Abendausgabe ttr. 252 41. Jahrgang Ausgabe L Nr. 127 vqngidedlngunz«» und Anz-izenp«!?, find>n der Morgenaurgabi onzegeben »edattion: Sw. v». cindenstrah» Z Zernsprecher: VSnhoft 292— 19» lel.-AdreNe-Sozialdemorratvertti, NO. Derlinev Volksblatt 5 Golöpfennig 50 Milliarden Ireitag . Z0. Alm 1924 Verlag und AnzelgenabtelliNilgl Geschäftszeit g-S Uhr Verl»zer:vorivarts-Verlag GmbH. verlin Sw. SS, Lindenfirade 3 Zernsprecher: DSnhoss 2606-2S07 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutrd>land8 „Ein nationales Unglück. Nach Geeckt Reinhardt.— Die völkischen Verteidiger nnd Gras Reventlow bearbeiten Tettenborn. Zu Deginn der Verhandlung teilte der Vorsitzende mit, daß General v. Sceckt erst am Sonnabend 10 Uhr k-ommen könne. Infolgedessen würde die weitere Vernehmung des Justiz- rats Claß auch auf Sonnabend vertagt. Dann wurde der Hauptzeuge v. Tettenborn aufge- rufen. Tettenborn,„Arbeiter" der Deutfchvöltischen Freiheitspartei, war feit 1914 aktiver Offizier. Er erklärte: Thorwann wurde durch Herrn v. G l« i ch e n- R u ß w u rm aus dem„De- wissenskrcis" mit Dr. I a n c z i k nach München zu Roßbach gesandt. Janczik wurde in München als Schwindler entlarvt, der Schweinereien in den nationalen Dreisen machen wollte. Am 4. Januar kam Thormann zu uns in» Bureau und ich drängte Thormann aus dem Bureau heraus, damit er sich nicht an Wulle drängt«. Thormann bat mich um«in« Unterredung für den Nachmittag und«r sagte: Seeckt ist die größte Gefahr für uns. ich bringe Ihnen den Auftrag milzuhelsen an der Ermordung. Dorf.: Dos haben Sie in der Voruntersuchung nicht gesagt. Warum haben Sie dies«» wichtige Moment verschwiegen, Zeuge: Ich kann erst setzt alles übersehen. Ich habe Dr. Nochmann gesagt, daß Thormann erklärt«, er käme nach einer Rücksprache mit General Ludendorff zu mir. Ich betrachtete Thor- mann als Lockspitzel, um mich in«in« Sache hineinzuziehen. Ich habe Major Gilbert gebeten,«inen geschlossenen Brief auf dem Reich»kommissariat mederzulegen. der die Unterredung enthiett. Denn bei der Einstellung der Politi- schen Poiizei hätte man mir später nichts geglaubt. Wenn Thor- mann ein Lockspitzel war, dann kam er im Auftrage jeinandes, der unserer Partei Knüppel Mischen die Beine werfen wollte. Nach der Dechastung Ihormann» bat mich R.A. Sack(der Verteidiger Grandels) in seine Wohnung und sagte: Die Sache Thormann-Grandel ist ein nationales Unglück, wenn noch neue Verhaftungen hinzukommen, müßte ich die ver- leldigung niederlegen. Dann kam jemand zu mir, dessen Name ich noch nicht nenne, der mich bat, Thormann zu belasten, aber Grandel und Claß Hera: szulossen. Herr CMoß wäre bereit, mit Herrn v. Sraese eine Aussprache zu jähren. Dt« Unterredung mit Herrn v. Sraese Hat dann stattgefunden. In Moabit trat RA. Bloch aus mich zu, gab mir zwei Zeitung?- artikel und sagte: wenn Sie gewußt hätten� um was es sich handelt, hätten Sie wohl anders gehandelt und es wäre besser für Deutschland gewesen. Elaß bei Geeckt. Am 23. September, nach einer Sitzung bei irgend jemand, ging Ckaß zu Seeckt, und es haben dann süddeutsche Bindungen statt- gesunden. Herr v. Sei ßer war bei Claß.— Vors.: Das interessiert doch nicht.— Zeuge: Claß ließ Kohr fallen, und sür uns ergab sich die Möglichleit, daß Claß die Ermord ung Seeckts beabsichtigt hatte.— Vors.: Mit wem haben Sie darüber gesprochen?— Zeuge: Mit Major Weberstedt von der Deutschvöltischen Frejheitspartei. R.A. B l o ch hält dem Zeugen vor, daß seine Darstellung bezüg- sich der Daten nicht stimmen könne. Auch Thormann erklärt, daß Tettenborns Bekundungen nicht stimmten. Tettenborn: Thormann hat mit verschiedenen Leuten mit uns über di« Ding« gesprochen, rechten Hitzköpfen, und ich bin froh, daß ich das vereiteln tonnte. Ich habe mir 20 Dollar von Ihormann geben lassen und habe mir noch mehr aeben lassen, um die Geldquelle zu erkunden, da Thormmm selbst kein Geld halte. Am 12. Januar erschien er abends bei mir, doch ließ Ich mich nicht sprechen. Am nächsten Tag fing Thormann mich vor dem Reichstag ab und erklärte: Secckt müsse vor dem 15. Zanuar fallen, da sonst die geplante Aktion nicht durchzuführen sei. Ich ging daraufhin am 14. Januar zu Obeircgierungsrat Mühlcile» und teilte ihm mit, daß das Attentat nicht aufzulzalten s-�i. da Thornman zur Ausführung dräerqte. Der wichtigste Tag ist der vor Tbormcmns Verhaftung. Thormann zeigte uns den Tatterfall in der Bendlerstraße, den Köpke noch nicht gesehen hattl:- Abends waren Köpke, ich und Lberregie- kungsrat Muhleifen bei Gilbert in der Wohnung. Am nächsten Morgen hat Thormann die von uns besorgk« Waffe geprüft, und Dr. Grandel brachte köpke fast bis an den Toltersall. Wir harten dann Sceckt gebtien, nicht am 15. zu reiten, da erentucll eine.zweite Kolonne eingesetzt se«� konnte.— Vors.: Wieviel Geld hat Thormann Ihnen gegeben?— Zeug'-1: 9 5 Dollar, um zunächst eine Verbindung mit Reichswehrosfizieren aufzunehmen, bann, um einen Reitanzuz zu kaufen. Köpke sollte 5000 M. erhalten. Zch sollte mit Ihormann nach hohen- Schwalm dach fliehen, um das nächste Aitenkat gegen General Reinhardt vorzubereiten. Dorf.: Haben Sie gesagt: Wenn ich mchr Geld gehebt hätte, wäre Secckt längst erledigt?— Zeug«: Ausgeschlossen,— Vors.: Wie tarn die V kobredung bei Gilbert z-istand«?— Zeuge: Ich bat Gilbert. «ine Waffe zu beschcisfen. Ich gurg vom Wemhaus Huth zu Gilbert. wo Oberreglerungsrat Mühleisen war. wir beschlossen die politische Polizei zu umgehen, da ich die Obseklioität von Weiß bezweifelte.— Vors.: Wie können Sie. als einfacher Mensch, die Polizei umgehen? — Zeuge: Auf Grund meiner Erfahrungen.— Generaistaatscmwoll: Sie sagten. Ihormann habe Ihnen gesagt, er lMe den Auftrag, Herrn v. Seeckt zu ermorden. Was l>aben Sie zu Thormann gesagt? Sind Sie darauf eingegangen, oder haben Sie abgelehnt?— Zeuge: Ich bin darauf eingegangen, aber nnd dem Borbehalt, das Attentat zu verhindern. Der Generalstaatsonwalt stellt fest, daß vi« von Tettenborn an- gegebenen Daten über seine Zusammenkunft mit Thormann nicht stimmen.— Generalstaatsanwalt: Wohnt« Gilbert damals schon bei Ihnen?— Zeuge- Nein, ich wußte, daß Eilbert beim Reichskommissar arbeitete und rief ihn an.— Generalstaatsanwalt: Nannte Thormann Ihnen den Namen Dr. Grandels?— Zeug«: Nein, er sprach nur von seinem Geldgeber und seiner„vor- gesetzten Stelle". Neventlows schützende Hand. General st aatsanw alt: Wer ist der Wann, der Sie ersucht«. Dr. Grandel nicht zu belasten? T e t t e n b o r n: Ev Ist ein Abgeordneter der Partei. Ich weiß nicht...(nach einigem Zögern) es ist Gras Reventlow. Dr. Bloch: Thormann hat Ihnen 50 Dollars gegeben. Was haben Sie damit getan? Dorf.: Herr Zeuge, ich bitte Sie, stillzustehen, man wird ja seekrank dabei. R.A. Bloch: Haben Sie die 50 Dollars Herrn Gilbert gegeben oder sie Herrn Mühleifen in die Hand gedrückt? Tettenborn: Ich habe das Geld behalten. R.A. Bloch: Sie sagten, daß Herr v. Seeckt erst in den Inter- essenkreis trat, weil zu besorgen stand, daß der A>usnohme- zustand am 15. Februar ausgehoben werden würde. Ist dem Zeugen bekannt, daß der Ausnahmezustand erst am 1. März aus- gehoben werden sollte? Der Zeuge hat von einer Unterredung mit mir gesprochen. Ist es richtig, daß dieses Gespräch meinerseits einem Mahnschreiben vorausging? Sie sollten die 150 Dollars zurückgeben. Sie sagten, daß Sie das Geld an Rechtsanwalt Herold geben wollten, weil Sie,- wie Sie sagten, die Gegennpartei nicht stärken wollten. Tettenborn: Das ist richtig. R.A. Bloch- Ich hot»e ferner nur gesagt: Sie haben mit Ihrer etwas zweifelhosten Polle großes Unglück über die Fa- milie Grandel gebracht. Als politischer Drahtzieher zu wirken. muß ich ablehnen. Ich stelle fest, daß Herr v. Tettenborn das Geld nicht zurückgegeben hat. Justizrat Hahn: Hecken Sie nicht mit dem Reichskomraissor all« Daten der Verabredungen mit Thormann festgelegt? Tettenborn: Nicht all«. R.A. Hahn: Haben Sie für das von Thormann gegebene Geld nun wirklich eine Reithose gekauft? Parteitag und Zrauenkonferenz. Parteigenossen! Auf Grund des Organifotionsstatuts der Partei beruft der Parteivorstand den nächsten Parteitag auf Mittwoch, den lt. Juni 1924. abends K Uhr nach Berlin. Gebäude des Preußischen Landtags, Prinz- Albrecht-Etraße, ein. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht des Parteivorstandes s) Allgemeines.— Berichterstatter: Otto Wels, K) Agitation, Organisation und Kasse.— Bericht. erstatter: Fr. Bartels, K. L u d w i g. 2. Bericht der Kontrollkommission.— Berichterstatter: Fried r. Brühne. 3. Bericht der Rcichstagsfraktion.— Berichterstatter: Hermann Müller. 4. Das Organisationsstatut.— Berichterstatter: R i ch. Lipinski, Leipzig. 5. Die Sozialdemokratie und die Landwirtschaft.— Referent: Wilhelm Helling. 6 Die Reichstag swahlen und die Sozialdemokratie.— Referent: Dr. H i l f e r d i n g. 7. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag statt- finden soll. 8. Anträge, soweit sie durch die vorstehend« Tages- ordnung noch nicht erledigt sind. Am Sonntag, den 15. Juni 1924, v o r ni i t- tags 19 Uhr, findet im Landtagsgebäude in Berlin eine Frauenkonferenz statt. Borläufige Tagesordnung: Die Frauen und die Wahlen. «- Zur Teilnahme berechtigt an der Frauenkonferenz sind aus jedem Parteibezirk ein bis zwei Delegierte, die weiblichen Dell gierten zum Parteitag und die weiblichen Mitglieder des Reichstages. Sofern männliche Genossen von der Bezirks- lestung mit Mandat versehen werden, sind sie zur Teilnahme an der Frauenkonfelen.' berechtigt. * Wegen Wohmmgsbeschafsung unter Angabe, ob Hotel oder Privatwohnung, müssen sich die Delegierten rechtzeitig beim Lokalkomitee melden. Adresse: Theodor Fischer, Berlin SW. 98, Linden st roße 3. Berlin, den 16. Mai 1924. Der Porkeivorstand. Tettenborn: Ich habe sie Köpke gegeben. Justizrat Hahn: Wann haben Sie Herrn Gilbert zum ersten Mal über die Sache gesprochen? Tettenborn: Nachdem ich den Brief an den Reichs- kommissor geschrieben habe. Justizrat Hahn: Warum gingen Sie nun zu Gilbert? Tettenborn: Ich wußte nicht, welche Rolle Gilbert dort spielte. Ich glaubte, er hätte die Stellung des 5xrrn Merz. Justizrat Hohn: Weshalb wohnt Gilbert bei Ihnen. Tettenborn: Er wohnt nicht bei mir. Justizrat Hahn: Das- behauptet Gilbert aber selbst. Er wohnt« bei Ihnen, als cr polizeilich gesucht wurde. Wo haben S>e am 15. Januar nach dem angebliäen Attentat gesteckt, T e t r e n b o r n: Ich ging zu Josty, wo Merz mit den Kriminal- beamten hinkam. Vors.: Wann und wo haben Sie Gilbert kennengelernt? Tettenborn: Im November 1923 bei einer Besprechung mit Freunden aus Mecklenburg, die mich als Zeugen zuzogen. Vors.: Ist«s bei Ihnen üblich, stets bei Unterhaltungen Zeugen zuzuziehen? R.A. Dr. Sack: Um f. Januar hatten Sie mit Gilbert eine Unterredung über das Attentat, dann ein« solche mit Herrn Merz. 3n allen Ihren Vernehmungen, die Sie hatten, fehlt Ihre heutige Erklärung, Thormann kacke mit einem Austrag Ludendorsss. Tetren dorn-: Es sollte ein versteckter Auftrag sein. R.A. Dr. Sack: Sie haben auch nicht gesagt, daß die Wos'e besichtigt worden ist, warm Sie dabei? Tettenborn: Nein, Köpke. R.-A. Dr. Sack: Was bearbeitete Herr Gilbert beim Rcichs- kommtssarial?'"War er dort beschäftigt? Zeug«: Scheinbar, ich habe Herrn Gilbert öfter bei Herrn Mühleisen getrosten. R.-A Dr. Sack: K e n n e n S ie D r. I a n c z i k?— Zeuge: Nein.— Dr. Sack: Erinnern Sie sich, daß Sie drei Stunden nach der Bei Haftung erklärten:„Wenden Sie sich an Dr. oänezik." 3 enge; Das ist meiner Meinung nach unmöglich. R.-A. Sack: Wurde nicht am 13. abends irr der Wohnung Gilberts in Gczenwarc des Oberregicrungsrats Mühleisen Herr Köpke für das Attentat aufgezäumt? Zeuge: Jawohl. R.-A. Dr. Sack: War Jbn-en bekannt— die Sache ist etwas heikel—, daß zweitens in der Wü r t t e m b er g i s ch e n Tscheka ein Plan zur Ermordung des Generals v. Sceckt bestand? Haben Sie nicht Interesse an den Akten der Tscheka bei der Poti- trsche» Polizei gehabt? Zeuge: Für die Akten der Tscheka habe ich Interesse. Aon dem Tschekn-Altentat höre ich zum erstenmal. Dr. Sack: Zu den Aussagen des Zeugen gegen mich erkläre ich: Justizrat Hahn sagte mir, ich solle in der Sache Grandel mitvertoidigm. Da ich Teilenborn in einer anderen Sache verleidigte, bat ich Herrn v. Tettenborn u mir, um nicht in Gewissenskonflikte zu komme». Ich ragte ihn, ob er in die Sache verwickelt fei.?lls er das verneinte. »gte ich, daß die Sache- ein nationales Unglück sei. In erncr Unterredung mit Herrn Henning habe ich gcsogi, daß ich auch als nationaler Benteittger mich nicht parteipolitisch ab- stempeln- loii«. .Hierauf wurde Untersuchungsrichter Dr. R o t h m o n n nochmals vernommen, der entschieden bestreitet, daß Tettenborn ihm etwas gesagt habe, daß Thormann mit einem Aufirag nach Berlin ge- kommen sei. Vors.: Wie ist das, Herr v. Tettenborn? Zeuge: Man will mich hier aus ein Wort.festlegen. Ich hielt diese Aenßcrung Thormanns für eine Finte und habe d«sl)alb dem Untersuchungsrichter das nicht mitgeteilt. Bors.: Das war aber doch, so wichtig, wer die Auftrag- g e b e r waren, daß Sie das-erwähnen mußten. Dr. Sack(zu TetUnborn): Haben Sie Herrn Gilbert den ersten Bericht an den'Rcichskommlssar diktiert? w). Tettenborn.: Der Brief, der erst geöffnet werden sollte, wenn mir etwas passiert, ist von Herrn Gilbert eigenmächtig geöffnet worden. Dr. Sack: Wie erklären Sie sich, daß Gilberl zu seinem Sekretär sagte: Ls sind In der Sache bereits 4000 Dollar devonicrl worden? Zeuge; Weiß ich nicht. Köpke als Zeuge. Nach einer kurzen Pause wurde dann de? Student des Ma- schineickaufache», Köpke, vernommen. Er schilderte, daß Tettenborn ihm von dein bevorstehenden Attenmt erzählt und gesagt habe, daß dies verhindert werden müsse, damit nicht die Deutfchvölkische Freiheitspartei als Mörder- partei abgestempelt werde. Er. der Zeuge, sei mit Thormann zu- sammengebrach! morden, der sich Ianczik nannle, während köpke sich Schuhmacher nannte. Köpke schildert dann, wie«r mit Thor- mann durch den Tiergarjen und die Bendlerstraße gegangen sei. Im„Leipziger Hof", wo sie Mittag gegessen, habe Thormann erklärt: Seeckt muß beseiligl werden, die nötige Umstellung sei ichon eingeleitet. Ich selbst sollte es mache», wie Friedrich Adler, und mich nach dein Altentat stellen. Ich würde dann Gelegenheit zur Flucht haben. Meiix Mutter würde durch Kuriere 6000 Mark bekommen, da eine Stelle i n Morien bürg das alles regele. Abends waren Tettenborn, Thormann und ich bei Hutb. Thormann deutete mir an, ich würde um die Ecke gebracht werden, falls ich Verrat übte. (Schuß in der Morgenausgabe.) Ordnungspolitik- Abenteurerpolitik. Der Handel um die Republik. Der Handel um den Bürgerblock ist ein Handel um die Republik. Nicht nur das Wesen der deutschen Republit, auch ihre Form ist bedroht, wenn aus dem Handel um die Regierung ein Bürgerblod herntorgeht, in dem die Deutschnationalen die wichtigsten Reichsämter, die causschlaggebende Macht( im Staate erhalten. Die Deutschnationalen wollen die Macht. Sie wollen ihre Stellung, zu der ihnen die Schwäche der Mittelparteien zu verhelfen droht, jo fest verankern, daß sie niemals Sie fordern nicht wieder hinausgeworfen werden/ fönnen. wenig, das Innenministerium und das Außenministerium, im Reiche, die Ministerpräsidentschaft und das Innenministerium in Preußen. Mögen sie immerhin in den Fragen der Außenpolitif nachgiebig bis zur Charakterlosigkeit sein fie rechnen damit, daß die innere Machtpofition ihnen sehr bald gestatten wird, über alle Vereinbarungen und Bindungen hin weg ihre Außenpolitik zu verfolgen, wenn es fein muß, auch gegen die Mittelparteien, gegen die Bindungen der Verfassung. Sie glauben, eine praktische Widerlegung des Reideschen Sazes vom Primat der äußeren Politik liefern zu können. " Sie fordern die Macht in Preußen, um das Reich hem mungslos beherrschen zu können. Sie erwarten, wie der Tag" mitteilt, ein schriftliches Angebot der Zentrumsfraktion des preußischen Landtags, in dem die Willfährigkeit zur Kursänderung in Preußen ihnen angeboten werden soll. Ihr Wille ist flar. Was wollen die Mittelparteien? Haben sie überhaupt einen politischen Willen? Die demokratische Presse zeichnet die Gefahr für die Republit in aller Schärfe. Die„ Bossche Zeitung" schreibt heute morgen: „ Wenn es ihnen gelingt, die große Koalition in Preußen zu zerschlagen und dort eine Regierung zu erreichen, in der sie das Bräsidium führen, das Innere bejeßen, das Unterrichts ministerium erhalten und womöglich auch noch die Justiz, dann haben sie nicht nur die Macht in Breußen in Händen, son dern auch die Macht im Reich. Dann dürfen sie sich ruhig im Reichsministerium mit zwei Sigen, dem Innern und der Ernährung, begnügen, denn sie können der Reichsregierung ihren Willen von Preußen aus aufzwingen. Bleiben sie im Reichskabinett auch in der Minderheit: die Reichsregierung ist machtlos, wenn der größte deutsche Freistaat ihre Politik sabotiert pder ins Gegenteil perfehrt." " 1 Die Germania" spricht offen aus, daß sie die Ueberfieferung der Macht an die Deutschnationalen als den Beginn Der Staatsumwälzung fürchtet: Die Frankfurter 3eitung" endlich warnt die eine unerträgliche Lösung sein würde, wenn beide wichtige Demokraten sehr ernsthaft vor einer Beteiligung am Bürger- ffen Regierungsposten, das Kanzleramt und das Ministe. vor Bürgerfen in ihren Händen rium des Auswärtigen, nicht in ihren Händen wären. block: Aus alledem ergäbe sich eben doch, gewollt oder ungewollt, die Gesamtfituation einer Regierung des Bürgerblods, ergäbe sich die Klassenscheidung mit ihrer Rüdwirtung ver. schärffter Klassenfelbst sucht auf beiden Seiten und wachsen den Klassen hasies. Das tann, wie gesagt, die Deutsch demokratische Partei nicht mitmachen, ohne den Kern ihres Wesens zu zerstören und in der Tat wohl, ohne sich selbst den Todesstoß zu verseßen. Zum allermindeſten würde ein erheblicher Teil der Demokraten nicht bereit fein, eine solche Politik und wäre sie tausendmal nichts als Tattit. und gerade, weil sie nichts als Taftit wäre mit zu tragen und mit zu verantworten." Was aber will die Volkspartei? Ihre Untlarheit und Zweideutigkeit wird von Tag zu Tag größer. Auf der einen Seite friecht fie vor den Deutschnationalen, auf der an deren Seite muß sie die beißende Kritik der anderen Mittels parteien ertragen. Die gesamte Presse der Mittelparteien redet eindringlich auf die Bolkspartei ein, sie solle endlich ein eigenes politisches Gesicht zeigen und sich nicht zum Büttel der Machtansprüche der Deutschnationalen machen. Eine charakterlosere, politisch unfertigere und unzuverlässigere Fraktion als die der Volkspartei hat es in der deutschen Parlamentsgeschichte noch nicht gegeben. Die alten Nationalliberalen waren dagegen ein Geschlecht zielbewußter Politiker! So sind die Absichten und Strömungen der Parteien, die untereinander darüber handeln, ob die deutsche Republik den Deutschnationalen ausgeliefert werden soll. Fällt Preußen und das Reich in die Hand der Deutschnationalen, dann find die Aussichten auf eine Festigung der inneren Verhältnisse in Deutschland auf lange Zeit dahin. Die Ordnungspolitit", die die Deutschnationalen nach bayerischem Vorbilde im Reiche betreiben wollen, wird die schwersten inneren Kämpfe hervor rufen. Ordnungspolitik" gegen die Arbeiter zur Aufrichtung der brutalsten Unternehmerherrschaft bedeutet die schlimmste Abenteuerpolitif im Innern, die denk bar ist. Sie gefährdet die Entwicklung, die die Sozialdemobar ist. Sie gefährdet die Entwicklung, die die Sozialdemofratie nach der Revolution von 1918 tonfequent weitergeführt hat. Sie muß Gegenkräfte hervorrufen, die nicht mit brutaler Gewalt niedergehalten werden fönnen. Sie wird Deutschland in ein politifches und wirtschaftliches Chaos stürzen, sie ist innenpolitisch der Sprung ins Dunfle- von den außenpolitischen Wirkungen ganz zu schweigen. Die republikanischen Mittelparteien wissen wohl, worum der Handel geht. Die„ Germania" erklärt: Jm Reichstag hielten heute vormittag die De motraten, das 3entrum und die Deutsche Boltspartei Fraktionssitzungen ab, die Deutschnationalen werden am Nachmittag um- 5- Uhr zujammentreten. Um die Teilnahme am Bürgerblock. Der demokratische Parteivorstand trat heute vore mittag im Reichstage unter dem Borsiz des Borsigenden Ertelen& zusammen. Die Sigung war aus allen Teilen des Reiches gut be schickt. Nach dem einleitenden Bericht des Parteivorsitzenden Koch über die politische Lage schte eine lebhafte Aussprache über die Frage ein, ob die Demokraten sich an einer Regierung beteiligen tönnten, an der auch die Deutschnationalen teilnehmen. Ein Be schluß wurde vom Parteivorstand nicht gefaßt, sondern die Entscheidung einer gemeinsamen Sigung des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion überlassen, die sich sofort an die Parteivor standssitzung anschloß, und zu der auch die demokratischen Abgeord neten des Preußischen Landtags geladen waren. Das„ Erwachen" des deutschen Michels. Erste Folgen des Rechtskurses. Die deutsche innere Politit wird gegenwärtig von den bürgerlichen Parteien so gehandhabt, als gäbe es außer Deutschland niemand auf der Welt oder als wäre Deutschland machtpolitisch noch stärker als die Vereinigten Staaten von Amerifa und als könnte es daher auf die Meinung der übrigen Völker pfeifen. Damit werden wir allerdings sehr weit kommen. Die ersten Früchte dieser selbständigen" Politik beginnen schon zu reifen. Ganz abgesehen von den ZeignerAnfragen im Unterhaus, die wir an anderer Stelle erwähnen, dürfte die neue Note der Botschaftertonferenz in der Frage der Militärkontrolle bereits im Zeichen der glorreichen Reichstagswahlen vom 4. Mai und der seitherigen Entwidlung stehen. So drahtet der Pariser Berichterstatter des " Berliner Tageblatts", dem übrigens nicht nachgesagt werdent fann, er sei ein fanatischer Linksdemokrat und Pazifist, unter dem 29. Mai: Die erste Quittung über bie inner politische t Vorgänge in Deutschland war die Note der Botschafterfonferenz, die ganz anders ausgefallen wäre, wenn die Wahlen in Deutschland einen demokratischen Erfolg gebracht hätten. Es wird mitgeteilt, daß diese Note einstimmig beschlossen worden ist Ich glaube gut unterrichtet zu sein, wenn ich mitteile, daß noch vor ,, Die Deutschnationalen sollen entsprechend ihrer Stärfe im einigen Wochen diese Einmütigkeit nicht bestanden hat, und daß fogar der französische Vorsitzende der Konferenz, Cambon, für eine Antwort gewesen ist, die auf die nationalen Empfindungen Deutschlands Rücksicht nehmen sollte. Heute schreibt Herrios in der Information": Wie Demokraten wissen ebenso gut wie alle übrigen, daß wir dem deutschen Nationalismus nicht trauen dürfen. Wir werden die Ueberwachung des deutschen Militarismus nicht aufgeben und wir haben Grund zu der Hoffnung, daß England feft an unserer Seite steht, wenn es darauf ankommt, die Wiederkehr des Revanchegeistes zu unterbrüden, man fann ihnen, den grundsäglichen Gegnern der Verfaffung, unmöglich das Schidsal dieser Verfassung in die hand geben, man fann ihnen nicht gestatten, den Staat von innen auszuhölen und das ganze Band in eine Abenteurerpolitit zu stürzen." „ Uns sind zuverlässige Mitteilungen über Gespräche eines deutsch- Bolte auch in der Leitung der Staatsgeschäfte vertreten fein; aber nationalen Abgeordneten mit Journalisten gemacht worden, wonach bie Deutschnationalen versuchen wollen, unter allen Unst än den in die Regierung zu kommen, um dann die kommunistische Gefahr zum Ausgangspunkt für eine Ordnungspolitit" zu machen, die nötigenfalls auch über das Barlament gehen foll. Man sieht hier beiläufig wieder, wie trefflich die Sturmtruppe Solche Erkenntnis nötigt zu verantwortlicher Entscheidung. tes Herrn Scholem den Deutschnationalen in die Hände arbeitet. Das hirnlose Treiben dieser wüsten Gefallen schwächt die Abwehrpofition derer, die gegen deutschnationale Dittaturgelüfte kämpfen." Sie erklärt, daß im Zentrum niemand gesonnen fei, den Deutschnationalen die ausgesprochene Führung zu überlaffen, angesichts der Tatsache, daß die Deutschnationalen bei jeder angesichts der Tatsache, daß die Deutschnationalen bei jeder Gelegenheit ihre grundsätzliche Gegnerschaft gegen die Republit betonen. Sie zitiert die Forderung der Deutschen Tageszeitung", daß Marr für die Deutschnationalen nur akzeptabel wäre, wenn die Spitze der Regierung die Tatsache einer grundsäglichen Umdrehung des Steuers nach rechts in feiner Weise verwischen würde", und stellt im Anschluß daran fest: Hier wird also die Macht der Deutschnationalen in einer Weise reklamiert, die alle anderen Parteien zum Anhängsel der Deutschnationalen und zum Feigenblatt für ihre Bolitit maden muß. Damit wird dem Zentrum eine Rolle zugemutet, die es nicht übernehmen tann und nicht über nehmen wird." Der Bürgermeister von Himbeerhausen. Bon Lena. Man darf sich nicht die Mühe machen, Himt eerhausen auf einer Landkarte oder in einem Reiseführer zu suchen, denn es steht sicher lich in feinem von beiden verzeichnet. Himbeerhausen liegt im Mondland, über dessen Städte und Dörfer wir noch feine genaueren Angaben besitzen. Der Herr Bürgermeister hielt gerade ein Hörrohr mit der linken Hand vor die Ohrmuschel, als ich das Zimmer betrat. „ Entschuldigen Sie, sagte er, ich bin gerade von Berlin aus angerufen worden." Der Herr Bürgermeister lauschte einen Augenblick in den Apparat hinein, dann sagte er: Frieda hat gestern gefündigt." Pause. irgendeine Rücäußerung aus Berlin, mir unverständ. lich, murmelte durch den Appara " Ja, es wird wohl nichts zu machen sein. Ich habe ihr zwar gefagt, ich könnte die Kündigung nicht annehmen, bis du zurüdfummit Sollte die Ehehälfte des Herrn Bürgermeisters drüten am Apparat hängen? Berlin ,, Hast du deine Einfäufe bald beendet?": Pause, ,, Heut ist Mittwoch. Pause, Bann fommst du zurüd?" Berlin So, dann bist du fertig. Sonntag also? Nachmittag um 4 Uhr 30? Schön. Sa. Ich werde es Frieda sagen. Amüfiere dich! Auf Wiedersehen!" 2 Der Herr Bürgermeister hängt den Hörer an und wendet sich zu mir: Jetzt stehe ich zur Verfügung. Ich sehe ihm auseinander, daß ich fomme, um gewisse bereit gestellte Mittel eventuell zum Besten schwacher und erholungs bedürftiger Kinder von Himbeerhausen flüssig zu machen. Speziell wolle ich Erhebungen machen über die in der Stadt allgemein wolle ich Erhebungen machen über die in der Stadt allgemein übliche Heimarbeit, bei der auch Kinder beschäftigt werden. Der erzielte Lohn folle so außerordentlich gering und nicht für die nötigsten Lebensbedürfnisse ausreichend sein. ,, Glauben Sie nur das nicht," versichert der Herr Bürgermeister." Den Leuten, geht es ausgezeichnet. Da verdient der Mann und die Frau und der Sohn. Und dann rauchen die Männer den ganzen Tag Bigaretten. Die Kinder liegen den ganzen Tag auf der Straße herum. Es geht ihnen vorzüglich., Warten Sie, ich rufe Ihnen den Wachtmeister, der in den Familien Erhebungen macht. Der Wachtmeister kommt. Er hat ein nettes altes Gesicht, das mir Bertrauen einflößt. Der Bürgermeister sagt: Herr Malte, ich sage der Dame eben, daß es der Arbeiterschaft hier ausgezeichnet geht. Sie haben es nicht nötig, noch die Kinder arbeiten zu lassen. Habe ich nicht recht?" Der Wachtmeister sieht nach unten und murmelt etwas. Bei gutem Willen tann man es für Zustimmung nehmen. Die Deutschnationalen verlangen das Kanzleramt und das ministerium des Aeußeren. Sie wollen das Schicksal der Verfassung in die Hand bekommen, sie wollen die Hände frei haben zu einer Abenteuerpolitik nach außen wie nach innen. Wenn die Mittelparteien diesen Forderungen nachgeben würden, so würden sie aufhören republikanische Mittelparteien zu sein. 230 Neue Verhandlungen. Die deutschnationalen Bedingungen. Die offiziellen Verhandlungen über die Neubildung der Regierung find nach der gestrigen Unterbrechung heute früh wieder aufgenommen worden, und der Reichskanzler empfing einzelne Parteiführer zur Besprechung. Ueber den Gang der Berhandlungen ist vorläufig nur zu berichten, daß der Standpunkt der Deutschnationalen dahin zu kennzeichnen ist, daß es für sie Ich: Ja, Herr Bürgermeister, wenn hier alles fo ausge: zeichnet ist, dann ist wohl teine Unterstützung durch unsre Mittel nötig, Der Herr Bürgermeister wird der Antwort überhoben, da er wieder an das Telphon gehen muß, das flingelt. Was fagen Sie? Morgen? Ja, ich tomme, ich mache mit, natürlich! Nur dämpfen Sie, bitte, den völkischen Fimmel etwas, ein ganz klein wenig, bitte! Den völlischen Fimmel bann ich aus bestimmten Gründen nicht mitmachen, nicht ganz wenigstens." Er hängt wieder an. ,, Ja, also, der Wachtmeister fann Ihnen alles fagen, und die Gemeindeschwester Sie ja auch in Familien führen, aber was den Lohn anlangt, ich gebe Ihnen den guten Rat: ,, Ruhendes nicht auf rühren!" und sagt: ,, Ob diese Fragen ruhende sind, Herr Bürgermeister?" Ich gehe mit dem Wachtmeister in sein Zimmer. Er macht die Tür sorgfältig hinter sich zu, sieht sich unt, daß ihn niemand hört, leicht mal einer, der leicht lebt, ,, Das ist nicht so, wie der Bürgermeister fagt. Es tommt piel aber sonst, die Arbeit wird sehr schlecht bezahlt. Meine Tochter muß auch welche machen mit den Rindern, weil der Mann nicht genug verdient, und fie, na, fie verdient feine 10 Pf. die Stunde. Wissen Sie, hier gerade dem Rathaus gegenüber wohnt eine Frau, die murfft den ganzen Tag mit ihren acht Kindern dabei, Sie haben eine Stube, da schlafen sie, und da figen sie den ganzen Tag am Tisch und knibbeln, die Kinder, die zur Schule gehen und schon vorher, und die, die aus der Schule sind. Wenn Sie aus der Tür vom Rathaus gehen, fönnen Sie sie durchs Fenster figen sehen, alle neune. Nein, der Herr Bürgermeister weiß nicht Bescheid.". Und ich trat aus der Tür und sah drüben ein mageres Frauen| Auch die„ B. 3. am Mittag" berichtet aus Baris, daß die Wahl des Deutschnationalen Wallraf zum Reichstagspräfidenten in ganz Frankreich von der Rechten bis zur Linken einen sehr üblen Einbrud gemacht hat. Das Sprach rohr des Linksblods, die„ Ere Nouvelle", ist zwar objetfitn genug zu betonen, daß der Rechtsrud in Deutschland nicht zuletzt auf die Politit Poincarés zurudzuführen fei, aber es gibt deutlich zu verstehen, daß die französische Linke nicht daran dente, mit den deutschen Nationalisten zu pattieren oder gar sich durch sie einschüchtern zu lassen. Das Ganze nennt der deutsche Spießer das„ Erwachen des deutschen Michel". Uns will es vielmehr scheinen, daß der deutsche Michel, als dessen markanteste Repräsentanten gegenwärtig die Herren Scholz und Stegerwald Politik machen", mehr und mehr taumelt und daß das wirkliche Ers wa chen noch bevorsteht. H auch um Genies, die beinahe noch unsere Zeitgenossen waren. Er hat Dor Jahren ein künstlerisch bewegtes Publikum in das Wert Gottfried Kellers eingeführt, und als er diese Vorträge nachher in einem Büch lein sammelte, war eines der anmutigsten und erbaulichsten Werklein entstanden. Ebenso beschäftigte er sich eingehend mit Theodor Storm. Röster wußte mit der zarten Psychologie der lyrischen Dichter Bescheid. Das Geheimnis der musikalischen Rhythmik blieb ihm nicht verschlossen. Wie sehr er die Gegenwart liebte, geht daraus hervor, daß er es nicht ablehnte, vor zwei Jahren während des Aufsehen erregenden ,, Reigen"-Prozesses für Artur Schnigler einzutreten. Sehr interessiert war Röfter an den Dingen des Theaters. Er hat in Leipzig ein Seminar für Theatergeschichte eingerichtet, eins der ersten an deutschen Hochschulen. Hier wollte er den Studierenden die Möglichkeit verschaffen, das Theater in seinem Werden zu be trachten. Hier sollte der Student fennen lernen, wie der Regisseur, der Maler und Schauspieler die Visionen des Dichters in die plastische Wirksamkeit übersetzt. Die Einrichtungen Köfters wurden beispiel. gebend für die übrigen deutschen Hochschulen. Das Studium des Theaters ist seit Röster erst zu einem wichtigen Gegenstand deutscher Universitäten geworden. Der Verstorbene war ein schöner Redner, manchmal auch ein Schönredner, aber er hütete sich im ganzen doch davor, der Flachheit zu verfallen. Die Literaturforscher, die aus seiner Schule hervorgingen, werden es nie verleugnen können, daß fie für den guten Geschmad und für die Liebe zur Dichtung erzogen wurden, gesicht, und fah acht blaffe Kindergefichter, alle gebückt über einen Menschen im Gewicht von 150 Pfund in seine Bestandteile auflöſt, Tisch. und ihre sich hastig regenden Finger.. Wie tommt es, daß der Herr Bürgermeister das nicht sieht, wennn er aus der Rathaustür tritt? Vielleicht hat er zuviel über die Einfäufe nachzudenken, die seine Frau noch vom Sonntag bis Mittwoch in Berlin machen muß. Oder vielleicht hat er zu schwere Sorgen, weil Frieda gekündigt hat, wer weiß es? Ja, es ist kein leichtes Amt, Bürgermeister zu sein von Himbeerhausen im Mondland! Albert Köster+ Albert Köster, Ordentlicher Professor für deutsche Literatur. geschichte an der Leipziger Universität, ist im 62. Lebensjahre in Leipzig gestorben. Röster, der stets zu den lebendigen Dienern der Literatur, durch sein Temperament und feine Kunstliebe geführt wurde, hat seine Schüler früh angehalten, bei Betrachtung des Dicht wertes die Seele des Künstlers nicht zu vergessen. Er war ein Philologe, der sich an den Geistesströmungen der Gegenwart erbaute und seine historischen Studien jo einrichtete, daß sie den Studierenden den Genuß am Kunstwert erleichterten, und förderten. Eo bemühie fich Köster nicht nur um die altertümlichen Erscheinungen, sondern Der Mensch ist 4,12 m. wert. Auf Grund umfangreicher ana augenIntischer Untersuchungen ist der amerikanische Dr. Pierler fcheinlich ein ausgeruhter Kopf zu der Feststellung gelangt, daß der materielle Handelswert des Körpers eines Menschen von, mittlerem Wuchs 98 Cents beträgt. Wenn man den Körper eines so ergibt sich nach den Erklärungen Bierles, daß er eine Quantität Wasser enthält, die ausreicht, um zwei Laken zu waschen, genügend Eisen, um einen großen Nagel zu schmieden, Kalt in ausreichender Menge, um einen Hühnerstall zu weißen, und genug Schwefel, um würde man für 98 Cents beim Drogisten kaufen können. Da lohnt die Flöhe eines fleinen Hundes zu töten." Alle diese Substanzen Bestandteile aufzulösen. Nicht mal einen Dollar Gefäme man dafür! es fich also nicht, den Menschen erst mühsam in feine chemischen Henry F. Urban, der bekannte Journalist und Schriftsteller, ein ge borener Berliner, ist im Alter von 63 Jahren in New Yort gestorben. Eine deutsche Radicausfiellung wurde am Himmelfahrtstag in der St. Banli Turnhalle in Hamburg eröffnet. Das Haus des Deutschtums". In Stuttgart fand am Donners tag die Grundsteinlegung des vom deutschen Auslandsinstitut zu errichtenden " Hauses des Deutschtums" statt. Neue Einwanderungsquoten der Bereinigten Staaten. Nach dem neuen Gesez über die Einwanderung verringert sich die Gesamtzahl der im Jahre in die Bereinigten Staaten zugelassenen Einwanderer von 357 801 auf 161 990 Stopje. Die von dem Gesetz meistbegünstigten Nationen find Deutsaland und Großbritannien. Die Quote für Deutschland wird nur von 67 607 auf 50.529, die für Großbritannien und Irland bon 77.342 auf 62 558 berabgefekt. Die einschneidendsten Einschränkungen müssen sich die Länder Dit und Südeuropas gefallen lassen, deren. Eins wanderungsquoten im Durchschnitt. um neun Zehntel verkürzt wurden. Macdonalds Sieg. Der Konservative Vorstoß abgewehrt. Condon, 30. Mai( EP.) Der Angriff der Konservativen gegen das kabinett Macdonald hat zu einem Mißerfolg für die konservativen geführt. Der konservative Antrag ist mit 300 gegen 252 Stimmen abgelehnt worden. Ein Teil der Liberalen hat mit der Arbeiterpartei geftimmt. Die Debatte ist wieder aufgenommen worden, nachdem die Beratung der Liberalen über die Erklärungen Macdonalds atgefchloffen worden war. Als erster Redner ergriff der Sohn des Innenministers Hendersoh das Wort. Er erklärte, daß England feine ausländischen Märkte wiederherstellen sollte. Aus diesem Grunde müffe die gegenwärtige Regierungspolitif von allen Parteien ermutigt werden. Darauf teilte Asquith mit, feine Partei habe befchloffen, den fonfervativen Antrag abzulehnen. Die Mitteilungen Macdonalds über die Arbeitslosenfrage hätten befriedigt. Wenn die Lage die gleiche gewesen wäre, wie vor einer Woche, so hätte er allerdings seinen Parteigenoffen die Annahme des tonservativen Antrags vorgeschlagen. Die Liberalen feien somit bereit, der Regierung eine neue Frist zu geben, um ihr zu gestatten, ihre Pläne für die Behebung der Arbeitslosigkeit zu entwickeln. Diese Pläne feien in der Mehrzahl ausgezeichnet und wenn sie einmal durchgeführt felen, so feien gute Resultate zu erwarten. Die Liberalen jeien bereit, die Regierung in dieser Hinsicht zu unterstützen. Lloyd George wohnte der Sigung nicht bei, was start beachtet wurde. Nach der Rede Asquiths wurde zur Abstimmung geschritten. Der Vorstoß, den die Konservativen erneut gegen die Arbeiterregierung unternahmen, ist mit einer verhältnismäßig starten Mehrheit von 48 Stimmen abgewehrt worden. Mac donald hat in seiner geftrigen Rede mit Recht die elende Heuchelei der Konservativen gebrandmarkt, die in ihrer DemaBeschützer der Arbeitsgogie so weit gingen, sich als die Beschüßer der ArbeitsLesen aufzuspielen! Es war notwendig, diesen famosen Arbeiterfreunden die Maske vom Gesicht zu reißen, aber nicht minder wichtig war es, daß Macdonald den offenen Kampf aufnahm und nicht nur die Konservativen, sondern auch die Liberalen vor die Wahl stellte, durch ihre Haltung bei der Abstimmung die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen heraufzubeschwören. Diese entschlossene Taktik der Labour- Regierung, die Neuwahlen nicht zu fürchten braucht, dürfte den günstigen Ausgang der Abstimmung start bes einflußt haben. Das Reichswehrgutachten- ein Bärendienst Englische Debatte über deutsche Landesverratsprozesse. London, 29. Mai.( TU.) Im Unterhause wurde an den Premierminister die Frage gerichtet, ob er mit Rücksicht auf das durch das deutsche Reichswehrministerium verfügte Berfahren gegen Beigner wegen Landesverrats durch Aufdeckung der Beziehungen zwischen der Reichswehr und gemiffen illegalen Polizei. und Militärformatio nen, mittels deren Deutschland sich seinen Entwaffnungsverpflichtungen entziehen wolle, angeben fönne, welche Schritte von den Alliierten unternommen würden, um die Kontrolle über die militärischen Angelegenheiten Deutschlands wieder aufzunehmen, die ihnen nach dem Versailler Bertrag zustehen Ewiger Kreislauf. Immer fechs Tage hin und her schuften und müde sein, immer sechs Tage die Kraft und die Stunden verkaufen der siebente Tag ist deint. Da gehört jede Stunde dir. Du gibst ihnen Inhalt, du haft fie zu gewinnen und zu verlieren. Und sie ganz auszufüllen, sie mit Blüten zu behängen, verläßt du die Mauern der Stadt und ihren Lärm. Und zwischen Wiesengrün und Seen, die sich im Sonnenglanze spiegeln, schreitest du dahin, Frei! Frei wie ein Mensch der Städte frei ist: atmend, mit großem Staunen: so sein zu dürfen. Fern, ganz fern dem Ungeheuer Stadt mit den Mietsfasernen und den tausend Schornsteinen alles war schon halb vergessen- da erschrichst du plötzlich und es ist, als sei ein Stüd des Molochs hinter dir hergelaufen: Schornstein, Fabrit und Miets faserne. Mitten in der Schönheit, zwischen Wald und Feldern, ist ein Wert, eine Holzbearbeitungsfabrik, ein Eisenwert. Einige Bahnwaggons stehen lässig auf dem Anschlußgleife, müde liegen Arbeitshallen da, ein Tor und Schild:„ Unbefugten ist der Zutritt streng verboten!" Befugt, das sind die, die in den fahlen Häusern wohnen, die der Befizer errichten ließ. Hundert Menschen beieinander. Not und Sorge beieinander. Jahr um Jahr und Jahr um Jahr. Sie find hinausgezogen, sahen im Geiste das Heim in der Freiheit der Natur, das selige Losgelöstsein von der Enge, alles schön und gut. Doch dann beganns. Des Morgens zur Fabrit und des Abends in die enge nüchterne Wohnung, müde und erschöpft; denn noch mehr als in der Stadt wird hier ausgebeutet und der Lohn ist geringer noch. Gewiß, die Kinder find etwas besser dran, aber sie müffen oft stundenlang zur Schule laufen, bei Wind und Wetter, bei sengender Hize. Und so Jahr um Jahr ohne Ende. Ein Kreis. lauf des Lebens, der Menschen stumpf und döfig macht. Immer in der Runde. Fabrik, Mietwohnung, Fabrit, Mietwohnung, immer in der Runde. Nichts liegt dazwischen. Nicht einmal ein schlechtes Rino; denn die Stadt ist weit und man ist so müde und so stumpf. an den Sonntagen stehen die Leute vor der Haustür und reden dies und das. Ein Grammophon schreit alte Schlager zum Fenster hinaus. Die Kinder haben ihre Sonntagsanzüge an und kommen sich doppelt unglücklich drin vor. Jünglinge schlendern Zigaretten rauchend umher und sagen sehnsüchtigen Mädchen mehr Langweiliges als Lieb: liches. Der und jener ist Inhaber eines Stückchen Gartens. Das ist schon ein großes Glüd. Wie leer find die Stunden eines solchen Sonntags. Wie troft los leer. Am Montag beginnt es dann wieder. Fabrit, Mietwohnung, Fabrit, Mietwohnung. Immer in der Runde, immer in der Runde. Sport und Alkohol. Zu der Schießaffäre am Tegeler See Ein Zauberkünstler. Mit Wage und Logarithmentafel. rufungsstraflammer des Landgerichts III zu beschäftigen. Wegen Mit einem sonderbar liegenden Betrugsfall hatte sich die Berufungsstraffammer des Landgerichts III zu beschäftigen. Wegen Betruges, nötigung und Freiheitsberaubung war der Schlächtermeister Gans windt aus Lichtenberg vom Schöffengericht zu fich nicht beruhigen und hatte Berufung einlegen lassen. Der der 1200 Goldmark Geldstrafe verurteilt worden. Damit wollte er aber Anflage zugrunde liegende Sachverhalt entbehrte nicht einer starken Komit. Zusammen mit einem Viehhändler Schmidt hatte der Angeklagte Ganswindt von 1919 ab eine umfangreiche Geheimjchlächterei betrieben.. in die Schlächterei des Angeklagten, der seinen Lieferanten nach Der fapitalfräftige Viehhändler faufte Bieh auf und brachte es Schlachtgewicht bezahlte und dann zahlreiche Berliner Restaurants dauernd von hinten herum belieferte. Das Geschäft gestaltete sich sehr gewinnbringend aber nur für Ganswindt. Schmidt lieferte die fettesten Rinder, die aber, sobald sie in geschlachtetem Zustande auf die Wagschale des Angeklagten famen, merkwürdigerweise immer mehr an Gewicht verloren. Das Vermögen des Biehhändlers nahm im Laufe dieser Geschäftsverbindung ständig ab, während Ganswindt nicht nur äußerlich immer fetter wurde, sondern auch an irdischen Gütern zunahm. Bald konnte er sich ein Grundstück und ein Auto laufen. Nun wurde sein Geschäftsteilhaber stubig, fonnte aber monatelang nicht hinter den Fehler in seiner Rechnung kommen. Als jedoch eines Tages beim Abwiegen von vier geschlachteten Ochsen ein lächerlich geringes Gewicht herausfam, packte Schmidt die Wut. mit einem: ,, Donnerwetter, das fann nicht mit rechten Dingen zugehen!" griff er nach den Gewichten auf der Wiegeschale, und nun hatte er plöglich die Lösung des Rätsels: Die Gewichte waren nämlich ausgehöhlt und mit Blei ausgefüllt worden. Mit dem Revolver in der Hand wollte Ganswindt seinem Geschäftspartner die falschen Gewichte wieder abnehmen. Als Schmidt aber Widerstand leistete, schloß er ihn in dem Schlachthause mit der Drohung ein, daß er nicht früher herauskäme, bis er die Gewichte ausgeliefert habe. Die herbeigeeilten Gehilfen des Eingesperrten mußten mit Aerten die Tür einschlagen, um ihn zu befreien. Auf Anraten des Verteidigers räumte der Angeklagte ein, daß er die bleigefüllten Gewichte verwendet habe, er versuchte aber sich damit zu entschuldigen, daß er diese Gewichte nur der einfacheren Abrechnung wegen benutzt habe. Zum Beweise dafür legte er dem Gericht eine Art Logarithmentafel vor. Als Landgerichtsdirettor Siegert auf diese schwierige Rechnung näher einging und schließlich meinte, das wäre doch gar nicht glaubhaft, erwiderte der wohlbeleibte Angeklagte mit naivem Lächeln: Das kann ich Ihnen auch nicht verdenken, ich würde es an Ihrer Stelle auch nicht glauben. Ich freue mich nur, daß Sie die Sache so genau auseinanderpolten." Das Auseinanderpolten" führte schließlich doch dazu, daß die Berufungsstraftammer die Berufung des Angeklagten verwarf und das an sich schon recht milde Urteil des Lichtenberger Schöffen gerichts bestätigte. Der Männerchor Solidarität( M.d.A.-S.-B.) unter Leitung des Chormeisters Herrn Thilo hat getrent der Auffassung Die Kunst gehört dem Boll" eine Reihe von Beranstaltungen in Kranten und Siechenhäusern, auch in Gefängnissen beschlossen. Um die Darbietungen wirkungsvoller ges ftalten zu fönnen und mit Rüdficht auf die Verhältnisse, daß ein großer Teil Arbeiterfänger passiv, fleinere Bereine nicht zur Geltung fommen fönnen, ist der Berein bereit, sich mit Gleichgesinnten zu verschmelzen. Da der Verein Solidarität" auch bei Veranstaltungen der Arbeiter diesem Gebiet iſt, werden Interessenten gebeten zu ber jeden Freitag von Organisationen stets bereitwillig mitgewirkt hat, und fein Neuling auf 7-9 Uhr im Schulmuseum, Stallschreiberstr. 49, stattfindenden Uebungsstunde zu erscheinen, event!. Rüdsprache nehmen zu können. Sanges fundige und freudige Herren und Genossen, besonders aus dem sechstess Verwaltungsbezirt, find herzlich eingeladen: Das Explosionsunglück in Bukarest. zu der großen Erpfoftonstatastrophe wird noch folgendes ges meldet: Die ersten Explosionen in Munitionsdepot dauerten zwei Stunden. Während dieser Zeit herrschte in der Stadt unbe fchreibliche Banit, da der Ort der Katastrophe nur einen Kilometer von Bukarest entfernt liegt. Ein ganzes Stadtviertel im UmZu dem blutigen Zusammenstoß am Tegeler See werden noch folgende Einzelheiten gemeldet, die die erste Darstellung zum Teil Eerichtigen. Ganz geflärt ist der Vorfall auch jezt noch nicht. Eine Reihe von Zeugen müssen noch vernommen werden. Nach den weiteren Feststellungen haten der Kriegsbeschädigte Dörrath und sein Freund Stanfom jeder eine Segelboot. Als das Gemitier ausbrach, legten beide am Heideschlößchen an. Dörrath erreichte den fam. Um diesem Blag zu machen, stellte er sein Boot etwas herum. Landungssteg, zuerst und hatte schon festgemacht, als Stantom heran. In diesem Augenblid fam ein Ruderboot heran. Es war mit etwa 10 Mann besezt, die angetrunken waren. Das Ruderboot stieß mit Clynes, der an Stelle des Premierministers antwortete, er- folcher Gewalt gegen Stantops. Gegelboot, daß der Lad abplante. Härte, daß die Regierung feine offizielle Kenntnis von den Verbreine absichtliche Anrempelung vorliegt, steht dahin.Bum minn fahren gegen Beigner habe, daß sie jedoch dem Problem der mili- deften aber war es eine grobe Unvorsichtigkeit. As Stanton fich fs, * tärischen Kontrolle in Deutschland die vollste Aufmerksamkeit widine. Das Gebaren verbat und den Leuten sagte, sie sollten sich doch vorIn Beantwortung einer weiteren Frage, ob es den Mitgliedern sehen, erhielt er von einem der Ruderer zur Antwort:„ Halt die Freffe, du Aas, ader ich stoß mit dir eins aus!" Darauf nahin des Hauses überlassen bleiben solle, solche Fragen zur Kenntnis der Stankow seinen Wafferschöpfer und sprigte nach dem Ruderboot Regierung zu bringen, erwiderte Clynes, feine Antwort schließe ein, hinüber. Unterdeffen war er auf den Steg hinaufgetreten. Jetzt daß die Regierung nur auf offizielle Informationen hin Schritte tamen ihm die Ruderer nach und fielen über ihn her. Es gelang unternehmen fönite. Weiter befragt, ob der Minister mit Rücksicht ihm, sie abzuwehren, und er flüchtete dann. Hierauf wandten sich auf die Wichtigkeit dieser Frage in Fühlung mit der deutschen Regie- die Ruderer gegen Dörrath, der noch in feinem Boot jaß, und betreise von 3 Rilometern wurde von der Bevölkerung geräumt, die rung treten wolle, und ob die in der ersten Frage enthaltene An- warfen ihn mit Bierflaschen und Raffcetan nen, gabe zutreffend sei, erwiderte Clynes, der zweite Teil seiner Antwort Als dann einer der Ruderer, der tschechische Möbelhändler Defois müffe genügen. Er fügte hinzu, daß die Bemühungen der Regierung einen Stuhl ergriff und ihm über den Kopf schlug, griff der schwer dahin gingen, daß die Interalliierte Militärtontroll bedrängte Kriegsbeschädigte, der wegen feines fünstlichen Beines Tommission ihre vertragsmäßige Tätigkeit wieder aufnehmen nicht schwimmen fann und fürchtete, ins Waffer geworfen zu werden, zum Revolver und gab einen Schuß auf den Angreifer ab. In die jolle, um ihre Miffion in einem absehbaren Zeitraum zu beenden. Bruft getroffen, brach dieser zusammen und starb nach kurzer Zeit. Die Debatte im englischen Unterhause bestätigte die Rich Die Menschenmenge, die sich bald sammelte, war gegen Dörrath, tigkeit der hier bereits vertretenen Auffassung, daß das Reichs- obwohl er nur in der äußersten Nos zur Schußwaffe gegriffen hatte, wehrministerium durch sein Vorgehen gegen Zeigner der deut- fehr aufgebracht und wollte ihn lynchen. Es fielen noch zwei Schüsse, schen Politik den denkbar schlechtesten Dienst Ob sie von Dörrath oder von Ruderern abgegeben worden find, bedie Stantow an der Schulter und Hartmann am Oberschentet trafen. erwiesen hat. Nach seiner eigenen Logik hätte es durch Er- darf noch der Feitstellung. Ein Bruder Dörraths hatte vom Lande stattung des Gutachtens" im Falle Zeigner Landesveraus dem Vorgange zugesehen. Er ruderte mit einem Boot an das rat begangen. Was natürlich ebenso Unsinn ist, wie die Segelboot des Bedrängten heran, machte es los und brachte ihn auf Berfolgung Zeigners und der deutschen Zeitungen, die bisher den See hinaus, wo der zur Hilfe gerufene Wasserschuß ihn auf vom Staatsanwalt mit seiner Aufmerksamkeit beehrt wurden. nahm., Weitere Zeug en werden ersucht, sich umgehend bei Kriminalfommiffar v. Ostrowski im Polizeiamt Reinickendorf, Hauptstraße 138, Bimmer 30 zu melden, 11 Der Kampf gegen Millerand. Paris, 30. mai.( WTB.) Der geschäftsführende Ausschuß des Republikanischen und Sozialistischen Blods des Loire- Departements hat gestern in St. Etienne eine Tagesordnung angenommen, in der die Demission des Präsidenten der Republit, Millerand, vor der Konstituierung des neuen Minifteriums verlangt wird. Paris, 30. Mai.( Eca.) Der Provinzialverband der Sozialisti schen Partei für das Departement Seine hat in einer Entschließung den sofortigen Rücktritt des Präsidenten Miller and verlangt. Die Blätter des Linken Blockes setzen ihre Angriffe gegen Millerand unerbittlich fort. Das„ Deuvre" meint, er werde unter dem unwiderstehlichen Drucke der öffentlichen Meinung in wenigen Tagen gehen, obgleich er und seine Offiziöfen sich bisher taub gestellt hätten. Deuvre" erinnert an die Haltung Millerands gegen einen früheren Präsidenten der Republik und schließt: Mac Mahon hat 3 Monate zum Rüdtritt gebraucht, für Millerand werden 3 Tage genügen. Der Populaire" schreibt: Wartet Millerand immer noch auf eine Schwäche der Radikalen und Sozialistisch- Radikalen Partei? Sieht er in Herriots Befuchen das erste Zeichen der Milde? Die„ Ere Nouvelle" schreibt: Wenn Alexandre Millerand darauf befteht, im Elysée wohnen zu bleiben, wird er während seiner drei legten Amtsjahre feinerlei Bezüge erhalten und wie ein Gefangener wohnen. Wir raten ihm also, dieses Gefängnis zu verlassen und wieder ein freier Mensch in der Freiheit zu sein. Der Präsident der Republik ist durch das Land desavouiert worden. Kann er noch weiter einem Lande vorstehen, das ihn nicht als Präsidenten haben will? Sie müssen also gehen, Herr Millerand! Die Baterländischen Verbände haben zum Sonnabend, den 31. Mai, nach Berlin die Führer aller Baterländischer Berbände Deutschlands zu einer großen Vertreter versammlung eingeladen, um zur inneren und außenpolitischen Lage, sowie zu den drohenden kommunistischen Revolutions gefahren erneut Stellung zu nehmen, Beim Einbruch erschossen. angsterfüllt die Flucht nach dem Stadtzentrum ergriff. Das Parlament fonnte seine Sigung nicht abhalten. Jede Explosion war von starten Erschütterungen begleitet, durch die nicht nur zahlreiche Fensterscheiben zerstört, sondern auch mehrere Häuser zum Einsturz gebracht wurden. Nahezu 1000 Baggons mit 12 000 Geschossen, die erst fürzlich aus den tschechischen Skodawcrken eingetroffen waren, und eine bedeutende Menge alter Geschosse gingen in die Luft. Man nimmt an, daß ein anderes großes Munitionsdepot, welches unterirdisch gelagert ist und 2600 Waggons Geschosse aufnahm, als gerettet gelten kann. Der Brand dauerte um 11 Uhr nachts noch fort. Der Palast von Cotroceni mußte geräumt werden. Der Schaden beträgt mehr als zwei Milliarden Lei. Ein deutsches Schiff gesunken. In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag um 3 Uhr fant vor Aalborg der deutsche Schoner Werner" aus Hamburg auf dem Wege nach Hamburg mit einer Ladung Riesasche. Das Schiff war zu schwer belastet. Die Bea fagung wurde gerettet. " Groß- Berliner Parteinachrichten. 14. Areis Neuräffn. Eltern der 15. und 16. weltlichen Schule! Neukölln, Leffing. Straße, Sonnabend, den 31. Mai, 7 Uhr, wichtige Zusammenkunft bei Hürtler, Prinz- Handjery- Straße 34. Heute, Freitag, den 30. mai: wissenschaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte. Manut. der Estimo". Eintritt 50 Pfg. Nachm. 5 Uhr, Borführung für Kinder 15 Pfg. Karten an der Raffe. 116. Abt. Sichtenberg. 8 Uhr, Funktionärfigung Lotal Schmidt, Boghagener Straße 54. Erscheinen der Betriebsvertrauensleute besonders wichtig. Morgen, Sonnabend, den 31. Mai: 10. Abt. 6 Uhr, treffen sich alle Genoffen bei Trümper, Flensburger Straße 3. Bier Einbrecher hatten es in der vergangenen Nacht auf die Wohnung eines Wäschereibesizers Graßmay im Erdgeschoß des Hauses Blumenstraße 92 abgesehen. Als sie um 1 Uhr eindringen 101. Abt. Treptow und Baumschulenweg. Bildungsausschuß! 27. Borführung wollten, nahm Graßman sie war, ging auf den Hof hinaus und verscheuchte sie. In der Annahme, daß sie wiederkommen würden, legte er sich in der Wohnung auf die Lauer. Schon um 2 Uhr famen die Berbrecher zurüd, fägten den Rollvorhang vor der Tür am Hofe durch und schlossen die Tür auf. Jeßt sprang ihnen Graßmay entgegen und schlug mit dem Rufe: Hände hoch!" In demselben Augenblick aber schoß feinen Revolver auf sie an. auch schon einer der Einbrecher auf ihn, ohne zu treffen. Jegt gab Graßmay vier Schüffe ab. Die Einbrecher flüchteten, aber auf der Straße brach einer von ihnen, der getroffen worden war, zusammen. Beamte der Schußpolizei, die herbeigeeilt waren, brachten ihn nach der nächsten Rettungsmache. Er starb aber schon auf dem Wege dahin. Er wurde festgestellt als ein 30 Jahre alter aus Kyriz gebürtiger Händler Moldenhauer aus der Gitschiner Straße 78. Die Spießgefellen des Erschossenen entkamen und find noch nicht ermittelt. ,, Das vorteilhafte Syftem". Im Vorwärts" vom 17. Mai beschäftigten wir uns in einem mit der lleberschrift. Das vorteilhafte System" versehenen Urtitel mit der seltsamen Methode eines Nadiobändlers, Kunden zu werben. Der Verband der deutschen Radiohändler sendet uns dazu folgende Buschrift: Wir begrüßen es, daß Sie gegen dieie Art des Geschäftsgebarens Stellung genommen haben. Auch wir bekämpfen einen derartig unreellen Handel, und haben wir daber die in Frage fommende Firma durch unseren Syndikus auffordern lassen, den Vertrieb von Rundfunk- Empfangsgerät mittels des jogenannten Hydras- Systems" einzustellen, da es sich um einen Verstoß gegen§§ 1 u. 13 11. ett be. Gef.,§ 286 Str. Gei.-B. und§ 763 BGB. handelt. Durch einen derartigen Handelsbetrieb wie Sie ihn gegeißelt haben, wird der reelle Handel in großem Maße geschädigt und diskreditiert, und werden wir nichts unverjucht lajien, um alles Unforrette im Handel mit Rundfunkgerät aus aufhalten." Jugendveranstaltungen. 9 Die im Mai Mitteilungsblatt angegebene Ausstellung in Bildern, Büchern, Keramiken usw. für den 30, 31. Mai und 1. Juni muß umständehalber ausfallen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz. Rot. Gold, Kameradschaft Charlottenburg, hat am Freitag, den 80. b. M., abends 8 Uhr, eine Mitgliederversammlung bei Riemer, Charlottenburg, Wilmersdorfer.( Ede Kanalstraße). Republikaner find als Gäfte herzlich willkommen! Geschäftliche Mitteilungen. Das Kauhaus Gebrüder Leyser, SD. 36, Wiener Str. 64, Ede Laufiger Str., am Görlizer Bahnhof, Hochbahnstation Oranienftr., veranstaltet von heute ab einen außergewöhnlich billigen Bertauf für den Pfingstbedarf in Damen- Wäsche, Damen Blusen, Kleibern, Mänteln. Kostümen, Gardinen, Tischbecken, Schuh waren, Strümpfen, Damen- Süten, Herren- Artikeln, Knaben- Waschanzügen und Reise- Artiteln zu ganz besonders billigen Breifen. Es wird auf das heutige Inserat mit den toloffal billigen Preisen hingewiesen. Eine feltene Gelegenheit zum Eintauf jeder Art für das Pfingstfest bieten die Sonderangebote im Raufhaus Tempelhof, Inh. Edmund Clend, Berliner Straße 126. Auf das Inferat in der vorliegenden Nummer möchten wir hiermit empfehlend hinweisen. Breife ganz bedeutend herabgeicht und können wir nur empfehlen, von den Die bekannte Herren, Anaben- Bekleidungsfirma S. 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SAe B«rlin«r Buchdrucker nahmen am Miliwoch im Gewerk- schaftthause zu den n« u e n Tarifvereinbarungen Stellung. B r er u n berichtete über die Verhandlungen, die sich außerordentlich schwierig gestalteten, weil die Unternehmer mannnigfache Verschlechterungen in den Tarif hineinzubringen versuchten. Ueber die einzelnen Be- stimmungen des neuen Buchdruckertarifs ist an dieser Stell« bereits berichtet. Den Gehilfenvertretern ist es gelungen, auch weiterhin «in« wSchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden tariflich festzulegen. Iü d«r Lohnfrag« konnten die berechtigten Ford?rung«n der Gehilfen infolge des Widerftrebens der Unternehmer nicht ganz v«r. wirklicht werden. Ab 31. Mai beträgt der Spitzenwochen. lohn 33.60 M. Der Redner betonte, daß man trotz aller Mängel nicht alle Ver- «inbarungen in Bausch und Bogen verdammen dürfe. Nach kurzer Debatte, ire der da» Verhalten der Unternehmer scharf kritisier! wurde, billigt« die Versammlung in ihrer Mehr- heit die getroffenen Vereinbarungen. Eine Resolution, welche die stritt« Ablehnung der gesamten Vereinbarungen forderte, fand nicht die genügende Unterstützung. In dar Frage der G c h a l t» r e g e l u n g für die Angestellten des Vereins Berliner Buchdrucker gab Z w i r n« r näheren Aufschluß. Die Gehälter werden auf Beschluß der Generalversammlung gemäß dem Dorschlage des Gauvorstande- erhöht und die Pflichtbeiträge der Angestellten zu der freigewerkichaftlichen Unterstützungseinrichtung von der Organisation geleistet. S ch l e f f l« r empfahl die Festsetzung eines E x t r a b e i- tragesoon 1 M. pro Woche bis auf weiteres für die in hartem Abwehrkampf stehenden Bergarbeiter. Daß die Erhebung dieses Extrabeitrages einstimmig beschlossen wurde, ist ein erfreuliches Zeichen gewerkschaftlicher Solidarität. Wie man Beamte macht. Beim Reichskommissariat für Reparationslieferungen find eine größere Anzahl von Ann est eilten beschäftigt. Einig« Personen waren mit ihrer Angestelltenstellung nicht mehr zufrieden i sie stellten deshalb bei ihrer Dienststelle den Antrag, als Versorgung»- anwärter in der Eigenschaft eines Beamten weiter« beschäftigt zu werden. Obwohl nun nach der Personaladbauverord- nung neue Beamten nur unier ganz besonders erschwerenden Be- dingungen eingestellt werden dürfen, da fa der Zweck der PAV. gerade«in Beamten abbau ist, hat der Reichstommissar für Reparationslieferungen neun Angestellte mit Wirkung a b 1. M a i als„Berforgungsanwärter in der Eigenschasc eines Beamten auf Widerruf" befördert. Nebenbei bemerkt: ein neuer Titel, der hier eingeführt wird. Was sagt aber der Reichsminister der Finanzen, dem die Dienststelle unter- steht, zu dieser Beamtenernennung? Auch Bayern erhöht die Beamtengchälter. Die bayerische Regierung gibt bekannt, daß sie die vom Reich ab l. Juni eingeführte Bcsoldungs-Reuregelung für die bayerischen Beamten ü b e r n i mm t. Sie hebt dabei hervor, daß zwar, auch in den unteren Griiopen. fast kein Beamter unter 80 Proz. seiner Friedensbesoldung bleibt, meint aber, daß eine E r- höhung gerade der Bezüge der unteren Gruppen angezeijj��eäre. Einer jelbsrändigen Regelung dieser Frage durch die stehe jedoch das Sperrgefetz entgegen. Es geht weiter anfwärts! Im Bezirk Essen des Deutschen Metallarbeiterver- bandes farden dieser Tage die Wahlen zu den Vermalrmigs- körperschaftea des Bezirks start. Bisher hatten sowohl in der engeren als auch in der erweiterten Bezirtstommifsion, wie sie in Berlin die ttytrc und die mittlere Onsverwaltung darstellen, die Kommunisten die Mehrheit und nutzten diese natürlich in ihrem Sinn« gehörig aus. Alle Moskauer Parolen wurden getreu« Ich befolgt, so daß der Leiter des Bezirks, Genosse Wolf f. alle chände voll tun hatte, di« Gewerkschaftsarbeit im Bezirk einiger- maßen im Gang? zu halten. Bei den jetzigen Wahlen sind die Kommunisten gegenüber den Amsterdamern mir 11000 Summen ind er Minderheit geblieben. Alle Körperschoflen tonnten dementsprechend mit Anhängern der zreien Gewerkschaften besetzt werden. Di« Mehrheit von 11000 Stimmen bei etwa 140000 Mitgliedern bedeutet im Bezirk Essen, der bisher zu den kommunistischen Experi- mentierzellen gehörte,«inen sehr beachtenswerten Er so lg. Nach dem Erfolg ,n Dresdei.. wo bei Wahlen zu denselben Kör- perschaslen eins" erdrückende Mehrheit für Amsterdam zustande kam, ist Essen ein weiterer Verlust an kommunistischen Positionen im Metallarbeiterverband. Der KPD.-Zentrast sclxint dieies Zurückfluten der„Oppositions- welle" ruf die Nerven zu fallen. Ihrer Einstellung gemäß führt sie das natürlich nicht etwa auf ihre Parolenpolitik zurück, deren Wahn- sinn die Arbeiter langsam zu begreisen beginnen, fondern auf das Versagen hrer Vertrauensleuie in beamteten Stellungen. Der Be- vollmächigte' der Verwaltungsstelle Essen, Kriskat, der als Kam- munist auf d?n Posten gewählt wurde, ist nunmehr wegen feiner „reformistischen Anwandlungen", d h. weil er als ver- CTttworUicher Zahlstellenleiter mit Wasser zu kochen gezwungen war, aus der KPD. ausgeschlossen worden. Wie wir weiter erfahren, haben auch die Delegierten wählen zur Berliner Generalversammlung des DMV. den Anhängern der roten Gewerkschafrsinternattonale eine empfindliche Nie- derlage gebracht. Von 429 Delegierten werden nur etwa 120 der KPD. angehören. Die Kommunisten sind damit auch in Berlin rusgeschaltet und die Generalversammlung wird endgültig wieder dazu kommen können, positive Gewerkschaftsarbeit zu leisten. Der Traum der KPDisten, die Berliner Verwaltungsstelle durch Be- setzung der Ortsoerwaltung in ihre chänd zu bekommen, ist aus« geträumt. Sie werden sich, wenn sie es weiter für opportun halten, an den Verwatlungsarbeiten teilzunehmen, auf den Boden der ge- gebenen Tatsachen zurückfinden müssen und so die Gewerkschaits- arbeit leisten, die im Sinne der Gesamtmstgiiedschoft und der Ar- beiterbewegung notwendig ist. Waffenstillstand im norwegischen Arbeitskampf. Wie durch di« Telegrophenbureaus schon mitgeteilt, haben die norwegischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisalionen«inen Vorschlag des Reichsschlichtungstom missars, die Arbeit wieder aufzunehmen, angenommen, von diesem Dienstag an kommen die Betrieb« wieder in Bang. Dies« Tatsache ist weder ein« Entscheidung, noch ein Arbeitersieg in dem Großkonfliit, sondern ein sehr faules Wafsenstillstandskompromiß, wie schon«in Blick auf die beiden Punkte, auf Grund derer die Arbeit wieder aufgenommen wird, zeigt. Es heißt da: 1. Der im Oktober vorigen Jahre» ins Werk gesetzte Streik innerhalb der Eisenindustrie wird beendet; 2. die ins Werk gesetzten Aussperrungen, Streik und Sympathiestreiks werden aufgehoben; 3. nachdem die Arbeit wieder ausgenommen ist, beginnen sofort Verhandlungen um die inzwischen abgelaufenen Tarif«. In einem beigefügten Prorokoll stellen die Arbeitgeber ihre geldlich« Garantieforderung zurück. Man kann es oerstehen, wenn der rechtstommunistischs Vor» sitzende der norwegischen Gewerkschaftszentrale im k o m m u- n istischen„Arbejderblatt" sich kleinlaut über diesen Schluß äußert:„Das ganze ist ein Kompromiß; bei der vor- liegenden Situation war es nicht möglich, ein besseres Resultat zu erzielen." Die Schwierigseiten beginnen nun erst, denn es gilt nicht mir im allgemeinen die Fragen, die zu Streik und Aussperrung ge- führt haben, zu regeln, sondern es sind auch die T a r i f« der Schuh- orbeiter, chemischen Industrie. Transportarbeiter, Brauerei und ver- schiedener kleinerer Organisationen abgelaufen und hier stehen der Erneuerung di« Unlernehmersorderung Lohnherabsetzung, die ArbeitnehmesförderüNg Lohnerböhung konfliktdrohend im Wege. Es ist ein Waffenstillstand allseitiger Müdigkeit, denn- am 29. Oktober 1923 begann der Eifenmdiistmstrei?, am 11. Febrsiac dieses Jahres, die erste, am 28. die..zweit« Aussperrung, gleichzeitig begannen di« Sympathiestreiks, daneben lief seit Anfang Februar der Transport- Hafenarbeiterstreik. Der V« r g l« i ch ist von den Arbeitern mit nur 10672 gegen, 82 4 7 Stimmen angenommen worden, was, da insgesamff 60 000 Man betroffen waren, von der eingetretenen großen Indisfe- renz zeug!, wenn auch berücksichtigt werden muß. daß viele Arbeiter inzwischen wieder die Beschäsiigung bei den manchen kleinen, in Rar- wegen nichtcrganisisrlen Arbeitgebern aufgenommen hotten. Die starke Gegensttömung beruht auf einem Befehl von Moskau. Vor zirka 14 Tagen schick« die Moskauer Gewerkichostszentrale 13000 Goldrubel Unterstützung mit einem Aufruf, den Generalstreik zu proklamieren! Die norwegischen Ar- beiter aber hatten noch soviel Vernunft, die völlige Unaus- führbarkeit der russischen Parole einzusehen. Für die Links- kommunisten, die f ü r die Arbeitswiederaufnahme gestimmt haben, kündigt der kommunistische Paneivorstand ein hochnotpeinliches Ketzergericht an. Den Anfang hm er in seinen eigenen Reihen gemacht, indem der zweit« Vorsitzende, Halvard Olsen, der als G«- werkschaslssekreiär die Wiederaufnahm» der Arbeit anbefahl, seiner Aemier beraubt und aus der Kommunistenpartei ausg«. schloffen wurde. Unter diesen Umständen wird die norwegische Wahl im Herbst einen erbitterten Kampf zwischen Links-, und Rechtskommunnisten und Sozialdemokraten zeigen! Ueber di« verheerenden wirtschaftlichen Folgen des Kampfes— und der sicher noch kommenden— ist man sich in Norwegen klar. In der Papierindustrie sind viele Austräge nach Schweden gewandert, die Holzindustrie hat eine ganze Saison verloren, die chemische Industrie fürchtet für einen großen Teil ihres Marktes. Treffend schildert der Direktor der norwegischen Staatsbank die wirtschostliche Verheerung wie folg': „Der Kanstikt hat uns in unserem wirtschaftlichen Wiederaufbau ungeheuer weit zurückgeworfen. Vieie Industrien, di« sich über die Nochkriegskrise schon hinübergearbeitet hatten und ihr« Bankschulden verringerten, lzaben auf Grund des Konflikte» ihre Gesundung eingestellt und wir mußten ihnen Stun- düng geben. Speziell im Hinblick aus die Valuta hat uns der Konflikt vor ein« schwierige Ausgabe gestellt. Es gab Zeiten, da es äußerst schwer war. den Kurs zu halten und es kostete groß« An- strengungen und Opfer, auch nur den schlechten Stand, auf dem sich unser« norwegische Krone ja befindet, zu halten." Man könnte den norwegischen Unternehmern den Schaden, den sie sich mit ihrer scharfmacherischen Aussperrung selbst zugezogen haben, ruhig gönnen, wenn nicht auch die Masse dar Arbeiter und Konsumen'en unter diesen wirtichafttichen Wunden des Konflikt» zu leiden hätten. Aber vielleicht nimmt sickftdie noch scharf- macherisch« deutsche G r u pe n a r be i tg« be r s cha s t piese Lehr« rechtzeitig zu Herzen.... P. V. 1° Wie di« Cca hierzu unterm 29. Mai berichtet, haben die Attions- ausschüss« der Eisenbahn« und Bauarbeiter verbände beschlosieu, den Sckiedsspruch im Arbeiterkanflik», der sowohl vom Uiiternehmcrverband. als vom Gewsrkschastsverband gutgeheißen wurde, nicht anzuerkennen, sondern ihren Kampf wüter zu führen, bis dig S reikbrecher entfernt, die sämtlichen ausgesperrten oder streikenden Arbeiter wieder eingestellt würden und schließlich bis eine annehmbare Regelung der Lohn- und Arbeiiszeitfrage zu- stände gekommen sei.__ Ttreikfteber i« Japan k Hava» meldet aus Osaka, daß ganz Japan vom„Streik. f i e b e r" heimgesucht sei. Die Streit» seien namentlich in den(Bas- sabriken und Bergwerken ausgebrochen. Außerdem wären die Angestellten der Trambahngesellschaften in den Ausstand getreten. Die Bewegung wird auf das Bestreben der Arbeitermassen zurück- geführt, irgendwelchen Lohnverkürzungen zuvorzukommen. Da» sogenannt« Streikfieber erweist sich also lediglich al» eine Ab. w e h r b e w e g u n g. Die Unternehmer sind offenbar der Meinung, die Arbeiter müßten stillehalten, wenn sie ihnen das Fell über die Ohren ziehen wollen.___ Der Sircit in der Mtllerschen Brotfabrik in Berlin ist nach etwa zweiwöchiger Tauer mit einem Erfolg für die Streikenden beendet nordcn. Die Konserenz der englischen Bergarbeilerdeleglerken hat den Kompromißvorichlag der Grubenbesitzer angenommen. 437 000 Stimmen waren dafür und 311 000 Stimmen dagegen. Damit ist die Arbeitseinstellung oermieden. Der neue Kontrakt läuft neun Mpnate. Außerdem haben die Delegierten bsschlosfen. den deutschen Grubenarbeitern einen Betrag von 1000 P s u n V Z ll"ü b e r m i t t e l n, um sie in den Stand zu setzen, den Kämpf um die Arbeitszeit wirksam fortzusetzen. Die Vertreter der irischen Eisenbahner hoben gestern in Dublin leschlossen, für d:-n 5. Juni au? den gesamten irischen Eisenbohnen den Generalstreik zu verkünden, wenn die Gesellschaften bis dahin nicht: die neuen Lohnforderungen der Arbeiter bewilligt haben. ,.Z7 ausgesperrte Tabakarbeiter getötet und drei Soldaten ver- wunt-tt worden"— wird aus Saloniki gemeldet. Die alte Ge- schicht:: Eine Tabatjobrlt sperrte ihre Arbeiter au». Di: Arbeiter. an der Arbeit verhindert, kommen �us di« Straße, die Polizei will sie— natürlich nur„im Berkehrsft.leresse"— vertreiben, es wird der übliche„Widerstand" geleistet, Militär herbeigeholt und—„die Ordnung" wiederhecgestellt. Die„Ordnung", die es dem llnftr- nehmcrtum«rlaubt,„feint" Arveiter hungern zu lassen, wtnn si« nicht„zusrieden" sind, die aber nirgendwo so weit gehl, durch Speisung der Hungernden die Neutralität in den Arb-itZkämpsen herzustellen. Wer wollte sich über mangelnde Sozialfürsorge in Saloniki aufregen! Es geht da eben noch«iwas türkisch zu und Arbeiterleben sind auch dort nicht kostbarer als in anderen„Kultur". ländern.. Extra billige Pfingst- Angebote! Nur einmaliges Angebot!! Damen- Taschentücher mit bunter 25 PL. Halblein Taschentücher extck 45 Pt. Herren- 1 Strümpfe Stück Herren- Socken Par grau, Baumwolle 45 PL engl. lang, ohne 65 PI. Damen- Strümpfet, Paar... Damen- Strümpfe Dopp.-S., 95 Pf. Damen- Strümpfel.lg.. Seidengriff, 145 Herren- Socken butu grau. Baumw. 65 Pt. Hochferse, Paar mod. Farben, Paar starkeQualität, Paar engl. lg., Seidenflor, 195 Damen- Strümple klare Ware, Paar Damen- Wäsche aus gutem Stoff und Damen- Hemden rich. Stickerei Stck. 195 Damen- Hemden Stickerel, Stck. Trägerform mit 275 Garnitur a.fein Renforcé, m. reich.Stick. 345 garn, Beinkl. u. Hemd. Stück schl. Form, m.br. 195 Damen- Beinkleider Stick- Vol, Stek Stickerel Unterrock mit breite 285 Prinzebrücke mit reicher StickereiWOVO Volant ausstattung. 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