Abendausgabe Str. 256 41. Jahrgang Ausgabe Nr. 129 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaftion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Montag 2. Juni 1924 Berlag und Anzeigenabteilungi Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Millerands Schicksal besiegelt. Mehr als 300 Abgeordnete fordern seinen Rücktritt. Paris, 1. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Hoffnungen, die Miller and auf die Haliung der Radikaljozialen Partei gesetzt hat, haben sich nicht erfüllt. In einer Fraktionssihung, in der insgesamt 170 Mitglieder anwesend waren, wurde nach furzer Diskussion gegen vier Stimmen folgende Entschließung angenommen, für die auch Herriot'gestimmt hat: „ Angesichts der Tatsache, daß Herr Alexander Millerand, Präsident der Republit, im Widerspruch mit der Berfajfung eine Politik getrieben hat, daß er offen Partei für die Politik des Nationalen Blocks ergriffen hat und dieser Politik inzwischen durch das Land das Urteil gesprochen wurde, ist die Fraktion der Radikalen und Radikalfozialen Partei der Auffaffung, daß das weitere Verbleiben Millerands im Elysee eine Berlegung des Geistes der Republik darstelle und eine Quelle des Konslifts zwischen der Regierung und dem Staatsoberhaupt, sowie eine dauernde Gefahr für das gegenwärtige Regime bilden würde." " Der Sozialistische Parteitag, der am Sonntag morgen zu sammengetreten ist, hat einstimmig einen Beschluß angenommen, der die Fraktion auffordert, jedes ministerium zu bekämpfen, das von Miller and inveffiert sein sollte, das zweitens für den Fall, daß Millerand innerhalb der Kammer einen Komplizen finden sollte, der die Verantwortung übernehmen werde, den unzweideutig zum Ausdrud gekommenen Willen des Landes zu brüskieren", die Parteileitung auffordert, eine energische kam pagne einzuleiten mit dem Ziel, dem willen des Volkes Respekt zu verschaffen. In nicht minder scharfen Ausdrücken ist der Beschluß der Reublikanisch- sozialen Partei( Painlevé) gehalten: Die Partei ist einmütig der Ueberzeugung, daß es un möglich ist, mit Herrn Millerand zusammenzuarbeiten, nachdem dieser in Migachtung der Pflichten feines Amtes die auswärtige Politit in eine Richtung zu drängen versucht hat, die vom Lande verworfen worden ist." 1. Die interfraffionelle Besprechung der Parteien des Cinfsblocks, zu der auf ihren Wunsch auch die von Coucheur neugegründete Fraftion der Radikalen Linfen" zugezogen wurde und die unter dem gemeinsamen Borjih ven Herriot, Painlevé und Leon Blum um 1 Uhr 45 minuten eröffnet wurde, hat nur wenige Minuten gebraucht, um sich auf einen gemeinsamen Beschluß zu einigen. Die am Morgen von der Radikalfozialen Partei angenommene Entschließung wurde von Renaudel im Namen der Sozialisten und, von Biolette im Namen der Republikanischen Sozialisten gutgeheißen und ohne Diskussion einstimmig angenommen. An der Abstimmung haben teilgenommen: 101 Sozialiffen, 51 Republikanische Sozialisten, 136 Radikalfoziale, 20 Mitglieder der Radikalen Linfen und 5 Unabhängige Kommunisten. Herrn Millerands Schicksal dürfte damit endgültig be. fiegelf sein. Der französische Parteitag. Die Koalitionsfrage noch nicht entschieden. Paris, 1. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Außerordentliche Barteitag der Sozialisten, der am Sonntagmorgen un 10 Uhr zu sammengetreten ist, wurte nech kurzer Begrüßungsansprache mit der Debate über den Fall Miller and eröffnet. Von den zahlreich vorliegenden Entschließungen wurde, die bereits an anderer Stelle erwähnte des Abg. Renaudel angenommen. Der Parteitag trat sodann in die Disfuffion des Hauptpunktes der Tagesordnung, die Frage der Beteiligung an der Regierung, ein. Es gelangte zunächst der von dem Abg. Herriot an Leon Blum gerichtete Brief zur Verlegung, in dem Herriot die Ueberzeugung ausspricht, daß es der offenkundige Wille des Landes sei. daß die bei den Wahlen so erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Sozialismus und der bürgerlichen Demokratie fünftig in den Beratungen der Regierung ihre Forifeyung findet. Das Bolt habe seine Pflicht getan, heißt es in dem Schreiben weiter, nun sei es an den Parteien, die ihre zu tun, und deshalb bitte er im Namen der Radikalfozialen Partei die Sozialisten um ihre rückhaitlose Unterstützung und Mitwirkung. Poincarés Rücktritt. Paris, 1. Juni.( WTB.) Um 10 Uhr 30 Miunten vormittags hat Ministerpräsident Poincaré dem Präsidenten der Republik die Demission seines Ministeriums übermittelt. Der Demissionsbrief, der von allen Ministern unterzeichnet ist, hat folgenden Wortlaut: „ Nach der Entscheidung, die die Regierung am Tage nach den Kammerwahlen getroffen hat, haben wir Ihnen die kollektivdemiffion des Minifteriums zu überreichen." Der Ministerrat, der um 11 Uhr unter dem Vorsitz des Präfidenten der Republit zujammengetreten ist, war um 11 Uhr beendet. Nach seiner Beendigung hatten Poincaré und der Finanzminiffer François- Marjal eine Unterredung mit Millerand. Die Eröffnung der neuen Kammer. Die Eröffnung der neuen Rammer fand ungewöhnlicherweise an einem Sonntag statt, weil es die französische Verfassung strikt vor schreibt, daß das Parlament immer am 1. Juni zusammentreten muß, auch wenn dieser Tag auf einen Sonntag fällt. Es waren nicht weniger als 6000 Gesuche um Tribünenfarten eingereicht worden, von denen nur ein kleiner Prozentsatz befriedigt werden konnte. Man hörte eine Eröffnungsrede des Alterspräfidenten, des radikalsozialistischen Pariser Abgeordneten Piccard, eines bekannten Professors der medizinischen Fakultät und Sozialhygienifers. Die Rede enthielt deutliche Vorwürfe an die Adresse des Nationalen Blocks, der den Frieden nicht habe schaffen tönnen und die Bundesgenossen entfremdet habe. Piccard bekannte sich zum Völkerbund und zur Gerechtigkeit durch Recht und nicht durch Macht". Nach einem Hinweis auf die bedrohliche finanzielle Lage des Landes, drückte Piccard sein umbeschränktes Vertrauen zu den neuen Männern aus und Schloß mit einer ernsten Betrachtung des bevölkerungspolitischen Problems. Schwankende Beständigkeit. Die Rolle der Volkspartei. Bei Redaktionsschluß dauerte die Fraktionssikung.der Deutschen Boltspartei noch an. Es verlautet, daß die Deutsch nationalen eine neue Initiative eingeleitet haben, nachdem die Volkspartei die Rolle als ehrbarer Maller für beendet erklärt hat. Die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen hat an die Bolkspartei einen Brief gerichtet, in dem sie erklärt, daß die Türen noch nicht zugeschlagen feien. Eine Regierungsbildung fei jedoch für die Deuffdhnationalen nicht möglich, wenn Dr. Stresemann Außenminiffer bleibe. Ueber diesen neuen Schritt der Deutschnationalen ist die Reichstagsfraktion der Volkspartei froß des Vertrauensvofums für Stresemann vom Sonnabend bisher nicht zu einer Entscheidung gelangt. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Bolkspartei sitt feit 11 Uhr wieder zusammen, um sich darauf zu besinnen, was sie will. Die Entscheidung fällt ihr nicht leicht. Es geht um den Kopf Stresemanns, und die Stresemann- Gruppe will dem rechten Flügel der Volkspartei nicht fampflos nachgeben. Am Sonnabend hatte die Rechte keine Mehrheit. Die Deutschnationalen hoffen, daß heute die Mehrheit in der Volkspartei fraktion anders sein werde. Der„ Lokalanzeiger" schrieb gestern: " In dem Beschluß, die endgültige Entscheidung bis Montag zu vertagen, fönne man jedoch die Absicht der Partei erkennen, den bisherigen Weg noch nicht zu verlassen, auf dem man das Ziel des Großen Bürgerblocks erreichen wollte. Die Türen seien also noch nicht zugeschlagen, und bei einer anderen Kräfteverteilung in der nächsten Sigung fönne man immerhin mit einem Einlenten der Partei rechnen." Da die Bayerische Volkspartei sich für die Regierungsbildung mit den Deutschnationalen ausgesprochen hat, ist es nicht unmöglich, daß die Deutsche Volkspartei heute tatsächlich wieder auf die andere Seite fällt. Sie hat sich zwar am Sonnabend ziemlich festgelegt aber bei der Volkspartei ist fein Ding unmöglich. Die Deutschnationalen fordern den Kopf Stresemanns. Das Bertrauensvotum der Reichstagsfraktion der Volkspartei legt die Entscheidung darüber, ob er geht oder bleibt, in feine eigenen Hände einen Fraktionswillen hat die Volkspartei nicht. Die Deutschnationalen reichen ihm nun die seidene Schnur. Wird er Gebrauch davon machen oder nicht? Wie lange werden Zentrum und Demokraten diesem Spiel zwischen Volkspartei und Deutschnationalen, das nur der Verschleppung dient, zusehen? Schleppung dient, zusehen? Nach einer durch Zwischenrufe des Abg. Brace wiederholt unier brochenen Rede des Delegierten des Departements Gord, der unter Berufung auf Jaurès für den Eintritt in das Ministerium sich aus. spricht, löfte ein Antrag auf Beschränkung der Redezeit eine sehr heftige Geschäftsordnungsdebatte aus. Der Generalsekretär der Bariei Paul Jaure schlug vor, die Frage de: Beteiligung an der Regierung von der der Unterstützung eines demokratischen Mini steriums zu trennen. Dieser Anirag wurde von den Koalitions: freunden als taktisches Manöver bekämpft. Léon Blum trat für ten Vorschlag Jaures ein mit der Begründung, daß Herriot ihn Gebeten habe, is rasch als möglich eine prinzipielle Entscheidung herbeizuführen. Renaudel stellte den Antrag, ein viergliedriges Stomitze zu ernennen, das mit Herriot über die Festiegung eines politischen Mindestprogrammis verhandeln solle, da man erst nach feiner Kenntnisnahme über die Frage der Unterstützung einer bürgerbände berichtete Graf West at p über die Berhandlungen zur lichen Regierung sprechen könne. Dis sehr erregte Diskussion dauerte bis zur Mittagspause, ohne daß eine Einigung erzielt wurde. Wegen der Eröffnungssigung der Kammer mußten die Berhandlungen des Porteitages bis zum Abend unterbrochen werden. Der endgültige Beschluß dürfte erst in später Nachtstunde oder am Moning fallen. Westarp bei den Vaterländischen. In einer Vertretertagung der Vereinigten Vaterländischen VerRegierungsbildung, wobei er betonte, daß die Deutsch nationalen unbedingt an ihrem bisher eingenommenen grundsäglichen Standpunkt festhalten würden. Ein stimmig gelangte darauf am Schlusse der Tagung eine Entfchließung zur Annahme, in der ein Systemwechsel im Reich und in Preußen und die Ablehnung des Sachverständigengutachtens gefordert wurde. Attentat auf Seipel. Wien, 1. Juni.( WTB.) Auf den Bundeskanzler Dr. Seipel wurde heute abend bei seiner Ankunft auf dem Wiener Südbahnhof von einem mit demselben Zuge reifenden Pejsagier ein Revolverattentat verübt. Der Bundeskanzler wurde durch einen Cungenschuß schwer verletzt. Der Täter gab turz vor feiner Verhaftung einen Schuß auf sich selbst ab und verlehte sich chenfalls schwer. Er ist noch nicht vernehmungsfähig. Die Republik Deutschösterreich war, in wohltuendem Gegensatz zu ihrer großen deutschen Schwesterrepublik, bis jetzt von Mordanschlägen auf hervorragende Männer des Staates verschont geblieben. Das Attentat auf Dr. Seipel findet, wie alle Mordanschläge, unsere schärfste Verurteilung. Dr. Seipel, der schon in der Monarchie der Führer der Christlichsozialen Partei war, ist in den Augen der nicht zu den verbündeten Regierungsparteien( Christlichsoziale und Großdeutsche) gehörenden Desterreicher mit der Verantwortung für das Genfer Sanierungswert belastet, das die Selbständigkeit des Staates gegen die Völkerbundanleihe hingab, Desterreich der Kuratel des Völkerbundkommissars 3 immermann unterstellte und die Stabilisierung der Krone durch gewaltige Arbeitslosigkeit, massenhaften Beamtenabbau und Drosselung der Kulturausgaben teuer bezahlte. Gerade in diesen Tagen sollte Dr. Seipel Beschwerde führen und hilfeflehend zum Völkerbund nach Genf fahren, um wenigstens soviel Bewegungsfreiheit zu erreichen, daß den Bundesangestellten die Existenzmöglichkeit gesichert werde, was Herr Zimmermann Derbietet. Die Sozialdemokratie bekämpfte diese Sanierungspolitik auf das entschiedenste und mit um so mehr Recht, als sie vorher Sanierungswege gewiesen hatte, auf denen die Gesundung der Finanzen aus eigener Kraft zu erreichen gewesen wäre. Die österreichische Sozialdemokratie, die vor Jahren ihren Führer Schuhmeier durch ein ganz ähnliches Bahnhofsattentat verloren hat, ist in mancher Hinsicht zur Verteidigung nach reichsdeutscher Art, die Ostara- Leute ausgerüstet worden, gezwungen. Gegen die Sozialdemokratie sind die Terrorbanden und die überaus milde Beurteilung mörderischer Taten dieser Banden, denen mehrere unserer Genossen von der Ordnerschaft zum Opfer gefallen sind, hat die Arbeiter in steigendem Maße erregt. Gerade vor wenigen Tagen sind einige Hakenkreuzler, die der Ermordung unseres Genossen Still in Wien in höchstem Grade verdächtig sind, mit lächerlich geringen Geldstrafen davongekommen. Zurzeit demonstrieren die Arbeiter in zahlreichen Versammlungen gegen diese Justiz, die auch in Bes leidigungsprozessen führender Sozialdemokraten gegen reaf tionäre Berleumdungen ihr wahres Gesicht zeigt. Die große Arbeitslosigkeit, das Wiederansteigen des Inder ohne Ausgleich im Einkommen, die Straflosigkeit reaktionärer Attentate das alles mag den Sinn des Attentäters verwirrt haben. Wenn in einer Depesche behauptet wird, bei dem Atten täter sei 3eitungsmeldungen zufolge eine Mitgliedskarte einer sozialdemokratischen Organisation gefunden worden, so möchten wir diese Nachricht solange bezweifein, bis eine amiliche Bestätigung für fie vorliegt. Die österreichische Sozialdemokratie hat den Kampf gegen den Regierungskurs fachlich geführt, und nichts liegt ihren Absichten ferner, als die Uebernahme völkischer Mordmethoden. Die sinnlose Tat wird in ihren Reihen vorbehaltlose schärfste Berurteilung finden. Es ist zu hoffen, daß Dr. Seipel von seiner schroeren Vera legung gesundet, und daß der auf ihn verübte Anschlag eines Einzelnen auf das politische Leben Desterreichs nicht jene zera rüttenden Wirkungen ausüben wird, die die Folgen jedes echt en politischen Attentats sind. * Wien, 1. Juni.( WTB.) Zu dem Attentat auf Bundeskanzler Dr. Seipel wird noch gemeldet: Um 7 Uhr abends traf Dr. Seipel auf dem Südbahnhof mit dem Zug, der von Wiener Neustadt kommt, ein. Er verweilte auf dem Berron, noch einen Augenblick im Ges spräch mit dem Polizeikommissar und dem Bahnhofsvorstand. Wäh rend dieser kurzen Unterhaltung fielen aus nächster Nähe zwei Schüffe. Der Bundeskanzler Dr. Seipel fragte die bei ihm stehena den Herren:„ Es hat wohl eben geknallt, Ift jemand von Ihnen getroffen worden? Ich spüre nichts." Unmittelbar darauf er bleichte er und wurde ohnmächtig. Die Herren der Umgebung fingen ihn auf und brachten ihn sofort in das in der Nähe gelegene Wiener Krankenhaus. Von den zwei Schüffen, die auf den Bundesa fanzler abgegeben wurden, ist der eine ein Streifschuß, der andere cin Lungenschuß. Bei dem Lungenschuß ist das Geschoß im Körper stecken geblieben. Ueber den Zustand des Verlegten kann ein abe schließendes Urteil noch nicht abgegeben werden. Die Verwunding ist jedoch sehr schwer, wenn auch nicht tödlich, s Der Zustand Dr. Seipels ist andauernd ernst. Er hat Lungenbluten. Der deutsche Gesandte. Dr. Pfeiffer hielt sich bis in die späten Nachtstunden in der Nähe des schwerverlezien Bundeskanzlers auf. Die Landeshauptleute der Bundesländer find angewiesen worden, sich sofort nach Wien zu begeben. Der Täter, der etwa 30 Jahre alt und verheiratet ist, gab bei seiner ersten Vernehmung an, um 5 Uhr nachmittags in Wiener Neustadt von der Fahrt des Bundeskanzlers mit dem Schnellzuge nach Wien ere fahren und sogleich den Entschluß gefaßt zu haben, mit ihn zur gleichen Zeit nach Wien zu fahren, um hier das Attentat zu verw üben. Im übrigen verweigert er jede Auskunft. heißt I a worek und ist ein Spinner aus Pottendorf. Der Mann Seipel, der in schwerverleztem Zustande ins Wiener Krankenhaus gebracht worden ist, wurde fofort zweimal operiert. Ueber die Motive des Täters zu dem Anschlag ist noch nichts bekannt. Dez deutsche Setetbk Hr. Pfeiffer begab fich, sobald«-»«« de« Wertet erfahr«!, hatte, zu dem Spitot, um sich nach dem Ve- finden d«z Vunde-kanzlcrs zu erkundigen. Aussagen ües Attentäters. wie«.!. Sunt. tWTB.) Wie die Viätter weiter melden, wurde l- �, Justizrat Ha h n: Welch« Enffchädigung hat Gilbert vom Reich». kommistar erhalten? General st aatsanwalt: Vielleicht setzt stch der Zeuge mit dem Reichskommissar in Verbindung. Zeuge Mühleisen: Ueber gewist« Ding«, d« sich zwischen mir und anderen vertaulich abgespielt haben, kann iw mcht» sagen. Das soll nicht on die Oeffentlichkeit. Iustizrat Hahn: Wer sich beim Reichskommistanat zu loich«« Dingen hergibt, muß die Konsequenzen tragen. Tie Vorbereitungen zum Attentat. Iustizrat Hahn:„Was geschah in Trepte» Wohnung tu Ihrer Gegenwart?" Zeuge:„Köpke bat um W i ck elg a m as�ch« n zum Reffonzuq. Ich hatte kcine Vedcnk-n,.sie ihm zu geben Jmbzrat Hahn:„Wie war es mit der Pistole?" Zeuge:„Ich habe sie ge» geben. Dos spiel!« sich alles Nachts ab und es mußte lchnell gehen, da Thormann sonst mißtrauisch geworden wäre. Wir hatten Interfftr. di« Sache zu fordern, damit sie steigen konnte. 1 Justizrat Hahn: der Reichskommissar 5 0 Dollar bekommen, die Tettenborn er. halten hatte? Tettenborn erklärte, er hätte sie Ihnen angeboten Zeuge:„Ich will da» nicht als ausgefchlosten halten, aber'ck wcch aar nichts mehr."' Iustizrat Hahn:„Was wurde au» dem Geld? Zeuge:„Tettenborn und Köpke haben es vielleicht al» Auslagen ver-- wendet." Dr. Sack:..Hat Gilbert Ihnen erzählt, daß Thormann mit eine»«önchemr Austrao käme?" Zeug«: aMobcta glaubte daran nicht, daß Exevenz Ladend oeff darin vernffckelk fei. Dr. t-ack: „Den Gang der Ermittelungen leitete also Tettenborn. Zeug«: .Lmpohl." Dr. Sack:„Dann hoben Sie dem Mann« den Rücken ge- stärkt und den Auftrag gegeben." Zeuge:„Einen Auftrag gab ich ihm nicht." Dr. Sack:„Die weiteren Einzelheiten de» Planes sind also mit ihrem Wissen gesechehen." Zeuge:„Bis zum 14. Januar dielt Gilbert die Verbindung ouffecht, dann erst kamen Tettenborn und Köpke." Dr. Sack:„Tettenborn kont« also durch di« Berbinduna nzit Gilbert glauben, daß Sie alle sein« Schrine sanktionierten. Wußten Sie. daß Gilbert dos Schreiben Tettenborns«ingenmSchtig geöffnet habe?" Zeuge:„Es war Gilbert für uns übergeben wot- den." Dr. Sack:„welche Angäben hol Ihnen Tettenborn-» 14. Zannar gemocht?" Zeug«:„Er erweiterte Gilberts Angaben.' hartleben und Lilienccon. Persönliche Erinnerungen von Zohn Schlkowskl. Morgen, am Z. Juni, würde Detlev v. Liliencran SV. Ott» Erich Hartleben 60 Jahr« alt geworden sein Zwei Charakter« van grundverschiedener Struktur, die nur darin fich glichen. haß sie echt« Pvetennaturen waren und im Leben nicht« ernst nahmen als ihr« Kunst. Zwar hatte jeder sein Ideal, bei dem einen war e« das Doldatentum, beim anderen der Sozialismus, dem er trotz mancher Abschweifungen in d!« Zavctthuftra-Welt im Innern treu geblieben ist bis zum Tod«. Aber ich Hab« stet» den Eindruck gehabt, daß die Begeisterung für diese Ideal-, sowohl bei Liliencron wie bei Hortlcben vorwiegend artistischer Natur war. Die Romantik de» Kriegerlobens zog Lüiencron an, die Romantik des Rebevenwm» gegen die Philister reizte Hartleben. Ich tonnt« sie beide persönlich, bin mit Otto Erich«ng be- ffeundet gewesen, und ich muß sagen: ttn Grund« seine» Herzen» war der freiherrlich:.Hauptmann viel mehr Demokrat al, der bürgerliche Freigeist Hartleben. Liliencron sah, wertete und genoß im Menschen da; Reinmenschliche, und da? fand«r in den sogenannten unteren Ständen klarer und schönet ausgeprägt als in den Kreisen, denen er «nfftammt«. Hattleben sucht« in der Persönlichkeit da» Absonderlich», da- sie au» der Mass« heraushob, er verehrte in B« b« l den großen Loltstribun, während Lilffneron feinen Freund Moltenbuhr als den Prachtmenschen liebt«, in dem er alles Tüchttge ihrer ge- nteinkamen holsteinisch-n Heimat verkörpert sah. Wenn der Polizei- chef mit dem roten Wühler auf«insomer Hollig beim Grog zu- sammensaß, dann haben die beiden sicher von allem gesnackt, nur nicht von Politik. Hartleben hatte im Bertehr etwas Exklusive» und sein« Unterhaltung wahrte selbst in spätester Nachfftund« am Kneiptisch nnwer ein gewisff« geistiges„Niveau". Er war kein temperamentvoller Plauderer und urwüchsiger Geschichtenerzähler wie Liliencron� er liebt« di« ernst« Diskussion und auch de? verrücktest« Ulk mußte Esprit und Point« haben. Beide brachten«inen%ett ihres Lebens in der„Verbannung" zu. Als Liliencron wegen Schulden feinen Leutnantsdienst ouittieren mußte, macht« man ihn zum Kirchspielvogt auf einer Hallig. Was er dort gelitten hat, erzählen uns seine Briefe aus jener Zeit. Sein« einzige Freude war der Verkehr nnt den Tinge- borenen. Jeden Sonntag durfte getanzt werden, bi» zum frühen Morgen— dos hott« der Bogt, der stet, begeistert mitwalzt«,«in für allemal verordnet und er erhielt dafür von seinen dankbaren Unter- wnen den Ehrennamen„Der Tanzbaron". Aber dl« ffamm« Geistlichkeit dacht« anders, sie wandte sich an Liliencron? vorgesetzt« Behörde und e» erfolgt««rn strenge» Monitum von wegen Förderung d»r Unmoral. Sofort setzte Liliencron sich nieder und pcrfaßt««in antlich«» Rechtffrffgunasschreiben. Ihm sei bekannt 4- hi«ß«, btrin—, daß dt« Sittlichkeit auf der Hallig leider noch immer viel zu wünschen übrig last«, und er habe zu seinem Schmerze feststellen müss«. daß gerade di« Sonntagabende zu ärgerni serregenden Aus» schweituNgen benützt würden. Daher suche er an diesen Abenden die ?>völk«rung möglichst auf einen Punkt, den Tanzboden, zu kon- zentrieren, und er habe e» fich zur amtlichen Pflicht gemocht, stet« selber bis zum Schluß dabei zu fein. Diese stöndtz« Kontrolle durch die Behörde biete die sicherst« Garantie dafür, daß nicht. Anstößiges geschehe. Wenn e» für nötig erachtet werde, sei«r übrigen, gern berett, auch den Herrn Pfarrer zu seiner Unterstützung zuzuziehen. Otto Erich vertrieb sich als Referendar in Stollberg die Longe- weil« damit, daß tr die Spießer foppi« und allerhand Ulk mit ihnen oeransialtet«. Im„Gastfreien Pastor" und im„Einhorn- apotheker" hat er seiner diesbezüglichen Tätigkeit unsterblich« Denkmal« gesetzt. Aber nicht nur der Todfeind, der Phihlister, galt ihm al» vogelffeie» Objekt souveräner Spähe, sondern euch di« guten Freund« mußten zuweilen daran glauben. Zu den Mitgliedern de« „Verbrecher-Stommtisches", der in den ISSOiger Jahren all« Sonnabende unter Harilebens Vorsitz in der alten Künstlerklause in der Dorotheenstraße sich versammelt«, gehört« auch der Dichter und „Astralpsycholvge" Paul Scheerbart, dessen Phantasie vor den tollkühnsten Gleitflügen im Räume de» Weltalls nicht zurückschreckt«, der aber als Erdenbewohner nur wenig Zivilcourage besaß. Scheer- bart Hot'« sich eines Abend» über den abweffnden Maler K., de? ebenfalls zur Korona gehört«, den er aber persönlich nicht kannte, in schwer beleidigender Weise geäußert. Otto Erich beschloß ihn dafür zu strafen, und als der Dichter am nächsten Sonnabend am Tisch erschien, stellt« ihm Hartleven den Schauspieler Hermann Müller als Mal«? K. vor imd flüsterte ihm zugleich in» Ohrt„Ex hat von deinen Schimpfereien gehört, nimm Dich in Acht, der Kerk ist lebensgefährlich, besonder» wenn er bettunken ist!" Hermann Müller, in dos Komplott«ingeweiht, spiel« nun sehr bald den Be- schwippsten und attakierte Scheerbart mit anzüglichen Bemerkungen, die immer drohender wurden, je mehr die Trimtenheit zuzunehmen schien. Der Astralpsychologe aber saß in größten Aengsten schwitzend da und erwartete jeden Augenblick einen tätlichen Angriff. Schließlich hielt er«e nicht mehr au» und verließ fluchtartig das Lokal. Müller ober hotte die Roll? des bezechten Wüterich» so überzeugend gespielt, daß der Kellner, der an«in« Betrunkenheit noch sieben Glos Bier bei einem Freunde Hartleben» nicht glauben wollte, ihm 17 Pilsener ankreidet«, di« der geschmeichelt« Künstler, stolz auf ff tuen schauspfele- rischen Triumph, denn auch schmunzelnd berappt«. Liliencron wollte von den„Rrroten" nicht« wissen. Sein Per. kehr bestand aber in der Zeit, wo ich ihn in Leipzig näher kennen lernte, fast ausschließlich au» jimgen sozialdemokratischen Studenten und Literaten.„Ich bin Offizier, ich bin Rovalist, ich bin„Kreuz- Zeitungsmann" durch und durch. Euch all« soll der Deubel holen!" schmettert« er nn schneidigsten Kommandoton uns entgegen.„Und Molkenbubr..'.?"„Pardon! Ausnahm«! Ein Prachtkerl! Wahr- hastig! Pardon!".Hartleben hat der Sozialdemokratie auch per- fönlich immer nahegestanden. Er war«in intim« Freund bekannter Parteiführer und— was heute nur noch weniq« wiffen—«ine Zeit lang Theaterkritiker des„Vorwärts". Im Jahr« 1591 schrieb er für unser Feuilleton über die Vorstellungen der damals eben «gründeten Freien Volksbühne. Unter seinen Kritiken findet sich auch«in interessanter Bericht über jene Polksbühnenauffühmng von Gundermann»„Ehre", der Henrit Ibsen beiwohnt«. Im allgemeinen hatte«.allerdings«ine fwrk« Abneigung gegen journa- Lftffche Tätigkeit und der Gedanke, Zeitungsschreiber werden zu müssen, d« ihm in Zeiten der Geldklemme manchmal drohend nahe- getreten war, erschien ihm stet» als der schrecklichste der Schrecken. Er wollte ein freier Poet bleiben, der fich das Leben zum Kunstwerk gestaltete. Aber das hat er nicht geschafft, di« Wirklichkeit war stärker als der ideale Wille. Als er mich bei seinem letzten Aufenthalt in Berlin besuchte— unvermutet, denn ich glaubt« ihn noch in Salö—, machte er den Eindruck eines völlig Veränderten, hilflos Zusammen- gebrochenen. Seinen Humor hatte« nicht ganz verloren, ober«s war«in wehmütiger Humor geworden. Er klagte mir sein« törper- liche, seelische und finanziell« Misere. Damals habe ich ihn zum ersten und letztenmal weinen gesehen. Wir tranken dazu«in« Flasche Kognak. Als er mein Zimmer verließ, drehte er sich in der Tür noch einmal um, zeigt« auf die leere Flasche und die zwei Glos« und sagt«:„Wenn Dein« Frau nach Hause kommt, wird sie sagen: Nanu, Otto Erich ist wieder in Berlin?" ftonzerferfebniffe von Schalsapin. Schaljapin, d« große russisch« Sänger, der augenblicklich wieder in London auftritt, erzählt in einem englischen Blatt allerlei Erfahrungen, di« er mit dem Publikum der verschiedenen Länder gemacht hat.„Trotz allem, was man hört." meint er,„soll man den Engländer nicht für unmusikalisch halten. Er fft es nicht. Er springt zwar nicht aus, küßt und umarmt einen, wenn man gut singt, wie es die Italien« tun, aber er fft doch sehr aufmerksam, wenn er auch ruhig auf seinem Platz sitzt. Außerdem bezahlt der Engländer mit Pfunden, und da» ist auch nicht zu ver- achten. Bei einem meiner letzten Kvn.zerk« in Rußland, da» ich in einer kleinen Stadt Luogo gab, wurde ich 6 Monate nachher folgender- maßen bezahlt: mit 10 Pfund Getreide, einem Schinken, 5 Pfund Zucker und einem Korb schlechter Kartoffeln. Bei diesem Konzert vassieri« überhaupt allerlei Merkwürdige». Während ich«in« sehr sonst« Arie sang, wurde in der vordersten Reih««in Baby geboren. Nacbher begann«in Mann in einer hinteren Reihe, augenscheinlich durch«einen Gesang gerührt, herzzerreißend zu schluchzen. Der Mann neben ihm. der da» Schluchzen seines Nachborn für ein« Kundgebung des Mißfallens hielt, verfetzt« ihm einen Schlag, der ihn zu Boden streckte." Kampf gegen den Kropf in Oeffertrtch. ver österreichische Staat will jetzt energffch gegen die> Kropskrankheit vorgehen. Zu diesem Zweck ist ein« Kropfkommisston ernannt worden, die au» Aerzten besteht und die dieser Tage ihr- erste Tagung abgehalten hat. Die Aeizte versprechen sich sehr viel von der allgemeinen Einführung de» jodierten Kochsalze»,„vollsalz" genannt, das künftighin allen Schulkindern unentgeltlich verabreicht werden soll und da» auch vielen öffentlichen Jtfftituttonen in großen Mengen zugeführt wird. Der Stadtphystk« Dr. Rühm von Wien machte di« Mitteilung, daß noch ein« Statistik in Wien selbst mehr al, 50 Pro», aller Schulkinder mit Kropf behastet seien. KrUlporztr».INedea' wirft recvnttlich«st nach Pfrngften int Staat«" t h tatet zur Ouffähtung lommtn. Die Karten behalten ihre Eültigkett. »ackeselfer.SNflvng für ffnvzöfisch« Sauten. Wie ft-S französische«»Ken- «imsterium amtlich bekannt gibt, bat Jahn D. Rockeseil« jr. der französischen Regierung 1>/, Millionen Dollar zur Restauration der Schloff« in BersailleS miS Fontainebleau und d« Kathedrale von Reim» überwies«!. MönarchistenÜemoustration itt Mönche«.] H-Hgesaug gege« Frankreich. Nünchea, i. Juni.(III.) München stand gestern«n Zeichen der Sojährigen Jubüöumsfeter de« bayerischen Arieger- bvndes, der 3200 Verein« umfassenden Spitzenorganisation der bayerischen Kriegsteilnehmer und Militär oerein«. Auf dem Königspl ag fand in AnwefenheÄ des.Ar onprinzen" ?i u p p r'e ch t, des Mienifterpräsidenten Dr. v. Snilling, der Gene- rale o. Heeringen, Graf Bothmer und v. Kretz usw.«in großer Fest- att statt, bei dem der erst« Bundespräsident Generalleutnant a. D. Acuter(b-kant au, der Zabernafiär«) die Festred« hielt. Er hob hervor, wie des deutschen Volkes Fleiß und Tuchtigkett mehr und mehr den Neid der Mitbewerber und Feind« auf dem Wettmarkt erregten, wozu noch der Haß Frankreichs gekommen fei und w e es so im Jahre 1914 zum Ausbruch des Weltkriegs kam. Auf Frankreichs Gewissen falle die Not und das Elend Deutschlands, auf fein« Seele kämen die Tränen? und Seufzer, aber auch die Flüche von Millionen. Die deutsch« N'evolution sei dem deutschen Volk« in den Rücken gefallen. Durch ihre Schuld haten wir den Krieg verloren. Der Nedner wandle sich bmn gegen die Kriegsschuldlüge und beklogre, daß wir«in wehr- und woffen- loses Volk seien, dos iamit auch rechtlos sei. Dorum rufe er: Seid einig in der Lieb« zum Vaterland, ober auch einig im Haß gegen unsere Feinde. Schlägt die Stunde der Befreiung, dann werden wir wie 1914 zu den Wa'ffen eilen, dann wird wieder unser altes Heer«stehen und es wird wieder werden der Schreck unserer Feind« und«in Hort und Schutz für Heimat und Vaterland, Nach der Feier bewegte sich ein riesiger Festzug durch die Stadt, der die Entwicklung der bayerischen Armee in Ausrüstung und Umform im Wechsel der Jahrhunderte darstellte. Stahlhelmtag in delmeahoest. Delmenhorst, 1. Juni.(TU.) Delmenhorst stand am Sonn- abend und Sanntag ganz im Zeichen der Veranstaltung des S iaht- helmgautags. Abordnungen au» der näheren und weiteren Umgebung Delmenhorsts, aus Oldenburg Stadt und Land, Bremen ufw. waren mit ihren Fahnen erschienen. Am Sonntagnochmitag bewegt« sich der Fhestzug, etwa 9—10 000 Mann, an der Spitze General v. Letjow. Vorbeck, durch die Straßen der Stadt zum Marktplatz, wo aus Gulaschkanonen dos Mit tage ssesfn gereicht wurde. Nach einem Feldgottesdienst, bei dem durch eine drei Minuten wahrende fülle Andacht auch der loten de, Weltkrieg, gedacht wurde, hielt General o. Lettvw-Vorbeck an die Versammelten«ine Ansprach«, in der er sich besonder« auch an die Jugend wandt«, mitzuhelfen an dem Wiederaufstieg des deut- schon Vaterlandes. Einige kommunistische LuheslSrer. die durch da» herumtragen eines roten Tuche» Provokationen schaffen wollten(!). wurden festgenommen und mittels Zug wieder nach Bremen zurück- transportiert. Sonst ist die Veranstaltung ohne Zwischenfall oer- laufen. * In der vergangenen Doch« hat im Reichsinnen- Ministerium ein« Besprechung mit den'Vertretern der Länder stattgefunden, in deren Verlauf eine gemein- same Handhabung de» Bersammlungsoerbvtes beschlossen wurde. Die R e i ch s r e g i e r u n g oertrat auf der Konferenz die Anficht, daß die Abhaltung von„Großen Tagen" den L ü r- gerfrieden schwer gefährdet. Es wurde vereinbart, derartige Veranstaltungen auf geschloffen« Räume zu verweisen und w i r k l i ch überparteiliche Kundgebungen im Freien nur zu gestatten, wenn sie rein örtlich und Störungen von vornherein ansgeschlosten sind. Sowohl die Monarchistendemonstrationen in München wie auch der Stahlhelmtag in Delmenhorst sind weder rein örtlich noch wirklich überparteilich. Die Reichsregierung mag sich dahinter oerschanzen, daß Bayern im Ausland liegt, und daß sie deshalb nicht die Macht habe, zu verhindern, wenn dort deutschfeindliche und den Frieden Deutschlands nach innen und außen bedrohend« Aktionen stattfinden. Für D e l m e n- hörst trifft aber auch noch nicht einmal das zu. Das Käß- und Mausspiel zwischen de? obersten Reichs- aewalt und den verschiedenen halblegitimen und illegitimen Kräften im Reich erinnert an die Reichslage vor dem Aus- bruch des Dreißigjährigen Krieges. Auch damals wurde viel vereinbart und viel versprochen, aber nichts gehalten. Di« Folg« war der Aufammenbruch des alten Deuffchen Reiches und jahrhundertelang« Ohnmacht. Das kann auch heute nicht ausbleiben, wenn die Reichsregierung nicht soviel Kraft und Autorit besitzt, ihren Beschlüssen und den Verein- ba-ungen mit den Ländern zum Ansehen zu verhelfen. Rechtskurs in Supern» Laudestagung der bayerischen BolkSpartei. München. 1 Juni.(TU.) Di« Bayerische Belk«. partei versammelt« gestern Nachmittag ihren Landesau;- s ch u ß, um zur politischen Lage im Reich und in Bayern Stellung zu nehmen. Abg. Leicht«klärte, daß die Bayerische Bmkspmttei jede bürgerlich« Koalition und Negierung unterstütz«, die«ckle bürger- listen Parteien mit Einschluß der D«u ts ch n o ti o na l«n Volkspartei umfasse. Leicht äußerte stark« Bedenken über die Tragfähigkeit einer Regierung, die nur von einem Teil der bürger- lichen Parteien gestützt würde. Hierauf«rftrttete Keheimrat Dr. Held, der Fraktionschef der Bayerischen Valkspartei, ein Referat über die bayerisch« Politik ?i«:n parte ipokrtisch gedacht hätte die Bayerisch« Volkspartei keinen Anlaß, sich über die Fragen der Regrerungs- und Koalitionsb-ldung in Boyern den Kopf zu zerbrechen. Nachdem aber das Staate- ipieresie es erssrder». daß möglichst bald wieder ein« arherstfähiz« Negierung zustand« komme, könne, sich die Bayerisch« Dolkzparte, der Ausgabe nicht entziehen, an dem Versuch de» Zustandedringen» einer regierungsfähigen Mehrheit im bayerischen Landtag zunächst inuzuwirten. In Bayern mijff« unter ollen Umstände««in Rechtskurs eingehalten nxrden, ein Rechtskurs bayerischer konsernatiyer. nati- analer Politik, der entfernt ist von federn revvlutimören Radikalismus. Es fei eme Verleumdung und eine Irreführung der öffentlichen Meinung, wenn immer wieder die Behauptung in die Welt gesetzt würde, die Barer isste Volk partei beabsichtige«rnj Ab. schwenkung nach link». Di- Grundsätze der Bqy«ttsch«n Volkspartei und der Gozialdernykratre ständen ip uny«»- einbarem Widerspruch. Was die Stellung der Bayerischen Volkspartei zum Völkischen Rechtsblock anbelangt, so»»r- trat der Redner den Standpunkt, daß die Frag» eines Zusammen- wirken» mit den Völkischen«ine Frage ihrgr Zu, er- l Sss i g k« i t sei, die heut« durchaus nicht gegeben sei. .. Amnestie in Dänemark Ministerpräsident Genosse Stauning bat den König ersucht, bei der 7S. Jahresfeier der Verfassung ein« Anzahl Verurteilter zu amnestieren.> Zeeibaö Teufelssee. Ein Idyll im Grunewald? Gibt es fo etwas noch? Man mutz es nur zu finden wissen und zu genießen verstehen. Die Schönheit eine« Erdenstündleins ist ja nicht von seiner räumlichen Größe ob- hängig, und warum soll der fo arg verlästerte„Grüne— Wald" nicht auf einem kleinen Winkel eine Noturschönheit beherbergen? Du kannst sie sogar mit der Elektrischen erreichen, so nahe bei Berlin, oder Keffer Chorloitenburg, liegt sie. Vom Kupsergrab-n oder vom Moritzplatz fährst du bis zum Stadtbahnhof Heerstraße: eine halbstündige Wanderung auf der Teufelssesstraße, wobei der wetthin sichtbar« Schornstein der Wafferwerke dein Wegweiser ist, bringt dich zum Freibad Teufelsfee. Wir biegen beim Wasserwerk rechts ab und befinden uns auf einem ausgetrockneten Moor, das den besten Moorboden für ein Aauarium oder Terra- rium liefert. Hier wachsen auch fleischstessende Pflanzen, der Sonnentau, der in der übrigen Mark Brandenburg kaum noch anzutreffen ist Du mutzt aber gut suchen, denn es ist ein kleines Pflänzchen, dos von einem Wurzelmittelpunkt etwa zehn long- gestielte Blätter ausstrahlt, die eine klebrig« Flüssigkeit absondern und davon kleine Insekten festleimen, die dann verdaut werden. Wir sind auf der Nordseite des Sees, der vielleicht tausend Meter Urnfang hat. Am anderen Ufer steht noch eine Warnungstafel, die das Baden streng oerbietet. Aber wir, können sie von hier nicht lesen und die gute Forswerwastung scheint ja auch die Augen zuzu- drücken. Unter kurzzewachsenen Fichten, auf schönem weißen Sand entledigen wir uns unserer wenigen Sommerkleider und hinein in die Muten geht's. Nur langsam fallt der Grund ab, zum Tollen und Planschen ist Platz genug. Wer ein leidlicher Schwimmer ist, wird den See gut überqueren können. Erlen und Weidengebüsche bieten angenehme Schattenplätzchen und weiter hin, am Westufer zu, können wir sogar im richtigen Laubwald spazieren gehen. Gegen- über das Wasserwerk stört uns wenig. Es macht sich sogar sehr nett rn der Gegend und was den Schornstein anbetrifft, so gehört er zu der Sorte, die ausnahmsweise das Landfchoftsbild nicht ver- schandeln. Die dumpfen, leisen Ävlbenschlöge. der Pumpe überhört man bald. In einer nahegelegenen Ausschankholle eines„alkoholfreien Frauenvereins" erhält man billig« Erfrischungen. Hier, am Teufelssee, können wir in unserer kargen Freizeit ein Stück Natur genitzen, ohne lange Wanderung, ohne Bahnfahrt in überfüllten Zügen. Noch besteht keine behördliche Reglementierung des Bade- bettiebes; der ehrlich« Naturfreund kann dafür sorgen helfen', daß sie nicht nötig wirb. der Aorö bei Sernau aufgeklärt. vre Mörder verhaftet. Der Berliner Kriminalpolizei ist es gelrklrgen, die drei Mör- der des Gutsinspektors Paschke zu ermitteln und fest- zunehmen. Es find der 4Sjähnge Ardeiter Gustav Wesner und die Brüder Karl und Eduard Wallet, die 36 bzw. 37 Jahre alt sind. Sie wohnen im Norden Berlins. Di« Mörder haben unter der Last de» Beweismaterials«i» Geständnis abgelegt. W�e noch erinnerlich fein dürfte, wurde am 20. November 1923, am Tage vor Bußtag, um 9 Uhr abends, der 22 Jahre alre Guts- mspektor Paschke von drei Getteidedieben an der Wegegabelung Chauffe« Löhme— Börnik« und dem Landweg Löhme-Wilmersdorf erschlagen. An einer Weizenmiete hatte«r und der Gutswächter drei Männer überrascht, die Getreide stehlen wollten. Zwei Dreschknüppcl und mehrere Säcke wurden ihnen abgenommen. Der junge Paschke beauftragte den Wächter, an der Miete zurückzubleiben, da onzü- nehmen war, daß noch mehrere. Z�eb« nachkommen„würden. Er selbst wollt« mit den drei Männern zum'Gutshof gehen, um ihre Per- fonalien festzustellen. An der Wegegahelung drehten sich die Männer. die er vor sich gehen steß, plötzlich um..fiestn über ihn her und schlugen ihn rntt«wem Dreschknüppel' nieder. Paschke wachte wäh- räch de» Kampf-s von seiner Brownin gp ist o l c Gebrauch und gab fünf Schüsse auf sein« Angreifer ab,«he sie ihm aus bestiä- lisch« Weist mit einem 35psündigen schweren Feldstein den Schädel zertrümmerten. Die Mörder waren dann bis an einen Pfuhl ge- flüchtet. Au» den Spuren konnte man mit Bestimmtheit erkennen, daß einer der Flüchtenden«inen Schuß in den linken Ober- schenk«! erhalten haben muhte. Hier hatten sie Rast gemacht, den Verwundeten verbunden, und von hier aus fehlt« dann jede weitere Spur von ihnen. Mit der Aufklärung des Mordes war Kriminal- korrnniffar G« i s s e l beauftragt Die einzigen Anhaltspunkts waren «jnerstits die drei Dreschknüppel,«in zersprungener grauer Horntnopi, der ebenfalls am Tatort gesunden wurde, und die Fußspuren, die aber durch Regen und Schnee undeutlich geworden waren. Auf der ander« Seite stand die große Zahl der Felddiebe, die in jener Gegend„arbeiteten" oder dort bekannt waren. Die Kriminalpolizei setzt« sofort mit den umfassendsten Fahndungsmaßnahmen«in. Die Dreschknüppel wurden photogrophiert und ausgestellt. In den ver- schiederzften größeren Kinos von Berlin und Umgegend wurden sie gezeigt. Die Nachforschung nach den in Frag« kommenden Personen S staltete sich darum so schwierig, weil außer Berliner Leuten auch ernauer in Frage gezogen werden mußten. So wurde der Kreis auf weit über 800 Personen ausgedehnt. Allmählich wurde er immer enger, die Bernauer Leute kamen bald nicht mehr in Frage und fa hatte man nach drei Monaten in Berlin bald einig« 40 Personen, die als Täter in Betrocht zu zieh« n waren. Nach emsiger Beobachtung schieden hiervon immer mehr aus, bis nur noch einige wenige übrig blieben, die nun täglich beob- achtet wurden. Bald stellt« sich heraus, daß der eine etwas lahmte, da» war verdächtig. Ein anderer trug einen Militärrock, den er früher ständig zur Arbeit getragen hatte, nicht mehr. So kamen noch viel« andere im einzelnen unwichtige, aber starke Verdachtsmomente bildende Urnstände zusammen. Endlich richtete sich der bestimmteste Verdacht gegen die drei jetzt Verhafteten, die in einer Eisengießerei im Norde« Berlin» arbeiteten. In den frühen Sonntagmorgen- stunden nahm die Kriminalpolizei die Derdöchtigen überraschend fest. Protest Versammlung der Kleingärtner Westends. Der Bezirksverband der Kleingartenvereine der Verwaltung»- bezirke 2 und 7 hatte gestern alle Kleingärtner des Westens zu einer Pratestoersammlung aufgerufen. In der Kundgebung schilderte der Redner. Genolie Richard John, Vorsitzender des Provinzialver- band« Graß-Berlin, die Entwicklung des deutschen Kleingartenbaues bis zur Gegenwart. Leider muß festgestellt werden, daß die Bs- hörtzen hier und da versuchen, die Kolonisten von ihrer Scholl« zu vertreiben. So geht es jetzt auch den Klein- gyrtnern an der Königin- Clr fabeth-Straße. Am 2 4. Mai erhielt jeder Pächter die Kündigung mit der Bestimmung, daß bi» zum 20. Juni der Platz geräumt werden müsse. Sämtlich« zur Berfiigung stehende Rechtsmittel sind in Bewegung gesetzt, um die Maßnahmen der Behörden zu durchkreuzen. In der Aussprache kam die berechtigte Empörung der Klein- gärtner zum Ausdruck. Der Kleingärtner will kein Freiwild de, Kapitals stin. Einstimmig wurde folgende Etschließung. ang«. Nammen: „Die am 1. Juni im großen Saale der Königin-Elisabeth-Str. 6 �»hlreich besucht« Versammlung der Kleingärtner Eharlottenburgs nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß das westlich der Königin- Elisabech-Strahe gelegen« Kleinaartenlände zur Errichtung «in er provisorischen Messehalle zum 20. Juni gekündigt ist.— Die hier versammelten Kleingärtner erklären sich mit ihren Kollegen vom Scholzplatz solidarisch und sie werden gemeinsam mit ihnen solang« kämpfen, bis da« sowohl in sozialer als auch in wirt. schaftlicher Hinsiöä ungesund« Projetl zu Fall gebracht ist. Die Versammlung verlangt die Rückgängigmachung der Kündigung und darüber hinaus ausreichende Matzahmen zum Schutze der Kleingartenbewegung." Aufhebung einer Zalschgelüwerkftatt. Zehn Personen festgenommen. Bor einigen Wochen wurden ein Mann namens Unglaube un„ ein Chauffeur Otto wegen Geldfälschung zu langjähriger Zuchthaus- strafe verurteilt. Sie hatten Reichs schatzanweisungen an- gefertigt und durch einen gewiffen Willi Schultz in den Verlehr gsbracht. Dieser Schultz entfloh bei ihrer Verhaftung und war nicht zu iinden. Wie sich jetzt herausstellte, hat er beschlossen, sich selb- ständig zu machen und fand in einem Druckereibesitzer L u ch g u r t und zwei Druckern namens Müller und Rackow Leute, die ihm ihre Werkzeuge und ihre Kraft zur Verfügung stellten. In Luchgurts Duckerei fertigt« man zunächst fleißig Dollarschatzan- Weisungen zu 4,20 Goldmark an. Da rief die Reichs- schuldenoerwaltmrg die D ollars chatzanweisungcn auf und zwang, so die Fälscher, sich„umzustellen". Scudern verfertigten sie Reichs- ban knoten zu einer Billion und brachten sie durch Helfers- Helfer in den Verkehr. Schulz, das Haupt der Bande, hatte neben der großen Werkstatt in der Prinzessinnenstraße 6 noch einen Schlupfwinkel in der Orani enstraß«. Hier hatte er «ine klein« Druckerei eingerichtet, in der er ebenfalls falsche Scheine anfertigte. Er selbst ging von einer Werkstatt zur andern, um den Betrieb gehörig zu kontrollieren. Als er wieder einmal nach der Prinzessinnenstraß« 6 kam. wo er alle seine Leute zu einer .Konferenz" zusammenberufen hatte, griffen die Kriminalbeamten der Falschgeldabteilung zu und nahmen die ganze Gesell- scha st fest. Es waren an Herstellern und Vertteibern nicht weniger als 10 Mann. In den Behausungen und den Werkstätten wurde alles Material, Druckplatten usw. beschlagnahmt. Erziehung zum Naturschutz. Der Märkische Raturjchutztaq in Berlin. Die Haupffitzung des Märkischen Naturschutztages, über dessen Eröfsnungssitznng in der„Urania" wir in Nr. 234 berichtet hoben, fand am Sonnabend in der Universität statt. Prof. Wetekamp- Schöneberg, der den Vorsitz führte, warnte vor dem Irrtum, die Natur für unerschöpflich zu halten. Oft wurde scheinbar Unerschöpfliche» durch Unverstand oder Gewinnsucht in kurzer Zeit vollstöndig cusge- rottet, und dann erst merkte man. daß Unersetzliches verloren gegangen war.. Abhilfe sollen wir nicht nur von Gesetzen erwarten, sondern mehr noch von Erziehung zum Gedanken des Naturschutzes. Prof. S ch 3 n r ch e n-Berlin von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmolpflege wies hin auf die Störungen und Zerstörungen des Pflanzen- und Tierlebens durch die Landwirtschaft, durch die Aus-. breitung der Industrie, durch die Mehrung der Verkehrswege und Verkehsmittel. Gegen dos Notwendige wollen wir uns nicht wehren, aber wir fordern, daß bei den Kulturfortschritten nach Möglichkeit auch der Naturschutz zu seinem Recht kommt. Obermagiftratsbaurat Dr. Heiligenthal- Berlin sprach über Beziehungen zwischen Städtebau und Natur- l ch u tz. Beide stehen eigentlich zueinander in einem Gegensatz. Erst Gefundheitsschädigung durch die geschlossene Bauweise der älteren Städte führte zu der Forderung, daß die Stadt von Natur durchdrungen werden und mit ihr zu einer Einheit verbunden werden muß. Dabei soll jede Stadt an ihre natürlichen Grünflächen anknüpfen: künstliche sind nur ein Notbehelf. Leider fehlt den Städten, nachdem sie ihre natürlichen Grünflächen cm die vorrückende Industrie abgegeben baben, oft das Geld, sich Ersatz zu schaffen. Naturpflege und Natur- schütz sind für d.i« Städte nicht nur ein« Schgnhcits- .frage, sondern ernsteste Lebensnobwendigkeit. Für- Berlin' ist der Grunewald' und die Wälder bei Spandau, Köpenick, Tegel, Buch, Lenke usw. mit zusammen 40 000 Hektar ein sehr werkvoller Forstbesitz. Dr. Klose- Berlin von der Branden- burgffchen Provinzialtommisfion für Naturdenkmalpflege schilderte die Bemühungen um Naturschutz in Brandctkburg. Natu?» schütz begründet nicht nur Erhaltung von Pflanzen und Tieren, die durch Seltenheit zu Naturdenkmälern geworden sind. Er muß auch vorbeugen, daß Pflanzen und Tiere durch Vernichtung eine Seltenheit werden, die sie zu Naturdenkmälern macht. Für Brand?n- bürg kommen Gefahren von dem in der Mitte liegenden Berlin. aus dem Hunderttausend« sich über das Land ergießen. Die neue Polizeiverordnung läßt einigen Schutz vor Vernichtung erwarten Aber das Wchtigst« ist Erziehung zum N-atur» schütz, der auch selber«in Mtttel der Erziehung sein kann. Den Unfug in Wäldern hat vorbildliches Verhalten mancher Wander- vereine wirksam bekämpft. Klose betonte auch das Recht der Ge- setheit auf die Seeuser und forderte deren Erhaltung in ihrer Ur- sprürrglichkeit. Die Seeufe» müsse man vor Bebauung schützen. Siedlungen seien überhaupt schliraure Feinde des Naturschutzes: unsere Wälder dürfe man ihnen nicht opfern. Von der mit diesem ersten Märkischen Naturschutztag gelungenen Zusammenfassung der Berein« für Naturpflege und Naturkunde ist eine starke Förderung des Naturschutzes zu erwarten. Für den zweiten Märkischen - Noturschutztag in l92S wurde Potsdam als Tagungsort bestimmt. Am Sonntag besuchten die Teilnehmer der Tagung in Gruppen verschieden« für den Naturschutz beachtenswerte Gebiete in. der ferneren Umgebung Berlins. Eine zerstückilte Sindesleiche wurde gestern nachmittag aus der Spree gelandet. Gegen 6 Uhr sah man vom User des Ostlfafens. aus ein Paket auf dem Wasser treiben. Bei der Landung löste sich die Hülle, anscheinend weißes Papier, und ging unter. Der Inhalt war die Leiche eines etwa 6 Wochen alten Knaben, dem der Schädel zertrümmert worden ist. Die Füße sind abgetrennt und schien. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht, die Ermittelungen zur Aufklärung wurden von der Kriminalpolizei ein- geleitet. Arbeiisgeweinschasl sozialdemokrallscher Beamten rrnd Lehrer, Sitzung am Dienstag. 3. Junl, abends 8 Uhr. Jugendheim, Lindcnslr. 3. Tage»- ordtiuNg: Stellungnahme zum Reichsbeamtentag. Erscheinen aller KrciZ- oblcute Pflicht._ Unglück des Hchuellzuges Köln— Paris. Bei der Station Aulnoye ünd gestern- abend die Schnellzüge Amsterdam— Paris und Köln— Paris zusammenxeftohon. Von dm Reisenden ist n i e m and verletzt wu.ken Eisenbahnunglück bei vehig. Aus der Brandenburgischen Siädtebahn ereignete sich hinter Belzig ein Zugzusammenstch, bei dem ein Beamter getötet und sieben verletzt wurden. Groß-6erttner parteinachrichten. 15. ftrel#. SNc gre>«»orstand»fitzung findet heute, Montag ahcnb. nicht bei Srahl, I andern bei Schöps, Grünauer En. 8, in Siiederfchöneweide statt. ffanchesfer is« komplett für 1 Anzug, S Meter........... komplett mit Futterzutaten........ 23 G. Bandix Kttnlffscrabon O. am Aiexnnderplatr UaiKen■ Tfer 24, am Oranienplatz Gewerkschaftsbewegung Verbandstag der Dachdecker Deutschlands. Im idyllisch gelegenen Reichsarbeiterjugendheim Schloß Tänich bei Stadtremba in Thüringen in der Nähe von Rudolstadt nahm heute der 14. Verbandstag des Zentralverbandes der Dachdecker Deutschlands unte: dem Versiz von Th. Thomas- Frant. furt a. M. seinen Anfang. Anwesend find 27 Delegierte aus alien Bezirken des Reiches, sowie 8 Gäste, darunter Paepiom- Ham. burg als Bertreter vom Baugewerbund und Silberschmidt Dom ADGB. Zur Athaitung von Tagungen ist das Reichsarbeiter jugendheim Schloß Zännich mit seinca Räumlichkeiten und großen Gartenanlagen für fleinere Organisationen wie geschaffen, denn es gehört heute zu den Annehmlichkeiten, soice Tagungen einmal abfeits vom Lärm der Großstadt stattfinden zu lassen. Auch dieses Mal ist eine recht umfangreiche Togesordnung zu erledigen. Vor allen Dingen soll die schon seit Jahren in der Schwebe befindliche Frage Des Anschlusses an den Baugewerksbund bzw. Industrieverband der endgültigen Lösung entgegen gebracht merden. Ferner, steht im Mittelpunkte die Stellungnahme zum Reichstarif. Nicht weniger als 49 Anträge befassen sich mit Statutenänderungen von zum Teil recht einschneidender Bedeutung. Unter den besonderen Anträgen befinden sich solche, die eine heiße Debatte zwischen der Oppofition" und der gewerkschaftlichen Rie Rich tung herbeiführen werden. Bon dem Teilnehmern om dies= maligen Verbandstag beteunen fich politisch 23 zur VSPD.. 1 zur USPD. und fünf zu: KPD, während drei zur Zeit nicht politisch organisiert sind. Dem Geschäftsbericht der letzten beiden Jahre ist zu ent nehmen, daß der Verband infolge der fchwierigen Verhältnisse im ganzen, besonders aber im Baufach jehe zu kämpfen gehabt hat, und daß ihm auch in finanzieller Hinsicht nichts erspart geblieben ist, was alle übrigen Organisationen auch durch: rachen mußten. Die schlimmste Beit ist aber dant der Treue und Opferwilligkeit der Mitglieder ghüdlicherweise überwunden Trotz der großen Arbeitslosigkeit im lezten Jahre, die zeitweise bis zu 90 roz. betrug und die viele Dachdecker in andere Berufe abwandern ließ, ist der alte Mitglieder ftamin zahlenmäßig ziemlich gehalten worten. Ueber den Geschäfts- und Kassenbericht fetzte eine ausgiebige Aussprache ein, die sich in higen Behnen bewegte und schließlid; damit endete, daß bei der Abstimmung dem Borstande für die Eeschäftsführung einstimmig Anerkennung ausge= fprochen wurde. Auch die Opposition, die in der Debaite mi: hrer Kritik nicht zurüd hielt, schenkte dem Borskande ihr ferneres Verirauen. Die von Aithaus Berlin eingebrcoyle diesbezügliche Resolution lautet:„ Der Verbandstag erkennt die gute und frucht bringende Tätigkeit des Zentralnorfizenden Th. Thomas und des Saffiorers Saf. Diel in Interesse der Organisation voll an und erteilt ihnen Entlastung". Sccann wurde ber fämpfenden Berg arbeiter Rheinland- Westfalen gedacht. = Das Referat des Gauleiters Schmidt- Erfurt über die wirtfchaftliche Lage fand eine gute Aufnahme. Ebenso beifällig wurde des Referat des Vorsitzenden Thomas- Frankfurt über den Reichstarif angenommen. Ueber den letzteren Vortrag entspann sich eine länger: Debatte, in der zum Teil recht verschiedene Ansichten zutage traten und eine gegeniäzliche Beurteilung über einen Reichstarij zwischen den mestdeutschen und den übrigen Gauen erkennen ließ. Dies ist erklärlich, derin die Tarifftage fanger Debatte farb ter folgende von Kleemann- Dotin: und geftelte. Antrag Annahme: „ Der 14. Berbandstag des Zentralverbandes der Dachdecker Deutschlands beschlicht, in der Frage, der Verschmelzung mit dem Baugewerksbund im Sommer 1925 eine Urabstimmung vornehmen zu lassen, bei der die Zweidrittelwehrheit entscheiden soll." Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Bei den weiteren Verhandlungen beschäftigte man sich mit den von den Filialen geftellten zahlreichen Anträgen zum Etatut und schuß dabei manche recht bemerkenswerte Aenderungen. Die Mißvergnügten im Ruhrkampf. Der Klaffentampf", das kommunistische Organ für Halle Merseburg. als dessen Herausgeber noch der abgesägte Richard Schnetter zeichnet, bringt das Mißvergnügen der Kommunisten mit der Beendigung des Ruhrkampfes zu deutlichem Ausdruck. Das sogenannte Polbureau sucht auch bei dieser Gelegenheit seine Fristenz zu rechtfertigen, indem es von dem jüngsten Schiedsspruch behauptet: „ Er stellt sozusagen das frechste dar, das man den Arbeitern 34 muten fann. Kaum war dieser niederträchtige Schiedsspruch gefällt, so haben sich die reformistischen Führer der Bergarbeiter in das Ruhrgebiet begeben( wo fic hergekommen waren und wo sie wohnen. R. d. V.), um für die Annahme des Schiedsspruchs und die Wiederaufnahme der Arbeit zu wirken." Die Erklärung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs mußte bis zum 29. Mai, mittags 12 Uhr, abgegeben sein. die RBD. ihre Parole vom Belbureau" bezogen hatte und die Die reformistischen Führer" tonnten also nicht darauf warten, bis Brote der JAH. gebacken waren. " Die„ Union" will den Kampf mit allen Mitteln" weitergeführt wissen. Als ob die Mittel in Hülle und Fülle vorhanden seien. Wenn Phrasen wirksame Kampfesmittel wären, dann freilich fönnte es nicht fehlen; die KPD.- Zentrale liefert sie gratis und franto in jeder gewünschten Menge. Es wird von lumpigen 5 Broz. Lohnerhöhung" geredet, die in dem vierwöchentlichen Kampfe erzielt feien, die ersten 15 Proz übergangen. Man müßte die bei jeder nennenswerten Bewegung in die Erscheinung tretende furchtbare Angst der Kapedisten vor dem 2 bi chluß als eine frankhafte Manie bezeichnen, wüßte man nicht längst, daß die armen Kerle, die die KPD.- Parolen auszuführen haben, mit der Hespeitsche dazu angespornt werden, in jedem Falle die Bewegung weiterzuireiben. Nicht die Rücksicht auf die im Kampfe stehenden Arbeiter ist entscheidend, sondern einzig und allein die Absicht der KPD., jede gemertschaftliche Bewegung für ihre mostau parteipolitischen Zwecke auszuschlachten. Daß in der Ueberschrift des Klassenkampf" steht:„ Der Verrat der Sozialdemokraten beginnt", nur nebenbei. Inzwischen dürften die von den Schachto bleulen der Union aus der Rosenthaler Straße in Berlin empfangenen Parolen gegenstandslos geworden seien. Wer nicht absichtlich die Augen vor den nun einmal obmaltenden Verhältnissen, unter denen die Bergarbeiter ihren Kampf zu führen hatten, verschließt, wird einschen, daß der Erfolg relatio günstig ist. Wenn er nicht beffer ausgefallen ist, so liegt dies mit an der organisatorischen 3ersplitterung, zu der höchst überflüffigerweise auch die unmaßgebliche Sonderorganisation der kommunistischen Union beiträgt. Merkwürdige Lohnzahlung. Sport. Sawall gewinnt das Große Goldene Rad. Im Mittelpunkt des Programms der Olympia bahn stand das„ Große Goldene Rad von Berlin" über 100 Kilometer hinter Motoren in einem Lauf. Kruptat, Sawall, Schle baum, Storm( beide Holland) und Weiß waren Starter. Kruptat erreichte zuerst seinen Motor, der von Meichsner geführt wurde. Dann folgten Weiß, Schlebaum, Storm und Sawall. Schon in der zwölften Runde geht der blendend fahrende Sa wall an Storm vorbei, um eine Runde später auch Schlebaum hinter sich zu lassen. Doch„ Walter" hat noch lange nicht genug! In der 22. Runde sind dann auch Weiz und Krupkat erledigt". Weiß nimmt seine Kraft zusammen und erreicht der Blah hinter Sawall vor Krupkat. Verlief das Rennen anfangs recht interessant, so war es jetzt damit vorbei. Sawall hielt nicht nur dis Spize, sondern nahm noch leberrundungen vor. Die HolReifenschäden entzogen länder gaben sich Mühe, Platz aufzuholen dem Sawall in den letzten 10 Kilometern seinen Motor wechseln dieser Möglichkeit den Boden. Kruptat machte einen Versager. Trotzmußte, war an seinem überlegenen Sieg nicht zu zweifeln. Mit 2580 Meter Vorsprung vor Weiß ging er durchs Ziel. Das Rennen der Straßenfahrer, vier Läufe über je 1200 Meter mit Punktwertung, gewann Golle, während im Mannschafts- Bervon Geisdorf- huschte folgungsrennen Golfe- Koch- Kroll Kohl nach 6½ Kilometer in 8 Min. 58,1 Sef. eingeholt wurden. Resultate: Goldenes Rad von Berlin. 100 Sm.: 1. Sawall. 2. Weiß 2580 Meter in 1 Stunde, 2 Min., 41.1 Sef. 3. Storm 9750 Meter. 4. Strubfat 12300 Meter. 5. Schlebaunt 18700 Meter zurück. Match der Straßenfahrer. 4 Läuje je 1200 Meter. 1. Lauf: 6. Kohl. 1. Golle: 2. Koch. 3. Huschte. 4. Geisdorf. 5. Stroll. 2. Pauf: 1. Huschfe. 2. Golle. 3. Sobl. 4. Kroll. 5. Geisdorf. 6. Stoch. 3. Lauf: 1. Golle. 2. Stohl. 3. Huchte. 4., Roch. 5. Geisdorf. 6 Kroll. 4. Lauf: 1. uschte. 2. Golfe. 3. Stohl. 4. Noch. 5. roll. 6. Geisdorf. Gesamtllasjement: 1. Golle, 6 Punkte. 2. Huichte, 8 Punkte. 3. Kohl, 14 Punkte. 4. Koch, 16 Punkte. 5. Geisdorf und Kroll je 20 Punkte. Mannidafts Berfolgungsrennen( fiche oben). Haupt1200 Meter. fahren. 1. Jenssen. 2. Münzner. 3. A. Mener. 4. Häusler. Vorgabefahren über 1200 Meter. Endlauf: 1. Nau jo fat( 110 Meter Vorgabe). 2. Jenssen( 0). 3. Reinas( 50) dichtauf. 4. Ltto Tiek( 40). Die Hometrainer- Rennen im Großen Eierhäuschen in Treptow brachten am Sonnabend folgende Resultate: Das Eröffnungsrennen über 3 Kilometer gewann Vinzelberg. Den Großen Bingstpreis" sicherte sich Abrabam vor Pawke und Badebusch. Im Verfolgungsrennen Krüger- Weber aing se rüger mit 50 Meter Vorsprung vor Beber durchs Ziel. Hauptfieger im Brämienfahren waren Binzelberg und Bawfe. Am Sonntag war im Garten des Großen Eierbäuschens fein unbesester Stuhl zu haben. Das Eröffnungsrennen über 3 Stilometer gewann Abraham fnapp vor dem sympathischen Holz hüter. Im Hauptfahren über 3 Stilometer belegie Bawle den ersten Blas vor Hiepel und Binzelberg. Die Mannschait Pawte hicpel ging weiter als Sieger im 10 Kilometer- Mannfchaftsrennen hervor. Holzbüter wurde Sieger im 10 KilometerBiämienfahren. Gesamtresultat bis Sonntag: Großer Pfingstpreis: 1. Bemte 14, 2. Abraham 6, 3. Vadebusch 5, 4. Weber 5, 5. Hiepel 5, 6. Holzhüter 4, 7. Vinzelberg 4, 8. Däne 3 und 3. Strüger 2 Punkte Rennen zu Hoppegarten am Sonntag, den 1. Juni: 1. Rennen. 1. Tod und Leben( Hartmannsb.), 2. Ristil( Holl mann), 3. Fata Morgana( Schimma). Toto: 16: 10. Plaz: 12, 14, 45: 10. Ferner liefen: Dublona, Stiwi, Teufelsbraut, Burgunder. 2. Rennen..1. Nikotin( R. Torfe), 2. Mainberg( Ch. Korb), 3. Notdorn( Ludwig). Toto: 35: 10. Play: 20, 68: 10. Ferner liefen: lewelyn, Contrahent, Szeged. Aus Pirmasens, der rheinpfälzischen Schuhstadt, wird berichtet: Infolge der Geldknappheit erhielten bei der letzten WochenLohnauszahlung in einzelnen Pirmasenser Schuhfabriken die Arbei- liefent: Wippizo, Kart Heinz. Sonnenstrabl, Schirmberr. ter an Stelle von Barbeträgen Schuhe, Sie sie nun adzusetzen versuchen, um die Mittel zum Leben zu haben." Offenbar sind hier efiche Einzelfälle aufgebauscht worden, um den Kreditmangel zu dementieren. Nach§ 115 GO, sind die Gewerbetreibenden verpflichtet, die Löhne ihrer Arbeiter in Reichswährung zu berechnen und bar. auszuzahlen. Selbst wenn die Arbeiter sich über diese Bestimmung hinwegsehen, fönnte ihnen diese Art der Lohnzahlung verteufelt wenig nüßen. In der Stadt selbst find Schuhe in nennenswerter Zahl nicht unterzubringen. Sollen die Arbeiter damit hausieren gehen, haben sie allerlei Spesen und müßten die Schuhe billiger abgeben als sie in den Ladengeschäften ift eine der wichtigsten, die der diesmaligen Berbandstag bejahäftigt hot. An der 2ussprache beteiligten sich u. a. attch Baeplow vom Baugewerksbund souie Eilberschmidt vom ADEB. Es wurde eine Entschließung gefaßt, in der die fernere Stellung des Dachdeckerverbandes flar zum Ausdruck gebracht wird. Hierauf beBezeichnend ist nur, daß man nichts darin findet, die Arbeiter fchäftigte man sich mit dem Anschluß an den Baugewerksbund. Das mit solcher Art Lohnzahlung abzuspeisen, auch die Folgen der GeldReferat hierüber hielt der Gainer walter Wagner Nürnberg. Nach| fnappheit und Kreditnot auf sie abzuwälzen. 8: Komische Oper Direktion: James Klein Heute sowie täglich Der große Erfolg! Die 3: Trinzessin Operette Akten von Walter Kollo Stocklaternen mit Stoc u. Licht, 6 Bf. an Campions von 3 Bi. an Papiermuizen Dyd von 10 f. an, alle Sommer11. Feftautifel fehr billig. Feuerwert Sortimente von 1 M. an Bengalfener, Kilo 2 M Magnesiumfarteln, 60 cm lang, I Mark. Markgrafen Maas& Co. traße 4. an der Lindenstr. 9-6 Uhr verkauft werden. Schokoladen in großer Auswahl! 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