Abendausgabe Nr. 233 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 118 Bezugsbedingungen und Anzeigenprefe find in der Morgenausgabe angegeben Bedattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Döngoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemofcat Berlin 5 Goldpfennig 50 Milliarden 19. Mai 1924 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Angetgenabtetiuns Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb Berlin SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2508-250 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Hannover will bei Preußen bleiben. Hannover, 19. Mai.( Eigener Drahfbericht.) Die geftrige Vor abstimmung über die Schaffung eines eigenen Staates Niedersachen endete mit einer Niederlage ihrer Veranstalter, der deutsch- hannoverIchen( welfischen) Partei, trotzdem diese im Vergleich zu den Reichstagswahlen vom 4. Mai nicht unerhebliche Stimmengewinne buchen konnten. Die Zahl der Stimmberechtigten befruq 1 768 100. Davon mukte verfaffungsmäßig ein Drittel, alfo 589 600, für die Forderung einer Volksabstimmung auf Schaffung eines neuen Landes flimmen. Die Welfen haben aber nur 448 961 Stimmen aufgebracht. Es fehlen demnach 140 639, so daß der Zweck der ganzen Veranstaltung nicht erreicht ist. Mehr als zwei Drittel der Stimmberechligten folgten der Parole ihrer Parteien, gegen die partifularistischen Bestrebungen durch nicht stimmen zu proteffieren. In den einzelnen Bezirken wurden für die Welfen folgende Stimmen abgegeben: Regierungsbezirk Hannover 144 818, Hildesheim 82 691, Lüneburg 116 704, Stade 70 882, Osnabrüd 33 896. So erfreulich das Ergebnis der Abstimmung in Hannover ist, so bedauerlich ist es, daß diefer Unfug überhaupt in Szene gelegt wurde und neue Verwirrung brachte. Deutsch land hat wahrhaftig schon Sorgen genug, es braucht eine hannoversche Frage" nicht auch noch dazu. Seine innere Gliederung ist nicht ideal, und es wäre sicher I effer gewesen, nach dem Zusammenbruch mit der ganzen Kleinstaaterei auf zuräumen und eine deutsche Einheitsrepublik mit provinzialer und tommunaler Selbstverwaltung zu schaffen. Aber die Biedererweckung der„ historischen Individualitäten" führt nicht zu diesem Ziel, sondern weit von ihm weg, zurüd in die alte deutsche Zerrissenheit. Bem das noch nicht flar ist, der fonnte es aus dem Brief des bayerischen Ministers Schweŋer lernen. Er zeigt deut lich, wohin die Reise gehen foll. Das Deutsche Reich, das darf nie vergessen werden, fonnte nur im Kampf gegen die Dynastien geschaffen werden; da dies zunächst nur gefchah, indem eine starke Dynastie die schwächeren teils auffraß, teils zur Bedeutungslosigkeit herabdrückte, war nur eine Notlösung. Aber die Einigung Deutschlands hat 1866 mit einem Thron st urz begonnen, der dann 1918 allgemein gemacht wurde, und das war ein Fortschritt, denn die Einigkeit Deutschlands be ruht seitdem nicht mehr auf der Hausmacht einer Dynastie, sondern auf dem Willen des Boltes. An diesem Willen foll nicht gerüttelt werden. Wir freuen uns, daß die Sozialdemokratie in vorderster Front zur Abwehr der welfischen Bestrebungen gestanden hat. Ohne den erwachten politischen Sinn der Arbeiter feine Republit, ohne Republik fein Deutsches Reich! . Niederlage der Welfen. deutsch- hannoveranischen Separatisten in den letzten Wochen erleben mußten. Die gemeinsame Arbeit aller politischen Parteien am Ab mehrfampf gegen reichsfeindliche Bestrebungen hat gezeigt, daß stärker als alle innenpolitischen Gegensätze das Gefühl der Verantwortung gegenüber dem großen deutschen Volksganzen wirksam ist. Hannover, 19. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Es ist intereffant, die Frage aufzuwerfen, wer die ungewöhnlich hohen Kosten für die welfische Agitation getragen hat. Neben dem hannoverschen Urabel, der einen großen Teil seiner Einfünfte zur Agitation aufgewendet hat, allerdings gleichzeitig daneben den Behörden gegenüber feine Unfähigkeit erflärte, die Steuern zu zahlen, hat ein gewiffer Teil der hannoverschen Großindustrie, vor allem die Stahl- und Eisenwerke in Han nover- Minden und andere große Firmen beträchtliche Geldmittel für die hannoversche separatistische Bewegung zur Verfügung gestellt. In diesem Zusammenhang gewinnt die Taifache eine ganz besondere Bedeutung, daß der Herzog von Cumberland eine erhebliche Summe von mehreren Millionen Goldmark bei der hannoverschen Filiale der Hamburger Handelsgesellschaft zu angeb lichen geschäftlichen Zweden vor einiger Zeit eingezahlt hat. Der Abstimmungsfampf der letzten Tage brachte eine selbst für die hiesigen Berhältnisse außergewöhnliche Steigerung der politischen Auseinandersetzungen. Die welfische Partei überschwemmte noch in letter Stunde das ganze Land mit einer Flut gefälschter Flugschriften von angeblichen Kronzeugen für ihre Be strebungen, unter denen im bunten Wechsel der frühere deutsche Kronprinz, August Bebel, der demokratische Minister Koch und Genoffe Beus zitiert wurden. Der bekannte Zeichner Rüsch hat durch die Propagandaplatate mit ihrer Parallelisierung awischen den welfischen und rheinisch- französischen. Separationsbestrebungen die besondere But der Belfen erregt und murde geſtern abend aufs Neue von einem welfischen Haufen angegriffen. Die Frage der Regierungsumbildung. Wie die Telegraphen- Union" aus dem Reichstag erfährt, werden in dieser Woche die von den Mittelparteien in der vergangenen Woche unternommenen Bemühungen zur Aufstellung eines gemeinsamen Aktionsprogramms fortgesetzt. Diese Bemühungen haben nichts mit dem Gedanken der Bil dung eines Nationalen Blocs der Mitte zu tun, der infolge des bekannten Fraktionsbeschlusses der Deutschen Volkspartei allgemein als erledigt angesehen wird. Das Attions pro | gramm der Mittelparteien wird sich hauptsächlich auf außenpolitische Fragen beziehen. Aus der Haltung der übrigen Parteien zu diesem Programm wird es fich ergeben, inwieweit bei der Regierungsumbildung ein Zusammengehen Der bisherigen Koalitionsparteien mit den anderen Parteien möglich ist. Die Zentrumsfraktion tritt heute nachmittag 3 Uhr zu ihrer ersten Sigung im Reichstag zusammen. Auch hier werden außenpolitische Fragen der Hauptgegenstand der Beratungen sein. Aller Voraussicht nach wird Reichskanzler Marr in dieser Sigung die augenblickliche politische Lage ausführlich darlegen. Die eigentlich konstituierende Bersammlung der Zentrumsfraftion, in der die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen werden soll, wird voraussichtlich zu einem späteren Termin stattfinden. In der Frage der Regierungsumbildung selbst sind bis jetzt noch feine entscheidenden Schritte unternommen worden. Das Reichskabinett wird auch in dieser Woche seine Arbeiten über die auf Grund des Sachverstän digengutachtens anzufertigenden Gefeßentwürfe fortfeßen. Konferenz der Innenminister. Besprechungen über den zivilen Ausnahmezustand. Wie wir erfahren, fand heute morgen im Reichsratssitzungsfaal des Reichstags eine Besprechung der Vertreter der Innenministerien der Länder statt. Die Besprechung galt der Anwendung des zivilen Ausnahmezustandes auf die von der Rechten in der letzten Zeit systematisch veranstalteten Regimentsfeiern, Schlageter Feiern und Deutschen Tagen. Entscheidung der Bayerischen Volkspartei. Gegen Knilling und die Bölkischen. Sieg Schweners und der Gemäßigten. München, 19. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Landesvorstandschaft der Bayerischen Bolksparte hielt am 17. und 18. Mai in München die mit Spannung erwartete Tagung ab, an der sämtliche hervorragende Persönlichkeiten der Partei teilnahmen. Die Konferenz hatte die Aufgabe, die Auffassung in der Gesamtpartei bezüglich der nunmehr einzuschlagenden Bolitik flar zulegen und auf diefer Grundlage die Richtlinien für die weitere Politik der Landtagsfraktion der Bayerischen Bolkspartei festzulegen. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand naturgemäß der Rückblic auf die verflossene Regierungspolitik der Partei, so daß auch die Was die Zechenbesitzer wollen. Der Zechenverband nimmt an. Effen, 19. Mai.( WTB.) Der Zechenverband hat ein Schreiben an den Reichsarbeitsminister gerichtet, in dem er erklärt, daß er sich trot schwerwiegender Bedenken zur Annahme des Schieds. spruches für den Ruhrbergbau entschlossen habe. Leitend dafür bestehenden Arbeitsstreitigkeiten mit ihren verderblichen Folgen zu beenden. Hannover, 19. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Abstimmung zeigte in den einzelnen Teilen des Abstimmungsgebietes start abweichende Beteiligung. Das zeigt ein Bergleich der Resultate aus den einzelnen Städten und Landkreisen. In der Stadt anfei für ihn die Absicht gewesen, alles nur mögliche zu tun, um die nover wurden 67 815 Ja- Stimmen von insgesamt 290 822 Stimm berechtigten gezählt. Bei der Reichstagswahl hatte die Welfische Partei nur 39 932 Stimmen in der Stadt aufgebracht. In Hildes., heim stimmten von 36 436 Stimmberechtigten 3112 mit Ja, in a r burg von 45 401: 2647, in Göttingen von 24-624: 3305, in Osnabrüd von 53 210: 2990, in Lüneburg von 18 203: 2318, in Celle von 15 904: 3986, in ee ft emünde von 20 814: 1031, in Goslar von 13 121: 1407, in Uelzen von 7790: 1191, in Lehe von 24 709: 1531, in Beine von 11 569: 2535, in Berden von 5977: 1486, in E in bed von 6035: 1443, in Ulslar von 11 124: 3800, in Binsen, einer welfischen Hochburg, von 2249: 572, in 2nchow, ebenfalls einem welfischen Hauptort, von 2058: 474. Aus Landfreifen liegen bis jetzt folgende Ergebniffe Dor: Landkreis Bersenbrüd( ohne Stadt Spatenbrüd) von 25 579 Stimmberechtigten: 3538 Ja- Stimmen, 3epen von 11 201: 5743, Marienburg von 22 176: 4545, Lehe von 13 729: 4354, Isenhagen von 10 894: 1202. Danach haben die Welfen 50 bis 60 Proz. mehr Stimmen er halten als bei der Reichstagswahl, fie hätten sie aber verdoppeln müssen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. But abgeschnitten haben die Welfen in der Stadt Hannover und in den fatholischen Gegenden der Broving, um Osnabrüd, im ehemaligen Stift Hildesheim und im Eichsfeld( Duderstadt), wo sie offensichtlich die Unterstützung katholischer Kreise fanden. Berhältnismäßig schlecht abgeschnitten haben sie dagegen in ihren eigentlichen Hochburgen. Hannover, 19. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Ober. präsident von Hannover, Genoffe Noste, äußerte sich gelegentlich der Niederlage der Welfen in einem fleinen politischen Kreise persönlich über den Berlauf der Abstimmung und führte dabei etwa folgendes aus:„ Die heutige Abstimmung bedeutet einen Wendepunkt in der neuen deutschen Geschichte. Der Gedanke der staatsbürgerlichen Vereinheitlichung hat über den engherzigen und reichsfeindlichen Bartitularismus gefiegt. Entschie bene zurückweisung verdient die banerische Einmisung in innerpreußische Verhältnisse, wie wir sie in dem Auftreten bayerischer verantwortlicher Politiker, wie des bane rischen Innenministers Dr. Sgwener zugunsten der ' chaft zu verhüten, oder ob zuletzt doch die Achteinhalb= stunden schicht wieder eingeführt werden muß. Es. mag unpolitisch sein, das heute auszusprechen, aber hier soll die Wahrheit gesagt werden. Niemand kann heute diese Frage mit Sicherheit beantworten, und erst der Erfolg fann zeigen, was wir von uns allen an Arbeitsleistung verlangen müssen, um nicht zugrundezugehen. So mag es zunächst mit der Achtstundenfchicht im Bergbau versucht werden. Dann mögen zunächst mal alle anderen Betriebe mit einer angemessenen Ber längerung der Arbeitszeit folgen. Ohne das würde Die Annahme des Schiedsspruches durch den Zechenver auch die längere Arbeitszeit im Bergbau vergeblich fein. Dann wird band ist sehr wohl begreiflich. Die Bechenbefizer haben durch fich zeigen, ob wir so eine genügende Berbilligung und Bermehrung den Schiedsspruch nicht nur alles erreicht, was ihnen der vom unserer Erzeugung erreichen, daß wieder auf jeben ein zum Leben Reichs- und Staatsfommiffar für Rheinland- Westfalen gefällte ausreichender Anteil an der Gesamtgütererzeugung entfallen fames. Schiedsspruch zubilligte, sondern noch erheblich mehr. In diesem Schiedsspruche war bekanntlich die Verlängerung Also die Verlängerung der Arbeitszeit im Bergbau soll Der Arbeitszeit bis zum 1. November 1924 befristet. In nur der Anfang sein zur allgemeinen Arbeitsdem am Freitag gefällten Schiedsspruch ist die Arbeitszeitver- eitverlängerung. Es müsse, schreibt der gemütsvolle längerung bis zum 1. April 1925 unfündbar festgelegt, an Bergwerksdirektor, wieder mehr gearbeitet werden, fo welchem Datum fie erstmalig mit zweimonatiger Kündigungs- piel nur die Muskeln und Nerven hergeben". frist gekündigt werden kann. Mit anderen Worten: die In der ganzen Welt hat sich das Unternehmertum nach und Arbeitszeitverlängerung ist bis zum 1. Juni nach, wenn auch meist nur widerstrebend, eingestellt auf den 1925, also auf mehr als ein Jahr festgelegt. Dazu kommt Achtstundentag. Das deutsche Unternehmertum hat sich in noch die Verschlechterung bezüglich der Kofereiarbeiter, feinen führenden Kreisen noch immer nicht damit abgefunden. für die die Arbeitszeit noch über den vorlegten Schiedsspruch Es hat durch die Inflation zunächst die Arbeitskraft ausgehinaus verlängert ist. Sogar der schwerindustrielle Lofal- plündert und verschleudert und versucht jetzt, da die Inflation Anzeiger" schrieb in feiner Abendausgabe vom Sonnabend, zu Ende ist, mit der Rückkehr zum Zehn- und Zwölfftundenin der Meinung, die Bergarbeiter würden den Schiedsspruch tag fich tonkurrenzfähig zu erhalten. Daß diese Methode, rein annehmen, daß er nur die Angebote enthält, die der Zechen wirtschaftlich gesehen, heller Wahnsinn ist, braucht nicht nochverband den Gewerkschaftsführern bereits vor dem Streif ge- mais nachgewiesen zu werden. macht hatte". Wenn in der Unternehmerpreffe immer wieder vom einem Streif" der Bergarbeiter geredet wird, so genügt es, auf die Beschlüsse der Bergarbeiterverbände hinzuweisen. Die Bergarbeiter wollen arbeiten; die Bechenbefizer allein sind es, die sie an der Arbeit hindern und die Zechen, ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Folgen, still gelegt haben. Um was es sich für die Unternehmer bei diesem Kampfe handelt, das fagt ein anonym gebliebener Bergwerksdirektor in der Kölnischen Zeitung" in Nr. 348 vom 17. Mai mit einer Deutlichkeit, die jeden Zweifel ausschließt. Er schreibt: Die Frage ist in Wirklichkeit nicht, ob im Bergbau in acht oder fiebenstündiger Schicht gearbeitet werden soll, sondern ob die Acht stundenschicht ausreicht, um den Zusammenbruch der Wirt Gutachten des Reichswirtschaftsrats gefordert. Zum Kampf im Ruhrbergbau meldet WIB.: Wie die Erklärung des Bergarbeiterverbandes ernent ergibt, ist einer der Hauptstreitpunkte zwischen den Parteien die unterschiedliche Beurtellung der Frage, welche Arbeitszeit im jetzigen Augenblid rechtens ist, in dem die bisherigen Vereinbarungen abgelaufen sind und die Arbeitnehmerverbände den Schiedsspruch vom 16. Mai abgelehnt haben. Der Reichsarbeitsminister ist deshalb heute an den Hauptausschuß des Vorläufigen Reichswirtfchaftsrats mit der Bitte herangetreten, sofort unparteilsche, arbeitsrechtskundige Juristen zu benennen, die gebeten werden sollen, über die genannte Rechtsfrage nach Anhörung des Standpuntes beider Parteien in kürzester Frist ein Gutachten zu erstatten. Träger dieser PoNtik, Ministerpräsident Knillin g und der Minister des Jnncr�, S ch rv e y e r. die Houptreseret« zu halten hatten. Die Bayerischs-Bclkspartci-Korrespondenz gibt darüber fol- genden parteiofsiziösen Bericht: „Dr. v. K n i l l i n g gab w großen Zügen«inen Ueberblick über seine Negierungstätigkcrt in den PA Jahren seiner Ministerpräsidentschaft. Er ergriff di. Gelegenheit, seine Politik gegenüber einer Reihe von Angriffen zu verteidigen, die in der letzten Zeit wiederholt er- hoben worden sind. Anschließend an die Red« Kmllings legte der Minister des Innern, Schwerer, die Richtlinien dar, nach denen in Z u ku n f t die Regierungspolitik geleitet werden müßte, um die erschütterte Staatsautorität wieder vollkommen zu festigen. Die eigentliche Debatte wurde eingeleitet durch eine Rede des Reichstagsabgeordnetsn Dr. Pfldger, der unter der lauten Zu« stimrnung der Versammlung die bayerische Politik der letzten Zeit unter die kritische Lupe nahm mit dem Zweck, Richtknien für die zu- künftige Politik zu finden. Die Ausführungen Pflegers waren, wie die aller Redner, die in großer Anzahl nach ihm sprachen, von dem Grundgedanken erfüllt, daß die Bayerische Bolksparkel nur dann in Zukullfi sich aktiv an den Staalszefchäfteu beteiligen kvnne, wenn nach einem klaren, eindeutigen Programm regiert würde, das einzig und allein die restlose Wiederherstellung der Aulorikäl des Staates im Augs habe, also die Boraussehusz der Zurückgewinnuag des Au- sehens Bayerns im Reiche und in der Welt. Die Meinung aller Redner ging dahin, baß die kommende Regierung, gestützt auf die legitimen Machtmittel des Staates, ein« rücksichtslos« und restlose Liquidierung der Zustände vornehmen müsse, die die verhängnisvolle Lage verschuldet haben, in welche der bayerischa Staat geraten ist. An dieser Diskusston, die sich in vorgenanntem Sinne auf einer vollkommen einheitlichen Linie bewegte, beteiligten sich Vertreter aus dem ganzen Lande, auch aus der Pfalz. Di« Dis- kuffion wurde durch eingehende Darlegungen des Abg. Dr. Held abgeschlossen. Irgendein Beschluß wurde nicht gefaßt." Trog ihrer diskreten Zurückhaltung sagt diese Mitteilung dem Kenner der V-rhättnisse, daß die KniDng-Politik eine allgemeine Berurteslüng erfahren hat. Es ist außerordentlich bemerkenswert, daß dis versuchte Verteidigung Knillings in der ganzen Versamm- lung kein Echo gefunden hat und sich sämtlich« Redner, darunter auch die Abgg. Leicht und Graf Lerchenfeld, geschlossen hinter den neugewählten Reichstagsabgeordneten Dr. Pfleger stellten. Selbst Leute, wie der ganz rechtsstehend« und einflußreiche Abg«. ordnete Schaeffer, der jüngst zum Parteioorsitzenden von Mün- che» gewählt wurde, stimmten in die scharf« Kritik gegen Knilling mit ein. Cs darf also nunmehr als ausgeschlossen gellen, daß Aull. Nnz wiederum für die Regierungsbildung berufen wird. Damit ist ober zugleich gesagt, daß für die Bayerische Dolkspartei irgendein Zusammenarbeiten mit dem Völkischen Block nicht in Frage kommt. Sie wollen nicht zahlen. Tagung der industrielle« Vereinigung. Die neugegründete Deutsche Industrielle Vereinigung hat heute vormittag im Hohl Esplanade eine öffentliche Kundgebung gegen das Sachverständigengutachten veranstaltet. Cs waren etwa SOO Vertreter von Verbänden und einzelnen Firmen vertreten— sehr viele davon lediglich zur Information. Die neue Vereinigung hat lediglich den Zweck, politische Opposition gegen die Annahme der Gutachten zu treiben. Nennenswerte wirtschaftliche Kräfte stehen nicht dahinter. Was der Vorsitzende der Kundgebung, Direktor Melles, als wirtschaftliches Ziel aufzeigt«, war u N klare völkische Phrase über„deutsche Wirtschaftsform", die lediglich der Dekoration dient. In feiner Begrüßungsansprache' betonte Meilers, daß dis deutsche Industriellen-Vcreinigung unobhäMg von anderen Be- wegungen gegründet sei Zu ihren Aufgaben gehöre vor allem ein« klare Stellungnahme zu dem Sachverständigengut- achten. Die heutige große Versammlung der Industriellen-Ber- einigung solle lediglich das bestätigen, was man unlängst in der Frage des Cckchoerständigengntachtens bereits festgelegt habe, Die Jndustriellen-Vereinigung ist ad hoc gegründet, und wir würden es mit Genugtuung begrüßen, wenn der Reichsver- band der Deutschen Industrie das Steuer herum». werfen und uns dadurch der Wind aus den Segeln genommen würde. Allerdings müssen wir nach Lage der Dinge bezweifeln, daß das den derzeitigen Leitern des Reichsserbandes gelingen wird. Man hat danach gefragt, warum wir ups gegen die Spigenssreini- gung der Arbeilgebervsrbänds wenden. Wir stehen unter dem Ein- druck, daß diese Vereinigung in der Frage der ErfüllungS» Politik und des Sachverständigengutachtens ihre Ilm- abhängigkeit gegenüber dem Reichsvcrband der deutschen Industrie nicht genügend gezeigt hat. Wir glauben aber, daß m der Vereini- gung der Deutschen Arbeiiaeberocrbände unsere Ansicht von weiten Kreisen geteilt wird. Herr Dr. Sorg« hat sich beeilt, dem Bcr- treter des Reuter-Bureaus zu erklären, man müsse seiner Ansicht nach das Gutachten annehmen. Dr. Sorge hat dabei nicht betont, daß wir uns in einer Zwangslage befinden. Das kann nur heißen. daß ihn das Sachverständigengutachten befriedigt.* Der Referent, Obersinanzrat Bang, wandte sich gegen die Sachverständigengutachten mtt dem H e l f f« r i s.ch« n Wort vom zweiten Versailles. Statt wirtschaftlicher Vernunft politische Hetze im Stil von Helfferich. Bei dieser Vereinigung handelt es sich um eins politische Unterstützungsaktion für den Vorstoß der Rechten zur Macht einerseits, um einen Versuch zur Sammlung der Opposition gegen die Haltung des Reichsvcrbandes der Deutschen Industrie andererseits. Annahme der Gutachten bedeutet Leistungsoerpflichtung der Industrie. Die Patentpatrioten der neu«n Industriellenoereinigung aber wollen nicht zahlen— das ist ihre ganze wirtschaftliche Vernunft. Das Programm der französischen Linken. Paris, IS. Ma.(Eigener Drahibericht.) Im„Oeuvre" führt Robert de Iouvenel aus, daß die Parteien des Linksblocks sich zu- nächst über das Mindest Programm der neuen Regie. r u n g einigen müßten, das er wie folgt formuliert: Außenpolitik- Durchführung des SachverstäMgenpro- gramms ohne Reserven und Vorbehalt«: Verzicht auf die Methoden des Zwangs gegenüber Deutschland in dem Maße, in dem dieses den Weg der Erfüllungspolitik beschrettet: Freilassung aller deutschen Gefangenen ohne jede Gegenleiswng, da man in einer Angelegen- heit der Menschlichkeit nicht handeln dürfe; Ueberwcisung der Rege- lung der Frag« der Sicherheit und Abrüstung an den Völkerbund: Anerkennung der Sowjetregierung, die die Vorbedingung für ein« gemeinsame Politik der Alliierten gegenüber Rußland sei. Innere Politik: Volle Amnestie: Wiedereinstellung der entlassenen Eisenbahner: Wahlrechtsreform: Abänderung der rcaktio- nären Unterrichtsrcform: Wiederherstellung des Zündholzmonopols und endlich die Demission Millerands. Das jeien die dringendsten Aufgaben. Für später würden hinzukommen eine demokratische Finanzpolitik, die Reform der Militärgesetze und die Durchführung eines sozialpolitischen Programms. Alle diese Forde- rungen würden mtt Unterstützung der Sozialisten leicht verwirklicht werden können, ohne deren Mitarbeit ab:r auf zahlreiche Schwierig- keiten stoßen. Deshalb könne man einstwellen in den bürgerlich- demokratischen Kreisen nicht daran glauben, daß die sozialistische Partei ihrerseits daran denken könne, ihre Mitwirkung zu ver- weigern. Daß dieses Programm die rückhaltlose Billigung nicht, nur der Führung, sondern auch der Parteien der demokratischen Linken hat, zeigt«ine Resolution, die am Sonnabend das Exekutiv- tomitee der Republikanifch-Sozialen Partei an- genommen hat und in � der den Mitgliedern der Eintritt in«in Kabinett verbaten wird, das sich nicht verpflichtet, noch vor dem Beginn der Parlamentsferien im August die folgenden Programm- punkte durchzuführen: 1. Die Demission Millerands, der durch die Sprengung der Konserenz von Cannes, durch die Rede in Evreux, durch die Stellung der persönlichen Vertrauensfrage seine ver- fassungsmäßigen Befugnisse überschritten und sich zum Chef einer Partei bekannt habe deren Politik geschlagen worden sei. 2. Wieder- Herstellung der Arrondissementsroahleit. 3. Völlige Amnestie. 4. Aufhebung der Umsatzsteuer und ihre Ersetzung durch eine Besteuerung der großen Vermögen. S. Aufstellung eines Finanzprogramms zur Balanzierung des Budgets ohne neue Anleihen.(5. Sofortige Auf- nähme der Verhandlungen mtt den Alliierten zum Zwecke der schleu- nizen Regelung des Rcparationsprcblems und der Sicherheitsfrage auf der Grundlage des Gutachtens der Sachverständigen. Gstaflatisihe Kunst. Die Ostasiatische K u n st a b te i l u n g. die süngst«, bis- her versteckt in Magazinen aufbewahrte Abteilung der Berliner Museen, ist in diesen Tagen endlich an die Oeffentlichkeit getreten: still, ohne Festakt'und ohne Einweihungsreden wurden die Säle aufgemacht, die im ersten Stock de, früheren Kunstgewerbe- Museums in der Prinz-Albrechtsttaße für die Ostasiatische Kunst umgebaut worden sind. Es sollen neun Räume werden, bisher sind sieben davon zu sehen, die beiden Räume für die altbuddhistische Kunst Cbinas und Japans schien, da die Bauarbeiten noch nicht beendet sind. Ohne Kovien ostastatischer Gemächer schaffen zu wollen, haben Direktor Prof. Otto Kümmel und sein Mitarbeiter Dr. William Cohn eine Folg« von Räumen angeordnet, die mit ihren schlichten neu- tralen Hintergründen eine stille feine Ausstellung weniger erlesener pstasiatische Kunstwerke gestatten. Das verteilte weiche Licht hinter den Vorhängen, unter den niedriger gelegten Decken der Museums- fäle ermöglicht bis in die Saaltiefsn die genaueste Betrachtung. Die Ausstattung der Räume ist aus den Erträgen der Doubletten-Ver- steigerungen der Kunstabtcilung bestritten worden. Diese erste Schau zeigt etwa«in Drittel des Besitzes, in zwei weiteren Uebersichten sollen nach«inigen Monaten die beiden anderen Drittel folgen Zum ersten Male siebt man da«inen Ausschnitt aus dem stol-en Besitze, den die Berliner Kenner in den letzten Jahr- zehnten gewonnen haben, ohne fast auch nur«inen Pfennig an öffentliche Mitteln für die Erwerbung zu beanspruchen. Denn wie die Tchelchen bei jeden, Stücke melden, sind es alles Geschenke. Bei der jetzigen Anordnung betritt man die Raumfolg« mit der kungften Kunst Das Bedeuhndst« ist im letzten Saale: die graye chinestschc Malerei des 13. Jahrhunderts. Da hängen in ihren Nischen die großartig im Pinselzug belebten Wildaänse des M u- E.h l, dann die Reche von S buddhistischen Heiligen mit ihren Be- gttitern,.Lerke des Hji-Chin Chü-Shih, geistesgewaltige Manner von höchster Konzentrotion, farbig erlesen in den Tönen, an deren Patina tue Zeit mitgeholfen Hai. Und an den Schreib- kästen, an der kleinen Keramik, an den Tecbüchschen mit den vier Beuteln, in denen sie den Jahreszeiten entjvrechend aufbewahrt wur- den. genießt man die höchsten Werte dieses Kunstgewerbes, das nirgends seinesgklchen hat. Der zweite Raum bringt die japanischen Gegenstücke. Der genialen Schöpferkunst Chinas stellt sich das geistreich ausge.taltende Pinselwerk und Kleingerät des Jnselvolkes gegenüber. Die Reiher im Lotus, zwei Bilder von N s a m i. gehören zu den feierlichen Landschaftssymbolen, die im Gefolge der japanischen Zen-Sekte geschaffen wurden. Deren Grün- der Darum« erscheint in einem monumentalen Jdealbildnis. Der berühmte Aahn des S s f f h u, ein Werk des 15. Jahrhunderts, zeigt die ganze Vollendung dieser von Leben zuckenden Pmselkunst. Und ein Meisterwerk wie der Schreibkasien mit den stiegendsn Reihern aus dem Lackdeckcl zählt technisch wie künstterisch zu den Unbegreis- lichkeiten jener alten ostasicuijchen Welt. Der große Barocksaal der Abteilung erhält durch zwei Setz- schirme auf Gold, Werke der K a n o- S ch u l e um 1ö30, sein Ge- präge: Herren und Damen bei Brettspiel. Musik, Bildbetrachtung. Ein anderer Setzschirm, von größtem dekorativen Farbenreiz auf dem Goldgrund, zeigt die Bücher eines japanischen Hauses so ausge- schüttet, wie sie in jedem Herbst, nach der Regenzeit, dort gelüftet werden, damit sie keine Stockflecke bekommen. Der große Name des Kor in begegnet bei einem Album mit Fächerbildern, unter denen man eine rote Kamelie,, eine weiße Glyzine bewundert, und bei einem Schreiblasten, mtt Zvpressenhügeln draußen, einem Tempeltor drimien, das der Reibstein bildet, aus Goldlack mit Ein- lagen von Blei und Perlmutter. Noch heute im Gebrauch im Theater sind, die No-Masken, Typen wie das weibliche Gespenst, die Eiser- süchtige, das in einen Dämon verwandelte Mädchen. Japanische Schwertzieraten, Stichblätter, Beschläge reinster Form liegen in den Bittinen. Im n ä ch st e n R a u m bildet der erschütternd stimmungs- volle Regensturm des W u- I- s h i e n. ein chinesisches Werk aus dem 15. Jahrhundert, den Mittelpunkt. Ein Vreitbild des C h i a n g- jung um löbv schildert Winter und Herbst in der eindringlichen Weise dieser aus gan,z wenige Mittel konzentrierenden Pinselsprache. Die weiteren Säle führen besonders an Hand japanischer Werte bis in die neueste Zeit. Durch ihren Farbenveiz fallen die Bilder der Meister der Utiyoc-Schule auf, die man sonst nur in ihren Holzschnitten zu bewundern pflegt: die pikanten Figuren der Mo» ronoku, Katsukawa, Shunsho, Hoksai. Alles in allem bewundert man, mit welchem Geschick, ohne auf den großen Kunsthandel Amerikas und Englands zurückgreifen zu können, hier eine ostasiatische Kunstsammlung geschaffen wurde, die an Erlesenhett nur in Ostasien selbst und in den besten amerikani- schen Sammlungen ihresgleichen hat. Rätselrate»». Das wird nun so heiter mit den Kapellmeistcreien Berlins, daß man endlich ernst sprechen muß. Mtt dem Definitivum Kleiber- Szell an der Staatsoper wird man sich am ehesten abfinden, da beide Dirigenten rechtes Theatcrblut und Temperament haben, auch Kroll ihre Kräfte leihen und in Prätorius eine solide, wenn auch nicht erstrangige Stütze haben. Die zwett- und drittsonnatigen Kapell- meister dort sind Notbehelf und wohl unentbehrlich, auch wenn Spiel- opern, Balletts u. ö. sehr belanglos interprettert werden. Wesent- licher schon ist die Wahl Kleibers zum Dirigenten der Staatsopern- konzerte. Sie hat nach Abendroths Fiasko und Büschs Gelegenheit?- erfolgen die meiste Aussicht für einen fteudigen Zulauf des Publikums. Witziger geht's an anderen Opernhäusern zu. An die Volksoper wird Klemperer gerufen. Wir bezweifelten die günstige Aussicht, hielten Szenkdr für durchaus besähigr und— wurden dementiert. Klemperer zieht sich zurück,«in lockerer Berttag zu Gastspielen kommt zustande, hat aber von vornherein wenig 5>alhkraft, wenig Aussichten. Cr bemüht sich unterdessen wieder um Köln. Die rheinische Zentra'e hat Stolz und winkt ab. Szenkar erhält den Posten, in ehrlicher Konkurrenz mit Blech und Walter. Blech demissionien in Charlottenburg aus immer noch dunklen Gründen. Der Bühnen. H e r r i o t, der am Sonnabend nach Lyon zurückgekehrt ist. hat auf all« ihm gestellten Fragen geantwortet, daß er per den?. 1. Juni nichts zu sagen Habe. Die ihm von dem AbMwrdnelsn. Moutet in den Mund gelexte Aeußerung, daß er die Bildung der Regierung nur übernehmen werde, wenn er der Beteiligung der SoZialistsn sicher sei, hat er weder dementiert noch bestätigt. Da- gegen hät Herriot erklärt, daß die erste Aufgebe der neuen Mehr- hei! die Aufhebung der im März beschlossenen Ermächtigunosqesctze, die Abänderung der reaktionären Unterrichtsrcform und die Wieder- Herstellung des Zündholzmonopols sein werde. Die Durchführung der ZOprozcntigen Steuererhöhung werde ebenso wie die gesamte Finanzpolitik im hohen Grade bestimmt werden von der Außen- Politik, d. h. der Regelung der Rcxarationsfrage. Das erst« Ziel auf außenpolitischem Gebiet sei die Wiederherstellung guhr Beziehungen zu allen Rationen. Herriot, der es ablehnte, auf Einzel- hüten einzugehen, erklärte, die neue Mehrheit werde sehr viel guten Willen an den Tag legen, sie verlange aber einen gleichen guten Willn auch von den anderen Nationen. Rustistb-amerikanischer Konflikt. Aus Moskau kommt die aufsehenerregende Meldung, daß die amerikanische Regierung an China eine Not« gerichtet habe, in der sie diese vor der Anerkennung Sowjettußlands warnt, da eine solche zu internationalen Verwicklungen führen werde. Wenn diese Meldung zuttisft, so ist sie geeignet, die Lage im fernen Osten in einem ganz neuen Lichte erscheinen zu lassen. Be- kannttich brach vor etwa zwei Monaten zwischen der Sowjettegierung und der chinesischen Regierung Li-Wan ein Konfkkt aus, der mit der Abreise de? russischen Gesandten Karachan aus Peking endete. Schon damals hieß es. daß dieser Konflikt infolge der Einmischung Amerikas, Englands, Frankreichs und Japans ausgebrochen war,. die gegen den Abschluß eines russisch-chine fischen Vertrages Einspruch erhoben hatten. Nach der Abreise Karachans wurden die russischchinesischen Verhandlungen inoffiziell in Moskau und Peking fort- gesetzt. Um diesen Verhandlungen ein Ende zu setzen, sind nun die Vereinigten Staaten aus ihrer Reserve hervorgetteteu und hohen kurzerhand der chinesischen Regierung verboten, Sowletrutzland an- zuerkennen. Dieses Auftteten der Vereinigten Staaten bedeutet nicht nus ein« ungeheuerliche Brüskierung Chinas, das wie ein Vasallenstaat behandelt wird, es erscheint auch als ein feindseliger Akt gegenüber Rußland, desssn de-jure-Auerkenming nun von Amerika verboten wird. Man geht wohl In der Annahme nicht fehl, daß es sich hier nicht um«ine theoretische Streitfrage, sondern um konkrete politische und wirtschaftliche Interessen handelt. Das geplante Abkomme» zwischen Rußland und China sieht nicht nur die Anerkennung Sowjet- rußlands, sondern auch die Regelung der Frage der ostchinesi'chen Bahn und der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder vor. Diese Fragen sind es vor allem, die die jetzige Einmischung der Ver- einigten Staaten heraufbeschworen haben. Denn Amerika bettachtet China als eines seiner wichtigsten Absatz- und Ausbeutungsgebiete und wacht deshalb eifersüchtig darüber, daß Rußland ihm nicht im fernen Osten Konkurrenz macht. Das jetzige Auftteten der Vereinigten Staaten gegen Rußand kann deshalb für die gesamte internationale .Politik die größte Bedeutung erlangen. Schwierigkeiten an der 6orse. Di« heutige B.ö r s« sctzse. ziemlich schwankend«in. Dieser Stimmungsuu.schlog. der ganz unerwartet kam, ist zum all.r- größten Teil der Nackirlcht von dem Zusammenbruch der Beck«r-Stahkwerke A- G. zuzufchreib«n. Im übrigen b'eibt die Geldmarttlage leicht. Täglich Geld ist zu einem Satze von% bis Vi pro Mille zu bekommen. Der Devisenmarkt erfuhr heute einen Rückgang der Anforderungen. Der französische Frank, der an den internationalen Börsen des Sonn- abends uneinheitlich tendierte, wurde im hiesigen Usanceoerkehr mit 775/» im Austausch gegen London gehandelt. Die Skadk Dortmund teilt uns mit, daß sie nicht an ausgesperrt« Bergleute allgemein, sondern nur individuell an besonders bedürftige Familien Unterstützung gewährt hat. versin erklärt ihn für konttaktbrüchig. Trotzdem dirigiert er. mit bekanntem Schwung, mit einzigem Temperament ewe Carmen- Aufführung in der Bolkscper. Das Orchester folgt ihm gut. doch die Bühne ist schlapp, keine Probe scheint die Chöre und Solisten be- schwert, oerwirrt, gebessert zu haben. Vera Schwarz ist vielleicht die klügst« und durchdachteste Carmen, nicht aber die lang«»» schönste. Eine grelle Höhe zerstört jeden Augenblick gute Wirkungen. Will und soll nun Blech an die Bolksoper? Will er endgültig in Berlin umziehen? Er schaffe dann, bei dem soliden Ensemble des Hauses, die Gasterei endgültig ab. Dobrowen und Zweig werden sattelfest« Adjutanten sein. In C h a r l o t t e n b u r g ist die Situation am ungeklärtesten, obgleich hier die Oberleitung gegenüber den wirtschaftlichen Tyrannen cm notwendigsten wäre. Man hat, wie verlautet, wieder an K l e m- p e r e r gedacht. Abschlüsse mit sehr guten Solisten wurden ge- troffen. Zwei junge Kapellmeister bilden das Interregnum. Im übrigen schwebt alles tn der Luft. Weingartner als Gast war eine Attraktion nur für wenig«. Er dirigierte die„Meiste:. singer" tapfer, routiniert, ohne große Leidenschaft. Der Sachs Plaschkes hob die Aufführung, und die Ena der Seinemeyer drückte das Niveau nicht. Ueberhaupt war die Aufführung für eine Äcr- ständigungsprobe respektabel. Gute Vorbereiter täten allen Opertt- Häusern gut. Mit Matadoren ist uns nicht geholfen. Und über Nacht wird aus einem Landhäuschen �tcin Schloß. Aber Ordnung muß werden. Sonst sterben die Dirigenten vor lauter Fieberkrisen dahin. Und die Opernhäuser mit ihnen. Es ist schwer, über die Berliner Oper kerne Satire zu schreiben. Und es ist Zeit. Ernst zu machen mit dem Aufbau. Daß Weingartner überhaupt wieder in Berlin dirigiert, wird von der nationalistischen Presse scharf be- kämpft. Er hatte einst seinen Namen unter das gefährliche Manifest der Intcllckluellen gefetzt(1914) und diese Unterschrift, wie viele schnell Bekehrt«, wieder zurückgezogen. All diese potttischen Ad- schweifungen oder Entgleisungen, verbunden mit«inseitigen Ur- teilen, sind im Munde eines Künstlers völlig überflüssig. Abcr sie interessieren uns nicht, da Weingartner als Politiker ein Schaf und als Künstler dennoch ein Genie sein kann. Wir haben keinen Grund, Wcingartners politische Expektorationen zu untersuchen, sie zu ve?- dämmen oder zu billigen. Dirigiert er. so steht seine musikantische Leistung vor Gericht, nicht der Mensch, nicht der unreif Politisterende. � Kurt Singer. Alfred Schmasow ist im Alter von 62 Jahren an den Folgen einer schweren Grippe gestorben. Er gehörte einst, erst- im Adolf-Ernst-Theater, dann im Schiller-Thcater, jju den volkstümlichsten Berliner Komikern, bissen dreist. scher, urwüchsiger vhümor viele Bewunderer fand. In den letzten Iahren nahm er kein Engagement mehr an, trat aber gelegenllich als Rezitator seiner ulkigen Glicht« und Couplets auf. oitasi-ilische«unst. Der bis jetzt fertiggestellt- Teil der Ausstellung ans den Beständen der O st a I» a I i j ch e n u n it f a ni m t u n g im Erdgeschof» dcö MweuinZ Prinz- Albrccht- Slrahe 7. ist, von jetzt ab täglich fmtt tzinsnabme von Moniagl von g— 3 Uqr für den Belach geöffnet. ver Ausbruch der ExpedlNon Anwadfen. die mit kSass-riliigzeiigen dca Nordpol tucicheti will, sst aus die erste Iuniwoche vertag! worden. Der Ulanentag in Fürstenwalde. Uebergriffe der Polizei. Denunzianten an der Arbeit. Dem Deutschen Tag" in Halle folgte am Sonntag ein Ufanentag in Fürstenwalte, weniger blutig, aber bennadh cm. pörend für jeden Stepublikaner. Befannhich sogen bic misstellen aus den Bergängen in Halle bie Lehre, gemäß der Berordung des Reichspräsidenten alle öffentlichen Stundgebungen zu untersagen. Der Ulanentag äußerie fich deshalb nicht in großen Straßendemon ftrationen, sondern in paterländischen" Sundgebungen auf dem Sta fernenhof in Fürstenwalde. Noch bevor das Berbot öffentlicher Umzüge für den Ulanenteg ausgesprochen war, hatten die Kommu niften eine Gegenbemonstration angefeßt. Soweit fio fi äußerlich durch Abzeichen zu erkennen gaben oder nur den Berdacht, Kom. munisten zu sein, am Bahnhof erwedten, wurden fie von der Bolizei angehalten und nach Waffen untersucht. Bereinzelt wurten Schußwaffen und Schlagringe gefunden. Die Besizer biefer Mord. instrumente wurden inhaftiert, zu Protokoll vernommen, aber am Abend wieder freigelaffen. Soweit war die Polizei vollkommen im Recht. Sie hatte auf Grund der Parole in der„ Roben Fahre auch berechtigten Anlaß, die Umgebung von Fürstenwalde abzuspcrren und die einzelnen Passanten nach dem Ziel ihres Weges zu befragen Aber was uns trog unserem Berständnis für die schwierige Aufgabe der Polizei unverständlich bleibt, ist die Art und Weise ihres Auftretens in der Innenstadt im Berlauf der legton Bormittagsstunden. Infolgedessen ist es begreiflich, wenn es zu Zusammenstößen fam und die Polizei am Abend des Ulanentages drei Leichtverwundete, die durch Messerstiche verlegt waren, zählte. Das war nur möglich durch ihr eigenes Bor. gehen, das zuguterletzt auch das harmloseste Gemüt erregen mußte. Kein Wunder, wenn sich die Nationalisten äußerst sicher fühl ten und nach erfolgter Eröffnung des Ulanentages im Kasernenhof unter der schwarz- weiß- roten Fahnen der Spießbürger in voller Friedensuniform, geschmückt mit Orden Wilhelms II ,, mit Kind und Regel promenicrten. Ja, ihr Sicherheitsgefühl ging so weil, daß sie mißliebige Bürger der Stadt denunzierten und man follte es eigentlich faum glauben die Polizei auf diese Denunziationen einging und sich die betreffenden nichtsahnenden Personen entsprechend vornahm. Wer stellte die Saferne für ben Ulaneniag zur Verfügung? Und mer hat ben Soldaten des in Fürstenwalde liegenden Regiments anbefohlen, die uniformierten Gäste militärisch zu grüßct? Folgende Einzelheiten werben uns über den Berlauf des Lages in Fürstenwalbe mitgeteilt: Auf dem Fürstenwalder Bahnhof herrschte am Ausgang der Sperre eine geradezu peinliche Ron trolle. Fast jeder Ankommende, der sich in Wanderoogel tracht befand, murde auf affen unterfu cht. Lächerlich erschien es, wenn beim Eintreffen des Berliner Zuges ein Schupobeamter, bewaffnet mit einer Maschinenpistole, aus dem Bahnhofs. gebäude herausstürzte und die Ausflügler unter Kontrolle nahm. In den Straßen Fürstenwaldes fauften fortwährend start befekte Bolizeiautos umber. Mitten aus der Menne heraus wurden dann Berhaftungen vorgenommen, bie meist in sehr wenig einwandfreier Weise vor sich gingen. Daß die Polizei sich über einen blutig geschlagenen jungen Mann noch luftin machte, sei nach dem Bericht eines Augenzeugen erwähnt. Die Straßen waren mit Girlanden geschmüdt, benn die Denimalsweihe im Lazarettaarten( gegenüber Der Kaserne) war ja fchon lange geplant. Am 16. Mai jährte sich der Stiftungstag des Regiments, und nun hielt man die Beit für gekommen, die Feier abzuhalten. Bon qut unterrichteter Seite teilt man uns mit, daß die Festleitung bemüht gewesen sein foll, darouf zu achten, daß die Veranstaltung fich in einem neutrolen Rahmen hielt. Man wollte lediglich die gefallenen Rameraden ehren, Cinige afte Offiziere versuchten zwar, der Veranstaltung ein republiffeind. liches Gepräge zu geben, hatten cber bamit nur wenig Glid. Die Rafernen wielen feinen Flaggenschmud auf. Sonntag früh um 9 Uhr fetten sich die Teilnehmer des Ulanentages zwanglos in Be wegung, um in der Kirche der Aufstellung der Gedenktafel, auf der die Namen der gefallenen Krieger stehen, beizuwohnen. Die Trabitionsesfabron des Usanenregiments 3, die heutige 2. Estabron des Reiterregiments 9, nahm mit ihrem Trompetertorps an der Feier teil und zog gefchloffen zur Fürstenwalder Domtire. In der Borhalle wurden die beiden Gebenttafeln im Beisein der Regimentsvereine von Fürstenwalde, Frankfurt a. D. und Berlin auf gestellt. In den Nachmittagsstunden versuchten die Kommunisten, die erbittert waren, daß ihre Protesttundgebung in Retschen berf b. Fürstenwalde infolge der scharfen Sperre unmöglich gemacht wurde, bis zur Raferne vorzubringen. Sie zogen fich darauf in ein Lokal zurück und sollten nachmittags mit dem Zug 2.46 Uhr mit Gewalt nach Berlin zurüdtransportiert werden. Erst nach längeren Bemühungen gelang dieser Plan. Raum aber hatte fich der Bug in Bewegung gefeßt, zogen die Kommunisten bie Notbremse und verfuchten den Bug zu verlassen. Im gleichen Augenblid nahte ein 3ug aus Berlin und es hätte nicht viel gefehlt, so wäre ein Unglüd von furchtbaren Ausmaßen entstanden. Schupo und Bahnpolizei ließen wieder die Gummifnüppel spielen und end. lich war es soweit, daß der Zug abfahren konnte. In den Abend ftunden fanden in Fürstenwalde noch einzelne Feiern statt, die ohne 3wischenfall vor sich gingen. Aehnliche lokale Feiern fanden in Frankfurt a. b. D. und auch in Gu5 en statt; fie spielten sich ohne bemerkensmerie Zwischen fälle ab. „ Stahlhelm" und Reichsbanner Schwarzrotgold". Breslau, 19. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die gefirige und gebung der regisrabitalen Organisationen in Breslau hat nach dem Berbot des öffentlichen Umzuges und der Fahnenparade einen ziemlich flägiden Berlauf genommen. Der große Saal, in bem die Stahlhelm- Fahnenweihe stattfand, war nicht einmai refilos gefüllt, obwohl zahlreiche rattionäre Bereine mit ihren Abzeichen herangezogen worden waren. Offenbar hat auf einen Teil des SpießBürgertums der republitanische Gegenaam abschreckend gemirft. Die Polizei hate, um Zusammenstöße zu vermeiden, starte Abfperrungar vorgenommen, doch verlief der Tag ruhig und ein Einschreiten der Sicherheitsbehörde erwies fich als unnötig. Die republikanise Gegenfundgebung des Reichsver. bandes Schwarz Rot- Gold" war sehr start besucht. Sie erhielt eine befondene Note durch die Teilnahme des Oberpräsidenten Genossen Zimmer. Der eine republifani dhe Anspracho hicft. An schließend sprach der demokratische Landtagsabgeordnete Hermann und der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Genosse. Winger. Die Kommunisten haben, soweit festzustellen war, nichts befcaberes Die Kommunisten haben, soweit festzustellen war, nichts befcaberes gegen die habentieugler unternommen, wenigstens nichts, was öffentlich in Grscheinung trat. Morphium, Gas ober irgendeines anderen Gift. stoffes in ben Zeichenteilen festgestellt werben tönnen. Frau Bischur befindet sich infolge der durch zwei Monate burchgeführten dauernden Bernehmung in einem Zustand völligen fcelischen und förperlichen Zusammenbruchs, jo daß Justizrat ronter den Antrag gestellt hat, Frau Bischur auf ihren Gesundheitszustand untersuchen gu laffen. Ein neuer Frauenmord. Der mutmaßliche Täfer verhaftet. In der Friedrichsfelder Straße 9 wurde die 49jährige Chefrau & Johanna uchelewski, geb. Bartat, in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag um 2 Uhr von ihrem Ehemann ermordet aufgefunden. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Die Mordfommission begab sich alsboid an den Latort. Die Eheleute Kuschelewsfi temchnen in der Friedrichsfelber Straße 9 im Quergebäude parterre rechts ein Zimmer und Küche. Gegen 12% Uhr hatte eine Frau, die die unter der betreffendan Wohnung gelegenen Kellerräume bewohnt, Hilferufe gehört. Sie glaubte an einen ehelichen 3wift und fümmerte sich nicht weiter darum. Nach kurzer Zeit verließ fie mit einem Bekannten ihre Wohnung. Wenige Häufer weiter traf sie den 35 Jahre alten Ehemann Kuschelewski und teilte ihm ihre Wahrnehmung mit. Dieser eilte jest nach Hause. Auf sein heftiges Klopfen wurde die Tür geöffnet, ohne daß die Sicherheitsfette abgehatt wurde. Im Schein eines Wachslichtes fab er einen mittelgroßen, fwarzhaarigen Mann, der die Tür sofort wieder zuschlug. Er eilte jebt eine Treppe höher hinauf, flopfte die Bewohner heraus, und lich fich eine Lampe, einen Stuhl und ein Beil geben. Auf dem Hof stellte er den Stuhl unter das Wohnungsfenster, drückte es ein und Stieg dann in das Zimmer. Da hier alles still war, ging er in die Rüche und fand seine Frau leblos nor. Plöglich hörte er im Nebenzimmer ein Geräusch. Wie er ihm nachging, sah er einen Mann, der sich an die Band gedrückt hatte, so daß er ihn zunächst nicht gefehen hatte. Der Mann entfloh durch das Fenster. Er murde aber von den inzwischen herbeigeeilten Mietern des Hauses an der weiteren Flucht gehindert. Der mutmaßliche Mörder ist ein 27jähriger Franzose Bonzeb, der aus Chuailala in Algier stammt. Er war bei dem 23. algerischen Infanterie. aufgegriffen und fam in das Sammellager für Deferieure in Dagbe. regiment in Wiesbaden, befertierte im Januar d. 3., wurde burg. Syier wurde er am 14. Mai entlassen und wandte sich nach Berlin. Inzwischen war ber Gerichtsarzt Dr. Straßmann jun. eine getroffen. Der Tod war durch Erwürgen eingetreten. Liefe Fingerabdrücke und Nägelrisse waren noch am Halfe zu fehen. Auch Bonzed zeigte an der rechten Schläfe und am linten Arm leichtere Kragwunden. Wahrscheinlich hat ein Kampf zwischen dem Mörder und dem Opfer stattgefunden. Bonzed bestreitet entschieden, der Mörber zu sein. Er ist von der ihm unbekannten Frau auf der Straße angesprochen worden und fei mit ihr mitgegangen. Dies stimmt soweit, denn eine Zeugin ist ermit'elt worden, die die beiden vor dem Lotal 3um Afrikaner" gesprochen und verlassen hat. Sie erkannte den Franzosen sofort wieder. Bonzed behauptet. Dann mit der Frau in ihre Wohnung gegangen zu sein. Während sie auf dem Sofa faßen, hörten fie plöglich draußen Stimmen. Es flopfie. Er fei aus Angst vor dem Ehemann ins Nebenzimmer gelaufen und habe dur die Türspalte folgendes beobachtet: Stuschelewsti wäre wütend in das Bimmer gefommen, habe seine Frau am Halse gepadt gewürgt und über das Sofa geworfen. Ein zweiter Mann habe ihn begleitet. Bei seiner Flucht aus dem Fenster sei er dann ergriffen worden. Diese Angaben bedürfen natürlich der Nach engriffen worden. Diese Angaben bedürfen natürlich der Nach prüfung. Sonntagsarbeit der Feuerwehr. " $ 1 som Direttor Gwarz ben Ehrenpreis des Reichsaußenminifters ausgehändigt. Den Preis Don Charlottenburg", den die Zeiten der Zwischenläufe des vorigen Rernens bestritten, gewann im Gesamillassement Stabe. Die Dritten der 3pifcheniäufe Ms Sxger tämpften um ben Breis von Grunewald". sing Gottfried hervor. Swat holte sich dann den Sieg im „ Preis som Stadion", den die Vierten der Zwischenläufe ausfuhren. Dem Großen Preis von Berlin für Daucrfahrer ging om Start ein Tumult peraus. Die befannt, sollte aud) der Belgier Banderstunft mitftorien. Jetzt erheben aber die deutschen Fahrer die Ferberung. Daß der Belgier abzutreten habe, da schon ein Belgier, und zwar Binari, in Deutschland gefahren habe und man in Begien einen Deutschen nicht zulaffe. Banderstunft wurde zum Bebmefen der Zuschauer aus dem Rennen genommen. Unter Beifallsrufen und lebhaften Sympathiefundgebungen des Putfitums reziek der Fahrer die Bahn. Das Rennen selbst, es ging über 100 Stilem ter, gewann der Schweizer egmanm, der in Ganay( Frankreich) einem heftigen Gegner fand. Refulfate: Großer Preis von Berlin für Flieger. 1. 8wichenlauf: 1. Stttt. Sämtliche Läufe 2 Runder( 1333, m). 2. Swischenlauf: 2. Belfivier, R. Ditermeyer, 4. Behrendt, 5. cinas. 1. Mori, 2. Bizetto, 8. ahn, 4. Schwab, 5. Hoffmann. 8. Zwischenlauf: 1. van tempen, 2. Betri. 8. Gottfried, 4. Fenssen, 5 Arend. 4. Zwischen( befeft). 1. Enblauf: 1. Staufmann, 2. van Kempen, 3 Rütt( 2 2g.), lauf: 1. Raufmann, 2. Etabe, 3. Echrage, 4. S. Mayer, 5. Peene 4. Mori. 2. Gnblauf: 1. Raufmann, 2. ran Kempen, 3. Rütt( 1%, a.), 4. Mori. 3. Gudlauf: 1. Saufmann, 2. Meri, 3. van Kempen, 4. Rift. Gesamtergebnis: 1. Saufmann( 8 Bunfte), 2. van Kempen Breis von ( 7 Gunite), 3. Mori( 10 Punkte), 4. Rütt( 10 Bunfte). Charlottenburg. Offen für die 8meiten ber 8mischenläufe bes Groken Breifes. 1. Zauf: 1. Stabe, 2. Berri, 3. Rzetto, 4. Bellivier ( com 3. Blak distanziert). 2. Pauf: 1. Berri, 2. Stabe, 3. Bellivier, 4. Stizetio. 3. Qauf: 1. Stabe, 2. Bellinier, 3. Rizetto, 4. Berri. Geiamtergebnis: 1. Stabe( 4 unite), 2. Berri( 7 Punkte), 3. Bellivier( 9 Gunite), 4. Rizetto( 10 Puntte). Breis vom Grunewald. Offen für die Dritten der Rwischenläufe. 1. Gott. Effen für die Vierten der Zwischenläufe des Großen Preises. 1. Schwab, fried, 2. Schrage, 3. Ditermeyer, 4. Sabn. Preis vom Stadion. 2. Jenssen, 3. S. Mayer, 4. Behrendt. Groger Breis von Berlin für Ste her. 100 km. 1. Banj, 50 km: 1. Bana h in 41 min. 0,1 Set., 2. Wegmann 10 m, 3. Strupfat 2.0 m. 4. Bauer 300 m, 3. Didentmann 830 m, 6. Samall 1980 m, 7. Rewanom 2710 m zurüd. 2. Lauf, 50 km: 1. Be a mann in 41 min. 19 Sef, 2. Ganan 420 m, 3. Sawall 450 m. 4. Krupiat 1030 m, 5. Lewanow 2190 m, 6. Didentman 2850 m. 7. Bouer 2. Gauab 99,580 km, 3. Strupfat 98,680 km. 4. Sawall 97.750 km. 8300 m zurüd.( Sejamtergebnis: 1. egmann 99.990 km, 5. Didentman 96,820 km, 6. Remanom 95,100 km, 7. Bauer 90,400 km gefahren. Rennen zu Hoppegarten am Sonntag, den 18. mai: 1. Rennen. 1. Eonnenftrahl( s. Smidt), 2. Glüd und Glas( Saifer), 8. Lenor( S. Teidmann). Toto: 13:10. Blag: 11, 15, 86: 10. Ferner tiefen: Dalberg, Still, Delmora, Brimavera. 2. Sennen. 1. Escerial( D. Schmidt), 2. Mandarin( Rattenberger), 3. Dacapo( Reiß). Zoto: 13:10. Blaz: 10, 10: 10. Ferner liefen: Llewelyn. 3. Sennen. 1. Revolutionär( H. Schmidt, 2. Notung( Bimmermann). 3. Billinger( Senzsch). Toto: 37: 10. Plak: 15. 14. 21: 10. Ferner liefen: Filipov, Gigilbert, Canquini er, Lobredner, Sljenitein. 4. Rennen, 1. Wionfalcone(. Schmidt), 2. Fundin( St. Kaifer), 3. Caprivi( Olejnit). Toto: 38: 10. Bias: 13, 13, 17: 10. Ferner liefent: Seldrastein, Farmer, Bafür, Patrizier, Rosendame, Hannar. 5. Rennen. 1. Sichida( St. Torte), 2. Fontamera( Stofina). Zei liec. Steine Betten. 6. Rennen. 1. Habakut( D. Schmid), 2. Twoftep( Raiser), 3. Margita ( F. Basch). Toto: 31: 10. Piak: 19, 56:10. Ferner liefen: Abendwolfe, Bürgerwebr. 7. Rennen. 1. Döberis( Wurst), 2. Balbung( D. Schmidt), 3. Manuela ( D. Müller). Toto: 59: 10. Plas: 20, 14, 24: 10. Fermer liefen: Ban Robert, Morgenstunde, Angelus, Catania, Walküre, Alarid, Cea, Modesuppe. end isd anii cob 5." Kreis Friedrichshain. Bildungstommiffion! Alle Genoffen der Bilbusigs tommiffion erscheinen am Dienstag, den 20. D. M., um 6% Uhr, im Stadt haus, Alofterstraße 6. Areis Accuzberg. Die heutige Ordnerfitung findet bei Reim, Urbanfte. Statt Gewerkschaftsbewegung Gautag des Butab. Großfeuer fam em Sonntagabend gegen 8 Uhr in Abwesenheit Groß- Berliner Parteinachrichten. der meisten Mieter in dem Borberhause unb Seitenflügel des Hauses Mariannenufer 4 aus noch unermittelter Urfache zum Aus. bruch und verursachte erheblichen Echaben an Immobilien und auch an Mobilien. Als die 2. Ronipagnie aus der Ropefider Straße an der Brandstelle crfchien, stand der Dachstuhl bes Borberhauses und Seitenflügels schon in folcher Ausdehnung in Flammen, daß mit vier Schlauchleitungen unverzüglich von mehreren Beitern angegriffen werden mußte. Branddirettor Beder ordnete einen umfaffenden Angriff an, weil schon eine Dachwohnung pöllig brannte. Ein Feuerwehrmonn Schepp erlitt beim Eindringen in die Woh nung Schnitt- und Brandwunden an den Händen. Andere Etten unter der großen Qualmentwid'ung. Schließlich gelang es, bie Flammen auf die Dachstühle und Dachwohnungen zu beschränten. Die oberen Geschosse haben nur etwas durch Wasser Schaden erfitten. Der 15. Zug hatte abends in der Straße Altmcabit 98-103 ( Meierei C. Bolle) zu tun, wo infolge von Kurzfchluß in einem Zuschauerraum des bortigen Rinojaqles Feuer ausgetommen war. Es brannten Dachbalten und die Verschalung usw. während einer Borstellung. Das anwesende Bublifum blieb ruhig und verließ phne jebe Störung ben Saal. Der Feuerwehr unter Leitung des Baureis Lindner gelang es, die Flammen auf ihren Herd zu beschränken. In der Dorotheenstr. 23 brannte der Keller der ehema igen städtischen Merfthelle und jebigen Bostschecamtes. Während der Fahrt geriet ein Wagen der 2. Klasse der Heibetrautbahn" in Mühlenbed in Brand, permutlich burchfigenben 5 eine brennende Bigarette. Beamte löschten die Flammen auf der Station Rosenthal. Handtaschenräuber und Revolverheld. Gegen 11 Uhr nachts wurde eine Dame in der Ebereschenallee, Ede Lindenallee, von einem Mann überfallen und ihrer Handtasche beraubt. Der 23jährige Student Waldemar Grote, der Zeuge des Borfalls war, nahm die Berfo'gung des Räubers auf. Als er ihn faft erreicht hatte, drehte sich der Täter um und feuerte einen Schuß ab, durch den Grote am rechten Fuß verlegt wurde, fo daß er die Weiterverfolgung aufgeben mußte. Der Täter ist entkommen. .Columbus" wieder in Bremerhaven. Der norddeutsche LloydDampfer„ Columbus" ist nachts 12 55 Uhr nach glänzend verlaufener Fahrt von seiner ersten Reife in Bremerhaven eingetroffen. Trotz der späten Nachtſtunde hatte sich eine tausendföpfige Menschenmenge am Bier eingefunden, die das Schiff, das in feiner strahlenden Beleuchtung einen impofanten und festlichen An blid bot, lebhaft begrüßte. Die Peffagiere murden an der Lloyd halle gelandet und am Morgen mit Erirezügen weiterbefördert. Wolfenbruch und Ueberschwemmung. In der Nacht zum Sonn. abend ist Rratau von einer burch einen Wolkenbrud ver ursachten großen Ueberschwemmung heimgesucht worden. Viele Häuser stehen bis zu den Fenstern unter Waffer. Ene Flaschenpost von der„ Dirmuiden Aus Propriano an der Ostküste von Korsika wird die Auffindung einer l'aschen post gemeldet mit einem mit Bleistift beschriebenen Papier, das die enthält. Die Werte lauten: Benzin zu Ende. Wirtreiben. letzten Abschiedsgrüße der Mannschaft des Luftschiffes Digmuiden Mannschaft der Digmuiden, Lebt wohl. Es lebe Front reich!" Sport. Der Große Preis von Berlin im Stadion. Die Schweizer Sieger. Die Voruntersuchung gegen Frau Bifchur. In dem Ermi'tungsverfahren gegen Frau Helene Bishur, bie des Giftmordes in vier Fällen angeschuldigt mirb, wirb die Bor untersuchung, die von dem Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Rruspi geführt wird, sehr ba'd zum Abschluß gebracht werden Im Stadion fanben sich am Sonntag Zehrtaufanbe ein, um fönnen. Daß bas moch nich geschehen ist, ist darauf zurückzuführen, das klassische Rennen Der große Preis von Berlin" entdaß erit jezt die Sachverständigengutachten, die die Obduktion der gegenzunehnten. Bei dem Großen Fliegerpreis" machten sich allein ausgegrabenen Leichen und die Untersuchung der Beichenteile be 22 Läufe notwendig, um bie Besten herauszufchälen. Am Start trifft, der Medizinairat Prof. Dr. Fraentel und Medizinalrat fe bite der Amer faner Spencer, dessen Schiff Deutschland Dr. Stoersheim fcwie des Gerichtschemiters Dr. Brüning nicht rechtzeitig erreichte. Zur Entscheidung trafen sich dann nur 3ur Entscheidung trafen sich dann nur bei dem Untersuchungsgericht eingegangen sind. Dem Ber vier Fahrer: Rütt, Mori( Italien), van Kempen( Holland) nehmen nach find die Ergebnisse der gründlichen Untersuchung jo Kaufmann( Schweiz). Drei Läufe wurden ausgefahren, negativ ausgefallen, es haben teinerlei Spuren von die alle der Schweizer für sich reservierte. Als Sieger erhielt er Am Sonniag hielt der Gau Brandenburg des Bundes der technischen Angestellten und Beamten feinen fünften Gautag in Berlin ab. Nachem sich der Bautag fonituiert und Begrüßungsan Sprachen entgegengenommen hatte, wurde eine Refolution gua gunsten der kämpfenden Ruhrbergarbeiter einftimmig angenommen. Sie schließt mit den Worten: Der Gautag fichert den fämpfenben Arbeitnehmern größtmögliche Unterstügung zu und stellt bei dieser Gelegenheit fest, daß der unüberbrüdbare Gegensas zwischen Kapital und Arbeit im fapitalistischen Elaats wesen eine unumstößliche Wahrheit ist. Der Gautag Brandenburg verpflichtet den Bundesvorstand, diese Tatsache bei der vom Bund im Intereffe der Arbeitnehmer zu feißenden Arbeit nie außer acht zu lassen." Der figenben or chert und des Gauleiters Günther. Dieser führte unter anderem aus: Die Mitgliederzohl im Gau ist von 17 022 Ende 1922 auf 14 439 im April 1924, also um 2583 zurüdgegangen. Dieser zahlenmäßige Rüdgang bedeutet aber feinen wirklichen White gieberberiuft, fodern er erflärt sich daraus, daß die Betreffenden ben Wohnort oder ten Beruf und damit bie Organisation gewechselt haben. Nachdem der Redner die Wirtschaftslage des perflossenen Jahres in Verbindung mit der Tätigkeit des Bundes besprochen hatte, stellte er für die zukünftige Lohnpolisit folgende Richflinien auf: Anpassung der Löhne an das Breisniveau, denn sie stehen er heblich hinter diefem zurüd. Darüber hinaus Hebung der Real föhne auf eine Höhe, die es dem Technifer gestattet, feine fchöpferische Kraft im Wirtschaftsbetriebe zur Geltung zu bringen. Reform der Tarife, namentlich hinsichtlich der Gruppeneinteilung. Beseitigung ber Reallöhne, denn sie sind für die Arbeitnehmer nachteilig. Redner vermics auf den Zusammenhang der nationalistischen Bewes gung mit wirtschaftlichen Momentet und führte aus: Auch unter unseren Kollegen gibt es folche, die dem Nationalismus freundlich gegenüberstehen und sich von der antimargistischen Agitation haben beeinflussen laffen In den Gruben der Nieberlausitz ist es dem Technifer faum noch möglich zu arbeiten, wenn er nicht dem„ Stahlhem" oder dem„ Wehrwolf" angehört Unsere Kollegen fagen zwar, daß sie nur unter dem wirtschaftlichen Druck den nationalistischen Organisationen beigetreten feien und deren Bestrebungen badurch noch nicht billigen.. Aber das ist feine Entschuldigung. Die nationa liftischen Organisationen arbeiten im Interesse des Unternehmertums, deshalb darf ihnen kein Arbeitnehmer angehören. Nach der Aussprache über der Geschäftsbericht hielt der Bundes. erneuern wir unsere Kampffraft?" Er fagte unter anderem: Nach geschäftsführer Aufhäuser ein Referat über das Thema:„ Wie der Revolution haben die Verbände der Technifer und Angestellten faft tampflos Erfolge erreicht, für welche die Arbeiterorganisationen Jahrzehnte gefümpft haben. Den Massenzustrom von Mitgliedern, ben wir damals befamen, haben wir nicht verbaut, wir haben diese Maffen nicht auftlären tönnen über das Wesen unserer Bewegung. Wir müssen die Köpfe, nicht nur die Mitglieder gewinnen. Gegenüber jenen Beuten, die unter dem Schlachtruf: " Nieber mit dem Margismus" ihre politischen Geschäfte betreiben, müssen wir das Mirtschaftliche und das Seziale in den Bordergrund fteffen. Dem Appell am bie nationalen Beidenschaften müffen wir entgegenwirten. Im Kampfe gegen die Reaktion dürfen wir uns nicht auf fremde Hilfe verlassen, sondern wir müffen uns selbst helfen. Das geschleifene Borgeher der Unternehmer fann nur burch die einheitliche Zusammenfaffung ber Träger der Arbeit zurückgewiesen werden. Das Schwergericht im wirtschaftlichen Kampfe liegt bei den Gewerkschaften. Wenn die Gewertschaften auch politisch neutral find, so haben sie ihren Einfluß doch dahin geltend zu machen, ben letzten Monaten für verbindlich erklärt wurden, sondern bes schränken uns auf den Hinweis, daß dies in wenigen Monaten bereits der zweite Fall ist, in dem im Versicherungsgewerbe ein den Angestellten einigermaßen günstiger Schiedsspruch nicht für verbindlich erflärt wurde. Das Reichsarbeitsministerium muß die Verantwortung übernehmen, wenn es durch ein derartiges Berhalten wiederum wie im Jahre 1922 heftige Rämpfe im Versiche rungesgewerbe heraufbeschwört, die weder dem Gewerbe noch der allgemeinen Wirtschaft dienlich sein können. baß sich fein Arbeitnehmer aus nationalistischen Motiven einfangen| Bersammlungen abzuhalten und den Bergarbeitern den Sympathie| freundlichen Schiedssprüchen, die vom Reichsarbeitsministerium in läßt für eine Bewegung, die unter nationalem Decmantel feinen wirtschaftlichen Interessen entgegenarbeitet. Auch den genossenschaftlichen Gebanten müssen wir pflegen. Das Beispiel der sozialen Bau. betriebe fönnte auch in der Industrie Nachahmung finden, wenn wir den Boden dafür vorbereiten. Auch die Konsumgenossenschaften gilt es zu fördern. Möge niemand denten, es sei jetzt für ihn vorteilhaft, fich nationalistisch einzustellen. Befennermut verlangen wir auch von unseren Anhängern. Auch in schwierigen Situationen müssen sie treu zu unseren Grundsätzen stehen. Das ist der Weg, auf dem wir zu einer machtvollen Bewegung der deutschen Arbeit nehmer fommen. Der Gautag erledigte eine Reihe von Anträgen, die meistens organisatorischer Art sind. Die Stellung des Gautags zur politischen Bewegung wird gekennzeichnet durch die einstimmige Annahme der folgenden Anträge: Führende Kollegen, die sich an der Gründung her Arteilnehmerpartei beteiligt haben, find nicht mehr geeignet, Führer in unserer freigemertschaftlichen Organisation zu sein." „ Die für die Arbeitnehmer fatastrophalen Rückschläge des letzten streit für die Ruhrbergarbeiter zu empfehlen. Der Deutsche Bergarbeiterverband warnt seine Mitglieder und mahnt zur Disziplin. Es handelt sich offenbar um dasselbe Individuum das auf dem kommunistischen Bergarbeiterkongreß für Mitteldeutschland, der für den 1. Mai den Generalstreik im mitteldeutschen Bergbau beschloß, den staunenden Kommunisten die Mär erzählte, in Oberschlesien machten 4000 Mann proletarischer Hundertschaften, bis auf die Zähne bewaffnet, Felddienstübungen. Sie seien bereit, den mitteldeutschen Bergarbeitern zu Hilfe zu kommen. Solche Verbrecher, die den Arbeitern die unmöglichsten Lügen auftischen, um fie ins Unglück zu stürzen, nennen sich„ Arbeitervertreter"! Der Hunger wird fie mürbe machen, aufzwingen will. Sind die Ruhrbergarbeiter niedergerungen, dann kommen die anderen Arbeiter dran. Das tann und muß verhindert werden, wenn jeder jede Woche vinzialbehörden, in der Genosse Dr. Hertz referiert und in der Die Versammlung der Angestellten der Reichs-, Staats- und Proüber den abgeschlossenen Tarifvertrag Bericht erstattet wird, findet heute abend, 7% Uhr, in den Musikerfestsälen, Kaiser Wilhelm Straße 31, statt. W Der Manteltarif im rheinisch- westfälischen Transport- und Spe. dificnsgewerbe wurde rückwirfend ab 1. Mai erneuert. Der Tarif sieht eine 55stündige Arbeitszeit vor. Der Lohn baut sich auf einer Spize. Die Mehrarbeit bis zu 55 Stunden wird ¼¼s Wochenlohns ohne Ueberstundenzuschlag vergütet. Der Geltungsbereich des Tarifes erstreckt sich von Dortmund bis Duisburg. fagen die Zechenbefizer von den Ruhrbergarbeitern, denen man Jahres laffen es bringend notwendig erscheinen, daß der Bund auf 28 mart in bes fammen mit den übrigen freien Gewerkschaften seinen Einfluß auf bis zum 1. Juni 1925 eine Arbeitszeitverlängerung 48stündigen Arbeitswoche auf und beträgt für diese 28 Mart in der bie politischen Parteien geltend macht. Neben der grundsätzlichen Forderung, Gewerkschaftsfandidaten Bläge auf den Listen der politischen Parteien zu sichern, muß das Bundesorgan wie auch jede Bersammlung dazu benutzt werden, die Kollegenschaft auf die Notwendigkeit der Betätigung in den politischen Parteien hinzuweisen. Ohne die parteipolitische Neutralität zu verlegen, ist eindeutig auf tas arbeitnehmerfeindliche Verhalten der politischen Mittel, und Rechtsparteien mehr als bisher aufmerksam zu machen." Der Bundesvorstand hat sich für die vollkommene Aufhebung des Ausnahmezustandes einzusehen." Nachdem die Anträge erledigt waren, wurden die Neuwahlen des Gauvorstandes und des Bundesausschusses vollzogen. Und das nennt sich Arbeitervertreter! Halle, 17. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Auch in Mittel, deut chland versucht die Kommunistische Partei, die Bergarbeiter in einen völlig aussichtslosen Streit zu treiben. Sie bedienen sich dabei offenbarer Fälschungen. Aus wärtige Agitatoren kommen zu den Vertrauensleuten in die einzelnen Ortschaften und erklären, sie wären von Husemann gefchidt, um Propaganda für den Streit zu treiben. Das ist eine Fälschung und Irreführung. Diese Agitatoren fommen von feiner Berg arbeiterorganisation und reisen wahrscheinlich auch nicht unter ihrem richtigen Namen. Einer dieser Gesellen, ein gewisser Paul Ds mann aus Oberschlesien, hat einem Vertrauensmann des Bergarbeiterverbandes auf Befragen erflärt, er fei von der fommunistischen Parteizentrale alle beauftragt worden, die Bergarbeiter unterstützt. Aus dem Versicherungsgewerbe. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Durch den Reichstarif 1924 vom 19. Februar waren die Gehälter der Versicherungsangestellten bis einschließlich April festgelegt worden. Die Teuerungsentwidlung, insbesondere die am 1. April eingetretene wesentliche Erhöhung der Miete und die Einführung der Mietzinsteuer, führte jedoch dazu, daß im April die Gehälter mit den wirtwurde auch von dem tariflichen Reichsschichtungsausschuß anerkannt, schaftlichen Berhältnissen nicht mehr im Einklang standen. Dies der in einem Schiedsspruch vom 10. April die Aprilgehälter nachträglich um 6 Pro3. erhöhte. Diesen Schiedsspruch hat der Arbeitgeberver band deutscher Versicherungs. unternehmungen abgelehnt, trotzdem von den Gesellschaften die daraus erwachsende Mehrbelastung bei der augenblicklichen glänzenden Konjunftur im Berficherungsgewerbe mit Leich'igkeit getragen werden des Schiedsspruches ist nunmehr vom Reichsarbeitsministerium mit fonnte. Unser Antrag auf Berbindlichkeiterflärung einer Begründung abgelehnt worden, die schon mehr als eine an den Haaren herbeigezogene Ausrede bezeichnet werden muß. Wir versagen es uns, Parallelen zu ziehen zwischen den unternehmerAchtung Zimmerer! Mittwoch nadm. 12% Uhr, im Gewerlichajte haus, Gaal 4. allgemeine Streifperiammlung. Die Situation erfordert das Erscheinen aller Mitglieder Tagesordnung: Unser Abwehrkampf gegen die Verlängerung der Arbeitszeit. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanfialt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68.. Lindenstraße 3. Onit Gri Lavendel Rasierstange wird das Rasieren selbst der empfindlichsten Gesichts haub zum Dergnügen Ex Lavendel Rasiertange In Nickelhuise Nr.4006 AMA Bergmann Waldheim, Sa. LST Gri Gavendel Rasierslange A.H.A.Bergmann, Waldheim, Sa. Hersteller der bewährten Bergmanns Zahnpasta, Rosodont Größte Anerkennung ist uns von allen Teilen des Publikums auf unser letztes Angebot zuteil geworden, da wir mit diesem Angebot fast durchweg Friedenspreise erreicht haben. Diese Tatsache ist ein Erfolg unseres Systems, und wir werden an diesem System, das uns bei bescheidenem Nutzen am Einzel- Paare große Umsätze verbürgt, auch weiterhin festhalten. Im Zusammenhange damit bringen wir heute: Damen- Halbschuhe R.- Chevr., mit und ohne Lackkappe.. M. 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