Abendausgabe Nr. 258 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 130 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Döngoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Dienstag 3. Juni 1924 Beclag und Angetgenabtetleng Gefchäftszett 9-5 oz Berleger: Borwärts- Betieg 6nts. Berlin Sm. 68, Cinbenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2006-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Notschrei der besetzten Gebiete. Während man in Berlin kuhhandelt, geht das Rheinland zugrunde! Der Oberpräsident der Rheinproving, Reichsminister a. D. dem Hitlerputsch galt, nämlich, daß man einen Fuchs, hat nachstehendes Telegramm an den Reichs präsidenten gerichtet: Kahr brauche, um Hitler faltzustellen. Diese Meinung hat sich schon in Bayern als verhängnisvoll erwiesen, und Millionen Deutsche tönnen zurzeit angesichts der furcht wenn sie auf das Reich übertragen würde, so würde sie zwei baren Geldnot nicht leben und nicht sterben. Lebig- fellos noch viel größeren Schaden stiften, ganz besich die Hoffnung auf badigste Lösung des Reparationsproblems fonders im Hinblick auf die außenpolitische Lage. Es kann häff den gänzlichen zusammenfall der Wirtschaft auf. fich im besten Falle natürlich nur um eine perfönliche Mit fehnsüchtigem Bertrauen erwartet die Bevölkerung des befehten Meinungsäußerung des Generals handeln, dem irgendeine Gebietes das umgehende 3 ustandekommen einer Regie- amtliche Befugnis nicht zusteht, in die politischen Verrung, die auf der Grundlage des Programmes der Parhandlungen einzugreifen. teien der Mitte die bevorstehenden, für Deutschlands Zukunft entfcheidenden Berhandlungen führen soll. Die Bevölkerung des Rheinlandes würde es un verständlich finden, wenn parteipolitische Erwägungen die Lösung der entfehlichen Krise auch nur um einen weiteren Tag verigieben würden. 3 ustände wie im Jahre 1923 würden die Rheinlande nicht noch einmal fiegreich überwinden. Die Erbitterungift um jogrößer, weil man auf der anderen Seife mertliches Einlenten fieht, das man nicht durch parteipolitische Halsstarrigteit von Boltsvertretern, die Rheinlands Bedeutung und Not offenbar nicht richtig würdigen, zerschlagen wiffen möchte. Als Leiter der bedrängten Rheinprovinz mit fieben Millionen Menschen erhebe ich warnend und beschwörend in letter Stunde meine Stimme. Wir haben bisher alles Ceiden für das Baterland gern ertragen, aber man foll mit unserer Liebe zum Baterland eine Experimente machen. Fuchs, Oberpräsident der Rheinproving. Der große Unbekannte. Das Telegramm des Oberpräsidenten der Rheinproving zeigt fchlaglichtartig die Gefahren auf, in die bas meite befeßte Gebiet und damit das ganze Deutsche Reich durch das Kuhhandeln der bürgerlichen Barteien um bie Regietung ge stürzt ist. Das wochenlange Berhandeln hinter den Kulissen muß auch den letzten Versuch des Reiches im Inlande wie im Auslande zerstören. Die Sehnsüchte tleiner parlamentarischer Kreise nach mehr oder minder großem Einfluß bei der Regierungsbildung wirkt um so niederdrückender, als das eine große Problem der Gegenwart, die Bereinigung der Reperationsfragen auf der Grundlage des Sachverständigengutachtens, geradezu nach Erledigung schreit. Das schwankende Berhalten der Bolkspartei; das nachgerade ja schon sprichwörtlich geworden ist, hat allerdings in neuester Zeit das Entsegen auch solcher Kreise hervorgerufen, die sonst sehr nüchtern über diese politischen Dinge zu urteilen pflegen. Gegenwärtig schwirren in Berlin Gerüchte umber über das Eingreifen außerparlamen tarischer Stellen in die Verhandlungen der Parteien untereinander. Die B. 3. am Mittag" läßt sich von beson derer parlamentarischer Seite" über die Kulissenschieberei be Aber wenn schon die politischen Parteien etwa auf diese persönliche Meinung des Generals oder einer ähnlichen außer parlamentarischen Stelle reagieren sollten, so muß mit dop peltem Ernst darauf hingewiesen werden, daß jede Beteiligung Deutschnationaler an der Regierung die Gefahren für das beseste Gebiet und damit für das ganze Reich außerordentlich verschlim. mern würde, von denen der Oberpräsident der Rheinproving in feinem Telegramm an den Reichspräsidenten so eindrucksboll gesprochen hat. Dreifte Forderungen und Verfähleppungsmanöver. Kurz vor Redaktionsschluß wird uns aus dem Reichstag nachstehende Darstellung des Nachrichtenbureaus des BD3. übermittelt: #Bom Reichstag gingen heute vormittag die Berhandlungen zwischen den Fraktionen im Sinne der Bildung eines großen Bürgerblods weiter. Während die Frationen versammelt blieben, hielten die Parteiführer Besprechungen miteinander und mit dem Reichskanzler ab. frage im Sinne der Hamburger Erklärung Sergt. Die vierte Bebingung geht dahin, daß bei der Besetzung der Ministerposten auf die Stärte der Fraftionen unbedingt Rüdficht genommen wird. Schließlich fordern die Deutschnationalen, daß die deutschnationale Fraffion des Preußischen Landtags vor Abgabe der Erklärung der Reichsregierung sich im Befihe von befriedigenden Erflärungen über die Umstellung in Preußen befindet. Um 2 behauptet man im Reichstag allgemein, daß die Berhandlungen mit den Deutschnationalen nunmehr als endgültig gefcheitert zu betrachten seien. Bei den Mittelparteien herricht über die deutschnationalen. Forderungen und ihre Veröffentlichung große Erregung. Man erwartet, daß nunmehr der Reichskanzler Marg mit der Bildung eines Kabinetts der Mitte feinen Augenblid mehr zögern werde.( Das schließt natürlich nicht aus, daß in einer halben Stunde schon wieder neue Berhandlungen beginnen. D. Red. d. Vorwärts".) " Eine Viertelstunde später: Die Deutschnationalen erklären den Bericht des Nachrichtenbureaus für nicht authentisch. Sie laffen ihn förmlich dementieren!) Macdonald gegen Tirpit. Condon. 3. Juni.( WEB.) In Beantwortung einer Frage Wedgewood Benns im Unterhause, ob die Regierung irgendwelche Vorstellungen bei der deutschen Regierung darüber erhoben habe, daß die Ernennung des Admirals v. Tirpi zu einem hohen Regierungsamte von den Allierten übel aufgenommen werden würde, erklärte Macdonald: 3ch fann Herrn Benn versichern, daß mir nicht verabsäumt haben, das zu tun, was wir jowohl in dieser als auch in anderer Hinsicht für unsere Pflicht halten. Die deutschnationale Reichstagsfraktion fiellte für ihre Beteili. gungen eine Reihe von Jorderungen auf, die den Gegenstand Zu dieser Meldung erfahren wir, daß am vergangenen der Erörterung bildeten. Sie verlangten zunächst, daß in die zu Freitag die Botschafter Englands und der Vereinigten erwartende Brogrammede des Reichstanziers nicht eine Formu Staaten von Nordamerifa im Auswärtigen Amt erschienen Tierung aufgenommen wird, die von einer toutinuierlichen sind und Besprechungen mit Bertretern des Auswärtigen Torfführung der auswärtigen Politik spricht. Die Deutschnationalen Amtes gehabt haben. Derartige Besprechungen sind jedoch fordern weiter die Aufnahme eines paffus über die riegs- nach diplomatischem Gebrauch immer streng pertrau= fhulbfrage(!) fowie die Aufnahme der Aufmertungs. Itch. Wirtschaftsnot und Reichsregierung. Eine große Anfrage der Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat foeben die Die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, die Spitzenfolgende Interpellation über die durch die Wirtschafts- organisation des vereinigten Unternehmertums, hält ihre Unterper frise heraufbeschworenen Gefahren für die notleidende Be- bände zu einem pölferung eingebracht: fyftematischen Borgehen für die Beseitigung der Tarifverträge richten und formuliert gewisse Mitteilungen in folgende mere Arbeitslosigkeit heraufzuführen. Benn auch die und des staatlichen Schlichtungswesens an. Ste reist zur Boykottie. Fragen: ung der Schlichtungsausschüsse an und läßt lieber die Betriebe So tragen diese Kreise die stärkste Schuld am ProduktionsrückReiches und die Not des deutschen Volkes werden ausgenutzt zur Aufs neue droht fich die Krise zu verschärfen und eine 1. Wer war der große außerparlamentarische Unbekannte, bei rahme des Gutachtens der Sachverständigen, so muß die Aufmert. fchließen als fidy ihnen nicht genehmen Tarifverträgen zu fügen. Krebitfrise nur beseitigt werden fann durch die schleunige AuDem am Sonntag in einer Besprechung Scholz- Hergt der abgeriffene famfeit ber Regierung doch darauf hingelenft werden, daß die Faden von neuem gefnüpft wurde, so daß die am Sonnabendmittag r dittnappheit für die Induustrie vergrößert morden gang und an der Schädigung der deutschen Wirtschaft. Die Not des mit Emphase verbreitete Entschließung der Bolkspartei Alles ift ist durch die ausgedehnte Rreditgemährung im Betrage zu Ende- unsere Rolle als ehrlicher Mafler ist ausgespielt!" plöß von 800 millionen Goldmart an die Sandwirtschaft, die zum lich zurüdgenommen wurde? 2. Was steht in dem Brief, den die Deutschnationalen Kreditnot der Industrie ist weiter verschärft worden durch die Kredit. sunde deutsche Volkswirtschaft aber ist unvereinbar mit der Aus. von dem leider nur eine dürftige Inhaltsangabe an die Deffentlich gerechtfertigter Weise die Spannung zwischen dem Diskontsaz der Borausseßung für den Wiederaufbau unserer Wirtschaft ist an feit gelangte? Wenn wir recht berichtet sind, war darin die Rede dapon, daß die deutschnationale Forderung nach einem Wechsel im Außenministerium nur eine hypothetische" gewesen sei, baß die Aenderung der Außenpolitik teine Kursänderung, sondern nur eine Menderung ber methoden- was man sich darunter vorzustellen hat, ist offenbar Geheimnis der beteiligten Unterhändler! 3. Ift in diesem Briefe nicht auch die Behauptung enthalten, die Deutschnationalen hätten den Rücktritt des Außenministers nicht gefordert? Nimmt man etwa auf deutschnationaler Seite an, daß auf Dr. Stresemann aus den eigenen Reihen genügend Druck ausgeübt werden könne, um ihn nicht nur zum Rücktritt das wäre sachlich durchaus möglich, sondern auch dazu zu veranlaffen, daß er damit die Berantwortung für die Folgen, d. h. für den Einbrud eines Kurswechsels gegenüber bem Ausland, dem er als Grponent bes bisherigen Kurses galt, übernähme? Reichsbant und den Sätzen auf dem Goldmarkt ausnüßen. Bolitit der deutschen Wirtschaftsführung. Der verderbliche Einfluß Die Gefahren für die Wirtschaft werden gesteigert durch die der Inflationszeit ist noch nicht überwunden. Dies hat die Aus dehnung der gewiffenlosen Frankspekulation in erschredendem Maße bewiesen. Durch fie ist die deutsche Volkswirtschaft um mehrere genauen Raltulationsmethoden ist noch nicht erfolgt, das Streben hundert Millionen Goldmark geschädigt worden. Die Rückkehr zu nach Rationalisierung der Betriebe ist kaum noch vorhanden. Deshalb verschärft sich aufs neue die Abjatzkrije. Beseitigung des Schuhes der Arbeitskraft, zum Abbau der Sozial. politik, zur Unterhöhlung der Stellung der Gewerkschaften. Eine ge lieferung der fchaffenden Boltsträfte an private Ausbeutung. Die heute mehr denn je der Schutz der Arbeit, des wertvollsten Gutes der Nation. Angesichts dieser voltsschädigenden Tätigkeit der sozialen Reaftion fragen wir die Regierung: 3ft fie bereit. Erstens: In Uebereinstimmung mit den Erklärungen der englischen Regierung das Washingtoner Abkommen über den achtstündigen Arbeitstag fofort zu ratifizieren? Zweitens: Die vom Reichstag wiederholt gefaßten Beschlüsse auf. Beschaffung von Arbeitsgelegenheit auszuführen, und die zu derfelben Frage vorliegenden umfassenden Vorschläge der Gewerkschaften zu beachten? Drittens: Gegen die von der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände organisierten Widerstand und gegen die offene Gefeßessabotage zum Zweck der Beseitigung der Tarifverträge und der staatlichen Schlichtungsorgane entschiedene Abwehrmaßnahmen zu treffen? Die Ausfuhr deutscher Waren ist durch eine unumschränkte Monopolund Kartellwirtschaft gelähmt. Sie schüßt die rückständig ften Betriebe und verhindert die zur Steigerung der Grport fähigkeit nötige taufmännisch technisch rationelle Betriebsweise und Die Gerüchte, von denen mir sprachen, bezeichnen Ronkurrenzfähigkeit. Im Inland werden die Absahmöglichkeiten den großen außerparlamentarischen Unbekannten etwas burd; unerhörten Lohndruck und das dadurch bedingte Schwinden der Viertens: Die Schlichtungsausschüsse anzuweisen, die Ber näher. Es wird davon gesprochen, daß General v. Seedt, Kaufftaft weiter Bevölkerungsschichten aufs schwerste beeinträchtigt. längerung der Arbeitszeit über acht Stunden uur bei der Chef der Heeresleitung, feine persönliche Meinung Immer aufs neue unternimmt die Industrie, insbesondere die zwingendem Nachweis volkswirtschaftlicher Notwendigkeit und nur zu diesen Dingen geäußert habe. Sie soll ungefähr dahin Schwerindustrie, ihre fozialreaktionären Borstöße. Führende Schmerson Fall zu Fall für verbindlich zu erklären? Ist sie bereit, gehen, daß in nächster Zukunft wieder putfchistische Er industrielle des befesten Gebietes schredten nicht banor zurüd, die die dem entgegenstehenden Ausführungsbestimmungen zur Arbeits hebungen zu erwarten feier ob von rechts oder links Silfe des Generals Degoutte zur Beseitigung des Achtstundentages zeitperordnung sofort zurückzuziehen, um so mehr, da diese mit dem bleibt dahingestellt und daß schon aus diesen Gründen die nachzusuchen. Durch Etillegung der Betriebe, durch Aussperrung, Geiste und dem Wortlaut der Verordnung zum Teil unvereinbar Beteiligung der Deutschnationalen an der also durch Sabotage der Produktion, suchen fie ihre un find? Regierung unumgänglich sei. beschräntie Vorherrschaft wiederherzustellen und die Cast Diese Gerüchte, auf die sich augenscheinlich die B. 3." der Reparationsregelung auf die breiten Maffen abzuwälzen. In ftüßt, wollen weiter wiffen, daß General v. Seedt ungefähr fchäriftem Klaffentamp baut das Unternehmertum Löhne und Ges, auf dem Standpunkt angelangt sei, der in Bayern vorhälter immer mehr ab und verlängert die Arbeitszeit Fünftens: Bon den Befugnissen der Verordnung über das Kartellgericht Gebrauch zu machen und das Reichs mirischaftsministerium anzuweifen, beim Sartellgericht die Klage ef flofung preisverfreuernder Kartelle einzuleiten angle fitenfore Jmmunität und Haftentlassung. Die Debatte im Geschäftsordnungsausschuß. Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstages beschäftigte sich heute vormittag mit dem Antrage auf aften laffung der kommunistischen Abgeordneten Schlecht, Lindau und Pfeiffer. Die Antlage des Oberreichsanwalts behauptet, daß die Kommunistische Partei durch eine über das ganze Land ver= breitete Organisation den bewaffneten Aufstand vorbereitet, prole= tarische Hundertschaften organisiere, Waffen beschaffe, Waffen fabrit mäßig herstelle, Sprengstoff stehlen lasse, die Reichswehr und die Schupo zersetze, Eisenbahnfabot ge lehre und eine Mordorganisation zur Beseitigung gefährlicher Gegner( Tscheka) aufgezogen habe. Die Anweisungen für diese Verbrechen gingen auf die 3entrale zurüd. Die genannten Abgeordneten feien Mitglieder der Zentrale und als solche für diese hochverräterischen Komplotte verantwortlich. Abg. Koenen( Komm.) behauptete, dieses ganze Material gehe auf die Anweisung des früheren Justizministers Emminger zurüd, einen großen Tendenzprozeß gegen die Kommunistische Partei einzuleiten. Es liege feinerlei Material für die Betätigung der beschuldigten Abgeordneten im Sinne der Anflage vor. Die Kommu nistische Partei sei gegen jeden individuellen Terror. Die Antiage= behauptungen entsprängen einem Spigelfumpf, mit dem die Angeklagten, die jahrzehntelang organisiert seien, nichts zu tun hätten. Abg. Dittmann( S03.): Der Ausschuß hat zu fragen, ob die beschuldigten Abgeordneten persönlich an den erwähnten Vorbereitungen beteiligt seien. Wenn dies nicht der Fall sei, dürfe entsprechend der Uebung des Reichstages die Immunität nicht aufgehoben werden. Die Mord- und Femeorganisationen feien von den Rechtsorganisationen eingeführt worden. Man vermiffe aber, daß gegen die Leitung diefer Rechtsorganisationen in dem gleichen Maße wie gegen die Kommunisten vorgegangen merde. Abg. Lewy( Soz.) ist der Meinung, daß die Immunität der Abgeordneten nicht erst von Sigungsbeginn, sondern vom Tage der Einberufung des Reichstages durch den Präsidenten zu gelten habe. Der Indizienbeweis gegen die beschuldigten drei. Abgeordneten fei nicht so, daß die Immunität aufgehoben werden könne. H Bertreter des Zentrums, der Deutschen Boltspar sprachen für Aufhebung der Immunität. burchs Land zogen, Mordiaien werden nicht immer verabredet, wie wir jetzt an dem Mordversuch in einem uns nahestehenden Lande sehen. Im Reichstag hat die Verabredung begonnen. Der gewöhnliche Staatsbürger tommt nicht sofort in das Barlament. Herrn Thormann gelingt das und er findet sofort einen, der mit ihm über den Mordplan verhandelt. Angeklagt find nur zwei Personen, aber mit Rüfichislosigkeit müssen wir allen Spuren nach gehen, ohne Schwäche, die eine Gefährdung der Justiz bedeuten würde. Wir müssen die Qualität der Zeugen genau wägen. Als die beiden Angeklagten festgenommen waren, schien die Sache sehr ein fach, aber die Komplizen famen nach. Zunächst war alles einig: Thormann, Grandel, Lettenborn, Röpfe. In Kleinigkeiten weichen fie voneinander ab. Tettenborn geht zum Schein auf Thormanns Angebot ein und zieht den vermeintlichen Mörder Köpfe hinein, während Thormann Grandel als Geldmann hinzuzieht. Sie fommen mal zu zweit, mal zu drift zufammen und beraten den Mordplan gemeinsam. Die Angeklagten sind der Anficht, daß der Mordplan ausgeführt werden foll, während die Zeugen nicht töten wollen. Was die Zeugen hier von Thormanns Mordwillen fagen, ist zu glauben, auch wenn Direktor Weiß auf einem anderen Standpunkt steht, da er die ganze Berhandlung nicht mitmachte. Tettenborns Zweifel, daß Thormann von General Ludendorff geschickt sei, war um so eher berechtigt, als ja Ludendorff zu allerlegt einem Mitglied der D. C. einen solchen Auftrag gegeben hätte. Es war auch verständlich, daß Tettenborn glaubte, Thormann wollte zwei Fliegen mit einer Klappe fchlagen: Den unbeliebten General beseitigen und die Deutschvölkische Freiheitspartei, die in bezug auf Mordpläne früher einen üblen Ruf besaß, die aber seit dem Januar Anstrengungen machte, mit einigermaßen reinen Händen in die Wahlen zu gehen, unmöglich zu machen. Thormanns Erzählungen gleichen einem schlechten Film, was Lettenborn anbetrifft. Reg. Dir. Weiß hat moralisch an Tettenborn nichts auszusehen, außer dem Mordverdacht in der Parchimer Affäre. Thorman habe über geheime Mittel verfügen müffen, denn sein Privatfapital hatte er aufgezehrt. Grandel ist ein unglüdlicher franter Mann, der aber auch sehr die gute Meinung für sich zu gewinnen weiß und mit dahinsterbender Stimme feine Aussagen macht. Es ist recht unglaublich, daß ein ernster. Geschäftsmann sich einen Vertreter sucht, der sich mit Plänen trägt, wie das Thormann getan und es ist unglaubwürdig, gefährlichen Dinge stedt. Nach meiner Ansicht entstand tatsächlich General v, Seedt hat in ausgezeichneter, ruhiger Weise seine Ansicht mitgeteilt. Herr Claß erlitt eine schwere Miederlage, als man die Berleitung zum Treubruch versuchte. Und aus allen Briefen an Claß geht doch hervor, daß man die friedliche Löfung nicht will, daß man General v. Seedt seine Legalität zum Vorwurf machte. Auch am 7. Januar ist betont worden, daß man den legalen Seedt, den Schilbhalter Eberts" beseitigen müffe. General von Seedf fonnte nur durch Gewalt beseitigt werden, und daf indet sich in den Briefen an Claß die furchtbare Stelle, daß Seedt sich selbst Bu Urteil gesprochen habe, eine Ansicht, die in anderen Mordprozessen festegestellt ist. Ganz gereinigt von allem Verdacht ist Herr claß nicht und so bitte ich, ihn nicht zu vereidigen. ( Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Eröffnung des bayerischen Landtags. München, 3. Juni.( TU.) Für die heutige Eröffnungs. fizung des bayerischen Landtages erwartet man Auseinanderfegungen in der Frage der Haffentlaffung von Abgeordneten. Ferner ist es nicht gelungen, in der Frage der Vizepräsident= fchaftswahl eine Einigung zu erzielen, so daß auch hier mit Differenzen zu rechnen ist. Die Sozialdemokraten verlangen für sich den ersten Bizepräsidentenposten, während die Völkischen den gleichen Posten für sich beanspruchen. Auch in der Frage der Plätzeperteilung im Landtag ist noch immer teine endgültige Lösung möglich gewesen, so daß vielleicht auch diese Frage in öffentlicher Landtagsfizung zu Auseinandersetzungen führen wird. München, 3. Juni.( WTB.) Die Besprechungen zwischen den Führern der alten Roalitionsparteien( Bayerische Volkspartei, Mittelpartei, Bauernbund) find bis Mittag ohne abschließen. des Ergebnis geblieben. Sie wurden nachmittags fortgesetzt. In der fonstituierenden ersten Sigung der sozialbemofra tischen Frattion wurde der Abg. Timm zum ersten, der Abg. Dill zum zweiten Borfigenden gewählt. Abg. Auer ieilie feinen endgültigen Berzicht auf das Reidystagsmandat zugunsten feines Mandates zum Bayerischen Landtag mit. Im Völkisten Block übernahm Abg. Pöhner den Vorsiz. tei, der Deutschnationalen und der De motraten baß aus reiner Neugier der Geschäftsmann nun feine Finger in diese Zivilgouverneur für Sachsen und Thüringen? Die Kommunisten bestritten, daß Schlecht Mitglied ihrer eine Verabredung Thormann und Grandels- Tettenborn und Köpfe. Zentrale sei, Die Haftentlaffung und die Einstellung des Strafverfahrens in Sachen Lindau und Pfeiffer wurde gegen die Stimmen der kommunisten und Sozialdemokraten abgelehnt. Im Falle Schlecht stimmten die Kommunisten merkwürdigerweise dafür, diese Angelegenheit zu vertagen, bis der Reichsjustizminister weitere Erkundigungen eingezogen hat. Die erste Gruppe wollte mit Ernst den Mord, die zweite Gruppe nicht. Auch Gilbert hat im Sinn der zweiten Gruppe mitgewirft, während das Staatstommissariat nicht beteiligt war. Jedenfalls bin ich der Meinung, daß Oberregierungsrat Mühleifen und Trepte zu beeiden sind. Weimar, 2. Juni.( BTB.) In der heutigen Abendsizung des Thüringer Landtages antwortete Innenminister Dr. Sattler auf eine Anfrage des Abg. Brill, Sozialdemokrat: Die Regierung ist seit Mitte März darüber unterrichtet, daß die Staatsregierung eines anderen beutschen Landes an die Reichsregierung mit dem Ersuchen herangetreten ist, eine Klärung darüber herbeiEine Frage, die über die sonstige Bedeutung des Prozesses hinzuführen, ob sie beabsichtige, einen Zivilgouverneur für ausgeht, ist die, ob Justizrat Cla B vereidigt werden kann, oder ob bei ihm nicht der Verdacht der Mittäferschaft besteht. Die Frage ist sehr ernst, weil hier die politische Existenz eines Mannes vernichtet werden kann, der oft das Gute gewollt, nicht immer es Das Plaidoyer des Generalstaatsanwalts. erreicht hat. Sie haben gehört, wie die Zeugen Weiß und MühlThormann, Grandel schuldig, Claß verdächtig. Zu Beginn der heutigen Verhandlung wurde Oberregierungsrat Mühleisen, nachdem die Erlaubnis des Reichskommissars eingegangen, über die Bezüge des Zeugen befragt. Der Zeuge erflärte, daß Gilbert für seine Mühe in der Angelegenheit z irta 250 m. im Januar bezogen habe. Der Zeuge schildert dann noch Gilberts Nachrichtenbureau, welches vier bis sechs Wochen lang von Industrieilen finanziert worden sei. Für den Reichstommissar habe Gilbert in Waffenfachen Nachforschungen angestellt. Der Zeuge fam dann noch einmal auf das Angebot ber 50 Dollar durch Lettenborn zurück und erklärte, daß er für den Empfang des Geldes nicht die richtige Stelle gewesen sei. Schließlich mandte fich der Zeuge noch gegen Regierungsdirektor Weiß, aus deffen gestrigen Ausführungen er einen Vorwurf gegen seine Handlungsweise *** herauslas. Es wurde dann die Frage der Bereidigung der Zeugen Claß, Mühleifen, Tettenborn, Köpfe und Gilbert erörtert, wobei die Ausführungen hierüber zum Teil die Plädoyers umfaßten. Generalstaatsanwalt Lindow: Wer die Presse verfolgte, sah, wie der Prozeß ausgewertet werden sollte. Wir stellen uns anders dazu. Ich will der Politik soweit als möglich fern bleiben. Nach meiner Ansicht hat Der Prozeß weniger politischen, als fulturhistorischen Wert, und da kann man ein Grauen bekommen. Es ist wie nach dem 30jährigen Krieg, als alte Soldaten marodierend Straßenleben. Bon Arne Jensen. eifen so verschieden über ihn geurteilt haben. Herr Claß ist durch Grandel zuerst in die Debatte gezogen worden. Grandel ist uns über seine Besprechungen mit Claß die näheren Erflärungen schuldig geblieben. Es ist möglich, daß Granbel sich gesagt hat, er wolle im Sinne einer möglichst unblutigen Um wälzung sich mit Thormann verbinden. Möglich, aber nicht erwiesen. Auch der Widerruf Grandels läßt zu wünschen übrig. Bielleicht wäre es besser gewesen, nach dem Widerruf Grandels ihn noch einmal, nicht in Gegenwart des Juffizrats Claß, zu vernehmen. Bezüglich des Geisteszustandes Grandels find die Sachverständigen nicht einig. Was fein Geständnis und feinen Widerruf angeht, fa gilt das Sprichwort: Wer einmal fügt Grandel war fift Streife Claß nicht der Geringste. Grandel war mit Ra.hr einiger maßen. liiert und schließlich, wie Claß zugibt, im Herbst 1923 34 eriremistischen Ansichten zu verleiten. Das deutete wohl auf den Marsch nach Berlin hin. Kurz vor dem Attentat waren Grandel und Claß noch zusammen. Nach der Festnahme Grandels wendet sich der Berteidiger des Angeklagten an Herrn Claz. Ein wunderbares Zusammentreffen. Es folgt eine Hausfuchung bei claß, die eine interessante Korrespondenz zutage förderte. Aus the geht die Unterredung Clas- Seedt deutlich hervor und die Art, wie die Unterredung auf Claß wirkte. Claß hielt es für unverfänglich, daß der Inhaber der militärischen Gewalt legal fich in den Befits der Macht setzte. bezeugen, Frau Bertelsen. Nur ganz zum Schluß fiel es ihm zu schmer, den Unrat bei sich zu behalten! Aber wie geht es ums denn, Frau Bertelsen, frage ich nur, wie geht es uns?" Frau Bertelsen:„ Ach ja, das Alter!" Frau Andersen:„ Ja, und Mag war dreizehn Jahr, das ist viel Eit kleines Mädchen mit gelbem, lockigem Haar und einem für einen so kleinen Hund; und die Tollwut tut noch das ihrige Kränzchen aus Wollblumen kommt, einen Topf Milch in seinen did lichen Händen haltend, die Straße heruntergetrottet. Bor ihr spaziert ein Mann mit einem großen, 3ottigen Hunde. Nun geschieht es, daß das Kind unversehens in die Interessensphäre des Hundeschwanzes gerät und ihm der Topf mit Milch aus der Hand gebürstet wird. Es stößt einen durchdringenden Angst und Schmerzensschrei aus, der augenblicklich allen Handel und Wandel in weitem Umfreise lahmlegt. Die Menschen erscheinen in den Türen der Geschäfte und strömen aus den Restaurants heraus, einige Erdarbeiter steigen aus der Tiefe zwischen den Schienen der Elektrischen hervor, alte Frauen, den Kord am Arm, eilen über die Straße. Das fleine Mädchen, der Mann und sein großer Hund, der mit nachläffigem Behagen anfängt, die Milch aufzuleden, befinden sich plöglich in einem dichten Ring von empörten Menschen. Weshalb hat er denn feinen Maultorb um?" fragt ein Erdarbeiter drohend. Der Besiger des Hundes:„ Er beißt nicht." dazu." Frau Bertelsen:„ Ob es wahr ist, daß fie die da draußen auf der Tierarzneijchule mit Donnermit sprengen?" Frau Andersen:„ Wen?" Frau Bertelsen:„ Die Hunde die franken Hunde! Es darf sie ja teiner anfassen wegen der Ansteckung. Wenn man nur einen fleinen Riß am Finger hat und fäßt sie an, dann kommen fofort Maden in die Wunde, und die sind unheilbar. Darum müffen sie mit Donnerwetter totgeschlagen werden, habe ich gehört:" Frau Andersen:„ Ich habe gehört, sie würden gehängt. Und ich sagte auch, als sie tamen und May holten: Gott sei Dant, sagte ich, daß Mar nicht weiß, was ihm bevorsteht." Frau Bertelsen:„ Sie waren nicht selbst mit draußen?" Frau Andersen:„ Ich hatte wahrhaftig schon das Tuch um. genommen, aber dann dachte ich: nein, warum soll ich mir denn aus freien Stücken so was Grausliches ansehen! Ich hatte ihn von ganz flein an gehabt und es ging schon beinahe zu Ende mit ihm, als fie ihn abholten. Sie mußten ihn die Treppe heruntertragen Der Erdarbeiter( zu dem Kind: Hat er dich denn nicht gebiffen, meinem Brotforb, ach ja!" Raren? Zeig mal deine Hand." Das Kind: Uh- h! Bu- h!" " Ein anderer Erdarbeiter:„ Er hat den Topf taputt ge- 35 Dere für Töten bezahlen." schmissen!" in Frau Bertelsen:„ Und erhängten sie ihn dann?" Frau Andersen:„ Das fann ich nicht genau fagen; ich mußte Frau Bertelsen:„ Na, es wird wohl wahr fein, daß fie fie mit Ein Gasmefferfontrolleur:„ Dann hat man Ihnen einen mächtigen Bären aufgebunden, mit Erlaubnis." Der Befizer des Hundes:„ Das ist schon möglich, aber er tann Donnermit totmachen, das habe ich immer gehört." nun mal nicht mit dem Schwanz sehen." Ein Schlächter:„ Dann hat er se velleicht auch mit'm Schwanz gebissen! Auf die Art könn' Se sich nich rausreden! Steden Ee lieber der Kleinen zwei Kronen in de Pfote, wenn de Bolizei sich erst reinmischt, wird's erheblich schwieriger." 8 tun?" " Der Befiger des Hundes: Was hat die Polizei mit der Sache Der Schlächter( hihig): Ihr Hund hat nicht das Recht, die Leute zu schanden zu beißen, das müßte doch solch ausgewachsener Mensch, mie Sie find, wiffen!" Eine alte Frau:„ Und wenn er nun die Tollwut hat( zu einer anderen alten Frau): Sie wissen doch auch, Frau Andersen, daß Hunde mit Tollwut gar nicht auf die Straße dürfen; die müssen raus nach der Tierarzneischule." Frau Andersen: Ja, ganz gewiß. Mag, das arme Vieh, mußte richtig auch raus, obgleich er niemals auf die Straße fam. Ihm konnte feiner, nachsagen, daß er Kinder überfallen hätte. Er lag in meinem eigenen Bett und war so hübsch propper, das fönnen Sie Frau Bertelsen( richtet sich auf und vernichtet ihn mit einem Blick): So, dann ist es velleicht auch eine Lüge, daß ich einen Frettinär- Studenten als möbellierten Herrn habe?!", " Der Gasmeffertontrolleur, der sich plöglich Aug' in Auge mit der Autorität fühlt, verstummt erschroden und schleicht beschämt fort. Der Mann und der Hund sind schon längst ihres Weges gegangen und die Menge hat einen Kreis um die beiden Frauen gebildet. Ganz veríaffen steht das kleine Mädchen da und begießt die Scherben des Milchtopfes mit ihren Tränen. ( Berechtigte Ueberlegung aus dem Dänischen von Frida Erdmute Bogel.) Eine Höhlenbahn. Dieser Tage ist eine einzig in der Welt dastehende Bahn eröffnet worden: eine Bahn durch die Abelsberger Grotte in einer Länge von 7 Kilometer. Das Terrain wie die Maschinenkonstruktion bot außerordentliche Sewierigkeiten. Die Strede wird von einer Benzin motormaschine befahren, die 10 Baggons mit je 6 Sigen zieht. Sachsen und Thüringen zu bestellen. Die Staatsregierung wolle diese Klärung abwarten, ehe sie selbst Schritte tue. Von der Börse. Immer neue Insolvenzen. Die Börje eröffnete heute vorwiegend Iuftios. Im weiteren Verlauf vermehrten sich die Gerüchte von Insolvenzen. So wurde di Wiener Lombard und Escompte Bank genannt und auch von einer neuen Hamburger Firma gesprochen. Dazu kommen Befürch tungen, daß vor allem im Metallhandel die Ultimoregulie rung zwar vorläufig überwunden, eigentlich aber nur vertagt worden ist und daß troz des verhältnismäßig günstigen Clearings jich die Folgen noch lange Zeit bemerkbar machen werden. Die eigentliche Verftimmung wird durch die Versteifung im Geldmarft noch verschärft. Die Nachfrage nach täglichem Geld war heute bebeutenb. Es muß bis% pro Mille gegeben werden, Monatsgelder find unverändert, aber faum zu haben. Die deutschnationalen Fühler. Die Havas- Agentur ist nach Befragen bei den Abgeordneten Bainlevé und Herriot in der Lage zu erklären, daß die in der deutschen Presse erschienene Nachricht, die Deutschnationale Boltspartei habe einen Abgesandten nach Baris geschickt, um mit den Führern der neuen Mehrheit zu verhandeln nicht den Tatsachen entspreche.( Daß die deutschnationalen Abgesandten mit Herriot und Painlevé felbft zu ver handeln versucht haben, ist nirgends behauptet worden. Red. b.„ V.") Eine Reiherkolonie in der Mark. Jm. weiten Waldgebiet der Dubrow befindet sich eine naturgeschichtliche Sehenswürdigkeit, wie sie nur an wenigen Stellen Deutschlands zu treffen ist und von der die zahlreichen Ausflügler taum etwas ahnen. Biegt man von dem Wege Großbesten- Prierosbrüd rechts in den Wald ein, so gelangt man durch starte Kiefernbestände in einem alten Cichenwald, der sich bis zum Hölzernen See herabzieht. Dort horstet noch auf den Eichengipfeln der stolze Fischreiber. Diese Kolonie der seltenen Bögel schildert Georg Ede in der Leipziger Illuftrierten Zeitung":" In den Wipfeln der knorrigen Bäume erbliden wir den Reiherstand: zwischen zwei und sechs Nestern auf jedem Baum, bestehend aus großen Reisighaufen, die zum Nestbau aufeinandergeschichtet sind. Kunstlos liegen die dürren Reiser übereinander, nur im Innern mit etwas Riedgras, Schilf und Federn ausgepolstert. Ueber und über sehen wir die Eichen wie von einem Maler weiß angefalft, die Produkte der guten Verdauungstätigkeit der Vögel. Die blaugrünen Eierschalen, die wir zwischen den Bäumen am Boden finden, zeigen, daß das Brutgeschäft schon vorüber ist. Der Reiher, der nur als Sommergast bei uns weilt, trifft etwa im März schon aus wärmeren Gegenden ein. An seinem freischenden Krähid" hoch in den Lüften tönnen wir ihn erkennen. Im April beginnt er dann mit dem Ausbau der alten Mester. Die vier bis sechs durchschnittlich 60 Millimeter langen und 42 Millimeter breiten Eier sehen grün aus, und nach einer Bebrütung von drei Wochen schlüpfen die Jungen aus, die nach etwa 3- bis 4wöchigem Horstdasein die ersten Flugversuche mit den Eltern unternehmen und schon nach furzem im Fliegen ausgebildet sind. Bom Blau des Himmels heben sich die dunklen Eichen wunderbar ab, Lynfeus dem Türmer gleich stehen die Weibchen auf dem Neste, ihre Jungen hütend und Auslug haltend nach dem Kameraden, der zum Fischfang ausgezogen, um Nahrung für die Jungen zu bringen. Mit der Leblosigkeit des Steinbildes stehen sie da oben, mit dem listigen, weithinschauenden Auge alles musternd, was nah und fern sich regt, ohne im geringsten sich selbst zu verraten. Sie müssen auf der Hut fein, denn Raubvögel umfreisen die Horste, um die Abwesenheit der Reiher zu benußen, das Neft zu zerstören. Besonders schön und scharf fontrastiert das blauschwarze Federhaupt des Fischreihers am Hinterkopf mit dem weißen schlangengleichen Halfe, der weißen Bruft und dem aschgrauen Rüden. Sehr interessant ist der eigenartige Flug des Reihers, sein unbeholfenes Schlagen mit den Flügeln beim Auffliegen, sein majeftätisches Schwimmen in hoher Luft und der elegante Gleitflug beim Niebergehen. Leider ist ein Teil der alten Eichen im Brutrevier Ge fällt worden, und das Gebiet ist nicht geschüßt. Wie an anderer Stelle, so müßte auch dieser märkische Reiherstand zum NaturschuhDenkmal erklärt werden. Der Schaden, den der Bogel am Fischbestand anrichtet, ist bei seiner großen Seltenheit in Deutschland gegenstandslos gegenüber der einzigartigen Sehenswürdigkeit, die er heute bei uns darstellt." Tamara Karjavina, die berühmite ruffische Ballett Tänzerin, gibt mit ihrem Partner Bladimiroff am 5. und 6. zwei Tanzabende im Berliner Theater. Beschlüsse des französischen Parteitags. Ablehnung der Koalition. Unterstützung der Regierung Herriot. Antwort an die Kommunisten. Noch einmal der Werkstudent. Aus sozialistischen Studentenfreifen geht uns zu bom fürzlich angeschnittenen Thema noch folgendes zu: Paris, 3. Juni.( Eca.) Der sozialistische Parteitag hat in feiner den Büchern der Bibliotheken und Seminare. Das tut und muß der Der Korpsstudent sammelt feine Kenntnisse aus den Vorlesungen, Nachmittagssigung, die bis gegen 12 Uhr nachts andauerte, in zwei Werkstudent auch. Aber darüber hinaus muß er bas Buch der Resolutionen einerseits beschlossen, vorläufig der Regie Bücher, wie man das prattische Leben nennen tönnte, auf rungsbildung fern zu bleiben, andererseits jedoch die schlagen und fleißig darin blättern. Daraus fließen ihm Erkenntniffe raditale Partei bei der Uebernahme der Regierung zu unter- mancher Art zu, die dem Korpsstudenten abgehen. Sein Urteil über stützen. Die Resolution über die Regierungsbildung, die mit allen Welt und Menschen wird schneller sicher. Sein Charafter und feine gegen drei Stimmen ongenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: Weltanschauung feftigt fich früh. Der Umstand, daß er auf sich an Energie und allein gestellt ist, ruft alles in ihm wach, was Der Kongres beschließt, fich unter den gegenwärtigen Um- Willenskraft in ihm ruht. Er verläßt die Universität als reifer ständen nicht an der Regierungsbildung zu beteiligen. Die Mann, während der Korpsstudent, der seine Studienjahre im Schuß Statuten der Partei bieten genügend Möglichkeit, die Frage von und in der Abhängigkeit vom Elternhause und vom Korpshause neuem zu prüfen, wenn sich außerordentliche Umstände zubringt, noch viel vom Knoeben hat, wenn er von der Universität ereignen follten. Im Falle der Dringlichkeit ist die ständige Ber- geht, es fehlt ihm an Lebensreife. waltungstommiffion ermächtigt, entweder auf ihre eigene Initiative hin oder auf den Beschluß der parlamentarischen Gruppe einen tationalrat einzuberufen, dem die Vollmachten des Kongreffes erteilt werden. Es richtet großen Schaben an und seine Einbürgerung in Deutschy land würde ein nationales Unglüd bedeuten. Ein schon im vorigen Jahre von der Biologischen Reichsanstalt für Land. und Forstwirtschaft in Berlin- Dahlem herausgegebenes klärung der Bevölkerung dienen, damit sie helfen tann, etwaige EinMerkblatt mit farbiger Abbildung des Schädlings foll der Aufbrüche des Tieres schnell aufzudecken. Wo das Tier gefunden wird, ist sofort die Ortspolizei oder die Gemeindebehörde zu benachrichtigen, damit unverzüglich Bekämpfungsmaßnahmen getroffen werden. Auch die Biologische Reichsanstalt und die Hauptstellen des amtlichen Pflanzenschußdienstes nehmen Meldungen an. Volkslied und Gassenhauer. arbeit zu leisten, veranstaltete einen Bortragsabend, in dem Dr. Die freireligiöse Gemeinde, die es für ihre Pflicht hält, Kulturm. Brie unter dem Titel„ Volkslied und Gaffenhauer" über das Berhältnis des modernen Menschen zur Musik sprach. Gute Musit, so führte er u. a. aus, läßt die Herzen höher Aber meit mehr noch! Der Wertstudent hai in der Grube, in ber Fabrik und auf der Domäne mit dem Arbeiter, im schlagen. Immer aber wird es nur eine tieine Minderheit sein, die Bankhause, im Bureau und der Buchhandlung Gemeinschaft Mufit wahrhaftig genießt. Die Mehrzahl besteht aus denen, die wohl mit Angestellten gehabt. Es fann nicht ausbleiben, daß Stu- musikalisch berauscht werden, aber ein musikalisches Kunstwerk ge. dent und Arbeiter, Student und Angestellter sich fennen, verfühlsmäßig ohne innere geistige Stärke erfassen. Viele Menschen Die Resolution über die Unterstügung einer evtl. stehen und achten lernen. Und wer da weiß, daß wir nie heucheln Musikverständnis. Sie werden gegen sich selbst unwahr. Regierung hat folgenden Wortlaut: Dagegen hilft nur musikalisches Verständnis. Ohne diefes feinen eine Boltseinheit bilden fönnen ohne die Versöhnung unserer Der Parteitag dankt der radikalen Partei für die Mitteilung. Stände, der wird den Werkstudenten als einen michtigen und mirt- Gefchmad, feinen Genuß. Auch Kunstgenuß muß verarbeitet sein. die ihm in ihrem Namen zugegangen ift. Er steht nach Kenntnis- famen Fattor begrüßen in der Ueberwindung der Klaffengegenfäße, Auch das Bolkslied ist ein Kunstwert. Es spricht die innersten nahme diefes Schreibens auf dem Standpunkt, daß er sich in dem wie sie sich in so fraffer Form im heutigen Reichstag zeigen, der wird Gefühle des Herzens aus. Es hält Vorgänge des menschlichen Lebens im Beschluß von Marseille vorgesehenen und geregelten Fall be- fordern, daß dem Werkstudenten allerwegen Schuh und Beistand ge- feft. Die Verfasser, die allen Ständen angehören, sprechen dem Bolke währt wird. nicht nur weil er das in so hohem Maße verdient, son aus dem Herzen. Daher treten die Berfaffer in den Hintergrund findet, feine Unter ffüßung jeder Politit ernster Refor.bern auch weil er später in Amt und Beruf dem Bende und der Allund bleiben oft unbekannt. So ist das Bolkslied gemeinsames Volksmen und aufrichtiger Demokratie zufommen zu laffen. gemeinheit besser dienen fann als der Korpsftudent, da die Erfahrun eigentum. Das Bolt gestaltet die Terte um. Der Ausdruck des Infolgedeffen ist auch jede Regierung, die sich zu einer folchen gen, die er gemacht hat, und die harte Schule, durch die er gegangen Beid und Trauer, bald aufwallende Leidenschaften. Es ist meistens Boltsliedes ist größte Natürlichkeit und Klarheit, bald Freud und Politik entschloffen hat, feiner Unterstüßung sicher. Die ist, höhere Fähigkeiten und geeignetere Dispofitionen dazu in ihm in Versform dargestellt, enthält viel unreine Reime und holperiges Partei gibt der parlamentarischen Gruppe in diefem Sinne ein gewedt und ausgebildet haben. Er wird z. B. den Angehörigen auch ausdrüdliches Mandat. Sie beauftragt die Gruppe un- der Boltstreife ein gerechterer Richter sein, denen er selbst nicht ange. Versmaß. Vom Volkslied unterscheidet sich das Kunstlied. Ein Lied. das auf Grund bestimmter Runstgeseze vom Dichter verfaßt und bedingter als je, die unter den gegenwärtigen schwierigen politischen hört, er wird ihnen ein befferer Lehrer sein. Freilich bewirkt das Dom Komponisten vertont ist, ist oft ein volkstümliches Lied. Doch Berhältnissen besonders notwendige Einheit der Abst im Werkstudententum, daß demokratische Strömungen in den Universitäten auffommen und ein Hauch sozialistischen die Grenze zwischen einem Bolksliede und einem volkstümlichen Liede mung durchzuführen. Sie beauftragt die Gruppe, auch die Maß- Geistes fie durchweht, und darum soll ihm durch die unmögliche ist zuweilen nicht leicht zu ziehen. Boethe verdanken wir eine Reihe nahmen in Erwägung zu ziehen, die der repulbitanischen Mehrheit Gebührenordnung und die Maßnahmen des Herrn Geheimrat Roethe der schönsten Bolkslieder. Sein schönstes ist:„ Sah' ein Knab in dem von ihr eingeleiteten Kampf den Erfolg im Parlament der Herzstoß versetzt werden; denn die Behauptung, das Wert ein Röslein stehn". Von Schiller gibt es weniger Volkslieder. fichern werden. Um der. Reaffion eine besonders gefährliche Waffe studententum bewirke Halbheit, Unbildung und Oberbflächlichkeit, 3u Anfang des 19. Jahrhunderts gab die romantische Dichterschule, zu entwinden, hält fie es für wichtig, die parlamentarische Gruppe fann nur als ein start durchlöchertes Feigenblatt angesprochen allen voran Arnim und C1. Brentano, die Bolksliedersammvon der ihr durch das Barteireglement auferlegten Berpflichtungen werden, hinter dem sich die Furcht verbirgt, die universitäten fönnten lung: Des Rnaben Wunderhorn" heraus, die von Goethe besonders begrüßt wurde. Bon den jüngsten Dichtern hat uns Heinzu entbinden, unter allen Umständen gegen die Gesamtheit schließlich doch auf dem Gleis der allgemeinen Entwickelungen mi rich eine viele Lieber geschenkt. Großen Anteil an der Schaffung mitrollen. Daß jene Behauptung nur so beantwortet werden muß, fann nachgewiefen werden durch den Hinweis darauf, daß der Werf ftudent in feinem Eramen biefelben Renntnisse nach meifen muß wie jeder andere Student. Nur sammelt er fie langsamer. des Budgets zu ffimmen. Außerdem hat der Abgeordnete Blum mit Zustimmung ber Partei bereits heute nacht einen Brief an herriot gerichtet, in dem er auf das legte Schreiben des radikalen Führers antwortet. Der Brief hat folgenden Wortlaut: Man begreift faum, wie in einer demokratischen Republik das Minifterium für Bolfsbildung und der Reftor der hauptstädtischen Universität fich mit derartigen tultur- und voltsfeindlichen Maßnahmen überhaupt hervorwagen fönnen. Nicht einmal in wilhelminischer Zeit war es möglich, dem deutschen Volt als solchem die Türen der Universität so zu verschließen, um sie lediglich für den deutschen und ausländischen Befiz offen zu halten. Wir sehen in ben Schöpfern der Republit auch ihre Hüter und Erhalter und bitten, daß fie Sinn und Augen offenhalten möchten, daß das deutsche Bolt nicht nur seiner Form nach, sondern auch seinem Wesen und seinem Einrichtungen nach eine demokratische Republik jei. Ein Werfftudent für hunderttausend andere. Der Mord bei Bernau. Wie die Berhafteten die Tat ichildern. Lieber Bürger! Der Kongreß der sozialistischen Bartei hat mich beauftragt, Ihnen den Tert der beiden von ihm angenommenen Tagesordnungen antwortlich der beiden Briefe, die Sie ihm im Namen der radikalen und radikalsozialistischen Partei zukommen ließen, zu übermitteln. Er versichert Ihnen, daß er für die offene, und verantwortungsvolle Demarche, die eine neue Methode der politischen Beziehungen der Parteien einieitet, dutch, aus Verständnis hat. Die sozialistische Partei versteht den ganzen Ernst der Frage, die ihr von der rabitalen und rabifalfozialistischen Bartei gestellt war, und die fie selbst auf die Tagesordnung ihres Rongreffs gesetzt hat. Eie meiß oder vermutet vielmehr, daß die Wahrheit im Lande verborgen ist, fie weiß, welche heilenden und ausa cichenden Wirkungen das Land von der politischen Menderung erhofft, die die Abstimmung, bom 11. Mai hervorgerufen hat. Sie In der Mordfache Paschke find die Ermittlungen der Kriminal. meiß, daß eine öffentliche Bewegung, die besonders zu verstehen ist polizei jezt abgeschlossen. Die drei verhafteten Täter wurden heute nach dem Kampf, der gemeinsam in einem großen Teil der Departe bem Untersuchungsrichter vorgeführt. Sie suchen es jetzt so darzu ments unternommen wurde, nach einer gemeinsamen Regierungs- bellen, als ob Baschte ohne Not auf sie geschossen und sie dadurch afton der radikalen Partei und der sozialistischen Partei zu er veranlaßt hätte, auf ihn einzuschlagen. Wie fie behaupten, hätte der warten ist. Die Sozialistische Partei legi fich auch besonders flar Inspektor, der auf dem Wege nach dem Gutshof hinter ihnen her Rechenschaft darüber ab von der Enttäuschung, die sich der Masse ging, ihre wiederholte Bitte, fie doch laufen zu laffen, stets abgelehnt der Nation bemächtigen würde, wenn die glühende Hoffnung, die mit der Begründung, daß er erft ihre Bersönlichkeiten feststellen und sie erkennt den Eraft der Lage, die diese Enttäuschung mit sich habe Karl Wallat, der allein rechts ging, fich halb umgewandt und die Bitte um Freilassung noch einmal gestellt. Jezt habe Baschte führen könnte. Sie hält es jedoch nicht für möglich, statt einer Antwort sofort mit einer Pistole auf ihn geschossen, unter ben augenblidlichen Umständen das Anso daß er hingefallen fei. Als sein Bruder und Wesner ihm hätten gebot anzunehmen, das ihr gemacht worben ist. beistehen wollen, habe der Inspektor auf die Heraneilenden zwei Hingegen hat die Sozialistische Bartei, wie Sie aus der Lektüre Schüffe abgegeben. Rarl Wallat sei inzwischen selbst wieder auf unferer zweiten Tagesordnung feststellen fönnen, beschlossen, in der gesprungen und habe noch zwei Schüffe erhalten. Jetzt habe Baschke, gleichen Weise das Bertrauen auf der Grundlage des Programms der seine Pistole verschoffen hatte, den umgehängten Karabiner verd der Richtlinien, die Sie uns übermittelt haben, ihre parlasie nehmen wollen. Um ihn an dessen Gebrauch zu verhindern, hätten mentarische Unterstü§ ung zu gewähren. Die Sozialistische Bartei wird für diese Unterstützung der Radikalen Partei Mittel geben, die schwere Aufgabe, die die Situation schaffe, durchzuführen, und cuf diese Weise ihrerseits den Fortschritt und den Sieg zu fichern." Der Parteitag antwortete ferner auf das Schreiben der Rommunisten, die zur Schaffung einer Einheitsfront bie Arbeiter und Bauern aufgefordert hatten, und zwar mit folgenden Worten: Mitbürger! Wir bestätigen den Empfang des Briefes, den Ihr an uns gerichtet habt. Als Antwort legen wir die von unserem Barteitag angenommene Resolution bei. Bir fordern Euch auf das Dringendste auf, den Anstrengungen bei zutreten, die wir in voller Unabhängigtert im Barlament unternehmen werden, um so schnell wie möglich zu einem politischen flaren Fortschritt demokratischer Reform und internationaler Entscheidung, zu gelangen. Wir entbieten Euch, Mitbürger, unseren sozialistischen Gruß." Der deutsch- russische Notenwechsel. In Beantwortung der letzten deutschen Note an die ReIn Beantwortung der letzten deutschen Note an die Regierung Sowjetrußlands wegen der Polizeiaktion in der Ber liner Handelsvertretung ist eine umfangreiche Erwiderung Rußlands dem deutschen Botschafter in Mostau übergeben worden. Sie wird durch Kurier nach Berlin geschickt. Ihr Inhalt ist hier noch nicht bekannt, es heißt jedoch, daß die früheren Forderungen der ruffischen Regierung auf rechterhalten werden, nämlich: Entschädigung für die Polizeiaftion, Bestrafung der Schuldigen und Anerkennung der Erterritorialität der Handelsvertretung wenigstens bis zur endgültigen Regelung dieser Frage. Sollte die russische Note wirklich diesen Inhalt haben, so würde das feine Bereinfachung der schwebenden Diskussion bedeuten. Das neue russische Zentralkomitee. Mostau, 3. Juni.( OP.) In der Schlußßigung des 13. Partei fongresses wurden bei der Neuwahl des Zentralfomitees alle befannten Parteiführer mit Ausnahme Radets wiedergewählt, mie Stalin, Sinowjem, Kamenew, Bucharin, Ryfow, Trozki u. a. Zu den neuen Mitgliedern gehören an bekannten Namen Kraffin und Kryshanowski. Das Komitee besteht aus 50 Mitgliedern. fie sich alle drei auf ihn gestürzt und hierbei ſeien fie mit dem In pettor zusammen zu Fall gekommen. Karl Wallat habe sich wieder aufgerafft, den 35 Pfund schmeren Stein aus einer Entfernung von drei Schritt herangeholt, und mit ihm den Inspektor einmal auf den Kopf geschlagen. Unterbeffen habe sein Bruder Eduard einen fleinen Stein ergriffen und damit blindlings auf den Ropf Baschtes eingebauen. Diefe Darstellung wird von der Kriminalpolizei auf Grund der Untersuchungsergebnisse als unwahrscheinlich bezeichnet. Die Suche nach dem Onkel aus dem Spreewald. Don Bolksliedern hat der„ Schwäbische Dichterfreis". Besonders Lud wig land hat dauerndes geleistet. Bei näherer Betrachtung müssen wir leider sehen, daß das Boltslied vor allem in den Städten im Niedergang begriffen ist. Das feine Empfinden des Boltes ist abgeftumpft. Der moderne Mensch ver langt finnlich gefällige Weifen, er ist vielfach zu stumpf, um an der finden. Wir sehen, wie minderwertiger Singfang feine Triumphe Schlichten und einfachen Weise des alten Bolksliedes Gefallen zu feiert. Das schöne Bolkslied hat nichts gemein mit diesen Gaffenhauern. Besonders das Bananenlied" zeigt den bebauernswerten Tiefstand auf diesem Gebiete. Das bedauerliche Absterben des Volks. liebes nicht nur in Deutschland ift eine tief murzelnde Zeitfrankheit. Der moderne Mensch schämt sich auch der alten Gitten und huldigt Tänzen, bei denen die Anmut der Bewegung völlig verloren geht. Mit bloßem Klagen ist uns nicht geholfen. Wir müssen festhalten am alten schönen Boltslied und Boltstanz und für ihre Erhaltung durch die Tat wirten. Die Bortragsabende der Freireligiösen Gemeinde sehen während der Sommermonate aus und beginnen wieder im September an jebem britten Dienstag im Monat im Gesangsfaal der Schule Weinmeiſterſtraße. Der Hund als Retter. In einem Hotel in der Nähe des Stettiner Bahnhofs kehrten zwei Männer ein. Es wurde ihnen ein Zimmer im ersten Stock angewiefen. Als das Mädchen mit ihnen hinaufging, und faum das Zimmer betreten hatte, fielen die beiden über es her und mürgten es. Zum Glüd war die Tür etwas aufgeblieben. Ein großer Hund, den das Hotel hält, war dem Mädchen gefolgt. Alls er Lärm im Zimmer hörte, stieß er die Tür auf, sprang die beiden Männer an unb biß fie heftig, so daß sie von dem Mädchen abließen und die Flucht ergriffen. Leider gelang es ihnen, zu entkommen. Schweres Eijenbahnunglüd bei Mostau. Nach einer Meldung aus Mostau ist der Schnellzug Mostau- Lastent in der Nähe von Rjäsan entgleift. Man zählte 3 Tote und 45 Bermundete, darunter 9 Gdywerverletzte. Katastrophaler Wolfenbruch in Budapest. Ueber Budapest ging heute nachmittag ein Wolfenbruch mit orfanartigem Winde nieder, der Störungen im Straßenbahnverkehr und in den Elektrizitätsleitungen verursachte. Die von den Diener Bergen herabströmenden Wassermengen drangen in mehr als 1000 Kellerräume Elektrizitätsleitungen verursachte. Die von den Ofener Bergen herein, so daß die Hilfe der Feuerwehr start in Anspruch genommen werden mußte. Es find mehrere Unfälle zu verzeichnen. Erdbeben auf Martinique. Nach einer Meldung aus Fort de France( Martinique) wurde dort ein Erdbeben von beträchtlicher Heftigkeit verspürt. Ueber etwa angerichteten Schaden liegen keine Meldungen vor. Groß- Berliner Parteinachrichten. 4. Areis Brenzlauer Berg. BGYD.- Elternbeiräte! Heute, Dienstag, den 3. Juni, 72 Uhr, Bollversammlung der Elternbeiräte bei Hoffmann, Reichenberger Straße 8. Berteilung von Borschlagliften für die Elternbeiratswahlen. Jebe Schule muß vertreten fein. 2. Areis Tiergarten. Mittwoch, den 4. Juni, 74, Uhr, erweiterte Rreisvorstands. fizung bei Krüger, Buttligstraße 10. Jede Abteilung muß vertreten fein. Entgegennahme von amtlichen Wahlvorschlagslisten für die Eliernbeiratswahlen. 6. Kreis Kreuzberg. Mittwoch, den 4. Juni, abends 6 Uhr, Bez rfsverordnetenBerfammlung. Yordstraße 10. Alle Bezirksverordneten und die Kommunale Kommiffion muß anwesend fein. 11. Areis. Arbeiterwohlfahrt. Rinderfreunde und Mitglieber des Kreisvorstandes: Mittwoch, den 4. Juni, 6%, Uhr, Helferversammlung im Garten der Genoffin Arone, Rubens. Ede Begasftraße( nicht Schloßbrauerei). Tagesordnung: Erholungsfürsorge in ben großen Ferien. Ein recht gemeiner Heiratsschwindel hat den Kaufmann He vor Gericht geführt. Heß hatte sich, obwohl er bereits verheiratet ist, einem jungen Mädden genähert. Er wurde aber von der Be. hörbe zu einer Strafverbüßung gesucht. Um der Verfolgung zu entgehen, machte er die Bekanntschaft einer jungen Dame, der er vorerzählte, daß er an der Spize eines großen Geschäftsunternehmens stehe. Er lebte nun in der Familie feiner Braut unargemeldet und wurde auch frei belöftigt. Als man ihn endlich zur Eheschließung drängte, fuhr der Angeklagte mit der Braut und deren Eltern zum Besuch seines reichen Ontels in den Spreewald. Bierzehn Tage lang unternahm er mit seinen Begleitern eine Irrfahrt durch den Spreewald, ohne den Onkel zu finden. Schließlich vertröstete er seine Braut und Schwiegereltern damit, daß er den Weg zum Ontel nicht mehr fence, fich mit ihm aber schriftlich in Verbindung setzen tönnte. Die leichtgiäubige Braut ließ sich in ihrer Berliebtheit auch nochmals vertrösten und hatte sogar schon einen Teil ihrer Ausstattung dem Spediteur über geben, damit fie in den Spreewald gefchafft werden könnte. Durch einen Zufall wurde der Schwindel aber aufgededt. Wie aus den Wolfen gefallen war die Braut, als sie ein Batet Briefe durch 5. Abt. Alle Genoffen, beren Kinder die Gemeindeschule in der gehbeniderstraße einen glüdlichen Zufall in die Hände bekam, aus denen hervorging, daß der Angeklagt: auch mit anderen Frauen in Beziehung stand. Das Urteil lautete auf die Mindeftstrafe für Rückfallbetrug von drei Monaten Gefängnis. Gefahr für den Kartoffelbau. Bon Frankreich her, wo der gefürchtete Koloradofäfer sich im Jahre 1922 in der Gironde festgesetzt und im Jahre 1923 über 29 Des partements ausgebreitet hat, bront dem deutschen Kartoffelbau große Gefahr. Der Schädling scheint schon während des Krieges mit amerikanischen Transporten in die Gegend von Bordeaug eingeschleppt worden zu sein, und hat sich dort offenbar lange Zeit unbeobachtet vermehren fönnen. Vorher war er bereits mehrmals ( 1877, 1887 und 1914) nach Deutschland gekommen, wo er aber ftets rechtzeitig bemerkt und mit durchgreifenden Maßnahmen wieder cusgerottet werden konnte. Das auffallend gefärbte Tier, dessen gelbe Flügelbeden 10 schwarze Längsstreifen tragen, ift etwa i 3entimeter lang, nährt sich ebenso wie feine hagebuttenfarbenen Larven von Kartoffeltraut und frißt in furzer Zeit die Aecker völlig fahl. Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Beamten und Lehrer. Sigung heute, Dienstag, abends 8 Uhr, im Jugendheim, Lindenstraße 3. Tagesordnung: Stellungnahme zum Reichsbeamtentag. Erscheinen aller Kreisobleute Pflicht. Heute, Dienstag, den 3. Juni: 96. Abt. Neukölln. 7, Uhr bei Lüben, Thomasstraße 5, Gigung fämtlicher Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleute Jungsozialisten Gruppe Tempelhof- Mariendorf. 7%, Uhr, Jugendheim Tempelhof, Lyzeum, Germaniastraße 46. Bortag des Gen. Model über: Die politche Lage." Morgen, Mittwoch, den 4. Juni: befucheu, merden gebeten, am Mittwech abend an der Elternversammlung obiger Schule teilzunehmen. 29. Abt. 72 Uhr, Sigung aller Funktionäre und Elternbeiräte bei Burg. Die Borschlagslisten find mitzubringen. 33. Abt. 7 Uhr, 8ahlabende in folgenden Lokalen: Wagner, Stralauer Allee Ede Hohenlohestraße; Hoffmann, Stralauer Allee Ede Markgrafendamm und Rienig, Simon- Dach- Straße 24. 41. Abt. 7 Uhr, Bodbrauerei, Fidicinftr. 2/3, Mitgliederversammlung. Neuwah! bes Borstandes. Elternbeiratswahlen. 56 Abt. Charlottenburg. 2. Gruppe: 7, Uhr, Sahlabend, Schule Wigleben Str. 35. Bortrag über die Elternbeiratswahlen. 82. Abt. Steglig. 8 Uhr, Funktionärfonferenz bei Behnde, Heesestr. 2 Die Namen ber Randidaten für bie Elternbeiratswahlen find mitzubringen. 97. Abt. Reutöln. 7, Uhr, Funktionärsigung bei Rohr, Giegiriebftr. 28/29. 10 Abt. Rieberschöneweibe. 7 Uhr, Restaurant Thiele, Berliner Straße 38. Funktionärligung mit den alten Randidaten und ben Randidaten der neuen gifte. 122. bt. Biesdorf. 72 Uhr, Zahlabend bei Borath, Marzahnerstr. 31. Neuwahlen. 21 Arbeitersport. Touristenverein Die Naturfreunde" Ortsgruppe Berlin. Für Magdeburg tönnen anmeldungen bis Donnerstag abend 6 Uhr beim Genossen 11, Stöthener Str. 26 erfolgen. Bei der Eisenbahn können keine Anmeldungen meldet Euch alle an mehr angenommen werden, doch sind durch uns genügend angemeldet. Also Gewerkschaftsbewegung Streit der Brauerei Arbeiter in Berlin. Eine Urabftimmung über das Cohangebot der Arbeitgeber t mit Majorität den Streitbejchluß ergeben. Die geftzige Bertreterterfammlung der Brauereiarbeiter hat beschlossen, den Siteit heute früh mit Beginn der ersten Schicht beginnen zu laffen. Generalversammlung der Metallarbeiter. Abfuhr der kommuniffen. Die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiter. erbandes hielt gestern ihre ordentliche Generniversammlung ab, nachdem im September v. 3. auf einstimmigen Beschluß dem Haupt vorstand die Nachprüfung sämtlicher Mandate übertragen worden war und daraufhin Neuwahlen der Delegierten Dor genommen werden mußten. Dem vom Bevollmächtigten 3ista gegebenen Jahresbericht für 1923 ist folgendes zu entnehmen: Die Belastung der Ortsverwaltung und aller Angestellten während der Inflationszeit war außerordentlich groß. Eine Lohnverhandlung jagte die andere und erst die Einführung der Rentenmart gab wieder bie Möglichkeit, zu den ursprünglichen Aufgaben der Gewerkschaftsorganisation zurüdzukommen. Wenn es nicht gelungen ist, die während der Inflationszeit ftert gefuntene Lebenshaltung der Mit glieder wieder zu heben, so ist daran die Ungunft der wirtschaftlichen Berhältnisse schuld. Bei den Betriebsräfewahlen war es schwer, die für biele Wahlen vom Hauptvorstand heraus gegebenen Richtlinien zur Gelfung zu bringen. Die von den miß lichen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen erzeugte Er regung stand dem hindernd im Wege. Die zu erwartende Gesundung Deutschlands wird dazu beitragen, in Zutunft nur die frei. gewertschaftliche Auffassung bei der Aufstellung der Kandidaten maßgebend sein zu lassen. Während der Inflations. periode war es nicht möglich, die Beiträge wertbeständig zu erhalten. Deshalb mußten auch nacheinander die Unterstüßungseinrichtungen abgebaut werden. Hand in hand damit ging der Personalabbau. Auch die von der Ortsverwaltung herausgegebene Bodenbeilage zur Metallarbeiterzeitung" fiet der Inflation zum Opfer. Sobald die Möglichkeit besteht, wird ihre Herausgabe wieder erfolgen; an den Mitgliedern wird es liegen, durch Empfehlung des Poftbezuges der Beitung für weiteste Verbreitung zu sorgen. Die ungeheure Arbeitslofigfelt to hatte eine starke Verminderung des Mitgliederbestandes zur Folge. Einmal die Zahlungsunfähigkeit der Mitglieder, dann aber auch die durch das Fehlen jeder Griftenzgrundlage hervorgerufene geistige Berwirrung ließ einen Teil der Mitgliedschaft den Wert der Organi fation vergeffen. 3ista gab der Hoffnung Ausdruck, daß mit der Besserung der Birtiyafistage auch der Wille zur Organisation gestärkt wird. Mit einem Appell zu reger Mitarbeit und mit der Bitte, bei der Kritik die Verhältnisse, unter denen die Ortsverwaltung thre Arbeit erledigen mußte, in Rechnung zu bellen, fchloß Bista feine beifällig aufgenommenen Ausführungen. Die Kassenführung zeigte im Jahre 1923 das durch die Inflation verursachte Bild. Mit der Stabilisierung der Währung fam auch eine Festigkeit in die Geldverhältniffe der Berwaltungsstelle. mom In der Disfuffion bemühte fich der Kommunist Nieber Jeine Rede zu geminnen. Ihm wurde in Zwischenrufen entgegen irchner vergeblich, die Aufmerksamkeit der Versammlung für gehalten, daß er doch nur Aussperrung bei der Firma Aron. Bor etwa drei Wochen haben einige fieine Arbeitergruppen bei der Firma H. Aron, Glektrizitätszählerfabrik in Charlotten burg, Wilmersdorfer Straße, bescheidene Lohnforderungen gestellt. Die betreffenden Arbeiter wurden von Sag zu Tag ohne Bescheid hingehalten. Wiederholte Mahnungen an die Direktion, endlich zu Berhandlungen zu tommen, hatten feinen Erfolg, jo daß schließlich die Werkzeugmacher und die Versuchsmechaniter am 24. Mai in paffive Resistenz traten. Diesen Gruppen schlossen sich am nächsten Tage die Gicher mit einer Affordforderung an. Auch hier gab die Firma teinerlei Bescheid. Ais dann die fordernden Gruppen dem Verlangen der Firma, bie Arbeit zu den alten Bedingungen weiterzuführen, nicht nachtamen, wurden die Wert zeugmaer am 80. Mai entlassen. Als auch diese Maß nahme nicht den gewünschten Erfolg hatte, sperrte die Direktion am 2. Juni die gesamte Belegicha ft, etwa 430 Beschäftigte, aus. Die Arbeiterschaft wird dringend ersucht, Solidarität zu üben und bei Arbeitsangeboten auf dem Arbeitsnachweis und zu üben und bei Urbeitsangeboten auf dem Arbeitsnachweis und in der Presse die Aussperrung zu beachten. Der fächsische Bergarbeiterfireif geht weiter! Die in unserer heutigen Morgenausgabe wiedergegebene WIB. meldung aus Dresden, wonach der Bergarbeiterstreit in Sachsen beendet sei, hat sich als falsch erwiesen. In Zauderode ist weder die Arbeit teilweise aufgenommen, noch hat ein weiterer Teil der Belegschaft beschlossen, die Arbeit aufzunehmen. Wie uns aus 3 widau berichtet wird, hat sich die Zahl der Streifenden bis heute früh noch nicht vermindert. Es fann mithin feine Rede davon sein, daß die Streitbewegung auf den staatlichen Gruben Sachfens als erloschen anzusehen ist. Sie wird es dann erst sein können, wenn den Forderungen der Bergarbeiter stattgegeben bzw. eine Einigung herbeigeführt wird. Von den Vorgängen auf den Staatszechen zumal dürften derart falsche Nachrichten nicht verbreitet werden. Zentralverband der Maschinisten und Seizer. Morgen, Mittwoch abend, 6 Uhr, in unserem Ortsbureau, Engelufer 24/25, 8immer 27, Bersammlung aller in der Metallindustrie beschäftigten Seizer, Mafchinisten, Rohlenfahrer, Schladensieber usw. Stellungnahme zu dem Diktat des Verbandes Berliner Metallindu firieller. Kollegen! In dieser Bersammlung follen wichtige Beschlüsse gefaßt werden. Wie bekannt sein dürfte, befinden wir uns seit längerer Zeit in einem ist. Die Ortsverwaltung. Wirtschaft Sowjetrußlands Wirtschaftsleben, 1917 bis 1923. Kundgebung der freigewerkschaftlichen Landarbeiter. träglich i es ist Eure Pflicht, in dieser Bersammlung vollzählig an erſcheinen, wurde am Sonnabend, den 31. mai, eine große Rundgebung der Anläßlich der landwirtschaftlichen Ausstellung in Hamburg organisierten Landarbeiter aus den umliegenden Gauen Hamburgs veranstaltet. Der festlich geschmüdte Saal des Gewerkschaftshauses mies einen sehr starken Besuch auf. Erschienen waren u, a. als Bertreter des hamburgischen Senats Senator Stubbe, der ProDing Schleswig- Holstein Oberpräsident Kürbis, des Kreises Binne berg Landrat Niendorf sowie der Reichstagsabgeordnete& auf fötter. Vertreten waren ferner der Arbeiterrat Hamburg, Der 11. Bezirt bes DG B., die Ortsausschüsse von Hamburg und bemtofratischen Bartei, Den Worten der Begrüßung fglgte Riel und die Landesorganisation Hamburg der sozial ein Bortrag des ersten Borfizenden des Deutschen Bandarbeiterverbandes Reichstagsabg. Georg Schmidt Bern über: Die Landarbeiter als Staatsbürger. Der Redner mies eingangs feiner Ausführungen auf die vor genau 15 Jahren erfolgte offizielle Gründung der Landarbeiter organisation hin. Er erinnerte daran, wie die deutschen Landwirte und Großagrarier diefer jungen Organisation, die damals von der industriellen Arbeiterschaft und besonders der Sozialdemokratie mit allen Kräften unterstüßt murbe, das Leben schwer zu machen ver fuchten Der Sozialdemokratie und Industrie arbeiterfchaft gebührten für diese tatkräftige Unterstützung der Dant ber organisierten Bandarbeiter, die, wenn es nach dem Willen ihrer Arbeitgeber gegangen wäre, heute noch als Arbeiter zweiter Klaffe unter der Gesindeordnung gestanden hätten. Die Gründung einer Landarbeiterorganisation war auf dem Wege zur Gleichberechtigung der landwirtschaftlichen Arbeiter die erste Kulturtat. Ein Vorwärtsschreiten auf diesem Wege wird es nur geben, wenn auch in der Zukunft die Landarbeider mit dem gewerblichen und industriellen Broletariat eine gemeinsame Front bilden; denn der Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse ist und wird cuch fünftig nicht auf die Großstädte beschränkt bleiten. Um fo verwerflicher ist es, wenn sich angesichts diefer Notwendigkeit radikal beiterschaft und ihrer Organisationen zur Aufgabe gemacht haben. wollende fommunistische Schreier die Zerspütterung der Arfein beiterschaft und alle auch die Bandarbeiter den heutigen Staat, der Der Redner betonte weiter, wie notwendig es sei, daß die Ar erst die Entwicklung ihrer Organisationen zu der heutigen Stärke dem das Berhalten der heutigen Regierungen oft zu schärffter Kritik möglich gemacht hat, unter allen Urständen zu bejahen haben, trohdes Reichsarbeitsministers hin, deffen Bergehen bei den von ihm herausfordern muß. Redner wies hierbei besonders auf die Haltung geleiteten Schlichtungsverfahren gerade in legter Zeit die allgemeine Unzufriedenheit der Arbeiterschaft herausgefordert habe. Halten die Bandarbeiter fe ft zu ihrer Organisation, dann werben fie im heutigen Staat auch erreichen, was sie sich zum Ziel gesetzt haben. Borsitzende, Genoffe Baul Böhrte, Berlin, über Als nächster Redner( prach bann in ähnlichem Sinne der zweite neues Buch über die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse Das Internationale Arbeitsamt hat soeben ein Rußlands in den Jahren 1917-1923 herausgegeben. Es werden darin behandelt: die wirtschaftliche Gefesgebung fomie auch werden die fundamentalen Unterschiede dargelegt, die zwischen die Gestaltung der Wirtschaftszustände und der Arbeitsbedingungen; bem gegenwärtigen System und jenem bestehen, das vor 1921 praftiziert wurde. Es kommt darin die Umwandlung Rußlands deutlich zum Ausdrud. Einleitend werden die Aufgaben des Arbeitskommissariats bar. gestellt, dann folgen Abschriften über Lohnpolitit vor dem Uebergang zur neuen Wirtschaftspolitik und seither, über Kolletivverträge, die Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten, die Regelung des Arbeitsmarktes, die Sozialversicherung und die Gewerbeaufsicht. Daran schließt sich noch ein Kapitel über Gewerffchaften, ihre rechtliche Stellung, ihre Aufgaben, ihre Beziehungen zur Leitung wirtschaftlicher Unternehmungen usw. Statistische Nachweisungen sind dem Buche beigegeben, aus dem man ersieht, daß tiefgreifende Wandlungen in den Arbeitsverhältnissen wie auch in der materiellen Lage der Arbeiterschaft stattfanden. Die Arbeitsgesetzgebung wurde umgestaltet; das neue Gefehbuch der Arbeit geht von Grundsätzen aus, die von den früheren völlig abweichen. Die Arbeits3wang ist praktisch abgeschafft, die Aufnahme wie Entlasjung von Arbeitern ist freigestellt und die Arbeitsbedingungen werden durch freies Uebereinkommen zwischen den beteiligten Parteien geregelt. Der Preis der Arbeit wird wieder durch das Gesez von Angebot und Nachfrage bestimmt. Der Staat beschränkt fich auf Festseßung von Mindestlohnen, während die tatsäch lichen Löhne durch tollektive Webereinkommen der Parteien bestimmt zwischen den gefeßlichen Bestimmungen und deren Anwendung, aber werden. Es besteht aber noch immer ein erheblicher Spielraum angepaßt, was wieder auf die Lebensbedingungen der Arbeiter 31 nach und nach werden die ersteren den tatsächlichen Verhältnissen rüdwirft. zu Betriebseinschränkungen im befehten Gebiet. Aus einer Reihe So hat in Oberstein eine beträchtliche Anzahl fleinerer Betriebe gevon Bezirken des besetzten Gebiets werden Brobuftionseinschränkungen und Betriebsstillegungen gemeldet. fchloffen oder doch Betriebseinschränkungen vorgenommen. In diefer Woche werden auch die größeren Fabrifen dort vermutlich schließen müssen. In der bergisch- märkischen Kleineisenindustrie wurde in der lezten Maidetade die Arbeit in einer Reihe von Betrieben auf drei Tage pertürzt. Die Belberter Industrie mußte gleichfalls ihre Brobuftion einschränken. Es perlautet, daß auch in der Kölner Metallindustrie mit Produktionsein hränkungen demnächst zu rechnen ist. Die Ursache dieser Maßnahmen ist vor allem in der Krediskrise zu suchen, die schon vielfach zu Schwierigfeiten bei der Beschaffung von Lohngeldern geführt hat. In cinem besonders frassen Falle bei einer Kölner Automobil fabrik merden feit Wochen teine Löhne gezahlt, so daß von gewertschaftlicher Seite Klage eingereicht wurde. Auch ficht auf Gewire zu arbeiten. stoffen und Halbfabrikaten erschwert der Industrie vielfach, mit Aus. das Manuffript der KPD.- Zentrale herunterrebe und daß es wenig Zwed in einer Metallarbeitergene rainerfammlung habe, damit die Zeit zu vertrödeln. Seine Aus führungen murben von der Bersammlung von der humoristischen Sefte genommen, so daß er, ohne einen ernsten Eindrud zu hinterfaffen, abtreten mußte. Dem Genossen Bernh. Rüger war es leicht, alle Anmürfe auf die Partei, die Gewerkschaften und die Orts. permaltung auf das gebotene Maß zurüdzuführen. Strüger erkannte has Wirten der Verwaltung voll an und schloß mit der Bersicherung an die Kommunisten, daß die alten treuen Mitglieder dafür sorgen merden, daß die Moskauer Bäume nicht in den Himmel wachsen. In seinem Schlußwort fonnte 31 nicht erhoben worden sind. Jahrzehnte, in denen das Arbeitgebertum der Landwirtschaft für seine die doppelte 3011 belastung bei der Ein- und Ausfuhr von Roh= feststellen, daß fachliche Einwendungen gegen „ Die Candarbeiter in der Wirtschaftspolitik". Er hob besonders herbor, warum die Bandarbeiterorganisation dazu übergegangen tit, zum ersten Male in diesem Jahre die Landwirtschaftliche Ausstellung als Anlaß zu einer eigenen Rundgebung der Arbeiterschaft zu benutzen. Während dreier Jahrzehnte hätten es die 2andwirte verstanden, für ihre Berufsintereffen in der Deffentlichfeit zu demonstrieren. Während dieser drei habe, sei der Land a r beiter mit feinen Wünschen vollkommen Intereffen und feine Nöte die größte Propaganda zu treiben gewußt vergeffen worden. Es fei beshalb an der Zeit, daß auch die Landarbeiter in der gleichen Weise ihre Rechte in ber Deffentlichkeit geltend machen und zum Ausbrud bringen, daß sie mit der wichtigste Faktor deindber deutschen Bandwirtschaft find. Die Landarbeiter sehen deshalb diese erste Rundgebung als den Auftakt an, um sich den gleichen Blag in der Landwirtschaft zu erobern, ben heute die Arbeitgeber fich zu erringen gewußt haben. Bei der Beratung der vorliegenden Anträge wurde ein Antrag, die Delegierten in Zukunft in Bezirksmitgliederversammlungen zu wählen, abgelehnt. Die Kommunisten hatten drei Anträge eingereicht. Der Uebergang zur Tagesordnung usd wurde gegen ein Mißtrauensantrag gegen bie Orts. perwaltung beschlossen, der gleichzeitig die Neuwahl der Ber waltung in einer Urabstimmung verlangte. Ein Antrag, der befagt, daß bei wichtigen Verbandsangelegenheiten(§ 9 Ortsftatut) die. Mehrheit der Generalversammlung( statt wie bisher ein Drittel!) eine rabstimmung befließen fönne, wurde ange. nommen, Die Generalversammlung schritt nunmehr zur Neuwahl ber Ortsverwaltung. Bista gab dazu namens der Ortsverwaltung die Erklärung ab, daß sich die ganze Verwaltung zur 23 a hi ftelle, da in der Zeit, in der feine Generalversammlung stattfand, beide Hälften der Verwaltung fagungsgemäß hätten ausscheiden müssen. Die Kommunisten tonnten teine Gegenliste präfen tieren, beantragten fogar nicht einmal die Urwahl, wozu fie nach dem noch in Geltung befindlichen Ortsstatut berechtigt gewesen wären, sondern zogen sich mit einer lendenlahmen Erflärung aus der Affäre, ihre Schwäche damit verdeckend. Bei der Abstimmung ftimmten ganze 67 Rommunisten von runb 400 anwesenden Delegierten gegen die Ortsverwaltung. J.Baer ΚΟΣ Die Ausführungen beiber Redner fanden in der Bersammlung einen starten Biberball. Am Sonntag fand für die später eingetroffenen Bandarbeiter eine noch zahlreicher besuchte Rundgebung ftatt, in der Genosse Walter R masnit, Berlin, über die Zukunftsaufgaben des Verbandes Der Kampf mit der Industriefrife in Polen. Der polnische Industrierat hat einstimmig beschloffen, die Regierung aufzufordern, zur Linderung der Industriekrise fleunigst folgende Maßnahmen zu ergreifen: 1. Aufhebung der Umfassteuer für Exportartifel, 2. Aufhebung der Kohlensteuer, 3. Revision der Eisenbahntarife für Exportartikel. Aus der Partei. Unfer Organisationsstatut. Zum Entwurf eines Organisationsftatuts für die Sozialdemokratische Partei haben die Genossen im Lande 152 Abmeinschaft mit dem Parteivorstand hat in einer vollen Tagesligung am 2. Juni unter weitgehendster Berücksichtigung dieser Anträge einmütig beschlossen, dem Parteitag eine neue Borlage zu unterbreiten und den Genossen Lipinski mit der Berichterstattung zu beauftragen. sprach. Nebner mies befonders barauf hin, baß nicht ber Tarifveränderungsanträge gestellt. Die Organisationskommission in Getrag Endziel der Organisation sei, sondern die Mitbestimmung bei der Regelung der Probuftion, von der das Wohlergehen der Nation und jedes ihrer Glieder abhängt. Die Bandarbeiterfundgebung war eine wirkungsvolle Demonstration des freigemertschaftlichen Landvolks. Es bemies hiermit, daß es an dem Gebeihen der deutschen Landwirtschaft interessiert ist, daß es aber auch das Recht für sich in Anspruch nimmt, als mitbestimmender Fattor im landwirtschaftlichen Produktionsprozeß ange fehen zu werden. Extra billiges Pfingst- Angebot! F 羽 Berlin N, Badstr. 26 HOSEN Ecke Prinzenallee Fernsprecher: Ami Moabit 2443 Pfingstangebot! für Spezialhaus Herren- und Knaben- Garderobe reichhaltiges Stofflager zur eleganten Anfertigung nach Maß. Sport- und Berufskleidung Eleg. Gabardine, Gammi- und Lodenmäntel in allen Preislagen. J.B Auf alle Waren 10% Ermäßigung.e HOLZHAUSER von 500 Mk. an. 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