Abendausgabe Nr. 247+ 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 125 Bezugsbedingungen und Anzeigenpres find in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: SW. 68, Cindenstraße 3 Jerufprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Moreffe: Sozialbemotrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Dienstag 27. Mai 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße a Fernsprecher: Dönhoff 2506-2307 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Sozialdemokratie für Klarheit. Zur Frage der Regierungsbildung. Der Barftand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion beriet heute die durch den Rücktritt der Regierung Mary geschaffene Lage und faßte seine Meinung in folgendem Beschluß zufammen: „ Die Fraktion stellt fest, daß die bisherigen Berhandlungen mit den Deutschnationalen bereits zu einer empfindlichen Schädigung der außenpolitischen Stellung des Deutschen Reichs geführt haben. Sie sieht in der schnellen Durchführung des Sachverständigen gutachtens den einzig möglichen Weg zur Befreiung der Ruhr, zur Befriedung Europas, zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen und politischen Sicherheit, damit zur Erleichterung der Wirtschafts- und Krediffkrise und zur Vermeidung neuer ungeheurer Arbeitslofigkeit. Sie fordert daher von jeder Regierung die Fortführung einer Außenpolitik auf Grundlage der Durchführung des Gutachtens unter sozial gerechter Serteilung der aften. Sie wird jede Regierung beEmpfen, deren Außenpolitik durch Verzögerung oder Zweideutigkeiten Deutschland, einer Katastrophe entgegenführen würde." Die um 1 Uhr zu einer Sihung zusammengetretene Gefamtfraktion billigte einmütig diesen Beschluß ihres Borstandes. Der Reichspräsident verhandelt. Der Reichspräsident empfing heute vormittag 8% Uhr den Reichstagspräsidenten Löbe, um sich von ihm über die parlamentarijche Lage unterrichten zu lassen. Um 9 Uhr 30 war der Führer der Deutschnationalen, Hergt, gebeten. Der Reichspräsident legte ihm verschiedene Fragen über die Stellung seiner Graftion zum Sachverständigengutachten, zur parlamentarischen Regierungsform und zum außenpolitischen Programm der Mittelparteien vor. Man darf annehmen, daß diese Unterredung ergebnislos verlaufen ist und daß Hergi daher für den Auftrag zur Regierungsbildung nicht in Betracht kommt. Um 10 Uhr 30 mar Genojie Hermann Müller, um 11 Uhr der Führer der Deutschen Bolkspartei, Scholz, beim Reichspräsidenten. Im Laufe des Nachmittags wird der bisherige Reichsfanzler Marg empfangen werden. Es herrscht allgemein die Ueberzeugung, daß er von neuem mit dem Auftrag zur Kabinettsbildung befraut werden wird. Die fozialdemokratische Reichstagsfraktion fritt um 1 Uhr nachmittags zu einer Sigung zusammen, um vor der ersten Plenarsihung des neuen Reichstages die politische Cage, wie fie sich aus dem Rüdtritt der Reichsregierung ergeben hat, zu besprechen. Der Reichspräsident wird im Laufe des Tages weitere Besprechungen mit den Parteiführern Fehrenbach, Roch und Leicht haben. Nach der ganzen Sachlage fann nichts anderes erwartet merden, als daß der Reichspräsident eine Persönlichkeit zum Reichskanaler ernennt, die ohne Einschränkung auf dem Boden der Reichsverfassung steht, und die fich bereit erklärt, die zur Durchführung der Sachverständigengutachten nötigen Geseze schleunigst im Reichstage durchzubringen. Für diese Aufgabe tommt der bisherige Reichskanzler Marr in Frage. Es ist vorauszusehen, daß der Reichspräsident Herrn Marr erneut mit der Regierungsbildung beauftragen wird. Die Bildung einer neuen Regierung Marr wird jedoch auf Schwierigkeiten stoßen. Es ist vorauszusehen, daß die deutsche Volfspartei der Bildung einer festen Regierung der Mitte diefelben Hindernisse bereiten wird, die sie bisher bei den Verhandlungen der Mittelparteien mit den Deutschnationalen immer wieder aufgebaut hat. Ihre Sehnsucht nach dem Bürgerblock mit den Deutschnationalen muß die Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung Marr zum Scheitern bringen, wenn sie trotz aller Erklärungen erneute Berhandlungen mit den Deutschnationalen fordert. Die Industriellen üben auf die Deutschnationalen einen ungeheuer starken Drud aus. Sie verlangen von den Deutschnationalen die Annahme der Gutachten. Aber nach dem Beschluß der Deutschnationalen fann dieser Drud teine politischen Wirkungen mehr haben. Jezt müssen die Konsequenzen aus der Situation gezogen werden, wie sie fich nach dem Abbruch der Verhandlungen ergeben hat- trotz der Zweideutigkeit der Deutschen Volkspartei. Die erste Etappe. Das Verschulden der Deutschen Volkspartei. In einer Besprechung der Vorgänge im Reichstag sagt die Frankfurter Zeitung": Die Deutschnationalen haben die erste Etappe des von ihnen rerfolgten Weges erreicht. Die Regierung Marg ist ohne offenen Kampf zurüdgetreten. Die Deutsche Volkspartei hat ihre eigene Regierung gestürzt. Die Deutsche Volkspartei, die sich eine Mittel parei rennt und die unter diesem Namen das Zentrum und die Demokraten zu der berühmten bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft der Mitte" an sich gebunden und deren Politit oft und lange verhängnisvoll beeinflußt hot, will nach rechts zu dem Bündnis mit den Deutschnationalen. Wundert man sich? Die Wendung zum reaktionären Bündnis foftet der Bolkspartei fein Opfer der Ueberzeugung. Aber alles wäre flar und folgerichtig, wenn eines nicht wäre: die auswärtige Politik! Hier ist der Punkt, an dem die Politik der Deutschen Volkspartei aufhört, überhaupt noch Bolitik zu sein. Diese Partei selbst hat sich eben noch zu der Außenpolitik der Regierung Mary- Stresemann befannt, frotzdem zerbricht fie die gemeinsame Front, um einer neuen Regierungsbildung die Bahn freizumachen, trotzdem die Deutsch nationalen das entscheidende Ja zu dieser Außenpolitik bisher noch nicht gesagt haben. Diese halten an ihren Klausein und Einschränkungen fest, ohne darzutun, daß die Annahme des Sachverständigenberichtes durch die Regierung Marr- Stresemann doch tatsächlich bereits erfolgt ist, daß es sich gar nicht mehr um gebundene oder ungebundene Hände für den Unterhändler handelt, sondern nur noch darum, ob die neue Regierung das Wort ber alten einlöst oder es umwirft. Von dieser Frage aber hängt das Schicksal Deutschlands ab, nicht mehr und nicht weniger. Und darum muß auf sie jetzt alles abgestellt werden, was nach dieser frivolen Zerstörung der Regierung Marry und der fie bisher tragenden Parteifonstellation nun zur Lösung der Krise geschehen foll. Wir sind heute mehr denn je überzeugt, daß die Wahlen vom 4. Mai feine Mehrheitsentscheidung gegen die bisherige Außenpolitik ergeben haben und daß bei Auflösung des Reichstages und Ausschreibung von Neuwahlen unter der flaren und eindeutigen Fragestellung Rettung Deutschlands durch Annahme und ehrliche Ausführung des Sachverständigen gutachtens, trotz aller furchtbaren Opfer" oder„ Chaos und Zerstörung", eine sichere Mehrheit für die Rettung und gegen das Chaos herauskommt. Es wäre eine Mißdeutung des Wahlergebnisses vom 4. Mai, menn jetzt eine Regie rungsbildung versucht würde, bei der die Fortführung der außenpolitischen Linie nicht tlar und ehrlich gesichtert wäre. Der Versuch einer solchen Regierungsbildung war ja auch im Reichs tag felbft von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen, denn in dieser Hinsicht ist auch die Haltung des Zentrums offen und deut. lich. Deshalb waren wir gegen den Rücktritt der Regierung Marg, roaren dafür, daß sie sich dem neuen Reichstag stellen und in ihm sich eine Mehrheit verschaffen sollte, auf die ihre Außenpolitik ficher rechnen konnte. Jetzt ist durch den Rücktritt des Kabinetts und noch mehr durch die Untreue der Boltspartei die Lage viel verworrener geworden. Zwischen den Parteien, die die Außenpolitik der bisherigen Regierung zu stügen verpflichtet maren, tlafft nun ein neuer Riß. Der Reichs präsident- so schließt die Frankfurter 3eitung" steht damit vor einer ungeheuer schweren Aufgabe. Aber die Richtung ist ihm gewiesen durch den Ausgang der Wahlen vom 4. Mai: nur eine solche Regierung zu berufen, die mit allen Mitteln für die Aufrechterhaltung der bisherigen Außenpolitik fämpfen und keine Rückschritte dulden will. Das ist die historische Aufgabe, die ihm heute obliegt. Schwierige Verhandlungen im Ruhrkampf. Bisher keine Annäherung. Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium zwischen schwierig. Es wurde bisher in feiner Frage eine Bergarbeitern und Zechenverband gestalteten sich äußerst Annäherung erzielt. Unter diesen Umständen ist es fraglich, ob die Verhandlungen heute Abend zum Abschluß fommen werden. Der neue Kurs in Frankreich. Die Generalräte zur Regierungsbildung. Paris, 27. Mai.( WTB.) lleber die Sizungen der Generalräte wird berichtet: Der Generalrat des Departements der Rhone Mündung in Darseille nahm eine Tagesordnung an, in welcher ausgedrückt wird, die Sozialisten möchten sich an der Regierung betciligen und das Programm des Kartells der Linken, das für den Wiederaufbau des Landes unerläßlich sei, durchführen. Im Departement Puy- de- Dôme erflärte Senator Clementel, in dem viele Radikale den zukünftigen Handelsminister erblicken, die große Mehrheit der Wähler wünsche, daß die radikale Partei und die sozialistische Partei sich gemeinsam bemühten, ein Regierungsprogramm zur Geltung zu bringen und gemeinsam die Berantwortung für die Regierung zu übernehmen. Im Departement Tarn wurde eine Resolution eingebracht, die fordert, die Kammer möge den Präsidenten der Republik auffordern, sein Amt niederzulegen. Diesen Willen habe das Land formell zum Ausdrud gebracht. Im Departement Haute Savoi, wurde eine Tagesordnung angenommen, in der die radikale Regierung zur Durchführung eines Programms auf gefordert wird, welches Frankreichs Sicherheit garantiere und die Reparationen, auf die es Anspruch habe, sicherstelle. Im Departe ment Yonne erflärte der Borsitzende der radikalen Fraktion des Senats, Senator Bienvenu Martin, Deutschland werde fich täuschen, wenn es glaube, die Radikalen würden weniger feft als früher auf der Forderung der Rechte Frankreichs bestehen und weniger ent. schlossen sein, ihnen Achtung zu verschaffen. Die Departements 2a Manche und Seine Inférieure haben dem Präsidenten der Republik und Boincaré erneut ihr Bertrauen ausgesprochen. Landesverrat. Zum Gutachten des Reichswehrminifteriums. Bon Otto Landsberg. Wer über das Bestehen von Geheimorganisationen Mit teilung macht, die durch den Versailler Vertrag verboten sind, begeht, ohne daß es darauf ankommt, ob seine Behauptungen wahr, ob sie den Auslandsstaaten bekannt sind, und ob der deutschen Regierung eine Mitwirkung bei der Vertragsverlegung vorgeworfen wird oder nicht, das Verbrechen des Landesverrats." Das ist der Sinn des Gutachtens, das das Reichswehrministerium in der Strafsache gegen 3eigner erstattet hat. Der„ Vorwärts" hat in seiner Sonntagnummer diese Auffassung mit Gründen bekämpft, die dem besonderen alle Seigner entnommen sind; fie ergeben sich aus dem Wesen des Parlamentarismus und den Pflichten einer com Volf eingesetzten und ihm verantwortlichen Regierung und find staatsrechtlicher Art. Aber das Guiachten bezieht sich nicht nur auf den Fall Zeigner, sondern es beansprucht allgemeine Geltung. Deshalb muß es auch ven allgemeinrechtlichen Gesichtspunkten aus geprüft werden. Zunächst ist festzustellen, daß das Gutachten gar fein Gutachten ist, sondern ein Urteil. Der Sachverständige ist nicht Richter, sondern Gehilfe des Richters. Er hat auf Grund besonderer Sachkunde dem Gericht Aufklärung über Tatumstände zu geben, die für die Bildung des richterlichen Urteils von Erheblichkeit sind und die der Nichtfachmann nicht zu erkennen oder zu würdigen vermag. Die Fällung des Urteils aber ist stets und ausschließlich Sache des Richters. Das Gutachten des Reichswehrministeriums verbreitet sich nicht etwa über militärische Dinge, sondern es schreibt den Gerichten die Auslegung des Landesverratsparagraphen des Strafgesetzbuchs vor. Mithin stellt es den Versuch einer ebenso unzulässigen wie groben Beeinflus ung des Richterstandes dar. Daß Sachverständige, die infoige mangelnder juristischer Schulung die Grenze zwischen ihrem Amt und dem des Richters nicht tennen, dem Gericht die Urteilsfällung abnehmen, statt sich auf ihre Erleichterung zu beschränken, ist im Gerichtssaal nicht un gewöhnlich. Der ausgezeichnete Verteidiger Rechtsanwalt Mundel hat einmal einen solchen Fachmami in seine Schranken zurückgewiesen, indem er auf die Frage des Vorfizzenden, ob zu dem Gutachten Bemerkungen zu machen seien, mit föstlicher Ironie antwortete:„ Der Herr Sachverständige. hat sich noch nicht über das Strafmaß geäußert." Neu ist aber, daß juristisch gebildeten hohen Beamten einer Zentralbehörde der Unterschied zwischen den Aufgaben des Sachverständigen und des Richters nicht bekannt ist. Leider ist dies nicht der einzige Punkt, in dem die Ge des lehrten Reichswehrministeriums eine eine befremdende juristische Unwissenheit an den Tag legen. Das Strafgesetzbuch bestraft wegen Landesverrats denjenigen, der Nachrichten, Don denen er weiß, daß ihre Geheimhaltung einer anderen Regierung gegenüber für das Wohl des Deutschen Reiches oder eines Bundesstaates erforderlich ist, öffentlich bekanntmacht. Wie ist es bei diesem Wortlaut des Gefeßes möglich, einen Landesverrat in der Behautpung von Tatsachen zu erblicken, die„ einer anderen Regierung" bereits bekannt sind! Wie fann man unterschiedslos jede das Bestehen von Geheimzeichnen, die unser Land derart schädigt, daß man in ihr einen Landesverrat erblicken muß! Wenn eine andere Regierung das Wohl des Reiches durch die öffentliche Bekanntmachung durch ihre Kontrolleure oder auf andere Weise über das Dafein von zehn Geheimorganisationen unterrichtet ist, wird dann verlegt, daß noch eine elfte besteht? organisationen betreffende Mitteilung als eine Handlung beAber weiter: wir Sozialdemokraten sind über den Ber-. dacht erhaben, daß wir uns zu Verteidigern der einseitigen Abrüstung Deutschlands, wie fie der Versailler Vertrag vorschreibt, aufschwingen wollen. Unser Ziel ist die Welt. abrüstung, die wir im Interesse des Weltfriedens erstreben. Daß ein einzelner Staat, deffen Nachbarn mehr oder minder große Armeen unterhalten, an der Entfaltung militärischer Verteidigungsmittel durch Zwang verhindert wird, bedeutet in unseren Augen feine Friedenssicherung, sondern eine hohe Kriegsgefahr. Indessen der Vertrag von Versailles ist von Deutschland angenommen und ist zum Gesez des Deutschent Reiches geworden. Und wem die hieraus entspringende moralische Bindung nicht genügt, um sich zur Beachtung auch der ungerechtesten Bestimmungen des Vertrages in den Grenzen der Möglichkeit für verpflichtet zu erachten, der sollte aus Gründen der Klugheit Erfüllungspolitik treiben. Was im befonderen die Vorschriften des Vertrages über die Abrüstung betrifft, so hat niemand überzeugender die Unmöglichkeit nach gewiesen, fie durch Schaffung von Geheimorganisationen fraft. los zu machen, als der Reichswehrminister Dr. Geßler. Wer sich durch das Scharnhorstsche Beispiel den Kopf verdrehen läßt, übersieht den tiefgreifenden Unterschied zwischen der politischen Lage nach 1806 und nach 1918. Damals waren zwei mächtige Feinde Napoleons, Desterreich und Rußland, von dem Orkan, der über die Welt gebraust war, im wesent lichen unversehrt geblieben. Heute sind die Gebiete beider Staaten politische Depressionssphären, und auf dem ganzen Kontinent sehen wir fast nur Mächte, die an Deutschlands Niederhaltung ein Interesse zu haben vermeinen. De utiche Geheimorganisationen fönnen nur Deutsch land selbst gefährlich werden, und zwar no ch mehr innen als außenpolitisch, da der Marsch an den Rhein über Berlin gehen und dort voraussichtlich für recht lange Zeit unterbrochen werden würde. Eine Gefahr bilden sie aber nur dann, wenn die Behör den des Reiches sie ungehindert schalten lassen. Wenn da gegen die Reichsbehörden jeden Verschwörerbund, von deffen Borhandensein sie Kenntnis erhalten, mit eiserner Fauft unter drückten, so würden sie dadurch denjenigen Mächten, die die Existenz solcher Bünde zum Anlaß verschärfter Kontrollmaßnahmen und weiterer Sanktionen machen wollen, die Waffen aus der Hand schlagen und die außenpolitische Lage Deutsch londs verbessern. Dabei darf nicht übersehen werden, daß zwischen den Staaten der Entente zwar in der Reparationsfrage große Gegenfäße bestehen, daß sie aber in der Frage der Abrüstung eine Einheit bilden, die durch findische Bertragsverlegungen nur befestigt werden kann. Die Aussichten auf eine den deutschen Interessen Rechnung tragende Lösung der Reparationsfrage müssen sich verbessern, wenn die deutschen Behörden in einem Bunfte, in dem alle ehemaligen Feinde uns gefchloffen gegenüberstehen, vertragstreu find, und ihre Vertragstreue würde sie im Hinblick auf die völlige militärische Wertlosigkeit der Geheimbünde wirklich nichts fosten. Wie fann man unter diefen Umständen Mitteilungen über das Bestehen geheimer Verbände als dem Wohle des Reiches abträglich bezeichnen! Nur ihre Tätigkeit, nicht aber die Offenbarung ihres Daseins vermag das Reich zu schädigen. Die juristischen Sachverständigen des Reichswehrministeriums find allo schlechte Juristen. Aber sie find no á schlechtere Politiker. Man höre nur auf das Echo, das ihr Gutachten im Auslande wachgerufen hat! Das Reichswehrministerium schützt die geheimen Berbände, die der Versailler Vertrag verbietet! Wer ihr Bestehen offenbart, wird mit Billigung und unter Mitwirkung dieser hohen Behörde wegen Landesverats bestraft! Die deutsche Reichsregierung will die Bestimmungen des Friedensvertrages über die Ab rüftung fabotieren! Seien wir daher wachfam, verewigen und verschärfen wir die militärische Kontrolle und zwingen wir Deutschland durch neue Sanktionen zur Vertragstreue!" So fchalit es aus Frankreich, Belgien und Polen zu uns herüber. Das Gutachten des Reichsmehrministeriums dient also, um die Worte zu gebrauchen, mit denen es den Nachweis für den landesverräterischen Charakter von Mitteilungen über Geheimbünde zu führen unternimmt, zur Begründung der Notwen digkeit des Weiterbestehens der dem Wohle des Deutschen Reiches abträglichen Kontrollfommiffion und als Unterlage für weitere Maßnahmen zur Niederhaltung Deutschlands". Mit anderen Worten: Nach der Logik des Reichswehrministe: riums hat es durch die Erstattung feines Gutachtens Lan= Desnerrat begangen. Und das ist der Humor dieser ernsten Angelegenheit. Mittelblock oder Chaos? Nach dem Rücktritt der Reichsregierung. Die deutschnationale Parteipresse enthält sich den entscheidenden Ereignissen des gestrigen Tages gegenüber jeden Kommentars. Lediglich der Lotal- Anzeiger" meint, die Antwort der Deutschnationalen schlage feine Türen zu, alles spreche dafür, daß der von der Rechten eingeschlagene Weg einer Kanzlerschaft Tirpig' wieder begangen werde. Jedenfalls müßte der Reichspräsident jetzt einen Deutschnationalen mit der Regierungsbildung beauftragen. Der„ Lokal- Anzeiger" versucht bei dieser Gelegenheit, auch die Volkspartei ganz in das deutschnationale Fahrwasser hinüberzuziehen, nidem er die versteckten Angriffe der voltsparteilichen Bresse auf die Deutschnationalen als Mißver ständnisse der Breffetrabanten" Stresemanns bezeichnet. Damit wird ein Thema angeschnitten, das die Bresse der Mittelparteien in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellt. Sowohl das Zentrum wie auch die Demokraten find über den eigenmächtigen und gegen die Bereinbarungen verstoßenden Beschluß der Volkspartei, den Rücktritt der Regierung vor dem Bekanntwerden der deutschnationalen " Erziehung zum Haß. Bon Bewe. In einem der großen Cafés einer deutschen Großstadt. Mufit er quälten sich, Boltsmeisen der Bewohner des Feuerlandes oder meinetwegen auch solche irgendeines unbekannten Negerstammes Innerafritas dem Publikum mit möglichst viel Geräusch in die Ohren zu schlagen. Trobem aber gähnte die Langeweile von jedem Tisch, faßen das Fernfein und Einander- fremdsein unter den Menschen, die fich fast mit den Ellenbogen berührten. Jenes Fremdsein, das unserer Großstadt, beinahe unferer ganzen Kultur ihren entseglichen Stempel aufgedrückt. Spiegel an den Bänden zerrissen den Raum. Büsternheit, dunkle Geschäftigkeit, Naivität und Strupeilosigkeit flossen bunt durcheinander. Ich las. Wahllos Zeitungen. Zeitschriften. Da schwieg die Musil. Ein befracter Herr bestieg das Podium. Ansager und Humorit zugleich. Er ödete mit alten Wizen. Die Langeweile wurde gähnender. Es lachte faum wer. Da holte er seinen letzten Trumpf: Ein ernstes Gedicht in ernster Zeit. Ich horchte auf. Es fonnte immerhin etwas fein. Manchmal blüht auch im ärmften Schmarren fo etwas wie ein Betigen Menschlichkeit. Es war nichts. Bon Rhein und Tränen, schwarzer Schmach, Liebesweh, Selbstmord, Faust- in- der- Tasche, Haß, Krieg, Befreiung waren die schlechten Berse überladen. Nicht die Spur von Kunst oder Natur. Doch seltsam: der Funke zündete! Der Beifall flatschte hart auf, leise, im Untergrund aller Gemüter, schwelte schon das Deutschlandlied. Der Man trat schmunzelnd ab. Die Spefulation auf einen falsch verstandenen Nationalismus hatte sich als richtig erwiesen. Ein Narr, der die Konjunktur nicht ausnügt! Ein Mann sang Rheinlieder. Er hatte keine Ahnung vom Singen. Bielleicht kaum vom Rhein. Am Schluß steuerte aber auch er feinen Obulus bei: die ernste Zeit im ernsten Gedicht. Selbst verfaßt, wie er bescheiden sagte. Wieder wurden alle die Gefühlchen, die billig sind und bei jedem„ normalen" Deutschen mit den Namen Baterland, Ehre, nationale Würde usw. umzäunt werden, mit dem Spigmeisel bearbeitet. Blasen stiegen hoch. Die Massenpsychose, altadiert von der Musit, die unter den Borten durch nationalistische Lieder die Feuerchen einer gefahrentfernten Begeisterung schürte, band Menschen und Dinge. Die große Boltsgemeinschaft erstand in Reinfultur. Sind wir nicht ein einiges Bolf, trok unserer 26 völ. fischen Parteien? Lüfternheit, dunkle Geschäftigkeit und Strupel losigkeit fanden unter dem Mänteichen der nationalen Begeisterung ihre Befriedigung und über allem wuchsen die unausrottbaren Diftet bes Haffes. Des feligen Wolzogen Ueberbrett!" als Geschäftelhuber in a tionalismus und Haß: wie tief ist jene lustige Göttin gesunten und " Antwort zu fordern, fordern, äußerst verstimmt. Die Vossische Zeitung" nennt diesen Beschluß geradezu eine Torpedierung des Kabinetts Marg und sagt, er leiste ben deutschnationalen Tendenzen Borschub. Noch deutlicher wird die Germania". Dort heißt es, das selbständige Vorgehen der Volkspartei vertrage sich nicht mit der Art, in der die brei Mittelparteien bisher zusammengearbeitet haben. Die Boltspartei fei von Stresemann abgerüdt, ihr Verhalten lasse die Konsequenz permissen und mache die Partei zu einem unsicheren Fattor. Das Zentrum habe infolge der Haltung der Volkspartei seine volle Freiheit wieder gewonnen. Das Verhalten der demokratischen und der Zentrumspresse läßt auf schmere Mistimmungen innerhalb der Mittelparteien schließen. Die Deutsche Allgemeine Beitung" bestätigt das, indem sie hinzufügt, daß die Verstimmung auch in den Unterredungen mit Mitgliedern dieser Fraktionen zum Ausdrud gekommen sei. Es ist den Deutschnationalen also mit der Hilfe des rechten Flügels der Volkspartei gelungen, einen Keil in die Mittelparteien zu treiben, und man muß sich die Frage vorlegen, melche Folgen daraus entstehen. In der " Germania" heißt es: „ Die Deutsche Volkspartei hat mit ihrem Beschluß, der den Rüd tritt der Reichsregierung fordert, wohl die politische Situation flären wollen. Wahrscheinlich wird aber eine große Berwirrung daraus entstehen; denn wir wissen zwar jest, daß wir teine attionsfähige Reichsregierung mehr haben, aber was tommen wird, fönnen uns auch die Bäter jenes Entschlusses schwerlich verraten." Eines geht aus der Presse des Zentrums und der Demo fraten flar hervor: beide Parteien lehnen die Antwort der Deutschnationalen schroff ab. Die„ Germania" versichert, das Zentrum werde die deutschnationale Politik der Borbehalte und infeizüge auf feinen Fall mitmachen, für ihre Partei fomme ein Abweichen von der Linie des Kabinetts Marg nicht in Frage, sie werde deshalb ihre ganze Kraft dafür einfegen, daß die Führung bei der Mitte bleibt und daß eine Regierung zustande kommt, die die Weiterführung der bisherigen Außenpolitik garantiert. " 1 Aehnlich Berliner Tageblatt" und" Bossische Zeitung". Das Berliner Tageblatt" sagt z. B.: „ Die Mittelparteien dagegen sind der Ansicht, daß man in der gegenwärtigen außenpolitischen Situation nur durch Klarheit, Offenheit und Ehrlichkeit zu dem Ziele kommen fönne, das zu einer Lösung der Reparationsfrage, zu einer politischen Berständigung und zu einem wirtschaftlichen Ausgleich mit den Alliierten führt." Beide Blätter sind der Ansicht, daß es dem Führer der Deutschnationalen, Hergt, wenn er mit der Kabinetts: bildung beauftragt werden sollte, nicht gelingen werde, feine Aufgabe zu lösen, und daß man mit einer baldigen Rüd fehr des Kabinetts Marg rechnen könne. Das ist in der Tat die einzige Möglichkeit, das Schiff der Politik flott zu erhalten. Versagt sie, dann steht das Reich vor einer ähnlich chaotischen Situation wie in der Zeit nach dem Rücktritt des ersten Kabinetts Stresemann. Auf die Wolfspartei fiele die schwere Verantwortung, diese Situation heraufbeschworen zu haben. Deutschvölkisches Komödienspiel. Völlig unpolitisch, aber- ich verpflichte mich... Eine Lokalforrespondenz meldet: Am Montag, den 26. Mai, dem Jahrestag der Ermordung Albert Leo Schlageters, haben sich folgende völkische Jugendverbände zu den Bereinigten völlisen Jugendver bänden zusammengeschlossen: 1. der Deutschvölkische Jugendbund Graf Dord v. Wartensburg, 2. der Jugendbund Leo Schlageter und 3. der Ostdeutsche Jugendbund v. Hindenburg. Die BBI. erstreben den Zusammenschluß aller völkischen Jugendbünde bei Wahrung ihrer Selbständigkeit und bezwecken die körperliche und seelische Erstattung und die Erziehung zum völkischen Gedanken unter Ausschluß der Parteipolitit. Als Mitglied kann jeder völlische Jugendwelche Geiftesarmut dokumentieren ihre jezigen anmaßungsvollen Pricfter! Ich ging. Arm und traurig. Leergebrannt. In den Straßen hockte die Nacht. Und an einer Ede flang von den zufällig übrig gebliebenen Fehen eines Wahlpiatates der stumine Schrei des Proletarierfindes: Mutter, dent' an mich! Zurück zum Paradies! Die Sehnsucht nach dem verlorenen Baradies nimmt manchmai merkwürdige Formen en, und wenn einfimais Rousseau auf feinen Menschen zum Affen zurückringen, jo fehren diese modernen NaturRuf Burüd zur Natur" hin vorgeworfen wurde, er wolle den fchwärmer in ihrer Sehnsucht nach dem Leben der Ureltern zu dem Dasein der Urmenschen zurück. Bor kurzem wurde in den Wäldern am Ufer des Mississippi in den Vereinigten Staaten eine merkwürdige Familie entdeckt. Der Mann lebte feit mehr als einem Jahrzehnt in defer Wildnis ganz allein; cr hatte dann eine Frau gefunden, die fich in einer Bärcnfalle gefangen hatte, und sie zum Beibe genemmen. Ihrem Bunde entsproß ein Baby. Diese modernen Adam wild; sie hatten sich notdürftig in Tierfelle gefcibet und waren nur und Eva lebten schon seit Jahren von Wurzeln, wilden Früchten und aus dem dichten Urwald näher an den Rand des Fluffes getrieben worden durch Uebersówemmungen, die ihnen das Gein in dem Didicht unmöglich machten. Auch früher scheen haben, moran in einer englifchen Zeitschrift erinnert wird, verschiedere Paare der modernen Zivilisation den Rücken gekehrt und ein paradiesisches Leben auf genommen. So verbrachte ein Cehepaar lange Jahre auf einer ver laffenen Insel an der Küste von Schottland. Sie hatten ihre Woh nung in einer Höhle aufgeffagen; aber schließlich hielten sie es doch anderes Ehepaar wurde vor einigen Jahren in den Bereinigten nicht mehr aus und fehrten reumütig nach London zurück. Ein Staaten dadurch berühmt, daß es mit dem festen Entschluß in die Wildnis auszog, den Garten von Eden, aus dem die Menschheit ver= trieben worden, wieder aufzufinden. Sie legten in einer bichten Waldgegend ihre Kleider ab, machten fich Anzüge aus Baumrinde und Bellen und lebtan nur von den Beeren und anderen Früchten des Baldes; höchstens fingen fie fich noch etwas Wild in einfachen Fallen. Aber auch hier fehlte die Schlange nicht im Paradies, und es lam zwischen den neuen Adam und Eva zu so heftigen Auseinandersetzun enbete." Kluger handelter diejenigen, die sich allein ins Baradies zurückzogen. Es gibt verschiedene solcher Adams", die auf einsamen Insein im Stillen Ozean leben und sich dabei ganz wohl befinden. Den Weg vom modernen Europäer zu den Wilden zurüd fond eine Engländerin, die nach Australien auswanderte und Köchin auf ciner Farm im Busch wurde. Hier schloß fie Bekanntschaft mit einem Gin geborenen, der zu einer der primitivsten Rassen gehörte. die es noch mit ihm in sein Dorf, wo sie fich von den Bliden durch nichts als auf Erden gibt. Sie reichte ihm die Hand zum Lebensbund und zog dur ihre Hautfarbe urterscheidet. Einem Reijenben, der sie auffuchte, erklärte fie, fie fei vollkommen glücklich; sie hatte aljo ihr Paradies gefunden. bund aufgenommen werden, der udendorff, v. Hinden burg oder v. Graefe anerkennt und sig verpfligtet. in Wort und Tat für den völkischen Gedanken einzutreten. Jeder angeiloffene Jugendbund hat seine Mitglieder auf folgende Formein zu verpflichten:„ Ich gelobe, dem Vaterland bis zur Selbstausopferung zu dienen, dem Führer willige Gefolgschaft zu leisten und unbedingten Dienst zu halten, mit Wort und Tat für die Freiheit und Einheit Deutschlands einzutreten." Man ist von den Bölfischen mandjes gewöhnt. Die Leistung dieser V23. aber ist geradezu klassisch. Sie schwören auf die Führer der nationalsozialistischen Freiheitspartei, die als poliitide Barici anerkannt ist und die Diftatur erstrebt, sie geloben diesen Führern unbedingten Gehorfant und Gefolgschaft bis in den Tod und erklären fich zu gleicher Zeit frisch, fromm, fröhlich, frei als gänzlich unpolitisch. An ihrer politischen Begabung mag man zweifeln, daß sie dagegen als parteipolitisch gemein gefährlich abgestemprit find, läßt sich nicht bezweifeln. Die Finanzpolitik Preußens. Debatte im Landtag. Der Preußische Landtag erledigte in feiner heutigen Sigung zunächst eine Reihe von Interpellationen. Zu der großen Anfrage der Sozialdemokraten über die Abänderung der Abtreibungsparagraphen des RStGB. erflärie ein Regierungsvertreter. daß das Staatsministerium bereit sei, beim Reichsminister eine Milderung der geltenden Straf bestimmungen anzuregen. Schon jezt würden schwere ZuchtFälle misse die Zuchthausstrafe bestehen bleiben. Die Abtreibung, hausstrafen nur in Ausnahmefällen verhängt. Nur für jämere insbesondere in den ersten drei Monaten nach der Empfängnis überhaupt straffrei zu lassen, das verbiete die Rücksicht auf die Gesundheit, fomie die Gefahr der Zunahme der Abtreibungen und der Geschlechtskrankheiten. Das Haus ging dann über zur Fortsetzung der großen politijen Ausspreche über den Staatshaushalt. Mis erster Redner sprach Genosse Lüdemann: Katastrophen. Die Sachwertbefizer fonnten sich bereichern, Arbeiter, Das vergangene Jahr war ein Jahr wirtschaftlicher und sozialer Angestellte und Beamie, ein Teil des Mintelstandes und starle Teile der intellektuellen und freien Berufe verarmten. Eine ungeheure Proletarisierung des Voltes ging vor sich. Deshalb darin stimmen wir mit dem Finanzminister überein muß das Zief aller Finanzpolitif zunächst in der Stabilisierung der Mart Raischläge von starken Zeilen der bürgerlichen Parteien in den Wind bestehen. Wir bedauern nur, daß jahrelang unjere Warnungen und geschlagen wurden,( 3uruf rechts: Und die Produktionssteigerung?) Die Produktionssteigerung? Gerade wir haben wiederholt eingehend Vorschläge zu diesem Problem gemacht. Vergessen Sie doch auch nicht das psychologische Moment in dieler Frage. Keine Produktionsbeigerung ohne Steigerung des Arbeitswillens! Erinnern Sie sich doch an die gefirige Debatte über die Bergarbeiterfrage. brud aussprechen, daß für die Stabilisierung der Währung fein Opfer Für die Massen des arbeitenden Volkes müssen wir mit Nachzu groß ist. Hier wird der Finanzminifier unsere volle Unterſtügung finden. Es bleibt natürlich dann die Frage, wie soll die Währung gesichert werden? Die Stabilisierung darf nicht zu Lasten der schon übermäßig belasteten Boltsschichten erfolgen. Stabilisierung gewiß aber bei gerechter Berteilung der Casten! Steuerpolitik und Finanzpolitik des preußischen Staates ruhen auf der Steuer und Finanzpolitik des Reiches. Wir betonten mit Echärfe, daß wir dieses Fundament im Reis für falsch halten. Eine Unmeffe von indirefter Steuerbelastung fällt auf die Schultern Der werftätigen Bevölkerung. Die Umjazsteuer Der= wandelt sich in der Abwälzung zu einer immer stärkeren Last. Bergeffen Sie nicht, daß die auswärtigen Kenner der deutschen Steuer= verhältnisse betonien, daß der Großbesih bei uns nicht genügend ju den Lasten und Steuern herangezogen wird. Erinnern sie sich an das Urteil und die Stritit bes Dames- Gutachtens! Wir haben in Breußen noch die Mietsteuer, die vom Reich bekanntlich den Zändern vorgeschrieben wurde.( Burufe bei den Kommuniften.) Herr Abgeordneter König- Weihenfels, Sie haben ja auch im Hauptausschuß deutlich gezeigt, daß Sie als Bürgermeister ein Interesse daran haben, aus den nun einmal vorhandenen Steuer. bleibt jedenfalls ein Verdienst der Sozialdemokratie, bie Mietsteuer quellen für die Gemeinden herauszuholen, was möglich ist. Es so sozial ausgestaltet zu haben, daß sie wenigstens einigermaßen von den schwergedrückten Waffen getragen werden konnte. ( Schluß im Morgenblatt.) Marg als Sowjetheiliger. Die bolichewistische Regierung hat den dringenden Wunsch, daß Karl Marr Seite an Seite neben Lenin, feinem berühmtesten Schüler", feine dauernde Ruhestätte finde. Wie Daily Expreß" erfährt, haben sich die in London weilenden Sowjetdelegierten an das britische Ministerium des Innern mit dem Erfuchen gewandt, sie zu ermächtigen, die Leiche im Highgate- Friedhof, wo Karl Marg im Jahre 1883 beigefeht wurde, auszugraben und nach Rußland überführen zu dürfen. Die Frage wurde schon im Jahre 1918 von Litwinow angeregt, als diefer Sowjetgesandter in London war. Das Grab befindet sich in vernachlässigtem(?) 31ftand, und Lenin hatte seinerzeit Litwinow den Auftrag erteilt, 100 000 Pfund Sterling zur Errichtung eines Dentmals und zur wohl den Auftrag erhalten, fonnte aber das Geld für seine Auswürdigen Herstellung des Grabes zu verwenden. Litwinow hatte führung nicht aufbringen, und so blieb alles beim alten. Es scheint übrigens zmeifelhaft, ob das britische Ministerium des Innern überhaupt das Recht hat, über das Grab zu verfügen und den Wunsch der Sowjets zu erfüllen. Das Grab gehört der Familie von Kari Mary, die auch allein Bestimmungen darüber su treffen hat. Der Enfel von Karl Marg, der franzöfifche Deputierte Jean Longuet, ift aber ganz und gar nicht mit der Art, wie die Russen die Doktrin seines Großvaters auslegen, einverstanden. Er dürfte deshalb auch nicht geneigt fein, dem Wunsch der Sowjeis Folge zu geben. Jm Resibenz- Theater findet Millinoch die 50. Bocklellung von Eruit Sollers intemann" statt. Siniemann: Heinrich George, Regie: Emil 2 ind. Die Gastspieldirellion des Residenz- Theaters ist von den stammerspielen Hamburg und dem Schauspielhaus Stanfiunt a. M. cuigefordert, mit der Berliner Aufführung des infemann" im Jult und August in genannten Städten zu galtieren. die dahin zielen, diefe Dpernbühne nach Berlin zu bringen. In Aussicht Eine italienische Oper in Berlin. Zwischen dem Teatro Costanzi zu Rom und der Konzertdirektion Robert Sachs schweben Unterhandlungen, genommen find Ausführungen von Wephistophelo von Boitu, ferner Gioconda, Falstaff und einige Obern von Buccini. Ob für das verarmite Deutschland solche Zugusveranstaltung tonnöten ist, scheint uns sehr fraglich.) Tamara Karjavina in Berlin. Es ist der Direffion des Berliner Theaters gelungen, Samara Starjavina für zwei Zanzabende zu gewinnen. Tamara Sarjavina wird mit ihrem Bartner Pierre Bladimiroff in einem in Berlin noch nicht gezeigten Brogramm auftreten. Frühlingsfest der Preffe. Im altberühmten Stolen Garten ant Stönigsplak veranstaltet Der eichsverband der deutsche12 Breise am Donnerstag nach Pfingsten, am 12. Juni, ein Frühlingsfeft zum Beiten seiner Unterstügungslaife. Ima Theater wird die Oper„ Wartha" in Szene geben. Dazu hat reben befannten heimischen Kräften der zurzeit, berühmteste Tenor B. Gigli, der neue Carnio", seine Mitwirkung zu gejagt. Im Garten werden mehrere Orchester fonzertieren. Das Ballett der Staatsoper wird im Freien durch choreographliche Darbietungen entzüden. Eine reich ausgestattete Tombola wird für leberraschungen jorgen. seuschaften haben die Tagung gemeinschaftlich vorbereitet: das Deutiche Die. Tuberkulofefagung in Coburg murbe Montag eröffnet. Drei Ge Zentraltomitee zur Bekämpfung der Zuberkuloje und die beiden deutschen Gesellschaften der Tuberkulofefürsorgeärzte und der Heilstättenärzte. Der Besuch ist sehr stark und das Programm sehr umfangreich. „ Detektiv" Grandel. Er entlarvt die Secct- Uttentäter und schweigt. Nach Eröffnung der heutigen Sigung des Schwurgerichts im Prozeß gegen Thormann und Grandel wurde festgestellt, daß heute der Beuge Major a. D. Gilbert erschienen, dagegen v. Teiten born nicht gefommen ist, R.2. Dr. Ead stellte fest, das Lettenborn und Gilbert in einer Wohnung zusammenwohnen. R.2. BIs überreicht dem Gericht einen Brief eines Herrn Beumer, ber bestätigt, daß Dr. Sanezit auch ihm gegenüber fchwindelhafte Mitteilungen gemacht habe. Dann wurde die Bernehmung Grondels fortgelegt. Er berichtet, daß am Sonntag abend, als er im Erzelfior- Café jaß, Thormann zu ihm gekommen sei. Thormann schien mir fehr verändert. Als ich ihm das sagte, sagte er, er fenue fich nicht mehr aus. Er fei mit Köpfe zusammengewesen und dieser habe behauptet, er wolle Seedtem Dienstag erschießen. Ich habe Thormann geantwortet, daß meiner Meinung nad) Röpte die Cache nicht ernst sei und daß er nur Geld aus Thormann herausflagen molle. Thormann tat mir leid und ich fagte ihm, ich würde versuchen, die Sache aufzuflären, obwohl ich genug davon hatte. Thormann bat mich, mir auch Zettenborn anzuseham, über den Thormann sehr schimpfte." Bors.: Was sagte er denn?" Grandel: Er nannte Tettenborn einen Lumpen und Thormann bat mich dann um ein Darlehen von 200 m., bas ich ihm auch gab. Beim Abschied im Café Erzelfior fagte ich Thormann, daß ich am nächsten Morgen nach dem Botsdamer Blag fommen würde, um mir Tettenborn und Röpfe anzusehen. Am nächsten Morgen war ich om perabredeten Blah und Thormann fam mit Köpfe auf mich zu. Stöpfe serhielt sich sehr zugeknöpft und zurückhaltend. Das bestärkte mich in der Meinung, daß der Mann nur komödie niele. Als Thor: mann einmal über den Damm ging und ich mit Köpfe weiterging, bachte ich, wenn Röpte wirklich etwas vor hat, wird er mit mir, bem älteren Mann, sich aussprechen. Ich fragte ihn alfe, ob er zur Tat entschlossen sei, und Köpfe antwortete talt:„, 3a." Aber er hatte dabei ein höhnisches Lächeln. Da war ich mir Bar, daß diefer Mann nur sein Spiel trieb. Auch seine Kleidung, die schlechten Gamaschen, der Schlapphut deuteten darauf hin, daß der Mann nichts Ernstliches vor haite. Ich war beruhigt. Hätte ich das geringste Zeichen ae merkt, daß er Ernst machte, o hätte ich ihm ernstlich abgeredet oder wäre mit ihm zu Bulle oder Bremer gefahren. Ich fragte mich, zu welchem 3wed hat Röpfe das Spiel getrieben, und ich sah nur, daß es dem Manne um Gelb zu tun war. Ich bin nach der Unterredung zu den Lahmann- Werten gefahren. Ueber mein Erlebnis mit Köpfe fprach ich mitteinem Menschen. Am Freitag mittag war ich im Altdeutschen Bureau und suchte Justizrat Claß am Sonnabend morgen in feiner Wohnung auf. Wir sprachen über die bayerischen Berhältnisse. Am Mittwoch abend fuhr ich nach Augsburg und las in der Zeitung von einem 2ttentats plan gegen Seedt. Mein Berdacht war sofort, daß Köpfe ein Spigel mar, aber ich beruhigte mich wieder in dem Gedanken, daß ich nichts Unrechtes getan habe. Jo habe auch zu Haus niemanden, auch nicht meiner Frau, von der Begegnung mit Röpte und Teitenborn erzählt. Ich habe efine Anstalten zu einer Flucht gemacht. Am Mittwoch nachmittag besuchte ich im Polizeigebäude einen Beamben, den ich cher night antraf. Dann ging ich am Papamt vorbei und es fiel mir cin, daß ich meinen Baß erneuern lassen wollte. Ich habe mir den Inlandspaß erneuern lassen. Der Beamte fragte mich, ob ter Baß auch für die angrenzenden Länder, Tirol ufte. ausgestellt werden sollte. Ich stimmte zu. Auf dem Einrochnermeldeamt fragte mich der Beamte, ob ich den Paß schon am nächsten Morgen haben wollte, was ich verneinte. serhaftet und nach Berlin gebracht.( hier verliert der Angeflagte Am Donnerstag nachmittag wurde ich zu meiner Bestürzung wieder die Fassung, so daß seine folgenden Ausführungen unperständlich bleiben.) Abbau des Werkstudenten. Man schreibt uns: Solange sich Herr Reihe als Retter an der Berliner Universi. tät auf nationalistische Phrasendrescherei beschränkte, fonnte man fireilen, ab er ernst zu nehmen sei. Jegt aber zeigt Herr Roethe, baß er gemillt ist. feinen Phrasen entsprechende Laten folgen zu lassen. Zur politischen Realtion fommt ble fogiate Recttion. Ihr nächstes Ziel ist der Abbau des Werkstudententums". Auf Beschluß des Senats der Berliner Universität haben alle in die Universität Neueintretenden eine eidesstattliche Erflärung abzugeben, daß sie nicht mehr als 4 Stunden am Lage nebenberuflich beschäftigt sind. Und das Gefretariat gibt bereitwillig Auskunst, daß jeder, von dem man erfährt, daß er mehr als 4 Stunden täglich nebenbei arbeite, von der Liste der Studierenden gestrichen werde. Das zielt ganz klar darauf hin, dem Werkstudenten das Studieren unmöglich zu machen. Man will diese Sorte Menschen nicht mehr haben, die, wenn sie ohne elterliche Unter ftügung find, lieber ihren Lebensunterhalt verdienen als ihn untertänigst zu erbetteln. 12 Ber= Die realtinäre bürgerliche Presse, die jabraus, jahrein in höchsten Tönen das Lob des Werkstudenten gelungen hat, ist schnell dabei, diefe Abbaubestrebungen zu unterstützen. In der D23." wird jogar eifrig nach Gründen gesucht, die diesen Dolchstoß in die wirtschaftliche Widerstandskraft aufstrebender junger Menschen rechtfertigen follen. Alles aber, was da gesagt wird von sintenden Examensergebnissen, Begünstigung der Halbbildung und Oberflächlichkeit, läßt sich mit meit größerem Recht auf die Verbindungsstudenten anwenden. bietet man aber denen die Pautstunden und Kommersabende, die ebensosehr vom Studium ablenfen wie ein nebenberuf? Es ist immer dasselbe: der Dank des Vaterlandes... Denn olle Gründe sind Scheingründe. Man will gar nicht die Bissenschaft fördern, sondern man mill sie den besiglosen Atassen vorenthalten. Es soll endgültig Schluß gemacht werden mit der sogenannten ,, freien Bahn dem Tüchtigen". Die Er höhung der Gebühren auf durchschnittlich 180 bis 140 Mart im Semester war der erste Schritt dazu. Die Unterdrückung des Werkftudententums ist die zweite. Es ist die Morgen- Roethe von neuen herrlichen Zeiten, in der die befizenden Klassen keinen Einbruch minderbemittelter Schichten in ihre wissenschaftliche Domäne mehr zu befürchten haben. Wenn aber an maßgebenden Stellen vielleicht doch noch die rüdständige Ansicht aufzutreiben ist, daß mit dem Werkstudenten der menschlich wertnollite Teil der deutschen Studentenschaft verdrängt würde, vielleicht beschäftigt fich dann einmal der preußische Unterrichtsminister eingehend mit den offenen fozialreaktionären Bestrebungen des Senats an der Berliner Universität und ihres Rektors. Der Tote im Treskowwäldchen. Ein neuer politischer Mord? Der gewaltsame Tod eines Schülers beschäftigt die Abtei lung I A des Polizeipräsidiums. Am Montag abend fanden zwei junge Männer auf einem Ausfluge in dem sogenannten Tres towäldchen, das zur Dahimiker Forst gehört, eine Biertelstunde von Mahlsdorf entfernt, etwa einen Stilometer füblich von der Chauffee, die von Mahlsdorf nach Dahlwih führt, eine männliche Reiche auf, der die Augen nerbunden waren. Am Kopfe zeigte sich eine Verlegung, die von einem Schuß herzurühren scheint. Auf der Brust war mit einem den Verschisten. Das Erefutivkomitee der APD. erledigt am 26. Mai 1924." Der Tote wurde festgestellt als ein 15 Jahre alter Taschenmesser ein Zettel befestigt, auf dem geschrieben steht: Tot Schüler Günter Baner, Sohn bes Stadtinfpettors Baner aus der Lindenstraße 31 zu Lichtenberg. Ob wirklich ein Mord aus politischen Beweggründen vorliegt oder ob der Zettel mit der Auf Infolge der großen Erschöpfung Dr. Grandels mußte wiederum Die Bezhandlung auf furze Zeit unterbrochen werden. Der Borsigende hält Grandel feine Musjagen vor dem Unterschrift irgendeine Täuschung bezweckt, läßt sich noch nicht sagen. fuchungsrichter por. Der Angeflagte erflärt: Berteidigen fann ich mich nicht, wenn ich beschuldigt werde. Das liegt in meiner Natur. Ich habe meiner Frau auch geschrieben, daß dies mein Lod ist. Ich habe Claß und mich anfangs bejchuldigt, weil ich mein ganzes Leben zusammenbrechen jah. 3ch jagie mic, wenn ich Claß nicht fennengelernt hätte, wäre ich nicht in dieje Cose gelommen. Ber meiner ersten Bernehmung war ich reftios zusammengebrochen. Ich fühlte, daß ich geistiger Umnachtung entgegenging, daß ich im Gefängnis untergehen müsse, und ich wollte nicht mehr leben. In dieser Geistesverfassung trat ich vor den Untersuchungsrichter. Was ich sagte und was er fragie, mie ich wegfam, weiß ich nicht. Dann tam meine Frau, die ich turze Zeit sehen durfte. Sie sagte mir, fie fönne es nicht über sich gewinnen, die Kinder mit in den Zod zu nehmen, und beschwer mich, für meine Unschuld zu kämpfen. Meine Selbst besichtigung vor dem Untersuchungsrichter ist falsch. eder Claß noch sonst iemand hat mich ongeftiftet. Ich habe Thorin ann bezichtigt, auch das ist falfch. Es ist auch unwahr, daß ich von Claß für Thormann Gelb erhalten habe. Das legte Gelb, has ich von Claß für politische Broede erhalten habe, war por Aufgabe des Ruhrwiber= fandes."- Borf: Barum haben Sie bem Untersuchungsrichter diese Märchen erzählt? Dr. Grandel: Ich bin nur aus der geistigen Berwirrung, in der ich mich befand, bazu gefommen. Diese Zustände der Unmöglichkeit der Gedankenblidung haben mich ver 14 Tagen überfallen. Borf: Um Schluß der Aussagen jegen Sie, dah sie das Geständnis ablegen, weil sie nach besserer Ueberlegung die Tat mißbilligen. Beamte der Abteilung I A sind am Fundort, um die erforderlichen weiteren Feststellungen zu machen und um die Ermittelungen einzuleiten. Eine weitere von WIB. verbreitete Nachricht bejagt, daß der Tole mit schwarzen Beinfleidern und Schnürschuhen, einem Sporthemd, braunfarriertem Jadett und einer Schülermüge befleidet war. Auf der Bruft war ein Zettel angeheftet mit der Aufschrift ,, Tod den Faschisten". Die sofort benachrichtigte politische Bolizei des Polizei präsidiums in Berlin entfandte Kriminalfommissar Schend, der mit feinen Beamten an den Tatort eilte und feststellte, daß der Ermordete der 15jährige Sohn des Magistratsassistenten Beier ist, der in Mahlsdorf, Lindenstr. 31, wohnte. Militärattaché von Voß". Ein früherer Hauptmann als Schindler verhaftet. Im Frühjahr vorigen Jahres besuchte ein meitgemandt auf tretender Mann, der sich Militärattaché und Kapitänleutnant von 3p nannte, Banten, Großindustrielle und Großgrundbefizer in allen Gegenden des Reiches, vorzugsweise aber in Pommern, der uder mart und im Rheinland, um Bestellungen auf eine Broschüre zu fuchen, die im Interesse Deutschlands" im In- und Auslande möglichst weit verbreitet werden sollte. Die Werbeformu lare, deren Inhalt sich später als volltemmen er dichte erwies, trugen den Aufdrud Auswärtiges Amt Wilhelmstraße". Darum glaubte man dem Weltgewandten, gab ihm den erbetenen Feudale Kommunistenallüren. Unter den aus den Kreisen der Atabemiter gekommenen Rom Berfins liegende Borort Hermsdorf zu feinen Einwohnern zählt. munisten gibt es wunderliche Leute. Shrer zwei, die der im Norden haben bort in Der festen Zeit von sich reden gemacht. Der eine, ein Arzt, Dr. Dahle, der in Berlin feinem Beruf nachgeht, aber in Hermsdorf wohnt, hat einen üblen Zusammenstoß mit unserem Genossen, Professor Dr. Neunzig in Hermsdorf gehabt. Gelt der Revolution hat Dr. Dahle nacheinander fich zur STD. zur USPD. und zur PD.( pielleicht auch noch zur BD.?) befannt, ohne daß er in einer Deler Bartelen festen Fuß zu fassen vermochte. In Der Reichstagswahlbewegung von 1924 befämpfte find. Als er in einer Wahlversammlung sprach und unser Genpije er die BSD. mit den Mitteln, die bei den ganz Radikalen" üblich Neunzig ihn burch einen Zwischenru ermahnte, nicht so zu schreian, ontwortete Dr. Dahle mit einem groben Schimpfwort. Genoffe eunzig, der den beträchtlich jüngeren Dahle seit Jahrzehnten fennt. stica furg entschlossen auf os Reonerpcdium und an ihm eine gut figende Badpfeife. Dahles Freunde aus der KPD. eber KAPD. lieferten dann unseren Genoffen eine fleine Schicchi, bei der sie Stühle als Wurfgefchoffe benaglen. Die Sache hatte aber noch ei: s Neunzig der zu den Deutschnationalen gehörende Dr. Stein Nachspiel. Eines Tages erfahren in der Wohnung des Professor brüd, Direfior des Hermsdorfer Realgymnasiums. Was wollte er bei dem Sozialdemokraten? Er fragte unseren Genossen Neunzig, cb er bereit sei, dem geprügelten Dr. Dahle„ Genugtuung" zu geben. Diesen Dienst erwies dem Kommunisten oder Erfonimunisten der Deutsch nationale! Genosse Reunzig fagte ihm fühl: Grftens verbietet mir meine sozialistische Anschauung, derartiges mit der Waffe auszutragen; zweitens war die Ohrfeige die gebührende Antwort auf die mir widerfahrene rohe Beschimpfung; drittens verweise ich Dr. Dahle auf den gerichtlichen Weg. Gegen Neunzigs Annahme, daß die verlangte„ Genugtuung im Duell gegeben werben fofle, mendete Direttor Steinbrüd nichts ein. Man darf hieraus, wohl den Schluß zichen, daß es damit seine Richtigkeit hatte. Was jagen wohl zu Dr. Dables Berlangen nach solcher Genugtuung" die Kommunisten? Oter ist er inzwischen zu den Deutschnationalen abgeschwenft? " Noch deutlicher hat ein anderer Kommunist aus Hermsdorf, der noch heute eingeschriebenes Mitglied der Kommunistischen Partei iſt, ein Arzt Dr. Gös, sich als Freund des Duells bekannt. Shn, der auch an jener Wählerversammlung teilnahm, in der die Kommunister unserem Geneffen Brofeffor Neunzig zuleibe gingen, soll Neunzigs Neffe dadurch gekränkt haben, daß er am Tage der Wahl bei der Abgabe seiner Stimme den zum Wahlvorstand gehörenden Dr. Gög nicht nach Gebühr beachtete, während er die anderen Mitglieder des Borstandes einzeln durch Handschlag begrüßte. Dr. Göz schrieb dem lebeltäter, sein Benehmen zeige deutlich die Absicht, ihn zu verlezen. Er fragte an, ob Herr Neunzig jr. willems fei, ihm„ in akademischer Weise für sein Benehmen Erfiärung oder Genugtuung zu geben". bier wird niemand zweifeln, daß Herr Dr. Göz an ein Duell benft. Dem Kommunisten scheint es noch nicht gelungen zu sein, die feudalen Allüren einer ge= miffen Sorte von Akademikern foszuwerden. Betriebsstörung auf der Hochbahn. Heute früh gegen 7% Uhr brachen bei einem vom Besten toms bruchs zwei Achsen aus den Schienen, wodurch auch die Strommenden Zuge auf Bahnhof Greisdreieck infolge eines Zahnrads schiene beschädigt wurde. Die Instandsegungsarbeiten machten eine Unterbrechung des Betriebes auf der Strecke zwischen Bülowstraße und Botsdamer Blag erforderlic), die bis gegen 10% Uhr dauerte, Auf den übrigen Streden der Bahn war der Betrieb nicht gestört. Betriebsstörungen gehören auf der Hochbahn leider nicht mehr zu dew Seltenheiten, fie fiel biesmal gerade in die Zeit des größten Berufss zu spät zur Arbeitsstäte famen und große linannehmlichkeiten hatten, perlehrs, so doh wieder viele Arbeiter und Angestellte und Beamte Mietestener höher als die Micte! Das Unfosiale und Ungerechte der Mietsteuer mirt fich euch durch ihre Berschiedenheiten aus, die baburch entstehen, bat bie Einschägung zur Grundvermögenssteuer im Verhältnis zu den Gesamtfriedens mieten des Grundstücs außerordentlich verschieden sind, selbst bei gana gleichwertigen Misträumen. Bei den einen Mietern geht die Mier fteuer bis auf 10 Proz. der Friebensmiete herunter, bei anderen steigt sie auf die Hälfte und mehr der Friedensmiete. In sehr vielen Fällen ist die steuerlige Trennung des Hausgartens, ben nur ber Bermieler benugt, von dem Wohnhaus nicht durchgeführt. Die Mister fellen dann auch die Mietsteuer aufbringen für einen Gartow oder für irgendeinen anderen unbebouten Grundstücksteit, von dem fie nicht die geringste Nugung haben. Der Vermisetr hat begreiflicherweise gewöhnlich keine Neigung, die steuerliche Trennung her beizuführen. Ein abnormer Fall dieser Art wird aus der Kiefholzstraße in Treptow mitgeteilt. Zu dem Wohnhaus mit nur brei Mietern gehört eine umfangreiche Gärtnerei der Haus. befizerin ohne Steuertrennung. Der eine Mieter soll beispielsweise bei einer Friedensmiete von 9,30 M. monatlich 22,50 M. Hauszinssteuer zahlen, also rund 150 Broz, der Friedensmiete. Solche unhaltbaren Zustände schreien geradezu nach schleunigster gea jeglicher Uenderung. Zu dem Tode des Pensionärs Jatob wird berichtet, daß die Er mitilungen der Mordfommission noch feine meitere Er4 Färung gebracht haben. Es ist insbesondere auch noch nicht be fannt, wo sich der 64 Jahre alte Mann am Sonntagabend aufgehalten hat, bis er auf dem Flur des Hauses Lange Straße 105 besinnungslos aufgefunden wurde. Der funge Mann und das junge Mädchen, die bei ihm standen, sind noch nicht ermittelt. Alle, die zur Aufklärung beitragen fönnen, werden brin gend ersucht, fich bei Kriminalkommissar Dr. Berndorff im Dr. Crandel: Ich habe meine erfte 2usfage fofort, Borschuß und meistens noch mehr für die Herstellung und heraus. 3immer 51a des Polizeipräsidiums zu melden. als i ins Gefängnis zurüdfcm, widerrufen 92 mollen und schrieb das auf einen Zeftet. Ich flingelte nach bent macht habenden Beamten, der ben Zettel dem Untersuchungsrichter bringen sollte. Er schrie mich aber nur barsch an. Erst drei Tage später ist dieser Zettel benn dem Untersuchungsrichter eingehändigt worden." Borf.: Beim zweiten Berhör im Beisein des Justizrates Claß haben Sie dann alles widerrufen. Bas haben Sie da gefagt." Dr. Granbel: Was damals Untersuchungsrichter Dr. Rothmann geschrieben, habe ich nicht gejagt, er hat es vielmehr formuliert. Ich hatte feinen lieberblid, ob nicht Tettenborn und Köpfe die Sache mit Kenntnis ihrer Führer Wulle und Graefe gemacht haben." Generalstaatsanwalt:„ hat der Angetlagte dem„ Germanenorden" angehört, dem auch die Mörder Erzbergers Schulz und Lillefsen angehört haben?" Dr. Grandel:„ Ich habe ihn nicht angehört."- Generalstaatsan: ..Bei den Nachforschungen bei Schulz und Tiefsen ist ein Brief des Cehrers Heye vom Germanenorden" gefunden worden, der fóreibt. day Dr. Grandel ihn böse im Stidy gelaffen habe." Dr. Grandel: Ich habe mit Hene eirmal vier Wochen Fühlung gehabt, und er wollte mich für ein Amt im,.Germanenorden" vorschlagen. Aber ich lehnte einen Beitritt für den Orden ab.".. Generalstaatsanwall: hat der Berteidiger Dr. Grandels, den er nach der Berhaftung bestellte, im Auftrag feines Mandanten an Justizrat Clas gefarichen?" Dr. Grandel:„ Es handelte sich darum, daß Clah für mich einen Ver. teidiger in Berlin bestellte." Generalstaatsanwalt: Unter den bei Herrn Claß beschlagnahmten Bapieren befindet sich ein Bettel: Rufe Finanzrat zurüd." Borf.: Bußten Sie, daß Claß mit General Seedt ein Rencontre hatte?" Dr. Granbel: Claß er zählte mir einmal, daß er versucht hatte, Seedt für feine Bläne zu geminnen, daß aber Seedt abgelehnt habe. Von Unstimmigkeiten war aber feine Rebe." Generalstaatsanwalt:„ Es war doch wohl fo, daß Seedt at Claß gejagt hat: Jch siehe auch gegen redhis bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone."-Dr. Grandel: Jawohl." gabe noch anberer hochwichtiger" Schriften. Auf Zeitungsnachrichten hin wurde schließlich der Schwindler doch gefaßt und nach Prenzlau gebracht. Jetzt erst fonnte man seinen richtigen Namen feststellen. Es ist ein 29 Jahre after früherer Hauptmann Wiese aus Güstrow. Die weiteren Ermittlungen der Berliner Kriminalpolizei ergaben nun auch feine übrigen Straftaten, die er alle unter falschem Namen beging, und teils auch unter falichem Namen abbüßte. So hatte er in Hamburg einer Dame. mit der er näher befanntgeworden war, die Handtasche, die Schmudfachen enthielt, gestohlen, war aber fest: genommen und verurteilt worden. Durch seinen Rechtsanwalt reichte er ein Gnatehgcjuch ein, das so überzeugend war, daß man ihn frei laffen wollte. Es war ihm aber gelungen, schon vorher aus dem Gefängnis zu entfliehen. Weniger Glück hatte er in Stettin, hier in Stettin mußte er wegen Betrügereien, bie er als angeblicher Geschäftsreisender verübte, 3 Monate Gefängnis abbüßen. Aus dem Stettiner Gefängnis entlaffen, trat er fofort eine Tournee als militärattaché von Boß an. Hierbei wurde er auch einmal in Stolp festgenommen. Es war aber dem Gauner gelungen, fich micber freizuschwindeln, Jim März dieses Jahres entwich er auf tem Transport von Prenzlau nach Treptow an der Lollense: Durch ein Ausschreiben der Kriminoipolizei Brebed murde er vor wenigen Tagen in Ohligs im Rheinland ermittelt und festgenommen. In Düsseldorf und Elberfeld hatte der Gauner als Oberleutnant von Buhr große Schulden gemacht und war geflüchtet. Die Düsseldorfer Kriminalpolizei war durch das Ausschreiben aufmerksam geworden, erkannte in dem Schwindler den gesuchten Walter Wiese, schickten im Beamte nach. und diefe fonnten ihn in Ohligs ermitteln und festnehmen. Er hatte schon wieder große Summen zu Propagandazweden, die er im Aujirage von führenden politischen Berfönlichkeiten" ins Wert fehen follie, erschwindelt. Unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen ist er in das Berliner Polizeigefängnis eingeliefert worden. Feuer im Neuköllner Rathaus. Am Montag wurde die Feueralarmiert. Sofort rückten mehr als 30 Fahrzeuge dorthin aus. Es brannten auf dem Dache Laufbohlenbretter, die ver* mutlich durch Funkenflug in Brand geraten waren. Das Feuer fonnte bald abgelöscht werden, ohne größeren Umfang anzunehmen. wehr nach dem Rathaus in Neukölln, Berliner Straße 62/64, Diz Ruhegehälter, Wartegelder und Hinterbliebenenbezüge aus Reichsmitteln werden am 28. Mai in der bisherigen Höhe an der Bahlstellen der Versorgungsämter ufm. gezahlt bzw. auf die Kontan iberwiesen. Die Restzahlung auf die ab 1. Juni zustehenden er höhten Bezüge wird sämtlichen Empfängern in der ersten Hälfte des Monats Juni durch die Bost zugesandt werden. Schifferlyzeum, Elternbeiratsmahl! Parteigenössische und andere fortschrittich gesonnene Eltern werden ersucht, ihre Adresse zu sei den an Herrn Hoomann, Berlin N., Sonnenburger Straße. 3mei Raubmörder verhaftet. Der aus Westfalen stammende Schuhmacherlehrling Peter Karter und sein Bruder, der im Jahre 1903 in Thomasreuth geborene Hilfearbeiter Franz Karter erschlugen das Ehepaar Schulz und raubten 5 Millionen Bargeld und Schmud fachen. Die Polizei verhaftete die beiden Brüder in dem bayerischen Grenzort Freilanjing. Groß- Berliner Parteinachrichten. Heufe, Dienstag, den 27. mai: 42. Abt. Mitgliederversammlung abends 7 Uhr, in der Schulaula Bergmann ftraße 60,65 Neuwahl des Abteilungsvorstandes. Die Bedeutung der Eltern beiratswahlen. Morgen, Mittwoch, den 28. Moi: 70. st. Abends 7 Uhr: Abteilungsversammlung bei Resiz, Solsteinist Straße 60. Geschäftsbericht, Neuwahl. Gewerkschaftsbewegung M Ein Schlichtungsstandal". Enträffung der Berliner Zeitungsverleger. Die Heren Syndic der Berliner Zeitungsverlage nügten die Berhandlungsmüdigkeit der Berleger, die sich aus den unablässigen Berhandlungen während der Inflationsbochilut ergab, dazu aus. gegen den Tarifvertrag einen entscheidenden Schlag zu führen. Das heißt, die technischen Bersonaie mußten sie mit ihrem Plan von vornherein verschonen. Um so mehr foumen fie ihre Krajic darauf konzenzieren, die Tarifserträge mit den Ange. stellten und den Rebatteuren zu beseitigen und ihnen haustarife" als Eifag zu bieten. Bei den Rebatteuren glückte die Sache, doch nicht bei den Angestellten. Diese erzielten durch ihre Organisationen einen Schiedssprut, bez tarifliche Dezember gehalter oprich statt der haustorijihen son Berlegers Gnaden. Selbstverständisch" lehnten die Berleger den Schiedsspruch ab und hielten wohi damit die Sache für erledigt. Um fo mehr erstaunten sie, daß dem Antrage der Angestelltenverbände auf Verbindli feits ertiärung des Schiebespruchs unserm 16. April entprochen wurde. Am Saalausgang murde eine Tellersammlung auch als praktische Solidaritätsbezeugung vermifbaltet. Die Generalversammlung verlief in durchaus parlamentarischer Art und Weise. Den zutinftigen Arbeiten der Verwaltungsst le ist der Boden geebnet. Die geringe Anzahl der kommunistisch eingeftellten Delegierien, deren Mitmirfung an der Generalversammlung von der heimoristischen Seite genommen murde, bemeist auch die gefunde gewertschaftliche Einstellung der Gesammitgliedschaft. Die Lohnbewegung der Asphaltenre. Wirtschaft Abgewehrte Entstaatlichung. Der Duisburg- Ruhrorter Hafen, der größte Bin nenhafen der Welt, ist gemein chaftliches Eigentum des Staates und der Stadt Duisburg. Den Staat gehörten die Ruhrorter Häfen, die rechts der Ruhr, und der Stadt, die links Der Tarifvertrag der Asphalteure mer am 31. März abgelaufen. der Ruhr liegen. Beide Teile machten sich früher gegenseitig starfe Auch die Asphaltunternehmer versuchten die Berlängerung der Konkurrenz. Den Vorteil davon hatten die Spediteure, die InduArbeitszeit von 8 auf 10 Stunden. Al die sozialen Vergünstigungen, strien und Schiffahrtstreibenden, da die Güter, wenn irgendwie die die Arbeitnehmer fich durch ihre Organisation errungen hatten, möglich, in den Häfen gelöscht wurden, die die niedrigsten Gebühren sollten befeitigt werden. Eine Einigung über den neuen Tarifvertrags forderten. Das war ein unhaltbarer Zustand und so entstand im entwurf fam nicht zustande, so daß der Schlichtungsausschuß ange Jahre 1905 die sogenannte Hafenbetriebsgemeinschaft, rufen werden mußte. Nach mehrmaligen Berhandlungen wurde ein Schiedsspruch gefällt, der in feinen wesentlichen Teilen besagt: Das nach der beide Anlagen eine einheitliche Berwaltung erhielten. Berlangen der Unternehmer statt 8 Stunden 10 Stunden zu arbeiten, Diese Che hat in der Vorfriegszeit zu jährlich sich steigernden wenn sie es für nötig hielten, wird abgelehnt. Nur menn wirtschaft Ueberschüffen geführt. Im legten Friedensjahr betrug der Ueberliche Nonwendigkeiten vorliegen, tann nach Anhöring der Betriebsschuß rund 3 Millionen Mart bei einem Güterumschlag non fost vertretung die Arbeitszeit bis auf 9 Stunden verlängert werden. 30 Millionen Tonnen. In der Nachkriegszeit machte sich aber immer Während die Unternehmer 45 Bf. Lohn boten mit den nötigen Stei, mehr und mehr bemerkbar, daß die Betriebsform zu bureau gerungen, und die Arbeiter 65 Pf. forderten, fieht der Schiedsspruch| tratijah war. Deshalb drang bei der Stadt, ollen Parteien und einen Lohnjak von 50 Bf. vor und eine hementsprechende Funktions. wirtschaftlichen Gruppen, die im Hafenbeirat vertreten muren, die zulage. Die Arbeitnehmer haben den Shedspruch abgelehnt. Die einmütige Auffaffung burch, zu einer anderen Betriebsform zu Unternehmer haben ihn angenommen. tommen. Nur über die Art der Betriebsfrom gingen die Ansichten Benternetymer herangetreten. Die Arbeitnehmer find erneut mit Bohnforderungen an die weit auseinander. Mährend Stadtverwaltung. Bertreter des Staaführten zu feinem Rejulsai. Die Unternehmer forderten von den Privaikapital umbebingt zu beteiligen, verfochten unsere BerDie Verhandlungen am Montag tes und alle bürgerlichen Parteien die Auffassung vertraten, das fällten Schiedsspruchs anzunehmen, dann würden fie eine Lohnzulage schen Regierung und die Gründung eines selbständigen Betriebes Arbeitnehmern ben Tarifvertrag in der Form des am 1. Apel getreter die These, daß die Loslösung der Häfen vom Etat her preußi son 5. machen. Die Berhandlungsfommiffion berichtete in einer art besuchten Berfamming. Nach eingehender Distufion wurde toufmännisch gebildete und eine technisch geschulte Kraft unter in der Art erfolgen müsse, indem man dem Betrieb je eine gute folgende Entscheßung angenommen: fegten fie fich für die Gründung einer Aktiengesellschaft ein, deren Berücksichtigung der Arbeitervertretungen um. überließ. Ausschluß des Privatfapitals bleiben. attien im Besiz der Stadt und des Staates. bei Der Zeitungs- Berlag" vom 23. Mai erblich darin einen „ Schlichtungsstanda!" und gebraucht eine ganze Seite, um zu dieser Entscheidung des Herrn Reichsarbeitsmitters einige Worte zu fagen". Die Herren Berleger hätten doch ihre Zugestellten durch Einzelgehaltsvereinberungen aufriedengestellt. mis, mer nicht zufrieden mar, fonnte je geben! Rur die Herren Gewertschaftsfetretäre" feien nicht zufrie ben gewesen. Um sich die selle nicht gänzlich footschwimmen au laffen", jätten die Führer" ihre Mitglieder farzumachen nersucht, daß man zum Tarif zurückkehren müffe,„ da maer ohne dies Evan gefium nicht leben tönne". Die Herren Syndici hatten serfucht, die Angefellben gegen beren Organisation auszuspielen. Sie wollten bei den Behandlungen hie Angeftellten fennenlernen, die ich für den Tarifnerirag Irten. Sie spekulierten darauf, doß fein Angestellter aus Furcht ver Entlaffung es wagen würde, für das Borgehen feiner Organi fation effen einzur eten, und nun beklagen fie sich, daß Reichs Orbeitsminifterium den Organisationsvertretern Getagenheit gegeben murde, ohne Kontrolle der Unternehmerfyndic den Rachweis zu führen, daß ihre Mitglieder auf der tariflichen Rege lung der Arbeitsverhältnisse bestehen. Die Arbeitgeberleite habe gegen diese Art der Beweiserhebung schärften Einspruch erhoben. Kein Wunder! sohen doch die Herren Syndict ihre ganze Spekulation auf die Abhängigkeit der Angestellten damit durchkreuzt Num foft den Schiebsspruch des Herrn Wiffelf" nicht rechtmäßig zustande gefonaren fein, der bewußt seine Rompetenz überschritten habe. Mit dem ganzen Aufgebot an jurischem Scharffimm der Syndiei wird die Verbindlichtentsettlärung eis verfehlt darzustellen versucht. Bir begreifen den Schmerz der Herren. müffen fie ihm jedoch gänglich überlassen. Die erleger aber, die fich auf ihre Syndie verloffen haben, dürfen ch nicht beflagen, das fie fich das Obium der reaffionaven Tarifgegrterhaft vergeblich auf brangen ließen. Der Verkehrsbund. „ Die im Gewerkschaftshaus tagende Versammlung der Face. gruppe der 2phalteure des Baugewertsbundes en mit Cutrüstung von dem Angebot der Unternehmengruppe Kenninis. Die liebeitnehmer betrachten eine Sohnzulage von 5 1. pro Shmbe unter Berakhtigung unferer gesamten Wirtschaftsverhältniffe als eine Berhöhning ber Arbeiterinteressen und einen Stileg is echt Die Berhandlungstonimiffion wird beauftragt, fofort eine wodnafige Berbamblung mit ben Unternehmern nachgujuchen. Sollte biefe ven ben Unternehmern abgelehnt werden, so hat die Fachgruppetrining fofort alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um den berechtigten Far. berungen der Arbeitnehmer den nötigen Machbruck zu geben." Tarifvertrag für Wohnungsportiers und Hansreiniger Der von Schlichtungsausschus Groß Berfin an 3. Mai d. 3. gefüllte Schiedspruch betreffend Regelung der Lohn- und Arbeits. verhältnisse der Hausangefiellten in den Wohnhäusern( Wohnhaus. portiers, Hausreitiger und hausreinigerinen) ist unter dem 19. Mai 3. 3. som Schlechter für Groß- Berfin für verbindlich erfart, mit der Beg a6 1. Meid. 3. Dabech ergibt firty für die Entlobag der in Frage kommenden Hausangestellten bei der nächten Lobezahlung am 1. Juni sine Reuerung infofern, daß anfelle her wifitürlichen Entlohnung eine noch Art mb njoug der get feitenben Zätigfeit entsprechenbe fefte tartfliche Entlob nung mitt. Für Bortierebetente( Boltportiers), ebenso für Boreters mm Nebenberuf ist ein Monats grandlohn in der entsprechen. ben Höhe eitgeiet. Der Grundfos ffer Borfier Cheleinte tm HeuptSeruf beträgt 130 M., monatlich. Hinzu kommen die Neben tegen als Bebienung ber heigungsanlagen Fahrstuhlbediening um die ertra bezahlt werden missen. Für die Hausreiniger unb Hausreinigerinnen ist der Sohn für die Reinigungs arbeiten is geregelt, da die Exflohmung nach Aufgängen und der zu lefftenben Rebenarbeiten erfolgt. Ebenso ist das Groß- Heinemachen besonders zu eeldabigen. Die Dienstvoh mung des Rovers it non ben gezahlten Lohn in bzug zu brin mum( Bortierfoge). Die Berträge find in der Geschäftsstelle des Deutschen Borriererbandes ,, Bayreuther Str. 31, in Empfang zu Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Bertebrobemdes Melt gestern die Generdiversammlung für das erste Quartal 1924 ab. Dem Bericht des Bezirksletters Drtmann ft zu entnehmen: 2 Ende des Jahres 1923 marden fast alle Manteftarite gefündigt, so daß die Leitung alle Sände voll zu tun batie, bie von den Unternehmern geplanten Verschlechterigen abaumebyren. Besonders in Buttergroßhandel zeigte sich, daß die antiRemitischen Arbeitgeber unter straftiger Unterstigung der jüdischen Syndici großen Widerstand gegen den achtstündigen Arbeitstag der Stunticher zeigten. Bei der Umrechnung der Bapierdhne in Goldlöhne marbe son den Unternehmern versucht. Ertragen, ausgeschloffen davon ist der dem Bortier zu gewährende Dienftgefchäfte zu machen. Die bei den Berhandlungen angemandie Taftit und die erzielten Erfolge laffen burchaus den Rampjcharatter der Organisation ertemmen. Bei einigen ingrijsfix sits baben sich genügend Arbeitswillige gerumben, fo daß es nicht gelang, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. In der Metaflindustrie.ift es auch noch nicht gelungen, den Starrfina bes BBMI zu bre.hen. Im Februar gelang es, jest der Imwandlung der Straßenrheinisches Sraustohlenwerte ift am legter Sonnabend in Röln Bahn in eine G. m. b. 5. mit deejer i ein Turijverhältnis zu Zommen. Allerdings muß die Anteilnahme der Grafenbalmer an ber Organisationstätigteit bedeutend lebbajter werden, foll der Tarif die dringend notwendige Berbefferung erfahren. Die rege Agitation der einzelnen Geftionen bet die 3u führung von über 2000 neuen Mitgliedern gezeitigt. Der Raffen bericht hat zum ersten Male wieder Goldzahlen. Die Finanzgebaring ist sehr gut zu nennen. Die Diskussion ergab bei den meisten Rednern die Zuimmung zur Tätigtett ber Begirtsleitung. Gin fommuniftcher Redner versuchte auch hier feine ihm von der BD. Zentrale eingepautie Feld, Wald- und Wielerede anzubringen, doch fand er whr bei feinen, Gefinmaigageiroffen Anfang. Genom osje wandte fich in einbrudsvollen Ausführungen an die Delegierten, für gemerfichaftliche und politische Auffäring under den Frauen zu for. gen. Der Anjong bazu fann om besten im eigenen Hause beginnen. Allerdings fei das schwerer, els große Generalversammlungsreden gu haften. Die Generalversammlung beschoß in ihrem weiteren Verlauf. einstimmig, dem Antrag des Konjumbetriebsrates auf AusKaatuy eines Mitbetriebsrates wegen Unterschlagung Arbeitergefdern stattzugeben. Für die kämpfenden BergForbeiter folgende Sympathieerklärung beschlossen: Don Die Generalversammlung sendet die brüderfichsten Grüße an die in Schwerem Kampf an den Achemdening ringenden Bergarbeiter und mimicht ihnen vollen Sieg. Der Bergarbeiderkampf ist der Kampf der gefamien Arbeiterschaft. Die Generalveriammlung gelobt, in den Betrieben für die größte jongielle Unterstützung zu sorgen. Es Tebe der Achtstundenstag!" Gardinen! Unser außerordentlich günstiges nehmen. Schiedsivrnch im rheinischen Braunkohlengewerbe. In der Frage der Arbeitsbedingungen für die Arbeiter be: unter dem Borfiz des Amtsgerichtsrats Dr. Joten ein Schieds. spruch gefällt worden. Der, Schiedspruch läßt das auf Grund des Spruches vom 8. Sanuar eingeführte 3 weischichten inftem bestehen. Der Antrag auf Lohnerhöhung wird ab. gefehnt, doch wird die Erörterung fiber eine solche Erhöhung bis Mitse Juli zurädgeftelli. Der Rahmentarif bleibt in der bisherigen Faffung mit dem durch den Spruch vom 8. Januar 1924 gegebenen Aendermagen bis zum 30. September 1924 in Rraft. Die Gewerkschaften baben biefen famosen Schiebsspruch a 6. gelehnt. Tuhon in der englischen Gewerkschaftsbewegung. Ach die National Amalgamated Union of Labours"( Ungelernte ( 303) Am 1. Jufi merden drei Organisationen fufonieren, näm Arbeiter), die„ Municipal Employees"( Gemeindearbeiter) sowie die National Union of General Borters"( Ungelernte Arbeiter). Der neue Verband wird mehr als 400 000 Mitglieder umiaffen. In anderen Berufen nehmen die Fufionsverbandingen einen zufriedenstehenden Verlous, jo unter den Formern und Eijengießern ( mit der Amalgamated Engineering Union), den Ziegeljegern, Blasterern und Bautischlern und den Wolftertilarbeitern. Diefe Tendenz tritt hauptsächlich infolge der Anfirengungen des General rais des Gemertschaftsbumdes immer mehr in Erscheinung. Die Mannheimer Metallarbeiter haben heute früh beschlossen, die Arbeit wieder aufgunehmen. Die Aussperrung ist aufgehoben md der Kampf in der Mannheim- Ludwigshafener Metallindustrie bamit beenbet. Pfingst- Angebot gibt jedem Gelegenheit, zu dem billigsten Preisen zu kaufen. 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Damit verläuft eine Aktion im Sande, die darauf abgestellt war, reits im Jofre 1921 haben Die Bechen und Schlotbarone des Ruhr. gebiets unter Führung des Rohlenfunditats den Versuch unternom. men, die Duisburg- Ruhrorter Häfen der Ausbeutung ber Etinncs, Rlodner, Haniel und Ronforten auszulfefern. Der Plan der Entftaatlichung ging von der Stadtverwaltung Duisburg, der Duiseiniger Regierungsvertreter aus Düsseldorf amd Berlin aus. burger Handelskammer und dem Rohlensynditat unter Mitmirkung erste Borstoß wurde im April 1921 in einer Sigung des Kohlen. ( pnbitats gemacht. Die Angelegenheit bezeichneten sie als ftreng vertraulich", damit follten die Teilnehmer der Siting, befonders aber die Arbeitervertreter, festgelegt werden. Der verstorbene Genoffe Hue aber fehrte die Vertraulich beit" at und erfärte, daß er die Angelegenheit im Bandtag und bei der Regierung zur Sprache bringen würde. Troß des Einspruchs von Hue beschloß die Sizung, den Vorstand des Kohlensynditats die Ermächtigung zu erteilen, ble Frage der Entstaatlichung weiter zu betreiben. Es wurde ein Organisationsentwurf ausgearbeitet, der die Gründung Hafenbetriebsgesellschaft m. 6. 5." mit einem Stammkapital von 4 Walfionen Mart vorsah. Die Abfaffung des Bertrages war so raffiniert ausgearbeitet, daß die Pichter eine Pacht überhaupt nicht zu zahlen brauchten, während die privaten Intereffenten aber von 12 Mitgliedern des Geschäftsausschusses nicht weniger als neun stellten. Der Hafenbeirat ber Stadt Duisburg echielt von bem fauberen Plane Renntnis, unfere Bertreter schlugen Lärm und brachten den Plan zum Scheitern! W Nach der neuen Regelung fommmen als Affionäre mir Stadt and Staat in Frage. Das Atentopital beträgt 10 Millionen Gold, mart. Davon entfallen auf den Staat 5,10 mb auf die Stadt 4,9 Millionen. Da die Anlagen, die der Staat einbringt, die größeren find, hat die Stadt außerdem noch 2,5 Bofomillionen einzuzah fen. Weiter wird beftinnnt, daß feiner der Vertragschließenden Aftien an Dritte of me 3arstimmung des Anderen verkaufen darf. Bon dem Aufsichtsrat entfallen auf den Staat 9 und bie Stadt & tikglieder. Durch den Gefeßentwurf wird die Berwaltung der bureaufratischen Feffeln entledigt, die bisher ein Hemmichuh jeden Forschrifts waren. Verlängerung der teipziger Mefie. Berahmgen bes Borfiandes der Zentralstelle für Interessenten der Beipziger Mustermeisen und dem Arbeitsausschuß des Meßamis haben dazu geführt, den Wün. fchen der Meßbesucher entsprechend, die Leipziger Messe zu verlängern, und zwar foll von der Frühjahrsmeffe 1925 eb die Mustermesse um 1 Tag berfängert werden, affe vom Sonntag bis Sonntag dauern. Die Technische Meise wird darüber hinaus um 3 Sage bis Mittwoch der 2. Meßroche verlängert merben. Demgemäß findet die Frühjahrsmustermeffe 1925 pom 1. bis 8. März statt, die Technische Meffe dagegen vom 1. bis 11. März. Stillegungen in Sachfen. Infolge der anhaltenden Kohlen. sächsiche Betriebe, besonders der Textil- und Metallindustrie, genappheit durch den Bergarbeiterstreit haben verschiedene große schloffen bzw. Berkürzungen der Arbeitszeit durchgeführt. Das Elektrizitätsvert Freithal, das große Industriegebiete mit elektrischem Strom versorgt, wird voraussichtlich heute, Dienstag, wegen Rohlen. mmgel ſtillgelegt werden. Die Lage im fächsischen. Kohlenbergbau hat durch die Maßnahme der Maschinisten und Heizer. Sie wieder aus den Betrieben gehen, da der geforderte Stundenlohn von 70 Bj. abgelehnt wurde, eine gewisse erfchärfung erfahren. Die Ausführung der Rotstandsarbeiten in den Werten wird notbürftig aufrechterhalten. Berantwortlich file Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saterxus: Gemertimhaftsbewegung: Friedr, Calora; Feuilleton: Dr. John Schilowsli, Latales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbryderei und Sonstiges: Frig Kartabt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanftalt Baul Ginger. Co., Berlin G. 68., Lindenstrehe 8. J.Baer Berlin N, Badstr. 26 Ecke Prinzenallee Fernsprecher: Amt Moabit 2443 empfiehlt wie bekannt in reellster Ausführung und zu allerbilligsten Preisen das große Lager fertiger moderner and Herren- und solider Knaben- Garderobe für jede Figur passend sowie das reichhaltige Stofflager zur eleganten Anfertigung nach Maß. Tadelloser Sitz:: Beste Zutaten Sport- und Berufskleidung J.B Eleg. Gabardine-, Gammi- und Lodenmäntel in allen Preislagen. ΚΟΣ Besonders ΚΟΣ ΚΟΣ ΚΟΣ wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtanilage des Vorwärts" und billig!