Fr. 218+ 41.Jahrgang Ausgabe A e. 112 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlidy 8,- Goldmart voraus zahlbar Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig. Saar- und Memelgebiet. Desterreid). Litauen, Lugemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmar? pro Monat. Der ,, Borwäris mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit ,, Gieb. Jung und Aleingarten". Sowie der Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die et nipaltige Nonparete acile 0.70 Goldmart. Reklamezeile 4. Goldmart.. ,, Aleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wott 0.20 Goldmart( aulaifig amei fettccbrudte Moric), febes meitere Wort 6.18 Goldmart. Stellengesuche das erfte Bort 0,10 Goldmark jedes meitere Wort 0.05 Goldmart. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Borte. 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Der Beschluß des Sozialdemokratischen Parteivorstandes,| Ganzes" sind und als solches nur angenommen oder abgelehnt, die Frage der Annahme oder der Ablehnung des Sachverstän: nicht aber verändert werden fönnen. digengutachtens einem Volksentscheid zu unterbreiten, ist wie ein frischer Windstoß in die dumpfe Atmosphäre der deutschen Politik hineingefahren. Er sagt allen Barteien und allen einzelnen Bolfsgenossen, daß fie um eine flare, eindeutige Entscheidung nicht herumtommen werden. Für die weitere Entwicklung ist es notwendig, die hauptsächlichsten Bestimmungen der Verfassung über den Bolksentscheid fennen zu lernen. Der Volfsentscheid muß nach Art. 73 der Verfassung herbeigefürht werden, wenn ein Zehntel der Stimmberechtigten das Begehren nach Einbringung eines Gelegentwurfes stellt. Diesem Boltsbegehren muß ein cusgearbeiteter Gesetzentwurf zugrunde liegen, der von der Regierung unter Darlegung ihrer Stellungnahme dem Reichstag zu unterbreiten ist. Der Volksentscheid findet nicht statt, wenn der Entwurf im Reichstag unverändert angenommen wird. Soll durch Volksentscheid eine Verfaffungsänderung herbeigeführt werden, so ist die Zustimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten erforderlich. Die Sache wird sich also folgendermaßen abspielen: Der formulierte Antrag der Sozialdemokratischen Partei wird erit dem Reichstag vorgelegt werden. Nimmt der Reichstag ihn nicht an, so entscheidet das Bolf.. Zunächst werden demnach die Parteien des Reichstags genötigt sein, zu dem sozialdemokratischen Entwurf durch die Abstimmung flar Stellung zu nehmen. Erst wenn diefe Stellungnahme negativ ausfällt, fommt das Bolt zu Wort Hierbei wird die Frage auftauchen, ob zur Annahme des Entwurfs die einfache Mehrheit genügt, oder ob zweidrittelmehrheit notwendig ist, weil der Entwurf als verfassungs ändernd betrachtet wird. Unseres Erachtens wird durch die Annahme der Sachverständigenvorschläge eine Verfassungsänderung nicht bewirkt, da die Eisenbahnen tatsächlich dem Eigentum des Reiches nicht entzogen werden. Sollte indes die entgegengesetzte Auffassung durchdringen, so wäre die Annahme des sozialdemokratischen Antrags im Reichstag unwahrscheinlich, und ebenso wäre es bei Neuwahlen schwierig, die Opposition auf weniger als ein Drittel der Reichstagssige zurückzudrängen und dadurch einen annahmefähigen Reichstag zu schaffen. Dagegen ist es im höchsten Grade wahrscheinlich, ja nach unserer lleberzeugung gewiß, daß der Volksentscheid den Anforderungen der Verfassungsänderung genügen würde, da die Annahme des Gesezentwurfs durch mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten zu erwarten ist. Der Schritt der sozialdemokratischen Partei ist notwendig geworden, weil die Reichstagswahlen für die wich figfte außenpolitische Frage fein flares Bild ergeben haben und weil Versuche zutage ireten, dieses Bild nur noch immer mehr zu verwischen. Bill Deutschland nicht das Spiel Boin. carés spielen, der offensichtlich nach Mitteln sucht, um seine Politik des wirtschaftlichen und militärischen Terrors weiter fortsetzen zu können, dann muß es die Vorschläge der Sachverständigen als das unteilbare Ganze", das sie darstellen, tlar und ohne Borbehalte annehmen. Die Befreiung der befegten Gebiete von dem auf ihnen lastenden besonderen Druck ist fein Borbehalt", der zu machen ist, sondern eine von den Sachverständigen selbst flar formulierte Boraussekung für eine Durchführung ihres Plans. Und gerade diese Voraussetzung ist es, die uns die Vorschläge annehmbar, ja ihre Annahme direkt zu unserer Pflicht machen. Nicht darum handelt es sich, dem Feindbund Dienste zu leisten"," sich dem Ausland gefällig zu erweisen", oder wie sonst die verlogenen Schlagworte der nationalistisch- tommu nistischen Agitation heißen, sondern dem zweierlei Maß ein Ende zu machen, mit dem das bejezte und das unbesetzte Gebiet gemeffen wird, Lasten und Verpflichtungen auf das gonze Reich gleichmäßig zu verteilen, den Sanktionen, den Drohungen, den Konflikten ein Ende zu bereiten und damit Die außenpolitischen Voraussetzungen zu schaffen, von denen aus ein sozialer Neuaufstieg des deutschen Volkes überhaupt erst möglich wird. Niemand verkennt, daß sich bei der Ausführung der Sachverständigenvorschläge Schwierigkeiten ergeben tönnten, die fich auch durch den besten Willen von deutscher Seite nicht beheben laffen. Dann wird es Reit sein, zur Beseitigung diefer Schwierigkeiten neue Verhandlungen einzuleiten, um durch Berständigung zu einem Ausgleich zu kommen. Jetzt aber fann, wenn nicht die Ruhrbesetzung und die durch sie bedingte wirtschaftliche Unsicherheit verewigt werden soll, über nichts anderes mehr verhandelt werden, als über die Art der Durchführung der Vorschläge, die ein„ unteilbares Es ist möglich, daß die endgültige Entscheidung im Sinne der Annahme schon im Reichstag getroffen wird und daß sich die Volksabstimmung dadurch von selbst erledigt. Aber auch die Verhandlungen und die Abstimmung im Reichstag find jetzt unter den Schatten gestellt, den das große Ereignis Arbeiter und Angestellte! millionenweise bavonlaufen, werden, um für die Sache der gesunden Bernunft Partei zu ergreifen. Alle Parteien, alle Bolksgenossen, vor allem aber un sere Parteigen offen selbst werden gut tun, fic) schleunigst zur bevorstehenden großen Entscheidung zu rüsten. Diese Entscheidung foll in aller nüchternheit gefällt werden ohne Phrasenrausch und Demagogie. Wenn die Gegner als Folge der Annahme eine ganze Hölle an die Wand malen wollen, mögen fie es tun, wir werden uns hüten, dem deutschen Bolf als Folge den Himmel zu versprechen. Wir wissen sehr genau, daß die Durchführung der Sach3m deutschen Kohlenbergbau ist am 7. Mai d. 3. die ge- verständigenvorschläge teine Annehmlichkeiten mit sich bringt, jamie Arbeiterschaft ausgesperrt worden, um ihr das Recht wir wissen aber ebenso genau, daß diese Annahme das einzige auf die Siebenstundenfchicht unter Tag und die Achtstunden praktisch mögliche Mittel ist, um dem deutschen Volk. Erschicht über Tag zu entreißen. Die Bergherren des Ruhrreviers Leichterungen gegenüber dem bisherigen Zustand zu begründen ihr Borgehen mit den ihnen durch die Micumver- verschaffen, und daß die Ablehnung, die von verantwortungsträge auferlegten Caften. Sie wollen diefe Lastenlosen Demagogen empfohlen wird, das endgültige Hinabgleiten aber völlig auf die Arbeiter abwälzen. Seit in den hoffnungslosen Ruin nach sich zieht. Monaten haben fie Arbeitszeitverlängerungen erzwungen, die Löhne ständig herabgefeht und durch fortgesetzte Tarifbrüche die Urbeiter gereizt. Jetzt soll dieser Zustand durch Zwangsfchiedsspruch verewigt und auch auf die an den Micumverträgen nicht beteiligten Reviere ausgedehnt werden. Die Berg arbeiter haben sich nicht geweigert, wirtschaftlich notwendige Ueberarbeit zu leisten. Sie haben schon monatelang leberstunden verfahren und waren auch jetzt dazu bereit, fofern ihnen das Recht auf die Siebenstundenfchicht tariflich gewährleistet ist. Das Grubentapital will aber feine tarifliche Anerkennung von Arbeiter rechten. Es verlangt die willenlose Unterwerfung der Grubensflaven. Noch ehe die Bergleute zu dem Schiedsspruch des Arbeitsministeriums Stellung nehmen konnten, warfen die Zechenherren die Belegschaften auf die Straße. Das Recht ist auf feiten der vergewaltigten Bergarbeiter, die sich gegen diesen Ueberfall zur Wehr setzen. Die deutsche Wirtschaft wird durch diese Aussperrung ganz unabsehbar geschädigt. Keine Mehrarbeit wird diese enormen Berlufte deden können, die der Kohlenerzeugung dadurch zugefügt werden. Die Urbeiterschaft darf die Bergarbeiter nicht ihrem Schidjal überlassen. Die unterzeichneten Bundesvorstände. rufen die Arbeiter und Angestellten auf, für die Ausgesperrten in allen Orten unverzüglich Samm lungen einzuleiten. Die Ortsausschüffe des ADGB. und die Ortskartelle des Af- Bundes werden ersucht, diese Sammlungstätigkeit durch geeignete Organisation und Propaganda fofort in die Hände zu nehmen. Die eingehenden Gelder find an die Adresse: Allgemeiner Deutscher Gewerkfchaftsbund, Hermann Kube, Kajjierer, Berlin S 14, Jnjelftraße 6, zu übermitteln. 311 Der Kampf gegen die Bergarbeiterschaft ist der Hauptangriff auf den von der deutschen Arbeiterschaft verteidigten 2chtstunden tag. Dieser Angriff muß zunichte gemacht werden! Deutsche Arbeiter und Angestellte, helft uns diesen aufgezwungenen Kampf gewinnen! Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Der Vorstand des Allgemeinen Bundes freier Ungestelltenverbände. der angekündigten Boltsabstimmung vorauswirft. Die Bararteien wissen, daß ihre Stellungnahme von ihren Wählern fontrolliert werden wird. Und da mag vielleicht jetzt schon man. chem der Helden ein Grauen beschleichen, die im Wahlkampf ihr Unannehmbar" brüllten, nachher aber sehr geschwind schon viel fleiner geworden sind. 97 Es kann gar kein Zweifel daran sein, daß unzählige Wähler, die bei den Reichstagswahlen deutsch national, völtisch oder tommunistisch gewählt haben, bei dem Bolfsentscheid für die Annahme der Sachverständigen vorschläge stimmen werden. Im befekten Gebiet zumal wird sich kein Mensch, der seine fünf Sinne auch nur einigermaßen beifammen hat, der Notwendigkeit der Annahme entziehen fönnen. Die nationalistischen und fommunistischen Agitatoren haben im Wahlkampf die Wahl ihrer Bartei gefordert aus hundertundeinem Grunde. Sie waren in der Lage, die Disfussion über die Sachverständigenvorschläge, fobald sie für sie brenzlich wurde, auf ein anderes Gebiet zu lenten. Das wird ihnen in dem Kampf um den Boltsentscheid nicht mehr möglich sein, da gibt es fein Ausweichen mehr. Und da werden sie dann erleben, daß ihnen ihre Anhänger gleich Mit seinem Beschluß, die Frage der Annahme oder der Ablehnung der Sachverständigenvorschläge nötigenfalls von der lehien Instanz, dem Bolf entschieden zu lassen, hat der Sozialdemokratische Barteivorstand fenen verantwortungslosen Demagogen den Handschuh hingeworfen. Die Verfassung gibt uns Mittel an die Hand, ihrem schamlosen Treiben Half zu gebieten, und wir sind entschlossen, fie anzuwenden. Das wird auf die Phrasenhelden er nüchternd wirken wie auf den Trunkenen ein faltes Bad. Der Beschluß des Parteivorstands gibt flare Richtlinien für die sozialdemokratische Aktion, und er schafft eine neue politische Lage. Es bleibt abzuwarten, wie fich die Parteien des Reichstags zu ihr stellen werden. Auf alle Fälle: der Kampf ist mit den Wahlen nicht zu Ende, er fängt jetzt erst recht an, er wird sich zu äußerster Heftigkeit steigern und voraussichtlich an die Energie unserer Organisationen und jedes einzelnen Parteigenossen die größten Anforderungen stellen. Das deutsche Volk muß auch in jenen Teilen, die uns als Partei noch scharf ablehnend gegenüberstehen, es fich abgewöhnen, dem ersten besten Demagogen nachzulaufen, es muß lernen, mit politischen Tatsachen zu rechnen. Dabei wollen wir ihm Führer und Helfer sein! Die Aufnahme in der Presse. Die meisten bürgerlichen Blätter beschränkten sich gestern S abend darauf, den Beschluß des Parteivorstandes, der ihnen wohl erst knapp vor Redaktionsschluß zuging, tommentarlos wiederzugeben. Nur die„ Berliner Volkszeitung" bemerkt: Der fozialdemokratische Borschlag über die Frage der Annahme oder Ablehnung des Sachverständigengutachtens einen Bolfsentscheid herbeizuführen, hat auf den ersten Blid etwas Be ftechendes. In der Tat haben viele Parteien, insbesondere auch die Splittergruppen, durch ihre Agitation das klare Entweder- Oder, vor das das deutsche Bolt gestellt war, getrübt. Aber auch jetzt noch suchen Parteien, denen der Wahlkampf Erfolge gebracht hat, um den Kern der Dinge herumzureden. Der sozialdemokratische Borschlag fönnte leicht gemiffe Barteien, ihrer unmittelbaren Ber= antwortung entfleiden, und es ist doch fraglich, ob das auch im Intereffe des Ganzen gelegen ist. SP Das Bedenken der Bolkszeitung" erledigt sich wohl durch den Hinweis auf die Bestimmung der Verfassung, nach der die Reichstagsparteien als solche der Entscheidung gar nicht Sie müssen im Reichstag Stellung nehmen und ihre Stellungnahme dann gegebenenfalls vor ausweichen können. ihren Wählern im Kampf um den Volksentscheid rechtfertigen. So werden die Ablehner feineswegs ihrer Berantwortung entlastet, sondern das gerade Gegenteil ist der Fall. Die Bossische Zeitung" geht in ihrer ersten Morgenausgabe von derfelben irrigen Auffassung aus, wie die„ Volkszeitung", kommt aber doch zu dem Schluß: Wir bezweifeln nicht, daß ein solcher Dolfsentscheid nicht nur eine große Mehrheit im Sinne der Erfüllungspolitik erbringen wird, fondern darüber hinaus auch eine überwältigende Kundgebung des Willens zum friedlichen Aufbau. Bar allem im besetzten Gebiet weiß man, daß die Ablehnung der Gutachten nicht eine Erleichterung der Lasten bringt, sondern nur ihre einseitige Berteilung in der Weise, daß das unbesetzte Gebiet zunächst scheinbar frei bleibt, während die Reparationsprovinzen" bis aufs Mart ausgebeutet würden. Auf der anderen Seite versichert der Hug. ibergsche ,, Tag" in feiner Nachtausgabe, die glatte Annahme der Borschläge mürde geradezu eine Selbstaufgabe" bedeuten. Aber auch man höre!„ das Mein in seiner fategorisch ablehnenden und alle anderen Möglichkeiten ausschließenden Form würde die Nation gleichfalls in eine außenpolitische Pütjen, die w\t vermeiden müssen". Dieses Zugeständnis ist der erste Erfolg des sozial- demokratischen Beschlussts. Also haben diejenigen, die„das zweite Bersailles" erfunden haben, die Nation in eine außen- politische Krise stürzen wollenl Indes will der„Tag" zwischen Ja und Nein stehen bleibe::: Wenn der SjoI'Kntscheid In sozialdemokratischem Sinne ausfallen würde, so hättc» wir dann ein Gestlz, das weiter« Bcr- Handlungen außenpolitischer Natur eigentlich u n m L g l i ch m a ch t. Die Regierung beginge dann eine Gesetz. Widrigkeit, wenn sie entgegen dem Inhalt dieses Gesetzes versuchte, günstigere Bedingungen bei der Entente durchzusetzen. Hierzu sei nochmals wiederholt, daß weitere Berhand- lungen über den sachlichen Inhalt der Lorschläge jetzt schon unmöglich sind. Wären sie möglich, so würden sie durch den Volksentscheid nicht unmöglich gemacht, da auch vom Dolk beschlossene Gesetze abgeändert werden können. Aber dieser Eventualfall existiert, wie gesagt, für die gegenwärtige Lage gar nicht. Die Ausreden des„Tag" zeigen nur, wie groß seine Ber- legenheit ist. Das verfahret, beim volksentscheiü. Sin Volksentscheid findet auf Grund des Artikels 73 der Reichsverfasiung statt. Dort heißt es im Absatz 3: Ein Voksentscheid ist herbeizuführen, wann ein Zehntel der Stimmberechtigten das Btael/ren noch Vorlegung eines Gesetzentwurfs stellt. Dem Dolksbogehren mutz ein aus, gearbeiteter Gesetzentwurf zugrunde liegen. Er ist von der Re> gieruitg unter Darlegung ihrer Stellungnahme dem Reichstag zu unterbreiten. Der Volksentscheid sind« nicht stait, wenn der bc- gehrie Gcfcgentwurs im Reichstag unverändert angenommen worden.st. Unsere Partei wird der Reichsregiermrz sofort einen Gesetz« entwurf einreichen, der die Annahme des Sachvrrständigengui- achtens fordert. Da der Parteioorstand glaub ha st machen tonn. daß t 0 0 0 0 0 unserer stimmberechtigten Mitglieder den Antrag unterstützen, bedarf es nach§ 27 des Rcichsgesetzes über den Volks- entscheid nicht des sonst notwendigen Zulossungsverfahrens, das von 5000 Stimmberechtigten unterschriftlich beantragt werde.? müßte. Der Reichsmmister des Innern mutz-den Anrog gemäh§ 31 des Gesetze, über den Volksentscheid im„Reichsanzeiger" v e r» öffentlichen und dabei Beginn und Ende der Ciniragungs. fr ist festsetzen. Tie. Frist beginnt frühestens zwei Wochen noch Veröffentlichung der Zulassung: sie soll ü, der Regel l-l Tage umfassen. Die Reichstagswähler, die den Antrag unterstützen wollen, müflen sich eigenhändig in Ei n tr ag u n g s l i st en«in. zeichnen, die von den Antragstellern zu liefern und von den Gemeindebehörden ouszulogen sind. ch.tt-in Z:hntel der Reichstogswähler sich in die Listen est,- getragen, so mutz die Reichsrcgierung unverzüglich den Gesetz- entwurf im Reichstag einbring«'. Nimmt de? Reichstag den Gesetzentwurs auf Annahme des Sachverständigengutachtens unver- ändert an, so kommt es nicht zum Volksen'icheid. Lehnt der Reichs- tag ihn ab. oder verändert er ihn, so findet der Volksentscheid über den begehrten und den vom Reichstag veränderten Gesetzentwurf statt. Die Reichsrsgierung bestimmt sodann den Abstimmungs- tag und veröffentlicht ihn sowie den Gegenstand des Volksentscheids und den Aufdruck des Stimmzettel.» im„Raichsanzsiger". Di« Ab« stimmung geht auf dieselbe Weife vor sich wie bei der Reichsivgs» wähl. Jeder Reichstogswähler ist stimmberechtigt. Di« Stimme loutei nur auf Ja oder Nein. Abgestimmt wird im- amtlich gelieferten Stimmzetteln in amtlich gestempelte» Umschlägen. Die Mehrheit der abgegebenen gütigen Stimmen entscheidet. Sozialüemokratischee Parteitag. Der Parteivorstand hat am Freitag beschlosien. vor- behaltlich der Zustimmung des ParteiauSschusieS, den Parteitag zum 11. Juni nach Berlin einzuberufen. Serichtigtes Wahlergebnis. Geringe Veränderung. Nach den neuesten amtlichen Feststellungen des Wahlergebnisses, die zum Teil bereits auf den von den Kreiswahlausschüsfen anerkannten Berechnungen beruhen, find abgegeben morden: BS?V......... 5 991 547 Deutsch,« tionale Dolkspartei. 5 764 628 Zentrum........ 3 901 087 Deutsche Dolkspartei.... 2 649 747 Demokratische Partei.... 1 661 425 Aommunistische Partei... 3 728 089 Bayerisch« Volkspartei... 941 982 Bayerischer Bauernbund.. 685 273 Hannoveraner...... 318 505 Deutschvölkische Freiheitspartei 1 922 626 Landlists........ 568 780 Deutschsoziale...... 333 348 Ferner USPD. 234 708, Bund der Geusen 58580. Christlich- Sozial« Volksgemeinschaft 124 626. Arb.'itnehmerpart« 36199, Fr. Wlrtsch.-Bd. 36 024. Häutz-:bd. 23 862. Rat. Freiheitspt. 59114, Nat. Minderst 133 540, Partui der Mieter 46 981. Repubk, Parter 45867. Soz. Bd. 25 617: nicht an Rcichslist« angeschlossene Gruppen: 16 967. Insgesamt 29311442 gültige Stimmen. Die Verteilung öer Mandate, ausgeschieden nach Kreiksitzen, Verdardssitzen und Reichswahlvar- schlägen, ist folgende: , VSpv..........«2 u. 11 n. 7= 100 Deutschnationale Volkspariei.. 80 u. 3 u. 13= 96 Zentrum......... 52 u. 5 u. 8= 65 Deutsche Balksparter..... 30 u. 8 u. 6--- 44 Dcmokatischs Partei.... 9 u. 12 u. 7= 28 Kommunistische Partei.... 42 u. 11 u. 9= 62 Bayerische Volkspart«.... 14 u. 0 u. 2= 16 Bayerischer Bauernbund... 3 u. 2 u. 5= 10 Hannoveraner....... 4u. Ou.1— 5 Deutschvölkische Freche! tspariei. 13 v. 9 u. 10 32 Landliste......... 7 u. 1.n. 1= 9 Deutschsoziale....... 0 u. 2 u. 2= 4 Gesamtzahl der Mandat« 336 und 64 und 71 gleich 471. Es ist nicht ausgeschlossen, datz die Gesamtzahl d-r Abgevrd- netensitze noch«ine geringe Erhöhung erfährt, und zwar nicht bei der Feststellung des amtlichen Ergebnisses, sondern bei der späteren Durchprüfung der Abstimmungsniederschnften. Es hat sich nämlich herausgestellt, datz die Zahl der ungültigen Stimmen gegenüber früheren Wahlen stark g«sti«g«n ist. Junker unü völkische. Eine unnatürliche Ehe. Aus Mecklenburg wird uns geschrieben: Manche Anzeichen deuten daraus hin, daß sich gerade in Meck- lenburz die Gegensätze zwischen Völkischen und Deutschnationalen immer mehr verschärfen. Die mecklen« burgischen Landjunker hatten die völkische Bewegung gehegt und gepflegt, um sich für ihre Güter zuverlässige Arbeit»« gemeinschaften zu schaffen. Der Zweck war, die sozialdemo- kratische Landarbeiterbewegung zu zerschlagen. Die Völkischen aber gewannen ihre Anhängerschaft unter den Ar- heitern der großen Güter eben nur dadurch, daß sie mit sozialen und sozlalisüschen Versprechungen ködern gingen und sich,«i« Herr v. Graes« verkündet«, als ,chis auf die Knochen' sozial" anpriesen. Von dieser sozial-sozialtstischen Betätigung der Völkischen wollen die Junker im Obotriten-Lande natürlich nicht» wissen. Damit find ihnen die Völkischen ebenso unbequem wie die Sozialdemokraten. Schon fliegen deshalb die völkischen Führer» die sich gewerkschaftlich betätigen wollen, auf» Pflaster, wie ehedem die Sozialdewokraten. Dem Landarbeiter Hildebrandt hat es nichts genützt, daß er deuffchvölkifcher Ab« geordneter geworden ist: fein junkerlicher Zlrbeitgeber hat ihn ent- lassen, weil ihm seine polUisch-soziale Agitation unter den Land« arbeitern nicht mehr patzte. Dementsprechend darf man iy nächster Zeit noch auf alkerhand gefaßt fein. Wenn A atz«? nach Herrn Hetgt ginge, dann würden nicht nur die 700 000 Mecklenburg- Schweriner, sondern das ganze 60-Millionen-Volk der Deutschen von solchen politischen Narren regiert. Selbstverständlich fühlt sich das reaktionäre Ministerium nur als Sachwalter des junkerlichen Grohgrund» besitze». Das hat der Finanzmwister bewiesen, der am Damurs- tag seinen Etat einbrachte. Dieser Erat, der vom srüheren Finanz- minister, Genossen H e n n e ck e, übernommen wurde, weist ein Defizit von 21,5 Millionen auf. Die Deckung sollte durch Steuern erfolgen, die auf die wirklich tragsähigen Schultern des Landes gelegt werden sollten. Herr v. O e r tz e n, der junkerliche Finanz- mmister, kchrt sedoch zur Pumpwirtschast zurück und will die laufenden Ausgaben durch eine Anleihe von 10 Millionen Gold- mork bestreiten. Ein von der„roten Mißwirtschaft" hinter- lassen« Reservefonds von 3 Millionen Goldmark wird als Steuer« gefchenk für den Großgrundbesitz verwendet, dem großmütig die Grund« und Besitzsteuer gestundet wird. Die von der früheren Regierung beabsichtigte Erhöhung der Damänenpachten wird nicht vorgenommen, da die„Pächter sich dagegen wehren". Dabei betragen diese Pachten 4—6 Zentner Roggen aus je 100 Goldmark der Friedenepacht. Selbstoerstöndlich hat der junkerliche Finanz- minister in seinem Etat auch all« Ausgaben für soziale Zwecke, so die Freistellen in den Lungen- und Nervenheilstätten und den Zuschuß für Notstandsarbeiten gekürzt und einen Dstrag von 5000 M. für die Betrieb, räteschule glatt gestrichen. Für B'l- dungs« und Erziehungsarbeit, für den Bau von Landarbeiterwoh- nungen hat die neue Regierung kaum mehr etwas übrig. So lösen die reaktionären Junker die„rote Mißwirtschaft" ab. Güather öranüts Hintermänner. Weitere Verhaftungen in München. Leipzig. 9. Mai.(BS.) Die Verhaftung des Studenten Brandt, einer führenden Persönlichkeit der Organisation! „Konsul", zieht immer wertere Kreise und«s scheint, als ob die Fastnahme des Brandt für die Durchführung des großen Pro- zesses gegen die O. C. vor dem Reichsgericht von sehr erheblicher Bodeutung fem wird. Wie nämlich erst jetzt bekannt wird, sind in aller Stille auf Ersuchen des Oberreichsanwalts durch die Kriminal- polizei in München(!) noch w«itere Verhaftungen erfolgt, dar- unter einer Persönlichkeit, deren Namen vorläufig streng geheim Schalten wird, die aber angeblich eine leitende Stellung in der Ehrhardt-Bewegung einnimmt. Die Festgenommenen sind zum Test bereits in das Leipziger Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden, zum Teil haben sie unter starker Bewachung am Freitag die Reise nach Leipzig angetreten. Di« Verhaftungen sind so vorsichtig erfolgt, daß erst gestern die Nach- ncht üb« die Verhaftungen in weitere Kreise gelangt«. » ZNüncheu, 9. Mai. lWTV.). Das Verbot de»„Völkisckcn Kuriers" wurde auf Beschwerde des Blatte» heuie wieder aufgehoben. GeheimbunSsprozeß gegen Zrontfolüaten. Aber nur gegen jüdische... Am Donnerstag nächster Wache findet in Moabit der Prozeß gegen den Bund südischer Frontsoldaten statt. Lnge- klagt sind der praktische Arzt Dr. Hugo Bernhardt, Hauptmann der Re?«rv« a.:D. Leo Löwen st ein. Saufmann Roll« und drei ander« Mitglieder des Borstandes. Bekanntlich hatte sich ün vorigen Herbst anläßlich d-r Po» grom« m der Grenadiarstratze eine Lbwehrabteilung des Bundes gegründet, die auck» über Waffen verfügt«. Aui eine Anzeige hin wurde das Waffenlager später durch die Abteilung l A des P�izelpräftdimn, beschlagnahmt und gegen die genann-en Per» sonen ein gerichtliches Verfahren wegen Geheimbündelei und unerlaubt e'n Waffenbesitzes«öffnet. v« Prozeß kann gut werden. Wir empfehlen Ludendorff und Hitler als Sachverständg« zu laden. Die sind doch sinn in solchen Dingen. Märtyrer unü Mäzene. Kopenhagen, im Mai. Di« Bourgeoisie braucht ihre Helden, möglichst solch«, bei deren Erzählungen«s einem so nett gruseln kann, so ein bißchen Krieg und Blut und Kerker muß dabei fem, damit die zart« parfümierte Haut der Damen der halben und ganzen Welt sich zu einer Gänsehaut kann durchprickeln lassen— aber andererseits auch nicht zn viel, nur soviel wie Goethe es einnral richtig zugemessen hat in den Worten: „Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn« und Feiertagen, als«in Gespräch von Krieg und Krregsgeschrei. wenn hinten, weit in der Türkei die Völker aufeinander schlagen..." Die Kopenhagener beste Gesellschaft, abgestumpft von einem Winter Jazz und Basar und Karneval, weiß sich auch nichts anderes, als zur Aufftichelmrg der müden Nerven einen waschechten belgischen Mörtyr« sich vorsetzen zu lassen. Beileibe keinen armen Teufel aus dem belgischen Schützen- graben, beileibe keinen armen Teufel der deportierten Arbeit«, sondern«inen äußerst wohlbeleibten, ordenklirrenden Bürgermeister, der allerdings während dos Kriege» in Teutschland eingelocht war. dem es aber dort— wie er selbst zugibt— sehr gut ging. Auch gibt er selbst die Berechtigung sein« Strafe zu; er hatte sich heimlich Stempel de, gutmütigen deutschen Ortskommandanten angeeignet und damit Pässe nach Holland ausgestellt. Aber er mar erst zum Tod« verurteilt— aus seinem Vortrag geht hervor, daß«r selbst nicht recht an die Vollstreckung dieses Urteils glaubte— und das ist eben das Neue, das Sensationell«. (irten wo�ge pflegten, wohlrasiert«, und wohldekorierten Herrn seiner«!gen«n Kaste über sein eigenes Todesurteil sprechen zu hören. Und am besten hört sich so etwas bei Wein und Braten und Dessert an— also geschah es. Eine sonst sehr viel von neuer Moral und besser«, friedlich« Well redend« Zeitung veranstaltete ein Diner im kururiösesten Restaurant Koponhazens, nur für einen ausgesuchten Gesellschaftskreis, und setzt« als Krönung des Menüs den belgischen Märtyrer und seine Schauergeschichten vor— oder wollte«s, denn der Belgier selbst machte den Schauerbedürfnissen ba versammelten ganzen und halben Well einen Strich durch die Rechnung, indem er andauernd die Loyalität und Korrektheit der deutschen Behörden betonte und mitteilte, daß es ihm materiell durch die vielen Liebesgaben, die er bekam, im Gefängnis ziemlich gui Sinz---- Aber es m-ar doch Sensation, es war doch«in Märtyrer— vielleicht wider Willen, aber mit Presjeartikeln und Begrüßungs« ansprachen dazu gestempelt. stlS. Und das Diner soll gut ge- wefen sein.) Und dann die anderen Spitzen der Vourgeorfi«: dieMäzen«. Eine Berliner Zeitung überschlägt ssch in ihrer Rubrik„Der Eamm« ler" über dos„vorbildliche' Wirken reicher Kopenhagener Kunst- samml«. gatobfen. Hirschfprung, G 1 ü ck st o d t sind die Namen, die nach den Tiraden des Berliner Blattes ungeheuer viel für Kopenhagens Kunst und Kultur geleistet haben. Sie haben Museen gestiftet. Bilder imd Kunstwerke gesammelt, unvergleichlich — wahr« Helden und Märtyrer der Kultur. Hm. Leider gibt es neben der Kunstgeschichte noch«ine andere Geschichte: soziale Geschichte. Und die lehrt für Kopenhagen, daß niemand so hundsmiserabl«. menschenunwürdige Löhne bezahlte wie der Zigarrenfabrikont Hirsch sprung, und st« lehrt weiter, daß in der Earlsberg-Brauerei des Herrn Iakobfen so und so oft die Arbeiter bitter streiken mußten, um nur etwas den Herrenton und die Zustände, die dort herrschten, abzumildern, um nur ein paar Oer« Lohnzulage zu bekommen. Und Glück st adt— IOO Millionen ist der Bettag, den die Landmannsbankdirektion Glückstadt zum Teufel spekuliert hat, unzählige Mitlelflandsexistenzen damit ruiniert, dem Staat« über 70 Millionen seiner Schulden auf« gehalst hat, Aber— was interessiert das alles«in so feinsimriges, kunst- erhobenes Geschöpf wie einen bürgerlichen Kunstkritiker. Was geht de» die Lag« der„banausischen Masse" an! Die Herren haben ge- stiftet, die Herren haben gesammelt: sie sind Mäzene, Kulturhelden. Heil ihnen! • So macht dos Bürgertum sich feine Märtyrer zurecht, so sehen seine Kullurheldcn, sein« Mäzene aus. Dinerpolitik und Mäzenatentum auf Kosten der breiten Masse— Panern et circense», Brot und Zirkus, weit« ist Kampf. Lebenskampf und Kunst für dies« Bourgeoisie nichts. v_ Saulu». Prüfungen für das künstlerische Lehramt. Die ersten Prüfungen für das künstlerische Lehramt an den höheren Schulen finden in diesem Frübsahr in Berlin statt. Die Prüfung für bildend« K u n st beginnt am 5. Juni an der Staatlich:» Kunftschule, Brun«. waldsttaß: 1—5, die für Musik am 23. Juli in der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik. Hardenbergstraße 36. Mel- düngen sind bis spätestens 20. Mai an den Vorsitzenden des künst« lerischon Prüfungsamt», Berlin W. 8, Unter den Linden 4. zu richten. Die vorzulegenden Studienarbeiten sind an die vorgenannten Anstalten zu schicken, Siegfried Wagners Amerikafahrt. SiegfriedWagner hielt in Boyreuth«inen Vortrag über sein« Amerikafahrt und führte u. o aus: Der Zweck meiner Ameritafahrt war. die zahl. reichen Anbänper der Kunst meines Vaters für die Notwendigkeit der Wiederbeschaffung eines Bayreuther Fest. fpielfonds zu rntereslieren Da die Einnahmen aus den Ein» trittskarten im günstigsten Fall« die Ausgaben für ein« Festspieffaison decken, muß«in Fonds da fein, dessen Zinsen hinreichen, um d!« laufenden Erhaltung-kosten des Hauses usw. zu decken, und der im Falle emes etwaigen Defizits«inen Rückhalt bietet. Dies« Fond» bettug seinerzeit«in« Million Mark. Der Ausbruch des Krieges inmitten lwr Fesispielzcit und die Geldentwertung der letzten Jahre haben ihn in nichts zusammenschrumpfen lassen. Unser ausgesogenes Baterland hat getan, was es tun konnte,— es genügte ober nicht, und so entichiotz ich mich, einer Einladung nach Amerika Folge zu leisten. Das finanzielle Ergebnis meiner Reife bettachi« ich nicht als Resultat, sondern als Keim eines werdenden Guts. Man spricht nun überall von einem„Gesicherlsein" der Festspiel«, auch für die Zukunft. Davon kann leider noch kein« Red« sein, wobl ober ist«in erfreulicher Anfang zum Wiederaufbau des benötigten Fonds gemacht worden. Di« schamlosesten Lügen wurden verbrellet, um meine Pläne zu durchkreuzen. Es wurde die Meldung aufgegriffen. Gelder. die für die Festspiel« bestimmt seien, würden von der Famiii« Wag- ner für monarchistisch« Propaganda verwendet. Um lo mehr bin ich aus dcn unbestritten großen künstlerischen Erfolg stolz. Steht der finanzielle Erfolg auch hinter dem künstlerischen zurück. so bedauere ist doch keinen Augenblick, dies« Fahrt unternommen zu haben. Reich an großen, unvergeßlichen Eindrücken, kehrten wir h-im, Aukerkuustskiaulea für Rom-Pllger. 40—50 große Bauten, die 20000 Räume umfassen, sollen in den nächsten Monaten in Rom errichte: werden, um dem Pilgerstrom, der für dos nächst«, das „Hcüige Jahr", in Rom erwartet wird. Unterkunft zu gewähren. M-m schätzt die Zahl der für 1925 erwarteten Pilger auf mindesten, c Millionen. Da in Rom wie in den meisten Großstädten ein« schwer« Wohnungsnot herrscht, s» ist der Bau dieser Unterkunsts« Häuser dringend notwendig. Di« Gebäude sollen dann später als Wohnungen vermietet werden und mindestens 30000 Menschen dauernd« Behausung bieten. Ließ« sich nicht auch für Berlin ein solches„Heiliges Jahr" ein« nchttn? Zur Belebung der Bautätigkeit könnten wir«s brauchen. Ein Christus-Fund. Dr. Rendel Harris, ein amerikanischer G> lehrter. dessen wissenschaftliches Spezialgebiet die Geschichte des Ur. chnstentums ist. hat. wie„Mondo" berichtet, eine Urkunde entdeckt. die bis auf das 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurückgeht und zwei Sentenzen von I.'ius Christus wiedergibt. Di« Urkunde soll in Italien, und zwar aui dem Inselchen Lazarro in der venezualischen Lagune, aus der sich ein Kloster armenischer Mönch« befindet, entdeckt worden sein. Dr. Harris glaubt in der Urkunde das Fragment eine, umfangreichen, verlorengegangenen Dokuments über die„Voll« kommenheit des Erlöiers" zu besitzen, das aus einer syrischen Hand. schrifi bestanden haben soll, die ins Armenische übersetzt wurde Bon den beiden Sentenzen, di« Christus zugeschrieben werden, lautet die eine:„Das ist«s, was der Erlöser, der das Leben gibt, sagt: Der- senig«, der mir nah« ist, ist dem Feuer�nahe, und derjenige, der van mir fern Ist, ist auch dem Leben fern." Der andere Spruch laulet: „Und noch«in anderes sagt« der Herr: Das Himmelreich gleicht einem Handelsmann, der nach kostbaren Stein-:» Ausschau hält: Er hat«in« Perl« von großem Wert gefunden: geht, verkaufe jeder si n Hab und Gut und verkaufe die Perl« nach ihrem wahren Werc." ttaalsoper. Segen Erkrankung de« Herr« Ziezler wird heute sSamr« abend) statt:„Susann«» Sehetmui»" und„Giaaui Ich ich,-„Vah ferne' dke?nöustrke«nö das Gutachten. Aus der gestrigen MitgNederversanmilmrg des Vereins Deutscher Maschincnbauonstalten hielt Deheimrcit Dr. Bücher vom Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie einen Vortrag über die Sachverständigengutachten. Er gab darin zum ersten Male eine öffentliche Begründung der zustimmenden Haltung, die die Industrie zum Vorschlag Dame- eingenommen hat. Bei der Wichtigkeit, die dem Gutachten beizumessen ist und die in dem An- trag unserer Partei aus Volksentscheid über seine Annahme den deutlichsten Ausdruck findet, geben wir da? Beferat eingehend wieder. Dr. Bücher führte u. a. aus: Ich finde die gegenwärtige Lage mindestens ebenso gefährlich vom wirtschaftlichen Standpunkt wie die Micum-Bertröge selbst. weil wir durch die Inflationspenod«, die wir verschuldet oder un- verschuldet durchgemacht haben, eine solche Blutleere bekommen haben, daß wir die Währungsfragen nicht ohne fremde Hilfe lösen können. Wenn ich die M i au m- V« r tr ä ge ansehe, die unsere west, lichen Provinzen bis aufs Blut belasten, die wir mit allen direkten Abgaben auf einen Iahrcsbetrag von anderthalb Mil- kiarden einschätzen können, und wenn man hinzurechnet, wieviel dort noch indirekt verloren geht, so müssen diese Verhältnisse in relativ kurzer Jest zu einem Zusammenbruch führen. Di« Situation liegt, wenn die Zahlen, die mir vorliegen, richtig sind, für den Bergbau so. daß er' in kurzfristigen äußeren Anleihen eine Schuld übernommen hat, die die Kohle pro Tonne der Jahres- Produktion mit vier Schilling belostet, d. h., daß diese Betriebe mit zwanzig Prozent ihrer Kapazität durch kurzfristige auswärtige Anleihen belastet sind, die jederzeit gekündigt werden können. Di« Gefahr der Ueberiremdung des Bergbaues, der Eisenindustrie und sonstigen westlichen Betriebs ist eine naturnot- wendige Folg« des gegenwärtigen Zustandes. Der französische Druck, der diese Zustände schafft, kann beliebig lang, wenigstens ober länger sein, als wir aushalten können. Solang« wir unter diesem Druck stehen, ist ein Konflikt von dritter Seite nicht zu ertragen. Nie- m o n d wird imstande sein. Frankwich durch Waffengewalt aus dem besetzten Gebiet zu vertreiben und niemand wird, solange die Fron- zosen dort stehen, Kredite für die dort liegenden Betriebe geben. Wird aber der Kredit der Unternehmungen erschöpft, so fallen fie wie ein reifer Apfel denen zn. die über genügende Nittel verfügen. Wenn Bergbau und Eisenindustrie nicht mehr deutsch sind, so ist es nach meinem Ermessen eine Unmöglichkeit, die groß« auf Weiterverarbeitung dieser Produkte eingestellte Industrie in Deutsch- land zu erhalten. Das Eintreten eines solche» Zustandes würde den inleruatioualen Sohlen- und Eisenpool bedeuten, der die Preise so festsetzen kann, daß die Eisenoerarbeitung nicht mehr bestehen könnte. Ich sehe deshalb in dieser Lage eine große und schnell wachsende Gefahr. Auf der anderen Seite sel>s ich aber die große Gefahr, daß wir unsere Währung nicht stabil erhallen können. Wir haben um die Mitte des vorigen Jahres uns eingehend überlegt, ob wir«ine Goldbank schaffen können, und sind nach langen Verzögerungen dahin gekommen, eine Rcntenbank zu gründen. Dabei waren wir uns klar, daß diese Rentenbank nur so lange als WSHrungsbank dienen konnte, als wir in der Lag« sind, durch Exporte soviel De- vifen zu beschaffen, als wir für unsere Wirtschaft benötigen. Das Institut, dos wir dem Reichsdenkprastdenten Schockt verdanken, die Golddiskontbant, ist auf viel zu kleiner Basts aufgebaut. Die Gelder zum Ausbau können wer nickt bekommen, ehe die Reparationsfrage so gelöst ist, daß man auf Zinsen und Amortisation des Kapitals rechnen kann. Bleibt es bei dem bisherigen Zustande, so wird die Währung sich nicht hallen lassen. Ein Ucbergang von den jetzigen Zuständen zu festen Derhällnissen ist nur durch langfristig« vom Ausland »««ebene Anleihen zu erreichen. Ich sehe also die äugen- dickliche wirtschaftliche Lage außerordentlich trübe. Wie das gs- kommen tst? Das ist daher grkommas, daß diejenigen Leute, di« berufen waren, das größte Unglück unseres Jahrhunderts, den Well» krieg, zu liquidieren, c» rncht verstanden haben, dies zu tun. so baß die Geschichte sie dereinst für viel schuldiger erklaren wird alz diejenigen, die es nicht verstanden haben, den Krieg zu oermeiden. Die Liquidation ist in einer Art erfolgt, daß der Sieger Forde. rungen auf Ferderungen«rhob, die weder auf seine Existenz noch auf die des Besiegten irgendwelche Rücksichten nahmen. Der Der- sailler Vertrag ist nichts als ein« Aufrechnung von teilweise berechtigten, im großen und ganzen aber sinnlos übertriebenen Forderungen, di«. gestützt auf«ine enorme Macht, in den letzten Iahren beigctrieben werden sollten. Die Auswirkungen des Der- sailler Vertrages sind nicht nur zu unseren Ungunsten, sondern auch zuungunsten der anderen Länder gelaufen. Wären sie nur zu unseren Ungunsten gelaufen, so hätten wir kein Sachverständigen- gutachten erhalten. Die innere und die äußere Verschuldung, die die Staaten in diesem Kriege übernommen haben, haben solche Un- summen erreicht, wie man si« bisher nicht kannte. Summen, denen ein realer Wert nicht gegenübersteht und deren Abdeckung derartige Zinsenlasten von den Völkern fordert, daß die Produktion un> geheuer verteuert wird. Die Auswirkung der Verschuldung in diesem Maße wird die Produktion vermindern oder gar zer- stören. Nur«ine außerordentlich starke Konjunktur hätte die Ab. tragung dieser Lasten ermöglicht. Wir haben vielleicht nicht imcher d-en besten Willen Sehabt. das Londoner� Ultimatum zu erfüllen. Aber ilbst im anderen Fall« wäre es unmöglich gewesen, dies« Lasten zu tragen,_ He poütische ftonfteaation drängte zum Ruhrkampf. Ich erinnere an das Angebot vom 7. Juni 1921. das nach langen Beratungen mst der Wirtschast, mst dem Reichsverband« der veutschen Industrie von der Regierung herausgegeben wurde. Auf dieses Angebot ist von der Gegenseite«ine Antwort bis heute noch nicht erteOt worden. Wohl hat man von diesem Angebot sehr viel ge- sprachen und zwar h« man wesentliche Telle hzrausgegriss.n, auch den Gedanken des Sachverständigengutachten« diesen! Angebot«nt- nommen. In dem Sachverständigengutachten ist der Vorschlag einer Verminderung der Zahlungen gemocht. Nach dem versailler Vertrag hat d!« Reparationskommission die Pflicht, wenn sie die Zahlungen für Deutschland festsetzt, vor Ausbürduna dieser Losten Deutschland zu hören. In diesem Fall« ist da, Gutachten direkt der demschm Regierung zugestellt worden. Die Stellungnahme der Regierung ,u dem Gutachten besagt zwar weiter mchts. als daß sie es als eme Basis für weitere Verhandlungen ansieht. Da aber in diesem Gutachten die Zahlungen gegrnüber den Beschlüssen der Reparationstommission werter herabgesetzt sind. ist zunächst die Zustimmung der betreffenden Negierung notwendig. Di-s- Zustimmung liegt von allen Staaten vor. viel. leicht mit Ausnahme Frankreichs. Der wettere Verloüf war« der, daß man mtt uns Ändclt oder d:e Ausfuhrung b.ktieri Zu einem Diktat ist man vollkommen fähig. Das Gurackten selbst ist weiter nichts als ein Urteil von Privatpersonen auf Grund des Versailler Vertrages, das der weiteren Verhandlung unterliegt und das sich gegenwärtig im Stadium der Prüfung befindet Es wäre außerordentlich viel zweckmäßiger, zu einer Stellung zu diesem Gut- acht«» erst dann zu kommen nachdem man sich eingehend mit dem Gimmtroparatiansproblem beichöftigt hätte. Das Unglück, das in den letzten fünf Jahren ,u die'-r von mir geschilderten internationalen Lage geführt hat war das daß sich die leitenden Staatsmänner nid« klar waren, was in bar oder in Sachwerten zu bezahlen war. Der Kernpunkt und des Eigentliche diese-? Gutächtens ist, daß hier Tatsache verwertet würde, daß es unmöglich ist. diese S ch u l d e n l a st. die uns auferlegt ist, i n b a r zu zahlen. Dadurch ? Tan nid> vur die Wirtschaft desjenigen, der diese Lasten zahll, jonoern auch die desjenigen, der sie bekäme. Regierung unü Ruhrkampf. Jarres gtcsn die Arbeiter. Die Reichsregierung hat bisher von einer Bermittlungs- oktion im Richrtampf Abstand genommen. Noch am Mittwoch abend gab sie in einer Darstellung der Borgeschichte des Ruhr- kampfes eine Art Neutralitätserklärung ob. Inzwischen aber hat der R s i ch st n n e n m i n i st e r Dr. I o r r es eine öffentliche Erklärung über den Ruhrkompf abgegeben, die eine Parte, nahmefür die Unternehmer bedeutet. Er gab dem Vertreter des„Duisburger Generalanzeigers"' eine Unterredung, in der er sagte: „Die streikende Arbeiterschaft sei sich offenbar de» Ernstcsder Lage nicht bewußt Es genüg« nicht zu sagen. wir wollten dos Sachverständigengutachten annehmen, bemerkte Dr. Iarres. man müsse sich vielmehr auch darüber klar werden, daß die ungeheuren Reparotionsverpflichtungrn die An. spanNung aller Kräfte sowie harte Entbehrungen notwendig machten. Der Bergbau im Ruhrgebiet habe unter den Micum-Berträgensosehrgelitten. daßihmnichtzu- gemutet werden könnt«, allein die Opfer auf sich zu nehmen." Im Ruhrgebiet wird rncht gestreikt, die Unternehmer haben vielmehr die Arbeiter provozierend aus- gesperrt-- ohne Rücksicht auf die Folgen für die politische und wirtschaftliche Gcsamtlage—- in gewissenloser Gefährdung der deutschen Lebensmterssien. An sie. nicht an die Arbeiter, hätte Herr Iarres seine Ermahnungen richten müssen. Die Micum-VertrSge sind so drückend, daß schleunigst eine andere Regelung erfolgen nuist. Die Bergarbeiterschast muß es aber ablehnen, daß Herr Iarres mit den Unternehmern ihr allein die Opfer der Micum-Verträge auferlegen will. Die Stellungnahme des Herrn Iarres für die Unter- nehmer gegen die Arbeiler-entspricht seiner bisherigen Politik. Er ist das reaktionärste Element der gegenwärtigen Regierung, er vertritt in aller Schärfe sozial und politisch den Kurs gegen die Arbeiter. Seine Stellung- nähme bedeutet eine Durchkreuzung und Crschwe- rung einer künftigen Vermittlungsaktion der Reichsregierung. Er betreibt, wiederum reaktionäre Politik auf eigene Faust. Die..Z e i t". das Organ der Deutschen Vokkspartei, wirst uns einseitige Stellungnahme vor, weil wir d i e v o l l e V« r- a n t w o r t ii n g d e r.Z« ch e n b e s i tz o r kür die Aus'verrung und die Schädigung der deutschen Wirtschaftsinteressen fest- gestellt haben. Mit diesem Urteil stehen wir nicht allein. Die „Kölnische Zeitung" selbst nmßte das p r o v o! a- torische Verhalten des Unternehmertums zugeben. Die „Frankfurter Zeitung" hat eine wuchtige Anklage aegen die Vedrückungspolittk und den brutalen M a ch t w i l l e n des Unternehmertums veröffentlicht. Das Rcchtist aufderSeitederArbeiter! Wir werden es ebenso entschieden verteidigen, wie wir die gewissen- lose Gewaltpolitik des Unternehmertums brandmarken und den Kampf gegen die soziale Reaktion führen. fimüiche VerNitLiunasaktion. Dortmund. S. Slat(2SZ3.) Reichs- tutb Skaalskommlsiar Mehlich. der heute von einer Reist zurückgekehrt ist. hat vnvrr- züglich eine vermittln«gsakkiou zur Beilegung des Kampfes im Bergbau eingeleitet Es sind zunächst die Vertreter der vierBergarbeiterverbände zu Freitagabend zn einer Besprechung geladen. Morgen sollen Besprechungen mit den Vertretern der Zechenoerbäude slaLflnden. Bochum. S. Mai.(Eigener vrahtderichtf Zn der Bergbau- Di ekkiou Recklivghause«. unter deren Verwaltung die staat- lichen Zechen im Rnhrkohlcnbergbau stehe», begannen am Freitag Verhandlongen zwischen Arbeltzeberu und Arbeit- aehmern zur Beilegung de» Konflikts. Reckllnghanseu, g. Mai.(WTB.j Die Verhandlung:». die heule vormiliag in der vergwerksdlreklion Reckllng- Hausen zwischen einem Vertreter des preußischen Handclsmiuiste- rlums, dem Präsidevken der Bergbaudirektlon. Geheimrat Roisseiseu, und Vertretern der BergllrbcitervcrbSud« bis in di« RachmISags- stunden hinein flatkfanden, find, wie wir erfahren, erfolglos geblieben. Der Stand der Nussperrung. Essen, 9. Mai.(MTB.) Zm Ruhrbergbon sind bei der heutigen Frühschicht SZ.70 proz. der G-samtbilegschaft nicht eingefahren. Keine Aussperrung in den sächsischen Ttaatsbergwerkeu. Dresden, 9. Mal. gn dem der Aktiengesellschaft Sächsische � Werke gehörigen S-t« i n k o h len b« r g w« r k Zauckerode wird, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, zurzeit voll g«- arbeitet Von einer Aussperrung auf den staatlichen Werken kann also keine Rede sein. Internationale Solidarität. Amsterdam. 9, Mai.(Eigener vrahkbericht) Eine Anzahl inkkruakisnaler Gewerks chostsführer. darunter bekannte englische, belgische und niederländische Bergarbeiterver. treter. haben sich ins Ruhrgebiet begeben, n« sich mit den Ge- werkschaskn Im Sohlengebiel ins Benehmen zn sehen die folgen öer Aussperrung. Bochum. 9. Maj.(Eigener Dvahtbericht.) Der infolge der �Stillegung des Ruhrbergbaus bewirkte Brenn st ofsmangel macht sich bereits in verhänznisvoller Weise auf die rheinisch» westfälisch« Hüttenindustrie bemertbar. Scil Freitag vormittag liegt das gesamte Eisen, und Stahlwerk Hoesch jn Dortmund infolge Vrennstoffmangel« still, abgesehen von zwei Höchöfen, die abgedämpft arbeiten. Auch in anderen Werten der Dortmunder Hüttenindustrie, z. B. Union und Phönix, machen sich bereits umfangreich« Betriebsschwierigkeiten bemerkbar. Am Freitag morgen wurde auch das gesamte Martins-Siahiwerl der Union stillgelegt In der Bochumer Hüttenindustrie sind Betriebsstillegungen bei dem Bochumer Verein und d« Stahlindustrie erfolgt. Der Bochumer Berel» ist bereit« seit zwei Tagen vollkommen von der Kohlenzufuhr abgeschnitten. Di« Fortführimg des Hochofenbetriebes ist bereits für die allernächste« Tage in Frage gestellt. Die Produktion des Bochum« verein« wurde schon am Donnerstag von 1209 Tonnen täglich auf 599 Tonnen-vermindert. Die Werkelettling hofft vorläufig mtt stark verminderter Produttton noch weit« arbeiten zu könne«. Sollt« der Streik jedoch längere Z'.it andauern, so wirv da. Abdämpfen sämtlicher Hochöfen unumgänglich. Hierdurch würde die voll« kommen« Stillegung der gesamten Betriebe des Bochumer Verein» bedingt Das Stahlwerk des Bochumer Verein» ist bereit» fett Donnerstag vollkommen stillgelegt. Die gesamt« Materialbeliescrnng des Werkes hört damit auf. Auf den Krupp» Werken in Essen wird durch Anschlag der Direktion bekcmnt- gegeben, daß voraussichtlich ab 11. Mai infolg« Sohlenmangel» Kurz» und Feierschichten mit Verdienstaus fall eingelegt werden müssen. D'e Gute- Hoffnungs-. Hütte in Oberhausen gibt bekannt, daß infolge Gas- und Strommangel, die Werk« bereit» im Laufe de» Tages zum größten Teil zum Erliegen kommen und nur noch für einen geringen Teil der Belegschaft Arbeitsgelegenheit vorhanden sein wird. Durch die Stillegung der Kokerelen auf den Ruhrzechen ist die Ferngasversorgung für Benrath mtt feinen ausgedehnten Industrieanlagen unterbrochen. Im Hammer Revier haben gewisse Industrien, die auf QuaMätskohl« angewiesen sind, bereits Abschlüsse in englischer Kohls vorgenommen. Essen, 0. Mal.(TU.) Di« Gasversorgung der Stadt Tsiru. die infolge der Bewegung im Bergbau sckon im Laufe de» bentigrn Tage« unregelmäßig war, muß mtt dem heutigen Abend vollständig ewgestcllt werden.. Drohende Einstellung der Kohlenkiefermlseu. An, Bergbau-Unternehmerkreisen wird mttgcteilt, daß infolge der durch die Bergarbett-ubewegung geschaffenen Lag« im Ruhr» bergbau mit der Einstellung der K o hl e nlie fe r un gen nach Holland und der Schweiz in den allernächsten Tagen gerechnet werden muH. Weitere Aussporrunsie« im Bochmuer Revier. Bochum 9. Mai.(TU.) Im Bochumer Revier sind nun auch die Belegschaften der bisher noch arbettenden Zechen Heinrich, Gustav und Amalie ausgesperrt, nachdem sie gestern früh nach der Sieben- stundenschicht ausgefahren waren. Dl« einzige im Bochumer Revier noch arbeitende Belegschaft ist die der Zeche D-rloren«r Sohn bei Linden, welche im Frieden eine Belegschaft von ö99 bis 999 Mann hatte, jetzt aber nur noch 299 bis 269 Arbeiter beschäftigt. Oel ins Feuer. E s s e o. S. Mal.(TA.) von g�wertschasMcher Seit« wird der Telegraphni-llnion mllgrteitt, daß die Tatsache, daß bei den heutig?, verhandlunsiu über de» neuen Rahmcuiarif über die zurzeit im Ruhrbergbou vorliegenden vcrhälln'.ff« nicht gesprochen wurde, »urgeeignetlst. dleErrcgungiudenBergarbeiter- kreisen zu steigern. Zn der Ocjsentlichkeit würde man nicht verfleh?» warum die Gelegenheit zur Aussprache über die Bewegung im Ruhrbergbau nicht benutzt wurde. In Amerika ist die Lage bc» Geldmarktes infolge des Gold- Zustroms heute so gespannt, daß die Banken mir mtt einem Fünftel ihrer Kapazität arbeiten können, d. h. si« müsien den Betrieb einschränken und stehen vor einer Katastrophe. Denn jede kleine Be- weaung auf dem Kapiial markt muß einen Run erzielen. Wenn der Diskont nur um«in halbes Prozent herabgesetzt wird, wird man dort den großen Run haben. Nachdem unser Budget sichergestellt tst, so sind die Summen unserer BerMchtungcn nicht das Primär.', sondern die Erhal- tungunscrerWährungistes. Es hat ja gar keinan Zweck, einen Topf mtt Reparationsgeldcrn zu füllen, wenn man die Wäh- rung nicht hallen kann. Die Reparationsbettäge müsien in Mark gezahlt werden. Man liat also das Prinzip durchgeführt, die lUber- traguna In bar auf das zu beschränken, was wirtschaftlich tragbor ist. Deshalb schlagen die Sachverständigen vor, Waren für das Re- parattonskonto zu verkaufen. Das entspricht auch dem. was im Wiesbadener Abkommen niedergelegt wurde. Die Hauptfrage war für die Eacho-rständigeii also, wie sie dies« Werte nutzbar machen könnten. Man hat infclgedesi.m gesagt, daß von den Re- poratwnssummen, die eingehen, Waren zu beziehen sind, die nicht wieder ausgeführt werde.» dürfen. Wenn mir das Gutackzteu durch« führen, werden wir in Deutschland sehr billiges Geld haben. Wsnn z. B. im Jahre 1933 oder 1934 in diesen Reparattonstopf zum Jahresbeginn fünf Milliarden enthalten sind und wenn während des Jahres eine oder anderthalb Milliarden daraus verbraucht werden. so haben wir in diesem Jahre nur anderthalb Milliarden hinein- zutun. Alle finanziellen Verpflichtungen aus dem Versailler Bertrag werden durch diese Zahlung abgefunden. Uedcr dse Ausbringung der Summen durch Belastung der Eisenbahnen, der Industrie und Verbrauchsabgaben will ich nicht weiter sprechen. Das Gutachten ist«ine Einheit hinsichtlich der Grundidee. Die Fragen der Eisenbahnen, der Steuern usw. sind beweglich. Sie dürfen nur die A u f b r I n g v"g e m ö g l i ch k e j t der Summen, die gefordert werde», nicht berühren. Ick bin der Luffoflung, daß man die Möglichkeit der VerhaudKmg haben muß, aber nicht in dem Sinn«, um das Ganze zu zer- stören, sondern zu ergänzen und di« Durchführung für uns zu er- möglichen. Denn ob diese Lasten vielleicht jemals erreicht«erden, das weiß kein Mensch. Dorum handelt es sich zunächst auch gar nicht, sondern es handelt sich darum, ein System zu finden, daß eine nahezu unmöglich? Frage wirtschaftlich lösbar gemacht wird, so daß die weiteren Maßnahmen nie zu einem Zusammenbruch, son, vern im Gegensatz zu der bisherig«, Lage zu ein« Klärung führen. Es kommt darauf an, in welchem Sinn« man an da» Sochv«r- ftSndlgenurtell herangeht Gehe ich mit dem Gedanken an die Frag» heran, daß die Sachverständigen nichts andere» bezweckt haben,«» uns zu vernichten, so habe ich gar nicht nötig, mich mtt dem Gutachten zu beschäftigen. Glaube ich an die B'rderbtheit dieser Leute, so muß ich alles ablehnen und mein Schicksal, vi« e» auch .komm?» mag, ertragen. Diesen Gesichtspunkt kann Ich verstehen, obwohl ich persönlich auf dem entgegengesetzten Standpunkt steh«. Wenn Leute, wie Dawes, ihren ganzen wirtschaftlichen Ruf auf ha» Sstttt setzen und sich mtt einem Stab von Gelehrten und Prakttke», um eine Lösung dies?» schwierigen Problem» bemüh«, so kann man das nicht abtun mtt der Bemerkung, daß im» diese Leut« nur verderben wollen. Gehe ich aber von dem Gedanken aus, daß dieses Gutachten ein ernster Bersuch ist. da» schwierig« Problem zu losen, so muß man den guten Willen der Gutachter vorausfetzen. In der Lag«, in der wir uns befinde«, müssen»ig das tun. sonst bleibt uns gar nichts weickr übrig. Und in diesem Sinne bitte ich es nicht als einen Optimismus meinerseits zu he- trachten, wenn ich überall in vollster Ueberzeugung und mit alle» Energie, die mir zu Gebote steht, in diesem Sinn« wirke. Die Wahlen in Anhalt sind auf den 22 Juni festgefetzt Der Kongreß der Kommunistischen Zuternattonale ist auf dm 15. Juni verlegt wovden. • Makulatur. Nach Meldungen au» Moekau hat«Ine Konunifflaa des Dtaatsverlaqes bestimmt, daß 8,5 Millionen kammumstisch« Schritten zum Einstammen verkaust werden, da st« fett zwei Jahren lagern, ohne Abnehmer gefunden zu haben. Dia Herausgabe dieser Literatur hat dem Staatsverlag eine Million Goldrubei getostet» Gewerkschaftsbewegung Gewerkschaftszerstörung. Bom Deutschen Metallarbeiterverband wird uns geschrieben: Die„ Rote Fahne" und alle KPD.- Zeitungen veröffentlichten über Borgänge im Deutschen Metallarbeiterverband in Remscheid die bekannten Beschuldigungen gegen den Vorstand, daß er dort die Spaltung vollzogen habe. Dabei haben die Kommunisten ihren Lehrfaz:„ Verschweigen der Wahrheit" besonders qut beherzigt. Zur Aufflärung und Abwehr deshalb eine sehr gedrängte Darstellung: Die Verwaltung Remscheid befindet sich seit dem Herbst 1920 in fommunistischen Händen. Für den Umfang der heutigen Berwaltung übernahmen die Kommunisten zirka 17000 Mitglieder von den Amsterdamer Führern, die bis zum Abschluß des 1. Quartals 1924 auf einige Hundert her. untergewirtschaftet waren. Die Töpfermeister lehnen jede Verhandlung ab! Am 3. Mai waren die Lohnvereinbarungen zwischen den Töpfermeistern und dem Baugewerfsbund, Fachgruppe der Töpfer, abge. laufen. Rechtzeitig wurden im April die neuen Forderungen auf Zahlung der Friedenslöhne. dem Obmann, der Lohnfommission, der Meister überfandt und darum ersucht, eine Sigung zur Verhandlung einzubeerufen. Dem famen die Unternehmer nicht nach. Am 5. Mai wurde auf telephonische Anfrage die Auskunft gegeben, der Obermeister sei verreift, fäme morgen wieder, dann wurde Stellung zur Gesellenforderung genommen. Wieder vergingen etliche Tage. Am Freitag erklärte der Obmann der Unternehmer, Töpfermeister Jung, daß die Meister beschlossen hätten, feiner Erhöhung des Lohnes zuzustimmen und auch nicht zu verhandeln. Vorher hatten die Unternehmer versprochen, in der nächsten Berhandlung wiederum die Löhne aufzubessern, da ihnen der Sprung von 75 Bf. auf 1 Mt. pro Stunde zu hoch erschien. Sie haben nicht nur nicht Bort gehalten, sondern lehnen jede Ber handlung ab. Zu dieser Sachlage werden die Funktionäre der Fach: gruppe der Töpfer am Sonntag Stellung nehmen( siehe Notiz unter Anzeigen). Es ist nicht ausgeschloffen, daß es zum Kampf fommen wird. Streif im Berliner Bootsban. fiche Mitarbeit liche Mitarbeit unmöglich gemacht. Die Bebrückung der Kollegen steigerte sich bis zu schweren Mißhandlungen. Der frühere Kaffterer Rieven verlangte von allen Angestellten ein öffentliches Bekenntnis zum fommunistischen Betriebsräbetongreß im November 1922. Der fommunistische Bevollmächtigte üz wandte fich pflichtgemäß gegen wilde Streits und gegen den Gin am 8. Mai unter dem Vorfiz des Gewerberats Körner Betriebsrätefongreß. Dafür wurde er aus der KPD. ausgegefällter Siebsfpruch billigte den im Bootsbau befcätigten schlossen zwei Geschäftsführer des DMB. haben mit ent Arbeitern in der Spize 76 Bf. Stumbenlohn au, in einem Berufe, schieden weil die Grundsäge der KPD. über alles ber die meisten Arbeiter alljährlich drei bis vier Monate ohne Begehen. Es folgte die Enthebung aus seiner Verbands fääftigungsmöglichkeit läßt. Die Arbeiterschaft bat den Spruch stellung. Als dieser rechtswidrige Beschluß vom Vorstand auf fast einstimmig abgelehnt und befaloß, in allen Betrieben, in gehoben wurde, warf ein tommunistischer Stoßtrupp benen nicht ein Lohnjaz von 90 f. anerkannt wird, sofort unter höhnischer Duidung anderer Geschäftsführer den Bevoll in ben Streit zu treten. mächtigten mit Gewalt hinaus. Der entsandte Vertreter bes Borstandes zur ordnungsmäßigen Erledigung der Arbeiten mit ber Ortsverwaltung wurde ebenfalls durch einen Stoßtrupp mit dem gewaltsamen hinauswurf bedroht. Die Borstandsmitglieder wurden durch die Stadt von ebensolchen Men fchen verfolgt, beschimpft und bedroht. Der vom MDGB. aufgehobene Ortsausschus wurde entgegen den Anordnungen des Borstandes aus den Mitteln des Berbandes weiter finanziert, um seine Schädigung der Gemertschaften fortsetzen zu fönnen. Allerdings wurde dem Bore fand das Gegenteil berichtet. B Arbeiter Berlins, übt Solidarität mit den im Kampf stehenden Bootsbauern! Montag nachmittag 5 Uhr Streilversammlung bei Krüger.. Die Transportarbeiter wehren fich. Gehälter für kaufmännische Angestellte. Für die Gruppen Tegiilgroßhandel, Baumwoll, Leinen- und Kleiderstoffgroßhandel und Samt- und Seidenwarengroßhandel hat der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin einen Schiedsspruch gefällt, durch welchen Lehrlinge, jugendliche Angestellte und die Angestellten in den Gruppen I bis IV 10 Proz. und die Angestellten der Gruppe V 5 Proz. Aufschlag auf die Märzgehälter erhalten sollen. Für die Gruppe Kurz, Galanterie und Spielwarengroßhandel wurde ein Schiedsspruch gefällt, durch welchen alle Angestellte einen Aufschlag von 10 Proz. erhalten. = Kampfesmittel der bayerischen Bauunternehmer. München, 9. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Rampf im bayerischen Baugewerbe hat dadurch eine Verschärfung erfahren, daß auch die Behörden, soweit sie Baustellen haben, sich den Ausanschlossen. perrungsmaßnahmen der Unternehmer Auch die dem Baugewerbe verwandten Industrien griffen zugunsten der Arbeitgeber ein. So hat z. B. der Bayerische Ton IndustrieVerband seinen Mitgliedern verboten, Ziegeleierzeugnisse zu verfaufen, um dadurch den Unternehmern, die sich an der Aus sperrung nicht beteiligen, fein Baumaterial zufommen zu laffen. Außerdem wurde verfündet, daß sich die Arbeitgeber, die fich dem Kampf gegen die Arbeiterschaft nicht anschließen, auf die Dauer von 2 Jahren von der fünftign Vergebung von Arbeiten durch ten Verband ausgeschlossen werden. Auch die japanischen Kulis organisieren sich. Mis neue Gruppe unter der japanischen Arbeiterschaft haben sich jetzt die Wagenzieher Zofios, die sogenannten Kurumana oder Jinrifisha- Kuli, organisiert. Die Führer der Bewegung rechnen mit einem fofortigen Anschluß von rund 14 000 Mitgliedern und glauben, daß die neue Organisation der javanischen Arbeiterbewegung balb eine starte Macht darstellen wird. In den ungarischen Bergwerfen der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft haben gestern mittag 20 000 Bergarbeiter die Arbeit eingestellt. Knorr- Bremse. Am Sonntag, den 11. mai, 10 Uhr vormittags, findet in der Aula der Knaben- Mittelschule, Marktstraße, eine Berfammlung aller im Werf beschäftigten Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes statt. Eintritt nur gegen Borzeigung des Mitgliedsbuches. Achtung, Slafer! Die Tarife und Lohnverhandlungen find gescheitert. Sette Uhr Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshaus. Jeder Rollege muß in diefer Bersammlung erscheinen. Transport und 2agerarbeiter bez A., Abteilung der AEG.- Fabriken. Sette, Sonnabend, 10. Mai, mittags 12 Uhr, Bersammlung aller Streifenden in der Bockbrauerei, Chauffeeftraße. Da wichtige Beschlüsse zu fassen find, hat Die Streifleitung. ieber au erfcheinen. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Sonntag, den 11. Mai, vormittags 9 Uhr, Zusammenkunft der Fachgruppenleitung, der Funktionäre. Bau- und Betriebsvertrauensleute bei B. Bura, Prenzlauer Allee 189. Die Die Fachgruppenleitung. Ablehnung unserer Forderungen durch die Unternehmer und Stellungnahme Die Transportarbeiter der Metallindustrie maren gestern abend äußerst zahlreich in einer Versammlung erschienen, in der Bezirks. Die Löhne der englischen Bergarbeiter fönnen nach dem Bericht leiter From fe über die Verhandlungen am Mittwoch zwischen des Ausfáuffes zur Untersuchung der Lohnverhältnisse nicht erhöht dem Metallfartell und dem Verband Berliner Metallindustrieller merden, da die Betriebsgewinne nicht hoch genug seien. Das VerWährend des Streits in diesem Frühjahr beschimpfte bie berichtete. In diesen Berhandlungen, die auf die Initiative vom Drisperwaltung auf Plataten an den Anschlagsäulen der Gewerberat Körner hin zustandekamen, betonten die Arbeit langen nach Reorganisation der Betriebe schließe eine politische Frage Stadt den Vorstand und die reformistischen" Führer als Bernehmervertreter, baß sie nur ein bedingtes Interesse an den Be- ein, für die der Ausschuß nicht zuständig sei. Der Bericht schlägt räter und dergl. Trogdem hat der Vorstand von einem späteren fprechungen hätten, da ihr Standpunkt, daß besonders für die Trans- Wiederaufnahme der Besprechungen betreffend Abänderungen der Termin an, als es sich um die Verlängerung der Arbeitszeit auf portarbeiter ausreichende Löhnerhöhungen zu gewähren sind, den Lohnvereinbaungen von 1921 vor. 57 Stunden handelte, den Streit finanziert. Der Zusammenbruch Unternehmern feit langem bekannt sei. Der Synditus der Unterauch der Mitgliedschaft wer die Folge dieses kommunistischen Streifs. nehmer, Oppenheimer, vertrat die Auffaffung, daß die jetzige Wirtschaftslage in der Industrie eine Lohnerhöhung nicht Runmehr entsandte der Borstand einen Bertreter ,, der den Wiederaufbau der Ortsverwaltung leiten sollte. Dieser wurde zulaffe, solle nicht der Konkurrenzfampf gegenüber dem Ausland erdrosselt werden. Neue Lohnerhöhungen würden auch eine neue nicht einmal angehört, aus der Sigung verwiesen, Inflation in bebentliche Nähe rüden, so daß es also im beider so daß er zulegt unter Bedrohung das Bureau ver- feitigen Intereffe fiege, die Industrie nicht weiter zu belasten. Bon lassen mußte. Briefe des Borstandes an seinen Vertreter wur den Mitgliedern des Metallfartells wurde dargelegt, daß die ben von der Drisverwaltung unterschlagen, geöffnet und Arbeiterschaft an der überwundenen Inflation teine Schuld trage, mit verleumderischen Zusätzen versehen in der KPD. 3eitung und wenn eine neue fomme, würde sicherlich der Anreiz bazu nur Deröffentlicht. Dem jetzt eintreffenden Mitgliede des Vorbei der Industrie zu suchen fein, die gerade während der Inflation ftandes verweigerten die Geschäftsführer jede Ausdas glänzendste Geschäft gemacht habe. Der Vorsitzende des VBMI., prache, und die Ortsverwaltung fehnte es ab, im Sigungszimmer Herr v. Borfig, gab zu, daß in der Industrie zu niedrige Löhne des Berbandes zu tagen, schlossen vor dem Vorstand das Bureau zu und gingen ins Boltshaus, an dessen Fenster durch gezahlt werden. Schuld daran fei aber die Entente, die Reparations. Plakate die Arbeiterschaft aufgefordert wurde, den eingetroffenen lasten und auch die Erfüllungspolitik. Die Arbeiterschaft müßte eben einen Entbehrungsfattor auch für sich gelten lassen und den Spaltern" die erforderliche Aufklärung" zu geben. Da nach langen immer noch getriebenen Lurus des Zigarettenrauchens einstellen. telephonischen Verhandlungen die Ortsverwaltuma ihre Haltung nicht nicht umsonst hätte die Konfettion jetzt so gute Konjunktur: Schuld burg 818. änderte, übernahm der Borstand die Leitung der Ver baran feien bie ftarf gestiegenen Anschaffungen an Bekleidungswaltungsstelle Remscheid und enthob die Mitglieder der Drisvergegenständen aller Art. Er beftritt, daß die Industrie Inflations. waltung ihres Amtes. Da diese aber nur der Gewalt meichen gewinne gemacht habe. Der Absah von Erzeugnissen der Metallwollten und jede vernünftige Haltung ablehnten, mußte das Bureau industrie sei so gering, baß die Industrie nicht wiffe, mo fie Rredite durch einen Gerichtsvollzieher geräumt werden. hernehmen folle. Er. Borsig, fei bereit, feinen gesamten Lager. bestand( mohl noch in der Inflationszeit angefertigt bei 20 Bf. Stundenlohn?) 5 Broz. unter den Herstellungskosten zu verlaufen. Fromle betonte, daß diefem Herrn ganz gehörig gedient worden sei. Von den Vertretern der Transportarbeiter find bann im besonderen bie Forderungen der ungelernten Arbeiter präzisiert worden. Es murde eine Erhöhung der Löhne auf 60-65 Pf. gefordert, ebenso eine Berbesserung des Prozentverhältnisses der Frauenlöhne und eine Erhöhung der Löhne der Jugendlichen. All diese berechtigten Forderungen fanden nur ein Hohnlachen der Arbeitgeber, jo daß ganz besonders darauf hingewiefen werden mußte, daß bie Transport arbeiter auch Qualitätsarbeiter feien, die größere förperliche Lei. ftungen und stärkeren Sachenverschleiß durch beffere Ernährung und größere Anschaffungen weitmachen müßten. " Eine Prüfung der fommunistischen Geschäftsfüh: rung ergab unerhörte Zustände. Seit Beginn des Jahres 1924 maren in Einnahmefaffenbüchern der Haupt- und Lotaltaffe teime Eintragungen mehr gemacht. Das Ausgabefassenbuch für die Haupitaffe enthielt teine Eintragung mehr seit dem Abschluß des dritten Quartals 1923. Cine Mitglieder fartothet war verschwunden. Gine Feststellung der verkauften und abge gebenen Beitragsmarten zeigte einen über alle Erwartungen Schlimmen Zusammenbruch. Ein großer Boften Quittungen über Ein großer Posten Quittungen über Ausgaben für die Kommunistische Frattion der metallarbeiter fand sich ebenfalls als Beweis für die pariei politische Spaltung. Die Sertrümmerung der Verwaltungsstelle durch die KPD. ist rollständig: auf der Bergischen Stahlindustrie mit zirfa 3000 Arbeiter wurde vor einigen Wochen ein Betriebsrat gewählt aus 5 Christen und 5 Hirsch- Dunderfchen. Der Be triebsrat des Mannesmannröhrenwerts besteht cus luorganisierten usw. Unter der Beschuldigung, daß der Borstand den Verband spalten wolle, wurden zwei große" Ber: fammlungen einberufen, von denen eine überhaupt feine Besucher hatte, während sich gange 60 bis 70 Personen im Boltshause , drängten". Hier gab es nichts mehr zu fpaften. Schließlich trat dann ein Schiedsgericht zusammen, dessen Berahungen aber nicht zu Ende geführt wurden, da sich so viele Spezial fragen ergaben, daß Sonderberatungen fich notwendig machen. Der Redner vertrat aber die Anficht, daß die Transportarbeiter Ursache hätten, auf die Vorschläge des Schiedsgerichts nicht zu große Hoffnungen zu fehen. Die Transportarbeiter werben die Ergebnisse gut prüfen müssen, ehe sie ihnen die Zustimmung erteilen. Tatsache ist, daß etwa 60 Broz. der Transportarbeiter nach der Lohntiasse 5 entlohnt werden, d. h. Stundenföhne von 35-38 Pf. haben. Diese Hungerlöhne und auch die Löhne der anderen Ungelernten zu erhöhen, fei dringendste Aufgabe der Organisation, wobei jeder mit. helfen müsse. Durch einen Gerichtsbeschluß tamen die Kommunisten wieder auf einen Tag in den Befiz des Bureaus, weil die Gewerkfchaften teine rechtsfähigen Vereine find. Diese Gelegenheit wurde benutzt, den größten Teil der außerordentlich wertvollen Bureau- In der Distusfion ftellte Bergmann fest, daß die Unter einrichtung, die laut Statut dem Gesamtverband gehört, zu entnehmer sich mit ihrer Behauptung, die Transportarbeiter feien un wenden, um das Bureau ihres tommunistischen produktive Arbeiter, felbft Lügen geftraft hätten. Bei den Lohn Industrieverbandes auszustatten, der inzwischen bemegungen in der Turbine und in der AEG. hätte man nach ber errichtet wurde. Eigene Marten und eigene Metallarbeiter Arbeitseinstellung der Transportarbeiter alsbald auch die Facharbeiter zeitung find herausgegeben, so baß die Spalter für jeder auf die Straße gefeßt, ein Beweis bafür, wie notwendig die Trans. mann erkenntlich sind. Der Wiederaufbau einer wirklichen portarbeiter feien. Im übrigen fam von allen Rednern der Wille Gewerkschaft hat sehr gut begonnen, felbft zahlreiche Kommunisten zum Ausdrud, Löhne zu erkämpfen, die eine menschenwürdige haben ihre Genugtuung ausgesprochen, daß endlich Ordnung Eristenz der Arbeiter und ihrer Familien ermöglichen. Die Vergeschaffen wurde. Abgesplittert find nur diejenigen Kom fammlung fieß erkennen, daß die Transportarbeiter der Metallmunisten, die die Gewerkschaften für die Partei und für fich frog industrie es fait haben, fich als Parias von den Unternnehmern be. mangelnden könnens als Futterkrippen mißbrauchten. handein zu lassen. dazu Deutscher Bertmeister- Berband, Bezirksverein Berlin 8. Sonntag, den 11. Mai, Banderung Erkner- Ralfberge. Treffpunkt Vorplak Bahnhof Erkner, 9 Uhr vormittag. Ab Gesundbrunnen früh 7.34, Börje 8.00, Stralau- Rummels. AfA- Funktionäre der Metallinbustrie. Montag, den 12. Mai, abends 8 Uhr, wichtige Funktionärversammlung. Bericht über die Berhandlungen mit den BBM. Unsere Maigehälter. Da wichtige Beschlüsse zu fassen sind, wird vollzähliges Erscheinen bestimmt erwartet. Af Metallfartell Günther, Sange, Rothe. Angestellte in den Geldschrankfabriken und Bauschlossereien! Montag, den 12. Mai, nachmittags 4% Uhr, in der Schulaula Böttger, Ede Pantstraße, allStellungnahme zum Schiedsspruch bezüglich gemeine Branchenversammlung. Der Aprilgehälter. Bollzähliges Erscheinen aller Angestellten wird unbedingt Butab. DWB. ZDA. Aus der Partei. Wahlflugblätter einsenden! Um festzustellen, mit welchem Material( Blafate, Flugblätter, Handzettel) unfere Organisationen und die politischen Gegner den Wahlkampf geführt haben, ist es notwendig, daß die Bezirks- und Ortsvereinsfeihungen je ein Eremplar diefer Drucksachen so schnell als möglich fenden an den Vorstand der Vereinigten Sozialdemo fratischen Partei, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Sport. Die Fünf Trümpfe auf der Olympiabahn. Am Tommenden Sonntag starten a wall, Rosollen, Blefemolen( Holland), Seruptat und weiß hinter Motoren auf der Olympiabahn in einem 75- ilometer Rennen. Außerdem bestreiten die fünf Dauerfahrer zwei furze RefordRennen. Ein Biererkampf in vier Laufen mit Mori( Italien), Stabe, Sensien( Dänemar) und Hahn wird neben weiteren Fliegerrennen das Programm ausfüllen. Beginn 4 Uhr. Wetter für Berlin und Umgegend. Nur vorübergehend stärker bewölkt bez meist schwachen füdwestlichen Winden. In den Tagesstunden mäßig warm Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lotales und Sonstiges: frig Rarftäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. erzielen Sie Ihon durch 1-2 maliges Buzen mit der herrl. erfrischend schmeckenden Zahnpaste Chlorodont. Gegen üblen Mundgeruch wird auch mit Erfolg Chlorodont- Mundwasser verwende Weiße Zähne DUNLOP Vollgummi- Reifen für Last- Kraftwagen sind ebenbürtig in Konstruktion und Haltbarkeit den DUNLOP CORD-Reifen Frader und Automobile Die Weltmarke bürgt für Qualität! für Motorräder Nr. SIS»41. Jahrgang 1. Seilage öes VorWärts Sonnabsnö, 10. Mai 1H24 Sonntägliche Wanöerziele Nonnenfiieß. Unse?« märkischen Bäche sind keine wild dahinstürmenden Gc- seilen, die über Sieinblöcke und durch Felsschluchten gischtend ultb tasend zu Tal stürzen. Trachich plätschernd, leis murmelnd fliehen sie durcy dos Land, durch anmutige Wald- oder Wiefentäler geht ihr Lauf. Treffen sie auf einen der mehr oder minder zahlreichen G<- schi-ebeblöcke, dann umspülen die Wasser glucksend dos Hindernis. Die märkischen Bäche werden deshalb auch Fliehe genannt. Eins der schönsten dieser Fliehe ist das Nonnen fließ; durch die prächtigen Waldgebiete bei Eberswalde nimmt es seinen Weg.— Vom Stettiner Fernbahnhof fahren wir bis M e l ch o w(Sonntagskarts bis Eberswalde). Wir überschreiten die Bahn und wandern neben ihr weiter bis zur nächsten Wegunterführung. Nun unter der Dahn hindurch und sogleich den Fußsteig rechts neben ihr zum nahen Wald. Wir bleiben noch etwa SOO Meter neben der Bahn bis zum Gestellweg D, dem wir nach Osten folgen. Durch den schönen Wald, über Berg und Tal wandern wir zum Forsthaus Schönholz und in gleicher Richtung weiter bis an den Schnittpunkt mit dem Ouergestell P. Etwa 100 Meter weiter biegen wir rechts ob. Der Weg chringt uns bald an dm von Schönholz kommenden, dem wir«ine kurze Stricks nach links zur Schönholzer Brücke folgen� Das Nonnenflieh haben wir erreicht. Ein verwittertes Balkengeländsr faßt die Brücke«in, hochragende Fichten stehen am Eingang zum Nonnenflteßtol. Wir überschreiten die Brück« und wandern neben dem Fließ gen Norden. Die Talbänge sind schön bewaldet, Quellen entsprudeln ihnen, deren Wasser sich sogleich mit denen des Fließes vereinigen. Der Wald ist ein vrächtigrr Mischwald mit häufig reinen Buck)enbeständ«n. Am Fließ überwiegen Erlen, besonders an den quelligen Stellen. Die Bodenpflänzchcn des Buchenwaldes blühen fetzt; sie müsien die kurze Spann« Zeit nutzen, die ihnen bleibt, bis die Buchen belaubt sind. Beschattet erst das Blätterdach den Waldesboden, dann ist es vorbei j mit der Blütezeit der kleinen Bodenbewohner: es würde ihnen an Sonnenschein mangeln, um ihre Blüten zur Entfaltung zu bringen. Am Nonnenfließ können wir sehr gut die Erscheinungen des G l« i t-, Hangs und des Prallhangs beobachten. An einigen Stellen hat das Wasser die zwischen zwei Fließsch'.eifen liegende Landzunge durchnagt und sich den kürzere» Weg«rzwungm; die abgeschnürten Fließbögen bilden fetzt sogenannte Altwasser. Dos Nonnenflieh zeigt uns im kleinen Verhältnis, was wir an dm Flüsim und Strömen im großm sich wiederholen sehen. Unser Flieh nimmt seinen Lauf in einer jener schmalen Rinnen, die in größerer Anzahl die Barnimhochfläche nordsüdlich w ihrer vollen Breite durchschneiden. Gewöhnlich entwässern diese Rinnen sowohl nach Süden als auch nach Norden. Die Wasserscheide dieser Rmne liegt bei Beiersdorf. Von hier aus erstreckt sich die Rinne gen Süden über Werneuchen, durch das Siienitzflieh, über Alt-Landsberq und durch das Neuen» hanener Fließ nach Dahlewitz, wo sie das Spreetal, das alte Berliner Urstromtal erreicht. Gen Norden verläuft die Rinn« von dm Teufels- gründen durch das Nonnenfließ zum Eberswolder Urstromtal. Wir kommen zum Geschirr, einer ehemaligen Papiermühle. die rechts unten im Tal lieat(vgl. Abbildung). Der Weg mmdct sich nun vom Fließ ab zur Ehoussee, auf der wir in kurzer Wanderung Svechthansen errnchen. Hier mündet dos Nonnen- fpeß in ine Schwärze In Syechthausen belindet sich die Papierfabrik in der früher ausschließlich das Papier für die Bontnotm h �gestellt wurde. Wir wandern nun in der Nähe der Schwärze zum Altm und Neum Wasserfall und weiter über Zainhammer und Gate'.n.dbrunnen nach EberswaPe, der Stadt der Spritzkuchen. Eick Rundgong durch die fast gar kein« alten Baritechteilen aufweisende S-oNt brinat uns an �d« Maria-lbtogdalenm-Kirch« und. Nn der Forstakadrmi« vorüber zum Bahnhof.(Weglänge etwa öl Kllvmeter.) die Seen bei Strausberg. Liebsich und schön wl« die märkilchen Fliehe sind auch die Seen. Dos märkische Land würde«inen erheblichen Teil seiner Schönheit einbüßen, wenn die Seen aus ihm verschwunden wären. Ein Gebiet, das sich durch feinen Reichtum an Seen auszeichnet, ist die Gegend um Strausberg. Meilenwcite Wälder dehnen sich hier aus, die den trefflichsten Rahmen für die friedlich-stillen Gewässer bilden.— Der Vorortzug bringt uns von den Fernbahnhöfen der Stadtbahn(vom Schiesischen Bahnhof eingelegte Züge) nach Strausberg. Wir wenden uiw vom Bahnhof links und hoben nach kurzer Wanderung Eggersdorf erreicht. Bei der alten Schule steht ein Sühnekreuz aus Stein. Hier erstach IStZ im Zwcikamps Lorenz von Trebus den Thomas von Röbel, dessen RittersiK dem Kreuz gegenüber lag. Rechte vom Dorfpfuhl liegt die von Efeu umrankte Försterei, auf der Stelle des Rittersttzes derer von Trebus. Im Farstgarter, ein riesiger Kastanisnbaum, der 1744 gepflanzt wurde. Am Nordaus- gang des Dorfes liegt die Neue Mühle. Wir wandern von hier nordwärts auf schönem Wege durch Eichen, Kiefern und Birten bis zur Alt-Londsberger Chaussee. Hier wenden wir uns rechts nach H o h e n f l i e ß. Am Ufer des Fließes kommen wir zum B ö tz s e e. Ebenso wie dos Tal des Nonntnflietzes liegt der Bötzsee in einer Rinne, die sich durch die ganze Barnimhochflöche von Süden nach Norden oerfolgen läßt. Nach Norden zu sind in dieser Rinne der Fängerse«, Kesielsee, Gamengrund und Gomcnsee; nach Süden zu entwässert»i« Rinn« durch das Hohe Fließ, auch Eggersdorfer und Fredersdorfer fließes bis zur Schneidemühle. Hier wenden wir uns nach links zum„Pilz", einer schirmartigen Laube. Von der Höhe über- schauen wir die Niederung, die sich zum Stienitzfoc erstreckt und seinen verlandeten Teil bildete In der Ferne tauchen die Schornsteine der Fabriken von Rüdersdorf auf. An der Bahn kommen wir in kurzer Zeit zum Bahnhof Strausberg zurück, dem Ausganspunkt unserer heutigen Wanderung.(Weglänge etwa 2S Kilometer.) Fließ genannt, das bei Rahnsdorf in den Müggelsee mündet. Am Westuser des Bötzfees wandern wir gen Norden. Der Pfad gewährt schöne Ausblicke auf den See und feine von Hochwald bestandenen Uftr, Am Nordende des Sees liegt Spitzmühle, ein« alte Wasser- mühte am Verbtndungsflieh zwischen dem Fängers?« im Norden und dem Bötzs««. Auf der schmalen Landbrücke sind noch die Ueberrest« eines vorgeschichtlichen Burgwalls zu sehen. Leider ist auch diese« Denkmal aus der Vorzeit, wie so manches andere, zerstört worden. Es war; eine recht dankenswerte Aufgabe für den zuständigen Kon- servator, wenn es ihm gelänge, möglichst viele derartige Denkmäler vor dem Zerstörtwerden zu schützen. Wanderfrnmde, helft dabei, indem ihr solche gefährdeten Schätze unverzüglich der staatlichen Stell« für Naturdenkmalpfleg« meldet.— Wir wandern auf dem Westufcr de« Fängersees weiter nach Norden bis zur Wesen- dahler Mühle. Don hier wenden wir ims durch den Wald nach Osten, bis wir an das Nordends des Strausfees kommen. Tter Strausfee liegt in einer Rinn«, die neben sener verläuft, die wir verlasse» hüben. Nach Norden birgt die Rinne den Ählandsee, die Lattseen und noch einige klein« Seen, nach Süden dm Herrmfse, Stienitzsee und Kalksee bei Rüd-rsdorf. Ein schöner Uferweg bringt uns am Westufer des Strausssss noch Süden. Vom jenseitigen Ufer grüßt uns Strausberq, die„Stadt- am Straus". Vom Süden d e des Strausfees wandern wir auf her zum Bahnhof Strausberg führenden Chaussee bis zur Kreuzung mit der .Kleinbahn. Kurz hinter der Bahn zweigt links«in Weg ab von der Chaussee. Durch niederen Wald kommen wir zum Herrense e, einem kleineren, völlig von Schilf umgebenen See, in dem sogar die!n der Mark Brandenburg äußerst selten« Sumpfschildkröte vorkommt. Am Südend« des Sees liegt Forsthaus Schlag. Hier führte einst der„grüße Herrwog" nach Münch eberg vorbei. Am Forsthaus Schlag war em« Zollstätte, da Strausberg das Recht hatte, von dem Verkehr durch fein Gebiet Damm-, Deichsel- und Geleitszoll zu fordern Wir wandern weiter an der Schlagmühle vorüber und durch das A n n a t a l auf dem Ostufer des Bäcker» Serliner Cröe. In unseren Wanderberichten ist wiederholt hinoewiefen worden auf die riesigen Schnee- und Eismassen, die in der Diluvialzeit von den nordischen Hochgebirgen aus sich in Gestalt von Wctscherkxrgep in Bewegung setzten und die benachbarten Länder, vor allem Nord- deUtschland bis an die Milteldeutschen Gebirge heran, überdeckten. So leben auch wir Berliner, was noch der näheren Erläuterung be- darf, sozusagen auf fremder Erde, auf nordisch-schwedischem Boden. Die Geologen weisen, was auch zahlreiche Grabungen und Bohrun- gen auf märkischem Boden bestätigt haben, drei solche EiswanÜ«- rungen nnit zeitlich gewaltigen Zwischenräumen nach. Die Eismassen schleppten«uf ihrem langen Weg« zahlreiche Trümmer der onge- ttoffenen BodenformationeN mit, so Granit, Sandstein und Kalk- schutt aus Schweden, Trias und Juragesteine von den Inseln und vom Boden der Ostsee, Kreide von Rügen, Ton und Sand vom iwrd- lichen Deutschland. Weicher Boden und weiches Gestein wurde auf- gerissen, festeres Gestein abgeschliffen oder geschrammt. Für olle diese grandiosen Naturgewalten finde» sich auch in der Mark und selbst dicht bei Perlin noch zahlreich« uralte Zeugen, beispielsweise die bekannten Findlingsblöcke auf den Rauenschen Bergen bei Fürstenwald«, ein geschrammter Block am Riemeistersee und die Kalkfelsen in Rüdersdorf. Unter wechselnden Witterungseinflüssen tauten die Eismofsen wohl erst nach s«hr langer. Zeit völlig ab. Die Beimengen au« Stein, Kreide, Sand, Ton sanken zu Boden und bildeten Grundmoräne oder den Geschiebemergel, dem auch die im Barnim und Teltow weitgehendsten Lehmformationen ihre Eni- stehung verdanken. Feineres Material, besonders Kies, wurde vom Schmelzwasser ousgesMt und bildet« Geschiebsande, die man in den verschiedensten Arten, beispielsweise im Grunewald, Britz, hinter Alt-Buchhorst bei Grünheide, in den Kranichbcraen bei Woltersdorf, in den Fichtebergen bei Steglitz, antrifft. Die freigewordenen Wasser weiteten sich zu RinnentSlern, was auch die große Zahl der hintereinander gebildeten großen und kleineren märkischen Seen- ketten erklärt. Schließlich brachen sich die angestauten Wassermengen als Urstromtäler zum Meere durch. Man unterscheidet über den Spreewotd zur Elbe da» Glogau-Barulher Urstromtal, im Berliner Norden da» Thorn«Eberswolder Urstromtal und dazwischen das Warfchau-Berliner Urstromtal. Was man noch immer gern als märkisch« Sandwüste bezeichnet, war also in grauer Vorzeit alles Wasser. Wo es zunächst noch nickst so leicht abfloß und Seen von viel größerem Umfange und größerer Tiefe als der heutige Müggel- fe« bildete, trat durch die vielen Ablagerungen auf dem Boden der Faulfchwamm auf, der Immer mehr nach oben drängte, sich endlich mit einer Torf» und Moorfchicht überzog und dadurch das Wasser zu allerdings sehr beweglichem Lande macht«. Gerade für Berlin bot das feit alter Zeit große Bauschwierigkeiten. Vielfach haben sich Reste von Jahrhunderte alten Pfahlbauten gefunden. Em Teil der Charit« steht auf Pfählen. Bekannt sind aus neuerer Zeit die Badenfchwierigteiten bei den Musemrisbauten und beim Pgp..des Teltowtanals. Große Torffelder gibt« noch zahlreich in und bei Berlin. Sehr wertvoll wurdsn durch die Umwälzungen aus der Eiszeit die Braunkohtenbiidungen. namentlich in der Niodsriausig. Kreide und Iura sind in größer ZZef« auf dem Wedding! in Pankow Und Hermsdorf erbohtt worden. Di« fremde Deck«, die nach der Eiszeit über dem heimischen Boden entstanden ist, wird auf min- bestens hundert Meter Stärke geschätzt. Aus Berliner Boden sind die Spuren der älteren Zwischewiszelt erst unter fünfzig Meter nach- weisbar. Lintenönderungeu b«l der Straßenbahn. Am 10. SOI c i 1 9 2 il treten bei der Straßenbahn folgende Linienänderungen ein. Linie 82, Dönhoffplatz— Stralau, Kirche, wird durch den Spree tunnel(bislang betriebslos) bis zum Platz am Spreetunnel und nach Bedarf zu den Hauptverkehrszeiten im Zug« der Linie 87 bis Ober- 1«� Die Mchllinge. Roman von Zohanire« Llnnankoski. Wer die verdarben sofort die wettiger trn den stählernen Pflug gewohnten savolarischen Pferde. Das halte man vor- hergeahnt und für alle Fälle Kalle zum Anfang als Lenket her Pferde bestellt, obwohl es der Ehre des Pflügers Eintrag tat. Aber auch das half nichts, die Pferde zogen ungleich- mäßig, zerrten und wurden störrig. Üutela hielt feine Pferde an. „Das konnte man sich denken, das konnte man sich ja denken," meinte er gutmütig.„Aber nur Geduld, Iungensl Sie werden sich schon austollen, wo ein paar Männer da- hinter sind."_. Zugleich schritt er vorwärts— er ließ sich die Feierlich» keii der Stunde nicht durch eine solche Kleinigkeit verderben. Der Boden war ziemlich hart geworden und ein paar Zoll tief mit Schnee bedeckt. Aber es wirkte nur anfeuernd, dag man so gleichsam gegen Wind und Frost ankämpfen mußte. Der Pflug zitterte, doch die losgeschnittenen Scheiben legten sich um. so daß der Schnee aufstöberte. Die Pferde be» gannen zu dampfen, indes das diente der Sache nur zur Zier — diesem stolzesten Anblick der finnischen Aecker, wenn der Mann wie ein König dahinschreitet. die Zügel gerade wie Fäden von seinem Nacken laufen und die Pferd« sich vor» wärtsgeneigt anspannen wie herabstogende Wappenadler, alle fest den Fuß auf den erschlossm-n Schoß der Mutter Erde SC,tlUnö der Anblick wurde immer schöner, als sich der Tag hellte und die schwärzlichen Schollenreihen sieghaft kräftig in- mitten des toten, schneebestreuten Ackerfeldes hervorstachen. „Habt ihr einen einzigen Nadelzwc.g in euren Furchen gesehen» Jnngens?" fragte Uutela, sein Pferd vor den Ent- gegenkommenden anhaltend._ � r, "Nein, keinen einzigen!" antworteten die Burschen. v.-Wahrscheinlich stächen sich die e savolaxischett Herren tn die Ferse." lachte Uutcla mit seinem sorglosen Lachen. Er ging über dag Beet zu den Burschen. �. r "Aber der Untergrund ist gut," erklarte er, mit dem Stiefel auf eine Scholle tretend.„Dies wird schon die Brotfrucht zum Wachsen bringen!" »Das haben wir auch gesagt,* versicherten die Burschen. 1 Dann gingen sie weiter. „He, Liina und Pilkkul" rief Uutela.„Zeigt nun mal, was die Tavasten taugen!" Er war vergnügt und glücklich, als er sah, wie sich das von ihm umgepflügte Stück Verhältnis- Mäßig breiter ausdehnte als das der Burschen. „Das ist nun der Anfang!" wandte er sich, selbstbewußt den Kopf reckend, zu den Burschen, als sie zum Mittagessen gingen. „Und Neues wird hinzukommen, daß es eine Art hat! riefen auch die Burschen begeistert. „Es ärgert einen nur. daß sich der Winter dazwischen- schieben muß, so baß man nicht ordentlich nach Herzenslust drauflosschuften kann." � Uutela fühlte sich so jung und fröhlich, daß er hätte pfeifen mögen, als er auf dem Pferde reitend in den Kzof fuhr, wenn es nicht für einen alten Mann unpassend gewesen wäre. Auf dem Hof sahen sie Mikko, der, noch scheu, leise herum» schlich und sich bei jedem Schritt den Schnee von den Pfotett schüttelte. „Befühlst du denn noä) deine Tatzen, die anderen packen schon zu. daß es raucht!" lachte Uutela.„Denk du nur auch dran, wo du herstammst!" * Die Savolaxer sahen im Borbeiaehen verwundert auf das Werke» und Wählen, das nun auf dem Acker des Gutshofes herrschte. „Die noten Harren zeigen ihre Macht!" lächelten sie. „Aber sie scheinen's Pflügen zu verstöhn, das is sicher," ge- standen sie ehrlich,„weiM sie auch furtst'ne närrfche Sorte sin." Zu sehen gab eo immer Neues. Nachdem die Burschen einige Tage gepflügt hatten, begannen sie wie wütig einen Graben von den von wucherndem Weidengestrüpp gesäumten, zugewachsenen Ackerrändern zu ziehen. Der Frost setzte den Anstrengungen zwar bald ein Ziel, aber sie konnten doch jeden- falls zeigen, was damit bezweckt war. Danach fielen sie über Uutelas geliebte Nadetzweige her. Die Herrichtung von Düngerhaufen war die Freude und otr Stolz seines Lebens gewesen. Und als er jetzt für die Sohlen derselben auf dem Acker des Gutshofs mit Keskitalo die von den anderen angefahrenen Nadelzweige kleinhieb, glaubte er, inmitten dieser gewaltigen Zweighoufen wie in einem eigenen Reiche zu flehen. Schon in der Morgendämmerung begann das Hocken, und es war auch noch zu hären, als das Abend- dunkel die Kegend in seinen Mantel hüllte, Sie waren von einSm Arbeitseifer ergriffen worden wie ein junger Knabe, der zum erstenmal ein neues Werkzeug über- reicht bekommt, das er wegen seiner Jugend bisher nicht hat handhaben dürfen. Sie wollten nun einmal zeigen, daß sie aus einem anderen Grund gekommen waren, als um das halb- verfaulte Diemenkorn des Gutshofs zu verzehren. Dt« Diemen und das Ausdreschen des Getreides in der Winterkälte ärgerte sie auch alle, besonders jedoch Uutela. Es war für sie wie eine Verspottung Gottes und des ganzen Ackerbaus. „Daß nicht einmal eine Maschine und ein Göpel ange- schafft worden sind in einem Gehöft— wie dieses G u t eins fein will!" sagte Uutela einmal.«Nun, wir machen uns selber in der Schummerstunde einen Göpel, soviel verstehen wir auch noch vom Zimmerhandwerk." „Eon Gepel füll ja was Altmodisches sein," hakte der Tagelöhner Pekta ein, um die Savolaxer zu verteidigen.„Hier macht man'n mit ner Dampfmaschine oder ner Lokomobile oder wie das Ding heißen mag, wo man einfach auf dem Acker das Getreide des ganfen Dorfs drischt.— Da kann auch dos Gut mithalten." Uutela lächelte sein breites Lächeln, nahm einige Behren in die Hand und hielt sie Pekka unter die Nase. „Die sind ja wie Nattenschwänze," sprach er still.„Man sollte denken, damit würde man auch ohne Dampf fertig. Dort bei uns sind die Behren wie Fuchsschwänze— da könnt« man von'ner Lokomobile reden, aber das tut man ja nicht mal da!" „Wies'nem jeden scheint!" gab Pekka zurück, als ob er hätte jagen wollen, daß er mit seinen Savolaxern wenigstens in diesem Punkte nicht der schlechtere sei. Es traf auch mancherlei anderes ein, worin tavastländifches und favolaxisches Wesen aneinander gerieten— meistens lachsnoen Mundes. So erhob sich gleich in den ersten Wochen ein Streit über die Schlitten. Die Tavasten witzelten lächelnd über die leichten savolarischen Schlitten mit ihrem gekrümmten Vorderteil— oiese knarrenden Schnauzenrutschen seien ja Kinderspielzeug! Die Kätner und Tagelöhner reckten selbstbewußt den Kopf; wenn man erst mannshohen Schnee habe, dann werde der savolarische Schlitten schon zeigen, wozu seine„Schnauze gut sei! Hierauf und auf die gerühmten tavastländischen Schlitten warteten sie nun.....,. Äö.Ui' i(Fortsetzung folgt.) schöneweide, Staiserstraße, bzw. Som unb Setertags bts Röpenid perlängert.& inie 91, Bahnhof Halensee- Görlitzer Bahnhof, with anstatt zum Görliger Bahnhof über Röpenider Straße, Schlesisches Tor, Schlesische Straße, Schlesische Bride, Treptower Chauffee bis Treptow, Elfenstraße, bzw. nach Bedarf bis Blaz am Spreetunnel geführt. Linie 191, die jetzt nur merttags bis zu den Haupt verkehrszeiten bis zum Görlizer Bahnhof verkehrt, wird fahrplan mäßig werktags und Sonn- und Feiertags bis zum Görlitzer Bahn hof durchgeführt( zum Ersatz für die Linie 91). Der Hellseher mit dem Unterbewußtsein. Wie einer einen Diebstahl aufklären wollte. Eine eigenartige„ hiffe" hat die Kriminalpolizei bei ihren Ermittlungen zur Aufklärung eines geheimnisvollen Einbruchs erDer Decenefafturz im MofferHous Die Sachverständigen- Gutachten. Die geftrige Nachmittagsfigung wurde mit den Gutachten der 10 Baufachperständigen ausgefüllt. Als erster wurde der technische Aufsichtsbeamte der Berufsgenossenschaft für das Baugemerbe, Grofd, gehört. Der Sachverständige tam am Nach mittag an die Unfallstelle und fand, daß der Mörtel der Massiv. decke an der Einbrudysftelle meid war und brödelte. Es lag daher feine Erhärtung der Dede vor und sie fonnte nicht tragfähig fein. Wegen der Tragfähigkeit der Dede tönnen Jocobowicz, Buchholz und Buzte nicht verantwortlich gemacht wer= erhalten, der in der Nacht zum Karfreitag in der Bleibtreuftraße Allg.Funktionärfonferenz von Groß- Berlin verübt wurde. In jener Nacht drangen unbekannte Verbrecher mit Hilfe einer Leiter, die sie auf dem Hof fanden, auf dem Grundstück Bleibe treuftraße 25 zu Charlottenburg durch das Küchenfenster, in die Wohnung eines Kaufmanns im ersten Stod ein, fyraubten im Schlafzimmer, ohne daß das Ehepaar erwachte, vom Boden eines Schrantes eine ne Schmelzahltailette mit 500 Dollar, Dann 610 Rentenmart und 40 Gotoftüden ab und erbeuteten aus anderen Räumen, in denen zum Teil Angehörige und Personal schlief, Schmucksachen im Werte von 100 000 Goldmark, fchloffen sie alle Zimmer ab und verließen die Bohmung durch die Hintertür. Eine hohe Belohnung von 10 000 Goldmart hat nun die unerwünschte Folge gehabt, daß sich alle möglichen Leute um die Aufklärung bemühten. Das Hervorragendste leisteten einige Hellseher". Auch sie wandten fich unmittelbar an den Bestohlenen, machten ihn auf die verschiedensten Spuren aufmerksam, bie sie im Unterbewußtsein" sehen wollten. Merkwürdigerweise machte das Unterbewußtlein in auch in es bisher Borschuß erhalten hatten. Aber auch ein Borschuß hatte es bisher richt soweit wecken und stärken können. daß die Hellseher nun auch den gestolenen Schmuck und die Kassette mit dem Gelde gefehen hätten. Auch ein lange gesuchter Hochſtapler machte sich den Einbruch zunutze. Er wollte genau wissen, daß der Schmud in Köln am Rhein zum Verkauf fommen werde. Der Bestohlene glaubte diesen Erzählungen, verfah den begabten Mann mit Gelb und ließ ihn nach Köln fahren, um beim Auftauchen für die Beschlagnahme und Sicherstellung des Schmuckes zu sorgen. Natürlich fehrte der Jung ling erfolglos vom Rhein zurüd, wurde von der Kriminalpolizei festgenommen und geftand, daß er sich nur das Reisegeld nerschaffen wollte, um einmal feine Gefiebte besuchen zu fömmen. Mit dieser Hilfe" war es so nichts. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben bis jetzt noch feine Spur von den Tätern und dem Berbleit ihrer Beute zutage gefördert. Die Hauptteile des Schmuds fird eine Berlentette mit 82-84 Perlen, ein langes Berlenbandeau( geflochtene Perlenschnüre) und ein Ring mit zwei Brillanten von 2% Karat. 569 Siegreich wollen fie Frankreich schlagen! Um 6. Mai, fo schreibt uns ein Lefer, ging ich unter den Binden fpazieren, da fam ungefähr gegen 3% Uhr nachmittags eine Rom. pagnie Reichswehrsoldaten an, welche unter Abfingung des Liedes Siegreich wollen wir Franfreim folagen nach dem Brandenburger Tor zu marschierie. Der Einsender bemerkt dazu: Derartigen Brovokationen muß endlich einmal Einhalt geboten wer ben. Letzten Endes unterhalten wir nicht die Reichswehr, um uns dem Ausland gegenüber lächerlich zu machen." Es zeugt auch von Gebantenträgheit und Gebantenarmut, wenn die Offiziere und Instruttoren aus der übergroßen Anzahl schöner deutscher Marschlieder mur bie alten abgetafelten Kriegslieder herauszuwählen verstehen. Die lebendigen Toten. Dienstag, den 13. Mai, abends 7, Uhr, im„ Deutschen Hof, Lucauer Straße 15. Tagesordnung: „ Das Ergebnis der Reichstagswahlen und die Aufgaben der Partei." Referenten: Die Reichstagsabg. Clara Bohm- Schuch und Crifpien. Zutritt haben alle Parfeifunktionäre gegen Vorzeigung vom Funktionärausweis 1924 und Mitgliedsbuch. Der Bezirtsvorstand der BSPD. Groß- Berlin. Wieder Großfeuer im Hamburger Hafen. 5 Im Zum zweitenmal in turzer Zeit wurde, wie ein eigener Drahk bericht meldet, der Hamburger Freihafen von einem Großfeuer heim gesucht. Kurz nach 6 1hr brach gestern in einem der großen Lagerschuppen der Hamburger Freihafen Lager. hausgesellschaft im Mobau- hafen Feuer aus. Schuppen lagerten Jute, Lad und Hede- Arzneiflaschen und andere leicht brennbare Stoffe wie das Derutra einer deutsch- russischen Handelsgesellschaft, deren Aktien zur Hälfte in russischem Besitz sind. ( Die weiteren Teilhaber find die Hamburg- Amerika- Linie und der amerikanische Harriman- Konzern). Der große Schuppen mit seinen ungeheuren Berten ist völlig o rtoren. Sechs Löschzüge und 2 Sprigendampfer find angestrengt tätig, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Brandleitung rechnet mit einer Brandbauer bis Sonnabendmittag. Bei den Löscharbeiten stürzte eine Mauer auf einen Sprigendampfer, wobei ein Feuerwehrmann verlegt, ins Waffer geschleudert, aber gerettet murde. Sonst find Unfälle bisher nicht eingetreten. 2 Schweres Unwetter. Wolmirstedt schwer heimgesucht. Nachdem vor einigen Tagen bas Dorf Klein- Bernoten am Südharz das Dufer einer Windhofe geworden war, ift Donnerstag abend die Stadt Wolmirstedt von einem gleichen Unglüd schwer heima gesucht worden. Der Sturm hat fast fämiliche Häuser der Stadt schwer beschädigt, Fensterscheiben zertrümmert, Bäume entmurzelt und sogar ganze Mauern umgelegt., Die Stadt gleicht einem Trümmerfeld. Durch den Schaden werden insbesondere die fleinen Hausbefizer betroffen, deren Gebäude zum größten Teil nicht ver sichert sind. Das Poftluftschiff 3. 3. Wie der Marinesefretär Bilbur in New york mitteilte, wird das Lenkluftschiff 3 3, das gegenwärtig in Deutschland für die Bereinigten Staaten gebaut wird ,, nach seinem Eintreffen in dieſem Herbst von der Marine zu dem Berſuch ver mendet werden, zu erweisen, daß die Post zwischen den Bereinig ten Staaten und Europa in zwei Tagen oder weniger be fördert werden fönnte. Der Kommunist als Falschmünzer. Wie aus Röin gemeldet wird, verhaftete dort die Polizei den daselbst bekannten Kommunisten. Frangen, bei dem eine große Anzahl von Klischees für Schatz noten und Drudstöde für englisches, franzöfifches, deutsches, tichecho Derflomatisches und anderes Geld. vorgefimden murde. den. Bußte hat die Dede belastet, als sie eingeschalt war. Der Unfall trat aber erst ein, als die Berschalung weggenommen war. Darin ficat die Urfa de bois Dedenburgereen wat, Ausschalung, ehe die vollständige Erhärtung eingetreten war, macht der Sachverständige Raebel und seine Leute Handschid und Bit verantwortlich. Raebel war verpflichtet, feine Beute zu inftruieren, die Unfallverhütungsvorschriften fireng einzuhalten. Das fcheine aber nicht geschehen zu sein. Auch Lazarus ist mit verantwortlich, denn er mußte als Bauleiter foniel Kenntnis vom Betonbau haben, daß er nicht ausschalen durfte, bevor er sich mit Raeber in Berbindung gefeßt und ihn gefragt hatte, ob die Ausschalung erfolgen dürfe. Darin liegt fein Verschulden. R.-A. Dr. Friz Cohn macht den Eachverständigen darauf auf merkjam, daß er in seinem schriftlichen Gutachten festgestellt habe, daß teine der beteiligten Personen den Unfall voraussehen konnte. Sachverständiger: Das halte ich auch heute noch aufrecht. zweite Sachverständige, Reg.- Baurat Graef fommt zu dem Schluß, daß bei der Ausschalung und Belaftung der Dede gegen mehrere Bestimmungen der Ministerialverordnung in gröblichster Weise verstoßen worden ist. Die Kiesbe lastung vor der Erhärtung und die Ausschalung durfte erst erfolgen, nachdem der Bauleiter fich von der Tragfähigkeit überzeugt hatte. Das Unglüd ist wesentlich dadurch herbeigeführt worden, daß ein unglüdliches 3ufammentreffen von Rature reig. niffen und Fahrlässigteit eingetreten ist. Durch die Aussage der Angeschuldigten zieht sich wie ein roter haben, daß sie. wegen Ueberlastung mit anderen Geschäften nicht in der Lage waren, den Bau fo forgfältig, wie es nötig war, zu über- ftraße 3. Wichtige Sihung. Baurat Kübler tommt zu ähnlichen Schlüffen. wachen. Das fei aber feine ausreichende Entschuldigung. Reg. Geh. Reg.- Rat Prof. Bost macht ebenfalls Lazarus für den Einsturz verantworte lich. Die Dede war zweifellos von Raebel gut ausgeführt. Der Gadhverständige fann daher nur Lazarus die Schuld geben, da dieser die verbindende Hand des ganzen Bauwertes war, und da Lazarus mit der Spezialfirma in Verbindung bleiben mußte. Auf einem wesentlich anderen Standpunkt stand der Betonsachverständige Becher, der feinem der Angeklagten eine Fahrlässigkeit nachweiſen tann. Zugleich für fünf weitere Sachverständige äußerte fich Geh. Rat Prof. Müller. Allgemeine Regeln der Baufunft feien in diesem Falle nicht verfest worden, und es fei ihm untlar, weshalb überhaupt Jacobowicz, Raebel, Haber Chaim, die Bauführer und Bolier angeflagt worden seien. aazarus der Bauleiter war, stehe außer 3meifel. Aber auch er habe nicht fahrläffiggebandelt. In Zukunft müſſe verlangt werden, daß das Gefez zur Bauleitung nur einen fon ftruttiven Fadmann zulaffe. Trotzdem Lazarus Regierungsbaumeister und sein Schüler sei, fönne er ihn im ftrengen Sinne aus diefen Gründen nicht als Bauleiter gelten laffen. Geh.- Rat Fischer und vier weitere Sachverständige schließen oleichfalls ein Verschulden von Lazarus aus. während Oberbaurat Brauer sich im allgemeinen dem Standpunkt von Prof. Bost an rat Feldhahn vertagte den Beginn der Plädoyers auf Sonnabend früh 9 Uhr. Ein Rüfer Otto. R., aus Nowames halte fich wegen Betrugs vor dem Potsdamer Amtsgericht zu verantworten. Er hatte durch eine feffame Vorspiegelung Geldbeträge in beträchtlicher Höhe erschwin deft. K. war durch ständigen Genuß von Morphium voll ständig zermürbt und daher arbeitslos geworden. Krankheiten der Frau und Kinder hatten den letzten Spargroschen und das lekte Möbel aufgezehrt. Als im Februar dieses Jahres die fehr tubertus lose Frau des Angeklagten wieder ein Kind befam, hatte der Mann nicht einen Pfennig mehr für Milch und Brotbeschaffung. In seinem Jammer lief er zum Gemeindeamt, meldete dort seine Frau und das Neugeborene als tot an und ließ sich eine amtliche Bescheinigung darüber geben. Auf diesen sogenannten Totenschein liehen ihm mehrere Personen Geld zum Begräbnis. Einen Tag später bestellte R. in einem Sargmagazin einen Garg für die anschloß Auf weitere Gutachten wurde verzichtet und Amtsgerichtsgeblich tote Frau und ließ sich auch darüber eine Bescheinigung geben. Auch Geld für die Sargbestellung gaben ihm Leute als Dar lehen. Nicht wenig erstaunt waren aber die Geldgeber, als sie wenige Wochen später Frau K., die sie längst begraben glaubten, durch die Straßen von Nowawes wandeln fahen. Der medizinische Sadyver ständige gab sein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte durch den Genuß von dem vielen Morphium nicht mehr die freie Willens beftimmung befäße. Der Angeklagte wurde auf Staatskosten frei gesprochen. Handwerksmäßige Ausbildung der Schuhpolizei. Eine fürzlich abgehaltene Sigung der Fachabteilung für Handwert und Genossenschaftswefen im Beirat des Landesgewerbeamtes beschäftigte fich u. a. mit der handwerksmäßigen Ausbildung bei der Schuhpolizei. Nach den Ausführungen eines Vertreters des preußischen Ministeriums des Innern ist es bisher in Einzelfällen durch Berhandlungen mit den Handwerkskammern möglich gewesen, die Zulassung der nach zwölfjähriger Dienstzeit ausscheidenden Bes amten der Schuhpolizei, die bereits während der Dienstzeit technisch vorgebildet werden und ein Handwerk ergreifen wollen, zur Meisterprüfung zu erreichen und ihnen domit den le ber tritt in das bürgerliche Leben zu ermöglichen. Eine Neuregelung des bestehenden Zustandes oder das Ergreifen grundfäglicher Maßnahmen hielten die Anwesenden zurzeit nicht für er. forderlich. Der Tod des Tigers. In den Mittagsstunden wurde heute im 300logischen Garten der alte Tiger von seinem Barter Offen erschossen. Das Tier, das schon seit etwa zwei Jahrzehn ten hier feine zweite Heimat gefunden hatte, stammt aus Sibirien und konnte in früheren Jahren als ein Brachteremplar angesprochen werden; die Kriegsjahre find an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Seit einiger Zeit lahmte das Tier und magerte fichtlich ab, dazu tomen andere Alterserscheinungen. Man hätte es schon längst erschoffen, wenn ein Ersatz, der jetzt erst eingetroffen ist, schon vorhanden gewesen wäre. M Die Ferienfreunde. In der letzten Zusammenkunft der Ferienfreunde" wurden 3wed und Ziele der Bewegung besprochen. Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht, in welcher Richtung und mit welchen Zielen die Bewegung ihre Bestrebungen zum Wohle der gesamten Arbeiter und Angestelltentlasse fördern foll. Eine nochmalige eingehende Aussprache soll am Sonntag, ben 11. Mai, vormittags 9½ Uhr, in Niederschöneweide, Brückenftr. 15( Rest. Räthel, 5 Minuten vom Bahnhof Niederschöneweide) stattfinden. Die eigegangenen Zuschriften stellen eine befriedigende Löfung der Frage in Aussicht. Die Berunglückten von Bellinzona. Der bei dem Eisenbahnunglüd von Bellinzona verletzte Kaufmann aus Bremen hat das Krankenhaus von Bellinzona verlassen. Der Zustand der noch dort befindlichen verwundeten Mitglieder der Familie Forthmann aus Berlin wird als günstig bezeichnet. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 10. Mai. Tageseintellung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Be kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4: 30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag von Frau Johanna Thal: Die Dame im Sommer und 8,30 Uhr: Alt- Berliner Abend. Alt- Berlin in Wort und Ton, im beim Sport". 7,30 Uhr: Vortrag: Wie eine Zeitung entsteht". Scherz und Ernst( Mitwirkende: Charlotte Lindemann von der Staatsoper; Alfred Braun vom Schiller Theater; Robert Staerk; Franz Schwaiger; Karl Raitz, Violine; Karl Dechert, Cello). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Um für sie Zuwerben, Die Malaria in Odessa. Nach einer Meldung aus Odeffa nimmt die Malaria in Odessa felbst und in den benachbarten Bezirken rapide zu. Im ersten Vierteljahr 1924 find an der Malaria zehnmal mehr Bersonen erkranit, als während der drei ersten Monate des vorigen Jahres. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand. Heute abend 6 Uhr pünktlich Sigung im Jugendheim, Linden9. Areis Wilmersdorf. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde! Gonning früh 7½ Uhr Treffpunkt zum Maijugending in Raulsdorf, Strom, Effe Turmstraße. Fahrgeld 35 Pf. 17. Kreis Lichtenberg. Junglozialisten und Arbeiterjugend! Treffpunkt zym Maijugendtag Sonntag frith 10 Uhr, Rirche in Friedrichsfelde. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Treffen der Gruppen zum Maijugand tag bis 10% Uhr auf der Bahnhof Sadowa. Musikinstrumente und Proviant mitbringen. Heute, Sonnabend, den 10. mai: sinhtenberg, Jungsozialisten und SAJ. Treffpunkt zur Jugendfundgebung im Gaalbau Friedrichshain nachm. 5½ Wht im Schwarzon Adler. raisiais Morgen, Sonntag, den 11. Mai: Ungarische Sozialdemokrater, Achtung! Sorm. 10 Uhr Berfamming bei Ghulze, Clifabethfte, 30, Vortrag des Genpifen Busid über: Die Behren Ler Reichsingsmohlett. 38. Abt. Bildungsfommission! Radm 2 Uhr sum Maijugendtog in Rauls dorf- Guld, Restaurant Sanssouci. Bahnstation Gadoma. 104. Abt. Ricberiönemeibe. zur Teilnahme am maijugendtag treffen sich die Mitglieder und Gäfte nachm. 2 Uhr in Aino, Soffelperber Straße 108. bt. Copenid. Beteiligung am Maijugendbog der Sozialistischen. Ar beiterjugend in Raulsdorf- Sud, Restaurant Sanssouci, * 41. Abt. Montag, den 12. Mai, 7% Uhr; bei Schult; Mariendorfer Str. 5, Sigung der Funktionäre. Am Mittwoch halten alle Gruppen Zahlabende eb. Mitglieder einladen! Arbeitersport. Freie Schwimmer Charlottenburg, Ranu unb Segel- Abteilung. Sigung am Sonnabend, den 10. Mai, abends 7% Uhr pünktlich, bei Bohne, Galgftr. 45. wichtige Tagesordnung. Crscheinen der Mitglieder Pflicht. Bootsbefizer werden noch aufgenommen. Gäfte herzlich willkommen. Berliner Schwimm- Berein Freiheit. Sonnabend, den 24. mai, 17. Stif tungsfeft im großen Rofthörsaal, Artillerieſtt. 10. Anfang 8 Uhr. Gäſte und Brudervereine willkommen. Am 16. Mai Mitgliederversammlung im Bereinstotal Paul Seidel, Schönhauser Allee 156. Dortfelbft Aufnahme neuer mit lieber. Jugendversammlung am 13. Mal in der Gemeindeschule Eberswalder Stadtbad Prenzlauer Berg. Jeden Mittwoch Spielabend auf dem Ererzier Str. 10. Uebungsabend jeden Montag und Donnerstag non 6 bis 7 Uhr im plak 4, Gausn, Ede Rudolf- Moffe- Straße. Freier Regler- Buah, Bezirk Rorben. Sigung Sonntag, den 11. Mat, Dorm. 9% Uhr. Schachwettlampje in Ranen. Die Abteilungen Norden I und Stordmest bes Berliner Arbeiter- Schachtubs veranstalten am Sonntag, den 11. Mai, norar 10 Uhr, in Behrends Bierhallen", Nauen. Chauffeestraße, einen MannschaftsSchametiampi an 35 bis 30 Brettern. Es ist beabsichtigt, auch in Saue einen Arbeiter Schachvetein ins Leben zu rufen. Freunde des Schachſpiels, auch folche, die das Spiel erit erlernen wollen, find als Gäste willkommen. Eintritt fret. Me dem Arbeiter- Sportfartell angefchloffenen Sportgenöffen werden hiermit eingelaben. Ein internes Schauschwimmen veranstaltet der Berliner Schwimmberein Welle" am Sonnabend, 10. mai, abends 8 Uhr, im Stadtbad Friedrichs hain, An der Schillingsbride 2 Der Reinertrag wird zugunsten der not Telbenden Jugend im Beziri Friedrichshain Berwendung finden. Eintritts farten zu 50 Bf. find an der Abendtaffe zu haben. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Die Generalversammlung des Berbandes ber sozialistischen Abftinenten, Gau Berlin- Brandenburg, findet wegen der Maifeier, der GAS. erst am Sonnabend, den 17. Mai, abends 7 Uhr, im Jugendheim Lichtenberg. Parl que 10, ftatt Genoffe S. Ragenstein fpricht über Das Alloholverbot in Amerita". Gäfte find willfomnien. Anschließend eine Nachtfahrt ber Abftinenten von Königswusterhaufen nach Soffen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 11 Uhr. Bappelallee 15, Bortrag bes Herrn Dr. R. Sturm: Runkt und Dichtung der letzten Jahre." Gäste willkommen. Der Reichsband jüdischer Frontsalbaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Nord, hält am Donnerstag, den 15. Mat, abends 8 Uhr, im weißen Gaal der Sophiene Gale, Sophienftr. 17/18, eine Bezittsverfammlung ab. erscheint diese Anzeige.- Möchtest du lieber Leser die oute MassaryZigarette" nicht auch einmal probieren? KLEINE MASSARY 20 Wirtschaft Der Reichsindex für die Lebenshaltung. ( 1913/14= 1) 7 Januar 14, 21. 28. 4. Februar 11. 18. 25: 3. März 17. 9. April 23. 30. 7. Mai 1,13 1,11 1,08 1,06 1,04 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,11 1,13 1,14 1,15 Steigerung gegen die Borwoche 0,9 Proz. Produktions- und Lohnausfall im Bergbau. Wie verheerend die wirtschaftlichen Folgen der Stiflegung des Rohlenbergbaus für die gesamte deutsche Wirtschaft sind, sei im Folgenden an einigen Zahlen dargestellt: Nach der Arbeitsleistung im März beträgt der Produktions ausfall pro Arbeitstag im Rubrbergbau 309 000 Tonnen zu 20,60 GM. in Oberichlefien. 38 800 in Sachsen 15 500 15,18 22.15 OPTN 368 300 Zonnen im Werte bon 11 6 365 400 M. 588 984 343 325 7.297 709 M. Der 2ohnausfall der Arbeiterschaft beträgt je Log: im Ruhrbergbau in Oberschlejien in Sachfen Anzahl der Arbeiter Schichtlohn 450 000 42 600 37.900 3,52 GM. 4,40 4,41 IP Gefam verdienftausfall je Tag 2484 000 69. 187 440 167 139 2 838 579 6. Die Regieze dhen find in den oben für das Ruhrgebiet genannten Zahlen nicht enthalten. lleberschlägt man die Folgen, die die bereits fünftägige Dauer des Streifes perursacht hat, fo ergibt sich im Rohlenbergbau ba reits ein Broduktionsausfall non 1,51 Millionen Tonnen Steinfohle im Werte non 36,4. Millionen Goldmart. Das sind bereits erie, die durch eine freiwillige Mehrarbeit faum mehr hereinzuholen sind und noch viel meniger hereingeholt werden fönnen, menn etwa der zäbe Rampf mit einem neuen Unternehmerdiftat und 24 befonders für ein verständnisvolles Zusammenarbeiten der Ber braucher und Erzeuger in der jeßigen schwierigen Zeit ein. Leidytere. Ferner wurbe bie Gewährung tangfristiger| Kredite gefordert. Einer bitteren Beschwerde über bie Breis. politit der Rohstofffortelle tommen die Ausführungen des Geschäftsführers Lange über das Berhältnis zur Schwerindustrie gleich:, Bei diesen Bestrebungen zum Wiederaufbau des Außenschinenindustrie. Er mies auf die wachsende Industrialifie handels bedarf der Maschinenbau der nachdrücklichsten Unter tügung feiner Schwesterindustrien, vor allem der Rohstoffindustrie. Die enge Zusammengehörigkeit diefer beiden Industrien, besonders in Hinsicht auf ihre Breispolitit, hat das letzte Jahr gezeigt hat. So he Eisenpreise führen Epportunfähigkeit der Cifen verarbeitenden Industrie herbei, was unmittelbar auf die Beschäftigung der Eifen fáaffenden Industrie seine Rüdwirtung ausübt. Mäßige Breispolitit der Eisen schaffenden Industrie und der Gießereien ift Boraussetzung für die Erhaltung stabiler Berhältnisse und der Konkurrenzfähigkeit des Maschinenbaues auf dem Weltmartie Die Eisenpreise in Deutschland dürfen nicht höher als die Weltmarktpreise sein. Der Maschinenbau, der an der Haftung und Stärkung der deutschen Rohstoffindustrie besonders interessiert ist, fegt sich Am Mittwoch, ben 7, Mai, verstarb plöglich an einem Herzschlag unsere Hebe Mitarbeiterin, die Falzerin Luise Nimtzig geb. Lier int Alter von 42 Jahren. In dem leider nur furzen Zu fammenarbeiten hat sich die Berftorbene als eine gute Kamerabin gezeigt. Personal und Geschäftsleitung der Vorwärts- Buchdruckerei Die Beerdigung findet heute, Gonnabend, nachmittags 4 Uhr. von der Beichenhalle bes Friedhofes der Sophiengemeinde, Freienwalder Str., Gus ftatt. 44 2Mark wöchentl. Teilzahlung liefere Eleg. Herren- Garderobe fertig und nach Maß Garantie für tadellosen Sitzw. Verarbeitung der aus ihm entſtehenden Berbitterung der Arbeiter enden sollte. Maßschneiderei J. Kurzberg Die Arbeiter verloren an Löhnen bisher 14,1 Millionen Gold. mart, auf der Basis der bisherigen Lohnfähe verrechnet. Diese Rauffraft, die dazu ausreichen würde, vielen Unternehmungen duf Wochen hinaus Abjag und Besäftigung zu garanfieren, geht dem Marit verloren. Der Berluft muß auf die Dauer in Berdiensteinbußen anderer Unternehmungen und in den Lohneinbußen der in diesen Beschäftigten Arbeiter führen. So wirft fich die Provokation der Bergarbeiter durch die Bergherren in der gesamten Boltswirtschaft aus. Die nächsten Aufgaben der Maschinenindustrie. In der gestrigen allgemeinen Mitgliederversammlung des Bereins deutscher Maschinenbauanstalten wurden in mehreren Vorträgen Lage und Aufgaben des Maschinenbaues beleuchtet. Diesen Gemerbezweig, der über 600 000 Arbeiter bei 1200 Firmen be schäftigt, fommt eine besondere Bedeutung für die Wiederherstellung einer großen arenausfuhr zu. Gomohl in der einleitenden Anfprade des Borfigenden, Generaldirektor Dr. Reuter, wie noch ausführlicher in den Bericht des stellvertretenden Geschäftsführers 2ange wurden die Schwierigkeiten dargelegt, die die Inflation auch über diese Industrie gebracht hat. Freilich fute man auch in dieser Bersammlung, wie auf fast allen Zusammenfünften tapitaliftischer Interessenten, die Gründe für die Schwierigkeiten der augenblidlichen Lage meniger in der unzulänglichkeit der gesamien, noch immer non den Nachwirkungen der Inflation bestimmten Wirtschaftslage und der dadurch bedingten Desorganisation der Produffion, als vielmehr in Momenten, die als Folgen des Krieges un Dermeidlich waren. Die Proteste gegen die Steuern wurden denn auch von dem Reichswirtschaftsminister.a mm in ihre Grenzen zurückgewiesen. Der Maschinenbau begann dieses Jahr mit einer starten Unterbeschäftigung. Die Betriebe waren noch nicht zu 50 Broz. in Anspruch genommen. Die Belebung des Arbeitsmarktes, die inzwischen eingetreten ist, dürfte nach Auffassung der Maschinenindustrie nicht von Dauer sein. Eine dauernde Besserung der Lage des Maschinenbaues tömme nur bei einer fräftigen Belebung der deutschen Exportindustrie eintreten, bei der aber ein nennenswerter Aufschwung noch nicht zu verzeichnen ist. Die, Steigerung des Exportes wird durch befondere gegen Deutschland gerichtete Zolfchranten und Belastungen anderer Länder und durch bas Fehlen von Handelsverträgen, mit anderen Staaten sehr erschwert. Der Meschinenbau ftrebt nach höchster technischer Bervollkommnung in engfter 3ufammenarbeit mit der Wissenschaft. Zur Förderung des Exportes wurde eine Fracht tarifpoliti? verlangt, die die Ronfurrenz am Weltmarft erOranienstraße 160, I. Eutzüdende Suhmäntel, Zufallslauf Don 10 Mart Robag, CourbiereStraße 17, Nollendorfolog. Garderobe Prima Storfe Danksagung. Für die Beweise aufrichtiger Teilnahme und die schönen Blumenfpenden bei der Eindfcherung meines Heren unvergeßlichen Mannes, des Gastwirts Paul Milde fagen wir allen Freunden und Bekannten fomie bim Gastwirtsverein Südwest, der BSPD., 77. Abt, und Herrn Billy Klüsener ffie feine Croftmorte herzlichen Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Belegung der Urne findet am Diens tag, den 13. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf bem nenen Smölf- Apostel Friedhofi Schöne berg, Zempelhofer Strake, statt. 8035 Billige Reisen d. Volksreisebundes Kurze Pfingstreifenbreieinhalb 6 tägige Seisen: Reife Rr. 1. Rügen, 2 Gächfifche Echweis, 3. rintar/ Eife nach 4. Samburg- Selgoland, 5. Sarz. 6. Riefengebirge.- 8 fiebeneinhalbtägige Reifen: 7. Rügen,&. Gächf. Schweiz 9 Thüringen, 10 Samburg- Helgoland 11. Sara, 12. Riefengebirge, 18 Granten, 14. Danzig/ Rönigsberg Schmarsort ( je 2 oder 3 Bechen) 1518 Sommerreifen 18 berbayern, 16.19. Rönigfee, 17/20 gäst... 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Ein hochentwidelter Maschinenbau sei jedoch nur denkbar in einem Lande, das selbst zahlreiche Maschinen benutzt und daher unaufhörlich neue Erfahrungen über das Maschinenwesen in Produktion, Berfehr und anderen Tätigkeiten sammelt. Fortschritte im aschinenbau seien insbesondere noch möglich, im Ausbau ber Schußvorrichtungen, die insbesondere auch für die Majainenexportindustrie gedacht sind. leber den Vortrag des Geheimrais Bücher zum Sachver ständigengutachten berichten wir ausführlich an anderer Stelle. Hosen SCHULPIG 24 KOLNER MESSE 11.- 17. MAI 1924 Hosen jeder Art kaufen Sie am besten und billigsten in d München- Gladbache Hosen- Zentrale. Herren und Knaben Anzüge, Hosenträger, Stutzen sehr preisw München- Gladbacher Hosen- Zentrale Rügener Str. 25( nahe Gesundbr. Blauer Laden Fahrgeldvergüte, PRAURINGE n jed. Größe u Qualität, stets vorrät, nur bill Preisberechn Zigarren, Zigaretten, M. Dinse, Juwelier Tabak billig Lindenstr. 81 Lichtenberg, Frankf. Allee 202 Nähe Bahnh. 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Zur Ausübung des Stimmrechts in der Generalversammlung sind nach§ 27 der Statuten diejenigen Aktionäre berechtigt, welche ihre Aktlen oder eine Bescheinigung über bei einem deutschen Notar bis nach Aphaitung der Generalversammlung hinterlegte Aktien spätestens am 5. Tage vor dem Tage der Generalversammlung, den Tag der Generalversammlung nicht mitgerechnet, bei einer der nachverzeichneten Stelien: bel der Dresdner Bank in Dresden und Berlin sowie ihren Borigen Niederlassungen, bei der Allgemeinen Deutschen Credit- Anstalt in Leipzig, bei der Württembergischen Vereinsbank in Stuttgart, bei der Deutschen Vereinsbank bei dem Bankhause L.& E. Wertheimber in Frankfurt a. M. bei dem Bankhause F. A. Neubauer in Magdeburg, bei dem Bankhause A. Levy bei dem Bankhause legfried Simon bei der Dürener Bank in Düren, In Köln, bei dem Bankhause Simon Hirschland in Essen, bei der Eschweiler Bank in Eschweiler, bei der Oldenburgischen Landesbank in Oldenburg gegen eine Empfangsbescheinigung hinterlegen und bis nach der Generalversammlung daselbst belassen. Stimmberechtigt sind auch diejenigen Aktionäre, die eine Bescheinigung der Bank des Berliner Kassen Vereins vorlegen, wonach ihre Aktien spätestens am 5. Tage vor dem Tage der Generalversammlung, den Tag der letzteren nicht mitgerechnet, bei der Bank des Berliner KassenVereins bis nach Abhaltung der Generalversammlung hinierlegt sind. Dresden, den 3. Mai 1924. Dresdner Bank Nathan Judell Nagelpilege- Garnituren Kop& Joseph in vornehmer Ausstattung. BERLIN W Potsdamer Str 122. Hervorragende Hellerfolge bei Herzkrankhelfen, beginnender Arterienverkalkung, Muskel- u. Gelenkrheumatismus, Gicht, Rückenmarks-, Frauen- u. Nervenleiden. 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Sie fämpfen oft mit dámonischen Gewalten, um ber Natur die Schäße zu entreißen. Die Steinkohle! Wer denkt bei ihrer Berwendung an jene Menschen die sie vom Fels löften, oft. 1000 Meter in der Erde? Steinkohle? Eine alltägliche Erscheinung, nichts besonderes, Und nun stehen die Arbeiter, die diese Kohle zutage fördern, in einem Ab mehr lampt. In Westfalen, in Sachsen und Ober. fchlesien vollzieht sich bies Ringen. Daß es ein Massentampf ift, berichten die Zeitungen und jeder fühlt es, Sechshundert bausend harte schwielige Hände ruhen. Was wollen die Kohlengräber? Etwas mehr Brot und etwas mehr Licht! Mehr fordern sie nicht. mit Nachrichten über die Schandtaten der Streifenden". As aber der Streit beendet wer, schrieb der Essener Handelskammer berichterstatter: Uebrigens verdient fonstatiert zu werden, daß das Benehmen und Verhalten der feiernden Bergaute durchwee ein ordentliches und gefegmäßiges war." Als der Zweck erreicht und die Bewegung durch Verleumdung und mit der Staatsmacht niebergeworfen mor, fonnte man der Wahrheit die Ehre geben. Vier Wochen hatte der Jesuitenstreit gedauert. Als am 26. Jufi Sonnabend, den 10. mai, abends 17 Uhr, im Garten des Saalbaues Friedrichshain: Kundgebung für die Republik, den 8- Stundentag, den Sozialismus, gegen Arbeitsdienstpflicht und den völkischen Terror Redner: Genoffe Friedrich Stampfer, M.d.R. Sonntag, den 11. Mai 1924, nachmittags 2 Uhr, in Kaulsdo-- Süd, Reft. Sanssouci, Bahnft. Sadowa: Mai- Jugendtag 1872 die Belegschaft der Zeche Prosper zur Arbeit erschien, wurde das der Schacht betränzt und mit In= Bechengebäude hriften versehen, die lauteten:„ Viktoria, ber Streit ( In der Folgezeit famt es dann auf einzelnen Schachtanlagen und in verschiedenen Revieren zu Teilstreifs, weil der kapitalistische Drud immer unerträglicher murde. Auch Versuche zur Bildung einer Organisation wunben 1877/78 unternommen. Sie hatten auch einigen Erfolg, aber nicht von langer Dauer. Sit Monaten leisteten fie Heberarbeit, um Freund und Feind, im In- und Aus'and, mit genügender Rohle zu versorgen. Die früher getroffenen Vereinbarungen waren am 30. April abgelaufen Ueber die Fortsetzung der Mehrarbeit tennte man sich nich verständigen. Da ergingen Schiebssprüche, worin die Weiterführung der Mehrarbeit verlangt wurde. Sie wurden von den Bergleuten nicht angenommen. Die Produktion, unter Einhaltung der tariflichen Arbeitszeit wollten sie fortfeßen. Das aber wollten die Herren der Bergwerfe nicht. Die ergangenen Schledssprüche waren noch unverbindlich, so daß die Bergarbeiter bas for male Recht auf ihrer Seite hatten. als sie in den ersten Tagen des Mai nur die tarifliche Arbeitszeit, 7 Stunden unter Tage und 8 Stunden in den Tagesbetrieben, leisteten. Die Berbindlichkeitserklärung der Schiedssprüche erfolgte erst am 3. Mai. Der erste Arbeitstag an dem die Schiedssprüche nach der Ber bindlichkeitserklärung als formales Recht beftanden, was Der 5. Mai, Noch ehe die Bergarbeiterorganisationen mit ihren Vertrauensmännern, die zerstreut in den Bergwerksgebieten wohnen, zu der neuen Lage Stellung nehmen fonnten, war die u sSperrung der Arbeiter erfolgt. Als die Konferenzen em 6. Mai zusammentraten, standen sie vor vollendeten Tatsachen. Mehrere Zehntausend Bergarbeiter waren schon Opfer der Auschwindel mar niebernebryden. Die Lage der Arbeiter in den Berg sperrung geworden. Der Arbeitsminister hatte den Bechenverband telegraphisch ersucht, Rampfesmaßnahmen zu unter. Iassen, falls einzelne Arbeiter oder Arbeitergruppen aus falscher Burteilung der Lage noch Widerstand gegen die Arbeitszeitfchieds- res Ruhrbergbaues 100 000 Mann im Streit. Der Streit pflanzte sprüche lei en follten. Umsonst! Der hohe Rat der Zechenvertretit war am Wahlsonntag zusammen und hatte seinen Schiachtenplan festgelegt. Die Bergarbeiter beim Kaiser. Ende der siebziger bis Ende ber achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts murde Deutschland von einer langen Striſe heimgesucht.. Der im Anschluß an den Milliardenfenen begonnene Gründers mettsbezirten gestaltete fich immer unerträolicher. 9s der Drud feinen Söhepuntt erreicht hatte, ning plöklich in Mat 1889 die Streitwelle mie eine Feuerfäufe durch die Bergwertsrepiere. mitte Mei waren von der bomets 108.000 Mann ftarten Beleafchaft fich fort nach dem Gaaraebiet. Sachsen, Nieder- und Oberschlesien. Solche fpontane Maffenbewegung hatte Deutschland noch nicht gesehen. Da mukte manches doch wohl nicht in Ordnung gemesen sein. Dieser Streit ist beleenigeworden durch die Deputation, meiche bie Ruhrberaleute noch Berin entfarkt hatten, um hem Raiferau beiten. Sie erreichte auch, am 14. Mai 1889 vorSchröder, Bunte und Siegel( lekterer lebt noch) berichteten. eplassen zu werden. Die ganze Audienz hat, wie die drei Teilnehmer nur 10 Miraten gedauert und hatte menia praktischen Wert, Der Vom Knappen zum Proletarier. Sprecher diefer Delegation. Ludwig Schröder, hatte nach dem offiziellen Bericht ausgeführt: Ausgesperrt! Zum ersten Male tritt diese Ramppf.sform im Berobau in Erscheinung. Dis bahin tammie man in ben Bergmerfsgebieten nur die Aussperrung von einzelnen Aufirieglern" und Hekern". Jetzt aber wird auch im Bergbau in Massen ebt aber ausgefperrt. Wer erkennt nicht die Fortschritte? 17 * Erft in den letzten Jahrzehnten bes vergangenen Jahrhunderts machten fich Bergarbeiterfämpfe bentertbar. Bis 1851 bestand im Brobou das fogorannte fratliche Direttionsprinzip. Staatliche Beamte beauffi tigten den Bergbau bis in feine fetten Zweige hin. ein. Ihnen oblas bie Annahme und Entlassung der Bergarbeiter, die Bemessung des Gewinnes für die Gewerfen, die Festsetzung des Kohlenpreises, die Bestimmungen, wo abgebaut werden burfte und wo nit. Die Grubengewerten tämpften gegen die Gebundenheit, gegen die staatliche Bevormundungsfucht" heftig an. Biele Borfahren der heutigen Bechenherren waren zu finden unter den Revolutionänen von 1848. Ihren gemeinsamen Bemühungen gelang es, das Aufsichtsrecht des Staates zu verdrängen. Am 12. Mai 1851 wurde ein dementsprechender Gefehentwurf im preu Bifchen Landtag verabschiebet. Auch durch ihn fühlten sich die Herren noch nicht genügend frei. Ihren weiteren Anstrengungen gelang es, baß 1860 auch der lebte Rest der staatlichen Oberaufsicht fiel. Aus bem bis bahin hochgeachteten und mit befonderen Borrechten ausgestatteten Bergtfnappen wurde ein entrechteter Profetarier, ber bitter um fein Dafein zu ringen hatte. Die Folgen zeigten sich auch bald, Im Dezember 1869 brach in Niederschtesten zum erstenmat ein gemeinsamer Revierstreit aus, an den 8000 Bergleute beteiligt waren. Dr. Mar Hirsch, Mit begründer der Hirsch- Dunderschen Gewerkvereine, sollte diefen Streit gemacht" haben. Die Arbeiter unterlagen in diesem erften größeren Ringen, weil sich eben alles gegen fie verschworen hatte. Nach sechs wöchigem standhaften Kampf mußten sie zu den Werken zurüd tehren und vor der Arbeitsaufnahme folgendes Schriftstüd unterυπό τ Beichnen ich meine Unterschrift verpflichte ich mich, fofort aus Dem Gemerfperein deutscher Bergarbeiter auszufchei ben. auch feinem Berein, welcher ähnliche 3 mede verfolgt, mie fie das gegenwärtige Statut des Gewer foereins tennzeichnet, für die Folge beizutreten oder Beiträge an derartige Vereinsfaffen zu zahlen. Ich unterwerfe mich, falls ich die'em Bersprechen nicht nachfommen follte, der Strafe fofortiger Entlassung aus der Werts arbeit." Diese Bergewaltigung geschah damals mit 3uftimmung der Regierung, obgleich erft furz zuvor den Arbeitem die Koalitionsfreiheit durch die Gewerbeordnung gewährt worden mart In Oberschlesien tam es dann furg nach der Beendigung des damaligen Krieges, im Sommer 1871, au größeren Bergerbeiter In daran anschließenden Bresseauseinandersehungen wurde die Zentrumspartei befchuldigt, diese Bewegung aus firchenpolitischen Motiven inszeniert zu haben. Ja Bahrheit war es die not, die damals die Bergarbeiter in Bewegung brachte. Auch die Bergarbeiter im Ruhrrepier begannen fich 1872 zu rüften, weil nach dem Fortfall des Direktionsprinzips auf ihnen ein gewaltiger Drud lastete. In einer Maffenversammlung wurde eine Eingabe an die Zechenverwaltungen beschlossen, Eie wurde. nicht beachtet. Als darob die Bergarbeiter in Bewegung tamen, wurde die Gesellschaft der Jesuiten und der Sozialisten beschul, bigt, dahinter au steden. An dem Streit waren nach damaligen Be richten mehr als 20 000 Bergarbeiter beteiligt, eine Masse, die bis babin felten gemeinsam in einem fozielen Kampfe geftauben hatte. Wir fordern, was wir von unferen Bätern ererbt haben, nämlich bie achtstinbide Goiteit Auf Löhnerhöhungen fegen wir weniger Wert, aber bie Arbeitgeber müffen mit uns verhandeln, wir find nicht sterrtöpfia. Sprächen Majestät nur ein Mort, fo würde es fich gleich ändern, manche Träne würde ge trodnet fein." Die Hoffnung war irrig, majestät hielt ber Depu tatton eine Stanbrede über Kontratibruch utb r. beitsmilligenbelästigung und daß er bereit wäre, falls erforderlich, die volle Bewalt, die ihm zustehe, einzulegen menn fozialbemotratifche Tendenzen sich in der Be. wegung bemtber machen follten! Am nächstfolgenden Tage wurde die Deputation der 3echen herren vom Railer empfangen. Der Ton war wesent fich freundlicher, aber er fagte den Bechenvertretern auch, es sei menschlich und natürlich, daß jedermann versucht, sich einen möglichst günstigen Lebensunterhalt zu erwerben Die Arbeiter lefen die Beitungen und wiffen, wie das Berhältnis des Lohnes zu dem Ge minn der Gesellschaften steht. Daß fie mehr oder weniger daran teil haben wollen, ift erfiärlich. Unter dem Einfluß, der sich in Berfin auswirfte, tam es zu einer Besprechung zwischen den beiden Delegationen, die mit der Abfaffung eines unterzeichneten Protokolls endeten, worin den Arbeitern 3ugeständniffe gemacht. Die aber dann nicht ge halten wurden. Am 19. Mai 1889 wurde der Streit für West falen offiziell abgebrochen, während er in den anderen Bergwerks bezirken noch weiterging. Auch im Ruhrgebiet schlugen infolge Maßregelungen die Flammen noch einmal empor, aber die Kraft der Bewegung war gebrochen. Dirette Zugeftändnisse waren nicht erreicht worden, aber die Lage der Arbeiter befferte fich im Anschluß an den Streit, und vor allem, der Berband der Bergarbeiter Deutschfanbs wurde aus diefer Bewenung geboren. Seitdem verfügen die Bergarbeiter über eine Organisation. Weitere Kämpfe. Die neueren Bewegungen und Streits der Bergarbeiter in ben feßten Jahrzehnten dürften noch in frischer Erinnerung sein. Es waren immer maffenbewegungen von elementarer Wucht. Go 1905 und 1912 im Ruhrrevier, 1906 und 1911 in Mitteldeutsch land und Sachsen, 1906 und 1913 in Nieder- und Oberschlesien. Zu birekten Verhandlungen mit den Bechenbefibern fam es aber im Anschluß an diefe Bewegungen nie. Die Herren waren unnahbar. Strieges bereits sichtbar war. tam es zum ersten Male zu Besprechungen und dann anschließend zu tariflichen Festlegungen der Arbeits- und Lohnbedingungen für die Bergarbeiter. Stun foll abgebaut werden. Das ist der wahre 3wed diefer Ausfperrung. Das Maffengrab im Schacht. zehnbe, mas sich aus der zunehmenden Teufe der Bergwerke und der oft rüdsichtslosen Antreiberei erklärt. Nur wenige und tragi che Massenunfälle feien erwähnt. Das erste über 100 Opfer fordernde Unglück in Deutschland ereignete sich am 1. Juli 1867 auf der Fundgrube bei Lugau in Sachsen. Der einzige vorhandene Schacht stürzte ein und be grub 101 Bergarbeiter bei lebendigem Leibe; ohne Glodengeläute, ohne öffentliche Teilnahme war diese Bestattung" in Sekunden vor sich gegangen. Nicht auszubenten ist, was die Wermsten in den weiten Grubenbauen. erduldet haben, bis sich der Tod über sie fentte Am 2. August 1869 ereignete fich auf dem Burgter Steinkohlenmert bei Dresden eine der ersten größeren Schlagwetter. explosionen in Deutschland. 276 Menschen waren die Opfer. 141 waren der Feuersäule erlegen und 135 in den Nachschwaben er. fticht. In einer Voltsversammlung, die am 5. September 1869 im Bauenfchen Grund stattgefunden hat behaupteten Bergleute, daß nach ihrer Vermutung sich stunden, vielleicht auch tagelang nach der Explosion noch Lebende in der Grube befunden haben müßten. Diese Vermutung wurde von der Bergbehörde und Werksverwaltung beftritten. Beim späteren Bergen der Leichen wurde aber die Richtigkeit dieser schrecklichen Vermutung bestätigt burch Niederschriften, welche die Sterbenden auf Pavier feben. Holzstempel, Schiefertafeln u'm. gemacht hatten. Einige disfor Dofumen'e feien hier wiedergegeben. Ein Abteilungssteiger hatte in sein Schichtenbuch geschrieben: Dies ist der letzte Ort, wo wir Zuflucht genommen haben Ich habe meine Hoffnung aufgegeben, weil die Wetterführung auf Segen- Gottes- und Hoffnungschacht vernichtet ist. Der liebe Gott mag die Meinigen und meine lieben Freunde, die mit mir sterben, sowie ihre Familien in Schutz nehmen. Ernst. Bähr I, Eteiger.. Auf einer Schiefertafel stand, von der Hand dessen, neben dem sie lag, geschrieben: Leb wohl, meine liebe Frau. Lebt mahl, meine lieben Kinder. Ich reiche euch meine Hände. Lebt wohl. meine Eiern, verlaßt meine Frau und Kinder nicht. Lebt mohl, meine beiden Geschwister, feht wahl auf meine Frau und Kinder. lebt wohl, meine lebte Stunde naht. Rarl Hanisch. 1 Uhr." Auf einem Stempel stand mit Kreide geschrieben: Um 1,20 Uhr waren wir alle in diesem Jammerthal versammelt." Die überlebenden Berqleute, welche der Gefahr entronnen waren, hatten also zum Teil recht gehabt. Um 6 Uhr früh war die Kataftrophe eingetreten und um 1 Uhr nachmittags fuchten noch eingefchloffene Bergleute nach Rettung. Umsonst! Seitdem mehrten sich die Maffenunfälle rapide. Bald schy ugen die Wetter im Ruhrrevier, bald an der Saar, bald war in OberSchlesien ein Grubenbrand, bald in Niederschlesien oder Sachsen ein felcher ausgebrochen und hatte Berderben, Tod und Vernichtung hinterlassen. 3eche Rabbob bei hamm. Ueber 300 Bergleute fielen dabei durch eine Explosion schlagender Wetter zum Opfer. Nur drei Die Grube wurde bann, weil sie einem Brandherd glich, unter Wasser Snappen hatten sich von der bergmännischen Beleafchaft retten fönnen. gestellt, weil vor der Löschung des Brandes an ein Eindringen nicht zu denken war. enquilo So grausam biefe Maffentataftrophen auch find, la vernichten fie noch die wenigften Bergieute. Die Schwere des Berufs und die Einzelunfälle wüten wait folimmer. Als vor Jahren ein Goziologe einen Bergarbeiter über die Wirkungen seines Berufes auf Gesundheit und Kraft befragte, antwortete er: So, wie Prometheus an den Fels geschmiedet, ewig dem Geier seine Bruft zum Fraße beut, so sterbe auch ich dahin unter der Wucht der Grubenarbeit." Unter der Bucht der Grubenarbeit bricht Kraft und Lebensfreude zufammen. Um fie länger zu erhalten, strebt die Bergarbeiterschaft mit allen Fasern ihrer Herzen danach, die tarifmäßig festgelegte Arbeitszeit, 7 Stunden unter Tage, zu behaupten. Deffen wegen find die Knappen am Rhein und an der Ruhe, in Sachsen und Oberschlesien ausgesperrt. Wenn sie in diesen unfreiwilligen Feierstunden in den alten Bergchronifen nachlesen sollten und dort verzeichnet finden, welche Rechte der Bergknappe einst besaß, dann werden sle Bergleiche mit der Jeßtzeit anstellen und diese Bergleiche werden nicht zugunsten der Gegenwart ausfallen. enul Heinrich Löffler. Jugendveranstaltungen. Unfere republikanische Rundgebung für Republik und Sozialismus( Ge fang, Prolog, Ansprache des Genoffen Friede, Stampfer,. d. M.) heute, Sonnabend, den 10. Mai, abends 7 Uhr, muß von allen Jugendgenossen und Jugendgenoffinnen befucht werden. Reine Abteilung barf fehlen! Die Abteilungen treffen fich: Baumschulenweg; 6 Uhr Bahnhof Baum schulenweg, Briz: Uhe deal Rantine( Rahnstocher), Reutölln 11: 146 11hr Hermannplag( Apotheke), Nieberschönhausen: 6 Uhr Friedensplat, Südost G.- B.: 6. Uhr Schlesisches Tor( Normaluhr), Südoff K.- B.: 6 Uhr Jugendheim Mariannenufer la, Tempelhof: 6 Uhr Bahnhof Tempelhof, Werbebezitt Often: 127 Uhr Weberwiese. Morgen, Sonntag, den 11. mai: Mai- Jugendtag in Raulsdorf- Sab nachm. 2 Uhr im Reftaurant Sanssouci, Bahnstation Sadowa. Die Treffpunkte der Abteilungen und Werbebezirke find folgende: Brik: Borm. 9 Uhr in der Jdeal.Rantine( Rahnstocher), Charlottenburg: Borm. 9 Uhr Bahnhof Charlottenburg. Friedenau: Borm. 9 Uhr Ringbahnhof Wilmersdorf Friedenau, mit Werbebezirk Westen 10 Uhr Bahnhof Charlotten burg. Raulsdorf: Gesundbrunnen I u. II Borm. 7 Uhr Brunnenplay, NeuMarienfelbe: 410 Uhr vorm. Bahnhof. Mittags 1 Uhr Schule. tölln II: Berm. 10 Uhr Sermannplak( Apothete). Riederfchönhausen: Borm. 28 Uhr Friedensplak. Norbring: Borm. 7 Uhr Bahnhof Brenzlauer Allee, Prenzlauer Borstadt und Senefelber- Biertel: Borm. 7 Uhr Bahnhof Schönhaufer Allee( Eingang Greifenhagener Straße), Nachzügler 10 Uhr ebenda, Schönhauser Borstadt: Vorm. 7 Uhr Bahnhof Schönhaufer Allee. Suboft .- B.: Borm. 7 Uhr Schlesisches Tor( Normaluhr). Südost R.-B. und R.- V.: Borm. 8 Uhr Rottbufer Tor( Sochbahn). Steglik u. Il: Borm, 10 Uhr Bahnhof Guldende. Sempelhof: Borm. 10 Uhr Bahnhof Tempelhof. Wannfee: Borm. 10 Uhr Schule Charlottenstraße. Wedding: Borm, 7 Uhr Bahnhof Webbing. Werbebezirt Often: Borm. 18 Uhr Weberwiefe, Nachzügler Werbebezirk 21 Uhr Schlesischer Bahnhof, Frucht ,, Ede Madaistraße. Weften: SAS., Jungfozialisten und Kinderfreunde. vorm. 10 Uhr auf dem Werbebezirk Oberfpree, weftliche Sälfte( reptow, Bahnhof Charlottenburg. Baumschulenweg, Niederfchöneweibe): Borm. 12 Uhr vor dem Jugendheim Niederschöneweibe; öftliche Sälfte( Ablershof, Copenid, Fallenberg, Friedrichs Berbebezirk Reiniden hagen): Um 12% Uhr auf dem Martiplaz Copenid. borf: Barm. 8 Uhr auf dem Bahnhof Gesundbrunnen. Tegel, Hermsdorf. Rofenthal und Reinickendorf- Weft an der Solabrüde, Reinidendorf- Ost voc dem Ringbahnhof. Werbebezirk Bankow: Borm. 210 Uhr Schleifcher Hart und schwer, gefundheitszerfehend ist der Bergmannsberuf. Bei Maffenunglücken erinnert fich auch für wenige Tage die breite Deffentlichkeit dieser Tatsache, Durch Einzelunfälle und Berufserfrankungen wird die größte Zahl der Bergarbeiter zermürbt. Aber die massen unfälle erweden Mitgefühl, weil sie meistens fo tragisch find. Auch sie sind eine Erscheinung der leßten 6 Jahr Bahnhof. Nervenstärkend feciferrin blutbildend kräftigt und belebt Körper und Geist, schafft neues gesundes Blut, hebt den Appetit, wird von jung und alt gern genommen.- Preis Mk. 3.. 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