Nr.255 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 131 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4,25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmart pro Monat. Der ,, Vorwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und geit" mit..Gied. lung und Kleingarten", fomie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reflamezcile 4. Goldmark. Kleine Anzeigen" 1 das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Dazu aber bedarf es der 3ustimmung hatte seine Hoffnungen auf die gemäßigten Elemente in den beiden dos Senats, die aber mehr als zweifelhaft ist. Denn was bei Neubürgerlichen Parteien des Linksbloces gesetzt, und er mußte am wahlen, die unter der Parole persönliches Regiment" geFreitag die schmerzliche Enttäuschung erleben, daß gerade in der am führt werden würden, herauskommt, das fann sich auch die Reaktion weitesten redts stehenden Gruppe sich nicht eine hand zu an den fünf Fingern ebzählen; die Linke würde mit einer noch feinen Gunst en geregt hat, sondern selbst zwei ehemalige größeren Mehrheit ins Barlament zurückkehren. Millerand hat also Ministerpräsidenten, Briand und Painlevé, den Urteilsspruch wohl die Möglichkeit, durch Schikanen der Prozedur die Präsident gegen ihn unterschrieben haben. Noch unentschieden ist die jaitung schaftsfrise, deren Vorherdensein heute auch von der Rechten nicht der Radikalſozialen Herriot, der sich als der kommende mehr geleugnet wird, in die Länge zu ziehen. Auf die Dauer Mann zu besonderer Korrektheit verpflichtet fühlt, hat am Freitag aber wird er sich den von der Mehrheit des französischen Volkes im Direktorialkomitee der Parte: ausgeführt, daß er gegen die Vergesprochenen Urteil nicht entziehen können, und es ist wahrscheinlich, fassung zu verstoßen fürchte, wenn er es ablehnen würde, daß tie beiden Häuser des Parlaments sich Ende der nächsten den Antrag zur Bildung der neuen Regierung vom gegenwärtigen oder spätestens zu Beginn der über nächsten Woche in Versailles Präsidenten dr Republik entgegenzunehmen. Die Partei hat auf zur Wahl eines neuen Bräsidenten vereinigen werden. feinen Wunsch die endgiltige Entscheidung vertagt, um die Beschlüsse der zu Sonntag früh einberufenen interfraktionellen Besprechung der Abgeordneten der drei Parteien des Linksblocks abzuwarten. Es ist ein offenes Geheimnis, daß innerhalb der radikclen und der radifclfozialen Partei eine Reihe von Politikern entschieden gegen eine allzu brüste Entwidlung Die sozialistischen Koalitionsgegner. Am heutigen Sonntag tritt der Parteitag unserer französischen Genossen zusammen, um über die Frage der Beteiligung an einer Regierung der Linken zu entscheiden. Der Pariser Bez rfsparteitag hat sich mit 1780 gegen 660 Stimmen auf die Seite der Koalitions: gegner gestellt. Die angenommene Resolution erklärt, daß in der augenbildlichen Situation die außergewöhnlichen Umstände, von denen die der Dinge ist und insbesondere in der Senatsfraktion leb Entschließung von 2 m sterdam( Weltkongreß 1904) die Beteiligung hafte Widerstände gegen eine auf Erledigung des Präsidenten gerich der Sozialisten an einem bürgerlichen Kabinett abhängig mache, tete Offensive laut geworden sind. Die Mehrzahl der Abgeordnicht gegeben feien. Die politische und gewerkschaftliche Spaltung neten, aber teilt die Auffassung der Sozialisten und der Republika- der franzöfifchen Arbeitschaft habe im Gegenteil eine neue Lage nischen Sozialisten. Es ist deshalb nicht sehr wahrscheinlich, daß gefchaffen, die den Kampf des in fich felbft uneinigen, Proletariats, Millerand von dieser Seite her Rettung femmen wird. Selbst wenn heute noch weit schwieriger geftalte als ehemals. Cine Teilnahme Herriot in übertriebener Gewissenhaftigkeit die Bildung des Kabinetts an der Regierungsbildung drohe daher die erfehnte Stunde der im Auftrage Millerands versuchen sollte, so wird er sich wahrscheinlich Einigung erneut hinauszuschieben. Aus dem gleichen Grunde sehr rasch davon überzeugen müssen, daß er mit einem Ministerium müsse die Partei eden Berfuch der Rekonstruierung eines Blocs dieser Art in der Kammer höchstens gegen die Linke, d. h. gegen der Linken oder des Abschlusses einer permanenten parlamenfeine Partei, regiren fönnte. Das ist von Herriot wohl nicht zu tarischen Koalition mit anderen Parteien ablehnen, da dies nur erwarten. Er wird also aller Wahrscheinlichkeit nach den Auftrag zur Folge haben könne, ihre eigene Stoßkraft zu schwächen und in die Hand des Präsidenten zurückgeben. Millerand wird sich ihren Charakter als Partei des Klassenfampfs zu verwischen. dann vielleicht an Painlevé oder Briand, und wenn er, wie vorausDagegen sei die Partei bereit, eine Politik der sozialen Reform und zusehen, hier dem gleichen Widerstand begegnen jollte, vielleicht an der internationalen Verständigung mit allen ihr zur Verfügung einen Politiker der gemäßigton Reaktion, wie Barthou oder stehenden Mitteln zu unterstüßen. Demgemäß könne jede Restehenden Mitteln zu unterstüßen. Demgemäß könne jede ReSteeg, wenden. Ein solches Ministerium würde sich dann wahre gierung, deren erste politische Handlung die Amnestie, die fcheinlich mit einer persönlichen Botschaft des Präsidenten dem Biedereinstellung der entlassenen Eisenbahner, die AufParlament vorstellen. hebung des Ermächtigungsgeseßes, ter Abbau der indirekten Steuern, insbesondere der Umsatzsteuer, die Reform der Militär gesetzgebung, die Wiederherstellung normaler Beziehungen mit Rußland und die Einleitung einer auf das Programm der Sachverständigen und die Räumung des Ruhrgebiets aufgebauten Außenpolitik sei, auf die nachdrück lichte Unterstützung der Sozialistischen Partei rechnen. Die dem Elysée nahestehenden Blätter haben am Sonnabend früh eine Erklärung veröffentlicht, daß Millerand sich weder den Forderungen eines Parteiferngresses noch der Zufalls abslimmung eines der beiden Häuser des Parlaments beugen weite. Diese Erklärung deutet darauf hin, daß Millerand damit rechnet, im Senat eine Mehrheit zu finden. Der Beschluß der Volkspartei. Verschleppung statt Entscheidung. Die Fraktionsfigung der Deutschen Bolkspartei ist am Sonnabend gegen 23 Uhr zu Ende gegangen. Ueber die Verhandlungen wird Stillschweigen bewahrt. Die Frattion gibt als Ergebnis ihrer Besprechungen zwei Refolutionen heraus, von denen die erste ein Vertrauensvotum für Dr. Stresemann enthält. Das Vertrauensvotum hat folgenden Wortlaut: „ Die Fraktion der Deutschen Volkspartei weist die anläßlich der Regierungsbildung gegen ihr Fraktionsmitglied, den Reichsaußen minister Dr. Stresemann erhobenen Angriffe auf das Schärffte zurüd. Sie betont aufs neue, daß fie feine politische Tätigkeit und vor allem seine Arbeit als Reichsaußenminister durchaus billigt und sein Verbleiben in diesem Amte solange fordert, als Herr Dr. Stresemann selbst feine Dienste in diesem Amt dem Vaterland zur Verfügung stellt. Zu dieser Haltung wird sie in erster Linie durch die Erwägung bestimmt, daß es auch fachlichen Gründen geboten ist, im Inlande und im Auslande durch einen Wechsel der Person nicht den Anschein einer außenpolitischen Kursänderung hervorzu rufen." Das weitere Ergebnis der Gigung ist eine zweite Resolution, Das weitere Ergebnis der Situng ist eine zweite Resolution, die folgendermaßen lautet: „ Durch die gestrige Erklärung der Deutschnationalen Volkspartei ist die Deutsche Volkspartei vor eine völlig neue Lage gestellt worden. Sie stand bisher unter dem Eindruck, daß die Deutschnationalen ebenso sehr wie die Deutsche Bolkspartei gemillt feien, unter Fortführung der Grundlinien der bisherigen Außenpolitik eine Zusammenfassung aller bür. gerlichen Kräfte herbeizuführen. Sie war zu dieser Annahme um so mehr berechtigt, als die gesamte außenpolitische Lage und die Situation der deutschen Wirtschaft einschließlich der Landmirtschaft namentlich in der Kreditfrage die Annahme und beschleunigte Durchführung des Sachverständigengutachtens gebieterisch fordere, wobei die Deutsche Volkspartet die Sicherung der politischen und Ehrenforderungen als selbstverständlich erachte. Die Deutsche Lolkspartei hat durch ihre Verhandlungen in den vergangenen Bodyen unrückbar an diesem Ziel festgehalten und ist in ihren Bemühungen unter Zurückstellung aller parteipolitischen und persön lichen Interessen bis zur äußersten Grenze des Möglichen gegangen. Durch die Veröffentlichung des deutschnationalen Beschlusses mit seiner parteioffiziösen Kommentierung, insbe= fondere durch die Kursänderung in der Außenpolitif, find diese Bemühungen der Deutschen Volkspartei 3 ur Fruchtloligfeit perurteilt worden. Die Rolle der Deut. ichen Boltspartei als ehrliche Makler hat damit ein Ende gefunden. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei wird zu der am Montag Lage in einer Fraktionssitung Stellung nehmen, zu der alle Mitglieder telegraphisch einberufen sind. Eine Verzögerung in der Regierungsbildung tritt dadurch um so weniger ein, als die Bayerische Volkspartei, die selbstverständlich zu diesen Verhandlungen herangezogen werden muß, frühestens Montag in Berlin verfügbar fein wird." Die Deutschnationalen wollen wieder. Die Deutsch nationale Volts partei erklärte gestern parteioffiziös, daß der vorgestrige Beschluß nicht eine Absage an den Gedanken des großen Bürgerblods als solchen bedeutet, sondern nur gefaßt wurden, weil nach Ansicht der Frat tion die Verhandlungen mit Dr. Marg feine Aussicht auf Erfolg mehr boten. Daß irgend ein anderer Weg gefunden werden fönne, ist nach Ansicht der Deutschnationalen Fraktion nicht ausgeschlossen. Die Demokraten gegen weitere Verhandlungen. Der Vorsitzende der Demokratischen Partei und Reichstags frottion, Minister a. D. Koch, teilte dem Verein Deutscher Zeitungsverleger auf seine Erkundigung nach der demokratischen Beurteilung der Lage mit, daß ihm weitere Berhandlungen aus fichtslos erschienen, nachdem die Deutschnationalen mit der in wochenlangen Verhandlungen immer zurückgehaltenen Erklärungen hervorgetreten sind, daß auf dem Gebiete der Außenpolitik eine Kursänderung erfolgen und zum Ausdruc tommen müsse. Jede Wenderung der bisherigen Außenpolitik erscheine der Deutschdemstratischen Partei als eine Gefährdung der angebahnten Verständigung und als eine Verzögerung der von der deutschen Wirtschaft so dringend geforderten Lösung. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Poiticheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depojitentasje Lindenstraße 3 Unfug und Politik. Der schwankenden Mitte ins Stammbuch. Der 1. Juni 1924 findet ein Europa ohne Poincaré. Der Mann, der in der Zeit vor dem Kriege und dann während der letzten Jahre eine so verhängnisvolle Rolle gespielt hat, steigt heute vom Thron seiner Macht herab und wendet sich wieder der Journalistik zu. Das neue Frankreich, das aus den Wahlen vom 11. Mai emporgestiegen ist, ringt noch nach seiner Gestaltung und geht vielleicht inneren Krisen entgegen, wenn Herr Miller and sich weiter im Elysée wie in einem Fort Chabrol verschanzen will. Der Kampf gegen ihn zeigt zum mindesten, daß die bürgerliche Linke ganze Arbeit zu machen gesonnen ist, daß fie Konflikte, wo sie notwendig sind, nicht scheut, und daß sie überhaupt von dem Glauben an die alleinfeligmachende Kraft der Leisetreterei und der Kompromiſſe weit entfernt ist. Der tatkräftige Geist der bürgerlichen Linken Frankreichs findet seinen literarischen Ausdruck in einem soeben erschienenen Sammelband" La Politique Républicaine"( Paris, Felix Alcan), in dem Männer wie Herriot, Painlevé, Daladier und andere zu den dringendsten Fragen des Tages Stellung nehmen. Das Buch sei besonders deutschbürgerlichen Mittelpolitikern zu fleißigem Studium empfohlen. Sie werden dabei bemerken, daß es in Frankreich trotz aller reaktionärer Strömungen, etwas wie eine republikanische Kultur gibt, und sie werden den Unterschied begreifen lernen zwi schen einer geföpften Monarchie und einer lebendigen Republip. Solches Studium lut unserem politisierenden Bürgertum um so mehr not, als es erst jetzt wieder in den qualvollen Wochen der neuesten Regierungstrife seine politische Intelligenzlosigkeit peinlich enthüllt hat. Man ist jetzt glücklich nach allem Hin und Her zu der Auffassung gekommen, daß es doch das beste sei, die alte Regierung der Mitte Marg- Stresemann wiederherzustellen und man hofft, daß die Deutsche Volks= partei am Montag diesem Blan ihren Segen geben wird. Allerdings muß das deutsche Volk noch zwei Tage länger, als sonst notwendig gewesen wäre, auf die neue alte Regierung warten, da es nicht möglich war, die großen 45 der Volkspartei über Wochenende in Berlin zusammen zu halten. Dies ist das Satyrspiel nach der Tragikomödie. Das ganze erinnert start an die Karikatur von 1848: Wie der Hund mit der Wurft über'n Spudnapf springt, Und der Storch in der Luft den Frosch verschlingt. Damit fängt es nämlich an. Dann ergeben sich tolle Berrenkungen: Die Wurst springt mit dem Spucknapf über den Hund, der Frosch verschlingt in der Luft den Storch usw., bis endlich die normale Ordnung der Dinge zurückkehrt. Bon Marr- Stresemann mit hundert Purzelbäumen. Verwicklungen, Mißverständnissen zurück zu Marr- Stresemann. 11 Was die Mittelparteien jetzt tun wollen, ist von ihrem Standpunkt aus in der Tat das einzig Bernünftige. Sie waren die Träger der bisherigen Regierungspolitit und haben die Aufgabe, was sie für richtig hielten, auch weiter zu vertreten. Wären sie ihren geraden Weg gegangen, so wäre ihnen wohler. Wozu haben sie über die Tirpiklösung", die neueste Marke, deutsch nationaler Patentlösung" erst verhandelt, warum haben sie dem Reichstag der Republit einen monarchistischen Präsidenten auf die Nase gesetzt. Warum hat die Volkspartei, die einen integrierenden Bestandteil der Regierung bildet und weiter bilden foll, ihren kindischen Flaggenantrag eingebracht, wenn es Durch all das haben sie nichts anderes erreicht, als daß sie alle schließlich in der Hauptsache doch beim Alten bleiben sollte?! politischen Faktoren im Ausland und im Inland, mit denen sie zusammenarbeiten müssen, verprellt haben! Es wird viel Mühe kosten, um den Schaden zu reparieren, den die Knifflichkeit und Pfiffigkeit der Scholz und Konsorten angerichtet haben unter Außerachtlassung aller politischen Gesichtspunkte, außer dem einen: die deutschnationale Konkurrenz so gründlich wie möglich hineinzulegen. Für den Augenblick ist ihnen das ja auch gelungen. Die Krampfhaftigkeit, mit der die Deutschnationalen jetzt wieder die Unentwegten markieren, nachdem sie bereit waren, für einen entsprechend breiten Platz an der Futterkrippe sämtliche „ völkische Belange" Bug um zug zu verhöfern, wirkt erschütternd auf die Lachmuskel. Aber hat Deutschland in seiner gegenwärtigen Lage wirklich nichts anderes zu tun, als einen Fastnachtsschwank von den getäuschten Roßtäuschern aufzu führen? * Schon ein Blick auf das Ruhrgebiet, wo die jüngsten sozialen Kämpfe vorläufig unter Zuckungen zu Ende gehen, sollte den bürgerlichen Politikern zeigen, daß ihre Sorgen nicht die Sorgen der deutschen Voltsmaffen sind. Darüber hinaus wird jeder Geschäftsmann, der von der Pleite, jeder Arbeiter und Angestellte, der von Arbeitslosigkeit bedroht ist, es entschieden ablehnen, das Studium der parlamentarischen Kulissenschieberei als sein vordringlichstes Interesse zu erklären Wir brauchen ein politisch interessiertes Volk! Aber was war mehr geeignet, dem Volk Ekel vor der Politik— oder was man so nennt— einzuflößen als die Vorgänge der letzten Tage? Jedermann, der seinen Finger am Puls der deutschen Wirtschaft hält, weiß, daß Deutschland die Vorschläge der Sachverständigen schleunigst annehmen und durchführen muß, wenn es nicht vor die Hunde gehen will. Auch die Deutsch- nationalen wissen es, und wenn sie es aus Gründen einer ver» lumpten Demagogie öffentlich nicht wahr haben wollen, fo gebe man ihnen im Reichstag Gelegenheit, ihren Patriotismus zu erproben. Sie drohen jetzt, in der Wut ihrer Enttäuschung, alles Porzellan kaputt zu schlagen, man lasse es auf den Ber- such ankommen! Statt vor ihnen Verbeugungen zu machen, lerne man endlich, ihnen gerade gegenüber zu stehen, sie werden es sich noch anders überlegen, wenn sie emen e n t- sch l o ss en en SB t II cm begegnen! * Der Führer der englischen Konservativen, B a l d w i n, hat jüngst in öffentlicher Rede jeden Gedanken daran, er sollte gegen die Außenpolitik der Arbeiterpartei intrigieren, weit von sich gewiesen.„Herr Macdonald hat an mir loyal gehandelt, als er in der Opposition war, jetzt will ich an ihm loyal handeln," so erklärte er unter stürmischem Beifall. Auch die deutsche Sozialdemokratie hat ihre sachliche Haltung nie davon abhängig gemacht, ob sie in der Regierung vertreten war oder nicht. Sie, der die schamlose Demagogie der Deutschnationalen im Gegensatz zu allen Tal- fachen einen Drang nach der„Futterkrippe" nachsagt, hat noch nie aus Wut über entgangene Portefeuilles die Interessen der deutschen Außenpolitik und der deutschen Wirtschaft geschädigt. wie es jetzt die Deutschnationalen zu tun drohen. Noch ein» mal: man lasse es darauf ankommen, ob sie diese Drohung wahrzumachen versuchen, und dann stecke man dem Volk ein Licht darüber auf, was sich in Deutschland„nationale" Politik nennt! * Man hat der Sozialdemokratie da und dort in der bürgerlichen Presse„Jnaktivität" vorgeworfen. Wir den- ken, die Sozialdemokratie kann sich nur dazu beglückwünschen, daß sie sich von der Sorte von„Aktivität", die in den letzten Tagen und Wochen von den bürgerlichen Parteien getrieben worden ist, gänzlich ferngehalten hat. Dadurch hat ihr An- sehen bei den Massen draußen nur gewinnen können. Und schließlich scheint man ja auch sonst allmählich zu bemerken, daß man die Sozialdemokratie nicht als nicht vorhanden bs- handeln kann, weil sie sich aus guten Gründen von dem lauten Markt, auf dem um Grundsätze und Portefeuilles gehandelt wird, zurückhält, und weil sie es auf der anderen Seite ebenso verschmäht, durch Kindertrompeten und Triller- pfeifen die Aufmerksamkeit der staunenden Mitwelt auf sich zu lenken. Man muß unterscheiden zwischen Unfug und Polt- tik. Dem Unfug, der in der letzten Zeit von den verschieden- sien Seiten getrieben wurde, konnte die Sozialdemokratie nur negierend und scharf kritisch gegenüberstehen. Jetzt muß sich zeigen, ob sich die schwankende Mitte schließlich doch wieder zu einer ernstzunehmenden Linie der Politik zurückfinden wird. Dann wird weiter zu reden sein. Oer Soll Schwerer. Die Aussprache, die zwischen der preußischen und bayerischen Regierung aus Anlaß des bekannten Briefes des bayerischen Ministers des Innern Dr. S ch w e y e r an die Weifen statt- gefunden bat. hat zu einer befriedigenden Verständi« g u n g zwischen beiden Regierungen geführt. der Generalöirektor. Aon E r n st Grau. Die beiden Bronzekandelaber vor dem Portal der neuerbauton Villa warfen ihr helles Licht auf die eleganten Wagen, die in rascher Folge vorfuhren. Der betreßt« Diener tonnte nicht schnell genug die kristallscheibenfunkelnden Schläge ausreihen, damit die Wazenreihe sich nicht staute, damit die Wartenden nicht ungeduldig wurden. hinter den verhängren Fenstern des Hauses schimmerte festlicher Glanz. Generaldirektor Hallbach verstand sich auf Repräsentation. Und verstand sich besonders darauf, diese Repräsentation in den Dienst feiner Unternehniungen zu stellen. So auch heut«. Geschickt hatte er die Einweihung seines neuen Hauses dazu benutzt, all iene einflußreichen Leute um sich zu versammeln, die er gebraucht hatte und weiter zu brauchen gedachte, seinem Riesenunternehmen zu weiteren Erfolgen zu verhelfen. Alles, was in Handel und Industrie, in Banken und Börsen von Einfluß war, versammelte sich heule in seinen Räumen. Und während er oll diese Großfürsten des Kapitals an seiner Schwelle empfing, mit verbindlichem Lächeln für jeden«in passendes Wort bereit hotte, mußte er unwillkürlich daran denken, wie es noch vor zehn Jahren um ihn ausgesehen hatte. Als er nichts weiter mar, als ein kleiner Geschäftemacher ohne Ansehen. Der all denen, die ihm heute freundschaftlich die Hand drückten, kaum mehr bedeutete, als der Pförtner seines Hauses. Aber ein harter Wille, unbeugsame Energie, unbeschwert von Skrupeln und Gewissens- bissen, hatten ihm den Weg zum Erfolg geebnet. Urtd hart und verschlossen, ohne Regung von Schwäch« waren die Züge seines Gesichts, das sich eben über die schlank« weiße Hand der schönen Frau Bankdirektor Hornassen beugte. Als er wieder aufsah, stand der Dimer neben ihm. Seine dis» kret geflüsterte Meldung rief einen unwilligen, bösen Ausdruck hervor. „In mein Arbeitszimmer! Ich komme gleich!" Und beherrscht, interessiert, wandt« sich der Generaldirektor neuen Gästen zu. In einem der tiefen, weichen Ledersessel des Arbeitszimmers aber faß eine stille, blasse Frau. Weiß glänzte das Haar unter dem altmodischen Kapotthütchen. Die saltigen Hände strichen nervös über die schwarze Mantille, die einer früheren Generation«igen war. Nur das Auge leuchtete zuweilen stolz auf, wenn sie, etwas bedrückt, die Herrlichkeit ringsum betrachtete. Mit jähem Ruck wurde die Tür aufgestoßen. Wie ein erschreck- tes Vögelchen und doch steudig zugleich fuhr sie auf. dem Eintreten- den entgegen. „Mein Junge—" „Aber, Mutter. Herrgott, mußte es denn gerade heute sein?" Fassungslos hielt sie inne. Als hätten ihre alten Ohren sie ge- täuscht, als hätte sie nicht recht oerstanden, irrte ihr Blick cu, der hohen Gestalt vor ihr auf und nieder, die presse zur Negierungsbilüung. Volksparteiler stau— Deutschnationale frech. Die Presse von gestern abend stand noch unter dem Ein- druck des gespannten Wartens auf die Entscheidung der Volks- partei. Bei aller Zurückhaltung und aller Beschränkung aus die Wiedergabe der Tatsachen ließ sich doch aus allen Presse- stimmen aus allen Lagern die Auffassung herauslesen: es gibt nichts Unmögliches bei der Deutschen Volkspartei. In der Presse der Mittelparteien wurde diese Auftassung begleitet von Resignation und Entrüstung, in der Rechtspresse mit geheimen Hoffnungen auf neue Dienste der Volkspartei. Rur die Spät- abendpresse konnte den echt volksparteilichen Beschluß der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei verzeichnen, nicht zu entscheiden, sondern abzuwarten. Unter diesen Umständen hatte man nur in zwei Zeitun- gen den Drang zu längeren politischen Auseinandersetzungen über die Frage der Regierungsbildung, in der„Zeit" und in. der„Kreuzzeitung". Es war immerhin Zeit, daß das Organ der Volkspartei, die„Zeit", zu der durch die Schuld ihrer Partei geschaffenen Situation Stellung nahm. Es ist anzunehmen, daß die technische Tatsache, daß die„Zeit" nur ein- mal täglich erscheint, von der Redaktion der„Zeit" wohl- tuend empfunden wird. Sie erspart ihr, am Abend wieder anders zu reden als am Morgen und ermöglicht es ihr, den Phasenwechsel der Haltung der Volkspartei summarisch ab- zutun. Wer freilich von den Betrachtungen der„Zeit" über „Politische Kursänderungen" Erleuchtung über den Willen der Volkspartei erwartete, der wird trotz heißen Be- mühens und philologischer Gründlichkeit vergebens suchen. SBenn die Reichstagsfraktion der Volkspartei die Anschaffung eines politischen Willens auf Montag verschoben hat, kann auch die„Zeit" keinen zur Schau stellen. Es sind larmoyante Betrachtungen, die die„Zeit" über das Gewesene in der Frage der Regierungsbildung veröffent- licht. Sehr im Gegensatz zur„Kreuzzeitung", wo die laute Unverschämtheit vorherrscht. Der Unterschied in der Tonart kennzeichnet den Unterschied des Wesens der beiden Parteien. Die Volkspartei hat sich den Deutschnationalen gegenüber ge» radezu prostituiert. Sie hat schon so viel für sie aetan, daß ihr zu tun fast nichts mehr übrig blieb. Sie ist die Partei des halben Mutes, des halben Willens, der halben».Oftenheit. So ist auch die Entgegnung der„Zeit" auf die schroffe Erklärung der Deutschnationalen eine Halbheit, die auf elegische Tonart gestimmt ist. Die Deutschnationalen haben diese Partei der Halbheit benutzt, um sie nun mit offenem Hohn zu behandeln. Die„Zeit" bezeichnet die Erklärung der Deutschnatio- nalen als entscheidend— aber sie zieht keine Konsequenz. Die „Kreuzzeitung" besitzt die Dreistigkeit, über den bis- irrigen Verlauf des„neuesten Romans einer deutschen Regie- rungsbildung" zu höbnen, als ob die Verschleppung der Regie- rungsÄldung nicht zuletzt die Schuld der Deutschnationalen gcwes� sein. Sie schreibt: „Wer Neigung zur Satire hat, wird von jeher m dem deutschen Parlamentarismus reichen Stoff gefunden haben. Entweder hat die deutsch« Republik ein« Regierung und keinen Reichstag, weil man ihn unter der demokratischsten aller Verfassungen auf Grund eines Ermächtigungsgesetzes kurzerhand von der Mitarbeit ausschloß, oder sie verfügt über einen wiedergewählten Reichstag, ober des- wegen noch längst nicht über ein« Regierung. Mit unserer Wochen- Übersicht vor acht Tagen hatten wir erst die ersten nicht gerade spannenden Kapitel der Kabinettsbildung hinter uns, und wir können auch heute noch nicht übersehen, wie ang« sich der neuest« Roman einer deutschen Regierungsbildung auf parlamentarischer Grundlage noch hinziehen wird." Hier wird klar, daß den Deutschnationalen gar nichts daran liegt, daß die Regierungsbildung bald erfolgt, daß d.e notwendigen außenpolitischen Entscheidungen rasch getroffen werden können. Ihr Tun ist Sabotage des Ansehens der demokratischen Verfassung, Sabotage des Ansehens der Republik. „Gerade jetzt, wo ich das Haus voll Gäste habe! Wo Großes auf dem Spiele steht—" Die alte Frau hatte sich gefaßt. „Sollte dir die Mutter nicht der liebste Gast unter deinem Dache sein?" „Ja doch! Ja doch! Aber du verlangst doch nicht, daß ich dich so ganz einfach meinen Gästen präsentiere?" „Also soweit--- Du schämst dich deiner Mutter---* „Ach, Redensarten! Ich habe eben Rücksichten zu nehmen." „Ja, daran hob« ich nicht gedacht, als ich einen ganzen Tag hin- durch gerefft bin, dich in deinem Glück zu sehen. Dich, meinen Jungen---" Tonlos kamen dies« Worte von ihren Lippen. Mit leeren Augen, als spräche sie zu sich selbst, blickt« sie vor sich hin. Aber dieses Auge blickt« zurück, viel« Jahre zurück. Und sie sah sich selbst, umtollt von ihren vier Jungen, die sich lebensfreudig, lebenshungrig herum- balgten. Vier gesunde kräftige Jungen, ihr Stolz, ihre Zukunft. .Aber dann später, da war der Krieg in die Welt gekommen, brausend und brüllend, wie«in wilder Katarakt, wie«in gepeitschtes gigantisches Ungeheuer, unter dessen eisenschimmernden Hufen Länder und Städte zerbarsten und Menschen und Tiere wie Atome zerstoben. Und wohin sein gieriger, gistheißer Atem zuckte, da erstarb jede» warme Leben, jede sehnsüchtige Hoffnung in seinem schwelenden Pesthauch--- Jede sehnsüchtige Hoffnung--- Von den vier Jungen waren die ältesten drei nicht zurückgekehrt. Nur der Jüngste hatte es verstanden, di«„eiserne Zeit" in»ine goldene umzumünzen. Hatte alles auf sich zusammengerafft was schlauer Erwerbssinn vermocht hatte. Nie war sie ihm lästig gefallen. Nie hatte sie ihn um etwas gebeten. Unermüdlich hatten sie Pfennig um Pfennig beiseite gelegt, um die weit« Reise machen zu können. Und nun war sie gekommen. Und alles war so ganz anders. das Bild, das sic sich Jahre hindurch in schönsten Farben gemalt, war zu einem Trugbild geworden. Denn der Mann mit dem harten, bösen Gesicht, de? da ungeduldig durchs Zimmer schritt, war das überhaupt noch ihr Sohn, ihr Junge von ehedem—? „Also Mutter, für den Augenblick mußt du mich entschuldigen. Sobald ich kann, komme ich wieder." Wortlos mckte sie. Seine Stimme hatte nicht ihr Inneres, kaum ihr Ohr vernommen. Als Generaldirektor Hallbach«in« Stund« später wieder sein Arbeitszimmer betrat, fand er den Platz, wo vorhin seine alt« Muter gesessen, leer. Aber auf den eleganten Notizblock hatte ein« ungelenke, zittrige Hand geschrieben: �.Ein Kind mag seine Mutler»ergessen, doch ein« Mutter vergißt, so lange sie lebt, ihr Kind nicht. Aber in jedes Menschen» leben wird einmal die Stunde kommen, wo er nach fem« Mutter Die„Z e i t" macht in mildesten Tönen den Deuffchnafto- nalen den Vorwurf, daß ihre Erklärung unehrlich sei: „Denn was über die Haltun"gderDeutschnationalen während der vorausgegangenen Verhandlungen gesagt worden ist, entspricht nicht den Tatsachen. Dr. Marx hat, soviel wir wissen, in seiner Unterredung mit Hergt keinen Zweifel daran gelassen, daß für ihn(Dr. Marx) das unbedingte Festhalten an dem bisherigen außenpolitischen Kurs selbstverständlich sei. Wäre Herr Hergt demgegenüber von der unbedingten Notwendigkeit einer außenpolitischen Kursänderung durchdrungen gewesen, so hätte er die Verhandlungen in diesem Augenblick abbrechen müssen. Das ist nicht geschahen, vielmehr hat 5)«rr H« r g t den Vorschlag gemacht, eine Regierungserklärung auszuarbeilen, deren Annahme er von der Haltung seiner Fraktion abhängig machte, ohne daß er dabei in bezug auf dos Sachverständigengutachten irgendwelche besonderen Vorbehalte gemacht hätte." Die..Kreuzzeitung" dagegen leugnet kaltblütig jeden Umfall der Dcutschnationalen ab— trotzdem sie einmal für die Kontinuität der Regierungspolitik eintreten, um sie dann energisch abzulehnen und radikale Kursänderung zu fordern: „Leider konnte der Wortlaut dieser deutschnationalen Erklärung nicht sofort veröffentlicht werden, weil sie zunächst vertraulich an den Führer der Volkspartei, Abgeordneten Dr. Scholtz, übergeben worden war. Das hat nun dazu geführt, daß in der vorläufigen auszugsweisen Veröffentlichung die Wort« standen,„die Fraktion habe sich nicht der Notwendigkeit verschlossen, daß ein« gewiss« K o n t> n u i t ä t mit der abtretenden Regierung gewahrt werden müsse". Das Wort„Kontinuität" ist in der d e m o k r a- tischen und Zentrumspresse, die noch immer glaubt, mit dem Schwindel von einem Umfall der Deutsch- nationalen krebsen gehen zu können, in falschem und zu engem Sinne ausgelegt worden. Der Wortlaut der deutschnationalen Erklärung hat nachträglich genau fest- gestellt, was gemeint war." Die„Z e i t" redet den Deutschnationalen zu. daß der innere Kurs nicht geändert zu werden brauche, da I a r r e s ohnehin im reaktionären Fahrwasser steuere: „Wir glauben kaum, daß ein deutschnationaler Innenminister sich in seiner grundsätzlichen Einstellung sehr von den politischen Auffassungen unterscheiden würde, die Dr. I a r r e s als Innenminister vertreten hat." Die„K r e u z z e i t u n g" aber fordert den Posten des Innenministers ftir die Deutschnationalen und obendrein Preußen!' Der reaktionäre Kurs an sich genügt ihr nicht, sie will ihn von Deutschnationalen geführt sehen. Die„Z e i t" führt gegen die Deutschnationalen die Argu- mente der Wirtschast ins Feld— Erhaltung der Währung und der Wirtschaft— um sie zur Zustimmung zu dem G u t a ch- t e n noch zu bewegen— die„Kreuzzeitung" aber erklärt gleichzeitig, es gehe nicht nur um die Gutachten, sondern um den außenpolitischen Kurs überhaupt: Besetzung der diplomatischen Posten mit Deutschnationalen. schärfere und provozierende Tonart im diplomatischen Verkehr. denn: „Um die Aufgabe zu erfüllen, wird man am zweck mähig st«n auf einen Fachmann zurück- kommen, der gleichzeitig die Garantie bietet. nicht in di« ehemaligen Bethmannschen Ten- denzen zurückzufallen." Die deutsch« Außenpolitik soll also künftig wieder das Schwert im Munde führen! Alles in allem: die Deutsche Volkspartei ist in der Rolle des geprügelten Hundes. Mit weinerlicher Zähigkeit klammert sie sich immer noch an vage. Hoffnungen, daß Montag die Situation vielleicht wieder anders sein könnte. In der Ver- antwortungslosigkeit und der Schwäche dieser Haltung kommt «in durchaus infantiler Zug zum Ausdruck. Sollte man glau- den, daß es Männer sind, die solche Politik betreiben? Man sollte eher meinen, es wären Kinder oder wieder zu Kindern gewordene Greise. ruft. Mag das Schicksal mich diese Stund« noch erleb«» lassen. Sie soll di« schönste meines Lebens fem." Der Generaldirektor saß noch eine ganze Weil« über den kleinen Zettel gebeugt. Dann ging er wieder zu seinen Gästen hinaus. Geschichten von Klaus Groth. Zu feinem 25. Todestag. Heute ist ein Viemljahrhundert dahingegangen seit dem Tage. an dem der Wiederentdecker und Klassiker der plattdeutschen Litc- ratur, Klaus Groth, dahinschied. Ein schöne» Bild seines Wesens hat aus intimster Kenntnis Beert Seelig in seinem präch- ttgen Erinnerungsbuch„Eine deutsch« Jugend" entworfen, das vor einiger Zeit im Hamburger Alster-Vertag erschien. Er erzählt uns von dem Vater des Dichters, dem Windmüller Hartwig Groth. der das Plattdeutsche, damals in seinem Heimatsort Heide noch durchaus die Sprach« des Alltags, mit besonderem Reichtum an Schönheit und Form sprach. Freilich gesungen wurde überall nur hochdeutsch. und so kam der Knabe schon ganz früh beim Lesen von Hebels okemannischeg Gedichten auf den Ä-danken-„So etwas mußt du auch machen! und dann auf Plattdeutsch." Groth hat dann jahraus jahrein mit diesen, Gedanken gerungen, als Schreiber beim Kirch. spielvogt. als Schüler des Tondernfchen Lehrerseminars und zuletzt als Mädchenschullehrer in seiner Vaterstadt. Er überarbeitete sich schließlich in dem Verzweiflungskamps mit der Sprach«, ließ alles stehen und liegen und zog zu feinem Freund« Leonhard Seile noch Lcmbkirchen aus der Insel Femahrn wo e? 5 Jahre blieb. Don dort ging der„Ouickborn" in die Welt, das Gedichtbuch, das ihn berühmt machte. Bei einem zweijährigen Aufenthalt in Bonn lernte er das süd- deutsche Wesen kennen, und er schilderte später �g«rn den Unter- schied zwischen süddeutsch und norddeuffch an zwei Geschichten, von denen Auerbach die eine, die andere er selbst erzählt habe. Auerbach trifft in seinem Heimatsdorf weinend einen Jungen, der auf Be- fragen klagt, der Meister habe ihn geschlagen.„Nun. was ist denn Dein Meister?"„Grobschmied!"„Aber der Meister� hat Dich doch nicht mit dem Hammer oder der Zange geschlagen?"„Nein, nur mit dem Schnupfttichel!"„Ist das denn so arg?„Ja! Der Meister schnäuzt sich mit der Hand." �„So sein sind die Leute bei uns in Holstein und Hamburg nicht." berichtet« Groth dagegen. „Ich gehe einmal bei einem greuiichen Regenwetter durch St. Pauli: an einer Treppe steht heulend ein Bengel mit einem mächtigen Butterbrot in der Hand: Di« Tränen, der Regen, die Bulter, all«» läuft ihm mit dem Dr«ck vermischt übers Gesicht. Ich frag« jhn: Iungl Wat bölkst Du hier so?"„Ick kann min Botterbrot nich up- tricgen."„Denn steek bat doch in de Tasch!"„De h«, ich ganz vull Lehm." Groth hatte«in großes Sebstbewußtsein, das in der Kleinstadt Kiel viel Anstoß erregt«. So konnte«r ruhig sagen, als einmal ein Lied gesungen wurde:„Herrgott! Ist das eigentlich von Goethe oder von mir?" Eitelkeit im Streben noch Aeußerlichkeilen konrne er nicht. Cr hatte allerlei Orden erhalten, und ol, er einmal bei einem besteundeten Hauptmann die Pateiffchast übernehmen sollt«, sagte er zu seiner alten Wirtschostevin:„Grete» ick mutt bi de, Spitzelsumpf. Die Völkischen im Claẞ- Prozeß. mann- Grandel bekannt. = der RD., einige fogar Funktionäre dieser Partei unb einer Mit| glied der Stadtverordnetenversammlung in Potsdam. Einzelheiten fönnen im Interesse der weiteren Untersuchung noch nicht mitgeteilt werden. Soviel aber darf gesagt werden, daß es sich um einen groß angelegten Anschlag handelt, deffen Fäden zu verfolgen find bis in die höchsten Parteiinstanzen. Es scheint aber, daß durch die Aufdeckung des Planes ein unabsehbares Unglüd verhütet worden ist. Das zeigt die vorge. nommene genaue Untersuchung der beschlagnahmten Sprengstoff. bomben, deren Wirkung alles bisher auf diesem Gebiete Bekannte weit übertrifft. Die Bomben sind nach der Analyse der Chemisch. Technischen Reichsanstalt in Berlin zum Teil mit einem offenbar für den vorliegenden 3wed hergestellten Ammonsalpeter Sprengstoff gefüllt, zum Teil mit einem früher für Artillerie. geschosse verwendeten Sprengstoff. Beide Sprengstoffarbeiten stellen hocherplosible Mischungen dar, die bei ihrer Explosion besonders durch den hierbei entwidelten enormen Luftdrud wirken. Bei den angeftellten Sprengversuchen wurden durch den Luftdrud Personen noch auf 200 Meter Entfernung fast umgeworfen. als Zündung diente eine in das Innere der Bombe, die Aluminium. feldflaschen von 1 bis 1½ Liter Inhalt, laboriert war, eingeführte Schlagbolzenvorrichtung. Das untere Ende dieses Schlagbolzen trägt ein Zündhütchen, das mit einer Zündschnur von 5 Zentimeter Länge verbunden ist, woran sich eine Sprengkapsel befindet. Am oberen Ende des Schlagbolzens hält ein Splint die Feber gespannt. Bird der Splint seitlich herausgezogen, so schnellt der gespannte Schlag bolzen auf das Bündhütchen, das seinerseits die Zündschnur von etma 5 Gefunden Brenndauer( Verzögerung) und dadurch die Sprengtapfel zur Explosion bringt. Diese Borrichtung ist als Zündschnuranzünder bekannt. In den Sprengstoff eingebettete Stahl nieten im Geauch auf den in Paris meilenden Herrn v. Rabomit zu. Wir haben feineswegs behauptet, daß es sich um Herrn v. Radowitz handelt, der in der deutschen Botschaft in Mostau als Botschaftsrat tätig ist. Diese Unterstellung blieb der deutschnationalen Breffe. ftelle in ihrem Dementi vorbehalten. Montag wieder Reichstag. Die nächste Reichstagssigung ist nunmehr auf Montag, 3 Uhr nachmittags, anberaumt worden. Wenn bis dahin die Bildung der neuen Regierung noch nicht gelungen ist, so wird sich die Sigung ausschließlich mit den Anträgen des Geschäftsordnungsaus. schusses in der Frage der Haftentlaffung von inhaftier. ten Abgeordneten befaffen. Andere Anträge werden nach einer Bereinbarung der Parteien nicht auf die Tagesordnung gesezt werden. Die fozialdemokratische Frattion hält am Montag im Anschluß an die Plenarsizung eine Fraktionsfigung ab. Im Prozeß wegen des Seedt Attentats hat am Sonnabend der bisherige Leiter der Berliner politischen Polizei, Oberregierungsrat Weiß, über seine Eindrücke von den Hauptzeugen Tettenborn und Gilbert ausgesagt. Man sieht, nicht überrascht, in einen üblen Spigelfumpf, dessen Ausdünstungen zum Himmel stinken. Daß der„ Reichskommissar für die öffentliche Ordnung", Herr Kuenzer, der bekanntlich auch in Thüringen„ Ordnung schaffen" mußte, einen Mann von den Qualitäten des falschen Majors Gilbert beschäftigt, ist ein Standal, der in einem anderen Lande wahrscheinlich nicht bloß dem Gilbert sein Amt tosten würde. Und daß der Roßbach- Leutnant Tettenborn, der Sekretär der GraefeWulle- Ludendorff- Partei, nicht ein Engel von blütenweißer Unschuld ist, war schon vor Beginn des Prozesses gegen ThorAber bei der Beurteilung der Dinge, die augenblicklich in Moabit zur Verhandlung stehen, tommt es nicht so sehr auf die Qualität diefer Zeugen an, wie die Berteidigung aus begreiflichen Gründen glauben machen will. Viel mehr Aufmertsamkeit verdienen die Treibereien des Audeutschen Verbandes und seines Führers Claß gegen die Republik, gegen die Legalität, gegen den„ Mann mit der eisernen Maske", General von Seedt. Selbst wenn diejenigen, die den Thormann ans Messer lieferten, das Gegenteil von Gentlemen findes bleibt doch die Tatsache, daß der Fabrikant Grandel in seinem Geständnis Dinge verraten hat, die nur fehr wenigen Eingeweihten bekannt sein konnten und die einen hohen Grad von innerer Wahrscheinlichkeit haben, wicht von ungefähr 500 Gramm follten die Splitterwirtung mitglieder( Beigeordnete, Ratsmänner, Ratsherren oder Stadträte) auch wenn der Leiter der Berliner politischen Polizei anderer Meinung ist. Claß hat den General Seedt zum Staatsstreich verleiten wollen, aber der war nicht dumm genug" dazu. Claz erklärt in Briefen an seine persönlichen Freunde, daß die„ Sphin" Seedt sich ihr Urteil selbst gesprochen. Auch zu Grandel hat er sich so und ähnlich geäußert. Grandel erfährt von dem Mordplan, läßt sich den vermeintlichen Mörder vorführen, stellt Geld in Aussicht und verrät im ersten Schreden über seine Verhaftung alles, was innerlich den Mordplan wahr scheinlich zu machen in der Lage ist. Das alles soll jetzt nicht wahr sein? Soll einem„ Drang zur Selbstbezichtigung" zu danken sein? Auch die Briefe, die bei Claß beschlagnahmt sind und in das Gewirr von Intrigen und Hezzereien leuchten, das bei diesen Patentnationalen gesponnen wurde? Man kann den Prozeß nur politisch be trachten, nicht polizeilich vom Ressortstandpunkt der Abteilung Ia oder des Reichskommissariats aus. Auch wenn Gilbert ein übles Subjekt ist, auch wenn Thormann ein Spizel von der anderen Seite sein sollte die Tatsache fann nicht hinwegdisputiert werden, daß Cl a ß und Ehr hardt eng liiert sind, und daß aus der Organisation Ehrhardt die Mordbuben stammten, die Erzberger und Rathenau " fillten" und die den Mord an Scheidemann versuchten. Diese Zusammenhänge lassen Schlüsse zu, die Herrn Claß und den völkischen Verteidigern nicht angenehm sein mögen. Aber ste zwingen fich auf, trop der Spigelwirtschaft, von der die ganze völkische Bewegung bewegt wird. Das Potsdamer Bombenattentat. 21 Kommunisten verhaftet. Höchste Parteiinstanzen verwickelt. Eine Berliner Lokalforrespondenz meldet: bei der Explosion erhöhen. Aus der ganzen vorstehend geschilderten Laborierung daß bei der Anfertigung der darf gefchloffen werden, Bomben in der beschriebenen Anordnung der Gedante maßgebend gewesen war, möglichst viele Festteilnehmer zu be feitigen. Offenbar um den Attentätern das Gefühl größerer Sicherheit zu geben, hatte man sie mit geladenen Parabellumpistolen ( 9 Millimeter) und Reservemagazinen mit je 36 Schuß ausgerüstet. Außerdem trugen sie scharfe Eierhandgranaten bei fich. Weiteres Material, das über die weitverzweigte Organisation des Nachrichten dienstes der Partei interessante Aufschlüsse gibt, wird zur gegebenen Zeit veröffentlicht werden. Deutschnationale Ableugnung. Nochmals Theorie und Praxis der Deutschnationalen. Der Soz. Parlamentsdienst" schreibt: Auf Grund zuverlässiger Mitteilungen haben wir uns erlaubt, die politische Praxis der Deutschnationalen mit ihrer Theorie in Vergleich zu stellen. Dabei erwarteten wir von vornherein, daß sie unsere Behauptungen über deutschnationale Fühler in Paris und bei der französischen Botschaft in Berlin als unzutreffend bezeichnen würden. Trotzdem wiederholen wir unsere Behaup tung, daß sowohl in Berlin als auch in Paris von deutschnationalen Persönlichkeiten Besprechungen eingeleitet wurden, die den nalen Persönlichkeiten Besprechungen eingeleitet wurden, die den Zweck hatten, die Wirkung eines etwaigen Eintritts der Deutschnationalen in die Reichsregierung auf die franzöfifchen Linkstreife zu erfunden. Schließlich haben die Deutschnationalen diese Behauptung früher indirett bestätigt, indem sie im Reichstag immer wieder das Gerücht verbreiten ließen, die maßgebende politische Linkskreise in Frankreich ihren Eintritt in die neue Reichsregierung wünschten. Woher kommen diese Informationen? Aber abgefehen davon erklären wir uns( d) on jet bereit, nötigenfalls mit Namen zu dienen. Es dürfte sich dann vielleicht ergeben, daß Die Gemeindevorstandswahlen in Preußen. Der Antrag der rechtsstehenden bürgerlichen Parteien einschließ das Stimmrecht bei der Wahl des neuen Gemeindevorstandes lich des Zentrums, dem alten Gemeindevorsteher und den Schöffen 3u entziehen, wurde vom Landtag endgültig angenommen. Infolge. Das Gesetz sagt ausdrücklich, das da, wo sie nicht beachtet wurden, die Wahlen, selbst wenn sie schon bestätigt find, als ungültig zu bes trachten sind und Neuwahlen stattfinden müssen. Es hat nicht nur Städte mit Magistratsverfassung, soweit MagistratsGeltung für die Landgemeinden, sondern auch für die zu wählen sind. dessen muß fünftig nach den neuen Bestimmungen gewählt werden. § 4 besagt, daß da, wo mehrere gleichartige und unbes wenn niemand widerspricht, durch Zuruf oder Handaufheben erfoldete Wahlstellen zu besetzen find, Verhälmiswahl gilt, die aber, Es ist deshalb empfehlenswert, stets zu widersprechen und grund= folgen fann. Bisher mußte diese Wahl geheim vorgenommen werden. fählich Wahl durch Stimmzettel zu verlangen. Haben bei Wahlstellen, die durch Stimmehrheit zu besetzen find( ehrenamische Gemeindevorsteher, Belgeordnete, Hilfsschöffen) mehr als vier Bewerber Stimmen erhalten und hat keiner die abfolute Mehrheit, so findet zwischen den ersten vier Bewertern mit höchster Stimmzahl eine engere Wahl statt. Erhält auch in diesem Wahlgang feiner der Kandidaten die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, so findet zwischen den ersten beiden Stichwahl statt, bei Stimmengleichheit entscheidet das vom Vorsitzenden zu ziehende Los. Falls eine Präsentation von Magistratsmitgliedern statt< findet, so steht dieses Recht nur der Stadtverordneten versammlung( ohne Magistrat) zu, doch gelben auch hier die Bestimmungen des§ 4. Wo feine Gemeindevertretung besteht( in Gemeinden mit nicht mehr als 40 Stimmberechtigten), wird der neue Gemeindevorstand ron der Gemeindeversammlung gewählt, hier aber ist der alte Gemeindevorstand wahlberechtigt. Bei Prüfung und Abstimmung über die Gültigkeit der Wahlen ist, obwohl es in diesem Gesetz nicht ausdrücklich gesagt wird, auch nur die neugewählte Körperschaft stimmberechtigt. Wird die Wahl für ungültig erklärt, so muß innerhalb brei Monate nach diesem Beschluß die Neuwahl stattfinden. Wird diese aber in der Zeit bis zum 4. November 1924 angefeßt, so tann durch Ge meindebeschluß bestimmt werden, daß die alten Bürgerlisten( als die am 4. Mai benügten) verwendet werden, ohne daß eine Nach tragung der inzwischen wahlberechtigt gewordenen Bürger erfolgt. Das polizeiliche Ermittelungsverfahren über den tommu nicht unsere Behauptungen, sondern die der deutschnationalen Baden gegen die Reichsbeamtenbesoldung. nistischen Sprengstoffanschlag auf die Feier der Pots Damer Denkmalsenthüllung am Sonnabend, den 24. Mai, steht vor seinem Abschluß. Die Zahl der in diefer Affäre festgenomme. nen Bersonen hat sich inzwischen von 12 auf 21 erhöht. Sämtliche Siftierten find nach ihrer eigenen Angabe Mitglieder Hauptmann Baten stahn! Nu mult id min Ordens hebben!" O je, Herr Profeffor, wo de mull fünd!"" Denn helpt dat nich, Greten, denn möt Se fe föfen!" Nach einiger Zeit fam Greten: „ Da sünd se, Herr Professor. Se fünd aber ganz verschimmelt!" Die Große Berliner Kunstausstellung wurde gestern mittag im Ausstellungspalast am Lehrter Bahnhof eröffnet. Sie hat unter Baluschets Leitung schon äußerlich einen vornehmeren Charafter bekommen. Die erbarmungslosen wilhelminischen Studornamente des sogenannten Ehrenfaals find unter der Hülle eines dunkelfarbigen Zeitdaches verschwunden, von deffen Höhe fünf matte Licht tugeln den Raum stimmungsvoll erhellen. Die Zahl der Ausſtellungsfäle wurde wesentlich verkleinert, man hat die hinteren Schredenstammern faffiert. Daher mußte auch die Fülle der Aus stellungsobjekte beschränkt werden und die notwendige Siebung ist mit Geschick durchgeführt worden. Diese Große Berliner ist teine, Marcht halle" mehr, sie ist ein besseres Kaufhaus, das ausgesprochene Schundwaren nicht feilhält. Mehr zu verlangen, wäre unbillig. Ueber Einzelheiten soll noch ausführlich gesprochen werden. J. S. Das gefährliche Alter in der Tribüne. Der Verfasser der Komödie„ Die Frau von 40 Jahren" hat den geheimnisvollen Namen Sil Bara. Nach dem ersten Akt, der darüber aufklärte, worauf die Sache hinausging, wurde auf Rudolf Lothar geraten. Die Bermutung ftimmte nicht, Sil Vara ist Feuilletonist un der Wiener Neuen Freien Presse. Aber nichts charakterisiert besser die schwüle Atmosphäre, in die der erste Akt führt, als die Berquidung mit dem Namen Rudolf Lothar. Die unverheiratete Leonie ist zwar 40 Jahre alt, aber trotzdem noch auffallend knusprig. Da sie sich sprüh lebandig jung fühlt( und onfühlt), kommt es, wie man gleich befürchtet hatte, zwischen ihr und dem erlebnishungrigen 20jährigen Felix, den fie bei sich aufgenommen hat, zu einem Liebesverhältnis. Wie sie den jungen Mann dazu bringt, wird zum Rugen aller unerfahrenen mit naturalistischer Deutlichkeit vorgeführt. Natürlich läuft die Geschichte nicht glatt ab. Der Jüngling wird anbeißen, wenn das erste paffable Mädchen über den Weg läuft. Sil Bara braucht dazu leider zwei volle lange Afte mit psychologischem Unterbau. Felig verlobt sich zum Schluß mit der Jugendfrischen Nichte feiner Leonie, die sie sich teils aus feelischen, teils aus bramaturgischen Gründen ins Haus geholt hat. Denn diese heroische Tat der Frau im gefährlichen Alter führt zu dramatischen Höhepunkten und zum Aussprechen vieler Lebensweisheiten. Die Regieleistung des Friedrich Robe mar höchst fultiviert. Aus allen Lagern hat er sich die geeignetsten Darsteller hergeholt. Gin Stern junkelte besonders: die Frau von 40 Jahren war Else Heims. Sie befigt eine Routine, die bewundernswert ist; sie weiß die verschiedensten Tonregister einer zwar nicht melodiofen, aber modulationsfähigen Stimme zu ziehen. Sie fpielt virtuos Theater. Die Kunst, ans Herz zu greifen, befigt fie freilich nicht. Umgekehrt ist es bei André Mattoni, der den Jüngling Felix gab. Ihm fehlt es noch an Routine, aber er spielt einen Menschen. Anni Memes hat beides, natürliche Anmut und schauspielerisches Können. Wenn fie als munter plappernder Backfisch die Bühne betritt, ist der Kontakt mit dem Publikum da. Mit ihrer Kedheit, ihrer Jugendfrische, ihrem Uebermut gewinnt sie unsere Herzen. Der Beifall war start. Dgr. Preffeftelle von A bis 3 erlogen" find. Im übrigen sind bekanntlich Mittelsmänner dazu da, um später desavouiert zu werden. Jedenfalls aber hatten die Herren der Gegenseite den Eindruck, daß die Besprechungen mit ihnen im offiziellen Auftrage der deutschnationalen Parteileitung stattfanden. Das trifft schließlich Kurfürstendamm- Theater.(„ Der Meisterborer" Schwarz und Mathern.) Totgelacht. Alles vergessen. Also sehr luftig. Und doch nicht. Was war denn eigentlich los? Schwer zu sagen. Bapa bort nicht, aber er bummelt. Er bummelt, meil feine Ehehälfte ihn zu Bitterwasser und Vegetarismus anhalten will. Bapa hat gar fein Verhältnis mit der russischen Tänzerin. Das Verhältnis hat der Sohn Frize. Und der Steuerrat ist gar nicht ins Wasser gegangen. Er hat sich nur einen Rausch angetrunken usw. usw. Donnerwetter, diese Schwantfabrikanten haben alle Kniffe im Gelent. Seien wir doch nicht verbohrt und geben wir ihnen zu, daß sie Mordskerle sind, dumme Kerle, aber verdammt lustige Kerle. Kerle ohne Literatur, aber Kerle mit tausend Clownfpäßen im Kopf. Sie stehlen wie die Raben, aber sie dekorieren mit den gestohlenen Stücken fabelhaft. Und die Aufführung flappte. Sommerschwanf. Sommerhige. Hundstagsbeifall. Das Stück wird ziehen, wenn auch fein Zugluftlein die Glut im Theater lindert. M. H. In den Kammerspielen wurde ,, Salomons Schwiegertochter" als Romödie angefündigt. Man tam in Erwartung eines Sommerstüdes und bekam ein schweres lamonantes jüdisches Fa milienstück vorgesezt, das auch durch die humoristischen Lichter kaum erträglicher wurde. Paul Frant und Julius Wilhelm haben einen Roman von Felig Holländer dramatisiert, aber sie hatten meder den Mut zur vollen Tragödie, noch zur zwiespältigen Tragi tomödie, und so versandete ein schöner Stoff in ermüdender Senti mentalität. Die Aufführung hatte zwei Höhepunkte in der meistereines jüdischen Ehepaares durch haften Menschengestaltung Hermann Ballentin und Jita Grüning. Das Ganze bedarf noch einer eingehenden Betrachtung. 11 Die Lehren Tolstois und der Kriegsdienst. Bisher wurden die Anhänger der Lehren Tolstois von den Sowjetbehörden vom Dienste Anhänger der Lehren Tolstois von den Sowjetbehörden vom Dienfte der Roten Armee befreit, sofern sie darum nachsuchten. Durch eine neue Entscheidung des Obersten Kaffationsgerichts ist jeßt aber, wie der Ost- Expreß berichtet, den Tolstoianhängern diese Bergünstigung entzogen worden. Das Gericht begründet feinen Entschluß mit der Erklärung, daß eine Befreiung vom Heeresdienst nur den Mitglie dern von Setten gewährt werden könne, deren religiöse Ueberzeugung den Kriegsdienst ablehne, die Tolstoianhänger feien aber nur als Freiden ter" mit besonderen ethischen Anschauungen anzusehen, nicht als religiöse Sette. Staatsoper. In der kommenden Woche wird Michael Bohnen am Mittwoch als Stezal in der ,, Bertauften Braut" und am Sonntag als Ochs v. Serchenau im Rofentavalier" auftreten. Richard Zauber fingt am Freitag in der Entführung" den Belmonte und am Montag, den 9., in der Toten Stadt" ben Paul. " Grnst Friedrich, der bekannte Rezitator und Zeiter der Arbeiter. funft ausstellung, ist am Freitag verhaftet worden. Friebrich ist bekannt als Herausgeber vieler antimilitaristischer Schriften, unter anderen der Zeitschriften„ Die Freie Jugend und Die Baffen nieber". Seine Verhaftung erfolgte, weil er in der Freien Jugend" die Republik beleidigt haben soll. Der entfeffelte Wotan", das jüngste Wert Ernst Tollers, ift bon ber Direktion der Nobert- Bühnen zur Aufführung erworben worden. , Der Schritt". Unter diesem Namen wurde in Berlin von Herrn Baul Thiebe und dem Schauspieler Dime II eine Vereinigung ge gründet, die durch Aufführungen und Vorträge im ganzen Reiche neue Biteratur verbreiten will. Karlsruhe, 31. Mai.( TU.) Der Haushaltungsausschuß des Badischen Landtages hat die neue Reichsbeamten besoldung einstimmig abgelehnt und die neue Bebezeichnet, die je veröffentlicht worden sei. Im Interesse des Staates soldungsregelung als die rüdständigste und unsozialste Maßnahme sei das tief bedauerlich. Bon den meisten Rednern wurde im Haushaltsausschuß noch bemerkt, daß das Sperrgefeß jezt nicht mehr be. achtet merden könne. Saarabische Immunität. Maßregelung eines Abgeordneten für Anprangerung des Schulskandals. Saarbrüden, 31. Mai.( WIB.) Die sozialbemotra. tische Fraktion des Landrats hat an den stellvertretenden Bor figenden, Abg. Scheuer, ein Schreiben gerichtet, in dem die fofortige Ginberufung des Landesrats gefordert wird. Begründet wird die Forderung mit der Notwendigkeit, eine Aussprache über die dienstliche Maßregelung des Abg. Schneider herbeizuführen wegen der schweren Borwürfe, die in der letzten Landesratssigung gegen die saarländische Schulverwaltung erhoben worden waren. Schneider, der im Zivilberuf Volksschullehrer ist und die Prüfung für die Mittelschule abgelegt hat, ist aus der Mittelschule, an der er bereits Dienst tat, wieder an die Boltsschule zurüd verfekt worden. Italienischer Parlamentsskandal. Rom, 31. Mai.( Franff. 3tg.") Troß Mussolinis Ermahnung, die Rammer folle fleißig und gesittet arbeiten, hat bereits die heutige erste Sigung Lärmszenen und Handgemenge gebracht. In der Debatte über die Wahlprüfung beflagte der Sozialist attest i die Unregelmäßigkeiten und Gewalttätigkeiten bei den Wahlen, worauf der bekannte faschistische Heißfporn, Giunta bie Opposition als Räuberpad bezeichnete. Dadurch herausgefordert, entstand ein wütendes handgemenge zwischen Faschisten und Opposition, das nur durch Unterbrechung der Sigung beendet merben fonnte. Nach der Wiederaufnahme verließ die Opposition demonstrativ den Saal. Litauischer Protest. Gegen deutsche Prenheze. Kowno, 31. Mai.( DE.) Die litauische Regierung hat dem deutschen Gesandten in Kowno eine Verbalnote überreicht, in der die ernfte Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf die antia litauische Kampagne gerichtet wird, bie jeli mehreren Wochen in der deutschen Presse zutage trete. Jin besonderen werden Meis dungen aus Litauen feindlichen Quellen angeführt über erfun dene Ueberfälle auf das Wilnagebiet. Des weiteren wird die Falschmeldung erwähnt, nach der der Finanzminister Betruiis mit 1½ Mill. Dollar geflohen sein sollte. In einer Note an den Bölferbund erklärt die litauische Regierung, die polnischen Meldungen über fortgefeßte litauische Bandenüberfälle auf das Wilnagebiet ließen sich durch Ausbrüche des Unwillens seitens der bedrückten litauischen Bevölkerung im offupierten Gebiet erklären, Gewerkschaftsbewegung Vorspiel zum Internationalen Gewerkschaftskongreß. Wien, 31. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag und Freitag tagte der erweiterte Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes im Sigungssaal der Niederösterreichischen Arbeitskammer, um die vorbereitenden Arbeiten zum Internationalen Gewerkschaftsfongreß zu erledigen. An der Sizung nahmen außer den = darüber, daß einige 3 ecjen verwaltungen, obgleich der Zechenverband mit den Bergarbeiterorganisationen in Berlin vereinbart habe, daß die Feierschichten nicht als Unterbrechung der Arbeitszeit gelten sollten, sich jetzt meigerten, die bestehenden Betriebsräte weiter anzuerkennen, da es sich jetzt Betriebsräte weiter anzuerkennen, da es sich jetzt um eine Neueinstellung der Bergarbeiter handele. Die rheinischen Metallindustriellen auf dem Kriegspfad. Köln, 31. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Arbeitgeberverband der allgemeinen Metallindustrie Kölns hat am 30. Mai das Lohns abkommen der allgemeinen Metallindustrie gekündigt. Nach Woche vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt wurde, für die Verbandswerke nicht erträglich. Die bescheidènen Lohnerhöhungen, die der Schiedsspruch den Metallarbeitern brachte, sollen also wieder abgebaut werden. Aus der Fleisch- und Wurstfabrik Insterburg A.-G. ständigen Bureaumitgliedern teil die Genossen Ben Tillet- Eng- Ansicht des Verbandes ist der Schiedsspruch, der in der letzten land, Solla u= Belgien, Caballero Spanien, d'Arragona Italien, Dürr- Schweiz, Graßmann- Deutschland, TayerleTschechoslowakei, Jaszai- Ungarn, Darics- Lettland. Das durch Erkrankung verursachte Fernbleiben der Genossen Hueber Wien und Leipart- Berlin wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Der Vorstand genehmigte ohne Diskussion den Tätigkeitsbericht des Bureaus und beschäftigte sich eingehend mit der Finanzlage und der hiervon abhängigen Tätigkeit des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Die Tagesordnung des Kongreffes wurde besprochen und die Geschäftsordnung festgelegt. Dann wurden der neue Sagungsentwurf und die dazu gestellten Anträge besprochen. Die großen Veranstaltungen, welche die Wiener Arbeiterschaft zu Ehren des Kongresses plant, u. a. ein Fackelzug der Studenten und Jugendlichen und ein Aufmarsch der gesamten Ordnerschaft, wurden mit Dank zur Kenntnis genommen. Dem Antrag der Gewerkschaften des Memellandes auf 3ulassung zum Internationalen Gewerkschaftsbund wurde stattgegeben. Zum Abschluß des Ruhrkampfes. Bochum, 31. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Mit der am Freitag erfolgten Ablehnung des Streits durch die Revierkonferenz des Berbandes der Bergarbeiter Deutschlands und den Aufrufen der vier Verbände zur Wiederaufnahme der Arbeit hat ein Kampf fein Ende gefunden, wie ihn die Ruhrwirtschaft noch nicht gekannt hat. Die großen Bergarbeiterstreifs der Vergangenheit waren niemals getragen worden von einer ähnlichen Einheitsfront und mußten infolgedessen auch regelmäßig unglücklich verlaufen. Zum erstenmal wurde dieses Mal dem brutalen Vorgehen der Unternehmer ein völlig geschlossener Widerstand entgegengesetzt. Die Größe des Erfolges vermag man nur zu ermessen, wenn man bedenkt, welches die Ziele des Bechenverbandes waren. Er wollte die 3erschlagung der Gewerkschaften, Zerschlagung des Tarifs, Friedens. arbeitszeit und eine Senkung der Löhne. Erreicht wurde von all diesen Zielen auch nicht eins, trotzdem die Verhältnisse den Zechenbesizern eine selten günstige Position boten. Die Kom munisten versuchen natürlich den Ausgang des Kampfes als eine Niederlage der Verbände" darzustellen. Trotzdem fann mit Sicher heit damit gerechnet werden, daß die Arbeitsaufnahme am Montag restlos durchgeführt wird. Auf einzelnen Schachtanlagen werden die Unionisten sicherlich versuchen, Generalftreit" zu machen, aber der Erfolg dürfte nicht groß sein. " Kommunistisches Treiben. Köln, 31. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Kommunistische Partei hat im rheinischen Braunkohlenrevier ein Flugblatt verbreitet, in dem sie die Bergarbeiter auffordert, am 2. Juni als Protest gegen den am 30. mai für verbindlich erklärten Echiedsspruch die Betriebe zu verlassen. Eine Vertrauensmänner fonferenz des Bergarbeiterverbandes hat die Streifparole der Kommunisten einstimmig abgelehnt. Ihre Durchführung würde den Unternehmern die gesetzliche Möglichkeit bieten, die Streikenden fristlos zu entlassen. Da ohnehin infolge der Belastung des rheinischen Braunkohlenbergbaues durch die Micum- Verträge, die bereits den Verlust alter Atfagmärkte zur Folge hatten, mit Beso täme der Streit den Die Gauleitung Ostpreußen des Zentralverbands der Fleischer fchreibt uns: Am 27. April wurde ein Tarifvertrag zwischen dieser Firma und dem Fleischerverbande abgeschlossen. Eine Woche Iang hat sich die Firma an den Tarifvertrag gehalten. Dann aber bot die Direktion, vertreten durch Herrn Weyth und den technischen Leiter Farrario, Elbing, alles auf, den Tarifvertrag wieder zu be= ſeitigen. lassen, ein neuer Betriebsrat, trotzdem der alte zu Recht beDer Betriebsrat wurde wegen Arbeitsmangel ent= steht, von der Direktion eingefeht. Die Beschäftigten wurden unter Androhung sofortiger Entlassung gezwungen, einen Repers zu unterschreiben, daß sie nicht dem Fleischerverbande angehören, den Tariflohn nicht beanspruchen und den alten Betriebsrat nicht anerkennen. Das Arbeitsgericht bedeutete den Herren, daß ihr Vorgehen gesetzlich unberechtigt ist, doch kam es zu feiner Einigung, trotzdem die Verbandsleitung nachdem noch den Versuch einer Verständigung unternahm. Die Organisation wendet sich nunmehr an die Konsumenten poneisch- und Wurstwaren dieser Firma und bittet die durch Firmenaufdrud fenntlichen Waren solange rudzuweisen, bis die Sperre über den Betrieb aufgehoben ist. Sowjetruffische Lohnpolitik. Wer nicht Lohnbrüder, ist„ fremdes Element". " Würden die nachstehenden Tatsachen nicht in der kommunistischen Prawda" veröffentlicht sein, so würde man sie als Phantasiegebilde böswilliger Verräter betrachten. Die Moskauer Kontrollkommission der Kommunistischen Partei prüfte dieser Tage vier Anklagen gegen fommunistische Wirtschaftsführer, die beschuldigt wurden, den Arbeitern in verschiedenen staatlichen Betrieben höhere Löhne ausgezahlt zu haben, als von den höchsten Parteiorganen vorgeschrieben waren! Das vorgeschriebene minimum der Arbeitslöhne betrug 15 Rubel, d. h. etwa 30 Goldmark im Monat. Da aber die angeklagten Wirtschaftsführer über diese Minimalsäße hinausgegangen waren, wurden sie von der höchsten Parteiinstanz auf das strengste bestraft. Der Bericht in der„ Prawda" sagt darüber folgendes: noffe Karachan zur Berantwortung gezogen. Die Untersuchung ,, 1. In der Angelegenheit der Holzlagerpläge wurde der Gehatte festgestellt, daß im März und April It. dem Kollektivvertrag, den der Moskauer Sowjet inhibiert hatte, an die Arbeiter der ersten Kategorie 20,5 Rubel gezahlt wurden. Nach Prüfung der Angelegenheit beschloß das Parteikollegium, Karachan von seinem Posten abzusehen und ihn wegen offenbarer Berlegung der Parteidirektiven als fremdes und demoralifiertes Element aus der Partei auszuschließen. noffe Nim wifi und die Vorstandsmitglieder des Branntweins syndikats Galajew und Meriok, erhielten wegen Nichteinhaltung der Parteidirektiven eine strenge Rüge. Der Sekretär des örtlichen Komitees Korole w ist von seinem Posten abge= seht, da er seinen Anforderungen nicht entspricht, und erhielt eine strenge Rüge nebst Verwarnung. Dort versuchte die kommunistische Parteizelle die Lohnfrage ent3. Ein ähnliches Bild ergab sich auch in einem Textiltrust. sprechend den Direktiven der Partei zu regeln, stieß aber auf den Widerstand des Trustvorsitzenden Riskin. Für die erste Kategorie der Arbeiter wurden im März und April 20 Rubel pro Monat ausgezahlt. Außerdem jedoch wurden noch Ueberstunden und Akkordarbeiten bezahlt. Um diese Auszahlungen zu verdecken, wurden fie in den Büchern als Handelsspesen eingetragen. Das Parteifollegium beschloß, Ristin von seinem Posten abzusehen und ihn wegen Nichtausführung der Parteibeschlüsse als geistig fremdes und streberhaftes Element(?!) aus der Partei auszuschließen. 4. In der Angelegenheit des ukrainischen Tertiltrusts wurde der Moskauer Bevollmächtigte Lechsner zur Verantwortung geKollektivvertrag für Februar ausgezahlt und außerdem auch Ueberzogen Er wurde beschuldigt, daß er den Angestellten Löhne It. dem stunden, Prämien usw. bezahlt hatte. Wegen Nichtausführung der Parteidirektiven wurde Lechsner als fr emdes Element aus der Partei ausgeschlossen." * Die Erklärung für diese an sich selbst für russische Verhältnisse nicht recht verständliche Lohnpolitik bildet die Währungsreform. Hierzu entnehmen wir der RSD.: " Die Währungsreform und die heue Industriefrise in Rußland gaben den Anstoß zu einer neuen Offenfive gegen die Arbeiterklasse. Jeder Tag bringt neue Anweisungen und Vorschriften des Obersten Rates der Volkswirtschaft, die alle nur den einen Zweck haben, den ohnehin jämmerlichen Lohn und Die Gehälter der Arbeiter und Angestellten herabzudrücken. Die Lohnherabjegungen werden entweder durch Verringerung der Affordlöhne und Erhöhung der Leistungen oder durch Abzüge und neue Lohnberechnungen erzielt. Selbst die Leitung der staatlichen Planwirtschaft mußte offiziell anerkennen, daß die Reallöhne im Februar um 5 Proz. und im März um 10 Proz. gesunken waren; inzwischen ist wahrscheinlich noch eine weitere Senfung eingetreten. Von den Behörden werden strenge Zirkulare gegen die alltäglich gewordenen Ueberstunden geschrieben( auf den großen Werken in Sormowo wurden in einem Monat allein 2 Millionen Ueberstunden gemacht), aber gleichzeitig hat dieser Tage das Arbeitsfommissariat die Genehmigung erteilt, daß in den Organen des Justizkommissariats Ueberstunden bis zu 48 Stunden im Monat genehmigt werden. Mit einem Federstrich ist hier der Arbeitstag der Angestellten um 2 Stunden verlängert worden. Der beim Obersten Rate der Volkswirtschaft fürzlich gebildete ,, Ständige Rat für Arbeiterfragen", der aus Vertre tern der Industrie und der Gewerkschaften besteht, hat den Beschluß gefaßt, daß der Sechsstundentag für Angestellte aufgehoben und der Achtstundentag für sie eingeführt werden soll. Dieser Beschluß foll sich zunächst auf die Angestellten in der staatlichen Industrie erstreden. Die Verschuldung der staatlichen Organe bei den Versicherungstassen wächst mit jedem Tage und übersteigt schon jetzt den Betrag von 10 Millionen Goldrubeln. In der Provinz wird wegen Mangel an Mitteln eine Versicherungsfasse nach der anderen geschlossen. Dies alles find nur einzelne Striche des allgemeinen Bildes. des Berfalls des Wirtschaftslebens und der me e jetzt tereits mehr als 2 Millionen beträgt; diese Zahl schwillt angeder zu erwartenden Schließuna einer Reihe großer Metallbetriebe fichts der ununterbrochenen Industriekrise immer mehr an; infolge in Petersburg steht eine weitere Steigerung der Arbeitslosenarmee vor. Allen diesen Vorgängen steht das Proletariat machtlos gegenüber, da die terroristische Diktatur und das Fehlen jeder au freien selbständigen Klassenorganisation den Kampf der Arbeiterohne Uebertreibung sagen, daß die Arbei senaran tann triebseinschränkungen zu rechnen Der Bergarbeiterverband hat ersten Kategorie 20 Rubel im März und 18 Rubel im April, wobei flasse unmöglich machen. Unternehmern nur gelegen. daher die Betriebsräte, Vertrauensleute und Mitglieder der tarifabschließenden Organisationen aufgefordert, der Parole der Unionisten und Kommunisten nicht zu folgen. Winkelzüge der Zechenverwaltungen. Effen, 31. Mai.( Eca.) Die Unstimmigkeiten im Ruhrbergbau reißen nicht ab. So flagt der Gewerkverein Christlicher Bergarbeiter Wollmusselin bedruckt ( Gewerkschaftliches siehe auch 4. Beilage.) 2. Im zweiten Falle, dem des Branntweinsyndikats, ergab sich folgendes Bild: Die Arbeiter und Angestellten erhielten in der die entsprechenden flaren Direktiven der Gewerkschaft nicht ausgeführt wurden. Das Barbeitollegium beschloß, die Direktion in Kenntnis zu setzen, daß sie binnen drei Tagen einen neuen Kollettivvertrag unter Zugrundelegung eines Lohnes von nicht mehr als 15 Rubel abschließen und die vorher gezahlten Mehr- Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei beträge zurückbehalten müsse. Der Vorsitzende der Direktion, GeBesonders Mtr. 1.90 Bedruckter Voll- Voile in neuen Muster, 110 cm, Mtr. 2.25 Damen- Strümpfe mit Damenkleidung Bluse aus farbigem bestickten Batist.. Rock aus vorzügl. reinwollenen Stoff, hell gestreift. 1.90 12.50 Seidengriff, farbig oder weiß. 0.95 Kleid aus vorzügl. Voll- Voile.. 13.50 Herren- Socken Jacquard- Muster.... 1.35 Büstenhalter Schlüpfer, aus weißem oder rosa Gummi 1.80 Hüfthalter grauer fester Stoff mit Langette.... 2.50 Taghemd mit Stickerei..... Untertaille mit Hohlsaum oder bestickt... 1.95 1.35 Reinseid. Taftband in vielen Farben, 7/ 2cm breit, Mtr 0.95 Kunstseid. Band für Hüte, 1.15 15 cm breit. Herren- Strohhut Matelotform ..Mtr. Mantel aus imprägniertem baumwollenen Covertcoat... 19.50 Morgenrock aus hellfarbigem 7.75 Waschkrepp mit Blenden Kinderkleidung Mädchenkleid weiß Voll- Voile, 8.75 weiß bestickt...... Länge 60 cm Je 5 cm länger 0.75 mehr Jungmädchenkleid weiß Voll- Voile, weiß bestickt, Lg. 95 cm 16.75 Je 5 cm länger bis 110 cm M. 1.00 mehr Kleid für junge Damen, weiß VollVoile, farbig bestickt, Gr. 38, 40, 4215.75 Weißwaren 1.90 Bubikragen mit Hohlsaum aus doppeltem Mull Strickbinder in vielen 0.40 Jackenkragen Farben Matten- Teppiche Rohrgeflecht Künstlermuster, 90x180 cm 160x250 cm 200-300 cm 0.45 aus Waschrips 0.80 mit gestickten Ecken Bertenkragen plissierter Voile 2.25 15.00 36.00 54.00 Bubikragen aus doppeltem Opal 2.85 Braune Sandalen aus starkem Leder, gute Verarbeitung, Gr. 31-35 3.90 Gr. 36-42 4.75 Weiße Tennisschuhe mit Chromledersohle, spitze Form, Damen- 5.75 Größen mit Wasserfall- Jabot.... Frotte Kleid Mk.1175 Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lotales und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 5 Beilagen. preiswert Herrenwäsche Oberhemd aus gestreiftem Perkal mit passendem Kragen und Klapp- 4.90 manschetten.. Taghemd Falten.. aus Haustuch, mit Herren- Nachthemd mit buntem Besatz.. Frottier- Handtuch weiß Kräuselstoff mit roten Kanten, 50x100 cm..... Badelaken weiß Kräuselstoff, 160x180 cm...... 1.75 11.75 3.75 Tischtuch gebleicht 5.75 Jacquard, 130x160 cm...... 3.75 Einzelne Servietten 0.65 Schillerkragen weiß od. farbig 0.90 Sportkragen aus weißem Rips 0.35 Herrenkleidung Sakko- Anzüge...... Serie 1 32.00 Serie 46.00 Serie 72.00 Serie 88.00 Serie 29.00 Serie 44.00 II. IV Sport- Anzüge Serie 29.00 Serie I 11 Serie II 4 teilig mit 2 Hosen 68.00 89.00 Serie Ulster mod Form 49.00 Serie 11 68.00 Serie 1 Loden- Mäntel Schlüpferform 29.00 Reise- Artikel Kupeekoffer wetterf.Hartplatte m.8Vulkanfiber- Ecken u. 2 guten Zugschlössern gebleicht Jacquard.......... Kaffee- und Balkondecken Rosenmuster, 130x130 cm 4.90 105.90 cm 150X cm 150x150 cm 6.80 180 9.40 Küchenhandtuch weiß, halbleinen Gerstenkorn mit roter Kante, 0.85 48 × 100 cm Küchentuch Reinleinen, weiß oder grau, mit Kanten 0.75 **** oder kariert, 60x60 cm Rucksäcke aus imprägniertem Jagd tuch, mit Lederträgern für Kinder, für Herren, 50x55 cm Lg. 50 cm 60 cm 70 cm 75 cm M. 10.35 11.50 12.65 13.25 Sport- Gürtel mit amerika40x40 cm 2.90 50, 7.80 Hutschachtel rund, aus verleimten Holzplatten mit Rindleder- Tragriemen Durchm. 40 cm 45 cm 50 cm 55 cm M. 7.25 8.50 9.90 11.25 Herren- 6.75 GEGRÜNDET 1815 BERLIN C SPANDAUER STRASSE Größen . KÖNIGSTRASSE nischer Schnalle, Vollrindleder 1.95 Plaid- Riemen aus glattem 1.30 Vollrindleder, 100 cm lang... Regenschirm für Damen. m.gerad. Griff u. Stangenspitzen 6.90 Spazierstock Malakkarohr 4.50 Kölnisches Wasser Farina", Jülichs Platz 4../ FL. 0.90 Frisierkamm weiß Celluloid, 0.95 gemasert Nr. 255 ♦ 4t. Fahrgaag 1. Seilage ües vorwärts Sonntag, t.�uni 7924 politifthe Abenteurer. Großmanusfucht und Geldgier— Der Freund des Baterlands und der Astrologie. Große Prozesse, und namenttich solch« mtt politischem Einschlag, haben immer ihre eigene Atmosphäre. Der Prozeß gegen die beiden, mit allen Wassern getooschenen Angeklagten, Dr. Grandel und T h o r m a n n, die sich wegen eines Attentats- planes gegen den General v. Sceckt zu verantworten haben, strömt jene giftigen Düfte aus, die dem deutschvölkischen Sumpf so«igen sind. Wie lange der Prozeß noch dauern, welche Erledigung und welches Urteil er finden wird, kann heute noch nicht gesagt werden. Aber das ein« sieht man nach den bisherigen Tagen der Ver- Handlung bereits ganz klar, welche finsteren skrupellosen Mächte, welche unklaren Köpfe sich als Retter Deutschlands aufspielen. Mit einem Wort, welche Blüten edler Menschlich- keit die deutschvölkische Vewe- gung hervorgebracht hat. Die Angeklagten. Links aus der Anklagebank. gleich neben der eisernen Tür, die zu dem engen und schmalen Gang in das Untersuchungs- gefängnis führt, fitzt Thormann, rechts Dr. Grandel. Thor- mann, eine große kräftige Figur, tritt sehr selbstbewußt auf. Wenn er spricht, und er spricht oft, so zittert aus seinen Worden Erregung und Unwille darüber, daß'man gewagt hat, ihn, der doch nur Spitzel ent- larven wollt« im Interesse des Vaterlandes, zu verhaften und des Atientats zu beschuldigen. Er ist der Biedermann vom Scheitel bis zur Sohle, er war ja doch bei der„ruhmreichen Brigade" Ehrhardt, und das Heil erblickt er vor allem darin, daß die Juden aus Deutsch- land vertrieben werden. Man steht es ihm an, daß er der Blann ohne Hemmungen ist, bereit zu allem Möglichen und noch ein Ende darüber, alles natürlich nur im Interesse des Baterlandes. Daß ein solcher Mann sich höchst unbehaglich in der Zelle fühlt, sich über die unbequem« Log« auf der Pritsche beklagt, ist verständlich, und es ist wahrlich nicht ersichtlich, warum man ihm nicht längst ein be> quemes Ruhebett in die Zelle gestellt hat. Was man da aus dem Mund Thormanns hört, mutet an wie«ine Komödie, die nur zu häufig in eine Groteske und Farce umMägt. Ein großer Komo- diant vor dem Herrn ist auch der zweite Angeklagte Dr. Grandel. Er ist klein, sieht ein wenig bedrückt und bekümmert aus, macht aber gleichzeitig den Eindruck eines Menschen, der indigniert ist darüber, daß man ihn in diese Lage gebracht hat. Er spielt den großen Kranken, der so gefährlich krank ist, daß er jeden Augenblick auf und davon aus dem Leben gehen kann. Er spricht mit ganz leiser Stimm«, kaum ist er im Saal zu verstehen, sehr häufig muß Pause gemacht werden, weil er nicht länger folgen kann, und während der 'Verhandlung werden ihm Baldriantropfen eingeflößt. Es soll zugegeben werden, daß Dr. Grandel herzkrank ist, aber sicher nicht herzkranker als tausend andere Menschen, die dabei ihrer schweren, täglichen Arbeit nachgehen müssen. In Wahrheit will Dr. Grandel die schwere Krankheit vortäuschen aus leicht durch- sichtigen Gründen. Es liegt hier der typische Fall der Flucht in die Krankheit vor, wie man es mit einem medizinischen Fachausdruck bezeichnet. Diese Machenschaften zu erkennen ist nicht schwer und unwillkürlich denkt man an Eulenburg... Dieser Grandel hat wirklich den Berus verfehlt. Er hätte nicht Chemiker, sondern Schauspieler werden müssen. Wenn er so vor Gericht, leise, stockend und, wenn er es für notwendig und nützlich hält, unier Tränen- erguß erzählt, wie er mit hat helfen wollen, Spitzel zu entlarven, wie er sich so gar nichts, aber auch rein gar nichts Schlimmes dabei gedacht hat, wie er mit bestem Gewissen nach Augsburg gefahren ist, wie er sich in seiner Heimat so ganz zufällig den Paß hat er- neuern und nur auf das Drängen des Beamten den Vermerk! „Gültig für die angrenzenden Länder" hat hineinschreiben lassen, dos ist ganz fabelhaft, das ist die Leistung eines glänzenden Schau- spielers. Alle Schauspieler sind bekanntlich abergläubisch, und das ist auch Herr Dr. Grandel. Er hat sich das Horoskop für Lebens- zeit stellen lassen, und er ist überzeugter Astrologe. So sieht«in Retter Deutschlands aus! Armes Vaterland! Die Zeugen. Es sind nicht viel Zeugen zu diesem Prozeß geladen. Wer «in paar markant« Gestalten sind darunter. Da ist zunächst der Herr o. Tettenb orn. Ein noch junger Mensch in Original- Hitler. Uniform mit einem derben Knotenstock in der Hand. Mit unglaublicher und geradezu beleidigend salopper Haltung tritt er vor den Richterttsch, und zu dieser Haltung, diesem Benehmen, das man am besten und treffendsten mit s ch n o d d r i g be- zeichnen kann, steht in starkem Kontrast sein« knappe, militärisch- kurze Art zu antworten. Er sagt nicht Ja, der junge Mann, sondern Jawoll! Er ist einer der angeblichen Spitzel, die von den Ange- klagten entlarvt werden sollten. Er sitzt im Parkeibureau der Deutsch. völkischen, der Thormann, der es doch wissen muß, die Prädikate Großmannssucht und Geldgier beigelegt hat. Sieht man sich den Tettenborn näher an, weiß man, daß der Thormann in diesem Punkt sicherlich nicht gelogen hat. Dem Tettenborn ist die Parole: Ich mache alles! geradezu in das Gesicht geschrieben! Und dann der K ö p k e, der Leutnant Köpke, der den Angeklagten ge- sagt haben soll, er sei bereit, den General v. Seeckt in der Reitbahn zu erschießen. Er reißt sich zwar etwas mehr zusammen vor Ge- richt, aber er sieht unsagbar frech aus, und mit stecher Miene mustert er die Personen im Gerichtssaal. Rur zur Anklagebank wandern die Blicke Tettenborns und Köpkes selten. Schaun sie aber mal hinüber, funkelt sie Thormann mit wütenden Blicken an. Diese „guten Kameraden" und politischen Elitamenschen werden sich gewiß noch mal im Leben begegnen, und dieses Zusammentreffen dürfte recht blutig werden. Unter demschvölkischen Brüdern ist das natür- lich alles scheußlich egal! Nicht vergessen werden darf der Justizrat C l a ß, eine Säule der Alldeutschen. In schwarzem, tadel- losem Gehrock ist er erschienen, und da er das Patent zur Rettung des Baterlandes erhalten zu haben glaubt, ist er bei seiner Verneh- mung stets erregt, schlechterdings über alles pikiert, namentlich über den Generalstaatsanmalt; und aller politischen Geheimnisse voll, die er in öffentlicher Sitzung nicht preisgeben will. Daß die Herren Alldeuffchen vom Licht der Oeffentlichkeit nicht immer entzückt sind, ist ja nur zu erklärlich. ?m Zuschauerraum. Der nicht gerade kleine Zuschauerraum des alten Schwurgerichts- saals ist an jedem Verhandlungstag übervoll. Es ist ja in Berlin nicht leicht, in den Mienen dieser Leute zu lesen, um zu erfahren, welche Motive sie in den Gerichtssaal geführt haben. Aber ab und zu erhascht man doch so etwas wie ein Genrebildchen. Da sitzen zwei nebeneinander im Zuschauerraum. Sie möchten miteinander sprechen über den Prozeß und die Angeklagten, doch sie wissen nicht, woran sie sind. Da schlägt der eine, so wie zufällig, den Bock zurück, und aus der Weste glänzt das Hakenkreuz. Der andere aber lüpft nun ebenfalls das Jackett und zeigt gleichfalls ein Hakenkreuz, das berühmte Hakenkreuz würde Thormann sagen. Und in den Armen liegen sich beide. Nette Gesellschaft, diese Hakenkreuzbrüder, das kann man auch aus dieser kleinen Szene erkennen. Man versteckt es, weil man nicht weiß, ob es, in Moabit und im Gerichtssaal offen getragen, nicht allerhand Unbequemlichkeiten bringen könnte. Es geht eben nichts über die Tapferkeit der Deuffchvölkischen. Der vorsitzenüe. Die Verhandlungen über diese heikle Materie werden vom Landgerichtsdirektor Dr. T o l k geleitet, dessen noch jugendliches Gesicht ein stattlicher Patriarchenbart umrahmt. Bei politischen Prozessen spielt der Vorsitzende des Gerichtshofs ein« groß«, wenn nicht entscheidende Roll«. Siehe München und den Hiller-Ludendorff- Prozeß. Dieser Vorsitzende wird niemals zugeben, daß die Würde des Gerichts leidet. Er ist immer freundlich, jovial fast, aber fest und energisch in der Führung der Geschäfte und weiß mit großer Geschicklichkeit abzuleiten und abzulenken, wenn die Wogen der Erregung sich zu überschlagen und überzuschäumen drohen. Mit einer Milde, die Vertrauen einfließt und wohltuend wirkt, thront er in der Mitte des Gerichtshofs und überblickt ruhig und durch nichts zu beeinflussen den Saal, den Zuschauerraum, die Pressetribüne, die Geschwovenenbank, auf der auch eine Geschworene, e i n e D a m e mit weißem Haar sitzt, und die Plätze der drei Rechtsanwälte, neben denen eine junge, schlanke Dame mit blondem Wuschelhaar eifrig stenographiert. So sieht es in Moabit bei diesem Prozeh aus. Hoffentlich reinigt das Urteil die Lust und sorgt dafür, daß wir von diesen Rettern Deutschlands auf längere Zeit befreit werden! Die Singhalesen kommen wieder. Mit dem Dampfer„Jagatra" traf in Rotterdam eine Singhalesentruppe aus Ceylon ein, be- stehend aus 30 eingeborenen Männern und Frauen sowie Arboitb- elefanten, Zebus, Eseln und Eobras. John Hagenbeck, der bis zum Kriege in Ceylon ansässig war, hat diese Schau— die erste indische, die seit ungefähr 14 Jahren wieder nach Deutschland kommt— hierher gebracht. Die exotischen Gäste, die uns mit ihren Tieren ein anschauliches Bild von dem Leben und Treiben auf ihrer Insel geben, verweilen zurzeit im Zoologischen Garten in Düsseldorf, von wo aus sie im Juni nach dem Zoologi- schen Garten in Hamburg kommen und dann weiter die Z o o l o g i- schen Gärten Deutschlands besuchen werden. Schöne Kleider für Arbeit, Fest, Tanz und Wanderfahrt zeigt die„Werk- freunde", Berlin W 35, in einer Kleiderschau am Mittwoch, den 4. Juni, abends 7 Uhr, in der Slula des Köllnischen Gymnasiums, Jnsclstr. 2—5. Putois. Bon Analole France. „Der Garten unserer Kindheit," sagte Herr Bergeret, „den man mit wenigen Schritten durcheilen konnte, war doch für uns eine unermeßliche Welt voll Lust und Schrecken." „Lucien, erinnerst du dich noch an Putois," fragte Zoe und neigte mit dem ihr eigenen Lächeln, wobei sie die Lippen fest zu schließen pflegte, ihr Gesicht über ihre Nadelarbeit. „Natürlich erinnere ich mich an Putois!... Von allen Gestalten, die mir in meiner Kindheit vor die Augen ge- kommen sind, ist Putois mir am lebhaftesten im Gedächtnis geblieben. Ich besinne mich noch auf alle Züge seines Gesichts und seines Charakters. Er hatte einen spitz zulaufenden Schädel..." „Eine niedrige Stirn," fügte Zoe hinzu. Die Geschwister sagten nun abwechselnd mit monotoner Stimme und wunderlich ernster Miene alle Einzelheiten einer Art von Signalement her: „Niedere Stirn." „Gläserne Augen." „Unsteter Blick."„ „Krähenfüße an der Schlafe.„ „Hervortretende, rote, glanzende Backenknochen." „Die Ohren hatten kein« Ränder." „Die Gesichtszüge waren ohne allen Ausdruck. „Die Hände waren in steter Bewegung und verrieten seine Gedanken.",,.... „Er war mager, etwas gebeugt und anschemend schwächlich." „Sein Daumen war riesig groß. „Seine Stimme schleppend- „Seine Redeweise süßlich." Plötzlich rief 5)err Bergeret lebhaft: .-Eins haben wir noch vergessen. Zod! die gelbliche Haar- färbe und das dünne Haar. Wir wollen es noch einmal wiederholen." Mit Erstaunen hatte Pauline dieser seltsamen Aufzählung von Putois' Eigenschoften zugehört und fragte nun ihren Bater und ihre Tante, wie sie dazu kämen, dies Prosastück auswendig zu wissen und wie eine Litanei herzusagen. Herr Bevgeret erwiderte ernst: „Pauline, was du soeben vernommen hast, ist ein gehei- ligter, ich darf wohl sagen, liturgischer Text für den Privat- gebrauch der Familie Bergeret. Es geziemt sich, daß er dir überliefert werde, damit er nicht dereinst mit deiner Tante und mir untergehe. „Dein Großvater, mein siebes Kind, dein Großvater Eloi Bergeret, ein Mann, der an nichtigen Dingen keinen Gefallen fand, schätzte dieses Stück hoch, besonders in Anbetracht seines Ursprungs. Er nannte es„die Anatomie von Putois". Auch pflegte er zu sagen, er ziehe in gewisser Weise die Anatomie von Putois der Anatomie von Quaresmeprenant vor.„Wenn die Beschreibung, die Tenomanes davon machte," faßte er, „auch wisienschaftlich bedeutender ist und reicher an seltenen und vorzüglichen Ausdrücken, so wird sie doch durch Gedanken- klarheit und Flüssigkeit des Stils von der Beschreibung des Putois übertroffen." Er urteilte so, weil der Doktor Ledouble von Tours damals noch nicht seine Erklärung über die Kapi- tel 30— 32 des vierten Buches von Rabelais gegeben hatte." „Von alledem verstehe ich kein Wort," sagte Pauline. „Das kommt daher, weil du Putois nicht kennst, liebe Tochter. Du mußt wissen, daß Putois für mich und Tante Zoe die bekannteste Figur aus unserer Kinderzeit war. Im Hause deines Großvaters Bergeret wurde unaufhörlich von Putois geredet. Jeder glaubte, ihn gesehen zu haben." „Wer war denn eigentlich Puwis?" fragte Paulin«. " Statt zu antworten begann Herr Bergeret zu lachen, und seine Schwester lachte gleichfalls mit fest geschlossenen Lippen. Pauline ließ ihre Blicke von einem zum anderen wan- dern. Sie fand es wunderbar, daß ihre Tante so von Herzen lachte, und noch wunderbarer, daß sie so in voller Ueberein- stimmung und Sympathie mit ihrem Bruder lachte. Es war auch in der Tat auffallend, denn Bruder und Schwester waren selten einer Meinung. „Papa, sag' mir doch, wer war Putois? Du willst ja, daß ich es wissen soll, so sag es mir doch." Putois, liebe Tochter, war ein Gärtner. Er war ein Sohn achtbarer Kunstgärtnersleute und hatte in St. Omer eine Baumschule eingerichtet. Aber seine Kundschaft war nicht zufrieden mit ihm, er machte schlimme Streiche. Sein Geschäft hotte er aufgegeben und ging auf Tagesarbeit aus, und die Leute, die ihn' beschäftigten, hatten nicht iimner Ursache, ihn zu loben. Bei diesen Worten sagte Fräulein Bergeret noch immer lachend: „Erinnerst du dich wohl noch, Lucien. wenn unser Vater auf seinem Schreibtisch sein Tintenfaß, seine Federn, seinen Siegellack, seine Schere oder— was es immer sei— ver- mißte, so pflegte er zu sagen:„Ich vermute, daß Putois hier gewesen ist." v „Ja," erwiderte Herr Bergeret,„Putois stand in keinem guten Ruf." „Ist das alles? fragte Pauline. „Rein, liebe Tochter. Putois hatte die Eigentümlichkeit, daß er uns bekannt und vertraut war, und daß er dennoch gar nicht..." „Gar nicht existierte!" rief ZoS. Herr Bergeret warf seiner Schwester einen oorwurss- vollen Blick zu: „Welch ein Ausdruck, Zoe! Warum so den Zauber brechen! Putois hätte gar nicht existiert! Wagst du das wirk- lich zu sagen, Zoe? Kannst du das begründen? Hast du die Existenzbedingungen, die Art und Weise des Daseins aus- reichend geprüft, um wirklich behaupten zu wollen, Putois habe nie existiert, fei gar nie dagewesen? Sicherlich existierte Putois, liebe Schwester, aber es ist wahr, er führte ein eigen- artiges Dasein." „Ich verstehe immer weniger, was ihr sagt," bemerkte Pauline verzagt. „Die Wahrheit wird dir sofort einleuchten, liebe Tochter. Erfahre also, daß Putois in reifem Alter geboren ward. Ich war damals noch ein Kind, deine Tante war schon ein junges Mädchen. Wir bewohnten ein kleines Haus in einer Vorstadt von St. Omer. Unsere Eltern führten� ein ruhiges, zurück- gezogenes Leben, bis sie von einer Eingeborenen von St. Omer, von einer alten Dame mit Namen Frau Cor- nouiller entdeckt wurden, die in der Nähe der Stadt auf ihrem Landsitze Monplaisir wohnte und ausfindig gemacht hatte, daß sie die Großtante meiner Mutter sei. Sie machte nun von ihrem verwandtschaftlichen Recht Gebrauch und verlangte. daß unsere Eltern jeden Sonntag zum Mittagessen nach Mon-' plaisir kommen sollten, wo sie sich sträflich langweilten. Sie sagte, es sei wohl anständig, am Sonntag in der Familie zu dinieren, nur Leute ohne Stand und Rang hielten nicht auf diese gute Sitte. Mein Vater weinte fast vor Aevger und Langeweile in Monplaisir. Es tat einem weh, seine Der» zweiflung mit anzusehen. Aber Frau Cornouiller bemerkte das nicht. Sie sah überhaupt nichts. Meine Mutter schickte sich mit mehr Anstand in die Sache. Sie litt ebenso sehr wie unser Vater, vielleicht noch mehr, aber sie lächelte." „Die Frauen sind zum Leiden geboren, sagte Zoe. (Fortsetzung folgt.) Teure Bücher. Solange man sich mit seinen Käufen in den Grenzen des unbedingt Lebensnotwendigen bewegte, konnte man in den ersten Monaten des Jahres feststellen, daß die Preise immerhin den Friedenspreisen nicht unähnlich waren, wenn sie auch im Verhältnis zu den herabgesetzten Einkommen schwer zu tragen waren. Ueberschreitet man nun aber diese Grenze des Lebensnotwendigen, so starren einem Preise entgegen, vor denen man sich entsetzt und mutlos ohne zu kaufen zurückzieht. Das gilt ganz besonders für alle Textilwaren und für Bücher. Hierfür ein paar Beispiele. Die lehr- und inhaltreichen Bände der Teubnerschen Sammlung„ Aus Natur und Geisteswelt" fosteten vor dem Krieg gebunden, und zwar in Ganzleinen gebunden, 1,25 M., heute in wenig haltbarem Pappband 1,75 bis 2 M. Die fleinen, auch von Wissenschaftlern wegen ihrer Uebersichtlichkeit gern getauften Bändchen der Sammlung Göschen kosteten im Ganzleinenband im Frieden 80 Pf., heute im unsoliden Pappband, der bald verschleißt, 1,25 M. Zieht man also die Unzulänglichkeit der heutigen Einbände in Betracht, so tann man bei diesen Bändchen ruhig von einer Verdoppelung des Friedenspreises sprechen. Die Gehälter und Löhne aber sind weit unter den Friedenseinkommen. Wie soll da der ernsthaft Bildungsbeslissene aus dem Volt das Geld aufbringen, um sich solche Bücher zu kaufen? Die bekannten Monographien zur Kunstgeschichte aus dem Verlag Belhagen und Klafing fofteten im Frieden 3 M., heute jedoch 6 M., also rund das Doppelte. Ein Berlag in Weimar legt die Gesamtausgabe von E. T. A. Hoffmanns Werken neu auf und fündigt die fünfzehnbändige Ausgabe noch besonders als mit holzfreiem Papier und in Halbleinen für 120, in Halbfranz, d. h. Halbleder, für 180 M. an, der Einzelband kostet also 8 bzw. 12 M. Das ist ein Preis, der den Friedenspreis um etwa 5 bzw. 6 M. übersteigt. Man sieht, daß offenbar gerade die früher wohlfeilen Bücher verhältnismäßig am schwersten betroffen werden. Wenn man nun baran denkt, daß der Buchhandel, Verlag wie Sortiment, von jeher seine Angestellten gering bezahlt hat, so sind die Ueberfriedenspreise nicht zu verstehen Prügelnde Polizeibeamten. Erlebnisse auf Revier 17 und Wache 51. Was einem Steuerzahler und Staatsbürger auf der Polizeiwache gelegentlich einmal passieren fann, zeigte eine Verhandlung vor dem Schöffengericht mitte. Wie es meistens geht, wurde da bei der Spieß umgekehrt und die Verprügelten hatten obendrein noch Anklage wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung erhalten. " Am 24. Januar d. I. hate der 22jährige Arbeiter Hans Behnte Das Polizeirevier 17 megen einer Animeldung aufgesucht. Der diensttuende Beambe hatte den etwas fiein geratenen Behnke gedugt, worüber dieser nicht gerade er baut war. Es kam dann zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der Beamte den Behnke aus dem Dienstzimmer hinauswies. Beim Weggehen stieß B. in der Tür mit dem Bolzeiassistenten Zaferzewski zusammen, der ihn sofort in Polizeibehandlung" nahm. erste war ein Fußtritt gegen den Oberschenkel, dann ein Stoß in den Naden, so daß B. mit Gewalt gegen die Tür geworfen wurde. Weinend kam er nach Hause und zeigte Hausbewohnern die Verlegungen, die er von den Fußtritten der Bolizeibeamten erhalten hatte. Der Onkel B.s, der Artist Christian Barnhorn, begab sich mit seinem Neffen zur Wache, um den Beomten, der sich die grobe Ausschreitung erlaubt hatte, feststellen zu laffen. Beide wurden aber nach ihrer Behauptung grob angefahren. faffen. Beide wurden aber nach ihrer Behauptung grob angefahren. Es wurde ihnen jede Auskunft verweigert, und als sie nach dem Leutnant fragten, foll ihnen erwidert worden sein:„ Wir sind hier die Herren." Dann wurden sie hinausgeworfen. Als fie auf die Straße tanten, jahen sie, daß Bakerzewski und ein an= derer Beamter, beide in Zivil, das Wachtlokal ebenfalls verließen. Sie folgten den Beamten, um die Feststellung der Personalien zu veranlassen. Dabei sollen fie nachgerufen haben:„ Wir suchen unser Recht" oder„ werden mit Euch abrechnen." Wie der Wortlaut genau war, konnte nicht feſtgeſtellt werden. 3. behauptete allerdings, daß er einen Raubüberfall von Kommunisten befürchtet hätte infolge der drohenden Ausrufe der beiden Angeklagten. Die beiden Angeklagten beraten das Haus, in dem die Polizeiwache 51 ist und holten einen Grünen heraus. Dieser verhaftete Behnke und ging mit seinem Kollegen von der anderen Wache in das Lokal in dem selben Hause, in das Varnhorn hineingegangen war. Dieser wurde von Zaferzewski verhaftet und sofort gefesselt. Als Artist gelang es ihm jedoch, sich der Feffein zu entledigen und nun foll ihn der Beamte mit den Fessein auf den Kopf geschla gen haben, so daß er eine tiefe Wunde erhielt. Nach der Darstellung der Angeklagten sind sie auf der Wache 51 dann auch noch tüchtig perprügelt worden. Die beteiligten Beamten bestritten jede Mißhandlung und konnten sich zum größten Teil der Vorgänge nicht erinnern. Der Berteidiger Dr. Laserstein vertrat die Ansicht, daß die Beamten nicht in rechtmäßiger Ausübung des Amts gehandelt hätten und gar nicht berechtigt gewesen seien, die Angeklagten zu verhaften. Diese hätten sich daher in Notwehr gegenüber unberechtigter Angriffe, befunden. Das Gericht schloß sich dieser Ansicht an und kam zu einer Freisprechung der Angeklagten. Heimkehr Berliner Kinder aus Wien. Freitag nachmittag trafen am Anhalter Bahnhof 600 Ber liner Kinder mit einem Sonderzuge aus Wien ein. Schon lange Dor 4 Uhr standen an den Schaltern endlose Reihen Menschen an, um sich mit einer Bahnsteigfarte auszurüsten. Mehr als tausend Bäter und Mütter standen da auf dem Bahnsteig. Ein SchupoEin Schupo aufgebot sorgte für Ordnung. Pünktlich fuhr der Zug ein. Aus den Fenstern der Abteile schauten lachende und frohe Kinder, lebhaft winkend und jubelnd. Eine Reichswehrtapelle spielte zur Begrüßung den alten Preußenmarsch:„ Ich bin ein Preuße" und das Deutschlandlied:" Deutschland über alles!" Herr Pokranz vem Wohlfahrtsministerium, sowie Genoffin Weyl übermittelten im Namen des Herrn Oberbürgermeisters herzliche Grüße an die Ankommenden. Dr. Hutter dankte im Auftrag der österreichischen Landesregierung und schilderte den rührenden Abschied der Berliner Kinder in Wien. Der Schmerz des Abschieds wurde mit dem aufrichtigen Wunsch auf baldiges Wiedersehen erleichtert. Die Fahrt ist chne jedern unfall verlaufen. Mit großen Kisten und umfangreichen Bateten beladen stiegen die Kleinen aus. Ein Knirps brachie zum Ergößen der Eltern sogar einen Korb mit zwei lebenden Die Wiener Hennen fit. Man mußte allgemein feststellen, daß die Kinder wohlgenährt und gepflegt waren. rundlichen Gesichter sind braun gebrannt. Schon cuf dem Bahnsteig fonnten die Kinder nicht genug von all dem Schönen und Guten ihres Wiener Erlebens erzählen, während die Reichswehrkapelle, um auf ihre Art die Dankbarkeit gegen Desterreich bzw. Wien auszudrücken, ten Hohenfriedberger Marsch spielte. Ausgerechnet den Hohenfriedberger. Dann aber spielte sie„ In der Heimat gibt's ein Wiedersehen". Und das schien denn doch den Umständen nach angemessen zu sein. Frankiert mit den Wohlfahrtsbriefmarken für die Deutsche Nothilfe"! Verhaftung eines Revolverattentäters. Zum Mordanschlag auf Direktor Succow. mitteilten, am 12. März d. J. in Nikolassee großes Aufsehen. Der Ein Mordanschlag auf offener Straße erregte, wie wir f. 3t. Direktor Succom wurde von dem Kalkulator Heinrich Pläßner ohne weiteres durch drei Pistolenschüsse niedergestreckt. Der Täter entfloh und konnte bisher nicht ergriffen werden. Nunmehr ist es endlich gelungen, ihn festzunehmen. Bom Blockwerk der Siemens- Halske- Betriebe am Nonnendamm wurde anfangs März der 47 Jahre alte Kalkulator Heinrich Pläßner aus der Brüsseler Str. 39 megen tommunistischer Um= triebe entlassen. Pläßner, der die Entlassung auf den Direktor Succow zurückführte, suchte diesen wiederholt in seiner Wohnung in der Waltharistraße zu Nikolassee auf, um ihn zu seiner Wiedereinstellung zu veranlaffen, hatte damit aber keinen Erfolg. Bei seinem Ichten Besuche am 11. März wurde er wieder abgewiesen. Pläßner hatte nun zu anderen geäußert, daß es dem Direktor an den Kragen gehen werde, wenn er ihn nicht wieder annehme. Am 12. März machte er diese Drohung wahr. Er lauerte Direktor Succow, als er von seiner Villa nach dem Bahnhof ging, in der Waltharistraße auf und gab, ohne auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln, drei Pistolenschüsse auf ihn ab, von denen ihn einer in die Brust und zwei in den Oberschenkel trafen. Die Verfolger hielt er sich dann mit der Pistole vom Leibe, und so gelang ihm die Flucht in den nahen Wald. Alle Ermittlungen blieben erfolglos. Pläßner war aus Groß- Berlin verschwunden, aber feine Spur zeigte, wohin er sich gewandt hatte. Die Zehlendorfer Kriminalpolizei ermittelte vor einiger Zeit, daß der nächst nicht zu finden, weil Freunde ihn gut verbargen. Sonnabend Flüchtige nach Berlin zurückgekehrt sein mußte. Er war aber zu vormittag, als Bläßner fich mit seiner Frau am Botsdamer Platz traf, gelang es Zehlendorfer Kriminalbeamten, ihn zu faffen. Sie nahmen ihn überraschend fest und brachten ihn nach dem Polizeipräsidium. Zur Lehrerkammerwahl am 3. Juni. Die fromme Luise. Das Ende einer raffinierten Schwindlerin. Als eine absonderliche Heilige entpuppte sich die Krankenz chwester Luife Reinhardt vor dem Schöffengericht Charlottenburg, wo sie sich mit der Hausangestellten Siolka und dem Portier Henkel wegen Diebstahls in mehreren Fällen zu verant morten hatte Die Krankenschwester hatte es überall, wo sie Pflegestellen übera nommen hatte, verstanden, sich das Vertrauen der Dienstherrschaften zu erwerben. Um sich das Ansehen besonderer Ehrlichkeit zu vers schaffen, pflegte sie kleine Geldbeträge als angeblich gefunden abzu liefern. Heimlich jedoch stahl sie wie ein Rabe, ohne daß sie dent Verdacht auf sich lentte. Daneben spielte sie auch die übereifrige Fromme. Kam sie mit einem Kinderwagen oder einem Kranken magen an einer Kirche vorbei, so machte sie halt und erklärte, ste müsse erst einmal mit ihrem Gott 3 wiesprache Diebstählen verdächtigt. In einem Falle wurde eine alte treus halten". Da man auf fie infolgedessen feinen Verdacht hatte, wurden andere Hausangestellte bei den vorgekommenen zahlreichen Wirtschafterin trog ihrer Unschuldsbeteuerungen Knall und Fall entlassen. Auf ihrer letzten Stelle bei einem Kaufmann Herschkowitz in Charlottenburg hatte die diebische Krankenschwester gemeinsame Sache mit der Hausangestellten und dem Hausportier gemacht Das Kleeblatt hatte von den Schrankschlüffeln Seifenabdrücke gemacht und danach Nachschlüssel anfertigen lassen. Es wurden sehr hohe Werte gestohlen. Als man nun endlich dem Treiben der Krankenschwester auf die Spur fam, ergaben die Nachforschungen an fünf bis sechs früheren Dienststellen, daß dorr ebenfalls während der Anwesenheit der Krankenschwester im Haushalt zahlreiche Diebstähle vorgekommen waren Das Schöffengericht verurteilte Schwester Reinhardt zu 6 Monaten Gefängnis, den Portier Henkel zu drei Monaten Gefängnis. Auch die Hausange= stellte Siolka wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, das Gericht folgte aber bezüglich dieser Angeklagten den Einwendunge.t von Rechtsanwalt Dr. Diamant, daß sie unter dem Einfluß der ges meingefährlichen Gewohnheitsdiebin Reinhardt als Berführte zu be trachten und daher noch befferungsfähig sei, so daß ihr eine dret. jährige Bewährungsfrist gewährt wurde. Sozialistische Kulturaufgaben. Wir In einer Konferenz der Beamtenfunktionäre und Beamten gewerkschaftsfunktionäre der BSPD. sprach Genosse Horlig über bewegung, so führte er aus, ist der Sozialismus die stärkste gesell fczialistische Kulturaufgaben. Mit dem Anwachsen der Arbeiterschaftliche Macht geworden. Die Arbeiterbewegung hat nun ein gehend zu untersuchen, ob sie mit ihrer Tätigkeit auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete ihre Aufgabe erfüllt hat. Wenn die Zufunft unser sein soll, dann müssen wir mit der wirtschaftlichen und politischen Forderung kulturelle Ziele verbinden. Es wird soviel davon geredet, daß die deutschen vor allem ein Kulturvolt feien.. Am Dienstag, den 3. Juni, wählt die Großberliner Lehrer- Untersuchen wir das eingehend, dann müssen wir feststellen, daß wir schaft zum dritten Male ihre amtliche Vertretung, die Bezirks. wahre Kultur nicht befizen. Wenn Völker sich fünf Jahre erbittert lehrerkammer. Sie sollte dem Schulfortschritt dienen, ist aber infolge morden, so können sie doch nicht behaupten, sie seien Kulturträger!. ihrer bisherigen Zusammensetzung fast immer nur ein Werk Jede Zeit muß, wenn fie fulturell ſein will, neue Berte hervor zeug des Schulrückschritts gewesen. Die christlich- nationale bringen. So müffen wir als Sozialisten aus der geschichtlichen ErFraktion bildet mit der Gruppe der Lehrerinnen eine geschlossene Benntnis heraus handeln. Wir suchen nach neuen Formen, planen reaktionäre Masse, und der Lehrerverband Berlin hat sie in ihrer große Umwälzungen auf geistigem Gebiete. Aber bessere Zeiten. dem Schulaufbau abträglichen Arbeit vielfach unterstüßt. Niemals dem Schulaufbau abträglichen Arbeit vielfach unterstügt. Niemals find nur durch beffere Menschen hervorzubringen. Es gilt, den hätten in Berlin die Merten, v. Ennern, Troll, Koch und wie die Massenwillen zu formen; denn nicht auf die Zahl, sondern auf den Schulreaktionäre alle heißen, fo schamlos ihr' Wesen treiben können, Geist der Masse tommt es an. Der Weg zum sozialistischen Menwenn sie nicht von dem Gros der Lehrerschaft und von ihrer amtschen kann nur der der Erziehung sein. Aber der Mensch ist keine: lichen Vertretung, der Lehrerkammer, dauernd unterstützt worden Maschine, er braucht sehr viel Liebe und Sorgfalt. Politisch be wären. Bisher hat nur eine fleine Gruppe, die Vertreter der trachtet haben wir also die Aufgabe, die Demokratie zu feftigen. Hier dürfen aber nicht glauben, daß derjenige, der soeben in die politische fann gerade der sozialistische Beamte Borbildliches leiften. oder wirtschaftliche Arbeiterbewegung hineingeraten ist, auch sofort innerliche Krft und starken Willen besitzt, seine Tätigkeit im Sinne unserer Anschauungen umzustellen. Gerade der Beamte muß fich in richtiger Weise zum Staate einstellen. Es ist heute nicht mehr mit Marg im Kommunistischen Manifest auszurufen:„ Die Arbeiter haben kein Vaterland." Wohl war dieser Ausspruch vor acht Jahr zehnten berechtigt, weil damals der Arbeiter vom öffentlichen Leben ausgeschlossen war. So unbefriedigend unsere Verhältnisse heure find, so steht doch fest, daß das Verhältnis des Arbeiters zu ſeinem Volfe innerlicher und darum bedeutungsvoller geworden ist. Der: Broletarier ist mit Gedeih und Verderb seinem Volke verbunden.. Dieser unser nationaler Gedanke liegt von dem Geplärr von ,, Deutschland über alles" weltenfern auseinander. Das Proletariat soll der Träger einer neuen Geisteskultur, im scharfen Gegensah zur bürgerlichen Weltanschauung sein. Politik und Kunst find voneinander nicht zu trennen. Es sind Dinge, die ihrem Wesen nach zusammengehören. Wie wir auch den Begriff Kunſt dahin erklären wollen, daß er eine starke Lebensäußerung menschlichen Gemütes und Geistes, beeinflußt von den sozialen Verhältnissen, ist. Es forfmt nun darauf an, alle Dinge in unserem Sinne zu formen. Wissen und Bildung darf man nicht verwechseln. Bildung fann man nur im schweren inneren Kampf erwerben. Zum schöpferischen Gestalten gehört Kraft. So ist das Entscheidende, daß wir mit Verantwor tungsgefühl neue Werte schaffen. gewerkschaft im Allgemeinen deutschen Beamtenbund), sich rückhaltGewerkschaft deutscher Volkslehrer und Volkslehrerinnen( Lehrerlos hinter die Schulforderungen der breiten Massen gestellt. Der vorwärts drängende Teil der Lehrerschaft, der sich für die Weltlich feit, für die Einheitlichkeit unseres öffentlichen Erziehungs- und Bildungswesens, für die Produktions- und die Gemeinschaftsschule einsetzen will, muß darum am 3. Juni die Liste der Gewerkschaft deutscher Volkslehrer( Lehrergewerkschaft im ADB.) wählen. Sie beginnt mit den Namen Hädide, Baarh, Ried, Janisch. Am Montag, den 2. Juni, abends 7 Uhr, findet im Bürgerfaal des Berliner Rathauses eine allgemeine Wählerversammlung statt. Es sprechen für den Allgemeinen deutschen Beamtenbund Ministerialrat a. D. Faltenberg und für die Gewerkschaft deutscher Volkslehrer Konrektor G. Hädice. Sozialistische Lehrer und Lehrerinnen, erscheint in Massen! 35 oder 31 Prozent Miete? Der erweiterte Vorstand des Berliner Mieterbundes. hat nach eingehender Beratung beschlossen, den Mietern zu empfehlen, im Regelfalle nicht 35 Broz., sondern nur 31 Proz. Friedens miete als gefeßliche Miete zu zahlen und die sogenannten Schönheitsreparaturen selbst auszuführen. Ein mütig wurde die Befürchtung gehegt, daß viele Vermieter auch bei Bahlung der für die Schönheitsreparaturen bestimmten 4 Proz. die notwendigen' Arbeiten nicht werden ausführen lassen. In Zweifelsfällen geben die Bezirksvereine entsprechende Auskunft. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 1. Juni. 4 Uhr: Vögel und anderes Getier im Märchen", gelesen von Hede Geber. 4,30-7 Uhr: Sonderkonzert der verstärkten Berliner Funkkapelle( Gesangseinlagen: Dora Bernstein- Börner, Rudolf Zank). Montag, den 2. Juni. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr Sprachunterricht( Englisch). 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Kreuz Böse und schwer erziehbare Kinder". 8.30 Uhr: 1. IV. Sonate für Flöte und Klavier, J. S. Bach( Prof. Emil Prill). 2. Arie aus der Oper Der Barbier von Sevilla, Rossini( Michael Gitowsky, vom Hamburger Opernhaus). 3. Arie aus der Oper Die Nachtwandlerin", Bellini( Pia Ravenna). 4. Drei Klavierstücke aus dem 18. Jahrhundert: a) Aria. Kaiser Josef I., b) Menuett, Lully, c) Rigaudon, Couperin( Dr. Felix Günther). 5. Capriccio für Flöte, Kempter( Prof. Fmil Prill). 6. a) Vieni, Denzi, b) Serenade, Tosti( Pia Ravenna). 7. Arie aus der Oper„ Die Jüdin", Halévy ( Michael Gitowsky, vom Hamburger Opernhaus). Am Steinway. flügel: Dr. Felix Günther. Sie ist mild, aber nicht leicht. Wäre sie leicht, könnte sie nicht gehaltvoll, nicht würzig sein. Nur eine würzig- milde DEUTSC ES RE 2 RENTE PFE Zigarette befriedigt den Kenner In der Aussprache wiesen die Redner darauf hin, daß die Partek alle Veranlassung habe, geistige Aufklärung in die Beamtenschaft zu bringen. * Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit unternimmf in diesem Jahr zum erstenmal den Versuch, eine Reihe größerer Ferienveranstaltungen durchzuführen. Damit wird weitesten sozialistischen Kreisen Gelegenheit gegeben, ihre Ferienzeit in Gemeinfchaft gleichgestimmter Menschen mit geistigem Gewinn zu verleben. Die Veranstaltungen sollen Erholung mit geistiger Vertiefung ver binden. Beranstaltet werden die folgenden Ferienkurse: Henningsen- Hamburg: Erziehung und Sozialismus( 3.- 9. Juli in Wernigerode); Luipold Stern- Brag: Die Arbeiterbücherei, ihr Zweck, Wesen und Aufbau( 20.- 26. Juli in der Heimvolkshochschule Schloß bildungsproblem( 27. Juli bis 1. August in Hildesheim); Rennie Linz, Gera( Reuß); Engelbert Graf- Stuttgart: Das Arbeiter Smith- Sheffield( England): Die englische Arbeiterbewegung und ihre Geschichte( 8.- 14. August in Pirna); Reg.- Rat Woldt- Berlin: Die Lebenswelt des Industriearbeiters( 11.- 16. August in Mar burg); Prof. Leo Restenberg- Berlin: Kunst und Sozialismus( 1. bis 6. September in Bamberg). Daneben finden soziale Studienreisen unter sach fundiger Führung statt, von denen vier ins Inland gehen: 20.- 26. Juli: Hamburg und Kiel; 11.- 17. August: Riefengebirge― Waldenburger Industriegebiet; 24.- 30. August: Berlin und Um gebung; 1.- 7. September: Frankfurt a. M.- Odenwald- Heidelberg. KLEINE MASSARY Ferner gehen drei Reisen ins Ausland: 9.- 17. August: England| schäftsführer der Vereinigung Hans Tur B erstattete den Geschäfts( London- Orford); 10.- 18. August: Dänemark( Kiel- Kopenhagen); 22.- 31. Auguft: Tschechoslowakei, Desterreich( Prag- Wien). Bei der Vorbereitung dieser Veranstaltungen ist darauf gesehen morden, daß die Kosten, die den Teilnehmern entstehen, auch hinsichtlich der Verpflegung und Unterbringung so gering als möglich bemessen sind. Mögen recht viel Genossen und Genofsinnen die hier gebotene gute Gelegenheit für ihre Ferienzeit benutzen. Ueber alle Beranstaltungen ist ein ausführliches Programm erschienen, das auch die Bedingungen für die Teilnahme enthält und durch den Reichs. Iin S. 68, Lindenstr. 3, zu beziehen ist. bericht. Es folgte eine Aussprache, nach deren Schluß die Neuwahl des Arbeitsausschusses stattfand. Fast einstimmig wurden gewählt die Genossen: Bach, Friedländer, Handelmann, Lamm, Lieste, Lepinski, Pahl und Wegener. Dem geschäftlichen Teil der Veranstaltung folgte ein Referat der Genoffin Wegheider über„ Politik und Philosophie", das mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Die Geschäftsstelle ist jezt: Franz Lepinski, SD. 26, Mariannenstr. 26. ausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Ber- deputation hat am 30. Mai 1294 nach Anhörung der Vertretungen Ermäßigung der Bergnügungssteuer. Die Finanz- und Steuerder Berliner Theater- und Lichtbildbühnen beschlossen, während der Sommermonate die Vergnügungssteuer für die Theater auf 8 Proz. und die Lichtbildbühnen auf 15 Proz. zu ermäßigen. " Rüftet zur Elternbeiratswahl! Die Berliner Schulnotgemeinschaft hat beschlossen, in Verfolgung ihres einzigen Zieles,„ Kampf gegen die 3er störung der Volksschule", die Elternbeiratswahl unter der Parole Schulaufbau" zu führen. Die Kommunisten lehnen eine Beteiligung ab und gehen auf Anweisung der Reichsparteileitung der KPD. mit eigenen Listen vor. Die Berliner Schulnotgemeinschaft ist vor einem halben Jahre von den Arbeiterparteien, den freien Gewerkschaften, AfA- Bund, sozialistischen Elternbeiräteund Lehrerorganisationen, entschiedenen Schulreformern, Kulturorganisationen u. a. ins Leben gerufen worden zum Schutz der bedrohten Schule. Sie hat im Gegensatz zu den„ Christlich- Unpolitischen" einen energischen Kampf gegen den Schulabbau nicht ohne Erfolg geführt. Jeder wahre Freund der Schule, alle freiheitlichen Eltern, jeder denkende Arbeiter, alle Freigewerkschaftler, alle Parteigenossen haben die Pflicht, zu werben und zu stimmen für die Liste „ Schulaufbau". Stellt Kandidatenlijten auf! Die Wahlvorschläge sind bis spätestens 12. Juni beim Wahlvorstand( nicht beim Schulleiter!) einzureichen! Schreibt die Wählerlisten ab! Anhänger der freien Schule, deren Kinder die MinnaCauer Schule besuchen, werden gebeten, ihre Adresse dem Unterzeichneten einzusenden. Desgleichen werden sie gebeten, zu der am Mittwoch, den 4. Juni, abends 8 Uhr, in der Minna- CauerSchule stattfindenden Versammlung zu erscheinen. Christian Ohngemach, Rommandantenstr. 88. Blutige Ehetragödie. Am Sonnabend vormittag gegen 10 Uhr fuchte der 25 Jahre alle Heilgehilfe Willy Haft aus der Reinickendorfer Straße 99 feine getrennt von ihm lebende 24 Jahre alte Ehefrau Gertrud, geb. Kroll, in deren Wohnung Lynar- Straße 7 auf und versuchte, sie zur Rüdfehr zu ihm zu bewegen. Als seine Bemühungen umsonst waren, zog er einen Revolver aus der Tasche und feuerte einen Schuß auf sie ab. Die Kugel drang der Frau in die linke Brust und blieb dort stecken. Ein herbeigerufener Arzt ließ die Bedauernswerte nach dem Birchow- Krankenhause transportieren. Der Täter ist festgenommen und der Kriminalpolizei übergeben worden. Kraftomnibusverkehr in Wannsee. Am Sonntag, den 1. Juni, wird auf Veranlassung der Stadt Berlin die Allgemeine Berliner Omnibus Gesellschaft auf der Strecke Wannsee- Bahnhof- Wannsee- Wilhelmplaz( Stolpe Ortsteil) einen regelmäßigen Kraft omnibusverkehr ein richten. Die Wagen verkehren halbstündlich bis stündlich im Anschluß an die Züge der Wannsee und Stadtbahn und zivar werttäglich von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts; Sonntags von 8 Uhr vormittags bis Mitternacht. Der Fahrpreis beträgt 20 Pf., bei Entnahme von Fahrkartenblods zu 20 Fahrten 15 Bf. für die Fahrt. Schwere Unfälle in einer Gummiarfikelfabrik. Um 7 Uhr abends entstand in der Gummiartifelfabrit von Jacobjohn in Spandau, Hamburger Str. 34, Kurzschluß, wobei ein Tauchapparat in Brand geriet. Durch die sich entwickelnde Stich flamme wurden der Arbeiter Edmund Peters, VittoriaUlfer 21 und der Arbeiter Hermann Knefel, Hamburger Straße 87, an Kopf und Armen schwer verbrannt. Beide mußten nach dem Spandauer Krantenhause geschafft werden. Ein allzu grober Gastwirt. Am Freitagabend 9 Uhr fam es in dem Schanklokal von Krause im Hause Kaiser- Friedrich Straße 25 in Neukölln zu einer Schlägerei zwischen dem Wirt und einem seiner Gäste. Der 33 Jahre alte Schleifer Wilhelm Romeyte aus der Rodenbergstr. 19 weigerte fich, eine Restzeche von 50 Pf. zu zahlen. Darüber geriet der 42 Jahre alte Gastwirt Franz Krause derart in Wut, daß er Romeŋte auf den Straßendamm warf, wo dieser mit einem Bruch des linken Unter= schenfels hilflos liegen bieb. Er wurde nach dem Urban- Krankenhause gebracht. Generalversammlung der Jungjozialisten Groß- Berlins. Im Jugendheim Lindenstr. 3 fand vor kurzem die diesjährige Jahresversammlung der Berliner Jungsozialisten statt. Der bisherige GeUnserem Abteilungsleiter Otto Robst zum Jubiläum feiner 25 jähr. Mitgliedfchaft die aufrichtigsten Glückwünsche III. Abteilung Achtung! Bauarbeiter im Sozialistische Eltern und Freunde der Freien Schule, deren Kinder die 64. Gemeindeschule in der Krautstraße besuchen, werden gebeten, ihre Adresse bis Montag, den 2. Juni, bei Schulz, Markusstr. 27a, abzugeben. Die Wirtschaftsverfaffung Rußlands behandelt in einem Vortrag Prof. Dr. August Müller im Kreise der Jungsozialisten am Donnerstag, den 5. Juni, abends 7% Uhr, im Jugendheim, Tilsiter Str. 4/5. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Zum Montag, den 2. Juni, find noch Karten für das Deutsche Opernhaus im Bureau des Bezirksbildungsausschusses zu haben. Montag, den 2. Juni, pünktlich nach mittags 5 Uhr, Sigung des Kleinen Bildungsausschusses. Neukölln. Eltern, deren Kinder die 10./18. Gemeindeschule, aifer- Friedrich- Str. Nr. 4, besuchen, werden gebeten, ihre Adresse bei Friz Schulz, Manitiusstr. 20, abzugeben. miniſter i. W., spricht am Montag, den 2. Juni, abends 7.30 Uhr, über Dr. Karl Korsch, ord. Professor an der Universität Jena, StaatsWissenschaft und Klassenlamps" in der Aula des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, Eingang Georgenstr. 31. Aussprache. Parteis Diesterweg- Realschule( 14. Realschule) Elternbeiratswahl genössische und andere fortschrittlich gesonnene Eltern werden ersucht, ihre Adresse zu senden an Herm. Slose, Berlin N, Fennstr. 44. Die Explosionen in den Munitionsmagazinen in Bukarest dauerten in der letzten Nacht fort. Drei Pavillons wurden erneut in Brand gesezt. Es gelang, einen großen Teil der Munition au retten. Der Kriegsminister erklärte, daß die Ursache der Explosion bisher nicht bekannt sei. Es wurden im ganzen vier Personen getötet und etwa 20 verlegt. Die Meldung, daß in den hof des töniglichen Balastes eine Bombe geschleudert wurde, entspricht nicht den Tatsachen. Eisenbahnunglüd in Italien. Aus Bologna wird mitgeteilt, daß der Schnellzug von Florenz in der Nähe von Bertazza entgleist ist, wobei 5 Wagen umstürzten. Bis jetzt sind zwölf Verwundete geborgen. Sport. Hometrainer- Rennen im Großen Eierhäuschen in Treptow. Die befanten Hometrainer- Rennen, die auf Rollen ausgefahren werden, finden jetzt im Großen Eierhäuschen in Treptow wieder statt und locken mit ihren Darbietungen eine stattliche Besucherzahl an. Allabendlich gelangen sieben Rennen zum Austrag, u. a. Hauptfahren um den Großen Pfingstpreis, Mannschaftsfahren nach Art der Sechstagerennen, 10- Kilometer-- Prämienfahren. Bekannte Fliegems, Joseph 3 ehetner- Wien, Gubler- Schweiz, Erich ger wie Packebusch, Pawte, iepel, holzhüter, VinWeher, Dähne, Dahnke, Frih Naujokat, Jagowski, Abraham, Willi Krüger und Paul Meyer sind Starter und sind bemüht, einen guten Sport zu bieten. Am Mittwoch siegte im Eröffnungsrennen über 3 Kilometer Willi Dähne. Den Sieg im Lauf um den Großen Pfingstpreis" über 3 Kilometer trug Badebusch vor Holzhüter und Krüger heim. Dieses Rennen wird nach unkten gewertet und erhält der erste 4, der zweite 2 und der dritte Fahrer 1 Punkt. Derjenige Fahrer, der am Schluß des Rennens( Sonnabend, den 7. Juni) die meisten Punkte auf sich ver= einigt, erhält den Preis zugesprochen. Das Punttefahren über 4 kilometer gewann Padebusch vor Dähne und Abraham, während im 10- Kilometer- Prämienfahren als Hauptsieger Weber hervorging. " Gesamtresultat bis Mittwoch: Im Großen Pfingstpreis: Packebusch 12, Weber 5, Hiepel 3, Abraham 2, Dähne 2, Holzhüter 2, Vinzelberg und Krüger je 1 Punkt. Im Preis der ZigaPackebusch 4, Krüger 2 und Dahnke 2 Punkte. rettenfabrit Constantin: Pawke 6, Holzhüter 5, Vinzelberg 5, 3. Rennen zu Ruhleben am Sonabend, den 31. mai: 1. Rennen. 1. Nathan IV( Hm. Schleusner), 2. Cobra( H. Grube), Fürst( J. Mills). Toto: 48:10. Platz: 22, 13, 16:10. Ferner liefen: Armida I, Erster Wolfersomer, Palme I, Mirabelis, Lady Petaurist, Baron Watts jr., Della, Pontresina, Heidemann, Germania. 2. Rennen. 1. Cadiac Arworthy( J. Ballen), 2. Natter( Hm. Schleusner), 3. Barmaid( A. Rogowski). Tot.: 45:10. BL.: 14, 13, 14:10. Ferner liefen: Manzur, Siegleicht, Coriolanus, Mantua, Peralta, Capua, Ludwig R. 3. Rennen. 1. Bella Dawsent( P. Rabe), 2. Batschari( E. Perf), 3. Odysseus( R. Fisch). Tot.: 166: 10. I.: 39, 25, 19:10. Ferner liefen: Prinz Adbell, Flieger, Alpenser, Handfest, Heiderose, Lasbecker, True Fox, Prinz Kuckuck, Ludmill I, Lu, Karneval, Harlekin, Zeitgeist, Angriff. 4. Rennen. 1. Clematis blau( H. Grube), 2. Teufelsbart( Hm. schleusner), Schleusner), 3. Hartstein( M. Ringius). Tot.: 64:10. 20:10. PL: 20, 21, Ferner liefen: Florentiner, Blaumeise, Pechfackel, Mertony, Arworthy J. 5. Rennen. 1. Wilasta( E. Switzer), 2. Satyre( Ch. Mins), 3. Leon( Alb. Freundt). Tot.: 91: 10. PI.: 16, 14, 19:10. Ferner 6. Nennent. 1. Lasbefer( J. Mills), 2. Kuser( Alb. Freundt), 3. Jimiene( Hs. Schleusner). Tot.: 25:10. I.: 14, 14, 25:10. Ferner liefen: Krystall K., Else B. I, Wyverberg, Novelle I, Matkönigin I, Ypsilanti, Ginori, Niagara I, U. S. 7. Rennen. 1. Wildkatze( H. Grube), 2. Crassus( H. Schröder), 3. Olley B.( B. Heckert). Tot.: 24:10. PI.: 14, 15, 19:10. Ferner Tiefen: Brinzessin Etawah, Prinzeß Pia, Florian, Michel. Gründung einer Heinrich Herh- Gesellschaft zur Förderung des Funfverfehrs. Unter Beteiligung zahlreicher Vertreter von Wissen liefen: Albatros, Eilzug, Josef, Feuerwehr. schaft, Technik und Industrie fand am Sonnabend vormittag in Anwesenheit des Staatssekretärs des Reichspostministeriums Dr. Bredow, von Mitgliedern des Senats, der Bürgerschaft, des Grafen A r'co und anderer in der Hamburger Universität die Gründungsversammlung der Heinrich Herz- Gesellschaft statt. Der Rektor der Universität Professor Dr. Wolff begrüßte die Erschienenen und betonte, die Heinrich Herz- Gesellschaft wolle das Bindeglied sein zwischen der Arbeit des Forschers und der Technik. Staatssekretär Dr. Bredow wies zunächst darauf hin, daß vor einem Bierteljahrhundert zum ersten Male die elektrische Welle zur Nachrichtenvermittlung verwendet worden sei. Der Gedante, eine befondere Gesellschaft zur Förderung des Funkwesens ins Leben zu rufen, fei überall so freundlich aufgenommen worden, daß der Gründungsausschuß es gewagt habe, heute zur Gründung einzuladen. restlos vorgenommen werden konnte. Boraussichtlich dürfte jedoch innerhalb Arbeitersport. 1. Kreis, 6. Bezirk( Schwimmer). Am Montag 7½ Uhr bei Masello Meldeeröffnung zum RAST.( Stadion) und Zusammenkunft aller Groß- Berliner Schwimmwarte. Bergeßt die Meldungen nicht, da das Programm vor Pfingften noch in Druck gegeben wird, weil der Bundestag stattfindet. Arbeiter- Sport- und Kulturkartell im 6. Bezirk( Kreuzberg). Montag, ben 2. Juni, abends 8 Uhr, Sigung im Lokal Jhlenburg, Laufizer Plaz 1, Ede Waldemarstraße. Tagesordnung u. a.: Neutonstituierung des Bezirkskartells; Ortsausschuß für Jugendpflege im 6. Bezirk; Reichsarbeitersporttag am 22. Juni und Materialausgabe( Billetts, Plakate usw.) an die Vereine. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Sizung ersuche ich alle Vereine und Abteilungen im Bezirk, unbedingt ihre Vertreter pünktlich zu entfenden. Nicht Anwesende melde ich ihrer Organisation und veröffentliche fie in der Presse. J. A.: Erich MerTau, Vorsitzender des Bezirtstartells, Berlin GO. 33, Cuvryftr. 3, v. 3 Tr. Mannschaftskämpfe im Ringen. Am 3. Juni, abends 7 Uhr, treffen sich Norden 93 und Sandow in der B- Klaffe im Ringen und am 6. Juni Norden 93Berolina 2 in der A- Klasse. Da beide Bereine ihre besten Leute auf die Matte schicken, ist guter Sport zu erwarten. Beginn der Kämpfe Punkt 8 Uhr abends in unserer Turnhalle Berlin N. 39, Pant-, Ecke Wiesenstraße. B Arbeiter Athleten Bund. Serienkämpfe 1924. Der nächste Kampf der B- Mannschaften Nord- West gegen Adler 05 in den Klassen: Bantam, Feder, Leicht, Leichtmittel- und Schwermittelgewicht findet am Dienstag, den 3. Juni, abends 8 Uhr, im Bereinslokal von Adler, Manteuffelstr. 95, statt. Alle drei Rämpfe, welche Adler 05 im Mai zu bestreiten hatte, endeten für diesen Verein stets mit dem Siege und wird dem diesmaligen Treffen mit den Nord- WestKollegen mit großem Interesse entgegengesehen, zumal Ende 1923 sich beide Mannschaften nach scharfem Kampf mit„ Unentschieden" trennen mußten. Technisch find beide Mannschaften gleichwertig und ist die Frage nach dem Sieger offen. Allen Ringsportfreunden sei dieser Sportabend empfohlen. Nach den Kämpfen Trainingsabend( Heben und Ringen). L. Joachimsthal hat die nachträg.| liche Genehmigung zur Errichtung der auf. Rheumatismus und Blutreinigung! dem Grundstüde Berlin, Große Frank lichen Darmsortieranſtalt Reinigt das Blut! Eine Blutreinigungs8. Rennen. 1. Manfred( Knöpnadel jr.), 2. Sybill( F. Schulz), 3. Simpler( M. Ringius). Tot.: 92:10. PI.: 22, 18, 30:10. Ferner liefen: Nobel, Mädel, Erbschaft, Dr. Bingen, Gudrun II, Erbgraf, Pute. Geschäftliche Mitteilungen. Auf die vielen Anfragen über das Ergebnis des Batschari- Preisausschreibens teilen wir unseren Lesern mit, daß die Sichtung der Bewerbungen noch nicht 114 Tagen das Resultat vorliegen, welches alsdann bestimmungsgemäß in allen Beitungen bekanntgegeben wird, welche das Preisausschreiben veröffentlicht haben. Die Firma G. Bendig, Königsgraben 9, Luisennfer 24, eine der ältesten in threr Art 1874 gegründet bringt zum Pfingstfeste, speziell für den Arbeitersport, günstige Angebote in Manchester- und Futterstoffen heraus. Wir verweisen unsere Lefer auf die Anzeige in vorliegender Nummer. Die bestbekannte und renommierte Bettwäschefabrik Stumpe u. Jäger er. öffnet am Montag, den 2. Juni, ihr 5. 8weiggeschäft. Aus diesem Anlaß veranstaltet die Firma in ihren fünf Geschäften einen Pfingstverkauf au besonders billigen Preisen. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Sehr warm, zunächst hetter, später stärker bewölkt und Gewitterneigung bei schwachen, vorherrschend füdlichen Winden. 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Selbst nicht bei dem ostelbischen Junkertum ist die Verachtung der Masse, der durch keinerlei religiöse oder soziale Hemmungen gestörte Größenwahn des einzelpersön- lichen Machtgesühls so ausgeprägt wie bei diesen A n e i g- nern der vaterländischen Bodenschätze, deren Geldsackstolz auf die fronenden Massen mit tiefster Verachtung hinabblickt. Diesem höchst widerchristlichen Gottähnlichkeitsgefühl der tveltmachtlüsternen Trustgebieter haben die Amman, Tille. Schmidt-Giebichenstein und ihresgleichen mit jämmerlicher Verzerrung der Darwinschen Auslesetheorie ein„Wissenschaft- liches" Mäntelchen umgehängt. Nirgends wird der von jedem Gefühl der sozialen Gemeinschaft unbeschwerte Kultus der kapitalistischen Machthaber so unbefangen rücksichtslos be- trieben, wie in der vom Geld« der Schwerindustrie ausgehal- tenen Presse. Daß es dieselbe Richtung ist, die durch ihre, alldeutlchen Weltherrschaftsgelüste maßgeben- den Schichten der deutschen Gesellschaft, im offenen Gegensatz zu Kaiser und Kanzler, den Gedanken des Eroberung?» kriege» vertraut gemacht, die nachher einem Verftändi- gungsfrieden den unbeugsamsten Widerstand entgegengesetzt und zugleich die ganze Welt zum ehernen Bündnis gegen Deutschland zusammengeschmiedet hat, ist allbekannt. Eben jetzt sind sie wieder dabei, ein Einvernehmen mit Frankreich, das allein den allmählichen Aufstieg au» der tiefsten Not, die wir nicht zuletzt ihnen selbst danken,«rmög- lichen könnte, zunichte und damit das deutsche Volk wieder zum Prügelknaben der Welt für ihre Sünden zu machen:[ wahrhaft eine Kraft, die stets das Böse will und stets das Böse schaftt. Doch nicht die außen- und weltpolitische Seit« des Schuldkontos, die überreichen Stoff zu Betrachtungen bietet, sei hier behandelt. Angesichts der M a s f« n a u s- sperrung im Industriegebiet und der kommunistischen Aufpeitschung politisch ungeschulter Massen bewegen uns die i n n e r p o l i t i s ch e n Fragen noch stärker. Vorübergehend saß von 1369 an Wilhelm Hasenclever als sozialdemokratischer Abgeordneter für Duisburg im Nord- deutschen Reichstag. Es dauerte bis 1895, bis wieder, in Dort- mund, ein Sozialdemokrat in den Reichstag einzog. Es war in einer Nachwahl nach Ungültigkeitserklärung der Wahl des Nationalliberalen Möller, des Abgeordneten der Schwer- industrie und späteren Handelsministers. Dreimal hatte der Reichstag die Dortmunder Wahl wegen unerhörter Machenschaften der Berg- und Fabrikherren für ungültig erklären müssen, bis es gelang, den Wahl- kreis vor dem Siege rohester Unternehmerwillkür zu retten. Die Wahlprüfungen aus jener Zeit lieferten erschütternde Bilder. Ein großer Teil der Arbeiter bekannte sich zum Zen- trum, ein anderer zur Sozialdemokratie. Aber die Knute des Kapitals wußte sie kirre zu machen. In geschlossenen Zügen, von Werkmeistern und Steigern geleitet und durch«ine Gasse ebensolcher Unternehmersöldlinge, die jede Berührung mit Außenstehenden unmöglich machte, mußten die Arbeiter zur Wahl schreiten. Den Wahlzettel erhielten sie vor dem Wahllokal. Er war deutlich kenntlich, manchmal so groß wie eine Briefmarke, manchmal aus Packpapier von Taschentuch- größe. Wut im Herzen, ja, unter Tränen gaben die Llrbeiter, um ihr Brot zu retten, ihre Stimm« für die Feinde ihrer Klasse und ihres Glauben, ab. die in solch nichtswürdiger Weise das Wahlgeheimnis wie jedes andere staatliche und menschliche Gesetz mit Füßen traten. Daß diese bis zuletzt die eifrigsten Verteidiger von Klossenwahl und offener Stimmabgabe für den Landtag geblieben sind, versteht sich am Rande. Es war dieselbe, durch den Namen Baare getennzeich- nete Gesellschaft, gegen die 1892 der Zentrumsmann Fuß- a n g e l seine Enthüllungen über oieljährige gröblichste Steuer- Hinterziehungen, Fälschung von Schienenstempeln, bis zur Meineidsbeschuldigung, richtete. Geschadet hat es ihnen weiter nicht, auch nicht gelegentliche Wahlbündnisse und son- stige politische Gemeinschaften zwischen Zentrum und Schwer- industrie verhindert. Heute aber erstrahlt ihr politisches Können im höchsten Licht. Die Bergarbeiterschaft, durch Besitz eigener Häuschen und Landfetzen an die Scholle gefesselt, konservativ durch wirt- schastliche und kirchliche Sonderbräuche und Ueberlieserungen, bot jahrzehntelang einen besonders schwierigen Boden für sozialdemokratische und gewerkschaftliche Bearbeitung. Der christlichsoziole Zentrumsarbeiter Stötzel in Essen— weiter verstieg sich der Radikalismus nicht. Den Berg- und Hüttenherren aber ist es gelungen, diese Ar- beiterschaftdemRadiralismu-schärssterArt indie Armezu treiben! Daß neben die altangesessene Bergmannschaft und an ihre Stelle eine aus aller Herren Länder zusammengewürfelte Masse von Deutschen oller Gegenden, namentlich des Ostens. Polen. Tschechen, Jtalienem und was sonst noch, getreten ist. soll natürlich nicht als Schuld irgend jemandes angekreidet werden. Es ist der Zug der kapitalistischen Entwicklung, die in allen Industriegebieten«inen internationalen Teig zu- sammenknetet, aus dem im Höllenscuer der Schwerindustrie schließlich ein neuer Menschenschlag mit verwischten Rassen- Merkmalen ausgcschmolzen wird. Immerhin ist's ein eigenes Schauspiel, wie gerade die unentwegtesten Vertreter g e r ,n a- nischer Edelrassentheorie nicht nur alte nationale Streit- gebiete wie Ostelbieii und Nordböhmen, sondern sogar das ur- germanische Westfalen der Verslawung zuführen. Aber auch mannigfache S chuld Posten sind hier zu buchen. Man denke an die rücksichtslose Art, mit der das Berg- Herrentum schlecht rentierende Gruben stillgelegt hat. ohne Rücksicht auf die angesessenen Bergleute, auf das Geschick ganzer Gemeinden.„Mit meinem Eigentum kann ich machen, was ich will," sprach der damalige Chef des Hauses S t i n n e s, Epochemachende Erfindung. deutsches eichstags-Gebrauchs-!Üuster. Im Zoll entstehender Unruhe senkt sich aus der Kuppel der große Lärmschlucker herab. ver Radau zieht durch den Rauchfang ab. Die übrige Versammlung tagt ungestört weiter. Und die Staatsgewalt, die durch ihre Gesetze und Vermal- tungsmaßnahmen erst die Bergherren aus Nutznießern öffent- lichen Gutes zu schwerreichen und unbeschränkten Privateigen- tümern hatte werden lassen, sah tatlos zu. Denn das Berg- werkstapital hatte eine schwere Hand nicht nur über den Ar- beitern, auch über den Ministern.„Drücken Sie dem Minister den H e r r e n st a n d p u n k t ins Auge," sagte Geheimrat Uthemann am 6. Januar 1998 zu den Kollegen, die zur Verhandlung ins Handelsministerium gingen. Zwölf Jahre zuvor war Minister v. Berlepsch dem Ansturm der Herren'>«gen. Seine Nachfolger hüteten sich. So konnte sich der M a ch t w i l l e ungezähmt austoben. Die Sicherheitsmänner, die den Arbeiterschutz in der Gnibe ge- währleisten sollten, wurden in jener Zusammenkunft im Palast- Hotel als„weiße Sa l b e" verhöhnt. Die Zahl der ange- meldeten Unfälle im Bergbau aber, die i. I. 1899 � 72,5 auf 1009 versicherte Personen betragen hatte und bis 1907 auf 126,2 gestiegen war, erhöhte sich weiter bis 1910 auf 135,2 auf 1000, das waren III 641. Tödlich verunglückten i. I. 1890 „nur" 824. d. f. 2,97"Im, 1908 aber 2051= 2,61 0/m. Damals war das ungeheure Grubenunglück von R a d b o d, der Höhepunkt einer Reihe schwerer Massenunfälle, das 350 Berg- arbeitern das Leben gekostet hat. Alle Warnungen der Ar- beiter und ihrer Vertreter im Verband und im Reichstag hatten nicht hingereicht, das leichtsertige Spiel mit Menschen- leben, das dort und anderwärts getrieben wurde, zu hemmen. Bergehoch stiegen die Opfer— bergehoch ober auch die Kurse der Aktien und Kuxe, der Gradmesser der Wirtschaftsblüte. Wundert man sich nach dieser Vorgeschichte, nach dem ungeheuren Raubbau an Menschen und Sachwerten, der im Kriege getrieben wurde, daß die Arbeiterschaft des Ruhrgebietes, überwiegend politisch und gewerkschaftlich ungeschult. nach der Revolutioir eine Beute und ein Opfer radikaler Trei- bereien geworden ist: daß wilde Sozialisierungsversuche dort, wo der'Boden nach Sozialisierung schreit, weithin Anklang fanden: daß unionistische Tollheiten der ernsten Gewerkschasts- arbeit immer neue Schwierigkeiten bereiten konnten? Wun- dert man sich, daß hier, wo Hand in Hand mit seinen französischen Klaffen und militaristischen Gesinnungsgenossen, das Bergherrentum immer neue Drachenfaat ausgefät hat, die Wahlen in einer kommunistischen Schlammflut eine Antwort gaben, wie man sie eben von ungeschulten, von allen Seiten bis aufs Blut gepeinigten Menschen erwarten kann? Und noch schien der Gipfel der Verzweiflung, des Klassen hasses nicht erreicht. Die Aussperrung der Hundert tausende Bergarbeiter, die ein Jahrzehnt lang Krieg und Kriegsfolgen, Hunger und Besetzungsnot, jeden leiblichen und seelischen Jammer ertragen haben, seht dem Treiben der Herren die Krone auf. Was kommunistisches Verbrechertum an verhängnisvollen Ratschlägen fät, das fällt in Furchen, die von Herrenwillkür seit Menschenaltern gezogen, von Blut und Tränen der Millionen gedüngt sind. Auf jeden Fall aber ist neuer Haß gezüchtet, von dem Rest von Vertrauen und Gemeingefühl, der noch im Volte lebt, ein weiterer unwiderbringlicher Teil vergeudet worden. Wie lange darf das noch so fortgehen? Wie lange noch soll Leben und Blut von Millionen Arbeitern, soll das Geschick ganz Deutschlands der Willkür, dem Eigennutz einer volfsentfremdeten, im tiefsten Innern volksfeindlich gerichteten, von Größen wahn urteilslos gemachten Herrenkaste überantwortet bleiben? Wer die Sozialisierung des Bergbaues als eine Sache theoretischer Erörterung anzusehen geneigt war, wird durch die Ereignisse seit dem Wiedererstarken der rückläufigen Kräfte besser belehrt sein. Es ist eine Lebensfrage für das deutsche Volk, die Verfügung über seine Boden= schätze in die eigene Hand zu bekommen. Diese Erfenntnis immer weiteren Massen eingehämmert zu haben, wird das einzige Verdienst und der größte Erfolg der Herren von der Nationalliberalen Vereinigung bleiben. Geeckt- Attentat und politische Polizei. Oberregierungsrat Weiß als Zenge. Nach der Bernehi nung Geects und dem Renkonter mit Claß Polizeipräsidium Bernhard wird Regierungsdirektor beim Polizeipräsidium Weiß über die Kronzeugen Tettenborn, Köpfe und Gilbert vernommen. Ueber die mozalischen Qualitäten des Zeugen Hauptmann a. D. Gilbert äußera: fich Regierungsdirektor Weiß folgendermaßen: Gilbert ist der typische politische Spigel. Ich habe auf seine Anfrage hin bereits dem Untersuchungsrichter mitgeteilt, daß Gilbert in politischer und moralischer Beziehung ein vollkommen minderwertiger Mensch ist, der keinerlei Glauben verdient. Er ist einer der größten politischen Schädlinge, die in Deutschland seit der Revolution ihr Unwesen getrieben haben. Er arbeitet, je nachdem er bezahlt wird der eine Rolle spielen kann bald für rehts, bald für links. Um ein Beispiel aus letzter Zeit zu geben. Herr Gilbert hatte den Auftrag, die Kommunisten zu bespiteln und fabrizierte ein Angebot auf Waffenausrüstungen. Er machte die Sache aber so dumm, daß die Kommunisten, denen er im Fraktionszimmer des Landtages das Dokument einschmuggeln wollte, inerften, um was es sich handelte und nun ihrerseits dieses Angebot dem Minister Severing übergaben, indem sie behaupteten, daß hier offenbar eine rechtsradikale Organisation Waffen zu haben wünschte. Minister Severing beauftragte mich mit den Nachforschungen, und die politische Polizei stellte sehr schnell fest, daß Herr Gilbert hinter diesem Schwindel stedte. Der Angeklagte wechselt seinen Namen beliebig und nennt sich Spiegel, Anders oder Holzmann. Vor einiger Zeit sind im Berliner Tageblatt", in der Germania" usw. Artikel über die angeblichen Hintermänner des Rathenau Mordes erschienen. Ich bringe diese Angelegenheit mit Kenntnis des Oberreichsanwalts zur Sprache, um zu zeigen, wie die Deffent lichkeit durch die Gemeingefährlichkeit eines solchen Subjekts( Buruf des Zeugen Gilbert: Frechheit!") unnütig erregt wird. In diesem Artikel hieß es, daß " 1 Juftizrat Claß und die Deutschnationale Bolkspartei hinter dem Rathenau- Mord ständen und daß der Oberreichsanwalt diese Angelegenheit bereits be arbeitete. Der Oberreichsanwalt rief mich aus Leipzig an und teilte mir mit, daß ihm von diesen Dingen nichts befannt sei, daß vielmehr lediglich von Herrn Gilbert eine diesbezügliche Anzeige bei ihm eingelaufen fei. Ich habe Herrn Oberreichsanwalt mit geteilt, daß hinter diesen Artikeln Herr Gilbert stecke und die Deffent, lichkeit irreführe. Mit diesen Methoden arbeitet ein Mann wie Gilbert. Man wird zweifellos den Vorwurf erheben, daß ich den Deutsch nationalen zuliebe hier so spreche. Wer meine politische Einstellung fennt, weiß, daß ich politisch ein Gegner der Deutschnationalen Volkspartei bin, aber ich habe so viel Gerechtigfeitsgefühl, daß ich auch einen Gegner verteidige, wo er schuldlos ist. In einem Artikel, der auf Veranlassung des Herrn Gilbert in der Weltbühne" erschienen ist, wird ja auch behauptet, daß ich die Haussuchung bei der russischen Handelsvertre= tung nur unternommen habe, weil ich gemerkt hätte, daß sich in Deutschland der Wind nach rechts gedreht habe. " Zusammenfassend kann ich auf Grund meiner amtlichen Rennt: nisse und Ermittlungen sagen, daß jede Sache, bei der Gilbert die Finger im Spiel hat, von vornherein unfauber erscheint. Er ist bei einer ganzen Anzahl von Unternehmungen angestellt gewesen, hat sich aber fast überall Beruntreuungen zuschulden tommen lassen. Eine Zeitlang hat er auch als Lockspiel gearbeitet. R.-A. Bloch: Glauben Sie, Herr Regierungsdirektor, daß auch in dem Seedt Attentat Gilbert als Lod: fpigel aufgetreten ist? Zeuge Weiß: Nach meinen bisherigen Erfahrungen muß ich das annehmen. Wenn man für die öffentliche Sicherheit verantwortlich ist, kann man einen Menschen wie Gilbert nicht start genug brandmarken. R.- 2. Sad: Kennen Sie die Stelle, von der Herr Gilbert die Mittel für seinen Unterhalt bezieht? Zeuge Weiß: Darüber darf ich nicht aussagen. Justizrat Hahn: Wann ist die Abteilung I A der Berliner Polizei mit dem Seedt- Attentat amtlich befaßt worden? Zeuge Weiß: Ich erfuhr davon zum erstenmal, als mir ein Schutzpolizeibeamter den verhafteten Thormann vorführte. Justizrat Hahn: Hat Ihnen denn der Reichskommissar für öffentliche Ordnung niemals vorher von den schwebenden Dingen Mitteilung gemacht? Regierungsdirektor Weiß: Bedauere sehr. Justizrat Hahn: Wissen Sie, ob Gilbert auch für Moskau gearbeitet hat? Zeuge Weiß: Er ist von uns wegen Landesverrats festgenommen worden, doch wurde später das Verfahren gegen ihn eingestellt. R.-A. Dr. Sad: hat nicht trotzdem ein deutsches Grenztommissariat den Behörden Mitteilung gemacht, daß Gilbert zum Schaden Deutschlands Spionage treibt? Zeuge Weiß: Jawohl. R.-A. Dr. Sad: Hat der Untersuchungsrichter mit Ihnen über das sogenannte Geständnis Grandels gesprochen und was haben Sie gesagt? Zeuge Weiß: Ich habe ihm und das ist auch heute noch meine Ansicht gefagt, daß ich dieses Geständnis für falsch halte, denn es scheint mir auf Grund meiner Kenntnisse ausgeschlossen zu sein, daß Justizrat Claß oder der Alldeutsche Verband einen hochverdienten Mann gewaltsam beseitigen. R.-A. Sack: Es wäre doch vor dem Attentat naheliegend gewesen, wenn der Reichskommissar für die öffentliche Ordnung mit allen Behörden den drohenden Anschlag bearbeitet hätte. Zeuge Weiß: Die Erekutive in Berlin hat lediglich die Polizei und die Staatsanwaltschaft. 3 habe, weil er schlechte Erfahrungen mit Ihnen gemacht habe. Zeuge Weiß: Ich habe gegen Herrn Tettenborn und seine Richtung amtlich zu kämpfen. Ich bin stolz darauf, wenn ich von rechts oder links deswegen angegriffen werde, denn es zeigt mir, daß ich auf dem richtigen Wege bin. Uebrigens hat Herr Tettenbern vor einigen Tagen trotzdem den Weg zur Abteilung I A gefunden. Aber ich kann mir wohl denken, weshalb dieser Herr mit der Anzeige nicht zur Abteilung I A gekommen ist. Er glaubte vielleicht, daß wir zu objeffiv jein würden. Denn, wenn er uns eine solche Anzeige gemacht haben würde, dann hätte die Politische Polizei sich nicht nur Thormann, sondern auch Herrn v. Tettenborn etwas genauer angesehen. Und was dann der Fall gewesen wäre, das weiß ich wirklich nicht. Das kann ich jedenfalls fagen, ich hätte mit Leuten, wie Gilbert ufm., fein langes Spiel gespielt. Der Politischen Polizei wurde einmal gemeldet, daß ein junger Mann beabsichtigt, Minister Severing zu ermor= den. Wir haben uns sowohl den Beschuldiger wie den Beschuldigten genau vorgenommen und da ging die Geschichte aus wie das Hornberger Schießen. Herr v. Tettenborn hat ja gestern auch die Behauptung aufgestellt, Thormann habe ihm gesagt, daß er mit einem Auftragr Don General Ludendorff nach Berlin gekommen fei. Bei den engen Beziehungen, die Herr v. Tettenborn durch Herrn v. Graefe zu General Ludendorff hat, wäre es ihm ein leichtes gewesen, durch telephonischen Anruf festzustellen, ob Thormann bekannt fei, oder ob es sich um einen Schwindler handelte. Wenn zu mir ein Gesinnungsgenosse käme, der mich zu einem Mord verleiten wollte ich verseze mich hier in die Seele des Herrn v. Tettenborn --, den ich nicht billige, so würde ich den Mann anders von seinem Vorhaben abbringen, als das Herr v. Tettenborn getan hat. R.-A. Bloch: Vielleicht ist Herr v. Tettenborn deshalb nicht zu Ihnen gekommen, weil er fürchtete, daß Sie die Ernsthaftigkeit des Attentats nachprüfen würden. Reg.- Dir. Weiß: Nach der Vergangenheit des Herrn v. Tettenborn hätte ich dazu auch alle Veranlassung gehabt. Bors.: Können Sie uns Näheres über die Bergangenheit Teffenborns jagen? Zeuge Weiß: Ich kenne v. Tettenborn aus seiner politischen Tätigkeit und mißtraue ihm aus der Art seines Vorgehens. Ich möchte hier übrigens gleich mitteilen, daß der dritte Zeuge, Köpfe, an den Vorbereitungen zum Rathenau- Mord teilgenommen hat. Der Vorsitzende gab dem Zeugen Gilbert Gelegenheit, sich zu den Ausführungen des Leiters der Politischen Polizei zu äußern, doch erklärte Gilbert lediglich die Attenauszüge als" Phantasie" und. behauptete, baß er von einer„ Mahalla", namentlich oft bem Direktor Lossel, verfolgt werde. Zeuge Weiß: Sie, Herr Gilbert, jagen gegen viele anständige Menschen, so auch gegen Herrn Leffel, der Sie aus seinem Betrieb hinausgeworfen hat. Herr Leffel, der politisch deutschnati. nal eingestellt ist, ist ein hochanständiger Mann und mit dem Polizeipräsidenten sehr befreundet. R.-A. Dr. Sad: Ist es vielleicht nicht richtig, Herr Gilbert, daß Sie bei der Siedlungsgesellschaft um die Festung Königsberg im Auffichtsrat tätig waren und daß bei einer Kassenrevision aus Ihrer Raffe 100000 Mart fehlten? Zeuge Gilbert: Das ist alles unrichtig. R.-A. Dr. Sad: Herr Regierungsdirektor, find die Angaben Gilberts über die sogenannten Hintermänner im Rathenau- Mord durch irgendwelche Unterlagen gestüht? Zeuge Weiß: Das muß ich auf Grund meiner amtlichen Renntnisse verneinen. R.-A. Dr. Sad: Dann haben Sie, Herr Gilbert, also in leichtfertigster Weise falsche, die Deffentlichkeit beunruhigende Behauptungen aufgestellt. Der Zeuge Gilbert schweigt. Gilbert Ernsthaftigkeit des Attentats nicht geglaubt habe und deutete an daß Gilberts Geschäftsgebaren nicht einwandfrei war. habe auch über Seedt Kartothet geführt. Er habe ein NachrichtenEr habe in bureau unterhalten und sei dafür bezahlt worden. Bimmer 179 des Reichskommissariats die Aeußerung Gilberts gehört, daß der große Schlag gegen Thormann geglückt sei. Gilbert set ein Feind der L. C. gewesen und habe erklärt, es sei notwendig, die Baterländischen Verbände umzulegen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 1. Kreis Mitte. Dienstag, den 3. Junt, 7% Uhr, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes bei Spiegel, Ackerstr. 1. 2. Kreis Tiergarten. Die Abteilungsleiter werden ersucht, bis spätestens Dienstag abend die Listen betreffend Elternbeiratswahlen beim Genossen Hennig abzugeben. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Montag, den 2. Juni, 8½ Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung bei Klug, Danziger Str. 71. 5. Kreis Friedrichshain. Erweiterte Kreisvorstandssigung Montag, den 2. Juni, pünktlich 7 Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. Achtung, Elternbeiräte! Montag abend um 8½ Uhr wichtige Sigung in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. Alle Elternbeiräte müssen erscheinen. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, den 2. Juni, 7½ Uhr ,. erweiterte Kreis vorstandssigung im Zimmer 1. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienstag, den 2. Juni, 7½ Uhr, Gigung des erweiter ten Kreisvorstandes bei Schvamm, Hohenzollerndamm 2. 11. Kreis Schöneberg. Dienstag, den 3. Juni, 7% Uhr, in der Spedition Belziger Str. 27, Gigung der Zeitungsfommission. Selferversammlung der Arbeiterwohlfahrt, Kinderfreunde und Kreisvorstand am Mittwoch, den 4. Juni, 6½ Uhr, im Garten der Schloßbrauerei. Beratung der Erholungsfürsorge in den großen Ferien. Elternabend der Kinderfreunde und Freien Schulgemeinde am Mittwoch, den 4. Juni, 7½ Uhr, im Garten der Genoffin Krone, Ecke Begas- und Rubensstraße. Referentin Genofsin Hodann. Gäste willkommen. 12. Kreis Steglig, Lichterfelde, Lankwik. Montag, den 2. Juni, 7% Uhr, Kreisvorstandssigung an bekannter Stelle. 14. Kreis Neukölln. Zu der am Mittwoch, den 4. Juni, im Rarlsgarten stattfindenden Kreisvertreterversammlung können die Abteilungsleiter Mandatfarten im Parteibureau abholen. Engere Kreisvorstandssigung am Montag, den 2. Juni, 6 Uhr, im Parteibureau. Etwaige Anträge aus den Abteilungen sowie Vorschläge zur Wahl des Kreisvorstandes sind bis spätestens Montag, den 2. Juni, abends 6 Uhr, im Bureau einzureichen. Dienstag, den 3. Juni, Uhr, Sigung der Oblente der Elternbeirate im Parteibureau Neckarstr. 3. 15. Kreis. Kreisvorstandssigung mit den Abteilungsleitern und Obleuten der Beamten am Montag, den 2. Juni, abends 7 Uhr, bei Grahl, Niederschöneweide, Berliner Str. 129. 17. Kreis Lichtenberg. Genossen und Anhänger der Liste ,, Schulaufbau", deren Rinder Schüler des Reformgymnafiums Bartaue find, wollen umgehend ihre Adressen an Stadtrat Pilsener, Scharnweberstr. 53, einreichen. Mittwoch, den 4. Juni, 7% Uhr, Kreisvorstandsfihung in der Bibliother Weichselstr. 28. 18. Kreis Weißensee. Monfag, den 2. Juni, abends 8 Uhr, im Rathaus, Zimmer 21, Kreisvorstandssitzung. 19. Kreis Bankow. Die Genossen beachten die heutigen Mitteilungen unter Vereine. 20. Areis Reinidendorf. Montag, den 2. Juni, abends 6 Uhr, im einen Gigungsfaal des Rathauses Wittenau, Gigung des erweiterten Rreisvor standes. Die Obleute der Elternbeiräte der Abteilungen werden gebeten, bereits um 6 Uhr zu erscheinen. Morgen, Montag, den 2. Juni: 6. Abt. 7½ Uhr Vorstandssigung bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. 23. bt. 7% Uhr Funktionärtonferens bei Grunewald, Kameruner Str. 19, Neuwahl der Abteilungsleitung. 25. Abt. Die Bezirksführer müssen bis Mittwoch bei Abteilungsleiter Linfen barth Adressen und Schule der Genossen ihres Bezirks abgeben, welche noch Kinder zur Schule schiden. Die Elternbeiräte melden sich Freitag abend beim Abteilungsleiter. 31. Abt. Elternversammlung der Jbsen-, Driesener und Schönfließer Ge meindeschulen und der 15. Realschule abends 7 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Stellungnahme zur Elternbeiratswahl. Auch die FunkHonäre müffen erscheinen. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr Elternversammlung bei Klabe, Sandjernstr. 60/61. Aussprache über die Elternbeiratswahlen. Neukölln. 89. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung in der Schule Raifer Friedrich- Str. 4. Bericht und Neuwahl des Abteilungsvorstandes. 91. Abt. 7% Uhr in großen Saal des Karlsgartens Abteilungsversamm Iung. Referent Genosse Paul Heifer: Die Frauen und der§ 218". Ge 93. Abt. noffen und Genofsinnen aus anderen Abteilungen willkommen. 7 Uhr Abteilungsversammlung im Gambrinus, Kaiser- Friedrich- Straße. Vortrag des Genoffen Otto Meier, M. d. L., über Das Sachverständigengutachten". 101. Abt. Treptow. Sämtliche Eltern, deren Rinder Treptower Schulen be. fuchen, milfsen fofort ihre Adressen in der Borwärts"-Spedition Riefholzstraße 18b abgeben. Treffpunkt zur Listenaufstellung ebenda am Mittwoch, den 4. Juni, 6% Uhr abends. 106. Abt. Johannisthal. 8 Uhr Abteilungsversammlung bei Schreiner, Fried. richstraße 6. 136. Abt. Reinickendorf- Oft. 28 Uhr im Bürgergarten, Hauptftr. 50/51, Mitgliederversammlung des Vereins der Freidenker für Feuerbestattung. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung Borstandswahl werden die Genossen und Genossinnen, welche Mitglieder find, gebeten, diese Ver. fammlung zu besuchen. Arbeiterwohlfahrt Reinidendorf- Weft., 7½ Uhr Unterhaltungsabend zum Besten der Erholungsfürsorge bei Hartmann, Scharnweberstraße( Mandolinen Konzert, Frauenchor, Kinderaufführungen). Um regen Zuspruch wird ge beten. Jungsozialistische Vereinigung. 7% Uhr Arbeitsgemeinschaft Dr. Engelhardt in Jugendheim Lindenstr. 3. Frauenveranstaltungen am Montag, den 2. Juni: 84. Abt. Lankwig. 8 Uhr bei Bander, Charlotten-, Ede Marienstraße, Bortoog trag der Genoffin Kunert, M. d. L., über, 218". 95. Abt. Neukölln. 7½ Uhr bei Grieger, Lessingstr. 9, Bortrag des Genoffer Karl Schneider. Sympathisierende sowie Frauen der Parteigen offen find besonders eingeladen. Uebermorgen, Dienstag, den 3. Juni: 2. Abt. 8 Uhr Funktionärsigung( Abteilungsvorstand, Bezirksführer, Bertreterin der Frauen, der Beamten und Elternbeiräte) bei Ohngemach, Rom mandanten str. 88. 33. Abt. 7% Uhr Funktionärßigung bei Lofad, Beymeftr. 8. 43. Abt. 7 Uhr bei Wolf, Gräfestr. 26, Gigung der Elternbeiräte, Randi daten und Interessenten. 70. Abt. Wilmersdorf. 7% Uhr bei Kroiß, Holsteinische Str. 60, Mitglieder versammlung. Vortrag des Genossen Dr. Freund, M. d. 2., über Boli tische Tagesfragen". Neuwahl der Abteilungsleitung. 21 100. Abt. Rubow. 8 Uhr im fleinen Gaal von Heinze Elternverfammlung zwecks Wahl bes Borstandes zur Neuwahl der Elternbeiräte. fchaftlichen Klub, um 7% Uhr, Bortrag des Genoffen Dr. Friedländer: Das Sachverständigengutachten". Gäste willkommen. Zeuge Weiß: Die Angaben Gilberts über die Hintermänner im Rathenau- Mord find ebenso haltlos, wie seine Behauptung, daß Sozialdemokratische Studentenvereinigung. Wilhelmstr. 48 im Sozialwiffendie mit dieser Angelegenheit befaßten Beamten im Ministerium des Innern und in der Berliner Polizei weder fähig noch Willens seien, die Angelegenheit zu flären. Justizrat Cla: Ich höre zum erstenmal davon, daß mir oder Sem Alldeutschen Verband hier eine Schuld beigemeffen wird. Ich bitte Herrn Regierungsdirektor Weiß fragen zu dürfen, ob er glaubt, daß das gefälschte Protokoll, in dem ich als der Chef der Tschela bezeichnet werde, irgendwie auf Wahrheit beruht. Zeuge Weiß: Das anzunehmen, liegt fein Grund vor. Die Zeugen Tettenbern und Röpfe bestreiten ihrerseits, daß die von Regierungsdirektor Weiß gemachten Angaben über ihre Person zuträfen. Hierauf wurde die Sizung auf Montag vormittag vertagt. Am Montag soll Oberregierungsrat Mühleifen vom Reichskommissar für die öffentliche Ordnung vernommen und ein von der Staatsanwalt= fchaft geladener medizinischer Sachverständiger über den Geisteszustand des Angeklagten Grandel gehört werden. Zu Beginn der gestrigen Berhandlung gab Justizrat Hahn eine Erklärung ab, die sich auf die frühere Aussage des Zeugen Tettenborn bezog. Der Verteidiger erklärt, daß Baron v. A uffeß und Oberst Seißer niemals bei Claß gewesen seien. Auch Graf Reventlom bestreitet, daß er eine Beeinflussung des Zeugen Tettenborns versucht habe. Tettenborn gab hierzu an, daß er bei seinen Behauptungen bezüglich des Grafen Reventlow bleibe. Bezüglich des Barons Auffeß und Oberst Seißer schränkte er seine Aussage dahin ein, daß Herr v. Auffeß am 25. September, Seißer am 2. November, in Berlin und im Alldeutschen Verband gewesen seien. R.A. Dr. Sad gibt die Erklärung ab, daß er niemals die Berteidigung des Zeugen Tettenborn in einem anderen Verfahren übernommen habe. Tettenborn schränkt daraufhin seine Aussagen ein, so daß R.A. Dr. Ead sich zu der Bemerkung veranlaßt sieht, der Zeuge geht mit seinen Befundungen sehr leichtfertig um. R.-A. Dr. Sac: Ich verstehe nicht, daß man Sie nicht von Anfang an ins Bild setzte, daß man Ihnen nicht einmal mitgeteilt Rach längerer Beratung beschloß das Gericht, auf die Ladung hat, daß ein Oberregierungsrat beim Reichskommissar eventuell die der Zeugen Baron v. Auffeß und Oberst Seißer zu verzichten, daWaffe stellen wollte, mit der des Attentat ausgeführt werden sollte. gegen den Grafen Reventlow zu vernehmen, der für Montag geBeuge Weiß: Davon ist mir amtlich nichts bekannt. laden wird. M.- A Bloch Der Zeuge Tettenborn fagte hier gestern, Hierauf erfolgte die Bernehmung des Zeugen 5 ans Trepie laß er Ihnen deshalb keine Anzeige von dem Attentat erstattet i es früheren Privatjekretärs Gilbert. Er sagt aus, daß er an die " * 41. Abt. Mittwoch, den 4. Sunt, in der Bodbrauerei, Fibicinfte. 2/8, Abtel Tungsversammlung. Die Funktionäre laden alle Mitglieder ein. 45. Abt. Mittwoch, den 4. Juni, 7 Uhr, im Reichensaal der Mädchenschut Reichenberger, Ede Forster Straße, außerordentliche MitgliederversammTung. Tagesordnung: Jahresbericht und Neuwahl der Abteilungsleitung. Die Bezirksführer müssen zu dieser Versammlung einladen. 46./47. Abt. Mittwoch, den 4. Juni, 7% Uhr, Frauenabend bei Pflug, Mus fauer Str. 1. Referentin Frau Marie Kunert, M. b. S., ilber ,, Die recht liche Stellung der Frau". Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 11. Abt. Genoffin Emma 8i II, Jagowstr. 35, ist verstorben. Einäsche. rung Montag, den 2. Juni, 12% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 53. Abt. Charlottenburg. Genoffe Bruno Melchior, Suftenstr. 34, ist am Serzschlag verstorben. Einäscherung Montag, den 2. Juni, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 8ahlreiche Beteiligung wird erwartet. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! 7./8. Juni Bezirkstreffen in Brandenburg a. d. H. Einweihung des Landheims. Die Anmeldungen müssen nunmehr endgültig bis spätestens Mittwoch, den 3. Juni, im Jugendfekretariat abgegeben sein. Für den Sammelsonntag am 15. Juni müssen fofort von allen Abteilungen die Namen der Jugendgenossen, welche sich an der Sammlung beteiligen, dem Jugendsekretariat mitgeteilt werden. Näheres fiehe Rundschreiben Nrn. 5 und 6. Heute, Sonntag, den 1. Juni: Friedenau: Besuch des Botanischen Gartens. Treffpunkt 10 Uhr Breiten. bachplaz. Belkstanzfest: Treffpunkt i Uhr Bhf. Wilmersdorf- Friedenau.. Ortsgruppe Neuenhagen- Birkenstein: Frühlings- Waldfeft, unter Mitwirkung des Jugendchors vom 17. Werbebezirk, Quartett Birkenstein, Rindergruppe Birkenstein, an der Trainierbahn, 5 Minuten vom Bhf. Hoppegarten. Alle Abteilungen find herzlichst eingeladen. Morgen, Montag, den 2. Juni, abends 7% Uhr: Achtung, Mädchen! Die Konferenzen finden im Juni, Juli, August nicht statt. Friedenau: Sugendheim Offenbacher Str. 5a, Bortvag: Cntstehung des Sandels". Sermsdorf: Jugendheim Roonstraße, Mitgliederversammlung. Karlshorst: Schule Auguste- Bittoria- Str. 35. Mitgliederversammlung. Cüdoft ( Görlizer Viertel): Lofal von Veister, Cuprnstr. 11, Mitgliederversammlung. Meine Ausstattungstage wom 2. bi 6. Juni bieten extra günstige Kaufgelegenheiten! Bettwäsche Bezüge Gutes Hemdentuch Ueberlaken aus gut. Wäschestoff ,. reich bestickt. $ 10.50 Oberbett...... 5.95 Kissen passend 3.75 ....... 1.95 Ueberlakenm Kissen Starkfädiger Linon Oberbett... 6.25 Kissen Feinfädiger Linon .2.10 m.Stick.Einsatz u. Ansatz.17.50 Kissen passend.. 9.75 Wäschestoff.. Daunendecken Steppdecken und Schlafdecken Daunendecken Satin, in div. Farben m. Ia weißen Daunen 95.la Daunensatin mit Ia weiß. Daunen, in vielen Farben.: 105.Reine Seide Rückseite Satin. Steppdecke Trikot, doppelseitig, leichte Sommerdecke. Handtücher 12.50 Gerstenkorn mit roter Kante. 65 Pt. Satin, Rückseite Tri- Drellhandtuch 80 Pt 15.50 kotstoff in div. 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In dieser grundlegenden Schicht der Partei herrscht eine außerordentliche Unzufriedenheit, die zum Teil vollkommen berechtigt, zum Teil durch zufällige Ursachen hervorgerufen ist. Diese Unzufriedenheit wird nicht durch offenen Meinungsaustausch in Parteiversammlungen oder durch Einwirkung der Mitgliedermassen auf die Organisationsleitungen der Partei befeitigt, sie häuft sich vielmehr insgeheim an und bildet innere Geschwüre in der Partei. Bergarbeiterhilfe! Die Bonzenwirtschaft in Sowjetrußland. Als vor etwa einem halben Jahr die Parteidiskussion bei den russischen Kommunisten einsetzte, wandte sich Trofi an das Zentralkomitee mit einem Memorandum, dessen Tert bisher der Deffentlichkeit vorenthalten wurde. Wir sind nun in den Besitz dieses Memorandums und einiger anderer Materialien, im besonderen der Antwort des Zentralkomitees an Trotti gelangt. Von besonderer Bedeutung ist das Memorandum Trogkis. Obwohl es vor einem halben Jahr verfaßt ist, hat es nicht im geringsten seine Aktualität eingebüßt. In diesem Dokument spricht Trokki offen und ungeschminkt seine Meinung über die russischen Zustände aus. Hier stellt er nicht, wie in feinen Zeitungsartikeln oder Interviews mit ausländischen Journalisten eine Reihe diplomatisch frisierter Säge zufammen, sondern er fonstatiert flipp und flar, daß in der Leitung des Wirtschaftlebens ein völliges Chaos herrscht, daß zwischen der Bauernschaft und der Arbeiterklasse ein Abgrund klafft, daß in der Kommunistischen Partei eine tödliche, stickige Luft herrscht, daß die allgemeine Unzufrie denheit außerordentlich heftige Krisen heraufzubeschwören droht usw. Wurden diese Feststellungen bisher von sozialdemokratischer Seite gemacht, so erhob die kommunistische Presse in allen Ländern ein Geschrei über die sozialverräterischen" menschewistischen Verleumdungen. Jeht jedoch werden alle diese Dinge allerdings nur in einem vertrau lichen Memorandum von einem der verantwort lichsten Leiter der Sowjetpolitik unumwunden zugegeben. Insofern gewinnt das Memorandum Troykis, aus dem wir nach stehend die wichtigsten Abschnitte wiedergeben, eine histo- rungen von Not in den Familien zu. rische Bedeutung. I. Die Lage in der russischen Kommunistischen Partei. ,, Die außerordentliche Verschlechterung der inneren Zustände in der Partei geht auf zwei Ursachen zurück: a) auf das in seinem Kerne falsche und ungesunde Regime in der Partei, und b) auf die Inzufriedenheit der Arbeiter und Bauern wegen ihrer schweren wirtschaftlichen Lage, die nicht nur infolge der objektipen Schwierigkeiten, fondern auch infolge der offensichtlichen grundlegengen Fehler der Wirtschaftspolitik entstanden ist. Das ungeheuerliche Mißverhältnis der Preise. bei der Schwere der Grundsteuer, die insbesondere durch ihre Unvereinbarkeit mit den vorhandenen wirtschaftlichen Beziehungen drückend empfunden wird, hat erneut die äußerste Unzufriedenheit der Bauern hervorgerufen. Diese Bolitik hat direkt und indirekt auf die Stimmung der Arbeiter gewirkt. Schließlich hat die veränderte Stimmung der Arbeiter jetzt auch die Partei in Mit leidenschaft gezogen. Es sind oppofitionelle Gruppen aufgetaucht, die an Stärke zunehmen. Ihre Unzufriedenheit hat sich verstärkt. So hat sich die engere Berbindung" mit der Bauernschaft in ihr Gegenteil verwandelt. Wer das früher nicht vorausgesehen hat oder bis zuletzt dagegen die Augen verschloß, hat jetzt eine gute praktische Lehre empfangen. Bei den Ernennungen und Absehungen wurden die Mitglieder der Partei bisher hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt eingeschäßt, in welchem Maße sie jenes Regime in der Partei, das inoffiziell, aber dafür um so wirksamer vom Organisationsbureau und Sekretariat des Zentralkomitees durchgeführt wurde, fördern oder verhindern würden. In den letzten anderthalb Jahren entstand eine besondere Sekretärpsychologie, deren Grundzug in der Ueberzeugung besteht, daß der Gefretär in der Lage sei, alle und jede Frage ohne Kenntnis der Dinge zu entscheiden. Wir sehen auf Schritt und Tritt, wie Genossen, die feinerlei organisatorische oder administrative Fähigkeiten aufwiesen, solange fie an der Spitze einer Sowjetbehörde standen, in dem Augenblick, wo sie auf den Posten eines Sefretärs gelangen, in diftatorischer Weise über wirtschaftliche und andere Fragen entscheiden. Durch die Anwendung dieser Sekretärmethoden hat die Bureaukratisierung des Parteiapparates ein ungeheuerliches Ausmaß erreicht. Wenn wir in den schlimmsten Stunden des Bürgerkrieges in den Parteiorganisationen und selbst in der Presse über die Heranziehung von Fachleuten, über die Diszi plin und sonstige Fragen stritten, so findet jetzt selbst über Fragen, die die ganze Partei lebhaft interessieren, fein offener Meinungsaustausch statt. Es hat sich eine ziemlich starte Schicht von Parteifunktionären herausgebildet, die als Bestandteil des Staats- oder Parteiapparates völlig jede eigene Parteimeinung preisgegeben haben, mindestens soweit diese offen zum Ausdrud gelangt, gleichsam als seien fie der Ansicht, daß die SekretärDie Bergarbeiter des Ruhrgebiets, die während der Besetzung große soziale Not durchgemacht haben, stehen seit Wochen in einem Kampf um Cohn und Arbeitszeit. Für die Unterstützung des Wirtschaftskampfes haben die Gewerkschaften allgemeine Sammlungen eingeleitet. Kein Arbeiter, der im unbesetzten Deutschland zurzeit Lohn und Brot für sich und feine Familie hat, entzieht sich dieser Pflicht der freiwilligen Beitragsleistung. Jedoch über diese Leistungen hinaus gilt es kulturgüter zu wahren, gilt es häuslichkeit, Familienleben, Gesundheit der Frauen und Kinder zu erhalten. Dem Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt gehen durch seine erprobten Vertrauensleute erschütternde Schilde3ft durch den Schiedsspruch des Arbeitsministers diesem Wirtschaftskampf nun auch vielleicht ein absehbares Ziel gesetzt, fo bleiben doch noch für längere Zeit die furchtbaren sozialen Nöte der verarmten Familien bestehen. Mit leeren Händen stehen unsere Helfer und Helferinnen dieser graufigen Not gegenüber. Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt ruft deshalb den klaffengenossen und Freunden der ausgesperrten Bergarbeiter, die schon so vieles ertragen haben, zu: Helft! Helft auch mit kleinen Beiträgen! Die Summen werden den Orts- und Bezirksausschüssen für Arbeiterwohlfahrt zur Verfügung gestellt, die sie in Form von Gutscheinen auf Lebensmittel auf den Konsumgeschäften ausgeben. Auf Gutscheine zu 1 Mt. werden ausgegeben:% Pfd. Fett, 1 pfd. Mehl, 1 Pfd. Erbsen, 3 Pfd. Brot. Jeder, der 1 Mt. für einen Gutschein gibt, hilft einer Bergarbeiterfamilie über einen Hungertag hinweg. Arbeiter! Genossen! Hier hilft uns niemand! Alle anderen Organisationen versagen! Hier können wir nur selber helfen! Geldsendungen werden erbeten an Frau Marie Juchacz, Konto: Fr. Bartels- M. Juchacz, bei der Diskonto- Gesellschaft, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Ich muß so schließt Trogli diesen Abschnitt- fonstatieren, daß meine Bemühungen während der letzten anderthalb Jahre feine Ergebnisse gezeitigt haben. Das kann dahin führen, daß die Partei durch Krisen von außerordentlicher Schärfe überrascht wird. In diesem Falle wäre die Partei berechtigt, jeden, der diese Gefahr sah, fie aber nicht offen beim Namen nannte, dessen zu beschuldigen, daß er die Form über den Inhalt stellte." II. Die Wirschaftslage und die kommunistische Politik. " Das wichtigste Moment der gegenwärtigen Lage liegt darin, daß das ungeheuerliche Mißverhältnis der Preise für Industrie- und Landwirtschaftsprodukte gleichbedeutend ist mit der Liquidation der neuen Wirtschaftspolitik, denn dem Bauern, der die Grundlage der neuen Wirtschaftspolitik bildet, ist es gleichgültig, aus welchen Gründen er feine Ware faufen fann; sei es, daß der Handel durch Defrete verboten ist oder daß zwei Schachteln Streichhölzer ebensoviel kosten wie ein Bud Getreide. Es ist vollkommen klar, daß eine mechanische herab sehung der Preise durch die staatlichen Organe in den meisten Fällen nur die Vermittler bereichern und kaum auf den ländlichen Markt einwirten wird. Schon die Schaffung einer Kommission für Herabsetzung der Preise ist ein schlagender Beweis dafür, wie etne Sonntag, 1. Juni 1924 Politik, die die Bedeutung einer Planwirtschaft ignoriert, unter dem Einfluß der unvermeidlich einsehenden Folgen gezwungen ist, in militärisch- tommunistischer Weise die Preise zu tommandieren. Eines ergänzt das andere, indem es die Wirtschaft untergräbt und nicht fördert. Ein furchtbares Symptom war der Versuch des Zentralfomitees, den Staatsetat auf dem Verkauf des Branntweins aufzurichten. Nur ein entschiedener Protest innerhalb des Zentralkomitees und außerhalb seiner Reihen hemmte diesen Versuch, der der Partei einen fürchterlichen Schlag versetzt hätte. Indessen ist der Gedanke der weiteren Legalisierung des Branntweinverkaufs auch heute nicht aufgegeben. Die Entfernung eines Ge nossen, der die freie Erörterung diefes verderblichen Planes forderte, aus der Redaktion des Zentralorgans, wird für immer eines der unwürdigsten Momente in der Geschichte der Partei bleiben." Die Schlußfolgerungen, zu denen Troßfi gelangt, sind folgende: „ Die wichtigsten Wirtschaftsfragen werden im Zentralfomitee ohne vorherige Vorbereitung, ohne planmäßigen Zusammenhang in aller Eile entschieden. Es gibt keine Leitung der Wirtschaft, das Chaos tommt von oben!" III. Das Verhältnis zu Lenin. Trozki schildert in seinem Memorandum das Verhältnis des kommunistischen Zentralfomitees zu Lenin während seiner Krankheit. gemeiner Diefes Verhältnis, das aus einem Gemisch von Heuchelei und offenem Betrug besteht, ist außerordentlich charakteristisch für alle jene kommunistischen Führer, die jetzt nach dem Tode Lenins jedes seiner Worte heilig sprechen und Karl Radek als Menschemisten" bezeichnet haben, weil er sich erlaubt hat, in aller Ehrerbietigkeit von der historischen Entwicklung" der Anschauungen Lenins zu sprechen. Während seiner Krankheit schrieb Lenin einen Artikel über die Mängel der russischen Staatsinspektion, dieses ungeheuren bureaukratischen Apparates, der zu feiner positiven Arbeit fähig ist. Lenin schlug in seinem Artikel vor, diesen Apparat umzugestalten, aber Bucharin als Chefredakteur der„ Prawda" weigerte sich, den Artikel Lenins zu veröffentlichen. Trogti berief darauf eine Sigung des Bureaus des Zentralkomitees ein und die Mehrheit beschloß gleichfalls, den Artikel Lenins nicht zu veröffentlichen. Da aber der frante Lenin verlangte, daß man ihm den gedruckten Artitel vorlegte, beantragte einer der fommunistischen Führer", cine Sondernummer der„ Prawda" mit dem Artikel Lenins in einem Exemplar zu drucken, um Lenin zu beruhigen und gleichzeitig feinen Artikel vor der Partei zu verheimlichen. Der Urheber dieses genialen Antrages wurde kurz danach- zum Chef der Staatsinspektion ernannt! 17 IV. Trotskis Stellung in der Partei. Aus den Briefen Trogtis und den Antworten des Zentralfomitees geht ferner hervor, welche Stellung Trogli in der Kommu nistischen Partei einnimmt. Obwohl er bei den kommunistischen Massen eine ungeheure Autorität besigt, wird er in der Parteileitung vollkommen an die Wand gedrückt und ständig bekämpft. In dieser Beziehung ist die Erklärung eines der Mitglieder des Zentraltomitees, Kuibysche w, außerordentlich charakteristisch, der gegen über Trozki in der Gizung des Kriegsrates offen erklärte:„ Wir erachten es als notwendig, gegen Sie anzufämpum fen, wir können Sie aber nicht als Feind erklären, und deshalb sind wir genötigt, zu diesen Methoden zu greifen." Es ist bekannt, mit welchen Mitteln die fommunistische Parteileitung operierte, um Trogkis Einfluß zu vernichten. man konnte zwar ihm gegenüber nicht die Mittel der Repression anwenden, mit deren Hilfe die kommunistische OppoZentralfomitee, daß Trokki monatelang von jeder praktischen Einflußnahme auf die Politik ausgeschaltet wurde. Nach seiner Rückkehr aus dem Kaukasus schien es, als sei der Friede zwischen ihm und der Parteileitung wieder hergestellt. Doch die heftigen Zusammenstöße auf dem jetzt tagenden kommu nistischen Parteifongreß in Moskau zeigen, daß diese An nahme irrig war. Es zeigt sich vielmehr, daß das Zentralfemitee, nach der gewaltsamen Vernichtung der Opposition und dem zeitweiligen Rückzug Troykis, der ihn in den Augen seiner Anhänger fompromittierte, die Gelegenheit benutzt hat, um auf dem sorgfältig gefiebten Kongreß mit Troßfiendgültig abzurechnen. Der Kampf in der russischen Kommunistischen Partei ist damit in ein neues Stadium getreten, das manche Ueberraschungen verspricht. fition mundtot gemacht wurde, aber immerhin erreichte das Die Qualitätserhaltung unserer Marken fordert kleine Preiserhöhungen! WENES RUND 3* ORANGE 4 af.* WENESTI TI * FERVOR 68 ZIGARETTEN FABRIK A. G. GOBELIN 10 S BERLIN Safis Backpulver Penner für Kuchenkenner A Qualitätsmarke,-überall gesucht und erhältlich Nährmittelfabrik Julius Penner AG Berlin- Schöneberg. DE THOMPSON'S SchwanIst ausgiebig im Gebrauch, spart Zeff und Mühe. Theater, Lichtspiele usw. 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Mai 14. 21. 28. 1,13 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,11 1,13 1,14 1,15 1,16 1,15 1,13 Abnahme gegen die Vorwoche 1,7 Proj. Die Besserung der Devisenlage. Die von der Reichsbant verfolgte Politik der Einschränkung der Kredite in Renten- und Papiermart unter gleichzeitiger Er weiterung der von der Golddiskontbant gewährten Goldkredite hat einen überraschenden Erfolg gehabt. Noch vor wenigen Wochen war die Nachfrage nach fremden Werten so groß, daß fast alle wichtigen Devisen so gut wie gar nicht zu haben waren. Da auf die Nachfrage mur fleine Prozentfäße zugeteilt wurden, tam es dazu, daß jemand, der notwendig fremde Währung brauchte, monate lang als Räufer auftreten oder soviel mehr an Devisen anfordern mußte, daß er auch bei geringer Zuteilung darauf rechnen fonnte, einigermaßen erhebliche Beträge zu erhalten. Inzwischen fonnte die Zuteilung ganz wesentlich erhöht werden; gleichzeitig ging die Nachfrag nache fremder Wäurung rasch zurück. Gestern ist man so weit gekommen, den gesamten Devisenbedarf voll zuzuteilen mit Ausnahme von Dollars, von denen nur mit zehn Prozent des Bedarfs zur Verfügung standen. Damit hat der Berliner Devisenmarkt annähernd sein normales Aussehen erhalten. Wie rasch sich diese Entwidlung vollzog, das geht aus der nachfolgenden Uebersicht der Devisenzuteilungen an den Wochenendterminen der letzten vier Wochen hervor: 8uteilungen der Reichsbant am Devifenmarkt in Prozenten der angeforderten Beträge Finnland 10. 17. 24. 31. Mai Argentinien 10 100 100 100 England 1 2 8 100 Amerika 1 1 3 10 Holland 1 2 3 100 Norwegen 121 20 100 100 20 100 100 100 Italien 50 100 100 Dänemark. 4 10 100 Frankreich. 12 100 100 100 Tschechoslowakei 10 15 100 100 Schweiz 2 2 50 100 Spanien 50 50 . Schweden. 4 10 100 80 100 100 12 tapital von mindestens 2000 m. verfügen. Das private Baugewerbe hat fich auf den Zusammenschluß dieser Kreise bereits eingestellt und sucht Interessenten zu erfassen, die sogar für jedes 3immer 2000 bis 5000 m. Bautostenzuschuß mit bringen fönnen. Diesen Kreisen fließen dann auch noch die 4000 bis 5000 M. öffentliche Hypotheken zu. Das Standalöse an der Entwicklung dieser Dinge ist nicht nur, daß die Minderbemittelten die Geprellten sind, sondern daß auch die Wohnungslosen, die in vorderster Reihe der Dringlich feitsliste stehen, eine Aussicht haben, je eine Wohnung zu erhalten, meil die glücklichen Bezieher der neuerbauten Woh nungen in den feltensten Fällen eine eigene Wohnung befizen, die fie für„ dringliche" freimachen könnten. Geradezu finnlos ist es aber, wenn, was heute schon festgestellt werden kann, öffentliches Bautapital für den Wohnungsbau zur Verfügung steht( in Preußen fließen aus der Hauszins fteuer je Monat 15 Millionen Goldmart), dieses Bautapital dem Wohnungsbau aber nicht zugeführt werden kann, weil die Restfinanzierung dank der falschen Einschätzung der Kapital fraft der Wohnungslosen durch unsere Behörden nicht gelöst werden tann. " 1 Sofern die Grundfäße" der Staaten nicht geändert werden, muß die Entwicklung der Dinge auf dem Wohnungsbaumarkt zu folgenden Zuständen führen: Das von der Gesamtheit der Mieterschaft aufgebrachte Haus ginssteuerfapital fließt der bemittelten Bevölkerung zum Bau größerer Wohnungen zu, an dem in absehbarer Zeit ein leber fluß sein wird, weil große, früher wohlhabende Teile des Volkes die steigenden Mieten nicht aufbringen fönnen, oder aber, die öffent lichen Organe bleiben bei ihren Grundsägen, und dann bleiben auch die öffentlichen Hypothefen in den öffentlichen Raffen liegen, die die Wohnungslosen und Arbeitslosen sehnsüchtig anfchauen dürfen, ohne daß ihnen Hilfe zuteil wird. tage und der einzelnen Stadtverwaltungen fein, gegen diese wirt Es dürfte Aufgabe des Reichstages sowohl wie der Land schaftlich sinnlosen und sozial direkt aufreizenden Grundfäße der ftaatlichen Verwaltungsstellen anzugehen. Zur Illustrierung dieser Grundsäge mag folgende Berechnung aufgeftellt werden: Eine Kleinwohnung, die vor dem Kriege 6500 m. loftete und eine Miete von 400 m. brachte, foftet heute etwa rund 10 000 m. Nach den Grundsägen Preußens würde eine solche Wohnung heute folgende Mieten bebingen: = 400 m. 180 PP 100 ° B 240 die erste Hypothet zu 2000 m. zu 20 Proz. die zweite Hypothet zu 6000 m. zu 3 Proz. Eigenkapital zu 2000 M. zu 5 Proz. Betriebskosten. Summa 920 m. Die Miete in der neuen Wohnung stellt sich denmach auf das 2,3fache der Friedensmiete oder auf fast das 5fache der heutigen miete. Daß den Minderbemittelten eine derartige Laft im verarmten Deutschland untragbar ist, braucht nicht bewiesen zu werden. Wir empfehlen darum dem Reich und ben Staaten, sich den an sich selbstverständlichen Grundsatz zu eigen zu machen, den die englische Regierung für das diesjährige Bauprogramm aufgestellt hat, und der folgenden Wortlaut hat: Die Mieten in den neuen Wohnungen dürfen nicht höher sein als die Mieten in den Altwohnungen. Ben diesem Grundfah ausgehend, muß auch das dem Wohnungsbau aus öffentlicher Hand zugeführte Bautapital sowohl in der Höhe wie dem em 3 in skuß nach bemeſſen werden. Alle anderen Grund. Noch vor vier Wochen war von einigen hier nicht auf- fäße führen zwangsläufig zu einer Wohnungspolitik mit dem Leit geführten Nebendevisen abgesehen bei den wichtigsten Fremb- fab:" Reichen Leuten tann geholfen werden." währungen eine Zuteilung von 1 und 2 Prozent die Regel, vor acht Tagen konnte der Sazz bei den meisten Baluten wesentlich heraufgesetzt werden, aber immer noch bekam man nur 3 Prozent der angeforderten Gulden, Pfunde und Dollars. Am Monatsende erfolgte eine Beschränkung der Zuteilungen lediglich bei Dollars. Nachdem Zuteilungen so gut wie aufgehört haben und bie volle Dedung des Bedarfs zur Regel geworden ist, hat sich das Reichs wirtschaftsministerium zu der in diesem Amte felten gewordenen Tatkraft aufgerafft, Sonderzuschläge auf Waren preise, die infolge des Kursunterschiedes der Mart im In- und Ausland von den Lieferanten verlangt wurden, zu verbieten. Es tommt spät, aber es tommt... Reichen Leuten kann geholfen werden. Bon der Reichswohnungsfürsorgeattiengesellschaft für Beamte, Angestellte und Arbeiter, genannt Rewog", wird uns gefchrieben: Der hessische Staat hat jüngst für die Finanzierung bes Wohnungsbaues im Jahre 1924 den Grundsatz aufgestellt, daß je Wohnung eine Hypothet aus öffentlicher Hand von durchschnitt lich 2000 bis 3000 m. gewährt werden soll. Der preußische Staat ist etwas freigebiger" gewesen und hat den durchschnittlichen Sah auf 4000 m. angefeßt. Es zeigt sich nun schon heute, daß, wenn wie für Berlin die Hypothet öffentlicher Hand auf 6000 m. her auf gesetzt wird, der Wohnungsbau für minderbemittelte Wohnungslose dennoch nicht in Angriff genommen werden kann, weil teine Baugenossenschaft die Rest finanzie. rung der Wohnungen zu lösen im ftande ist. Eine Kleinwohnung im bescheidenen Ausmaß loftet heute einschließlich Grund und Boden rund 10 000 Goldmart. Nach den Grundsätzen des preußischen Staates( andere Staaten mit Aus nahme von Hamburg haben ähnliche Grundfäße aufgestellt) erhält eine Baugenossenschaft eine gering verzinsliche Hypothet pro Woh nung in Höhe von 4000 m. und in Ausnahmefällen von 6000 m. Die fehlenden 6000 bzw. 4000 m. müssen dem privaten Rapital markt entnommen oder aus eigenen Mitteln der Bauluſtigen und Baugenossenschaften gedeckt werden. Der private Kapitalmarkt ist heute gar nicht in der Lage, Hypothefen zu gewähren, und wenn es dennoch geschieht, so erhält man eine erste Hypothet bestenfalls in Höhe von 2000 m. für 20 bis 25 Broz. Binjen. Die Reichsversicherungsanstalt 3. B. soll sich bereit erflärt haben, für einige tausend Wohnungen je 2000 m. für 18 Proz. Zinsen bereitzustellen. Einschließlich der Unfoften wird man durchschnittlich mit einer ersten Hypothet von 2000 M. zu 20 Proz. rechnen können. 2000 m. wären dann noch aus eigenen Mitteln der Baugenossenschaften zu decken. Wie soll eine Baugenossenschaft diese 2000 t. aus eigenen Mitteln aufbringen? Was den wohnungslosen minder. bemittelten Baugenossen äußerstenfalls an Sparkraft zugemutet werden kann, das ist pro Woche 2 m. oder im Jahre 100 M. Wenn also eine Wohnung im Rahmen genossenschaftlicher Hilfe errichtet werden soll, dann müssen sich schon 20 Baugenossen zuſammentun, um einem Baugenossen zu einer Wohnung zu verhelfen. Der letzte Genosse hätte dann nach 20 Jahren Aussicht, gleichfalls eine Woh nung zu erhalten. Mit dieser Aussicht ist die baugenossenschaftliche Bautätigkeit aber nicht zu beleben und den Minderbemittelten nicht zu helfen. Die Folge diefer öffentlichen Neubaupolitit, die fich heute bereits am Wohnungsbaumarkt flar abhebt, ist die, daß die von der Gesamtheit der Mieterschaft aufgebrachte Hauszinssteuer den be. mittelten Reifen zufließen wird, die über ein eigenes Bau" " 1 * Wir empfehlen allen in den Organen der öffentlichen Verwaltung stehenden Parteigenoffen, die von der„ Rewog" herausgegebene Zeitschrift Wohnungswirtschaft" zum Preise von 1,50 m. vierteljährlich bei der Post zu abonnieren. Das letzte uns vorliegende Heft 5 der Wohnungswirtschaft" enthält einen außerordentlich wertvollen Leitauffaz über Programmatische Richtlinien für die wertvollen Leitauffag über Programmatische Richtlinien für die Siedlungspolitit der Gegenwart und Zukunft" und einen Ueberblid über die Zeit- und Tagesfragen der Wohnungswirtschaft, wie er bisher noch von keiner anderen Zeitschrift gewährt worden ist. Es dürfte bekannt sein, daß die Wohnungswirtschaft" auf streng ist. Es dürfte bekannt sein, daß die Wohnungswirtschaft" auf streng gemeinwirtschaftlichem Boden steht und insbesondere die Bau- und Siedlungsintereffen der minderbemittelten Bevölkerung vertritt. " Verbandstag der oftdeutschen Konsumvereine. Am 24. und 25. Mai d. 3. wurde der 60. Verbandstag des Ber bandes, dem die Konsumgenossenschaften der Provinzen Branden burg, der Grenzmart, Pommern, Ost- und Westpreußen angeschlossen find, in Kolberg abgehalten. Er war von 70 Genossenschaften be schickt; außerdem waren vertreten: der Vorstand des Zentralverbandes deutscher Ronsumvereine, die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Kon fumvereine und die„ Boltsfürsorge". Vom Magistrat der Stadt Kol berg nahm Bürgermeister Dr. Goebel an der Tagung teil. Nach der offiziellen Begrüßung gedachte der Vorsitzend P. Müller bes 60jährigen Bestehens des Verbandes. lleber ble Entwicklung ber Sonntag, 1. Juni 1924 dem Berbande angeschlossenen Genossenschaften berichtete Verbands sekretär Hildebrandt. In den letzten 10 Jahren stiegen im Ver bande: die Mitgliederzahl in den Genossenschaften von 225 374 auf 389 567 oder um 72,8 Proz., die Warenvertei lungsstellen von 561 auf 732 oder um 30,5 Proz., die Zahl der in der Warenverteilung beschäftigten Personen von 2505 auf 4224 oder um 68,6 Proz., die Zahl der in der Eigen= produktion beschäftigten Personen von 388 auf 585 Personen aber um 64,5 Proz. Redner stellte fest, daß die Heranziehung der Konsumgenossenschaften zur Umsatzsteuer und Gewerbesteuer direkt eine ausnahmegesetzliche Behandlung der Konsumvereine darstellt, von der diese besonders hart betroffen werden, da die den Mitgliedern abzulegende Rechenschaft eine flare und einwandfreie Grundlage für die Steuerveranlagung bietet, während sich die Kapitalgesellschaften und der Privathandel und das Gewerbe befonderer Institutionen bedienen, um möglichst geringe Steuern zu entrichten. Eine recht eingehende Würdigung fand auch die wirt. fchaftliche Lage der Genossenschaften. Die Aufbringung eigener genossenschaftlicher Betriebsmittel muß unbedingt auch in Zukunft unantastbarer Grundsah der Genossenschaften sein, da jeder aufgenommene Kredit eine Unterstübung des Kapitals bedeutet und durch seine hohe Berzinsung eine Schwächung der Genossen= schaften herbeigeführt wird. Des weiteren muß, um eine gefunde Rentabilität der genossenschaftlichen Betriebe zu sichern, eine ge= naue Kalkulation der Betriebsuntoften erfolgen und eine Preisgestaltung vorgenommen werden, die wieder die überlegene Leistungsfähigkeit der Genossenschaften über den Privathandel erfennen läßt. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der möglichsten wirtschaftlichen Sparsamkeit und voller Anpassung der Zahl der Angestellten an den Warenumfaß. Für die Warenverteilung ist wieder ein Monatsumfag von 2500 m. pro Kopf der beschäftigten Angestellten anzustreben. Für die weitere Stärkung der Ge nossenschaften forderte Redner die größere Heranziehung der Frauen zur genossenschaftlichen Mitarbeit. Verbandsrevisor Hahn. Beiden Vorträgen folgte eine eingehende Ueber die im Vorjahre vorgenommenen Revisionen berichtete Aussprache. Am zweiten Tage referierte das geschäftsführende Borstandsmitglied des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, Herr Auguft Rasch, über:„ Die Bedrohung der deutschen Fleisch= versorgung" und Otto Frömter( Spremberg) über: Praftische Erfahrungen aus dem tonsumgenossenschaftlichen Fleischereibetrieb". Nach der Aussprache wurde einstimmig felgender Beschluß gefaßt: " Der 60. ordentliche Verbandstag des Verbandes ostdeutscher Konsumvereine am 24. und 25. Mai 1924 in Kolberg hat mit Gemugtuung von der Verordnung der Reichsregierung vom 2. NoDember 1923, betreffend die Einfuhr von Fleisch, Kenntnis genommen, wonach die zur Verbesserung der Wolfsernährung zu gelassenen Erleichterungen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch, insbesondere von Gefrierfleisch, auf die Dauer von zehn Jahren in Kraft bleiben sollen. Erst auf Grund dieser Berordnung ist es den deutschen Wirtschaftstreifen möglich, Kapitalien für technische Einrichtungen, wie Gefrierdampfer, Kühlhäuser, Kühlwagen und Spezialläden für den Kleinverkauf festzulegen, die für den Vertrieb vollwertigen Gefrierfleisches unbedingt erforderlich find. Der Verbandstag gibt der sicheren Erwartung Ausdrud, dag, die gefeßgebenden Körperschaften des Reiches den immer umperhüllter auftretenden Bestrebungen der Landwirt schaft, die jetzt erst durch Beschluß der Reichsregierung eingeführten Einfuhrerleichterungen wieder zu beseitigen, um eine Erhöhung der Preise für inländisches Bieh und Fleisch zu erzielen, im Lebensinteresse des deutschen Volkes die entschiedenste Abweisung zuteil werden läßt." Es wurden schließlich geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Produktionssteigerung bei verkürzter Arbeitszeit. Die Tatsache, daß verkürzte Arbeitszeit nicht immer zu einer Berringerung des Produktionsertrages zu führen braucht, wird von den Unternehmern gern bestritten. In der Zeitschrift The Economist" gibt der Schokoladenfabrikant J. Cadbury, der in seinem Betrieb 10 000 Arbeiter beschäftigt, lehrreiche Aufschlüsse über das Verhältnis der Arbeitszeit zum Produkticnserirag. Der Produktionsertrag wird durch die An= strengung der Arbeiter, die Verbesserung der Be. triebsorganisation und die Entwicklung der Technik be. ziehungsweise der Ausrüstung mit Maschinen beeinflußt. Im einzelnen Falle ist es fehr schwer, den Anteil dieser einzelnen Faktoren einzuschäßen, da diese in der Regel zusammenwirken. Cadbury stellt fest, daß die Arbeitszeitverkürzung in den letzten zehn Jahren durch das Zusammenspiel der erwähnten drei Fattoren mehr als aus geglichen wurde. Er hat für seinen Betrieb folgende Tabelle aufgestellt: 47 Durchschnitts- Die Erhöhung wurde bedingt durch 1. erhöhung des Erverbesserte Entwidlung Art der Arbeit trages pro Kopf erhöhte b. Arbeiters 1923 Arbeits- Organija- der Maschi gegenüber 1913 anstrengung nentechnit in Prozenten 15 2. 3. tion 12 20 39 15 18 6 27 10 12 27 12 12 15 5 27 18. 28221N 56025 282259 888888 Sataogewinnung Schokoladeerzeugung Schokoladeverpadung Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Verarbeitung mit Hand Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Verarbeitung m.Maschine Zentner frei Haus Berlin. Verteilung und Versand .. 15,00 16,50 Malzkaffee, gepackt 22,00-24,00 Beachtlich ist dabei, daß der Anteil der durch erhöhte Arbeits. .... 16,50-18,00 .... 14,50- 15,25 Kakao, fettarm 100,00-115,00 anstrengung erzielten Produktionssteigerung in mehreren Abteilun15,50-16,25 Kakao, leicht entölt.. 115,00-130,00 gen, so bei der Schokoladenerzeugung, der Verpackung und bei der 11,00-12,50 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 16,75-18,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 Berarbeitung mit der Hand größer ist als der Anteil der Ma schinenvervollkommnung an der Vermehrung des Produktions Gerstengrütze, lose Gerstengraupen, lose.. 15,00-15,75 Röstgetreide, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß Maisgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmeh! Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, I erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudeln, lose. Bruchreis. Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringǎpfel, amerik. Cal. Pflaumen 40/50 43,00-45,00 21,50-25,25 Inlandszucker basis mel. 35,00- 37,50 Inlandszucker Raffinade 38,00-40,50 13,00 14,50 Zucker Würfel 15,00 21,00 Kunsthonig. 28,00-32,00 15,50- 18,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 10,75-13,75 Speisesirup dunk. in Eim. 26,50- 30,50 20,50-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 95,00-110,00 27,00- 30,50 Marmelade Vierfrucht 35,00-42,50 21,00 29,50 Pflaumenmus in Eimern 38,00-42,00 31,00 37,50 Steinsalz, lose 3,10- 3,70 39,00-46,00 Siedesalz, lose 4.00- 4,70 18,75-21,00 Bratenschmalz in Tierces 62,00- 63,00 37,00-43,00 Bratenschmalz in Kübeln 64,00- 65,00 34,00-36,00 Purelard in Tierces 61,00-62,00 17,00-20,50 Purelard in Kisten 61,00- 62,50 14,25-16,00 Speisetalg in Packung 50,00-52,00 16,25 18,00 Speisetalg in Kübeln 48,00-50,00 23,50- 31,00 Margarine, Handelsm. I 58,00 30,00-36,00 desgl. II... 52,00-55,00 82,00-86,00 Margarine, Spezialm. I 76,00 42,00-45,00 desgl. II. 61,00-65,00 50,00-55,00 Margarine III 46,00-49.00 68,00-72,00 Molkereibutter i. Fässern 174,00-182,00 72,00 Getr. Pflaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia 70,00-82,00 Molkereibutter in Pack. 18,00-188,00 Sultaninen Caraburnu.. 140,00-145,00 90,00 Landbutter 72,00-78,00 Auslandbutter in Fässern 179,00-185,00 Korinthen, choice Mandeln, süße Bari 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 185,00-190,00 Mandeln, bittere Bari 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 Zimt( Cassia) 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00-72,00 Kümmel, holländischer. 115,00-120,00 Quadratkäse..... 22,00-35,00 35,00 50,00 105,00-115,00 20,75-23,50 17,00-18,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 95,00-105,00 Quarkkäse Weißer Pfeffer. 125,00-130,00 Tilsiter Käse. vollfett Rohkaffee Brasil 180,00-215,00 Ausi. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 Röstkaffee Brasil 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00- 27,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. ertrages. Die Tätigkeit der Golddiskontbant. Die deutsche Golddiskonts bant, deren Aufgabe bekanntlich in der Zuführung echter Geldferdite an die Privatwirtschaft besteht, hat bis zum 23. Mai gegen Wechsel und Schecks 3,61 Millionen engl. Pfund( à 18,3 Goldmark) an Krediten vergeben, davon allein 1,33 Millionen Pfund in der dritten Maiwoche. Daraus geht hervor, daß die Kreditgewährung der Golddiskontbant zu der gleichen Zeit erweitert wird, wo die Rentenund Papiermarktredite beschränkt werden eine Geschäftspolitik, die, wie schon die wesentliche Erleichterung am Devisenmarkt in den legten Tagen zeigt, zur Aufrechterhaltung und Stärkung der deuts schen Währung beiträgt. Jahresschau deutscher Arbeit. In Dresden wurde am Sonnabend die Tertilausstellung als britte Jahresschau deutscher Arbeit in Gegenwart von zahlreichen Vertretern der Behörden, von Ausstellern und Ehrengästen feierlich eröffnet, Ministerpräsident Heldt, der die Gückwünsche der fächsischen Staatsregierung zum Ausdrud brachte, betonte in einer Ansprache, daß mehr als ein Drittel der gesamten deutschen Textilindustrie in Sachsen ansässig sei und daher die Ausstellung auch in erster Linie von sächsischen Firmen beschickt fei. Den Ruf als Ursprungsland hochwertiger Fertigerzeugnisse verdante Sachsen besonders seiner hochentwidelten Tertilindustrie, die als Rüdgrat Sachsens anzusehen sei. Die sächsische Regierung bringe daher gerade dieser Ausstellung besonderes Interesse entgegen. Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Wer an den„ Vorwärts" schreibt. Arbeitnehmer, die durch den Vorwärts" ihre Klagen und Be. schwerden an die Deffentlichkeit bringen wollen, müssen mindestens Namen und Wohnung angeben. Wer aus Torheit oder gar aus Berechnung seinen Namen verschweigt, muß wissen, daß feine Zusendung ohne weiteres in den Papierkorb wandert. Meist ist es nur Unflugheit, was die Einsender anonymer Zuschriften ver= anlaßt, ihren Namen zu verschweigen. Bleibt dann die Zuschrift unbeachtet, schimpfen diefe Leute auf den Vorwärts"; er sei fein Arbeiterblatt mehr und dergleichen. Ein fleines Beispiel soll zur Anschauung dienen. Ein treuer Verbandskollege, im Namen vieler Kollegen" schreibt: Als eifriger Lefer euerer(!) Bresse sehe ich mich nun jeden Tag die Augen aus, ob denn nicht einen Tag mal wenigstens ein kleiner Artikel über die Not der Gemeindearbeiter veröffentlicht wird. Es ist ein Hohn, jungen Leuten von 20 Jahren ganze 14 Mart und 52 Pfennige in die Hand zu drücken. Ebenso einem verheirateten Maurer 18 Mart und einige Pfennige. Schämt sich denn die Stadtverwaltung gar nicht, ihre Leute mit Hungerlöhnen nach Hause zu schicken?... Ich arbeite bei der städtischen Straßenreinigung. Bei der letzten Lohnerhöhung wurden uns 5 Pf. zugestanden, nachzahlbar ab 1. April. Die Lohngruppe bis 21 Jahre erhielt aber nur 3 Pf. ausgezahlt, während die Verheirateten 5 Pf. bekamen. Bei uns Ledigen macht das ganze 144 Pf. in der Woche aus. 11 In diesem Falle lag durchaus fein Grund vor, den Namen zu verschweigen. Ueberdies muß ein treuer Verbandskollege" auch wissen, daß hier nur die Organisation helfen fann. Die Mitglieder der Gewerkschaften müssen sich mit ihren Beschwerden in erster Linie an die Vertrauensmänner ihrer Organisation wenden und sie veranlassen, bestimmte Anträge zu stellen, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Besteht eine tarifliche Regelung, dann muß in der Regel deren Ablauf abgewartet werden. Nur in besonders dringlichen Fällen fann eine günstigere Zwischenregelung von dem Tariffontrahenten gefordert werden. Scheitern berechtigte Forderungen an dem Widerstand des Vertragsgegners, dann wird die Organisationsleitung den Streitfall durch den„ V o rwärts" der Deffentlichkeit unterbreiten. Wollten wir alle die Klagen einzelner Gewertschaftsmitglieder über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, seien es Arbeiter, Angestellte oder Beamte, felbst wenn sie mit genauer Namensnennung erfolgen, im Vorwärts" veröffentlichen, dann reichte deffen Raum nicht aus und die Wirkung wäre verfehlt. Der Redaktion des„ Borwärts" ist es aber auch nicht möglich, alle Angaben einzelner Genoffen auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Die Organisationsleitungen, die eine genaue Uebersicht über die Verhältnisse und ihre Zufaumenhänge haben, fönnen sie fachlicher beurteilen und darstellen und bieten uns ohne meiteres eine gewisse Gewähr dafür, daß ihre Schilderungen zutreffend find. Deshalb müssen die einzelnen Gewerkschaftsmitglieder mehr Fühlung mit ihrer Organisation halten und mit arbeiten an der Ausbreitung und inneren Stärkung der Organisation. Mehr Vertrauen zur Organisation und auch einiges Vertrauen zu der Zeitung, von der man fordert, daß sie sich auf feine Angaben verlassen soll. Zum Schluffe aber noch eines bei dieser Gelegenheit. Die meisten Genossen, die während der Inflationszeit den Vorwärts" nicht mehr halten fonnten, haben ihn nachdem gleich wieder bestellt. Aber es gibt noch so manchen, der zunächt zu einem billigeren Blatt gegriffen hat und heute immer noch ein Blatt wie den„ Lotalanzeiger" oder die„ Morgenpost" hält, anstatt den Vorwärts". Solche Auchgenoffen tönnen dann am besten über Dien" Borwärts" räfonieren, weil sie ihn nicht lesen. Auch hier fönnen die einzelnen Gewerkschaftsmitglieder Abhilfe schaffen, indem fie solchen Kollegen den Standpunkt flarmachen, der ihnen längst flar sein müßte. Der Borwärts" hat teine andere Aufgabe als die, die Intereffen der organisierten Arbeitnehmerschaft in Partei und Gewerkschaft zu vertreten. Wer sich damit ausredet, daß er megen seiner Frau ein billigeres bürgerliches Blatt hält, schädigt nicht minder das Allgemeinintereffe der Arbeitnehmerschaft, wie der, der es deshalb tut, weil ihm der Vorwärts" nicht radikal genug sei. Wer nicht einmal seine Frau über die Dinge aufflären fann, muß schon darangehen, sich erst selber die nötige Aufklärung zu verschaffen. Denn das Selbstverständliche fann nur gelegentlich beiläufig betont werden. Um so mehr sollte es be achtet werden. Schildhalter der Vaterländischen. Der Arbeitgeberverein für das füdöstliche Westfalen, gez. von Stal, hat unterm 28. April 1924 ein Rundschreiben( 31/24, Tagb. Nr. 130) an feine Mitglieder gerichtet, worin er auf die Wochen schrift der gelben Drahtzieher aufmerksam macht, die fich als„ vaterländische Arbeitnehmerbewegung" aufspielen. Dieser Arbeitgeber verein befürwortet das Verlangen der Berliner Gelben zentrale, Dessauer Str. 19, um Angabe von Arbeiter und Angestelltenadressen, damit das Blatt diesen in die Wohnung gesandt werden kann: # " Die recht gut geschriebenen Artikel belehren die Arbeiter dar über, daß Streits nur politische Manöver find, die den Mitgliederschwund der Gewerkschaften heilen follen, das Wirt schaftleben aber untergraben und damit in erster Reihe den Arbeiter fchädigen. Die erste Borbedingung für eine Besserung ist die Hebung der Wirtschaft durch ihre Befreiung von den Lasten des Versailler Vertrages und der Micum- Berträge und durch Mehrarbeit. Es wird eine weitere Bergröße rung der Spanne zwischen den Löhnen der gelernten und ungelernten Arbeiter gefordert, ebenso die Wiederein führung der Vortriegsarbeitszeit. Die überbetriebliche Lohnregelung, d. i. durch Tarifverträge, wird bekämpft. Bekanntlich haben die im Nationalverband deutscher Berufsverbände zusammengeschlossenen wirtschaftlichen Arbeit nehmerverbände, wie die Betriebsratswahlen zeigen, überall in legter Zeit sehr an Boden gewonnen. Im Essener Bergbaubezirk sind z. B. für die Union 13 321, die freien Gewerkschaften 10 185, die wirtschaftlichen Verbände 3317, Hirsch- Dunder 401 Stimmen abgegeben worden. Auch in den Berliner Betrieben ist die Zahl der wirtschaftlichen Mitglieder der Betriebsräte sehr im Zunehmen begriffen. Wir empfehlen den Bezug der Wochenschrift durch die Arbeit. geber in der Weise, daß eine Anzahl von ihnen bestellt wird unter Angabe von Arbeiter und Angestelltenadressen. Wenn sich die Arbeitgeber eines Ortes, z. B. Neheim, Sundern, Warstein, zu diesem Zwed zufammentun, werden sie sich sehr ver. billigen." Mit den Abreffen sollen die Arbeitgeber selbstverständlich auch den Bezugspreis für das arbeiterfeindliche Gelbenblatt im Betrage von vierteljährlich 1 m. bei Maffenbezug nach Ueber-bei Massenbezug nach Uebereinfunft" und das ist die Hauptfache. Die" Sebung 8 einsenden der Wirtschaft" soll die Summen für die Finanzierung der Gelbenbewegung wieder einbringen. Die Arbeitnehmer felber müffen den Judaslohn dafür aufbringen, daß ihre Interessen trag nur vorstrecken. von den Gelben verraten werden! Die Unternehmer sollen den BeJede Adresse, die die Unternehmer aus ihrer Arbeitnehmerin deren Mitgliederliste. Die Gelbenzentrale führt die Namen der registratur der Gelbenzentrale übermitteln, wird zu einer Nummer Arbeitnehmer, die ihr ohne deren Wissen und Willen angegeben werden, ohne weiteres als Mitglieder der Vaterländischen", die nur mit Hilfe der Scharfmacherverbände auf diese Weise zu Geld und zu Mitgliedern" tommen. Das Geld ist ja die Hauptscche, und die Mitgliederlisten dienen nur zur Propaganda, zur Erlangung weiterer Gelder, die den Arbeitern indirekt entzogen und von den Unternehmern vorgestreckt werden. " Tarifbewegung im Berliner Tapezierer- Gewerbe. Alle ernsten Versuche der Arbeitnehmerfommission, die durch Berhandlungen durch Verständigung zu beseitigen, find von den einen Streit für das Gewerbe drohende Gefahr in nochmaligen Unternehmern in den Wind geschlagen worden. Unternehmern in den Wind geschlagen worden. Gemeinsame Verhandlungen find das einzige, wozu die Herren sich noch aufzuschwingen vermögen. Doch eine Verständigung herbeizuführen, das verbietet ihnen der Herrenstandpunkt. Der Machtfizzel läßt auch die Tapezierermeister in den Fehler verfallen, die bisherigen Arbeitsbedingungen, die feineswegs einen Idealzustand darstellten, auf der ganzen Linie zu verschechtern zu suchen. Alle Vorschläge der Arbeitnehmervertreter in den vier strittigen Fragen, Arbeitszeit, Ferien, Arbeitsnachweis und Lohn, die sehr weitgehend waren, lehnten die Arbeitgeber ab, mit Ausnahme einer nichtssagenden Aenderung des Arbeitsnachweisparagraphen. Handwerker und Unternehmer dem Einfluß unterliegen wollen, Die Herren follten sich doch überlegen, ob sie als selbständige ben ein bestimmter Teil der Verhandlungskommissionsmitglieder der Arbeitgeber, als Werfführer in abhängiger Lohnstellung, die feinerlei Berantwortung bei Erschütterungen zu übernehmen haben, auszuüben versucht. Sollte feine beffere Einsicht bei den Unternehmerh zum Durch bruch fommen unter Berücksichtigung der Lage im Gewerbe, so wiffen die Herren aus Erfahrung, daß die Berliner Tapezierer noch immer abgelehnt haben, unter entwürdigenden Arbeitsbedingungen zu arbeiten, sondern es verstanden, sich bei passenden Gelegenheiten Ledürfnisse zu befriedigen. solche zu schaffen, die ihnen die Möglichkeit gaben, auch KulturEine Versammung am Mittwochabend 7 Uhr bei Boefer, Kollegen und Kolleginnen, ist Pflicht! Weberstr. 17, mird sich mit den Dingen befassen. Erscheinen aller Zum Zimmererftreit. Bon vielen Baustellen Groß- Berlins find uns durch freiwillige Sammlungen der dort beschäftigten Bauarbeiter aller Berufe Gelder zur Verfügung der kämpfenden Zimmerer überwiesen worden. Wir bitten, diesen Akt der Solidarität fortzusehen und so die Zimmerer in ihrem gerechten Kampfe zu unterstützen. Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin und Umgegend. Der Streik der Bauanschläger. Wir ersuchen die Bauarbeiter und die in den Bautiſchle beschäftigten Bauanschlägern die Berechtigungstarte abzureien beschäftigten Tischler, den auf Bauten oder in Tischlereien verlangen. Nur die, die im Befize einer solchen Karte sind, haben die Berechtigung zum Arbeiten, alle anderen find, Arbeitswillige. Die Streitleitung. Schiedsspruch im Versicherungsgewerbe. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns mitgeteilt: Die Gehaltsfähe des Reichstarifvertrages 1924 für die Angestellten der privaten Versicherungsunternehmungen waren von uns zum 30. April 1924 gefündigt worden. Monatelange Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmungen blieben ergebnislos, da die Arbeitgeber jegliche Gehaltserhöhung für die Monate Mai, Juni und Juli ablehnten. Unter Vorsitz von Magistrats rat Dr. Oppler hat der tarifvertragliche Reichsschlichtungsausschuß am 28. Mai folgenden Schiedsspruch beschlossen: ,, 1. Die Säße des Teil II RTV. 1924 werden für die Zeit vom 1. Mai 1924 bis 31. Juli 1924 um 15 Proz. erhöht. 2. Der Antrag, den 5prozentigen Abschlag der in München und Stuttgart beschäftigten Angestellten megfallen zu lassen, wird als im Widerspruch mit den Bestimmungen des Teil I RTV. stehend abgelehnt. 3. Die Anträge betr. Gehaltserhöhung für den Monat April 1924 und Beibehaltung des Sonderzuschlags gemäß§ 3 Biffer 7 Abs. 3 werden abgelehnt. Erklärungsfrist bis Dienstag, den 3. Juni 1924, nachmittags 3 Uhr." Der Schiedsspruch unterliegt nunmehr der Abstimmung der be. teiligten Angestellten. Für die taufmännischen Angestellten des Buchdrudgewerbes find die Tarifverhandlungen zur Festsetzung der April- und Mai gehälter beendet, Gehaltsablommen im Ortsbureau des 3d2. Der Manteltarif ist bis zum 30. September verlängert worden. Für Torfarbeiter gibt es feine Arbeitsgelegenheit im Bezirk Meppen, Papenburg und in der Grafschaft Bent heim i. H. Für die Moorkultur in der Grafschaft Bentheim werden die notwendigen Arbeitskräfte nur von den Arbeitsnach weisen Osnabrück und Hannover vermittelt. Es ist daher zwedlos, ohne Zustimmung der beiden Arbeitsämter dorthin zu fahren, weil die sich meldenden Arbeiter zurückgewiefen werden. deutschland Arbeiter und deren Familien an für Arbeiten in Gewissenlose Agenten werben in Pommernund Mittel. den obengenannten Bezirken. Arbeitsgelegenheit ist überhaupt nicht vorhanden und außerdem ist Wir warnen dringend, solchen Anwerbungen zu folgen. der Lohn( 30 Pf. pro Stunde) so gering, daß niemand damit austommen fann. Deutscher Verkehrsbund, Verwaltungsstelle Osnabrüd. 3m englischen Baugewerbe ist gestern die Entscheidung über einen eventuellen Streit erfolgt. Da eine Mehrheit von 27 000 Stimmen für die Annahme des Bermittlungsvorschlages war, so ist der Streif vermieden worden. Tapezierer. Versammlung aller Tapezierer am Mittwoch, den 4. Juni, abends 7 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe Papier, Sektion Buchhandel: Funktionärversammlung morgen ( Montag) 7 Uhr im Ortsbureau, Belle- Alliance- Str. 7-10. Uhr im Restaurant Binte, Eisenacher Str. 75. Mitgliederversammlung des Werbebezirks Schöneberg morgen( Montag) Bezirksversammlung Steglig morgen( Montag) 8% Uhr im Logenrestau rant, Stegliz, Albrechtstr. 112a. Angestellte der Wagen- und Karosseriebetriebe. Bersammlung morgen( Montag) abend 7 Uhr im Klubhaus, Ohmstr. 2. Bericht über die Tarifverhand lungen. Erscheinen aller Ehrenpflicht. Deutscher Werkmeisterverband. den Musikerfälen, Raiser- Wilhelm- Str. 31. Allgemeine Funktionärversammlung Mittwoch, den 4. Juni, 7½ Uhr, in Deutscher Baugewerksbund. Fachgruppe der Fliesenleger: Dienstag, den 3. Juni, 7 Uhr abends, Mitgliederversammlung im Saal 3 des Gewerkschaftszur Ausgabe. Die Fachgruppenleitung. hauses. Erscheinen aller Kollegen notwendig.. Der neue Tarifvertrag gelangt Filmschau. Die Filme der Woche. ,, Blut und Sand" heißt ein Paramountfilm, der spanisches Stier. fämpferleben verbildert.( Miozartsaal.) Der Stoff ist dem gleichnamigen Roman des spanischen Zola: Blasco Ibanez entnommen, der seinerzeit Jungen wird gezeigt, der es bis zum umjubelten Nationalhelden der im ,, Vorwärts" erschien. Aufstieg und Untergang eines armen Sevillaner Arena bringt, das Milieu der Stierfämpfer, die Arena felber mit den Kämpfen wird vor unseren Augen levendig. Daneben läuft die Liebesgeschichte des Toreros, der von einer großen Dame und noch größeren Stofette seiner treuen Carmen abspenstig gemacht und dann faltgestellt wird. In seiner Verwirrung erschlafft er und wird vom Stiere tödlich getroffen. In der Todesstunde versöhnt er sich mit seiner Frau. Ein Philosoph spricht den Epilog; arme Tiere, arme Menschen, die nichts Besseres wissen, als sich zu töten. Stofflich bietet der Film viel Sehenswertes, das spanische Leben ist nicht nur im Kostüm gut getroffen. Die ungeheure Arena mit ihren Leidenschaften und ihrer Gleichgültigkeit für Menschenschicksale steigt wie ein Symbol vor uns auf. Aber der letzte Elan, die erschütternde Tragit, bleibt aus. Vielleicht lag das am Helden, den Rudolf Valentino etwas reichlich süßlich darstellte ( offenbar lieben die Amerikanerinnen ihn so). Schlicht und natürlich war Lila Lee als Carmen, verführerisch und blendend Nita Nalbi als echte Stimmung. Stofette, prachtvoll der Bandit Plumitas. Bizets Mufit gab bie große, d. Die Sommerzeit wirkt verheerend auf die Programmauswahl der Rinoverwaltungen. Auch das schwülste Wetter entschuldigt noch nicht einen so alten Badenhüter wie den Boglampf Fattys", den man in den Oswald- Lichtspielen sieht, beziehungsweise fast nicht sieht, weil der Filmstreifen nicht nur abgenutzt ist, sondern auch mit verheerender Geschwindigfeit gedreht wird. Chaplin tritt in diesem Film für die Dauer von zwei Minuten auf, in einer ganz belanglofen Episodenrolle für die Richard- Oswald- Lichtspiele ist das Anlaß genug, den Film als Chaplin und Fatty" anzukündigen. Das Hauptstück bilden " 5 Afte eines österreichisch- ungarischen Films, genannt Zigeunerliebe". Inhalt und Technik verleugnen nicht den Entstehungsort, obwohl Regisseur und Verfasser Thomas Walsh und Burton George heißen. Hier ist der Titel eine Frreführung. Die Liebe des Zigeuners zur Zigeunerin spielt eine ganz untergeordnete Rolle. Wichtiger ist es, daß der Zigeuner den ,, Baron" zu erschießen versucht, weil sie beide etwas auf dem Kerbholz haben man erfährt nicht, was. Dadurch wird die Tochter des Polizeihauptmanns vor einer Liebe zu dem Baron bewahrt-, nachdem es schon sehr bedrohlich ausgesehen hat. Der tapfere sympathische und überdies noch beförderte Sergeant friegt die schöne Tochter( Anny Anbratowa). Eine bilettantische Regie weiß wertvolle Bildgelegenheiten nicht auszunuzen; das Manuskript ist uraltes, längst überholtes. Klischee. -th. " , Das Schicksal des Thomas Balt"( Alhambra) beginnt als logisch aufgebaute Handlung und endet als regelrechter Kintopp. Der reiche Bauer Balt, der dem Anschein nach zur Eifersucht berechtigt ist, verschenkt sein neugeborenes Kind an fahrende Leute. Sein Weib stirbt, und er tötet den Schänder ihrer Jungfrauenehre, der an der unglücklichen Frau Erpressungen verübte. Darum tommt der Bauer ins Zuchthaus, das er schwere Schicksalsschläge findet dann der Bauer Balt zu Gott zurüd. Das nach 21 Jahren verläßt, im Hader mit Gott und den Menschen. Durch ist natürlich ein Stoff voll dramatischer Wucht, aber das Zusammenballen der Geschehnisse ist oft start unwahrscheinlich, und die Menschen handeln nicht folgerichtig. So wird z. B. der Bauer nicht zur Rechenschaft gezogen, weil er sein Kind verschenkt hat, er kommt gerade am Hochzeitstage seiner Tochter aus dem Zuchthaus, fein im Kloster erzogener Sohn verdingt sich ausgerechnet bei ihm als Knecht usw. Man verspürt den gewollten Aftschluß. Die Münchener Lichtspieltunst brachte diesen Film publifum des fatholischen Agrarlandes und stimmten daher alles auf eine heraus. Die Verantwortlichen dachten wohl vorwiegend an das KinoAgitation für den Kirchenglauben. Franz Sei Regie erbrachte auch nicht einen überwältigenden Moment. Der Filmregisseur von heute ist nicht mehr auf zufällige Erfahrungen angewiesen, daher hätte er die Landschaft ganz anders ausnüßen müssen und sie nicht auf solch altmodische Art und Weise kolorieren laffen dürfen. Die Porträtphotographie hier immerhin noch bestrebt war, dem Film einen wirklich ernsten Chawar bemerkenswert gut, ebenso das Spiel der Darsteller. Während man rafter zu geben, spekulieren die Amerikaner auf die Sentimentalität der anderen und verlassen sich auf ihre technische Vorzüglichkeit und die Sensation. So brachte das Bajag- Theater wieder zwei Amerikaner mit an ständigem Filmniveau heraus. Die Manusfripte sind fleine Nebensäch lichkeiten, welche die Regisseure gut ins Bird umfezen.„ Im lekten Moment" wurde bereits besprochen. In Tom Sheldon, der Meistergraphierte galoppierende Pferde. Doch kommen derartige Szenen bereits jockey", bewundert man Majorie Bensons Reitkunst und fabelhaft photoin anderen Filmen vor, fie fönnen daher den Reiz der Neuheit nicht mehr für sich beanspruchen. Sie sind wirkungsvoll, ohne noch zu verblüffen. e. b. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Deutscher Pazifistischer Stubentenbund. Universitätsprofeffor Weftphal spricht Montag abend 7½ Uhr im Dorotheen städtischen Realgymnasium, Dorotheenstraße. Thema: Deutsche Jugend und europäische Verwaltung". 8ahlreiches Erscheinen erforderlich. Gäste willkommen. Verband Cherechtsreform. Montag, den 2. Juni, 8 Uhr, Monatsverfammlung im Restaurant Greiffenberger", Jerusalemer Str. 8( oberer Saal). Bortrag von Herrn Dr. jur. Conrad Mendelsohn: Was haben wir vom neuen Reichstag zu erwarten?" Gäste willkommen. 3. Juni, abends 7% Uhr. Gemeinschaft proletarischer Freidenker, Bezirk Groß- Berlin. Funktionär fibung in der Schule Niederwallstr. 12( am Spittelmarkt) am Dienstag, den spricht Dr. Stillich im Meistersaal, Röthener Str. 38, über„ Die Lösung der Deutsche Gesellschaft für Reichserbrecht. Dienstag, den 3. Juni, 8 Uhr, finanziellen und sozialen Frage durch die Reform des Erbrechts". Rorbost 4: Dienstag, den 8. Juni, abends 8 Uhr, in den Unions- Festfälen, Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen. Abteilung Greifswalder Str. 222, Mitgliederversammlung. Gaufekretär W. Boetich spricht über Rusagrenten und der Bundestag in Dresden" Ortsverein Sohenneuendorf: Mittwoch, den 4. Juni, abends 18 Uhr, bei Pugger, Sohenneuendorf, Oranienburger, Ede Sauptstraße, spricht Gausekretär W. Boetidy über Rentenversorgung und Fürsorge der Kriegsopfer". Gäste willkommen. Arbeiter Radiolub. Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 4. Juni, 3. Mitgliedsbestätigung. Unter dem organisatorischen Bericht werden die Kurſe abends 7½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer. Tagesordnung: 1. Organi fatorischer Bericht. 2. Referat über die gefeßlichen Bestimmungen der RTV. und Bastelabende und die Lokalitätenfrage besprochen. Sekretariat: Sendelstraße 20, Eingang Neue Grünstraße. Geöffnet von 6 Uhr abends. Montag, den 2. Juni, findet in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36, eine Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Ramerabschaft Friedrichshain: Am erweiterte Borstandssigung abends um 7% Uhr statt. In dieser erscheinen auch 2. Juni, abends 7 Uhr, Bersammlung bei Meier, Türkisches Zelt, Breite Str. 14. die neugewählten Straßenführer. Kamerabschaft Bantow: Montag, den Telephon: Norden 9296 Sophien- Säle Säle frei! Sophienstr. 18 Der Leberraschungssieg bei einer Schönheitskonkurrenz. Der große Saal war bis auf das letzte Blätzchen gefüllt. Aller Augen blickten in höchster Spannung nach dem Podium, auf dem foeben der letzte Att der Schönheitstonfurrenz begonnen hatte. Sechs Damen hatten die Preisrichter für den engeren Wettbewerb ausgewählt und nun galt es, der Schönsten unter den Schönen den Preis zuzuerkennen. Es war ein schweres Stück Arbeit für die Preisrichter, denn jede der Konfurrentinnen war in ihrer Art eine vollendete Schönheit. Da das Kollegium fich nicht einigen tonnte und immer wieder zu erneuten Beratungen zusammentrat, so faßte das Publikum schließlich die Sache von der heiteren Seite auf und ein junges Mädchen, das in der ersten Reihe saß, brach ganz unvermittelt in ein schallendes Gelächter aus. Empört ob dieser Störung ihrer ernsten Arbeit wandten sich die Breisrichter nach der noch immer harmlos lächelnden Dame um und ein Eclat schien unvermeidlich. Aber o Wunder!... Die erzürnten Mienen des Richterfollegiums glätteten sich mit einem Schlage und der Borsigende rief voll Entzücken: Heureka! Dort ist die Schönste!"... Und die ob dieser Wandlung ganz erstaunte Maid wurde im Triumph auf das Podium geführt und empfing den ersten Preis, obwohl sie nur ein Durchschnittsgesicht hatte. Und des Rätsels Lösung?... Ihr Heiterfeitsausbruch verschaffte der jungen Dame den Sieg, denn eine Perlenreihe entzückender Zähne von einem schneeweißen Schmelz und strahlender Gesundheit verschönte thr sonst nicht übermäßig blendendes Antlig in einer Weise, daß die anderen Mitbewerberinnen unterlagen. Die Moral: Nur wirklich gut gepflegte Zähne verbürgen wahre Schönheit, und die Preisträgerin verdankt ihren Ueberraschungssieg einzig und allein dem dauernden Gebrauch des unentbehrlichen Kosmetitums für eine rationelle Zahnpflege, dem weltbefannten Chlorodont. Diese einzigartige Zahnpaste entfernt zumeist fchon nach einmaligem Buzen den braunen Belag, wie er besonders nach Zigarettenrauchen aufzutreten pflegt und beseitigt den schädlichen Zahnstein. Ein noch unästhetischerer Schönheitsfehler ist der üble Mundgeruch, der sich bei schlechter Zahnpflege für die Umgebung fo, abstoßend bemerkbar macht. Hier wirft Chlorodont wahre Wunder. Ein herrlich erfrischender Geschmad und Geruch macht den regelmäßigen Gebrauch direkt zu einem Lebensbedürfnis. Mit Recht ist daher Chlorodont bei Millionen von Kulturmenschen täglich im Gebrauch. Eine große Tube für 80 Pfennige reicht 4-6 Wochen. Kleine Tube 50 Pfennige. Man weise billige Erjagmittel zurück. 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Als der Wagen schon lange vorbei war, schimpften die kleinen Kerle noch lebhaft über den rücksichtslosen Straßenbahner.-Einfach so in uns hineinzufahren mit seinem Dreckkasten," rief Wittsteert empört„ Sollte auch lieber zu Fuß gehen, wenn er sich feine Pferde haften fann, der Klingelaugust, fpottete Piepfriße, ein vielverpfrechendes Bürschchen, ein halbstarter Spaß. Seine Mutter, die Dachjette, sah ihn stolz an. Sie freute fich über ihren Jungen, der unter seinen vier Geschwistern, ihrem vorigen Sah, der Tüchtigste war. Er erinnerte sie auch immer an feinen Bater, der vor fünf Wochen von einem zwölfjährigen Bengel mit dem Tesching aus dem Kirschbaum geholt worden war. Der Raubspazi war ein prächtiger Kerl gewesen, unerschrocken, schlau, dabei frech, so ein richtiger, welterfahrener Großstadtfpag. Sein Tob war ihr sehr nahe gegangen. Sie hatte sich erst eine Woche später wieder verheiratet. Ihr jetziger Gatte, der Schlumperjahn, war ein ganz leichtsinniger Kunde, der sich immer mit jungen Späßzinnen, die nicht immer im besten Rufe standen, herumtrieb. In den letzten Tagen war er gar nicht mehr nach Hause gekommen. Nun saß sie da mit ihren fünf Kindern und mußte fich von morgens bis abends abpladen, um sie durchzubringen. Unterdessen trieb sich Schlumperjahn in der Stadt herum, gudte bei Berwandten und Bekannten ein, besuchte politische Versammlungen und tröstete Strohwitwen und junge Spáginnen, die Bange meile hatten. Gegenüber der Hauptkirche, in einem alten Giebellaften im obersten Stod, unmittelbar unter dem Dache, wohnte ein Spazzenehepaar, Brummpieper und Flüggemie. Er war ein schon ältlicher, foliber, aber etwas finsterer Herr, sie ein junges unerfahrenes, lebensluftiges Ding. Es war also fein Wunder, daß die Ehe von Anfang an unglücklich war. Eines Tages war Flüggemie auf der Straße von ein paar halbwüchsigen Bengeln, die zu früh aus dem Elternneste geflogen waren, angerempelt worden. Schlumperjahn war darüber zugekommen, hatte die Buben energisch vertrieben, ihr höflich einige Artigkeiten gesagt und fie liebenswürdig nach Hause begleitet Sie hatte Vertrauen zu ihm. Dankbarkeit Bam hinzu und so hatte sich ein zärtliches Verhältnis angesponnen, von dem Brummpieper nichts wissen durfte. Aber böse Bungen hatten ihm alles haartein berichtet. Der Alte ließ sich nichts merken, paßte scharf auf, strich immer in der Nähe feiner Wohmung umher und begleitete seine Frau fast auf allen ihren Ausflügen, wenn sie Beforgungen zu machen hatte. Luft zu verlegen. Dann bliebe den Spaßen nichts anderes übrig, als entweber die Städte zu verlaffen oder sich den Verhältniffen anzupassen und Höhlentiere zu werden. Im letteren Falle wäre es aber nicht ausgeschlossen, daß die Sehkraft thter Augen stark zurüdgehen würde, ja, daß fie unter Umständen das Augenlicht einbüße: fönnten. Das wäre bei anderen Höhlenbewohnern auch schon vorgekommen. Der Redner führte eine ganze Reihe folcher Beispiele an, und entwarf dann ein Bild von dem zufünftigen Höhlenleben. Brummpleper fuhr zusammen, als seine Nachbarin Schnackliese ihn plößlich anstieß und ihm zuflüsterte: Flüggemie läßt dich bitten, Der Alte ahnte nach Hause zu kommen. Es ist lieber Besuch da." nichts Gutes und flog, fo schnell er fonnte, seiner Wohnung zu. Das hiebende Pärchen oben im alien Schnacktiese hinterher. Während der Ferien- und Reisezeit kann der ,, Vorwärts" auf jede Dauer allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer fordern das Zentralorgan der Vereinigten SozialdemokraHischen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungskiosken, Buchhandlungen und sonst. Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den Vorwäris" bei einer Aufenthaltszett unter 14 Tagen per Kreuzband durch die Hauptexpedition nachsenden. Außer dem Abonnementsbetrage ist in diesem Falle das Porto zu zahlen, welches wochentags 5 Pf., Sonntags 10 Pf. ( pro Woche 40 Pf.) beträgt. Bei längerem Aufenthalt ist der Vorwärts" durch Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt. In letzterem Falle kommen zu dem Abonnementsbetrage die Zustellungsgebühren in Höhe von 48 Pf. pro Juni, für Juli 72 Pf. Sobald die eine oder andere Art der Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des Vorwärts", Berlin SW 68, Lindenstraße 3, zu benachrichtigen. Abonnenten, welche den Vorwärts" bereits durch die Post beziehen, können denselben jederzeit bei dem Postami gegen eine Gebühr von 50 Pf. umbestellen. Bei Postüberweisungen bitten wir zu beachten, daß die Angabe der neuen Adresse bei der Ausgabestelle oder bei der Hauptexpe dition bzw. bel der Post möglichst eine Woche vorher erfolgt, am eine rechtzeitige Zustellung des Vorwärts" zu gewährleisten. 20 VORWÄRTS"-VERLAG Berlin SW68, Lindenstr.3. Fernspr. Dönhoff 2506/2507 1 Sonntag, 1. Juni 1924 daß fie die Spatzensprache nicht verstand! Sie hätte sich die Ohren zugehalten. Schade, daß der Kirschbaum nicht fprechen fonnte. Der hätte erzählen können! Die Jungen des Gartenbesizers ärgerten fich genug über die Spaßen, die ihnen im Sommer die besten Kirschen fortfraßen, die übrigen herunterwarfen oder beschmußten. Oft warfen sie mit Steinen in den Schwarm hinein, der auseinanderstob. Aber dann erschien die Alte am Fenster und drohte ihnen, oder sie riß wohi gar das Fenster auf und rief: Ihr bösen Jungen, wollt ihr wohl die armen Vöglein zufrieden lassen! Gleich laßt ihr das, sonst geh' ich zur Polizei!" und dann schloß fie energisch ihr Fenster zu, und die Jungen schlichen eingeschüchtert fort. Die Spaken aber lachten und rissen tolle Wize über ihre Wohltäterin. Einmal war oben im Baum eine Vogelscheuche aufgestellt. Die tam ihnen recht. Bald saß die ganze Gesellschaft darauf und lärmte wie nie zuvor, und Schlumperjahn sang ein Lied über Bosheit und Dummheit der Menschenkinder. Und die alte Dame freute sich. An einem schönen heißen Augusttage, als die Menschen sich im Basser am wohlsben fühlten und alles zum Baden ging, nahm das Gaffenvolt Sandbäder. Scharenwetse wühlten sie sich auf der staubigen Straße in den Rinnsteinen herum, plusterben die Federn auf und ließen sich's wohl sein. Schlumperjahn war auch dabei und räfelte sich voller Wonne immer tiefer ein. Da tönte plötzlich eine befannte Slimme an sein Ohr:„ Na, lebft dy auch noch, alter Lump? Ich dachte, du wärst schon lange in der Hölle!" Es war feine frühere Frau, die Dachjette. Ihm wurde ein wenig schwül zumute, denn er wußte, daß sie mit dem Schnabel nicht nur reden tonnte. Und hübsch war es damals nicht von ihm gewesen, daß er sie mit fünf Er Kindern sizen ließ. Das sah er für diesen Augenblick ein. blickte sie von der Seite an und sagte nichts. Sie fuhr aber fort: „ Ja, Schlumperjahn, deine Kinder haben mir viel Freude gemacht! Eins fiel aus dem Nest, meil nicht genügend Aufsicht war. Zwei haben die Razen geholt. Die letzten Beiden ähnelten ganz ihrem Bater und flogen, sobald sie ihre Flügeln gebrauchen fonnten, ohne Dant auf Nimmerwiederfehn davon. Ich bin nun froh, daß es nicht noch mehr waren. Im übrigen brauchst du mich nicht zu fürchten sie sah, daß er zitterte ich bin längst darüber hinweg und froh, daß ich mit dir nichts mehr zu tun habe, denn du wirst noch eln jämmerliches Ende nehmen!" Dann trillerte sie vor sich hin, so gut ein Spaß es vermag und verschwand. Als Schlumperjahn sie nicht mehr fah, atmete er erleichtert auf. Aber der Tag war thm verdorben. Der Winter fam und brachte viel Schnee und Kälte. Die Böglein litten bittere Not. Trotzdem viele Menschen ihnen Brosamen hinwarfen, tamen viele um. Ueberall bei den Häusern lauerten die Spatzen auf milde Gaben und harmädig wurde um jeden Broden gefämpft. Eines Morgens strich Schlumperjahn mit einigen Gefährten heißhungrig durch die Hintergärten der Borstadt. Da sahen sie plöglich auf einem Hofe ein halbaufgerichtetes, durch einen Stod So etwas mußte genau betrachtet werden. Jegt faßen fie alle um Sie flogen näher. Fürwahr, ein leckeres Mahl! das Sieb herum. Wie das lockte! Und dabei weit und breit tein menschliches Wesen zu sehen! Auch an den Fenstern des Hauses zeigte fich niemand. Es war also wohl eine neue Futterstelle. Schlumperjahn hüpfte noch näher. Der Hunger trieb ihn. Noch einmal sicherte er. Schnell hüpfte er hinein. Ein Körnchen, noch eins. Hei, wie das schmeckte! Wieder eins. Da waren auch schon zwei seiner Gefährten bei ihm. Eine prächtige Mahlzeit! Wieder stoben auf, flogen auf und davon. Aber nicht alle. Unter dem hüpften ein paar Spaßen hinein. Da ein Krach! Die Spazen umgeschlagenen Sieb flatterte Schlumperjahn und ein anderer Spah Gefangen! Was nun? Da lagen die schönen Bissen. Sie rührten nicht mehr daran. Aller Hunger war vergangen. Ein Mann tam heran.„ Ei, da find ja welche von den Kirschendieben! Schade, nur zwei." Rohe Hände griffen die Armen. Ein Ruck und noch einer. Zwei tote Spatzen lagen auf dem Hof, An einem Maimorgen war Brummpleper zu einer wichtigen Giebelhause mar fo vertieft, daß es ben Hausherrn erst gewahrte geftüßtes Sieb stehen. Darunter lag eine Menge Brot und sogar Bersammlung geflogen, hatte aber, bevor er fein Heim verließ, feinem Frauchen eingeschärft, zu Hause zu bleiben, da er bald wiederfäme. Raum war der Alte fort, da tam auch schon Schlumperjahn angefurrt, der auf der Lauer gesessen hatte. Er machte mit aus. gebreiteten Flügeln ein paar tiefe Berbeugungen und hüpfte dann in Flüggemies Wohnung hinein. War das eine Freude! Es wurde geliebtoft und geschnäbelt nach allen Regeln der Spaßenfunst... Wenige Dachpfannen weiter wohnte etne schon befahrte Spatzen mitme, die trotz ihrer Jahre noch ein feines Gesicht und Gehör besaß. Sie beobachtete voller Neid die beiden felig Berliebten und hatte nichts Eiligeres zu tun, als sofort Brummpieper nachzueilen. Der war mittlerweile in der bereits eröffneten Versammlung angelangt und folgte aufmerksam dem Vortrag des Wanderredners Grotmuhl, der über„ Ernährungsschwierigkeiten in der Großstadt" sprach Er führte aus, daß die Möglichkeit, sich in der Stadt ehrlich durch zufchlagen, immer geringer würde. Schon als die Autos auffamen und die Produktion der Roßäpfel immer mehr zurüdging, hätten fich die Lebensbedingungen sehr verschlechtert. Nun hätten die Menschen geplant, den ganzen Verkehr unter die Erde und in die Dujardin der wundervolle Weinbrand UERDINGEN A RH Mef Stoffe • Durdi Güten Preiswürdigken feit Jahren bekannt $ 5 Reklame- Angebot: Echt englisch Homespun Molkenmarkt 14 Tuchhans ME- Freitag Bitte auf Eingang N- 14 zu achten Prima Qualität 8,80 Mark EingangN° 14 als ein Entrinnen unmöglich war. Außer fich vor Zorn, atemlos, fauchte Brummpleper den Berführer an: a, bu Das könnte dir passen, hier, hier... Lump!" Er fonnte vor Wut nichts heraustriegen, Schlumperjahn, der einfah, daß hier nichts mehr zu machen war. wollte flüchten. Aber da hatte der Andere ihn auch schon beim Kragen. Er ergriff ihn im Nacken, daß er wie ein Auf gehängter am Balgen frei in der Luft baumelte und schüttelte ihn, daß dem Armen Hören und Sehen verging. Als Brummpieper ihn ohne einen Laut von sich zu geben. Dann stürzte der Alte sich auf endlich losließ, verschwand Schlumperjahn ohne sich umzusehen und Flüggentie, die zitternd und stumm vor Schreck zugesehen hatte, riß ihr Federn aus, zerrte fie bis an den Eingang, stieß sie hinaus und feifte:" Daß Du nicht wiederzukommen wagst, elende Dirne!" Auch sie entfloh schleunigst. Der Hausherr bebte vor Erregung an allen Gliedern. Da tam Schnackliese, die voller Schadenfreude dem Borgang gefolgt war, liebevoll auf ihn zu und wollte ihn trösten. Er aber fuhr auf sie los und bearbeitete sie mit Schnabel und Flügeln, daß fie fich so schnell wie möglich aus dem Staube machte. Dann faß er zusammengebudt im Eingang feines jetzt Itebeleeren Heimes, dachte über die Vergänglichkeit aller irdischen Güter und fröstelte. Als die Sonne schon längst zur Ruhe gegangen war, grübelte Brummpleper immer noch und wünschte sich den Tod. Am andern Morgen aber flog er früh aus, um sich ein neues Weibchen zu suchen. Draußen in der Borstadt hielten die Spaßen ihre Bersammlungen immer in einem Weinkirschenbaum ab, und das hatte seinen guten Grund. In dem Hause gegenüber im Nachbargarten wohnte im ersten Etock eine alte Dame, die im Bogelschutzverein war und im Sommer und Winter stets alles, was Flügel hatte, fütterte. Außer dem hatte sie eine Reihe von Star- und Meifenfästen angebracht, die alle von Spaßen bewohnt wurden. Diese waren so in der lleberzahl, daß die Sänger überall zu kurz tamen. Nur einige Buch finfen, Meisen und Schwarzdrosseln bekamen hin und wieder einige Brocken ab. Zum Dank für die Pflege fraßen die Spaßen die Weintrauben der Alten, nahmen an allen Mahlzeiten ihrer Hühner tell und beschimpften sie obendrein beständig aus dem Kirschenbaum. Oft spettafelten sie dort fürchterlich, fchaften auf das schlechte Futter, nannten sie eine alte fchofle Bide, kurz und gut, sie benahmen fich nur pöbelhaft. Und Schlumperjahn war einer der Tollsten. Wenn morgens noch fein Fressen zu haben war, flog er ans Fenster, picte daran und schrie: Futter heraus, alte Here!" " Je mehr die Spaten aber schrien, um so mehr freute sich die alte Dame, nannte sie: zutrauliche Tiere und Lieblinge!" Schade, aber nicht lange. Die Kazen sorgten für eine kostenlose Beerdigung. Hinten auf dem Kirschbaum saß eine ganze Schar Spazen und schimpfte Tod und Teufel. Und die Alte am Fenster lachte über das Gassenvolt. Koch& Leeland bringen die feinsten Aachener Fabrikate Herren- Stoffe Kammgarne" 15.- 20.DOG das Beste im Tragen.. Mtr. Damen- Stoffe.1.30 breit" Gabardine, Rips, Tuche.... Mtr. 6.- 8.Surtraudtenstr 20/21 Petrikirche hervorragend bewährt bei: Jogal ema Gicht, Grippe, Rheuma, Nerven- und Jschias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,3% Acid. acet. salic., 0,405% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum. 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