Abendausgabe Nr. 22541. Jahrgang Ausgabe B Nr. 114 Bezugsbedingungen und Anzeigenprete find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Cindenstraße 3 Jernfprecher: Dönhoff 292-293 Tel.- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliardan Mittwoch 14. Mai 1924 Berlag und Angetgenabteilung. Geschäftszett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb. Beelin Sm. 68, Lindenstraße 3 Jernfprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Ein neuer Fememord. Der Leichenfund im Tegeler Forst. Die BS.- Korrespondenz meldet: Der Leichenfund im Tegeler For ft am legten Sonntag scheint die Annahme der Mordtommiffion, daß hier ein Ber. brechen aus politischen Motiven vorliegt, zu bestätigen. Die bisherigen Aufklärungsarbeiten haben bereits soviel Material zu Tage gefördert, daß man mit der Tatsache rechnen muß, daß in den vorliegenden Fall wiederum der Tote ein Opfer einer Geheimorganisation geworden ist. Berschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß der Ermordete zur Strafe für Bergehen, die erst noch näher aufgeklärt werden müssen, von feinen ehemaligen Freunden beseitigt worden ift. Soweit bisher festzustehen scheint, ist der Zofe ein früherer Oberleutnant Müller, der allerdings anders heißen dürfte, aber unter diesem Namen im vorigen Jahr innerhalb verschiedener Rechtsorganisationen auftrat und der nach den besherigen Ermittlungen feinen allzu guten Ruf gehabt hat. Müller foll dunkle Geschäfte, darunter auch Waffensie bungen, gemacht haben und gleichzeitig hat er offenbar jowohl nach rechts als nach lints Spigeldienste getan. Offenbar ift er dann aus Rache von den Angehörigen einer der in rechts. und lintsradikalen Areifen bestehenden Geheimorganisation in den Tegeler Forft gelodt und dort beseitigt worden. Die Kriminalpolizei verfolgt bereits ganz beffimmfe Spuren, doch dürften die Ermittlungen fich nach so langer Zeit einigermaßen schwierig gestalten, da mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß die Täter unmittelbar nach der Ermordung Müllers sich in Sicherheit gebracht haben. Dazu feilt das Polizeipräsidium mit: gehen. einem Leichenfund im Tegeler Forff. Die Ermittelungen der Abteilung A haben ergeben, daß der Mann von deutschvölkischer Seite ermordet worden ist, weil er im Verdacht stand, Beziehungen zu den kommunisten zu haben. Nach erfolgtem στα Morde find dem Toten die Taschen gelehrt und die im Befih des Toten befindlichen Wertgegenstände zu Geld gemacht worden. Der Haupttäter ist flüchtig: 3 wei an der Mordtat Beteiligte wurden von der politischen Polizei festgenommen. * Wegen der Ermordung eines Oberleutnants Müller im Tegeler Forst war Anfang Dezember vergangenen Jahres ein gewiffer Grütte Lehder verhaftet, bei dem Ausweise des Reichstags abgeordneten Bulle und des deutschvöltischen Geschäftsführers Rube gefunden wurden. Reinhold Bulle hat damals eine öffentliche Erklärung abgegeben, daß dieser Grütte- Lehder den Auftrag gehabt habe, den Oberleutnant Müller zu überwachen und festzustellen, ob er ein Schädling" fei, damit er aus der Organi fation ausgeschloffen werden könne. Aus dem Bericht des Polizeipräsidiums geht nicht hervor, ob es sich bei der Aufdeckung des jeßigen Mordes um dieselbe Angelegenheit handelt. Damals ist jedenfalls der Fall Grütte- Lehber nicht weiter verfolgt worden, die Leiche des Ermordeten ließ sich nicht auffinden. Wenn jetzt in diese buntle Angelegenheit Licht gebracht werden sollte, dann wird hoffentlich auch der Zusammenhang zwischen dem Mörder und feinen Auftraggebern, d. h. in diesem Falle Bulle, Kube ufw. von der Leitung der Böllischen Freiheitspartei aufgeflärt Seit mehreren Tagen beschäftigt sich die Berliner Polizei mit| werden müssen. Frankreich und das Gutachten. Eine Erklärung Léon Blums. Baris" flagt Bertinag, daß die Umbildung ber Regierung Frankreichs außenpolitische Situation verschlechtere, da der Ablauf der Micumn- Berträge am 15. Juni neue Berhandlun gen notwendig mache und da ferner die von Poincaré mit Südslawien aufgenommenen Bündnisverhandlungen jest notgedrungen vertagt worden seien. Die Klage des oft zu offiziöfen 3weden gebrauchten Organs läuft indirekt darauf hinaus, die Einhaltung des bisherigen Kurses Poincarés als notwendig erscheinen zu laffen. Paris, 14. Mai.( TU) Der Creffior veröffentlicht eine Unterredung fetues diplomatischen Vertreters mit dem Führer der Sozialisten, Leon Blum. Blum erfläcte, Frankreich fel feff entfchloffen, das Sachverständigengutachten in die Tat umzusehen, und er fei weiter der festen Ueberzeugung, daß ich im deutschen Reichstag eine Mehrheit zugunsten der Berwirklichung des Sachverständigengutachtens ergebe. Die Deulfonationalen tönnten es nicht unternehmen, gegen die Vorschläge der Sachverständigen zu regieren, da die allgemeine öffentliche Meinung der Welt die lehten Hoffnungen auf eine Befriedigung Europas auf die Sachverstäubigenvorschläge gefeht habe. Die deutsche SozialdemoDavon fann natürlich teine Rede sein. Die Linksparteien trat ie werde alles tun, was in ihren Kräften stehe, um den Reichs- Formen fortzuführen. Goeben erflären noch die Führer der trat ie werde alles tun, was in ihren Kräften siehe, um den Reichs- haben Poincaré nicht gestürzt, um feine Bolitit in anderen fag zur Annahme des Gutachtens zu bewegen. Zum Schluß erklärte Leon Blum, die Deutschnationalen würden den schwersten 3rt- drei fiegreichen Linksparteien, Bainlevé, Herriot und fum begehen, wenn sie annehmen wollten, daß die Bildung einer 26on Blum im Hinblid auf die Währungsfrage im neuen radikalen und sozialistischen Mehrheit in der französischen Deuvre", die Parteien der Linken würden die jetzt geschwunKammer ihnen den Vorwand an die Hand gebe, das Programm dene Stabilität des Franken durch Abbau der militäder Sachverständigen zu bekämpfen oder den Verpflichtungen zu entrischen Lasten und eine Politit des Friedens und der internationalen Berständigung zu fichern suchen. Für diese Politit find natürlich bestimmte Grenzen gezogen, mit denen auch die französischen Linksparbeien redynen müssen. In dieser Beziehung verdient die obenstehende Erklärung Léon Blums über die Pflichten der deutschen Politif die eingehendste Beachtung. Die deutschen Rechtsparteien dürfen sich nicht der Hoffnung hingeben, die politische Linkfsentwicklung in Frankreich für ihre 3wede mißbrauchen zu können. Wenn sie die Absicht haben, ihre Politik der Verschleppung und der Sabotierung des Sach verständigengutachtens mit verstärkter Energie durchzusehen, so werden sie alle Anfäße zu einer Gesundung der internationalen Beziehungen vernichten, die sich aus der Etablierung der Arbeiterregierung in England und aus dem Sieg bes Linksblods in Frankreich ergeben haben. Die deutsche Sozialdemokratie wird jebenfalls alles, was in ihren Kräften steht, tun, um die von den Rechtsparteien vertretene Bolitif des nationalen Selbstmordes zu verhindern und gemeinsam mit ihren Bruderparteien in England und Frankreich den Weg zum Frieden und zum wirtschaftlichen Biederaufbau weiterzugehen, den sie seit Jahren fonfequent und unermüdlich verfolgt. Die Aeußerungen der Bariser Morgenpreffe fpiegeln bie Schwierigkeiten wieder, die durch den Wahlausgang in Frant reich hinsichtlich der Umbildung der Regierung heraufbeschworen worden sind. Es handelt sich jetzt nicht allein um ben Rücktritt Poincarés, fondern auch um die Demission des Bräsidenten Milleranb. Genoffe Léon Blum schreibt im Populaire": " Bährend Boincaré begriffen hat, scheint Millerand heute noch taub zu sein. Die offiziöfen Zeitungen erflären, Millerand sei be reit, seine Pflicht zu erfüllen, die ihm fein Amt auferlege, daß er aber zuerst eine wesentliche Verpflichtung gegenüber der öffentlichen Meinung und fich felbst zu erfüllen habe. Man müsse sehen, daß er vor allen Dingen feine Drohung zu verwirklichen habe, bie barin bestand, er werde demiffionieren, wenn der Nationale Blod ein Niederlage erleiden folite. In jedem Spiel fönne man verlieren oder gewinnen, wenn man aber verloren habe, fo folle man ehrlich bezablen. Die Sprache unserer französischen Genossen läßt demnach an Riarheit nichts zu wünschen übrig. Gestützt auf ihren großen Wahlerfolg und auf die einflußreiche Rolle, die ihnen jegt bei der Umgestaltung der franzöfifchen Bolitit zugefallen ift, wollen fie allen inneren Unflarheiten ein Ende machen, um endlich freie Bahn für eine freiheitliche Politik im Innern und eine Verständigungspolitik nach außen hirt zu schaffen. Was die Frage eines Präsidentenwechsels betrifft, so hat sich bereits gestern in franzöfifchen politischen Kreifen hartnäckig das Gerücht gehalten, Millerand fei entschloffen, vom Präsidentenamt zurüd zutreten. Dies Gerücht wird indirekt durch eine Meldung der„ Daily Mail" bestätigt, wonach Millerand die Absicht habe, der neu zu bildenden Regierung drei Ultimatioforderungen zu stellen, deren Nichterfüllung ihn zu einem schwerwiegenden politischen Entschluß" zwingen würde. Hinsichtlich der neuen Kabinettsbildung sind in Pariser politischen Kreisen alle möglichen Kombinationen im Umlauf. Es heißt, daß die Neubildung der Regierung bereits vor dem 1. Juni vorgenommen werden würde, da die unmittelbar be vorstehenden schwerwiegenden politischen Entscheidungen eine attionsfähige Regierung notwendig machten. Im Echo de Amerikanische Warnung an Deutschland. New Borf, 13. Mai.( CP.) Die New Porter Zeitungen von heute morgen brüden allgemein ihr Erstaunen über den Wahlfieg der franzöfifchen Linksparteien aus. Allgemein hatte man an einen Sieg des Nationalen Blocks geglaubt. Die Newport Times" freiben, es bestehe große Gefahr dafür, daß die Deutschen die franzöfifchen Wahlen nicht nur als eine Niederlage für die Innenpolitit, sondern auch für die Außen politit Boincarés be. trachteten und daß sie sich dadurch zu neuem Widerstand er mutigt glaubten. Wenn die Deutschen ihre Opposition gegen den Dames- Plan erneuern würden, so wären die Folgen für Deutschland äußerst ernst. Eine große Berantwortlichkeit taste jetzt auf Macdonald. Wenn eine Regelung der Reparationsfrage möglich sein solle, so müsse Macbonald die neue französische Regierung energisch unterstügen. Er dürfe den Deutschen nicht gestatten, die Aufiierten zu hinter gehen, wenn das Friedenswert Erfolg haben solle. Deutschland und Rußland. Randbemerkungen zum Zwischenfall, Der diplomatische Zwischenfall, der sich aus dem Einbringen preußischer Polizeibeamter in das Haus der russischen Handelsdelegation ergab, wird hoffentlich bald beigelegt werden. Das wird um so sicherer der Fall sein, je mehr man fich von beiden Seiten bemüht, den Borfall rein sachlich und rechtlich zu betrachten, ohne ihn durch Intrigen innen- oder außenpolitischer Art verwirren zu laffen. Man kann vielleicht jetzt schon, ohne dem endgültigen Ergebnis vorzugreifen, fagen, daß auf beiden Seiten Fehler begangen worden find. Denn auf der einen Seite durfte die wirkliche oder angebliche Erterritorialität der Handelsdelegation nicht dazu mißbraucht werden, um einen deutschen Häftling zu befreien, auf der andern Seite durfte die Fahndung nach dem Entfprungenen nicht ohne weiteres mit einer Haussuchung nach andern Dingen verbunden werden. In beiden Fällen, bei der Gefangenenbefreiung wie bei der Haussuchung ist anscheinend von beiden Seiten mit Lift und Gewalt vorgegangen worden, so daß man sich gegenseitig nichts oder gleichviel vorzuwerfen hat. Unter solchen Umständen sollte in diesem Zwischenfall bei beiderseitigem guten Willen ein Ausgleich leicht zu finden sein. Wenn von fommunistischer Seite behauptet wird, hinter dem Vorgehen der preußischen Bolizei stehe die deutsche Sozialdemokratie, so ist das nichts als eines jener lächerlichen Märchen, die man dort braucht, um der Sozialdemokratie die Schuld an allem Migliebigen anzuhängen. Die deutschen Sozialdemokraten wünschen die intensivsten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und zwischen den beiden Bölfern eine ehrliche Freundschaft, die feine Spige gegen irgendein anderes Bolt enthalten soll. Wenn sich die wirtschaftlichen Beziehungen einstweilen darauf beschränken, daß einige deutsche Kapitalisten mit Rußland gute Geschäfte machen, fo liegt die Schuld daran nicht bei der Sozialdemokratie, sondern sie ist in den gegebenen Berhältnissen begründet. Und menn in Deutschland bezüglich der Absichten Rußlands ein gemiffes Mißtrauen be fteht, das zu leugnen unmöglich ist, so liegt die Schuld wie berum nicht bei der deutschen Sozialdemokratie, sondern auf ber anderen Geite. hältnisse Rußlands zum Brinzip gemacht nicht nur aus der Bir haben uns die Nichteinmischung in die inneren Berallgemeinen Einsicht, daß folche Einmischungen leicht zu außenallgemeinen Einsicht, daß solche Einmischungen leicht zu außenpolitischen Konflikten führen, sondern auch weil wir uns von einer gewaltsamen Störung der russischen Entwicklung feinen Segen versprechen. Wir wünschen lebhaft, daß das System der despotischen Unterdrückung jeder amtlich unerwünschten Meinung und aller Volksrechte, das in Rußland herrscht, verschwinden möge, wir verwahren uns dagegen, daß lismus zur Nachahmung empfiehlt, aber wir glauben, daß ein man uns dieses System als eine angebliche Sorte von Soziaplöglicher gewaltsamer Ümschwung in Rußland zu neuen Zerftörungen und Erschütterungen führen würde und sehen darum unsere Hoffnung auf die gewaltlose Evolution Beber Deutschland noch die deutsche Sozialdemokratie benken daran, in Rußland eine Bewegung zu fördern, die in den Augen der russischen Staatspolizei etwa als„ gewaltsamer Umfturz" erscheinen tönnte. stellen, heißt sie verneinen. Ist es aber auf der anderen Seite ebenso? Die Frage Die einzige reale politische Macht in Rußland ist die Kommunistische Partei, fie ist schlechtweg mit der Regierung identisch. Diese russische Kommunistische Partei betrachtet die Bernichtung" der deutichen Sozialdemokratie" als eine ihrer wesentlichen Aufgaben. Sie ist damit unzufrieden, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht nur für Rußland, sondern auch für Deutschland den Weg gewaltloser Entwidlung einem blutigen Bürgerkrieg vorzieht, und sie unterstützt mit aller Macht und mit allen Mitteln die deutschen Kommunisten, die auf dem Weg der Gewalt zu ihren Zielen zu gelangen versuchen. " Einer der mächtigsten Männer Rußlands, Sino wjem, hat jüngst in einem Brief, der von der Roten Fahne" peröffentlicht wurde, an die deutschen Kommunisten die Aufforde rung gerichtet, Ueberfälle auf affenlager zu ver. anstalten. Die russische Regierung wird fagen, Sinomjem sei Privatperson", und sie habe- so liberal ist man in Rußland auf seine Meinungsäußerung feinen Einfluß. Da müssen aber denn doch zwei Fragen erlaubt sein: Erstens, würde die Meinungsfreiheit der Privatperson Sinowjew in Rußland auch respektiert worden sein, wenn er Ueberfälle nicht auf deutsche, sondern auf russische Waffenlager empfohlen hätte? Und zweitens, tann man es sich in Rußland vorstellen, daß der Führer einer regierenden deutschen Partei eine derartige Aufforderung nach Mosta u richtete und daß man fie in einem Moskauer Blatt seelenruhig abdruckte? Diese Fragen müssen gestellt werben, obmohl bie Rommuniften daraufhin wieder schreien werden, wir wollen benunzieren. Das wollen wir wahrhaftig nicht. Wir wollen nur, daß mit gleich em Maß gemessen werde und daß dem einen recht fein soll, was dem anderen billig ist. Die russische Regierung verlangt, daß ihre Handelsbelegationen in Deutschland gegen jeden Eingriff der Polizei gefichert fein sollen. Das Berlangen wird erst dann berechtigt, wenn Gewähr dafür gegeben ist, daß aus den Handelsdelegationen feine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Deutschlands erfolgt, zum mindesten feine Ein mifchung in einer Form, die im Widerspruch zu den deutschen| wird von den meisten als eine Rechtspartei angesehen. Das ist fe| 8öfifchen Kommunistischen Partei angefüllt, in dem zum Hubert Gefeßen steht. nicht, sie ist eine römische Partei. Mein Kampf richtet fich gegen bie ften Male das Sachverständigengutachten verdammt, die Auch hier muß denen gegenüber, die die Berechtigung rämische Abhängigkeit, niemals gegen den deutschen Ratholizismus." Sozialdemokratie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankdieses Standpunkts bestreiten, eine Gegenfrage erlaubt sein. Was für Erleuchtungen werden wir erst über uns ergehen lassen reich und England beschimpft und als einzige Lösung die WeltAngenommen, in Rußland bestände eine Partei, die ebenso müffen, wenn er im Reichstag uns belehren wird. Es verspricht revolution angepriesen wird. Es lohnt sich wirklich nicht mehr, großen Eifer zur Schau trüge, die russischen Regierungsverfehr amüsant zu werden! die bombastischen Rebensarten dieser Aufrufe ernft zu nehmen, wir hältnisse gewaltsam umzustürzen, wie die deutschen Kommuerfüllen nur unsere Pflicht, wenn wir sie registrieren und fest= nisten die deutschen, angenommen weiter, diese Partei hätte in stellen, daß in all diesen Aufrufen auch nicht die Spur eines polieiner deutschen Mission in Moskau einen Stützpunkt, tischen Gedankens zu finden ist. sie brächte dort ihre Anhänger als Angestellte unter, lüde dort ihre Flugschriften ab. ja, sie benügte diese Mission als Asyl, um ihre Mitglieder vor dem Zugriff der russischen Behörden zu schützen- würde sich die russische Regierung das mit lammfrommer Geduld gefallen lassen? Es fällt uns nicht ein zu verlangen, daß sich Deutschland an Rußland ein Vorbild nimmt und daß es seine Staatsord nung mit jenen Mitteln schützt, die in Rußland troß aller Revolutionen seit Jahrhunderten dieselben geblieben find. Wir mehren uns nur gegen die Vorstellung, als ob im Fall der russischen Handelsdelegation alles Recht auf der russischen Seite und alles Unrecht auf der deutschen Seite gelegen hätte. Wir hegen den lebhaften Wunsch, daß sich Rußland und Deutschland als Staaten unter Wahrung der beiderseitigen Hoheitsrechte und ohne Einmischung in die inneren Verhältnisse des anderen so gut wie möglich miteinander vertragen möchten. Gelingt es, den Zwischenfall mit der russischen Handelsmission in einer Weise zu regeln, die beiden Teilen zu ihrem Recht verhilft, so wird das für beide ein Vorteil sein. Erfüllungsbereit... Ein Bekenntnis der Deutschnationalen. In der Kreuz- Beitung" findet sich ein interessantes Eingeständnis: Auch die Deutschnationalen find zur Erfül [ ung" bereit und gewillt, die Konsequenzen des verlorenen Krieges zu tragen. Um dies Geständnis an den Mann bringen zu können, muß natürlich erst eine Spalte über„ demofratische Demastierung" geredet werden. Aber dann heißt es mit unteugbarer Offenheit: Eingestellt auf die Notwendigkeit des Tages, bereit, die Konjequenzen des verlorenen Krieges zu tragen, aber nur soweit fie morafisch und wirtschaftlich tragbar sind. Verhandlungs- und erfüllungsbereit sind auch die Deutschnationalen, verhandlungsbereit cher nur in gleicher Augenhöhe mit dem Gegner, erfüllungsbereit nur bis an die Grenze des Möglichen. Sehr schön! So ähnlich haben das bisher alle Regierungen erklärt. Alle von Bauer- Müller über FehrenbachSimons, von Wirth- Rathenau über Cuno- Rosenberg bis Marr Stresemann haben versichert, daß sie bis an die Grenze des Möglichen" erfüllen wollten und daß sie verlangten, in gleicher Augenhöhe", das heißt als Gleichberechtigte zu ver= handeln. Alle diese Regierungen find aber als Erfüllungspolitiker von den Deutschnationalen angeprangert und verlästert worden. " Heute winft nun die Futterkrippe", von der, man sonst fo tapfer schmälen fonte, und schon erklärt das Organ Westarps, daß ja auch die Deutschnationalen bis zur Grenze des Mögfichen" erfüllen möchten, wenn sie nur Gelegenheit dazu hätten. Aber, wie gesagt, da der Block mit den Böllischen norbereitet wird, werden sie wohl keine Erlaubnis befommen, ihre guten Vorsäge auszuüben. Ludendorff spricht. Er hat einem Journalisten eine Unterredung gewährt und sich über einige aktuelle politische Fragen geäußert. Man hört mit Staunen von ihm z. B. über die Abstimmung in Hannover:„ Ich weiß, daß das verhängnisvolle System des preußischen Ministeriums Braun Severing die Abtrennugsgefahrn erheblich vergrößert hat, daß gerade dieses Ministerium die Mitschuld daran trägt, daß die Gefahr überhaupt so ernst geworden ist." Ueber die Banerische Volkspartei erklärt der neue Reichstagsabgeordnete:" Sie = Literarische Preisausschreiben. Bon Karl Fischer. Für Dichter ist die glückliche, goldene Zeit gekommen, für alle tie Menschen, die Verse machen, und die bisher eigentlich von der ganzen Welt mit höchster Gleichgültigkeit behandelt wurden die Berse sowohl wie die Dichter. Für die Dichter aber war das Geld zu einem sagenhaften, völlig unwahrscheinlichen Begriff geworden. Das hat sich heute gewissermaßen geändert, im Handumdrehen gewissermaßen. Heute regnet es nur so Goldmark auf die Glücklichen, die Berfe non sich geben. Denn heute haben wir Preisausschreiben, überall Preisaus schreiben, mindestens ein paar an jedem Tag. Natürlich nicht die literarischen Preisausschreiben. Mit denen ist nicht viel los, Die völkischen Mäuse. Wir lesen in der Deutschen Tageszeitung":" wir wilde Tiere, die man sonst fein fäuberlich in Käfige sperri, Bas find wir Deutsche doch für ein gutmütiges Volf, daß zur allgemeinen„ Beluftigung“ frei herumlaufen läßt, ihnen sorgfam weiche Polsterfiße im Barlament bereitet, ihnen Gelder und Freifahrtscheine liefert, um zum nächsten Schlage zu rüsten, und sie gleichsam noch mit freundlicher Handbewegung auffordert, den Wärter aufzufreffen. Wirklich ein an regendes Raz- und Mausfpiel ur pergißt man dabei die nicht ganz unerhebliche Tatsache, daß das Mäuslein ein gefähr liches Reptil ist, das man lieber rechtzeitig tottreten sollte. Und wie noch Behörden bulden, die das Reptil forgjam als Haustier harmlos find wir deutschen Bürger, daß wir immer hätscheln und pflegen, zwar manchmal auch die Rute zeigen, legten Endes aber niemals zugeben wollen, daß ein gefährlicher Giftzahn droht." Das ist wirklich eine ausgezeichnete Charatteristit der völti. fchen Fehmemörder und ihrer Spießgefellen. Man sollte wirklich die biffigen Mäuschen zertreten. Aber wir sind sehr harmlos, wir laffen fie in Halle zu vielen Tausenden demonstrieren und notorische hoch verräter Baraben abnehmen. Völkische Bruderliebe. Gleichzeitig tagte der Zentralausschuß der KPD. Ueber seinen tenen Bericht, aus dem hervorgeht, daß es an den üblichen taftischen Berlauf veröffentlicht die„ Rote Fahne" einen sehr summarisch gehalMeinungsverschiedenheiten nicht gefehlt hat. Man war der Ansicht, babie Zuspigung in Deutschland schnell vor sich geht und daß es Aufgabe des 5. Kongreffes sein muß, den revolutionären Kampf in ganz Europa als organisatorisch- politische Aufgabe in den Mittelpunkt zu ftellen. Das alles läuft nur auf ein erneutes Befenntnis zum radikalften Butschismus hinaus. ouf ein ern Technik des Putschismus. Auf dem kommunistischen Zentralausschuß hat man fich damit beschäftigt, wie man das Putschen noch besser organisieren kann. Die RPDisten sind der Meinung, daß nicht nur die Parolenfabrifation gesteigert werden muß, fie wollen auch organisatorisch„ den Laben beffer aufziehen". Es müffen Streilleitungen jeden Tag Rechenschaft ablegen, Belehrungskommandos die Bevölkerung aufrütteln, Ernährungskommandos die Landbevölkerung zur Solidari tät veranlassen, Betriebsordnerschaften den Streitbrechern den Weg weisen usw." Es fehlt nur noch der Hinweis, daß Rollkommandos bie unangenehmen SPD.- Bonzen zu erledigen haben, und das Bild einer tommunistischen Musterorganisation ist fertig. Der Knäppel als Waffe, das ist das einzige, was nach fommunistischer Meinung helfen kann. Diese Knüppelgardentatfit wird freilich den Kommuberniften nicht viel helfen, fie wird im Gegenteil ihr Abwirtschaften beschleunigen. Jeder ehrliche Arbeiter wird sich mit Entrüstung von dieser Gesellschaft abwenden, die fein anderes Ziel fennt, als die Stolze deutsche Arbeiterbewegung in eine Bandifenbewegung zu vermanbein. ed A emot Zappel- Hergt und Legenden- Maurenbrecher. Im Deutschen Tageblatt", dem Kampfblatt" der Deutsch völfischen, finden wir das folgende niedliche Gedicht, bas „ völkischen"" Deutschen Zeitung" gewidmet ift: 1. D, wie doch die pastorale Deutsche Betterfahne flagt, Daß der völkisch- soziale Blod im Wahlkampf hat versagt. 2. Und zwei bittre Tränen tollern Aus den trüben Augen dann Diefem braven Hohenzollern. Schmähschrift und Legendenmann. 3. Und noch andre edle Seelen Greinen ohne Unterlaß. Sollen ihren Schmerz verhehlen Alfred Roth und Heinrich Claß? 4. Die nach langen Rämpfen friedlich In der Sonne Schieles steh'n Und in 3appel- ergt wie niedlich Ihren Steuermann erfch'n. 5. Und bei Maurenbrecher laben Sich die edlen Führer" ein, Kann er doch der Renegaten Erster Sturmgeselle sein. 6. Und da ist man stolz und wahr bei Soviel Wertbeständigkeit, 3ft man völtisch ganz und gar bei Schicklicher Gelegenheit! Die Brüder schäßen sich außerordentlich, das muß man fagen, und es besteht alle Wahrscheinlichkeit, daß fie sich bald im schwarzweißroten Blod der Rechten umarmen werden. Gleiche Brüber be dingen gleiche Rappen! Ein neuer Aufruf. < st Das tägliche Brot der KPD. Sie waren niemals sparsam mit Aufrufen, die Kommuniften, aber ihre neue Leitung scheint den Nachweis ihre revolutionären Befähigung durch häufung von Aufrufen bringen zu wollen. Heute ist schon wieder die ganze erste Seite der„ Roten Fahne" mit einem nicht endenwollenden Aufruf der deutschen und franexistieren, sondern auch Dichter, die noch nicht existieren, einem erstaunten Publikum vorstellen wird. Der so lange unbekannte Dichter mit dem Reim, den man bisher nicht fannte, wird mit siebentausend Goldmart getrönt, und das Publikum wird den Fabrikanten preisen und von ihm mit Recht sagen:„ Auch hat derfelbe durch sein Preisausschreiben, die deutsche Literatur und Sprache in hervorragender Weise bereichert!" Mesopotamische Ausstellung. Die Arbeiten der Deutschen Drienigesellschaft, faft 20 Jahre lang in Borderafien durchgeführt, sind im Striege und nach dem Kriege an Drt und Stelle nicht mehr fortgefekt worden. Aber was die beut schen Gelehrten. in jenen 20 Jahren erarbeitet haben, wird weiter verfolgt, veröffentlicht, leider faft nicht gezeigt. Denn die leidige Raumnot der Berliner Museen hat gerade die vorderasiatische Abteilung in den düstersten Keller des Kaiser- Friedrich- Museums verbannt. Darum ist der Versuch, einige Ergebnisse der deutschen Gia bungen jetzt in großen hellen Sälen des Antiquariums im Alten Mtu feum zu zeigen, besonders dantenswert. Ruftos Dr. Walther Andrae, Die Herren Verleger wollen allerhand Gutes und Großes von der am Dienstag diese Ausstellung eröffnete, hat dort in Bhoto den Dichtern ziehen, aber zahlen wollen sie nichts. graphien, Zeichnungen und Malereien einen interessanten Teil des Außerdem liefern die literarischen Preisausschreiben auch selten reichen Bilbstoffes vereinigt, den die deutschen Gelehrten in Mesopotamien angefammelt haben. Zum erstenmal fieht man dort in Der verstorbene Oskar Blumenthal, den man wegen seiner bär- farbiger Größe des Originals den Schmuck der Burg Nebukadnezars von Babylon aus der riefigen Burg, mit der er Babylon, die größte beißigen und biffigen Kritiken den blutigen Oskar nannte, hat ein Stadt des Altertums, geschmückt hat. Es muß ein starker Eindrud maf, geistreich, wie er eben immer sein müßte, von den Bühnen- gewesen sein, wenn der Besucher der Prozessionsstraßen auf den fort. ftücken, die preisgekrönt worden sind, gesagt:„ Je preifer ein Stüd, artig ausgebauten Tempelbezirk zuschritt, auf jeder Seite der desto durcher fällt es-." Straßenmauern famen 60 große Liere in farbiger Glasur auf der blauen Mauer reliefiert auf ihn zu: Löwen, Drachen nach, Art einer Dinosaurierraffe, Stiere zum Stoß vorgehend, gelb und weiß, aber gewandelt. Diese Tiere sind seit den deutschen Ausgrabungen in jede auch rot- dieses starke Rot ist heute durch Oxydation in Grün umRunstgeschichte übergegangen nur ihre Driginaie, die in 20jähriger mühseliger Arbeit im Berliner Museum aus ihren Stüden wieder zusammengefügt worden sind, konnten noch feine würdige Aufstellung finden, und so sieht man sie auch hier vorläufig nur in Wafferfarben. malerei. Die so geschmückte Straße führte auf den Palaft Nebutab nezars zu, deffen Thronsaalfront mit einem ftrahlenden Ornament von verschlungenen Palmetten über Pilastern auf blauem Grunde prachtvoll geziert war. Auch von diesem Frontschmud fieht man in Der Ausstellung ein großes Stüd in farbiger Biebergabe bie Berliner kennen das Drnament übrigens von der Fayenceverfieidung bes Untergrundbahnhofes Klosterstraße her. Ganz anders die Preisausschreiben von Zigarren- und Tabakfabriken, von Unternehmern, die Mittel gegen die Hühneraugen auf die Menschheit loslassen, von Streichholzfabriken und sonstigen sehr nüßlichen Instituten. Hier fann man Geld und Ruhm erwerben. Alle diese Herrschaften wollen zum Ruhm ihrer Fabrikate und Bräparate Verse haben, woraus man ersehen kann, daß Fabrikbesitzer fanfte Menschen mit Inrisch angehauchten Seelen find. * Und diese Preisausschreiben zur Erlangung von Bersen ver= heißen geradezu phantastische Summen für ein paar Reime. Dreitaufend Goldmart und fünftausend Goldmart, und, o Goit, o Gott, fiebentausend Goldmart. Das ist doch ein Geschäft. So heißt es zum Beispiel in einem dieser Breisausschreiben: „ Berlangt wird ein Zweizeiler, und darf der Vers keinen Reim enthalten, der bereits egiftiert." J. Und darf der Vers keinen Reim enthalten geschrieben hat, der war selbst ein Dichter! der das Ein sehr selbstbewußter Dichter, der durch seine echte Begeisterung alle mit sich fortreißen und nicht nur Reime, die noch nicht Dieser Tempelbegirt lag in der Ede der Stadt Babylon. Robert Roldewey hat sie ausgegraben, und die von ihm ausgebildete Art nissenschaftlicher erafter Aufnahme ausgegrabener Bauwerte fann hier an einigen Originalproben studiert werden. Sie überlieferten mit minutiöser Treue den vorgefundenen Zustand und iegen so die Zeichnung an die Stelle der Ruinen, die ja naa der Ausgrabung unrettbar weiteren Berfalls ausgefeßt find. Das große Tor der sichtar, der Göttin Babylons, in jenem Tempelbezirle war mit Nur für Analphabeten. In der Roten Fahne" werden Erinnerungen Mara 3eitins an Benin wiedergegeben. Darin findet sich ein Geständnis der Alara Bettin, bas festgehalten zu werden verdient. Auf Lenins Rlage über die ungeheure Ausdehnung des Analphabetentums in Rußland antwortet fie ihm: „ Klagen Sie nicht so bitter über das Analphabetentum, Genoffe Lenin! Es hat euch ficherlich in gewissem Maße die Revolution erleichtert. Es hat das Gehirn der Arbeiter und Bauern davor geschüßt, mit bürgerlichen Begriffen und Anschauungen vollgepfropft und verfeucht zu werden. Eure Propaganda und Agitation fällt auf jungfräulichen Boden. Es ist leichter dort zu fäen und zu ernten, wo nicht erst ein ganzer Urmald ausge rottet werden muß." Klara Bettin hat nicht unrecht. Die fommunistische Agitation und Propaganda ist wirklich nur für Analphabeten bestimmt. Boden fann sie nur da gewinnen, wo abnorme Verhältnisse cllgemeine Zersehung und Verwirrung geschaffen haben, und selbst da läßt sie das Gros der jahrzehntelang im politischen Kampf für den Sozialismus geftählten Maffen unberührt. Das Geschrei der Analphabeten wird in Deutschland feinen Boden finden. Ruffische Blutfuftiz. Mostau, 12. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der oberste Gerichtshof der Ukraine, vor dem die Revision des Kiewer Prozesses stattfand, hat die Berufung der 13 Berurteilten verworfen. Die Ablehnung der Berufung bedeutet, daß die in Kiew gefällten Todesurteile nunmehr in Kraft treten sollen. Wir appellieren noch im letzten Augenblid an die politische Einsicht und an die Menschlichkeit der Sowjetregierung. Duldet sie die Bollstreckung des Kiewer Urteils, so macht fie fich mitschuldig an diesem neuen Aft der russischen Blutjuftiz | Stieren und Drachen der in Berlin vertretenen Art geschmüdt. Man fennt den Haupterfolg der Roldemenschen Grabungen: zum erstenmal fönnen wir uns von dem babylonijazen Turm ein Bild machen, jenem riefenhaften Steindenfmal von quadratischer Grundform, auf das hoch hinauf von der einen Seite eine Freitreppe führte. In fieben Abfäßen stieg dann der Turm empor, und oben frug er aller Wahrscheinlichteit nach einen Tempel. Auch von Affur am Tigris, der zweiten deutschen Ausgrabung, laffen sich die farbigen Dekorationen in schönen Proben zeigen. In Bugmalerei erscheinen sie in der von den Deutschen erforschten Rejidenz von Tutulti- Ninurta in der Nachbarschaft. Und von weit über 3000 v. Chr. bis hinein in unsere Zeitrechnung laffan fich da in Affyrien die Kulturen in ihrer Aufeinanderfolge und in dem barftellen, was fie alle gleichmäßig als vorderasiatisch bezeichnet. Anatole France begrüßt die Aera des Weltfriedens! Anatole France schreibt im„ Deuvre" zu den Ergebniffen der Wahlen am 11. Mai:„ Ich begrüße diefen großen Sieg Franfreichs. Franf reich hat seinen Friedenswillen befundet. Ich habe oft gesagt, daß ich nicht glaube, daß der Krieg eine ewige menschliche Notwendigkeit ist. Ich wünsche, ich hoffe, ich ohne eine Zukunft des Friedens und der Eintracht zwischen den Böllern gleicher Kultur. Bereiten wir diesen wünschenswerten Frieden vor! Trauen wir nicht dem alten Sprichtwort:„ Benn du den Frieden willst, rüfte den Krieg." In Wirklichkeit muß man den Frieden vorbereiten, wenn man den Frieden will. Das ist unser Bunsch, das ist unser Ideal, das muß unser Wert sein! Arbeiten wir am Weltfrieden! Ist das nicht eine Aufgabe würdig der größten Seele und des stolzesten Mutes? Das Rcm der Cäsaren hat fie unternommen, als es das Weltall beherrschte, mögen fie das Europa von heute vollenben!" Ein Kreuzoffernjahr. Es scheint, daß Deutschland in diesem Jahr unter einer wahren Kreuzotternplage zu leiden hat. Auftreten diefer Giftschlange. Am stärksten scheint die Gefahr in Aus allen Gegenden fommen jetzt schon Berichte von dem häufigen Gachien zu sein. Im Monat April wurden in Werdau allein nicht weniger als 72 Kreuzottern getötet. Spielplanänderung. Die für Soimabend in der Großen Bolts. ober angelegte Traviata. Aufführung ist auf Freitag, den 23. Mai, ver. oben worden. Am Sonnabend wird Carmen mit Leo Bledj als Dirigent und Bera Schwarz als„ Carmen" gegeben. Bortrag im Kronprinzen- Palais. Dr. B. Daun, wird am Sonntag, borm. 9, Uhr, über die Gemälde des Impreffionismus und Expressionismus im Kronprinzen Balais Vortrag halten. Die Ueberlaffung der raffichen Hochschulen. Bertretern der Veters. burger effe hat der einige Tage bort weilende Bildungstommiffar Lunaticharsti Erilärungen über die Notwendigkeit der Einschränkung ber Studentenzahl abgegeben, die im nächsten Semester zu den Hochschulen zugelassen werben sollen. Die Zahl der Studierenden beträgt heute 140000, während fie im legten Borkriegsjahr nur 90000 ausmachte. Diese Weberlaftung der Hochschulen ſet auch der Grund zu ber jest borgenommenen Sichtung der Stubenten, aus deren Reihen die spottweise so genannten Gwigen", b. h. bie Faulen und Erfolglofen, entfernt werden sollen. Der Kampf im Ruhrbergbau. Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium. Beim Reichskanzler Dr. Marr hat heute vormittag um 10 Uhr cine Borbesprechung begonnen über die neu aufzunehmenden Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau. Zu den Berhandlungen find 15 bis 20 Vertreter der Bergwerke und der Bergarbeiter- Organisationen erjújienen. Der Reichstanzler wies in seiner Ansprache beide Teile auf die Bedeutung der Beendigung des Konfliktes sowohl in wirtschaftlicher wie in politischer Beziehung hin und suchte die Bereitschaft zur Verftändigung anzubahnen. Im Anschluß an diese Borbesprechung werden die eigentlichen Einigungsverhandlungen heute nachmittag im Reichsarbeitsministerium beginnen. Zunächst soll die Frage der Schieds. sprüche geklärt und eine Verständigung darüber herbeigeführt werden, ob ein neuer Schiedsspruch gefällt werden soll, falls eine Einigung der beiden Parteien nicht zustandekommt. * In der Borbesprechung führte der Reichstanzler, wie WIB. berichtet, u. a. aus: Die Reichsregierung habe volles Verständnis für die Notlage der beiden Parteien an der Ruhr, die sich teils aus den Nachwirkungen des Ruhrkampfes, teils aus den Bes laftungen durch die Micumverträge und der Kreditnot, teils aus den Teuerungsverhältnissen und den Schwierigkeiten der Lebensverhält nisse ergeben. Demgegenüber ständen aber die wichtigen Intereffen außen und innenpolitischer Natur, die einen balbigen Abschluß bes Rampfes zur dringenden nationalen Pflicht für beide Teile machten. Jede Berlängerung des Kampfes vermehre die Schwierigkeiten der Wirtschaft, steigere die Krebitnot und bringe außenpolitische Gefahren mit sich in einem Augenblid, da die Frage des Gutachtens und die Wiederaufnahme der Reparationsverhandlungen Frieden und Geschlossenheit in Deutschland notwendig mache. Auch speziell für den Bergbau würde ein längerer Kampf die Heilung der gegen wärtigen Nöte nur erschweren. Nach dem Reichstanzler sprachen im Namen der Berg arbeiterverbände die Abgeordneten Husemann vom Alten Verband und Rotthäuser vom Gewertverein Christlicher Bergarbeiter, fowie im Namen des Zechenverbandes Generalbirettor Bistott in allgemeinen Ausführungen über den Streitfall. Im Anschluß an die Aussprache stellte der Reichsarbeitsminister die Bereitwilligkeit der beiden Parteien feft, an knüpfend an die Verhandlungen über den Manteltarif ein Schlich tungsverfahren über die schwebenben Streit fragen zu eröffnen. Er schlug vor, daß sich die Führer der beiden Parteien sofort zum Reichsarbeitsministerium begeben möchten, um dort über die Formalitäten dieses Verfahrens Beschluß zu faffen. Um 2 Uhr würde man mit den Schlichtungsverhandlungen beginnen fönnen, Macdonalds Friedenspolitik. Die Kostprobe. " An allen verfehrsreichen Eden und Plägen stehen sie, die fleinen Schokoladenhändler. Großfirmen dürften diefen fom miffionsweisen Verkauf ihrer Schokolade organisieren, aber wo bleibt die Schokolade, mer ist ihr Räufer? Ein Wunder ist es ja nicht, nachdem man soviel bittere Jahre ausgekostet hat, daß sich nun dieser oder jener mit Schokolade sein Leben verfüßen will. Kurz und gut, die Schokoladenhändler kennen ihre Pappenheimer. Turmhoch sind die Tafeln auf ihren Kistenwagen aufgebaut. Mit Stimmenaufwand verkünden sie den gewaltigen Preisabbau", so daß man unwillkürlich stehen bleibt, selbst wenn man fein Freund von Süßigkeiten ist. Echte Martenschokolade, garantiert rein, meine Herrschaften. Eine Tafel, zwei Tafein, drei Tafeln, vier Tafeln, fünf Tafeln, alle zusammen eine Mart, und weil heute tag ist, gebe ich noch eine gratis dazu. Also zugegriffen, Leute, sechs Tafeln hohe Qualitätsware, nur hundert deutsche Reichsrentenpfennige Jeder foll sich von der Güte meiner Ware überzeugen, prüfen Sie nur felbft!" Wahllos greift er eine Tafel aus seinem Barenbestand heraus, zerkleinert sie in fleine Stücke und reicht auf einem Teller diese Kostprobe" an die Zuhörer und Zuschauer herum. Auch eine ärmlich gekleidete ältere Frau steht unter dem Bublifum. Als der Händler merkte, daß die alte Frau nicht den Mut hatte, sich auch ein Stückchen zum Kosten zu nehmen, meinte er gutmütig, froßdem er genau wußte, daß diese bestimmt nicht in der Lage ist, weder die angepreisten sechs Tafeln, noch auch nur eine Tafel zu erstehen: Na Mutterchen, du fannst meine Schofolade auch tosten!" Ein wenig scheu sieht sich die Frau um, lächelt leis, und zaghaft greift fie das einste Stüd und läßt es fanell in ihren zahnlosen Mund verschwinden. Keinem war bies entgangen, felbst dem Händler nicht. Flugs greift er eine Tafel, reicht fie der erschrodenen alten Frau: Hier Mutter, eine Roftprobe gratis als Anerkennung der Bescheidenheit." Das Mütterchen zögert, fchließ fich greift's zu und verschwindet. Die Herumstehenden empfinden bankbar diefen einen Zwischenfall. Man greift in die Tasche, benn die gut angebrachte Freigebigkeit trägt plötzlich mehr Früchte als der Händler erwartet hat. Er ist um eine neue Erfahrung reicher und wird sie bald als neuen Geschäftskniff weiter verwerten. Das Briefmarkenlager auf dem Hausboden. Aufdedung eines Diebstahls in der Reichsdruderei. Ein Diebstahl, der vor einiger Zeit in der Reichsbruderei verübt wurde, ist jetzt aufgeflärt. In einem Lofal lernte ein 35 Jahre alter Raufmann Emil Rogoll einen Oberpoftfekretär lennen. Er bat ihn, 100 Stud Briefmarten zu einer Mart in bat ihn, 100 Stüd Briefmarten zu einer Mart in Geld umzu wechseln, die er von seiner legten Stellung her noch befize und nicht mehr verwerten fönne. Der Beamte war brachte es ihm. Als bei einem anderen Zusammentreffen Rogoll ihm gern gefällig, wechselte die Briefmarfen gegen Geld ein und mit der Bitte fam, ihm 800 Shid in bar umzutauschen, schöpfte er Verdacht, nahm die Marten an, machte aber heimlich seinem Borgefeßten Anzeige. Nummehr wurde Rogoll verhaftet. Bei einer Durchfuchung feiner Wohnung fand man zwar feine Briefmarken, dafür aber ein fleines Lager Grammophonplatten und Lederwaren. Wie er zu diesen Sachen gekommen war, fonnte er nicht erklären. Die Kriminalpostdienststelle stellte bald fest, daß er mit einem anderen jungen Manne gesehen worden war. Dieser wurde in einem gewissen Tragisa aus der Arndtstraße ermittelt. Als man bei ihm Hausfuchung hielt, fanden die Beamten auf dem Boden des Hauses verstedt für 7000 m. Briefmarfen. Er gestand nun, daß er furz vor seiner Entlassung aus marten. Er geftand nun, daß er furz vor seiner Entlassung aus der Reichsdruckerei 10 000 Stüd Briefmarken gestohlen habe. Round die Leberwaren herrühren, tonnte bis jegt noch nicht festgestellt werden. Sicher find fie Rogoll son Einbrechern zum Verkauf über geben worden. Bürgerliche Schulabbau- Politie. In der legten Zeit ist von allen Seiten mit Recht über starken Abbau von Lehrkräften und von Einrichtungen des Schulwesens geflagt worden. Immer wird zur Begründung dieser Maßregeln auf die Sparnotwendigkeit hingewiesen. Um so mehr muß es wundernehmen, daß das staatliche Raiser Wilhelm Gymnasium in eutölln noch immer erhalten geblieben ist. Schon seit Jahr und Lag ist diese Anstalt im Absterben begriffen. Angeblich muß aber für den Bezirt Neukölln ein humanistisches Gymnasium bleiben. In Wirklichkeit besuchen dieses stattliche Gymnasium ganze 70 Gymnasiasten, die sich so auf die Klaffen verteilen: Oberprima 5 Schüler, Unterprima 8 Schüler, Obersetunda 13 Schüler, Unter fefunda 15 Schüler, Obertertia 8 Schüler, Untertertia 21 Schüler. Außerdem gibt es allerdings an der Anstalt noch 92 Schüler, die eine realgymnasiale Abteilung bilden. Diese 92 Schüler fönnten mit Leichtigkeit auf die nahegelegenen städtischen Realgymnasien verteilt werden. Für die 70 oder 162 Schüler Macdonald fuhr fort, einige Krititer fragten, weshalb die Re- merben 9 Klaffen aufrechterhalten, das ergibt bei 162 Schülern gierung nicht eine internationale Konferenz einberufe. eine Durchschnittsfrequenz von nur 18. Für diese Man könne eine Konferenz nicht einberufen zu einer Zeit, wo sie Schule wird ein Oberstudiendirektor, ein Oberstudienrat und eine Anfeinen Erfolg haben würde, und ein Mißerfolg würde sehr ver- zahl Studienräte beschäftigt und ein ganzes Schulgebäude, mit Aus. hängnisvoll sein. Die Regierung bereite jedoch den Weg vor. So- nahme von zwei Klassen, in Anspruch genommen, samt Direktor bald das dringendfte Problem Sentraleuropas aus zimmer, Borzimmer, Konferenzzimmer, Sammlungszimmer und Gedem Wege geschafft sei, er hoffe, dies werde nicht mehr sehr lange fangfaal. Und das in einem Ort wie Neukölln, in dem in den bauern, glaube er, daß die Schwierigkeiten, die jetzt beständen, Boitsschulen annähernd 75 Riaffen überhaupt durch denselben Geist überwunden werden würden, der schon die teine eigenen Räume haben und in zwei höheren Schulen Schwierigkeiten in der Bergangenheit überwunden habe. Die Regie zwei fliegende Klassen und in einer höheren Schule vier fliegende rung bitte lediglich um die notwendige Zeit. Die Friedensbewegung Staffen bestehen. Ein vernünftiger Mensch fragt sich, wodurch sich schreite langsam und ruhig vorwärts. Die Arbeiterpartei sei nicht die Aufrechterhaltung eines so fostspieligen Apparates für eine so die einzige Bartei, die sie fortführen könne, aber feine andere Bartei geringe Bahl Schüler rechtfertigt. Die Antwort ist neulich im fönne fie mit derfelben Begeisterung fortführen. Die Arbeiterregie of al- Anzeiger" von dem deutschvölkischen Stadtverordneten Profeffor Danide gegeben worden. Es muß ein Gegenge. rung habe niemals das Volf in dieser Frage verraten. mit gegen die städtische sozialistische Schulpolt. tit geschaffen werden! So unfinnig das ist, in maßgebenden Rreifen hat es anscheinend doch gewirkt. Obwohl das Finanzministertum, soweit bekanntgeworden ist, energisch den Abbau diefer staatlichen Anstalt verlangt hat, ift furz nach jener Veröffentlichung plöglich der Abbau untersagt worden. Im preußischen Landtag sollte ber Herr Minister einmal danach gefragt werden, ob er es für richtig hält, daß hier Geld zum Fenster hinausgeworfen wird, während an anderen Stellen übermäßig gespart werden muß. Ein Mann mit zwei Frauen. jein, tommt Zweimal ohne Mitwissen verheiratet zu gewiß nicht oft vor. Aber, daß es doch paffieren fann, das bewies dieser Tage eine Verhandlung vor dem Landgericht zu Leipzig. Der in Ragis bei Abstruten in Ostpreußen geborene Schloffer Lokat, aulet wohnhaft in Reinickendorf bei Berlin, hatte sich wegen Doppelehe zu verantworten. Er war 1910 von dort abgereist und ließ eine Frau mit drei Kindern zurüd. Da seine Ehefrau einen leichtsinnigen Lebenswandel führte, beantragte er Chefcheidung. Kurz vor dem Kriege war Sühnetermin vor einem Berliner Amis gericht beantragt; zu einem Bergleich fam es nicht, und die Ehefcheibung ging vor sich. Während des Krieges war 2. an ber Front. Einmal hatte er vom Amtsgericht einen Brief erhalten, den er nicht ausgehändigt erhielt, weil er fémer verlegt war und bis Ende des Krieges im Bazarett fag. Nach Aussagen feines bienst. tuenden Borgefeßten hätte jener Brief die endgültige Chefcheidung enthalten. Lotat fümmerte fich um amiliche Unterlagen nicht mehr, aber da er nach seiner Entlassung vom Heer feinen festen Wohnfiz hatte, entschloß er sich, nochmals nach Berlin zu schreiben. Die Antwort seiner Chefrau lautete auf Nichtwiederaufnahme, da die Che schon längst gelöst fei. Lotat war nun der festen Ueberzeugung, bie Che fei längst gefchieben und ging 1921 eine zweite Ehe ein. London, 14. Mai.( WTB.) Macdonald erklärte in einer Rede in der Albert Hall über die auswärtige Politit der Arbeiterregierung, wenn heute das Licht in Europa anbreche, so sei dies der Fall, weil die Arbeiterregierung die Behandlung Der auswärtigen Angelegenheiten geändert und eine Politit in einem neuen Geiste angenommen habe. Er habe danach gestrebt, Vertrauen in die Politik der Arbeiterregierung zu schaffen und die Bolitis Großbritanniens auf eine Grundlage freundschaftlicher Bernunft zu stellen. Die Lage ändere sich, und zwar nicht durch Einschüchte rung, nicht durch Drohungen, sondern weil die ruhige Bergoll sollte dann den Verkauf besorgen. Bo die Grammophonplatten nunft beginne, die Gebanten aller Nationen Europas au beeinfluffen. In diefer großen Politik des Wiederaufbaues Europas feien eine oder zwei Nationen nicht genug. Frankreich, Belgienn, Italien und Großbritannien genügten nicht, es sei auch noch nicht genug, wenn Deutschland und Rußland hinzufämen. Sein Herz jei bei den fleinen Nationen Europas. Die auswärtige Bolitik der Arbeiterregierung wende sich nicht nur an die Großmächte, sondern auch an die feinen Mächte, Schweden, Norwegen, Dänemart, Holland, Polen, die Tschechoslowakei und alle anderen. Sie wolle fie alle. Ohne die fleinen Nationen würde die große Friedens vereinigung Europas unvollständig sein, und bevor fie vervollständigt fei, tönne die Arbeiterregierung niemals davon überzeugt sein, daß ihre auswärtige Politik zum Erfolge führen werde. Niemand wiffe beffer, als die fleinen Nationen, daß eine Militärpolitit sich nicht bezahlt mache. Große Staaten fönnten ihre Heere, mie riefige Dampfwalzen, über fleine Nationen gehen laffen, der Schwache müße die Beute des Starten werden, wenn die Welt allein durch Gewalt beherrscht werde. Sein Appell an sie sei: verlaßt euch nicht auf diese Art von Hoffnung, denn sie müßte zu Europas Berstörung führen. Nur, wenn die Nationen entwaffnet find, wird es Gerechtigkeit geben. Das große Problem der Regierung im gegenwärtigen Seit punft sei, den Sachverständigenbericht zur Ausführung zu bringen. Es gebe einige Dinge in dem Bericht, derentwegen er elwas argwöhnisch fei. Aber angenommen, man beginne, jede Linie, jeden Baragraphen und jeden Borschlag zu prüfen, wo würde man dann enden? Das, was die Arbeiterregierung innerhalb 24 Stunden nach Beendigung ihrer Prüfung des Sachverständigenberichtes getan habe, sei, die Initiative zu ergreifen und der Welt zu verfünden, daß der Bericht als Ganzes zur Ausführung gebracht werben solle. Dies sei der redyte Weg gewesen, und wenn er weiter verfolgt werde, so werde Europa die Aussicht haben, wieder ins Gleich gewicht zu kommen. Weder Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien noch Großbritannien tönnten es fich leiften, jeht auf Einzelheiten einzugehen. Es handle sich um den ganzen Bericht und um nichts als den Bericht. Wenn man bei der Durchführung auf Schwierigkeiten stoße, so sei immer noch die Bernunft vorhanden und man fönne Einzelheiten regeln. Aber er bitte alle anderen in Betracht kommenden Nationen, auf dem Wege weiter zu schreiten, den die britische Regierung betreten habe, den Gesamtbericht von Herzen zur Ausführung zu bringen und ihr Bestes zu tun, um die durch den Bericht auferlegten Verpflichtungen auszuführen. Wir wollen auf den Gerechtigkeitsfinn der Welt vertrauen und darauf, daß das Recht legten Endes siegt. Henderson, der nach Macdonald das Wort ergriff, erklärte, ein Geist der Zuversicht beherrsche die Mehrheit des englischen Boltes und, wie er glaube, auch die Mehrheit der Völker Europas. Henderson mies hin auf den wunderbaren Fortschritt in der Rich tung des Friedens" infolge der Entscheidung der französi fchen Wahlen. Der erste Schritt der Arbeiterpartei fei die Anerkennung der Sowjets gewesen. Man fei froh, zu hören, daß die gegenwärtig stattfindenden englisch- russischen Verhandlungen zahlreiche Schwierigkeiten überwunden hätten; er hoffe, es würden auch abere noch bestehende Schwierigteiten überwunden werden. Jeßt, nach breijähriger Ehe, meldete fich die erste Ehefrau und erstattete Anzeige gegen 2. wegen Doppelehe. Nach Angaben ber Chefrau fei wohl die Scheidung vor sich gegangen, aber der Termin der endgültigen Scheidung stehe noch bevor. Der Ehemann Lotat hatte im besten Glauben gehandelt und erst nach der Zu Weg zum Standesamt. Nach neunstündiger Berhandlung fam das schrift seiner früheren Ehefrau beschritt er zum zweiten Male ben Gericht zur Freisprechung, da L. nicht wider besseres Wissen gehandelt habe. Die sozialdemokratischen Studenten. Ihre Aufgaben an den deutschen Hochschulen. Zu diefem Thema sprach auf Einladung der Sozialdemo fratischen Studentenvereinigung gestern Genosse Dr. Ries aus Jena. Aus welchen Kreisen tommt der Student her? fragte der Redner. Die Statistit vom Jahre 1919 zählt 4,1 Proz. Studenten aus dem Proletariat stammend, 52 Proz. aus dem nichtatademischen Mittelstand, 24 Proz. aus dem akademischen, 8 Broz. aus der Großbourgeoisie, 11,2 Broz. aus dem Landbefiz. Seitdem bes legten Jahres hat den Mittelstand proletarisiert. Das geistige hat sich aber das Bild wesentlich verändert. Die Inflationsperiode Antlitz der Studenten wird durch zwei soziale Institutionen bestimmt: durch Familie und Schute. Das technische Bindemittel der Familie, diefes in Auflösung begriffene mittelalterliche Ueberbleibsel, bildete das Geld Die Inflation hat ihm aber den letzten Stoß gegeben. Der Werkstudent beherrscht das Feld. Der Brotstudent, für den das Studium nur ein Mittel ist, später Geld zu verdienen, macht sich jetzt breiter denn je. Die Schule wieder, die eine Borbereitung für das Leben sein sollte, ist nur Instrument zur Aneignung mechanischen Wissens. Sie ermöglicht nicht die he wußte Berufswahl, die der Eignung entspringen muß. Die Berufs wahl selbst steht unter dem Geseze von Angebot und Nachfrage. Gie fommt unter das Räberwert der Zwangsläufigkeit, die das ganze Wirtschaftsleben beherrscht. Dem Elend dieses Systems tann nur die sozialistische Planwirtschaft ein Ende machen. Der Student, in der Tradition der Familie und Schule aufgewachsen, wird zum günstigen Nährboden für eine nationalistische und reattionäre Propaganda. Die Illusionsfähigkeit der Jugend tut dabei das ihrige. Der Student ist daher wenig empfänglich für Sozialismus, Pazifismus und Klaffentampf. In Wirklichkeit aber unterliegt der Kopfarbeiter dem gleichen Schidsal wie der Handarbeiter. Gang wie der lettere ist er von den Produktionsmitteln losgelöft, auch für ihn ist der dem Proletariat geschichtlich aufgezwungene Klaffenkampf der einzige Weg zu einer Erlösung. So wird es ihm zur Pflicht, an dem Klaffentamps, deffen fittlicher Gehalt die Befreiung der Menschheit ist, teilzunehmen. Deshalb muß es für ben Studenten heißen: die wirtschaftlichen Zusammenhänge fennenzulernen, die Lehren des wissenschaftlichen Sozialismus in fich aufzunehmen, sich über die Fragen der Tagespolitit flar zu werden und aktiv am politischen Leben teilzunehmen. Sozialistische Erziehung und Teilnahmeim Rampfe für eine soziale Republit Schulter an Schulter mit dem Proletariat muß zum höchsten Gebot des sozialdemo= fratischen Studenten werden. In der Distusfion rechnete Genosse Dr. Landsberg ebenso geistreich wie wissenschaftlich begründet mit den kommunistischen und mit den Rednern aus der republikanischen Vereingung Schwarzrotgold" ab, die der Sozialdemokratie alle möglichen und unmöglichen Dinge vorwarfen. Einen Hieb, der faß, verfekte diesen Herren, die überall viel Geräusch machen und oberflächlich Kritik üben, nicht aber felbft an der Kleinarbeit unter dem Proletariat mithelfen, Genosse Dr. Friedländer. In seinem Schußwort fam Dr. Kies noch einmal auf die Tattit der Kommunistischen Partei und insbesondere auf ihre arbeiterfeindliche Rolle in Thüringen zu sprechen, mo die reoktionäre Regierung mit einer größeren Geschwindigkeit alle fufturellen Errungenschaften des Proletariats abbaut, als es der Sozialdemokratie möglich war, fie aufzubauen. Hoffentlich gelingt es der Sozialdemokratischen Bereinigung, die studentischen Kreise, die fich von dem Bann der Tradition und der fleinbürgerlichen Familie losgejagt haben, zusammenzufaffen und sie dem Kampfe des Profetariats für den Sozialismus zuzuführen. Der ausgeraubte Geldbrief. Die mysteriöse Berautung eines Geldbriefes, deren Aufklärung die Kreise der Postbeamten längere Zeit in Atem hielt, beschäftigte das Schöffengericht Mitte. Im Juli 1922 war ein Gelbbrief mit über 200 000 Mart Inhalt, der in Oberschlesien zur Boft gegeben mar, in Lubliniz mit abgesplittertem Siegel angefom.men, dann vorschriftsmäßig geprüft und mit dem üblichen Bermerf von der Post nach Berlin weitergefandt worden. Nach Aushändigung des Briefes stellte die Empfangsfirma in ihrem Bureau fest, daß der ganze Inhalt bis auf 20 Mark fehlte. Ein augenscheinlich vom Boftamt C 1 benutzter Stempel fenfte den Berdacht auf den Postfekretär Be B, der von seinem Amt fuspendiert wurde. In der gerichtlichen Verhandlung sprach sich der als Sachverständige vernommene Postdirektor Harder für die Schuld des Angeflaten aus, der den Brief etwa 2 Stunden in seiner Berwahrung gehabt und dadurch Gelegenheit gehabt hätte, während dieser Seit den Boststempel zu benutzen. Infolgebeffen beantragte der Staatsanwalt ein Jahr Gefängnis. Der Verteidiger wies nach, daß die Aufklärung nach dem richtigen Täter durch die vorschriftswidrige Aushändigung des Briefes an den Empfänger perhindert worden sei, weil das letzte Postamt den öffentlich ver legten Brief meder geöffnet noch auf den Inhalt nachgeprüft hatte. Allerdings hätte der Angeklagte, ein alter Beamter, den Brief auf dem Bostamt C 1 in den Händen gehabt. Der Brief sei ihm aber von den nachfolgenden Stationen abgenommen und abquittiert morben. Der Berdacht, der sich gegen alle Beamte gleichzeitig richtete, wäre gegen den Angeklagten allein aufrechterhalten worden, weil diefer im Gegensatz zu allen anderen Beamten die Schadenerfaßpflicht allein bestritten hatte. Das Gericht, das sich diesen Ausführungen des Verteidigers angeschloß, fprach den Angeklagten frei. Zeuge eines Autounfalls gesucht. Der schwere Automobilimfall, der am 4. April d. 3. zwei Menfenleben forderte, beschäftigt noch immer die Straf behörden. An jenem Tage tam von der Pfaueninsel her ein Auto nach Wannsee herangeraft, überfuhr an der Ede den Assistenzarzt Dr. Zonsbach und den Bäderlehrling Dreßler und verlegte fie fo schwer, daß fie starben. Das gleiche Auto fuhr dann auch noch einen Motorradfahrer an, so daß er mit seiner Maschine über den Chauffeegraben hinwegflog. Dieser Motorradfahrer hat sich nicht gemeldet und fonnte auch nicht ermittelt werden. Zur Aufklärung wird er ersucht, feine Adresse der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Potsdam zum Aktenzeichen 5 I 33 524 mitzuteilen. Zu der geftrigen Funktionärfonferenz. Genosse Crispien schreibt uns: Der Bericht über die gestrige Berliner Funktionär. tonferenz läßt mich im Schlußwort fagen:" Wir haben teine Ber anlassung, gegen das Polizeivergehen in der ruffischen Handelsver tretung zu protestieren." In Wirklichkeit habe ich gefagt, daß die polizeilichen Uebergriffe gegen die russische Handelsvertretung auf s fchärfte verurteilt und zurüdgewiesen werden müssen und daß im übrigen Verhandlungen im Gange find, von denen wir hoffen wollen, daß sie zur Beilegung der Angelegenheit führen. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Heiter und warm. Deutschland: In ganz Deutschland troden und warm. Groß- Berliner Parteinachrichten. 2. Areis Tiergarten.( Berichtigung) Right Freitag, fondern Donnerstag, 15. Mai. 8 Uhr: Erweiterte Kreisvorstandsfigung bei Trümper, Flensburger Str.& st. Mittmed, 14 ,, abends 8 Uhr, im Zotal von L. Balm, Röperider Str. 31: Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Parteigensen anbedingt notwendig. 100. Bewerkschaftsbewegung Gewerkschaftskongres im Saargebiet. Die Freien Gewerkschaften hielten am 11. Mai in Malstatt einen Rongreß ab, auf dem 146 Delegierte, außer dem Bezirks, ausschuß, vertreten waren. Genosse Engelbert Graf, Stuttgart, hielt ein Referat über die allgemeine wirtschaftliche Lage, Genosse immrig, Saarbrüden, behandelte die fa ar tändischen Wirtschafts- und Gewertschafts fragen. Die Rommunisten trieben auch hier ihr gewohntes Spiel. Die Resolution der Bezirksleitung lehnten fie ab, bie folgende Forbe rungen an bas Unternehmertum enthält: Sur Bermeidung von Produktionsstodungen und Arbeiterent faffungen eine rechtzeitige Anpassung an den durch die Umlegung der Zollgrenzen eintretenden neuen Zustand. Die Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Betriebe burch die. Einführung bzw. den Ausbau verbesserter technischer Einrichtungen und die Ausmerzung jedes die Produktion verteurnden Schmaroher tums find hierfür erste Borbedingungen. Der Rongreß verurteilt auf das fchärffte die furzfichtigen Be. strebungen derjenigen Arbeitgeber, die da glauben, die Leistungsfähigkeit ihres Betriebes durch Abschaffung des Achtstundentages ober burch Lohnreduzierungen zu erreichen. Er betrachtet vielmehr den Achtstundentag als bie wichtigfte Borausfegung für einen wirb schaftlichen Aufstieg und eine austömmliche Entlohnung als eine zwingende foziale Pflicht gegenüber der Werte schaffenben Arbeit. Ausreichende Löhne find ferner das beste Mittel, um durch Steigerung des Infanbabjaßes die Produktion zu heben. Die freien Gewerkschaften find felt entfchloffen, alle entgegen gefeßten, bon engftirniger Profitfucht bittierten reattionären und unfozialen Maßnahmen des Unternehmertums mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen." In der Diskussion faßte der Kommunist 3eiß seine Aus führungen dahin zusammen, man müsse brutal vorgehen, um das Broletariat aus dem Elend und der Not herauszuführen, um es in ein besseres Jenseits(!) zu führen. Der Rongreß hat gezeigt, daß die Gemertschaften im Saargebiet jebe auf Berschlagung und Zersplitterung ihrer Drganisation gerich tete Tattit entschieben ablehnen. Die fommunistische Forderung auf Abhaltung eines Arbeiterausschußtongresses wurde mit Sweibrittelmehrheit abgelehnt. Der Vertreter der Gewerkschaften in Budwigshafen, Genoffe Wachtmann, sprach den Genoffen bes Gaargebiets den wärmsten Dant dafür aus, daß auf ihr Drängen Die Rinder ber Budwigshafener Arbeiterschaft, die in Rot und Elend zu erstiden brohte, von den Genoffen im Saargebiet in Pflege ges nommen wurden. Die einbrudsvolle Rundgebung schloß mit einem brausend aufgenommenen hoch auf die Freien Gewerkschaften. Ungültige Betriebsrätewahl. Manöver der Gelben. Sm Automobilwert der Firma Siemens Shudert ist ein großer Teil der Arbeiter nicht organisiert. Diesen Umstand benußten einige im Betriebe beschäftigten Mitglieder einer gelben Organisation, um bei der Betriebsrätemahl im trüben zu filchen. Sie machten unter den Unorganisierten Propaganda für die Aufstellung einer iste der Unorganisierten", bie mit der gewertschaftlichen Liste tonfurrieren sollte. Es ließen sich dann auch 20 Unorganisierte für den Plan der Gelben einfangen und sich auf die Borschlagsliste feßen, die dann dem Bahloorstand einge reicht wurde. Bevor noch der Aushang der Liste erfolgt war, wurde Im Arbeitszeitkampf der gefemten deutschen Arbeitnehmerschaft find die Ruhrbergleute unfere Bortämpfer! Die Reaktion( petuliert auf ihre finanzielle Schwäche und erwartet in dem Hunger der auspelperrten Bergarbeiter ihren entscheidenden Bundesgenoffen. Alar und deutlich ist damit unsere Aufgabe vorgezeichnet: es gilf, bie engite Berbindung mit unferem Bortrupp aufrechtzuerhalten und durch reichliche Geldfammlungen auf den Liften der Ortsausschüsse des ADGB., des Afa- Bundes oder des DB. von den Kämpfenden im Ruhrgebiet den Hunger fernzuhalten! Die Weil dies schwer ist, müffen wir uns ganz besonders anstrengen. Dann wird und muß es uns gelingen, bie Spekulation des Unternehmertums zu vereiteln! Arbeiter unter Tage fordern von ihren Klaffengenoffen. über Tage weiter nichts, als Solidarität zu üben! Fällen, die in ben Baragraphen 5 unb 7 der ahtordnung angegeben finb( es handelt fich um die hier nicht vorliegenden Fälle, wo die Zustimmung der Kandidaten fehlt oder ihre Person nicht genügend bezeichnet ist), barf eine Streiung von der Liste, nachdem die Borgeschlagenen beretts zugestimmt hatten, nicht vor genommen werden. Auch dann nicht, wenn die Borgeschlagenen oder die Listenvertreter mit der Streichung einverstanden sind. Erst nach erfolgter Wahl ist ein Rüdtritt der Gewählten zu lässig. Bergarbeiterhilfe. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Berliner Junttio. näre der Gewerkschaften die Sammellisten für die Bergarbeiterhilfe", die ausschließlich zur Unterstützung der ausgefpercfen Bergarbeiter beftimmt ist, von ihren Organisationen ent nehmen und mit diesen die darauf vereinnahmien Beträge Schnellstens wieder abrechnen müssen. Kollegen, jetzt Eure ganze Kraft ein, um ein gutes Ergebnis zu erzielen! Sabath Gewerkschaftskommiffion Berlins und Umgegend. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. Flatau. Werzow. Lohnverhandlungen in der Solinger Industrie. Solingen, 18. Mai.( Tul.) In der Solinger Industri, fanden Lohnberhandlungen statt. Die Bertreter der Arbeitgeber erflärten, bie 20prozentige Lohnerhöhung, die bie Gewerkschaften nach gefucht haben, im Augenblid nicht genehmigen zu können, da die wirtschaftliche Lage und vor allem bie Unmöglichkeit, Arebite zu erhalten, es der Inbustrie unmöglich machten, jezt schon an eine Lohnerhöhung au denken. Die Arbeitgeber ersuchten um Ber tebung der Lohnverhandlungen um 14 Tage. Die Gewerl fchaften erflärten, daß fie mit diesem Boriclage nicht einverstanden feien und betonten, daß man umgehend den Schlichter in Dort mund anrufen werde. Auch über die Frage des Manteltarifs A lonnte eine Einigung nicht erzielt werben, weshalb bie Gewerk schaften auch in dieser Frage ben Schlichter anrufen werden. Eine Arbeitskammer im Saargebiet. Der franzöfifche Generalsekretär der Regierungsfommission des Saargebiets meilte in den letzten Tagen in Saarbrüden, um mit dem Arbeitsamt über die geplante Gründung einer Arbeitsfommer im Saargebiet zu verhandeln. Ob es fich hier um eine Arbeitsfammer in unserem Sinne han belt, bleibt abzuwarten. 3m Hamburger Werftarbeiterstreit sollen am Freitag erneute Verhandlungen aufgenommen werden. Db es dazu kommt, ist noch fraglich, da die Anregung nach der Ill. diesmal von einer Seite ausgegangen fei, die anonym zu bleiben wünscht. Doch fommt es schließlich darauf an, ob und inwieweit die Unternehmer entgegen. tommen zeigen. die Hälfte der Kandidaten fahnenflüchtig. Inzwischen waren sie durch Kollegen darauf aufmerffam gemacht worden, daß die Liste der Un organisierten ein Wert der Gelben war und daß sie beren Geschäfte beforgen würden, menn fie fich auf diese Liste mählen ließen. Da fagfen fich die Betreffenden, wenn wir auch nicht organie fiert fimb und vom Metallarbeiterverband nichts wiffen wollen, so wollen wir von den Gelben erst recht nichts wiffen. Elf Randidaten erklärten darauf ihren Rüdtritt von der Liste. Sie wurden, fomeit sie ihren Rücktritt noch vor dem Aushang ber Urabstimmung im Baugewerksbund. Bifte dem Wahlvorstand angezeigt hatten, von diesem aus der Liste Morgen Donnerstag werden die Mitglieder des Baugewerts gestrichen und die Biftenvertreter der Gelben davon benachrichtigt. bundes in den bekannten Abstimmungslokalen zu dem Ber Drei Randidaten, die ihren Rücktritt schriftlich erklärt hatten, ließen gleichsvorschlag Stellung nehmen, und zwar die an der Aus.iehen fich von den gelben Machern breitschlagen und wider riefen ihren Rüdtritt, nahmen aber am folgenden Tage Sperrung Beteiligten in der Zeit von vormittags 9 bis den 23 iberruf zurüd und einer von ihnen ftrich die drei Namen 1 Uhr, für die in Arbeit stehenden Mitglieder in der Zeit der bereits ausgehängten Lifte. So hatten die Gelben und Unorgani Don 5-7 Uhr abends. Mitgliedsbuch, Streiftarte ober Arbeits- fierten einen Wirrwarr angerichtet, in dem sich niemand mehr zu berechtigungskarte dienen als Ausweis. Die Fachgruppen der Stutta rechtfinden fonnte. Der Wahlvorstand stellte die Lifte mit den elf teure, Fliesenleger, Glafer, Betonierer, Isolierer und Ausfertiger find Streichungen zur Wahl. Diese Liste befam durch die Wahl ein Be an der Abstimmung nicht beteiligt. triebsratsmitglied und einen Bertreter, während auf die gewerkschaft liche Lifte neun Mitglieder und neun Vertreter gewählt wurden. Die Liftenvertreter der Gelben erhoben beim Arbeits.trieb. Der Streit auf den Rohlengruben bouert unveränbet fort. gericht( Rammer 11 des Gewerbegerichts) Einspruch gegen bie Wahl. Die Firma hatte gleichsfalls Einspruch erhoben, ihn aber Dor: der Berhandlung zurüdgezogen. Die Melbestellen letter find verpflichtet, dem Borstand des Baugewerksbundes fofort von dem Abstimmungsergebnis Kenntnis zu geben, und zwar an demselben Abenb von 7 bis 9 Uhr per Telephon unter Morigplay 4093 und 4094,[ pätestens aber bis Freitag früh 9 Uhr. Spätere Angaben fönnen nicht mehr berüd Der Bereinsvorstand. fichtigt werden. -EchtR. Che Vreaux mod.spitz Form 79⁰ யம் Bei uns noch Das Gericht gab bem Cinspruch statt und erflärte bie Wahl für ungültig mit der Begründung: Außer in ben billiger In der Streiflage in Deutsch- Oberschlefien ist eine weitere erhebliche Berschärfung eingetreten. Seit heute früh streifen auch die Betriebe von Oberbedarf und die Drahtwerte der Oberschlesischen Eifenindustrie A.-G. Die Belegschaften der Rheden- Hütte und der Deichselwerke in Hindenburg find gestern nachmittag erneut in den Ausstand getreten. Auch auf der Donnersmard- Hütte ruht der Be Berantwortlich für Bolitik: Craft Stenter; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Calozn; Feuilleton: Dr. John Schitowsti, gofales und Sonstiges: Fris Rarflabt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Bormaris Series C. m. b. S. Serlin. Drud: Borwärts- Budbruderet und Berlansanftelt Baul Ginger u. Ca.. Berlin G. 68. Lindenstraße 8.. bei guter Ware Echt R Box mod. runde Form Die neue 690 spitze 890 Form 05 Damen- Halbschuhe Braun echt Chevreaux Dunkel od, hell, erstklassiges Fabrikat. ganz sp.tze neueste Form, auserlesenes, bestes Material Elegant Pumps9 80 90 Leinen Schnür. Nur noch einige Beispiele: and Spangenschuhe. mod. Formen.. Leder Schnürand Spangenschuhe, engl. Absatz für altere Damen 29 Leder- Hausschuhe für Herren- und Damen, gute Ledor sohlen, sehr gutes Fabrikat brau und schwarz Leder- Niedertreter für Damen. Reiseschuh, elegante dunkelbraune Farbe, gutes Fabrikat für Louis XV Absatz, Lack 11.00, 800 Orig. Good- Welt Pantoffel Herre 65 P braun echt Chev 10.90, schw. R.- Chevr Feinfeine Luxussachen Grau Nubuk, m. braun Boxkalf- Besatz, breite Schiebeschnalle, in viel. Zusammenstellungen. erstkl. Fabrikate 1850 1980 echt Boxkalf sehr gute Qualität. 8 90 für Dames... Herren- Halbschuhe os Brann echt Rindbox 295 55 PL. Auf Raad gedoppelt mod spitze Form Schwarz R.- Chevund Cromleder moderne reaux runde Form.. Bestklassiges Fabribat Boltza Form gute Verarbeitund.... 1190 980 Herren- Stiefel Braun echt Boxkali 1250 moderne runde Form. do. Braun Spaltleder 5 do. Echt Boxkalt schware, sehr gutes Fabrikat. Behrndt Pchuh Pokal Gross Detail Allgemeine Ortstrantentaffe Berlin- Pankow. Außerordentliche Ausschußsitzung am Mittwoch, den 21. Mai 1924, abenbs 28 Uhr, Im Raffenlofal, Berlin- Bantow, Breitestraße 13. Tagesordnung: 1. Antrag des Bor 17 nu Münzstr. 25 Gardinen verlauf Bitte, Wilmersborier Str. 66 A. 1. Etage Rein Baben. Kontur renglos bill. Breife in Gardinen, Stores, Bettb., Tisch. Di wanbed., Bettworlg. Bef.ohne Raufamang. ftandes aut Erwerb und Beräußerung Bettwäsche anzahlung gestattet eines Grunbitids 2. Wahl von Ber tretern des Ausschusses gemäß§ 97 ber Gagung. 3 Aenderung der Dienstordnung. Berschiedene Raffenangelegenheiten Antragen. Die eine vorherige Brilfung Wäschestoffe Leibwäsche Tischwäsche Altes Frottierwäsche Spezialgeschäft benötigen, find 3 Tage vor der Gigung Deckbettbezüge bem Borstanbe einzureichen. Die Bertreter der Arbeitgeber und ber Bersicherten werden um pünktliches Er fcheinen gebeten. Ein Ausweis wird noch augesandt Der Vorftand. C Gütig. Vorsigender. 104/17 Jedermann Rundfunkteilnehmer! Milli- Radio der eleg ausgestattete Taschinapp. D.R.P. ang. Absol Tonreinh. Preis Keine Hochant. 10 Mk. in Gr- Berlin Klarer Empf Vorführ zu all. Sendezeit bis 6 Uhr abds R. Goedicke& Co., Bla.- Schöneberg, Jansbruckerstr. 38 Tücht. Vertr. ges. Meld v. 19-10 vorm. Benatz. v. Funkanlag. iai nur m, Genehm. der R, F. V. gestattet in Kopfkissen KamelbaarBettlaken Inlette Handtücher Hemdentuche Damaste Dimiti, Linons Züchen, Nessel Kaffeedecken Künstlerdecken Tischtücher Servietten Wäschefabrik General- Vertr. in all. Sendestat z. vergeb. S. Einhorn Neukölln Metallbetten Herforthstraße 31 Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv Kat. 30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thor. a.d.Hermannstr SchlafRelie Deden Trifotagen Strümpfen Fries billigft Tagespr. Gebrüder Pflaume Berlin SW. Friedrichstr. 205 Ede Zimmerfte. Frankfurter Alle 53 Hottbourser Damem38 SpezialGardinen- Werkstätten S. KRÜGER Neukölln, Bergstr. 67, II. Kein Laden:: am Ringbahnhof:: Kein Laden verkaufen auch fernerhin ihre Fabrikate zu ganz außergewöhnlichen Fabrikpreisen Künstler- Gardinen 3 teilig... Stores in Tüll u. Etamine Bettdecken 1 bettig Bettdecken 2 bettig Madras- Garnituren Gardinen vom Stück. 6.00 4,00 4.00 8.00 12.00 0.55 Filet- Antik und Handarbeits- Stores in der bekannt guten Qualität zu staunenerregend billigen Preisen. Schwarzgrundige Madras- Garnituren elegant verarbeitet, spottbillig. Unsere seit 17 Jahren bestehenden Werkstätten verbürgen sich für ihre Fabrikate. 1090 Feinleine Luxussachen Stiefel u. Halbschuhe billig. Kinderstiefel und Halbschuhe in braun, schwarz und Lack in großer Auswahl billig. RAURINGE Derliner Elektriker vorrät, nur bill Preisberechn Genossenschaft angeschl. dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit. 44 4. in jed. Größeu Qualität, stets M. Dinse, Juwelier Lichtenberg, Frankt. Allee 202 Nähe Bahnh. Lichtenb.- Friedrichst Teleph. Lichtenberg 3322 Kinderland 1924 2000000000000000000 Ein Buch für unsere Jungen Achtung!!! Beim Einkauf von je 20- M. erhält jeder Käufer bis auf weiteres 100 Zigaretten gratis! Einkaufspreise sin nicht erhöht und wie bekannt billigst! Marken- Zigaretten Zigarren Kau-, Ranch- u. Schnupftabake Winkler Michaelkirchstr.24 Nähe Jannewitz- Br, Moritzplatz 15 187 Verkauf nur an Wiederverkäufer. und Mädel Bit reichem Bildersamud berfehene Kalenderleiten. Erzählungen auch be lehrenden Inhalts, schöne Gedichte machen das Buch zu einem immer wieber gern in die Hand genommenen Gefchent Preis 1- mari Bu haben bei allen Zeitungsspebiteuren und in der Vorwärts Druckerel, Lindenstr.3