Nr. 25041.Jahrgang Ausgabe A nr. 128 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet.. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Reit" mit Gied. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblaft 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille Belle 0,70 Goldmart, Reflamezeile L- Goldmart. ,, Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 0,20 Gold mart( aulässig awei fettgebrudte Borte), fedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche bas erste Wort 0,10 Goldmart, fedes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Seit ihr Verhandeln mit den Tirpig- Maaten begonnen, hat deren Suggestivkraft sich ständig verstärkt, so daß ein Rotau nach dem andern vor der Marine- Ezellenz von ehedem erfolgt. Die Sachlage war so flar, wie es nur möglich sein fonnte. Die Feinde der Republik machten geräuschvoll ihren Anspruch" auf das Präsidium geltend, weil sie die stärkste Fraktion darstellten. Die sozialdemokratische Fraktion als die stärkste republikanische Gruppe die Differenz zwischen beiden beträgt nur fünf Mandate, die sich die Deutschnationalen von einer anderen Bartei geliehen haben! schlug wieder den bisherigen, in allen Lagen aufs beste bewährten Präsidenten, Genossen Löbe, vor. Von ihm hatte in der letzten Sizung des alten Reichstags der jezige Fraktionsführer des Zentrums, der badische Fehrenbach, ein geradezu begeistertes Loblied gesungen, als er ausführte: Wir stehen ver Wahlen, die einen leidenschaftlichen Kampf im Wir stehen ver Wahlen, die einen leidenschaftlichen Kampf im deutschen Volke hervorrufen werden. Ich glaube, wir werden mit einer gewissen Beruhigung und Freude fonstatieren dürfen, daß es wenigstens ein moment gibt, wo wir alle miteinander einer Auffaffung find, nämlich in der Anerkennung für die Leitung der Geschäfte gegenüber unserem verehrten Herrn Präsidenten.. Es ist nicht immer leicht, in übersichtlicher Weise über die Arbeiten des Reichstages zu disponieren. Unser Herr Präsident hat die Befäbigung dafür immer nachgewiesen. Es ist nicht immer leicht, in so leidenschaftlichen Kampfen, umtott von allen möglichen Anwürfen, auch von Beleidigungen, jene Objektivität zu bewah ren, die den Präsidenten auszeichnen foll. In mustergülfiger Obren, die den Präsidenten auszeichnen soll. In mustergültiger Objektivität hat unser Präsident feines Amtes gewaltet.( Bravo.) Dabei will ich ganz besonders gerne anerkennen, baß er mit Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit sein Amt geführt hat. Ent. schuldigen Sie, wenn ich als Süddeutscher sage: es hat mich außer ordentlich gefreut, bei dem Schlesier ab und zu auch den Schim. mer des goldenen humors hindurchblizen zu sehen. Ich glaube, am Schlusse dieser letzten Tagung dieses Reichstages unserem Herrn Präsidenten unfern wärmsten Dank und unsere herzliche Berehrung zum Ausdrud bringen zu sollen.( Debhafter Beifall.) An dem„ lebhaften Beifall", der nach dem stenographischen Protokoll dieser Erklärung Fehrenbachs folgte, beteiligten sich, mit Ausnahme der Kommunisten, Mitglieder aller Fraftionen. Das war am 14. März 1924. Am 28. Mai aber, da dieser so gepriesene Präsident zur Wiederwahl vorgeschlagen wurde, stimmte nicht einmal das Zentrum für ihn, dessen Sprecher Herr Fehrenbach gewesen. Es stellte einen eigenen Kandidaten auf, und in der Stichwahl verhalf ein Teil von ihm dem Monarchisten Wallraf zum Siege. Wir stellen diese Tatsache lediglich fest! Regierung, ist eine Sünde am deutschen Bolte, die schlimmste vielleicht seit der Erklärung des rücksichtslosen U- Boot- Krieges. Genau so wie damals nationalistischer Wahnsinn die Möglichkeit eines rechtzeitigen, annehmbaren Friedens zerstörte, so wird jetzt aus Angst vor dem Nationalismus eine durch den Umschwung in Frankreich unverhofft entstandene Gelegenheit zu einer schnellen endgültigen Regelung der Nachkriegswirren verscherzt. Sind fich die Herren, die gegenwärtig dazu treiben, daß die Regierung des Bürgerblocks zustande komme, auch dessen bewußt, was sie anzurichten im Begriff sind? Oder stellen sie sich zu den klarsten außenpolitischen Tatsachen blind, zu den eindeutigsten Mahnungen gerade derjenigen Stimmen des Auslandes, die Deutschland am günstigsten gesinnt sind, taub? Ein einziger großer" politischer Gedanke scheint sie zu leiten: Wie legen wir endlich den Deutschnationalen die Feffein der Regierungsverantwortung an? Wie gelingt es uns, diese rücksichtslosen nationalistischen Demagogen endlich durch Ueber promittieren? An sich, rein parteipolitisch betrachtet. nahme eines Teiles der staatsmännischen Bürde zu fominsbesondere vom Standpunkte der Deutschen Volkspartei aus, ein durchaus begreiflicher Wunsch, zugleich aber ein frevelhaftes Spiel mit den wahren nationalen Interessen des Bater Landes. Denn über eins ist sich hoffentlich ein jeder im flaren: jede Reichsregierung, an der Deutschnationale teilnehmen, ist in den Augen des Auslandes eines jeden Vertrauens unwürdig. Eine Partei, die jahrelang selbst die einfachsten Maßnahmen zur Erfüllung des Friedensvertrages befämpft und sabotiert hat, eine Partei, die den Revanchegedanken stets in den Vordergrund gerückt hat, eine Partei, die jeden militaristischen Rummel mitmacht und alle Bestrebungen der Geheimorganisationen fördert, eine Partei, die noch foeben den Wahlkampf unter der aẞrole geführt hat, daß das Sachver ständigengutachten Wahnmiz" sei und ein zweites Berfailles" bedeute, kann eine solche Partei Vertrauen vom Auslande erwarten? " " Soweit das Ziel in Frage fommt, die Deutschnationalen au fompromittieren, so müßte es eigentlich selbst für deutsch Schauspiel, das die Deutschnationalen feit einigen Tagen bievolksparteiliche Begriffe genügend erreicht sein: denn das ten, ist wohl das Widerwärtigste und Kläglichste, was man feit langem erlebt hat: dieselbe Partei, die noch vor vier Wochen gegen den„ Wahnwiz" des zweiten Versailles" tobte, hat fich lediglich aus Sehnsucht nach der Futterkrippe zunächst bereit erklärt, über diesen Bahnmiz" zu verhandeln. Als dies noch immer nicht genügte, um an die ersehnten Ministerstühle heranzukommen, haben sich die Deutschnationalen in letzter Stunde bereit erklärt, entsprechend der For derung der Mittelparteien, den Wahnwih" zu afzep Daß Scholems Blaferchor, der feine Geschäfts- tieren. Dies ist gestern durch den Mund ihres Parteivor ordnung eines bürgerlichen Barlaments anerkennen will, trotz- ſizenden Hergt geschehen: die ganzen Verhandlungen des dem Anspruch auf einen Bizepräsidenten geltend machte, gestrigen Tages beruhen auf der vollendeten Tatsache dieses fonnte nur Heiterfeit erwecken. Der Chor gebärdet fich toll. deutschnationalen Rückzugs. Des weiteren hat sich Herr Hergt Aber er wird jetzt bald tuschen, weil ein Monarchist die Glocke ebenso vorbehaltlos auf den Boden der Verfassung schwingt. Daß diese Rebellen" sich vor jeder Peitsche ducken, gestellt. Fast möchte man meinen, daß, wenn das Zentrum ist bekannt. Es ist aber beschämend für die Arbeiter, die sie von ihm und den fünftigen deutschnationalen Ministern den Uebertritt zum Katholizismus verlangen würde, die Herren gewählt haben. sich des Ausspruches des Bourbonen- Königs Heinrich IV. entfinnen würden, der den Thron Frankreichs mit Hilfe dieser fleinen Formalität besteigen fonnte:" Paris ist eine Messe schon wert." zu ihrem ersten Redner in der kommenden großen politischen Aussprache bestimmte die sozialdemokratische Reichstagsfraftion den Genossen Löbe. Die Regierungsfrage offen. Gefeilsche um den Bürgerblock. Der gestrige Tag war mit Verhandlungen des Reichs. fanzler Marr über die Bildung eines neuen Kabinetts ausgefüllt, das unter seiner Führung auch die Deutschnationalen umfassen soll. Beit sind jedoch diese Verhandlungen noch nicht gediehen. Obwohl die Volkspartei und ein Teil des Zentrums bereits das Reichstagspräsidium den Deutschnationalen als Morgengabe darbrachten, zieren sich diese immer noch. Ein Teil von ihnen ist offenbar bereit, zur Erlangung von Ministerportefeuilles in puncto Verfassung und Erfüllungspolitit jedes Opfer zu bringen, während der andere sich noch sträubt. Das Zentrum hält an Mare als Reichskanzler feft, die Volkspartei dementiert die Behauptung, sie sei bereit, Stresemann als Außenminister fallen zu laffen. Unter diesen Umständen ist alles noch ungewiß. Was sich seit gestern mittag vollzieht, die erneuten Verhandlungen mit Deutschnationalen um deren Eintritt in die " nis zu der außenpolitischen Katastrophe, die man damit vorbereitet. Demgegenüber wird vielfach erwideri: Ist einmal das Sachverständigengutachten von Deutschland angenommen, dann sind weitere Verhandlungen überflüffig: ebenso wie Deutschland die betreffenden Gefeße und finanziellen Transaktionen auszuführen hat, so muß Frankreich feinen Teil von Konsequenzen ziehen, also die Amnestie im besetzten Gebiet, die Ruhrräumung usw." Wenn man Politik lediglich auf dem Papier treibt, fo wäre das vielleicht richtig. Dann wäre es sogar gleichgültig, ob in Deutschland eine Regierung Ludendorff- Westarp und in Frankreich Poincaré- Degoutte am Ruder sein würden, um den Dawes- Plan auszuführen. Aber Politik wird nicht lediglich mit Aftenstücken, sondern auch mit Seelen getrieben. und ebenso wie es ein großes Glüd für die ganze Welt und nicht zuletzt für Deutschland gewesen ist, daß Poincaré am 11. Mai geschlagen wurde und am 1. Juni feinen Plak Herriot räumen muß, ebenso ist es nicht gleichgültig, sondern der Regierung sind oder draußen. Man wird über die beiderwesentlich, ob jekt in Deutschland Deutschnationale in feitigen Ausführungsmodalitäten des Sachverständigengutachtens sogar sehr viel verhandeln müssen. Und wenn morgen Deutschnationale in der Reichsregierung fizen und die französische Linksregierung erflärt:„ Wir waren gegenüber der Deutschen Republit zum größten Entgegenkommen bereit, wir haben es in verschiedenen Rundgebungen, noch vor unserem Amtsantritt so deutlich zum Auserud gebracht, wie wir es nur fonnten, aber zu einer Regierung, in der die Anhänger des Hohenzollernregimes, des Revanchetrieges, der Sabotage des Friedensvertrages fizen, haben wir nicht ein Jota Bertrauen!" wer in der ganzen Welt, wer in England, wer in Amerita, ja wer sogar in Deutschland würde mit gutem Gewissen dem entgegentreten fönnen? Es scheint, als ob die Parteien der Mitte, voran die Volkspartei, über dem parlamentarischen Kulissengeschiebe den Blid für alles verloren hätten, was draußen in der Welt vorgeht. Und doch ist das Gebot, die Augen offen zu halten, dringender als je zuvor! Die verhafteten Abgeordneten. Wollen und Können bei den Kommunisten. Die Kommunisten hatten im Reichstage Dienstag und Mittwoch unausgefeßt getobt, die verhafteten Reichstagsgenoffen müßten freigelassen werden. Als es sich aber darum handelte, diesem Verlangen den zum Ziele führenden geschäftsordnungsmäßigen Ausdrud zu geben, standen sie rat- und hilflos da wie die Kinder. Die von ihnen bei ihrem Toben so wüst beschimpften Sozialdemokraten mußten ihnen erst den richtigen Weg dazu zeigen, und auch da fapierten sie es noch nicht, so daß sie der durch ihr Verhalten bei der Präfidentenwahl auf den Stuhl des Reichstagspräsidenten gelangte deutschnationale Herr Wallraf zurücwies. Schließlich fragten sie direkt bei den verlästerten Sozialdemokraten, wie sie es denn eigentlich machen müßten. Als durch die von ihnen befolgte Taktik dann zunächst die von ihnen verfolgte Absicht gänzlich vereitelt war, na h m die Sozialdemokratie schließ lich selber die Initiative in die Hand, um die Sache wieder in das richtige Gleis zu bringen und die Freilassung der in Haft befindlichen Reichstagsabgeordneten möglich zu machen, Es ist nüglich, die Dinge im einzelnen festzuhalten. Eigentlich sollten sich sogar die ängstlichsten Herren vom Die Böllischen hatten beantragt, den im Hitler- Prozeß zu rechten Flügel der Deutschen Volkspartei mit dieser Demon 11 Jahr Festung verurteilten Abg. Kriebel aus der Haft stration politischen Renegatentums bei ihren Nachbarn zur zu entlassen. Die Kommunisten hatten zwei Anträge nach der Rechten begnügen und nun, gemeinsam mit den Deutschvölki- gleichen Richtung gestellt, von denen einer die Freilassung des schen, die Früchte des deutschnationalen Umfalls in der kom zu einem Jahr Gefängnis verurteilten tommunistischen Abg. menden Zeit ernten. Aber man kennt offenbar die Deutsch- ademann, der andere Antrag die Freilassung der acht in nationalen aus früheren Erfahrungen zu genau, um sich mit Untersuchungshaft befindlichen kommunistischen Abgeordneten diesen Ergebnissen begnügen zu wollen. Die Erinnerung an forderte. Die Kommunisten hatten Angst bekommen, daß die die Augusttage des vorigen Jahres ist wohl noch wach, in Deutschvölkischen und die Deutschnationalen nur für die Freidenen die Deutschnationalen unter Helfferichs Führung das laffung des völlischen Abg. Kriebel stimmen würden und nicht Steuerbukett der Regierung Cuno- Hermes glatt bewilligten, auch für die Freilassung der kommunistischen Abgeordneten. um es sodann unter Westarps Führung nach Bildung der Sie wollten deshalb die Rechte zwingen, auch für die FreiRegierung Stresemann- Hilferding rücksichtslos zu bekämpfen. lassung der fommunistischen Abgeordneten zu stimmen und Deshalb genügt wohl die gestrige Zusage Hergts zugunsten stellten deshalb den Antrag, alle in Haft befindlichen Abgedes Sachverständigengutachtens nicht, man will deutschnatio- ordneten freizulaffen. Nach der Geschäftsordnung ist die Vernale Reichsminister vor aller Welt Erfüllungspolitiker treiben handlung über einen solchen neuen Antrag nur zulässig, wenn lassen. niemand widerspricht. Als der deutschnationale Präsident Wallraf die Frage stellte, ob jemand widerspreche, wurde von der Rechten prompt widersprochen. Die Kommunisten hatten die Sache ungefchidt und plump angefaßt. Genosse Dittmann gab in einer Rede ihnen den Rat, ihren Antrag in der vorgelegten Form zurüdzuziehen und an seiner Stelle Gewiß wäre dieses Schauspiel sehenswert und innerpolitisch von einigem Nuzen. Die größten Nugnießer davon wären allerdings die Deutschvölkischen, und damit wäre legten Endes Deutschland wenig geholfen. Aber der Wert folcher innerpolitischen Vorführungen verschwindet im Verhält zu beantragen, über die vorliegenden, bereits auf der Tages- ordnung stehenden drei Hastentlassungsanträge in einer Ge- samtabstimmung zu entscheiden. Nach einigem Lavieren folgten die Kommunisten dem ersten Teil dieses Rates und zogen ihren verunglückten Antrag zurück. Der Haftentlassungsantrag jedoch, den sie daraus an seiner Stelle einbrachten, bezog sich zwar auf die gestellten Haftentlassungsanträge, aber nur bezüglich der Namen der in Hast befindlichen Abgeordneten. Darum wurde er von dem deutschnationalen Präsidenten Wallraf wiederum als„neuer Antrag" zurückgewiesen. Ganz betrübt und verlegen kam der große Stratege der Kommunisten, K o e n e n, schließlich zum Genossen Dittmann und fragte ihn, wie er denn den Antrag eigentlich formulieren müsse, worauf Genosse Dittmann ihm nochmals erklärte, daß der Antrag ge- meinsam die drei auf der Tagesordnung stehenden Haftent- lassungen fordern müsse. Nun endlich kapierte auch der große Parlamentsstratege der Radaukommunisten und brachte den Antrag in richtiger Formulierung ein. Bei der darauf folgenden Abstimmung wurde dann Jien kommunistischen Worthelden eine sehr fühlbare Lektion darüber erteilt, daß'man im Parlament sehr oft praktisch noch nichts erreicht habe, wenn man nur für das stimmt, was man sachlich für richtig hält, daß man sich vielmehr auf das konzentrieren muß, was tatsächlich durchzusetzen ist. Die Ueber- Weisung der drei Haftentlassungsanträge an den Geschäftsord- nungsausfchuß zur Vorprüfung wurde nämlich von der Rechten und der Linken des Hauses gegen die Mitte abgelehnt, aber auch die Haftentlassungsanträge selber verfielen nunmehr dem gleichen Schicksal, da für sie nur Sozialdemokraten, Kommu- nisten und Völkische stimmten, während diesmal die Deutsch- nationalen mit den Mittelpartcien dagegen stimmten. Wieder war es jetzt die Sozialdemokratie, die die Situation der in Haft befindlichen Abgeordneten rettete. D�k Genosse L ö be nahm die abgelehnten Anträge wieder auf, beantragte, sie auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen, damit sie doch noch dem Geschäftsordnungsausschuß über- wiesen werden könnten. Recht kleinlaut stimmten nunmehr auch die K o m m u n i st e n diesem Antrage zu. Durch eine von Sozialdemokratsn, Zentrum und Demokraten sofort er- zielte, vom Zentrumsabgeordneten Fehrenbach begründete Verständigung wurde auch noch erreicht, daß diese neue Sitzung des Reichstages sofort am selben Abend, fünf Minuten nach der ersten Sitzung abgehalten wurde und in ihr gemäß dem Antrag Löbe die wiederausgenommenen Hastentlassungs- anträge der Geschäftsordnungskommission überwiesen werden konnten. Und vm dieses Ziel zu erreichen, das genau dem üblichen Verfahren im Reichstage entspricht und das ohne jeden Widerspruch von vornherein auch in den vorliegenden Fällen eingeschlagen worden wäre, der fürchterliche Skandal der Kommunisten in der Eröffnungssitzung des Reichstages und auch noch in der Sitzung des zweiten Tages! Das Gesicht öer Volkspartei. Bezeichnende Anträge im Reichstag. Die Deutsche Volkspartoi hat im Reichstag eine Reihe von An- trägen eingebracht, die ihr politisches Gesicht sehr klar zeigen. An der Spitz« steht ein Antrag über die Farben der Republik: der Artikel 3 der Reichsoerfassung soll durch folgenden Wortlaut er- fegt werden:„Die Reichsfarben find Schwarz-Weih- Rot." Dieser Antrag ist eine innen- und außenpolitische Demon- stration, eine Betonung der Tatsache, daß die Volkspartei der Der- fassung des kaiserlichen Deutschland näher steht als der demokratisch- republikanischen Verfassung. Der nächste Antrag gilt der Einschränkung des Wähl- rechts, der Herausietzung des Wahlalters von 20 auf 25 Jahre. In einem weiteren Antrage wird die Einsetzung eines Aus- fchusies des Reichsiags von 28 Mitgliedern gefordert, der den Auf- trag erhalten soll, die Reichsverfassung vom 1l. August 1919 mit Rücksicht auf die in der Zwischenzeit gemachten Erfahrungen, insbesondere hinsichtlich der Zuständigkeitsverhältnisse zwischen Reich und Ländern auf den Gebieten der Gesetzgebung und Verwaltung Telephongespräche. Von Lola Landau. i. X Die junge Frau legte den Hörer an ihr Ohr, da? von den hellen dichten Haarsträhnen ganz eingesponnen war. Mit der freien Hand strich sie spielerisch über die W?»hrsaiig!♦ 0�0 D0t0)0tt5 voiilirrstog, Z». Mai 1»Z« Die Gewässer Serlins. Der zweite der drei Flüsse, die dos Gebiet von Berlin durch- fliegen, ist die Dahme. Sie ist der wichtigste Nebenfluß der Spree. Auf beträchtlichen Strecken ihres Laufes ist sie schiffbor, und mehrere Nebengewässcr nimmt sie auf, die ebenfalls schiffbar sind. Auch steht die Dahme in engster Verbindung mir zahlreichen Seen südlich der flieichs Hauptstadt. Das Dahmeflkeß. Di« Dohm« hat ihren- Ursprung nicht außerhalb der Landes- oder gor der Reichsgrenz« wie die Spree, sie ist vielmehr ein Kind der Mark Brandenburg, bis auf ein Quellflüßchen, das in der benach- borten Provinz Sachsen seinen Ursprung hat.. Zwei Qucllbäche Hot die Dahme; sie vereinigen sich«ine kurz« Strecke unterhalb der Stadt Dahme zu dem D a h m« f l i e ß, das als bescheidenes Wässerchen dahinplätfchert. Die Stadt besteht bereits seit !26ö, ihre Stadtmauer enthält vielfach Raseneisenstein im Ge- mäuer. In einem anfangs gegen Ost gerichteten Bogen geht der Lauf des Fließes dann nach Nord; diese Richtung behält die Dahme bis zu ihrer Mündung bei. In der Nähe der Stadt G o l ß e n kommt sie in den Bereich des Glogau-Baruther Urstromtals, in dem roeiter östlich auch die Spree fließt, und in dessen Zug sich der Spree- wald erstreckt. Bis dahin hielt sich die Dahme auf dem Höhenzug der den südlichen Teil der Mark Brandenburg durchzieht. Dieser Höhenzug gehört zu der Bodenerhebung, die sich von Groß-Glogau an der Oder bis Burg unweit Magdeburg an der Elb« verfolgen läßr. Die Dahme scheidet den Höhenzug in einen östlichen und«inen west- lichen Teil, den Lausitzer Grenzwall und den Fläming. Der Grenzwall trennt die Niederlausitz von der Oberlausttz, die ursprüngliche Morkgrafschaft Niederlausitz von dem Land Budyschin «Bautzen). Der Fläming besitzt in seinem wesllichen Teil, dem hohen Fläming, seine höchsten Erhebungen. Nach Osten zu fällt er allmählich ab. er wird zum niederen Fläming, der sich bis zur Dahme hinzieht. Der Fläming führt seinen Namen von den Kotsnisten, die in der zweiten Hälft« des 12. Jahrhunderts aus den Niederlanden(Flan- dern) berufen wurden, um das durch die gegen die Wenden geführten Kriege entvölkerte Land wieder aufzubauen. Bei dem Dorf Staakow erreicht die Dahme den Nvrdrand des Urstromtals. Von hier bildet sie etwa IV Kilometer lang die Grenze der Regie- bungsbezirke Frankfurt a. d. Oder und Potsdam, bis kurz vor Wendisch-Buchholz. Dieses Städtchen wird bereits 1346 er- wähnt. Es hat seinen»ollen Namen beibehalten, während das ehe- Malige Dorf Französisch-Buchholz den seinen in Berlin-Buchholz umgewandelt hat. Von Wendisch-Buchholz bis Prieros ist der Lauf der Dahin« teilweise begradigt worden; er wird hier von dem vom Unter- spreewald kommenden Umflutkanal benutzt. die Seengebiete öer Dahme. Kurz vor Prieros durchfließt die Dahme den schilfreichen Streganzer See; von hier an ist sie schiffbar. Bald ist Prieros erreicht. Hier münden von links die Teupitzer Gewässer, eine lang- gestreckt« Kette von Seen, die durch schiffbare Gräben miteinander verbunden sind. Im Teupitzer See, an dessen Ufer das zweit- kleinste Städtchen der Mark, Teupitz. liegt, nimmt sie ihren Ausgang. Darauf folgt der Zemminfee und der Schulzensee, an den sich der Große und der Kleine Moders«« anschließen mit Groß-Köris auf dem Westufer. Dann erreicht die Seenkette das aus- gedehnt« Waldgebiet der Oberförstereien Königswusterhausen und Hammer. Der Klein- Köris er See mit Klein-Köris bildet die Eingangspforte;'der Hölzern« See und Schmölde. fee schließen sich daran. Auf ihrem Westuker liegt die Dubrow, das weite Eichenrevier, das einst die umfangreichst« Reiherkoloni« der Mark Brandenburg beherbergte. Der Schmöldesee ist das letzte Glied in der Seenkette der Teupitzer Gewässer. Etwas unterhalb von Prieros münden rechts die Storkower Gewässer in die Dahme. Auch sie bestehen aus einer Kette von Seen mit schiffbaren Verbindungen dazwischen. Die größten Seen der Mark gehören zu ihnen. Den Ursprung bildet der Scharnrütze'se«, das..brandenburgische Mm* Fontoues; auch der Storkower See mit der alten Feste Storkow ist ein Glied in dieser Kette, und dann der riesige Wolziger See. Den Schluß bildet der Länge See, dessen Wasser unmittelbar in die Dahme fließen. Nachdem die Dahme den Dolgeniee verlassen hat, führt ihr Laus in schmaler Rinne bis Cablow.(Siehe Abbildung.) Hier be- ginnt eine neue Seenreihe; der Krüppelsee und der Krimmasee führen an der Senziger Ziegelei und dem Königswustertausener Tiergarten vorüber bis Reue Mühl«. Von Süden her, aus dem Pätzer See, dem Todnitz kund dem Zeesener See, mündet bei Rene Mühle ein« weitere Seenrinne in die Dahme. Etwas westlich von Neue Mühle liegt Königswusterhausen, wohl schon �ine alte wendisch« Niederlassung, das bis vor etwa 200 Jahren Wendisch-Wusterhausen hieß. vle Venöische Spree. Bald hinter Neue Mühl« kommt von links der Nottekanal zur Dahme. Mit seinen Nebenkanälen, dem Zülow-Kanal und dem Golluner Kanal, stellt er die Wasserstraßenverbindung her zu dem an Ziegeleien reichen Gebiet von Mittenwalde, Zossen, Sperenberg und Töpchin. Auch an den Ufern der Dahme selbst finden wir hier industriell« Anlagen; so liegen auf dem rechten Ufer, bei Niederlehme, groß« Kalksandsteinwerke, auf dem linken Ufer, bei Wildau, ausge- ..�V Die Dahme bei Cablow. dehnte Fabrikanlagen. Hier sehen wir auch die Masten der Groß- funkstotton Köni asw uste rha ufen. Nun erweitert sich der Fluß und bildet mehrere Seen, so den Zeuthener See, der sich bis Schmöckwitz erstreckt, und dann den Langen See, der sich bis Grünau hinzieht. Der Lauf der Dahme von Neu« Mühle bis zur Mündung führt auch noch den Namen.Wendisch« Spree*. Der Seenreichtum der Dahme und ihrer Nebengewösser bietet reiche Gelegenheit zur Ausübung des Wassersports. An schönen Tagen beleben denn auch zahlreiche Ruder- und Segelboote die Wasserfläche. Dampfer bringen große Scharen von Ausflüglern aus der Reichshauptstadt. Im Sonuner werden die Uferstreckeit, soweit sie geeignet sind, als Badestrand benutzt; im Winter tummeln sich die Eisläufer auf der spiegelglatten Fläche— vorausgesetzt, daß der Winter streng genug ist, worüber wir uns in diesem Jahr ja nicht betlagen können. Der Dahme ist der Durchbruch vom Glogau-Baruther Urstromtal zum nördlicher gelegenen Warschau-Berliner Tal gelungen; zahlreiche Versuche östlich und westlich von ihr. deren Spuren sich noch in den Nebenrinnen erkennen lassen, mißlangen. Mit dem Zeuthener See erreicht die Dahme das Stadtge die t v on Berlin. Von rechts inündet der Große Zug, der mit dem Crosfinsee und dem Wernsdorfer See an Gosen und Neu-Zitttm vorüber in Verbindung mit der Spree tritt. Beide Dörfer sind Kolonistensiedlungen, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt wurden. Bei Schmöckwitz zweigt der Seddinsee ob, er ist ebenfalls mit der Spree verbunden. Im Seddinsee beginnt der Oder-Spreetanal, der die Berbindunq mit der Oder herstellt. Eine weit nach Norden sich erstreckende Bucht der Dahme ist die Große Krampe mit dem Dörfchen Müggelheim am Nordende. In ihren Fluten fand Curt Grottewitz, der Natur- freund und Arbeiterwanderer, am 16. Juli 1905 beim Baden den Tod; auf dem füllen Friedhof von Müggelheim ist sein« letzte Ruhestatt. Berufung im Kaehne-Prozeß gegen die Berliner Presse. Gegm dos Urteil des Schöffengerichts Werder haben beide Parteien Berufung eingelegt. Bekanntlich waren einige Redakteure von Berliner führenden Zeitungen zu Geldstrafen wegen Beleidigung des Herrn v. Kaehne sen. verurteilt. Der neup Termin findet am 12. Juni vor der Strafkammer in Potsdam statt. Der Tote von Mahlsüorf. Wieder ein Opfer nationalistischer Verhetzung. Gewalt ist Trumpf. Mord lauert an jeder Ecke, verschont kein Alter. Politik ist zur Angelegenheit von Meuchelmördern geworden. Bubenhände vollstrecken Todesurteile. Eine sittliche Verwilderung ohnegleichen zehrt an der Voltswurzel. Der Baum der Jugend ist � wurmstichig. Wer Wind sät, erntet Sturm.„Vier Jahre politischer Mord" schleudert Gumbel seine Anklage gegen die nationalen Mörder. Morde an wehrlosen Arbeitern, Morde an führenden Politischen Persönlichkeiten, Masienmorde, Einzelmorde. Das Kriegsmorden lebt weiter in der Seele des Bürgers. Entfachte Energien suchen Auslösung, brodeln unter der Hülle und brechen � durch. Menschenfeindliche Hetze auf Volksgen offen trägt blutige Früchte. Leidenschaftliche Jugend, geführt von Haß, verirrt sich in Verbrechen. Der Mord von Mahlsdorf stellt alles bisher Geschehene in den Schatten. Ein vierzehneinhalbjähriger Junge, ein halbes Kind noch, wird von einem Neunzehnjährigen in den Wald verschleppt und — bei verbundenen Augen— von hinten erschossen. Gemeinste Ge- fiinnung unterschiebt die Tat politischen Gegnern: der Faschistenjüngling heftet an den noch warmen Körper des unschuldig hin- gemordeten Knaben einen Zettel:.Tod den Faschisten". Feigheit ersinnt die Unterschrift:„KPD.-Exekutive", frivoler Zynismus triumphiert:„Erledigt am 86. Mai 1324". Man wäre versucht an- zunehmen: ein Detekttvschmöker steckt dahinter, ein Kinostück, trank» haste Ausschreitung einer verirrten Iugendphantasie.— Man erinnert sich an den„Unheimlichen" v. Rheine in Westfalen, der einen sechzehn-. jährigen Lehrling am lebendigen Leibe begraben hat und dessen ab- gehackte Hand dem Vater zugeschickt hat, um Geld aus dem Vm> brechen zu schlagen. Da sind die Spuren der Schundliteratur klar ersichtlich. Die grauenhafte Tat von Mahlsdorf führt wo anders hin. — Sie führt nach Parchim, sie führt nach der Tegeler Forst, sie führt zu den Deutschvöltischen, zu Roßbach und Ehrhardt, zu den Rathenau- und Eisner-Mördern, zu Thormann und Dr. Grandel. Deutsch-- land, das Land der Dichter und Denker, ist auf dem Wege, zum klassischen Lande des politischen Morde» zu werden. Die jahrzehntelang systematisch be- trieben« Militarisierung der Hirne und der Herzen hat einen Teil des deutschen Volkes und der deutschen Jugend jeden Maßes fti? sittlich« Werte verlustig gemacht. Der mutmaßliche Mörder soll ftüher ein eifriger Anhänger der Kommunistischen Partei gewesen sein, ist bereits wegen Urkunden- fälschung und Betrug vorbestraft, soll setzt einem deutschnationolen Iugendbund angehören. Ob das stimmt, wird sich noch zeigen. Doch nicht darauf alltztn kommt es an, wer der Mörder war, zu welcher Partei er gehörte. Der Mörder wird fem« Strafe erhalten, er ist letzten Endes auch Opfer der Zeit, des Haffes, der in die Seele der Jugend durch die Erwachsenen gesät wird. Sie allein trifft die Verantwortung. Worauf es ankommt, ist dieses: Die Jugend aller Bünde, aller Weltanschauungen, muß wie ein Mann sich gegen die» menschenmordende nationalistische Hetze in ihren Kreisen erheben. Der Ruf muß erschallen: Zugend heraus! naitvÄf Der Abbau geht weiter! Der Magistrat hat, wie sein Nochrichtenamt meldet, am 28. �Mal beschlossen, folgende Kategorien abzubauen: 1. Alle nichtstälidig Angestellten, für die geeigneter Ersatz durch Beamte oder Fest- angestellte vorhanden, soweit sie nach den iBesttmmungen abbaufähig sind; 2. im wesentlichen alle im Bureaudienft im weitesten Sinne Stehenden, die über 60»Jahre alt sind. Weiter geneljtnigt er über den bis zum 14. Februar erfolgten Abbau hinaus den weiteren Ab- bau von 316 Beamten, 468 Festangestellten, 720 nichtständig An- gestellten in Dauerstellung und 273 nichtständig Angestellten in vorübergehenden Stellen._, Zusammenstoß zwischen Auto und Radler. An der Kreuzung Unter den Eichen und Lichterselder Chaussee in Steglitz stießen ein Privatkraftwagen und dxr 45 Jahre alte Maler Hngo Le lisch- n e r, der auf einem Zweirade saß, derart zusammen, daß L. stürzte und einen Bruch des rechten Unterschenkels davon. trug. Er wurde nach dem Lichterfelder Kreiskrankenhaus geschafft. SOs Die AMchklinge. Roman von Johanne» LInnankoskl. Namentlich zu dieser und den Zeiten in Lumikangas. Bald gruben sie zusammen die Ackerbeete länger, bald arbeite- ten sie sonst etwas. � Wie wenn Maija hin und wieder heimlich nach ihm ge- blickt und genickt hätte:„Was gehen dich die Hofbesitzers- töchter än, laß uns nur hier arbeiten— du siehst doch, daß wir uns hier bald ein Gehöft geschaffen haben!" Wie wenn er selber wieder genickt hätte, ebenfalls heim« lich:„Gewiß sehe ich es, gewiß sehe ich es— laß uns nur arbeiten!". Da aber, gerade vor der Mittagszeit, wachte er gleichsam auf. und'ein sorgender Tavastengeist begann sich wieder zu regen. Er bemerkte, daß doch noch nicht alles erledigt war— dort für Taoastland. „Es ist vielleicht doch unnötig, dachte er.„Karolnna wird es auch ohne das verstehen. Doch besann er sich anders. „Es ist nicht einerlei, es muß doch geschehen, beschloß er und wollte Hella hereinrufen lassen. „Bielleicht denke ich es immerhin erst fertig." memte«r bei sich und begann zu überlegen.,-. Als er aber da lag und sann, wurde alles so lebendig. wie wenn Helka schon bei ihm gewesen wäre und sie an- gefangen hätten.. m_.... „Wir wollen einen kleinen Brief nach Tavastland an Karvliina schreiben." sagte er bei sich zu dem Mädchen. „ Es war, als hätten sich ihre Lippen zu einem breiten Lächeln verzog-n als sie den Namen Tavastland aussprechen hörte, und wie wenn sie mit der Feder zwischen den Fingern eifrig Anstalten getroffen hätte. „Wir wollen so schreiben: J-fc konnte dir nicht früher Nachricht schicken. Aber jetzt ist besser Zeit. Du hast frellich recht gehabt. Schwester. Aber es ist doch zum Guten aus- geschlagen." Er schwieg und überlegte weiter. Doch er glaubte zu bemerken, wie ihn das Madchen mit verwunderten Augen ansah und dann fragte:»Wird sie denn hieraus verstehen...?" .Sie versteht es schon— die Schwester," erwiderte Uutela m solchem Ton, daß auch das Mädchen sofort einsah: so ist es ja, Schwester und Bruder verstehen sich doch immer. «Schreiben wir dann so," fuhr Uutela wieder in seinen Gedanken fort:„Mir ist Maijas Grab eingefallen. Möchtest du wohl hingehen und nachsehen, ob das Kreuz nicht umgesunken ist, und dann ein wenig säubern, falls trockene Zweige von der Espe heruntergefallen sind oder Unkraut dar- auf gewachsen ist." Er sah den Friedhof vor sich— mit den Espen, Birken und Weiden, den weißen und schwarzen Kreuzen. Ueppiger als alle anderen stand die große Espe in der Ecke, und Maijas weißes Kreuz blinkte so schön unter den belaubten Zweigen hervor. Aber plötzlich fiel ihm etwas schwer aufs Herz— er erinnerte sich, daß er sich dieser Ecke einmal gleichsam geschämt hatte. Doch dies Gefühl ging bald vorüber.„Karoliina wird es schon machen," dachte er. Im nächsten Augenblick entsann er sich nicht mehr, daß je so etwas geschehen war. Er sah nur das Kreuz unter den Zweigen hervorblinken. Dann hörte er ein leises Klingen— das zarte Lispeln der Birken und Weiden- und das lautere Rascheln des Espenlaubes vereinigten sich zu Tönen. Ihm wurde so sonderbar warm und feierlich zumute, daß er sich umsah, wohin er sich setzen sollte, um den Klängen länger zuhören zu können. Doch zugleich fühlte er, als habe ihn Helka am Hemd- ärmel berührt:„Was soll ich dann schreiben?" „Ach, ick habe ja den Brief ganz vergessen!— Nun nur noch dies: Diesmal weiter nichts. Ich wollte dir nur mit- teilen, daß ich an euch gedacht habe.— Setz aber noch das Datum." Das Mädchen beugte sich wieder zum Schreiben nieder. „Daraus oersteht sie es, wenn sie hört, daß es gerade kurz vorher gewesen ist," dachte er. Der Brief war nun fertig. Doch dachte Uutela noch, was er dem Mädchen dann selber sagen sollte, da dies sicher des letttemal war, daß er mit ihm sprach. „Möchtest du denn gern nach Tavastland zurück? „So furchtbar gern," antwortete sie und senkte den Kopf. Er streckte die eine Hand aus und legte sie dem Mädchen aus den Scheitel:„Du kommst schon noch hin.— Hab nun Dank für alles!" Dann versank er wieder rn seine Gedanken, „Eigentsich sollte ich selber auch hin— neben Maija— dorthin gehöre ich ja doch," überlegte er.„Das könnte ich ja bestimmen." „Kinderei!" schloß er nach einer Weile.„Es ist ja einerlei, wo ich liege." Und in seinen Ohren begann wieder das fülle Tönen der Birken, Espen und Weiden zu raunen. Gleich danach fiel ihm jedoch wieder etwas ein, und er blickte neben sich:„Du besorgst ihn doch dann zur Post?" Er mußte über seinen eigenen Irrtum lachen— der Brief mar ja noch nicht geschrieben! Er fühlte sich aber müde, und ihn verlangte, noch etwas dem wunderbaren Klingen zu lauschen, das immer noch in seinen Ohren tönte. „Er ist ja dann am Nachmittag bald geschrieben— wo «x fetzt sertiggedacht ist." * Um die Mittagszeit kamen die Burschen herein, wie um nachzusehen, ob sie es noch wagen könnten, zu den Arbeiten auf den Acker zu gehen, oder ob sie zu Hause bleiben sollten. Uutelas Augen begannen zu strahlen, als er sie erblickte. Er bemerkte, daß sie niedergeschlagen waren. „Lockert sich die Krume gut?" fragte er, um ihre Gedanken abzulenken. „Ja, sehr schön," erwiderte Bihtori erleichtert. Uutela nickte ihnen zu und lächelte. „Es geht Ihnen wohl noch gar nicht fo Schlecht, Uutelo?" fragte Bihtori ängstlich plump. „Nein— es geht mjr schon besser." antwortet- Uutela. Es war wirtlich wahr, aber ihm schien es, als fei es keine aufrichtige Antwort in dem Sinne gewesen, in dem die Bur- schen gefragt hatten. Er winkte sie zu sich. Es tat ihm weh, daß er nicht zu ihnen sagen konnte, wie er gewallt hätte:„Möge euch der Hof zum Giück gereichen— euch und euren Kindern!" Er hätte so gern gerade diese Worte den fleißigen, braven Jungen gesagt, die er liebte wie eigene Söhne. Aber er konnte es nicht. Er streckte ihnen nur beiden die Hand hin und sagte in gerührt-bebendem Ton:„Habt nun Dank, Iungens!", nickte mit dem Kopf und kehrte sich der Wand zu. Die Burschen faßten es als Abschiedsgruß auf, schaute« noch einmal, hin und gingen dann mit Tränen in den Augen schnell hinaus,(Fortsetzung folgt.) Das Kinderhaus in Not. In Berlin ist Dr. Neumanns Rinderhaus( Blumenstraße 97) eine der wertvollsten Schöpfungen freier Wohlfahrtspflege. Die von dem Kinderarzt Dr. Hugo Neumann im Jahre 1897 gegründete und zunächst ganz aus eigenen Mitteln unterhaltene Anstalt vereinigt in sich verschiedene Einrichtungen, franken oder schwächlichen Kindern aus der minderbemittelten Bevölkerung von der Geburt bis zum Eintritt in den Beruf gesund. heitliche und wirtschaftliche Fürsorge zu gewähren. Das schlichte Haus in der Blumenstraße beherbergt eine Säuglings und Kleinkinder- Fürsorgestelle, die ärztlichen Rat gibt, eine Polis flinik für Kinder, die im Jahre 1923 21 000 Behandlungen ausführte, eine Krankenstation für Kinder, die zwölf Betten belegen fann. Das Kinderhaus nimmt sich auch der Mütter an, der Schwangeren, der hilfsbedürftigen Wöchnerinnen, denen nach der Entlassung aus der Entbindungsanstalt hier mit ihren Säuglingen für Wochen und Monate eine Unterkunft gewährt wird. Die Wohlfahrtsstelle des Kinderhauses beschafft durch Verbindung mit anderen Organisationen bedürftigen Kindern Nahrung, Stärkungsmittel und Meidung und sorgt für Unterbringung in Heilstätten, 3. B. in dem aus dem Kinderhaus hervorgegangenen Erholungs Erholungsträgn heim Borgsdorf, das 1923 423 Kinder aufnahm. Dazu tommen im Kinderhaus Einrichtungen zur Unterweisung werdender Mütter in der Pflege des Säuglings und zur Heranbildung von Säug lingsschwestern und Wohlfahrtsarbeiterinnen. Viele Tausende von Familien aus der minderbemittelten Bevölkerung haben das segensreiche Wirten dieser nun über ein Bierteljahrhundert arbeitenden Anstalt fennen gelernt. Bielen Tausenden von franken und schwächlichen Kindern hat Dr. H. Neumanns Kinderhaus die Gesundheit wiedergegeben. So manche Mutter weiß, daß sie der Hilfe, die sie dort fand, das Leben ihres Kindes zu danken hat. Wo Kinder in Not waren, half Neumanns Kinderhaus, soweit es fonnte. Jezt aber ist, wie so viele Anstalten der freien Wohlfahrtspflege, das Kinderhaus felber in Not geraten. Die Anstalt hat stets Zuschüsse erfordert, die teils ous Neumanns eigenen Mitteln, teils aus Spenden anderer Wohltäter gedeckt werden mußten. Sie trat später in eine gewisse Beziehung zur Stadt( die im Hause untergebrachte Säuglings- Fürsorgefstelle ist städtisch) und erhält auch von ihr Mittel, bie man als einen napp bemessenen Beitrag zu den Kosten der den kränklichen und bedürftigen Kindern geleisteten Hilfe ansehen kann. Nach Dr. Hugo Neumanns Lode wurde das Lebenswert dieses Menschenfreundes als Stiftung durch ein Verwaltungsturatorium weitergeführt, dem ein Bruder von ihm als Leiter angehört. Lange hat die Anstalt sich Der Folgen des allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenbruches zu erwehren gesucht, aber die Geldentwertung zehrte die Refte des Vermögens auf. Jezt lassen neue Mittel fich schwerer als je beschaffen. Sie müssen aber beschafft werden, wenn Die Fürsorgearbeit des Kinderhauses in der bisherigen Weise weiter geführt werden soll. Am Dienstag war ein feiner Kreis von Freunden des Kinderhauses beisammen, um barüber zu beraten, wie geholfen werden soll. Herr Neumann, der die Verwaltung leitet, und Frau Clara Birnbaum, in deren Händen die pflegerische Leitung liegt, berichteten über die Arbeit des Kinderhauses und über die Er schwerung durch Geldmangel. Als Bertreterin der Stadt nahm Stadträtin Weyl an der Besprechung teil. Ein Gang durch die Räume ber Anstalt zeigte, wie stars ihre Einrichtungen von Hilfefuchenden in Anspruch genommen werden. Es wird daran gedacht, die Freunde des Kinderhauses zusammenzufassen, damit eine wirksame Berbearbeit möglich wird. Das Nächste und Dringendste ist, so fort Geld zu beschaffen. Wer fann, möge dem Kinderhaus mit einer Spende helfen.: Fünf Jahre Gefängnis für Unruh. Die Urteilsbegründung. Der Angeklagte Unruh wurde wegen Betruges in fortgefeßter Handlung, fowie wegen einiger einzelner Betrugsfälle und ferner wegen fortgesetter schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit fortgesettem versuchten und vollendeten Betruge zu einer Gefamtstrafe zu 5 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 1 Jahr 3 Monaten Untersuchungshaft verurteilt; der Angeklagte Wilte wurde wegen fortgesetter Beihilfe zur Urfundenfälschung zu Monaten Gefängnis verurteilt, jedoch wird ihm für diese Strafe gegen Zahlung von 300 Goldmart Buße eine drei. jährige Bewährungsfrist bewilligt. Auf Anraten von R.-A. Dr. Puppe erklärte fich Wilte mit diesem Urteil zufrieden, so daß, da Staatsanwaltschaftsrat Schwandtke auch auf das Rechtsmittel verzichtete, das Urteil, soweit es Wilte betraf, fofort rechtskräftig wurde. Coler und Bringmann wurden freigesprochen. Der Angeklagte Unruh beauftragte R.- 2. Dr. Ball, gegen seine Verurteilung Berufung anzumelden und den Fall nochmals zur Nachprüfung vor die große Straftammer zu bringen. Unruh erklärte noch, daß er gegen verschiedene Zeugen, die ungünstig gegen ihn ausgesagt haben, Strafantrag wegen Meineid und Berleitung zum Meineid stellen werde. Er wurde dann wieder ins Gefängnis geführt. tomme, der bereit sei, durch ein Attest die Haftunfähigkeit ihres Bruders zu bescheinigen. Wenn sie am nächsten Tage nach Moabit fäme und ihm 2000 Mart zahlte, dann würde er sofort die Freilaffung bewirken. Frau L. raffte alles bare Geld, das sie gerade im Hause hatte, zusammen und eilte damit nach Moabit. Hier wurde ihr ein älterer, würdig aussehender Herr vor den Zimmern des Untersuchungsrichters als Geh. Rat H. vorgestellt. Der angebliche Gerichtsarzt erklärte sich bereit, sofort die Freilassung ihres Bruders zu bewirken. Die besorgte Schwester übergab dem gefälligen„ Gea richtsarzt" freudig sofort die 2000 Mart. Sie wartete dann aber vers geblich auf die Heimkehr des Bruders. Als dieser aber ausblieb, fuhr sie wieder nach Moabit und mußte nun erfahren, daß fie einem Schwindlerpaar zum Opfer gefallen fei. Obdach nur für Arbeit! Die Sachverständigen von drei der angesehendsten Behörden des| Deutschen Reiches haben übereinstimmend erklärt, daß mit einem derartigen Apparat Kräfte nicht erzeugt werden können, und daß es nicht möglich ist, weil es gegen das Gesez über die Er haltung der Kraft verstoßen würde. Das Brennen ist zwar von einer Reihe an sich einwandfreier Zeugen befundet worden, es fann sich aber nur um einen Trid gehandelt haben. Sachverständigen. prüfungen hat sich der Angeklagte stets zu entziehen verstanden. Es widerspricht der Erfinderpsyche, wenn ein Erfinder Müdigkeit oder andere Gründe vorschützt. Jeder von dem Wert seines Gedankens überzeugter Erfinder wird sich jede bietende Gelegenheit zu benutzen suchen, seine Erfindung zur Geltung zu bringen. Selbst im Gefängnis in München als es sich um seine Freiheit und Ehre handelte, lehnte der Angeklagte es ab, an dem Apparat zu arbeiten und die einfachste Lösung dadurch zu schaffen, daß er den brennenden Apparat vorführte. Das Gericht hat sich daher auch nicht davon Neuordnung des städtischen Obdachwesens geplant. überzeugen können, daß der Angeklagte in gutem Glauben an seine Bor furzem fand unter Beteiligung von Magistratsvertretern Erfindung gewesen ist. Wenn er trotzdem zur Gründung der„ Jevag" Retlame für seine Erfindung machte, in Potsdam Vorträge halten eine Besprechung statt, in der grundlegende Aenderuns gen des städtischen Obdachs auf der Tagesordnung stan< ließ und zahlreiche Personen zum Erwerb der Anteilscheine veranlaßte, so muß das Gericht in diesem Verhalten einen Betrug den. Es herrscht feit langem vielfach die Anschauung, daß die völlig erblicken. Bei den Urkundenfälschungen handelte es sich um unentgeltliche Gewährung von Obdach und Verpflegung an arbeits Dollariched fälschungen und Fälschung von Verfähige Personen auf die Dauer demoralisierend wirken muß. Es trägn in ganz besonders großem Umfange. Durch wird daher geplant, an arbeitsfähige, alte und gebrechliche die Bekanntschaft des Angeklagten mit einem gewiffen Ludwig Asyliften in Zukunft nach wie vor Obdach und Betoftigung Krumme, liegt der Verdacht von Beziehungen zu einer inter. ohne Gegenleistung abzugeben, von Arbeitsfähigen, nationalen ungarischen Fälscherbande nahe. Wie besonders aber von Jugendlichen eine wenn auch geringe Abgefa bei den Betrugsfällen, so hat auch bei den Fälschungen das Gericht ratenen Pläne sehen für eine Anzahl arbeitsfähiger Bersonen, die durch leichte Arbeit zu verlangen. Die durchbes in jedem Falle einen einheitlichen Willensentschluß angenommen. jeben Tag aus verschiedenen Abteilungen der„ Balme" ausgewählt Bei der Strafzumeffung ist erwogen worden, daß der Angeklagte werden sollen, eine Arbeitsleistung von zwei Stunden zweifellos eine Persönlichkeit ist, der nicht ganz die Sympathie zu vormittags für die bisher gewährte Unterkunft und Verpflegung, perfagen ist und daß er ein Psychopath ist. Dem Angeklagten war d. h. zweimal je einen Napf Suppe und ein Siebentel Laib Brot, feine Erfindung über den Kopf gewachsen. Durch den Stromfeine Erfindung über den Kopf gewachsen. Durch den Strom als obligatorisch vor. An Asylifter, die außerdem freiwillig erzeuger fam er in Kreise, die über seine bisherigen einfachen noch zwei Stunden länger arbeiten, wird ein war Lebensverhältnisse hinausgingen. So geriet er in Schulden und mes Mittageffen ausgegeben. Es bleibt den fo Beschäftigten suchte ein Loch zu stopfen, indem er das andere öffnete. Die Er dann immer noch genügend Zeit, sich nach regelmäßiger Arbeit un eignisse waren stärker als er und rissen ihn von einem zusehen. Die Leitung des Asyls hofft die städtischen Körperschaften Bergehen zum anderen fort. Er ist keine Verbrechernatur und gab zur Bewilligung der hierzu nötigen Mittel bewegen zu können. Es fich der trügerischen Hoffnung hin, mit den Geldmitteln wieder alles müßten hierzu einige Baraden gebaut und Anschaffungen von gutzumachen. Daher hat das Gericht auch in seinem Verhalten keine Handwerks zeug und anderen Geräten vorgenommen werden. ehrlose Gesinnung gefunden und ihm die bürgerlichen Ehrenrechte Die gesamten Maßnahmen sollen einen rein erzieherischen nicht abgesprochen. Bezeichnend für den ihm innewohnenden Zug Wert haben, um den noch arbeitswilligen Elementen die peinliche zur Großmannssucht ist die komisch wirkende und mitleiderregende Empfindung des Almosens zu nehmen und in ihnen wieder Geschmad Benutzung des Adelstitels. Aus all diesen Gründen hat das Gericht an der Arbeit zu erwecken. Wirtschaftliche Vorteile sind für den dem Angeklagten mildernde Umstände bewilligt, um ihn vor dem Haushalt des Wyls faum zu erwarten. Zuchthaus zu bewahren. Andererseits aber, mußte die Strafe eine recht schwere sein, denn der Angeklagte hat die Wellen des wirt schaftlichen Lebens erheblich in Bewegung gefeht und zahlreiche Banten getäuscht. Er war ein Schädling im Wirtschaftsleben. Den Betrug mit der„ Jevag" und dem Stromerzeuger hat das Gericht als den milder liegenden Teil der Anklage angesehen. Unter der Maske des Gerichtsarztes. Ein Schwindelfall, bei dem ein raffinierter Betrüger unter der Maste des Gerichtsarztes, Geh. Rat 5., aufgetreten ist, ereignete sich im Kriminalgerichtsgebäude. Bor längerer Zeit war ein Han delsmann Wittenberg aus Warschau wegen Dollarfälschungen in Haft genommen worden. Es besteht der Verdacht, daß er mit glied einer großen internationalen Fälscherbande ist. Seitdem befrieb die Schwester des in Haft Befindlichen, eine Geflügelhändlerin, Frau Lentowiz, die Haftentlaffung ihres Bruders und hatte bereits zahlreiche Rechtsanwälte und Gerichtsärzte in Bewegung gelegt. Dadurch war fie ein fast ständiger Goft in Moabit und ihr Fall allgemein bekannt geworden. Bisher waren alle Anträge vom Untersuchungsrichter und der Staatsanwaltschaft abgelehnt worden. Die Kenntnis dieser Verhältnisse haben sich Schwindler zunuze gemacht. Vor zwei Tagen fuchte Frau 2. ein Unbekannter in ihrer Wohnung auf und erklärte ihr, daß er vom Geh. Rat Hoffmann Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 28. Mai( Himmelfahrtstag). 4.30-5.45 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 6 Uhr: Orchesterabend( Dirigent: Dr. Felix Günther). 1. Ballettmusik aus Iphigenie", von Gluck- Mottl, 2. Violinkonzert, von Mozart( Georg Kniestädt), 3. Serenade, von Georg Fuchs. 8-11 Uhr: Freitag, den 30. Mal. Tanzmusik. Tageseintellung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. tung Endgültige Beschlüsse über die geplanten Neuregelungen sollen in einer im Juni abzuhaltenden Sitzung gefaßt werden. Vorsicht beim Morchelgenus. In früheren Jahren find nach Genuß von Lorcheln( im Bolte häufig ,, Morchel" genannt), vereinzelte Vergiftungen beobachtet worden. Eine größere Anzahl von Todesfällen an einer Stelle allein sieben ist im vorigen Jahre in Alt- Ruppin( Mart) durch den Genuß dieser Pilzart verursacht worden. Es wird daher bei ber jetzt wiederkehrenden Sommerzeit für Lorcheln, darauf him gewiesen, daß dieser Pilz nur dann ohne Schaden genießbar ist, wenn er abgefocht und das Kochwaffer weggegoffer wird, oder wenn er nach dem Trocknen zubereitet wird. Einfaches Abbrühen genügt nicht. Das Rochwasser darf feinesfalls auch nicht in Suppen oder als Würze zu Genußzweden verwendet werden. Es ist für den Unfundigen ratsam, zur Borsicht alle Morchelpilze, wenn man fie in frischem Zustande verwenden will, abzukochen und das Kochwasser wegzuschütten. Die nächste Ausgabe des Vorwärts" erfolgt am Freitag früh. Auf offener Straße wurde ein 36 Jahre alter Handlungsgehilfe Walter Roch verhaftet, ein gewerbsmäßiger Sched- und Waren schwindler, den man schon lange vergeblich fuchte. Roch betrieb seine Schwindeleien, insbesondere mit Rognat und Seide, schon während der Kriegszeit. Als er damals einmal festgenommen wurde, leistete so schweren Widerstand, daß mehrere Schuhleute und Soldaten ihn nur mit Mühe bändigen fonnten und auf einer Rarre nach der Wache bringen mußten. Seit einiger Zeit trat der Schwindler unter den Namen Hoffmann, Dr. Straub und Dr. Hartwig auf und betrog wieder viele Geschäftsleute mit wert lofen Sheds. Gestern fahen Streifbeamte der Dienststelle B. I. den Betrüger, auf den verschiedene Staatsanwaltschaften fahndeten, in der Hauptstraße in Schöneberg. Weil sie feine Ge walttätigteit tannten, so sprangen von zwei Setten zwei Mann plöglich zu und faßten ihn, so daß er sich nicht mehr rühren fonnte. or der Kriminalpolizei verweigert der Berhaftete wie immer jebe Aussage. 2. Gemeindeschule, Tempelhof, Elternbeiratswahl. Schulfort schrittlich gesinnte Eltern werden gebeten, ihre Adresse an b. Bil how sti, Tempelhof, Kaiser- Wilhelm- Straße 21, zu senden. In dem Auffah Bom Baumstamm zum Möbel" ist die Firma durch einen Druckfehler umgetauft worden. Sie heißt Holsatia Berte". 99 Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Für Sonnabend ,, ben 31. Mai, Sonntag, den 1. und Montag, den 2. Juni, find Karten für das deutsche Opernhaus im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. of IL 8immer 8, zu haben. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag des Hrn. Lothar Brieger: Vom häuslichen Kunstsammeln 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. Wilh. Doegen, Direktor der Lautabteilung der Preußischen Staatsbibliotheken, Berlin: Stimmen Romantiker- Abend: 1. a) Pilgerspruch, b) Das Schifflein, c) Auf der Völker" mit Vorführungen( Gesang, Sprache usw.). 8.30 Uhr: Flügeln des Gesanges, von Mendelssohn- Bartholdy( Konzertsänger Hermann Schey). 2. Phantasiestück für Klarinette, von Niels Gade ( Kammermusiker Carl Essberger). 3. Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelepowski", von Jean Paul( Karl Zander, Rezitation). 4. Zwei Lieder für Sopran, mit Klarinette, von Spohr( Marie FlockeIn der Begründung führte das Gericht folgendes aus: Das Hagemann). 5. a) Komm, wir wandeln zusammen, von P. Cornelius, Gericht ist zur Ueberzeugung gekommen, daß der Stromerzeuger eine b) Der Hidalgo, von Schumann( Konzertsänger Hermann Schey). Realität im Sinne einer wirklichen Erfindung nicht besitzt und daß 6. Aus den Legenden", von Gottfried Keller( Karl Zander, ReziMärkischer Naturschußverein. An Stelle des dienstlich verhinderten er nichts weiter ist, als eine Attrappe. Maßgebend für diese tation). 7. a) Aus meinen großen Schmerzen, b) Es hat die Rose sich beklagt, c) Mädchen mit dem roten Mündchen, von Robert Ueberzeugung des Gerichts waren die Anordnung des Apparates, Franz( Marie Flocke- Hagemann). 8. Variationen B- dur für Klari- tbal auf der Hauptfigung am Sonnabend, den 31. Mai, über Städte Städtebaubirektors Eltart wird Magistratsoberbaurat Dr. Heiligen die Gutachten der Sachverständigen und ganz besonders das Bernette, von Weber( Kammermusiker Carl Essberger). Am Steinway- bau und Naturschuz"( mit Lichtbildern) fprechen. Die Sigung findet im halten des Angeklagten. Flügel: Dr. Felix Günther. Auditorium maximum der Universität statt und beginnt um 7 Uhr abends. gea. E. F., fowie eine golbene Halstette gefunden worben. Auf dem Maljugendtag( 11. Mai) in Raulsdorf- Süd ist ein Medaillon, Abzuholen bei Gerhardt, Neukölln, Schillerpromenade 41. Man tut gut, sich von n Zeit zu Zeit daran zu erinnern, daß von all den Maßnahmen, die der moderne Mensch zur Gesunderhaltung seines Körpers vornehmen muß, die richtige Pflege der Zähne beinahe die wichtigste ist. Wenige ahnen, daß schadhafte Zahne nicht nur unser Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen, sondern( neue Untersuchungen haben das in überraschender Weise bewiesen) häufig den Ausgangspunkt mannigfachster Krankheiten bilden können, deren Ursache oft rätselhaft blieb. Als richtig kann eine Zahnpflege nur dann bezeichnet werden, wenn die zahnzerstörenden GärungsGärungs- und Fäulniserreger, die sich im Munde täglich neu, bilden, auch auch täglich unschädlich gemacht werden. Das ist nur zu erreichen durch den täglichen Gebrauch eines wirklich antiseptischen Mund- und Zahnpflegemittels. Und das ist Odol Die Wirkungsweise des Odol ist eine ganz einzigartige. Während andere Mund- und Zahnpflegemittel lediglich während der wenigen Sekunden der Mundreinigung ihre Wirkung ausüben, wirkt Odol noch stundenlang, nachdem man sich die Zähne geputzt und den Mund gespült hat. Diese einzigartige Dauerwirkung ist darauf zurückzuführen, daß sich das Odol beim Mundspülen förmlich in die Zähne und die Mundschleimhaut einsaugt, diese gewissermaßen imprägniert und so gleichsam einen antiseptischen Vorrat hinterläßt, der noch stundenlang, den zahnzerstörenden Fäulnis- und Gärungsprozessen entgegenwirkt. Odol ist antiseptisch!-Odol ist sicher antiseptisch! Qdol ist ganz bestimmt antiseptisch! Charlottenburger Ferienkolonie. In der Sett der Sommerferien wird die im Grunewald zwischen den Bahnhöfen Eichtamp und Heerstraße belegene Charlottenburger höhere Waldschule von Montag, den 7. Juli, bis Sonnabend, den 9. August 1924( fünf Wochen) als Tagesferientolonie eingerichtet werden. Aufgenommen werden Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten im Alter von 6 bis 14 Jahren, sowohl für die ganze Zeit als auch für einzelne Wochen. Der Beitrag für die Verpflegung und die Mitbenutzung der Waldschuleinrichtungen beträgt bis auf weiteres für eine Woche 12 Mart. Dieser Preis ist freibleibend. Bei Bedürftigkeit kann auf Antrag Ermäßigung bis auf 8 Mart gewährt werden. Sonntags bleibt die Ferienkolonie geschlossen. Anmel dungen find möglichs bald an Geheimen Studienrat Dr. Zernede, Direktor der Kaiser- Friedrich- Schule, Charlottenburg, Knesebec. straße 24, zu richten. Sprechzeit wochentäglich vormittags von 10 bis 11 Uhr. Großfeuer in Allenstein. Durch ein Großfeuer wurden die Dressel Werte in Allenstein bis auf die Grundmauern eingeäschert. Die Maschinen, Holzvorräte und die Fertigfabrikate wurden ein Raub der Flammen. Bon den 110 Fabritarbeitern sind zwei Drittel durch die Stillegung der Werke brotlos geworden. es Ein Silberschatz aus der Wendenzeit gehoben. Die Landeszeitung" für beide Mecklenburg meldet: Einen sehr wertvollen Silberschat an Münzen und Schmud aus der Wendenzeit handelt sich um mehr als 200 filberne Wenden- Pfennige, ferner Halsringe, Armspangen, Ohrengehänge und Kreuze( davon eines mit Christusbarstellung) in zum Teil bisher noch nicht angetroffener Feinheit der Ausführung hat bei Blumenhagen der Konservator am Neustrelitzer Landesmuseum, Walter Karbe, gehoben. Luftverkehr mit dem Saargebiet. Bemühungen um einen Luftperfehr mit dem Saargebiet haben jezt zu einem vollen Erfolg geführt. Es wird eine Linie Rotterdam- Saarbrüden von der Luftschiffahrtsgesellschaft für die Niederlande und die Kolonien aufgenommen werden. Die englische Inston- Air- Linie wird ihre Linie London- Köln bis Saarbrüden verlängern. Eine Schwestergesellschaft richtet einen direkten Luftverkehr Zürich- Basel- Saarbrücken ein. Die Regierungskommission hat ihrerseits die Erlaubnis erteilt. Die Stadt Saarbrüden hat ein Wiesengelände mt Flughalle zur Verfügung ges stellt. Die Einrichtung und der Betrieb des Flughafens erfolgen durch bie Saarbrüder Luftverkehrsgesellschaft m. b. 5. Moderne Seeräuber. Die Antwerpener Polizei hat an Bord eines griechischen Seglers 74 Italiener verhaftet, die erflärten, daß fie in griechischen Hafenstädten oder in Marseille von einem griechischen Kapitän, der ihnen versprochen hatte, sie ohne Paß nach Amerika zu befördern, an Bord geloft worden seien. Der Kapitän ließ von allen eine bestimmte Summe zahlen und soll auf diese Weise 30 000 Frant zufammenbekommen haben; er erklärte, daß die Italiener gegen ihn revoltiert hätten. Die ziemlich düstere Angelegenheit wird weiter untersucht. Die Blattern in Kopenhagen. Trog aller Borsichtsmaßnahmen greifen die Blattern um sich, und die Aerzte verhehlen nicht, daß man jegt mit einer großen Anstedungsgefahr rechnen muß. Die Aerzte sind zu der Ansicht gekommen, daß man feit Ende März in Kopenhagen eine Blatternepidemie gehabt hat, die aber mit Wind. poden verwechselt worden ist. Mehrere Tausend Menschen merden täglich geimpft. Sturmwetter in Amerita. Im Golf von Merito, in hen Mississippigebieten und in Alabara wütete am Dienstag ein ver. heerendes Sturmwetter, durch das 39 Menfchen um. getommen und über 100 schwer verlegt worden sind. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand Sonnabend, den 31. mai, abends 6 Uhr: Sigung im Konferenzzimmer der Vorwärts- Redaktion, Lindenstr. 3. 2. Areis Ziergarten. Gämtliche Ordner des Rreises treffen sich Freitag, ben 30. Mai, 72 Uhr, im Artushof, Perleberger Straße. Bortrag des Genossen Roch über weck und Ziele der Ordnerfchaft". Sämtliche Bildungs ausschußmitglieder treffen sich Gonnabend, 31. Mai, abends 8 Uhr, bei Trümper, Flensburger Str. 3. 17. Areis Lichtenberg. Bildungsausschußigung Gonnabend, den 31. Mai, abends 7 Uhr, in der Bibliothet Weichselstr. 28. Tagesordnung: Jahresbericht, Abrechnung, Sommerfest. Jede Abteilung muß vertreten fein. Morgen, Freitag, den 30. mai: 35. Abt. 8 Uhr Funktionärkonferenz mit ben Elternbeiräten, Randidaten und fozialdemokratiseren Eltern bei Drelfe, Schreinerstr. 19. Bezirksführer. einladen! 44., 45, 46. und 47. Abt. 7½ Uhr Zusammenkunft aller Elternbeiräte und sozialistischen Eltern bei Pflug, Mustauer Str. 1. Adressenmaterial mit bringen. 79. Abt. Schöneberg. Pünktlich 8 Uhr im Lokal Groß, Gebanfte. 17, außer ordentliche Funktionärversammlung. Die bisherigen und zukünftigen Elternbeiräte müssen erscheinen. Die Eltern perden ersucht, die Eltern, verfammlungen in den Schulen zu befuchen und die Wählerlisten zu den Elternbeiratswahlen in den Schulen einzusehen. 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr im Genossenschaftswirtshaus, Dorfstr. 51, Jahres versammlung. 101. Abt. Treptow. Bildungsausschuß: 27. Borführung wissenschaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte. ,, Nanut, der Estimo." Eintritt 50 Pf. Nachmittags 5 Uhr Vorführung für Rinder 15 Pf. Karten an der Raffe. 103. Abt. Oberschöneweide. 7½ Uhr Generalversammlung im Vereinshaus zur Post, Rathausstraße. Tagesordnung: Der neue Reichstag und das Sachverständigengutachten". Referent Genosse Wuschid. Jungsozialisten. Gruppe Norden: 7 Uhr im Lebigenheim, Schönstedtstr. 1, Rataostube, Vortrag. Jungsozialisten und ältere AJ., Kreis Friedrichs. hain: Nächste Veranstaltung Donnerstag, den 5. Juni, 7% Uhr, Vortrag bes Genoffen Prof. August Müller: Die Wirtschaftsverhältniffe RußJands", im Jugendheim Tilsiter Str. 4-5. Frauenveranstaltungen am Freitag, den 30. mai: 2. Kreis Ziergarten. 7 Uhr bei Trümper, Flensburger Str. 3, Funktio. närinnenkonferenz. Die Jugend und 8. Abt. muß vertreten fein. 136. Abt. Reinickendorf- Oft. 72 Uhr im Geebab Residenzftr. 49. Referentin Frau Dr. Kleffen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 51. Abt. Charlottenburg. Die Einäscherung des Genoffen Holzapfel, SophieCharlotte Straße, findet Freitag, den 30. Mai, vormittags 11 Uhr, im Arematorium Gerichtstraße statt. 90. Abt. Neukölln. Genosse Lackierer August Klein, Jbealpaffage, Aufg. 12, ift am 24. Mai verstorben. Er gehörte der Partei feit 30 Jahren an. Gin äscherung Freitag, den 30. Mai, nachmittags 1 Uhr, im Krematoium Baumschulenweg. Jugendveranstaltungen. rechnet und die Juni- Beitragsmarten abgeholt werden; ferner unfer Mit Atung, Abteilungstaffierer! Die Beitragsmarken für Mat müssen abgeteilungsblatt Jugend voran" vom Monat Juni. Achtung, Abteilungsleiter! Die Postkarten vom Mai- Jugendtag müssen abgerechnet und die Eintrittskarten sur Sonnenwenbfeier abgeholt werden. Morgen, Freitag, den 30. Mai, abends 71 Uhr: Charlottenburg: Jugendheim Rofinenstr. 4. Bortrag: Stellung der Ar beiterjugend in der Arbeiterbewegung". Salenfee: Schule Joachim Friedrich Straße 35-36, Bortrag: Die völlische Bewegung". Rarow: Bei Alig, Bant grafenstraße, Mitgliederversammlung. Moabit I: Schule Waldenserstr. 21, Bortrag: ,, Naturwissenschaft und Wanderung", 1. Tell. Moabit II: Ratholische Schule am Stephanplay, Diskussion: Wie denten wir uns die Pfingstfahrt?" Neukölln II: Jugendheim Nogatr. 53, Bortrag: Der Jugendliche im Arbeitszeitprozeß". Nieberschöneweide: Schule Berliner Str. 31, Glaßbrenner ben Nordost I: Schule Georgenkirchstr. 2, Vortrag: Die weltliche Schule" Rordoft II: Schule Danziger Str. 23, Vortrag: August Bebel". Often( Petersburger Biertel): Schule Tilfiter Str. 8, Diskussion: Unsere Fahrten. Reinidendorf West: Auguste- Bittoria- Allee, Bortrag: Seguelle Sngiene" Rosenthaler Borstadt: Sophienstr. 23, Diskussion: Sozialisie rung". Schöneberg I: Schloßbrauerei Schöneberg, Bortrag: Jugend, Rörperbildung, Nadtkultur". Schöneberg II: Schule Frankenstr. 10, Bortipg: ,, Seguelle Hygiene". Suboft( Reichenberger Biertel): Jugendheim Mariannenufer la, Bortrag: Die weltliche Schule". Treptow: Jugendheim Elfenftr. 8, Bortrag: Arbeitszeitgeset" Webbing: Lebigenheim Schönstedtstr. 1, Dise tuffion: Bingitwanderung Weißensee: Realgymnasium Woeldpromenade, Konferenz sämtlicher Beamtenfunktionäre sowie der Bortong:" Cinn ber Jugendbewegung". Beamtengewerkschaftsfunktionäre der VSPD. am Freitag, den 30. mai, abends 7%, Uhr, im Gewerkschaftshause Vorträge. Vereine und Versammlungen. ( Saal 3), Engelufer 24/25. Tagesordnung: aufgaben. Referent: Albert Horlik, berechtigte muß erscheinen. Sozialistische kulfurJeder Teilnahme2. Kreis. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Aindergruppe: Jeben Dienstag und Freitag von 5-7 Uhr Spielnachmittag im fleinen Tiergarten, neuer Spielplag. Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, den 28. Mat. 1. Rennen. 1. Alleluia( Edler), 2. Mobil( Thalede), 3. Roderich ( Sths). Toto: 29: 10. Plat: 11, 11, 11:10. Ferner liefen: Mellarosa, Träumerin, Atta Troll, Florentin, Szepa Aẞtony. 2. Rennen. 1. Cäsar II( Edler), 2. Augur( Gorsler), 3. Primas donna( Kutulies). Toto: 15: 10. 3 liefen. 3. Rennen. 1. Trompeter( b. Dörnberg), 2. Hartenstein( v. Rhoden), 3. Machthaber( Hr. König). Toto: 32: 10. Blag: 23, 24: 10. Ferner lief: Wind. 4. Rennen. 1. Lebenswonne( Dertel), 2. Eidmete( Edler), Adda, gef.( Kufulies) Toto: 15: 10. Plat: 12, 13: 10. Ferner lief: Philister, gefallen. 5. Rennen. 1. Tanntönig( Sths), 2. Fuchsmajor( Dertel), 3. Alaris ( Kränzlein). Toto: 23: 10. Plag: 14, 13: 10. Ferner liefen: Mirakel, Biznam. 6. Rennen. 1. Palestrina( Hr. König), 2. Geheimbund( v. Falken bahn), 3. Steinberger( b. Borde). Toto: 16:10. Plag: 25, 15: 10. Ferner lief: Fandila. 7. Rennen. 1. Kili( W. Tarras), 2. Tod und Leben( Ludwig), 3. Licht Allerich( D. Schmidt). Toto: 17: 10. Plaz: 13, 15, 16: 10. Ferner liefen: Prinz Karneval, Bolmar, Kiwi, Robertine, Gentmora. " Großes Goldenes Rad von Berlin auf der Olympiabahn. Am Sonn tag, den 1. Juni, finden die nächsten Rennen auf der Olympiabahn statt. Zum Austrag kommt das Große Goldene Rad von Berlin", ein Dauerrennen über 100 Stilometer in einem Lauf. Weiß, Krup. tat, Samall und Storm( Holland) zieren bis jetzt die Starterliste, doch wird noch ein fünster Teilnehmer erwartet. Verfolgungsrennen, ein Matsch der Straßenfahrer und zwei Berufsfliegerrennen füllen das Programm weiter aus. Die Straßenfahrer sind vertreten durch Huschte, Koch, Kroll, Kohl, Geisdorf und Golle Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma Walter Schnelle, Berlin- Wilmersdorf, Berliner Str. 32 I, Ede Uhlandstraße, fommt zum Pfingstfeft, da diefelbe felbft fabriziert, mit einem fenfationellen, tonkurrenzlofen Angebot zu Engrospreisen heraus. Man beachte bas heutige Inserat. Jeder Raften ein Schlager. Roloffaler Preisabbau. Rein Laden, sondern 1. Etage. 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Macht nur brav so weiter, dann habt Ihr mich bald wieder! Die Präsidentenwahl im Reichstag. Um die Freilaffung der verhafteten Abgeordneten. " Taten find jeht notwendig. Die zweite Reichstagsligung am geftrigen Mittwoch eröffnete| führerinnen Frau Teusch( 3.) und Frau Agnes( Soz.), die Ab-| dreher!") Auf diese Worte beschränke ich mich, denn( komm. Suruf: Alterspräsident Bod- Gotha um 2 Uhr 20 Minuten. Auf der Lages- ftimmungsurnen schügen. Bon beiden Seiten hört man Beschimp..., bie Schupo steht bereit!") nicht Worte, sondern ordnung steht zunächst die Wahl des Präsidenten, der Bizepräsidenten fungen wie:„ Geht nach Galizien, da fönnt the folche Wize machen!" und der Schriftführer. ,, Schlagt ihnen in die Fresse!" ,, Raus mit den frechen Juden. jungen!" Erst nach mehreren Minuten kann der Namensaufruf fortgesetzt werden. Abg. Scholem( Komm.) beantragt zur Geschäftsordnung, vor der Bräsidentenwahl zu beschließen, daß die verhafteten tommunistischen Abgeordneten freigelassen werden, damit sie sich an der Wahl be teiligen fönnen.( Gelächter rechts.) Wie fann man nur so dam. lich sein, bei einer folchen Frage so zu brüllen! Bleiben Sie bet Threr Dummheit.( Lachen rechts- Der Alterspräsident rügt die Ausdrucksweise des Redners.) Die Arbeiterschaft wird die rechte Antwort auf dieses Gebeu und Gebrüll der Faschisten geben.( Lebh. Schlußrufe im ganzen Hause.) Der Redner fordert allgemeine Am nestie und sagt ben schärfsten Kampf an der„ Ebert- Republik" und dieser verdammten Ludendorff- Republik". Abg. Löbe( S08.) stimmt der Auffassung zu, daß der Reichstag dafür sorgen müsse, daß alle gewählten Abgeordneten an den Verhandlungen beilnehmen fönnen, unbeschadet der späteren Stellungnahme zu den einzelnen Strafverfahren. Um das zu erreichen, ist zunächst eine Mehrhett in diesem Hause nötig und ferner eine Beschlußfaffung in gefeßlich vorgeschriebener Form. Die Mehrheit erscheint möglich, da die Sozialdemokratie als zweifstärkste Frattion und mehrere andere Fraktionen dafür sind Sachlich muß der Be. fchluß aber fo gefaßt werden, daß er von den Justizbehörden ber gegenwärtigen Regierung ausgeführt werden fann und daß feine Regierung oder feine Justizbehörde daran zweifeln darf, daß ein Derfassungsmäßiger Beschluß zustande gekommen ist. Solange der Reichstag nicht gefegmäßig tonftituiert ist, fann er auch teine gefeßlich gültigen Beschlüsse fassen. Wir würden den Gefan. genen einen schlechten Dienst ermeifen, wenn dann erst noch ein Rompetenzfonfiift entstehen sollte, ob diese Beschlüsse überhaupt gefeßlich zuläffig find. Es handelt sich nur um eine Berzögerung von zwei Stunden, nach der Präsidentenmahl fann über die Frage der Gefangenen entschieden werden. Der Rebner bittet bie Rommunisten daher, ihren Einspruch zurüdzu ziehen, was fie aber nicht tun. Der Antrag der Kommunisten wird darauf abgelehnt. Nun folgt die Präsidentenwahl. Die Abgeordneten werden namentlich aufgerufen und geben ihre Stimmzettel ab. Beim Aufruf Ludendorffs schreien die Kommunisten. Ein Nationalsozialist antwortet in erregter Weise. Die Kommunisten verstärken darauf ihr Gebrüll und stoßen gellende Pfiffe aus. Beide Barteien brängen nach vorn und schütteln erregt die Fäuste wider einander. Einige andere Abgeordnete, darunter 25 be( S03.) und Dr. Gilde meister( D. Bp.) werfen fich dazwischen und helfen den Schrift Das Ergebnis des ersten Wahlganges: Abgegeben 434 Stimmen. Davon erhielten Wallraf( Dnatl.) 202 Stimmen. Für ihn stimmten die Deutschnationalen, die Deutsche Bolkspartei, die Mehrzahl der Deutschvölkischen, die Bayerische Volks partei und die Wirtschaftspartei. Löbe( Soz.) erhielt 107 Stimmen. Für ihn stimmten neben seiner Fraktion auch einige Demokraten. Fehrenbach( 3.) erhielt 63 Stimmen. Für den Kommunisten Thälmann wurden 47 Stimmen abgegeben. Eine Stimme erhielt Frau Behm( Dnatl.). Außerdem wurden 14 weiße Bettel abgegeben, die von einigen Demokraten und einigen Deutschvölkischen herrühren. Da die absolute Mehrheit von 218 Stimmen fein Kandidat erreicht hat, muß Stichwahl stattfinden zwischen den Abgg. Wallraf( Dnatl.) und Löbe( Suz.). Der Namensaufruf beginnt von neuem. Die Stichwahl ergibt die Wahl des Abg. Wallraf( Dnatl.) zum Reichstagspräsidenten mit 227 Stimmen gegen 151 Stimmen, 40 ungültige die für den Abg. 2öbe( Goz.) abgegeben wurden. Bettel sind von den Rommunisten auf den Namen Thälmann ab. gegeben worden, außerdem wurden 17 weiße Bettel abgegeben. Das Abstimmungsergebnis wird von der Rechten mit lautem Beifall und Händellatschen begrüßt. Reichstagspräsident Wallraf nimmt seinen Blah ein und richtet an das Haus folgende Ansprache: Der Reichstagspräsident hat die Würde und die Rechte des Reichs. tags zu wahren, seine Arbeit zu fördern, die Verhandlung- n gerecht und unparteilich zu leiten und die Ordnung im Hause zu handhaben. Den Dant, den id dem Reichstag für die Uebertragung der höchsten ich parlamentarischen Würde schulde, fann ich nicht beffer betätigen, als indem ia diese Pflichten zu erfüllen gelobe.( Beifall rechts.) Das deutsche Volf befizt in feiner ungeheuren Not den allerschlimmsten Feind in feiner inneren Zerrissenheit. Soweit meine Stellung dazu beitragen fann, diesen Zwift zu mildern, erachte ich das für meine oberste Pflicht. Die Meinungsfämpfe müssen auf parlamen= tarischem Wege entschieden werden.( Rufe b. d. Komm.:,,Buden dorff macht's mit Maschinengewehren!") Wenn wir fyftematische Störungsversuche sehen, so müssen wir ihrer Herr werden.( Aha! Rufe b. d. Komm., Beifall rechts, tommunistische Rufe: SchleifsteinDer Präsident würdigt am Schluß die allgemein anerkannten Ver. dienste feines Borgängers Lö be und spricht dem Alterspräsidenten Bod unter allgemeiner Zustimmung den Dant des Reichstages aus: Zu der dann folgenden Wahl der Bizepräsidenten meist Abg.& öbe( Soz.) auf den bisherigen Brauch hin, die drei Bosten der Bizepräsidenten nach der Stärke der Fraktionen zu befeßen. Er schlägt als 1. Bizepräsidenten den Abg. Dittmann ( S03.) vor und regt die Wahl durch Zuruf an. mit Stimmzetteln erfolgen. Abgegeben werden 405 Stimmen, davon Da die Nationalsozialisten widersprechen muß die Wahl find ungültig 142, auf den Abg. Dittmann( Soz.) lauten 200 Stimmen, auf den Abg. Löbe 58 Stimmen, zersplittert sind 5 Stimmen. Abg. Dittmann ist hiermit gewählt und nimmt die Wahl an. Bei der Wahl des zweiten Bizepräsidenten erklärt Abg. Fehrenbach( 3.): Ich schließe mich den vorherigen Worte des Abg. Löbe an. Nach der Stärke der Parteien hat jezt das Zenben Abg. Dr. Bell durch Zuruf zu wählen. trum den zweiten Bizepräsidenten vorzuschlagen. Ich schlage vor, Widerspruch ere folgt nicht. Abg. Dr. Bell( 3.) nimmt die Wahl an. Bei der Wahl des dritten Bizepräsidenten erklärt heiten des Hohen Hauses.( Heiterkeit.) Entspricht es der Würde Abg. Koenen( Komm.): Ich beziehe mich auf die Gepflogendes Hauses, wenn Sie so über Ihre Gepflogenheiten lachen?( Sehr gut! b. b. Komm.) Ich verweise auf die Ausführungen bei der Wahl der beiden Bizepräsidenten. Die Kommunistische Partei ist die viertstärkste Fraftion.( Abg. Dr. Kahl( D. Bp.): Sie erkennen ja feine Geschäftsordnung an.) Wir schlagen Ihnen den Abg. Kazz als Vize= präfidenten vor.( Heiterfeit. Tofender Lärm und Zwischenrufe b. d. Komm.) Unsere Partei hat fast vier Millionen Wähler. Wollen Sie die proletarischen Parteien vergewaltigen?( Ruf rechts: Sie er fennen ja teine Geschäftsordnung an!) Der Gepflogenheit des Hauses und der Würde des Parlaments entspricht es, daß man diesen Anspruch der Kommunistischen Bartei anerkennt und die Wahl durch Zuruf vornimmt. Abg. Brüninghaus( D. Bp.): Ich schlage den Abg. Dr. Rießer vor.( Ruf b. d. Komm.: Wo sind da die Gepflogenheiten des Hauses?) Die Gepflogenheiten des Hauses find viel besser gewahrt, wenr. der Abg. Rießer gewählt wird. Abg. Müller- Franken( Soz.) ftellt feft, daß die Kommunisten jest recht viel von den Gepflogenheiten des Reichstages reden 1 Weiss-Leinen-Spanien und Halbschuhe l- LederioWe, halbhoher Absatz, hübsche runde Form Damen- Haferlschuhe bestes braunes Sportleder, Doppelsohle, Lederfutter, kräftiger Wanderschah Nack» diesen Gepflogenheiten stand den Sozialdemokraten die erste Vizepräsioentenstelle zu. Die Kommunisten haben aber nicht für Dittmann gestimmt.(Hört, hört!) Abg. Svenen(Komm.) nennt daraufhin die Sozialdemokraten einen Teil des großen Faschistenblocks.(Händeklatschen der Kamm., das Präsident Wal traf als reichstagssittenwidrig untersagt.) Zum dritten Vizepräsidenten wird Dr. Rießer (D. Vp.) mit 212 Stimmen gewählt. Es erhielten noch Stimmen: Katz(Komm.) 48, Dr. Kahl(D. Vp.) 4S. Ungültig waren 81 Stimmen. Für Dr. Kahl stimmte ein Teil der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten. Bevor die Wahl der zwölf Schriftführer erfolgt, beantragt Nbg. Schalem(Komm.) während der Wahlhandlung schon die kommunistischen Anträge über die Freilassung der verhafteten Ab- geordneten zu behandeln. Abg. Achrenbach(Z.) hält dies nur für möglich, wenn keine Debatte stattfindet: sonst müßten diese auf Freitag vertagt werden. Abg. Schalem(Komm.) erklärt sich zum Verzicht auf eine Debatte bereit, wenn die anderen Parteien dies auch tun und den Anträgen z u g e st i m m t wird. Auf Borschlag des Präsidenten wird die Entscheidung über diese Anträge bis nach der Wahl der Schriftführer zurückgestellt. Das Ergebnis der S ch r i f tf ü hr« r w a hl soll aber erst in der nächsten Sitzung bekanntgegben werden. Als Schriftführer werden vorgeschlagen: von den Deutschnatio- nalen die Abgg. Laverrenz, Dr. Philipp, Schulze-Berlin: von den Sozialdemokraten: Frau Agnes, Frau B oh m- S ch u ch. Schmidt- Meißen; von den Kommunisten: Eichhorn, Urbahns: von der Deutschen Volkspartei: Beuermann: von den Nationalsozialisten: Kube: von den Demokraten: Ziegler: von der Boye. rischen Volkspartei: Rauch-München: von der Wirtschaftlichen Ver- einigung: Lücke. Von diesen vorgeschlagenen Abgeordneten müssen drei gestrichen «erden, da nur zwölf Schriftführer zu wählen sind. Nach Einsammlung der Stimmzettel werden auf Vor- schlag des Präsidenten Wallraf zunächst die bisherigen Ausschüsse des Reichstages wieder eingesetzt. Die Fraktionen sollen als ball» Vorschläge für die Zusammensetzung der Ausschüsse und für die vom Reichstag zu ernennenden Beisitzer des Staatsgerichtshofe» zum Schutze der Republik und einiger anderer ähnlicher Institutionen machen. t>k Enthaftungsanträge. Nunmehr beantragt Abg. Scholem(Komm.), der Reichstag wolle beschließen: alle inhaftierten Reichstagsabgeordneten sind sofort in Freiheit zu setzen. Er begründet dies damit, er wolle oerhindern, daß die Deutschoölkischen sich davor drücken, bei der Abstimmung für die Freilassung auch der Kommunisten einzutreten. Präsident Wallraf hat das Bedenken daß der neue Antrag über die bisher auf der Tagesordnung stehenden Anträge inhaltlich hinausgehe. Abg. Dittmann(Soz.) tritt für Verbindung der verschiedenen Freilassungsanträge rmd für ihre Ueberwessung an den Geschäfts- ordnungsausschuß durch eine einzige Abstimmung ohne Debatte ein. Seine Fraktion werde für die Anträge stimmen. Abg. o. Graefe(Natsoz.) erklärt gleichfalls, daß fein« Fraktion von vornherein für alle Freilassungsanträge stimmen wollte, also auch für die kommunistischen. Der neue Antrag sei deshalb über- flüssig und die Tagesordnung brauche nicht geändert zu werden. Abg. Schultz(Dnatl.) widerspricht aufs entschiedenste der Verbindung der Anträge. Abg. Scholem(Komm.): Durch diesen Widerspruch des Abg. Schultz soll erzielt werden, daß zwar die Freilassung des deutsch- völkischen Abg. Kriebel beschlossen wird, aber die kommuni- frischen Abgeordneten weiter in Haft bleiben sollen. Di« «bstimmung über die Verbindung hat daher politisch« Be. « u t u n g. Der Redner wiederholt seine Ausfuhrungen mehrfach Gelächter entsteht rechts, als er davon spricht, daß Kriebel nrn 9. November 1918 den Putsch in Bayern mitinszeniert habe. W" Präsident Wallraf: Wir werden nicht daran vorbeikommen, über seden Punkt besonder» abzustimmen. Wollen wir das ver- meiden, dann müßte anStelleder verschiedenen Anträge der neu« Antrag Scholem stehen. Ich meine aber, wir könnten unsere Zeit besser oerwenden: vielleicht wären wir längst fertig, wenn nicht s o- viel formalistisch gesprochen würde. Abg. Soch-Weser(Dem.): Ich spreche hier ohne Voreinge- nommenheit, wenn ich sage, daß nicht der geringste Grund vorliegt, eine Trennung vorzunehmen. Da, Schicksal der An- träge hängt ja davon ab, welche Anträge dem Präsidenten am Schluß der Beratung vorliegen. Abg. Schultz(Dnatl.) ist mit der gemeinsamen Beratung der An- träge einverstanden, falls die Abstimmung getrennt erfolgt. Abg. Svenen(Komm.) ist gleichfalls damit einverstanden, wenn über den weitestgehenden Antrag auf Haftentlassung aller politischen Gefangenen zuerst abgestimmt wird. Abg, Dittmann(Soz.) gibt den Kommunisten anheim, den An- trag zurückzuziehen und während der Debatte einen richtig form uli er ten Antrag zu stellen. Abg. Svenen(Komm.) zieht schließlich den Antrag zurück und stellt einen neuen Antrag in Aussicht. Das Haus beschließt gemeinsam« Beratung der Anträge. Abg. Dr. Kahl(D. Vp.): wünscht, daß die Anträge erst im Aus- schuß beraten werden. Abg. Feder(Natsoz.) tritt lebhaft unter fortgesetztem Lärm der Kommunfften für die Freilassung des Abg. Kriebel ein. Abg. Scholem(Komm.): Wir zweifeln, daß der Geschäftsord- nungsausschuß nach bestem Wissen und Gewissen beraten wird. So- wohl hier wie in anderen Parlamenten haben die Geschäftsordnungs- ausschüsse schon die Aufhebung der Immunität von Abgeordnelen beschlossen. Wir haben also Anlaß, an der Objektivität des Aus- schustes zu zweifeln. Seder weG, daß Me Abgeordneten, deren Haftentlassung verlangt wird, nicht silberne Lössel gestohlen oder Lebensmittel verschoben haben, sondern daß sie wegen Hochverrai oder ähnlicher politischer Bergehen in Haft gehalten werden. Die Ausschußberatung wäre nur Komödie. Damit schließt die Debatte. Von den Komniunisten ist gemeinsame Abstimmung über dt« verschiedenen Haftentlassungsanträge beantragt. Abg. Dittmann(Soz.) hält die gemeinsam« Abstimmung wenigstens bei der Frage der Ausschußüberweisung für notwendig. Die Abgg. o. Graefe(Natsoz.) und Schuh(Dnatl.) verlangen auch in dieser Frag« getrennte Abstimmung. Abg. koch(Dem.) hält ein solche- Verfahren für durchaus u n- zulässig, da der Antrag Kahl auf Ausschußüberweisung sich aus olle Hoftfälle bezog. Abg. Dr. Kahl(D. Vp.) bestätigt diese Auffassung und erklärt es für"u n z u lö ss ig, den von ihm für sämtliche Hastent- lassungsanträge gestellten Ausschußüberweisungsantrag nachträglich nach den verschiedenen Fällen zu trennen. Nach weiterer Geschäftsordnungsdebatt«, in der sich M e i- nungsoerschiedenheiten zwischen dem Präsidenten Wall- uaf und den Abgg. Dittmann(Soz.), Koch(Dem.) und Dr. Kahl(D. Vp.) ergeben, stellt Präsident Wallraf die Frage zur Abstimmung, ob über den Antrag Kahl auf Ausschußüber- Weisung zuerst abgestimmt werden soll. Gegen die Rechte und einige Kommunisten wird so beschlossen.(Rufe:„Das schreibt doch die Geschäftsordnung vor!") Gegen die Stimmen der Deusschnationalen und der National- svzialisten stimmt das Haus der Meinung des Abg. Dittmann zu, das z u n ä ch st über den Ausschuß'überweisungs- an trag Kahl entschieden werden soll. Sofort meldet sich der Abg. Koenen(Komm.) zum Wort. Di« Mehrheit ruft: Abstimmung! Der Präsident zögert, Koenen das Wort zu erteilen. Von den sozialistischen Bänken ertönt der Ruf: Holt doch lieber Löbe nach oben! Koenen erhält das Wort nicht. Der Antrag Kahl wird gegen die Stimmen der Deutschen Lalkspartei, des Zentrums und der Demokraten abgelehnt. Die Trennung der Abstimmung über die drei Hastentlassung»- antrage wird gegen die Stimmen der Deusschnationalen und der Nationalsozialisten abgelehnt. Es kommt nunmehr zur Abstimmung über die drei Anträge gemeinsam. Für die Anträge erheben sich die Kommunisten, die Sozialdemokraten und ein T e i l der Nationalsozialisten. Einige Nationalsozialisten, darunter auch Ludendorsf, erheben sich, setzen sich wieder und erheben sich von neuem. Trotz Gegenprobe und Wiederholung der ersten Abstimmung bleibt das Bureari zweifelhaft, es muh also im Hammelsprung ent- schieden werden. Das Ergebnis sst, daß alle Antröge mit 189 gegen 143 Stimmen abgelehnt werden. Für die Anträge stimmen die Sozialdemokraten, die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Das Ergebnis wird von den Kommunisten mit den empörten Rufen begleitet: Pfui, Pfui, Schande, Schmach! Auf Vorschlag des Präsidenten werden darauf die Anträge der Nationalsozialisten wegen Außerkraftsetzung der Verordnung über die Aufhebung des militärischen Ausnahmezustandes und wegen Aufhebung der Verbote von politischen Parteien usw. dem Rechtsausschuß überwiesen. Der Präsident schlägt daraus vor, die Bestimmung der nächsten Sitzung ihm zu überlassen, weil sie davon abhänge, wann die Regierung eine Erklärung abgeben könne. Abg. Löbe(Soz.) zur Tagesordnung: Durch dt« eben erfolgt« Abstimmung hat sich ein Resultat ergeben, das der Mehrheit des .Hauses widerspricht. Ich möchte dem Reichstag Gelegen- h« i t geben, die Frag«, die eben abgelehnt wurde, noch ninmal dem Geschästsordnungsausschuß zu überweisen. Meine Fraktion nimmt die Freilassunqsan träge wieder auf und bittet, sie aus die nächste Tagesordnung zu setzen, damit sie dem Geschästsordnungsausschuß übergeben werden. Abg. Svenen(Komm.) nimmt nunmehr den Antrag wieder auf, alle Inhaftierten zu besteten, und bittet, noch heute tn die Be- ratung einzutreten. Abg. Fehrenbach(Z.) hält den Antrag Löbe für zulässig und meint, man solle möglichst bald über ihn entscheiden, da es sich um Inhaftierte handelt, und erklärt sich damit einverstanden, daß sofort eine neue Sitzung einberufen wird, unter der Voraussetzung, daß der Antrag Löbe ohne Debatte dem Geschästsordnungsausschuß überwiesen wird. Abg. Dittmann(Soz.) stimmt dieser Anregung zu. Widerspruch erhebt sich nicht. Präsident Wallraf beruft um 8% Uhr die nächste Sitzung auf fün� Minuten später. Dritte Sitzung am gleichen Tag. Auf der Tagesordnung steht nur der Antrag Löbe(Soz.), wo- nach sämtliche in der vorigen Sitzung abgelehnten Anträge betr. Haftentlassung von Abgeordneten dem Geschäftsordnungs- ausschuß überwiesen nerden sollen. Der Antrag wird ein st immig ohne Debatte angenommen. Die Festsetzung des Termins der nächsten Sitzung wird dem Präsidenten überlassen. Der Gesck)ästsordnungsausschuß wird am Freitag nachmittag 5 Uhr zusammentreten. Schluß 8% Uhr. * An die Stelle des kommunistischen Abg. Geschke, der aus das Reichstagsmandat verzichtet, tritt G r y l e w i c z- Neukölln. Zuspitzung im GranSel-Prozeß. Entscheidende Frage» an Claß.— Obstruktion der Ver« teidiger.— Die Vernehmung Seerfts gefordert. Iusttzrat Claß, der Führer des Alldeusschen Verbandes, führte bei feiner gestrigen Vernehmung im Attentatsprozeß Thormann- Grandel weiter aus: Dann kam der 9. November in Mün- ch e n, und auch dieser Besprechung wohnte Dr. Grandel bei, und der Verlauf des Pussches drückte ihn schwer nieder. Er ent- wickelte damals Anstchten, die ich als extremistisch bezeichnet«, und die allgemein auffielen. Er sandte dann von Augsburg Berichte über die Novemberereignisse an meine Freunde. Grandel nahin dann an einer Besprechung am ö. oder(3. November in Potsdam teil, in einem Kreise, der mir völlig fern steht. Von Grandel hörte ich erst wieder, als er am 12. Januar nach Berlin kam. Er besuchte mich ganz kurz im Alldeutschen Verband und kam dann am nächsten Tag in meine Wohnung, wo ein ganzer Fragenkomplex besprochen wurde. Vors.: Haben Sie über General o. Geeckt mit ihm gesprochen? Zeuge: Jawohl, das sind Dinge, die Gegenstand streng vertraulicher Besprechungen waren, und über die nicht ausgesagt werden konnte. Aber nachdem Grandel dem Unter- suchungsrichter ausgesagt hat, überwinde auch ich mein« Hemmungen. 2Mt Grandel der Lage Wie die Ding« zur Zeit der beginnenden Ruhraktton waren, kann ich nicht zur Sprache bringen. Es spielt dann auch das sogenannte Rekontre zwischen mir und Exz. Geeckt hinein, aber die Einzelheiten kann ich nur in geheimer Sitzung aussprechen. Vors.: Das ist wohl nicht nötig. Iustizrat Claß: Ich würde dos doch wünschen, nachdem hier geäußert worden ist, ich sei gewissermaßen von Herrn v. Geeckt hinausgeworfen worden. Dr. Sack: Die Aussag« erübrigt sich, wenn der General- staatsanwatt die Frage nicht aufrechterhält. General st aatsanwalt: Natürlich halt« ich diese Frage ausrecht. Claß: Ich besitze ein gutes Gedächtnis und trete für ssdes Wort ein, oder im Interesse der Oeffenttlchkett kann ich nicht öffentlich sprechen. General st aatsanwalt: Es kann Herrn Tlaß nur nützlich und angenehm fein, diese Sache öffentlich zu klären. Die Verteidiger bitten um Ausschluß der Oeffent- lichkeit, da die Staatssicherheit bedroht sei.— Iustizrat Claß: Es handelt sich um subtilste Ding«, die die innere Staats- f i ch e r h e i t berühren. Iche erkläre öffentlich, daß ich nie zu Erz. v. Seeckt von einem Umsturz des Staates gesprochen habe.— Staatsanwalt Lindow: Wie ist das Rekontre mtt Seeckt ab- gelaufen? Ich stelle den Antrag, Exz. v. Seeckt zu laden. Entftheiöenöe Zragen. Das Gericht beschloß, die Oeffenttichkett nicht auszuschließen, jedoch soll der Generalstaatsonwalt jede Frage formulieren, damit. das Gericht zu jeder Frage Stellung nehmen kann.— Generalstaatsanwalt: Welche e x t r e m i st i f ch e'n Aeußerun- gen hat Dr. Grandel getan?— Rechtsanw. Dr. Sack: Ich habe Bedenken gegen diese Frage, da sie nicht in unmittel- barent Zusammenhang mit der Tat steht. Ich bitte um Gerichts- beschluß.— Iustizrat Claß: Mt dem Wort extremistisch wollte ich nur die Erregung Grandels andeuten. Ich Hab« keinen Anlaß, diese Aeußerungen hier wiederzugeben.— Generalstaatsanwalt: Wir werden dem nachgehen müssen, welche Aeußerungen das waren.— Rechtsanw. Dr. Sack: Ich pro- testiere gegen diese Frage.— Das Gericht zieht sich erneut zur Beratung zurück und beschließt die Zulassung der Frage. Iustizrat Claß: Grandel behauptete, in Dayeru stände eine Willion Menschen zum Marsch nach Derün bereit. General st aatsanwalt: Zst in diesem Zusammenhang von General v. Seeckt gesprochen worden? Da Rechtsanwalt Sack wieder protestiert, zieht sich da« Gericht abermals zurück und beschließt, die Frage zuzulassen. Justizrat Claß: Wenn von Seeckt die Red« war, dann in dem Sinne, was zwischen Bayern und Derlln sich entwickelte und wie Sceckts Stellungnahme war. keineswegs hat Grandel von Seeckt in einem anderen Sinne gesprochen. General st aatsanwalt: Bei Herrn Claß stud gewisse Schriftstücke beschlagnahmt worden. Das Gericht muß auf Protest erneut über die Zulassung dieser Frage beschließen. General v. Seeckt zur Aussage dereit. Nach längerer Beratung wurde die Frage des Generalstaats- anwalts vom Gericht abgelehnt, und der Generalstaatsanwolt Lindow erbat nun seinerseits eine Paus«, um sich über seine weitere Einstellung schlüssig zu werden. Bei Wiedereröffnung der Sitzung erklärte Generalstaatsanwall Lindow, daß er sich inzwischen mit General v. Seeckt in Der- bindung gesetzt habe, und daß dieser bereit sei, am Freitag morgen vor Gericht zu erscheinen. Das Gericht war der Ansicht, daß unter diesen Derhöltnissen. besonders bei der gegenwärtigen Taktik der Verteidigung, die demon- strattv jede Frage der Staatsanwaltschaft beanstandet, zweifelsfrei die Vernehmung des Iustizrats Claß sich heut« noch ausdehnen würde, und beschloß, die Verhandlung bis Freitag morgen 3�9 Uhr zu vertagen. Ein Beschluß über die Ladung des Generals v. Seeckt ist noch nicht erfolgt. RUSO- ZIGARETTEN sind die Besten! RUSO- ZIGARETTEN sind aus rein orientalischen Tabaken hergestellt! RUSO- ZIGARETTEN werden auf den neuesten Maschinen gearbeitet! RUSO- ZIGARETTEN haben das beste Papier! RUSO- ZIGARETTEN sind von einer noch nie dagewesenen Qualität in der Preislage von 2, 22 und 3 Pf. Allerbequemster KREDIT Kleine Anzahlung Gesamtläger in 4 Etagen Herren- u. Sport- Anzüge Knab.- u.Kind.- Anzüge Talllen Mäntel Gummi Mäntel Sport- u. gestr. Hosen Wundervolle Kostüme Mäntel Kleider. Röcke Strickwesten In besonderen Etagen Möbel- Einrichtungen A. 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Beginn der Sommerspielzeit Uraufführung 7 Uhr: Mist.Globetrotter George, Lore Wagner, Bago Böblin Kammerspiele Casino- Theater 8 Uhr: Onkelchen hat geträumt Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr Sonnabend, 31. Mai Wied in near Schlager Eebe Bagina der Sommerspielzelt Pummels Martha Hasenheide 13/15 Zum 1. Male 7 Uhr: Volksstück in drei Aufzügen Salomons Vorher: D. Herr aus Schwiegertochter Kyritz. Posse i.1Akt Gr. Schauspielhaus 7% Uhr: Gasparone Theater i. d. KöniggrätzerStr. 8 U.: Es hat nicht and der nene bante Tell Friedrichstr. 60 E. Leipziger Str. sollen sein Zei- Varieté- Kabarett tungsausschnitte Nchm. 41/4, ab. 78 Leidenschaft, Gift u. Versteinerung oder: Die verhängnisvolle Syphonflasche Ab Sonntag, 1. Juni Tanz, Kunst und Schönheit; Olga Desmond Berliner Theater in ihren neuesten Täglich 7.30: Das Weib im Purpur Th.1.Admiralspalast 8 U.: Der Erfolg d, Jahres 9 Monate a. d. Darbietungen Im Turniersaal ab Sonnabend, 31. Mai, 8 Uhr: Großes unterbrochen& Spielplan Billard- Turnier 1st die große Revue Drunter und drüber Deutsch.Opernhaus 72 U.: Die Zauberflöte U. zw. Erich Hagenlocher und L. Adorjan Neues latimes Th. 8U Grunewaldparadies Crepe Georgette USW, Wald- u. See- Rest. Metropol- Theater Café Zielka Tägl. 8 Uhr: Karneval der Liebe Terrassen an der Sommerpreise! Thalia- Theater Krummen Lanke in Zehlendorf- W., Alsenstr. 141. TU. Frasquita Taglab 4Uhr nachm. Tribüne 8- U. Wettlauf mit dem Schatten Großes Heims, Winterstein, Oppen Garten- Konzert Am SCALA Himmelfahrtstag 6-9 großes am Hermannplatz. Sonntag, den 1. Juni 1924 Eröffnung des Sommer- Varieté Alwin Neuss in seinem Sketsch ,, Ta- Ta" 99 Erwin van Roy List Schubert von der Dresdener Hofoper Koruna Trio Bühnenluftakt MIB Radiola Das Wunder der Elektrotechnik Harry& Jack Komische Exzentrik 3 Oravias Equilibristen IL. a. m. Karten- Vorverkauf ab 28. Mai täglich 10-1 Uhr. Sämtliche Plätze vor jedem Wetter geschützt. 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Das heutige verwickelte unübersichtliche System verwickelter Landessteuern müsse durch eine einheitliche Landeseinkommen st euer ersetzt werden. Der Landtag müsse auch seinen Geschäftsgang vereinfachen, regelrecht« Sessionen von 4 bis 5 Monaten im Jahr abhalten, dann werde eine sehr namhafte Verminderung der Diätenlast eintreten. Di« demakratische Fraktion hoffe, daß die Neubildung der Reichs- regierung, di« feit drei Jahren in Preußen bewährte große Koa- lition unangetastet lassen werde.(Beifall bei den Demokraten.) Abg. Diester(D.-Hannov.) verbreitet sich über Einzelheiten aus der Zeit der Agitation, die in Hannover der Vorabstimmung über die eventuell« Schaffung eines selbständiges Staates Niedersachsen vor- ausging und bestreitet«, daß das Abstimmungsergebnis auf legalem ßege zustande gebracht worden sei. Finanzminister Dr. v. Rich-t«: Es ist ja nicht wahr, daß der richtige, wirkliche Honsioveraner auf Ihrem Standpunkt steht.(Leb- hafter Beifalls Die Herren Welsen tun immer so, als ob es sich um preußischen Partikularismus handelt. Mir liegt ein solcher völlig fern. Die Regierung ist dazu da, den Vesta nd des Staates und d«s Reiches, ihr Blühen und Gedeihen z u fördern.(Lebhafte allseitig« Zustimmung.) Die Stoatsregierung freut sich im deutschen Interesse dieses Ergebnisses der Vorabstimmung und darüber, daß es auch seinerseits in diesem Kampf sein« Schuldig- keit getan hat.(Lebhafter andauernder Beifall.) �bg. Heilmann-Serlin(Soz.): Abg. Biester hat sich über den Ton beklagt, der in der Ab- stimmungskampagne in Hannover gegenüber d«n Welfen angeschlagen worden sei. Gestern aber hat sich der Freiherr v. Wangen- heim hier im Haus« den Zwischenruf geleistet:.wir werden un» doch die Hönde an Preußen nicht dreckig machen.' Der Sprecher der Deutschnationalen hat gestern hier dieDcutschhannove- roner in geradezu widerlicher Weis« umschmeichelt und so getan, als ob di« Welfen nur von dem neuen Preußen nichts wissen wollten. Die Dentschnallonalen haben anscheinend vergessen, daß die welfen genau so gegen das alte Preußen waren wie gegen das neue. In der Abstimmungskampagne hat sich gezeigt, daß heut« wieder oenau so wie früher der wirtschaftliche Druck, besonders draußen auf dem Lande, die Wahlfreiheit beeinträchtigt. Im Bezirk Frankfurt a. d. O. sind die Agrarier beseits dazu übergegangen, di« Pächter zu verpflichten, nichts gegen den Landbund zu unternehmen, dafonstderPachtvertragaufhöre. Wie es unter solchen Umständen mit der Wahlfreiheit der Pächter steht, kann man sich leicht vorstellen. Und wie in Ostelbien, so ist es in Hannooer. Auch dort mußten besonders auf dem Lande recht viele Leute zur Urne gehen, di« für die Welsen nichts übrig hatten. Ledig- lich aus Angst vor wirtschaftlichem Druck. Und da kommen dann die Deutschhannooeraner her und beklagen sich über Wahlbeeinflussung. Die erst« Rednerreihe, die zum Staatshaushast gesprochen hat, kam immer wieder auf die Reparationsfrag« zurück. Sie ist die Schicksalsfrage Deutschlands. Keine politisch« Erörterung ist mög- lich. ohne daß die Reparationsfrag« gestreift wird. Herr Dr. Mayer von den Kommunisten hat gestern hier erklärt, di« Sachverständigen des Gutachtens hätten in absprechender Weise über Deutschland ge- urteill, sie betrachten Deutschland als Kolonie. Herr Dr. Mey:r hat das Gutachten entweder nicht richtig gelesen oder nicht richtig verstond«». Das Urteil des Gutachtens geht in der Hauptsache dahin, daß Deutschland wohl im Augenblick wirtschaftlich schwach sei, aber bei seiner Energie und Intelligenz sich bald wieder erholen könne. Das ist kein herabsetzendes, sondern ein ehrendes Urteil. Wichsig und richtig ist, wie die Sachverständigen betonen, daß da» deutsche Steuersystem di« besitzenden kreise nicht kräftig genug ersasse. Wir begeistern uns nicht für Reparationen, wie Herr Dr. Meyer es hinstellt. Wir sagen lediglich folgendes: Deutschland ist nicht frei in seiner Entschließung. Es hat nur die Wahl, entweder ehrlich dos Sachverständigengutachten durchzuführen, oder zuzulassen, daß Rhein und Ruhr aus unabsehbare Zeit verloren gehen und au»- geraubt werden. Wer nicht an die Weltrevolution glaubt, kann«inen Restungsversuch nur auf dem Boden de» Sachverständigengutachtens wollen. Herr Dr. Mayer sprach viel davon, daß die französischen Kommunisten das Gutachten und die Reparationen verwerfen. Das mag sein. Aber die kommunistischen Parolen haben nur einen verflucht geringen Wert. Wir kennen ja die kommunistischen Parolen. Wie oft haben die Kommunisten die Einheitsfront empfohlen. Aber gestern haben sie ihre Parteigenossen Schnelter und Schumann kaltgestellt, well sie nicht genug den Anschluß an den radikalen Flügel gefunden haben.(Lärm bei den Kommunisten.) Es wäre ein geradezu tragisches Verhängnis, wenn in Deutsch- land gegenüber der englischen R'e gierung Macdonald und gegenüber der kommenden französischen Regierung Herriot ein Kobinest Tirpitz auftauchte.(Zuruf des deutschnationalen Abge- ordneten Kaufmann:„Ihr wollt also wieder rinn?") Die Frag« der Regierungsbeteiliguna spielt für die Sozialdemokratie im Augenblick die allergeringst« Rolle. Wenn irgendwann die �Sozialdemokratie in die Regierung hineinging, dann um politischer Ziele willen. Trotz- dem haben uns die Herren von der Rechten jahrelang Futter'- krippenwirtschaft vorgeworfen. Was sehen wir jetzt? Die Deutschnationalen wollen in di« Reichsregierung hinein, aber haben sie auch ein Programm? Antwort: Nein. Helsferich sprach gegen das Gutachten der Sachverständigen. Trotzdem das Be- streben der Deutschnalionalen. ohne klare Stellungnahme in di- Reichsregierung hineinzukommen. Es kann sich nur auf die Streberei, nach Posten erklären lassen. m �. mv ,• v Klarheit über alles— das ist das Gebot der Stunde. Wir sind für ein« ehrliche Friedenspolitik eingetreten, seit der Zeit, da Ludendorffs Nerven zusommenbrachen. wir haben ein« ehrliche und klare Erfüllungspolisik sortgesehl, bis in England und Frankreich der Umschwung eintet. Heute ist es so weit, daß Deutschland die Jtüchfe dieser Friedenspolitik ernten kann. fZüruf bei den Kommunisten: Und di« Russisch« Handelsdelegation?) Wir wollen Frieden mit ollen Völkern. Die R u s s i s ch e H a n d e l 5. delegation hat zweifellos der kommunistisch«» Agitation D.enste geleistet. Sie hast« zu B-ginn der normalen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland diplomatischen Eharakter erhalten und man hat es verabsäumt ni- stnw ibrez divlomatischen Charakter« be,. IN SowsekrußlaiM sich io benommen yane. wie me ru,p,cye in Deutschland, wäre fj« läugst atm-lchoben worden.(Lärm bei den Kommunisten.) Wozu di« Aufregung? Der deutsche Generalkonsul von Moskau beschwerte sich vor einiger Zeit über einen h'o ch- stehenden f 0 w j e t r u ss i s che n Funktionär, der den Generalkonfiil ostentativ nicht grüßt«. Roch dem Grund gefragt, er- uart« der Funktionär,«r grüß« keinen Bourgeois, Bon deutscher Seite wurde ein« Entschuldigung verlangt. Der Funktionär tras schon um �10 Uhr abends auf dem Generalkonsulat ein, um sein« Entschuldigung vorzubringen, und berichtete dann an seine zuständige Stell« die Entschuldigung geleistet zu haben. Es folgte eine neue Beschwerde. Kurz und gut, der Erfolg von all dem war, daß der betreffende Funktionär zum— Gouverneurvon Pete, s- b u r 0 ernannt wurde. So macht man es in Sowjetrußland. Wir wünsche» jedenfalls eine baldige Beilegung des Zwischenfalls. Nur eins soll nicht vergessen werden: Die„Rote Fahne" hob seiner- zeit bei der Erörterung des Zwischenfalls geradezu triumphierend die Sperrung der russischen Getreidezuflshr hervor. Der„Roten Fahne" lag das russische Prestige mehr am Herzen als die Rot der deutschen Arbeiter. Aber dafür wird ja die„Rote Fahne" auch bezahlt.(Zuruf und Lärm bei den Kommunisten.) Vergleichen Sie doch nicht die wechselseitigen Unterstützungen der Parteien und Gewerkschaften der Zweiten Internationale. Ueber dies« Unterstützungen wird öffentlich Rechenschaft abgelegt. Sie stellt etwas ganz anderes dar, als die S u b v e n t i 0 n i e r u n g einer Partei, deren Kern und Grundlage im Au's lande liegt. Zu einer richtigen Friedenspolitik nach außen gehört die ent- sprechend« Innenpolitik. Keine Außenpolitik im Sinn« des Friedens ohne Ruhe und Ordnung im Innern. Und daher müssen wir mit allem Nachdruck daraus bestehen, daß die militärischen Geheimorgan isati onen unterdrückt werden. Sic sind es bis jetzt noch nicht und die Frage, wo und wie.diese Organisa- tionen durch dieReichswehr unter st ützt werden, ist auch noch nicht geklärt. Im Prozeß Zeigner hat man jeden Kampf gegen die Geheimorganisationen zu Landesverrat gestempelt. Ab» gesehen von dem juristischen Wahnsinn, den stch das Reichswehr. Ministerium geleistet hat, ist dos Ganze auch noch eine poli- tisch« Eselei. Die Scharfmacher in der Entente können leicht sagen, unter dem Druck des Landesverratsparagraphen werde in Deutschland gerüstet. wir wollen vom Innenminister wissen, ob die 2000 unter Lettow-Rorbeck in Schleswig-Holstein ausgebildeten Leute mit wissen der Reichswehr ausgebildet wurden. Die militärischen Geheimorganiiakionen sind nach außen hin für Deutschland kompromittierend und noch innen hin provozierend für den Bürgerkrieg.> Wir verlangen, daß ein Untersuch ungsauischuß des Landtags endlich einmal feststellt, warum die Strafbehörden in der Verfolgung von Morden an linksgerichteten Personen versagen. Weder die Denkschrift des Reichsjustizmmifteriums noch die Denk- schrift des Preußischen Justizministeriums zu dem bekonnten Gumpelschen Buch üb-r Morde an politisch linksgerichteten Personen kann uns genügen. Auch die Anrwort des Iustizminifteriums über die Milderung der Strafen auf Abtreibung befriedigt uns nicht. Der Umfang der Abireibungen wächst in Deutschtand infolge der wirtschaftlichen Not und m Hunderttausenden von Fällen treibt die falsche BeHand- lung dieser Dinge von seilen der Justiz die Frauen den Pfuschern in die Hände. Es handelt sich nicht darum, die Abtreibung überhaupt freizugeben, soidern lediglich darum, den Arzt unter besonderen Bedingungen zum Angriff zu ermächtigen. Es wurde gestern hier auch manches Wort über die Renten- mark gesprochen und auch darüber, daß sie zu spät gekommen sei. Sie ist Jahre zu spät gekommen, weil die W ä h r u n g s f e st i» gung nach den Plänen des sozialdemokratischen Wirt» schaftsminister» Robert S ch m i dt planmäßig von der Rech. den sabotiert wurde. Die bisher angewandte Methode des Beamtenabbaus führt zu unhaltbaren Zuständen. Sie schneidet schon jetzt tief in das Fleisch der Verwaltung. Mit einem schematischen"Abbau van 2S Proz. stürzen wir die Verwaltung lediglich in Verwirrung.. So geht, da? nicht. Gester» wurden hier wieder Loblieder auf die freie Wirtschaft gesungen. Merkwürdig, wo wir doch eigentlich gar keine wirklich freie Wirtschaft haben. Ist es freie Wirtschaft, fortwährend nach Reichskrediten nnd Staatssubocntionen zu rufen? Die Landwirtschast will SSV Mil- lionen Renlenmark. Das alles ist nur Wirtschaft auf kokten des Staats. Auf der einen Seite preist man die freie Konkurrenz und aus der anderen ruft man zu gleicher Zeit nach Zollschutz. Ersparnisse sollen gemacht werdeir. Gewiß, die Rentner, bc- sonders die kleinen Rentner und Sparer sind enteigne: worden. Und in dieser Zeit der R e n tn e r en.te i gnu n g schickte der deutsche Finanzminister ein Rundschreiben durch die Länder, das sich init der Frage der Aufbesserung d.ep Renrea der fürst- lichen Familien und Landesherrn befaßt. Eine Reihe solcher fürstlichen Familien sollen sich in Notlage befinden. Wir fragen das Finanzministerium, ob hier nicht der Versuch gemacht werden soll, Leuten zu helfen, die wirklich keiner Hilfe bedürftig sind. Auch soll den Hohenzollern eine) Zu der Schichidouer der Arbeiter unter Tage, die vom Beginn der Seilfahrr bei der Einfahrt bis zum Wiederbeginn bei der Ausfahrt 7 Stunden beträgt, tritt eine Mehrarbeit von 1 Stunde. l>) An Arb-eitpunkten mit einer Temperatur von mehr als 28 Grad Celsius beträgt die Arbeitszeit vor Ort dementsprechend 5 plus 1. Stunde und die Schichtzeit 6 plus 1 Stunde. Auf den Zechen, in denen mehr als 50 Proz. der unteriydischen Belegschaft in Tenixeraturen über 28 Grad Celsius arbeiten, dauert die Schicht- zeit für die in diesen Temperaturen arbeitenden Belegsehasten ö'/i plus 1 Stunde. c) Die Arbeitszeit der Arbeiter über Tage, soweit sie unmittelbar mit der' Förderung zu tun haben, beträgt d-nnentsprechend 8 plus 1 Stunde. Als an der Förderung unmittelbar beteiligt gelten An- fchlägsr, Hilssankchlöger Aufschiebsr und Abnehmer. 2. s) Für Stochkesselheizer in Stochkcsselhausern mit intensivem Betrieb« betrögt die wöchentliche reine Arbeitszeit(einschließlich Sonntag?) 56 Stunden. d) Für Kesselreiniger, soweit sie ihre Arbeiten im Kesselinnein verrichten müssen, sowie für Bleilöter beträgt die tägliche Arbeits- zeit 8 Stlindcn. Die Ziffer La erhielt im Schiedsspruch vom 27. Mai folgende neu Fassung: c) Die Arbeitszeit für die an d>en Koksöfen beschäftigten Arbeiter beträgt: s) bei Koksöfen mit einer Gorungszeit von mehr als 28 Stunden insgesamt im Wochendurchschnitt 62 Slundc«- Bei ein«? cköchstschichtzeit von 68'4 Stunden einschließlich Sonntags, b) bei Koksöfen mit kürzerer Garungszeit sowie svlchen, die Gas an crnd.ve Betriebe zu liefern haben, insgesamt i>n WocheNdurchschnilt 65 Stunden bei einer Höchstschichtzeit von 74 Stunden emschtießiich Sonntags. Sofern in''der Sonntagsschicht eine Pause eingelegt' wird, liegt sie außerhalb der Schichtzeit, wird aber besonders bezahlt. Jin Fäll? zu a wird für diese Arbeitszeit der voll« Tarifschicht- lohn, für 6K' Schichten bezahlt. Im Falle zu t> tritt zu dem Taris- schichtlohn ein Entgelt für die 3 Mehrarb-nisstunden in Höhe von 'Ins des t anglichen Entgeltes. (Nach dem Schiedsspnich vom 16. Mai betrug die Arbeitszeit an den Koksöfen„im Wochendurchschnitt 65 Stunden bei einer Höchstschichtzeit, von 74 Stunden einschließlich Sonntags... Die Arbeitszeit der Düfenwärtec bei Abhitzeöfen allen Systems wird auf 8 Stunden festgesetzt, wenn im Düsengange außergewöhnliche Hitze herrscht.") <\) Die Arbeitszeit in den übrigen durchgehenden Tagesbetrieben beträgt im Wocheudurchschnitt 56 Sturaden, bei einer Höchstschicht. dauer von 78 Stunden pro Woche»nnschließlich Sonntaos. Arbeits- beieitschaft:,'i> den Pausen ist zugelassen. c) Für die übrigen Tagesa:"beiler beträgt die Arbeitszeit aus-- schließlich der Pausen für die 6 Wochentage a) aus Anlagen mit zwei Förderschichten 58 Stunden mit der Maßgabe, daß die Arbeitszeit am Samstag nicht mehr als 8 Stunden beträgt, b) auf Anlagen mit einer Förderschicht durchschnittlich 59- Stunden, wob«! mindest«»? an jedem zweiten Samstag die Arbeitszeit der Frühschicht nicht mehr als 8 Stunden beträgt Auch bei dieser Regelung beträgt die Arbeitszeit der Nachtschicht 58 Stunden in der Woche. Di»: Kurzschicht am Samstag ist als volle Schickt zu vergüten. Ziffer 3 blieb ebepfalls unverändert: 3, In den Tagesbsrrieben, in denen bereits vor oder währen» des Krieges weniger als 10 Stunden gearbeitet worden ist, gilt uneder diese Arbeitszeit, es sei denn, daß die verkürzte Arbeitszeit durch die besonders Schwere der Arbeit oder aber die besondere Be- schaffe, iheit der Arbeitsstätte(Hitze, schlechte Luft) bedingt war. und die Voraussetzungen dasiir fortgefallen find. Im weiteren bezieht sich>er Schiedsspruch auf Anlagen. die uns nicht zur Verfügung stehen, und besagt: 3. Nach Biffer 3 der Anlage 2 ist folgende neue Ziffer 4 einzufügen: Bei Streitigkeiten, die sich aus den Ziffern 2a( intensiver Betrieb), 2c( Beschäftigung an Rofsöfen) und 3( Wegfall von Bor ausfegungen) ergeben, entscheidet eine für das ganze Revier zu vereinbarende Schiedsstelle, bestehend aus dem Leiter der Abteilung für allgemeine Arbeiterangelegenheiten beim Oberbergamt in Dortmund und je einem von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern ernannten Vertreter endgültig und bindend. Zifer 4 der Anlage 2 wird Ziffer 5. In dieser Ziffer ist hinter festgesetten Arbeitszeiten" einzufügen:( regelmäßige Arbeitszeit plus Mehrarbeit). Die Lohnfrage hat folgende Neuregelung erfahren: Als Ziffer 6 ist einzufügen: Der Tariffchichtlohn für Zimmerbauer wird gegenüber Der Tarifsichtlohn für Zimmerbauer wird gegenüber dem Tariffchichtlohn im April 1924 für Mai 1924 um 15 Broz, Wirtschaft Dividendenlosigkeit und Papiermarkbilanzen. Don neuem Rapital außerordentlich erschwert. Diese l'nftcher. heit dürfte endlich auch mit Schuld daran tragen, daß die Aktienkurse so niedrig stehen, obwohl hierbei fraglos auch andere Gründe mitspielen, wie Kreditnot, Zahlungsschwierigkeiten von Attienbefizern. Aus diesen Gründen ist zu fordern, daß die Aufstellung von Goldmartbilanzen beschleunigt wird. Andernfalls darf man sich darüber nicht wundern, daß mit dem Vertrauen in die kapitalistische Ertragsfähigkeit der Unternehmungen auch die Möglichkeit der Kapitalbeschaffung für die deutsche Produktion fün st lich eingeschränkt wird. Reichskredit für die Mansfeld- A.- G. Im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsministerium hat der preußische Minister für VolksTäglich häufen sich die Meldungen über Geschäftsabschlüsse be. tannter Unternehmungen aus Industrie und Handel, die von der Zahlung einer Dividende für das letzte Geschäftsjahr absehen. So haben neuerdings die im R. Wolf- Ronzern zusammengefaßten Gesellschaften, die Hirsch- Kupfer- und Messingwerte A.-G. und die Aktiengesellschaft für Bauausführungen auf die Divibendenzahlung in aller Form verzichtet. Andere find ihnen bereits vorangegangen, unter ihnen die Berliner Großbanken, die Werke des Stinnestrusts, zu denen auch der Siemensfonzern gehört. Es ist wie eine stille Abrede, daß man die erzielten Gewinne beisammen hält und auf neue Rechnung vorträgt. Allenfalls fällt für die AufZiffer 5 der Anlage 2 wird 3iffer 7 und erhält folgende neue fichtsratsmitglieder ein fetter Goldmarkbroden ab. Die Aktionäre Fassung: Diese Regelung gilt bis zum 30. September 1924 und unter ihnen die vielen ,, kleinen Leute", die in der Inund fann von diesem Zeitpunkt ab mit zweimonatiger flation von den Banten zur Flucht in die Sachwerte animiert wurFrist erstmalig für den 30. November 1924 gefündigt werden, bei dem gesunkenen Kursstand aber ihre Papiere nicht verschlaggebend. den. Eine spätere Kündigung fann zum Schlusse jeden Monats faufen wollen, gehen leer aus. Die Zeit der großen Ertraausmit zweimonatiger Frist erfolgen. Im Falle der Kündigung treten schüttungen und der lufrativen Bezugsrechte ist vorüber. Die Großdie Parteien spätestens eine Woche nach erfolgter Kündigung zu etetlen Verhandlungen zusammen. attionäre wissen schon, daß sie auf ihre Rechnung tommen werden fie können warten. Dom 1. Juni 1924 ab für die Dauer dieses Abkommens um weitere 5 Broz( bezogen auf den Aprillohn) erhöht. Die übrigen Löhne erhöhen sich dementsprechend. III. Die Erflärungen über Annahme oder Ablehnung dieses Schiedspruches sind dem Reichsarbeitsministerium gegenüber bis zum 29. Mai 1924, mittags 12 Uhr, abzugeben. Berlin, den 27. Mai 1924. gez. Dr. Syrup. Im Anschluß an den Schiedsspruch trafen die am Tarifvertrag für den Ruhrbergbau beteiligten Verbände folgende Vereinbarung: ,, Unter der Vorauslegung, daß auf Grund des heute ergangenen Echiedsspruches es zu einer alsbaldigen Aufnahme der Arbeit tommt, vereinbaren die Parteien folgendes: 1. Bei der Wiederaufnahme der Arbeit sind sämtliche Arbeitnehmer sobald und soweit es die Betriebsmöglichkeiten geftatten, wie der einzustellen. Ausgeschlossen dürfen lediglich folche Arbeitnehmer werden, die sich schwerer Berfehlungen schuldig gemacht haben. Im Streitfalle entscheidet eine vereinbarte Schiedsſtelle, bestehend aus einem vom Berghauptmann des Oberbergamts in Dortmund bestellten Juristen als Borsigenden und je zwei von den beiderseitigen Tarifparteien zu benennenden Vertretern endgültig und bindend. 2. Maßregelungen finden, unbeschadet der 3iffen 1, nicht statt. 3. Die ausgefallenen Maischichten gelten im Hinblick auf die tariflichen Bestimmungen nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. 4. Soweit sich die Zechen Kreditmöglichkeiten beschaffen fönnen, werden sie im Einvernehmen mit dem einzelnen Arbeitnehmer der cuf das Urlaubsjahr 1924/25 entfallenden Urlaub durch enisprechende Lohnzahlung baldmglicht abgelten, wobei Arbeiter mit finderreichen Familien in erster Linie berücksichtigt werden sollen. Berlin, den 27. Mai 1924. Für den Zechenverband: gez. Wistott. Für die am Tarifvertrag beteiligten Arbeitnehmerverbände: gez. Martmöller Rotthäuser, F. Schmidt, Kolpadi. * Bochum, 28. Mai.( WTB.) Die Leitung des Bochumer Vereins teilt mit: Die regelmäßige Rohlenzufuhr hat mit dem Beginn der Bergarbeiterausfperrung am 13. Mai aufgehört. Der Gesamtbetrieb wird stillgelegt. Beuthen, 28. Mai.( WTB.) Ueber die Streiflage ist zu berichten, daß die Zahl der Arbeitswilligen auf einzelnen Gruben und Eisenhütten weiter etwas zugenommen hat. Nachdem für den Ruhr bergbau ein neuer Schiedsspruch ergangen ist, hat der Schlichter für Oberschlesien die Parteien für Freitag, den 30. Mai, zu einer Verhandlung eingeladen. Der Arbeitgeberverband der oberschlesischen Montanindustrie hat die Einladung mit dem Hinweis abgelehnt, daß in Oberschlesien bereits verbindliche Schiedssprüche beständen. Die Einbehaltung der Gewinne zur Verstärkung der Betriebsmittel ist heute volkswirtschaftlich durchaus gerechtfer tigt. In einer Zeit, wo es sehr schwer fällt, Kredite für die Inganghaltung der Betriebe zu erhalten, ist es nur allzu begründet, wenn man die einmal erzielten Ueberschüsse zunächst zurückhält, bis die Lage sich geflärt hat. = wohlfahrt endgültig den 1½- Millionen Kredit für die Mansfeld- A.- G. genehmigt. Die Gesellschaft hat die Verpflichtung übernommen, die ihr gewährte Atempause zu benutzen, um den Betrieb auf eine rentable Grundlage zu stellen. Für den Beschluß der Regierung war neben anderen Momenten, die mit einem evtl. Ankauf des betroffenen Betriebes nach der Stillegung durch die gegenwärtige Gesellschaft zusammenhängen, die Sorge für die im Kupferbergbau der Mansfeld- A.- G. beschäftigten 15 000 Arbeiter ausBanten! Die seit längerer Zeit von maßgebenden Stellen gepfloge= Mehrere Millionen Goldmark für zahlungsunfähige Hamburger nen Verhandlungen zum Zwede einer auf breiter Grundlage aufgebauten Stügungsaktion für die Hamburger Börse sind dem Hamburger Fremdenblatt" zufolge, zum Abschluß ge= tommen. Die Großbanken und die größeren Banffirmen haben ein Syndikat zur Stüßung illiquider Bankfirmen gebildet. Mehrere hunderttausend Pfund sind zur Verfügung gestellt worden, über die ein von der Bankenvereinigung und dem Vorstand der Wertpapierbörse ernannter Ausschuß verfügen kann. Dieser Fonds wurde bereits von mehreren zahlungsunfähigen Hamburger Firmen in Anspruch genommen, so daß es hierdurch gelang, mit dem größten Teil dieser Firmen zu einer Einigung bzw. zu einer Verständigung zu kommen. Die Kreditknappheit aber ist eine unmittelbare Folge der Liquidation der Inflationswirtschaft. Dieser Umstand regt zu einem Vergleich an. Schon einmal stand die deutsche Volkswirtschaft vor einem ähnlichen Umstellungsprozeß. Das war im Jahre 1919, als nach Insolvenz einer angesehenen Privatbankfirma. Eine der ältesten Beendigung des Krieges die Friedensproduktion wieder Banken, wenn nicht überhaupt das älteste deutsche Privatbankhaus aufgenommen werden sollte. Damals hätte man erwartet, daß man ist zahlungsunfähig geworden. Es handelt sich um das angesehene nicht anders wie heute alle Kraft zusammenhalten würde, um feit 275 Jahren bestehende Frankfurter Banthaus D. u. den so oft und mit großem Pathos propagierten Wieder auf J. de Neufville. Die Schwierigkeiten sind weniger durch die bau" zu ermöglichen. Was aber geschah? Die Gesellschaften herrschende Kredit- und Konjunkturkrise als durch fehlerhaftes schütteten reichliche, für ein verarmtes Bolt geradezu unverständlich Disponieren, Ueberspannung der Beteiligungsgeschäfte usw. hohe Dividenden aus. Man scheute auch davor nicht zurück, auf verursacht. Das Bankhaus hat sehr bedeutende Engagements am Geldmarkt( zirka 1% Millionen Goldmark) laufen, denen die im Kriege aufgefammelten Sonderrücklagen zurückzu- reichende Mittel nicht gegenüberstehen. Die Firma hat sich an die greifen. In Massen wurden Kriegsanleihe als Dividende oder Frankfurter Bantiervereinigung um eine Hilfsaktion gewandt, die Sondervergütung auf diese Weise unter die Leute gebracht. Für die sich zunächst zerschlug. Man einigte sich jedoch in erneuten VerDividendenpolitik war damals die Steuerflucht des Behandlungen auf eine Stügungsaktion, deren Zweck die Liquifites vor den drohenden Vermögensabgaben bestimmend. Man dation des alten Hauses ist. Zu den Gläubigern gehört u. a. hätte aber die erheblichen Ausschüttungen nicht vornehmen können, die Bayerische Staatsbant. wenn nicht das Stahlbad der anderen der Industrie gewaltige Gewinne gebracht hätte. Ist also heute die Zurüdhaltung in der Dividendenpolitik durch aus begründet, so wird sie durch das Zusammentreffen mit einem anderen Umstand bedenklich. Das Vertrauen der fapital. fräftigen Kreise des In- und Auslandes in die deutsche Industrie würde unter dem Ausbleiben der Dividende an sich nicht leiden. Es kommt aber hinzu, daß von wenigen Ausnahmen abgesehen alle Unternehmungen nur Papiermartbilanzen veröffentlichen, die über den Vermögensstand der Gesellschaft nichts aussagen fönnen, weil die Geldentwertung die Ziffern unbrauchbar gemacht hat. Wie groß heute der Ertragswert von Maschinenanlagen, der Wert von Rohstoffen und Fertigwaren ist, vermag der Außenstehende noch schlechter abzuschätzen als der in der Produktion Stehende. Niemand weiß heute, wie die Kreditkrise sich in längerer Zeit auf die Warenpreise auswirken wird. Werden nun die Goldbilanzen verzögert und außerdem vorläufig feine Dividenden ausgeschüttet, so ist die Beurteilung, ob es lohnt, feine Dividenden ausgeschüttet, so ist die Beurteilung, ob es lohnt, Rapital in Industriemerten anzulegen, fo gut wie unmöglich; durch diese Unsicherheit wird aber schließlich der Industrie die Aufnahme Jeciferrin Nervenstärkend Braun blutbildend DE THOMPSON'S Schwan Ist ausgiebig im Gebrauch, spart Zeit und Mühe. echt Chevreaux, gutes Fabrikat, mod. runde Form, m.Leder brandsohlen, Schnür- oder Spangenschuhe... Dito, mod., ganz spitze Form, erstklass. Fabr. 5.90 9.80 Braune Dam.- Schnürund Spangen- Schuhe hoher Absatz, mod. Form Lack- SchnürSchuhe schicke Form u. Absatz 6.90 9.80 www Damen- Schnür- u. Spangen- Schuhe englischer Absatz aus= Mehl zur Seifenherstellung. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat durch eine dieser Tage veröffentlichte Berordnung die Bekanntmachungen über das Berbot der Ber. wendung von Mehl, insbesondere Kartoffelmehl, zur Seifenherstellung vom 22. Dezember 1914 und 18. Februar scheint es nach amtlicher Mitteilung unbedenklich, zur Seifenher1915 außer Kraft gefeßt. Bei der derzeitigen Bersorgungslage erstellung auch Mehl zu verwenden. Es war daher möglich, den bringenden Wünschen der Seifenindustrie nach Aufhebung der nicht mehr zeitgemäßen Beschränkung der Seifenherstellung zu entsprechen. Großhandelsinder. Die auf den Stichtag des 27. Mai berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts ergibt gegenüber dem Stande vom 20. Mai( 122,2) eine weitere Abschwäch ung um 1,6 v. 5. auf 120,2, die insbesondere durch den Rückgang der Butter- und Fleischpreise herbeigeführt wird. Bon den Hauptgruppen fanten in der gleichen Zeit die Lebensmittel von 106,3 auf 103,4 oder um 2,7 v. H.; davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 89,7 auf 89,5 oder um 0,2 v. H., die In= dustrie stoffe von 152,0 auf 151,6 ader um 0,3 v. H.; davon die Gruppe Kohle und Eisen von 148,2 auf 144,8 oder um 3 v. H.; ferner die Inlandswaren von 111,7 auf 109,8 oder um 1,7 v. 5. und die Einfuhrwaren von 175,0 auf 172,0 oder um 1,7 v. 5. Schwächezustände, Verlust von Kraft u. Energie beruhen auf einem mangelhaft genährten Körper, da in dem Körper die roten Blutkörperchen fehlen. Aerzte verordnen mit Vorliebe das vertrauenswürdige Leciferrin, ein Nähr- und Blutauffrischungsmittel für Erwachsene und Kinder. Erhältlich in allen Apotheken und Drogerien. Preis 3 Mark. Galenus Chemische Industrie G. m. b. H., Frankfurt a. M. D! THOMPSON'S S SCHUTZ- MARKE SCHUTZ- MARKE SEIFEN- PULVER SEIFENPULVER+ Leder- HausSpangenschuhe f. Damen, sehr gutes Fabrikat, gutes Material 2.95 Leder- Kinderstiefel 75 PL. echt Chromleder, 18-20.. 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