Nr. 23041.Jahrgang Ausgabe A nr. 118 Bezugspreis: wöchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der ,, Bormärts" mit der Sonntags beilage,.Bolt und Reit" mit..Sied. Tung und Kleingarten", fomie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erfcheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: " Die einfpaltige Nonpareilles geile 0,70 Goldmart, Reflantezeile L- Goldmark. Aleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 0,20 Golde mart( zuläffig amei feitgedrudie Borte), febes weitere Bort 0,10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Bort 0,10 Goldmart, jebes meitere Bort 8,05 Goldman. Borte fiber 15 Buchstaben zählen file amei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen Filr bie nächste Summer muffen bis 4½ Uhe nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GB 68, Sinden. frage 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nadm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 17. Mai 1924 Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Poftfcheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Deboütenfafie Lindenstraße 3 Der Schiedsspruch im Ruhrkampf. Grundsäglich Siebenstundenschicht.- Sonderbestimmung über Mehrarbeit. Amtlich wird mitgeteilt: Nach dreitägigen Verhandlungen ist über die Arbeitsstreifigkeiten im Ruhrbergbau am 16. Mai abends ein Schiedsspruch gefällt worden, dessen wesentlicher Inhalt folgender ist: 1. Der Tarifvertrag für das rheinisch- westfälische Stein. tohlenrevier vom 1. August 1922( Rahmentaris) ist in feinen wesentlichen Bestandteilen bis zum 30. Juni 1925 verLängert worden. Besonders zu vermerken find hier lediglich, daß die von den Bergleuten zu beziehende Deputattohle unverändert geblieben und der Preis auf 40 Goldpfennig pro Zentner feftgefeht worden ist. Er ist mit zweimonafiger Kündigungsfrist tündbar und läuft, falls Kündigung nicht erfolgt, 3 Monate weiter. 2. Die Arbeitszeit ist in der Weise geregelt, daß die Be#immungen des Rahmentarifs aufrechterhalten worden sind, dabei aber eine besondere Regelung der Mehrarbeit stattgefunden hat. Die Mehrarbeit beträgt für die Arbeiter unter Tage und für die Arbeier über Tage, ble uni mittelbar mit der Förderung zu tun haben, eine Stunde Für die Arbeiter in durchgehenden Tagesbetrieben beträgt die Mehrarbeit bis 2 Stunden. Hiervon find allerdings diejenigen Arbeiter ausge nommen, die in besonders schwierigen Verhältniffen arbeiten. Die Mehrarbeit wird entsprechend der geleisteten Stundenzahl vergütet, aber ohne besonderen Aufschlag. Diese Regelung entspricht im allgemeinen dem Zustande, wie er seit Monaten früherer Vereinbarung entsprechend bestanden hat. Die Regelung der Mehrarbeit gilt bis zum 31. März 1925 und tann zu diesem Zeitpunkt erftmalig mit zweimonatiger Frift gekündigt werden. 3. Die Unparteiischen haben ferner zur Beendigung der Arbeitsftreitigkeiten vorgeschlagen, daß fämtliche Arbeitnehmer fobald und soweit es die Betriebsmöglichkeiten gestatten, wieder eingestellt und lediglich solche Arbeitnehmer ausgeschlossen werden dürfen, die sich schwerer Berfehlungen schuldig gemacht haben. Im übrigen dürfen Maßregelungen nicht stattfinden, die ausgefallenen Maischichten sollen im Hinblick auf die tariflichen Bestimmungen nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältniffes gelfen. Die Löhne find bekanntlich durch Schiedsspruch, der von den Arbeitnehmern angenommen wurde, fürzlich um 15 Pro 3. er höht worden. sich in den nächsten Tagen zeigen. dem bisherigen Zustande geschaffen zu haben. Jedenfalls| Vertragsparteien mit diesem Ergebnis zufrieden geben, wird sprechen die allgemeinen Andeutungen des amtlichen Berichts von einer Sonderregelung der Arbeitszeit bei solchen Arbeitergruppen, die in besonders schwierigen Berhältnissen arbeiten. Immerhin find derartige fleine Abänderungen des bis herigen Rechtszustandes, wie er sich insbesondere nach dem Schiedsspruch des Staatskommiffars für Rheinland und West falen ergeben hätte, nicht entscheidend für das Schicksal dieses Vermittlungsweges. Die Unternehmer strebten bekanntlich an, die Achtstundenschicht für Untertagearbeiter und die Zehn bzw. Zwölfftundenfchicht für Arbeiter über Tage im Manteltarif festzulegen. Daß ihre Ansprüche rechtlich gescheitert sind, ist fraglos dem zähen und ausdauernden Kampf der organi fierten Bergarbeiterschaft zu verdanken. Ob sich die beiden Die Ruhrbergarbeiter werden bereits heute, Sonnabend, in einer Revierkonferenz zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen. Die Frage ist jedoch, ob die Bergarbeiter fich mit den von ihnen geforderten Leistungen und Verpflichtungen werden abfinden können, nachdem man fie gezwungen hat, 14 Tage lang mit Troß und Hunger die Machtbestrebungen der Arbeitgeber abzuwehren. Die Bergarbeiter haben wiederholt für die allgemeine Wirtschaftslage das größte Verständnis gezeigt und durch Mehrarbeitsleistung ihr Rechnung getragen. Auch jetzt werden sie die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches unter voller Würdigung der Schwierigkeiten im Ruhrfohlenbergbau zu treffen haben. Die. bewunderungswürdige Disziplin, mit der die Ruhrbergarbeiter Kein zweites Halle! Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt eine Erklärung| Gelegenheit zu Ausschreitungen. Darüber hinaus aber verder preußischen Regierung befannt, die eine Warnung an die nationalistischen Kreise darstellt: . In der deutschnationalen Freitagmorgenpresse wird in Fortfegung früherer Bolemifen ein heftiger Rampf gegen die preußische Regierung geführt, die nicht nur Schlageter Feiern unter freiem Himmel und eine Reihe von Demonstrationen im Freien in Provingstädten verboten, sondern auch eine völlig unpolitische Feier der Deutschen Kolonialgesellschaft in Stolp in Pommern nicht genehmigt habe. Es sei insbesondere wegen des Stolper Borfalles eine Beschwerde an das preußische Staatsministerium über das Berhalten des Innenministers Severing gesandt worden. In einem dieser Artikel wird Mitgliedern der preußischen Regierung unterstellt, daß es ihnen ihrer ganzen Einstellung nach unmöglich sei, die Welt anders als durch die parteipolitische Brille zu betrachten. Es wird weiter die Behauptung aufgestellt, daß der preußische Minifter des Innern die Kolonialdeutschen und die ihnen Nachdem der Vorfihende Bizepräsident Dr. Hausmann die nahestehenden Kreise.„ entweder für staatsgefährlich oder für Bürger Verhandlungen geschloffen hatte, lud der Reichsarbeitsmini. zweiter Klaffe betrachte". Wie gewollt falsch diese Auffassung für fter die Mitglieder des Schiedsgerichts und der Parteien nochmals jeden Renner der Dinge ist und wie wenig sich die Regierungszu sich und dankle für die in den dreitägigen Verhandlungen ge- maßnahme gegen den kolonialen Gedanken oder gar gegen die Leiftete aufopferungsvolle Arbeit. Er wies auf die ungewöhn- Kolonialdeutschen richtet, geht schon daraus hervor, daß der Angriff liche Bedeutung der vorliegenden Arbeitsstreitigkeit hin und fich lediglich barauf grünbet, daß in Stolp für das im Rahmen auf die furchtbare Verantwortung, die die Parteien nuneiner öffentlichen Feier geplante Pflanzen einer Gedenteiche das mehr bei ihrer Entscheidung über den Schiedsspruch zu tragen hätten generelle Reichsverbot für Rundgebungen unter freiem und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Arbeisfriede im Ruhrgebiet himmel in Kraft blieb. Die Saalfeiern finden selbstverständlich möglichst bald hergestellt werde, statt. Wenn hier eine Ausnahme von der Regel nicht gemacht merden fomnte, so deshalb, weil sich zu oft gezeigt hat, daß bei Massenbeteiligung auch die Veranstalter bestgemeinter Rundgebun. gen unter den gegenwärtigen Umständen ihre Autorität nicht burch fegen fönnen. Es ist notwendig, anfäßlich dieser Gelegenheit ein mal grundfäßlich folgendes zu sagen: * Der Schiedsspruch, dessen wesentlicher Inhalt an Hand der amtlichen Mitteilung hier wiedergegeben ist, bringt in einem Bunfte fraglos einen Erfolg der Bergarbeiter: Grundsäglich wird das Recht, der Bergarbeiter unter Tage auf die Siebenstundenschicht anerkannt. Außerdem wird der Preis der Deputattohle auf 40 Goldpfennige herab gesetzt und auch in der Urlaubsfrage ist eine kleine Berbeffe rung gegenüber dem letzten Schiedsspruch erreicht worden. Bringt der Schiedsspruch in der grundsäglichen Frage der Arbeitszeit ein Entgegenkommen an die Bergarbeiter, so ist andererseits das Mehrarbeitsabkommen bis zum 31. März 1925 unfündbar festgelegt. Die Bergarbeiter haben sich nicht geweigert, eine derartige Mehrarbeit zu leisten, so lange die infolge der MicumVerträge besonders schwierige Lage des Ruhrkohlenbergbaus besteht. Glaubt man, daß die heutigen Verhältnisse bis ins nächste Jahr hinein andauern werden?... Der Schiedsspruch hält sich in diesem Punkte jedenfalls nur an die grundsägliche Bereitschaft der Bergarbeiter zur Mehrarbeit. Er verlangt nicht danach, wie diese Mehrarbeit auch dann noch gerechtfertigt werden soll, wenn die Entlastung des Ruhrkohlenbergbaus von den Lieferungsverpflichtungen für die Entente schon vorher erfolgen würde. Er stellt damit die Vertreter der Bergarbeiter vor die schwere Frage, ob es möglich ist, einer Verlängerung der Arbeitszeit für so lange Frist zuzustimmen, auch dann, wenn während der Dauer des Arbeitsvertrages die Gründe für die Mehrarbeit hinfällig werden follten. Und die Entscheidung wird dadurch nicht leichter, daß auch die Arbeit in den Kofereibetrieben durch das Mehr arbeitsabfommen in einer Weise verlängert wird, die große soziale und polfswirtschaftliche Bedenten auslösen muß, meil diese Arbeit besonders schwer und recht oft gesundheits fchädigend ist. Allerdings fcheint man für einige bei den Rofe teien beschäftigte Arbeiterkategorien Erleichterungen gegenüber | segen sie große Maffen von ruhigen, besonnenen und ehrlich um das Wohl des Staates beforgten Staatsbürgern in fiefe Erbitterung und Abwehrstimmung. Die preußische Staatsregierung hat die Aufgabe, die Ruhe und Ordnung im Lande zu wahren. Ihren Mitgliedern nach dem über. aus weitgehenden Entgegenkommen gegenüber den Beranstaltern ber Halleschen Demonftrationen, nach der nicht genehmi gung der öffentlichen Maifeier noch parteipolitische Einstellung vorzuwerfen, ist schon nicht mehr eine objektive unwahr. heit, sondern eine demagogische Entstellung der Tatfachen. Die preußische Staatsregierung, die nicht gewill it, ben radikalen Gruppen die Möglichkeit zu geben, die Dinge wieder foweit zu treiben wie im Jahre 1922, wird deshalb unbeirrbar an den vom Reich ausgegebenen Richtlinien des allgemeinen Verbotes öffentlicher Rundgebungen im Freien festhalten. Die verfassungsmäßig garantierte Möglichkeit, in gejchloffenen Saien den pofiti. fchen Gedankenaustausch zu pflegen und würdige Feiern abzuhalten, kann und muß in dieser entscheidungsschweren Zeit jeder politischen, von Berantwortungsgefühl beseelten Partei genügen. Diefe Argumentation follte im übrigen gerade der deutsch natio nalen Breffe verständlich sein, die in den letzten Jahren bei der offiziellen Berfaffungsfeier immer wieder betont hat, daß in unserer Zeit fein Raum für Feiern set. Es ist erfreulich, daß die Preußische Staatsregierung noch dem Standal von halle fich dazu entschlossen hat, in eindeutiger und energischer Weise den Drahtziehern und Vorbereitern eines neuen Staatsstreiches zu sagen, daß fie sehr genau verstanden hat, was die Rechts freise mit ihren dauernden nationalen Feiern zu arrangieren beabsichtigen. Zweifellos wird der Preußische Landtag in Für jeden objektiven Beobachter ist es seit einigen Wochen den nächsten Tagen zu den Borgängen der letzten Wochen völlig flar, daß rechtsstehende Gruppen nach einem einheitlichen und zu dieser jetzt endlich festgelegten Haltung der BreußiBlan daran arbeiten, im Lande eine politisch erbitte und fchen Staatsregierung Stellung nehmen. Was die Deutschradikale Stimmung zu erzeugen, die sich schließlich zu Zu- nationalen wollen, liegt auf der Hand. Es braucht nicht im ständen verdichten muß und sich zum Teil schon verdichtet hat einzelnen nachgewiesen werden. Sie wollen in irgendeiner die den wirklichen Interessen des Landes auf das Schärffte zuwider Form an die Macht und hoffen, wenn fie erst einmal an find. Die ganze Situation hat eine auffallende Aehnlichkeit mit die Macht gelangt find, fie schnell und rücksichtslos so ausder des Sommers 1922. Auch damals wurden in allen Gegen- nußen zu können, daß eine legale Rückgabe ihrer Machtben des Landes unter allen erdenklichen und immer neuen Bezeich- pcfition an eine andere Regierung nicht mehr in Frage kommt. nungen Feiern abgehalten, Regimentstage, Deutsche Tage", Die demokratischen Allüren, mit denen sie sich heute befleiFahnenweihen, Denkmalsenthüllungen u. a. m. vorgenommen, die den, sind ihnen nur Sprungbrett, um die Demokratie zu Reise des Generals von Hindenburg nach Ostpreußen arrangiert und erledigen. Es liegt auf der Hand, was das für Preußen be fo ganz zielbewußt und planvoll die vorhandenen Gegensätze in der deuten würde. Bisher ist es gelungen, die Bajuvarisierung Bevölkerung vertieft und die Erregung geschürt. Am Ende dieser Preußens zu verhindern. Die amtliche Erklärung der Breuzi gewitterschwülen Sommertage stand dann der Rathena uschen Regierung scheint darauf hinzudeuten, daß das ord mit seinen innen- und außenpolitischen Folgen. Heute nun Breußische Staatsministerium nach wie vor auf dem Standsollte schon die elementarste Bernunft und die einfachste punkt steht, daß die Hitlerei in Preußen nicht großgezogen Rücksichtnahme auf die wirklichen Intereffen des Boltes und des werden darf, wenn nicht Breußen in ähnliche Zustände ge Landes den politischen Gruppen aller Schattierungen sagen, daß fie taten soll wie Bayern. Ausschlaggebend wird allerdings sein, gut daran täten, die starke Erregung der eben vorübergerauschten wie sich im Preußischen Landtag die einzelnen Regie Reichstagswahlen abklingen zu lassen und sie nicht durch syste- rungsparteien zu dieſer wichtigen Frage stellen, beren matische Aufhebung der Bevölkerung zu einem Bedeutung angesichts der Verhandlungen für die Neubildung Dauer zustand zu gestalten. Statt deffen gehen, wie gesagt, der Reichsregierung ja gar nicht zu unterschäßen ist. In Wirf gemiffe rechtsstehende Gruppen wieder daran, durch planmäßig im lichkeit liegt in der Stellung zu diesen Fragen einer der ganzen Lande vorbereitete meist sehr harmlos benannte aber durch Schlüffelpunkte der weiteren inneren Entwicklung. Aus dem aus nicht so harmlos gemeinte Veranstaltungen aller Art und ins Grunde wird es notwendig fein, abzuwarten, ob die erfreue befondere durch öffentliche Umzüge mit start militaristischem Ge- liche Entschiedenheit dieser Erklärung ebenso deutlic präge die Leidenschaften aufzupeitschen. Sie geben damit ganz und ohne irgendwelche Verklausulierungex naturgemäß den linksradikalen Elementen, die auch ihrerseits das im Landtag von allen Regierungspartelen Bolt nicht zur Ruhe tommes lajfen wollen, bie geminfotel geteilt merben mirb. den Kampf bis zum heutigen Tage geführt haben, ist die hefte Gewähr dafür, daß sie sich keinesfalls zu unbesonnenheiten werden hinreißen lassen. Auf der anderen Seite steht aber die Tatsache, daß den Bergarbeitern jezt mehr als je die Trag weite des Abwehrkampfes bewußt geworden ist, und daß sie den Kampf nicht aufgeben können, wenn nicht die grundfäßliche Anerkennung der Siebenstundenschicht in absehbarer Zeit zur tatsächlichen Anerkennung zu werden verspricht. Be stimmt hätte sich über ein derartiges Abkommen mindestens reden lassen, wenn die Unternehmer nicht alles getan hätten, um die berechtigten Ansprüche der Bergarbeiter zurückzumeisen und wenn sie nicht auf diese Weise die Radikalisierung weiter Bergarbeiterkreise geradezu fünstlich gezüchtet hätten. So, wie die Dinge heute liegen, verlangt der Schiedsspruch von der Arbeiterschaft mehr Einsicht in die Bedürfnisse der Gesamtwirtschaft, als sie die Unternehmer selbst an den Tag gelegt haben, als sie die Tore der Zechen vor den arbeitswilligen Bergarbeitern schlossen und damit die gesamte Wirf schaft des Ruhrgebiets in die Gefahr des Erliegens brachten. Das muß festgestellt werden, wie auch die Entscheidung der Bergarbeiter ausfallen mag. aut Gebiet übergegriffen. Der Hinweis der Germania" deutschnationale Staatsstreichpläne hat seine Bes gründung in den Vorgängen, über die die„ Boffische Zeitung" folgendes berichtet: derung der Deutsch nationalen nach dem Rüdiriff der Regierung wurde erörtert. Es ist anzunehmen, daß die Reichsregierung den Reichspräsidenten in den nächsten Tagen ersucht, über die Neubildung der Regierung Borverhandlungen auf zunehmen. Borläufig dürfte die Regierung nicht zurüdtreten. Biel- ,, Dieser Hinweis auf die Möglichkeit eines deutschnatio mehr wird damit gerechnet, daß der im Eventualfall erfolgende Rüd- nalen Staatsstreichs ist durchaus ernst zu nehmen, trift nur formeller Natur ist und der bisherige Reichskanzler Es sei nur an die Verhandlungen erinnert, die nach dem Rücktritt Dr. Marg erneut mit der Kabinettsbildung beauf des Kabinetts Stresemann der Zentrumsabgeordnete Steger fragt wird, nachdem die Deutschnationalen eine flare Stellung- wald, noch ohne formalen Auftrag, über eine Kabinettsbildung nahme zur Erfüllungspolitik trotz aller Aufforderungen haben ver- führte. Stegerwald wollte damals den Bürgerblod, und er hat mit den Deutschnationalen sehr eingehend verhandelt. Die Deutsch miffen lassen. nationalen find bereit gewesen, in ein Rabinett Stegerwald einzu treten, haben aber die bekannte Bedingung gestellt, daß fich die Zu fammenfegung der Roalition in Preußen den Veränderungen int Reiche anpasse. In parlamentarischen Kreisen ist seinerzeit behauptet worden, daß Stegerwald grundfäßlich einverstanden gewesen sei, aber auf die Schwierigkeiten hingewiesen habe, die Parteien bes preußischen Landtages zu einer Aenderung der Roalition zu veran laffen. Mittelparteien und Deutschnationale. Der Ansturm der Deutschnationalen gegen die Regierung Marr hat ein jähes Ende gefunden. Die Regierung ist zum Gegenangriff übergegangen, und die Deutschnationalen sehen fich auf der ganzen Linie in die Verteidigung ge brängt. Ihre Preffe fezt der Erklärung der Reichsregierung einen Rattenkönig von formellen Erörterungen entgegen. Sie diskutiert talmudistisch, ob diese Erklärung jeder Auslegung Stich halte aber sie weiß auf die sachliche Die amtliche Mitteilung über das Berhandlungsergebnis Argumentierung nichts zu sagen, und sie schweigt sich über die jagt nichts darüber, ob die Einigungsformel bei den Unter- Frage nach dem außenpolitischen Programm der nehmern Anflang gefunden hat. Nach der Haltung, die die Deutschnationalen in allen Tonarten aus. Eine parteiamtliche Bergherren vor Beginn der Verhandlungen eingenommen Erflärung der Deutschnationalen verweist auf das Sergt. haben, besteht wenig Aussicht, daß sie der Kompromißformel Interview und die deutsch nationale Breffe. Ist zustimmen werden. Aber auch das wird die Bergarbeiter die Verwirrung in den eigenen Reihen und die gewollte Un ebenso wenig bei ihrer Entscheidung beirren dürfen, wie die flarheit ein außenpolitisches Programm? fommunistischen Generalstreifparolen, deren 3wed und Ziel, Auf diese parteiamtliche Erklärung der Deutschnationalen soweit sie nicht in der Zerstörung der Gemerferläßt die Reichsregierung eine neue Gegenerflärung, schaften bestehen, rein politischer Natur sind. Nimmt in der sie mit beißender Höflichkeit darauf verweist, daß gerade die Bergarbeiterschaft des Ruhrgebietes die Einigungsformel die deutschnationalen Preffeerörterungen über das Hergt an, so bringt sie dem Interesse der Gesamtwirtschaft ein im Interviem durchaus widerspruchsvoll seien. geheures Opfer. Aber auch wenn fie es ablehnt, in dem Bewußtsein, daß der Kampf nun einmal zu Ende ausgetragen werden muß, wird sie bei der Arbeiterschaft des Reiches volles Verständnis finden. Die Bergarbeiter find durch die unfoziale Haltung der Unternehmer und durch die starke Belastung der Produktion mit den Micum- Verträgen so tief in der Lebenshaltung gedrückt worden, daß die wachsende Etbitterung gegen derartige Machenschaften verständlich und berechtigt ist. Gizung der Bergarbeiterinternationale. Bochum, 16. Mai. Das Egefufiofomitee der Bergarbeiter Internationale wird am 21. Mal zu einer außerordentlichen Sigung in Brüssel zusammentreten, bei der die durch die Bewegung der englischen und deutschen Bergarbeiter geschaffene Cage erörtert werden soll. Einspruch gegen die Unterstützungsaktion. Dortmund, 16. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend Dortmund, 16. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend findet in Schwerte eine Konferenz der Bürgermeister und Wohl fahrtsdezernenten des Ruhrgebiets unter dem Vorsitz des Regierungs. präsidenten statt, die sich mit der Frage befaffen soll, wie weit die Städte den ausgesperrten Bergarbeitern Unterstügung gemähren dürfen. Ueber die Ursache dieser Konferenz verlautet, daß verschiedene Kommunalbezirke mit Verwaltungen bürgerlicher Mehr heit, darunter der Landret von Dortmund, Einspruch erhoben haben gegen die Unterstüßungsattion, die von verschie denen Städten zugunsten der Ausgesperrten unternommen wurde. Die Besprechung der Koalitionsparteien. Formeller Rücktritt der Kalitionsregierung? Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst teilt mit: Am Freitagvormittag besprachen die Führer der jehigen oalitionsparteien in Gegenwart des Reichskanzlers und des Reichsarbeitsministers die augenblickliche parlamentarische Lage. Die Besprechungen führten zu dem Ergebnis, daß der geplante na tionale Block der Mitte" infolge der Haltung der Boltspartei nicht gebildet werden kann. Auch die ultimative For. Nach zehn Jahren Von Bittor Schiff. Paris, im Mai 1924. Zehn Jahre sind es her, seitdem ich diese Stadt verließ, in der ich aufgewachsen,- genau gerechnet 121 Monate. Und schon in der ersten Stunde. als ich sie wiedersah, kam es mir zuweilen so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Man glaubt, vieles inzwischen der geffen zu haben, aber die Erinnerungen stellen fich bligartig und automatisch wieder ein, man erkennt nicht nur jede Straße, sondern auch jedes Haus, jedes Geschäft wieder und, soweit man sie einst ge fannt und ihnen begegnet, trotz der zwei Luftren, die feither verstrichen, auch jeden Menschen. Nur weniges hat sich verändert. Am meisten fällt das fast voll ständige Verschwinden der Pferde auf. Die Pferdedroschken sind durch die Kraftwagen fast restlos verdrängt, ebenso die Fuhrwerte durch die Lastautos. Die Straßen find entsprechend sauberer geworden, der Verkehr entsprechend schneller, aber auch lebensgefährlicher, zu mal das Fahren viel fühner und rücksichtsloser betrieben wird als 8. B. in London. Wäre nicht die Straßenpolizei so vorzüglich gehandhabt, so würde die Pariser Straße einen wahren Heren teffel bilden, selbst für den, der von London her an allerhand gewöhnt ist. Bon Berlin ganz zu schweigen: in dieser Hinsicht sind wir bestenfalls eine Kleinstadt. Und sonst? Nun, mancher alte Häuserblock wurde niedergeriffen und durch stattliche moderne Gebäude ersetzt. Es wird überhaupt nach wie vor viel gebaut, und nicht nur, wie meist in Deutschland, aufgestodt. Man macht hier ganze Arbeit und leidet anscheinend nicht unter Kapitalmangel. Es muß Frankreich recht gut gehen, zumal wenn das alte französische Sprichwert weiter gilt: Geht das Baugewerbe gut, so geht alles gut." Es find, besonders auf dem linken Seineufer, das einst den Ruf einer verhältnismäßig rüd fchrittlichen, altmodischen Gegend genoß, ganze Straßen, ganze Biertel neu entstanden, eine Entwicklung, die allerdings bereits längere Zeit vor dem Kriege ihren Anlauf genommen hatte, inzwischen jedoch ungeheuer vorwärtsgeschritten ist. Banffilialen, zum Teil auch Kinos, haben im Laufe der Jahre manches alte Kaffeehaus, manchen bekannten Laden verschlungen. Ganz wie bei uns. Das Untergrundbahnneh ist erheblich erweitert, der Autobusverkehr wesentlich entwickelt, die Oberleitung der Straßenbahnen zumeist unterirdisch verlegt. * Und die Menschen? Zumindest im Aeußeren sind sie wenig ver wandelt. Die meisten gut, ja elegant gekleidet, auch die Arbeiter. Die Kleidungsnot, die eines der Hauptmerkmale unferes herunterge. tommenen Boltes ist, ist fast nur bei älteren Mittelstandsangehörigen zu beobachten, auch dann aber nicht entfernt in demselben Maße wie bei unferen Opfern der Inflation. Die Presse der bürgerlichen Mittelparteien ist ihrerseits zum Gegenstoß übergegangen. Sie fordert Klarheit von den Deutschnationalen. Die Germania" schreibt: Es herrscht also keinerlei Klarheit darüber, wie sich die Deutsch nationalen in diesem Buntte verhalten wollen. Und doch ist diese Klarheit die notwendige Voraussetzung für die Lösung der Frage, ob die Parteien der Mitte mit den Deutschnatio nalen zufammengehen fönnen oder nicht. Grundfäß lich ist hier immer der Standpunkt vertreten worden, daß aus dem Machtzumachs der Deutschnationalen die Konsequenzen zu ziehen seien. Aber es ist ausgeschlossen, daß fich die Mittelparteien an einer Regierungsfonftellation beteiligen, die die Fortführung der bisherigen Außenpolitit nicht garantiert.... Bekennen sich die Deutschnatio nalen zu den Grundlinien der bisherigen Bolitit, so liegt fein Grund vor, ihre Mitarbeit abzulehnen. Aber angefichts des Berhakens der deutschnationalen Bresse verstärkt sich immer Führung der Reichsgeschäfte zu überlassen. Dazu haben mehr die Auffassung, daß es ganz unmöglich ist, ihnen die sie auch nach der Kräfteverteilung im Reichstag tatsächlich feinen Anspruch, denn für ihre bisher vertretene Politik befizen fie im Bariament feine Mehrheit. Wir haben alles Intereffe daran, die Deutsch nationalen zu zwingen, Farbe zu bekennen und ihnen keinen Borwand zu einer billigen Agitationspolitik zu geben. Aber es besteht noch weniger Grund, den Deutschnationalen das Deutsche Reich auszuliefern und ihnen die Plattform zu einer Boliit zu schaffen, die mit einem offenen oder versteckten Staats Streich endet, Die Auseinandersehungen haben eine außerordentliche Schärfe angenommen. Die Frage ist, ob die Mittelparteien die nötige Entschlossenheit und die nötige innere Einmütigkeit aufbringen werden, um diesen Kampf entfchloffen zu Ende zu führen. Sie wollen die Deutschnationalen zur Klarheit zwin gen die Deutschnationalen wollen die Regierung Marr zu Fall bringen, um die Führung der Reichsregierung zu gewinnen. Augenblicklich sind die Deutschnationalen in die Ver teidigung gedrängt sie fezen jedoch ihre Hoffnungen auf die nach rechts drängenden Politiker in den Mittelparteien. Die Auseinandersetzungen haben auf das innerpolitische -> Die Frauen schminken fich noch etwas mehr als früher, was eine um fo merkwürdigere Geschmadsverwirrung ist, als ja die Bariferin im allgemeinen recht hübsch und frisch aussieht und auch sonst eines ästhetischen Inftinftes nicht entbehrt. Und trotzdem dieser unheimliche, unerklärliche Drang, die Natur zu übertrumpfen, die graziöfefte Lippe knallrot zu beschmieren, die weißeste Haut bis zur Bleichheit zu pudern! Man weiß in den meisten Fällen nicht, wen man vor sich hat: artige Haustochter oder Straßenmädchen, ehr würdige Familienmutter oder Rofotte. Auch fällt die ungeheure Zahl der Orden auf: heute trägt jeder dritte Mann auf der Straße etwas im Knopfloch, die meisten das grüne Bändchen des Kriegsfreuzes, aber auch erstaunlich viele Menschen die Ehrenlegion. Einst sah man unwillkürlich beim Anblid des roten Bändchens auf. Heate ist durch die Flut der Berleihungen die Ehrenlegion, wenigstens in ihrer untersten Stufe, offenbar er heblich entwertet. Und schließlich, als besonderes Wahrzeichen des verfloffenen Krieges: auffallend viel Amputierte, entweder ganz ohne Brothefe oder mit der einfachsten, rückständigsten Form des Gliederfazes. Diese große Zahl der Amputierten, die man meder in England noch in Deutschland findet, müßte eigentlich darauf schließen lassen, daß die chirurgische Kunst in Frankreich etwas zurückgeblieben ist, oder gar, daß man mit ben Opfern des Schlachtfelbes nicht so forgfältig umging wie anderswo. Und der Mangel an Prothesen läßt vermuten, daß dieser Industriezweig in Frankreich ungenügend ent midelt ift. Warum sollte Deutschland einen Teil feiner Reparationsschulden nicht in der Form von Lieferungen fünftlicher Glieber abtragen, zumal es auf diesem Gebiete, wie man z. B. auf der Münchener Ausstellung von 1923 wahrnehmen fonnte, offenbar viel leistungsfähiger ift? Wäre es nicht eine vernünftigere und ver föhnendere Art, den wirklichen Opfern des Krieges zu helfen als alles, was bisher auf dem Gebiete ber Wiedergutmachung ge. fordert und geleistet wurde? Bis auf diese traurigen Wahrzeichen erinnert eigentlich nichts in der Hauptstadt an die grauenhafte Bergangenheit von 1914-1918.( In Nordfrankreich ist es freilich anders, obwohl auch dort vieles wieder aufgebaut ist und die rote Zone" nicht mehr den entsetzlichen Anblid bietet wie in den Tagen, als wir nach Versailles fuhren.) " Ich habe versucht, alles das aufzuzählen, was einem an äußer. Tichen Beränderungen gegenüber 1914 auffält. Aber die feelifchen Veränderungen des französischen Boltes feit 1914, vor allem Deutschland gegenüber, find ein viel weiteres Feld. Darüber zu sprechen, möchte ich jedoch nicht schon nach wenigen Tegen Pariser Aufenthaltes magen. Ich muß noch mit viel, viel mehr Leuten sprechen, mit allen und mit neuen Bekannten, mit politisch Tätigen und Geschulten sowie mit dem„ Mann auf der Straße" dann mag vielleicht ein zusammenfaffendes Urteil gestattet fein. Allerdings oberhalb des Striches... Ist es richtig, daß damals die deutschnationalen Führer Herrn Stegerwald darauf hingewiesen haben, man fönne im Falle eines Widerstandes der Roalitionsparteien eventuell mit Gemalt nach einer anderen Verfion sollten die Deutschnationalen fogar gemeint haben: mit militärischer Gewalt- die Bildung des Bürgerblods in Preußen erzwingen?" Je länger sich die Diskussion über das Regierungsproblem hinschleppt, um so gespannter wird die innerpolitische Situation. Darauf setzen die Deutschnationalen ihre Hoffnungen. Sie er warten, daß der rechte Flügel der Volkspartei in gespannter Situation die Mittelparteien noch mehr hemmen werde wie bisher. Sie fezen die Taktik der gewollten Unflarheit fort, werden die Mittelparteien aber die Konsequenzen aus dem Ergebnis ihres Gegenstoßes ziehen? Eine neue Erklärung der Reichsregierung. WIB. verbreitet folgende neue Erklärung der Reichsa regierung: Die Leitung der Deutschnationalen Boltspartei veröffentlicht eine neue Erwiderung auf die Darstellung über die Stellungnahma der Reichsregierung zu dem gestrigen Beschluß des Vorstandes der Deutschnationalen Volkspartei. Diese Erwiderung vermeidef ein Ein gehen auf die fachliche Zurückweisung des deutschnationalen Berlangens, verfucht indes, unsere Darstellung über die mit deutschnationalen Parteiführern stattgehabte Besprechung und unsere anderen Feststellungen als falsch und irreführend abzufun. Demgegenüber sei nochmals festgestellt, daß den Parteiführern Erzellenz Hergt, Graf We starp und Dr. Reichert vom Reichs. tangler und vom Reichsfinanzminister Luther ein gehend die Gründe dargelegt worden sind, welche die Reichsregierung zwingen, die Vorarbeiten für die zur Durchführung Aufschub durchzuführen. Die deutschnationalen Parteiführer haben der Sachverständigengutachten erforderlichen Gesehentwürfe ohne gegen die von dem großen Ernft der Lage beherrschten Ausführungen des Reichsfinanzministers feine fachlichen Einwendungen gemacht. Im übrigen sei zu der Erwiderung der Parteileitung festgestellt, daß es leider nicht richtig ist, daß über das deutsch nationale außenpolitische Programm durch das befannte Interview von Exzellenz Hergt und die weiteren Erörterungen klarheit geschaffen worden ist; vielmehr waren gerade die an diese Erklärung Hergts in der deutschnationalen Dreffe fich anknüpfenden Erörterungen durchaus widerspruchsvoll Gegenerklärung der Deutschnationalen. Die Parteileitung der Deutschnationalen veröffentlicht eine Gegenerklärung gegen die Erklärung der Reichsregierung. Diese Gegenerklärung fucht formelle unrichtigkeiten der Erflärung der Reichsregierung zu verbreiten, läßt aber nach wie vor volle Untlar heit über das außenpolitische Programm der Deutschnationalen. Der Schluß der Erklärung lautet: Die Frage, wie die Partei denn zu den großen und wichtigen Einzelfragen der deutschen Außenpolitit stehe", ist an die Bartei von der Regierung oder von den dafür zuständigen Stellen, mie Zur Gründung des Sozialdemokrat". Ein unveröffentlichter Brief an Engels. Nach längeren inneren Rämpfen hatte sich die Sozialdemokratie im Auguft 1879 zur Herausgabe eines eigenen Parteiorgans in der Schweiz entschieden. Engels und Marg lehnten zunächst ihre Mitarbeiterschaft ab, weil sie befürchteten, Karlberg, ber einem sehr effeffischen Sozialismus huldigte, würde einen überragenden Einfluß auf die Haltung des Organs gewinnen, ja, dieses ganz zu feinem Privateigentum machen. Um die Bedenken von Engels zu zerstreuen, schrieb Karl Höchberg, der große Opfer für die Bartei in diesen Tagen der schlimmsten Heze gebracht hatte, diesen Brief: Berber Genoffe! Wie mir mitgeteilt wird, haben Sie die Mitarbeiterschaft an dem neuen Blatt in Zürich zurückgezogen, weil es angeblich mein Privat eigentum fei" und eine gemäßigte Haltung einnehmen solle. C. Hirsch soll Ihnen das geschrieben haben. Eines ist so falsch wie das andere, und ich habe C. H., der jetzt in London ist, ersucht, seinen Irrtum zu redressieren. Das Blatt ist Eigentum der Partei und diese hat die Oberaufsicht über dasselbe, bie haltung soll eine ganz entschiedene fein, freilich ohne in die Revolutionsspielereien der Freiheit" und dergleichen zu verfallen. Ich weiß nicht, wie so C. H. dazu tammt, folche Dinge nach London zu schreiben; daß er ärgerlich war, daß wir die Schreibweise ber Laterne nicht vollkommen billigten( in lebereinstimmung mit der ganzen deutschen Partei) begreift fich. Uebrigens hatte mir gerade Hirsch den Vorschlag gemacht, ein Blatt zu grünben, wobei ich dann wirklich der Eigentümer geworden wäre; bas war vor dem Erlöschen der„ Laterne", und ich ging damals nicht darauf ein, weil ich die Gründung eines solchen Unternehmens für Parteisache hielt, oder wenigstens verlangte, daß die Partei damit einverstanden sein müsse, mas damals nicht überall der Fall war. Das jezige neue Unternehmen ist gang aus der Initiative der Partei hervorgegangen, welche durch Delegierte uns( Schramm, Bernstein und mir) das Amt der Verwaltung Boften auszuschlagen nach Lage der Sache gar nicht anging. und Aufsichtskommission in redaktioneller Hinsicht anbot, welchen Ich hätte in dieser Angelegenheit nicht geschrieben, wenn es fich um eine persönliche Verdächtigung gehandelt hätte, gegen die man fich ja nicht überall wehren fann; aber es handelt sich um weiter gehende Interessen, weshalb ich einige Zeilen für notwendig hielt. Auf Anfrage fönnen Sie übrigens von mir oder anderen, die um die Sache wissen, jedenfalls eine ausführlichere Darstellung des Sadper haltes bekommen, die ich schon deshalb mir für heute versagen muß, weil ich sehr angegriffen bin und mir möglichste Schonung zur Pflicht gemacht wird. Mit sozialdemokratischen Gruß ergebenst Karl Höchberg, Scheveningen beim Haag, Hotel Ealeries, d. 24. 8. 79, Die Probenummer des Sozialbemotrat" erschien am 28. September 1879 in Zürich. Der erste Redakteur des Blattes mar ber Genoffe Georg v. Bollmar. C. Hirsch und Hans Moſt( Freiheit") waren zuerst mit sozialdemokratischen Blättern im Ausland herpor getreten. Die„ Laterne" Carl Hirschs erlosch aus Mangel an Abonnenten sehr bald. " fehna Sent Hennt ReichspräsiSenien oder den Führer« anderer Parteien überhaupt nicht gerichtet worden, so dcch uns unverständlich ist, wie Wolfss Telegraphen-Bureau verbreite» kann, daß diese Fragen„sortgesetzt an sie gestellt" seien. Die Deutschnational« Volkspartei hat, so weit dies in der Oeffent- lichkeit überhaupt nur möglich ist, durch dieUnterredungdss Staatsmini st ers chergt mit dem Vertreter des„Lokal-Anz." vom K. Mai über ihr Programm Auskunft gegeben, und in den weiteren Erörterungen ist darüber keine Unklarheit gelassen worden. Sie ist selbstverständlich bereit, den zuständigen Stellen darüber hinausgehende Erklärungen jederzeit abzugeben. Der irreführenden Darstellung des WTB., die den Eindruck hervor« rufen will, als habe man bisher bereits mit der Partei fortgesetzt Verhandlungen über ihr Programm und die Regierungsbildung ge- pflogen, und als seien diese Verhandlungen ergebnislos gewesen. muß mit aller Entschiedenheit widersprochen wer« den. Es bleibt aufzuklären, wer derartige unzutreffend« Dar« stellungen in die Welt setzt."_ Notenwechsel und Vorbeireden. Ter deutsch-rusfische Zwischenfall. Mem Anschein nach nimmt die Klärung des deutsch- russischen Konfliktes nicht jenen Verlauf, den man noch vor wenigen Tagen erwartete. Die Reichsregierung hat dem russischen Außemninisterium eine Note überreichen lassen, in der sie u. a. ein Schiedsgericht aur Klärung des Konfliktes vorschlägt. Auf dies« Note hat die Sowjetregierung kein« Antwort erteilt. Inzwischen überreichte sie jedoch dem deutschen Botschafter in Moskau eine Note, in der u. a. E n t« s cb u l d i g u n g für das Verhalten der Polizei in den inter- national üblichen Formen, Bestätigung der Exterri- torialität der Handelsvertretung, Bestrafung der Urheber bzw. Führer der Haussuchung und Entschädigung der Betroffenen für die von der Polizei verursachten Verluste ge- fordert wird. In dieser Note wird mit keinem Wort auf den deutschen Vorschlag, ein Schiedsgericht zur Klärung des Kon« fliktes einzusetzen, eingegangen, obwohl die Note der Reichs- regierung bereits im Besitz Rußlands war, als die russische Note dem deutschen Botschafter in Moskau übermittell wurde. Das ist ein mehr als sonderbares Verfahren, und es ist des- halb nur recht und billig, wenn die Reichsregierung auf die russische Forderung nach Genugtuung zunächst nicht eingeht. sondern vorerst eine Antwort auf ihre Note abwartet. Wgesehen von politischen Gründen entspricht dos einem ge- ordneten Geschäftsgang, den man auch vom russischen Außen- Ministerium voraussetzen sollte. Im übrigen sind wir der Auffassung. daß die russische Regierung das Prestige bei der Klärung der Angelegenheit weniger in den Vordergrund stellen sollte. Auch ihr dürfte hoffentlich bekanntgeworden sein. daß es der Berliner Polizei jetzt gelungen ist, den Kommu- nisten Botzenhard, durch dessen Verhalten während seines Transportes der Konflikt entstand, inzwischen in der Privat- wohnung eines Angestellten der russischen Handelsvertretung wieder zu ve r h a f t e n. Lediglich die Berliner„Rote Fahne" dürste behaupten wollen, daß der Aufenthalt Bötzen- Harbs in der Wohnung eines Angestellten der Handelsvertre- tung anderen Mitgliedern dieses Instituts unbekannt war. Keine Einberufung des Auswärtigen Ausschusses. Die kommunistische Reichstagsfraktion hat bei dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusse» beantragt, diesen Ausschuß zur Behand» lung des Zwischenfalles in der russischen Handelsdelegation sofort einzuberufen. Die übrigen Fraktionen des Reichstags sprachen sich gegen die Einberufung aus oder legten keinen Wert darauf. Da gleichzeitig das Auswärtige Amt wissen ließ, daß die Verhandlungen mit der russischen Regierung über den Zwischenfall noch nicht abge- schloffen seien, hat der Vorsitzend« de» Ausschuffes d«m kommu- nistischen Antrag nicht entsprochen. Asyl für landlose SSnige. Die italienische Regierung hat den früheren König von Griechenland ermächtigt, in Italien zu bleiben. Deutsche Fürsten verkaufen wertvollen deutschen Sunslbesih an» Ausland. Graf Henckel von Donnersmarck, der Generalvertreter des früheren Fürsten von Schaumburg-Lippe, hat im Auf- trage seines Herrn zahlreiche historische Kunstgegenstände an das Ausland verkaust. Der Bezirkskonseroator von Kastel hat nun gegen diese Veräußerung wertvollen deutschen Kunstbesttzes an das Aus» land protestiert. Fürst von Schaumburg-Lippe hat daraufhin zu« gesagt, künftighin Kunstgegenstände aus seinem Besitz nicht mehr an das Ausland zu veräußern. Das ist sehr freundlich von dem allergnädigsten Herrn. Es bleibt aber doch die Frage offen: gehörten die verkauften Kunstwerk« zu den durch Verordnung geschützten? Wenn ja: wie war es mög» lich, daß sie trotzdem über die Grenze geschoben werden konnten? Da uns auf wiederholt gestellte ähnliche Fragen bisher niemals eine Antwort zuteil geworden ist, wird es dringend nötig, daß sich der Reichstag einmal mit diesen skandalösen Dingen beschäftigt und der verantwortlichen Behörde die ehrfurchtsvoll schweigenden Lippen öffnet. Kobelpreise und Rationalität. Di« Robelstiftung veröffentlicht soeben ihren amtlichen zusammenfassenden Bericht über die Vertei« lung der Robelpreise in den Jahren 1921 und 1922. Von den fünf Preisen für Chemie und Physik sind zwei an Deutsch« gefallen lWolter N ernst und Wert Einstein), zwei an Engländer und einer an einen Dänen. Die beiden literarischen Preise dieser Jahre sielen an einen Franzosen(Anatole France) und«m einen Spanier (Bmavente) Der Friedenspreis von 1921 wurde geteilt zwischen dem schwedischen Ministerpräsidenten Branting und dem General- sekretär der Interparlamentarischen Union. Christian Loms Lange. einem QidjtDCbcv', Arle�nspreis von 1922 iuur&6 Fridtjof Nonien einem Norweger, zuerkannt. Bon den 18 notür« SKS Preisen, die seit B�mt fcs Weltkrieg- verliehen wordm sind fielen 8 an Deut che, 5 an Englander. 2 an Danen urTie l S Amerikaner Belgi-r und Französisch�chweizer. Von den 8 literarischen Preisen fielen 2 m Franken. 2-» Danen und je l an einen Deutsch-Schweizer(SplttÄer). Spanier. Schweden und Norweger.__ S(5!)fifd>e Dolfsfemerfe. Der Magistrat hat auch in diesem Jahre für d-Z Bllltkiner. Orchester eine Ä-ihilse in den Etat gesetzt wosär eine Anzahl«-k Theat ertasten Sl. ffierihtim, i» den betr. Konzertsälen sAureauch. Orchesterbureau, Lützvwstr. 76. sowie«i der Abendkasse ab 7 Uhr. aiesctiffagz«,ge für den verkehr mU«vstralien. Riesenflugzeuge mit c großen AnznKl Motoren und einem Beweaunasradiu» von S000 Kilo, zeuge, tu« teili aus Holz und teils ouS Metall gebaut sind, haben eine@e, fchtttadigfÄ»en ISO Kilometer in der Stunde und werden Passagiere, Post und Lasten tragen. Es müssen sür ste besondere Flugplätze auf der Strecke Londau-AustraNen errichtet werden. der Linksblock will öen Irieüen. Em Interview mit Renandel.. Paris, 16. Mai.(Eigener Drahtbericht:) Genosse Pierre Renaudel, der noch 4 �jähriger llnterbrechimg wieder als De- putierter ins Palais Bourbon«inzieht hatt« die Freundlichkeit, mir einig« Frag«« über die durch die stanzösischen Wahlen geschaffene neue Lage ausführlich zu beantworten: Frage:.Hatten Sie einen derartigen Sieg des Linksblocks und insbesondere Ihrer Partei vorausgesehen?" Renaudel: Wohl dachten wir, daß der Nationale Block ge- schlagen werden würde. Noch vor zwei Monaten hatte ich in einem Artikel für„Labour Magazine" die Gründe auseinandergesetzt, die noch meiner Ueberzeugung zu einem Sieg der Linken führen müßten: einmal der von uns aufgenommene Kampf gegen die R e a k- t i v n, andererseits die Teuerung, verbunden mit den Steuern, insbesondere mit der Umsatzsteuer, die infolge ihrer Wirkungen sogar die Bevölkerungsschichten des Nationalen Block« vor den Kopf stoßen mußte, die an sich zu den gemäßiateren Elementen der Bevölkerung gehören, nämlich die Kreise des Klein- Handels." Frag«:„Ist die Regierung durch ihre Niederlage überrascht worden?" Renaudel:„Zweifellos. Wohl dachte sie an eine Berschie- bu»g noch links. Sie glaubte aber nicht, daß die bisherige Regie- rungsgrundlag« durch den Wahlausgang völlig vernichtet wer- den würde. Es war ja das Geheimnis der Politik Poincaräs, daß er sich innenpolitisch nicht rückhaltlos auf den Nationalen Block festgelegt hatte, und das wurde ihm auch von der reaktionären Prefle sehr verübelt. Er hatte gehofft, daß er auf diese Weis« stch auch die von ihm erwartet« Verschiebung noch links zunutze machen konnte. Auf der anderen Seit« hatt« sich M rlke ra n d ganz gründ- lich getäuscht. Denn in seiner Rede von Evreux hatte er sich voll- kommen aus die Politik des Nationalen Blocks festgelegt. Jedenfalls find Poincarä und Mllerand in gleichem Maße die Unterlegenen des Wahlkampfes."...........___________ Frage:„Wie weit ist die Außenpolitik von Einfluß auf den Wahlausgang gewesen?" Renaudel: Sicherlich hat die auswärtige Lage zu den Ur> fachen des Wahlergebnisses gehört. Die Politik des Zwanges, die nicht zu dem versprochenen Ergebnis geführt hatte, hat sich gegen die Regierung ausgewirkt, zumal sie nicht einmal jene Sicher- heit Frankreich gegeben hat, van der Poincare stets sprach und die Frankreich wünscht. Mit anderen Worten: Poincarä hat nicht einmal von seiner nationalistischen Politik Nutzen zu ziehen vermocht. Im Zusammenhang damit muß noch der Frank st urz und wiederum die Teuerung erwähnt werden." Frage:„Wie hat das Sachverständigengutachten auf die Franzosen gewirkt?" Renaudel:„Ich kann natürlich nicht für ganz Frankreich sprechen, sondern muß mich aus die Wiedergabe meiner Ersahrungen in meinem Wahlkreis beschränken: Sicher ist. daß die Schlußsolg«- rungen der Sachverständigen als«in Lichtschein in der Fin> sternis erschienen find und man' erkannt hat, daß sie anderer Art waren als die Politik Poincares. In meinen Wahlversamm- langen konnte ich die Erfahrung machen, daß, wenn ich den diploma- tischen Schiffbruch ebenso wie den finanziellen Schiffbruch der Politik des Nationalen Blocks auseinandersetzte, diese Veweissühruna ihren Eindruck nicht verfehlte. Besonders hatte ich den Beifall der Wähler- mästen, wenn ich die Politik des Völkzrbuäd'es, die allem die' wirk- liehe Sicherheit und den Frieden verspricht,-fe' Politik der: Gewalt entgegenstellte." j 1----. Frage:„Enthüllt dieser Ztzahlousgaibg' mcht auch die Usber- ßhätzung des Einflusses' der großen DoirlevsrddAZreise?" � Renaud ek:„Als ich vor zwei Iahren in Berlin in einer Friedenskundgebung im Reichstag sprach, Hab'ich die Versicherung, die große Pariser Informakivn'i�resie U! ebensowenig die wahre öffentliche Meinung Frankreichs rsprSsentiere wie die nationalistische Presse Deutschlands. Der Linksblock ist besonders in Südsrankreich von großen Prooinzblättern vortreffiich unierffügt worden, wie z. B. vom„Prvgrsis de Lhon". dem„Petit Provengal"(Marseille), der„Depeche. de Toulouse", der „France de Bordeaux et Südouest". Außerdem kam als neue Tat- fache die Schaffung eines großen republikanischen Blattes in Paris, vor Jahresfrist, des„Ouotidien", hinzu, der txen Kampf gegen die reaktionären Pressekonzerne und die Regierungspolitik aufgenom- men hat und mtt einer sehr starken Auflage auch in der Provinz Fuß zu fassen vermocht hat und den Kampf gegen den Nationalen Block führte." Frag«:.Hat man in Frankreich die Rückwirkung der Pom- eareschen Polisißz'auf die Gestaltung der inneren Lage in D e u ts ch l a n Gegriffen?" Renaudel:„Eine Taffach« fft sehr wohl in Erscheinung ge- treten: Frankreich ist gegen eine ZwangspoNlik, aber sür dl« Erfüllung der Reparationen im Rahmen der deutschen Lckstungssahigkeit. Es hat den Eindruck gewonnen, daß die Gewaltpolitik den Nationa- listnus in Deutschland verstärkt hat und daß außerdem die bis- herige französische Regierung wiederholt die Gelegenheit unbe» nutzt gelassen hat, im Interesse des Friedens den guten Willen jener Parteien zu verwerten, die In Deutschland für die Politik der Erfüllung eingetreten sind." Frage:„Was ließe stch nach Ihrer Ansicht tun, um den Sieg des linken Blocks in Frankreich im Interesse Europas auszu- nutzen?" Renaudel erwiderte auf diese letzte- Fraget„Es wäre natürlich verfrüht, schon jetzt diese Frage in allen Einzelheiten be- antworten zu wollen. Aber zweifellos: der Sieg der Linken lu Frankreich gibt uns die Möglichkeil, eine Politik der Versöhnung und des wirffchafMchen und pollfffchen Wiederaufbaus zu betreiben. Gerade aus diesem Grunde ist es bedauerlich, daß die deuffchen Wahlen so früh stattgefunden haben, denn sicherlich hätte die neue Lage in Frankreich nicht verfehlt, sich gegen die deut« schen Nationalisten auszuwirken. Sicher ist auch, daß die extremen Parteien von rechts und links ip Deutschland in der neuen französischen Politik nicht dieselben Ägitationsmöglichkeiten haben werden wie in der bisherigen. Natürlich ist es notwendig, daß die Parteien der Demokratie und des Sozialismus in Deutschland die Gelegenheil ausnutzen, um zu verhindern, daß der gute Wille Deuffchlands weiter v e r» d ä cht i g t wird und daß andererseits die sranzöstfchen Linksparteien nicht vor«in« Politik des Widerstandes gestellt werden, die den französischen Nationalisten neues Wasser auf ihre Mühlen treiben würde. Wir werden fedenfalls energisch auf eine' Politik drängen, die zwischen den reaktionären und demokratischen Ele- menten in DeutMand unterscheide I„zwischen den Elementen, die auf«ine Revanchepolitik hinarbeiten und denen, die guten Willen für die Wiederherstellung des Frieden s an den Tag logen." 104 Gozialiste«. Pari». 16. Mai.(Eigener DrahtSericht-)'. Im Departement Nord ist da» eine bisher zweifelhaft gewesene Mandat nunmehr der S o z.i a l i st e n l i st e zugeiprocken worden. Die 24 Abgeordneten des Departement» verteilen sich demgemäß: 11 Sozialisten, 5 National« Bloch V Republikanische Bereinigung und 8 Kommunisten.—- Amnestie in Frankreich. Ruckkehr Caillaux' ins Parlament. Parls, 16 Mai.(Eigener Drchtbericht.) Unter die Amnestie, die eine der ersten gesetzgeberischen Maßnahmen der neuen Kammer sein wird,' wird u. a. auch der ehemalige Ministerpräsident Caillaux fallen, der auf Betreiben Äemenceaus vom Obersten Staatsgerichtshof wegen angeblichen Einverständnisses mit dem Feind zu langjähriger Verbannung verurteilt worden war. Caillaux, einer der fähigsten Köpfe, über die die Linke verfügt, wird aller■ Voraussicht nach sehr bald Gelegenheit haben, sich wieder aktiv in der Politik zu betätigen. In den Kreisen der neuen Mehrheit be- absichtigt man, Caillaux für den durch den Tod des Senators d'Estour� nelles de konstantes freigeworderen Sitz im Departement S-rthe" aufzustellen. Sozialifteu und Regierungsbildung. Paris. 16. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« Frag« der Bo. teiligung der Sozialisten an der Regierung beherrscht mehr und mehr die gesamte französische Politik. Die Presse des Nationalen Blocks spekuliert bereits aus ernste Meinungsverschieden« heiten zwischen den Parteien, die gemeinsam den Wahlkampf ge- mannen haben, und hofft, daß die endgültige Ablehnung der Sozialisten, in das neue Ministerium einzutreten, die Radikal- soziallsten zwingen werde, sich erneut der gemäßigten Reaktion in' die Arme zu werfen. Dagegen bemüht sich die demokratische Presse, den Sozialisten zu beweisen, daß die unter völlig anderen Um- ständen gefaßten Entschließungen von Amsterdam und Bordeaux unmöglich aus die heutige Lage Anwendung finden können. Wenn zehn Sozialisten schmollend abseits stehen und negative' und un, fruchtbore Kritik üben, meint das„Oeuvre", so möge das hmgehen,- aber hundert hätten nicht das Rs ch t. stch zurückzuziehen. Wenn- sie sich weigern sollten, die Macht, über die sie heute verfügen, zu gebrauchen, so würden sie alle diejenigen von sich stoßen, die bisher an ihre Ideale geglaubt hätten. Aehnlich urteilen die anderen demokratischen Organe. Paul Faure sagt im„Populaire", die Partei werde unbekümmert um die Lockungen und Drohungen von rechts ihren Weg gehen. Di« Delegierten der Organffationen, die in wenigen Tagen in Paris zum außerordentlichen Kongreß zusammen« treten, hätten alle das Recht, über die Haltung der Fraktion zu bs« stimmen. Das sollten sich Freund und Gegner ein für allemal ge- sagt sein lassen. Di« Verantwortung sei schwer, die Schwierigkeit groß, ober die Partei habe schon Schwereres überstanden. Bei allen ihren Entschlüssen werde ausschließlich das Interesse der Ä r be i te r« klasse ausschlaggebend sein. poincarss Absage. Warum er nicht nach London fährt. Paris, 16. Mai.(WTB.) Havas berichtet aus London, Maedo« nald habe hepte mittag den französischen Botschafter empfangen, welcher ihm das Schreiben Poincares übergeben habe, in welchem er fem Bedauern darüber' ausspreche, daß er nicht zu der Zusammenkunst mit Macdonald nach London kommen könne. Er lege, dem Vernehmen nach, in verschiedenen Punkten die Grund» züg« dar, an Hand deren Poincare die Durchführung des.Sachver« ständigenberichts möglich erscheine. Poincare berühre auch in längeren Ausführungen die Ruhr frage. Er hebe hervor, daß den zurzeit mit den Vorbereitungen zur Umwandlung der französisch-belgt« schen Eisenbahnregi« betrauten Sachverständigen eine gewisse Be- wegungsfreiheit gelassen werde, damit der Bericht der Sach- .verständigen im gegebenen Augenblick ohne'Zeitverlust durchgeführt werden könne. Im ganzen fei der Brief Poincares, der sehr ent- gegenkommend abgefaßt sei, eine genaue Darstellung des gegen- wäriigen Standes der Beziehungen zwischen London und Pans. Macdonald läßt sich nicht bluffen. � London, 16. Mai.(Reuter.) Wegen der U nsi ch e rh e r t der Parlamentarismen Lage in Frankreich wird nicht erwartet, daß Macdonald irgendein« weitergehend« Mitteilung auf den Brief Poincares senden wird, als eine steundschostliche(Empfang«- bestätigu n g. Inzwischen ist der allgemeine Eindruck, daß ein« Ruhepause in der Revarationssrage unvermeidlich ist..Endgültige Besprechungen der Alliierten können nicht gut abge- halten werden, bevor eine neue französische Regierung gebildet ist. Im großen und ganzen erscheint es wahrscheinlich, daß eine interalliierte Konferenz abgehallen werden muß, bevor ein wirklich entscheidender Schritt getan werden kann, aber es ist zu bezweifeln, daß ein solcher Schrill vor Ende Mai oder Mitte Juni abgehalten werde.: kann._ 2500000 �rbelterhäuser in 15 Jahren. Der Plan der Arbeiterregiernng. London, 16. ZNai.(Eigene Funkdepesche.) Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Wohnungsnot plant die Arbeiterregierung die Einbringung eines großzügigen Gesetzentwurfs des Gesundheits«. Ministers Genossen wheakley über den Bau von Arbeilerwohnungen. Der Entwurf steht den Bau von 2% Millionen Arbeiterhäusern in . 15 Jahren vor. Als Gesamtzuschuß sind pro Haus 13 Pfund 1 Schit« ling 12 Penny vorgesehen, wovon 5 Pfund Staatszuschuß, das übrige Gemeindezuschuß sein sollen. Bindungen gegen übermäßige Vaugewinne sür Unternehmer sind gleichfalls vorgesehen. Die Zu- sttmmung der Arbeiter- und llnternehmerverbaude zu dem Gesetzenl-s wurf ist bereit» eingeholt. Der Regierungsplan bedeutet ein Staats- Monopol für den Bau von Arbeilerhäusern. Die Regierung hofft, daß die zweite Lesung des Gesetzentwurfs noch vor Pfingsten statt- findet und daß er tm August Gesetz wird. Das Arbeiterblatt„Daily Herald" nennt den Plan das Groß- zügigste aller bisher ausgestellten Projekte. Dt« Konservativen bekämpfen ihn: die„Times" tadelt insbesondere di« Festlegung zukünftiger Regierungen auf 15 Jahre. Die Stellung der Lide- ralen ist, bei grundsätzlicher Zustimmung, ungewiß; sie befürchten Lohnsteigerungen auf dem Baumortt und fordern als Bedingung für ihre Unterstützung der Bestimmungen über Unterbindung der Unter- nehmergewinn« eins entsprechende Sicherung gegen Lohnsteigerung der Bauhandwerker. Keine Verstaatlichung der öergwerke.. London. 16. Mai.(Eigene Funkdepesche.) In der heutigen Unter. Hausberatung des Antrages Hall(Arb.) auf Verstaatlichung der Bergwerke bekämpfte Lloyd George(lib.) die Sozialisierung. die die Bildung eines gewaltigen Trusts wäre. Der Staatssekretär für Bergbau. Genosse S hin well, stellte fest, daß die Regierung für den Antrag nicht verantwortlich sei, aber seinem Grundsatz zustimme. Schließlich wurde der Antrag Hall in zweiter Lesung mit 264 gegen 168 Stimmen abgelehnt. Attentat in Peking. Peking. 16. Mai.(WTB.) Ein unbekannter Bote ließ gestern abend im Hause des Außenministers Wellington Ku eine Schachtel zurück mit dein Bemerken, sie entholte Gegenstände für Kus persönlichen Gebrauch. Den Absender zu nennen, weigerte er sich. Ku ordnete heute mittag an, die Schachtel zu össnen, während er selbst in seinem Studierzimmer verblieb. Ms die Diener dsst Deckel abnahmen, explodierte eine in der Schachtel befindliche Bomb« und verwundete drei Diener, deren Zustand bedenk� lich ist. Gewerkschaftsbewegung Hungerlöhne für Schwerarbeiter. In der Metallindustrie Berlins sind etwa 16 000 Transport arbeiter beschäftigt, deren Entlohnung zur schlechtesten der Induftriearbeiter gehört. Die Arbeitgeber, organisiert im Verband Berliner Metallindustrieller, halten den jetzt bestehenden tariflosen Zustand für besonders geeignet, die Löhne der„ ungelernten" Trans. portarbeiter auf einem Niveau zu halten, das vom Existenzminimum meit entfernt ist. Bei den letzten Berhandlungen, die auf Anregung non Gemerberat Rörner stattfanden und die zum Abschluß eines neuen Lohnabkommens führen sollten, waren die Unternehmer nicht zu bewegen, den Lohntlassen 4 und 5, in denen die Transportarbeiter eingereiht sind, zugeständnisse zu machen. Erst am Dienstag erfolgte ein Angebot des VBMI., das aber wegen seiner Auswirkung einer näheren Betrachtung wert erscheint. Die bestehenden Transportarbeiterlöhne find vom VBMI. durch Rundschreiben einseitig festgelegt und betragen für die Klaffe 4 37 Pf. und für die Klasse 5 35 Pf. Dazu fann von den Arbeitgebern ein Zuschlag von 3 Pf. gewährt werden, der, aber in den meisten Fällen eine gewiffe Belohnung für gutes Betragen" darstellt. Für einen Unverheirateten bleibt somit nach Abzug von Krantenfaffen-, Erwerbslosen- und Invalidenbeiträgen und den Steuern ein Wochenverdienst von 14,24 m übrig. Das Wocheneinkommen eines verheirateten Transportarbeiters „ erhöht sich durch die Familienzulage auf 15,20 m. Das sind nüchterne Tatsachen. Bei den erwähnten Berhandlungen am Dienstag ließen sich die Arbeitgeber nach langem Feilfchen herbei, den Lohn auf 42 Bf. erhöhen zu wollen. Das würde eine Stundenzulage von 7 Bf. bedeuten, über die fich reden lieke, wenn die Arbeiter die Gewißheit hätten, daß damit der Anfang für meitere Erhöhungen gemacht sein sollte. Die Herren vom BBMI. wollten den Arbeitern aber auch ideal entgegenkommen, indem sie die stets als unsozial empfundene und deshalb befämpfte Familienzulage um die Hälfte abbauen wollten. Von der Zulage mären dann allerdings nur noch 1,5 Pf. übrig geblieben; für das Aufreizende diefes Angebots hatte mon scheinbar fein Gefühl. dls beigelegi gelten, nachdem die Bauimternehmer den Bertretern der Arbeiter neue Vorschläge überreicht haben, die eine Er höhung des Stundenlohnes um ½ Penny( etwas über 4 Pf.) porfehen. Es ist wahrscheinlich, daß die Bauarbeiter, die dem nächst in einer Urabstimmung über diesen Antrag der Arbeitgeber zu entscheiden haben werden, diesen Antrag annehmen. Das Ergebnis der Urabstimmung wird in ungefähr 14 Tagen befannt werden. Der neue Tarif soll bis zum Januar 1925 laufen und dann an der Hand der amtlich festgestellten Lebenshaltungsziffer neu überprüft werden. Einigung im Baugewerbe. Bom Baugemertsbund wird uns geschrieben: einschneidende Umwälzungen verlangi merben, mindestens Ye an der Frage interessierten Gesellen gehört werden müssen. Wenn die Kindergroßschlächter jetzt im Sommer genügende Kühl räume vermiffen, so hätten sie im Winter die Miete dafür nicht fcheuen dürfen. Es fann auch nicht angehen, daß wegen der paar„ Koscherfchlächter" an Sonntagen eine große Anzahl von Schlachthofarbeitern und Schlächtergesellen um ihre wohlverdiente Sonntagsruhe fommen. Oder will man vielleicht behaupten, daß die Herren Engrosfchlächtermeister sich Sonntags selber hin stellen und schlachten? Jahrelang fam man ohne Sonn tagsarbeit aus und es ging. Jetzt will man wieder vorsintflutliche Arbeitszeiten einführen. Die Stadt ist für die InDie gestern stattgefundene Urabstimmung im Baugemerts- teressenten da, jagt Herr Stadtrat Busch. Jawohl, Herr bund hat ergeben, daß von 9200 von der Bewegung Betroffenen Stadtrat, aber einseitig," sagten Sie doch selber,„ kann ich die sich insgesamt nur 6712 Mitglieder des Baugewerksbundes an der Interessen doch nicht vertreten. Abstimmung beteiligt haben. 3233 Kollegen stimmten für den Ver. gleichsvorschlag, 3431 dagegen, 48 Stimmen waren ungültig und rund 2500 haen fich an der Abstimmung nicht beteiligt. Damit ift bie fakungsmäßige Mehrheit gemäß den Bestimmungen der Bun desfagungen nicht erreicht, und gilt somit der Vergleichsvor schlag für die Mitglieder des Baugewerksbundes für an= genomme it. In der Freitag- Ausgabe der Roten Fahne" wird behauptet, auch die Bauarbeiter vom Baugewertsbund lehnen die Berrätereien eines Thöns ab". Hierzu ist zu bemerken, daß das Gefamtergebnis erst im Laufe des gestrigen Vormittags zusammengestellt merden fonnte. Es wird nett und fühn behauptet, daß die Masse der Mitglieder in ihrer großen Mehrzahl" den Vorschlag abgelehnt habe. Dann wird in der üblichen Weise gehegt und die Person des Kollegen Thöns derartig verunglimpft, daß an und für fich mehr als Nerven dazu gehören, folche Anpöbelungen zu überwinden. Aber es fei auch gleich an dieser Stelle gesagt, daß die Leitung des Baugewerfsbundes nicht etwa dadurch schwankend geworden ist, sondern nach wie vor ihren Standpunkt vertreten wird. In ironisch sein wollenden Säßen, die aber nur fnotig find, wird über den Berrat, die Dummheit und die Eselei eines Thöns her gezogen. Auch das Geschimpfe wird überwunden werden. Wir Die Herren im VBMI. find der Meinung, den ,, Unproduftinen" werden uns auch für die Folgezeit trok der gemeinften Anmürfe für ihre Tätigkeit nicht mehr zahlen zu können, wobei sich allerdings unfere Tattit nicht von Außenseitern bestimmen die Frage aufdrängt, ob die Arbeit eines Kranführers ober eines lassen. Anbinders, eines Baders oder eines Materialpflegers nicht doch pro- Anmerfung der Redaktion: Auf die einfältigen duftiver zu nennen ist, als z. B. die des Verhandlungsführers des Schwindeleien und Anpöbelungen der Roten Fahne" einzugehen, Unternehmerverbandes. Können sich solche Industrieherren überhaupt erübrigt sich. Die Kommunisten loden mit ihren Generalstreifvorstellen, was 15 M. Lohn bedeuten? Wissen fie, daß ein solches parolen längst teinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor, weder im Einkommen" nicht nur den Verzicht auf alle Kulturbarbietungen, Ruhrgebiet, noch in Mitteldeutschland oder anderwärts. Die Ber fondern auch ganz einfach auf Satteffen bedeutet? Die Transliner Bauarbeiter find erprobte Gewerffchaftler, die zu allerletzt auf portarbeiter find wirklich nicht daran schuld, daß jeht die Konfektion den kommunistischen Generalstreifschwindel hereinfallen werden, Er guten Geschäftsgang hat, den Herr v. Borsig neulich darauf zurüdwird wirkungslos und ergebnisios verpuffen wie feine Vorgänger. führte, daß die Arbeiter wieder zu viel Anschaffungen machen! Es würde diesem Herrn für die Revision seiner Ansichten Achtung, Zimmerer! sehr dienlich sein, wenn er fich in den Transportarbeiterversamm lungen die nur noch aus Fliden bestehenden Militär. entlaffungsanzüge feiner" Arbeiter betrachten würde. In ber Wirklichkeit bedeutet das brutale Niederhalten dieser Arbeiter. gruppe ihre Ausschaltung vom Warenmarkt als Räufer. Es ist begreiflich, wenn nach all den Hungerjahren die Trans portarbeiter sich jetzt endlich aufraffen. Bon den Arbeitgebern wird es abhängen, ob der Friede im Metallgewerbe erhalten werden fonn. Teiltämpfe find hier und da bereits entstanden; mit einem Kampf aller Transportarbeiter der Industrie und seinen Folgen ist in nächster Beit zu rechnen, wenn die Herren im VBMI. fich meiter meigern ben Transportarbeitern, die Schwerarbeiter find, die Friſtenzmöglichkeit zu geben. In den nächsten Tagen werden die Transportarbeiter weitere Schritte beschließen, Beilegung des englischen Bergbaukonflikts. Herauffehung der Löhne, Herabsehung der Gewinne. London, 16. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der feit geraumer Zeit drohende Bergarbeiterausstand in England ist durch ein zwischen den Vertretern der Bergbauunternehmen und der Grubenarbeiter, organisationen getroffenes neues Lohn- und Tarifab tommen verhütet worden. Die Löhne werden um 33% Proz erhöht und der Gewinnstandard wird nunmehr 15 ftatt 17 Pro3. betragen.( Im englischen Bergbau gibt es, mit Rüdsicht auf die unrentablen Zechen, eine Ausgleichstaffe, um auch den Zechen mit ungünstigen, Abbaubedingungen die Zahlung der Tariflöhne und die Berteilung von Dinibenden zu ermöglichen. Durch das jetzt getroffene Abkommen ist der als Marimum bisher gültige Anteil des Unternehmergeminns um 2 Broz. herabgesetzt, der Lohnanteil um ebensoviel heraufgesetzt worden.) Die Presse begrüßt dieses Ereignis mit äußerster Genug tuung und nennt das Abkommen einen neuen Sieg für die Sache der wirtschaftlichen Befriedung in England. Das vorläufige Tarifabkommen wird nach allgemeiner Ansicht am 29. Mai von der Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter angenommen werden, dann aber noch der llrabstimmung in den einzelnen Grubenbezirken unter liegen. Das Abkommen tommt insbesondere den Grubenarbeitern in den fleineren und schlechter bezahlenden Bergwerksrevieren zugute. Der Lohnstreit im englischen Baugewerbe fann ebenfalls Der Kampf der Zimmerer in Groß- Berlin um die Aufrecht erhaltung der 46½- Stunden- Woche geht in verschärfter Form weiter. Der Schlichter Wissell hatte am 12. Mai die Parteien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zweds Einigung zu einer Berhandlung eingeladen und nach neunstündiger Beratung einen Vergleichsvor. Ichlag unterbreitet, der wiederum den verstellbaren Achtstundentag feftlegt, indem er dem Arbeitgeber das Recht zugesteht, bei zwingendem öffentlichen Interesse die neunte Stunde ohne jeglichen 3uschlag arbeiten zu laffen.( Er fann dies nur verlangen, bedarf aber der Zustimmung der Betriebsvertretung bzw. der Organi fation, und falls biese nicht gegeben wird, kann er an ein paritätisch zufammengesettes Schiedsgericht appellieren, wo er den Beweis für die Berechtigung feiner Forderung erbringen muß. Red. d.„ Bormärts".) Die am 13. Mai tagende Zahlstellenversammlung des Zentralverbandes der Zimmerer, Zahlftelle Groß- Berlin, erblickte in dem Vergleichsvorschlag des Schlichters Wissell eine Preisgabe des Achtstundentages und lehnte mit übergroßer Mehrheit denselben ab. Eine Aenderung der Kampftaftif, die infolge der veränderten Situation vom Vorstand und der Schlichtungskommiffion empfohlen wurde, lehnie die Zahlstellenversammlung ebenfalls mit übergroßer Mehrheit ab. Die Zimmerer stehen restlos geschloffen im Rampi und find nicht gewillt, fich ihre bisherige Arbeitszeit, 46% Stunden pro Woche, rauben zu laffen. Zuzug nach Berlin ist unter allen UmStänden fernzuhalten. Alle Arbeiterzeitungen im Reich werden um Abbrud gebeten. Zentralverband der Zimmerer. Zahlftelle Groß- Berlin. Sonntagsarbeit auf dem Berliner Schlachthof? Man schreibt uns: In der letzten Monatsversammlung der Berliner Fleischerinnung brachte der Vorsitzende der Großschlächtervereine, Frömmel, zum Ausdrud, daß die Engros Sonntagsschlachtungen fchlächter beabsichtigen, die wieder einzuführen. Der Dezernent des Städtischen Schlacht und Viehhofes, Herr Stadtrat Busch, welcher als Gaft anwesend war, um die Wünsche der Fleischermeister entgegenzunehmen, sagte bereitwilligst seine Unterstützung in dieser Frage zu. Am Dienstag, den 13. Mai, nehmen die auf dem Vieh- und Schlachthof beschäftigten Gesellen zu dieser Angelegenheit Stellung. Scharf wurde die einseitige Stellungnahme des Dezernenten fritisiert und verlangt, daß, wenn derartige HALPAUS RARITÄT Garderobe auf Teilzahlung zu denkbar günstigen Bedingungen bei kleiner An- und Abzahlung Billige Preise! Ersatz für Maßarbeit Herren- Anzüge, Paletots, Knaben- und Burschen- Anzüge Cohn Gr. Frankfurter Str. 58 Hof parterre 5 Minuten vom Alexanderplatz. Deutscher Metallarbeiter- Verband Eisen- u. Revolverdreher, Rundschleifer und Dreberinnen! Die QualitätsCigaretten Bekanntmachung. hat mit meinem Einverständnis bas auf Der Herr Reichsminister der Finanzen Baviermart lautende Rotgeld der Deutschen Reichsbahn und bie Gutscheine ber Reichsbahndirettionen mit Einlösungs Montag, ben 19. Mai, abends 7 Uhr, frist bis zum 16. Juni 1924 aufgerufen. Der imRosenthalerhof, Rosenthalerstr.11/ 12 Umtausch gegen andere Sahlmittel erfolgt Branchenversammlung innerhalb biefer Beit bei allen Eisenbahntaffen Nach dem 16. Juni erfolgt die Tagesordnung: Bohn- und Arbeits- Einlöfung nur noch bei der Haupttasse ber Reichsbahnbirettion Berlin bis zum verhältniffe in unserer Branche. Das auf Dollar unb Goldmart lautenbe Jn Anbetracht der Wichtigkeit der Tages. 16. Juli 1924. cronung ist es erforderlich, daß alle Kolleginnen und Rollegen in dieser Ber- wertbeständige Notgeld der Deutschen fammlung erscheinen. Mitgliebsbuch legitimiert. Achtung! Achtung! Bauanschläger Achtung Montag, den 19. mai, vormittags 11 Uhr, im Berbandshause( Gigungs faal), Linienstraße 83/85: Kombinierte Branchenversammlung Tagesordnung: Bericht über die Berhandlungen mit den Unternehmern. Reichsbahn bleibt in vollem Umfange bis auf weiteres in Umlauf und wird vom Aufruf nicht berührt. Berlin, den 15. Mai 1924 Der Reichsverkehrsminister In Bertretung: Vogt. Innungskrankenkasse d. Tischlerianung zu Berlin Einladung Aur außerordentlichen AusschußDas Erscheinen aller Kollegen ist unbe- fihung der Bertreter der Raffenmitglieder und der Innungsmitglieder am Mondingte Pflicht. 166/7 Die Ortsverwaltung. fag, den 26. mai 1924, abends 6 Uhr, im Holzarbeiter Berbandshaus, Rungestr. 30, Seitenfl. part., Sigungsfaal Tagesordnung: 1. Berlefung des Protoänderungen. 3. Berschiedenes. Berlin, den 14. Mai 1924. Der Vorstand Erfinder die versuch. wollen, Quittungs- Marken Lungenkranke ihre ( Ideen) zu verwerten, werd gebeten, sich sofort mit uns in Verbindung zu setzen. Wir bereisen demnächst Amerika wodurch sich beste Verkaufsmöglichkeiten bieten. Vorwärtsstreb. u. Erfinder erh. dienstmöglichkeit gebende Brosch.: Ein neuer Geist?" Gesellschaft für Patentverwertung P. Erdmann& Co. BERLIN. Königgrätzer Straße 71 Seit 40 Jahren Spezialität trinkt Apoth. v. LühConrad Müller, mann's Lungen- Haemorrhoiden toe belegten Ausschußfißung. 2. SazungsSchkeuditz- Leipzig. heiltee. Seit Jahr Ruhebetten Klub. 20M bund. bew. Hansmittel. In nemest. Zeit v. ersten med. Auf. erpr. u. Warm M. empf. Wirk. wunderbar. garnit. 170 M. Baz. schwinden 1. Ausw, Appetit, Gow, Befinden Pillen in d Simons Chaiselong. 12 M. Apoth, Spandaua: Str.17decken Neukölln, Anzengruberstr. Greifswalder Apofb..Greifswald.Str.47 sichere Hilfe durch Myrobalanum. Benimmt schnell Schmerz, Entzündung u Schwellung. Otto Gronau, Borsigender. W. Lindemann, Schriftführer. NB. 9tr. 138 ber Totenlifte 1923 ift baNur äußerlich an- hin zu berichtigen, daß Herr Franz Schu zuwenden. M. 2.50. mann, geb. in gerbit, nicht ertzunten, In Droger., sonst bei fondern in feiner Wohnung. Cuvryftr. 40. OttoReichelBerlin43 an Gehirnschlag verstorben ift. SO Eisenbahnstr. 4 jo dar Gesamt- Auflage 104/18 Besonders witam sind die KLEINEN ANZEIGEN des.Verwärts" und trotzdass enderordentlig billigt Die Bersammlung nahm folgende Resolution an: " Die am 13. Mai im Börsensaal versammelten Arbeitnehmer des Vieh- und Schlachthofes protestieren entschieden gegen die beabsichtigten Sonntagsschlachtungen. Die Versammelten fönne eine Notwendigkeit dazu nicht einsehen. Sie verlangen, daß ihre wirtschaftliche Interessenvertretung, der Zentralverband der Fleischer, in dieser Frage vorher gehört und zu diesbezüglichen Verhandlungen unter allen Um ständen hinzugezogen wird." Abgelehnter Schiedsspruch in der Textilindustrie. Eine Mitgliederversammlung der Angestellten der Textilindustrie und der Färbereien nahm Stellung zu dem gefällten Schiedsspruch. Von den Angestellten wurde verlangt, daß die bisher üblichen ungerechten Regelungen der Leistungszulagen abzuschaffen feien. Dies gilt besonders für die Musterzeichner und Werf meister, die den kaufmännischen Angestellten gleichzustellen sind. Außerdem wurde innerhalb der Branche eine Neugruppierung, eine Zusammenfassung der vorhandenen Angestellten in vier Tätig feitsgruppen gefordert. Für die Textilindustrie wurde eine Gehaltserhöhung von 20 Broz. beantragt. Auch die Gehälter der Angestellten der Färbereibetriebe sollten denen der Textilindustrie gleichgestellt werden. Der Schlichtungsausschuß hat diesen Forderungen nicht entsprochen. Sein Spruch fieht nur eine Gehalts aufbesserung von 5 bis 10 Proz. vor. Die Regelung der Arbeitszeit, des Urlaubs und der Gruppierung bleibt mie bisher. Der§ 3 ( Ueberfhmben) wurde gestrichen. Damit fallen die bisherigen Zwangsmaßnahmen für jugendliche Angestellte fort. Mit großer Mehrheit lehnte die Versammlung den Schieds. fpruch ab und beauftragte die Verhandlungskommission, mit allen Mitteln für die Durchführung der Forderungen der Angestellten zu mirten. Sieg des DEV. bei den Betriebsrätewahlen. Köln, 16. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Bis jetzt liegen die Wahlergebnisse zu den örtlichen Betriebsräten der Eisenbahner aus 22 Be trieben vor. Von 83 Mandaten erhielt der Deutsche EisenbahnerVerband 74, die Kommunisten 6, die Chriften 3 Mandate. Organisation der amerikanischen Arbeiterinnen. ( IGB.) Mitte April befaßte fich eine Konferenz des Ameritanischen Gewerkschaftsbundes in Chicago mit der Frage der Organifierung der Arbeiterinnen. Vor einigen Monaten erklärte nämlich der Oberste Gerichtshof der Bereinigten Staaten das Gesetz über die minimallöhne eines bestimmten Distritts, das sich speziell auf die Arbeiterinnen bezog, als ungültig. Angesichts dieser Stellungnahme beschleunigte nun der Amerikanische Gewerkschaftsbund die gewerkschaftliche Organisation der Frauen, und in diesem Zusammenhang beschloß diese Konferenz die beffere Organisierung einer Kampagne. Der Bolkszählung von 1920 zufolge gab es damals in den Beteinigten Staaten 8500 000 Lohnarbeiterinnen. Lohnabkommen für Bauflempner. In dem Bericht ist ein Druckfehler enthalten. Der Lohn der Bauflempner beträgt vom 1. bis 15. Mai nicht 65, sondern 76 Pf. Berichtigung. In der Notiz unter der Ueberschrift:„ Lohnin der Musikinstrumentenindu vereinbarung ftrie" in der gestrigen Morgennummer muß es heißen: Durch. schnittslohn für Facharbeiter und nicht mindeſtſtundenlohn. BSPD.- Buchdruder! Morgen, Sonnabend, abends 7, Uhr, in folgendent Bezirken Fraktionsversammlungen: 1. Bezirk Arminiushallen", Bremer Str. 72/73.; 2. Bezirk bei Bierbaum, Bastianftr. 2; 3. Bezirk bei Klug, Danziger Str. 71; 4. Bezirk bei Roblenz, Borhagener Str. 17; 5. Bezirk bei Riemag, Adalbertstr. 21; 6. Bezirk bei Sing, Bilmsstr. 1; 8. Bezirk het Gohlte, Hermannstr 199. Montag, 19. Mai: 7. Bezirk Lindenpart"( Vorraum) Schöneberg, Sauptstr. 13, um 6 Uhr. Sonntag, 18. mai: 9. Bezirk Charlottenburg Spandau, bei Reimer, Ede Bilmersdorfer- und Kantftr., vorm. 9 Uhr; 10. Bezirk Stunde vor Beginn der Bezirksversammlung im Bersammlungslotal Der Fraktionsvorstand. J. A.: Otto Fiedler. Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe Schornstein- und Feuerungsbau. Sonntag vormittag 9 Uhr im Gemertschaftshaus, Gaal 3, Mitgliederversammlung der Gruppe Feuerungs- und Schornsteinbau. Ohne Mit Die Fachgruppenleitung. gliedsbuch fein Zutritt. Berantwortlich für Politik: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Egtoru; Feuilleton: Dr. John Schitowsti, Lotales und Sonstiges: Frig Karftäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin GB. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. GOLDACKER 5 Pfd.. teinster Auszugmeh GOLDACKER Beutel Mehl fehlt in keinem Haushalt! Hosen billiges Extra- Angebot Engl.- Leder- Hosen Gestreifte Hosen Feldgraue Hosen Stoff- Breeches Eleg. Umschlaghos. Manchester, von 4.75 Mk. an lang u. Breeches v. 9.75 Mk. an Julius Olschewitz früh. Münch.- Gladb.Hos.- Zentrale Schöneberg nur Goltzstr. 7 Fabrgeldvergütung Schreiberhau im Riesengebirge Klimatischer Luftkuroit- Wintersportplatz 4 Sanatorien- 13 Aerzte- Gerühmtes Kurorchester Kurtheater Wohnungen In Jeder Preislage. Auskunft: Kurverwaltung. Möbelsuchende Solide Möbelfizud liefert Schlaf-, Speijezimmer. adjan, Cichenmöbel gegen bequemite Zeilzahlungen. Buzahlung nach Uebereinfunft. T Offerten erheten Bofffageriarte 279. Bofiamt 0 27. Größte Kulanz. Streng distret. → Nr. 25S ♦ 41. Jahrgang 7. Seilage ües vorwärts SonnabenS, 17. Mat 1924 Sonntägliche wanöerziele. Nittenwalüe. Zu einem abseits vo» den Hauptoerkehrswegen, mitten im Teltow liegenden Städtchen, nach Mittenwalde, bringt uns diese Wanderung. Wir fahren vom Görlitzer Bahnhof oder von der S t a d t b a h n(in Niederfchöneweid« umsteigen) b>s Zeuthen. Nach kurzer Wanderung in südwestlicher Richtung erreichen wir M i« r s d o r f.«in Dorf, das von den deutschen Einwandrern im 13. Jahrhundert angelegt wurde. Recht» neben dem Eingang der aus Fmdlingsblöcken erbauten Kirche zeigt das Mauerwerk einen Granitfindling mit einem runden Block in der Mitte; wahrscheinlich ist es ein vorgeschichtlicher Mühlstein. Wir folgen«ine kurz« Strecke der Chaussee nach Hoherlehme, dann wenden wir uns rechts ab zum Wald. Anfangs am Waldrand, dann durch den Wald, wandern wir in südwestlicher Richtung weiter. Wir kreuzen die Chaussee nach Königswusterhausen: etwa eine Viertelstunde weiter, am zweiten Querweg, biegen wir links ab. Bald haben wir den Wald verlassen und wandern nun, anfangs durch Rieselfelder, nach Ragow, eben. falls einem Dorf aus dem 13. Jahrhundert. Der Boden der Ragower Feldmark ist wegen seiner Fruchtbarkeit berühmt; schon in einem allen Register heißt es, er„wird vorn besten im gantzcn Creyse ge» hallen, maßen sie fast alle Weißen seen können".— Wir sehen vor uns M i t t«» wal d« aufragen, das wir bald erreicht haben. Vor. her überschreiten wir den Zülow-Kanal, der den Rangsdorfer See entwässert und nordöstlich von Mittenwalde in den Nolle.Aonal mündet. Mittenivald« liegt an der kanalisierten Rotte, die bei Königswusterhausen von der Dahme aufgenommen wird. Beide Flüsse, Rotte und Dahme, bildeten in der ersten Zeit der Wieder. besiedlung des Landes durch die Deutschen die Grenze gegen da« Wendenland. Hier liegen dann auch die beiden größten allen Sied- lungen, Mittenwalde und Königswusterhausen, früher Wendisch. Wusterhausen geheißen. Obwohl Millenwalde eine von den Deutschen gegründete Stadt ist. bestanden hier doch schon in vorgeschichtlicher Zell Siedlungen. Wahrscheinlich hat an diesem wichtigen Rotte- Übergang,„ein Port(eine Pforte) gen die Lusitz". berelle ein- Hündische Burg gelegen. Heftig« Fehden tobten in alter Zell um den Besitz von Millenwalde; so stritten zwischen 124» und 1245 die Askanier mit dem Markgrafen von Meißen um den Besitz der Grenz- bürgen Cöpenick und Millenwalde. Von der Burg, die wahrscheinlich links der Rotte lag. ist nichts erhallen geblieben. Di« M ü h l e v o n Mittenwald« kann auf ein hohes Alter zurückblicken; schon in einer Urkunde von 1373 wird sie erwähnt. Mittenwalde gehört« auch jenem märkischen Städtebündnis an, das im 14. Jahrhundert gegründet wurde, um sich gegenseitig gegen Kriegsgewalt und Raube- reien zu schützen. Die Stadt ist die einzige des Teltow, die noch Reste aus dem Mittelalter aufweist. Von der«inst um die Stadt führenden, beträchtlich hohen, von großen Geschieben aufge- führ'en Mauer ist nichts mehr erhalten geblieben. Auf der Nordseile der Stadt sind noch Reste des Berliner Tors zu sehen mit«inigen erhalten gebliebenen Teilen der Mauer und einem R u n d t u r m (vergleiche Abbildung). Bei einer Wiederherstellung um die Wende dieses Jahrhunderts wurde der Turm mit Zinnenkranz und Kegel- spitze versehen. Vor dem Tor liegt die ehemalig« Georgskapelle, jetzt eine Leichenhalle. In der Zeit, bevor es Eisenbahnen gab, war Millenwalde ein« groß Poststation, denn die Straß« nach Karlsbad führte hier hindurch. Im Mlltelpunkt der Stadt ragt die Pfarrkirche St. Moritz empor, die in ihren ällesten Teilen auf die Gründung der Stadt im 13. Jahrhundert zurückgeht. Hier wirkte von 1651 bis 1657 Paul Gerhardt, der Dichter vieler Kirchenlieder, als Prediger. Reben den Rotte-Kanal schrellen wir zur Stadt hinaus Recht« ragt der Machnower Wemberg auf.-in„pontischer Hügel", auf dem manches in der Mark Brandenburg seltene Pflanzenkind gedeiht. Wir kommen nach Telz, am Südrand einer wselartig au« der Niederung aufsteigenden Erhebung gelegen. Auch hier fand man vorgefchicht'.iche Spuren aus der Wendenzeit. Wir verlassen da« Dorf nach Süden, überschrellen dos Rollsfließ und den Rolle�kanal und wandern auf der Straße, die am Rande der vom Prierowf««in- genommenen und vom Rotte-Kanal durchzogenen Niederung nach Zossen. Stadt, Burg und Land Zossen gehörten bis zum 2. März 1516 nicht zu Brandenburg, sondern zur Niederlausitz und damit zu Bödmen. Der Rom« ist wahrscheinlich auf das slawisch««c>,ns=: Kiefer zurückzuführen. Wir wandern durch die Stadt zum Dahnhof und treten von hier die Heimfahrt an(Weglänge etwa 24 Kilometer.) Vi« Gbftkammer Serlitts. Di« Obstbaumblüte kommt diesmal reichlich spät. Wäre«s dem chling gelungen, den Winter zur rechten Zeit, wie«s im Kalender festgelegt ist, zu vertreiben, dann könnten wir jetzt schon die ersten Früchte sich röten sehen, anstatt nur erst die Blütenpracht bewundern zu dürfen. Jedoch, die Natur ist launenhaft, wie es weiblich« Wesen zu sein pflegen. Sie kehrt sich nicht an die schön« gleichmäßige Em. teilung, vi« menschlichen Gelehrtenhirnen entsprungen ist, sie wandelt auf eigenen Wegen. So hat es denn Frau Natur in diesem Früh- jähr gefallen, das Wetter nicht den menschlichen Anforderungen anzu- vassen Ist die Obstbaumblüte da, dann spürt der Berliner den Drang in sich, nach W e r d« r zu pilgern, um Obstwein zu schlürfen. View schwelgen natürlich auch in dem Genuß des Blütenschnees, aber den meisten bietet«r doch nur einen Borwand für die Genüsse der Zunge. Um die Baumblüte in der Obstkammer Berlins zu besuchen und doch nicht in das lärmende Getriebe der Hauxjausflugswege zu geraten, fahren wir nach Potsdam. Wir lassen die eigenlliche Stadt heute rechts liegen und wandern über die Bahn zur Leipziger Straße. Auf dieser kommen wir durch die Teltower Borstadt. Links steigt der Brauhausberg empor, von Wacksvmannshöhe gekrönt. Hier gibt es die echten Potsdamer Stangen. Bald haben wir die Stadt mit ihren Anhängseln hinter uns. Unsere Straß« ist in eine prächtig« Chausse« übergegangen, die von allen Buchen begleitet wird. Link» steigen weiterhin die Berghohen auf. bestanden von schönem Mischwald Si« gehören einem alten Endmoränenzug der Eiszeit an. Zur Rechten zieht die blau- Havel ihre Bahn. Der Frühling liegt in der Luft! lieber Buchen und Birken und Erlen schwebt der grünliche Hauch schwellender Knospen und neu hervorbrechenden Laubse.„Der Mai ist gekommen: nun bricht aus allen Zweigen das maienfrische Grün." — Unsere Wanderung führt nach T e m p l i n. einer kleinen Sied. lung, aus nur wenigen Häuschen bestehend. Di« Havel erweitert sich hier zu einer kleinen Bucht, dl« den Ruder» und Segelbooten sicheren Hafen bietet. Zwischen Bergeshang und Wasserslouf führt die Straße weiter. Gleich schön ist sie. wie ihr erster Teil. Wir kommen noch Caputh, die Obstkammer Berlins haben wir erreicht. In den Dorfgärten sehen wir allenthalben die blühenden Obstbäume; die Kirschen sind es. die zuerst sich hinauswagen. Das ganze Dorf gleicht einem blühenden Garten In schneeiger Weihe schimmern die Kronen der blühenden Bäum«; die Farbe der Reinheit und Unschuld erfreut unfer Aug« und Gemüt. Und doch, wieviel bang« Zweifel, wieviel zagendes Hoffen ruft dieser Blütenzauber nicht auch hervor! Wir wandern durch da« ausgedehnte, kklometerlange Dorf hinab zur Fähre über die Havel. Wir lassen uns übersetzen. Am jenseitigen Ufer liegt Geltow. Auch dieses Dorf gehört zur Obst- kammer Berlins Wir halten uns nun möglichst in der Röhe des Flusses und kommen nach Baumgartenbrück. Die alte hölzerne Brücke ist abgebrochen und dafür«ine neu« aus Stein und Eisen gebaut worden. Weit schaut von hier der Blick flußauf, flußab. Bor uns dehnt sich der Schwielowse« mit den Häusern von Ferch im Hintergrunde und dem berüchtigten Petzow auf dem Westufer aus. Haoelabwärts grüßt uns die Jnfelstadt Werder. Die sich auf den, gegenüberliegenden Ufer hinziehenden Berge prangen im Schmuck des Blütenschnees. Es sind die Werderfchen Weinberge, die einst zum Kloster Lehnin gehörten. Hier bauten die Lehniner Mönch« den Wein an. den si« für den Klosterbedarf brauchten. Als das Kloster aufgehoben wurde, verfiel der Weinbau; man ging dazu über, an Stelle des Weinstockes Obstbäum« anzupflanzen. Hieraus entwickelten sich dann die gewaltigen Obstbaumpflanzungen, wie sie heut« vorhanden sind. Wir können nun über die Baumgartenbrücke und auf der Ehausiee nach Werder wandern; aber dieser Weg würde uns mitten in den Trubel der schlürfenden Genießer hineinführen. Wir ziehen es daher vor. einen anderen Weg zu wählen und dabei nach der Schönheit des Gemeßsns auf unser« Art zu schlürfen. Wir bleiben weiterhin in der Näh« der Havel. Rechts dehnt sich das eben« Niederungsgelände bis an die Höhen des Wildparks aus. Die Wanderung geht zur Fährstell« nach Werder. Hier bringt uns das Boot hinüber zum Jnselstädtchen. Der Lärm bleibt meist drüben auf dem Fesllonde, denn seinen Berursachern wäre es wohl zu lang. weilig in der Inselstadt. Auf der Holzbrück« wandern wir zum Fest. land hinüber. Ein« richtige Pferdebahn vermittelt noch den Verkehr zwischen dem Bahnhof und der Stadt, ein Verkehrsmittel, das nur noch m der Erinnerung der älleren Berliner lebt.(Weglänge der Wanderung etwa 18 Kilometer.) Markistbe Zorsthäitser. Mit dem Wachsen der Stadt Berlin sind auf ihren Verwaltungs- kreis auch eins größere Anzahl von Forsthäusern übergegangen. Die städtische Forstverwaltung steht seit dieser gewaltigen Ausdehnung vor Aufgaben von außerordenllicher Bedeutung für die„Lunge Berlins". Dazu kommen Waldgebiete und Förstereien, die eben- falls der städtischen Betreuung unterstehen, aber räumlich nicht zu Groh-Berlin gehören, beispielsweise die Förstereien Buch, G o r i n, Birkholz und Lanke. Roch vor wenigen Jahrzehnten latzen auch die Forsthäuser in der näheren Umgebung des alten Berliner Weichbildes meist isoliert im Wald und am Wasser. Immer dichter hat sich an sie der Gürtel von Landhausbauten herangeschoben. Viel- fach ist die räumliche Trennung fast ganz verwischt. Rur noch das Altertümliche. LSMiche und Einfach« unterscheidet von den Protzen- villen, die ein Stück Wald nach dem anderen verdrängen und oft in ihrer Geschmacklosigkeit den Waldzauber zerstören. Was uns gegenüber solchen aufgetakelten Eindringlingen gerode so heimisch imd traut anmutet, ist das Unberührte aller märtischen Förstereien, die am schönsten sind, wo rings um sie noch Waldfrieden herrscht. Einfach wie der Förster, der sich im Menschengewimmel nicht wohl fühlt und die Waldeinsamkeit über alles liebt, ist auch sein von Staat oder Stadt erbautes Heim geblieben. Roch viel schöner wäre es, wenn er sich zur Aufputzung seines kärglichen Gehaltes nicht auch als Gast, und Logiswirt im Sommer betätigen müßte. Wo früher gern ein Glas Milch und«ine Schinkenstull« serviert wurde, sind regelrecht« Restaurationen entstanden, wogegen sich bei dem Grund- satz der Altoholabstinenz natürlich nichts einwenden läßt, wenn Scharen durstiger Seelen durch den Wald ziehen und im weiten 20) Die Flüchklinge. Roman von Johannes LInnankoski. In dem Augenblick brach der Rest von Keskitalos aller Verschmitztheit auch zusammen, und die Angst kam über ihn. Er wollte hinter dem anderen hereilen und ihn zurückhallen, aber er blickte zuerst schnell durch das Fenster. Uutela stand mllten auf dem Hof wie ein Bettler, der nicht weiß wohin er feine Schritte lenken soll. Dann sah ihn Kes- kitoto rasch auf das Gesindehaus zugehen. Er elbst lief eher, als daß er ging, durch die Zwischen- ramnter in die gute Stube, um von dort besser zu sehe«, wohin sich Uutela begebe.— Ganz richtig, er ging in die Gesindestube. Das beruhigte Keskitolo ein wenig, und er blieb gleich- sam. um Wachs zu hallen, ohne entscheiden zu können, ob es besser sei. sofort nachzuellen. oder ob er zunächst die Erholung von dem' Schlag abwarten solle. Während er dasaß, sah er Hanna hastig mit bloßem Kopf hinter Uutela in das haus lausen. Das gab der Sache eins neue Wendung— er begriff, daß Hanno dort letzt besser am Platz war als er...... Uutela stand mllten m der Gesindestube— in seinem Innern wogte alles durcheinander. u-..,. Seine erste Empfindung war. daß er hingehen und d.e Betrügerin mll ihrem Balge erwürgen muffe Dtese Empfin- dung war so wild, daß er. ohne weller nachzudenken, schon auf die Tür zuschritt. Aber da hielt er an. es fuhr chm zugleich ein anderer Gedanke durch den Kopf. Er müßte bei derselben Gelegenheit auch Kestllalo tot- schlagen, den Fuchs, der noch verabscheuenswerter als d.e Hure. sein« Tochter, war. Durch seine Seele zog in den wenigen Augenblicken alles Hierhergehörige, die Grunde und Fäden der Ueberfiedluno nach Savolar— nun war chm alles klar wie der Tag. K« War er hinters Licht geführt und betrogen, ge- gangell worden, wie«in kleines Kind, das man zum besten halt. * Sein Haß auf Keskitalo nahm immer mehr zu. als er be- dachte daß der eben noch von dieser Beschimpfung mit lächeln- dem Munde hatte sprechen können, wie wenn das Kmd von chm. Uutela. wäre! Wußte und verstand der Schuft denn nicht, daß er keine solche Gemeinschaft mit seiner Frau halle, sondern daß er gelebt hatte, wie es einem allen Manne geziemte? Oder der gemeine Mensch, trotzdem er es wußte, ihn zu ymtergehen? Seine Wut Halle einen solchen Grad von Wildheit erreicht, daß er zllterte. Er blieb in der Stube, denn überellte Hand- lungen waren chm ftemd, aber den Ausbruch seiner Scham und seines Haffes vermochte er nicht mehr zurückzuhalten. Cr begann gegen die umherstehenden Gegenstände zu wüten. Zu- erst trat er die mitten in der Stube befindliche Bant mit einem Krach um. Einen zweiten Tritt bekam die halbfertige Bütte, die knallernd zerbrach. Der Klang, em Klang der Zerstörung, erregte ihn und ließ ihn aufjubeln. Er warf die zertrümmerten Reste wieder auf den Fußboden, riß die Reifen entzwei, zer- stampfte die Dauben und schleuderte die Spllller über die Diele hin. Zugleich flogen seine Gedanken wieder zu seiner Frau, der Betrügerin. Wie gemein halle sie sich verstellt! Sie tat. als sei sie ein Eheweib, und trug zu derselben Zeit ein im Schand- bell empfangenes Teufelsbalg im Schoß. Er wurde so wütend, daß er keine Gedanken mehr fassen tonnte. Er ließ von dem Toben ab— sein Denken stürzte in eine neue, aufreizende Spur. Wer war der Mann gewesen? Er sechst halle von ihr getrennt gelebt— da war der andere...! Der Kopf begann ihm zu schwindeln, und ihn ergriff ein selt- sames, erregendes Gefühl, das ihm die Rase weitete: wie wenn er hätte sehen wollen, wie alles das geschehen war. Und wie wenn er es auch gesehen hätte— die anderen in heimlicher Ge- meinschaft, über ihn, den Betrogenen, lachend— Herr Gott! Cr packte von neuem die Bank und warf sie mit sprühen- den Augen hin, so daß die Diele erdröhnte, als wollte sie zer- bersten. In demselben Augenblick trat Hanna herein. Sie sah mit einem Blick alles: die umgeworfenen Gegen- stände und die Splitter. Uutelos verzerrtes Antlitz. Sie stürzte dicht vor ihm hin und flehte chn mit gefalteten Händen hastig an: „Verzeihen Sie— Gott verzecht auch!— Tun Sie Manta nichts zuleide— seien Sie dem Vater nicht böse— er hat so viel gelitten!— Sie sind so gut, Uutela— Gott weiß alles— buchen Sie, buchen Sie— Gott wird helfen!" Doch Uutela erfaßte kaum, wer sprach und was er sagte — er war ganz im Bann von anderen, entsetzenden Kräften. Er glaubte immer noch die Betrüger zu sehen, jenes abscheu- liche Schauspiel, das jetzt sein ansteckendes Grauen gegen ihn selbst richtete. Triebe erweckend, die seit Jahren erloschen waren. „Deine Schwester ist eine Hure!" rief er mit seltsamer Stimme, wie wenn er schrecklich darüber gejubelt hätte, daß es so war. Das brachte das Mädchen ganz außer sich. Sie flehte wieder: „Manta hat gesündigt— sie«st ein schlechter Mensch— Sie wissen nicht, Uutela-- sie wollte Sie nicht heiraten— sie war so jung— sie hat geweint— ich weiß es— dulden Sie, dulden Sie!" Doch Uutela hörte und sah nichts. Es hatte ihn ein un- heimliches Gefühl erfaßt, in dem die verletzte Mannesehre, Rachsucht und noch etwas Furchtbares, über das er sich selbst noch nicht klar war, durcheinanderschäumten. Das Verbrecher- paar zog ihn gleichsam auf dieselben Wege— um sich blutig an ihnen zu rächen, an den Leuten Keskitalos, an seiner eigenen makellosen Vergangenheit, seiner Ehrbarkeit, dem ganzen Menschenleben— mit den gleichen Waffen, mit denen er selbst verwundet worden war. „Jetzt gehe ich zu der Sohvi!" zischte er zwischen den Zähnen hervor, in einem aus Weinen und Lachen gemischten Ton.„Nun machen wir Bankerte, alle Leute im Haus!" Das Mädchen sah Uutela entsetzt an, wie wenn es ihn nicht wiedererkannt hätte, und begann zu zittern. Uutela schritt auf die Tür zu. Da stürzte ihm das Mädchen nach und griff wie eine Er- trinkende nach feinem Arm: „Gehen Sie nicht— lieber Uutela— beschimpfen Sie nicht— sich selbst— die Familie— es ist schon so viel Schimpf Uutela. lieber Uutela!" „Laß los!" rief er: Er trat heftig auf die Tür zu, so daß sich das Mädchen auf die Knie ziehen ließ. Aber sie ließ nicht los, sondern griff nur noch verzwei- fester nach Uutelas Rockschoß und nach seinen Knien. Sie war bleich wie Leinwand geworden, ihre blauen Augen starrten erschrocken und wie wahnsinnig. „Haben Sie Erbarmen!" lallte sie, indem sie mit ihren letzten Kräften versuchte, ihren Arm um Uutelas Knie zu schlingen.„Uutela— Uutela.. Dann lösten sich ihre Hände Plötzlich— der Fußboden krachte. Als Uutela sich umwandte, sah er das Mädchen regungs- los auf der Diele liegen. Es packte ihn eine furchtbare Angst.,.. „Hanna, Hanna!" sprach er und setzte das Mädchen leise auf, sie mit den Armen stützend._ Sie öffnete die Augen zu einem Spalt und blickte wie einer, der nicht weiß, wo er ist. � � (Fartsetzung folgt.) Umkreise nichts Trintbares zu haben ist. Bor den Toren Berlins stößt man sogar auf scharfe Ronkurrenz zwischen dem Förster und dem berufsmäßigen Gastwirt. Es gibt freilich auch noch einsam gelegene märkische Forsthäuser, in denen man allenfalls einige gut achlende Sommergäste aufnimmt, sonst aber sich von jedem Aus. flüglerverkehr streng abschließt und selbst das erbetene Glas Brunnen. wasser höchst mürrisch verabfolgt. Wenn im allgemeinen die Förster um Berlin den Berlinern nicht grün" sind, fann man es ihnen nachfühlen. In jedem Jahre wird von allen Seiten gepredigt: Achtet und schüßet den Wald! Der Erfolg ist noch lange nicht so, wie er doch unter Kulturmenschen sein müßte. Man möchte oft brein schlagen, wenn man hier sehen muß, wie sinnlos groß und flein gegen die Natur mütet. Gibt es doch liebe Zeitgenoffen, die nach russischem Rezept die Bevölkerung aufgehezt haben, Brennholz nach Belieben aus dem Walde zu räubern. Es wurde so befolgt, daß im Berliner Osten größere Waldstrecken fast völlig vernichtet sind. Der überfallene Wachtmeister. Wieder einmal finnlose Trunkenheit". Ein gefährliches Erlebnis hatte im Januar der Justizwachtmeister Bieste mit zwei Männern, dem Monteur Bruno Abel und dem Dreher Richard Bochstein, das für diese beiden ein sehr bedrohliches Geficht annahm, denn sie hatten sich vor dem Schöffengericht Berlin. Mitte wegen gemeinschaftlichen schweren Straßenraubes zu verant, worben. Die Anklage hatte eine wechfelreiche prozessuaie Vor gefchichte. Zuerst waren die Angeklagten vor dem Schöffengericht wegen. Körperverlegung zur Verantwortung gezogen worden. Das Schöffen gericht hielt sich jedoch nach erfolgter Beweisaufnahme für unzu ſtändig und verwies die Sache an das Schraurgericht. Ehe die Ver. handlung dort jedoch erfolgen konnte, war infolge der Neuorgani fation das Schöffengericht auch für Raubfachen zuständig geworden, so daß die Angeklagten jetzt doch wieder dem Schöffengericht vor geführt wurden. Die Angeklagten wollten sich auf nichts befinnen fönnen und schütten finnlose Truntenheit und Nerven. leiden vor. Nach der Aussage des überfallenen Juftizwachtmeisters Biesta hatte sich der Borfall folgendermaßen abgespielt: Bieste war am 25. Januar zu später Abendstunde aus dem Dienst im Kriminal gerichtsgebäude gekommen. Infolge, Schneetreibens war die Straße menschenleer. An der Ecke der Seydlik- und Lehrter Straße tauchten zwei Männer auf, von denen der eine, der Angeklagte Abel, den Bieste fofort mit der einen Hand an die Rehle padte und durch Bürgen am Schreien hinderte, während er mit der anderen Hand ihm die Brieftasche aus der inneren Brustiasche des Mantels herauszog. Bieste wehrte sich und beide fielen in einen Schneehaufen. Hier liegend wurde Bieste von dem Begleiter Abels mit Fauftschlägen auf den Kopf bearbeitet und es wurde ihm der Mantel über den Kopf gezogen, um ihn wehrlos zu machen. Dann liefen die Räuber meg. Bieste verfolgte sie und entriß Abei die Brieftasche, mit der er dann flüchtete. Bon weitem hielt er die Männer aber im Auge, da ihm auch sein neuer Hut mit einem alten abgetragenen vertauscht worden war. Die Flüchtigen eilten in ein Lokal von Weber, und Bieste warteie draußen dreiviertel Stunden in der Hoffnung, daß ein„ Grüner" tommen würde. Endlich trai Badstein heraus und bedrohte Bieste mit neuen Schlägen. Diefer gab ihm aber einen Stoß, fo daß Bachstein hinfiel Bum Glück für den Beamten tauchte in diesem Augenblick auch ein Schupo beamter auf, durch den beide festgenommen wurden. Der Ange flagte Abel mehrte sich entschieden dagegen, daß fie beide einen Raub beabsichtigt hätten. Was er in seiner Trunkenheit getan habe, wisse er nicht. Alkohol", so crflärte er, fann ich nicht vertragen, und menn ich zum Trinten verleitet werde, entgleife ich leicht." Mehrere Zeugen bestätigten, daß die Angeflagten von 3 Uhr nach. mittags bis abends 10 Uhr Schnäpse und Bier in Unmenge getrumfen hätten und ein Lokal in der Invaliden traße finnlos betrunken und Arm in Aim taumelnd verlassen hätten. Staatsanwalt Dr. Rußmann beantragte die Berurteilung der Ange Slagten wegen gemeinschaftlichen Straßenraubes zu drei und zwei Jahren Gefängnis. Das Schöffengericht sah den Fall nicht als Raub an, sondern verumeilte die Angeklagten wegen gefährlicher Körperverlegung zu je zwei Monaten Gefängnis. Die Eröffnung der Freibäder. Der Eisenbahn- Diebeskonzern. Ein Aufsichtsbeamter als Dieb. polizeilichen Bedenten gegen die 2bhaltung und Beranstaltung in| infolge der ungünstigen Entwidlung des Baumarties ihre eigentliche öffentlichen Bersammlungsräumen bestehen) 20-500 Goldmart; Aufgabe bisher nicht oder jedenfalls nur in höchft ungenügendem 1) Genehmigung zum Betriebe von Bewerben, welche dem öffent. Maße erfüllen. Mit dem weiteren Abbau der Zwangswirtschaft lichen Personen und Güterverkehr innerhalb der dürfte aber auch darin eine Besserung eintreten. Es ist durchaus an Orte durch Wagen aller Art usw. dienen, mit Ausnahme der Dampf der Zeit, daß dem Wohnungsgefeß vom 28. März 1918 nunmehr fchiffahrtsunternehmungen 1-100 Goldmark. Bei Gewerbelegitis Wirkung verschafft und daß wieder ein Wohnungsaufsichtsdienst ein mationen werden für Legitimationsscheine zum Handel gerichtet wird, der bei gleichmäßiger Durchführung ganz erheblich mit Druckschriften usw. 2-20 Boldmart, für Druckschriftenverzeich zur Berbesserung der Wohnungsverhältnisse beitragen fann. niffe, Genehmigung für den Wandergewerbebetrie 1 bis 3 Goldmart erhoben. Dazu ist allgemein zu bemerken, daß für Bewilligungen von Fristverlängerungen und Friftungen der vor stehenden Gebühren, soweit die Entscheidung im Beschlußverfahren ergeht, diese Gebühren neben der Verfahrensgebühr zu erheben sind. Genehmigungen zur Inverfehrssehung von Inhaberschuld 100 000 Goldmart des Rennwerts 50 Goldmart, mindestens jedoch verschreibungen gemäß§ 795 BGB. für jede angefangenen 200 Goldmart. Gebührenfrei wird die Genehmigung an Gemein ben und Gemeindeverbände erteilt, außer für solche Anleihen, die für den Vertrieb gewerbsmäßiger Veranstaltungen aufgenommen werden. Für Pässe und Sichtvermerte, Reichs. und Staatsangehörigteitssachen bleibt es bei den bis herigen Bestimmungen. In dem Gebührentarif werden ferner aufgeführt die Gebühren für Jagdsachen, Kunstscheine, ich tipiete, äffentliche Kreditanstalten, Leichenpäffe, Loten dhe i ne, Feuerbestattung, für Personenstandsangelegenheiten, Polizeiftundenverlängerung, Straffachen, Bereinswesen, Versiche rungsunternehmungen, Waffenscheine u. a. m. Ein Balkoneinsturz. Lebensgefahr aus dem Verfall Berliner Häuser. Wenn der„ Borwärts" bei seinen Streifzügen durch die Miets fafernen des hohen Nordens die Wohnungsinhaber fragie, ob sie die Schadhaftigkeit ihrer Wohnung schon der Baupolizei gemeldet haben, so erhielt er fast jedesmal eine bejahende Antwort. Die Herren von der Behörde hätten wohl die Räume besichtigt, alles eifrig notiert um dann nichts wieder von sich hören zu lassen. Nun wird aus dem Hause Bremer Straße 52 gemeldet, daß fürzlich in den Abend stunden ein Teil des Balfons bes 2. Stodmerts auf ben des 1. Stodwerts hinabfiel. Die Polizei sperrte. darauf fämtliche Ballone des Hauses für die Benutzung, da sie sich clle als schadhaft herausstellten. Eine nähere Besichtigung bestätigt uns die hier ausgeführten Meldungen. Allerdings macht die Fassade zunächst teinen unfreundlichan Eindrud, so daß man leicht zu der Annahme neigt, das Haus befinde fich in guter Verfassung. Die vier Stodwette haben je zwei Balfons, die übereinander liegen und von Eisengittern umzogen sind. Nur diesem Umstande ver bantte der Wohnungsinhaber feine Rettung. Er flammerte fich mit beiden Händen am Gitter, das quadratförmige Deffnungen hat, fest, und konnte dann in die Wohnung hineingezogen merden. Der linte Balton des zweiten Stodwerfs bidet die eigen artige Unfallstätte. Da, wo sich sonst der Boden befindet, flafft jetzt eine mächtige Lüde, während die herabgestürzten Mauermaffen zum Teil auf dem Ballon des ersten Stockwerkes lagern. Wenn die Meldung fagt, daß diefer Balkon sich förmlicy unter der Steinfast bog, so stimmt das durchaus. Im übrigen ist das Stück des Fußgängerweges vor dem Hause gesperrt, da die Gefahr eines weiteren Herabstürzens des Mauerwerts besteht. Es ist unverständlich, warum die Baupolizei hier nicht schon früher eine Sperre der Baltone ausgesprochen hat, oder sind die Mängel des Hauses Bremer Straße 52 nicht vorher zu ihrer Kennt nis gelangt? Die Wohnungsämter. Des allgemeinen Interesses wegen geben wir die Ausführungen bes Oberregierungsrats im Preußischen Minifterium für Bollswohlfahrt, G. Greifchel, wieder, die in der Zeitschrift„ Bollswohlfahrt", bem Amtsblatt Des Preußigen minifteriums fit" Boltswohlfahrt, der öffentlicht merden. Die vor dem Kriege bestehenden Wohnungsämter genoffen all feitig, man fann wohl fagen ohne Ausnahme, großes Ansehen und erfreuten fich des Bertrauens der Bevölkerung. Dieses Verhältnis hat sich nach dem Kriege in das Gegenteil verkehrt. Die Wohnungs ämber dürften heute zu den am meisten angegriffenen behördlichen Einrichtungen gehören. Die Gründe hierfür find allgemein bekannt. Thr Ursprung liegt in der Wohnungswirtschaft, bei deren Durchführung die Wohnungsämter mitzuwirken haben. Ohne Zweifel sind die weitaus meisten Angriffe auf die Wohnungsämter durchaus unberechtigt, wenn auch nicht verschwiegen werden tann, daß einzelne Fälle vorliegen, die vor der Deffentlichkeit nicht gerechtfertigt werden können. Den Bod zum Gärtner hatte die Eisenbahnperwaltung gefeßt, indem sie den Eisenbahnfefretär Alfred Ditebrandt zum Aufsichts noch immer nicht ganz beseitigten Warendiebstählen auf der Eisenbahn beamten auf den Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde machte, um den entgegenzutreten. Anstatt feine Untergebenen, bie er bei Diebstählen antrat, anzuzeigen, zog der Aufsichtsbeamte" es vor, mit diesen ein Rompaniegefchäft zu machen, indem er sich eine prozentuale Beteiligung an den Diebstählen ausbedang und nicht nur ein Auge zudrüdte, sondern sogar einen Diebesfonzern organisierte. Bei der großen Zahl der Beteiligten mußte die Sache schließlich zum lappen tommen. Eines Tages wurden zahlreiche Rangierer und Eisenbahnunterbeamte verhaftet. Sie entschuldigten sich damit, daß fie durch den an der Spiße ihrer Organisation" stehenden Aufsichtsbeamten zu den Diebstahlan verleitet worden seien, Vor dem Amisgericht Lichtenberg hatten sich außer Dittebrandt zahlreiche Unterbeamte megen Diebstahls und Hehlerei zu Derantworten und wurden zu hohen Gefängnisstrafen ver. urteilt. Dittebrandt, dem 3 Jahre Gefängnis zudittiert worden maren, wollte sich mit dem Urteil nicht beruhigen und hatte Berufung eingelegt. Bor der Straffammer des Landgerichts III erzielte der Berteidiger auch eine Strasherabsehung, indem das Gericht das offene Geständnis und die bisherige Unbescholtenheit dem Angeklagten zu gute rechnete Die Strafe wurde von der Strafkammer auf 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 4% Monaten Untersuchungshaft bemeffen. Das„ vorteilhafte" Syftem. Man schreibt uns: " Ein altes Sprichwort sagt mit Recht: Die Dummen werden nicht alle". Wie man durch. Inserate in Berliner Zeitungen er fährt, wird ein Radioapparat angeboten für den geringen Preis von 4 M. zahlt der gutgläubige Käufer, bem es nun obliegt, vier veranlaßt, den Apparat ihrerseits zu den gleichen Bedingungen zu faufen. Gleichzeitig wird erwähnt, daß ber angebotene Apparat einen Wert von 40 bis 50 Mt. hat. Wenn hierbei nicht bereits ein Fall unlauteren Wettbewerbes vorliegt, fo muß man sich doch die Frage stellen, wie der Händler bei dem Geschäft auf seine Roften tommt. Angenommen er verkauft einen Gegenstand im reellen Werte von 20 mt. in fünf Teilbeträgen von je 4 Mt. Den ersten Anteil Don 4 Mezahlt der gutgläubige Käufer, dem es nun obliegt, vier feiner nächsten Freunde dadurch reinzulegen, daß er ihnen den Bert seiner Zahlung darstellt. Diese letteren Bewerber der An= billigen Erwerb eines Gegenstandes vorgaufelt, der den fünffachen teile sehen sich nun veranlaßt, um zu dem Genuß der Vorteile des Angebotenen zu gelangen, wieder ihren nächsten Freunden oder Bekannten den Reiz der Angelegenheit vorzutauschen und so dente man sich den weiteren Umfaß der Anteile fort bis zu jenem Zeitpuntie, in dem das Intereffe an der Sache selbst erlahmt und bie Rüdwirtung des Systems einseht. Die Borteile besselben find dann immer gänzlich auf der Seite des schlauen Händlers. Er liefert den angepriesenen Gegenstand erst nach Eingang des pollen Bertaufspreises von 20 mt., hat das Verfügungsrecht über die eingezahlten Gelder und find auf das Konto des einzelnen Anteilerwerbers z. B. nur drei Anteile, affa 12 Mt. gezahlt, fo pers fallen, die Gummen zugunsten des Handlers, ba er ja erft bei Bollzahlung der 20 Mt. verpflichtet ist, den Gegenstand zu liefern. Je größer nun der Umlauf der Anteile ist, um so mehr wird es solche Leute geben, die zu jenen gehören werden, die die Hunde beißen" und auf deren Schultern das„ vorteilhafte" System letzten Endes aufgebaut ist. Eine Entbindung im Gefängnis. Der für den 22, Mai vor dem Schwurgericht des Landgerichts I angefekt gewefenen Verhandlungstermin wegen Raubmordes gegen die Verkäuferin Franziska Chiemelsti ist abgefekt worden, da die Angeflagte in biefen Zagen ihrer Rieberkunft die Angeflagte die Händlerin Bod in der Fürstenberger Straße, im Gefängnis entgegenfieht. Wie erinnerlich, hatte bei der sie in Stellung war und bei der sie wohnte, erwürgt und nachher beraubt, angeblich, weil Frau Bod ihr ihren Geliebten abspenstig machen wollte. Der Mordfall wurde bereits im Januar einmal verhandelt, mußte aber vertagt werden, weil die Gutachten der Sachverständigen über den Geisteszustand der Angeklagten auseinandergingen und das Gericht eine nochmalige Beobachtung Wohnweds Einholung eines Obergutachtens anordnete. von dem Verteidiger gestellter Haftentlassungsantrag, der sich auf das Gutachten des Medizinalrats Dr. Thiele ftüßte, daß die Einrichtung des Untersuchungsgefängnisfes für die Behandlung einer Wöchnerin unzureichend wären, war vom Gericht wegen Fluchtverdachts abgelehnt worden. Außer dem Freibad Müggelsee, dessen Eröffnung, wie bereits mitgeteilt, am Sonntag bevorsteht, werden auch andere Freibäder in der Umgebung Berlins am Sonntag ihre Pforten öffnen. So das Freibad Plößenfee. Umfangreiche Neuanlagen und Bepflanzungen find hier während des Winterhalbjahres vorge nommen worden, so daß die bisher schon so zahlreichen Freunde des Vor dem Kriege entsprang die Einrichtung von WohnungsBades fich dadurch noch vermehren werden. Durch die bequeme Lage ämtern dem Wunsche, für einen geordneten Zustand der zu Wohn( in der Nähe des Birchow- Krankenhauses) fann Freibad Plößensee zweden dienenden Räumlichkeiten zu sorgen und auf die Bewohner von der Bevölkerung der Bezirke Wedding und Tiergarten ohne schaft dahin einzuwirken, die Wohnungen zweckmäßig und in ordent unbequeme Fahrten und ohne Aufwendung von Fahrgeldern erreichtlicher Weise zu benutzen. Insofern hing ihre Gründung mit der werden. Das Eintrittsgeld ist für Erwachsene auf 10 Bf. und Durchführung der Wohnungsaufsicht eng zusammen. Selbst für Kinder auf 5 Pf. festgefegt. Jahresfarten fosten für Erwachsene verständlich ist es notwendig, zunächst genügenden Wohn 3 M., für Kinder 1,50 M. An bedürftige Kinder werden, wie bisher, raum für die Bevölkerung zu schaffen. Aber es ist ein großer Freikarten durch die Schulen verteilt.-Ferner wird das Irrium, anzunehmen, daß damit eine ausreichende Ordnung im Woh Familienbadim Boltspart Jungfernheide am Sonnungswesen verbürgt wäre. Nicht nur, daß finderreiche Familien in tag, den 18. Mai, eröffnet. Die beginnende Badezeit hat auch bereits der Regel mit den schlechtesten Wohnquartieren fürlieb nehmen das erste Opfer gefordert. Gestern ist der 13 jährige Schüler müssen, sondern es ist vielfach der Zustand der überhaupt vorhande Erwin Lange aus der Frankfurter Allee 157 in der Spree am nen Kleinwohnungen zu beanstanden, und die Art ihrer Benußung Wilhelmsstrande ertrunken. Obgleich man in zwei Booten sogleich läßt vielfach sehr zu wünschen übrig. Daß aber die Art der Woh die Unglücksstätte absuchte, fonnte der Knabe nicht gerettet und die nungsbenutzung einen der Hauptfattoren darstellt zur Aufrecht Leiche noch nicht geborgen werden. erhaltung von Ordnung und Sitte und zur Hebung des Kulturzustandes des gesamten Volkes, bedarf feiner weiteren Ausführung. Bielfach hört man den Einwand, daß in Zeiten der gegenwärtigen Wohnungsnot die Durchführung der Wohnungsaufficht nicht möglich fei, weil es an verfügbarer Wohngelegenheit zur Ausschaltung unzureichender oder schlechter Wohnungen mangele. Nichts ist ver. fehrter als diefer Hinweis. Gerade unter den heutigen höchst umgünftigen Berhältniffen muß nach Möglichkeit darauf hingewirkt merden, einen gewiffen Wohnungsstandard aufrechtzuerhalten. Außer. dem ist es gar keine Frage, daß viele Mißstände in den Wohnungen auch unter den heutigen Berhältnissen beseitigt werden können, wo durch eine weitere nicht unerhebliche Verbesserung der Woh nungsverhältnisse erzielt würde. Daß sich gegenwärtig nicht alle Mängel beseitigen lassen und daß es insbesondere nicht möglich ist, überfüllte Wohnungen zu räumen, bedarf keiner weiteren Erörterung, ist aber, wie gesagt, durchaus fein Grund, nun überhaupt von Befferungsmöglichkeiten abzusehen. Das preußische Wohnungsgesetz vom 28. März 1918 genügt allen Anforderungen zur Durchführung einer geregelten Wohnungsaufsicht. Insbesondere ist hervorzuheben die Anstellung von Bezirkswohnungsaufsichtsbeamten in den einzelnen Regierungsbezirken. Leider fonnten diese Beamten Staatliche Verwaltungsgebühren. Auf Grund des§ 4 Abs. 1 des Gesezes über staatliche Berwaltungsgebühren vom 29. September 1923 hat der Minister des Innern unter dem 25. April eine sofort in Kraft getretene befon dere Gebührenordnung für Amtshandlungen im Geschäftsbereiche der Verwaltung des Innern erlassen, aus der der Amtliche Preußische Pressedienst die folgenden allgemein inter effierenden Tarife mitteilt. Die Verfügung ist im Einverständnis mit dem Finanzminister und zugleich im Namen des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten erlassen. Aufenthaltsgenehmigungen für Ausländer auf die Dauer bis zu einem Bierteljahr 6-20 Goldmart, auf unbeschränkte Dauer 50-200 Goldmark. Genehmigungen für Ge werbesachen: a) Ausfertigung der Urkunde über die Genehmigung zum Betrieb einer Gastwirtschaft, Gantwirt schaft oder eines Kleinhandels mit Branntwein oder Spiritus 10 v. H. des Anlage- und Betriebskapitals, mindestens jedoch 10 Goldmarf; b) Ausübung des Betriebs als Hufbeschlag= schmied, Erteilung des Prüfungszeugniffes 10 Goldmart; c) Genehmigung des Betriebes als Schauspielunternehmer 20-500 Goldmart; d) Erlaubnis zur gewerbsmäßigen öffentlichen Beranstaltung von Singspielen, Gesangs- und deflamatori schen Vorträgen, Schaustellung von Bersonen oder theatralischen Borstellungen 20-500 Goldmark; e) Erlaubnis zum regelmäßigen Tanghalten 50-500 Goldmart; f) Verhandlungen bezüglich des Betriebs des Geschäftes der Pfandleiher, Pfandvermitt ler, Gesindevermieter und Stellenvermittler: für die Erlaubniserteilung 20-500 Goldmart, für die Bestätigung( 2lbstempelung) der Geschäftsbücher und Gebührentarife 3 Goldmart; g) Erlausnis zum Ausschant geistiger Getränke in den Fällen von§§ 42a und 67 2lbs. 2 der GD. 5-20 Goldmart; h) Erlaubnis zu Musikauf. führungen, Schaustellungen ufm. 20-50 Galdmart; i) Tanzerlaubnis 5-50 Goldmark; k) Grlaubnis zu sonstigen Luftbarkeiten( Ring- und Borfämpfe, Radrennen, Ausstel Lungen, Bazare, Kostümfeste u. dg., Bescheinigungen, daß teine α Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 17. Mai. kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bein der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichten dienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag Ein Tag im Freien 8.30 Uhr: 1. a) Ich liebe dich, von Beethoven, b) Mailied, von Beethoven( Grete Krüger). 2 Fröhliche Lieder( Rudolf Zank). 3. Fantasie über, Webers letzter Gedanke von Fuchs( Kammermusiker Hans Bode, Trompete). 4. Heitere Vorträge( Hanni Kachler- Richter). 5. Arie aus„ Madame Butterfly, von Puccini( Grete Krüger). 6. Fröhliche Lieder ( Rudolf Zank). 7. Gute Nacht, du mein herziges Kind, von Abt ( Kammermusiker Hans Bode, Trompete). 8. Heitere Vorträge Hanni Kaehler- Richter). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. I Ein damals Stundung der Steuern für Sportplähe. Die Erhebung der Grundvermögenssteuer auch für Sportpläße hat den lebhaftesten Protest der zentralen Sportverbände hervorgerufen, da die Aufbringung der Steuern einfach unmöglich war und zu einer Lahmlegung des Sport- und Spielbetriebes im Freien geführt hätte. Nunmehr wird eine Berfügung des preußisen Finanzministers vom .9 April 1924 betr. Stundung der Grundvermögenssteuer bei Grundstücken, die ausschließlich der Pflege von Leibesübungen dienen, bekanntgegeben, die die außergewöhnlichen Härten des bisherigen Zustandes beseitigen soll. Ein vollständiger Erlaß der Steuer wird durch das Reichsgesetz nicht zugelassen. Die Stun dung foll aber, wenn die sonstigen Voraussetzungen gegeben sind, bis zum Ablauf des Grundvermögenssteuergesetzes erfolgen, so daß eine Erhebung der Steuer tatsächlich nicht in Frage kommt. Die Stundung darf nur gemährt werden: a) wenn es sich um Grundstüde handelt, welche ausschließlich und unmittel bar der Pflege der Leibesübungen dienen; b) wenn die die Grundftüde benutzenden Bersonenvereinigungen lediglich die planmäßige und der Allgemeinheit dienende, aber nicht die gewerbs. oder berufsmäßige Pflege der Leibesübungen fich zur Aufgabe machen; c) wenn und insoweit die Steuer von dem Verein und den Vereinsmitgliedern mit Rücksicht auf deren wirtschaftliche Lage ganz oder teilweise nicht getragen werden kann; d) wenn und insoweit die Gemeinde ihre Steuer vom Grundbesiz(§ 25 oder§ 26 KAB.) ausweislich einer von der Gemeindebehörde ausgestellten Bescheinigung ebenfalls ftunbet. Ueber die Stundung der staatlichen Grundvermögenssteuer entscheidet der fcheinigung der Gemeindebehörde gemäß obigem Abjazd bei. Borsigende des Grundsteuerausschusses. Dem Antrag ist eine Bezufügen. Zur Bereinfachung des Geschäftsganges ist der Antrag in Stadttreisen an den Magistrat, in Landfreifen an den Landrat zu richten, die die Weitergabe des Antrages veranlassen. Das Hauptgewicht ist von den Bereinen, darauf zu legen, daß die Ge. meinde ihre Steuer in vollem Umfange stundet, und eine diesbezügliche Bescheinigung dem Antrage beifügt. Es darf wohl erwartet werden, daß die Gemeindebehörden nicht fistalische Gesichtspunkte, fondern die hohe Bedeutung der Jugendpflege in den Bordergrund stellen, indem sie den im Interesse der Volksgesundheit arbeitenden Turn- und Sportvereinen die weitestgehende Unterstügung zuteil werden lassen. Zur Festnahme des Schwerverbrechers Schuck. Die Festnahme und Auslieferung eines lange gesuchten Ein und Ausbrechers und Bankbetrügers namens Jo= hann Schud hat in Berlin zu einer neuen Verhaftung geführt. Außer den bereits abgeurteilten Romplicen wurde jeht auch eine Frau Zerbst festgenommen, die mit ihrem Manne ein Weinlofal betrieb und Schud oft verborgen hielt. Schuck selbst hat eine ganz außerordentlich bewegte Bergangenheit hinter sich. sichtsbeamte dicht neben einer in Tätigkeit befindlichen Maschine ein scharfes Gefoß einer Revolverfanone mit entferntem Vorstecker. Der Täter fonnte bisher nicht ermittelt werden. Auskunftstelle für foziale Angelegenheiten im Bezirk Brenzlauer Berg. Um der werftätigen Jugend im Bezirk Prenzlauer Berg Gelegenheit zu geben, fich in allen Fragen vertraulich Ausfunft einzuholen, find vom Orisausschuß für Jugendpflege zwei Jugendberatungs- und Austunftsstellen unter Leitung fozial erfahrener Bersönlichkeiten eingerichtet worden. Auskunftsstellen befinden sich: vchener Straße 127 bei Herrn Walter Rüdiger Mit einer Freundin Anna Kufner betrieb er in Düsseldorf unter geöffnet jeden Montag von 6-7 Uhr abends, und Pasteur str. 35 bei dem Namen Henri Hamilton allerlei Schiebergeschäfte. Durch Ver- Herrn Otto Fenselau, geöffnet jeden Mittwoch von 5-7 Uhr abends. mittlung feiner Schwester tam er mit einer Jugendfreundin Das Jugendamt Prenzlauer Berg hat im Dienstgebäude Luise Tröger zusammen, die in zehn Jahren in Amerita angebangiger Straße 64, rechter Aufgang, Zimmer 124, eine lich schwer reich geworden und jetzt nach Deutschland gekommen war, ist jeden Montag, abends 5-7 1hr, geöffnet. Wanderauskunftstelte mit Kartenvertrieb eingerichtet. Dieselbe um Schieber- und Valutageschäfte zu machen. Mit ihr zusammen gedachte er nach Amerita zu entkommen. Sie erzählte, daß fie aufbücherel in Charlottenburg, Dandelmannstr. 47, ift wieder geöffnet. Die Die Zweigstelle Weft Bücherausgabe mit Freihandabteilung der Stadttem Dampfer einen schwer reichen Spanier tennengelernt Deffnungszeit ist wie in den übrigen Zweigstellen: Montag, Mittwoch, Freiund mit ihm nach Berlin gefahren sei. Ihr Plan ging dahin, mit tag von 3-8 Uhr, Dienstag und Sonnabend von 9-12 Uhr, Donnerstag dem Spanier gemeinsam eine Bension zu beziehen. Dort sollte ihm geschlossen. Schud 3yantali in den Wein mischen. Er lehnte den Mord a b. Aber schon am nächsten Tage tam sie wieder mit der Forde rung. Sekt sagte sie, der Spanier sei ein Säufer. Sie wolle mit ihm und Schud in einem Lotal einen luftigen Abend feiern, den Epanier betrunken machen und dabei auch noch ein Betäubungsmittel anwenden. Nach Verlassen des Lokals follte der Spanier nur seiner Gürtelwefte, in der er, wie nur die Tröger wußte, für eine halbe Million Juwelen verstedt hatte, beraubt, und dann in den Kanal geworfen werden, Schue aber fieß sich auch durch Drohungen nicht bewegen, beschloß jest, von der Jugendfreundin Ioszukommen und fuhr nach Düsseldorf zu Anna Kufner. Er geriet mun in Not und als er zwei Männer, Berkowitz und Fride, kennen lernte, heďte er mit diesen den Plan aus, nunmehr die Tröger selbst zu überfallen und zu berauben. Der Plan tam auch zur Ausführung. Die Ueberfallene wurde in einen Keller geschleppt, von Fride und Bertowig um 100 000 m. und ihrer Handtasche beraubt, von beiden auch noch vergewaltigt. Schud nahm von der Beute 50 000 m. und reiste sofort nach Berlin ab. Hier las er nach 8 Tagen in der Zeitung die Verhaftung seiner Spießgefellen, die später zu 5 und 3 Jahren Zuchthaus verurteilt wurden. Er floh über Berlin nach Mainz und Aachen, fam hier an einen gewissen Jean Massenat und murde von diesem als brauchbarer Mensch" für einen großen Bantbetrug gewonnen, für den er sich jest nachträglich zu verantworten haben wird. Halbe Kassenpreise für Vorwärts"-Abonnenten. Bei den Mujifabenden des Berliner Sportpalastes erhalten unfere Abonnenten an der Tagestaffe gegen Vorzeigen der Abonnements quittung Eintrittstarten zum halben. Originalpre is. Die Tagespreise sind wie folgt: 1. Parfett 5 m., 2. Partett 4 M.. 1. Rang 1. Reihe 4 M.. Tribüne 4 und 3 M., 3. Partett 3 M., Estrade 3 M., 1. Rang 2. Reihe 2 m., 2. Rang 1 M. Der nächste Mufifabend findet am 21. d. 8 Uhr abends in Form eines Balladen Abends statt. Es ist gelungen. für diesen Abend drei hervorragende Bertreter der Sprech- bzw. Gefangstunst zu gewinnen und zwar: Ludwig Wüllner, Frau Arndt- D ber und Joseph Schwarz. Wüllner wird u. a. auch das Herenlied Don Wildenbruch zum Vortrag bringen. Das Berliner Sinfonie( Blüthner) Orchester unter Leitung von Edmund Meisel wird die Borträge begleiten. Voltsbildungsamt Neukölln. Sonntag, 18. Mai, nachm. 2, 1hr, Veranstaltung im Staatlichen Schauspielbaus, Gendarmenmarft: Peer Gynt, von 35sen. Karten bei Gärtner, Wigmannstr. 14, im Voltsbildungsantt und an der Theaterkasse zu haben. Im Kinderheim Stohl, Kreis Edernförde in Holstein( an der Dstſee) find Bläge frei. Der Preis für eine ich 3 möchige Kur beträgt 75 M. Anmeldungen zwischen 12 und 2 11hr in der Fasanenstr. 23. Wiederausbruch eines faukasischen Vulkans. Der seit längerer Zeit ruhende Bulfan Ges det an der Küste des Kaspischen Meeres( unweit der Stadt Alatt an der Rautafischen Eisenbahn) ist jest wieder mit großer Sjeftigkeit erwacht. Lie russischen Geologen bringen diefen Ausbruch mit der lebhaften Tätigkeit im Zusamenhang, die die Bustane in anderen Weltgegenden neuerdings entfaltet haben. Keine Pässe für deutsche Rennfahrer in Frankreich. Aus Paris wird gemeldet, daß dem deutschen Rennfahrer Stellbrint, der auf einer Pariser Radrennbahn ftarten sollte, der Paß ver weigert worden ist. Von Paris aus sei an die französischen Konsulate die Weisung erteilt worden, die Einreise deutscher Sports leute nach Möglichkeit zu verhindern. Die Cholera- Epidemie in Bengalien flaut ab, wenn auch in den letzten Wochen noch 2500 Lodesfälle porgekommen sind. Um ein Wiederaufflaminen der Krankheit bei der augenblicklich starten Sie zu verhüten, wird öffentlich vor dem Genuß von Früchten gewarnt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Sozialistisch- wissenschaftlicher Distuffionsabend für Beamte. Die Genoffen, welche an der Weiterführung dieser Kurse Intereffe haben, werden gebeten, an der Sigung der Arbeitsgemeinschaft am Sonnabend( heute) um 7% Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, teilzunehmen. Tung. Bortrag über Die Lehren der Reichstagswahl". Referent Genosse Robert Breuer. Bernaut. Seute abend. 8 Uhr bei Mobisch, Raiserstraße, Mitgliederversamm Morgen, Sonntag, den 18. mai: Jungsozialistische Bereinigung. Sonntag nachmittag 4 Uhr Frühlingsfeft in Falfenberg bei Grimau, Blas hinter dem fazienhof. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 30. Abt. Genosse Otto John ist am 12. Mai verstorben. Die Einäscherung Die Vorfriegsanleihen der Städte. In lekter Zeit ist das Gerücht verbreitet worden, daß die Städte ihre Borfriegsanleihen mit einem festen Prozentsaz aufzuwerten beschlossen hätten. Dies ist folfch. Die Städte fönnen gegenwärtig solche Beschlüsse überhaupt findet am Montag, den 19. Mai, nachmittags 2 Uhr, im Krematorium Gericht nicht fassen, da die dritte Steuernotverordnung dafür gefeklicheſtraße ftatt. Reelung vorbehalten hat. Richtig ist nur, daß z. B. die Stadt Berlin von Befizern ihrer Vortriegsanleihen( bis 1915 einschließ lich) die fich zum Verkauf gezwungen fahen, diese Anleihepapiere zurückgenommen hat und dafür einen Betrag bis zu 5 Broz. Des Nennwertes in Rentenmart gezahlt hat. In welchem Umfange dies möglich ist. hängt davon ab, inwieweit der Stadt Mittel dafür zur Verfügung stehen. Drei neue Tollwutfälle bei Hunden. Amtstierärztlich und durch Untersuchungen im Institut Robert Koch" in der Föhrer Straße find drei neue Tollwutfälle bei Hunden festgestellt worden und zwar 1. am 18. März bei dem Hund von M. am Kurfürstendamm, 2. am 22. April bei dem Hund von L. in der Großbeerenstraße, 3. am 10. Mai bei dem Hund von T. am Kaiserdamm. Eine russische Granate in der Untergrundbahn. Gestern vormittag wurde in einem Zuge der Untergrundbahn am Bahnhof Spittelmartt von Bahnbeamten ein verschnürter Rar ton aufgefunden. Es fand sich darin eine etwa 20 Pfund schwere Granate anscheinend ruffischen Ursprungs. Der unheimliche Fund wurde zur Wache des 14. Polizeireviers gebracht und von dort durch einen technischen Beamten abgeholt. In einem Arbeitsraum der AEG., Aderstr. 72-76, fanden AufJugendveranstaltungen: Die Führeraussprache Aus der Partei. Die Koalitionsfrage in der Schweiz. Bor furzem tagte in Olten der Parteivorstand der Schweize rischen Sozialdemokratie, der sich vornehmlich mit der Frage der Beteiligung am Bundesrat beschäftigte. Dem Parteivorstond lag ein Antrag der Geschäftsleitung vor, der sich für die Beteiligung am Bundesrat aussprach, und die Refolutionen Grimm und Lang, von denen die erstere eine Minderheitsvertretung im Bundesrat grundsäglich ablehnte und die zweite fie von bestimmten Boraussetzungen abhängig machte, wobei dem Parteitage die Feststellung überlassen bleiben sollte, wann diese erfüllt wären. Ueber die Refolutionen fonnte eine Einigung nicht erzielt werden. Der Barteivorstand beschloß auf Antrag Schneider( Basel), dem zulehnen. Der Parteitag findet am 6. und 7. September in Basel statt. Parteitag einfach zu empfehlen, den Antrag der Geschäftsleitung abVorträge, Vereine und Versammlungen. Berein Rheinland", Bereinigung von Rheinländern in Berlin. Sonntag, Treffpunkt 3' Uhr vor den großen Glashäufern. 5 Uhr Wanderung nach Dahlem, den 18. Mai, nachmittags, Besichtigung des Botanischen Gartens unter Führung. eftaurant Waldfrieden am Grunewald.( Station Dahlem- Dorf.) Rheinische Landsleute find willkommen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Vappelallec 15, Bor trag des Herrn P. Rogal: Naturgeschichte und Giftenlchre". Gäste will: fommen. Berband sozialistischer Abstinenten. Ueber ,, Das Alkoholverhot in Amerika" spricht der Genoffe Simon Ragenstein heute( Sonnabend) abend 7 Uhr im Lichtenberger Jugendheim, Barfaus 10, auf der Gaugeneralversammlung des Verbandes fozialistischer Abstinenten. Gäfte find herzlich eingeladen. Die Bereinigten Sänger Bichtenbergs", Mitgl. d. ASB., Chormeister, Walter Bas, veranstalten am Sonntag, den 18. Mai, 7 Uhr, einen Bolksliederobend im Jahn- Realgymnasium, Marktstraße 2. Eintritt 1,20 M. Uebungsabe- s daselbst jeden. Donnerstag von 8-10 Uhr abends. Arbeitersport. Zurn und Sportverein Giche", Röpenick( M. D. M.-S. u. Sp.-B.). Sonnabend, den 17. Mai, abends 8 Uhr, Sigung auf dem Eiche" Sport plag. Tagesordnung: 1. Wie fördern wir den Spielbetrieb unserer Mit slieber? 2. Unsere Stellung zum Rudersport; ist die Bildung einer Ruder riege erstrebenswert? Sonntag, den 18. Mai, nachmittags 2 Uhr, Anturnent fömtlicher Stinderabteilungen. Rartell für Bolfsbildung, Sport und Körperpflege, 16. Bezirk. Montag, den 19. Mai, abends 18 Uhr, Sigung im Jugendheim, Röpenid, Grünauer Straße 5. Tagesordnung: 1. Jugendherbergswerbewoche. 2. Sportplaßfragen. 3. Bericht von der Maiveranstaltung. Freie Schwimmer Charlottenburg. Gonntag, den 18. Mai, nachmittags 153 Uhr. An baben im Sommerbad, Jungfernheide, Bolfspart. Die Rettungsmachen müffen sich fchon frühmorgens einfinden. Stralau- Adler 08 spielen am Sonntag, den 18. Mai, auf dem Stralaus Blag, Gozlerstr. 48, mit 3 Männermannschaften und 1. Jugendmannschaft. anschließend. Die Jugend spielt vormittags 10.20 Uhr. Das Spiel der 3. Mannschaft beginnt um 122 Uhr. Die anderen Mannschaften Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, den 16. Mai: 1. Rennen. 1. Harletin( Stozal), 2. Federnelle( F. Schmidt), 3. Jde. alist( B. Kaupper). Zoto: 84: 10. Blaz: 20, 59, 19: 10. Ferner liefen: Bella Dawson, Nathan IV, Baron 300, Palme I, Erster Wolfers., Quelle IV, Zafna. 2. Rennen. 1. Wildkake( H. Grube), 2. Altgold( Elias), 3. Corona Mc. Kinnen( 3. Lichtenfeld). Foto: 16:10. Plat 13, 21, 23: 10. Ferner liefen: Natter, Peralta, Brinceß Berta, Dompfaff I, Daley B. 3. Rennen 1. Abt. 1. Berthold( Bert), 2, Bismark( Fisch), 3. Mai. fönigin I. Toto: 36: 10. Blab: 13, 14, 14: 10. Ferner liefen: Aller tony, Starneval, Stronprinz I, Brinz Kudud, Lumpi, Ypsilanti, Walfisch. 2. Abt. 1. Hartenfels( A. Frömming). 2. Schlips( A. Rüdert), 3. Nebel ( Behns). Toto: 41: 10. Blat: 14, 15, 24: 10. Ferner liefen: Angriff, Ditermagda, Zeitgeist, Nachtfalter, Simpleg. 4. Rennen. 1. Arworthy 3( J. Mills), 2. Franto I( G. Neuenfeld), 3. Cobra(. Grube). Toto: 13:10. Blab: 10, 11, 12: 10. Ferner liefen: Gawein( als 1. disqu. Ginjaz zurüd), Johannesfeuer, Ditermagda. 5. Rennen. 1. Lucullus( Großmann), 2. Florian( Herm. Schleusner), 3. Heimann( Weidmüller). Foto: 18: 10. Blag: 16, 28: 10. Ferner liejen: Fels, Frankenstein. 6. Rennen. 1. Stuar Webbs( Burmester), 2. Libanon( G. Meutenfeld), 3. Manfred( Steger). Toto: 38: 10. Platz 19, 22, 56: 10. Ferner Frundsberg. findet am Sonntag, den 18. d. M., vünktlich abends 7 Uhr, im Jugendheim lesen: Prinz Adbell, Gudrun II, Falter, Sybill, Leichtsinn, Paul B., Zintenfte. 3, statt. Thema: Kirche und Sozialismus". ,, Die Grundlinien der Weltgeschichte von S. C. Bells, 3. Teil, ift er schienen. Pro Grid 1,50 M. T Heute, Sonnabend, den 17. Mai, abends 71% Uhr: Werbebezirk Teltomkanal: Delegiertenkonferenz im Jugendheim Steglik. Albrechtstr. 47. Alle Delegierten müffen erscheinen. Wichtige Tagesordnung. 7. Rennen. 1. Batschari( Berl), 2. Elie B. I( 5. Grube), 3. Ginori ( Alb. Freundt). Toto: 40: 10. Blat: 16, 31, 64: 10. Ferner liefen: Simiene, Niagaral, Zu Ende, Herzfönig, Mirabelis I. 8. Rennen. 1. Hartstein( Ringius), 2. Verdun( S. Baade), 3. Dr Bingen( J. Mills). Toto: 152: 10. Plat: 11, 10, 10: 10. Ferner liefen: Longobarde, Fafner J., Durchbruch, Ballspieler. Wetter für Berlin und Umgegend. Etwas fühler, wechselnde Bewölkung, aber feine erheblichen Niederschläge bei mäßigen weitlichen Winden. Für überall troden, vorübergehend fühler. Morgen, Sonntag, den 18. mai: Deutschland. Sm Norboſte noch vieljach leichte Gewitterregen, ſonſt Friedenau: Beteiligung am Schöneberger Bolkstanzfeft. Treffpunkt 1 Uhr Rathaus Friedenau. Moabit II: Wanderung Blumenthal. Treffpunkt 17 Uhr Bhf. Bellevue. Reutölln IV: Fahrt ins Blaue. Treffpunkt 6 Uhr Marktplag. Neu- Lichtenberg: Besuch des Botanischen Gartens. Treffpunkt 29 Uhr bensplan. Bhf. Neu- Lichtenberg. Niederschönhausen: Fahrt. Treffpunkt 6 Uhr Frie Schöneberg 1: Jugendheim Rubens-, Ede Sauptstraße, Lichtbildervortrag: Runft und Ritsch", abends 7 Uhr. Steglig 1: Fahrt nach Birken. werder. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Güdende.- Stegliz II: Fahrt nach Birkenwerder. Treffpunkt 27 Uhr Schloß. Ede Raiferallee. Webbing: Boltsfest in lang. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Bülowstraße. Faltenberg. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Wedding. Westen: Fahrt nach BriefeMadenwürmer Springwürmer, Spulwürmer werden beseitigt d. Wurm mittel ,, Leolade", wohlschmed. Arefaschokolade. Mit genauer Anweisung. Schachtel 80 Pt. Nur echt vom Laboratorium Leo, Dresden- N. In allen Apotheken und Drogerien. Was sagt Leiser? 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Theater Allabendlich 8, U.: 7 Uhr: Drunter u.drüber Zum ersten Male: Die Weltsensation: Der gefesselte Pro- D. Wund. d. Schatten metheus d.Alschylos Deutsch.Opernhaus Kammerspiele 7 Uhr: Lohengrin Zum ersten Male: Rudolf Laubenthal, 7 Uhr Onkelchen hat geträumt Lala Laubenthal- Kaessar, Dannenberg, Krieber, Schützendorf, Fassbaender Gr. Schauspielhaus Intimes Theater 74, Uhr: 8: Crêpe Georgette usw. Gasparone Metropol- Theater Theater i. d. KöniggrätserStr. 8 U: Es hat nicht Bollen sein/ Zel tungsausschnitte Tägl. 8 Uhr: Karne val der Liebe Sommerpreise! Thalla Theater Leidenschaft, Gift/ U. Frasquita u. Versteinerung oder Die ver Theateri.d.Kommandantenstr hängnisvolle Sy- Nur noch bis 25. Mar 8 Uhr phonflasche Das Radiomädel Berliner Theater Operett. v. P.Weiner Täglich 7.30: Das Weib Tribune 8: D.Reiherbusch im Purpur mit Lucie Höflich Theater] Große Volksoper des Westens 7%, Uhr: Carmen Komische Oper 8: Direktion: James Klein Heute sowie täglich Der große Erfolg! Die 8: Prinzessin Operette in 3 Akten von Walter Kollo Erbe ? Amtliche Wett- Annahme des Union- Klubs Berlin NW. 7, Schadowstraße 8. Annahme von Wetten für alle Berliner Rennen in der Zentrale, Schadowstr. 8, in alien Filialen Trianon- Theater Rose- Theater und bei den größeren Renn- Ver8 Uhr: Limburg, Falkenstein in: 73 Uhr: Devisen Familie Raffke Casino- Theater OOO Reichshallen Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr, Tägi. 8 Uhr negar Wader in Schlager Stettiner Pummels Martha Volksstück in drei Aufzligen Vorher: D. Herr aus Kyritz. Posse i. 1Akt Sänger und der neue bunte Tail Deutschland erwache! WINDEBRIEN Neue Tänze Zum Schluß: Ein Musikantentraum Dönhoff- Brettl einen im Reiche. Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug. Schriftliche Aufträge und Aufträge auf Konto- Einrichtung sind nur an die Zentrale zu richten. am UNIVERSUM LANDES AUSSTELLUNGS- DARK KAWEM Zur gefälligen Beachtung! en ner auten erstholte leidung LAP Gicht Anf 7 Sonnt. 5 U. 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Sie gerät mit ihrer geräumigen, gewichtigen Persönlichkeit aus Versehen in einen Laden, der die Aufschrift: Gemüse-, Delikatessen und Vorkosthandlung", außerdem aber ein blaues Schild mit der Aufschrift: Drogen von A. Wasmuth & Co., Hamburg" trägt, eine sogenannte Schrankdrogerie, weil das ganze Lager samt der Fachkenntnis des Inhabers in einem Verkaufsschrank untergebracht ist. Frau Schnet terich, durch die Aufschrift Drogen in den Glauben versetzt, eine Fachdrogerie zu betreten, verlangt Kukirol. Da sie den Namen nicht richtig ausspricht( Kuh- kie- rohl), so stellt sich der Schrank- Drogist schwerhörig und gibt ihr ein anderes Mittel, denn die Kukirol- Fabrik beliefert derartige Geschäfte nicht. Frau Schnatterich protestiert entrüstet, der Verkäufer aber redet ölig, spricht von ebenfalls sehr gut und wird dafür von Frau Schnatterich zu einem sehr nützlichen Vierfüßler ernannt, dessen bessere Hälfte uns mit Butter versorgt Er bietet ihr nun ein anderes Schächtelchen an, das äußerlich beinahe wie eine Kukirol- Schachtel aussieht, aber in Wirklichkeit eine schlechte Nachahmung enthält. Ueber so viel Frechheit ist Frau Schnatterich zuerst sprachlos, dann aber erkundigt sie sich interessiert, ob er etwa einen größeren Vogel habe, ob er nicht von hier sei und sich vielleicht nicht ganz wohl befinde, und sagt einige treffende Worte über den Einfluß lose gewordener Schrauben auf die normale Denkfähigkeit. Bleich, aber gefaßt, läßt er diesen Wasserfall von energischen Worten über sich niedergehen. Prau Schnatterich aber schöpft Atem und fährt dann fort: Kukirol ist das beste Hühneraugen- Pflaster, das ich kenne. Es ist millionenfach bewährt, ärztlich empfohlen, lindert sofort die Schmerzen, und wenn man es auflegt, so ist das Hühnerauge binnen wenigen Tagen erledigt, ohne Schneiden, ohne Entzündung, ohne die Gefahr einer Blutvergiftung. Das Kukirol- Fußbad aber ist für eine zweckmäßige Fußpflege erst recht unentbehrlich. Es beseitigt den häßlichen Schweißgeruch, verhütet Schwitzen, Brennen, Anschwellen und Wundlaufen der Füße, kräftigt Nerven und Sehnen, und wer es kennt, will es nie wieder entbehren. Jede größere Apotheke und wirkliche Fachdrogerie führt die in vielen Millionen Fällen bewährten und in der ganzen Welt beliebten Kukirol- Fabrikate( Kukirol- Hühneraugen- Pflaster 75 Pfennig pro Schachtel, Kukirol- Fußbad 50 Pfennig pro Packung). Belde Präparate kommen niemals lose, sondern nur in Original- Packungen in den Handel. Sie tragen die Schutzmarke Hahn mit Fuß. Diese ist das sichere Zeichen für Echtheit. Wenn Sie sich andere Präparate als auch sehr gut aufreden lassen, so ist das nur Ihr Schaden, denn der Verkäufer redet nicht umsonst. Schlechtere Sachen müssen doch billiger sein als die guten, und an den schlechteren Präparaten muß der Verkäufer doch mehr verdienen. Also Vorsicht, lieber Käufer, und recht genau auf die Schutzmarke achten, Wichtig! Verlangen Sie die aufklärende und lehrreiche Broschüre Die richtige Fußpflege, die wir jedem Interessenten kostenlos und portofrei zusenden. Unsere, unter der Leitung eines alten, erfahrenen Arztes stehende Wissenschaftliche Abteilung erteilt gegen Einsendung von Rückporto kostenlos Rat und Auskunft über Alles, was Fußpflege und Fußleiden betrifft. Kukirol- Fabrik Groß- Salze bei Magdeburg. Kinder 30 PI. Bei Unser rationelles Fabrikations- und Verkaufs- System setzt uns in den Stand, Qualitätskleidung für Herren und Knaben überraschend billig zu liefern. 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K. 208/24 Borstehender Sagungsnachtrag tritt mit bem 12. Mai 1924 in raft Berlin- Weißenfee, den 29. April 1924. Der Borstand Der gemeinen Dristrantentasse Berlin. Beißentee Brübmüller, Borfizender. 104/19 Neu eröffnet! Auf Kredit zu Ladenpreifen elegante Damen- u. HerrenKonfektion Kleine Anzahlung und bequeme Teilzahlung Bare fofort zum Mitnehmen Fritz Gottlieb 73 Prinzenstraße 73 GARDEROBE bei kleinster Anzahlung auf Teilzahlung Herren- b Sakko- Anzügech Gabardine. DamenGabardine, Rips und Homespun. in allen Stoffarten Mäntel in Formen, in Tuch, Sport- Anzüge lange Kleider in allen Stoffarten. mit Hosen Ulster, Paletots der und Breeches in Formen. Burschen- u. Jingl.- Anzüge in modernen Formen Kostüme und bester Verarbeitung. Blusen. Rücke, Jumper Ersatz für Massarbeit: Regen- Mäntel, Sportwesten. Strickjacken. Mein seit 25 Jahren durchgeführtes Prinzip ist, den Kunden stets wirklich gediegene and billige Waren günstigsten Zahlungsbedingungen zu liefern. 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Es ist das sogenannte Vorgebirge, ein Hügelland, das in ungefähr 40 Kilometer in der Länge und 5 Rilometer in der Breite ein durchgehendes Braunkohlenflöz von großer Mächtigkeit enthält. Durchschnittlich sind die Flöze 50 Meter hoch, an manchen Stellen steigen sie jedoch bis zu 100 Meter an Da nur eine geringe Erdschicht über der Rohle liegt, kann sie im Tagebau erschlossen werden. Sie dient dann in Form von Rohtohle, Kohlenstaub oder Briketts der industriellen Produktion und dem Hausbrand. Ein wesentlicher Teil der hier gewonnenen Kohle wird auch an Ort und Stelle zu Elektrizität verarbeitet, die dann als Kraftquelle für die Industrie- und Beleuchtungsanlagen des näheren Rheinlandes dient. 38 Gruben fördern hier jährlich etwa 35 Millionen Tonnen Braunkohle, wovon der größte Teil, der nicht auf den Selbstverbrauch der Gruben. und industriellen Werke entfällt, zu Brifetts verarbeitet wird. 8 Millionen Tonnen Briketts werden jährlich versandt. Die Produktion wird von 16 000 Arbeitern und Beamten geleistet. Die Tagesförderung beträgt demnach 7 Tonnen pro Kopf der im Bergbau Beschäftigten einschließlich der sog. unproduktiven Kräfte. Schon diese Zahl zeigt, daß zur Braunkohlengewinnung im erheblichen Umfange maschinelle Kräfte herangezogen werden müssen. Die Erd- und Förderarbeiten erstrecken sich ja nicht nur auf die Gewinnung der Kohle selbst, sondern auch auf den Abraumbetrieb, die Beseitigung der Erde, die über den Rohlenflözen liegt. Ein großer Maschinenapparat muß in der Tat aufgeboten werden, um eine möglichst wirtschaftliche Förderung herbeizuführen, und die großen Förderanlagen gleichen, aus der Nähe gesehen, fast Automaten. Die wenigen Menschen, die dabei tätig sind, verlieren sich im weiten Gelände. Riesige Kohlenpflüge oder Bagger fragen die Braunkohle von den Hängen ab. Diese gleitet herunter, wird in die automatisch betriebenen Rettenwagen gestürzt und zur weiteren Berarbeitung in die Maschinenhäuser gebracht. Dort werden sie je nach der Art ihrer Verwendung entweder nur zerkleinert, getrocknet und in die Heizanlagen transporfiert, die die Dampffefsel zur Gewinnung von Elektrizität speisen. Die gewonnene Kohle wird aber auch zu Brite tts gepreßt und ist dann für den weiteren Absatz bestimmt. So wandern die rheinischen Brauntohlenbriketts, zum großen Teil auf eigenen Transportanlagen und Verkehrsmitteln, bis nach dem Oberrhein hinauf, nach Rheinau, Ludwigshafen und Karlsruhe. Riesige Berladungseinrichtungen sind dort angelegt und ermöglichen Transport und Umladung ohne wesentliche Inanspruchnahme von Menschenkraft. Auf der Kölner Messe wird nun an Hand von Modellen, Karten und graphischen Darstellungen die Gewinnung, der Transport und die Berarbeitung der Braunkohle gezeigt. Wegen des geringen Teergehalts der rheinischen Kohle ist dort die Gewinung von sogenannten Nebenprodukten der chemischen Industrie, Delen, Fetten und der= gleichen, weniger verbreitet als etwa im mitteldeutschen Braunfohlenrevier. Infolgedessen finden wir in der Hauptfache eine große Bahl verschiedenartigster, für die möglichst wirtschaftliche Ausnutzung der Heizkraft der Brifetts eingerichtete Zimmeröfen und Herde. Ebenso find Zentralheizungsanlagen für Braunkohlen- Brikett- Heizung und industrielle Roftfeuerungen besonders für Dampfteffelfeuerung zu sehen. Erwähnung verdienen auch die zur Herstellung und Berwendung von Braunfohlen ft a ub gefchaffenen Anlagen. Die Rohtohle hat nämlich einen Feuchtigkeitsgehalt von zirka 60 Proz., den auf der Eisenbahn fpazieren zu fahren eine große Energievergeubung wäre. Durch Trockeneinrichtungen fann der Feuchtigkeitsgehalt um 45 auf 15 Broz. herabgesetzt werden. Diefer Rohlenstaub ist dann bei Verwendung geeigneter Feuerungsanlagen auch für industrielle 3mede geeignet. Die technischen Versuche zu einer wirtschaftlichen Verwendung. der Braunkohle verdienen besonders deshalb das Interesse weiter Kreise der Arbeiterschaft, weil durch sie der Nutz grad dieses Brennstoffes außerordentlich gefteigert werden kann. Verwenden wir die inländische Braunkohle auch in der Industrie, so kann ein wesentlicher Teil des Bedarfes an Einfuhrkohle und damit an Devisen gespart Der deutsche Braunkohlenbergbau hat nun infolge der Kohlennot im Kriege und in der Nachkriegszeit eine geradezu fieberhafte Entwidlung hinter sich, die zur Schaffung großer Produktionsanlagen führte. werden. 2160 am KOESTER Noch immer große Zeit für Generäle! Soll das denn niemals aufhören? 31. Mai, die Betriebsstillegung und die Entlassung von 500 Ar beitern angefündigt. Als Gründe werden die Konkurrenzunfähigkeit cuf dem Weltmarkt infolge des Schwankens des Franfenfurses, die hohen Kohlen und Frachtpreise und die allgemeine Kreditnot an gegeben. Aus dem gleichen Grunde hat eine Maschinenfabrik in St. Ingbert 100 Arbeiter entlassen. Noch eine Enquete. Ebenso wie zurzeit die Textilpreise und die sonstigen Verhältnisse in der Textilindustrie vom Reichswirts jhaftsrat einer Untersuchung unterzogen werden, soll auf Anregung des Reichswirtschaftsministers eine Enquete über die Preisbildung für Häute, Leder und Schuhwaren erfolgen. Die Annahme ausländischer Zahlungsmittel im Warenverkehr. Bon maßgebender Seite wird mitgeteilt, daß die Ermächtigung, Zentner frei Haus Berlin. 22,00-24,00 .100,00-115,00 bei Geschäften über die Lieferung von Waren und über die Bemirkung von Leistungen ausländische Zahlungsmittel in Zahlung zu geben und zu nehmen, bis zum 15. Juni 1924 ver. längert worden ist. Verboten bleibt, Zahlung in ausländischer Währung zu fordern. Ein Erwerb ausländischer Zahlungsmittel zur Erfüllung solcher Geschäfte bleibt unzulässig. Kanadische Erze für Deutschland. Aus St. Johns( Neufundland) wird gemeldet, daß zwischen den dortigen Produzenten ein Kontraft mit deutschen Käufern über 1250 000 Tonnen Eisenerz unterzeichnet worden ist, die die Bergwerke der BelleInsel innerhalb sechs Monaten liefern sollen. Zur Erfüllung des Kontrafts wird eine Flotte von 20 Dampfern von durchschnittlich je Deutschland zu transportieren. Es wird erwartet, daß infolge des 10 000 Tonnen monatlich erforderlich sein, um das Eisenerz nach Kontrasts die Arbeit in den Bergwerfen um 50 Proz. gesteigert werden wird. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Fortgang der englischen Baumwollfrise. Gegenüber den vielfach Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je verbreiteten optimistischen Berichten aus der englischen Baumwoll industrie stellt der Londoner Korrespondent des„ Konfektionär" Gerstengraupen, lose.. 15,00 16,50| Malzkaffee, gepackt Gerstengrütze, lose... 15,00-13,75 Röstgetreide, lose 16,50-18,00 wiederholt fest, daß derartige Meldungen fast nie objektiv seien, Haferflocken, lose.... 14,75-15,50 Kakao, fettarm ... 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt 115,00-130,00 sondern in der Regel irgend einer Spinnerei entstammen, der es im Hafergrütze, lose 11,75-13,25 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 Augenblick gerade gut geht. Als Beweis diene, daß z. B. in einem 17,75-19,00 Tee, indischer, gepackt 425,00-300,00 Yorkshire- Werk neuerdings der Ausschluß von 5000 Spinnern bevor 21,75 25,50 Inlandszucker basis mel. 37,5- 40,00 Inlandszucker Raffinade 40,00- 42,00 stehe und in einer anderen Spinnerei besteht Streifgefahr infolge 13,75-15,50 Zucker Würfel. abgelehnter Lohnerhöhungen. Kommt es nicht noch in letzter Stunde 15,25-21,00 Kunsthonig 3u einer Einigung, so dürften allein in dem Orte Barnoldswid ( Yorkshire) 22 000 Webstühle stillstehen. Roggenmehl 0/1.. Weizengrieẞ Hartgrieß Maisgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große: Kartoffelmehl Makkaroni. Diese Produktionsanlagen werden zu einem sehr erheblichen Teil unrentabel sein, wenn die Konkurrenz mit der Steinkohle, insbesonder auch mit der ausländischen, einsetzt. Denn die Steinkohle verträgt bei ihrem viel höheren Gehalt an Heizwert und ihrem geringen Gehalt an Feuchtig feit und Asche weite Transporte, während die Brauntohle schon bei den Eisenbahntransporten von mehr als 100 Kilometer durch die Fracht derart verteuert wird, daß ihre Berwendung sich nicht mehr lohnt. Dieses Mißverhältnis fann nur auf zweierlei Weife gelöst werden: Entweder man gibt die unwirtschaftlich arbeitenden Werke ganz preis- dann können die Preise gesenkt werden, aber auch ein erheblicher Teil der Arbeiterschaft verliert Beschäftigungs- Makkaronimehi möglichkeiten. Oder man versucht die Veredlung der Braun. fohle an der Stelle ihrer Förderung. Durch Errichtung von Kraftanlagen ist es möglich, die in der Brauntohle ruhende Energie über meite Entfernungen hinweg ihrer Bestimmung zuzuleiten, ohne den unwirtschaftlichen Bahntransport in Anspruch zu nehmen. Durch die Gewinnung von chemischen Produkten fommt die gewonnene Braunkohle überhaupt nicht auf die Eisenbahn oder auf den Kahn, fondern fie verläßt das Wert als ein hochwertiges Produft, das feinen großen Frachtraum und damit auch teine großen Frachtkosten Korinthen, choice erfordert. Auf diese und ähnliche Weise ist es möglich, die vorhandenen Energiequellen dem Volksganzen nukbar zu machen und das muß in wachsendem Maße geschehen. felbst wenn dies gegen den Widerstand der Interessenten erfolgen müßte. Die rijenzeichen im Saargebiet mehren sich. Nach der bereits gemeldeten Entlassung von 800 Arbeitern bei Bopelius und 500 bei Söchting hat auch jetzt die Laußentaler Glashütte zum 17,25-20,50 Zuckersirup hell in Eim. 13,25 15,50 Speisesirup dunk. in Eim. 21,75-24,50 Marmelade Einfr. Erdb. 28,00-31,75 Marmelade Vierfrucht 26,00-33,50 Pflaumenmus in Eimern 34,00 40,00 Steinsalz, lose....... 41,00-47,50 Siedesalz, lose 19,09-21,50 Bratenschmalz in Tierces 45,00-47,00 41,50-46,00 28,00- 32,00 95,00-110,00 40,00-48,00 40,00-44,00 3,10 3,70 4,00 4,70 64,00-65,00 32,00-36,00 Der englisch- polnische Handels- und Schiffahrtsvertrag. Kürz lich erstattete Senator Buzet im polnischen Senat Bericht über die erfolgte Ratifizierung des englisch- polnischen Handels- und Schifffahrtsvertrages. Für die Belebung der wirtschaftlichen Beziehungen 39,00 45,00 Bratenschmalz in Kübeln 65,50-66,50 zwischen Polen und England spreche der wachsende Handelsverkehr; 62,50-63,00 62,50-65,00 50,00- 53,00 48,00-50,00 58,00 52,00 55,00 www 76,00 61,00- 65,00 45,00-48.00 35,00 37,00 Purelard in Tiercés Schnittnudein, lose... 19,00-23,50 Purelard in Kisten Bruchreis 14,75-16,75 Speisetalg in Packung 16,50-18,75 Speisetalg in Kübeln Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna 24,00-31,00 Margarine, Handelsm. 1 Tafelreis, Jaya... 30,50-36,00 desgl. II. Ringäpfel, amerik. 85,00-90,00 Margarine, Spezialm. I Getr Pflaumen 90/100.. 42,00- 45,00 desgl. II. 50,00-55,00 Margarine III Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 70,00 75,00 Molkereibutter i. Fässern 205,00-210,00 Rosinen in Kisten, Candia 70,00 85,00 Molkereibutter in Pack 213,00-217,00 165,00-170,00 75,00-90,00| Landbutter Sultaninen Caraburnu.. 77,00-83,00 Auslandbutter in Fässern 205,00-210,00 Mandeln, süße Bari 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 213,00-217,00 Mandeln, bittere Bari 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00- 36,00 Zimt( Cassia). 105,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00-72,00 22,00-35,00 Kümmel, holländischer. 125,00-130,00 Quadratkäse. 35,00-50,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 98.00-108,03 Quarkkäse Weißer Pfeffer 115,00-120,00 20,75- 23,75 17,50- 18,50 27,00- 28,00 133,00-138,00 Tilsiter Käse. vollfett: Rohkaffee Brasil 185,00-220,00 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika225,00-290,00 milch 48/16 Röstkaffee Brasil 740.00-290,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam... 300,00-390,00 inl. gez. Condensm. 48/14 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. biefer werbe bei Vermeidung der deutschen Vermittlung noch be deutend zunehmen. Der abgeschlossene Vertrag laffe auch die Grünbung englischer Gesellschaften in Bolen zu und werde dadurch den 3 u strom englischen Kapitals fördern. Auch die Frage englifden Transits( nach Rußland) sei genau ausgearbeitet. Die englischen Dominions hätten das Recht des Beitritts; dieser werde von der Regierung von Balästina in Betracht gezogen. Der Senat nahm, wie der Ost- Erpres meldet, das Ratifizierungsgeseg underändert an. Kein polnischer Banffradh. Gegenüber Gerüchten, die in der legten Zeit in der In- und Auslandspresse aufgetaucht sind, wird von amtlicher polnischer Seile erfläri, baß von einer Srifis im pol nischen Bankwesen feine Rede sein könne. Die Lage in der polni. fchen Bantwelt fei im allgemeinen befriedigend; lediglich vier fleine Bantinstitute, die im polnischer Finanzwefen eine durchaus unter geordnete oder gar feine Rolle spielten, befänden sich in gemissen Schwierigkeiten, hätten ihre 3ehlungen jedoch noch nicht eingestellt." 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