat Herr ». Seißer sofort sein Rücktrittsgesuch eingereicht und hat zur Erledigung der Derobschiedungsformalitäten einen neuen Urlaub angetreten. Zu seinem einstweiligen Nachfolger Ist der Kam- mandeur der Landespolizei, Abteilung Rürnberg-Fürth, Oberst o. Reiß, ernannt worden. Auf Grund des Ergebnisses der bayerischen Politik seit dem 23. September 1923, also feit Errichtung des Generalstaatskommls, sariats, ist es nur natürlich, wenn Harr o. Seißer von seinem Posten verschwindet, um so natürlicher, wenn man weiß, daß Seißer nicht nur der Gefährt« von Kohr und Lossow, sondern vielmehr dle maß» gebende Persönlichkeit de» Diktaturtriumvkats im Generalstaats- kommissariat gewesen ist. wenn er auch als solcher nicht in die Er- scheinung trat. Aber auch bei dieser Sachlage hätte es als selbstverständlich erscheinen müssen, daß mindestens gleichzeitig mtt Seißer wegung ist und deren offene Sympathie genießt, so ist der Der- sentung verschwunden wäre. Da- hätte geschehen können trotz der verbriesten Beamtenrechte de» Herrn v. Kahr, während Herr v. Seißer nur die Rechte eine» verttagsan gestellten genossen hat. Die Einseitigkeit de« Vorgehens der bayerischen Regierung tritt auch deswegen stark in die Erscheinung, weil da» gerichtlich« Ermitt- lungsoerfah ren gegen Lahr, Lossow und Seißer noch gar nicht beendet ist. Es liegt nahe, diesen Anfang der Bereinigung der 8.-November- Politik als einen Fingerzeig für den künftigen Kur» in Bayern anzusehen. Man kann der Auffassung sein, daß der Innenminister Dr. Schweyer, der in seiner letzten Stunde so offensichtlich gegen die völkischen Staatsstreichler die starte Faust zeigen will, auf de? Entlassung des Herrn o. Seißer destanden hat in der Erwägung, daß die bayerische Landespolizei unter der Führung Seißer» allzu sehr von rechtsradikalen Tendenzen verseucht wurde. Die Berechtigung dieser Auffassung wird gestützt durch die Hoffnungen, die die Hoch- Verräter vom 8. November auf die Haltung der Landespolizei seiner» zeit setzen zu dürfen glaubten. Andererseits ist aber zu beachten, daß die Entlassung Seißers, dessen Haltung am S. November immer, hin zunächst einmal den Staat und die Regierung der Bayerischen Volkspartei vor dem unmittelbaren Einsturz bewahrten, für dt« Völkischen einen Triumph bedeutet. Da aber der Ministerpräsident v. K n t l l i n z, der«ine maßgebende Rolle bei der Entlassung Seißers gespielt hat, ein Freund und Beschützer der völkischen Le» wegung ist und deren offene Syympath!« genießt, so ist der Ver» dacht mehr als begründet, daß die Motto« der beiden Minister, di« st« zur Absetzung Seißers oeranlaßten, grundsätzlich verschieden sinb. Iüioten. München, 8. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der„R oseti� heim er Anzeiger" teilt mit, daß in emer völkischen Wahlver» sammlung in, Brannenburg der Referent, ein Nattonalsoziaiist Hoffmann aus München, im Verlauf eines mehr als zweisttm. dtgen, von Beschimpfungen gegen Tote und Lebendige strotzenden Referats unter anderem sich folgende.vaterländische" Ergüsse leistete: Maiser Wilhelm II. war ein lldiot, und ich muh jeden, der für ihn gefallen ist. auch als Zdlolen bezeichnen. Sit eftmann und Seeckt. diese Burschen, haben den Sohn diese» Idioten wieder nach Deutsch. land hineingelassen. Da so etwa» sich bekanntlich vererbt, ist der Kronprinz ein Trottel, und da» ist der tünsttge Kaiser der vaitsch. nationalen!" durcheinanüer in Necklenburg. Es hagelt Misttrauensanträge und alles bleibt beim alte«. Schwerin, 8. Mai.(TU.) Bei Emtritt in die Verhandlungen des heutigen Landtags erklärten sich alle drei Minister bereit, die auf sie entfallende Wahl anzunehmen. Der kommunistische Abg. Wen- z« l verlangt« daraus«ine erneut« Erklärung von Brandenstein über sein« Haltung in der Frag« des Sachverständigengutachtens, die aber von Branden st«In mtt der Begründung abgelehnt wurde, daß er feiner ootgestrigen Erklärung nichts hinzuzufügen habe. Darauf bracht« der Kommunist Wenzel«in Mißtrauens- votum mit demselben Inhalt gegen v. Brandenstein ein, wie das von den D« u t f ch o ö l t i I ch e n am Dienstag eingebrachte. Auch der geulfchoöikisch« Abg. Maertens brachte ein erneutes Miß. trauensvotum seiner Fraktion gegen den Ministerpräsidenten ein, da dessen heutig« Erklärung seiner Partei nicht genüg«. v. Brandenstein gab dann nochmals eine Erklärung ab, die de? bereits von ihm gegebenen Erklärung entspricht, nach welcher er selbstverständlich gegen die Annahm« des Sachoenrstän« digengutachtens stimmen werde, wenn die von ihm genannten Bor» ausfttzungen nicht erfüll: würden(1). Auf Antrag der Deutsch» völkischen trat dann eine Pa u s« von 10 Minuten«in. Nach der Pause gab der Abg. Maertens namens der Deutschvöl, tischen ein« Erklärung ab, nach der die Fraktion in Anbetracht der kolossal schwierigen Lage de» Vaterlandes und angesichts der jetzige« Erklärung o. vrandenslein, da» Mißtrauensvotum zurückziehe. Dos Mißtrauensvotum der Kommunisten wurde darauf gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Di« Sozia ldemokrote« enthielten sich bei der Abstimmung der Stimm«. Die veusschväUlschen stimmte« gegen den kommunistische« Mißtrauensantrag, lrohdem dieser Antrag dem Mißtrauensantrag der DSlklfchen vom Dienstag entsprach. Di« Sozialdemokraten hatten ebenfalls ein Mßtrauens- votum gegen das Gesamtministerium eingebracht. Für dieses traten nur di« Sozialdemokraten ein, während die Kommunisten sich der Abstimmung enthielten. « Die bürgerliche Press« kommentiert die mit zwei Stimmen Mehr» hett erfolgte Neuwahl des deut�chnationalen Ministerpräsidenten v. Brandenstein in Mecklenburg. Schwerin. Sie kommt«instimmig zu dem Ergebnis, daß die Neuwahl kein« Lösung der Krise bade ut et Toö, Gper und IX. Sinfonie. Konzertumfchau von Kurt Singer. Wir rasen mit Windeseile dem Tode de» Äonzertwinter» zit. Noch einmal, staut sich alles auf, wirbt um Interesse, sucht au. Zu. längsichkeit Creionis zu machen. Der helle Abend ist der Wirkung von Mufik abttäglich. Die Freiheit der Luft lockt schon mehr als die Freiheit der Kunst. Doch nicht so schnell rasen wir, daß wir nicht einen Augenblick halt mochten zur Erwnerung an Earl Beel, der plötzlich verschied. In einer Zeit, die alle vierzehn Tage ein Dirigier- genie entdeckt, das sich nach abermals vierzehn Tagen als ein« Spetzialdegabung erweist, darf auf Best als den guten, soliden Typ des roiitmierten, in allen Sätteln reitenden Theatortapellmeister» hingewiesen werden. Er tonnte, ohne Probe, immer einspringen, ohne daß Gefahren drohten. Er konnte auch, hört, Partituren lesen, Wielen, aufs Klavier überttvgen, fachlich korreptieren und begleiten. Er war sin Dollmustker, wenn auch nur von unpersönlichem Format. Begeisterung ging nicht von ihm au», aber Sicherheit, Geborgenheit, Gefühl sauberer Arbeit. Erich Kleiber sagte die IX. Sinfonie im Jubiläumsjahr als erster an und sagte wieder ab. Un» wundert das nicht. Wir haben Kleiber öfter als musikantischen Charakter, denn als Genie gezeichnet. Wenn in 14 Tagen ein Orchester unter 5 verschiedenen Dirigenten 2Zmal an der IX. Sinfonie übt und lernt— was allein bleibt da einem WiLensmenfchen wie Kleiber an Arbeit übrig, um aus- merzen, zu reinigen, zu ordnen. Klang zu schassen. So viele Proben bekam er nicht bewilligt Also Wsage. Hut ab vor Kleiber. Er tastet em Heiligtum erst an, wenn er reif und vorbereitet ist. Des mrrkt man auch seiner intensiven und abgezirkelten Figaro» Auf. ftchrung an. Doch tötete hier seine philologische Kleinarbeit, ftin straffer Wille den Schwebeton Mozartscher Musik auch dann ab, wenn(außer Frau Merherr) ein einziger Mozartsänger von Eigenart und traditioneller Kultur auf der Bühne stände. Und die lasch hin- gespritzten Rezitativ e tun das Ih«, um die Stimmung zu oerderben. Sem jugendlich« Kollege von der Volksoper, Dobrowen, Holl sich dagegen mit der erhitzten und doch überlegen ausgebreiteten Traviata-Partitur«inen berochtigfeu Sieg. Hier ist es, wo die hoch. begabte Fritzi I o t l den Sprung von der Operette zur seriösen Rolle beherzt wagt, wo ein italienisch gebiDeter Tenor Raitscheff Wohllaut singt und wo Herr Blaset die Untugenden eines beut- schen Battistmi in Reinkultur wickergibt. Wv Kle-ber absagt, springt Scheinpflug willig ein. Ist er tcr Mann, um Beethovens letzte Sinfonie zu einer Erschütterung der Menschheit, zu einem Jubel freudloser Kreatur zu gestalten? Sportpalast und Philharmonie— zwei gleiche, zwei gleich bedenk- liche Eindrücke. Er dirigiert da» Werk ganz frei von der Partitur, sozusagen mit grschloiftnen Augen. Die techrtfche Leistung ist vor» rrefflich Verschließt er auch sein Herz? Dt« Einzelheiten des Adagios, das mit der Feder aus dem Flügel eines Engels geschrieben ist— wie irdisch klingfs, wie wenig kommt eine Einheit aus gesühl- vollen Einzelheiten heraus. Das Scherzo spielt sich von selbst, aber hier, im Wagio. liegt der Prüfstein für die Auserwählthett. Außer- ordentlich wirkungsvoll. In den harten Akzenten des Schicksals, in den Vorbereitungen des Hymnus erklang der Schlußsatz Und dies, obgleich die Blüthnerhorven sehr müde waren, die Ebelsche Chor. Vereinigung ohne Rausch, ein illustres Quartett so gewaltsam sang, als wolle jeder den anderen überschveien. Emst Zander führt feinen großartig geschulten D o l k»ch o r gleichfalls ins Gefecht zu Ehren d« IX. Sinfonie. Seine Solidität, Ruhe, Sachlichkeit auch als Orchesterleiter- ist vespektabel. Sein Publikum ist feiertäglich gestimmt und bringt sonntägliche Atmo» sphäre schon von Häuft mit. Warum sie durch Guttmannz endlos«, selbstgefällige, mit fremden Philosophien durchfttzt« Rede üb« Beethoven durchbrochen wird, ist unverständlich. Ein ermüdete» Orchester spiell vor müden Ohren. Zander ringt so sehr noch mit dem Stofflichen, daß bei aller Tüchtigkeit der Mechanik der Geist und die Idee zweie: Sätze nur in Momenten kühnen Zusammenraffen- frei und groß sich offenbart. Tiefer wirkt das Adagio, das Zand« eindrucksvoll singen läßt. Das Programmbuch führte poetisierend in das giganiffche Werk ein. Aber mit Verlaub, es ist inhaltlich(und oft im Wortlaut) ein Plagiat. Man hätte gut getan, die Wagncrsche Schrift unverändert, ungekürzt, ohne jedes Beiwort abzudrucken. Nun aber ruhe di« IX. Sinfonie. Nur wer sie Rote für Note als menschliches Erlebnis in sich trägt, wag« wieder den großen Wurf. Inzwischen«probt Karl Zimmer, der Viel begabt«, erfolgreich seine vier Orchester(280 Mann) an klassischer Musik. Edmund M e i( e l, der Viclgeschäftige. rührt sich für Schumanns„Man. fred", der dem Byronschen Text«ine weich«, gar zu gefühlsrcichs Musik unterlegt. Messel unterstreicht dieses romantische Melos als ein gebildeter, geübter, nach Ausdruck strebender Mann. Leider hatte er auch einen Bogel, Fritz mtt Vornamen, engagiert, der dem Glanz des Btethovenschen Lis-Dur-Konzerts kaum fingertechnisch gewachsen war. Was an rhythmischer Festigkeit und Klangsttssungen zu verderben war. das besorgte Mel'el mit dem Solisten im Bunde. Großarttg sprach Loubinger den Manfred, und von den Solisten der Gesang-partien fiel die unbekannte Altistin L o e z i u s durch klangvolle Stimme auf. Schrattenholz hat in seinem Sinfonieverein ein williges, ein geschultes, ein temporcuncnt- volles Ent.-mbl« erzogm. Di«„Weihe des Hauses" war wirklich ein- mal eine Weihe der Musikgeisttr. Zuverlässig die gar nicht leicht« Begleitung im Brahmsschen Violinkonzert.' Das sittelte Josef W o lfs t h a l mit einer Größe des Ton« und der Auffassung, mit einer Sicherheit im Handwerk, daß man an allererste Vorbilder er- innett wurde. Ein großer Geiger! Dem Rheinischen Männergesangverein hätte man größeren Zulpruch gegönnt. Unter Ernst W i r tz lcssten diese 75 Männer(in Chören von Grell und Kämpf) Borzüglichts an Bs- weglichkeit der Stimmen und Klangeinheit. Margarethe Abler hat keine junge, keine unverbrauchte, aber ein« noch immer eindrucke. volle Sopranstimms, die elegischen Liedern gerecht wird. Härten des Tonansatzes und Rogisterwechsels bedürfen der Korrektur, die Wahl der Patatty-Liedsr beweist einen unavsqebildeten Gsschmack Georg G und lach wächst als Pianist nicht über den Salonftieler hinaus, wenn er sich an Chopins d-Moll-Sonate wagt Eine gute Finger» beweglichkett täuscht über den Gefühlsautomalismus nicht hinweg. öaubureaukratie. Dom Städtischen Nachrichtendienst erhalten wir fol- gende Zuschrift, die sich auf unftren Artikel„Stadtbaurat und Oberbürgermeister" in Nr. 214 bezieht: „In den Mitteilungen über eine Entschließung de»„Bunde» Deutscher Architekten" wird die Stellungnahm« des Magistrats, des Sachverständigenbeirats und der städtischen Baupolizei zu Bauvor. haben aus jüngster Zeit besprochen. Dabei wird anscheinend vor» ausgefttzt, daß der Magistrat ein Gutachten des Sachverständigen- beirats abgelehnt Hab«. Demgegenüber darf, ohne auf Einzelheiten einzugehen, bemerkt werden, daß diese Voraussetzung nicht zutrifft. Der Magistrat hatte zu dem Projekt der Ausstockung eines Geschäfts» Hauses in der Leipziger Straße Stellung zu nehmen und ersuchte zu- nächst den Sachverständigenbeirot um ein Guiachten dahin, ob die Leipziger Straße sich allgemein zu Aufstockungen eigne. Der Sach- verständigenbeirat bejahte diese Frag«. Der Magistrat, der auch die sonst noch in Frag« kommenden amtlichen Stellen angehört hatte. vertagt« aber den Beschluß mit Rücksicht darauf, daß demnächst der Entwurf der neuen Bauordnung abgeschlossen würde, in welchem allgemein für bestimmte Geschäftsviertel besonders günstige Aus- nahmebestimmungeü hinsichtlich einer besseren Ausnutzung der Grund» stücke, vornehmlich in der Höh«, festgelegt werden sollen. Der Ober- bürgermeister hat unmittelbar nach diesem Magistratsbeschluß die zuständigen Stellen angewiesen, di« Arbeiten am Entwurf der neuen Bauordnung aufs äußerste zu beschleunigen, und dabei ausdrücklich bemerkt, daß die Interessenten bei der vorbezeichneten Sachlage nun- mehr mit Recht die allerschnellst« Vollendung der neuen Bauordnung erwarten weiden. Allerdings wird der Entwurf noch der Zustim- mung der Aufsichtsbehörden bedürfen." Also: Der Magistrat hat das Gutachten des Sachverständigen» beirats nicht abgelehnt, sondern er vertagte nur seinen Beschluß. Und zwar im Interesse des Architekten und des Bauherrn, aus daß diesen die„besonders günstigen Ausnahmebestimmungen" der neuen Bauordnung zugute kämen, deren Entwurf allerdings noch nicht abgeschlossen ist und die auch der Zustimmung der Aussickits- behörten bedürfen wird. Es geht doch nichts über die zarte Rücksicht. nahm« einer Obrigkeit, die meisschauend die Interessen ihrer Unter, tanen wahrzunehmen bestrebt ist! Die Welt des Wassertropfens. Naturgefchichtsschen Anschauung», Unterricht von seltsamer Schärft und Eindringlichkeit vermittelte ein Film, den Professor Dr. R ö m m e r t- München in der Urania zeigte. Di« kleinen und kleinsten Lebewesen, die ungeheuer leben- dige Welt in einem Wasftrtropfen. wurde hier auf der Leinwand vorgeführt. Tieft Taufende und aber Tausend« Tierchen, die dem bloßen Auge kaum sichtbar sind, oder doch nicht wie Leben und Lebewesen, sondern wie ein wenig Schaum, wie ein Tupfen Farbe erscheinen, konnte man deutlich in ihren Bewegungen, in ihrer G«- ftatong und ihren Lebensbedingungen erkennen. Ein Tropfen Wasser mit dieser Kleirtvelt wird zwischen zwei Masplatten gebracht, dann durch das Mikroskop vergrößert und in ihrer ganzen zappeln- den Beweglichkeit auf die Leinwand projektiert. Da erblickte man zum Beispiel Exemplar« des Süßwasserpolyps mit der«gmartigeu Knosp«. Diesen Tieren wachs«: di« Jungen au» einem Glied de» und daß die Deutschnationalen tn Mecklenburg schon heute Bankerott gemacht haben. Selbst die.Deutsche Allgemein« Zeitung'� die den Deutschnationalen seit Mo- noten Steigbügelhaltertnenste leistete, muß beschämt bekemieo, daß die Borhöltnisse in Mecklenburg-Schwerin vollkommen verfahren sin>d. und macht in ihrer Verlegenheit den Vorschlag, die früher so heftig bekämpften Linksparteien als letzt« chilfstruppe für die schwankende deutschnational« Front aufzurusenl Etn besseres ArmutsKeugnis konnten sich die Marxistentöter nicht ausstellen. Recht p.inlich dürfte den deutschnationalen Wundermännern im Reich die Randbemerkung der � e i t' in die Ohren klingen. Dort heißt es im chinblick auf die Verhältnisse rm Reich: .Es zeigt sich schon im kleinen Mecklenburg, was für ein all- gemeines Durcheinander entsteht, wenn die Deutsch- nationalen von der Giwöe der deutscht? Slkr�chen Wirrköpf« ab. hängen, d. h. wenn sie sich in dies« Abhängigkeit bogeben— der Cort-tag Mecklenburgs ist offenbar regierungsuasähig." Die Kritik der volksparteilichen Presse erweckt demnach alles andere als den Anschein,, daß in der Dolkspartei etn großes Ver, langen besteht, dos Experiment eines Rochtsblocks im Reich zu wioderholen. Der Wundertäter chergt hat sedenfall, allen Grund, seinen cheEentenor um einige Oktaven tiefer zu stimmen, wobei er hoffentlich nicht im Münchener Heldenkeller landet. » Die deutschnationalen Gutsbesitzer tn Mecklenburg-Schwerin machten di« marxistische Maskerade der Deutschoölkischen so lang« mit, als es in ihren antlmorxisti'chen Trödelladen patzte. Jetzt da ihr Ziel, die Futterkrippe, erreicht ist. stellen ste die deulschvölkischcn Masken wieder beiseite. So wurde der Landorbeiter Hilde- b ran dt. der von seinem gutsherrlichen Arbeitgeber als deuchch- völkische Leuchte und Marxistenkiller in den Landtag lanciert wurde, kurzerhand entlassen, weil sich der Wind inzwischen gedreht hat. Der Marxistenkoller ist vorüber und die kolenschen Lanidbündler jagen die Opfer ihrer Demagogie zum Tempel hmau». Der Mohr hat sein« Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen! Zreihekt öes Prinzeneigentums. Ein Berliner Urteil. In einem Rechtsstreit des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen ist vor der vierten Zivilkammer des Landgerirbts I Berlin die Frage der Rechtswirksomkeit der Beschlagnahm« des Vermögens des ehemaligen preußischen Königshauses zur eingehenden Erörterung gelangt. Der frühere preußische Finanzminister Lüdemann hatte auf Grund der Beschlagnahmeverordnung vom 20. November 1918 auch das Vermögen, dos der Prinz bei seinem Berliner Dankhause liegen hatte, gesperrt und dem Bankhau» die Auszahlung an den Prinzen verboten. Der Prinz strengt« gegen das Bankhaus Klag« auf Herausgabe des Vermögens an und begründet« die Klage damit, daß die Befchlaanahmeverordauna gegen die Derfasiung ver- stoße, da sie di« oerfasiungsmäßig gewährleistet« Freiheit des Eigentums verletze und das Derfüqungsvevbot deshalb rechts- ungültig sei. Das Gericht schloß sich diesem Standpunkt an, stellte die R e ch t s u n w> r k s a m k« i t der Beschlagnahmeoerordnung fest und erkannte nach dem Antrag des Prinzen. Die 5enal»prSfldenten beim Reichsgericht. Bon den vier zur- ze.it erledigien Senalepiäsideiuenflellen beim Reichsgericht werden drei neu besetzt mit den ReichsgerichlSräten Dr. Strecker, Dr. Wilhelm Meyer und Alexander Li ebner. Gegen die Ernennung LiebnerS halte Bayern im Reichsrat Bedenken er- Koben, anscheinend ist er revublitanisch. Aber der Rcicherat als Gan,es erklärte sich mit der Ernennung du'ch die RrchSiegierung einverstanden. Tue vierte fieie Sielle kommt in Wegfall, weil«in Zivilsenat wegen der Entlastung in Ehesachen ausgehoben wird. Die kommunistische Arakliou de» sächstscheo Landiag» hat einen Antrag auf Auslösung des Landtages eingebracht, über den in der Sitzung am nächsten Donnerstag gleichzeitig mit dem kommu- nistischen Mißtrauensantrag gegen den Innenminister Müller verhandelt werden wird. Muttertiere» heraus. Sie vermehren sich durch Knospung, wie der Naiurwisienfchaftler diesen Vorgang nennt. Die Knosp« trennt sich schließlich vom Muttertier und beginnt ein neue», selbständiges Leben. Man sah den Wasserfloh, der in einem Sommer«in« Milliarde Knder in di« Welt setzt, ferner Milben und eine große Anzahl anderer sogenannter Infusorien. Unter dem Einsiuß der Wärm« des Lichts in der Kamera taumeln die Tier« wild durchein- ander und schießen in der winzigen Menge Wasser wie toll durch- «inander. Diese blitzartigen Bewegungen machen es dem Beschauer rächt leicht, die einzelnen Körperteil« der Tiere, di« Augen, den Darm, die Eiersäcke, di« Lunge genau zu betrachten. Run sollen aber dies« Vorführungen, dies«'m Lichtbild lebenden Tiere den Schülern im naturwissenschastiichen Unterricht zur besten Erkenntnis aller dieser Mnge dienen. Ob das unter diesen Umständen und bei der doch nicht so konzentrierten Aufinert samk«t der Kinder wirtlich erreicht wird, erscheint unmerhm fraglich. Knsis im Potsdamer Schauspielhaus. Der Leiter des Potsdamer Schauspielhauses, Intendant Kurt Pehlemann, hatte maßgebende Verfönlichkeilen der Stadt Potsdam zu einer Besprechung über die WeiUrsührung des Potsdamer Schauspielhauses eingeladen. Die Versammlung fand auf der Bühne des Instituts statt. Das Pots- damer Schauspielhaus hat mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Rur staatliche oder städtische Hilf« kann zu einer Ge- sundung des Theaters führen. Dem Plan, das Schauspielhaus in eins G. m. b. H. umzuwandeln, widersprach der Geschäftsführer der Preuß-lchen Landesoolksbühnen, Dr. Nestriepke. Don der Etadr Potsdam ist wenig Aussicht auf finanzielle Unterstützung für das Theater vorhanden. ,?ür das bedrohke Weimarer Bauhaus. Don den Studierenden des Staatlichen Bauhauses in Weimar geht uns folgender Aufruf zu: Clzemalig« Bauhäusler! Es tobt der erbittertste Kampf gegen das Bauhaus. Unser« Feinde wellen durch die jetzige Regierung und t»s Parlament seine Vernichtung. Nachdem man die Meinung des Reiches und des Auslandes für uns wcig, soll der Kampf persön- lich geführt werden. Gegen Gropius. Und denkt damit am sichersten zum Ziele zu kommen Eben erschien gedruckt ein« Sammlung vxn Unrlat:„Das staatliche Bauhaus und sein L«t«r. Wir halten es für unsere Pflicht, durch Aufruf in Plakaten und in der Presse, bei der Reaierung und den Abgeordneten zu protestieren gegen unsachliche Kritik. Wollen wir unser Haus hasten, müssen wir Gropius stützen. Wir erwarten dringend Eure Unterstützung und bitten um Kund- gedungen Eurerseits für das Bauhaus und Groviu». All« innere Kritik gehört beiseite, wenn wir das Ganz« retten wollen. Wir bitten Euch, möglichst bald folgend« Kundgebung zu unterschreiben Jf'11« besondere Form dafür zu suchen: Kundgebung. Wir ehemaligen Angehörigen de» Staat- kicken Bauhauses oerurteilen auf das Entschiedenste unberechtigte An. würfe, welch«©«gner d«z Bauhauses in der Presse gegen Gropius und sein Institut machten. Wir erkennen im Bauhaus« einen Kultur- faitor größter Bedeutung und fordern sein Fortbestehen unter seinem jetzigen Leiter Walter Gropius. Sin neue» IoOwut.S«nim? Japanilche Selebrle baden ein Serum gesunden, das bei einer einzige» Sinjpritzuoa geünpft« Personen gegen Tollwut immun mache» soll..r �» a t Der Kampf im Serflbau. Bochum, 8. Mai.(Eigener Drohlberlchk.) Zufolge der G e- neralaussperrungder Zechen siehtdergesamteRuhr- bergban still. Von Hamm bis Duisburg läufl kein Förderkorb mehr, wenn der Kamps noch einige Tage andauert, wird die Loge bedrohlich. Zu den 400 000 bereits ausgesperrten Bergleuten werden noch etwa Z00 000 Arbeiter über Tage kommen. Die Zechen- tvre sind überall geschiossen und die Arbeitgeber erklären jeden Ar- beiter, der nicht mehr al» sieben Stunden unter Tag« versährl, als fristlos entlasten. Am Mittwoch sollen noch etwa IS Prozent der Sejamtbelegschast eingefahren sein, von diesen allerdings die Mehr- zahl In der Absicht, nach versahrencr Siebenslundenschlchl wieder aus- zufahren, vis jetzt ist alles noch ruhig, zu Störungen und Zwischen- fallen ist es nicht gekommen, da die Arbeiter sich an die Weisungen ihrer Organisationen hallen und den ausreizenden Parolen der Kam- munisten und Unionisten keine Folge leisten. DiesozialenAuswirkongendes Ausfperrungsbeschlustes de» Zechenverbandz» sind unter den Heuligen wirischastlicheu Per- hältnisten unübersehbar. Der Deutsche Vergarbelterver- band und der Christliche Gewertvereiu sind gemeinsam an die Siadtverwaliungen des Kampsgebieie» herangetreten und haben um Unterstützung durch Lebensmittel für die ausgcsperrien Arbeiter ersucht. Sie haben auf die B o t l a g e der vergarbeitersamitlen hin- gewlesen, die sich durch die Aussperrung geradezu katastro- phal gestaltet, vereits am Donnerstag fand daher in Esten eine Zusammenkunft der Oberbürgermeister und Wohlfahrtsdezernenten der Industriestädte statt, um über die Maßnahmen zur Cin- der u n g der Jlot zn beraten. Di» großen werke der Melalliadvstrie werde« schon in den nächsten Tagen durch die Auswirkungen der Krise im Ruhrberg- bau in Mitleidenschaft gezogen, da die vorhandene Sohlcnmenge nur noch einige Tage zur Ausrechlerhaltung der Betriebe ausreicht. Zn der Montanindustrie des Dortmunder und Bochumer Bezirks ist ml! dem Abblasen einer Anzahl von Hochöfen zu rechnen. Einig« Städte leiden bereits in der Gas- Versorgung und in verschiedenen Orten, wie j. B. in Herne, siegen die Ströhen schon dunkel. Zn den haushalten und den öffentlichen Betriebe« wird in wenigen Tagen erneut jene schwere Zeit hereingebrochen sein, die vom pasflve« Widerstand her»och in nnllebsamer Erinnerung ist. Düsseldorf. 8. Mal.(TU.) Vi- Streit- und Ausstands. bewegung im Ruhrgebiet hat, wie die Telegraphen-Union ersähet. im Lause de» Tages in der Tat noch weiter um sich gegriffen. Für den 7. Mai hatten die Gruben bei der Estenbahnregi« 5000 Waggon, anstatt 20 000, wie sonst durchschntttsich, angrfordert. Es scheint da- her. daß sie gaubtcu, ein viertel der üblichen Förderung sichern zn können. Tatsächlich ergibt sich ober für die streikenden Arbeiter folgendes Bild: 98 Prozent in dem Gebiet um Recksingshauseu. 97 Prozent in Lünen. 84 Prozent w Haltingen. 9? Prozent in Herne, 94 Prozent in Gelsenkirchen, 97 Prozent tn Wottenscheidt, 88 Prozent in Esten I, 94 Prozent tn Essen II, 74 Prozent in Werden. 9? Pro- zent in Oberhausen. Die Rolstandsarbeiten sind bisher durchgeführt worden. Zn den von der M i c u m betriebenen Zechen ist Me Lage, entgegen anders lautenden Meldunzen, bisher normal. Technische Nothilfe und Gasversorgung. Hamm, 8. Mai. In der Kokerei der bestreikten Zech«.Rodbod', von der die Gasversorgung der Städte Hamm und Münster abhängt, ist aus Verlangen der Stadtverwaitur.g dieser beiden Orte gestern abend mit Genehmigung des Regierungspräsidenten die Technische Not hilf« zur Gasabgabe an Hamm und Münster eingesetzt motten. Verteiöigvng Ses Neichsarbeltsministers. Zu der Erklärung des Vergarbesierverbande» teilt das Strichs- arbeitsministerium durch WTB. mit: Am S. Mae hat das Bureau des Reichs- und Staatskommissars Mehlich in Dortmund dem Reichsarbeitsministerrum berichtet, ein Vertreter der Bergarbeiter- verbände habe mitgeteilt, daß di« leitenden Stellen der Verbände entschlosten seien, den für den nächsten Tag angesetzten Revier» konserenzen die Annahme der am 2. Mai in Hamm vor» gesehenen Regelung zu empfehlen. Ferner habe der Berg- orb«it«roertreter gewünscht, das Reichsarbeitsministerium möge beim Zechenoerband den angeschlossenen Werten nahelegen, die zu erwartende günstig« Entwicklung nicht durch K a m p s m a ß n a h m« n zu ge» fährden. Diesem Wunsche hat das Reichsarbeiksminlsterium entsprochen. Die betreffende Depesche an den Zechenoerband wurde sofort abgesandt, also zu einer Zeit, da man noch auf Vermeidung des Kampfe» hoffen durste. Die später« Deröffent» lichung dieser Depesche ist nicht vom Relchsarbeitsministerimn ver- anlaßt worden. Eine Darstellung deS NeichSarbeitsministeriomS. Das Reichsarbeitsministerlum läßt durch Wolsf-Biivoau ein« Dar- stellung der Vorgeschicht« der Aussperrung oerbreiten. Die Dar» stellung schließt: „Es darf erwartet werden, daß die beiden streitenden Teile in ihrem eigenen wie im Interesse des Gesamtwohls bald den Weg zum Frieden finden werden, den zu ebnen die berufenen amtlichen Stellen nach wie vor bestrebt sind." Die kommunistische Zeme. Renbrandenburg, 8. Mai.(WTB.) Die„Mecklenbury-Stvelitzer Warte" meldet, am 6. Mai sollte hier«ine Zusammenkunft von auswärtigen Kommunisten erfolgen, unter denen sich auch die Täter des Mordes an dem ehemaligen Angehörigen der kommu- nistischen Partei, Arbeiter Jona» Hagenow befinden sollten. Eine in der Wohnung eines hiesigen Kommunisten vorgenommen« Unter- suchung führte zur Verhaftung von S Kommunisten. Der Führer der Mecklenburgischen T s ch e k a wurde nach Widerstand und Fluchtversuch von einem transportierenden Polizeibeamten durch einen Schuß verwundet und ins Krankenhau» gebracht. In der gleichen Angelegenheit ist der kommunistische Landtagsabgeordnet« Schmidt von der Staatsanwaltschaft in Haft genommen worden. Saarknechtung. Völ?erbundregierung gegen Sozialdemokratie. Saarbrücken, 8. Mai.(Eigener DrahtberickN.) Die RegierungS- kommission deS Saargebiets hat nicht nur dem als Rebner zum Parteitag der saarländischen Sozialdemokratie vorgesehenen Reichs- tagSabg. Wilh. S o l l m a n n-Köln die Redeerlaubnis nicht erteilt, sondern sie auch dem als Eriatz für Sollmann bestimmten ehe- maligen ReichslagSabg. Lorenz Niedmüller verweigert. Diesem zweiten Verbot ist irgendeine Begründung nicht beigegeben. Die Sozialdemokratische Partei de» Saargebiets wird gegen diese skandalöle Beschränkung der Redefrelheit beim Lölkerbundrat Einspruch erheben. Deutstblanös tragische Verantwortung. Tie Bedeutung der Sachverständigcnfrage. London, 8. Mal.(Eigener Drahlberichl.) Zu Londoner polltischen Kreisen ist man der Ausfassung, daß die Besuche der bei- gifchen Staatsmänner in Paris und London und die außerordenkllch llebenswürdige und onsschlußrciche Art des alliierten Gedankenau». tausche, die Reparallonsfrage. zum wenigsten was ihre Behandlung unter den Alliierten anbetrifft, in ein außerordentlich gün» st lg es und vielversprechendes Stadium gejührl haben. Die Zukunft des Reparalionsproblems lieg! nach englischer Ansicht nunmehr au». schließlich in der Hand Deutschlands, und obwohl die politische Situation in Deutschland immer noch als verworren be. zeichnet werden muh, ist man in Londoner politischen Kreisen doch der oplimisti'chen Ausfassung, daß sich alle nunmehr in Deutschland in den Vordergrund getretenen Parleieu der tragischen Per- anlwortong bewußt sind, die sie aus sich laden würden, weuu sie die ihnen von den Sachverständigen gebotene RettungsmögllchkeU zurückstoßen und dadurch ganz Europa in ein neues polltische» und wirischaslliches Chaos stürzen würden. Aussprache Macüooalö-poincar� noch im Mai. Pari», 8. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Ein Pariser Morgan- blatt hatte am Donnerstag ein neues persönliches Schreiben Romsaq Macdonalds an Poincare angekündigt, in dem der englische Premier» minister angeblich den Wunsch ausgesprochen haben soll, nach den» belgischen nunmehr auch den französischen Standpunkt zu den Vgr, schlügen der Sachverständigen kennen zu lernen. Dies« Darstellung ist unzutreffend. Ramsay Macdonald hat vielmehr Poincarä durch Vermittlung de» englischen Botschosters in Parts lediglich mit« teilen lasten, daß er mit den belgischen Ministern vereinbart habe, die französische Regierung über di« Besprechungen von Ehequer» durch Theuni, in Kenntnis zu setzen. Tatsächlich hat der Quai d'Orsay am Mittwoch von Brüssel einen ausführlichen Bericht dar, über erhalten, der nach den Mitteilungen, die der französischen Preste von der zuständigen Stelle gemacht worden sind, den guten Ein- druck bestätigen soll, den die beiden belgischen Minister von London gebracht haben. Die Aussprach« sei zwar n i ch t in Einzelheiten der in Auesicht genommenen Lösung eingedrungen, habe aber nicht nur den Willen zu gegenseitiger Verständigung erkennen lassen, sonder« auch die Möglichkeiten dazu dargetan. In der Unterredung des englischen Botschafters mit Poincare scheint weiterhin auch von der Möglichkeit einer Zusammenkunft zwischen den beiden Ministerpräsidenten gesprochen worden zu sein. Wenn auch End- gültiges noch nicht vereinbart worden sein dürfte, so kann doch nun» mehr als-sicher gelten, daß Ramsay Macdonald und Poincare noch im Laufe diese» Monat» zu einem direkten Meinungsaus- tausch zusammentreffen werden. Gutachten und Näumungssrage. Pari», 8. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der„Temps", der bisher aus tattischen Gründen so getan hatte, als wünsche er di» loyal« Erfüllung der von den Sachverständigen vorgeschlagenen Lösung nicht nur durch Deutschland, sondern auch durch die eigen« Regierung, enthüllt am Donnerstag in einem Kommentar zu der Unterredung des englischen Botschafters mit Poincare am Mittwoch sein wahres Gesicht. Das Blatt, das von der in Aussicht genom- menen persönlichen Aussprache zwischen Ramsay Mac» donald und Poincare ein« Schwächung der taktischen Position Frank- reich» befürchtet, sagt: es habe keinen Zweck, über Einzeibeite» zu diskutieren, solange die deutsche Regierung nicht die zur Durch- führung des Programms nötigen Gesetz« vorgelegt habe. Um Argu. mente sür diese These ist der„Temps" nicht verlegen, und er schreckt dabei auch nicht vor Fälschungen zurück. Er behauptet z. B., daß nicht nur das Kabinett Strefemann bcreits zahlreiche Vorbehalte formuliert habe, sondern daß auch die deutsche Svzialdemo. k r a t i e die geforderte Umwandlung der Eisenbahnen in eine Privatgeselllchast bekämpfe. Er kommt deshalb zu dem Schluß. daß. wenn schon das Programm der Sachverständigen sabotiert wer» den soll«, es bester sei, wenn Pies von deutscher Seite alz von französischer Seite geschehe. Das Blatt befürchtet, daß in«in« Besprechung zwischen den beiden Premierministern die Frage der Räumung des Kölner Brückenkopfs, di« nach dm Friedensoertrog am 1. Januar 1925 zu erfolgen hat, zur Sprach« kommen werde. Es schein«, daß die Deutschnationalen, die jetzt ans Ruder kämen, eine dahingehende Verpflichtung der alliierten Re, gierungen als Vorbedingung für die Ausführung des Experten- Programms verlangten. Davon könne natürlich kein« Rede fein. Glücklicherweise hat in dieser Frone auch England ein entscheidende« Wort mitzureden, das die französische These, wonach die Laufzeiten für di« Besetzung des Rheinlandes noch nicht begonnen haben sollen, bisher mit aller Entschiedenheit abgelehnt hat. Alliiertenkonferenz anfangs Juni. London, 8. Mai.(Eigener Drabtbericht.) Die neuesten hier umgebenden Versionen besagen, daß die persönlicke Beipreckung zwischen Poincarä und Macdonald noch in diesem Monat und die alliierte Konferenz Anfang Juni statistndet. Liberale unü �rbeiterregierung. Bedingte Unterstützung. London, 8. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der liberal« Führer ASquith hielt am Miliwoch in Chelmsford eine Rede, tn der er erklärte, daß die Arbeiterregierung thre heutige Stellung un» mittelbar nur der liberalen Partei verdanke. Es liege heute kein Grund vor, diese Tatsache zu ver'chweigen. Die Liberalen bötieu eS als ihre dringende Pflicht empiuckden, die Arbeite, reg, erung io- lange tatkräftig zu unterstützen, als ihre Politik sich auf liberaler und demokratischer Grundloge bewege. Man dürfe die Schwierigkeit einer solchen Situation natürlich nicht verkennen; wenn aber die Politik der Arbeiterregierung diese liberale und demokratisch« Grundlage verloste, so stünde es in der Macht de» Liberalen, sofort ibr« eigene Politik zu betreiben. Regierung und Schutzzölle. London. 8. Mai.(Eigener Drabibericht.) Finanzminist« S n o w d e n erklärte in der Fraktionssitzung der Labour Party, daß der Kabinettsbeschluß, die Mac-Kcnna-Schutz-ölle aufzubeben, unabänderlich sei. Die Meldungen über Meinung»« verschiedenheilen wegen dieser Frag« im Kabinett werden vom „Daily Herald" in aller Form dementiert. Dänemark rüstet ab. Sopeuhage». 8. Mai.(EP.) Der neue KriegSminister R a 8« müssen erklärte einem Berichterstatter, er bereite zum Herbst eine GesetzeSvorlag« über eine vollkommene mililäri'che Abrüstung Dänemarks vor. Von dem gegenwärtigen Heere sollen nur Polizeitrnppen auf dem Lande und auf dem Wasier übrig bleiben. Das Militärbudget solle aus jährlich 10 Millionen Kronen herabgesetzt weiden. In der rechtsgerichteten Preste hat bereits eine heftige Kampagne gegen den Plan RaS« mujjens eingesetzt.___ Pom Auswörkigen Amt. Der Wirklich« Legationsrat und Ltri, gent De. G a u s ist zum Ministerialdirektor ernannt worden, i GewerMastsbewegung Die Arbeitszeit in Krankenhäusern. Ein« Reih« von Ktogern. di« im Kcnsenn-Auguste-DiKoria. Krankenhaus in Arbeit standen suchten beim Arbeitsbericht ihre tretoien Verordnung über die Arbeitszeit In Krankenpflegeanstalten zu-lässig ist, anzuerkennen. Die Kläger sagen: Mr haben uns nicht unter allen Umständen geweigert, länger als 8 Stunden zu arbeiten, aber wir konnten uns nicht am 1. April auf den Zehnstundentag oerpfiichtcn, denn damals schwebten noch Verhandlungen beim Schlichter, von denen wir eine für uns günstigere Regelung der Arbeitszeit erwarteten. Eine solche war an sich möglich da ja die Verordnung sagt die Ar- beüszeü kann bis 60 Stunden wöchentlich ausgedehnt werden. Daraus folgt, daß auch eine kürzere Arbeitszeit vereinbart werden darf. Nachdem der Schlichter am 16� April eine Entscheidung getroffen hatte, die für das Pflegepersonal den Zehnstundentag fest- setzt, das übrig«, nicht unmittelbar der Pflege dienende Personal aber der allgemeinen, fiir alle Arbeiter geltenden Arbeitszeitverord- nung unterstellt, waren wir bereit, uns dieser Entfcheidmig zu unter- werfen, wenn die Anstoltsteitung mit einem dahingehenden Perlon- gen an uns hzrangetreken wäre.' Statt besten Hot sie uns nach Ab- lauf der Kündigungsfrist entlassen. Di« Verordnung vom 13. Fe- bruar 1921, welche die Arbeitszeit in Krankenanstalten regelt, sagt, daß der Reichsarbeitsminister bzw. die Verwaltungsbehörden bestim- men sollen, welche Arbeiten als unmittelbar der Krankenpflege dieirend anzusehen sind, aber derartige Bestimmungen sind bis jetzt nicht erlassen. Nach unserer Ausiassung war keiner der Kläger mit der unmittelbaren Krankenpfleg« betraut, denn es sind cheizer. Ma- schinisten, Handwerker, Wäscherinnen, Näherinnen usw., sie gehören also zu dem Personen kre-is«, für den nach der Entscheidung des Schlichters die allgemeine Arbeitszeiwerordnung gelten müßte. Das Gericht erkannte»nr bezüglich eines Klägers, der als Haus. schlostor beschäftigt war. auf Wiedereinstellung oder Entschädigung Mit 699 M. Alle übrigen Kläger wurden abgewiesen mit folgender, äußerst krausen, vom Magistratsrat Dr. Riese verkündeten Begrün- düng: Die Kläger arbeiteten nach einem Tarifvertrag, der am LI. März abgelaufen war. aber auf die einzelnen Arbeitsverträge ubergegangen ist. Die Verordnung vom 13. Februar 1924, die am 1. April in Kraft getreten ist. regelt die Arbeitszeit anders. Arbeitsverträge können zwar nicht einseitig aufgehoben werden, aber im vorliegenden Falle ist durch Gesetz, nämlich durch die Verord- nung vom 13. Februar 1924, angeordnet, daß di« Anstallsleitung Dauer uird Verteilung der Arbeitszeit regelt, hiernach kann also die Verwaltung den Arbeitsvertrag ändern.(!) Das rst kein Zu- fallsrecht, denn schon seit 1908(!) besteht die Absicht, die Arbeits- zeit in Krankenpflegeanstalten so zu regeln, daß di« Bedükfnist« der Kranken geschützt werden.(Was also bisher nicht der Fall war.) Ties« Regelung ist durch das Gesetz vom 13. Februar erfolgt. Daß dadurch das Krankenpflegepersonal gegenüber anderen Arbeitneh- mcrn schlechter gestellt arid, ist richtig, aber das ist durch den Beruf des Pflegepersonals und den Belangen der Kranken be- gründet.(!) Die Regelung der Arbeitszeit ist nach dem Gesetz den Anskltsleitungen überlasten. Die Leitung hat die Arbeitnehmer aufgefordert, zu erklären, ob sie 10 Stunden arbeiten wollen. Sie haben es abgelehnt. Das durften sie nicht.(I) Die Arbeftszeit kann zwar durch Tarifvertrag aniders festgesetzt werden, aber die An- staltsleiitung hat noch dem Gesetz das Recht, selbst regelnd einzu- greisen.(!)(Sonach stände ein« Anstaltsleitung über dem Magi- strat.) Die Arbeiter und Angestellten inußten sich dem fügen und wenn sie klug gewesen wären, hätten sie es auch getan. Nachdem die Arbeiter abgelehnt hatten, konnte es die Anstaltsleitung nicht darauf ankommen lasten, ohne Personal dazustehen. Sie mußte sich also nach anderem Personal umsehen.(Daher die Entlastungen!) Naa>- dem der Schiedsspruch des Schlichters vorlag, war es nicht Sache der Anstaltsleitung, di« Aroeiter zu fragen, ob sie zu diesen Ve- dingungen arbeiten wollen, sondern die Arbeiter hätten erklären müssen, daß sie es tun wollen.(!) Das ist aber nicht geschehen. Ausfühniitgsbestimmungen, die sagen, welche Arbeiten der unmlttel- baren Pflege der Kranken dienen, liegen noch nicht vor. Das Gericht ist der Meinung, daß Püritermnen, Näherinnen, Heizer für die un- initteibare Krankenpslege arbeiten.(!) Nur für den Schlosser trifft das nicht zu. In demselben Sinn« entschied das Gericht in einem anderen Falle, der das Jüdische Krankenhaus betrifft. Schiedsspruch fiir die Musikinstrumentenindustrie. Noch ist der Kampf der Berliner Musikinstrlimentenarbeiter in ftischer Erinnerung und schon drohen neue Differenzen. Das letzte Lohnabkommen, das nach Abschluß der Bewegung einen Lohn bis zum 18. April von 60 Pf. vorsah, wurde vom Holzarbeiter. oerband g ek ü n d i g t mid ein Zuschlag von 46 Proz. gefordert. Die darüber geführten Berhandlungcn brachten infolge des hochmütigen Verhaltens der Arbeitgeber keine Verständigung,'so daß auf Antrag derselben am 6. Mai der Schlichtungsousschuß Groß-Berlm einen Schiedsspruch fällte, wonach der Lohn eines Facharbeiters 8 4 P f. bciriigt und im übrigen eine Erhöhung aller Lohn- und Akkordtaris«, die in der Woche vom 20. bis 27. März bestanden haben, von 40 Proz. vorsieht. Diesem Schiedsspruch wurde von den Arbeit- nehmer» zugestimmt, wogegen die Arbeitgeber denselben a b- gelehnt haben. Es wurde zwischen den Parteien ein« Besprechung zum 7. Mai vereinbart, in der die Arbeitnehmerkommission die Begründung entgegennehmen sollte. Nach dieser Aussprache ist interessant fest- zustellen, daß die juristische Vertretung des Arbeitgeberverbandes vom Schlichtungsousschuß einen Kommentar zum Schiedsspruch ver- langt und dem Holzarbeiteroerband die Zumutung stellte, diesem Schiedsspruch durch dieselbe Kammer des Schlichtun gsausschustes emo den Arbeitgebern genehm« Auslegung zu geben. Das mußte der Holzarbeiterverband ablehnen, da für ihn der Schiedsspruch klar ist. In dieser Industrie wird es in absehbarer Zeit zu teurer Ruhe kommen, dafür sorgt die Leitung der Arbeitgeber, die ihren Mitgliedern alle möglichen Verpflichtungen, di« die Arbeftnehmer schädigen sollen, auferlegt. Nicht nur, daß die Freizügigkeit des ein- zelnen durch schwarze Listen unterbunden wird, trägt Erbitte- rung in die Arbeitnehmerschast der Branche, sondern darüber hinaus sollen mit dieser Maßnahme die Löhne auf einen unerträglich niedrigen Stand gehalten werden. Auch in bezug auf Benutzung des Arbeitsnachweises ist die Tariftreue verschiedener Mitglieder des Arbeitgeberverbandes sehr bedenklich. Wenn auch nicht zu vertennen ist, daß gute Spezial- träft« rar sind, stehen jedoch immer noch solche bei anständiger Ent- lohmmg zur Berflguns: oklerdkngs nstht für Löhne, wie Me Herrschasten sie zu zahlen belieben. Täglich«scheinen spaltenlange Ge- suche nach Arbeitnehmern m der„Volks-" und anderen Zeitungen, und zwar sind es ausschließlich Firmen, welche die erbärmlichsten Löhn« zahlen, di« demgemäß auf gute Arbeftsträfte Anspruch nicht «heben können. Wurden die Inseratengebühren für anständig« Löhne verwandt werden, dann könnt« der Bedarf an Arbeitskräften unweigerlich vom Arbeitsnachweis gedeckt werden. Die Berlin« Mustkinftrumentenarbettier w«den innerhalb der Betrieb« ein wochsames Auge haben, um dos sogenannte„Abstoßen der Buden" zu verhindern, damit die Arbeitsvermittlung auf ord- nungsmößigem und tariflichem Wege vor stch geht. Hinsichtlich der Löhne gilt der unverändert« Schiedsspruch, der von Arbeitnehmer- seib- anerkannt und durchgeführt wird. Lohnvereinbarung in üer Damenkonfektion. Kommunisten und Zwischeumeister Arm in Arm. In«in« gut besuchten Versammlung da in der Damenkonfektion (Mäntel und Kostüme) beschäftigten Arbeit« und Arbeiterinnen be- richtete Schindler vom Bekleidung? crrl>eit«rv«band üb« den Streik der Zwischenmeister der Branche. Dieser Streik wird von den Zwischenmesttern gegen die Fabrikanten deswegen ge- führt, weil die l«tzt«en sich nicht mehr dazu verstehen konnte«, den Zwischenmeist«n ihren vollen Gewinnanteil an den Arbeitsstücken zu garantieren. Di« Fabritanten wollten lediglich 60 Proz. Betriebs- i>nkostenv«gütung zahlen, die Festsetzung des direkten Gewinnes ab« der Einzelregelung zwischen Fabrikanten und Zwischenmeistern überlasten. Da ein« Einigung nicht zustande kam, stellten die Meister ihve Tätigkeit ein und zwangen dadurch die bei ihnen Beschäftigten gleichzeitig zum Feiern. Bon den streikenden Meistern ebenso wie auch vom kommu- nistifchen Schneiderverband, Richtung Schumacher, wird in Pressenachrichten die Mftteilung»«breitet, daß die Arbeitnehm« mit den Zwischenmeistern gemeinsam für die Ziele der Meister streiken. Schindler stellte fest, daß nur di« kommu» nistische Organisation den Zwischenmeistern zu Hilfe geeilt ist, daß allerding» jetzt schon«ine ganze Anzahl dieser Hilfstruppen mit der Anfrage an den Bekleidungsarbeiterver- band herangetreten ist, warum sie eigentlich streiken. Es ist also zu konstatieren, daß d« Schumachersche V«bond nur in Opposition zum Dekkidungsarbeit erverband. also d« Organisation d« Arbeiter, steht und daß es ihm leicht fällt, Solidarität mit den Zwischenmeistern zu üben. In einer von ihm einberufenen V«sammlung ließ sich Schumacher die Richtigkeit semer Taktik be- stätigen. Er war sich aber offenbar feiner eigenen Mitglied« nicht sicher:« hatte zu dieser D«lammlung nicht nur sein« Verbands- Mitglieder, sondern auch di« Zwischenmeister eingeladen und auch sonst ohne jede Kontrolle jeden hereingelassen, der sich üb« kommunistische Gewerkschaftsführung informieren wollte. Di« Entrüstung über dies« kommimisftsche Auffassung vom Klassenkampf war in der Versamm- lung groß. Di« Anwesenden waren der Ansicht, daß bei solcher Ge- werkschaftsführung di« Rückkehr der belogenen und betrogenen Mit- lauf« Schumachers zum alten V«band nicht mehr lange auf sich warten lasten wird. Schindl« konnte anschließend daran noch die neue Lohnverein- barung mit den Fabrikanten mitteilen. E»«halten ab 2. Mai Bügler einen Spitzenlohn von 80 Pf. pro Stunde, während die Spitzenlöhne für Frauen 46 Pf. resp. 60 Pf. betragen. Ueber den Stand der Manteltarifverhandlungen berichtete der Referent, daß durch den Streik der Zwischenmeister der Abschluß»«zögert worden ist. Di« Lohnvereinbari-ng wurde angenommen. Zur Aussperrnng in der AEG.(Apparatefabrik). Die vollständig ungenügend« Entlohnung d« Berliner Metall- arbeit« in den Betrieben des Verbandes Berliner Metollindustrieller gab die Veranlassung dazu, daß 800 Transportarbeiter und 80 Akkordarbeiterinnen der Apparatefabrik durch den Be- triebsrat Aufbesserung ihres Verdienstes forderten, di« von der Be- triebsleitung der AEG. abgelehnt wurde. Erhalten doch die Trans- portarbeiter Wochenlöhn« von 14 bis 16 Mark, die Ar- beiterinnen solche von 9bi» 12 Mark trotz mtensioer Akkordarbeit. Nach Ablehnung irgendwelch« Zulagen durch die Betriebsleitung legten die genannten Arbeitergruppen di« Arbeft nied«, worauf die Betriebsleiwng nach der Lorschrist ihr« Der- bandsleiwng kurzer Hand ihren Betrieb schloß und somft 10 000 Arbeiter auf die Straß« warf. Die Fabrikoberleftung oerlangt nunmehr die bedingungs- los« Aufnahme der Arbeit für Montag, den 12. Mai, und ist dann gewillt, mit dem Ausschuß des gesamten Betriebsrates über eventuelle Zulagen für die betrefftnde Arbeitergruppe zu verhandeln. Di« Mitglieder des DMV. werden aufgefordert, sich am Sonnabend, den 10. Mai, vormtttags 10 Uhr, im Verbandshaus«, Linienstraße 83/85, zwecks Stellungnahme zur Aussperrung zu»«sammeln. Als Ausweis dient das Mitgliedsbuch. Daneben getreten. Das Berlin« Kommunistenblatt tischte seinen Lesern morgen in der Beilag« zu Nr. 46 u. a. eine Schwindelnachrichl auf, „U nt« rn eh m« rkn e cht«" überschrieben. Bei d« Firma K a u l u. F o r st e r, Wiener Str. 10, sei ein junger Arbeiter sofort entlasten worden, well« am Sonntag kommumstüch gewählt hat. Arbeitskollegen hätten vom Chef d« tfirma feine EnLasjung deswegen gefordert und der SPD.-Betriebsrat Hab« diese» Verlangen unterstützt. Es fei dies ein typisches Beispiel dafür, wohin dies« /Welche? D. Red.) Arbeitsgemeinschaftsdusel« der Reformisten führe, die in ihrer blinden Wut gegen ond«sdenkcnde Arbeiter den Terror d« Unternehmer„gegen revolutionär«, klassenbewußte Arbeit«" unterstützten. Mit Ekel müsse stch jeder anständige Arbeit« von solchen Heloten abwenden. D« Betriebsrot der genannten Firma teilt uns mit, daß an d« ganzen Geschichte kein Wort wahr ist. Bei der Firma ist in letzt« Zeit niemand entlasten worden. Man konnte sich nicht denken. wieso das Blatt zu dieser Tataremrachricht kommt. Da erinnerte man sich eines iungen Arbeit«?, d« in vorig« Woche die Arbeit aufgenommen, sich jetzt aber seine Papier« wiedergeholt t. weil ihm, wi« er sich zu seinen Arbeitskollegen— schon vor der ahl, bald nach Aufnahme der Arbeft— äußerte, di« Arbeit nicht Offenbar sind dem betreffenden Arbeiter Vorhaltungen gemacht worden, da er nun wieder arbeitslos war. worauf « siiij zur Entschuldigung die Enllastungsgeschicht« zusammen- ge— reimt hat.„In ihrer blinden Wut gegen andersdenkende Ar- bittert", lasten sich die Kommunisten solche Räuberpistolen aufhängen, um klastenbewußte sozialdemokratisch« Arbeit« als Heloten zu beschimpfen. Daß jeder anständige Arbeit« sich mit Ekel von solchem Treiben abwendet, ist zweifellos. zusagte. deswegi Hörnt eil G et« erbest erichtc Kostenvorschüffc erheben? In einer Anweisung an die Landesregierungen und Sozial- Ministerien des Reichsarbeitsministers wird diese Frage verneint. Da einzelne Gewerbe- und Kaufmannsgerichte in der letzten Zeit dazu übergingen, bei der Klageerhebung vom Kläger einen Kosten- Vorschuß zu erheben, sah der Reichsarbeitsminister sich veranlaßt, ein solches Verfahrrn als unzulässig zu bezeichnen. Das Ge- wetbegerichtSgeietz sieht nirgends eine Kostenvorschußpflicht vor. außer einem Vorschüsse für die Ladung von Zeugen oder Sach- verständigen. Die Berufung auf das Gerichtskostengesetz ist falsch, da die Vorschriften dieses Gesetzes auf die Gewerbegerichte und die KanfmannSgerichte keine Anwendung finden. Zur Betriebsaufuahme der Badischen Anilinfabrik. Di« Regierung der Rheinpfalz richtet« mft« Hinweis auf die te«folgende Wiederaufnahm« des Betriebes einen Aufruf an die «tttschäst zur Ruhe und Besonnenheit. W« arbeiten wolle, müsse sich frei entscheiden können und dürfe nicht durch Gewalt- tätigkeiten daran gehindert w«den. Gegen gewaltsame Störungen der öffenilichen Ruhe und Ordnung find Maßnahmen getroffen. Auf die Bestimmungen des Reichsstrafqefetzbuches üb« Bedrohung, Nötigung, Landfriedensbruch ufw. wird hingewiesen. Spruch für die Metast Industrie Nordwest. Die TU. meldet aus Bochum: Unter dem Vorsitz des stell»«- tretenden Reichskommissars Schöbe! trat heute nach Scheitern von Einigungsverhandlungen ein« Schlichtungskammer zusammen, um eine Entscheidung üb« die von den Gewerkschaften geforderte Lohn- erhöhung zu treffen. Di« Schlichtungskammer kam zu folgendem Be- fchluß: Angesichts der unübersichtlichen Lage in der Metallindustrie Nordwest wird die Entscheidung über die Anträge der Gew«kschaften auf Donn«stag, den 15. Mai, oertagt. Beide Parteien erklärten, sich für di« künftigen Verhandlungen vollständig fteie Hand vorzu- beholten._ Die Arbettslostgkeit im besetzten Gebiet. Köln. 8. Mai.(Eigen« Drohtberlcht.) Im besetzten Gebiet der Rheinprovinz betrug die Zahl der unterstützten Erwerbslosen am 1. Januar 1924 740 607, am 1. Februar 589 607, am 1. März 416 927, am 1. April 262 099. Die Zahl der Vollerwerbslosen wird vermutlich bis auf 200 000 zurückgegangen sein. Zum Schlicht« für den Bezirk Vrandenburg und die Grenzmark wurde der Oberregierungsrat Dr. Grabein im Reichsarbeits- ministerimn bestellt. Das GefchWszimm« des Schlichters ist in Berlin NW. 40. Scharnhorststr 35(Norden 2831). Heb« die Streiklage in Oberfchlesien berichtet Mtb.: Auf einer weiteren Grube haben 30 Proz. der Belegschaft die Arbeit auf- genommen. Der Streikbeschluß der Betriebsräte d« Metall- o r b« i t e r hat nicht di« befürchtet« Wirkung gehabt. Außer d« staatlichen Hütte in Gleiwitz streiken seft gestern di«„In- lien-Hütte" und die„Reden-Hütte". In den Werken von Deichsel in H i n d e n b u r g ist die Arbeit voll wieder aufgenom- men worden. Ein Mittwoch nachmittag verbreitetes Flugblatt, das unterzeichnet ist von den„Roten Betriebsräten" und zum Gen«al- streik der Berg- und Hüttenarbeiter aufford«t, trägt auch die Unter- schriften der Gewerkschaften, die jedoch hierzu nicht ihre Ermächti- gung gegeben haben. 3n der Mannheim« Metallindustrie sind die gestern zur Bei- legung des Konflikts geführten Verhandlungen abermals ergebnislos verlausen. Man rechnet damit, daß di« Verhandlungen in den nächsten Tagen wieder aufgenommen w«d«n. Wegen d« Maifeier hat das Osnabrücker Kupf«- und Draht- w«k 1800 Arbeiter fristtos entlassen. Transportarbeiter und.Arbeiterinnen der Berlin« Zlletost. industrie. K«lte«leid tM Uhr«Intncin« Vrrsammlu»« aller Kill»-. Iraaspart-, iaeerarbeitee»ad Arbeiterinnen der Berliner Metall inbnstrie In den idermania- Sälen,«hangeestr. 110.»ollzählia«, Erscheinen«der in der Industrie«e- schästiate» wird beftimwt«wartet. Bchtnne, BSPZ>„Mttallarbeiter! Am Montaeo den 12. Mai, abends 7 Übe. in der Echulaula, Lophienstr. 06, BersommUmg all« VSPD.-Mctall- «rrbeiter. Eclir wichtine Taaesordnun». Jeder wirk erscheinen. Parteians- weis legitimiert. Der FraNionsnorstand. Sandtl-Hilssarbeiter d« anzros-Ztonfettlo« und der Nrawattenbranchet Die neuen Lohnablommen traten ab 6. Mai in»«ist. Adtdze sind im Bureau de, Deutschen Verkehrsbiinde», Zimmer 82, Sngrwfer 24/25, gegen Mitgliedsausweis erhältlich. Berantwortlich fiir Politik: Ernst Renter; Dirlschoft: Artur Sirternn»; lbewerlschafisbewcguna: jsrirdr. Eftkorn: Feuilleton: De. John Schitowsll, Lokales und Sonstiges: Frist»arftädt: Anzeigen: lh. Slocke: sämtlich in Berlin. Berlog: Vorwärts-Lerlag D. m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 66.. Lindenslraste 3. Sierzu 2 Beilagen. fardcck Sest slöiprrmisdau di» ch hohen Nährwert und st i«t>te.'vrköininlichkeit häri o/'(?& v.ocia.' o opEljp'iLn kv O n.-Veite.: Besser 4 Hfiller, Berlin 5 61, Bärwalckstr. 69. fmnl; Boritipl. 965t eulimlewende(Bi)- Mmtiker- berlihmi gewordenen Ott L Tabletten Sutachlen von namhaften Aerften, Sonatorle». grantenhäusieu, sowie eine graste An, ahl oft llberschwengltchster Dank» sagungen von Genesenen liegen vor. Rech Aussegen von ersten Lnngenlpezialisten wirkt Ott E noch glänzend in vorgeschrittenem Siadlum sgrelft Magen und Kerz nuM an). Durch alle Avelheken erhäll ich. stet« v»rrärig in Berlin in der Simons- Äpotdeke. Svandauer Siraste 17, un» Barvarvssa-Apotheke, AursUrstriidamm 164, Veiginalverlaussprei» 3 Goldmark pro Unten. Oskar ßrinrtct) Crnft, padrlk Pharmazeut. Präparate, Kempten(fUlgäu). das ist die$ufe Messanv-Zigarette füröt/'die vielen gewesen, die sie heute keinen Tag entbehren können! Kleine Massary ITe. 21d ♦ 41. Jahrgang 7. Heilage ües vorwärts Irekag. 9. Mai 1924 Beratung öes Staöthaushalts. Zurückweisung der Angriffe auf Stadtschulrat Paulsen. Die Generaldebatte über den Stadthaushalts. plan wurde gestern zu En« geführt. Nachdem die Redner der feineren Fraktionen zu Worte gekommen waren, gab es noch sine Nachlese. Genosse Reimann antwortete auf die Ausführungen der bürgerlichen Redner. Dabei wie? er die giftigen Angriffs, di« gegen Stadtschulrat Paulsen gerichtet worden waren, nach. drücklich zurück. Me die Bürgerlichen nicht gern einen Soziaidemo- traten als Branuen sehen möchten, so hassen sie auch in unserem Genossen Paulsen vor allem den Sozialdemokraten. Die Debatte zog sich bis in die zehnte Stunde hin. * Sn der gestrigen ordentlichen Sitzung wurde alsbald noch 5 Uhr die erste Lesung des Staöthaushalts für 1924 fortgesetzt. Merten(Dem.) erkonnte an, daß in dem neuen Entwurf gegenüber dem Vorjahr ein bedeutsamer Fortschritt ge- macht ist, daß die Stabilisierung der Währung auch der städtischen Wirtschaft wieder ein festeres Fundament verliehen hat; es müsse aber namentlich an dem Abbau des übergroßen Verwaltungs- opparates schon im Interesse der Steuerzahler energisch weiter. gearbeitet werden, denn das Einkommen aus Arbeit und Gewerbe sei im Vergleich zu 1913 fast doppelt so hoch mit Steuern belastet. Di« Lage bleibe schwierig, nachdem der Stadt durch di« jüngsten Verord- nungen von Reichsweoen schwer« neu« Lasten zur Wohlfahrtspflege und dergleichen auferlegt worden feien. In diesem Zusamenhange glaubte cherr Merten gegenüber unserem Genossen Dr. Lohmann eine Lanze für die private freiwillig« Liebestätigkeit brechen zu müssen, von der er sich sogar einen mildernden Einfluß auf die bureaukratische Schroffheit und Engherzigkeit verspricht. Natürlich fanden auch die Privat schulen in dem Redner einen beredten Anwalt, wie er selbstverständlich auch dies« Gelegenheit nicht vor- übergehen lassen konnte, um seiner Gegnerschaft gegen den Stadtschulrat Paulsen und gegen die weltlich« Schul« die Zügel schießen zu lassen. Für die Wirtschastspartei trug Müller-Franken abermals das Klagelied des Gewerbestandes vor, der durch die Inflation ruiniert worden fei, und legte den Parteien, die sich heut« so viel auf bfe Schaffung der Rentenmart zugute tun. die verfängliche Frag« vor, warum sl« di« Stabilisierung erst durchgeführt hätten, nachdem di« Ausraubung und Enteignung d«« Mittelstandes eine Tatsache g». worden sei. Und sei eo etwa» anderes als ein« brutale Enteignung, wenn die Stadt das Milliardendefizit von 1922 Infolg« der Inflation auf Abrundungskontv verbuchen und tilgen tonnte? Die Steuer» gesetzgebung müsse zugunsten des kleinen und mittleren Geschäfts» manns und im Interess« der Hebung des Nationalvermägens grund» sätzlich reformiert werden, das Recht der Zuschläge auf die Ein. tommensteuer sei den Kommunm zurückzugeben und so das Unrecht der Revolutionszeit wieder gutzumachen, nur auf diesem Wege werde echte Mittelstandsfreundlichkeit bewährt werden. Der Redner des Zentrums Dr. Saltzgeber setzt« sich zunächst mit dem Genossen Dr. Lohmann auseinander, der sein Bedauern darüber ausgesprcchen habe, daß auch das Zentrum in der Schulpolitik von der Reaktion ms Schlepptau genommen worden sei. Dr. Lohmanns Befremden fei durchaus unangebracht: in der Frage der weltlichen, d. h antireligiösen Schule trenne das Zentrum eine Weltanschauung von der Linken. Auch in der grundsätzlichen Stellung zum Stadt- schulrat Paulsen habe sich im Zentrum nichts geändert. Den Bor- wurf, daß die Bürgerlichen den Magistratsabban in unsinniger weife betrieben hätten, glaubte der Zentrumsvertreter mtt dem Hinweis entkräften zu können, daß der Oberbürgermeister dem Ausschuß erklärt habe, mit soundsoviel Stadträten weniger auskommen zu können. Als setzt« Redner der ersten Garnitur kam dann wieder einmal Herr Richard Kunze(Deutschsozial) zum Wort Er stellt« die wachsende Entwertung auch der Rentenmart alt Tatsache hin und forderte schärfstes Einschreiten gegen den schandbaren Zinswucher der Danken und ihrer Hintermänner. Umgehend müsse die Steuer- gesetzgebung zugunsten der Kommunen geändert werden. Der Kämmerer Sarding stellte gegenüber Merten einige Ziffern über die Erträge der städtischen Werk« richtig und wehrte sich gegen den von Lohmann erhobenen Vorwurf, daß die städtische Finanz- Verwaltung eins Politik der verpaßten Gelegenheiten und Möglichkeiten getrieben habe. Die Geldentwertung und der Mangel an Berttauen und später an Geld bzw. Kredit sei an allem schuld: die städtischen Anleihen hätten eben Fiasko gemacht Hossent» lich werde bald wieder auch für städtische Zwecke das Privatkapital flch bereirfinden lassen. An dieser Stelle wurde die Wahl von drei Mitgliedern und drei Stellvertretern für den Aufsichtsrat der Wohnungsfür- forgegesellschaft Berlin m. b. H. eingeschoben. Di« Sozialdemokraten, Deutschnationalen, Deutsch« Volkspartet und die Demo- traten hatten je ein« Liste eingereicht. Die Liste Gutschmidt(Soz.) erhiell 70, Liste Bender(Dnat.) 86, Liste Veuster(D. Vp.) 33, List« Weber(Dem.) 30. Gewählt sind G u t s ch m i d t(Soz.), Bender(Dnat.), Beuster(Dem.). Für di« Stelloertretenvahl fand ein weiterer Wahlgang statt, in dem u. a. Czeminskt(Soz.) ge- wählt wurde. Einen Dringlichteitsontraq Richard Kunze, den Verkauf der Ländereien am Wannsee eventuell durch Enteignung rückgängig zu machen und dafür Sorg« zu tragen, daß di« Wälder und Ufer- gelgnbe der Seen und Flüsse der Bevölkerung erhalten bleiben und nicht mehr in Privatbesitz übergehen, überwies die Berfammlung dem Haushallsausschuß. Di« Vorlage betreffend die Notstands. arbeiten der Tiefbauverwaltung gelangt« in der zweiten Beratung zur Annahm«. Di« vom Magistrat vorgeschlagen« Um- Wandlung der 308. Gemeindeschule in ein« Lebensgemein- s ch a f t s s ch u l« wird w einem Ausschusse auf ihre Durchführbar. kell geprüft werden. Hiernach kehrte die Versammlung zur ersten Lesung des Stadt- Haushaltsplans zurück. Genosse Reimann erkannte den versöhnlichen Ton an, der dies- mal besonders von Dr. Steiniger angeschlagen sei und trat gleich- zeitig der Behauptung der Redüer der Rechten entgegen, daß Genosse Dr. Lohmann seine Haushaltsred« polemisch angelegt Hab«. Leider könne man heute nicht behaupten, daß die städttschen Werk« rwch Musterbetrieb« seien: es sei mehr als fraglich, ob der rapide dort betrieben« Abbau bei den so gesunkenen Löhnen überhaupt werde aufrecht erhalten««den können. Jedenfalls mSss« neben einer den Interessen der Verbraucher möglichst gerecht weroenden Pretsgelial- tung auch dieser Gestchtepunkt scharf im Auge behalten werden. Beim Personalabbau seien beider vielfach polltische, nicht sachliche Moment« maßgebend ins Gewicht gefallen:«tn'ettlg Hab« man Beamte and Angestellte abgebaut, die sich zum sozialdemokratischen Parteiprogramm bekannten. DI« Ausfäll« des Herrn v. Cynern gegen den Stadtscbnlrat Paulsen seien nicht nur an sich unqualifizierbar, sie seien auch «In Zeichen krassen Undankes angesichts der überaus schonenden Ausführung des Abbaues im städtischen Schulwesen, wäh- rend gleichzeitig auf dem Gebiet der praktischen Schulfürsorg« in der dreijährigen Tättgkeit Paulsens Außerordentliches geleistet worden sei..Hier spreche lediglich der haß gegen den Sozialdemokraten Paulsen das letzte Wort.(Widerspruch rechts.) Ihm spreche die Fraktion und mtt ihr die zu ihr stehend« Wählerschaft für sein mannhaftes Auftreten im Gebiete des Schulwesens den besonderen Dank aus. (Lebhafte Zustimmung linke.) Im Anschluß hieran setzte sich Ge- nasse Reimann dann auch noch mit Merten und Dr. Saltzgeber aus- einander.— Das Verlangen, sogar di« Feuerwehr zugunsten größerer Bewegungsfreiheit der Bezirk: zu dezmttalisieren, wäre geradezu «in« Dezentralisierung der Unvernunft, nicht der Vernunft. Di« Aus- führungen von Richard Kunze gegen den Zinswucher der Banken könne man durchaus unterschreiben: hier aber helfen keine Palliativ- mittelchen, hi« muß die Axt an dre Wurzel die kapitalistisch« Gesellschaftsordnung, gelegt werden. Inzwischen ist das Ergebnis der Stellvertreter- wähl zum Aufsichtsrat der Wohnungsfürsorge- G. m. b. H. ermittelt und wird bekanntgegeben. Das Stimmen- Verhältnis ist 73. 37, 29, 29: gewähll sind Czetninski(Soz.), H a tz k y(Dnat.): zwischen H ü t t ch e n(D. Vp.) und Weber(Dem.) muß das Los entschelde-n, das vom Vorsttherstellvertretcr Schmidt gezogen wird und auf Weber(Dem.) fällt. Als vorlettter Redner zum Stadthaiuchaltsplan polemifderte v. d. Vorght(Dnat.) gegen Reimann, dem er u. a. das Recht, im Namen der Berliner Arbeiterschaft zu sprechen, bestritt; daneben nahm er das Verdienst, die Rentenmark erdacht zu haben, aus- schließlich für Helssench(!) in Anspruch. Die von Dr. Lehmann ver- langte einheitliche Verkehrspolitit lehnte Herr v. d. B o r g h t a b, u. a. mit dem Hinweis darauf, daß das heutige Eroß-Berlin ein hypertropisches, auf die Dauer nicht haltbares Ge- bilde sei. In das Berdammungsurteil dar Bürgerlichen gegen Paulsen glaubte auch er einstimmen zu müssen. Um 9 Uhr griff auch noch Dr. Caspar!(D. Vp) in die Haus- Hallserörterung ein, um in der Hauptfach« auszuführen, daß die Beamten) nflation der Papiergeldinflaiion vorausgegangen fei und an der letzteren«inen großen Teil Schuld ttage. Außerdem habe das Verdienst für di« Schonung des Berliner Schulwesens beiin Abbau nicht etwa Herr Paulsen, sondern der Unterrichtsminister Boelitz. Herr Paulsen als Gegner der heutigen höheren Schule werde di« Deutsche Volkspartei stets aufs äußerste bekämpfen. Nach Ea�ori trat t�'i-ßlich Dörr(Komm.) in die Schrcmttn und versuchte den Beweis zu führen, daß auch die Rentenmark vornehmlich ein Mittel zur Ausbeutung und Aussaugung des deutschen Prole- tariats durch das Kapital gewesen sei. Der Stodthaushaltsplan ging hierauf an den Haushattsausschutz, womit die öffentliche Sitzung gegen?L10 Uhr ihren Abschluß fand. Der Nlorü an üer Portierfrau Raekling. Zwischen Ehemann«nd Freundin. Die 37Iäh-rige Mathilde Staverock und der drei Jahre jünger« Theodor Just hatten sich, wie bereits gemeldet, gestern vor dem.Schwurgericht' des Landgerichts I wegen gemeinschaftlichen Raubmords, begangen an der övjährigen Portierfrau Raekling, zu oerantworten. Just war bereits im Dezember v. I. von den Geschworenen des Raubmordes schuldig gesprochen. Das Gericht aber»Mt«li«ß es, das Todesurteil zu fällen, und hob in der An- nähme, daß di« Geschworenen sich zuungunsten des Angeklagten geirrt hätten, den Wahrspruch der Geschworenen auf. Es stand schon damals fest, daß der Angeklagte sich bei Begehung der Tat in einem Zustand der Trunkenheit befunden hatte, der die Ueber- legung unt« allen Umständen ausschließen mußte. Frau Staverock wurde damals von der Anklage der Mittäterschaft freigesprochen und nur wegen versuchten Mordes zu oier Jahren Zuchthau» verurteilt. Da ab« da» Reichsgericht auf Antrag des Staatsanwalt« den Frei- sprach der Geschwsrenen ausgehoben hat, steht auch sie nun zum jwe&m Male unter der Anklage km Raubmordes. Mährend der«rften Berhandtrmg schisnsn die Motwe der Tat klar auf der Hand zu liegen. Di« Angeklagten sollten die Raeklmg ermordet haben, um sich in den Besitz von deren Habseligkeiten zu setzen. Der Plan d« Tat sollte, nach Aussage des Just, von der Stav«ock ausgegangen fein. Die Ausführung wollte er besorgt haben. Nach der Tat wurde die Leiche zerstückelt: man »«suchte st« zu kochen, um sie dann in das Klosett zu werfen. Als aber dies« Prozedur zu langsam vor sich ging, wurden die Leichen- teile von der Frau Stoverock in Paket« getan, aus dem Haufe ge- tragen' und teilweise in die Spree geworfen. Die Polizei hatte sich lange Zeit den Kopf darüber zerbrechen müssen, wem der in der Spree aufgesischt«, männlich ausseheirde Rumpf gehören mochte. Nur durch den Lappen, in den der Körperteil eingewickelt war, konnten- di« Angeklagten überführt wecken. Heut» erhielt durch di« Aussage der Staverock das Ganze ganz unerwartet ein völligander es Gesicht. Di« Anklag«, oi« auf Raubmord lautet«, mußte von der Staatsanwaltschaft preisgegeben werden. Ein aus sexuellen Motiven begangener Totschlag wurde mm d«. Angesagten zur Last gelegt. Woher nun die Wandlung? Die Staverock, eine hysterische, leicht ausgeregte Person von ziemlich bösartigem Aussehen, mit spitzen Zügen und hagerer Gestalt, will die Raekling, die unglücklich verheiratet war, schon im Jahr« 1917 kennen gelernt haben. Sie sollen nun m näh«? Beziehungen getreten sein. Der Zufall fügt« es, daß die gleichgeschlechtlich und sadistisch oeranlaot« Staverock eine Ergänzung in der m a s o ch i st i s ch v«r- anlasten Raekling fand. Biermal war di« Staverock früher verlobt, einmal verheiratet, doch richtig« Fühlung will sie mit den Männern nie gefunden haben. Aber auch durch das Verhältnis mit der Raek- ling ist keine Ruhe über sie gekommen. Sie wechselte Wohnung auf Wohnung in fruchtlosen Versuchen, von der Freundin loszukommen. 18] Die Alüchklinge. Roman von Johannes Llnnankoskl. .Unter uns ist ja gar kein Herr," schmunzelte Uudela, langsam die Haare über dem Ohr am Mützenrand zurück- streichend. Auch er legte einen besonderen, leicht ironischen Nachdruck auf das Wort„Herr' und warf zugleich einen viel- sagenden Blick auf den Spazicrswck in Rimpiläinens Hand. Die Savolaxer zogen di« Augenbrauen hoch: oho! Und Rimpiläinen, der merkte, daß die Alten auch nicht aus Klötzen geschnitten waren, wie es beiläufig schien, lenkte geschmei- dig ein:,, „Bauern sind wir ja hier alle— ich meinte bloß, wär eigentlich der Wirt is." „Von der Wirtschast verstehen wir alle ein bißchen— im Güterzug kommen noch zwei...,' fuhr Uutela mit wohl- wollendem Lächeln fort.»Aber wir Aelteren haben gedacht, zuerst Hand anzulegen!" „Verteufel gut gesagt, Uutela wir sind ja doch auch nicht hinterm Mond zu Hause!" fteute sich Keskitalo ins- geheim.,.. „Also paarweis, also paarweis, lachte Rimpiläinen. „Na, willkommen, und kummen Sie mal auf'ne Pfeife Tabak!" Einige gingen weg, die meisten aber blieben noch, um zu- zusehen und abzuwarten. � Der Güterzug, den der Personenzug auf der vorhergehen- dm Station überholt hatte, traf sofort ein. � „Kommt, Jungen«, und streckt euch ein bißchen die Beine aus. während sie unsere Wagen dort auf die hintere Spur schieben," sprach Uutela geschäftig, mit den Frachtbriefen in der Hand. Die Burschen blickten etwas unsicher auf die Menschen- menge, kamen aber doch. Hanna allein blieb noch bei dem Vieh im Wagen. Es war den Burschen seltsam, nahs bei der musternden Menge aus-»nd abzugehen. Da war eine und das andere, was sie gleich gewissermaßen zu quälen begann. Sie schienen so schlank und biegsam, diese Savolaxer. sie gingen auch in ihren weichen genähten Schuhen so-geschmeidig einher, daß ihnen di« dickbesohlten tavastländischen Stiesel mit etnemmal plump und schwer vorkamen. Dann der spaßige Klang der Red« und die fließende Leichtigkeit der Unterhaltung— in all dem war etwas Herrenmäßiges. Dann die Blicke und das Lächeln, und als sie noch einige lachen sahen, da fühlten sie sich dumm und ungehobelt und wurden schlechter Laune. »Kommen sie denn nicht endlich mit den Wagen?" sagte Bihtori, Uutela fast anfahrend. „Nun nun. es wird bald so weit sein," erwiderte Uutela, sich zu ihnen gesellend.„Nur keine Eile, Jungen«.' lächelte er mit seinem stillen Lächeln.„Wir werden auch schon noch lachen, wenn wir erst an den Äcker herankommen!" Das tröstete die Burschen ein wenig. Sie gingen nach dem Pumpenhaus zu. Uutela aber lächelte immer noch und spazierte dahin. die erloschene Pfeife in der einen Hand, mit unten gerade abgeschnittenem Haar und flacher Mütze wie ein wohlwollen-- der Scheunenkobold inmitten der Menschenmenge, und im Scherz zwinkerte er manchmal den Savolaxern zu. Er Iprach mit Keskitalo, dem Stationsvorsteher und dem Stations- diener, gab den Frauen der Tagelöhner, die beim Treiben des Viehes helfen sollten, Anweisungen— alles leise, mehr durch einen Blick als durch Worte. Der Alte erschien auch den Savolaxern nicht uneben. Nachdem der Zug schließlich abgefahren war, konnte man sich an das Umzugsgut machen. Das Vieh, der langen Reise überdrüssig, setzte sich in Trab, so daß der ein paar Zoll tiefe erst« Schnee mit dem Kies in der Lust herumflog. Dort liefen die Tagelöhner». frauen, Hanna und die Burschen, dort kreuzten sich die savo- laxischen und di« tavastländischen Zurufe in dem eisigen Durcheinander. Keskitalo und Uutela trugen für die Pferde Sorge, die übrigen Sachen mußten bis morgen bleiben. Uutela war guter Laune, während er Liina vor den prächtigen Brautwagen spannte. Er glrnlbte sich gleichsam schon mit der Oertlickkeit vertraut und nickte fast wie ein alter Bekannter mit dem Kopf, als er an den von der Station aufbrechenden Savolaxern vorbeifuhr. * Am Eingang zum Zaunweg des Gutshofs mochten die Ankömmlinge für einen Augenblick hast, schauten nach dem Gehöft und bekreuzten sich: da beginnt e» mml Nachdem die Kühe angekettet und die Pferde im Stall untergebracht waren, nahmen sie noch eins und das andere vom Wagen. Auch die alte Frau war auf den Hof gekommen, um nach ihnen zu sehen und sie zum Einzugskaffee zu rufen. »Was fehlt denn der Helka?" fragte Uutela warm das Mädchen, das mit hängendem Kopf etwas zur Seite stand. »Hier ist ja nichts wie in Tavastland!" klagte sie mit weinerlicher Stimm« und ließ den Kopf noch tiefer sinken. »Wart' nur«in bißchen," tröstete Uutela leise.»Bald haben wir uns hier mit vereinten Kräften ein Stück Tavast- land geschaffen!" Er bemerkte zu seiner Verwunderung, daß auch alle anderen niedergeschlagen und stumm waren— wie wenn sie sich tn ihren Gedanken verloren hätten und gar nicht hinein-' gehen wollten. »Donnerwetter, guck mal, wie sich die Ecke dort gesenkt hat!" rief er, nach dem nebenstehenden Speicher sehend. Dann rieb er sich mit scherzendem Eifer die Hände, wie wenn er zupacken wollte, und fügte hinzu: »Was meinst du. Keskitalo, wollen wir sie nicht gleich heben, um uns warm zu machen?" Alle begannen zu lächeln. »Vielleicht lasien wir s doch bis morgen früh— oder wenigstens, bis wir Kaffee getrunken haben!" lachte Keskitalo. In das Lachen stimmten auch die anderen und begaben sich, erleichterten Herzens, lebhast redend hinein. 7. Die Dämmerung hüllte noch die Lande ein, doch auf dem Acker de» Gutshofs hörte man schon menschliche Stimmen und da» Klirren der eisernen Zochen. Dort schlug Uutela mit den Burschen die tavastländischen Pflüg« in den savolaxischcn Erdboden, denn im Herbst waren nur einige Beete umgelegt worden. »Es ist ein Gvttesglück, daß es so steht," dachte Uutela, „daß man gleich an den Loden herankommt." Er selbst lenkte den«inen Pflug, vor den die tavostländi- sehen Pferde gespannt waren, und die Zügel hingen in einem langen Bogen um seinen Racken. Hinter dem anderen stand Bihtori. Es war ein fclcrsicher Augenblick, als hinter beiden Pflügen zu gleicher Zeit das„Hott!" ertönte, und sie beide die erste Furche zu ziehen begamien.„.,...' (Fortsetzung solgt-l J We fie dmm de» S»st kennen lernte, sträubte ste sich«ifmrfl». et» Verhältnis mlt thm einzugehen, gab ober schließlich seiner glühenden Lieb? nach. Sie zogen zusammen und teilten nun Bett und Tisch. Sie gebar ihm einen Sohn, kam auch ein zweites Mal in andere Ilmstände, gab jedoch die Beziehungen zur Raekiing nicht auf Gust. ein aus Lodz gebürtiger Analphabet, ebenso stupide wie fanatisch in seiner Liebe und Treue, ein vorzüglicher Arbeiter, mußte das Geld für den Haushalt und für die Anforderungen der Frau Raekling aufbringen. Von den Beziehungen der beiden Frauen zueinander wußte er' nichts. Als aber die Staverock auf Beranlasiung der Raekling in das Haus zog, wo letztere die Portierstelle innehatte, war es um das Glück der beiden AngeKagten endgültig geschehen. Dem Just, der an und für sich eifersüchtig war, ging ollmählich ein Licht darüber auf, daß die Behauptungen seiner Frau, sie wäre anders als die anderen, doch wahr feien. Er begann auf die Frauen zu fluchen, regte sich darüber auf, daß Frau Raekling den ganzen Tag bei Frau Staverock verbracht«, schlug oft aus letztere ein, wenn sie sich ihm verweiergte, begann schließlich zu trinken und auch des Nachts fortzubleiben. Aber auch das Derhältnis der Frauen hatte aus zwei Gründen einen Riß bekommen. Einmal hatte sich die Frau Raeving häßlich gegen das zweijährige Kind der Freundin benommen, dos sie zu betreuen hatte, Äs die Staverock sich in der Lurrgen Heilanstalt Beelitz aufhielt, und zweitens hatte sie über ihr« unschöne Vergangen- heit den Schlei br gelüftet. Die Raeving war der Angevagten zur Last geworden. Sie beschloß, fortzuziehen. Die Raeklina erklärte niit- ziehen zu wollen. Da will die Staverock vollends den Kopf verloren haben. Sie äußerte nun in einemfort dem Just gegenüber:„Befreie mich von diesem Weibe!" Just behauptet, sie Habs ihn aufgefordert, die Raekling zu töten, einmal sogar zu diesem Zweck das Beil zurechtgelegt, und ein andermal einen Mordversuch mit Aspirin an der Frau begangen zu Haiben. Als dann Just mst Wissen der Angeklagten aus den Sachen der Raeving, die unterdes auf deren Wunsch in die Wohnung der Staverock getragen waren, Wäsche entnommen hatte, und es deswegen zu heftigen Ausein- anderfetzungen zwischen. den Parteien kam, geschah die Tat. Just war betrunken noch Hans« gekommen und, was er im nüchternen Zustande zu vollbringen sich weigerte, beging er nun unter dem Einfluß des Alkohols. Er erschlug die Raetling mit dem Beil.. Dr. Magnus Hirfchfeld äußert« sich über die Bi- iexualität der Angevagten, unterstrich die Häufigkeit, mit der Homo« sexuelle Frauen das Eheglück zerstören. Dr. Thiele sprach, gleich Dr. Magnus Hirschfeld, von der verminderten Zurechnungsfähigkeit der Angevagten und von ihrem durch die hohe Schwangerschaft ge- steigerten Asfektleben und von Iusts geistigem Schwachsinn. Das Gericht erkannte, daß die Tat das Ergebnis eines feit langem geplanten Verbrechens war, das nun im trunkenen Zustande, ohne Ueberleaung, durch Just vollführt worden ist. Da für ihn nur Totschlag in Frage kam, könne die Staverock auch nur der Anstiftung zum Totschlag schuldig erkannt werden. Just wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und die Staverock unter Eimechnung der bereits erkannten Strafe von vier Jahren Zuchthaus im ganzen zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren abgefprochen._ der deckeneinsturz im Moffe-tzaus. Bogiaa der Zeageavernehnmng. Im weiteren Verlauf der Verhandlung sagte u. a. der Zlnge- Vogte Lamp, der die Stützen in dem später gingestürzten Bauseld am 19. Januar ausgeschalt hat, aus, daß er damals keinerlei Bedenken gehobt habe; denn als er in der üblichen Weif« mit dem Hammer anschlug, zeigte sich keine Belastung. Anders war es aber, als er am 2 4. Januar früh weitere Stützen auf Drängen von Buchholz, der mit den Fußbodenarbeiten vorwärts- kommen wollte, entfernen sollte. Bei der Prüfung der Stützen mit dem Hammer habe sich beim Zstischlogen des Metalls ein tiefes Brummen gezeigt, aus dem zu folgern war, daß eine sehr starke Belastung vorhanden war. Er, der Angevogte, habe sich daher auf das Dach begeben und gesehen, daß auf der 8. Decke außerordentlich viel Kies lagerte, der ihm bis zur Brust ging. Er habe die Höhe teilweis« bis zu 80 Zentimeter geschätzt. Daraufhin habe er die größten Be- denken gehabt und bei sich gedacht, daß es ein Wunder sei, daß die Deck« noch nicht eingestürzt sei. Nachdem er in den 7. Stock zurückgekommen war, habe er zu feinem Kollegen Kroll gesagt, die Verantwortung könne er nicht auf sich nehmen, er müsse erst Handschick fragen, Um� Kroll die Belastung zu zeigen, habe er noch einmal gegen die Stützen geschlagen. Der tiefe brummende Ton habe sich wiederholt, und auch Kroll habe erkannt, daß die Decke außerordentlich belastet sei. Plötzlich habe es einen Krach gegeben. Zur Decke aufblickend, habe der Angeklagte«inen Riß gesehen und in demselben Augenblick sei das Un- g l ü ck g« s ch e h e n. Er habe sich noch retten können, indem«r auf «in noch«ingeschaltes Stück zurücksprang.— Der Vorsitzende hält dem Angevagten vor, daß er nach den Borschriften Notstützen hätte stehen lassen müssen. Der Angeklagte beruft sich demgegenüber darauf, daß Baumeister Lazarus die Ausschalung verlangt habe. Für den Umstand, daß eine Stütze ohne Keil gewesen sei, kann der Angeklagt« keine genau« Erklärung geben. Als letzter Angeklagter wurde der Baumeister Otto Lazarus verantwortlich vernommen, Er äußerte sich dahin, daß«r Angestellter der Firma Rudolph Moss« und Leiter der Bauabteilunq dieser Firma sei. Als Bevollmächtigter der Firma habe er auf Beschleunigung des Baues drängen müssen. Es sei richtig, daß er angeordnet habe, daß der Kies auf die Dachterrasse hinaufgeschafft wurde. Für dies« Anordnung sei er v era n tw o rtli ch. Er habe es mit gutem Gewissen anordnen können, denn niemand konnte ahnen, daß aus dieser Anordnung ein so schreckliches Unglück entstehen würde. Er sei überzeugt, daß. wenn er mst Jacobowicz und Buchholz sich besprochen hätte, diese auch nichts anderes geäußert hätten. Er habe sich sagen müssen, daß die Decke gehärtet genug sc».— Ein Sachverständiger hielt ihm vor, daß er aus der statischen Berech. nung wissen mußte, daß die Raebeldecke nur200 Kilogramm Nutzlast pro Quadratmeter tragen tonnt«. Dann haste er aber in Rechnung stellen müssen, daß durch die Ueb erbet onieruilg des Estrichs für die Dachterrasse bereits eine Ueberbelastung erfolgt war, so daß davon Abstand genommen werden mußte, den Kies auch noch hinauszuschaffen.— Angev.: Das Aufbringen der Beton- schuht bedeutet« nur eine Berstärkung der Decke, so daß die De» lastung unbedenklich erfolgen konnte, da die Verschalung die Deck« stützte. Der Sachverständig« hielt ihm entgegen, daß er doch wissen mußt«, daß ausgeschalt worden war, da er es veranlaßt hatte. Dies bestritt der Angeklagte.— Ein anderer Sachverständiger richtet« aus subjektivem Interesse an den Angeklagten folgende Frag«: Herr Regierungsbaurat Lazarus, haben Sie damals über die Frag«, wie boch die Decke belastet werden könne, überhaupt nachgedacht?— Angekl.: Rein.— Es wird dann die Zeugenvernehmung begonnen, die sich zunächst auf die Arbeiter erstreckt, die den Kies hinaufgeschafft haben. der Man« mit Sem JJoch In Se? Tasche. GHchafke, aus denen nichts wurde. Der Flugplatz Johannisthal ist teilweise abgesperrt und da- Betreten nur gegen ein« von bestimmten Personen ausgestellte Kart« erlaubt Ein Arbeiter Müller, der auf dem Flugplatz arbeitete, machte sich dies zunutze. Bald hier, bald da lieh er die Bemerkung fallen, daß er mit dem Berk auf des auf dem Flugplatz lagernden A l t m e t«i l l s beauftragt fei. Bald fanden sich auch Interessenten, denen er sich als»Ober» meister" ausgab und die mit ihm verhandelten. Müller nahm die Leute dann- mit zum Flugplatz, erklärte ihnen, daß hier niemand ohne besondere Erlaubnis hinein dürfe, und ließ sie warten. Er ginge erst zu dem Prokuristen, um diesem Bescheid zu sagen. Bald kam er dann mit einem Zettel wieder, auf dem der Käufer beschei- nigen mußten daß er ein bestimmtes Gewicht von einer bestimmten Sorte Altmetall zu einem Wen Preis« kaufen wolle. Dafür, daß er es auch erhaste, zeichnete der„Obermeister" gegen. Außerdem solle noch der Prokurist unterschreiben, und darum müsse er noch einmal zurückgehen. Diesmal blieb Müller nicht so lange weg wie das erstemal, sondern er kam bald wieder und sagte, daß er den Prokuristen nicht mehr getroffen Hab«, da dieser soeben nach Berlin zu einer wichtigen Besprechung gefahren wäre. Er habe aber schon mst dem Prokuristen gesprochen und dessen Zustimmung erhalten. Um ganz sicher zu gehen, müsse der Käufer schon etwas an- zahlen oder besser noch den ganzen Betrag übergeben, dann wäre er der Besitzer und könne das Metall nach Belieben abholen. Die Interessentwi wollten sich das vorteilhafte Geschäft nickst entgehen lassen und zahlten meistens den ganzen Betrag. In der Freude über das gut« Geschäft gingen die Käufer mst dem„Obermeister" in inehrere Lokale. Plötzlich fühlte Müller alle Taschen ab und erklärte, er habe das Geld verloren, daseine Tasche„ein Loch" habe. Aus dem Geschäft könne jetzt nichts werden. Die so Ge- neppten gingen zur Kriminalpolizei, und es dauerte nicht allzu lang«, dann faß Müller hinter Schloß und Riegel. Vom Untersuchmrgs- richtet wurde er einstweilen entlassen. Die kostbare Zeit konnte Müller nicht ungenutzt verstveichen lasten. Von seinen früheren Schwindeleien her hatte er noch Fühlung mit Metallhändlern, und so fand er bald jemand, dem p einen„Waggon Rotguß" ver» kaufen konnte. Er führte den Käufer auf den Nordbahnhof, zeigte ihm hier einen vorschriftsmäßig versisgellen und plombierten Waggon, der Rotguß enthalten sollte. Im Auftrage seiner Firma scllte er diesen verkaufen. Man einigte sich über den Preis, der Käufer zahlte die verlangten 1500 Mark, und am nächsten Mar- gen wollten sich beide hier wieder treffen, er mst der Bescheinigung und Unterschrift seines Vorgesetzten, des„Prokuristen Dorn", und der Käufer mit Pferd und Wagen, um abzufahren. Aber Müller erschien nicht am nächsten Morgen, und ber Prokurist Born war bei der Firma, der-der Waggon gehören sollt«, völlig u n b e- kann! Als der Geschädigt« den Perkaufor bei der Kriminalpolizei beschrieb, erkannte man, sofort Müller wieder. Bei seiner Verhaftung erklärte er, daß aus dem Geschäft ganz bestimmt etwas geworden wäre, wenn er das Geld nicht wieder in die Tasche mit dem Loch gesteckt hätte._ „Vertrauensärzte". Ein junger Mann sucht« Familien auf. die für«tue junge Tochter leichte Arbest suchten und erklärte, daß er von einer angesehenen Firma, die das Inserat gelesen hätte, beaustragt sei. die Mädchen „auf ihren Gesundheitszustand zu untersuchen". In der Hoffnung, für ihre Kinder die Stellung zu bekommen, ließen die Mütter das geschehen, und erst später erfuhren sie, daß sie es mit einem Lüstling zu tun hatten. Dieser wurde jetzt in einem 23 Jahre asten Kaufmann Edgar O l a f f s o n, der früher Aushilfs- schreibe? beim Magistrat war und einige medizinische Bücher gelesen hat,«vmittelt und festgenommen. Mit einem anderen Trick arbeitet ein anderer Schwindler, dessen Persönlichkeit noch nicht feststeht. Er wendet sich an Frauen, von denen et annimmt, daß sie wohl ein« Unterstützung gebrauchen könnten und spiegelt ihnen vor, daß er„Arzt der A r m en d i r e k t i o n" am Mühlendomm ei. Auf die Frage, wer denn die Armendirektion auf sie aufmerk- am gemacht Hab«, gibt er den Frauen kein« bestimmte Antwort, ändern deutet nur etwas geheimnisvoll an. die Anreguno gehe sicher von wohlwollender Seste aus. Der Gauner begnügt sich aber nicht damit, die Frauen zu„untersuchen", sondern bestiehll sie auch noch. Er schickt sie noch der Küche, um Wasser zu holen, damit er sich die Hände waschen könne, steckt dann rasch irgendeine' Wertsach«, ein Schmuckstück und mit Vorliebe«in« Uhr ein und verschwindet, nach- dem er versichert hat, daß die Armendirektton auf seinen Bericht Bescheid ertellen werde. Obgleich er durchaus nicht den Eindruck eines Arztes macht, sind ihm schon viele Frauen ins Garn gegangen. Der Gauner ist etwa 42 bis 43 Jahre ast und etwa 1,60 bis 1,70 Meter groß, hat schwarzes, dichtes Haar. Er trägt in der Regel«in« blaue Mütze, einen feldgrauen Paletot, einen selb- grauen Anzug und schwarze Militärstiefel. Mitteilungen, die geeig» net sind, auch ihn unschädlich zu machen, nimmt Kriminalkommissar Strewe im Polizeipräsidium entgegen. Mrkshausschlägereien. Nachts wurde das 191. Polizeirevier nach dem Lokal von Brand, Schützen- Ecke Birkbuschstraße gerufen. wo eine Schlägerei im Gange war. Als die Beamten eintrafen. fanden sie den 41 Jahre alten Lokomotivführer Oskar W e n z aus der Schützenstr. 20 an Kopf und Händen stark blutend vor. Infolge Streitigkeiten hatte Brand den Wenz mit einem Gummiknüppel niedergeschlagen. Der Verletzte wußte ins Krankenhaus Am Frie- drichshain geschafft werden.— In einem Lokal der Wilhelmshcwener Straße kam es zu einer Schlägerei zwischen mehrere» Das kunäkunkproxramm. Freitag, den 9. Mai. Naebriohten dienst BeLebensmittel orbörse. Nachm. 13.55 Dhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht 4.30— 6 Uhr: Berliner Fonkhapello(Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: „Yen den angenehmen Dingen des Lebens"(Plauderei am Teetisch.) 7,30 Uhr: Vortrag des Hrn. Studienrats Kügler:„Die Mark Brandenburg in der Dichtung". 8,30 Uhr: IX. Sonderveranstaltung der Funk-Stunde A.-G. Wagner-Abend. Kammersänger Professor Karl Clewing. 1. Feierlicher Zug zum Münster, aus„Lohengrin"(Fritz Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 2. Arie der Elisabeth, ans �Tannhäuser"(Dorothea Maoski). 3. a) Am stillen Herd, aus„Meistersinger von Nürnberg", b) Gralserzählung aus „Lohengrin"(Kammersänger Professor Karl Olewing). 4. Chor des Friedensboteru aus„Bienzi"(Fritz Wenneis auf dem Sohiedmayer- Meisterharmonium. 5. Elsas Traum, aus„Loh engl in"(Dorothea Mauski). 6. a. SiegmundsLiebeslied. aus„Die Walküre", h) Sohmiede- lieder, aus„Siegfried"(Kammersänger Prof. Karl Olewing). Am Steinway-Flügel: Kapellmeister Otto ürack. ®3t!en, r.;? �cr Strafte ifw Forstetzuiq fand. An de? Ecke der Bugenhagener Straß« wurde der 33 Jahre aste Arbeiter Bruno M az an te aus der Siemensstr. 3 zu Boden geworfen. Er stürzte dabei so unglücklich, daß er einen Unterschenkelbruch davon- trug. Als Täter ist der 37jährige Konditor Max S- von Zeugen. der Schlägerei bezeichnet worden. Der schwerverletzte Mazanke fav� im Moabiter Krankenhaus Aufnahme. Ein neues Altersheim in Neukölln. Ein jahrelanger Wunsch des Neuköllner Bezirksamts ist endlich verwirklicht worden. Gestern konnte das neue Heim in der Rosen st raße 2 unter starker Beteiligung aller maßgebenden Vertretungen, für Oberbürgermeister Boß war Stadtoat B e n e ck e erschienen, mst einer schlichten Feier eröffnet werden. Der Dezernent, Stadttat Genosse Shneider, zeigte in seiner Eröffnungsrede die vielen Schwierigketten, die sich awtürmten, um nur ein Gebäude für diesen Zweck zu bekommen Es gelang schließlich dadurch, daß der Besitzer der früheren privaten Herberge zur Heimat aus Gesundheits- rücksichten das Grundstück an das Bezirksamt verkaufte. In der Zeit der größten Inflation wurde es erworben, aber leider konnten die Instondsetzungsarbetten nicht sofort beginnen. Wie nötig ein solches Heim gerade für die Arbeiterstadt Neukölln ist, hat sich oft genug gezeigt, bhatte Neukölln bisher doch nur«in Altersheim mit 13 Betten. Eine winzige Zahl. Die Frage der Altersheime wird in den nächsten Iahren angesichts der großen Wohnungsnot überhaupt eine große Rolle spielen. Es gibt leider noch allzuviele aste Leute, die in der Tretmühle der Arbeit ihre Kräfte verbraucht haben und dann in ihren.letzten Tagen einsam und verlassen dahin» siechen und sterben. Das neue Heim soll nicht Anstalt, sondern Stätte der Ruhe und Erholung sein. Daher ist auch die ganz« Aufmachung mehr aus das Häusliche eingestellt. Im Nomen des Berliner Ma- gistvats überbrachte©tadttat B« ne cke dem neuen Heim Glück- würffche. Zur Verschönerung der Feier'ttugen drei Damen des Berliner Opern chors mit einigen stimmungsvollen Liedern bei. Ein Rundgang ließ erkennen, mit wie großer Liebe hier ge- arbeitet worden ist. Im Parterre sind zwei Tages- und Lese- räum«, die alle 70 Insassen aufnehmen können; der größere Raum für Nichtraucher, der kleinere für Raucher und „Statklubmitglieder". Di« Ausstattung der Räume ist aus Nachlässen Verstorbener zusammengestellt. In jedem Stockwert ist ein« Kochtüche. wo die Allen, obwohl sie ganz verpflegt werden, sich kommt wöchentlich zweimal, so daß auch in gesundheitlicher Beziehung vorgesorgt ist. Das Bezirksamt ttägt sich auch mit dem Gedanken. für die Alten einen Radio-Loutsprecher aufzustellen. Leider sind aber die Mttttl dafür noch nicht vorhanden, so daß vielleicht private Mildtätigkeit hier nachhelfen könnte. Das Heim soll nicht sofort voll belegt werden, sondern es soll soviel Platz frei- gehalten werden, daß stets dringendste Fälle sofort berücksichtigt wer. den können. Bei einem Tagessatz von 1,80 M. für Bemittelte, die auch aufgenommen werden, wird es manchem alten alleinstehende» Rentner angenehm fein, in Ruhe, Frieden und guter Gesellschaft die letzten Tage seines Lebens zu verbringen. Ei» Racheakt. Als der Stadffekretär Josef M e n d e m Be» gkeitung seiner Untermieterin Frau Weiser gestern nachmittag die Tür seiner Wohnung ausschließen wollte, wurde er von dem Schneidermeister S« v« r a auf der Treppe angehasten. Severa gab aus einem Revolver zwei S ch ü s s e ab, die Stadtsekretär Wende am Oberarm und Frau Mend« anderlinkenHand verletzten. Der Täter stellte sich darauf selbst der Polizei. Die Tat ist ein Rack, ea k t, da Severa annahm, daß Mend« in einer Wohnungs» Angelegenheit einen gegen ihn ungünstigen Bescheid erwirkt hätte. Bezlrfsbildungsausschoh Groß-Berlln. ssum Sonntag, den 11„ und Montag, den 12. April, iind noch einige Karten tür da« Deutiche Overnbaus(Adciidvorltelliingen) im Bureau deS BezirfSlNldMgSvusichusseS, Lindenstr. 3. 2. Hos II, Zimmer 8, zu haben. Beelhovev-Zrler Im SaaKM» Arlehrtchihow. Anläßlich der vor IM plahren ttsolpten Erltausstlhrung der IX. Ginsonie von Beethoven veran» stallet daS BoslSbildungSamt Prenzlauer Berg am Sonnabend, 10.- Mai, abends 8 Uhr, im Saalba» striedrihShain. Am ftriedrichshaw 16/23. einen Beethoven-Abend. Neben der I X. S i u i o n t e gelangt noch die Leonoren- Ouvertüre Nr. 8 zur Auisührimg. Mitwirkende: Berliner Sinfonie-(Blüthner) Orchester und der Berliner PollSchvr, Dirigent Dr. Zander. Solisten: Minna E b e I- W i l d e. Paula D-inbaum, Hendrik Appel« von der Großen Bollsoper und Kammersänger Prolcssor v. Raatz-Brockmann. EtutrittS» karten zu ILO M. an der Abendkasse. Vrbeiker-Rodlotlub. Freilag. den 9. Mai 1934, SfienMch« Versammlung in der Aula der Walter-Ratbenau-Schule. Neukölln, Baddinitr. 38/41, abends 7 Uhr. Vortrag: 1. Die kulturelle Bedeutung der Radiotechnik. 2. Wie baue ich mir billig einen Radioapparat. Schwere» Aukoungüück bei stiel. Dos von Kiel kommende Auto- mobil eines Gastwirts erlitt in der Nähe von Gettorf einen Reifenschaden und überschlug sich. Von den Insassen wurde» zwei tödlich, einer schwer und drei leicht verletzt. Auf dem Fluge Hlssabon— Macao abgestürzt. Das von den Hauptleuten Poes und Beires gesteuerte Flugzeug, das den ?flug Lissabon— Macao versuchte, ist 300 Kilometer von Delhi ent- ernt abgestürzt. Die Flieger wurden nur leicht verletzt.. Bombenanschlag aus das Reglernngsgebäude in Guadeloupe. In der Nacht vom 7. zum 8. Mai explodiert« im Regierung», gebäude von Guadeloupe«ine Bombe. Die Explosion richtete aber nur Materialschaden an. Sport. Revnea zu starlshorst am Donnerstag, den 8. Mal. LRenneu. 1. Algebra(H. Grolchel), 2. Slautopaz(M. Oeriey, 3. Henry(B. Sttett). Toto: 45: 10. Platz: 13, 11, 28: 10. Ferner liefen: Salzgras(autgebr,). Rotbart(auSgebr.), Ati-lle(ouSgebr.), Spöieu- kieker(ausgebr.), Galllpoli II(auSgebr.), Fellcia(auSgebr.). 2. R e n n e n. 1. Sind(Hr. SchliitwS), 2. Caesar II(v. Falkenhahn), 3. Hellebarde(v. Borke). Toto: 40: 10. 3 liesen. 3. Rennen. 1. Lobredner(Kukulies), 2. Exzelfior(M. Oertel), 3. P-riileS(Frehtag). Toto: 26: 10. Platz: 13, 13: 10. Ferner liest Anyukam, 4. R e n n e n. 1. Eichwald(Mate), 2. Ritter Blaubart(K, Edler), 3. Sprcewald(KuluveS). Toto: 25: 10. Platz: 18, 22. 21: 10. Ferner liefen: Memllng, Lilienstein, Granit, Tischen, Herzog(gef.), Schnucki II (ges.), Oro. 5. R e n n e u. 1. Machthaber(v. Falkenhahn), 2. Altmärker(v. Borke), 8. Bennelvar(Hr. Hantle). Toto: 35: 10. Platz: 15, 17,20: 10. Ferner Uesen: Siwia, Halili(gek.), Cyganka, Wettericheide. 6. Rennen. 1. Gigerl(SthS). 2, Jselberg(Jl. Lüder), 3. Rubel (v. Streit). Toto: 67: 10. Platz: 20, 13: 10. Ferner liesen: Marone, Lavinia. 7. R e n n e n. 1. Sternschnuppe(O. Schmidt), 1. Tbcokrit(M. Jentzsch). 3. L-on(M. Schmidt). Toto: 24: 10, Platz: 16: 10. Toto: 17: 10, Platz: 14, 20: 10. Ferner liefen: Mädchenjägcr, Saplenta, Chartreuse IL Aricnta(ges.). Eichkatz«, ChriltinoS, Ajak, Valaiit, Lady Greg. TvleS Rennen UlArTo m Wlien Originalflasehen zu CM. 5- mW Ul besonders vorteilhaft Man füllt daraus das kleine Maggi- FIHcrhrhpn seihst narh und hat außer Cieldersnarnifi noch die [ Man verlange ausdrucklich HA PCI8 Würze Fläschchen selbst nach und hat außer Geldersparnis noch die Garantie der Echtheit Achtung auf unversehrten Plorabenverschiuß- ?vgenAveranftakwngea. Ortaer.SlonfcMnj frtutt cieni 7 Ubr im Suaeubbetat, SntnriK. S. W« Ocbiwx müssen anwesend fein. Beainn der Arbeitsgemeinschaft beute abend 7 llhr im Lesezimmer des Jugendheims. Lindenstr. S. Einige Teilnehmer können nach aufgenommen CD-Bl-ttGIt Achtang,«bteUnng-kafliererl Die Beitragsmarken für Mai müssen ah. geholt werden: feiner auch die„Arbeiter-Iugend", fugend vorau� vom Mai und„Führer" und.Internationale" vom Agril. Hewke. ZreNag. dm S. Mol. abends VA Uhv vnchholz: Lokal von Ziossack. Kouvtstrah«. Diskussion:„Die proletarischen Jugendbewegungen. AI. und LI."—»ritz: Ch-usseeftr.«, Bortrag:„SÄI- und sexuelle Frage". Z. Teil.— Thorlattenbnrg: Angendheim, Rosinensir, 4, Schul« Waldenserstr. 21. Bortrog: _______ U � M. ioaatf Mitgliederversammlung.—«iedeeschönhausev: Sem-indeschule, Blankenburg«: Strohe KZ/lo. Mitgliederversammlung.— Rordvft I: Schule Georgenkirchsir. 2, Bortrag:„Wandern."— Nordost II: Schule Danziger Str. 2S, Bortrag:„Eni- Man« Im MMMm n**am.»- l»»lHl/,U: Maskenball Joel Sdivan, Im Srnjenrytr, LmKr, Fasttaodu Fal. Intimes Theater 3: Crepe Georgette usw. Metropol-Theater Tägl.73/, U. Karneval der Liebe Sommerpreise! Thalia-Theater Hielt Wiekuriffiirii 7*/. Uhr: Frasqulla Elsa Kochhann a.Q Eduard Rosen- (bulni.d.lilBBututesh > P. UWu Unit I D. Das Radlomidel Tribüne StD.Relherbnsch mit Lude Höflich Theater Tolies Caprice 8 U.- Liebes" 8 U. Reigen Heute und morgen Volkstage SämtUParsettplätre nur 1,50. 1 M 50 PI Gültig 14 Personen Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl, 8 Uhr Voto t't mm üUigv Pummels Martha »ribttld Ii dni iiftign Vorher: O.Herr aus Kyrltz. Posse i.l Akt oad dtr in» boitt Till LUNAPARK ErSffming; Sonnabend, den 10. Mai nachmittags 5 Uhr Eintritt 75 Pfennig MILITÄR a KONZERT Dirigent: Obermusikmeister Ahlers Die Weltsensation: Schindler, Akrobat am Flngzeng Großes Brillant- Feuerwerk Ttieaiera.Kottli.TQi Köttbuser Straße TglSUhr u.Sonntag nachm. 3 Uhr: in neuer Besetzung Dw Caihpiil: /InStamert irtcn Sichü Heidishalles-Ttieater Täglich 8 Uhr, Mm € DeDtsAlaml erwache 1 Zum Schluß: Ein Musikantentraum OSnhoff-Brettl Anf. 7'/� Sonnt 5 U Gr. Varlert. Progr. 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Wir verweilen noch nachdrücklichst auf die den Betrieden in Piatatform bereits üdersandle Betanntmachung. Berlin, den 7. Mai 1924. Der Vorstand Otto Gronau, Vorsitzender.[104/U W. Lindemann, Echriitführer. auf Teilzahlung bei kleiner Anzahlung Schlafzimmer Speisezimmer Herrenzimmer HSdien' Hmhiaraimren/ Einzelmöbel Spezial'ftliteiliuui für TEPPICHE/ GARDINEN und PehoraHonsöestemtande. Meine Preise und Bedingungen»lud so gOntU», daß Jeder kaufen kann. BEISEE Lothringer Strafe 67. ITBWtM leli®n.siiSMteI Varkaaf soweit Vorrat Rotwurst �ThÄ 70pf. Laadleberwnrstp.d 75?f. Mettwurst 1'0 Jagdwurst....... mmd l30 Mettwnrstivfra!Älso f f. Leberwurst, mnd 1 35 Teewurst.......... Pfand l50 Freitag Camembert. sohaeht«! 18pf Quadratkäse..Pfand SOp», Romatourkäse st� Z3 Limburger...... Pfand 6§f<. Tilsiter Käse..Pfand 65?.. Edamer Käse. Pfand K8p StembuscberKäsemi10 Frische Fiaisdi ohne Beflnse, Pfand OSPt Qr, RiucHerheringe. Bückäinse........................... 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Ist es oft nicht zum Verzweifeln, wenn Ihr Kneifer trotz aller Mühe dennoch Immer wieder zu rutschen beginnt oder bei der geringsten Bewegung obfallt, mindesten» aber hin und her wackelt. Selten nur wird solch alte Form genau vor den Augenmitien Der heutige billige spreisfür den Rttbnke-Lingerkneiser ohne löser: «us besten» Nickel Mart 0,75,«u» Gsid.voubl« Mark 1,50, Rathenower St-tSlöser xro j>aar nur M. 1,—, j>«nktorik. Menisken nur MÄsettSttttde IM GMattfenffe«: Sir zeig«« in nuferer Male Leipziger Straße 11* die Serstellung von«neifer. und Sristtn-Kassungen ans Sold und vouile in unserer Fabrik In Berlin EIS Optiker Rukirke CSpUieimatft itett esastzs Alexander-ploh rat),«tchwaer «önigstr. 55 gegeuaber Stalhaas CVY/BcUe-ttlliance-Sfr.d �" nalit Jandorf VVy Friedrich- Str. 193 a CQ Oronien-Str. 4« W orf. ett prtlchannort». uns Dronlctt-tlla» Q Frankfurter Allee 14 nah« T\tt ee, L«>p,>«« etc. Leipziger Sit. 113 Eck» S*«a«r-Ctt Cint'Sfc. 1 «cke Sot»dam-r SN. N Friedrich. 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D« gegenwäriige Zdredttnot. die immer wieder als Borwand für die Verteuerung der Warenpreise angeführt wird, ist keineswegs allein oder auch nur überwiegend eine Folg« der Verarmung Deutsch. lands. Tatsache ist vielmehr, daß die„Flucht in die Sach» werte", die in der Inflationszeit ein ungeheures Ausmaß und Tempo angenommen hat, gewaltige Geldmittel an Waren, Pro- duktionsmittel. Effekten und Devisen band, ohne daß bisher der Versuch gemacht worden wäre, diese Mittel in großem Umfange durch Verkauf wieder flüssig zu machen. In zahllosen Fällen sind Industriegesellschasten bedeutend reicher als vor dem Kriege. Ihr Reichtum besteht aber in der Regel nicht in barem Geld, sondern in Produktionsanlagen, Aktienbeteiligungen im In- und Ausland, in Warenlagern u. a. m. Natürlich ist es nur möglich, dies« in feste Form übergegangenen Betriebskapitalien nutzbar Zu machen, wenn man sie— selbst auf die Gefahr von Verlusten hin— oerkaust. Da- gegen ober sträuben sich Industrie und Handel nach Kräften. Sie belagern die Reichsbank und den offenen Geldmarkt, um die ntlt- wendigen Gelder zur Inganghaltung des Betriebes zu erhalten, und berufen sich in der Regel darauf, daß die Inflation das Betriebs- kapital„aufgezehrt" habe. Dieses Vorgehen läuft darauf hinaus, daß die Uebersöttigung der deutschen Wirtschaft mit unrentablen Produktionsmitteln und mit Organen der Warenverteilung aufrecht- erhallen wird— das ist wenigstens die volkswirtschaftliche Folg«. Prioatwirtschaftlich aber ergibt sich daraus die Konsequenz, daß die in Form von Sachbesitz den Betrieben entzogenen Mittel, zu denen auch großenteils die Inflationsgewinne gehören, ewig unangetastet bleiben sollen, selbst dann, wenn die kapitalistisch« Wirtschaftsorganisation sie nicht nutzbringendzuverwerten vermag. Das wäre dann sogar eine Umkehrung de» Rentabilitätsprinzips, das die Triebfeder der kapttalisti- sehen Wirtschaft ist. Dieser Zustand ist unhaltbar, die Reichsbank wirkt ihm durch die Kreditbeschräntungen neuerdwgs enb gegen. Auch im kapitalistischen Lager sieht man das allmählich, wenn auch noch sehr vereinzelt, ein. So führte kürzlich der Präsident der Handelskammer in Halle, Bankier Gurt Steckner, in einem Dorttage aus: .Das zweit« wichtig« Moment ist das Streben nach Sab- stanzerhaltung in der Wirtschaft, an sich durchaus oerftänd- lich und begreiflich, tu den schweren, hinter im» liegenden Zeiten der Inflation, vor allem im Sommer und Herbst vorigen Jahre«. Dieses Streben führte naturgemäß dazu, möglichst so gut wie kein« flüssigen Gelder zu halten, im Gegenteil jede verkaufte Substanz sofort zu ersetzen, und als uns im Spätherbst die Rentenmark beschert wurde und damit«in« Stabilisierung und eine Kveditverbilligung eintrat, den Kredit bi» ins äußerst« auszunutzen und neu« Waren hereinzunehmen oder die Fabrikation nach Möglichkeit zu erweitern. alles dies in Erwartung einer möglichst boldigen gewinnbringenden Realisierung. Diese Idee war m E. nicht unrichtig, wenn ihr nicht zwei wichtige Pimtte entgegenstanden: einmal die vorher ge- schilderte Unmöglichkeit, neu« Kredite zu geben und die ollen in voller Höhe aufrechtzuerhalten, und ein anderes Mal die g e« funken« Kaufdrafl aller Kreise, die in der Hauptsache aus die Verarmung des größten Teiles unsere» Volles zurückzuführen ist. Es ist m. E. immer noch nicht genug überall die Wahrheit durchgedrungen, daß nur den allerwenigsten Volksgenossen noch mogßch ist, ihren Standard of Ute(Lebenshaltung) der Vor- knogszeil aufrechtzuerhalten. 3ra Gegensatz dazu glaubt aber jeder Saufmann und seder Industrielle, selncu Betrieb n'cht nur auf dem frühercu Moeau hallen zu können� sondern verfocht, ihn zu ver- größern. ein Bestreben, das stlbstocrstöndlich zu begrüßen ist, nur muh man jetzt fragen:„Kannst du dies auch mit eigenen Mitteln oder bedarfst du des Kredits?" Denn die Bcmtwelt ist nicht in der Lage, in ausreichender Weif« zu helfen. Dies« Maßnahmen dar meisten Kreise der Industrie und des Groß- und Kleinhandels haben m. E. zu einer Ueberfüllung der Läger geführt, die in einem Mißverhältnis zu der langsam, aber sicher fort- schreitenden Verringerung der Kaufkraft unseres Volkes steht» über deren Ursache ich hier wohl nicht viele Wort« zu verlieren habe. Es wird sich mm ftagen, welche Mahnahmen zur Behebung der Kreditnot ergriffen werden können. Am besten und schnellsten würde uns ja geholfen werden können, wenn uns das Ausland mit einer großen, billigen, langfristigen Anleihe unter die Arme greifen wurde. Dies« Anleihe ist ja vorgesehen, hängt aber von dem Abschluß des Reparationsplanes ab, worüber wohl noch einige Zeit verstreichen wird. Der andere m. E. einzige Weg ist der. ein« Verflüssigung der Eochwertanlagen oder Waren m ö g l i ch st b a l d vorzunehmen. Da bei der geringen Ausnahme- sähigkeit des heimischen Marktes nur mit einem verhältnismäßig aeringm erhöhten Absatz zu rechnen ist, müßte versucht werden, selbst zu verlustbringenden Preisen zu«xportteren, was möglich ikt denn, meine Herren, jede Konservierung von Beständen kostet beute bei wenigen Blonlttcn schon so viel Zinsen, daß sich jeder Sauinumn und Industrielle im klaren sein wird, daß er recht tut Upfc■■■■' ju exportleren. Daß wir UNS damit Devisen oerschaffen, die wir nötig brauchen, ist ein weiteres, nicht außer acht zu lassendes toment." Hier ist also klar und deutlich gesagt, daß die Durchhaltung von Sachbesitz mit Hilfe von Krediten volkswirtschaftlich ein schwerer Nachteil ist. Den Schaden ttagen die Verbraucher, auf die man die hohen Kreditzmsen der Unternehmungen mit Preiszuschlägen abzuwälzen sucht. Den Nachteil tragen die Arbeiter, denen man, wenn die Produktion bei den hohen Zinsen für Betriebskapital keine rentable Produktton mehr zuläßt, die Betriebe schließt. Wenn die Umwandlung von Sachbesitz in flüssiges Kapital nun einmal not- wendig ist, so darf sie jedenfalls nicht— wie das jetzt durch die Handhabung der Geschäftsaufsicht bei zahlungsschwach ge- wordenen Firmen geschieht— t ü n st l i ch verzögert werden. Andernfalls droht die Gefahr, daß die schleichende Wirtschafts. krise auf Kosten der Arbeitskraft und der Derbraucher auf Monate und Jahre hinaus verlängert,.die Anbahnung einer gesunden Konjunktur mit gutem und wirtschaftlich gesundem Absatz ver- zögert wird. Den Schaden hat dann das Volksganze. Die Schließung der Berliner Russischen Handelsvertretung hat nach Mitteilung aus Moskau zur Folge gehabt, daß auch die rusii- fchen Handelsvertretungen in England, der Tschechoslowakei und Oesterreich für den Handel mit deutschen Firmen gegenwärtig aus- geschaltet sind, da sie ohne die Berliner Niederlasiunq keine Trans. akttonen»«.-nehmen können. Man beziffert die Gesamtsumme der suspendierten deutsch-russischen Handelsoperationen auf über 8 Millionen Dollar oder zirka IS Millionen Goldmark. Sie fetzt sich aus folgenden Bestellungen zufcmmien: Auftrag ukrainischer Wnesch- torg zirka 2 000 000 Dollar, Auftrag Nordwestlicher Wneschtorg 3 200000 Dollar. Austrag Gosmetdorg(Medikamente) 800 000 Dollar, Auftrag Allrussisches Ledersyndikat'450 000 Dollar, Auftrag Mos- kauer Wneschtorg 300 000 Dollar, Aufttag Kaukasischer Wneschtorg 330 000 Dollar, Aufttag WeißruMcher Wneschtorg 7S0 000 Dollar, Auftrag Asnefti(Asiatisches Pettoleumunternehmen) ISO 000 Dollar, Auftrag Bureau des Wälder-Trusts 100 000 Dollar, Auftrag All- russisches Texttlfyndikat 30000 Dollar, Austrag Südöstlicher Wneschtorg 30000 Dollar. Die Interessengemelnschast ln der AutomobMndustrie. Die Generalversammlung der Daimler A.-G. und die zu gleicher Zeit in Mannheim tagende Generalversammlung der Benz A.°G. be- schlosien einstimmig den Abschluß eines Jnteresfengemein- s ch oft»oertrage», durch den beide Firmen berechtigt sind, von den Patenten, Mustern und Konstruktionen wechselseitig Gebrauch zu machen. Der Gewinn beider Gesellschaften wird im Verhältnis von 600 zu 340 zwischen Daimler und Benz geteilt. Als einheitliches Verwaltungsorgan wird«in Verwaltungsausschuß»in- gesetzt.. Sobald es dt« beiderseitigen Interessen erlauben, soll»in« Preisnotienragea fnr NahrnngsmJttel. Dnrchsdinlttselnkaufsprelse In Ooldmark des Lebensmlttel-Elnjelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Oentengraupen, lose.. 15,Z5— 16,75 Gerstengrütze, lose... 15,25— 16,25 Halerflocken, lose..., 15,25— 15,75 Hafergrütze, lose...., 16,00— 16.50 Ro-'genmehl 0/1...... 12,25— 1.1,75 WelzcngrieB........ 15.00- I»,M Hartgrieß.......... 22�0- 25�5 Malsgrieß..........—— Vi*/» Weizenmehl if Welzen- Auszuffmehl Speiseeibsen, VII 14,00- 15,75 16,30- 21,00 18.ÜO— 21,00 11,50- 10,00 22.25- 24.50 ...... Utori». Sueiseerbsen, kltine... Bohnen, welBe, 1 er!... Langbobtreo. handverle». 25,60—.11,75 Unsen. Kloine.....i.. 26,0»— H.60 Unsen, mittel....... 55,00— 41.01 Unsen, große....... 42, 50—,00— 115.00 Schwarzer Pfeffer Slngap. 103,50- f 11,00 Weißer Pfeffer....... 138,00-148,00 Rohkaffee Brasil..... 185.00- 220,00 Rohkaffee Zentralamerlka225, 00- 295,00 Röstkaffee Brasil..... 240,00-290,00 Röstkaffee Zentrelam.. 30000-390,«0 Malzkaffee, gepackt... Röstgetreide, lose.,,. Kakao, fettarm...... Kakao. leicht entölt... Tee, Souchon, gepackt. Tee, Indischer, gepackt. Inlandszucker basfs mel. Inlandszucker Raffinade Zucker Würfel....... Kunsthonig........ Zuekersiiup hell ht Ehrt. Speisesirup dunk. InEim. 22,00- 24,00 16.50- I!f,C0 100,00-115,00 115,03—130,00 3530J— 430.0« 425,00—560,00 38,5- 400« 41,1»- 42 56 45,00- 47,' 0 84,00— 40,00 43,90— 49,00 28,00- 33,00 Marmelade Efnfr. Erdb 108,00—120,00 Marmelade Vlerfnicht. 40,09— 48,00 Pflaumenmus In Eimern 42,00— 48,00 Steinsalz, lose...... 3,10— 3,70 Siedesalz lose..... 400— 4,70 BraienschmalzinTierce* 6600— 67.00 Bratenschmalz in Kübeln 67,00— 67.50 Purelard in Tierces... 64,00— 65,00 Pu retard In Kisten.... 64.50— 6500 Spefsetalg in Packung. 50,00— 53,00 Speisetalg in Kübeln.. 48,00— 50,00 Margarine, Handclsm. I 58,00— desgl. II........". 52,00- 55,00 Margarine, Spezlalm.t.. 76,00— desgl. II.......... 61,00- 65,00 50,00- 5', 00; Margarine IN........ 45,00- 48.09 70,00- 7500 i Molkereibutterl. Fässern 215.00-218.00 ------ Molkereibutter in Pack. 220,00-22300 Landbutter...... 1/0,00-170.40 Auslandbutter in Fässern 215,00—218,00 Auslandbutter In Pack« 228,00—223,00 Comed beef 12/6 Ibs p. K. 33,09— 36,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00— 70,00 Quadratkäse........ 22,00— 33,00 Quarkkäse......... 35,00— 50,00 Tilsiter Käse, vollieft. 120,00-125,00 Aus). nngezuck.Condens- milch 48/16........ 21,00- 24,00 Inländische desgl. 48/12 1700— 18,50 Inl. gez. Condensm. 48/14 27,00— 28,00 Heutige Umrechnungszahl 1MO Milliarden. Vollfusion vorgenommen werden.— Zweck des setzt be» gönn« oen Zusammenschlusses in der Automol Uinduftti« ist bekannt» lich in erster Linie der Uebergaig zur Serienfabrikation von Kraftwagen, um der ausländischen Konkurrenz erfolgreich ent» gegentteten zu könn-n. Die Rlaßjchncider protestieren. Die Maßschneider des östlichen Berlin protestieren in einer Zuschrift dagegen, daß ihnen dl« Der» teuerung der Lokleiduna zur Lost gelegt wird. Sie ver» weisen darauf, daß ein guter Maßanzug nur das Doppelte des Vor- kriegspreises kostet, während das zu verarbeitende Material drei- bis viermal so hoch im Preise steht wie vor dem Kriege. In der Zu, schrift wird das Treiben der kartellierten Materialfabri- kanten und Lieferant» n gebrondmarkt, die ihre Preise hochschrauben und die Kunden der Maßschneider dazu zwingen, sich mit fertigen Anzügen zuftieden zu geben. Aus der Veröffent- lichung spricht deutlich die Sorge um den Rückgang der Konjunktur, unter dem Teile des Bekleidungsgewerbes jetzt schwer leiden. Srost-Serliner partelnack�riGlen. 8.«reis Bebbin«. Heule, ffreita«, 7 Uhr abends, erweiterte Rrelsnurftends- stOmig NährmittelfabrikJuliusPßnner/i�Berlin-Schoneberg, Svinflaitta« Pfondltihe verkauft spottbilli« erstklassigen IaiI«ttanjug,Gel,. rockanzug, Taillcnmaittel, Gummi- Mantel. Prinzenstrast« Kl II._' Bitte Lese». Großes Lager getrage- ner, nur erstklassig erhaltener Jackett. anzsige, Tutawayanzllge, Smokinganzstge, Dehrockangllgi. ssrackiinzllge, Paletots, »um Teil auf Seide. Spegialitllt: Bauch- anzllge. Kulante Preise bei Schnur macher, Skaligerftraße lv8. 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