Str. 244+ 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 125 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der ,, Bormärts" mit der Sonntagsbeilage ,, Bolt und Zeit" mit ,, Gied. Jung und Aleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmart. Aleine Anzeigen" bas fettgedruďte. Bort 0,20 Golde mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, fedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen flir zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt Durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 25. Mai 1924 Gegen die Diktatur der Schwerindustrie Bergarbeiter und Rechtsgutachten. Die Verhandlungen, die morgen im Reichsarbeitsrechtlich und inhaltlich von falschen Boraussetzungen aus und ministerium zur Beilegung der Aussperrung im Bergbau be- tommt folglich auch zu falschen Schlüffen. Zunächst stellt ginnen, haben nur sehr menig Aussicht, ein prattisches es richtig fest, Resultat zu ergeben. Die Zechenbefizer haben den Bergbau stillgelegt, und damit nicht allein die Gefahr einer wirtschaft lichen Ratastrophe heraufbeschworen, sondern auch außen politische Komplitationen möglich gemacht. Sie wollen die Arbeitszeit im Bergbau und in ganz Deutschland verlängern. Sie wollen sich nicht damit begnügen, daß die Bergarbeiter, folange die Notlage des Ruhrbergbaues durch die Micum Berträge besteht, freiwillig ueberarbeit leisten, die entsprechend gewertet und befristet wird. Würden sie sich mit der Vereinbarung einer derartigen Heberarbeit begnügen, dann hätten sie den Bergbau nicht still gelegt. Räme es ihnen nur darauf an, die ihnen durch die Micum- Berträge auferlegten Laften auch tragen zu fönnen, dann würden sie nicht den Manteltarifgefündigt haben. Die Kündigung des Manteltarifs, die die Schichtzeit auf sieben Stunden unter Tage und acht Stunden über Tage feftfegte, ging der Kündigung des Ueberarbeitsabfommens durch die Bergarbeiterverbände voraus. Die zweite Kündigung war die unrermeidliche Folge der Kündigung des Manteltarifs. Die Zechenbefizer verlangten am 1. Mai, als die Kündigungsfrist abgelaufen war, daß die Bergarbeiter nicht eine fiebenstündige, sondern eine a chtstündige Schichtzeit unter Tage nerfahren sollten. Die verschiedenen Schiedssprüche soweit man noch von Schiedssprüchen reden kann, wenn die Forderungen der Unter nehmer so gut mie restlos bewilligt werden haben fich immer auf den Standpunkt der Unternehmer geftellt. Der letzte Schiedsspruch hat befanntlich die Schichtzeit unter Tage bis zum 1. Juni 1925 auf acht Stunden festgelegt und die Arbeitszeit über Tage teilweise bis auf 78 Stunden die Woche. Wir gehen hier nicht auf die Lohnfrage ein, die durchaus nicht im Mittelpunkt des Konfliktes liegt. Ueber die Rentabilitätsberechnung des Bergbaues bringen wir an an derer Stelle einige interessante Aufschlüffe. Das Kernproblem des Konflikts ist die Arbeitszeit. Ist es angängig, daß man Schmerarbeitern eine Arbeitszeit von 65 bis 78 Stun den die Woche aufzwingt, so ist es angängig, daß die Bergarbeiter bei ihrer unfagbar schwierigen Arbeit tief unten in gefahrvollen Schächten, fern von Sonne, Licht und frischer Luft, acht Stunden arbeiten müssen, während ihre Kollegen in anderen Ländern eine weit fürzere Arbeitszeit haben, während in unvergleichlich leichteren Berufen die gefeßliche Arbeitszeit auf acht Stunden festgelegt ist? Es gibt feinen normal denkenden, rechtlich empfindenden Menschen, der auf diese Frage mit einem Ja antworten wird. , daß in dem Abkommen vom 29. November 1923 nicht die normale Arbeitszeit geändert, sondern nur die eberarbeit geregelt merden follte" Damit wird anerkannt, daß die im Manteltarif vom 1. August 1922 festgelegte grundsätzliche Regelung der Schicht zeit durch diese Regelung der Ueberarbeit nicht berührt wurde. Aus der auch von Arbeitnehmerseite anerkannten Notlage der deutschen Wirtschaft und der Entgeltsregelung für die geleistete Ueberarbeit, sowie aus der am 19. Dezent ber 1923 festgelegten Kündigungsfrist folgerte das Rechtsgutachten dann aber, daß das Abkommen ein selbstän diger tariflicher 3ufaß zum Manteltarif geworden ist, der nicht nur vorübergehende Bedeutung haben sollte." " Auf Grund dieser ebenso gewagten wie falschen Schluß folgerung fommt das Rechtsgutachten zu folgendem Ergebnis; einen selbständigen tariflichen Zusatz zum Manteltarif vom 1. Auguft 1922, so ist der zuletzt gültig gewesene Tarifvertrag der Manteltarif mit jenem neuen selbständigen Zusak, wonach eine leierstunde über die normale Arbeitszeit hinaus vereinbart wurde." Bildet aber hiernach das Abkommen vom 29. November 1923 Die Juristen haben sich also offenbar meder den Manteltarif noch das Abkommen genau angesehen, sonst hätte ihnen nicht entgehen fönnen, 1. baß das Abkommen vom 29. No. vember 1923 weder Zusaß zum Manteltarif noch auch nur cls folcher gemacht ist, sondern lediglich eine vorüber gehende Notmaßnahme barstellt, die den Mantel tarif an sich nicht einmal berührt, geschweige denn ändert; 2. daß in dem Abkommen für die llebertagearbeiter vom 19. Dezember 1923 unter Ziffer 5 ausdrücklich gesagt wird: ber 1923 in Kraft und gilt, wie das Untertageab. Das Abkommen tritt spätestens am 27. Dezem inmmen, bis zum 1. Mai 1924. Beide Abtommen laufen jeweils um einen Monat weiter, wenn sie nicht am Ersten eines Monats zum Monatsschluß gekündigt werben." Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Boftfcheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion ber Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaje Lindenstraße 3 Herriot und Marx. Voraussichtliche Lösung: Kein Bürgerblock! Mary bleibt! Die Erklärungen, die der kommende Ministerpräsident Frankreichs, Herriot, am 21. Mai unserem Bariser Bertreter gegenüber abgab, find im größten Teil der deutschen bürgerlichen Preffe, sei es aus Mangel an politischem Einstellungsvermögen, sei es aus fleinlichen journalistischen Konfurrenzgründen mit stumpfem Gleichmut aufgenommen wor den. In der englischen Presse dagegen haben sie be= geisterten Widerhall gefunden. Es bestätigt sich damit, was hier gleich gesagt wurde: die Erklärungen Herriots würden sicher eine Brüde, wenn nicht über den Rhein, so doch über den Kanal schlagen. Das Frankreich Herriots, von der moralischen Isolierung befreit, wird stärker sein als das Frankreich Poincarés. Die neue französische Regierung wird mit dem Anspruch auftreten, das große Wert der deutsch französischen Berständigung fertigzubringen. Ob es gelingt, fann niemand sagen. Aber sicher ist, daß Deutschland in dem neuen diplomatischen Ringen um einen sicheren und wahren Frieden fehr viel Klugheit und politischen Taft wird aufbringen müssen, wenn es aus ihm nicht als Geschlagener hervorgehen soll. bleibt, wie jebermann weiß, ungemein schwierig. Das fran zösische Bolt glaubt an die hartnäckige Zahlungsunwilligkeit des deutschen Schuldners und sieht die Gefahr eines RevancheSo war es Poincaré möglich zu friegs als brennend an. erklären, daß die Räumungsfristen noch nicht zu laufen begonnen hätten, und er tonnte, ohne auf unmittelbaren Widerstand zu stoßen, die widerrechtliche Ruhraktion mit allen ihren Folgen von Toten, Gefangenen, Ausgewiesenen und militärischen Belastungen der betroffenen Bevölkerung zur Ausführung bringen. Diefen Berg des Unrechts abzutragen, wird auch für eine franzöfifche Regierung, die vom besten Willen beseelt ist, nicht leicht sein, denn wenn der Boincarismus auch besiegt ist, so ist er doch nicht tot. Das Problem der deutsch- französischen Verständigung Trogdem werden, wenn die neue französische Regierung ans Ruder fommt, den Worten, die Herriot gesprochen hat, weifellos auch Taten folgen. Wie wird Deutschland auf fie antworten? Während in Frankreich Herriot das Problem der deutsch- französischen Verständigung aufrollte, verhandelten in Deutschland die Mittelparteien mit den Deutschnationalen über die fünftige Regierungsbildung! haben gezögert, fompromisselt, stilisiert nun sehen sie in Langmut, die nicht ein Zeichen von Stärke und Einigkeit ist, dem Verschleppungsmanöver der Deutschnationalen zu. Die Presse der Mittelparteien ist sich klar, daß die Ver handlungen fachlich am Ende sind. Die gegenseitigen Erklärungen sind deutlich genug: auf der einen Seite erklären die Demokraten, daß sie an einer Koalition mit den Deutschnationalen nicht teilnehmen werden, auf der anderen Seite Zu der scharfen Kritit Imbuss wird amtlich durch WIB. versichert die„ Kreuz- Zeitung": folgende Darlegung mitgeteilt: Die hier vorgesehene Kündigung des Abkommens ist ordnungsgemäß zum 30. April erfolgt, fo daß am 1. Mai 1924 die normale Arbeitszeit eintrat, wie fie Man wird den Mittelparteien gewiß teine feste und entder Manteltarif vorsieht. Auch das Rechtsgutachten stellt feft, fchiedene Haltung und zielbewußten Willen in diesen Berhanddaß in dem Abkommen vom 29. Novemlungen nachsagen fönnen. Sie haben gezögert, fompromiffelt, ber 1923 nicht die normale Arbeitszeit geftilisiert- nun sehen sie in Langmut, die nicht ein Zeichen von ändert, sondern die Ueberarbeit geregelt Stärke und Einigkeit ist, dem Verschleppungsmanöver der werden sollte." Diese lleberarbeit war ordnungsmäßig Deutschnationalen zu. gekündigt und abgelaufen und nun trat wieder die normale, Aber so steht die Frage heute nicht mehr. Die Berg nicht geänderte Arbeitszeit in Kraft, wie sie im Manteltarif arbeiter sind von den Zechenbefizern widerrechtlich ausgesperrt worden. Man will sie durch den bergesehen ist. Dem Rechtsgutachten fehlt mit hin nicht nur jede Rechtsgrundlage, sondern es Hunger zwingen, sich dem Machtgebot der Zechenbestellt lediglich alle natürlichen Rechtsbegriffe fizer zu beugen. Die Bergarbeiter aber wollen sich nicht beugen. Wenn das Schiedsgericht zusammentritt, wird die auf den Kopf und schließt sich einseitig der Rechtsauffaf Aussperrung schon drei Wochen dauern. Als die Zechenbe- fung der Bergherren an. figer diese Aussperrung vornahmen, glaubten sie, daß die ausgehungerten, unterbezahlten Bergarbeiter nach acht, höchstens vierzehn Tagen zu Kreuze friechen werden. Genau so haben die Werftbefizer gerechnet, als sie im Februar die Werftarbeiter aussperrten. Die Werftarbeiter haben aber drei zehn Wochen widerstanden und sind erst in die Werften zurückgekehrt, als man den Achtstundentag wieder als den normalen Arbeitstag anerkannte und die Ueberarbeit entsprechend bewertet und befristet hat. Wenn die Zechenbefizer heute noch glauben sollten, daß die Bergarbeiter, wie der Schiedsspruch, der nun wieder gefällt werden soll, auch aus fallen mag, in wenigen Tagen durch den Hunger gezwungen zu den Bedingungen der Unternehmer in die Schächte zurüdfehren werden, dann geben sie sich einer schweren Täuschung hin. Auch die Weigerung der Auszahlung des Restlohnes, den die Zechenbesizer heute noch den Berg arbeitern schulden- und diese Beigerung und diese Rück stände sind bezeichnend für den Bergbaukonfliktt, auch das wird zur Beschleunigung der Beilegung des Konflitts ficher lich nicht beitragen. Die Solidaritätsaktion tommt nun in Gang. Sie wird ben Bergarbeitern gestatten, so lange zu widerstehen, bis der Machttoller der Zechenbefizer vernünftigen und menschlichen Erwägungen Blaz gemacht haben wird. Wenn die Regierung, wenn die Schiedsrichter sich bisher der Schreckensherrschaft der Rechenbefizer gebeugt haben, die Bergarbei. ter werden sich nicht beugen. Eine vernichtende Kritik. Bom Bergarbeiterverband wird uns gefchrie ben: Das Rechtsgutachten im Ruhrstreit geht, wie sich aus Der jegt vorliegenden schriftlichen Begründung ergibt, formal „ Die Sachverständigen sind nicht vom Reichsarbeitsministerium, sondern auf dessen Bitte vom Vorstand des Reichswirtschaftsrats ausgewählt worden. Die Parteien haben Gelegenheit gehabt, die Gutachter über die nach ihrer Auffassung bestehende Rechtslage zu unterrichten, und sie haben von dieser Gelegenheit auch Ge brauch gemacht. Das Reichsarbeitsministerium war bei diesen Berhandlungen nicht vertreten. Es hat sich auch, wie das selbstverständ lich ist, jeder Einflußnahme auf den Spruch enthalten." Preußen vermittelt. Die für Sonnabend angesezte Sigung der preußischen Staatsregierung, die sich mit dem Bergarbeiter ampf befaffen sollte, ist auf Montag verschoben worden. In der Zwischenzeit werden ter preußische Handelsminister Genosse Siering. und der preußische Innenminister Genosse Sepering mit Zustimmung des Kabinetts auf die Reichsregierung einzumirten versuchen, daß von dieser Schritte unternommen werden, damit endlich etwas Entscheidendes zur Beilegung des großen Wirtschaftskonflikts getan wird. Der preußische Innenminister hat sich übrigens bereits mehrfach bemüht, die streitenden Parteien zu fammenzubringen. Denn eine tasche Beilegung des Bergarbeiter tampfes liegt nicht zuletzt auch im Intereffe des preußischen Staates. Zusammenstoß auf der Zeche Konstantin. Bochum, 24. Mai.( TU.) In den Abendstunden belagerten etiva 500 Personen die Zeche Konstantin. Als das leberfall kommando der Bochumer Polizei heranrüdte, wurde es mit Etein würfen empfangen. Die Polizei gab einige redfchüsse ab, worauf die Menge auseinanderstob. Einige Berhaftungen wurden vorgenommen. ,, Die Demokraten wurden aus erklärlichem Grunde nicht aufgefordert. Erst als die Volkspartei und das Zentrum den Wunsch aussprachen, daß auch sie mit hinzugezogen werden möchten, wurde dem Rechnung getragen. Es ist aber zu betonen, daß es sich hier nicht um eine Einladung im eigentlichen Sinne handelt, sondern daß die Deutschnationalen lediglich den anderen Parteien zuliebe mit ihrer Hinzuziehung zu der allgemeinen Besprechung einverstanden waren, ohne daß daran etwa Konsequenzen für ihre etwaige Beteiligung an einer tünftigen Regie. rung gefnüpft werden sollten." Die„ Deutsche Zeitung" aber versichert bestimmt, daß für die Deutschnationalen eine Beteiligung an einer Koalition mit Demokraten nicht in Frage komme. Zu allem Ueberfluß stellt die„ Boffische Zeitung" noch ausdrücklich fest: die Verhandlungen find gescheitert. Mögen immer die nach dem Bündnis mit den Deutschnationalen hungernden Volksparteiler um Scholz noch einmal auf Kompromiffeln und neue Stilifierungstünfte hoffen sie werden die Koalition mit den Deutschnationalen nicht mehr retten. Eine volle Woche ist mit diesen Berhandlungen nuglos vertan. Die Deutschnationalen mögen mit sehr gemischten Gefühlen und mit manchem inneren Zwist aus den VerhandIungen herausgehen- aber haben die Mittelparteien Grund, fich anders zu fühlen? Sie haben mit ihrem Mangel an Eindeutigkeit, Entschiedenheit und einheitlichem Willen mit diesen Berhandlungen weder sich noch Deutschland genutzt. Nun fündigt die Presse der Mittelparteien an, daß die Reichsregierung vor dem Entschluß stehe, im Amte zu bleiben und vor den Reichstag zu treten. Was vor den Berhandlungen mit den Deutschnationalen als ein Zeichen der Entschlossenheit und StSrke gelten konnte, wird setzt leicht als ein Ausweg in Verlegenheit gedeutet werden. Den Mittelparteien ist es gelungen, die Deutschnationalen gründlich zu kompromittieren. Die stehen setzt vor der Oeffent- lichkeit als die Partei da, die bereit ist, für ein paar gute Plätze an der„Futterkrippe" ihre Grundsätze pfundweise zu verkaufen. Die Mittelparteien haben leider nur eines übersehen: nämlich wie sehr sie sich durch ihren zur Schau getragenen Willen, mit den Deutschnationalen eine Negierung zu bilden, innen- und außenpolitisch selber kompromittiert haben. * Eigentlicher Träger dieser die Mittelparteien kompro- mittierenden Bestrebungen war d i e B o l k s p a'r t e i. Um so erstaunlicher ist es, daß sich gerade die volksparteiliche„Zeit" für berufen hält, der Sozialdemokratie gute Lehren zu geben, daß sie die Grenze nach links, zu den Kommunisten, nicht verwischen möge. Diese Grenze wird die Sozialdemo- kratie aufrechterhalten nicht der Volkspartei, aber der Arbeiter- bewegung zuliebe, die ihre volle Aktionsfähigkeit gegen das Großkapital und seine politischen Vertreter erst wiederfinden wird, wenn sie von der kommunistischen Erkrankung gänzlich kuriert ist. Die„Zeit" aber möchten wir fragen, wo denn die Grenze nach rechts bleibt, wenn der heiße Wunsch der Volkspartei nach dem Bürgerblock in Erfüllung gehen sollte? Sie weiß ebensogut wie wir, daß die Grenze zwischen Deutsch- national und Völkisch vollkommen flüssig ist. Glaubt die „Zeit", daß eine Regierung mit den Deutschnationalen dieselbe Entschlosienheit gegen r e ch t s putschistische Bestrebungen auf- bringen würde, die sie von der Sozialdemokratie gegenüber links putschistischen Bestrebungen fordert? Glaubt sie das nicht, dann wird sie begreifen, daß wir Belehrungen gerade von volksparteilicher Seite dankend ablehnen müsien. * Während um die Kabinettsbildung langatmig verhandelt wird, ballt sich im Inland die Wirtschaftskrise zu- fammen, die als Folge der Inflation vorausgesehen und de- fürchtet wurde. Steuerlos ist das Kapital in die Geldent- »vertung hineingeraten, hat es ihre wirksame Bekämpfung Jahre hindurch behindert: es hat aber seinerseits nichts getan, um in dem Wirbel der Wertumwälzung einen festen Boden zu finden. So entstand der Taumel des Sachbesitzes. Während der Mittelstand enteignet wurde, während man der Arbeiter- schaft den größten Teil des Lohnes vorenthielt, türmten sich die großen Produktionsunternehmungen in Schwerindustrie und Verarbeitung zu gewaltigen Trusts. Das Heer der Schieber und Parasiten wurde hochgezüchtet. Der Warenmarkt, eingeengt durch die Schwächung des Konsums, wurde zum Tummelplatz für Tausende und aber Tausende von Existenzen, die es leicht hatten, drauflos zu produzieren oder auch nur Waren, Aktien oder Geld zu handeln. Viele, die zur Gilde des internationalen reichen Mobs gehören, sind abgewandert. Andere, und unter ihnen viele unschuldige Opfer des Gewinn- und Verdiensttaumls, sind heimattreu geblieben. Alle wollen „verdienen", glauben nicht, daß man nur verdienen kann, wo Kaufkraft vorhanden ist, und daß von einer Arbeiterschaft nichts zu holen ist, die jahrelang ausgeplündert wurde und noch jetzt unter stärkstem Lohndruck steht. Noch hält sich mühsam das Gebäude. Eine Firma nach der anderen begibt sich unter Geschäftsaufsicht, sucht so mit Hilfe einer veralteten Kriegsverordnung sich dem un- .vermeidlichen Schicksal der Pleite zu entziehen. Aber die Be- xeinigung läßt sich nicht aufhalten, wenn man auch noch so KehrÄis überholte Mittel der Unternehmersozialpolitik zu einer Zeit anwendet, wo man den Arbeitern an der Ruhr und im übrigen Reiche jedes soziale Recht zu verweigern fucht. Die kapitalistische Wirtschaft befindet sich im Zustand der Ver- t r a g s l o s i g ke i t, die jeder Krise vorausgeht. Der De- taillist fetzt zu wenig ab, er kann den Fabrikanten nicht be- zahlen, alle schreien nach Kredit, rufen heute schon nach Wieder- Herstellung geordneter Verhältnisse, indem sie die Einschrän- kuna der Geschästsaufsicht fordern. Denn niemand weiß mehr, ob fein Kunde, fein Bankier denn noch„sicher" ist, oder ob dessen teuer erstandenen Sachwerte, Aktien und Waren nicht längst wertlos geworden sind und damit auch seine Zahlungs- kraft geschwunden ist. Die Krise schwärt, derArbeitsmarktstockt, furcht- bare Arbeitslosigkeit und Elend stehen der Arbeiterschaft bevor. Der Kapitalismus, der jeden Versuch gemeinsamer Arbeit mit dem Volksganzen zur Abstellung der Inflation durchkreuzt hat, weigert sich, den Preisabbau von der Produktion her durchzuführen. Jetzt muß er vom Markte herkommen, wo die Läger überfüllt find und wo der Schrei nach barem Geld bald zu einer schweren Erschütterung führen muß. Ist keine Hilfe?— Auf vielen Gebieten nicht mehr. Wenn sogar Trustmagnaten, die einst an Staat und Volk sich be- reichert haben, jetzt um die Hilfe der Volksgemeinschaft betteln, dann ist vieles faul im Staate Deutschland, und das Faule muß ausgemerzt werden, damit der Lebensfähige sein Lebens- recht wahren kann. Viele Glieder der deutschen Produktion aber sind innerlich gesund, so gesund, wie ein Betrieb innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft nur sein kann. Auch sie leiden unter Absatzmangel, oft lediglich deshalb, weil ihnen der Kredit zur Finanzierung ihrer Produktion fehlt. Dieser kann aber in großem Umfange nur von außen kommen, wenn man nicht erneut mit der Notenpresse spielt. Deutschland bedarf also auf das dringendste der Wieder- Herstellung seines Kredites. Dazu muß die Reparations- frage ihrer Lösung nähergebracht werden, soweit das uns möglich ist. DieAnnahmedesSachver ständigen- gutachtensund feine schleunig st eDurchfüh- rung ist also das Gebot wirtschaftlichen Le» benswillens. Und es hieße ihn untergraben, wollte man sich Zeit lassen, bis noch weitere gesunde Teile der Produktion vom Verfall bedroht sind. Es ist keine Zeit zu verlieren! Luüenüorffs Kriegsüotumente. Er wußte alles, nur nichts vom„Dolchstoß". An anderer Stelle des Blattes finden die Leser ein« Ab- Handlung des Genossen Ku t t n e r über den„Todesritt" der Flotte von 1918 und seinen Zusammenhang mit der Dolchstoß- lüge. Wird dort im einzelnen nachgewiesen, daß die See- kriegsleitung vor einer gröblichen Täuschung der Oeffentlich- keit nicht zurückschreckte, um ihren Plan der Durchkreuzung der Waffenstillstandsverhandlungen selbst unter zweckloser Opse- rung von ungezählten Menschenleben durchzuführen, so macht fast gleichzeitig der Reichsarchivrat Prof. Dr. Veit Valentin im„Verl. Börfen-Courier" auf neue Dokumente auf- merksam, die vom Auswärtigen Amt herausgegeben werden. Es handelt sich um eine Neuauflage des Weißbuchs über die Vorgeschichte des Waffen st ill st andes, das durch zwei Gruppen von Dokumenten erweitert ist. Die eine Gruppe behandelt Berichte von Vertrauensleuten im Aus- lande. Die zweite noch viel wichtigere Gruppe betrifft die Beurteilung der militärischen Lage durch die Oberste Heeresleitung. Darüber sagt Prof. Valentin: Aus dem frühesten dieser Dokumente geht z. 2. hervor, daß die Oberst« Heeresleitung unmittelbar vor der Katastrophe des 8. August weitere Großangriffe umfassender Art nicht erwartete, sich also zu diesem wichtigen Zeitpunkte absolut über die Lage täuschte. Zu der sogenannten Dolch st oßfrag« bringt das Weiß. buch entscheidendes Material. Di« Oberste Heeresleitung selbst hat io keinem der vorliegenden Dokumente auf politische Agitationen oder Einwirkungen der Heimat als Grund der militärischen Nieder- läge hingewiesen. Sie sieht den Hauptgrund vielmehr in dem steigenden Mangel an Offizieren bei der Infanterie. Da, wo zuverlässig« Führer vorhanden waren, hielt die Truppe stand; da, wo sie fehlten, brach der Widerstand zusammen. Die Oberste 5z«eresleitung entschloß sich deshalb, damals alle irgend. wie brauchbaren Offizier« aus der Heimak«nb der Etappe für die Front heranzuholen. Die Frag« liegt nahe, warum das nicht schon früher geschehen ist. Der Lagebericht vom 15. September z. B. bezeichnet ferner als Ziel des Kampfes nicht die Behauptung von Gelände, sondern die Durchführung des Grundsatzes,„den Angreifer sich zermürben zu lassen, selbst aber die Kampfkraft unserer Heere zu erhalten". Man sieht, wie damals der Gedanke an den militärischen Sieg völlig ausgegeben war: die psycho- logisch« Voraussetzung für die folgenreiche Beantragung der Bitte um Waffenstillstand und der Frieden durch die Oberste Heeresleitung bei der Reichsregierung vom Ende des Monats war damit gegeben. Die Offiziere in maßgebenden Stellen sahen da- mals schon die Lage als außerordentlich ernst an. die Oberste Heeres» leitung sah sich deshalb genötigt, zu einer ruhigen Beurtei» lung der Lag« zu ermahnen. Auch häuften sich die Meldun. gen, daß das Vertrauen zwischen Führung und Truppe, zwischen Offizier und Mann nicht mehr überall das alt« sei. Als Grund dafür werden lediglich militärische Mo- mente angesehen: wohl wird einmal von„Unzufriedenheit" in der Heimat gesprochen: aber eine politische Agitation von der Heimat her wird nicht erwähnt, sie wurde also als unwesentlich angesehen. Dem Offizier- und Unteroffizierkorps wird vielmehr aus- drücklich vorgeworfen, daß sein« verminderte Leistung und seine mangelnde inner« Geschlossenheit der Grund s«i für das fest- gestellte Nachlassen der Disziplin und das Sinken der Kampfkraft mancher Truppenteile. Die ganze Dolchstoß-Geschichte wurde erst nachträglich erfunden, als die Allgewaltigen des Krieges sahen, was sie angerichtet hatten. Feldherren, die entscheidend geschlagen sind, pflegen anderwärts vors Kriegsgericht gestellt zu werden. um zu prüfen, ob sie überall ihre Schuldigkeit getan oder Wesentliches versäumt haben. Ludendorff aber fabuliert von den„Weisen von Zion" und vom„Dolchstoß der Heimat" in einer Tonart, als ob er ein Dorfschulmeister von Anno dazu- mal wäre. Er, der im entscheidenden Augenblick die Nerven verlor und dann nach Schweden ausrückte, darf es heute wagen, im Reichstag der Republik einherzustolzieren, als ob nichts gewesen wäve. Hochverräter und Weltkriegsverlierer, wartet er auf Walhall in den Hallen des Reichstags! Der Skanöal öer Lanüesverratsprozesse. Zum Gutachten des Reichswehrministeriums. Das GutachtendesReichswehrministeriums, das— wie wir gestern abend mitteilten— als Stütze für das Landesverratsverfahren gegen Dr. Z e i g n e r wie für ähn- liche Verfahren dient, ist eine Bedrohungderrepubli- konischen Verfassung, ein Schutz für verfassungs- und staatsfeindliche rechtsradikale Organisatoren. Es gibt bewaffnete rechtsradikale Organi» s a t i o n e n in Deutschland, die die Reichsregierung stürzen und die Verfassung außer Kraft setzen wollen. Das ist g e- richtsnotorisch— der Münchener Hochverratsprozeß hat diese Tatsache bestätigt. Gegen dies Treiben hat Dr. Zeigner in seiner Landtagsrede, die unter Anklage gestellt werden soll, angekämpft, nachdem er vorher versucht hat, ohne Inanspruchnahme der Oeffentlichkeit die Reichsregierung zu energischem Einschreiten zu veranlassen. Soll die öffentliche Diskussion und Kritik unzulässig und strafbar sein, wo es sich um eine Grundfrage unseres Staats- und Derfassungslebens handell? Das Gutachten des Reichswehrministeriums will schlechthin jede öffentliche Diskussion über die rechtsradikalen hochverräterischen Bestrebungen unterbinden. Sieht man nicht die Größe des politischen Skandals? Ein Ministerpräsident beantwortet im Landtage eine Interpellation, und man macht ihm deswegen den Prozeß. Kann man den Gedanken des Parlamentarismus schlimmer diskreditieren? Der Abgeordnete steht mit allem, was er zur Begründung der Interpellation vorbringt, unter dem Schutze der Immunität. Aber die verantwortliche Regierungsstelle, von der der Land- tag Auskunft heischt, soll nach dem Staatsanwalt schielen. Rede an Ken öeutschen Zöel. Von Alfred Eduard. Meine Herren Aristokraten! Sie haben sich vor einigen Tagen der historisch denkenden Mit- weit, die Ihnen im November 1918 so viel unverdiente Nachsicht ent. gegengebracht hat, neuerdings in eine sehr unangenehme Erinnerung gerufen. Sie haben am 1ö. Mai in Breslau einen„Deutschen A d e l s t a g" gefeiert, statt in der milden Dämmerung zu verbleiben, die Ihnen«ine allzu gütige Weltgeschichte zugedacht hat. Ja, Sie haben sogar eine beleidigende Resolution abgefaßt,'die der historischen Wahrheit ebenso wie der deutschen Republik und dem deusschen Volke ins Gesicht schlägt. Ich hob« von Ihnen, meine Herren Aristo- kraten, niemals Ehrfurcht vor der geschichtlichen Wahrheit, der Republik und dem Volk erwartet. Aber wenigstens Stillschweigen. Es scheint aber, daß eine erledigte Herrenkaft« ebensowenig schweigen kann, wie unsere— leider!— besiegten Generale. Sie sollen«ine Aptwort zu hören bekommen, nicht, damit Sie sie etwa beherzigen, sondern damit Sie sehen, daß Sie nicht stumme Gegner haben. In Ihrer Entschließung behaupten sie:„Unverändert drücken die Ketten des Derfailler Vertrages, die, wenn wir nicht selbst sie sprengen, noch Kind und Kindeskinder fesseln werden." Ich sehe von dem schlechten Deutsch dieses Satzes ab— ich kann Ihnen kein besseres zumuten— und beschränk« mich auf die Erörterung de, Inhalts. Was stellen Sie sich unter der„Sprengung der Ketten" vor? Hätten Sie gesagt, daß„unsere Kind und Kindeskinder" die „Ketten sprengen" werden, so hätte ich Ihnen zwar nicht zugestimmt, aber angenommen, daß Sie Ihre Behauptung wohl überlegt haben. Da Sie aber behaupten, w i r müßten die Ketten sprengen, so nehm« sch an, daß Sie unserer Generation einen Rachekrikg zumuten. Glauben Sie wirklich, daß wir es können? Wie sollen wir ohne Eprenzmittel sprengen? Ich nehme an. daß Sie die gute Absicht haben, im kommenden Kriege nicht mehr, wie iin letzten, enthoben zu werden oder auf gesicherte Posten zu kommen. Aber glauben Sie, daß uns selbst Ihr« Mitwirkung viel helfen würde? Ich klage Sie also an. eine leere Phrase wiederholt zu haben, ohne Ueber- legung und nur von ihrem schönen Klang verführt. Aber das wäre in Ihren angeborenen und anerzogenen Eigenschaften begründet. Dagegen sind Sie, soviel ich we'ß. zur Höflichkeit erzogen, die Sie selbst Ihrem Stande schuldig zu sein glauben. Wie kommt es also, daß Sie sich einer groben Beleidigung schuldig machen, indem Sie sagen:„Tiaß der Staat allen Stürmen doch noch standhielt--- zeugt von dem unbeugsamen Willen unseres Volkes--- den Faden deutscher Geschichte und deutscher Weltgeltung da wieder an- zuknüpfen, wo verbrecherische Hände ihn im November 1918 plötzlich olsschnitten." Nur Ihnen blieb es vorbehalten, eine so freche Beleidigung und emt ja plumpe Persälschung der vergangenen und der gegenwärtigen Taffachen in«wem Atem in die Welt zu setzen. Wo sehen Sie den unbeugsamen Willen unseres Volkes, wieder bei Wilhelm II. anzuknüpfen, und der Weltgeltung, die wir damals hatten? Wann hat Ihnen das deutsche Volk mitgeteilt, daß ee wieder als„Barbaren", Hohenzollern-Unterwnen gelten will? Lassen Sie mich Ihnen mitteilen, daß der Faden niemals wieder dort an- geknüpft wird, wo er einmal abgeschnitten wurde. Das geht bei allen möglichen Fäden, nur nicht bei dem historischen. Und selbst, wenn wir wieder durch einen Ihrer Umsturzversuche einen Kaiser bekämen, er wäre nicht mehr derselbe wie 1918. Wären Sie historisch gebildet, Sie wüßten es. Sie wüßten, daß der ftanzöstsche Re- staurvtionsversuch auch mißlingen mußte, weil die Zeit nicht ge- hemmt werden kann, auch wenn sie aufgehalten wird. Und hätten Sie politische Einsicht, so müßten Sie bemerken, daß selbst diejenige», auf die Sie am meisten rechnen können, die dumpfen Kleinbürger und die wirren Völkischen sich keinen Kaiser mit Tyrannengelüsten gefallen lassen würden. Sie müßten sehen, daß sich sogar die Völki- schen National-Sozia listen nennen und wissen, daß sogar ein so verfälschter Sozialismus weder Ihnen, noch Ihrem Kaiser be- Hagen könnte. Hätten Sie doch besser Geschichte gelernt! Dann würden Sie wissen, daß selbst ein„Verbrecher", der den„Faden der Geschichte abschneidet", den Willen der Geschichte vollstreckt, wenn er nur ihrem Sinn gerecht wird. Und ihr Sinn fft der Forffchritt von der Tyrannei zur Freicheit. Wie aber sollten S i e es verstehen, die Sie selbst der historischen Vergangenhenit angehören! Es ist nicht wahr, daß ein„großer Teil des deuffchen Volkes" nach Ihrer Führung verlangt. Wohl oerlangt das ganze Volk nach „Männern, die nicht das ihre suchen, sondern das Allgemeinwohl über das Eigenwahl stellen". Aber wenn Sie behaupten:„Das war des Adels Art und soll es ferner fein"— so stimmt der erst« Teil dieser Behauptung bestimmt nicht. Wann hat Ihre Kaste das All- gemeinwohl über das Eigenwohl gestellt? Höchstens das Wohl des Adels, niemals das des Volkes! Immer und in allen Ländern haben Sie den Bürger und den Bauern unterdrückt. Haben Sie etwa frei- willig die Leibeigenschaft aufgehoben? Haben Sie auf den Zehent verzichtet? Sie haben für Könige, die Ihr« Gönner und Ihre Ab- herngigen waren, Kriege geführt. Es ist das Mindeste, was Sie geben mußten, so ziemlich das Einzige, was Sie zu geben imstande waren. Das war„des Adels Art". Sie find schon überholt und ersetzt. Nicht von Würdigeren, aber von Moderneren. Wir kämpfen nicht mehr gegen Sie, sondern gegen den Großbürger, der Sie abgelöst hat und der gefährlicher ist. Raffte, der Raubritter, gründet eine neu« Aristokratie: Sie haben Ihr Da» sein nur den Raubrittern zu verdanken. Der Industriebaron ist Ihr Nachfolger. Sie gehören der Vergangenheit an! Bleiben Sie, wo Sie die Geschichte hingestellt hat. Und benehmen Sie sich gesittet in Ihrem Winkel. Sonst gleichen Sie jenen alten Rittern In romon- tischen Burgkellern, die dank einein Mechanismus rasseln können, wenn man dem Führer eiy Trinkgeld gibt, Das merkwürölgfte verbrechen öer Welt. Die Erinnerung an«in Verbrechen, da, die mnerikamfchen Blätter das„merkwürdigste der Welt" nennen, wird wachgerufen durch die Meldung, daß das 7. Begnadigungsgesuch von Karl Warr. der ein« Zuchthausstrafe von 20 Jahren im San Ouenttn-Ge- fängnis absitzt, von dem kalifornischen Obergericht abgelehnt wurde. Karl Warr, der vor 11 Jahren versuchte, ganz Los Angeles mit Dynamit in die Luft zu sprengen, hat ein Verbrechen begangen, das in der Geschichte der Kriminalistik einzigartig dasteht. Am Morgen eines Ianuartages im Jahre 1913 erschien Warr auf dem Polizei- Präsidium von Los Angeles. Er trug eine braune Maske über dem Gesicht und eine große blau« Brille und hatte eine mächig« rot« Kiste vor die Brust geschnallt, die vorn eine Glasplatte hatte. Man glaubte zunächst, daß es sich um einen Clown handele, der irgend- einen besonderen Trick ausführen wolle. Warr fetzt« sich auf«inen Stuhl und erklärte dann ruhig, wenn irgendwer auch nur die ge. ringste Bewegung machen würde, so werde er die ganze Stadt in die Luft sprengen. Er zeigte mit der rechten Hand auf die Glas- scheide der Kiste und lenkte die Aufmerksamkeit der Polizeibeamten auf 75 Dynamifftangen, die sich in der Kiste befanden und mit dem Zünder einer elktrischen Batterie in Verbindung standen. Seine linke Hand hatte er durch ein Loch in die Kiste gesteckt. Alle Finger an dieser Hand fehlten infolge eines Unfalls und waren durch Hol.z. finger ersetzt, die er selbst verfertigt hatte. Warr teilte den Poll- zfften mit, daß feine linke Hand auf einer Feder ruhe, und solange diese Feder heruntergedrückt würde, könne nichts passieren. Aber wenn er feine Hand fortnähme, dann wäre der elektrische Kontakt hergestellt und das Dynamit werde explodieren, wodurch er selbst und alle um ihn in weitem Umkreis in die Ewigkeit befördert würden. Man fragte den merkwürdigen Gast, was er wolle. Er er- widerte, er befehle, daß man den Präsidenten einer bestimmten Eisenbahngesellfchaft vor ihn bringe, damit er bei ihm eine besser« Behandlung seiner Arbeiter durchsetze. Die Polizei- beamten gingen auf sein Verlangen ein. Man gewann Zeit, indem man nach dem Präsidenten schickte. Unterdessen sorgte man dafür, daß die vielen Hundert Insassen des in dem Haufe befindlichen Poli- zeigesängnisses herausgeführt wurden und alle Lebewesen dos Polizeipräsidium verließen mit Ausnahme der in dem Zimmer An- wesenden. Das Erscheinen der Gefangenen auf den Straßen machte ungeheures Aussehen: die wildesten Gerüchte durchschwirrten die Stadt, und bald hatte sich eine Menge von Zehntansenden onge. sammelt. Man hielt das Ganze für einen Scherz.� Berichterstatter dranaen ein, um den merkwürdigen Witzbold zu interviewen, und ein Pbotograph wollte ihn im Bild« festhalten Unterdessen hotte man Warr 154 Stunde lang unter allen möglichen Borwänden be- ichäftigt. Dann gingen drei Detektive plötzlich zum Angriff auf ihn über. Zwei von ihnen hielten Warrs linke Hand wie in einem Schraubstock, während der dritte ihn durch einen Schlag mit seinem Polizeiknüppel betäubte. Zu gleicher Zeit wurde der Gloskasten ent- zweigeschlaqen. und die Dynamifftangen fielen auf den Boden, während die Zündung gefahrlos aufsprühte. Man mutz d>e Grausamkeit und Ungerechtigkest kennen, mit der im„freiesten Lande der Welt" die Arbeiterbewegung verfolgt wurde und wird, um solche sozialen Attentate zu begrrtfen. 25«? fft sicher Die Beantwortung von Interpellationen ist Ausfluß des den Ländern verbliebenen Hoheitsrechts, ist Staatsrecht» und fällt daher begrifflich von vornherein außerhalb des Bereiches der strafbaren Handlungen. Das soll nicht gelten, wenn militärische Dinge in Frage kommen? Fast muß man annehmen, daß das Reichs- wehrministerium dieser Auffassung huldigt. Dieser Stand- punkt eröffnet glänzende Perspektiven für die Republik! Die illegalen hochverräterischen Organisationen und ihr Treiben, der Hochverrat selbst, sollen jeder öffentlichen Kritik entzogen sein. Mit zwei Zeilen dieses Gutachtens bringt das Reichswehrministerium es fertig, ganze Partien der Reichsverfassung außer Kraft zu setzen und allen Putschis- mus zu decken, sofern er sich nur das Mäntelchen des„Auf- lebens des Gedankens der Wehrhaftigkeit im deutschen Volke" umzuhängen versteht. Dabei läßt das Gutachten außer acht, daß der Reichs- wehrminister Dr. G e ß l e r selbst das Treiben dieser Geheim- Organisationen im Reichstag gekennzeichnet und abgelehnt hat. Er hat damals betont, daß die geheimen Organisationen für militärische Auseinandersetzungen mit ausländischen Heeren unverwendbar seien. Trotzdem will das Gutachten des Reichs- wehrministeriums über alle rechtlichen und politischen Be- denken hinweg diesen Organisationen allen denkbaren Rechts- schütz gewähren. Sieht man nicht, wie wir uns in den Augen der Welt unmöglich machen? Wem soll das Ausland Glauben schenken? Dem Reichswehrminister, der im Reichstag die Geheimorgani- sationen bekämpfte, oder dem Reichswehrministerium, das mit seinem Gutachten diese Organisationen gegen die Republik schützt und ganze Partien der Reichsverfassung außer Kraft setzen will?_ Gegen üen Sürgerkrieg. Ein Schreiben des Republikanischen Reichsbundes. Der Deutsch« Republikanisch« Reichsbund hat an den Reichspräsidenten, die Reichsregierung, die Regierungen der deut» schen Länder und deren Landtage sowie an die Haupworstände und Reichstagsfrattionen der republikanischen Parteien ein Schreiben ge. richtet, in dem aus die ungeheuren Gefahren aufmerksam gemacht wird, die der Deutschen Republik und damit der Einheit des Deut. schen Reiches durch die sich vaterländisch nenende, in Wirklichkeit aber vaterlandsfeindliche Bewegung drohen, die versucht, aus dem Umweg über„Deutsch« Tage" usw. nunmehr auch Norddeutschland zu dem gleichen politischen Seuchenherd zu machen, wie vor Iahren Bayern.— Das Schreiben spricht die Erwartung aus, daß Reichs. und Staatsrsgierung alles tun werden, um den Gefahren dieser Be- wegung, die notwendigerweise zum Bürgerkrieg führen muß, notfalls unter Einsatz der gesamten staatlichen Machtmitel zu be» gegnen, und schließt mit den Worten:„Wir halten es für unsere Pflicht, offen auszusprechen, daß die deutschen Republikaner ent- schlössen sind, das Deutsche Reich und damit die Deutsche Republik mit Gut und Blut zu verteidigen. Die republikanische Jugenö voran l Hamburg» 24. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Hamburg steht im Zeichen wirtschaftlicher Ausstellungen. Ein starker Fremdenstrom hatte sich aus diesem Anlaß über Hamburg ergossen. Das war die Gelegenheit für die Hamburger republikanische Jugend, das Signal zur Abwehr des völkischen Blutsonntags in Holle aufzu» nehmen. In einer sehr wuchtigen Kundgebung im großen Saal« des Gewerkschaftshauses» m endlosem Fackelzug, in den An- sprachen und Gesängen lag ein Bekenntnis zur Republik, gegen Hakenkreuz und Schwarz-Weiß-Rot. Die wuchtige Entschlossen. heit des ungeheuren Zuges der Jugend war eine Antwort an Halle und«in« Warnung an Völkische und Nationalisten. Einig und diszipliniert gab die Hamburger Jugend«in Vorbild für die gesamte deutsche republikanische Jugend,«in Vorbild und Bekenntnis: Deutsche Republik» wir schwören, der letzte Tropfen Blut soll dir gehören! ein sozialer Phantast, der auf seine Weffe seinen Arbeltskollegen helfen wollte. Eine Ehrung Analole Jrances. Im Pariser Irocodero fand Sonobend nachmittag eine volkstümlich« Jubiläumsfeier zu Ehren von Anatole Fnmce statt, bei der Senator Franeois Albert eine Ansprache hielt. Anatole France erhob sich darauf unter allgemeiner Begeisterung und erklärte, durch die Wahl vom 11. Mai habe das Land in aller Form seinen Willen zum Frieden und zu einer völligen Amnestie kundgegeben, und die letztere sei auch nur ein« Form des Friedens. Wenn wir auch nur«inen einzigen Keim des Krieges unvernichtet ließen, sagte Anatole France, würde uns die Welt nie- mals verzeihen. Im Anschluß daran fand ein« künstlerische Veranstaltung statt, bei der Stellen aus den Werken Anatole Frances vorgelesen wurden. Ein Sowjet in der Tundra. Unter dem Einfluß der Moskauer Sowjetregierung wird, dem Ost-Expreß zufolge, auch bei den Tscha- manen in den Tundren des hohen Nordens das Sowjetsystem ein- geführt, natürlich in sehr vereinfachten, dem Naturvolk begreiflichen Formen. Sehr anschaulich schildert der Journalist Serow die erste Tagung eines Sowjets in der Tasow-Tundra. Vor der Eröfsuung befragte der Zauberer des Stammes die Geister über ihre Meinung hinsichtlich der Verfassungsänderung, welche der Alleinherrschaft der Häuptling« ein Ende machen soll. Die Geister gaben ihre Zustim- nmng. Dann traten die wenigen Mitglieder des Stammes, die auf Reisen in nordrussische Städte gekommen waren, als Redner auf und erklärten,„die Sowjets seien gut". Die Folge dieser mit Nachdruck wiederholten Erklärung war die Wahl des ersten Sowjets, wobei einige Kandidaten die im dringenden Verdacht des Renntierdiebstahls standen, von der Versammlung entrüstet abgelehnt wurden. Die ganze weitere Verhandlung stand im Zeichen de- Renntiers. Die reichen Häuptlinge erlebten d,e peinliche Ueberraschung, daß sie laut Sowjetbeschluß«inen Teil ihrer Renntiere„an die Armut" abtreten mußten. Nachdem dann noch der Häuptling Podra wegen Bele.dr- gung einer Frau Tantscharia zur Strafzahlung von zwei Polar. füchsen verurteilt worden war. ging der Sowiet auseinander, der sich. wie der Berichterstatter behauptet, sogleich die allgemeine Achtung und Sympathie erworben hat. Ein schlechte« Maikäserjahr. Auch Maygel kann einmal an- ««nehm sein. Zumal wenn er im Ausbleiben der unliebsamen Früh- lingsgälte, der Maikäfer, besteht. Einigermaßen enttauscht»st nur das Kindervolt das an den..Müllern,„Schornsteinfegern". „Bäckern" und'„Fleischern" seinen Spaß zu haben dachte. Der Landmann dagegen verzichtet gern auf den fteßgierigen Schädling. Ohne Zweifel ist in der Hauptsache dem ungewöhnlich harten und nassen Winter die Vernichtung der Mehrzahl der Käferlorven(der Engerling«) durch Crftieren und Pilz- und Schimmelbildung zu ver. danken. Die vielfach gehegte Befürchtung, daß sich— wie alles in der Natur— in diesem Jahre auch die Ankunft der Maikafer ver- spatey würde, hat sich glücklicherweise nicht erfüllt. Die Maikäfer- gefahr»st glücklich an uns vorübergegangen. Erna Schneevolgl wird in der kommende« Saison mit dem Phil- MMonilchen Orchester einen Beelhoven-Zyllus veranstalte«, in dem sämt- Sche Smjomen zip: AuMhrpug gelangen, vereiteltes Sprengftoffattentat. Verhaftungen von Kommunisten in Potsdam. Das Polizeipräsidium teilt mit: Der Abteilung la war schon seit einiger Zeit bekannt, daß terroristische kommunistische Elemente bei Störung von Veranstaltungen anders gerichteter Vereinigungen und Verbände sich»licht nur auf ihr« Knüppelgarden stützen, sondern in Zukunft zu schärferen Maßnahmen greifen wollten, vermutlich durch Anwendung von Spreng st offen. Es wurden deshalb durch die Abteilung la die verdächtigen Sammelpunkte, mix Schanklokale usw., dieser tenroristischen Elemente einer strengen Ueberwachung unterzogen und hierbei ermittelt, daß voraus- sichtlich für den 24. Mai d. I. bei Gelegeuheit der Weihe des Denk- mals zum Andenken der Gefallenen des Regiments der Gardedu- corps in Potsdam ein Anschlag auf die Festveranstaltung geplant werde. Dank der ununterbrochenen Beobachtung der als Sammel- punkt« in Frage kommenden Oertlichfeiten konnte ein auffälliger Verkehr ortsfremder Elemente im Vorpart von Sanssouci am Friedensteich bei Potsdam festgestellt werden. Insbesondere wurde ein Mann beobachtet, der offensichtlich unter seinem Mantel ver- schieden« Gegenstände verborgen hielt. In diesem Augenblick griffen die Beamten der Abteilung la in engster Zusammenarbeit mit dgx Potsdamer Kriminalpolizei zu, und es zeigte sich, daß dieser Mann unter seinem Mantel 3 Eierhandgranaten, 3 Bomben, die aus Aluminiumfeldflasche« mit Sprengladung und Aufschlag- zünder bestehen, bei sich führte. Ferner hatte er eine P a r a» b e l l u m p i st o l e mit Magazin für 32 Schuß bei sich Er gab zu, der Korrespondent der„Stcttmer Volksmacht", Walter Z« u t s ch e l, zu sein und in Hamburg zu wohnen. Die fernere Beobachtung des erwähnten Ortes in Potsdam führte zur Festnahme von w e i- teren 8 Personen, die sämtlich mit einem neuen P h a r u s- plan von Potsdam ausgerüstet waren und nach ihrem Ein» geständms Anweisung hatten, sich an diesem Ort zur Empfangnahme von Sprengbomben einzufinden. Inzwischen war es auch geluygen, das Lagerflestzustellen und auszuheben, aus dem die Attentäter ver. sorgt werden sollten. Diese» Lager befand sich bei dey» Kaufmann Wilhelm Sommerfeld in Potsdam» Breite Straße 60, und ent- hielt: K Bomben in Feldflaschen von 1 ßitor Inhalt, S Elex- Handgranaten, 13 gefüllte Magazine für Pars- bellumpistolen, 195 Schuß und 4 Parabellumpistolen 9 Millimeter. Mit Sommerfeld zugleich wurden auch seine Frau und«m Freund Sommerfelds, der Kaufmann Georg Dahn, Breite Straße 57 in Potsdam, sistiert. Sämtliche sestgenommmenen 12 Per- fönen sind dem Polizeipräsidium Berlin zugeführt und werden von der Abteilung la einem eingehenden Verhör unterzogen, das voraus- sichtlich auf die Spur der Drahtzieher dieses kommunistischen Anschlages führen wird. Weitere Festnahmen sind noch zu erwarten. Der Zall öozenharüt. Seine Partei verleugnet ihn. Ueber die Darstellungen, die die kommunistische Presse im Fall Bozenhardt verbreitet hat, geht dem Wolfffchen Telegraphen- bureau eine offiziöse Darstellung zu, der wir folgendes entnehmen: Wie unsinnig die kommunistisch« Behauptung über die Spitzeltätigkeit von Bozenhardt und Lehmann ist. geht übrigens auch daraus hervor, daß beide bei ihrer polizeilichen Vernehmung jede Aussage übqx Punkt« verweigert haben, die irgendwie die Handelsvertretung oder die Kommu- nfftifche Partei hätten belasten können. Der„Fall Bozenhardt" ist kennzeichnend für die kommunistische Methode, eigene Parteianhänger, die von den Behörden bei verbrecherischen Plänen ertappt werden, einfach fallen zu lassen, zu ver- leugnen und zu„S p i tz e l n" zu stempeln. Bozenhardt selbst, der ein seiner Partei seit langem treu ergebener Kom- munist ist, war über die zuerst in der„Roten Fahne" aufge- tauchte Behauptung, er habe sich von der Polizei als Spitzel miß- brauchen lassen, derartig bestürzt und entsetzt, daß er sich in seiner Depression anfangs das Leben nehmen wollte: er glaubte es nicht ertragen zu können, daß er, der als reiner Idealist sein ganzes Lebe« der Kommunistischen Partei ge- widmet habe und der seine ganze Vergangenheit und Lebens- ftellung der Partei zuliebe aufgegeben habe, jetzt von ihr aus talti- schen Gründen alsPolizeispitzelgebrandmorkt werde." Die ganze Unsinnigkeit der Behauptung, Bozenhardt sei ein Spitzel, geht auch daraus hervor, daß die Kommunistische Partei bis in»die letzten Tage hinein das größte Gewicht darauf gelegt, hat, die Disziplinarangelegenheit Boze�liardts im Reichsver- kehrsministerium auf das sorgfältigste bearbeiten zu lassen. Es gehört einfach zum kommunistischen System,.zu lügen und zu leugnen, Moral hat nach kommunistischer Auffassung überhaupt mit öffentlicher Tätigkeit nichts zu tun. So g r u n d s a tz l o s wie die Kcmmunisten in politischen Fragen sind, so grundsatzlos sind sie auch in den einfachsten Erwägungen moralischen Anstandes. Di« Ehre deseinzelnen ist ihnen voll st än- diggleichgültig, einerlei ob es sich um einen Gegner oder um einen Parteigenossen handelt. Die in Potsdam»erhafteten Sprengstoffottentäter werden selbstverständlich morgen schon prompt von den Kommunisten für Lockspitzel erklärt werden! Am End« besteht die ganze KPD. bis zur höchsten Spitze mit M a s l o w nur aus Spitzelnf Jedenfalls enthüllt auch dieser bei- nahe tragische Fall den ganzen Abgrund, in den der russische Einfluß einen Teil dcr deutschen Arbeiterbewegung hineinge- zogen hat._ Neues presseverbot. Das Polizeipräsidium keilt mit: Der Polizeipräsident von Berlin hat die an Stelle der„Boten F ah n e" hier zur Verbreitung kommende kommunistische„Volks- wacht für Pommern" au» denselben Gründen, au» denen er zum Verbot der„Boten Fahne" und der„Roten Fahne für Me pro- »inj Brandenburg und die Lausitz" genötigt war, verboten. Don Verbot dauert b i s z u m 14. I u n i d. 3. Kommunismus in Guglanö. London» 22. Mai.(Eigener Bericht.) Die kommunistische Be- wegung in England ist mit dem jüngst abgehaltenen Parteitag in ein neues Stadium getreten. Der Parteikommunismus hat bisher mit Ausnahme von London und Glasgow in Groß- britannien überhaupt nicht Fuß fassen können, und die Auflag« seines einzigen Wochenblattes wird selbst von Anhängern der Bewegung auf höchstens 69