Nr. 240 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 123 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags Beilage Bolt und 8eit" mit Gied. Iung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille. Beile 0.70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmark. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Die neuen Verhandlungen könnten ein Zeichen von Stärke und Selbstbewußtsein der Mittelparteien sein sie scheinen es aber nicht zu werden! Sie könnten dazu dienen, nunmehr die Deutschnationalen flar vor die Frage zu stellen, ob sie die Gutachten annehmen wollen oder nicht, um aus der Antwort, aber auch aus der Verweigerung der Antwort, die Konfequenzen zu ziehen. Dazu gehört aber eigene flare und eindeutige politische Linie, und es scheint nicht, als ob sie zwischen und Mittelparteien und in den Mittelparteien selbst vorhanden sei. Die Deutsche Volkspartei hat die Einladungen zu den Verhandlungen ergehen lassen. Ueber die Vorgeschichte diefer Einladung zeigen die Berichte eine bemerkensmerte Differenz. Die" Boffische Zeitung" behauptet, Dr. Scholz habe diese Einladung ohne Beschluß der Mittels parteien, also auf eigene Faust ergehen lassen. Aus der bisherigen Haltung der Deutschen Volkspartei zeigt sich, wie sehr sie zu den Deutschnationalen drängt. Ihre Stellung zu den Gutachten ist bisher noch feineswegs eindeutig flar. Diese Initiative ist darum durchaus nicht das starte Gegenfriel, das die Breffe der Mittelparteien als Antwort auf die Fechterkünfte der Deutschnationalen ankündigte. Von dem gemeinsamen außenpolitischen Brogramm der Mittelparteien ist nun sehr viel geredet worden. Seine Veröffentlichung wird abermals in Aussicht gestellt, zugleich mit der Versicherung, daß die heutigen Verhandlungen sich auf dieser Grundlage abspielen werden. Die Presse der Mittelparteien hat für dieses Pro gramm im voraus Eindeutigkeit und Klarheit der Annahme der Gutachten nachdrücklich in Anspruch genommen. So sehr, daß es merkwürdig berührt, daß dies Programm immer noch zurückgehalten wird. Es rechtfertigt hoffentlich das Lob, das ihm im voraus gespendet wurde und verkehrt die klare Annahme der Gutachten nicht durch Bedingungen oder gar durch ,, unverzichtbare Vorbehalte" in das Gegenteil. Die Deutschnationalen haben die sehr kurze Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Akt der Verhandlungen ausgefüllt Bürgermeisterwahl in Berlin. Der Bürgerblock- Kandidat gewählt, der Sozialdemokrat unterlegen. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung wählte gestern mit 105 Stimmen den deutschvolksparteilichen Bezirksbürgermeister Scho13( Charlottenburg) zum zweiten Bürgermeister von Berlin als Nachfolger des verstorbenen Genoffen Ritter. Der sozialdemokratische kandidat Stadtrat Dr. Heimerich- Nürnberg erhielt 92 Stimmen. Die Demokraten und die Völkisch- Deutschnationalen stimmten gemeinsam für den Bürgerblock kandidaten, während die Kommunisten sich tapfer der Stimme enthielten. So zeigt sich das Bild, daß derselbe Bürgerblock, dessen Zustandekommen im Reich noch einige Schwierigkeiten bereitet, in der Reichshauptstadt dank der Gefälligkeit kommunal- freisinniger Demokraten von seiner Fünfftimmenmehr heit, die er insgesamt aufzuweisen hat, rücksichtslosen Gebrauch macht, wenn es gilt, sozialdemokratischen Einfluß zu beseitigen. Er baut den Stadtschulrat ab, weil dieser Sozialdemokrat ist, er flammert sich auch an seine Fünfftimmenmehrheit, um der stärksten Fraktion das Mandat des zweiten Bürgermeisters zu entreißen. Wobei die„ revolutionären" Kommunisten den Stoch und Merten getreulich Gefolgschaft leisten. Dasselbe Bürgertum, das so rücksichtslos feine winzige Mehrheit aus Antisemiten und Demokraten ausnutzt, fandte Reichswehr nach Sachsen und Thüringen, weil dort die sozia: listische Mehrheit das Unrecht gutzumachen suchte, das seit Jahrzehnten an der sozialistischen Arbeiterschaft begangen wurde! Berlin gibt dem Reiche ein feuchtendes Beispiel. Und die Berliner Kommunaldemokratie marschiert im Bunde mit den Wulle- und Westarp- Mannen tapfer voran! Besatzung und Wirtschaftsfrieden. Aeußerungen des Ministers Hoefle. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Hoefle erflärte in einer Unterredung über die neuesten französischen Maßnahmen in Düsseldorf u. a.: Die sogenannten franzöfifchen„ Strafmaßnahmen" in Düsseldorf find erfolgt, weil die Stadtverwaltung in Düsseldorf ein fach nicht das Geld hat, die von den Franzosen geforderte Wir können demgegenüber feststellen, daß in den Verhandlungen zwischen den rechten Parteien teine Meinungsverschieden heiten aufgetaucht sind, übrigens auch nicht auftauchen konnten, da die Besprechungen lediglich freundschaftlich- informa torischen Charakter trugen. paym = Die Deutschnationalen, die von der Volkspartei als „ st a at s bejahende Partei" reklamiert werden, führen nach der einen Seite Berhandlungen über ihre Beteiligung an einer verfaffungsmäßigen Regierung, auf der anderen Seite gleichzeitig freundschaftlich- informatorische Besprechungen ohne jede Meinungsverschiedenheit mit einer auf die Zerstörung des Staates und der Verfassung hinarbeitenden, offenkundig put schistischen Partei. Was würden die Deutschnationalen, aber was würden auch die Mittelparteien sagen, wenn die Sozialdemokratische Partei zur selben Zeit, in der sie Besprechungen über eine Regierungsbeteiligung führt, freundschaftliche Verhandlungen mit den Kommunisten abhalten wollte zu freundschaftlich- informato= rischen Zwecken? Die Frankfurter Zeitung" beflagt sich in ihrem Abendblatt von gestern sehr bitter über die mangelnde Initia tive und die mangelnde Festigkeit der Mittelparteien: All das ist im Grunde recht kläglich, aber noch mehr als das, es ist gefährlich Denn ohne daß die Regierung und die Mitte die Führung, die sie sich nehmen ließen, wieder an sich reißen, wird man aus diesem traurigen Wirrwarr nicht herauskommen. Es ist wohl Zeit, daß men all das Lebendige, das vorhanden sein mag, in Afton setzt, sonst könnte man von rechts her noch einige Ueberraschungen erleben. Heute muß sich erweisen, ob die Mittelparteien die Folgerungen aus dem Ernst der Lage ziehen, ob sie imstande sind, die geforderte Festigkeit zu zeigen oder ob sie sich unter der Führung der Volkspartei unter die Führung der Deutschnationalen beugen. * Die sozialdemokratische Reichstagsfrat. tion tritt am Montag, 26. Mai, vormittags 10 Uhr, im Reichstag zu ihrer ersten Fraktionssihung zusammen. große Artilleriekaserne für ein Artillerieregiment mit zehn Batterien zu bauen. Vor allem muß festgestellt werden, daß den französischen Forderungen jede rechtliche Grundlage fehlt. Düsseldorf ges hört zu dem sogenannten Sanktionsgebiet, zu dem Gebiete, das am 8. März 1921 von französischen und belgischen Truppen besetzt worden ist. um die Annahme des sogenannten Londoner Ultimatums zu erzwingen. Obwohl sich die deutsche Regierung unter dem 3wange der Verhältnisse den 3ahlungsbedingungen dieses Ultimatums fügte, ist die Besetzung damals nicht aufgehoben worden. Wenn jetzt gerade auf dem Kafernenbau in Düsseldorf bestanden wird, so berührt das besonders eigenartig, weil wir so viel von der Unsichtbarmachung der Besagung in den widerrechtlich befeßten Gebieten hören und lesen. Tatsächlich ist bis jetzt die französische Besatzung im Santtionsgebiet und im Ruhrgebiet noch sehr deutlich sichtbar. Ich darf darauf hinweisen, daß die im französischen Haushalts des Jahres 1924 vorgesehene Besagungsstärte für dieses Gebiet immer noch 52 715 Stöpfe beträgt, gegenüber 55 120 Köpfen im Jahre 1923. Man gewinnt fast den Eindruck, als ob die Militärbehörden ihre Maßnahmen absichtlich auf ein noch lange dauerndes Verbleiben in den rechtsrheinischen Gebieten einstellen. Denn nicht nur in Düsseldorf wurde die Neuerrichtung einer größeren Kaserne verlangt, sondern auch in zahlreichen anderen Städten des neubesetzten Gebiets find in neuerer Zeit umfangreiche Neubauten für die Befagung gefordert worden. Auch diese Forderungen würden viele Goldmiffionen verschlingen. Die deutsche Regierung ist ohne schwerste Gefährdung ihrer Währung nicht in der Lage, diese Forderungen, die jeder rechtlichen Grundlage entbehren, zu erfüllen, fie hat sie daher abgelehnt. Man darf in diesen Zusammenhange auch nicht vergessen, was für das alt befeßte Gebiet an Kasernenbauten und militärischen Anlagen alles gefordert wird. Die Gesamtkosten der hier zurzeit im Bau begriffenen angeforderten Bauten telaufen sich auf mehr ais 62 Millionen Goldmart. Sind das die Schlußfolgerungen, die die Militärbefehlshaber aus dem Dawes Gutachten ziehen wollen? Glauben fie mit derartigen Eingriffen in die Wirtschafts- und Lebensverhältnisse den 3 veden zu dienen, die dieses Gutachten verfolgt? Heeresverminderung in der Tschechoslowakei. Die Regierung hat ein neues Wehrgesetz eingebracht, das die Heeresstärke von 150 000 auf 120 000 Mann und ab 1930 jährlich um weitere 4000 Mann herabsetzt. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36. Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depojitentaje Lindenstrasse 3 Zwei Helden. Ludendorff und Ehrhardt. In den Massen der Menschen steckt das Bedürfnis, sich Helden zu schaffen und sie zu verehren. Auch der stärkste Radikalismus schüßt dagegen nicht, wie die an die Pharaonenzeit erinnernden Moskauer Feierlichkeiten beim Tode Lenins zeigen. Die Anbetung großer oder doch für groß gehaltener Männer hat den einen sympathischen Zug, daß ihre legte Grundlage die Bescheidenheit der Menge ist. Man ist sich des eigenen kleinen Formates bewußt und erhofft eine Vermehrung der eigenen Kraft von dem inbrünstigen Aufblicken zu einem Manne, von dem man glaubt, daß er alle den Charakter ihrer Helden stellen, sind mitunter sehr niedrig. anderen überragt. Die Anforderungen, die die Gläubigen an Auch Rinaldo Rinaldini, der bayerische Hiest und der oberfchlesische Bilddieb Sobczyk, dem es gleichgültig war, ob ihm ein Hirsch oder ein Forsthüter vor den Gewehrlauf kam, haben Scharen treu ergebener Verehrer gehabt. Aber in einem Punkte waren bisher diejenigen, die den Drang nach Erhebung von Menschen zu Göttern oder Gözen hatten, unerbittlich: eine Handlung, die nur durch Niedrigkeit der Gesinnung zu erklären war, verziehen sie ihrem Idol nicht. Entstellte es sich selbst durch Züge von Gemeinheit, so rissen sie es aus ihrem Herzen. Unsere deutschvölkischen und deutschnationalen Heldenverehrer sind nachfichtiger. Legten fie an ihre Heroen das bisher übliche Maß von Anforderungen an, so würden sie in ihren Reihen wahrscheinlich feine finden. So tommt es, daß die einen in Ludendorff, die anderen in Ehrhardt die politische Idealgestalt erblicken, deren Wirken sie als Kraftwelle betrachten und von deren Betätigung sie das Heil erwarten. Ludendorff als Bannerträger! Der Mann, der, wie die freikonservative" Post" am 18. Oftober 1918 schrieb, da s deutsche Volt dem Unglück und der Schande kleidung sich in das Ausland geflüchtet hat, der in jeder seiner überliefert, der im November 1918 in unwürdiger BerAeußerungen in gleichem Maße Mangel an Wahrheitsliebe wie vollkommene Urteilslosigkeit erkennen läßt, der es neuerdings erst gewagt hat, die Absonderungstendenzen in Hannover auf die Teilnahme der Sozialdemokratie an der preußischen Regierung zurückzuführen, obwohl er genau weiß, daß das Berbleiben Hannovers in Breußen und im Reiche nur einmal ernstlich in Frage gestellt war, und zwar zur Zeit des Rapp- Butsches! Man muß den völkischen Kindern pieles nachsehen, deshalb sei ihnen verziehen, daß sie sich über die intellektuellen und manche moralischen Defekte ihres Abgotts hinwegsehen. Aber eines ist nicht zu begreifen: daß sein infamer Streich gegen den General Hoffmann sie nicht zur Breisgabe ihres Führers und Helden veranlaßt hat. General Hoffmann, ein hochbefähigter Offizier, war in schweren Kriegsjahren der vertrauteste Mitarbeiter Ludendorffs. Er hat einen hervorragenden Anteil an den Plänen, die zum Siege von Tannenberg geführt haben. Diese Tatsachen haben Ludendorff nicht davon abhalten können, am 28. Juli 1921 an einen antisemitischen Sournalisten mit jüdischem Namen, Herrn Sontag, den bekannten Brief zu richten, den wir, da er nicht vergessen werden darf, noch einmal abdrucken wollen. Die Ludendorffsche Stilübung lautet wie folgt: General Hoffmann hat sich ein Interview mit einem Sozialdemokraten geleistet. Er ist frankhaft ehrgeizig, steht ganz unter dem Einfluß seiner jüdischen Frau, geborene Stern, hat bei einem Ecftgelage im Januar einen Schlaganfall gehabt und scheint noch mehr in die Hände von Frau Cornelie Irene gekommen zu fein. Vielleicht ist er noch trank. Seine Frau hatte im Frühjahr 1918 einen ppütischen Salon, in dem Erzberger und Solf- beides Reichsverderber verkehrten. Hindenburg verbot auf meine Bitte den Salon. Dieser Frau schreibt er Briefe von einer Bedeutung, daß sie aufgehoben werden! Während es verboten war, wichtige Mitteilungen zu machen. So kann man sich nicht wundern, wenn unsere Maßnahmen bekannt wurden. Wie er über mich spricht, ist nicht sehr schön; aber meinethalben, erlogen sind meine Kriegserinnerungen nicht, sondern durch und durch wahr. Was hätte die Linte angefangen, wenn sie mir Fehler hätte nachweisen können. Auch der Untersuchungsausschuß hat dies nicht ge= macht. Ich bitte also scharf Stellung zu nehmen. Troß seiner Kriegsverdienste wirft jezi 5 als Schädling, der in echt jüdischer Weise vaterländische Werke zerstört. Ich bitte, aus sich heraus zu schreiben, nicht meine Anregung zu erwähnen. Untreue, Tücke, Feigheit vereinigen sich in diesem Schreiben zu einem widerlichen Bilde. Gegen General Hoffmann muß troß seiner Kriegsverdienste in der Oeffentlichkeit fáarf Stellung genommen werden, weil er sich über Ludendorff nicht sehr schön" ausgesprochen hat. Die Tatsache, daß er eine jüdische Frau hat, soll einer urteilslosen Menge zu dem 3wed mitgeteilt werden, den Kriegskameraden in ihren Augen herabzusehen. Ein Schlaganfall des„ vielleicht noch Kranken" foll auf alkoholische Ausschweifungen zurückgeführt werden. Aber es darf niemand wissen, von wem diese grenzenlos gemeinen Anwürfe stammen. Das Verhalten Ludendorffs kann nur durch die Worte des Staatsanwaltes im Prozeß Waldeck charakterisiert werden: „Ein Bubenstück, ersonnen, um einen Mann zu verderben." In den Augen aller anständigen Menschen ist der, der es ver- übt hat, für alle Zeiten gerichtet. Unsere völkischen Männer und Frauen würden heute sicherlich Ohm, Goedsche und Piersig in den Himmel heben, da alle drei nicht mehr leben, halten sie sich an Ludendorff. Wir gönnen diesen seinen Anbetern und den Erneuerern Deutschlands ihren Helden. Und nun zu Ehrhardt. Es fällt uns selbstverständlich nicht ein, seinen Charakter daruni für entstellt zu halten, weil er in einem Zeitpunkt größten innerdeutschen Wirrwarrs und außenpolitischen Druckes einen Putsch unternommen hat, der Deutschland dicht an den Rand des Abgrundes brachte. Er hat bei dieser durch seinen Mangel an politischer Einsicht ge- nügend erklärten Schilderhebung die eigene Haut zu Markte getragen und nicht nach Ludendorffschem Bei- spiel aus dem Hinterhalt gefeuert. Seine Tat war gemein- gefährlich und machte seine Einschließung erforderlich; aber sie war nicht ehrlos. Anders steht es mit seinem Verhalten gegen die Prinzessin Hohenlohe. Die Prinzessin Hohenlohe hatte Ehrhardt alles gegeben, was eine Frau einem Manne geben kann. Der Dank des Edlen bestand darin, daß er auf ihr Gewissen eine ungeheure Last getürmt und sie auch noch ihre Freiheit hat verlieren machen. Ehrhardt suchte sich bekanntlich der Verhaftung wegen Landesverrats durch An- nähme eines falschen Namens Eichmannn zu entziehen. Der Untersuchungsrichter beim Reichsgericht hatte erfahren, daß der Prinzessin Hohenlohe der Aufenthaltsort Ehrhardts be- kannt sei. Er lud sie als Zeugin vor. Und nun b e st i m m t e Ehrhardt das willensschwache und nicht übermäßig ur- teilsfähige Mädchen dazu, unter dem Zeugeneide zu bekunden, daßsieihnnichtkenne! Der treudeutsche Ehrenmann machte ihr weis, daß sie damit die Pflicht zur Aussage der Wahrheit nicht verletzen würde, denn da er den Namen Ehrhardt durch einen anderen ersetzt habe, sei Ehr- Hardt tot. Mithin dürfe sie erklären, daß sie ihn nicht kenne oder doch nicht wisse, wo er sei. Die Hohenlohe folgte dem gefährlichen Rat. Ehrhardt verstand es, sich durch die Flucht aus dem Ge- fängnis, in das er als Untersuchungsgefangener gesteckt wurde, vor Strafe zu retten, das von ihm doppelt verführte Mädchen überließ er ihrem Schicksal. Sie muhte ihr Verbrechen mit einer Freiheitsstrafe sühnen. Ehrhardt aber ist der Abgott der Deutschnatio- n a l c n geblieben. Dieselben Männer, die Jahrzehnte hin- durch der Sozialdemokratie den schamlosen Vorwurf gemocht haben, daß sie ihre Anhänger zum Nutzen der Partei einen Meineid zu leisten zwinge, stoßen sich nicht daran, daß dieser Wicht sich nicht gescheut hat, die Rechtsprechung durch einen von ihm veranlaßten Meineid auf Irrwege zu locken. Kohr und die anderen dcutschnationalen Größen sind Freunde Ehrhardts geblieben und entziehen ihn der verdienten Bestrafung, die deutschnationale Jugend brüllt weiter das Ehrhardt-Lied, und wenn Ludendorst heute dem Manne feindlich gegenübersteht, zu dessen Begrüßung er sich am Tage des Kapp-Putsches in früher Morgenstunde am Brandenburger Tor eingefunden hatte, so hat das andere Gründe,, als die von Ehrhardt bewiesene völlige Ehrlosigkeit. Man erkennt die Menschen nicht bloß an ihren Früchten. sondern auch an ihren Helden! der üeutschnationale Zähler in Paris. Ein Ablengnungsversttch. Die Mitteilung des Genossen Dr. Breitscheid, daß in Pari««in Sendling der Deutschnationolen herumlaufe, um für den Eintritt seiner Partei in die deutsche Regierung Stimmung zu machen, wird von der deutschnationalen Parteileitung abgeleugnet. Wir glauben der deutschnationalen Parteileitung aufs Wort, daß jener Sendling keinen offiziell abgestempelten Auftrag von ihr in der Tasche hat, wir haben aber um so mehr Grund anzunehmen, daß die Behauptung des Genossen Breitscheid vollkommen richtig ist. Im übrigen hat der deutschnational«„Lokal-Anzeiger" es gestern noch für selbstverständlich erklärt, daß die Deutschnationalen in London Fühlung genommen haben glühten, bevor sie Herrn v. Ti r p i tz für den Kanzlerposten vorschlugen. Warum soll nicht für Paris recht fem, was für London billig ist? Englisches Tirpitz-Echo. London. 22. Mai.(Eigener Drahtbcricht. Das englische Presie- echo zu den jüngsten politischen Vorgängen in Deutschland zeigt, daß die englische öffentliche Meinung Tirpitz großen Einfluß auf die deutsche Politik zuschreibt, die in seiner Kanzlerkandidatur zum Aus- druck komme. Der Eindruck ist der dönkbar ungünstigste. Un» abhängig von der Stellung Tirpitz' zum Sachverständigenplan wird er im Ausland allgemein als dos Symbol des kaiserlichen Deutschland hingestellt und ihm die Hauptoer antwortung für die imperialistische Außenpolitik der Vorkriegszeit zugeschrieben. Zum Kampf um die Annahm« dez Sachoerjtändigenplanes äußert»Daily Telegraph", es märe der Höhepunkt des Wahnsinns, wenn Deutschland im Augenblick der Aenderung der Rnhrpolitik und der Amnestie der Gefangenen durch Erweckung des Revanche- geistes alle Aussichten auf eine Aussöhnung und Zusammenarbeit des gesamten Europas zerstören würde. Di« öffentliche Meinung Amerikas würde einen solchen Rücksall niemals verzeihen. Deutschland würde damit jegliche Aussicht aus Kredit Englands und Amerikas verlieren. Das schwergeprüfte deutsche Volk müsse da? begreifen, wenn die Rationalisten hierzu unfähig wären. völkische Pleite. „Es ist nicht alles Gold was glänzt." München, 22. Mai.(Eigener Drohtbericht.) Der nach dem Hitler- Putsch zur..Großdeutschen Zeitung" umgetaufte»Völkisch« Be- o b a ch t e r". die öltest« und größte der drei völkischen Zeitungen Münchens und da» besondere Sprachrohr Hitlers, hat unerwartet sein Erscheinen aus Mangel an Betriebsmitteln eingestellt. In der am Mittwoch mittag rrschienenen letzten Ausgab« heißt es be- schönigend:»Di« Berhältnisie zwingen uns,«ine durchgreifende Reu- ordnung unseres gesamten Unternehmen» vorzunehmen. Aus diesem Grunde wird die„Großdeutsche Zeitung" von heute ab für einige Zeit nicht erscheinen." Abgesehen davon, daß durch diesen plötzlichen Zusamniensturz die völkische Renom miererei über die groß« Auflage der „Großdeutschen Zeitung" Lüg« gestrast' ist, wird dadurch auch die so viel gepriesene E i n i g k e i t im völkischen Lager trefflich be- leuchtet. Wäre diese Einigkeit wirklich vorhanden und wären sich die Dutzende völkischer Führer in München nicht spinnefeind, so wäre zur Verhütung des schlechten Eindrucks in der Oeffentlichkeit eine Zusammenlegung de? drei völkischen Blätter leicht möglich gewesen. Im üorigen ist es ein mehr als merkwürdiger Zusall, daß die letzte Nummer der„Großdeutschen Zeitung" mit der un- gewöhnlich großen Schlagzeile«rschien-n ist:»Es ist nicht alles Gold, was glänzt". München. 22. Mai.(Eca.) Neben der„Großdeutschen Zeitung" in München hat auch die„Augsburger Tageszeitung" ihr Erscheinen eingestellt. Di« Völkischen besitzen nunmehr in Augsburg kein« Tageszeitung mehr. Ludendorffs Werbekraft. München. 22. Mai.(Eigener Drcchtbericht.) Aufallend war der starke Rückgang der völkischen Stimmen in Oberbayern bei der Reichstagswahl gegenüber der Landtagswahl vier Wochen zuvor. Daran war nicht nur die geschickt« Spitzenkandidatur der Deutschnationalen in der Person des Herrn v. Tirpitz schuld, son- dern, wie sich fast zahlenmäßig nachweist« läßt, vor allem Luden- dorff selbst. Das„Bayerische Bauern blatt" meist nämlich darauf hin, daß der völkische Stimmenrückgang überall besonders stark d a gewesen ist, wo Ludendorff als Berfammlungsredner für die Bölkischen aufgetreten ist. Da« trifft für Würzburg zu, New Nocks ZSS-ffahr-Zeier. Groß« Festlichkeiten werden jetzt im Mai in Amerika begangen. um die Gründung von New Jork vor 300 Jahren würdig. zu feiern. Ein»Wallonen- Hugenotten- Neu-Riedarland- Komitee ist zu diesem Zwecke gebildet worden. Der Gouverneur von New Park hat eine feierliche Proklamation aus diesem Anlaß veröffentlicht und in New Port selbst wird im Battery-Pork ein Denkmal eingeweiht werden, das der Provinzialrat des Hennegau zur Erinnerung an die ersten wallonischen Ansiedler gestiftet hat. Es ist also im wesent- lichen eine Feier der hugenottischen Bewegung, die so viele Siedler aus der Alten Welt nach der Neuen gedrängt hat, und die Wallonen spielen deshalb eine solche Rolle, weil es 32 hauptsächlich wallonische Familien gewesen sein sollen, die im Mai des Jahres 1S24 auf dem Schiff»Neu-Ricderlond" an der Mündung des Hudsonflusses die Anker auswarfen und auf der Manhattan-Insel die ersten Holzbiock- häufer errichteten. Aber die geschichtliche Wahrheit dieser wallo- nischen Niederlassung im Jahre 1624, an die fast alle New Bork er glauben, fft sehr zweifelhaft. Es fehlt jedes historische Zeugnis da- für, und die geschichtlich beglaubigte Ansiedlung der Holländer auf der Monchattan-Insel beginnt erst zwei Jahre später. 1626. Trotz» dem feiert New Bork die 300. Wiederkehr de» Jahres, in dem das künftige New Bork zum erstenmal aus vorgeschichtlichem Dunkel auftaucht. Eine Serie von Gedächtnismarken erscheint und eine neu« Halbdollar-Münze wird geprägt, die aus der«inen Seite da« Schiff„Neu-Niederland" und auf der anderen die Profile von Wik- Helm dem Schweigsamen und dem Admiral Coligny zeigt. Nun haben freilich der Admiral noch Wilhelm von Nassau dos geringste mit der Gründung von N e u- A m st e r d a m zu tun, wie die Sied- lung damals benannt wurde, aber sie werden als hervorragende Ge- stalten der Hugenottenbewegung gefeiert, deren Kolonien in Amerika in der Frühgeschichte des Landes eine so große Rolle spielen. Ein Hugenotte war auch der Mann, der die„Reu-Niederland" aus- rüstete und desstn Rom« in der Inschrift des neuen Denkmals er. scheint. Es mar c n Färber von Leyden, Jeff« de Forest,«in Wal- � lvne, der für seine Glaubeys- und Leidensgenossen eine sichere Ilntertunst in einem fernen Lande suchte und die 5)ils« der hollän- dischen»Westindischen Gesellschaft" erlangte. Diese Wallonen, oder vielleicht auch die Holländer unter Peter Minuit, die 1626 kamen, waren nicht die ersten Besucher der Man- hattan-Änsel. 1524 hatte Bcrrazano den Fluß entdeckt, dem Hudson 1609 seinen Namen gab. Seil 1610 besuchten holländische Händler regelmäßig die Küsten der Insel und tauschten Messer oder Glas- perlen gegen die Biberfell« der Indianer aus. 1614 war das Schiff de, Holländers Adrian Block an der Manhattan-Insel gescheiterl und er hatte sich hier ein neues Schiff gebaut, während er mit feiner Mannschaft in Hütten nicht weit von der Stelle lebte. w-> beute Wall-Stveet ist. Die Geschichte New Barls beginnt mit jenem berühmten Vertrag, den der Holländer Peter Minuit im Namen der Westindischen Gesellschaft mit den Indianern schloß und durch d«n die Rothäute die Manhattan-Insel für Waren im Werte vo» etwa 80 Goldmark an die Gesellschaft abttaten. Minuit baut« das Fort Amsterdam an der Stelle, wo heut« das Zollgebäud« am Broadway steht, und unter seiner Leitung erbauten die 200 An- siedler van Neu-Amsterdam 30 Holzhäuser mit Dächern von Baum- rinde. Die Ansiedler führten zunächst in dem fruchtbaren, wild- reichen Gebiet«in glückliches Leben, bis die Ansprüche d«r West- indischen Gesellschaft zu hart wurden und die Kämpfe gegen die Ausnutzung durch dieses Handelsinstitut einsetzten. Die amtliche Sprach« der neuen Niederlassung war sranzösssch, aber das Gewirr von Sprachen, das hier durcheinandertönte, war fast„babylonisch". Wie das New Bork von heute war das alte Neu-Amsterdam ein« Versammlungsstätte von Volk aus oller Herren Länder. Pun- taner aus England, Waldenser aus Pyrmont»«rmischten sich hier mit schwedischen Siedlern und deuffchen Lutheranern. Als 1664 der Herzog von Bork im Namen König Karls II. von England An- spruch auf die neue Gründung erhob, da ergab sich die Stadt der Flotte von vier Schiffen ohne Kamps, da man mit der Herrschaft der Westindischen Gesellschaft unzufrieden war. Ein Vertrag, der 1672 zwischen Holland und England geschlossen wurde, brachte dann Ottu-Amsterdam endgültw bis 1733 unter englisch« Hrrrschast. In den letzten Iahren des 17. Jahrbunderts war das heutige New Bork eine Hauptzufluchtsstätte für Seeräuber aller Art, die erst nach schweren Kämpfen hinausgetrieben werden konnten. Dann kain bis zum Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges-in« Zeit ruhiger Entfaltung und steten Wachstums. Während des Krieges war New Bork, wie die Stadt seit 1665 hieß, den größten Teil der Z«it in den Händen der Engländer. In dies«n Sturmjahren verlor es mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung, seinen ganzen Handel und wurde zweimal durch Feuersbrünste fast zerstört. Nach der Gründung der Republik der Vereinigten Staate» wurde New Bork fürs erste Jahr die Bundeshauptstadt. Hier wurde Washington zum Präsidenten gewählt und der erst« Bundeskongreß abzehalten. Da- mols hatte die Stadt 60 000 Einwohner. 70 Jahre später, zur Zeit des Bürgerkrieges, war die Bevölkerung auf 800 000 Seelen angewachsen und heute umsaßt die Stadt auf einer Flüche von etwa 500 Quadratkilometer gegen 6 Millionen Einwohner. 20 verschle. den« Nationen lebten hier zur Zeit Peter Minuits zusammen, jetzt sind«s 50. Noch immer ist New Bork die Stadt der Fremden, denn ! 2 Millionen der jetzigen Bevölkerung sind im Ausland geboren und 2 Millionen Kinder von Eltern, die aus der Fremd« stammen. Vas gemeingefährliche Treiben üer Wahrsager. Ein Kriminalfall in Erfurt hat die Polizei in Erfurt dazu veranlahl, energische Schritte gegen den Wahrsagerunfug zu unter- nehmen. Ende des vergangenen Jahres verschwand dos dreijährige Söhnchen eines dortigen Eiserbahnbeamten spurlos. Di« Mutter des Kinde« befragte ein« Reihe von Wahrsagerinnen nach dem Ge- schick der Verschwundenen. Im ganzen hat die geängstigt« Frau ihr Glück bei sechs Wahrsagerinnen und Wahrsagern versucht. Dil Aussagen dieser sechs Wahrsager lauteten übereinstimmend: Da» Kind lebt! Für dies« Weissagungen verlangten die Befragten natürlich erhebliche Summen. Das Tollste leistete die Wahrsagerin Schreck. Di« Mutter des Kindes mußte ein Hühnerei mitbringen. Das Eiweiß wurde in ein mit Wasser gefüllte» Glas gegossen. Am nächsten Loge sollte di« Frau wiederkommen. Dann wurde ihr das Mas gezeigt: das Eiweiß hatte natürlich die Gestalt inzwischen verändert. Die Form des Eiweißes wurde nun von der Wahr- für Ingolstadt und vor allem auch für eine der Hochburgen der Völkischen. Rosenheim, wo Ludendorff zwei Tag« vor der Wohl sprach. Sein schnoddr-ger, preußischer Ofsizi ersten löste bei den bayerischen Bauern nicht die gewünscht« Begeisterung, sondern offensichtliche Wut aus und zahlreiche Versammlungsleil- nehmer ließen, wie das Blatt meldet, nach der Bersammlung die Aeuherung fallen:„Was fällt denn dem ein, der kommandiert ja, als wenn wir fein« Putzer wären." vie weifen von Aion. Alte Lügen in neuem Kleide. Es erregte seinerzeit Auffehen, als die ksielfer der Mörder Rothe. naus gestanden, daß sie durch die antisemitische Schmähschrift„D i e Weisen von Zion" verhetzt worden seien. Einer der Heraus- geker dieser Schrift, der betagte Antisemit v. Hausen, hatte sich vor einiger Zest vor Gericht wegen einiger besonders frivoler Lügen des Machwerks zu verantworten. Er wurde zu einer lächerlichen Geldstraf« verurteitt. Es scheint, daß dieses Urteil den Draht- ziehsrn des Antisemitismus neuen Mut eingeflöht hat. Der Hammer- uerlag hat jetzt ein Buch herausgegeben, betitelt„Die Z i o n i st i- schen Protokolle, das Programm der internationalen Geheim. regierung", ein Neudruck der„Weifen von Zion" unter ver- ändertem Namen. In dem Vorwort, das, ebenso wie das Nach- wort, von Theodor F r i t f ch verfaßt ist, behauptet dieser, daß„allem Anschein nach der Inhalt der Protokolls auf dem l. Zi»nisten- k o ng r« ß vorgetragen fei" und weiter, daß„die Gedanken des Buches durchaus im Rahmen der zionistischen Bestrebungen liegen". Es braucht nicht gesagt zu werden, daß die Behauptungen aufgelegter Schwindel sind. Um den Verbreitern aber Gelegenheit zu geben, sich vor Gericht zu oerantworten, hat der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung gegen gritsch. den Verleger und Verbreiter dieses Buches, Strafanzeige effcattet. Herr F r i t f ch müßte allerdings als neugebackener Abgeord- neter die Aufhebung seiner Immunität beantragen. wenn es ihm gelüsttete, den„Beweis" zu versuchen, daß er nicht geschwindelt hat. Er wird sich hüten! vom Staatsgerichtshof. Versuchter Hochverrat: 1 Jahr 6 Monate Festung. Leipzig, 22. Mai.(WTB.) Vor dem Staatsgcrichtshof zum Schutze der Republik hatte sich heute der 21jährige Sekretär des Bundes der kommunistischen Jugend in Breslau, Richard Monden, wegen Vorbereitung.zum Hochverrat zu verantworten. Nach der Anklag« war die Tätigkeit Mondens darauf gerichtet, die von der kommunistischen Partei beabsichtigte gewaltsame Aenderung der Verfassung des Deutschen Reiches enl- sprechend den Anweisungen der Zentrale vorzubereiten. Dem An- geklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt, da er aus p o l i- tisch« m Jdea l i s m u s gehandelt habe. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 6 Monate Festungshaft und 100 Mark Geld» strafe. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet. Der Vertreter der Reichsanwaltschast hatte zwei Jahre drei Monate Festungshaft beantragt. Leipzig. 22. Mai.(TU.) Der Ingenieur Erich Tönjes aus München, der vom Untersuchungsrichter beim Stoatsgerichts. Hof wegen seiner Mitwirkung bei der Befreiung des Kapitän- leutnants Ehrhardt in Haft genommen worden war. ist heut« auf Antrag seines Verteidigers hin wieder aus der Unter. suchungshost entlassen worden. Erhöhung öer Seamtenbefolüung. Die Reichsregierung beabsichtigt, in den nächsten Tagen, voraussichtlich schon vor dem Zusammentritt des Reichstags. ein« Erhöhung der Beamtenbesoldung eintreten zu lassen. Ueber ihr Ausmaß verlautet, daß die Bezüge der unteren Beamten ungefähr auf die Vorkriegshöhe gebracht werden, während die der höheren ungefähr um 20 Prozent darunter bleiben sollen. Man hofft, die Kosten dieser Er- höhung, die angesichts der gesteigerten Lebensmittelpreise be- sonders für die unteren Beamten immer noch unzureichend bleibt, aus laufenden Mitteln decken zu können. sagerin der Mutter gedeutet. Die Wahrsagerin sah«ine Villa mit Türmen; aus einem Fenster blickte ein Kino hinaus und winkte mit den Armen. Wäre das Kind tot, so meint« die Wahrsagerin, so würde man in dem Glas« einen Grabhügel sehen. Nicht viel anders war der Hokuspokus der anderen Wahrsager und Wahrsagerinnen. Am 27. März d. I. wurde das vermißte Kind au» de» Fluten der Unstrut gezogen. Die Frau, die von den Wahrsagerinnen um ihren letzten Pfennig betrogen worden ist, befand jich in einem Zustand, der an Wahnsinn grenzte, und die Polizei nahm sich des Falles an. Gegen di« sämtlichen sechs Wahrsager und Wahrsagerinnen ist ein Strafversahren wegen Betrug eingeleitet worden. Dieser Fall gibt der Erfurter Polizei Gelegenheit, die Oesfentlichkest aus dos schwindelhaste und schädliche, ja gemeingefährlich« Treiben der Wahrsager aufmerksam zu wachen, mögen sie auftreten, in welcher Form sie wollen: als Kartenleger, Chiromanten, Phrenologen, Astro. logen. Graphologen oder unter anderen Bezeichnungen. Nicht nur, daß durch die haltlosen und willkürlichen Zntunstsvor- aussagungen bei Besuchern seelisch« Schädigungen eingetreten sind, nein, auch zu Selbstmorden haben diese An von Betrügern g«> trieben, falsche Diebstahlsverdöchttgur.gen u. a. in die Welt gefegt, wirtschaftlich« Berluste bis zur Existcnzvermchtung herbeigeführt, Familien zerstört oder zerrüttet u. a. mehr. Ganz abgesehen davon. daß diese Betrüger ihre Besucher, die vielfach den weniger be- mittelten Klassen angehören, finanziell schädigen. Einzelne betreiben ihr Gewerbe unter dem Deckmantel der „Graphologie" und befassen sich angeblich ober in der Haupt- fache mit der Beurteilung von Handschriften auf Thoratter und Fähigkeiten. Tatsächlich dient die» nur als Borwand, um da» dunkle Gewerbe ungestört betreiben zu können. Ader auch ihre Handschristendeutungen sind völlig lvertlos, da sie jeder wlsjenschast. lichen Grundlage entbehren. Der Hang zum Okkulten, zum Mysti« schen überhaupt bringt es mit sich, daß alle diese Wahrsager einen starken Zulauf aus allen Bevölkerungsschichten haben. Einzelne Wahrsagerinnen haben Sprechzimmer eingerichtet, di« schon am Bormittag gefüllt sind. Sie verdienen mit ihrem Schwindel mehr als jeder ehrliche, anständioe Arbeiter. Gegen alle Erfurter Wahrsager wird strafrechtlich vorgegangen. nicht nur gegen die oben genannten, sondern sämtliche anderen, die in Erfurt tätig sind. Don Fall zu Fall wird man ihre Namen in der Zeitung veröf'entlichen. Di« weitere Ausübung ihres„Gewerbes" wird ihnen Polizei- lich untersagt werden. Die � Polizei warnt ausdrücklich davor, sie weiterhin aufzusuchen, da von der Polizei eine scharf« Ueberwachung geübt und jeder Besuch namentlich festgestellt und als Zeug« ver- nommen werden wird, wenn nicht besonder« Umstände sogar ein strafrechtliches Borgehen gegen den Besucher selbst rechtfertigen. Klemperer geht«ach Wiesbaden 7 Der bisherige Generalmu'ikdirektor der kl idtischen Bühnen in Köln, Otto Klemperer, wird, wie Kölner Blätter melden, nunmehr nicht nach Berlin, iondern nach Wiesbaden gehen. Er !oll vom Intendanten. Dr. Karl Hagcmann an da» Theater nach Wies» baden berufen sein und die Verpslichtung übernommen haben, lech« Monate jeder Spielzeit dem Institut zur Verfügung zu stehen.«Fall» sich die» che- rüibt bewahrheitet, scheint Klemperer aus dem Heyen Weg« zu sein, ein» mystische Figur zu werden. Er wird bei jeher Neubesetzung in den Vorder- grund geschoben und verschwindet dann ebenso schnell wieder). Die Rechtsfrage im Bergbau. haben, haben die Berechtigung und Haltbarkeit anscheinend nicht geprüft. Der Schluß der Begründung des SachverständigengutDie vom Reichsarbeitsministerium berufenen juristischen achtens zeigt, daß die Sachverständigen anscheinend nicht Saachverständigen haben zu dem von ihnen erstatteten Rechts- wollen, daß ihr Spruch in der Hand der einen oder der anRechts- wollen, gutachten eine Begründung gegeben. Aus dem Gutachten deren Partei zu einer Waffe werden soll. Sie schließen: felbst wie aus der Begründung spricht die Absicht, vollste Immerhin war das Verhältnis der einzelnen Abkommen zu Objektivität zu wahren, die fühle Atmosphäre der rein juristi einander so wenig flargestellt und auch die hieraus sich schen Erwägung durch die Erregung des großen Kampfes ergebende Rechtslage so schwer erkennbar, daß den Arbeit. nicht trüben zu laffen. Was strittig ist, das ist eine der schwie- nehmern nicht die Meinung abgesprochen werden kann, daß nicht rigsten Fragen des Arbeitsrechtes. Was war am 1. Mai die dieses Abkommen vom 29. November 1923 der zuletzt gültig gewesene gültige Arbeitszeit? Tarifvertrag gewesen sei, sondern der Manteltarif vom 1. August 1922. der eine. Ueberstunde nicht vorgesehen hat. Diese Stellungnahme der Arbeitnehmer mußte zu ihren Gunsten in dem Sinne beurteilt werden, daß ihnen feinesfells vorgeworfen werden darf, sie hätten, als sie sich auf den Manteltarif als den zulegt gültig gewefenen Tarif beriefen, schuldhaft gegen ihre Bertragspflicht zur Leistung einer Ueberstunde verstoßen. Die Gutachter haben geantwortet: es war gültig die normale Arbeitszeit von sieben Stunden, gleichzeitig aber auch das Abkommen vom 29. November 1923, das eine Stunde eberarbeit vorfah. Das bedeutet, daß nach ihrem Urteil zwei Tarife nebeneinander rechts gültig waren. Sie begründen diese Ansicht wie folgt: Bei der Beantwortung der den Sachverständigen vergelegten Frage ist auszugehen von§ 6 der Arbeitsordnung, welcher bestimmt: „ Die Dauer der Arbeitszeit regelt sich nach dem jeweils geltenden, in Ermangelung eines solchen, nach dem zulegt gültig gemejenen Tarifvertrag." 11 Diese Bestimmung war am 1. Mai 1924 noch redis wirksam. Es ist daher zu prüfen, ob das Abkommen vom 29. November 1923 den zuletzt gültig gewefenen Tarifvertrag" darstellt. Dieses Ab kommen lautet in dem hier wesentlichen Bunkie wörtlich wie folgt: „ Die Arbeitnehmer unter Tage werden im Anschluß an die regelmäßige Schicht Ueberarbeit derart leisten, daß die Gesamtschichtdauer von Beginn der Seilfahrt bis zu ihrem Wiederbeginn Bemerkt sei, daß die regelmäßige Schicht nach dem Manteltarif vom 1. August 1922 sieben Stunden beträgt. Aus dem Wortlaut der angeführten Bestimmung folgt daher, daß in dem Abkommen vom 29. November 1923 nicht die normale Arbeitszeit geändert, sondern nur ueberarbeit geregelt werden sollte. 8 Stunden beträgt." zurzeit auf den Zechenplägen liegen, fomie diejenigen, die gebildet werden könnten, sind daher zugunsten der Micum blodiert. Bis zur Wiederaufnahme der Förderung und der Reparationsliefe rungen dürfen von der Zeche keine Brennstoffe zum eigenen Ge brauch oder Versand entnommen werden, ohne unser: Ermächtigung. Außerdem find Eie aufgefordert, die Reparationslieferungen wenigstens teilweise im Rahmen des Maiprogramms sicherzustellen, indem Sie die zurzeit bestehenden Lagerbestände aufladen. Im Falle der Nichtaufladung durch Sie werden wir gezwungen sein, selbst zur Abfuhr dieser Lagermengen zu schreiten, indem wir auf Ihrer Zeche Arbeitsmannschaften einstellen. Die Unterstützung der notleidenden Bergarbeiter. Bergarbeiter und der Verband der Bergarbeiter Bochum, 22. Mai.( Mtb.) Der Gewerfverein christlicher Deutschlands im Bezirk Bochum erlassen einen Aufruf an die Geschäftsmelt und die Bevölkerung des Stadtund Bandkreises Bochum, zweds Unterſtügung der notleidenden Bergarbeiter. Dabei wird darauf hingewiesen, daß die Gamm lungen dieser Verbände mit den Sammellisten der Union und der KPD. nichts zu tun haben. in de Frauendemonstrationen. Aber selbst, wenn man das Gutachten als Ganzes nimmt, wie ist das Verhalten der Arbeitgeber zu bewerten? Sie haben ohne Not die gesamte Kohlenförderung des Ruhrgebiets stillgelegt und damit eine fatastrophale Gefahr für die Ge- Bochum, 22. Mai.( Mtb.). Wie wir bereits berichteten, bersamtwirtschaft heraufbeschworen. Sie haben dies getan, ob fuchen fortgesezt Frauen die Fortführung der Not wohl nirgends die Betriebe unterbrochen, der normale Gang standsarbeiten auf den Zehen zu unterbinden. der Produktion gefährdet war. Ohne Rücksicht auf die Folgen, der Produktion gefährdet war. Ohne Rücksicht auf die Folgen, So drang eine große Schar Frauen in die Zeche Karl Friedrich frei von jedem Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Ge- ein und, versuchten die Beamten zu verjagen und die Feuer in den famtwirtschaft, haben sie die arbeitswilligen Bergarbeiter aus Steffeln zu löschen. Den arbeitenden Männern wurden die Buttergesperrt. Sie haben dies getan, obwohl die Bergarbeiter er- hausen brangen 600 Frauen ein, um die Notstandsarbeiten zu berbrote weggenommen. Auf den Bechen Königsgrube und Röhling flärt haben, daß sie bereit sind, leberstunden zu hindern. Bolizei mußte eingesetzt werden, um die Ordnung wieder leisten. Die einzige Bedingung war, daß diese Ueberstunden herzustellen. Auch in Minden- Dahlhausen zogen die Frauen in als solche gekennzeichnet, bewertet und befristet sind. Sonst die Zechen, um ähnliches zu versuchen. Einige Beamte wurden find es eben keine Ueberstunden, sondern gehören zur verprügelt. In die Wohnung eines Steigers wurde eine HandNormalarbeitszeit. Diese aber, das steht nunmehr granate geworfen, die jedoch nur Sachschaden anrichtete. nach dem Gutachten der Sachverständigen fest, beträgt im Bergbau unter Tage sieben Stunden. Entschlossenheit der Bergarbeiter. Indessen ist diese Regelung der Heberarbeit ein selbstän diger tariflicher 3ufaß zum Manteltarif geworden, ber Bochum, 22. Mai.( TU) Eine vom alten Bergarbeitervernicht nur vorübergehende Bedeutung haben sollte. band in den Fürstenhof einberufene Bersammlung, die von Dies folgt zunächst aus der auch von der Arbeitnehmerseite oneriann- 4000 Bergleuten aller Richtungen besucht war, nahm Stellung zu ten Notlage der deutschen Wirtschaft und der damit der Kampflage im Ruhrbergbau. Der Bezirksleiter Deppe beverbundenen Arbeitslosigkeit, sowie der besonderen Behandelte die Forderungen der Bergarbeiter: Siebenstundenschicht und lastung des Bergbaus, deren Dauer nicht abzusehen war. angemessene Löhne. Er erklärte, wenn man die Siebenstundenschicht Es folgt weiter aus der in dem erwähnten Abkommen getroffenen bei angemessener Lohnerhöhung von seiten der Bergwerksbefizer abEntgeltregelung, welche lediglich ein Entgelt im Betrage von lehne, so würde der Kampf fortgeführt werden. Man sei entschloffen, 1½ der regelmäßigen siebenstündigen Schicht festsetzt, so daß die auszuhalten, foffe es, was es wolle. 8. Stunde nicht höher bezahlt wird, als die regelmäßigen sieben Stunden. Es folgt schließlich aus einem späteren Abkommen der felben Parteien vom 19. Dezember 1923, wonach statt des ursprünglich festbestimmten Endtermins vom 1. Mai 1924 nachträglich eine unbeschränkte Fortdauer über den 1. Mai 1924 mit cnatlicher Kündigungsfrist vorgesehen worden ist. Bildet aber hiernach das Abkommen vom 29. November 1923 einen selbständigen tariflichen Zusatz zu dem Manteltarif vom 1. August 1922, so ist der zuletzt gültig gewesene Tarifvertrag" der Manteltarif mit seinem neuen felbständigen 3usas, wonach eine Ueberstunde über die normale Arbeitszeit hinaus vereinbart wurde. Die Gutachter gehen dabei von einer stillschweigend gemachten materiellen Voraussetzung aus: daß die Belastung des Bergbaus durch die Micum- Berträge die lleberarbeit zur unvermeidlichen Notwendigkeit mache. Ist das aber der Foll? Die von uns veröffentlichte Berechnung der Selbst. fosten zeigt, daß diese Voraussetzung nicht zutrifft. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß die Berlängerung der Micum Verträge am 15. April unter der Perspektive der Rüd erstattung aus allgemeinen Mitteln erfolgte. Eine Fortsetzung der Weberarbeit würde dann nicht mehr eine unvermeidliche Notwendigkeit, sondern vielmehr das Mittel sein, um den Zechenbefizern einen Ueberprofit zu verfchaffen. Die Sachverständigen, die Schlüsse aus dieser Borausfegung gezogen Warum fingen die Vögel? Die Forschung hat bisher den Gesang der Bögel als ein Mittel zum Zusammenloden der Baare gedeutet. Das Männchen singt zunächst, um das Weibchen auf sich aufmertfam zu machen, dann aber auch, um die zahlreichen überzähligen Männ chen davon zu benachrichtigen, daß diefer Platz bereits besetzt ist und im Notfall nach Kräften verteidigt wird. Da bei vielen Bögeln die Weibchen im Frühjahr etwas später eintreffen als die Männchen, so hat das laute Singen an einer weithin sichtbaren Stelle auch noch den Zweck, sich dem Weibchen zu zeigen und zugleich das Brutrevier festzustellen. " In jüngster Zeit hat nun ein Forscher eine andere Deutung für die Ursache des Bogelgefanges gegeben, indem er ihn lediglich als einen Ausdrud von feelischer Gemütsbewegung" also hervorgerufen durch psychische Reize betrachtet, die zwar hauptsächlich durch die förperliche Beschaffenheit des Bogels zur Zeit der Fortpflanzung verursacht werde, sonst aber mit der Fortpflanzung in feiner Verbindung stehe. Dieser Annahme lassen sich aber, wie Christoleit im„ Journal für Ornithologie" nachweist, verschiedene Einmände entgegenstellen. Wären es nämlich in der Tat nur Gemütsbewegungen, die den Bogel zum Singen veranlassen, so müßte er auch im Winter fingen und wohl auch in Fällen unangenehmer Gemütseindrücke. Zudem müßten dann auch die Weibchen fingen, da doch auch ihrem Leben feelische Reize nicht fehlen. Wäre die Annahme richtig, daß der Gesang des Bogels mit feirer Fort pflanzung in feinem Zusammenhang steht, fo fäme gerade beim Bogel, dem stimmbegabtesten unter allen Lieren, der Gebrauch der Stimme zu dem 3wed, der selbst beim Amphibium und beim Infeft besteht, nämlich der Anlodung des Weibchens durch Lautäußerung, nicht in Betracht. Der Bogelgesang erfolgt übrigens immer faft ganz gleichzeitig mit dem Brutgeschäft und zwar so, daß er beim Beginn jeder neuen Brut wieder lebhaft einfekt, während er im Herbst, wenn die Bruten aufhören, verstummt. Man wird also wohl nach mie vor annehmen können, daß der Bogelgesang auf dem durch die Fortpflanzung bedingten Reiz beruht und ausschließlich ein Mittel zur Verständigung und Anlodung des Weibchens darstellt. Die neueste Lynchstatistit. Die amerikanischen Blötter bemerken mit Genugtuung, daß Lynchmorde im vergangenen Jahre nur in neun Staaten vorgekommen sind und daß die Zahl dieser Ber. brechen, nämlich 28, die niedrigste ist, die man bisher je beobachtet hat. Von den Opfern waren 26 Reger, darunter zwei Frauen. Die nächstniedrigste Zahl war 38 im Jahre 1917, die höchste, die bisher festgestellt wurde, 253 im Jahre 1892. Damals fanden Lynchmorde, noch in 33 Staaten statt. In die Ehrenliste" der lynchfreien Staaten find 1923 auch Südkarolina und Mabama aufgenommen worden, die zum erstenmal, seitdem eine Statistik über die Lynchmorde geführt wird, keine derartigen Berbrechen aufweisen. Der Kampf um die Kurzschriftfyfteme. Durch Erlaß der Deutschen Reichsbahn vom 12. April 1924 ist bas Sturzschriftfyftem Gabelsberger für die Deutsche Reichsbahn zum Einheitssystem bestimmt worden. In einer im Landtag eingebrachten Kleinen Anfrage erklären die Abg. Stidhöffel unb Delze, baz badurch das in Breußen vorherrschende Syftem Stolze- Schrey zum Schaden einer wirklichen Förderung der Sturzschrift benachteiligt werde. Es wird Auskunft verlangt, ob das Staatsministerium zur Einwirkung auf die Berwaltung der Deutichen Reichsbahn bereit fet, den Erlas dabin ab zuändern, daß für die Reichsbahn in Preußen Stolze- Schren als Einheits fpitem bis zur Einführung einer etwa noch fommenden Einheitsfurzschrift bestimmt wird. Der fommunistische Bezirksleiter Disselkamp forderte die Bergangestellten auf, die Nofstandsarbeiten einzustellen, Die Zechen müßten ans„ Bersaufen" tommen, sonst sei der Kampf ergebnislos geführt. Der Kampf sei ein durchaus politischer. Die Bersammlung nahm eine Entschließung an, in der die Stellungnahme und die Beschlüsse der Revierkonferenzen gebilligt wurden. Der Versammlung war am Vormittag eine konferenz der Funktionäre des alten Bergarbeiterver. bandes aus dem Bezirk Bochum vorangegangen, in der eine Enfschließung angenommen wurde, in der es heißt, daß der Kampf für die Siebenstundenschicht unter Tage und für die Achtstundenjchicht über Tage fortgeführt werde bis zum Weißbluten. Die Partei und der Ruhrkampf. Anträge der preußischen Landtagsfraktion. Die fozialdemokratische Frattion des preu. Bifchen Landtages hat zum Ruhrfonflift folgenden Antrag eingebracht, der schon in den allernächsten Tagen zur Besprechung gelangen dürfte: " Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu er fuchen: 1. zur unverzüglichen Deffnung der Staatsbe. triebe im Ruhrrevier die notwendigen Mittel bereitzustellen, 2. den Kommunen im Ruhrrevier zur Unterstützung der unverschuldet in Not geratenen Bevölkerung der Bergreviere die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, 3. auf die Reichsregierung aufs stärffte einzumirten, damit der verheerende Wirtschaftskampf in den Bergrevieren im BerhandIungswege beigelegt wird." Gleichzeitig ist der Handelsminister gebeten worden, eine schleu nige Sigung des Staatsministeriums zu beantragen, in der über die Bereitstellung von Mitteln für die Deffnung der Staatsbetriebe beschlossen werden soll. Der Innenminister wurde ersucht, im Sinne der Ziffer 2 des Antrages Mittel anzufordern, die den Kommunen im Ruhrrevier zur Unterstügung der unverschuldet in Not geratenen Bevölkerung der Bergreviere überwiesen werden sollen. Die Parteien beim Staatskommissar. Bor der Entscheidung. Effen, 22. Mai.( WIB.) Zu der Blättermeldung, daß die be. teiligten Organisationen des Ruhrbergbaues vom Reichskommissar Mehlich zu weiteren Verhandlungen am 23. Mai eingeladen worden feien, wird mitgeteilt, daß es sich dabei um das Anhören der Parteien handelt, da nach der Berordnung über das Schieds: wefen die für die Entscheidung zuständige Stelle entweder selbst oder durch eine von ihr beauftragte Stelle die Parteien vor der Ent scheidung zu hören hat. Unternehmer und Angestellte. Bochum, 22. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Bezeichnend für die Tattit der 3echenindustriellen, die Angestellten und Beamten mit sogenannten Noiftandsarbeiten zu beschäftigen, ist folgender Vorfall: Auf der Zeche Zentrum IV und V der Gesellschaft Adler wurden die Angestellten mit der Herstellung von Bri fetts und mit Laden von Kohlen beschäftigt. Zunächst wurden diese Arbeiten verrichtet, obwohl sie feine eigentlichen Not standsarbeiten sind. Denn Briketts und Kohlen wurden weiterver. fauft, rund 15 Waggons verließen den Zechenplay. Da fich der Ar beiterschaft darüber eine große Erregung bemächtigte, fam es, als die Arbeiter die Einstellung dieser Art von Notstandsarbeiten erzwingen wollten, zu einem großen Krawall auf dem Zechenplag. Dabei gab es auf beiden Seiten, bei den Angestellten wie bei den Arbeitern, Schwerverlegte. Nach diesem Vorkommnis weigerten sich die Angestellten, die Arbeiten weiter auszuführen. Daraufhin wurden vom Generaldirektor Putih 17 Angestellte turz meg entlassen. Der unglaubliche Borfall wurde dem Reichskommissar Mehlich zur Schlichtung überwiesen. guzzing Ein Schreiben der Micum an die Zechen. Effen, 22. Mai.( L.) Mehreren Zechen ist folgendes Schreiben der Micum zugegangen: Ihre Beche liefert zurzeit nicht die für Mai vorgesehene Reparationsmenge. Der gegenwärtige Streit vermindert in nichts ihre Verpflichtungen in dieser Hinsicht. Infolgedessen hat der Präsident der Micum entschieden, daß die 3edhe Don biefem Lage nicht mehr frei über ihre Lager menge verfügen tann. Die Rots. und Kohlentäger, die Der Fall Gemer. Ungerechtfertigte Beschuldigungen. Amtlich wird mitgeteilt: Der Generalstaatsanwalt beim Land. gericht I hat das auf Grund der Strafanzeige des Herrn Franz Semer gegen den Ministerialdirektor Spieder eingeleitete Ermittlungsverfahren eingestellt, weil die von Semer erhobene Beschuldigung der versuchten Erpressung jeder Begründung entbehrt. Damit endet der Zwischenfall, der im Anschluß an den Kampf um die Germania Aftien entstanden war. Der rechte Flügel des Zentrums versuchte seinerzeit den maßgebenden Einfluß auf die politische Richtung der„ Germania" an sich zu reißen. Im Anschluß daran erhob Semer, der damalige Hauptaftionär der Germania, die oben erwähnten Beschuldigungen gegen seinen Parteigenossen Spieder, deren Glaubwürdigkeit schon damals lebhaft angezweifelt wurde. Soll England oder soll Frankreich ihn aussenden können? Der Todesstrahl. Soll England oder soll Frankreich ihn aussenden können? Condon, 22. mai.( WIB.- Funkspruch.) Im Unterhaus wurde heute der Unterstaatssekretär im Luftministerium, Leach, gefragt, ob er wiffe, daß ein französisches Syndikat sich gebildet habe, um die als Todesffrahl bekannte Erfindung des britischen Gelehrten Grindell Mathews zu erwerben, und ob er Schriffe fun würde, um vom Standpunkt der Luftverteidigung aus das Patent für England zu sichern. Ceach erwiderte, daß das Luftministerium mit Mathews in Berbindung stehe, daß es aber gegenwärtig nicht ratiam fei, eine eingehende Erklärung über die Frage abzugeben. Es handelt sich hierbei um eine Strahlenart, die auf große Entfernung mechanische Wirkungen ausübt und z. B. Flug eugmotoren außer Betrieb jetzt. Die Bedeutung dieser Erfindung für die Landesverteidigung gegen Luftangriffe. ift flar. Herriot als Polemiker. Er schlägt eine scharfe Klinge. Paris, 22. Mai.( Eca.) Herriot äußert sich heute in einem Leitartikel der Information" über die„ Desaitisten des Franken". Bei aller Borsicht, die die augenblickliche Lage ihm auferlegt, mill er doch mit den verschiedenen Alarm gerüchten aufräumen, die seit den Wahlen umgingen. Ja, schreibt er, wir haben gegen eine Mehrheit gefämpft, die die französische Nation anscheinend zur Revolte und Anarchie zu treiben versuchte. Ja, wir werden bem Mandat, das wir von der überwiegenden Mehrheit des Volkes erhalten haben, treu gehorchen. Aber wir sind in größter Sorge um das Land. " Herriot mendet sich dann gegen einen Artikel des„ Lemps": Der Temps" flagt uns an, wir wollten den Reichtum Franf reichs zerstören und die ganze Induftrie ruinieren. Ich lese dieses blöde Geschwäß in demselben Augenblice, in dem ich meine Rechnung über die Verwaltung von Lyon im letzten Jahre ab. schließe und zwar mit einem Ueberschuß von 10 Millionen bei einer Kredit der Stadt Lyon zum ersten Kredit Frankreichs gemacht haben. Haushaltssumme von 90 Millionen! Radikale sind es, die den man unterrichte fich erst, ehe man uns angreift. Bu Ende des Krieges haben die Vereinigten Staaten unsere Unterschrift verlangt als Bestätigung der Unterschrift Frankreichs. Wenn die Mehrheit nach dem Temps" angeblich darangehe, überall Unruhe zu erwecken, so daß man teine Ersparnisse mehr werde machen fönnen, fo fragt Herriot: Gibt es denn Ersparniffe durch das Ermächtigungsgefeg? heit werde das Geld für alte und neue monopole und Herriot bezeichnet die Behauptung des Temps", die neue Mehrbeit werde das Geld für alte und neue Monopole und für die soziale Versicherung verschwenden, als feierlichen Blödsinn; habe doch die alte Rammer nicht gerade fparfam gewirtschaftet! So täusche man das Der Artikel schließt: Auch ihr Ausländer, denkt nach! Wir wollen Bolt. natürlich die Interessen Frankreichs verteidigen und die Republik sichern. Aber wir wollen jedem Bolf sein Leben lassen, und wir wollen den Frieden! hört also nicht auf die Reaktionäre, deren Politik uns geraden Wegs zum Kriege führt! Helft uns in unserem Kampf gegen die Berleumdung. helft uns in unseren Bemühungen, Frantreich den Ruf seines Wohlwollens und Entgegentom. mens wieder zu verschaffen. Wir schwören euch: Das, was Frankreich will, liegt nicht in den Artikeln, aus denen der Haß spricht, und die jeden sozialen Fortschritt mit ner faulten Brettern abzäunen wollen. Freunde der Republik Frankreich, der Demokratie und des Friedens, wo ihr auch leben mögt, helft uns, aber unterstützt nicht die Umtriebe der Defaitiften des Franken gegen unsere nationale Währung! Der Feldzug gegen den Franken ist une ein niedriges Manöver unferer Feinde, die bereits besiegt sind, und die nun durch Angriffe auf den Krebit unseres verarmten Bandes sich retten wollen. Gewerkschaftsbewegung Gegen die Generalstreikhezze. Ein Aufruf an die Bergleute Mitteldeutschlands. Die Bezirksleitung des alten Bergarbeiterverbandes für Mitteldeutschland erließ am Donnerstag folgenden Aufruf: ,, Kameraden des mitteldeutschen Bergbaues! Trog aller Miß erfolge bei allen Konferenzen und Versammlungen, die die Kommunist en in den Bergbaurevieren abhielten, versuchten sie fortgesetzt, die Kameraden für einen Generalstreit aufzu= putschen. Die sogenannte, 3entralfampfleitung", richtiger gesagt, die 3entrale der Kommunistischen Partei, arbeitet fieberhaft, um die Kameraden von der Notwendigkeit und dem Erfolg eines Generalstreifs zu überzeugen. Mansfeld befindet sich in einem schweren wirtschaftlichen Krisenzustand, der Kalibergbau hat für mehr als die Hälfte der Beleg= schaften Feierschichten eingelegt, im Braunkohlenbergbau gibt es tausende von Arbeitslofen. Jeder vernünftige Mensch weiß, daß ein Streit zurzeit das fehnlichste Ziel der Unternehmer ist. Tausende von Kameraden würden auf der Strecke bleiben. Das unermeßliche Elend in den Familien der Arbeitslosen würde zweifellos bis zur Unerträglichkeit gesteigert werden, während auf Erfolge für die Kameraden nicht zu rechnen ist. Kein vernünftiger Mensch aber führt Streits mit dem Ziel der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Beteiligten. Deshalb warnen wir die Kameraden vor Beteiligung an unsinnigen Putschen, die den Arbeitgebern nur eine willkommene Handhabe bieten, in der rücksichtslosesten Weise gegen ihre Arbeiter vorzugehen. Bisher haben die Kameraben ohne Ausnahme sich in mustergültiger Disziplin den Beschlüssen der Revierkonferenzen und den Anordnungen der Gewerkschaftsleitungen gefügt. Für die Zukunft muß das ebenso sein. Ueber alle Vorgänge im mitteldeutschen Bergbau haben nicht verantwortungslose, ihren Namen verschweigende ,, Kampfleiter", sondern die Revierkonferenzen der Verbände zu entscheiden. Wir fordern deshalb erneut auf, im Intereffe der gefamten Belegschaften nur den Weisungen des Bergarbeiterverbandes und der Tariforganisation Folge zu leisten, jede parteipolitische Einmischung, von welcher Seite fie auch tomme, unter allen Umständen strifte abzulehnen. Um den Kampf um bessere Löhne und die Beseitigung der bestehenden Arbeitszeit durchzuführen, ist die beste Antwort an die Arbeitgeber der Masseneintritt in die Gewerkschaften. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands, Bezirksleitung Halle." * Kampf im Kölner Braunkohlenrevier. Im Kölner Braunkohlengebiet drohen neue Konflikte. Das Kraftwerk Fortuna fegte die Verlängerung der Arbeitszeit ohne Anhörung der Arbeiterschaft durch. Auch das Schiedsgericht der Rheinprovinz, das sich auf Vorstellungen der Arbeitnehmer mit der Arbeitszeitfrage befaßte, fällte am 17. Mai den Schiedsspruch, daß die Arbeitszeit wie bisher fortbestehen soll. Der Schiedsspruch wurde a b= gelehnt. Unter der Belegschaft des Werkes herrscht große Erregung. Stillegung von Krupp und Dortmunder Union. Effen, 21. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Menn bis Donnerstag der Kohlenmangel auf den Krupp- Werten nicht behoben ist, wird die gesamte Kruppsche Fabrit stillgelegt werden. Die etwa 30 000 Mann zählende Arbeiterschaft würde dann der Erwerbslofenfürsorge überwiesen werden müssen. Auch die Verwaltung der Union" in Dortmund gibt an, daß sie unter den gegen wärtigen Verhältnissen bereits in den nächsten Tagen schließen muß. Betriebsräteschule. Heute, Freitag, den 23. Mai, beginnen folgende Kurie im Sophien- 2yzeum an der Weinmeisterstraße: Surs C6, Das Betriebsrätegejez". Lehrer: Karl Felgentreu. Beginn: Abends 7 1hr. " " Kurs C8, Stabilisierung der Valuta". Lehrer: Dr. Oskar Stillich. Beginn: Abends 7 Uhr. " Surs C9, Die Lage der deutschen Arbeiterschaft und der Uebergang aur stabilen Währung". Lehrer: Dr. Theodor Caiiau. Beginn: Abends 7 Uhr. Ferner im Leibniz Gymnasium, Mariannenplag: Aurs SO 5, Was hat der Betriebsrat zu tun?" Lehrer: Fritz ride. Beginn: Abends 7 Ubr. Kurs SO 12,„ Der industrielle Großbetrieb in der Wirtschaftskrise". Lehrer: Paul Ufermann. Beginn: Abends 7 Uhr. Gebt für die Bergarbeiter! Redet night, beruft Euch nicht auf Nebendinge, auf Eure eigene schlechte Lage. Die Bergarbeiter hungern! Sie erwarten, daß Ihr sie nicht verratet, indem Ihr fie durch den Hunger den Zechenbefizern ausliefert. Gebt schnell und reichlich! Der Landarbeiterstreik in Ostpreußen. Vom Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiter- Verbandes wird uns geschrieben: Die Streiflage in der oftpreußischen Landwirtschaft hat eine endung erfahren. Der fürzlich vom Reichsarbeitsministerium zwischen dem deutichnationalen Zentralverband der Landarbeiter aller Gerechtigkeit zum Troß ausgesprochenen Verbindlichkeit des und dem Landwirtschaftsverband abgeschlossenen Tarifvertrages ist eine Allgemeine Verbindlichkeitserklärung seitens der Reichsverwal tung gefolgt. Durch diesen Vorgang hat der vom Deutschen Landarbeiter- Verband mit aller Entschiedenheit abgelehnte Tarifvertrag Gesezestraft für die gesamte oftpreußische Landwirtschaft erhalten. Eine hierauf fofort vorgenommene Prüfung der Lage führte die Organisationsleitung zu der Auffassung, es sei der Mitgliedschaft die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit zu empfehlen. Begünstigt wurde diefer schmere Entschluß durch die Tatsache, dak die letzten Tage eine Anzahl streifender Landarbeiter fampfes sondern weil für sie die von den Arbeitenebern angewandten Schifamüde machten, nicht weil sie den Glauben an die Sache verloren, nen, bestehend in der Drohung mit Wohnungsräumung, in der Entziehung des Futters für das Vieh, in der Absperrung des Waffers und in der dauernden Be Iäftigung dura Polizei organe unerträglich wurden. Hinzu kommt die unbeschreibliche Dickköpfigkeit der leitenden Personen im Landwirtschaftsverband. Sie laffen lieber alles zugrunde gehen und ertragen die größten Ausgaben für Rothelfererfag, ehe fie dahin gebracht werden fönnen. den Zentralverband mit seiner verräterischen Taftit im Stich zu laffen. Vom Reichsarbeitsminifterium, sowie von dem staatlichen Schlichter ist ein nochmaliaes Eingreifen und Verhandeln abgelehnt worden. Der Kampf müßte also, menn er mit einem vollen Erfolg für die Arbeiter beendet merden sollte, noch eine sehr lange Zeit mit außerordentlich großen Opfern geführt werden. Das große Riel des Landwirtschaftsverbandes, den Deutschen Landarbeiter- Berbond unter allen Umständen mürbe zu machen, ja, ihn überhaupt in Ostpreuken zu erledigen, ist trok clledem nicht erreicht worden. Mon bat im Gerenteil einige Bflöde zurücsteden müssen, indem man selbst die Verbindlichkeit des Tarifvertrages beantrante und erwirfte, was soviel ausmacht. daß man dr Deutschen Landarbeiter- Verband wieder als Tariffontrahenten anerkennt. Der hierin liegende Erfolg fann nicht hoch genug veranschlagt werden. An die Transportarbeiter der Metallindustrie. Noch nie war Eure Lebenslage so schlecht wie gegenwärtig. Seit Monaten wird von Euch die berechtigte Forderung erhoben, die völlig unzureichenden Löhne den Zeitverhältnissen entsprechend ausarteten Lage in Oitpreuken mit einer vollständigen Niederlage zubeffern. Was haben aber Eure Arbeitgeber hierin getan? Alle An= strengungen, die von den Arbeitnehmerorganisationen unternommen wurden, um zu einem besseren Abkommen zu gelangen, sind von den Unternehmern hintertrieben worden. Die Unternehmer erklären, daß fie die feste Absicht verfolgen, die Löhne der Transportarbeiter nach ihren Ansichten festzusetzen. Sie behaupten, daß die Löhne der Transportarbeiter und-arbeiterinnen noch zu hoch seien. Der Schiedsspruch vom Mittwoch trägt diesen Anschauungen im weiten Maße Rechnung. Gegen eine solche Behandlung und Mißachtung ihrer Leistungen haben sich die Transportarbeiter mit aller Entschiedenheit aufzu lehnen. Den Geldfacbesigern der Berliner Metallindustrie muß mit aller Deutlichkeit flargemacht werden, daß sie ihr Vernichtungsspiel mit Tausenden von Arbeitereristenzen nicht ungestraft weiter treiben dürfen. Die Transportarbeiter fönnen und dürfen sich einen der artigen Zustand unter feinen Umständen bieten lassen, sondern werden den Berliner Metallindustriellen eine Antwort geben, die voll tommen Klarheit schaffen wird. Zu diesem Zweck ladet der Deutsche Verkehrsbund alle Transportarbeitergruppen der Groß- Berliner Metallindustrie zu Sonnabend, den 24. Mai, abends 6 Uhr, nach den Räumen des Gewerkschaftshauses" zu einer Maffenversammlung ein.( Siehe Bersammlungsanzeige.) Dec Deutsche Landarbeiter- Verband hat dem Wunsch der Kommunisten, einen Generalstreif zu proflamieren, nicht entsprochen. wäre er hierzu übergegangen, hätte angesichts der besonders ge= nerechnet werden müffen. So steht die Arbeiterschaft noch zu weiteren Rämpfen bereit. Sie fieht ein, daß fein Baum auf den ersten Sieb fällt und keine Dickköpfigkeit der Arbeitgeber mit einemmol gebrochen werden kann. Die kommenden Rämpfe werden um so leichter fein, weil die ostpreußischen Landarbeiter mehr und mehr zu der Einsicht gelangen, daß ihren Intereffen nur durch das Zusammenstehen in einer freinewertschaftlichen, vollständig unab= hängig dastehenden Organisation gedient werden fann. unzählig sind die Landarbeiter, die aus dem durch seine fläglichen, ja geradezu jammervollen Rollen so bekanntaewordenen Zentralverband der Bandarbeiter austreten und zum Deutschen Landarbeiterverband übergehen. Hinzu kommt die Einsichtpieler Arbeit= geber, daß die Echarfmacherpolitik des Landwirtschaftsverbandes. die oftpreußische Landwirtschaft nicht zum Heil, sondern zum Ruin führen muß. Mit Entfeken wird allenthalben der fürchter liche Schaden festgestellt, der durch die mehrwöchige vom Landwirtschaftsverband hervorgerufene Streitbewegung verursacht wurde. Aus diesem Gunde tann mit voller Gewißheit gesagt werden, was heute aufgeschoben ist, braucht noch nicht aufgehoben zu sein. Angestellte der Groß- Berliner Metallindustrie. Auf Grund zahlreicher Anfragen teilen wir mit, daß laut Vereinbarung mit dem VBMJ. die Maigehälter bereits am 21. d. M. zur Auszahlung gelangen sollten. Da die Verhandlungen über die 21. c. endgültigen Maigehälter erst am 27. bor bem Schlichter Groß Berlins stattfinden, fonnten daher am 21. cr. vorerst nur die Aprilgehälter gezahlt werden. Afa- Metallfartell. Günther, Lange, Rothe. Betriebsrätewahlen bei preußischen Behörden. Am 31. Mai und 1. Juni d. I. finden bei den preußischen Behörden, die dem Finanzministerium und Ministerium des Innern unterstehen, die Neuwahlen der Betriebsvertretungen statt. Bei den örtlichen Dienststellen find in einem gemeinſamen Wahlgange zu wählen: die örtliche Betriebsvertretung, Bezirksbetriebsräte( bei den preußischen Regierungen) und der Hauptbetriebsrat beim preußischen Finanzministerium und Ministerium des Innern. Die freige wertschaftlichen Angestellten- und Arbeiterorganisationen haben in den Betriebsvertretungen der hier in Betracht kommenden preußischen Behörden seit Jahren die erdrückende Mehrheit. Der Hauptbetriebsrat besteht aus 9 Mitgliedern der freigewerkschaftlichen Angestellten- und Arbeiterverbände und nur je einem Mitglied der christlichen und Hirsch- Dunderschen Angestelltenrichtung. In 22 an der letzten Wahl beteiligten Regierungsbezirken haben die Bezirksbetriebsräte 145 freigewerkschaftlich organisierte Mitglieder gegenüber 13 Mitgliedern anderer Verbände. Die freien Gewerkschaften sind auch in Preußen in allen wichtigen Angelegenheiten für die Kollegen bei den Behörden ausschließlich allein tätig gewesen. Die anderen Verbände( Gewerkschaftsbund der Angestellten, Reichsverband der Behördenangestellten, Berband für weibliche Angestellte, Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband) haben nicht einmal den Versuch gemacht, die preußische Personalabbauverordnung für die Arbeitnehmer günstig zu beeinflussen oder in anderen wesentlichen Fragen Fühlung mit den maßgebenden Stellen zu nehmen.( Aufhebung der Entlohnung aus der Dienstaufwandsentschädigung, Einbeziehung des Statistischen Landesamtes in den Zuständigkeitsbereich des Hauptbetriebsrats usw.). Wer eine fachliche Vertretung seiner Interessen bei den preußischen Behörden und erfolgversprechende Abwehr im drohenden Eristenzkampf erwartet, muß demnach bei den bevorstehenden Wahlen seine Stimme den Borfdhlagslisten der freien Gewerkschaften geben. Für die Angestellten und Technifer fommt für die vom Zentralverband der Angestellten und Bund der technischen Frage, die mit den Vorschlagslisten der freigewerkschaftlichen ArAngestellten und Beamten aufgestellte Vorschlagsliste I in beiterorganisationen in Listenverbindung steht. Neue Wege der englischen Gewerkschaften. Condon, 22. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Gewerkschaft der Bergarbeiter macht bei ihren Berhandlungen mit den Unternehmern die Annahme der neuen Lohnregelung davon abhängig, daß die bevorstehenden Lohnerhöhungen nur den Mitgliedern der Gewerkschaft zugute fommen. Diese Forderung wird in der Bresse als ein Novum in der Gewerkschaftsbewegung bezeichnet. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Achtung! Vertrauenspersonen und Betriebsräte der reinen Buchbindereien! Da der Verband Berliner Buchbindereibefizer sich weigert, das Api- Abtommen bereits für diese Woche anzuerkennen, findet für Betriebsfunktionäre heute abend 26 Uhr im Bureau eine wichtige Besprechung statt. Die Branchenleitung. E Achtung Schuhmacher. Montag, 26. Mai, nadm. 5 Uhr, bei Blawert, Beberstr. 24a, Versammlung aller auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung stehenden Kollegen. Tagesordnung: Stellungnahme zur Bezirkskonferenz und zum Verbandstag. Erscheinen unbedingt notwendig, Der Fraktionsvorstand. Deutscher Holzarbeiterverband. Sigung der erweiterten Ortsverwaltung, heute( Freitag), abends 7 Uhr, im Berbandshaus. Rungestr. 30. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Kerstädt; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SB. 68.. Lindenstraße 3. Hierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". Gewertschaftsbewegung: Fricht. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Editomski, totales Continental CONTIN Absätze Keine Ermüdung, federnder Gang, Schonung derNerven durch den Continental Absatz. Haltbarer als Leder, dabei viel billiger. Der Continental Sparkeil D.R.P. verleiht dem Absatz doppelte Haltbarkeit dabei bleibt er immer gerade. Bei jedem Schuhmacher erhältlich. So gut wie Continental Reifenl Unsere billigen Preise Herren- Anzüge moderne Verarbeitung Herren Sakko- Anzüge gute Verarbeitung Herren- Ulster aus Donegalstoffen, aus gestreiftem Homespun, moderne Streifen, in moderner Ausführung M 3500 M. 4500 M. 3500 Gabardine- Mäntel Schlüpfer- u.Taillenform, je nach Qual. 6000 u. 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Ist sie doch dem Beruf gewidmet, der der wichtigst« auf der Welt ist, dem Arbeiter, ohne dessen Kraft und Geschicklichkeit all« Räder stillstehen müßten. Die Ausstellung spricht von den tausend Gefahren, die den Arbeiter und die Arbeiterin in allen Betrieben umlauern, und sie schildert geschickt und anschaulich, welche Maßregeln zu ihrem Schutz ergriffen worden sind. Freilich, hält man Gefahren und Schutzvorrichtungen einander gegenüber, wägt man sie ab, so ist die Wagschal«, in die man den Schutz de? Arbeiters legt, noch immer viel kleiner und leichter, als die Schale mit den Gefahren. Di« Ausstellung in der Fraunhofer- straße 12 war während des Krieges geschlossen, und auch ein paar Jahre nach dem Kriege öffneten sich ihre Pforten dem Publikum nicht, weil hier die Prüfungsstelle für Prothesen, für künstliche Glieder, untergebracht war. Der Besuch der Ausstellung ist k o st e n- l o s. Lohnend und lehrreich zugleich, kann er auf das wärmste emp- sohlen werden. Besonders aber die Lehrer und Lehrerinnen sollten mit dm Zlrbcitcrkindern in die Ausstellung wandern und die Kleinen, die ja zum größten Teil auch dereinst in die Fabriken und Maschinen- säle werden gehen müssen, auf die Gefahren aufmerksam machen, die mal nach ihrem Leben und ihrer Gesundheit greifen werden. Von der Besichtigung dieser Ausstellung nehmen die Kinder jedenfalls unendlich viel mehr Nutzen nach.Hause, als wenn man sie, was noch immer mit Vorliebe geschieht, in das Zeughaus führt und ihre Phantasie sich an Waffen, Krieg und Kriegsgreuei erhitzen läßt. Die Sonüerausftellungen. Im Parterreraum der Ausstellung, der gegen früher eine Ver- änderung und Neueinteilung erfahren hat, fällt zunächst die Sonder- ausstellung der AEG. auf. Sie bietet eine Fülle des Belehrenden und Interessanten. Hier wird zum Beispiel der Gewerbe- Hygiene eindringlich das Wort geredet, werden alle möglichen Unarten, die unhygienisch sind, gegeißelt, wie zum Beispiel Aus- stauben eines Tuches aus dem Fenster. Belecken der Briefmarken mit der Zunge. Abstäuben der Stiesel mit dem Taschentuch, das man nachher wieder benutzt. Dazu gesellen sich praktische Arbeiteranzüge, Schutzkappen für Arbeiterinnen, Modelle eines hygienischen und eines unhygienischen Zimmers und anderes mehr.— Außerordentlich interessant ist auch die Sonderausstellung der amerikanischen versiche- rungs-Geselljchaftcn. Der Geist, der nur auf Praktisches gerichtet ist und durch die lediglich praktisch« Einstellung die besten Erfolge er- zielt, wird hier lebendig. Eine staatliche Fürsorge sür Arbeiter gibt es bekanntlich in Amenka nicht. Wer im Betrieb verunglückt, kann Hilf« und Unterstützung nur erlangen, wenn er gegen Unfall bei einer Gesellschaft versichert ist. Die Dersicherungsgesellschasten aber haben natürlich da« größte Interesse daran, möglichst wenig und möglichst selten zu zahlen, die bei ihnen versicherten Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Gefahren des Fabrikbetriebe« aufmerksam zu machen und ihnen Fingerzeige zu geben, wie man am besten den vielen Gefahren entgeht. Man sagt sich in Amerika, und mit Recht, was nutzen Be- kanntmachungen mit vielen Paragraphen, die in den Fabriksälen an- geschlagen sind. In den meisten Fällen werden sie gar nicht gelesen. Die amerikanischen Bersicherungsgesellschaften wirken nun auf andere, sinnfälligere, wenn man will, krassere Art auf die Aufmerksamkeit der Arbeiter. Sie h ä n g e n große, bunt« Plakate und Bilder in den Fabriken aus, die einmal für ihre Firma in einer uns allerdings nicht selten beleidigend titschigen Form Reklame, und zum anderen den Arbeiter durch bildhaft« Darstellungen darauf ausmerk- sam machen, was er zu tun hat und wie er sich benehmen muß, um nicht zu verunglücken.— Holländer und Engländer haben dieses Verfahren in ihren Fabriken nachgeahmt. Aber ihre Bilder und Plakate sind nicht so grell und marktschreierisch. Sie wirken gewissermaßen mehr kultivierter. Auch sür Deutschland wird ähn- liches geplant, und. V e r h a n d l u n g e n darüber sind mit den Ge- werkschaften im Gange. Schutz vor üer Maschine. Ein« Fülle von Anschauungsmaterial der mannigfachsten Art bietet der große Saal der Ausstellung mit seiner langen und breiten Galerie. Was man hier erblickt, ist alles so genau, exakt und natur- getreu, daß man in einer großen Fabrik zu sein meint. Di« ver- schiedcnsten Maschinenteile mit den angebrachten Schutzvorrichtungen find hier aufgestellt. Man erblickt, um nur ein paar zu nennen, Schutzvorrichtungen am Wasierstandsonzeiger, Modell« von Schutz- gerüften gegen Absturzgefahr, Sicherheitsvorrichtungen bei Bauten und auf Schiffen. Auf der Galerie dasselbe wechselooll« Bild der mannigfaltigsten Schutzvorrichtungen. Hier steht zum Beispiel das Modell einer Bühne mit Rauchklappen, hier sieht man Schuh- Vorrichtungen im Kohlenbunker und beim gefundheitsgefährsichen Bleiloten sowie Hinweis« auf die Gefährlichkeit de» Staube«. Vor dem überm äß igen Altoholgenuß wird gewarnt und die Parole ausgegeben:„Tee statt Alkohol!" Hierzu muß man aller- dingS sagen, daß heut« Tee immer noch teurer ist als Alkohol. Ferner steht man hier Modelle von Arbeitergenesungsheimen und Arbeiter- kindererholungsheimen. Die Ziegeleigenossenschast hat ein vorzüg- liches Tongrubenmodell mit vollem Betrieb ausgestellt, und die Reichspostverwaltung zeigt, welche Schutzvorrichtungen sie für ihre Kabelleger, Telegraphen- und Telephonarbeiter getroffen hat. Das Prachtstück üer Ausstellung und vielleicht das markanteste ist aber die plastische Darstellung der Steinbruchsberussgenossenschast. Man erblickt einen Steinbruch in großen Dimensionen, Arbeiter in Lebensgröße im Werk mit allen Schutzvorrichtungen beim Sprengen der Steinmassen durch Dynamit, daneben Schuppen, in denen sachgemäß Pulver und Dy- namit gelagert werden. Alles ist so anschaulich und naturgetreu, daß man sich in einen Steinbruch mit Bergwerksbctrieb versetzt glaubt und jeden Augenblick erwartet, die Dynamitpatronen werden unter lautem Knall explodieren. Zu erwähnen wäre noch«in reiches statistisches Material, das über alle möglichen Dinge erschöpfende Auskunft erteilt. Im Gebäude befindet sich ferner noch ein großer Hörsaal, in dem die verschiedensten im Interesse des Allgemeinwohls stehenden wissenschaftlichen Themata abgehandelt werden. So hat hier zum Beispiel dieser Tage der Lehrgang zur Ausbildung der Schornsteinfeger in der Wärmewirtschaft stottoesunden, der von der Technischen Hauptstelle des deutsä�en Schornstcinfegergewerbes veranstaltet wurde. * Alles in allem, ein überaus fesselndos Bild, diese Ausstellung. Nicht nur den Arbeiter interessiert sie, sondern auch jeden, der ein Herz hat sür den Arbeiter und der hier mit Befriedigung feststellen kann, daß Kräfte am Werk sind, den Arbeiter zu schützen und zu schonen. Oas Zerienjchiff. Es klingt olles sehr schön. Man klebt Sparmarken von je 25 Pfennig oder erwirbt durch einmalige Zahlung unverzinslich«, auf ein Jahr unkündbare Stammeinlagen von je 10 Rentenmark. Bereits eine Stammcinlage gibt dem Besitzer mehrere Vorrechte für Vorbestellungen und verbilligte Benutzung der S.ommereinrichtungen der Gesellschaft„Grüne Heimat". Do ist zunächst«in Fcrienschiff mit dem Namen„Bakdur", des erst gebaut wird und im Sommer vom Stapel laufen soll. Nach den Beschreibungen ist es ein ganz aus Stahl gebautes Motorübernachtungsschiff von 50 Meten, Länge und 7 Metern Breite, mit Dieselmotor«� Doppelschrauben, sechs wasier- dichten Schotten und 215 Schiafplätzen. Sämtlich« Kabinen, je 2 bis 15 Betten enthaltend, sind mit elektrischem Licht, Wasserleitung und Abfluß versehen. An Bovd befindet sich«in nach Art der Eisenbahn- speisewagen eingerichteter atkahalsveier Wirtschaftsbetrieb. Der Hauptwert ist auf«in preiswertes, schmackhaftes Eintopf-Mittagefsen gelegt. Die Inneneinrichtung wird ganz in Weiß gehalten sein. Klein« Boote, die sich an Bord befinde»,', Sport- und.Spielgeräte werden verliehen. Es gibt Sonntagsfahrten für 32 Stunden mit 2 Uebernachtungen, kleine Wochenfahrten für 43 Stunden mit eben- falls 2, große Wochensahrten für 78 Stunden mit 3 Uebernachtungen. Die Preis« betragen je nach der Anzahl der Betten in den Kabinen 3 bis 7 Mark für die Sonntagsfahrt, 4 bis g Mark für die kleine Wochenfahrt. S bis 11 Mark für die glotze Wochenfahrt. Inhaber von Stammeinlagen zahlen auf allen Pläj�n nur die Hülste. Man legt sich also beispielsweise am Sonnabend an Bord des Ferien- schifses, das noch bei irgendeiner Spreebrücke ankert, schlafen und wacht am Sonntagmorgen in einer stillen waldumkränzten Bucht auf. Am Sonntagabend geht es ohne Eis«nbahnged,«.,,g'Z im fried- lichen Bord schlaf zurück. Unmittelbar sucht mau vom Schiff aus sein« Arbeitsstelle auf. Das Unternehmen ist von Führern großer Kölper- sthaften, die Erfolge auf dem Gebiete des Freiluft-, Garten- und Siedluirgswesens haben, ins Leben gerufen und will dar Volks- gesrmdheit dienen. Mitgliebubeiträge werden nickst erhoben, nur 1 Mark Einschreibegebühr. Zahlstellen sind all« Groß-Berliner Spar- kassen.?toch ausgedehnter ist der Plan, durch zinslose Hergabe von Sparguthaben den Mitgliedern der»Grünen Heimat" Erhostmg in besonders zu errichtenden Sommerhäuschen für die ganzen Ferien oder den ganzen Sommer zu sichern. Man wird ohne vorschnelle Hymnen die Entwicklung abwarten müsien. Die Bestimmung, daß Vermehrung der Einlagen die Rechte und Ansprüche vermehrt, hat einen fatalen kapitalistischen Beigeschmack. Em solche« Recht soll zum Beispiel das Belegen von Plätzen vor Beginn des öffentlichen Vor- verkauf« sein. Wer also das nötige Kleingeld hat, schnappt die besten Plätze weg. Für die weniger Bemittelten, die gerade am meisten der Erholung bedürftig sind, wird nicht viel übrig bleiben. Die Optionssrist für Oberschleflen läuft mit dem 15. Juli 1924 ab. Auskünfte über die Optionsbestimmungen, die im Ministeriol- blatt für die preußische innere Verwaltung vom 16. Mar 1924. Nr. 24. veröffentlicht worden sind, werden von der Geschäftsstelle der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier im Schloß Bellevue, rechter Seitenflügel, jederzeit gern erteilt. Telephon Moabit 888. 25] Die Flüchtlinge. Roman von Johannes Linnankoski. Er dachte oft über diesen seinen neuen Glauben nach. Wie verynckelt war doch die Ausfassung des Menschen vom Leben, und wie einfach war das Leben selbst! Nur für sich sorgen und seine eigenen Handlungen verantworten— das war alles. Uutela war jetzt voll befriedigt von seinem Schulgang. lind er freute sich, als er bemerkte, daß er einen Funken seiner ehemaligen Lebenslust zurückgewann. Er hatte allerdings nicht mehr die früheren Zukunftspläne und die Freude über die Neugeburt des Gutshofs, aber er fühlte doch, daß er- das Beil kräftig in seiner Hand schwang, als er jetzt gegen den Frühling zu an dem neuen Korndarren- bau mithal' Er fühlte, daß er Zuchthäuslerarbeit ausführte — aber auch diese Arbeit mußte gewissenhaft getan werden. well sie in einem gerechten Urteil begründet war. Auch die anderen bemerkten seine Veränderung. Die Zeit, dachten sie. besänftigt, und Uutela ist ein verständiger Mann— gerode, wie sie gehofft ha. ten. Aber es befreite sie nicht. Sie bückten mit aus Angst und Achtung gemischten Gefühlen auf die geheimnisvolle Ruhe, mit der Uutela jetzt seinen Weg ging. 14. Aber auch d e r Weg war voller Steine und Baumstümpfe. da? sollte Uutela bald erfahren. Was ihn selbst anbetraf, war er allerdings ruhig, und sein Verhältnis zu den Keskitalos war klar. Ebenso war es ihm ganz gleichgültig, was Riitta und die Tagelohnerfrauen tuscheln mochten.,.. Da er jedoch mitunter diesem oder jenem Dorfbewohner begegnete, begann seine Gelassenheit unhaltbar ms Schwanken zu geraten. Er las aus den Blicken heraus, dag die Sache in ihrer ganzen Nacktheit im Dorfe bekannt war. Er sah im Augenblinken der anderen ein ironisches Lächeln: daß der Mann in dem Alter noch ein Kind bekam! Das ließ ihn auf- schäumen. Und als er im Blicke anderer etwas wie Mitleid zu gewahren meinte, schäumte es noch mehr in ihm auf. Uutela erkannte jetzt zu seinem Kummer, daß sein neuer Glaube nicht so leicht war, wie er einfach war. Er mußte wie mit beiden Händen an dem gefundenen Boden festhalten, um nicht ni die frühere Hilflosigkeit zu gleiten. Je näher aber die Zeit der Entbindung kam, desto schwie- riger wurde seine Lage. Es trat eine ganz neue Seite hervor — was sich bisher nur in den Gedanken bewegt hatte, das sollte sich alles in eine sichtbare, körperliche Gestalt kleiden. Es drohte vor ihm hinzutteten und zu einer ganz neuen Prü- fung herauszufordern. „Wo soll ich hingehen, wenn es geschieht?" fragte er sich in seiner Angst.„Hier kann ich in der Stunde nicht sein, um keinen Preis!" Dieser Gedanke quälte ihn lange Zeit, so sehr er auch versuchte, sich zu beruhigen und sich zu überzeugen, daß es ihn gar nichts anging. Da befreite ihn Keskitalo eines Tages von diesem Alp. Uutela sah sofort, daß der andere etwas im Sinn hatte, daß es ihm aber schwer wurde, es zu sagen. „Sollte er jetzt davon...?" dachte Uutela, sich unruhig bewegt suhlend. „Wir haben gedacht... vielleicht könnte Manta in die Stadt... in die Entbindungsanstalt gehen...?" brachte Keskitalo schließlich heraus. Uutela fühlte, wie ihm die Schläfen zu brennen begannen. „Was geht das mich an, sorgt selbst dafür!" drängte es ihn zu rufen, so daß es zugleich eine Antwort auf alles war. Doch er wurde über die glückliche Wendung so froh, daß er wie ein Beteiligter erwiderte: „Ja...? Das ist gewiß das allerbeste." Er fühlte, daß er wieder auf den Füßen stand. Keskitalo erledigte die Sache, wie es ihm zukam. ★ Es war ein lenzfrischer Morgen im Mai, als die junge Frau nach der Bahnstation gefahren wurde. Keskitalo kutschierte, und die alte Frau begleitete sie in die Stadt.* Die anderen schienen mit der Reise zu tun zu haben, Uutela aber arbeitete auf dem Acker wie gewähnlich. Er eggte die letzten Hafersaaten auf der Böschung des zum See hinabfiihrenden Hofackers. Die Pferde zogen flink das leichtbewegliche Gerät, die lockere Erde sott und brodelte zwischen seinen Zinken. Das Sieden tat den Augen des Ar- bettenden wohl, und aus dem Boden stieg der angenehme Duft der frischen Frühlingserdc. Uutela hielt die Pferde oben aus der Böschung an, gerade dort, wo sie sich nach dem See hincchsentte. Er konnte der Lockung nicht widerstehen, denn auch ihn selbst hatte der Früh- ling umstrickt. Wie wenn die Böschung vor Freude gezittert hätte, wäh- rend die Sonne auf ihrem grauen Scheitel spielte! Der Blick streifte nach unten, auf den silberhellen Spiegel des Sees. Der länglichschmale See war wirklich schön, wie man ihn jetzt so offen daliegen sah! Das Auge schweifte immer weiter, nach dem zu einer Anhöhe emporsteigenden Hang des gegenüber- liegenden Ufers, wo die Birken mit ihren zartgrünen Laub- knospen hervorlugten— dahinter, weiter oben, der ernste dunkelgrüne Nadelwald. „Es ist eine schöne Gegend," gestand Uutela.„Ich habe drüben in Tavastland nichts dergleichen gesehen." Dann sprang der Blick quer über das linke Ende des Sees wieder herüber und richtete sich auf die nördliche Lichtung des weiten Hofackers. Er liebkoste zuerst das Gut mit den grünen- den Birken, dann den Hügel mit der Korndarre und den weißen neuen Balkenwänden, darauf den Acker, schließlich das an seinem Rande stehende Erlenwäldchen, dessen lang herab- hängende gelbliche Kätzchen bis hierher leuchteten. „Es ist doch ein hübsches Gut!" entfuhr es Uutela.„Hier lohnt es sich schon--" Damit zerschellte es jedoch, wie von einer unsichtbaren Hand berührt. Uutela fühlte, wie es ihm vor den Augen dunkelte, und ihm wurde unsagbar schwer zu Mute. Zugleich hörte er das Knarren von Wagenrädern und wandte sich, ohne etwas Besonderes zu denken, danach um. Dort fuhren Keskitalo. die alte Frau und Manta langsam. im Fußgängerschritt, zur Bahn. Uutela kehrte sich plötzlich ab— er konnte den Anblick nicht ertragen. Er riß heftig an den Zügeln und zwang die Pferde fast zum Laufen. Er fuhr hinab, dann hinauf— hinab und wieder hinauf — ging auf das nächste Beet über— hinab, hinauf— die Pferde immer antreibend, so daß sie zu dampfen und zu schnauben begannen. Wie wenn alles davon abgehangen hätte, daß er in die feuchte, empfängliche Erde das grenzenlose Weh mischte, das ihn so unerwartet ergriffen hatte. Aber dann mußte er anhalten— er hätte keinen Schritt weiterfahren können. Er zitterte beinahe bei dem Gedanken, der ihm jetzt durch den Sinn flog: „Wieviele Sorgen sind wohl in diesen Aeckern Finnlands begraben...?"(Fortsetzung folgt.) J Juni- Miete unverändert. Das städtische Zentralamt für Wohnungswesen teilt mit: Nach cinem Erlaß des Ministers für Bolkswohlfahrt vom 14. d. m. ver. bleibt es für die Berechnung der gesetzlichen Miete für den Monat Juni bei der Anordnung vom 24. April betr. die Regelung der Mais miete. Für die Stadt Berlin behält daher die Bekanntmachung des Magistrats vom 30. 2pril auch für den Monat Juni ihre Wirksamkeit. Hiernach haben die Mieter für den Monat Juni 35 vom Hundert der reinen Friedensmiete zu entrichten. Nur in denjenigen Fällen, in denen unter der Herrschaft des am 1. Mai d. I. in Kraft getretenen neuen Rechts eine ausdrückliche oder stillschweigende Vereinbarung zwischen Vermieter und Mieter getroffen worden ist, morin die Mieter sich zur Uebernahme der sogenannten Schönheitsreparaturen in ihren Mieträumen verpflichtet haben, sind sie berech tigt, die 35 v. H. um 4 v. H. zu kürzen, dafür aber auch verpflichtet, die von ihnen übernommenen Schönheitsreparaturen auf ihre Kosten ausführen zu lassen. Razzia im Berliner Chinesenviertel. Echt chinesische Waren aus der Prinzenstraße. Im Berliner Chinesenviertel", das sich seit einigen Monaten in der Langen, Martus- und Krautstraße aufgetan hat, gab es eine böse Ueberraschung. Seit geraumer Zeit liefen bei den Behörden zahlreiche Klagen darüber ein, daß die in Berlin hausierenden Chinesen das Publikum in gröblichster Art und Weise täuschen und wertlosen Schund, der als„ echt chinesische Arbeit" angepriesen wird, für unverhältnismäßig hohe Preise verkaufen. Das Landesfinanzamt entschloß sich daher, zusammen mit dem Zollgrenztommissariat eine Razzia in dem Chinesenviertel zu veranstalten. Die Beamten drangen unerwartet in die Wohnungen der Chinesen ein und beschlagnahmten dort sowohl die Waren als auch die Gefchäftspapiere. Die Söhne des Oftens hatten sich hier in Berlin ganz nach heimischer Weise eingerichtet und wohnten zu 16 und 17 Mann oft in einem Quartier zusammen mit deutschen jungen Mädchen und Frauen, auf deren Namen meist die Einkäufe der Waren erfolgten. Dabei wurde auch die Feststellung gemacht, daß die Chinesen vielfach Minderjährige in ihre Wohnungen gelockt hatten und dort bei sich behielten. Aus diesem Grunde wurden eine ganze Anzahl erotischer Gäste festgenommen und sofort den zu ftändigen Stellen zugeführt. Die Durchsuchung der Warenlager er forderte fast einen ganzen Tag. Die Chinesen bezogen ihre Waren, Teeservice, Schnitzereien aus Knochen und Elfenbein sowie den angeblich„ echt chinesischen Tee", der sich als die geringste deutsche Teeforte entpuppte, in der Hauptsache von einer Firma in der Prinzen straße. Es wurde weiter festgestellt, daß die Chinesen, etwa 500 an der Zahl, ihr Hauptwarenlager in einer Gastwirtschaft hatten, die sich in der Krautstraße befindet. Die dort beschlagnahmten Riften füllten allein einige Rollwagen an. Die Polizei ermittelte schließlich noch, daß die Chinesen ihren gesamten Verdienst nicht etwa in Deutschland anlegen, sondern daß der Reingeminn, in fremde Baluten umgewechselt, von Zeit zu Zeit durch VertrauensTeute nach China geschafft wird. Das Landesfinanzamt hat deshalb fast 400 Chinesen am Freitag vorgeladen, wo sie über ihre Steuererflärungen und andere Dinge Auskunft geben müssen. Das Geheimnis um den Stromerzeuger. Das Für und Wider der Sachverständigen. ils am Nachmittag Amtsgerichtsrat Liebegoit die Berhand. Lungen in Moabit wieder aufnahm, drängte sich das Publikum der art zum Zuhörerraum, daß ein förmlicher Kampf um die Plätze an der Tür entstand. Zunächst wurde der Sachverständige Geheimrat Professor Dr. Romberg von der Technischen Hochschule gehört. Er hat den Apparat etwa zwanzigmal bis April 1920 besichtigt, ihn aber nie mals in Betrieb gesehen. Der Angeklagte sprach damals schon von her Notwendigkeit der Geheimhaltung seiner Erfindung. Darauf habe der Zeuge auf eine nähere Brüfung verzichtet und nur gebeten, durch Messungen am Apparat die Leistungen feststellen zu dürfen. Die Instrumente wurden zwar angeschafft, aber niemals ange fchlofen. Er steht persönlich auf dem Standpunkt, daß der Apparat niemals gewirft hat oder wirken mußte. Bon Interesse würde es fein, festzustellen, ob jemals ein wirklicher Sachverständiger den Apparat in Tätigkeit gesehen hat oder ihn messen fonnte. Die Tech nisch- Phyfitatische Reichsanstalt hat ihn nicht untersucht, obwohl es wichtig gewesen wäre, daß an dieser objektiven Stelle eine Prüfung ftattgefunden hätte. Vors: Konnte der Angeklagte bet semem geringen technischen können erkennen, weshalb es nicht geht? Sachverständiger: Dazu halte ich ihn nicht für befähigt, aber um die Aussichtslosigkeit zu erkennen, war er wissenschaftlich genügend gebildet. Rechtsanw. Dr. Brandt: Das Gutachten geht von dem Zweifel aus, daß der Apparat jemals gebrannt habe. Wenn wir das aber als wahr unterstellen, würde er ohne Zuleitung in Betrieb gebracht werden können. Sachverständiger: Dafür Ht fein Anhaltspunkt.- Vert.: Es ist doch bekannt, daß, als die Flugzeug idee auftauchte, ein Mann wie Helmhoig es für unmöglich erflärte, mit einem Gegenstand, der schwerer ist wie Zuft zu fliegen. Wir haben doch schon manche Umwälzung der wissen jchaftlichen Erkenntnis erlebt. Sachverständiger: Theo retisch bestreite ich die Möglichkeit gar nicht, wie ich cuch die Möglichkeit theoretisch nicht abstreite, einmal drahtlos mit dem Mond zu telephonieren. In diesem Falle käme unter Ausnutzung der Elektrontheorie die. Auflösung der Materie in Kraft in Frage. Deshalb habe ich den Angeklagten auch gefragt, ob er irgendein Verzehren von Materie beobachtet hat, was er verneinte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es gelingt, die Materie in Kraft umzuwandeln, aber nicht mit diesem Apparat, sondern auf anderem Wege. Rechtsanw. Dr. Arthur Ball: Tatsächlich haben doch zahlreiche Zeugen unter Eid betundet, daß der Apparatgebrannt hat und daß sie alles durchsucht haben, um eine Zuleitung zu entdecken. Sachverständiger: Dafür habe ich keine Erklärung; ich kann mir nur denken, daß die unsach nerständigen Zeugen dennoch getäuscht worden sind. Vorf.: Wenn tausendkerzige Lampen gebrannt haben, dann muß doch entmeder ein Betrug vorliegen, oder es muß sich um Vorgänge handeln, die wir nicht fennen. Das letzte verneint der Sachver stände und erklärt, daß er Betrug annehme. Rechtsanw. Dr. A. Ball: Die Zeugen haben body den Apparat herumgetragen, und er brannte weiter, so daß eine geheime Zuleitung ausgeschloffen werden muß. Vors: Kann nicht eine Ladung mit Elektrizität erfolgt sein? Sachverständiger: Akkumulatoren können in dem Apparat nicht gewesen sein, die 5000 Watt erzeugen. Rechtsanwalt Dr. Ball: Gibt es keine andere Möglichkeit der Zuleitungen? Sachverständiger: Elektrisch kann man alles mögliche Vert: Gibt es auch eine unsichtbare Zuleitung? Sachverständiger: Unter Umständen, ja. Das müßte ich mir machen. -Die Berliner Bürgermeisterwahl. Bürgermeister Scholz- Charlottenburg wird Bürgermeister von Berlin. Unter feinen UmDie voi der Berliner Stadtverordnetenver| den Verkauf zu einem Einheitspreise von 200 Goldmart je Quadrat rute empfohlen, welcher Satz auf 300 Goldmark erhöht werden sollte sammlung gestern vollzogene Reubesetzung des Bürgermeisterpostens, der durch den Tod unseres Genossen Adolf für den Fall, daß nicht rechtzeitig und vollständig gebaut wird. die Gegner der Sozialdemokratie, die Bürgerlichen samt den Kom- Zeit beanstandet werden müsse, andererseits weil der Preis zu gering Von der DVP. und von der Wirtschaftspartei wurde der Ver Ritter freigeworden war, verlief genau nach dem Programm, das fauf bekämpft, weil die Errichtung einer Großbäckerei zu jetziger munisten, von vornherein aufgestellt hatten. sei. Für den Verkauf traten Genosse Battloch und der Referent ständen durfte wieder ein Sozialdemokrat gewählt werden, das war Genosse Wildegans ein, in deffen temperamentvolle Ausführununbekümmert darum, ob die sozialdemokratische Fraktion als Kan- versteht der Ochse vom Sonntag?" In persönlicher Be-und diesen Plan auszuführen, waren sie entschlossen, gen ein Zwischenruf des Wirtschaftsparteilers Grüffer fiel:„ Was didaten einen ehemaligen Landarbeiter oder einen Mann mit afa- merkung bekam es Herr Grüsser unter stürmischer Heiterkeit des demischer Bildung, einen erfahrenen Praktiker der Kommunalver- Hauses fertig, diesem Zwischenruf jeden beleidigenden Charakter abwaltung oder einen Neuling vorschlagen würde. Der Kandidat der sozialdemokratischen Fraktion, unser Genosse Stadtrat Dr. Hei merich aus Nürnberg, brachte alles mit, was ihn für den Bürgermeisterposten geeignet erscheinen lassen konnte, aber er ist SD. zialdemokrat, darum mußte er durchfallen. In dem entscheidenden dritten Wahlgang erhielt Dr. Heimerich 92 Stimmen, d. h. neben den Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion noch ein halbes Dutzend andere, die von einzelnen Mitgliedern der Unabhängigen, der Kommunisten, der Demokraten und des Zentrums kamen. Dem Kampf der Bürgerlichen gegen die So. zialdemokratie sah die Hauptmasse der Kommunisten in„ unparteiischer" S.immenthaltung zu, und die Hauptmasse der Demotraten und des Zentrums stimmten mit den rechtsstehenden Parteien für den zur Deutschen Volkspartei gehörenden Bürgermeister Scholz- Charlottenburg, der dann mit 105 Stimmen Sieger blieb. Das Ergebnis der Wahl ist eine Niederlage der Sozialdemokratie, aber es beleuchtet und flärt die politische Situation in der Stadtverordnetenversammlung. Der gestrigen öffentlichen Sigung ging eine nichtöffentliche voraus, in der der Ausschuß für die Wiederbesetzung der Stelle des 3weiten Bürgermeisters über diese Angelegenheit durch Merten ( Dem.) Bericht erstatten sollte. Die öffentliche Sigung begann um 27 Uhr und befaßte sich zunächst mit der Anfrage der Kommunisten, ob dem Magistrat bekannt sei, daß der Reichswirtschaftsminister a. D. Scholz während seiner Ministertätigkeit sein Bürgermeistergehalt von der Stadt weiter bezog, und daß er eine Pension als ehemaliger Minister und als ehemaliger Bürgermeister erhält, obwohl er ein Einkommen aus seiner Tätigkeit als Vorsitzender der DVP. bezieht, ob der Magistrat die bezüglichen Beschlüsse des Bezirksamts Charlottenburg billigt oder ob er bereit ist, eventuell die Mitglieder dieses Bezirksamtes regreßpflichtig zu machen. Stadtfyndikus Lange stellte fest, daß Herr Scholz als Minister nur das Ministergehalt bezogen hat; mit der doppelten. Pension habe es allerdings seine Richtigkeit. Der Magistrat habe beschlossen, den Beschluß des Bezirksamts einer juristischen Nachprjifung zu unterziehen. Schumacher( Komm.), der Besprechung beantragte, erklärte, derartige Schmeinereien", daß man tro reichen Einkommens auch noch den armen und ärmsten Steuerzahlern das Geld abnehme, müßten aufhören. Damit war die Anfrage erledigt. -Zu einer längeren Diskussion führte die Vorlage vom 9. April megen Verkaufs eines Grundstücks in der Sonnenallee in Neukölln. Auf diesem Grundstück wird die offene Handelsgesellschaft Georg Wolfsohn u. Co. in Berlin zusprechen. Linfen gingen, den Ausschußvorschlag und die Vorlage mit 100 gegen Der Rechten gelang es, obwohl die Zentrumsmitglieder mit der 88 Stimmen zu Fall zu bringen. Um 28 fam man zunächst zur Wahl von 7 Mitgliedern für den Aufsichtsrat des städtischen Werkes Buch. Eingereicht wurden drei Vorschlagslisten; es entfielen auf die Liste Wildegans( Soz. und Komm.) 3, Liste Albrecht( DVP. und Dem.) 3, Liste Päth ( Dnat.) 1 Mitglieder. Sodann schritt die Versammlung zur Wahl des Zweiten Bürgermeisters. Nach dem Ergebnis der Verhandlung in der nichtöffentlichen Sizung gelten als Kandidaten Dr. Heimerich( Soz.), Bebürgermeister Scholz( DVP.), Mende( 3.), zirtsbürgermeister Doflein( Dnat.), Bezirkss ( Komm.). Dörr Vor dem Eintritt in den ersten Wahlgang verlangte Schumacher ( Komm.) die Vorwegberatung des kommunistischen Antrages, der unter Hinweis auf die bei den letzten Reichstagswahlen zu Tage getretene Umfchichtung der Wählermassen den Magistrat auffordern will, bei der Staatsregierung die Neuwahl des Stadtparlaments zu beantragen. Nach dem Wahlergebnis hätten die Kommunisten jetzt Koch( Dnat.) trat diesem Ber40 ftatt 20 Size zu beanspruchen. langen bei; gegen die äußerste Rechte und Linke lehnte die Bersammlung es ab. Zur Wahl selbst glaubte Schumacher( Komm.) in öffentlicher Sitzung feststellen zu müssen, daß alle Wahlvorschläge von rein politischen Gesichtspunkten getragen sind, daß sie die Kulisse bilden, hinter der sich die politischen Gegensätze bei der Wahl verbergen. Davon, daß der Bürgermeister ein besonders sozial angehauchter Mann sein foll, fei feine Rede. Im ersten Wahlgang wurden 213 Stimmen abgegeben, darunter ein unbeschriebener Zettel. Von den 212 gültigen S.immen erhielten Dr. Heimerich 85, Scholz 61, Doflein 41, Dörr 16, Dr. Mende 8; außerdem Frau Dr. Weŋl eine Stimme. Da die absolute Mehrheit Don 107 Don feinem Randidaten erreicht war, mußten nach der Geschäftsordnung die vier Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl zur engeren Wahl gestellt werden. Dörr 11; 2 Zettel weiß. Im ganzen abgegeben 209 Zettel. Die ab3 weiter Wahlgang: Heimerich 87, Scholtz 66, Doflein 43, folute Mehrheit von 104 ist wieder nicht erreicht; es muß Stichwahl erfolgen zwischen Dr. Heimerich und Scholz. Dritter Wahlgang: Scholz 105, Heimerich 92, Gewählt Scholz. Abgegeben 206 3ettel, davon einer weiß, acht ungültig. Die Rechte begrüßt das Ergebnis mit Beifall. einen. modernen Mühlen- und Großbädereibetrieb Ueber die Vertretung Berlins auf dem Städte. tage in München wurde durch dreimalige namentliche errichten, der auf etma 1000 Arbeiter und Angestellte zugeschnitten Abstimmung entschieden. Es werden entfandt werden 3 Magistrats. ist. Es find 210 bgm. 160 Goldmark je Quadratrute für das Vordermitglieder, 3 Bezirksbürgermeister und 9 Stadtverordnete. bzw. Hintergelände, im ganzen rund 495 800 Goldmark geboten; die Sachfenbrot- 2.- G. in Dresden übernimmt für alle Verpflichtungen der Käuferin die selbstschuldnerische Bürgschaft. Der Ausschuß hatte Sach Nachdem noch einige Borlagen, darunter diejenige betr. Notstandsarbeiten der Hochbauverwaltung, ohne Widerspruch erledigt waren, trat gegen 10 Uhr der Schluß der Sizung ein. erft überlegen.- Bors: Es hängt viel davon ab, Herr Geheimrat. bezeichnet, ordnet Amtsgerichtsrat Liebeaott deffen Ladung an. Wir haben die merkwürdige Tatsache, daß von Zeugen unter Eid be- Es folgt dann das Gutachten von Prof. Scherenberg fundet worden ist, daß der Apparat stundenlang gebrannt hat und von der Physikalisch- Technischen Reichsanstalt: Wir haben feine daß keine Möglichkeit der Beeinflussung vorhanden war. Spannung mejjen fönnen, die höher war ais die der fleinen Batte perständiger: Dafür habe ich keine Erklärung. Die Möglich- rien, die zur Anregung dienen soll. Der Apparat ist relativ einfach feit einer Stremzuführung, nicht bloß durch Drähte, ist vorhanden. aufgebaut, so daß nicht einzusehen ist, warum er immer betriebs. Borf: Wäre es möglich, daß in dem Apparat eine ver. unfähig ist, wenn Sachverständige ihn prüfen ſollen. Es könnten borgene Stromquelle vorhanden war? Sachverstän- doch nur Störungen sein, die sich sofort beheben lassen. Nach der diger: Hätte ich den Apparat damals gesehen, als er bei Rechts- ganzen Sachlage bin ich überzeugt, daß der Apparat eine Attrappe anwalt Dr. Heyne in Dresden brennte, dann hätte ich sicherlich eine ist und sich nicht zur Erzeugung von Energie eignet. Alle Versuche Vors: Wir müssen als Basis an Erklärung gefunden. von Leuten, aus nichts Energie zu erzeugen, sind von den Sachvernehmen, daß der Apparat gebrannt hat. Sachständigen stets entlarnt worden. Die Zeugen, welche den Apparat verständiger: Ich kann mir nicht erklären, wie das haben brennen sehen, müssen getäuscht worden sein. So wie der Die Zeugen v. Bethmann- hollweg Apparat ist, fann er nicht brenner. Er fann nur mittels Täuschung 3ugegangen ist. und Dr. Henne versichern nochmals, daß von einer geheimen zu vorgeführt worden sein. Der Sachverständige verbreitet sich dann leitung keine Rede sein könnte. Der Angeklagte v. Ueruh beruft sich noch über die Möglichkeit von Induktionsströmen. dann noch auf den Generaldirektor Jahn de, der mit ihm im Sachverständige, Geheimrat Schmidt vom ReichsKriegsministerium zufammen unter Geheimrat Romberg gearbeitet patentami, ftellt fest, daß tis jetzt dem Angeklagten fein Patent erteilt hat und der den Apparat auch zweimal brennen gesehen habe. Da worden ist, er hat nur ein franzöfifches Patent, das aber nicht mehr Geheimrat Romberg Herrn Jahnde als einen Bolifachverständigen wert ist als ein deutsches Gebrauchsmuster. Innerhalb von zwei Jahren ist es dem Sachverständigen nicht möglich gewesen, einer Vorführung beizuwohnen. Angefl. v. Unruh sucht in längeren Ausführungen den Sachverständigen entgegenzutreten, und spricht Geheimrat von neuen Gesetzen, die sein Apparat aufstelle. Schmidt: Von dem heutigen Apparat habe ich bestimmt den Ein drud, daß mit ihm unmöglich die behauptete Energie erreicht werden fenn. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten fremder Zufuhr. So fei nur auf die Versuche von Tesla mit Hochfrequenz hingewiesen. Jezt ist es schwer zu sagen, was da für 3auberkunststüdchen gemacht worden sind. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 23. Mai. F Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst, Nachm. 2:15 Uhr: Börsenbericht. Nachm. 1.05 Uhr: 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag des Herrn Schontek: Vom Schlafen bei Tag und bei Nacht 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Stadtsekretär Dr. Lewald: Was will die deutsche Tagung für körperliche Erziehung? 8.30 Uhr: 1. Rezitationen( Dora May). 2. Arie aus den Jahreszeiten", von Jos. Haydn( Else d'Heureuse). 3. Adagio, von Jos. Haydn( Gottfried Zeelander, Solocellist des Berliner SinfonieWaffenschmied"; von Lortzing, b) Wer ein Liebchen hat gefunden, Orchesters). 4. a) Auch ich war ein Jüngling, aus der Oper„ Der aus der Oper„ Die Entführung aus dem Serail", von Mozart ( Kammersänger Peter Lordmann). 5. Rezitationen( Dora May). 6. a) Frühlingsabend, von Fritz Fleck, b) Hans und Grete, von Gustav Mahler( Else d'Heureuse). 7. a) Andante aus dem E- molllander, Solocellist des Berliner Sinfonieorchesters). 8. a) Der Konzert, von Popper, b) Gavotte, von Popper( Gottfried ZeeTrunk aus dem Stiefel, von Obermayer, b) mit Rheinwein füllt den Becher, von Ries( Kammersänger Peter Lordmann) Am Steinway- Flügel; Kapellmeister Otto Urack, Der dritte Darauf werden noch mehrere sachverständige Zeugen ver nommen. Sachverständiger v. d. Pahlen hat den Apparat mehrfach brennen fehen und die Ueberzeugung gewonnen, daß feine äußere Zufuhr erfolge, fondern daß die Lampen aus dem Innenraum gespeist werden. Infolgedessen hat er für eine Gruppe die Option v. Unruh gestattet, Messungen vorzunehmen, und er habe feſtfür Desterreich für 100 000 Mart erworben. Anfang 1920 habe ihm gestellt, daß der Apparat wesentlich mehr Energie herausgab, als die Klingelbatterien einführten. Deshalb habe er die Optionssumme an v. Unruh gezahlt. Der Zeuge Glektrotechniker ſei, so habe er genügend Borkenntnisse, um das beund Sachverständige schließt jede Täuschung aus, wenn er auch fein In ähnlicher Weise äußerten sich noch verurteilen zu können. schiedene andere Zeugen. Die Verhandlung wurde schließlich in später Stunde auf Freitag früh vertagt. Nur 4 Pfennig kostet MAGGI Fleischbrüh- Würfel Achtung auf den Namen MAGGI und die rot- gelbe Packung. Einfach mit kochendem Wasser übergossen, erhält man kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zum Verbessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art. MAGGI Fleischbruh Wurfel Das Stadion an der Einsamen Pappel. Die Bezirksversammlung gegen den Berliner Magistrat. Der Bezirk Prenzlauer Berg beschäftigte sich in seiner letzten Bezirksverordnetenversammlung unter anderem mit dem im Bezirksamt ausgearbeiteten Projekt des Stadions an der Einsamen Pappel. Als Antwort auf eine Anfrage über den Stand der Angelegenheit teilte Bürgermeister Genosse John mit, daß der MagiStrat das Projeft abgelehnt habe. In der gleichen Sitzung sei aber der Beschluß gefaßt worden, eine Sporttampfanlage ohne Radrennbahn aus Mitteln der Stadt zu schaffen. In der Besprechung des Berichts wurde von den Vertretern sämtlicher Barteien auf das lebhafteste bedauert, daß der Magistrat zu diesem Beschluß gekommen sei. Während nach dem bis ins fleinste durch gearbeiteten Projekt des Bezirksamts die Anlage der Stadt durch Beteiligung des privaten Rapitals feinerlei Rosten, wohi aber erheb liche Ueberschüsse gebracht hätte, belastet das Brejekt des Magistrats die Stadt finanziell sehr stark, ohne finanziellen Nutzen zu bringen. Von mehreren bürgerlichen Bezirksverordneten, die in ihrem Beruf als Schulmänner tätig sind, wurde darauf hingewiesen, daß bei Bewilligung des Projektes des Bezirksamts mit Radrennbahn Ueberschüsse gewonnen worden wären, um die für die obligatorischen Spiele der Schuljugend dringend nötigen Spielpläge neu zu schaffen und vorhandene in einen spielbaren Zustand zu versehen. Von allen Rednern wurde zum Ausdruck gebracht, daß durch diesen Beschluß eine Schädigung der meitesten Kreise des Bezirkes entstanden sei und man erwartet, daß der Magistratsbeschluß noch eine Korrektur erfährt. Einstimmig nahm die Bersammlung folgenden Dringlichkeitsantrag an: ,, Die Bezirksversammlung erhebt Einspruch gegen den Beschluß des Magistrats, durch welchen die Anlage eines Stadions auf dem Ererzierplaz an der Schönhauser Allee abgelehnt murde. Sie hält an ihrem Antrage vom 30. März 1924 fest und ersucht das Bezirksamt, energische Schritte zu seiner Durchführung zu unternehmen." Eine seltsame Geburtstagsfeier. Gehr erheiternd wirfte auf die Zuhörer eine Verhandlung, die vor der 11. Straffammer des Landgerichts I gegen die Schankwirtin Johanna Waltowiat und den Kellner Hubert Jannings megen Beamtenbeleidigung und Nachtbetrieb stattfand. Beide Angeklagte waren vom Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden und hatten Berufung eingelegt. Bor Jahresfrist war eine eigenartige Geburtstagsfeier" von der Polizei gestört worden, die sich in Wirklichkeit als ein geheimer Nachtbetrieb entpuppte. In der Beffelstraße befand sich ein Laden, in dem Tags über angeblich ein Maleratelier sein sollte und in dem auch Bilder an den Wänden hingen. Nachts aber verwandelte sich das Bild und es wurden hier in den Räumen lebende Bilder gestellt. Von dem Treiben in dem Raume erhielt die Bolizei Kenntnis und eine Polizeistreife des Amtes Kreuzberg drang nachts in den Raum ein. Vor das Fenster war ein Regal mit Malerutensilien gesetzt worden. Es wurde eine lustige Gesellschaft überrascht. Die Wirtin saß bei Ceft an einem Tisch mit mehreren Herren, darunter einem Holländer und einem fogenannten„ Bro= vinzonet". Der Kellner Jannings lief im Frad umher. In ciner Ede faßen zusammengepfercht sieben junge Mädchen, die gerade im Begriff waren, einen Kostüm wechsel für die lebenden Bilder vorzunehmen. Die beiden Angeklagten maren unter wüsten Schimpfreden über die Polizeibeamten hergefallen und warfen ihnen Bestechlichkeit vor, weil sie andere Lokale mit Nachtbetrieb ruhig buldeten, während sie hier eine private harm Jose Geburtstagsfeier des Kunstmalers Horn störten. Das Geburtstagstind war aber nicht zu finden. Auf der Wache gab die Angeflagte Walfomiat den Herrn uus der Provinz, der mit ihr an einem Tische gesessen hatte, als ihren Bruder aus. Ueber die uncrwartete Blutsverwandtschaft war dieser aber so verdugt, daß er Den Polizeibeamten fragte: Bin ich denn betrunden?" Der Ber teidiger mar Der Meinung, daß die Sache doch nicht so staatsgefähr lich sei, daß die Angeklagten gleich ins Gefängnis müßten, zumal fie doch noch nicht vorbestraft feien. Auch der Staatsanwalt schloß sich dieser Anschauung an. Das Gericht hatte auch Einsehen und er mäßigte die Strafe auf 600 Goldmart Geldstrafe. Der Sprachzirtel des Genoffen Unitower, Rurfürstenstraße 21/22, ertelt English und Spanisch für Auswanderer in allen Stadtteilen. Meldungen: Kurfürstenstr. 21/22. Zen Schokorade erfreut sich infolge Güte und Preiswürdigkeit allgemeiner Beliebtheit HARTWIG& VOGEL A.G. Gene.- Vrtr.: Besser& Müller, Berlin S 61, Bärwaldstr. 69. Feraraf: Moritzpl.9651 Hinter der Schusterkugel. Nicht immer hat die blizende Schufterfugel bei dem 50jährigen Schuhmachermeister Franz Jeschke in Nowawes zwischen Aug und Arbeit geleuchtet. Wunderliche Dinge hat sie oft und grell be scheinen müssen. Wenn der Meister den letzten Nagel in das aus den Schränken Bücher Sohlenleder geflopft hatte, holte er und Abbildungen von alten Meistern, wie besonders Rembrandt, Michelangelo und Rubens. Stundenlang fonnte er sich in den Anblick der nackten Gestalten von Rubens vertiefen und immer häufiger schoben sich zwischen Schusterkugel und Bilder. der gegenüber liegenden ScharnhorstSchülerinnen schule. Der alte Schuster zeigte den Bogenschützen von Sanssouci seinen jungen Besucherinnen und heute standen die 3 wölf und Dreizehnjährigen mit Propellerschleifen im Haar sehr bewußt als 3euginnen vor dem Potsdamer Schöffen gericht, vor dem sich Jeschte wegen Sittlichkeitsver brechens laut§ 176 Abfaz 3 zu verantworten hatte. Auf die Frage des Vorsitzenden, Landgerichtsrat Hartung, weshalb die Beuginnen immer wieder hingegangen sind, trotzdem sich der Angeflagte so schwer an ihnen vergangen habe, blieben die Mädchen ,, An den Mädchen ist nicht mehr viel zu die Antwort schuldig. verderben gewesen!" meinte der Anklagevertreter, Erster Staatsanwalt Gerlach, und beantragte für den Angeklagten mildernde Umstände. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis. Es ist dieses der zweite Fall, in dem Schülerinnen der Scharnhorst. schule als 3euginnen in solchem Prozeß vor Gericht stehen. Der dritte gegen einen Buchhändler folgt demnächst. Selbstmord eines Soldaten im Reichswehrminifterium. Im Flur des Reichswehrministeriums hat sich der dort auf Bosten stehende Gefreite Josef M. P. von der 7. Komp. des Juf.- Reg. 20 mit seinem Dienstgewehr erschossen. Der Beweggrund ist noch unbekannt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Kreismitgliederversammlung 6. Kreis, Kreuzberg. Heute, Freitag, den 23. Mai, abends 7, Uhr, bei Rabe, Fichteftr. 29. Bortrag des Gen. Otto Meier, m d. C., über: Die Aufgaben des neuen Reichstages und die Stellung der Partei zu allen wichtigen außen- und innenpolitischen Fragen der Gegenwart." * 6. Areis Kreuzberg. Nach der Kreismitgliederversammlung Revision bet Areistaffe. Heute, Freitag, den 23. mai: 44. Abt. Abholung der Flugblätter von 5 Uhr ab bei Eifert, Doanien Straße 196. 87. Stadtbezirk. Treffpunkt zur Flugblattverbreitung bei Schippold, Admiralstr. 5, am Sonnabend um 5 Uhr. 91. Abt. Neukölln. In der legten Abteilungsversammlung ist einem Bee zirksführer ein Markenbuch verloren gegangen. Der Finder wird ges beten, dasselbe an den Gen. Mag Krause, abzugeben. 57. Abt. Charlottenburg. L. Gruppe. 8 Uhr, bei Arndt, Flugblattausgabe, Morgen, Sonnabend, den 24. mai: 24. Abt. Ab 5 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Lotalen aus: Rösner, Jmmanuelfirchstr. 25, Schmidt, Marienburger Str. 48. Winzer, Christ burger Str. 9, Röhler, Greifswalder Str. 80b. Bezirksführer! auf die Notiz am Sonntag achten. 32. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr, bei Bade, Raiferin- Augufta- Allee. 52, Funktionärsigung. 78. Abt. Schöneberg. Bon 6 Uhr ab bei Rönig, Bring- Georg- Str. Ede Feurigstr., Flugblattverbreitung. Alle Genossen haben zu erscheinen. Rentölln, 89. Abt. Die Bezirksführer holen Sonnabend, von 5 Uhr ab, die Flugblätter vont Gen. Krüger, genauftr. 16, ab. Die Parteigenassen treffen fich Gonnabend, 6 Uhr, in den Zahlabendlokalen, zweds Fluge blattverbreitung. 94. Abt. 7% Uhr, Funktionärsizung bei Günther, Schillerpromenade 11. Rundgebung gegen das Hebammengeje. In der Braueret Königstadt hielten die Vereinigung Deutscher Hebammen und der Deutsche Hebammenbund eine Protestfundgebung gegen das Hebammengesetz ab. Die Rednerinnen Frau Büschel und Frau Dirsmer unterzogen das Gesetz einer scharfen Kritik und wandten sich besonders dagegen, Daß die Altersgrenze für die im Staatsdienst stehenden Hebammen auf 50 Jahre statt auf 65 Jahre festgesetzt werde. Da der Staat nur ein Drittel der Hebammen an. zustellen in der Lage sei, wurde eine wesentliche Beschränkung der Ausbildungskurse gefordert und eine in diesem Sinne gehaltene Ent 12 t. Sarishorft. Ab nachm. Ubr Flugblattverbreitung nom lokal fchließung angenommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. In der Sitzung des Zentralausschusses wurde beschlossen, daß unseren Gruppen empfohlen werden soll, sich an der Kinderfonnenwende zu beteiligen, die die tinder des Touristenvereins Die Naturfreunde" in Meißners of am 21. und 22. Juni veranstalten. Für Unterkunft wird in Hennigs. dorf und Belten durch den T.-V. gesorgt. Anmeldung der Teilnehmerzahlen, getrennt nach Buben und Mädels, bis 1. Juni an Genossen Schnee, O, memeler Str. 11, erbeten. Erwachsene, die nicht als Gruppen führer oder Helfer mitgehen, müssen selbst für Unterkunft forgen. Am Mitt woch, den 4. Junt, findet eine allgemeine Helferversammlung für Berlin statt. Thema: Kinderarbeit und sozialistische Gefühlsbildung. Näheres wird noch bekanntgegeben. Maijugendtreffen der Berliner 3. d. A.- Jugend. Am Sonntag, ben 25. Mai veranstaltet die Jugendabteilung im Zentralverband der Angestellten, Drtsgruppe Groß Berlin, in den Kranidsbergen bei Woltersdorfer Schleuse( an der Zeufelsbrüde) ihr Maijugendtreffen. Hierzu sind auch die älteren Mitglieder eingeladen. Die einzelnen Jugendgruppen treffen nach ihren Vormittagswanderungen gegen 1 Uhr in Woltersdorfer Schleuse ein. Die älteren Teilnehmer werden um 2 Uhr vom Bahnhof Eriner abgeholt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Deutscher Repablikanischer Reichsbund Bezirk Nordwest Freitag, den 23. Mat, abends 8 Uhr, im Restaurant Frante, Briden- Allee 20. Herr Senatspräsident Großmann spricht über Die Aufgaben des DRRB Gäste willkommen. B Zentner frei Haus Berlin, DO Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, Toss.. Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose.... Roggenmehl 0/1.. Weizengrieẞ Hartgrieß Maisgrieẞ 70%, Weizenmehl Weizen- Auszugmeh! Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine....... Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimeh! Schnittnudeln, lose. Bruchreis. Rangoon Reis 15,00 16,501 Malzkaffee, gepackt... 22,00 24,00 15,00-15,75 Röstgetreide, lose 16,50-18,00 14,75-15,50 Kakao, fettarm .100,00-115,00 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt$ 115,00-130,00 11,25-12,75 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 17,25 18,75 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 21,75-25,50 Inlandszucker basis mel. 37,00-39,00 Inlandszucker Raffinade 39,00- 40,75 13,25-15,00 Zucker Würfel. 44,50-46,75 15,00 21,00 Kunsthonig. 30,00-34,00 16,75 20,00 Zuckersirup hell in Eim. 41,50-46,00 12,75-15,00 Speisesirup dunk. in Eim. 28,00-32,00 21,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 95,00-110,00 27,00-30,50 Marmelade Vierfrucht 35,00-43,00 24,00-32,00 Pflaumenmus in Eimern 40,00-44,00 33,00-39,00 Steinsalz, Jose....... 3,10-3,70 41,00-46,50 Siedesalz, lose 4,00 4,70 18,75 21,00 Bratenschmalz in Tierces 63,50- 64,50 37,00-43,00 Bratenschmalz in Kübeln 65,00- 66,00 34,00-36,00 Purelard in Tierces 62,00-63,00 18,00 21,00 Purelard in Kisten.... 62,00- 64,00 14,50-16,25 Speisetalg in Packung 50,00-53,00 16,50 18,25 Speisetalg in Kübeln 48,00-50,00 24,00-31,00 Margarine, Handelsm. I 58,00 30,50-36,00 desgl. II 52,00-55,00 84,00-88,00 Margarine, Spezialm. I.. 76,00 42,00-45,00 desgl. II. 61,00-65,00 Pflaumen, entsteint 50,00-55,00 Margarine III 45,00-48.00 Cal. Pflaumen 40/50 70,00-75,00 Molkereibutter i. Fässern 190,00-195,00 Rosinen in Kisten, Candia 70,00 82,00 Molkereibutter in Pack. 195,00-200,00 Sultaninen Caraburnu. 72,00-90,00| Landbutter 160,00-165,00 Korinthen, choice.... 72,00-78,00 Auslandbutter in Fässern 190,00-195,00 Mandeln, süße Bari... 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 195,00-200,00 Mandeln, bittere Bari.. 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 Zimt( Cassia) 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00- 72,00 Kümmel, holländischer. 125,00-130,00 Quadratkäse........ 22,00-35,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 98,00-108,00 Quarkkäse........ 35,00 50,00 Weißer Pfeffer 130,00-133,00 Tilsiter Käse, vollfett. 105,00-115,00 Rohkaffee Brasil 180,00-220,00 Ausl. ungezuck. Condens Rohkaffee Zentralamerika220,00-290,00 milch 48/16 20,75-23,50 Röstkaffee Brasil..... 240,00-290,00 Inländische desgl. 48/12 17,50-18,50 Röstkaffee Zentralam... 300,00-385,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 27,00-28,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100 ... Buchholz, Trestow ftr., aus. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 80. Abt. Schöneberg. Der Jugendgenoffe Sans Lichtenberg ist ver ftorben. Beerdigung Sonnabend, nachm. 3 Uhr, auf dem Friedhof Blante 140 Abt. Borsigwalbe. Genoffe Frans Roefe ist Gonntag, den 18. Mai. ver Sölle", Lindenhof. Treffpunkt der Abteilung um 2 Uhr, beim Den. Gant torben. Einäfcherung Sonnabend, den 24. Mai, nachut. 5 Uhr, Arematorium Gerichtstr. Arbeitersport. Fußball- Städtekampf Stettin- Berlin. Zum erstenmal in diesem Jahre tritt die Berliner Städtemannschaft in Berlin auf den Plan. Als Gegner ist die Stettiner Städte Elf verpflichtet worden, die in der letzten Zeit beachtenswerte Resultate erzielt hat. Als Gradmesser der Spielfräfte beider Städte fann man die Spiele beider Meister ansehen, wo der Berliner Meister erst im Wieder. holungsspiel fnapp mit 2: 1 fiegreich bleiben fonnte. Das Spiel findet am 29. Mai( Himmelfahrt), nachmittags 4½ Uhr, im Lichtens berger Stadion, Herzbergstraße( Endstation der Straßenbahnlinie 68), statt. Vorher Handballspiel und dergleichen. Berliner Schwimm- Berein ,, Belle". Das Anbaben der Abteilung Berlin findet am Sonntag, den 25. Mai, int Freibad Rahnsdorf, fiatt. Die Abe fahrt erfolgt gefchloffen vom Schlef. Bhf., Treffpunkt 29 Uhr, am Haupt eingang. Die Uebungsstunden finden für den Sommer mie folgt ftatt: Abteilung Berlin, für sämtliche männliche Schwimmer, jeden Mittwoch und Sonnabend von 6 Uhr ab in der Pfuelschen Badeanstalt, Röpeniden leiter au bestellen ist; für weibliche Schwimmer und Nichtfchwimmer Straße.( Schupolaserne), Cinlaß nur gegen Dauerfarte, die beim Abteilungs jeden Freitag, ab 6 Uhr, im Stadtbad Friedrichshain. Die Abteilung Lichtenberg habet Montags, Mittwochs und Freitags im Sechas Rummels Die Jugendlichen treffen fich jeden Donnerstag burg, Sauptstr. 6. abends 6 Uhr, in Jugendheim Tilfiter Str. 4( Schule). Es ist wirklich kein Wunder daß bie weitaus größte Sahl der Lungenleidenden, Tuberfulöfen Berechtigung hat, die Hoffnung auf Gesundung nicht aufzugeben. Jmmer und immer wieder erhalten wir erneut Beweise. von Seite der verehrlichen Aerztefchaft und Genesener, daß unser Bräparat, die O.H.E.- Sabletten speziell im vorgeschrittenen Stadium noch erfolgreich wirken, wo andere Mittel versagen. Laffen wir diesmal einen indischen Spezialarzt für Tuberkulose zu Worte kommen: Herr Dr. D. N. Kumar, M. D. Tuberculofis, Medical- Officer Dharampur schreibt: Nur echt m. dieser Schugmarke tuberkulose verwende. Gehr gerne bestätige ich die guten Birtungen ber O.H.ETabletten, die ich feit zirka 6 Monaten bei Fällen von Lungen Ich habe dieselben sowohl beim Anfangsstadium, wie bei vorgeschrittenen Fällen gleidh gut befunden, besonders aber in den legteren, wo andere Mittel Dersagten. Desgleichen laffen wir ein weiteres Anerkennungsschreiben aus Patientene beaw. Genesenentreisen folgen, das nur mit anderen Worte bas gleiche bestätigt: Rönigsberg. ben 30. 4. 24. Frau A. J. in Königsberg i. Pr. schreibt:... Die Frau eines Kollegen meines Mannes war schwer lungentrant, daß man wirklich glaubte, jebe Hilfe wäre vergebens- und dank Jhrer herrlichen Tabletten fieht fie fegt so gut und gesund aus, daß man sich nur wundert. Wieviele Menschenleben tönnten Sie durch Ihre herrlichen Tabletten retten, wenn diese uur glauben möchten und es mit Ihren Tabletten versuchen würden Solche Schreiben gehen uns fortlaufend zu. Schreiben Sie uns bald und Gie erhalten ausführliche Aufklärungsbroschüre gratis augesandt. Die Tabletten find durch alle Apotheken im Deutschen Reiche zum Preise von 3 RM. pro Rarton zu beziehen, wenn nicht vorrätig, promptest durch unsere Bersandstelle, die Stern- Apothefe, Rempten( Allgäu), ohne Aufschlag für Porto und Berpadung zugesandt gegen Boreinsendung des Betrages. Nachnahme 10 Bf. mehr. 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Gs müffen von allen Abteilungen, soweit bas noch nicht gefchehen ist, die Rarten vom Majjugendtag abgerechnet und die Karten zur Sonnen. menbfeier abgeholt werden. Ferner ersuchen wir, daß jede Abteilung zum Spielleiterturius am Sonntag, den 25. b. M., vormittags 9 ühr, auf der Spielwieje Nr. 8 im Treptower Bart einen Spielleiter entfendet. Außerdem machen wir auf bie Borsigenbentonferens am Sonnabend, ben 24. b. M., abends 7 Uhr, im Jugendheim, aufmerksam. HERMANN Heute, Freitag, den 23. Mai, abends 71 Uhr: رو Brig. Rathaus, Chauffeeftr. 48. Vortrag: ,, Geg. Fragen", 4. Teil. Buchholz. Lokal von Roffad, Sauptstr. 71. Bortrag: Geg. Fragen." Charlottenburg. Jgdh. Rosinenstr. 4. Bortvag: Geschichte der J Röpenid. Städt. 3gbh. Grünauer Str. 5. Bortrag: Erziehung zum Lebens. tameraden." Mcabit I. Shule Waldenser Str. 21. Lichtbildervortrag: Die Mart Brandenburg." Moabit IL Rath. Schule am Stephansplag. Bortrag: ,, National- International." Niederschönhausen. 1. Gem. Schule Blantenburger Str. 69/70. 1. Dichter- Abend. Nordost L. Schule Georgenkirchstr. 2. Dis, fuffion: Schund in Wort und Bild." Rorboft II. Schule Danziger Str. 23. Vortrag: Rarl Marg, fein Leben und Wirken." Rofenthaler Borstadt. Sophienstr. 23. Bortrag: Sans Vaasche." Schöneberg I. 3gbh. Rubens Ede Hauptstr. Bortrag: Die Macht der Rizdje." Süboft.- B. 3gbh. Mariannemufer 1. Bortrag: Cin Susflug ins Weltall. Besten. Baugewerk. Schule Aurfürftenftr. 141. Distuffion: Wos lernen mir von den Wahlen?" Abteilung Neukölln VL bends 8 Uhr, in der Schulaula Donauftr. Sightbilbervortrag: Thüringen, das grüne Herz Deutschlands." Cine tritt 0,25 0. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Bollig und warm mit ein gelnen Gewitterregen. Für Deutschland. Beitverbreitete Gewitterregen, überall noch warm. Tiei zBLIGE Lebensmittel Frisches Fleisch Schweinefleisch Kalbskamm Kalbskeulen Aammelkeulen Gehacktes mit Beilage, Pfand 65PF. Prand 55 ....... Pfand Hammelvorderfleisch gepöket.... Pfand Pf. 68PF. Plana 65. Pfand 78PJ. Plana 60 Pl. Schweineköpfe pa... Pjand 30 Pf. Gefrierfleisch Pfund Ochsensuppenfleisch prima 45 Prima Ochsenherzen Pfand 30 Theater, Lichtspiele usw. 78 Freitag und Sonnabend Mengenabgabe vorbehalten Verkauf aur sowelt Vorrat Rhabarber........... Pfand Pfand 9Pf. Bandnudeln.... and 16. Bückling............. and 40. Tafelreis........... and 17P/. Sprotten 1004 ***** Pfund 40. Weizengriess.... and 18Pf. Quadratkäse Pfand 26. Rotkohl............ Dose 32Pt. Tilsiter Käse..... Pand 50P. Weisskohl......... Do 35P. Rotwurst: nach Thiring 60P. Junge Erbsen. Doc 78rt. Landleberwurstrand 65P. Apfel- Konf. Bauernmettw.and 98 Art Pfand ¼ Dose ca. 1 Pfand 35P. Glas Amerik. Vollmilch Dose 44P. Johannisb: Konf.43. Praise verstehen sich ausschliesslich Flasche Weine 1922 Maikammerer 1921er zazdgl.ostädt.Stener, 20% Reichs- Weinsteuer Bowlen wein Fl. naturrein., angen. 1101000 2.40 2250 Alsterwell. Letten Tischwein, Fl. 10 FL Sonnengartner Malaga Spanisch. roter Süsswein, FL. 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Der Charakter eines Volkes erklärt sich aus seinen GegenDer Charakter eines Volkes erklärt sich aus seinen Gegenfäßen. Wie gute und böse Triebe in der Secle des einzelnen Menschen gemischt sind, so auch in der Seele der Völker. Wer als Deutscher in einseitigem Vorurteil in englischem Wesen stets nur den zähen Machtwillen eines grausamen Imperialis mus sowie systematisch gezüchtete Lüge erblickt, wird für die großen Veränderungen, die sich in den letzten Monaten in England zu vollziehen beginnen, niemals die rechte Erklärung finden. 3wei uralte englische Wesenszüge sind auch in der jüngsten Entwicklung deutlich zum Durchbruch gekommen: das Gentleman ideal und der Puritanismus. Das Standesideal des englischen Adels hat allmählich die Seele des ganzen Bolkes bis hinab in das Proletariat erobert. Dies war mur möglich, weil die Oberschicht sich nicht völlig gegen die unteren Schichten abschloß. Es ist ein Beweis für die untrügliche Herrscherbegabung dieser Klasse, daß sie stets die Führernaturen der nächstfolgenden Schicht in sich aufzunehmen fuchte, und daß es ihr so gelang, im Gegensatz zu der gleichen Schicht in Deutschland, sich stets neues Blut zuzuführen. Hier in der Tat ist wahre Aristokratie das Salz der Demokratie gewesen! Auf diesem Wege hat der englische Parlamentarismus, stets voll Ehrfurcht für die wahre Führerbegabung, sich als einen Ausleseapparat für den starken Willensmenschen erwiesen, der auch vor dem sozialisti= schen Arbeiter nicht halt macht; auf diesem Wege hat er Männern ersten Ranges, wie Pitt, Gladstone, dem Juden Disraeli und dem gleichfalls aus niederen Kreisen stammenden Lloyd George zur höchsten Wirkung verholfen und scheint nach anfänglichem Widerstreben nun auch Ramsay Macdonald freie Bahn zu lassen. Deshalb ist in England eigentlich niemals eine revolutionäre Oppofition möglich, weil so der Widersetzliche zum Anwalt des Staates geworden ist. Dieses konservative Bolt fennt feinen Umsturz, sondern nur Entwicklung. Unter dem Einfluß des Weltkrieges geht nun eine Neugruppierung der Parteien vor sich. Wie nach der Wahlreform vom 1832 das Bürgertum allmählich die Macht des Parlamentes erobert, scheint nunmehr die Arbeiterpartei, die allerdings feine sozialistische Partei in unferem Sinne ist, diese Rolle zu übernehmen. Das Unterhaus hat aufgehört, eine Vertretung der feudalen Oberschicht zu sein. Heute ist es wirklich ein Ausdruck des englischen Volkes. Dazu kommt ein zweites. In den pazifistischen Strömungen des gegenwärtigen England spielt ein uraltes britisches Gefühlserbe eine nicht unbedeutende Rolle: der Purita nismus. Der gleiche Geist, der zur Gründung so zahlreicher Freikirchen, der Independenten, der Presbyterianer, der Methodisten geführt hat, der England zum Anwalt der Sklavenbefreiung machte, ist auch heute noch im englischen Bolke lebendig, und niemand darf an feinen tiefen irrationalen Bolke lebendig, und niemond darf an feinen tiefen irrationalen Instinkten vorübergehen, der sein Wesen erfassen will. In den Quäfern sind englische Demokratie und urchriftliche Mystik in einer für England sehr charakteristischen Weise ges mischt. Ihre Wirkung für die Kulturgeschichte Englands geht weit über die verhältnismäßig geringe 3ahl ihrer eigentlichen Gemeinden hinaus. Man weiß aus der vorbildlichen Fürsorge dieser Männer für die deutschen Kriegsgefange nen in England, aus ihrem großartigen Liebeswert für das notleidende Deutschland und das hun gernde Rußland, daß englisches Christentum eine wahrhafte Kraft ist. Aus diesem Geiste und der strengsten Einhaltung Kraft ist. Aus diesem Geiste und der strengsten Einhaltung des fünften Gebotes ist auch während des Krieges die Bewegung der englischen Dienstverweigerer hervor gegangen, wenn sich auch keineswegs nur Quaker dem Kriegsdienst widersetten. Auch zahlreiche Freidenfer und Sozialisten waren darunter, die aus gleichen ethischen Gründen handelten, und die man deswegen Conscientious Objectors"( Dienſt verweigerer aus Gewissensgründen) genannt hat. Viel zu wenig ist bei uns die Tatsache bekannt, daß wegen dieser Haltung über sechstausend von ihnen während des Krieges verhaftet und größtenteils zu schweren Kerkerstrafen verurteilt wurden. Viele sind damals im Gefängnis gestorben, andere verfielen dem Wahnsinn. Der jezige Premierminister Macdonald hatte es sich während des Krieges zu seiner besonderen Aufgabe gemacht, für die Familien diefer für Jahre ins Zucht haus verbannten Kriegsgegner zu sorgen. Kürzlich brachte nun das Londoner illustrierte Blatt „ The Daily Graphic" eine eigenartige Photographie, die eine heitere Tischgesellschaft von 19 Abgeordneten des englischen Unterhauses darstellt, die alle während des Krieges wegen Dienstverweigerung im Gefängnis gesessen hatten. Nichts kann meines Erachtens den Umschwung in der öffentlichen Meinung Englands deutlicher veranschaulichen als diese Tatsache, daß eine ganze Anzahl von Männern, die durch ihre Berurteilung zu Kerkerhaft auf Jahre hinaus des aktiven Wahlrechts beraubt wurden, heute von dem Vertrauen des Volkes getragen in das Barlament gewählt worden sind, und zwar in die Regierungspartei. Während meines Aufenthaltes in England fand in den Räumen des Parlaments ein offizielles Festeffen statt, das Stott Duckers zur Feier des Wahlfieges der Dienstverweigerer gegeben hat und an dem 50 ehemalige Dienstverweigerer teilnahmen, und zwar nur solche, die im Gefängnis gesessen hatten. Stott Ducers, der Beranstalter dieses Festes, ein englischer Rechtsanwalt, ist eine sehr charakteristische Erscheinung für den von ihm vertretenen Typus des Engländers. Gewohnt, mit dem Zylinder auf dem Ropf, eine Blume im Knopfloch und den Stock unter dem Arm, als eine weltmännische Erscheinung aufzutreten, hat er es sich nicht nehmen lassen, in dem gleichen Aufzug( eine neue Blume im Knopfloch) auch vor der Tür des Gefängnisses zu erscheinen, mit jenem liebenswürdigen Lächeln auf den Lippen, das für englischen Humor so bezeichnend ist und das trok ähnlicher ethischer Beweggründe den großen Unterschied erkennen läßt zu der gleichen Haltung etwa des von fanatischem Mystizismus erfüllten ruffischen Menschen. Man mag über dieses Berhalten der englischen Dienstverweigerer denken wie man will, an einem wird man jedoch nicht zweifeln dürfen, daß es diesen Männern, die allein in der ganzen westeuropäischen Welt den Mut hatten, fich gegenüber den brutalen Mitteln eines in feiner höchsten Macht befindlichen Militarismus durchzusetzen, wahrhaft ernst ist um ihren Friedenswillen, und daß sie ihn auch als Mit glieder des Unterhauses vertreten werden. Aber sie sind nicht die einzigen entschiedenen Anhänger des Friedensgedankens im neuen Parlament. Neben Macdonald wurde Lord Parmoor, der Vertreter Englands im Völkerbund, in das Kabinett gewählt, der schon durch seine Teilnahme als Redner auf dem internationalen Friedenskongreß der Frauen im Haag im vergangenen Jahre sein Eintreten für die Revision der Friedensverträge bezeugt hat. Es gehören ferner dazu Ponsonby und E. D. Morel, Herausgeber der„ Foreign Affairs" und Führer der Union of Democratic Control", die beide fast als einzige den mut hatten, sich in England mit Nachdruck gegen die einseitige Auffassung von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands zu 99 Every Wilke 123 AM „ Was, fiebensfündige Arbeitszeit unter Tage? Glauben die, wir hätten die Nationalliberale Bereinigung, den Klub der Generaldirektoren nur zum Spaß gegründet?" Freitag, 23. Mai 1924 vativen und liberalen Engländer fühlen sehr deutlich, daß der Bölkerbund in mancher Hinsicht das Weltreich entbehrlich machen würde, denn auch in einem Völkerbunde, in dem alle Böller gleichmäßig vertreten find, würde England und die angelsächsische Kulturidee kraft feiner Kolonien und Dominiens und einschließlich des verwandten Amerikas aller Boroussicht nach die Oberhand gewinnen. Hier begegnen sich Welteroberung und pazifistische Kulturmission. Die englische Politik( mag das deutliche Hervortreten dieser Entwicklung vielleicht auch noch ferne liegen) schreitet fo folgerichtig auf einem uralten Wege fort, nur daß den Entwicklungstendenzen der Zeit folgend, an Stelle der religiösen Empfindungswelt mehr eine freiheitlich- pazifistische zu treten beginnt. Der auf seine Selbständigkeit bedachte Deutsche mag einer solchen Friedensentwicklung, obwohl sie zurzeit die ein zige ist, die ihm einen Weg zur Freiheit öffnet, vielleicht nicht immer mit rückhaltlosem Vertrauen entgegensehen, aber er wird dem politischen Genius Englands nicht seine Achtung versagen können, der immer wieder bewiesen hat, daß er in den Aeußerungen seiner Staatstunde auch die geistigen Kräfte nicht außer acht läßt, die die Welt lenten. Zentrum gegen die Nationalisten Finanzfragen. Die Halle- Debatte im Landtag. Kreditnot der Landwirtschaft. Der Landtag ging gestern zur ersten Beratung des Haus haltsplans für 1924 über. Finanzminister Dr. v. Richter nimmt zur Begründung das Wort. In seiner Rede, die wir auszugsweise gestern in einem. Teil der Abendausgabe wiedergaben, führte der Minister u. a. aus: Alles, was wir unter der früheren Geldentwertung gelitten haben, wäre ein Kinderspiel gegen die furchtbaren Folgen, die jetzt eine Erschütterung der Stabilität der Rentenmart haben müßte.( Sehr wahr!) Die Aufrechterhaltung der Währung ist der Leitfaz, der über diesen Etatsberatungen stehen muß. Alle Parteien. haben, darum die Pflicht, nicht durch ihre Wünsche die Balancierung. des Etats zu gefährden. Es wäre nicht zu verantworten, wenn an irgendeiner Position des Haushalts die Ausgaben erhöht werden, ohne eine gleichzeitige Erhöhung der Einnahmen.( Beifall.) Dabei ergibt sich ein Defizit von 198 Goldmillionen, das unter allen Umständen ausgeglichen werden muß entweder durch Erhöhung der Einnahmen oder durch Verminderung der Ausgaben. Im Inland ist nicht genügend Kapital für innere Anleihen vorhanden. Für Anleihen aus dem Ausland ist aber die Voraussetzung, daß wir Der neue Etat balanciert mit rund 2 310 000 000 Goldmart. unseren Etat balancieren. Im Vergleich mit dem Etat von 1913 ist im neuen Etat eine wesentliche Verminderung der derung notwendiger Rutturaufgaben; aber das ist eine Wirkung des Ausgaben festzustellen. Darunter leidet freilich auch die För verlorenen Krieges, mit der wir uns abfinden müssen. In der Forstverwaltung haben sich die Einnahmen gegen 1913 ge 10 Broz. erhöht worden ist. Andererseits find die Ausgaben beim minifterium des Innern gestiegen gegen 1913. Das ist aut tu set at erklärt sich die Steigerung der Ausgaben aus der ganz natürlich, weil die Schuhpolzer verstaatlicht worden ht. Beim Uebernahme der Gemeindeausgaben auf den Staat. Die Ausgaben neue Aufgaben zugewiesen worden find. Die Kreditnot hat die für die Volts wohlfahrt sind gestiegen, weil hier dem Staat traurige Folge, daß wir auf Getieten, wo wir wirtschaftliche und zurückhalten müssen, weil uns das Geld fehlt. Wenn wir durch kulturelle Aufgaben erfüllen möchten, aus dem einfachen Grunde Verhandlungen eine Befferung und Beruhigung unserer Gesamtverhältnisse erreichen, dann wird auch der Tag da fein, wo wir aus laufenden Einnahmen werbende Anlagen machen können. Ich scheue nicht die Berantwortung bei schweren Aufgaben, aber es ist uns nichts so schwer und peinlich geworden als der Abbau der Bes amten, der durch die Staatsnotwendigkeit geboten war. Das gilt auch für die Becmtengebäiter, deren unzulänglichkeit ich anerkenne. Das A und O unserer Finanzpolitik muß die Aufrechterhaltung der Währung sein. Das muß uns auch bei der Etatsberatung leiten. ( Beifall.) Die Besprechung des Haushalts wird auf Montag vertagt. Dann wird die Besprechung der Interpellationen über die Vorgänge in Halle wenden. E. D. Morel ist jetzt für den Friedensnobelpreis in Verschlag gebracht worden. Außerdem wurden etwa 30 entschiedene Anhänger einer sofortigen Weltabrüstung in das Barlament gewählt. Auch eine Frau, Margaret Bond field, die in der englischen Arbeiterpartei eine besondere Stellung einnimmt, befindet sich darunter. Von den einfachsteigert, weil unter Vermeidung des Raubboues der Einschlag um sten Verhältnissen( sie war einst ein Warenhausmädchen) hat fie es bis zum Präsidenten der englischen Gewerkschaften gebracht. Wie Macdonald, von der Masse gewöhnlich als" Our bracht. Wie Macdonald, von der Masse gewöhnlich als„ Our Mac" genannt, gehört sie zu den besonderen Lieblingen des ( Vorwärts Mäggi!) zu begrüßen pflegt. Von ihr ffammt das Volkes, das sie gerne mit dem Buruf:" Go on Maggi!" ergreifende Wort, daß, wenn man überhaupt davon sprechen Deutschland diese Schuld reichlich gezahlt hätte durch die Not dürfte, daß ein besiegtes Bolt Kriegsschulden zu bezahlen hat, feiner hungernden und sterbenden Frauen und Kinder! End lich muß man im Auge behalten, daß von den 194 Abgeord neten der Labour Party 126 der Independant Labour Party angehören, die nicht, wie man in Deutschland vielfach glaubt, eine Partei neben der Labour Party, sondern nur eine, wenn auch sehr wesentliche Gruppe innerhalb dieser bildet, die seit Friedensschluß unermüdlich gegen die Härten des Verfailler Friedensvertrages angekämpft hat. 3ieht man dies daß diese nicht unbeträchtliche Gruppe von Männern und alles in Betracht, so wird man zwar nicht vergessen dürfen, Frauen noch in der Minderheit ist, aber man wird doch fagen dürfen, daß das englische Parlament heute zu denjenigen in Europa gehört, in denen der Friedensgedante die größte Zahl entschiedener Anhänger besitzt. = " Aus dem Kreise der Independant Labour Party hat sich Anfang August vorigen Jahres auch das Britische hat etwas Rührendes und für unser europäisches Bettlertum Bureau für Ruhr Information" gebildet, und es Beschämendes zugleich, wenn man noch in den fernsten Provinzbureaus diefer Partei in England und Schottland jenen erschütternden Bildern der Käte Rollwig begegnet, die von der Not des hungernden Deutschlands zeugen. Der Aufflärungsarbeit dieser Bureaus verdankt aber Deutschland nicht nur reiche Spenden an die internationalen Hilfsfonds, fondern zum großen Teil auch die Aufrüttelung der englischen Meinung. Mag der passive Widerstand an der Ruhr auch nicht die ursprünglich damit beabsichtigten Ergebnisse gehabt haben, so ist doch seine Wirkung auf das englische Fühlen nicht zu unterschäßen. Neben der Stimmung gegen Frankreich verdanken wir nicht zum wenigsten dieser Wirkung die neue Achtung, mit der heute ein nicht geringer Teil in England den Deutschen begegnet. Auch hierin offenbart sich ein alter Bug des englischen Charakters; denn mag es auch oft die Logit englischer Ethik gewesen sein, denjenigen zu erschlagen, der sich nicht wehrt, so hat es doch stets in allem Machthunger die Grenzen seiner Macht erkannt und auf die Dauer niemals feine Achtung dem Gegner versagt, den es nicht niederwerfen kann. Nicht nur Gründe eigenen Vorteils haben es oft dazu be= wogen, sondern auch das Gefühl, daß etwas gutzumachen sei. Hier zeigen sich in der Außenpolitik die Ausstrahlungen ähnlicher religiöser Beweggründe, deren Wurzel wir oben im Puritanismus suchten. Auch hier haben die gleichen Kräfte dazu beigetragen, den englischen Willensdrang zu befruchten. Wie in jedem Engländer das Bewußtsein des Cives britan nicus sum lebendig ist, beherrscht auch das Gefühl der Welt mission im Grunde das ganze Volf, nicht nur mit den Rechten, sondern auch mit dem Bewußtsein der sittlichen Pflichten einer folchen Aufgabe. Ist nicht in den alten Worten Edmund Hallers, daß der Himmel diese Insel errichtet hat,„ Gefeße zu geben und Europa im Gleichgewicht zu erhalten" nicht im Grunde derselbe Instinkt lebendig, der heute von England aus zur Gründung eines wahren Bölterbundes drängt? So tom men wir zu dem seltsamen Ergebnis, daß Imperialismus und Internationalität in einer für England fehr bezeichnertben Weise nicht weit voneinander liegen. Auch manche tonfer fortgefeht. Abg. Dietrich( 3.): Die Benutzung der Wiedereinweihungsfeiern des Moltte- Dentmals zu einer Döllischen Demonstration hat weder dem Charakter des zu Feiernden, noch den Empfindungen weiter Boltstreise entsprochen. Die einschränkenden Ver tommunistische Gegenzug des Arbeitertages" hatte unleugbar den fügungen der Regierung gingen nicht weit genug. Der 3wed, jene Beranstaltung zu stören. Es ist dabei Blut geflossen, und es hat Tote gegeben. Die völkische Agitation hat eine besondere Note durch die Re ben erhalten, die bei dieser Gelegenheit gehalten worden find. Wer sich so für das deutsche Kaifertum begeistert, iff tein wahrer Vaterlandsfreund, und wenn er Ludendorff heißt.( Gehr gut! im Zentrum und links.) Auch die Rede Düfterbergs trägt den gleichen höchst bedenklichen Stempel. Nur ernstes politisches Wollen und ausgeprägtes Berantwortungsgefühl, nicht vaterländischer Rausch an ungeprägtes Wit lehnen den Ludendorffichen Geist ab, wir lehnen den nationalistischen Geift der vaterländischen Berbände ab, aber auch den antichristlichen Geist dieser Berbände! In Sachfen wird von den Stahlheimleuten der Krieg gegen die Schwarzen", gegen das Zentrum, offen gepredigt; in Bayern und überall, wo wir die Majorität haben, ist man vor. fichtiger. In den Organen der Bölkischen werden die Hitler- Parteigänger als Helden gepriesen und die fittliche Rechtfertigung des Hochverrats verfucht. Wie kommt es, daß für diese Verbände soviel Geld für ihre Ausstattung, für ihren Unterhalt, ihre tofifpieligen Veranstaltungen und Festtage vorhanden ist, während für unsere hungernden deutschen Kinder im Auslande der Betteljad gefchwungen werden muß? Auch wird offenbar ein wenig mit zweierlei Maß gemessen, wenn anderswo perboten wird, was man in Halle glaubte gestatten zu müssen. Statt der Schicksalsgemeinschaft, zu der uns die Not längst hätte zusammenschweißen müssen, sehen wir immer noch innere Fehben und Kämpfe. Burück zum christlichen Geist, sonst ist keine Rettung!( Beifall im Zentrum.) Abg. Kilian( Komm.): Die Aussprache hat gezeigt, daß der Aufe marich der Faschisten sein Ziel, Herrn Severing bloßzustellen, trefflich erreicht hat; das Rückzugsgefecht, das Herrn Severing entlasten sollte, ist durch Severing selbst wirkungslos gemacht worden, indem er die Verantwortung für die unerhörten Borkommnisse in Halle, für die Hallesche Faschistenparade, voll und ganz übernahm. muniften nach Halle einberufene Arbeitertag an sich nicht verboten Abg. Kilian( Romm.) weist darauf hin, daß der von den Kom war, sondern daß nur Bersammlungen und Umzüge unter freiem Himmel nicht genehmigt waren. Die Veranstaltung im Bolkspart war ausdrücklich genehmigt. Empörend mar die Parteilicha feit der Polizei in Halle. Gefchloffene Züge von 90 bis 100 Mann durften unbehelligt die Polizeisperre passieren, wenn sie vou uniformierten Stahlhelmleuten geführt wurden. Dagegen wurden alle Leute, die mie Arbeiter aussahen, von der Polizei zurückgehalten. Genering wollte Halle von Arbeitern freihalten, damit LudenDorii bei seiner Monarchistenparade nicht gestört würde. Wenn er jet behauptet, die Kommunisten hätten seine Polizei am Einschreiten gegen die schwarzweißroten Demonstrationen gehindert, so ist das ausgemachter Schwindel.( Beifall bei den Komm.) Die getöteten Arbeiter haben nicht angegriffen, sondern sie find cuf den leichtfertigen Befehl eines Offiziers hin erschossen worden. Nach den übereinstimmenden Aussagen der Anwohner ist auch der erichossene Schutzpolizist dura) die blindlings von einem nervöfen Offizier abgegebenen Revolverschüsse getroffen worden. gibt sich auch aus einer Bhotographie, die ich auf den Tisch des Sauses niederlege. Eine Reichswehrtapelle hat bei dem Umzug der Faschisten das Ehrhardt- Lied und Heil dir im Siegerfranz" auf= aefpielt.( Beifall bei den Komm.) Abg. Drescher( Soz.) Das ers bezeichnet die Feier in Halle, als eine Beranstaltung der Feinde der Repubfit. So wie die Faschisten es treiben, diene man nicht dem Lande. Die Weimarer Verfassung sei gut, wenn der Rechtsfaschismus und der Linkfsfaschismus nicht wäre, dann brauchte der Artikel 48 überhaupt nicht angewandt zu werden. Die Kom munisten hätten von je nichts anderes getan als die Völkischen. Ernsthaft zu bedauern sei, wer sich von solcher Heuchelei, mie sie die Kommunisten zeigen, verführen ließe. Die die Feier in Halle veranstaltet hätten, hätten sich flüger benommen als die Kommu riften. Eine rote Zentrale fei Halle einmal gewesen; nachdem die Kommunisten in Halle aufgetaucht seien, hätte eine bürgerliche Mehrheit die Arbeitermehrheit abgelöst. Die Kommunisten dürften sich nicht als Träger der Republit aufspielen, sie seien die wirt. famsten Förderer der Faschisten. Die Tonart der fom munistischen Aufrufe zum Halleschen Arbeitertag habe die Polizei geradezu zum Verbot gezwungen. Die Sozialdemokratie werde die Republit gegen ihre Feinde perteidigen.( Beifall bei den So8.) Abg. Heidenreich( D. Bp.) nimmt die vaterländischen Berbände gegen die Angriffe der Redner des Zentrums und der Demokraten in Schutz. Damit schließt die Aussprache. Der kommunistische Antrag wird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Die Inter pellationen find damit erledigt. Es folgt die am Dienstag vertagte Aussprache über die träge auf Ein Wort für die Kriegsblinden. Der neue Reichstag und das Reichsversorgungsgeseh. Der Reichstag ist nunmehr neugewählt, und an den Männern der Volksvertretung liegt es, Laten zu zeigen, und nicht nur schöne Reden zu halten. Dem Reichstage aber liegt eine Reihe von Gefezen vor, bei deren Beratung der Wille zur Lat gezeigt werden muß. Da ist in erster Linie das Reichsversorgungsgesez, das Da ist in erster Linie das Reichsversorgungsgefes, das bisher für die versorgungsberechtigten Kriegsapfer völlig unwirksam geblieben ist und daher einer schnellen und gründlichen Revision unterzogen werden muß. Schon im Frühjahr v. I., als unter der Regierung des Herrn Cuno die große Novelle zu diesem Gesetz geschaffen wurde, waren sich alle Parteien des Reichs tages im flaren, daß auch mit dieser Novelle die Bedürfnisse und Allgemeine Funktionärtonferenz Dienstag, den 27. mai 1924, abends 7%, Uhr, im „ Deutschen Hof", Ludauer Straße 15( großer Saal). Tagesordnung: Das Sachverständigengutachten". Referent: Genosse Rudolf Wissell, M. d. R. Zutritt haben alle Parteifunktionäre gegen Vorzeigung von Mitgliedsbach und Funktionärausweis für 1924. Ansprüche des vom Gesetz betroffenen Personentreises feineswegs befriedigt seien. Seit dieser Zeit ist wesentliches zur Linderung der Not der Kriegsbeschädigten nicht geschehen. Inzwischen haben wir die Inflationszeit durchgemacht und jeder von uns, wenn er nicht die Inflationszeit durchgemacht und jeder von uns, wenn er nicht gerade zu den Inflationsgewinniern und Sachwertbefizern zählt, hat am eigenen Körper die Entmertung feines Einkommens, ins besondere die der Versorgungsgebührnisse nach dem RBG. erfahren, die täglich größer murde. Ein besonderes Glanzstück aber hat sich die bürgerliche Regierung des alten Reichstags bei der nach der InAnflationszeit aufgestellten Umrechnung der Versorgungsgebührniffe in Goldmark geleistet. Die Not unter den Kriegsbeschädigten kam auf einer Konferenz der deutschen Kriegsblinden am 1. März dieses Jahres in Berlin in erschütternder Weise zum Ausdrud. Unwillkürlich fragt man sich, wie es möglich sein tann, daß heute, 5% Jahre nach Kriegsschluß, noch derartige Notschreie aus den Reihen derjenigen laut werden, die das größte Opfer, das Opfer des Augenlichts, dem Vaterlande brachten. Und doch können sich die geleggebenden Kreise treg aller Eingaben nicht bereit erklären, die not und Entbehrung dieser vom Schicksal so hart Betroffenen schnell Abg. v. Winterfeldt( Dnat.) verlangt verstärkte Renten und wirksam zu lindern. Wo bleibt hier das nationale Empfinden, marffredite für die Landwirtschaft. Das Sachver. wo die nationale Pflicht? Die auf Grund des Ermächtigungs. ständigen gutachten fei mindestens in dem Punkte unannehm. geseges erlassenen Berordnungen machen nicht einmal vor diesen ber, wo es die Liquidierung der Rentenbank verlangt. Die Renten Schwerstbeschädigten halt. Sollen diese Verordnungen, die insbent müffe vielmehr in Verbindung mit den landwirtschaftlichen Ge- besondere auch den Kriegsblinden erneut schwere Schädi noffenschaften der Landwirtschaft die dringend notwendigen Begungen gebracht haben, etwa die verheißene 2. Novelle zum RBG. Hebung der Kreditnot der Landwirtschaft. Abg. Schiffan( D. Bp.) verurteilt die übermäßige Erhöhung der Bantzinsen und fritifiert die Tätiafeit der Reichsgetreideftelle, die es verschuldet habe, daß große Mengen Getreide durch schlechte Bagerung für die Bolfsernährung unbrauchbar geworden find. Bei bem unzureichenden Staatskredit sei die Landwirtschaft auf Privat frebit angewiesen, dessen hohe Berzinsung die Broduktion außer ertentlich verteuere. Im Intereffe der Boltsernährung feien staatliche Maßnahmen zur Behebung der Kreditnot unerläßlich. triebsmittel beschaffen. effanten Erfahrungen, wurde ich wegen einer derselben arretiert unb war einige Monate im Gefängnis. 17 Nachdem ich freigesetzt war, gründete ich einen Bund für Welt. dan freundschaft". Durch diesen fandte ich nach der Friedenserklärung den ersten Gruß von England an das deutsche Bolt, der von vielen einflußreichen Engländern und Engländerinnen unterzeichnet war, und der in mehreren deutschen Zeitungen veröffentlicht wurde. Ish habe eine Anzahl von Flugschriften geschrieben und drucken lassen, in denen ich die Blockade von Deutschland nach dem Kriege, den Ber trag von Versailles und Frankreichs Politik an der Ruhr und im Rheinland verdammte. Sie werden, ich bin sicher, zugeben, daß ich ein Freund Deutschlands bin. Ich bin natürlich vollständig einig mit Ihrer Ansicht, daß Deutschland von den verbündeten Staaten schlecht behandelt wurde. Auch bin ich Ihrer Meinung, daß es eine Schande wäre, menn ein Deutscher für den Vertrag van Versailles einstehen würde, der auf der lügenhaften Annahme gegründet ist, doß Deutsch land allein die Schuld an dem Kriege trage. Der Verirog ift Vertrauensbruch an Deutschland und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er müßte so bald als möglich revidiert oder zerrissen werden. Viele von uns in England merden nicht ruhen, bis dieses geschieht. Ich habe Professor Quiddes Brief nicht gesehen und bin daher nicht flar über denselben. Wenn Prof. Quidde der Ansicht sein sollte, daß es eine maralische Pflicht Deutschlands fei, den Vertrag auszuführen, so bin ich durchaus dagegen. Der Bertrag ist von Ueber. macht und Tyrannei diftiert worden; er widerruft die Bedingungen des Waffenstillstandes und hat feinen moralischen Wert. Jedoch menn Professor Quidde nur meinte, daß es unter bestehenden Umständen flug von Deutschland wäre, ihn fo mett mie möglich zu erfüllen, fo bin ich mit ihm einverstanden. Ich bin überzeugt, daß ein solches Berhalten viel zu einem friedlichen Einverständnis beitragen würde. Ich gebe zu, daß es sehr hart für Deutschland sein muß, seine Empörung zu unterbrücken. Doch ich bin ein grundsäglicher Friedensfreund und bin sicher, daß internationaler Pazifismus für Deutschland jetzt der ficherste und fürzeste Weg ist, um seine Stellung im vorderen Rang der Nationen, der ihm zukommt, wieder einzunehmen. Gewalt tann den Sieg der Gerechtigkeit nur hinausschieben. Hochachtungsvoll J. Fowler Shone. Aus der Partei. Ludwig Franks 50. Geburtstag. Heute vollenden sich fünfzig Jahre seit dem Tag, an dem udwig Frant, der früh Gefallene, geboren wurde. Am 5. Sep. tember d. I. runden sich die ersten zehn Jahre seit seinem Soldatentab. Der Mann, der als faum Bierzigjähriger schon eine glänzende politische Laufbahn hinter sich hatte, war eine der stärksten Be. gabungen und einer der lautersten Charaktere, die in der deutschen Arbeiterbewegung in Erscheinung getreten find, er vereinigte in fich alle Eigenschaften, die ihn zum Führer der Partei und des ganzen Boltes in schwerster Zeit berufen hätten. Ein leidenschaftlicher Freund aller Notleidenden und Unterdrückten, ein treuer Sohn seines Bolkes und seiner badischen Heimat, ein Vorkämpfer der internationalen Völkerverständigung- so stand Frank vor uns da, als die Kataftrophe des Weltkriegs über ihn und uns alle hereinbrach. Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff sieht die Erklärung für bedeuten. Anstatt den Kriegsblinden, die Gesundheit und Erifted fellte fich Ludwig Frank zu denjenigen, die freiwillig ins Feld die gegenwärtigen Produktionsschwierigkeiten der Landwirtschaft in dem Mißverhältnis zwischen den Breifen für landwirtschaftliche Bro. dufte und alle übrigen Waren. Während die meisten Breise, vor allem aber die Geldzinsen, weit über dem Friedensstand find, stehen die Preise bei der Landwirtschaft tief darunter. Dieses Misverhältnis mird auf dem Wege der Zollgesetzgebung bald ausgeglichen werden müssen. Der Kreditnot der Landwirtschaft fann heute leider nur auf dem Wege des furzfristigen Berfonalfrebits abgeholfen werden. Landwirtschaft und landwirtschaftliches Gewerbe werden am Kredit der Rentenbank mit rund 845 Gold millionen beteiligt sein. Unmittelbaren Reichsbankkredit erhält die Landwirtschaft in Höhe von 150 Millionen. Ich verhandle seit fängerer Zeit mit der Reichsbant darüber, daß der Kredit erhöht werde und daß er ausschließlich der Landwirt fchaft zugute fommen möge. Es besteht Aussicht auf Erhöhung der Kredite. Die Rentenbankkredite reichen nicht aus, um den Kredit bedarf der Landwirtschaft zu deden. Ich bemühe mich feit längerer Zeft bei der Reichsbant um eine Ermäßigung des Zins. fages. Das wird aber faum zu erreichen fein. Da gegen müßte zu erreichen sein, daß die Kredite bis nach der Ernte prolongiert werden. Langfristige Realkredite werden bei der Geldknappheit aus dem Inland kaum für die Landwirtschaft zu beschaffen sein. Die Vertreter der Großbanken bemühen fich um die Heranziehung von Realkrediten aus dem Auslande, sie halten aber den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für günftig. Um die Belastung deutschen Bodens mit ausländischen Hypotheken zu vermeiden, wäre es zweckmäßig, daß der ausländische Kredit an die Reichsbant geht und diese dafür Rentenmarktredite ausgibt. Durchaus annehmbar wäre der Antrag der Deutschnationalen, daß die Rentenbank zu einem zentralen landwirtschaftlichen Kreditinstitut gemacht wird. Vor der Lösung der wirtschaftlichen Brobleme im Westen werden wir immer nur Teillösungen in der Rreditfrage bieten können. Abg. Jacoby- Raffauf( 3.) weist auf die besondere Notlage der fleineren Landwirte hin. Die Landwirtschaft im befegten Ge. biet fet vor allem in bedrängter Lage und bedürfe dringend der Staatshilfe. Um% 6 Uhr wird die Weiterberatung auf Montag, den 26. Mai, 11 Uhr vormittags, vertagt. Außerdem Etatsberatung und Anträge zur Bergarbeiteraussperrung. KP B verloren, das zum Leben Notwendigste zu gewähren, fordert man heute noch ganz erhebliche Opfer von ihnen. Bereits in der Nr. 161 und 207 d. Bl. wurde in den furzen Auffäßen Bergessen, Kriegsblind" und„ Das Los der Kriegsblinden" auf die Mängel des Reichs. versorgungsgefeßes hingewiesen. Außerdem legen die 500 Petitionen, die noch am 7. März 1924 dem sozialpolitischen Ausschuß des alten Reichstags vorgelegen haben, genügend Zeugnis von diefen Mängeln und der Not der Kriegsopfer ab. Der Deffentlichkeit und insbesondere den sozialdemokratischen Reichstagsmitgliedern sei hiermit das dringende Ersuchen unterbreitet, umgehend die nötigen Schritte ein zuleiten, um endgültig Wandel in der Versorgung und eine fühlbare Aufbesserung der Versorgungsgebührnisse der Kriegsblinden zu schaffen. Ihre Forderungen find den maßgebenden Stellen zur Genüge bekannt. Nur mer imftande ist, fich in den Zustand des Blindseins hineinzufühlen und hineinzudenken, vermag zu ermessen, daß die Versorgungsgebührniffe in feinem Verhältnis zu den tatsächlich entstehenden Untoften des Kriegsblinden stehen. Englischer Pazifist und deutscher General. Ein Brief an Herrn v. Seeft. Wir werden um Abdrud folgenden Briefes ersucht, den der eng liche Pazifist J. Fowler Shone an General v. Seedt gerichtet hat: Sehr geehrter Herr! Wollen Sie mir, einem englischen Bazifisten, der steis, vor und feit dem Kriege, für Freiheit, Gerechtigkeit und Freundschaft mit dem deutschen Bolle eingetreten ist, einige Borte bezüglich Ihres Briefes an Professor Quidde erlauben? Vor dem Kriege hatte ich mich mit Deutschen sowohl in England mie in Deutschland befreundet Ich war Mitglied der BritischDeutschen Freundschaftsgesellschaft. In Bersammlungen von liberalen Berbindungen und anderweitig habe ich stets Opposition gegen Sir E. Greys Versuche gemacht, England für französische und russische Revancheideen zu gewinnen. PP Nach Ausbruch des Krieges versuchte ich mit zwei Freunden, ein Komitee Endet den Krieg" zu gründen, dessen Literatur bald von der Regierung unterdrückt wurde. Ich wurde dann Sefretär der Verbindung für Friedensarbeit, die viele Flugschriften gegen den Krieg brudte und verbreitete. Endlich, nach einigen interAls Mann des raschen Entschlusses und der fraftvollen Tat gegingen. Er, der Friedensfreund, tot das nicht in plöglich erwachter Kriegsbegeisterung, fondern aus tiefster Sorge um das Schicjal Deutschlands, das auf allen Seiten von Gegnern umstellt war, und in der Abficht, durch die Tat zu beweisen, daß das Bekenntnis seiner Partei zur Berteidigung des Landes in schwerer Gefahr ernst war. Was er als Preis der gebrachten Blutopfer erhoffte, war nicht Eroberung und Unterjochung fremder Bölfer, nicht neuer Glanz für das alte System, sondern ein gerechter dauernder Frieden und die deutsche Demokratie. Durch ihr Eintreten für das eigene Land, durch seine Rettung aus schwerster Not sollte die deutsche Arbeiterklasse die Macht geminnen, ſeine Geschicke entſcheidend zu beeinfluffen. Für diesen politischen Gedanken hat Ludwig Frant, wie er es in allem und jedem getan hat, seine ganze Perfönlichkeit eingefegt, ihm hat er sich selber zum Opfer gebracht. Kein Schatten fällt auf die reine Größe seiner Tat. Die Verblendung der Herrschenden hat das Opfer, das Frant als einer unter Millionen brachte, fruchtlos werden lassen. Der Siegfrieden", nach dem sie sich in völliger Berkennung der tatsäch lichen Machtverhältnisse heiser geschrien hatten, wurde Deutschland von den wirklichen Siegern auferlegt. Die Demokratie, im Zu fammenbruch gewonnen, ringt schwer um ihren Bestand. " Bon dem Tod Ludwig Franks meldet im Reichstag, dessen glänzendster Redner neben Bebel er gewesen war, auch nicht die einfachste Gedenktafel! Handelte es sich an feiner Statt um einen deutschnationalen Führer, wieviel" Deutsche Tage" wären schon zu feinen Ehren abgehalten worden! Aber daß es von den Abgeord neten des Reichstags nur ein jüdischer Margist" und ein Welfe, Herr v. Medun, waren, die für Deutschland ihr Leben ließen das ist eine Tatsache, an die man nicht gern erinnert sein will. Doch was find Gedenktafeln und Monumente! Im Herzen des deutschen arbeitenden Boltes lebt die Gestalt Ludwig Franks. Und denen, die Deutschland in den Abgrund gestoßen haben, wird sie immer stärker entgegentreten als ein Künder der Wahrheit und ein furchtbarer Ankläger. Jene leben, flägliche Refte einer Bergangenheit, die von der Geschichte gerichtet ist, der tote Ludwig rant aber wächst in die Zukunft hinein! EAS S REIN ORIENTALISCHE TABAKE. HOCHWERTIGE QUALITAT ZIGARETTEN BLAUKOPE 35 KARNAKIS AS SPECIAL- MARKEN MOHAR 5S SOSUL 6$ MATARA 6ch RICHTER STEGLITZ Wirtschaft US ununterbrochenem zähen Kampfe Gerechtigkeit, gegen deren Schmälerung wiederholt in der Deffentlichkeit, mittels Eingaben an die Behörden und an die gefehgebenden Kärperschaften angekämpft werden mußte. Es ist auch heute noch festzustellen, daß die Genoffenschaften teuerrechtlich benachteiligt werden, weil die Parteien des Reichstags, die Parlamente und die Stadtvertretungen noch nicht aufhören, den Konsumgenossenschaften die Schuld an ihrem Niedergange zuzuweisen. Wir erinnern nur an die von den Genossenschaften zu Unrecht verlangte Umsatzsteuer und die preußische Gewerbesteuer. Die Beamten fordern Preisabbau. des großen Siemens Shudert. Konzerns, der seiner feits ein Bestandteil der von Hugo Stinnes begründeten Rhein- Elbe- Union ist. Die Leute, die uns immer die Ueberlegenheit des privatkapitalistischen Systems preifen, haben als 60 Jahre konsumgenossenschaftliche Verbandstätigkeit Wirtschaftspolitiker ihren Befähigungsnachweis jedenfalls nicht erUm 24. und 25. Mai wird der Verband oftdeutscher immer unter dem Einfluß des gewerblichen Mittelstandes frehen, die bracht. Diese Leute sollten nicht unter Geschäftsaufsicht gestellt, sonKonjumvereine, dem 144 Genossenschaften der Provinzen dern der Aufsich einer starten, das Allgemeinintereſſe wahrenden Brandenburg, Bommern, Grenzmart, Ost- und Westpreußen anStaatsgewalt unterworfen werden. An ihren Früchten sollt gehören, feinen sechzigsten Berbandstag in alberg ihr sie erkennen. Dr. M. abhalten. Bon den Genossenschaften, die an der Gründung des Ber bandes beteiligt waren, besteht heute nur noch der Konfumperein Fortschritt zu Bernau. Im gleichen Alter stehen dis auch noch heute wirkenden Genossenschaften in Finsterwalde und Stettin, die aber erst nach der Gründung des Zentralverbandes deutscher Ronfum. vereine im Jahre 1903 dem Verbande beitraten, während in den ersten Jahren nach der Gründung die noch bestehenden Genossen schaften in Kalkberge( Mark), Jüterbog, Luckenwalde und Kloster Der erste Verbandstag, über den genaue Aufzeichnungen bestehen, fand am 26. Juli 1868 in Berlin statt, auf dem außer sechs Berliner Genossenschaften diejenigen in Charlettenburg, Brandenburg ( Havel), Luckenwalde( Borwärts) und die Genossenschaftsbäckerei 31 Berlin vertreten waren. Bon besonderem Wert dürfte die Feststellung sein, daß die Berufsstatistik der Mitglieder für das Jahr 1870 den Nachweis erbringt, daß auch in den Anfängen der Genoffenschaftsbewegung die Arbeiterschaft die Trägerin der Bewegung war. Gleichzeitig geben aber auch die Gegenüberstellungen der Berufsstatistiken für 1870 und 1913( dem letzten Jahre vor dem 50jährigen Verbandstag) und die Statistik für 1923 ein anschauliches Bild von der Entwicklung des Berbandes, die dieser während dieses 60jährigen Bestehens ge. nommen hat. Die Berufsstatistiken weisen folgende Beteiligungen auf: 1870 1923 Selbständige Getverbetreibende Selbständige Landwirte 760 7 1913 8.706 2 463 Angehörige der freien Berufe, Staatsund Gemeindebeamte 154 Gegen Gehalt oder Lohn beschäftigte Personen in gewerblichen Betrieben 1412 Gegen Gehalt oder Lohn beschäftigte Berfonen in landwirtsch. Betrieben Personen ohne bestimmten Beruf. 50 87 1872 184 489 4 869 9970 211 789 Jusgefamt: 2420 17 652 9 037 28 595 270 887 20 581 84 287 380 989 Aus Borstehendem sehen wir, daß anfangs der Genossenschaftsbewegung an ihr auch die selbständigen Eriftenzen und die Beamten start interessiert maren, aber infolge behördlichen Drudes, der in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf die preußischen Beamten ausgeübt wurde, deren Beteiligung nur zu einem geringen Bruchteil der Gesamtmitgliederzahlen erscheint. Erst die gemeinsamen Erfahrungen der Kriegsjahre, in denen auch die Genossenschaften ihre gemeinnügige Tätigkeit ins befte Bicht rüden fonnten, brachten eine gerechtere Einstellung der Behörden zur Genossenschaftsbewegung, wodurch auch die Anteilnahme der Beamten eine stärkere wurde und infolgedeffen die Beteiligung der Handarbeiter traz stärkster Beteiligung derfelben dennoch prozentual herabgedrückt wurde. Bei den Neugründungen in der Nachkriegszeit sind die Beamten auch ein sehr starkes, die Gründungen sehr befruchtendes Element geworden, wie auch eine recht starte Anteil. nahme der Landwirtschaft eingetreten ist. Hatten die Genossenschaften in den Borkriegsjahren einen schweren Kampf gegen Verleumdungen und behördliche Bekämpfung im einseitigen Intereffe des gewerblichen Mittelstandes zu führen, so wurde die Entwicklung der Genossenschaften in den letzten Jahren durch die Wirtschaftslage im Kriege und in den Nachfriegsjahren start beeinträchtigt. In den Kriegsjahren und auch noch darüber hinaus hemmte die 3mangswirtschaft aller notwendigen Bedarfsartikel die Entwidfung; es mußte andauernd ein schwerer Kampf gegen Kommunalverhände geführt werden, die ebenfalls im Interesse der Erhaltung des MittelStandes also nur einer Meinen Schicht des gesamten Boltes die Bekämpfung der Genossenschaften fartlegten und die ihnen entfprechend den Mitgliederzahlen benötigten Waren vorenthielten. Erst nach der Beendigung des Krieges widerfuhr auch uns nach Eine recht schwere Beeinträchtigung haben die Konsumgenoffenschaften in den letzten Jahren durch die andauernde Entwertung unferes Zahlungsmittels erlitten, und die rajende Inflation des lekten Jahres hat besonders den Genossenschaften recht fühlbare Substanzverlufte zugefügt, den 31 beseitigen. Es gilt jegt, die verlorengegangenen BetriebsBegt gilt es, wieder aufzubauen, die entstanderen Schä mittel durch schnellste Einzahlung auf die neu festgesetzten Geschäftsanteile zu ergänzen. Wenn das in die Goldwährung gesetzte Bertrauen nicht täuscht und wenn eine vernünftige Politik im Innern und erst recht eine solche nach außen den Wiederaufbau begünstigt, dann wird auch in Kürze die Konsumgenossenschaftsbewegung wieder ihre Ueberlegenheit über den privaten Handel weiterhin beweifen fönnen und noch stärker als in den Vorjahren den Kampf um eine neue Warenverteilungsmethode aufnehmen und auch durch ihre Eigenprodution günstig beeinflussen. Der eingeschlagene Weg, der fish bisher bewährt hat, wird sicher zur angestrebten Gemeinwirtschaft führen. P. Müller. Der Zusammenbruch der„ Siemens" Elektrische Betriebe. Die bürgerlichen Bolitiker erklären tekanntlich die privatkapitaliftische Produktionsweise für das allein feligmachende System der Wirtschaft. Sie halten an dieser Behauptung feft, trotzdem augenblidlich fast jeder Tag Beweise des Gegenteils liefert. Kürzlich fand die diesjährige Generalversammlung der Siemens" Glektrische Betriebe Att. Gef. in Hamburg statt. Der Borsitzende des Aufsichtsrates der Gesellschaft, Herr Dr.- Ing. C. F. v. Siemens, machte dabei in einer Rede Mitteilungen, die ein besonders krasses Beispiel afür sind, in welchen Sumpf die privatfapitalistische irtschaft unter Umständen hineinführt. Herr v. Siemens führte eima aus: A 17 Die Spitzenverbände der Beamten haben eine Prüfungstommission eingesetzt, die sich in einem längeren Gutachten mit der Notwendigkeit und der Möglichkeit eines Preisabbaues be= besondere für Textilien eine schmere Gefahr für die rasche schäftigt hat. Das Gutachten stellt fest, daß die überhöhten Preise ins-ueberwindung der Wirtschaftskrise sind und daß von den Behörden nicht die erforderlichen rigorosen Maßnahmen getroffen wurden, um eine weitere Steigerung der Preise zu verhindern. Sie fordert eine zentrale Leitung der auf den Preisabbau hinwirkenden Instanzen und verlangt im einzelnen folgende Maßnahmen: Zusammenfassend kann daher folgendes gesagt werden: 1. Prinzipiell: Eine Senkung des Preisniveaus durch behördliche Eingriffe ist möglich und muß im Interesse der Bolkswirtschaft sofort vorgenommen werden. 2. Die gefeßlichen Unterlagen vom 13. Juli 1923 und der auf ihnen aufgebaute Preisprüfungsapparat sind zu diesem Zwecke im vollen Umfange aufrecht zu erhalten und zu vervollkommnen. a) Die Preisprüfungsstellen und ihre Arbeiten müssen in schärferem Maße nach einheitlichen Gefichtspunkten geleitet werden, b) Die den Händlern zugebilligten Gewinnspannen sind streng nachzuprüfen und tunlichst abzubauen. c) Die bisher erteilten Handelserlaubnisse sind sofort nachzuprüfen mit dem Zweck, die Zahl der Großhändler zu der= ringern. Entsprechende Maßnahmen sind für den Kleinhandel zu treffen. d) Die Methoden der Erteilung der Handelserlaubnis sind zu vereinfachen. Die Verordnung über Handelsbeschrän fungen ist zu erweitern und zu modernisieren. e) Straffe Anwendung der Berordnung über Auskunftspflicht, ameds Ermittlung der Lagerbestände der gewerb lichen und Handelsunternehmungen. lande erlitten. Ihre Beteiligungen an Zentralen in Ligurien, LosDie Gesellschaft hat schwere Kriegsverluste im Ausfana, Umbria, Perugia, Alessandria sind durch den„ Raub der Feinde". f) Sinngemäße Anwendung bzw. Ausdehnung der Bes verloren gegangen. Die deutschen Zentralen Hof und Weimar stimmungen der Breistreibereiverordnung auf den Kettenpurden auf Grund der Konzessionsverträge zu Papiermerten von und Zwischenhandel mit Geld bzw. Krediten. den Städten übernommen. Das Elektrizitätswerk Malaga und die 3. Publikation der vom Reichswirtschaftsministerium einzelnen Beteiligungen an den Nordböhmischen Elektrizitätswerken Aft.- Ges. und den„ Siemens“ Elektrischen Betrieben G. m. b. 5. in Turn- Handels- und Industrieverbänden gemachten schriftlichen oder Teplitz hat die Gesellschaft unter Geldverlusten verkaufen mündlichen Zusicherungen bezüglich Preis gebarung 4. Schärferes Durchgreifen des Reichswirt müssen, um ihre deutschen Betriebe am Leben zu erhalten. Die Gesellschaft hat Obligationen- Anleihen in deutscher Mort und in schweisschaftsministeriums auf Grund der Kartellgerichts. derischen Franken aufgenommmen. Sie vermag weder die deutschen verordnung, gegenüber der Preispolitik der Rohstoff: und Halbfabrikatproduzenten. noch die schweizerischen Gläubiger zu befriedigen. Die Aktionäre 5. Aufhebung des Einfuhrverbotes für Leg Her absehung des Nominalmertes ibrer Aftien zu rechnen haben. werden auf Grund der Goldbilanzverordnung mit einer starfen titien. Die Gesellschaft steht unter Geschäftsaufsicht. So weit der Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden. Es mag dahingestellt bleiben, was an diesem fatastrophalen Untergange auf Konto des allgemeinen deutschen Zusammenbruchs, was auf Konto einer offenbar unfähigen Berw ltung zu rechnen ist. Jedenfalls ist das Bild, das sich hier entrollt, sehr frübe. Man sage nicht, daß die Summen, die die Aktionäre und die Obligationäre verlieren, private Gelder sind, und zwar verloren durch jene privatkapitalistische Wirtschaftspolitik, die überall im Auslande Geschäfte zu machen fuchte, und die den Kampf um die Weltmärkte ungeheuer verschärfte, tis schließlich der Krieg 1914/18 Diefe ganze deutsche Expansion in das Ausland gewaltsam liquidierte. Das Schicksal der„ Siemens“ Elektrische Betriebe ist um so beweisfräftiger, als es sich hierbei nicht um eine beliebige Kleine Firma handelt, sondern um ein Glied 6. Schaffung gefeßlicher Unterlagen zum Erfaß von Handels. perboten auch bei den Unternehmungen, welche nicht mit Gegen. ständen des täglichen Bedarfs handeln( Banken). abbau. Wiedereinsetzung des Preußischen Landespolizei. abbau. Wiedereinsetzung des Preußischen Landespolizei. 7. Reine Erefutivschwächung durch Beamtenamtes. 8. Abbau der Umsahsteuer. Wir vermissen unter den hier vorgeschlagenen Maßnahmen, die im einzelnen manche wertvolle Anregung enthalten, die Forderung nach Kreditbeschränkungen und nach einer Abänderung der Geschäftsaufsichtsverordnung; gerade die letztere ist heute für viele Warenproduzenten und Händler eine wirksame Handhabe, arenbestände festzuhalten, anstatt sie zu billigen Preisen abzustoßen. Diese wirtschafts- und währungspolitische Beeinflussung der Preise muß unter allen Umständen verschärft fortgesetzt werden. 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