Abendausgabe Nr. 249+ 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 126 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Worgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Mittwoch 28. Mai 1924 Berlag und Anzeigenabteilung) Geschäftszett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Auf dem Weg zum Bürgerblock. Stresemann ausgeschifft.- Die Republik ihren Feinden ausgeliefert? Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichspräsident hat heute vormittag den bisherigen Reichskanzler Dr. Mart mit der Regierungsbildung beauffragt. Dr. Marr hat den Auftrag angenommen. * Reichstagspräsidium finden, Sie können nur finden, wie man Arbeiter niederschlägt, wie man Abgeordnete tagelang im Gefängnis recht, wenn Sie sich kein Präsidium wählen, wir brauchen dieses hält und zum Hungerstreit zwingt, wie jezt in München. Uns ist es Präsidium nicht. Wir sind sehr einverstanden damit, daß die Regierungsbildung nicht zustande kommt, daß Sie sich vor den deutfchen Arbeitern und vor dem Ausland nach Kräften blamieren. Wir beantragen, in die heutige Sigung einzutreten und zunächst über die Freilassung der politischen Gefangenen und die Aufhebung des Aus nahmezustandes zu verhandeln. Der zweite Dolchstoß der Volkspartei hat nicht vermocht, die Erteilung des Auftrags zur Regierungsbildung an Marr zu verhindern. Aber jest handelt es sich nicht mehr um die Bildung einer von Marr geführten Regierung der Mitte: Abermals wird mit den Deutsch nationalen per fo eifrig auf den Wortlaut der Geschäftsordnung versessen, daß sofort Abg. v. Graefe( dvölf.): Gestern war gerade Herr Fehrenbach handelt, abermals erscheint die Bildung eines auf den Namensaufruf die Wahl des Präsidiums folgen müsse; jetzt Bürgerblods mit deutschnationaler Teilnahme wahr schiebt er noch die ganze Regierungsbildung in die Geschäftsordnung scheinlich. hinein. Wir müssen sofort einen Präsidenten wähien, der das Die Verhandlungen über die Bildung des Bürger- Haus vor solchen Szenen bewahrt, wie wir sie gestern erlebt haben. blocks unter dem Reichskanzler Marg werden intensiv be= trieben. In den frühen Nachmittagsstunden verhandelten Hergt und Westarp mit Marr. Man nennt folgende Hergt und We starp mit Marr. Man nennt folgende beutsch nationale Minister: Aeußeres Herr von Radowiz Inneres Wallraf Landwirtschaft- Schiele. Das ist die Kapitulation der Mittelparteien vor den Deutschnationalen! Mögen immer die Deutschnationalen fich zu den Formeln der Mittelparteien bekennen: Stresemann ist von den Angriffen der Deutschnationalen gefallen. An seine Stelle tritt der frühere Oberzeremoniemeister des Sultans Mehmed V. Die Deutschnationalen beherrschen Inneres und Aeußeres,- das Ausland wird darin ein Programm sehen, das lauter spricht als alle Formulierungen. Die Demokraten zeigen die Neigung, an dieser Bürgerblockregierung teilzu nehmen, wie sie sagen, um die Kontrolle zu behalten". Schöne Kontrolle angesichts der Auslieferung des Innenaministeriums an eine verfassungsfeindliche Partei! Angeblich haben die Deutschnationalen sich bereit erklärt. für Verfassungsschuß und Erfüllungspolitik einzutreten. Das ist eine Kapitulation vor Worten, wenn es wahr ist. Die Rapitulation der Mittelparteien ist schlimmer. Sie geben nicht Worte und Programme auf, menn sie mit den Deutschnationalen regieren, sondern politische Tatsachen. Die Deutschnationalen kompromittieren sich vor ihren Wählern, aber sie gewinnen Macht und Raum, um ihre Politik im Innern wie nach außen durchzuführen. Die Mittelparteien erzielen einen Wortfieg- aber sie kompromittieren fich und ganz Deutschland im Ausland auf das schwerste. Mehr. Sie fompromittieren die republikanische demokratische Berfassung. Was wird aus dem Schuh der Verfassung gegen rechts, menn den Deutschnationalen das Innenministerium nusgeliefert wird? Die Deutschnationalen sind eine antirepublikanische Partei geschworene Feinde der Demokratie, des parlamentarischen Systems, der gegenwärtigen Reichsverfassung. Eine Regierung, an der sie teilhaben, ist eine Regierung gegen die Republik. Bon vorn herein wird die Sozialdemokratie einer solchen Regierung mit Der schärfsten Gegnerschaft gegenübertreten. Sie wird nicht dulden, daß die Republit ihren Gegnern ausgeliefert wird! Die Präsidentenfrage. Der Reichstag nach kurzer Vormittagssigung auf 2 Uhr vertagt. Die heutige Sigung des Reichstages begann mit starter Berspätung, weil die drei bürgerlichen Mittelparteien auf die Idee gekommen waren, daß zwischen der Regierungsbildung und der Wahl des Reichstagspräsidiums ein Zusammenhang bestehe. Die Sizung sollte um 11 Uhr beginnen, aber erst um 12 Uhr erschien der Alterspräsident Gen. Bod auf dem Präsidentenplatz und eröffnete die Sigung mit der Bekanntgabe der Urlaube, die einigen Abgeordneten erteilt sind. Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten, deren erster Punkt Wahl des Borstandes ist. Abg. Fehrenbach( 3entr.) beantragt, die Sigung zu ver= tagen, und die Anberaumung der nächsten Sizung dem Alterspräsidenten zu überlassen. Zur Begründung führt er aus: Nach meiner Auffassung besteht zwischen der Re= gierungsbildung und der Wahl des Reichstagsvorstandes ein persönlicher Zusammenhang( Burufe d. Komm.: Schiebung! Schieber!). Zum Schieben habe ich gar keine Veranlassung( Burufe d. Komm.: Aber zum Kuhhandel!). Da die Regierungsbildung bis jegt noch nicht erfolgen tonnie, scheint es mir angezeigt, auch die Bildung des Reichstagsvorstandes zu verschieben( Aha- Rufe b. d. Komm. und aroße Heiterkeit). Abg. Diffmann( Soz.): Unsere Fraftion hält diese Begründung nicht für sichhaltig und wird gegen den Antrag Fehrenbach stimmen. Abg. Schulz( Dnatl.): In erster Linie ist es dringend notwendig, daß der Reichstag fich tonstituiert. Wir brauchen einen tatkräftigen Präsidenten, der die Wiederholung der gestrigen Szenen verhindert( Lärm bei den Kommunisten), die eine Schande und Schmach waren.( Geschrei bei den Kommunisten.) Wir beantragen, Jofort die Wahl des Präsidiums vorzunehmen. Abg. Koenen( Komm.): Der Reichstag fängt gut an!( Große Heiterteit Sie tönnen teine Regierung finden, Sie tönnen tein Abg. Fehrenbach( 3.): Herrn v. Graefe war es gestern darum zu tun, gleich in der ersten Sizung seine Geistesgemeinschaft schlage, steht dem§ 13 der Geschäftsordnung in feiner Weise entmit den Kommunisten darzutun.( Großes Hallo.) Was ich vor gegen. Bei der nun folgenden Abstimmung erheben sich für den Antrag Fehrenbach die Parteien des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Demokraten, während gegen den Antrag die Sozialdemofraten, Kommunisten, Deutschnationalen und Deutschvölkische stimmen. Damit ist der Antrag Fehrenbach abgelehnt. Abg. Fehrenbach( 3tr.) beantragt nunmehr, die Sigung auf 2 Uhr zu vertagen( Rufe der Kommunisten: Schieber). Die Frat tionen haben sich noch nicht einigen können und es ist ständige lebung des Hauses, einem solchen Vertagungsantrag, zumal, wenn er von drei Fraktionen gestellt wird, stattzugeben. Abg. Schulz( Dntl.): Nach dem Gebrauch des Hauses können wir einen solchen Antrag nicht ablehnen, aber es ist bedauerlich, daß so fluge Leute, wie sie in diesen drei Parteien versammelt sind, noch so lange Zeit zur Ueberlegung brauchen.( Heiterfeit.) Abg. Dittmann( S03.): Auch wir widersehen uns nicht der Erwartung aus, daß, wenn der Reichstag um 2 Uhr wieder zu von drei Frattionen gewünschten Vertagung, sprechen aber die sammentritt, die Wahl des Präsidiums erfolgt. Nachdem noch Abg. Könen( Komm,) dagegen ,, protestiert" hat, daß die Freilassung der verhafteten Abgeord: neten noch nicht beschlossen sei, wird der Bertagungsantrag unter dem Geschrei und Händeklatschen der Kommunisten angenommen. Helfer des Faschismus. Das Echo der kommunistischen Flegeleien. Wären die Kommunisten bezahlte Agenten der. faschistischen Reaktion, so hätten sie nicht anders und besser operieren können, als in der gestrigen Eröffnungsfizung des Reichstags. Ein Blick in die Rechtspresse aller Schattie rungen genügt, um die wahre Wirkung ihres Verhaltens zu Der neue Schiedsspruch. Der Schiedsspruch liegt bis jetzt noch nicht im Wortlaut vor. Wie uns aus zuständigen Kreisen versichert wird, ist dieser Schiedsspruch für die Bergarbeiter verhältnismäßig so wenig ungünstig aus gefallen, daß die Vertreter der vier Bergarbeiterverbände ihren Ver. tandsmitgliedern die Annahme des Echiedsspruches empfehlen werden. mir: Ueber den wesentlichen Inhalt des Schiedsspruches erfahren Der neue Schiedsspruch bedeutet gegen die verschiedenen bisherigen Sprüche eine Verbesserung infofern, als er die Siebenstundenschicht grundsählich bestehen läßt und die einstündige Mehrarbeit nur bis zum 30. September 1924 vorsicht. Bon da ab fann die Mehrarbeit an jedem Monatserften mit zweimonatlicher Frist gekündigt werden. Die Arbeitszeit über Tage beträgt acht Stunden und eine Stunde. Für die Kotereiarbeiter ist eine Berkürzung der Arbeitszeit eingetreten. In Betrieben mit einer Garungszeit von 28 und mehr Stunden beträgt die effektive Arbeitszeit im Wochendurchschnitt 62 Stunden. In Betrieben mit kürzerer Garungszeit und in solchen, die Gas erzeugen, tann die Arbeitszeit bis 31 72 Stunden im Wochendurchschnitt erhöht werden, doch ist für jede wefiere über 62 Stunden hinausgehende Arbeitszeit/ des wöchentlichen Durchschnittslohns zu zahlen. Der Lohn wird ab 1. Junui um weitere 5 Pro 3. erhöht, so daß einschließlich der Erhöhung von 15 Proz. durch Berbindlich teitserklärung ab 1. mai, der Aprillohn ab 1. Juni eine Steigerung von insgesamt 20 Pro 3. erfährt. Da die Streifzeit gewissermaßen als Urlaubszeit betrachtet wird. ift es jedem Arbeiter gestattet, den ihm nach dem Manteltarif zustehenden Urlaub durch die entsprechende Lohnfumme abgelten zu lassen. Der Betrag foll möglichst sofort ausgezahlt werden, soweit die Zechen die hierzu notwendigen Summen beschaffen tönnen, um den Bergarbeitern in ihrer augenblicklichen starken finanziellen Bedrängnis entgegenzukommen. arbeiter haben sich sofort ins Ruhrgebiet zurückbegeben, um in den Die an den Verhandlungen beteiligten Funktionäre der Bergvorbereiteten Revierkonferenzen für die Annahme des Schiedsspruches und damit für die Wiederaufnahme der Arbeit einzutreten, erkennen. Nicht eine Spur von Sorge oder gar Angst macht sich in den deutschnationalen, Blättern bemerkbar: die Reaktion Das war einmal; seitdem hat sie die bolfchemistische Bewegung hat längst verlernt, sich vor den Kommunisten zu fürchten. nur noch als Kinderschreck benutzt, um das Bürgertum, soweit wie möglich nach rechts zu bringen. Aber nachdem dieses Ziel leider in genügendem Maße erreicht ist, benutzt sie die Erzesse der Kommunisten, um die Republik und ihre Einrichtungen zu diskreditieren: die angeblichen Schrittmacher der Difder faschistischen Säbeldiktatur. tatur des Proletariats sind ihr die besten Schrittmacher lich mit dem erklärlichen Ruf nach Verschärfung der geschäftsAufrichtige Sorge und Empörung verbunden natürordnungsmäßigen Zwangsmittel gegen die Ruheftörer, macht fich lediglich in den demokratischen Blättern und in der„ Germania" bemerkbar. In der Bossischen Zeitung" wird die fordert, wie sie z. B. in England besteht. Schaffung einer besonderen Parlamentswache ge= " 1 In Frankreich besteht sie gleichfalls, jedoch in der Form einer täglich wechselnden Infanteriekompagnie. Wir würden allerdings durchaus davor warnen, in ähnlicher Weise etwa die Reichswehr zu dieser wenig erbaulichen politischen Aufgabe heranzuziehen. Bei den reaktionären Blättern hingegen macht sich nicht Sorge, sondern umgekehrt Hohn und Schadenfreude bemerkbar. Mit kaum verhüllter Genugtuung stellt der„ LokalAnzeiger" fest: „ Die Deutschvölkischen fun den Demokraten und Sozialdemo fraten einstweilen durchaus nicht den Gefallen, Amok zu laufen und den Porzellanladen des hochheiligen Parlamentarismus zu zerschlagen. Das besorgen ganz allein die politischen Kinder" des Herrn Severing." die erwünschte Gelegenheit, die Spießerherzen damit zu er Die Gefangfinale der Eröffnungssigung gibt den Herren freuen, daß das Deutschlandlied gegen die„ Internationale" gehörig ausgespielt wird. Aber die ganz Scharfen machen bereits aus ihren geheimen Wünschen kein Hehl mehr. Die Deutsche Zeitung" schließt ihren Bericht mit den Worten: Notwendig wäre doch nur gewesen:„ Ein Leutnant und zehn Mann" im Sitzungsfaale des Hohen, besonderen Schutzes mürdigen Hauses." Und am deutlichsten wird der schwerindustrielle Tag": ,, Stünden an der Spize unserer Regierung Männer, die die Konsequenzen aus diesem ganzen Theater zu ziehen verstehen, fo hätten wir sehr bald die schärffte Militärdiftatur. Das SowjetTheater wäre schnell am Ende... Rechts wird das Deutschlandlieb angestimmt. Links die Internationale zum Sturm entfacht. In der Mitle fizzen mit großen Augen unsere bisherigen großen Politiker, nach deren Ansicht mit Demokratie und Parlamentarismus ein Bolt aus dem Dred fommen fann." Sinomjem hat wieder einmal vorzügliche Arbeit für die ärgsten Feinde der Republik und der Arbeiterklasse geleiſtet! Parteimonopol und Petroleum. ( Bon unserem römischen Korrespondenten.) Rom, im Mai 1924. Die faschistische Partei strebt weiter mit ungeschwächter Energie danach, ihre politische Monopol= ftellung zu feftigen und auszubreiten. Der Entwurf zur Umgestaltung des Reglements der Kammer, den auf Befehl des Hohen Rates des Faschismus" eine von ihm ernannte Kommission ausgearbeitet hat, geht darauf hinaus, die Kammer und ihr Dazwischenreden" in der Praxis ganz zu befeitigen. Man ist nicht mehr zufrieden damit, die übergroße Mehrheit zu haben, mit der man alles durchsetzen und die Funktion des Parlaments zu einer rein dekorativer herabdrücken kann; es soll auch alles bequem und mühelos zu erreichen sein. Die an Zahl so geringe Opposition soll nicht nur die Bucht der Mehrheit gegen fich haben, sondern auch noch gefesselt sein durch die eigne Rechtlosigkeit. Daher fordert der Entwurf der Abänderung des Reglements( der, obwohl außerhalb des Parlamentes ausgearbeitet, doch unbeanstandet von der Kammermehrheit angenommen werden wird), daß nach dem Schluß der allgemeinen Debatte nur noch die Abgeordneten das Wort nehmen fönnen, die eine von mindestens 30 Unterschriften unterstützte Tagesordnung eingebracht haben; diese Abgeordneten fönnen mur 30 Minuten sprechen und feiner fann mehr ais eine Tagesordnung unterzeichnen. Auf diese Art soll den kleinen Fraktionen der Opposition, erschwert werden, eine Tagesordnung einzubringen und ihre von der allein die Klerikalen 30 Stimmen aufbringen könnten, Leute zum Worte fommen zu laffen; nach der bisherigen Geschäftsordnung genügten 20 Unterschriften, wobei ein Übgeordneter mehrere Tagesordnungen unterzeichnen tomte. Roch folgenschwerer ist die andere Reuerung: der Regierung fteht es frei, jebe namentliche Abstimmung um 24 oder 48 Stunden zu vertagen. Das bedeutet, daß die faschistische Mehrheit sich nicht der Langenweile der Parlamentsverhandlungen auszusehen braucht; diese, meist in der Freiheit dress fierten jungen Leute werden nach Ablauf der paríamentarischen Flitterwochen dem Leben in Montecitorio nicht allzu riel Geschmack abgewinnen fönnen. Deshalb soll es ihnen unbenommen sein, sich wo anders zu betätigen. Um die armfelige Opposition soll fein Faschist in seiner Bewegungsfreiheit gehemmt werden. Droht die Opposition bei einer Abstimmung in der Mehrheit zu sein, was sich ja sehr leicht berechnen läßt, so beantragt die Regierung einfach die Vertagung der Abstimmung um 48 Stunden und ruft ihre Getreuen aus allen Ecken Italiens herbei. Es wäre eigentlich noch bequemer und der faschistischen Auffassung des Barlamentes nicht weniger angemessen gewesen, wenn die Geschäftsordnung die Abgeordneten der Mehrheit ermächtigt hätte, ihre Stimme im voraus bei der Kammerpräsidentschaft zu hinterlegen, so daß sich die Ausübung des parlamentarischen Mandats auf die leichte und schmerzlose Arbeit des Einfaffierens der Diäten be schränken fönnte. Die Kommission ist offenbar nicht ganz auf der Höhe; sie soll auch den Vorschlag abgelehnt haben, die für die Beantragung einer namentlichen Abstimmung und der Feststellung der Beschlußfähigkeit der Rammer nötige Stimmen zahl so zu erhöhen, daß sie die Opposition nie oder doch nur durch eine Koalition ihrer Fraktionen erreichen könnte. " Während sich aber die faschistische Partei diese Mühe gibt, die ganze Politik des Landes in ihren Händen zu monopoli fieren, treten ganz plöglich und brutal die Nachteile die jes Monopols in die Erscheinung. Unter diesen Nachteilen verstehen wir nicht den nie endenden inneren 3 wist und Hader. Wenn ein faschistischer Abgeordneter, der frühere Eisenbahner Farinacci, sich die Rückkehr zur Vorbilde der heute angewandten faschistischen Berbannung) gehen und als administrative Berschickung Mißliebiger( nach dem dem Borbilde der angewandten faschistischen„ Berbannung" vorstellt, und Kontrolle über alles fordert, was man im Inund Auslande über die Nationale Regierung" schreibt, so ist das eigentlich mehr für die Wizblätter von Bedeutung als für das politische Leben des Landes. Auch die etwas mühselige Diskussion, die dem Faschismus eine Theorie und eine Ideologie zu geben sucht, nehmen wir nicht tragisch; der Faschismus wird da als„ Gegenreformation" frisiert, als liberalistisch- individualistische Staatsauffassung und als Regime des starken Staates, der alles besorgt und bedenkt, so daß dem Bürger bleibt nichts übrig als zu gehorchen. All das soll Philosophie sein. 68 der Wir wollen also hier gar nicht von der geistigen Krise des Faschismus sprechen, obwohl das heute ein sehr modernes Thema ist. Viel ernster erscheint es uns. daß die faschistische Partei, die bis auf ein halbes Dugend Blätter über diegesamte italienische Presse verfügt, auf ein mal einen Teil dieser Blätter sich zum Wortführer der fchwersten Beschuldigungen gegen den Finanzminister De Stefani und den Wirtschaftsminister Corbino auf werfen sieht. Wie geht es zu, daß eine Partei, die tatsächlich die öffentliche Meinung und die öffentliche Kritit ausschließ lich in Händen hat, plöglich über ihre eigenen Männer herfällt mit Beschuldigungen der schmersten Art, wie sie taum jemals eine Opposition gegen einen Minister zu schleudern gewagt hat? Mon tönnte fagen: das tft eben ein Zeichen, daß es innerhalb der faschistischen Partei jene Freiheit der Kritif gibt, ohne die ein Land nicht gedeihen tann; der Faschismus fritisiert und läutert sich selbst: er beweist dadurch am besten, daß die Funktion der Opposition als Kontrollinstanz überflüssig ist: die Hingabe des Faschis mus en die nationale Sache ist so groß, daß er selbst als erster die Schäden im eigenen Lager aufdeckt. Das flingt sehr schön. Besieht man sich aber die Sache näher, so hält diese Deutung nicht stand. Gewiß, die an greifenden Zeitungen sind alle faschistisch, genau wie die BerNotizen. Bon Hans Reimann. Auf einer Reise von Frankfurt nach München wurden unsere Bäffe revidiert. Ich fragie den Beamten, warum er das täte. ,, Um das Eindringen des Kolschewismus nach Bayern zu verhindern!" * Paragraph 2 des Frouenvereins zu Rödelheim lautet: Der Berein hat den 3wed, den Dienst der evangelischen Frauen und Jungfrauen an den Gliedern der Gemeinde zu weden und zu organifieren." * Das Dorimunder Stadttheater führte den Wallenstein auf. Ein armer Schlucker, Kontorist. brannte darauf, Schiller zu erleben. Uber es gab fein einziges Billett mehr. Hingegen wurden dringend Etatisten benötigt. Der Kontorist rannte um das Theater herum und zum Bühneneingang hinein und meldete sich beim Inspizienten. Er befam eine Garderobe zugewiefen und mußte sich eilends als dreißigjähriger Rittersmann fostümieren. Ais folder durfte er auf die Bühne zweds Erzielung von Bolf nebst Gemurmel. Jedes Mort des Stüdes fannte er. Er glühte vor Begeisterung. Der Schauspieler, der den Wallenstein spielte, gefiel ihm nicht. Aus der Kuliffe spannte er auf jede Nuance. Der Drang mitzumimen loderte in ihm empor. Er würde es hundertmal besser machen als der fade Wallenstein. Schwupps, stand er draußen, wild gestitulierend und dem zu Tode betroffenen Wallenstein ins Wort fallend. Er war nicht zu bändigen. Der richtige Wallenstein, nicht gesonnen, sich berdrängen zu lassen aus seinem angestammten Rechte, überbrüllte den gegnerischen Wallenstein. Sie schrien Duett. Die Katastrophe schien unausbleiblich. Schließlich stürzten beide ab und nerprügelten sich hinter der Szene. Wallenstein tötete den Wallenftein. * Im Mai 1918 mußte auf Befehl der Zensur( Leipzig) die erste Zeile eines Gedichts von Donny Güriler geändert werden. Statt Ich bin eine Dirne, was ist denn dabei..." wurde der Tert vorgeschrieben: ,, Sie war eine Dirne." Was ist denn dabei? Um Nachts Ruhe zu haben vor ihrem Baby, vor ihrem plärrenden Baby, hat die Mama dem Schreihals monatelang Adolin eingeflößt und andere Schlafmittel. Das Rind ist heuer vierzig Jahre, aber immer noch wie schlaftrunken. Ihr Mütter seid gewarnt! * Herr Becker ist ein seelensguter Mensch und liebt seine große Tochter über die Maßen. Einmal hat er gejagt:„ Annele, wenn ich dir ein Fahrrad faufen darf, schent ich dir zmei Pfund Praliné!" Ein Schäfchen nach Tisch macht faul und verdrießlich. : Kunststüd erschienen fein, fo viele 3elfungen zu habent, ohne dafür die Geheimfonds in Anspruch zu nehmen. Man sieht heute, daß es ein gefährliches, ein halsbrecherisches Kunststück war. Besatzung und Ruhrkampf. feidiger der angegriffenen Minister faschistisch sind. Aber eine italienische Zeitung ist noch nicht eindeutig bestimmt, indem man sie als faschistisch bezeichnet; es gehört ein zweites Element hinzu, nämlich das ihres Geldgebers. Die Schwerindustrie der Gruppe Anfalde, die Schwerindustrie der Gruppe Odero, der Banca Commerciale, der Banco di Roma ermöglichen die finanzielle Existenz faschistischer Tageszeitungen der Hauptstadt. Was heute aufeinanderplagt, find nicht Gelsenkirchen, 28. Mai.( Mtb.) Im Berlaufe des Ruhrkonflikts etwa Faschisten verschiedener Tendenzen, sondern die Mii tam es heute zu einer ersten Besprechung zwischen der Bes lionen Interessen des Industrie. und Fifahungsbehörde, den Zechenbefizern und 3echennanzkapitls. Daß ihre Blätter alle die faschistische Eti- betriebsräten. Die Besprechung fand in Buer in Westfalen fette tragen und die faschistische Regierung verherrlichen, er für die Stadt selbst und für die umliegenden fleineren Gemeinden schien bisher als eine Macht des Faschismus: eben sein statt. Der belgische Kommandant betonte, daß die NotMonopol der öffentlichen Meinung, gegen das niemand auf standsarbeiten auf den Zechen unter allen Umständen fommen fonnte. Heute ist es seine Schwäche, denn wie Blur geleistet werden und daß auch die Kokereibetriebe völlig in Taft dider ist als Wasser, so find wirtschaftliche Intereffen zäher gehalten werden müßten, damit nach Beendigung des Ruhrkonflikts und widerstandsfähiger als politische Meinungen. Heute ist die Arbeit sofort wieder voll aufgenommen werden könnte. Die es nicht die gleiche politische Färbung, die den Ausschlag gibt. Betriebsräte erklärten, feinen Einfluß auf die Ausführung von Notsondern das Geld der Ansaldo gegen das der Odero, einer standsarbeiten zu haben. Sie würden sich aber gegebenenfalls dafür Finanzgruppe gegen die andere, einer Bant gegen ihr Kon- einsehen, daß 3 Proz. der Belegschaft zu solchen Arbeiten herangefurrenzunternehmen. Und all diese entfeffelte Gier 80gen würden. Die Zechenbefizer erklärten jedoch, für die Notstands. soll der Faschismus mit seiner Fahne zudecken, all diese verarbeiten mindestens 7 Proz. der Belegschaften zu brauchen. Von der schiedenen Interessen entgegenschlagender Herzen soll dasselbe telgischen Besatzungsbehörde wurde betont, daß die Zechen be. Schwarzhemd verhüllen! se zt werden würden, falls nicht eine befriedigende Regelung der Rotstandsarbeiten zustande fäme. = Die gegen De Stefani erhobenen Beschuldigungen sind im wesentlichen die folgenden: er soll die„ Banca Commerciale", die größte Privatbank Italiens, in der viel auswärtiges Rapital steckt und deren Leiter in Italien nationalisierte Auslände: find, zum Schaden der italienischen Industrie begünstigt haben; ferner hätte er dem Standard Dil Trust" den gesamten noch nicht ausgebeuteten un tergrund Italiens zur Durchforschung nach Betro leum und zur etwaigen Ausbeutung des PetroIeums verfauft. Wie man sieht, handelt es sich nicht um Bagatellen. Um ausländisches Kapital zu begünstigen, hätten der Minister und die Banca Commerciale gemeinsam eine Lieferung hintertrieben, die Deutsch land als Wiedergutmachung leisten sollte und die in 7000 Tonnen Material für die Erforschung von Petroleumquellen bestand; der Preis betrug 1,90 Lire das Kilo, während die später vom Staat angetauf ten Materialien einer von der" Banca Commerciale" ab hängigen Firma mit 4,25 Lire pro Kilo bezahlt worden wären. Man wirft der Commerciale vor, im Hinblick auf die Unterhandlungen mit der„ Standard Dil" des durch) feine amerikanischen Skandale befannte Sinclair- Konzerns die Finanzierung italienischer Bohrungen und überhaupt der italienischen Montanindustrie systematisch umöglich gemacht zu haben. Kurz, es handelt sich um eine der größten Gaunereien, deren sich ein Minister schuldig machen fonnte, um wahren und wirklichen Verrat der wirtschaftlichen Interessen des Landes. Es wäre völlig zmedlos, wollten wir es hier versuchen, die Haltbarkeit der Beschuldigungen zu untersuchen. Das zu tun wären heute nur wenige Eingeweihte imstande; es fehlen auch denen, die hinter die Kulissen sehen können, die Mittel, um sich über den wirklichen Tatbestand Rechenschaft ab zulegen. Das große Publikum ist vollständig im unflaren über Recht und Unrecht der ganzen Sache. Wir wollen und können nicht entscheiden, auf weisen Seiten das Recht liegt. Wir begnügen uns damit, feitzuftellen, daß ein Minister der nationalen Regierung" von Organen feiner eigenen Partei einer gemeinen Form von Landesverrat beschuldigt wird, daß diese Organe im Dienste von Rapitalistengruppen stehen, und dafür bezahlt werden, andere Kapitalistengruppen zu schädigen, und daß in beiden Lagern, hüben wie drüben, die faschistische Fahne weht. Die Situation ist in Italien, das immerhin seinen Standal der„ Banca Romana" gehabt hat, ohne Präzedenzfall; aber es hat sich auch noch nie eine ungeheure Zahl von Zeitungen gleichzeitig in: Dienste der Regierungspartei und in dem widerstreitender Kapitalistengruppen befunden. Es mag Mussolini als ein Kommunistendemonftrationen in Duisburg. Duisburg, 27. Mai.( L.) In Hamborn und in den Vororten Duisburgs, Beeds, Laar und Meiderichs waren gestern fommu niftische Blafate erschienen, die für heute zu einem Spaziergang" nach Duisburg aufforderten. Darum fanden sich auch heute große Mengen ausgesperrter Arbeiter und andere Personen in Duisburg ein, die zunächst in losen Gruppen, dann aber in geschlossenen Zügen nach dem Stadtinnern zu kommen fuchten. Die Polizei hatte jedoch bereits die Hauptstraßen durch starte Boften besetzt, die die Züge aufhielten und zerstreuten. Zugleich war der Vorplay vor dem Rathaus mit einem Kommando Schutzpolizei besetzt worden, nachdem vorher der Markt von den Händlern geräumt worden war. Einem starten Zug von Mühlheim gelang es aber, die Königstraße zu er reichen und bis zur Poststraße zum Rathaus zu kommen. Hier trat ihm ein starkes Polizeikommando entgegen, dem es gelang, den Zug aufzulösen, während gleichzeitig eine Abteilung berittener Polizei die Nachfolgenden auf dem Königsplatz aufrollte und zurückdrängte. Die Beamten zegen die blanke Waffe, ohne jedoch von ihr Gebrauch zit machen. Drei Männer, die der Polizei Widerstand leisteten, wurden festgenommen. Gegen 1 Uhr war es der Polizei gelungen, die innere Stadt ganz zu säubern. Die Demonstranten wurden zu gleicher Zeit in der Rchtung Ruhrort- Hamborn zurückgedrängt Der Hitler- Göhring in Tirol. Jeht ausgereift unbekannt wohin! Innsbrud, 28. Mai.( WTB.) 3m Tiroler Landtag bes antwortete der Landeshauptmann eine von den Sozialdemo traten gestellte Anfrage über den Aufenthalt des am Hitler Butsch führend beteiligt gewesenen Hauptmann Goeh ring in Innsbrud dahin, daß dieser im November vorigen Jahres mit einem ordentlichen Baß nach Tirol tam und wegen seiner schweren Verwundung in Spitalpflege genommen werden mußte. Nach feiner Genesung wurde er angewiesen, das Land zu verlassen. In Anbetracht der mittlerweile eingetretenen Reiseunfähigkeit seiner Gattin wurde ihm auf Grund eines ärztlichen Gutachtens eine meitere Aufenthaltsverlängerung zugestanden. Nach Wegfall dieses Hindernisses sei er neuerlich aufgefordert worden, das Land zu verlassen, was er auch fat. 3 mei meitere am hitler- Butsch beteiligt gewesene Personen, die nach Tirol gefommen waren, feien sofort, nadjdem die Behörde von ihrer Anwesenheit Kenntnis erhalten hatte, aufgefordert worden, das Land zu verlassen. Auch sie hätten dieser Aufforderung entsprochen. Der deutsche Schriftsteller Me engen, der in Innsbrud naturwissenschaftliche und fulturgeschichtliche Vorträge hielt, und wegen dessen Abschiebung die sozialdemokratischen Abgeordneten gleichfalls angefragt hatten, jei abgeschoben worden, weil seine Papiere night in Ordnung waren. In Worpswede gibt es einen Bahnhof. Doch was nüßt der Gefeßen des Zufalls zu erwarten. Die Wahrscheinlichkeit für den schönste Bahnhof, wenn niemals nicht fein Zug fährt? * Sm Bartefaal zweiter Klaffe des Bahnhofs zu Hannover hängt ein Gemälde, das den Grafen Waldersee darstellt. Ich halte es für meine Pflicht, darauf hinzuweisen. Die Mama einer berühmten deutschen Tragödin war einhundert. undzwanzig Jahre alt, da sie fiarb. Mein armes Mütterlein," feufzte die berühmte Tragödin. Das es so früh von mir gehen mußte!" * Ber vergessen hat, mos Militarismus ist, dem sei folgendes zu emigem Gedenken ins Gehirn gehämmert: Sie sehen gut? Sie hören gut? Mal mas am Dhr gehabt? Leben die Eltern noch? Beide? Ansteckende Krankheiten in der Familie gewesen? Machen Sie tehrt! Linken Fuß hoch! Den rechten! Front! Husten Sie mal! R. v.! Der Nächste!" Das ist wörtlich. Bei jeder Musterung ungezählte Male. Und dazu im Hintergrund ein Transparent: Menschenmaterial"! Habaemfa bedeutet Hallesche Bädereimaschinenfabrit. Heidzigha bedeutet Heidelberger Bigarrenhaus. Kragiatti hingegen ist ein Kragen- Glättmittel. Ich bin unschuldig. fing * Einen Rechtsputsch in Ehren darf niemand vermehren. Eintritt dieses Ereignisses ist zwar bloß 1: 256; es wird also unter 256 Ehen mit 8 Kindern nur ein einzigesmal erwartet werden dürfen, es fommt aber in Wirklichkeit auch nicht häufiger vor. Es tritt eben. fo häufig ein, wie ein Roulettespieler bei a cht aufeinanderfolgenden Spielen jedesmal rouge oder jedesmal noir trifft. Eine tonstitutionelie Veranlagung zur Zeugung von Nachkommen vorzugsweise eines Gefchlechts läßt sich also nicht nachweisen. Die Nordwanderung der Neger in den Bereinigten Staaten. Die in der Kriegszeit einsehende storfe Abmonderung der Megerbevölferung aus den agrarischen Südstaaten der Union nach den Nordsteaten nimmt unaufhaltsam ihren Fortgang. Im letzten Jahre sind aus den dreizehn Südstaaten insgesamt 478 000 Farbige fortgegangen, das heißt, nicht weniger als 5,7 Proz. der farbigen Bevölkerung dieser Staaten. Am stärksten ist von der Abmanderung der Staat Florida betroffen werden, der volle 27 Broz. seiner Negerbevölkerung an die Nordstaaten abgegeben hat; Alabama und Georgia haben je 10 Broz. dieses Bevölkerungsteils verloren. Wenn auch die Ursachen für diese Völkerwanderung denn als soche erscheint diese in ihrem Umfang nicht leicht zu überschäzende Bewegung in erster Linie wirtschaft licher Art sind, so haben die Südstaatler doch auch allen Anlaß, sich angesichts ihrer entvölferien Farmen und Fabriken auf die psychologischen Wurzeln der Bewegung zu befinnen, auf Sie zwar in Rüde gang begriffene Lynchjustiz, auf die elenden Bildungsmöglichkeiten für die Neger, auf das Wesen der Jim- Crom- Cars", die zusammen einen nicht zu unterschäzenden Antrieb für den Fortgang nach dem besseren Norden ergeben. Du bist Sowjet- Sachsen, mein Land, das ferne leuchtet!": so 5. Goddard, der vor vier Jahren seinen Blan ankündigte, eine ich abends zur Balaleika. Knabe oder Mädchen Gejek oder Zufall? Es gibt Familien, in denen vorzugsweise Knaben, und andere, in denen hauptsächlich Mädchen geboren werden, und man hat daraus Vererbungserschei nungen herleiten wollen, die in einzelnen Familien hervortreten. Diefe so vielbesprochene Frage ist aber noch ganz ungefiärt, und es ist sehr zweifelhaft, ob sich daraus wirklich ein Gesez herleiten läßt. Der Wiener Privatdozent. Dr. Julius Bauer hat nun versucht, fest zustellen, ob die gelegentlich beobachtete Häufung eines Geschlechts tatsächlich öfter vorkommt, als sie nach dem Wirfen des Zufalls zu erwarten wäre, oder ob sie lediglich der nach der Zufallsberechnung normalen Häufigkeit entspricht. Ueber die Ergebnisse feiner Berech nungen berichtet er in der Klinischen Wochenschrift". Er hat die Häufigkeit des Vorkommens von Knaben und Mädchen bei 2348 Fa milien mit insgesamt 12 330 Rinder untersucht und gefunden, daß sie genau der von Gauß aufgestellten Zufallsfurve entspricht. Die mit nicht öfter zu beobachten, als es dem Gesetz des Zufalls nach zu Häufung von Kindern desselben Geschlechts in einer Familie ist soermarten ist", lautet seine Schlußfolgerung. Wenn also z. B. in einer Familie ausschließlich 8 Knaben oder ausschließlich 8 Mädchen vorkommen, so haben wir fein Recht, eine bestimmte Veranlagung des Baters oder der Mutter zur Zeugung von Nachkommen gerade dieses Geschlechts anzunehmen, sondern dieses Ereignis ist nach den " Die 20- Kilometer- Rafete. Der amerikanische Gelehrte Dr. Robert Rafete nach dem Mond abzuschießen, wird jcht den ersten Versuch in diefer Richtung ausführen. Freilich ist die von ihm hergestellte Rafete noch nicht imstande, die etwa 400 000 Kilometer zurückzulegen, die der Mond von der Erde entfernt ist. Er muß sich vorläufig mit einer Ratete begnügen, die 20 Kilometer hoch geschleudert werden foll. Im Nem York Herald" fündigt der Gelehrte an, daß er im August seine Rafete abschießen wird, die mit einer Reihe von Explo fionsstoffen geladen ist. die sich in bestimmten Abständen während des Fluges felbft entzünden und dadurch ihre Aufwärtsbewegung durch die Luft verstärken sollen. Er glaubt, wenn es ihm gelingt, die Rafte die ersten 20 Kilometer hoch zu schießen, würde er sie dann allmählich bis auf den Mond bringen können. 27 Die Große Boltsoper hat ab 27. Mai Sommerpreise eingeführt. Die Preise sind bedeutend herabgesezt. Das Ethof- Theater in Gotha als Theatermuseum. Das Erhof Theater im Gothaer Schloß, das ehrwürdige Denkmal aus der flaffifchen Theaterfunit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, soll in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt und zum Mittelpunkt eines umfaffenden Thüringer Theatermuseums gemacht werden. Der Walzer tehri wieder. Benn die Zeichen nicht trügen, ist das Ende der modernen Tänze gelommen, und der Balzer, der schon eine eingefest merden. Die Bewegung geht son England aus, wo der Balzer historische Merkwürdigkeit geworden war, dürfte bald wieder in seine Rechte in der Rönigin eine marme Fürfbrecherin gefunden hat. Auf ihre Anregung bin werden die modernen Tänze bei den Hoffesten nicht mehr getanzt, vielmehr ist hier nur noch der Balzer geftattet. Claf als Zeuge. Die Beziehungen zwischen Claß und Grandel. ( Dritter Verhandlungstag.) Zu Beginn der heutigen Berhandlung stellte der Vorfigende fest, daß dem Zeugen Merz vom Reichsfommissariat für die öffentliche Ordnung die Aussageerlaubnis verneigert worden sei. Die Verteidigung erklärte, daß sie sich mettere Schritte vorbehalte. Der Beuge v. Tetten born hot um seine baldige Vernehmung, da er Surch die bisherigen Aussagen der Angeklagten in den Ruf eines Lockspigels geraten jci. Dann wurde Amtsgerichtsrat Wagemann über den Charakter des Angeklagten Brardel vernommen. Der Zeuge fennt Dr. Grandel genau und erklärt, daß Grandels Einstellung ausschließlich auf ethischem Gebiet liege. Ein Mordanschlag liege völlig außerhalb feiner geistigen Einstellung. Er habe bezüglich des Geständnisses Grandels den Eindruck, daß der Angeklagte wie in einem Rausch gehandelt haben müßte. Staatsanwalt Burchardi: Ist Ihnen befannt, daß Grandel wegen Steuerhinterziehung und Preistreiberei verurteilt ist? Vors.: Ich habe bei den Akten eine Verurteilung Grandels wegen Beamtennötigung zu 300 m., Umsatzsteuergefährdung und Preistreiberei. Dr. Sad: Hat Grandel nicht stets einen machtpolitischen Kampf abgelehnt und sich für die Regeneration von unten her eingesezt? Zeuge: Ich habe auf dem Gebiet des deutschen Rechtes einen Entwurf hergestellt und mit Grandel viel darüber gesprochen. Menn heute der Ruf nach dem deutschen Recht durch das Bolt geht, verdanken wir das Dr. Grandel, der die Mittel für meine Arbeiten, für Druckfristen ufro, gab. Der Profurist Dr. Grandels, Juft Rupp, schilderte den Gesund heitszustand Grandeis sehr ausführlich. Grandels geistiger Zustand fei seit dem Sommer sehr schlecht geworden. Er sei gereizt, oft auf gebracht, dabei sehr vergeßlich und erfenne mitunter schon nach menigen Stunden nicht mehr Briefe, die er selbst entworfen habe. Muf eine Frage des Justizrats Hahn, ob der Zeuge wisse, daß Grandel bei der Erneuerung feines Baffes feine Eile an den Tag gelegt habe, erflärt der Zeuge, daß der in Frage kommende Eteuerbeamte ihm erflärt habe, Grandel habe selbst gemeint, die Bazerneuerung hate Zeit. Auf Befragen des Borfizenden bestätigte auch der Zeuge Wage: mann, daß er, der Grandel 1922 zum letztenmal gesehen, jetzt bei einem Besuch im Gefängnis einen ganz veränderten Menschen gefunden habe. Dann erstattete Geheimer Rat Störmer sein medizinisches Gut. achten über die Angeflagten, über ihren geistigen und förperlichen Zustand. Grandel sei zweifellos herzfrant und seine Ausdauer notorisch beschränkt. Thormanns Geisteszustand sei sorgfältig studiert worden. Geistesfrankheit liege zmar bei ihm nicht vor, aber der Schädelbruch bedeute eine Wendung in seinem Leben zu ungunsten des Angeklagten. Seine nächsten Befannten erklären, daß aus einem früher friedfertigen Menschen ein Krateler und Wichtigtuer geworden sei.§ 51 treffe allerdings nicht zu, doch fei er geistig minderwertig. Seine Nervenzerrüttung stehe in ursäch lichem Zusammenhang mit der Tat. Was Dr. Gran del angeht, steht zu seinem organischen HerzIciden seine große Muskelfraft im Gegensaz. Es wurde das gegen pindologisches Schüttelzittern, also eine leichte Hysterie festgestellt. Dr. Grandel hat früher Chlorgasvergiftungen im Laboratorium erlitten. Dr. Grandel behauptet, Selbstmordversuche mit Morphium und Codein gemacht zu haben, doch scheint das un= glaublich, weil niemals ein Arzt ihn daran behandelt hat. In seiner ersten Che habe Dr. Grandel viel Unglüd erlebt. Die Scheidung erfolgte, weil Dr. Grandel im Zustand der Gereiztheit feine Frau mißhandelle. Er ist mit seiner ganzen Familie zerfallen. Grandel behauptet, daß Er ist mit seiner ganzen Familie zerfallen. Grandel behauptet, daß Shermann einen starten fufzeffiven 3wang auf ihn ausgeübt habe. Den Nachweis, daß er unter Selbstbezichtigungen leide, habe Dr. Grandel nicht führen können, Grondel fei Neurofthenifer mit hysterischem Einschlag. Cine Störung des Bewußtseins liegt bei ihm nicht vor. Er leidet nicht an Sinnestäuschungen und urteilt geistig scharf und ohne Störung. Auch seine Handlungsfreiheit ist ungestört. Srgendeine Beiftestrankheit liegt nicht vor, doch ist ein depreffiver Zustand unverkennbar.§ 51 fomme feineswegs in Frage. Med.- Rat. Dr. Thiele erklärte, daß die geistigen Funktionen Grandeis in der Haft start abnahmen, das er den Inhalt von Schriftftüden schon nach Stunden nicht mehr wiedergeben fonnte. Grandel leidet an schweren seelischen Verstimmungen und sei schwerster Melancholifer. Daraus erfläre sich auch die Selbstbezichti. gung. Zur Zeit der Tat dürften Grandels Geisteskräfte beeinträchtigt gewesen sein, da die seelischen Berstimmungen eines Menschen längerer Entwicklung bedürfen. Prof. Strauch schilderte dann den Zustand Dr. Grandels. Dr. Grandet macht äußerlich den Eindruck eines beginnen ben Paralytiters. Wos das Geständnis anlangt, so sei es erflärlich durch die Tatsache, daß er als Hysterifer plöglich aus der Freiheit in die Einzelhaft verjegt worden sei. Bei Melancholikern finde man häufig den Wunsch zu büßen und den Willen zur Selbst. vernichtung. Unverständlich aber bleibe an dem Geständnis tie hineinziehung einer fremden Person, des Justizrates Clas. Bei Abgabe des Geständnisses lagen frankhafte Störungen des Gemütes vor. Unter allgemeiner Spannung murde darauf Juffizrat Clas vernommen, der unvereidigt ausjagt. Borf: Haben Sie mit Brandel in irgendeiner Form über ein Attentat oder eine Er mordung des Generals v. Seedt gesprochen? 3euge: Nein, ich habe im vorigen Jahr in Hamm mit Herren aus dem besetzten Gebiet eine Konferenz über Abwehrmaßnahmen gegen die Franzosenmachenschaften gehabt. Dort lernte ich Grandel fennen, der als Bertreter gewiffer bayerischer Kreise zugezogen war. Grandel trug feine Ansichten in ruhiger Weise vor. Ich fuhr dann zufällig mit Grandel im selben Kupee nach Berlin zurück und auch hier be stätigte sich der Eindrud, daß Grandes ein ruhiger, besonne ner Wann sei. Grandel äußerte den Wunsch, öfter mit uns zu fammenzukommen. Das geschah schon aim nächsten Tag. Meine Erfundigungen über Grandel lauteten günstig. Er wurde als zuver: läffiger, etwas eigenbrödlerischer Mensch geschildert. Ich traf dann in Kissingen mit ihm zusammen und Grandel führte mir mehrere seiner banerischen Freunde zu. Wir verhandelten damals über Dinge des neubejezten Gebietes. Dom Baumstamm zum Möbel." Ein Filmabend bei den Holzarbeitern. 3u einer interessanten Beranstaltung hatte der Holzar beiterverband nach der Königstadt- Brauerei in der Schönhauser Allee geladen. Von allen Seiten erschallt der Ruf nach Mehrarbeit, sagte der Borsitzende des Verbandes, Genosse Tarnow, in einem einleitenden Bortrag. In unserer Zeit, in der die Berarmung fast des ganzen Boltes festgestellt ist, fann eben nur der= mehrte Leistung bei der Güterproduktion helfen. Die einen fagen: Berlängerte Arbeitszeit die anderen: Niedrige Löhne; daß beides falsch ist, könnten unsere Unternehmer bei den Amerikanern lernen. Bei uns: Produktionssteigerung durch Auspowerung des einzelnen, dort Güter vermehrung durch technischen Fortschritt. Damit ist die soziale und die wirtschaftspolitische Rückständigkeit unseres deut schen Unternehmertums bewiesen. Deutschlands wird bedingt durch die technische Vervollkommnung Der wirtschaftliche Aufstieg feiner Warenherstellungsmethoden; solange unsere Industrie das nicht begriffen hat, wird sie sich die Konkurrenz technisch weiter entwickelter Länder gefallen laffen müssen, zum Schaden des Volksganzen. Die Arbeiterschaft wird sich feiner Entwicklung entgegenstemmen, die vermehrte und verbesserte Lebensmöglichkeit schafft. Sie fegt aber ihren ganzen Widerstand ein, wenn die finanziellen und kulturellen Erfolge des technischen Fortschritts nicht der Gesamtheit, sondern einigen wenigen Ausbeutern zugute fommen sollen. An Beispielen aus der deutschen Holzindustrie zeigte der Vortragende, wie gerade hier durch die maschinelle Vervollkommnung des Produktionsprozesses eine Verbilligung der Produkte erzielt werden könnte. Mehr als die Hälfte aller Holzarbeiter Deutschlands entbehren die Maschine als Hilfskraft. Bon 110 000 Betrieben find nur 8400 mit Maschinen ausgerüstet; in allen anderen wird noch alles von Hand" gemacht. Eine Riefenfumme von Bolksvermögen könnte durch die maschinelle Ausgestaltung dieser Betriebe erworben werden. Innungstrauterei, die Sucht nach mühelosem Gewinn, hemmen jeden Fortschritt.ed Das Holz in der Maschine. Der vorgeführte Film zeigte die Holzfatin- Werte" in HamburgAltona. Als Reklamefilm für das Unternehmen hergestellt, konnte durch ihn doch eine wirksame Unterstützung der Gedankengänge des Referats erzielt werden. Riesige Holzlagerpläte, eigene Ceimfabriten, eigene Werkzeugmachereien, in denen selbst Dampfhämmer nicht fehlen, eigene Fournierschneidereien; dem Hauptwerf angegliederte Glasschleifereien, Möbelschloß- und Möbelbeschlagfabriken, ja selbst ausgedehnte Torfmoore, die den Brennstoff für die Betriebsmaschinen liefern, find vorhanden. Alles das gab ein Bild großzügigster Organisation und fortschrittlichster Technit. Wir wurden in die Fournierschälerei geführt, in der Fourniere von solcher Feinheit geschnitten wurden, daß 100 platten übereinander erst einen Zentimeter Der Knabenmord vor der Aufklärung. Ein Deutschnationaler unter Mordverdacht verhaftet. Die bisher äußerst geheimnisvolle Angelegenheit des in der Dahlwitzer Forst erschossen aufgefundenen 15jährigen Schülers Günter Baier ist infolge der unausgesetzten Bemühungen der Bemühungen der Beamten der Abteilung la des Berliner Polizeipräfidiums nahe vor der vollkommenen Aufklärung. Es hat nämlich bereits eine Verhaffung dreier junger Leute stattgefunden, und zwar eines gewiffen 19 Jahre alten Liebed, der dem Deutschnationalen Jugendbund angehören foll und bereits schwer belaffet erscheint, ferner eines gewiffen Heinz Schmidt und eines Schloffers Queta, von dem man allerdings noch nicht hat feftftellen tönnen, ob sie einer rechts- oder einer linksradikalen Organifation angehören. Der genannte Ciebed soll in Hifleruniform mit dem ermordeten jungen Baier am Abend vorher gesehen worden fein. Der verhaftete Schmidt ist der Sohn eines Mahlsdorfer Archifeften Heinz Schmidt. Wie das Berbrechen zustande gekommen ist, fonnte noch nicht festgestellt werden. Die Obduktion der Leiche findet heute abend staff. heute abend flatt. Für die Aufklärung des Berbrechens iff eine Belohnung von 1000 Mart ausgesetzt worden. Zwei schwere Ueberfälle. | hoch sind. Wie sich die Papierrolle in der Rotationsmaschine dreht, su wurde hier von einem Stüd Baumitamm ein endloses Fournierblatt abgeschäft. Eine Zigarrenfiftenfabrit: Holzflöße von der Länge und Breite einer solchen Kiste werden an rasend schnell rotierenden Kreissägen vorbeigeführt, die richtige Holzscheiben in Zigarrenfiftenbrettstärke schneller abtrennen, als die geübteste Hausfrau Stullen schneidet. In dieser Branche weitgehendste Mädchenarbeit und. fpezialisierte Männerarbeit. Der gute Mann, der die Leimarbeit an den Luruskisten( nur für die bekannten„ biden" Bigarren!) aus= führte, hatte eine Arbeitsschürze um. die durchaus einer Relieflandfarte der Mondgebirge glich, so did faß der Leim darauf. In riesigen Sälen stehen die erdenklichsten Maschinen für die Bearbeitung des Holzes. Mit einem Griff fräst ein Arbeiter in Wäschekistenbretter zehn und mehr schwalbenschwanzförmige Sinten" ein, eine Arbeit, holz mit dem Steffenfräser, der wie die Muschelhalskette einer Negerdie bei der Herstellung an der Hobelbant den mehrtausendfachen Beitaufwand erfordert. Im Umsehen ist durch das didste Vierkantfrau aussieht, ein rechtwinkliges Loch gefräst. Wer schon mal mit Hammer und Stechbeutel diese Arbeit ausführte, tann die Zeit. ersparnis würdigen. Dem Drechsler wird seine Arbeit abgenommen; automatische Maschinen, die jeden Arbeiter entbehrlich machen, treten an seine Stelle. Selbst der Holzbildhauer wird durch die, Kopiermaschine ersetzt. Ein Arbeiter führt an den Konturen eines Metallmodells einen Sebel entlang, der durch Vermittlung eines anderen Hebelsystems an fechs Holzflöhen zugleich die Form des Modells entstehen läßt. Für die wirklich guten Bildhauerarbeiten merden allerdings immer noch die Stecher", die Holzbildhauer, gebraucht. Das Holz in der Handarbei.. " F Wenn die Maschinen ihre Arbeit geleistet haben, tommt schließlich doch noch der Handwerker zu ſeinem Recht. Die rein majchinell zusammengebaut. Hier, in diesen Sälen, sieht man sogar noch Hobelbänke, an denen alles gleich gehobelt" wird. Bei aller technischen Entwicklung bleibt trogdem die Maschine noch zu erfinden, die oban einen Baumstamm aufnimmt und unten das fertige Möbel ausliefert. Eine Tridaufnahme zeigte am Schluß des Films Möbel, die, für Ueberseetransport bestimmt, erst am Bestimmungsort zusammengefetzt werden. Ihre Berpadung in Einzelteilen erspart toloffal Schiffs raum. Ein fertiges Herrenzimmer mit Bibliothet und Schreibtisch wird in eine nicht übergroße Kifte gepact. Der Film vermittelte ein interessantes Bild von den Möglichkeiten technischer Entwidlung im Produktionsprozeß des Holzgemerbes. Hier liegen die Wurzeln unseres Aufstiegs, hier verstummt der Schrei nach Arbeitszeitverlängerung und Lohnfürzung. Der Holzarbeiterverband hat mit der Borführung dieses Films feinen Berufsangehörigen mehr Aufklärung vermittelt, als zehn Versammlungsreden und Protestresolutionen es vermocht hätten. Die Aufklärung und Bildung unserer Gewerkschaftsangehörigen ist in den Zeiten moskowitischer Gehirnverkleisterung mehr denn je nötig. Land entfernt hatten, trafen sie das Ruderboot der Zeugen. Mit den Worten: Da ist ja der großmäulige Judenbengel" fuhren die fast 20 Jahre älteren und bedeutend fräftigeren Angeklagten auf das Ruderboot zu. Der Angeklagte Ruhlbars ergriff den Zeugen Fritz Kufmann an der Gurgel, mürgte ihn und schlug ihm ins Gesicht. Als der Angegriffene in der Notwehr dem Angeflagten Ruhlbars einen träftigen Schlag versezte, schlugen beide Angeklagten auf die Zeugen mit allen möglichen Gegenständen ein. Außerdem befestigten sie das Boot der Zeugen an dem ihren, um sie angeblich zur Polizei nach Wannsee zu bringen. Obmohl die Zeugen ihnen einen mit Lichtbild versehenen Ausweis zeigten und die Ungeklagten baten, fie nach dem ganz nahe gelegenen Kladom zu bringen, damit ihre dort meilenden Eltern über ihr Berbleiben Bescheid wüßten, fchleppten fie in der Dunkelheit das Boot der Zeugen 3 Stunden mit fich, ohne später die Polizei in Anspruch zu nehmen. Das Schöffengericht in Potsdam Ver urteilte beide Zeugen wegen Freiheitsberaubung, den Angeklagten Kuhlbars auch megen Körperverlegung zu 50 bzw. 75 Goldmart Geldstrafe. Bon beiden Seiten war hiergegen Berufung eingelegt worden. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Such, machte vor der Straffammer in Potsdam insbesondere geltend, daß die Angeklagten sich der Rechtswidrigkeit ihrer Handlungsweise nicht bewußt waren. Das Gericht schloß sich jedoch den Ausführungen des Staatsanwalts und des Rechtsanwalts Dr. Bed- Charlottenburg, der für den als Nebenfläger zugelassenen Bater der Zeugen Raufmann auftrat und die Gemeingefährlichkeit des Treibens folcher Leute betonte. an, vermarf die Berufung der Angeklagten und erhöhte die Strafe auf je 200 Goldmart. Die Beisetzung der Asche der verstorbenen Genoffin Martha Demmning findet morgen Donnerstag( Himmelfahrtstag), nachmittags 4 Uhr, auf den Friedhof in Friedrichsfelte statt. Frühkonzert im Zoologischen Garten findet am Himmelfahris tage von 6 Uhr ab durch die Kapelle des Infanterie- Regiments Nr. 9, unter Leitung des Obermufitmeisters Adolf Beder, statt. noch immer Unsicherheit im Treptower Park. Eine Rotte von Straßenräubern verübte am Dienstagabend einen Ueberfall vor dem Hause Salzmedeler Straße 7. Hier fam gegen 8½ Uhr ein 15jähriges Mädchen namens Luzie Polla, das in den Hause wohnt, mit einem Zweirad von einer Ausfahrt zurück. In der Nähe trieben sich mehrere junge Burschen herum. Als das Mädchen abgeftiegen war und das Rad in den Hausflur hinein. schieben wollte, wurde es plötzlich von diesen Burschen überfallen, die versuchten, ihm mit Gewalt das Rad zu entreißen. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen famen ihr Vater und ihr Bruder aus dem Haufe herbeigeeilt. Die Räuber fielen ohne meiteres auch Große Brillantendiebesbeute. Am 21. D. M. stieg im Hotel über diese beiden her und schlugen blindlings auf sie ein. Der Bater Esplanade ein Former ab, der sich für einen Amerikaner ausgab und erlitt eine schwere Verlegung über dem rechten Auge, dem Bruder Louis Herbert nannte. Der Mann besuchte verschiedene Juwelentwurde eine Lippe aufgeschlagen. Als nun auf den Lärm Schutz geschäfte. Am Montag begab er fich abends in die Privatwohnung polizeibeamte herbeifamen, ergriffen die Räuber die Flucht. Den cines Juweliers, um hier Schmuckfachen auszusuchen. Der Geschäftsfie verfolgenden Schußbeamten gelang es, zwei von ihnen einzuholen mann legte ihm auch verschiedenes vor. Als er gestern seine Juwelen und zu ergreifen. Es sind zwei Brüder, ein 24 Jahre alter Dito wieder mit ins Geschäft nehmen wollte und die Tüten durchfah, entRutschmann aus der Birkenstraße 44 und ein 22 Jahre alter Baul bedte er, daß ihm der angebliche Amerikaner zwei Brillanten im Rutschmann aus der Stromstraße 25. Beide leisteten heftigen Wider- Werte von über 10 000 Mart gestohlen hatte. Als der Jumelier im stand und schlugen wie wild um sich. Einer sprang einem Hotel nachfragte, erjuhr er, daß Louis Herbert gestern vormittag Beamten an die Kehle und würgte ihn, bis der Un gefallene fich durch einige Säbelhiebe freimachen tonnte. Aber auch zwischen 9 und 10 Uhr ohne Angabe eines Ziels abgereift sei. jest gaben sie ihren Widerstand noch nicht auf. Erst als mehrere Beamte dazutamen und die Gummifnüppel gebrauchten, wurde er endgültig gebrochen. Die Verhafteten wurden von der nächsten Wache nach dem Polizeipräsidium gebracht und der Kriminalpolizei vorgeführt.Die leider noch immer nicht behobene große Unsicherheit Grandel übernahm die Mitwirkung an unserer Arbeit, im Treptomer Barf wird durch folgenden schweren Ueberfall besonders um den Separatisten das Handwerk zu legen. Grandel hat wieber einmal auf das peinlichfte illustriert. Der Joden Karl für dieje Funktionen Gelder erhalten. Ich mußte infolge Schmandt aus der Seestraße 35 in Reinickendorf wurde im Trep fritischer Nachrichten nach Berlin zurück, und der Zufall tower Bart abends um 10% Uhr überfallen und so schwer ver wollte es, daß Dr. Grandel an diesen Besprechungen im Mai teil- legt, daß er sich nur noch mit Mühe nach der nächsten Polizeinahm. Grandel unterrichtete mich und meine Freunde über die Lage wache schleppen fonnte. Diese mußte ihn sofort nach dem Krankenin der Pfalz und Bayern. Es fam die Zeit der Einstellung haus Am Urban bringen. Der Ueberfallene hat besonders schwere des Ruhrwiderstandes. Wir waren damit nicht einperinnere Verlegungen davongetragen. Er liegt noch verstanden und taten, was dagegen von privater Seite zu nehmungsunfähig dernieder. Es ließ sich deshalb noch nicht feftstellen, an welcher Stelle des Partes und wie sich der Ueberfall 311 getragen hat, ebenfomenig ob etwas geraubt ist. machen war. ( Schluß im Morgenblatt.) Gegen Moskauer Verleumdung. Mostau, 28. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die fommunistischen Angestellten der Berliner Russischen Handelsvertretung haben einen Protest nach Moskau gerichtet, in dem sie gegen die von ruffifchen Zeitungen erhobene Beschuldigung, daß Bozenhardt und Lehmann im Dienste der Berliner Polizei geftanden hätten, Bermahrung einlegen. Gleichzeitig haben die Angestellten Gleichzeitig haben die Angestellten eine Deputation nach Moskau gesandt, die die Interessen der zum 1. Juli gekündigten deutschen Kommunisten wahrnehmen joll Hakenkreuz- Strolche auf der Havel. Der Student Heinz und der Lehrling Fris Kaufmann ( Charlottenburg) hatten eines Tages in Gesellschaft von Betannten einen Ausflug nach Kladom gemacht. Als sie von dort eine Ruberpartie unternehmen wollten, trafen fie am Landungssteg die Angetlagten Theodor Jaenide und den Gastwirt Erid) Ruhlbars aus Steglig. Es entstand zwischen ihnen ein Wortwechsel, dem aber von beiden Seiten feine größere Bedeutung beigemessen wurde. Die Brüder Kaufmann unternahmen dann eine Ruderpartie, die Angeklagten begaben sich in das Seglerheim. Nach einer Stunde beftiegen die Angeklagten ihr Segelboot. Nachdem fie fich etwas pom Sonntag Eröffnung des Wannsee- Freibades. Der Magistrat Berlin hat betanntlich das Freihad Wannfee in eigene Berpaltung übernommen und läßt dert nun zur hebung des Bates und des gesamten Betriebes Neubauten ausführen. Diese Neubauten haben bisher die Eröffnung des Freibades verzögert. Um indes den zahlreichen Befuchens des Wannsees Gelegenheit zum Baden zu geben, fell zunächst proviferisch am nächsten Sonntag, den 1. Juni, der Babebetrieb aufgenommen werden. Die vollständige Eröffnung fann erst nach Fertigstellung der umfangreichen Bauten an dem auf 400 Meter verlängerten Strande und erweiterten Anlagen erfolgen. Furchtbarer Hotelbrand in New York. Gins der größten Hotels in Nem Dort( Nem Dersen) ist einem Brand zum Opfer gefallen. Bisher murden 20 Tote und zahlreiche Berlegte gemeltet. Das Feuer entstand, während die hotelgäste fchliefen. Die Gäfte der obersten Etagen wurden später in ihren Bimmern verfohlt aufgefunden. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Siemlich warm und heiter bei schwachen Luft. bewegungen. Deutschland: In Südwestdeutschland strichweise Gewitter, sonst trocken, vorwiegend heiter und warm. Briefkasten der Redaktion. S.„ Der Klabautermann"( gurgeit im Marmorhaus) ist vom Stationalfilm, Bewerkschaftsbewegung Zum Verbandstag der Glasarbeiter. genannte Opposition, will ihre Kräfte auf dem Verbandstag geltend machen. Die Herren haben eigene Konferenzen abgehalten, sie haben Geldsammlungen zur Bestreitung der Ausgaben unternommen und jetzt fogar eine eigene Verbandszeitung herausgegeben, in der sie derart In der Woche vom 2. bis 6. Juni hält der Zentralverband der maßlose Beschimpfungen gegen die Verbandsleitung Gasarbeiter seinen Verbandstag in Radeberg bei Dresden ab. erheben, wie sie taum mehr steigerungsfähig sind. Dabei muß fest= Wohl taum eine zweite Gewerkschaft hat unter so schweren Mühen gestellt werden, daß eine Konferenz des Hauptvorstandes, der Gauund harten Kämpfen die letzten Jahre zu leiden gehabt als der Verleiter, des Ausschusses und des Beirats beschlossen hat, daß Sonderband der Glasarbeiter. Die Industriellen verfügen über starte und fonferenzen von feiner Gruppe abgehalten werden dürfen. Alle diese leistungsfähige Organisationen und suchen mit aller Macht jede Ber- Beschlüsse lassen die Herren ganz unberührt. besserung im Arbeitsverhältnis zu unterdrücken. Die Arbeiterschaft muß deshalb ihre Organisation einheitlich gestalten und alle Arbeiter der Industrie erfassen, wenn sie positive Vorteile erreichen will. Dies mar dem Berbond der Glasarbeiter nur zum Teil möglich. Von den rund 80 000 in der Blasindustrie beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen gehörten im Jahre 1921 rund 60 500, im Jahre 1922 rund 72,600, im Jahre 1923 rund 70 300 Mitglieder dem Berband der Glasarbeiter an. Der Verbandstag wird mit diesen Herrschaften Abrechnung halten. Wie in allen anderen Organisationen sind auch diese Leute im Verband der Glasarbeiter auf dem Verbandstag in Radeberg nur durch eine verschwindende Minderheit vertreten. Der Vorstand des Verbandes der Glasarbeiter hat gegenüber der Opposition die größte Toleranz geübt; trotzdem haben sich die Herr schaften die ungeheuerlichsten Beschimpfungen erlaubt. Bezeichnend aber ist, daß sie in ihrem Organ, das bisher nur einmal erschien, teinen einzigen Angriff gegen das Kapital unternahmen. Einen starten Rückschlag brachte die Inflationsperiode, und diese Erscheinungen traten, besonders in den Anfängen des Jahres 1924 hervor. Die Industrie litt unter starker wirtschaftlicher De- Es besteht aber die Gewißheit, daß der Verbandstag der Glaspression; die Betriebe wurden zum Teil ſtillgelegt. Eine recht bearbeiter dafür sorgt, daß die Organisation ihre bisherige Bahn nicht Deutende Arbeitslosigkeit seite ein. Das Unternehmertum| verlassen wird. versuchie seine Macht geltend zu machen. Große Kämpfe roaren besonders in der zweiten Hälfte des Jahres 1923 zu ver= zeichnen. Einmal wandten sich die Arbeiter gegen die beabsichtigten Lchntürzungen, dann aber auch gegen die Verlänge= rung der Arbeitszeit. Da die Mittel der Organisation in der Inflationsperiode äußerst beschränkt waren, fonnten die Kämpfe nicht unterstützt werden; trotzdem standen die Arbeiter lange Wochen rhne jede Unterstügung im Kampje. Es gelang, den gemeinsamen Ansturm der Unternehmer zum großen Teil abzuwehren. Vielfach mußten leider Lohnherabsetzungen hingenommen werden. Vereint Kämpften die Glasarbeiter gegen die Verlängerung der Arbeitszeit. Jm§ 7 der Verordnung über die Arbeitszeit heißt es ausdrücklich: „ Eine Ueberschreitung der in§ 1 Gah 2 und 3 festgesetzten Grenzen auf Grund von tariflichen Bereinbarungen(§ 5) oder behördlicher Zulassung(§ 6) ist für Gewerbezweige der Gruppen von Arbeitern, die unter besonderen Gefahren für Leben und Gefundheit arbeiten, insbesondere für Arbeiter im Steinkohlenbergbau unter Tage fomie für Arbeiter, die in außer= до Für die Bergarbeiter ift die weitere Unterstützung zunächst auch dann noch dringend erforderlich, falls die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen wird. Auf den Liffen der Bergarbeiterhilfe" " muß weiter gesammelt werden. Wer bisher noch nichts zur Unterstützung der um den Achtstundentag im Ruhrrevier fämpfenden Arbeitsbrüder beigetragen hat, muß sofort die Borlegung der Sammelliste„ Bergarbeiterhilfe" fordern und sein Scherflein mit beitragen. gewöhnlichem Grabe der Giniwortung Denn die Not ist groß! Stoffen, Staub und dergleichen oder der Gefährdung durch Sprengstoffe ausgesetzt sind, nur zulässig, wenn die Ueberschreitung aus Gründen des Gemeinwoh's dringend erforderlich ist, oder wenn sie sich in langjähriger llebung als unbedenklich erwiesen hat und eine halbe Stunde nicht übersteigt." Gerade in der Glasindustrie leiden aber die Arbeiter in außer gewöhnlichem Grade unter der Einwirtung der Hize, sind ferner giftigen Stoffen und besonders in den Schleifereien Arbeitsministerium gegen die Verlängerung der ArbeitsDem Staub ausgefeßt. Es mußte erwartet werden, daß das zeit eindhreitet, Wiederhol: hat sich die Organisationsleitung der Glasarbeiter mit einer ganzen Reihe von Eingaben, in denen auf die widrigen Umstände hingewiesen wurde, an das Arbeitsministerium gemandt, aber nichts ist geschehen, um die Ausbeutung der Glasarbeiter durch die Industriellen zu unter binden. Der Arbeitsminister versprach, selbst einige Glashütten zu besichtigen, ob dies geschehen ist, entzieht sich unserer Kenntnis, aber jedenfalls muß festgestellt werden, daß der Arbeitsminister gegen das Streben der Industriellen, die Arbeitszeit in der Glasindustrie über die ach stündige Arbeitsze hnaus zu verlängern, noch nich ein . geschritten ist. 9 In der Fensterglasindustrie ist der Arbeitsprozeß ein unregelmäßiger. Da die Arbeit überaus schwer und anstrengend ist, war durch einen Tarifvertrag festgelegt, daß die Arbeitszeit für die Glasbläser an den Sonnabenden um 4 Uhr beendet sein muß. Vom 1. Januar 1924 ab haben die Unternehmer nicht nur die Verlänge= rung verlangt, sondern sie haben durchgefeht, daß die Arbeitszeit bis in den Sonntag hinein ausgedehnt werden und schließlich die Sonntagsarbeit vollkommen eingeführt werden kann. Leider gelang es nicht, diesen Anschlag der Unternehmer zurückzuweisen. Mit dem Arbeiterschutz ist es sehr trüb bestellt. In den letzten Jahren sind die Kristallglasschleifereien wie Pilze aus der Erde gewachsen. In völlig ungenügenden und ungesunden Räumen werden die Kristallgläser geschliffen und die Glasschleifer, die den Sandstaub und Glasstaub einatmen, leiden sehr start unter Cangentuberkuloje. Trogdem besteht das Bestreben der Industriellen, nicht nur in der Glashütte, sondern auch in den Schleifereien die Arbeitszeit über 8 Stunden auszudehnen. Das Durchschnittsalter der Glasarbeiter ist statistisch festgelegt und für die einzelnen Branchen in folgender Weise erfaßt worden: " " " " " 7 38,88 Jahre für Arbeiterinnen, 39,69 Jahre für Glasschleifer, 45,92 Feuerleute, 46,07 Glasmacher, 48,78 Hilfsarbeiter, 51,76 sonst. Facharbeiter. Das sind jedenfalls Zahlen, die auch für das Arbeitsministerium Veranlassung sein sollten, sich dem Arbeiterschuh in der Glasindustrie zuzuwenden. Leider blieben alle Bemühungen der Organisationsleitung beim Arbeitsministerium erfolglos. Die Organisations- und finanziellen Verhältnisse haben sich in den letzten Monaten wesentlich gebessert. Die Organisation scheint wieder über die schwierigen Verhältnisse hinweg zu sein Die Glasarbeiter werden nicht ruhen, sondern ihre Organisation weiter ausbauen. Leider haben die Anhänger von Moskau ihre Zersplitterungstendenzen in den Verband der Glasarbeiter getragen. Die foGarderobe in guten Qualitäten auf Teilzahlung bei kleinster An- und Abzahlung Billige Preise! Ersatz für Maßarbeit Herren- Anzüge, Paletots, Knaben- und Burschen- Anzüge Cohn Gr. Frankfurter Str. 58 5 Minuten vom Alexanderplatz Eingang durch Möbelläden Zahlungserleichterung gewährt altangesehene Möbelfabrik vertrauenswürdigen Leuten. Offerten unter R. 32 Hauptexp, des Vorwärts". Kundgebung der Berliner Beamtenschaft. Sofortige Revision der Besoldungsregelung! Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund, Ortsausschuß Berlin, = hatte zu einer öffentlichen Beamtenkundgebung die Berliner Beamtenschaft am Abend des 27. Mai im Saalbau Friedrichs hain eingeladen. Lange vor Beginn war der Saalbau, der einige 1000 Personen faßt, überfüllt, so daß in dem in der Nähe gelegenen Schweizer- Garten unter sehr starkem Andrange eine Parallelversammlung abgehalten werden mußte. Daß es sich dieses Mal nicht um eine der üblichen Protesikundgebungen hadelic, ergab sich bereits aus den einleitenden Worten des ersten Vorsitzenden Kesselbauer, der erklärte, daß die Aussprache er geben müßte, ob die Berliner Beamtenschaft zu einer Aktion bereit sei oder nicht. Das Referat hielt der erste Vorsitzende der Reichsgewertschaft, Menne. Er und auch das Mitglied vom Bundesvorstand des ADB., Kunze, ernteten reichen Beifall. Die Versammlung nahm einstimmig die nach stehende Entschließung an und wählte einen Aktionsausschuß: Buchbinderstreif in Danzig. " 1 3u unserer Notiz in Nr. 239 des Vorwärts" über den Buchbinderstreit in Danzig schickt uns der Vorsitzende des Vereins der Buchdruckereibefizer in Danzig folgende pressegesetzliche Berichtigung: Es ist nicht richtig, daß die Unternehmer eine Zusage, die Buchbinder nach dem Buchdruckertarif zu entlohnen, nicht eingehalten haben. Richtig ist vielmehr, daß die Schnabmachungen ousdrücklich nach dem Wortlaut des von beiden Parteien unterschriebenen Beschlußprotokolls lediglich für die Gehilfen- und Hilfsarbeiterschaft der Buchdruckereien" getroffen wurden." Die Richtigkeit dieser Berichtigung faßt sich im Augenblick nicht nachprüfen. Tatsache ist, daß die Buchbinder in Danzig im Streit stehen, weiter aber, daß worauf es in unserer Notiz hauptsächlich ankam ,, Danziger Unternehmer auf der Reise nach Berlin sich befinden, um hier Buchbinder und Buchbinderciarbeite= die Berichtigung diese Behauptung völlig unberücksichtigt läßt, weiter rinnen für Danzig anzuwerben. Das ergibt sich einmal daraus, daß aber aus dem Umstande, daß Herr Siebenfreund seine Berichtigung in Berlin abgefaßt hat, unter Benutzung von Briefbogen und Umschlag des Hospiz am Bahnhof Friedrichstraße, Christ liches Hotel 1. Ranges", und sie hier zur Post gegeben hat. Es bleibt also bei unserer Warnung an die Buchbinderel arbeiter vor Arbeitsannahme nach Danzig, bis der Streit beendet- ist. Die Hamburger Hafenarbeiter für den Schiedsspruch. Während eine Erklärung der Arbeitgeber über die Annahme des in der Tariffrage ergangenen Schiedsspruches noch nicht vors liegt, haben die Vertrauensleute der Hamburger Hafenarbeiter den vom Schlichtungsausschuß gefällten Schiedsspruch über die Löhne angenommen. Wirtschaft Die Wirtschaftslage der Jadestädte. Aus Wilhelmshaven wird uns geschrieben: Die beiden am Jadebusen belegenen Städte Wilhelmshaven und Rüstringen fämpfen seit dem militärischen Zusammenbruch des Reiches einen schweren Kampf um ihre Existenz. Einstmals ganz auf die Marine, den Kriegsschiffbau und dessen ganzes Drum und Dran eingestellt, leiden sie daher heute in besonders startem Maße unter der wirtschaftlichen Ungunst der Gegenwart. Weite, in früherer Zeit ganz Marinezwecken dienende Hafenanlagen liegen noch immer völlig ungenügt, wenn aber sich irgendwer aus industriellen Gründen heraus für jene brachliegenden Arbeitspläge zu interessieren beginnt, dann bleiben Schwierigkeiten durch das Reich nicht aus. So gut es in ihrer Macht stand, haben die beiden Städte sich in den letzten Jahren selbst zu helfen gesucht. Sie haben Verbindungen ongeknüpft, fleinere Industrien angesiedelt und sich durch ein Duzend Schiffswerften in sehr beachtenswerter Weise auf den Abwrackbetrieb cingestellt. Auch die halbftaatlichen Deutschen Werke sind auf diesem Gebiet tätig. Leider haben die Städte, hat die Bevölkerung dreizehn Wochen währenden Aussperrung auf den Seeschiffswerften an diesem Betrieb in letzter Zeit sehr wenig Freude erlebt. Bei der ging dieses Unternehmen scharfmacherisch voran, während die übrigen Betriebe den Forderungen der Belegschaften entgegentamen und fich an dem Machtkampf nicht beteiligten. Jetzt aber, nachdem der Kampf vorüber ist, jetzt haben die Deutschen Werke in Rüstringen von rund vierzehnhundert Ausgesperrten nur etwa vier= hundert wieder eingestellt. Für die übrigen Arbeiter ist angeblich feine Beschäftigung mehr im Betrieb. Darüber hinaus gibt die Direktion bekannt, daß aus Finanzkalamitäten heraus demnächst auch in diesen Tagen bereits über 200 Angestellte gekündigt das Unternehmen ganz geschlossen werden müßte und tatsächlich find worden. Hinzu kommt, daß das Werk in den letzten Tagen noch info. fern Pech gehabt hat, als über Nacht der zum Abwracken auf der Werft liegende amerikanische Handelsdampfer St. Paul einfach im Wasser versunken war. Die Hebung bzw. Sprengung des Schiffes im Wasser aber wird ein riesiges Stück Geld kosten, so daß der berech fichts folcher Ergebnisse nimmt der Reichstagsabgeordnete Genoffe Hünlich in der letzten Ausgabe unseres Rüstringer Parteiorgans in frifischer Weise zu den Dingen Stellung. Er sieht in der ganzen rückwärtsgehenden Entwicklung dieses großen Betriebes, von dem man sich bei seiner Gründung vielerlei für die Jadestädte erhoffte, eine starke Niete und wirft die Frage auf, ob das Werk Rüstringen nicht sorgsameren und fähigeren händen anzuvera trauen sei" als dies die derzeitige Beitung darstelle. Diese schweren Vorwürfe dürften nicht ohne Folgerungen bleiben. ,, Die am 27. Mai 1924 im Friedrichshain und Schweizer- Garten zu Tausenden versammelie Berliner Beamtenschaft nimmt mit Ent- nete Gewinn aus dieser Arbeit einfach verloren sein dürfte. Angerüftung davon Kenntnis, daß das Juligesamteintommen der unteren Gruppen nur mit etwa 13 Broz. und das der mittleren Gruppen mit ungefähr 22 Pro 3. aufgebessert wurde, während das Gesamteinfommen der oberen Gruppen um 60 Pro3. erhöht worden ist. Die Härte der eben erfolgten Besoldungserhöhung muß deshalb um so schmerer empfunden werden, weil die unteren und mittleren Gruppen, selbst nach dieser Erhöhung, noch nicht das Notwendigste zum Leben haben. Wenn die Not Deutschland zum Entbehren zwingt, follen allen Bevölkerungsschichten Beschränkungen auferlegt werden. Die Versammlung beauftragt die von ihr gewählte Kommission, sofort beim Bundesvorstand des Allgemeinen zu verlangen, daß energische Schritte bei der Regierung und beim Deutschen Beamtenbundes und Deutschen Beambenbundes Reichstag erfolgen, damit in sofortigen neuen Befol= dungsverhandlungen die Gehälter der unteren und mittleren Gruppen so aufgebessert werden, daß die bisherige Spannung erreicht wird. lehnt, haben die Bundesvorstände sofort eine Ur abstimmung Für den Fall, daß die Regierung derartige Verhandlungen abeinzuleiten." Schiedsspruch für die Angestellten der Metallindustrie In der gestrigen AfA- Funktionärversammlung berichtete Lange vom 3dA. über die Verhandlungen vor dem Schlichter Groß- Berlin. Für die Angestellten der Metallindustrie ist am 27. Mai foigender Schiedsspruch gefällt worden: Die Gehälter in der Metallindustrie werden für den Monat Mai um 5 Proz. erhöht. Es verbleibt bei den bisherigen Familienzulagen. Die weibi: chen Angestellten erhalen wie bisher 10 Proz. weniger als die männlichen Ange stellten. Die fich hieraus ergebenden Säge werden auf nolle Mart abgerundet. Eine begeisterte Zustimmung kann dieser Schiedsspruch bei den Angestellten nicht finden. Immerhin weist derselbe eine ge= misse Verbesserung auf, so daß der Redner die Annahme des Schiedsspruches empfehlen fonnte. Nach einer regen Disfuffion wurde dem gegen nur wenige Stimmen zugestimmt. erliner ElektrikerGenossenschaft angeschl, dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit. Auf Teilzahlung! HerrenKonfektion zu sehr billigen Preisen Sade a CAMNITZER tauft Lothringer Str.48 Norden 4661 Schönhauser Allee 82 I. am Untergrundbht. Nordring. I Volkskleidung! Hosen für Sport, Beruf und Straße. Manchester- Anzüge. Coden- und Gummimänfel. Anzüge für Herren n. Knaben. Hemden Soden Unterhosen. Hur gute, solide Ware, billigste Preise. In den ersten Jahren nach dem Kriege hatte man in den Jade städten mit einer Ausnutzung der Hafenanlagen durch überseeischen Handelsverfehr gerechnet. Diese Hoffnungen haben sich bislang nicht erfüllt. Dagegen ist es gelungen, große internationale Petroleum unternehmungen für die vielen großen Tanks am Hafen zu interessieren. Wilhelmshaven wurde so zu einer DelUmschlagstelle von Bedeutung und erst vor einigen Tagen fam ein über 7000 Tonnen Petroleum enthaltender Dampfer aus dem russisch- georgischen Batum hier an, um hier die Ware auszuladen, sie vorübergehend in die Tanks zu füllen und sie nachher in das Landinnere oder ins benachbarte Ausland an ihre Bestimmungspläge weiterleiten zu lassen. Doch, soviel Hoffnungen sich auch an diese Unternehmungen zu fnüpfen, vorläufig scheinen sie noch fo umzu länglich, als daß sie eine wirkliche Aufblüte der wirtschaftlich durch den Zusammenbruch der Währung so außerordentlich geschwächten beiden Städte, die ein einheitliches Interessengebiet bilden, int Gefolge haben könnten. Daß aber die Jadestädte noch eine Zukunft haben und daß es Kreise gibt, die an diese Zukunft glauben, dafür spricht die Tatsache, daß vor zwei Tagen in Wilhelmshaven der befannte Ronzern Rudolf Karstadt ein in jeder Beziehung modern und großzügig eingerichtetes Warenhaus eröffnete. Ein Betrieb, der über 300 Angestellte beschäftigt, was für die jadestädtischen Verhältnisse auf diesem Gebiete sehr viel bedeutet. Verantwortlich für Politif: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Egforn; Feuilleton: Dr. John Schilowski, Lotales und Sonstiges: Frig Rarfläbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G.m. b. 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