Nr.228 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 117 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpjennig, monatlic S- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5.25 Goldmark pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten". fowie dez Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme esfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Sozialbemotrat Berlin' Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart, Reflamegle - Goldmart. ,, Aleine Anzeigen" bas fettgebrudte Borf 0,20 Goldmart( auläffig zwet fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengeinche das erite Wort 0,10 Goldmart, iets meitere Wort 0,05 Goldma Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen file Abonnenten Geile 0,30 Goldmart. Eine Goldmark- ein Dollar geteist burch 4.20. Anzeigen für die nächte Nummer milffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin C 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Redaktion: Dönhoff 292-295 Fernsprecher: Berlag: Danboff 2506-2507 Freitag, den 16. Mai 1924 Kein Rücktritt der Reichsregierung. Scharfe Zurückweisung einer deutschnationalen Forderung. Ja später Nachtstunde wird durch WEB. folgendes veröffentlicht: Die Reichsregierung ist, wie wir erfahren, auch angelicis des Beschlusses des Borstandes der Deutschnationalen Boltspartei entfchloffen, pflichtgemäß die ihr übertragenen Regierungsgeidäfte nicht vor dem Zusammentritt des Reichstages aus der hand 3u geben. Sie hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Deutschland in den Berhandlungen über die Sachverständigengutachten zu vertreten und die zur Durchführung der Gutachten erforderlichen Gefeßentwürfe vorzubereiten, sowohl im Hinblid auf die iminer bedrohlicher werdende Krediffrisis, die finanziellen und wirtschaftlichen Erforderniffe Deutschlands, die ohne jeden Aufschub befriedigt werden müssen, wie aber auch in dem Bewußtsein, dadurch den Willen der Mehrheit des deutschen Bolles und der Mehrheit des neuen Reichstages zu entsprechen. Der von der Reichsregierung vertretene Standpunkt hinsichtlich der Sachverständigen gutachten wird nach den eigenen Erklärungen geteilt von der Sozialdemokratischen Partei, von der Zentrumspartei, von der Deutschen Boltspartei, von der Demokratisgen Partei und Don der Bayerischen Boltspartei, die auch im neuen Reichstag auf jeden Fall über eine weit größere Stimmenzahl verfügen, als cine etwaige gemeinsame Opposition der Deutschnationalen Voltspartei, der kom Opposition der Deutschnationalen Volkspartei, der kom munistischen Partei und der Völtischen Freiheitspartei. Bei dieser Sachlage erachtet die Reichsregierung den Befchluß des Borfiandes der Deutschnationalen Bolfspartei als nicht im Einflan tehend mit den tatsächlichen Verhältnisjien, wie fie fich nach der Willensbefundung des deutschen Volfes in den Reichstagswahlen ergeben haben. Die Reichsregierung sieht in dem Beschluß des Parteivorstandes ber DBp. eine ernste Gefährdung der deutschen Interessen in der Außenpolitit. Ueber die Gründe, die die Reichsregierung zu ihrer Stellungnahme zu den Sachverständigengutachten gezwungen haben, find Parteiführer der Deutschnationalen Bolkspartei von feiten der Reichsregierung eingehend unterrichtet worden, ohne daß es gelang, die deutjónationalen Bertreter zu einer positiven Erklärung zu bewegen. Auch sonst liegt immer noch teine flare und bindende Erklärung der Deutschnationalen Bolkspartei vor, wie sie sich die Erledigung der Sachverständigengutachten denkt. Bielmehr wächst von Tag zu Tag die Unklarheit über ihre Abfichten hinsichtlich der Sachverständigengutachten, die zum Kern- und Angelpunkt der deutschen Politik geworden sind Die schnellste klärung der politischen Lage fönnte die Deutschnationale Volkspartei selbst schaffen, wenn sie Antwort geben wollte auf die fortgefeht an fie gestellten Fragen, wie sie denn zu den großn und wichtigen Einzelfragen der deutschen Außenpolitit fieht. Das wäre auch die beste Vorbereifung der bevorstehenden Regierungsbildung. Für die Reichsregierung wäre es unverantwortlich, wollte fie aus innerpolitischen Gründen die außenpolifischen Intereffen Deutschlands aufs Spiel sehen. Die Entschließung der deutschnationalen Parteileitung, gegen die fich der Rabinettsbeschluß richtet, hat folgenden Wortlaut: Die Verteilung der Reststimmen. Der Unfug der Splitterparteien. Der Reichswahtausschuß hat am Donnerstag, nachbem die Wahlergebnisse aus den Wahlkreiſen I( Ostpreußen) und XVI( Sübhannover- Braunschweig) feststanden, endgültig über die Mandate der beiden in Frage kommenden Wahlkreisverbände ent. Ichieden. Danach erhalten durch Verrechnung im Wahlkreisverband je ein Mandat: Kommunisten, Demokraten und Bölkische im Wahlkreis XIV( Weser Ems), Sozialdemokratie Deutsche Volkspartei im Wahlkreis XV( Osthannover) und Demo fraten und Zentrum im Wahlkreis XVI( Sübhannover- Braunfchweig). B und Gleichzeitig entschied der Reichswahlausschuß endgültig über die auf die Reichslisten entfallenden Reststimmen. Danach erhalten: Sozialdemokraten. 434 380 Etimmen 7 Mandate Zentrum · Deutsche Bolfspartei Deutschnationale Boltsportei Demokraten Bayerische Boffspartei Rommunisten Deutsch- Hannoveraner Landlifte • 440 718 360 528 798 313 9 337 877 107 449 556 571 79-779 94 280 Deutschvöltische Freiheitspartei 604 553 Banerischer Bayernbund 384 395 7 8 36291205 ( da auf die angeschloffenen Kreiswahlvorschläge nur fünf Mandate entfallen find) 217024 Stimmen 2 Manbate Deutschsoziale Bartei ( da nur zwei Mandate auf Kreiswahlvorschläge). Da die Genoffen Hermann Müller, Wels, Crifpien, Frau Juchacz, Dittmann und Frau Reiße auf ihre Wahl auf der Reichslifte verWir fordern, daß die gegenwärtige Reichsregie. rung, entsprechend dem Ausfall der Wahlen, der den veränder: ten politifchen Willen des Boites festgestellt hat, dem Reichspräsidenten alsbald ihren Rüdtritt anbietet. B Die gegenwärtige Regierung entbehrt jeglichen Rech tes, Deutschland in den Berhandlungen über das Sach verständigen gutachten noch entscheidend zu vertreten. Wir erheben entschiedenen Einspruch dagegen, daß das Kabinett etwa die Gefeßentwürfe zur Durchführung des Gut achtens der Reparationstommission vorlegt oder auch nur in den vorbereitenden Berhandlungen den Organi fationsfomitees oder der Reparationskommission irgendwelche Er. tlärungen über den Standpukt der deutschen Regierung ab gibt oder abgeben fäßt. Die Deutschnationale Bolts partei wird derartige Erklärungen nicht als für fich bin bend anerkennen." Die Tattif der Deutschnationalen ist, zunächst das Kabinett Marr zu Fall zu bringen, damit die Berbindung der Mittelparteien untereinander zu lodern, um dann eine günstigere Stellung bei den Verhandlungen über die Regierungsbildung zu haben. Kreuzzeitung" und" Deutsche Tageszeitung" feßen den Ansturm gegen die Regierung fort. Die Deutsche Lages zeitung" droht mit dem Staatsgerichtshof, Jede bindende Er klärung über das deutschnationale außenpolitische Programm wird vermieden, um dadurch die Mittelparteien nicht erneut zusammenzufchmieden. Die 3 eit", das Organ Stresemanns, gibt folgende Auslegung bes prafelhaften Beschlusses von Borstand und Reichstagsfraktion der Deutschen Bolkspartei: W Die Frattion hält es dabei für notwendig, auf Grund des Fraktionsbeschlusses vom 12. Januar d. 3. eine 3ufammen fassung der staatsbejahenden bürgerlichen Bar teien anzustreben. Wenn der Tag" auch zu bezweifeln scheint, ob die Deutsch nationalen mit zu diesen Parteien gerechnet wor den sind, so ist es doch selbstverständlich, daß sie mit bazu gehören. Das Problem der Regierungsbildung besteht demnach zunächst darin, über die Haltung der Deutsch nationalen in der Frage der Außenpolitit völlige Klarheit zu schaffen." Die Deutsch nationalen aber wollen diese Klarheit nicht, und der Beschluß der Deutschen Volkspartei erleichtert ihnen das Spiel. Die Deutsche Zeitung" hält der Bolkspartei entgegen, daß die Haltung der Bolfspartei selbst in der außenpolitischen Frage untlar und offen sei. Sie zieht aus der Anerkennung der Deutschnationalen als„ staatsbejahende Partei" durch die Volkspartei die Folgerung, daß auch die Deutschvolfische Freiheitspartei bei dieser Auslegung des Begriffes eine staatsbejahende Partei fei. Bei dieser Sachlage wird die innerpolitische Debatte ohne flare Ergebnisse weiter gehen. Erst in der kommenden Woche treten Frattionsfigungen der Mittelparteien zusammen, in denen- vielleicht!- Entscheidungen getroffen werden fönnen. Dorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gefellschaft, Depostenkasse Lindenstraße 3 -P Die französischen Wahlen. Bon Paul Faure- Paris. Die Niederlage des politischen Gebildes, das den Namen " Nationaler Blod" trug, wird das Ausland überrascht haben. Ich bin nicht sicher, ob sie nicht ebenfalls die offiziellen Kreise Frankreichs erstaunt und zugleich betrübt hat, denn zwei Tage vor der Wahl ließ das Minifterium des Innern bereits die Niederlage des„ Kartells der Linken" verkünden. Was den Sieg der Sozialistischen Partei betrifft, so dachte niemand daran außer uns; denn man nahm allgemein an, daß unter dem verschrobenen und verbrecherischen französischen Wahlverfahren und der kommunistischen Gegenlifte unsere Aussichten auf ein Minimum beschränkt würden. Jetzt muß man sich vor der vollendeten Tatsache beugen: der Natio= nale Block ist geschlagen, die Linksparteien haben den Sieg davongetragen. In dem Lager der Sieger ist die Partei, die am meisten hervorragt, unbestritten die unsere. Zahlenmäßig zählte sie 50 Gewählte in der früheren Kammer. Von jetzt ab überschreitet sie die 100. Aber ihr Sieg ist noch vollständiger und ausgedehnter in Anbetracht dessen, daß sie es war, die die Schlappe des Nationalen Blocks vorbereitet und bewerkstelligt hat. Der Nationale Block ist geschlagen worden wegen seiner verheerenden Finanzpolitit, die den Armen belastete und die Spekulanten und Großkapitalisten begünstigte, ferner wegen feines reattionären Gebarens, da er durch die reine Rechte beherrscht war und schließlich wegen seiner äußeren Politit, die ihre getrennten Auffassungen vertrat und Bege ging, wobei die wirklichen Interessen Frankreichs und ebenso die Europas verkannt wurden. Dabei muß man beachten: Die Sozialistische Partei allein hat seit dem 16. November 1919 den hartnädigsten Rampf gegen diese ganze Politit geführt. Sie hat sich nicht begnügt mit einer formellen Opposition oder mit unnüher oder negativer Kritik. Für jede Frage, für jedes Problem hat sie ihre eigenen Lösungen vorgebracht, die bis ins einzelne durchgearbeitet und durchführbar waren, ohne auch nur im geringsten zu irgend einem Zeitpunkt auf ihre idealen Auffassungen zu verzichten. Sie hat diese hartnädige und schwierige Schlacht mit nur 50 Gewählten geschlagen, als eine durch die Spaltung geschwächte Partei, die ihres Zentralorgans durch die Kommunisten beraubt war. In der Kammer standen wir anfänglich ebenfalls isoliert. Die Zurückhaltung der Radikalen Partei war zunächst vollständig. Erst als wir in gewiffen Punkten gewannen, als wir dem Nationalen Blod Stellung auf Stellung entriffen, erwachte die radikale Opposition, schwankend und schüchtern. Insbesondere waren wir allein, um den Kampf gegen das Ruhrabenteuer zu führen. An diese Dinge muß man erinnern, um die Bedeutung des Wahlausfalls vom 11. Mai zu verstehen. Der Nationale Block ist also geschlagen, er verliert mehr als 100 Gige. Die radikale Linke wird regieren fönnen. Was wird jezt geschehen? Hier kommen wir in das Gebiet der Vermutungen, und der vorsichtige Mann darf fich nur sehr zurückhaltend vorwagen. Aber was als möglich und erwünscht erscheint, ist die doppelte Krise im Ministerium und in der Präsidentschaft, die bevorsteht und notwendig ist. Poincaré und Millerand gehen als Berurteilte aus der Abstimmung hervor; ihr Abtreten ist wahrscheinlich. Auf alle Fälle verlangen wir es nachdrücklich. Aber wer wird die Regierung übernehmen? Briand mit Vertretern der Linkert und der Rechten gemischt? Herriot mit einem mehr nach links ausschlagenden Rud? Niemand tann es noch wissen. Das wird von den Radikalen selbst abhängen, den ewig Zögernden, die von furzsichtigen Steuerleuten geführt werden, die unaufhörlich freuz und quer fahren, wenn gehandelt und gerade aufs Ziel losgegangen werden muß. Ich erinnere u. a. auch daran, daß im November 1919 die offiziellen Statistiken als gewählte Radikale, die als Parteianhänger eingeschrieben waren, 130 oder 140 Abgeordnete angaben. Nach der Wahl waren es mur noch 85! Diesmal wird es vielleicht umgekehrt sein. Aber warten wir das ab und fällen wir nicht verfrüht Urteile über eine Situation, die noch etwas dunkel ist. Für den Augenblick bleibt eine Tatsache gewiß und erfreulich: der Nationale Block liegt am Boden und der Sozialismus hat sich kräftig erhoben und Gonimmt nimmt seinen Vormarsch wieder auf. zichten, gelten als endgültig gewählt auf der sozialdemofratischen Reichsliste: Dr. Hilferding, Dr. Hertz, Georg Schmidt, Alwin Särger Steinkopf ,, Stampfer, Dr. Adolf Braun. Bemerkenswert ist, daß folgende Splitterparteien für die Reichs. fifte ausfielen, weil sie feine Wahlkreismandate erhalten haben: Unabhängige Sozialdemokraten, Bund der Geufen, Chriftlichsoziale Partei, Deutsche Arbeitnehmerpartei, Freiwirtschaftsbund, Häußers Bund, Nationale Freiheitspartei, Nationale Minderheiten, Mieter partei, Republikanische Partei Deutschlands und Sozialistischer Bund. Das sind im ganzen 11 Parteien, die unnütz die Stimmen der Reichstagswähler beansprucht haben. Auf sie entfielen im ganzen 824 169 Stimmen. Wären diese Stimmen der Sozialdemokratischen Partei zugute gekommen und man darf annehmen, daß der übergroße Teil der Splitterwähler sozialdemokratisch gewählt hatte, wenn die Bruchparteien darauf verzichtet hätten, selbständig aufzutreten, so hätte die So. zialdemokratische Partei gut ein Dugend Man. bate mehr erhalten. Die Splitterparteien haben also nichts erreicht, als die Linte im Parlament erheblich zu schwächen. Das ift teine Politit, sondern grober Unfug. Fraktionssihungen. Die Zentrumsfrattion des Reichstages tritt am tom menben Montag nachmittag 3 Uhr zu ihrer Ronstituierung zu sammen. Daran wird sich eine Aussprache über die politie Lage schließen, die fich poraussichtlich auch über den Dienstag erftreden wird. Die Reichstagsfrattion der Deutschvölkischen Frei. heitspartei ist gestern zu einer Sigung zusammengetreten, um fich mit ber Reichsingseröffnung zu beschäftigen, Und die Kommunisten? Sie haben sich so übel als möglich benommen. Ueberall führten fie gegen die Sozialiftische Partei einen abscheulichen Verleumdungsfeldzug. Aber außer im Gebiet von Paris ist ihr Mißerfolg vollkommen gewesen. Ihre Vertretung in der neuen Rammer wird 27 Mandate betragen. Wenn man weiß, daß fie in Paris und deffen Umgebung allein 18 Gewählte haben, befommt man eine Vorstellung von ihrer Schwäche in dem übrigen Frankreich. Ach, dieses Paris! Ein entartetes Milieu, wo der Geist der Unzufriedenheit herrscht und wo die Demagogie mitunter üble Verwünstungen anrichten kann. Paris war einft boulangistisch, dann nationalistisch, während der Zeit der Affäre Dreyfus, dann Nationaler Block im Jahre 1919, Der Rommunismus mußte ihm auch das Rennzeichen geben. Das ist fetzt geschehen. Das wird sskang» dauern, wie ein Schlage?, der in Mode ist, oder wie eins Grippo-EpidHZNig.. Ärn übrigen Frankreich find big proletarischen M a s- fen der Partei treu geblisden, und selbst da, wo die Kommunisten einen Erfolg errungen hatten fest der Spat- ti-ng, find sie in deutlichem Rückgang, wenn sz nicht der völlige Zusammenbruch ist. Drei Gewählte im Departement Rort» gegen 10 für die Sozialisten, einer im Departement Eher, eine? in Seine-Jnferieur, einer im Lotet Gewönne, einer im ilnterelsaß. Sie verlieren ihre bisherige Vertretung in den Departements Rhüne-Mündung, Rhöns. Eorrd.zs und Aube. In dem DsHcrtement Hauts-Vicnne sind die ö bisherigen so- zialistischen Abgeordneten mit absoluter Mehrheit wieder- gewählt worden, und zwar mit mehr als 50 000 Stimmen gegen 3000 für die Kommunisten. In dem Kohlsngebiet des Pas-de-Calais haben die Sozialisten 6 Gewählte, die Kommu- nisten kernen. In Saöne und Loire springt die Niederlage der Kommunisten am besten in die Augen. Es handelt sich um industrielles Departement, wo die ungeheuren Arbsitermafien von Creusot, von Moistceau-leS-Mines, von Monchanin. von Ehalonz den Sozialisten einen durckischlagenden Sieg verschaff- ttn.. In dem E r e u s o t der Schneiderwerks selbst erhalten wir 3200 Stimmen gegen 2200 für den Rationalen Block und 600 für drei andese Listen, darunter die fomtnumfiifchc Liste. Diese erhält 6400 Stimmen insgesamt im Durchschnitt gegen 67 718 auf die sozialistische Liste. Wir bekommen 5 Sitze von 8, die der Rationale Block besaß. Es haben uns 2719 Stimmen ge- fehlt, um die absolute Mehrheit zu erlangen und die 8 Sitze zu erringen. Wenn der Kapitalismus von Schneider in diesem Departement 2 Abgeordnete und die Radikalen einen haben» so ist das allein die Folg« der einigen tausend Stimmen, die verloren gegangen sind— nicht für alle— auf der k o m m u- n i st i s ch e n Liste! Man sieht, unser Erfolg ist erfreulich, und unser An- sehen in der öffentlichen Meinung und bei den Massen der Arbeiter und Bauern wächst. Jetzt heißt's: an die Ar» b e i t! Die schwierige Stunde beginnt erst. Aber wenn wir einig zu. bleiben wissen, wenn der Sedanke und die Lehre des Sozialismus uns binden und leiten, haben wir vor uns «ine prachtvolle und ertragreiche Aufgabe. D!e StunSe üer Sozialisten. V. S:h. Parts. 15. Mai. für den 1. Juni offiziell angskünbigie Rück- tritt des Ministerium Poincarä ist als eine Selbst» ottstündfichteit und ohne jede Erregung aufgenommen morden. Seine berufsmäßigen Prcssetrabanten von gestern machen ein paar rhetorische Verbeugungen vor dem Manne dm Ruhrpoliük, über- schütten ihn ahm mit Vorwürfen wegen seiner Unentschlossenheit der inneren Politik, die die eigenste Schuld an der Wahlniederlage vom 11. Mai trage. Tatsächlich hat die Art, wie er bei der März- kris« seine besten und treuesten Freunde über Bord warf, nur um sich selbst zu halten, die meisten seiner eigenen Anhänger angewidert. Und so wird der Mann, der fast SO Monate long tyrannisch über ganz Europa gebot, sang- und klanglos von der politischen Bühne verschwinde.!' Denzen machen sich Beftrebu�en bemerkbar, Millerand ■zu halten. Verschiedene Blätter de». Nationalen Blocks tun so, ett ob die überparteiliche Stellung des Präsidenten der Republik durch den Wahlausgang keineswegs berührt worden sei. West kom- plizierker und für Deutschland auch unmittelbar wichtiger ist die schon jetzt endgültig aufgerollte Frage der Nachfolgerschaft Poincaräs. Für den Fall einer Schwächung des Nationalen Blocks hmt von vornherein ein Ministerium Briand oder ein Ministenum cherri ot. je nach dem Grad« dieser Schwächung, in Betracht..Auch heut« stehen diese zwei Namen im Vordergrund der Erörterung, und da der Ruck nach link» weit stärker ist als man annahm, ist naturgemäß vor ollem von einem Kabinett chcrriot die Rade. Run aber werden die neuen Problems offenbar, die unmittelbar die Sozialistisch« Partei Frankreich« mindestens mittelbar ober auch Relativität. Konzertumschau von Kurt Singer. Alle« ist relativ: auch in der Kunst. Im Moment de» Genießens nimmt man mancherlei als selbstredend und als gelungen hin, wählend es hinterher im Vergleich mit anderen Leistungen als ge- radezu großartig und einzig, oder auch chs mittelmäßig erscheint. Rückipärts betrachtet ist also doch der Z and erj ch e Volkschor nicht nur als der voluminöseste und stimmkräftigste, fondern auch als der eindruckpollste aller nichtbürgerlichen gemischten Chöre anzuerkennen. Johannes S r e h m a n n wirkt mit feinem Oratorienverein im stillen sehr Gute» aus. Jüngst eine misK» solern ru, von eindringlicher Kraft, jetzt eine„Schijpsung" von strahlender Innigkeit. All die in den letzten Jahren aufgeschossenen, schnell zusammengesetzten, not- dürftig erzogenen gemischten Chöre kommen an traditioneller Sicher- hest und veranrworiimgsslarker Erziehung nicht gegen Zanders und Stehmanns beneidenswert disziplinierte Klangkörperleistung aus. Um so mehr muß gewarät werden, solch« Wirkungen durch' Ein- stellung der Dirigenten auf rein orchestrale Werke mit angegliederten Chören abzuschwächen. Auch Ochs und Schumann und Rüdel könnten bei der 9. Sinfonie scheitern. Sie halten sich klug davon zurück. Alle Kunst, alle Kunstfertigkeit ist relattv. Luch die eines musikantisch-urbegabten Mannes wie Kleiber. Immer wieder ist er Prodiem, stellt er Problems. Die berühmteste aller Bachfchen Suiten, die in D.dur, findet in ihm einen minutiösen D-uter de» kleinsten rhythmischen Gebildes. Und doch wird Gesang frei, tonschön von der Staatxoperntapell« zelebriert. Höchste Be- seelm� des Mangs auch m der Geige Wolfsthals, der die Air mit Üem.�tr nn!> öu scheint die andersartig« Plazierung der Maser diesen«in nicht gewollte« Uebergewicht zu verleihen. Im zwetten Ten des Programm» da,.Lied von der Erde"(Möhler). Man erwartet« sich«in Fest. Und es wurde ein« belanglose, im Zusammenspiel gerade oben ferttg gewordene, fast unsichere Auf- fvhrunA.-vttu ersten Bild waren wohl Sanger und Orchester nicht -in einzig« Mol wirklich präzise im Einsatz beieinander. Der sym. pathische Tenorist verdeckte oft die mangelnde Tragsähigkeit der Stimm« durch Sprechen. Frau Cahier schien gleichgültiger in der Alt-Dohe, schlaffer als Haben Bastspiel« sie mitgenommen? Kleiber hing mit dem Kopf und dem Gewissen an der Partitur Etwas Selbständiges an Empfindung und Führung vermißt» man Der Frühling saß ihm nicht in den Handgelenken. Man sollte ein Wert, wie dos„Sied von der Erde* erst dirigieren, wenn man es — zum zehnten Mal« dirigiert ksozusagen). Aber wir wollen bei Kleiber und feinen illustren Musikern schon beim zwetten Mal« wieder- ko innen. Denn auch das Urteil über musitantische Leistungen ist relativ. Zur Entschuldigung des schwankenden Eindruck« sei übrigen« gesagt, daß ich die öffentlich« Uraufführung hört«, wo wohl der Tenorist der größte Störenfried war. die Sozialistische Arbeitsrinternationale«inschsießlich der deuischcn Sozialdemokratie berühren. Es ist dies in erster Linie das Problem des„M i n i st s r i a l i s m u s", auf deutsch der K o a l i- tions Politik. Die französische Partei ist niemals einheitlicherer Auffassung gewesen, und es war kein Geringerer als der große I a u r e s, der in der Zett der Regierung Combes zu Beginn des Jahrhunderts»mimsterialistisch" gesinn: war, aber als disziplinierter Parteigeiwss« fügte«r sich dem Kongreß der eigenen Partei und der Internationa!« sAmsterdamer Resolution) und lehnt« im Gegensatz zu Briand ab. den Weg Millerands und Bioianis zw gehen. Bor allem sind es die drei letzten Namen, die die französischen Genossen nach wie vor schrecken. Deshalb sind sie in ihrer Mehrheit sowohl in der Parteileitung sowie in den meisten Bezirksvcrbänden Gegner einer Koalitionspolttik. Sie konnten dies um so leichter fein, als in den letzten Jahren diese Frag« für sie rein theoretischer Natur war. Jetzt aber, infolge der unerwartet starken Niederlage des Ratio- nalen Blocks und der über Erwarten großen Erfolge der Sozialisten, ist diese Frage nicht nur in den Bereich der praktischen Erörterungen gerückt, sondern von ihrer Beantwortung hängt sogar die G e st a l- tung der neuen Rogierungspolitik und damit auch die gesamte«nropäische Entwicklung in hervorragen- dem Maße ab. Wenn H e r r i o t, wie allgemein erwartet wird, mit der Bildung des Kabinetts betraut wird und die direkte Betettigung der Sozialisten als Vorbedingung rerlangt, jedoch einem ablehnenden Bescheid begegnen sollte, so wäre es durchaus möglich, daß sich im linksbürgerlichen Lager Widerstände gegen eine Kombination geltend machten und durchsetzten, die von den draußenstehenden Sozialisten abhängig sein würden. Dann wäre die Stunde Briands gekommen, und um die frairzösifch-parlamentarische.Terminologie zu gebrauchen, würde an Stelle eines Ministeriums des„Blocks der Linken" ein Minifterimn der„Konzentration nach links" zu bilden sein. Das würde bedeuten, daß die Gruppe Loucheur- Iouvenel den Anschluß an die neue Regierungspolistk finden und damit die Verbindung mit dem alten nationalen Block aufrechterhalten könnte Dies hätte nicht nur«ine Vsrwässerung der von der Mehrheit des Volks gewünschten neuen Politik, sondern auch über kurz oder lang einen Bruch mit der Sozialistischen Partei zur Folge. Ist aber die Sozialistische Fraktion in Opposition getreten, so wäre ein« neue Konstellation wenigstens mit einem Teil des alten natio- naten Blocks kaum zu vermeiden, besonders dann nicht, wenn es Millerand gelingt, seine„Schiedsrichierstellung" als Präsident der Republik zu behaupten. Es ist notwendig, schon jetzt sine solche GntwiiAung in« Aug« zu fasten und sich ihrer unabwendbaren Rückwirkungen bewußt zu lein: ein Rückfall in die Methode Poinearäs würde nach den berechtigten Hoffnungen, die in ganz Europa an das fran- zösische Wahlergebnis und an den Rücktritt Poincarä« geknüpft wurden, ganz besonders gefährlich werden. Daraus kann man ersehen, welch schwere Verantwortung in den allerletzten Tagen aus unseren französischen Genostsn lastet. Ihre Stellung ist um so schwieriger, als die deutschen Wahlergebnisse die Schwächung der deutschen Partei, ihr« Ausschaltung aus der Reichs- regier ung. kurz die ganze Ungewisse Zukunft der deutschen Politik sie zu besonderer Vorsicht mahnen. Deshalb hängt vieles, vielleicht alles davon ab, was mm in Deutschland geschieht. Zwölf Tage trennen uns noch von dem Zu» sammentritt des neuen Reichstages, sechzehn Tage von dem Zu» sammentritt der neuen Deputiertenkammer. Diese Tage sind für ganz Europa von schicksalsschwerer Bedeutungi Wie oft haben wir gesagt, daß der Weltkrieg niemals ausze- krochen wäre, wenn' I9lä die Sozialsten in Deutschland und Frankreich am Ruder gewesen wären. Jetzt gilt es, den Weltfrieden wieder herzustellen, und dazu braucht man hüben und drüben die Arbeit der Sozialisten. Der„Popnlaire" muh eisgehe«: Paris, IS. Mai.(Eigener Drahchericht.) Wie wir hören, sieht sich der„Papula ire". das Pariser Organ der Sozialistischen Partei Frankreichs, genötigt, aus sinanziellen Gründen aml. Iunisein Erscheinen«inzustellen Trotz der Opferbereitschast wsiter Kreise ist es nicht möglich gewesen, die Mittel für die wettere Aus- Don den bsstaikredttierten Solisten der Woche(Ansorg«, Eisner, Schwarz, Laubenthal), über die nach dem Erlebnis mit dem Kullur- Neger Hayes kaum Neues für Europäer zu sagen ist, schweift das Ohr zurück zu dem dritten Konzert des Hilfsbundes für deutsch« Musitpflsze. Richard Stern widmet ihr seine väterliche Sorge, ohne Rücksicht auf äußeren Erfolg. Zwei Namen hörte man zum ersten- mal, Victor M i ch a l c z y k und Wolter G o e h r. Erster«: zeigt in einem Quartett Op. Z noch reichlich Verworrenheit und Verwaschen- heit im Satztechnischen, offenbart aber gleichzettig im langsamen Teil eins weiche, fast weibliche Sehnsucht nach Gesang. Ein Lyriker mit modernem Vorzeichen. Die Sonate Op. 2d von Walter Goehr klingt alles andere als schön. Zugegeben. E? ist ein kecke«, jugend- freches Stück, das Hermann Hoppe hier mtt der gleichen jugend- lichsn Keckheit herunterhaut. Vieles klingt sehr bewußt, absichtlich dem Tonalen widerstrebend, hemmungslos Stimmen und Rhythmen durcheinanderwirbelnd. Eine chaotische Phanrasmagoni«, in der«ine musitantische Kraft hämmert und meißelt. Nicht gerade sonnten- gerecht, aber doch mit einem Drang zu Steigerungen, die sich lösen, Entwicklungen, die eine Organik im Keim enthalten. Impressionen der begabten, wilden Pubertät. Das ist noch nicht vial. aber es macht dennoch neugierig auf Abklärung, auf persönlich« Reinigung eines musikalischen Temperaments, das dort anfängt, wo Schönberg auf- hört. Niedergang der Kunst? Schöpferische Futuristik? Das Absolut« durchschauen wir nicht, Relativität ist unser Gesetz. In dem Teig der stagnierenden deutschen Musik fehlt die Hefe. Vielleicht ist Goehr ein Hese-Bazillus. Cmsmid Rsicher gestorben. Der Zfiikfchöpfer des«afuraliffischen Zühnenffils. Emanvel Reicher ist gestern mittag, fast 73 Jahre alt, gestorben. Mit ihm tritt nicht nur einer der bedeutendsten Menschendarsteller der deutschen Bühne vom Schauplatz ab, sondern auch eine Per» sönlichkeit, die auf die Entwicklung der modernen Schauspielkunst von tiefstem und nachhaltigstem Einfluß gewesen ist. Im Juni 1819 in Bochma in Calizien geboren, versucht« er sich schon«l» Gymnasiast, damals der deutschen Sprache noch nicht vollkommen mächtig, wiederholt auf der Buhn«. Ms Mirzlied reisender Gesell» schoflen durchzog er die Kleinstädte Ungarns, fand dann feste Engagements am Iosophstädter Theater in Wien, am Münchener Rssidmz-Theater, in Hamburg und Oldenburg, bis«r 1887 an das Residenz-Theater nach Berlin kam. Hier fand Reicher, der sich bis dahin überwiegend in klassischen Rollen versucht hatte, da« ssmer künstlerischen Natur zusagende Feld der Betätigung. In Konversationsrollen meist minderwertiger Pariser Boulevardltücke entwickelte« sich.zum Vertreter und Vorkämpfer eine» neuen Stil», des„naturalistischen", wie man ihn damals nannte, und als Brahm und Schlomher bald darauf die Freie Bühne grün» detsn. wurde Emanuel Reicher die schauspielerische Stütze der neuen literarische» Schul«, gab« des mit starkem Defizit arbeitenden Blattes sicherzustellen. Das Eingehen das Blattes, das seit neun Iahren unter Leon Blum, Jean Longuet und Paul Faure im Zweifrontenkampf, erst gegen die Reaktion, dann auch gegen den Kommunismus, der Partei isnschätz- bare Dienste geleistet hat, ist doppelt bedauerlich gerade am Tag« nach einer Wahl, die dem französischen Sozialismus über IM Mandats zu sichern vermocht hat. Zv3 Sozialisten. Varls, IS. Mai.(EP.) Die Kontrolle der Wahlrsfultate hat nun auch im 4. Wahlkreis(Seinedepa-ttement ohne Paris) den Kommunisten zu einem neuen Sitz verHolsen. Im Departement Lein« inierisur« ist außerdem ein Sozialist an Stelle eines Radikalen als gewählt proklamiert worden. Tagung Ses Parteiaussthuffes. Der Partsioorstand hotte für gestern. Donnerstag, den Parteiausschuß zur Erledigung mehrerer Fragen nach Berlin einberufen, Zunächst erklärt; sich der Parteiausschuß mit dem Vorschlage des Perleioorstandes, den Parteitag mit der ursprünglich ausgestellten Tagesordnung am 11. Juni in Vsr. lin af> inhaliert, einverstanden. Außerdem beschäftigte er sich mit der nach den Wahlen entstandenen politischen Lage. Im Vordergrund der Besprechungen standen die jüngsten Vor- kommmfie in Halle. Allgemein wurde die Anregung zum Ausdruck gebracht, bei gegebener Zeit wuchtige Kund- a e b u n g e n für die Republik zu veranstalten. Schließlich billigte der Parteiausschuß nach einem Referat des Ge- nassen Wels fast einstimmig(eine Stimme war dagegen) die vom Parteioorstand beschlossene Aktion zur Herbeiführung eines Volksentscheids über die Annahme oder Ableh- nung des Sachverständt-engutachtsus. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurst- mitgeteilt, daß in verschiedenen Gemeinden die kommunistischen Frar- tionen an unsere(Semeindeoertreter herantreten, um sie.zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften in den Stadt- Parlamenten zu veranlassen. Demgegenüber ist der Partei- eusschuß einmütig der Auffassung, daß unsere Partei» genossen grundsätzlich isde Arbeftsgemeinschaft ablehnen müssen und sich die volle Freiheit ihres Handelns zu bewahren haben. Ferner bekundete der Parteiausschuß seine Meinung dahin, daß bei den G e l d s a m m l u n g e n für d i e st r e i» konden Bergarbeiter nur auf Grund der von den Ge- werkschaften herausgegebenen Listen Beträge gezeichnet rpzr» den sollen. Alle Sammlungen auf Betrnbslistsn oder solchen von Privatpersonen sollen abgelehnt werden. Ein Ministerpensionsgefetz für Preußen. Der Hauptausschuß des Landtages verabschiedete am Donners» tag das preußische Ministerpensionsgesetz. Danach er- hallen ausscheidend« Minister, sofern sie vier Monate im Amt waren,«in lleberLangsgsld für die Dauer von drei Monaten. Bei längerer Amisdauer wird das lieb ergang sgeld bis zur� Höchstdauer von zwei Iahren gewährt. Das llebergangsgelb beträgt während der ersten sechs Monate 80 v. H., während der folgenden sechs Mo- nate 70 v. H., der wetteren sechs Monate 60 v. H. und schließlich 45 v. H. der D«nstbczüze eines Staotsmlnisiers. War ein ausscheidender Minister vier Jahre im Amt und hat er beim Ab- laut des llebevganzsgeldes das 1, Lebensjahr vollendet, so«rhäll er im Anschluß an das Uebergangsqeld ein Ruhegehall. Dessen Höhe richtet sich noch der Länge der Amtszeit und beträgt 2kl v. H. der Dienstbezüge eines Stastsministers bei vierjähriger, 30 v. H. bei fünfjähriger Amisdaner und erhöht sich für jedes weiter« Jahr um 2 v. H. Das Ruhegehalt darf jedoch im Höchstfall« 4 0 o. H. der Dienstbezüqe eines Staatsministers nicht überstehen. Dies« Regelung bezieht sich lediglich auf diejenigen Staatsminister, die nicht aus dem Beamtentum hervorgegangen sind. Gegen den Gesetzentwurf stimmten die Deutschnationalen und Kommunisten. Der swuzösische Lenaioc d'Eslouraelles de Constank ist ge» st o r b«di. Mit ihm verlieren der deuls ch-franzosis che Verständi» gungsgedünke, Pazisismus, Schiedsgerichts- und VRkerbundidee einen ihrer besten Borkämpfer. Bei Uraufführungen der Werke Gerhart Hauptmanns ent- fosieste seine vom Wthergebrachten radikal abweichende Spielweise Stürme der Begeisterung und des Entsetzens. Dies trat besonders drastisch bei der Premiere des„Frledensfestes" zutage, wo sin Teil des Publikums für Kainz. als den Vertreter des Alten. Partei nahm, während der andere Reicher, dem Herold des Neuen, zu» jubelte. Di« damals junge schauspielerisch« Generation trat in di« Fußtapfen Reichers. Der von ihm erschlossene Weg wurde maß» gebend für Künstler wie Rudolf Rittner. Sauer, Else Lehmann. 1890 kam Reicher an« Königlich« Schauspielhaus, zwei Lahre später ans Lefsing-Theater, und als■ 1894 Brahm Direktor des Deutschen Theaters wurde, nahm er feinen alten Kampfgenossen in sein Ensemble auf. Ein unerbittlicher psychologischer Realismus. feinste Nüanoierung, und der Schein des Improvisierten, im Augen. blick Neugeschaffenen, waren di« Hauptkennzeichen feines Spiels. Die Zahl seiner Rollen ist unübersehbar. Vor Beginn lns W-lt. krlegcs ging Reicher nach Amerika, von wo er nach Friedensschluß wieder zurückkehrte. Jetzt hat ein Herzschlag seinem Leben ein End« gemacht. I. Schikowski. Amnvdsen üb« sei« TcordpolerpedMon. Der Polarforscher Roald Amundsen gewährt« einem Mitarbetter der Kopenhagen er „Politiken" ein Inrerview, in dam er folgend« Erklärungen über seine Nordpolexpeditilm gab:„Ich habe noch einiges in Chrrstiania zu erledigen. Von dort begeh« ich mich so schnell wie möglich nach Spitzbergen, um alles bereit zu haben, sobald das Unternehmen los- geht. Wir bekommen ein eigenes Expsdiiionsfchiff, emon richtigen Eismeerdainpfer, der bei Tromsö liegt und mtt einem guten Radio- sender ausgerüstet ist Was die Basis der Expedition anbelangt, wäre es am besten, wenn man bis zur Eisnrenze vordringen und die Flugmaschinen erst dort in Beirieb setzen könnte. Ein einziger Kilo- moter kann ja entscheidend sein. Diesen Gedanken müssen wir jedoch ausgeben. Auch di« Syvinseln, die am weitesten nach Norden liegen, sind infolge der Sttandverhällnisse ungünstig. Es bleibt asso nur die Dänische Insel, die Insel, die auch der Ausgangspunkt Andres und Wellmcmns war. Die Flugzeuge werden nach Spitzbergen auf dem Lustwege kommen. Dies entspricht einem Wunsche des Fabrikanten Dornier. Die Flugzeuge werden bei Tegel in Holland und in Kopen» Hägen Zwischenlandemgen vornehmen. Auf dem Landungsplatz in Kopenhagen kömien die Flugzeuge am 6.— 7. Juni erwartet werden. Ms Pilcoen sind der Amerikaner D a v i f o n, der Norweger Riijer Larsen und der Italien« Lucatelli in Aussicht genommen. Sobald es das Wetter erlaubt, wird der Flug über eine Strecke von 3390 Kilometern angetreten. Die Maschinen sind mit Doppelmptoren ausgerüstet und di« Durchschnittsgeschwindizkeft wird unter allen Umständen nicht weniger als 1S0 Kilometer betrog-n. Sobald wir den Pol erreicht haben werden, stiegen wir in gerader Linie nach Alaska weiter. Wir werden bei Point Narrow landen. Hier gibt e? eine Fläche von einer Million Quadratmeilen, die noch nix ein Mensch erforscht hat. Es wird eins wichtig« geographische Aufgabe sein, festzustellen, woraus dieses Gebiet besteht, ob aus Land und Gebirge oder ob au» einer ewigen Eisfläche. In Point Narrow werden wir die Gäste der paar dort wohnenden Eskimos sein. Wir Hakenkreuz und Stahlhelm. Die Folgen des Deutschen Tages in Halle. 07 Halle, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Einwohnerschaft Don Halle tommt felt dem Ludendorff Rummel nicht mehr zur Ruhe. Am Mittwoch in der zehnten Abendstunde verübte ein elma 60 Mann starter, under Führung eines früheren Offiziers ftehender Trupp Hitler Gardisten am Scaleufer berartige Shandtaten, daß felbst dem redytseingestellten Spießer die Galle überlaufen mußte. Die Hillerianer perprügelten ohne An. Laß mit armftarten Stöden Spaziergänger. Passanten, die fich beschwerten, betamen ebenfalls ihre Bortion. Ein Gojupolizeibeamter fonnte gegen ben Böbel nichts ausrichten. His endlich bas Ueberfallfommando erschien, tonnte bem Spiel ein Ende gemacht werden. Ein Teil der Rondles wurde festgenommen. Auf der Wade fonnte man ihnen eine Anzahl geladener Pistolen abnehmen. Nach der Verhaffung wurden die Burschen sofort entlassen und von Schuhpolizeibeamten nach Haufe begleitet. Söjen, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Bezeichnend für den Geift der Bubendorffer ist die Tatsache, daß in diesen Tagen an den Gräbern der Rathenau Mörber in Saaled bei Rösen eine Barabe der Hafenfreugler stattfand. In gefchloffener Formation, mit Mufit an der Spike, erfolgte der Aufmarió. * Die Unterstützung der Ausgesperrten Keine einheitlichen Richtlinien. zu Eine Ertlärung des Zechenverbandes. Effen, 15 Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der 3edenver band verbreitet burd bie Telegraphenbureaus eine neue programmatife Erflärung, in ber betoni wirb, ber Beghenverband besteht unter allen Umständen tonsequent durchgeführt, allein schon die in Berlin geführten Berauf ber istundenschicht unter Lage und bem Zweischichtensyften über Tage. Abgesehen non dieser Feftfellung, bie, hanblurgen zum Scheitern bringen müßten, ist die Mote bes Bechenperbandes audy in einer weiteren Hinsicht interessant. Es heißt in ihr nämlich: Für den Bergbau hanbelt es sich bei den Berhandlungen nicht darum, ein paar Brozent Gewinn mehr zu erzielen, sondern die Bechen fämpfen um ihre Existenz. Die meisten von ihnen arbeiten, folange die Reparationslaften nicht auf das Reich übernommen werben, mit Berlust. Daß es fich für die Bechenbefiger nicht ausschließlich um ein paar Prozent Geminn handelt, glauben auch mir annehmen zu bürfen. Aber im Grunde geht es den Bechenbefizern um mehr. Es handelt sich für fic um ihre Griftenz, b. h. um jene Gristenz als Unternehmer, die fich feit einiger Zeit in den Betrieben höchst unliebsam bemerkbar macht. Bogum, 15. Mai.( Eigener Drahibericht.) Durch die fich| tungen vor eine Sage geftelt, beren Ehwierigkeiten unübersehbar täglich steigernde Rodage der Ausgesperrten werben die Unter find. ügungsmaßnahmen für die ausgesperrin Bergarbeber zu einer brennenden Tagesfrage. Bei Beginn der Ausperrung im Bergbau vertrat eine Anzahl von städtischen Arbeitsamtern im Ruhrgebiet den Standpuntt, daß den ausgesperrten Bergarbeitern die Erwerbslosenfürsorge zuteil werden müffe. Bie Münster geteilt. Bei der am vergangenen Sonnabend stattgefunde es heißt, wurde dieser Standpuntt auch von der Regierung in nen Bürgermeistertonferenz in Essen wurde jedoch die Auffaffung perireten, daß die Stadtverwaltungen aus prinzipiellen und wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage feien, Für forgemaßnahmen für bie Ausgesperrten treffen. Die bei der Effener Bürgermeistertonferenz vertretene Ansicht murde von den Düsseldorfer Regierungsstellen bestätigt. Ein heitliche Richtlinien für die Behandlung der Fürsorgefrage für bie ausgesperrten Bergarbeiter fonnten jedoch bis Donnerstag Don den Gladwerwaltungen nicht festgelegt werden. Aus diesem Grunde Auch diese Meldungen zeigen, mie notwendig es ist, den find die in den verschiebenen Ruhrstädten getroffenen Maßnah fogenannten vaterländischen Beranstaltungen der Bölfischen men für die Unterfügung der Ausgesperrten durchaus jede behördliche Genehmigung zu verjagen und dort, wo bie unterfieblicher Natur. So wird beispielsweise in Anordnungen der Regierung mißachtet werden, mit schärf Dortmund und Bochum an die Ausgesperrten in den beften Mitteln Dorzugehen. In Halle ist man jest glüd schränkten Verhältnissen entsprechend Mengen marmes Effen aus lich so weit, daß sich die Deutschvölkischen infolge der Dulbung den Boltstüchen abgegeben. In Dortmund fommen zurzeit Des Hafenkreuzrummels als die Herren ber Straße be 12 000 bis 13 000 Bortionen täglich in Frage. In Bochum with trachten. Die Vorfälle bei der Bestattung des bei den zu die Mahlzeit zum Preise von 10 Pf. verabfolgt. In Effen er fammenstößen ums Leben gekommenen Schußpolizisten, die folgen ebenfalls Speisungen aus den Boltstüchen. Ferner wurde oben gemeldeten Roheitsdelikte und die völtischen Ausschrei eine städtische Sammlung zugunsten der Ausgesperrten unter Ron tungen in Delizich beweisen, daß man in Mitteldeutschland von trolle des Wohlfahrtsamtes organisiert. On Herne sollen zunächst bayerischen Zuständen nicht mehr weit entfernt ist. Sollte es die Kinder der Familien der Ausgesperrten in den Bolistüchen wahr sein, daß in Halle Teileber Shugpolizei bereits verpflegt werden. In Bitten, Essen und im Landkreise Zusammenstoß zwischen Polizei und Kommunisten. mit den pöltischen Aufmieglern fraterni Bochum find feine allgemeinen Maßnahmen für die Unterstützung Effen, 15. Mai.( TU.) Im Anschluß an eine Bersammfieren, dann ist es 3eit, den säubernden Befen in Beber Ausgesperrten bisher getroffen. Evtl. Unterstügungen aus den tung ber kommunisten, die gestern abend im Birtus Hagen wegung zu feßen. Mitteln der städtischen Fürsorge erfolgen von Fall zu Fall. In bed abgehalten wurde, zogen die Teilnehmer in gefchloffenem Oberhausen gewährt die Stadtverwaltung der Ausgesperrten Demonstrationszuge burch die Grabenfiraße zum LimBeihilfen durch Naturalien im gleichen Betrage ber Erwerbslojen beder Blog. Kurz vor diesem perfuchte ein Polizeiaufgebot non fürsorgegelder. Die Frage ber Unterstützung bar burch die Musselma 15 Mam unter Führung eines Kommiffars den Zug aufzusperrungen im Ruhrbergbau, infolge Betriebsstiflegungen in der Löjen, Aus der Wenge fielen hierauf Schüsse, burch die ber Eisen- und Stahlindustrie erwerbslos geworbenen Metallarbeiter Stommiffar Ube on der Hand verlegt wurde. Weiter bedrohten bie ist bisher noch nicht geflärt. Falls durch ein längeres Anbauern barauf blant und fäuberter die Straßen. Dabei wurben einige Demonftranten die Polizei mit Lotschlägern. Die Beamten zogen ber Stillegung des Ruhrbergbaues die Metallindustrie Bersonen, bei denen Waffen gefunden wurden, verhaftet. Ferner zum Erliegen tommt und dadurch das Heer der Arbeits wurden im Segerothviertel aus dem Hinterhalt nochmals Schüffe fosen um Behntausende vergrößert wird, werden die Stadtverwal auf Polizeibeamte abgegeben, die aber niemand verlegten. Die Baterländischen Berbände befigen die Frechheit, in einer anspruchsvollen Erflärung gegen das Berbot der von den Böllischen beabsichtigten Schlageter Parade zu protestieren. Die Regierung wird hoffentlich nicht verabsäumen, biefen Herren, die hinter der nationalen Bhrafe ihre ftaatsfeindlichen Siele verbergen, mit gebührender Deutlichkeit zu antworten. Der Ulanentag" in Fürstenwalde verboten. Der preußische Innenminister Gen. Severing, hat die Ge. nehmigung zu dem von den Rechtsraditalen am nächsten Sonn tag in Fürstenwalde bei Berlin geplanten Ulanentag nicht erteilt. Er benugt im Gegenteil diese Gelegenheit, um erneut barauf hinzuweisen, daß wegen des bestehenden zivilen Ausnahmezustandes Umzüge und sonstige Beranstaltungen unter freiem Himmel generell verboten sind und der preußische Innenminister nur in ganz besonderen Ausnahmefällen die Genehmigung zu der artigen Beranstaltungen erteilt. Wo eine Genehmigung nicht vor liegt besteht ohne meiteres das Berbot. Der Berein Bittorio- Füsifiere in Pyrit hatte für legten Sonntag eine Fahnenweihe mit Umzügen angefündigt. Das Ganze war als Schauparade im deutschpöllischen Sinne gedacht. Auch hier hat bas Innenminifterium die Genehmigung für bie Demonftration im Freien verfagt. Der Verein mußte sich mit Beranstaltungen in ge fchloffenen Räumen begnügen. Dresden, 15. Mai.( T.) Die vom Berwolf für den 18. Mai in Bimbach geplante Fahnenweihe, verbunden mit Umzügen unb Bedruf, wurde vom Minifterium des Innern Der boten. Ebenso ift die Gegendemonftration verboten worden, zu Der im„ Rämpfer"( Chemnis) von den Kommunisten aufgerufen marden war. werben aus unseren Benzin- und Delbepots, die dort liegen, unfere Borräte auffüllen und nach Süden, in Richtung ber zibilisierten Belt, meiterfliegen." Das Zeitalter des Aluminiums. Wir leben feit unbentligen Zeiten unter der Herrschaft des Eisens und des Stahls, und biefe beiben Masallarten bilden geradezu die Grundlage der modernen Bivilisation. Geben einmal die Eisenporräte zu Ende und alles Arbische hat ja einmal ein Ende dann ist auch unsere Zivilisation eine absolute Unmöglichkeit. Es ist deshalb schon ein Erjag, eine Ergänzung unseres Eisen- und und Stahlbeftges wünschenswert. Dr. Walter Rofenhain, der feit 1906 Superintendent des Metallur gifchen Departements im Britischen Physikalischen Baboratorium ift, stellt benn auch in der Morning Post" nach dem Zeitalter des Stables ein Beitalter des Aluminiums in Aussicht. Wie man weiß, werden namentlich Rodgeschirre und allerlei andere geringere Gegenstände schon lange aus huminium, dem betannten, nicht schwerwiegenden fiberweißen Metall hergestellt. Da ist man por furzem mie burd einen Zufall auf den Gedanken getommen, das uminium, mit dem auch das eine oder andere Metall,&. B. Stupfer, legiert wirb, zu wichtigeren 3meden zu ver menben, Gine Firma, die ihre Ware in Stahlbehältern an ihre Runden beförderte, hätte mehr solcher Behälter anschaffen müssen, fiberlegte fich aber, daß fie dann noch mehr flir den Transport zahlen müßte, und daß diefer Transport so viel toftete, nicht weil Die eigentliche Bare, fondern weil bie Behälter fo fchwer mogen. Sie ließ daher Behälter aus luminium anfertigen und erfporte badurch mehr als die Hälfte der Transporttoften. Die Ingenieure legen besonderes Gewicht auf die wertvolle Eigenschaft der Beichtig, feit des Aluminiums. Man benti jezt an die Möglichkeit, felbst die großen Brüden, über die schwere Güterbahnwagen bahinrollen, ferner Die Wagen der Untergrundbahnen, Autos ufm. aus huminium oder Aluminiumlegierung, die noch tragfähiger ist, herzustellen. So fönnte man in der Tat von einer era des Aluminiums sprechen. Rofa Curembungs Briefe Benoitin tautat, die die Briefe Roja Zugemburgs an ihre Freunde berausgegeben hat, mill noch ein neues Bänden davon sammeln, unt ihr reiches Menschentum ins helle Licht zu ftellen. Sie bittet alle, die entsprechende Briefe von St. 2. befizen, fie ihr für turze Zeit zur Verfügung zu stellen. Unperlehrte Rüdiendung ist zu gefiert. Abresse bom 20. Mai ab: Bien I, Dperming 23. Die Partei. presse wird um Nachbrud gebeten. Zur Einleifung des Klopffod Jubiläums. Det bekannte Dozent an der Berliner Boitshochschule, Prof. Dr. Dütiche, hält am 19., 26. Mai und 2. Juni, abends 7%, Uhr, in der Bereinigung ber Stunfifreunde des Char lottenburger Lehrerbereins brei Vorträge über loptods geben unb Digiiunft. Die Borhage finden im Betheniaal ber 81. Gemeinde. file, Charlettenburg, Drantenstr. 18/13, statt. Der Eintritt ist frei, Gäste milliommen. Deutsche Gelehrte in Rußland. Die Breffe augert fid beifällig über ben Blan der Sowjetverwaltung für Wissenschaften, bie beutichen Ge lehrten Brof. Martini( Spezialist für Malariabehandlung) und Brof. Lenz ( Hydrobiologe) zur Mitarbeit im batteziologischen Laboratorium in Saraton einzuladen. Das russische Sustitut für Meerestunde, das jest im Sommer auf einent Dampjer untergebracht ist und Reisen macht, hit von der Uni berfität Jena um Ueberlaffung eines Blages an einen Jenenier sammann für die Dauer ber Fahrten gebeten worden. Das Inftitut will Brofessor Burchard, den besten Stenner der Eismeerverhältniffe, dazu einladen. Bayerisches Recht. BIB. meldet aus Nürnberg: Willkürliche Stillegung. Bochum, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Direttion des Bochumer Vereins versucht, das gesamte Bert ab Freitag gänzlich still zulegen. Es haben bereits Verhandlungen zwischen der Direttion und dem Betriebsrat stattgefunden. Der Betriebsrat vertritt die Auffassung, daß die Notwendigkeit einer Stiflegung einstweilen nicht vorliegt, da noch Brennmaterial genügend vorhanden sei. jebenfalls, daß ihr Borfihender der deutschpölkisch- allbeutsche Oberfinanzrat" Bang ist, der während des Rapp Butfches als Finanzminister zeichnete. " Der ehemalige bayerische Kriegsminister, ber nunmehrige FabriDer Reichsverband ber deutschen Industrie gibt tant Schneppenhorst in Nürnberg wurde vom Schwurgericht zu der Stabilisierung dieser neuen völfischen Einrichtung die Ernach dreitägiger Verhandlung wegen fahrlässigen Falftlärung ab, daß sie ohne Einfluß auf die Haltung der Industrie eides zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewah bleiben werde. Der Reichsverband halte an feiner wohlwollen. Bewähbleiben rungsfrist verurteilt. Schneppenhorst hatte bei der Gerichts den Bofitif bem Saverständigen gutachten gegen. verhandlung über den Konflikt zwischen Mitgliedern der BSBD. über feft, auf deren Boden fich auch die maßgebenden deutschund der Reichsflagge anläßlich einer fozialdemokratischen Bersamm nationalen Mitglieder des Reichsverbandes„ phne wefen lung im Weißen Roß am 15. Juni unter Eid Aussagen gemacht, liche Einschränkung voll und gang" geftelt hätten. Gerade die deutschnationalen Mitglieber lehnen nach der Berlautbarung bes melde im Widerspruch zu anderen Beugenauslagen ftanben." Berbandes jebe verantwortungslose Gonderattion energisch ab. Saarknechtung. Um ben Sinn dieses Urteils zu verstehen, braucht man nur bas legie Urteil des Münchener Boltsgerichts bagegen zu halten. Leutnant a. D. Se B, der bayerische Staatsminister mit her Pistole in der Hand verhaftet und abtransportiert hat, murde zu einer ehrenbollen Feftungshaft mit fofortiger Bewährungsfrist nerurteilt. Sabritant Schneppenhorst, ber eine andere Aussage gemacht hat als Gegenzeugen, befommt 6 Monate Gefängnis ohne Bewährungskommission auf Grund ihrer Dollmachten den Friedensverrungsfrist. Dafür ist es aber auch Deutsvöltifch und Schneppenhorst Sozialbemofrat Der bayerische Landtag. Diesmal gegen Zeitungen und Gemeinden. Saarbrüden, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Da die Regies trag auslegt, wie es die Wahrung der französischen Intereffen erfordert, hat sie jetzt den deutschen Zeitungen des Saargebiets bas Papierfontingent für das laufende Jahr ohne Rücksicht auf in8pfchen erfolgte Betriebsausbehnungen und die beffere Ronjunttur nach dem Durchschnitt der ersten drei Nachkriegsjahre festgesetzt. Damit will sie die faarländischen Zeitungen zwingen, franzö fifes Zeitungspapier einzuführen. München, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Sanbesmahl. ausschuß, der aus dem Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes und den Bertrauensteuten der einzelnen Barteien besteht, setzte am Die Regierungstommission fegt ihren Bersuch fort, der SelbstDonnerstagnachmittag bas amtliche Wahlergebnis der Landtags verwaltung der Gemeinden das Rückgrat zu brechen, weil sie dadurch wahlen und damit die Zusammenlegung bes neuen Bandtags feft. bas Deutschtum besonders zu treffen hofft. So hat fie jest nach Abgesehen von leinen Unterschieden in ben Stimmenzahlen ist das vielen anderen Stichtbestätigungen auch in Wölflingen einem ihr amtliche Ergebnis bas gleiche wie das bereits gemelbete. Der fünf politisch nicht genehmen Beigeordneten bie Bestätigung ver tige Landtag mit 129 2bgeordneten fest fid) alio zufammen aus fagt. In Neunkirchen wurde eine Eammlung für die Crweite 46 Bayerische Boltspartei, 23 Sozialdemokraten, 23 Böl rung der städtischen Badeanstalt von der Regierungskommiffion tifchen, 11 Deutschnationalen, 10 Bayerischer Bauernbund, 9 Romperboten. Dadurch soll versucht werden, die Gemeinde von der munisten, 8 Demokraten, 3 Zentrum, 1 Rationalliberale Bereini Rommission finanziell abhängiger zu machen. Die Gesamtstimmengiffer der Sozialbemo gung. fraten beträgt 513 590, die der Bottischen 512 271. Zerstörer der Reichseinheit. Ludendorff oder die Bayerische Volkspartei? Hannover, 15. Mai.( TU.) Ludendorff hat dem Münchener Bere treter der„ ieberdeutschen Beitung ein Interviam in ber hanoverschen Frage gegeben, in dem er behauptet, bie Bayerische Boffspartei unterftlige ganz offen die Abgeordneten der Deutsch. hannoveraner, mit ihnen eng zusammenhängend Generalfette tär Riefer und Graf Mehrenbach in Langenfchwalbach. Lepterer fei der Berireter der Rassauer und der Charlotte van Luxemburg und halte fich bei Dorten auf. Die Bayerische Boltspartei versichere allen, bie am 18. Dtai ihre Stimme für den Föberalismus abgeben, ihrer wärmsten Sympathie. Dr. Heim hoffe mit seiner föderafiffischen Politik das ohlwollen Frankreichs zu gewinnen, bas ber außenpolitische Angelpuntt ber Banerismen Bolts. Partei fei, die am 26. November 1918 Kurt Gisner anflehte, doch ja einen Sonterfrieden mit Frankreich abzuschließen. Industrielle„ Opposition". Ein völkischer Vorftok. Münchener Kultur in Saarbrüden. Saarbrüden, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In einer Berfammlung, in ber am Mittwoch Prof. Quidde sprach, tam es zu Ruheftörungen, an denen sich vor allem Deutsch polfische in Hitler Mügen, aber auch Rommunisten(!) beteiligten. Polnisch- französischer Zwischenfall. Warschau, 15 Mai.( DG.) Der non namhaften Politifarn ber gegen polnische Gefängnisgreuel, unter denen die verhafteten franzöfifchen Linten in Barifer Blättern veröffentlichte Brotest trainer in Oftgalizien feiben, beren eine, die Studentin Bessarabowa, tobgemacht aber zum Selbstmord getrieben worden ist, hat hier große Erregung hervorgerufen. Der Abg. Thugutt hat an Painteré eine Entgegnung gerichtet, Englische Mietzinsreform. Berbilligungsaktion der Arbeiterregierung. Condon, 15. Mai.( WTB.) Der Gesundheitsminister 3 heatLen hat heute eine Besprechung mit den Bertretern der Sofalbehörden gehabt, mit denen er seit einiger Zeit Berhandlungen über die von der Regierung geplante Mietzinsbill führt. Wahrscheinlich wird das Gefez in Kürze dem Unterhaus vorgelegt merben. Die Bereinbarungen der Regierung mit den Vertretern Da die Zeit der wirtschaftlichen Neugründungen und Organi derjenigen Dertlichkeiten, die von dem Gefeßentwurf hauptsächlich fationen vorüber ist, scheinen besonders unternehmungsluftige Unter betroffen werden, laufen barauf hinaus, daß die Regierung eine nehmer ihr Betätigungsfeld in die Politik perlegen zu wollen. Nach unterstützung von 9 Pfund pro Haus auf 40 Jahre für die Der Nationalliberalen Bereinigung und Heinzes nationalem jenigen Häufer vorfieht, bie zur Bermietung bestimmt sind, unter Klub in Sachsen ist nun auch noch eine Deutsche Induber Bedingung, daß die örtlichen Behörden sich ihrerseits bereit striellen Bereinigung gegründet worden die das Sachertiären, eine weitere Unterftigung von 4 Bfund 10 Schilling verständigengutachten ablehnt und für fich in Anspruch nimmt, bie pro Haus auf 40 Jahre zu zahlen. Der 3med des Gesetzentmurfes Opposition innerhalb der deutschen Industrie zu vertreten. ift, in jeder Dertlichkeit biefelben Mieten zu sichern, die jest On der polisparteifichen Bresse wird die Neugründung nicht ernst genommen Man weist darauf hin, daß von den Gründern der Bereinigung feiner dem Reichsverband der deutschen Industrie angehört und daß hinter ihr nur einige unbekannte Broping unternehmer stehen. Bezeichnend für die Reugründung ist für die Arbeiterhäuser gelten, bie vor dem Striege erbaut worden find. heatley betonte, daß nach dreijähriger Birtung des ge. Wanten Geleges bie Frage der finanziellen Anordnungen, die jest für den Bau ber Häufer getroffen sind, durch den Gesundheits minister und die totalen Behörden erneut geprüft werden sollen. Der Kampf der Bergarbeiter. Bochum, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Das Ergebnis der jetzt in Berlin geführten Einigungsver handlungen zur Beendigung der Aussperrung im Bergbau wird hier mit der größten Spannung erwartet. Man ist sich vollkommen darüber flar, daß ein Ausmeg aus der schwierigen Situation gefunden werden muß. Aber niemand darf sich einer Täuschung hingeben darüber, daß dieser Ausmeg für die Bergarbeiter nur dann annehmbar wird, menn er die prin zipielle Anerkennung der Siebenstundenschicht unter Tage und eine wirklich spürbare Aufbesserung der Löhne bringt. Die geradezu unheimliche Ruhe in den großen Bergbaurevieren des Ruhrgebiets ist ein Zeichen entschloffen ster, bis zum legten disziplinierter Rampfbereitschaft, eine Kampfbereitschaft, wie sie in der gewerkschaftlichen Bewegung einzig dasteht. Mehr als zehn Tage ruhen bereits die Zechen mit Ausnahme einiger Schachtanlagen, die für die nötige Gastoble der Städte forgen. Aber das sind nur verschwindende Ausnahmen. Geradezu lächerlich ist es, wenn die Unternehmer durch Ber breitung von Nachrichten über eine angebliche Aufnahme der Arbeit in einzelnen Bechen für sich Reklame zu machen suchen. Hier, wo eine Nachprüfung dieser Meldungen möglich ist, er regen derartige Versuche, die Stimmung zu beeinfluffen, nur ein Kopfschütteln. Man muß es fich vorstellen, was es heißt, wenn die Berg arbeiter bereits am zehnten Tage fast ohne jeden Lohn die Aussperrung hinnehmen, ohne sich aus ihrer ruhigen Haltung von den tommunistischen Generalftreifparolen und der Stimmungs. mache der Unternehmer im geringften beeinfluffen zu lassen. Es ist ein Kampf, deffen Waffe der Hunger ist, derselbe Hunger, den die Unternehmer für fich ausmuizen wollten, um bei diesem ihnen bequemen Anlaß die Organisationen der Arbeiterschaft zu zer schlagen und dann frei von jeder Strupel und jeder Sorge für eine spätere Zukunft den Herrn- im- Hause- Standpunti in ihren Berken durchsetzen. Man fann an der fast an Verzweiffung grenzenden Verbitterung der Bergarbeiter ermeffen, daß es sich hier für diese um eine Streitfrage von höchfter Tragmeite handelt. Ihrer Bereitschaft, durch zeitweilige Unternehmerbolfchewismus. Effen, 15. Mai.( WTB.) Der Vertreter des Schlichters für Westfalen, Schöbel, fällte heute mittag in den Lohnverhandlungen der Metallindustrie für die nordöstliche Gruppe folgenden Schiedsspruch: Die Lohnvereinigung vom 18. Januar 1924 wird ab 1. Mai mit der Maßgabe wieder in Kraft gesetzt, daß nach Möglichkeit ab biefem Termin eine Lohnerhöhung eintritt, deren Ausmaß, sowie die eventuellen Abänderungen der Lohnvereinbarung vom 18. Januar durch Schiedsspruch an dem Tage festgesetzt werden, an dem die Arbeit im Bergbau allgemein wieder aufgenommen worden ist Terminfestlegung und Einladung erfolgt durch den Schlichter für Bet Begirt Bestfalen. Die Arbeitgeber gaben daraufhin eine Erklärung zu Brotokoll, daß sie diesen Schiedsspruch ablehnten und fich volle Handlungsfreiheit für die zukünftigen Berhandlungen vorbehielten. Die Bohnvereinbarung vom 18. Januar wurde unier ben widrigsten Umständen geschlossen. Die Gewerkschaften waren tanipf. unfähig, der Deutsche Metallarbeiter- Berband wurde ganz aus geschaltet, Christen und Hirsche begingen offenen Berrat, während Die Kommunisten und Unionisten jeden Tag eine neue Generalftreit parole ausgaben, die schließlich den Generalftreit der Streifenden auslöste. Nun soll das damals aufgezwungene Lohnabkommen wieder in Straft treten, mit dem Borbehalt der Rorrettur entsprechend den bei den Berliner Berhandlungen über den Bergbaufonflitt ge troffenen Sägen. Die Unternehmer tannten zwar weder diese Säße noch die vorzunehmende Korrektur, fie lehnen fie aber von vorn herein ab. Das ist nichts anderes als Ratastrophenpolitit, Unternehmerbolfchemismus schlimmster Art. Abbau bei der Reichsversicherungsauftalt. Auf Anordnung des Reichsarbeitsministeriums terben bei ber Reichsversicherungsanftalt eine erhebliche Anzahl Versorgungs. anwärter als Angestellte neu eingestellt und dafür die gleiche Zahl bon eingearbeiteten Beamten auf artegeld gesezt. Das bedeutet statt Ersparnis eine Erhöhung der Ausgaben. So fpart also das Reich, wenn die Stoften von einem britten, in diesem Falle bon ber ber fierten Arbeitnehmerfchaft zu tragen find. Es will scheinen, als wenn das Reichsarbeitsministerium hier einent Drud bes Reichswehrministeriums nachgegeben habe. Wo bleibt übrigens die Selbstverwaltung der Reichsversicherungsanstalt? Lohnvereinbarung in der Musikinstrumenteninduftrie. Für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Mufifinstru mentenindustrie ist nach Verhandlungen beim Schlichter Wiffell am Mittwoch ein Lohnablommen zwischen dem Deutschen Holzarbeiter. verband und dem Arbeitgeberverband der Berliner Musikinstru mentenindustrie gefchloffen werden, das den Mindest stunden fohn für Facharbeiter aller Branchen auf 81 Bf. feftfeßt. In seinen weiteren Bestimmungen sagt das Abkommen: Die Tariflöhne der übrigen Staffeln berechnen sich nach dem bestehenden Schlüffel. Außer den für die ersten drei Lohnwochen der Vertragszeit, nach dem 19. April bereits vorschußweise gezahlten 15 Proz., erhält jeder Facharbeiter weitere 8 m.( die anderen Gruppen entsprechend dem Schlüffel) nachgezahlt Damit find die Ansprüche für diese ersten drei Lohnwochen ab. gegolten. Ab Beginn der zweiten Bohnwoche des Mai werben auf alle Löhne und Akkordtarife, die in der Zeit vom 12. bis 18. April 1924 in Geltung waren, 3 ulagen gewährt, die für einen Stun deniohn von 60 Pf. und einen Durchschnittsattordverdienft von 69 Pf. 35 Broz. betragen und die herabgehen bis auf 15 Pro3. für einen Stundenlohn von 100 Pf. und einen Durchschnittsaftordverdienst . Bereinbarung in Ueberschichten fo lange die Kohlenförderung zu stüßen, als es die schwierige außenpolitische Lage erfordert, haben sie oft genug durch die Tat Ausdrud gegeben. Aber für die Internehmer handelt es sich nicht um erhöhte Produktion, sondern um einen Vorwand zur Verfechtung macht politis fcher 3iele. Noch mehr muß man sich über die Ruhe im Ruhrgebiet mundern, wenn man weiß, daß nicht nur mit dieser Provofation die Unternehmer die Kohlenförderung fabotiert haben. Die Bergarbeiter, die täglich unter und über Tage ihrer harten Pflicht nachgehen, spüren es auf Schritt und Tritt, daß zur Ausnutzung der Produktionskraft des Ruhrgebietes längst nicht alles getan wird. Das ist nicht erit feit Wochen, das ist seit Jahren so. Fast scheint es, daß die Unternehmer mit ihrer herausfordernden Haltung bewußt die Radikalisierung der ArbeiterArbeits- und Lohnpolitik fein muß. Seit Jahren klagt der fchaft fördern, die eine ungusbleibliche Folge dieser Rohlenbergbau darüber, daß er am Zusammenbruch stehe Konturs hat noch teine Beche gemacht. Man weiß, daß die Selbsttostenberechnungen, die die Unternehmer zur Unterstützung ihrer Forderungen anführen, nicht zutref fen. Hat man im Lager der Bergherren wirklich Anlaß über die Unrentabilität der Zechen, über drohende Verschuldung und über Kreditnot zu flagen, menn man es sich leisten kann, die Produktionskraft des wichtigsten deutschen Gebietes unter nichtigen Borwänden auf Wochen lahmzu legen? All diese Fragen drängen sich auf, nur daß der Bergmann sich nicht davor scheut, das Kind beim Namen zu nennen und aus der gegebenen Lage die gebotenen Konfequenzen zieht. Es geht um die Frage, ob in der schwersten Berufsklasse der deutschen Arbeiterschaft mit Hilfe der Micumverträge, also der Entente, eine dauernde Regelung der Arbeitszeit und des Arbeitslohnes er preßt werden soll, die einer Preisgabe aller sozialen, von Unternehmern felbft anerkannten Rechte für lange Jahre, vielleicht für immer, gleichfommt. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, das hier getrieben wird. Darüber darf die Ruhe, die jest im Ruhrgebiet herrscht, feineswegs hinwegtäuschen. Und aus diesem Tatbestand erwächst den Schlichtungsorganen eine Verantwortung, wie fie größer faum gedacht werden kann. Don 109 Bf. Das Lohnabkommen hat Gültigkeit bis zum Ablauf der ersten zwei Lohnwochen im Juni 1924. In einer Branchenversammlung berichtete Boese über die Abschlußverhandlungen und teilte mit, daß die Berhandlungsfommiffion in der Erkenntnis, daß bei weiteren Berhandlungen unter ben gegebenen Umständen fein befferes Ergebnis zu erwarten sei, dem Lohnabkommen bereits die Zustimmung gegeben habe. Die Mehrheit der Bersammlung trat in der Abstimmung dieser Auffaffung bei. In Beantwortung einer Anfrage, bemerkte Brandjen leiter wagenführ, daß bei der Ermittelung der Zulage für den einzelnen Arbeiter, wie bisher, der Spezialbranchen- Durchschnittsverdienst zugrunde zu legen ist. Neue Vereinbarungen für die Ofenseger. Die Bertreter des Dfensegergewerbes wurden am Donnerstag zum Schlichter Groß- Berlins zur Beilegung der bestehenden Lohn differenzen gerufen. Nach längeren Verhandlungen wurde vom Schlichter der Vorschlag auf 95 f. Mindestſtundenlohn als Grundlage gemacht. Dieser Borschlag wurde von den Unternehmern abfo daß schließlich die Berhandlungen bis auf die nächste Woche ver gelehnt. Weitere Erörterungen führten zu feinem Resultat, tagt wurden. Nach der Sigung fand no eine Aussprache zwischen tagt wurden. Nach der Sigung fand noch eine Aussprache zwischen dem Bertreter der Arbeitnehmer und den Unternehmern statt, in melcher bie Unternehmer fich schließlich bereit erflärten, 95 Pf. als Mindestlohn ab Sonnabend, den 17. Mai, anzuerkennen und zu zahlen. Da ein Schiedsspruch darüber hinaus unter den obwoltenden Verhältnissen nicht zu erwarten war, stimmte der Arbeitnehmervertreter diesem Vorschlage zu Der Attordmultiplikator beträgt 0,95. Die Richtlinien für die Hitsarbeiter bleiben bestehen. Die Vereinbarung gift bis auf meiteres. Lohnabkommen der Bauklempner. Reinickendorfer Polizeizustände bel eluer Russperrung In der Zuckerwarenfabrit von Gustav 3opp in Reinidenbor ist die Arbeiterschaft ausgesperrt worden, weil sie sich weigerte, länger als acht Stunden täglich zu arbeiten. Die Betriebsrätin wurde schon vor einigen Wochen entgegen gefeßlichen Gründen erilaisen. Die Folge war, daß schon zweimal der Gerichtsvollzieher den fälligen Lohn für die Betriebsrätin abholen mußte. Das Merkwürdigste sind aber die Polizeizustände in Reiniden dorf. Der dort bekannte alte Kriminalwachtmeister Haaſe ſowie die uniformierte Polizei erlauben sich, die Streifpoften zum Beiter gehen aufzufordern. Sie verfehren auf dem Unternehmergrundstück treten den Streitposten in parteiischer Weise entgegen. Man wird und gehen dort ein und aus, sprechen mit dem Arbeitgeber und sich unter diesen Umständen nicht wundern, wenn man von der Rinidendorfer Bolizeiwache den energischen Bescheid erhält, bak Streitposten stehen gefeßlich verboten ist. Es ist notwendig, daß einmal die Revierpolizei von Reinidendorf vom Polizeipräsidium dahin informiert wird, daß die Streifpoften durd die Bolizei nicht belästigt werden dürfen und daß diese nicht die Privatinteressen aussperrender Unternehmer zu vertreten hat. ,, Arbeiter, seht euch cure Führer an!" Unter dieser Aufschrift gaben wir in Nr. 191 des„ Borwärts wieder, der einen gewissen Ignaz Joseph Baumann als Kautionseinen Beitrag aus dem Organ des Allgemeinen Schweizerbundes bundes, ging von der Ueberzeugung aus, daß der als Gauleiter für schwindler charakterisierte. Der Berfasser, ein Mitglied des SchweizerBrandenburg von dem kommunistischen Verband der Land- und Baldarbeiter angestellte Joseph Baumann mit dem vorbenannten Baumann identisch sei. griffene Angestellte des fommunistischen Berbandes hat burch Ers Der Verfasser hat sich offenbar in der Person geirrt. Der anges mittlung des Rechtsanwalts Dr. Artur Samter, Berlin, beim Schult heißenamt Siggen unterm 1. Mai 1924 feststellen laffen, daß er Franz Josef Baumann heißt und im dortigen Strafregister nicht vermerft steht, mit jenem angeschuldigten Ignaz Josef Baumann also nichts zu tun hat. Unter diesen Umständen bedauern wir natürlich die Wiedergabe jenes Artikels im Berwärts", der in der Landarbeiterpresse zuvor unwidersprochen die Runde gemacht hatte. Gewerkschaftsfunktionäre! Gewertsaftsfunttionare. In der dritten Maiwoche beginnen zwei Aurfe für Es ist von großer Wichtig. teit für den neuen Aufbau und die Erstarkung der Gewerkschaften, das ein tüchtiger Funktionärförper herangebildet wird. Der eine Kurs, über, die Bragis des Gewerkschaftsfunttionärs", behandelt die praktischen Erfordernisse für den Funktionär im Betriebe, in der Organisation, in der gewerkschaftlichen Außenarbeit, als Berichterstatter, Referent, Schriftiübrer Versammlungsleiter. Beginn: 22. Mai, abends 7 Uhr, im LeibnizGymnasium, Mariannenplay. " Der zweite Kurs, Gewertschaftliche Beit- und Streitfragen". behandelt mehr prinzipielle Fragen( Stampf um die Organisationsformen, gewerkichaftliche Kampfbedingungen und Kampftaliit, Gewerkschaften und Politik). Lehrer: Hans Gottfurcht. Beginn: 20. Mai, abends 7 Uhr, im Sophien. Lyzeum, Weinmeiſterſtraße. Der Preis der Hörerfarten beträgt pro Kurs( abends) 1 M., Arbeitslose unentgeltlich, Kurzarbeiter halben Preis. Hörerfarien fönnen bezogen werden im Sekretariat der Schule, Engelufer 25/26, 1. Stod. Sprechstunden daselbst Montag und Freitag 4-6. Freigewerkschaftliche Betriebsräteschule. Lohnvereinbarung im englischen Bergbau. Condon, 15. Mai.( WTB.) Es wird angenommen, daß die Gefahr eines allgemeinen Bergarbeiterstreits beseitigt ist. Heute abend ist eine Vereinbarung über die Bergarbeiterlöhne zu. stande gekommen, die der am 19. Mai zusammentretenden Konferenz von Delegierten der Bergarbeiter unterbreitet werden wird. Ueber die Streiflage in Oberschlesien ist zu berichten, daß die Belegschaft des Hüttenamtes Malapane gestern ebenfalls in den Streit getreten ist. Auf dem Borsigwerf fand gestern eine Belegschaftsversammlung der Arbeiter darüber statt, ob man fich dem Streit durch passine Resistenz anschließen folle. Auf drei Gruben werden die Notstandsarbeiten durch die Beamtenschaft ausgeführt. Deutscher Verkehrsbund, Seffion V, Industriearbeiter. allgemeine Funktionärversammlung der Settion V. Stellungnahme zur Lage Morgen( Sonnabend) nachmittag 5 Uhr im Saal 3 bes Gewerkschaftshauses in ber Metallindustrie. Sämtliche Bertraneustente, Betriebsräte und General versammlungsbelegierte find zum Besuch dieser Konferenz verpflichtet. Einlas nur gegen Funktionärausweis und Mitgliedsbuch. 8bu.- Mitgliederversammlung der Fachgruppe Chemie heute abend 7% he im Verbandsbureau, Belle- Alliance- Str. 7-10, 3 Tr. Das Sochverständigen gutachten". Referent Dr. Lautenbach; Organisationsfragen; Berfchiedenes. Deutscher Baugewerksbund. Sonnabend vormittag 11 Uhr gemeinsame Berfammlung der Fliesenleger und Selfer in Boeters Festfalen, Beberftr. 17. Tagesordnung: Bericht über die Berhandlungen. Die Bezirks. ftreilleiter werden ersucht, die Fliesenleger auf diese Bersammlung aufmert fam zu machen. Die Streifleitung. In der Versammlung der Bauflempner berichtete Diet. rich vom Metallarbeiterverband über die letzten Tarifverhandlungen. Möglichst vollzähliges Erscheinen ist dringend erwünscht. Der Siebsspruch vom 12. Mai fieht vom 1. bis 23. Mai eine Lohnhöhe von 76 Pf. vor. Nach Fällung des Schiedsspruches wurde nochmals mit den Arbeitgebern Rücksprache genommen. Sie erflärten in ihrer Fachzeihung, baß fie bereit seien, in der Zeit vom 1 bis 15. Mai 65 Pf. pro Stunde zu zahlen, und ab 16. Mai 78 f. Dietrich empfahl, den Schiedsspruch abzu lehnen und dem Arbeitgebernorimlage zuzugewerbe. Nach längerer Distuffion wurde so beschlossen. timmen mit Rüdficht auf die gegenwärtigen Berhältnisse im BauDie Organisationsleitung wurde beauftragt, mit den Arbeitgebern unverzüglich in Verhandlungen zu treten, um endgültig einen Manteltarif unter Dach und Fach zu bringen. 4 Lohnvereinbarung der Steinfeger und Berufsgenoffen. Die Organisationsleitung teilt mit: sind mit Wirkung ab 14. b. M. folgende Stundenlöhne endgültig Durch das tarifliche Schlichtungsamt und in freier Bereinbarung und verbindlich festgestellt worden: Für Steinfeger und Steinhauer 95 Bf., Rammer 85 Pf., Hilfsarbeiter 60 Bf. Zur Berechnung der Lohnliften usw. sollen nur 2 Tage einbehalten werden. Erfolgt Baustellenwechsel auf Beranlassung des Arbeitgebers, so ist das Fahrgeld zu erstatten. Bon syndikalistischer Seite wird trotzdem der Streif pro pagiert. Die 3erschlagung des Tarifs ist ihr 3iel. Deshalb übt Bahiamteit. Behandelt diese Auchproletarier, die sich nicht scheuren, zur Erreichung ihrer dunklen Ziele gegen ihre Riaffengenoffen brutale Gewalt anzuwenden, wie sie behandelt sein wollen. In einer om Sonntag, den 18. Mai stattfindenden Ber fammlung werben wir entsprechende Maßnahmen beschließen müffen. Erscheint deshalb zahlreich und pünktlich. Mitgliedsbuch legitimiert. 9 MAGGI Erbs- Suppe Man achte auf den Namen MAGGI und die gelb- rote Packung Rohrleger und Selfer. Die Rollegen, welche som legten Streit ausgesperrt und am 17. d. M. noch ohne Arbeit sind, melden fich am Sonnabend, den 17. Mai, von 11-12 Uhr normittags im Verbandshaus, Linienste. 83-85, Rimmer 10, beim Rollegen Schwalbe. Es wird noch eine Unterstützung aus. gezahlt. für den Papier- und Pappengroßhandel, welcher die Arbeitsbedingungen ber Angestellten regelt, ist im Ortsbureau des Zentralverbandes der Angestellten, Angestellte des Papier- und Pappengroßhandels. Der neue Rahmentarif Belle- Alliance- Str. 7-10, erhältlich. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Egiorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lokales und Sonstiges: Friz Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin G. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Du brauchst 50 MK Herren Garnituren 125 ( Jacke u Hose) lang gestreift Qual mit Riegelbund MK Herren Garnituren Elastica'créme mit Riegelbund Gebr.Grumach A.G. in Würfeln ist ganz vorzüglich Königstr. Ecke Spandauerstr. MAGGI MAGGIS SUPPEN ERBS Nr. 228»41. Jahrgang 7. Beilage öes vorwärts 5rdtag, 16. Mat 1624 Schulöebatte im Rathaus. Die Ausgestaltung des Freibades Wannsee. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung kam gestern endlich zu einem Beschluß über die vom Magistrat schon An» fang Januar vorgelegten Satzungen für das Schulwesen im all- gemeinen und für die Berufs« und Fachschulen. Den Bür- gcrlichen gelang es, ihre Feindschaft gegen die zentrale Schuloerwal- tung auch in den Satzungen zum Ausdruck zu bringen. In der Debatte betonte Genosse Kreuziger, daß die Abtrennung des Berufs- und Fachschulwesens von dem gesamten Schulwesen eine Kampfansage an die Lehrerschaft bedeutet. Er zeigte den Zusammenhang dieses Vorhabens mit der j)etze gegen Oberstadt- schulrat Pausten und nahm sich noch den deutschvolksparteilichcn Herrn v. E y n« r n vor, über dessen Angriffe gegen unseren Genossen Paulsen weit« Kreise der Lehrerschaft mit Recht er- regt sind.— Nachher gab es Auseinandersetzungen über das Frei- bad Wannsee, dessen Ausgestaltung durch das Eingreifen der Stadt ermöglicht wird. Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Genosse E l a j u s. « Unter anfänglich sehr mangelhafter Teilnahme der Mitglieder— namentlich die rechte Seite des Sitzungssaales wies sehr st a r k e L ü ck e n auf— begann gestern, und zwar erst nach Hb Uhr. die ordentliche Sitzung. Von den eingebrachten Dringlichkeits- antragen wurde derjenige der Wirstchaftspartei. der die Aufhebung der den kleinen und mittleren Verbraucher zu stark belastenden Grundgebühr bei der Berechnung des Prestes für elektrischen Strom anstrebt, dem Haushaltsausschuß überwiesen. Die Versammlung wandte sich zunächst den Sahungen für das Schulwesen und für das Berufs- und Fachschulwesen zu. über welche der niedergesetzte Ausschuß nach dem eigenen Ausspruch des Referenten Dr. Cafpari(D. Vp.)„reichlich spät" berichtet(die Magistratsvorlage datiert vom 8. Januar d. I.). Nach der Vorlage sollen die An- gelegenheiten der städtischen Schulverwoltung. die einer einheitlichen Regelung bedürfen, von der Deputation für Schulwesen bearbeitet werden; die besonderen Gebiete des Berufs- und Fachschulwesens, soweit sie nicht allgemeiner und grundsätz- licher Natur oder der Deputation für Schulwesen ausdrücklich vor- behalten sind, will der Magistrat einer Deputation für das Berufs- und Fachschulwesen überweisen. Die Aussthußmehrheit hat der letzteren eine wesentlich selbständigere Stellung gegeben, ihr auch die „allgemeinen und grundsätzlichen" Angelegenheiten des Berufs- und Fachschulwesens als Arbeitsgebiet überwiesen und die Kompetenz der Deputation für Schulwesen entsprechend eingeschränkt. In der Beratung trat Gen. kreuziger der Aurfchußmehrbett, deren Beschlüsse er als eine Kampfansage gegen die Großbemner Lehrerschaft chara-kterister te, scharf entgegen, betonte, daß seiisomer- weis« ausgerechnet die Demokraten sich in diesem Kamps als Wort- führer aufgetan haben, und kam in diesem Zusammenhange auf die Angriffe de, Herrn v. Eyncrn gegen den Siadtschulrat paulsen zurück. Diese unqualstizierbaren Angriffe hätten lebhastes Befremden auch in n i ch ts ozi al de m ot ratisch e n Kreisen starke Entrüstung aber in weiten Kreisen der B erliner Lehrerschaft hervorgerufen, die dies« Beleidigungen Daulsens als gegen sich selbst gerichtet empfinde. Die„Berliner Lehrerzeitung" habe das am 6. Mai in schärfst« Weise zum Ausdruck gebracht(Redner zitierte den Passus wörtlichl und ebenfalls Herrn v. Eynern empfohlen, das Urteil über Paulsen doch den Sachverständigen zu überlassen, zu denen Herr v. Eynern nicht gehör«.— D i« Sozialdemokratisch« Fraktion tritt sür ein« einheitlich« Leitung des Groß- berliner S ch u l w« s cn s«in und fordert daher die Wieder- Herstellung der Biagistratcvorlag«, sowie ferner u. a. di« Aufteilung der Schuldepulanon für Aitberlin(Bezirke I bis VI) dergestalt, daß jeder Bezirk feine eigen« Schuldeputation erhält, denn„wir wünschen eine starke Zentral«, daneben aber auch ein« vernünftig« Dezentralisation". j Roch unserem Genossen sprachen noch Troll(Dirat.), Galle (Zzntrum) und Dr. Tröpfle von der DWP., der Kreuzigers Ein- treten für Pausten zu entkräften versuchte. Mit 96 gegen 91 Stimmen lehnte auch das Plenum die Wiederherstellung der Magistratsvorlage ab; die bürgerlich« Ausschußmehrheit triumphiert« auf der ganze» Linie. Aus der Wahl von vier Mitgliedern für den Auffichtsrat der Berliner Flughafen G. m. b. H. gingen hervor: Reuter (Soz.), Heim onn(Soz.), G r a n a ß(Dnat.), Müller-Fran- k e n lWirstch. P.) Heber die bauliche Erneuerung des Freibades Wannsee hat der Magistrat der Versammlung eine Vorlag« unterbreitet, über die im Laufe der Sitzuno unter halbstündiger Vertagung des Ple- rums Ausfchußberatung stattfand. Dr. Stetniger(Dnatl.) teilt« als Referent mit, daß di« Verhandlungen mit dem Verband der Frei- bäderoereme leider zum Scheitern gekommen feien, daß nunmehr die Stadt die Bewilligung von 308 000 Gm. nachsuchen muß. Der Aus- schuh hat di« Vorlage zur Genehmigung unter der Bedingung emp- fohlen, daß spätestens noch drei Monaten«ine neue Vorlage über die definitive Regelung der Verwaltung— tunlichst in Form einer G. m. b. H. unter Beteiligung der Badeverein« am Betrieb« in möglichst großem Umfange— an die Versammlung gelangt. Der Antrag Heimann(Soz.) auf Uebernahm« des Freibades in städtische Regie soll damit als erledigt angesehen werden. Dem Antrage des Deustchsozialen Richard Kunz« wegen Sicherung des Wald- und Ufergeländes für die Allgemeinheit hat der Ausschuß im Prinzip zugestimmt. In der Aussprache ging Kunze wiederum auf dieses Thema näher ein. Oberbürgermeister Löh sprach sein Befremden darüber aus, daß die Vorlage im Ausschuß so wenig Verständnis gefunden habe. Mit ungewöhnlicher Scharfe trat Dr. Caspari hieraus gegen den Magistrat in die Schranken. Von Kunze lief noch ein Antrag ein, das Baden im Freibad Wannsee kostenlos zu gestatten. Zerschke(Wp.) redete dem Zusammengehen mit den Badevereinen das Wort. Genosse Elajus vefürwortete in längerer Darlegung die Annahme des Magistratsvorschlages. Die Erweiterung des Strandes sei nach dem Gang« der Entwicklung des Freibades nur zu begrüßen, für die kinderreichen Familien würden sich unschwer Erleichterungen schaffen lassen. Dörr(Komm.) meinte, man könne über den Zu- satzantrag Kunze, so wenig über die demagogische Tendenz desselben ein Zweifel bestehe, nicht mit einer Handbewegung hinweggehen; nur möge Herr Kunz« als Reichstagsmitglied dafür sorgen, daß die Berliner das Freibad mit der Eisenbahn auch kostenlos erreichen können.(Große Heiterkeit.) Mit aller Beschleunigung müsse der Magistrat nach Fertigstellung der Baulichkeiten, für die dos Hoch- bauamt schon 100 000 M. vorschußweise erhalten habe, über die Ge- staltung des Betriebes Klarheit scharfen. Oberbürgermeister Löh nahm nochmals ausdrücklich für den Magistrat in Anspruch, daß er bei seinem ganzen Borgehen, auch bei dem 100 OOO-M.-Borschuß, lediglich im Interesse der Bevölkerung gehandelt habe. Das Ein- trittsgeld werde so niedrig gehalten werden, als die Berliner Finanzen nur irgend gestatten. In der Abstimmung kamen di« Ausschußvorschläge zur Annahme. Der Antrag Kunze versiel der Ablehnung, dagegen nahm die Mehrheit noch einen Antrag der Dem. an, wonach der Magistrat für die I n p« n- taristerung der noch in d e r'ö sfe n tliich« n Hand be» findlichen Wald- und Ufergelände Sorge tragen und dafür bemüht sein soll, die Raturschönheiten noch Möglichkeil der Bevölkerung zugänglich zu machen. Nach deba tieloser Erledigung einiger weiterer Vorlogen schloß die öffentliche Sitzung nach K10 Uhr. Vetter sör verlla und Umgegeub.«nhaltenb warm und trocken, zu» nächst vielfach heiter, nachmittags etwas stärker bewölkt.— Aür Deiitlchland- Da« warme, größtenteils heilere Weller wird in ganz Deutschland an- halten. Im Südwesten find leichte Gewitter möglich. Im Schatten öer Kommunisten. Aus der Zeit des A e r z t e st r e i ks erinnert man sich viel- leicht noch eines„Bundes d e r B e r s i ch e r t e n", der die Aus- merksamkeit der Kranker.kassenmitglieder aus sich zu lenken suchte und ihnen erzählte, von ihm würden ihre Interessen am besten ver- treten. Er wurde von den streikenden A e r z t e n begünstigt, weil er ihre Interessen förderte, indem er den Krankenkassenverwaltungen in den Rücken siel. Auf diesen„Bund der Versicherten" hatten die Kommunisten so starken Einfluß, daß man ihn oft geradezu als ein«„Organisation der Kommunisten" bezeichnen hörte, aber bei den am Streit beteiligten bürgerlichen Aerzten tat ihm das keinen Abbruch. Die Kommunisten waren ja eifrig bemüht, die Krankenkassenverwaltungen in ihrem Kampf mit den Aerzten zu schwächen. Jetzt lesen wir in der„Roten Fahne" eine von dem kommunistischen Arzt Dr. Lothar Wolf verfaßte Zuschrift, die das Blatt mit der Ueberschrift„Was treibt der Bund der Ver- sicherten?" veröffentlicht. Sie ist so lehrreich und zugleich so amüsynt, daß wir sie unseren Lesern in ihrem vollen Wortlaut mitteilen wollen. Der Kommunist Dr. Wols schreibt: „Hat sich da vor etwa einem halben Jahre ein oller ehrlicher Bund aufgetan, der aus purem Mitleid mit den ausgebeuteten Proletariern und— selbstverständlich!— parteilos, die von der volksparteilichen Regierung der Herren Etrefemann usw. verschul- dete Rot der Versicherten bitter beklagte. Das war nett und brav von ihm. Als der von der Reichsregierung herbeigeführte Konflikt im Krankenkassenwesen ausbrach, rief er die kommunistischen Aerzte um Hilf« an. Durch die Aerzte des Proletarischen Gesundheits- dienftes gelangen ihm zwei Massenversammlungen im Friedrichs- Hain. Wenn irgendwo von kommunistischer Seite die Mißstände im Gesundheit?- oder Versicherungswesen bekämpft wurden,— unfehlbar erschien auch der Vorstand des Bundes, schimpfte auf die Regierung, verteilte Zettelchen und zeigte überhaupt das betrieb- sam« Wesen einer noch unaufgeklärten, aber oppositionellen Orga- nisation. So gedieh das Pflänzchen in unserem Schatten. Vor der Wahl erschien dann ein Ausruf„An die Mitglieder des Bundes der Versicherten", in dem diese Opfer der schwerindustriellen Kala- strophenpolitik bestürmt wurden, doch ja— der Stinnespartei ihr« Stimmen zu geben. Denn diese„große Partei" habe„als Parole auf ihre Fahne geschrieben".... Was wohl? Den Zwölsttunden- tag? Oder einen neuen Ruhrkrieg?.... Aber meine Herrschas- ten: Selbstverständlich doch di«„Besserung der Zustände in der Sozialversicherung!!" Darum sollte jeder um seine Rechte geprellte Versicherte das Weiterwirten der Voltspartei erstreben. Herr Dr. Wolf-Eisner behauptet sogar, die Sozialversicherten müßten „zum Wohle der Kultur und zum Schaden für den Sozialismus" die Voiksvartei wählen, weil nämlich„die Linksparteien"(also auch die KPD.) dem Versicherten nicht den Schutz seiner ideellen und mate- riellen Interessen gewähren. Ost genug hat der Herr Kollege die kommunistsschen Aerzte angerufen, als außer der KPD. keine andere Partei— am allerwenigsten die Volkspartei— für die entrechteten kämpfenden Aerzte und Versicherten zu haben war. Was dieser olle ehrliche Bund überhaupt geworden ist, verdankt er kommunisti- scher Hilfe. Arbeiter, hier gilt es abrechnen! Demnächst soll eine Mitgliederversammlung dieses Bundes stattfinden. Reißt dann den Herrschaften die Maske herunter; entthront den vielgervandten Vor- stand oder laßt endgültig die nach den Zielen der schwerindustriellen Ausbeuterpolitik segelnde Organisation zum Teufel fohtenl" Lehrreich ist die sozusagen offizielle Festellung, in welchen Beziehungen di« t o m m u n i st i s ch en A e r z t e des„Prvletari- fchen Gesundheitsdienstes" zu dem„Bund der Versicherten" gestanden haben, den Herr Dr. Lothar Wolf jetzt bissig al»„ollen ehrlichen Bund" verhöhnt. Atnüsant ist die Klage, daß dieses(wie Wolf selber sagt) im Schatten der Kommunisten gedie- hene Pflänzchen den Pflegern und Hütern so wenig Freude gemacht und sich der Sonne„Deutsche Volkspartei" zugewendet hat. Im Schatten der Kommunisten ist schon manches Pflänzchen ge- diehen. das nachher eine sehr unerwünschte Entwicklung genommen Hot. An der Entwicklung des„Bundes der Versicherten" wird aber wenigstens der Groß-Verliner Aerztebung seine Freude haben, die Organisation, die den auf Zertrümmerung des Krankenkassenwefcns abzielenden Asrztestreik geführt und die erkrankten Kassenmitglieder schwer geschädigt hat. IS) Die Flüchtlinge. Roman von Johannes LInnankosN. „Morgen," erklärte fein Vater kurz.„Aber laßt mich selber den Augenblick wählen." Dann lasen sie wieder. „Morgen um diese Zeit ist olles klar— wie es dann auch fein mag," sagte Keskitalo schwer, als sie sich zur Ruhe nieder- legten. In der Nacht schlief er nicht. Er dachte über die Handlungen des Menschen und ihre Folgen nach. Erst jetzt begriff er. daß das Furchtbarste, was «inen Menschen treffen kann, das Hüten eines verbrecherischen Geheimnisses ist. Denn er vermochte doch nicht vor ihm zu entfliehen, sondern es folgte ihm auf Schritt und Tritt. 10. Der Tag brach an. frostgrau und schwer. An dem Morgen beteten Keskitalo und seine Frau in- ständig, dieser bitterste Tag ihres Lebens, von dem Glück und Unglück so' vieler Menschen abhing, möchte ein gutes Ende nehmen..,__ Nachdem die Frau an ihre Morgenbeschäftigungen ge- gangen war. blieb Keskitalo noch m der Kommer und las. Als er dann kurz vor dem Frühstück unter den anderen erschien, fühlte er sich eisig ruhig, wie einer, der den Weg seines Schicksals wandert, ohne nach rechts oder nach links ausweichen zu können. m Am Frühstückstisch saß man wie m der Kirche. Nur RiUela redete etwas, aber auch nur wen'.g, denn er dachte überhaupt mehr als er sprach. Nach dem Frühstück sollte � geschehen. Keskitalo kam es vor. als habe ihm das Schicksal bei all seiner Strenge doch ermutigend mit dem Haupte zugenickt. Denn die Burschen fuhren gerade für d.e neuen Scheunen Baumstämme aus dem Watd, und er behieb sie mit Uutela zu Hause an dem Bauplatz Dort, weit weg aus dem vcheunen- Hügel, wollte er dann die Sache mit ihm ins klare bringen. Eine einzige kleine Vorkehrung hielt er für erforderttch— er ließ Riitta zu ihrer fernab wohnenden Mutter auf Besuch gehen. Aber auch in dieser Hinsicht war das Schicksal gütig: Rntta hatte schon häufig davon gesprochen, weshalb man ihr nur mitzuteilen branchte. jetzt passe es. Und diesmal war es ihm ganz gleichgültig, ob Rüttas Augen aufblitzten oder nicht die Hauptsache war. daß kein fremdes Auge in der Nähe war. Sie waren endlich zu zweien— auf dem kahlen Scheunen- Hügel inmitten der großen Balkenhaufen. Keskitalos Stunde war gekommen. Aber da überfiel ihm plötzlich eine solche Angst, daß er zu zittern anfing. Es war das blinkende Beil in Uutelas Hand, das dieses Entsetzen hervorrief. „Hier kann am Ende ein Mord geschehen!" dachte er. „Es muß im Hause erledigt werden." Jetzt wurde ihm klar, wie furchtbar es war, die ehelich? Ehre eines Mannes zu verletzen. Er hielt es für ganz natür- lich, daß Uutela, falls er auch nur etwas Verdacht schöpfte, ihn, ohne ein Wort zu sagen, mit seinem Beile erschlage, wenn er jetzt hier redete. Und daß er einen Verdacht hegte, das war nur zu klar.. In dem Augenblick geriet die Fassung, die er am Morgen besessen hatte, ins Schwanken. „Wenn man versuchte, Manta selbst zum Sprechen zu bringen?" hastete er. Doch das fand er zu kläglich, außerdem wußte er. daß seine Tochter auf keinen Fall darauf eingegangen wäre. Da straffte sich der planende und ordnende Bogen seines Geistes von neuem. Er erkannte, daß er gar keine Vorfichts- maßregeln ergriffen hatte, und begann sie auszudenken. So ging der Tag zur Hälfte herum. Die Burschen blickten ihn fragend und gespannt an, als sie mit ihrer Holzfuhre am Bauplatz anlangten. „Noch nicht, wartet!" antwortete er beruhigend mit einem Blick. „Noch nicht, ich werde es schon erklären, sagte er im vorübergehen zu seiner Frau, als er zum Mittagessen kam. „Noch nicht... gleich," antwortete er, als man sich an den Tisch setzte, auf Hannas ängstlichen Blick. Als man sich nach dem Essen erhob, sagte er zu Uutela: „Ich werde mich wohl ein bißchen ausruhen müssen, ich komme ober nach, sobald ich kann." „Ruh dich nur gesund, ich werde auch schon allein fertig werden," erwiderte Uutela. � Keskitalo ruhte wirklich— mit pochenden Schläfen, an die Decke starrend— solange, bis seine Frau daranging, den Nachmittagskaffee zu kochen. Da stand er auf. Zuerst legte er alle Beile. Messer und sonstige scharfe Geräte an sichere Orte. Als der Kaffee fertig war, schickte er Hella zum Ein- kaufen nach dem am anderen Ende des Dorfes liegenden Laden und trug ihr auf, im Borbeigehen Uutela zum Kaffeetrinken zu rufen. Dann ließ er Manta sagen, sie solle In ihrer Kammer bleiben und den Schlüssel ausziehen. Nachdem dies getan war, ließ er sich auf die Küchenbank nieder und wartete. Uutela kam rotbäckig und heiter herein. Es war ihm, während er allein arbeitet«,«in kleiner Aenderungsvorschlag zu ihrem Plan sür die Korndarre eingefallen, und er setzte ihn jetzt fröhlich auseinander. Keskitalo stimmte bei und wurde auch selber vergnügt— da konnte man gut fortfahren, ganz anders, als wenn sie schweigend dagesessen hätten. Seine angeborene Berschmitzt- heit, die in der letzten Zeit ganz daniedergelegen hatte, begann sich sofort zu regen. So wurde die erste Taste getrunken. Nachdem die alte Frau die zweite eingegossen, ging sie hinaus, indem sie, wie um Segen flehend, nach ihrem Manne blickte. Keskitalo leerte seine Tasse schnell und wartete auf Uutela, das Gespräch aus geeignete Weise fortspinnend. Uutela wurde mit dem Trinken fertig und stellte die Tasse auf den Tisch. Die Pause in dem Gespräch trat gerade ein, wie es Keskitalo gewünscht hatte. „Ja— gewiß, so wird's ja— wird's ja gut— sehr gut werden," sagte er, die Worte hinziehend. Das war der Ab- schluß des Vorhergehenden und der Uebergang zu dem Neuen, und er konnte nicht hindern, daß feine Stimme bebte. Er nahm alle Fassung zusammen und versuchte leicht zu lächeln, oDvohl sein Gesicht starr war wie einem, der aus der Kälte hereintritt: „Und wo es mit dir, Uutela, so schön kommen mußte, daß du hier auch noch einen Stammhalter kriegst— damit du die Scheunen nicht umsonst aufbaust.". Es folgte ein eisiges Schweigen. Die beiden Männer sahen sich an. In Uutela schien alles zu stocken, und seine kleinen Augen blickten rund, wie wenn sie ein Gespenst sähen. Bei diesem Anblick bekam Keskitalo den scherzenden Satz nicht aus dem Munde, den er sich als Fortsetzung aufgespart hatte. Er nickte nur mit dem Kopfe und versuchte immer noch zu lächeln. „Es ist wahr. Hat dir denn Manta noch nichts gesagt?' Doch Uutela starrte weiter geradeaus, ohne etwas anderes als Verblüffung zu bekunden. Dann zuckten seine Lider, seine jählings erblaßten Lippen begannen zu erzittern, und er blickte Keskitalo mit hilflosen, verdrehten Augen an— bann wandte er sich, ohne ein Wort zu sagen, um und ging mit schwere:', polternden Schritten hinaus. � � (Fortsetzung folgt.) Junggesellens Leiden. Warum die Mieteinigungsämter überlastet sind. Der ledige Jurist Dr. N. wohnt seit Mitte Oktober 1922 in Berlin möbliert bei einem alten Fräulein, das im Hauptberuf eine Bureaustellung hat und sich durch Bermieten eines Zimmers nu: eine Nebeneinnahme verschafft. Nach einem halben Jahre entstanden Differenzen wegen des Mietpreises. Die Vermieterin erklärte, daß im Berliner Westen alle Untermieter freiwillig mehr zahlten, als fie nach dem Gesetz zu zahlei haben, aber der Jurist ging hierauf nicht ein, weil er sich nicht zu einer ungefeßlichen Mehrzahlung zwingen lassen wollte und auch mit Recht über die Bedienung unzufrieden war. Es begannen allerlei Schikanen, um den Untermieter herauszugraulen. Die Vermieterin ließ die sehr schmutzige Gardine im Laufe eines Jahres nicht ein einziges Mal reinigen, beseitigte Schmußwasser nicht, verweigerte das Abdecken des Bettes, mußte zu allen Pflichten erst durch Klagen ge= zwungen werden. Im April 1923 wurde vom Mieteinigungsamt Tiergarten durch Bergleich die Miete bis Ende Januar festgesetzt, aber der Antrag Mängel in der Ronservierung, sondern lediglich auf die verschieben. artige Fütterung zurückzuführen ist, die sich bei dem Fleische aller Kere vorwiegend im Fettgeschmad beuerkbar macht. Es emp. fiehlt sich zur Bermeidung von Substanzverlusten, das in nicht völlig aufgetautem Zustande von den Berkaufsstellen verabreichte Fleisch sofort in tochendes Wasser zulegen, damit sich die Boren schließen. Ein großer Vorzug besteht in dem verhältnis mäßig niedrigen Preis, der es auch den weniger kauffräftigen Berbrauchertreisen ermöglicht, sich ein Fleischnahrungsmittel von bester Güte zu verschaffen. Es steht zu erwarten, daß durch die Einfüh rung in den Kranten-, Heil- und Pflegeanstalten als teilweiser Er. faz des Frischfleisches eine wesentliche Verbesserung der Ernährung ohne Mehrkosten erzielt werden kann. Herzlichen Dank sagen wir hierdurch allen Genoffen und Freunden, die uns durch freiwillige Beiträge bisher so wirksam unterstüßten, daß wir die Ausgaben für den Reichstags- Wahlkampf decken konnten. der Bermieterin auf Genehmigung zur Kündigung abgelehnt. Später Neue Kundigung abgelehnt. Später Neue schwere Wahlkämpfe " Die focht die Vermieterin den Vergleich an und beantragte Fest=. jegung der Miete vom 1. Juni ab. Im Termin hierüber vor dem Mieteinigungsamt hob der Ferien oorsigende, ein Landgerichtsrat, den Vergleich auf, fezte die Juni- Miete auf fast das Fünffache der Bergleichssumme fest und erteilte die. Ge nehmigung zur Kündigung, obwohl diese in dem neuen Verfahren gar nicht beantragt war. Er erklärte. Solche Leute muß. man trennen." Der Mietzins wurde auf Grund ganz unbe stimmter Angaben festgesetzt, auch für Bedienung, welche die Bermieterin troh Zuredens des Vorsitzenden auch im Termin verweis gerte. Wegen aller dieser Rechtsverstöße beantragte Dr. N. heim Zentral- Mietamt die Einleitung des Wiederaufnahmever. fahrens, das erst nach bier Monaten zugestanden murde. Inzwischen hatte die Bermieterin Räumungs- Urteile beim Amtsgericht Schöneberg und beim Landsgericht erreicht. Urteile, für die noch nicht das Mieterschutzgesetz in Anwendung kommen fonnte, fagen zwar, die Räumung sei begründet, geben aber feine Begründung und folgen lediglich der rechtsirrtümlichen Kündigungsgenehmgiung des Mieteinigungsamtes. Bei der Verhandlung am 4. Dezember 1923 über die Genehmigung zur Zwangsvollstreckung erklärte sich das Mieteinigungsamt in dem schwebenden Wiederaufnahmeverfahren für zuständig und beschloß Einforderung der Räumungsakten des Amtsgerichts. Trotzdem also vom ZentralMietamt das Wiederaufnahmeverfahren endlich angeordnet war, weigert sich jetzt das mieteinigungsamt Tiergarten, dieser Anordnung zu entsprechen, erflärte fich unter Hinweis auf das Mieterschuhgefeß, obwohl diefes für das Verfahren nach altem Recht gar nicht in Betracht fam, zur Wiederaufnahme für unzuständig und setzte neuen Termin zur Genehmigung der Zwangsvollstreckung an. Hiergegen ist beim Mietamt abermals Brotest erhoben worden. Bei folchem prozessualen Tohumabohu braucht man sich über die Belastung der Einigungsämter und Gerichte mit Mietrechtssachen nicht mehr zu wundern. Ein Rockaufschlitzer bei der Arbeit. In der Frankfurter Allee wurde am Mittwochabend ein R od auffchliger auf frischer Tat ertappt und festgenommen. An jener Stelle steht ein Mann mit einem Fernrohr, durch das sich Schaulustige die Gestirne betrachten können. Diese Gelegenheit benutzte der Aufschlißer, zwei Mädchen, die am Fernrohr standen, mit einer Schere ein Stück aus dem Kleid herauszu schneiden. Eines merkte das noch, bevor er weggehen fonnte. Als er sich entdeckt sah, ergriff er die Flucht, wurde aber nach längerer Berfolgung ergriffen und der Kriminalpolizei übergeben. Der Ertappie wurde festgestellt als ein Badierer Otto Th. aus der Gubener Straße, ein junger Mann von 23 Jahren. In feiner Woh nung fand man in der Kommode noch weitere Stoffftüde, und jegt räumte er gegen 20 Fälle ein. Die betroffenen Mädchen und Frauen werden ersucht, sich bei Kriminalfommiffar Strewe im Polizeipräsidium zu melden. Bermutlich wird es sich bei dem jungen Mann um eine Art Fetischismus, eine franthafte Beran lagung, handeln. Reisen fürs Volk. Unter dem Namen Boltsreisebund e. V." hat sich qus Angehörigen aller Schichten und Richtungen eine politisch und religiös unbedingt neutrale gemeinnützige Bereinigung gebildet, die bei Aus fchaltung jeder tapitalistischen Erwerbsabficht danach strebt, durch Schaffung oder Nachweis geeigneter Lektüre, durch Belehrung über zwedmäßiges Reifen, durch Aufstellung von Reiseplänen, durch Verschaffung billiger Fahr, Unterkunfts- und Erholungsgelegenheiten, sowie insbesondere durch Schaffung einer Reisegelbfparein richtung beim Bunde, minderbemittelten Kreisen( Angestellten, Arbeitern, Beamten, Angehörigen der freien Berufe, des Handwerkes, des Mittelstandes) das Reisen in Deutschland und im Auslande zum Zwecke der Erholung, der Belehrung und des persönlichen Kennenlernens von Land und Leuten zu ermöglichen oder zu erleichtern, sowie alle Einrichtungen zu schaffen bzw. zu betreiben, die zur Förderung dieses Zweckes dienlich erscheinen." Der Bund erhebt monatlich einen Beitrag von 50 Pf. neben einem festen Sparbeitrage von 1,50, 3,50 oder 5,50 M., der bis zur Verwendung für Reisezwede( oder restloser Rückzahlung in Notfällen) verzinst wird. Für Eintritte vor dem 30. Juni d. I. wird ein Eintrittsgeld nicht erhoben. Die Mitglieder erhalten durch ihre unentgeltliche Bundeszeitschrift die Auswahl zur Teilnahme an Reisen aller Art. Ins befondere follen gepflegt werden: Urlaubsreifen für Mit glieder, die ihren Urlaub an geeigneten Stellen des In- und Aus landes verbringen wollen. Hierher gehören auch sogenannte Wochen endreisen. Tauschreifen für Mitglieder, die einen Gaft bostenlos bei sich aufnehmen und dafür, während einer gleichen Zeitdauer, bei diesem Gaste im In- und Auslande Aufnahme finden, so daß für beibe Teile nur die Reisekosten in Anrechnung fommen. Ein solcher Tausch kann auch über eine dritte Familie erfolgen. Er tommt be sonders für Erholungsbedürftige, Studierende usw. in Frage. Rundreisen für Mitglieder, die an fürzeren oder längeren Bergnügungsreisen im In- oder Auslande teilnehmen wollen. Jugend. reifen für Kinder und Jugendliche unter besonderer Obhut, zum Ferienaufenthalte, zur Erholung, zu Wanderfahrten usw. Vereinsreifen für Schulen, Vereine aller Art, die ihren besonderen Bedürfnissen entsprechende Reisen wünschen. Auf diesem Gebiete ist das Zusammenarbeiten mit allen bestehenden Wandervereinen u. dgl. geplant. Einzelreisen jeder Art. Besorgung von Freikarten, Unterbringung usw. nach Wunsch. Für später ist auch die Schaffung eigener Heime in Aussicht genommen worden. Meldungen und Anfragen an die Hauptgeschäftsstelle des Bundes, Berlin W., Karlsbad 4. Dorthin find auch Anmeldungen zur Uebernahme von Vertrauensmänner- Bosten zu richten, desgleichen Meldungen von Gasthäusern und Privaten an geeigneten Orten, die Feriengäfte in größerer Zahl unterbringen helfen fönnen. Besichtigung der Gefrierfleischvorräte. Auf Anregung der Stadtrechnungskammer wurden unter fachtundiger Führung und Beteiligung von Vertretern der städtischen Finanzverwaltung, des Hauptgesundheitsamtes, sowie der Krantenheil- und -pflegeanstalten die in Kühlräumen eingelagerten Gefrierfleischvor räte der Ernährungsamtes befichtigt. Das Ergebnis fann dahin zu fammengefaßt werden, daß das von vollfleischigen Rindern stammende, in Argentinien unter tierärztlicher Kontrolle eingeschlachtete, gut tonservierte Fleisch von hervorragender Güte ist und für die Ernährung in den Ankalten durchaus ge= eignet erscheint. Bon besonderem Interesse, auch für die pripalen Berbraucherfreise, wird die Feststellung sein, daß der nur einzelnen fettetlen anhaftende meniger angenehme Geschmad nicht auf stehen uns aber in Berlin bevor, weshalb wir alle Spender höflichst bitten, mit ihren Zuwendungen noch nicht zu er lahmen. Ein großer Teil unserer Genossen ist leider wirtschaftlich noch immer sehr geschwächt. Freiwillige Beiträge zur energischen Führung auch der bevor stehenden Kämpfe sende deshalb jeder, der es tann, nach wie vor schnell und reichlich auf Postichedfonto Berlin Nr. 48743 an Aler Pagels, Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Tyras hat Schuld. Alles um den Hund. „ Soviel ist der Röter gar nicht wert," erflärte wehmütig der Restaurateur Wormuth, als er wegen einer bösen Geschichte, die eigentlich nicht er, sondern sein Hund ausgefressen hatte, zu 600 W. Geldstrafe verurteilt wurde. Uebrigens find Hundeprozeffe in Moabit an der Tagesordnung, feit die Polizei wegen der Tollwutgefahr den zahllosen fleinen und großen Hunden die Freiheit erheblich verkürzt hat und verlangt, daß jeder Hundebesitzer seinen Liebling hübsch an der Leine führt. Erweiterungen im Straßenbahnvertehr. Bom 17. Thai ab were den folgende Erweiterungen im Straßenbahnbetrieb Blaz greifen: Linie 43, Dahlem- Bhf. Steglitz wird von Steglig über Schloßitr., Rheinstr., Hauptstr., Potsdamer Str., Lüzowstr., Flottwellstr., Schöneberger Ufer, Linfftr. bis zum Potsdamer Platz vers längert. Linie 15, Birchow- Krankenhaus- Bhf. Neukölln, wird zeitweise im 15- bzw. 20- Minutenverkehr bis zum Neuen Gemeindefirchhof in der Gottlieb- Dunkel- Str. durchgeführt.- Auf der Linie 65 fahren die Wagen ab 3entralviehhof 1 minute später: 10, 25, 40, 55 Minuten nach der vollen Stunde( statt 9, 24, 39, 54), a b Mühlenstraße 6 Minuten früher: 59, 14, 29, 44( ftatt 5, 20, 35, 50). Linie 66 Abfahrt vom Hohenzollerntorso 4 Minuten später: 10, 25, 40, 55( statt 6, 21, 36, 51). Beim Fensterputzen abgestürzt. Der 47 Jahre alte Fensterputzer Otto Birkholz aus der Lippehner Str 36 war mit dem Reinigen der Fenster im 3. Stockwerf des Hauses Neue Windterfeldtstr. 12/14 be= schäftigt. Plößlich verfor er das Gleichgewicht und stürzte aus be... trächtlicher Höhe in den Hof hinab. Man brachte ihn mit schweren inneren und äußeren Berlegungen nach der Charité. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Zu Sonnabend, den 17., und Sonntag, den 18. Mai, find noch einige Starten für das Deutsche Opernhaus( Abendvorstellungen) im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Pindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., Zimmer 8, zu haben. Die Toten von Verdun. Im unterirdischen Gang am„ Toten Mann". Bor einigen Wochen ging durch die französische und deutsche Preffe die Mitteilung von der Auffindung deutscher Kriegerleichen in einem unterirdischen Gang am Toten Mann" bei Verdun. Das Zentralnachweisamt für Kriegerverlufte und Krieger gräber in Spandau unternahm sofort durch Vermittlung der franzö fischen Militärmission Berlin Schritte, um eine Feststellung der Toten herbeizuführen. Die französische Dienststelle hat jegt im all gemeinen die Tatsache bestätigt, aber hinzugefügt, daß infolge der gegenwärtigen ungünstigen Witterungs- und Bodenverhältnisse ( Erdrutschgefahr) ein Bordringen in die ausgedehnten unterirdischen Gänge zurzeit untunlich erscheint. Sobald sich die Gelegenheit bietet, follen die nötigen Feststellungen umgehend getroffen und ihr Ergebnis dem Zentralnachweisamt mitgeteilt werden. Wolfffche Bureau wird alsdann die erhaltenen Auskünfte veröffent lichen, fowie ohne besonderen Antrag die Angehörigen der bisher etwa als Bermißtgeführten und jetzt als tot festgestellten Krieger schnellstens benachrichtigen. Frische Heringe als Schweinefutter. Große Heringsschwärme in der Ostsee. Das Diese von. In der Ostsee an der Holsteinischen und Medienbur gischen Rüfte find große Beringsschwärme aufgetreten. In der Fischländer Bucht, östlich von Warnemünde, zogen die Fischer nachts 200 3entner Heringe an den Strand. Der Absah der großen Fischmengen stößt auf Schwierigkeiten. Die Heringe werden größtenteils als Schweinefutter verwendet, da es zur Konfervierung an Hilfsmitteln und Vorbereitungen fehlt. TU. verbreitete Nachricht flingt so unglaublich, daß die Behörden sich mit ihr beschäftigen sollten. Von Zeit zu Zeit wird die Bevölkerung immer wieder aufgefordert, sich doch ja der nahrhaften Seefische zu bedienen, und wenn sie da find, dann soll es an Hilfs mitteln und Vorbereitungen fehlen, so daß die nahrhaften Seefische den Schweinen zum Fraß vorgeworfen werden. Stand da eines Abends an der Ede der Chauffee- und Invalidenstraße, in einer Gegend, wo man den Grünen auch sonst nicht hold ist, der oben erwähnte Gastwirt Bormuth mit seinem Sohn und dem Dentisten Schraeger. Der Gastwirt hatte seinen„ Tyras an der Leine. Schraeger war ebenfalls von seinem vierbeinigen. Hausgenoffen, der aber eine Gie" war, begleitet, und die beiden Hunde fingen alsbald eine zärtliche Unterhaltung an. Der tempera. mentvolle Tyras wand sich wie ein Aal, um zu der Freundin ge langen zu fönnen und streifte schließlich das Halsband mit der Leine ab. Just in diesem Augenblic nahte ein Schupobeamter, der die Hundebesitzer energisch an ihre Pflicht mahnte. Der erboste Gastwirt zog darauf eine unfreundliche Parallele zwischen dem energischen Einschreiten der Polizei gegenüber harmlosen Hunden und einer unbegreiflichen Duldsamkeit gegenüber dem Gefindel, das sich dort oben herumtreibt. Der Sohn des Gastwirtes ließ sich sogar dazu hinreißen, dem Beamten ins Gesicht zu schlagen. Eine Schweres Explosionsunglück in Sondershausen. Anzahl übler Elemente, die sich inzwischen angesammelt hatten, Zwei Schüßen der Sondershausener Wehrabteilung sollten nahmen sofort Bartei gegen den Beamten, und dieser geriet in so bedrohliche Lage, daß er durch Notsignal mehrere Kameraden herbei im Munitionshause Handgranaten von einem Raum in den rufen mußte. Die vier Schupole ute brachten dann mit Mühe anderen fchaffen. Dabei erfolgte aus bisher unbekannten Gründen und Not, bedrohtoon einer tobenden Menge, die drei eine Explosion, die das ganze Munitionshaus ver retten, hat aber fo Männer samt den Hunden zur Wache. Die Folge war eine Anflage nitete. Einer der Soldaten konnte megen versuchter Gefangenenbefreiung. Widerstandes, tätlichen An schwere Brandwunden davongefragen, daß er abends im Kranken griffs und Beleidigung. Das Schöffengericht verurteilte die Anhause verstarb. Der zweite fonnte nur als Reiche unter den geflagten zu Gefängnisstrafen von 2 bis 4 Monaten. Auf die ein Trümmern hervorgeholt werden. Eine bei dem Unglück schwer gelegte Berufung wurde diese Strafe auf eine Geldstrafe von 600 verlegte Frau befindet sich in bedenklichem Zustande im Stranten bis 1000 m. herabgefeßt. Das Gericht nahm an, daß der Beamte in hause. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr mußte fich darauf bes rechtmäßiger Ausübung des Amtes gehandelt habe. Das Gericht chränken, die Kaserne und die umliegenden Gebäude zu schützen. sah aber den Fall milderer an als der Vorderrichter. Sonntag Eröffnung des Freibades Müggelfee. Am Sonntag, 18. d. M., öffnet das Freibad wieder seine Pforten und ladet zum Besuch ein. Das Freibad Müggelsee ist auf Waldwegen vom Bahnhof Rahnsdorf in 10 Minuten zu erreichen. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 10 Bf. Kinder im schulpflichtigen Alter zahlen die Hälfte. Neu ist in diesem Jahr die Baldschänke des Freibades. Der Ordner- und Rettungsdienst ist wieder bereitwilligst von dem Freibadverein Groß- Berlin und Schwimmverein Welle übernommen worden. Beide Vereinigungen versehen schon seit Jahren im Intereffe der Allgemeinheit diesen verantwortungsvollen Dienst und haben sich durch ihre stete Bereitwilligkeit die Achtung der Badebesucher seit Jahren erworben. " Noch eine kant- Feier in einer Bolfsbücherei. Die städtische Wolfsbücherei Neukölln teilt uns mit: In der Abendaus. gabe des Vorwärts" vom 7. Mai findet sich ein Bericht über eine Kant- Feier der Charlottenburger Volksbücherei mit dem Bemerken, daß dies die einzige Kant- Feier sei, die in Bolfsbüchereien stattgefun. den hätte. Dazu wäre zu bemerken, daß auch die Bolfsbücherei Neufölln am 24. April eine Kant- Feier veranstaltet hatte, bei der Dr. K. J. Grau die Gedenkrede hielt. Mit dieser Feier schloß die Neuföllner Bücherei ihre Winterveranstaltungen ab, die vor allem bar auf abzielten, einen fleineren Kreis von Menschen systematisch in ein begrenztes Gebiet einzuführen. Die Bücherei beabsichtigt, ihre Bildungsarbeit im nächsten Winter in ähnlicher Weise fortzusehen. Es ist erfreulich, daß diese Veranstaltungen in Arbeiterkreisen leb. haftes Interesse erregt haben und von einem zwar fleinen, aber lern. begierigen Kreis von Arbeitern regelmäßig besucht werden. Erholungsgeld des Notdienstes Berliner Frauen. Zu feinem " Ernährungsgeld" und seinem„ Spendengeld" gibt der Notdienst der Berliner Frauen( Geschäftsstelle Charlottenburg, Goethestr. 22) nun auch„ Erholungsgeld" für die Verschidung bedürftiger Schulkinder in Erholungsheime aus. In Form von Marken ferien, die auf vorgedruckte Karten zu kleben sind und aus zwölf Marken( zu je 50 Bf.) bestehen, wird das Erholungsgeld zu haben sein. Für je zehn vollgeklebte Karten tann ein Kind verschickt werden. Die zehn Karten werden dem Notdienst Berliner Frauen eingesandt, der Name und Adresse des Kindes, das durch die Karte verschickt werden kann, dem Absender meldet. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 16. Mai. Tagaseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag: Vom Bowlenbrauen" 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Diem: Sport und Radio". Vortrag des Preuß. Ministers für Volkswohlfahrt, Herrn Hirtsiefer: Staat und Leibesübungen". 8.30 Uhr: Brahms- Abend. 1. a) Minnelied, b) Wie bist du meine Königin, c) Ständchen( Konzertsänger Alfred Wilde). 2. Adagio aus dem Violinkonzert( Stefan Frenkel). 3. a) Sapphische Ode, b) Wiegenlied, c) Liebestreu( Pauline Dobert). 4. a) Sonntag, b) Feldeinsamkeit. c) Auf dem Kirchhof( Alfred Wilde). 5. a) Unbewegte laue Luft, b) Von waldbekränzter Höhe( Pauline Dobert). 6. I. Satz aus der Sonate für Violine und Klavier, A- dur( Stefan Frenkel). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Berhaftung einer Engelmacherin in Dresden. Laut Polizei bericht wurde in Dresden die Arbeiterfrau 3. wegen Abtreibung in mehreren Fällen festgenommen. Die eingehende polizeiliche Unterfuchung hat ergeben, daß die I. sich nicht nur gegen das feimende Leben vergangen, sondern mehrfach lebendige Kinder in bestialischer Weise umgebracht hat. Sie hatte Frauen tagelang in ihrer Wohnung aufgenommen, die Geburt beschleunigt und die neugeborenen Kinder mit Deden er stidt, mit Petro leum begoffen und im Ofen verbrannt. Auch einige der Mütter haben durch unsachgemäße Behandlung ihr Leben eingebüßt. Der Ehemann sowie eine Mittäterin wurden ebenfalls festgenommen. Die polizeilichen Ermittlungen schweben noch. " 1 Sport. Der Große Preis von Berlin. Die Berliner Radsportgemeinde fieht mit großer Spannung den Rennen im Stadion entgegen, die sich am Sonntag abspielen werden. Im Großen Preis von Berlin für Flieger" werden ungefähr 80 Fahrer am Start erscheinen, wovon allerdings nur vier das Glüd haben werden, den Entscheidungstampf zu be streiten. Diese vier Besten messen sich dann erst in drei Läufen nach Bunttwertung. Eine harte, aber notwendige Aussiebung! Großen Preis für Berlin für Dauerfahrer" treten acht Mann an. Das Rennen selbst geht über 100 Rilometer, und zwar zwei Läufe zu je 50 Kilometer. Weitere Rennen, so der Preis von Charlottenburg", der Preis vom Grunewald" und endlich der vom Stadion, werden das Programm ausfüllen. Bon deutscher Seite ist alles aufgeboten, um dem Ansturm der Ausländer find fieben Nationen gemeldet entgegentreten zu fönnen. Für Deutschland starten u. a.: Rütt, Arend, Maner, Stabe, Krupfat, Lewanow, Sawall, Bauer, Schrage, Hahn, Gottfried, Gebrüber Tiet. Das Ausland hat gute Klasse gefchidt: Raufmann und Wegmann( Schweiz), van Kempen und Leene( Holland), Spencer und Coburn( Amerika), Bellivier und Ganan( Frankreich), Banderstunft( Belgien), Berri, Morri und Rizetto( Italien), Ellegaard und Jensen( Dänemark). 1. Rennen. - es Rennen zu Karlshorft am Donnerstag, den 15. Mai. 1. Feuerbach( Mate), 2. Georg( Dorff), 3. Doufchla ( Einfinger). Toto: 16:10. Blag: 13, 30: 10. Ferner lief: Erbschleicher. 2. Rennen. 1. Algebra( v. Borde), 2. Cyganta( Singelmann), 3. Räuberhauptmann( b. Herder). Toto: 47:10. plat: 20, 37: 10. Ferner liefen: Eidmete, Bergangenheit. 3. Rennen. 1. Maral( Edler), 2. Fliegender Holländer( Derten), 3. Adda( Kukulies). Toto: 21: 10. Blaz: 13, 11: 10. Ferner lief: Fanbila. 4. Rennen. 1. Feirefis( Rutulis), 2. Fuchsmajor( Dertel), 3. Kahlet ( Ebler). Toto: 27:10. Blat: 11, 10: 10. Ferner lief: Philister. 5. Rennen. 1. Nitter Blaubart( Hr. Freese), 2. Herzog( v. Borde), 3. Saboyard( Hr. König). Toto: 28: 10. Plak: 19, 19:10. Ferner liefen: Burgritter, Spreewald. 6. Rennen. 1. Magifter( Ebler), 2. Landrichter( Ulbrich), 3. Terz Thiel). Toto: 60: 10. Blaz: 16, 15, 17: 10. Ferner liefen: Miratel, Maffarh, Adilinda, Christa. 7. Rennen. 1. Sternschnuppe( D. Schmidt), 2. Prinz Karneval ( Franske), 3. Habakut( Breege). Zoto: 18: 10. Blag: 12, 87, 17: 10. Ferner liefen: Esta, Christinos, Heerführer, Ajar. Briefkasten der Redaktion. Strettenbe 524. Der Ausfpruch ist vom preußischen Justisminifier Schöng Webt bei einer Sufiabebatie 1894 oder 1895 gepraat worden Wirtschaft Kölns Messe. A. S., Roln, 15. Mai. Der Versuch der Stadt Köln, in ihren Mauern die seit Jahr hunderten aufgegebene Meffe wieder aufzunehmen, kann nicht nach dem geschäftlichen Erfolg beurteilt werden, der bei der gegenwärtigen Lage der Konjunktur nur gering fein fonnte. Die Raufunfähig. feit der breiten Massen, im westlichen Deutschland noch gesteigert durch den Ausfall der Kauftraft der ausgesperrten Berg. arbeiter, mußte zusammen mit der Kreditnot den Absatz beein trächtigen, und man fann sagen, daß unter diesen Umständen die Abschlüsse auch der von den Käufern noch bevorzugten Branchen perhältnismäßig gering geblieben sind. Aber eine Messe foll ja in erster Linie für den Abfaz werben, und diese Aufgabe zu erfüllen, ist sie gerade in fritischen Zeiten besonders berufen. Die Organisation des Kölner Maßpalastes ftüßt sich in der Hauptsache auf die Produktionskraft der Fertigindustrie, die im Ruhrgebiet, im Wuppertal, im bergisch- märkischen Land und im nordwestlichen Rheinland( Aachen, Krefeld, München- Gladbach) fich um die gewaltigen Rohstoff und Energiequellen dieses Landes gruppieren. Sie stützt sich weiter auf die hervorragende Eignung Kölns als Bahn- und Schiffahrtstnotenpuntt zur Anbahnung einer großzügigen Handelsorganisation. Auch für den Absatz sind denkbar günstige Borbedingungen gegeben in der Tat sache, daß in den genannten Industrierevieren, insbesondere aber an der Ruhr, ungeheure Menschenmassen arbeiten, die zur Dedung ihres Lebensbedarfes faufen müssen, und daß Köln auch für den Export, insbesondere über holländische Hafenpläge, über die denkbar besten Verkehrsverbindungen verfügt. Insofern war der Gedanke, hier eine Messe zu errichten, in den ökonomischen Umständen begründet. Die Organisation der Waren- Musterschau lann im ganzen als gelungen angesehen werden, obwohl die erste Kölner Meffe noch lange nicht über die Traditionen verfügt wie etwa der Leipziger Zentralmarkt oder die Frankfurter Meffe. Die Gefahr, daß insbefondere Köln und Frankfurt miteinander fonfurrieren, daß die Befchidung der gleichen Messen durch die gleichen Aussteller und Ein täufer eine Berteuerung der Warenverteilung herbeiführen kann, liegt nahe. Gebannt kann sie nur werden, wenn Frankfurt und Köln bestrebt sind, eine wirtliche Arbeitsteilung durchzuführen. Denn jede Messe tritt ja nicht allein mit dem Anspruch auf, die Warenverteilung eines fleineren Gebietes zu beeinflussen; ihr 3wed ist vielmehr der, Einfäufer aus allen Gegenden anzuloden und die Produfte der auf ihnen ausgeftellten Industrie- und Handelszweige möglichst weit ins Land und über die Landesgrenzen hinauszutragen. Es wäre eine Energievergeudung, wenn hier eine Doppelarbeit geleistet werden würde, die lediglich Kesten verursacht, ohne den Nuggrad der Messe zu erhöhen. Aehnlich wie Frankfurt und andere erst in der Nachkriegszeit neuerstandene Messen ist in Köln die Ausstellung der Waren auf einen kleinen Raum beschränkt, und man hat versucht, die Stände der einzelnen Branchen möglichst übersichtlich anzuordnen. So birgt eine Halle Großmaschinen, Maschinenteile und Erzeugnisse der Fertigindustrie; die hauptsächlichsten. Bedarfswaren der Tertilindustrie sind dadurch weniger übersichtlich geworden, daß man für die Erzeugnisse des München- Gladbacher Industriereniers die Schau in einem eigenen Haus untergebracht hat zusammen mit der Ausstellung der Desterreicher. An diese Sallengruppe fchließt sich ein Freigelände, in dem die Großmaschinen bis zum riesigen Brauntohlenbagger aufgestellt find. Hier treffen wir auch die Erzeugnisse der Automobilindustrie, der heimischen sowohl wie der fremden, unter denen die Traktoren, Last- und Per sonenautos amerikanischer Firmen wegen der jetzt drohenden Ron furrenz besonderes Intereffe erwecken. Ford hat seine Massenprodukte hergesandt, die einfachen, in Serienfabritationen hergestellten Autos find infolge der Schutzölle längst nicht so billig, wie fie fein fönnten. Die billigsten sind mit 1900 b3m. 1950 holländische Gulden angeboten, also immerhin über 3000 Goldmart. Ob ihre einfache Ausstattung in Deutschland starten Antlang finden wird, muß dahingestellt bleiben. Immerhin wird sich die deutsche Automobil. industrie durch schleunigen Uebergang zur Serienfabritation auf die starte Konturrenz einstellen müssen, die ihr hier erwächst und gegen die felbft Protektionsmaßnahmen auf die Dauer feinesfalls helfen In dem Freigelände find ferner noch einige Hallen aus imprägniertem Holz untergebracht, in denen Galanterie waren, Spielwaren, Erzeugnisse der Lebens und Ge. nußmittelindustrie und der Möbeltischlerei untergebracht find. Daß bei der Organisation der Messe noch einige Mängel vorhanden sind, ist bereits furz erwähnt worden. Die Messe ist eng und konzentrisch angelegt; die Zahl der Besucher aber, die nur zum Schauen hinkommen, ist so ungeheuer groß, daß zuweilen Geschäfts. verhandlungen nur schwer möglich find. Wenigftens für einige Stunden des Tages sollte daher die Messe für den öffentlichen Ber fehr geschlossen sein. Diese und einige andere Mängel mehr technischer Art dürften zweifellos überwunden werden, sobald erst Röln als Meffe eine Tradition hat. triebseinschränkungen gezwungen fein, wenn die Aussperrung nicht bald aufhört. Andere Gewerbezweige werden also mit die Rosten der Provokation der Bergbauunternehmer zu tragen haben. Verhältnismäßig günstig ist die Beschäftigung trog fnapper Nach frage und trop unzulänglichen Einganges neuer Aufträge in den jenigen Industriezweigen, die nicht Lagermare fabrizieren, sondern nur auf Bestellung arbeiten. Diese Industriezweige haben in der Zeit der Kreditinflation, die inzwischen abgestoppt ist, Aufträge auf Monate hinaus erhalten und rechnen auch auf weitere Abschlüffe auf Grund der Meßausstellung. Für die Klein eisenindustrie ist die Nachfrage allerdings sehr gering geblieben, und 3mar hauptsächlich wegen der hohen Preise, die über den Welt. marft ft and hinausgehen. Flau ist auch der Geschäftsgang in anderen Gewerbezweigen, wie in der Leder- und Schuhwarenindustrie, während er im Tertilgewerbe auf der Messe etwas zu nehmen fonte. Daß gerade die Bedarfswaren eine verhältnis mäßig geringe Nachfrage finden, ist das untrügliche Zeichen dafür, daß nur ein starter Preisab bau anstatt der jegt wieder üblich gewordenen Preiserhöhungen den Absatz belegen fann. Es ist die beginnende Stabilisierungstrife, die dem Kölner Meß geschäft seinen Stempel aufgeprägt hat. übermäßige Ronfum besonders an feinen Waren, bie Einfuhr hochwertiger Tertilmaren, die Bucherzinsen der Banten dem deutschen Textilmarkt mit einem jähen Zusammenbruch. Wird an Stelle der Inflation die unvermeidliche weitere Verfnappung der Geldversorgung eintreten, so wird der heute aufgeblähte Berbrauch auch aus diesem Grunde zurückgehen müssen. Gegenwärtig ist im Reichswirtschaftsministerium eine Untersuchung über die Lage der Textilindustrie im Gange. Die Deffentlichkeit erwartet mit Spannung, ob aus ihr die Maßnahmen hervorgehen werden, um die gegenwärtige Mißwirtschaft abzustellen und die drohende Krise zu verhüten. Großhandel und Geschäftsaufsicht. Der Zentralverband des Deutschen Großhandels hat sich wegen einer Abänderung der Bestimmungen über die Geschäftsaufsicht mit einer Eingabe an das Reichsjustizministerium und das Reichswirtfchaftsministerium gewandt, aus der wir folgendes entnehmen: Es follten im Interesse des Wirtschaftslebens soweit im Rahmen der bestehenden Bestimmungen möglich, zunächst im Wege einer schleunigft zu erlaffenden Dienstanweisung an die Gerichtsstellen folgende Bestimmungen getroffen durch die einzelnen Länder werden: 1. Sofortige Veröffentlichung jeder angeordneten Geschäftsaufficht nach Analogie der Konturfe mindestens aber regelmäßige fofortige Mitteilung an die amtlichen Vertretungen des Handels, Handwerts( Gewerbes) bzw. der Landwirtschaft und Bevollmächti gung dieser Stellen zur Auslegung einer Lifte der unter Geschäfts verband des Deutschen Großhandels mit der Befugnis der Infor aufsicht Befindlichen bzw. Abschrifterteilung der Liste an den Zentral mation feiner Mitglieder. nung bei engster Auslegung der gefeßlichen Bestimmungen, und zwar 2. Strengste Brüfung der Anträge auf Geschäftsauffidtseröff unter balbigster und meitestgehender hinzuziehung der Gläubigerversammlung bzw. eines Gläubigerbeirates. Borker, im Intereſſe der Beschleunigung ohne solche Hinzuziehung etwa notwendig Buziehung dieser Premien auch während des Verfahrens selbst nicht merdende Entscheidungen betreffend Geschäftsauffichtseröffnung haben nur vorläufige, zu befristende Gültigkeit zu erhalten. Weitestgehende gehen neuer Verbindlichkeiten, sowie hinsichtlich der Nachprüfung der nur hinsichtlich der Abwicklung bestehender, sondern auch beim Ein. Bebenshaltung des Schuldners. Strengere Auswahl bei der Person des Aufsichtsführenden, die von der Gläubigerversammlung vorzuschlagen sein wird. 3. Beschränkung der Dauer der Geschäftsaufsicht grundsäßlich auf ein Bierteljahr mit der Befugnis für die Gerichte, ausnahmsweise in dringenden Notfällen die Frist um nicht länger als jedesmal einen fobald sich ergibt, daß die gesetzlichen( engftens auszulegenden) BorMonat zu verlängern. Sofortige Aufhebung der Geschäftsaufficht, aussetzungen für derer Anordnung nicht oder nicht mehr vorhanden find, damit dann sofort das Kontursverfahren eröffnet wird. sofort Anwendung zu finden. Auf alle bestehenden Geschäftsaufsichten haben die Neuregelungen Die Krise der deutschen Textilindustrie. Rein Industriezweig Deutschlands ist heute so gut beschäftigt wie die Textilindustrie, wo gegenwärtig eine gute Konjunktur herrscht. Die Maschinen sind bis zu 80 bis 90 Broz. beschäftigt, die Industrie ist mit Bestellungen bis Ende des Jahres versorgt. Und trotzdem können wir heute schon von einer Krife sprechen, die ihren Schatten vorauswirft. Es ist die Preisentwidlung der Textilwaren, die zur größten Sorge veranlaßt und das Schidfal von über einer Million Arbeitern bedroht. Die Textilpreise stehen trotz der sehr niedrigen Löhne wesentlich über den Weltmarktpreisen, die bereits an fich infolge der ungeheuren Berteuerung der RohFolge dieser Lage ist die Unmöglichkeit der Ausfuhr. Die stoffe Baumwolle, Wolle usw. unerträglich hoch find. Die erste gegenwärtige gute Ronjunttur ist ausschließlich durch den inneren er brauch verursacht. Während der Inflationszeit fonnte fich der Lohn- und Gehaltsempfänger feine Bekleidungsartikel faufen. Dies wird jezt nachgeholt, wenn auch die niedrigen Gehälter und Löhne diesen Käufen Schranken sezen. Besonders ist aber der Luruskonsum der Reichen mächtig angeschwollen. Der Textilfabri fant Georg Müller schreibt in der" Frankfurter Zeitung", daß die Auftragsbücher überwiegend von Aufträgen auf die Herstellung feinerer Waren, mit deren Absatz die Industrie für die nächsten zehn Jahre gar nicht mehr rechnete, angefüllt sind. Ja, so unglaublich dies erscheint, es hat eine Einfuhr von hochwertigen Fertigwaren- also für die besigenden Klassen- in geradezu fchrankenloser Weise eingesetzt. Nach den Angaben des erwähnten Fabrikanten ist das Elsaß bis in den Winter an Deutschland ausver. fauft, haben Frankreich, Belgien, die Tschechoslo. wafei und England große Lieferungsverträge für Deutschland; die Schweiz läßt ihre Stidereibetriebe wieder für Deutschland 1. bis 10. Mai zeigt einen lleberschuß von rund 4,5 Millionen GoldDer Ausweis der Reichshauptkasse über die Geldbewegung vont laufen und holländische Kaufleute verkaufen die von Deutsch mart. Die Einnahmen betrugen 121 931 745 Goldmark, die Aus. land bezogenen Textilmaren mit großem Nugen an Deutschland gaben 117 461 967 Goldmart. Die Ausgaben gliedern sich wie folgt: zurüd. Die Textilindustriellen berechnen unerlaubte Risito allgemeine Reichsverwaltung 61 032 026 Goldmart, Steuerüber. prämien, fie stellen Goldrechnungen aus und außerdem weisung an Länder und Gemeinden 30 000 000 Goldmart, Rücklauf berechnen sie, da sie die zum Rohstoffeinfauf nötigen Devisen unter der Hand und über dem amtlichen Berliner Kurs beschaffen, 3u3uschußbedarf ist seit dem 1. April auf 15,6 Millionen Goldmark von Goldschazanweisungen 26 429 941 Goldmart. Der bisherige fchläge, die hoch über den tatsächlichen Mehrausgaben bei der Balutabeschaffung stehen. Die Banten rechnen für das Leihtapital riesige 3insen, die die Warenpreise in die Höhe treiben und die Ronkurrenz am Weltmarkt unmöglich machen. So wirken sämtliche Umstände zusammen, um die deutsche Textilwirtschaft in eine Ratastrophe hineinzutreiben und darüber hinaus die deutsche Währung zu zerrütten.( Denn sowohl unnötige Einfuhr von Fertigwaren wie übermäßiger Verbrauch an inlän dischen, aber aus fremden Rohstoffen hergestellten Waren muß die Währungslage erschüttern.) Neben der allgemeinen Berteuerung der Rohstoffe drohen die Ueberforderungen, der Textilindustriellen, der Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin.. Gerstengraupen, lose Haferflocken, lose Gerstengrütze, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß Maisgrieß ..... 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen. handverles. Linsen, kleine..... Linsen, mittel Linsen, große Makkaroni Kartoffelmehl Makkaronimehl Schnittnudein, lose... Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Mandeln, süße Barl Cal. Pflaumen 40/50 Korinthen, choice ... 15,00 16,50 Malzkaffee, gepackt... 22,00 24,00 15,00-15,75 Röstgetreide, lose 14,75-15,50 Kakao. fettarm 16.50-18,00 .. 100,00-115,00 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt 115,00-130,00 12,7513,25 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 17,75 19,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 21,75-25,50 Inlandszucker basis mel. 38,5- 40,00 Inlandszucker Raffinade 40,00-42.60 13,75-15,50 Zucker Würfel....... 45,00-47,00 15,25-21,00 Kunsthonig 32,00-38,00 17,25-20,50 Zuckersirup hell in Eim. 43,00- 49,00 13,25 15,50 Speisesirup dunk. in Eim. 28.00- 33,00 21,75-24,50 Marmelade Einfr. Erdb. 95,00-110,00 28.00-31,75 Marmelade Vierfrucht 40,00-48,00 26,00-33,50 Pflaumenmus in Eimern 40,00-45,00 34,00 40,00 Steinsalz, lose.. 41,00-47,50 Siedesalz. Iose 3,10 3,70 4,00-4,70 19,00-21,50 Bratenschmalz in Tierces 64,00-65,00 65,50-66,50 62,50- 63,00 39,00 45,00 Bratenschmalz in Kübeln 35,00- 37,60 Purelard in Tierces 19,00-23,50 Purelard in Kisten 14,75- 16,75 Speisetalg in Packung 50,00-53,00 16,50 18,75 Speisetalg in Kübeln 62,50-65,00 48,00-50,00 52,00-55,00 24,00- 31,00 Margarine, Handelsm. 1 58,00 30,50-36,00 desgl. II 90,00 Landbutter 61,00-65,00 45,00-48.00 165,00-170,00. Bon besonderem Interesse war selbstverständlich die Frage, inwieweit die Bergarbeiteraussperrung auf die Konjunktur an der Messe Einfluß hatte. Da im Handel jezt lange Zahlungsziele üblich geworden sind, die überdies von den Abnehmern oft gar nicht innegehalten werden, mußte die Aussperrung von faft einer halben Million Menschen für Produzenten und Abnehmer eine Warnung fein. Tatsächlich fonnten wir feststellen, daß die Käufer aus dem Ruhrgebiet sich eben solche zurüdhaltung auferlegten wie andererseits manche Lieferanten es sich nicht besonders angelegen Rohkaffee Brasil 185,00-220,00 Ausl. ungezuck.Condensfein ließen, dorthin Ware abzusehen. Was wird die Folge sein? Die Industrien, die infolge des Ausfalls der Kauffraft der Bergarbeiter weniger abseßen fonnten, werden früher oder später zu Be 85,00-90,00 Margarine, Spezialm.i.. 76,00 42,00-45,00 desgl. II. .50,00-5,00 Margarine III. 70,00-75,00 Molkereibutter i. Fässern 215,00-218,00 70,00 85,00 Molkereibutter in Pack. 220,00-223,00 75,00 77,00-83,00 Auslandbutter in Fässern 215,00-218,00 145,00-135,00 Auslandbutter in Packg 220,00-223,00 Mandeln, bittere Bari 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 Zimt( Cassia) 105,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00-72,00 Kümmel, holländischer. 125,00-130,00 Quadratkäse. Schwarzer Pfeffer Singap. 98,00-108,00 Quarkkäse Weißer Pfeffer 133,00-138,00 Tilsiter Käse, vollfett. Rohkaffee Zentralamerika225,00-290,00 milch 48/16 Röstkaffee Brasil. 240,00-290,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam... 300,00-390,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. . 22,00-35,00 35,00 50,00 115,00-120,00 20.7523,75 17,50-18,50 27,00- 28,00 zurückgegangen. Der Stand der Reichsfinanzen. Große Erweiterung der Leipziger Zertilmesie. Für die Zwede der Leipziger Textilmeffe find von einem Konsortium unter Führung des Leipziger Mesamts fieben Grundstüde zwischen Peterssteinweg und Münzgaffe erworben worden. Teile dieser Grundstücks werden fchon jest provisorisch für Lertilmeßzwede in Benutzung genommen werden müffen, wenn die feit langem schwebenden Verhandlungen über die Hergabe des Graffi- Museums in Erbbaurecht nicht zum Ziele führen. Ermäßigungen im Reichsbankgirovertehr. Die Reichsbank wird im Giroverfehr, und zwar im Mart- wie im Rentenmarkverkehr folgende Aenderungen eintreten laffen: 1. Der Mindestbestand auf jedem Girokonto beträgt fortan 100 Billionen Mart bzw. 100 Rentenmark. Ausgenommen find Abe rechnungsfirmen, denen die von ihnen zu haltenden Mindestguthaben besonders mutgeteilt werden. Ueber die den Mindestbestand übersteigenden Beträge fann sogleich verfügt werden. 2. Für die Kontoführung werden in beiden Rechnungsarten folgende Gebühren erhoben: a) eine Buchungsgebühr von 10%/ 00, berechnet von der Summe der Kontobelastungen. Für Banten usw. beträgt diese Gebühr 1/15/00, b) eine Pauschgebühr von 2 Goldmart für jede zur Ver buchung der Umfäße benötigte Kontoseite. Im Martgiroverfehr tritt die Gebührenerhebung am 1. Juni d. J. in Kraft. Bon diesem Zeitpunkt ab werden alle Scheckbücher, Bor drude usw. mieder fostenfrei abgegeben. Portobeiträge fommen in egfall. Im Rentenmarfverfehr wird die Ermäßigung der Buchungss gebühr rückwirkend vom 1. April d. J. ab durchgeführt. Die neue Berechnung der Bauschgebühr erfolgt vom 1. Juni d. J. ab. Die Gebühren werden fortan monatlich berechnet und belastet. Bortrag der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft E. B. Am Freitag, den 16. Mai 1924. abends 348 Uhr. findet im Preußischen Oberverwaltungsgericht, Hardenbergstr. 31( Nähe Bahn bof Boologischer Garten), ein Bortragsabend der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft E. B. statt über: Nochmals: Die 23 ettbewerbsfähigteit Deutschlands auf dem Weltmartt". Vortragender: Geh. Justizrat Präsident Dr. Guggen heimer. Berein gegen das Bestechungswefen. Die diesjährige Hauptbersammlung des Vereins gegen das Bestechungswesen findet ant 17. Mai nadm. 8 Uhr in der Handelsfammer Berlin statt. Justizrat Dr. Fuld Mainz spricht über Justizreform, Geschäftsführer Dr. Poble erstattet den Jahresbericht. Preisherabsetzung! Billigster Herren- Anzug · Billigster Herren- Ulster. 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Reinickendorf- West: Jugendheim Augufte- Bittoria- Allee, Bortrag: J. A.: Aler Pagels. ,, Unsere Kulturellen Aufgaben". einzusenden. Schöneberg I: Jugendheim Rubens, Cde Sauptstraße, Vortrag: ,, Marrismus". Schöneberg II: Comenius- Schule Frankenstraße 10, Bortrag: ,, Gagen und Märchen". Treptow: Jugendheim Elfenſtr. 3, Bortrag: Burschen und Mädchen in der Bewegung". * Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer u. Lehrerinnen Deutschlands, Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, den 17. Mat, abends 6% Uhr, im Stadthaus, gimmer 339, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Abbau der Oberschulratsstelle. 2. Das Berufsschulwesen in Thüringen. Referent Genoffe Dr. Serring. Bor. standssigung um 6 Uhr. * Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beamten und Lehrer. Wichtige Sigung Sonnabend, den 17. Mai, 7½ Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Alle Kreisobleute, die Borsigenden der Kommissionen müffen unbedingt erscheinen. 6. Reis Kreuzberg. Sigung der Beamtenwerbeausschüsse der Abteilungen Sonnabend, den 17. Mai, 6½ Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Sonnabend, den 17. Mai, 7% Uhr, Kreisvorstandsßigung im Zimmer 26. Wichtige Tagesordnung. Heute, Freitag, den 16. Mai: 75. Wt. Wannsee. Uhr Abteilungsmitgliederversammlung im Reichs. abler", Rönigstr. 26. Bortrag des Genoffen Frig 8ubeil über Der neue Reichstag und feine Aufgaben". Jung ozialisten. Gruppe Schöneberg: Diskussionsabend im Jugendheim Feurig ftsage. Morgen, Sonnabend, den 17. Mai: 88. st. Mariendorf. 8 Uhr Funktionärsigung im 8immer 26. Jugendveranstaltungen. Die Führeraussprache findet am Sonntag, den 18. b. M., pünktlich abends 7 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3, statt. Thema: Kirche und Sozialismus". Die Grunblinien der Weltgeschichte" von H. C. Wells, 3. Teil, ist erfchienen. Pro Stüd 1,50 M. Heute, Freitag, den 16. Mai, abends 7½ Uhr: Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Vortrag: ,, Geschichte der AJ." Moabit 1: Schule Waldenserstr. 21, Bortrag: Betterkunde". Moabit II: Zew Arbeitersport. Neuköllner Fußball- Club ,, Berolina" fucht zum Sonntag, den 18. Mai, für 1. und 2. Mannschaft auf eigenem oder Gegners Plag einen Gegner. Sp.-C. Rüftig- Borwärts" 13, Neukölln, sucht für seine 3 Männermannschaften und 1 Jugendmannschaft für Sonntag, den 18. Mai, einen spiel. ftarten Gegner auf seinem Plaz. Telephonisch Freitag abend in der Zeit von 8-10 Uhr oder an B. Rier, Neukölln, Johann- Huß- Str. 5. Freie Turnerschaft Charlottenburg. Am Sonntag, den 18. b. M., nachmittags 2 Uhr, Anturnen aller Abteilungen auf dem Städt. Play Westend. Treffpunkt 1 Uhr Wilhelmsplag. Abmarsch 2 Uhr in Sportkleidung. Alle Sportfreunde find eingeladen. Turn- und Sportverein Fichte", Berlin. 2. Männer, Jugend- und 1. Frauenabteilung: Sonntag, den 18 Mai, Familienpartie Tiefensee- Straus. berg. Abfahrt 5.45 Uhr Wriezener Bahnhof nach Tiefenfee. 14. Gruppe: Gonnabend, 17. Mai, Bersammlung bei Soffmann, Stralauer Allee, Ede Markgrafendamm. Touristenverein Die Naturfreunde", Abt. Neukölln. Am Freitag, den 16. Mai, abends 28 Uhr, in der Aula der Rathenau- Schule, Neukölln, Boddinstraße, Vortrag: Wer sind wir, und was wollen wir?" Nachdem ein Lichtbildervortrag: Wanderung durch die Mark". G. B. ,, Borwärts" Berlin 1897. Alle Anschriften find bis auf weiteres an den 2. Borsigenden D. Friefede, D. 12, Grünberger Str. 18, Technisches an M. Edert, N. 87, Beuffelftr. 15, zu richten. Arbeiter- Sportfarten, 13. Bezirk. Am Sonnabend, den 17. Mai, 8 Uhr abends, findet auf dem Turnplag Fichte, Mariendorf, an der Rennbahn, die Rartelligung statt. Die angefagte Gizung am 24. Mai fällt aus. Sehr wich. tige Tagesordnung, daher Erscheinen Pflicht. Schriftliche Einladungen find zu beachten. Touren Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität", Detsgruppe Berlin. für Gonntag, den 18. Mai. 1. Abt.: 6 und 1 Uhr am Start Bülowftraße 56. 2. Abt.: 6 Uhr Marsee, 1 Uhr Sirschgarten( Wilhelmshof). Start Dieffenbachstr. 36. 3. bt.: 7 Uhr Rüdersdorfer Ralfberge, 1 Uhr Friedrichs. hagen( Wiesengrund). Start Lausiger Platz. 5. Abt.: 6 Uhr Eberswalde, 12 Uhr Summt. Start Bandsberger Blah. 6. st.: 6 Uhr Stienisfee, 12 hr Raulsdorf. Start Ropenhagener Str. 26. 7. bt.: 6 Uhr Oderthal- NiederFinom, 1 Uhr Arensfelde( Schneider). Start Rolonieftr. 147. 8. bt.: 5 Uhr Brenden, Start Arminiusplag: U2 Uhr Prenden, Start Waldstr. 8. 9. Abt.: 6 Uhr Dubrow- Sölzerner See, 1 Uhr Rudow( Lindenwirtin). Start Schulstraße 147. 10. Abt.: 6 Uhr Agitation, 1 Uhr Buch( Tramm). Start Comeniusplag. 11. Abt.: 6 Uhr am Start Ungarn, Ede Edinburger Straße. 12. Abt. ( Motorfahrer): Freitag, den 16., außero.dentliche Zusammenkunft zur Pfingst tour Spremberg. Sonntag, den 18. Mai, nach dem Krampnißfee. Start 8% Uhr Schloßplag. Jugendabteilung: Gamengrund- Tiefensee. Start 7 Uht Bahnhof Frankfurter Allee. Ortsgruppe Lichtenberg: Blumenthal- Gamen grund. Start 6 Uhr Jungstr. 10. Ortsgruppe Charlottenburg: Abtochtour Papenberge. Start 1 Uhr Galvaniſtr. 13. Ortsgruppe Pantow: Werder. Start 5 Uhr Mühlenstr. 12. Ortsgruppe Brig: 17./18. Mai Scharmüßelfee. Start 6 Uhr abends und 6 Uhr früh Chauffeestraße( Ranal). Ortsgruppe Segel: Oranienburg- Eden. Start 1 Uhr Schlieperstr. 64. DER GROSSE BUCHERFOLG! 120. bis 150. Tausend Brücken führen über den Rhein Brücken- und keine Lafetten! Von einer Französin Das Buch vom fommenden Zusammenbruch Frankreichs 3m befehten Gebiet verboten! Gebunden 3 Mark Borrätig in allen Buchhandlungen oder direkt zu beziehen burch ben DREI SONNEN VERLAG LEIPZIG Georgiring 3-5/ Postschecktonto Leipzig 68544 Rakao ift ein naturreines Erzeugnis der Kalaobohne, besißt das fräftige Katao- Aroma und vers bindet mit leichter Löslichkeit herzhaften Geschmack und vorzügl. Bekömmlichkeit. TellKakao ist ein überaus vollwertiges Nahrungsmittel für jung und alt, Gesunde und Kranke. 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Gewiß ist in der Zeit des Wahlkampfes ein erhebliches Maß von politischer Aufflärung von feiten derjenigen geleistet worden, die als Antrieb für politisches Handeln die Vernunft für sich in Anspruch nehmen. Daß die erzielten Erfolge nicht ausreichten, um die geistige Umstellung auch am Wahltag in Erscheinung treten zu lassen, beweist die Tatsache, daß sich gewisse Kreise der Inflations- und Währungsgewinnler ihre politische Gefolgschaft erhalten oder gar neue Truppenmaffen erobern fonnten. Diese Menschen, die durch die Not der Zeit auf die falsche Seite getrieben worden sind, von dem Wahnsinn ihres Verhaltens und seiner Auswirkungen zu überzeugen, bleibt Aufgabe sowohl der politischen Parteien als auch der Gewerkschaften auch nach dem 4. Mai. Leider sind wesentliche Teile der Wählermassen unter der naturnotwendigen Steigerung des Wahlkampfes bis zum Wahltag in den Glauben verseht worden, daß neben der Entscheidung über Zusammensetzung und Aktionsfähigkeit des Parlaments am 4. Mai auch die Entscheidung über den Gang der politischen Entwicklung fiele. Dieser Glaube hat sie vielfach zu Fatalisten gemacht. Nichts ist verderblicher für die Beeinflussung politischen Geschehens als die Atmosphäre des Fatalismus. Ihre Ausstrahlungen kommen nur denen zu gute, die wegen egoistischer Beweggründe oder aus eigener falscher Gesichtseinstellung ihre Politik abseits der Vernunft treiben müssen, um Erfolge zu erzielen. Denen gehen am leichtesten die Fatalisten ins Garn. stehendem Sinne falfch" gewählt haben, in der Lage wären, an Hand von Wirklichkeiten die Auswirkung ihrer Wahls handlung nachzuprüfen, möchten sie zweifellos noch in dieser Stunde alles ungeschehen machen. Was haben diejenigen geglaubt erreichen zu fönnen, die fich auf jene Seite schlugen, wo mit den Methoden der Gewalt an die Lösung der Probleme des Sozialismus herangetreten wird ganz gleich, ob sie nach links oder rechts abfielen? Sie wollten im Wahlkampf das Paradies erobern und haben jenes Wort von Karl Marx, daß die Gesellschaft nicht eher ihr Gleichgewicht findet, als bis sie sich um die Uns Insere werten Leser und Freunde werden gebeten, in allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeitungsverkaufsstellen usw., sowohl in GroßBerlin als auch im übrigen Reich und im Ausland ausdrücklich den ,, VORWÄRTS zu verlangen. Das Parteiinteresse fordert, überall für die Parteipresse zu werben und das Auslegen des Zentralorgans der VSPD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Sollte der ,, Vorwärts" an Kfosken, Bahnhofsbuchhandlungen usw.nicht erhältlich sein, so wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar وو VORWÄRTS"-VERLAG Berlin, Lindenstr. 3:: Fernspr. Dönhoff 2506/2507 Sonne der Arbeit dreht, entweder nie gefannt oder längst vergessen. Was meinen jene Staatsbediensteten er reicht zu haben, nun sie sich von denjenigen ins Schlepptau nehmen ließen, denen fie vier lange Jahre unbequeme Mahner gewesen waren? Nein, Arbeiter, Angestellte und Beamte werden so lange nicht zu den politischen Gewinnern zählen, als sie nicht selber erkannt haben, daß zwar die Entfcheidung am Wahltag fällt, die vorher und nachher zu lei ftende Arbeit aber das Entscheidende in der Frage: politischer Gewinn oder Verlust? darstellt. Darum: nicht der 4. Mai hat schon endgültig entschieden über das Schicksal der Millionen Menschen schaffender Arbeit, diese Entscheidung steht noch aus. Sie ist abhängig von der Erkenntnis der Wählermassen und davon, ob ihre Willenskraft ausreicht, gewonnene Erkenntnis in politische Tat umzusetzen. Der ehemalige Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, Prof. Hirsch, hat in einer aus Vorträgen entstandenen sehr bemerkenswerten Abhandlung über„ Die deutsche Währungsfrage" u. a. den Satz geprägt:" Der geistige Arbei ter ist der Baria der Inflationswirtschaft." Wir meinen, nicht nur der geistige Arbeiter, sondern der Arbeitnehmer schlechthin. Seine restlose rechtliche und wirtschaftliche Enteignung steht vor dem Abschluß. Wenn das Manöver der Bergherren des Ruhrreviers gelingt, bedarf es nur noch gelegentlicher Schlußsteinsehung, um den vollendeten Sieg der Um ein Beispiel herauszugreifen: nicht die Entscheidung Herrentaste zu verfünden. Wie läßt sich dieser„ Sieg" ver- über die Reparationsfrage an fich ist für die fünftige Politik hindern? Nur durch Menscheneroberung auf Wegen der Ver- Deutschlands ausschlaggebend, sondern das Gelingen des Bernunft und Mobilisierung von Menschenfräften im Sinne der fuchs, die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes von Vernunft. ber Notwendigkeit der Erfüllungspolitik durch grundsäß Wenn die Wählermaffen nicht so vergeßlich wären, würliche Anerkennung des Sachverständigen gutden sie sich am Wahltage der Etappen erinnert haben, über achtens zu überzeugen. Dieser Erfolg lain, ebenso wie die sie zum Teil bewußt ins Elend geführt worden sind. Der jeder andere politische Erfolg, nur errungen werden durch An politische Wirrwarr der letzten Jahre aber hat ihren Blid spannung aller verfügbaren Kräfte in Bartei und Gewerkverdunkelt und ihren an sich gefunden Instinkt mit Krankheits- fchaft für einen großzügig durchgeführten Propaganda. stoffen belastet. Woher foll ihnen die Fähigkeit fommen, die und Aufflärungsfeldzug. Erst durch Berwirklichung Gegenwart zu benutzen, um das Werdende erstehen zu laffen? dieses Plans gewinnt der von der BSPD. gestellte Antrag Ihre politischen Zukunftsbilder finden teinen Halt in der stei auf Herbeiführung eines Bolfsentscheids die politische Benigen Wirklichkeit, in die wir gestellt sind. Das ist einer der deutung, die ihm zugesprochen werden muß. Hauptgründe, weswegen Lints- und Rechtsradikalismus über die gesunde Mittellinie fiegen fonnten. Es ist immer leichter gewesen, aus Gärungen heraus Erplosionen erstehen zu lassen, als auf Grund sicher fundierter Gedankengänge Evolutionen einzuleiten. Wenn alle diejenigen, die am Wahltage in vor Wenn Politik als die Kunst des Möglichen bezeichnet wird, dann fann mit dieser Formel nur das Produkt der politischen Kräftemessung umschrieben sein. Es bleibt daher den erfüllungsgegnerischen Parteien überlassen, ebenfalls propagandistisch für ihre Stellungnahme zu wirken. Der VolfsentSPECIAL MARKEN 38 BLAUKOPF 3 STRA KARNAKIS 4 DAS FÜR Freitag, 16. Mai 1924 scheid wird dann die Entscheidung bringen, ohne die die so notwendige Bereinigung der politischen Atmosphäre undentbar ist. Was in der Frage der Reparationspolitik geschieht, ist anwendbar auch auf die Frage der Einstellung in der Ge famtpolifit. Wir müssen heraus aus dem Dilemma, das entsteht, wenn derselbe Mensch in der Gewerkschaftspolitik For derungen erhebt, für deren Nichterfüllung er selber die politische Plattform schafft. Die Annahme, daß durch die Beseiti gung heute vielfach bestehender Disharmonien zwischen Ge= werkschaftsauffaffung und parteipolitischer Betätigung die Unterjochung der Gewerkschaft seitens einer bestimmten politischen Partei erfolgen müsse, beruht auf politischem Kinderglauben. Schon der grundsätzlich anders geartete Aufgabenfreis der Gewerkschaft stellt sie außerhalb des parteipolitischen Radius. Daran fann auch vorkommende Personalunion nicht rütteln, um so weniger, desto fachlicher fie begründet werden tann. Die Meinungen über die Frage vorzeitiger Parlamentsauflösung sind geteilt. Wunsch und Hoffnung halten sich die Mage solange, bis der Konfliktsstoff entscheidet dadurch, daß er einen nur durch Auflösung zu beseitigenden Krisenzustand schafft. Dann fann der Wahlkampf nur mehr in offener Feldschlacht geführt werden, und zwar unter der einen Barole: Annahme oder Ablehnung des Sachverstän digengutachtens. Die Parteien werden siegen, die es verstehen, unter Einstellung aller ihnen erreichbaren Truppenmassen in das Kampffeld aus Soldaten blinden Gehorsams Menschen mit eigenem Berantwortlichkeitsgefühl zu machen. Reine leichte Aufgabe, aber sie ist lösbar, wenn sie unverzüglich in Angriff genommen wird. Eine Regierung, die ihre Mission in wohlverstandenem Intereffe der Boltsgemeinschaft zu erfüllen gewillt ist, wird wissen, daß sie bei der Lösung der vorstehend gekennzeichneten Aufgabe weder ausgeschaltet werden, noch als„ Parteiregierung" zu der Schicksalsfrage des deutschen Volkes Stellung nehmen darf. Ihr obliegt allein die Herstellung der Dis tuffionsgrundlage durch gemeinverständliche Erläuterung des Textes des Sachverständigengutachtens, ohne in ihren Beröffentlichungen selber Stellung zu nehmen. Mit Hilfe dieses Materials nehmen Parteien und Gewerkschaften die Kleinarbeit auf. Nur die Durchführung eines fyftematisch aufgebauten Planes der Propaganda in Wort und Schrift gewähr. Die freien Gewerkschaften haben bereits die ersten Schritte zur leistet die menschenmögliche Durchbildung der Wählermassen. Erreichung dieses Zieles eingeleitet, die Parteien können nicht Erreichung dieses Zieles eingeleitet, die Parteien können nicht anders handeln, wenn sie die Bereinigung der politischen Atmosphäre fördern und damit der deutschen Politit zur Ge fundung verhelfen wollen. scheidung dienen, schwerlich aber gibt es einen anderen Beg sie herbeizuführen, als den des politischen Anschauungsunterrichts, über den eben in Frankreich der Sieg der Linken er. rungen werden fonnte. Die VSPD. ist in zweifacher Beziehung in besonders aussichtsreicher Position. Einmal fann sie den Beweis führen, daß sie niemals von dem feit jeher als richtig erkannten Kurs der Erfüllungspolitit abgewichen ist. und zum anderen verleiht die politische Entwicklung in Eng lard, Dänemark, Frankreich ihrer eigenen Politik fo starte Antriebskräfte, daß die Wiedereroberung Maffen als natürliche Auswirkung dieser Kräftezufuhr er wartet werden darf. Es mag andere Methoden geben, die der politischen EntGeschäftliche Mitteilungen. der Ausstellung Sport tat not. Bon einem Ausschuß, der fich aus Teibenden Bersönlichkeiten" Berliner sportlicher Rörperschaften zusammenfeßt, wird eine Ausstellung vorbereitet, die unter dem Motto Sport tut not vom 17, bis 31. Mai in den Räumen des Saufes 6. A b'a m, Leipziger, Ede Friedrichstraße, stattfindet. Die Ausstellung wird alle Gebiete der Leibes. übungen und des Flugfports umfassen. Sie wird auch sportwiffen. schaftliche Belehrung bringen und mit einer Uebersicht der gesamten Spotte Titeratur ältefter und neuerer geit abschließen. 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