Abendausgabe Str. 241 41.Jahrgang 5 Goldpfennig 50 Milliarden = Vorwärts= Ausgabe Nr. 122 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 23. Mai 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Lindenstraße 3 Berleger: Borwärts- Verlag Gmbh. Berlin SW. 68, Fernsprecher: Dönhof 2506-2502 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Auf dem Weg zum Bürgerblock? Man kompromisselt und kompromittiert sich. Auf Einladung der Deutschen Boffspartei traten heute vormillag im Reichstag die Parteiführer des Zentrums, der Demokraten, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartel zu einer erneuten Besprechung zusammen. Die Berhandlungen fanden diesmal im Sigungsjaal der Deutschen Bollspartei unter dem Borsitz des Abgeordneten Dr. Scholz staff. Von den Deutschnationalen waren erschienen die 2bgg. Hergt, der jedoch die Sigung bald wieder verließ, Wallraf, Soul- Bromberg, Graf Westarp, v. Behrens von der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz, Dr. Curtius, Kemptes, vom Zentrum Stegerwald, Dr. Peter Spahn, Giesberts, Beder- Arnsberg, von den Demokraten& och, keinath, Erkelenz, von der Bayerischen Bollspartei Emminger. Die nationalistische Freiheitspartei war zu den Besprechungen nicht zugezogen worden. Einer Anregung, auch Herrn v. Tirpit, der gestern mit dem Reichskanzler eine längere unverbindliche Besprechung hatte, zu den Berhandlungen 3uzuziehen, wurde nicht Folge gegeben. Persönliche Fragen wurden in der Erörterung nicht berührt. Die Verhandlungen dauerten bis 12% Uhr und wurden daun durch eine kurze Panje unterbrochen. Sie bewegten fich nur auf fachlichem Gebiete. Wenn auch die Verhandlungen bis zur Stunde noch kein positives Ergebnis gezeigt haften, so. fcheint doch die Ansicht bei den Teilnehmern vorzuherrschen, daß fie nicht aussichtslos sind, und daß dieser Erörterung noch weitere folgen werden. Von den Mittelparteien wurde der Anschauung Ausdruck gegeben, daß das Sachverständigen gutayten die Grundlage für die Lösung des Reparationsproblems bedeutet und auf diesem Fundament weitergearbeitet werden müsse. Hierbei handelt es sich vor allem darum, die widersprüche und Untlarheiten des Gutachtens aufzuflären. Zurzeit gehen die Verhandlungen weiler. Wie wir weiter hören, triff die Unterbrechung der Berhandlungen ein, weil eine neue Frage aufgeworfen wurde, über die die Bertreter des Zentrums fich zunächst untereinander und mit dem Borstand der Zentrumsfratlion beiprehen mollten. Die Verhandlungen mit dem Bürgerblod werden im Zeichen des Bortes geführt: ,, en betrügt man hier?" Zu diesem Zweck soll eine möglichst vieldeutige Einigungs formel zusammengebaut werden. Wenn die Deutschnationalen das Sachverständigengutachten als Grundlage der Reparationsregelung, nicht mehr der Verhandlung" anerfennen, dann beten sie allerdings an, was sie gestern verbrannt haben. Man läßt ihnen nun das Loch der Ausrede offen, es sollten ja noch die ,, ll n klarheiten und wider sprüche des Gutachtens aufgeflärt werden. Und so entsteht die Gefahr, daß sich die deutsche Politik aus parlamentsDer neue Kurs in Frankreich. taktischen Gründen abermals mit dem Borwurf der gewollten Zweideutigkeit und Hinterhältigkeit belastet. Gehen die Mittelparteien auf das Bürgerblock- Kompromiß ein, so werden sie damit aus innerpolitischen Gründen die außenpolitischen Interessen des Reiches schwer schädigen. Die Kreuzzeitung" erwirbt sich das Berdienst, einen großen Teil des Leitauffages unserer gestrigen Abendausgabe abzudrucken und ihn aus eigenem Geist mit der Bemerkung zu versehen:„ Ein Kommentar ist überflüssig". Ueberschrieben ist das Ganze aber:„ Der Vorwärts" im Dienst der Feinde". Die Kreuzzeitung" hat es überhaupt sehr mit den Feinden". Schreibt sie doch in anderem Zusammenhang: 11 Allerdings haben die Deutschnationalen etwas mehr poli tisch en Sing als die Mittelparteien, die immer noch in dem Glauben leben, man könne durch ein politisches Schema eine Angelegenheit regeln, über die in erster Linie unsere Feinde bestimmen. Der Gipfel politischer Torheit aber wäre es, wenn die Absicht, diese Richtlinien der Deffentlichkeit zu unterbreiten, totfächlich ausgeführt wird. Will man denn dem Feinde eine neue Waffe in die Hand geben? Berliner Rathauskämpfe. Antimarxistische Siege. Die gestern im Berliner Rathaus erfolgte Wahl des Charlottenburger Bürgermeisters Scholz zum Nachfolger unseres verstorbenen Genossen Adolf Ritter ist nur ein Glied in der großen Kette ununterbrochener Vorstöße des Bürgertums Arbeiterschaft in der Verwaltung der Reichshauptstadt. gegen den Einfluß der Sozialdemokratie und der Diese Wahl bezeichnet die„ Deutsche Zeitung" als einen„ antimargistischen Sieg", und sie hat recht. Der Bürgerblock im Berliner Rathaus hat zwar niemals die Fähigkeit bewiesen, seine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung weder den Berliner Etat annehmen, noch irgendeine zur Führung der Geschäfte zusammenzuhalten. Er konnte der großen wichtigen fommunalen Aufgaben Berlins aus eigener Kraft lösen. Seine Fähigkeit reichte dazu aus, den eigener Kraft lösen. Seine Fähigkeit reichte dazu aus, den gemeinsamen Haß gegen die Sozialdemokratie zu befunden, wenn es galt, gegen die Sozialdemokratie den alten gutbürgerlichen Einfluß aufrechtzuerhalten, wenn es galt, den Geist zu betätigen, der früher unter dem Dreiflaffenwahlrecht gegen die Arbeiterschaft sich breitmachen durfte. Kommunalpolitisch unfruchtbar, zur Führung der Geschäfte nicht befähigt, reichte der Bürgerblock doch dazu aus, der Arbeiterschaft immer wieder deutlich zu zeigen, daß die bürgerlichen Parteien überall da, wo sie nicht unter Zwangsverhältnissen stehen, alles tun, um im alten Geist und mit alten Methoden über die Arbeiterschaft zu„ regieren". Der ,, politische Sinn" der Kreuzzeitung" in allen Ehren. Aber wir möchten doch dem Hauptorgan einer sich als fom- De motraten. Ihre örtliche Leitung, die auf dem äußerIn Berlin liegt die Führung des Bürgerblocks bei den mende Regierungspartei fühlenden Gruppe zu beften rechten Flügel sieht, beweist eine anerkennenswerte und denken geben, ob es nicht angemessen wäre, alsbald eine erstaunliche Geschicklichkeit, durch Verhandlungen hinter den anderweitige Regelung der Sprache eintreten zu lassen. Daß Kulissen immer wieder eine gemeinfame Front der bürgerein Regierungsblatt die auswärtigen Regierungen, lichen Parteien zu arrangieren. Der größte Schmerz dieser mit denen man verhandelt, schlechtweg nach gutem Kriegs- Berliner Demokraten nach dem Muster ihres Führers, des brauch als Feinde" bezeichnet, dürfte doch auf die Dauer Schulrats Merten, ist die mangelnde bürgerliche Diszinicht gehen. plin der Deutschnationalen. An die Stelle des Willens zum schöpferischen Aufbau der Gemeinde, zur Zufammenfassung aller Kräfte, die diesen Aufbau und die Aufmärtsentwicklung zu tragen haben, tritt hei den Führern der Mittelparteien im Berliner Rathaus die Steuerscheu und die Jagd nach dem Phantom des Bürgerblods. Das Erbe einer in ihrer Art und in ihrer Zeit bedeutenden kommunalpolitischen Leistung des freisinnig- demokratischen Berliner Bürgertums wird in fleinlicher Rüdwäriferei und in unpolitisch furafichtigem Kampf gegen die aufsteigenden Kräfte Der Arbeiterschaft fläglich vertan. Im übrigen soll die Kreuzzeitung" nicht glauben, sie fönne auf die Sozialdemokratische Partei auch nur den geringsten Eindruck machen mit der Fiktion, auswärtige Regierungen feien unter allen Umständen als Feinde", die eigenen aber ebenso unbedingt als Freunde zu betrachten. Das hätten uns erst die Deutschnationaien in der Zeit, in der fie sich in Opposition befanden, vormachen müſſen. in Opposition befanden, vormachen müffen. Die Stel Iung der Sozialdemokratie zu einer Bürger blodregierung ist von vornherein gegeben. Eine solche Regierung wäre die schlimmste Feindin des deutschen Boltes, und sie wäre diesem viel gefährlicher als irgendeine ihm feindlich gesinnte frem de Regierung ihm werden könnte. Denn was die Feinde im Weltfrieg troß allem nicht zuwege brachten, Deutschland für alle Zeit rettungslos zugrunde zu richten, das würde eine vom Geift der Kreuzzeitung" beherrschte Bürgerblockregierung auf dem kürzesten Wege zustande bringen. Paris, 23. Mai.( WTB.) Die Morgenpreffe meldet übereinstimmend. daß auf Grund dringender und wiederholter Schritte der Delegierten der verschiedenen republikanischen Kammergruppen ber ehemalige Ministerpräsident Painlevé offiziell die Kandidatur für den Borsig der Kammer angenommen hat. Tirpitz und Frankreich. Eine Hoffnung der Poincaristen. Entgegenkommen, aber keine Schwäche. Paris, 23. Mai.( WTB.) Der Abgeordnete Bainlevé hat Paris, 23. Mai.( WTB.) Der Abgeordnete Painlevé hat gestern nachmittag eine fünfpiertelstündige Unterredung mit Poincaré gehabt. Beim Verlassen des Quai d'Orsay erklärte Painlevé einem Bertreter des„ Matin":„ Ich bin zu einer streng vertraulichen Unterredung gebeten worden, die in feinem Zusammenhang mit irgendwelcher Ministerfombination fteht". Boincaré und Bainlevé haben dem Blait zufolge die außenpolitische Lage besprochen. In der Reporationsfrage habe Poincaré die freundschaftliche und entgegenkommende Haitung Macdonalds hervor- Paris, 23. Mai.( TB.) Temps" schreibt in einem gegen die gehoben, die die allgemeine Regelung zu erleichtern geeignet sei. Kandidatur des Admirals von Tirpik gerichteten Leitartikel, geAuch die Frage der Beziehungen zu Rußland sei nicht führt von Männern wie dem Admiral von Tirpitz befize die Deutschunerwähnt geblieben; Herriot fei für eine offizielle Fühlungnahme nationale Bartei eine unerschütterliche Tradition und einen unmit den Erwjets, und wahrscheinlich werde es eine der ersten Res beugfomen Willen, denen eine über große Mittel verfügende Organi gierungshandlungen des künftigen Kabinetts sein, eine Mission nach fation, energische Männer und ebenso geschmeidige wie zähe MeMoskau zu schicken. Was die politischen Vorgänge in Deutschland thoden zugute tommen. Daß diese Partei jetzt nach dem Amte des anfange, die gestern ebenfalls lange besprochen worden feien, fo Reichskanzlers, nach dem Außenministerium und dem Reichswehrbeunruhige die Lage in Deutschland nicht allein Poincaré, minifterium firebe, sei eine ernste Tatsache für ganz sondern auch die Minister von morgen. Das Vordringen der Deutsch Europa Von dem Tage, an dem die Sachverständigen ihren nationalen und die etwaige Uebernahme von Ministerposten durch Bericht vorgelegt hätten, bis zu dem Tage der deutschen Reichstagsmartante Persönlichkeiten aus ihren Reihen waren Anzeichen, deren wahlen hätten die Regierungen der Entente mehr als drei Wochen ernste Bedeutung auch denen nicht entgehen könnte, die in einigen Zeit gehabt, ihre Politik gegenüber Deutschland zu formulieren und Tagen die verantwortliche Leitung der französischen Politik über die deutschen Wähler vor eine flare Wahl zu stellen. Dazu hätte nehmen würden. Painlevé und Herriot feien nach wie vor der An- man allerdings nicht nur den Sachverständigenbericht grundsätzlich ficht, daß die Deutschen nicht allein die Verantwortung für dieſe annehmen, sondern auch mit aller Klarheit die politischen, adminiftraEntwicklung trügen. Sie hätten wiederholt öffentlich erklärt, die bis tiven und anderen Borteile auseinandersetzen müssen, die Deutsch jetzt von Frankreich getriebene Politik sei nicht dazu angetan gewesen, land aus einer aufrichtigen Ausführung erwachsen würden, ohne die Erstarkung der deutschen Linksparteien zu fördern und die einen Zweifel darüber zu lassen, daß diese Vorteile fich verflüchtigen Freunde Frankreichs und des Friedens zu ermutigen. Die Be- würden, wenn der künftige Reichstag oder die fünftige Regierung schwichtigungspolitik der neuen Regierung werde dadurch zwar heifler Widerstand leisteteten oder auch nur feilschten. Die Notwendigkeit und schwieriger, aber trotzdem fei eine Gefte der Menschlich. diefer Politik sei nicht überall begriffen worden, denn diese Leute feit notwendig.„ Ich habe“, fagie Bainlevé," Boinaré dies er hätten es für geschickt gehalten, wenig Eile an den Tag zu legen flärt, aber man darf sich nicht täuschen, diese Geste wird keine und Worte zu machen. Jegt habe man es dafür in Berlin Geste der Schwäche sein. Es muß der deutschen Demokratie nicht eilig, und aus Berlin würden die Vorbehalte kommen. ermöglicht werden, daß sie die Oberhand gewinnt. Aber dem Von Tag zu Tag wüchsen die hindernisse, die sich franzöfifchen guten Willen muß ein gleich guter wille von dem Sachverständigenbericht in den Weg legten. Seiten Deutschlands entgegengestellt werden. Es ist von Man laufe Gefahr, vor das gefährliche Dilemma gestellt zu werden, Wichtigkeit, daß Berlin die Hallung der neuen franzöfifchen Re- entweder einem nationalistischen Deutschland mehr Zugeständnisse gierung nicht misversteht. Wenn Deutschland nicht begreift, so ist ihm nicht zu helfen und dem neuen französischen Kabinett auch nicht." zu madyen, als man sie einem demokratischen Deutschland gewährt hätte, oder aber das System der Sachverständigen untergehen zu laffen und so die Reparationen, ja den Frieden zu gefährden. -Die Stimmen der bürgerlichen Bresse fönnen darüber nicht einmal bei der jegt erfolgten Wahl hinwegtäuschen. Es genügt schon die Feststellung, daß kein bürgerliches Blatt es ge= wagt hat, auch nur eine 3eile gegen den fozialdemofratifayen Kandidaten Dr. Heimerich zu schreiben. Im Gegenteil: die„ Germania" muß anerkennen, daß Dr. Heimerich. ein Kandidat von allerersten Qualitäten fei. Die Lobreden, die auf den neugewählten Bürgermeister gehalten merden, fönnen ja aud) niemand darüber hinwegtäuschen, daß der Bürgerblodgedanke für seine Aufstellung maßgebend gewesen ist. Die Wahl findet gleichzeitig mit dem Abbau des Berliner Magistrats statt, der die Leistungsfähigkeit des Bürgerblocks auf tommunalpolitischem Gebiete im besonders hellen Licht erscheinen läßt. Nachdem man erst jahrelang den Gedanken der Einheitsgemeinde bekämpft, ihr in den schwie-rigen Lagen des Entstehens und Zusammenwachsens größte Schwierigkeiten gemacht hat, versucht man jetzt zum Gaudium der ganzen Welt die Reichshauptstadt in eine Art Provinz nest zu verwandeln. Man strich für die Spigenverwaltung der Biermillionenstadt den Stadtmedizinalrat, den Baurat für das Berkehrswesen, für Hochbau, man mutete der Welt zu, daß Berlin ohne Stadtschulrat austommen soll. Hier hat freilich der Bürgerblod einen bedeutenden Pflock zurücstecken müssen. Seine weisheitsvollen Beschlüsse waren denn doch zu grotest. Aber das Drum und Dran dieser Verhandlungen hat doch den kommunalpolitischen Gesichtskreis diefer widernatürlichen Paarung in ein helles Licht gesetzt. Das Unglaublichfte leistet sich der Bürgerblock bei dem Abbau des Berliner Stadtschulrats. Hier scheuen die bürgerlichen Parteien nicht vor offener Gefehesperlegung, vor unbestreitbarer Beugung des Rechts zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Die durchsichtige Behauptung, man wolle„ aus Sparsamkeitsgründen" auf einen Stadtschulrat für Berlin verzichten, ließ sich beim besten Willen nicht aufrechterhalten. So war man gezwungen, entgegen dem klaren Wortlaut des Gefezes, die Abbauverordnung nicht zum Abbau einer Stelle, die man sparen will, sondern zum Abbau einer Person, die den bürgerlichen Parteien nicht paßt, zu benutzen. Auch hier wieder sucht man vergebens in den Reden und in den Preffeäußerungen nach einem einzigen Argument gegen Paulsen, das einem objektiv denkenden Menschen einleuchten könnte. Für Paulsen haben sich die Berliner Lehrer ausgesprochen, seine Verdienste um die Erhaltung des Berliner Schulwesens sind unbestreitbar. Das macht nichts!„ Einen Menschen von der Weltanschauung wählt man nicht!" so erflärt offenherzig der volksparteiliche Herr von Ennern. Paulsen ist Sozialdemokrat und darum muß er verbrannt werden. 11 Mit dieser Tattif werden die bürgerlichen Parteien nicht viel erreichen. Ihre Redensarten von den Fachmännern", die in Verwaltungsstellen gebracht werden müssen, werden höchstens von ihnen selbst ad absurdum geführt. Die StelM Krupp arbeitet weiter. lung der Sozialdemokratie in der Berliner Gemeindeverwal| zeichnet und befristet sind. Der hunger wird die tung fann vielleicht vorübergehend zurückgedrängt werden. Bergarbeiter nur niederzwingen, wenn die Auf die Dauer ist ein solches Verfangen aussichtslos, es übrige Arbeiterschaft fie im Stidh läßt, wenn fann sich höchstens gegen die Väter dieser politischen Kinderei die zur Führung des Kampfes notwendigen Millionen nicht auswirken. Die Sozialdemokratie hat Groß- Berlin in erster Woche für Woche hereinkommen. Die Bergarbeiter richten sich Linie geschaffen, fie ist die geborene Trägerin dieser großen auf eine lange Dauer des Kampfes ein, denn sie fennen den Gemeinde. Ihr Programm und ihr wirken allein ent- Machthunger der Zechenbesitzer, der unbeschwert ist von Gespricht den Entwicklungstendenzen, die die inneren Kräfte wissensstrupel, von Berantwortungsgefühl, von irgendwelchen cines solchen Gemeinwesens ganz von selbst erzeugen. Ohne ethischen Motiven. Diesen Leuten, die mit den Franzosen paffie ist ein Aufstieg Groß- Berlins schon deshalb unmöglich, weil tieren und gleichzeitig die völkische Bewegung finanzieren, die bürgerlichen Parteien aus sich heraus diesen Aufbau dürfen die Bergarbeiter nicht ausgeliefert werden. nicht durchführen tönnen. Sie werden in ihren eigenen Reihen gehemmt, durch kleinliche Rückwärtserei, durch stumpfsinnige Steuerscheu und durch den Mangel an aufbauendem Willen ihrer zahllosen Intereffentenvertreter, die im Rathaus der Gemeinde nicht um der Gemeinde willen dienen, sondern die im Rathaus die Gemeinde zu bekämpfen als ihre wich tigste Aufgabe ansehen. Die Sozialdemokratie hat in der schwersten Zeit der Inflation übermenschliche Opfer gebracht und hat das Gebäude der Riesengemeinde aufrechterhalten. Sie wird auch in der jetzt beginnenden Periode neuer Aufmärtsentwicklung diejenige Partei sein, der, dank der inneren Logit der Dinge, genau wie schon in der Borkriegszeit die Zukunft in der Gemeindepolitik gehört. Wir haben feine Beranlassung, den furzsichtigen Kampf des Bürgertums zu fürchten. Er wird an den stärkeren Kräften notwendiger Entwicklungen zuschanden werden. Die Zukunft gehört in Berlin, in der Millionenstadt der Arbeit, der Partei der Arbeiter bewegung, der Sozialdemokratie! Die Hoffnung der Zechenbesitzer. Bald drei Wochen sind die Ruhrbergarbeiter von den Rechenbesitzern ausgesperrt. Durd) sogenannte Schiedssprüche, die in Wirklichkeit nur die Legalisierung des Machttollers der Bechenbefizer find, sollen die Bergarbeiter unter das Joch der Schwerindustrie gebeugt werden. Die Bergarbeiter haben sich nicht gebeugt und wollen sich nicht beugen. Der Hunger geht als mächtiger Helfer der Unternehmer in den Hütten der Bergarbeiter um. Man hat aber noch nichts davon gehört, daß auch nur eine einzige Beche in Zahlungsschwierigkeiten geraten wäre. Und doch behaupten die Zechenbesitzer, unter der Last der Micum- Berträge zusammenzubrechen. Wenn man ihnen glauben dürfte, müsten fie längst famt und sonders bankrott sein, behaupten sie doch, nicht nur teinen Ueberschuß zu machen, sondern bei jeder Tonne Kohlen noch acht Mark zuzulegen. Aber trok dieser Behauptung geht es den Zechen offenbar so gut, daß sie, unbeschadet um die Wirtschaftsfatafirophe, die sie sozusagen organisieren, in aller Ruhe den Zeit punkt abwarten, wo die ausgehungerten Bergarbeiter nicht mehr die Kraft haben, noch länger zu hungern. Denn daß das Gutachten der juristischen Sachverständigen meder eine Klärung noch eine Befriedung der Situation brachte, ist offenbar. Unser Bochumer Parteiblatt, das am Giz des Bergarbeiterverbandes erscheint und zweifellos die Meinung der führenden Persönlichkeiten wiedergibt, schreibt zu dem Gutachten u. a., daß es nur zweierlei geben fönne: Entweder, daß die 7- Stunden- Schicht zu Recht bestehe, dann sei der Zwang zur Ueberstunde durch die vorschriftsmäßigen Kündigungen des Ueberarbeitsabkommens erloschen, und dann hätten die Unternehmer mit ihrer Aussperrung unrecht, oder aber, es würde trog der erfolgten Kündigung des Heberarbeits. ablommens die Ueberarbeitszeit auch weiterhin zu Recht bestehen, und dann hätten die Arbeiter Tarifbruch begangen. Das Gutachten, das weder Fisch noch Fleisch sei, würde niemand überzeugen. Aber wie man sich zu dem Gutachten auch stellen mag, es fann gar fein Zweifel darüber bestehen, daß die ausgesperrten Sergarbeiter nur in die Schächte hinabsteigen werden, wenn vertraglich festgelegt ist, daß die Schichtzeit unter Tage sieben, über Tage acht Stunden beträgt, und daß eventuell notwen dige, frei vereinbarte Ueberstunden als solche bewertet, gefenn Effen, 23 Mai.( TU.) Die für Donnerstag angesetzte Beratung des Direktoriums über eine eventuelle Stillegung oder Weiter führung des Betriebes hat nicht stattgefunden. Zurzeit arbeiten die Werke noch, wenn auch seit einigen Wochen umfangreiche Einschränkungen vorgenommen wurden. Die Schmach von Niederschönenfeld. Unmenschliche Behandlung Erich Mühsams. Die Deutsche Liga für Menschenrechte wendet sich mit folgendem Aufruf für Erich Mühsam an die Deffentlichkeit: 17 Erich Mühsam, der wegen Beteiligung an der Münchener Räteregierung( als Propagandist") zu 15 Jahren Festung verurteilt wurde, büßt diese Strafe in der Festung Nieder schönenfeld in Bayern ab. Er ist auf einem Ohre taub geworden und es besteht die Gefahr, daß er sein Gehör vollständig verliert. Die ärztliche Behandlung in Niederschönenfeld ist für diesen Fall nicht ausreichend. Die Angehörigen Mühsams haben nun versucht, eine Behandlung durch einen Facharzt durchzusetzen. Bisher vergeblich. Wir halten es für angebracht, daß die öffentliche Meinung es der bayerischen Regierung nahelegt, dem Arzt diese Er laubnis zu geben, Der Aufruf trägt folgende Unterschiften: Prof. Dr. E. v. After, Universität Gießen, Eduard Bernstein Berlin, Prof. D. Blumenthat, Techn. Hochschule Aachen, Prof. Hans Delbrück- Berlin, Prof. Dr. med. Rudoff Ehrmann, Univ. Berlin, Prof. Albert Einstein Berlin, S. Fischer, Berlagsbuchhändler, Berlin, A. Freymuth, Senatspräsident, Berlin, Eduard Fuchs, Berlin- Zehlendorf, Prof. Dr. A. Grotjahn, Unio. Berlin, Prof. Haas, Univ. Tübingen, Prof. 3. Herrmann, Stuttgart, Techn. Hochschule, Artur Solitscher- Berlin, Hermann Jädel, MRB., Berlin, Harry Graf Reßler- Berlin, Prof. Dr. W. Kinkel, Univ. Gießen, Prof. P. F. Linke, Univ. Jena, Paul Löbe, Reichstagspräsident, Berlin, Prof. Dr. Mag Löhr, Univ. Rönigsberg, Prof. Dr. Rud. Mehmfe, Techn. Hochschule Stuttgart, Hermann Müller, MoR., Berlin, Ernst Nietisch- Berlin, Toni fülf, MDR., Berlin, Rene Echidele, Badenweiler, Prof. M. Schlid, Univ. Rostock, Georg Schöpflin, MDR., Berlin, Friedrich Stampfer, MDR., Berlin, Prof. Dr. Veit Valentin, Reichsarchiv. rat, Berlin, Dr. Hans Wehberg- Berlin, Prof. Dr. Robert Witbrand, Univ. Tübingen. Man hat es seit dem Urteil im Münchener Putschprozeß verlernt, Bayern als einen Rechtsstaat nach europäischen Begriffen zu betrachten. Wir begnügen uns deshalb mit der Feststellung, daß der Hochverräter Pöhner, der sich vor Gericht rühmte, sein Handmert feit 5 Jahren zu betreiben, die Festungsstrafe" aus Gesunde heitsrüdlichten bis heute noch nicht angetreten hat, obgleich er sich an den Beratungen der völlischen. Landtagsfraktion beteiligt. Wir stellen fest, daß der Mörder Eisners, Graf Arco, aus feiner Feftungshaft beurlaubt wurde, um Privatange 1egenheiten" zu regein. Er läßt sich augenblicklich in seinein | Heimatort demonstrativ feiern. Erich Mühsam dagegen, ein franker und für den Rest jeines Lebens ruinierter Mensch, wandte fich an die Layerischen Vollzugsinstanzen lediglich mit der Bitte, sich in der Festung von einem Facharzt behandeln lassen zu dürfen. Die Bitte wurde zurüdgewiesen. Diese Haltung hat mit Rechtsfragen nichts mehr zu tun, sie sind ein Zeichen von ungeheuer licher Grausamteit und stellt Bayern vor der gesamten zivilifierten Welt bloß. steine, Hängebant und Kohlenwäsche, Rotsofenbatterien und ein Die englischen Fußballspieler. mußiger Berg, die Schutthalde- Aussperrung. Von Hans Bauer. Es reisen augenblicklich einige Dutzend Engländer durch Deutsch land und führen wider Deutsche einen Kampf. Beträfe dieser ungemein glorreiche Kampf militärische oder politische Dinge, so wäre es ein leichtes, die Erfolge der Ausländer in Mißerfolge umzudeuten oder diese Erfolge schlimmstenfalls auf Hülfeleistungen zurückzuführen, die sie vom inneren Feind erfahren hätten. So aber betrafen diese Erfolge sportliche Dinge, und da Sportler und breite Masse und nicht Militärs, Politiker oder Leitartiffer über fie zu berichten haben, werden sie wahrheitsgetreu tolportiert und begeistert anerkannt. Es wird kein Hehl daraus gemacht, doß der Linksaußen von den Bolton Wanderers ein fabelhaftes Schußvermögen hat, daß der Halbrechte bei Aberdeen ein Meister im Köpfen der Bälle ist und daß der Mittelstürmer von Cardiff glanzvoll flankieren kann. Die Zeitungen erzählen des fernezen ausführlich, daß die Engländer von breiter, fehniger Gestalt seien und daß die Art ihres Spielens einwandfrei und fair wäre. Sie begnügen fich auch keineswegs mit einer Registrierung des Resultats, sondern schildern die Phasen der Spiele von Tor zu Tor, von Minute zu Minute. Dieses deutsche Volt, deffen Mag Reinhardt zu Kriegsbeginn rundfragte, ob Shakespeare auf deutschen Bühnen noch gespielt werden Sürfe und dessen Wichem die englische Weltanschauung als eine des Schachergeistes und des Teufels bezeichnete, erstirbt heute in Hingeriffenheit vor der Macht englicher Fußballspieler. Kein Wunder, daß es diesetwegen keine Zeit und daß seine Zeitungen teinen Platz haben, die Theorien vom Bampir des Festlandes endgültig zu revidieren. Auch dürfte zu empfehlen sein, dem deutschen Bürger an Sonntagen, da die Engländer in seiner Stedt gespielt haben, lieber von dem deutschen Mißerfolg der Ludendorff- Offensive bei Arras als von Pem heutigen Fußballmatch zu erzählen. Denn von diesem dürfte er schon wissen. Bei den Ausgesperrten. Bon Kuhei. Und wieder einmal fnattert der Zug über tausend Weichen, fährt ins Rampfgebiet ein. Es zeigt sich vorerst ganz unerwartet von einer heiteren Seite: Ein faftiger grüner Teppich mit por= Ichmenberis ausgestreuten gelben und weißen Blumen. Auf ihm tummelt sich, in sonnenleuchtendem Braun, eine Mutterstufe mit ihrem täppisch- glücklichen Fohlen. Im Hintergrund kleine Bergarbeiter häuser und über ihnen, phantastisch wie die fraufen Spielereien eines verrückten Architekten, Eisengerüft, Drahtseile, Windteffel, SchernDer Exkronprinz in Potsdam. Der ehemalige Kronprinz ist gestern in Potsdam eingetroffen. Da am Sonntag in Botsdam ein Denkmal für die Gefallenen des Garde- du- Corps eingeweiht wird, wurde von ver= schiedenen Eeiten die Vermutung ausgesprochen, sein Besuch habe en Zweck, sich an der Feier zu beteiligen. Das ist nicht richtig. Der Besuch des Erfronprinzen trägt privaten Charafter, er wird an feinerlei Veranstaltungen teilnehmen. Im übrigen wird sich die Denkmalsweihe im geschlossenen Kasernenhof abspielen. * Die Abhaltung der für den 29. Mai geplanten Denkmalsa meihe des ehemaligen 4. Gardereg. 3. F. in Berlin am Schloß Bellevue ist verboten worden. Ein durchsichtiges Manöver. Die Kommuniften haben ein ganz probates Mittel gefunden, um sich der Verantwortung für ihre Handlungen zu entziehen. Rommt es infolge ihres Verhaltens zu einem Konflikt oder einem Zusammenstoß, so trägt totficher ein Lockspite!" die alleinige Schuld daran. Nach diesem Rezept wird jetzt auch in der Angelegenheit Bogenhardt verfahren, die bekanntlich die Ursache des noch immer nicht beigelegten deutsch- russischen Konflikts gewesen ist. Die tommunistische Boltsmacht" gibt eine Rosta- Meldung aus Moskau wieder, wonach die offizielle Isweftija" auf Grund genauen Materials mitteilen, der frühere Kommunist Bozenhardt" sei ein Werkzeug in den Händen des Oberregierungsrats Weiß gewefen, der mit seiner Hilfe das Eindringen der Polizei in die Handelsvertretung inszeniert" habe. Später habe sich Bogenhardt nach dem Plane von Weiß in der Wohnung des Angestellten der Handelsvertretung Lehmann„ versteckt" und sich dann dort verhaften lassen. Bon sich aus teilt die Bolkswacht" noch mit, daß Boßenhardt sich schon früher durch sein Verhalten in ein außerordentlich bedenkliches Licht" gerückt habe. Aber damals fei die Kommunistische Partei noch geneigt gewesen, dieses Verhalten in gutem Glauben als Dummheit leichtfertige Schwägerei und Renommiersucht auszulegen". Jest jedoch müsse man feststellen, daß die Polizei in ihm ein langgesuchtes Werkzeug gefunden habe. In derselben Weise wie Bozzenhardt wird nun auch der Angestellte der Handelsvertretung Lehmann angeprangert. Die Volkswacht" teilt über ihn mit: ,, Lehmann hat es, wie unsere Nachforschungen ergaben, bis. her verstanden in der Handelsdelegation und in Parteifreisen seine nicht ganz reine Parteivergangenheit in einer unserer Bruderparteien, wegen der er von dieser ausge schlossen wurde, geschickt zu verbergen und auf diese Weise seine Aufnahme in die APD. zu erwirken. Diese Feststellung fonnten war aber erst machen, nachdem Lehmann durch sein ganz eigentümliches und auffallendes Benehmen zu Nachforschungen über seine Person Anlaß gab. Nach dem uns befannten Sachverhalt unterliegt es faum noch einem Zweifel, daß dieser Lehmann der Polizei willfährige Dienste leistete." Die Feststellungen" des fommunistischen Organs deden recht erbauliche Zustände auf, die auch für die kommunistischen Arbeiter sehr lehrreich sein dürften: Ein Mann wie Bozzenhadrt, der schon längere Zeit im Berdacht der Spigelei steht, wird dennoch von der Kommunistischen Partei zur Wahlagitation nach Württemberg gesandt. is Milderungsgrund fann allerdings angeführt werden, daß dieser Mann, dem jetzt das fommunistische Organ Dummheit", leicht fertige Schwägerei" und" Renommierjuht" atteftiert, für die fommunistische Agitation außerordentlich geeignet und deshalb un entbehrlich war. " Das gleiche gilt auch von dem Rommunisten Lehmann. Dieser Mann mit einer unsauberen Vergangenheit, der bereits aus einer anderen Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde, nahm dennoch eine solche Vertrauensstellung in der russischen Handelsminission ein, daß seine Aussagen eine der wichtigsten Grundlagen der russischen Protestnoten bildeten. Jetzt wird dieser Mann als Agent der Polizei gebrandmarkt. Aber wie viele folcher verdächtigen Kerle treiben in bis irgendein ,, Beder kommunistischen Bewegung ihr Unwesen, triebsunfall" ihren wahren Charakter offenbart! ― Jenseits der Bergarbeiter sieht es in den Ruhrstädten frühlings- offnung unternehmen, wobei er nur etwa 20 Minuten über Salzfröhlich aus. Uebervolle Läden, lebhafter Verkehr, viele große ftolae Menschen, Frauen und Mädchen in sommerlichen Farben. Am Sonntag nachmittag zieht in Dortmund die Heilsarmee mit Baufen und Trompeten zum Markt, im Kreise wird gesungen und gepredigt. Der blaue Polizist Spaziert unbeachtet seines Weges. Bfadfinder dudeln durch die Straßen. Cafés find gut befeßt, Familien rücken ins Grüne. Horizontblaue Soldaten mit Stahlheim und ungepugten Stiefeln trödeln herum. Aber wochentags: Die Läden find leer 1½ Millionen Menschen fönnen nichts faufen. * Dort, wo die Bergarbeiter wohnen, sieht es merkwürdig aus. Sonst verschwanden hier täglich einige hunderttausend Menschen bei Sonnenaufgang unter die Erde. Sie schlendern jegt, die Hände in den Hosentaschen, vor den Häusern herum, beschäftigen sich mit ihren Kindern, stehen an den Ecken und diskutieren, blinzeln in der Sonne, graben und hacen im Gartenland Alles ist eingerahmt von herrlichstem Frühlingsgrün, überspannt von warmem, blauem Himmel. Tausend Frauen winden sich in Wehen und im Hause fehlt es am nötigften! Der Mann ist ausgesperrt! * Als ich zum ersten Male einen Bergarbeiterfampf fennen lernte, gelacht, wie damals. schrieben wir 1912. Gelten haben wir soviel Das tam so: Mit einem Genossen, der heute Präsident eines deutschen Barlaments ist, gings zur Streifbrecherbesichtigung nach Dortmund. hier nahm uns, o Wunder, der Polizeipräsident ins Auto und fuhr uns herum. Kräftig schimpfte er auf das Militär, das er für Dort mund abgelehnt habe, zeigte uns, wie seine Spigel und agents provocateurs bhne fie arbeiteten, forderte uns auf, nur ja in der Beche die Anschläge der Unternehmer abzuschreiben. Dieser ordentliche Reaktionär wußte ja nicht, daß wir lachend ins Bergarbeiter- Hauptleider ist quartier nach Bochum zurückführen. Der brave Mann er schon lange tot- hat mir damals für den„ Borwärts" die besten Informationen gegeben, er hat mir sogar noch gesagt, von wo aus ich am bequemsten mit Berlin telephonieren fönnte. Genosse Sachse schickte mich zum Dank dafür, da es an Rednern fehlte, in eine Bergarbeiterversammlung. Mein Auftrag lautete dahin, dort mit Begeisterung vernünftig zu reden. Diesmal sind die Bergarbeiter trotz aller fommunistischen Drommeten von Jerichow ruhiger, besonnener, mir scheint aber eher noch festeren Willens als damals. Dabei ertragen fie unbeschreibliche Not und ein einziges Brot im Hause gilt als großes Glück. Keiner spricht davon. Sie fämpfen. Es werden langsam weniger Fahnen über dem Ruhrrevier. Nicht allzu viele Schornsteine rauchen. Im faftigen Grün fpicien hunderttausend Kinder, viele von ihnen haben Hunger. Hinter ihnen drohen die schwarzen Kohlengruben in den Himmel. Helft den Bergarbeitern! Bon Berlin nach dem kap. Der wagemutide und zahlungsfähige Reisende kann jezt auf dem Schienenwege und auf Flußläufen in ziemlicher Behaglichkeit die Reise von Berlin nach dem Kap der guten wasser fommt und nur von dem einen Gefährt in das andere, das fchon auf ihn wartet, hinüberzufteigen braucht. Auch von Beting oder von Wladurostok fann die Reise auf dem„ Landweg" zurückgelegt werden, denn das letzte Zwischenglied ist jetzt auf der Strede von Kairo zum Kap eingefügt worden. Ein Bericht vom Uelefluß gelegt werden, denn das letzte Zwischenglied ist jetzt auf der Strede am belgischen Kongo, der in der„ Times" veröffentlicht wird, meldet über diese Berwirklichung der Kap- Kairo- Linie: Hier in Mittelafrika, im nördlichsten Teil des belgischen Kongo, find soeben drei epochemachende Holzbalfen in die Brüde eingefügt worden, die einen braufenden tropischen Fluß überquert. Ein dunkler Gewitterhimmel, der einen der furchtbaren Tornados ankündigte, beschleunigte die Arbeit. Der lehte Fiuß auf dem Wege vom Kap nad Kairo ist über brückt. Diese Brücke stellt die Verbindung her zwischen den beiden großen Verkehrswegen des nördlichen und mittieren Afrifa. Rein Hindernis ist mehr in Wege. Die Linie vom Kongo zum Nil ist gelegt. Mit Hilfe dieser Brücke kann zu Wagen und Schiff die Fahrt durch das Herz von Zentralafrifa zurückgelegt werden." Neue Ergebnisse der Bildtelegraphie. Die amerikanische Telephon- und Telegraphengesellschaft hat einen fenfationellen Bersuch gemacht, der außerordentlich gut geglückt ist. Sie hat mit Hilfe eines einfachen Telephondrahtes Photographien auf Entfernung reprodu ziert. In weniger als zwei Stunden wurden 15 Photographien con Cleveland nach New York( 900 Kilometer) übertragen, und zwar in einer solchen Klarheit, daß sie ohne die geringste Retouche unverzüglich in den New Yorker Zeitungen wiedergegeben werden konnten. Das neue von der amerikanischen Gesellschaft angewandte Berjahren erlaubt es, eine Photographie im Format von 12 × 17% in 4 i nuton 36 Sekunden zu übertragen. Die Uraufführung von Paquet's Fabnen in der Wolfsbühne, Theater am Bülowplay, findet in Anwesenheit des Dichters am Montag, den 26., statt. Die Galerie Matthiesen, Budapester Straße 8, zeigt in ihren Räumen neben einer umfassenden Kollektion franzöfifcher Smpressionisten ihre Neuererbungen von Werken der alten Kunst, sowie eine geschlossene Auss stellung von sechs Arbeiten des Hans von Marées. Gine friminalbiologische Sammelstelle. Die bayerische Justizverwaltung bat eine Sammelstelle errichtet, in der das gesamte friminalbiologische Material der bayerischen Strajanstalten zusammenlaufen soll. Die Sammelstele ist vorläufig dem Zuchthaus in Straubing angegliedert und untersteht dem Leiter der dortigen Frrenabteilung Medizinalrat Dr. Birnifein. Sie wird auch eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten zur Beröffentlichung bringen. Jädische Siedelungen in Südrußland. In letter Zeit baben zahlreiche jüdinge Familien in Südwestrusland die großen Städte verlassen und sich aus dem flaatlichen Besitz Land anweifen laffen, um sich dort als Bauern anzusiebeln und es zu bearbeiten. Allein im Streise Ddessa gibt es schon 152 jüdische Eiedelungen mit insgesamt 12000 Dejatinen Land. Die Zahl der landwirtschaftlich tätigen Familien beträgt dort nach„ Oft- Expres" zufolge jezt schon 3500. Deutscher" Tag in Kröpelin. Klein- Bayern in Mecklenburg. Die deutschvölkische Turnerschaft beider Medienburg veranstaltet am 25. Mai in Kröpelin zum Gedächtnis Schlageters einen „ beutschen" Tag mit Fahnenweihe, Geländeübung, Wettkämpfen, Blazmusik und anderen schönen Dingen. Am Bahnhof werden die auswärtigen Gäste von Abordnungen in Hitleruniform mit atenkreuz armbinde in Empfang genommen. Vorschriftsmäßiger Anzug ist Sturmanzug, Hitlermüße und Hakenkreuzaribinde. Unter den Programmpunkten für die Wettkämpfe findet man Handgranatenweitwurf und Gewehrschießen aus fleinen und großen Büchsen. Jeder Schütze hat fünf Schuß. af fen, Waffenschein und Munition sind mit zu bringen. Man sieht, Mecklenburg bajuvarisiert sich. Die Hitleruniform ist Trumpf. Wer das Hakenkreuz schwingt, der hat auch Waffen, Munition und Waffenschein. Noch einige„ deutsche" Tage und der alle mählich wieder fällige nächste Butsch fann steigen, um das öde Einerlei des Alltags zu unterbrechen. Arbeitslosenfrage und Außenpolitik. Konservativer Vorstoß gegen Macdonald. London, 23. Mai.( WTB.) Im Unterhaus begann heute bei Einbringung der Boranschläge des Arbeitsministeriums durch Arbeitsminister Shaw die mit großer Spannung erwartete Debatte über die Arbeitslafenpolitik der Regierung. Shaw sagte u. a., die internationale Lage sei bei Amtsantritt der Arbeiterregierung heifel und schwierig gewesen und das britische Prestige fei geringer gewesen als seit Jahrhunderten. Die Mohammedaner und die Hindus vereinigen sich im Widerstand gegen England. Wenn nicht die englische Baumwollindustrie wiederhergestellt werde, könne der englische Handel nicht gedeihen, ebenso müßten vollkommen reue Ausfuhricdustrien entwickelt werden oder die Leute, die EngInlands Feinde geworden seien, zu Freunden gemacht werden. folge des Friedens von Lausanne habe man sich die Türkei nicht in dem Maße zum Freunde gemacht wie dies hätte sein können. Die Hauptaufgabe der Regierung sei, in geschicier Weise eine freund saftliche Politif einzuleiten. Der Premierminister habe das Vertrauen wiederhergestellt( ironisches Gelächter bei der Opposition). Macdonald habe das britische Prestige in den Augen der Welt erhöht( Lautes Gelächter bei der Opposition) und habe den Frieden beträchtlich näher gebracht. Es fönne nicht erwartet werden, daß die Regierung in wenigen Monaten die riesi. gen Fehler ihrer Borgänger im Ofen wieder gutmachen fönne, sie hoffe jedoch, daß sie durch ihre Politik, die zur Befriedung Europas führe, in der Bage sein werde, die Türkei zu befriedigen und die britischen Märkte in diesen Ländern wiederherzustellen. Bis tahin müßten sicher gewisse große Ausfuhrindustrien müßig bleiben. Die Regierung werde ihr bestes tun, um diese Fehler wieder gutzumachen durch eine Politit, die geeignet sei, Freundschaft und Frieden zu bringen. Unter lautem Beifall der Regierungsanhänger erklärte Sham weiter, eines wisse die Regierung, nämlich, daß es unmöglich sei, schlechter abzuschneiden als die letzte Regierung. Der internationale Frieden sei die Grundlage des Handels. Die Regierung habe in ihrer Innen- und Außenpolitik Vertrauen und Eicherheit geschaffen, so daß das englische Voil in Frieden arbeiten fönne. Der frühere fonservative Minister Jonnson hids begrünbete einen Antrag auf Verminderung von Shaws Gehalt um 100 Isfund und erklärte, die Arbeiterpartei habe nichts getan, um den Krebs der Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Sie sei seit vier Monaten im Amte und habe nicht einen einzigen neuen Plan vorgebracht. Die Erörterung gehe nicht darum, was die Außenpolitik der Regierung sei, sondern was sie tue, un Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die Regierung habe die dem Lande gemachten Berspre chungen nicht erfüllt. Der Liberaie Masterman erklärte, er nehme mit den meisten Liberalen in diesem Streit eine neutrale Stellung ein, er spreche jedoch seine ehrliche Enttäuschung über die Erklärungen des Arbeits ministers aus. Es sei Unfinn, vorzugeben, daß die Arbeiterpartei sich eine Stellung in den Angelegenheiten der Welt geschaffen habe. Dies könne nicht das geringste mit der Berminderung der Arbeitslosigkeit vom vergangenen Dezember bis April dieses Jahres zu tun haben. Der Antrag Sonnson Hicks bedeute jedoch ein Miß 1: anenspotum, und er werde ein solches nicht unterstützen. Ablehnung des Mißtrauensantrages. London, 23. Mai.( WTB.) Der Antrag der Unionisten auf Verminderung des Gehalts des Arbeitsministers fam gestern infolge technischer, sich aus der Geschäftsordnung ergebender Gründe nicht zur Abstimmung. Die Debatte wurde auf unbegrenzte Zeit vertagt. Die Regierung widersetzte sich dem Antrag Baldwin auf Schluß der Debatte. Der Antrag wurde mit 244 gegen 210 Stimmen ab= gelehnt. Der Parlamentsberichterstatter der„ Daily News" meldet, zahlreiche Liberale seien von der Zusammenkunft des liberalen Berbandes in Brighton noch rechtzeitig zurückgekehrt, um an der gestrigen Abstimmung im Unterhaus für die Regierung teilzunehmen. Die Liberalen unterstützen Macdonald. Condon, 23. Mai.( WTB.) Lord Gren erklärte auf einem Breffeempfang aus Anlaß der liberalen Konferenz in Brighton, er sehe bisher feinen Grund, den Beschluß der liberalen Partei, die fonservative Regierung zu stürzen und die Arbeiterpartei zur Regierung zu bringen, im Interesse des Landes zu bedauern. Bisher sei die Regierung Macdonald ebenso fest wie die anderen Parteien für verfassungsmäßige Methoden und eine parlamentarische Regierung eingetreten. In gegenwärtigen Angelegen heiten sei der Regierungswechsel zum guten aus geschlagen. Macdonald habe den britischen Einfluß flug und nicht ganz ohne Erfolg zur Anwendung gebracht, um das Zusammenwirken mit den Alliierten, insbesondere mit Frankreich, wenn Europa vor dem Zusammenbruch und dem Chaos gerettet werden solle, zu fördern. Leichte Besserung an der Börse. Die Haltung der heutigen Börse war im großen und ganzen miderstandsfähig, trojdem sie in bezug auf die Zufpizung der innerpolitischen Lage und die Schwierigkeiten bei der Rabinettsbildung ernste Befürchtungen hegt. Belebend wirfte die erfreuliche Ge staltung des Zahlungsmittelumlaufes nach dem neuesten Ausweis der Reichsbank. Am Devisenmarkt haben die Aufträge wiederum nachgelassen, und man erwartet nunmehr in den aller nächsten Tagen volle Zuteilung der angeforderten Devisen. Der französische Frank wies im Tauschhandel cher eine kleine Besserung auf. Täglich Geld ist unverändert zu einem Sage pon ½ pro Mille und pro Tag zu haben, Das Flügelrad am Seddinersee. In der letzten Septemberwoche dieses Jahres wird Berlin zwei große Ausstellungen beherbergen, die die neuesten Fortschritte auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens zeigen sollen. Der befannte Historiker der Technik, Prof. Matschoß, gab der Presse kürzlich über Einzelheiten dieser sehr wichtigen und interessanten Ausstellungen, die mit einer eisenbahntechnischen Tagung verbunden sein merden, Aufschluß. Die Ingenieure sind der Meinung, daß die Entwicklung des Eisenbahnwesens bei weitem noch nicht am Ende angelangt sei, sondern vielmehr erst am Anfang stehe. Gerade für Deutschland liege nichts näher als sich auf die technischen Aufgaben und Fortschritte zu beschränken, die geeignet sind, den Wirkungsgrad der Eisenbahnen in wirtschaftlicher Weise zu erhöhen. So wird denn der Ausstellungspart auf dem Verschiebebahnhof Seddin, am Seddiner fee, zwischen Caputh und Ferch, ein weit umfassendes Anschauungsmaterial für den technischen Fortschritt bieten. Etwa 40 Dampf= lokomotiven, eine Anzahl Diesellokomotiven, die besonders in Rußland verwendet werden, und vor allem die neue Turbinenlotomotive werden fahrbereit vorgeführt. Seddin ist als Ausstellungsort gewählt worden, weil die dort errichteten um fangreichen Verschiebebahnhofsanlagen wie geschaffen für eine solche Ausstellung sind, während im engeren Berlin selbst ein solches Gelände nicht zur Verfügung steht. Alle Neuerungen im Wagenbau vom Güterwagen bis zum Speisewagen und den Sonderwagen der Eisenbahn werden zu sehen sein. Die im Hinblick auf das Unglück gewordenen Probleme des in Bellinzona besonders aktuell Signalwesens und der Weichenstellung werden eine eingehende Darlegung erfahren. Die Ausstellung wird im übrigen alle Maschinen, Werkzeuge und sonstigen Einrichtungen zeigen, die mit dem Eisenbahnbetrieb verbunden sind. In der zweiten Ausstellung der Technischen Hochschule werden durch Zeichnungen, Modelle und Filme die Probleme des Eisenbahnwesens behandelt werden. Auf der Tagung selbst, die in der Kroll- Oper stattfindet, werden an sechs Tagungen der Reihe nach die Organisationen des Gütermassenverfehrs unter Verwendung von Großgüterwagen mit Schnellentiadung, das neuzeitliche Lokomotiowesen, die Wirtschaftlichkeit der elektrischen 3ugförderung, die elektrischen Stellwerk- und Signalanlagen, das Eisenbahnwerkstättenwefen sowie Wirtschaftlichkeitsfragen im Eisenbahnbetrieb behandelt werden. Die Eisenbahndirektion wird für die Besichtigung der Ausstellungen umfangreiche Verkehrsmittel bereitstellen. Am 24. September soll u. a. eine Bremsversuchsfahrt mit einem 90 achigen D- 3ug stattfinden. Es ist zu begrüßen, daß sowohl unter unseren Ingenieuren wie bei der Eisenbahnverwaltung die flare Erkenntnis zu finden ist, daß nur der wirtschaftlich und technisch auf der Höhe ſtehende Betrieb sich auf die Dauer rentabel gestalten läßt. Auch im Hinblick auf die Summen, die nach dem Sachverständigengutachten aus der Eisenbahn für Reparationszwede fließen sollen, ist eine technische und wirtschaftliche Durch organfierung des Eisenbahnwesens, die es dauernd auf der Höhe hält, durchaus vonnöten. Paulsen muß bleiben. Eine Protestversammlung der Schulnotgemeinschaft. Die Hezze und perfide Kampfesweise gegen den Stadtschulrat Genossen Paulsen hatte die Schulnotgemeinschaft veranlaßt, zu gestern abend eine Protestversammlung im Lehrervereinshaus zu veranstalten. Eltern, Lehrer und sonstige Interessierte waren dem Ruf zahlreich gefolgt, und die Versammlung flang aus in einer einstimmig angenommenen Resolution, durch die fchärfster Einspruch gegen den Abbau Paulsens erhoben, auf die Gefährdung des Schulwesens hingewiesen und die Stadtverordnetenversammlung aufgefordert wird, dem Abbau Paulsens nicht zuzustimmen. Das Referat des Abends hatte die Genoffin Wegscheider. Schulnot ist Boltsnot, so führte sie aus. Das Schulleben Berlins ist ein Bild des Berliner Lebens überhaupt. Die wirtschaftliche Not, die zu der Angst vor dem Kinde bei Tausenden von Müttern geführt hat, muß den Zusammenschluß aller herbeiführen, um die Jugend instand zu sehen, dermaleinst die Arbeit mit frischen Kräften fort zusetzen, wo sie den ermüdeten Händen der Eltern entglitten ist. Statt deffen wird die Schule abgebaut, und ein Mann wie Baulsen, der fich dagegen gewehrt hat, wird angegriffen. Paulsen, der Menschenfreund, dem Kinder keine Zahlen find, der nicht Berwaltungsbeamter in rechnerisch- mechanischem Sinne ist, muß einen ganz unsach lchen Kampf über sich ergehen lassen. Die Stelle soll erhalten, aber die Person soll abgebaut werden. Aber Paulsen'den tt nicht daran, zu weichen. Er will sich nur nicht weiter in der Stadtverordnetenversammlung anpöbeln lassen. Darum hat er um Urlaub nachgesucht. Daß dieser Urlaub ihm in Form des Sommerurlaubs gegeben worden ist, lag nicht in seiner Ab= sicht. Jedenfalls bleibt er in Berlin, um, wenn nötig, in den Kampf einzugreifen. Was wird Paulsen nun zum Vorwurf gemacht? Er soll die Nacktübungen des Lehrers Koch propagiert haben. In Wahrheit hat er diese gymnastischen Uebungen weder eingerichtet noch geduldet. Aber er hat sich diese Sache angesehen, bevor er Stellung dazu genommen hat. Ferner wird behauptet, daß Paulsen die Initiative gegeben hat zu einem Schulreformoersuch und man hat ihm im Anschluß daran vorgeworfen, daß er ein uferlofer Reformer sei. In Wahrheit aber ist die Schulreform mit staatlicher Genehmigung und unter staatlicher Aufsicht vorgenommen. Auch die Demokraten haben sich zu diesen ungebührlichen Angriffen gegen Baulsen hergegeben, Angriffe, die letzten Endes sich doch nur gegen den Idealismus von Paulsen richten. Jegt weiß man übrigens, weil es jemand von der Gegenseite ausgeplaubert hat, daß die Stelle Paul fens zunächst nicht besetzt werden soll. Man fann sich über diese verlogene Methode nicht wundern, da jq in der Schuldeputation alles nur nach machtpolitischen Gefichtspunkten geregelt wird. In Wahrheit ist aber innerer Aufbau und Höherbildung, der Schule notwendig. Dazu jedoch braucht man einen Mann wie Bauisen. Man will aber den Aufbau der Volksschule verhindern, man ist durchaus fulturfeindlich und hofft auf Um- und Hinterwegen die geistliche Schulaufsicht einzuführen. Damit diese Praktiken nicht aufgedeckt werden, muß Bauffen verschwinden. Genoffin Wegscheider schloß unter großem Beifall mit dem Hinweis, daß wir nicht endlich, sondern bald siegen müssen. Nachdem Genosse Schröter, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer, Details aus dem perfiden Rampf gegen Baulsen, wie er vom„ Lokalanzeiger" betrieben wird, mitgeteilt, setzte eine lebhafte Debatte ein, bei der alle Redner sich auf Seite der guten Gache Paulsens stellten. In der Debatte wurde u. a. betont, wie notwendig es sei, daß die Arbeitsgemeinschaft sich intensiver als bisher an diesem Kampf beteilige und welche Bedeutung die bevorstehenden Elternbeiratswahlen haben. Die Bestechungen im Strafgefängnis Piößensee. Ein neuer Maffenprozeß begann heute früh vor dem erweiterten Schöffengericht Wedding. Die Anklage richtete sich gegen eine Reihe von Gefängnisauffehern und Sträflingen des Plößenseer Gefängniffes, von denen aber ein großer Teil jetzt bereits die Strafe verbüßt. Von den Angeklagten ist ein Teil gar nicht erschienen. Dei angeklagten sechs Beamten sind die Strafanstaltsoberwachtmeister Otto Kühl, Gottlieb Erdmann und Wil helm Schulz, sowie die früheren Hilfswachtmeister A. Roll, Richard Schmidt und Otto Zinfe. Den Beamten wird vorgeworfen, daß fie waren. fich haben bestechen lassen, indem sie gegen Entgelt Kaffiber aus dem Gefängnis herausgeschafft haben. Ein weiterer Punkt der Anklage geht dahin, daß sie von den Gefangenen in großen Mengen Arbeitsmatrial aus den Reparaturmerfstätten der Strafanstalt und aus den Borräten derselben gefordert haben. Den Gefangenen wurde als Zahlungsmittel für die verschafften Gegenstände Zigaretten, Kautabat und Rognac gegeben. Es bestand ein fefter Marktpreis..So wurde 3. B. für einen Ledermantel eine Anzahl Zigaretten und 1 bis 2 Rellen Kautabat von den ungetreuen Beamten gezahlt. Seit langer Zeit waren im Strafgefängnis Plößensee Unregelmäßigfeiten vorgekommen, die bereits mehrfach zur Einleitung von Strafverfahren geführt hatten. Bei einer Revision im Februar 1922 wurden in Verstecken Gegenstände gefunden, die fistalisches Eigentum das zu dem Ergebnis führte, daß sich Beamte mit einer Reihe von Es wurde nunmehr ein Vermittlungsverfahren eingeleitet, Gefangenen zu Durchstechereien und zur Verschiebung des Eigentums der Strafanstalt verbündet hatten. Für die Verhandlung find 6 T angesetzt. Wir werden über die weiteren Ergebnisse berichten. Warum das Zentrum nicht Heimerich wähl Trok ganz besonderer Qualitäten ,,! Die Germania", das Organ der Zentrumspartei, macht in it, von der Berliner Stadtverorb Betrachtung über die netenversammlung gestern vollzogene Bürgermeisterwahl den Versuch, die klägliche Haltung der Mehrheit der Zentrumsfraktion zu bemäntein. Sie schildert die langen Verhandlungen des zur Borbereitung der Wahl eingefeßten Stadtverordnetenausschusses, bei denen jede Partei versucht habe, auf dem Wege über den Bürgermeister ihre Position im Rathaus zu stärken, und fährt dann fort: ,, So tam es, daß sich die verschiedenen Kandidaten der einzelnen Fraktionen einander gegenüberstanden, ohne daß die fachlichen Qualitäten gegenseitig abgewogen wurden. Ausschlaggebend war ausschließlich das Parteiinteresse, daß nicht der tüchtigste Fachmann aus der Wahl hervorgehen würde, sondern der Parteimann, der infolge der gegenwärtigen Parteikonstellation die meisten Stimmen erhielt. Unsicher war der Ausgang dieses nicht gerade erhebenden Schauspiels deshalb, weil die augenblid= lich stärkste Fraktion, die der Mehrheitssozialisten, an ihrem Kandidaten unter allen Umständen fefthielt. Stadtrat Heimerich aus Nürnberg hatte außerdem ganz besondere Qualitäten, fonnte jeboch infolge feiner bisherigen Tätigkeit Monistenbewegung an hervorragender Stelle er stand in ber nicht die Garan= fie bieten, daß er unseren Grundsägen gerecht werden würde. Unter diesen Umständen blieb der Mehrheit der Zentrumsfraktion nichts anderes übrig, als ebenfalls für Scholz zu stimmen und dadurch dessen Wahl zu sichern." Man sieht, daß die Zentrumsleute, im Gegensatz zu anderen Parteien, die fachlichen Qualitäten der verschiedenen Kandidaten sorgfältig abgewogen haben. Sie sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß der Sozialdemokrat Dr. Heimerich ganz besondere Qualitäten" hat. Leider war aber auch für die Mehrheit der Zentrumsfraktion ausschließlich das Barteiinteresse ausschlaggebend. Borsichtige forschten nach, wie Heimerich es mit der Religion hält, und da fanden sie, daß er in der Monisten bewegung an hervorragender Stelle". gestanden hat. Unter diesen Umständen blieb troz der von der ,, Germania" betonten ganz besonderen Qualitäten Dr. Heimerichs den strenggläubigen Zentrumsleuten nur übrig, den nach Meinung des Zentrumsblattes fachlich geeigneteren Heimerich durchfallen zu lassen und die Wahl des minder geeignet erscheinenden Scholz zu sichern. Daß dieses Schuspiel nicht gerade erhebend" ist, meinen auch wir. Die ,, Germania" stellt an die Spitze ihrer Wahlbetrachtung den Satz: Mit der gestrigen Bürgermeister wahl schließt nicht gerade das erfreulichste Kapitel Berliner Kommunalpolitik." Jawohl, die Bürgermeisterwohl ist nicht gerade das erfreulichste Kapitel Berliner Kommu= nalpolitif" bei der 3entrumsfrattion. Großze Mückenschwärme in Potsdam. Gestern abend stiegen über dem Neuen Garten in Pots= dam und dem gegenüberliegenden Rönigswald große Schwärme von Mücken, die wie schwarze Rauchwolken in Längen von 10 bis 20 Meter über dem Jungfernsee freisten, empor. Banifartig, rannten die Spaziergänger aus dem Neuen Garten und die Wasserfahrzeuge fuhren sofort ans Land. Diese Mückenschwärme dauerten ungefähr eine Dreiviertelstunde. Schwärme wieder genau an der Stelle nieder, an ber fie aufgestiegen waren. Man sagt, daß es sogenante russische Mückenschwärme sind, die ihre Brut im Neuen Garten und im Königswald ausgebrütet haben. Dann ließen sich die ,, Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Wegen eines größeren Brandes wurde die Feuerwehr nach der Waßmannstr. 29 alarmiert, wo die Dachstühle des Quergebäudes und Seitenflügels in solcher Ausdehnung in Flammen standen, daß mehrere Löschzüge mit Motorsprigen längere Zeit fräftig löschen mußten. Die Aufgänge waren total verqualmt, weshalb auch eine mechanische Leiter zum Angriff gegen den Brandherd benutzt werden mußte, wodurch es gelang, das Borderhaus zu schützen. Sport- Klub Curich 02"( Mitglied des A.-A.-B. D.) Am Freitag, den 23. Mai, abends 8 1hr, finden in der Inrnhalle des Vereins Brangelitr. 128 ( an der Manteuffelftr.) große Herausforderungsfämpfe im ingen statt. Es fämpfen u.a. Alfred Maywald( Zurich) gegen den bekannten Federgewichtler des Vereins Erich Rohler, ferner Gorran ( Zurich) mit Engelhardt( Nordwest) im Leichtgewicht. Neste( Qurich) gegen Thomas( Berolina) im Leichtgewicht. Böttcher( urich) mit libor( Berolina). Im Schwermittelgewicht Stallbaum( Lurich) gegen Klein( Köpenick). Außerdem findet ein Jiu- Jitsu- Demonstrations fampf von Mitgliedern des Vereins statt. Gäste willkommen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold, Kameradschaft Friedrichshain hat am Freitag, den 23. Mai( heute), abends 7, Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstraße 36 a, Mitgliederversammlung. Republikaner als Gäste willkommen. Untergrundbahnunglück in Paris. Ein furchtbares Berkehrsunglück hat sich auf der Pariser Untergrundbahn, der sogenannten Metro, zugetragen, und zwar auf der Strecke nach Saint Cloud, die erst fürzlich mit den neuesten technischen Errungenschaften ausgestattet worden ist. Bei der Station Aima unweit des Trocadero fuhr ein vollbesezter Zug in voller Fahrt auf einen im Bahnhof haltenden Zug auf. Es entstand unter den Fahrgästen der beiden Züge eine entsetzliche Panit. Schmerzensschreie erfüllten die Luft. Die Anzahl der Verlegten steht noch nicht genau fest, doch spricht man von 50 Personen, darunter sollen sich mehrere Schwerverletzte befinden. Die Polizei hat sofort eine Hilfsaktion eingeleitet. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Etwas fühler, teils wollig ohne erhebliche Niederschläge, südwestliche Winde. Deutschland: In ganz Deutschland Nachlassen der Gewittertätigkeit, wollig mit etwas niedrigeren Temperaturen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 14. Kreis Neulun. Abteilungsleiterinnen! bholung der Handzettel morgen, Sonnabend, nachm. von 5-7 Uhr, Bureau Necaritraže. 10. Abt. Sonnabend abend, ab 5 Uhr, Flugblattverteilung, von Trümper, Flensburger Straße 3, ans. 74. Abt. Zehlendorf. Frauengruppe, heute, Freitag abend 18 Uhr, bei Schnorre, Beseabend. 31. Abt. Neuton. Am Sonnabend abend, ab 6 Uhr, Flugblattverteilung, von Röfter, Karlsgartenstr. 4, aus. jetzt dem wird morgen vom Unternehmer der Jetzt muß den Bergarbeitern geholfen werden! Berest ben Bergarbeitern nicht hilft Fuß in den Raden gefelt werden und der Wer den Bergarbeitern hilft, hilft sich selbst! wird sich vergebens nach Beistand umsehen. Gewerkschaftsbewegung Die Metallarbeiter lehnen ab. Großindustrie und Wirtschaftskrise. In diesen Tagen geht eine Nachricht durch die Presse, daß ein bekanntes, großes Rheinisches Edelstahlwert, Beder A.-G., feine Stellung unter Geschäftsaufsicht beantragt hat. Diese Maßnahme erfolgt zur Verhütung eines Konkurses. Sie wird begründet mit weitgehenden finanziellen Schwierigkeiten, die sich für das Werk aus der von der Reichsbant zugunsten der Währungsstabilisierung betriebenen Kreditpolitik ergeben. Die bürgerliche Presse betont ausdrücklich den guten Beschäftigungsgrad und den noch für Monate ausreichenden Auftragsbestand der Becker A.-G. Man führt die finanziellen Schwierigkeiten neben der Kreditnot noch auf die Lasten aus den Micum- Berträgen und wie immer auf die Belastung der Werke durch die ,, kurze" Arbeitszeit und auf mangelnde Arbeitsintensität der Arbeiter zurüd. Selbstverständlich sollen auch die sozialen Lasten mit zu den Schwierigkeiten beigetragen haben. Es sozialen Lasten mit zu den Schwierigkeiten beigetragen haben. Es werden für die nächsten Tage noch weitere industrielle Zusammen brüche angefündigt. Den Fall des Beder- Stahlwerks bezeichnet man als Warnungssignal". t Wir möchten darauf hinweisen, daß im Herbst schon einmal die Großindustrie durch gewisse Kreditmaßnahmen die deutsche Währung ins Bodenlose gestürzt hat. Die Arbeitnehmer, vor allem die Betriebsräte, haben alle Veranlassung, sich mit der Frage der Stel lung des industriellen Großbetriebes innerhalb der gegenwärtigen Krise zu beschäftigen. Aus diesem Grunde hat die Freigemerkschaftliche Betriebsräteschule in ihren Frühjahrslehrplan einen vier Doppelstunden umfassenden Kursus aufgenommen, der dieses Problem behandelt. Der Lehrgang hat den Titel:„ Der industrielle Großbetrieb in der Wirtschaftskrise". Er beginnt am Freitag, den 23. d. M. im Leibniz- Gymnasium, Mariannenplak. Lehrer ist der Genosse Paul Ufer mann. Hörerfarten find im Bureau der Betriebsräteschule, Gewerkschaftshaus, Zimmer 6, zu haben. Die Anmeldung fann aber auch am ersten Kursusabend vollzogen werden. Schiedsspruch für die Bau- und Geldschrankschlosser. In einer Konferenz der Funktionäre der Organisationen des Metallfartells gab gestern abend der Bevollmächtigte 3 ista vom Deutschen Metallarbeiterverband einen Bericht von den Verhandfungen mit dem Verband Berliner Metallindustrieller. Das Ergebnis dieser Berhandlungen haben wir bereits mitgeteilt. Ziska führte aus: Die während der tariflosen Zeit in der Beriner Metallindustrie ausgebrochenen Lohnbewegungen, die auch den Schlichtungsausschuß start beschäftigten, vercinlaßten den Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses, Gewerberat Körner, die Parteien um Zustimmung zur Einsehung eines freien Schieds gerichts zu ersuchen. Die Parteien erflärten sich damit unter der Bedingung einverstanden, daß ein Schiedsspruch nicht verbindlich erklärt werden dürfe Die Organisationsvertreter stellten in der ersten Berhandlung den Antrag, die Klaffeneinteilung zu besei= tigen und an Stelle der bisherigen fünf Klassen nur zwischen Gelernten, Angelernten und Ungelernten zu unterscheiden. Die Unternehmer lehnten diese neue Entlohnungsmethode nicht prinzipiell ab, erbaten aber dafür eine Spezialberatung. Von den Kartellvertretern wurde weiter gefordert, daß eine Erhöhung der Afford bafis unter allen Umständen eintreten müsse, da bereits jetzt von allen Facharbeitern wesentlich höhere Berdienste erzielt werden, als die niedrige Affordbasis es zuläßt. In stundenlangen Verhandlungen gelang es den Kartellvertretern, die Einwendungen der Arbeitgeber voll zu entfräften und sie als Ausflüchte zu fennzeichnen. Die Unternehmer wollten eben die Möglichkeit haben, jederzeit auf Grund der tatsächlich erzielten Verbienfte eine Herabfegung der Stückpreise vornehmen zu fönnen. Für die ungelernten Transportarbeiter boten die Unternehmer einen Stundenlohn von 42 Pf. Da dicjes Angebot nicht angenommen werden fonnte, die Unternehmer aber auch zu neuen Zugeständnissen nicht zu bewegen waren, drohten die Verhandlungen resultatlos auszugehen. Erst den Bemühungen Gewerberat Körners gelang es, die Arbeitervertreter zu weiteren Verhandlungen zu bewegen. Das Schiedsgericht fam nunmehr zu einem Einigungsvorschlag, der mit den Stimmen der Unparteiischen und der Unternehmervertreter gemacht wurde und der die Löhne auf 53 Pf. in der ersten Klasse und 43 Pf. in der fünften Riaffe festlegt. 3ista erwähnte die Bestimmung des Vorschlages, die die Löhne als Mindestlohne bezeichnet, betonte aber, daß es für die Arbeitervertreter unmöglich war, einem Bergleichsvorschlag zu- tung der Betriebsvertretungen bei der Anordnung von Ueberarbeits zustimmen, der es ängstlich vermeibct, die in den Betrieben tatfächlich bezahlten Stundenlöhne und Affordverdienste tariflich festzulegen. Im Auftrage des Metallfartells empfahl 3ista die 26 lehnung des Schiedsgerichtsvorschlages. Einer Versammlung der Funktionäre aus den Bau-, Geldschrank und Wöbelschloffereien lag gestern ein Schiedsfpruch, den schrank und löbelschlossereien lag gestern ein Schiedsspruch, den neuen Manteltarif betreffend, zur Stellungnahme vor. Wie Fuchs bom Metallarbeiterverband berichtete, bringt dieser Spruch eine Kürzung des Urlaubs für die über zwei Jahre in einem Betrieb befchäftigten Arbeitnehmer von einem Tag. Es ist dies allerdings teine so weit gehende Kürzung, wie sie die Unternehmer ursprünglich beabsichtigten, bedeutet aber doch eine Konzession an die Abfichten der Schlossermeister. Im Spruch war weiter die Mitwirzeit beschränkt worden. Während bisher der Arbeiterrat seine 3u stimmung zu Ueberstunden geben mußte, foll in Zukunft der Internehmer schon nach Anhörung der Arbeitervertretung zur Anordnung von Ueberstunden berechtigt sein. Der Spruch hat ferner eine Bestimmung im Manteltarif gestrichen, die besagt, daß die tägliche normale Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten darf. Die Funktionäre tonnten zu der Urlaubsfürzung und zu der Minderung der Arbeiterratsrechte die Zustimmung nicht geben. Die Aufhebung der Arbeitszeitbestimmung fönnte den Unternehmern das Recht geben, am Wochenschluß einen früheren Werkstattschluß auf Kosten der achtstündigen Arbeitszeit an den übrigen Wochentagen festzusetzen. Die Bersammlung war sich fchließlich darin einig, die Entscheidung über den Schiedsspruch einer Branchenvollversammlung am Montag zu überlassen. besser geworden. Die Herabsetzung der Löhne durch Schiedsspruch veranlaßt aber neuerdings eine starte Agitation, den Streit auch auf Polnisch- Oberschlesien auszudehnen. Besonders bemühen sich die Kommunisten darum, die Streifparole über die Grenze zu tragen, um dann den Ausbruch eines internationalen Bergarbeiterstreits von Belgien über das Ruhrgebiet bis nach Polen verkünden zu können. Tatsächlich ist es aber wahrscheinlich, daß ein solcher Streit gegenwärtig zu weiteren dauernden Aussperrungen und Stilllegungen benutzt werden würde, da die Rentabilität auch der polnisch- oberschlesischen Bergwerfe infolge der unorganischen Grenzführung und der Wirtschaftskrise in Polen start gesunken ist. Ob es zum Streit auch in Polnisch- Oberschlesien tommen wird, ist daher noch zweifelhaft. Meldungen, wonach die Arbeiter aus PolnischLberschlesien jest massenweise nach Deutsch- Oberschlesien auswandern wollen, find als übertrieben zu bezeichnen, da die Arbeiterschaft in Polnisch- Oberschlesien ganz genau weiß, daß sie auch in DeutschOberschlesien zurzeit feine Arbeit findet. Drohender Streik der Rheinschiffer. Duisburg, 22. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Da der am 7. Mai gefällte Schiedsspruch zur Regelung von Lohn und Arbeitszeit in der Rheinschiffahrt, der eine Reihe von Vergünstigungen für die Rheinschiffer durch Bezahlung von Sonderarbeiten vorsieht, von den Arbeitgebern mit der Begründung abgelehnt wurde, daß die schiedsgerichtliche Regelung mit den augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht in Uebereinstimmung zu bringen sei, hat die Organi fation des Personals der Rheinschiffahrt, die Abteilung Binnenschiffer des Verkehrsbundes, beschlossen, der Ablehnung des Schiedsspruches mit gewerffchaftlichen Mitteln entgegenzutreten. In zahlreichen Flugblättern des Berkehrsbundes wird die Anwendung äußerster Mittel gegen die Haltung der Arbeitgeber angekündigt. Ebenso find zahlreiche Versammlungen anberaumt worden, die über eine Aktion beschließen sollen, um die Durchsetzung des von den Arbeitgebern abgelehnten Schiedsspruches zu erzwingen. Hiermit ist die Gefahr eines Berkehrsstreifs in der Rheinschiffahrt atut geworden. Die Erbitterung der Rheinschiffer ist begreiflich. Eine Arbeitszeit von 84 Stunden in der Woche stand bisher einer Bezahlung von 29,90 m. gegenüber. Verbindlich erklärte Schiedssprüche. Köln, 23. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der am 28. April für die Kölner Metallindustrie vom Schlichter der Rheinproving gefällte Schiedsspruch ist in den am 21. Mai im Reichsarbeitsministerium geführten Verhandlungen für verbindlich erklärt worden, obschon die Arbeitgeber auf ihrem ablehnenden Standpunkt verharrien. Den Kölner Metallarbeitern wurden die Lohnerhöhungen mit rüdwirkender Kraft ab 19. April augesprochen. AbDie Bersammlung beschloß ohne Distuffion demgemäß. Im weiteren Verlauf der Versammlung tam die Frage des am 1. Juni ablaufenden Manteltarifs zur Sprache. Nach längerer Diskussion wurde das Metailbartell beauftragt, fich wegen Abschluß eines neuen Tarifs mit dem BBM3. in Verbindung zu sehen. 12 Die Kommunisten brachten eine Resolution ein, die gegen das Berbot der Roten Fahne" protestiert und den Ausschluß des Polizeipräsidenten Richter aus dem Metallarbeiterverband verlangte. Sie wurde in ihrem zweiten Teil von Zista mit dem Hinweis darauf erledigt, daß folche Ausschlußanträge nur in den Körperschaften des DMV. behandelt werden können. Als Proteft gegen die Presseverbote nahm die Versammlung eine Resolution des Genossen Bernhard Krüger an, die folgenden Wortlaut hat: ,, Die Funktionärfonferenz protestiert grundsätzlich gegen jedes Breffeverbot nicht nur in Deutschland, fondern in allen Ländern. Gie erwartet besonders, daß auch in dem Lande, in welchem das Proletariat die Macht hat, sofort alle Presseverbote aufgehoben werden." Nur vier ganze Kommunisten brachten den Mut auf, dagegen zu stimmen. Die andern wußten offenbar nicht, welcher Parole jie Sie folgen sollten, da ihr Leithammel bereits verschwunden war. ftimmten also mit der Mehrheit für die Resolution. Sie werden einen schönen Rüffel friegen! Die Krise in Polnisch- Oberschlesien. Breslau, 23. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Wirtschaftsfrife in Polnisch- Oberschlesien verschärft sich von Tag zu Tag. Der Abfatz der polnisch- oberschlesischen Rohlen- und Hüttenerzeugnisse war bis zum Ausbruch des Generalstreifs in Deutsch- Oberschlesien befanntlich so fatastrophal zurückgegangen, daß große Betriebe vollständig stillgelegt werden mußten, darunter die Königs- und Laura- Hütte. In der Arbeiterschaft herrscht jetzt die furchtbarste Erregung, zumal die Laurahütte einen Teil ihrer Maschinen abbauen läßt und daraus geschlossen wird, daß die Stillegung auf längere Zeit geplant ist. In der Grubenindustrie ist die Lage durch den Sheit in Deutsch- Oberschlesien vorübergehend etwas Karlsruhe, 23. Mai.( Mtb.) Der Schiedsspruch des Mannheimer Schlichtungsausschusses zu dem Konflikt in der Metallinduſtrie ist gestern nachmittag vom Landesschlichter für verbindlich erklärt worden. Es bleibt nunmehr abzuwarten, welche Haltung die Wetallindustriellen einnehmen werden. Transportarbeiter und-arbeiterinnen der Metallindustrie! Sonnabend, 6 Uhr abends, im Gewerkschaftshaus, Maffenversammlung aller Kollegen und Kolleginnen. Tagesordnung: Welche Antweit gebührt den provozierenden Metallindustriellen, die die Hungerlähne bez Transportarbeiter verewigen wollen?" Freie Aussprache. Diese Versammlung verlangt asbieterish, daß jeder Bader, Lager, Silfs, Sol nad Transportarbeider unb arbeiterin, sowie Kranführet, Fahrstuhlführer, Kraftwagenführer, Worker rft., bie in den Betieben des Berbandes Berliner Metallinbuftrielles( VBMJ.) Le fchäftigt find, bestimmt in der Bersammlung zu erscheinen haben. Jeber Fehlenbe bt Verrat an feinen Klaffengenossen und unterstügt bes provozierende Berhalten bez Unternehmer und trägt zur Berewigung der Hungerlöhne mit bei. Einlaß zur Bersammlung erhält, wez burch Ausweis, ben die Betzicbs. räte zip. Bertrauensleute der einzelnen Betriebe auszustellen haben, nach. weist, baß er in einem BBMZ.- Betriche beschäftigt ist. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Estorn; Feuilleton: Dr. John Chilows! i, Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Beriag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. BILLIGE ANGEBOTE weiss, Porzellan kleine Fehler Speiseteller fach.... Abendbrotteller Kompotteller. 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Von den 22 Arbeiterbanken haben vier, die alle erst im Laufe des letzten Jahres gegründet worden sind, ihren Sit in New York: die Amalgamated Bant, die im Besitz des Zentralgewerkschaftsrats und einer Anzahl von Member- Gewerkschaften der American Federation of Labor befindliche Federation Bank of New York, die International Union Bant, tie dem Damenschneider verband gehört, und die Brotherhood of Locomotive Engineers Cooperative Trust Company, die, wie schon thr Name andeutet, sich im Befiz des Lokomotivführer verbandes befindet. Die älteste Gemertschaftsbank ist die im Mai 1920 gegründete Mount Vernon Savings Bank des Maschiniftenverbandes die Aktienmehrheit verfügt; die übrigen Aktien werden an Einzelmitglieder der Gewerkschaften abgegeben. Dividendenzahlung findet nur in von vornherein begrenzter Höhe statt; an dem Reinertrag werden die Einleger beteiligt, so daß diese durchgehends eine höhere Verzinjung ihrer Einlagen erfahren als bei fonitigen Banten oder Sparkassen. Ueberhaupt nehmen sich die Arbeiter banken prinzipiell des fleiner Depoſitärs besonders an, und es wird feine, auch noch fo fleice Einlage zurückgewiesen. Neuerdings find die meisten unter ihnen zur Gewährung von fleineren Darlehen gegen Stellung von ein oder zwei Bürgschaften übergegangen; diese Darlehen bleiben zumeist unter der Höhe von 300 Dollar, aber für den Empfänger bedeuten fie fozusagen das Manna vom Himmel". Es find auf diese Weise piele tausend Dollar verliehen worden, ohne daß eine der Banken dabei nennenswerte Verluste erfahren hätte. Daß folches Entgegenkommen der Labor- Banken auf den Arbeiter eine starte Anziehungskraft ausübt, ist nur natürlich, zumal die übrigen Banken sich den auf die Dauer mehr kostspieligen als ein träglichen Luxus der Entgegennahme von kleinen Spargut haben nicht leisten fönnen gleichwohl sehr günstige Abschlüsse zu verzeichnen. Die Arbeiterbanken haben Auf die Frage woher, gibt der Kaffierer der obengenannten Nem Dorfer 2ímalgamated Bant, Leroy Beterion, Auskunft: Sm Gegensatz zu jeder privat organisierten Bant, die sich erst um ihre ruf Dem is in Bollington; ihre Gebitter beparken befeht auf Depoftien bertiihen mußte, hot die Raber- Bant den Borteil, daß fie ihre Geschäfte auf einen mäßigen Umfang, im Bergleich wenigstens mit der zweitältesten der Gewerkschaftsbanden, der Locomotive Engeneers Cooperativa National Bank in Cleveland( Ohio), die, mit einem Rapital von 1 Million Dollar gegründet, jezt über Gesamtmittel in Höhe von 25 Millionen verfügt. Shre großen Erfolge ermöglichten es der Bank, zwei bestehende Privatbanken hinzuzuerwerben und den Ankauf eines sechzehnstöckigen Banfgebäudes in Cleveland durchzuführen, um darin eine neue Filiale aufzumachen, ferner ein ftorfes Patet von Attien der Empire Trust in Toem Yort zu erwerben, wo sie über eigene Filiale verfügt. Die Geschäftsprinzipien der Arbeiterbanten find durchgehends folgende: Befizer ist die Gewertschaft als solche, die über aus den Mitteln der Gewerkschaft wie auch aus den ihr alsbald nach der Gründung, wie die Erfahrung gelehrt hat, übergebenen Sparguthaben der Gewerkschaftsmitglieder zufließen. Jeder Bankfachmann wird beurteilen fönnen, was diese von vornherem sicheren Depositen bedeuten. Denn im Bantgeschäft tommt der Era folg entweder durch relativ große, aber ebenso rifitoreiche Profite auf Grund feiner Kapitalien oder durch geringe Profite aus sehr beträchtlichen, aber sehr gesicherten Depofiten. Die ihrer großen Depositen sicheren Labor- Banten haben in der Frage der Darlehnsgewährung und Investierung eine im höchsten Maße vorsichtige Politit befolgt. Sie fönnen sich mit einem bescheidenen Rein ertrage zufriedengeben und darum auf Risiko um so eher verFreitag, 23. Mai 1924 zichten. Im allgemeinen neigen die Labor- Banten aus folchen Gründen durchaus mehr zu dem Anlage geschäft als etwa zum Finanzieren von Handelsgeschäften Sie legen ihre Kapitalien zudem mehr und mehr in solchen Unternehmungen an, die nicht nur Sicherheit gewährleisten, sondern auch gewertschaftsfreundlich sind." Besonders ausgebaut haben die Gewerkschaftsbanken, infolge der weiten Berbreitung der Genossenschaftsmitglieder über nahezu das ganze Unionsgebiet, schließlich noch das Bankgeschäft per Bost; dies gilt besonders vom Lokomotivführerverband, dessen Bant auch über eine besondere Beratungsabteilung für die Werwendung von Witwengeldern verfügt. Die Amalgamated- Banks der Schneiderverbärde, deren Mitglieder zum großen Teil aus den mittel- ued esteuropäischen Ländern stammen, übernehmen die Be= förderung von Dollar Noten nach diesen Gebieten und haben in den 1% Jahren seit Bestehen dieser Einrichtung über 4 Millionen Dollar dorthin zum Bersand gebracht, ohne daß die Auftraggeber dabei auch nur den Verlust von einem Cent zu beflagen gehabt hätten. Die Errichtung der Labor- Banten ist die Frucht der jahrelangen Erfahrungen, die die Gewerkschaftsführer im Kampf um Berkürzung der Arbeitszeit und um Erhöhung der Löhne gemacht haben. Die ganze Geschichte der Lohnfämpfe in den Vereinigten Staaten hat bewiesen, daß wohl die Löhne im ständigen Steigen begriffen Dermögen. Die Führer rifle battenbergerenstoften niemals Rämpfen niußten feststellen, daß diejenigen, in deren Hand die Kontrolle über die Kreditquellen eines Landes ruht, das Geschick des Landes bestimmen. Diese Erfahrung haben sie fapitalisiert", als fie im Herbit 1919 auf einer Konferenz von Genossenschaften den Beschluß herbeiführten, in der ganzen Union Banten ins Leben zu rufen, die sich im Befiz von Gewerkschaften befinden und von diesen fontrolliert werden sollten. Englisch- österreichischer Handelsvertrag. Macdonald und der österreichische Gesandie Frandenstein unterzeichneten den eng lifch österreichischen Handelsvertrag, der unter anderem die gegenseitige meist begünstigung vorsieht. Beachten Sie bitte unsere Schaufenster- Auslagen! Trikotagen Herren- Garnituren Jacke Нове Herren- Garnituren Jacke u Hose, weiß, Kniefasson Herren- Hemden Mako, farbig, doppelte Brust, Mittelgröße. Herren- Hemden weiß, schönen Einsätzen Herren- Hosen Mittelgröße.. 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