Abendausgabe Nr. 22741. Jahrgang Ausgabe B Nr. 115 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 1305 6m Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 15. Mai 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die Regierungsfrage in Frankreich. Léon Blum gegen Koalition. Aus den Aeußerungen der Pariser Blätter gewinnt man noch kein flares Bild über den Charakter der neuen franösischen Regierung. Die Parteien der Linken sind zwar darin einig, daß der Kurs Poincarés durch einen deutlich ausgepräge ten Linksturs abgelöst werde, aber wie weit dieser Kurs gehen mird, hängt davon ab, welche der linksstehenden Barteien den ausschlaggebenden Einfluß in der Regierung haben wird. Alle künftigen Regierungskombinationen drehen sich hauptfächlich um die Frage, ob Briand oder Herriot Chef der Regierung werden wird. Daneben steht die Frage im Vordergrunde, welche Haltung die sozialistische Partei in der Frage der Regierungsbildung einnehmen wird. Bisher war der Standpunkt der Partei, entsprechend dem Beschluß des Amsterdamer Sozialistentongresses von 1904 der, daß die Bartei sich nur unter ganz besonderen Umständen an einer bürgerlichen Koalitionsregierung beteiligen könne. Dieser Standpunkt scheint auch jezt in den maßgebenden Kreisen der Bartei vorzuherrschen. Laut einer Meldung der Expreß- Rorrespondenz vertritt Genosse Léon Blum in der heutigen Nummer des„ Populaire" folgenden Standpunkt: 1. Hinsichtlich der Mitarbeit der Sozialisten in einem Rabinett feien besondere Umstände, wie sie in der Amsterdamer Resolution vorgesehen sind, nicht eingetreten. 2. Eine direkte Beteiligung der Sozialisten an der Regierung würde sowohl für die Radikalen als auch für die Sozialisten die größten Schwierigkeiten heraufbeschwören. 3. Die sozialistische Partei sei bereit, entsprechend dem Beschluß des letzten Parteitages jede Reform und jede ehrliche Demokratie zu unterstüßen und jeder Regierung, die zu einem solchen Werke bereit sei, ihre Hilfe zu leihen. Diese Stützung könne jedoch sicherlich dauernder und wirksamer von außen erfolgen als von innen. Neben dieser Auffassung wird von einer anderen Gruppe in der Partei die Auffassung vertreten, daß die Sozialisten sich an dem neuen Kabinett beteiligen müßten. Zur endgültigen Klärung dieser Frage wird zum 1. Juni nach Paris ein Bar teitag einberufen. Welche Bedeutung dem Beschluß der Sozialisten in den Kreisen der bürgerlichen Linksparteien beigemessen wird, geht ous folgender Darstellung des linksdemokratischen„ Deuvre" über den voraussichtlichen Gang der Entwicklung hervor. Danach wird Präsident Millerand Herriot die Kabinettsbildung mit oder ohne Bedingungen übertragen. Im ersten Falle werde Herriot seine Mitwirkung ablehnen, andernfalls aber die Sozialisten um ihre Mitarbeit ersuchen. Sei der sozialistische Parteitag dafür, so täme ein Lintskartell an die Regierung. Sonst werde sich der neue Ministerpräsident anderswo nach Unterstützung umsehen. Sollte Herriot die Kabinettsbildung nicht übernehmen, so werde sich Millerand voraussichtlich an Briand wenden. Noch energischer wie das „ Deuvre" tritt der linksradikale Quotidien" für eine Koali tion mit den Sozialisten ein, deren Beteiligung an der Regierung er als unentbehrlich" bezeichnet. " Die Verhandlungen im Ruhrkampf. Der Ausgang ungewiß. Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium find heute fortgesetzt worden. Gegen 2 Uhr trat in den Berhandlungen eine furze Pause ein. Ueber den Gang der Berhandlungen tann bisher noch nichts mitgeteilt werden. Es ist noch völlig ungewiß, ob auf einen günstigen Ausgang gerechnet werden kann. Es besteht lediglich einige Aussicht, daß die Verhandlungen heute abend zu Ende gehen. Freibrot für arbeitslose Bergarbeiter. Dortmund, 15. Mai.( Tul.) In Dortmund wird an nicht ar beitende Bergleute jeden Alters Freibrot auf dem Wohlfahrtsamt ausgegeben. Neue Butschgelüfte der Separatisten. Elberfeld, 15. Mai.( TU.) Aus dem Ruhrgebiet wird berichtet, daß die Separatisten Matthesscher Färbung für die nächsten Tage einen Butsch planen. Sie fagen fich, daß ihre Absichten an. gesichts des Ausfalls der französischen Wahlen ungefäumt in die Tat umgesetzt werden müssen oder überhaupt nie mals ausgeführt werden fönnten. Sie halten den jetzigen Zeitpunkt auch deshalb für günstig, weil sie auf die Unterstützung eines Teils ber ausgesperrten Bergarbeiter hoffen. Wie es heißt, soll der Butsch mit der Besetzung der Zechenanlagen durch die von ihnen aufgestellte republikanische Notwehr beginnen. Letzte Sihung des Volksgerichts. Die Ministerverhaftung im Bürgerbräu. Breitscheid über den französischen Wahlerfolg. Paris, 15. Mai.( WTB.) Der sozialdemokratische Reichstags: abgeordnete Breitscheid, der sich auf der Durchreife in Baris aufhält, erklärte einem Redakteur des„ Populaire", sicher sei es bebauerlich, daß das Anwachsen der französischen. Linten mit einer Rechtsorientierung in Deutschland zusammenfalle. Aber alles berechtige zu der Hoffnung, daß der Sieg der französischen Linken die Aktionsfähigkeit der deutschen Nationalisten schwächen werde; denn es sei nicht zu übersehen, daß die letzteren ihren Erfolg zum Teil der Politik des Nationalen Blods verdankten. Selbstverständlich könne sich feine deutsche Regierung einbilden, daß sich die durch den Bericht der Sachverständigen geschaffene Lage durch den Sieg der Linksparteien geändert habe. Die deutschen Sozialisten hätten ihren Wahlfeldzug hauptfächlich unter der Parole Annahme des Sachverständigenberichtes" geführt, und jetzt werde es ihre Hauptaufgabe sein, mit allen Kräften zu verhindern, daß man von dieser Linie abweiche. Auf alle Fälle fei zu erkennen, daß, wenn auch die Situation an sich dieselbe bleibe, die Atmosphäre sich doch geändert habe. Er sei überzeugt, daß man bei beiderseitigem guten Willen in verhältnismäßig furzer Zeit zu einer befriedigenden endgültigen Lösung der Reparationsfrage und der Frage der Ruhrbefeßung gelangen werde. Die deutschen Sozialdemokraten feien stolz darauf, daß der internationale Sozialismus in größtem Maße dazu beigetragen habe, die Hindernisse zu beseitigen, die sich dem allgemeinen Frieden entgegenstellten. ,, Das Unglück des deutschen Rechtsruckes". Condon, 15. Mai.( WTB.)„ Daily Chronicle" schreibt, die französische Regierung, die wahrscheinlich gebildet werden würde, eröffne weit hoffnungsvollere Aussichten. Ihr aufrich tiger Wunsch nach finanziellen Reformen bedeute, daß fie ebenso wie Großbritannien deutsche Reparationen um ihrer selbst willen suchen müsse und nicht als einen Vorwand zu annexionistischen Sicher heiten". Auf diesem Wege sei der Dames Bericht der aner. tannte Wegweiser. Es sei jedoch ein großes, wenn auch leicht erflärliches Unglüd, daß zur felben Zeit, wo Frankreich eine Rammer wählte, die dem Frieden und der Regelung der zu lösenden Probleme günstig gesinnt sei, die Wahlen in Deutschland einen starten ud nach rechts ergeben hätten. Doch mehrten sich die Zeichen, daß die Deutschnationalen nicht das Odium auf sich nehmen würden, die Abstimmung über eine Verfassungsänderung zu benugen, um den Dawes- Bericht zum Scheitern zu bringen. Der diplomatische Berichterstatter des„ Daily Telegraph" fagt, daß Gerüchten zufolge, die in London aus gutunterrichteter Quelle eingetroffen feien, annähernd% der Anhänger Hergts bereit seien, die Politik des Reichstanzlers Marg und des Außenministers Strese mann anzunehmen. Es sei zu hoffen, daß der Umschwung nach links in Frankreich nicht unter den deutschen Politikern die gefährliche Täuschung beleben werde, daß die neue französische Regierung weniger auf Reparationen und Sicherheit bestehen werde als die corige, wenn sie vielleicht auch bereit sein werde, mit einem Deutsch land, das ehrlich seine Verpflichtungen erfülle, zusammenzuarbeiten. des Hitler- Unternehmens. Heß wurde wegen Beihilfe zum Hochoer rat zu einer Festungsstrafe von 1 Jahr 6 Monaten und einer Geldstrafe von 30 m. verurteilt. Er hat diese Strafe sofort anzutreten. Für den Strafteil von 1 Jahr 3 Monaten erhielt er Bewährungsfrist bis zum 1. Mai 1928: Gegen die völkischen Treibereien. Auch der Breslauer Stahlhelm- Rummel verboten. Breslau, 15. Mai.( TU.) Die Ortsgruppe Breslau des Stahlhelm hatte für den nächsten Sonntag eine große Rundgebung angekündigt, zu der auch Meldungen von auswärtigen Verbänden zahl reich eingegangen find. Wie mitgeteilt wird, hat das Preußische Ministerium des Innern die Genehmigung zu der geplanten Kundgebung versagt. Zugelaffen ist allein eine Versammlung im großen Saale des Schießwerder, die vorschriftsmäßig angemeldet worden ist. Aus der Presse ist zu ersehen, daß verschiedene Organisationen am kommenden Sonntag festliche Veranstaltungen begehen, wobei sie Bersammlungen oder Umzüge unter freiem Himmel ins Auge gefaßt haben. Es wird vom Polizeipräsidium ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Beranstaltungen unter freiem Himmel grund fäßlich verboten sind und feineswegs stattfinden dürfen. Die neuen Reichsfilbermünzen werden von den Bostanstalten auch bei der Begleichung der Einzahlungen auf Zahlfarten und Rentenmartpofianweisungen unbeschränkt angenommen. Für Wertbriefe nach Spanien ist der Meistbetrag der Wertangabe auf 3000 Goldfrant herabgesetzt worden. Ansturm von rechts. Unentschiedenheit der Mitte. Der heute morgen hier mitgeteilte Beschluß der Deutschen Volkspartei und der neue An sturm der Rechten gegen den Bestand der Regierung Marr kennzeichnen die innerpolitische Lage. In der Presse der Mittelparteien wird der Dolksparteiliche Beschluß gar nicht oder recht zurückhaltend kommentiert, man begreift, daß er dort einige Verlegenheiten bereitet hat. " Der Berl. Lokalanzeiger", der trog seiner ausgesprochen deutschnationalen Haltung noch mancherlei aus den Beratungszimmern der Volkspartei erfährt, bemerkt, zu dem Beschluß: Wie wir hierzu noch weiter erfahren, glaubt man in volksparteilichen Kreisen, daß der gegebene Weg zu der Regierungsneue bildung darin zu suchen ist, daß beim Wiederzufammentritt des Reichstages die Deutschnationalen als stärkste Frat. tion mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Man nimmt an, daß diese Bartei dann ihr Kabinett auf der Basis des großen Bürgerblods zu bauen versuchen wird. Er wenn dieser Weg sich aus irgendwelchen Gründen als ungangbar enweisen sollte( was jedoch nicht als wahrscheinlich angesehen wird), fönnte die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß das jeẞige Kabinett oder eine auf der gleichen, Basis gebildete ähnliche Regierung die politischen Geschäfte weiterführt. Ist diese Erläuterung des volksparteilichen Beschlusses richtig, dann kann der Vorstoß der Rechten gegen den weiteren Bestand des Kabinetts Marr nur als eine Parallelaktion zu ihm aufgefaßt werden. Es ist in politischen Kreisen und wohl auch im Kabinett selbst viel über die Frage gesprochen worden. ob der Wahlausfall den sofortigen Rücktritt bedinge oder ob die Reichsregierung den Zusammentritt des Reichstags Bleiben abhängig machen dürfe. abwarten und von seiner Stellungnahme ihr Gehen oder biet noch nicht herausgebildet. Das Berhalten des Kabinetts Eine bestimmte Praris hat sich bei uns auf diesem Ge= Müller nach den Wahlen von 1920 entsprach einer starren Auslegung der demokratischen Verfassung, die in der Regie rung nur einen Ausführenden Ausschuß des Barlamentes gramm um eine Mehrheit des Parlamentes in parlamenta sieht, ohne ihr die Möglichkeit zu geben, für ein eigenes Prorischer Feldschlacht zu lämpfen. Eine solche enge Auslegung der parlamentarischen Demoratie ist weder im Sinn noch im Wortlaut der Berfassung begründet, noch geht sie zwangsläufig aus dem Wesen der Demokratie hervor. Führertum und Demokratie find nicht unvereinbare Dinge- die formale Demokratie wird durch wahres Führertum erst mit Leben und Inhalt erfüllt. Das Rabinett Müller wählte nach den Wahlen von 1920 den Rüd tritt, die strengste und starrste Auslegung der parlamenta. rischen Demokratie, als Demonstration für die neue Verfassung. Diese Betonung des formalen Brinzips durch das Kabinett Müller aber schafft noch fein Gewohnheitsrecht. Die Regierung Ware ist darum weder durch zwingende Berfassungsverschriften noch durch Gewohnheitsrecht gebunden in ihren Entschließungen. Es steht ihr frei, ob sie mehr das formale Prinzip oder mehr das Führerprinzip betonen will, ob sie sich durch die Berufung auf das Formale vom Kampf um ihren außenpolitischen Kurs zurückziehen will, oder ob sie diesen Kampf bis zu einem eindeutigen und bindenden Be schluß des Reichstags fortfehen will. Die heftigen Angriffe, die von rechts her, von der„ Kreuz3eitung" und der Deutschen Zeitung", gegen den Bestand der Regierung Marre gerichtet werden, finden deshalb keine Begründung in der Verfassung und im parlamentarischen Brauch. Diese Angriffe sind politische Angriffe. Sie gelten dem außenpolitischen Kurs, den die Regierung Marr bisher eingeschlagen hat. Sie Die Deutschnationalen wollen der offenen parlamenta. rischen Feldschlacht für oder gegen das Sachverständigen gutachten ausweichen. Sie wollen vor dem Zusammentritt des Reichstags den Rücktritt der Regierung, um schon vor diesem Termin in Berhandlungen die Annahme des Sachverständigengutachtens wieder praktisch aufzuheben. wollen den Rücktritt der Regierung Marr ferner, um die Durchführung der Gutachten zu sabotieren. Daher richtet sich ihr neuester Angriff gegen die technischen Vorbereitungen, die in den Ministerien getroffen werden, um eine rasche Durch führung der Gutachten zu ermöglichen. Die„ Kreuz- Zeitung" erhebt folgenden Vorwurf gegen die Regierung: ,, Wie sich jetzt aber immer deutlicher zeigt, geht das Kabinett über diesen Standpunkt weit hinaus, ja es ist im Begriff, aus dem unheilvollen Entschluß der vorbehaltlosen Annahme des Sachverständigen gutachtens bereits praktische Folgerungen zu ziehen. Nicht nur, daß verschiedene deutsche Vertreter für die dort vorgesehenen Kommissionen bereits ernannt find, hat man darüber hinaus bereits Gefegesporlagen in Angriff genommen, die bei einer Durchführung des Sachver ständigengutachtens in Betracht kommen. Es ist unbegreiflich, daß das Kabinett Marr- Stresemann die Berantwortung für Handlungen übernehmen will, die ihm weder in fachlicher noch in moralischer Beziehung zu steht. Das Kabinett Marr- Stresemann hat in Vertagung der serbisch- französischen Berhandlungen. Die ferMünchen, 15. Mai.( WTB.) Das Voltsgericht Münbische Regierung hat ihre Gesandtschaft in Baris aufgefordert, der chen hielt gestern seine legte Sigung ab und beschloß damit franzöfifchen Regierung mitzuteilen, daß die Reife des Königs, der feine Tätigkeit. Angechlagt war der ehemalige Leutnant und Stuam 25. Mai zu einem offiziellen Besuch in Paris eintreffen sollte, dent der Staatswissenschaften Rudolf Heß. Die Anfiage beschul. wegen der Ministerkrise in Serbien auf unbestimmte Zeit verschoben diesen Tagen bewiesen, daß es die Grenzen, die einem Uebergangsworden sei. zufolge bezeichnet der Sefretär Sunyatsens die Meldung über den Sunnatsen am Leben. Einer Times"-Meldung aus Hongkong Tod Gunyatsens als vollkommen unwahr und als Erfindung feiner digt ihn, auf feiten Hitlers in den Bürgerbräufeller eingedrungen zu fein, Kahr, Lofsow und Seißer bewacht und auf Befehl verschiedene Minister und Beamte der Staatsregierung verhaftet und weggebracht zu haben. Das Gericht erblickte darin eine Förderung| Feinde. fordern deshalb umgehendes Rücktrittsgesuch fabinett politisch gezogen sind, nicht innezuhalten vermag. Wir bes kabinetts, damit eine Reinigung der Atmosphäre eintritt und nicht noch mehr verhängnisvolle Regierungsatte vollzogen wer Wir hoffen, daß die Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei in dieser Richtung einen ener gischen Schritt tut, die Regierung Marr- Strese. mann zum Rücktritt auffordert und sie zu der Verpflichtung zwingt, bis zur Ernennung eines anderen Kabinetts sich der Weiterführung direkter und indirekter Verhandlungen über das Sachverständig angutachten zu enthalten." Damit setzt die Kreuz- Zeitung" den von der„ Deutschen Zeitung" eröffneten Angriff fort. Die sachliche Begründung dieses Angriffes wird bereits heute morgen in der Ger mania" zerstört. Sie schreibt: Offenbar ist der Notenwechsel zwischen Deutschland und der Reparationstommission in den Räumen der " Deutschen Zeitung" noch nicht bekennt geworden, jener Noten wechsel, in dem die Reparationstommission Deutschland ausdrücklich gebefen hatte, die notwendigen Gesez entwürfe zur Ausführung der Sachverständigen gutachten vor zubereiten. Es ist also selbstverständlich richtig, daß in den Ministerien diese Gefeßentwürfe ausgearbeitet werden. Dieser Tatbestand ist aber feineswegs geheim gehalten, sondern der Deffentlichteit mehrfach in aller Offenheit und Klarheit mitgeteilt, ja, es find sogar die Oppositionsparteien offiziell darüber unterrichtet worden. Im übrigen find änhnliche Gesetzentwürfe schon zur Zeit der Regierung Cuno aus gearbeitet worden, deren Angebot vom vorigen Juni ja starke Parallelen mit den jetzigen Sachverständigenvorschlägen aufweift; die gegenwärtige Arbeit besteht also in der Hauptsache darin, die früheren Entwürfe nach den Erfordernissen der Sachverständigen gutachten zu modernifizieren. Die Erregung der Deutschen Zei. tung" ist schon deshalb nicht recht verständlich, weil ja feines dieser Geseze Wirklichkeit werden kann, wenn der neue Reichstag ihnen nicht zustimmt, so daß die Oppositionsparteien durch aus die Möglichkeit haben, ihre Bedenten in die Tat umzusetzen." Es geht den Deutschnationalen darum, den Beschlüffen des Reichstages zuvorzukommen und für den Fall der Annahme der Gutachten durch den Reichstag technische Schwierigteiten zu schaffen. Das Problem der Regierungsbildung ist nach diesen Angriffen und dieser Verteidigung flar auf die Frage reduziert worden: soll es bei der Annahme der Sachverständigengutachten bleiben und sollen sie ehrlich und aufrichtig durchgeführt werden, oder soll dieser Kurs verlaffen werden, sei es auf geraden, sei es auf frummen Wegen. Die Absicht der Deutschnationalen ist flar die Deutsche Boltspartei aber hüllt sich in gewollte 3weideu tigkeit. Die„ Germania" verteidigt den bisherigen außen politischen Kurs der Regierung, die Frankfurter Zeitung" weist darüber hinaus auf die Notwendigkeit hin, die innere Freiheit zu schüßen gegen die Deutschnationalen. Die bürgerlichen Mittelparteien werden zunächst Klarheit im eigenen Lager schaffen müssen. Die Reichsregierung, deren Mitglieder jetzt wieder voll zählig in Berlin versammelt find, wird, wie Eca. meldet, am Freitag und Sonnabend zusammentreten. In der ersten Sigung dürften Fragen der äußeren Bolitit, insbesondere die Sachverständigen gutachten, zur Erörterung stehen. Des weiteren dürfte fich die Reichsregierung mit der durch die Wahlen geschaffenen Barlamentslage befassen, vor allen Dingen mit der Frage, wie die Regierungsbildung erfolgen kann. Die Reichsregierung ist vorerst nicht gefonnen, der Aufforde rung der Deutsch nationalen nachzukommen und sich bis zur Bildung einer neuen Regierung jeder Weiterführung direkter oder indirekter Berhandlungen über das Sachverständigengutachten zu enthalten. Der hiesige Ausschuß der Zentrumsfrattion des Reichs tages wird am Sonnabend zusammentreten. Es handelt sich um die Stellungnahme zu Fragen der äußeren und inneren Bolitik, unter anderem dürfte auch die Anregung aus den bürgerlichen Mittel parteien, einen„ Nationalen Blod der Mitte" zu schaffen, zur Erörterung stehen. Es ist heraus- wir sind korrupt! Sonderbare Enthüllungen der Roten Fahne". Zum Prozeß Wels gegen ,,, Rote Fahne" veröffentlicht das kommunistische Zentralorgan jetzt sogar ein Dokument. Es ist ein Brief des Sozialdemokratischen Vereins Altona- Ottensen an die Bezirksführer und aktiven Genossen, unterzeichnet„ Der Parteivorstand". Darin heißt es: „ Bon besonderer Seite ist dem Parteivorstand eine Summe Geldes mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß sie als Entschädi. gung für unsere Helfer am Wahltage ausgezahlt wird, übergeben worden. Zur Auszahlung fann 1 Mart pro Kopf gelangen. Jeder Bezirksführer hat eine namentliche Liste derjenigen Genossen und Genoffinnen, die Anspruch auf diese Entschädigung erheben, im Laufe des Wahltages feinem Distriktsführer einzureichen, der das Geld fofort auszahlt. Jeder Tag bis zur Wahl und der Wahltag sind Kampftage für die Partei. Der Parteivorstand." Der örtliche Parteivorstand von Altona hat wirklich den Wahlhelfern zur Bergütung ihrer Unkosten 1 M. ausgezahlt, wozu er durch eine Zuwendung von parteigenössischer Seite instand gesezt wurde. Nun hat die„ Rote Fahne" bisher behauptet, nicht der Altonaer. Parteivorstand, sondern der Reichs parteivorstand habe nicht von einem Parteigenoffen, sondern von der Reichsregierung nicht ein paar tausend Mart, sondern drei Viertelmillionen Mart bekommen. Aber auf fo so kleine Unterschiede kommt es nicht an. Außerdem wird die Rote Fahne" ohne Gnade nody weitere Dokumente veröffentlichen, aus denen so flar wie aus diesem hervorgeht, daß die Sozialdemokratie die gekaufte Partei des Arbeiterverrats" ist. Wir aber werden es uns überlegen müffen, ob wir uns mit diesem blöden Uit schmieriger Verleumder noch weiter beschäftigen sollen... " Ein nationaler" Klub. Staatsminister a. D. Heinze übernimmt den Vorsiz. nannter Nationaler Klub" gegründet worden, deffen Mit In Dresden ist, wie die Telegraphenunion meldet, ein soge glieder, zurzeit etwa 600, fich über ganz Sachfen verteilen. Der 3wed der Gründung ist, wie es in der Meldung heißt, Deutsch nationale, Bolfsparteiler und gemäßigte Bölkische zu gemeinsamer Arbeit im nationalen Sinne zusammenzuschließen zur Erreichung der Ziele, die den genannten Parteien und jedem wahrhaft Deutsch fühlenden erstrebenswert sind." Den Vorfiz hat der Reichsjustiz minister a. D. Heinze, das bekannte Mitglied der Volkspartei, übernommen. dung nicht hervor. Die Art der Aufmachung läßt aber darauf Die wahren Ziele des nationalen" Klubs gehen aus der Mel. schließen, daß es fich um eine jener schwerindustriellen Unternehmun gen handelt, deren Ziel es ist, die Sozialdemokratie zu verdrängen, Standpunkt der Unternehmer zum Siege zu verhelfen. um überall in Wirtschaft und Politik dem herr- im- Hause". Es ist bezeichnend, daß an der Spitze des Klubs der Boltsparteiler Heinze steht, der auf dem rechten Flügel seiner Partei feit langem eine Rolle spielt. Auch diese Neugründung deutet darauf hin, daß mit dem Ausscheiden der Nationalliberalen Ber einigung die Kämpfe in der Volkspartei nicht abgeschloffen find. Völkische Wirtschaft. Zwangsmittel des kommenden Wirtschaftsdiktators". Die völkische Wirtschaft ist ein tizliges Problem. Die Bölkischen haben dem Marrismus Todfeindschaft geschworen, aber ihr Wirtschaftsprogramm macht beim Marrismus sehr ausgiebige Anleihen. Die Völkischen sind deshalb von den Deutschnationalen als lleber. margiften bezeichnet worden. Die alldeutsche Deutsche 3eitung", die zwischen Deutschnationalen und Bölkischen hin und herpendelt und für Diftatur schwärmt, ohne zit missen, woher man die Diftatoren nehmen soll, ist in der Wirtschaftsfrage besonders Das Sachverständigengutachten ist im Druck der der Frankfurter originell. Sie verwirft das Wirtschaftsprogramm der Bölkischen, Sozietätsbruderei erschienen.. ist aber als Organ der Auchvölkischen" mit der heutigen WirtschaftsNeues von Goethe. Riemers Mitteilungen über Goethe" find zweifellos eines der bedeutendsten Zeugnisse, die wir über die Persönlichkeit des Olympiers besitzen. Unter den engenen Mitarbeitern des Dichters war er der bedeutendste, und seine Tagebücher, in denen er über feinen täglichen Verkehr mit Goethe genaue Aufzeichnungen machte, find daher eine überaus wichtige Quelle, die bisher noch immer nicht völlig ausgeschöpft ist. In dem soeben im Infel- Verlag erschienenen 3. Bande des Jahrbuchs der Sammlung Kippenberg" werden aus den Tagebüchern, die sich im Besitz Kippenbergs befinden, jeht die noch unveröffentlichten Stellen der Jahrgänge 1811-1816 bekanntgemacht, die als wertvolle Ergänzung zu Goethes Tage büchern bedeutsames Licht auf den Meister werfen. Das Jahr 1811 zeigt Riemer als den langjährigen Hausgenossen und Vertrauten. Im Frühjahr 1814 gestaltet sich das Verhältnis besonders eng und herzlich. Riemer hat sich in die Freundin und Hausgenoffin Christianes, Karoline Ulrich, verliebt, und die Art, wie er um fie wirbt, zeigt uns, daß sie wohl auch auf Goethe einen tieferen Eindruc gemacht hatte. Die väterlich- liebevolle Beziehung des Dichters zu dem„ reizenden Nebengeschöpf" wird uns hier überhaupt zum ersten mal enthüllt. Riena magt seine Verlobung Goethe nicht selbst mit zuteilen, sondern läßt ihm die Nachricht durch seinen Sohn bei bringen. Nachdem er die Nachricht erhalten, heißt es dann in Riemers Tagebuch unterm 27. Oftober 1814: Bar Goethe eben angekommen. Ram vor, aber ganz verstört. Küßte uli, auf eine schmerzliche Weise." Die Verheiratung Riemers mit Karoline hat jedoch in dem alten herzlichen Verhältnis nichts geändert. Unter ben noch nicht bekannten Aufzeichnungen Riemers über Aeußerungen Goethes interessiert besonders, was er über seine„ Uebungen gegen den Schwindel" bemerkte.„ Die Sentimentalität, be= fonders die allem etwas abempfindende, ist ein Zustand, der große Aehnlichkeit mit dem des Refonvaleszenten hat," zeichnet Riemer am 15. März 1811 als Mitteilung Goethes auf.„ Es macht alles einen frischen Eindruck auf ein weiches Herz, da die Gesundheit eben darin besteht, daß man von nichts so sehr angegriffen wird und sich gleich gültig gegen fo vieles verhält, daß man eben einen Buff verträgt. Die flagende Sentimentalität gleicht dem nervenkranken Zustand, mo einen alles angreift, verstimmt und verdrießlich macht. Das Rohe am Menschen bleibt immer einigermaßen, oder etwas Rohes bleibt immer an jedem Menschen, und das ist dasjenige, wodurch er lebt und woraus er sich nährt. Es ist wie der Muttertuchen oder das Eidotter am Hintern des Huhns, woraus es eine Zeitlang Nahrung nimmt." us feinen naturwissenschaftlichen Studien wird am: 25. Auguft folgende Betrachtung Goethes verzeichnet:" Die Naur ist größer als der Begriff und ist kleiner als die Idee, daher der tensch noch immer einen Gott hinter der Natur setzt, damit er etwas ihm Aehnliches habe. In Verbindung mit einem rechten und eigentlichen Mathematiker, der die Kombinationsichre anwendete, müßte man en gros die möglichen Geschöpfe ausfindig machen. Die Erfahrung gibt uns oft nur die Barietäten von möglichen, denn durch die Fortschritte der Kultur fommen gewisse Tiere nicht mehr zum Vorschein. Es gibt so zu nennende mögliche Tiere, als das Roß zum Beispiel, die gleichsam so wie sie sind, zur Welt sprangen; andere, wie gefagt, die nur in der Barietät eriftieren. Der Etat eines jeden ist und bleibt die Hauptsache, und der ist überall derfelbe oder im selben Berhältnisse; wenn der Löwe 10 000 Taler zu verwenden hat, so hat die Maus 1000 Pfennige. Die Ausnahme macht die Regel nicht falsch. Sie nötigt uns nur, eine hölyore Formel zu suchen, worunter fie fubfummiert wird." Ueber den Chorim Drama sagt Goethe am 2. März 1812:" Der Chor in der alten Tragödie ist ein Vermittelndes, etwas, das die Szene und die Zuschauer zusammenbringt und verbindet. Im Vierundzwanzigften Februar" fah man, daß ein Chor fehlte, der die Handlung dieser Menschen mit den Zuschauern verknüpfte. Man hatte das Gefühl der unendlichsten Einfambeit, als wenn die Welt ausgestorben und diese Menschen Gott weiß von welchen unsichtbaren Dämonen geplagt würden." Einakter von Shaw. Theater in der Königgräger Straße. Bierulf, politischer Ult, Liebesult- abgesplittert vom Studenten spaßmacher und von dem Zeitungsleser Sham, der allmorgendlich ins Blatt schielte, ob er nicht darinnen eine Riesendummheit entdecken fönnte. Daher der Name für seinen luftigsten uit 3ei tungsausschnitte". Schwefelsäurehaltiger Hohn auf die Weiber, die Politik machen wollen. Nicht das Frauenstimmrecht wird angeriffen, sondern das Weibchenstimmrecht und das Wasch weiberstimmrecht und entlarvt in alledem das Männerstimmrecht, wofern die Männer zum Weibchen und Waschweibern werden. Ein drolliger General, der aus lauter Waschweiber charafter seine Scheuerfrau heiratet. Er heißt nicht Kitchener, sondern Mitchener, und fein Kollege, der Minister, heißt nicht Asquith, sondern Bals. quith. Diese Verballhornung, die gar nicht ins Schwarze trifft, doch überall den Mann auf der Straße und im Unterhause tigelt, hat vor zwei Jahrzehnten ungefähr gesessen. Heute ist sie zahm geworden und geschichtlich, und man merft es taum, daß Sham einmal eine ganze Portion Courage brauchte, um einen britischen Highländer- und Dudelsackpfeiferhäuptling als Hanswurst im roten Rode zu zeigen. Man dente: Lord Kitchener, Burenfrieg, Mary Bankhorst, Stimmrechtskrieg der englischen Weiblichkeit, und Sham schüttete einen dreiviertel Liter best dosierter Galle über das ganze Familien- und Bierbankfest. Im anderen uit liebeln die Leutchen so plesnig durcheinander, daß Gattinnen und Freundinnen gar nicht mehr auseinander gehalten werden können. lind im letzten Ulf ist der Blödsinn so ungeheuerlich, daß man nur behaupten fann: es ist beffer, der Mensch behält seine fünf Sinne, als daß eine ganze Mannsbildergesellschaft sich in 3öfchenröde und fließendes Damennachtgewand verkleidet. Allerdings haben Hermann Ballentin und Hans Hermann das mit beträchtlicher Komit getan. Anzumerten wäre noch, daß der klassische Verdeutscher Shaws unermüdlich seine Sprachverderberei und Worteverdrehung weiter treibt. Er ruiniert den saßigsten und spizigsten Wiß und dadurch ordnung auch nicht zufrieden. Was sie eigentlich will, hat sie biss her schamhaft verschwiegen. Jezt lüftet sie das Geheimnis. ,, Karl Marg und sozialer Revisionismus, professotales Geschwäg über Wirtschaftswissenschaft, sozialistische Windbeuteleien, christlichsozialer Dunst, so heißt es in dem Blait, werden uns von der Löjung ebensoweit entfernen wie die Selbstverstümmelung des Unternehmertönnens und Unternehmermillens durch Gewerkschaftsführer und Syndici." Und wie heißt die richtige Lösung? Die Sache ist sehr einfach: ,, Nach innen ist das Unternehmertum feiner Aufgabe nicht gerecht geworden durch sein unsoziales Berhalten. Doch in einem anderen Sinne als der landläufigen Meinung. Die soziale Frage, das behaupte ich fühnlich, wird nur gelöst au dieselbe Weise wie die politische. Ihre Lösung fann fie richtig finden nur durch den Unternehmer jelbit( jeder andere Berjuch ist vom falschen Ende aus angefangen)." " Daß der Unternehmer sozial handele, dazu fann er nie durch ,, auf den Kopf stülpen" der Dinge gebracht werden. Dazu helfen allein die Selbsterziehung des Unternehmers in völkischem Geist und, wo die nicht ausreicht, die Zwangsmittel des fommenden Wirtfchaftsdittators, ohne den ich teine Gefundung unserer todkranten Wirtschaft zu erkennen vermag." " Damit hat der Wirtschaftspolitiker der Deutschen Zeitung" eine udendorffsche Patentlösung gefunden. Nur der Unternehmer fann eine Gefundung der Wirtschaft herbeiführen, deshalb muß ein Wirtschaftsdiktator kommen und den vom unsozialen Unternehmertum taputtgeschlagenen Baden durch Zwangsmittel wieder leimen... Wir befürchten, daß selbst manchen Bölkischen bei diesen Ratschlägen alldeutscher Finanzräte etwas bang zumute wird. * Das Wirtschaftsgenie der Nationalisten ist der Abg. Gottfried Feder, nach dessen Theorien das nationalistische Wirtschaftsprogramm aufgebaut ist. Feder war von Hitler beim Butsch im Bürgerbräu zum Finanzminister ernannt worden. Er ist deswegen, wie wir meldeten, vom Münchener Volksgericht wegen Amtsanmaßung zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden. Dazu schreibt das„ Berliner Tageblatt": Wie die Verhandlung vor dem Münchener Volksgericht gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten Gottfried Feder ergibt, find Beispiel gefolgt. Sie haben ebenfalls die Banken und die Bankdie Nationalsozialisten nach dem Novemberputsch dem kommunistischen depots für verstaatlicht erklärt. Aber es wäre falsch, in Gottfried Feder einen fflavischen Nachahmer übler Bolschewiftenfitte zu sehen. Er hat dem Margismus eine intereffante Schattierung gegeben. Er hat nämlich, in rechtzeitiger Ahnung der fommenden Dinge, fein eigenes Bantdepot vorher abgehoben und in Sicherheit gebracht. Er wird also in der Lage sein, die vom Volksgericht über ihn verhängte riesige Strafe von 50 M.( etwa die angemessene Strafe für Radfahren ohne Laterne) zu bezahlen. Der nationalsozialistische deffen Theorie fort: das Eigentum der anderen ist Diebstahl. Abgeordnete ist also ein Anhänger von Proudhon, aber er bildet Börse und Bergarbeiterstreik. Hoffnung auf Beilegung. Die heutige Börse fonnte nach anfänglich schwankender Haltung ihre Befestigung bei ziemlich lebhaftem Verkehr weiter fortjeigen. 3u Beginn lagen einige verstimmende Moments vor. Man fand es seltsam, daß die Ergebnisse des Hamburger Vorclearings nicht veröffentlicht werden, und glaubt, daß gerade eine Veröffent lichung der Ergebnisse zur Beruhigung der Deffentlichkeit beitragen würde. Auch die bisherige Ergebnislosigkeit der Stüßungsaktion im Metallhandel erregte einiges Bedenten, doch hofft man, daß die noch zurückstehenden Metallfirmen ihre ablehnende Haltung in nächster Zeit aufgeben werden. Günstig angeregt wurde die Tendenz durch den neuen Reichsbantausweis, der eine wesentliche Entlastung des Instituts aufweist. Bezüglich der Verhandlungen in Bergarbeiterstreit gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Berhandlungen schon heute zu einem befriedigenden Ergeb nis führen werden. Die Lage des Geldmarttes bleibt ieicht. Tägliches Geld ist zum Sah von ½ Bromille reichlich angeboten. Monatskredite waren bereits unter 4 Proz. zu haben. auch den Stil, in dem der Regiffeur foche Grotesfen fniefen faffen sollte. Das im Ausdrud oft sehr geschwollene, in der Geschwollenheit aber höchft furzweilige Volf muß heruntergepoltert werden mi? Clownston für die Männer, mit Ballett- und Herenton für die Weiberchen. In diefen Stücken soll niemals ein Konversationston herrschen, höchstens eine Parodie darauf. Der Ueberfeber Shaws vergißt das ganz und verdeutscht ins Wiener Kaffeehausgeschmuse. Da fommt denn alles viel zu artig heraus, und den Schauspielern, die fich austoben sollten, wird jede Sekunde ein gezuckerter Propfen in den talentierten Mund geschoben. m. h. Ein neues Giftgas. Londoner Blätter melden, daß ein neues Giftgas entdeckt worden ist, das an furchtbarer Wirkung alle bisherigen Kriegsmittel dieser Art übertriffi. Es ist unsichtbar und geruchlos; es fann von Flugzeugen aus leicht überall hingebracht werden. Niemand, der dieses Gas einatmet, ahnt, daß er zugleich den Tod in fid) aufnimmt, aber nach 6 bis 12 Stunden stirbt er unter furchtbaren Qualen. Der Professor an der Londoner Universität, Delise Burns, fagte darüber:„ Das Cas ist derartig, daß es auf den Boden finkt und seine tötliche Wirkung in Kellern oder den Schächten der Untergrundbahn zwei Tage lang behält. Gegen Ende des Krieges war man bereits diesem Gas auf die Spur ge tommen, aber man war noch nicht imstande, es in genügend großen Mengen herzustellen. Die Chemiter haben nun diese Aufgabe gelöst. Während in Washington die große Abrüftungsfonferenz tagie, waren in den Vereinigten Staaten 200 der fähigsten Chemiker in dem Edgewood- Arsenal in der Nähe von Washington eifrig damit beschäftigt, dieses neue Gas herzustellen, von dem Amerika nunmehr über gewaltige Vorräte verfügt. Gasmasken sind der einzige Schuß gegen das Gas, aber man wird schwerlich eine ganze Bevölkerung in wenigen Minuten mit Gasmasken versehen können." Lefebure, der ein besonderer Kenner der Methoden des Gastrieges ist, erklärte:" Für ein Volt, das das Geheimnis diefes furchtbaren Cases fennt, wird es möglich sein, rund um sein Land eine Gasbarriere zu legen, die es einer feindlichen Armee tagelang verwehren wird, feine Grenzen zu überschreiten. Etwa zwei Tonnen dieses Gases fönnen in einem Flugzeug mitgenommen werden, und diese Menge genügt, um in einem Umkreis von etwa einem halben Kilometer von dem Ort, an dem das Gas herabgeworfen wird, den ficheren Tod zu verbreiten." Major Die Boltsbühne hat Friedrich Wolfs Tragödie aus den Bauernfriegen Der arme Konrad erworben und eröffnet damit im September die fommende Winterspielzeit. Das Weit wird vom Direktor Friz Holl inszeniert. Die Titelrolle spielt Adolf Manz, der Darsteller des„ Konz" in der Stuttgarter Uraufführung. spielt jekt an Stelle von Renée Stobrawa Lore Wagner vom Deutschen Bühnenchronit. In der Vorstellung von Tollers intemann" Theater bie Rolle der Grete Hintemann. Eine umfangreiche Büchergabe, 20000 Bücher, zumeist erzählenden Inbalts, stellt die Gesellschaft für Voitsbildung( Berlin NW. 52, Lünekueger Str. 21) aus der Niderts Stiftung to enig bemittelten Bottbüchereien unentgeltlich zur Verfügung. Die Einbände werden berechnet. Auf Fahnensuche. Wo kauft man eine Fahne der Republik? Gewiß werden viele, dis diese Ueberschrift lesen, überlegen lächeln und sagen:" Welch überflüssige Frage! Wie man in den Besiz einer Fahne der Republik; einer schwarz rotgoldenen Fahne fommt? Sehr einfach, indem man hingeht und sich eine fauft!" Vorbeigeraten! Wer eine solche Fahne haben, sie heraushängen oder hiffen will, der muß sie sich selbst anfertigen oder, wenn er das Geschäft nicht versteht, muß er sie sich anfertigen lassen. Diese allerdings sehr merkwürdige Kenntnis bekommt man, wenn man, um eine Fahne der Republik zu faufen, in ein Warenhaus geht. Um die Betriebskosten. Wir haben uns in der Frage der Betriebsfoften, die bekanntlich zu den meistumstrittenen gehört, an eine Autorität auf dem Gebiete des Mieterschuswesens gewandt. Die folgende Erläuterung dürfte zur Klärung virier Streitfeagen beitragen. Die Frage der Betriebskosten ist durch den Erlaß des Boltsmohlfahrtsministers vom 24. April d. J. mit Wirkung vom 1. Mai ab wie folgt geregelt worden: Für die Betriebskosten( außer den Verwaltungsfoften) find 15 p. 5. berreinen Friedensmiete angefeßt, die in der gefeßlichen Miete von 35 bzw. 31 v. 5. mit enthalten find. Reichen die 15 v. 5. der Friedensmiete zur Dedung der Betriebskosten nicht aus, so fann der nicht gedeckte Mehrbetrag bis zur Höhe von weiteren 3 v. 5. der Friedensmiete umgelegt werden. Konimen in " Gewerkschaftsbewegung Eisenbahner, Augen auf! Stimmzetfelfälschung der„ Opposition". Am Dienstag abend wurde an dieser Stelle bereits gefájilder, wie die einmal als Freier Eisenbahnerverband", dann wieder als Bereinigte Eisenbahneropposition" oder auch als oppositionelle" Mitglieder des Deutschen Eisenbahnerverbandes auftretenden Kommunisten mehrfach zur Fälschung gegriffen haben, um Kan= didatenlisten zusammenzubringen. Dabei ist es aber nicht geMan denkt sich sehr selbstverständlicherweise, in einem Warenhaus, zur Erhebung, fo find die hierdurch gesparten Beträge bei der blieben, vielmehr scheute die Opposition auch vor Fälschung unter dessen nadel bis zur elegantesten und teuersten Wohnungseinrichtung, muß es auch Fahnen geben. Aber siche da: es gibt feine Fahnen. Das ist so in dem Warenhaus am Dönhoffplaß und genau so in dem Warenhaus am Potsdamer Platz. Kommt man in eines dieser Marenhäuser und fragt nach einer Fahne, begegnet man höchst erstaunten Gefichtern der Verkäufer. Da feiner Bescheid weiß, macht man sich auf die Wanderung. Vom Stofflager zum Fuiterstofflager, vom Baumwollenstoff zum Möbelitoff und von da zur Sport abteilung. Bergeblich. Endlich hilft ein Rayonchef aus der Berlegenheit und erklärt: Fertige Fahnen führen wir über haupt nicht!" Auf die erstaunte Frage nach dem Grund erfährt man:„ Tja! das ist so eine eigene Sache. Früher, da hatten wir fertige Fahnen. Heute erhält man sie auch nicht in den Spezialgeschäften. Denn welche Fahnen soll man führen? Die Fahne der Republit ist schwarz- rot- gold, gewiß, das weiß ich. Aber viele wissen es nicht oder wollen es nicht wissen und verlangen schwarzweißrote Fahnen. Darum haben wir mur Fahnen stoffe. Jeder muß die Streifen für seine Fahne taufen und sich dann eine anfertigen laffen." Und der Herr Rayonchef ist ein mißiger Mann und meint dann noch: Außerdem kann man ja nicht wissen, ob nicht demnächst eine neue Revolution fommt und neue Fahnen und Farben vorschreibt!" Man schüttelt ob dieser wunderlichen Weisheiten den Kopf und mandert in das andere Warenhaus. Hier diefelbe Auskunft: Nur doß hier der Verkäufer auf die Frage: Warum feine fertigen Fahnen? recht furz und unfreundlich antwortet:„ Darüber fann ich Ihnen feine Auskunft geben!" Es scheint beinche so, als ob es hier mal anders gewesen ist, als ob es hier fertige Fahnen gegeben hat, aber vielleicht feine schwarzrotgoldenen!? Hier liegen auch für den eventuellen Käufer parat auf dem Ladentisch Rollen von schwarzem, weißem, totem und gelbem Fahnentuch. Wer sich also nun seine republitanische Fahne zusammenstellen muß, tommt im übrigen nicht ganz billig bei dem Geschäft fort. Der Meter Fahnentuch toftet 1,50 m. Rechnet man dazu den Lohn für das Nähen, für den Fahnenstock, die blanten Nägel und für die Bekrönung der Fahnenstange, strfte ein Preis von mindestens 15 Mart herauskommen. Die früheren Fahnen, die Fahnen des alten verflossenen Kaiserreichs, waren bedeutend billiger, und man fam bequemer zu einer schwarzweißroten Fahne. Ob das am Ende die Freude an der schwarzrotgoldenen Fahne verefeln soll, wenn dem Einzelnen soviel Schwierigkeiten gemacht und soviel Hindernisse in den Weg gelegt werden, bis er feine Fahne der Republik hat? Die Scheunenviertel- Krawalle.. Jüdische Volksgenoffen in der Notwehr. nächsten Mietzahlung auf eine vom Vermieter etwa vorzunehmende Umlage der Betriebskosten in Anrechnung zu bringen. Hat der Vermieter Betriebs fosten( z. B. Versicherungsprämien) für einen längeren Zeitraum im voraus zu entrichten, so muß er diese gleichmäßig für den Zeitraum, für den die Zahlung erfolgt, auf die einzelnen Mietzahlungstermine verteilen. Aus diesen Anordnungen ergibt sich: 1. daß der Ver mieter Ueberschüsse, die er an den 15 v. H. der Friedensmiete für Betriebskosten erzielt, niemals den Mietern herauszuahlen hat( eine Folge des festen Betriebskostensatzes), 2. daß der Vermieter zur Abrechnung über die Bewendung de 15 v. 5. für Betriebskosten erst gezwungen werden kann, wenn er einen Nachschuß von den Mietern einfordert. Lut er letzteres, so muß er zunächst nachweisen, daß er in den Vormonaten ersparté Beträge zunächst zur Deckung des Fehbetrages im letzten Monat vermendet hat. Wenn auch nach Abzug solcher Ueberschüsse von dem Fehlbetrag des letzten Monats ein nicht gededter Betrag verbleiben sollte, ist der Vermieter berechtigt, diesen Rest auf sämtliche Rauminhaber des Gebäudes nach dem Verhältnis der Friedensmieten umzulegen, niemals aber mehr als 3 v, H. der Friedensmiete. Räume, die nicht vermietet sind, sind hierbei mitzurechnen, ebenso die Räume des Bermieters, Verwalters, Portiers usw. Hochkonjunktur bei der Feuerwehr. Die Berliner Feuerwehr hatte in den letzten Tagen ununterbrochen zu tun. Die Tätigkeit häufte sich förmlich an. Die Alarme mittels Feuermelder, Fernsprecher ufw liefen oft gleichzeitig von mehreren Stellen ein. Es scheint, als ob in mehreren Fällen Brandfifter ihre verbrecherische hand im Spiele gehabt haben. In der Cuvry str. 1a, wo eine Fabrit früh um 4 Uhr brannte, fonnte noch festgestellt werden, daß es an mehreren Stellen, die getrennt voneinander lagen, fast gleichzeitig brannte. Die Flammen breiteten fich natürlich schneller als sonst aus, so daß die Wehr tüchtig zu tun hatte, um des gefährlichen Brandes Herr zu werden, was cber erst gelang, nachdem mit mehreren Motorsprigen enorme Wassermengen verbraucht waren. Der Schaden ist groß. Eine Betriebsstörung läßt sich nicht vermeiden. Ein großer, weithin fichtbarer Feuerschein rief die 3äge 19 und 24 nach dem Nordbahn barer Feuerschein rief die Züge 19 und 24 nach dem Nordbahn. hof, Bernauer Straße, wo eine Lore mit Stroh nachts brannte. Um die Gefahr für andere Ladungen zu beseitigen, mußte die Feuerwehr mit mehreren Rohren Wasser geben. Vermutlich ist diefer Brand durch Funtenflug einer Lokomotive entstanden. Nachts um 2 Uhr stand in der Hohenstaufenstraße 63 ein effelhaus in Flammen. Die Schöneberger Feuerwache griff mit mehreren Schlauchleitungen erfolgreich an, wodurch eine weitere Ausdehnung des Feuers auf die Betriebsräume verhütet wurde. Der 15. Löschzug wurde abends gegen 9 Uhr nach der Bremer Str. 52 in Moabit alarmiert. Dort war ein Balkon im 2. Stock durchgebrochen und auf den darunter befindlichen Balkon des ersten Stockwerts gestürzt, auf dem zum Glück niemand mehr faß. Ein Mann, der auf dem abgestürzten Balkon gefeffen hatte, war an einem eifernen Träger hängengeblieben und einge. flemmt. Er fonnte in Sicherheit gebracht werden. Rundfunk in der Eisenbahn. Don Stimmzetteln nicht zurück. Im Bezirk Erfurt hat die fommunistische Opposition als neueste Glanzleiftung Stimmzettel des Deutschen Eisenbahnerverbandes gefälscht. Einer diefer Stimmzettel hat folgendes Aussehen: 45 1. Ortsbetriebsrat. Liste: Deutscher Eisenbahnerverband. 2. Bezirksbetriebsrat. Liste: Vereinigte Eisenbahneropposition. 3. Hauptbetriebsrat. Liste: Vereinigte Eisenbahneropposition. müssen diesen gefälschten Stimmzettel für ungültig erDieser Stimmzettel ist falsch! Die Ortsvorstände müssen diesen gefälschten Stimmzettel für ungültig erflären. Der richtige Stimmzettel hat folgenden Wortlaut: 1. Ortsbetriebsrat: Liste des Deutschen Eisenbahnerverbandes. ( Betriebsobmann.) 2. Bezirksbetriebsrat: Liste des Deutschen Eisenbahnerverbandes. 3. Hauptbetriebsrat: Liste des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Die Kommunisten find doch Teufelsterle. Einmal ist der DEV. eine gelbe Amsterdamer Reformistengarde", deren Tätigkeit nur im ,, Berrat der Eisenbahner" besteht, das andere Mal benußen sie in Ermangelung eigener positiver Leistungen die Zugfraft des Deutschen Eisenbahnerverbandes zu kommunistischen Wahlgeschäften. Wie's eben trefft! Eisenbahner, laßt euch nicht täuschen! Gebt den Fälschern am Wahltage die richtige Antwort. Alle wirklich klaffenbewußten Eisenbahner wählen die gewerkschaftlichen Borschlagslisten des Deutschen Eisenbahnerverbandes! Der Baugewerksbund zum Vergleichsvorschlag. Knappe Mehrheit für Annahme. In der am Mittwochabend abgehaltenen Generalversammlung des Baugewerksbundes berichtete der Vorsitzende Thöns über die Verhandlungen, aus denen der in Nr. 222 des„ Borwärts" veröffentlichte Vergleichsvorschlag hervorging. Die Bauarbeiter haben wie der Redner betonte aller Kraft für die Beibehaltung der gegenwärtigen Arbeitszeit von im Einvernehmen mit den 3immerern sich mit 46% Stunden wöchentlich eingesetzt. Sie haben aber diese Forderung trog stundenlanger Debatte vor dem Schlichter nicht durchsetzen fönnen. Eebenso ging es mit der Forderung eines Stundenlohnes von 1 M., die ebenfalls einmütig gestellt wurde. Hinsichtlich der Stellungnahme des Baugewertsbundes zum Vergleichsvorschlag fagte Thöns: Der Vorstand hat das Für und Wider eingehend erörtert. Die Mehrheit des Borstandes hält es unter Be rüdsichtigung der gegenwärtigen Berhältnisse für ein Erfordernis der Klugheit, den Kollegen die Annahme des Vergleisvor schlages zu empfehlen. Der Redner betonte, feine persönliche Auffassung dede fich mit der Stellung der Borstandsmehrheit. Den Bergleichsvorschlag wolle er, durchaus nicht verteidigen, denn dieser erfülle ja die Forderungen der Arbeiter nicht. Auch der Mehrheit des Borstandes sei es nicht leicht gewesen, die Annahme zu emp fehlen. Die Annahme des Vergleichs werde nicht seines Inhafts wegen empfohlen denn mit diesem sei niemand zufrieden jon Beendigung des Kampfes zu benutzen, als ihn fortzuführen, da es doch zweifelhaft sei, ob ein Erfolg noch erwartet werden könne. Die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung foll heute durch Urabstimmung der Mitglieder getroffen werden. Sollte wider Erwarten die Urabstimmung gestört werden, dann ist der Beschluß der Generalversammlung maßgebend. Vor dem Schöffengericht Berlin Mitte hatten sich heute die Borstandsmitglieder des Bundes Jüdischer Frontsoldaten unter der Unschuldigung zu verantworten, unbefugterweise bewaffnete Haufen gebildet und befehligt, und diese ohne gefeßliche Befugnis bewaffnet zu haben. Nach der Anklase werden die Angeklagten beschuldigt, am 5. November d. I. im Jüdischen Gemeindehaus eine Wache eingerichtet und bewaffnete Patrouillen von dort entfandt, sowie zum Teil befehligt zu haben. Die Anflage richtet sich gegen den Kaufmann Paul Zoller, den Spezialarzt Dr. med. Hugo Bern vielen Personen nicht den erhofften Genuß, weil das Lesen im Zuge dern lediglich deshalb, weil es flüger erscheine, die Gelegenheit zur hardt, den Kaufmann Mar Goldlust, den Chemifer Dr. phil. Zeo Löwenstein und den Kaufmann Salomon Thal. Samt liche Angeklagte sind Vorstandsmitglieder des Bundes Jüdischer Frontsoldaten und erschienen zum Teil mit Orden und Ehrenzeichen, wie ER. 1. u. a. Im November, als im Anschluß an die allgemeinen Lebens mittelfravalle in Berlin in der Grenadierstraße Plünderungen jüdischer Geschäftstäden und Wohnungen stattfanden, hat der Frontbund einen Teil seiner Mitglieder bewaffnet und Schuh streifen in diese Gegend geschickt, um die bedrohten Glaubens genoffen zu schützen. Der Angeklagte Bernhardt, als Führer der Streife, gab die Anlage im allgemeinen ohne weiteres zu. Seine Leute hätten strikte Anweisungen gehabt, nur im Notfall von der Waffe Gebrauch zu machen. Die Mutmaßung des jüdischen Fronibundes wäre überflüssig gewesen, wenn die Schutzpolizei energisch eingegriffen hätte. Die Polizei hätte sich jedoch geweigert, die Juden zu schüßen. Die Mitglieder der Streife feien sodann von den plündernden Massen als Juden erkannt worden und die Menge habe sich gegen diese gerichtet. Es entstand ein Handgemenge, in dessen Verlauf ein Schuß fiel, durch den ein Plünderer getötet wurde. Die Verantwortung hierfür lehnt der Angeklagte für sich und seine Mitglieder, sowie für den Frontbund ab. Die Streife sei schließlich von der Polizei festgenommen. worden und auf Lastautos zum Bolizeipräsidium gebracht worden. Sie seien dann von Schupomannschaften und auch Offizieren mi Bhandelt und beschimpft worden. Gegen die in Frage fommenden Sipoleute fei Strafantrag gestellt worden und es schwebe ein besonderes Verfahren. Wie der Vorsitzende bemerkte, findet in dieser Sache demnächst schon eine Verhandlung statt. Da die Angeflagten alles Tatsächliche der Anflage zugaben, wurde auf weitere Beweiserhebungen Berzicht geleistet. Die Angetlagten erflärten noch, daß die Waffen deshalb angeschafft worden seien, um in jener bedrohten Zeit fich und ihre Familien zu schüßen. Staatsanwalt schaftsrat Dr. Burchardi beantragte selbst die Freisprechung mit der Begründung, daß die Angeklagten geglaubt hätten, daß sie mit gefehlicher Befugnis handelten. Bezüglich des unerlaubten Waffenbefizes erflärte er sich damit einverstanden, daß auf Grund der Entlastungsverordnung das Verfahren eingestellt werde wegen Geringfügigkeit der Schuld der Angeklagten. Die Verteidiger schlossen sich dem Antrage an, indem sie noch besonders darauf hinwiesen, daß es menschlich ungerechtfertigt wäre, Leute, die drei, viermal an der Front gewesen und mit dem ER. I. ausgezeichnet feien, ins Gefängnis wegen eines so geringfügigen und aus der ganzen Situation entschuldbaren und begreiflichen Verstoßes zu schicken. Nach kurzer Beratung tam das Gericht zu einer Fretsprechung jämtlicher Angeklagten mit der Begründung, baß ein wiberrechtliches Verhalten der Angeflagten nicht vorläge. In den kritischen Tagen hätte der staatliche Schuß nicht ausgereicht, um die jüdische Bevölkerung zu schüßen. Infolgedessen hätten die deutschen Juden das Recht gehabt, organisatorisch ihre Glaubensgenossen zu schützen. Bezüglich des unerlaubten Waffenbefizes sei die Schuld der Angeklagten offenfichtlich gering. In jenen fritischen Tagen wäre es menschlich entschuldbar gewesen, wenn Juden sich auch ohne Waffenschein eine Waffe besorgten, um sich und ihre Familie zu schützen. Die Vorwärts"-Ausgabestelle Treptow, Kiefholzftr. 16b, fiefert allen Abonnenten, die während des Sommers in den dort liegenden Laubenkolonien wohnen, den Vorwärts". Sie bittet un entSprechende Mitteilungen. " Lange Eisenbahnfahrten am Tage durch einförmige Gegenden und noch mehr die Fahrten in den Abendstunden bedeuten oft quais volle Stunden für zahlreiche Reisende. Um die Zeit abzukürzen, greift man zur Reifelettüre; aber audy dieses Zerstreuungsmittel bietet die Augen start mitnimmt. Es liegt deshalb der Gedanke nahe, durch akustische Darbietungen dem Unterhaltungsbedürfnis Genüge zu tun. Eine interessante Neuerung in dieser Richtung wurde in den legten Tagen durch die auf dem Gebiete des Funkwesens schon mehrfach hervorgetretene Firma Erich F. Huth einigen Vertretern der Reichsbahn im D- Zug Hamburg- Berlin vorgeführt. An jedem Sipplag eines Abbails war ein Kopfhörer angebracht, mit dem der Rundfunk des Vorhauses in Berlin aufgenommen werden fonnte. Der Empfang war in bezug auf Lautstärke und Reinheit fonnte. Der Empfang war in bezug auf Lautstärke und Reinheit unabhängig von der Entfernung von Berlin ein ausgezeichneter und erfuhr durch das Geräusch des Fahrens feinerlei Beeinträchtigung. Ob diefe Neuerung für das reifende Bublifum nukbar zu machen sein wird, steht noch offen und hängt in erster Linie davon ab, inwieweit derartige Einrichtungen einen wirtschaftlichen Erlehnung des Bergleichs und Fortführung des Kampfes beschlossen. trag liefern tönnen. Erdbeben bei Erzerum. Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat sich am 13. Mai um 4 Uhr morgens in der Gegend von Erzerum ein Erdbeben ereignet. Drei Dörfer find von Grund aus und vier teilweise 3er stört worden. Ungefähr 50 Personen sind ums Leben gefommen. Die Erschütterungen dauern mit Unterbrechungen fort. Ein gefährliches Feuerwert. Bei einem gestern auf dem Sportplaz International" in Wien veranstalteten Feuerwerk wurde durch die Explosion eines Mörsers eine Frau getötet; drei Personen wurden schwer und drei leicht verletzt. Schiffszufammenstoß im Kanal. Infolge dichten Nebels ist der norwegische Dampfer. Bors" im Kanal mit dem deutschen Dampfer Sirius" zusammengestoßen. Beide Dampfer haben erhebliche Beschädigungen davongetragen, doch ist es ihnen gelungen, nach Southampton mit eigener Kraft zu gelangen. Verband Bolfsgesundheit, Ortsverein Berlin. Der für den 8. Mai an gefekte Bortrag: Nadifport Nadikultur, Gen. G. 3epmeisel, findet munmehr heute, Donnerstag abend, 8 Uhr, im Kölnischen Gymnasium, Wallstraße( Ecke Inselstraße), statt. Eintritt frei! Diskussion. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Gewitterstörungen möglich, im übrigen Anhalten des warmen Wetters. Deutschland: Jm mittleren Norddeutschland Gewitterneignng, in den anderen Landesteilen troden, überall noch warm. Groß- Berliner Parteinachrichten. Die Sammelifte zur Reichstagswahl Nr. 746 ist in der 31. Abteilung verloren worden. Bei einem eventuellen Versuch, darauf noch weiter zu sammeln, ist diese Liste anzuhalten und an das Bureau einzusenden. J. A.: Alex Pagels. Abt. Zehlendorf. Morgen, Freitag abend 8 Uhr, Funktionärversammlung bei Ridley. Alle Funktionäre müssen anwesend sein. Geschäftliche Mitteilungen. Das bekannte Barenhaus des Nordens, Ury Gebrüder, Swinemünder Str. 86, eröffnet heute nachmittag in den gesamten Räumen der 4. Etage feine Lebensmittelabteilung mit wunderbarer Geschicklichkeit ist hier eine Abteilung geschaffen worden, die ber Hausfrau es ermöglicht, ihren gesamten Bedarf an Lebensmitteln zu beden. Wir verweisen auf die Anzeige in vorliegender Stummer. Die ersten Distuffionsredner traten für Ablehnung des Vergleichs ein. Sie begründeten ihren Standpunkt im wesentlichen fo: Die Annahme des Bergleichs durch den Baugewerksbund würde feine Ruhe im Baugewerbe bringen, denn die Chemnizer Richtung und der Zimmererverband hätten bereits die AbAuf den Baustellen, die durch dieses Borgehen stillgelegt werden, würde auch für die Kollegen, die zu den Bedingungen des Vergleichs arbeiten wollen, feine Arbeit vorhanden sein. Uebrigens sei die gegenwärtige Kampflage für die Arbeiter günstiger wie für die Unternehmer. Der einmal begonnene Kampf müsse jezt durchgeführt werden. Wenn der Kampf für den Achtstundentag vor der Entfcheidung aufgegeben werde, gehe der Organisation die Werbekraft verloren. Die Bauarbeiter fönnten ja auch ohne Tarif arbeiten. Andere Diskussionsredner empfahlen die Annahme aus den vom Referenten angeführten Gründen. Im Schlußwort legte Thöns nochmals eingehend dar, daß man bei ruhiger fachlicher Erwägung zu der Auffassung fommen müffe, daß die Annahme des Vergleichs auch im Interesse der geschlossenen und einheitlichen Beendigung des gegenwärtigen Kampfes zu empfehlen ist. Die Bersammlung entschied sich mit fnapper Mehrheit für die Annahme des Vergleichsvorschlags. Die maßgebende Entscheidung wird, wie schon bemerkt, durch die heutige Urabstimmung gegeben. Für die Bergarbeiterhilfe. Entschließung der Postbeamten. „ Die am 13. Mai in Haverlands Festsälen zahireich versammel ten" Funktionäre der Allgemeinen Deutschen Post. gewertschaft sprechen den Bergarbeitern Deutschlands in ihrem Rampfe gegen ein unerfättliches. Unternehmertum volle und unbedingte Solidarität aus. Sie begrüßen die vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund zugunsten der Bergarbeiter eingeleitete Sammlung und sagen den Bergarbeitern ihre tat, fräftige Unterstüßung bis zum vollständigen Siege zu, der die endgültige Anerkennung des Achtstundentages für alle Arbeit. nehmer zur Folge haben muß." Abgelehnte Hilfsaktion in Oberschlesien. In Hindenburg waren gestern die Bertreter der oberschlesischen Städte zu einer Besprechung irber die von den Streitenden be antragte Einrichtung von Maffenfpeifungen verjammelt. Sie wurde mit der Begründung abgelehnt, daß eine solche Unterstügung ein Eingriff in den Streit sei. In allerdringendsten Fällen soll die Armenpflege helfen oder Arbeiterfinder gespeist werden. Die zarte Rücksichtnahme auf die Unternehmerinteressen überwog also das Gebot der Menschlichkeit, den hungernben Rinbers and wird folgen, so daß nur noch die oberschlesischen Elektrizitätswerke und die staatliche Hütte in Gleiwit arbeiten. Die Bergwerke, bei denen der Ausstand jetzt zehn Tage dauert, liegen sämtlich still. Frauen ber Streißenden beizuspringen. Die Unternehmer mib| ebenfalls ftittgelegt und das Zawabzti- Wert von Oberbedarf ihren Familien hungern nicht, bei noch so langer Streitdauer. Die wirkliche Neutralität in Arbeitskämpfen ist doch dann erft herbeigeführt, wenn auch die Arbeiter und ihre Familien nicht hungern müffen. Das Risiko der Streifenden und Ausgesperrten ist auch bei Massenspeisungen noch so sehr groß, als daß es durch Massenspeisungen ausgeschaltet werden könnte. Wie mit der perwerflichen Praxis im Krankenkassenwesen gebrochen wurde, bei „ Selbstverschuldung" die Hilfe zu versagen, so muß denn doch einmal auch mit der Unmenschlichkeit gebrochen werden, bei allen Arteitsfämpfen die Familien der ausgesperrten oder fireifenden Arbeiter burch Aushungerung in ihrer Gesundheit zu schädigen. Der Ausstand in den Bergwerfen und Hütten Deutsch- Oberfchlesiens ist jetzt allgemein. Seit heute früh streift die staatliche Zeche in Malapane. Das Borsigwerf, wo heute vormittag eine Belegschaftsversammlung stattfindet, wird heute nachmittag Ausstellung der böhmischen Arbeiterschaft. ( IGB.) In den Monaten Juni- August d. I. wird in Aufsig eine große, von den Gewerkschaften, den Krankenkassen, Genoffenfchaften und Bildungsorganisationen veranstaltete Ausstellung für Arbeiterfultur und Wirtschaft in dem deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei stattfinden. Zwischen den Hallen von Industrie, Handel und Landwirtschaft wird sich ein wuchtiger Bau des Prole= tariats, das Haus der Arbeit", erheben. Mitten in der Schaustellung fapitalistischer Warenkultur richtet es die deutschböhmische Arbeiterschaft auf als kulturelles Wahrzeichen proletarischen Ringens und Strebens. Der Arbeitszeitfampf in Mannheim geht weiter. Der Auf forderung der Metallindustriellen, die Arbeit unter ihren Bea dingungen wieder aufzunehmen, sind die Arbeiter nirgends gefolgt. Sie erschienen in Massen vor den Werken, haben diese aber nicht betreten. Wenn in dem bekannten Polizeiftil berichtet wird, zu Zusammenstößen mit der Polizei ist es nicht gekommen als ob man solche erwartet hätte so zeugt das nur von dem guten Korps. geist und der geistigen Stufe der Arbeiterschsat. Die englischen Kohlenverlader haben den angekündigten Streit aufgeschoben, da die Regierung einen Untersuchungsausschuß einsehen will. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Rekord- Qualitäten Mit El hergestellte: Eler- Bandnudeln...... Eler- Makkaroni.... Eler- Fadennudeln teines in Nudeln aus eigener Teigwarenfabrik. Pfund 36 Pf. Pfund 28 Pf. Pfund 42 Pf. 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