Kr. 251» 41.?ahrgattg Ausgabe A Nr. 129 Bezugspreis: Wöchentlich 70(Solbpfcnnig, monatlich 3,— Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Eaar- und Memelzebiei. Oesterreich. Litauen. Luxemburg 4.25 Goldmark. sür das übrige Ausland S.25 Goldmari pro Monat. Der..Vorwärts' mit der Sonntag». bcilage..Volk und Seit' mit..Sied» lung und Kleingarten", sowie der Ilnterhaltungsbeilagi„Heimwelt" und ffrouenbeilage„Frauenstimme" erscheint wochentägluh zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: „Sozialdemokrat Berlin" Morgenansgabe 10 GoMufeMiiO 100 ffiiliiiräen D rv f. Verliner Volksblatt Anzeigenpreise: vi« einspaltig« Nonpareille. zeile».hg Eoldmaik, Reklamezeile 4.— Goldmark.„Kleine Anzeigen" da» iertgedruckte Wort g.2v Gold. mark linlässtg zwei fettgedrniktr Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmark. Stellengesuche das eiste Wort 0,10 Gold mark, jedes weitere Wort 0,05 Eoldmark. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Werte. Familienanzeigsn für Abonnenten geil» 0.Z0 Goldmarl. Eine Goldmark°» ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis tlbllhr nachmiitags im ......, Berlin SW 08. Linden» strasseZ, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zetttralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfcblands Reöaktiov und Verlag: SW SS, Linöenstraße Z Krrnkttt-Skk»«!" Ked attion: Dönboff 282— 395 rtCe-niprecger. Verlag: Dönhol? 2506-8507 Ourgerblock-Durcheinander Das Raten um die Regierung. Die deutschen Wählerinnen und Wähler haben am gestrigen chimmelfohrtstag, soweit sie Geld dazu hatten, im Grünen, soweit es ihnen fehlte, in häuslicher Ruhe verbracht. Wieviele haben die Muße dazu benutzt, ernstlich darüber nach' zudenken, was sie am 4. Mai angerichtet haben? Sie überlassen es dem Reichspräsidenten und den Irak tionsführern, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie aus diesem Scherbenhaufen ein Regierungstopf zusammengeleimt werden kann. Soviel man auch sucht, die Stücke wollen nicht zueinander passen. Herr H c r g t möchte Reichsminister des Innern werden. Er ist bereit, vor der schwarzrotgoldenen Fahne der Republik, die trotz dem volksparteilichen Antrag noch nicht abgeschosft ist, den Hut zu ziehen. Er ist bereit, als Vizekanzler, sich mit dem Kanzler Marx und mit dem Reichsaußenminister S t r e s e- m a n n zu vertragen, ja sogar Frau Stresemann die Hand zu küssen. In der Außenpolitik, die auf das Sachverständigengut- achten festgelegt ist, soll„die Kontinuität" gewahrt werden. Mehr kann man von Herrn5)ergt wirklich nicht ver- langen! Aber heute nachmittag sitzt die deutschnationale Fraktion. Sie wird darüber entscheiden, ob ihr Fraktionssührer einer ge- borensn Kleefeld die Hand küssen darf. Andere Fragen sind von minderem Belang. Der Fall Stresemann ist akut geworden. Wird die Lolkspartei ihren„besten Mann" opfern? Aber ist das der beste Mann? Oder ist es nicht vielmehr schon Herr Scholz? Gibt es keine neue Regierung Marx, dann stehen die Namen Stegerwald und S ch o l z im Vordergrund. Daß das Zentrum das Experiment mit Stegerwald machen würde. ist sehr stark zu bezweifeln. Bleibt ein Kabinett Scholz mit irgendeinem physiognomielosen Berussdiplomaten alter Schule als Außenminister und reichlich mit Deutschnationalen durch- setzt. Ein solches Kabinett würde freilich weder außenpolitischen Kredit noch eine parlamentarische Mehrheit haben. Was tut's? Man mag die Dinge drehen und wenden, wie man will. Die einzige Möglichkeit ist ein Kabinett mit außen- politischem Kredit, das den Kampf um eine parlamentarische Mehrheit ausnimmt. Diese einzige Möglichkeit unmöglich zu machen, ist das Ziel der Volkspartei. Diese Partei, deren Vorfahren mit dem Be- kenntnis auftraten:„Das Vaterland über die Partei!" tritt heute aus engstirniger Parteitaktik alle Interessen des Vater- landes mit Füßen. Herr Scholz braucht vielleicht gar nicht erst Reichskanzler werden, um das Reich ganz zu ruinieren, er kann es vielleicht auch so. Der„Bürgerblock" bleibt schon deshalb eine Schlagwort- hülle ohne Kern, weil die bürgerlichen Parteieü untereinander und in sich völlig zerfahren sind. Nie hat sich der u n p o l i- tische Sinn des deutschen Bürgertums trauriger manifestiert, als in den endlosen Geschaftelhubereien seiner wichtigtuenden Führerschaft um die neue Regierungsbildung. Viele Führer, keine Führung! In diesem Wirrwarr könnte die A r b e i t e r k l a s s e als ordnende Richtung gebende Macht in Erscheinung treten, wenn nicht ein Teil von ihr seine Stimmen an die kommunistischen Kindertrompetenvirtuosen weggeworfen hätte. Und d a s ist dos Allerbitterste an der Geschichte! Maxchens Himmelfahrt. Ter gottvertrauende Sprung i« der Abgrund. Für„die schlechthinige Ablehnung" des Sachverständigen- gutachiens tritt Max M a u r e n b r e ch e r in der„Deutschen Zeitung" ein. Er tut es init einem Lassalle-Zitat. obwohl Lassalle trotz aller Genialität weder das Gutachten noch Max Maurenbrecher vorausgeahnt hat. Er entschuldigt sich für dieses jüdische Zitat, indem er den noch Unentwegteren die Bemer- kung an den Kopf wirft:„Schämt euch, daß ihr erst vom Juden lernen müßt, was klare und würdige Polj- t i k ist." Ass� das kann man vom Juden lernen, sagt der völ- kische Antisemit Maurenbrecher. Sodann setzt er sich mit der bekannten deutschnationalen Erklärung auseinander, die das Sachverständigengutachten als ..Verhandlungsgrundlage" akzeptiert, und ruft seinen Partei- freunden zu: Dies euer Faseln von Verhandlungen„auf Grundlage des' oder „bei Gelegenheit des' oder„ausgehend von diesem Gutachten' ist in Wirklichkeit ein bängliches Ausweichen vor einem klaren Rein oder Ia, ein hissloses hinausschieben des letzten Entschlusses zum gottoer- trouenden Sprung«n den Abgrund!— Also darüber, daß die Ablehnung der Sprung in den Ab- rund ist, besteht volle Uebereinstimmung, Meinungsver- ebeicheit nur darüber, ob d« liebe Sott cha will od« nicht. aru ichi' Nun ist Maurenbrecher zwar Pastor, ober, wenn wir recht unterrichtet sind, besteht über diesen Punkt auch unter den Pa- stören keine übereinstimmende Ansicht. Von den Marx- und Stresemann-Lcuten glaubt Mauren» brecher nicht, daß sie das Notwendige, nämlich den bewußten Sprung,„groß und ganz tun" werden. Dazu sind sie nicht die richtigen Charaktere. Die von Verhandlungen faselnden, dem klaren Ja oder Nein ausweichenden Deutschnationalen können aber auch nicht die richtigen Charaktere sein. Bleibt nur W u l l e! Ob aber d e r es sich nicht am Ende auch noch überlegt, wenn die Reihe an ihn ist? Hüegerblock unö Demokratie. Eine Warnung. Die Verhandlungen über die Bildung eines Rechtskabinetts werden von einem Teil der demokratischen Presse mit Besorgnis und Entrüstung besprochen. Das„BerlinerTageblatt" stellt als selbstverständliche Haltung der Demokraten folgen- des fest: „Sollte dieses oder ein ähnliches Kabinett zustande kommen, so wäre ebenso mit einer Gefährdung des Verfassung s- staates wie mit einer schweren Schädigung der außenpolitischen Interessen des Reiches zu rechnrn." „Für die Demokraten tonn ein Zweifel über die Haltung, die sie einzuschlagen haben, nicht bestehen. Die deutschnationale Presse hat ja selber wiederholt in mehr oder minder geschmack- vollen Ausdrücken erklärt, daß der Eintritt der Demokraten in eine neue Regierung völlig überflüssig sei. In der Tat kann und darf die Teilnahme der Deutschen demokratsschen Partei an einer Regierung, wie sie geplant wird, unter keinen Umständen in Frage kommen." Diese Erklärung ist eindeutig. Die demokratische Reichs- tagsftaktion aber hat sich zu solcher Eindevtigkeit noch nicht durchgerungen. Die schwarzweißrote voikspartei. Kritik des Zentrums. Die„G« r m a n i a" bemerkt zu dem Antrag der Deutschen Volkspartei, die schwarzweißrote Fahne wieder«inzuführen: „Werden sich da die Völkischen argem, daß die Deutsche Bolkspartei ihrem schönen Aaitationsantrag auf Wiedereinführung der allen Flagge um eine Nasenlänge zuvorgekommen ist. Im übrigen hat die Deussche Volkspartei die Situation ganz richtig erkannt. Di« wichtigste Angelegenheit, die uns im Augenblick be- schäftigt, ist ohne Zweifel die F l n g g e n f r a g e. Außerdem ist die Zahl der innerpolitischen Streitpunkt« noch viel zu gering. Sie muß schleunigst noch dadurch vergrößert werden, daß die Flagg-nfrage wieder aufgerollt wird. Ein« Lösung im Sinn« der Antragsteller wird sie zwar nicht finden, denn dazu ist «ine Verfassungsänderung notwendig und die dafür nötige Zwei- drittelmehrheit dürste schwerlich aufzubringen sein." Das Letztere wäre allerdings nur mit Hilfe der— K o m m u- nisten möglich!_ Die Lage im Ruhrkampf. Der Schiedsspruch verbindlich erklärt. Nachdem der unker Vorsitz des Schlichter» des Reichsarbeit». Ministerium» gefällte Schiedsspruch vom 27. Mai lS24 belrefsend die Arbeit»streitigkeiken im Ruhrkohlenbergbau vom Zechenoerband und einem Teil der Arbeitnehmeroerbände nicht angenommen worden ist, hat der Reichsarbeilsminister den Schiedsspruch unter dem 2g. Mai von Amts wegen für verbindlich er- k l S r t. da dies al» der einzige Weg erscheint, um die im Interesse der Volkswirsschast erforderliche sofortig- Wiederaufnahme der Produktion im Ruhrbergbau herbeizuführen. * Am Mittwoch hatte ein« Delegiertenkonferenz des alten Vergarbeitero erbendes in Bochum entgegen der Empfehlung der Orgamsationsleitung den Schiedsspruch mit 107 gegen 83 Stimmen abgelehnt, die Konferenz des Christlichen Verbandes hin- gegen mit 102 gegen 7 Stimmen den Spruch angenommen. DI« französisch« Partei und die koaiitionssrage. Der sozio- listifch« Vezirksparteitag des Seine-Departements(Paris und Bannmeile) hat gestern mit Zweidrittelmehrheit die Beteiligung an einer Regierungstoalition abgelehnt. Es stimmten 666 Partei- Mitglieder für und 1781 gegen den Eintritt in die Regierung. Am Sonntag und Montag entscheidet endgültig der Gesamtparteitag. Paul Cambon. der 22 Jahre lang ununterbrochen, von 1808 bis 1020, französischer Botsckzafter in London war, ist hochbetagt in Paris gestorben. Er entstammt«, ebenso wie sein Bruder I u'l« s, der letzt« Botschafter in Berlin vor dem Kriege, einer alten Diplomatensamili«. Er war einer der Hauptarbeitenden am Zu» standetommev der englifchch-sqöstjchm Erttente, vorwärts-verlag G.m.b.H., EW 68, Linüenstr. 3 Postscheckkouto: Berlin 375 36— Bankkonto: Tirektion der Diskonto-Gesellschlikt, Depositenkaiie Lindenstraftc 3 Der Claß-Prozeß. «Drang zur Selbstbezichtigung".— Furcht vor der Oeffentlichreit. Durch den Pfeifer- und Bläserlärm, den die jungen Leute Sinowjews im Deutschen Reichstag aufführten, ist zeitweilig die Ausmerkscimkeit abgelenkt worden von dem politischen Mord prozeß. der gegenwärtig in Moabit verhandelt wird. Aber die Verhandlungen gegen Thormann- Grandel, die wegen Mordversuchs gegen den General Seeckt unter Anklage stehen, verdienen in höchstem Maße die kritische Teilnahme der gesamten Oeffentlichkeit. Nicht so sehr wegen der Personen, die da beschuldigt sind, als vielmehr wegen des Netzes von Intrigen und Beschuldigungen, die sich um ihr Vorhaben spinnen, und wegen der Personenkreise, die hinter ihnen und gegen sie stehen. Da wird von Thormann ein Mann gesucht, der den mili- tärischen Leiter der Reichswehr„killt". Er sucht ihn— wo anders könnte er sich Erfolg oersprechen?— im Bureau der Deutschvölkischen Freiheitspartei, die jetzt den Ludendorff in den Reichstag geschickt hat. Er findet Gehör bei dem Sekretär dieser Partei, jenem ehemaligen Offizier Tettenborn, der ihm die notwendigen Zusagen macht und ihm auch den Mann stellt, der bereit sein soll, den General im Tattersall vom Pferde zu schießen. Dem jungen Mann wird Reithose, Waffe und das nötige Abonnement für den Reitsaal besorgt. Auch Geld wird ihm zur Verfügung gestellt. Alles ist fertig und der Thormann wartet im Caf6 auf den Ausgang des Unter- nehmens. Do kommt die Polizei und verhaftet ihn. Der deutsch- völkisch« Sekretär hatte alle Vorbereitungen mit ihm getroffen aber gleichzeitig das„Reichskommissariat für öffentliche Ord- nung" dauernd über den wirklichen oder vermeintlichen Atten- totsplan auf dem laufenden erhalten. So war Thormann in die Falle gegangen? Er war verhaftet. Bald stellt sich her- aus, daß zu seinen Hintermännern der Nationalsozialist und Fabrikant Grandel in Augsburg gehört. Aucb der wird verhaftet, nachdem er sich soeben durch einen gefälligen Polizei- beamten einen Paß nach Tirol hatte ausstellen lassen. Eon- zufällig natürlich. Eine Absicht, zu reisen, hatte er überhaupt nicht, so sagt er. Aber es ist für alle Fälle gut, wenn man eine Ausreisegenehmigung in der Tasche hat. Und nun wird der Mann in Berlin vernommen. Das ist sür den Mann aus Bayern schon sehr unangenehm. Ja, wenn's noch in München gewesen wäre! Aber gerade in Berlin vor einem rfifipreußi- scheu Untersuchungsrichter. Da mußte er ja den Kopf ver- licren. Und er verlor ihn. Er erzählt ausführlich und in allen Teilen durchaus logisch von seinen Verbindungen mit dem Führer der Alldeutschen, dem Justizrat C l a ß, den er glatt der Ansttftung und der Finanzierung des Mordplanes gegen Seeckt beschuldigt. Das erschien und mußte erscheinen als das offene Ge- ständnis eines ertappten und überführten Verbrechers. Aber wenige Tage darauf, augenscheinlich, nachdem er erkannt hatte, daß er zuviel aus der Schule geplaudert, widerruft er sein Geständnis und bittet den ihm gegenüber gestellten Claß weinend um Verzeihung. Er hat zwar, wie er vor Gericht zu- gibt, alle Einzelheiten des Plans von Thonnann erfahren, er hat auch mit dem gedungenen vermeintlichen Attentäter ge- sprachen, aber nichts unternommen, um die Ausführung des Attentats Zu verhindern. Vielmehr ist er seelenruhig nach Augsburg gefahren und hat sich einen Paß ausstellen lassen. Aber das, was er in der ersten Aufregung über seine eigenen und die Absichten des Justizrats Elaß ausplauderte, soll plötz- lich nicht wahr gewesen sein. Grandel ist vor Gericht ein zweite'- Philipp Eulenburg: schwer krank— und fast nicht verneh- mungsfühig. Die Aerzte bestätigen es und so muß man es glauben. Da, zu leidet er— nach seinen eigenen Angaben— an einem unbezwingbaren„Drang zur Selbstbezichtigung". Der hat ihn verleitet, Mitteilungen zu machen von seinen eigenen.Handlungsn, die nachprüfbar find, und von Unter- Haltungen, die er mit Claß geführt. Merkwürdig, daß diese Unterhaltungen auch die Differenzen zwischen Claß und Seeckt betrafen, die doch nur sehr Eingeweihten bekannt sein konnten und dem ganzen Attentatsplan einen vlavfiblen Grund liefern konnten. Aber das alles, was Grandel aus- plauderte, soll jetzt dem„Drang zur Selbstbezichtiaung" entsprungen und deshalb unglaubwürdig sein. Dieser„Drang zur Selbstbezichtigunq" ist«ine werwolle Bereicherung des Kapitels von forensischen Ausreden. Ludendorff kannte nur den„Zufall", der ihn ans Brandenburger Tor und in den München«? Putsch geführt hatte. Grandel übertrifft ibn mit dem„Drang zur Selbstbezichtigung", der so merk- würdige Wahrscheinlichkeiten ans Tageslicht för- derte. Ludendvrff fand mit seinem„Zufall" Glauben, bis er ebenso zufällig in den Reichstag der Republik spazierte. Ob Grandel dieselben gläubigen Richter findet, mag beute noch beweifelt werden. Aber da steht der Elaß vor Gericht. Als Zeuge, nicht ais Angeklagter. Eelbswerständlich bestreitet er. irgend etwas von dem Mordplan gewußt oder gar ihn angeregt zu haben. Je- doch ist da der dunkle Pmitt. des der Staatsanwali so gern oufg«tlärt Hütt«: Wi« steht es mit dem von Grandel verratenen Renkonter zwischen Claß und Seetft, dos mit dem— sozusagen— Hinauswurf des Claß durch den General endete? Und die Versicherung des Generals zeitigte, daß er„auch gegen rechts" bis auf die letzte Patrone schießen lassen würde? Claß will nicht aussagen, weil das die innere„Staats- sicherheit" gefährden würde. Weshalb? Wodurch? Wenn der Chef der Heeresleitung und damalige Inhaber der vollziehen- den Gewalt einen Claß vor die Tür« setzt, so soll das die „innere Staatssicherheit" gefährden? Oder sind es nicht viel- mehr die Pläne, die Claß dem General entwickelt hat, die staatsgefährlich waren und sind? Was hatte Claß mit Seeckt so Staatsgefährliches zu verhandeln, wenn es nicht die de- rühmten verfassungsbrecherischen, also hochverräterischen Dittaturpläne waren, die auch im Münchener Putschprozeß eine Rolle spielte? In München ist weder Claß noch General Seeckt vernommen worden. In Berlin will Claß nicht verraten, was er verhandelt hat. Ob Seeckt vor Gericht erscheint und endlich das Gewebe von Hoch- verrat und Niedertracht zerreißt, das damals ge- spönnen wurde? Es scheint uns notwendig, endlich einmal vor aller Oeffentlichkeit die Dinge aufzuzeigen, die im vorigen Herbst das Reich an den Rand des Bürgerkrieges brachten. Aber auch über diese Frag« hinaus hat der Prozeß Ding« üe rührt, die das Interesse. aller in Anspruch nehmen dürsten. Da behauptet der Thormann, die ganze völkische Bewegung sei von Spitzeln durchsetzt! Und der Hauptzeuge Tettenborn, der ihn dem Reichskommissar auslieferte, stehe mit diesen Spitzeln zunmindest in Verbindung. Wer ist Tettenborn? Ein Mann, der wegen Teilnahme an hoch- verräterischer Geheimbündelei mehrfach in Hast genommen wurde, der an der Roßbacherei beteiligt war und auch den Parchimer Mördern Unterstützung zuteil werden ließ. Welches Interefle hat dieser völkische Parteisekretär daran, den Attentatsplan gegen Seeckt so liebevoll zu unterstützen und gleichzeitig zu verraten? Es besteht die Vermutung, daß er damit den Beweis erbringen wollte, wie„zuverlässig" die Deutschvöltischen sein können, wenn es m ihrem Interefse liegt, es zu scheinen. Aber da liegt noch ein anderes: der Gegensatz zwischen Ehrhardt und Ludendorff, zwischen All- deutschen und Nationalsozialisten. Im Münchener Prozeß ist von diesem Gegensatz wiederholt die Rede gewesen, teils in brutaler Offenheit, noch öster in verdächtigenden Andeutungen. Es ist ein Spiel des Zufalls, daß dieselben Anwälte des Rechts, die vor dem Staatsaerichtshof völkische Mordbuben verteidigten— die von Tettenborn unterstützt wurden!— jetzt an der Seite vor Thormann-Grandel stehen, die Tettenborn der Spitzelei bezichtigen. Und daß gerade diese Anwälte die klären- den Fronen des Staatsanwalts beanstanden, wenn Claß am Zeugentisch steht! Es ist wirklich hochinteressant, dieses posi» tische Spiel, das in Moabit gespielt wird, dieser merkwürdig« „Drang zur Selbstbezichtigung" und der noch merkwürdigere .Drang", gewisse peinliche Fragen wegen„Gefährdung der inneren Staatssicherheit" n i ch t zu beantworten. Schweperei. Ein Nugsbnrger Dreh gegen Preußen. Der bayerische Mini st er des Innern, Dr. S ch w e y e r, hat sich, um einen Ausdruck des„Schwäbischen Merkur" zu gebrauchen, mit seinem Sympathieschreiben an die Dcutschhannoverfche Partei bei der weitesten Oeffentlichkeit, auch bei der bayerischen Regierung selbst„schwer in die Nesseln gesetzt'. Die, wie dasselbe Blatt sagt,„h a n e- buchene amtliche Taktlosigkeit" soll nun aus der Welt geschafft werden, zumal die preußische Regierung sich diesen Einmischungsversuch eines bayerischen Ministers in preußische Angelegenheiten nicht einfach gefallen läßt, sondern nachdrücklich Verwahrung dagegen einlegt. Als allergetreuester Verteidiger des Ministers tritt die „Augsburger Post-Zeitung" auf. Daß sie bei dieser Gelegen- heit die Deuffchhannooeraner der herzlichen Sympathie der Bayerischen Bolkspartei oersichert, ist i h r e Sache. Andere Leute geht es aber etwas an, wenn das Blatt in seinem edlen Derteidigungsbemühen anfängt, mit offenkundigen Unwahrheitenzu arbeiten. Es erzählt nämlich in seiner Nummer vom 22. Mai, das Schreiben des Ministers Schweyer an die Deutschhannoversche Partei sei nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen, sei aber„bedauer- licherweise nicht in den Händen der Adressaten geblieben, fon- dern der Redaktion des„Vorwärts" in die Hände g e k o m m e n, die es selbstverständlich veröffentlichte mit der Absicht, daraus eine große preußisch-bayerische Staats- aktion zu machen". Diese Darstellung, die den Anschein erwecken soll, als ob der„Vorwärts" den„Privatbrief" auf unlautere W e i fe sich beschafft habe, ist aber vollständig aus der Luft gegriffen. Der Berichterstatter des„Vorwärts" t das Schreiben aus dem Zentralorgan der eutfchhannoverschen Partei, der„Hannoverschen Landeszeitung" entnommen, wo es in auffälliger Auf- machung zu Reklamezwecken abgedruckt worden ist. Uebrigens war es seinem ganzen Wortlaut nach auch offen- sichtlich für diese Zwecke bestimmt. Bei dieser Gelegenheit möge noch hervorgehoben werden. daß die A u s r e d e, daß es sich um ein rein privates Schreiben handelt, v ö l l i g n i ch t i g ist. In dem Abdruck der„Han- nooerschen Landeszeituna" vom 18. Mai(erschienen am 17. Mai nachmittags) ist das Schreiben vollständig wieder- gegeben. Der Abdruck beginnt mit der Wiedergabe des Brief- kopfes: „Bayerischer Staatsminister des Innern. München, 1Z. Mai 1S24." Und am Schluß steht nicht eine Formel, die den Ber- fafler des Briefes als Privatmann kennzeichnet, fondern die Unterschrist lautet: „Dr. Schweyer, Staatsminister des Innern." Eine amtlichere Form für eine Kundgebung kann es doch wohl gar nicht geben! Nach alledem ist es ein dreister Per- such der Irreführung, wenn die amtliche Schweyerei lediglich. als eine private dargestellt werden soll. Spotten ihrer selbst... Internationales aus der„Kreuzzeituug". Die„Kreuzzeitung" verzeichnet mit stolz geschwellter Brust den deutschnationalen Sieg in der Präsidentenfrage und benutzt die Gelegenheit, dem Genossen Lobe noch etwas am Zeuge zu flicken: ,4)err Löbe hat sich gewiß all« Mühe gegeben, objektiv zu bleiben: er ist auch schwieriger Lagen mit Geschick schnell Herr geworden. Aber die Reden, die er zwischendurch in sozialistischen Versammlungen hielt, zeigten ihn als vollwertigen Genossen der.Crispien und Scheidemann: er wußte nicht minder gut zu hetzen, wie diese Internationalen. Dieser Umstand beeinträchtigte Herrn Lobes Wert als Reichstags- Präsident." Er ist ein Internationaler, also nieder mit ihm, nieder mit allem Internationalismus, hie gut deutschnational allewege! Aber in der Beilag« der„Kreuzzeitung kommt es anders. Da steht an der Spitze unter der Ueberschrift„Das Ruhrverbrechen":" „Mißbrauch der Gewalt, Tat des offenkundigen Militarismus. ohne Rechtsgrund. Es ist schmählich, bei dieser Gelegenheit einen Dorwand zu einer ständigen Okkupation zu suchen!" Worte, die der Japaner S e n K a t a y a m a in Tokio Ende März sprach. Hier der Internationale als Kronzeuge der„Kreuzzeitung", dort der Internattonale als der verhaßte Gegner. Hier wird die Bekundung internationaler Ge- sinnung begrüßt und gerühmt, dort wird sie bei Löbe be- nutzt, um ihn al-t schlechten Deuffchen zu beschimpfen. S e n K a t a y a m a ist nicht nur Japaner, er ist Kommunist, Mit- glied der erweiterten Exekutive der dritten Internationale. Er hat Wert für die„Kreuzzeitung". Genosse Löbe ist— nur ein Deutscher und Sozialdemokrat. Es ist eine eigene Sache um den Nationalismus der„Kreuzzeitung". Die Nilitärkontrolle. Bevorstehende Veröffentlichung der neuen Ententenote. Die Note der Konferenz der Ententevertreter in Paris, der sogenannten Botschafterkonferenz, über die Wieder- aufnähme der interalliierten Militärkon- trolle i n D e u t s ch l a n d, ist am Mittwochabend dem deuffchen Boffchafter in Paris v. H o e f ch übergeben worden und dürfte heute Freitag sowohl in den Ententeländern wie in Deuffchland der Presse zur Veröffentlichung zugehen. Sturm auf Sie firbeitercegierung. Der Generalaugriff der Konservativen. Loodon. 29. Mai.(EP.) Heute nachmittag wurde im Unter. haus der große Ansturm der Konservativen gegen da» Kabinett ein- geleitet. Die Konservativen beantragen, das Gehalt des Arbeits- mini st er» Tom Shaw um 109 Pfund zum Zeichen des Tadels zu kürzen, weil er bis jetzt gegen die Arbeitslosig» k e i t nichts getan habe. Die Regierung hat bekannt gegeben, wenn dieser Vorschlag angenommen werden sollte, werde sie demissionieren. Man glaubt sogar, daß Macdonold dem König die Auflösung des Unterhauses und Neuwahlen vorschlagen würde. Das Schicksal der Arbeiterregierung hängt von einer Versammlung ab, die die liberalen Abgeordneten während der Unterhaussitzung abhalten. Es oerilautet, daß Lloyd George und sein« Freunde dm Sturz des Kabinetts befürworten. Alle konservativen Abgeord- neten find zur Unterhausfitzung entboten. Heut« vormittag hatten die L i b e r a l e n fich versammelt, um sich über ihre Haltung schlüssig zu werden. Es wurde beschlossen, keinen endgültigen Beschluß zu fassen, ehe Macdonald sein« Erklärungen ab- gegeben habe. Gerüchtweise verlautet, daß sich mehrere schottische Abgeordnete der Arbeiterpartei gegen die negativ« Politik der Regierung in der Frage der Arbeitslosigkeit aus- gesprochen und gedroht haben, sich nicht an der Abstimmung zu be- «eiligen, wenn die Regierung nicht Garantien dafür gebe, daß der vor dem Regierungsantritt der Arbeiterpartei ausgearbeitete Plan durchgeführt werde. vie Unterhavsöebotte. eondon. 29. Mai.(EP.) Als erster Redner führte der Konservative Sir Robert Horn« aus, feit Anttitt der Arbeiter- regierung seien keine wesentlichen Aenderungen in der Arbeits- losig keit zu verzeichnen. Die Versprechungen, die den Wählern gemacht worden seien, seien nicht eingehalten worden. Dies könne nicht längern andauern. Keine einzige der großen S f f e n t- lichen Arbeiten, die von der Arbeiterpartei zugesagt worden seien, sei durchgeführt worden. Darauf erklärte Macdonald, wenn er die von ihm gewünschte Außenpolitik durchführen könnte, so könnte die Arbeitslosigkeit sofort bedeutend ver- mindert werden. Wenn die konservative Partei glaube, daß Sturz der Regierung und allgemeine Wahlen für da» Land ein Vorteil seien, so bleibe nun übrig, die Regierung heute abend zu Fall zu bringen. Die Wahrheit sei, daß die Konservativen die Arbettslosenfrag« zu Propagandazwecken verwende« wollten und daß sie n i ch t die Absicht hätten, irgend etwas zu tun, wodurch dieses Problem g e l ö st werden könnte. Zum Schluß er- klärte Macdonold, der Tadelsantrag gegenüber einem Minister meines Kabinetts würde ein Mißtrauen gegenüber der Regie- rung darstellen. Werde der Antrag angenommen, so könnten die Konservativen damit rechnen, Macdonald auf seinen Posten zu finden, wenn au das Land appelliert wird. Die Sitzung wurde darauf aufgehoben, um den Liberalen Gelegenheit zu geben, zu dem Antrag endgültig Stellung zu nehmen. Iudenfahn«? Die haben wir Gott fei Dank vergessen auszuhängen." „Soo", wunderte(ich Maxe,„aber sonst jehts Ihnen: Danks?" Rum— rasselte dos Schalterfenster herunter, und die Jungen verließen das republikanische Postamt. Auf der Straße fragten sie den nächsten Sipo. Dos war ein junger Mann von„droben röben", den der Großstadttrutei schon reichlich nervös gemacht und der eine scheußlich« Angst vor Demon- sttationen hatte:„Republikanische Fahne?... Ihr seid Kommu- nisten?" Und dann griff er noch ihnen, als wollte er sie fest- nehmen... Die Jungen rissen aus. Schließlich landeten sie auf dem Pots- damer Platz. Sie stellten sich vor den seit Iahren leeren Sockel der einst so bekannten Tonnenuhr und suchten die gegenüberliegenden Häuser nach einer Fahne ab. Endlich«ntieckten sie, daß im Rheingold irgendetwas los fem müsse. „Mensch, Orje, kiek mal da drüben in die rechte Ecke, da sind'ne Masse." Und richttg, vom Dach herab und aus sämtlichen Fenstern de» großen Hotelpalastes hingen Dutzende von Fahnen aller verflossenen Bundesstaaten einschließlich Mecklenburg-Strelitz und Reuß jüngere Linie. Sie waren ganz verschieden lang, als hätte man sie in der Eile nicht passend bekommen. Am mächtigsten aber breitete sich Schwarzweißrot aus, dann folgte die blauweiße Bayern, die weiß. grüne Sachsen mit dem Rautenkranz, dann Preußen, Baden, Württemberg, Hessen, Oldenburg usw. Au, dem obersten Fenster jedoch lugte klein und bescheiden das Fähnchen der Republik: Schtvarzrvtgold... „Siehste, Maxe, det sind die richtigen Farben, aber wie traurig kloen, wat?" „Traurig kleen!" wiederholte Maxe,—„aber da fällt mir«in: uff'n Reichstag mutz ja jetz eene janze jroße hängen, weil doch da wieder Sitzung!s. Mölln mal hin?" „Iawoll", meinte Orje,„aber denn dalli! Wa weeß, wo se jetz eenen nationalistischen Präsidenten ham— morjen hängt se am Ende nich mehr!" Russische Iheaterhochflut. Di« Theaterteidenschoft, die nach der Revolution in Rußland ausgebrochen ist, hat dort sehr merkwürdige Zustände geschaffen, über die Hürtly Tarier in einem soeben er- schienen«» Buch„Dos neu« Theater und Kino von Sowjetrußland' näheres mitteilt.„Eine Zeitlang nach der Revolution gab es in einer der Wolgoprooinzen mehr Theater als in ganz Frankreich," schreibt er.„192» bestanden 2197 Theater, die Unterstützungen erhielten. 268 Theater, die alz Boltseinnchttmgen von der Regie- rung geleilet wurden, und 3452 Theatergesellschasten, die in den Dörfern spielten. Es waren also sasl 6ÜV» Theater in Rußland vorhanden gegenüber 21» Theatern, die im Jahre 1914 in Ruß.cmd bestanden." Dt« Gründe für die Errichtung der Theater sind in her Hauptsache politische. Da» Theater sollte lehren, was die Revo» lution g« eistet Hot. die neu« Gesellschafsform erläutern und für die kommunistischen Ideen werben. So wurde die Bühne zu einem vollständiaen Werkzeug der Propaganda. Besonders wa? cs E. B. Mci erhold, der dcs Droma zum kommunistffckur.i Mannest um. «ff: altes?.„Er sucht augenscheinlich Zuschauer und Schauspieler in Vch-s W- l? w fffnändcr;u vcrcinden, daß zeitweise der Zuschauer selbst zum Schcmsp'.eier wird. Er erstrebt eine mystffche Vereinh, gmm&a smt m KiöAMtis dchM Mwvsts«» Gruß an Exzellenz. Von Eli- Ha. In dem Augenblick, in dem Seine Exzellenz, der General Luden- dorsf, dem Auto entstieg, um ins groß« Hotel zu treten, erhob fich an der Straßenecke ein Invalide in Umform, dessen Rock mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse geziert, dessen beide Bein« an den Oberschenkeln abgesägt waren und der tagsüber und an Sonntagen bis in die späte Nacht an jener Eck« zu betteln pflegt, auf dem Pflaster sitzend. Der Invalide konnte fich nur langsam und mühevoll erheben. E» dauerte einige Minuten, bi, er fein« Krücken so sich« auf dem Boden aufgestützt hatte, daß er sich an der Mauer den Rücken allmählich aufrichten konnte. Indessen war der General, der beide Beine hatte und nicht einmal«inen Fingernagel vermißte, mit der normalen Schnelligkeit eines Gesunden in der Hotelhall« verschwunden. Ich weiß nicht, ob sich der lahme Invalide aufg«richtet hatte, um seinen General zu grüßen, oder nur, um ihn zu sehen. Ich weiß nicht, ob der Invalide den General bewunderte, oder ob er ihn beneidete, vielleicht erinnert« sich der Bettler jener Zeih in der er, noch intakt und zweibeinig, als Soldat in einer Front stand, die Ludendvrff gerade abschritt. Bielleicht enffann sich der Arme der kernigen Heldenwort« de» General», die dieser sprach, um die Sol- baten zu Amputationen zu«rmuniern. Ich weiß nicht, ob der In- valide aus Stolz dos Eiserne Kreuz trug oder au» Gefchäftsg runden. Oder, ob er es gerade zu Ehren de« Generals angelegt hatte. Vielleicht kamen dem Invaliden gerade gar kein« Gedanken, als er den General sah, vielleicht hatte er seinen Befehlshaber gar nicht erkannt, und er fand keinen Anlaß, seine eigenen Trümmer mit der stolzen Unversehrtheit der Exzellenz zu oergleichen. Ich aber erkannte die Exzellenz und gleichzeitig drängte fich der invalide Bettler in mein Blickfeld. Es war. als ob der liebe Gott sie ver» gleichen wollte. Und plötzlich veränderte sich dos Angesicht des invaliden Bettlers und bekam einen Schnurrbart und ein Doppeltinn und hervor- yuellende Augen mit dem strafenden Blick majestätischer Befehlshaber. Auf den Schultern des Bettlers sproßte goldenes Achselklappen- gesiecht, auf der Brust wuchsen viele hohe Orden neben dem Eisernen Kreuz und mit einem jähen Ruck ließ sich der General fallen und blieb auf dem Pflaster sitzen. Di» Orden klirrten wehmüttg. Zu beiden Seiten des Generals lagen hölzern« Krücken. Die Beine des General» waren an den Oberschenkeln abgesägt. Und mit einer unendlich heiseren Stimme— sie wehte schaurig, als wäre d» Kehle, aus der sie kam,«in Massengrab— sang der invalide General: „Was ich bin und was ich habe Dank ich dir, mein Vaterland..." Ich sah dl? gavze weit« Straße entteng, in der das Hotel stände ' M.Wj?.Mli.... m ß&aem-.m Weltkrieges, französisch«, deutsche, englische, amerikanische, chine- fische, all« großm Feldherren saßen an den Wänden. Der«in« war blind, dem anderen fehlten die Arm«, der dritte hatte nur e i n e Krück« und der vierte zwei. Es gab zwei Generäle, denen Arme und Leine sehlten und die obendrein noch blind waren. Und all« san- gen mit schaurigen Stimmen Lieoer und hielten ihve Mützen offen, wenn sie Hände hatten, und schüttelten die müden alten Köpfe. Darüber verwundert« ich mich sehr. Wußte ich doch, daß die Generale aller Nationen im Krieg« vor Schüssen und Amputatio- nen sicher sind und nach dem Kriege durch Pensionen vor Bettelei. Ich trat näher. Da ging die groß« Glastür des prächtigen Hotel« auf, die Klänge einer vorzüglichen Kapelle strömten warm und golden aus die Straße, denn man feierte gerade den Füns-Uhr-Tee. Mit einem Schlag waren die bettelnden Generale veffchwunden. Die Straße war leer. Automobile standen vor dem Hotel und warteten auf Exzellenzen. An der Straßenecke, die rote Mauer im Rücken, die Beinstümpfe vor sich auf den Pflastersteinen, die hölzernen Krücken neben sich so übereinandergelegt, daß sie ein Kreuz bildeten— saß der in valide Bettler, der sich früher erhoben hatte. Es war kein General, er bezog.keine Pension, er war kein Abgeordneter, er hotte nur«in Eisernes Kreuz erster Klasse, kein Doppelkinn, keinen strafenden Blick und keinen stolzen Schnurrbart. E» war ein ganz gewöhnlicher Soldat,«in Ueberrest de, Kanonenfutter», das Fragment«ine« Menschen, ein Held und ein Beiller.... die Johne öer Republik. „Orje", sagte Maxe und stieß seinen Freund in die Seite:„Ick habe eijentlich unsre Fahne lange nich gesehen." Orje sing an zu lachen:„Meenste vielleicht die da?" und wies auf die schworzweißrote Kinderfahn«, die man dem bronzenen Wrangel vor ihnen an die Helmspltz« gesteckt hatte. „Nee", meinte Maxe verächttich,„ick denk« an die Fahne der Republik." „Det is aber schon lange her, Maxe. Ick kann mir jarnich mehr druff besinnen. Wie sieht denn die Fahtuj-ijenilich aus?" „Aber, Orje, det weest de nich? Schwarz-Iold-Roi." „Watt is se? Schwarzroffold, mein Lieber und nich: Schwarz. Iold-Rot, vastehste." „Mach leen Mist, Orje. ich Hab se dock) neulich nach ufs de Post jesehn." „Wetten, det s« Schwarzrotjoid is?' .Iut, jehn wir mal hin.' Die beiden Freund« trabten zum nächsten Postamt, suchten samt. liche Wände ab nach der sogenannten Flaggentafel, tonnten sie aber unter den vielen Bekanntmachungen über unbestellbare Sendungen, Potksopser der Reichswehr, öffentlichen Zustellungen usw. beim besten Willen nicht finden. Als c-naehende Charaktere ließen sie aber> nicht locker und fragten einen Schaltcrbean:ten. Der sah die Jungen von oben bis unten an lganz so wt« in setigen wilhelminischen tat&iu Sti&sn«Äs ZM m do: Der deutsch- russische Konflikt. Offiziöse Antwort auf Kraffins Anklagen. Gegenüber der vom Borwärts" berichteten Moskauer Rede Rrassins wird deutsch- offiziös erklärt: Die Behauptung, daß die Handelsvertretung als solche egterritorial sei, wird darauf geftügt, daß ihr diese Rechtsstellung in dem Abkommen vom 6. Mai 1921 eingeräumt worden sei. Im Artikel 2 des Abkommens vom 6. Mai ist lediglich die Unverleglichkeit eines beschränkten Kreises von Mitgliedern der Handelsvertretung festgelegt worden. Die deutsche Regierung hat immer auf dem Standpunkt gestanden, daß diese festgelegten Rechte respektiert werden müssen, und hat, soweit eine Verlegung stattgefunden hat, nicht gezögert, ihr Bebauern auszusprechen. Sie erwartet aber zum mindesten einen Ausdruck der Mißbilligung auch von russischer Seite für die Verlegung deutscher Interessen, die bei dieser Gelegenheit festzustellen gewesen ist. Davon ist bisher feine Rede gewesen. Im Gegenteil versucht man russischerseits und so auch Herr Kraffin, das Vorgehen der Polizei als eine wohlüberlegte Provokation und Bozenhardt und Lehmann als 2od. fpitel hinzustellen. Daß Bozen hardt, der ein prominentes aftives Mitglied der tommunistischen Partei ist, unter diesem Bor. wurf fast zusammengebrochen ist, wurde bereits befannt gegeben. Es ist aber offenbar noch nicht genügend bekannt, daß die fommunistischen Angestellten der Berliner Handelsvertretung in einem Protest, der nach Moskau gerichtet war, ihrerseits gegen die Be schuldigung, daß Bozenhardt und Lehmann im Dienst der Berliner Polizei geftanden haben, Verwahrung eingelegt haben. Die Sowjetregierung ist also, wie festgestellt werden muß, die Antwort auf die mit diesen Vorkommnissen zusammenhängenden Berhaftungen fchuldig geblieben. Herr Kraffin bemüht sich, so schreibt WIB. weiter, Deutschland als den verlierenden Teil bei den augenblicklichen Die Pfingstreise. In der Notwehr erschossen. Blutiger Ausgang eines Streites mit Betrunkenen. 3u einem blutigen Streit, in dem schließlich iner der Beteiligten zum Revolver griff, einen Angreifer tötete, ferner zwei andere Bersonen verlegt wurden, fam es am Himmelfahrtstag in den Nachmittagsstunden an der Anlegebrüde des Restaurants Heideschlöß chen" in Tegelort. Der Borgang foll sich folgendermaßen abgespielt. haben: Die Pfingsttage stehen nahe bevor, und da gerade in diesen Tagen die wenigsten zu Hause bleiben möchten, so werden sie, wenn es nicht schon geschehen ist, Umschau nach einem Ziel und einer Bleibe für die Nacht halten müssen. Das ist selbst in einer weiteren Entfernung von Berlin gar nicht so leicht, denn bekanntlich strömen in den Pfingsttagen Hunderttausende aus Berlin heraus, die alle eine oder zwei Nächte außerhalb verbringen wollen. Eine Zeitlang hat die Jugend mit großer Vorliebe auf Heuböden und in Zeiten Als zwei Segelboote zu gleicher Zeit an der Landungsbrüde genächtigt. Das letztere hat den Behörden bald Anlaß zum Ein- des Restaurants Heideschlößchen" anlegen wollten, stieß das eine. schreiten gegeben, weil sich, oft durch Verschulden der Jugend selbst, dessen Jnjalien angetrunken waren, gegen das andere, Unzuträglichkeiten ergeben haben. Grundsätzlich aber darf man, er Kriegsinvaliden, aus der Günzelstraße in Berlin gehört, an. Es das einem gewissen Karl Dörhard, einem schwerbeschädigten warten, daß dem Zeltnächtigen, das auch die Ruderer lieben, feine unnötigen Schwierigkeiten bereitet werden. Mehr Ordnung in den tam zu Streitereien. Die Insassen des ersten Bootes waren dreift genug, mütwillig noch einmal gegen das Boot des Dörhard zu Betrieb bringen die Jugendherbergen. Aber ihrer sind immer noch fahren. Die Streitereien fetzten sich auf der Landungsbrüde fort. Gasthäuser und Hotels angewiesen. Und hier stößt man mitunter Stöcken und Stühlen geschlagen wurden und in die Gefahr gerieten, zu wenige. So ist die große Mehrzahl der Feftausflügler auf die Als Dörhard und sein Freund Stanton aus Tegel mit Biergläsern, auf recht unangenehme Zustände. So wird berichtet, daß man einer ins Wasser gestoßen zu werden, zog Dörhard in höchster Not einen Anzahl junger Mädchen in der Kroffener Gegend in den Ostertagen Revolver und gab einen Schuß ab, der einen seiner Angreifer, einen für ein Einzelbett, eiserne Bettstelle und mehrere in einem Zimmer, tschechischen Möbelhändler namens Delepfch. in die Brust traf, so daß im Gasthaus 6( sechs) Mark und für eine Bleibe auf dem Heu- abließen, aab Dörhard noch zwei weitere Schüffe ab. Der eine traf er tot zu Boden fant. Da die Angreifer noch immer nicht von ihm boden 2,50 m. abgenommen hat. Hingegen Eerichten Genoffen, die unglüdlicherweise feinen eigenen Freund, der andere einen gewiffen Bahlagitation in der Priegnig getrieben haben, daß fie dort für Hartmann aus Berlin- Carom und zerschmetterte diesem den 1 bis 1,50 m. mit Frühstück in Dörfern und Kleinstädten gut unter rechten Oberschenkel. Jezt hatte er Luft bekommen und es gelang getammen find. In größeren Kleinstädten wird für das Bett 2 M. ihm, in sein Boot zu springen und so seinen Angreifern zu ent verlangt. Die erstgenannten Preise sind schamloser Wucher. Wenn fommen. Inzwischen war der Reichswasserschutz alarmiert worden, einer Gruppe derartiges zustößt, und der Wirt will durchaus nicht der den Bedrängten und seinen Bruder aufnahm; fie wurden in im Breise ablaffen und es auch zu spät ist, um anderweitig Unter polizeiliche Schußhaft genommen. Soweit bisher festgestellt ist, foll Dörhard in größter Motwehr gehandelt haben. Stankow tunft zu suchen, dann nehme man eine solche Forderung nur unter hat außer dem Schulterschuß noch erhebliche Kopfverlegungen von Vorbehalt und Protest an. Man laffe sich eine Quittung ausstellen Bierfeideln und Flaschen. Alle Zeugen, besonders diejenigen, die und gehe am anderen Tage mit Zeugen zum Amts- oder Gemeinde- den Borgang von Anfang an beobachtet haben, werden gebeten. rorsteher, zur Polizei oder zum Landjäger, wo man den Fall zu bei Kriminalfommissar von Ostrowski, Reinickendorf, Hauptstr. 138, Protokoll gebe. Die Adresse des Wirts merke man sich genau und teile Bimmer 30, zu melden. fie feiner Organisation zum Zwede weiterer Beobachtung mit. Hat der Wirt mitgeteilt, daß er ein freies Zimmer oder Bett hat, so muß er den Betreffenden aufnehmen, selbst wenn dieser erklärt, er und Getränke achte man auf die im Gastzimmer aushängende Preistafel. In Ferch am Schwielowsee wurde in diesen Tagen einer Gruppe sozialistischer Jugend für eine Weiße 35 Bf. abverlangt. Darauf bestellten die jungen Leute jeder eine Weiße. Als es ans Bezahlen ging, verlangte der Wirt nicht 35. Bf., sondern 80 Bf. Er erklärte, jeder habe eine dappelte Weiße zu 70 Bf. er halten. Dazu Bedienungsaufschlag 10 Pf., den der Wirt selbst nahm, zusammen 80 Pf. Auch das ist zweifellos eine ganz grobe Täuschung der arglofen Gäfte. Man hat dafür den Namen Nepp. Derartige Wirte soll man sich merken. Will man also in den Pfingsttagen reisen, so ist Borsicht geboten. Gerät einer wirklich in eine solche Situation, so soll er nicht die Nerven verlieren und schimpfen und randalieren, sondern fühlen Kopfes, die Tatsachen behandeln. Damit tommt er am weitesten. Wenn sich aber der artige Borfälle häufen sollten, so wäre das für die Wanderer, junge wie ältere, der beste Antrieb, für gemeinnützige Beherbergung, wie fie bereits in den Jugendherbergen und den Arbeiter- Touristenheimen vorhanden sind, unermüdlich zu arbeiten. Zweifellos gibt es auch noch recht viele Wirte, die in ihren Preisen die geringen Durch schnittseinfommen des Gros der Bevölkerung wie auch die mäßigen Einkommen ihrer eigenen Angestellten berücksichtigen, d Stodungen im deutsch- russischen Geschäftsverkehr hinzustellen. Er übersieht dabei, daß Deutschland 1923 zwar mit 41,3 Broz. der Gesamteinfuhr in Rußland beteiligt war, daß diefer Anteil aber nur 1,9 Proz. der deutschen Gesamtaus: fuhr ausmachte. Aehnlich verhält es sich mit der Gesamtausfuhr aus Rußland, bezüglich deren die entsprechenden Anteile 32 Broz. bzw. 2,2 Pro3. ausmachen. Die Behauptung Kraffins, daß der Umfang der deutsch- russischen Beziehungen infolge der politischen Beachle den Preis mur unter Protest. Bei den Preisen für Speisen ziehungen nach dem Rapallo- Vertrag fünstlich gesteigert worden ift", erledigt fich eigentlich auf Grund der genannten Ziffern schon von selber. Ein Vergleich mit der Vorfriegszeit ergibt, daß das deutsch russische Geschäft felbst in den besten Monaten seit dem Rapallo- Bertrag leider nur einen verschwindenden Bruch. teil des Borkriegsgeschäftes beträgt. Wir wollen mit Herrn Kraffin darüber nicht streiten, ob Deutschland oder Rußland im gegenmärtigen Streitfall wirtschaftlich überlegen sei. Jedenfalls war es bisher immer der Wunsch der deutschen Wirtschaftskreise, Rußland bei seinem Wiederaufbau zu helfen. Abgeordnete als Spitel. In Mussolinien. 330 Rom, 29. Mai.( EP.) In der Kammer fam es nach der Eröffnungsrede des Rammerpräsidenten zu 3 wischenfällen, weil einige faschistische Abgeordnete die letzten Size der äußersten Linten in der Absicht besetzt hatten, die Opposition im Rüden zu überwachen und ihre Gespräche zu belauschen. Der Sozialist Modigliani sowie die Republikaner protestierten gegen das Verbleiben der Faschisten auf den Bänken der Oppo fition. Die Faschisten unterbrachen die Redner fortwährend, was zu einem scharfen Wortgefecht führte. Mussolini schenkte den Zwischenfällen teine Aufmertfamteit. Die republifani schen Abgeordneten verließen aus Protest den Saal und erflärten, sie würden die Anmaßungen der Mehrheit nicht dulden und nicht mehr an den Kammerarbeiten teilnehmen, wenn die Faschisten auf den Bänden der Opposition verblieben. Das Borgehen der faschisti- Der gestrige Feiertag, nach dem Rirchenkalender Himmelfahrts schen Abgeordneten wurde vom Bizepräsidenten Giunta und tag genannt, war wieder wie üblich den Herrenpartien gewidmet. anderen Faschisten mißbilligt. Der Mehrheitsausschuß der Glüdlich jene, die schon am frühesten oder frühen Morgen hinausRammer befchloß, darüber die Ansicht Mussolinis einzuholen. geeilt waren; fie erwischten wenigftens noch einen schönen Bor Die faschistischen Wachtposten werden wahrscheinlich zurüd gezo= gen. damit die Opposition untontrolliert ihre Arbeiten ausfühmittag, wenn auch das Barometer bereits am Morgen fiel und sich ren fann. fich zugleich auf das andere erftredt und Schauspieler wie Zuschauer in der Begeisterung für die Idee verschmelzen. Deshalb werden gewaltige Maffenvorführungen veranstaltet, an denen große Teile der Bevölkerung teilnehmen. Carter schildert die Aufführung eines folchen Maffenftüdes:" Der Sturm auf den Winterpalaft", bei der 100 000 Menschen mitspielten; es handelt sich dabei augenscheinlich um große Aufzüge, wie sie in Westeuropa bei festlichen Veranstaltungen stattfinden, um Massenszenen, wie sie bisher nur im Film gewagt worden waren. Das größte Landsäugetier.„ Das größte Rhinozeros aller Zeiten, wahrscheinlich das größte Landsäugetier, ein riefiges aus. gestorbenes Nashorn aus West- und Zentralafien," so wird das neuaufgefundene vorgeschichtliche Säugetier Baluchitherium von bem grohen Paläonthologen Henry Fairfield Osborne genannt, der jetzt ben ersten wiffenſchaftlichen Bericht darüber veröffentlicht hat. Dieses Nashorn, das eine Höhe von 4 Metern bei einer Länge von 8 Metern besaß, ist von so riesigen Ausmaßen, wie sie bisher bei Bewohnern des Landes unbefannt waren. Ueber die Stellung dieses gigantischen Nashorns zu den heute noch lebenden Artgenoffen berichtet Dr. Loefer in der in Frankfurt a. M. erscheinenden Umschau". Die heutigen Nashörner gehören zwei Gruppen an, der einhörnigen, wie sie das indische und javanische Nashorn darstellen, und der aweihörnigen, zu ber bas afrikanische Nashorn mit feiner weißen Unterform gehört. In vorgeschichtlicher Zeit lebten jedoch auch in Europa Rhinozeroffe gleichzeitig mit dem Menschen, die anderen Arten angehörten. Man fennt aus dem fibirischen Eis die unversehrt eingefrorenen Leiber des wollhaarigen Nashorns, das ein riesiges Horn auf der Nase und ein kleineres auf der Stirn trug. Das Bild diefes Tieres ist uns ebenfalls aus den Höhlenzeichnungen bekannt. Ein Vorläufer dieses wollhaarigen Nashorns war das Mercsche Nashorn, und noch weiter zurüd, in die Tertiärzeit, reichen Nas. hörner, die in vielen Unterfamilien über Europa, Asien und Amerita verbreitet waren. Man tannte bisher fünf solcher ausgestorbenen Unterfamilen des Nashorns, und zu diefen fommt nun noch die gewaltigste, die neuentdeckte Art der Baluchitherineen. Diese sind burch folgende Merkmale gekennzeichnet: 1. Das Fehlen eines Horns und die hauerartige Ausbildung des zweiten oberen Schneidezahns, 2. einen start verlängerten Hals, der dem Tier ein pferdeähnliches Aussehen gab, 3. die Berlängerung und seitliche Kompression der Gliedmaßen, wodurch der dreizehige Fuß einem einzeigen ähnlich wird, 4. die verhältnismäßige Schwäche des Kopfes, die zusammen mit dem langen Hals dafür spricht, daß das Tier seine Nahrung durch Abrupfen von Baumzweigen fuchte. Wenn auch das neue Tier einen einen sehr alten Inp der Nashörner darstellt, so war feine Entwickfung boch hon weit fortgeschritten. Da nach einer entwidiungs geschichtlichen Regel neue Formen zuerst stets in Heinen Bertretern erscheinen, so muß dieses riesige Nashorn am Ende einer langen Entwidlungsreihe stehen. Elettrischer Betrieb der franzöfifchen Bahnen. Das ganze Bahnnek ber franzöfifchen Eisenbahnlinie Baris- hon- Mediterranée wird jetzt auf elektrischen Betrieb umgestellt, wobei es fich um 3000 kilometer bandelt, bei denen jährlich eine Million Tonnen Brennstoff eripart werden. Der Etrom liefern verfchiedene Brivatunternehmen. Für die Verfuchstrede. die 2nie Culoz Modane fehen die Probefahrten demnäc ft benor; meitere Ber fuche sollen dann möglichst bald auf der Strede Matsciple- Bentimilia gemagt werden. Feiertag mit Gewitterstorm. mus Seglerfod auf der Havel. Auerb alsbald eine drückende Schwüle einstellte. Die Vorortbahnen waren schon in den Frühstunden fürchterlich überfüllt. Am frühen Nachmittag tam es aber bereits zu einem heftigen mit schweren Regenböen einhergehenden Gewitter, an denen dieses Frühjahr in der Berliner Gegend so außerordentlich reich ist. Einen schweren Stand hatten um diese Zeit die Ruderer und Segler. Auf der Havel zwischen Kladom und Gatow, gegenüber Schwanenwerder, spielte fich eine Seglertragödie ab. Ein Segelboot mit 4 Personen fenterte. Ein in der Nähe befindlicher Bierer des zum Arbeitersport gehörenden Ruderflubs Rollegia wagte es troß der großen Gefahr, auszufahren und Hilfe zu leisten. Es gelang ihm, zwei Mann des Seglers zu retten. 3 wei weitere Berfonen des Seglers, namens Philipp Württen berger und Drudhausen, hatten bereits vorher den Tod in den Bellen gefunden. Den waderen Mannen des Bierers der Kollegia gebührt hohes Lob für ihre menschenfreundliche Tat. Der Gewittersturm hat mannigfachen im einzelnen noch nicht fest stehenden Schaden angerichtet. Eine Sensation hatte Friedrichshagen am Himmelfahrtstag. Der Berkehr übertraf alles bisher Dage. wesene. Birta 25 000 antommende Fahrgäste wurden gezählt. Die lufthungerigen Berliner wcren wieder sehr luftig. Ein ols Chaplin verkleideter Teilnehmer einer Partie erregte großes Auffehen, und etwa 2000 Kinder und Erwachsene folgten dem Zug und wollten durchaus den durch eine Hintertür entwischenden Chaplin fehen. Mufitvereine mit allen möglichen und unmöglichen Instrumenten belebten die Hauptstraße von Friedrichshagen. Durch die Polizei wurde das Mufizieren verboten, was überall Befremden er. regte. Forderte doch Altmeister Goethe schon: Die Polizei störte die Freude nicht. Der Abendverfehr wickelte sich nicht ohne Reibungen ab. Zeitweise standen zirka 300 Menschen ani Fahrkartenschalter des Bahnhofs Friedrichshagen Schlange. Obduktion des erschossenen Schülers Beyer. Schon wieder ein Straßenbahnunglück. Bor dem Hause Birkenstr. 30 sprang nachmittags der Anhänger eines Straßenbahnzuges der Linie 15 aus noch nicht ermittelter Ursache aus den Schienen, legte sich quer über die Schienen und wurde in diesem Augenblick durch einen aus der entgegengesezten Richtung fommenden anderen Straßenbahnwagen derart angefahren, daß seine Plattform abgerissen, die Kuppelung und wurden. Berlegt wurde der Schaffner des Anhängers Auguſt das Dach start beschädigt und mehrere Scheiben zertrümmert Schmilemfti fchwer am linten Unterarm und der Monteur Karl Stunte an der linken Hand. Reichsbanner Schwarztofgold. Die Fahrt nach Guben am Sonnabend, den 31. Mai, und Sonntag, den 1. Juni, fällt besonderer Umstände halber aus. Der geheimnisvolle Tod des Penfionärs und Logenschließers im Zirkus Busch Emil Jafob in der Langen Straße ist durch die Kriminalpolizei jetzt aufgeklärt. Die Obduktion der Leiche, die Profeffor Dr. Strauch vornahm, ergab, daß der Tod durch keine äußere Gewalt oder durch Gift herbeigeführt worden ist. Jakob ist durch Gehirnbluten und durch einen Schlaganfall gestorben. Selbstmord auf den Schienen. Am Donnerstag früh gegen 4% Uhr fand ein Weichenwärter auf dem Bahnförper zwischen ben Stationen Tegel und Schulzendorf die Leiche eines Mannes. Der Kopf ist vom Rumpfe getrennt. Die Persönlichkeit des Toten tonnie bisher nicht festgestellt werden. Ein Rheinländertag in Potsdam. Am Sonntag, den 1. Juni findet in Potsdam cin Rheinländertag statt. Er wird veranstaltet vom Reichsverband der Rheinländer, der besonderen Wert darauf legt, zu betonen, daß diese Beranstaltung lediglich dem Set matgedanten dient und alle innerpolitischen Tendenzen grund= fäglich ausschließt. Das Bukarester Munitionslager explodiert. Nach einer Meldung aus Bufarest ist das Zentral= munitionsdepot von Bukarest in die Luftgeflogen, und zwar infolge eines Brandes, der in einer kleinen Barade infolge Artillerie- und Infanteriegeschosse flogen in die Luft, darunter 12 000 Funkenwurfs einer Lokomotive entstanden war. Mehrere Waggons neue Sfodageschosse. Ganz Bukarest wurde durch den Stoß er schüttert. Die Feuersbrunst und die Explosionen dauerten von 10 Uhr vormittags bis nachmittags 4 Uhr. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist noch nicht bekannt. Einige Häuser stürzten ein. Mehrere Goldaten werden vermißt. Ein ganzes Stadtviertel mußte von der Bevölkerung geräumt werden. Der Schaden beträgt meh rere Milliarden. Die Explosion hat sich auch auf das neue Munitionslager ausgedehnt. Das Munitionsdepot ist zwei Meilen westlich von der Stadt gelegen und eine Meile östlich vom Königspalaft von Cortroceni. In Königspalast ist bedeutender Schaben angerichtet worden, da die Granaten und Schrapnells auf das Gebäude und in die Bartanlagen fielen. Die fönigliche Familie, die sich gerade im Balast befand, war gezwungen, in Begleitung des früheren Königs von Griechenland schleunigst nach dem Königspalast in Bukarest zurückzukehren. Das Barlament muhte seine Sigungen aufgeben. Im westlichen Teil der Stadt hat sich unter der Bevölkerung eine Banif ereignet. Die Bewohner sind außerhalb der Stadt geflüchtet, die Telephon- und Telegraphenverbindungen find unterbrochen. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, den 29. Mai: 1. Rennen. 1. Dro( Sartmannsh.), 2. Blauschwarz( Bolg), 3. Brise ( üfchen). Foto: 40:10. BI.: 19, 52: 10. Ferner liefen: Turfball, Lilienftein, Gallipoli. 2. Rennen. 1. Marene( Rutulies), 2. Abolphus( Bolg), 3. Gultan ( nhr). Toto: 23:10. BI.: 12, 12:10. Ferner liefen: Eisentappe. Onkel Otto. 3. Rennen. 1. Feirebis( Rufulies), 2. Gigerl( R. Edler). Toto: 15:10. 8 Tiefen, Rubel( gef.) 4. Rennen. d. Eichwald( Mate), 2. Der Sogenannte( v. Serder), 3. Her 30g( Dertel). Toto: 14:10. 3 Tiefen. 1. Gulamith( F. Berch), 2. Ravenna( n. Bachmanr); 3. Encanta( v. Falfenhavn). Tofo: 119: 10. I.: 38, 41:10. Ferner liefen: Feuerbach, Seldin, Siegreifer. 5. Renne it. 6. Rennen. 1. Senrn( Quade), 2. Georg( Dorff), 3. Mig me quid ( Dertel). Toto: 31: 10. BI.: 13, 15, 19:10. Ferner liefen: Douschka, Bummel Betrus, Noprina. balind( v. Falkenhayn). Toto: 39:10. BI.: 10, 10:10. Ferner lief: Wilhelma. 7. Rennen. 1. Puschkin( Sr. König), 2. Civilift( Sr. Schlutius), 3. Ga Groß- Berliner Parteinachrichten. 4. Abt. Sonnabend, den 31. Mai, 8 Uhr, äußerst wichtige Funktionärsizung bei Roch, Schilling, Ede Magazinstraße. Beyer hat in der Leichenhalle des Friedhofes in Hoppegarten- Dahl Die gerichtliche Obduktion der Leiche des erschossenen Günther Beyer hat in der Leichenhalle des Friedhofes in Hoppegarten- Dahlmi stattgefunden, fie bauerte bis in die späten Abendstunden. Anmit wefend waren der zuständige Amtsrichter aus Alt- Landsberg, der Erste Staatsanwalt Treichel von der Staatsanwaltschaft III Berlin, anstalt für Handfeuerwaffen und der Kriminalfommiffar Schent. als Schießfachverständiger der Major a. D. Koll von der Versuchs Die Deffnung der Leiche führten der Kreisarzt Medizinalrat Dr. Schulz und der Medizinalrat Dr. Guttwein aus. In ihrem zu fammenfassenden Gutachten erklärten sie, daß der junge Mann infolge einer Ropffchußverlegung gestorben ft. Die Kugel ist am Halswirbel steden geblieben. Der Schuß ist aus nächster Nähe abgefeuert worden. Da der Berdacht vorliegt, daß dem Knaben zum Zwede ber Betäubung narkotische Mittel in irgend welcher Weise, vielleicht burd) Einalmen, beigebracht worden sind, wurde zur chemischen Untersuchung Blut aus bem Herzen und einigen Fleischteilchen entnommen und dem Bericht Vorträge, Vereine und Versammlungen. übergeben. Die Bernehmungen der drei fiffierten jungen Leute in Berlin somie die Ermittelungen in Mahlsdorf gehen ununterbroden meter, haben aber noch fein areifbares Resultat ergeben. Die drei Festgenommenen leugnen nach wie vor jede Beteiligung bam. Mitmijferichait an der Tat 6. Abt. Freitag, den 30. Mai, abends 7 Uhr, bei Dobrohlaw, Swinemünder Straße, Bortrag über Schule und Elternbeiräte". 102. Abt. Baumschulenweg. Freitag, den 30. Mai, abends 7 Uhr, Frauenabend bei Sah, Baumschulenstr. 72. Bortrag der Genoffin Anned über Urbeiterwohlfahrt". Sungfozialisten. Gruppe Schöneberg. Beteiligung an der öffentlichen Ber fammlung der 3. in ber Schloßbrauerei Schöneberg. Adolf Roch spricht ilber Jugend und Rörperbildung Reichsbanner Freitag, Schwarz- Rot- Golb", Kamerabschaft Sichtenberg. hen 30. Mai, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Geitfe. Kronprinzenftraße 48. Republikaner als Gäße midfemm: n. Samerabschaft Tiergaren. Berleberger Straße. Bertrag des Kam. Martin Schneider: Zweck und Biele Freitag, den 30. mai, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Artushoi, Des Beihanners, Republier als Göle milltommen, Gewerkschaftsbewegung Verhinderung an freiwilliger Arbeit. Ein Rundschreiben des BBM3. ob die Arbeitslosigkeit nicht etwa nach dem ominösen 23. März 1924 eingetreten ist. In diesem Falle ist der Arbeitslose beim BBMI. em Falle ist der ebenfalls abgemeldet. Busammenfassend bemerken wir zu dem unter I Gefagten, daß es im Hinblick auf eine richtige Handhabung des Einstellungsverbotes merite Bilicht einer jeben Firma ist, sorgfältige Prüfung der Papiere jedes fich zur Einstellung meldenben Arbeiters vorzunehmen. Geht aus den Papieren eines Arbeiters nicht lückenlos hervor, oder bzw. bei welchen Firmen er in der Zeit vom 23. März 1924 bis zu dem Tage, an dem er sich zur Einstellung meibet, gearbeitet hat, so muß die Einstellung unbedingt Bereits unterm 26. März hat der BBMI. seinen Mitgliedsfirmen rch Rundschreiben die Einstellung solcher gewerblichen Arbeit ahmer verboten, die nach dem 25. März aus den BB3.- Betrieben ausgetreten sind, weil die Lohnfrage nicht geregelt war. In bem neuen Rundschreiben rem 17. Mai heißt es einleitend: Beschwerden von Mitgliedern beweisen uns, daß die Durch führung des Einstellungsverbotes nicht überall rigtig gehandhabi wird. Wir nehmen daher Beranlaffung, mit nachstehenden Ausführungen auf Einzelheiten in der Handhabung des Einstellungs, verbotes einzugehen." Es folgen dann genaue Vorschriften über die Prüfung der Papiere. Meldet sich ein Arbeiter zur Einstellung, so ift zunächst an Hand der Papiere des betreffenden Arbeiters festzustellen, bei welcher Firma er zulegi beschäftigt war. Hierbei fann fich folgendes heraus. Stellen: a) Der Arbeiter fommt unmittelbar von einer Berbands= firma. Damit erübrigt sich eine meilere Nachprüfung der Papiere." Das heißt, dem Arbeitsuchenden wird einfach die Tür gewiesen. Er befommt feine Arbeit. b) Der Arbeiter war zulegt bei einer Nichtverbands. firma beschäftigt. Für diesen Fall ist festzustellen, bei welcher Firma er gearbeitet hat, benor er bei der Nichtverbandsfirma eintrat. Mar auch diese eine Nichtverbandsfirma, so ist die Nachprüfung nach der vorhergehenden Beschäftigungsstelle fortzu fegen und zumindest so weit, bis festgestellt ist, bei welcher Firma der betreffende Arbeiter am 23. März 1924 beschäftigt war." unterbleiben." „ Einstellung und Rückfragen. Hat sich bei forgfältigster Brüfung der Papiere ergeben, daß der sich zur Einstellung meldende Arbeiter feine letzte Beschäfti qungsstelle füdenlos nachweisen tann, so ist bezüglich der Einstellung folgendes zu beachten: a) Die Einstellung eines Arbeiters tann ohne weiteres vorgenommen werden, wenn dieser in der Zeit vom 28. März 1924 bis zu dem Tage, an dem er sich uns zur Einstellung meldet 1. ausschließlich bei Nichtverbandsfirmen gearbeitet hat oder 2. arbeitsios war oder 3. mit Unterbredung bei Nichtverbandsfirmen tätig und in Zwischenzeiten arbeitslos war. b) Bar der betreffende Arbeiter zuletzt oder nach dem 23. März 1924 bei einer Mitgliedsfirma tätig, fo barf eine Einstellung nur erfolgen, wenn die betreffende Firma ausdrücklich ihre Genehmi gung bozu erteilt. c) Erteilt die Verbandsfirma, bei der er megen der Einstellung Rückfrage erhalten wird, ihre Zustimmung nicht, so darf die Ein ftellung nicht erfolgen. Hierbei meifen wir jedoch ausdrücklich darauf hin, daß die Genehmigung zur Einstellung nur dann erteilt werden darf, wenn die Firma, bei der ein Arbeiter nach dem 23. März 1924 ausgeschieden ist, dieser Arbeiter zu ben alten Arbeitsbedingungen wieder einstellen will. In allen anderen Fällen muß die Genehmigung zur Ein Damit ja nicht etwa ein Arbeiter dennoch durch die Maschen des BBMJ.- Nezes schlüpft, wird auch im Falle der Angabe eines Arstellung erteilt werden. beiters, zuletzt arbeitslos gewefen zu sein, genau nachgeprüft. Garderobe in guten Qualitäten auf Teilzahlung bei kleinster An- und Abzahlung Billige Preise! 30 Ersatz für Maßarbeit Herren- Anzüge, Paletots, Knaben- und Burschen- Anzüge Cohn Gr. Frankfurter Str. 58 5 Minuten vom Alexanderplatz Eingang durch Möbelläden Mur bis Pingsten! 9 20% Rabatt! Trotz Teilzahlung Anzüge, Paletots für Herren und Burschen in modernster Ausführung, prima Verarbeitung, bester Ersatz f. Maß, zu äußerst billig. 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Wenn die Betriebsinhaber, die dem BBMI angehören, durch scharfmacherische Maßnahmen der Untergezwungen werden, Die Löhne nemerorganisation niedrig zu halten, so ist doch eben dieser BBMI. daran schuld, wenn einzelne Arbeiter versuchen, in anderen Betrieben ein befferes Lohneintommen zu finden. Rein aus feiner Machtfülle, wesentlich verstärkt durch die Not der Arbeitslosigkeit, maßt sich der BBMI. das Recht an, den Arbeitern die Arbeit in den von ihm fontrollierten Betrieben zu verweigern. Daß diefe rigorose Maßnahme, die den Arbeiter schlimmer wie als Stlapen, ihn wie eine leblose Sache nimmt, selbst den menschlicher denkenden Unternehmern nicht einleuchtet, das läßt die Beschwerde des BBMI. in seinem Rundschreiben erkennen. Golden hinterhältigen Brattifen müßte denn doch ein mal ein Riegel vorgehoben werden! Es ist doch geradezu gegen den wahnwigig, daß einzelne Arbeiter, die einmal BBMI.- Stachel gelöft hoben, von diesem dafür einfach zum langfamen Hungertode verurteilt werden. Ist es auch Wahnsinn, so ist es doch Methode. Eine Methode, mit der gebrochen werden muß. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Calorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski, Lotales und Sonstiges: Fris Rarftädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret unb Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage. B Gummimantel, tonturrenalofes Bfingit- Betallbetten Wenger, Doppelbetten, angebot, befonders niedrige Ausnahme Rinderbetten. Rüchen billig. Auguft preife, Memeler Straße la. ftraße 63. Gummimantel, gufe Qualitäten, Rönig, Memeler Straße 1a. Rußbaum Büfette, Kredenzen, Schreib. tifche 85, Standuhren, Rleiderschränke, Gummimantellonig, wirklich staunenb Bertitos 50, Sofaumbaue, Sofas 85, billig, Memeler Straße 1a. Ausziehtische, Stühle, Bettstellen, Tru meau mit Stufe 38 Goldmart. 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Teil Am ersten Verhandlungstag( Dienstag) wies der Vorsitzende, Prof. Bumm, auf das seit 1921 wieder beginnende Ansteigen Freitag, 30. Mai 1924 verursacht durch Lebensmittelteuerung und durch die unerschwing lungen von Tuberkelbazillen durch Katarrh begünstigt und anderen dia verdeln zu lassen, für alle Männer und Frauen, lichkeit der Krankenhauskosten bei dauernder Wohnungsüberfüllung. Dazu kommen die lebenden Tuberkulosen, die man auf 200 000 in Deutschland schätzt, und die ebensoviel Seuchenherde bilden; beson ders schreckt die Zunahme der inneren Tuberkulosen bei Kindern. Das Zentralkomitee hat deshalb eindringlichst auf die Gefahr eines Abbaues der Einrichtungen zur Bekämpfung der Tuberkulose hingewiefen. Der Vortrag von Dr. Ziegler heidehaus be handelte die Bekämpfung der Tuberkulose durch Ruhigstellung der Lunge. Im allgemeinen geht jetzt die Absicht dahin, die Tuberkulose durch die Reiztherapie, d. h. durch Steigerung des im Organismus selbst vorhandenen Bestrebens, aus sich heraus den erfrankien Körper zu heilen, zu befämpfen. Der abfichtlich gesetzte Reiz, 3. B. durch Tuberkolin, kann aber nur günstig wirken, wenn eine Schonungs. behandlung den Körper vorher gekräftigt und die Heilung eingeleitet bat. Der Schonungsbehandlung dient in erster Reihe die Liegekur. In neuester Zeit ist dazu die künstliche Ruhigstellung, d. h. die Ausschaltung einer Lungenhälfte von der Atmung, getreten. Dadurch verlangsamt sich in der Lunge der Blutumlauf, es tritt eine Lymph stauung und damit eine Anreicherung an Schuhkräften ein. Die Ruhigstellung wird entweder durch wiederholte Gas-( oder Luft-) einblasung in den Bruftfellraum oder durch Herausnehmen von Rippen teilen herbeigeführt. Das Verfahren kann nur dann angewendet werden, wenn die andere Lunge im wesentlichen gefund ist und anderweitige schwere tuberkulöse oder sonstige ernstliche Erkrankun München nochmals auf die Notwendigkeit hin, die Fälle forgfältig gen nicht vorliegen. In der Erörterung wies Prof. Sauerbruch auszusuchen, damit Mißgriffe vermieden werden. Darauf berichtet Dr. Kisch Hohenlychen von der Errichtung einer Heilstätte für Kinder mit leichter Knochendrüsentuberkulose, die auf einem früheren Ererzierplatz angelegt ist. Die Kinder bleiben tagsüber in der Heilstätte, werden dort verpflegt, haben im Freien Schulunter richt und machen im Freien ihre Liegefur. Daneben werden sie bes strahlt, gebadet und treiben gymnastische Uebungen, die sorgsam dem Zustande des erkrankten Körpers angepaßt find; vor allem find fie während der Dauer des Heilstättenaufenthaltes den ungünstigen hygienischen Verhältnissen der Häuslichkeit entzogen. Zahlreiche Lichtbilder erläuterten den Vortrag. Ein Hilfruf. en # Nach diesen wissenschaftlichen Vorträgen wurde in einer Ge fchäftssigung besonders die finanzielle Notlage aller Tuberkulosenbekämpfungseinrichtungen besprochen und eine Entschließung einstimmig gutgeheißen, die in abgekürzter Fassung lautet: Die heutige Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämp fung der Tuberkulose richtet an alle Reichs-, Staats- und Kommu nalbehörden, an die Träger der Sozialversicherung, der Wohlfahrts pflege sowie an alle leistungsfähigen Privaten den ernsten Mahnruf, die Bestrebungen des Zentralfomitees burch Zuwendung möglichst großer Mittel zu unterstüßen. Die Generalversammlung er bittet ferner die Hilfe der gefeßgebenden Körperschaften, um das Schwergewicht der zur Bekämpfung der Seuche erwachsenden Lasten auf die Schultern der Gesamtheit zu legen.- Ferner wurde folgende Entschließung von Ministerialrat Dr. Martined ange= nommen: Im Interesse der Tuberkulosenbekämpfung find die Bestimmungen über die Gewährung von Motstandsbeihilfen an Be amte dahin zu ergänzen, daß solche Beihilfen auch zur Durchführung von amtsärztlich für notwendig erklärten Heilstättenfuren gewährt werden können. Der Todeszug. " " ( Efter) Bakterien eine Eingangspførte geschaffen, die die berüchtigte Rischinfektion" ermöglicht. Ferner werden auf dem Wege der Mervenübertragung die inneren Schuhkräfte( Immunfräfte) herab gesetzt. Andererseits steigert durch allgemeine Körperschädigung die Luberkulose wieder die Erkältungsgefahr. Durch vorsichtige, planmäßige Abhärtung kann dieser Kreislauf unterbrochen und der Körper vor Erkältung" geschüßt werden. In der Erörterung wurde hervorgehoben, daß das Frösteln, das als Beginn der Erkältung gedeutet mird, bereits oft das erste Zeichen der Infektion ist. An Hand zahlreicher Bilder zeigte Dr. Janssen Davos, daß bei der Durchficht von Röntgenaufnahmen der Lungen gemisse Fehlerquellen( Platten- oder Entwicklungsfehler, Muskelschatten, Rippenverfalfungen u. dgl.) berücksichtigt werden müssen, die zu irrigen Schlüffen führen fönnten. So wichtig die Röntgenplatte für die Beurteilung des Krankheitszustandes ist, so wenig dürfen doch die übrigen Untersuchungsarten( Betlopfung und Behorchung der Lungen, Fiebermessung, Auswurfuntersuchung, diagnostische Tuberkulinanwendung) vernachlässigt werden. Die Röntgenuntersuchung ist eben nur eine, wenn auch wichtige Untersuchungsart. = Am dritten Tage führte Dr. Sell Eleorenheilstätte aus, daß der Kampf mit geiffigen Waffen die Seele der Tuberkulosebekämpfung fei. Es gibt zwar eine große Zahl von zum Teil vortrefflichen Wandtafeln, Mertschriften, Ratmenig wirksame Kampfmittel, weil große Streise nicht imftande sind, gebern, Aufklärungsschriften. Doch sie sind zwar bequeme, aber sich den Inhalt dieser Schriften zu eigen zu machen, besonders wenn ihnen hochwissenschaftliche, mit Fremdwörtern gespickte Ausführun gen geboten werden. Vor allem aber ist nicht das gedruckte, son dern das gesprochene Born der Träger der Aufklärung. In tiefem Sinne foll jedes Arztzimmer, jede Fürsorgestelle eine Lehestätte werden. Dazu muß der Schularzt mehr als bisher Einfluß auf diesen Zweig des Unterrichts gewinnen. Prof. Neufeld- Berlin bestätigt, daß Belehrung und Erziehung durch die Schule in ein fachster Form die wirkungsvollste Aufklärung ist. Das hygienische Abc gehört neben das des Lefeunterrichts. Prof. Lennhoff Berlin erwartet von der hygienischen Erziehung der werdenden Lehrer eine entscheidende Besserung, Dr. Langer Berlin besprach das S04 Schicksal der kleinkinder in Familien Offen- Tubertalöser. Nach seinen Untersuchungen sind in diesen Familien schon im ersten Halbjahr des Lebens die Säuglinge durchgehends angesteckt. Das Stillen der Säuglinge durch offentuberkulöse Mütter muß verhütet werden, troh etwaiger Nachteile durch künstliche Ernährung. dann ist die Herausnahme der Säuglinge aus diesen Familien für die Zeit der schwersten Gefährdung anzustreben; da die Zahl dieser Säuglinge verhältnismäßig gering ist, ist die Maßregel finanziell leicht durchführbar. Dr. Geißler Starlsruhe führte aus, daß die Auch Geheimrat Dr. Kirchner tritt für eine Herausbringung Lungenfürsorgeſtellen diese Forderung sich zu eigen machen sollen. gefährdeten Säuglinge aus den offentuberkuöfen Familien ein. Eine solche Möglichkeit durch Errichtung eines Säuglingsheims für die Hanſeſtädte bereits gegeben. Dr. Ale died und Dr. Häger Gleiwig behandelten das Thema: Die ambulante Be handlung Tuberkulöser durch den Hausarzt oder durch besondere Behandlungsstellen". Dr. Utstädt stellte die Arbeitsgemeinschaft zwischen Lungenfürsorgeftellen und behandelnden Arit als eritre benswert hin. Es ist unmöglich, alle behandlungsbedürftigen Kranten in Heilstätten einzuweisen, weil die vorhandenen Pfäße nicht aus reichen und die Behandlung sich in der Regel über Jahre erstreckt. Gerade der Hausarzt, der jahrelang den Kranten und seine Ange hörigen fennt, ist der Gegebene zur Behandlung. Dr. Häger cre blickt die Vorbedingung für sorgfältige Untersuchung und Beurteis lung namentlich zwecks Auswahl zur Heilstättenbehandlung in Tuberkulosebeobachtungskliniken. Da aber die Einberufung in die Heilstätte oft monatelang auf sich warten läßt, bleiben die Kranken lange Zeit ungenügend behandelt. Hier soll die Tuberkuloseklinik eintreten, besonders wenn die Anlegung der künstlichen Gasbruft nötig ist. Gegen die Geschlechtskrankheiten. Sihung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. In einer Sondersizung nahm die Deutsche Gesellschaft der Tuberkulose Fürsorgeärzte zu den brennendsten Fragen der deutschen Wohlfahrtspflege Stellung. Dr. Geißler Karlsruhe berichtet über den erneuten Anstieg der Sterblichkeit an Lungentuberkulose. Im März 1923 wurden 23 Todesfälle auf 10 000 Lebende gezählt. Die Sterblichkeit ist zwar in diesem Früh jahr etwas gefunken, aber sie droht im nächsten Winter wieder an= zuwachsen. Dabei fällt erschwerend ins Gewicht, daß die Kinder bis zu 15 Jahren mehr als sonst in diesem Todeszuge vertreten sind, Die erschreckende Entwicklung ist zweifellos auf die Fortdauer des Wohnungselends und die dadurch bewirkten Ansteckungen, und ferner auf das Hinzutreten der Lebensmittelteuerung, der Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Zusammenbruchs zurüc zuführen. Die Gesellschaft nahm folgende Entschließung einftimmig an:" Die deutschen Tuberkuloseärzte ersuchen die Reichsreglerung und den Reichstag, bei den bevorstehenden Entscheidungen Groß war die Zahl der Teilnehmer, die erschienen waren, um über Reparationsverpflichtungen Deutschlands wenigstens die Sicher am Sonnabend in der Hamburger Kunsthalle den Verhandlungen stellung einer ausreichenden Ernährung und einer genügenden Gebeizuwohnen, die der Erörterung des Problems der gesetzlichen sundheitspflege für das deutsche Volk als unumgängliche Forderung Regelung der Bekämpfung der Geschlechtstrantzu bezeichnen und keinerlei Berbindlichkeiten einzugehen, bei denen heiten" galten. Es ist bekannt, daß der legte Reichstag einen der Existenzmöglichkeit des deutschen Bolfes nicht voll und ganz entsprechenden Gefeßentwurf angenommen hatte, dessen Durchführung Rechnung getragen ist." Die Versammlung beschloß ferner nach bisher jenoch an dem Einspruch des Reichsrats scheiterte, weil einem Bericht des Leiters der Fürsorgestelle Stettin, Dr. Bräu verschiedene Länder, u. a. Preußen und Bayern Einspruch erhoben. ning, eine Aenderung des Wohnungsfürsorgegefeges in der Hin- Der Grund hierfür lag in der in jenem Entwurf vorgesehenen ficht zu beantragen, daß die Lungenfürsorgestellen Siz und Stimme eventuellen Zulassung von Laienbehandlern, eine Regelung, die auch in den Wohnungsämtern erhalten. Alle Anträge von Tuberkulojen die preußische Regierung nicht glaubte verantworten zu tönnen. auf bevorzugte Wohnungszuweisung sollen der Begutachtung ber In feinem Referat führte Geheimrat Prof. Dr Jadassohn Fürsorgestellen unterliegen. Alle diejenigen Fälle, in welchen durch Breslau, der Direktor der dortigen Universitätsklinik für Haut- und die Enge der Wohnung Gesunde der Ansteckung ausgesetzt sind, und Geschlechtskrankheiten und Sachverständige des bevölkerungspolitischen diese Gefahr nur durch Beschaffung einer anderen Wohnung be- Ausschusses des Reichstags, etwa folgendes aus: Neben der Erziehung feitigt werden fann, sollen bevorzugt werden. Von den Wohnungen, zur feruellen Moral, zur Alkoholenthaltsamkeit der Jugendlichen und die aus Mitteln der Gemeinden, der Landesversicherungsanstalten umfassender Aufklärungsarbeit find und der Krankenkassen beschafft sind, soll der vierte Teil ansteckenden Tuberkulosen zur Verfügung stehen. Tuberkulose und Erkältung. Am zweiten Verhandlungstage Sprach Prof. Shade Kiel über den Erkältungsbegriff: Die Regulierung der Körperwärme gegenüber äußeren Einflüssen schwankt in individuellen Grenzen. Die Abkühlung des Körpers ist von der Außenwärme, aber auch von der Luftbewegung, der Feuchtigkeit, der Bodenwärme gejehliche Maßnahmen nicht entbehrlich. Die Grundlagen hierfür müffen durch die zurzeit maßgebenden wissenschaftlich- medizinischen Grundlagen gegeben sein. Solchen Anforderungen entsprach der vom berölferungspolitischen Ausschuß des Reichstags burch beratene ursprüngliche Entwurf, der vom Plenum jedoch bezüglich der Laienbehandler in der erwähnten Weise abgeändert wurde. Sein oberster Leitfag ist das Bestreben, die Kranken, welche die Quelle diefer Krankheiten bilden, in möglichst großer Bahl und mögZell lichst früh, soweit nötig zwangsweise, zur ärztlichen Untersuchung und Behandlung zu bringen und sie bis zum Erlöschen der Ansteckungsgefährlichkeit in dieser zu halten bzw. sie ihr immer wieder zuzuführen. Zur Feststellung der Ansteckungsgefähr lichteit fönnen vom Staat nur approbierte Aerzte zugelassen 21 merden, wenn nicht die Bevölkerung schwersten Schaden erleiden soll. Durch den jo festgelegten 3wang, fich ärztlich untersuchen Krankheiten zu verbreiten, entfällt die Notwendigkeit und Berechtigung der Reglementicrung Prostitution. Bordelle und Kasernerungen sollen dann völlig verboten sein. Bei der Durchführung dieser Maßnahmen ist es erforderlich, eine Ausschaltung der Polizei vorzunehmen, an deren Stelle Gesundheitsbehörden mit überall einzurichtenden Beratungsstellen, Bffcgeämtern und anderen sozialfürsorgerischen Anstalten zu treten haben. Diejenigen Menschen sollen bestraft werden, welche bewußt einem anderen der Ansteckungs= gefahr aussehen. der Die unendlich schädliche Reflame für die Behandlung der ansteckenden Krankheiten ist strengstens zu verbieten; dagegen fönnen brauchbare Schuhmittel in schicklicher Weise angekündigt werden dürfen. Es sollte alles geschehen, um den Gefehentwurf in der vom bevölkerungspolitischen Reichstagsausschuß hergestellten Form zur Annahme zu bringen, og der finanziellen Bedenken; denn: die durch die Durch führung des Geseges in der Gegenwart entstehen die nähere und fernere 3utunft. ben Untoften find tatsächlich Sparmaßnahmen für Der Korreferent, Ges Regierungsrat Hübener- Magdeburg, rungsarbeit und forderte die Uebertragung der Ausübung der betonte die Wichtigkeit der Presse bei der Aufklä= empfahl den Entwurf und wandte sich gegen Schnüffelei bei geplanten Maßnahmen an die Organe der Selbstverwaltungstörper. Prof. Krautwig, der ärztliche Beigeordnete von Köln, der Ermittlung der Fälle. T Tätigkeit der Hamburger Arbeitsgemeinschaft zur neuzeitlichen BeGenosse Dr. Knad Hamburg berichtete über die erfolgreiche fämpfung der Brostitution", einer Bereinigung, die Mitglieder aus allen Lagern umfaßt. Wirtschaft Zur Krise in der Kaliindustrie. Die Verhältnisse in der Thüringer Raliindustrie brohen fich ins Katastrophale auszuwirken. Ueberweltmarktpreise. Absatz stodungen, Arbeiter entlassungen bei Ver= längerung der Arbeitszeit charakterisieren die gegenwär tige Bege. Bei der Gewerkschaft Glüdauf", die zum Stonzern Wintershall gehört, find die Belegschaften der einzelnen Schüchte auf die Hälfte reduziert. Der noch nerbliebene Teil muß eine um die andere Woche aussehen. Es werden demzufolge Arbeitslöhne von nur 14 bis 20 m, in vierzehn Tagen verdient. " Trog Arbeiterentlassungen und Feiermochen ist aber die tägliche gefeßt worden. Infolge dieser Zustände ist die Arbeiterschaft von Arbeitszeit von acht auf zehn Stunden heraufBerzweiflung und Erbitterung erfaßt. Berstärkt werden diefe Empfindungen noch dadurch, daß nach Auffassung der Berg, arbeiter die Entlassungen nicht nach jozialen Gesichtspunkten vorgenommen werden. Begründet wird diese Auffaffung damit, dak Beute, die schon 20 bis 25 Jahre bei der Gemertschaft Gildauf" tätig waren, entlassen werden, während Leute, die erst verhältnismäßig turze Zeit bei der Gewerkschaft in Arbeit stehen, eine Existenzmöglichkeit durch Betreibung von Landwirtschaft haben, in Be fchäftigung bei der Gewerkschaft bleiben. Hier ergibt sich ein prägnantes Beispiel für den Versuch der Unternehmer, die Lasten der rise auf die Arbeitnehmerschaft abzuwälzen, wobei anscheinend mit der Möglichkeit gerechnet wird, den Arbeitslohn einzuräufen, daß eit with, Deben fristen zu tönnen, neben dem Hauptberuf in der Industrie systematisch einen Nebenberuf ergreift. fo Der Vorstand des Deutschen Bergarbeiterver bandes hat durch seinen Borsigenden Husemann in einer ausführ. lichen Eingabe an den Reichswirtschaftsminister auf die für die deutsche Boltsernährung gefährliche Situation in der deutschen Kaliindustrie hingewiesen und darin Borschläge zur Abwendung des völligen Zusammenbruchs der deutschen Kallindustrie gemacht. Husemanns Darlegungen gipfeln in folgenden Fragen an die Regierung: 1. Sind die Verhältnisse im Konzern Wintershall be. fannt? 2. Hält es die Regierung für volkswirtschaftlich richtig, menn der Konzern bei Arbeitermassenentlassungen und Einlegung von Feierwochen die tägliche Arbeitszeit von acht auf zehn Stunden erhöht? 3. Ist die Regierung bereit, dafür zu forgen, daß im Konzern Wintershall bei evlt. notwendigen Entlassungen soziale Gesichtspunkte in den Vordergrund gestellt werden? 4. Ist der Regierung die Eingabe des Bergarbeiterverbandes an den Herrn Reichswirtschaftsminister bekannt und will sie der Eingabe entsprechend auf den Reichswirtschaftsminister einwirten? Es ist zu hoffen, daß die Eingabe des Bergarbeiterverbandes zu einer gründlichen Debatte über die Lage in der Kaliindustrie führt, damit endlich mit Methoden gebrochen werden kann, die geeignet sind, die ganze Industrie verfaden zu lassen. Die Wirtchaftsverbände zur Geschäftsaufsicht. In einer am Dienstag im Reichswirtschaftsministerium ftattgefundenen Sizung der Gesamtfpigenverbände wurde in der Frage der Geschäftsaufsicht die Ansicht geäußert, daß die zurzeit bestehenden Zu stände feinesfalls länger mehr anhalten dürfen und eine be= fchleunigte Aenderung der Verordnung über die Geschäftsaufsicht unbedingt notwendig ist. Die Vorschläge bewegten sich hauptfächlich in der Richtung eines verstärkten Gläubigerfchuzes, mie wir ihn bereits als unzulänglich fritifiert haben. Man erblickte diefen ungefähr barin, daß ein Gläubigerausschuß mit qualifizierter Mehrheit über die etwaige Aufhebung der Geschäftsaufsicht jederzeit Beschluß faffen kann. Raka ift ein naturreines Erzeugnis der Kakaobohne, befißt das fräftige Katao- Aroma und verbindet mit leichter Löslichkeit herzhaften Geschmack und vorzügl. Bekömmlichkeit. TellKakao ist ein überaus vollwertiges Nahrungsmittel für jung und alt, Gesunde und Krante. 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