fe.238441.Jahrgang Ausgabe A nr. 122 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlic 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und geit" mit ,, Gied Tung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareilleseile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Ueber das Ergebnis der geffrigen Besprechungen der Deutsch-| Volkspartei kein Verdienst hat ist dieser Versuch gescheitert.| dessen wurden die Verhandlungen auf Donnerstag, vormittags 10 nationalen mit den Parteien der Mitte und der am Nachmittag flattgefundenen Frationsfihung der Deutschnationalen gibt die Deutfcnationale Pressestelle folgenden parteiamt. lichen Bericht aus: Die Deutschnationale Volkspartei hat in der gestrigen Befprechung mit den Vertretern der Mittelparteien den Borschlag gemacht, die Lösung der für die Regierungsbildung bestehenden Schwietigkeiten in der Voranstellung der Personenfrage zu fuchen. Eine nach Ansicht der Deutschnationalen Volkspartei zur Führung hervorragend geeignete überparteiliche Persönlichkeit ist den anderen Fraktionen benannt worden. Die Verhandlungen darüber haben eine Wendung genommen, auf Grund deren die Deutschnationale Volkspartei ihre Initiative in dieser Richtung zunächst eingestellt hat. * Das Zusammentreffen der Mittelpartejen mit den Deutschnationalen am Berhandlungstisch hat gestern morgen stattgefunden. Die Verhandlungen wurden ergebnislos abgebrochen. Die Abendpresse besprach, teils erregt, teils zurück haltend, Gang und Aussichten der Berhandlungen. Am Abend gab eine parteiamtliche Erklärung der Deutschnationalen Klarheit über die Berhandlungen, deren wahrer Verlauf inzwischen bekanntgeworden war. Die Deutschnationalen geben ihre Initiative in den Verhandlungen auf. Erbärmlich gescheitert, und damit das Prestige, das die Deutschnationalen sich vor ihren Wählern zu geben suchten. Ob angesichts der erbärmlichen Haltung der Deutschnationalen die Mittelparteien noch eine Ehre darin erblicken, mit den Deutschnationalen neue Verhandlungen zu führen, die über flare politische Frage und klare politische Beantwortung hinausgehen? Ob sie der Ansicht sind, daß mit diesen Verhandlungsfünstlern internationale Verhandlungen von weltgeschichtlicher Bedeutung geführt werden können? ** Ueber die Besprechungen der Mittelparteien mit den Deutschnationalen erfährt der Sozialdemokratische Parlamentsdienst: der Deutsch nationalen mit den Mittelparteien, Was ist in diesen Verhandlungen geschehen? Haben sich die Gegensäge in der Frage der Außenpolitit als unüberbrückbar erwiesen? Hat sich erneut die Kluft darüber oufgetan, ob Annahme oder Ablehnung der Gutachten im nationalen Interesse liege? Haben die Deutschnationalen, um in ihrer Tonart zu sprechen, die großen nationalen Interessen verteidigt gegen die verräterische und feige Erfüllungspolitik, haben sie die Rückkehr von der verworfenen Republik zum faiser lichen Deutschland gefordert? 3iehen fie fich zuständigen. Als Kanzlerkandidat. wurde- man sollte es kaum rid, meil ihre Auffassung der nationalen Interessen fich als unvereinbar erwiesen mit der Auffassung der demokratischen Mitte? Nichts von alledem: Die Deutschnationalen ziehen sich zurück, weil ihnen nicht von vornherein der Reichskanzlerposten für Herrn von Tirpig, nicht die verlangte Zahl von Portefeuilles zugestanden wurde, weil die Mittelparteien nicht national genug waren, um die Bolitik hinter die Frage der Ministersize zurückzustellen. Das erste Zusammentreffen der Deutschnationalen mit den Mittelparteien hat gezeigt, worum es ihnen geht: Um die Macht, um nichts als die Macht.. Sogar um weniger: Um Ministerportefeuilles. Nun war die Stunde da, wo die Deutschnationalen zeigen konnten, wie sie Klarheit, Zielbewußtsein, politischen Beitblick, nationales Empfinden und Größe in die deutsche Politik hineinzubringen gedachten: Deutschnationale Politik gegenüber dem verrottesen Parlamentarismus. Was aber war der Inhalt der deutschnationalen ersten Tat? Ein erbärmlicher Kuhhandelsversuch um Personenfragen! So malt sich in den Köpfen der Deutschnationalen der Weg zur Verantwortung, so handelt die Partei, die in ihrer perlogenen und hezzerischen Agitatien die Berleumdung von der Futterkrippenwirtschaft gegen die Parteien gebraucht hat, die Verantwortung auf sich genommen hatten. Noch keiner der Parteien, die im Verlaufe der parlamenta rischen Geschichte des neuen Deutschland über Koalitionsfragen rerhandelt haben, ist es eingefallen, den wichtigsten politischen Fragen Personenfragen voranzustellen. Keine der Parteien, die bisher on Regierungstoalitionen beteiligt maren, hat ein folches Maß von politischer Würdelosigkeit und Grundfaglosigkeit bewiesen, wie solche Haltung vorausfekt. 11 Haben nicht die Deutschnationalen im Wahlkampf fich als die Retter der Nation, die Politik der anderen Parteien ols das Berderben des Baterlandes bezeichnet? Ist ihnen jeßt die Rettung des Baterlandes" durch deutschnationale Politik nichts? Sind sie etwa bereit, ihren Batentnationalismus, ihre vielgepriesene rettende" Politik Stüd für Stüd zu vertaufen im selben Maße, wie sie in diesem Handelsgeschäft Ministerfige einhandeln fönnen? Die Deutschnationalen haben sich auf den Boden des parlamen tarischen Systems gestellt, indem sie die parlamentarischen Verhandlungen über die Regierungsbildung aufgenommen haben. Sie haben begonnen mit dem Versuch der Entsach lichung der parlamentarischen Politif, mit einem Versuch, der eine Korrumpierung des parlamentarischen Systems bedeutet. An der feiten Haltung der Mittelparteien an der die Am Mittwoch begannen im Reichstag die Verhandlungen deren 3wed bekanntlich sein sollte, die deutschnationalen Gelüfte nach der Futterkrippe zu stillen. Die Herren fühlen sich übrigens schon jetzt mit der Regierungsbildung beauftragt, denn außer nach links, also an die Mittelparteien, haben sie inzwischen auch nach rechts an die Nationalsozialisten eine Einladung zu Verhandlungen ergehen lassen. Sie wollen sich unter allen Umständen in den Mittelpunkt der Debatte gestellt sehen- und deshalb die Tattik, mit links und mit rechts zu verhandeln und zu fuhhandeln. Diesen Eindruck hinterließen auch die Besprechungen der Deutschnationalen mit den Mittelparteien. Die ,, Sieger" vom 4. Mai fämpften, hier darum, als ernsthafte Sieger jetzt und in Zukunft betrachtet zu werden. Sie verlangten im Berlauf der Verhandlungen, die 1% Stunden dauerten, von den Roalitionsparteien wiederholt, zunächst über die Perso nenfrage, insbesondere über die Person des neuen Reichs tanzlers, zu verhandeln. Sobald über diese Frage Klarheit herrsche, werde es nicht mehr schwierig" sein, sich über das politische Programm der neuen Regierung zu ver= glauben der Großadmiral v. Tirpik in Vorschlag gebracht. Eine schriftliche Formulierung über die Personenfrage legten die Deutschnationalen im Gegenfaz zu den Meldungen der bürgerlichen Bresse nicht vor. Die Deutschnationalen gehen bei ihrer Taktik von folgendem Gedankengang aus: Sie sagen sich, wenn erst das Maß unserer Beteiligung an der Futterkrippe feststeht und unser Anspruch auf die Führung der neuen Regierung als berechtigt von den Mittelparteien und bindend anerkannt ist, besteht immer noch die Möglichkeit, sich über das politische Programm zu verständigen". Anders ist die Geschichte, wenn zuerst die Politik des neuen Kabinetts grundsäglich festgelegt wird. Es wäre 3. B. nicht ausgeschlossen, daß die nach Klärung des Programms zu führenden Verhandlungen über die Bersonenfrage scheitern, die Deutschnationalen sich aber inzwischen zur Erfüllungspolitik bekannt und den besten Trumpf ihrer Oppositionspolitik aus der Hand gegeben haben. Diese Blamage soll vermieden werden, und man will sich mit der jetzigen Taktik für den Eventualfall das Recht fichern, weiterhin von der Ablehnung der Erfüllungspolitik zu leben, wenn die personellen Fragen nicht in deutschnationalem Sinne geregelt werden. Nur deshalb stellen die Deutschnationalen die Klärung der Personenfrage der Festsetzung des politischen Programms voraus. Die Führung der Volkspartei wäre aus parteitat tischen Gründen schon am Mittwoch bereit gewesen, dem Wunsch der Deutschnationalen halbwegs zu entsprechen. Sie hat sich wenigstens im Verlauf der Besprechungen mehr als schwankend gezeigt und erneut die von früheren Tagen be fannte ln zuverlässigteit an den Tag gelegt. = Anders das Zentrum und die Demokraten. So oft die Deutschnationalen verlangten, zunächst über die Personen frage zu verhandeln, lehnten die Vertreter des Zentrums und der Demokraten diese Forderung a b. Sie bezeichneten mehrfach als erste Voraussegung für die Besprechung der Personenfrage eine Einigung über die Grundzüge des Regierungsprogramms, also Annahme des Dawes Gutachtens in seiner Gesamtheit, wie es Macdonald erst kürzlich öffentlich zum Ausdrud gebracht hat. In diesem Sinne ist auch das außenpolitische Programm der Koalitionsparteien verfaßt. Es besagt ausdrücklich, daß das Gutachten der Sachverständigen in seiner Gesamtheit angenommen werden muß und nicht als Grundlage für Verhandlungen betrachtete werden darf. Außerdem werden in ihm in vorsichtiger Form die Ehrenpunkte, d. h. die Ent lassung der Gefangenen, die Rückkehr. der Ausgewiesenen usw. behandelt. Uhr, vertagt. Anschließend trat das Zentrum zu einer Fraktionsbesprechung zusammen. Nach Kenntnisnahme des Verlaufs der Berhandlungen mit den Deutschnationalen wurde erneut be= schlossen, unter keinen Umständen zuerst die Personenfrage zu besprechen und erst dann die Grundzüge des Regierungsprogramms festzulegen. Vielmehr wurde den Unterhändlern der bindende Auftrag erteilt, jede Diskussion über die Personenfrage abzulehnen, bevor nicht über das Programm Klarheit besteht. Den Deutschnationalen wird vorläufig also nichts anderes übrig bleiben, als ihre Taktik zu ändern oder aber die Sehnsucht nach der Futterkrippe auf spätere Zeiten zu vertagen. Jedenfalls steht das eine fest, daß ihr Anspruch, als Sieger des 4. Mai anerkannt und deshalb gebührend behandelt zu werden, von Zentrum und Demokraten abgelehnt worden ist. Aber selbst wenn sie sich jetzt zur Erfüllungspolitik bekennen wollten, wird ihnen kaum Gelegenheit geboten werden, den Reichskanzler zu stellen. Ihr Berzicht auf die Verantwortungslosigkeit von geſtern dürfte keineswegs spricht vorläufig immer noch mehr dafür, daß Herr Marg auch nach spricht vorläufig immer noch mehr dafür, daß Herr Marg auch nach einer Demission des jetzigen Kabinetts wiederkehrt als daß Lirpig im Reich oder Hergt die Führung in Preußen, wie es geplant ist, übernehmen. in dem Maße belohnt werden wie sie es sich denken und deshalb Warnung an die Deutschnationalen Von Wilhelm Sollmann. Köln, 20. Mai. Wenn die Deutschnationale Volkspartei in diesen Tagen mit den Fraktionen der Mitte über ihr außenpolitisches Programm verhandelt, wird sie gut tun, feinen Augenblick den flaren politischen Willen des besezten Ge= bietes außer acht zu lassen. Schließlich würden sich ja die unmittelbaren Folgen Deklamationen, die Versuche, sich von Unabwendbarem zu nationalistischer Gesten und hohler drücken, nicht von den Impresarios„ Deutscher Tage" und den völkischen Jünglingsvereinen fern in der Mitte und im Osten des Reiches, sondern von den durch fremdes Militär erfaßten Pfändern im Westen getragen werden. Die Stimme dieser Boltsteile hat am 4. Mai wieder und noch einmal nach Berlin gerufen: Ehrliche Erfüllungspolitik und Wider stand gegen alle außenpolitischen Abenteuer! In den ganz oder teilweise besetzten Wahlkreisen KölnAachen, Koblenz- Trier, Düsseldorf- Ost, Düsseldorf- West, Westfalen- Nord, Westfalen- Süd haben Stimmen erhalten: Deutsche Bolfspartei 562 004, 3entrum 2 016 329, Demofraten 201 710, Sozialdemokraten 717 233, Unabhängige 58 223, die Par= teien der Befreiungspolitik durch Erfüllung also zusammen: 3 555 499. Die Gegner dieser Politik brachten auf: Völkische 138 026, Deutschnationale 643 526, Kommunisten 903 171, zufammen: 1684 723. Berücksichtigt man noch die Splitterparteien, so hat Rheinland- Westfalen entschieden: 3 750 000 Stimmen für Erfüllung, 1 700 000 Stimmen gegen Erfüllung. Das ist doch wohl unzweideutig, und die Entscheidung wird noch wichtiger, menn man weiß, daß ein sehr erheblicher Teil der rheinischen Deutschynationalen von den außenpolitischen Experimenten ihrer Partei nichts wissen will. Von den Rommunisten sind aber schwerlich auch nur 100,000 als entschlossene Gegner der Versklavungspläne" des Gutachtens anzusprechen. Hat doch die kommunistische Presse im ganzen besetzten Gebiet faum 50 000 Bezieher. Die Hungerstimmen der Kommunisten sind keine Kundgebung gegen eine Berständigungspolitik, sondern im Gegenteil eine Folge des Unterbrechens der Erfüllungslinie durch den Ruhrfampf. Die außenpolitische Willenskundgebung der besetzten Gebiete würde noch fräftiger, wenn man die Wahlergebnisse aus der Pfalz und aus Rheinhessen berücksichtigte, deren genaue Zahlen mir im Augenblick nicht zur Verfügung stehen. Charakteristisch ist auch, daß das Uebergewicht der Parteien des Erfüllens um so größer wird, je mehr man sich den befezten Gebieten nähert. Die Deutschnationalen und eine etwa von ihnen beeinflußte Reichsregierung müssen also einer Tatsache gewiß sein: jeder Versuch einer Außenpolitik im Geiste Helfferichs oder Westarps oder auch Hergts vor seinem Sündenfail wird auf Die Deutsch nationalen waren nicht bereit, dem An- den entschlossenen und geschlossenen Widerstand der Bevölke finnen des Zentrums und der Demokraten zu entsprechen. Infolgerung des befeßten Gebietes stoßen. Oberbürgermeister Ades 3 nauer hatte ganz recht, als er in seiner politischen Mefferede| fott. Zu diesem Deutschen Tag" werden diefe Geleitworte| ministerium zu präsentieren, waren sie nicht bereft, die fett mun faft dem Reichspräsidenten, dem Reichskanzler und den Ministern geschrieben: einem Jahr im Amte fizzende Beamtenregierung durch ein parlaim Namen nahezu der gesamten Bevölkerung der besetzten mentarisches Ministerium abzulösen. Gebiete zurief: Wir verlangen, daß die Außenpolitik der letzten Monate fortgesetzt wird. = Mögen die Deutshnationalen in der Gier nach Regierungssigen, in der Sucht, die Reichswehr und die Schupo gegen die Arbeitermassen kommandieren zu können, in der Sehnsucht, die Landratsämter wieder zu verjunfern, nur die Kleinigkeit nicht vergessen, daß das alles wenig bedeutet gegenüber der ungeheuren nationalen Gefahr einer Kluft zwischen den unerhörte Opfer tragen den besezten Gebieten und einer gegen deren Grundstimmung eingestellten Regierung des Reiches und Preußens. Eine grundsägliche oder auch nur wesentliche Abkehr von den Linien der bisherigen Außenpolitik und auch jedes Abweichen von der demokratischen Ver fassung wird im Westen unterteinen Umständen ertragen werden, müßte unberechenbare Folgen haben. Wenn aber deutschnationale Führer, wie jüngst unbestritten behauptet worden ist, mit Staatsstreichgelüften spielen, so sind die Gedanken daran schon eine Dummheit, der Versuch zur Ausführung jedoch wäre ein furchtbares Verbrechen, dessen schärfste Sühne durch das deutsche Volk uns„ unverzichtbar" Wir Deutschen unter fremder Besaßung sind gespannt, wie die Deutschnationalen uns„ befreien wollen. Einstweilen glauben wir alle, daß hinter den großen Tönen nichts, rein gar nichts steckt. Auf gefährliche Winkelzüge, auf geheime Schiebungen hinter unserem Rücken und auf unsere Kosten werden wir uns nicht einlassen. Schon jetzt sieht man am Rhein mit wachsender Erbitterung auf das parteipolitische Schaukelspiel, das von den Deutschnationalen mit unserem Schicksal getrieben wird. Dabei brennt das Ruhrgebiet, ist der ganze Westen ein grollender Vulkan und spinnen sich neue separatistische Umtriebe an. wäre. Gewiß fennen auch wir schleunigst und mit größerem Nachdruck als in den letzten Monaten zu stellende deutsche Forderungen neben den Reparationsverhandlungen: die endliche Befreiung unserer Gefangenen, die Rückkehr unserer Ausgewiesenen, die Frei= gabe vertragswidrig besegten Gebietes. Wer aber wollte glauben, daß wir auf diesen Gebieten das geringste erreichen könnten, wenn sich Deutschland dem Spruche einer Welt widersetzt? Nirgendwo in Deutschland ist die soziale Krife so zum fozialen Kriegszustand zugespitzt wie im Westen. Die Arbeiterklasse, nicht nur die sozialistische, das Kleinbürgertum, die Beamtenschaft sind durch keinerlei nationalistische Parolen zu erwärmen. Sie verlangen Frieden nach außen, um im Innern Deutschlands nicht verhungern zu müssen. Wehe denen, die diese Massen neuen Kraftproben aussetzen wollen! We starp hat verkündigt, gegen vaterländische Verbände und ihre völkischen Bundesbrüder fönne nicht mehr regiert werden. Das mag sich zeigen. Sicher aber ist eines: es tann im Reiche féine Außenpolitit ge trieben werden, die nicht verständig und freudig von den besezten Gebieten getragen wird. Weil uns die Einheit des Reiches und die Zukunft der deutschen Nation erhaben ist über Wahldemagogie und Strebertum, stellen die besetzten Gebiete die Deutschnationalen vor ein: Entweder Oder! Deutsche Tage trotz alledem! Eine neue Herausforderung durch völkische Mannen. Am gleichen Tage, an dem im Preußischen Landtage über die antirepublikanische Rundgebung von Halle debattiert wurde, veröffentlicht das„ Deutsche Tageblatt" einen bombastischen Aufruf zu einem„ Deutschen Lage" in Kassel, der unter dem Protektorat des Generals von Below stattfinden Letzte Musik. Bon Kurt Singer. Kameraden der alten Wehrmacht zu Wasser und zu Lande! Der deutsche Tag in Kassel bringt ein Gedenken an das, was wir waren. So dürft Jkr alle nicht fehlen. Nehmt Euch ein Beispiel am MoltteTag in Halle, wo es dem zähen Willen aller vaterländischen Verbände, ihrer Massenbeteiligung und Geschlossenheit gelungen ist, allen undeutschen Machenschaften und Gegenmaßnahmen gegenüber sich durchzusehen und das Feld zu behalten. So muß es auch in Kessel werden. Kameraden! Aus der endgültigen Festfolge erseht Ihr, daß ein Dotbeimacich stattfindet, und zwar vor unseren siegreichen Führern des Weltkrieges, die geladen sind und ihr Erscheinen in Aussicht gestellt haben, darunter auch Generalfeldmarschall von Hinden burg. Da brauchen wir Euch, denn wer könnte den Vorbeiburg. Da brauchen wir Euch, denn wer könnte den Vorbeimarsch schneidiger und hinreißender ausführen als Shr? marsch schneidiger und hinreißender ausführen als Shr? So fommt und fäumt nicht lange!... Die Staatsregierung hat erklärt, daß sie alle derartigen öffentlichen Kundgebungen verbietet. Danach ist die Frage, ob sich die Regierung solche offene Berhöhnung ihrer Verfügungen gefallen lassen will. Wenn die Kommunisten allen Verboten zum Trotz ihre Anhänger nach Halle und Fürstenwalde dirigieren, so ist das ein grober Unfug, gegen den die Bolizei mit allen verfügbaren Mitteln vorgeht, selbst wenn dabei Duhende von Toten und Verletzten gezählt werden müßten. Gegen die Monarchisten, die in Halle aufmarschierten, war die Polizei zu schwach. Wie soll das in Kassel werden? Will die Staatsgewalt dort wieder so schwache Kräfte einsetzen, daß die„ Kameraden des alten Heeres" auch dort trotz allem das Feld beherrschen? Kassel wird demnach ein Prüfstein dafür werden, ob Bayern tatsächlich nach Preußen verpflanzt ist, ob die preuBische Staatsgewalt ebenso wie die bayerische von HitlerLeuten aus Ludendorff terrorisiert und überrannt werden kann, oder ob die preußischen Karabiner sich auch einmal gegen völkische Putschisten entladen fönnen. Oldenburg nach den Wahlen. Aus Oldenburg wird uns geschrieben: Die Ergebnisse der Reichstagswahlen im Freistaat Olden burg sind im allgemeinen für die Sozialdemokratische Partei nicht unbefriedigend. Haben wir auch hier und dort an Stimmen ein gebüßt, so ist andererseits zu beachten, daß wir in der größten Stadt des Landes, in Rüstringen, gegenüber den bei der vorjährigen Landtagswahl erzielten Ziffern eine erhebliche Zunahme buchen können. Diese Tatsache wiegt besonders schwer, wenn man bedenkt, daß dort die Deutschen Werke und einige andere SchiffbauUnternehmungen seit balb einem Bierteljahr eine große Anzahl Arbeiter ausgesperrt haben und also der fommunistischen Agitation hier allerlei Spielraum gegeben war. Man kann diese Erscheinung ruhig als ein Zeichen des kommenden Aufschwungs für unsere Partei ansehen. Inwieweit die Hoffnungen berechtigt sind, das werden die voraussichtlich im Herbst im Freistaat stattfindenden Gemeinde. wahlen dokumentieren. In der engeren oldenburgischen Politik steht noch immer die Frage einer Regierungsbildung aus Parlamenta riern im Vordergrunde. Seit fast einem Jahre doftert man an diesem innerpolitischen Landesproblem herum, ohne daß man in dieser gewiß reichlichen Frist bisher auch nur einen Schritt weiter gekommen wäre. Da das Zentrum sich zu der früheren Kleinen Roalition( Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum) feit den im Juni vorigen Jahres vollzogenen Landtagswahlen nicht wieder bereitfinden mochte, sondern die Einbeziehung der Volkspartei forderte, so mußte damit eine Krise beginnen, die nur schwer beizulegen ist. Die durch diesen Zentrumsbeschluß recht mutig gewordenen Volksparteiler stellten erst mal Bedingungen schärfster Art und gaben sich darüber hinaus jede redliche Mühe, die Angelegenheit zu verschleppen. Ja, selbst als man demokratischerseits die ziemlich weitgehende Forderung geschluckt hatte, den früheren Minister präsidenten Tangen höchstens als Reffortminister für das gegen früher in seinem Wirkungsfreise noch eigens beschnittene InnenRosebery d'Argulo müht sich um eine neue Gesangs- und Musikerziehung der Jugend. Er ist Psycholog und Musiker, weiß mit den Jungen zu lernen und zu fühlen, hat das Talent, die Menschen zu musikalisch- produktiven zu machen und wirbt für obligatorische Einführung der Fortbildungsschule der Musik. Was er bietet, bewährt sich und beweist sein fachliches Können. An solisti schen aorträgen, denen Walter Hirschberg fapellmeisterlich assistiert, zeigen Halb- Erwachsene, Halb- Fertige, daß sie auf gutem Wege sind. Es wird über den Idealisten d'Arguto noch zu reden sein. Im Gedächtnis haftet noch eine Sonate von Rudolf Peters ( op. 9) für Geige und Klavier, mit einem kräftig durchgeführten Allegro, einem wizigen Presto und breit gesungenen Adagio, zum Schluß noch Kraft zu rhythmischer Bravour eines Abgesangs findend. Ein schönes Kammertalent! Rissens, Nachklappen der Cembalisten. Willi Heß dirigierte, wie ein erfahrener Lehrer einen genialen Schüler behutsam leitet. Julius Thornberg ist ein Miniaturkünstler der Geige. Unter seinen Fingern lebt die fleine Phrase, die wohlige Melodie blühend auf. Die große fonstruktive Linie geht ihm ab. Die hat Sommeranfang: wir wollen nur noch von einzelnen reden. wieder sein Partner Victor Schiöler in vollem Maß. Sein KlaDas Bochumer städtische Orchester spielte auf Aufforde- vierspiel ist vollgriffig, die Bässe zegen( in César Frands A- Durrung der internationalen Gesellschaft für neue Musit in der Phil- Sonate), zu welchen Haltepfeilern sie werden können, die großen harmonie unter Leitung ihres ständigen Dirigenten Schulzwischenspiele bekommen Ausdruckkraft. So passen Thornberg und Dornburg. Eine hervorragend eingeübte Musiker- Gesellschaft. Schiöler eigentlich nicht zusammen. Trotzdem: ein geschmackvolles, Der Kapellmeister eigenwillig, scharf und streng an Haltung, eine hochbegabtes Duo. drängende Kraft und eine überlegene, zuweilen etwas frampfige Geste. Doch so sehr Musiker, daß er selbst Schwerstes glänzend bezu Hause lassen. Wesentlich ist ja nur, daß er erstklassige Musit macht. Die Arbeit war nicht einfach. Eduard Erdmanns erste Sinfonie hatte einst Aufsehen erregt. Das war ein Griff, ein Wurf, eine Jugend, die sich an Strauß anlehnte und den Kopf voll moderner Sprachelemente hatte. Die zweite ist zwar noch fürzer, aber nicht inhaltreicher. Sie stellt ein paar verwegene und ver= zwickte, taum mehr fühne Themen hin und weiß nichts mit ihnen anzufangen. Nicht das Orchester, sondern einzelne Instrumente werden hörbar. Hier ein kleines Fugato, das im Nu verschwindet, da ein Eulenspiegel- Motiv, das auf Entwicklung vergeblich wartet, dort ein tragisch- pathetischer Afford, der sich großartig aufbäumt und dann zusammenfällt wie Asche. Ein Stück aus lauter Lücken, und ein paar Theatereffekte. Gepinselt, nicht gebaut, gelärmt, nicht gefungen, doziert, nicht gepredigt. Das Scheinerlebnis eines modernen Halbtalents. Bohnfes Klavierkonzert ist in die mächtig zupackenden Finger Edwin Fischers familiär hineingeschrieben. Es flingt überall gut, läßt in der Einleitung und am Schluß des erften Sages eine bärbeißig- gesunde Musikantenkraft spüren, wird im Mittelfaz schwankend zwischen Gefühl und Banalität und im legten donnernde Oberfläche mit einem Stich ins TschaikowskyKonzert. Das Orchester ist sinfonischer geballt und gestaltet, als in Erdmanns Sinfonie. Wo Bohnte modern wird, da schaltet er per= nünftigerweise das Klavier aus. Denn Gesang widerstrebt dem Atonalen. Seine Sprache ist derb und geradeaus; so wirkt sie sympathisch auch da, wo sie nicht mehr gewählt und nicht sehr neu flingt. Es ist ein systematisch gezimmertes, mit Phantasie gefülltes, nicht sehr tiefes, aber dankbares Virtuosenstück. Mehr wollte es wohl auch nicht fein. Fischer brachte es zu großem Klangerfolg. Bronislaw Hubermann war lange fern von Berlin. Jeht spielen, fingen, geigen ja alle, die für das Deutschtum ins Ausland flüchteten, wieder bei uns. Was natürlich mit Dollar und Rentenmartbeziehungen nichts zu tun hat. Hubermann also zeigt den großen, männlichen Ton von einft. Seine Bach- Allegri haben strenge Ronturen, herbe Kraft, flingen also wirklich bachisch. Zum Adagio des E- Dur- Konzerts fehlt immer die innere und äußere Weihe. Er übereilt das Tempo und bringt das Trio einer italienischen Serenade in den Klang. Wie denn überhaupt seine Rantilene nicht frei strömt, sondern von Effekten des Vibrato unterbrochen wird und oft oberflächlich wirkt. Seine Interpretation des Brahmsschen Konzerts ift großzügig und im Technischen vollendet. Der Abend litt unter allerlei kleinen Unglüdsfällen, Plagen der Saiten, Verlieren des Tollers„ Maffe Mensch" in England. Bon Paul Chr. Plottte. London, 19. Mai. Die englischen fapitalistischen Theater sind genau so verrottet, wie die deutschen. Es gibt in England keine Voltsbühnenbewegung wie in Deutschland. So war es denn der„ Stage Society, einer Bühnengesellschaft, der Bernard Shaw und ähnliche Geister als Leiter angehören, vorbehalten, Tollers stärkstes Drama Masse Mensch" in London zur Erstaufführung zu bringen. Dieselbe Gesellschaft hat schon vor einem Jahre„ Die Maschinenstürmer" aufgeführt doch immer nur in wenigen Vorstellungen für einen sehr doch immer nur in wenigen Borstellungen für einen sehr beschränkten Streis von Mitgliedern, so daß das englische Volk von diefen dichterischen Botschaften des jungen Deutschland praktisch unberührt bleibt. Die der Aufführung zugrunde liegende Uebersehung von Louis Untermeyer ist sehr befriedigend. Eine weitere, meinem Empfinden nach nicht so reife Uebertragung von Bera Mendei ist in Buchform erschienen und mit Photographien von der Berliner Uraufführung geschmückt. Die Aufführung selbst, die das große Vorbild der Fehlingschen Inszenierung hatte, bewegte sich auch auf deffen Höhe. Einiges wirfte vielleicht sogar stärker: so die als Marionetten dargeftellten Banfiers im zweiten Bilde; einige Szenen dagegen, wie der Tanz der zum Tode Verurteilten, schien mir etwas ins Tingeltangelhafte abgeglitten zu sein. Die Hauptdarstellerin Sybil Thorn dile( die Sozialistin und Mitglied der Independent Labour Barin ist), sowie die Darsteller der Arbeitermassen hatten sich bewunVor einigen Wochen schien es zwar einmal, als sollte aus den langwierigen Verhandlungen endlich etwas Ersprießliches geboren werden, doch da bestimmte eine Landeskonferenz der Volkspartei, daß die Dinge bis nach den Reichstagswahlen hinauszuschieben seien. Was man damit bezweckte, war unschwer zu erraten. Man fürchtete die Konkurrenz der anläßlich der Reichstagswahlen ziemlich demagogisch arbeitenden Deutschnationalen, die sich für ihre Stimmenfangzwecke sogar einen Bismard als Spitzenfandidaten verschrieben hatten! Einem solchen Manöver gegenüber mußte man selber schwerstes Geschütz auffahren. Also beteiligte sich der Landeschef der Volksparteiler, der Justizrat Lohfe, feinerzeit an der Gründung der Nationalliberalen Vereinigung; also stellte man an die Spitze der volksparteilichen Lifte im Wahlkreise Weser- Ems den gleichfalls nationalliberalen" Herrn Dr. Gildemeister aus Bremen. Alles Dinge, die für Geist, Einstellung und Gesinnung dieser Politiker mancherlei besagten. Trotz dieser Gegenminen sind die Volksparteiler um die gefürchtete Wahlschlappe nicht herumgekommen; in der Frage der Bildung der parlamentarischen Landesregierung, auf die naturgemäß die Ergebnisse der Reichswahlen abfärben müssen, ist man also so flug als wie zuvor. Ja, noch mehr: Gleichzeitig mit den Reichstags= wahlen fanden in dem zu Oldenburg gehörenden Fürstentum Birkenfeld Erfahwahlen zum Landtage statt. Diese waren im vorigen Sommer infolge der Besetzung durch die Ententetruppen hinausgeschoben worden und mußten nun jetzt mit erledigt werden. Und auch hier erlitten die Volsparteiler eine unangenehme Ueberraschung. Während Sozialdemokraten, Zentrum und Demofraten ihre alten mandate dort wieder holten, verlor die Volkspartei ein Mandat; diefes ging an die Kommunisten über. Dieſe an sich sehr geringe Mandatsverschiebung aber gewinnt im Oldenburgischen Landtage bei seinen sehr zugespizten Mehrheitsverhältnissen eine beachtliche Bedeutung. Nicht nur daß durch die Schwächung der volksparteilichen Fraktion um ein Mandat die sozialdemokratische die stärkste Fraktion geworden ist: auch ein Majorisieren des linken Flügels des Landesparlaments durch den aus Deutschnationalen, Bolksparteilern und-Zentrum bestehenden rechten ist in Zukunft nicht mehr möglich. Beide Parteigruppen halten sich die Wage, der Sozialdemokratie aber müßte nach Recht und Usus vom kommenden Winter ab das Präsidium des Landtages zustehen. Ein Posten, den bisher infolge ihrer Fraktionsziffer die Bolksparteiler in Händen haben. Bei allen Kombinationen darf nicht übersehen werden, daß die oldenburgischen Volksparteiler ganz besonders rechts einge stellt sind und daß auch die Entwicklung der Regierungsdinge im Reich nicht ganz ohne Einfluß auf die in Oldenburg bleiben dürften. Reine große Koalition in Oldenburg. Oldenburg, 21, Mai.( TU.) Die Landtagsfraktion der deutschen Volkspartei hat zur Frage der Regierungsbildung in Oldenburg folgenden Beschluß gefaßt: Nachdem der Ausfall der Reichstagswahlen sowohl im ganzen Reiche, wie in Oldenburg- Land gezeigt hat, daß die große Mehrheit der Wähler in den bürgerlichen Parteien bie Koalition mit den Sozialdemi fraten ablehnt, erklärte die deutsche Volkspartei, daß sie sich an der Bildung einer parlamen tarifchen Regierung in Oldenburg auf der Grundlage der großen Roalition nicht mehr beteilige. Tagung des Hauptausschusses des Preußischen Städtetages in Kommunale Tagungen. Unmittelbar anschließend an die Münster i. W. am 26. und 27. Mai findet die Mitgliederversamm lung des Vereins für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitit am 28. und 29. Mai in Godesberg am Rhein statt. Außer geschäftlichen Angelegenheiten stehen auf der Tagesordnung Referate des Oberbürgermeisters Dr. Most über die fünftige Wirtfchaft und Wirtschaftspolitik des Deutichen Reiches und die Einstellung der Städte dazu, des Kieler Stadtrats Dr. Hahn über die Bekämpfung der Wohnungsnot in den europäischen Ländern nach dem Kriege, des Ministerialrats MoII über die Entwicklung der Selbstverwaltung seit 1918. Die Veranstaltung ist die erste größere im besetzten Gebiet. Am 18. Juni hält der Reichstabte bund seine Tagung in Goslar a. H. ab. Die Tages ordnung ist noch nicht veröffentlicht worden. Einige | derungswürdig in ihre für das englische Theater ganz eigenartigen Aufgaben eingelebt. Dem aus gut bürgerlichen Kreisen zusammengefeßten Publikum dagegen schien es schwer zu fallen, sich in den durch Mufit ausgefüllten Aftübergängen des Klatschens, lauten Redens und Anzündens von Streichhölzern zu enthalten. Ich glaube, in dieser Hinsicht ist das deutsche Theaterpublikum besser erzogen. Doch war die Wirkung auch auf diese Zuhörerschaft sehr stark. Der Beifall am Schluß war ungeteilt und nichtenden wollend! Engländer, mit denen ich sprach, fonnten es mit ihrem gefunden Sinn für das praktische Leben einfach nicht verstehen, daß der Schöpfer dieser Tragödie seit 4% Jahren hinter bayerischen Festungs. mauern gequält wird. Warum hat man ihn denn nicht nach ein oder zwei Jahren begnadigt?" fragte mich ein Arbeiterstudent. ,, In England hätten wir das mit einem politischen Gefangenen getan!" Ich konnte ihm schwer begreiflich machen, daß er diese hohe Metrung nicht von der bayerischen Justiz haben dürfe.... Staatsoper:„ Die Entführung aus dem Serail". Erich Kleiber hatte einen guten Tag. Seine orchestrale Vorarbeit und Durcharbeitung ist mustergültig. Allmählich lernt er auch Stimmen zu streicheln, nicht war zu pointieren. Die Befehung mit wenig Streichern entspricht dem silberhellen zarten Ton des Werkes. Gelegentlich wird sogar nur eine Sologeige, Braische oder Cello als Partner dem duftigen Bläserton gegenübergestellt. All das verrät Geschmack, und das atzentuierte Boltern im Schlagzeug auch eine Portion derben Humors, der sonst Kleiber abging. Das Orchester gilt ihm allerdings mehr als die Bühne. Hier hat Aravantinos fehr delikates, mattgoldenes, im Prospekt einengendes Theaterchen aufgebaut, wie zu einem rechten Singspiel, hell und munter, in der einfachen Fläche nur durch wenig Begetation durchbrochen. Auf drei verschiedenen Höhen können die Schauspieler fingen und toben. Richard Tauber ist auch in Mozartschen Arien förmig abgezirkelten Bewegungen seiner Arme sind noch ein üppiges zu Hause. Sein Belmonte tönnte Belcanto heißen. Die gleichSpiel gegen die träge edige Konstanze von Fräulein Eden. Das ist eine Fehlbesetzung, au chwenn die junge Dame in der MarterArie endlich aus ihrer Reserve herausgeht. Elle ne pel mit dem Studentenkäppi auf dem blonden Kopf birgt Laune und heitere Luft in Spiel und Gesang, ebenso en de als Bedrillo. Hellgers allzu offener Baß macht aus dieser Untugend eine Tugend, indem er humorisch alle seine dicken Pointen schwer und schwarz herauspoliert. Ueber dem Ganzen schwingt wie ein Geist aus anderer Welt das duftige Orchesterspiel. Kleiber und seiner Truppe fei gedankt. K. S. Der Radiomenfch. Die Phantafien von fünftlichen Menschen, wie sie etwa in bem Homuntulus des Goetheschen Jaust thren jahrhundertealten Niederschlag gefunden haben, find infolge der immer größeren Leistungen der Tednik in der modernen Dichtung in verstärktem Maße aufgetaucht. Verschiedene Dichter, wie etwa Joief Winfier und der Tscheche Caepet, haben unabhängig voncinander Bisionen gelideri, in denen Heere von fünstlichen Menschen die Wirtschaft und Politik der Welt vollständig umgestalten. Die durch das Radio gezeigten Möglichkeiten haben aber eine solche Konstruktion jezt in das Bereich theoretischer Erwägung gerückt. In der Kriegss Wachsende Erbitterung im Ruhrkampf. Gefahr größerer Unruhen. Bochum, 21. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Bergarbeiter sind der Aufforderung der Unternehmer, die Arbeit zu den Bedingungen des Berliner Schiedsspruches wieder aufzunehmen, nicht nachgekommen. Eine Wendung in der Haltung der Massen hat sich nur insoweit vollzogen, als sich eine starke Erbitterung bemerkbar macht. Die Gefahr größerer Unruhen ist ge= wachsen und Versuche, die bisher größtenteils ausgeführten Notstandsarbeiten zu verhindern, werden zahlreicher. Auf fast der Hälfte aller Schachtanlagen sind die Notstandsarbeiten entweder gänzlich eingestellt oder sie werden nur noch unzureichend verrichtet. Die unmittelbaren Folgen dieser Maßnahmen, die sich gegen die wiederholten Parolen der Verbände richten, werden sich bemerkbar machen, wenn der Kampf beendet ist und die Arbeit wieder aufgenommen werden soll. Der Einsatz der Polizeifräfte zum Schuhe der Zechenanlagen erweist sich gegen die flutenden Menschenmassen als viel zu gering. Kämpfe zwischen Polizei und Bergarbeitern. Je länger aber der Kampf anhält, um so größer wird die Not werden, um so größer aber auch die Erbitterung, welche die Arbeiterschaft beherrscht. Die angeblichen Berliner Meldungen, die besagen, daß man an den zuständigen Stellen in fürzester Frist einen Zusammenbruch der Bewegung erhofft, haben große lieberraschung hervorgerufen. Man scheint, wie hier betont wird, in Berlin nicht zu ahnen, daß sich inzwischen im Ruhrgebiet etwas ganz anderes entwickelt als der Geist der Unterwerfung unter die Miüfür des Zechenkapitals. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch fanden z. B. schon auf Zeche„ Brassert" bei Marl Kämpfe zwischen Polizei und Bergarbeitern statt. Die Zechen tore wurden gesprengt. Die Polizeiverstärkungen sind mit Schüssen empfangen worden. Durch Eingreifen der Besakungstruppen wurde der Kampf beendet. Die belgischen Truppen haben die Zugangs. straßen abgesperrt und die Zeche mit Waffengewalt besetzt. Der unionistische Betriebsrat, auf dessen Veranlassung die Kämpfe fich entwickelten, ist geflohen. Mehrere Arbeiter wurden lebensgefährlich verletzt. Eingreifen der Besatzungsbehörde. " Wo es die Interessen der Besatzungsbehörden verlangen, greifen die Franzosen ein. Das geschieht besonders auf jenen Zechen, die zum Gaserwerb benötigt werden. Jetzt meldet sich auch noch die Micum" mit ihren Ansprüchen. Die von Havas angekündigte und bereits zur Ausführung gelangte Beschlagnahme und Abfuhr der Brennstoffe wird den Kohlenmangel der Industrie verschärfen. Weitere Betriebsbeschränkungen und Betriebsstillegungen der Werke sind zu erwarten. Die Gemeinden und auch mehrfach vereinzelte Händlervereinigungen versuchen, die größte Not unter den Ausgesperrten zu lindern, aber schon wird berichtet, daß die Kraft der Kommunalverwaltungen am Ende ist. Bon privater Seite fließen an sich erhebliche Zuwen dungen für die kämpfenden Arbeiter. Die Reedereifirma Gebr. van den Boom in Rotterdam hat sich bereit erklärt, bei einer eventuellen Hilfsaktion für die Familien der Ausgesperrten ihren Eildampfer- Lebensmittel- Güterdienst Rotterdam- Köln für die Beförderung der Liebesgaben zur Verfügung zu stellen. Aber bei dem stetig wachsenden Unterstützungsbedürfnis ist auch die bereits ge= Teiftete anerkennenswerte Hilfe zu gering, als daß sie zu einer Entspannung wesentlich beitragen fönnte. Der Spruch der Gutachter. Amtlich wird mitgeteilt: Auf die vom Reichsarbeitsministerium vorgelegte Frage: Welche Arbeitszeit galt am 1. Mai 1924 im vergelegte Frage: Welche Arbeitszeit galt am 1. Mai 1924 im rheinisch- westfälischen Steinkohlenbergbau für die Arbeiter unter Lage? haben die im Reichsarbeitsministerium einberufenen Sachverständigen das folgende Gutachten beschlossen: Am 1. Mai 1924 war die Arbeitszeit in folgender Weise geregelt: 1. Die Normalarbeitszeit betrug 7 Stunden nach Maßgabe des§ 2 des Manteltarifs. 2. Zugleich befiand die Verpflichtung zur Leistung einer Ueberstunde nach Maßgabe des Tarifabkommens vom 29. November 1923. 3. Bei der Schwierigkeit der rechtlichen Betechnik sind bereits, und zwar von deutscher Seite schon vor dem Kriege, Werkzeuge aufgetaucht, die aus der Ferne gelenkt werden tönnen. Die französische Regierung hat das durch Radio fontrollierte Flugzeug ausprobiert, das von der Erde aus tadellos gesteuert wird und Bomben an einer gewünschten Stelle abzuwerfen vermag. Die Bereinigten Staaten erbauten das Radic- Schlachtschiff Jowa", dessen Feuerung, Steuerung und Bewegung durch Radio erfolgt, entmeber von einem Kontrollschiff oder von einem Flugzeug aus. Man hat diese neue Wissectschaft, mit Ratio mechanische Wirkungen auf große Entfernungen hervorzubringen, Telemechanit" getauft. Diese Telemechanik bringt uns nun auch den Radiomenschen, über den auf Grund amerikanischer Angaben in Reclams Univerjum näheres mitgeteilt wird. Der Ingenieur H." Gernsbad hat Zeichnungen für eine Maschine entworfen, die dem menschlichen Körper nachgebildet ist und nach seiner Ansicht von jedem Technifer mit den bereits bekannten Hilfsmitteln gebaut werden kann. Dieser Radiomesch kann im Kriege als furchtbare Waffe verwendet werden, aber auch zu Bolizeizwecken dienen, um z. B. eine Menge zu zer Streuen. Die Maschinerie besteht aus einem Gasmotor von 20 bis 60 Bferdefiärken, enthält einen Radicaufnahmeapparat, der nach den Zeichen, die von dem hinterherfahrenden Kontrollwagen gegeben werden, die Maschine die notwendigen Bewegungen ausführen läßt. Auf diese Weise schreitet der Radiomensch auf seinen Beinen octwärts, hebt und dreht den Arm usw. An den Armen steden mit Lederriemen befestigte Kugeln, die als Erfaß des Gummiknüppels gelten. Der Apparat führt auch Tränengas mit sich, das ihm eniströmt, wenn die Menge nicht auf den durch einen Lautsprecher gegebenen Befehl hin auseinandergeht. Das ungeheuer, das gegen Sugelfeuer geschützt ist, trägt zur Erhaltung des Gleichgewichts im Oberschenkel einen sehr feinen Apparat, das sogen. Gyroskop, hat statt der Füße tieine Motorraupen, auf denen es sich außerordentlich schnell fortbewegt, ist für Nachtangriffe mit Augenlichtern versehen und steht durch ein Telegraphon mit dem Kontrollwagen in ständiger Verbindung. Die Schweizer Landesausstellung für drahtlose Telegraphie und Telephonie wurde am Mittwoch, den 21. d. M., in Genf eröffnet In feiner Begrüßungsansprache erklärte Bundesrat Haab u. a., die Radiotelephonie dürfe nicht mehr staatlichen Monopolanstalten referviert bleiben, fie müſſe vielmehr ein Gemeingut des Volkes und jedermann zugängig werden. Die alleinige Aufgabe des Bundesrais jei es, zum Zwecke der Vorbereitung des neuen Verkehrsmittels unter möglichster Schonung der einzelnen, Ordnung in das Radiowesen zu bringen, wobei ohne Härten verfahren, im Gegenteil unterstügend gewirkt werden solle. Die Ausstellung hat zwei Abteilungen: eine wissenschaftliche und eine industrielle. Entlassung " Profeft gegen die Bismarc- Ausführung. Der Verlag Gustav Kieben heuer schreibt uns:" Seit einigen Tagen wird im Apollo- Theater Die von Emil 2udwig aufgeführt. Wir teilen Ihnen als Berleger und Verfügungsberechtigte ergebenit mit, daß der derzeitige Bühnenleiter Herr Dr. Grzyb das Aufführungsrecht von uns nicht erworben bat. Ueberdies ist der Zert des Dramas durch Streichungen in einer Weise verunstaltet, daß ein zutreffender Eindruck von dem Schauspiel unmöglich zu gewinnen ist. urteilung ist nicht anzunehmen, daß die Weigerung der Arbeitnehmer| Rampf für die Gesamtarbeiterschaft von so großer Bedeutung ist, zur Leistung der Ueberstunde auf ein schuldhaftes, vertragswidriges Berhalten zurückzuführen ist. Die Sachverständigen werden zu diesem Gutachten eine Begründung ausarbeiten, die der Deffentlichkeit gleichfalls mitgeteilt werden wird. Die Besprechungen in Brüssel. Der Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes, Husemann, hat fich in Begleitung des Verbandssekretärs Limberg nach Brüssel begeben, um an der Tagung des Exekutivausschusses der Bergarbeiter- Internationale zur Erörterung der Lage im Ruhrgebiet teilzunehmen. Husemann wird als Hauptreferent über die Bewegung der Ruhrbergarbeiter berichten. Erneute amtliche Vermittlung im Ruhrkampf Besprechungen in Essen. Der Reichs- und Staatskommissar Mehlich hat die Parteien des Ruhrbergbaues auf Freitag, vormittags 10 Uhr, nach Essen zu einer Besprechung der zwischen ihnen strittigen Fragen eingeladen. Gewerkschaftliche Solidarität. Düsseldorf, 21. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die am 21. Mai in Düsseldorf tagende Konferenz der Gauleiter und Gefretäre der Ortsausschüsse von Rheinland- Westfalen und Lippe nahm Stellung zum Kampf der Bergarbeiterschaft. Die Führung des Kampfes muß nach wie vor in den Händen der Bergarbeiterverbände liegen. Die Konferenz erwartet von der Gesamtarbeiterschaft des Bezirks, daß sie nur den Anweisungen und Parolen der Bergarbeiterverbände Folge leistet und alle anderen Parolen, die von unverantwortlichen Stellen ausgegeben werden, ablehnt. Es liegt nicht im Interesse der Gewerkfchaften, ihre wirtschaftlichen Kämpfe zur Erreichung einseitig partei politischer Ziele und Bestrebungen mißbrauchen zu lassen. Alle Or ganisationen der Freien Gewerkschaften in allen Orten des Rhein lands, Westfalens und von Lippe werden erneut aufgefordert, mit allergrößter Energie Geldsammlungen nicht nur unter der Arbeiterschaft, sondern auch in den mit der Abeiterschaft sympathifierenden Kreisen zu organisieren. Um die Kämpfenden nach einheitlichen Richtlinien zu unterstützen, sind die gesammelten Gelder an den Vorstand des ADGB. in Berlin abzuführen. Dort, wo die Möglichkeit besteht, Lebensmittel für die Bergarbeiter zu sammeln, haben die Ortsausschüsse auch solche Sammlungen zu organisieren. Die Konferenz begnügte sich nicht, den Bergarbeitern ihren Willen zu tatkräftiger, finanzieller Unterstüßung auszusprechen. Gie war sich bewußt, daß die Bergarbeiter in diesem schweren Kampf für ihre gerechten und auch außerhalb der Arbeiterschaft von allen Billigdenkenden anerkannten Forderungen die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands auf ihrer Seite wissen müssen. Von Vertretern maßgebender Organisationen wurde zum Ausdruck gebracht, daß dieser daß alle erfolgverfprechenden Rampfmittel zur Anwendung gebracht werden müssen. Die Bezirksleitung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde beauftragt, gem ein= sam mit dem Bergarbeiterverband und dem Bundesvorstand des ADGB. alle dahingehenden Maßnahmen zu be= raten und ihre Durchführung zu organisieren. Die Lage im fächsischen Bergbau. Dresden, 21. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag begannen im sächsischen Arbeitsministerium auf Anregung des Reichsarbeitsministeriums. Verhandlungen zur Beilegung der Differenzen im sächsischen Steinkohlenbergbau. Den Borsiz führte als Schlichter Oberregierungsrat Dr. Tiburtius vom Reichsarbeitsministerium. Nach mehrstündigen Verhandlungen reicht. In einzelnen Fragen verhielten sich die Arbeitgeber jedoch immer noch ablehnend, so daß weitere Berhandlungen im Augenblick feine Erfolgmöglichkeiten erwarten ließen. Der Ver-. treter des Reichsarbeitsministeriums regte deshalb an, im Anschluß an die Verhandlungsversuche ein Schlichtungsverfahren durchzuführen. Die Gewerkschaftsvertreter gaben die Erklärung at, Daß ihr gegenwärtiges Mandat zur Durchführung des Schlichtungsverfahrens nicht ausreichend sei. Eine grundsätzliche Ablehnung des Schlichtungsverfahrens wurde von beiden Seiten nicht ausgesprochen. Boraussichtlich finden am Freitag in Berlin weitere Berhandlungen statt. wurde eine Annäherung der Parteien in einigen Bunkten erMaslows Verhaftung. Mit der Verhaftung Maslows verliert die deutsche kommunistische Partei ihren zurzeit weitaus bedeutendsten Führer. Ihm gegenüber tritt Ruth Fischer, trotzdem sie als Agitatorin be tannter und mehr an die Deffentlichkeit getreten ist, zurück. Bei der eigenartigen Entwicklung, die die Kommunistische Partei in der letzten Zeit genommen hat, wird diese Verhaftung voraussichtlich nicht ohne Einfluß auf die KPD. bleiben. Maslow, der nach Leipzig transportiert wird, ist übrigens unter recht eigenartigen Umständen verhaftet worden. Er verdankt seine Berhaftung einem 3 ufall". Er wurde im Lunapark von Kriminalbeamten für einen Taschendieb gehalten, unter dem Verdacht des Taschendiebstahls festgenommen und dem Erkennungsdienst vorgeführt. Dort erst stellte man fest, daß es sich um Maslow handelt. Begnadigung im Kiewer Prozeß. Moskau, 21. Mai.( Eigener Bericht.) Das Präsidium des Allukrainischen Zentral- Erefutiv- Stomitees hat die in dem Kiewer ProTodesstrafe ausgesprochen war, ist an ihre Stelle eine zehnjährige zeß verurteilten Universitätsprofessoren 5egnadigt. Soweit die Gefängnisstrafe getreten. Bei den übrigen Angeklagten wurde die Strafe auf die Hälfte herabgesetzt. In der Begründung wird u. a. darauf hingewiesen, daß die Verurteilten Reue an den Tag gelegt haben. Deutsch- französische Verständigung. Eine Unterredung mit Herriot. V. Sch. Paris, 21. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Eduard Herriot, der am Mittwochpormittag zum erstenmal seit der Wahl in Paris eingetroffen war, hatte sofort Besprechungen mit den führenden Persönlichkeiten der befreundeten linken Parteien. Um die Mittagsstunde begab er sich mit Painlevé, wie andererseits gemeldet, auf Einladung Millerands ins Elysée, wo die beiden tommenden Staatsmänner mit den zwei Hauptbesiegten des 11. Mai eine erste offizielle Konferenz hatten. Kurze Zeit darauf empfing mich der voraussichtliche Nachfolger Poincarés zu einer längeren Unterredung. Die herzlichkeit und die Wärme, mit der Hérriot zu mir sprach, vor allem aber der Inhalt seiner Ausführungen, legen beredtes Zeugnis dafür ab, daß er volles Verständnis für die Lage Deutschlands und die Voraussetzungen einer deutsch- französischen Verständigung hat. Ich kenne erklärte Herriot- Deutschland von der Borkriegszeit her, ich habe dort manche Freundschaft gezählt. Meine Sympathien gelten nach wie vor den breiten Massen des deutschen Volles, den Arbeitern, Angestellten und kleinen Leuten, die unter dem Kriege und seinen Folgen genau so wie bei uns gelitten haben und genau so wie unsere Volksgenossen den Frieden wünschen und brauchen. Eine Lösung der Reparationsfrage tann und muß auf der Grundlage des Sachverständigen berichts erzielt werden. Die deutschen Republikaner fönnen die Gewißheit haben, werden. Die deutschen Republikaner können die Gewißheit haben, daß ich der Mann bin, mit dem die Diskussion am leichtesten sein wird. Ich verlange daher von der Gegenseite eines: Den guten Glauben. Ich glaube, daß ich selbst ein Mann des guten Glaubens bin. Ja, ich weiß, daß ich das bin. Aber gerade deshalb muß ich wissen, daß auf der Gegenseite derselbe gute Glaube vorhanden ist. Den republikanischen Parteien in Deutschland stehe ich in dieser Hinsicht ohne Boreingenommenheit gegenüber, nicht aber den offenen und hinterliftigen Nationalisten. Ich finde es durchaus natürlich, daß man die Interessen seines Landes zu schützen versucht. Ebenso wie ich das tun werde, erwarte ich das gleiche von den deutschen Staatsmännern. Ich hätte keinerlei Vertrauen zu einem deutschen Staatsmann, der nicht die Interessen seines Landes vertreten würde. Es wird sich dabei selbstverständlich manche Meinungsverschiedenheit ergeben. Aber es gibt feine Gegenfäße, und mögen sie noch so tief erscheinen, die nicht überbrüdt werden können. Dazu ghört nur eines: Guter Wille, guter Glaube und Offenheit. Freilich stehen wir vor einer sehr schwierigen Lage, aber es darf feine Anstrengung gescheut werden, um sie zu meistern. Die glückliche Lösung der deutsch- französischen Frage ist die höchfte, die ethischste Aufgabe, vor die Staatsmänner jemals gestellt wurden. Dabei wird man auf beiden Seiten sowohl Tatsachen wie auch Empfindungen berücksichtigen müssen. Deutschland wird sich dessen bewußt sein müssen, daß seine wirtschaftliche Lage in mancher Hinsicht viel vorteilhafter ist als die Frankreichs; es wird fich namentlich seiner schwebenden Schuld restlos entledigen können, während auf unserem Volke eine drückendere äußere und innere Schulb laftet, aber die Geldopfer, die eine Lösung des Reparationsproblems deutscherseits bedingen, können unmöglich ein unüberwindbares Hindernis für ein gutes deutsch- französisches Verhältnis sein. Ich denke dabei stets an unfer altes franzöfifches Sprichwort: Gelb beutelwunden sind nicht tödlich." Jedenfalls werde ich alles tun, was an mir liegt, damit eine ösung gefunden wird, die von keinem Gefühl der Selbstsucht beeinflußt sei und auch keine solche erzeugt. Ich glaube im übrigen aus voller Ueberzeugung an das segensreiche Wirken des Völkerbundes bei der Lösung aller großen Probleme der Zukunft. wird man einen jeden Wunsch unterbreiten können, ich werde stets den besten Willen zeigen. Nur um es nochmals zu betonen: ich verlange Offenheit, guten Willen, guten Glauben. Das ist meine einzige Voraussez ung, und ich erwarte das bei der Behandlung sowohl des Reparationsproblems wie aller anderen Fragen, die das deutsch- französische Verhältnis berühren. Ich kenne nicht Ludendorff und die Herren der Schwerindustrie, ich habe nichts für sie übrig. Was ich will, das ist den Völkern den Frieden zu geben. Es wäre die höchste Ehre meines Lebens, wenn es mir gelänge, dieses Ziel zu erreichen. Ich gehe darauf aus, die künftige Versöhnung zwischen den beiden größten Nationen des europäischen Kontinents anzubahnen. Und es wäre zugleich die höchste Ehre aller derer, die in beiden Ländern an dieser großen Aufgabe mitwirken würden. Diese Aufgabe ist nicht leicht, sie wird künstlich durch die Nationalisten erschwert. Sie sehen, mit welch fanatischem Haß und mit welchen Mitteln ich schon jetzt betämpft werde. Der Borstoß mit ganzer Kraft gegen den Frank in den letzten Tagen ist kein Zufall, aber nicht geringere Sorge macht mir die Entwicklung in Deutschland seit der Reichstagswahl. Welche Regierung werde ich morgen drüben vor mir haben? haben? Von ihrer Gestaltung hängt vieles, wenn nicht alles a b. Aber das große Wert muß gelingen, wenn sich die Demokratie beider Länder wirksam gegenseitig unterstützt. Noch mals: Offenheit, guter Wille und guter Glaube. Dann wird das Werf gelingen." Mit diesen Worten, die von tiefer Ueberzeugung und startem Idealismus getragen waren, schloß der Mann, der wahrscheinlich Frankreichs kommender politischer Führer ist, seine Erklärung. Painlevés Programm. Condon, 21. Mai.( WTB.) Painlevé erklärte in einer Unterredung mit dem Pariser Berichterstatter des„ Daily Herald" zum Ergebnis der französischen Wahlen, der Wunsch Frankreichs, an der endgültigen Befriedung Europas teilzunehmen, sei von jetzt an un anfechtbar, aber gerade deshalb sei es wichtig, zu verstehen, daß der gute Wille nicht als Verzichtleistung auf rechtmäßige Reparationen ausgelegt werden könne. Wenn der gute Wille der französi= schen Regierung auf einen ebenso guten der deutschen stoße, so werde es nicht lange dauern, bis eine neue Aera der französisch= deutschen Beziehungen beginne. Die Annäherung zwischen Großbritannien und Frankreich werde sich unmittelbar vollziehen. Beide würden zusammenwirken, um dem Bölkerbund größeren Einfluß, größere Macht und größeres Prestige zu verleihen. Hinsichtlich der interalliierten Schulden werde sich Frankreich als loyaler Schuldner zeigen; es könne jedoch keine unerfüllbaren Verpflichtungen eingehen, und um erfüllen zu können, müsse es wissen, was es von Deutschland zu erwarten habe. Painlevé erklärte endlich, er sei für den Eintritt der Sozialisten in die Regierung, als deren dringendste Aufgabe er die Stabilisierung des Frank betrachte. Politische Konferenzen in Paris. Paris, 21. Mai.( WTB.) Der Präsident der Republik mille. r and hat heute vormittag den Vorsitzenden des Senats Doumergue und Finanzminister François Marfal empfangen. Um 12 Uhr hat die angekündigte Besprechung des Präsidenten mit den Abgeordneten Bainlevé und Herriot im Beisein von Ministerpräsident Poinvaré begonnen. Einem Mitarbeiter der Information erklärte Herriot bei seiner Ankunft in Paris, er wolle aus den Wahlen vom 11. Mai die Konsequenzen ziehen, also ein Ministerium des Blocks der Linken bilden; seine Haltung werde durch den Parteilongreß endgültig be. Mir stimmt werden. Wenn ich morgen das Amt übernehmen sollte, dann wird sich eine republikanische deufsche Regierung mit vollem Vertrauen an mich wenden können. Gewerkschaftsbewegung paganda durch Außenstehende nur eine geringe Mehrheit für AbSchiedsspruch für die Metallindustrie. Im Bohnstreit in der Groß- Berliner Metallindustrie fällte gestern das Schiedsgericht nach mehrstündigen Beratungen folgenden unglaublichen Spruch: Die Löhne betragen ab 19. d. M. in den Klaffen 1-5 pro Stunde 53, 50, 48, 45 und 43 f., die Affordbafen 51, 48, 43, 41 und 39 f. Diese Löhne gelten als Mindestlöhne. Die Frauenzulage fällt fort, die Kinderzulage, wird con 4 Pf. auf 2 Pf. für jedes Kind herabgesezt. Der Spruch wurde gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter gefällt. In den mehrwöchigen Verhandlungen, die, das muß betont werden, ohne Zutun des Metallkartells zustande kamen, zeigte sich immer deutlicher die Absicht der Unternehmer, den jetzt bestehenden tariflosen Zustand durch ein Lohnabkommen zu beenden, das ihnen in bezug auf die Regulierung der Verdienste der Arbeiter freie hand läßt. Die Arbeitgeber waren ohne weiteres gelegt. Das Resultat der Abstimmung war froß der üblichen Pro| lehnung. Es hatte die Streifleitung zu prüfen, welche Taktik nun anzuwenden sei. Ablehnung bedeutete: zum Angriff überzugehen. Dies war unter den obwaltenden Umständen nicht zu empfehlen. Da die fazungsmäßige Mehrheit gemäß den Bundesfagungen nicht erreicht war, galt der Vergleichsvorschlag für die Mitglieder für angenommen. In der Diskussion wurde die Situation in sachlicher Weise erörtert und die Lattik der Leitung im allgemeinen gutgeheißen. Von einigen Rednern wurde jedoch bemängelt, daß in der durch die Urabstimmung geschaffenen neuen Situation von der Leitung selbst entschieden wurde, ohne den Bertrauensförper, die Generalversammlung, zu hören. Im Schlußwort zerstreute Thöns auch diese Bedenken. Nachdem er im besonderen auf die Strömung der Akkordmaurer hingewiesen hatte, fand die Versammlung einen würdigen Abschluß. bereit, den Affordarbeitern während der augenblicklichen zufrieden. Nicht Hunderttausende, Millionen " stellenden Konjunktur Verdienste zuzubilligen, die 50, 60 Prozent und mehr über der seitherigen Affordbasis von 48 Pf. liegen. Die Unternehmer spekulieren darauf, bei einem zurückgehenden Geschäftsgang auf Grund der tariflich festgelegten, äußerst niedrigen Affordbasen eine„ Roch kalkulation" der Eiückpreise vorzunehmen, bei der Dann„ festgestellt" worden wäre, daß die Preiskalkulationen„ auf falschen Grundlagen" beruhen und eine Reduzierung der Preise vorgenommen worden wäre, ohne daß die Arbeitgeber fich formeil emes Tarifbruchs schuldig machen würden. Der Tarif würde für die Arbeiter zu einem Stück Papier werden, für die Unternehmer da gegen ein Dokument, auf das sie sich berufen könnten, wenn es ihnen in den Kram paßt. Für die Arbeitervertreter war es im Schiedsgericht natürlich unmöglich, diesen Absichten der Unternehmer durch Zustimmung einer Lohnregelung, wie der vorliegenden, Das einzige, was der Spruch bringt, ist die Kennzeichnung der Löhne als Mindestlöhne", im Gegensatz zu dem bisherigen Wortlaut aller Lohnabkommen, der den Arbeitgebern immer Gelegenheit bot, die Zahlen als höchst löhne zu betrachten und zu gebrauchen. Aber auch ein Mindestlohn" von 53 Pf. für erstklassige Facharbeiter, mit deren Leistung Herr v. Borsig voll zufrieden ist, steht in keinem Verhältnis zu den Löhnen in anderen Berufen. Ueber einen Stundenlohn von 43 Pf. für einen Transportarbeiter braucht man fein Wort zu verlieren. Vorschub zu leisten. Heute abend wird die Funktionärkonferenz dem BBMI. sagen, wie die Metallarbeiter darüber denken. Die Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn. Vorläufiges Ergebnis. Ueber die am 16. und 17. Mai stattgefundenen Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn liegen bis jetzt aus 26 Reichsbahndirek tionsbezirten Teilergebnisse vor. Danach haben an Stimmen zum Hauptbetriebsrat der Reichsbahn erhalten: Deutscher Eisenbahnerverband 151 819, Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner ( Chriftliche) 21 747, Allgemeiner Eisenbahnerverband( Hirsch- Duncker) 19 690, Freie Eisenbahner- Gewerkschaft 45 516. 3mei Bezirke stehen noch aus. Die Gegner des freigemertschaftlichen Deutschen Eisenbahnerverbandes haben zusammen 87 953 Stimmen erhalten. Ein Vergleich mit dem Vorjahre läßt sich aus verschiedenen Umständen nicht ohne weiteres ziehen, da im Vorjahre eine Wahl zum Betriebsrat überhaupt nicht stattfand und infolge der Besetzung nur in 18 Bezirken die Bezirtsbetriebsräte neu gewählt werden. In der Zwischenzeit ist, wie befannt, eine starke Berminderung des Personals erfolgt. Immerhin kann schon angesichts des vorliegenden Ergebnisses gesagt werden, daß sich der DEV. trotz aller widrigen Umstände sehr gut gehalten hat. Die Kommunisten 29,350 Stimmen, und im Vorjahre in 18 Bezirken rund 32000 erhielten im Jahre 1922 bei den Wahlen zum Hauptbetriebsrat Stimmen. Wenn dabei die Stimmen des Vorjahres zugrunde geIegt werden, so beträgt ihr Zuwachs beim Hauptbetriebsrat bis jetzt rund 14 000 Stimmen, die sich allerdings bei den Bezirksbetriebsräten, über die sich eine allgemeine Uebersicht noch nicht gewinnen lößt, um einige Taufend verringern werden. Noch geringer ist der fommunistische Erfolg bei den Ortsbetriebsräten, auf deren Tätigkeit und Einstellung es bei der Wahrung der Arbeiterintereffen in erster Linie ankommt. Ein zutreffendes Urteil über die Betriebsrätewahl der Reichsbahn und ihre Lehren läßt sich erst ⚫ nach endgültiger Feststellung des Wahlergebnisses, das für die Wahl zum Hauptbetriebsrat und zu den Bezirksbetriebsräten faum vor Mitte nächster Woche zu erwarten ist, abgeben. Generalversammlung des Baugewerksbundes. Sie billigt die Haltung des Vorstandes. In der Generalversammlung des Baugewerksbundes am Montag gab der Vorsitzende, Genosse Thöns, den Situations- und Rechenschaftsbericht über den Verlauf der Lohnbewegung im Baugewerbe. Redner führte aus: Angebliche Fehler über die Tattit des Vorstandes und der Streitleitung stehen nunmehr zur Debatte, damit endlich Klarheit geschaffen wird über Dinge, über die ein Teil der Kollegen noch im 3weifel zu sein scheint. Wiederholt fei darauf hingewiesen, daß bei Einleitung der Bewegung die notwendige Einheit zur Füh= rung des Kampfes nicht geschaffen wurde, indem wir als Organisation von den Zimmerern vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Es folgte die Aussperrung, und es war nun Aufgabe der Organisation, diese für die Mitgliedschaft so günstig wie möglich zu beeinflussen. Die Taktik der Zimmerer und der Chemnizer Richfung konnte für uns nicht bestimmend sein. Für den Baugewerfsbund war vielmehr die Lage im Beruf unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Berhältnisse entscheidend. Nach dem bekannten Muster fehte schon zu Beginn des Kampfes von der Chemnitzer Richtung eine müste Hege gegen den Baugewerksbund ein, die sich im beson deren gegen ihren Führer richtete, zu dem Zweck, in die Reihen der Mitglieder Verwirrung zu tragen. Der vom Schlichter gemachte Bergleichsvorschlag wurde den Mitgliedern zur Entscheidung vorMark sind jede Woche notwendig, um die Bergarbeiter über Waffer zu halten. Darum gebt für die Bergarbeiter! Schwere Differenzen in der Kachelofenindustrie. Am 2. Mai liefen die Vereinbarungen mit den Kachelofen fabrikanten der Provinz Brandenburg ab. Der bisherige Stundenlohn von 48 Pf.( Friedenslohn war 70 Pf.) mußte unbedingt erhöht Friedensmindestlohn, gestellt. Begründet wurde diese Forderung dawerden. Die Forderung der Arbeitnehmer war auf 70 Pf., den mit, daß schon dieser Stundenlohn von 70 Pf. im alten Tarifvertrag eine Kürzung erhalten hatte, um reichstarifliche Regelungen zu schaffen. Die Arbeiter der Beltener Ofenindustrie und der Niederfächsischen hatten im Jahre 1921 im Interesse eines Reichstarifes sich Reduzierungen von 15 bis 20 Prez. gefallen lassen. Die Reichsregelung dauerte aber nur bis zum August 1923. Seit dieser Zeit wurde bezirklich verhandelt, mit dem Resultat, daß die Löhne für den Bezirk I( Provinz Brandenburg, Pommern, Mecklenburg) immer mehr mit den sächsischen und Thüringer Löhnen differierten. Beispielsweise wurde zuletzt in der Meißener Ofenindustrie ein Stundenlohn von 63 Pf., gleich 90 Proz. des Friedenslohnes, gezahlt. Die Dinge drängten zur Entscheidung, weil Lohnverhandlungen außer halb der Provinz Brandenburg durch die niedrigen Löhne in Brandenburg erschwert wurden. Den Die Unternehmer hielten es nicht für notwendig, bei der letzten Verhandlung selbst zu erscheinen, sondern betrauten ihren Verbandssyndikus mit den Verhandlungen. Da nur eine zehnprozentige Lohn erhöhung zugestanden wurde, scheiterte die Verhandlung. Beltener Ofenformern, die seit zwei Jahren fast ununterbrochen verfürzt gearbeitet hatten, bemächtigte sich aus diesem Grunde eine tief gehende Empörung. Sie legten am Montag geschlossen die Arbeit nieder. Die Verhandlungen in anderen Orten waren bisher ergebnislos. Wenn nicht im Laufe dieser Woche eine Verständigung bezirk lich erzielt wird, ist damit zu rechnen, daß auch in allen anderen Orien der Provinzen Brandenburg, Mecklenburg und Pommern die Arbeit niedergelegt wird. Es sind bestimmte Anzeichen dafür vorhanden, daß der Druck um Niederhaltung der Löhne hauptsächlich von den Beltener Fabrifanten ausgeht. Ein Beweis dafür ist, daß man auch den Hilfsarbeitern zumutet, ehe in Verhandlungen eingetreten werden sollte, die neun bzw. zehnstündige Arbeitszeit anzu= erkennen. Der Kampf wird mit erbitterter Schärfe geführt werDeutschen, fächſlichen, thüringischen und füddeutschen Ofenfabrikanten den, da den Arbeitnehmerorganisationen bekannt ist, daß die westselbst ein Interesse daran haben, daß die Löhne der Provinz Brandenburg den Verhältnissen entsprechend angepaßt werden. Generalversammlung der Bekleidungsarbeiter. Die Bekleidungsarbeiter hielten gestern in den Arminsälen ihre erste Generalversammlung nach der Verschmelzung mit dem Kürschnerverband ab. Dem von Lehmann erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen: Die Organisation hat im abgelaufenen Geschäftsjahre eine außerordentlich umfangreiche Arbeit leisten müssen. Durch die Geldentwertung war die Lohnfrage viel zu sehr in den Vordergrund getreten. Groß war die Zahl der abgehaltenen Versammlungen und Sigungen. Ein Teil der besten Funktionäre ist der Organisation durch den Tod entrissen worden. Durch die Hilfe amerikanischer Freunde war es möglich, einer größeren Zahl Kinder von Angehörigen des Verbandes einen mehrwöchigen Erholungsurlaub an der Ostsee zu gewähren. Die Zahl der Mitglieder hat sich durch die Zeitverhältnisse verringert. In eingehender Weise schilderte der Redner die von den Kommunisten feit langem systematisch betriebene Spaltung der Gewerkschaft. Mit dem unter Leitung des Berliner Stadtverordneten Schumacher stehenden kommunistischen Verband sei eine Zusammenarbeit nicht möglich. Es gelte jetzt, alle Kräfte für den Wiederaufbau der Organisation anzuspannen. Kotsch schilderte in seinem Kaffenbericht die finanziellen Schwierigkeiten der Organisation im Geschäftsjahr 1923. Die Inflation machte eine geregelte Rassenführung faft zur Unmöglichkeit. Gegen einige Stimmen erfolgte die Wiederwahl der bisherigen Drisverwaltung. Nach längerer Distussion, in welcher der Verbandsvorsitzende Pletti das Verhalten der Opposition in Süddeutschland eingehend beleuchtet hatte, wurde fast einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es heißt: ,, Die Delegiertenversammlung des Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes erkennt an, daß, die von der Filialleitung vorgenommenen Maßnahmen zur Selbsterhaltung der Organisation notwendig und infolgedessen richtig sind. In einer Zeit, wo die Unternehmer geschlossen zum Angriff übergehen, ist es geradezu frevelhaft, daß fyftematisch die Zerstörungsarbeit in den Gewerkschaften betrieben wird. Die von der sogenannten Oppositionsgruppe inszenierten Bes wegungen laufen auf nichts anderes hinaus, als uns zu schädigen, unsere Macht zu schwächen und unsere innere Geschlossenheit zu verwirren. Die Delegierten erklären, daß für sie nur die Beschlüsse der eigenen Organisation maßgebend sind und daß ein Zusammen= gehen bzw. Sympathisieren mit Oppositions= gruppen nicht in Frage fommt. Unbeschadet der politischen und sonstigen Auffassung des einzelnen, muß das Trennende bei Auseinandersehungen ausgeschaltet werden." Immer noch die Mannheimer Metallindustriellen. Mannheim, 21. Mai.( Mtb.) Die auf gestern nachmittag vor dem. Landschlichter Dr. Jolly in Karlsruhe anberaumten Schlichtungsverhandlungen mußten ergebnislos abgebrochen werden, weil die Arbeitgeber nicht erschienen waren. Es wurde deshalb auf heute nachmittag ein neuer Termin angefeßt, in welchem unter allen Umständen ein Beschluß gefaßt werden soll, auch wenn die Metallindustriellen wiederum nicht erscheinen sollten. Vor dem Generalstreit in Ostoberschlesien. Kattomih, 21. Mai.( Mtb.) In neuen Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß, die nötig geworden sind, weil der erste Schiedsspruch nicht für verbindlich erklärt wurde, verlangten die Industriellen Polnisch- Oberschlesiens die Einführung der zwölfstündigen Arbeitszeit und eine Lohnverminderung von 18 bis 30 Proz. Sie erklärten, nächstens würden sie gezwungen fein, nach und nach alle Hütten stillzulegen, wenn nicht ein für sie befriedigender Schiedsspruch gefällt werde. Es wurde hierzu auch zum erstenmal öffentlich von zuständiger Seite erklärt, daß die Werke, um überhaupt etwas absetzen zu fönnen, seit Monaten weit unter Selbstkostenpreis verkaufen, weil sie nicht mit der. deutschen Industrie fonkurrieren fönnten.( In Deutschland wieder zahlen die Unternehmer darauf, weil sie nicht mit Polen fonkurrieren können.) Nach Deutschland seien 50 Proz. der Kohlenförderung und 70 bis 80 Proz. der Eisenproduktion früher ausgeführt worden. Seht liege der Abfah still.( Ganz wie bei uns.) Es wurde ein Schiedsspruch gefällt, der eine Lohnverminderung für die Bergarbeiter um 12 bis 17 Proz., und für die Hüttenarbeiter Don 19 Proz., und für die weiterverarbeitende Industrie von 22 Proz. festsetzt. Der Achtstundentag blieb unberührt. Die Vertreter der Arbeitnehmer erklärten sofort die Ablehnung des Schiedsspruchs und fündigten den Generalstreit an. Die holländische Gewerkschaftsbewegung 1922/1923. bundes über die Jahre 1922 und 1923 folgende Einzelheiten: Wir entnehmen dem Bericht des Niederländischen GewerkschaftsAm 1. Januar 1922 waren beim Niederländischen Gewerkschaftsbund 29 Organisationen mit insgesamt 217 348 Mitgliedern angeschlossen, am 1. Januar 1923 26 Organisationen mit 179 929 Mitgliedern. Im Jahre 1922 ging die Mitgliederzahl um 20 628, im Jahre 1923 um 16 719 zurück. Im Jahre 1922 sind der Niederländische Verband der Hausangestellten und die Organisationen der Angestellten in Kunst- und Unterhaltungsetablissements aufgehoben sowie der Niederländische Bund der Erdarbeiter ausgeschlossen worden. Die Zahl der Gemertschaftskartelle vermehrte sich um 2 und stieg auf 48. Jahre 1922 nahezu 1 150 000 Fl. für Streits und Aussperrungen Die angeschlossenen Organisationen gaben im aus, im Jahre 1923 900 000 Ft. Der Streiffonds des Gewertschaftsbundes, der am 1. Januar d. J. 588 016 Fl. betrug, zahlte im Jahre 1923 zirka 300 000 Ft. an Unterstützungen aus. Am 1. Janyar 1923, stellte sich das Gesamtvermögen aller Organisationen auf 6 200 000 S am 1. Januar d. J. auf 6½ Millionen. An Arbeitslosenunterstützungen zahlte der Bund im Jahre 1922 fast 6 Millionen Gulden aus, 1923 3 830 000., Gewerkschaftsfunktionäre! Die täglichen Erfahrungen in der Arbeiter unſere pratichen Sicurinifie über die Sättaleit bes Wunitionärs in Betrieb bewegung, vor allem die Erfahrungen des Bergarbeiterstreifes, zeigen uns die gut Gewerfchaftsfunttionäre. und Organisation, feine Tätigkeit als Berichterstatter, Referent, Schriftführer, Bersammlungsleiter sichern den Erfolg. Beginn des Kursus e ber die Pragis des Gewerkschaftsfunktionärs, heute, Donnerstag, den 22. Mai, abends 7 Uhr, im Leibniz- Gymnasium, Mariannenplag. Freigewerkschaftliche Betriebsräteschule. Verband der Kupferschmiede Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Heute, Donnerstag, abends 7% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Gaal 1, Mitgliederver. fammlung. Der Zentralvorsigende des Holzarbeiter- Verbandes Genosse Fris Tarnow, spricht über das Sachverständigengutachten und die deutsche Arbeiter Klasse. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu dieser Versammlung zu erfcheinen. Deutscher Werkmeister- Berband. Alle Bertrauensleute und Funktionäre der Fachgruppe Metall- Industrie im Deutschen Werkmeister- Berband haben am Freitag, abends 7 Uhr, im Klubhaus, Berlin, Ohmstr. 2, wichtige Funktionär versammlung. Tagesordnung: Das letzte Abkommen in der Berliner MetallSndrftrie und Richtgehälter. Bollzähliges Erscheinen unbedingt notwendig. Angestellte der Bauschlossereien. Freitag, den 23. Mai, nachm. 5 Uhr, in der Schulaula der 211/255. Gemeindeschule( nicht Schiller- Anzeum), BöttgerEde Bankstr. Wichtige Branchenversammlung. Stellungnahme zu dem Berhandlungsergebnis bezüglich des neuen Rahmentarifvertrages, sowie der April. und Maigehälter. Bollzähliges und pünktliches Erscheinen unbedingt erforderlich. Butab. DWV. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Egiorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lokales und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Sophien- Säle Säle frei! Telephon: Norden 9296 Sophienstr. 18 Koch& Peeland an der Spitze der Leistungsfähigkeit! Sportanzugstoffe Homespun, reine Wolle" Mir. 6.50 50 Damen- Kostümstoffe Donegal, 4.5 ,, reine Wolle" 1.40 breit. Mfr. Gertraudlenstr 20/21 Segr. 1893 Herkules- Bergrennen 18. Mai 1924 Sieger DUNLOP CORD! auf Kappler auf Mercedes erringt gegen schärfste Konkurrenz Wanderpreis für Rennwagen mit Rekordzeit gegen sämtliche Teilnehmer! Die Weltmarke bürgt für Qualität! Nr. 238+41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Wer will eine Wohnung...? Mehr oder minder sind wir ja alle Wohnungfuch nde; mehr| besuchen Sie mich fofort dann näheres. Zwischen 12 und 2 sonst bin oder minder stehen wir ja alle auf irgendeiner sauber in Akten- ich fort. Ist die passende Wonung für Sie sonnig und ganz nahe bündeln verschnürten und zur Matulatur bestimmten Dringlichkeits- bei der Hochbahn. Frau..." Vom schreibmaschinengeschriebenen oder gar Bordringlichkeits- oder vielleicht außerordentlichen Bor Brief bis zu diesem Papierstreisen eine bunte Auswahl! Mit diesen dringlichkeitsliste irgendeines der Wohnungsämter. Und auch jene, Angeboten bewaffnet, ging es nun auf die Reise zur Besichtigung der die mit solchen Listen nichts zu tun haben, werden aufhorchen; denn Angebote von Wohnungen. wieso tann eine Wohnung zu haben sein, wenn doch keiner eine betommen kann und die Wohnungsämter zehn Eide schwören, daß keine Wohnungen aufzutreiben seien und daß sich in absehbarer Zeit dieser Uebelstand nicht beseitigen laffe. Und trotzdem es gibt Wohnungen! Wohnungen, die frei sind und zu vermieten sind! Wo? In Berlin! Wann? Per sofort, wie es so schön heißt! Wie? Das wird man gleich erfahren, wie auch der Schreiber dieser zeitgemäßen Betrachtung" es leider" erfahren konnte. 27 Wohnungsanwärter. Seit 1. Februar 1921 eingetragener Wohnungsanwärter beim Wohnungsamt Tiergarten, hatte er seit dieser Zeit ununterbrochen versucht, auf regulärem Wege endlich zu seiner Wohnung zu fommen. Da er bei seiner Schwiegermutter zwei ihr gehörige und von ihr als Geschäftsräume neflamierte fleine Stuben bewohnt, nur ein gedul detes Wurm mit( wohnungsamtlich ausgedrückt:) Rochgelegenheitsmitbenugungsrecht ist, er jede Zeit damit zu rechnen hat, durch amtsgerichtliche Verfügung aus den Geschäftsräumen seines Vermieters auf die Straße gesetzt zu werden, fann man seine trampfhaften Ber suche begreiflich finden. So schrieb er also seit 1921 Gesuch auf Gesuch, wanderte aus einem Borzimmer in das andere, vermehrten sich seine Aften, wurde seine Dringlichkeit, da er selbst bis zum Wohnungsbezernenten ging, fattisch anerkannt, richtete er ihm selbst peinliche, fast erschütternde Berichte seiner trostlosen, durch die Wohnungsmifere hervorgerufenen wirtschaftlichen und seelischen Verfassung an die betreffende Wohnungsdeputation, um schließlich vor turzem vom Wohnungsamt nach Bertröstungen der höheren Stellen zu erfahren, daß er, da er warum wußte man selbst nicht! nur in der Dringlichkeits-, aber nicht in der außerordentlichen Dringlichkeitsliste stände, gar teine Aussicht habe, eine Wohnung zugewiesen zu betommen. Er müsse zuerst nun wieder versuchen, in diese außer ordentliche Liste hineinzukommen und entsprechende Gesuche an das Wohnungsamt richten. Dafür hatte er sich jahrelang mit dem Wohnungsamt herumgeschlagen: um eine Bestätigung seiner Eintragung in die Liste zu erhalten, um von der Wohnungsdeputation schwarz auf weiß zu haben, daß er einen berechtigten Anspruch auf drei Zimmer mit Küche habe und daß man diesen Anspruch frdl. ge nehmigt habe, um jahrelang auf die Erfüllung dieses Anspruches zu warten und schließlich doch in bureaukratisch- brutaler Form, die jeber primitiven Höflichkeit und Menschlichkeit entbehrt, zu erfahren, daß man in absehbarer Zeit doch keine Wohnung bekomme! Wohnungsannoncen. Beim Durchblättern einer Zeitung war es schon aufgefallen, wieviel Angebote freier Wohnungen gegen Kaffa bort zu finden waren. Und fast immer dahinter ein Bermerk: Wohnungsamt wird erledigt!" Er annoncierte, und einige Tage später holte er die Offerten ab: siehe da, es waren beim erstenmal schon über 30 Offerten. Die Hälfte waren offene Wohnungsvermittler alias Wohnungsschieber, die sich ungefähr fast alle so an priesen:„ Sehr geehrter Herr! Wir sind in der Lage, Ihnen eine ganze Reihe von Ihren Wünschen entsprechenden Dreizimmer. wohnungen auch in der von Ihnen gewünschten Lage per sofort anzubieten. Die Wohnungen sind in allen Preislagen von billigsten Objekten an Sämtliche Wohnungsangelegenheiten werden von uns prompt erledigt. Sie werden sicherlich unter unserer Auswahl eine Ihnen zusagende Wohnung finden! Wir bitten um Ihren freund lichen Besuch und nähere Besprechung, aus der sich alles weitere ergeben wird. Ergebenst..." Die andere Hälfte waren Brivate oder privatverschleierte Bermittler, die Wohnungen mit und ohne Möbel anboten. Bon einem Herrn an, der sich als Kgl. Leutnant a. D. unterzeichnete, bis zu einer Frau, die auf einem schmutzigen Papie: streifen unorthographisch mitteilte: Geehrter Herr. Habe gewünschte Bonung für sie möchte sie abgeben. Bitte # 4] Die Flüchtlinge. Roman von Johannes Linnantosti. Die Sache selbst jedoch blieb beim alten. Uutela fühlte sich wie ein Knecht, der es unmöglich findet, weiter in seinem Dienst zu bleiben, aber doch nicht frech wird, sondern schweigsam und schwermütig sein Jahr bis zu Ende abarbeitet. Bis zu Ende? Das war es ja, was ihn in Verzweiflung stürzen wollte. Wann nahm dies ein Ende? Und welches war das Ende? Er vermochte es nie auszudenken. Bisweilen überlegte er: wenn ich im guten wegginge, ohne ein Wort zu sagen- ihnen alles überließe und meinen eigenen Weg einschlüge? Dann wäre ich dies los und fände Frieden. Doch ihn entsetzte auch dieser Gedanke, die Schmach, die er durch solches Handeln dem tavaftländischen Namen überhaupt und ihnen allen zufügen würde- da die Angelegenheit ja doch gewissermaßen alle betraf. So vergingen die Tage. Die Zeit bewegte fich vorwärts, obwohl das Leben zu stoden schien. 13. zu Ostern blitzte ihm endlich der erste Lichtstrahl auf. Diese Tage waren für sie alle eine Zeit inneren Ausruhens, wo die schweren Gedanken für eine Weile anderswohin zogen. Die älteren Leute versentten sich in Feiertagserinnerungen. Helka saß den ganzen langen Tag in ihrer tavastländischen Osterschaukel, die ihr die Brüder gezimmert hatten und bei der auch die steifen Burschen wieder zu fröhlichen Kindern wurden, denn sie wollten froh sein. In Uutelas Leben stellte diese Zeit einen Wendepunkt dar. Schon die alten Boltsüberlieferungen von der GrünDonnerstagsnacht und dann besonders das Lesen der Leidens geschichte lenkten ihn darauf, sich felber zu prüfen. Dort, in Der Leidensgeschichte, tamen Menschen von, die in einer shweren Stunde die Wahrheit geleugnet und dann Gewissens qualen gelitten hatten. Ihm blieb von alledem dieses Gefühl: hatte denn auch er vielleicht etwas geleugnet, und rief ihm nun, wie einstmals Petrus, der Mahner? Da wurde ihm klar, daß er wirklich etwas geleugnet hatte, ohne daß er je gewagt, seinen eigenen Anteil an der Sache bis auf den Grund aufzuwühlen. Vermittler und„ Private". vorbereitel: primitive Bureaus meist, Schreibmaschine, Briefordner, Zuerst zu einigen Vermittlern. Das Milieu war schon treffend eine Stenotypistin, ein Herr in prima Kluft oder eine Dame in dito. Der Empfang ungefähr fo:" Sie wünschen?"" Sie haben mir hier die Offerte- Ah! Bitte, nehmen Sie Play!" Die Freundlich 8 53 B Was? und neumen Tie eine sonnige Wohnütig, Hud 4500- de? 1 Belt ift offensichtlich; man merkt, daß man eingeselft werden soll. Wieviel wollten Sie ungefähr auslegen?" Wie hoch sind Ihre Angebote?"-Na, was dachten Sie sich, was Sie ungefähr anlegen wollten. Das richtet sich danach. Wir haben fomfortable Angebote und einfache!" Sagen Sie mir bitte, wie hoch ungefähr! Zuviel fann ich natürlich nicht anlegen!" Man wird schon reservierter, merf. fich fühler: Tja, wir haben für Dreizimmerwohnungen in der gewünschten Cage Angebote von etwa 3000 Mart an. Das ist natürlich etwas Einfady e s. 4000 Mart müßten Sie schon immerhin rechnen; bessere Wohnungen 5000 und dann höher bis 8000 Mart. Natürlich ohne Möbel!" Die Erklärung sprudelt heraus, daß man Donnerstag, 22. Mai 1924 das doch etwas unverschämt findet; soviel Geld habe doch nicht jeder. Da steht der Vermittler auf:„ Ja, dann hat es feinen Zweck! Es gibt genug Beute, die das Geld haben und gerne dafür bezahlen! Dann brauchen wir ja nicht weiter zu verhandeln!" Man spürt einen brüstierenden, herausfordernden Ton; But tocht in einem, aber Dabei stellte sich nachher heraus, daß diese Angebote noch die was foll man machen. Man verschafft sich Luft und verschwindet. billigsten Vermittlerangebote waren; andere forderten Preise bis 10 000 Mart, und mit Möbeln noch mehr. Hier war also nichts zu machen. Es ging zu den Privaten! Da war z. B. der Leutnant a. D., der am Kurfürstendamm in einem Gartenhaus wohnt und sich als gewerbsmäßiger Vermittler herausstellte. Er offerierte die billigste Wohnung mit 4500 Mart im Norden. Als er daraufhin als bringend wahnsinnsverdächtig erklärt wurde, fühlte sich der Herr Leuthielten sich in dieser Höhe. Einer z. B., der eine Stellung in Amerifa nant a. D. beleidigt und wies die Tür. Auch die übrigen Angebote antreten wollte, forderte so nur mit Möbeln 5000 Mart. Auf die Frage nach dem Wohnungsamt erklärte der Herr: er vermiete eben die Wohnung als möblierte! Da tönne das Wohnungsamt ja nichts machen! Aber er hätte auch keine Lust, sich darum zu kümmern. Da müsse sich eben der Käufer drum fümmern! Trautes, sonniges" Heim. Nun noch der Fall der Frau, die den Papierstreifen mit der primitiven Krigelei eingeschickt hatte: die Wohnung stellte sich als ebenso primitiv heraus! Man hatte erwartet, von dieser Frau ein halbwegs anständiges Angebot zu erhalten, wenigstens im Preis! Aber über einen schmutzigen Hof und eine gleiche Treppe ging es herauf! Man flingelte; es wird geöffnet: fie erscheint, eine typische Kleinbürgerin! Auf ihre Frage wird ihre Offerte vorgezeigt; sie nimmt fie und behält sie auch gleich!( Borsicht ist die Mutter ber Borzellanfifte.) Darauf flüstert sie geheimnisvoll:" Kommen Se man schnell rin!" Und sie legt den Finger an den Mund:" Pst! Sind Se man nur still! Det soll nämlich unter uns bleiben! Die Leute hier im Hause dürfen davon nischt wissen! Bastehn Se! Sonst friejen wir Scherereien! Und biet soll doch nich." Dann zeigt sie die jonnig" gepriesene Wohnung in dem alten Hause. Die Wohnung ftellte fich als muffig, fchmuhig, dumpf, mit herunterhängenden Tapetenfehen und abgebrödelter Dede heraus! Inzwischen erzählt fie: das sei die richtige Wohnung! Unb man müsse sich schnell entschließen, sonst es wären schon Interessenten ba! Und dann deutet fie an, mit dem Wohnungsamt, das fönne fie schon machen! Das täme alles in Ordnung. Schließlich rückt sie auch mit dem Preis her4500 Mart, sofort in bar! Als ihr flargemacht wurde, daß das unverschämt sei, daß man mit diesem Gelde als erster Anzahlung fich ja ein Häuschen faufen könne, bas man mit Ruhe dann in weiten Raten abzahlen brauche, sagte sie spöttisch:„ Na, denn toofen Se sich man' n Häuschen!" und brach alle Verbindungen ab, ebenso wie die Bitte um die Offerte. Die gab sie nicht mehr aus der Hand. Und billiger gäbe sie die Wohnung nicht her! Sie werde die Wohnung schon dafür reißend los! aus: Und es scheint wirklich so zu sein! Wer Gelb hat und es gibt ja genügend Leute, die noch genügend Geld zu haben scheinen wird ja lieber zugreifen als warten, bis das Wohnungsamt geruht, aus seinem Dornröschenschlaf aufzuwachen und dort zuzugreifen, wo Wohnungen verkauft werden, und diese thren Listenanwärtern" zuzuweisen! Es gibt eben freie Wohnungen! Bielleicht hören auch einmal die Wohnungsämter zu und zählen mit: auf eine Annonce breißig Offerten; von den dreißig fünfzehn Bermittlerofferten, die jede zehn Wohnungen zu vergeben hat. Das find also 150( einhundertfünfzig!) Wohnungen, wozu noch die fünfzehn Wohnungen der Privaten kommen. Im gangen also zirka 165( einhundertfünfundsechzig) Wohnungen, die per sofort ohne Woh nungsamt zu haben sind. Wer will noch bestreiten, daß die von der reichenb wären...?? Bourgeoisie bittierten Wohlfahrtsgesetze der Republit nicht ausnot bedingt heute ein engeres Zusammenleben ganzer Familien, wodurch Die Bekämpfung der Gesundheitsschädlinge. Die ungeheure Wohnungsdie Wohnungshygiene recht start beeinflußt wird. Kein Wunder, daß dadurch die Ungezieferplage eine gewaltige Ausdehnung erfahren hat. Hier greift fegt der Deutsche Desinfektionsdienst e. 3. m. b. H." Lichterfelde, Gélieuftr. 2, Fernruf Li 1004, mit seinen staatlich geprüften aiefer jeder Art vollständig befreit, ohne daß Tapeten, Anstriche oder EinDesinfektoren ein. In wenigen Stunden wird jedes Zimmer von Ungerichtungsgegenstände beschädigt werden, oder gar Gesundheitsstörungen eintreten. Wie wenn feine Schwester Karolina aus Tavastland über| aber doch tröstliche: darum, weil es nicht Shuldlose bestrafte, den fnusperigen Osterschnee zu ihm gekommen wäre und ge- wie er noch eben zweifelnd gewähnt hatte. sagt hätte: " Haben wir uns nicht damals darüber unterhalten? Und habe ich dich nicht gewarnt?" So ift's," mußte er einräumen.„ Davon ist ja freilich die Rede gewesen." Aber du wolltest unbedingt eine Junge, und nun hat wohl gerade diese Jugend und der Altersunterschied zu diesem Straucheln geführt. Du hättest dir ja auch aus einer Alten nichts gemacht?" " Nein, das hätte ich auch nicht," antwortete er ehrlich. Und als er bis hierher gelangt war, mußte er noch weiter gehen zu Dingen, die nur er allein kannte. geständnis Schweißperlen der Angst und Scham auf der Stirn „ Das ist auch wahr," gab er zu, obwohl ihm dieses BuBedanken verfallen bin, Maija habe gleichsam zu lange gehervorpreßte, wahr ist, daß ich mitunter auf den fündhaften lebt weil ich von Anfang an anders gedacht hatte und es auch anders gewünscht hätte." -welcherlei Begierden im Grunde des menschlichen Herzens Er bebte vor innerer Erregung, indem er bedachte, rafen, wenn man es nur wagte, sie zu bekennen. " Wahrhaftig," fuhr er in seinen Zugeständnissen fort,„ ich habe Kestitalos Tochter nicht der Arbeit wegen genommen auch nicht, weil ich Liebe brauchte es war freilich etwas anderes." Da begriff er, daß zwischen ihnen gar keine richtige Ehe bestanden hatte. Oder eigentlich hatte er das schon einige Zeit begriffen, obwohl er es nicht hatte zugeben wollen. Er fühlte, daß er gegen das Gefez des Lebens gefrevelt habe, als er einen jungen Menschen an sich fesselte, dessen Hoffnungen und Bedürfnisse er nicht in Betracht gezogen hatte, sondern wobei er nur an sich gedacht hatte. nur an sich gedacht hatte. Also shuldig, mitschuldig war er selbst! Das war ein schweres Endergebnis, das ihn im ersten Augenblick zu Boden schmettern wollte. Lief also hierauf, fein langes, ehrfames Leben hinaus? Doch aus diefer Niederschmetterung sprang auch ein Troft hervor die Klarheit, nach der er wochenlang vergebens gesucht hatte. Er verstand jezt, weshalb alles dies hatte geschehen müssen: damit er nur die Verwirrung fühnte, deren geheime Wurzeln bis in seine Jugendjahre zurückreichten. Jetzt verstand er das Leben das unerschütterlich strenge, * Kurz darauf blinkte ein zweiter, noch hellerer Strahl in seiner Seele. gar keine richtige Ehe zwischen ihnen bestanden hatte. Aber daraus wurde in gewisser Beziehung ein jubelndes Gefühl der Befreiung in dem Augenblick, als er einsah, daß, da nie förperliche Gemeinschaft zwischen ihnen bestanden hatte, sie ja frei Dieser tam ihm aus der niederdrückenden Erkenntnis, daß und rein voreinander waren! Das war für ihr ganzes Verhältnis entscheidend, für den allerempfindlichsten Punkt. Eine Verlegung seiner Mannes ehre war also in Wirklichkeit gar nicht erfolgt, niemand war fchuldig, aber eine Ehebrecherin nur dem Namen nach, da sie ihm eigentlich zu nahe getreten. Und fiefie war zwar Friede in seine Seele hinabzusenken. Das Leben erschien ihm auch nur dem Namen nach Mann und Frau waren. Von dem Augenblid an begann sich ein großer, stiller nun in einem ganz neuen Licht. Die Handlungen des einen gingen den anderen nichts an; die äußeren scheinbaren Bande, Die Eltern waren nicht für ihre Kinder, die Kinder nicht für auf die die Menschen so viel Gewicht legten, bedeuteten nichts. ihre Eltern und der Mann nicht für seine Frau verantwortlich. Jeder lebte durchaus sein eigenes Leben, irrte, stand auf, bereute, litt immer nur allein. Er war über diese neue Lebensauffassung so erfreut, daß seine Augen nach langer Zeit wieder strahlten. Zugleich veränderte sich sein Verhältnis zu den anderen. Das Ereignis ruhte auch weiterhin als ein schwerer Schallboden der Sorge in seinem Leben, aber er war gegen niemand mehr erbittert, nicht einmal gegen Restitalo. " " Du friegst auch schon noch deine Lektion!" dachte er. Du bist schon bald so weit, und es fommt immer mehr hinzu dann bist du reif. Wir haben jetzt Nachsitzen auf unsere alten Tage, Restitalo!" Die neue Weltordnung begann ihm immer großartiger zu erscheinen. Jeder bekommt nach seinen Taten, jedermann!" jubelte er. Manta befommt ihr steht die Last noch bevor. Die ganze Famille bekommt, auch die Kinder zur Anleitung, damit sie nicht alles selber dur hzumachen brauchen. Und ganz sicher bekommt auch der, der das Bett des anderen betreten hat, obwohl er es insgeheim getan zu haben glaubt." ( Fortsegung folgt.) Sonntag, 25. Mai, vormittags 9 Uhr: Flugblattverbreitung in Groß- Berlin Zur Berliner Bürgermeisterwahl. Im ganzen find jetzt in der Angelegenheit der Bürgermeisterwahl acht Sigungen geopfert worden, bis es sich lehthin herausstellte, daß die Bürgerlichen nur eine Komödie aufgeführt haben, und daß es ihnen gar nicht darum zu tun war, aus den geeigneten Bewerbern den besten und würdigsten Mann auszuwählen. In der letzten Sizung zeigte es sich nämlich, daß sie nicht das Wohl Berlins bei der Wahl, sondern nur das Interesse ihrer Parteien und Parteichen im Auge hatten. Die Deutsch nationalen präsentierten zwei Kandidaten, deren einen sie allerdings nicht ernst nahmen. Sie nannten nämlich in zweiter Linie den zwei und sechzigjährigen bisherigen unbesoldeten Stadtrat Wege, um damit den mittleren Beamten, die jetzt zum Teil ihre Kandidaten gewählt hatten, Sand in die Augen zu streuen und bei ihnen den Anschein zu erwecken, als ob sie für die Beförderung eines mittleren Beamten in ein höheres Amt eintreten. Ihr erster und in Wahrheit alleiniger Kandidat ist aber der bisherige Bürgermeister des Bezirks Tiergarten, Doflein, der besonders das Verdienst hat, als strammer Deutschnationaler zu gelten. Ebenso wie Herr Doflein ist ein üblicher Durchschnittsbeamter Herr Scholz, bisheriger Bürgermeister des Bezirks Charlottenburg. Wegen seiner bedeutenden Verdienste um die Deutsche Voltspartei mar er bereits früher ihr Kandidat für den Posten des Stadttämmerers. Die Volkspartei hielt damals an ihrem Kandidaten fest, obwohl die Sozialdemokraten eine erste Autorität vorschlugen, die übrigens auch der Volkspartei angehörte. Es gelang damals der BSPD., die Wahl des Volksparteilers Rarding gegen den offiziellen Kandidaten der Volkspartei durchzufezen. Nachdem Herr Scholz zum Kämmerer zuschlecht befunden wurde, soll er nun das höhere Amt des Bürgermeisters erhalten. Das Verhalten der Volksparteiler ist zwar nicht logisch, entspricht aber ihrem Parteiinteresse. Unterstützt wurde diese Kandidatur auch von der Wirtschaftspertei. Die Demokraten präsentierten den Hauptsteuerdirektor Lange, von dem gern anerkannt werden soll, daß er auf seinem Spezialgebiet ein guter und zuverlässiger Arbeiter ist. Das kann indessen nicht ausreichen, um ihn für den Posten des Bürgermeisters zu qualifizieren. Das Zentrum präsentierte einen verhältnismäßig wenig bekannten Magdeburger Stadtrat, und die Kommunisten merden selber nicht glauben, daß ihr Kandidat, der Stadtverordnete Dörr, Aussicht auf Erfolg hat. Die Sozialdemokratie fann von sich mit Recht behaupten, daß ihr Vorschlag, den Nürnberger Stadtrat Heimerich zum Bürgermeister zu wählen, keineswegs den gleichen engen Parteiinteressen entsprungen ist. Bezeichnenderweise ist denn auch gegen die fachliche Sefähigung dieses Kandidaten von feiner Seite auch nur die geringste Einwendung erfolgt. Die Beugnisse, die für diesen Kandidaten vorlagen, ebenso wie die Auskünfte, die einzelne Fraktionen über ihn erhielten, hätten sachliche Einwendungen gegen ihn von vornherein unmöglich gemacht. Wenn es nach dem ron den bürgerlichen Parteien scheinheiligerweise so oft und fo gern propagierten Grundsatz gegangen wäre, daß die fachliche Befähigung entscheidend sein muß, dann müßte man erwarten, daß Heimerichs Wahl einstimmig erfolgen würde. Es kam aber anders. Es zeigte sich nämlich schließlich, daß die ganze Ausschuß beratung nur eine Romödie war. Eine geschlossene bürgerliche Mehrheit lehnte es ab, von allen Kandidaten einen Vortrag über ihre fommunalpolitische Stellung und Absicht anzunehmen; fie lehnte es auch ab, Heimerich zu sehen. Zunächst versuchten die Bürgerlichen eine Zeitlang, Gründe zu finden, fonnten aber nichts anderes vorbringen, als daß Heimerich Bayer sei(!) und es doch nicht möglich jei, einen Bayern nach Preußen zu berufen, während das umgefehrie undenkbar sei. Diese seltsame Ansicht wurde von dem Bayern Müller vorgetragen, obwohl man ihm vorhielt, daß der Nürnberger Oberbürgermeister aus Preußen gekommen sei. Schließlich aber gelang es unseren Genossen im Ausschuß, die Bürgerlichen so in die Enge zu treiben, daß sie die Wahrheit eingestehen mußten. Der Volksparteiler von Eynern gab schließlich zu, daß fachliche Gründe nicht vorliegen, es dürfe nur unter feinen Umständen ein Mann von der politischen und wirt. schaftlichen Anschauung Heimerichs gewählt merben. Damit war es endlich flar, daß keine Wahl vorgenommen wer den foilte, sondern daß es sich nur darum handelte, welche der braven Mittelmäßigkeiten größere Berdienste im Bekämpfen der Sozialdemotratie häite. Diese Frage soll im Kuhhandel der Deutschnationalen und der Velksparteiler noch entschieden werden. Für unsere Partei könnte die Wahl eines Bürgerlichen nur angenehm sein. Sie würde wieder einmal flar zeigen, daß bei ihnen nur der Drang nach der Futterkrippe der allein herrschende Gedande ist und daß das Interesse der Allgemeinheit stets hinter Parteiintereffen zurüdstehen muß. Ob ein Teil der Demokraten und des Zentrums diesem Drang der Rechten enigegen treben und das Interesse Berlins höher stellen wird als das Interesse der rechtsbürgerlichen Politiker, bleibt abzuwarten. Für die fozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion ist jedenfalls die Linie flar: Sie wird sich auf keine Verhandlungen einlassen, sondern wird versuchen, dem besten Bewerber zum Siege zu verhelfen. S. Loewy Mensch und Rennpferd. Man schreibt uns aus Rennsportfreisen: Daß der Sport in Deutschland bestrebt ist, sich zur höchsten Blüte zu entfalten, foll mit Freuden fonstatiert werden, besonders wenn er sich dabei auf kultureller Höhe bewegt. Schlimm ist es aber, wenn Menschen, die im Sportbetrieb ihr Leben fristen müssen, weniger Aufmerksamkeit gezollt wird, als einem auf Gewinn dreffierten Gaul. Bricht doch in Karlshorst ein Gaul mit dem Namen„ König Midas" aus dem Ring, bleibt am Ringzaun hängen und ver= endet. Darob tiefe Trauer im Tempel des Herrn. Flugs bringen die bürgerlichen Blätter diese betrübende und die Menschheit erschreckende Nachricht. Wie weit diesem König" Ehre angewiesen wurde, ist festzustellen, und zwar auf der Karlshorster Rennbahn. Ein Feisblod mit eingemeißelter Inschrift ,, Dem Stepler König Midas". Dann tommen die Namen der Besitzer, zeugen von der Pferdeliebe, die diesem Gaul entgegengebracht worden ist. Wie ist es dagegen mit dem Menschen? Man muß nur einmal das Stallpersonal befragen. Wie oft ereignen sich Knochenbrüche, die ein dauerndes Siechtum mit sich bringen und der erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Da rührt sich feine helfende Hand, und wenn solch ein armer Teufel gar sein Leben lassen muß, wird sein Andenten auf feinem Felsblod verewigt. Diesen Gegensatz fonnte man anläßlich des letzten Streits so recht beobachten. Den bürgerlichen Blättern wurde ein Situationsbericht über den Streit der Rennstalleute übermittelt, aber veröffentlicht wurde er nicht, während über das gestorbene Pferd auf der erften Seite berichtet wurde. Merkt euch das, Arbeiter, die ihr immer noch die bürgerliche Presse left. Der reumütige Gefangenenauffeher. Der Ausbruchsversuch, den die inzwischen zu vieljährigen Zuchtheusstrafen verurteilten Einbrecher Plügge und Kaßner vor einigen Tagen aus dem Bellengefängnis in der Lehrter Straße gemacht hatten, führte zu einem Strafverfahren, in dessen Verlauf der Gefangenenauffeher Schienemann verhaftet wurde. Blügge hatte dem Beamten 10 000 Mark versprochen, wenn er ihm zur Freiheit verhelfen wollte. Durch das Angebot verlockt, hat Schienen der Freundin Mügges einen Kaffiber hinausgebracht. In diesem stand, daß sie durch den Gefängnisauffeher mehrere Gägen und eine lange Wäscheleine schicken sollte. Der ungetreue Beamte hatte diese Gegenstände auch Plügge und Raßner überbracht. Als es nun aber zur Ausführung der Flucht kommen sollte, bekam der Angeklagte Gewissensbisse und warnte die Behörde vor dem beab. fichtigten Ausbruch. Dadurch konnte die Flucht der Schwer. verbrecher noch rechtzeitig vereitelt werden. Plügge war schon geflohen und wurde wieder ergriffen, als er versuchte, die Gefängnismauer zu überklettern. Bei der Durchsuchung der Zelle Raßners fand man bereits die Eisenstangen des Zellenfensters durchsägt. Jetzt ist auch die Freundin Plügges verhaftet worden und es ist ein Strafverfahren wegen Beamtenbestechung und versuchter Gefangenenbefreiung erhoben worden. " Die geheimnisvolle Lichtquelle. Merkwürdige Zeugenaussagen im Prozeß Unruh. Die weitere Beweisaufnahme ergab die merkwürdige Tatsache, daß eine ganze Reihe von Zeugen mit Bestimmtheit behaupteten, daß der Stromerzeuger U", der vom Angeklagten vorgeführt worden war, Licht gespendet habe und daß keinerlei Zuleitungen vor handen gewesen sind. Infolgedessen glauben auch heute noch zahlreiche Geldgeber an die Echtheit der Erfindung. Andererseits war der Angeklagte Unruh nicht zu bewegen, sein„ Geheimnis" preiszugeben oder auch nur zu seiner Aufklärung beizutragen. Heute, Donnerstag, den 22. Mai, abends 7 Uhr, im Lehrervereinshaus, Alexanderplat, großer Saal: Oeffentliche Protestkundgebung gegen den Abbau des Oberstadtschulrats Redner: Frau Oberschulrat Dr. Wegscheider, M.d.£. und Vertreter der Organisationen. Eltern und Lehrer, erscheint in Massen! Die Berliner Schulnotgemeinschaft. Unter den vielen Zeugen wurde auch der bekannte Psychologe Prof. v. Schrend Noging aus München verrommen, der dem Angeklagten, nachdem er den Apparat in voller Funktion gesehen Beuge ist wiederholt in Berlin gewesen und sah den Apparat stets hatte, ein Darlehen von 650000 Mart gegeben hat. Der in Tätigkeit, so daß er von dem Wert der Erfindung überzeugt war. Das gegenwärtige Richtfunktionieren des Apparates führt der Zeuge daß die Sachverständigen durch einen Einblick in den Apparat ihm darauf zurück, daß Unruh von der krankhaften Idee beherrscht sei, die Erfindung aus der Hand nehmen könnten, da sie nicht patentiert Ein weiterer Zeuge ist Rechtsanwalt Dr. Heine aus Dresden, der ebenfalls an der Gründung start beteiligt gewesen ift. Bereits 1917 habe ein Apparat in feiner Wohnung Monate hindurch List gespendet. Der Apparat stand auf einem freistehenden Tisch unter allen Sicherungsmaßnahmen, Er, der Zeuge, hate ohne Wissen des Angeklagten den Apparat von so daß an Energiezufuhr von außen nicht zu denken gewesen sei. einem Leipziger Ingenieur untersuchen lassen und dieser habe fest gestellt, daß keine Sir- mzuleitung vorhanden sei. Ritterguts. befizer v. Bethmann Hollweg hat der Jevag" 200 000 Marf gegeben. Auch er hat den Apparat funktionieren sehen. Wir haben angenommen, daß Herr v. llnruh den Faden der Erfindung verloren hat. Er berief sich immer darauf, daß er das Wesen feiner Erfindung in 13 eften zusammengefaßt habe. Er hat sich aber stets geweigert, uns die Hefte auszuhändigen. Borsitzender zum Angeklagten: Es würde doch einfacher sein, wenn Sie fich einmal offen aussprächen. Angeklagter: Zahlreiche Sachperständige haben den Apparat besichtigt, auch Geheimrat Klin genberg von der AEG. und alle wollten ihn untersuchen. Sch fonnte es aber nur gestatten, wenn ich durch einen Entualvertrag gegen einen Mißbrauch geschützt worden war, daß das Geheimnis gewahrt wird. Schon oft sind technische Störungen vor gekommen, und ich habe monatelang nach dem Fehler suchen müssen. Staatsanwalt: Wie ist es denn mit den 13 Heften? Ange flagter: Das muß ich erst mit meinen Anwälten besprechen. Borf.: Ihr Verhalten ist naiv. Wir verstehen von den technischen Dingen nichts und sind durch Amtspflicht zum Schweigen verpflichtet. Angeklagter: Ich habe Gründe, die nicht zur Sache gehören. Borsigender: Es geht um Ihre Freiheit auf sehr viele Jahre. Ich frage Sie: Wollen Sie die 13 Hefte herausgeben? Angeklagter: Die 13 Hefte sind nicht nötig, da durch die technische Vorführung vor den Sachverständigen die Sache sich flären wird. Vorsitzender: Das hoffen Sie, aber ich glaube nicht daran. Angeklagter: Ich fann die Hefte nicht herausgeben. Der Techniker Ludwig Stange ist seit 1911 Mitarbeiter des Angeklagten. Echon 1912 habe ein fleiner Apparat gebrannt. Später wurde der Aufbau des großen Apparates in Angriff genommen. Dieser wurde Ende 1918 in Funktion gebracht. Am Silvesterabend 1918 brannten mehrere tausendferzige Lampen. Anfang Januar 1919 wohnten verschiedene Herren einer achtstündigen Probe bei, bei der fünf tausendkerzige Lampen brannten. Jede Stromzuführung von außen sei ausgeschlossen. Der Apparat habe ein halbes Jahr lang täglich zwei bis drei Stunden Licht gespendet und mit einigen Unterbrechun. gen 1½ Jahr gebrannt. Als Herr v. Unruh verreist war, stand der Apparat in einem verschlossenen Zimmer und brannte täglich nach Bebarf zwei bis drei Stunden. Staatsanwalt: Wie fonnte der Apparat denn in Bewegung gefeßt werden?- Borsitzender: Der Apparat foll doch nicht von außen angestellt worden sein, sondern durch einen inneren Vorgang Licht gespendet haten, wie der Angeklagte erflärt. Beuge: Ich habe mich Jahr und Tag bemüht, einen etwaigen Schwindel aufzudecken. Ich bin mit dem brennenden Apparat in ein anderes Zimmer gegangen und habe das ganze Haus bis zum Keller untersucht. Im Mai 1920 geriet der Apparat infolge Kurzschlusses außer Betrieb. Es wurde versucht, thn wieder in Gang zu bringen, was aber nur teilweise gelang und dann hörte er ganz auf zu leuchten. Mehrere weitere Zeugen haben dem Angeklagten für sein Finanzierungsgeschäft Darlehen gegeben, u. a. auch Daimler. In allen Fällen hatten die Geldgeber sich vorher von dem Funktionieren des Apparates überzeugt. Die Beweisauf nahme wird am Donnerstag früh fortgesetzt. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 22. Mai. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr Sprachunterricht( Englisch). 8.30 Uhr: 1. Dem Wandersmann gehört die Welt, von Friedrich Rückert. 2. Ueber die Heide geht mein Gedenken, von Hermann Löns. 3. Die Landsknechtstrommel, von Walter Göttke. 4. Die Sommervögel singen, von Hermann Löns. 5. Landsknechts Wiegenlied( Einzelgesang mit Chorbegleitung), von Walter Göttke. 6. Heckenkind, von Hermann Löns( Vortrag des Herrn Stadtrat Schneider, Neukölln: Von Herbergen und Bleiben". Etwas Nachdenkliches im Plauderton). 8. Juchhei, die Nachtigall ist da( mit lateinischem Zwischentext) von Julius Koch. 9. Mädel, schau mir ins Gesicht, von J. A. P. Schulz anno 1782. 10. Die blaue Blume. 11. Abendfrieden, Lied( vorgetragen von der Singschar des Bundes Märkischer Wanderer E. V., Berlin- Steglitz. Singführer Alfr. Kroner). 9.50 bis 11.30 Uhr: Tanzmusik. von den bekannten Stellen aus! Deutsche Stellungslose in der Türkei. Sie betteln auf den Straßen. Von einem Deutschen, der sich aus beruflichen Gründen viel im Ausland aufhält, wird uns geschrieben: ,, Bei meinem legten Aufenthalt in Ronstantinopel im März und April dieses Jahres fiel mir die große Anzahl deutscher Stellungsloser auf, die oft dem bittersten Elend preisgegeben, in den Straßen Peras die europäisch gekleideten Bassanten um Hilfe ansprechen. Es sind dieses entweder junge Handwerter oder Handlungsgehilfen, die auf Gerüchte hin aufs Geratewohl nach der Türkei gefahren sind. Optimistische Darstellungen über den Arbeitsmarkt in der Türkei entbehren jeder Grundlage. Die Erwartungen, die man in Deutschland auf einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei nach dem günstigen Friedensvertrag von Lausanne gehegt hat, haben sich durchaus nicht erfüllt. Die Nachwirkungen der langen Kriegszeit haben sich seit gehört die Auswechslung der in der Türkei wohnenden griechischen dem vergangenen Jahr erst in ihrer ganzen Schwere gezeigt. Hierzu Bevölkerung gegen die in griechischen Gebieten wohnenden türkischen Untertanen; diese tausende von beschäftigungs- und obdachlosen Repatriierten bilden eine schwere Sorge für einen Staat wie die Türkei, der finanziell in feiner glänzenden Lage ist und dessen Gebiebe( 3. B. das früher blühende Hinterland von Smyrna und Anatolien) durch den Krieg total verwüstet sind. Gewisse Maßnahmen, die die kemalistische Regierung getroffen hat in der Absicht, mohammedanisch türkischen Untertanen das Vorwärtskommen im Erwerbsleben gegenüber den ausländischen Arbeitskräften zu gewährleisten, haben große Störungen in vielen Betrieben verursacht. Die Tendenz, mit der Fremdherrschaft( hauptsächlich englischen und französischen Einfluß) in der Türkei zu brechen, hat durch Abwanderung ausländischen Kapitals bisher leider auch nur zu Stockungen in Handel und Wandel geführt. In Zeiten wie den oben beschriebenen begnügt man sich daher in der Türkei mit einheimischen billigen Arbeitsfräften, gegen welche der ausländische Angestellte oder Arbeiter nicht fonfurrieren fann. Es ist allerdings wahr, daß man in der Türkei zurzeit von allen Fremden die Deutschen mit etwas weniger Antipathie behandelt. Deutschen Unternehmungen, in denen nachher deutsche Arbeitskräfte ihr Weiterkommen finden könnten, steht Dor allem die Schwierigkeit der Rapital. beschaffung entgegen; in der Türkei ist fein Kapital dafür zu finden Junge Deutsche sollten nur nach der Türkei auswandern, wenn ihnen ein festes Engagement( bestätigt durch das deutsche Deutschland) geboten wird. Es ist dringend davor zu war. Ronsulat in Konstantinopel oder durch ein türkisches Konsulat in nen, aufs Gerate wohl hinzufahren, da solche jungen Deutschen sich bei ihrer Unkenntnis der dortigen Verhältnisse und Sprache bald dem bittersten Elend preisgegeben sehen werden." Ein Protest gegen den§ 218. Viele hundert Frauen waren gestern der Einladung der Ge fellschaft für Sexualreform gefolgt. Sie fanden sich ein, Abschaffung des ebenso finnwidrigen wie unfittlichen Baragraphen um beim Schluß der Versammlung in einer Resolution die zu fordern. Die Redner zogen mit scharfen und oft geistreichen Wendungen gegen den Gebärzwang ins Feld. Herr Schöne hob mit Recht hervor, daß der Staat das Leben seiner Bürger nur dann fchüße, wenn es ihm erwünscht erscheint, und sie einfach hinmorden lasse, wenn es ihm in den Kram paßt. Er forderte den Aufbau einer Reihe sozialer Einrichtungen, die die Mutterschaft zu gewährleisten imstande wären. Dr. Klauber berichtete über seine Eindrücke in der Gerichtsverhandlung. Er teilte einen von Dr. Duehrssen geschilderten Fall mit: Ein junges Mädchen fichte ihn um Hilfe an, die er ihr verweigern mußte, um sich nicht strafbar zu machen. Am nächsten Tage las er, daß das junge Ding sich ertränft habe. Ein weiterer Kommunist, Dr. Teilhaber, nahm einen mächtigen Anlauf und landete mit einem Satze in der proletarischen Revolution, auf die er die anwesenden Frauen vertröstete. Nur eine Bauern- und Arbeiterregierung nach russischem Muster würde den§ 218 zu Fall bringen. Die anwesenden Arbeiterfrauen hielten dem gebildeten Doktor entgegen, daß der Weg zu diefem fowjetistischen Baradiese ein noch ziemlich langer sei und daß fie noch hinieden glücklich sein wollen. Ihre Sprecherin fennzeichnete mit Recht die Schuld der Frau selbst: sie sind es, die den Parteien zur Macht verholfen, die für die Nöte der Frau nicht das geringste Berständnis haben. Aufklärung der Frau tue in erster Linie not. Schließlich forderte einer der Redner die Herbeiführung eines Volfsentscheides. Der Vorstand der Gesellschaft für Segualreform erklärte sich bereit, diesen Borschlag in Erwägung zu ziehen. Der einzige Befürworter des§ 218 hatte wenig Glück. Er brachte die üblichen Kamellen vor, von den Franzosen und Polladen u. dgl. mehr, die bei ihrem starten Bevölkerungszuwachs eine Ge fahr für Deutschland werden würden, also ein waschechter Militarist. Eine tüchtige Abfuhr erhielt er von einer grauen Proletarierfrau: Sie rief ihm zu:„ Wir geben unsere Kinder nicht mehr her." Festnahme dreier polnischer Räuber. Am Schlesischen Bahnhof wurden drei polnische Räuber festgenommen. Sie gehören zu dem Gesindel, das jene Gegend dauernd unsicher macht. Die Räuber lauern harmlosen Leuten auf, von dort abfahren wollen, verschleppen sie, wenn sie merken, daß die entweder auf dem Schlesischen Bahnhof ankommen oder sie Geld haben, in die benachbarten Kneipen oder lassen sie von ihrem weiblichen Anhang hineinlocken, geben zunächst selbst zum besten, beranlassen dann ihre Opfer, weiter zu trinken, und plundern fie aus, sobald sie ihren Zustand hierzu geeignet halten. So ging es jest wieder einem Schneider, der schon etwas angeheitert ihm auf den Hof, als er austrat, raubten ihm die Brieftasche mit in ein gofal fam. Drei Gäste, mit denen er sich einließ, folgten etwa 100 Mart, mißhandelten ihn noch dazu und verschwanden dann mit dem Gelde. Dem Raubdezernat der Kriminalpolizei gelang ee, erst einen der Räuber und dann auch die beiden anderen zu ermitteln und festzunehmen. Es waren polnische Arbeiter", die wie das ganze Gefindel von solchen Räubereien lebten. Alle drei wurden nach Moabit gebracht, ebenso ihre Freundinnen, die ihnen als Lodvögel dienten. Antennen in der Großstadt. Wenn man heute aus der Bogelperspektive eine Großstadt wie Berlin betrachtet, dann sieht man, daß nicht nur, wie bisher, die Straßen von Drähten überzogen sind, sondern daß jetzt auch die äufer spinnwebartig mit Drahinezen bedeckt find. Heute gibt es nur wenige Berliner Häuser, die nicht mindestens eine Hochantenne haben, vielfach aber finden sich deren mehrere über- oder nebeneinander in Betrieb sein können, ist durch die Praxis beffer beantwortet einander. Die Frage, ob mehrere Antennen störungsfrei nebenständlich finden bei Antennen ebenso wie bei allen anderen gestreckten worden als durch langwierige theoretische Erwägungen. Selbstver= Drähten die Gesetze der einfachen Induktion ihre Anwendung und müffen entsprechend berücksichtigt werden. Darüber hinaus aber ist die gegenseitige Beeinflussung der Antennen nicht so erheblich, wie Antennen nicht parallel aneinander vorbeilaufen; freuzen sie man dies allgemein befürchtet hatte. Erste Vorausseßung ist, daß die fich unter einem Winkel von 90 Grad oder annähernd soviel, so fann mit einem ziemlich störungsfreien Empfang gerechnet werden. Auch bei genügender Entfernung voneinander defters 5 Meter hat man nennenswerte Beeinträchtigung der Lautstärke oder des Empfanges überhaupt auch dann nicht beobachtet, min wenn die Antennen parallel miteinander verliefen. Im Grunde genommen also tann die Frage als praktische gelöst gelten, wenn sich auch selbstverständlich allgemeine Erfahrungen nur auf Grund der örtlichen Verhältnisse gewinnen laffen. In jedem Falle dürfte es gut sein, wenn zwischen den verschiedenen Antennenbefizern rechtzeitig eine gewisse Fühlung genommen wird, damit nicht irgendein Rundfunkteilnehmer plötzlich die Wahrnehmung macht, daß sein Empfang beeinträchtigt ist, ohne daß er weiß, auf welche Störungsquelle der Mangel zurückzuführen ist, während bei rechtzeitiger gegenseitiger Berständigung der Fehler von den die Anlage herstellenden Personen rechtzeitig hätte behoben werden fönnen. Städtische Volkskonzerte. Die städtische Deputation für Kunst- und Bildungswesen beabfichtigt, vorbehaltlich der Genehmigung von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung, auch in diesem Jahre dem Philhar monischen Orchester und dem Berliner Sinfonieorche= fter( Blüthner- Orchester) für die Aufführung von städtischen Volksfonzerten eine erhebliche Beihilfe zu gewähren. Es werden zusammen 40 Volkskonzerte, 12 Schülerkonzerte und 12 Kammermusikabende vera iftaltet. Die Aufführungen sollen möglichst auf alle Bezirke der Stadt verteilt werden. Das Philharmonische Dr. chester weilt seit Ende vorigen Monats auf einer Konzertreise in Italien, von der es erst in der zweiten Hälfte des Mai zurückkehren wird. Das Sinfonieorchester aber will schon am 26. d. M. mit feinen Darbietungen beginnen, und zwar hat es zunächst vier Ron zerte in Aussicht genommen. Sie finden statt: am 26. Mai Brauerei Friedrichshain, am 27. Mai Kriegervereinshaus, Chausseestraße, am 28. Mai Hasenheide, Neue Welt, am 30. Mai Bezirksamtsgebäude Schöneberg, Rudolf- Wilde- Play. Für diese vier Konzerte zunächst ist ein Eintrittspreis von je 40 Pf. vereinbart worden. Die Berfiner Bevölkerung wird auf die Aufführungen aufmerksam gemacht. Der Abschluß eines Ehestreites. Der 37 Jahre alte Pacer Josef Henschel verließ gestern nach einem heftigen Streit mit der Che frau feine im Hause Wolliner Straße 13 belegene Wohnung. As er um 12% Uhr nachts heimkehren wollte, wurde ihm die Korridortür nicht geöffnet. Er wartete eine halbe Stunde und setzte während dieser Zeit die Türglocke wiederholt in Bewegung. Da ihm auch dann noch fein Einlaß gewährt wurde, zog er einen Revolver aus der Tasche und jagte sich eine Kugel in die rechte Schläfe. Infolge des Schusses eilten Hausbewohner herbei, die 5., in seinem Blute am Fußboden liegend auffanden. Ein herbei. gerufener Arzt fonnte nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen. Die Sonntagsfahrkarten zu Pfingsten. Die zu Pfingsten dieses Jahres gelösten Sonntagsfahrtarten haben vom Freitag, den 6. Juni, mittags 12 Uhr, bis Montag, den 9. Juni, Gültigfeit. Gie fönnen innerhalb dieser Gültigkeitsdauer unbejchränft, fomohl zur Hin- als auch zur Rückfahrt, benutzt werden. Vem 1. Juni d. J. ab wird die Vorverkaufsfrist für Bettfarten der Reichsbahn- und Mitropaturfe von 4 auf 7 Tage verlängert. Achtung, Parteigenossen und„ Borwärts"-Lefer! Alle Parteigenossen und Vorwärts"-Lejer, die in folgenden Schulen Kinder haben, werden aufgefordert, ihre Adressen bei den nachbenannten Genossen abzugeben: Luther- Lyzeum, Tempelhofer Ufer 2 und 226. Gemeindeschule, Baruther Str. 20 beim Gen. G. Schmidt,„ Vorwärts"-Laden, Bärwaldstr. 47; 6. Realschule, Belle Alliance Str. 80 beim Gen. Störtel, Baruther Str. 21, v. I; 91. u. 101. Gemeindeschule beim Gen. Schrammed, Nostizstr. 12, Sfl. I; 14 9. Gemeindeschule, früher alte Schule Bergmannstraße beim Ben. Kiesemetter, Chamissoplaz 2, Hof I. Berliner Schulnofgemeinschaft! Die Protest fundgebung gegen den Abbau Paulsens findet am Donnerstag, den 22. abends 72 Uhr, im großen Saale des Lehrervereinshauses, Meranderplat ,, statt. Dbleute, Eltern und Lehrer! Sorgt für Massenbesuch! 5 Ferienfreunde! Freundliche Ausblide eröffnen sich für die Arbeiter, Angestellten und Beamten bei der Erörterung der Ferienfragen bei einer Besprechung der Ferienfreunde", die fürzlich in Nieder- Schöneweide ftattfand. Am Dienstag, den 27. Mai, abends 7 Uhr, findet im Bewert schaftshause die nächste Besprechung aller Ferienfreunde" statt. Jeder, der fich dafür interessiert und zum Aufbau beitragen will, ist willkommen. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Für Sonntag, den 25. und Montag, den 26. Mai, sind noch Karten für das Deutsche Opernhaus im Bureau des Bezirksbildungsausschusses zu haben. Unwetter im Eulengebirge. Ein schweres Unwetter mit Hagelschlag richtete im Eulengebirge großen Schaden an. Mächtige talwärts strömende Wassermassen überschwemmten die Sole des Schlesiertales und brachten die Bewohner der bis zum Giebel unter Wasser stehenden Häuser in Lebensgefahr. Im bergigen Gelände wurden die bestellten Aeder weg. gespült. Die Ernte gilt als vernichtet, insbesondere auch die vom Hagel getroffene vielversprechende Dbsternte. Die Talsperre von Breitenhain wehrte das Unheil von den am Unterlauf der Weistrik liegenden größeren Dörfern ab. Ein Dampfer mit 46 Mann untergegangen. Nach einer Meldung aus Saut- Saint- Marie( Ontario) ist der Dampfer Orinoco" auf dem Ontario See untergegangen. 46 Mann der Besagung find ertrunken. Explosion auf einem französischen Kriegsschiff. Nach einer Meldung aus Boulogne hat sich auf dem französischen Panzerkreuzer " Patrie" während der Schießübungen eine schwere Explo 13 Mann der Besayung sind verwundet. fion ereignet. Mehrere haben schwere Verlegungen davongetragen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Kreismitgliederversammlungen heute Donnerstag, den 22. mai, abends 7% Uhr: 2. Kreis Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Straße 73. Referent Genosse Wuschid. 18. Referent: 9. Kreis Wilmersdorf: Vittoriagarten, Wilhelmsaue 114-115. Referent: Genosse A. Stein, Redakteur. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf: Schulaula Mariendorf, KurfürstenKreis Weißensee: Albrechtshof, Parkstraße 16. straße. Referent: Genosse Robert Breuer. Genosse Nietisch. Tagesordnung in allen Versammlungen:„ Die Aufgaben des neuen Reichstages und die Stellung der Partei zu allen wichtigen außen- und innenpolitischen Fragen der Gegenwart." Heute, Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Donnerstag, den 22: Mai, 7% Uhr, Proteſtfundgebung gegen den Abbau Paulsens im Lehrervereinshaus. Niemand darf fehlen. 3. Kreis Wedding. Arbeiterwohlfahrt, Kinderschuh und Funktionärinnen ber Abteilungen. Donnerstag, den 22. Mai, 7% Uhr( heute), Sigung an be. fannter Stelle. 7. Kreis Charlottenburg. Ortsausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinder. schugkommission. Freitag, den 23. Mai, 8 Uhr, im 8immer 5 des Rat. hauses, wichtige Gigung. Erscheinen aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Pflicht. 14. Kreis Neuköln. Die Soz. Arbeiterjugend veranstaltet in der Schulaula Donaustr. am Freitag, den 23. Mai, abends 8 Uhr, einen Lichtbildervortrag: Auf der Lüneburger Heide." Alle Genossinnen und Genossen find dazu eingeladen. 19. Kreis Pantow. Freitag, den 23. Mai, 7½ Uhr, Sigung der Bildungstommission im Jugendheim, Breite Str. 35. Heute, Donnerstag, den 22. mai. 8. Abt. Sur heutigen Kreismitgliederversammlung in den Arminiushallen, Bremer Str. 73, müssen alle Genossen erscheinen.( Bahnhof Bülowstr.) Treffpunkt 7 Uhr. 36. Abt. 7% Uhr, Funktionärsizung bei Busch, Tilsiter Str. 27. Alle Elternbeiräte sind besonders eingeladen. Jungsozialisten, Gruppe Friedrichshain und SAJ. 7½ Uhr, im Jugendheim, Tilfiter Str. 4/5. Bortrag des Gen. Dr. Caffau über: ,, Die Konsum genossenschaften." Frauenveranstaltung am Donnerstag, den 22. Mai. 3. Kreis Wedding. Arbeiterwohlfahrt, Rinderschus und Funktionärinnen der Abteilungen. Seute, 7% Uhr, Sigung an bekannter Stelle. Morgen, Freitag, den 23. mai. 3. Abt. 7 Uhr, Gigung der Bezirksführer, Betriebsvertrauensleute, fowie fämtl. Funktionäre und Funktionärinnen bei Krüger Engelufer 23. 6. Abt. 7 Uhr, Funktionärsigung bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11 8. Abt. 7 Uhr, bei Rickert, Steinmegstr. 36a, Bezirksführersizung. Die Bezirksführer werden ersucht, sofort Listen, Maimarten und Maizeitungen abzurechnen. 30. Abt. 7 Uhr, wichtige Funktionärkonferenz bei Mahnkopf, Carmen- SilvaStraße 123. 81. Abt. Friednau. 8 Uhr, Bezirksführer- und Elternbeiräteßigung bei Rlabe, Handjernstr. 60/61. 136. Abt. Reinickendorf- Oft. 7½ Uhr, Funktionärsigung im Geebad, Residenzſtraße 49. 140. Abt. Borfigwalde. 7½ Uhr, Lokal Heyder, Räuschstr. Ede Ernststr. Mitgliederversammlung. Thema: Die deutschen und die französischen Wahlen." Ref.: Gen. Adolf Buschick. Sympathisierende und Vorwärtsleser sind eingeladen. Jungfozialisten, Gruppe Norden. 7½ Uhr, Ledigenheim, Schönstedtstr. 1. Mitgliederversammlung. Vortrag: Unsere Sommerarbeit." Frauenveranstaltung am Freitag, den 23. mai. 74. Abt. Rehlendorf. 28 Uhr bei Schnorre, Potsdamer Str. 3, Leseabend. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Es müssen von allen Abteilungen, soweit das noch nicht geschehen ist, bie Karten vom Maijugendtag abgerechnet und die Karten zur Sonnen. wenbfeier abgeholt werden. Ferner ersuchen wir, daß jede Abteilung zum Spielleiterturius am Sonntag, den 25. d. M., vormittags 9 Uhr, auf der Spielwiese Nr. 8 im Treptower Bart einen Spielleiter entfendet. Außerdem machen wir auf bie Borsienbentonferenz am Sonnabend, den 24. b. M., abends 7 Uhr, im Jugendheim, aufmerksam. Heute Donnnerstag, den 22. Mai, abends 7% Uhr: Gesundbrunnen L. Schule Gotenburger Str. 2. Borttag: Reichstagswahlen Reutöllu IV. Lokal zum Bärwintel", Steinbockste. Bortrag:„ Geschichte der AJ." 1924." Neukölln I. Jgdh. Münchener Str. 52. Vortrag: ,, Nadtheit adelt. Norden, Schule Putbuser Str. 3. Vortrag: Was wir wollen." Neukölln V. Jgdh. Schierkestr. 44. Bortrag: ,, Rasse und Klasse." Südwest. Jadh. Lindenstr. 3. Vortrag: ,, Bom Wandern." Zehlendorf, Südschule August Schönhauser Vorstadt. Igdh. Neukölln VI. Bon 27-8 Uhr Straße. Bortrag:„ Warum bin ich in der GAJ." 1 Jbsenstr. Vortrag: ,, Die franz. Revolution." Boltstänze auf dem Reuterplag. Drtsausschuß für Jugendpflege Neukölln. Heute 8% Uhr Radiovortrag, Rinderhort, Böhmische Str. Bortrag des Gen. Schneider im Vorhaus über: Jugendherbergen und bleiben." Singschar märk. Wanderbundes. Eintritt frei. Vorträge, Vereine und Versammlungen. schiebenen Abteilungen, auch Fortbildung, im Köllnischen Gymnaſium, InselVerein Stolzescher Stenographen, Syftem Stolze- Schrey. Uebung in ver straße 2/5. Der Männerchor Heidenröslein" Giemensstadt( Mitgl. des DAGB.) gibt am Sonntag, den 25. d. M., nachmittags 4 Uhr, unter Mitwirkung eines namhaften Konzertorchefters, in dem herrlich gelegenen Naturgarten bes Spans bauer Bods, ein Gartenkonzert, das auch bei ungünstiger Witterung stattfindet. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 23. Mai, 8 Uhr abends, im Zeichensaal der 6. Treptower Gemeinde schule, Wildenbruchstr. 53. Aufgaben der Schule in der Segualpädagogik. ( Rektor Lorenz.) Arbeitersport. Freie Turnerschaft Neukölln- Brig. 4. Abtlg. Die nächsten Turnabende für Die Herzberghalle finden am Freitag, den 23. und Freitag, den 30. Mai, abends Lotalum Doppel- Ochsen", Kaiser- Friedrich- Ecke Roſſegger- Straße. Am 24. Mai 8-10 Uhr, statt. Am 30. Mci nach dem Turnen Abteilungsversammlung in Frithlingsfest in Al- Glienicke bei Bohn. Gemeinsame Abfahrt vom Bahnhof Neukölln abends 6½, 7 und 7% Uhr. Neukölln- Brig, Fußball- Abteilung. Bom Freitag, den 23. Mai, an, finden die Sigungen wieder regelmßig um Jugendsigung. Zur Verstärkung der Männer- sowie Jugendmannschaften werden 8 Uhr in der Idealflause", Neukölln, Marefchstraße, statt. Bordem 7 Uhr Spieler noch aufgenommen. Gäste herzlich willkommen. Jeden Dienstag auf eigenem Sportplag Training. Sportplag, Neukölln, Dammwegstraße 47. Wir machen weiter bekannt, daß wir am 24. Mai unser diesjähriges Stiftungsfeft in den Gesamträumen des Karlsgarten feiern.( Neukölln Karlsgartenstr.) Für ein gutes Programm ift Gorge getragen. Rudern. Athletik- Sport- Club e. V. Leichtathletik Hocken Sandball Männer- und Frauen- Abteilung: Training jeden Dienstag und Donnerstag auf dem Fichtefportplay, Baumschulenweg, Eichbusch- Allee. Jugend- Abteilung: Traning jeden Dienstag und Freitag ebenda. Sonntag, den 25. Mai: Partie der Frauen- Abteilung nach Rüdniz. Treffpunkt: 7 Uhr, Stettiner Bahnhof. Leiter der Jugend- Abteilung: Willi Epstude, Berlin SO. 36, Manteuffelftr. 64. Schriftführer der Handball- Abteilung: Hans Rahn, Berlin NO. 55, Marienburger Str. 47. Geschäftsstelle: Alfred Behrends, Berlin NW. 87, 8inzendorfStraße 7. Hoden- Abteilung: Training jeden Donnerstag auf dem Sportplag, Goßlerstr. Umkleidelokal: Rittelmann, Goßlerstr. 8. Schriftführer: Willi Heerlein, Berlin D., Frankfurter Allee 44. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Mittwoch, den 21. Mai: 1. Rennen. 1. Nobelmann( Senkpeil), 2. Kili( W. Tarras), 8. Fafalt( D. Schmidt). Toto: 450: 10. Blaz: 34, 17, 12: 10. Ferner liefen: Idomenius, Sydow, Abwehr, Solo, Heerführer. 2. Rennen. 1. Rheintochter( W. Tarras), 2. Marquise( H. Schmidt), 3. Melantho( D. Schmidt). Toto: 16: 10. Blaz: 10, 16: 10. Ferner lief: Hansa. 3. Rennen. 1. Hanseat( Zimmermann), 2. Eichfaze( Franzke), 3. Favilla( H. Braun). Toto: 46: 10. Blaz: 27, 20, 25: 10. Ferner liefen: Sonnenstrahl, Tatkraft, Berseba, Laon, Rahel. 4. Sennett. 1. Falter( H. Schmidt), 2. Angelus( Slot), 3. Falten. burg( H. Brown). Zoto: 33: 10. Blab: 13, 15, 15: 10. Ferner liefen: Japs, Teufelsnärrin, Baltasar( blieb stehen), Becherklang, Lebenslauf, Waltüre. 5. Rennen. 1. Hornbori( D. Schmidt), 2. Sans Atout( H. Schmidt), 3. Dit- Expreß( Zimmermann). Zoto: 15: 10. Plaz: 12, 21: 10. Ferner liefen: Petunde, Abendwind, Leander. 6. Rennen. 1. Mädchenjäger( D. Schmidt), 2. Lebenswonne( Freytag), 3. Lanbdrost( M. Schmidt). Toto: 25: 10. Plat 11, 19, 15: 10. Ferner liefen: Tscherkessin, Munbschent, Hermy, Lugor. 7. Rennen. 1. Vellejus( Kaiser), 2. Herbststurm( Duade), 3. Fateider ( Breege). Toto: 29: 10. Platz: 15, 18, 18: 10. Ferner liefen: Heldin, Flugschrift, Nafeteis. Geschäftliche Mitteilungen. Die große Ueberlegenheit des Dunlop- Corbreifen, bedingt durch seine techn. Bollkommenheit hat sich erst jüngst wieder gezeigt, indem Herr Ing. Karl Rappler auf dem am 18. Mai d. J. stattgehabten Herkules- Bergrennen gegen schärffte Konkurrenz den Wanderpreis für Rennwagen errang und außerdem noch die Rekordzeit des Tages gegenüber sämtlichen Teilnehmern aufstellie. Wetter: Etwas wärmer, überwiegend bewölft, mit wiederholten Regenfällen M. 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Mai 1924 Severing über den Skandal von Halle. Im Preußischen Landtag beantwortete die Inter-| haben sie doch nicht soviel auf die Beine gebracht, wie die Deutschpellationen Minister des Innern Severing: Der Begründer des Urantrags der Kommunisten hat feine Schilderung der Vorgänge in Halle gegeben, sondern eine ganz allgemeine politische Rede gehalten. Wenn es in dem Urantrag heißt, daß für die Absicht der Polizei, Gewalttaten und Blutbergießen herbeizuführen, die schon am Tage vorher ausge= hobenen Schüßengräben frasse Beweise seien, so habe ich diese Behauptung mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. In dem Bericht der Polizeiverwaltung über die Vorgänge von Halle ist von Schützengräben nicht die Rede. Die Kommunisten hätten ein moralisches Recht zu einem solchen Vorwurf der Polizei gegenüber erst dann, wenn sie nicht die gleichen oder ähnlichen Maßnahmen getroffen hätten. Ist ihnen nicht bekannt, daß auf dem Wege von Merseburg bis Halle Bäume gefällt worden sind. um den Weg zu sperren( großer Lärm bei den Komm.), wissen Sie nicht, daß bis ins kleinste ausgearbeitete Richtlinien herausgegeben waren, so u. a. eine Darstellung des Samariter dienstes, daß Ihren Anhängern empfohlen war, sich mit dicken Stöcken zu versehen, daß bei vielen der in Böllberg Verhafteten Schlagringe und Dolchmesser gefunden wurden?( Andauernder Lärm und stürmische Unterbrechungen bei den Komm.) Auf das Allerentschiedenste weise ich die Unterstellung zurück, daß die Polizei Gewalttaten provoziert habe.( Erneuter großer Abg. Scholem: Haben Sie die Erlaubnis zu dem Faschistenaufmarsch gegeben?) Der Abg. Schneiter hat den Oberpräsidenten Hörsing verdächtigt, er habe nicht die Courage ge= habt, den Deutschen Tag in Halle zu verbieten, er besinne sich auf feine eigene Zuständigkeit immer erst dann, wenn es sich um das Verbot von Arbeiterversammlungen handle. Auch diese Verdächtigung weise ich mit aller Entschiedenheit zurück; die Zuſtändigkeit für Ausnahmen von dem Verbot lag allein bei der Landeszentralbehörde. Ich meinerseits habe niemals auch nur im mindesten die Verantwortlichkeit für die Vorkommnisse in Halle abgelehnt oder gar dem Reichsminister Jarres zuzuschieben versucht; ich selbst habe die Verantwortung und trage fie.( Zuruf der Abg. Frau Wolfstein: Arbeiter= mörder! Ordnungsruf.) Lärm b. d. Komm. = Herr v. Lindeiner- Wildau hat die Große Anfrage der Deutschnationalen begründet. Ich würde, zur Zensur berufen, dem Wortlaut dieser Großen Anfrage die Nummer 5b geben; eine derart stümperhafte Arbeit ist mir lange nicht vorgekommen. Ich weiß nicht, ist es Unkenntnis oder was sonst der Herren Deutschnationalen, wenn sie diese Verbote uns als den dafür Verantwortlichen vorführen. Das Verbot ist generell vom Reichsminister des Innern erlassen und die Landeszentralbehörden haben nur das Recht, Ausnahmen zu gestatten. Ich hätte auch den Deutschnationalen ein befferes politisches Gedächtnis zugetraut; sie sollten doch wissen, daß das Verbot von Umzügen und von Versammlungen unter freiem Himmel wirklich nicht aus Angst wegen des Bestandes der Republic ergangen ist. Als 1922 die mirtschaftliche Notlage zu Bersammlungen unter freiem Himmel führte, die gegen die zunehmende Erwerbslosigkeit protestierten, als im Gefolge davon unverantwortliche Demagogen die hungernden Massen zur Selbsthilfe aufforderten, als in Berlin der Sturm auf die Lebensmittelgeschäfte begann, da hat zunächst der Polizeipräsident von Berlin für Berlin allein das Verbot erlassen. ( Buruf b. d. Komm.: Das war auch ein Sozialdemokrat!) ein Sozialdemokrat, der ein berechtigtes Intereffe daran hatte, die von Ihnen verführten Arbeiter= massen vor Schlimmerem zu bewahren.( Stürmische, langdauernde Unterbrechung b. d. Komm. Abg. Scholem[ Komm.] ruft: Elender Berleumder!) Als das Verbot der öffentlichen Umzüge für Preußen erlassen wurde, hat kein Deutschnationaler dagegen protestiert.( Fortgesetzte stürmische Unruhe auf der äußersten Linken. Bizepräsident Garnich: Sie scheinen bewußt den Minister nicht reden lassen zu wollen; in fordere Sie auf, die Ruhe und Ordnung zu bewahren, und werde, wenn das nicht geschieht, daraus die Konsequenzen ziehen. Lebhafter Beifall rechts.) Ja, Im Februar 1924 haben fogar die Deutschnationalen gegen die Aufhebung des militärischen Ausnahmezustandes protestiert. ( Abg. Scholem ruft: Severing, alle Entschuldigungen nützen ja doch nichts!) Ich muß es auch ablehnen, Herrn v. Lindeiner als Protektor der Schupo gelten zu lassen. Wir sind zwar über die Inflation hinweg, aber wir fommen jetzt in die Folgen der Kreditnot hinein, und da haben wir ganz besonders uns zu fragen, wie es in den nächsten Monaten bei uns aussehen wird. Die Folgen der Kreditnot werden auch in einer sehr großen Arbeitslosigkeit zutage treten, und da müssen wir auf alle Fälle die Straße freihalten. Herrn v. Waertig erkläre ich, daß die Erlaubnis zu einem Deutschen Tage in Halle nicht erteilt worden ist. Herr Heidenreich von der Deutschen Volkspartei tam zu mir mit der Mitteilung, wie ich mich zu einer feierlichen Einweihung des wiederhergestellten Moltke Dentmals in Halle stellen würde. Ich erklärte, gegen eine Feier im engen Rahmen sei nichts einzuwenden; ich sei gern bereit, eine Ausnahme zu bewilligen, er solle sich mit dem Bolizeipräsidenten Runge in Verbindung sehen. Als Lenin verstorben war, haben die Kominunisten für ihn eine Gedenkfeier in Gestalt einer großen öffentlichen Kundgebung veranstalten wollen; sie sind deshalb zu mir gekommen und ich habe bei dem Inhaber der vollziehenden Gewalt diese Feier ermöglicht. So wie ich für eine Ehrung eines der Ihrigen eine Ausnahmebewilligung erwirkt habe, bin ich auch jetzt verfahren, wo es sich um die Ehrung eines großen Deutschen handelte.( Großer Lärm b. d. Komm.) Ich habe Herrn Runge von meiner Entscheidung Mitteilung gemacht und um seiner Bericht ersucht; die Wahlbewegung kam da= zwischen, meine Mitarbeiter im Ministerium erhielten zahllose im einzelnen begründete Anträge, gegen die sie sofort die lebhaf= testen Bedenken äußerten, fie glaubten aber, die Feier nicht gänzlich verbieten zu können und haben mir das nach meinem da maligen Aufenthaltsort mitgeteilt. Ich habe ihre Bedenken geteilt, fie später aber zurückgestellt und die Feier in dem damals beabsich tigten Umfang genehmigt. Der Umzug zur Rennbahn ist unterblieben, aber der Abzug von der Rennbahn iff verbotswidrig in geschloffenem Zuge erfolgt. Wenn nun behauptet worden ist, daß die Polizeikräfte nicht mit voller Kraft eingesetzt worden sind, um die Umzüge zu zerstreuen, so hat sich herausgestellt, daß sie nicht gelangt haben. ( Lärm und Gelächter b. d. Komm.) Die Vorgänge nach Beendigung der Feier, die Vorgänge, die auch ich betlage und perurteile, haben sich in den späten Nachmittagsstunden abge= spielt, die Polizei war aber an verschiedenen Punkten der Peripherie schon seit dem frühen Morgen festgehalten. und zwar durch Thr( zu den Kommunisten) Verschulden.( Burufe b. d. Komm.: Bolkspark!) Die Einschließung der Versammlung im Boltspart ist vom Polizeipräsidenten erst angeordnet worden, nachdem die Borgänge im Böllberg ihm befannt geworden waren und nach dem er erfahren hatte, daß auch die Besucher des Volksparts sich zur Rennbahn begeben wollten. Wenn die Kommunisten auch alles auf geboten hatten, um ihre Anhänger auf Halle zu tonzentrieren, so nationalen und die vaterländischen Organisationen. Hätten die Männer vom Volkspark ihre Absicht wahr gemacht, zur Rennbahn vorzustoßen, und hätten das auch die 500 von Böllberg durchgesetzt, dann hätte es eine Keilerei oder ein Blutbad gegeben, wo Ihre Anhänger sehr böse abgeschnitten hätten. ( Andauernder tobender Lärm b. d. Komm.) Die Polizei ist dazu da, die Ruhe und die Ordnung im allgemeinen aufrechtzuerhalten und jedem Staatsbürger polizeilichen Schutz zu gewähren. Darum hat der Polizeipräsident den Besuchern des Volksparts angeboten, sie einzeln in Trupps von je hundert unter polizeilicher Begleitung herauszulassen, damit sie nicht von den Faschisten verprügelt würden. den. Das ist abgelehnt worden. Weiter hat der Polizeipräsident Kraftwagen zur Verfügung gestellt, auch das wurde zuerst abge= lehnt und erst in den späten Abendstunden angenommen.( Abg. Scholem ruft: Das war ja keine Polizei, das waren Mordbuben! Ordnungsruf.) Wenn in der sozialdemokratischen Großen Anfrage davon gesprochen ist, daß die Polizei sich bei ihrem Borgehen auf bloße Verdachtsmomente gestützt habe, so stimmt das nicht; es lagen Tatsachen vor. In den erwähnten Richtlinien heißt es, daß der Anmarsch auch troz des Widerstandes der Sipo unter allen Umständen angetreten werden soll, daß auf keinen Fall eine Rückwärtsbewegung stattfinden darf; schon vorher hatten die Kommunisten in ihren Organen verlautbart, daß die mitteldeutsche Arbeiterschaft sich das Recht auf der Straße erzwingen werde, daß der 11. Mai ein Siegestag für das revolutionäre Proletariat werden müsse. Die Polizei mußte sich darauf gefaßt machen, daß diesen Barolen zum Teil Folge geleistet werden würde; hier ist also ein Zeugnis für geplante Gewalttaten von jener Seite vorhanden. Die Vorgänge in Böllberg sind nicht derart, daß von einem rigorosen Vorgehen der Schupo gegen die eine Seite gesprochen werden fann.( Der Minister verliest den Bericht des Polizeipräsidenten im Wortlaut.) Die Zurückdrängung der Menge war bereits gelungen, ohne daß von der Waffe Gebrauch zu machen nötig geworden war, da schlug die Menge plötzlich auf die Vorüberziehenden los und gleichzeitig fiel aus der Menge ein Schuß. Da begann der Kampf, in dem die Polizei sich zurückzog, und zwar mit sechs Verlusten. Es ist eine direkte unwahrheit, wenn gesagt wird, sie sei unter dem Kommando: Marsch! Marsch! mit gefälltem Bajonett vorgegangen; sie hat sich vor einer vielhundertföpfigen Menge zurückgezogen, um ein Blutbad zu vermeiden.( Abg. Frau Wolfstein: Lüge!)' Sie eine Partei gibt, die die Lüge zu ihren Kampfmitteln erhoben hat, haben kein Recht, von Lüge zu sprechen, Frau Wolfstein; wenn es so sind es die Kommunisten.( Betäubender Lärm b. d. Komm.) In einem Aufruf der Veranstalter des Deutschen Arbeitertages ist zu die Durchführung des Sachverständigenplanes zur Auspreffung der lesen, daß die Zusammenziehung der konterrevolutionären Massen Arbeiterschaft zum Zwed hatte.( Schallende andauernde Heiterkeit.) Der Reichsminister hat mich autorisiert, zu erklären, daß Bersammlungen unter freiem Himmel meinen er in der Frage des Verbotes öffentlicher Umzüge bei Standpunkt teilt! Demonstrationen rufen Gegendemonstrationen hervor. Das können wir nicht zulassen. Die Ausführungen des Abg. Lindeiner halte ich für sehr bedauerlich; die Deutschnationale Bartei sollte lieber die Staatsautorität stügen. Wir sind aus dem Gröbsten noch nicht heraus. Erst wenn unsere außenpolitische Lage sich gebessert hat, wenn das Wirtschaftsleben sich gebessert hat, tann man die Stellung in der Frage der öffentlichen Umzüge ändern. Die politische Einsicht muß lehren, daß wir ohne Zucht und Ordnung nicht leben können. Ich fürchte, daß die nächsten Wochen uns den Ernst unserer Lage sehr deutlich vor Augen führen. Ich hoffe, daß die politische Einsicht der einzelnen Parteien dem Rechnung trägt.( Lebhafter Beifall in der Mitte. Lärm, Unruhe und Zischen auf der äußersten Rechten und Linken.) Die Besprechung wird beschlossen. Abg. Heidenreich( D. Bp., von den Kommunisten mit dem Rufe empfangen: Er fieht aus, wie der Geist von Halle! Große Heiterfeit.) stellt fest, daß die Polizei Uebermenschliches in Halle geleistet, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Polizei halle vier Verwundete, ehe sie von der Waffe Gebrauch machte.( Buruf bei den Kommunisten: Woher wissen Sie denn das?) Ich bin doch aus Sachsen. ( Stürmische Heiberkeit.) Es war Bflicht der Polizei, einzugreifen Der Minister hat ganz recht, ich glaube, einige der Herren Kommunisten find ganz froh, daß sie im Boltshaus abgeriegelt wurden. ( Große Heiterfeit.) Auch Herr Kilian! So wandelt sich die Bolksgunft. Er, der ehemalige König von Halle, eingeschlossen im Volkshause!( Erneute Heiterkeit.) Wenn die Arbeiter den Zutritt erzwingen wollten, der ihren verboten war, dann mußten fie auf Widerstand stcßen. Wir sind doch noch nicht eine russische Kolonie! Wir haben es fünf Jahre lang mit ansehen müssen, wie Sie( zu den Kommunisten) Ihre roten Lappen durch Halle getragen haben.( 3urufe bei den Kommunisten: Hakenkreuz!) Das Hakenkreuz ist ein altes Runen- und Glückszeichen der Germanen! In Halle hat Gott sei Dank die Kommunistische Pariei die Hälfte ihrer Anhänger verloren.( Widerspruch bei den Kommunisten.) Unüze politische Demonstrationen müssen unterbleiben! Der gefunde deutsche Geiſt( 1) muß sich durchsetzen. Den vaterländischen Berbänden siehe ich nahe und fördere sie, wenn sie das Sammel becken für alle deutschen Männer und Frauen darstellen, geeint im deutschen Gedanken. Meine Fraktion und ich wissen uns darin cins, daß diese gesunde deutsche Bewegung nicht durch Demagogen und Parteifanatifer einseitig parteipolitisch eingespannt werden darf, denn das würde das Ende dieser deutschen Bewegung sein. Wir wollen uns wieder bekennen zum deutschen Gedanken und zur deutschen Art! ( Lebhafter Beifall rechts. Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Schreiber- Halle( Dem.) führt das Anwachsen der Reaktion in Halle auf das Verhalten der Kommunisten zurück. Das Sprengstoffattentat auf das Moltke- Denkmal wird von allen anständig denkenden Menschen verurteilt. Die Tat jugend licher Menschen ist gefühnt worden; sie haben ihre Strafe gefunden. Das Denkmal ist wieder hergestellt. Die Feier hätte schlicht sein sollen; das hätte dem Geist Molttes beffer entsprochen. Man hat aber eine einseitige politische Demonstration, eine huldigung Ludendorffs daraus gemacht. Dem Wesen des großen Schweigers hat man damit nicht Rechnung getragen. Fast jeden Sonntag werden riesige Feiern veranstaltet, zu denen Hunderttausende lange Bahnfahrten machen; den Arbeitern aber ruft man immer wieder zu, sich einzuschränken und zu arbeiten. Das muß böses Blut machen. Herr Ludendorff hat fogar ein Kaiserhoch ausgebracht. Das ehrliche nationale Empfinden ist parteipolitisch mißbraucht worden. Dagegen wenden wir uns, nicht etwa gegen nationale Gedenkfeiern. Wir halten es auch nicht für richtig, daß man mit einer Strafe von 5 Mark diejenigen belegt, die nicht an diesen Feiern teilnehmen. Als ich einen Juden fragte, weshalb er denn schwarzweißrot geflaggt hätte, ob er denn ein solcher Monarchist sei, erwiderte er mir, er hätte es nicht deshalb getan, weil es die alte Kaiserfahne set, sondern sie sei die alte Sturmfahne des Stammes Levi.( Lachen rechts.) Halle hat gezeigt, daß mit zweierlei Maß gemessen wird. Der Arbeiterschaft verbietet man den ersten Mai, deutschvölkischen Kreisen, die noch nicht den Beweis erbracht haben, daß sie für Ruhe und Ordnung sorgen fönnen, erlaubt man solche Demonstrationen. Daß die Kommunisten die Republik retten wollten, ist natürlich ein aufgelegter Schwindel. Das Einschreiten der Behörden gegen die Kommunisten war durchaus richtig. Die Polizei hat bis zum Aeußersten Zurückhaltung bewahrt; wir sprechen ihr unsere aufrichtige Anerkennung aus.( Beifall.) Die Kluft im Volte ist durch die Vorgänge in Halle erweitert worden. Deshalb verurteilen wir solche Veranstaltungen; fie zeugen nicht von wahrhaft nationalem Geift. Ich bitte Sie auch, über innere Zwistigkeiten nicht die auswärtige Politik zu vergessen.( Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. von Lindheiner- Wildau( Dnat.) erkennt die Notwendigkeit an, in Zeiten der Erregung große politische Demonstrationer. zu verhindern. Ueberparteiliche nationale Kundgebungen dürften aber nicht verboten werden. Das Verbot von Regimentsfeiern und Denkmalsenthüllungen sei geradezu ein Beweis für die Schwäche der Republik. Minister Severing habe das selbst indirekt anerkannt durch die Aufstellung neuer Grundsätze, die sich dem deutschen nationalen Standpunkt erheblich nähern. In Halle sind die polizeilichen Weisungen durchaus beachtet worden. Die Vereine, die mit entrollten Fahnen zurückmarschierten, sind nur wegen der starken Beteiligung nicht von dem Verbot erreicht worden.( Lachen. Abg. Riedel( Dem.): Das waren zufällig die Hakenkreuzfahnen!) Wir können die Art nicht billigen, in der man glaubt, alle Kreise, die sich auf dem Boden gemeinsamer dankbarer Erinnerung an unsere große Ver= gangenheit, von der ja doch auch die deutsche Republik lebt, verden Kopf stoßen. Sie( nach links) beschweren sich, daß die politische einigen, mit törichten Redensarten abtun zu wollen und zu erklären, der Feind stehe rechts. Man sollte diesen Kreisen nicht ständig vor Parität nicht gewahrt wird! heiligsten Gefühlen verletzt, wenn fie die Farben Schwarz- Weiß- Rot Und doch fühlen Sie sich in Ihren helm sehen. Sie sind es, die die Verbände zurückstoßen. Wir lehnen oder das Ordenszeichen des Jungdeutschen Ordens oder den Stahles nicht, wie der Minister meint, subjektiv ab, auf die Verbände einzuwirken, sondern Sie( nach links) machen es uns objektin unmögüben möchten. Wir müssen zu der Ueberzeugung kommen, daß das lich, den Einfluß auszuüben, den wir im Intereffe des Friedens auspreußische Innenministerium das Recht der Genehmiaung völlig unrichtig handhabt, daß es das Recht des Handelns fich von den Kommunist en diktiren läßt. Das ist unerträglich. Einen frisch fröhlichen Krieg mit Minister Severing fürchten wir nicht. Wir werden den Kampf weiter führen, und er wird dem preußischen Staate zum Vorteil gereichen.( Lebhafter Beifall rechts.) Miniffer Severing: Gegenüber den Ausführungen des Vorredners über die Schutzpolizei und mein Verhältnis zu ihr darf ich mich auf dasjenige be= rufen, was ich seinerzeit dem Abg. Hoffmann- Münster auf das gleiche Thema erwidert habe. Für Halle frage ich die Verantwortung, aber ich ziehe daraus die Schlußfolgerung: es darf sich etwas Aehnliches nicht wiederholen. Meine Haltung wird nicht bestimmt von den Drohungen der Kom= wird bestimmt durch die Deutsch nationalen! munisten.( Abg. Dr. Meyer- Ostpreußen( Komm.): Nein, sie Stür= mische Heiterteit.) Meine neuerliche Entschließung wegen der Behandlung von Anträgen von Korporationen auf Genehmigung von Festfeiern usw. ist gefaßt worden, ehe mir der Wortlaut der Anfrage der Deutschnationalen und ihre Begründung durch Herrn von Lindeiner bekannt sein fonnte. Die vom Jungdeutschen Orden für Ende Mai und Anfang Juni geplante Feier in Kassel soll alle Heerführer vereinigen; über die Einladung der„ neuen" Reichsregierung( stürmische Heiterkeit), soll der Zentralausfahne als politischer Demonstration haben sich in Halle die vaterländischen Organisationen nicht gefehrt. Soviel als Erwiderung auf die Frage des Herrn v. Lindeiner, was als Provokation aufder Pazifisten als Provokation der Rechten bezeichnet!( Stürmisches hört, hört!) schuß Beschluß faffen! An das Verbot der Hafenkreuzzufassen sei. Herr v. Lindeiner hat ja seinerseits Veranstaltungen Abg. Dr. Cohn( Soz.): Die Interpellanten von rechts versuchen, die Feiern, um die es sich hier handelt, loszulösen von dem Aufmarsch der Konterrevolution, der inneren Mobilmachung gegen die deutsche Republik. Damit werden sie kein Glück haben. In einem Gerichtsverfahren, das eine Auseinandersetzung zwischen Stahlhelmleuten und Kommunisten darstellte, haben die Stahlhelmleute jogar das Auftreten des Verteidigers Dr. Cohn als Provokation bezeichnet.( Bewegung und Heiterkeit links.) Schlageterfeiern und Dreyerfeiern zu veranstalten bedeutet heutzutage einen politischen Schabernack, der uns außenpolitisch sehr teuer zu stehen fommen fann; derselben fragwürdigen Wirkung leistet die neue Nationalhymne at entreuz am Stahlheim" Borschub. Nur nebenher weise ich darauf hin, daß nach den neuesten Forschungen das Hakenkreuz eine jüdische Erfindung ist.( Große Heiterkeit.) Wie konnte es geschehen, daß drei Reichsminister an der Leichenfeier für Dreyer teilnahmen? Leider ist Severing durch seine Abwesenheit von Berlin verhindert worden, die Berichte der nachgeordneten Behörden, die auf die Notwendigkeit des Ver. bots der Halleschen Dentmalfeier hinausliefen, genügend zu beachten. heute muß man tatsächlich das Maß voll Duldung anstaunen, welches der moderne Staat allen zuteil werden läßt, die an seinem Bestande, an seinen Grundlagen rütteln. Wie anders ging man gegen Sozialdemokraten, Gewerkschaften usw. unter dem alten Regime vor, wo sogar hinter jedem Streit die Hy dra der Revolution" lauerte! Die Republik ist verloren, wenn sie in die Hände der vaterländischen Verbände fällt. Schüßt die Republik vor diesen nationalen Verbänden! Abg. v. Lindeiner- Wildau( Dnat.) weist gegenüber dem Minister ( Abg. Heidenreich( D. Vp.): Er hat ja gar nicht gesprochen.) Nach Severing darauf hin, daß er seinerzeit dem Polizeipräsidenten mitmeinen Informationen ist es so. Herr Düsterberg hat das einige deutsche Kaiserreich herbeigefehnt. Das kann man bei einer deutschnationalen Parteiveranstaltung aussprechen, aber nicht bei einer Feier, zu der das ganze Volf eingeladen ist. Das Spielen von Heil dir im Siegerkranz" durch die Reichswehr war auch wirklich nicht am Blaze. geteilt habe, daß das Auftreten von Ausländern in Berliner Versammlungen, die während des Ruhrkampfes unter dem Motto Nie wieder Krieg" stattfanden, von den nationalen Organisationen als Provotation aufgefaßt werden mußte. Daraus könne man ihm doch unmöglich einen Vorwurf machen. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 12 Uhr: Haus haltsplan für 1924. Schluß 5½ Uhr. Erste Fahrt zum Reichstag 200 solis MDR 50 Kg gebühren Frei S ว H.ABEKING.:29 „ Teures Weib, gebiete deinen Tränen! Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen." Der große Kampf im Westen. Im Kampfgebiet. K. H. Effen, 21. Mai.( Eigener Drahtbericht.) bedürfnissen sehr nachhaltigen Einfluß ausüben. Es hapert ebenso mit dem Gas. Viele Kommunen sind damit von der industriellen Berfofung abhängig. Die Eisenbahnregie ließ schon eine ziemliche Anzahl Züge ausfallen, sie hat ja auch nicht den üblichen Verkehr zu bewältigen. In Dortmund beginnt heute Frankreich. Hier werden die Aus-Die Stimmung im Bürgertum und auch in vielen bürgerlichen weise geprüft, die Fahrkarten ins Ruhrrevier hinein find nur gegen Blättern des Ruhrreviers ist mit unverhohlener Symfranzösische Währung zu haben. Neben den öffentlichen Wechsel- pathie auf der Seite der Ausgesperrten. Hier weiß stuben, die mit recht hohem Zwischengewinn arbeiten, hat jeder ja jeder Geschäftsmann, daß der Bergarbeiter im März und April Bahnhof seine Börse in Devise Paris. Die Eisenbahner verlören 15 Proz. Zuschlag sollen erst in Zukunft gezahlt werden nur sonst zuviel an ihrem Frankgehalt; in den Geschäften wird die über je 100 m. nach Hause gebracht hat. Viele hatten bisher noch aus französische Währung nur ungern und mit erheblichem Abschlag ander Zeit der Stabilisationskrise, für Kartoffeleinkauf usw. Rüdgenommen. Wahrscheinlich kommt so manche Schwankung des Frank zahlungen zu leisten. So ist zu verstehen, daß im vergangenen gar nicht aus Amerika, sondern vom Ruhrgebiet her mit seinen Monat viele Bergarbeiter immer wieder mit einem Wochenabschlag Riesensummen schwimmender französischer Währung. Der Deutsche nach Hause famen, der faum 20 M. betrug. rechnet hier nicht mit der Rentenmart, sondern mit dem Billionen- nach Hause kamen, der faum 20 m. betrug. schein und dem Einhundertmilliardenzettel. Das öffentliche Leben steht im Ruhrrevier und am Rhein im Banne der Bergarbeiteraussperrung. Es ruhen tatsächlich so gut wie sämtliche Zechen, nur die der französischen Regie sind in Betrieb bei fiebenstündiger Schicht auch für die Kokereiarbeiter und Achtstundenarbeit über Tage. Wir fahen von Dortmund bis Gelsenkirchen, Mülheim, Düsseldorf und von dort bis Effen, Köln und zurück nach Bochum und wieder Dortmund keine sich drehende Seilscheibe, die Fördertürme scheinen überflüssig geworden, sind tote Gerüste. Die Eigenart des großen Kampfes wirft viele Fragen auf. Es sind in dem Angriffskrieg der Kohlenherren 430 000 Männer verwickelt. Davon mögen 35 bis 40 Proz. organisiert sein. Die beiden großen Bergarbeiterstreits von 1905 und 1912 wurden mit je etwa 30 Proz. Organisierten geführt. So wirft sich auch heute die Frage auf: Wer führt die Unorganisierten? Sind sie in den Händen der Kommunisten? Eine genauere Erkundung zeigt, daß bei den Bergarbeitern zwischen kommunistisch wählen und kommunistischer Betätigung ein großer Zwischenraum ist. Es darf der kommunistische Wahlsieg nicht falsch beurteilt werden. Politisch und gewerkschaftlich sind die kommunistischen Organisationen sehr schwach. Auch ihre Wahlpropaganda war nicht allzu rührig. Gewählt wurde dennoch, sogar in urkatholischen, feit jeher völlig antifozialistischen Gegenden, start kommunistisch. Das war, wie man uns sagte, häufig der Ausdruck einer Stimmung, die etwa meinte: Alle, die bisher an der Regierung gewefen feien, hätten zur Linderung der Not der Ruhrbewohner nichts erreicht, jetzt versuche man es einmal mit den Kommunisten. Deswegen herrscht in sozialdemokratischen Kreisen durchaus teine Niedergeschlagenheit. Man wartet gelassen auf die ersten praktischen Auswirkungen der kommunistischen Kommunalwahlsiege. Das fommunistische Ruhrblatt" schreit natürlich jeden Tag nach einem neuen Generalstreit und sieht immer wieder bei fleinen Zusammenstößen mit der Polizei, wie vorgestern in Bochum, sofort die Bergarbeiter ,, haufenweise herumliegen. Darüber lächelt der Westfale aber ebenso, wie über die kommunistischen Fyraden in den Bergarbeiterversammlungen. Deswegen verlaufen überall die vom Bergarbeiterverband und den übrigen Gewerkschaften einberufenen Zusammenfünfte völlig ungestört, obwohl es durchaus nicht an Flugblattaufforderungen fehlt, die Gewerkschaftsführer in die Fresse zu schlagen". So lafen wir es fettgedruckt und im Tert als Sonderzeile hervorgehoben, in einem kommunistischen Flugblatt. In einem anderen, das schon vor der Revierkonferenz gedruckt und an die kommunistischen Vertrauensleute verteilt war, wurde mitgeteilt, daß die Bonzen die Bergarbeiter natürlich verraten und den Schiedsspruch zur Annahme empfohlen hätten. Der tatsächliche Beschluß der Revierkonferenz ging den Kommunisten sehr gegen den Strich. Sie konnten das fertige Flugblatt nun als Matulatur verwenden. Je länger der Kampf dauere, um so mehr werden die Ratschläge der Organisationen, die untereinander durchaus einig find, Beachtung finden. Der Kampf der Bergarbeiter wird mit vielem 3Zahlenmaterial geführt. Es wird insgesamt durch die einfache Tatsache geschlagen, daß der Bollhauer im Frühjahr 1914 seiner Familie nach Leistung aller Abzüge im Monat rund 155 M. nach Hause brachte, während es jetzt für den verheirateten Bergarbeiter mit mehreren Kindern bei Einrechnung aller sozialen und sonstigen Zulagen einschließlich der Ueberstunden und der 15 Proz. von den Unternehmern versprochene Zulage dennoch nicht mehr als 135 M. sein werden! Dabei ist zu beachten, daß ich seither die Lebenshaltung erheblich verteuert hat. Mit der Steigerung der Mieten wird diese Entwicklung für viele Bergarbeiter noch mehr fühlbar werden. Das sind die flaren Durch schnittsziffern, über die natürlich mancher Bergarbeiter, sowohl 1914 wie 1924 im Gedinge hinauskommt, ebenso viele andere erreichten sie dagegen nicht einmal. Der Kohlenmangel macht sich selbstverständlich überall bemertbar. In der Induſtrie ist es noch nicht so schlimm, wie häufig in der Presse behauptet wird. Aber die Schwierigkeiten vermehren sich täglich. Das wird bald im Hochofenbetrieb mit seinen großen RotsDie Stimmung der Ausgesperrten ist beachtlich fest. Von einem Abbröckeln ist nichts zu merken. In diesen Tagen ist vielen die mit ihren Familien etwa 1½ Millionen Röpfe zählen, steigt der Lohnrest ausgezahlt worden. Die Not der 430 000 Männer, stündlich. Gegenüber der hellen Verzweiflung haben notgedrungen die Kommunen eingegriffen. Es fließen auch mancherlei Spenden von Geschäftsleuten und Bürgertum. Von den Sammlungen in ganz Deutschlanderhofft man auch einige Hilfe; sie müßte überdies rascher erfolgen! Wirtschaft Die Selbstkosten des Kohlenbergbaues. Um die Bergarbeiter im Kampf für die Siebenstundenschicht in Nachteil zu setzen, verbreitet der Ruhrkohlenbergbau Selbst fostenberechnungen, die ergeben sollen, daß der Zechenbetrieb unrentabel ist. Aus den verschiedensten Gründen hat man bisher diese Aufstellungen hingenommen, ohne ihm mit Zahlenmaterial entgegenzutreten. Jetzt, nachdem von allen Seiten die Hetze gegen die Bergarbeiter entbrannt ist, veröffentlicht der„ Soz. Paríaments= dienſt folgende statistisch aufgestellte Selbst to stenberech nung für den rheinisch- westfälischen Kohlenbergbau: " 1. Förderergebnis je Mann und Schicht auf die bergm. Belegschaft. 2. Durchschnittslohn je Schicht. 3. 2ohnanteil je Tonne • 0,880 To. 4. Beamtengehälter je Tonne 10 Proz. von 5,85 M. 0,59 5. Versicherungsbeiträge je Schicht 92,52 Pf. je Tonne 6. Materialkosten 2,34 M.+50 Broz. Aufschlag · 5,85 " " 1,05 " 3,51 " 0,20 0,20 " Sa. 8-8 11,40 7. Steuern 1913 je Tonne 44 Pf. nach Stundung der Reichssteuern. 8. Allgemeine Unkosten( Hauptverwaltung, Bergschäden, Zinsen usw.).. die Lohnhöhe nach der Länge der Schichtzeit berechnet wird. Bestimmend ist doch nicht die Länge der Schichtzeit, sondern die Höhe der Leistung, die von der Leistungsfähigteit, d. h. von der Entlohnung und den Lebensbedingungen abhängt. Mit den Lohn- und Lebensbedingungen steigen und fallen Leistungsfähigkeit und Leistung. Statt aber die Leistungsfähigkeit und damit die Leistung zu steigern, haben die Bergbaufreise sie bisher planlos und zwecklos verwirtschaftet und verwüstet. Diese niederschmetternde Tatsache läßt sich durch den planmäßig inszenierten Zahlenschwinde! der Bergbaufreise nicht aus der Welt schaffen. Der Krach im Becker- Konzern. Die„ Sanierung" des Becker- Konzerns", der seine Gesellschaft ,, Stahlwerke Becker A.-G." unter Geschäftsaufsicht stellen ließ, nimmt eigenartige Formen an. Gleich nach dem Stahlwerk wurde auch das Bankunternehmen des Konzerns, die Indu= strielle Bantgesellschaft m. b. H. in Düsseldorf des Beckerfonzerns unter Geschäftsaufsicht gestellt. Soweit ist die Auseinandersegung mit den Gläubigern abzuwarten. In englischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß der BeckerKonzern wiederholt versucht hat, in England Kredite zu erhalten, damit aber gescheitert sei. Die„ Times", die sich mit diesen Vorgängen beschäftigt, bezeichnet es als notwendig, daß die von England und Amerika der deutschen Golddiskontbant gewährten Kredite erweitert werden. Es verlautet dazu, daß die Be= mühungen der deutschen Golddiskontbant um Erlangung weiterer Rediskontkredite mit Aussicht auf Erfolg fortgesetzt werden. Unberührt von dem Zusammenbruch von Beckerstahl und der Konzernbank blieben die ebenfalls zum Trust gehörigen„ Stein= tohlenbergwerte Beder A.-G." in Bochum, die finanziell gefund sind, ihre Entwicklung jedoch vor einigen Jahren durch den Abschluß eines Steinkohlenlieferungsvertrages mit der Schweiz sicherzustellen gezwungen waren. Aber in letzter Zeit war das Unternehmen gewinnbringend. Jegt wird gemeldet, daß zur gleichen Zeit, wo das Stahlwert Becker um Staatshilfe fleht, das Steinkohlenbergwert an eine der Gesellschaft nahestehende Finanzgruppe( Bank von Guter- 3Zeller in Zürich) verkauft worden ist. Nach einer anderen Meldung will diese die Aktienmehrheit einer deutschen Finanzgruppe übergeben, aber ihre eigene Vertretung im Aufsichtsrat von Becker verstärken. Demnach scheint es festzustehen, daß die Ueberfremdung tatsächlich erfolgt. Hier muß die Frage aufgeworfen werden: Kommt der Ertrag dieser Veräußerung der Sanierung des Gesamtkonzerns zugute oder überläßt man den wirtschaftlich schwachen Teil freundlichst der Staatsfürsorge, um die Erträge aus dem Verkauf der Bechen für sich zu behalten? Gewiß fann ein rechtlicher Anspruch auf den Erlös des Verkaufes der Steinkohlenzechen faum geltend gemacht werden. Es wäre aber geradezu unerhört, wenn man ohne weiteres den Konzerngesellschaften gestatten wollte, ihre guten Werke zu privatem Nußen zu veräußern, ihre notleidenden Unternehmungen aber stillzulegen. Mindestens müßte moralisch auf die Beteiligten eingewirkt werden, daß sie ihre mit dem Befiz der Rohlenzechen übernommenen Pflichten der AIIgemeinheit gegenüber erfüllen. Es ist schon genug, daß in der privatkapitalistischen Wirtschaftsweise derartige Besitzverschie fetzung der Interessen der Allgemeinheit zu haben. bungen möglich find, ohne eine rechtliche Handhabe für die DurchDer Sachverständigenplan als Lösegeld. Der bekannte finanzielle Sachverständige und Demokrat Professor Dr. M. J. Bonn sprach am Dienstag zu den Studierenden der Handelshochschule auf besondere Aufforderung der Studentenschaft über das Sachverständigengutachten. In flaren Zügen tennzeichnete er den Kern des Gutachtens, nachdem er in den einleitenden Worten erklärt hatte, daß es sehr bedauerlich sei, daß es so weit hätte fommen müssen. Nach seiner Ueberzeugung hätte die jezige Lage vermieden werden können, wenn von deutscher Seite geeignete Pläne ausgearbeitet und rechtzeitig zur Distuffion gestellt worden wären. Professor Bonn, der insbesondere auch die 3. Steuernotverordnung kritisierte, durch die das Finanzministerium den Etaatsbanterott„ auf silbernem Brett den Alliierten entgegengetragen habe, anstatt ihn sich aufzwingen zu laffen", tam am Schluß seiner Ausführungen zu folgendem Ergebnis: „ Wenn das deutsche Volk nicht den Glauben und den Willen hat, 23segeld( Reparationen) für die mögliche Be= freiung von Rhein und Ruhr zu bezahlen, so muß es fich mit der weiteren Besetzung dieser Gebiete abfinden, denn es gibt eine andere Möglichkeit, die Besetzung zu beseitigen. Für diejenigen 5,15 M. Leute, die gesichert in Berlin ſizen, ist es sehr leicht zu sagen, es tomme nicht darauf an, ob die Befreiung heute oder morgen erfolge, aber für die 16 Millionen Menschen am Rhein und Ruhr ist die Sache brenzlicher, für sie spielt das Moment der Zeit eine große Rolle. Wir haben die Wahl, ein finanzielles oder ein politisches Risiko zu laufen. Jedem von uns wäre es lieber, wenn die Freiheit von Rhein und Ruhr billiger zu haben wäre. Nur über den Weg des Lösegeldes ist es möglich, die Be freiung der besezten Gebiete und die Befriedung Europas herbeizuführen. Das war zweifelhaft, folange in Frankreich Poincaré die entscheidende Macht inne hatte. Die Veränderung der Verhältnisse in Frankreich hat die Situation wesentlich erleichtert, und es wird von uns abhängen, ob wir fie für uns ausnutzen können. Bei der Entscheidung über das Gutachten haben wir uns zu fragen, ob der Rhein Deutschlands Strom oder Deutschlands Grenze fein soll." 9. Abschreibungen 10 Proz. der vorstehenden Selbstfosten 1,14 Sa. 3-9 12,54 10. Selbstverbrauch und unbezahlte Hälfte der 2 proz. Deputattohle find 11 Proz. oder 11 von 100 To. Es bleiben Nutförderung 89 To., von denen 27 Proz. oder 24 To. als unbezahlte Reparationslieferungen ausfallen. Für den Verkauf verfügbar bleiben mithin von 100 nur 65 To. Danach ergibt sich für 100 To. 1254 M.: 65= je Tonne 11. Wie die rückständige Kohlensteuer von 15 Mill. Dollar aus dem Micum- Abkommen abgetragen werden soll, ist umstritten. Jedenfalls fann sie auf einen größeren Zeitraum umgelegt werden, und wir fegen dafür ein 12. Laufende Kohlensteuer aus dem Micum- Abkommen 8 Fr. je Tonne=. 9 • . 19,29 " " . M. " . 0,50 " 1,92 " Ga. 8-12 21,71 M. 13. Fettförderföhlenpreis 20,60 m. ab 5 Proz. Handelsnugen 1,08 m. = Durchschnittserlös 13 Broz. mehr 2.54 M. . 19,57 " . 22,11 " . • 21,71 " . 22,11 4 0,40 Die vorstehenden Berechnungen ergeben mithin: Selbstkosten je Tonne Förderung Durchschnittserlös je Tonne Förderung Getvinn je Tonne Förderung. . • 9 • " In dieser Selbstkostenberechnungen sind die Erleiterun gen des neuen Micum abfommens noch nicht enthalten. Wir schätzen diese Erleichterungen auf mindestens 0,60 m. je Tonne, wodurch sich der Gewinn je Tonne auf 1 m. erhöht. Eine LohnIn dieser Selbstkostenberechnung sind die Erleichterungen des neuen Micum Abkommens noch nicht enthalten. erhöhung getragen werden und dann bleibt, gemessen an einem. Schichtförderanteil von 0,880 Tonnen noch ein allerdings geringer Gewinn von 0,12 m. je Tonne. Es ist natürlich völlig finnlos, wenn von den Bergbaukreisen Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Die Krise in Ostoberschlesien. Der feit langer Zeit gefürchtete Zusammenbruch der Montan industrie Ost- Oberschlesiens scheint, wie Mib. berichtet, jetzt nicht mehr abwendbar zu sein. Zunächst ist die Eisen industrie da ren betroffen, die seit Monaten, um überhaupt Absatz im Ausland zu haben, zu Preisen verkaufen mußte, bei denen sie etwa 8 Goldmark für jede Tonne Roheisen und etwa 100 Goldmark für jede Tonne Feinblech zusetzt. Polen fann nur einen ganz geringen Teil der Produktion aufnehmen. Nachdem die Königs- und Laurahütte ihre sämtlichen Betriebe mit ca. 15 000 Arbeitern ftillgelegt und auch den Angestellten und Beamten einschließich der fündigungsfähigen Direktoren gefündigt hat, wird jezt die der Bis. mardhütte gehörige Falvahütte in Schwientochlowitz mit über 3000 Arbeitern fülgelegt und in 10 bis 12 Tagen wird die Bismarckhütte felbft mit 13 000 2rbeitern gefchloffen haben. Die Schließung meiterer Hütten steht bevor. Die durch Schiedsspruch erfolgte her a b segung der Löhne um 17 Broz, hat eine Besserung der Lage nicht herbeiführen können, die nur durch Steigerung der Leistung und Abbau der Preise der Gegenstände des täglichen Bedarfes erreicht werden kann. Beides ist nicht zu erwarten. Die Lage der Gruben ist noch nicht ganz so schlimm, da hier die Herabsehung der Sohlensteuer auf 5 Proz. eine fleine Erleichterung gebracht und der Streit in Westoberschlesien neue Abfagquellen geebnet het. Die Ursache der Krife liegt in der Abschneidung der Ins dustrie von ihrer natürlichen deutschen Produktions- und Absaz basis und in der Urberführung auf die polnischen Produktionsgrundlagen, die die starke Erhöhung der Produktionskosten zur Folge gehabt hatte. In der Eisenindustrie Ostoberschlesiens find etwa 50 000 Arbeiter beschäftigt, von denen jegt rund 20 000 arbeitslos sind. Eine Ueberflutung Westoberschlesiens, dessen Industrie sich auch in einer Krise befindet und die zurzeit durch Ausstand stillgelegt ist, durch die Arbeitslosen des östlichen Teiles steht bevor. Mit dem Zusammenbruch der Industrie geht eine schwere Schädigung des Deutschtums des abgetretenen Gebietes and in Hand, denn die Werke, die zunächst nur einzelne Betriebe stillegen, müssen zuerst die deutschen Arbeiter entlassen und die Angestelltenschaft, die zum Teil schon gekündigt ist und zum Teil gekündigt werden wird, ist fast ganz deutsch. 150 Jahre kongeligt grönlandske Handelskompagnie". In diesen Tagen feierte die staatliche dänische Handelsgesellschaft für Grönland ihr 150jähriges Jubiläum. Diese Kompagnie ist wohl die einzige der im Zeitalter des fürstlichen Absolutismus und des ökonomischen Manufakturismus gegründeten Handelsgesellschaften, die nicht nur bis heute durchgehalten, sondern ihre Konstruktion als staatliche Monopolhandelsgesellschaft bewahrt hat. Anstürme gegen sich hat sie genug gesehen, besonders als im vorigen fie fich trotzdem bis heute in ihrer Eigenart hielt, jo liegt das in den besonderen Verhältnissen des dänisch- grönländischen Handels, der mehr eine Versorgung und Unterstützung der Estimos war als ein gutes Geschäft, begründet. Trogdem ist das dänische staatliche Han delsmonopol für Westgrönland auf das sie sich in der Praris beschränkt start angefeindet worden, und zwar von außen im vorigen Jahrhundert von Holland und England, Anfang dieses Jahrhunderts con Amerika und nunmehr- seitdem die Bereinigten Staaten bei dem Kauf der dänischen westindischen Inseln die dänische Souveränität über ganz Grönland ausdrücklich anerkannt haben Don Nor wegen. Norwegen erkennt die dänische Hoheit über Ostgrönland nicht on, will das Monopol der dänischen grönländischen Handelsgesell schaft auf die schon bestehenden Stationen Westgrönlands beschränkt und im übrigen Grönland als Niemandsiand behandelt wissen. Wirtschaftlich handelt es sich dabei für Norwegen um unbeschränkten Walund Seehundfang an der oftgrönländischen Küste und vor allen Dingen in den an Seehunden, Fischen und Pelztieren verhältnismäßig reichen Fjorden Ostgrönlands. Verhältnismäßig- denn alle denn alle Grönlandtenner sind sich darüber einig, daß bei unbeschränkter Jagd und Fang das grönländische Wild, auch die Seehunde, noch schneller verschwinden als seinerzeit das Wildvieh des amerikanischen Westens. Wie groß die augenblicklichen wirtschaftlichen Werte sind, um die es bei dem norwegisch- dänischen Streit geht, zeigt sich aus der grönländischen Handelsbilanz, die sich in den letzten Jahren zwischen 1 bis 4 Millionen in der Einfuhr wie Ausfuhr bewegt und sehr sprunge haft, einmal einen Ueberschuß für Grönland, einmal wieder eine starte Unterbilanz( Ueberwiegen der Einfuhr) bringt, was wieder mit den besonderen Verhältnissen Grönlands, Witterung, Ausfüllung der Verforgungsdepots, Wildauftreten zusammenhängt. Dänemark hat jedenfalls meist mehr as den etwaigen Reingewinn der königlich grönländischen Handelsgesellschaft und die minimalen Steuern, die von Den 14 000 Eskimos und 400 Europäern in Grönland einkommen, für Verwaltung, Echule, Missionen und Aerzte ausgeben müssen. 3. B. fostete Grönland 1912/13 einen Zuschuß von 165 245 Kronen, nahm über den Krieg in der Höhe des Zuschusses ab, brachte 1918/19 einen Ueberschuß von 1 129 000 Kronen, um 1920/21 wieder einen Zuschuß von 48 000 kronen zu fordern. Dieser Zuschuß wäre noch größer, wenn man nicht ein von Amerika zur chemischen Fabrikation viel gekauftes Mineral, das ,, Kryolith", in Grönland gefunden hätte und in den Sommermonaten mit ca. 100 dänischen Arbeitern HENKEL'S SCHEUERPULVER Ata Ata CHOR abbaute. Welchen Gewinn diese Grube einbringt, zeigt, daß die Kryolith A.-G. an den dänischen Staat 1920 649 000 Kronen Abgabe vom Gewinn zahlte. Die Einlagen bei den Berliner Sparkassen, die feit Aufhören der Inflation zugenommen haben, sind, soweit der Spar verkehr in Betracht kommt, auch im Monat April weiter gestiegen, und zwar gegen den Vormonat um 22 Proz., von 2,86 auf 3,48 Millionen Goldmark. Jm Gesamtbetrag sind die Epareinlagen immer noch sehr gering( noch nicht 1 M. auf den Kopf der Bevölkerung). Der Sparverkehr entfällt in der Hauptsache auf die sogen. fleinen Sparer. Die Geschäftsleute, die Giro guthaben unterhalten, haben diese infolge der allgemeinen Kreditnot start reduziert( im April von 24,1 auf 19,04 Millionen Goldmark oder um 21 Proz.). Aenderung und Wiedereinführung von Zöllen. Nach einer Verordnung der Reichsregierung vom 15. Mai 1924 treten mit Wir kung vom 1. Juni 1924 ab folgende Aenderungen der Eingangszölle in Kraft: Der Zollsag für getrocknete Datteln der Tarifnummer 53, die in Behältnissen bei einem Gewichte von 5 Kilo gramm oder darunter eingehen, wird von 60 m. auf 78 M. Gold für 100 kilogramm erhöht; für geräucherte Gänsebrüste und Gänsefeulen der Tarifnummer 110 beträgt der Zoll statt 35 M. 60 M. Gold für 100 Kilogramm; die zeitweilige Bollfreiheit für Stärke der Tarifnummer 173 wird ausgenommen für Kartoffelstärke auf Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß Maisgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine. Bohnen, weiße, terl Langbohnen, handverles. Linsen, mittel Linsen, kleine Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Zimt( Cassia) 15,00 16,50| Malzkaffee, gepackt 15,00-15,75 Röstgetreide, lose 14,75-15,50 Kakao, fettarm 22,00-24,00 16,50-18,00 gehoben und gleichzeitig der Zollfaz für derartige in Aufmachungen für den Kleinverkauf eingehende Stärke von 16 M. auf 21 M. Gold für 100 Kilogramm erhöht. Die Bedenken, die gegen einen Schußzzoll sprechen, sind seinerzeit anläßlich der Beratung der Berordnung im Reichstag von uns hervorgehoben worden. übrigen handelt es sich um ausgesprochene Luruswaren, die bei erhöhten Zöllen hoffentlich weniger ins Land kommen, so daß weniger Devisen für ihre Bezahlung erforderlich sind. Im Der Stand der Frühjahrssaatkampagne in Rußland. Nach wirtschaftsamtlichen Angaben stellt sich, dem Ost- Expreß zufolge, wie folgt dar: Ukraine: im Norden der Ukraine haben sich die der gegenwärtige Stand der Frühjahrssaatkampagne in Rußland Saatarbeiten infolge der anhaltenden Regenfälle verzögert. Der Stand der Saaten ist mit Ausnahme des Odessaer und Poltavaer Gouvernements in der ganzen Ukraine befriedigend. Bentralrußland: Die Lage ist im allgemeinen güntig. Im Gouvernemunt Kursk haben die Regenfalle der letzten Beit ungünstig auf den Saatenstand gewirkt. Wolga gebiet: in den Gouvernements Ssamara, Ssaratow und Zarizyn sowie in der deutschen Wolgarepublik sind die Saatarbeiten beendet worden. Im Gebiet der oberen Wolga und im Süden der Tatarenrepublik hat das Pflügen begonnen. Kaukasus: Es herrscht anhaltender Regen, der äußerst nngünstig auf den Stand der Saaten wirkt. Krim: Die Lage ist günstig. Große Gefahr besteht nur seitens der Feldmäuse, die in ungeheuren Massen die Felder bevölkern. Sibirien: Die Versorgung mit Saatmaterial ist großenteils durchgeführt worden. Aus der Partei. 100,00-115,00 Fortschritte der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoflowakei. 115,00-130,00 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt 11,25-12,75 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 17,25-18,75 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 21,75 25,50 Inlandszucker basis mel. 37,0-39,00 Inlandszucker Raffinade 13,25-15,00 Zucker Würfel 15,00-21,00 Kunsthonig 16,75-20,00 Zuckersirup hell in Eim. 12,75-15,00 Speisesirup dunk. in Eim. 21,00-24,00 Marmelade Einfr, Erdb. 27,00- 30,50 Marmelade Vierfrucht 24,00-32,00 Pflaumenmus in Eimern 33,00-39,00 Steinsalz, lose.. 41,00-46,50 Siedesalz. lose 39,00- 40,75 44,50-46,75 41,50- 46,00 32,00- 35,50 28,00- 32,00 95,00-110,00 40,00-48,00 40,00-44,00 3,10- 3,70 4,00- 4,70 65,00- 66,00 63,00- 64,50 18,75-21,00 Bratenschmalz in Tierces 63,50-64,50 62,03-64,00 50,00-53,00 48,00-50,00 38,50-44,50 Bratenschmalz in Kübeln 35,00 37,00 Purelard in Tierces 18,00-21,00 Purelard in Kisten 14,50-16,25 Speisetalg in Packung 16,50 18,25 Speisetalg in Kübeln 24,00 31,00 Margarine, Handelsm. I 30,50-36,00 desgl. II. 76,00 84,00-88,00 Margarine, Spezialm. I. 42,00- 45,00 desgl. II. 61,00-65,00 50,00-55,00 Margarine III 45,00-48.00 70,00-75,00 Molkereibutter i. Fässern 194,00-200,00 58,00 52,00-55,00 70,00-82,00 Molkereibutter in Pack. 200,00-205,00 72,00-90,00 Landbutter 160,00-165,00 72,00-78,00 Auslandbutter in Fässern 194,00-200,00 Mandeln, süße Bari.. 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 200,00-205,00 Mandeln, bittere Bari.. 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 Kümmel, holländischer 125,00-130,00 Quadratkäse 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00- 72,00 22,00-35,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 98,00-108,00 Quarkkäse 35,00-50,00 Weißer Pfeffer 133,00-138,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 105,00-115,00 Rohkaffee Zentralamerika220,00-290,00 180,00-220,00 Ausl. ungezuck. Condensmilch 48/16. 20,75-23,50 Röstkaffee Brasil 240,00-290,00 Inländische desgl. 48/12 17,50- 18,50 Röstkaffee Zentralam... 300,00-385,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 27,00 28,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Rohkaffee Brasil Allg. Ortskrankenkasse für Adlershof u. Umg. Bekanntmachung. Hiermit bringen wir zur Kenntnis, daß ab 25. Mai 1924 die Zuschläge für die Erwerbslosenfürsorge nicht mehr 3 Broz., sondern 1,5 Broz. vom Bruttolohn be tragen. Der Abzug entfällt je zur Hälfte auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der Raffenfag beträgt 7% Proz. und sind zufammen 9 Broz. an uns zu zahlen. Adlershof, den 20. Mai 1924. 104/20] Der Kassenvorstand: 3abel, 2. Borsigender. Dr.med.GüntzAnti- Luefan- Chromtabl. Syphilis zur innerlichen Kur gegen ohne Quecks u.Galv schmerzl.oh.Berufsst. Zahll.Danksch. Brosch.25 Pf d.Bolts- Gesh Bentr. Bln., Oranienstr.130a. Spez- Inst.f. Geschlechtstr. tägl. 4-7% auß. Donnerst. Sonntags 10-12. Kostenlose Beratung. Gabardine Mai130 br.. r. Wolle, 8.50 M., 9.75 M. Kur mit Blutreinigungspulv. Saltarin Kostüm-, Kleider-, wirksamste VerjünFutterstoffe be- gung u. 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HerrenKonfektion Kleine Anzahlung und bequeme Teilzahlung Bare sofort zum Mitnehmen Fritz Gottlieb 73 Prinzenstraße 73 Aus Prag wird uns geschrieben: Im September vorigen Jahres fanden in den deutschen und tschechischen Gebieten der Tschechoslowakei Gemeindewahlen statt, die infolge des wachsenden nationalen Drudes eine Niederlage der Sozialdemokratie in den deutschen Gebieten der Tschechoslowakei mit sich brachten. Die gesamte deutschbürgerliche Presse jubelte damals auf, und wie schon oft vorher wurde auch jetzt wieder die deutschböhmische Sozialdemokratie totgesagt. Daß diese Wahlen nur ein Ausdruck Der vorübergehenden nationalistischen Welle waren, beweist eine in den letzten Wochen von der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei durchgeführte Propagandawoche, die von vollem Erfolge begleitet war. Die Zahl der eingeschriebenen Parteimitglieder betrug vor der Propagandawoche rund 70 000, nach der Propagandamoche 80 000. 10 000 deutsche Arbeiter, die nach der Spaltung der Partei dem Indifferentismus verfielen, wurden wieder in die Reihen Ser deutschen Sozialdemokratie zurückgeführt. Dabei ist zu berückfichtgen, daß das endgültige Resultat der Propagandawoche noch aussteht. Es zeigt sich also auch in den deutschen Gebieten Böhmens, daß der Tiefstand der Sozialdemokratie Mitteleuropas überwunden ist und daß es wiederum vorwärts geht. Haut- Bleichkrem ,, Kloro"[ owie Kloroseife bleichen Gesicht und Hände in turzer Zeit rein weiß. Wirksam erprobte unschädliche Mittel gegen unschöne Hautfarbe, Sommersprossen, Leberflede, gelbe Flecke. Mit genauer Anweisung in allen Chlorodont- Berlaufsstellen zu haben. 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