Abendausgabe Nr. 25441. Jahrgang Ausgabe B Nr. 128 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Sonnabend 31. Mai 1924 Berlag und Anzeigenabteilungs Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Jernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der alldeutsche Staatsstreich- Versuch. Seeckt als Zeuge gegen Claß. Ein General, der„ nicht dumm genug" war. General von Seedt, der viel Umworbene, hat heute als Beuge in dem Mordprozeß Thormann ein neues und nettes Wort geprägt: Die Leute, die ihn im letzten Herbst und auch sonst bestürmten, die Diktatur zu übernehmen, suchten einen General, der dumm genug sei, auf fie hereinzufallen. Ich war nicht der Mann". In München war ein General hereingefallen. Aber der hieß nicht Seedt, sondern Ludendorff. Das Boltsgericht sprach diesen nachher frei, während es seine Kumpane gelind verurteilte. Und sogar der Freigesprochene empfand den Freispruch als eine Schande. General von Seedt ist nicht auf die vielfachen Sirenen gefänge hereingefallen, die damals rund um ihn herum angeftimmt wurden. Was hat der Maurenbrecher, der Feder führende des Justizrats Claß, fich im Herbst nicht Mühe gegeben, Seedt von der Notwendigkeit zu überzeugen, er dürfe bie vollziehende Gewalt, die ihm auf Grund des Ausnahmezustandes übertragen war, nicht wieder aus der Hand legen, phne eine vollkommene Umtehr in Deutschland herbeigeführt zu haben. All die Konventikel und Verschwörerklubs, die damals aus dem Dunkel hervortrochen, um„ nationale Dittatur" spielen zu helfen, witterten, daß sie in Seedt einen Mann vorfanden, der nicht ein Spielzeug in den Händen von Aben Beurern fein möchte. Deshalb tobt die Gesellschaft sich in Briefen und GeheimTonferenzen aus. Claß mill, wie er sagt, die echte Dit. tatur"; Seedt meint ganz richtig:" Verfassungsbruch und Staatsstreich". Claß windet sich wie ein Ver zweifelter. Immer wieder verlangt er den Ausschluß der Deffentlichkeit. Seedt sagte ruhig, es ist nichts Staats. fährliches dabei. Das Gericht tut dem alldeutschen Führer" nicht den Gefallen, ins Dunkel der Geheimfizung zu verschwinden. Da tauchen die Briefe auf, die bei Claß gefunden find. Der Generalstaatsanwalt wirft einen nach dem anderen in die Debatte. Claß wird immer verwirrter. Die Verteidiger protestieren, beantragen Gerichtsbeschlüsse, behaupten, diese Briefe hätten nichts mit Thormann- Grandel zu tun und dürften deshalb nicht verlesen werden. Aber, aber! Beleuchten sie nicht allen Enden spielten, um die Republik und den Schildhalter Eberts", wie verächtlich und haßerfüllt General Seedt genannt mird, zu stürzen. Und gewinnt nicht so das Geständnis Grandels ein ganz anderes Gesicht, als es ohne nähere Kenntnis des Briefwechsels aufzeigte? Die Verteidiger werden mit Recht nervös. Sie sehnen sich wahrscheinlich nach München, wo so indiskrete Fragen nicht gestellt zu werden pflegen. Eines nur ist unklar. Warum hat der GeneralstaatsWarum hat der Generalstaatsanwalt, der jetzt die Korrespondenz des alldeutschen Verschwörers der Deffentlichkeit preisgibt, diesen Mann außer Berfolgung gefeht und ihm dadurch sozusagen seine Straflosig teit im voraus bescheinigt? War der Bersuch, den Inhaber der vollziehenden Gewalt zum Staatsstreich zu verleiten, nicht an fich schon eine strafbare Handlung? Warum darf der Claß und seine Trabanten noch heute das große Wort führen, ohne als Hochperräter, wenigstens der Absicht nach, gebrandmartt zu werden? Der Prozeß gegen Thormann- Grandel wächst sich immer mehr aus zu einem Prozeß gegen die Verfassungsbrecher und Staatsstreichler, die hinter den Angeklagten standen. Am Montag soll der Döltische Abgeordnete Graf Ernst Reventlom vernommen werden, der der Zeugenbeein fluffung zugunsten des Claß dringend verdächtig ist. Heute wurde im Gericht behauptet, Reventlow sei tranf. Ob er bis Montag gesund und vernehmungsfähig fein wird, bleibt abzuwarten. Er wird auf den Parteisekretär Tettenborn einen nicht geringen 3orn haben, der ihm zu dieser Zeugenladung perhalf. * Im Prozeß gegen Thormann und Grandel wurde heute zunächst der Gefretär Gilberts, Trepte, vernommen, Darauf er folgte die Aussage des Generals von Seedt. Borf: Glauben Sie, daß es notwendig ist, die Deffentlichkeit auszuschließen? General v. Seedt: Es sind teine Staatsgeheimniffe dabei. Ich erfuhr von dem Attentat durch den Reichskommissar für die Deffent. liche Ordnung. Ich kannte beide Angeklagte nicht. Borf.: Glaubten Sie, daß die ernstliche Abficht vorlag. Sie zu befeitigen? General v. Seedt: Das ist schwer zu sagen. Befremdend ist nur, daß man die Tageszeit herausgriff, die regelmäßig zum Reiten festgefeßt mar. Borf.: Sie fennen Herrn Claß? General v. Seedt: Ich hatte ihn einige Male gesprochen. Dann war er auf mein Bitten lange Zeit nicht da und fam im Sep. tember vorigen Jahres zum letztenmal. Borf: Was wünschte Herr Claß? General n. Seedt: Das ist pofitio schwer zu jagen, denn mit Bestimmtheit konnte man nicht sagen, was er eigentlich wollte. Er glaubte, er hätte zahlreiche Berbände hinter sich und könnte einen Umschwung der Berhältnisse herbeiführen. Claß gehört zu den Leuten, peren politisches Denten in dem Wort zujaumenfließt:„ Es wuk irgend etwas geschehen." Die Herren suchen den General, der dumm genug ist, auf sie hereinzufallen. Das bin ich nicht. Unsere Unterredung schloß damit, daß ich sie nicht im Zweifel ließ, daß ich jeden Umffurz, ob von rechts oder links, mit allen Mitteln begegne. Ob ich fagte:„ Ich schieße bis zur letzten Patrone", weiß ist nicht. Solche Aeußerungen liegen mir nicht. Aber im Sinne hat er mich richtig verstanden. lich demacht, daß Sie ihn nicht mehr zu sprechen wünschen? Generalstaatsanwalt: Haben Ste Herrn Claß deutlich demacht, daß Sie ihn nicht mehr zu sprechen wünschen? General v. Seedt: Nein. Justizrat Hahn: An dem Tage fanden viele Unterredungen statt. 2 uch mit herren vom Landbund. Liegt da nicht eine Bermedyflung vor? General v. Seedt: Nein. Juffizrat Claß hat mir teine befimmten Umffurzvorschläge gemacht, aber fein Streben ging doch in dieser Richtung. Borf.: Herr Justizrat, äußern Sie sich, bitte. Claß leugnet. Juftizrat Cla: Die Schilderung des Herrn Generals ffimmt mit der Wahrheit nicht überein. Mir ist es unfaßbar, daß, wie ich Person fert. Meine Aufgabe der ganzen Jahre ist es, zusammen ichon dem Untersuchungsrichter fagte, der General fidh so in meiner zuhalten, was da ist, und daß ich Dinge verhindert habe, die fich vor bereiteten. Ich möchte General v. Seedt gewiffe Dinge ins Gedächtnis zurüdrufen, aber unter Ausschluß der Deffentlichkeit. Ich übe Selbstzucht. Wenn ich aufgeregt wäre, wäre ich schon vor 15 Jahren ins Irrenhaus gekommen. Um ein Bild zu brauchen. Ich habe mir einen Generalstab geschaffen, | antwortete:„ Das Münchener Unglüd bat als Glüd die Kehrseite gehabt, daß Erz. v. Seeckt die Mittel in die Hand bekam, die Ver. hältnisse legal zu ordnen. Der Inhaber der vollziehenden Gewalt ist meiner Ansicht nach berechtigt, ein Ministerium zu entlassen oder den Reichstag aufzulösen. So wie Kahr den Bayerischen Landtag hätte nach Haufe fchiden tönnen." General v. Seedt: Das, was Herr Claß mir vorschlug, war ein Verfassungsbruch und Staatsstreich. RA. Sad: Erzellenz meinen also, daß man legal den Umschwung 1923 nicht herbeiführen fonnte. General v. Geedt: Nein. Justizrat Claß: Ich bitte um Ausschluß der Deffentlichkeit, um mich über die Unterredung zu verbreiten. Borf.: Ich lege fein Gewicht auf die Erörterung dieser Frage. RA. Bloch: Ich stelle den Antrag, Herrn Claß nicht weiter in den Dingen der Antlage zu vernehmen. Generalstaatsanwalt: Der eben angezogene Brief fährt fort: Unser Ziel ist dasselbe geblieben und wird mit Militär weiter verfolgt. Vielleicht führt der Steg zum Ziel. Dr. Sad: Hat Herr Claß den Brief geschrieben? Generalstaatsanwalt: Es ist die Abschrift eines bet ihm gefundenen Briefes. Borf.: Von wem stammt der Brief? Justizrat Claß: Ich habe den Brief an Herrn Bongards ge fchrieben. Bor: Dann äußern Sie sich darüber. Justizrat Claß( spricht so leise, daß nichts verständlich ift): 3ch habe Tag und Nacht gearbeitet für die echte Dittatur. Der Sag dürfte sich auf das Scheitern der Pläne für das Direktorium und die Münchener Pläne beziehen. Der Zustand, in dem wir uns heute befinden, tommt daher, daß damals nicht reine Arbett gemacht wurde. Bori: Haben Sie auch Grandel von der echten Diktatur geJuftigrat Claß: Gewiß. der weiß, was er zu tun hat, wenn es darauf ankommt. Erzellenz Seedt tonnte aus meinen Worten nicht das entnehmen, was er heute dartut. Ich wollte wissen, ob die Reichswehr sich hinter Erzellenz Seedt stellt. Die Unterredung ging davon aus, daß ich sagte, Deutsch- sprochen? land fönne nur durch die Reichswehr gerettet werden und daß alle pflichtbewußten Männer sich an Erzellenz Seedt anlehnen müßten. Ich hörte damals, daß etwas in der Luft lag. Ich Erzellenz Seedt nannte mir wollte von Erzellenz hören, ob man die Dinge laufen laffen sollte. fünf Namen, die als verdächtig in Frage famen. nicht genannt wurde. Ich bin also fein Denunziant. Seedi fagte, Ich wunderte mich, daß der Name, der mir am nächsten lag, das sind Verbrecher und bat mich, auch meinerseits Einfluß auszuüben, wo ich fonnte. Ich sagte, aber wenn es doch losginge? und Era Seedt fagte: Adh. Sie meinen von rechts, dann würde ich ebenjo rüdsichtslos schießen, wie gegen die Kommunisten. Das ist unantastbar richtig. Ich wollte haben, daß nichts geschieht. Aber ich size in Berlin und da ich wollte, daß man in Bayern wiffe, wie die Reichswehr stände, habe ich mit Dr. Grandel darüber gesprochen. Generalstaatsanwalt: Herr Claß müßte Auskunft anderer Meinung über die Notwendigkeit Seedts war. geben, ob er nicht nach dieser Unterredung mit Exzellenz Seedt Claß: Seit zwei Jahren wird mir alles in die Schuhe geschoben, die Ermordung Rathenaus, die Münchener Vorgänge usw. Ich bin froh, wenn ich mich hier aussprechen darf. Ich habe immer betont, Deutschland fönne mur gerettet werden, durch enge Zusammenarbeit der nationalen Kreise und des Heeres. Damals stand Erz. Seedt noch nicht an der Spize des Heeres. Ich habe gepredigt, daß es ver. mieben werde, daß die Wiedergeburt beginne mit einem Treubruch des Heeres. Nun soll ausgerechnet ich Erz. Seedt zu einem Treubruch verleitet haben. R.A. Bloch: Mit ist die Einstellung des Generalstaatsanwaltes gegen Herrn Claß nicht flar. Herr Justizrat Claß ist nicht Ange flagter, sondern Zeuge, Das Verfahren gegen ihn ist fallen gelaffen worden. Ich möchte sonst bei weiteren Fragen jedesmal um einen Gerichtsbeschluß bitten. Generalstaatsanwalt: Ich bitte um Verlesung der bei Herrn Claß gefundenen Schriftstüde. Da ist zuerst der Brief an Herrn Bang am 27. Oftober 1923 über das Verhalten gegenüber der Reichsregierung. Es heißt: Die friedliche Ueberleifung muß unter allen Umständen verhindert werden. Wir wollen den Schweinehunden energisch zu Leibe gehen. R.-A. Dr. Sad: Ich bitte um Gerichtsbeschluß. Die Berlesung eines Briefes ist nur gestattet, damit sie die Aussage eines Zeugen erfetzen foll. Justizrat Hahn: Herr Claß und ich bitten um größtmögliche Klärung, aber wir bitten, daß nicht Sachen in die Verhandlung gebracht werden, die nicht dazu gehören. Das Schreiben bezieht sich auf die Verhältnisse im Rheinland, aber nicht auf Claß oder Grandel. Suftizrat Hahn: War damit die Befeifigung v. Seedts gemeint? Justizrat Claß: So ein Higtopf bin ich nicht, daß ich so etwas schreibe. Generalstaatsanwalt: Es folgt ein Brief aus Stuttgart von einem Profeffor, dessen Namen ich nicht nennen Bekenntnis der Legalität das Urteil gesprochen. Seedt ist jetzt keine möchte:" Seedt ist der Schildhalter Eberts, Seedt hat fich durch das Frage mehr. Sein Rätsel ist gelöst. Er ist die verhängnisvolle Bersönlichkeit, die die Beseitigung der heute unheilvollen Zustände verhindert. Seedt ist der Mann mit der eisernen Maske. Herr Claz antwortete: Herr Seedi ist kein Mann mit der eisernen Maste, teine Sphyng mehr. Er ist durch sein Festhalten an der Cegalität in eine verhängnisvolle Rolle geraten." Justizrat Claß: Jawohl, das ist meine Anfitch heute noch. Vorf.: Haben Sie Grandel darüber gesprochen? Justizrat Cla ß: Sehr möglich. R.A. Sa d: Das Verhalten des Herrn Generalstaatsanwalts ist mit der Rechtsprechung nicht vereinbar. Ich behalte mir alles weitere vor. Generalstaatsanwalt: Es ist noch weitere Korrespon denz bei Herrn Claß gefunden worden. Am 19. Januar hat Herr R.A. Eppstein aus Augsburg nach der Verhaftung Grandeis an Herrn Claß geschrieben. Auf den Brief hat Herr Claß geantwortet: Stehe Dienstag zur Verfügung. Finanzrat unterwegs. R.A. Dr. Sad erklärt, daß das Gericht über die Verlesung zu entscheiden habe. Das Gericht wolle entscheiden, daß das Vorgehen des Generalstaatsanwaltes mit der Rechtsprechung un vereinbar sei. Ich bitte um Brotokollierung, daß der Generalftaatsanwalt ohne Beschluß des Gerichtes die Berichte verlesen habe. Der Vorfigenbe bittet hierauf den Generalstaatsanwalt, in Zukunft Briefe nicht ohne weiteres zu verlesen. Justizrat Claß gibt zu dem letzten Brief eine Erklärung ab, daß Frau Dr. Grandel ihn zu sprechen wünschte und daß er als Christ und Mann sich verpflichtet gefühlt habe, die Dame zu empfan Sen. Er habe Dr. Bang hinzuziehen wollen, der Dr. Grandel genau fannte. Dr. Bang sei jedoch in Desterreich gewesen. Weiter schilderte der Zeuge die bei ihm abgehaltene Hausfuchung. Er fuhr dann fofort zum Untersuchungsrichter zur Bernehmung. Dort habe er Frau Dr. Grandel getroffen, die wie vom Donner gerührt gewesen sei über die Verhaftung ihres Mannes. Generalstaatsanwalt: Sind Ihnen auch keine Andeutungen gemacht worden über eine Schuld Grandels? Justizrat Cia B: Nein. Generalstaatsanwalt: Aus den aufgefundenen Briefen, auch aus denen des Grafen Revenflow, scheint mir doch hervorzugehen, daß Ihre Beziehungen zu Heren Grandel sehr eng waren und daß er Informationen von Ihnen erhalten hat. Justizrat Claß: Ich habe Dr. Grandel nicht eine Gefunde R.-A. Bloch: Der Brief ist ein Beweismittel vielleicht gegen Claß wie gegen Grandel. kanzler Stresemann ein Abkommen mit den Besagungsverleugnet und werde das auch nicht tun. Justizrat Claß: Damals tauchten Nachrichten auf, daß Reichsmächten und maßgebenden Kreisen im neubesetzten Gebiet getroffen habe, daß die Bildung eines Uebergangsstaates in die Wege geleitet werde. Der Briefschreiber, ein toter Beamter, schrieb in der ersten Aufregung an meinen Freund Bang. Bang gab mir den Brief und ich sagte ihm:„ Mein lieber Freund, ich bin nicht für Generalstaatsanwalt: Da ist noch ein Brief vom 27. November, gerichtet an Herrn Bongards. Es heißt darin: Die Dittatur Kahrs ist so unecht, wie die Seedts. Ob die echte Diftatur von Berlin fommt, ist fraglich. Wir fun alles, um der echten Diktatur die Wege zu ebnen. Justizrat Claß: Das tue ich noch. Bongards ist ein ausge miesener Elfoffer, der mich über die Bage befragte und dem ich Bors: Wie war denn Ihre Gegenüberstellung mit Grandel vor dem Herrn Untersuchungsrichter? Senfationen." Justizrat Claß: Der Untersuchungsrichter hatte mir mitgeteilt, daß Thormann und Grandel verhaftetfeien, und daß auch gegen mich Beschuldigungen erhoben worden seien. Ich fuhr zum Untersuchungsrichter und dann wurde Grandel geholt. Es fam ein Mann, den ich nicht wiedererkannt hätte, wenn mir nicht sein Anzug befannt gewesen wäre. Der Untersuchungsrichter teilte Grandel mit, er habe jetzt Gelegenheit, seine Angaben Auge im Auge mit mir zu wiederholen. Da hat Grandel den Kopf gjenft und jak lange Zeit still da. Dann weinte er, sprang plötzlich auf mich zu, beugte sich über meine Rechte und fagte: Herr Justizrat, tönnen Sie mir verzeihen, was ich getan, Dam erflärte » Graniigl. ac Mfse feh» Aussage w? d e r r u f e n. Der Unter- suchung»richter äuh-zrte, daß Grandel entweder gestern ein« Dr. Roihmann anzulügen versuchte. Grandel blieb aber dabei, daß er altes zurücknehmen müsse. Er er- klärte, er habe seil seiner Derhafiung weder gegessen noch getrunken und sei fast nicht mehr er selbst. Er hatte den Eindruck, daß Dr. Grandel mit seinen Nerven und seiner Denkfähigkeit zu Ende mar. Auch Frau Dr. Grandel äußerte hinterher:„Das ist sa mein Mann nicht mehr." 3n mir waren olle haß- und SochcgefflMc erloschen, ich sah in ihm m>r noch den unglücklichen gebrochennen Menschen. »potsüam!� General st aatsanmalt: Mir fiel gestern, als die Nede i.Qoon mar. daß eventuell nach Tettenborns Ansicht«och eine zmeite Kolonne gegen Herrn v. Seeckt eingesetzt sein konnte, die Tatsache auf, daß der Zeuge Tettenborn zu einem der Verteidiger hinüber« zischelte:„Potsdam." Was hat es damit aus sich. Justizrat Hahn(sehr erregt): Ich bitte den Herrn GrneralstaatZ- onwalt. bekanntzugeben, welchen der Verteidiger er meint. R.-A. Tack(aufspringend): Ich weiss entschieden zurück, daß der Zeuge mit einem der Verteidiger gezischelt hat. Zeuge v. Tettenborn: Die Sache erklärt sich so. daß ich den Angeklagten Thormomn meinte, üch weiß nämlich, daß er in der Zeit vom g. bis 12. Zanuar sich in Potsdam im Schießen geübt hat. Justizrat C l a ß: Das hat natürlich nichts mit den Besprechungen in Potsdam zu tun, zu denen Gras Reoentlow Jitumz- und Währuogs- I achverständige, darunter ivohl auch Dr. Grandel, eingeladen hotte, um das Programm der Partei scrngzustellen, der er nahesteht. Ich muß dann noch folgendes mSerlegen: Der Zeuge Tettenborn hat de» hauptst. daß am 23. oder 24. September Herr Baron v. A u ff e ß aus München und spätcr Oberst S« i ß e r mAh besucht häten. Dazu erkläre ich, daß ich Nerrn v. Ausseß überhaupt nicht ternm« und daß ich Oberst»->seißer ein einziges Mal vor langer Zällt in München gesehen habe. Ich habe auch nie den Grasen Reoentlow gebeten, dahin zu wirken, daß Dr. Grandel oder ich entlastet werden. Mu Rücksicht auf«.n«n neuen«chwächeanfall Dr. Grandels wurde die Sitzung auf kurze Zeit vertagt. Die Cntscheiöung bei üer Volkspartei. Marx und Scholz beim Reichspräfidente». Nachdem gestern abend der Beschluß der deutschnatlonalea Fraktion den bürgerlichen MiNelpotteiea bekanntgegeben worden war, begaben sich Dr. Marx und Scholz zum Reichspräsidenten. Wenn die„Areuz-Zeilung" behauptet, duß Marx und S 6) o l z den Reichspräsidenten aufgefordert hätten, h e r g t mit der Kabinetts. biidung zu betrauen, so ist diese Angabe nur für Scholz richtig. Marr hat einen solchen Vorschlag nicht gemacht. Der Relchspräsidenl lehnte den Vorschlag Scholz ab. was nach Punkt 2 der deutschnationalen Erklärung— keine Konlinuität der Außen- Politik, sondern im Gegenleil Kursänderung— wohl selbstverständlich war. Der am Mittwoch an Dr. Marx erteilte Austrag zur Ka- binettsbildung ist nicht eingeschränkt; Dr. Marr hat zuerst versucht, das Kabinett auf breiter bürgerlicher Basis zu bltden, er kann aber innerhalb seines Auftrages die Kabinettsbildung auf einer anderen Basis versuchen. Die nächste Entwicklung der Frage der Regierungsbildung hängt von dem Beschluß der Deutschen Bolksparkei ab. die heute versammelt ist. Die hallung des Zentrums und der Demo- traten dürste feststehen. * Bei Redaktionsschluß lag ein Beschluß der Bolksparkei noch n i ch t v o r. Es verlautet jedoch, daß d'e Meinung in der Volks- Partei dahin geht, der Reichspräsident sollte noch einmal h e r g t mit der Bildung der Regierung beaustragen. Soff?«; es zu diesem Schrate nickst kommen, oder sollte der Versuch.scheitern� dann! bestehe die Bereitschofl. an einer bürgerlichen Koalition der Mitte teilzunehmen. Die Erklärung der Deutschnotionalen hat bei der Presse der Mittelparteien einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Die„Germania" spricht von einem glatten Bankerott der Deutfchnationaien, von einem Bekenntnis zur reinen Agi- tationspolitik: das„Berliner Tageblatt" wirft ihnen politische Tartüfferie vor; die„Vossische Zeitung" berichlct, daß die Erklärung der Deutschnationalen selbst bei einem Teil der Deutschen Volksparlei helle Empörung hervorgerufen habe. Nun ist die Frage, ob aus diesem Sturm der Entrüstung, ob Geheimnisvolle Energiequellen. Von Dipl.-Ing. Dr. A. Hamm. Der Prozeß Unruh hat wieder sinmal recht deutlich gezeigt, wie wenig Aussicht ist, daß die Dummen se all« werden. Zwar leben wir in einon nalurwissenschafchchen Zeitalter, die Schulen suchen ein mSglichst großes Maß naturwisscnfchaftlichcr Kenntnisse zu vor- breiten, die Zeitungen berichten nicht nur über alle wichtigen Neu- entdeck ung en, sondern bringen auch häufig belehrende Beiträge über längst bekannt« Sachen,, imd doch scheint das alles wirkungslos zu bleiben. Wie ist das bsntbar? Zwei Pfeiler tragen das Gebäude unserer naturwissenschaftlichen Weltanschauung, die Sätze von der Erhaltung der Energie und der Erhaltung der Materie. Ein Prozeß,«m naturwissenschaftlicher Per- such, der einem dieser Sätze widersprach, war von vornherein an- zuzweifeln, mochten die Ergebnisse noch so sicher, noch so oft bestätigt erscheinen, er mußte irgendwo einen geheimen Fehler enthalten, und der Forscher ruhte nicht«her, als bis er ihn gefunden hatte. Freilich lassen wir diese Sätze heute nicht mehr als zwei Sätze gelten, denn Materie und Energie sind uns heute keine verschiedenen Dinge mehr. Die moderne Physik hat uns' gezeigt, daß beide nur verschiedene Erscheinungsformen ein und derselben Sache sind, sie tonnen jederzeit meinander übergehen. Materie verschwindet und taucht als Energie wieder auf. Energie wandelt sich in Materie um. Niemals ober kann aus nichts etwas entstehen, weder Materie noch Energie. Wo also eines von beiden entsteht, muß entweder da« gleiche oder das andere schon vorhanden gewesen sein. Zu diesen beiden Sätzen gehört als notwendig« Ergänzung ein dritter, das ist der Satz, daß bei jedem Prozeß Energie verloren geht. zwar nicht zerstört wird, aber sich in eine minderwertig« Form ver- wandelt. Diese minderwertige Form— minderwertig darum, well sie aus ihr nicht wieder in ein« gebrauchsfähige Form zurückver- wandelt werden kann— ist durchweg Wärme, und zwar Wärm« bei niedriger Temperatur. Das Rad de» Eisenbahnwagens, die Schien«, das Lager, sie werden beim Laufen des Zuges heiß, sie kühlen wieder ab, indem sie ihre Temperatur an die Umgebung über- tragen, wer merkt dem Luftraum dann noch an, daß er den Wärme- geholt, d. h. die Energie von Rad, Schiene und Lager in sich aufge- nommen hat? Die Natur ist wie ein G-ldwechsler, der Wucherzinsen nimmt, oft behält sie den größten Teil des gewechselten Betrages zurück, wie z. B. bei der Verbrennung der Kohle, deren Wärmeaehalt wir zu höchstens 30 Proz. nutzbar machen können, während 7» Proz. verloren gehen. Einem Apparat, der Energie erzeugen soll, muh immer viel mehr Energie zugeführt werden als er abgibt, und wenn nur die gerinzfügige Energie aufgewendet wird, die einige Klingel- «lemenle enthalten, so muß notwendigerweise dos Ergebnis noch geringfügiger sein. Don der Frag« der„Erhaltung" ist aber streng zu scheiden die nach der„Quelle der Energie. Energiequellen gibt es zahlreiche, die meisten von ihnen lassen sich indeflen auf ein« chauptquell« zurück- führen, uns das ist die Wärme, die die Sonn« ständig in scheinbar aus 8er hellen Empörung 8er Deutschen Voltspartet die politi- ■ schon Folgerungen gezogen werden, ob der Bürgerblock mit den Deutschnotionalen wirklich erledigt ist. Die Deutschnationalen waren bereit, um Minifterposten und Machtpositionen— sie sagen„Futterkrippen"— alles zu verleugnen, was sie während des Wahlkampfes gesagt haben. Sie waren bereit, die Kontinuität der bisherigen Außenpolitik zuzugestehen. Aber die deutschnationale Reichstagsfraktion hat den Händlern, den H e r g t und W e st a r p,«inen Streich durch die Rechnung gemacht. Unter dem Druck der vaterländischen Verbände und der völkischen Konturrenz hat sie es vorgezogen, mit einer provozierenden Erklärung, einen Strich durch die Verhandlungen zu ziehen. Man kann sagen, daß die Richtung der Deutschiiatioanlen sich als stärker erwiesen hat, die die Republik nicht von innen heraus, sondern von außen her zer- stören will im Bunde mit den Völkischen. T i r p i tz und Ludendorff heißt die Parole. So schreibt die„Deutsche Zeitung": „Der Feind st« h t links. Irgendwann, früher oder später, wird man doch wieder zu den Deutichnotionaten kommen müssen. Di« Nomen Tirpitz und Ludendorff aber Hingen besser zusammen als Tirpitz und Wirth." Nun liegt die Entscheidung bei der Volkspartei. Die Deutschnationalen setzen immer noch Hoffnung aus sie, er- warten abermals neue Zutreiberdienste. Die Volkspartei hat durch ihr bisheriges Verhalten den Deutschnationalen ein Recht zu solchen Hoffnungen gegeben. Wie die Deutschnationalen hat die Volkspartei durch ihren Schacher aus agitatorischen Motiven die großen Interessen der Republik schwer geschädigt. Sie hat trotzdem von den Deutschnationalen einen Schlag ins Gesicht erhalten. Seit 11 Uhr berät sie. welche Folgerungen sie aus diesem Schlage ziehen soll. Roch ist sie— nach drei Stunden Beratung— nicht am Ende. Es ist ein trauriges Zeichen für die politischen Zustände in Deutschland, daß das Geschick Deutschland ein Spielball in der Hand einer derartigen Partei sein muß. Sollte die traurige Komödie des Handels um den Bürgerblock noch nicht zu Ende sein? Müssen wir noch noch neue Ueberraschungen in Charakterlosigkeit von der Volkspartei erwarten? Lobes Ebschied. Einführung des neuen Reichstagspräfidenten. Der bisherige Reichstagspräsident L o e b t verabschiedet« sich heute vormittag von den Beamten und Altgestellten des Reichs- tages. Er erinnert« daran, daß er in schwerster Zeit, vier lang« Jahr« mit ihnen zusammengearbeitet habe. Für die materiellen Sorgen der Beamten und Anzesiellten habe er in der schweren Zeit der Inflation volles Verständnis gehabt, um so mehr, da er von solchen Sorgen Zeit seines Lebens begleitet gswessn sei. Manche Mehrarbeit sei zu verrichten gewesen, weil er als Präsident die Tore dos Hauses weit geöffnet hob« für andere öffentliche Deranftaltun- gen. für gemeinnützige, wvhttötige, vaterländische Zwecke. Die langen Sitzungen des Plenums und der Ausfchüfle hätten große Arbeit verursacht. Besonders dankte der scheidende Präsident dem Direktor beim Reichstag, Geheimrat Galle für feine Unterstützung. Herzlichen Dank sagt« er der P r e s s e für das ungewöhnliche Wohl- wollen, daß sie ihm entgegengebracht habe. Er nehm« aber von der Presse keinen Abschied, da er in die Reihen dieser Kollegen zurück- kehre. Der Direktor beim Reichstag, Galle, sagte darauf herzliche Worte de» Dankes und begrüßte den neugewählten Präsidenten, Herrn Wallraf. Rühmend hob«r das Vertrauensverhältnis hervor, dos zwischen Lobe und dem Personal bestanl�n habe, und sagte dem neuen Präsidenten gleiches Vertrauen zu. Der neue Präsident erwiderte in einer kurzen Anspracht, e? werde immer«in offenes Ohr und Herz für die Beamten des Reichstages haben. Für ihn als Präsident bestehe kein Unterschied der Partei. Maßgebend sei nur die Leistung. Alle Arbeit müsie jetzt darauf hinausgehen, unser Vaterland aus dem Zustand der trost- losen inneren Zerrissenheit herauszubringen, bis für unsere Kinder und Kindeskinder ein« neu« Zukunft aus der deutschen Erde her- vorwachte. stets gleicher Menge ausstrahlt. Die Kohle, die wir unter dem Kessel verbrennen, ist Sonnenwärm«, die vor Jahrhunderttousenden auf die Wälder der Carbon.zcit niederstrahlte. Der Wasserfall, der unsere Dynamomaschine treibt und uns elektrisches Licht liefert, ist Ergebnis der Sonnenwärms, die den Wasserdampf aus dem Meere zu Wolkenhöhen gehoben hat, und selbst der Wind, der«inen Windmotor treibt, ist durch die Erwärmung der Lufthülle veranlaßt. Alle diese Energiequellen sind seit Menschengedenken bekannt, die letzten Jahr- zehnte hoben uns aber neue Energiequellen von alles übertrcffendtr Mächtigkeit kennen gelehrt, das sind die Kräfte, die das materielle Atom zusammenholten. Aber um sie freizumachen, muß man über Kräfte verfügen, die noch größer sind als die zusammenhalten- den, denn die Natur erweist sich auch hier als ein wucherischer Wechsler, sie behält sehr viel von dem zurück, was man aufwendet. Wir sind bis jetzt ganz darauf angewiesen, die Fälle auszunutzen, wo Atome von selbst verfallen und die in ihnen enthaltenen Energiemengen daher sozusagen kostenlos frei werden, das ist bei den radio- aktiven Elementen der Fall. Wir können auch, wie der englisch« Physiker Rutherford gezeigt hat, die beim Zerfall eine« radioaktiven Elemente» frei werdende Energie benutzen, um ander« Elementar- ateme zu zertrümmern, ober wohlgemerkt, bei allen diesen Prozessen wird Energie verzehrt, nie gewonnen. Wir werden vielleicht auch einmal dahin kommen, mit anderen Mitteln, etwa ungeheuer starten «lektrischen Feldern, Atome zu zertrümmern, aber nie und nimmer mit so geringfügigen Energiequellen, wie es die paar Klingelelemente des Unruhschen Apparates sind. Das wäre physikalisch nichts an- deres, als wollte man mit einem Rentengroschen«n vollwichtiges Zwanzigmartstück kaufen. Wir werden sicherlich in der Nutzbar- machung der ungeheuren Kräfte, die im Atom stecken, noch große Fortschritte machen, aber eine unübersteigbar« Grenze ist uns stets an den Energiesätzen gesetzt, die lange, ehe die Naturforscher sie fanden, unser größter Dichter in den so unsterblichen Versen vor- wegnahm: Kein Wesen kann zu Nicht» zerfallen! Da« Ewig« regt sich fort in allen, Am Sein erhalte dich beglückt! Dos Sein ist ewig, denn Gesetze Bewahren die lebendigen Schätze, Aus welchen sich da» All geschmückt. Sommertheater. .Mister Globetrotter". In der Operette des Deutschen Theaters zeigt an erster Stelle der ge'chtckte Ltbreuist Btbo und mcht der ernsthast« Komponist U r a ck. wo» er Besonderes leisten kann. Auch nicht die gewiß reizende, höchst lebendige Erika v. Thellmann, die ebenso natürlich und urwüchsig spielt, wie Born? I o l a n gezwungen und mondän agiert. Sie olle und auch Arnold R i e ck, Margarete Kupfer, die froh gealtert«. Franz Felix, der sanfte Lnbhaber, singen ihre Partien anständig. Aber einer ist da. der überragt sie alle und spielt sogar alle endlosen Lücken des Stückes in die Lachmuskeln der Hörer hinein: Harald Pauls er». Dieser ganz einzige und eigenartige Komiker«rjegt Lanöesverratsverfahren gegen Gumbel. Ein Berliner Mittagsblatt meldet, daß gegen den Autor des Werkes„Vier Jahre politischer Mord" E. I. Gumbel ein Verfahren wegen Landesverrats eingeleitet worden ist. Der Landesverrat wird in seinem neuen Werk „Verschwörer" erblickt. E. I. Gumbels„Verschwörer" geben eine bis zum Abschluß des famosen Münchener Hitler-Prozesies reichende gründliche Darstellung der rechtsradikalen Geheimbünde und auch der immer zahlreicheren öffentlich auf- tretenden Putschorganisationen sowie ihrer Taten und ihrer — Förderer, die bekanntermaßen nicht ausschließlich privaten Charakter tragen. Es ist z. B. ollbekannt, daß zahlreiche Verschwörungen gegen die deutsche Republik von Boyern ausgegangen sind, in Bayern ihre Zentralen und ihr Asyl hatten, und daß schwerbelastete Verschwörer, selbst erfolgreiche Mörder in Bayern Zuflucht gesunden haben, und von dort aus dann selbst mit gültigen Pässen über Deutsch- österreich noch Ungarn in das Paradies reaktionärer Mörder flüchten konnten. Inzwischen ist ja das Einverständnis des ge- wesenen Münchener Polizeipräsidenten P ö h ne r, der jetzt dem bayerischen Landtag angehört, und seines politischen De- zernenten F r i ck. der nun den Reichstag ziert, mit den Ver- schwörern durch ihr eigenes Eingeständnis im Hitler-Prozeß erwiesen. Den Verschwörern gegen Republik. Staat, Ordnung und Parlament ein Ehrenplatz im Reichstag, den Verteidigern der Republik und den'Enthüllern der Bürgerkriegskandidaten eine Pritsche im Zuchthaus! Es ist wirklich unnütz, die Deutschnationalen, um die Regie- rungsbildung zu bemühen; die Republik sorgt auch so dafür, daß sie sich nach Möglichkeit blamiert.„Die Welt mag unter- gehen, Recht muß doch Recht bleiben!" hieß es einmal im römischen Rechtsstach. Das deutsche Recht ist zwar cmgeb- lich noch immer auf das römische Recht aufgebaut, aber man sieht, Emmingers Iustizabdan ist nicht umsonst gewesen. Er fing am rechten Ende an!_ Annehmen oöer ablehnen? Den Befürwortern des Sachverständigengutachtens hat sich neueidmgs auch der bekannte weltpolitische Schriftsteller Dr. Paul R o h r b a ch zugesellt, der soeben«w» den Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist. In einem Artikel im„Berliner Tageblatt" weist er besonders darauf hin, daß die öffentliche Meinung m Amerika sich den Dawes-Bericht als ein amerikanisches Produkt innerlich angeeignet Hot und Amerika dabei engagiert sieht. „Aus der Gesanulage folgt also, daß Ablehnung im Ernst für uns nicht in Frage kommt, weil sie uns sofort'isolieren und die noch sehr dünnen Wände unserer wirrschastlichen Notbauien zusammenfallen lassen würde. Umgekehrt ist es sicher, daß nach offener und aufrichtiger Annahme des Gutachtens— Verhandlungen über Einzelheiten und über Ausführungsbestimmungen vorbehalten— unsere im Augenblick höchst kritische Wirtschaftslage sich entspannen und festigen wnd. Vor allen Dingen wird«» von außen und innen wieder Verträum. Geld und Kredit geben. Wir stehen wahrhaftig so nahe am Abgrund, daß es, objektiv gesprochen, grenzenlos dumm oder grenzenlos oerblendet lst, mit Ablehrmng oder Verzögerung zu jonglieren, über die wir, ehe die Schuldigen sich'? versehen, schon abgestützt sein können." Dr. Rohrback, steht nicht im Verdacht, pazifistisch oder marxistisch „verseocht" zu sein, da«r schon long« vor dem Wellkriege zu den eifrigsten Herolden des deutschen Imperialismus gehörte. Um so interessanter ist es, daß er sich nun auf Grund seiner persönlichen Leobachtungen im Auslände auf dos schärfste gegen die ebenja dumme wie verbrecherische Außenpolitik der Rechtsparteien aus» spricht. Der britische Staatssekretär für den Krieg W a l s h traf im Flug» zeug in Köln ein und hielt«ine Besichtigung über britische Truppenoerbände in der Nahe von Porz ab. Am Abend fanden oerschieden« Feierlichkeiten statt, an denen auch der englische Kommandant General Godley. ferner ein Vertreter des Generals Degvutt«, der belgisch« General Beaurain und Tirard teilnahmen. zehn beliebige Soubretten und Chansonetten. Wäre die Operette ein Kunstwerk, so wäre er ihr H«vs. Er hat die Liebenswürdigkeit eines Menschen, der auch im Kalauer entwaffnet und milde stimmt, er hat dos sanft melancholische Gesicht eines lustigen Jungen, der niemand wehe tun kann. Er ist von einer Graz,« und einem Rhyth, inue des Körpers, der alle Varianten des musikalischen Ausdrucks -?rschöpft und übertrumpsl. Keine Sekunde lang ist er ohne Pointe. Dieser Harald Poulsen ist ein Helfershelfer fiir jede Operette: ein Nichterfolo, wenn er auf dar Bühne steht, ist eine Unmöglichkeit. Und io hatte auch der Mister Globetrotter Erfolg die nicht sehr witzige, aber unbaltsame Geschicht« eines von der Weltveise Zurück« gekehrten. Da, Textbuch ist da, wo es neu ist, nicht gut, und da, wo cz.gut ist, nicht nenf vor allem um eine Stunde zu lang. Börsenwitze der letzter» Jahre drücken«in Niveau, das durch allerhand unnatürliche Verkleidungen schon tief genug ist. Mit Zufällen kann gewiß operiert werden; aber schließlich könnten diese plumpen Zufälle doch auch ein» mal zufällig van einem anderen als dem Zuschauer entdeckt werden. Damit käme aber dann der Zufall zu Fall, und die Operette hätte keinen Abschluß. Urack kam nicht zu Fall, mindestens nicht zu Leo Fall. Ein versierter Musiker spricht zu uns, durch«in Orchester, das er leider einem blutlosen Kapellmeister überläßt. Er schreibt Tanzschlager für den Augenblick, nicht für den kommenden Tag. Charakteristische Instrumentalwendungen machen aufhorchen und ver- raten Witz. Man hört dies« Weisen nicht xum eisten und nicht zum letztenmal. Aber man hört sie gern, weil sie nie banal oder gemein werden. Das ist heutzutage schon viel für ein« Operette, woraus man ersehen kann, daß die Aera Operette eine Aera unseres Mrßver- gnügens geworden ist. K. S. Im Lustspielhaus wurde die Sommerscison mit Ludwig Fuldas„Eheoulkan" eröffnet. Während draußen das Un- wetter niederprasselte, entlud sich auf der Bühne das ehelich« Gewitter — vier Akte lang, unterbrochen von den kurzen Ruhepausen der Ver- söhnungen, die sofort in neue Kämpfe umschlagen. Auch die Ehe- schridvng, die große Hoffnung beider Ehegatten, nützt nichts. Der Mann kehrt zurück, um die vom Wohnungsamt beschlagnahmten Zimmer bei seiner früheren Frau zu mieten, verlobt sich aufs noue mit ihr. Und wir sind so weit wie zu Anfang: der Ehekrieg beginnt schon in alter Forsche. Nur sein Hauptopfer, vor vermittelnde Justiz. rat, wird nicht mehr mittun. Die etwas dünne Handlung wird von tu Ida mit allerlei Dialegwitzen und Situationskomiken belebt. Olga i m b u r g ist die kampflustige, temperamentvolle Ehegesponsin, sie hat Charme genug, um die Banalitäten vergessen zu lassen. Ten geduldigen Ehemann gibt Alfred Viebach mrt schöner Ergebung. Der Rest ist— Schweigen über Sommertheater.— r. Erstausführungen der Dochc. Mttw. Groheg T ch a u sp t e I h a u Z: .Ter Vogeldändler'. tlranla-vorträg«. Theater. T ä g l 5. 7, S:.Berg de» Schicksal».'— Hörsaal. Sonnt, k.ii:.Werden de» Menschen' Mugerdem t ä g l. Z. 7. 9: Wechselnde Vorträge über.Da» Werden de» Menschen",.Berner Oderland",.Zugspi»e"..Robrnsonleben auf einer Nordseeinsel",.Tutan- chamcn",.Riesingebirge'. Jür da» Deutsch« Opernhaus wurde Leo Krau«(Wien) alt 1. Kapell« mersler ab 1. September 1924 verpflichtet. Die Millerand- Krise. Schriftliches Koalitionsangebot Herriots an Leon Blum. Die Demission des Kabinetts Poincaré steht für morgen, Sonntag vormittag, feft. Dagegen ist die Frage des Berbleibens oder des Rücktritts Millerands offener und brennender denn je. Die Lage hat sich insofern bedeutend zugespigt, als die Sozialisten ziemlich einmütig die Forderung an Herriot richten, fein Mandat zur Kabinettsbildung aus den Händen Millerands anzunehmen. Aber auch in bürgerlichen Kreisen des Linksblods wird der gleiche unnachgiebige Standpunkt propagiert. Selbst ein verhältnismäßig gemäßigter Lints politifer wie der Senator de Monzie bläst im Quotidien" in dasselbe Horn. " Hingegen wird von verschiedenen Seiten behauptet, Herriot felbst stehe auf einem weniger unperföhnlichen Stand punkt und wolle die Entscheidung darüber, ob der Präsident der Republik zum Rüdtritt gezwungen werden solle, dem Parlament übertragen. Möglicherweise ist diese Behauptung lediglich ein Manöver aus den Kreisen Millerands, um Herriot zu zwingen, öffentlich seine wirkliche Meinung zu dieser Frage zu äußern. Es wird jedenfalls von den Anhängern Millerands eifrig zu dessen Gunsten agitiert. Im Matin" wird, offenbar von Millerand selbst inspiriert, die These entwickelt, daß man den Präsidenten nicht zwingen fönne zurückzutreten, da er verfassungsmäßig auf fieben Jahre gewählt sei. Dieser sei nur den vereinigten Kammern verantwortlich und sogar nur im Fall einer Hochverratsanflage gegen ihn. Von den Rundgebungen politischer Parteifongreffe brauche er und werde er feine Notiz nehmen. Eltern, merkt es euch! ftattfinden müssen, rüsten die rechtsstehenden Kreise mit Eifer und Umficht. Wir leben zwar in einer„ Republik", aber im Echulmesen hat noch mehr als auf anderen Gebieten die Reaktion ihre machtmittel in Händen behalten. Die Kirche ist bemüht, thres alten Einfluß auf die Schule nicht schmälern zu lassen, und gerade die Elternbeiratswahlen nüßt sie hierzu aus. Am 10. April 1924 hat, wie mir erfahren, das Evangelische Konsistorium der Brovinz Brandenburg eine Verfügung erlassen, in der die Paftoren und Kirchenräte auf die Elternbeiratswahlen hingewiesen werden. Aber dieser hohen Kirchenbehörde genügt es nicht, den Dienern der Kirche die Elternbeiratswahlen nur in Erinnerung zu bringen. Sie weist die Paftozen und Kirchenräte geradezu an, bei der Werbearbeit für die Elternbeiratswahlen sich in einer ganz be stimmten Richtung zu betätigen.„ Es muß," schärft das Konfiftorium ihnen ein, erstrebt werden, daß für alle Schulen Elternbeiräte gebildet werden, und zwar möglichst nur aus folchent Bersonen, die entschieden für die Erhaltung der evangelischen Schule entreten." Zu den Elternbeiratsmahlen, die in nächster Zeit H melben. Es besteht die Vermutung, daß das Opfer des Berbrechens ein Gutstäufer ist, der unter falschen Vorspiegelungen in den Bald gelockt wurde. Es ist wichtig, zu erfahren, wo ein Mann, der ein Gut, einen Bauernhof oder dergleichen zu kaufen beabsichtigte, vermißt wird. Eine Kundgebung für Naturschuh. Märkischer Naturschuhtag in Berlin. Bom 30. Mai bis 1. Juni findet in Berlin ein Märkischer Naturschußtag statt. Zu den beteiligten Vereinen und Körper. fchaften gehören die Brandenburgische Provinzialfommiffion für Naturdenkmalpflege, der Bolfsbund für Naturschutz, die Ortsgruppe Groß- Berlin des Bundes für Bogelschutz, die Deutsche Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde. die Gruppe Berlin und Brandenburg des Deutschen Lehrervereins für Naturkunde und andere. Sie sind der Ansicht, daß gerade für die Mart Brandenburg und besonders für Berlin eine stärkere Betonung des Naturschuggedartens nötig ist. Durch diese Tagung mollen sie weitere Kreise der Bevölkerung auf ihre Arbeit aufinertsam machen, die nicht erfolglos ist, von der aber wenig an die Deffentlichkeit dringt. Ob ollen Pastoren und Kirchenräten die Erhaltung der Der Märkische Naturschutztag wurde am Freitag im Theater der evangelischen Schule" als 3medmäßig gilt, danach fragt das Urania" von Dr. H. Klofe( Brandenburgische Provinzial Konsistorium hier nicht. Sehr viele Lehrer, auch gottgläu fommission für Naturbenfmalpflege) mit einer Ansprache eröffnet, in bige, lehnen die konfessionelle Schule ab und billigen die For- der er die Bertreter der Etcats, der Provinz- und der Stadtbehörden. terung, aus der Schule den Religionsunterricht begrüßte und die wissenschaftlichen und fittlicher Geauszuschalten. Auch manche Kirchenräte und sogar manche fichtspunkte des Naturschutes hervorhob. Die Pflanzen und TierPfarrer unterſtüßen dos Verlangen, weltliche Schulen zu dener Pflanzen und Tiere geschützt werden, damit unserer Wiffenwelt soll vor rücksichtsloser Bernichtung und Ausrottung felten gemor schaffen. Aber das Konsistorium gibt Anweisung, auf ein Ergebnis schaft, unseren Schulen, unserem Bolt die Heimat in ihrer Eigenart der Elternbeiratswahlen hinzuwirken, das die Erhaltung der kon und Schönheit erhalten bleibt. Ein Vortrag von Ingenieur Herm. feffionellen Schule fördert! Die Verfügung sagt:„ Unter Hinweis ähnle- Stuttgart( Bund für Bogelschutz) wies auf eine Reihe De cuf§ 16 tf. 1 der Synodafordnung verpflichten wir die Pfarrer Pflanzen und Tieren Deutschlands hin, die bereits fo felten Bielleicht ist diese Kampfansage nur ein lekter Bluff, und Gemeindekirchenräte, zur Erreichung dieses Zieles alles zu tun, geworden sind, daß man sie als Naturdenkmäler bezeichnen denn die Nachrichten find bisher unwidersprochen geblieben, was in ihren Kräften steht. Pfarrer, die dieser Pflicht offensichtlich kann. In Lichtbildern und Filmen zeigte Hähnle die farbenprächtigen daß sowohl Millerand wie seine Frau bereits seit Tagen eifrig nicht genügen und dadurch das nichtzustandekommen einer Eltern. Blumen des Hochgebirges. Enzian, Gamsolümel, Alpenrose usw., die nach einer neuen Wohnung suchen... Vielleicht aber stehen beiratswahl oder einen ungünstigen Ausfall der Wahl mitverschuldet vom Aussterben bedrohten Wijente, Elche, Biber, Reiher, Störche, die schwersten Verfassungstämpfe seit den Tagen haben, wollen die Herren Superintendenten uns namhaft machen." auch Dachse, Füchse, Hirsche, Rehe, Wildschweine und viele andere. Mac Mahons in den siebziger Jahren bevor: damals aller 3ur Pflicht macht das Konsistorium den Pastoren und Kirchenräten Die Natur braucht feinen Schuk, fagte ter Bortragende, aber der Mensch muß sich schüßen vor dem Mitmenschen, der dings gelang es dem Parlament, wenn auch erst nach drei fchen Schule. Benn Pfarrer dieser Pflicht nicht genügen, find und Wälder, die wegen ihrer Eigenart und Seltenheit uns als Naturdie Beeinflussung des Wahlergebnisses im Sinne der evangeli. die Beeinflussung des Wahlergebnisses im Sinne der evangelis ihm die Natur zerstört. Tiere, Pflanzen, Steine, auch Moore Monaten, seinen Willen dem Präsidenten aufzuzwingen. Zweifellos steht das moralische Recht ganz auf Seite fie bem Konsistorium zu melden, offenbar zu dem zwed, fie dis- denkmäler wertvoll find, erscheinen dem Untundigen manchmal sehr unbedeutend und gleichgültig. Ihrer weiteren Zerstörung entgegen. derer, die Millerands Demission fordern, denn der Bräsident 3iplinarisch zur Verantwortung ziehen zu können. Merit es euch, Eltern! So arbeitet das Evanzumirfen, ist Pflicht nicht nur des Staates, sondern der Republik ist nicht nur der Hauptbesiegte des 11. Mai, son- gelische Konsistorium für die Elternbeirats- jedes Mitgliedes unserer Boltsgemeinschaft. Durch dern er hat sich selbst mutwillig in die Brenneffel gewahlen! Was werdet ihr run? Eltern, denk an diese Verfügung wahlen! Was werdet ihr run? Eltern, denk an diese Verfügung Schaffung von Raturifuggebieten ist schon manches erhalten gefekt: einmal, indem er sich entgegen dem Geist der Ver- des Konsistoriums und erfüllt auch ihr eure Pflicht! Be- blieben, was sonst rettungslos dem Untergang verfallen gewesen fassung zu Beginn des Wahlkampfes mit dem Nationalen fucht die Bersammlungen, in denen die Elternbeiratswahlen vorwäre. Unsere staatliche Naturdenkmalpflege erregte im Ausland Block feierlich solidarisch erklärte, ferner aber auch, in dem er bereitet werden! Kümmert euch um die Kandidatenlisten, die unsere vielfach Bewunderung, aber fie muß unterstützt werden durch verzur Beeinflussung der Wähler öffentlich erklären ließ, er ständnisvolle Mitarbeit breitester Schichten des Bartei für die Elternbeiratswahlen aufstellt! Werbt für diese Listen Bolles. Am Freitag wurde in einer Abendveranstaltung( Philmürde bei einer Niederlage des Nationalen Blocks die persön bei allen, die eine freie Gestaltung der Schule wünschen! harmonie) das fünfundzwanzigjährige Bestehen des Bundes für lichen Konsequenzen ziehen. Durch seine jeziae Haltung meist Bogelschutz gefeiert. Heute abend um 7 Uhr wird in der Universität er alle Charaktermerfmale des unfairen Spielers auf. ( Auditorium magimum) die Hauptfigung stattfinden. Sie bringt Eine andere Frage ist es allerdings, ob es taktisch flug Borträge über Städtebau und Naturschutz und über den Naturschutz von dem Linksblock war, die Dinge von vornherein so zuin ter Mart Brandenburg. zufpigen, wo das formale Recht eine Möglichkeit zur Ers wingung des Rüdtritts Millerands nicht gewährleistet. Es wäre natürlich für die Linksparteien ein schlechter Anfang, menn sie bei dieser eriten großen Kraftprobe mit ihrem Hauptgegner unterlägen. Jedenfalls sind die Dinge jetzt soweit gebiehen, daß es für eine Kompromißlösung faum mehr Blak gibt und daß es nunmehr auf Biegen oder Brechen gehen wird. Die andere wichtige Frage ist die Haltung der So aialisten, die auf dem morgen beginnenden außer nrdentlichen Parteitag festgelegt wird. So weit man die Stimmung nach den einzelnen Bezirksparteitagen übersehen kann, ist mit einer, wenn auch nicht überwältigen Den Mehrheit gegen die unmittelbare Beteiligung on der Regierung zu rechnen. Vielleicht wird diese Ablehnung dadurch gemildert werden, daß sie sich ausdrücklich auf den iezigen Zeitpunkt beziehen wird: Renaudel, deffen Einfluß in der Partei mit seiner Wiederwahl wieder sehr geftiegen ist, befämpft zwar den Eintritt, ist jedoch gegen eine starre Festlegung. Anscheinend will man eben durch die Kraftprobe mit Millerand die bürgerlichen Linksparteien zwingen, sichtbare Proben ihrer Energie und Kühnheit abzulegen, ferner will man die weitere außenpolitische Entwidlung, insbesondere die Klärung der Regie rungsfrage in Deutschland abwarten, ehe man endgültige Beschlüsse faßt. Dieser vermittelnde, abwartende Standpunkt dürfte schließlich die große Mehrheit des Partei tages auf eine gemeinsame Linie bringen. Jedenfalls ist gestern der formale, wichtige Schritt eines fchriftlichem Angebots Herriots an 260n Blum erfolgt, indem Herriot im Namen des gestern abend zusammengetretenen Bollzugsausschusses der Radital- Sozia Istischen Partei fein Regierungsprogramm mit der Aluforderung übermittelt, sich attiv an der Kabinettsbildung zu beteiligen Ein Familiendrama. Die Berzweiflungstat einer Mutter. Eine Chetragödie spielte fich gestern vormittag in dem Haufe Friedrichstraße 3 ab. Hier wohnte der 39 Jahre alte Hauptmann a. D. Holz mit seiner 30 Jahre alten Frau Ella, geb. Roppel, einer geschiedenen Frau Daniel. Das Ehepaar lebte früher in boller Eintracht. Das änderte sich aber in der letzten Zeit, als Holz abelas sich dem Trunt ergab. So wurde die Ehe zerrüttet, und es gab wiederholt 3wift und Auftritte. In der Nacht zu gestern fam Holz mieber betrunten nach Hause und brachte auch noch einen Freund mit. Nachdem dieser weggegangen war, schlug er seine Frau Morgens jagte er fie aus dem gemeinsamen Schlafzimuer und warf ihr einen Stiefel nach. Als er dann wieder mit Tätlichkeiten drohte, marnte ihn die Frau, fie noch einmal anzufassen, und erklärte ihm, daß fie fich nicht noch einmal flagen laffe. Trogdem drang fie verborgen bei sich trug, und gab 3 mei Schüsse auf ihn ab. er wieder auf sie ein. Jest griff die Frau zum Revolver, den Giner traf ihn in den Bauch, so daß er zusammenbrach. Ein Ueberfallkommando der Schußpolizei, das herbeigerufen wurde, nahm die Frau fest und brachte den Schwerverletzten nach der Charite. Hier starb er schon während der Operation, die sofort vorgenommen merden mußte. Auf dem Flur des Hauses Torfstr. 20 traf sich gestern abend der 24 Jahre alte Arbeiter Walter 5) aase aus der Buchstr. 4 mit feiner Geliebten, der 17 Jahre alten Kontoriftin Frieda Sprenget, die in dem Hause wohnte. Die Unterredung endete damit, daß Haase das Mädchen und sich selbst erschos. Beide wurdenn nach dem Birchow- Krntenhus gebracht; dort konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden. Die Leichen wurden polizeilich beschlagnahmt. Die Veranlassung zu der Tat steht noch nicht ganz feft. Er wollte seine Wirtschafterin verbrennen. Eine unerhörte Brandstiftung rief gestern abend furz vor 11 Uhr die Feuerwehr nach dem Hause Hermannstraße 6 in eutölln. Hier hatte der 58 Jahre alte Zimmermeister Weber das Bett und das Hemd seiner schlafenden Wirtschafterin, einer 28 Jahre alten Erna Papesh, mit einem Streichholz in Brand geftedt. Die Feuerwehr föschte das Feuer, legte der Wirtschafterin, die an den Beinen, am Unterleib und an der Brust schon schmer Derbrannt war, einen Notverband an und brachte sie nach dem Krantenhause Am Urban. Weber wurde von Beamten der SchutzUntat veranlaßt hat, steht noch nicht fest. Erfüllung der Sachverständigenvorschläge. polizel festgenommen und nach der Woche gebracht. Was ihn zu der Das Judustrie- Romitee nimmt die Arbeiten auf. In Paris finden am 2. Juni d. J., wie TU. meldet, die ersten Berhandlungen mit dem Drganisationsfomitee für die elastung der deutschen Industrie statt. Bon deutscher Seite nimmt an diesen Beratungen seitens der Reichsregierung Staatsfetretär Dr. Trendelenburg teil, vom Reichsverband der deut. schen Industrie vertritt Geheimrat Dr. Bücher in diesen Berhandlungen die Interessen der deutschen Industrie. Außerdem begleiten die beiden Vertreter eine Reihe von Mitarbeitern. Japanischer Protest gegen Amerika. Abberufung des japanischen Botschafters. Paris, 31. mai.( Eca.) Laut Mitteilung der japanischen Botschaft an die Preffe hat der Ministerialrat in Tofio am 28. Mai 1924 einen amtlichen Einipruch an die Regierung der Bereinigten Staaten beschlossen, der befagt: Japan habe über 10 Jahre lang den„ Gentleman- Bertrag" beobachtet und die Beschränkung der japanischen Einwanderung nach Umerita tatsächlich sehr streng durch geführt. Die Vereinigten Staaten aber hätten durch das neue Einwanderungsgeseh diesen Vertrag für ungültig erklärt und den 3apanern den zutriff nach Nordamerika völlig untersagt. Das sei eine Berlegung des Handelsvertrages zwischen Japan und Amerika und der auf der Washingtoner Konferenz unterzeichneten Verträge. Botschafter Hanihara wird bald nach Ueberreichung dieser Einspruchnote die Erlaubnis erhalten, nach Japan zurückzukehren. Schließlich heißt es, daß Außenminister Baron Matsui Journalisten erklärt habe, die endgültige Annahme des japanfeindlichen Gesetzes in den Bereinigten Staaten fei dem dauernden Frieden der ganzen Welt jehr abträglich. Aufdeckung eines Mordes. Die aufgerufenen Noten zu 5 Billionen Mart( I. und II. Ausa, gabe), zu 10 Billionen Mart( I. und II. Ausgabe) und zu 100 Billionen Mart( I. Ausgabe), die bereits seit dem 5. bzw. 20. April 1924 nicht mehr gefeßliche Zahlungsmittel find, föst die Reichsbant nur noch durch die Reichsbankhauptkasse, Abteilung für aufgerufene Reichsbanknoten, Berlin S. 19, Kurstraße 38, ein. Die aufgerufenen toten find daran erkennbar, daß sie im Gegensaẞ zu den späteren Ausgaben derselben Werte auf der Rückseite unbebrudt find. Elternbeiratswahl 11. Borfig- Realschule, Boedhitr. 9/10. Die Eltern, welche den Schulaufbau fördern wollen, werden gebeten, ihre Adressen baldigit an. Königs, 8 59, Hasenheide 56, zu senden. Heute, Freitag, abends 8 Uhr, Bersammlung in der Aula. Jm Wallner- Theater gelangt Eonnabend und Sonntag, abends 7%, Ubra zu Gunsten der vertriebenen Elsaß- Lothringer das dreiaftige Rustipiel Der Herr Maire" von Guftab Stoskopf zur Aufführung. Jm Residenz- Theater finden am Sonnabend und Sonntag die legten Borstellungen des intemann" statt. Am Mittwoch war bereits die 50. Aufführung, ein Bemeis, daß Zollers Drama sich ein großes und andächtiges Publikum errungen hat. Wettertatastrophe in der Umgebung von Görlig. Ein Unmetter hat am Donnerstag das der Stadt Görlig benachbarte Henners. dorf schmer heimgesucht. Fast das ganze Niederdorf wurde unter Waffer gesezt und durch Fluten ein Teil der Niedermühle zum Einsturz gebracht. Auch sonst wurde großer Schaden an Getreide und Mehlvorräten angerichtet. Im Oberdorf ist bei der Obermühle ein 16jähriger Bursche in den Fluten ertrunken. In u dwigsdorf wurden die Niederschlesischen Kaltwerfe G. m. b. H. pollständig unter Waffer gefeßt, so daß das Arbeiten in den Steinbrüchen unmöglich geworden ist, während der sonstige Betrieb aufrecht erhalten bleibt. Folgen einer Panit. Nach einer Meldung aus Budapest ereignete fich in der Gemeinde 2ajos. Mizse bei der Glodenweihe ein schwerer Unfall. Als die Glode emporgezogen wurde, entstand unter den zahlreichen Kirchenbesuchern der Eindruck, daß die Geitenausgang Hals über Kopf zu verlassen. In dem Gedränge Glode herabzuftürzen drohe. Die Menge suchte die Kirche durch einen wurden drei Personen getötet, viele andere verlegt. Bergwerksunglüd in Spanien. Aus Oviedo wird gemeldet, daß in einem Bergmert bei Laviana ein heftiger Brand entstanden ist. 12 Bergleute find in den Flammen umgefommen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Bezirksverbaub ber Kleingarten- Vereine ber Berwaltungsbezirke 2 n. 7 in Berlin E. B. Am Sonntag, den 1. Juni, vorm. ½ 10 Uhr. Proteitversammlung aller Kleingärtner Westends im großen Saal Rönigin Elisabeth- Str. 6. Ein Leichenfund, der ohne Zweifel auf einen Mord zurückzuführen ist, beschäftigt die Kriminalpolizei. In der Forst von Hirschfelde in der Nähe von Werneuchen fanden Waldarbeiter die Reste eines menschlichen Körpers, bem ber Kopffehlte..leng In den Kleidern waren fast nur noch Knochen. Einzelne Glieder und Bleine Ueberbleibsel der Eingeweide lagen in der Nähe zerstreut umber. Allem Anscheine nach haben Wildschweine den Körper angefressen und dabei die Gliedmaßen umhergeworfen. Die Taschen Der Kleider waren nach außen umgebrempelt und leer. Aus Der Kleidung, einem graugrün gemischten Anzug und schwarzen Schnürschuhen mit Gummiabfäßen, ist zu schließen, baß ihr Träger beffer geftelten Kreisen angehört hat. Aus den Knochen schließt ein Arzt, der sie besichtigte, daß er ein mittelgroßer fräftiger Mann gewesen sein muß. Das ist alles, was man an Anhaltspunkten für bie Feststellung der Persönlichkeit hat. Bei den Nachforschungen zur Aufbeiter, die in der Nähe der Forst einen der pflügten, hierbei einen Härung stellte nun die Drispolizei feft, daß im Frühjahr 1923 Armenschlichen Kopf fanden, an dem noch einige Fleischteile faßen. Die Leute verschwiegen diesen Fund, weil fie, wie sie jetzt fagen, teine Scherereien haben wollten, und pflügten den Kopf noch tiefer wieder unter. So blieb das Verbrechen, das wahrscheinlich schon im Sommer oder Herbst 1922 verübt morden ist, verborgen, bis es jegt durch einen Bufall ans Licht tam. Wie der Kopf von dem Rumpfe abgetrennt, ob er abgefägt oder abgeschnitten worden ist, läßt sich heute nicht mehr feststellen, weil die Trennfläche an dem Halswirbel durch Bermitte Ortspolizei, die bereits 8 Tage dauerten, blieben bisher erfolglos. Sie rung und Bermejung start angegriffen ist. Die Ermittlungen der hat deshalb auch die Berliner Kriminalpolizei benachrichtigt. Alle diejenigen, die zur Aufblärung irgendwie beitragen fönnen, merden er fucht, sich bei Kriminalkommissar Dr. Koch im Polizeipräsidium zu Theater der Woche. Bom 1. bis 9. Juni 1924. Opern Bolfsbühne: 1., 2., 6., 7., 9. Fahnen. S., 4., 5., 8. Basantafena. haus: 1. Meistersinger. 2. Bioletta. 3. Elektra. 4. Ariadne auf Naxos. 5. Jenufa. 6. Die Entführung aus dem Gevail. 7. Galome. 8. Rosenkavalier. 9. Die tote Stadt. Aroll- Oper: 1. Barbier von Sevilla. 2. und 8. Fleber. maus. 8. Waffenfchmieb. 4. Berkaufte Braut. 5. Madame Butterfly. 6. Mona Bifa. 7. Troubadour. 9. Zauberflöte. Schauspielhaus: 1., 3., 7., 9. ItBerliner Boffenabend. 2. und 5. Randida. 4., 6., 8. Peer Gynt. Schiller Theater: 1., 3., 5., 7., 9. Rorallentettlin. 2. Peer Gynt. 4., 6., 8. König Nicolo. Deutsches Theater: Mister Globetrotter. Rammerspiele: Salomons Schmiegertooter. Beffing Theater: Rolportage. Theater in ber Königgräger Straße: Es hat nicht follen fein. Deutsches Opernhaus: 1. Die Zauberflöte. 2. Siegfried. 3. Carmen. 4. Der Freischüß. 5. Tristan und folde. 6. und 8. Die Fledermaus. 7. Götterdämmerung. Großes Schauspielhaus: 1. bis 3. Gafparone. 4. bis 9. Der Bogelhändler. Große Boltsoper in Theater bes Bestens: 1. und 7. Der Freischig. 2. Cin Mastenball. 3. und 8. La Traviata. 4. Robelinde. 5. Der Bildschis. 6. Julius Cafar. 9. Boris Godunom. Die Tribüne: Die Frau von 40 Jahren. Deutsches Künftertheater: Die heilige untreue. Berliner Theater: Das Beib im Purpur. Trianon Theater: Schwant der Liebe. Refibenz- Theater: Sintemann. Romische Oper: Die tanzende Bringeffin. Metropol- heater: Bustspielhaus: Der Bultan. Carneval ber Liebe. Reues Operettentheater: 3wangseinquartierung. Thalia Theater: Frasquita. Theater am Aurfürstendamm: Der Meisterboger. Kleines Theater: Rameraben. Rofe Theater: 6. und 7. Gefchloffen. 8. und Rafino Theater: 9. Der Mustergatte. 1., 2., 5. Die Prinzessin vom Mil. Serr mit der grimen Strawatte. Bummels Martha. Intimes Theater: Crepe Georgette. Hotelabenteuer. Der Shlokpart Theater Steglig: Fridericus Reg und fein Leutnant. Admiralspalaft: Drunter und Driber. Renaissance. Theater: Die Siniflut 9. Tartuffe Rachmittagsportellungen. Kroll- Over: 1. Dr. Klaus. 8. und Schiller Theater: 1. unb 9. Räuber. Nachklänge im Ruhrbergbau. Bochum, 31. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der, Beschluß des Bergarbeiterverbandes, die Bewegung abzubrechen und die Arbeit am Montag wieder aufzunehmen, ist von den Belegschaften im allgemeinen ruhig aufgenommen morden. Die Rommunisten versuchen durch verstärkte Agitation ihre Generalstreitparole zur Geltung zu bringen. Die Union der Hand- und Kopfarbeiter hat zahlreiche Belegschaftsver: fammlungen einberufen, in denen die Fortführung des Streifs bis zur gefeßlichen Festlegung der Sieben- resp. Achtstundenschicht sowie bis zur Durchsehung einer 30prozentigen Lohn erhöhung beschlossen werden soll. In zahlreichen Flugblättern warnt die Union, die Schachtanlagen zu betreten. Auf einer Anzahl von Schachtanlagen sind schon bei der Sonnabendmorgenschicht die Arbeiter angefahren. Von den staatlichen Zechen wird gemeldet, daß die Arbetsaufnahme bereits heute morgen erfolgen mird. Mit der vollen Inbetriebnahme der staatlichen Zechen wird jedoch erst am Montag gerechnet. Nun kommen die Zechenbesitzer mit der Erklärung, daß der Ruhrbergbau" nicht in der Lage sei, die am 1. Juni eingetretene Lohnerhöhung von 20 Broz. aufzubringen. Die Deutsche Bergwertszeitung" fündigt an, daß die Unternehmer bei der Reichsregierung vorstellig werden dürften, um von ihr zu Die Tätigkeit des JGB. Bericht an den 3. internationalen Gewerkschaftsfongreß. Der Bericht des Internationalen Gewerkschaftsbundes über die Jahre 1922 und 1923 ist soeben im Umfange von 176 Drudseiten erschienen. Der erste Abschnitt zeigt die Zusammensehung des Bu reaus, in das nach dem Kongreß in Rom der Genosse Th. Leipart als einer der drei Vizevorsitzenden eingetreten ist. Als Gefretär trat unser Genoffe Saffenbach 1923 in das Bureau ein, während Ende 1923 Edo Fimmen ausgetreten ist. Für die Borstandsmitglieder wurden auf dem Kongreß in Rom Stellvertreter gemählt. Für Deutschland ist Genosse Graßmann Borstandsmitglied, Genosse Aufhäuser Stellvertreter. Die Liste der angeschlossenen Landeszentralen weist 19 Landesverbände in Europa und je eine in Asien, Nordamerika und Afrika auf, mit insgesamt 16 528 000 mit gliedern. Die ausgeschiedenen Landeszentralen für Norwegen, Argentinien, Griechenland und Beru sind dabei nicht mehr mitgerech net. Neu angeschlossen haben sich die Landeszentralen von Jugoflapien, Palästina und Cumänien. Von den nicht angeschlossenen Landeszentralen, die nicht zur Moskauer Internationale" gehören, ist vor allen Dingen Amerifa zu nennen. Nach dem Bericht dürften die hauptsächlichsten Mißverständnisse die den Austritt der American Federation of Labour aus dem JGB. verschuldeten nunmehr aus dem Wege geräumt sein. Immerhin wird es noch geraume Zeit währen, bis Samuel Gompers seine Abstinenz aufgibt. Ein Sekretär des Bundes, Genoffe Brown, ist seit Oktober 1923 unterwegs, um mit den meritanischen und zentralamerikanischen Gemertschaften Beziehungen anzufnüpfen. Seine Rückreise wird mit günstigen Resultaten erwartet. Auch mit dem irischen Gewertschaftsbund wurden falche angefnüpft. Vertreter des 3GB. haben eine ganze Reihe von Gewerkschaftstongressen besucht und auch an fonftigen Rongreffen teilgenommen. fordern, daß fie in Konsequenz des Schiedsspruches sich nunmehr auch über die Finanzierung des Ruhrbergbaues flar werde. Insbesondere müffe die Regierung befanntgeben, wie sie sich die Abwälzung der Micum Lasten auch auf die Algemeinheit vorstelle. Nachdem also der Zechenverband nicht in der Lage war, feine 3iele gegen die Arbeiterschaft durch wochenlange Aus. perrung durchzusehen und die Elendslage der Arbeiter durch die an fich geringfügige Lohnerhöhung gemildert werden soll, fordert das 3echenkapital, daß die Kosten des Schieds. spruches von der Regierung getragen werden sollen. So fehr auch wir für eine Aufteilung der Micum Lasten ein treten, so muß doch gefordert werden, daß die Regierung nicht durch Uebernahme der Kosten, die aus dem Schiedsspruch den Unternehmern erwachsen, einen Präzedenzfall schafft, der unter Umständen zu weittragenden Folgen führen könnte. Effen, 31. Mai.( WTB.) In der heutigen Frühschicht sind auf vielen Zechen des Ruhrbergwerts die Belegschaften zum größten Teil wieder eingefahren. Auf Zeche Caroline ist die Belegschaft voll ständig zur Arbeit erschienen, auf den sonstigen Zechen schwankt die 3ahl zwischen 53 und 92 Broz. Bundes hat in 22 Ländern ihre Vertreter. Die deutsche Vertretung hat die Verlagsgesellschaft des ADGB., Berlin S. 14, Inselstr. 6, übernommen. Der vierte Abschnitt ist den Internationalen Berufsfetretariat en gewidmet, deren Verhältnis zu Mostau besonders aufgezeigt wird. Der fünfte Abschnitt gilt dem internationalen Kampf gegen Krieg und Militarismus, in dem der JGB. eine rührige Propaganda entfaltet. Um die Mittel für den Antikriegsfonds aufzubringen, werden Klebemarken in 15 Sprachen mit dem AufInternationaler Gewerkschaftsbund drud: Krieg dem Kriege! Amsterdam" ausgegeben. Außerdem die Antikriegsfarte von Steinlen und das Antifriegsplatat von Käthe Kollwig. Die Hilfs. attionen des Bundes werden im sechsten Abschnitt aufgezeigt. Die Hilfsaktion für die deutschen Gemertfchaften ergab den Betrag von rund einer halben million holländischer Gulden. An den Sammlungen waren 24 Länder und die Internationalen Berufssekretariate beteiligt. Im folgenden Abschnitt wird die Bekämpfung der Real tion geschildert und im achten Abschnitt das Verhältnis zwischen Amsterdam und Moskau. Wichtig sind auch die Abschnitte 9 Wirtschaftlicher Wiederaufbau", 10 Das Verhältnis zur Sozialistischen Internationale", 11 das zum Genoffen fchaftsbund und 12 das zu anderen Organisationen. Der 13. Abschnitt berichtet über die Bildungs- und Jugendfragen, der 14. über den Internationalen Arbeiterinnenbund, der auf die Dauer unmöglich als felbftändige Organisation bestehen kann, sondern dem JGB. in geeigneter Weise anzuschließen sein wird. Der Bericht steht zum Preise von 2,50 M. den Genossen zur Berfügung, die sich besonders für die Fragen der internationalen Gewerkschaftspolitik und die bisherigen Ergebnisse der internationalen Arbeiterafticn interessieren, Gewerkschaftliche Unreife. Ein Nachwort zum Streit bei der Staatsoper. Im zweiten Abschnitt des Berichts werden die Einrichtungen des Internationalen Gewerkschaftsbundes aufgeführt. Auch sein Personalstand blieb nicht vom Abbau von 48 auf 24 verschont. Das Organ des Bundes,„ Die internationale Gemert: Der Deutsche Chorsänger- und Ballettverband, Sig Mannheim, fchaftsbewegung", das namhafte Mitarbeiter aus allen Län. gibt für seine Mitglieder eine eingehende Darstellung über den dern hat, wurde in 3607 Exemplaren an die Landeszentralen von Streit feiner Berliner Mitglieder in der Staatsoper. Für den 39 Ländern und an die internationalen Berufsjetretariate verschickt. Streit hatten 134 Mitglieder, 95 vom Chor und 49 vom Ballett Die englische Auflage beträgt 1800, die deutsche 1500 und die fran- gestimmt, bei drei Enthaltungen und 14 Abwesenden. Zum Streifzöfifche 700. Die Beitschrift erscheint jest nierteljährlich, soll jedoch brecher wurden von 54 Chorherren 30, von 58 Chordamen 24, von bald wieder zweimonatlich erscheinen. Die Presseberichte des 20 Ballettherren 8 und von 30 Ballettdamen 16. Von 172 Streis Bundes werden in jeder Woche in fünf Sprachen versandt. Durchfenden wurden also 78 zu Streitbrechern mit dem Ergebnis, daß Herausgabe von Bildungsberichten wurde die Arbeiterbildung anzu- 58 Chormitglieder und 36 Ballettmitglieder, zusammen 94 Berregen und zu fördern versucht. Die Berlagsabteilung des bandsmitglieder brotlos murden. Der Domchor follte zu Ostern in der Parsifal" Vorstellung an Stelle der Streifenden mitsingen. Er lehnte dies ab und bemies damit eine bessere Solidarität als die unsolidarischen Gewerkschaftsmitglieder. Ohne den Streifbrudy mußte der Streit zu einem erfolgreichen Ende führen. Die Generalverwaltung der Staatsoper erklärte sich bereit, neun der Gemaßregelten bis zum 1. Oftober wieder einzustellen, menn der Verband feinen der Streifbrecher aus seinen Reihen ausschließt. Dies lehnte der Verband natürlich ab. Wenn eine jahrelange Organifationszugehörigkeit die Mitglieder nicht zu dem primitivsten Be griffe der gegenseitigen Solidarität erziehen fann, dann ist es noch recht übel bestellt, zumal es sich hier um Angestellte handelt, von denen eine gewisse Durchschnittsintelligenz zu erwarten Immerhin, in solchen Fällen muß auch die Organisation felber sich fragen, ob ihrerseits alles gefchehen ist, was möglich und notwendig mar, um den Mitgliedern den Solidaritätsbegriff zu vermitteln. Jedenfalls darf in dieser Beziehung keine Organisation etwas vers fäumen. Jeder Verband tann aus solchen Erscheinungen, die immerhin feltener geworden sind, gewisse Schlußfolgerungen hinsichtlich seiner Werbe- und Bildungsarbeit ziehen, Dem Egoismus muß gesteuert werden. Gegen die Art der Beamtengehaltsregelung. Köln, 30. Mai.( Eig. Drahtb.) Der Landesausschuß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes für die besetzten rheinischen Gebiete hat an das Reichsfinanzministerium und die Reichstags= fraktionen ein Schreiben- gerichtet, in dem es u. a. heißt: ,, Mit größter Entrüstung hat die Beamtenschaft das standalöse Ergebnis Die Beamtenschaft, die der letzten Gehaltsregelung vernommen. feit Jahren so viele Entbehrungen und Opfer trägt, der so viele Versprechungen von den Regierungen gemacht wurden, sieht sich miederum bitter enttäuscht und muß durch eine derartig ungleiche Behandlung in der nunmehrigen Besoldungsregelung, die in den Endgehältern der Gruppen I bis V, in denen das Gros der Beamtenschaft ist, eine durchschnittliche Erhöhung von 17,3 Proz. oder 16,60 m. monatlich, dagegen im Endgehalt der Gruppe XIII 70,1 Proz. oder 332,50 m. monatlich ausmacht, entschiedenen Einspruch erheben. Wenn die Regierung aus staatspolitischen Gründen, d. h. denen, eine Abwanderung der höheren Beamten in die Industrie zu verhindern, eine stärkere Erhöhung der Gehälter dieser Beamten unbedingt erforderlich hielt, dann muß gefragt werden, ob es nicht staatsgefährlich werden fann, wenn man die unteren und mittleren Beamten, die in erster Linie von dem Beamtenabbau, der Dienstzeitverlängerung und der Urlaubsfürzung bes troffen find, dann noch mit derartigen Erhöhungen, mit Hungergehältern abspeist, die in feinem Verhältnis stehen zu den neuersings wieder eingetretenen Preissteigerungen und den Gehältern der oberen Beamten. Der Abbau der Sonderzuschläge im besetzten Gebiet muß als frivoles Spiel der Regierung gegenüber der start bedrängten Beamtenschaft an Rhein und Rhur bezeichnet werden. Die Haltung der Beamtenschaft während der Separatistenwirtschaft und des Ruhrkampfes scheint die Regierung schon vergeffen zu haben? Die Beamtenschaft tann sich mit der jetzigen Regelung nie einverstanden erflären. Es wird gefordert, fofort neue Verhandlungen anzuberaumen über eine Erhöhung der Gehälter der unteren und mittleren Gruppen, angepaßt den Wirtschaftsverhältnissen, gang besonders des befehten Gebietes." Sport. Internationaler Borkampfabenb im Sportpalaff. Ränge und Barlett des großen Hauses zeigten gestern abend große Lüden auf. Programm und Sport maren gut. Road und Spiers- England trennten fich unentschieden nach 4 Runden flottem und technisch gutem Rampf. Die beiden Halbschwergewichte Rudi Arndt und Diedmann beendeten, nach 6 Runden ihren Rampf ebenfalls unentschieden. Mit äußerst flottem Tempo gingen Prunier Frankreich und Domgörgen über die 10 Runden. Die harten Schläge. Domgörgens ließen Brunier die Lust am Nahkampf verlieren. Auch dieser Rampf endete unentschieden. Belgiens Gchwergewichtsmeister Jac Sumbed hatte den 24 Pfund leichteren Gábri Mahir zum Gegner. Der technisch Beffere war der Türfe, der gefchickt der fchweren Bucht des Belgiers entging, der sich nur in den lezten Runden einen Bunttfieg sichern konnte. Der flinte Funte schitte den Engländer Johns mehrmals zu Boden. Aber es reichte in den 6 Runden nur zum Puntifieg. Adolf Wiegert enttäuschte, er gab den Rampf nach der 8. Runde infolge Rieferverlegung gegen den belgischen Mittelgewichtsmeister Devos auf. Die Ausländer wurden lebhaft begrüßt. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilewski, Lotales und Sonstiges: Frig Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin, Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SB. 68., Lindenstraße 3. Gute Herrenkleidung weit unter Preis! Der Umbau unserer neuen Filiale Schönhauser Allee 127 wurde durch den Bauarbeiterstreik um Monate verzögert, der Absatz unserer anderen Verkaufsgeschäfte im Ruhrgebiet kam durch den Bergarbeiterstreik vollständig zum Erllegen. Enorme Posten Waren, welche wir noch zu günstigen Preisen gekauft und selbst angefertigt hatten, müssen, um ein Unmodernwerden zu vermelden, bel der vorgeschrittenen Saison beschleunigt abgesetzt werden. Ohne Rücksicht auf die heutigen bedeutend höheren Wiederbeschaffungspreise werden wir demzufolge unsere enorm großen Läger in Herren- und Burschenkleidung zu bedeutend herabgesetzten Einhelts- Serien In den Verkauf bringen. Herren-, Jünglings- Anzüge und Mäntel in den neuesten Formen und Mustern Serie I Mark 2950 Serie VI Mark 78, Serie II Serie Mark 36.- Mark 45.Serie IV Mark 54.sowohl in Stoffen, Zutaten wie auch Verarbeitung Vollständig Ersatz für Maß. Serie V Mark 65.Serie VII Mark 96.Beachten Sie unsere 12 Schaufenster, welche Ihnen einen kleinen Ueberblick über die außerordentliche Preiswürdigkeit unseres Angebots vorführen. Das Haus der guten Friedrich Kerstholt A.-G. Herren- u. Knabenkleidung Nähe Bahnhof Nordring Schönhauser Allee 127 Ecke Gaudystraße Zweiggeschäfte: Duisburg- Ruhrort, Hamborn- Marxloh, Gladbeck, Buer, Osterfeld. Eigene Kleiderfabrik: Berlin C 2, Königstraße 62b. Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl, dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen .Preiswerte, gediegene Arbeit Fahrverbindung: Straßenbahn 9, 81, 47, 48, 57, 147. Hochbahn: Bahnhof Nordring. Stadtbahn: Schönhauser Allee. Stocklaternen mit Stod u. Licht, 6 Pf. an Lampions von 3 Bf. an Papiermützen Dgd. von 10 Bf. an, alle Sommer11. Festartikel sehr billig. Sortimente Feuerwert an von 1 M. Bengalfeuer, Ailo 2 M Magnesiumfadeln, 60 cm lang, 1 Mart. Martgrafen ftraße 9-6 Uhr. Maas& Co. frage 84, an der Lindenstr. Sportwesten zu Engrospreifen Strid 288120 warenfabril. Freienwalbert, 22, 74/ 17a B Drum prüfe, wer sich ewig bindet Trauringe 1 Ring Dukatengold von 9,00 Goldmk. an 1 Ring 585 gestemp. yon 6.00 Goldmk. an 1 Ring 333 gestemp. von 2,90 Goldmk. an Einfache Ringe 1,80 Goldmark ges. gesch. Hermann Wiese, Juwelier, Berlin N, Artilleriestr.30 5 Minuten vom Bhf. Friedrichstraße, Untergrundbhf. Oranienbg. Tor Berlin W, Passauer Str. 12, Untergrundbahnhof Wittenbergplatz Garantieschein für gesetzlichen Goldinhalt. Telegr.- Adr.: Trauringkanone Berlin- Versand nach auswärts Fahrgeldvergütung Preisliste gratis HOLZHAUSER அ von 500 Mk. an, Schuppen, Hallen, Garagen etc. liefert preiswert kurzfristig Holzhausbau Littmann N 54, Lothringerstrasse 91/93 Norden 6020/21 teppdecken preiswert, direkt Fabrik Bernhard Strohmandel, 72Wallst.72Fil.Spittelmarkt, E.Gendelft.u.Nikolsburg.Pl.2 AlteSteppbed.werd.aufgearb.! Gicht Bei Kurz. April- Oktbr. Rheumatismus, Ischias, Frauenleiden hervorrag. seit über 50 Jahren bewährt Elsenmoorbad Bad Schmiedeberg, Bezirk Halle BabnWittenberg- Eilenburg. Herrliche Waldgegend. Großes Kurhaus m. Versammlungsräumen f. Kongresse usw. Prospekt 66 gegen Rückporto durch städtische Badeverwaltung.