Nr. 236 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 121 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Lugemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied. Iung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpretfe: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart, Seflamezeile 4.- Goldmart. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0.20 Goldmart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefudje ias erite Wort 0,10 Goldmart, icdes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählez für zwei Worte. 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Nachdem die Deutschnationalen inzwischen auch den Demokraten eine Einladung zu einer gemeinsamen Aussprache über die Regierungsneubildung hatten zukommen lassen, beschloß man, am Mittwoch vormittag der deutschnationalen Ein= fadung Folge zu leisten. Wie eine offiziöse Auslassung der Mittelparteien erklärt, werden fich die Verhandlungen unter den fünf bürgerlichen Parteien auf der Grundlage von Richtlinien für die Außenpolitik vollziehen, die von der Deutschen Volkspartei ausgegangen find. Gefliffentlich sei bei der Aufstellung dieser Richtlinien, die in den letzten Tagen in der Deffentlichkeit als außenpolitisches Programm der Mittelparteien bezeichnet worden sind, von jeder ultimativen Form, die eine bestimmte Bindung für die Deutschnationalen enthalten hätte, abgesehen worden. Diese Richtlinien sollten lediglich als Grundlage für die Berhandlungen dienen. Die Deutschnationalen haben als Verhandlungsführer den Grafen eft arp und die Abgeordneten ergt und Tirpig vorgesehen. Das Zentrum trat am Dienstagabend nach den Besprechungen ber Mittelparteien erneut zu einer Fraktionsfizung zusammen. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Boltspartei hat in ihrer Sizung am 20. Mai' eingehend über die Lösung der Reparationsfrage und die Regierungsbildung verhandelt. Nach Borträgen der Abg. Dauch und von Raum er ergab sich volle Einmütigkeit über die Behandlung des Gutachtens der Interalliierten Sachperständigen. Die Fraktion stellte die für sie maßgebenden außenpolitischen Richtlinien fest. Zur Frage der Regierungsneubildung beschloß die Fraktion der Einladung der Deutschnationalen Fraktion au Berhandlungen Folge zu leisten. Sie hält gemäß ihren früheren Beschlüssen die zuziehung der deutschdemokratischen Fraktion für geboten, Die Regierungsfrage in Bayern. Knilling erledigt.- Regierungsbasis: ein eindeutiges bayerisches Staatsprogramm. Schwierigkeiten bei den Deutschnationalen. München, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Das Todes urteil für die Regierung Knilling und besonders für den hafenkreuzlerisch verfeuchten Ministerpräsidenten selbst, das in der letzten Konferenz der Bayerischen Volkspartei ausgesprochen wurde, wird nunmehr durch einen offiziellen Artikel der Bayerischen- Boltspartei- Korrespondenten bestätigt. In ihm wird Klage geführt, daß es Bayern seit 1918 an einem wirklich führenden Staatsmann gefehlt habe. Das soll zwar fein Tadel an Knilling sein, sondern nur die Feststellung einer gewiffen Tragit, die für einen Mann darin liegt, pflichtgemäß ein Amt übernehmen zu müssen mit der sicheren Voraussicht, eines Tages enttäuschen zu müssen, und zwar so sehr, daß ein Wechsel der Person notwendig wird, um die notwendige Bertrauensgrundlage für eine neue Regierung über. haupt zu schaffen". Ueber die Aufgaben, vor denen jetzt die Bayerische Bolkspartei steht, heißt es dann: " Es handelt sich in der gegenwärtigen geschichtlichen Periode, in der sich unser Land befindet, nicht so sehr um die Austragung innerbayerischer, parteipolitischer Gegenfäße, sondern um Sein oder Nichtsein eines banerischen Staates überhaupt. Am 8. November 1923 ist Bayern vor dem Abgrund gestanden, und die Entfernungen von diesem Abgrund bis zu dem Punkt, wo wir uns heute befinden, ist noch nicht allzu groß. Es gibt deshalb einen Bunft, wo für eine Partei, die mit dem Sein eines baŋerschen Staates steht und fällt, fein Kompromiß möglich ist, nämlich dann, wenn es sich um die Gefährdung der Eristenz dieses Staatswesens handelt. Wir können uns in Zukunft eine Koa= Iition, der die Bayerische Volkspartei ihre Dienste nicht versagen soll, nur vorstellen, wenn sämtliche Mitglieder einer solchen Koalition auf ein flares, eindeutiges bayerisches Staatsprogramm verpflichtet werden, das die Wiederherstellung eines geachteten bayerischen Staatswesens und die Zurückgewinnung jener Machtmittel, die ein Staat zu seiner Eristenz braucht, als praftisches Ziel im Auge hat. Das jetzt zunächst ein Programm praktisches Ziel im Auge hat. Das setzt zunächst ein Programm der Erfämpfung der unbedingten Staatsautorität voraus." Die Verhandlungen zur Neubildung der bayerischen Regierung werden erst nach der konstituierenden Fraktionsfizung der Bayerischen Volkspartei am kommenden Freitag beginnen. Es wäre natürlich, wenn der Wortführer der Anti- Knilling- Politik, der Justizrat Pfleger, nunmehr auch das Kommando in der neuen Regierung übernähme und die Bayerische Volkspartei wäre angeb kich trotz Pflegers Beziehungen zum Zentrum auch bereit, ihn zum Ministerpräsidenten zu machen. Pfleger soll aber von vornherein Die Demokratische Fraktion beschloß am Dienstag, im Plenum des Reichstags Anträge über die Aufhebung des Be amtenabbaues und des Pensionstürzungsgefeßes, die Einführung des Wahlrechts für Seeleute auf hoher See usw. einzubringen. Die Seeleute follen nach ihrer Rückkehr in die Heimat ihre Stimme abgeben fönnen, deren Verrechnung dann auf der Reichsliste erfolgt. Ferner beabsichtigt die Fraktion, ein Journaliftengesetz und eine Berkleinerung der Wahlkreise zu verlangen. Die kommunistische Fraktion des Reichstags hat ihre erste Fraktionssihung auf Dienstag, den 27. Mai, vormittags 10 Uhr berufen. Das Schreiben der Deutschnationalen. Die Deutschnationale Reichstagsfraktion hat am Montag an die Fraktionen des Zentrums, der Deutschen Boitspartei und der BayeFraktionen des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Bayetischen Volkspartei ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „ Das Ergebnis der Wahlen und die dadurch geschaffene innere und äußere Lage erfordern nach unserer Auffassung fofort vor bereitende Berhandlungen über die Regierungsbildung. Die Einladung zu der gemeinsamen Sigung ergeht am Mittwoch, den 21. mai, 10 Uhr por= mittags im Reichstag. Diese Einladung haben wir einstweilen nur an Zentrum, Deutsche Volkspartei und Bayerische Volkspartei gerichtet, indem wir davon ausgehen, daß so am rasdyesten eine Klärung der Lage herbeigeführt werden fönnte. Inwieweit eine Verbreiterung der etwaigen Regierungsbafis fich ermöglichen fäßt, bitten wir zunächst der münd lichen Berhandlung vorbehalten zu wollen." Die Demokraten waren für die Deutschnationalen zunächst nicht verhandlungsfähig, denn obwohl mon es hätte annehmen sollen, wurde ihnen das Schreiben anfänglich nicht übermittelt. Die Deutsche Volkspartei erklärte sich am Dienstag trobem bereit, der Einladung der Deutschnationalen Fraktion zu Verhandlungen Folge zu leisten, hielt jedoch gemäß ihrem früheren Beschluß die Buziehung der deutsch- demokratischen Fraktion für geboten. Konse quenter verhielt sich das Zentrum, schon mit Rücksicht darauf, daß es gegenwärtig mit der Demokratischen Fraktion zusammen die Regierungsgeschäfte führt Es lehnte die Einladung der Deutschnationalen ab, behielt sich jedoch vor, einer neuen Einladung zu entsprechen, wenn die demokratische Fraktion an diesen Verhandlungen auch teilnehmen kann. abgelehnt haben. Die bisherige Zurückhaltung in der Frage des fünftigen Ministerpräsidenten erklärt sich aus den in Aussicht stehenden Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit den Deutsch nationalen. Diese wollen als Justizminister wiederum Dr. Gürtner vorschlagen, der von der Bayerischen Volkspartei offiziell verantwortlich gemacht wird für die Justizkatastrophe im Hitler- Prozeß und überhaupt für den kläglichen Zustand, in dem sich die bayerische Justiz befindet". Am liebsten würde die Bane. rische Volkspartei selbst das Justizministerium übernehmen. Da sie aber weber das Innenministerium, noch das für Kultus und Unter richt aus den Händen geben will, mangelt es ihr an einer für die Deutschnationalen geeigneten Kompensation. Den Deutschnationalen dürfte alfo das Justizministerium bleiben, nur wird die Bayerische Boltspartei verlangen, daß sie einen neuen Mann vorschlagen, wie sie das selbst für die übrigen Ministerien tun will. Nur wenn der neue Ministerpräsident besonderen Wert auf die Mitarbeit eines bisherigen Minister legen sollte, werden ihm keine Schwierigkenen gemacht. Das dürfte auch für den Minister Dr. Schwener gelten, und zwar troß seiner Bloßstellung durch den Brief an die Welfen. In seiner amtlichen Verlautbarung wird versucht, den allgemein schlechten Eindrud, den dieser Brief in allen politischen Lagern auch in Bayern hervorgerufen hat, zu verwischen. Dieser Versuch ist aber mit völlig untauglichen Mitteln unternommen, denn er bestätigt von neuem die politische Unzulänglichkeit des Herrn Schweyer. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postschecktonto: Berlin 375 36Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasie Lindenstraße 3 Der Kampf um die Führung. Bürgerblock oder Regierung der Mitte? Die Deutschnationalen hatten, wie schon berichtet, an das Zentrum, die Deutsche und die Bayerische Volkspartei die Einladung zu einer Konferenz gerichtet, die abgelehnt wurde, weil die Demokraten nicht mit eingeladen waren. Die Deutschnationalen haben nun einen Pflod zurückgesteckt und den formalen Fehler, dessen tiefere politische Abficht zu deutlich war, wiedergutgemacht. Sie haben auch die Demokraten miteingeladen, und die Konferenz foll heute vormittag um 10 Uhr im Reichstag beginnen. Die Rollenverteilung ist ziemlich klar. In den Mittelparteien gibt es nur wenige Leute, die den Bürgerblock wünschen, weil ihre Auffassungen über außen- und innenpolitische Fragen mit denen der Deutschnationalen übereinstimmen. In bestimmten Teilen des Zentrums und der Demokratischen Partei ist die Abneigung gegen jeden Bürgerblock start. Dort fürchtet man, der Teufel werde die ganze block start. Hand nehmen, wenn man ihm den kleinen Finger reicht, man fürchtet eine wachsende deutschnationale Beeinflussung der Regierungsgeschäfte mit verheerenden außen- und innenpolitischen Folgen. Die Vorherrschend bei der Mitte ist zurzeit jedoch die taktische und die ein wenig machiavellistische Absicht, die Deutschnatio= nalen in die Regierung mit hineinzunehmen, um sie als Opposition unschädlich zu machen und sie in den Augen ihrer bisherigen Anhänger zu kompromittieren. Deutschnationalen aber merken das, fie haben das Schicksal der Volkspartei vor Augen, sie haben die völlische Demagogie im Naden, deren Einfluß feineswegs an der Fraktionsgrenze endet, sondern weit in ihre eigenen Reihen hineinreicht. Sie fürchten die Enttäuschnug ihrer Wähler und die innere Spaltung ..So ergibt sich zwischen den Unterhändlern der Rechten und denen der Mitte ein Spiel, bei dem man an die Worte des österreichischen Liedes denken mag: Und a tloans bifferl Falschheit is allweil dabei." Es ist sogar nicht nur ein kleines bißchen Falschheit dabei, sondern sogar ziemlich viel. " Daraus erklärt sich auch, daß die Kreuz- Zeitung" von gestern abend noch recht hoch auf dem Pferd sitzt. Sie begründet die inzwischen widerrufene Nichteinladung der Demofraten mit deren angeblichen Neigung zur Sozialdemokratie", derentwegen man sie nicht ohne weiteres in den Kreis von Verhandlungen ziehen könnte". Sehr heftig wendet sie sich gegen die Erklärung der Zentrumsfraktion, bei ihr herrsche Einigkeit darüber, daß die Führung der Bolitit bei der Mitte verbleiben müffe. Sie schreibt dazu: Wenn hier die Auffaffung des Zentrums richtig wiedergegeben ist, so können wir nur erwidern, daß sich das Zentrum in einem wesentlichen Irrtum befindet. Davon kann selbstverständlich eine Rede sein, daß die Deutschnationalen als ein Anhängfel in die bisherige Minderheitsregierung hineingehen, um womöglich der Politik von Herrn Marg und Stresemann eine breitere Grundlage zugeben. Das würde darauf hinaus laufen, daß das ganze Wahlergebnis annulliert wird und die DeutschEs liegt auf nationalen zu einer Mittelpartei gestempelt werden. der Hand, daß dies auch keineswegs im Interesse unserer Außenpolitik liegen würde. Es soll gerade zum Ausdruck gebracht werden, daß jezt eine andere, dem Wahlergebnis entsprechende unter Führung der Mitte" vorgenommen werden, sondern nur unter Richtung eingeschlagen wird. Diese Wendung fann aber niemals der von deutschnationaler Seite, ganz abgesehen davon, daß dieser Partei nach den Stärke verhältnissen die Führerrolle am ersten zukommt. Damit ist zunächst einmal flar ausgesprochen, daß die Deutshnationalen die Führung im Bürgerblock und die Preisgabe der bisherigen Außenpolitik ver langen. Aber damit ist ihr Wunschzettel noch keineswegs erschöpft. In einem besonderen Aufsatz beschäftigt sich die " Kreuz- Zeitung" mit der Preußenfrage". Sie läuft Sturm gegen die große Koalition, besonders gegen den preußischen Innenminister, Genossen Severing, und erflärt: Der Völkische Block konstituiert sich. München, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Als erste der Bar teien des neuen Landtages trat am Dienstag die 23 Mann starke Fraktion des Völkischen Blods zu ihrer konstituierenden Was wird aus Preußen werden? Es ist selbstverständlich, daß Sizung zusammen. An den Beratungen nahm auch der in Ober- die Deutschnationale Volkspartei ihre gesamten Kräfte dazu benutzen franken gewählte Hochverräter Poehner teil, der angeblich wegen wird, Preußen dem wahren Preußentum wieder zuzuführen; auf Krankheit immer noch von der Berbüßung seiner viermonatigen welchem Wege das geschehen kann, und zwar so geschehen kann, daß Feftungshaft in Landsberg entbunden ist. In der Vormittagssigung nicht wieder ein Kompromiß mit allen seinen Wenn und Aber zuwar auch Ludendorff anwesend. Dem Bernehmen nach wird stande kommt, läßt sich nicht unbedingt festlegen. Viel wird abdie erste befreiende" Tat der Völkischen im Landtag in einem Anhängen von der Haltung der übrigen bürgerlichen trag an den Wahlprüfungsausschuß bestehen, um enigegen der Ent- Barteien, nicht zuletzt von der Haltung der Deutschen Volks= zugunsten der Deutschnationalen ein mandat abzujagen, fam folgend, die Geschäfte Herrn Severings mit besorgt hat und nicht scheidung des Landeswahlausschusses der Sozialdemokratie partei, die bisher in Preußen den Intentionen Stresemanns gehorwodurch die Bölkischen zur zweitstärksten Fraktion würden und da- zulegt dafür bei den Reichstagswahlen ungefähr 1 Million Stimmen mit Anspruch auf den ersten Bizepräsidenten hätten. Die Beratungen der Völkischen nahmen den ganzen Tag in Anspruch. Eine für Sonntag vorSchlageter- Feier in Heffen verboten. mittag auf dem Sportplaz der Technischen Hochschule in Darm it a dt geplante lageter Feier ist in der beabsichtigten Form verboten und nur unter der Bedingung gestattet, daß sie in einem geschlossenen Raum stattfindet. perlor. Die Deutschnationale Partei verlangt also die Führung in der äußeren und in der inneren Politif, in Preußen und im Reich. Das ist ein bißchen viel auf einmal, und es ist leicht möglich, daß man bei den heutigen Verhandlungen eine etwas bescheidenere Sprache sprechen wird. Aber das ist sehr nebensächlich Wieweit es den Deutschnationalen ernst damit ist, der äußeren Politik„eine andere Richtung" zu geben, mag dahin- gestellt bleiben. Es mag sein, daß sie sich auf diesem Gebiet damit begnügen wollen, ihren Anhängern Sand in die Augen 5U streuen, und daß sie selber vor dem neuen Zusammenbruch Deutschlands, den ihre Außenpolitik zur Folge haben müßte, zurückschrecken. Aber sicher ist, daß es ihnen bitter ernst dann: ist, nach innen die Führung zu bekommen, die Zoll- und Steuergesetzgebung und die Verwaltung maßgebend zu beeinflussen. Sicher ist es ihnen bitter ernst mit dem„wahren Preußentum", das seinen Ausdruck fand in dem bis zuletzt zäh verteidigten Drecklafsenwahlrecht. den Eutsbezirken und Gesindeordnungen, in der Scheidung der ganzen Bevölkerung in eine cherrenkaste und eine recht- lose Untertanenschaft. Von dem Tag an, an dem die Deutschnationalen in die Regierung einträten, würde die ganze innere Politik eine Kette von Konflikten werden, von der man weiß, wo sie an- fängt, aber nicht weiß, wo sie endet. Sie würde beginnen mit der Vcgünsrigung des rechtsgerichteten, monarchistischen Putschismus und mit dem Kampf gegen olle republikanischen und sozialistischen Bestrebungen, nicht nur die kommunistischen, sondern auch die legalen sozialdemokratischen. Wir würden dann wie in Bayern das Schauspiel genießen, daß in der Re- publik die Republikaner geächtet wären— wie weit sind wir noch davon?—, und daß die höchste verfasiungsmäßige Gewalt von den Feinden der bestehenden Verfassung aus- geübt würde. Das müßte ertragen werden, wenn die Wahlen diesen Feinden der Verfassung die Mehrheit verschafft hätten. Aber das ist bekanntlich nicht der Fall. Die Deutschnationalen würden nicht Zentrum. Volkspartei und, mit Hängen und Würgen, schließlich auch die Demokraten zur Konferenz ge- laden haben, wenn sie die Wahlen, wie sie immer behaupten, wirklich zur Regierung berufen hätten. Das Schicksal der Republik liegt jetzt in den Händen der Mittelparteien, es kann nur von diesen in die Hände der Deutschnationalen gelegt werden. Wir haben den Mittelparteien keinen Vorschlag zu machen und keinen Rat zu ertellen. Aber nichts kann uns hindern, ihre Verantwortung dafür festzustellen, was aus Deutschland wird. SchWepers private Sympathien. Eine Erklärung des bayerische» Innenministers. Der bayerisch« Innenminister Dr. S ch w e y e r erklärt zu seinem an die Deutsch-Hannoversche Partei gerichteten Schreiben: „Es ist diesem Pcivatbrief eine Bedeutung beigelegt worden, die ihm niemals zukommt. Ich Habs eine private Einladung, in Hannover ein Refecm zu übernehmen, in einen, persönlichen privaten Schreiben mit höflichem Danke abgelehnt, dabei altetibings für die Bestrebungen der föberatio gerichteten Partei eine gewisse Sympathie zum Ausdruck gebracht. Weder die bayerische Regierung noch die Bayerische Dolkspartei hatte mit diesem Brief etwas zu tun, von einem Eingreifen des boye. rifchen Ministsrium« des Innern in preußische Ange- legenheiten'kann somit keine Rede fein. Der Brief war nicht für die O« ffen tli ch ke i t bestimmt. Seine Verwertung bei der Abstimmungepropagooda hat nicht in meinem Sinn« gelegen." Die Erklärung Schweyers ist ein nachträglicher Versuch, die Wirkungen seines Schreibens abzuschwächen. Daß die bayerische Regierung oder die Bayerische Volkspartei direkt mit dem Brief etwas zu tun hatten, ist nie behauptet worden. Wenn aber Schweyer weiter erklärt, daß auch von einem Ein- greifen des bayerischen Innenministeriums in preußische An- gelegenheiten keine Rede sein könne, so ist dieser Standvunkt unhaltbar. Schweyer ist keine Privatperson, son- dern bayerischer Innenminister; als solcher war er von den Partikularisten in Hannover eingeladen worden, und er mußte sich in seiner Absage der Bedeutung seiner Worte Utopia. Bon Frank Cran«(New-Park). Utopia ist wirklicher als diese Welt. Ich besitze ein Haus in Utopia und kehre nur hier und da hierher zurück, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Utopia ist ein großes Land, das Land der Träume, das Land der reinen Vernunft, ein Land, das ist, wie ein Land sein sollte und sein wird. Dort hat jeder Hans seine Grete und der Schaum. kuchenbuich steht dicht am fließenden Bach voll süßen Ahornsaftes. DiÄjimmel sind dort jedem erreichbar, der darum bittet, und Gott wohnt im Nebenzimmer— wenn du es nur glaubst. Denn es ist ja pur der Unglaube, der diese Welt stieren macht und in Schrecken hält. Beschäftigung gäbe es dort für jedermann und dazu reichlichen Lohn— wenn wir es nur alle so wollten. Unsere Städte würden schön sein wie griechische Tempel, die in den Gärton des Paradieses errichtet wurden, unsere Häuser licht und heiter, unsere Möbel den Augen ein Entzücken, unsere Nahrung würde reichlich und gut zubereitet, unsere Verdauung würde voll- kommen, unsere Körper würden stark und schön und unsere Neigungen die angenehmsten sein— wenn wir nur so denken wollten! Wie mächtig und unwiderstehlich ist der Gedanke, wenn wir ihn nur seinen Lauf nehmen lassen! So bist du ins Leben gekommen: irgendwer träumte, sehnte sich und liebt«— und so entstandest du. Und so auch wurde das Weltall. Denn die Schöpfung, soweit sie für dich in Frage kommt, entstand erst, als du geboren wurdest. Vorher gab es weder Stern« noch Kontinente, weder Freude noch Schmerz. Gute Zeitm und Wohlstand für alle kommen, wenn die Men- schen glauben, daß sie kommen werden. Paniken entstehen aus der gleichen Ursache. Tyrannei, Grausamkeit und Unterdrückung sind Verneinungen: die Menschen glauben nicht an Freiheil, Gilt« und Duldung. Wenn jedermann die Demokratie denkt, ist die Demokratie da, die in den Kulissen auf ihr Stichwort wartet. Der einzige Grund, warum ee keine Weltbruderschaft und noch immer Krieg« gibt, liegt darin, daß wir nicht daran denken wollen, sie zu schaffen oder zu ver- meiden. Wir werden eine Weltbruderschoft und alle ihr« Borteil- im gleichen Augenblick erreicht hüben, wo wir die Menschen dazu bringen, eine Weltgemeinschaft zu denken. Jedermann wird reine Milch und bekömmliches Brot durch eine vollkommene soziale« Maschinerie zur Tür gebracht werdsn, jeder Krank« wird gut ge. pflegt, jeder Arbeiter die ihm zusagende Arbeit finden, jede Stadt wird eine ideale Verwaltung haben, eine Nation wird die hilfreiche Schwester der anderen sein und die ganze Menschheit wird so sanft bewußt sein. Ein Minister, der einer die Zerschlagung eines Nachbarlandes betreibenden Partei im ent- scheidenden Augenblick seine Sympathien übermittelt, ist eine Figur, die— nur in Bayern denkbar ist. Was hätte die bayerische Regierung getan, menn der preußische Innenminister den Bestrebungen der P f ä l z e r auf Loslösung von Bayern im Rahmen des Deutschen Reiches seine Sym- pathien ausgedrückt hätte? Innenminister Severiag an Oberpräfident Noske. Der Minister des Innern, Gen. S e o e r r n g, hat an den Ober. Präsidenten der Provinz Hannover, Noske, fügendes Schreiben gerichtet: „Die gestrige Vor�bstimmimg in der Ihnen anvertrauten Provinz Hannooer hat gezeigt, dcch die weit überwiegende Mehr- heil der Bevölkerung der Provinz an Preußen iesthäll und die wslfischen Absonderungsbestrebungen ablehnt. Dieses Ergebnis ist um so erfreulicher, als die welfischc Agitation eine außerordentliche Regsamkeit und Bedenkenlofigkeit entfaltet hat. Neben dem gesunden Sinne der Bevölkerung, der in richtiger Erkenntnis der unabsehbaren Feigen einer Absonderung Hannooers, befon- ders in dem gegenwärtigen Augenblick, den weifischen Einflüsterungen kein Gehör schenkte, ist Ihrer und Ihre? Mitarbeiter hin- gebenden Arbeit, Herr Oberprösideni, dieser für den Fortbestand Preußens entscheidend« Erfolg mit zu verdanken. Ich spreche Ihnen hierfür den Dank der Preußischen Staats- regierunq aus und hoffe, daß es Ihnen gelingen wird, durch ein« gerechte und versöhnliche Verwaltung die Be- rölkerung der Provinz immer mehr davon zu icherzeuaen, daß ihr« Interessen im Lande Preußen am besten gewahrt sind. (gez.) Severrng." Der preußische Innenminister hätte hinzufügen können, daß zu denen, die eine bedenkenlose Propaganda gegen Preußen getrieben haben, auch die Deutschnatt onalen gehören. Sie haben noch kurz vor der Abstimmung in einem Aufruf an die Hannoveraner er- klärt, daß sie an einem starken Preußen kein Interesse haben, solange sie nicht die Regierungsgewalt in Preußen haben und sie fetzen ihre antirepublikanische Politik jetzt noch mit der ihnen eigenen Skrupel- losigkeit fort. Vas wirü aus Qtiaatz? Di« deutschnationale Presse meldet den Eintritt des ehemaligen Volksparteilers M a r e tz t y in die deutschnetionale Reichstags- fraktion Sem Wandlungsgenosse Dr. Ä. Leisner ist durchgej allen, so daß sich die deutschnationale Fraktion nicht mit der titzlichen Frage zu beschäftigen braucht, ob der Sohn einer geborenen I o s« f s o h n Aufnahme in ihre rassenreine Mitte finden kann. Dagegen bleibt noch immer der Fall Ouaatz, denn Herr Ouaatz ist der Sohn einer geborenen Oppenheim. Frau Gierte wurde bekannt- lich semerzeit nicht wieder als Reichstagskandidatin aufgestellt, weil sie sich m der gleichen Verdammnis befand wie v. Lerener und Ouaatz. �ergt unö Sie Seinen. Di« Parteiführung der Deutschnationalen setzt die absichtlich« ltoklarheit über ihr außenpolitisches Programm fort, um sich den Weg zur Macht nicht zu versperren. Die Deuffchnoiionalen im Lande sehen jedoch die Konzession an die Erfüllungspolitit. Sie opponieren auf das heftigste gegen Hergt. Die„Pom morsche T a g e e p o st" greift H e r g t auf das heftigste an: „Was aber geschah?" Exzellenz Hergt ließ sich verleiten, dem Vertreter eines Berliner Blattes Erklärungen abzugeben Hinsicht- lich der beabsichtrgtei, Politik der Deutschnationalen Dolkspartei. Das war nicht crur vollkommen unnötig, es mußte direkt schädlich wirken. Hier war es noch schlimnwr; denn die Darlegungen Hergts konnten tatsächlich ohne besonderen Aufwand an Deutungskünsten im Sinne der politischen Linie Stresemanns verfälscht werden.... „Man spricht ein offenes Geheimnis aus. wenn gesagt wird, daß die Erklärungen Herzte in weitesten Wählerkrersen der Deutschnationale n Partei peinlich« Ver- wunder ung, ja Verstimmung auslösten. Wir können uns nicht denken, daß Exzellenz Hergt g r u n d- sätzlich anderer Meinung sein iollte wie Helffe- rich, dem er in treuer Waffenbrüderfchast verbunden war, oder auch wie Dr. Bang." dahingleiten wie ein 7l)i)(>-Dollar-Automobrl— im Augenblicke, wo wir aufhören zu zweifeln, daß alles so sein kann! Utopia ist gleich um die Ecke herum zu finden— wir müssen nur an Utopia glauben. Wahrhaftig, es schweben genug großartige, erlösende Ideen um uns herixrn, die uns Utopia bringen könnten— nur glauben wir hall nicht daran! Wir glauben nur an jene elenden Lügen, die wir als praktische Wirklichkeiten bezeichnen! Bruderschaft, Vertrauen, Gemeinschaft und Gerechtigkeit sind da, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, ihr Glück zu versuchen! Töten wir den Krieg! Töten wir alle anderen Uebel, die uns bedrohen! Kommt, glauben wir sie zu Tode! Laßt uns die Hölle unter Wasier setzen und ihre Feuer ver- löschen! Kommt, übersiedeln wir nach Utopia! (Uo berttagen von Max H a y e k.) die Entstehung ües Kahlkopfes. Für die unmittelbare Ursache der Glatze hielt man bisher eine Ernährungsstörung der Haarpapillen, da man glaubte, daß durch eine übermäßige Hauttalgabsondenmg den Haarpapillen wichtige Nährstoffe entzogen'würden, was ihr Absterben zur Folge habe. Nun hat jedoch in jüngster Zelt der Forscher Stein Untersuchungen über die Entstehung der Glatze angestellt, die merkwürdigerweise zu ganz anderen Schlüssen führen.. Seine Untersuchungen, über die er in der„Wiener Klinischen Wochenschrift" berichtet, gingen davon aus, festzustellen, wie die nor- male Haargrenze bei Männern, Frauen und Kindern überhaupt be> schaffen ist. Schon die Ergebnisse dieser Untersuchung sind sehr be- merkenswert: es zeigte sich nämlich, daß der Verlauf der vorderen Haargrenze bei Kindern beiderlei Geschlechts zunächst keinen Unter- schied erkennen läßt und in Form eines Vogens oder einer Haube den Schädel bedeckt. Nach erfolgter Geschlechtsreife beginnt sich nun auf einmal die bisher bcgeyförm'ge Linie dieser Haargrenzen merk- lich zu verändern, und zwar in der Weise, daß sich, der Haarboden zu beiden Seiten der Mittellinie nach und nach lichtet. Dadurch entstehen aus beiden Seiten der Stirn einspringende Winkel, die sich immer mehr vergrößern und endlich zwei dreieckig« Hautfelder frei- legen, wodurch die vordere, bogenförmig« Haargrenze in ein« ge» brachen« Linie verwandelt wird. Diese Linie weist dann in der Stirnmitte auch oft jene vorspringend« Zacke auf. von der die griechischen Künstler, da sie ihnen als Merkmal männlicher Schön- heit galt, so sehr entzückt waren. Die Entstehung dieser beiderseitigen, dreieckigen kahlen Flächen steht nun mit dem eingangs erwähnten Haarschwund in keinem Zu- sammenhong: denn nach Stein stellen diese Flecken, die, je früher der Knabe zum Mann heranreift, auch desto früher auftreten, nichts andere» dar als einen„bisher unbeachteten, männlichen, sekundären Geschlechtscharakter". Sie sind also einfach ein Zeichen der voll- endeten männlichen Korperausbildung. Auch die Glatze ist nun keine Folge des durch die Ernährungsstörung der Haarpapillen ent- Die„Pommersche Tagespost" fordert schließlich gradlinige Außenpolitik statt mißverständliche Erklärungen. Die Mitteiparteien. die sich mit den Deutschnationalen einlassen wollen, müssen damit rechnen, daß angesichts der heftizen Opposition gegen Hergt und, Westarp alle Erklärungen, die ihnen won dieser Seite über die Fragen der Außenpolitik gegeben werden, sehr ungewisse Wechsel darstellen, gegen die ein großer Teil der Deutschnationalen von vorn- herein p? o t« st i e r t. Der Kampf um Sie äußerste Rechne. Tie Verteilung der Reichstagsplätze.' Unter Vorsitz des bisherigen Reichslagspräsidenten, Genossen L ö b e, wurden am Dienstagabend in einer Sitzung sämtlicher Parteiführer die Sitze im Plenarsitzungssaale des Reichstags unter die einzelnen Parteien verteilt. Eine gut- liche Regelung war in langer und bewegter Verhandlung nicht zu erzielen. Die Verteilung mußte schließlich durah Mehrheitsbeschlüsse vorgenommen werden, wobei sich mehr- fach eine äußerst knappe Mehrheit ergab. Die Völkischen erhoben zunächst Anspruch auf die äußerste Rechte, die ihnen von den Deutschnationalen energisch bestritten wurde. Schließlich ent- schieden die Parteiführer in einer Abstimmung, wobei jede Partei eine Stimme hatte, mit 5 gegen 4 Stimmen, daß die Deutsch- nationalen ihre bisherigen Plötze auf der äußersten Rechten bc- halten. Nunmehr protestierte die Deutsche Vollspartei dagegen, daß die Völkischen zwischen Voltspartci und Deutschnationalen ernge- schoben werden. Aber dieser Protest wurde mit 3 gegen 4 Stimmen abgewiesen, und zwar in der Hauptsache deshalb, well sonst vor- oussichtlich alle Gruppen sich die Nachbarschaft der Völkischen ver- beten hätten. Die endgültige Platzoerteilung wird nach der nun- mehr getroffenen Entscheidung von rechts nach links folgendermaßen sein: 1. die Deutschnationalen, 2. die Nationalsozialistische Freiheit--. parte!(Völkische), 3. Deutsche Volkspartei, 4. Bayerische Volkspartei, (hinter dieser sitzen die vier Deutschsozialisten mit Knüppel-Kunz« an der Spitze). Nach links schließt sich weiter an: 5. der Wirtschafts- bund, eine Fraktion, die sich unter der Führung von Prof. Bredt aus drei Bayerischen Baucrnbündlern, fünf Welsen und sieben Mittelständlern gebildet hat. 6. Zentrum, 7. Demokraten, 8. Sozial- demokraten, 9. Kommunisten. Die Plätze werden durchweg so an- geordnet, daß möglichst jede Fraktion einige Sitze im Bordergrund erhält._ Reeöer-Sesorgmste. Und Roedcrns Reise nach Berlin. Die„Deutsche Zeitung' läßt sich aus Hamburg melden, in den dortigen Reederkreisen herrsche große Besorgnis, die gegen- tvärtige Regierung könne das Abkommen über daS Sach-- verständigengutachten unterzeichnen, ohne den Reichstag zu fragen. Deshalb sei der jetzige Vorsitzende des Neederverbandes. der frühere Sraatsiekretär von Sioedern, beauftragt worden, nach Berlin zu reisen, um.sich zu informieren", d. h. um auf die Re« gierung den Druck einer induilriellen.Nebenregierung' auszuüben. Das ganze ist selbstverständlich ein deulschnaiionaler Bluff. ES ist allgemein bekannt, daß die Regierung das Sachverständigen- gutachten als Grundlage der Reparationsregelung bereirS ange- rrommen hat. Eine weitere Unterzeichnung von Abkommen kommt zurzeit überhaupt nicht in Frage. Im übrigen ist es selbsiver- ständlich, daß über die endgültige Regelung der Reichsiag zu entscheiden hat. Und von dieser Selbstversiändlichleit ist auch die Re- gierung überzeugt._ a/rn 26. und 27. Mai findet in Münster eine Haupt, a u s sch u ßs itz u n g des preußischen Städtetages statt. Auf der Tagesordnung steht die Rechtsstellung der Ge- meinden auf dem Gebiete des Volts- und höheren Schulwesens, sowie die VerwaltungSreform. Die Fraktionsvorsitzenderr der sozialdemokratischen Fraktionen müssen dafür sorgen, daß unsere Genossen recht zahlreich delegiert weiden. Sir Edward Goschen, früher englischer Botschafter in Berlin ist g e st o r b e>r. standenen Haarschwundes, sondern sie tritt beim Mann, der an Haar- schwund leidet, nur gleichzeitig mit diesem auf. Beide können als Ergebnis einer gesteigerten Keimdrüsentätgkeu betrachtet worden. Beim Mann, der nicht mit Haarschwund behaftet ist. bleibt der sekundäre Veschlechtscharakter eben nur auf die kahlen Flecken an den beiden Stirnseiten beschränkt, wogegen im anderen Fall, d. h. beim Mann, der zu Haarschwund neigt, sich allmählich außer den beiderseitigen kahlen Stellen auch ein anderes Zentrum von Haar- losigkeit bildet, das am Scheitel lokalisiert ist. Im Laufe der Zeit nimmt diese Scheitelglatzenbildung immer mehr und mehr zu, und wenn sie sich schließlich mit den kahlen Seitenflecken vereinigt, ent- steht der vollständige Kahlkopf und zugleich eine ganz neue und ver- änderte Haorqrenze, die nunmehr von den Schleen oberhalb der Ohrmuscheln bis zum H'nterhauptshöckcr reicht. Durch Zuchtwahl und Vererbung hat die Glatzenbildung im Laufe der Generationen natürlich auch ständig an Umfanq zugenommen. Die weitaus seltenere Glatzenbildung bei Frauen erfolgt in der Regel erst in reiferem Alier, während sie beim Wann oft schon in ziemlich jungen Iahren eintritt. Auch bei der Frau stellt die Glotze aber dann einen„männlichen Typus" dar, wie denn bei vielen Frauen sich in diesen Iahren auch leichter Bartwuchs zeigt. Ten Haorschwund bezeichnet Sir in als ein„beiden Geschlechtern gemein- fomes Domestikationsmerkmal"�_ Ein neu entdeckter Turm von Babel. Bei den Ausgrabungen, die die Expedition des Londoner Britischen Museums zusammen mit der Universität Pennsylvania aus der Stätte der alten Chaldäerstadt U r veranstaltet hat, war die schwierigst« Aufgabe, den großen Ter- rassenturm oder Ziggurat freizulegen. Bevor die Arbeit be- gönnen wurde, war dies»? Turm, dessen gewaltige Ausmaße der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel am nächsten kommen, nur ein großer Trümmerhaufen mit steil abfallenden Hängen, der sich von den anderen Trümmerhaufen durch nichts als seine Höhe unterschied. Heute ragt ein mächtiger Ziegelbau in den Himmel. dessen Größe und vortreffliche Erhaltung ihn zu dem gr o ßa rt i g- sten Monument des Altertums in Mesopotamien macht. Auf einer künsllich aufgeführten Terrasse, die sich hock üb-r der Ebene erhebt, steht ein rechteckiges Bauwerk von 193 Fuß Länge. 130 Fuß Breite und 60 Fuß Höhe. Der ganz« Bau ist in einem Mauerwerk ausgeführt, das für die Ewigkeit berechnet zu sein scheint. Die Masse der unteren Terrasse mit ihrem dreifachen Treppenweg wurde von Ur-Engur erbaut der um 2339 v. Chr. König von Ur mar. Die gewaltig« Anlage des Ganzen sowie die mächtige Würde der Formen ist wohl einem König anoemessnr, der hier eine neue Dy- nastie begründete. Der obere Teil'des Baues, soweit er erhalten ist. stammt aus der Zeit des letzten Könias von Babylon Nabonidus. der etwa 333 v. Chr. die Wiederherstellung de» alten Turmes in die Hand nahm. Wenn man die ungeheure Masse dieses 4990 Jahre alten Denkmals betrachtet und an die Arbeit denkt, die das Auf- türmen dieser Ziegelmasien erforderte, heißt es in dem Bericht der „Times", dann wird man unwillkürlich an den Turmbau von Babel erinnert, und man fragt, sich, warum Mensche» jemals solch eine ungeheure Leistung unternommen haben und warum jede be- deutendere Stadt Mesopotamiens seinen Ziggurat hatte. Die Ant- wort ist einfach. Di« Summerier, die Erbauer dieser Türm«, waren Eine Aufgabe des Linksblocks. Degoutte, der Poincarist. Die Führer der neuen französischen Kammermehrheit haben noch vor dem Zusammentritt des Parlaments öffentlich vor aller Welt die Verständigung mit dem deutschen Bolt und die Schaffung des wirklichen und dauernden Friedens als ihr außenpolitisches Hauptziel aufgestellt. Selbst wenn fie es nicht getan hätten, so wußte jedermann auch vorher schon von den Sozialisten, aber auch von Männern wie Herriot und Bainlevé, daß dies ihr Ziel ist. Nun vollziehen sich eben in diesen Tagen in Frankreichs Namen Ereignisse, die der Verständigungspolitik gerade ent gegengesezt sind: In Düsseldorf, zu dessen Besetzung nicht einmal der Versailler Frieden Frankreich ermächtigt, hält Frankreich widerrechtlich eine große Garnison, ja es hat sogar das Oberfommando der ganzen französischen Rhein und Ruhr- Armee dort eingerichtet. Obwohl Düsseldorf nicht zu dem laut Versailler Frieden besetzten Gebiet gehört, sondern nur aus dem sehr bestrittenen Rechtstitel der Santtionen dazu gemacht wurde, obwohl ferner selbst das altbesetzte Gebiel nie und nimmer dem französischen Militarismus als Unterbringungs- und Ausbildungsgelände für beliebig starke Truppenmassen zu dienen bestimmt ist, hat man schon vor längerer Zeit die Stadt Düsseldorf durch schwere Erpressungen gezwungen, nicht nur zahlreichen ihrer Bewohner die Wohnungen oder Wohnungsteile zugunsten französischer Heeresoder Troßangehörigen megzunehmen, sondern auch sogar fostspielige Rafernen zu bauen. Dies ungeachtet der vorhandenen deutschen Rafernen! Aber das genügt dem General Degoutte nicht mehr. Er befiehlt der Stadt Düsseldorf, eine weitere Artilleriefaserne, zunächst für zehn Batterien, und entsprechende Bferbeställe zu bauen, was die ohnehin schon schwer belastete Stadt mindestens 16 millionen Goldmart foften würde. Es soll nämlich die widerrechtlich vorhandene rechtsrheinische Franzosen- Armee gewaltig vermehrt werden. Alle Borstellungen der finanziellen Untragbarkeit dieser Belastung und obendrein der Nutzlosigkeit dieser Gebäude nach dem Abzug der Santtionsbefagung waren vergebens. Degouttes Rechtsstandpunkt ist, daß die Stadt nichts einzuwenden, sondern lediglich zu gehorchen habe: Sic volo, sic jubeo fo will ich's, so befehl ich's. Was Wilhelm versuchte der französische Militarismus führt es aus. Da die Stadt angesichts der Unmöglichkeit der Ausführung des Befehls und nach Abweisung auch ihrer Ersatzangebote den befohlenen Baubeginn unterließ, hat man neben zahlreichen Wohnungen, Schulen und sonstigen Räumen den Konzertfaal des 300, die Kunstakademie, die Tonhalle beschlagnahmt. Offenbar soll noch schnell, solange der Poincarist Maginot noch Kriegsminister ist und ehe eine verständigungswillige Regierung ans Ruber fommt, aus der unterworfenen deutfchen Bevölkerung herausgepreßt werden, was nur geht. Die Bedenken des französischen Boltes glaubt man ja mit dem Hinweis auf das drohende Rachekriegsgeschrei der deutschen Nationalisten beschwichtigen zu fönnen. In der Handhabung der Besagungs macht als einer zeitlich begrenzten Sicherungsmaßnahme, nicht aber als einer Maschine zur Erzeugung unauslöschlichen Haffes, er wächst dem Linksblock und seiner Regierung eine verheißungspolle Aufgabe. Und in der Amnestie, mit der die neue Mera in Frankreich beginnen foll, möchte man auch derer nicht vergessen, die franzöfifche Militärgerichte im rechtlich" und befonders im widerrechtlich besetzten Deutschland verurteilt haben. " 0. C. auf der Flucht. Korreio. BS. meldet: Wie wir erfahren, sind in den letzten Tagen in München weitere Verhaftungen bon führern ber O. C. vorgenommen worden. Deshalb haben viele befannte führer der O. C. fi na na Desterrein geflüchtet. feine Eingeborenen des Landes, sondern hatten es erobert. Shre ursprüngliche Heimat lag in dem Gebirgsland des Nordoftens, dort hatten fie fich mie alle Bergvölter daran gewöhnt, ihre Götter auf hohen Dertern" zu verehren und Altäre auf jeder größeren Er hebung aufzustellen. Als sie nun in die flachen Ebenen des Euphrat. tales famen, fanden fie hier teine Gelegenheit, sich den in der Höhe wohnenden Göttern so zu nähern, wie sie es gewohnt waren, und Deshalb„ bauten sie sich selbst Türme, deren Spigen bis in den Himmel reichen sollten". Auf der Höhe dieser von fünftlichen Ter. rassen emporstrebenden Türme fühlten sie sich erst ihren Göttern nahe. Bon wannen uns das Heil tommt! Jm völlischen Deutschen Tageblatt" finden wir die folgende Anzeige einer„ deutschvölkischen Bigarettenfabrit": Deutsche Männerl Rur badurch haben Sie Raucht nur Zigaretten mit die Gewähr, daß Sie wirklich eine reelle Zigarette, aus garantiert rein orienta Iischen Zabalen faufen. Wiedervertäufer mit bàter, Iändischer Gesinnung überall bei hohem Verdienst gefumt. Es ist eine Luft zu leben! Alles Fremdstämmige" wird überwunden durch echt deutschvöltiiche Bigaretten aus garantiert reinem orientalischen Zabat! Alle Wohlgerüche Arabiens sind nichts dagegen. Leider ist bergessen, hinzuzufügen, daß die Zabale direkt aus Erez Jfrael bezogen werden, das durch seine großen Tabalplantagen und zionistische Bigarettenarbeiterinnen rühmlichst bekannt ist. Der Fischreichtum der Nordsee erschöpft. Die englischen Fischerei fachverständigen sind überaus besorgt über das völlige Fehlen der Zufuhr von Fischen aus der Nordsee auf den englischen Märkten. Sie sind der Ansicht, daß der frühere reichste Fischgrund der eng lischen Fischerei, die Doggerbant, erschöpft ift. Man hat hier bei Brüfungen nur sehr geringe Mengen tierischen Lebens auf dem Meeresgrund gefunden, so daß die Fische feine Rehrung mehr finden. Die Suche nach neuen Fischgründen erweist sich als dringende Rot wendigkeit, und man beabsichtigt, noch weitere Untersuchungsschiffe auszurüften, die an einer Erforschungsfahrt auf den Bänken rund um Island und die Farör- Inseln teilnehmen sollen. Rheinische Bühnenschau. Im Nahmen der britten Rheinischen Literatur und Buchwoche, die in den Ausstellungshallen der Stadt Stöln vom 7. Juni bis 15. Juli stattfindet, wird eine großzügige Jahresschau rheinischer Bühnen beanstaltet. Das gefamte Theaterwefen in gefchloffener Form heraus. zustellen und den weitesten Streifen der rheinischen. Bevölkerung zugängig zu machen, ist ihr Ziel. Au bie Boltsbühnen find dabei vertreten, Eine Heinrich- her- Gesellschaft foll in amburg am 31. Mai gegründet werden. Sie hat zum 8med. die Forschungsarbeit des großen Hamburger Phyfiters auszuwerten und auszubauen. Kein Schadenersatz für den Hitler- Putsch. München, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Ansprüche unferes Münchener Parteiblattes, der Münchener Bost", auf Ersatz der beim Hitler Butsch erlittenen Schäden sind nunmehr von der Regierung von Oberbayern( Regierungspräsident ist immer noch Herr v. Kahr) abgewiesen worden. Die Ablehnung gründet sich auf eine Bestimmung des Tumultschädengefeßzes, wonach der Staat nur dann zum Schadenerfag verpflichtet ist, wenn durch den erlittenen Schaden die Fortführung und damit die ganze Existenz des Betriebes gefährdet ist. Der der Münchener Boft" zugefügte Schaden beträgt rund 40 000 Goldmart. か Der Arbeitsplan des Landtags. Der Keltestenrat des Preußischen Landtages beriet am Dienstag bor Beginn der Bolligung über die Geschäftslage. Am Mittwoch sollen Interpellationen beraten werden, wenn die Regierung sich zur Beantwortung bereit erklärt. Die Interpellationen betreffen insbesondere die Borgänge in Halle, in Fürstenwalde und die Angelegenheit der Sowjethandelsvertretung. am Donnerstag foll der Finanzminister seine Rede zum Etat halten. Außerdem soll das Minister pensionsgeseh erledigt werden. Freitag und Sonnabend follen fizungsfrei bleiben, damit die Frattionen über den Haushaltsplan beraten können. Montag und Dienstag foll Statsberatung sein. Landtagsbeginn in Württemberg. Wahl des Präsidiums. Stuffgart, 20. Mai.( WTB.) Der neugewählte Landtag hat heute nachmittag die Wahl des Präsidiums vorgenommen. An der Abstimmung beteiligten sich von 80 Abgeordneten 74. Sum Präsidenten wurde mit 50 Stimmen der Bauernbundabgeordnete Theodor Koerner gewählt, der die Wahl annahm; zum Ersten Vizepräsidenten wurde der Zentrumsabgeordnete andre mit 61, zum Zweiten Vizepräsidenten der Sozialist flüger mit 57 Stimmen gewählt; auch sie nahmen die Wahl an. Painlevés Friedensprogramm. Erklärungen des Linksblockführers gegenüber unserem Berichterstatter. Paris, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der republikanischsoziale Asg. Paul Painlevé ist während des Krieges eine Beitlang Ministerpräsident gewesen. Da er aber des Defaitismus verbächtig war, wurde er das Opfer der nationalistischen Intrigen und durch Clemenceau erfekt. Gegen ihn als einen Führer des Linksblocks richtete sich die ganze Wut der Nationalisten in feinem Parifer Wahlkreis, ohne jedoch seine Wiederwahl verhindern 31: tönnen. Als Sohn einer Arbeiterfamille ist er in den bemo tratischen Massen Frankreichs um so volkstümlicher, als er nicht nur Politifer, sondern auch ein Gelehrter von Beltruf ist. Von der neuen Mehrheit ist er für einen der wichtigsten Posten in Aussicht genommen, entweder als Staatsoberhaupt, falls es gelingt, Millerand zum Rücktritt zu zwingen, oder als Präsident der am mer. Aeußerungen eines solchen Mannes über das deutschfranzöfifche Verhältnis am Borabend der Regierungsumbildung in beiden Ländern sind natürlich von ganz besonderer Tragweite. Er gab mir folgende Erklärungen: Die französischen Wahlen bezeugen auf das eindringlichste den Friedens willen des franzöfifchen Bolles. Sie widerlegen in den Augen aller derer, die sehen wollen, die Anschuldigung milita ristischer und imperialistischer Ziele, die niemals den wirklichen Münschen des Landes entsprochen haben. Die neue Rammer mirb an die Regelung der internationalen Probleme und insbesondere ber Frage der Reparationen und der deutsch- französischen Beziehungen mit außerordentlich gutem Willen zur Verständigung und Entgegenkommen herangehen. Sie wird sich bemühen, das Reparationsproblem in ein wirklich reales Gebiet zu verfeßen und ihm auf der Grund lage des Sachverständigengutatens eine prattische Lösung zu geben bergeftalt, baß Europa nicht mehr ein über das andere Mal beunruhigt wird. Damit jedoch dieser gute Bille zum Ziele führt, ist es nötig, daß er in Deutschland dem gleichen guten Willen begegnet. Nichts wäre verhängnisvoller als eine Disharmonie von der Art, daß in Deutschland eine am Ruber befindliche Regierung diese unsere entgegenkommende Haltung als Schwäche auslegen würde, die man nun ausnützen fönne. Eine wahre Katastrophe mit unübersehbaren Folgen fönnte aus einer solchen Dissonanz zwischen den beiden Regierungen entstehen, und ich habe die unbeding'e Hoffnung, daß die demokratischen Parteien in Deutschland soviel pinchologisches Berständnis aufbringen werden, um die wirtliche Geistesverfassung Frankreichs, so wie fie durch die letzten Wahlen enthüllt wurde, zu begreifen, und ge nügend Kraft, um ihre Anschauungen den offenen und versted. fted ten Chauvinisten aufzuzwingen, also nicht nur benen, die gewaltsame Revanche predigen, sondern auch denen, die die loŋale Ausführung des Sachverständigengutachtens und überhaupt jebe friebliche Vereinbarung( abotieren möchten. Das Gebot der Stunde. Schnelles und wirksames Eingreifen der Regierung. Bochum, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Da offizielle Organ tung", fordert angesichts der sich stündlich mehr zufpizenden Lage des Deutschen Bergarbeiterverat ndes, die Bergarbeiter 3eiein schnelles und wirksames Gingreifen der Regierung in den Ronffit: im Ruhrbergbau. Sie schreibt: Jetzt ist das Maß voll. Die Zechenbefizer spielen mit einem gefährlichen Feuer. Wenn die Regierung nicht bad und energisch eingreift, um die berechtigten Wünsche der Bergarbeiter zu sichern, macht auch sie sich mitverantwortlich an den Schäden, die dem ganzen deutschen Wolf aus diesem Kampf erwachsen fönnen. Mögen die Herrschenden die Zeichen der Zeit erkennen. Die Bergarbeiter wiffen genau, daß dieser Kampf, der wirtschaftliche Urfachen hat und auf gewerkschaftlicher Grundlage ruht, nur fiegreich beendet werden tann, wenn Besonnenheit und organisatorische Disziplin bis zur lehen Stunde herrschen. Doch wirten in so ente scheidenden Stunden auch andere Kräfte mit. Wird der Bogen von dem schwerindustriellen Scharfmachertum überspannt, so fann die und jede friedliche Regelung ber zwifchen beiden Bändern schwebenben Auseinandersetzung Formen annehmen, beren Auswirkung nur der Fragen würden dadurch auf unbestimmte Beit hinaus. zu fügen vermag, welcher weiß, wie tief bie Ruhrbergarbeiter durch geschoben. Das wäre eine bittere Enttäuschung für alle bie bie Leibenszeit der letzten Jahre in den Abgrund der Berjenigen, die glauben, baß eine aufrichtige Annäherung zwischen den zweiflung getrieben worden find." drei großen Demotratien Frankreich, Deutschland und England allein die Zukunft und die Zivilisation Europas zu gewährleisten Dermag." Die Stellung des Schlichters. Effen, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Möglichkeit für eine Beilegung des Konflikts verlautet aus Bergbautreisen, daß als nächste Schlichtungsinstanz Reichsund Staatsfommissar Mehlich in Frage tommt. Daß ein 2n trag auf Berbindlichkeitserklärung des Bertiner trag auf Berbindlich feits erflärung des Berliner Schiedsspruches vom Zechenverband erfolgt, ist noch zweifel haft. Jebenfalls fann aber der örtliche Schlichter nach§ 23 der Schlichtungsordnung den Schiedsspruch verbindlich erffären, falls ein öffentliches Interesse vorliegt. Bor der Berbindlichkeitserklärung hätten jedoch abermalige Ginigungsverhand tungen stattzufinden. Theoretisch wäre auch die teilmeise Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches möglich. Es steht jedoch dahin, ob der Schlichter dem von den Bergarbeiter. verbänden angenommenen ersten Teil des Schiebsspruches, der die Frage des Manteltarifs regelt, perbindlich erklärt und durch neue Verhandlungen über die Mehrarbeit den Weg zu einem abermaligen Einigungsversuch beforettet. Kommunistische Sonderaktionen. Effen, 20. Mat.( Eigener Drahtbericht.) Die Kommunisten haben ihren Beschluß, die Motstandsarbeiten mit allen Mitteln zu unterbinben, fdhon teilweise in die Tat umsezen können. Auf zahlreichen Zechen des Gelsenkirchener und Bochumer Bezirks wurden am Dienstagmorgen die Beamten und Angestellten am Betreten der Zechenanlagen verhindert. Aehnliche mitteilungen liegen auch von einer Reihe Gruben des Effener Reviers Dor. Bevorstehende weitere Stillegungen. Duisburg, 20. Mai.( TU.) Die Stillegung der geden machi sich mit jeden Tage mehr in den Duisburger Hütten. terten bemerkbar. Wenn die Koblenzufuhren nicht bald wieder einfegen, ist mit weiteren Betriebsstörungen zu rechnen. Ein Sochofen wurbe in dieser Woche abgeblajen, die Arbeiter wurden beurlaubt. Fürsorge für Frauen und Kinder. Effea, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Das Wohlfahrtsamt in Effen hat von Dienstag an für die dorbenden Frauen und Kinder der Bergleute, denen in vielen Fällen jebe Nahrung fehlt, Anweisungen auf Lebensmittel ausgegeben. Der Gelbmert biefer unterstützungen, die sich etwa in halber Höhe der Erwerbstofen unterstügung halten, ist von den Bergleuten später zurüdzuerstatten. Eine große Anzahl Ruhrstädte wird diesem Beispiel folgen. Der 3echenverband und die schwerindustrielle Presse agitiert gegen diese Art einseitiger Parteinahme für die streifenden Bergarbeiter. Kumpel und Königsvertreter. Der Arbeiterparteiler als Kirchenhaupt. Tollers Majje tenjch in London. Tollers Drama„ Masse Mensch, beren öffentliche Aufführung in London von der Zensur berboten worben Condon, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Abg. Genoffe ift, fand, wie uns ein Telegramm aus London meldet, dort in einer ge James Brown eröffnete in feiner Eigenschaft als Lord- OberSchloffenen Darbietung beifällige Aufnahme. Deutsche Mufit in Paris. Das Konzertgebouw Drcheiter und der Ton- kommiffär die Hauptversammlung der Schottlandkirche in Edinburg. Innithor aus Umiterdam, unter der Leitung von Willem Wengelberg, baben Er wurde mit ungeheuren Ehren empfangen. Nachmittags hielt er in Baris die neunte Sinfonie von Beethoven mit dem Gelugor in als Vertreter des Königs die Ihronrebe und nahm die herdeutscher Sprache zur Aufführung gebracht. Das Programin wurde durch gebrachte ijuldigung aller maßgebenden schoffischen Persönlichkeiten die erste Beethoveniche Sinfonie vervollständigt. Die Künstler erzielten ebenso wie bei der Aufführung der Matthäus- Passion am Tage zuvor einen entgegen. Die Preſſe würdigt diese Mission des früheren Bergungeheuren Erfolg. arbeiters als Zeichen wirklicher Demokratisierung. walt oder der List einen wirklichen Einfluß auf die deutsche Politik Wenn es anders fommen sollte und wenn die Parteien der Ge. ausüben sollten, dann würde sich die franzöfifche Demokratie nicht täuschen lassen Painlevé für Räumung des Ruhrgebiets. Paris, 20. Mai.( Gigener Drahtbericht.) Bainlevé bestätigt heute Dienstag die von einigen hiesigen Blättern angezweifelte Richtigkeit des dem Korrespondenten des Giornale d'Italia" gemährten Interviews, in dem er sich für die Aufhebung ber ökonomischen und gegebenenfalls auch ber militärischen Be. fegung des Ruhrgebiets ausgesprochen hat. Einem Rebatteur ber Biberté" gegenüber fügte Painlevé hinzu: Befentlich sei für Frant reich nur die direkte Ausbeutung des Ruhrgebiets und der rheinisch westfälischen Eisenbahnen gewesen. Diese aber habe Frankreich nach bem Programm der Sachverständigen aufzugeben. Die mili tärische Belegung fet dagegen nur eine Angelegenheit von setun bärer Bedeutung. Denn Frankreich habe das Ruhrgebiet nur be feßt, um die wirtschaftliche Aflion zu ermöglichen. Diese Dffupation fei bereits reduziert worden. Sie fönne es noch mehr werden und in der Zukunft ganz aufgegeben werden unter der Vorauss fagung, daß die 2iierten sich für die Erfüllung der deutschen Ver sprechungen verbürgien. Sigung der Reparationskommiffion. Paris, 20. Mai.( BTB.) Die Reparationstommiffion hat heute vormittag ihre übliche Sibuna zur Erlebiaung ber laufenber Angelegenheiten abgehalten. Der Organisationsausiauß fie die beutien Industrie obligationen wird an einem in aller Stürze zu bestimmenden Tage zusammentreten. Die baltische Konferenz. Wirtschaftennion. Sowno, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die schon mehrfach verschobene Sonferenz der Staaten Bitauens, Cftfands und Lettlands wurde am 19. Mai in Komno vom Minister. präsidenten Galvanaufas eröffnet. Die Konferenz soll eine Bollunion und den wirtschaftlichen Zusammenschluß der drei Staaten erreichen. Galvanaufas jogte in ber Gröffnungsrebe u. a.: Die drei Staaten find dazu berufen, den Frieden des Friedens wegen auszubauen, alle Kräfte zu diesem einen Bwed zu stärten Tichfeit zu erfüllen. Unfere gemeinsamen Besprechungen werden die und unter den Bölfern, die zusammengehören, die Pflicht der MenschBiele zeigen, die für die Außenpolitik diefer drei Nationen richtung gebend find. Das ist in erster Linie die Unabhängigkeit und die Gre richtung einer ungerstörbaren Grundlage freier Entwidlung ber Bölfer. Wir streben danach, Mittel zu finden, in die Mauern zwischen der Wirtschaft der eigenen Staaten eine Bresche, au legen, damit mir die Früchte der Arbeit unserer Bölfer austauschen können. Die Konferens muß ferner nad prattischen Wegen suchen, bie ben Bür gern unserer Länder gestatten, die Grenze zu überschreiten, um den wirtschaftlichen und intellektuellen Zusammenschluß unserer brei Staaten zu beschleunigen, Im Ramen der beiden anderen Delegationen erqpiderte der Außenminister von Bettlan b. Bibauer Der lettische Finanzminifter äußerte sich in einem Gespräch mit Journalisten, daß er die Freigabe ber Romn Cifenbobnlinie durchzusehen versuchen merbe, ba die Zukunft Libans, dos in Friedenszeiten burch feinen Crpori Baren aus ber freine und Litauen bezoa, davon abhänge. Das Ergebnis der Kons ferenz werbe zweifelios eine Einigung über ben Austavich der eins heimischen Industrie- Erzeugnisse und landwirtschaftlicher Produkte ber prei Staaten ohne Zollerhebung und Formalitäten sein. Die Konferenz dauert bis zum 22. Mai. Gewerkschaftsbewegung Die Werftaussperrung beendet. Hamburg, 20. Mai.( WIB.) Im Berfolg der am 17. mai zwischen den Arbeitnehmern und dem Arbeitgeberverband in der Werftindustrie geschloffenen Vereinbarung, die eine am heutigen Tage um 10 Uhr ablautende Erklärungsfrist vorjah, hat eine Abstimmung der Arbeitnehmer stattgefunden, welche die für die Fortfehung des Streits notwendige Zweidrittelmehrheit nicht ergab. Da auch die Arbeitgeber der Bereinbarung zugestimmt haben, jo ist der Kampf beendet. Die Arbeit wird morgen wieder aufgenommen werden. Das gleiche Ergebnis hatten die Abstimmungen in Lübed und Bremen. * Hamburg, 20. Mai.( WEB.) Zu der Beendigung des Lohntampfes auf den Seefchiffswerften wird noch gemeldet, daß die von den Arbeitervertretern gewünschte restlose Wiedereinstellung der entlaffenen Arbeiter in den letzten Verhandlungen von den Werftvertretern mit dem Hinweis darauf abgelehnt wurde, daß der AufUeber die Ceifung von tragsbestand vom Januar nicht mehr vorhanden sei. Im großen und ganzen hatten die Verhandlungen das Ergebnis, daß die neunstündige Arbeitszeit vorläufig bis 1. April 1925 gilt. Der achtstündige Arbeitstag bleibt als normal anerkannt. Ueber die Leistung von Ueberarbeit müssen Vereinbarungen mit der Arbeitervertretung getroffen werden. Der Stundenlohn wurde auf 57 Rentenpfennige für gelernte Arbeiter hinaufgesetzt. Weiter wurde eine Neuregelung für Affordarbeiten getroffen. in der Berliner Metallindustrie durch der Abschluß eines Lohn abkommens abzulösen. Ob dieser Versuch gelingen wird, scheint durchaus zweifelhaft. Die Hungerlöhne in der Metallindustrie. In einer Funktionärfonferenz der Transportarbeiter in der Metallindustrie erstattete Fromfe Bericht über die strieller. Die Lohnerhöhung, die der VBMI. angeboten hatte, sollte lezten Lohnverhandlungen mit dem Verband Berliner Metallinduunter gleichzeitiger Kürzung der sozialen Zulagen gegeben werden, so daß für Arbeiter mit mehreren Kindern sogar eine Lohn türzung herausgeformen wäre. Die Vertreter des Verkehrsbundes fonnten einer solchen„ Lohnregulierung" natürlich nicht zuGebt für die hungernden Bergarbeiter denen die Zechenbesitzer den Fuß in den Naden jetzen wollen. Gebt, damit sie sich nicht unter das machtgebot der Zechenbeißer beugen müssen, indem Jhr Beiträge zeichnet auf die Bergarbeiterhilfe" 9 stimmen. Sie hatten um so mehr Grund, auf der Forderung von 60 Pf. Stundenlohn zu bestehen, als der niedrigste Lohn für Transportarbeiter anderer Branchen 51 Pf. beträgt. Es war nicht möglich, Hamburg, 20 Mai.( Eigener Drahtbericht.) Interessant war die zu einer Einigung zu kommen. Die Arbeitgeber schlugen schließlich Abstimmung der Werftarbeiter im Groß- Hamburger Städtegebiet. ror, den ganzen Lohnstreit einem Zwangsschiedsgericht zu über-Dir organisierten Werftarbeiter erklärten sich mit großer Mehrheit, tragen. Dem fonnte aber von den Arbeitnehmervertretern nicht zugestimmt werden, und so verlief auch diese Berhandlung wieder die nach dem Statut zwar auch nicht ganz ausreichte, für die Fort- resultatlos. Fromte erwähnte in seinem Bericht den maßlos gesegung des Kampfes. Die Unorganisierten dagegen und steigerten Hochmut der Unternehmer, der es nötig mache, darüber mit ihnen entschieden sich die sogenannten„ Oppositionellen", zu beraten, ob es mit der Würde eines Organisationsvertreters verdie dauernd für eine„ Verschärfung" des Kampfes und einer Vereinbar ist, unter solchen Umständen die Verhandlungen fortzusehen. breiterung der Kampfbafis" eingetreten waren, mit Stimmenmehrheit Die Versammlung beschloß schließlich nach eingehender Ausfür den Abbruch der Bewegung. Eine treffende Beleuchtung der fprache, in der die Vertreter aller größeren Werte zu Wort kamen, am fommenden Sonnabend im Gewerkschaftshaus eine allgemeine radikalen Theorie und Pragis. Transportarbeiterversammlung für die Metallindustrie abzuhalten. in der eine endgültige Stellungnahme zu den Hungerlöhnen in den VBMI.- Betrieben erfolgen soll. Nach einem Ringen von drei Monaten ist nun dieser große Kampf beendet. Wenn man sich das Refuitat dieses Kampfes anficht, das aus den vorstehenden Depeschen allerdings nicht zweifels. frei hervorgeht, dann ist die Tatsache zu unterstreichen, daß der Produktionsausfall, der durch die Aussperrung der Unternehmer hervorgerufen worden ist, auch nicht gedeckt werden könnte, wenn die Arbeiter zwei Jahre lang täglich eine leberstunde machen würden. Bei 48stündiger Arbeitszeit macht der Verlust an Arbeitsleistung für 13 Wochen 624 Arbeitsstunden pro Arbeiter. Es müßte also jeder Arbeiter mehr als zwei Jahre täglich eine Stunde ar beiten, um diesen Verlust wieder wettzumachen, vorausgesetzt, eine verlängerte Arbeitszeit wäre gleichbedeutend mit einer entsprechen den Produktionssteigerung. Dazu kommt der ungeheure wirtschaft. liche Berlust, der nicht wieder einzubringen ist. Große Aufträge vom Ausland tonnten nicht ausgeführt werden und gingen an ausländische Werften über. Der Schaden, der durch die Aussperrung verursacht worden ist, fann gar nicht übersehen werden. Es ist notwendig, cuf die Tatsache hinzuweisen, daß diese Aus. fperrung unmittelbar eine Folge von verbindlich erPlärten Schiedssprüchen gewesen ist. Diese Schiedssprüche, die den Arbeitern eine längere als die achtstündige Arbeitszeit aufzuzwingen versuchten, sind nichts anderes als ein Eingehen auf die Forderungen der Arbeitgeber. Auch wenn, wie aus den vorliegenden Depeschen hervorzugehen scheint, die Arbeitgeber einen grundsäglichen Erfolg erzielt haben, praktisch bedeutet die Aussperrung für fie eine Niederlage. Die Aussperrung begann in einer für die Arbeiterschaft dentbar ungünstigen Situation. Trotzdem haben die Werftarbeiter 18 Wochen standgehalten. Das allein ist ein Erfolg. Einer Arbeiterschaft, die fich 13 Wochen lang unter diesen Umständen gegen ein mit den Machtmitteln des Staates unterstütztes Diktat der Unternehmer zur Wehr seht, wird man schließlich den Achtstundentag nicht mehr ent reißen. Bei Ablauf des Vertrages werden die Arbeiter mit den Unternehmern wieder zusammenfommen. Wir prophezeien diesen heute schon in aller Sicherheit, daß dann auch nicht das Geringste Dom Achtstundentag abgehandelt werden wird. Wir bezweifeln übrigens auch, ob der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller, der hinter diesem von den Unternehmern enifeffelten Kampf stand, feine Tattit noch lange wird aufrechterhalten können. Für die Arbeiterschaft ist die Lehre, die aus diesem Kampf zi ziehen ist, flar und zwingend: Unver brüchliches Fest halten am Achtstundentag, unverbrüchliches Festhalten an der Gewerkschaft, restlose Bereitschaft, die Organisation zu stärken, um die Unternehmer endlich zu zwingen, mit dem Achtſtundentag, mit einer hochqualifizierten, gutbezahlten, leistungsfähigen und leistungswilligen Arbeiterschaft die Steigerung der Produktion statt ihrer Sabotage zu betreiben. Keine Gewerkschaftsaktion gegen Dawes. Eine bürgerliche Korrespondenz verbreitet die Meldung, daß die Spitzenverbände der freien Gewerkschaften Deutschlands mit den in Frage kommenden gewerkschaftlichen Organisationen Frankreichs und Englands in Verbindung getreten feien, um auf diesem Wege Abänderungen des Vorschlages der Eachverständigen über die Reichsbahn zu erzielen. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, entbehrt diese Nachricht jeder ernsthaften Grundlage. Die Stellung der Gewerkschaften zur Reparationsfrage ist seinerzeit den Sachverständigen vorgetragen worden. Die deutschen Gewerkschaften denten nicht daran, im gegenwärtigen Zeitpunkt irgendetwas zu unternehmen, was die Regelung der Reparationsfrage verzögern oder verhindern könnte. Lohnvereinbarung für Steinseher. und durch nachfolgende Verhandlungen mit den Arbeitgebern werden Durch einen Spruch des Schlichtungsamtes der Stadt Berlin mit Wirkung ab 14. Ma: die Löhne für das Steinfeggewerbe wie folgt festgeset: Der Stundenlohn für Steinfeger und Steinhauer beträgt 95 Pf., für Rammer 85 Pf., für Hilfsarbeiter 60 Pf. Die bisherigen Eätze waren 83, 73 und 57 Pf. Die Affordsäge für Steinhauer werden um 30 Proz. erhöht. Von den Arbeitgebern find ferner an die Kaffe der Wohlfahrtseinrichtungen durch Kleben von Marken 4 Proz. der Stundenlöhne abzuführen. In einer Bersammlung der Steinsetzer und Berufsgenossen, die nach einem Bericht des Gauleiters Schende zu dem Lohnabfommen Stellung nahm, wandte sich der Berichterstatter in scharfer Weise gegen das Vorgehen der syndikalistischen Berufsangehörigen, die, chne die schwebenden Berhandlungen abzuwarten, den Streif„ aller Steinarbeiter" beschlossen haben. Die Streifenden versuchten mit gewalttätigen terroristischen Mitteln die arbeitenden tariftreuen Zentralverbändler zum Anschluß an den Streit zu bewegen. Schende stellte fest, daß das Vorgehen der Syndikalisten lediglich den Zweck haben kann, den Steinarbeiterverband aus einer Tarifpofition her auszubringen, die den Steinarbeitern seit 20 Jahren tariflich feftgelegte Lohn- und Arbeitsbedingungen gebracht hat. Eine Arbeitseinstellung durch die Zentralverbandsangehörigen wäre von den Unternehmern als Tarifbruch angesehen worden. Sie hätten eine billige Gelegenheit gehabt, ihren schon lange gehegten Plan, ein Prämienlohnsystem einzuführen, endlich zu verwirklichen. Nachdem die Versammlung längere Zeit mit einer Kommission der Syndikalisten über deren Streitgebaren diskutiert hatte und von den meisten Rednern betont wurde, daß in Zukunft gegenüber den Eyndikalisten eine entschiedenere Stellung eingenommen werden müßte, erfolgte die Annahme des Lohnabkommens gegen wenige Stimmen. Erfolgreiche Streits im Stuck- und Gipsbau. Nachdem am Donnerstag und Freitag voriger Woche die Parteien vor dem Schlichter verhandelt hatten, ohne daß eine Einigung zustande gekommen ist, wurde am späten Abend des zweiten Berhandlungstages ein Vergleichsvorschlag vom Schlichter gemacht. Der bisherige Tarifvertrag soll danach mit seinem Anhang mit folgenden Abänderungen bis zum 31. März 1925 weiter gelten: Der Einheitsstundenlohn soll für Studateure, Gipsbildhauer, Rofsasch, Rabiz- und Zementdraht- Buzer sowie Plattensetzer 25 Proz., für Rabizspanner und Träger 12% Proz über Maurerlohn, für Hilfsarbeiter den Maurerlohn betragen. Modelleure erhalten den Einheitslohn der Stucateure als Mindestlohn, geübte Antragebildhauer 20 Broz. über Studateurlohn als Mindestlohn. Lehrlinge bleiben im Tarifvertrag enthalten mit Entlohnungen von im 1. Lehrhalbjahr 10 Proz., im 2. Halbjahr 20 Broz., im 3. Halbjahr 25 Proz., im 4. Halbjahr 35 Proz., im 5. Halbjahr 40 Broz. und im 6. Halbjahr 45 Broz. des Studateurlohnes. Ferien erhält jeder Arbeitnehmer und Lehrling; und zwar nach 30 Wochen 4 Tage, nach einem Jahr 5 Tage, für jedes weitere Jahr im Betriebe einen Tag mehr bis zu 10 Tagen. Die Bezahlung der Ferien erfolgt bei ihrem Antritt, oder bei Abgang des Arbeit nehmers mit 3 Proz. vom Stundenlohn der bis dahin geleisteten Arbeitsstunden. Der paritätische Facharbeitsnachweis bleibt mit seiner Geschäftsordnung wie bisher bestehen. Für tarifliche Streitigkeiten wird außer der bisherigen Schlichtungskommiffion ein Tarifamt mit unparteiischem Vorsitzenden als 2. Instanz geschaffen. Alle übrigen Positionen des bisherigen Tarifvertrages bleiben in bisheriger Fassung einschließlich der 46% stündigen wöchentlichen Arbeitszeit bei 47 stündiger Bezahlung. Die Streifenden beschlossen nach längerer Diskussion mit 679 gegen 188 Stimmen, bei 2 ungültigen und einer Anzahl Stimmenthaltungen, die Annahme des Vergleichsvorschlages. Da die Arbeitgeber bereits ihre Annahme ebenfalls erklärt haben, erfolgt die Arbeitsaufnahme am Mittwoch früh, wobei Maßregelungen aus Anlaß des Streifs nicht stattfinden dürfen. Jeder kehrt zu seiner alten Firma zurück, von der er in den Streit getreten ist. Wenn Heute Verhandlungen in der Metallindustrie. Wie wir erfahren, finden heute nachmittag erneut Berhandlungen zwischen den im Metallkartell vereinigten Organisationen und dem Verband Berliner Metallindustrieller statt. Gewerberat Körner hat die Mitglieder des Schiedsgerichts wie die Organisationsvertreter nochmals zu einer Zusammenkunft gebeten, um einen offenbar letzten Versuch zu unternehmen, den Zustand der Dauerlohnkrise auch die Lohnfrage nicht zur vollen Zufriedenheit geregelt wurde, so find doch die Angriffe auf die ideeffen Errungenschaften dieser Fachgruppe durch das geschlossene Verhalten der Streifenden mit vollem Erfolge abgewehrt. Auch die Dachdecker behaupten den Achtstundentag. Auf Veranlassung des Schlichters fanden weitere Verhandlungen im Streif der Dachdecker statt. Es war notwendig, eine Verständigung zu finden, welche die Verschlechterungen des Einigungsvorschlages vom 14. Mai beseitigen sollte. Die Verständigung glaubte der Schlichter in folgendem Vergleichsvorschlag gefunden zu haben: Bis zum Abschluß eines neuen Reichstarifs für das Dachdeckergewerbe wird für den Bereich dieses Gewerbes in GroßBerlin folgende Zwischenregelung getroffen: 1. Der Lohn für die im Dachdeckerberuf tätigen Gesellen ist gleich dem Tariflohn der Maurer in Groß- Berlin plus 2 Pf., der des geübten Hilfsarbeiters gleich dem eines geübten Bauhilfs arbeiters. Der Lohn eines ungeübten Hilfsarbeiters ist 5 Pf. geringer. Ein Hilfsarbeiter gilt als geübter, wenn er ein Jahr im Dachdeckerberuf tätig ist. Zur Ablösung der bisherigen in§ 9 des bisherigen Ortstarifes unter a vorgesehenen Fahrgeldentschädigung erhöhen sich die obigen Löhne um weitere 2 Pf. Im übrigen verbleibt es bei der Regelung des§ 9 des bisherigen Ortstarifes. 2. Die Punkte 3 und 4 des Vorschlages vom 14. Mai gelten. ( Ueberstunden usw.) Zu dem Vergleichsvorschlag nahmen die streifenden Dachdecker am Dienstag Stellung. Der Vorsitzende Stolzenhain führte den Streifenden die Situation vor Augen. Wenn auch der Vergleichsvorschlag nicht alle Forderungen und alle Wünsche erfüllt, so steht doch fest, daß die Verschlechterungen des Einigungsvor schlages vom 14. Mai beseitigt find. Das Fahrgeld ist behauptet worden und ebenfalls auch die Zuschläge für Arbeiten über die alte Bostgrenze Groß- Berlins hinaus. Vor allem aber ist der Angriff auf den Achtstundentag abgewehrt worden. Er empfahl, dem Vergleichsvorschlag zu z ustimmen. In der Aussprache wandten sich mehrere Redner gegen die Annahme. Bei der Abstimmung entschied jedoch eine große Mehrheit für die Annahme. Damit ist der Streit im Dachdeckergewerbe für. Groß- Berlin nach einer Dauer von fünf Wochen beendet. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt am Mittwoch, den 21. Mai. Die Verbindlichkeitserklärung nur gegen Arbeiter. Köln, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Reichstagsabgeordneten Genoffen Sollmann und Kirschmann haben an den Reichsarbeitsminister Brauns ein Telegramm gerichtet, in dem sie fordern, daß der am 24. April gefällte Schiedsspruch für die Kölner Metallindustrie sofort mit rückwirkender Kraft für ver=' bindlich erklärt werden solle. Die Verbindlichkeitserklärung war von den Arbeitnehmerorganisationen bereits am 28. April beantragt worden, ist aber bisher unterblieben. Die Lohnverhandlungen, die zu dem Schiedsspruch führten, wurden bereits am 1. April eingeleitet. Im Kölner Bezirk erhalten die Metallarbeiter die schlechtesten Löhne von allen Metallarbeitern des besetzten Gebiets. Gelernte Handwerker mit Familie müssen sich mit 24 bis 29 M. Wochenlohn begnügen. Ein Hilfsarbeiter mit vier Kindern erhielt in der vergangenen Woche nur 21 M. Der Schieds=" spruch, der den Hilfsarbeitern einen Stundenlohn von 49 Pf. und den Facharbeitern eine Erhöhung ihrer Bezüge um 10 Proz. zusicherte, wurde von den Arbeitgebern abgelehnt, obwohl diese Lohnerhöhungen mehr als bescheiden sind. Bisher ist vom Reichsarbeitsministerium nichts geschehen, um diese geringfügige Besserung der wirtschaftlichen Lage der Kölner Metallarbeiter gegenüber den Unternehmern durchzusetzen. Die beiden rheinischen Abgeordneten haben den Reichsarbeitsminister nachdrücklich darauf hingewiesen, daß an-, gesichts der außerordentlich erregten Stimmung innerhalb der Kölner Metallarbeiterschaft Rückwirkungen auf den Ruhrkampf unvermeidlich find, wenn die sofortige Verbindlichkeitserklärung mit rüdwirfender Kraft unterbleibt. Tatilimn Die Bauarbeiteranssperrung in Hannover. Mit brutalen Hannover, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Mitteln versuchen die Baugewaltigen der hannoverschen Bauarbeiterschaft den neunstündigen Arbeitstag aufzuzwingen. Als nach endlosen Verschleppungen der Unternehmer die Bauarbeiterschaft verfuchte, in den einzelnen Geschäften ihre gestellten Forderungen zur Durchführung zu bringen, erfolgte am 17. Mai die Aussperrung aller Maurer, Bauarbeiter und Zimmerer der Stadt Hannover. Ab Mittwoch, den 21. Mai, ist diese Aussperrung vollständig. freien Gewerkschaften haben ab 1. Mai für einen Facharbeiter 85 Pf., Bauhilfsarbeiter 78 Pf. und Tiefbauarbeiter 73 Bf. StundenLohn in Hannover gefordert. Für die übrigen Lohnaruppen sollte der bisherige prozentuale Unterschied bleiben. Dieser Antrag wurde damit begründet, daß Hannover eine der teuersten Städte Deutschlands ist. Einige Unternehmer mit fozialem Empfinden haben sich inzwischen mit ihren Arbeitern verständigt. Aussperrung im sächsischen Holzgewerbe. Die Die„ Dresdener Boltszeitung" meldet, daß der Arbeitgeberverband für das sächsische Holzgewerbe beschlossen habe, jämtliche Holzarbeiter am 21. Mai auszufperren, wenn nicht bis zum 20. Mai die Arbeit aufgenommen werde. Das Blatt bemerkt dazu, die Arbeiter dächten nicht daran sich dem Diftate der Unternehmer zu fügen. Infolgedessen dürften am 21. Mai etwa 60 000 Arbeiter des fächsischen Holzgewerbes ausgesperrt werden. am Zum Mannheimer Metallarbeiterkampf. Mannheim, 20. Mai.( Mtb.) Bei der gestern von der Metallarbeiterschaft vorgenommenen Abstimmung über den legten Sonnabend gefällten Schiedsspruch stimmten 88 Proz. dafür und 11 Broz. dagegen, 1 Proz. der abgegebenen Stimmen war ungültig. Da die Arbeitgeber bes fanntlich den Schiedsspruch abgelehnt haben, haben die Gewerf schaften die Verbindlichkeitserklärung beim Landesschlichter, in Karlsruhe beantragt, der sich heute nachmittag mit der Angelegenheit befassen wird. Die Betriebe sind nach wie vor geschlossen. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Shikowski, Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger 1. Co.. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Ihr Mund wird entstellt durch häßlich verfärbte Zähne. übler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide übel werden sofort in vollkommen unschädlicher Weise beseitigt durch die bewährte Zahnpaste Chlorodont, wirijam unterstützt d.Chlorodont- Mundwasser. überall zu haben. Backpulver Penner Kuchenkenner für Qualitätsmarke,-überall gesucht und erhältlich Nährmittelfabrik Julius Penner AGBerlin- Schöneberg. Nr.2ZS»41.�ahrgaüg 1. Heilage öes vsrwärts Mittwoch, 21. Mai 1924 Das teure Gemüse. DK ersten warmen Nächte sind da, ausgerechnet in der Zeit der drei Eisheiligen. Nun, so außergewöhnlich ist dieser Vorgang nicht; Leute, die sich um das Wetter kümmern, werden sich erinnern, daß manchmal diese Eisheiligen sich genau so wie jetzt als extra heiße Tage gaben, und daß dann noch später Frostnächte vorkamen, bis in den Juni hinein. Jedenfalls aber ist die Hoffnung in unser Herz eingezogen, daß es anders werden wird. Und es ist auch wahrlich höchste Zeit. Die Ursachen. Mit Recht klagen die Hausfrauen über die hohen Gemüse- preise Aber wer gerecht sein will, muß nicht so ohne weiteres ein allgemeines Verdammungsurteil fällen, sondern den Ursachen nachspüren. Daß daneben die Tendenz nach hohen Preisen allgemein besteht, ist ja eine bekannte Tatsache, über die uns einzelne billige Artikel— Lebensmittel wie Brot, Reis, Margarine— nicht hinwegtäuschen können. Während aber die Industrie extra hohe Preis« nimmt, so besonders auch die für jedermann wichtige Textilindustrie, wird bei den Ernährungsmitteln einmal das Wandern der Ware durch rnahrere Hände, dann aber natürlich die Knappheit der Be- stände dazu dienen müssen, den Preis hochzuhalten. Daß im Früh- jähr stets eine Zeit der knappen Deschitfung des Gemüsemarkts gewissermaßen naturgemäß ist, wird unseren Hausfrauen auch bekannt fein: Die Vorräte der letzten Ernte sind oerbraucht, die neue Ernte hat noch nicht begonnen. Nur vergessen sie es leicht unp denken nicht daran, daß die Gemüsezucht, auch die frühe, unter Glas betrieben, vom Wetter abhängig ist, und wie es diesmal mit dem Zurückhatten der Produkte durch das dauernd kalte Wetter bestellt war, hat an dieser Stelle schon wiederholt Schilderung gefunden. Sehen wir zunächst mal zu, was denn eigentlich auf dem Markt vorhanden ist. R h a- b a r b e r als Kompott scheidet aus; sein Preis ist von 50 auf 25 Pf. bereits zurückgegangen. Don Kohl— im Preis von SO Pf. aufwärts je nach den Sorten— ist nicht mehr viel zu sehen, meist An». landsware. die aber auch bald geräumt sein wird. Und an warmen Tagen lehnt stch der Mittagsgast gern nach einer Abwechsiung; der Kohl ist vor ollem Wintergemüse und wird erst mit dem frühen Wirsingkohl wieöer Liebling der Küche. Daß es in diesem Jahre— wie im Vorjahre— möglich fem wird, schon im Juni Wirsingkohl zu haben, ist wohl ausgeschlossen, dazu hätten die Kohl- pflanzen im Winter ohne Schaden durchgehalten werden müssen, was im Hinblick auf die große Kälte unmöglich war. Mohr- r L b e n— 2 Pfund 25 Pf.— locken auch nicht recht, und die neuen im Kasten gezogenen Karotten haben hohe Preise. Dazu fehlen vor allem auch die Schoten, die noch geraume Zeit auf sich warten lassen werden, da in dein ersten drei Monaten dieses Jahres eine erste Saat dem Boden anzuvertrauen unmöglich war. vle ersten Kohlrabi sind da, wenig Knolle, viel zartes Kraut, wie immer sich als Treib- hausgemüs« kennzeichnend. Aber' der Preis von 2 bis 2lb M. schließt natürlich dieses Gericht für das Mittagesien des Volkes aus, da heißt es noch Wochen lang warten. Der Spinat, den man jetzt in zarten Blätter steht, ist ebenfalls Treib war«: er ist im Preise stark gesunken, bis auf 20 Pf., wird aber wohl noch viel tiefer her- untergehen. Der überwinterte Spinat hat unter dem Frost sehr stark gelitten; er ist zum größten Teil.ausgewintert". Die schönen schlanken Gurken, die den Liebhaber reizen— und wer hätte nicht Appetit 'auf einen Gurkensalat aus Treibqurken—, verlangen neben der Sonnenwärm« noch künstliche Wärme, die allerdings jetzt— bei dieser Hitze!— nicht mehr nötig ist, und daher ist der Preis von 2 bis 2,50 M. auf 1 und 2 M. gesunken. Radieschen sind der Gesundheit zuträglich, aber als Nahrungsmittel nicht an- zusprechen; sie sind mit dem Preise aus dem Wege nach unten begriffen. Desgleichen der Salat. Ein gesundes und leckeres Gericht, das in den ersten warmen Tagen besonders erfrischend wirkt. Aber natürlich kann sitzt auch nur von Treibsalat die Rede sein, besten Blätter allerdings völlig zu verspeisen sind, so das; kein Abfall, wie bei dem stärkeren Freilandsalat, eni- steht. Der Berkousspreis schwankt fe nach der Größe von 20 bis 30 Pf., bleibt«» warm, so wird sich aber die Preissenkung gerade bei diesem Artikel schnell bemerkbor machen, denn«in haltbares Gemüse ist der SaK't nun einmal nicht. Immerhin ist zu be- achten, daß, solange Freilandsalat nicht zu haben ist, das„Schießen" des Treibsalats viel Ausfall verursacht, der dann doch in etwas wettgemacht werden muß. Der Spargel. Anders liegt der Fall bei dem mit Recht am meisten geschätzten Frühlingsgemüse: dem Spargel. In anderen, mehr normalen Jahren ist der Spargel Ende Mai, wie der Ausdruck der Züchter lautet, wieder„vergessen"— und in diesem Jahre steht man noch am Anfang. Der Preis von 1,30 bis 1,50 war zweifellos hoch, er hat sich inzwischen bis auf SV Pf. bis 1 M. gesenkt, aber wird sich bei dauernd warmem Wetter noch beträchtlich ermäßigen, jedoch durch die Nachfrage der Konservenfabriken nach Spargel ist einem„Schleuderpreis" vorgebeugt. Auch hier sprechen für die Preisbildung mancherlei Erwägungen mit, die nicht allgemein bekannt sind. Man denkt vielfach, daß dar Spargel, wenn einmal dt« Beete angelegt sind, keiner weiteren Wartung bedarf und jahrein, jahraus mühelosen Gewinn abwirft— daß man nur zu„siechen" braucht, um sein Schäfchen ins trockene zu bringen. In Wirklichkeit erfordert die Spargelkultur genau so wie jede andere Gemüsekultur Arbeit— und Dung. Die Beete müssen jede» Frühjahr eingeebnet und dann wieder ausgeschüttet werden, bei welcher Gelegenheit nicht nur das Unkraut wirksam bekämpft werdein muß, sondern auch mit Düngung für kräftiges Wachstum zu sorgen ist. Daneben geht auch «ine sorgfältige Beobachtung, daß keine fchädlichen Insekten sich niederlassen und die Pflanzen zerstören. Auch ist zu bedenken, daß da» vom Spargel besetzt« Quartier— genau so wie die Erdbeer- beete— mir eine Ernte im Lahre gibt, während fast alle anderen Kulturen— abgesehen von dem späten Kohl— eine doppelte Ausnutzung des Bodens gestatten. * Der lange Winter und das kalte Frühjahr machen die gegen- wärttg« Situation auf dem Gemüsemarkt erklärlich; hoffentlich gibt «in warmer Sommer dem Saatgut, das sitzt der Erde anvertraut worden ist, eine gut« und reiche Entwicklung. Die Bohnen, di« im vorigen Jahre genau so wie di« Tomaten und Gurken in starkem Maße versagten, sind diesmal durch den hohen Preis des Saatgute» schon sehr belastet. Die vorjährige Mißernte hat naturgemäß die Saatbohnen rar gemacht. Preisi von<5 bis 8 M. für Buschbohnen und 12 bis 10 M. für Stangenbohnen sind enorm hoch. Man wird daher das beliebte Gericht grüne Bohnen mit Matjeshering sich nicht allzu häufig leisten können. vergessene Steinhaufen. Z« ihrem zehnjährigen„Jubiläum". Di« Erbschaft der verkrachten A E G.-S ch n e ll b a h n- Gesellschaft ist der Stadt zugefallen. Nach diesem Abschluß dachte mancher, nun werde man die seit Einstellung des Tunnelbaues in arger Unordnung zurückgelassenen Straßen- dämm« endlich wieder in den früheren Zustand bringen. Leider ist das in verschiedenen Straßen noch nicht geschehen, zum großen Verdruß der Anwohner, die nun schon seit vielen Jahren unter dieser Unordnung und der mit ihr verbundenen Unsauberkeit leiden. Ganz unbegreiflich scheint, daß in der Nachbarschaft der notdürftig wieder hergestellten Brunnenstraße immer noch die Mittel- promenad« der Stralsunder Straße mit Stein- Haufen bedeckt ist, di« vor einem Jahrzehnt dort aufgeschüttet wurden. In einer Ausdehnung von 250 Schritt lagern auf dieser Mittelpromenade in ihrer ganzen Breite und zum Teil über sie hin- aus fast bis zur Mitte der seitlichen Fahrdämme große Haufen Bruchstein« aus Granit, untermischt mit zerbrochenen Bürgersteig- Laufe der Zeit auch zu einer Unratsammel stell« entwickelt, von der den Anwohnern ein« Schädigung der Gesundheit droht, und di« den Ratten als Schlupfwinkel dient. Kein Straßen- reiniger kann diesi Schmutzstätten säubern, kein Besen kann den zwischen den Steinen in reichlicher Meng« abgelagerten Kot der Hunde und Kinder beseitigen. Schon vor zwei Iahren be- schwerten sich Bewohner der Nachbarschaft über diese Zustände in einer Eingabe. Darin wurde gesagt:„Die Steinhaufen lagern aus der Promenade seit dem Jahre 1914 und sind zu einem«kel- erregenden Rattengeheg« geworden. In der letzten Zeit haben stch die Ratten derartig vermehrt, daß sie damit beginnen, die Fenster- kreuze der umlsigenden Kellergeschäste zu zernagen und massenhaft in die Geschäft« und Wohnungen einzudringen. Außerdem wird auf diesen Steinhaufen Unrat aller Art abgelagert. Krepiert« Hunde und Katzen sind täglich zu finden. Vor einigen Wochen fand man sogar«ine menschliche Leibesfrucht im Alter von etwa sechs Monaten. Schließlich dienen die Stein« auch als Kinderspielzeug und wirken als solches äußerst gefährlich. Die Kinder werfen die Stein« auf den Sttaßendamm, und verschiedentlich sind Pferde der die Stralsunder Straß« passierenden Fuhrwerk« durch Stolpern über dies« Steine schwer zu Schaden gekommen." Die Eingabe bat dringend um schleunig« Beseitigung der Steinhaufen, aber vergeblich. Inzwischen sind weiter« zwei Jahr« dahingegangen, und die Be- wohner der Stralsunder Straße könnten sitzt das zehnjährige Jubiläum der Steinhaufen feiern. Will man ihnen nicht bei dieser Gelegenheit die Freude machen, ihnen endlich ihre Promenade zurückzugeben? Weitere Beruehmuug des verhafteten Bonzed. Der Frauenmord in der Friedrichsfelder Straße harrt immer noch der vollen Aufklärung. Es ist schwer, stch mit dem oerhasteten Franzosen in einem eingehenden Verhör auseinanderzusetzen. Er spricht türkisch, arabisch, stanzöstsch und deutsch, aber alles nur in Brocken. Ob er wirklich von keiner Sprache mehr versteht, oder ob sein Gebaren nur Berstellunq ist, weiß man noch nicht. Der Der- haftet« bleibt bei seiner Darstellung von den beiden unbekannten Männern als Mörder und zeigt auch mit großer Lebhaftigkeit, wie er von diesen geschlagen und gestoßen, und wie er unter den Tisch «krochen fei. Einmal über das andere ruft er Mohammed zum Zeugen an, daß er unschuldig sei. Aber alles das macht feine Dar- stellung keineswegs wahrscheinlich. Die beiden unbekannten Männer sind auch nicht zu finden. Niemand, außer ihm, Hot sie gesehen. Es bestärkt sich immer mehr der Verdacht, daß Bonzed mit Frau Kuschelewski de« Geldes wegen in Streit ge- raten ist und sie erwürgt hat, weil sie ihm für das Wenige, was er besaß, nicht zu Willen sein wollte. Der Deserteur wurde am 14. Mai aus dem Lager entlasten und sah stch bald, wie er behauptet, gezwungen, ein Paar Stiefel für 0 Mark zu verkaufen. Als er er- 23j Die Flüchtlinge. Roman von Johanne» Linnankoski. Aber immer kam dann Hanna mit ihren blauen, ver- ängstigten Augen und ihren krampfhaft gefalteten Händen da- zwisäsin—»seien Sie dem Vater nicht böse, er hat so viel gelitten!" Frellich, das verstand er ja und hatte es sogar gesehen. Aber der Schurke hatte noch rricht den zehnten Teil von dem gelitten, was er verdient hatte! So vergingen die Tage, ohne daß Uutela einen entfchei- denden Schritt tun konnte. Sie mieden sich gleichsam und sahen sich nie in die Augen, weder am Eßtisch noch sonst. Und wenn sie sprachen, galt es nur der gerade vorliegenden Angelegenheit oder Arbeit und beschränkte sich auf die notwendigsten Worte. Es war aus zwischen ihnen. Eins war Uutela klar— daß an Keskitalo und der ganzen Familie Rache genommen werden mußte, so erschreckend und furchtbar, wie ihr Handeln an ihm gewesen war. * Für Keskitalo waren diese Zeiten ebenso schwer, wie für Uutela.— An die Stelle der früheren Unruhe war eins still nagende Sorge getreten. Es quälte ihn, daß es noch nicht zu einer Auseinander- feßung zwischen ihnen gekommen war. Denn er hatte auf- richtig eine volle Klarstellung gewünscht, nachdem er gesehen, wie gewaltig die Sache Uutela berührte. Damals war sie unterblieben, weil er es für besser hielt, daß sich Uutela erst ein wenig beruhigte. Da es jedoch damals nicht geschehen war, war es immer geblieben. »Vielleicht versteht er ohnedies, wie alles gekommen ist," dachte er.„Und am Ende ist es auch bester für ihn, daß nicht davon gesprochen wird, weil er es selber nicht zu wünschen scheint." Aber es quälte ihn weiter. »Wenn ich nur wüßte, worüber er eigentlich brütet," jammerte er manchmal.„Wenn er nur einmal spräche— fluchte, wetterte oder gar dreinschlüge, das wäre immer noch bester!" Er lebte lange Zeit in der Hoffnung, daß Uutela selbst losbrechen und dadurch eine Auseinandersetzung herbeigeführt Verden möchte. Doch Uutela schwieg sttll, und seine eigene Last war Tag für Tag dieselbe. Daran knüpfte stch noch eine andere Sorg«: wenn Manta nur oernünstig blieb! Bei dem Zustand, in dem sie sich befand, wußte man nicht: sie konnte wohl gar ins Master gehen.„Hier sind so viele zu überwachen!" seufzte er in seinen schwersten Stunden. Zuletzt legte er, gleichsam abgestumpft, alles in Gottes Hände— zumal da sich Uutela doch beruhigt zu haben schien. ..Vielleicht ist es am besten, man läßt es gehen, wie es von selbst geht," dachte er. Uutelas Gedanken kehrten immer wieder zu der jungen Frau zurück. Diese war ihm ein Rätsel. Ostenbar war, daß sie auch selbst in ihrem gegenwärtigen Zustand furchtbar leiden mußte. Eines hätte Uutela vor allem anderen gern festgestellt. Ob ihr früheres Leben rein gewesen war. War sie erst jetzt gefallen, und welches war der äußerste Grund gewesen, daß sie eine so gräßliche Tat beging, wenn ihre Vergangenheit ehrbar wahr? Aber wie hätte er das feststellen können, wenn er die Sache nicht zur Sprache brachte? »Wenn sie wenigstens bereute und um Verzeihung bäte!" In der ersten Zeit hoffte und erwartete Uutela dies jeden Tag. Und er glaubte mitunter sogar Anzeichen dafür zu be- merken— wie wenn die Frevlerin demütiger gewesen wäre, in ihren Blicken etwas um Verzeihung Vittendes gelegen hätte— nur das erste Wort fehlte. Cr versuchte, dieses Won hervorzuzwingen— er hielt gleichsam mit den Blicken an, um es zu erwarten. Da dies aber nichts half, wollte er sie mit seinem Blick durchbohren: begreifst du nicht, was du getan hast? Doch da erfuhr er eine Ueberraschung— die Demut war wie weggewischt, aus ihren Augen sprühte ihm Trotz und Haß entgegien. »Was bedeutet dies?" fragte er sich verblüfft.„Das war nicht mehr der Blick einer Schuldigen." Und so begann er wieder nachzusinnen. »Hat sie die Natur eines Mannes, eine solche, die einem anderen nicht erlaubt, sich in ihre Angelegenheiten zu mischen? Und faßte sie diese Heirat also als Einmischung auf— und wollte es zeigen? Und zeigte es, da sie ein Weib war, auf diese sinnlose und entsetzliche Weise?" So fragte er sich. Und da begannen sich ihm die Fäden immer mehr zu verwirren. Wußte einer von ihnen, was die anderen gedacht, getan und bezweckt hatten? Oder gingen sie alle wie im Nebel, jeder seine eigenen Weae, wenn auch durch das äußere Leben zusammengehalten? Alle litten, das sah er, und die Uebersiedlung begann sich ihm jetzt als eine unge- heure Verzweiflungstat darzustellen. Das besänftigte gleichsam seine Erbitterung gegen die Keskitalos— dies, daß sie alle litten. Sie mußten miteinander reden, dachte er, da sie doch an ein gemeinschaftliches Unglück gebunden waren. Aber wer sollte beginnen? Für ihn war es unmöglich, fühlte er— die anderen, die Schuldigen, mußten den Anfang m-ch-». Es gab jedoch einen Menschen, mit dem er sprach. Er mußte gestehen, daß, wenn Hanna nicht gewesen wäre und wenn sie diese Last nicht zusammen getragen hätten, er es nicht ausgehalten hätte. Es beschämte ihn zuerst sehr, daß ihn der böse Geist da- male so besessen hatte, daß er, der alte Mann, solch Grauen- Haftes vor dem unschuldigen Mädchen geredet hatte. Wie ihm aber Hanna beim erstenmal, als sie sich danach trafen, ohne Falsch ins Gesicht blickte und gleichsam immer- fort wiederholte: dulden Sie, dulden Sie, Gott wird helfen— da dachte er: vielleicht versteht sie es. Und so entstand ein sicheres Verhältnis zwischen ihnen: das Verhältnis zwischen Vater und Tochter. Oder noch mehr: wie wenn das zarte Mädchen hätte sühnen wollen, was die anderen verbrochen hatten. Wenn sie einander begegneten, sagten sie sich jedesmal im Vorbeigehen etwas— mit den Blicken. Aus ihren Blicken verstanden sie gegenseitig alles. Am Morgen kamen sie gewöhnlich zum erstenmal an der Zentrifuge zusammen— wenn Uutela die Maschine drehte und Hanna die Milch behandelte. Das war ihr stilles Plauder- � n. sie geht es denn heute?" fragte Hanna mit ihrem blauen Blick, die Milch in die Zentrifuge gießend. „Bester," nickte Uutela, sich über die Kurbel der Maschine reckend. „Ja...?" erwiderte das Mädchen ftöhlicher. Dann letzten sie die Unterhaltung während der ganzen Zeit des Zentriftigierens fort. „Mit ihr könnte ich die Sache ins klare bringen, dachte Uutela manchmal.»Sie weiß alles und versteht olles." (Fortsetzung folgt.) griffen wurde, befaß er noch eine Mart. Frau Kuschelewfft aber verlangte zwanzig Mart und so wird es wohl zu einem Streit ge. tommen sein, der ihr das Leben toftete. Die Ermittelungen nach den beiden Unbekannten werden aber noch fortgesetzt. Angaben, die zur weiteren Klärung dienen können, nehmen nach wie vor die KriDie Angst vor dem Kinde. minalkommissare Moriß und Trettin im Polizeipräsidium entgegen. Weise Frauen“ und Aerzte als Helfer in der Not. „ Stromerzeuger U." Elektrisches Licht ohne Draht. Luftgeschäfte im wahrsten Sinne des Wortes bilden den Untercang eines Riefenprozesses, der vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte begann und für dessen Dauer zehn Tage in Aussicht genommen find, da nicht weniger als 120 3eugen und ein ganzes Heer von Sachverständigen zu vernehmen sind. Im Mittelpunkt der Anttage steht der Ingenieur Willi Unruh aus Berlin, der jedoch behauptet, daß er ein Freiherr von Unruh sei. 17 Unruh hat sich wegen zahlreicher Betrugsfälle und Urkundenfälschungen zu verantworten. Mit ihm find angeklagt der Kaufmann Frizz Wilke, der Hauptmann a. D. Kohler und der Makler Ernst Brinkmann aus Hamburg. Die umfangreiche Anklageschrift legt dem Angeklagten zur Last, zahlreiche Personen um annähernd 1 Million Goldmark tetrogen zu haben, da er sie zur Finanzierung feiner angeblichen Erfindung Stromerzeuger U" durch Täuschung veranlaßt habe. Das Wesen dieser Erfindung, deren Ertrag nach angeblichen Gutachten die gesamte Reparationsschuld Deutschlands binnen furzem tilgen könnte, soll darin bestehen, daß mit einem von dem Angeklagten erfundenen Apparat mit ganz geringen Untosten elektrische Energiemengen in beliebigen Mengen aus der Luft erzeugt werden können, so daß die Kilowattstunde in Zukunft etwa den 10 000ften Teil des bisherigen Betrags ausmachen würde. Nach Behauptung des Angeklagten soll damit eine völlige Unabhängigkeit von der Kohle erwirkt werden. Der Angeflagte hat auf Grund dieser angeblichen Erfindung Syndikate, Konzerne und Gesellschaften mit hochtönendem Namen gegründet und deren Leiturg übernommen, wobei er sich selbst Frei herr von Unruh nannte. Es sind ihm große Summen zugeflossen. Die Anklagebehörde, die von Staatsanwaltschaftsrat Schwandtte vertreten wird, steht in Anlehnung an das Gutachten der PhysikalischTechnischen Reichsanstalt auf dem Standpunkt, daß die Erfindung Schwindel sei. Die Mitangeklagten werden beschuldigt, an dem Abfatz der Anteilscheine mitgewirkt zu haben, obwohl sie die nicht eristenz der Erfindung gefannt haben sollen. Der Angeklagte befaß ein Laboratorium, in dem er feinen Geldgebern die Maschinen zeigte. Bei der Vernehmung des Angeklagten Willi Unruh ergibt fich, daß er, obwohl er sich auch Ingenieur nennt, teine tech= nische Vorbildung hat. Er will sich selbst vorgebildet haben. Nachdem seine Frau eine große Erbschaft gemacht hatte, habe er sich ein eigenes Laboratorium eingerichtet und will mit seinen Erfindungen 30 in- und ausländische Patente erworben haben. Schon 1913 habe er sich mit der Erfindung des Stromerzeugers aus Luft befaßt und Musterschutz erhalten. Bors: Worin bestand eigentlich der Wert der von Ihnen gegründeten Internationalen Elektrizitätsverwertung- Aktiengesellschaft( Jenag)? Angefl.: Ein Holländer namens Hodmarker hatte es übernommen, 15 Millionen Gulden für die Gesellschaft aufzubringen. Er ließ uns aber mit feinen Zahlungen in Stich. Bors.: Wie verschafften Sie sich nun das Geld? Angefl.: Ich ließ die Anteilscheine durch den Mit angeklagten Hauptmann Kohler verkaufen. Es famen dann die Vorgänge in Potsdam zur Sprache, wo etwa 80 Gläubiger durch den Verkauf von Anteilscheinen hineingelegt worden sein sollen. Der Angeklagte hat in Potsdam vor geladenen Gästen, vorwiegend der früheren Hofgesellschaft, über den Stromerzeuger U" Vorträge ge= halten. Der dritte Angeklagte, Hauptmann a. D. Kohler, bestritt jebe Betrugsabsicht bei dem Verkauf der Anteilscheine. Er habe den Etromerzeugungsapparat acht Stunden lang arbeiten sehen, und zwar zu einer Zeit, als in Berlin die Elektrizitätswerte streiften, so das andere Buleitung undentbar war. Dadurch habe er den Eindruck gehabt, daß es sich um eine wahre Erfindung handele, Der letzte Angefiagte, Kaufmann Brinkmann aus Hamburg, per wahrt sich ebenfalls gegen den Vorwurf des Betruges. Er habe selbst viel Geld in das Unternehmen hineingesteckt und glaube noch heute fest an die Erfindung. Nach der Vernehmung einiger Zeugen wurde die Berhandlung auf Mittwoch früh vertagt. 17 Blütenalleen im Rieselland. Die kürzlich gebildete Berliner Stadtgüter G. m. b. S., die neue Verwaltungsform der städtischen Güter, hatte am Dienstag eine Blütenfahrt nach den städtischen Rieselgütern Malchow und Blankenfelde veranstaltet. Auf den biederen Sigen ländlicher Leiterwagen fuhr man hinaus, und wo sich ein folides Ropfsteinpflaster einstellte, flog man fogar mehr cls man fuhr. Draußen aber, inmitten üppig grünender Riefelfelber, war es schön.... Jawohl, es war schön und ist schön in den Riefelfeldern. 3uzeiten, wollen wir vorsichtig hinzufügen. Manchmal riecht es zwar ein bißchen fräftig, aber feineswegs unausgesetzt. Hinter Weißensee beginnen bereits die prächtigen Obst alleen. Leider hatte der Regen einen großen Teil der Blüte abgeschlagen. Aber ganze Strecken lang fährt man unter blühenden Apfel- und Birnbäumen. In Malchow erfuhr man vom Güterdirektor Ruths, daß Groß- Berlin über ein Areal von 23 000 Heftar 92 000 preußische Morgen eigenen Landbesitz verfügt, davon 17 000 Heftar in eigener Bewirtschaftung. Davon sind wieder 8500 Hektar Rieselland. Die Stadt hält 1200 Arbeitstiere, 1500 Milchfühe, 2000 Schweine und 400 Schafe. Bon Malchom ging es nach Blankenburg, wo Stadtgüterdirektor e mpel über die ihm unterstehenden städtischen Obstbaubezirke des Nordens einschließlich einer sehr beachtenswerten Obstbaumschule interessante Mitteilungen machte. Danach meist der Bezirk über 100 000 Obstbäume auf und die Alleen haben eine Gesamtlänge von etwa 250 Kilometern. Diese Bestände fönnen bei guter Ernte bis zu 30 000 Zentner Obst erbringen. Ueber die reizende Blüten bzw. Obstfiedlung Blankenburg berichten wir an anderer Stelle. Der Befichtigung dieser wertvollen und großartigen Rieselfulturen machte ein nicht unerheblicher Rieselregen ein feuchtes Ende, womit nicht gefagt sein soll, daß dieser Abschluß nicht auch fröhlich war. * Eine Baumblüte ohne wildes Menschengetümmel und ohne Obstwein gibt es in der Kleingartenstadt Blantenburg. Während im vergangenen Jahre die Blüten durch viel Regen zum größten Teil zerstört wurden und feine gute Ernte auffam, fann man in diesem Jahr auf eine ertragreiche Ernte rechnen. Die Baumblüte der Süßkirsche war schon am Sonntag vorüber, sie hat nur eine Lebensdauer von 3 bis 4 Tagen. Aber die Blüten der fauren Kirsche und der Aepfel haben eine längere Dauer. Zwischen dem Weiß der Kirsche leuchtet milde das Rosa und das Rot des Apfelbaumes, denn schon am Blütenschmuck des Baumes erkennt man seine Pflege. Von nichts kommt nichts. Nur durch ungebrochenen Fleiß und ausdauernder Energie fann man volle Früchte ernten. Der Baum muß fachmännisch beschnitten werden. Jedes überflüssige Geäft muß beseitigt werden, damit es nicht auf Kosten der Früchte des Baumes Saft und Kraft nimmt. Der Wille des Baumes wird eben dann dem des Gärtners untergeordnet. Das Geäst braucht das nötige Licht und die notwendige Luft. Eine alte Regel sagt: ein Obstbaum ist nur dann gut beschnitten und wird nur dann Früchte fragen, wenn eine Krähe durch die Krone hindurchfliegen fann, ohne daß sie sich die Flügel beschädigt. Auch in Blankenburg fann man bewundern, was fleißige Hände geschaffen haben. Zwischen dem Genießen an diesem Ort und dem in Werder ist ein himmelweiter Unterschied. In Werder Lärmen und Zoben, Gefnatter von Motorrädern und Autos. Ueberfüllte Lokale mit weinfeligen, truntenen und schwankenden Gestalten Ganz anders in Blankenburg. Diese engärten, in denen es so still zugeht, sind nur wenigen befanni, Groß- Berlin tennt sie nicht. Daher hat man hier, abseits Der Prozeß gegen den Apotheker Heiser, der wegen Abtreibung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, hat wieder einmal das Interesse der breitesten Deffentlichkeit auf die standalösen Zustände gelenkt, die die Folgen des§ 218 sind, der die Abtreibung unter Strafe ftellt. Die Sozialdemokratische Partei hat stets auf dem Standpunkt beharrt, daß dieser Paragraph, dessen Opfer fast ausschließlich Proletarierinnen sind, aus dem Strafgesetzbuch entfernt werden muß, und im Leitartikel des gestrigen Abendblattes ist ebenfalls diese Forderung mit aller Energie erhoben worden. Die Erfahrungen der Polizei. Fragt man bei der Kriminalpolizei an, bei den Beamten, die eine jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiete haben, so erfährt man ein geradezu erschütterndes Bild von sozialer Not. Borweg sei hier bemerkt, daß Kriminalbeamte sich überhaupt nicht erinnern fönnen, daß jemals„ Gnädige Frau" oder" Fräulein Tochter" aus fogenannter guter Familie vor ihren Schranken erschienen sind, um fich wegen einer Abtreibung zu verantworten. Es sind ausschließlich Arbeiterfrauen, die die soziale Not und das Elend ihrer fümmerlichen Eriffenz dazu gezwungen haben, den unerlaubten Eingriff vornehmen zu laffen, oder Hausmädchen, die es tun, weil sie fürchten, Stellung und Brot zu verlieren. Ein Beispiel für viele: Der Revierförster von Strausberg bemerkte vor einiger Zeit, als er auf dem nächtlichen Patrouillengang durch den Wald ging, einen Mann, der etwas zu vergraben versuchte. Auf die Frage des Försters, was er dort treibe, erklärte er:„ Ich vergrabe die Frucht meiner Frau." Als diese Frau nun infolge der Anzeige des Försters vor der Kriminalpolizei erschien, sahen die Beamten eine vollständig von Arbeit und Elend ausgemergelte Frau vor sich, die ganz ruhig zugab: Jawohl, ich habe es getan. Wir haben bereits acht Kinder, und es ist eine Unmöglichkeit, diese Familie, die mir heute schon nicht mehr ernähren fönnen, noch weiter zu vermehren." Die Frau wurde allerdings vom Gericht milde bestraft und erhielt die Bes währungsfrist zugebilligt. Nach der Ansicht der Kriminalpolizei werden in Berlin täglich 12 bis 20 Todesfälle durch Abtreibung festwerden in Berlin täglich 12 bis 20 Todesfälle durch Abtreibung festgestellt. Dabei ist aber zu bemerken, daß diese Zahl sicher zu niedrig ist, weil längst nicht alle Fälle zur Kenntnis der Kriminalpolizei ist, weil längst nicht alle Fälle zur Kenntnis der Kriminalpolizei fommen. Eine geradezu verheerende Rolle spielen bei diesem Delift die sogenannten weisen Frauen und weisen Männer. Da sie stets den Besuch der Kriminalpolizei fürchten müssen, sind sie darauf bedacht, ihr Handwertszeug an einem möglichst unauffälligen Ort zu verbergen. Kriminalbeamte haben nicht selten jene Instrumente in entfehlich beschmuktem Zustand im Abort gefunden, mit denen noch furz vorher der Eingriff an einem unglücklichen Opfer vollzogen turz vorher der Eingriff an einem unglücklichen Opfer vollzogen worden war. Neben diesen Kurpfuschern werden nun aber Abtreibungen auch von den Aerzten vorgenommen. Hierbei muß man unterscheiden zwischen dem Hausarzt, der in den reichen Familien die Operation vornimmt, hohes Honorar dafür erhält, wobei denn fast niemals durch die Schweigsamteit der beteiligten Personen etwas zur Kenntnis der Behörde und der Staatsanwaltschaft kommt. Ein Freund des Volkes. Daneben gibt es Aerzte, die in außerordentlich zahlreichen Fällen die Abtreibung vornehmen und die in der Hauptsache von der menschenfreundlichen Absicht geleitet werden, Verführte und arme Frauen vor noch größerem Elend zu bewahren. So hat vor mehreren Jahren in der Wilhelmstraße ein Arzt Dr. Burchardt gelebt, der mindestens 30 bis 40 Abtreibungen den Tag vorgenommen hat. Er wurde in der Nachbarschaft allgemein ein Freund des Volkes genannt. Trogdem er wiederholt vor der Kriminalpolizei erschien, fonnte niemals gegen ihn vorgegangen oder gegen ihn ein Prozeß eröffnet werden. Die niedrigen Preise, die er nahm-er begnügte sich mit einem Honorar von 10 oder 20 Mart ließen den Berdacht, daß er sich gegen den§ 218 vergangen habe, start abschwächen. Die vernommenen Zeuginnen fonnten Belastendes gegen ihn auch nicht aussagen, meil er in den meisten Fällen ihnen erklärt von allem Jubel und Trubel, in der stillen Einsamkeit ein föftliches Genießen. Weit erstreckt sich der weite, weiße Blütenzauber, und darüber wehen die Farben Schwarz- Rot- Gold. Der Magistratsabbau. Die Bürgerlichen gegen Pauljen als Stadtschulrat. Im Abbauausschuß der Berliner Stadtverord netenversammlung hat gestern endlich die bürgerliche Mehr heit das Unsinnige ihrer Magistratsabbaubeschlüsse der ersten Lesung eingesehen. Statt des Magiftratsabbaues auf acht befoldete mit glieder wurde nunmehr ein Abbau auf wenigstens 11 vorgeschlagen, so daß zusammen mit den 12 Unbefoldeten der Magistrat aus 23 Mitgliedern bestände. Die sozialdemokratischen Vertreter hielten auch bei dieser Zusammensetzung, die auf nur drei bemessene Zahl der Nichtfach stadträte noch für zu gering, die bürgerliche Mehrheit setzte aber ihren Willen durch. Aufrechterhalten sind nunmehr außer den bereits beschlossenen Stellen noch die des Ver. fehrsstadtrats und des Stadtmedizinalrats. Mit allen bürgerlichen Stimmen wurde sodann gegen den lebhaften und energischen Widerspruch der Sozialdemokratie aus sehr durchsichtigen politischen Gründen beschlossen, die Person des Stadtschulrats Paulsen abzubauen. Um den Schein einer finanziellen Erleichte rung aufrechtzuerhalten, will man die Stelle des Stadtschulrats vorläufig nicht neu besetzen. Die Brutalität, mit der gegen Paulsen vorgegangen wird, ist wohl nicht mehr zu überbieten. leber diese Frage wie über den gesamten Fragenkompler wird das Plenum die legte Entscheidung zu treffen haben. Jugendherbergswoche. Die vom Zweigausschuß Mart Brandenburg des Berwoche ist im vollen Gange. Schon am vergangenen Sonntag sah bandes für Jugendherbergen veranstaltete Jugenherbergs man die Jugend bei eifriger Werbearbeit, meist in Verbindung mit gefälligen Darbietungen in Gesang und Volkstanz. Ueberall fand man gebefreudige Leute. Es scheint endlich weiteren Streifen zum Bewußtsein gekommen zu sein, daß die Wanderer- und HerbergsDas Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 21. Mai. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4 Uhr: Jugendvortrag des Herrn Paul Berckenhoff, Vorsitzender des deutsch- österreichischen Alpenvereins, Sektion Berlin: Wie man wandern soll". 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unter haltungsmusik). 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Geheimrats Prof. Dr. Kirchner: ,, Tuberkulose". 8.30 Uhr: 1. Ouvertüre zur Operette Die schöne Galathée", von Suppé( Fritz Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 2. Heiteres von Wilhelm Busch und Hans Brennert( Emil Kühne). 3. a) Siehst du die Sonne", von Schmalstich, b) ,, Schlichte Weisen", von Rich. Strauß( Charlotte Lindemann von der Staatsoper). 4. a) Was uns die Erlen am Bache erzählen", von Schartel, b) ,, Die Libelle", von Schartel( Fritz Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 5. Fröhliche Lieder zur Laute( Emil Kühne). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. 11 Die Opfer des§ 218. | hatte, daß sie sich nicht im Zustand der Schwangerschaft befänden. Ein anderer, sehr viel frasserer Fall liegt vor bei jenem Arzt aus der Augsburger Straße, der bereits seit 1% Jahren in Untersuchungshaft fikt. Er hatte fich mit Hebammen in Verbindung gesetzt und sie mädchen zuzuschicken. Dieser Arzt betrieb die Abtreibung in größtem aufgefordert, ihn gegen entsprechende Belohnung Frauen und Stile gewerbsmäßig und der Betrieb war so groß und gleichzeitig so efelerregend, daß die Hausbewohner einschritten und Anzeige erstatteten. Es tam nicht selten vor, daß die Patientinnen, die von diesem Arzt tamen, auf der Treppe des Hauses zusammenbrachen. Dieser Vertreter der Wissenschaft" fcheute sich auch nicht, wenn eine feiner Patientinnen nicht genügend Geld besaß, Wäsche, Kleidungsstüde und Schuhwert als Bezahlung anzunehmen. Im allgemeinen wird es aber außerordentlich schwerhalten, den Arzt zu überführen, daß er gegen den§ 218 verstoßen habe. Kriminalbeamte, die jahr aus jahrein auf diesem Gebiete gearbeitet und also gewiß die reichste Erfahrung haben, sind durchaus der Ansicht, daß der§ 218 aufgehoben werden müsse. Aber auch Männer der Wissenschaft, Gy. näkologen von Ruf, find feinen Augenblick darüber im Zweifel, daß der§ 218 von den schädlichsten Wirkungen am Volkswohl und der Volksgesundheit begleitet ist. " Professor Dr. Duehessen erflärte unserem Mitarbeiter etwa folgendes: Der§ 218 des Strafgesetzbuches verfehlt vollkommen feinen Zwed und muß lieber heute, denn morgen aufgehoben werden. Nach der Statistik hat die Zahl der Abtreibungen in Deutschland ständig zugenommen. Sie beträgt im Durchschnitt jährlich 300 000. Gefaßt werden aber höchstens 300. Demgegenüber ist durchaus zu begrüßen jene Maßregel, die Ruß land ergriffen hat. In Rußland ist es gestattet, daß der Bezirksoder der Kreisarzt die Abtreibung vornimmt, wo es aus sozialen Gründen notwendig erscheint. Anstatt einer vernünftigen Ratio= nierung der Geburten belegen wir eine solche Absicht mit Strafe, während wir auf der anderen Seite Säuglingsfürsorge und andere hygienische Maßnahmen abbauen. Es mag sein, daß die Gerichte in Berlin im allgemeinen die Strafttat aus§ 218 milde ansehen und milde beurteilen. Man soll sich aber nicht darüber täuschen, daß das Bild in der Kleinstadt ein wesentlich anderes ist. Unter dem Druck der moralischen Entrüstung urteilt der Richter hier viel schärfer und Verurteilungen zu Zuchthaus wegen Berstoß gegen§ 218 tommen nicht selten vor. Man dente aber nur einmal daran, was daraus werden würde, wenn die Gerichte die Praxis des Reichsgerichts befolgen würden. Der § 218 bestraft bekanntlich auch jeden Versuch der Abtreibung, so daß alfo z. B. eine Frau, die nur ein Fußhad genommen hat, in der Heffnung, auf diese Weise von ihrem Zustand befreit zu werden, ins Zuchthaus wandern müßte. Man könnte also getrost sagen, daß nach dieser Bragis die Mehrzahl der deutschen Frauen in die Zuchthäuser und Gefängnisse fäme. In meinem 1898 erschienenen Buch Die Einschränkung des Bauchschnittes" bin ich mit aller Energie für eine vernünftige Rafionierung der Geburten eingetreten. Aller dings gibt es auch heute noch Aerzte, die sich aus moralischen oder politischen oder weiß ich, welchen Motiven, die taum verständlich find, für die Beibehaltung des§ 218 aussprechen. Ich habe aber trotzdem die Hoffnung, daß die Reichsregierung und die gefeßgeben. den Körperschaften in Deutschland eines Tages einsehen müffen, daß der§ 218 gestrichen werden muß. Ich weiß auf jeden Fall, daß, wenn der§ 218 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen wird, allen jenen weisen Frauen ihr gefährliches Handwerk mit einem Schlage gelegt wird. Der in aller Ruhe und aber, der dann nicht mehr strafbar ist, fann mit Sachverständnis die Operation vornehmen, chne daß die Betreffende an der Gesundheit geschädigt wird. Das sind alles gewichtige Tatsachen und wuchtige Beweise für die Abschaffung des§ 218. Wie lange wird man noch zögern, ins Wert zu sehen, was längst im Interesse des Gemeinwohls hätte geschehen müssen. fache ein Stück ernster Arbeit zur Volfserneuerung bedeutet. Noch schmachten Tausende von jungen Menschenfindern in seelischer und leiblicher Not, sie harren der Erlösung. Die Wanderbewegung hat mit elementarer Gewalt sich Bahn gebrochen. Es gilt sie aufzufangen und in gesunde Bahnen zu leiten. Daher müssen noch überall Jugendherbergen entstehen, vorhandene erweitert werden. Es ist überall Gelegenheit, sich von den Herbergsbesuchern ein Bild zu machen. Man wird finden, daß fie des öffentlichen Wohlwollens würdig find. Je mehr man ihnen die Wege ebnet, desto mehr werden wir die Großstadtjugend hinausführen fönnen. Gerade für sie sind die Jugenherbergen bitter nötig. Also gebt alle, fauft Bostkarten und Strohhalme( zum Nestbau der Jugendherbergen) und werdet Freunde und Mitalieder unserer quten Sache. ( Hauptauskunftsstelle des Jugendamtes, Berlin C 2, Poftstr. Nr. 16.) Betriebserweiterungen bei der Straßenbahn. Ab 24. Mai nimmt die Straßenbahn folgende Betriebserweite rungen vor: Die Linie 123, Anhalter Bahnhof- Buchholz, wird eingezogen. Dafür wird auf der Linie 23, Anhalter Rosenthal, ein 15- minutenbetrieb statt bisher 30- MinutenverBahnhof- Niederschönhausen Platanenstr. bzw. fehr bis Platanenstr. und 30- Minutenbetrieb ftatt bisher Stun denverkehr nach und von Rosenthal eingerichtet. Eine nege Linie, und zwar Nr. 24, Buchholz- Schöneberg, Gotenstr. Ede Torgauer Straße, wird eingerichtet und verfehrt über Bantaw, Breite Straße, Wollantftraße, Prinzenallee, Badstr., Brunnenstr., Invalidenstr., Dorotheenstr., Brandenburger Tor, Budapester Str., Potsdamer Platz, Potsdamer Str., Schöneberg, Hauptstr., Kaiser- Wilhelm- Play, Ro lonnenstr., Bahnhof Schöneberg, Sedanstr., Leuthenstr., Gotenstr. bis Torgauer Straße. Die Linien 45, Stegliz, Birkbuschstr.- Niederihren nördlichen Endstrecken ausgetauscht, die Linie 199 wird also schönhausen, und 199, Mariendorf Pantow, Kirche, werden in nach Niederschönhausen, die Linie 45 nach Pantom geführt unter gleichzeitiger Berlängerung von Pankow, Kirche, bis zur Mendel. ftraße. Die Linie 56, Eperzierstr. Ede Badstr.- Wilmersdorf, Kaiserplay, wird im Norden bis zum Stettiner Bahnhof zurückgezogen( Ersatz durch die neue Linie 24) und im Süden über den Kaiserplay hinaus durch die Kaiferallee und Schloßstr. bis zum Bahnhof Steglig verlängert. Gleichzeitig wird die Linie vom Kriminalgericht durch die Straße Alt- Moabit zur Stromstr. geführt, statt durch die Rathenower Str., Turmftr. Stromstr. Die Linie 65, 3entralviehhof- Schöneberg, Mühlenstr., wird über Hauptstr., Rheinftraße, Saarstr., Beckerstr., Rubensstr. bis zum Augufte Bittoria Kranfenhaus verlängert. Die neue Linie 25, Ofener Str. Ede Müllerstr.- Tempelhof, Raiserin= Augusta Str., verfehrt über Müllerstr., Chauffecfstr., Oranien. burger Tor, Friedrichstr., Karlstr., Luisenstr., Neue Wilhelmstr., Dorotheenstr., Brandenburger Tor, Budapester Str., Potsdamer Blag, Königgräger Str.( Potsdamer Bahnhof, Anhalter Bahnhof), Hallesches Tor, Belle- Alliance- Str., Tempelhof, Berliner Str. bis Kaiferin- Augusta- Str. Für Kriegsbeschädigte bestehen in den Bädern des besetzten G biets Unterbringungs- und Kurmöglichkeiten des Reichs in Wicsbaden. Kreuznach, Neuenahr, Aachen- Burtscheid. Falkenstein im Taunus Taunus Zuständig für Auskünfte usw. ist die Kriegsbeschädigten fürsorge. Die Kuppelzentrale. Bilder von der Nachtseite der Weltstadt. In die Nachtseiten des Großstadtlebens leuchtete wieder einmal eine Verhandlung hinein. die vor der Berufungskammer des Landgerichts I gegen eine Frau Luise Hoffmann zur Berhandlung fam. Die Angeflagte war der gewerbsmäßigen Ruppelei beschuldigt. Die Wohnung der Angeflagten bildete eine Ruppelbörse Dort hielten fich ständig eine Anzahl junger Mädchen auf und wurden von der Angeklagten nach Kuppelquartieren auf telephonischen Anruf verschickt. Die Angeflagte war die Vermittlerin für einen ganzen Konzern von 20 bis 30 Kupplerinnen. Berlangt wurden stets Mädchen unter 15 Jahren. Das Schöffengericht hatte gegen die Angeklagte eine schwere Strafe verhängt, indem es sie zu einem Jahr Gefängnis sowie 1000 Mart Geldstra verurteilte und ihr auch die bürgerlichen Ehrenrechte für 5 Jahre aberkannte und sie auf dieselbe Zeitdauer unter polizeiliche Aufsicht stellte. Gegen dieses Urteil hatte Rechtsanwalt Dr. S. EisenStädt Berufung eingelegt. Die Verhandlung ergab, daß bei der Angeflagten dauernd das Telephon in Bewegung gesetzt wurde und daß von allen Seiten aus den Kuppelquartieren die Lieferung" von jungen Mädchen unter 15 Jahren verlangt wurde. Die Angeflagte fonnte aber zu ihrem Glück nachweisen, daß sämtliche Mädchen, die sich bei ihr aufhielten, älter waren. Wie Kriminalkommissar Kunze II bekundete, wurden diese jungen Damen in raffiniertester Weise als Jugendliche zurechtgemacht. Mit furzen Backfischkleidchen wurden felbst Mädchen im Alter von 21 bis 22 Jahren den Wüstlingen in den Kuppelquartieren als Kinder von 15 Jahren vorgeführt. Wäh rend der Schöffenrichter angenommen hatte, daß die Angeklagte die Mädchen in maßloleiter Weise ausgebeatet hätte, indem sie ihnen den größten Teil des Sündengeldes für Kleider und Effen und andere Auslagen abnahm, so daß die Mädchen stets in Schulden bei ihr waren, konnte der Berteidiger nachweisen, daß die Angeklagte immer nur ein Drittel des Erlöses für sich verwendet hatte. Infolgedessen fah sich Landgerichtsdirektor Regen veranlaßt, die Strafe auf 4 Monate Gefängnis unter Fortfall der vom Schöffengericht erkannten Geld- und Nebenstrafen herabzusehen. Wir und Deutschösterreich. Die Zeitschrift Desterreich- Deutschland" teilt unter der gut mütigen Ueberschrift St. Bureaufratius" folgende zwei Tatsachen mit, über deren erste wenigstens man auch noch anders urteilen önnte: Eine Desterreicherin in Berlin erhält von Verwandten aus dem Auslande Liebesgaben. Die Ausfolgung der Bakete wird ihr vom Zollamt Köthener Straße verweigert, da sie den perlangten hohen Zoll nicht bezahlen fann. Der Einwand, Lie besgaben seien 3ollfrei, wird mit dem Bemerken abge wiesen: 2 ber nur für Inländer!" Nebenbei ist die Frau geborene Berlinerin und Desterreicherin erst durch Verheiratung. * Die Berliner Polizei veranstaltete kürzlich Mannschafts. bortämpfe und hatte eine Wiener Polizeimannschaft als Gast. Deshalb nannte sie das Treffen: Internationaler" Bolizeiborkampf!!! " Der gleichen Zeitschrift entnehmen wir, daß an Berliner höheren Schulen von Deutschösterreichern das fünffache Ausländer. chulgeld erhoben wird, das jetzt nach der Einführung der hochvalutarischen Rentenmart überhaupt feinen anderen Sinn mehr als den der bloßen Gehässigkeit gegen Fremde hat. Wie reimt es sich mit dem Nationalismus so vieler unserer Schulregenten zufammen, daß man auch die Deutschösterreicher so behandelt? Die Gründung der Berliner Flughafen- Gesellschaft m. b. H., der der Ausbau und der Betrieb des Flughafens Tempelhofer Feld sowie mcitere Buftverkehrseinrichtungen in Berlin obliegen, ist jetzt erfolgt. Bum Borsitzenden des Aufsichtsrats wurde Stadtbaurot Dr.- Ing. Adler gewählt, zum Stellvertreter der bisherige Vorsitzende des Hauptausschuffes im Reichstage, Reichstagsabgeordneter und Stadtverordneter Heimann. Dem Aufsichtsrat gehören ferner an Stadtrat Wuffy sowie die Stadtverordneten Grana ß, MüllerFranken und Reuter. Außerdem steht noch die Zuwahl von drei Sachverständigen des Luftfahrwesens bevor. Um feinen letzten Anzug beffohlen wurde ein Schriftsteller in einem hiesigen Pensionat. Der Dieb ist ein besonders breifter Bursche, der in der letzten Zeit die Pensionen im Westen der Stadt beunruhigt. Er spiegelt vor, als Bekannter eines Gafies auf diesen warten zu wollen oder dringt auch ohne weiteres mit Nachschlüsseln ein und stiehlt fast nur Herrenkleider. So stahl er auch dem Schriftsteller den letzten Anzug, den dieser außer dem Anzug, den er cerade auf dem Leibe trug, noch besaß. Mitteilungen nimmt Kriminalkommiffar Gennat im Polizeipräsidium entgegen. Preußens Dank an Hannover. Wiederbeginn der Landtagssitzungen. Der Landtag trat gestern wieder zusammen. Präsident| eine neue Feftfehung der Gebühren der Kreisärzte und Chemifer. Leinert eröffnet die Sigung und gedenkt unter dem Beifall des Ausführungsbestimmungen zum Jugendwohlfahrtsgefeß. Anpassung Hauses des Ergebnisses der Bora bstimmung in Hannover, der Geldfäße der Breußischen Jagdordnung an gewisse Säße im deren Ausfall eine Endabstimmung erübrigt.( Wiederholter Beifall) Reich, Ausdehnung des Gejches über die Bekämpfung übertragbarer Damit ist, so fährt der Präsident fort, in den ersten Anfängen eine Krankheiten auf die epidemische Kinderlähmung und Erstreckung der Bewegung zum Stillstand gekommen, aus der dem deutschen Volke Bestimmungen über die Ermittlungen bei Berdacht der Erkran unabsehbare Schwierigkeiten entstehen konnten, ja aus der der Be fungen auch auf die übertragbare Genicstarre. Hierbei sindet der stand des Deutschen Reiches überhaupt in Frage ge- Antrag Annahme, das Staatsministerium zu ersuchen, nach Möglichstellt werden konnte. feit alle geeigneten Maßnahmen zu unterstüßen, welche die Pflege Mit Bedauern müssen wir feststellen, daß der bayerische Innen- und Förderung förperlich start gefährdeter und fran minister diese separatistischen Bestrebungen in Hannover unterfer Kinder zum Ziele haben. Der Ausschußberatung wurde eine flühte.( hört, hört!) Welche Entrüstung würde in Bayern fich Reihe kleinerer Entwürfe überwiesen. erheben, wenn preußische Minister Separationen gegen Bayern unterstützten! Besonders zu bedauern ist, daß die Abstimmung vor sich ging in einer Zeit, in der im Westen unsere Schwestern und Brüder unter maßlosen Unterdrüdungen leiden.( Burufe bei den Rommunisten.) Allen Verlodungen und allem Terror zum Trozz haben sie mit Einsehung von Leib und Leben standgehalten. Des. halb banten wir den Männern und Frauen des be fetten Gebietes.( Erneuter Lärm bei den Kommunisten. Zuruf: Bergarbeiter!) Ich hoffe, daß der 18. Ma i für die bejezten Gebiete ein Tag der Aufrichtung sein möge, ein Gedenktag für die Zusammengehörigkeit deutscher und preußischer Gebietsteile." Das Versprechen der Treue den Bewohnern des besetzten Gebietes gegen über wird nicht ein leeres Wort bleiben. Mögen sich die Kräfte der Abwehr der Zersplitterungsbestrebungen derart träftigen, daß der Aufbau gefördert, daß die Geschlossenheit des deut schen Voltes gesichert wird und bleibt.( Lebhafter, anhaltender Beifall. Erneuter Lärm bei den Kommunisten.) Präsident Leinert teilt weiter mit: Der Abg. Kaz( Romm.) hat infolge feiner Wahl in den Reichstag sein Landtagsmandat niedergelegt.( Bewegung und Heiterfeit rechts.) Der Abg. Schul 3Neutöln( Romm.) ist vom Wahlprüfungsgericht feines Mandats für den 9. Wahlkreis( Bommern) für verlustig erflärt worden.( Große Bewegung im Hause, Heiterkeit und Beifall rechts, in der Mitte und lints; Ruf bei den Kommunisten: Schiebung, Schwindel!) Auf die Tagesordnung wollen die Kommunisten zunächst einen von ihnen eingebrachten Dringlichkeitsantrag gefekt haben, der sich mit der Tyrannei der Bergherren beschäftigt und das Staatsministerium beauftragen will, sofort der Bergarbeiteraussperrung unter Aufrechterhaltung des Sieben- bzw. Achtstundentages ein Ende zu machen. Das Haus weist das Berlangen der Kommunisten ab. Abg. Kilian( Komm.) fordert hierauf die sofortige Aussprache über die Standale vom 11. Mai in Halle. Abg. Heilmann( Soz): Im Aeltestenrat hat Dr. Mener sich damit einverstanden erflärt, daß die kommunistischen Anträge morgen verhandelt werden. Die Geschäftsordnungsdebatte wird geschlossen, der Antrag Kilian stößt auf genügenden Widerspruch. Ohne wesentliche Aussprache wird eine Reihe von Bor= lagen der Ausschußberatung überwiesen; fie betreffen insbesondere der über Basel und Romanshorn in die Schweiz eingereift, wo sie bei Schweizer Familien Freistellen für einen achtwöchigen Erholungsurlaub erhalten haben. Der nächste Kindertransport wird poraussichtlich am 26. Mai in der Schweiz eintreffen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Kreismitgliederversammlungen heute, Mittwoch, den 21. Mai, abends 7% Uhr: Verabschiedet wird die Borlage, die die Zuständigkeit des Elbschiffahrtsgerichtes festlegt. Das Haus geht über zur Beratung des Urantrages Windler ( Dnat.) auf Hebung der Kreditnot der Landwirtschaft. Der Ausschuß hat dazu beantragt, auf die Reichsregierung dahin zu wirken, daß a) die Reichsbant nach der erfolgten Gründung der Golddiskon! bant die freiwerdenden Rentenmarkkredite de: Landwirtschaft in erweitertem Umfange zuführt, b) in Zukunft die landwirtschaftlichen Kredite der Breußischen Zentralgenossenschaftstaffe in einer 3inshöhe zur Verfügung gestellt werden, so daß diese einen billigen, jedenfalls aber feinen höheren Zinssatz als die Reichsbank gegenüber ihren industriellen Kreditnehmern zu erheben braucht, c) der der Landwirtschaft zustehende Anteil von 600 Millio nen Rentenmartfredit poll der ausübenden Landwirtschaft und nicht der landwirtschaftlichen Industrie schleunigst zugeführt wird, d) allen Landwirten die Kredite zu denselben Zinssätzen gegeben werden, e) die Ausgleichung der Preisdifferenz zwischen Betriebsmitteln und landwirtschaftlichen Produkten durch unverzügliche Herstellung der freien irtschaft gefördert mird, f) das Reichsverfehrsministerium die Frachten für landwirtschaftliche Erzeugnisse herabjekt und das System der Frachten stundung auch für die Landwirtschaft mehr als bisher ausbaut. Ferner wird in dem Ausschußantrag ein Gesetzentwurf gefordert über eine weitere Erhöhung des Kapitals der Preußischen Zentralgenossenschafts= faffe. Schließlich soll auf die Genossenschaft eingewirft werden, daß sie dur chReorganisation den fürzesten Weg vom Kreditgeber zum Kreditnehmer schafft. Nachdem Abg. von Vapen( 3) eingehend über die Ausschußberatungen berichtet, auf die großen Schwierigkeiten der Kreditbeschaffung hingewiesen und die lebenswichtigen Aufgaben der Landwirtschaft dargelegt hatte, vertagt sich das Haus auf Mittwoch 12 Uhr. Interpellationen, insbesondere über die Beraänge in Halle, Verbote von Umzügen. Kleinere Gegenstände und Weiterberatung über die Kreditnot der Landwirtschaft. Schluß 6 Uhr 15 Minuten. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Es müssen unbedingt die Sarten zur Sonnen. wendfeier abgeholt werden. Heute, Mittwoch, den 21. Mai. abends 7% Uhr: Friedrichsfelde. Berliner Str. 45 Ede Echloßftr. Diskussion: Geistige und förnerl. Bildung."- Karom. Bankarafenftr. bei Klir. Bortrag:„ Erdbeben und Bultane." Lankwik. Schulstr. Forsschung der Mitgliederversammlung. Ren- Lichtenberg. Jadh. Marktstr. 12. Vortrag: Juaend und Bartei. Lichtenberg- Milte. Jgdh. Doffeftr. 22. Bortrag: Bursche und Mädel in de Jugendbewegung. Riederschöneweide. Schule Berliner Str. 31. Vortrag: ,, Das Wesen der Homosexualität." Often F.-B. Sadh. Frankfurter Str. 16. Mitgliederversammlung. Often B.-B. Echule Tilsiter Str. 4. Borirag: ,, Schundliteratur und Rino." Tempelhof. Lnzeum Germaniaftr. 4/6. Vortrag: Der Stammbaum des Menschen" IV. Webbing. Kath. Schule Ruhe1. Kreis mitte: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Referent: plasstr. Ede Antonſtr. Bortrag:„ Ehlit." Gen. Otto Meier, M. d. C. 3. Kreis Wedding: Behenhofer- Ausschant, Chauffeestraße 64. Referent: Gen. Stampfer, M. d. R. 3. Kreis Wedding: Pazenhofer- Ausschant, Chauffeestraße 64. Refe. rentin: Klara Bohm- Schuch, M. d. R. 8. Kreis Spandau: Konfordiafäle, Klosterstraße 13-15. Referent: Gen. Crifpien, M. d. R. 14. Kreis Neuföln: Aula Boddinftraße 33-41. Referent: Gen. Karl Dreffel. 17. Kreis Lichtenberg: Aula Knabenmittelschule, Marktstraße. Referent: Gen. Aufhäuser, M. d. R. 19. Kreis Pantom: Türkisches Zelt, Breite Straße 14. Referent: Gen. Kari Cifte. Tagesordnung in allen Bersammlungen: Die Aufgaben des neuen Reichstages und die Stellung der Partei zu allen wichtigen außenund innenpolitischen Fragen der Gegenwart. Der Verband der Deutschen Landkreise tritt in dieser Woche zu feiner diesjährigen Hauptversammlung in Bamberg zusammen. Die Bertreter aller preußischen, hessischen, thüringischen, braunschweigischen usw. Landfreise, der bayerischen und fächsischen Bezirke, der württembergischen Amtskörperschaften und der mecklenburgischen und oldenburgischen Aemter, also Bertreter der ländlichen Seibstver paltungen aller deutschen Länder werden unter anderem über zeitgemäße Berwaltungsfragen, insbesondere das allgemein sehr Brennende Kreditbedürfnis sowie über die Gestal. tung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Län 7 Uhr, im Lehrervereinshaus, Proteftfundgebung gegen den Abbau bes dern, Gemeindeverbänden und Gemeinden verhandeln. Vertreter der Reichs- und bayerischen Zentralbehörden nehmen an der Tagung teil. Ueber das Ergebnis wird später be richtet werden Eine öffentliche Protestfundgebung gegen den Abbau des OberStadtichulrates Paulsen veranstaltet die Berliner Schulnotgemeinschaft am Donnerstag, den 22. Mai, abends 7% Uhr im großen Saal des Lehrervereinshauses, Alexanderplatz. Freie Hochschule. Am Donnerstag, den 22. Moi, 1, 8 Uhr abends, in der Aula der Sopbienschule, Beinmeisterstr. 17: 8mei- Gegnerabend. Thema: Verbrechen und Strafe". Es werden sprechen: Ein Landgerichtsrat und Strafrichter am Kriminalgericht Moabit über Bedeutung und Not wendigkeit der Straje" und Dr. med. Rud. Bußmann über„ Notwendigkeit der Abschaffung der Strafe". Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Für Sonnabend, den 24., Sonntag, den 25. und Montag, den 26. Mat, find noch Karten für das Deutsch e Opernhaus im Bureau des Bezirksbildungsausschusses zu haben. Zum Becker- Krach. Gegen den bisherigen Generalsekretär des Stahlwerts Beder A.-G. in Willich, Heuer, wurde, wie die Kölnische Volkszeitung" meldet, sowohl seitens des Stahlmerfs Becker, als auch von der dieser Gesellschaft nahestehenden industriellen BankGesellschaft G. m. b. H., Düsseldorf, Anzeige wegen Betruges und ähnlicher Vergehen erhoben. Heuer wird beschuldigt, Gelder, die beiden Gesellschaften gehören und über die er im Interesse diefer beiden Gesellschaften verfügen sollte, für Privatzwede in bedeutendem Umfange verwandt zu haben. Danzig von der Ausreisegebühr befreit. Das Reichsfinanzminifterium hat genehmigt, daß Reisen nach dem Gebiet der Freien Stadt Danzig von der Ausreisegebühr befreit werden. Die Landesfinanzämter haben entsprechende Anweisung erhalten, den Unbedenklichfeitsvermerk durch einen Zusatz über die Gebührenfreiheit für Reisen nach der Freien Stadt Danzig zu versehen. Flugzeugunglüd. Nach einer Meldung der„ Kattomizer Zeitung" aus Grqudenz ist dort wieder ein Flugzeug abgestürzt und ver= brannt. Der Pilot fam ums Leben. S00 deutsche Kinder in der Schweiz. Am Donnerstag und Freitag find insgesamt 900 unterernährte beutsche Rin Sozialdemokratische Elternbeiräte! Donnerstag, den 22 Mai, abends Oberstadtschulrates. Werbt für die Veranstaltung. Niemand darf fehlen! Die Obleute müffen bereits um 6% Uhr erscheinen! 2. Kreis Tiergarten. Morgen, Donnerstag, 7½ Uhr, Arcismitgliederverfammlung in den Arminiushallen, Bremer Str. 78. 6. Kreis Kreuzberg. Die Mitglieder des erweiterten Borstandes treffen fich Freitag, 6% Uhr, bei Rabe, Fichteftr. Sigung der Abteilungsmieter. obiente zusammen mit bem erweiterten Kreisvorstand an Freitag, den 23. Mai, abends 6% Uhr, bei Rabe, Fichteftr.( vor ber Rreismitglieder. perfammlung). Jede Abteilung muß unbedingt vertreten fein. 14. Areis Neukölln, Alle Genossen, die zur Landagitation als Flugblatt. verbreiter oder als Referent tätig waren und auch in Zukunft in der Lanbagitation mitzuwirken gedenken, treffen sich Donnerstag, 22. Mai, abends 7½ Uhr, bei Schittler, Donauftr. Ede Weichselstr. zu einer wichtigen Aussprache. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, den 22. Mai, 7 Uhr, bei Seipfe, Kron. prinzenstr. 47, wichtige Susammenkunft aller Ordner, auch die auswärtigen Abteilungen find zur Teilnahme verpflichtet. 19. Kreis Pantow. Donnerstag, Beamtenarbeitsgemeinschaft der BSBD. den 22. Mai, 7% Uhr, Jugendheim Pankow, Breite Str. 32, Versammlung. Referent: Oberinspektor Biermann. Parteigenössische Beamte erscheint zahlreich. 49. Abt. Heute, Mittwoch, den 21. mai: 7. Abt. Seute abend besuchen alle Genoffen die KreismitgliederversammLung in den Musikerfälen, Raifer- Wilhelm- Straße. Schwerhörigengruppe. Pünktlich 7 Uhr im Jugendheim Lindenftraße 3, 2. Sof, 3 Tr. Wichtige Tagesordnung. bt. Niederschöneweide. 7½ Uhr, Lofal Thiele, Berliner tSr. 38. Sigung 104. des Borstandes mit den Elternbeiräten. Morgen, Donnerstag, den 22. Mai: 31. Abt. 7 Uhr, Schulaula Gleimftr. 49. RonsumgenossenschaftsversammTung der 44., 67., 82. und 126 Verkaufsstelle. Begen der wichtigen Tages. ordnung ist es Pflicht jedes Parteigenoffen der Konsumgenoffenjajaft zu erscheinen. Legitimation: Einkaufstarte. 78. Abt. Schöneberg. Abteilungsvorstand und Bezirksführer treffen sich zu einer sehr wichtigen Besprechung vor der Kreismitgliederversammlung, pünktlich 7. Uhr, bei Genossen König. 101. Abt. Treptow. 7 Uhr, im Reichensaal der Schule Wilbenhruchstr., Bor. trag des Gen. Wiffell über: Das Sachverständigengutachten und die Wahlen." Anschließend Neuwahlen und Borstandsbericht. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 22. Mai: 14. Kreis Reukölln. 7% Uhr, in der Vorwärtsspedition, Neckarstr. 2, Funk. tionärinnenkonferenz. 33. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr, Sobal Senft, Ufnaufte. Ede Gidingenftr., Frauenabend. Thema: Was erwarten wir vom neuen Reichstag." Ref.: Gen. Thed, chem. Pfarrer. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei Organisation 17. Abt. Genoffin Margarete Siebert, Lnnarstraße 28, ift am 17. Mai Gerichtstraße. verstorben. Einäscherung Freitag, 23. Mai, nachm. 5 Uhr, im Krematorium Arbeitersport. Arbeiter- Flugsportvereinigung Deutschlands. Am Sonnabend, den 24. Mai, abends 7 Uhr, sehr wichtige Mitgliederversammlung im Sporthaus", Dirdfenstraße 1( an der Janowikbrüde). einer Rettungswache in Tegel." Sportvereinigung Sparta 1911" trainiert jeden Dienstag und Donnerstag im Lichtenberger Stadion. Der Berein hat zurzeit 4 Fußballmannschaften, 1 Hodenmannschaft und 1 Handballmannschaft. Gäfte find jederzeit willkommen. Schwimmwarte der II. Gruppe. Die nächste Sigung findet am Sonntag, den 25. Mai, in Tegel, Bahnhofftr. 12, statt. Tagesordnung u. a. ,, Gründung Touristenverein Di Raturfreunde", Ortsgruppe Berlin. Am Mittwod, den 21. Mai, abends 7½ Uhr, findet in der Schule Gipsstraße 23a, die Bildungsausfchußfikuna statt. Tagesordnung: 1. Methodik in der Abteilungsarbeit, 2. Connenwende und Rast", 3. Verschiedenes. Jede Abteilung muß unbedingt vertreten sein. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Kurzschrift Verein Moabit". System Siolze Shren. 31. Gemeindeschule Alt- Moabit 28, Ede Wilsnader Str. Uebungsabend jeden Freitag von 8-10 Uhr. Jeden Dienstag von 8-10 Uhr Literarische Arbeitsgemeinschaft" ver. bunden mit Deutschkursus. Gäste herzlich willkommen. Der Berein Stolzeicher Stenographen, System Stolac- Schren, eröffnet am Donnerstag, den 22. Mai 1924, abends 48 Uhr, im Köllnischen Gymnasium, Inselstraße 2/5, einen Anfängerkursus. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Kameradschaft Lichtenberg. Am Donners. tag, ben 22. Mai, abends 7 Uhr, findet bei Geipfe, Kronprinzenstr. 47, Ede Saharnweberstr., eine Mitgliederversammlung statt. Richtmitglieder, soweit überzeugte Republikaner, fönnen eingeführt werden, bzw. find willkommen. Sport. Rennen zu Ruhleben am Dienstag, den 20. Mai: 1. Rennen. 1. Erster Wolfersomer( Snöpnadel jr.), 2. Cobra( H. Grube), 3. Kronbring I( H. Schröder). Toto: 323 10. Plag: 70, 19, 35: 10. Ferner liefen: Storanna. Franko I, Fürst, Della, Hauptmann, Lady Petaurist, Gamein war 1. ohne Wetten. 2. Rennen. 1. Mirabelis I( W. Lemzer), 2. Ziemiene( H3. Schleusner), 3. Ginori( Alb. Freundt). Toto: 115: 10. Plak: 36, 37, 17: 10. Ferner liefen: Nathan IV, Blaumeise, Johannisfener, Lu Watts, Batschari, Herzfönig, Lasbeler, Else B I, Erich I. Federneite, Rumpi. 3. Rennen. 1. Ludmill I( W. Rösler), 2. Alpenfer( Elias), 3. Bella Dawson( P. Rabe). Toto: 65: 10. Plat: 17, 27, 19: 10. Ferner liefen: Jason jr., Pontresina, Harlekin, Karneval, Bismark( angeh.), Bring Stutud. 4. Rennen. 1. Imperialist( E. Treuherz), 2. Omega( W. Krauß), 3. Leuchtturm( Th. Steger). Toto: 15: 10. Plag: 18, 56: 10. Ferner liefen: Salome, Schwarzwaldmädel. 5. Rennent. 1. Stella Hari( W. Buhrmester), 2. Jobannes( G. Kaupper), 3. Arworthy I( J. Mills). Toto: 22: 10. Blag: 11, 11, 12: 10. Ferner liefen: Clematis blau, Strcolin, Feuerwehr, Balme I. 6. Rennen. 1. Doritha( J. Mills), 2. Leon( Alb. Freundt), 3. Wilaska( B. Lemzer). Toto: 17: 10. Plat: 16, 59: 10. Ferner liefen: King Batts, Libanon. 7. Rennen. 1. Bez( Großmann), 2. Lindenhofer( M. Ringius), 3. Corona Mc. Kinney( Lichtenfeld). Toto: 25: 10. Blag: 17, 18, 16: 10. Ferner liefen: Peter Harvester, Peralta, Brinzeß Bia. Rosa Forbes stürzte gleich nach dem Start. Das Rennen wurde abgeläutet und noch einmal gelaufen. Rosa Forbes myrde zurüdgezogen und die darauf gemachten Einsäke wurden zurückgezahlt. 8. Rennen: 1. Arraf I( 2insmeyer), 2. Angriff( Weidner jr.), 3. Adler( D. Jürgens). Tot.: 35: 10. Blab: 12, 13, 12: 10. Ferner liefen: Simpler, Ballspieler( ohne Wetten, disqu. und angeh.), Nebel, Durchbruch, Gudrun II, Billy I. Wetter für Berlin und Umgegend. Noch überwiegend bewölkt mit ein. zelnen leichten Regenfällen und mäßigen öflichen Binden, Temperaturen wenig geändert, später im Norden beginnende langsame Aufheiterung. Wetter für Deutschland. Im Besten und Süden noch zahlreiche, meist eichte Gewitter uns Regenfälle, im Nordosten Aufheiterung. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Staats- Theater Vasantasena Opernhaus 72: 12: Die tote Stadt 8 U; Trianon- Th, Somm.- Dir. R Pirk Ein Schwank Opernhaus am Königsplatz 12: Troubadour Schauspielhaus 1/2: D. Journalisten Schiller Theater 12 U: Korallenkettl'n der Liebe Limburg, Falkenstein Kleines Theat. Pünktl. 8 Uhr: LISSI Deutsch. Theater die Kokotte 8 Uhr Der gefesselte Pro- Residenz- Th. metheus d.Aischyles Kammerspiele Tägi. Uhr. Onkelchen hat geträumt Gr. Schauspielhaus 712 Uhr: Gasparone Theater i. d. KöniggrätzerStr. Künstl. Leiig: Emil Lind Tägl. 8 Uhr: Hinkemann von Ernst Toiler. Heinrich George Lore Waener Hugo Döblin Rose- Theater 73 Uhr: 8 U: Es hat nicht Familie Raffke sollen selu| Zeitungsausschnitte Leidenschaft, Gift u. Versteinerung oder. Die ver hängnisvolle Syphonflasche Berliner Theater Täglich 7.30: Das Weib im Purpur SCALA & Unr: Internat. VARIETÉ im Theater Große Volksoper des Westens 7%, Uhr: Der Wildschütz Komische Oper 8: Direktion: James Klein Heute sowie täglich Der große Erfolg! Die 8: Prinzessin Operette in 3 Akten von Walter Kollo Der einzige Erholungsu. 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Otto Reichel, Berlin 43, SO, Cifenoahnstr. 4 Wunsch Sahlungserleichterung, Auf auf Kappenschachteln suchen sofort Heymann& Schmidt A.-G. Schönhauser Allee 164. 2. Heilage öes Vorwärts Die Wahlen im Westen. Ursachen und Wirkungen. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Nicht nur im unmittelbar betroffenen Gebiet, im ganzen Land hat der Ausgang der Wahl in den Wahllreifen Düffeldorf-Ost und-West und in Köln-Aachen Aufsehen, Verwunderung, ja teilweise Erschrecken ausgelöst. Das ist verständlich. Diesen Rückgang der sozialdemokra- tischen Stimmen hatten selbst Pessimisten nicht erwartet. Die paar Superklugen, die das„alles vorausgesehen" haben, sind natürlich genau so überrascht worden wie alle anderen. Der Versuch, den Ausgang der Wahlen r i ch t u n g s- politisch zu deuten, führt auf Abwege. Denn werr versucht wird, für das Ergebnis in K ö l n die dort die Partei führen- den Anschauungen und Personen verantwortlich zu machen, fordert sofort den Hinweis auf D ü s s e l d o r f- Ost heraus, wo andere Anschauungen und Personen maßgebend waren, das Resultat aber kein besseres ist. Sachsen hat trotz großer Koalition— sie lebt dort heute noch— gut gewählt. Ebenso Bielefeld mst dem Spitzenkandidaten Seve» ring. Eine richtungspolitisch eingestellte Betrachtung der Wahlen bietet nach keiner Seite hin ein objektives Gesichtsfeld. Für eine ernsthafte Untersuchung ergeben sich neben einigen psychologischeck Momenten von geringerer Bedeutung drei Faktoren, die das Anschwellen der kommunistischen auf Kosten der sozialdemokratischen Stimmen erklären: für den engeren Bezirk um Köln und im Aachener Revier der ver- hängnisvolle und u. E. überflüssige Spruch des Reichs» kommisfars Mehlich über die Arbeitszest der Berg- arbeite? und die Verwendung von Polizei während des Streiks im rheinischen Braunkohlenbergbau. Die rheinische Sozialdemokratie hat ihrer Abneigung gegen die Entscheidung Mehlichs deutlich Ausdruck gegeben. Nicht aus Opportunität, sondern aus innerer Notwendigkeit. Unter dem Einfluß der materiellen Wirkungen, die auf Grund der außergewöhnlich schlechten wirtschaftlichen Lage auch nicht durch den sieben- wöchigen heldenhaften Kampf beseitigt oder auch nur ge- mildert werden konnten, fielen die Stimmen aber doch für die kommunistische Liste. Mehr aus Demonstration als aus innerer Ueberzeugung und aus der Bitterkeit heraus, die als fresiende Krankheit vorerst die einzig erkennbare Reaktion auf das verbrecherische, größenwahnfinnige und aller ge- schichtlichen Notwendigkeit und Entwicklung hohnsprechende Machtgebot der rheinischen Braunkohlenherren ist. Dazu die Verwendung von Schutzpolizei während des Streiks. Die Kommandos draußen im Revier waren der unmittelbaren und— wie allgemein anerkannt wird— energischen und zielsicheren Hand des sozialdemokratischen Polizeipräsidenten entrückt. Es ist mancherlei vorgekommen, was den entschie- densten Protest unserer Genossen und der Parteileitung notwendig machte. Die Untersuchungen schweben noch, namentlich über die Schießerei vor der Chemischen Fabrik in Knapsach, die drei Arbeiterleben forderte. Die Wahlkosten für die Fehler und Dummheiten der amtlichen Organe trägt die Sozialdemokratie. Ob- gleich den Wählern und den Kritikern bekannt ist, daß wir im besetzten Gebiet leben und daß die Exekutioorgane nur unter der Verantwortung, nicht aber unter der Initiative der deutschen Verwaltungsbehörden stehen. War so an sich schon die Situation keineswegs besonders günstig, sie wurde noch verschlechtert durch den Unfug der Mieter- listen. Di« 25 000 Stimmen, die durch persönlichen Ehrgeiz, Strebertum und andere wenig angenehme Eigenschaften glast verloren gingen, sind zum großen Teil die sozialdemokrati» schen Wähler gewesen. Die Mjxterliste ist allerdings wie eine ganze Anzahl anderer Bewerber nur als vorübergehende Erscheinung und als Ausfluß der ungeheuren geistigen Ver- wirrung zu erklären. Die Quelle des Uebels liegt aber in dem traurigen Ende des Ruhrkampfes. Der damit verbundene wirtschaftliche Zusammenbruch traf mit ganzer, verheerender Schwere das besetzte Gebiet, und dort wieder die Territorien, in denen die Schwerindustrie daheim ist. Wer hat im unbesetzten Gebiet einen wirklichen Begriff von der entsetzlichen Wucht, mit der die Folgen der Ruhr- oktion auf Volk und Land an Rhein und Ruhr hernieder- sausten? Das weiß niemand, der es nicht die Wochen und Monate tagtäglich erlebte! Die wirtschaftliche Not. die nirgendwo grauen- hafter hauste, ist maßgebend für das Resultat in ganz Rhein- land und Westfalen. Dazu kommt der seit Iahren auf dem Gebiet lastende politische Druck. Aus diesen Ursachen hat sich eine Stimmung geformt, die sich bei der Wahl als weit- hm vernehmbarer Wut- und Verzweiflungsschrei Ausdruck verschaffte. ,%ori, wo der Wahlkreis Köln-Aachen über die Be- sttzungsgrenze hinausragt, im Oberbergifchen, also bei Gummersbach und ander Sieg, hat die Sozial- glänzend geschlagen. Dort wurden Wahlresultate erzielt, die sich den besten in ganz Deutschland würdig an die Seite stellen können. Und das gleiche Resultat erzielten wir. wo im besetzten Gebiet die wirtschaftlichen Folgen aus Mangel an großindustriellen Unternehmungen, also in den mehr ländlichen Gegenden, den südlich der Mosel, nicht in der ganzen brutalen Härte fühl- bar waren. Es ist so, und keine noch so raffiniert ausge- klügelte Berechnung kann daran etwas ändern: Weder Per- sonen noch deren taktische Einstellung zu den politischen Tagesfragen gaben bei der Wahl den Ausschlag, sondern die als alleinige Folge der Ruhrbesetzung übriggebliebene völ- lige soziale Zerrüttung und Zermürbung. Keine gepfefferte Rede, keine noch so getreue Kopie kommu- nistischer Methoden hätte unter den im besetzten Gebiet Herr- schenden Verhältnissen daran das Geringste geändert. Es scheint so, als ob kein Bezirk und keine Arbeiter- kategorie vor dem Schicksal kommunisttscher Sturzwellen ver- schont bliebe. Ueber das Rheinland sind sie jetzt hinweg. gebrandet. Sie werden bald wieder, wenn auch im besetzten Gebiet normalere Wirtschaftsverhältnisse eingetreten sein werden, wenn die Micumverträge und der Zoll- und Ver- kehrsunfug vernünftigen, auf dem Boden realer Möglich- keiten gewachsener Abmachungen gewichen sind, verebben. Wieviel an wertvoller Aufbauarbeit der letzten Jahre aller- dings dann weggeschwemmt sein wird, das ist jetzt noch nicht vorauszusagen. Jedenfalls muß die Politik der Partei dar- auf eingestellt fein, die im besetzten Gebiet zutage getretenen Ursachen des Wahlausgangs für unsere Partei zu besei- tigen. Es muß gelingen, die Arbeiterschaft mehr als seither für die außenpolitischen Probleme und deren Lösung im Sinne sozialdemokratischer Politik zu interessieren, wenn eine für sie notwendige Lösung der innerpolitischen Fragen erreicht werden soll. Donnerslog, den 22. Mal 1924. abends 7i/z Uhr. im Lehreroereinshaus, Alexanderplah, großer Saal: Gessentliche Protestkundgebung gegen Sen Mbau öes Gberftaötschulcats Redner: Arau Oberschulrat Dr. wegscheider, M.d.L. und Vertreter der Organisationen. Eltern und Lehrer, erscheint in Massen! Die Berliner Schulnotgemeinschaft. Ruhrkampf und volkswirtsthast. Bochum, 20. Mai.(Eigener Drahkbericht.) Die Handelskammer in Bochum hat in einer Eingabe an die Relchsvcgierung ans die katastrophalen wirtschaftlichen und finanziellen Rückwirkungen der Stillegung des Ruhrberg. baues hingewiesen. Die durch die kredilnot bestehende allgemeine Finanzkrlse habe durch die Bergarbeiterbewe- gung eine derartige Verschärfung erfahren, daß mit einer erheblichen Anzahl von Zahlungseinstellungen zu rechnen sei, falls die augenblickliche Lage noch einige Tage fort- dauert. Vierzehn Arbeitstage sind durch den von den Unter- nehmern provozierten Kampf um die Arbeitszeit im Kohlen- bergbau bereits verloren gegangen. Jeder Tag hätte auf Grund der alten Lohnsätze 2,484 Millionen Goldmark nur an Löhnen unter die Masse gebracht, einen Betrag, der allein genügt hätte, eine starke Kaufkraft zu entfalten und so der Nachfrage nach anderen industriellen Produkten eine Stütz« zu sein. Zweieinhalb Millionen Eoldmark täglich, in zwölf Togen also rundum 30 Millionen Goldmark insgesamt gingen an Kaufkraft der Industrie verloren, derselben In- dustrie, die unter dem Druck der Geldknappheit ächzt und stöhnt und die an dieser entscheidenden Stelle v e r h i n- d e r t, daß eine echt«, durch Güterproduktion begründete Nachfrage entstehen kann, eine Nachfrag« und ein An- triebsmoment für den Geld- und Waren- Umlauf zugleich! Die frivole Haltung der Unternehmer wäre einfach un- verständlich in einer Wirtschaft, die von Gemeinschaftsgeist getragen wäre. Nur die rücksichtslos auf Profit eingestellte privatkapitalistische Wirtschaftsform konnte einen solchen, seinem Inhatt nach ganz unsinnigen Kampf entstehen lassen, wie er sich hier abspielt. Hätten die Unternehmer von vornherein auf eine loyale Kompromißformel hingearbeitet, so wäre der Schiedsspruch am letzten Freitag unnötig und un- möglich geworden. Nicht eine Arbeitsstunde brauchte weniger geleistet, nicht eine Tonne Kohle weniger gefördert zu werden. Und nickt eine Maschine, nicht ein Schacht brauchte jetzt nutzlos brachzuliegen, Instandhal- tungskosten verursachend und die ganze Volkswirtschaft be- lastend. Denn es ging in der Tat nicht um diejenige Arbeitszeit, die in diesen Tagen geleistet werden soll— die Notwendigkeit von Ueberarbeit haben die Bergleute für die Dauer der Micum-Verträge nicht bestritten. Statt der Ueber- arbeit brachte aber der Schiedsspruch eine Festsetzung der Arbeitszeit, die auf eine Verewigung der Acht st un- d« n s ch i ch t, also auf die Preisgabe der Arbeiterforderun- gen hinauslief. Und diese Verewigung wurde unter dem Drucke der Besetzung des Ruhrgebiets, die einstmals von den Ruhrindustriellen geradezu herbeigewünscht war, be- trieben: jetzt sollte sie erpreßt werden. So liegen setzt bereits 4,3 Millionen Tonnen Steinkohle im Ruhrgebiet, die in der Zeit der erzwungenen Arbeitspause hätten gefördert und, soweit sie ni�t vom Selbst- verbrauch, von den Micum-Lieferungen und den Deputaten in Anspruch genommen werden., dem Verkehr und Verbrauch hätten zugeführt werden können. Die 4,3 Millionen Tonnen Kohle stellen einen Derkaufswert von rund 8 SV? Millionen Goldmark dar. Rechnet man den Selbstverbrauch usw. ab, so bleiben immer noch ca. 60 Millionen effektiver Verkaufswert. So groß ist die E i n b u ß e am Volks- vermögen, die die Haltung der Unternehmer herbeigeführt hat. Hätte man etwa Steuern in gleicher Höhe von ihnen verlangt— mit Entrüstung hätte man sie abgewiesen und sie gerade zur gegenwärtigen Zeit im üblichen Unternehmer- jargon als einen Mordanschlag auf die Wirtschaft bezeichnet. Der Kampf ist noch nicht zu Ende, die Summen schwellen von Tag zu Tag. Je länger aber der Kampf dauert, desto drastischer tritt in Erscheinung, daß die von den Untemehmern so grundsätzlich und überzeugt ver- fochten« Notwerchigkeit der Mehrarbeit diesen selbst gar nicht so ernst ist, wie man die Oeffentlichkeit glauben machen möchte. Jeder der 450 000 in den Kampf getriebenen Berg- leute hat durch den Streik bereits mindestens 96 Stunden an Arbeitszeit verloren(die Uebertagearbeiter mehr): sie mußten feiern, anstatt Kohle zu Tage zu bringen. Wenn die Ueberarbeit so sehr notwendig ist, die für den Untertage- arbeite? im Jahre 300 Arbeitsstunden ausmacht, warum wirst man den Ertrag einer viermonatigen Ueberarbeit so kaltblütig vor die Hunde? „Es lohnt sich nicht, der Betrieb ist nicht rentabel — so lautet die Antwort der Untemehmer. Aber wenn der Betrieb nickst rentabel ist, so bringt der Stillstand der Zechen gleichwohl Verluste, Einbußen an Kreditzinsen, Zahlungen für Notstandsarbeiten usw. Wäre es dem Kohlenbergbau bisher s o schlecht gegangen, wie er behauptet, so hätten die Unternehmer diese lange Dauer des Kampfes nicht er- tragen können. Die Beraherren haben alle ihre früheren Behauptungen dieser Art Lügen gestraft. Die Ueberschüsse mögen gering gewesen sein, hier und da mögen auch Verluste in einem Bergbaubetrieb zu verzeichnen gewesen sein. Frag- Mittwoch, 21. Mai 1924 los mögen einige notleidende Zechen sogar zeitweilig Verluste gehabt haben. Für die überwiegende Mehrzahl ist jedoch die Tatsache entscheidend, daß die R e n t a b i l i t ä t der Kohle seit Iahren nicht mehr im Zechenbetrieb, sondern bei der Kohlenverarbeitung der Eisen erzeugenden und der chemischen Industrie liegt. Und das ist vielleicht die wirk- l i ch e T r i e b k r a f t für die Unternehmerprovokation: Weil infolge der allgemeinen Produktionskrise der Eisenabsatz und der Absatz chemischer Produkte stockt, ist ihnen die Stillegung des Kohlenbergbaues mit seinen Bealeitwirkungen gar nicht so unerwünscht. Man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe, indem man die Gewerkschaften und ihre berechtigten sozialen Fordenmgen für den Bergbau bekämpft und indem man gleichzeitig die Quelle der Warenerzeugung, die U r st o f f- Produktion abschnürt. Diesem gemeinschädlichen Bestreben muß entgegengetreten werden. Das ist jetzt die wichtigste Aufgabe der Schlichtungsorgane. Die Wiederaufnahme der Arbeit nach einer vernünffigen Regelung zu hintertreiben, wie es die Kommunisten schon jetzt vorbereiten, wäre direkt ein Dien st am Unternehmertum. Immer größer wird der Kreis der vom Kampf betroffenen Betriebe, die infolge von Kohlenmangel stilliegen. Gleichzeitig untergräbt der Verlust an Kaufkraft infolge der Stillegungen den Warenmarkt; auch scheinbar uninteressierte Betriebe müssen aus Mangel an Nachfrage stillegen. So wird der Verlust, den die Volkswirtschaft durch das Brachliegen des Kohlenbergbaus erleidet, auf die G e s a m t h e i t d e r W e r k- tätigen abgewälzt. Und der Unsinn der kapitalistischen Wirt- schafts weise tritt in seiner ganzen Grausamkeit zutage. Wer ihn bekämpfen will, der gibt für die kämpfend-n Bergarbeiter!_ vom Trust zum Staatssubventionär. Die Mansfeld A.-G. ist einer der ersten großen Trusts, der dem Krisenortan zum Opfer fällt. Seit langem wußte man um den schlechten Finanzstatus von Mansfeld und von den sofort nach dem Erwerb durch die Herzfeldgruppe einsetzenden Versuchen, die Ver- z i n f u n g der viel zu hohen Uebernahmesummen durch ungeheuer» lichen Lohndruck und Verlängerung der Arbeitszeit herauszupressen. Aber selbst die nahezu mittelalterlichen Aus- beutungsformen haben den Bettieb nicht rentabel gestalten können, sodaß man jetzt die Stillegung aller der Kupferproduktion dienenden Betttebe vornehmen zu müssen glaubt, während alle anderen von der Mansfeld A.-G. bewirtschafteten Unternehmungen, wie Kalibettiebe, Brauntohlengruben, Stromerzeugung, landwirtschaftliche und Forstbetriebe, als„rentable" Bettiebe weitergeführt werden sollen. Auf den gegen die Stillegung erhobenen Einspruch hat die Mansfeld A.-G. es sogar fertiggebracht, die zum Absterben verurteilten reinen Kupferproduktionsbetriebe dem preußischen Fi s k u s zum Erwerb freundlichst anzubieten. Wir registrieren mit Genugtuung, daß der Fiskus im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte diese„Selbstlosigkeit" der braven Mansfeld-Aktionäre ablehnte. Aus Gründen der Sachlichkeit verbietet sich hier ein weiteres Eingehen auf diesen Punkt. Die Mansfeld A.-G. sel.bst führt ihre schlechte Lage auf die niedrigen Kupferpreise zurück. Zweifellos sind die Preise nicht zu hoch. Dazu kommen die hohen Kokskosten, Frachten,(teuer- liche Belastung und die M i c u m- B e r s ch u l d u n g e n, die im April für die Zeche Mansfeld allem 300 000 Mk. ausmachten. Di« Bankschulden wuchsen so auf 14 Goldmillionen an und konnten nur durch teilweisen Verkauf der Zeche„Sachsen" auf 8 Millionen herab- gedrückt werden: trotzdem versagten die Banken weitere Kredite. Für die Mansfeld A.-G. Neffen so alle Merkmale der Kreditkrise zu, die sich automatisch in eine Produktionskrise ver- wandelt. Die während der Verhandlungen von einzelnen Teil- nehmern gegebene Anregung, die ergiebigen FörderungsbeNiebe aufrecht zu erhaiten und nur T e i l st i l l e g u n g e n vorzunehmen, wurde von der Gesellschaft als unmöglich abgelehnt,«da die Attionäre bereits tatsächlich ihr Aktienkapital verloren haben". Auch für einen allmählichen Abbau ist Mansfeld A.-G. nicht zu haben. Sie erwartet eine Rettung nur von einer Kupferpreishausse. Da dies« unwahrscheinlich ist, droht die Gesellschaft, falls die ver- langte Landes- bzw. Reichs hilf« cm Kredit, Steuerermäßigung und Frachtenherabsetzung nicht eintritt, 18 032 Arbeiter, Angestellte und Beamte aufs Pflaster zu werfen. Ein« anderweitig« Unter- bringung dieser Menschen ist nach Mitteilung der privaten und amt- lichen Stellen unmöglich. Zu den direkt Betroffenen tteten weitere 27 641 Familienangehörige, so daß insgesamt 45 673 Personen durch die Stillegung in Mitleidenschaft gezogen werden. Die damit hereinbrechende Katasttophe wird natürlich auch Handel und Gewerbe belasten und ein« Unzahl Existenzen in den Mansfelder Landen und Grenzgebieten vernichten. Interessant ist, daß die Gesellschaft offiziell betont, die Arbeiterschaft hat alles getan, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und selbst eine Lohnredu- zierung könne keine Besserung der Lage bringen. » Dazu wird uns von gut informierter Seite u. o. folgendes ge- schrieben:„Daß eine Katasttophe durch den Zusammenbruch des Mansfelder Trusts verhindert werden muh, ist klar. Der 29. Mai ist von der Mansfeld A.-G. als engültiger Stillegungstag bestimmt worden. Die in der bürgerlichen und kommunistischen Presse auf- gestellten Behauptungen, � daß die R e i ch s h i l f e durch die Regierungsstellen, unter Vorbehalt der Nachprüfung der Verhält- nisse bei der Mansfeld A.-G. bereits zugesagt sei, haben eine amtliche Bestätigung bisher nicht erfahren. Bemerkenswert ist auch, daß neben der bürgerlichen Press«, die lüstern den Versuchsballon der„Reichshilfe" hißt, die KPD. wütend über die Hilfsaktion her- fällt, und mit den üblichen Verleumdungen die beteiligten Gewerkschaften beschimpft. Die Oeffentlichkeit ist daher an der Fest- stellung interessiert, daß auth die beiden der KPD. angehören- den Mitglieder der Ar b e i t e r v e r t r« t u n g der Mans- feld A.-G. sich mit den übrigen solidarisch auf den Boden der geforderten Unterstützungsaktion gestellt haben. Sie haben auch an den Zenttalverhandlungcn mit den Reichs- und Landesbehörden teilgenommen. Das Vorgehen der Mansfeld A.-G. bedeutet für Zehntausende Hunger und Not. Ausgabe einer wirklichen Arbeiter- Politik ist deshalb, dahin zu stteben, die Katastrophe zu vermeiden. die kapitalistisch« Rücksichtslosigkeit und Kurzsichtigkeit herbeigeführt hat." Lage öes /lrbeitSmarktes. In den letzten Wochen hat sich die allmähliche Zunahme der Beschäftigung der meisten Jndustrim fortgesetzt, aber der Geschäftsgang vollzog sich unter erschwerten wirtschaftlichen Be- dingungen. Die Berichte von Handelskammern, wirtschaftlichen Fachverbänden, Landesämtern für Arbeitsvermittlung sowie die bes fonderen Meldungen von rund 2000 einzelnen Industriebetrieben über die allgemeine wirtschaftliche Lage an die Reichsarbeitsverwaltung sind in dem soeben erschienenen ,, Reichsarbeitsblatt" vom 16. Mai d. J. in dem Monatsbericht ,, Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage" zusammengefaßt. Sie zeigen deutlich, daß bei den derzeitigen Bedingungen der deutschen Volkswirtschaft die jüngste günstigere Entwicklung des Arbeitsmarktes eine bessere Wirtschaftslage nicht ohne weiteres beweist. Durch das diesjährige späte Einsetzen der Frühjahrswitterung vermochte die Landwirtschaft und zumeist auch das Baugewerbe den deutschen Arbeitsmarkt im April stärker als in den Vormonaten zu entlasten. In den meisten Zweigen der Industrie steigerte fich zwar im April- Mai der Auftragseingang noch weiter, aber gleichzeitig mehrten sich auch die ungünstigen Anzeichen der wirtschaftlichen Lage. Die Zahlungseingänge wurden schlechter, die Reichsbank mußte die Kreditgewährung einschränken( 7. April), und damit wurde die Nachfrage nach Kredit bei den privaten Geldgebern bringlicher, und die Kreditsätze erhöhten sich weiter. Hierzu fam für viele Industriezweige eine Zunahme der Ge stehungstoften infolge einer Verteuerung der Rohstoffe und Halbfabrikate. Vor allem konnte sich die schwere Gefahr, welche der deutschen Volkswirtschaft aus den dauernden hohen Aufwendungen für die Einfuhr erwächst, im April nicht mindern, weil fich der Auslandsabjah auch in den letzten Monaten nicht befferte. Der Kapitalmangel wirkte sich besonders in der Metallund Maschinenindustrie wie in der Textilindustrie dahin aus, daß vielfach im Erteilen neuer Aufträge zurüdgehalten wurde. Ein völliger Wandel beginnt sich zu vollziehen. Der Unternehmer stellt nicht mehr wie früher in Zeiten lebhafteren Gefchäftsganges spätere Liefertermine, sondern feßt sie wesentlich fürzer feft, um einen schnelleren Kapitalumschlag zu erzielen. Der Produktionsprozeß wird zum Teil durch vermehrte Einstellung von Arbeitskräften beschleunigt( im Maschinenbau: 3unahme der Beschäftigten im April gegen Bormonat um 4 Broz.). Umgekehrt versuchen die Besteller Abnahme wie Zahlungstermine hinauszuschieben und widerrufen selbst erteilte Bestellun gen, wie jetzt zum Teil in der Textilindustrie. Es muß unter all diesen Umständen vorsichtig bewertet werden, wenn die Zahl der unterstüßten Erwerbslosen in der Zeit vom 15. April bis 1. Mai im unbesetzten Gebiet neuerdings eine nicht unerhebliche Abnahme, nämlich von rund 470 000 auf 307 000 erfahren hat. Die Gesamtberichte über den deutschen Arbeitsmarkt werden dadurch start in ihrem Werte beeinträchtigt, daß sie zu spät erschei nen. Die in obigem Bericht erwähnte Zunahme der Beschäftigung hat, wie fich aus einer Reihe von Einzelberichten mehrerer Landes. arbeitsämter verschiedener Gegenben ergibt, bereits einem Rüd. gang der industriellen Tätigkeit Platz gemacht. Solche Meldungen liegen u. a. aus dem Rheinlande und aus Schleswig- Holstein vor. Die Arbeitsmarktlage in Berlin. | dustrie heute nicht mehr die Vorteile der Inflationsperiode bei der Steuerzahlung genießen fönne. Heute müßte sie Steuern auf Heller und Pfennig bezahlen und gerade die Steuer erschwere außer ordentlich die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, denn sie bedinge eine ziemlich hohe Risikoprämie. Dr. Guggenheimer betonte, daß er grundsäglich" fein Gegner des Achtstundentages sei, aber die schematische Anwendung" des Achtstundentages bringe eine verschwenderische Nichtausnuzung der Betriebsanlagen und Vermehrung der unproduktiven Arbeiten mit sich. Es ist dieselbe furzsichtige Argumentation der Industrie, die von uns wiederholt befämpft wurde. Die deutschen Industriellen mögen die technischen Einrichtungen, die sie haben, in ihren Betriebsorganifationen für gut halten, das sollte aber niemals ein Hinderungsgrund dafür sein, sie noch besser zu gestalten, um so die angeb= lichen Schäden, die durch den Achtstundentag der Industrie zuge fügt werden, zu beseitigen. Für die Industrie verlangte Guggenheimer vollkommene Freiheit, sonst fönnte es tatsächlich dahin fommen, daß die technischen Einrichtungen nicht auf der wünschenswerten Höhe bleiben. Eine höchst merkwürdige Drohung. Das Seltsamste an Guggenheimers Ausführungen war der Schluß. Er erklärte, daß wir jezt nur an die Stärkung unserer Wirtschaft denken dürften, daß es aber unseren Entein vorbehalten bleiben würde, vielleicht auch mit anderen Mitteln, d. h. mit der Faust, die nicht nur den Hammer, sondern auch das Schwert zu schwingen vermag, den Absah der deutschen Waren zu erzwingen. Es ist immerhin erfreulich, daß auch Herr daß er erst die zukünftige für fo dumm hält, mit der gleichen Guggenheimer für die lebende Generation einen Krieg ablehnt und imperialistischen Politik, die uns schon einmal ins Elend geführt hat, das gleiche Elend über die Menschheit zu bringen, unter dem wir heute leiden. Die Entwicklung der Konsumgenossenschaften. Der Jahresbericht des Verbandes ostdeutscher Ronsumvereine, bem 144 Genossenschaften der Provinzen Brandenburg, Pommern, Grenzmart, Ost- und Westpreußen angehören, ist jetzt zum Versand gekommen. In wenigen Sägen weist der Bericht auf die Ursachen des ungeheuren Berfalls unserer Geldwirtschaft hin und faßt die Einwirkungen dieses Verfalls auf die Konsumgenossenschaften wie folgt zusammen: Wie eine herabgehende Lamine mit jedem Augenblick an Kraft zunimmt und alles mit in die Tiefe reißt, was ihr im Wege steht, so wirkte auch die Geldinflation auf die letzten Glieder unserer Barenversorgung ein und haben auch die Konsumgenossenschaften immer erneuten, Tag zu Tag erhöhten Substanzverlust erlitten. Ungeheuer schwer lasteten die Folgen der Ruhrbesetzung und die dadurch andauernd steigende Geldinflation auf der letzten Schicht derttausende vernichtete Existenzen, Millionen Arbeitslose und eine zerrüttete Privat- und Staatswirtschaft blieben die Opfer des Kampfes, den ein unterdrücktes Bolt gegen blindwütende Gewalt Auf dem Arbeitsmarkt machen sich bereits Anzeichen bemerkbar, führte. Betriebsstillegungen, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Abbau der schon ungenügenden Einkommen, verminderte Kauffraft, das daß infolge der überall herrschenden Kapitalnot die Aufnahmefähigkeit der Induftrie nachläßt. Im allgemeinen ist zwar noch sind die Etappen, die die Verbraucherschaft durchgehen mußte und eine gute Vermittlungstätigkeit zu verzeichnen. In die in einem allgemeinen Elend endeten." einzelnen Berufsgruppen, besonders in der Metall. und Holzindustrie, blieb die Nachfrage nach Spezialkräften sogar zum Teil noch unge deckt. Für ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen ist jedoch der Zugang Arbeitsuchender größer, als die erteilten Aufträge. Bemerkenswert ist auch in dieser Hinsicht die Tatsache, daß fich in gewissem Grade wieder Ehefrauen um Erwerbsmöglichkeiten bemühen. Ob der Höhepunkt der günstigen Konjunktur bereits überschritten ist, läßt sich allerdings gegenwärtig nicht sagen, da nicht festgestellt werden kann, inwieweit die Auswirkungen der Differenzen in den Bergbaubezirken und andere Umstände auf das Wirtschaftsleben im Gebiete des Landesarbeitsamtes Berlin sich fühlbar gemacht haben. Es waren 86 810 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein getragen gegen 90 857 der Vorwoche. Unterſtügung bezogen insgefamt 25 990( 27 176) Personen. Die Zahl der zu gemeinnüßigen Bflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 1903 gegen 2066 der Borwoche. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Ueber die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmartt ließ sich der bekannte Industrielle Dr. Guggenheimer in einer Beranstaltung der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft vernehmen. Nach seiner Auffassung ist das Sachverständigengutachten hinsichtlich der Leistungsfähigkeit Deutschlands viel zu optimistisch, wenn es auch anerkennt, daß für die Reparationsleistungen ledig lich der Ausfuhrüberschuß in Frage komme. Durch den Krieg find Deutschlands Abfagmärtte wesentlich vermindert worden. Ueberall find im Auslande für die verschiedensten Industriezweige eigene Fabriken entstanden. Unsere Bahlungsbilanz ist durch die Verminderung der Dienste, die uns die Handelsflotte und unsere Auslandsvertretungen leisteten, tm Gegensatz zu früher fast dauernd passiv. Ueberall werde die deutsche Industrie durch die ausländische Konkurrenz wesentlich unterboten. Troßdem seien eine ganze Anzahl von Gründen, die die Ausfuhr Deutschlands im vorigen Jahre behinderten, inzwischen gegenstandslos geworden. Dazu rechnete er die Aufhebung der Ausfuhrabgaben, die Verminderung der Frachten und die Aufhebung der Rohiensteuer. Die Tatsache, daß in Deutschland viel zu geringe Löhne gezahlt werden und daß die deutsche Industrie im Hinblick auf diese geringen Löhne in Verbindung mit einem relativ hohen Stand der Technik mit dem Auslande in erfolgreichen Wettbewerb treten fönnte, verfuchte der Vortragende dadurch zu widerlegen, daß er die Löhne der einzelnen Länder mit dem Lebenshaltungsinder in Beziehung fegte, obwohl für die Berechnung der Preise lediglich der tat fächlich gezahlte Lohn und nicht irgendeine Beziehung des Lohnes zu den inneren Berhältnissen der betreffenden Länder in Frage tommt. Sehr hübsch war der Hinweis darauf, daß die InSCHUTZ- MARKE DE THOMPSON'S SEIFENPULVER SCHUTZ- MARKE WASCHE MIT Dr. Thompsons Seifenpulver Garantiert unschädlich Hautjucken, Flechten, offene Füße( Krampfadern) auch veraltete Wunden heilt die milde und wohltuende, seit Jahrzehnten bewährte San.- Rat Dr. Strahl's Hanssalbe. In Original- Dosen erhält. Elefanten- Apotheke, Berlin SW, Leipziger Str. 74, am Dönhoffpl Die Zahl der Verbandsgenossenschaften von 141 zu Beginn des Ralenderjahrs ist auf 144 zum Schlusse des Jahres gestiegen. In Rücksicht auf die Zeitverhältnisse wurden in der gestiegen. In Rücksicht auf die Zeitverhältnisse wurden in der Statistit nur Genossenschaften mit über 400 Mitgliedern aufgenommen. Von den 120 in Betracht kommenden Verbandsgenossengenommen. Bon den 120 in Betracht kommenden Verbandsgenossen schaften haben 117 berichtet, die insgesamt eine Mitglieder zahl von 380 989, gegen 335 943 im Vorjahre, hatten. Unter Berücksichtigung der Mitgliederzahlen der kleineren Genossenschaften mit 8578 beträgt die Zunahme der Mitglieder 16 Broz., während diese im Vorjahre nur 14,4 Proz. betrug. Die Zahl der Verteilungsstellen ist von 682 auf 732 gestiegen, und ferner wurden 31 3entrallager unterhalten. Als äußerst wirksamer Gradmesser für die günstige Entwicklung der Konsumgenossenschaften ist die bedeutende Zunahme der beschäftigten Personen in der Warenverteilung anzusehen. schäftigten Bersonen in der Warenverteilung anzusehen. Es wurden 4224 Angestellte, gegen 3531 Angestellte, beschäftigt; es ist demnach eine Vermehrung der beschäftigten Angestellten um 19,6 Proz. eingetreten, während die Zunahme im Vorjahre nur 4,8 Proz. betrug. Die vorstehend wiedergegebene Entwicklung der Konsumgenoffenschaften des Verbandes im letzten Jahre läßt erkennen, daß sie durch die vorherrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse start beeinträchtigt wurde, aber nicht unterbunden werden konnte. Das ist der beste Beweis für die Lebenskraft des Genossenschaftsgedankens. Die Genossenschaften haben unter der Inflation wohl start gelitten, doch ist die Mitgliederzahl erheblich gestiegen, so daß die Grundlage erhalten geblieben ist, auf der die Genossenschaften neu aufbauen fönnen. Dieser Aufbau muß aber jetzt mit allem Nachdruc betrieben werden und müssen besonders die Mitglieder dazu beitragen, daß die finanzielle Schädigung der Genossenschaften schnellstens behoben wird, um die alte Leistungsfähigkeit wieder zu erlangen bzw. dieselbe noch zu steigern. Dazu gehört aber, daß die Mitglieder ihren ganzen Bedarf in ihrem eigenen Unternehmen tätigen und durch Beschlüsse in den Generalversammlungen die Geschäftsanteile auf eine ausreichende Höhe bringen. Gegen die Handhabung der Geschäftsaufsicht. Die bisherige Handhabung der Geschäftsaufsichtsverordnung führt dazu, daß wirtschaftlich schwache Unternehmungen fich lange 3eit mit dem ftaatlichen Schuh gegen ihre Gläubiger über Waffer Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je .. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose..... Roggenmehl 0/1.... Weizengrieẞ Hartgrieß Maisgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine.. Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimeh! Schnittnudeln, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Zentner frei Haus Berlin. *** 15,00-16,50| Malzkaffee, gepackt 22,00-24,00 15,00-15,75 Röstgetreide, lose.... 16,50-18,00 14,75-15,50 Kakao, fettarm 100,00-115,00 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt 115,00-130,00 44,50-46,75 32,00-35,50 41,50- 46,00 28,00- 32,00 95,00-110,00 40,00-48,00 40,00- 44,00 3,10-3,70 4,00-4,70 63,50- 64,50 65,00-66,00 63,00- 64,50 62,00- 64,00 50,00-53,00 48,00-50,00 58,00 52,00-55,00 76,00 61,00-65,00 45,00-48.00 11,25-12,75 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 17,25 18,75 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 21,75-25,50 Inlandszucker basis mel. 37,5 39,00 Inlandszucker Raffinade 39,50-41,75 13,25-15,00 Zucker Würfel 15,00 21,00 Kunsthonig 16,75 20,00 Zuckersirup hell in Eim. 12,75-15,00 Speisesirup dunk. in Eim. 21,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27,00-30,50 Marmelade Vierfrucht 24,00 32,00 Pflaumenmus in Eimern 33,00 39,00 Steinsalz, lose....... 41,00-46,50 Siedesalz, lose 18,75-21,00 Bratenschmalz in Tierces 38,50-44,50 Bratenschmalz in Kübeln 35,00-37,00 Purelard in Tierces 19,00 23,00 Purelard in Kisten 14,50-16,25 Speisetalg in Packung 16,50 18,25 Speisetalg in Kübeln 24,00-31,00 Margarine, Handelsm. I 30,50-36,00 desgl. II 84,00-88,00 Margarine, Spezialm. I Getr. Pflaumen 90/100.. 42,00-45,00 desgl. II. Pflaumen, entsteint 50,00 55,00 Margarine III Cal. Pflaumen 40/50 70,00 75,00 Molkereibutter i. Fässern 194,00-200,00 Rosinen in Kisten, Candia 70,00-82,00 Molkereibutter in Pack. 200,00-205,00 Sultaninen Caraburnu.. 72,00-90,00 Landbutter 160,00-165,00 Korinthen, choice 72,00-78,00 Auslandbutter in Fässern 194,00-200,00 Mandeln, süße Bari 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 200,00-205,00 Mandeln, bittere Bari 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 Zimt( Cassia) 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00-72,00 Kümmel, holländischer. 125,00-130,00 Quadratkäse Schwarzer Pieffer Singap. 98,00-108,00 Quarkkäse Weißer Pfeffer 133,00-138,00 Tilsiter Käse. vollfett Rohkaffee Brasil 180,00-220,00 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika300,00-385,00 milch 48/16. Röstkaffee Brasil...... 240,00-290,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam... 300,00-390,00 inl. gez. Condensm. 48/14 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. 22,00-35,00 35,00 50,00 105,00-115,00 20,75-23,50 17,50- 18,50 27,00- 28,00 | halten tönnen auch dann, wenn sie infolge falscher geschäftlicher Dis pofitionen auf die Dauer zahlungsunfähig bleiben. Die geschäfts liche Unsicherheit wächst so mit jedem Lage. Infolgedessen mehren sich die Stimmen, die eine Einschränkung der Geschäftsaufsicht und ihre Reform verlangen. So hat sich die Industrie- und Han delskammer zu Berlin in ihrer legten Vollversammlung mit den Mißständen der Geschäftsaufsicht beschäftigt und beschlossen, eine schleunige Alenderung der den jezigen Verhältnissen nicht mehr angepaßten gesetzlichen Bestimmungen zu beantragen. Sie tritt dafür ein, daß eine stärkere Berücksichtigung der Gläu bigerinteressen stattfindet; hierzu fordert fie namentlich: 1. daß über jede Einfeßung einer Geschäftsaufsicht eine amtliche Veröffentlichung erlassen wird, 2. daß über jeden Antrag, dem ein genauer Status beizufügen ist, in allen Fällen eine amtliche Handelsvertretung gehört wird, 3. daß über die Einsetzung der Geschäftsaufsicht und über die Auswahl der Aufsichtspersonen, welcher besondere Sorgfalt zuzuwenden ist, unter Mitwirkung der Gläubiger Beschluß gefaßt wird, 4. daß der Aufsichtsperson nach Möglichkeit ein Gläubigerausschuß zur Seite gestellt wird, 5. daß spätestens nach Ablauf eines Vierteljahres nach Einfetzung der Geschäftsaufsicht eine Gläubigerversammlung einberufen und, sofern diese nicht die Fortdauer der Geschäftsaufsicht wünscht, die Geschäftsaufsicht aufgehoben wird. Zusammenschluß der luxemburgischen Tegfilindustrie und des Luxemburgs haben, wie der dortige Korrespondent des„ KonTextilgroßhandels. Die Textilindustriellen und Textilgroßhändler fettionär" berichtet, aweds Wahrnehmung ihrer Interessen einen Spizenverband unter dem Namen: Syndicat La Leptile Lurembourgeoise, 2ugembourg", gegründet. " Das Schloß der Arbeiterjugend. Schloß Tännich, 20. Mai.( Eigener Bericht.) Hier hat die Sozialistische Arbeiterjugend sich ein neues Kulturzentrum geschaffen das erste Reichsferienheim. Es ist mehr als das. Aus allen Gauen Deutschlands soll das ganze Jahr über hierher die Jugend teils zum unentgeltlichen, teils zu billigem Aufenthalt zusammenströmen, um für ihre eintönige Berufsarbeit unter Jugend neuen Antrieb und neues Rüstzeug zu erhalten. neue Kraft zu schöpfen und für ihre geistige Werte schaffende Arbeit Kurse mannigfacher Art sollen in geschlossener Arbeitsgemeinschaft Führer für längere Zeit zusammenfassen. Auch die alten Genossen, Freunde der Jugend, tönnen sich hier von der Alltagsquai und Müh an dem sprudelnden Born der Jugend laben. " Eine zu ihr rief West= Jugendherberge, für die gesamte wandernde Jugend beſtimmt, soll phal in seiner Ansprache die Arbeiterjugend auf bezeugen. Der Einweihung dieses Heims der Sozialistischen Arbeiterjugend war der zweite Lag der Reichskonferenz gewidmet. Bergeffen waren die leidenschaftlichen politischen Auseinandersetzungen des vorhergegangenen Tages, die ungeteilte Anerkennung für die fulturelle Arbeit des Hauptvorstandes kam hier nicht durch Worte, doch in den leuchtenden Augen und den freudig rhythmisch schlagenden Herzen zum Ausdruck. Zuerst eine Stunde Schmalspurbahn bis Berka, dann 12 Kilometer zu Fuß nach Schloß Tännich, spielend und singend zurückgelegt, und endlich die freundliche kurze Begrüßung durch den Verwalter, Genoffen Heinz. Er sprach mit Goethe: Warum stehen Sie davor, ist nicht Tür da und Tor? Kommen Sie getrost herein, sollen wohl empfangen fein." Ein furzer Gang durch die freundlichen Räume der Schlafzimmer mit den weißbezogenen Betten, durch das Lesezimmer mit seinen vom Hauptvorstande gestifteten Stühlen und mit der auch von ihm stammenden Uhr, durch den Festsaal, dessen Wände von Malerhand mit einem tiefdurchdachten Gemälde geschmückt sind. Es schildert den schmerzlichen Aufstieg des Arbeiters, durch Maschinenknechtschaft und Kriegsqual, von Finsternis zum Licht, vom Leid zur Freude.. Um 1 Uhr findet im prächtigen Part, bei Kaffee und Kuchen die uebergabe des Ferienheims an den Verband des SAJ. statt. Ein hübscher, von einem Festgenoffen schnell verfaßter Vorspruch leitet die furze Feier ein. Genosse Westphal dantt dem Hauptvorstand, den Bielefelder und Thüringer Genossen und allen, die bei dem Entstehen des Werkes mitgeholfen haben. Als Leiter des Zweigbezirks des Verbandes deutscher Jugendherbergen gibt der Lehrer Leisling feiner Freude darüber Ausdruck, daß hier eine neue Jugendherberge geschaffen ist; die Sozialistische Arbeiterjugend ist stets die energischste Vorfämpferin der Jugendherbergebewegung Der frühere Ministerpräsident Thüringens, Genosse gewesen. Frölich, bedauert, daß das Wert von den Thüringer Genoffen nicht zu Ende geführt werden konnte. Solange die Sozialdemokratie im Lande die Macht hatte, baute sie am Kulturwerke des Profetariats. Nun baut die Reaktion alles ab. Er ermahnt die Jugend, auch in späteren Jahren ihren Ideen treu zu bleiben und ruft ihr zu: Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Die Uebergabe ist vollzogen, in Tanz und Spiel bleibt man zusammen. Ein Teil der Anwesenden will schon diese Nacht die Gastfreundschaft des Ferienheims in Anspruch nehmen. Die Bewohner der benachbarten Dörfer lauschen dem fröhlichen Spiel der Jugend. So findet die Reichsjugenkonferenz ihren Abschluß. Es gab harten Kampf der Meinungen, es gab freudige Bejahung des fezialistischen Kampfes und sozialistischer Lebensgemeinschaft. Schloß Tännich soll eine Stätte der Erholung vom Kampf, eine Stätte der Pflege wahrer Gemeinschaft werden. S & CAVALIN DAS STREUPULVER GEGEN ACHSEL- u.FUSSCHWEISS Überall erhältlich! Cavalin an Sommertagen schafft unendliches Behagen. Der Streupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen. Für Sport und Wanderung. teuren Süßstoff 3uder! Jogal hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Rheuma, Nerven- und Jschias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,3% Acid. acet, salic., 0,405% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum