Abendausgabe Nr. 245 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 124 5 Goldpfennig 50 Milliarden = Vorwärts= sind in der Morgenausgabe angegeben Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Redaffion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 26. Mai 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gu: 35). Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Das Attentat auf Seeckt. Thormann und Grandel vor dem Schwurgericht. Jch meldete mich infolgedessen am 26. Oftober bei der Technischen Abteilung der ruhmreichen Ehrhardt Brigade. Am 9. No Dember fam dann der Putsch, der zufanimenklappte. Ich mußte an dem Tage nach Starnberg und sagte zu einem Bekannten: Wenn ich zurüdtomme, ist die ganze Geschichte zu Ende", und so ift es wirklich gekommen. Ich übernahm dann die Verpflegung Wenn ich zurüdtomme, ist die ganze Geschichte zu Ende", und so der Ehrhardt Brigade und habe bis zum 15. Dezember vom ben bayerischen Bauern Material für 15 000 Mannschaftsspeisungen ohne einen Pfennig Geld zusammengebracht, denn die nationalen jungen Leute hatten nichts zu essen. In München blieb ich, da ich einen Prozeß mit Dr. Janczit hatte, der wegen Betrugs angeflagt war. Ich erwähne das, weil ich durch Janczik, der das Haupt einer ganz bestimmten Clique ist, Herrn v. Tettenborn femen Berlin, um Janczik weiter zu beobachten und mir, da eine Staatsumstellung nicht mehr zu erwarten war, eine andere Position zu schaffen. So fam ich dazu, am 3. Jamar d. J. Bor bem Schwurgericht des Landgerichts I begann heute vor mittag der auf mehrere Tage berechnete Prozeß gegen Thor mann und Grandel, die im Berdacht stehen, im Januar d. 3. einen Mordanschlag auf General v. Seedt geplant zu haben. Den Borsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Tolf, während die Anflage von Generalstaatsanwalt Lindow und Staatsanwaltschaftsrat Dr. Burghardi vertreten wird. Die Verteidigung der Angeklagten liegt in den Händen der Rechtsanwälte Justizrat Hahn, Bloch und Sad. Kurz vor Beginn der Verhandlung wurden die beiden Angeklagten in den Saal geführt. Beim Aufruf der Zeugen stellt der Borsitzende fest, daß Major Gilbert nicht erschienen ist. Der zweite Hauptzeuge, der Sekretär bei der Deutschvölfifchen Freiheitspartei, Herr v. Tettenborn, der in Hitleruniform por Ge richt erschien, erklärt, daß Gilbert die gerichtliche Ladung nicht ergelernt habe. Am 17. Dezember fuhr ich dann wieder nach halten habe. Zur heutigen Berhandlung war auch Oberregierungsrat Dr. Weiß, der beurlaubte Chef der politischen Polizei, und Oberregierungsrat Mühleisen aus dem Reichskommiffariat für die öffentliche Ordnung, erschienen. der Deutschvölkischen Freiheitspartei in der Deffauer Straße einen Besuch abzuftctten. Bors: Kannten Sie denn diese Partei näher? Hierauf wird der Angeklagte Alexander Thormann zur Sache vernommen. Er erzählt, daß er in Kopenhagen als Sohn eines Montagemeisters bei der Alpine- Montage- Gesellschaft" geboren und als Kind nach Deutschland gekommen sei. Bei seinem Bater habe er in Mainz das Schlosserhandwerk erlernt und sei Angell. Thormann: Ich kannte Herrn v. Tettenborn bereits als 18jähriger Mensch selbständig gewesen und habe Leute und wußte, daß er in der Roßbach- Affäre die unjaubere Rolle gebeschäftigt. Dann habe er mit seinem Vater und seinem Bruder spielt hat. Im Bureau der Deutschvöltischen stieß ich auf Bulle, das Geschäft zusammen betrieben, bis 1907 infolge eines großen der im Begriff war, fortzugehen, und wurde von Tettenborn in ein Familienkraches" die Firma aufgelöst wurde. Weiter berichtet Ronferenzzimmer gebeten, wo wir über alles mögliche sprachen. Ich Thormann, daß er bei Kriegsausbruch beim 3. Garde fragte Tettenborn: Wo ist der Spitzbube Janczik?" Wo ist der Spitzbube Janczit?" regiment eingezogen gewesen, dann aber zur Kraftradabteilung ver- Tettenborn sah zur Erde und behaupteie, er wisse es nicht. sezt worden sei, wo er stürzte und sich einen Schädelbruch Beiter erklärt Thormann: Unsere nationalen Berzuzog. 1918 fei er von seiner Frau geschieden worden bände sind alle durch Spigel zersegt, und Tettenund habe infolge eines seelischen Zusammenbruches den Wunsch born, der halbjude, ist der Erzspiel. Immer weiter gehabt, seine ganze bisherige Lebensweise umzustellen. Er 30g geht die fehr geläufige Rede Thormanns, der in der Hauptfache nur zunächst in einen kleinen Orf an der Offfee, übersiedelte aber dann das eine Thema hat" Der verdammte Spigel Tetten nach zwei Jahren infolge ewiger Schifanen der Behörden" nach born." Geschickt und mit großer Gewandtheit versteht es aber Süddeutschland. In diefem angeblich demokratischen Süddeutsch- Thormann zu gleicher Zeit auf sein Ziel loszusteuern: ich bin un land verfolgte man mich genau jo. Ich betrieb dort ein kleines schuldig, ich habe nicht das geringste mit dem Attentat gegen Seedt Hotel und da ich mein Vaterland sehr liebte und ihm dieren wollte, zu tun. Alle Schuld liegt bei Tettenborn, den zu entlarven mein so beschloß ich, das Geschäft zu verkaufen und Deutschland zu einziges Bestreben und meine Aufgabe in Berlin war. Nach etwa bereisen, um festzustellen, wie überall die Stimanderthalbstündiger Rede ist Thormann erschöpft und der Borsigende mung sei. Ich fuhr zunächst an den Rhein und kam dann nach läßt eine tieine Bause eintreten. Nach der Baufe fährt Thormann München, wo ich in nationalsozialistischen Versammlungen bekannte Führer der Rechtsbewegung fennen lernte, und mit ihnen in 2ause bengel Tettenborn, dem er die Maske herunterreißen Jetzt ist er erregt, er spricht von dem alunten und Gedankenaustausch trat. Um Neujahrstage 1923 tam ich nach Berlin und fuhr Anfang Januar wieder nach München zurück. Hier wollte, der geäußert hat: fette nun eigentlich meine politische Tätigkeit ein. Am 2. Januar war ich bei Roßbach und bei diefer Gelegenheit erzählte er mir, daß ihn am Vormittag ein Phänomen, ein Deutschamerikaner, namens Dr. Janczif besucht habe, der schwerreich sei und seine diplomatischen Künste für Auslandsverbindungen anbiete. Ich bat, diesem Herrn vorgestellt zu werden, was auch geschah. Inzwischen mußte ich wieder nach Berlin zurüd, weil es meinem Vater schlecht ging und ich dessen Geschäft auf die Beine stellen mußte. Dann bin ich am 23. Oftober abermals nach München übersiedelt und dort traf ich schon am Bahnhof einen Bekannten. der mir zuflüfferte:„ Es geht lost" " Die Verhandlungen im Bergbaukonflikt. Heute vormiffag 10 Uhr begannen im Reichsarbeitsminifterium unter dem Vorsitz von Dr. Syrup. Bräfident der Reichsarbeitsverwaltung, die vom Reichsarbeitsminister angeordneten Berhandlungen zur Beilegung der Aussperrung der Bergarbeiter. Die Zechenbefizer verlangen nach wie vor die Einhaltung des Schiedsspruchs", der die Schichtzeit der Bergarbeiter unter Tage um eine Stunde, auf acht Stunden, bis zum 1. Juni 1925 verlängert, die der Arbeiter über Tage auf 10 Stunden bis 78 Stunden die Woche, ohne jede Sonderentschädigung, ohne Möglichkeit, zur normalen Arbeitszeit zurückzukehren, sobald wieder normale Zustände eintreten. Gerade auf die beiden lehten Umstände weisen die Bertreter der Bergarbeiterverbände mit besonderem Nachdruck hin. Der Berlauf der bisherigen Verhandlungen läßt irgendwelche Schlüffe auf deren Ergebnis noch nicht zu. Die Landtagsfraktion zum Ruhrkampf. Antrag auf Verteilung der Micumlaften. Die fozialdemokratische Frattion des Preußischen Landtages hat zur baldigen Beilegung des großen Wirt fchaftstampfes im Ruhrgebiet folgenden Antrag eingebracht: Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, mit aller Energie und Dringlichkeit auf die Reichsregierung einzuwirken, daß die Lasten aus den Micum- Berträgen fofort auf die gesamte deutsche Wirtschaft verteilt werden. Damit verbunden wird die Besprechung der sozialdemokra Der Landtag trat heute um 11 Uhr in die Etatsberatung ein. tischen und fommunistischen Interpellationen und Anträge zum Arbeitstampf im Ruhrbergbau. Abg. Husemann( S03.) begründet einen Antrag, der das Staatsministerium ersucht, zur unverzüglichen Deffnung der Staatsbetriebe im Ruhrrevier die notmendigen Mittel bereitzustellen, den Kommunen im Ruhrrvier zur Unterstüßung der unverschuldet in Not geratenen Bevölkerung ber Bergrepiere die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, auf die Reichsregierung aufs stärkste einzuwirken, damit der verserende Wirtschaftsfampf in den Bergrevieren im Verhandlungs. roege beigelegt wird. Der Redner geht auf die Borgeschichte des jetigen Rampfes im Ruhrrevier ein und sucht nachzuweisen, daß die Unternehmer en feit dem Abbrudes passiven Wider Er Der Seedt ist der Untergang der nationalen Bewegung. Thormann erflärt auf Borhalten des Vorsitzenden: Meine Hand lungsweise in Berlin ist lediglich, pinchologisch zu erklären." verwechselt aber Psychologie und Phantastit. Wie phantastisch diese fogenannten nationalen Berbände sind, das erfährt man aus dem Mund Thormanns selbst, der es doch am besten wissen muß und der heute sagte:„ Ach, Herr Landgerichtsdirektor, wenn alles das ausgeführt worden wäre, was in den nationalen Berbänden geplant worden ist, wäre in Deutschland und Frankreich fein Stein mehr auf ( Fortsetzung in der Morgenausgabe.) dem andern." • standes unter ständiger Verlegung der Tarifbestimmungen und unter Berstößen gegen Treu und Blauben ihre wirtschaftliche Macht gemißbraucht hätten, um die Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter zu verschlechtern. Geradezu erbärmliche Löhne werden den Bergarbeitern bezahlt. Keine Familie fann mit ihrem Lohn auskommen. Nur einige Bet ipiele: Gin verheirateter Bergarbeiter mit zwei Kindern verdiente pro Tag summa summarum in der Rei nom Januar bis April 5,18 m. bruito, 4,12 m. netto. 26 1. Mai.( einschl. der 15 Proz.) 5,88 m. brutto, 4,82 m. netto. Ein 16jähriger Bergarbeiter hatte im April einen Reinverdienst von 25,96 m., ein 14jähriger im April einen solchen von 18,58 m.- Es ist völlig aus gefchloffen, einen Bergarbeiter in diesem Alter mit diesem Schand fohn auch nur zu ernähren. Fortwährend wird den Bergleuten zugeredet, es sei eben die Not der Wirtschaft, es sei die Last der Micum- Berträge, die auf die Löhne der Bergarbeiter brüden. Aber wie steht es mit der Entbehrung in den Löhnen und Gehältern der Unternehmer. Ein General direttor erhält 6000 M. pro Monat, ein Betriebsdirettor 2000 m., ein Betriebsführer 900 M. usw. Da merkt man von der Entbehrung nichts. Zu alledem kommt, daß die Unfallziffern im Bergbau in der letzten Zeit wieder mächtig im Steigen begriffen find. 3m Dezember 1922 1491 Unfälle, im Januar 1924 4100, im Februar 1924 4817 und im März 5565. Bon den im Monat März erfolgten 5565 Unfällen waren 58 Loie, davon 42 Verheiratete und 12 Ledige. Diese Zahlen find genau ermittelt worden und stehen einwand frei feft. Kurzarbeit bei Krupp. mit, daß in den mechanischen Betrieben vorläufig unter Beibehaltung Effen, 25. Mai.( WTB.) Die Kruppsche Gußstahlfabrik teilt der bisherigen Kurzschichten weitergearbeitet wird. Sozialdemokratische Reichstagsfraktion. Die Reichstagsfraktion der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei trat heute morgen um 10 Uhr zusammen. Die Beratungen genommen werden. Abstimmungen haben nicht stattgefunden. wurden um 1 Uhr abgebrochen und werden um 3 Uhr wieder auf Die durch Nachrichtenbureaus verbreiteten Mitteilungen über den Inhalt der Beratungen beruhen auf Kombinationen. Die Meldung, daß die Fraktion beschlossen habe, den Reichstagspräsidenten zu fordern, ist falsch. Frankreich will den Frieden! Will Deutschland ihn auch? Bon Victor Schiff. Das andere Frankreich hat am 11. Mai das maaji volle Erwachen gefeiert, an das wir Sozialdemokraten selbst in den trübsten Tagen der lezten Jahre nie zu hoffen und zu glauben aufgehört hatten. Es ist eine Erfahrung, die sich nach den Tagen des Boulangismus und der Dreyfuß- Affäre nun die Kräfte der nationalistischen Reaktion fönnen wohl por mehr zum drittenmal innerhalb weniger Jahrzehnte bestätigt: übergehend den gesunden Sinn der französischen Volks maffen früben auf die Dauer fann ihnen dies nicht gelingen. Meist schon bei der ersten Gelegenheit gewinnt dann die alte demokratische Tradition wieder die Oberhand. Wie viele von denen, die bei uns am 4. Mai in dumpfer Verzweiflung deutschvölkisch, deutschnational oder fommunistisch stimmten, haben diese Torheit nur deshalb begangen, überhaupt nicht mehr glaubten, weil sie nur das Frankreich des weil sie an die Möglichkeit einer Verständigung mit Frankreich Nationalen Blocks sahen, mit dem es in der Tat feinen wirklichen Frieden geben fonnte; weil sie uns Sozialdemokraten, die auf das bevorstehende Wiedererwachen des anderen Frankreich hinwiesen, für Narren oder Betrüger hielten! Wie viele unter ihnen werden sich inzwischen gesagt haben:„ Hätten wir am 4. Mai geahnt, daß schon am 11. Poincaré ein derartiges Mißtrauensvotum von seinem Volte erhalten würde, dann hätten wir anders gestimmt!" Hätten... hätten... Fast die ganze Geschichte Deutschlands in den letzten Jahrzehnten besteht aus solchen hätten..", aus solchen nachträglichen Erkenntnissen, die man zu spät gewinnt. Bolt wirklich und endgültig in jene tragische Situation hineinIst es jetzt wieder einmal zu spät? Hat sich das deutsche begeben, vor der wir es eindringlich, aber vergebens feit Monaten gewarnt hatten: Errichtung eines Nationalen Blocks im eigenen Lande in demselben Augenblick, in dem das französische Volt feinen Nationalen Block niedergeworfen hat? Fast tönnte man es meinen. Am stärksten hatten jedenfalls diejenigen Deutschen diesen Eindruck, die in den letzten Tagen in Paris weilten: sie waren auf der einen Seite un mittelbare Zeugen des sturmflutartigen Erwachens der franzö feils in verzweifelter Ohnmacht von weitem beobachten, wie fischen Demokratie; andererseits mußte sie teils verständnislos, ihr eigenes Land von allen guten Geistern verlassen war. Erneuerung, nach endgültiger Liquidierung einer unheilvollen In Frankreich ein wuchtiges Streben nach geistiger und blutigen Vergangenheit, nach Frieden und vielleicht gar nach Versöhnung mit dem deutschen Volfe, nach rücksichtsloser Begräumung aller persönlichen und fachlichen Hindernisse für eine wirklich europäische Politik. In Deutschland dagegen ein widerwärtiges hin- und Hergezerre parlamentarischer Kulissenschiebungen, eine Orgie nationalistischen Revandjefrafeels, eine fünstliche Auftür. mung aller denkbaren persönlichen und fachlichen Hindernisse gegen den Frieden, gegen die Versöhnung, gegen eine europäische Regelung und Liquidierung der Kriegs- und Nachfriegszeit. Am schlimmsten kam mir dieser Gegensatz am vorigent Mittwoch nachmittag zum Bewußtsein, als ich das Haus ver ließ, in dem mir soeben der fommende Mann Frankreichs, Edouard Herriot, Erklärungen abgegeben hatte, die wohl das stärkste Friedens- und Freundschaftsangebot darstellten, das jemals seit vielen Jahren von bürgerlicher französischer Seite dem deutschen Bolke gemacht wurde. Ich kaufte die Abendblätter, in der Hoffnung, endlich einmal eine Nach richt aus Berlin zu finden, aus der hervorgehen würde, daß man dort beginne, die Bedeutung des französischen Wahlumschwunges einigermaßen zu begreifen. Und las in fetfer Ueberschrift:" Tirpiz Reichstanzler?"... Es werden an diesem Tage einige Hundert Millionen Menschen in der ganzen Welt zum Glück einschließlich vieler Millionen Deutscher land total verrückt geworden?" Diese Frage ist mir in jenent ausgerufen haben:„ Ist denn DeutschStunden mehrmals gestellt worden, von Gegnern und von Anhängern des Nationalen Blocks. Die Gegner Poincarés waren aufrichtig erschüttert: sollten sie, die aus tiefster Ueberzeugung gegen ihren Billen gezwungen werden, die Zwangspolitit den wirklichen Frieden erstrebten, durch Deutschlands Blödsinn des Nationalen Blocs fortzusehen? Würden wir wirklich nicht aus diesem Elend herausgekommen? Die Anhänger Poincarés frohlodten: Welche glänzende nachträgliche Rechtfertigung! Man wird entgegnen können, es habe lediglich den Grundfäßen des Parlamentarismus und der Demokratie entsprochen, fähigen Mehrheit sich auch an die Deutschnationalen wandten. daß die Mittelparteien, nachdem die Wahlen vom 4. Mai nun einmal so ausgefallen find, auf der Suche nach einer tragDas hätte zur Not richtig sein können vor dem 11. Mai. Nach dem 11. Mai war es eine Torheit sondersgleichen. Man durfte doch nicht die Tatsache des Umschwungs in Frankreich, des bevorstehenden Verschwindens Poincarés einfach ignorieren, hier auf Grund des 4. Mai genau so handeln und verhandeln, als wäre drüben am 11. Mai gar nichs geschehen. Es wäre vielmehr ein Gebot elementarsier außenpolitischer Bernunft, den Deutschnationalen auf deren Initiative" schroff zu erwidern:„ Jetzt ist der Friede mit Frankreich möglich, ihr feid immer ein Friedenshindernis gewesen, von heute ab aber mehr denn je. Laßt uns gefälligst in Ruhe. Oder vielmehr: Greift uns so scharf und rücksichtslos an, wie ihr es nur könnt, denn je größer die Kluft zwischen uns und euch, desto leichter werden wir uns mit dem neuen Frankreich verständigen. Ist einmal die Verständigung da, dann wird euer ganzer Kummel sowieso in nichts zerflattern." Dann schlag ein, deutsches, republikanisches Volt, ehe es zu spät wird! Müze die Stunde, ehe sie vielleicht auf ewig da hingeschwunden! Es geht um die Freiheit der Ruhr, es geht um den Frieden der Menschheit! Herriots Außenpolitik. Sowjetrußlands. Allein die Tatsache aber, daß man mit den Deutschnationalen verbandelt hat, bedeutet eine schwere Schädigung der außenpolitischen Interessen Deutschlands. Denn selbst an genommen, man hätte ihre Zustimmung zum Sachverstän Normale Beziehungen mit Deutschland.- Anerkennung digengutachten erkauft, so würde man die Unterschrift Deutschlands in der ganzen Welt als unaufrichtig verdächtigt und entwertet haben. Die Deutschnationalen gelten nun einmal draußen als die Partei des Revanchefrieges und der Erfüllungsfabotage. Und wer wollte etwa behaupten, daß sie diesen Ruf nicht verdienten? Mein: der Friede fann nicht mit Hilfe der Deutschmationalen geschloffen werden, sondern nur gegen ihren nalen geschlossen werden, sondern nur gegen ihren Widerstand. Ebenso wenig, wie es eine mirtliche Verständigung zwischen der deut ichen Demokratie und den franzöfifchen Paris, 26. mai.( WEB.) In einem Interview, das Sertiot gestern einer Nachrichtenagentur gewährte, erklärte er u. d, er fei überzeugt, daß die neue demokratische Atmosphäre die meiften Schwierigkeiten mit England beilegen werde, andererfeits trete niemand mhr als er selber für die Wiederherstellung normaler Beziehungen zu Deutschland ein. Wenu sich aber das deutsche Bolch wieder dem Imperialismus zuwende, wenn Deutschlind es ablehne, Frankreich die Reparationen zu leiffen, so werde jeder Versuch, den Frieden herzustellen, unmöglich gemacht. Seine Volifit Deutschland gegenüber werde eine Politit des guten bem gleichen guten Glauben auf der anderen Seite zu tun habe. Was die Sowjets anlange, je fei er durchius geneigt, die Beziehungen zu ihnen wieder aufzunehmen, aber er lehne es ab, sich den internationalen Aufforderungen von Moskau zu fügen. | Tarn und das Departement Bouches du Rhône. Für die Untertüzung eines homogenen fozialistisch- radifalen Ministeriums waren die Departements Herault und Oberrhein, während das Departement Bar eine vom Abgeordneten Renaudel vorgeschlagene Tagesordnung gegen die Beteiligung annahm. Schachts Währungspolitik. Eine Rede des Reichsbankpräsidenten. Hamburg, 26. Mai.( WTB.). Auf der gestrigen Tagung des anf abundes für Gewerbe, Handel und Industrie hielt Reichsbankpräsident Dr. Schacht einen Vortrag über die Währungspolitit. Ausgehend von der Stabilisierung der Währung, verbreitete sich Redner insbesondere über die heutige Politik der Reichsbant und erklärte, das Mittel der Inflation schwäche die Erkenntnis der Lage, während das Mittel der Kreditbrosselung jeden einzelnen dazu bringe, die letzten Referven, materiell und geiftig, aus sich und seinen Hilfskräften herauszuholen. Mehr als je gelte heute das Wort, Befiz ist nichts, Erwerb ist alles. Was nun die Forde einerseits teine Rentenmark mehr ausgeben und müsse die bestehende Reserve von 300 Millionen erhalten, andererseits sei aber auch mit Rücksicht auf die vorhandene Golddeckung von ungefähr 450 Millionen Gold, deren Hälfte für die Einlösung der Dollarfchä he reserviert bleiben müsse, das Marimum in der Papiergeldausgabe erreicht. Ebenjo unmöglich fei aber auch eine Disheitsfurs des Dollars in Berlin nicht so starr festzuhalten. Was nun tonterhöhung, ebenso unausführbar der Vorschlag, den EinDie Auslandskredite betreffe, so set zur Beruhigung des Auslandes und der ausländischen Kreditgeber, von denen Deutschland in den letzten Zeiten sehr viel Gutes erfahren habe, gesagt, solange sich die Kredite auf die anständigen deutschen Wirtschaftstreife erstreckten, fönnten die Geber überzeugt sein, daß der deutsche Kaufmann teine Kredite in Anspruch nehmen werde. die er nicht zurückzuzahlen in der Lage fei. Nationalisten geben fonnte, ebenfoments Glaubens fein, aber sie werde nur Früchte tragen, wenn er es mit rungen an die Reichsbant, Kredit zu geben, anbelange, fo tönne fie wird es einen fischen Demokratie und den deutschen Ratio: nalisten geben. Wer das nicht als eine Selbstverständlichkeit einsieht, der hat eben das ABC des deutsch- französischen en das ABC des Problems nicht begriffen. Wer infolgedessen den Eintritt der Deutschnationalen in die Reichsregierung wünscht, der muß sich dessen bewußt sein, daß er der Befreiung des Ruhrgebiets entgegenwirft. Deutschnationale, Deutschvölkische( und Kommunisten) münschen ja gar nicht die Befreiung des Ruhrgebiets durch eine friedliche Vereinbarung. Deshalb sind sie auch gegen die Ausführung des Sachverständigenprogramms. Für sie ist die Ruhrbefehung die stärkste Agitationsparole; sie wären erledigt, wenn es der Erfüllungspolitik gelänge, den deutschen Boden zu befreien. Sie haben ihre geheimsten Empfindungen verraten, als sie ausriefen: Gott erhalte uns Poincaré!" Aber der alte deutsche Gott hat sie wieder einmal im Stich gelaffen: Poincaré muß am 1. Juni gehen. " Wer die schnelle Befreiung des Ruhrgebiets; mer die fofortige Amnestie für die Ausgewiesenen und Berurteilten des Ruhrkampfes, mer den wahren Frieden mit Frankreich wirklich will, dem muß gesagt werden: Der Friede mit Frankreich ist möglich, das französische Bolf in feiner übergroßen Mehrheit wünscht ihn und hat es am 11. Mai bewiesen. Aber der Friede ist nur möglich zwischen den Demo tratien beider Länder. Die französische Demokratie würde es einfach nicht verstehen, wenn die von ihr gebildete Regie rung einer reaktionären, einer nicht einwandfreien republitanischen Reichsregierung Zugeständnisse machen würde, die bisher der deutschen Linksregierung verweigert worden sind. Einer der Hauptgründe, weshalb das französische Bolt feinen Nationalen Block niedergeworfen hat, ist der, daß es ihm mit Recht vorwirft, die deutsche Demokratie geschwächt, die deutsche Reaktion großgezüchtet zu haben. Die französ fischen Linksparteien denken infolgedessen nicht daran, einer Rechtsregierung Konzessionen zu machen, die sich gewiffer maßen als Prämien für sie auswirten würden. Je weiter nach links hingegen sich die Grundlage diefer demobesto sicherer fommen wir zur deutsch- franzöfifchen Ber ständigung. London, 26. Mai.( MTB.) Der Pariser Berichterstatter der Times" meldet, man gliube, daß erriot feine Absicht mit Bezug auf die De- jure- Anerkennung der Sowjetregierung geändert habe. Statt die Anerkennung von dem Abschluß eines Handelsabkommens abhängig zu machen, beabsichtige er jetzt, die Sowjetregierung fofort nach Bildung seines Minifteriums und ohne jegliche Be dingungen anzuerkennen. Zahlreichen Ridikalen gefalle dieser Gedante nicht, da sie ihn als Zugeständnis an die Sozialisten anfähen. Es werde jedoch bestimmt ertiärt, aß bie französische Regierung die russische bis spätestens zum 10. Juni onerkennen werde. Die franzöfifche Regierung werde sofort eiere Mission nich Mostau entfenden. Ferner werde eine Rätemiffion nach Paris tommen und die russische Botschaft übernehmen. Hierauf werde eine französischruffische Konferenz zur Regelung der schwebenden Fragen stattfinden. * 3m übrigen feien turzfristige Auslandskredite genug vorhanden, langfristige Investitionen aber werde Deutschland erst erhalten, wenn es auf Grund des Dawes- Gutachtens eine Stabilität in feiner Wirtschaft erzielt haben werde. 99 Auch der Landwirtschaft müßten wieder langfristige Krebite zugeführt werden, sie sollte deshalb bedenken, daß Deutschland im Falle einer Lösung der internationalen Schwierigkeiten voraussichtlich in Die Koalitionsfrage in Frankreich. der Lage sein werde, deutsche Agrarpfanbbriefe in der Welt zum mindesten in ähnlicher Weise zu plazieren, wie früher ArParis, 26. Mat.( Eigener Drahtbericht.) Der Kongreß der gentinien und Merifo das getan haben. Für die Zwischenzeit gelte sozialistischen Verbände des Seine- Departements, auf deffen Tages es, die Notverordnungen vom Juni 1923 jo umzugestalten, daß ein ordung u. a. die Wahl der Delegierten zum außerordentlichen Partei- großer Teil der neu heranwachsenden Spartapitalien tag am 1. Juni stand, hat mit großer Mehrheit eine Resolution in erster Linie der Landwirtschaft zugeführt werde; er angenommen, die sich gegen den Eintritt der Sozialisten in das hoffe, daß die bevorstehenden Erhebungen eine Lösung bringen werneue Kabinett, aber für die Unterstügung einer radikal- fozialen Re- ben, die ben unfruchtbaren furzfristigen Agrarkredit in einen langfristigen zu ermäßigten Zinssägen verwandele. gierung mit ausgesprochen demokratischem Programm erflärt. In einer vom Kartell der Linten einberufenen Bersammlung in Hyeres erklärte Renaudel, daß die Sozialisten ein Ministerium ber Konzentration, d. h. jebes aus einer Koalition der Barteien der Mitte hervorgegangenes Rabinett aufs schärffte be. rämpfen würden, daß dagegen ein dem Wahlergebnis vom 11. Mai entsprechendes Minifterium der Linken auf die nach drüd rich ste Unterstügung der Sozialisten rechnen könne. lichste Unterstügung der Sozialisten rechnen könne. Den Eintritt der Sozialisten in die Regierung erklärte Renaudel als unzweckmäßig. Wenn die sozialistische Partei auch mit einem bedeutenden Machtzuwachs aus der schweren Krise hervorgegangen fei, die sie in den letzten Jahren durchgemacht habe, so sei er gegen über dem Kommunismus doch keineswegs so vollständig, daß die Partei das Abenteuer einer diretten Beteiligung an der Regierung ohne weiteres ristieren fönne. Der Parteitag werde zu prüfen haben, ob und inwieweit die Gicherung des Friedens von dem Ein tritt der Sozialisten in die Regierung begünstigt sei. In diesem Fall würde dann die Bartet als Bedingung die Verpflichtung auf ein fest umriffenes demokratisch- sozialistisches Programm stellen, das aller Welt zeigen werde, daß sich seit dem 11. Mai in der politischen Situation etwas geändert habe. Der Frieden ist zum Greifen nahe"; aber nicht jeder in Deutschland fann ihn pflücken. Denn die Versöhnung tann nur zwischen den Republikanern beider Länder geschlossen werden. Vielleicht naht die Stunde, in der sich endlich die grandiose Zukunftvision des Dichters Victor Hugo in seiner Rede in der Nationalversammlung von Bordeaux zum Frankfurter Frieden verwirklichen kann: die französische Republit, selbst geboren auf den napoleonischen Trüm- Paris, 26. Mai.( WTB.) Eine ganze Anzahl sozialistischer Ber. merfeldern von Sedan, streckt die Hand der deutschen Re pueinigungen in der Provinz hat gestern ebenfalls örtliche Kongreffe blit entgegen, die aus dem wilhelminischen Scherbenhaufen abgehalten. Es erklärten sich für die Beteiligung: das Don 1918 entstanden ist. Rhonedepartement, das Departement Vaucluse, das Departement In der Heimat.... Bon Hans efemann. Es ist erstaunlich, aber wahr, niemand in dieser fleinen Stadt, die mich geboren hat, tennit Kasimir Erdschmidt, auch Werner Scholem ist dort eine fehlerzeigende Größe. Man begreift nun leicht, mie verächtlich meit zurückgebliebene Mitteleuropäer dort leben und welch idyllisches Leben sie führen. Frühstüd, erstes und zweites, Mittag, Kaffee, Abendbrot, dazwischen liegen Früh- und Dämmerschoppen und so läuft das empörend ruhige Leben meiner immer noch heimlich geliebten Heimatbrüder hin. Es ist unmöglich, sich dort aufzuregen, und selbst Oswald Spengler würde seinen angedrohten Untergang des Abendlandes sicher bereuen, wenn er nur einmal in seinem Leben abends im Frühling um„ ben Wall" ge. gangen wäre und sich über das berühmte junge Mädchen" gefreut hätte, das es hier tatsächlich noch gibt. Ja, ich bin vor zehn Jahren fortgegangen, um den Kampf mit dem Beben feuilletonschreibenderweise aufzunehmen, aber als ich miebertam, mar alles noch genau so, wie ich es verließ. Noch immer fizzen die Leute abends vor der Türe und passen auf, was passiert ist. Noch immer steht der altersschwache Feuerwehrwasserwagen neben der Kirche und die Jungens spielen Räuber und Banditen" darauf. Noch immer verkauft der Kaufmann Baßmann frischen Rochtäse, und noch immer fnurrt bedrohlich sein Terrier Regel, wenn man an der Ladentüre bimmelt beide find zwar die rezi profen Söhne ihrer Bäter, aber sie sehen genau so aus wie ihre Borfahren, und wenn ich abermals nach 50 Jahren gefahren fomme, find sicher dieselben Baßmanns und Regels noch da. Ja und im Hotel. Bürgermeister Mener gibt immer noch Herr Tanzlehrer Knüppel Unterricht. Gott habe ihn felig, nie werbe ich vergessen, wie ich vor Jahren mit ihm Walzer tanzen mußte. Und alle höheren Töchter ficherten, weil das so komisch aussah. Ja, fie find auch alle noch da, furchtbar gewaschen, mit flachsblonden Zöpfen und gestärkten Hängekleidern, und die„ Gymnasten" tanzen nach kommando die neuesten Shimmyschritte. Bloß die zuschauenben Ballmütter fehlen, das war immer das Schlimmste, wenn die dann nachher im Kränzchen unsere Tanzleistungen fritisierten oder ihre Verlobungsfombinationen aufstellten. Ja und dann iraf ich Herrn Mathematitprofeffor Klütjen, er ging mit seiner Frau und fagte alle zwei Minuten zu feinem Töchter chen:„ Nase nach vorne". Er hat mich gleich wiedererkannt, als ich vorüberging und in alter Bennälerehrfurcht grüßte.„ Das ist der Schüler, der nicht mal den Pythagoras gekannt hat", sagte er dann strenge zu seinen Lieben wie bie mich verachten werden. Auf dem Schloßplate tanzten noch immer die kleinen Mädchen im Kreise und eine von ihnen saß in der Mitte und schluchate herz haft, d. h. fie tat nur fo. Dazu aber fangen sie alle das schöne alte Boltslied Mariechen faß auf einem Stein", das wir auch schon immer fangen. Allerdings hörte ich hier eine etwas veränderte Form, die also lautete: Sätt ich das eher gewußt, daß du so'n Luder bist, hätt' ich mein treues Herz dir nicht geschenkt." Wie gerne hätte ich mitgemacht. -Schließlich und lehtlich aber traf ich meine gute alte Amme, Mine Butterbred. Nein, wie die sich freute, wie groß ich geworden wäre und ob ich noch müßte, daß ich als fleines Kind immer Durch fall betam, wenn ich rose Milch trant. Ja und wo ich denn jetzt wäre. In Berlin," sagte ich stolz. Ach Gott, ach Gott, min arme Jung, so wiet weg bat is ja flimm för di, nee wat man allens erleben möt!" und fie vergoß ein paar Tränen um mich. Ich habe an diesem Tage zum ersten Male in meinem Leben baran gezweifelt, ob Berlin wirklich der Nabel der Welt ist. Volksbühne und Film. би Wir werden," fchloß Dr. Schacht, zu einem neuen Gedeihen unferer Wirtschaft nicht kommen, wenn wir nicht einen friedlichen Ausgleich mit den Wirtschaften anderer Völker finden. Ich hoffe, daß die Einsicht in diesen internationalen Zusammenhang auf der anderen Seite start genug ist, um uns einen Schritt in unseren Schwierigkeiten entgegenzukommen. Ich sehe einen solchen Schritt auch auf dem Gebiete der Kolonialpolitit; Deutschland darf nicht auf ewig von der Rolonialwirtschaft ausgesperrt werden, es würde eine Entlastung der internationalen Lage sein, wenn man DeutschKampf, den wir geführt haben, auch dem Ausland die Augen ge. land einen Auslaß in die Welt hinaus gibt. Ich glaube, daß der öffnet hat. Wir sehen eine Stimmung in der Welt, beherrscht von Derm Gebanten, 102 pon bem internationalen ab, 3urid zur frieblichen internationalen Arbeit, zum Warenaustausch zwischen den Bölkern, der nicht nur einem Lande, sondern allen Ländern und Völkern dient."( Debhafter und anhaltender Beifall.) Tos Auf die Rede des Reichsbanfpräsidenten Dr. Schacht folgte ein Vortrag des Präsidenten der Desterreichischen Bant, Ministers a. D. Reisch, über Desterreidys Sanierung und ein Referat des Präsidenten des Hansabundes, Reichstagsabgeordneten Dr. Fischer, über das Thema Wirtschaft und Sachverständigengutachten. Wir geben unser Ja zu diesem Gutachten," so schloß Dr. Fischer, weil wir in ihm zum erstenmal den Versuch einer wirtschaftlichen Lösung des Reparationsproblems erbliden, der frog aller Bedenten in Einzelheiten ein Schrift zum Wege der Bernunft ist." Die Tagung fand damit ihr Ende. " | wurde mitteilnehmer an all den Erlebnissen diefer Expedition, und da gefährliche Seefahrt und Eisberge, Tschuttschenleben und Estimetänze und vieles andere dazu gehörten, war der Bericht spannend und fesselnd. Probeftüde aus guten, bewährten Spielfilmen zeigten bann die fünstlerischen Qualitäten des Films. Es waren gewählt: die Schlußatte aus dem feelisch tief aufwühlenden russischen Leibeigenenfilm Bolifuschia( nach Tolstois gleichnamiger Erzählung) mit den starken darstellerischen und Milieumirkungen, der 5. Att aus dem müden Tod", der die ganze Ueberlegenheit des Films über die Bühne in der Gestaltung des Bunderbaren und Phantastischen eindringlich beweist, und der 5. Att aus dem Drama aus dem Alltagsleben Scherben", das ein gutes Beispiel des titellofen, ji zum Symbolhaften auffdwingenden Films darstellt. Den Beschluß machte wohl der beste der gezeichneten Trickfilme: Hase und Swinegel", der die von feiner anderen Darstellungsart erreichbaren Tridwirkungen zu vollendeter Komit ausnügt. Der Anfang ist gemacht. Möge die Bottsbühne fortfahren und wie einst für die Theater, nun auch für die Filmbefucher ihre erprobte Organisation einfegen. Dann wird auch die Filmreform endlich marschieren. R. H. Döscher. Bom Hoftheater zur Nationalizene. Der dänische Kultus. minister Genussin Nina Bang, hat eine eirschneidende Ber änderung in dem Betrieb des Kopenhagener Hoftheaters getroffen. die von der Presse aller Richtungen begrüßt wurde, indem sie die nicht weniger als fieben 7 hoftheaterbirektoren zugunsten eines beseitigte. Ihre Begründung dieses Borgehens bezeichnet diese Sut als den ersten Schritt zur Schaffung einer fünstlerisch leistungsfähigen nationalen Bügre in Kopenhagen. Das Hoftheater, nur über eine Szene verfügend, hat zwar gute Opern. und Schauspielfräste, muß fie aber die halbe Eaison in Urlaub schiden zugunsten eines traditionellen Spielplans von Spielopern und bombensicheren" Schauspielen. Das einzigo weitere fünstlerische Betty Nanfen- Theater steht in Berhandlung mit einem Bariétébireftor, weil es mit seinem itterarijden Spielplan nur Defizits erreichte. Auf den anderen Bübcen herrscht die Revue, das Singspiel, die Operette und Lofalvossen. Nina Bang will nun verfuchen, vom Finanzminister die 2% Millionen bewilligt zu bekommen, die der Einbau einer zweiten Schauspielszene in den weitläufigen boftheaterkompler teftet. Eine weitere Schwie rigfeit sind gewisse Brivibagien der offiziellen Hoffchauspieler. Hier wird der sozialistische Kultusminister noch viel Aufräumungsarbeit“ zu leisten haben, che frische Luft durch das ebenso ehrwürdige wie in Traditionen erstarrte Haus am Kongens Nytow wehen kann. Der Vorstand der deutschen Boltsbühnenvereine mill fich von nun an auch der Filmbebürftriffe feiner Mitglieder annehmen. Er macht endlich Schluß mit den unfruchtbaren Debatten darüber, ob der Film Runstwerte schaffen kann und ob es zu den Aufgaben der Bolfsbühnen gehöre, diese zu vermitteln usw. Er anerkennt die Tatsache, daß große Maffen und darunter auch viele Mitglieder der Wolfs bühnen täglich das Kino besuchen, und verschließt sich nicht dem Einbrud, daß dieses Filmbedürfnis mit den Methoden der Bolts. bühne auf bessere Weise befriedigt werden tann und daß schließlich wenn die Bewegung start genug wird eine Hebung des ganzen Filmniveaus erfolgen fann. Die Berliner Boltsbühne hat am Sonntag in einer Film matinee die ersten Schritte auf diesem neuen Wege getan. Leider konnte die Vorführung nicht im eigenen Haufe stattfinden, weil der Einbau eines Filmapparats bisher verabfäumt worden ist. Im U.S. Alexanderplah wurde ein Ueberblid über das geboten, was heute der Film ungefähr leisten kann. Ms Eröffnung dienten reflektorische Farbenspiele" von Ludwig Hirschfeld- Mack vom staatlichen Bauhaus in Weimar, interessante Versuche, die Form- und Farbensprache einfacher Linien, geometrischer Figuren und abftratter Gebilbe mit und ohne Farbe und mit und ohne Mufis zu erproben. Unser Auge ist an diese Dinge noch nicht genügend gewöhnt, um sie bereits fünstlerisch auswerten Deutsches Händelfelt in Leipzig. Ende September findet in Leipzig ein zu können. Aber zweifellos liegen hier große Möglichkeiten, es weiter grozangelegtes, breitägiges ändelieft statt. deffen Aufführungen und Brodazu zu erziehen, wenn es auch nie die Fähigkeit des viel alge- gramme alle Gebiete des Händelschen Schaffens umfassen werden. Von und Farben liegt in dieser Linie, aber auch das reine Farbenspiel ist fazar" sein. meineren Gehörfinns erreichen fann. Der Zusammenhang von Lönen besonderem Interesse wird die szenische Ausführung des Dratoriums„ Bel großer und schöner Birfungen fähig. Das Filmprogramm bot zu nächst als Uraufführung Amundsens Nordpolerpedition 1923, ein prächtiges Beispiel der Filmjournalistik, die äußerst lebendig und mit größter Treue Vorgänge der Wirklichkeit wiedergibt. Man und Salzburg stattfindenden Internationalen Esperanto- Kongresses veran Eine Oper in Elperanto- Sprache. Aus Anlaß des diefes Jabr in Wien staltet das Mozarteum in Salzburg eine Esperante Aufführung der Oper Diegolle von Salamanta" von Bernhard Paumgartner. Kommunistenverhaftungen in München. München, 26. Mai.( WTB.) Wie die Korrespondenz Hoffmann erfährt, hat die Polizei eine Bersammlung von kommunisten überrascht und die Teilnehmer fest genommen. Es waren insgesamt 62 Berfonen, von denen fünf ihren Wohnsitz außer halb Bayerns und 36 ihren Wohnsiz außerhalb Münchens haben Die übrigen waren Münchener. Aus dem vorgefundenen und be. schlagnahmten Material geht hervor, daß es sich um einen to m m u nistischen Bezittsparteitag handelte. Die Festgenommenen werben sich wegen Fortführung der in Bayern verbotenen tommunistischen Partei und Abhaltung einer nicht genehmigten Berfammlung zu verantworten haben. Unter den Verhafteten befinden fich die Landtagsabgeordneten Schlaffer, Goetsch und Buess, die Reichstagsabgeordneten Buchmann und Florin Köln, ein Herr Schlecht Berlin und der Parteisekretär Ewald Thulig fowie der Stadtrat Thürauf München, ferner der Kurier der fommunistischen Partei Dr. Karl Frant Berlin und die Mitglieder der Münchener Ortsgruppe Tomara und Sell mainer. # M „ Deutscher" Tag in Neustrelitz. Neuffrelih, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag nach miltag wurde in Neustrelit ein sogenannter Deutscher Lag" abgehalten. Etwa 700 Bersemen waren erschienen, um den Parade. marsch vor dem ehemaligen, nunmehr 70jährigen General v. Liezmann abzuhalten. unter diesen 700 Mann befanden sich einige Offiziere in der Uniform des alten Heeres, während das Gros aus Gymnafiasten unter 14 Jahren Lestand. Der Deutsche Tag" bildete infolgedessen lediglich eine Beluftigungsveranstaltung Der Bevölkerung von Neustrelitz, die sich in ihrer großen Mehrheit von dem Theater zurückhielt. Neue Pässe im besetzten Gebiet. Düffeldorf, 25. Mai.( WTB.) Die Besagungsbehörden haben neue Bestimmungen über das Baßwesen erlassen. Die michtigste derselben für die Bewohner des besetzten Gebietes ist die, daß die Personalausweise den Aufdruck ,, Territories occupés"( befeßte Gebiet) tragen müffen. Die Abstempelung der bereits in den Händen der Einwohner befindlichen Personalausweise wird in den nächsten Tagen beginnen. Bei der Abstempelung muß die deutsche Behörde sich vergewissern, daß der Inhaber des Ausmeises mindestens einen Monat ununterbrochen feinen Wohnsiz in dem Gebiet gehabt hat. Personen, die ihren Wohnsitz ins befeßte Gebiet verlegen, fönnen also auch nicht sofort bei Ein treffen im belegten Gebiet einen Personalausweis erhalten, sondern find einen Monat lang auf ihre Einreifeerlaubnis angewiesen. Ber legt jemand seinen Wohnsiz in das unbefekte Gebiet, jo muß die deutsche Behörde ihm seinen Personalausweisent ziehen und ihm eine Bescheinigung darüber ausstellen, daß er den Abmeldebestimmungen der Besagung Genüge getan hat. Die Abmeldebescheinigung hat fünf Tage Gültigkeit und dient als Aus weispapier beim Austritt aus dem besetzten Gebiet. Die Bürgermeister werden durch die neuen Bestimmungen verpflichtet, im Laufe des Monats Januar jeden Jahres Auskunft über solche Inhaber zu geben, die im Laufe des vergangenen Jahres ihren Wohnsiz in das unbeschte Gebiet verlegt haben, ohne der Bestimmung über ihre Abmeldung Genüge getan zu haben. Das Regime an der Saar. Forderungen der Bundes- Saarvereine. Leipzig, 25. Mai.( WIB.) Am Sonnabend und Sonntag hat hier die 4. Tagung des Bundes Saarverein stattgefunden. Einstimmig wurde eine Entschließung gefaßt, in der unter Hinweis auf die vielen Rechtsverlegungen der Regierungskommission des Gaargebiets verlangt wird, daß eine in Wahrheit treuhänderische Berwaltung, wie sie das Saarftatut vorfehe. eingeführt werde, daß alle vertragswidrigen Maßnahmen wieder beseitigt werden und daß dem Bolte eine volle selbstverantwortliche Mitbestim mung bei Gesetzgebung und Verwaltung eingeräumt werde. Es solle, heißt es weiter, insbesondere dafür gesorgt werden, daß die der einstige 2b ft immung wirklich unbeeinflußt und unbehindert erfolgen fönne. Die französische Besetzung, die französische Währung, der franzöfifche Geist in der Berweltung müßten aus dem Saargebiet wieder verschwinden. Weiter wird die Nachprüfung der wirtschaftlichen Durchführbarkeit der nach dem Saarstatut vorgesehenen Eingliede. rung des Saargebiets in das französische Bollsystem mit dem 10. Januar 1925 verlangt unter Berücksichtigung der ersten Bor auslegung des Saarftatuis: Sicherstellung der Rechte und der Wohl fahrt, Bermeidung aller moralischen und materiellen Schädigung de: Bevölkerung. Bon der deutschen Regierung schließlich erwartet die Entschließung, daß sie die deutschen Belange im Saargebiet gegen die französischen Anschläge mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln verteidigt und feine neuen Bertragsbrüche zuläßt. Eine zweite Entschließung wendet sich gegen die Bestrebungen der Regierungsfommiffion, die deutsche Schule zuunften der französischen Schule zu beseitigen und so der wirtschaftlichen Umstellung des Saargebiets nach dem Westen die kulturelle Umstellung folgen zu lassen, und fordert die Reichsregierung sowie die preußische und die bayerische Staatsregierung auf, auf Grund der ihnen zur Seite stehenden per traglichen Rechtsbestimmungen energischen Protest beim Bölferbund und bei den maßgebenden Regierungen zu erheben. Leichenschändung. Beabsichtigtes Theaterspiel mit der Leiche von Marg. Condon, 25. Mai.( WTB.)„ Daily Erpres" erfährt, die Bertretung der Sowjetregierung in London habe um die Erlaubnis nadgesucht, die Leiche des im Jahre 1883 auf dom Highgate- Friedhof in London beigelegten Karl Marg nach Mostau zu überführen, um sie dort auf dem Räteplatz beizufeßen. Wir hoffen, daß, wenn die Meldung von Daily Expreß richtig ist, die englische Regierung den Burschen, die mit der Leiche von Karl Marx ein widerliches Theaterspiel insze nieren wollen, mit dem wohlverdienten Fußtritt antwortet. Eine Falschmeldung. Nach Londoner Meldungen foll die Bant Don England von dem Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht ein Telegramm erhalten werde, in dem mitgeteilt werde, die deutsche Regierung habe Befehl gegeben, denjenigen Großindustriellen, die die nationalistische Wahlfampagne gegen den Dames- Bericht unterstützt hätten, alle Staatstrebite zu entziehen. Diese Mel bungen fird, wie uns der Reichsbankpräsident Dr. Schacht mitteilt, in jeber Beziehung aus der Luft gegriffen. Die Verhandlungen über die Regierungsbildung in Württemberg zwischen der äußersten Rechten, Zentrum, Bolkspartei und Demo fraten gestalten fich schwierig, da die äußerste Rochte das men ministerium für fidh beansprucht und das Zentrum das Ministerium nicht aus den Händen geben will. Der Termin für den 3ufam. mentritt des neuen Landtages muß deshalb wahrschein lich verschoben werden. Paulen- Frühling. Das lohnte sich gestern noch, in ben 3oo zu gehen. Die Bäume hatten ihr Grün schon so gewissermaßen stabilisiert. Es hing voll zarter Regentröpfchen noch in den Büschen, und die Sonne war gerade im Begriff, alles wegzuirodnen, als ein wütendes Paufenund Trommelgewirbel sie wieder hinter die Wolten jagte. Die Ochsen, die Kühe und die Kamele horchten frchlodend auf, aber das andere Viehzeug troch in seine stillsten Winkel, mit Ausnahme der Eulen, die das Gebröhn erhaben überhörten. Was ging nun vor an diesem sanften Frühlingfonntagvormittag, der von Rechts wegen dem Gefang der fleinen Bögel gehört hätte? man jah eilende Baute beschwingten Schrittes Alleen hinunterstürzen, als erwarte fie am Ende eine Offenbarung Ludendorffs. Sie 30gen die fleinen Rinder, die nicht schnell genug laufen konnten, ungeftüm hinter sich her, das Haften und Jagen wurde beängstigend. Dort in der Gegend, wo die Löwen hinter Gittern fpazierengingen, bräng ten sich die Massen, denn hier verdichtete sich das Baufengedröhn zu jenen lieblichen Klängen, die wir mit Militärmusit bezeichnen. Hier standen sie geschart vor dem Orchester, das, aus schwarzbefracten Bläsern bestehend, tatkräftige Sonntagsarbeit leistete. Oho, hier war Preußen Deutschland. Hier wurden Armeemärsche gespielt, hier schlugen die Herzen höher, und die fleinen Kinder vergaßen zu heulen. Hier standen gewichtige Männer mit vielen Bändchen im Knofloch, und gewichtige Frauen drückten die Stühle und ließen sich, Stullen fauend, süß die Ohren vollblajen. Dhe, wie es bröhnte und wie es schmetterte, und wie der Mann die Baute so furchtbar schlug und mehrere andere auf Trommeln wirbelten. Gibt Jungsozialisten! berger Krantenhause, wo er als ein 20 Jahre alter alter Coggier aus der Berliner Straße 104 zu Friedrichsfelde festgeftcut wurde. Der linte Unterarm ist ihm abgefahren, der Oberarm ganz zerquetscht worden. Am Geficht, an den Schultern und am Gefäß hat er schwere Verlegungen. Wahrscheinlich ist Geggler von dem Buge überfahren werden, der um 6,55 Uhr von Strausberg nach dem steht noch nicht fest. Der junge Mann ist früher einmal von einem Schlesischen Bahnhofe fährt. Wie er auf die Schienen geraten ist, Pferde gefchlagen worden und felbet feitdem zuweilen an Nervor främpfen. Erziehung zum Kunstverständnis. Eine Schul- Kunstausstellung in Neukölln. Kunstausstellungen will durch eine Ausstellungen von Ge Der in Berlin vor zwei Jahren gegründete Bund für Schulmälden, Graphit und Plastik, die er nacheinander in den verschiede nen Teilen von Groß- Berlin veranstaltet, das Verständnis für die Kunst fördern. Er denkt dabei in erster Linie an die Schuljugend und sagt das auch in seinem Namen, aber darüber hinaus mendet er sich an alle, die nach Kunstverständnis ringen. Die Kunstausstellung, die er jetzt in Neukölln zusammen mit dem Bezirksamt geschaffen hat, ist so wertvoll, baß sie die Beachtung weitester Kreife der Bevölkerung verdient. Jim Palmenhaus des Körnerparfs zwischen Jonas- und SchierkeStraße wurde die Ausstellung am gestrigen Sonntag mit einer Feier eröffnet. Bei der das Bezirksamt und der Bund eine große Zahl Gäste begrüßen konnten, Beriveter der Bezirksverwaltung Neukölln und der Stadtverwaltung Berlin, der Staats- und der Reichsregierung, der Lehrerschaft und der Künstlerschaft. Schulrat Dr. Löwenstein, der im Auftrage des Bezirksamts an Stelle des verhinderten Bürgermeisters die Ausstellung eröffnete, beleuchtete in seiner Ansprache die Eigenart Neuföüns und der Neuköllner und die Beziehungen der Stadt und ihrer Bevölkerung zur Kunst. Dieser hauptsächlich von Arbeitern bewohnte Drt, der in plötzlich einsehender Entwicklung schnell seine jezige Ausdehnung erlangt hat, zeigt leider an raschen Bebauung nur zu oft die städtebaulichen Grundfäße außer Acht ließ und die Vorbehaltung von Grünflächen versäumte. Aber startes Sehnen nach Schönheit und Kunst genuß, ei Berlangen, das zu befriedigen die Bezirksverwaltung nach Kräften fich bemüht. Diesen Bemühungen reiht fich jetzt die Neuköllner Kunstausstellung an, die vom Bund für Schul- Kunstausstellungen sachMontag, 26. mai, abds. 7 Uhr, im Jugendheim, Lindenstr. 3 vielen Stellen ein recht unzulängliches Straßenbild, weil man bei der Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Ein politisches Referat.( Referent wird noch auch hier lebt und wirft in der Bevölkerung ein bekanntgegeben.) 2. Geschäftsbericht. 3. Neuwahlen. es etwas Schöneres auf der Welt an einem zarten Frühlingssonntag vormittag? War es ein Kriegerverein, der hier versammelt war? Ach nein, es war das erste Sommerkonzert unserer berühmten Berliner Lokalzeitung, die ihren( unverkennbaren) Lesern und lieben Leserinnen die treu nationalen Leitartikel jetzt in Musi? gesetzt präfentierte. Immer Feuilleton und immer Leitartikel von Hofpredigern, das hält kein Mensch auf die Dauer aus, man muß den Beuten mal was anderes vorfeben, das sie padt und ihr teutsches Gemüt in jene Höhen treibt, wo die völkischen Götter wohnen. Fridericus Nex, Hohenfriedberger, das hört man sich so an, das geht ins Blut, davon friegt man Hunger. Es muß wahrlich ein schöner Sonntag geworden sein, der schon fo vielversprechend begann. Die Männer mit den Bändchen im Knopfloch mehrten sich zusehends, fie gingen tapfer einher, ihr stolzes Auge schweifte in der Runde, und sie sahen sich auch die Tiere an. Sie gingen, das zarte Beib am Arm, auch zu den Dromedaren und standen vor den Löwen und träumten angesichts der Efel von deutscher Zukunft, und jeder hussongte sich eins. Festnahme internationaler Taschendiebe. Aufklärung der Ueberfälle auf Raffenboten. Gine achttöpfige Bande internationaler Taschendiebe murde von ber Krimna polizei unschädlich gemacht. Es liefen fortwährend An zeigen ein, bie barauf schließen ließen, daß wieder eine große Bande mit Gefchid an der Arbeit sein mußte, und zwar sowohl auf der Untergrundbahn, der Straßenbahn und dem Autobus, als auch in den Theatern und an den Bergnügungsstätten. Die Beamten fahen auch überall verdächtige Leute, fonnten ihnen aber nicht beikommen, stefften aber endlich fest, daß die Berdächtigen in der Tat alles internationale Taschendiebe waren, ermittelten einen nach dem anderen in ihren Quartieren im Scheunenviertel und brachten sie hinter Schloß und Riegel. Der Hauptführer, der sich Rösemann nannte, wurde in der Scala ertappt und festgenommen. Der Erkennungsdienst entlarnte ihn als einen Mendel Israelsfi aus Nowo- Minst in Polen, der vor dem Kriege schon einmal in Berlin aufgetreten und bestraft ist. Die aus 8 Polen und Galiziern be stehende Bande befand sich auf einer Tournee von Paris über Brüssel, Bremen und Hamburg nach Berlin. Von hier aus wollte sie nach Wien reisen. Rösemann hatte mit seiner Gesellschaft die in den Handelsstädten ankommenden Reisenden gleich beim Verlassen des Dampfers aufgelauert, fic in Quartiere verschleppt und ausgeplündert oder nach dem Bahnhof gebracht und im Eisenbahnzug bestohlen. Die Bande beobachtete ständig auch das Poftfchecami in der Dorotheenftraße auf Raffenboten, die Geld abhoben. Sie folgten den Boten heimlich, um sie zu bestehlen und zu berauben. So erbeuteten die Berbrecher jüngst von einem Raffenboten auf der Untergrundbahn eine Tasche mit 6000 Goldmart. Einem Kaffenboten aus Halensee, der in der Dorotheenstraße auf einer Bank Geld geholt hatte, raubte ein Mitglied der Bande die Tasche, als er in Halensee ausstieg. Der Räuber fuhr mit dem Zuge weiter, sprang furz vor der Haltestelle Eichkamp ab und verschwand mit seiner Beute im Walde. Zwei schwere Autounglücksfälle. fundig ins Berk gesetzt worden ist und Lehrern als Mittel der Erziehung des Kindes zum Kunstverständnis dienen kann. Für den Vorstand des Bundes und im Auftrage der ausstellenden Künstler antwortete der Maler Hans Balushet. Kinder und Eltern werde es, jagte er, mit Dant erfüllen, daß sie hier an Quellen edler Freude herangeführt werden. Liedervorträge des Neuföllner Lehrergesangvereins leiteten die Feier ein und schlossen sie. Dann folgte ein Rundgang durch die Ausstellung, an der Künstler wie Kampf, Baluschet, Wendel, Kollwig, Defterie, Krain, Lederer, Bossett und andere beteiligt sind. Die ausgestelten Werte lassen uns die Arbeit und die Boefie der Großstadt fünstlerisch erleben, sie zeigen den arbeitenden Menschen und seine Feierstunde, das raftlose Schaffen in Werkstätte und Fabrik, das verwirrende Treiben des Berliner Straßenverkehrs, die stille Schönheit der märkischen Landschaft. Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 21. Juni an Wochentagen für Schulklassen unter Führung bis 2 Uhr. für die Bevölkerung von 2 bis 7 Uhr, an Sonntagen für die Bevölkerung von 10 bis 7 Uhr. Das Eintrittsgelb bes trägt für Erwachsene 20 Pf., für Kinder 10 Pf. Ruhiger Sonntag in Potsdam. Die Feier, die mit der Enthüllung bes Denksteins für die Gefallenen bes Regiments Gardes- du- Corps Potsdam am gefirigen Gonntag verbunden mar, ging in einer für derartige Anlässe einzig angebrachten stillen Form vor sich. Der Stein war während der for Feier unter ftrenge polizeiliche Bewachung gestellt. Infolgebeffen fam es zu feinerlei störenden Zwischenfällen. Durch diesen Gedentstein wird die in Potsdam bereits vorhandene große Anzahl von Kriegsdenkmälern um ein weiteres vermehrt. Die Havelstadt erstrahlt jegt aber im Glanz ihres wunderbaren Frühlingskleides und es ist eine Freude und ein Genuß besonderer Art, durch die Parts zu streifen und von den Anhöhen Blicke über das weite Land zu tun. Ganz unverständlich jedoch ist es, daß der einzig schöne llferweg, der vom Eingang des Neuen Garten bis zur Meierei führt, noch immer für das Publikum gesperrt ist. 3war führt der Weg an dem Palais vorbei, das sich einftmals der Kronpring erbauen ließ die Hohenzollern hatten an ihren Duzend Berlin- Potsdamer Schlösser noch nicht genug aber der Herr, der fich einst Kronprinz nennen durfte, wohnt mit seiner Familie in Dels und nicht im Neuen Garten in Botsdam-, so daß, selbst wenn das Schloß auch weiterhin dauernd für das Publikum gesperrt bleiben sollte, doch nicht der geringste Grund dafür vorhanden ist, den prachtbollen Uferweg auch weiterhin zu sperren. Der Aufhebung dieser Sperre fann wirklich nichts entgegenstehen, denn man sieht gang benugt ist, daß also die weitere Sperrung eine glatte Sdyifane deutlich, daß der jegt gefperrte Weg volltommen unfür alle wahren Naturfreunde ist. Doch von diesem Mißflang abgefehen, der einem bei jedem Besuch des Neuen Gartens entgegentönt, war es friedvoll und still in Potsdam. Hin und wieder hörte man von einer fernen Straße den Gejang der Internationale. Und am Abend fonnte man am Bahnhof ein paar junge Leute sehen, denen an Stelle des mondänen Taschentuchs ein schwarzweißroter Zipfel mit einem Hafenkreuz aus der Tasche lugte. Es schien, als ob fie von einem völischen Frühlingsfarneval amen. Ihre Alkohohlköpfe wadelten bedenklich und die Heilrufe, mit denen sie sich verabschiedeten, boten durchaus teine Gewähr dafür, daß sie heil nach Haufe tamen. 31. Mai, beginnend 5%, Ubr, im Gartenreitaurant des Pankower Bürger Das erste Sommertonzert des Boltsbildungsamts Pankow findet am parts ftatt. Mitwirkende: Der Erliche Männergesangverein unter Leitung seines Dirigenten Prof. Mar Stange und das Drchester des Obermufifmeisters a. D. Glene. Eintrittspreis 1 M. Eine Schlagweffer- Explosion hat sich in der vergangenen Nacht in der Grube Horbury auf Statefield in England zugetragen. 3 Grubenarbeiter wurden getötet und 7 schwer verlegt. Tod eines deutschen Sportsmannes. Der Leiter der Automobil- Selo- Werke, Direktor Lehmann, ist beim Training zum Teutoburgerwald- Automobil- Rennen zu Tode gekommen. Die Ursache des schweren Unglüdefalles ist noch nicht festgestellt. mobilunfall zu verzeichnen ist. So ereignete sich am Sonntag bei Es vergeht wohl tein Sonntag, an dem nicht irgendein Autoübben ein Automobil unglüd, wobei ein Fräulein Sachs aus Berlin fofort getötet wurde. Wie wir erfahren, gehört der Unglückswagen einem Bantier Israel, den eine Frau Dr. Neubert lenkte. In dem Wagen befand sich noch der BeFräulein Sachs. Das Unglüd ist dadurch entstanden, daß das Hinter figer, Israel, eine Frau Druder und das tödlich verunglückte rab des Wagens lufilos war. Die Dame, die den Wagen lenkte, bemerkte den Schaden nicht, und so fam es, daß sie den Wagen bald nicht mehr regieren fonnte. Das Gefährt faufte gegen einen Chauffeebaum und überschlug sich, wobei sämtliche Infassen herausgeschleudert wurden. Fräulein Sachs, das einen Bruch des Genics erlitten hatte, war fofort tot, während ihre Schwester, Frau Druder, Brüche des Oberschenkels und Wunden am Arm davontrug. Die am Steuer sigende Frau Dr. Neubert tam mit einem Schlüsselbeinbruch davon. Der Bantier Israel erhielt innere Verlegungen. Im Krankenhaus zu Lübben fanden sämtliche Verunglückte Aufnahme. Das zweite Unglüd ereignete fich beim Dorf Brenden bei Siesenthal Als hier der Führer des Autos, ein Kaufmann fast aus Bantow, eine Kurve passieren wollte, fom ihm ein Radfahrer vorschriftswidrig auf der linten Geite entgegen. Fast wolle ausbiegen und mußte dabei einen Sommermeg, der start versandet ist, befahren. Der Wagen fam ins Schleubern und fuhr einige Bäume an, wobei die darin fizenden Berfonen 57. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr, Funktionärtonferenz bei Kapschinsky, Krumme mehr oder minder verlegt wurden. Die Mutter des Autobefizers Fast fand auf der Stelle ihren Tod. Die Verletzten fanden im Krankenhaus Bernau Aufnahme. Von einem Vorortzug überfahren. Gellende Hilferufe machten am Sonntagnachmittag Spaziergänger auf den Bahnbammer Etrede Berlin- Strausberg auf Friedrichsfelder Gebiet aufmertfam. Etwa 300 meter östlich der Ueberführung der Treedow- 2ee fanden fie neben den Sie nen einen jungen Mann liegen, der schwer verletzt war nd start blutete. Sie forgien für seine Ueberführung nach dem LichtenGroß- Berliner Parteinachrichten. 3. Kreis Wedding. Dienstag, den 27. Mai, 7 Uhr. treffen fich sämtliche Ordner zur Frauenfundgebung in den Germaniafälen, Chausseestr. Heute, Montag, den 26. Mai: 37. bt. 7 2hr, Frauenabend bei Jerasch. Ebertystr. 10. 55. Abt. Charlottenburg. Der Frauenabend fällt diefen Monat aus.. Die Ger noifinen werden ersucht, sich an dem„ Ernst Toller- Abend", des Streises, heute Montag, 7, Uhr, Aula der 14. Gemeindeschule, Beftalozziftr. 40, zu beteiligen. Straße 47. 93. Abt. Neukölln. Berichtigung! Funktionärverfammlung nicht heute, sondern Mittwoch, den 28. Mai, bei Förster. Montag, den 2. Juni, Abteilungs versammlung. Morgen, Dienstag, den 27. mai: 77. Abt. Schöneberg. 7% Uhr, Generalversammlung bei Will, Martin- LutherStraße 69. 95. Abt. Ren öllu. 7 Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung bei Krüger, Leffing. Ede Kopffir., Bortrag des Genoffen Maderholz über: Die Behren der Wahlen und die augenblickliche politische Lage". * 67. Abt. Grunewald. Mittwoch, den 28. Mai, 7 Uhr, Vorstandssihung. 8 Uhr, Egtrazahlabend bei Wurzbacher, Bahnhofsrestaurant Grunewald. Gewerkschaftsbewegung Wie der Werftarbeiterkampf finanziert wurde. Ueber das Ergebnis des hartnäckigen Kampfes auf den Seeschiffswerften berichteten wir bereits in unserer Sonntagsausgabe. Ueber die Finanzierung des Kampfes wird uns aus Kie! berichtet: Die Werftindustriellen haben alle Ursache, die Dinge nicht nochmals auf die Spige zu treiben. Schäßen sie doch selbst den Schaden, den die gesamten Seeschiffswerften durch die Einstellung der Arbeit wöchentlich erlitten haben, auf 3 Millionen Goldmart. Eine sehr große Anzahl Aufträge, die für die deutschen Werften bestimmt waren, sind ins Ausland gegangen. Skandinavische, englische und holländische Werften haben angespannt zu tun gehabt, solange der Kampf in Deutschland dauerte. Die Kieler Werften verloren alle Reparaturarbeiten, die infolge der Eisschäden in der Ostsee notwendig maren. Sie gingen nach Standinavien, das sonst einen großen Teil feiner Schiffsschäden hier reparieren läßt. Nicht ohne Grund haben die Werften im Verlaufe des Streits unter Zusage geringerer Lohnaufbesserungen wiederholt versucht, die Arbeiter in die Betriebe zu loden. Es fanden sich aber in den meisten Betrieben gar keine und in einzelnen so wenig Streifbrecher ein, daß mit ihnen beim besten Willen nichts anzufangen war. Das hatte zweierlei Gründe. Einmal betrug der Wochenlohn bei achtstündiger Arbeitszeit vor dem Kampf nach allen Abzügen etwa 12 bis 14 M. Zu verlieren war also durch einen Streit wirklich nichts, um so weniger, al sin gerade mustergültiger Weise für die Familien der Streifenden, vor allen Dingen für die vielen Kinder, gesorgt war. In Hamburg wurde die Notspeisung, de den Erwerbslosen seit langer Zeit für 15 Bf. ein Mittagessen Firmen stiegen die Stundenlöhne auf 55, ja 57 Pfennige. Damit| ist die Behauptung der Unternehmer von den erreichten Friedenslöhnen widerlegt. Fromte erklärte am Schluß seines Berichtes: Die Unternehmer werden den famosen Berimittlungsvorschlag des Schiedsgerichts sicher annehmen. Für die Arbeiter ist die Stellung bereits schon durch die Ablehnung durch die Funktionäre gegeben. Er bedeutet die Erfüllung aller Unternehmerwünsche, er bringt Lohnabbau statt Lohnerhöhungen. Die Transportarbeiter müßten sich heute abend entscheiden, ob sie es vor ihren Familien verantworten fönnen, für die Hungerlöhne weiter zu arbeiten. In der Diskussion tam der berechtigte Unwillen gegen den Borschlag des Schiebsgerichts zum Ausdruc. Während von einem Teil der Redner die sofortige Arbeitseinstellung gefordert wurde, traten andere dafür ein, gemeinsam mit den Facharbeitern eine Aktion mit dem Ziele zu unternehmen, für die Transport- und Hilfsarbeiter menschenwürdige Löhne zu erfämpfen. Bemerkenswert für den einheitlichen Kampfwillen der Transport arbeiter ist, daß ein Redner, der in gemeinster Weise die Organi= fationsleitung angriff und für die Einheitsfront" in den kommunistischen Industrieverbänden Stimmung machen wollte, entschiedene Ablehnung durch die Versammlung erfuhr. In seinem Schlußwort bemerkte Fromfe: Für die Führung einer Bewegung ist Klarheit und Einheitlichkeit die erste Vorausfegung. Um allen Transportarbeitern Gelegenheit zu geben, ihren Standpunkt einwandfrei zum Ausbruck zu bringen, schlage er vor, in allen Betrieben eine Ura bstimmung vorzunehmen. In dieser Die Verhandlungen im Bergbaufonflitt werden nur dann ein praktisches Refultat ergeben und schließlich zu einem liefert, in den Dienst der afmilenspeisung gestellt. In allen übrigen annehmbaren Bergleich für die Bergarbeiter Werftorien gab es Freitische für die Kinder der Ausgesperrten in den Arbeiterhäusern, die von der Bewegung nicht be. troffen waren. So erhielten z. B. in Kiel täglich 10000 Rinder ausgesperrter Werftarbeiter durch Massenspeisung oder an Tischen anderer Familien freies Mittagessen. Die vielen Arbeiter= oder Bürgerfamilien, die Kinder zu sich luden, erhielten feinerlei Entschädigung. Die Massenspeisung wurde finanziert durch Sammniungen der gewerkschaftlichen Organisationen, burch die 70 000 Goldmark ausgebracht wurden. Wenn die Massenspeisung möglich wurde, so haben auch die Landarbeiter ein sehr wesentliches Verdienst daran. 400 Sinder waren auf dem Lande untergebracht. Landarbeiterorganisationen aus 35 Orten belieferten die Rieler Küchen fortlaufend mit großen Mengen Lebensmitteln, wie Brot, Meh, Grüße, Kartoffeln, Erbsen, Sped, Fleisch, Eiern usw. Aber auch die Geschäftswelt in den Werftorten, die unter dem fangen Kampf schwer zu leiden und die Schuld der Werftinbustriellen erlannt hatte, stellte zum Teil ansehnliche Lebensmittel zur Verfügung. führen, wenn die Sammlungen mit verdoppeltem Eifer fortgesetzt werden, so daß die Zechenbesitzer sich sagen müssen, die Bergarbeiter fönnen noch lange widerstehen, dant der Solidarität der Arbeiterschaft. Abstimmung muß die Transportarbeiterschaft dem BBMI. die Antwort auf sein provozierendes Berhalten geben. Die Versammlung stimmte diesem Vorschlag Fromkes ein= mütig zu. Mit diesem Beschluß ist der Lohnkampf in der Metallindustrie in ein neues Stadium getreten. Durch einen Streitbeschluß der Transportarbeiter würden in fürzester Zeit auch die andern Arbeitergruppen in Mitleidenschaft gezogen, und, wie die Bewegung in den Apparatefabriken der AEG. bewies, bald zum Feiern gezwungen. Ein Kampf in der gesamten Metallindustrie würde die unausbleibliche Folge sein. Ob das Schiedsgericht mit diesen Folgen bei der Abfaffung seines Spruches gerechnet hat, erscheint mehr als zweifelhaft. Eine gelbe Organisation. Das Gefühl, die Kinder vor Hunger geschüßt zu wissen, hob natürlich die Widerstandskraft der Ausgesperrten und mußte alle Verfuche der Werftdirettoren, die Abwehrfront der Arbeiterschaft durch geringe Lohnerhöhungen zu erschüttern, scheitern lassen. Die Unternehmer, die, als sie die Werftarbeiter aussperrten, geglaubt hatten, die Organisationen feien so geschwächt, diß fie zu einem Abwehrstreit von so großem Umfange nicht fähig wären, haben sich arg getäuscht. Die Gewerkschaften behielten den Streit fest in ihren Händen, so daß fich alle Unorganisierten ihrem Willen interordneten und es auch den Kommunisten nicht möglich war, Berwirrung anzurichten. Der Stom- Merseburg, das dieser durch seinen Geschäftsführer Teichmann munisten einziger Borteil war der Geminn einiger tausend Stimmen bei den Wahlen, die ihnen ohne Werftarbeiteraussperrung sicher nicht zugefallen wären. Der Lohnstreit in der Metallindustrie. Die Transportarbeiter zum Schiedsspruch. Die Transportarbeiter der Berliner Metallindustrie waren am Sonnabend in den überfüllten Räumen des Gewerkschaftshauses verjammeit, um zu den gescheiterten Lohnverhandlungen Stellung zu nehmen. Bezirksjekretär Fromte vom Deutschen Verkehrsbund gab den Bericht von den Verhandlungen des Metallfartells mit dem Berband Berliner Metallindustrieller und von den Beratungen des freien Schiedsgerichts. Seine Ausführungen deckten sich im allgemeinen mit der Berichterstattung, die die Funktionäre des Metallfartells am Donnerstag entgegennahmen. Der Rebner fritisierte im Verlauf seines Berichts das Ergebnis der Schiedsgerichtsberatungen soweit es die Transportarbeiter angeht. Durch den Abbau der Familienzulagen. wirten sich die Lohn,,, erhöhungen" für die fünfte Lohntlasse wie folgt aus: Ein Lediger würde eine Zulage von 5 Pf. erhalten, für den der heirateten Arbeiter bleiben 3 Bf., hat er noch ein versorgungsberechtigtes Kind, schmilzt die„ Erhöhung" schon auf einen ganzen Pfennig zufammen. Wie das Schiedsgericht bei der Festsetzung der Transportarbeiterlöhne für die Arbeiter mit zwei und drei Kindern Zulagen errechnen fonnte, bleibt sein Geheimnis. Für diese Gruppen würde nämlich eine Lohnreduktion von 1 resp. 3 Pfennige herausfemmen. Diese Mitteilung Fromtes löste einen Entrüstungssturm unter den Versammelten aus. Der Redner fonnte an Hand von Lohntabellen aus dem Jahre 1912 feststellen, daß die jezigen = Der Hallesche Landbote" veröffentlicht ein Rundschreiben des Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes für den Streis an feine Mitglieder herausgehen ließ. In dem Rundschreiben werden die Arbeitgeber scharfgemacht, die Maifeier mit allen mitteln zu verhindern, wo es durchführbar ist, Entlaisungen vorzunehmen und sich nicht dazu herzugeben, den Maifeiertag etwa auf die Urlaubstage anzurechnen. Weiter wird wörtlich gesagt: „ Die Stellungnahme des Zentralverbandes der Landarbeiter zur Maifeier und überhaupt zum Landbund der Zentralverband der Landarbeiter ist Mitglied des Landbundes müßte jedes Mitglied veranlassen, dafür Sorge zu tragen, daß seine Arbeiter fich dem Zentralverband anschließen. Dies hätte eine viel größere Bedeutung, als wenn die Landarbeiter überhaupt nicht organisiert sind, da unorganisierte Arbeiter sehr leicht wieder von den roten Gewerffayaften gewonnen werden tönnen. Der Zentralverband hält auf Bucht und Ordnung und erstrebt Verbesserungen des Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und mithin Wiederher stellung des alten patriarchalischen Verhält= niffes J. 2.: Teichman." Ein weiterer Beleg dafür, daß dieser Zentralverband, dessen Vorsitzender der deutschnctionale Abgeordnete Behrends ist, aber immer noch dem Chriftlichen Gewerkschaftsbund angehört, eine gelbe Organisation ift. Als geeignetes Auffangbeden betrachtet man den deutschnationalen Zentralverband der Landarbeiter. Dieser sei ja Mitglied des Landbundes und erstrebe die Wiedereinführung des alten patriarchalischen Verhältniffes mit dem Prügelrent, der Gefindeordnung und all den skladischen und rechtlosen Zuständen, die heute noch in uns die Wut erstehen lassen. Stundenlöhne durchaus nicht die Höhe der damals erzielten Löhne Vorträge, Vereine und Versammlungen. erreichen. Die AEG. zahlte im Vergleichsjahre Einstellungslöhne von 42 bis 45 Pf., die bis auf 50 und 52 Pf. stiegen. Bei anderen Reichsbanner Kameradschaft Neukölln. Heute, Montag, 7 Uhr, Mitglieder versammlung im Joealkafino, Weichselstraße. Bad Salzuflen ( Ligge- Teutoburger Wald) Sport. Das Traber- Derby in Ruhleben. Zum dreißigsten Male wurde gestern das blaue Band der Traber ausgetragen. Die schöne Bahn hinter dem Spandauer Bod hatte den gewohnten Massenbesuch auszuweisen und da das Wetter sich nach einem nicht sehr vielversprechenden Vormittag ganz gut anließ, bot sich ein Bild von vielen Farben. Die Rennen selbst befriedigten nicht alle Wünsche. Vor allem enttäuschte der Favorit Peh, an dessen Sieg selbst die Kundigen faum gezweifelt hatten. Der Kampf spielte sich schließlich nur zwischen den Stallgefährten Homer und Lucullus ab, wobei Homer sich bald als ausdauernder erwies. 1. Rennen. 1. Bismard( J. Mills), 2. Gawein( Lichtenfeld), 3. Balme I( 6. Neuenfeld). Toto: 17: 10. Platz: 13, 19, 65: 10. Ferner liesen: Hauptmann, Federnelle, Adelei B., Bechamelle, Erster Wolfersomer, Idealist, Jeffries jr., Della, True For, Erbschaft. 2. Rennen. 1. Dlley B.( B. Hedert), 2. Precious Batts( 2. Weiß), 3. Craffus( H. Schröder). Toto: 103: 10. Plat: 26, 15, 53: 10. Ferner liesen: Altgold, Katharina, Corona Mc. Kinney, Leuchtturm, Cadiac Arworthy, Siegleicht, Peter Harvester, Prinzeß Mia. 3. Rennen. 1. Heideprinz I.( E. Baul), 2. Odysseus( N. Fisch), 3. Franto I.( N. Gerbl). Toto: 105: 10. Play: 27, 19, 21: 10. Ferner liefen: Heideroje B., Alpenser, Allertony, Flora Bingen, Fürst, Arworthy S, Kronpring. Jason jr., Brinz Rudud, Nachtfalter, Handfest, Brinz Adbell, Albatros, Pontresina, Fred Wilkes jr., Lump, Zeitgeist, Eilzug, Adler, Simpler. 4. Rennen. Deutsches Traber Derby. 1. Homer( R. GroßZoto: 75: 10, mann), 2. Lucullus( E. Trenherz), 3. Fels( J. Mills). Blaz: 47, 35, 28: 10. Ferner liefen: Maienlied, Pez, Wildlaze, Hetmann, Florian, Cleo Watts, Michel Angelo. 2. Doritha( S. Mills), Blak: 11, 11: 10. Ferner 5. Rennen. 1. Erdmann( B. Hederi), 3. Monarchist( Knöpnadel jr.). Toto: 33:10. liefen: Libanon, Jirka, Stuart Webbs. 6. Rennen. 1. Kufer( Alb. Freundt), 2. Rasbeker( J. Mills), 3. Quintora( Weidmüller). Toto: 382: 10. Plat: 45, 32, 23: 10. Ferner liefen: Maitönigin I., Ziemine, Johannisfeuer, Abdulah Silver, Byberberg, Dr. Lew jr., Herzkönig, Mac Gregor I, Zu Ende, Else B. I., Niagara I., Kristall, Kreolin. 7. Rennen. 1. Wasserfall( Großmann), 2. Cobra( H. Grubc), 3. Ostermagda( Weidmüller). Zoto: 51: 10. Plat: 17, 17, 12:10, Ferner liefen: Palme I., Amorette, Germania B., Fafner J 1. Brahlhans( R. Fisch), 2. Tajna( M. Ringius), 3. Erbgraf( M. Huth). Toto: 19: 10. Blaz: 16, 42, 171: 10. Ferner liefen: Stella Harj, Berdun, Faistar, Wassander, Matador I, Willy I, Dr. Bingen, Nebel. 8. Rennen: Stellbrink in Paris gestürzt! Wie wir bereits mitteilten, wurde dem bekannten Dauerfahrer Artur Stellbrink doch die Einreiseerlaubnis zum Zweck des Starts auf der Pariser Buffalo- Bahn er teilt. Als er gestern die Bahn betrat, wurde er vom Publikum leba haft begrüßt. Im 20- Kilometer- Rennen wurde er als Vierter plaziert. Das nachfolgende 50- Kilometer- Rennen forderte seinen Sturz, der erfreulicherweise teine ernsteren Folgen haben soll. Jedoch mußte Stellbrink das Rennen infolge der Berlegungen auf geben. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerek und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin G. 68., Lindenstraße 3. 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