Nr. 259 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 133 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Lugemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5.25 Goldmark pro Monai Der., Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Beit" mit..Gied. lung und Aleingarten" fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Geldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart, Retlamezcile 4. Goldmart. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes 0.10 Goldmart. erfte Wort 0,10 weitere Wort weitere Wort Stellengefuche das Goldmark jedes 0.05 Oplomart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Heute fünf Uhr nachmittag soll sich die neue Regierung"| feßt, der übernimmt die Berantwortung dafür, daß die Zudem Reichstag vorstellen. Sie heißt Marr- Stresemann. ftände im Westen ungeregelt bleiben und daß infoigedeffen Es ist die Regierung, wie sie war, die Regierung der bürger- die ganze deutsche Wirtschaft dem Ruin an lichen Mitte. heimfällt. Die Regierung ist davon unterrichtet, daß Deutschland feinen Cent Anleihe zu erwarten hat, solange nicht die Durchführung der Sachverständigenvorschläge in Angriff genommen ist. Deutschland ohne Kredit lassen, heißt Tausende von Unternehmungen dem Ruin, Millionen Arbeiter und Angestellte der Arbeitslosigkeit ausliefern. Drei Wochen lang hat sich das Karussell der deutschen Regierungsfrise gedreht. Jeht steht es still, und alles steht an derselben Stelle mie zuvor. Es ist das Verdienst der Volkspartei, Deutschland brei Wochen lang verrückt und in den Augen der ganzen Weit lächerlich gemacht zu haben. Jezt hat die Volkspartei, eine lange Erklärung heraus: gegeben, in der sie ihre eigenen Taten besingt. Indes erfordert das Interesse der geschichtlichen Wahrheit zum min Deften eine Richtigstellung. Die Bollspartei behauptet, ihren besten Mann", Herrn Siresemann, in feinem Augenblick der Berhandlungen preisgegeben zu haben. In Wahrheit hatte fie ihm schon längst eine schwarzweißrote Seidenschnur gefchickt mit jener Erflärung, in der sie sagte, sie halte an Stresemann fest es sei denn, daß er selber anders wolle. Die Demokraten waren es, die erklärten, sie würden nicht mittun, wenn Stresemann geopfert werden solle, das Zentrum war es, das sich dieser Erklärung anfchloß. Gegen den Willen der Nachbarparteien fonnte die Boltspartei den eigenen Führer nicht fallen lassen. Und so fam es Die Volkspartei rühmt sich noch jekt ihres heißen Bemühens", die Deutschnationalen in die Regierung hineinzubringen, fie erklärt auch jekt noch die Koalition von Hergt bis Roch für notwendig, fügt aber am Schluß traurig hinzu, zurzeit bleibe„ nichts anderes übrig", als die alte Regierung der Mitte wieder mitzumachen. Hätte die Volkspartei nicht den Rücktritt der Regierung erzwungen und wäre uns der Fehlerfreis dieser Krise erspart geblieben, so hätte die Regierung Marr- Stresemann sowohl nach innen mie auch nach außen eine viel beffere Stellung, als fie jetzt sie haben kann. Aber es genügt der Volkspartei nicht, die Regierung, in der ihr bester Mann fikt, auf folche Weise geschädigt zu haben, fie bezeichnet auch jetzt noch diese Regierung sozusagen nur als fümmerlichen Not behelf für den Augenblick. " Nächst der Volkspartei sind es die Deutsch natio= nalen, die sich in diesen Wochen um das deutsche Volt befenders verdient gemacht haben. Ihr Patriotismus erstrahlt in bengalischem Licht. Wie konnten diese Leute sonst so tapfer schmähen, wenn fich eine Regierungsfrise in die Länge zog! Diese fonnte ihnen nicht lange genug dauern. Der altberühmte Reifende der Fliegenden Blätter", der nach Abbruch der Verhandlungen durch alle möglichen und unmöglichen Deffnungen wieder hereinkommt, war an ihnen gemessen, ein Muster bescheidener Unaufdringlichkeit. Dem Statistiker bleibe es überlassen zu zählen, wie oft die Türe, nachdem fie schon gefchloffen war, sich wieder auftat und in dem Spolt der eindrucksvolle Kopf von Exzellenz Herat in Erscheinung trat Nach so viel Filzpantoffelpolitik ist es nur ein natürlicher Ausgleich, wenn nun der furor teutonicus" wieder zu feinem Rechte kommen will. Er wird sich, wie es sich gehört, nach innen austoben und sich bemühen, zu zerschlagen, was etwa noch ganz geblieben ist. Nachdem die Deutschnationalen teine Bortefeuilles befommen haben, fönnen sie ja wieder Grundjäße haben! Indes wird mit diesen Herrschaften ein sehr ernstes Bort, zu reden sein. Die Regierung Marr- Stresemann wird, weil fie muß, eine auswärtige Politit treiben, die u. a. folgende Biele hat: 1. Freilassung der Ruhrgefangenen. 2. Rückkehr der Ausgewiesenen, 3. Beseitigung der Micum Berträge, 4. Zurüdführung der Regiebahnen in die Reichs bahnverwaltung, 5. Aufhebung der inneren Zoilinie, 6. Räumung des Ruhrgebiets, 7. Räumung auch der anderen be fetzten Gebiete zu den vertragsmäßig vorgesehenen Zerminen. Um diefe Biele schnellstens zu erreichen, ist es notwendig, bei der Annahme der Sachverständigenvorschläge ftehen zu bleiben und ihre loyale Durchführung sicherzustellen. Bon der Regierung ist zu verlangen, daß sie diese Linie flar und unzweibeutig innehält. Wer fich dieser Politik wider. Wenn die Deutschnationalen gesonnen sind, die Intereffen des deutschen Volkes ihrer neuerwachten völkischen Demagogie zum Opfer zu bringen, so wird sich das besegte Gebiet das nicht gefallen lassen, und das übrige Deutschland wird sich an die Seite des befesten Gebietes ftellen. Die Sozial bemofratie ist bereit, diefen Kampf aufzu nehmen, sei es in Form eines Voltsentscheids, fei es in Form von Reichstagsauflösung und Neuwahlen. Die Regierung weiß, was auf dem Spiel steht. Sie hat keine geschlossene und zuverlässige Mehrheit hinter sich. Wenn sie bestehen will, so muß sie fämpfen und dem Bolt die leberzeugung beibringen, daß ihre Politik die richtige ift. Die Volfspartei hat den taktischen Bersuch unternommen, die Rechtsgefahr durch Kompromisse abzumildern, dieser Versuch ist mißlungen. Der Bestand der Republik ist von rechts her bedroht, und diese Bedrohung ist um so größer, als ihr der Kommunismus in verbrecherischer Weise Vorschub leistet. Will die Regierung bestehen, so muß sie den Schutz der Republif auf ihre Fahne schreiben. Und will sie nicht den Extremen von rechts und links zutreiberdienste leisten, so muß sie den Arbeitern das Gefühl geben, daß sie von der Republik foziale Gerechtigkeit in den Fragen des 2 rbeiterschutzes und der Lastenverteilung zu erwarten haben. Nur so und nicht anders fann fie der außen und innerpolitischen Schwierigkeiten Herr werden. Gelingt ihr das nicht, dann wird ihr fein langes Leben beschieden fein, und Deutschland wird neuen inneren Erschütterungen entgegengehen. Einstweilen schließt diese unsinnige Krise mit einer schweren Kompromittierung der bürgerlichen Parteien. Was wir in diesen Wochen erlebt haben, das war die Duverture des Bürgerblocks. Wem gelüftet es danach, die ganze Oper zu hören? Was so anfängt, wie fann das enden? Es gibt nur eine Rettung für Deutschland. Das ist eine starte Sozialdemokratie! Heute Regierungserklärung. Die nächste Plenarsizung des Reichstages findet laut Beschluß des Aeltestenrates morgen, Mittwoch, 11 Uhr vormittags ftatt. Am Nachmittag um 5 Uhr foll eine zweite Sizung stattfinden, in der der Reichskanzler eine Regierungs erflärung abgeben würde. Reichstagspräsident Wallraf hat dem auf 20 Gigimgstage ausgefchloffenen fommunistischen Abgeordneten Remmele geschrieben, als Hausherr des Reichstages verbiete er ihm das Be: treten des Reichstagsgebäudes. Die Absage an die Deutschnationalen. Erklärung der Volkspartei. Die Bildung der Roalition der Mitte fann nunmehr als gesichert gelten. 3entrum und Demofraten haben in ihren Abendsizungen in diefem Sinne beschloffen und auch die Deutsche Volkspartei hat sich der Ueberzeugung nicht mehr verfchloffen, daß jetzt ein anderer Ausweg nicht möglich ist. Sie begründet in einem längeren Rommuniqué ihre Haltung: " Nachdem die heißen Bemühungen der Deutschen Bolts. partei un die Bildung einer starten, außen und innenpolitisch not. wendigen Koalitionsregierung von den Deutschnationalen bis zur Deutsch- demokratischen Partei durch den Fraktionsbeschluß der Deutschrationofen Partei vom 30. Mai geleitert waren, bot fich die Möglichkeit zu neuen Berhandlungen, meil maß gebende Persönlichkeiten der Deutschnationalen Fraktion ab fchwächende Auslegungen jenes Beschlusses gaben und erklären ließen, daß Mißverständnisse unterlaufen waren und die Türe der Verhandlungen von ihnen nicht zugeschlagen wäre. In den hierauf vom Reichskanzler Marg von neuem einges leiteten Berhandlungen fonnte mit den deutschnationalen Berhandlungsführern über die Regierungserklärung zu dem internationalen Sachverständigengutachten eine Einigung in den wichti gen Bunften erzielt werden. Leider sind diese Verhandlungen durch Beschlüsse der deutschnationalen Frat. tion und ihre, wenn auch entstellte, Veröffentlichung durchfreuzt worden. Die unabweisbare Forderung an die deutschnationalen Berhandlungsführer, in dieser Lage unzweideutige Erflärungen abzugeben, über die Entschlossenheit auch der Deutschnationalen zur Fortführung der Grundlinien der bisherigen Außenpolitif ist nicht befriedigt worden. In der Frage der Reubildung der preußischen Regierung haben die Deutschnationalen ähnlich wie im November des vorigen Jahres Sicherungen für eine balbige Neuwahl gefordert. Die Reichstagsfraftionen der anderen Parteien waren naturgemäß außerstande, folche Sicherungen zu bieten. Die zwischen den Fraktionen des Preußischen Landtags eingeleiteten Verhandlungen bieten feine Gewähr für eine baldige Befriedigung der deutschnationalen Wünsche. Trotzdem haben die deutschnationalen Verhandlungsführer ihre endgültige Stellungnahme von der Lösung der Breußenfrage in ihrem Sinne abhängig gemacht. Hierauf tann bei der wirtschaftlichen und politischen Lage des Reiches nicht gewartet werden. Rasche Bes endigung der Regierungstrife ist das Gebot der Stunde und die Forderung des Volkes. Für die Deutsche Boltspartei war bei ihrer Entscheidung vor allem auch entscheidend die Erklärung der deutschnationaln Vera handlungsführer, daß die Befeßung des Außenministeriums durch Dr. Stresmann trog Fortführung der Außenpolitik un. diskutabel sei. Die Deutsche Boltspartei ist nicht bereit, den Kopf ihres Parteiführers einer an deren Partei zu opfern. Aus allen diesen Gründen muß auch die Deutsche Volkspartei zu ihrem Bedauern feststellen, daß die Berhandlungen zur Bildung der großen Bürgerfoalition gefchei. tert sind. Sie hält damit den Gedanken an sich nicht für tot. Sie hofft, daß das große Ziel zu gegebener Zeit doch noch erreicht werden kann. Zurzeit bleibt nichts übrig, als der Einladung des Reichsfanzlers Marr zur Bildung einer Regierung auf der bisherigen Basis zu folgen. Die Fraftion wird sich an der fleinen Koalition in dem Verantwortungsbewußtsein beteiligen, daß sie auch diefes Opfer dem Vaterland bringen muß, angesichts der verzweifelten Lage der deutschen Wirtschaft und des berechtigten Notschreies des besetzten Gebietes." Erklärung der Deutschnationalen. Abends um 10 Uhr gab die deutschnationale Fraktion folgende Erklärung aus: Herr Reichskanzler Mart hat den deutschnationalen Parteiführen mitgeteilt, daß er die Verhandlungen über eine Regierungs. bilbung mit ihnen abbrecen müsse. Bei der Dringfidyteit ber Regierungsbildung und bei den neuerdings aufgetretenen Schwierig. feiten erscheine es ihm unmöglich, mit der Deutschnationalen Boltspartei noch rechtzeitig zu einer Einigung zu kommen. Die Verhandlungen über die Regierungsbildung sind erheblich später eröffnet worden, als es die Deutschnationalen erwartet und wiederholt verfengt haben. Der Herr Reichspräsident hat fich nicht bewogen gefühlt, gemäß parlamentarischem Brauch, der stärksten Partei den Auftrag zur Bildung des Kabinetts zu geben. Gleichwohl haben die Deutschnationalen, im vollen Bewußtsein ihrer Berantwortung, der Not der Wirtschaft und des Landes Rechnung tragend, alles versucht, um durch weitestes Entgegentommen eine dem Wahlergebnis einigermaßen entsprechende limbil dung der Regierungsverhältnisse zu ermöglichen. Da die Mehrheitsverhältniffe nicht den von ihnen erstrebten vollständigen Wechsel des Kuries durchführbar erscheinen ließen, haben sie im Rompromißvege die Einigung über den weiter einzuschlagenben Kurs gesucht. Selbstverständlich war dabei eine enderung des bisherigen Rurses nicht zu umgehen, und fie mußte von jedem, der ernstlich den Duischnationalen den ihnen zukommenden Einfluß gewähren mollie, zugestanden werden. Es ist uns schwer verständlich, an welchen Hindernissen schlich. lich die Einigung gescheitert ist. Sollten vorzeitige, von der deutsch Aus diesem Bewußtsein muß jene gerechte Empörung erwachsen, die überzeugend wirft und die nicht einen Augenblick des Unrechterduldet. nationalen Fraftion nicht verschuldete, überhaupt entstellte Ber- Partei ohne Grund und ohne Anhalt verleumdet ist. öffentlichungen, den legten Grund dazu gegeben haben? Bir wollen selbst in diesem Augenblid fo fleinliche Beweg gründe für das Scheitern der durch die Notlage des Landes ja un bebingt erforderlichen und nach den Mehrheitsverhältnissen des Reichstages allein möglichen Gestaltung der Regierungsverhältnisse, nicht unterstellen. Es bleibt nur anzunehmen, daß in den Mittel: parteien starte Kräfte vorhanden gewesen sind, die ein Zufam. mengehen mit den Deutschnationalen trotz allen nicht wollten und mait Erfolg verhindert haben. Das Nähere wird die Disfuffion der nächsten Tage ergeben. Die kommunistische Reichstagsfraktion hat diese Anschuldigungen ohne sonderliche Empörung, ohne sonderliche Ent rüstung, ohne sonderliche Verachtung gehört. Sie hat sich nicht aufgebäumt unter diesen Beschuldigungen. Sie hat fleinen und unwürdigen Lärm gemacht. Sie hat schwerste Anschuldigungen mit zustimmenden Zwischenrufen begleitet. Sie hat schließlich Herrn Koenen als Redner ohne Argumente mit falschem Pathos. Sie vorgefchickt ohne innere Empörung einen erbärm= hat schließlich lichen, fleinen, würdelosen Standal inszeniert. Nicht wegen der Anschuldigungen, nicht über eine politische Frage über die sehr fleine Geschäftsordnungsfrage, ob sie die Pläge einNun soll versucht werden, daß ein Kabinett der sogenanten Kleinen Roalition die Geschäfte führt. Die Bayerische Bolts. partei wird sich daran nicht beteiligen. Es ist nicht möglich, daß selbst bei Unterstützung durch die Sozialdemokratie auf diese Weise regiert werden fann. Die Deutschnationale Boltspartei hat die Dolle Freiheit des handelns wieder und wird entnehmen sollten oder nicht. schloffen von ihr Gebrauch machen. Dazu sei zunächst nur festgestellt, daß die angeblich ,, ent stellten Beröffentlichungen" von den deutschnationalen FronDeuren gegen Hergt veranlaßt wurden in der Absicht, ein Kompromiß unmöglich zu machen. Die Kommunisten unter Anklage. Gemeinheit statt Rechtfertigung. Die Niedrigkeit der Gesinnung der Kommunisten im Reichstag hat sich gestern deutlich offenbart. Auf der Tages ordnung stand die Frage der Haftentlassung der fommunistischen Abgeordneten Lindau, Pfeiffer und Schlecht. In Wirklichkeit mußte die Sizung zu einer großen Auseinandersegung über das Wesen und die Kampfmethoden der Rommunistischen Partei werden. Sie wurde es nicht. Die Rommunisten inszenierten einen erbärmlichen fleinen Standal, an dem die Sizung aufflog. Die Unterlagen für die Stellung des Geschäftsordnungsausschusses in der Frage der Haftentlaffung, die Genoffe Löbe als Berichterstatter vortrug, enthalten eine Reihe von außerordentlich schweren Beschuldigungen gegen die Leitung der Kommunistischen Partei, die von der Reichsanwaltschaft ausgehen. Wenn diefe Beschuldigungen stichhaltig sind, so wäre die KPD. eine Bartei des Verbrechens, würdige Spießgesellen jener feigen verbrecherischen Burschen aus dem Lager des Rechtsradika lismus, die Mord mit Rerolvern und Gift und Bomben mit Bolitik verwechseln. Dann wäre die KPD. ein Schandfleck der deutschen Arbeiterbewegung, eine grausame Abirrung vom Wege des Sozialismus zum Verbrechen hin, die nicht nur aus den allgemeinen sozialen und politischen Berhält nissen, sondern auch aus den persönlichen Qualitäten ihrer Führer zu erflären wäre. Der Präsident Wallraf hätte diefem Ronflitt ausbiegen fönnen. Es entspricht zwar der Ordnung des Hauses, den Platz zwischen den Bänken und den Stenographen freizu geben aber es ist im allgemeinen nicht üblich, und auch nicht würdig, das Segen der Abgeordneten zu fordern. Aber die Kommunisten antworteten mit einem Hagel von gemeinen Schimpfworten, die sie über den Präsidenten und die ganz unschuldig dabeisigende Schriftführerin Genoffin Bohm= Schuch ergoffen, Schimpfworten, die von niedrigster Gefin mung zeugen, wo man gerechte und eble Empörung gegen schwere Beschuldigung erwartete. Das ist fommunistischer Parlamentarismus! Schwein, Scheißen, Arsch und Dreddas sind die kommunistischen Schimpfworte, die sie bei so erbärmlichen, fünftlich gemachten Szenen im Reichstag mit Wollust hinausschreien. War das die Antwort der Kommunisten auf die schweren Anschuldigungen gegen ihre Partei, daß sie den Präsidenten als Halunten, die Genoifin Bohm Schuch in no unflätigerer Weise beschimpften? War das ihre Berteidigung? Lärm statt der Rechtfertigung? Mußte diese Fraktion unter der Anschuldigung gemeinen Verbrechens nicht Dor allem die Gemeinheit scheuen? Der Abgeordnete Remmele ist auf zwanzig Sizungstage ausgeschlossen. Die Kommunisten werden daraus neue Lärnfaenen, neue Offenbarungen der Gemeinheit ableiten. Glauben fie damit ihre Unschuld beweisen zu können? Kommunistische Heilslehren. Die SPD. muß vernichtet werden!" Die Kommunistische Partei, deren Vertreter im Reichstage sich wie ausgesprochene Lausbuben aufführen, gibt ihren Anhängern im Lande als Richtlinie für ihr Verhalten genaue Anweisungen, wie sie die von den Kommunisten provozierten Es handelt sich nicht nur um die Beschuldigung gegen die blutigen Zusammenstöße mit der Staatsgewalt aus KBD., eine Partei des Hochverrats zu sein, die den bewaffnugen sollen zur Bernichtung der Sozialdemokratie! neten Aufstand vorbereitet, es handelt sich um die Beschuldigung der Organisation des Meuchelmords. Sie 17 Bor uns liegt ein Rundschreib'en Nr. 6 der KPD. Groß- Thüringen" mit dem Bermerk„ Datum des Boft stempels". Darin wird, anknüpfend an den Blutsonntag von Diese Beschuldigungen sind einseitige Antlagen. formen unwahr jein. Ein Sturm der gerechten Entrüftung, Halle", folgende Lehre gezogen: ein Aufschrei flammender Empörung wäre dann verständlia ir tommen immer mehr vom Zustand des verschleierten gewefen. Er hätte den Beschuldigten vielleicht die Sympathien Bürgerkrieges in den offenen Bürgertrieg hinein. Die ZuGerecht Denkender erworben auch wenn er die Grenzen der jammenhänge muß jeder Funktionär llar sehen. Aus der Einsicht in diese Zusammenhänge ergibt sich die Anwendung der KampfGeschäftsordnung gefprengt hätte. Man hätte einen Ausbruch der Entrüftung persönlich Beschuldigter verstanden. methoden und Kampfmittel, die der neuen verschärften SiSind diese Beschuldigungen unwahr, dann mußte die Sigung tuation entsprechen. Halle wor für die Kommunisten teine Es hat auf proletarischer Seite schwere Opfer geu einer großen Abrechnung im Namen der Wahrheit gegen Niederlege. Es hat auf proletarischer Seite schwere Opfer geniederträchtige Berleumdung werden; dann mußie ihr ent- foftet. Wir wissen, daß wir bis zur Revolution noch schwere Schläge gegengestellt werden die offene Erklärung: wir haben nichts befommen werden, daß noch mancher fallen wird. Aber diesmal gemein mit Meuchelmord, nichts gemein mit den Methoden hat auch der Gegner empfindliche Opfer gehabt. Und des, individuellen Terrors, nichts gemein mit Mordorgani- es ist festzustellen, daß in den Betrieben bei den proleten eine gewiffe fationen, eine Erflärung, die mit aller Schärfe die Grenze Befriedigung herrscht: Ungestraft wird in Zukunft nicht mehr auf sieht zwischen Politik und Berbrechertum. Dazu gehört das die Arbeiter geschoffen." In Haile find schwere Fehler gemacht worGefühl des beleidigten Rechts, die Unantastbarkeit den. Die Arbeiterschaft muß die Beweglichkeit des ManövrieDer eigenen Haltung, die Gewißheit, daß die eigene rens, die geschickte Führung solcher Rämpfe noch lernen. Humbug als Wissenschaft. Bon Hans Bauer. Es gibt einen sehr gescheiten Mann in Deutschland. Der hat zwei bide Bücher geschrieben, aus denen hervorgeht, daß er viele hundert Bücher gelesen hat. Seine dicken Bücher sind so gescheit, daß wieder nur sehr gescheite Menschen sie ganz verstehen. Er heißt Oswald Spengler, dieser belesene Herr, der mit der tompliziertesten Mathematik, den Kulturperioden, den philosophischen Enstemen, den literarischen Problemen aller Zeiten und Böller herumjongliert wie unserciner mit dem kleinen Einmaleins und bett Abc: Diefer Oswald Spengler befaßt sich nebenbei auch mit Politik. Man möchte meinen, wenn ein gar so studierter Herr dies iut, müßte etwas Großartiges und Niedagewesenes dabei herausspringen. Es stellt sich aber heraus, daß der Alleswisser mit anderen Worten io ungefähr dasselbe fagt, wie irgendein intellektuell heruntergelgischter Winkelagitator. Spengler schimpft. Wie ein Rohrspas schimpft er. Fünfjährige Drgie von Gemeinheit, Unfähigkeit und Feigheit nennt er die Republit. Und ihren Beriretern sagt er so ziemlich das äußerste an Unfreundlichkeit und Verdächtigungen nach, das sich ausdenken läßt. Da ahnen wir: Dies alles hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun. Hier spielt irgendein geplaktes Gefühlchen: eine verlegte Citél feit oder sonst etwas die Hauptrelle. Es wäre ja nicht das erste Mai, daß wir Leute, die formal wohlburchbildet find, in einfachsten Lebensdingen dummes Zeug schwägen hören. Karl Lamprecht, der weltbedeutende Kulturhistorifer, war der Bater jenes albernen Dokumentes, mit dem zu Kriegsbeginn jene 30 Brofessoren sich vor der Welt lächerlich gemacht haben. Wilhelm Bundt, den gewaltigen Philosophen, habe ich in jenen Tagen eine hausbaden- törichte Annektionsrede halten hören. Wir erinnern uns auch der vielen Staatsanwälte, die in fünf Jahren deutscher Republit in wohlgeschliffenen Sägen eine blöde Gerechtigkeitsschufterei mit viel gefcheitklingendem Paragraphenwert umbramt haben. Das hat uns unempfänglich gemacht gegen die Wissenschafter. Sie haben feine Autorität mehr. Wir trauen ihnen nicht mehr über ten Weg. Sie können so und so. Sie ist ja ein schönes Frauen zimmer, die Wissenschaft. Aber ein Frauenzimmer. Das heiße Herz allein tuts freilich auch nicht immer. Aber die Entscheidung für die großen Lebensdinge vertrauen wir ihm immer no lieber an als dem Krampf der Spengler. Jn der Staatsoper übernimmt an Stelle des erkrankten Herrn Michael Bohnen Herr Kand! von Deutschen Opernhause in der Verfanfien Braut am Mittwoch die Partie des Rezal. " Der erste Ansturm auf den Everest abgeschlagen. Das Ende des ersten Ansturms findet uns enimutigt, aber durchaus nicht besiegt. Mit diefem Ergebnis schließt Oberstleutnant E. F. Norton den ersten Bericht, den er der Times" über den neuen Verfuch, den höchsten Gipfel der Erde zu bezwingen, macht. Der alte Riese wehrt sich wacker und hat den Angreifern mit furchtbaren Schneestürmen, graufiger Kälte und allen möglichen Wetterunbillen bart zugelegt. Die erste Aufgabe bestand darin, von dem Hauptlager im Rongbuttal über Lager Nr. 1 bis zu den Lagern Nr. 2 und 3 und eventuell bis zum Lager 4 auf der Höhe des Nord- Col vorzudringen, von wo dann der eigentliche Anstieg auf den Everest be= ginnen tann. Zwei Partien mit ausgewählten Trägern wurden abgesandt, um die nötigen Vorräte auf diese Lager zu schaffen. Eine Referne von 12 Trägern, darunter den zähesten Beieranen der beiden letzten Jahre blieben unter dem Kapitän Bruce im Hauptlager, um nach Bedarf ouch ihrerseits vorzustoßen. Ich verleß das Hauptlager am 6. Mai," berichtet Norton, es war ein sehr flarer, falter Morgen, und ich tam ohne Unfall nach Lager Nr. 2. Eine Abteilung Träger sollte nun noch Lager Nr. 3 vorftoken, aber die Kälte war so groß und der Wind so start, daß man sich entschließen mußte, die Borräte an einer Steile des Gletschers etwa 1% Nilometer unterhalb des Lagers zu lassen. Ein jammervoller Anblick bot sich, als die Träger, die nach den Lager Nr. 3 vorgestoßen waren, nady Lager Nr. 2 zurückkehrten. Sie waren vollkommen entfräftet. nachdem sie 48 Stunden in furchtbarster Kälte verbracht hatten, nur mit ihren Decken ausgerüstet und ohne jede andere Nahrung als ein wenig Gerite. Sie hatten die andere Bartie, die vorher hatte umfehren müssen, auf Lager Nr. 3 treffen sollen und eine furchtbare Zeit in Erwartung der anderen verbracht, da sie auf die Borräte jener angewiesen waren. Wir hielten auf Lager Nr. 2 einen turzen Kriensrat und fanden es bei diesen ungewöhnlich schlechten Wetter verhältnissen für nötig, uns zum Rückzug zu entschließen. Die erste Bartie sollte dann nach Bager Nr. 2 emporite gen, wenn fie fich erholt hatte, und die zweite Bartie ohne Lasten bis zu der Stelle begleiten, wo die Borräle auf dem Gletscher zurückgelassen waren. Dann jollien beide Trägergruppen Dereint perfuchen. das Lager Mr. 3 zu erreichen. Der neue Forstoß nach Nr. 3 wurde von Bruce felbft geleitet, den Norton und Mallory begleiteten. „ Auf dem Wege begann ein Schneesturm, der 48 Stunden dauerte," berichtete Norton weiter. Genau genommen dauerte der Schnee nur etwa 24 Stunden, aber die anderen 24 Stunden waren gleich schlimm oder noch schlimmer. Der Mind verstärkte sich, als der Schnee aufhörte, und trieb die frischgefallenen puderartigen Schneemaffen in ungeheuren Wirbelwolken vor sich her, so das diese Schneewirbel hei der grimmigen Rälte noch schredlicher waren als der Schnee selbst. Auf Lager Nr. 3 anaekommen, fanden w'r am Morgen des 10. Mai die Zelte mit Schneemaffen gefüllt. Unter diesen Umständen war es nicht möglich, den Trägern noch größere Anstrengungen zuzumuten. Malforn fehrte nach Lager Nr. 2 zurück, während ich eine Truppe von Trägern nach der Stelle brachte. mo die Borräte fagen, die dann im schlimmsten Schneetreiben wohlbeballen heraufgebracht wurden. Die Nacht vom 10. zum 11. Mai brachte uns furchtbare Stürme, die von den drei Bässen ringsum uns, wie reißende Tiere auf uns niederstürzten und unsere fleinen Stellt fchleunigst den Parteiapparat um auf die Jülegalität! Bet Untertauden in die Illegalität muß der Parteiapparat sofort ungestört weiterarbeiten fönnen. Keiner belaste fich mit dem Vorwurf, nicht früh genug vorgesorgt zu haben. Die SPD. muß vernichtet werden! Die SPD. ist durch den deutsch- russischen Konflikt und den Blutfonntag von Halle äuße: ft fompromittiert. Wir müssen eine wütende Hehe gegen alle diese Severing, Hörjing, Runge, gegen die ganze SPD.- Führerschaft machen. Es muß hundertmal, tausendmal, in der Diskussion von Mann zu Mann in den Betrieben, in den öffentlichen versammlungen wiederholt werden, daß eine Linie besteht von Noste über Gevering bis zum letzten SPD- Führer. Die neu einsehende kampagne gegen die SPD. muß so heftig sein, daß ein Arbeiter sich schämen muß, Sozialdemokrat zu sein. Ausschluß: anträge müssen nur so hageln in jenen Organisationen, denen die Ebert, Severing, Hörsing, Runge ufm. angehören.... Rüdt diesen Berrätern auf den Leib! Es ist eine Boraussetzung für die Revolution, daß die SPD. vernichtet wird. Wenn die Arbeiter einmal nur noch die Bourgeois vor fi haben, wenn die sozialdemofratischen Prediger der Feigheit und des Ausweichens ver dem Kampf keinen Schaden und feine Verwirrung mehr in den breiten massen anrichten können, dann find wir nahe am Siege." Es ist kaum jemals mit jo zynischer Offenheit. ausgesprochen worden, welches der 3 med der fommunistischen Blutopfer ist. Da führen die illegalen Parteibongen durch blutrünstige Aufrufe die fommunistischen Arbeiter vor die Karabiner der Schutzpolizei, pro pozieren Zusammenstöße mit den Beamten und warten förmlich auf die Toten, die sie vom Plage tragen fönnen, um mit ihnen dann Leichenparaden gegen die Sozialdemokratie zu veranstalten! Aber allés, mas bisher an Menschenleben aus der Arbeitertlaffe geopfert worden ist, und was nach ficherer Boraussicht des„ Pol. Bureaus" noch weiter geopfert werden muß, geschieht nach dem Zugeständnis fes Bureaus lediglich zu dem 3wed, um eine„ wütende Heze gegen die Sozialdemokratie" zu machen. SD ehrend das Zeugnis der KPD. auch für uns ist, daß die Sozialdemokratie als festes Bollmerk gegen die Re polutionsspielereien der Mostaujünglinge steht, fo unendlich schmachvoll ist das bewußte Opfern von Ar beiterleben nur zu dem Swede, mit ihnen Geschäfte im Barteiinteresse zu machen. Das Rundschreiben des Thüringer Pol. Bureaus zeigt aufs neue, daß Sozialdemokraten die Kommunisten nir gends und in keiner Weise als eine befreun bete oder„ benachbarte" Gruppe ansehen dürfen, sondern daß man diese Gesellschaft con politischen Hochstaplern und Verbrechern erft mit allen Mitteln proletarischer Gelbstbehauptung niederringen muß, damit endlich wieder gesunde Verhältnisse in der deutschen Arbeiterbewegung eintreten fön nen. Wo weichmütige Genossen noch immer dem Glauben huldigen, man müsse diese„ Brüder von links" mit Samthandfchuhen anfassen, da halte man ihnen die brutale Aufforderung der fommunistischen Zentrale entgegen. Bielleicht fönnen auch sie noch daraus lernen! Kommunistenverhaftungen in Breslau. Breslau, 3. Juni.( WTB.) Den Abendblättern zufolge murde hier ein von auswärts getommener neuer militärischer Leiter der KPD. für Schlesien verhaftet, der die militärische Organisation der Partei durchführen und den bewaffneten Umfturz vorbereiten sollte. In seinem Geheimbureau wurde umfangreiches Material beschlagnahmt. Der Festgenommene lebte unter falschem Namen und mit falschen Papieren als Handelsagent. Es stellte fich heraus, daß er wegen Hochverrats vom Oberreichsanwalt steckbrief lich gesucht wird. Ein zweiter fommunistischer Führer, der sich ebenfalls längere Zeit hier verborgen hielt, versuchte bei der Festnahme zu entfliehen. Sein Fluchtversuch wurde jedoch vereitelt. Zelte durcheinanderrüttelten. Die schlimme Kälte tat das ihre, und der zweite Trupp von Trägern war nun in demselben Zustand der Erschöpfung, in dem der erste drei Tage vorher gewesen war. Es blieb nichts anderes übrig als Rückzug, Rückzug nach dem Hauptlager, um uns einige Tage Ruhe zu verschaffen, bevor ein frischer Ansturm unternommen würde. Bruce leistete Bewunderungswürdiges, indem er in der Mitte des Lagers, umheult vom Sturm, den Abbruch der Zelte anordnete und es erreichte, daß, obwohl man im Orfan faum stehen fonnte, die Zelte abgebrochen und in Säcke ver pact wurden. Die Kranten und Schwachen mußten ermutigt wer den, und so ging es wieder abwärts. Um 2 Uhr nachmittags am 12. Mai war die ganze Expedition wieder im Hauptlager. Aber was für ein Unterschied von der frischen und hoffnungsfreudigen Stimmung, in der wir vor 14 Tagen gewesen waren. Das Hauptlager, das uns damals so öde erschienen war, dünfte uns jetzt ein Rosengarten gegen Lager Nr. 3. Troy dieses Mißlingens geben aber die fühnen Bergsteiger den Mut nicht auf. Sie selbst sowohl wie die Träger find nun afflima. tisiert und im Bergsteigen in der großen Höhe erprobt. Die Borräte sind immerhin bis auf das dritte Lager hinaufgebracht; die Träger, auf die man sich verlassen fann, find herausgefunden. Bald foll ein neuer Borstoß über Lager Nr. 3 gemacht werden. Wie man an an den Himmel schreibt. Siebzehn himmel schreibende" Flieger sind gegenwärtig in England, den Bereinig.cn Staaten, in Frankreich, Schweden und Kanada tätig, um im Dienste der Reklame großen Massen auf diesem Wege Mitteilungen zu machen. Ueber der Britischen Reichsausstellung in Wembley merben fogar jegt allabendlich Zeichen mit feuerrotem Rauch an den Himmel geschrieben. Der Erfinder dieser Himmelsschrift Major 3 Savage erzählt in einem englischen Blatt, wie die Flieger für diesen Beruf ausgebildet werden. Zunächst müssen sie die Buchstaben, in denen fie ihre Meldung am Himmel zeigen sollen, umgelehrt auf ein Stück Papier schreiben, bis sie die Schriftzüge vollfommen beherrschen. Dann fahren sie auf einem Zweirad, an deffen Hinterrad ein fleines Wassergefäß befestigt ist. über eine weiße zementierte Fläche hin und müssen durch geschichte Drehungen und Wendungen des Rabes die Buchstaben umgefehrt mit tem Wafferstrahl aufschreiben, so wie sie es mit dem Bleistift auf Papier gewöhnt waren. Dann erst dürfen sie mit ihrem Flugzeug in die Luft auffteigen. In einer Höhe von 10 000 bis 15 000 Fuß erprobt der fliegende Himmelsschreiber zunächst mit einem kleinen Instrument die Luft. um festzustellen, ob die für das Rauchschreiben Ist dies der Fall, dann nötigen Bedingungen vorhanden sind. öffnet er den Verschluß der Rauchröhren, die hinten an seiner Maschine angebracht sind und schreibt nun die Buchstaben und Worte genau fo, wie er es vorher gelernt hat. Der ganze Sak wird mehreremal geschieben, bis er jo thar am Himmel steht, daß er weithin sichtbar ist. Der Flieger, der das Schreiben am Himmel zu seinem Beruf gewählt hat, muß sich sehr anstrengen. Er hat die Maschine von rechts nach links zu drehen und zu wenden; er muß ganz sichere Schleifen fahren föanen, und außerdem hat er zahlreiche Instrumente zu bedienen, denn außer den an jedem Flugzeug vorhandenen Apparaten find noch sechs wissenschaftliche Instrumente für das Himmelsschreiben zu beobachten. Bürgerblock im Berliner Rathaus. Im deutschnationalen Schlepptau. der 77 Bazille, württembergischer Staatspräsident. Stuttgart, 3. Juni.( WEB.) 3m candtag wurde heute Führer der Bürgerpartei Bazille( deutschufl.) mit 44 von Sfimmen zum Staatspräsidenten gewählt. Staatspräsident Bazille nahm die Wahl mit herzlichem Danf an und erklärte, fie lege ihm schwere und ernste Pflichten auf, die er im freien und weiten Geist ohne Boreingenommenheit erfüllen wolle. Er tat um die Mitarbeit des Hauses und betonte, die kritik werte für ihn lediglich ein Anfporn fein, feine Kraft einzusehen für as Wohl das schwergeprüften Boltes. Landtagspräfibent körner, der zu Beginn der Sigung feinen Abscheu über das Attentat gegen den österreichischen Bundesfangler Seipel und die Hoffnung auf baldige Wiederherstellung des Schwerverletzten aussprach, erklärte, daß damit die Zwischenlösung der Regierungstrife erledigt fei. Die Entwicklung, die die Auseinandersetzungen mit der Berliner Stadtverordnetenversammlung in der letzten Zeit annehmen, ist in ihrer gewollten und beabsichtigten Zuspizung über die Grenzen Berlins hinaus von allgemeiner politischer Bedeutung. Die Führer der Mittelparteien, wenigstens der Demokraten und der Deutschen Boltspartei, versuchen in verstärktem Maße, in der Hauptstadt des Reiches eine Bürgerblodpolitik durchzuführen, die die Entwicklung des größten deutschen Gemeinwesens schwer zu gefährden droht. Trozdem der Bürgerblock mit seiner Fünfmännermehrheit zur Führung der Geschäfte Berlins sich anerkanntermaßen als Dollfommen unfähig erwiesen hat, nimmt das Liebeswerben der Volkspartei um die Deutschnationalen fein Ende. Die Art, wie die Leitung der demokratischen Rathausfraktion diese Entwicklung unterstüßt, ist selbst in der demoPratischen Partei ohne gleichen. Die bürgerlichen Parteien benutzen jezt die preußische Abbauverordnung zum Abbau aller ihnen unbequemen sozialistischen Elemente. Sie scheuen dabei Dor offenen Gesetzesverletzungen nicht zurück. Am trasfesten und standalösesten tritt das bei ihrem Versuch, den Berliner Stadtschulrät Paulsen abzubauen, hervor. Nachdem sie ihre erste Absicht, die Stelle des Stadtschultats, abzubauen, haben aufgeben müssen, versteifen sie sich jetzt darauf, die Abihnen Mann Es erstaunlich, daß die sehr genau, daß das eine infame Rechtsbeugung ist. Die Lattlosigkeit und Kurzsichtigkeit ihres Borgehens gegen die Sozialdemokratie trieben die Volksparteiler gestern im Rathaus so weit, daß sie den Abbau des Magistrats durch den befannten Herrn Hallensleben begründen ließen. Ausgerechnet Hallensleben, der Mann mit der Unterschrift für 324 000 Goldmart, erschien ihnen besonders geeignet, Sparjamfeitsmaßnahmen zu begründen. Die natürliche und unausbleibliche Folge war, daß die gestrige Sigung sich in einem In Württemberg marschiert das Zentrum feit längerer Zeit Seite an Seite mit den Deutschnationalen. Daß es sich aber die Deutschnationalen erlauben dürfen, Herrn Ba= zile als Kandidaten für den Staatspräsidenten zu präfentieren und daß er auch tatsächlich gewählt wurde, dürfte auch in Zentrumsfreisen außerhalb Württembergs peinlich berühren. Herr Bazille ist Monarchist. Herr Bazille ist ein Landtagsbeginn in Bayern. Bürgerblockpräsidium. Ein völlischer Vizepräsident mit fommunistischer Hilfe gewählt. Münden, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Unter außerortentlichem Andrang wurde am Dienstagnachmittag der Bayerische Landtag eröffnet. Kurz nach 4 Uhr nahmen die Abgeordneten ihre Pläge im Sigungsfaal ein, darunter auch der Hochverräter Boehner. Julegt beiraten die ommunissen den Saal, die acht Mann hoch der Abgeordnete Alenderl blieb der Sihung fern -hereinmarschierten und vor dem Rednerpult in Hochrufe auf die fommunistische Internationale und in Schmähruje gegen den Faschismus ausbrachen. Zahlreiche Tribünenbefucher stimmten in den Ruf mit ein, so daß für kurze Zeit ein erheblicher Cärm entstand. In Abwesenheit des Miterspräsidenten eröffnete kurz nach 4 Uhr der Abg. Steininger mit einer furzen Begrüßung die Sigung. Die Bölkisch en profeftierten dann gegen die angefehte Tagesordnung und verlangten, daß ihre Anträge zur Freilassung des cingesperrten völkischen Abgeordneten Ahner und ihr Einspruch gegen die Sihordnung fofort behandelt werden. bauverordnung zu einem persönlichen Akt gegen diefen eifriger Anhänger der deutschvölkischen Bewegung vorhergehenden Landtag präsidierie, versprach, die Verhandlungen allgemeinen Tumult auflösen mußte. Man muß gestern Herrn v. Eynern, den volkspar teilichen Führer, im trauten Gespräch mit dem rühmlichst befannten deutschnationalen Pfarrer Koch, dem Muster und Vorbild aller kleinlichen und widerlichen Partei demagogen, gesehen haben, um zu begreifen, wohin die Führer der Mittelparteien ihren Kurs im Berliner Rathaus steuern. Die Sozialdemokratie braucht diese Entwicklung nicht zu fürchten. Die Mittelparteien, die anfangen, den Deutsch nationalen nachzulaufen, graben sich nur selbst ihr Grab. Sie brauchen sich aber nicht wundern, wenn ihre kurzsichtige, kleinliche und dumme Bürgerpolitit zu einer Verschärfung und Erbitterung des politischen Kampfes führen muß, unter der die Entwicklung Berlins am allermeisten zu leiden haben wird. Der Versuch, ohne und gegen die Sozialdemokratie Berlin zu verwalten, wird fläglich scheitern und die Folgen werden die zu spüren haben, die dieses aussichtslose Experiment zu unternehmen versuchen. Männer, wie der Volksparteiler Gynern und Demokrat" Merten, mögen glauben, daß fie in Berlin mit Bürgerblockmethoden auskommen fönnen. Die Entwicklung wird ihnen sehr bald zeigen, daß fie damit fich auf ein falsches Pferd gesetzt haben. Die Engstirnigkeit fleiner Fraktionsgeister, die im Berliner Rathaus sich breit zu machen versucht, ist eine schöne Begleitmufit zu den Vorgängen, die wir in der Reichspolilit erleben. Die Mittelparteien ernten hier wie dort keinen Ruhm. Das Attentat cui Seipel hat die Sozialdemokratische Reichstagsfraftion nach der Logit der Deutschen Tageszeitung" gebilligt, weit fie bei der Ansprache: Wallrafs über diefes Attentat nicht aufstand. Die Deutsche Tageszeitung" weiß nicht, daß man sich nur zu Ehren von Verstorbenen von den Bläßen erhebt. Zahlreiche Deutsch nationale und verschiedene Minister haben das Attentat in der gleichen Weise gebilligt" wie die Sozialdemokratische Frattion. Der Elefant in Mittelamerifa. Der Elefant ist, soweit unsere Kenninis reicht, niemals in irgendeinem Teil Ameritas vorgelommen. Defto nterfn ürdiger ist die Tatsache, daß sich auf einer Ckulptur von Copan in Mittelamerita die deutliche Darstellung eines Eljanten topfes mit einem Führer befindet, und zwar stammt das Bildwerk aus schr alter Zeit. Der englische Archäologe Professor . Elliot Emith knüpft an diese Feststellung in seinem foeben er fchienen Wert Elefanten und Ethnologen" weitgehende Folge rungen. Er ist der Ansicht, daß ein Zusammenhang besteht zwen ten alten Denkmälern ren Mittelamerifa und der Kultur Asiens Bei der Besprechung der Skulptur von Copan jagt er:„ Die Form des Kopfes, die Lage der Unie: lippe, die houer und die untere Form des Rumpfes zeigen, daß es fich hier um einen indischen Elefanten handelt, ebenso wie der indische Turban des Führers, der ben Clefanten lerft Auch die ganze Darstellung ist durchaus übereinstimmend mit alien. Bildern des Elefanten in Indien und Ostasien." Er hält aus diesem Grunde und ouch aus anderen Beobachtungen, die er in seinem Bert mitteilt, den Zusammenhang zwischen Alien und Mittelamerifa für erwiesen und glaubt, daß brdurch das foniel besprochene Mätfel der alten amerikanischen Kultur seine Lösung erfahre. Das Gebiet, von den die Beeinflussung ausgeht, findet er in Indo- China, das nach feiner Meinung vom 5. bis 12. Jahrhundert mit Mittelamerifa in Berbindung gestanden hat. Die Tempelaniagen von Kambodscha und Mittelamerita hätten eine Berwandtschaft, die fich auf teine andere Weise erklären laffe. Theaterfrequenz deutscher Städte. In einem Bortrag über Geschichte und Organisation der Münchener Stadttheater gab Oberregierungsrat Heydel von den Münchener Staatsbühnen folgende Zahlen üter deutsche Theaterfrequenz befannt: An Theaterplägen hat täglich zu vergeben: Hamburg 12 800, München 9100, Roli 8100, Dresden 7500, Leipzig 6400, Breslau 6100, Frankfurt a. M. 5100. Auf die Einwohnerzahl dieser Städte umgerechnet trifft ein Theaterplah in München und Dresden auf 76 Einwohner, in Köln auf 80, in Hamburg auf 84, in Frantfurt a. M. auf 93, in Dresden auf 96, in Leipzig auf 105. in Württemberg aus lokalen Interessen die Aufgaben ihrer Partei im Reich derart perkennt, daß sie einen Mann wie Bazille als Staatspräsidenten widerspruchslos schluckt. Wie war es doch in den aufwühlenden Tagen nach dem Rathenau- Mord? Damals stand Herr Bazille im Reichstag auf und hielt eine maßlose Lästerrede gegen die sogenannte" Republik und gegen den Reichskanz= 1er. Reichskanzler war damals der Zentrumsabgeordnete Wirth und zu den Parteien, die bei der Rede des fich zum völkischen Programm bekennenden deutschnationalen Abgeord neten Bazille in stürmische Protest rufe ausbrachen, gehörte auch das 3entrum. Das Zentrum verließ damals gemeinsam mit den Das Zentrum verließ damals gemeinsam mit den Sozialdemokraten zum Zeichen der Entrüstung über die unqualifizierbare Haltung diefes Feindes der bestehenden Staatsordnung den Saal. Der Zentrumsabgeord nete André rief ihm„ Heuchler" zu. Der Zentrums: führer Fehrenbach protestierte gegen die schamlole Hege dieses Deutschnationalen und seiner Partei. Er erklärte unter dem stürmischen Beifall fait des ganzen Hauses, für anständige Menschen sei kein Blag in der deutschnationalen Bartei. Das war im Juli des Jahres 1922. Und heute bekleidet diefer völkische Monarchist mit Hilfe des Zentrums in Württemberg den Poften des Staatspräsidenten! Bazille macht Außenpolitik. Anschließend wurde zur Wahl des Präsidenten geschriften. Dem Vorschlag der Bayerischen Bolkspartei entsprechend wurde mit 95 von 125 Stimmen der Abg. Königsbauer zam Präsidenten gewählt. 22 Jettel waren unbeschrieben. Mit einer furzen Ansprache, in der Präsident Königsbauer, der bereits den gerecht und unparteiisch auszuüben, trat Königbauer fein Ami an. Auf den ersten Bizepräsidenten erhob die Sozialdemokratie und auch der Bölkische Bloc Anspruch. Die Sozialdemokratie präsentierte wieder den Genoffen Auer, die Bölkischen den Landgerichtsrat Dörfler. Die Kommunisten erflärten, nicht für den Genossen Auer fimmen zu fönnen und schlugen einen Abgeordneten aus ihren Reihen vor. Bei der Wahl gab die Bayerische Volkspartei weiße Zettel ab, so daß der Genosse Auer 36, der völishe kandidat 35 und der Kommunist 7 Stimmen erhielt. vier weitere Stimmen waren zersplittert. Bei der nun notwendig gewordenen Stigwahl wurden 33 weiße Zettel abgegeben. 48 Stimmen erhielt Dörfler und 44 Genosse Auer. Der völkische kandidat roar jomit gewählt. Dieses Ergebnis wurde von den Böifischen mit Heilrufen begrüßt, die von den kommunisten mit Rufen wie„ Faschistenbande!" fijo. quifiert wurden. Rufen wie„ Faschistenbande!" jr. quifiert wurden. Angesichts dieses hinterhältigen Benehmens legte die sozialdemotraiche Fraktion auch feinen Wert auf den zweiten Bizefratische Fraktion auch feinen Wert auf den zweiten Bizepräsidenten, so daß bei deffen Wahl der Deutschnatio. nate Prieger aus der Urne hervorging. Die vier Schriftführer wurden ebenfalls sämtlich den bürgerlichen Parteien entnommen. das Präsidium des Bayerischen Landings ist also vollkommen Das Präsidium des Bayerischen Landings ist also vollkommen bürgerlich. Herriots außenpolitisches Programm. Die Schuld der Bürgerblockapoftet. Das Regierungsprogramm, das der künftige Ministerpräsident Frankreichs, Eduard Herriot, in einem Schreiben Drahtbericht an anderer Stelle des Blattes betont, mit ieb an Léon Blum turz dargelegt hat, ist, wie ein eigener Bariser Drahtbericht an anderer Stelle des Blattes betont, mit leb hafter Genugtuung vom sozialistischen Parteitag aufgenommen und mit der Versicherung rückhaltloser Unterstützung beantStuttgart, 3 Juni( BTB.) Der neue Staatspräsident Ba3ille gab eine Regierungserffärung ab, worin die Notwendigkeit betont wird, daß Deutschland wieder ein innerlich gefestigter und äußerlich unabhängiger Stant werde. Europa frante an fei nen Friedensverträgen, die durch direkte, das Selbstbestimmungsrecht der Bölker verbürgende und eine Gemeinsamkeitwortet worden. aller europäischen Staaten am Wiederaufbau Europas begründende Berträge erfest werden müßten, Militärfontrolle. Die grundsäglichen Erklärungen sind in jeder Hinsicht einwandfrei und begrüßenswert: das Bekentnis zum mahren Frieden, zum Bölkerbund, zum Inter nationalen Schiedsgericht und zum Internationalen Arbeitsamt, die Dorbehaltlofe Annahme Sachverständigen gutachtens, das Abrücken von der Politik der Isolierung und der Gewalt, das alles find Forderungen, die in der Tat auch von jedem Sozialisten aufdes Stellen dieses wichtigen Dokumentes nach dem WTB.- Work Wir haben in unserer heutigen Morgenausgabe. Die Tout wiedergegeben, die sich auf die Außenpolitit beziehen 18 Die Grundlage des Bertrages von Versailles, dieses gefährlichsten Es wird dabei dem Leser aufgefallen sein, daß dieses außenGeschwürs am Körper Europas ist, wie der Staatspräsident er flärt, die Behauptung, Deutschland habe den Weltkrieg in verbreche- politische Programm in zwei Teile zerfällt: einmal prinzirischer Absicht herbeigeführt. Seitdem ist nachgewiesen, daß Deutsch- pielle Erklärungen, sodann Stellungnahme zu den Fragen, rischer Absicht herbeigeführt. Seitdem ist nachgewiesen, daß Deutsch- bie Deutschland am nächsten berühren: Ruhrräumung und land die Schuld am Weltkrieg nicht trifft. Jeht, wo die Reparationsverpflichtungen Deutschlands neu geregelt werden sollen, ist der Zeitpunkt gekommen, um die Grundlage des Vertrages einer unbefangenen Prüfung zu unterziehen. Dies ist nur zu erreichen durch das Urteil eines unabhängigen internationalen Gerichtshofs über die Schuld am Kriege. Die herbeiführung einer solchen Entscheidung entspricht den feierlichst fundgegebenen Grundsägen der Alliierten, die bisher nach den Grundsägen der Gerechtigkeit nicht gehandelt haben. Die württembergische Regierung sieht es für ihre vornehmste Pflicht an, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß das dem deutschen Bolf versprochene, aber vorenthaltene Selbstbestim mungsrecht verwirklicht und die Frage der Schuld am Kriege einem unabhängigen internationalen Gerichtshof anvertraut wird. wendet sich nicht gegen die Mitarbeit Deutschlands am Wiederaufbau Deutschland und der Notwendigkeit, nicht nur Frankreich, sonAber angesichts des augenblidlichen Zustandes in Europas, sondern lediglich gegen die unwahre Grundlage der Leiffungen Deutschlands und gegen ein auf dieser Grundlage gegründetes den alle Völker vor einem offensiven ieder aufleben des Uebermaß von Forderungen. Dabei sieht sie das Gutachten der inter- nationalistischen Alldeutschtums zu bewahren, hält es nationalen Sachverständigen als geeigneten Ausgangspunkt für die unsere Bartei nicht für möglich, das Ruhrgebiet zu räumen, bevor die im Sachverständigenbericht vorgesehenen Feststellung der Leiflungen Deutschlands an. Pfänder konftituiert und den internationalen Organismen übermittelt worden sind, die berufen sind, sie zu verwalten. Sie Die Regierungserflärung betont ferner die Notwendigkeit der Erhaltung der Verfassung und der Sicherheit des Landes gegen gewaltsame Abänderungsversuche. Ein Anlaß zu gefeßmäßiger Abänderung der Berfassung liegt gegenwärtig nicht vor. gestellt werden könnten. Der Brief Herriots fährt sodann fort mit Säßen, die verdienen, hier wiederholt zu werden: Im Interesse des Friedens glauben wir auch, daß die Koit= trolle der Entwaffnung Deutschlands sichergestellt werden. muß, und zwar durch eine gemeinsame Anstrengung aller Militerten Die neue württembergische Regierung. und sobald wie möglich durch die Aktion des Böld: rbundes. Als Herriot diefes programmatische Schreiben verfaßte, Stuttgart, 3. Juni.( TU.) Die neue württembergische Regie mußte man in Paris- ebenso wie übrigens in Berlin selbst rung fest fich wie folgt zufammen: Staatspräsident und Kultusjeden Augenblick mit der Möglichkeit rechnen, daß eine minister: Reichstagsabgeordneter Bazille( Dnt.); Finanzminister: Regierung des Bürgerblocks in Deutschland gebildet werden Ministerialrat Dr. Dehlinger( Dnt.). Das Innenministerium würde Das Innenministerium würde. Wir hatten seit Wochen unaufhörlich vor den kataund das Justizministerium bleibt in den Händen der bisherigen Mi- strophalen außenpolitischen Folgen einer Einbeziehung der nifter Bo13( 3tr.) und Beyerle( 3tr.). Das Arbeits- und Er Deutschnationalen gewarnt. Dennoch lief man fträflichernährungsministerium, deffen Auflösung in Aussicht genommen ist, weise den Deutschnationalen weiter nach. Es bedurfte führt der bisherige Staatspräsident Rau erst der verzweifelten Warnung des Oberpräsidenten Fuchs im Namen des besetzten Gebiets, um dieser Erbärmlichkeit ein Ende zu machen. Schiebungen in Düsseldorf. Wenn nun alle aufrichtigen Republikaner Deutschlands ein Gefühl des Etels übermannte, wie erst mußte Die Franzosen schüßen die Schieber. diese ganze Scholzerei auf die französische Demokratic Gegen den Ausschluß der deutschen Wissenschaff. Der Nationalverband der Wissenschaftler Englands hat unter dem Borfiz Prof. Hardy eine Ent- Düsseldorf, 3. Juni.( WTB.) Die sozialdemokratische Düssel wirten? Bor drei Wochen, ehe die ersten Nachrichten über schließung gegen den Ausschluß der deutschen Bissenschaftler aus den interdorfer Volkszeitung" hatte am Sonntag einen angeblichen Bürgerblockverhandlungen bekannt geworden waren, da war nationalen wissenschaftlichen Organisationen angenommen. Einstein sei, wie darin ausgeführt wird, aus dent internationalen aftronomischen Verbande Brief des Direktors des Düsseldorfer Schauspiel die Stimmung in den führenden Kreisen der neuen französibis zum Jahre 1981 ansgeschloffen. Auch nach diesem Termin werde für hauses. Coblin, an den Sonderbündlerführer Matschen Mehrheit für Deutschland viel günstiger, jeine Zulassung die Mehrheit notwendig sein. D'Annunzio bat ein breihändiges Romanwert vollendet, das feine thes veröffentlich, worin er Matthes bat, die französischen maß- und gerade die Frage der Ruhrräumung wurde von neucite Bhaje wiederspiegelt. Die ersten beiden Bände sind dem Andenken gebenden Stellen von der Anregung schnellstens in Kenntnis zu ihnen viel meitherziger betrachtet. schen, die Besakungsbehörde, die zurzeit allerhand Räume für ihre 3wede beschlagnahme, möge noch das Schauspielhaus beschlagnay men. Die Beschlagnahme würde ihn, dan Direktor, und die Künstler vor wirtschaftlichen Nöter bewahren. Eleonore Dules gewidmet. Der Wiederaufbau der Reimfer Kathedrale. Die Wiederherstellungs. arbeiten an der Kathedrale von Reims. die in letter Zeit große Fortschritte gemacht haben, werden nun in beschleunigtem Tempo fortgeführt werden Tönnen, denn der jüngere Rodefeller hat eine Million Dollar gestiftet, die zum Wiederaufbau der Kathedrale und für Reparaturen an den verfallenden Schlössern von Bersailles und Fontainebleau verwendet werden sollen. Das entvöllerie Riga. Riga, die größte Stadt des Baltenlandes, bat unter den Einwirkungen des Strieges und seinen Folgen besonders gelitten. Bon 500 000 Einwohnern im Jahre 1913 waren 1917 nur noch) 225 000 übrig geblieben. 1920 murden fogar nur 181 413 Gimponer gezählt Gegenwärtig schäkt man die Gintobnerzahl auf 282 000. 14,4 Proz. find deutich( 1913: 13,8 Proz.), 53,7 Proz. Zetten, 14,4 Proz. Juden und 7,4 Proz. Russen. In Berfolg dieser Veröffentlichung wurde gestern abend der von der Stadt den Bureaux des logements zur Verfügung gestellte Bote Bueth perhaftet. Heute morgen haben die Franzosen dann den an der gleichen Stelle beschäftigten Dolmetscher Bueschge, die Redakteure der„ Baltezeitung, Schotte und Werner, und einen Sorififeger verhaftet. Bueschge, Werner und der Schriftsetzer wurden später wieder freigelassen. Ungeheurer außenpolitischer Schaden ist bereits durch diefen Rattenkönig von Verhandlungen mit einer Partei angerichtet worden, der die ganze Welt mit uneingeschränktem und berechtigtem Mißtrauen gegenübersteht. Diefen Schaden wiedergutzumachen, wird eine der Hauptaufgaben der neuen Regierung Marr- Stresemann sein. Jfallens Ausbreitungswillfür. Die italienische Truppenanfammlung auf Rhodos erregte die Türken mächtig und veranlaßte fie zu Abwehrvorbereitungen in Kleinasien. Ohne jedes Recht hält Italien auch in Wien Soldaten! Gewerkschaftsbewegung Scharfmacherei in der Wohltätigkeit. Man schreibt uns: Zu denjenigen Unternehmungen, die glücklich über die Inflationszeit hinweggekommen sind, gehören auch die pris vaten, gemeinnüßigen Kranken- und Pflegeanstalten Berlins. Dem Einfluß und den Bemühungen der Gewerkschaften, die den denkbar größten Wert darauf legten, der franken, leidenden Bevölkerung diese Stätten zu erhalten, ist es damals gelungen, den Verwaltungen dieser Anstalten bei Reich, Staat und Kommune Subpentionen zu erwirken. Außerdem haben die Arbeiter die denkbar größten Entbehrungen auf sich genommen, um das Fortbestehen dieser Anstalten, soweit es in ihren Kräften lag, zu ermöglichen. Tatsächlich konnte erreicht werden, daß zu einer Zeit, als felbft die Stadtgemeinde Berlin Krankenhäuser, Heimstätten, Kindererholungsheime und dergl. schließen mußte, die privaten, gemeinnützigen Anstalten ihre Pforten geöffnet halten fonnten. Durch die nunmehr geschaffene stabile Währung haben sich die Verhältniffe auch dieser Anstalten ganz wesentlich gebessert. Sie sind aus dem Gröbsten heraus. Geblieben sind nur die ganz außeror= dentlich schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter. Als nun die Gewerkschaften den Versuch unternahmen, auch die Not der Arbeiter zu lindern, und dementsprechende Forderun= gen aufstellten, da ließen einzelne der Herren Verwaltungsdirektoren ihre gewerkschaftsfreundliche Maske fallen. Unter diesen wiederum hat sich Herr Direktor Sam el vom Augusta- Bittoria- Krankenhaus in Charlottenburg ganz besonders hervorgetan. Er hielt es für angebracht, in seinem Betriebe eine große Säuberungsaktion" durchzuführen. Sämtliche gemertschaftlichen Vertrauensleute und Arbeiterratsmitglieder wurden entlassen. Nun hat zwar das Gewerbegericht, besonders bezüglich der letzteren, noch nicht endgültig entschieden, so daß die Verwaltung des genannten Krankenhauses diesen Arbeitern den Lohn weiter zahlen muß, trotzdem man ihnen verbietet, ihre Tätigkeit auszuüben. Die Summen, die auf diese Weise vergeudet werden, find ganz erheblich und muß man es geradezu als einen Standal bezeichnen, daß öffentliche und solche Mittel, die durch Wohltätigkeit aufgebracht werden, ihrem eigentlichen Zwede vorenthalten und auf diese Weise zum Fenster hinausgeworfen werden. Anläßlich der geschilderten Vorkommnisse sind auch andere Tatfachen bekannt geworden, die auf die Gemeinnügigkeit dieser Anstalt ein bezeichnendes Licht werfen. So hat man z. B. eine vor einigen Jahren( auch aus öffentlichen Mitteln?) erbaute Leichenhalle ihrem eigentlichen Zwecke entzogen und zwei Privatautomobile der Direktoren darin untergebracht, während die Leichen in einem Winkel, in dem man sonst Müllkästen aufzustellen pflegt ,,, aufgebahrt" werden. Wir wünschen, daß die Gewerbeinspektion die Leichengarage des Herrn Direktors Samel einmal in Augenschein nimmt. Die Regierungen, insbesondere die Stadtverwaltung aber sollte sich in Zukunft bei der Gewährung von Subventionen ein Mitbestimmungsrecht sichern, damit die Gewähr dafür gegeben wäre, daß diese öffentlichen Mittel nicht zur Erreichung tendenziöfer, arbeiterfeindlicher Ziele mißbraucht werden. Was die Gewerkschaften anbetrifft, so haben sie es in jahrzehntelangen Kämpfen verstanden, Schritt für Schritt Boden zu gewinnen. Sie werden sich auch gegen die Scharfmacher in den privaten, gemeinnüßigen Anstalten durchzusehen verstehen. Achtung! Vorstandsmitglieder der Betriebskrankenkassen. Am 12. und 13. Juni findet in Breslau die Hauptversamm Tung des Verbandes deutscher Betriebskrankenkassen( Sig Essen) statt. Es werden wichtige organisatorische Fragen entschieden. Die Arbeitnehmer in den Borständen der BKK. müssen Sorge tragen, daß von jeder Betriebskrankenkasse mindestens ein Versicherten vertreter entfandt wird. Am Mittwoch, den 11. Juni, vorm. 11 Uhr, findet eine Vor besprechung der Arbeitnehmer- Delegierten im Breslauer Gewerkschaftshause, Margaretenstraße 17, statt. Die Parteipreffe wird um Abdruck gebeten. Die Berliner Delegierten fahren am Dienstag, den 10., entweder mit dem beschleunigten Be onenzuge 9.51 Uhr vorm. oder mit dem Abendschnellzug 10.21 Uhr ab Bahnhof Friedrichstraße. Die Berliner Kommission. Wie Wolffs Telegraphisches Bureau berichtet. Gestern früh traten die Berliner Brauereiarbeiter in den Streif. WTB. berichtete mittags über den Streif und schloß seinen Bericht, mit folgenden Sägen ab: " Die Notstandsarbeiten werden ausgeführt. Zu Ausschreifungen ist es bisher nicht gekommen." Den letzten Saz haben wir unterstrichen, um die geradezu denunziatorisch plump- dreisie wilhelminische Polizeimethode der Berichterstattung dieses offiziösen Nachrichtenbureaus zu fennzeichnen. Den streifenden Brauereiarbeitern wird unterstellt, daß sie zu Ausschreitungen neigen. Nach etwa fünf Stunden Streif ist es aber immer noch nicht dazu gekommen. Etwa:„ Dank dem Ber halten der Polizei?" Warten die Unternehmer oder wartet etwa fonstwer auf Ausschreitungen" der streifenden Brauereiarbeiter? Dann müssen sie schon solange warten, bis es dazu getommen ist. Die Streifenden werden nun erst recht den Herrschaften die„ Ausschreitungen" von ihnen erwarten, den Gefallen nicht tun. Die Gesamtheit der Berliner Arbeitnehmerschaft muß es fich jedoch ganz entschieden verbitten, daß in derart tendenziöser Weise von ihren Arbeitskämpfen berichtet wird. Verbandstag der deutschen Dachdecker. ( Schlußbericht.) = Bei den Wahlen wurden der bisherige Zentralvorfigende Th. Thomas Frankfurt a. M. sowie der Zentralfassierer Ja t. Diel Frankfurt wiedergewählt. An Stelle des bisherigen Vertreters des Ausschusses L. Luck- Berlin wurde J. Kohlreuz Düsseldorf neugewählt. Als Gauleiter wurden gewählt für den Gau Osten Görniz- Berlin und für den Gau Mitteldeutschland Schmidt- Erfurt. Als Delegierter für den Gewerkschafts fongreß wurde der Zentralvorsitzende Th. Thomas bestimmt, ebenso für den Internationalen Bauarbeiterfongreß in Stockholm. Der Wortlaut der Verbandstagsverhandlungen mit den einzelnen Referaten und Beschlüssen soll in Buchform erscheinen. Mit einem fernigen Schlußwort sowie Dantesworten an die Verbandsfunktionäre und Delegierten wie auch an den Verwalter des Reichs- Arbeiter| des ,, Gewerkschaftsarchivs" und dem ADGB., wie auch die Bedenken jugendheims auf Schloß Tännich, Kari Heinz, für die gute Aufnahme und Bewirtung wurde der Verbandstag geschlossen. Die Not im Ruhrgebiet. hat für die infolge der Rückwirkungen der Bergarbeiteraussperrung Bochum, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Reichsregierung in der Rubrindustrie erwerbslos gewordenen Arbeiter, welche nicht für die städtische Erwerbslosenfürsorge in Frage kommen, einen Gesamtbetrag von einer Million Goldmark zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag soll nach einem Schlüssel auf die Ortsverwaltungen des Industriegebiets verteilt werden. Die aus der Wohlfahrtsversorgung unterstützten Arbeiter erhalten Gutscheine für Fett, Brot und Kartoffeln, die nach Vereinbarung zwischen Werksleitung und Stadtverwaltungen von den Werken ausgegeben werden. Die„ Bergarbeiterhilfe" ist mit der Beendigung des Kampfes der Ruhrbergarbeiter leider noch nicht überflüssig geworden, fondern nach wie vor dringend notwendig. Durch den Riefenfampf im Ruhrgebiet werden die Kämpfe der Bergarbeiter im übrigen Deutschland kaum beachtet. In Sachsen und Oberschlesien stehen auch heute noch insgesamt etwa 75.000 bis 80 000 Bergarbeiter im schwersten Abwehrkampfe. Auch ihnen, ihren hungernden Frauen und Kindern muß unbedingt geholfen werden! Wie die Falschmeldung über den angeblichen Zusammenbruch der Bewegung in Sachsen zeigt, rechnet man schon damit, daß der Hunger fiegt. Zeichnet die Liften der„ Bergarbeiterhilfe“ Die niederschlesischen Knappschaftswahlen. Sieg des Bergarbeiterverbandes. Am 25. Mai erfolgten in der niederschlesischen Knappschaft die Wahlen der Knappschaftsältesten zum erstenmal unter dem System der Berhältniswahlen. Schon nach Einreichung der Vorschlaglisten galten 35 von 99 zu wählenden eltesten für den Altverband als gewählt, da gegnerische Listen nicht vorlagen. Zu den Wahlgruppen, in denen feina Wahl stattfand, gehörte auch das Neuroder Revier, wo seit Jahr und Tag ein Sekretär des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands sitzt, der jedoch nicht soviel Mitglieder hat, um eine Vorschlagsliste einreichen zu können. Trotz eines am Abend zuvor in später Stunde herausgegebenen Flugblattes, das von dem Gewerkverein H.-D. und dem Christlichen Gewertverein gemeinsam unterschrieben war und von böswilligen Verdächtigungen stroßte, erhielten beide zusammen ganze 7 Size. Von insgesamt 99 Aeltesten, die zu wählen maren, erhielten der Christliche Gewerkverein und der Gewerfverein H.-D., die eine gemeinsame Liste aufgestellt hatten, also nur 7 Mandate; alle übrigen 92 fielen an den Verband der Bergarbeiter Deutschlands. Die ordentliche Bezirksversammlung des Niederschlesischen Knappschaftsvereins wird aus 21 Knappschaftsältesten und 3 Angestelltenvertretern zusammengesetzt. Von den Versichertenvertretern in der Bezirksversammlung erhält der Verband der Bergarbeiter Deutschlands 19, die freigewerkschaftliche Einheitsliste der Angestellten 3 Size. Die zufünftige Bezirksversammlung wird also unter 24 Versichertenvertretern 22 freigewertschaftliche Arbeiter und Angestellte haben. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands bleibt also auch in Zukunft in Niederschlesien führend. Trotz der unschönen Kampfesweise der Anhänger des Christlicheer Bewerfvereins und des Gewerfvereins H.-D. hat die niederschlesische Bergarbeiterschaft am 25. Mai den Weltesten des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands und damit auch dem Verbande ein Bertrauensvotum ausgestellt, auf das dieser stolz sein kann. " Zur Hebung der Produktion." Effen, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Bezirksleitung Effen des Deutschen Metallarbeiterverbandes, der die Metallbetriebe von Düsseldorf bis Hamm umfaßt, lehnte in einer Sigung unter Beteiligung der Funktionäre die von den Arbeitgeberverbänden der nordwestlichen Gruppe geforderte Arbeitszeitregelung ab. Die Arbeitgeber verlangten u. a., daß in allen Betrieben, die bisher infolge der Hige oder schlechter Luft nur acht Stunden ar beiteten, in Zukunft der Behnstundentag eingeführt werden soll. Außerdem wollen sie den freien Sonnabendnachmittag beseitigen. Gewerkschaftsarchiv. Die zweite Ausgabe dieser neuen Monatshefte für Theorie und Braris der Gewerkschaftsbewegung, das Juniheft, ist dem. Internationalen Gewerkschaftsfongreß gewidmet. Der Herausgeber 3 wing schildert die Entwicklung der internationalen Gewerkschaftstongreffe, Nörpel gibt ein Bild über den Stand der Betriebsrätebewegung in den einzelnen Ländern, Falkenberg erörtert das Verhältnis zwischen dem IGB, und den Beamtenorganisationen, während Wissell den gegenwärtigen Stand des Schlichtungswefens in Deutschland darstellt und Engelbert Graf die Stinnes- Konzerne aufzeigt. Müller Jena stellt dem Berufsinteresse das Arbeiter- und das Arbeitsinteresse voran, Linnede- Berlin gibt einen Ueberblick über die internationale Baugildenbewegung. M Die Uebersichten, in denen u. a. der Herausgeber dem ADGB. die Herausgabe einer Geschichte der freien Gewerkschaftsbewegung zuweist, die eines Handbuches der Gewerkschaftsfongresse und die Herausgabe einer gewerkschaftlichen Bibliographie, scllen durch weitere Abteilungen vermehrt werden. Es führte zu weit, insbesondere zu den verschiedenen Ausführungen des Herausgebers, wie beispielsweise zum Ursprung des internationalen Gedankens in der deutschen Arbeiterklasse, für den Goethe heraufbeschworen wird, kritisch Stellung zu nehmen, zu der von ihm vorgeschlagenen Arbeitsteilung zwischen dem Berlage gegen die angefündigte Einrichtung zahlreicher Schubfächer für das Gewerkschaftsleben zu äußern. So sehr wir mit der Kennzeichnung des Berufsegoismus einverstanden sind, für den man Bei spiele in Deutschland genug hat als daß man sie aus der Schweiz und sonstwo herholen müßte, hätten wir doch auch zu den Schlußfolgerungen etwas zu sagen, zu denen Hans Müller kommt. Wir bescheiden uns damit, auf den reichhaltigen Inhalt und die wertvollen Darlegungen und Anregungen im Gewerkschaftsarchiv" hinzuweisen, dessen Bezug jedem geistig regsamen Gewerf schaftsgenossen zu empfehlen ist. „ Untragbar". Eine Zusammenstellung all dessen, was im Laufe der Zeit für die Unternehmer untragbar" war, d. h. von ihnen als„ untragbar" bezeichnet wurde, sich schließlich aber dennoch als tragbar erwiesen hat, wäre recht interessant. Sie würde zweifellos ergeben, daß das schlichte und bequeme Eigenschaftswörichen nicht gar so ernst ge= rommen werden fann, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Es flingt freilich viel besser zu erklären, diese oder jene, wenn nicht gar jede Forderung der Arbeitnehmer, sei für die Unternehmer une tragbar", anstatt der brutal- offenherzigen Erklärung: „ Wir wollen nicht!" In diesem Sinne lassen wir das untragbar" denn auch gelten. Allein es ist durch allzugroßen Umlauf so sehr abgeschliffen, daß man den Arbeitnehmern wirklich nicht zumuten fann, es in ferner eigentlichen Bedeutung aufzufassen. Die„ Re gierenden" lassen sich allerdings noch vielfach von dem„ untragbar" imponieren, wenn es sich um die Ausbringung der Steuern und der fozialen Lasten handelt, um die möglichste Entlastung der Unter nehmer durch Abwälzung der Lasten auf die Schultern der breiten Maffe. In der Münsterländischen Textilindustrie ist ein Schiedsspruch abgegeben worden, der eine im April begonnene Lohnbewegung der Textilarbeiter mit einer Lohnerhöhung von 15 Broz. abschloß. Der Bertand Münsterländischer Textilindustrieller erflärte fchlanfweg, daß diese Lohnerhöhung für die fleinen Münster. ländischen Orte untragbar" sei, weshalb in den nächsten Wochen größere Betriebseinschränkungen erfolgen müßten. Den Tertilarbeitern und arbeiterinnen, die ,, in den kleinen münsterländischen Orten" große Preise für ihren Lebensunterhalt zahlen müssen, droht man also mit einer Hunger fur durch Brotlosmachung, wenn sie auf der Zahlung der 15 Proz Lohnzulage bestehen, die ihnen durch Schiedsspruch zuerkannt wurde, Für die Arbeitnehmerschaft ist dies muntere Spiel um die färgliche Existenz auf die Dauer wirklich untragbar. Der Konflikt in der Rheinschiffahrt beigelegt. Die am 17. April und 7. Mai gefällten Schiedssprüche, die von den Arbeitgebern abgelehnt waren, von der Organisation des Rheinschiffahrtsgewerbes, dem Deutschen Vertebrsbund, Abteilung Binnenschiffer, jedoch angenommen wurden, find jezt rechtswirtsam geworden. Die neuen Lohn- und Arbeitsbedingungen gelten bis zum 30. September 1924. Der Verkehrs= bund, Abt. Binnenschiffer, teilt mit, daß er bis zum 30. Juni 1924 gemäß den Bestimmungen des Schiedsspruches eine Lohnrevision beantragen wird. Bewegung in der westdeutschen Kanalschiffahrt. Dortmund, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die unter Vore siz des Schlichters für Rheinland und Westfalen in Hamm statt gefundenen Verhandlungen über die Lohn- und Arbeitszeitregelung in der westdeutschen Kanal- und Weserschiffahrt sind ergebnislos verlaufen. Der Deutsche Verkehrsbund, Abteilung Binnenschiffer, hat in zahlreichen Flugblätteru und Beriammlungen seine Mitglieder aufgefordert, sich auf den Streit einzustellen. Am 11. Juni wird ein Schiedsgericht unter Vorsitz des Reichskommiffars Meblich in Hamm zusammentreten, um zu den Streitpunkten Stellung zu nehmen. Vor neuen Wirtschaftskämpfen im Saargebiet. Der Arbeitgeberverband der Saarindustrie hat den Tarif vom 28. Juni 1921 mit der Lohnvereinbarung vom 15. Februar 1924 zum 30. Juni gekündigt. Eine Kündigung des Manteltarifs ist nicht erfolgt. Gleichzeitig ist die Vermittlung des Schlichtungsausschusses angerufen worden mit dem Antrag, anzuerkennen, daß eine ange. messene era bjegung der Löhne vom 16. Juni eintritt, da sonst erhebliche Betriebseinschränkungen erfolgen müßten. Der Verband der Kupferschmiede Deutschlands, Gauleitung Brandenburg und Ortsverwaltung Berlin, hat seine Bureauräume feit dem 2. Juni nach Berlin M. 24, Elfasser Straße 86-88, verlegt. Telephonamschluß wie bisher, Norden 4513. Ebenfalls hierhin verlegt( eine Treppe) sind die Geschäftsräume des Facharbeitsnachweises für das Kupfers paritätischen schmiedegewerbe Groß- Berlin( Telephon: Norden 4513). M ( ITF) Der Verband der Eisenbahnangestellten Großbritanniens und Irlands mit einer Mitgliederzahl von zirka 60 000, die sich aus Bureau- und Aufsichtspersonal, Stationsvorstehern usw. zusammen. fekt, hat sich auf seinem neulich in Edinburg abgehaltenen Kongres für den Anschluß an die Internationale Transport arbeiter Föderation, ausgesprochen. In den englischen Eisenbahnerfreifen löste dieser Beschluß große Befriedigung aus. Sämtliche organisierten Eisenbahner des Vereinigten Königreichs, nämlich der Landesverband der Eisenbahner mit 353 000 Mitgliedern, der Bereinigte Verband der Lokomotivführer und Heizer mit zirka 67 000 und der Angestelltenverband mit zirfa 60 000 Mit gliedern gehören jetzt der JTF. an, deren Eisenbahner. feftion mehr als 120000 Mitglieder umfaßt. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Estorn; Feuilleton: Dr. John Schilowsti, Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlegsanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Haut- Bleichkrem ..Kloro" fo wie Kloro. feife bleichen Gesicht und 25 Hände in furzer Zeit rein weiß. 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Beilage des Vorwärts Die Flucht aus Deutschland. von Wir leben beinahe wieder im Zeitalter der Völkerwanderung!| ähnlich liegen, da die Hauptfumme der Auswanderer 65 734 männEin endloser Strom von Menschen ist beständig auf der Wander- liche und 48 078 weibliche, von deutschen Häfen aus befördert wurde. schaft, um andere Bohrstätten und neue Schaffensmöglichkeiten zu Bon diesen waren fast 51 Proz. männliche Industriearbeiter. Die suchen. So wie die primitiven Nomaden wanderten, um deutsche Industrie flagt beweglich über das Abwandern der tüchtigsten Facharbeiter. Aber gerade vom sogenannten bürgerlichen Standschlechten Weideplätzen zu besseren zu gelangen, um ihr Vieh und punkt aus, hand in diese Arbeiter, die ihre beste Arbeitskraft nicht damit sich selber vor dem Untergang zu bewahren ,, so ziehen heute für ein Butterbrot verkaufen wollen, vollkommen folgerichtig. Tausende und aber Tausende aus Europa, insbesondere aus Deutsch- Gerade der tüchtige Arbeiter wird immer streben an den Platz zu land, hinaus in die Welt, weil sie nicht untergehen wollen in dem fommen, wo er eine seinen Fähigkeiten entsprechende ausreichende zermürbenden Kampf um das Dasein, zu dem sie durch die wirt- Entlohnung findet. Die in der Welt konkurrenzlosen Hungerföhne schafts- und weltpolitische Lage, die schwer auf uns drückt, gezwungen der deutschen Industrie können wahrhaftig feinen besonderen Anreiz werden. Der Auswandererstrom hat nach den Mitteilungen des Statistischen Reichsamtes im vergangenen Jahre eine Höhe erreicht, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr zu verzeichnen war. Das Steigen der Auswanderung. Nach den Veröffentlichungen des Statistischen Reichsamtes haben im vergangenen Jahre, in dem die Bevölkerung besonders hart unter der Inflation zu leiden hatte, nicht weniger als 115 416 Deutsche die Heimat verlassen. Die Zahl der deutschen Auswanderer muß aber noch viel größer sein, da in der Statistik nur diejenigen erfaßt wurden, die in deutschen oder holländischen Häfen die Schiffe bestiegen haben, die sie in die Ferne entführten. Deutsche, die über Antwerpen, französischen oder englischen Häfen das Ziel ihrer Sehnfucht erreichten, wurden von der vorliegenden Statistik nicht erfaßt, da seit Beginn des Krieges aus diesen Häfen feine Meldungen mehr über diesen Gegar stand eingegangen sind. Auch diese so unscheinbar anmutende Tatsache zeigt, wie innerlich zerrissen Europa heute noch ist. Die Zahl von 115 416 deutschen Auswanderern entfpticht einer Menge von 187 Menschen auf je 100 000 Einwohner. Nach der Zeitschrift Wirtschaft und Statistil"( Nr. 8 d. I.) zeigt die Auswanderung in den letzten 12 Jahren foigendes interessante Bild: Im Jahre überhaupt 1912.... 18 545 auf 100000 Einwohner auf 100000 Einwohner 28 Im Jahre überhaupt 1918.... 25 843 39 1918.... 1919.. 3 144. 1914.... 11 803 17 1920.... 5 8458.... 14 1915 528 1 1921.. 23 451.. 38 1916. 1917 326 0,5 1922 36 527 60 9 0,0 Al Mittwoch, 4. Juni 1924 Zunahme der Auswandererziffern zu verzeichnen. Von den preußifchen Provinzen stellte Hannover mit 10 056 Auswanderern( 318 auf 100 000) die absolut größte Summe, während Schleswig- Holstein mit 339 auf 100 000 Einwohner die größte relative Ziffer erreichte. Es wäre sehr interessant, die besonderen Einflüsse und die Verhält». nisse in diesen Landesteilen im Hinblick auf diese Ziffern einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Der weitaus größte Teil der Auswanderer hat Nordamerika, und hier insonderheit die Bereinigten Staaten als zufünftige Heimat gewählt. Die Auswanderung nach den füdamerikanischen Staaten, wie Argentinien und Brasilien, ist in jeder Hinsicht zurückgegangen. Auch die übrigen Erdteile haben feine so große Anziehungskraft auf die deutschen Auswanderer ausgeübt, lediglich die verhältnismäßig geringe Auswanderung nach den europäischen Ländern hat eine ganz geringe Steigerung ers fahren. Aus der folgenden Tabelle ist das Reiseziel der Auswan derer zu entnehmen, sie gestattet außerdem ein Vergleichen mit der 3iffern von 1913 und 1923. 1913 1922 1923 männi. weibl. zusammen Proz. Nach Europäischen Ländern. 68 57 211 Nordamerila 20 430 24 608 51 474 117 41 017 328 0,3 93 5761) 81,1 Mittelamerita 253 281 127 408 0,4 Brasilien.. 140 5261 5819 3 101 8.920 7,7 Argentinien 1058 4.996 6741 2 899 9 640 8,4 übr. Südamer. 3 729 730 1.107 554 1-7332) 1,5 Afrika 32 607 304 331 635 0,5 Asien 15 67 58 125 0,1 Australien 359 28 23 51 0,0 Zusammen 25 843 36 527 66 032 48 227 115 4161) 2) 100,0 1) darunter 1085 Personen über Rotterdam; 2) darunter 72 Perfonen über Amsterdam ohne Angabe des Geschlechts. Im Gegensatz zu der ganz außerordentlichen Steigerung der deutschen Auswanderung hat sich die Auswanderung von angrenzen den anderen Staaten über deutsche Häfen nur gering vermehrt. Während die Zahl der fremden Auswanderer im Jahre 1922 38 393 betrug, ist sie 1923 auf 51 934 gestiegen. Von diesen wurden 33 066 ron Hamburg aus und 18 868 von Bremen aus befördert. Die Zschechoslowakei stellte mit fast 13 000 den größten Anteil. Das Auswanderergeschäft unserer großen Reedereien ist also im wesentlichen von Deutschen bestritten worden, denen das Vaterland feine erträgliche Wohnstatt mehr zu bieten vermag. Ein deutscher Professor und ein französischer Staatsmann haben einmal den brutalen Saß ausgesprochen, daß 20 Millionen Menschen in Deutschland zu viel" seien. Das Anschwellen der Auswan derungsziffern scheint diesen Gewaltmenschen recht zu geben. Es muß aber betont werden, daß in einer von Mißtrauen befreiten Welt durch eine den wahrhaften Interessen der Menschheit ent sprechende vernunftsgemäße Regelung der Verhältnisse nie auch nur ein Mensch zu viel" zu sein brauchte. 1923.... 115 416.... 187 Während sich die Auswanderung in den Jahren 1912 bis 1914 auf der durchschnittlichen Höhe von 28 auf 100 000 Einwohner hielt, fant fie naturgemäß während des Krieges fast auf 0, da Deutschland in dieser Zeit ja einer belagerten Festung glich. Nur unter ganz besonders glücklichen Umständen war es den wenigsten möglich, diese Festung verlassen zu können. Nach dem Kriege aber ändert sich das Bild. 1919 ist der größte Teil der Welt den Deutschen noch verSperrt, viele mögen auch noch auf eine Besserung ver innerdeutschen Wirtschaftsverhältnisse gehofft haben. 1920 hatte sich die Auswanderung gegen das Vorjahr schon um fast 300 Broz. gesteigert, in den Jahren 1921 bis 1923 aber flettern die Auswanderungsziffern mit unheimlicher Schnelligkeit empor. Gerade die Zahlen von 1921 bis 1923 zeigen, wie sehr sich die Berhältnisse in Deutschland durch die ständig unsichere Gesamtlage verschlechtert hat. Nahrungsfchwierigkeiten, Wohnungs- und Arbeitsmangel, Krankheit und andere Möte hatten in erschreckendem Umfange zugenommen. So läßt diese trodene Auswanderungsstatistit erfennen, wie fatastrophal das Jahr 1923 gewirkt hat, wobei noch berücksichtigt werden muß, daß die Sehnsucht, aus Deutschland fortzukommen, vie! größer war als die Mittel, die den vielen von dieser Sehnsucht Ergriffenen zur Berfügung standen. Viele der Ausgewanderten haben ihre lezie wirtschaftliche Kraft eingesetzt, um den Sprung in die Welt wagen zu fönnen. Deutschlands beste Volkskraft! Besonders wichtig zur Beurteilung des Verlustes, den Deutsch land durch die Abwanderung erlitten hat, ist die Kenntnis des Alters der Ausgewenderten. Es ist Deutschlands beste Volkskraft gewesen, die ihm entzogen wurde: Ueber die Hälfte der Ausgewanderten stand im jugendlichen Alter von 17 bis 30 Jahren. Die Statistik, die hierüber Aufschluß gibt, bezieht sich leider nur auf diejenigen, die über deutsche Häfen ins Ausland gegangen find, die Auswanderer, die in Holland das Schiff bestiegen haben, sind hiervon nicht erfaßt worden. Man darf aber annehmen, daß die Verhältnisse dort ganz e] Putois. Bon Anatole France. Butois wurde in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts geboren in St. Omer," fuhr Herr Bergeret fort. Besser für ihn wäre es gewesen, wenn er einige Jahrhunberte früher im Ardennerwald zur Welt gekommen wäre. Denn dann wäre er ein böser Geist von außerordentlicher Geschicklichkeit geworden." „ Eine Tasse Tee gefällig?" fragte Bauline. Butois war also ein böser Geist?" erkundigte sich Herr Marteau. ,, Er war böse," erwiderte Herr Bergeret, aber er war es nur. in gewiffer Weise. Es war mit ihm wie mit den Teufeln, von denen man sagt, daß sie böse seien, an denen man aber bei näherem Umgang doch gute Seiten entdeckt. Ich bin geneigt zu glauben, daß man Butois sehr Unrecht getan hat. Frau Cornouiller hatte ein Vorurteil gegen ihn gefaßt und hegte sofort den Verdacht, er sei ein Taugenichts, ein Trunkenbold und Dieb. Dann überlegte fie: wenn meine Mutter ihn beschäftigte, so tat sie das sicher, weil er bescheiden in seinen Ansprüchen war, und sie fragte sich, ob es nicht flüger sei, ihn auch in Arbeit zu nehmen, an Stelle ihres Gärtners, der zwar einen besseren Ruf besaß, aber weit anfpruchsvoller war. Die Zeit zum Beschneiden der Tarusbäume nahte heran. Sie dachte, wenn Frau Eloi Bergeret, die doch nur arm fei, Butois nicht viel zahle, so würde sie, die reiche Frau Cornouiller, ihm noch weniger geben, weil es ein mal fo üblich ist, daß die Reichen meniger bezahlen als die Armen. Und fie fah schon im Geiste ihre Tarusbäume gefällig zugeftugt zu dichten Wänden, Kugeln und Pyramiden, ohne daß sie große Ausgaben davon gehabt hätte. Ich werde schon ein Auge auf ihn haben, sagte sie sich, und sehen, daß Butois die Zeit nicht vergeudet und mich nicht bestiehlt. Sie beschloß daher, einen Versuch mit ihm zu machen und sagte zu unserer Mutter: Meine Liebe, schicken Sie doch Butois einmal zu mir, er fönnte auf Monplaifir arbeiten." Meine Mutter versprach es, und sie hätte gern ihr Wort gehalten, wenn es möglich gewesen wäre." bieten. Die landwirtschaftlichen Berufe find unter den Auswanderern des letzten Jahres mit 15 Pro3. vertreten. Dann erft folgt das Handels- und Versicherungsgewerbe mit insgesamt 11,5 Proz. Vielleicht mag in diesem Zusammenhang noch interessieren, daß dic Zahl der ausgewanderten Industriearbeiterinnen, der Hausangestellten und der weiblichen Auswanderer ohne Beruf sich mit je zirka 11 000 die Wage halten. " Woher? Wohin? Wenn man die Auswanderer nach den Herkunfsgebieten ordnet, so zeigt sich, das, auf 100 000 Einwohner berechnet, Bremen mit 832 Auswanderern die relativ größte Auswanderungszahl aufzuweisen hatte, dann folgt Hamburg mit 570 Auswanderern. Es scheint so, als ob der Mut, hinaus in die Welt zu kommen, hier in den Städten der Waterfant" mit ihrem lebhaften Hafentreiben besonders gestärkt worden ist. Vielleicht aber sind auch die Drie an der See der legte deutsche Aufenthaltsor: der Auswanderer gewesen, den sie nun als„ Herkunftsort" angegeben haben. Dann aber stellt Württemberg mit 486 Auswanderern auf 100 000 Einwohner den höchsten Anteil des Binnenlandes und die größte Steigerung gegenüber dem Vorjahre auf Hier hat sich die Auswanderung gegenüber dem Jahre 1922 mehr als verfünffacht. Kein anderer deutscher Landesteii hat, wenn man von dem kleinen Hohenzollem abficht, das mit 138 Auswanderern einen relativen Anteil von 188 auf 100 000 bat und damit das Voriahr um das Siebenfache übertroffen hat, eine so starke Frau Cornouiller erwartete Putois in Monplaisir, aber vergebens. Da sie sehr beharrlich in ihren Absichten war und auf ihren Vorsägen zu bestehen pflegte, beklagte sie sich bein nächsten Wiedersehen bei meiner Mutter, daß sie nichts von Butois gehört habe. " Haben Sie ihm denn nicht gesagt, daß ich ihn erwarte, meine Liebe," fragte fie meine Mutter. " Allerdings, aber er ist ein wunderlicher Mensch." ,, D, ich kenne diese Sorte. Ihren Putois fenne ich durch und durch. Aber es gibt feinen Arbeiter, der so verrückt wäre, und durch. Aber es gibt feinen Arbeiter, der so verrüdt wäre, daß er sich weigerte, in Monplaisir zu arbeiten. Mein Haus ist zu bekannt, denke ich. Butois wird sich mir schon zur Verfügung stellen, und zwar bereitwillig, meine Beste. Sagen Sie mir nur, wo er wohnt, ich werde selbst zu ihm geben." Meine Mutter erwiderte, sie wisse nicht, wo Butois wohne, er habe weder Haus noch Herd. 17 " Ich habe ihn nicht wiedergesehen, Frau Cornouiller," sagte sie,„ ich glaube, er hält sich verborgen." Was hätte sie auch wohl sonst sagen fönnen? " Frau Cornouiller hörte das freilich nicht ohne Mißtrauen an. Sie glaubte, daß meine Mutter ihn ganz mit Beschlag belegt habe und ihn allen Nachforschungen entzöge, weil sie fürchtete, ihn sonst zu verlieren, oder daß er durch andere anspruchsvoller werden könne. Sie hielt sie wirklich für so eigennüßig. Viele allgemein anerkannte Urteile, die die Geschichte fanttioniert hat, sind ebenso begründet wie dieses." ,, Das ist freilich wahr," meinte Pauline. " Was ist wahr," fragte 30ë. " " Daß die Urteile der Geschichte oft falsch sind. Ich erinnere mich, Papa, daß du eines Tages sagtest: Frau Roland war sehr naip, an die Unparteilichkeit der Nachwelt zu appei lieren. Sie sah nicht ein, daß, wenn unsere Zeitgenossen bös artige Affen find, ihre Nachkommenschaft auch wiederum bösortige Affen sein müssen." " Pauline," fragte Fräulein Bergeret mit Strenge,„ was hat die Geschichte von Butois mit dem zu tun, was du uns da erzählst?" ,, Sehr viel, liebe Tante." " Daß ich nicht wüßte." Das Kinderelend. Die amerikanischen Hilfskommissionen haben einen hervorragenden Sachverständigen, H. Emerson, Profeffor der Sozialhygiene an der Universität Columbia, nach Deutschland geschickt, um über das Kinderelend in Deutschland an Ort und Stelle zuverlässige Untersuchungen anzustellen. Der Gelehrte weilte Ende 1923 in Deutschland, hat 100 Familien persönlich aufgesucht, ebenso die Kinderheilanstalten in neun Städten und die amtlichen Angaben der Behörden forg fältig nachgeprüft. Sein Bericht ist vor furzem erschienen und ent hält eine ausführliche Beschreibung des verzweifelten Zustandes der deutschen Kinder. Er meint, daß die amtlichen Angaben hierüber feineswegs übertrieben seien. Trog des Geburtenrüdganges auf die Hälfte, ist die Versorgung der Säuglinge schlimmer als je. Infolge Unterernährung fann nicht einmal die Hälfte der Mütter ihre Säuglinge selbst stillen. In Berlin wird jeder zehnte Säugling infolge der Armut der Eltern in einer Anstalt untergebracht. Die Tuberkulose tritt bei vielen Säuglingen bereits im sechsten Lebensmonat auf. In den Spitälern find 15 bis 25 Prozent der Kinder unter zwei Jahren tuberkulös. Diese Erscheinung ist eine neue Erfahrung der Hoſpitäler aus den letzten 12 bis 18 Monaten. Die Kinder zwischen zwei und fünf Jahren werden sehr oft wegen Mangels an Schuhwert und Kleidung zu Hause behalten und haben weder Licht noch Luft. 20 bis 50 Proz. „ Wenn alle Ungerechtigkeiten schließlich schon in dieser Welt wieder gut gemacht würden, so wäre der Gedanke, daß wir in einer anderen Welt entschädigt werden sollen, gar nicht aufgefommen. Wie wollt ihr verlangen, daß die Nachwelt alle Verstorbenen gerecht beurteilt? In dem Dunkel, in das sie sich: zurückgezogen haben, fann man sie ja nicht befragen. Von dem Augenblick an, da man gerecht gegen sie sein könnte, vergißt man sie. Aber kann man überhaupt gerecht sein? Was ist denn Gerechtigkeit? Frau Cornouiller sah sich wenigstens endlich genötigt, anzuerkennen, daß meine Mutter sie nicht betrogen hatte und daß Putois nicht aufzufinden sei. ,, Sie gab es indessen nicht auf, ihn zu suchen. Sie fragte bei allen Berwandten, Freunden, Nachbarn, beim Gesinde und den Lieferanten herum, ob sie Putois nicht kennten. In der Tat antworteten nur zwei oder drei, sie hätten niemals von ihm reden hören. Die meisten glaubten, ihn schon einmal ge= sehen zu haben." Den Namen habe ich wohl gehört," sagte die Köchin, „ aber auf das dazugehörige Gesicht fann ich mich nicht befinnen." " Butois! Natürlich kenne ich den," sagte der Chausseewärter und fragte sich hinter den Ohren, aber ich wüßte Ihnen jetzt nicht zu sagen, was er ist." " Den genauesten Bescheid gab Herr Blaise, der Steuerkassierer, er erflärte, er habe Butois im Kometenjahre vom 19.- 24. Oftober in seinem Hofe Holz spalten lassen. „ Eines Morgens tam Frau Cornouiller ganz außer Atem in das Schreibzimmer meines Vaters gestürzt und rief: " Soeben habe ich Putois gesehen!" Ach!" " Ja, ganz bestimmt, ich habe ihn gesehen." ,, Glauben Sie wirklich?" Ich bin meiner Sache ganz sicher. Er strich an Herrn Teuchants Mauer entlang. Dann wandte er sich nach der Rue des Abesses. Er ging so schnell, daß ich ihn aus den Augen verlor." ,, War er es denn wirklich?" " Ohne allen Zweifel! Ein Mann in den fünfziger Jahren, meger, gebüdt. Er sah aus wie ein Bagabund und trug eine Herr Bergeret, der eine Abschweifung nicht ungern fah, schmutzige Bluse." antwortete seiner Tochter: ( Fortsetzung folgt.) der Kinderheime und Krippen find geschlossen. Die verschiedenen Krankheitserscheinungen, Blutfeere, Rachitis, eingefunkene Augen, Abmagerung find so allgemein, daß man schon das Augenmaß verliert und beim Vergleich mit Kindern anderer Länder über das blühende Aussehen der letzteren verwundert ist. Die Kinderkrant. heiten sind in den Familien der Arbeiter, der fleinen Beamten und besonders der Arbeitslofen am häufigsten. Die Untersuchungen an Schulkindern ergaben ähnliche Aufschlüsse. Die durch Hunger ge schwächten Kinder fönnen infolge von Kopfschmerzen, Schwindel und Ohnmachtsanfällen nicht lernen. 20 Proz. der sechsjährigen Kinder müssen vom Schulbesuch befreit werden. Die gebräuchlichste Er. nährung eines Schulkindes besteht hauptsächlich aus Kartoffeln, Brot mit Margarine, Rüben, Mehlsuppe, einmal in der Woche Fleisch Milch fehlt. Hautfrankheiten find infolge von Mangel an Seife, Bädern, überfüllten Wohn- und Schlafräumen sehr häufig. Die un erträglichen Wohnungsverhältnisse werden von Professor Emerson ausführlich geschildert. Drei Kinder in einem Bett und fünf bis sechs Personen in einem Schlafzimmer sind gewöhnliche Erscheinungen. Er stellt feft, daß die größte Steigerung der Tuberkulose auf Rinder unter zehn Jahren entfällt. In den Jahren 1920/21 war bereits eine Erholung von den Kriegswirkungen in bezug auf Geburtsraten, Sterblichkeit und Krant heiten eingetreten. Seit der zweiten Hälfte 1922 haben sich jedoch die Zustände wieder geradezu fatastrophal verschlechtert. Das deutsche Bolt, insbesondere aber die deutschen Kinder, so schließt Profeffor Emerson seinen Bericht, find Opfer der Geldentwertung und der Arbeitslosigkeit geworden.( Da diese aber Folgen des Krieges find, also: Opfer des Krieges. D. Red.) Bürgermeister- Einführung. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat ungewöhnlich rasch das Vergnügen gehabt, den neugewählten Bürgermeister Schol begrüßen zu können. Schon in ihrer gestrigen Sigung, noch feine vierzehn Tage nach Bollzug der Bürgermeister wahl, wurde er in sein Amt eingeführt. Die Kommunisten hörten die Begrüßungsreden des Oberbürgermeisters Böß und des Stadtverordnetenvorsteherstellvertreters Meyer ohne die lärmen. den Unterbrechungen an, die sie sonst für solche und ähnliche Gelegen. heiten bereit halten. Sie sind offenbar mit dem Ergebnis der Bürgermeisterwahl, das so nur möglich wurde, weil die Kommunisten dem Sozialdemokraten Dr. Heimerich die Unterstützung versagten, sehr zufrieden. In der Abstimmung über den Antrag In der Abstimmung über den Antrag der Deutsch nationalen, der mit Rücksicht auf das Ergebnis der Reichstagswahl sofortige Neuwahl der Stadtver ordneten für Berlin fordert, standen die Kommunisten an der Seite der Deutschnationalen und der Deutschen Boltspartei. Der Antrag konnte nur deshalb zu Fall gebracht werden, weil die Demokraten und das Zentrum eine fichtig genug waren, mit den Sozialdemokraten gegen ihn zu ftimmen. Die Rücksicht auf das Ergebnis der Reichstagswahl", bei der die Deutsche Boltspartei starke Berlufte erlitten hat, und besonders in Berlin unter die kleinen Parteien geraten ist, hat die Kommunisten nicht gehindert, den Bürgermeisterposten ausgerechnet einem Bertreter der Deutschen Volfspartei zuzuschanzen.Ueber die wichtigsten Stücke der geftrigen Tagesordnung, den Magi: stratsabbau und den Fall Baulsen, wurde in der geheimen Gigung verhandelt. Sparsamkeitsvorschläge des Abbauausschusses begründen wollte, er hob sich auf der gesamten Linfen ein ungeheurer Tumult., Bon allen Seiten wird Hallensleben durch stürmische Zurufe an feine bekannte Unterschriftenaffäre erinnert. Da er sich nicht verständlich Im machen fann, unterbricht der machen fann, unterbricht der Borsteher die Sitzung. fommt es Aeltestenausschuß zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen den Sozialdemokraten und von Eynern, der mit der üblichen Arroganz aufzutreten beliebte. Als die Sizung neu eröffnet wird, dringt Hallensleben wieder nicht durchy, er verzichtet aufs Wort und der Vorsteher schließt um 9 Uhr die Sigung. Der Abbruch der Sigung wird von den Volksparteilern mit stürmischem Protest aufgenommen. Eine Beratung und Erledigung des Personalabbaues kann danach erst in der nächsten Sigung nach Pfingsten vor sich gehen. Nach dem gestrigen Anfang wird man sich auf allerhand Sturmszenen gefaßt machen fönnen. Der Bock als Gärtner. Gestohlene Billionenscheine der Reichsbahn. # Eine dunkle Unterschlagungsaffäre beschäftigte gestern in aus gedehnter Beweisaufnahme die Berufungsstraftammer des Landgerichts I. Wegen Amtsunterschlagung war der Aufsichtsbeamte Willy Wiemeyer vom Schöffengericht mitte zu einem Jahr Ge fängnis verurteilt worden. Der Angeklagte war in der Bernich tungsstelle für Reidsbahn Notgeldscheine in der Wilhelmstraße beschäftigt gewesen und wurde beschuldigt, zehn Bafete von 20- Billionen- Scheinen im Gesamtbetrage von 20 000 Gold: mart unterschlagen zu haben. 3 Auf deutschen Hochschulen. In einer überfüllten Akademikerversammlung sprach fürzlich das frühere Mitglied der thüringischen Regierung, der fommunistische Profeffor& orid, dem der Jenaer Universitätsfenat die Fortführung feiner Lehrtätigkeit untersagt hat. Er führte etwa folgendes aus: Das beliebte Wort von der Freiheit der Wissenschaft bedeutet unter den heutigen Berhältnissen das dirette Gegenteil dieser Behauptung, nämlich die bewußte. Parteinahme für Klassenintereffen und den unverhüllten Mißbrauch der akademischen Lehrfreiheit für politische Demonftrationen. So lieft z. B. Herr Prof. Plate in Jena, der durch sein Verhalten gegen Haedel„ berühmt" geworden ist, über die Abstammungslehre und ihre politischen Mußfolgerungen", das Ganze ist ein antisemitisch- reattionärer Ausfall, aber niemand stößt sich daran. Denn Herr Plate ist gut deutschnational. Als die frühere thüringische Regierung ein Disziplinarverfahren gegen Plate einleitete und mehrere Studenten pflichtgemäß ihre Zeugenaussagen gegen Blate machten, verhängte der Studentenausschuß in Jena den Bontott gegen sie als schmachvolle Spione", ohne daß der Senat dagegen einschritt. Dafür haben aber auch über 200 Jenaer Studenten als Gäste am deutschen Tage in Halle teilgenommen. Der Redner schilderte dann weiter das empörende Berhalten des Jenaer Universitätssenats in seiner Angelegenheit. Obwohl er gemäß dafür Urlaub erbeten und erhalten hatte, erklärte nach feinerzeit bei seinem Eintritt in die thüringische Regierung ordnungseinem Ausscheiden aus der Regierung plötzlich der Senat ,,, er habe durch Annahme des Ministerpostens freiwillig auf sein Lehramt verzichtet!" Der derzeitige Reftor Hendel schrieb an den Kultus minister Leutheuser ,, er fönne nicht für Ruhe und Ordnung an der Universität garantieren, wenn Korsch seine Vorlesungen wieder aufnehme und müffe deshalb gegen eine solche Wiederaufnahme proteftieren Man denunzierte Korsch bei der Reichswehr, die auch sofort eine mehrstündige Hausfuchung zur Nachtzeit vornahm, wobei seine Frau mit vorgehaltenem Gewehr Ein bedroht wurde, außerdem verschwanden wertvolle Bücher! Protokoll wurde natürlich nicht aufgenommen. Eine Anklage wegen Hochverrat mußte selbst der Staatsanwalt ablehnen, weil das Bemeismaterial nicht ausreichte. Trotzdem beschloß ein hochachtbarer Senat Professor Korsch die venia legendi zu entziehen. Das Borgehen dieser Bertreter der freien Wissenschaft" hat auch in weiten Kreisen des Bürgertums Empörung ausgelöst. Eine Interpellation im Thüringer Landtage wird zu diesem Beschlusse, der nur ein vorläufiaer sein dürfte, noch Stellung nehmen. Die ganze Angelegenheit zeigt wieder einmal deutlich, wie es im heutigen Deutschland auf den Hochschulen aussieht. Herr Roethe, die Posaune des Nationalismus" und seine Klischees dominieren auf den Universitäten die demokratischen oder gar sozialistischen Lehrer aber werden verfolgt und in jeder Weife beeinträchtigt. Hier liegt der Krebsschaden am System hinweg mit ihm! „ Gräfin" und Freifrau". Die Reichseisenbahn hatte im vorigen Sommer 20- Billionen Scheine auf rofarotem Papier ausgegeben, die aber, nachdem nur ein geringer Teil in den Berkehr gebracht worden war, wieder eingezegen wurden und in die Vernichtungsstelle famen. Durch eine anonyme Anzeige erhielt die Polizei Kenntnis davon, daß der Ueber machungsbeamte Wiemeŋer im Befig eines größeren Bostens dieses aus dem Berkehr gezogenen Notgelbes gewesen sei. Der Hauptbelastungszeuge war der wegen Geistesschwäche entmündigte Großfchlächtermeister Wilhelm Start, deffen Vormund Wiemeŋer war. Nach der Behauptung des Zeugen hatte Wiemeyer ihn eines Tages in feiner Wohnung aufgesucht und, da er nicht zu Hause war, durch feine Ehefrau hinterlassen, daß er ihn noch an demselben Abend dringend sprechen müßte. Als Start den Angeklagten spät abends aus einem Café herausholen ließ, habe Wiemeyer ihm die zehn Batete zu je 2000 Billionen mit der Weifung übergeben, die Noten in den Verkehr zu bringen, er sollte dafür 5000 Mart für sich behalten. Als der Zeuge seiner Frau und den Schwiegereltern die wertvollen Bündel zeigte, erschien diesen die Sache anrüchig, und sie hatten ihn veranlaßt, die verdächtigen Scheine dem Bormund wieder zurüdzubringen. Der Zeuge behauptete, er habe gehändigt. Die Ehefrau des Start gab an, daß fie nachher die Wiemeyer auf der Toilette des Cafés die Batete wieder ausKleidung urb die Brieftasche ihres Mannes revidiert und nichts gefinden habe, Der Angeklagte bezeichnet diese Angaben als einen Am Montag begann in Moabit eine Auffehen erregende BerRa che att, ber fich mehr gegen feinen Stiefbruder Ganswindt handlung vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte unter Borsiz von gerichtet habe. Er habe tamals fein Mündel dringend sprechen Landgerichtsdirektor Heinze gegen den Rechtskonsulenten Ewald v. äußler und den Kaufmann Paul Danziger. müssen wegen einer Feststellung über dessen Bermögensabgabe. Bei Ganswindt wurden jedoch am Tage darauf auf dem Biehhof grö= Bere Mengen der rosa Scheine gefehen. Ganswindt mußte auch zugeben, daß er derartige Scheine auf dem Biehhof in Zahlung erhalten habe. Das Schöffengericht haite Ganswindt, der übrigens auch wegen Geistesschwäche entmündigt ist, wegen Hehlerei zu 1000 Mart Geldstrafe verurteilt. Da es gegen Geldstrafenurteile des Schöffengerichts jetzt befanntlich feine Berufung mehr gibt, so ist meisaufnahme fani bas Gericht nicht zu ber Ueberzeugung, daß der Angeflagte sich der Amisunterschlagung schuldig gemacht habe, da. gegen gewann das Gericht die Anficht, daß der Angeflagte sich auf nicht aufgeklärte Weife die Bündel angeeignet, habe. Das Gericht hielt ihn infolgebeffen des Diebstahls für schuldig und verurteilte Wiemeŋer zu vier Monaten Gefängnis, welche Strafe durch die erlittene Unterfuchungshaft für verbüßt erachtet wurde. In der geftrigen außerordentlichen Sigung, die der Borsteher ftellvertreter tener präfidierte, erfolgte zunächst die Eindiekes llrteil inzwischen rechtsträftig geworden. Auf Grund der Be führung des neuen Bürgermeisters Schol. Oberbürgermeister Böß begrüßte den neuen Rollegen. Der amtierende Borsteherstellvertreter mener richtete gleichfalls freundliche Worte der Bewillkommnung an den Bürgermeister, der darauf dantend erwiderte und eifrige, energische und von gesundem Optimismus ge tragene Amtsführung gelobte. Von unseren Genoffen war folgender Dringlichteits antrag eingereicht: Den Magistrat zu ersuchen, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bei den in Betracht kommenden Stellen dafür einzutreten, daß die großen ungerechtigteiten der legten Befoldungsregelung, die finngemäß auch für die Gemeinden gilt, beseitigt werden. Die einseitig jetzt getroffenen Festlegungen bedeuten für die überwiegende Anzahl der in den Befoldungsgruppen Beschäftigten feine Sicherung der Lebensmöglichfeiten und find überdies geeignet, die schon durch die Abbaumaßnahmen gefchaffene Existenzgefährdung noch zu steigern. Gegen die fofortige Beratung wird bei den Dnat. und der DBB. Widerspruch laut, was auf der Linten Entrüftungsfunb. gebungen hervorruft. Die Beratung kann nunmehr erst in der nächsten Sigung erfolgen. Die Sommerferien der Versammlung murden festgesetzt auf die Zeit vom 7. Juli bis 30. Auguft. Die Bläne für den weiteren Ausbau des Krantenhauses Moabit wurden genehmigt. Die Vorlagen betreffend Er. höhung der Löhne der städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen ab 30. März 1924, Bezirtstarifvertrag für die Berliner städtischen Arbeiter, 4. Tarifvertrag für die nichtständigen An. gestellten und 2. Tarifvertrag für die Arbeitnehmer in den städtischen Anstalten gingen in einen Ausschuß, nachdem Bäth( Dnat.) das Mitwirkungsrecht der Bersammlung vor Abschluß der Berträge reklamiert hatte. In namentlicher Abstimmung lehnte die Versammlung den Antrag der Dnat, mit Rücksicht auf das Wahlergebnis vom 4. Mai alsbald Erneuerungswahlen für die Berliner Stadtverordnetenversammlung zu veranlassen, mit 92 gegen 74 Stimmen ab; 14 Mitglieder hatten sich der Stimme enthalten Damit hatte auch ber analoge Antrag der Kommunisten seine Erledigung gefunden. Abgelehnt wurde auch, und zwar durch Auszählung. der von unseren Genossen unterstützte Antrag der Kommunisten, der gegen die Verlängerung der Arbeitszeit in den städtischen Krantenhäusern gerichtet war, mit 94 gegen 84 Stimmen. Von der ablehnenden Antwort des Magiftrats betreffend die Entlohnung der bei den Notstandsarbeiten in Velten beschäftigten Berliner Erwerbslosen nahm die Versammlung Kenntnis, ebenso von dem Schriftwechsel zwischen dem Magistrat und dem Oberpräsidenten betr. die Erhöhung der Staatsmittel für die Kriminalpolizei. Die Erhöhung wird nicht für erfoderlich gehalten. Um 8 Uhr war die öffentliche Sigung beendet. Es folgte eine geheime Sigung zur zweiten Beratung: 1. des Antrages der DBP. betr. 2 bbau von Magistratsmit gliedern, und 2. der Borlage wegen Wiederbefezung von drei Stellen im Magistratsfollegium. * In der geheimen Beratung der Abbaubeschlüffe bes Stadtverordnetenausschusses erstattete Stadtverordneter Mer ten den Bericht des Ausschusses und empfahl den Abbau des Mas gistrats nach den bereits bekannten Beschlüssen. In der Formulierung der bürgerlichen Mehrheitsparteien fommt deutlich zum Ausdrud, daß der Oberstadtschulrat nicht als Stelle, sondern als Person ab. gebaut werden soll. Die in Betracht kommenden Mitglieder des Magistrats haben in einem längeren Schreiben gegen diese Borschläge des Ausschusses protestiert. Für die Kommunisten wandte sich Dörr, für die Sozialdemokraten Loewy gegen diese Beschlüsse. Nament lich Loewy wies mit aller Schärfe auf die Ungefeßlichkeit und Rechts widrigkeit dieser Beschlüsse hin, die entgegen dem flaren Wortlaut der Bestimmungen über die Personalabbauverordnung Magistratsmitglieder wegen ihrer politischen Stellungnahme abbauen wollen. Als für die Volkspartei der Stadtverordnete Hallensleben die Aus dem Betriebe einer„ Heiratsfabrit". Die Berhandlung, die das Gericht noch mehrere Tage beschäftigen wird, gewährt einen Einblid in den Schwindelbetrieb dieser beiden Angeklagten, die geschäftsmäßig Adelsehen eingegangen find. Sie fpetulierten mit Erfolg auf die hahnebüchene Dummheit gemisser Frauen, sich durch aristokratische Namen ein so genanntes gesellschaftliches Ansehen" zu verschaffen. Mit gefälften Bapieren wurden die heiratsluftigen Damen zu Gräfinnen" und Freifrauen" befördert. Der adligen Rangstufe entsprechend mußten sie hohe Geldbeträge an ihre zu fünftigen Chemänner zahlen. Es war bann zur Bedingung gemacht, daß fofort nach der Eheschließung die Scheidungsflage eingereicht werden sollte. Der Angeklagte Danziger, der bereits verheiratet war und sich nun auch wegen Bigamie zu verantworten hat, trat u. a. als Graf v. Einsiedel und Graf v. Waldenburg auf. Im ganzen handelte es sich um 13 Fälle des Betruges und der schweren Urkundenfälschung. Die Täuschung der Standesämter wurde den Angeklagten dadurch erleichtert, daß fie mit Hilfe von gefälschten Urlaubsscheinen Kriegstrauungen vornehmen ließen. Der Angeklagte v. Häußler hat auch den Namen feines toten Bruders Wilhelm zu den Eheschließungen benußt. In einem Fall hat er den Söhnen einer Frau Landsberger, die von einem Herrn v. B. adoptiert worden waren, die Genehmigung zur Führung des Adelsprädikates„ verschafft". * Die Dreizehnjährigen. Geschichten aus dem Weberhaus. Jahrzehntelang hat der biedere Webermeister R. in Nowawes an seinem Webſtehl gefeffen und sein Leben schlecht und recht gefristet. Eines Tages aber lugten neugierige fleine Mädels der Blide auf seinen bunten Wolltram. Sie nedten den Alten, bettelten Gemeindeschule durch fein Fenster und warfen begehrliche Ein Heiratsschwindler, der auch nach Berlin seine Nege um bunte Fäden, und ehe sich der Webermeister verfah, faßen ein, ausspannte, ist in Breslau festgenommen worden. Ein Kaufmann bann zwei und schließlich mehrere Mädels bei ihm im armseligen 5. Co it a aus Breslau gab bekannt, daß er für heiratslustige Herren Beberhaus zwischen all der bunten Wolle und schmeichelten und Todten. Und es tam bann leider, wie es manchmal so tommt, und stets Damen mit großem Bermögen an der Hand habe. So sollte dann fam der gestrenge Staatsanwalt und dann die hohe Strafe. eine 30 000 Dollar und eine andere gar 600 000 Dollar befizen. Gegen die Höhe der Strafe aber wehrte sich der Alte und Auch eine mit 5000 englischen Pfund bot er an. Seine Tätigkeit belegte Berufung vor der Potsdamer Straffammer ein. Der Vorschränkte sich aber darauf, daß er von jedem Bewerber 30 bis hende, Landgerichtsdirektor Dr. Helwig, ist ein Spezialist für 40 Mart Vermittlungsgebühr einstedte. Kinderauslagen. Wieviel Unglüd fönnte verhütet werden, wenn Heiratskandidatinnen existierten nur in seiner Phantasie. Wie die Rinderaussagen immer so behandelt würden wie hier. Er baute Kriminalpolizei festgestellt hat, sind ihm mehrere Berliner den jungen Zeuginnen eine Brücke für ihre Aussagen. Zur Polizei- ins Garn gegangen. Aus anderen Städten haben sich bereits Hunfürsorgedame ließ er fie sprechen; die war die Dolmetscherin zwischen derte von Betrogenen gemeldet, auch in Berlin hat der Schwindler Kinderaussagen und Richter. Und was blieb für den Angeklagten licher noch mehr Opfer gefunden als bisher befannt ist. Die weiteren daraufhin übrig? Die geringste zuläffige Strafe von Beschädigten werden ersucht. sich bei Kriminalfommissar Wächter, fechs Monaten Gefängnis bei fünfjähriger Be. 3immer 392a, im Polizeipräsidium zu melden. mährungsfrist. Denn die Aussagen der Kleinen waren für den Angeklagten strafmilbernb. Nicht die Zeuginnen waren die Ber führten, sondern der alte Webermeister war von den Dreizehn- und Bierzehnjährigen verführt worden. Der Generaldirektor unter Betrugsverdacht. Wegen Betruges wurde gestern auf Veranlassung eines Geichädigten der Generaldirektor der Rheinischen Industriewerke A.-G., Siegfried Sas, festgenommen, der in Wirklichkeit ein von der Staatsanwaltschaft gesuchter Stapowter ist. Er soll zahlreiche Personen dadurch geschädigt haben, daß er die ihnen als Sicherheit verpfändeten Waren, meist Bigarren, mehrere Male verpfändet hat. Diefe Lagerscheine waren faft immer auf andere Firmen ausgestellt, wie Hermann Zoch, Schubert u. Co. usw. Gefchädigte werben erfudit, fich bei der Kriminalinspektion C 7 in der Georgenkirchstr. 30a zu melden Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 4. Juni. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 105 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4 Uhr: Märchen, gelesen von Frau Ida Orloff( Jugendvortrag). 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7.45 Uhr: Vortrag im Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure: Technisch- Wissenschaftliches zur Torffrage"( Der Vortrag wird auf den Sender übernommen). 8.30 Uhr: Deutscher Volksliederabend. 1. a) Wer hat dich. du schöner Wald( Volksweise), b) Aus der Jugendzeit, von Radecke( Das Kornettquartett der Berliner Staatsoper). 2. Aus Des Knaben Wunderhorn"( Hannah Zweig, Rezitation). 3. a) Schwäbisches Tanzlied( 18. Jahrh), b) Der Rosengarten( 17. Jahrh., aus Franken), c) Der schwere Traum 17. Jahrb.), d) Ach, wie ist's möglich dann( komp. von Kücken) ( Charlotte Lindemann, von der Berliner Staatsoper). 4. Aus Von rosen ein krentzelein( Hannah Zweig, Rezitation). 5. a) O Täler weit, o Höhen, b) Nach der Heimat möcht' ich wieder, c) Altniederländisches Dankgebet, Volksweisen( Das Kornettquartett der Berliner Staatsoper). " Rauchen auf Jugendwanderungen. Die reichen Ein Führer einer Jugendwanderung hatte in den für seine Wandergruppe reservierten Eisenbahnabteilen geraucht, obwohl diese mit Nichtraucher" bezeichnet waren. Der Zugführer tilligte das Rauchen ausdrücklich mit dem Hinweis darauf, daß für geschlossene Gesellschaften" das Rauchverbot belanglos sei. Auf Grund der Befchwerde eines anderen Wanderführers hat nunmehr die zuständige Reichsbahndirektion die nach§ 18 der EBD. felbstverständliche Entscheidung gefällt, daß in ben mit Nichtraucher" be zeichneten Wagen das Rauchen unter allen um= ständen verboten ist.( Es war daher unzulässig, daß der 3ugführer sich seiner Verpflichtung entzog, dem Rauchverbote Geltung zu verschaffen.") Vom erzieherischen Standpunkt aus bedauerlich ist an diefem Fall weniger die Untenntnis über die bestehenden Ordnungstestimmungen, als vielmehr der Umstand, daß es überhaupt erft des Eingreifens der Behörde bedarf, um Rinder vor der durch das Rauchen ihrer Erzieher bewirtten Gefundh itsschädigung zu schüßen. Mögen Erwachsene, wenn sie unter sich sind, sich anräuchern", soviel fie wollen, in Gegenwart von Kindern zumal in geschlossenen Räumen sollte diefe Unfitte unter allen Umständen unterbleiben. Ebenso wie in unseren Jugendherbergen, fo follte auch in allen anderen von Jugend ichen benutzten Räumen aljo z. B. in Bahnabteilen bas Rauchen grundsäglich unterbleiben. Das ist eine rein gesundheitliche Mindest= forderung. Die Strafanträge im Plößenseer Bestechungsprozek. In dem umfangreichen Strafprozeß gegen fe de Gefäng nisaufieber der Strafanstalt Blößensee und 32 Gefangene wegen Durchftechereien, der seit etwa 2 Wochen das große Schöffen gericht Wedding unter Vorfiz von Landgericht direktor Friedmann befchäftigt, wurde gestern die Beweisaufnahme geichloffen. Staatsanwaltschaftsrat Meineke beantraate. die angeflaaten Gefängmate amten im vollen Umfange der Geblerei und Bestechung schuldig au erklären und sie zu Gefängnisstrafen von 8-80naten zu verurteilen. Auch die angeklagten Gefargenen bielt er der Durchstechereien für überführt und beantragte Strafen von einem Jahr bis zu 2 Monaten Gefängnis. Die Urteilsverkündung wurde bis Freitag ausgefest. Leben und Lurus am Strand. Wie in diesem Sommer die Damenwelt in den feudalen Bädern und Sommerfrischen an der See gekleidet sein wird, wenn fie fich entkleidet hat, um ins Wasser zu gehen, das zeigte an lebenden Modellen die Modenschau, die gestern mittag im großen Lichthof von F. B. Grünfeld in der Leipziger Straße veranstaltet wurde. Ueber eine Stunde zogen die mannigfaltigsten Bademäntel, Kostüme und kostbaren Kleider an den zahlreichen Beschauern und den entzückten Beschauerinnen vorüber, trippelten die Mannequins die breiten Treppen hinunter und präsentierten sich dem Publikum. Da sah man zum Beispiel reich bestickte Strand- Pyjamas mit wunderschönen Höschen, die so geschickt alles umhüllen, daß sie alles zeigen. Breis die Kleinigkeit von 425 Mark. Da wurden als legte Neuheit Badekostüme und Mäntel vorgeführt, die, ebenso wie die Badekappen, mit kleinen Muscheln besezt sind. Besonders aufmerksam gemacht wurde von der Geschäftsleitung auf eigenartige Badeschuhe aus befonders präpariertem Gummi. Eine große und wichtige Rolle werden in diesem Sommer an der See bitte sich das genau zu merfen, um nicht als unmodern aufzufallen! weite Mäntel mit Kragen und Kapuze spielen, sowie große faltige Tücher, die um die Schultern geschlungen werden, und die die 3ofe der Gnädigen reicht, wenn sie aus dem Wasser fommt. Natürlich müssen auch die Kinder die neueste Mode mitmachen, und gestern tänzelten stolz und selbstbewußt die Kleinen vorüber in Pyjamas, eigenartigen Röckchen und Höschen. Gewiß wird man ein wenig fassungs- und verständnislos vor all diesem Lurus stehen und die Sorgen dieser Leute nicht verstehen können, die zur Natur gehen, nicht um sich zu erholen, sondern um die elegantesten und kostbarsten Kostüme zu zeigen. Man wird aber andererseits die hohe Leistungsfähigkeit der Firma Grünfeld nicht unerwähnt lassen dürfen, die es möglich macht, ein Strandkleid, eigenartig in Fasson und Farbe und auf das beste verarbeitet, schon für 20 Mart zu liefern. Während der Vorführung gab es außerdem noch ein Rundfunt- Konzert, das eigens für diese Veranstaltung in Szene gesetzt worden war, und die vielen, eleganten Damen, die gestern zu der Modeschau erschienen waren, und von denen die meisten nicht wissen, wie sie die lästige Langeweile bannen sollen, hatten angenehm die Zeit verbracht. Das Liebesneft in der Badeanstalt. Schon seit längerer Zeit war in Werder das Gerücht verBreitet, daß in der Städtischen Flußbadeanstalt an der Schützen wiese vom Bademeister Badezellen gegen Entgelt an Liebespaare bermietet würden. Eine polizeiliche Razzia hat in der vorletzten Nacht diesem Treiben ein Ende gemacht. Der Bademeister und die Bades meisterin sind ihres Amtes enthoben und die Potsdamer StaatsEine Badeanstalt soll anwaltschaft hat sofort weiteres beranlaßt. ja nun gewiß eine Badeanstalt sein und bleiben, aber man darf boch wohl annehmen, daß die Potsdamer Staatsanwaltschaft wichtigeres zu tun hat, als sich um die Liebeleien der Jung Werderschen zu fümmern. Der Eichenwickler in den Potsdamer Forften. In den herrlichen Eichenwäldern der Potsdamer Forsten treibt der Eichenwidler einen Bernichtungsfeldzug, wie ihn die Forstleute noch nicht erlebt haben. Der Bran hausberg mit seinem Eichendom ist von dem Parafiten tablgefressen. Hier find allein 150 Morgen Eichenbestand von dem Wickler befallen. Die Forstleute stehen dieser Erscheinung machtlos gegenüber. Man hofft, daß, wenn die Raupe sich zum Schmetterling entwidelt hat, ein neuer sogenannter Johannistrieb die Eichen etwas mit frischem Grün bekleiden wird. Zum Attentat auf Direktor Succow, über das wir in Nr. 123 pom 13 März berichteten, macht die Gattin des jetzt verhafteten Ingenieurs Plesner( vgl. Nr. 255 vom 1. Juni) uns die Mitteilung, daß Blehner nie Kommunist gewesen sei, niemals einer fommunisti fchen Partei angehört habe und nicht wegen fommunistischer Umtriebe entlassen worden sei. Er sei zehn Jahre bei der Firma Siemens u. Halste tätig gemejen, am 14. August 1923, eine Woche nach dem Angestelltenstreit bei Giemens u. Halste, gemaßregelt und durch Succow ohne Angabe des Grundes fristlos entlassen worden. Unwahr sei auch, daß Pleßner, der am 12. März den Anschlag auf Succom ausführte, vorher des öfteren und zuletzt am 11. März bei Succow gewesen sei und dort Drohungen ausgestoßen habe, vielDie An= mehr habe er Succom seit August nicht mehr gesehen. gaben, die Frau Pleßner hier richtigstellt, wurden in einer sich auf amtliche Informationen ftüßenden Korrespondenz gemacht. Die Ermittelungen in der Mahlsdorfer Mordangelegenheit haben auch heute noch fein flares Ergebnis über den Hergang und vor allem über den Grund ergeben. Nach den Aussagen Liebeds, uns rückder zweifellos als alleiniger Täter in Frage kommt, foll ein Unglücksfall infolge unvorsichtigen Hantierens mit der Schußwaffe. vorliegen. Die Polizei stellt weitere Ermittelungen an und wird die Sache nach Ablauf der Untersuchung an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Todessturz des Rennfahrers Ebert. Der Radrennfahrer Ebert, der am Sonntag in Magdeburg beim Rennen um das goldene Rad stürzte, ist gestern seinen dabei erlitteren schweren Kopfverlegungen erlegen. Die Dollarnotgeldscheine der Reichseisenbahn gültig. Die von der Reichseisenbahn herausgegebenen, auf Dollar lautenden Notgeldscheine werden vielfach von den GeschäftsTenten in der irrigen Annahme zurückgewiesen, daß dieses Notgeld bereits aufgerufen und daher ungültig sei. Da die Beamten und Angestellten der Reichsbahn ihre Bezüge zum großen Teil mit diesen Geldscheinen bezahlt erhalten, so entstehen durch die Verweis gerung der Annahme für diese Personen wirtschaftliche Schwierigfeiten. Die Ansicht des Publikums, daß der Aufruf des Reichsministers der Finanzen vom 14. Mai 1924 sich auf sämtliches Notgeld der Reichsbahn bezieht, ist unzutreffend. Aufgerufen ist nur das auf Papiermart lautende Notgeld der Reichsbahn; die auf Dollar lautenden Rotscheine der Reichsbahn find dagegen noch jetzt in Gültigkeit und müssen daher im Zahlungsverkehr angenommen werden. Sprech- Chor für die Proletarischen Feierstunden. Donnerstag abend 7, Uhr im Gesangsjaal der Sophienschule, Weinmeiſterſtr. 16/17, Uebungsstunde. Es wird vollzähiges und pünktliches Erscheinen aller Mitglieder erwartet. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Für fommenden Sonnabend, Sonntag und Montag find im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., Karten für das Deutsche Opernhaus zu haben. Furchtbare Tat eines Berginvaliden. In Klostermansfeld bei Eisleben hat sich eine furchtbare Familientragödie zugetragen. Der Berginvalide Karl Schneidewind hat seiner Frau und seinem 1½½jährigen Kinde mit dem Messer die Stehle durchschnitten, wobei er seine beiden 18- bzw. 16jährigen Töchter, die der Mutter helfen wollten, an den Händen schwer verlegte. Darauf tötete er sich selbst und zwar ebenfalls mit dem Rasiermesser. Das Kind war sofort tot, während die Mutter bald darauf starb. Die ältere Tochter mußte ins Krankenhaus übergeführt werden. Das Drama ist auf zerrüttete Familienverhältnisse zurückzuführen. 700 000 m. beim Postichedamt in München unterschlagen. Am Postschecamt in München hat ein Angestellter in Zusammenarbeit mit einem Angestellten einer Firma das Amt um einen größeren Betrag geschädigt. Eine Gefährdung einzelner Postscheckfunden fommt nach Art der Unterschlagung nicht in Frage. Die beim Post: scheckamt München vorgenommenen Unterschlagungen beziffern sich auf 700 000 m. Der Täter fonnte verhaftet werden, ist jedoch wieder freigelassen worden. Die Tat kam dadurch ans Tageslicht, daß der Boftscheckbeamte feinen Romplizen einfach fizen ließ. Aus Rache dafür stellte sich dieser der Polizei und so bekam diese Kenntnis von der Unterschlagung. Ein neuer Flugrekord. Der Münchener Flieger Udet stellte einen neuen Reford mit einem Leichtflugzeug auf. Mit einem mit 3% PS. Douglas motor versehenen Kleinflugzeug fonnte er eine Flugdauer von über zwei Stunden erzielen. Udet gelang es cadurch, den 2000 Marfpreis der wiffenfchaftlichen Vereinigung für Luftfahrt zu gewinnen. Der erfte Passagierdampfer nach Petersburg. Wie die E.- 11. erfährt, wird als erster Passagierdampfer nach Petersburg von Stettin am 7. Juni nachmittags 1 Uhr der Dampfer„ Schlesien" der Neuen Dampferfompagnie abgehen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 9. Kreis Wilmersdorf. Donnerstag, 5. Juni, abends 7% Uhr, Kreisbelegiertenversammlung bei Rohr, Stadtpart, Raiferallee 51/52. Tagesordnung: Referat des Genossen Dr. Löwenstein über die politische Lage. Bericht und Wahl des Kreisvorstandes. 11. Kreis. Alle Genoffinnen, deren Rinder die Schule Rätherstraße befuchen, werden gebeten, ihre Abreffen umgehend dem Genoffen Tschäpe, Golg ftraße 13, Quergebäude Treppe, anzugeben. Arbeiterwohlfahrt, Rinberfreunde und Mitglieder des Kreisvorstandes. Helferversammlung Mittwoch, 4. Juni, 6½ Uhr, im Garten der Genossin Krohne, Rubens, Ede Begasstraße( nicht Schloßbrauerei). Tagesordnung: Erholungsfür. forge in den großen Ferien." 14. Areis Neukölln. im Rarlsgarten. im Karlsgarten. vorstandes. Bildungsausfchuß: Seute, Mittwoch, 7 he, Sigung Heute, Mittwoch, 7% Uhr, Kreisvertreterversammlung Tagesordnung: Geschäftsbericht und Neuwahl des Kreis1. Kreis Mitte. Elternbeirätefißung Donnerstag, 5. Juni, 7½ Uhr, bei Spiegel, Ackerstr. 1. 20. Kreis. Arbeiterwohlfahrt! Rurfus für freiwillige Helfer am Donnerstag, den 5., 12., 19. und 26. Juni, abends 7 Uhr, im Sigungsfaal des Rathauses Reinickendorf- Ost, Hauptstraße. 1. Abend, Donnerstag, 5. Juni, Stadtrat Genosse Hecht: Die Bedeutung der Mitarbeit der Arbeiterwohlfahrt beim Wohlfahrts- und beim Jugendamt." 5. Kreis Friedrichshain. Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh! Freitag, 6. Juni, 7 Uhr, Sigung bei Rosin, Gubener Str. 19. Sämtliche Abteilungsobleute müssen erscheinen. Heute, Mittwoch, den 4. Juni: 25. Abt. Eltern, deren Kinder die 257. Gemeindeschule, Bözowstr. 40, befuchen, geben umgehend ihre Adressen beim Genossen Weniger, Bözowstraße 42, abends von 5-6 Uhr ab. 76. Abt. Dahlem. 8 Uhr Generalversammlung mit Neuwahl des Vorstandes bei Schilling, Königin- Luise- Str. 42. 141. Abt. Rosenthal. 7% Uhr bei Frische, Niederstraße, Funktionärkonferenz. Frauenveranstaltung am Mittwoch, den 4. Juni: 46./47. Abt. 7% Uhr bei Pflug, Muskauer Str. 1. Referentin: Frau Marie Kunert, M. d. L., über ,, Die rechtliche Stellung der Frau". Morgen, Donnerstag, den 5. Juni: 29. Abt. 7% Uhr Sigung aller Funktionäre und Elternbeiräte bei Burg. Die Vorschlagslisten find mitzubringen. 35. Abt. 7% Uhr bei Drelse, Schreinerstr. 18, Gigung fämtlicher Funktionäre, Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte. 37. Abt. 7 Uhr bei Pfeiffer, Sausburgstr. 2, Funktionärkonferenz. Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte müssen erscheinen, Ane 44. Abt. 72 Uhr bei Ewald, Staliger Str. 126, wichtige Sigung aller Funktio näre, Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte. 58. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr Restaurant Baech, Ranteftr. 31, Funktionärfihung. 85. Abt. Tempelhof. 7 Uhr erweiterte Vorstandssitzung in der Linde", Werder, Ecke Friedrich- Karl- Straße. 108. Abt. Köpenid. 7 Uhr Funktionärsizung im Jugendheim, Grünauer Str. 5, Rimmer 1. 20. Bezirk. Kinderfreunde Reinickendorf- West! Eltern- und Freundesabend, 8 Uhr, im Boltshaus, Scharnweberstr. 114. Referat Gen. Hodann: ,, Rirchenmitgliedschaft und sozialistische Erziehung." 51. Abt. Borwärtslefer- Elternbeiratswahl! Alle Interessierten der 11., 17. und 18. Gemeindeschule sofort melden bei Sugol, Nehringste, 9. Für die 27. und 28. Gemeindeschule melden bei Puhl, Haefelerstr. 14. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 51. Abt. Der Genosse Plechati, Haefelerstr. 14a, ist am 30. Mai plöglich verstorben. Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 5. Juni, nachmittags Genossen, erweist dem Toten 3% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. die letzte Ehre. Geschäftliche Mitteilungen. Norge am Rottbuser Damm 87/88. Die bekannte Firma A. Rorge eröffnet am Donnerstag ein vollständig neu eingerichtetes Sport- Spezialgeschäft am Kottbuser Damm. Wir verweisen auf das Inserat in der heutigen Ausgabe. 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Stettiner Sänger Zum Schluß: Ein Musikantentraum 9 Der Zusammenbruch der Papiermarkwährung machte die Autrechterhaltung des regulären Bankgeschäftes im Berichtsjahr fast zur UnmögReichshallen Theater lichkeit. Die den Banken noch zufließenden Gelder hatten in steigendem Maße den Charakter Täglich 8 Uhr: von Durchgangsposten, die eine über wenige Tage hinausgehende Benutzung seitens der Banken nicht mehr zuließen. Das in immer stärkerem Maße aufkommende Notgeld verschiedenster Herkunft war für den Bankverkehr ungeeignet. Von den hieraus herrührenden SchwieDeutschland erwacherigkeiten waren die ohnehin durch die Maßnahmen der Besatzungsbehörden vor fast unlösbare Aufgaben gestellten Filialen im besetzten Gebiet ganz besonders betroffen. Dönhoff- Brettl Als grote Unzuträglichkeit erwies sich die Anf. 7, Sonnt. 5 U. zunehmende, nach Lage der Dinge aber unverGr. Varieté Progr meidliche Unpünktlichkeit im Ueberweisungsverkehr. Das Auseinanderfallen des Termins der Ausführung von Aufträgen und des Eintreffens Geider nötigte die Banken in steigendem Maße Tägl. 8 Uhr: zur Inanspruchnahme ihrer eigenen Mittel, die Elite dadurch in die fortschreitende Geldentwertung hereingezogen wurden. Nachdem eine Erhöhung Sänger der Zins- und Provisionssätze sich gegenüber Vollständig dem rapiden Tempo des Markzusammenbruches neues als ungenügender Schutz erwiesen hatte, schritten die Banken endlich zur Valorisation der gewährten Kredite Es soll nicht verkannt werden, daß mit der Einführung der Valorisation sich für die Kundschaft mannigfache Schwierigkeiten ergaben, ebensowenig wie übersehen werden darf, daß durch diese Maßnahme die Mark als Wertutarmut. Nerven messer endgültig außer Kraft gesetzt wurde. Andrerseits konnte auer nur hierdurch der Spewäche in furzer Zeit kulation gegen die Mark der Hauptantrieb geTheater a. Kottb.Tor der für die Ausführung der Aufträge bestimmten JUNI. Programm Bill. Preise Bleichsucht behoben. Reichels Malzeisen pulver, das befte Rezept. 33 jahr Erfolge. M. 1,50 der Weg geebnet werden, ibl. 3 Dosen M 4,25. nommen, dem Denken und Rechnen in Gold und damit der Umkehr zur soliden Geldwirtschaft In der vorliegenden Bilanz sind die AktivEigene Wertpapiere, In Droq, fonft bet posten: Otto Saalbau Friedrichshain Off Reichel, Berlin 43, früher Brauerei Friedrichshain:: Schönster Garten:: Großter Konzertsaal Berlins 1. u. 2. Pfingst- Große Frühkonzerte:: Spezialitäten feierta: Nachmittag: Große Doppel- Konzerte und Riesen- Spezialitäten Russisches Ballett, Karl Steinitz, Geo Nino v.d.Staatsoper, Die lustigen Neger, Freilicht- Kino ,, Er** usw. 1. Feiertag nachmitta: Volkstag! Auf alien Plätzen 50 Pfennig inkl. 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Sie ist im wesentlichen auf die mit der Inflation verbundene ungeheure Mehrarbeit zurückzuführen, die zur schnellen Vermehrung des Personals und zur Beschaffung der zu seiner Unterbringung erforderlichen Räume zwang. Die Stabilisierung der Währung hat in der Zwischenzeit eine erhebliche Verminderung der Beamten zahl gestattet. Unsere Filialen und Depositenkassen haben mit angemessenem Nutzen gearbeitet. Gleichwohl haben wir es für richtig gehalten, etwa 50 kleinere Geschäftsstellen, die angesichts der veränderten wirtschaftlichen Lage Deutschlands keine entsprechenden Gewinnmöglichkeiten mehr versprachen, zu schließen. Unsere Kommanditen S. Kaufmann& Co. in Beriin und N. V. Hugo Kaufmann& Co.'s Bank in Amsterdam haben sich befriedigend entwickelt. An den auch im vergangenen Jahre zahlreichen Kapitalserhöhungen und Neuemissionen von Aktien uns nahestehender Gesellschaf en waren wir durch rund 350 Konsortialgeschäfte bete ligt. Von den einzelnen Konten erbrachte: das Zinsen-, Wechsel-, Sortenund Zinsscheinkonto das Provisionskonto GM. 9064 158,21 GM. 7 695 476,07 Der nach Abzug der Handlungsunkosten und Steuern sich ergebende rechnerische Ueberschuß wird zum Ausgleich von Substanzverlusten verwendet werden. Der Vorstand Schreiberhau im Riesengebirge Klimatischer Luftkurort- Wintersportplatz 4 Sanatorien- 13 Aerzte- Gerühmtes Kurorchester Kurtheater Wohnungen in jeder Preislage. Auskunft: Kurverwaltung. Was trinken wir? Kühle Limonaden, selbstbereitet aus Reichels Limonaden- Sirup- Extrakten Himbeer, Kirsch. Citronen-, Orangen- Aroma ete. Köstlicher Fruchtgeschmack. Der Kinder liebstes Getränk. Vorzüglich auch als Speisenbeiguß. Eine Flasche ergibt 34, Pfd. Limonadensirup M. 0.75. 1, Flasche M. 0,45. In Drogerien u. Apoth. erhältlich, sonst bei Otto Reichel, Berlin 43, SO., Eisenbahnstr. 4. Man nehme nur Marke Lichtherz, die Qualität verbürgt. 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Bräsident Ballraf eröffnet| fchaften aufgefordert. Lindau, der erst am 25. Mai verhaftet und die Sigung um 3,20 Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Bericht erst einmal verhört worden sei, habe erklärt, strafrechtlich nicht verdes Geschäftsordnungsausschusses über den Antrag auf haft antwortlich zu sein. aber Sie politische Verantwortung zu übernehmen. entlassung der fommunistischen Abgg. Pfeiffer, Lindau( Lebhafter Beifall b. d. Komm.) und Schlecht. Der Ausschuß schlägt vor, den Abgg. Pfeiffer und Lindau die Freilassung zu versagen und den Fall des Abg. Schlecht noch weiter zu prüfen. Abg. Löbe( Soz.) berichtet über die Ausschußverhandlungen. Der Oberreichsanwalt hat gegen die drei Abgeordneten die öffentliche Antiage wegen Hochperrats und wegen des Bersuchs, die Verfassung des Deutschen Reiches gewaltsam ändern zu wollen, erhoben. Die Verhaftung ist erfolgt wenige Tage vor dem Zusammentritt des Reichstages, und zwar wegen dringendem Tatverdacht, Fluchtverdacht und Verdunkelungsgefahr. Die drei Abgeordneten sind Mitglieder der Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands. Diefe habe es fortgefegt unter nommen, die bestehende Staatsform zu gefährden. Der Oberreichs: anwalt stellt in dieser Hinsicht neun Bunfte auf. Erstens sei auf dem Kongreßin Mosta u von dem deutschen Bertreter festgestellt worden, daß der Aufmarschplan der Partei von dem Grund gedanken ausging, daß zunächst das Proletariat in Sachsen bewaffnet werden müffe. Remmele und Ruth Fischer hätten erklärt, der bewaffnete Aufstand dürfe nicht von der Tagesordnung verschwinden. Punkt 2 behandelt die Aufstellung bewaff neter proletarischer Hundertschaften. 3. Auf Beranlassung der Zentrale der Kommunistischen Partei sind in zahlreichen Orten große Waffenlager eingerichtet worden. ( Hört, hört! Lärm b. d. Komm. und Zurufe: Spizelarbeit!) 4. Eine fommunistische Instruktion zur Borbereitung des Aufstandes ist beschlagnahmt worden. Ueber die Tattik bei Zusammenstößen mit der Polizei find Anweisungen gegeben. Mit Polizei besetzte Lastautos sollen möglichst mit Handgranaten angegriffen und erledigt werden. 5. Aus allen Gegenden des Deutschen Reiches find Meldungen über große Spreng stoffdiebstähle durch Kommunisten gemeldet worden. Die Beireffenden haben eingestanden, im Auftrage der KPD. die Diebstähle begangen zu haben. 6. Seitens der Zentrale der KPD. ist die Berseßung der Reichswehr und der Polizei den Angehörigen der KPD. zur Pflicht gemacht worden. Mannschaften und Unteroffiziere von zwei Reichswehrregimentern find den Einflüsterungen erlegen und haben aus den Beständen der Reichswehr Waffen, Munition und Handgranaten an die Rom munisten verkauft. Ferner hat der Oberreichsanwalt festgestellt, daß von der Zentrale der Partei für den Fall eines Kampfes Vortehrungen zur Regelung des Vertebrs und Ernährungswesens getroffen worden sind. Es sind Anweisungen beschlag nahmt worden über die Bildung von sogenannten Entglei fungstolonnen, die die Eisenbahnen sprengen sollten.( Lachen und Lärm b. d. Komm.) Ende 1923 ist seitens der Kommunistischen Bartei eine besondere Gruppe zur Entwaffnung der Schupo gebildet worden. In Mecklenburg und Bommern, so führte der Oberreichsanwalt aus, sei eine sogenannte Bartisanabieilung gebildet worden, um im Fall des Losgehens der großen Aktion ein Chaos herbeizuführen, und zwar mit allen Mitteln, mit Brand, mit Verwendung von Sprengstoffen.( Lachen b. d. Komm.) Beim Reichstagsabgeordneten Stöder ist eine Broschüre zur Tattik der Partei" beschlagnahmt worden, worin es u. a. heißt: Die Kommunistische Partei muß den proletarischen Massen einen fanatischen Haß gegen die Kapitalisten und gegen den bürger lichen Staat einimpfen.( Lebhaftes Sehr richtig! b. d. Komm.) Der Individualterror in Rußland vor einigen Jahrzehnten war der Ausdruck der Ohnmacht der unterdrückten Massen. Attentate auf führende Kapitalisten im jezigen Deutschland sind die Bolift redung des Willens der proletarischen Klaffen."( Sehr gut! b. b. Komm.) An diese Darlegungen des Reichsanwalts schloß sich zunächst eine Geschäftsordnungsdebatte, wie dieses Material im Plenum vorzu tragen und darüber, ob nicht diese einseitige Darstellung erst durch die Bernehmung der Verteidiger Objektivität erhalten solle. Die Anregung, alle Angaben des Reichsanwalts dem Plenum mitzuteilen, wurde wegen Gefährdung der Untersuchung und wegen der Kollusionsgefahr abgelehnt, ber Berichterstatter follte unter Benutzung des Materials einen Auszug vortragen. Die Ber= nehmung der Verteidiger wurde als geschäftsordnungsmäßig unzulässig abgelehnt. In der Dienstag- Sigung erklärte ein fommunistischer Abgeordneter, man habe mit dem Material eine moralische Einwirtung versucht, weil der juristische Zusammenhang der brei Abgeordneten mit allen diesen Dingen nicht nachgewiesen werden konnte. Auch die politischen Morde seien nicht von tommunistischer, sondern von nationalistischer Seite verübt worden.( Gelächter und Lärm bei den Nationalsozialisten.) Wenn die kommunistische Parteileitung für Terroratte einzelner Mitglieder verantwortlich sein solle, wo bleibe da die Berantwortung der Deutschvöltischen für die Taten ihrer einzel nen Anhänger? Eine solche Berantwortung fei nie fonstruiert worden, weder in Parchim, noch anderswo. Die fommunistische Partei habe nach dem Berbot natürlich unterirdisch weitergelebt, und Partei habe nach dem Berbot natürlich unterirdisch weitergelebt, und so sei bei einzelnen Bersonen auch die Stimmung für Gewaltatte geschaffen worden. Für die Beteiligung der drei Abgeordneten an den erwähnten Gewalttaten sei feinerlei Beweis erbracht, auch nicht versucht. Die KPD. habe sich entschieden und offen gegen den Terror gewandt, der jebe Organisation zerstören müsse. Wie tönne man die drei Abgeordneten, die ehrliche Arbeiter feien, mit Typhus- und Cholerabazillen in Berbindung zu bringen wagen? Schlecht sei nur der Leiter des Streits gegen Cuno gewesen. Lindau sei aufs Geratewohl. in Hamburg wegen der neuen Kommunistenheze verhaftet worden. Auch Pfeiffer sei fein Zusammenhang zu dem angeblichen Verbrechen nachgewiesen, er sei noch freiwillig zu Vernehmungen im Polizeipräsidium erschienen. Ein Redner( 03.) führte aus, es sei fein Beweis für die Beteiligung oder Vorbereitung zum Hochperrat gegen die drei Mitglieder geführt worden, Morde und Verfehlung feien ausgegangen von denen, die sich jest Nationalsozialisten nennen. ( Großer Lärm rechts. Rufe: Die Weisen von Zion!) Beim Erzberger und Rathenau- Mord, bei den Attentaten auf Scheidemann und Harden, bei dem Fememord in Parchim, überall sei die Mitwirkung nationalistischer oder völkischer Männer und Organisationen nachgewiesen, aber niemals habe man ihre Zentrale dafür verantwortlich gemacht. Die Mordatmosphäre habe auf der Rechten ihren Ursprung. Der Ausschuß folle deshalb die Immunität nicht aufheben.( Der Präfident ersucht wiederholt die die Tribüne umdrängenden Abgeordneten, ihre Pläge einzunehmen.) Ein weiterer Redner( Soz.) macht geltend, daß die Immunität schon mit dem Tage der Berufung des Reichstags beginnt. Schlecht sei aber erst am Nachmittag des 26. Mai verhaftet worden. Der gegen die drei für ihre Beteiligung an der Zentrale versuchte Indizienbeweis stehe auf sehr schwachen Füßen. Ein Redner des Zentrums protestierte gegen den Borwurf, daß Kommunistenhege getrieben werde; der Staat und feine Autorität müßten geschüßt werden. Der Reichsanwalt habe nur seine Pflicht getan, er habe auch bewiesen, daß die Fäden an einer Stelle zusammenlaufen. Der Reichstag dürfe nicht dulden, daß die Führer aus einer solchen Bewegung einen Freibrief erhalten, während die Verführten in die Gefängnisse wandern. Ein weiter fommunistischer Redner will nicht bestreiten, daß seine Bar tei die Grundlage des Staates gewaltsam ändern wolle; dasselbe wollten aber auch die Nationalsozialisten. Seit Gründung der Kommunistenpartei verwerfe sie den individuellen Terror. Ein Vertreter der Bolkspartei will prüfen, ob das Delift so schwer sei, daß seine Aufklärung und Sühne dem Rechte des Parlaments cuf die Anwesenheit seiner Mitglieder vorgehen. Ein Vertreter der Deutsch nationalen betonte, das vorgelegte Material ſei flar und schlüssig. Ein Vertreter der Demokraten führte aus, daß die kommunistischen Redner nichts von dem Material des OberDer Ausschuß sonderte den Fall Schlecht aus und lehnte für feiffer und Lindau die Haftentlassung und die Einstellung des Strafverfahrens ab.( Rufe: Pfui! bei den Kommunisten.) Abg. Lohmann( Dnat.): Die Tatsache der Eröffnung der Boruntersuchung und des Haftbefehls wegen Hochverrats fann allerdings nicht genügen, um die Freilassung abzulehnen. Es fommt auf die Schwere des Verbrechens an. Außerdem muß die Ueberführung des Verbrechers gesichert erscheinen. Und das ist nach dem fceben gehörten Bericht der Fall.( Unruhe bei den Kommunisten. Gegenrufe rechts: Ihr Bazillenzüchter!) Abg. Koenen( Komm.): Der Reichstag follte sich wirklich mit anderen Dingen beschäftigen als Tag für Tag Kommunisten zu unterdrücken. Dagegen hilft nur die fommunistische Erhebung.( Unruhe rechts.) Schließlich will man auf diese Weise die ganze Opposition erledigen, aber die vier Millionen Kommunisten fann man damit nicht erledigen. Auch Boincaré hat auf Grund gefälschter Dokuniente die 40 französischen fommunistischen Abgeordneten verhaften laffen, und nachher hat er vor dem obersten französischen Gericht eine große Bla. mage erlebt. Dasselbe wird auch hier geschehen. Im Ausschuß hat bereits der Reichsanwalt mit einer wahren Leichenbittermiene feine Ausführungen gemacht. Sodann ist die Ticheta, eine vielföpfige Mordorganisation gegründet worden.( Hu! hu!-Rufe b. d. Komm.) Die bisherigen Erhebungen haben ergeben, daß das Reichsdirektorium, die Zentrale der Kommunisten, während der Zeit des Verbots der Partei im ganzen Reiche eine Tscheta aufgestellt hat, deren Aufgabe es mar, wichtige Personen aus dem Reichs- und Staatsdienft, aus der Induftrie und noch andere Personen, die den hochverräterischen Bereichsanwalts erschüttert hätten und lehnte die Haftenlaffung ab. strebungen der Partei entgegenstehen, sowie Spigel, durch Mord zu beseitigen und dadurch die Erefutingewalt, aber auch die Boltsmassen zu terrorifieren. Die Namen der Personen, die beseitigt werden sollten, wurden durch Bezirtsturiere dem Reichsdirektorium zugesandt, das die Angelegenheit zur Erledigung an den Oberleuter der Reichs- Tscheta weitergab( großer Lärm b. d. Komm.) Erhebliche Gelbmittet wurden zur Verfügung gestellt, die Mitglieder wurden mit falschen Bäffen und sonstigen illegalen Bapieren versehen; ihre Bewaffnung bestand aus Revolvern und zahlreicher Munition, zum Teil Dumbum- Munition, Sprengstoffen, Cholera- und Typhusvazillen. ( Bebhastes hört! hört! b. d. bürgerlichen Parteien, großer Lärm und Lachen b. d. Kommunisten.) Die Gruppe sollte betreiben: 1. die Ermordung des Generals v. Seedt wegen Verbotes der Kommunistischen Partei( großer Lärm b. d. Komm., die vom Präsidenten Wallraf zur Ruhe ermahnt werden mit dem Bemerken, daß ja ihr Redner gleich das Wort erhalten würde). Die Ermordung wurde vorbereitet, aber nicht durchgeführt, weil die Gruppe glaubte, thr Plan fei bekannt geworden; 2. die Ermordung eines Mannes, der den Verkauf von Waffen durch Reichswehrangehörige in Potsdam an die KPD. verraten hat; 3. die Ermordung einer Kommunistin; 4. die Ermordung eines badischen Kommunisten wegen angeblichen Berrats; 5. die Ermordung eines württembergischen Kommunisten; 6. die Ermordung eines württembergischen Kriminaloberwacht meisters; 7. die Ermordung des württembergischen Ministers des Innern. Durch die Festnahme der Gruppe find alle diese Pläne ver. eitelt worden, die vorbereitet waren, die Mitglieder sind verhaftet und viele von ihnen in allen wesentlichen Punkten geständig.( Lebhaftes hört! hört!) Des weiteren ist auf Barteibefehl ein Kommunist, der Friseur Rausch, wegen angeblicher Verräterei ermordet worden. Das gesamte fyftematisch unternommene Verbrechen geht rach Ansicht des Oberreichsawaits auf die Zentrale der KPD. zurüd. Die Zentrale hat die Borbereitungen getroffen und das Unternehmen finanziert. Sie testeht aus fieben Mitgliedern. Der Oberreichsanwalt vertritt den Standpunkt, daß das hoch rerräterische Unternehmen allen Mitgliedern der Zentrale, a'so auch den drei verhafteten Lindau, Pfeiffer und Schlecht zuzuschreiben ist. Es ist ausgeschlossen, daß diese drei als Mitglieder der Zentrale von diesem hochverräterischen Reß, das feit vielen Monaten über das ganze Reich gespannt war, nichts gewußt haben. Als Mitglieder der Zentrale haften alle Mitglieder. Für die Vorbereiter und Anstifter fei eine besonders hohe Strafe zu erwarten. Nach der Ansicht des Oberreichsanwalts liage Verbuntelungsgefahr und Fluchtverdacht vor Im einzelnen wird gegen Schlecht geltend gemacht, er sei Mitglied der Bezir tsleitung Berlin- Brandenburg. Er fei auch Mitglied der Zentrale und hafte für den dort befchloffenen Hoch verrat, sei aber hierzu nicht vernommen worden.-Pfeiffer fei die rechte Hand von Ruth Fischer.( Gelächter und Lärm b. d. Komm.) Er sollte nach außerhalb gehen. sei auch Mitglied des Organisations: fomitees, welches den militärischen und politischen Nachrichtendienst austauen sollte. Auch habe er zur Bildung verbotener HundertUnterbrechung der Sigung. Die Kommunisten haben sich in der Nähe der Rednertribüne zufammengedrängt und begleiten die Ausführungen ihres Redners mit fortwährenden Zurufen. Präsident Wallraf fordert die Präsident Wallraf fordert die tommunistischen Abgeordneten auf, ihre Bläge einzunehmen. Bei den Kommunisten entsteht infolge dieser Aufforderung große Unruhe, der Abg. Remme le ruft, indem er sich etwas zurückbegibt und mit der Fauft auf das Bult der ersten Bant der fommunistischen Sigreihen schlägt: Hier sind ja unfere Bläge!" Da der Lärm bei den Kommunisten sich nicht legt, erinnert Präsident Wallraf an den Ausschlußparagraphen der Geschäftsordnung. Die Kommunisten antworten darauf mit betäubendem Lärm. Abg. Remmele ruft: Unverschämt! Er wird deswegen vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Gleich darauf ruft Abgeordneter Remmele abermals: unverschämt! Präsident Wallraf: Herr Remmele, Sie haben wiederholt die Ordnung des Hauses gröblich gestört. Ich schließe Sie zu nächst von der heutigen Sigung aus.( Großer Lärm bei den Kommunisten.) Der Abg. Remmele folgt der Aufforderung des Bräsidenten nicht, sondern bleibt im Saal. Daraufhin erklärt Präfident Wallraf, daß nunmehr der Ausschluß sich auf länger als achi Sitzungstage erstrecken werde und hebt die Sitzung auf fünf Minuten auf. Mittwoch, 4. Juni 1924 Aus den Reihen der Kommunisten ertönt der Zuruf: Sie olier Nachtwächter! Das kennzeichnet die Situation! Nach Aufhebung der Sigung bilden sich im Saale lints und rechts erregte Gruppen. Die Kommunisten dringen in großen Scharen gegen die Rednertribüne vor, und es entspinnt sich zwischen den Kommunisten und den Gruppen, die sich auf der Rechten gebildet haben, ein heftiges Wortgefecht. Im ganzen Hause herrscht anhaltende große Unruhe. Die Kommunisten bringen schließlich ein dreifache Hoch auf die Kommunistische Partei aus. Die zweite Sigung. verlassen, ist also bei der Eröffnung der zweiten Sigung anwesend. Während der Pause hat der Abg. Remmele den Gaal night Bräsident cllraf eröffnet die Gigung daher mit folgenden Worten: Ich stelle fest, daß der Abg. Remmele sich wiederholt geweigert hat, meinen Anordnungen Folge zu leisten. Somit ist sein Ausschluß nach der Geschäftsordnung auf 20 Sigungstage erfolgt. Ich bitte den Weltestenrat, sofort zusammenzutreten, und hebe die Sigung für heute auf.( Ruf von den Kommunisten: Um Dich von Deinem Vorsiz als unfähig abzusetzen!) ( Schuß gegen 5 Uhr. * * Sihung des Aeltestenrates. Der Weltestenrat des Reichstags trat gleich nach dem Abschiuß der Plenarsizung zusammen, um den Zwischenfall, der zu dem Aus: schluß des Abg. Remmele( Komm.) und zu der Aufhebung der Plenarsizung geführt hatte, zu erörtern. In eingehender Aussprache wurden die Ereignisse in der Plenarsizung durchgesprochen. Die kommunistischen Vertreter nahmen das Berhalten ihres ausgeschlossenen. Parteimitgliedes in Schutz. Im übrigen billigte aber der Aeltestenrat das Verfahren des Präsidenten Wallraf, besonders mit Rücksicht auf die groben Beschimpfungen, die dem Präsidenten aus den kommunistischen Reihen zugerufen worden waren. Die nächst e Blenarsizung wurde auf Mittwoch vormittag 11 Uhr festgelegt. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der unterbrochenen Beratung über die kommunistischen Anträge auf Freilaffung in Haft befindlicher Abgeordneter. Aus den Reichstagsausschüssen. Nach der Geschäftsordnung des Reichstags werden zur Borbereitung der Arbeiten des Reichstags 15 ständige Ausschüsse eingefeßt. Ihre Zusammenlegung erfolgt nach der Stärke der Frattionen. Nach der Stärke der Fraktionen werden auch die Borsigenden dieser Ausschüsse bestimmt. Danach werden in den 15 Ausschüssen fünftig die Borikenden von folgenden Frottionen gestellt werden: Die Deutschnationalen stellen den Borsiz im Haushalts. ausschuß, im polfswirtschaftlichen Ausschuß und im Bildungsausschuß: die Sozialdemokraten im Auswärtgen Aus fchu B, im Steuerausschuß und im leberwachungsausschuß; ausschuß; das Zentrum im Sozialpolitischen Ausschuß und im Ber tehrsausschuß; die Kommunisten im Rechtsausschuß(!) und im Beamtendie Deutsche Boltspartei im Geschäftsordnungsausschuß; Die Nationalsozialisten im Bevölkerungspolitischen Ausschuß(!); Die Demokraten im Wohnungsausschuß; Wirtschaftspartei und Banerische Boltspartei im Ausschuß für Petitionen und Rechnungen. Internationaler Gewerkschaftskongreß. J. St. Wien, 2. Juni.( Eigener Bericht.) Veranstaltungen vorauf. Eine Konferenz der Arbeiterinnen beDem Rongreß gingen am Sonnabend und Sonntag verschiebene schloß nach einem Bericht Edith Macdonalds und nach weiteren Ausführungen von Gertrud Hanna und J. Sassenbach, zu fordern, daß bei dem Bureau in Amsterdam Einrichtungen geschaffen werden zur Förderung der Arbeiterinnenorganisation, ohne doch eine felt. ständige Arbeiterinneninternationale entstehen zu lassen. schloß nach zweitägiger Beratung eine Resolution in der Die Konferenz der internationalen Berufsfekretariate bes es heißt:" Die Konferenz der internaionalen internaionalen Berufssefretarate erklärt, daß als einzige Gewerkschaftsinternationale aller Gewerkschaften ausschließlich der Internationale Gewerkschaftsbund in Amsterdam anerkannt wird. Die Beschlüsse der Konferenz des JGB. und der Internationalen Berufssekretariate vom 9. und 10. November werden als organisatorische Richtlinien anerkannt. Sollten internationale Berufssekretariate in die Notwendigkeit versetzt werden, von diesen Regeln abzuweichen, so sind sie gebeten, sich zuvor mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes oder wenigstens mit einer Konferenz zwischen dem Bureau des JGB. und drei Vertretern der Internationalen Berufsfetretariate in Verbindung zu setzen." Die Tatsache der Zulassung russischer Organisationen ergab 3wistigkeiten, die vorstehende Entschließung zu beseitigen versucht. Am Sonntag abend fand eine große Kundgebung der Wiener Jugend auf dem Rathausplage statt, an der in ein drucksvoller Geschlossenheit auch 2000 Studenten teilnahmen. Ein Fadel zug über die Ringstraße schloß sich an. Im Namen der Erefutive des Internationalen GewertschaftsLundes eröffnete Mertens den Kongreß mit einem Rückblick auf die Entwicklung seit dem Kriege. Das hauptsächlichste Bestreben war, über alle Differenzen hinweg die Einheit der ArbeiterBersailles bringt in seinem Abschnitt 13 zum erstenmal die offibewegung aufrechtzuerhalten. Der Friedensvertrag von 3ielle Anerkennung der sozialen Arbeiterforde. rungen. Insbesondere wurde der Achtstundentag faft überall durchgesetzt. Die schwere Krife feit 1920 benuzten aber die Unternehmer und die Regierungen dazu, die Reformen wieder rückgängig zu machen, die das Ende des Weltkriegs gebracht hatte. Gleichzeitig wurde durch Moskau die Spaltung der Gewerkschaften organisiert und so ihre Widerstandstraft geschmöcht. Die Gewerffchaftsinternationale veranstaltete Unterstütungsaftionen zugunsten der österreichischen, der russischen und der deutschen Arbeiterschaft. Für die letztere allein wurden 500 000 Gulden aufgebracht. Gegenwärtig ist die Arbeiterschaft überall im Gegenstoß gegen die Reaktion begriffen. Die Wahlen in England, Frankreich und Dänemart haben der Arbeiterschaft erfreuliche Erfolge gebracht, die sich hoffentlich auch in anderen Ländern durchsehen werden. Zum Präsidenten des Kongresses wird fodann PurcellEngland gewählt. Namens der österreichischen Gewerkschaften begrüßt Domes den Kongreß. Für die sozialistische Partei Defter reichs sprach Otto Bauer, der eingangs seiner Rede das Atten= tat auf Seipel verurteilt und auf das innige Zusammenarbei ten zwischen der Partei und den Gewerkschaften Desterreichs hinweist. Weitere Begrüßungsansprachen hielten Friedrich Adler für die sozialistische Arbeiterinternationale, Dr. Renner für die ge= nossenschaftliche, Boogd Holland für die Jugendinternationale und Bürgermeister Seiz für die Stadt Wien. Der Kongreß zählt 206 Delegierte und Gäste aus 22 Ländern. Außer den genannten Gästen find auch Karl Kautsky und Albert Thomas anwesend. In der Nachmittagssigung des Kongresses machte Saffenbadh eine Reihe ergänzender Mitteilungen zu dem gedruckt vorliegenden Bericht des Kongresses des Internationalen Bureaus, Alsdann fand eine große Debatte über die Ruffenfrage statt. Bramley, Generalsekretär der englischen Gemertschaften, verlangte die Fortfegung der Verhandlungen. Die russischen Organisationen fordern von den Regierungen die Aufnahme der Beziehungen zu Rußland, weigern sich aber dasselbe zu tun. Bramley verlangt, dem Antrag der russischen Gewertschaftszentrale auf gemeinsame Berhandlungen der französischen Delegation hervorruft. ſtattzugeben. Fimmen unterstützt den Antrag, was Entrüftung bei Graßmann( Deutschland) führt unter großem Beifall der Rongreßmehrheit aus, die deutschen Gewerkschaften hätten den Mapallovertrag trotz ihrer Bedenken gebilligt, aber die Russen hätten nicht aufgehört, den Bernichtungskampf gegen die Gewerkschaften zu führen. Graßmann erinnert an das infame Rezept Lenins, daß List, Schlauheit, illegale Methoden, Berheimlichung der Wahrheit anzuwenden feien, um in die Gewerkschaften einzudringen, und diese der Kommunistischen Partei urterzuordnen. Das kommunistische politische Bureau Deutschlands hat Anweisung gegeben, Reverse zu unterschreiben, aber nicht einzuhalten. Wie wird euch, englische Kameraden? Wir sind bereit, uns mit den Russen zu verständigen in dem Augenblick, wo sie ten Kampf gegen Amsterdam einstellen und Garantien geben zur Anwendung anständiger legaler Methoden und Merträge aufrichtig halten. Ohne solche Sicherheiten müssen wir Verhandlungen ablehnen. Mertens hielt eine scharfe Abrechnung mit Fimmen, der gesagt hatte, die Uneinigkeit sei heut größer als je. Wessen Schuid sei das? Kaum hatte die Transportarbeitererefutive den Beschluß gefaßt, die Beziehungen zu den russischen Gewerkschaften wieder cufzunehmen und die Feindseligkeiten einzustellen, da sei das Abeine Doppelpolitik als Amsterdamer und als Transportarbeiterlehnen wir ab. Wirtschaftish duktions- und Handelsapparat. Wie wenig bisher dart erreicht ist, ersieht man aus der Tatsache, daß im Mai nach privater Statistit. die Zahl der Konkurse noch immer nicht halb so groß war wie vor dem Kriege! Durch die Handhabung der Geschäftsaufsicht wird die Wirtschaftsbereinigung. wie fie der Kapitalismus Eine ges Es gibt noch immer Leute, die glauben, daß ohne eine grund- von sich aus vornehmen muß, künstlich aufgehalten. Dilettanten oder Intriganten? " 1 legende Umschichtung der durch die Inflation verwahrlosten meinwirtschaftliche Neugruppierung der Volkswirtdeutschen Volkswirtschaft eine Wiederherstellung normaler Wirtschaft zu konzentrierter Arbeit mit den leistungsfähigsten Produktionsschaftsverhältnisse möglich ist. Anders läßt es sich nicht erklären, mitteln, wie die Sozialisten sie immer gefordert haben und die mit wenn neuerdings wieder Vorschläge gemacht werden, die auf eine geringen Opfern an Material und Arbeitskraft durchgeführt werden Stüßung des ins Sinten geratenen Preisniveaus durch Erweite fonnte, wurde von denselben Kapitalistenkreisen und ihren Söldrung der Reichsbankkredite an die Privatunternehmer lingen als Margismus" be fämpft. Nun, wo die Krise doch unhinauslaufen. Man scheint sich noch immer nicht der Tatsache be- vermeidlich ist, sucht man sie zu verschleppen; man propagiert wußt zu sein, daß der Apparat der Produktion und der Warenver- die erhöhte Krediterteilung und die Herabsetzung von Steuern, wobe teilung seit der berühmten Flucht in die Sachwerte" in einer Weise natürlich in erster Linie Besitzsteuern gemeint find. Gleichzeitig sucht man mit Hilfe der Rechtsparteien eine rasche Lösung des Repaangewachsen ist, die einen ganz ungeheuren Leerlauf und damit eine ungesunde Steigerung der Produktionstosten ver- rationsproblems und damit die Wiederherstellung der Goldwährung ungesunde Steigerung der Produktionskosten verursachte. Man wird nicht müde, der Arbeiterschaft vorzuwerfen, zu hintertreiben. Es bleibt nur die Frage, ob es Dilettanten, daß sie zur Erhöhung der Gütererzeugung nicht genug tue, obwohl die hier unter Außerachtlassung von Grundfragen in der Wirtschaft herumpfuschen, oder ob es Intriganten sind, die auf 3Zidzad Frankiert mit den Wohlfahrtsbriefmarken wegen doch irgendwie die Inflation wieder herbeiführen möchten, um so die notwendige Wirtschaftsbereinigung zu verhindern. Jedenfalls warnen wir vor einer Wirtschaftspolitik, die nicht nur alle Gefahren einer neuen Inflation heraufbeschwört, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verschleppung der wirtschaftlichen Umſtellung in den Winter hinein nach sich ziehen würde. Denn was es heißen würde, wenn man eine schwere Belastung des Arbeitsmarkies, wie sie bei einer derartigen Umstellung unvermeidlich ist, für die Deutsche Nothilfe"! die Arbeiterschaft weder selbst die Produktionsmittel besikt noch die Macht hat, gegen den Willen der Kapitalisten die notwendigen Umemmen schon von den Russen gebrochen worden. Fimmen habe ſtellungen in Rohstoffgewinnung und warenfabrikation zu billiger Warenerzeugung herbeizuführen. Während man so in der leichtfekretär getrieben. Berhandlungen mit den russischen Gewerkschaften fertigsten Weise einem Teil des Volkes die bittersten Schmähungen Die Debatte über den Antrag des englischen Delegierten Bram- zuteil werden läßt, findet man es selbstverständlich, daß z. B. die len, neuerdings mit den Russen Berhandlungen anzufnüpfen, wur- Bergbauunternehmer ihre Zechen auf einen vollen Monat schließen, den auf morgen vertagt. obwohl die Berechtigung der Bergarbeiterforderungen von unparteiifcher und selbst von intereffierter Seite nicht bestritten werden & apital wird geleugnet, beschönigt und gerechtfertigt; der Kampf tann! Die Sabotage der Warenproduktion durch das der Arbeitnehmer um ihr Existenzrecht dagegen wird in Grund und Boden verdammt. in der kalten Jahreszeit zuläßt, anstatt bis dahin die Wirtschaft das sich bereits wieder auf den aufsteigenden Ast zu bringen auszumalen bedarf es wirklich keines großen Vorstellungsvermögens. Die dann unvermeidlichen Folgen kann nur der wollen, der den sozialen Ruin und die Schwächung der deutschen Volkskraft will.. Volle Zuteilung am Devisenmarkt. An der geftrigen Berliner Börse konnte zum ersten Male seit langer Zeit die gesamte Nachfrage nach Devisen voll be= friedigt werden. Schon an den vorangegangenen Tagen waren Zuteilungen nur noch bei Auszahlung New York notwendig gewesen. Eine weitere Erhöhung des Angebots bei gleichzeitigem Rückgang der Nachfrage nach fremden Werten versetzte die Reichsbank jeht in die Lage, auf eine Beschränkung der Zuteilungen zu verzichten. Damit haben wir wieder einen echt en Markturs, zu dem der Devisenbedarf der Wirtschaft in Deutschland gedeckt werden kann. Diese erfreuliche Entwicklung ist ein Erfolg der Politik des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der damit in feinem Kampfe gegen die Rentenmartinflation Sieger geblieben ist und durch sein starkes Eintreten für die Beschaffung von Auslandskrediten durch die Golddiskontbant eine wesentliche Entlastung des deutschen Devisenmarktes bewirkt hat. J. St. Wien, 3. Juni.( Eig. Drahtbericht.) In der Dienstagsigung wurde zunächst die Debatte über den Tätigkeitsbericht und über den Antrag Bromley zu Ende geführt. Die Dänen und Franzosen sprachen sich gegen Berhandlungen init den Russen aus, während ein englischer Delegierter nochmals den englischen Standpunkt verteidigte. Sodann wurde Bericht über die Statutenänderungen erstattet. Zu den folgenden Kommissionsberatungen werden auch einige internationale Berufssekretäre beigezogen. In der Nachmittagsfizung referierte Du de geeft über die internationale Sozialgefeggebuig. Der Vertreter der Privatangestellten wünschte, daß auch über die Frage des Angestellten= rechts verhandelt wird. Bromley erklärte im Namen der Engländer, daß das Programm von Dudegeeft nur als mäßige Abschlags= zahlung angesehen werde und in der Kommiffion Ergänzungsvor schläge ausgearbeitet werden müßten. Die Frage wird schließlich der Kommission überwiesen. Ohne Debatte gehen an die Kommission Bunft 7( Stellung des JGB in der internationalen Arbeiterbewegung) und Bunft 8( Krieg und Milita rismus) der Tagesordnung. Der italienische Delegierte D'Aragona wendet sich dagegen, daß auch der Generalstreit gegen den Krieg unter den gedruckten Vorschlägen des Referenten enthalten ist. Er stehe dem Generalstreit skeptisch gegenüber und vertrete die Ansicht, daß Aufklärungspropaganda gegen den Krieg und besonders die Ergreifung der staatlichen Machtmittel durch die Sozialdemokratie die beste Garantie gegen die Kriegsgefahr ist. Sodann berichtete Merten Belgien über den Kampf um den Achtstundentag. Er legte dar, daß die Einwände der Unter nehmer gegen den Achtstundentag, namentlich die Behauptung, daß der Achtstundentag die Produktion verringere, unrichtig ist. Die Berringerung der Produktion liege nicht am Achtstundentag, sondern daran, daß im Kriege der Produktionsapparat zugrunde gerichtet wurde und nach dem Kriege teine modernen Produktionsmethoden eingeführt wurden, sondern die Unternehmer die Arbeiter nach altem Verfahren weiterhin als Arbeitsiklaven ausbeuten wollen. Der Achiffundentag müsse international mit allen Machtmitteln veron teidigt werden und in der Kommission müßten die besten Mittel dazu mi beraten werden. In der Debatte sprach Beno 33i- Italien und erklärt, die Italien er würden, obwohl sie mit den größten Schwie erhalten. Darauf gehen die Anträge zur Frage des Achtstundentages inflation aufs neue die Segnungen der künstlichen Warenver- allgemeine Unsicherheit der Wirtschaft hin. Kapitaimangel und Dieser Auffassung, die eine Rücksicht auf Staat und Bolt nicht tennt, sondern nur die Profitinteressen des Kapitalbefizers im Auge hat, entspricht es durchaus, wenn seit einiger Zeit die Berliner Börsenzeitung" die Entdeckung gemacht haben will, das Reich er. hebe zuviel Steuern, entziehe dadurch der Volkswirtschaft Betriebsmittel und Kredite, zerstöre so die Wirtschaft und damit auch die Grundlagen der Währung. Es ist ganz merkwürdig, daß diese Behauptungen zu einem Zeitpunkt ausgesprochen werden, wo die zunehmende Erleichterung des Devisenmarktes den schlagenden Beweis erbringt, daß nur durch scharfe Anspannung der Steuerschraube und durch die Kreditbeschränkungen der Reichsbank der durch spekulative Machenschaften des Privatkapitals bereits schwer in Mitleidenschaft gezogene Martkurs gehalten werden konnte. Gestern konnte der Dollar in Berlin voll zugeteilt werden gegen 50 Proz. am Montag und 10 Proz. am Sonnabend. Der Wert der Aufgabe der Reichsregierung wird es nun sein, die vorsichtige Mark an der Berliner Börse stimmt heute fast genau überein Kreditpolitik der Reichsbank ihrerseits zu unterstügen, die im Ausland für Dollar mit den Kursen, die mani in künstlichen Hemmungen im Kredit- und Barenverkehr, die Mark anlegen muß. Wir sind endlich auf dem Wege zu einem Mark anlegen muß. Wir sind endlich auf dem Wege zu einem durch die Geschäftsaufsichtsverordnung entstanden sind, zu beseitigen echten Martturs. Die Markbewertung, die wir noch vor einem und dafür zu sorgen, daß die Valutarisikozuschläge auf die WarenMonat in Berlin hatten, war in Wirklichkeit doch nur eine Fifpreise, in Wegfall kommen. Wir brauchen einen Preisabbau, tion, eine notwendige Selbsttäuschung. Denn was der das Gleichgewicht von Produktion und Konsumkraft des Volkes nutie es dem Kaufmann in der Praxis, wenn er hörte, wiederherstellt. rigfeiten zu kämpfen hätten, alles tun, um den Achtstundentag zu an die Kommissionen. Am Mittwoch tagen nur die Kammissionen. Am Donnerstagbormittag sollen die Kommissionen über ihre Beratungen berichten und die von ihnen gefaßten Beschlüsse dem Kongreß vorlegen. Für Donnerstagnachmittag um vier Uhr ist der Kongreß zu Bürger meister Seit geladen. Abends ist eine große Demonftration der Wiener Arbeiter geplant, die vor dem Parlamentsgebäude an den Delegierten des Kongresses vorbeiziehen werden. Der Grandel- Prozeß. Das Plaidoyer des Staatsanwaltschaftsrats. Staatsanwaltschaftsrat Burchardi ging bei der Beurteilung Der Frage, ob Tettenborn, Köpfe und Gilbert zu vereidigen seien, von der Beurteilung ihrer Mitschuld aus. Die Verabredung bedeutet rechtlich einen bindenden Vertrag, bei dem es auf das innerliche Bollen oder Nichtwollen nicht antommt. Es kommt nicht einmal bei einer Verabredung darauf an, daß das Ziel erreicht wird. Diefer Prozeß wird den Obersten Gerichtshof beschäftigen, denn er wirft die Frage auf: Sind auch die schuldig, die eine Verabredung eingehen, ohne den Mord zu wollen. Der§ 83 und 49 A, der hier in Frage steht, ist nach dem Republikichuzgesetz entstanden, zu einer Beit, als die politische Atmosphäre mit Morden geschwängert war und Zeiten, in denen Morde nicht spontan, sondern von langer Hand entstanden.§ 49 A, der Aufforderung zum Mord, als noch feine Verlegung des Rechtes darstellt, entstand 1873, als Duchesne sich dem Erzbischof von Belgien gegenüber erbot, Bismard gegen Zahlung von 40 000 Frank zu ermorden. Damals wurde der Duchesne- Paragraph geschaffen, der besagt, daß die Aufforderung zum Mord strafbar ist, auch wenn die Aufforderung nicht ernst gemeint war. Der zum Mord Auffordernde ist so strafbar, wie der fich Verabredende. Für die Verabredung zum Mord ist es auch gleichgültig, wer den Mord ausführen foll. Tettenborn und Köpfe haben ihre intenfiofte Mitarbeit zugesichert, ebenso Thormann. Auch Grandel hat attio mitgemirft, indem er Mittel zur Verfügung stellte und auf Röpte einwirkte. Jeder der vier wollte zur Erreichung des Mordes tätig werden. Straffrei bleibt jedoch, der Behörden von der Tat rechtzeitig Mitteilung macht. Aber das Gesetz verlangt, daß un= vereidigt bleibt, der als Teilnehmer der Tat verdächtig ist, oder mie hier, an der Tat teilgenommen hat. Auch Gilbert, als möglicher Gehilfe, muß unbeeidigt bleiben. Es besteht allerdings noch eine andere Rechtsauffassung. Der Oberreichsanwalt Ebermeyer steht auf dem Standpunti, daß die Verabredung mit einem agent provocateur feine Berabredung ist. Dann bleibt aber immer noch die Berabredung zwischen Thormann und Grandel, die innerlich die Tat wollten. Dann scheiden Teffenborn, Gilbert und Köpke als Mittäter aus und sind nicht zu vereidigen. Die Angeflapten sind schuldig und ihre Bestrafung bedeutet eine wirkliche Bekämpfung des Spigeltums. Rechtsanwalt Bloch vertrat die Anficht, daß die Verhandlung, die in bodenlose Tiefen des innerpolitischen Lebens habe bliden laffen, teine Klarheit gebracht habe und bat dann, sämtliche 3eugen zu vereidigen, da strafprozessuale Bedenken dem nicht entgegenständen. Er fete fich besonders für die Bereidigung des Juftigrats Claß ein. Hierauf mußte die Verhandlung, da der Angeflagte Dr. Grandel nicht mehr folgen tonnte, auf Mittwoch früh, 9 Uhr, vertagt werden. daß der Dollar 4,20 Billionen Mark tostete, ihn jedoch dafür nicht bekam, sondern gerade ein Hundertstel des Bedarfes erstehen konnte? Jezt, nach Monaten zähen Kampfes zwischen Reichsbank und Privatinteressenten, scheint es endlich, daß dieser ungesunde Zustand überwunden ist und daß auf diesem Teilgebiete der Wirtschaft die gefähr lichen Bücherungen ausgemerzt werden können. Da kommt ein Blatt, dessen Leitartikler mit den Hitler- Leuten liebäugelt und am Margistenkoller leidet, stellt sich schützend vor bankerotte Schieber, Devisen- und Warenspekulanten und will durch eine Kreditteuerung über die breiten Massen heraufbeschwören. Die Ausführungen des Börsenblattes wären ohne Belang, wenn man nicht wüßte, daß das Reichswirtschaftsministerium derlei Gedankengängen ein geneigtes Ohr schenkt und sich mit der Absicht trägt, auf eine Lockerung der Kreditschraube hinzuwirken. Es muß einmal mit aller Det ichkeit ausgesprochen werden, daß mit den moralifierenden Appellen des Herrn Hamm an die Sparfam keit derer, die nichts haben, und mit salbungsvollen Aufrufen an die Inflationsgewinnler in Industrie und Handel für die notwendige Umstellung der Wirtschaft nichts getan ist. Wir brauchen eine intensive und billige Barenproduktion, wir brauchen eine Erhöhung der Kaufkraft der Löhne, wir brauchen auch eine Herauffezung der Nominallöhne, sonst tann der Inlandsmarkt nicht aufnahmefähig werden. Ohne einen aufnahmefähigen Inlandsmarkt ist aber selbst nach Bereinigung der Wirtschaft von den überflüssigen Elementen, die nicht arbeiten und doch leben, ein Export nicht oder nur schwer möglich, weil sonst der Pro duktionsapparat zu wenig ausgenugt wird, um billig genug arbeiten zu können. Unerläßliche Vorbedingung für eine solche rationelle Gestaltung der Wirtschaft ist aber die Ausschaltung der faulen Elemente aus dem aufgeblähten ProPreisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Weizengrieß Hartgrieß Maisgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, I erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr. Pilaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 * Zentner frei Haus Berlin. 15,00 16,50 Malzkaffee, gepackt 22,00-24,00 15,00-15,75 Röstgetreide, lose 16,50-18,00 14,50-15,25 Kakao, fettarm 100,00-115,00 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt 115,00-130,00 11,00-12,50 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 16,75-18,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 21,50-25,25 In landszucker basis mel. 35,00- 37,50 Inlandszucker Raffinade 38,00- 40,50 13,00-14,50 Zucker Würfel 43,00-45,00 15,00 21,00 Kunsthonig 28,00-32,00 15,50 18,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00- 45,00 10,75-13,75 Speisesirup dunk. in Eim. 26,50- 30,50 20,50-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 95,00-110,00 27,00-30,50 Marmelade Vierfrucht, 35,00-42,50 21,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 38,00-42,00 31,00-37,50 Steinsalz, lose.. 3,10- 3,70 39,00-46,00 Siedesalz, lose 4,00 4,70 18,75 21,00 Bratenschmalz in Tierces 63,00- 64,00 37,00 43,00 Bratenschmalz in Kübeln 64,50- 65,50 34,00-36,00 Purelard in Tierces 61,50-62,50 17,00-20,50 Purelard in Kisten 61,50-63,00 14,25-16,00 Speisetalg in Packung 16,25-18,00 Speisetalg in Kübeln 23,50- 31,00 Margarine, Handelsm. I 30,00-36,00 desgi. II. 82,00 86,00 Margarine, Spezialm. I. 42,00-45,00 desgl. 11 50,00 55,00 Margarine III 50,00-52,00 48,00-50,00 58,00 52,00-55,00 76,00 61,00-65,00 68,00 72,00 Molkereibutter i. Fässern 174,00-182,00 Rosinen in Kisten, Candia 70,00-82,00 Molkerei butter in Pack. 180,00-188,00 Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari, Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer. Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer 140,00-145,00 72,00 90,00| Landbutter 72,00-78,00 Auslandbutter in Fässern 179,00-185,00 145,00-1: 5,00 Auslandbutter in Packg 185,00-190,00 135,00-150.00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36.00 Der Berliner Arbeitsmarkt. Das Landesarbeitsamt Berlin berichtet über die Lage des Arbeitsmarktes: In der Arbeitsmartilage macht sich im allgemeinen ein Sinfen des Beschäftigungsgrades bemerkbar, was be sonders in dem Rückgang der offenen Stellen in Erscheinung tritt. Weiterhin ist zu bemerken, daß Aushilfsstellen weit mehr als bisher in letzter Zeit in Auftrag gegeben werden. Dieses deutet auf eine Kreditnot, sowie der jezige Zinsjah dürften im wesentlichen zur Verschlechterung der Arbeitsmartilage beigetragen haben. Als Folgeerscheinung sind wieder Kurzarbeit und Betriebs= einschränkungen zu verzeichnen, daneben auch Kündigungen von Angestellten und technischen Kräften. Zu dem Holz= gewerbe, in welchem bereits früher eine rückläufige Bewegung bestand, tritt nunmehr in dieser Hinsicht auch die Metallindustrie. Auch in der Gruppe ungelernte Arbeit hat sich der Arbeitsmarkt ungünstig gestaltet. Obwohl diese allgemeinen Vorauslegungen der Wirtschaft auch für den Baumarkt zutreffend sind, ist hier im Gegensatz zu anderen Berufen eine Belebung eingetreten. Dieses liegt jedoch daran, daß infolge der jetzt beende ten Wirtschaftsfämpfe der Hauptberufe im Baugewerbe, die zurückgestellien Aufträge erledigt werden. Erstmalig ist auch wieder ein Steigen der Ziffern der Arbeitsuchenden zu verzeichnen. Es waren 84 914 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen gegen 84 707 der Vorwoche. Darunter befanden sich 61 284( 61 078) männliche und 23 630( 23 629) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 19 675( 21 040) männliche und 2569( 2929) gemeinnüßigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 1497 gegen weibliche, insgesamt 22 244( 23 969) Personen. Die Zahl der zu 1664 der Borwoche. Die Kartoffelernte der Welt. Nach Mitteilung des Juternationalen Landwirtschaftsinstituts in Rom beträgt die Kartoffelernte in den wichtigsten Ländern: Ertrag Auf Kopf der Bevölkerung Deutschland Dänemark Großbritannien Frankreich Italien in 1000 Tonnen 1922 1923 in Doppelzentner 1922 1923 40 665 32 580 6,79 5,25 11 340 1240 4,40 3,79 5286 . 3.633 1,07 0,74 12 646 . 9534 3,35 2,43 1 461 1796 Lettland 575 578 4,19 3,62 Holland 3718 2 352 4,95 3,43 Desterreich Polen Tschechei 1398 1 290 1,76 2,01 33 219 26 494 11,47 9,75 9 069 6224 6,67 4,57 Ungarn 1320 1716 1,16 2,16 Kanada 2529 2560 3,09 2,91 Nordamerika 12 340 11 224 1,16 1,06 Fast in allen Ländern war die Ernte geringer als 1922, 11. a. in Deutschland und Polen( Hauptproduktionsländer) um 20, in den Bereinigten Staaten um 9 und in Frankreich um 25 Broz. Die Anbaufläche vergrößerte fich in Deutschland( 1923 2 727 000 Heltar) um 0,2 und in Polen( 1923= 2279 000 Hektar) um 4 Proz. 46,00-49.00 Zur Krije in der Textilindustrie entnehmen wir den Berichten der preußischen Handelskammern über die Lage im Monat Mai folgende Ausführungen: Die großen Schwierigkeiten auf dem Geldmarkt haben auch die Wolle star? beeinflußt. Allgemein macht sich das Bestreben geltend, nur für den dringendsten Bedarf einzukaufen, und da dieses Deckungsbedürfnis gegenwärtig recht flein ist, so ist int Wollhandel ein fast vollständiger Stillstand eingetreten. Die 105,00-115,00 Streichgarnspinnereien waren zwar noch einigermaßen beschäftigt. Neue Aufträge geben aber nur in geringem Umfange ein. dieser Lege und tro; des Sintens für wichtige Rohmaterialien auf dem Weltmarkt find die Preise für Fertigwaren noch immer 22,00-35,00 35,00-50,00 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00- 72,00 115,00-120,00 Quadratkäse 95,00-105,00 Quarkkäse 125,00-130,00 Tilsiter Käse. vollfett 18,00-215.00 Ausl. ungezuck.Condensmilch 48:16 230,30-280,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Ini. gez. Condensm. 48/14 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden, Rohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika220.00-285.00 Röstkaffee Brasil. 20,75-23.50 17,00-18,00 26,00-27,00 Tro der Hannoversche Provinziallandtag hat sich ebenso wie der Ober im Steigen begriffen. Aufträge auf Winterware, die im Auguft Neue Aufgaben der Gemeinden. präfident, Genoſſe Roste, für die Zuſammenlegung ausgesprochen. und September zu liefern ist, gehen seitens der Kleinhändler in befriedigendem Umfange ein. Auch im Baumwollgroßhandel wich die lebhafte Nachfrage einer größeren Zurückhaltung der Käufer. Der Absatz im Einzelhandel ist wenig befriedigend. Viele Firmen, vorzugsweise Konfektionsfirmen, die in den letzten Moraten Lieferungsaufträge bis in den August hinein erteilt hatten, zeigen das Bestreben, sich unter Hinweis aut die völlig veränderte Lage ihren Abnahmeverpflichtungen zu entziehen. Diesem Begehren kann natürlich nicht stattgegeben werden, denn der Großhandel hat sich auf Grund der ihm erteilten Aufträge ebenfalls auf lange Zeit hinaus eingedeckt und ist seinerseits an die Hereinnahme der Ware gebunden. Indessen wird die schwierige Lage der großen Mehrzahl der Abnehmer nicht verkannt und man kommt ihnen insofern entgegen, als man die ursprünglich festgelegten Liefertermine nach Möglichkeit hinausschiebt. Die Baumwoll- und Wollwebereien des Gladbacher Bezirks haben in sehr vielen Fällen keine 3ahlungen für gelieferte Waren bekommen oder Annullierungen der Aufträge erfahren. Die Betriebseinschränkungen sind daher bei ihnen schon ziemlich stark geworden. Auch die Betriebe der Konfektionsindustrie müssen zum Teil schon eingeschränkt arbeiten oder sogar stillgelegt werden, falls sich die Verhältnisse nicht bald ändern. Aufträge sind bei den meisten Firmen vorhanden. Ihre Ausführung stößt nur infolge der Kreditnot auf große Schwierig feiten. Das besetzte Gebiet leidet noch besonders unter der Abschnürung von dem unbesetzten Deutschland. Devifennotierungen sollen nach einem Beschluß des Börsen borstandes von jezt ab am Sonnabend nicht mehr erfolgen. Umgruppierung im Sinnes- Konzern. In der ordentlichen Generalversammlung der Deutsch- Luxemburg- Gesellschaft legte Generaldirektor Albert Vögler sein Amt als Vorstandsmitglied nieder. Er wurde mit Edmund Stinnes in den Aufsichtsrat ge wählt. Beweggründe für diesen Schritt gibt die Gesellschaft, die einen dividendenlosen Abschluß aufweist, nicht an. Man bringt ihn jedoch allgemein mit einer größeren Umgruppierung im Stinnes Konzern in Zusammenhang. = Tagung des Vereins für Kommunalpolitik. Langsam entwinden sich die deutschen Städte und Gemeinden der Net der Inflationszeit. Der Druck täglicher Unsicherheit tritt zurück, und die größeren Probleme kommender neuer Aufgaben tauchen auf. So kann man es als ein Symptom bezeichnen, daß der Verein für Kommunalpolitik auf seiner diesjährigen Tagung an die Spige em Referat über die künftige deutsche Wirtschaftspolitik und die Sellung der Gemeinden dazu" stellte. Man braucht gewiß nicht den Einzelheiten des volksparteilichen Reichstagsabgeordneten Most zuzustimmen, in den Grundzügen ist es zweifellos richtig, daß die Gemeinden als kulturelle und soziale Mittelpunkte unseres öffent lichen Lebens, wie als Wirtschaftsfaktoren bei zielbewußter Führung in der Lage und berufen sind, einen starken Einfluß auf die notwendige Steigerung der deutschen Produktion auszuüben. Most tie Städte sich um einen möglichst größten Anteil an der vorhandenen Produktion rauften. Heute sei es Aufgabe und Pflicht, mit aller Energie die Steigerung der Produktion, die Pflege der industriellen Entwicklung, namentlich der verfeinernden Exportindustrie, zu be= treiben, da ohne solche Steigerung die Reparationslaften nicht zu zahlen seten. Most behandelte eingehend cas Sachverständigengutachten, für dessen Annahme er plädierte, ohne es direkt auszusprechen. Die Aussichten eines neuen Finanzausgleichs sind jedenfalls einstDurchführung der Steuergesetze ab, die zur Durchführung des Sachweilen noch ganz ungewiß und hängen wesentlich von der Art der verständigengutachtens geschaffen werden müssen. Dabei werden die Gemeinden um eine gesunde finanzielle Grundlage ihrer Arbeit noch schwer zu ringen haben. An Einzelheiten war es von Intereffe, daß der volksparteiliche Referent die Entkommunalisierungsbestrebungen seiner Freunde rundweg ablehnte. Werke, Vertehrsunternehmungen usw. gehören auch nach ihm in die Hände der Kommunen. Er empfahl Betätigung auf dem Gebiete des Marktund Messewefens. Noch sind freilich die Nachwehen der Inflationserschütterung viel zu spürbar, es wird noch einige Zeit vergehen, bis der Kurs der deutschen Städte sich wieder mit Energie und Zielbewußtsein neuen Aufgaben zuwendet. Inzwischen beginnt aber, vorläufig noch im stillen und hinter den Kulissen, eine Gegenbewegung, die von den Handels- und Industriekreisen der beiden Städte geschürt wird. Sie wollen eine Trennung von Lehe und Geeftemünde von Preußen und eine Vereinigung mit dem bremischen Bremerhaven. Obwohl es sich also um eine Loslösung aus der Provinz Hannover handelt, unterstützen dennoch die Welfen diese Bewegung, da es gegen das von ihnen verhaßte Preußen geht. Die Bürgerlichen eint bei ihrem Bestreben der Haß gegen die Sozialdemokratie, die in Lehe und Geeftemünde die Mehrheit in den Stadtparlamenten besitzt. Die Vorarbeiten der bürgerlichen Quertreiber sind bereits so weit gediehen, daß in nächster Zeit ein Antrag an die preußische Regierung gerichtet werden wird, über die Neuschaffung der Gemeinde Wesermünde eine Bolksabstimmung durchzuführen. Außerdem soll in Lehe eine Die 5000 Unterschriften, die Voraussetzung für eine Volksabstimmung sind, haben die Gegner von Wesermünde bereits zusammengebracht. Entgegen den Beschlüssen der in Frage kommenden Gemeinde- und Brovinzialparlamente planen die Bürgerlichen, geführt von der Wirtschaftspartei, eine Ueberrumpelung des Volkes bzw. der Regierung. Sie haben daher ihre Vorbereitungen bisher ganz heimlich getroffen. Bolksabstimmung stattfinden über den Anschluß an Bremerhaven. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! 7./8. Juni Bezirkstreffen in Brandenburg a. d. H. Einweihung des Landheims. Die Anmeldungen müssen nunmehr endgültig bis spätestens Mittwoch, den 3. Juni, im Jugendsekretariat abgegeben sein. Für den Sammelsonntag, am 15. Juni müssen sofort von allen Abteilungen die Namen der Jugendgenossen, welche sich an der Sammlung beteiligen, dem Jugendsekretariat mitgeteilt werden. Näheres siehe Rundschreiben Nrn. 5 und 6. Achtung, Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft! Die Arbeitsgemeinschaft findet diesen Mittwoch nicht mehr in der Lindenstraße, sondern im Kinderhort, Blumenstr. 77, Hof rechts, statt. Pünktliches Erscheinen ist erforderlich, da das Haus um 8 Uhr geschlossen wird. Abteilungsmitgliederversammlungen: Ein Referat des Kieler Stadtrats Hahn über die WohnungsLandwirtschaftskredite. Die für Auswinterungsschäden not in den europäischen Großstädten" zeigte das dem Fachder Landwirtschaft zur Verfügung gestellten Kredite in Höhe von mann, nur nicht den Temagogen der bürgerlichen Parteien längst 20 Millionen Goldmark sind, wie wir hören. bereits erschöpft, bekannte Bild: die Wohnungsnot ist eine europäische Erschei= Nach einer Meldung des„ B. T." hat die Rentenbank einen nung. Ohne Mieterichuh kommt kein Land aus. WohnungsneuKredit von 30 Millionen Rentenmart zugesagt zur Ausbau erfolgt nur durch staatliche Unterstützung, weder Friedensführung von Meliorationen und Kultivierungen miete, noch selbst 2% fache Mieten würden genügen, um neuen Wohnunter der Voraussetzung, daß auch das Reichsarbeitsministerium raum zu schaffen. In der Versammlung ausschließlich bürgereinen gleichen Betrag bereitstellt. Da das letztere das noch nicht licher Fachmänner erhob sich nicht eine Stimme gegen diese Feststraße 14a. Lindenhof: Schule, Lindenbof. Luisenstadt: Schule, Stallgetan hat, ist die Aktion ins Stocken geraten. stellungen, Heute, Mittwoch, den 4. Juni, abends 7 Uhr: Faltenberg- Alt- Glienice: Am Falkenberg 17. Friedrichshagen: Scharnweberstr. 105. Bankwig: Schule I, Schiffer. Lichtenberg- Mitte: Jugendheim, Dossestr. 22. Reu Lichtenberg- Nord: Jugendheim, Parkoue 10. Lichtenberg: Mittelschule, Marktstr. 10/12. Lichterfelde: Jugendheim, Albrechtschreiberstr. 54. Nicberschöneweide: Schule, Berliner Str. 31. Often B.- B.: Schule, Tilsiter Str. 4/5. Südosten R.- B.: Schule. Glogauer Str. 15. Tempelhof: Luzeum, Germaniaftr. 4/6. Gesundbrunnen II: Schule, Bant, Ecke Wiesenstraße. Kreis- Bortrag: Einführung in die Kunstgeschichte." Ferienanmeldungen für das Landheim am Quenzsee werden täglich von 9 bis 5 Uhr, Mittwochs und Freitags von 97 Uhr, im Jugendsekrétariat entgegengenommen. Breis täglich 1,20 M. Arbeitersport. Arbeitersport- und Kulturkartell, 6. Bezirk. Achtung, Bezirkszum Reichs- Arbeitersporttag Mittwochs und Freitags beim Sportgenossen Küftner, Berlin, Gneisenaustr. 25, Stflg. I. p., ab 5 Uhr abholen. Die Abrechnung und Rückgabe der Restkarten muß bis Freitag, 20. Juni, dort erfolgt Gegen die Einschränkung der Selbstverwaltung wandte sich ein Kreditverhandlungen der Kaliindustrie mit dem Ausland. Zwischen der Deutschen Saliindustrie schweben Verhandlungen mit nicht sehr flares Referat des Ministerialzats Moll. Die Debatte dem amerikanischen Bankhaus James Warburg, dessen Vertreter beschäftigte sich bedauerlicherweise in erster Linie mit den Kompetenzin Berlin eingetroffen sind. Es sollen 6 Millionen Dollar ftreitigkeiten innerhalb der einzelnen Selbstverwaltungsförper. Gegen bereitgestellt werden, um das stacke Anwachsen der sozialen und wirtschaftlichen Betätigung die Lieferung deutschen Kalis nach Amerifa zu ermöglichen. Gleichzeitig sind Verhandlungen mit der Kreise wandten sich namentlich Gemeindeverireter. Ihnen trai dem holländischen Zentralverband der Lander Ministerialdirektor Mulert entgegen, der auf die wirtschaftliche wirte im Gange, die für den gleichen Zwed durch die Needer- Bedingtheit dieser Entwicklung hinwies. Er teilte mit, daß man landsche Bank 15-20 Millionen Goldmark als Lieferkredit her- beabsichtige, einen Gesetzentwurf vorzulegen, dez den Gemeinden ein geben wollen. Wenn diese Kredite zustande kommen, ist mit einer Buschlagsrecht zur Einkommensteuer gebe. Im übrigen tartell 6, Kreuzberg. Alle Kartellvereine müssen die Eintrittskarten fehlte dem Referat wie der Aussprache ein höherer Blick für die starlen Steigerung des Kaliegportes zu rechnen. grundsätzliche Bedeutung dieses aus vielerlei Gründen so wichtigen Problems. An anderer Stelle wurde mit Recht darauf hingewiesen, daß unsere preußische Verwaltung die feuerste der Welt sei. Eine Reform an Haupt und Gliedern ist hier in der Tat ebenso unvermeidlich wie angesichts der Stärke der föderalistischen und eigenstaatlichen Kräfte und der Indolenz der bürgerlichen Parteien auch schwierig. Die Sozialdemokratie hat jedenfalls alle Veranlaffung. der Forderung nach einem klaren und durchsichtigen, ein heitlichen Berwaltungsaufbau ihre pelle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es verdient noch erwähnt zu werden, daß die Gemeinde Godesberg alles tat, um die Tagung zu verschönen, und daß der Wille zum Zusammenhalt in einem einigen, gemeinsamen Vaterland auch hier beredten Ausdruck fand. Russische Erze in Oberschlesien. Für die oberschlesische Eisenindustrie sind im Mai zum ersten Male seit einer Reihe von Jahren wieder südrussische Erze auf dem Bahnweg nach Oberschlesien gelangt. Die Rawad- und Grünfeld- A.- G. hat mit dem fitdrussischen Erztrust einen Vertrag abgeschlossen, der von der sowjetrussischen Handelsvertretung registriert und schon in Ausführung genommen ist. Das Geschäft ist als ein Verfuch anzuſehen, bei größere Abſchlüſſe erst n nach Bewährung folgen fönnen. Die ersten Transporte haben sich sowohl über die russischen als auch über die polnischen Bahnen glatt vollzogen, und die Beschaffen heit der Eisen- und Manganerze hat in jeder Hinsicht den Anforderungen entsprochen. Rußlands Friedens- und Handelsverträge. Unter diesem Titel ist vor kurzem im Verlag von B. G. Teubner in Leipzig, aus den Veröffentlichungen des Östeuropa- Institutes, eine Schrift von Dr. Heinrich Freund erschienen, die auf Grund amtlichen Materials eine Zusammenstellung aller in den Jahren 1918-1923 ven Rußland mit den anderen Staaten abgeschossenen Friedens and Handelsverträge enthält. Eine Einleitung von Prof. Paul Heilborn gibt hierzu die nötigen Erläuterungen. Angesichts ber jetzt schwebenden Verhandlungen zwischen Rußland und verschiedenen westeuropäischen Staaten gewinnt die Schrift besonderes Interesse. Nach kurzem, aber schwerem Leiden ist unser lieber Freund und Kollege Paul Krause geboren am 2. Mai 1879, am 2. Juni verschieden. Unser so früh verstorbener Mitarbeiter hat sich seit seiner frühesten Jugend in den Dienst der Arbeiterbewegung gestellt und wurde erst auf Grund seiner Verdienste, nachdem er ein Jahr lang Mitglied der engeren Verwaltung war, am 1. Juli 1920 als Unterkassierer angestellt. Mit seltener Hingabe hat er unserer Verwaltung gedient. So verliert die Berliner Metallarbeiterschaft wieder einen guten Kameraden, denn er war einer der treuesten Freunde der Berliner Metallarbeiterbewegung. Von uns allen wird sein plötzliches Hinscheiden schmerzlich empfunden und werden wir, die wir in jahrelanger Arbeit viel Schweres miteinander geteilt haben, ihm ein dauerndes Andenken bewahren. im Die Angestellten des Deutschen Metallarbeiterverbandes Ortsverwaltung Berlin. Tag und Ort der Bestattung werden noch ,, Vorwärts" bekanntgegeben. Allen Verwandt., Bekannt. u. Partei freunden die fchmerzliche Nachricht, daß meine innigftgeliebte Tochter Frieda am 30. Mai aus d. Leben geriffen wurde. In tiefer Trauer Martha Sprengel, Torfftr.20. Die Einäfcherung findet am Freitag, abends 6 Uhr, im Krematorium Gericht Straße statt. Steppdecken billig direkt ab Fabrik Kein Laden Preis- Abbau: Croco Volled. 5.00 Echt Rindled. 9.00 Echt Saffian 11.00 Auto- Rindlack 12, Aktent. Rindi. 6.50 Reiset.Rdl.50cm28.Koffer, Rucks.4.auch einz. z. hab. 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Juni, abends 8 Uhr, bei Ihlenburg, Laufizer Blaz 1( Ecke Waldemarstr. Der Kartellvorstand seht sich wie folgt zusammen: Bors. Erich Merlan, Berlin, Cuprystr. 3; Schriftf. Hermann Meyer, Berlin, Naunynstr. 4; Raffierer Karl Küstner, Berlin, Gneisenauftr. 25. Die Vereine und Abteilungen haben ihre Adressen und Mitgliederzahlen dem Vorsitzenden Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold: Gründungsversammlung der Jugendgruppe Wedding abends 7½ Uhr im Ledigenheim, Schönstedtstr. 1( Kakaoſtube). Arbeiter- Abstinentenbund Groß- Berlin. Donnerstag, 7 Uhr wichtige Funktionärversammlung, Schulhaus Pantstr. 20/22, Zimmer 1. Arbeitsverteilung für Pfingstpropaganda und Ausstellung. Alle Funktionäre müssen erscheinen. Bringt arbeitsfreudige Genoffen als Helfer mit! Bund der Auslandsdeutschen. Die monatliche Bersammlung des Bundes der Auslandsdeutschen, Abt. England, findet am Donnerstag, abends 8 Uhr, in der Aula des Friedrich- Wilhelm- Gymnasiums, Rochftr. 13, statt. Wichtige Mitteilungen über Aufwertung von Schazanweisungen. Schugverein der Hunde- und Sierfreunde E. B., Gruppe Südwest. Monais. versammlung am Mittwoch. 4. Juni, 8 Uhr, Blücherplay 3, Berliner Kind!". Tierschutz und Hundesperre. Gäste willkommen. Hautjucken, Flechten, offene Füße( Krampfadern) auch veraltete Wunden heilt die milde und wohltuende, seit Jahrzehnten bewährte San.- Rat Dr. Strahl's Hanssalbe. In Original- Dosen erhältl, Elefanten- Apotheke, Berlin SW, Leipziger Str. 74, am Dönhoffpl. -Futter-stoffe, Foulardine, soweit 2.90 M. Vorrat Damast, Halbseiden elegant. Dessins bedeut. unt. Preis Haarpuder Schöneberg, Goltzstr.2 a.d.Grunewaldstr. Leiterwagen u. alle ander.Transportgeräte liefert billigst. Großer Vorrat. Georg Wagner Köpenicker Str. 71. Kein Ladengeschäft. Altes Spezialgeschäft Spezial in KamelhaarSchlafReiseDeden Tritotagen Strümpfen Fries billigst. Tagespr. 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Die älteren Kollegen werden ge beten, die Jugendlichen hierauf aufmert sam zu machen. 166/20 Die Ortsverwaltung Invaliden- Unterstützungskasse der Steindrucker and Lithographen zu Berlin Am Donnerstag, den 12. Juni 1924, Garderobe in guten Qualitäten auf Teilzahlung trotz kleinster An- und Abzahlung * Billige Preise!***** ERSATZ FUR MASSARBEIT Herren- Anzüge, Paletots Knaben- und Burschen- Anzüge ( Bei genügender Legitimation sofortige Aushändigung der Ware.) Große Frankfurter Cohn Straße 58 Eingang durch Möbelläden KLEINE ANZEIGEN nachm. 5 Uhr, im Graphischen Vereins- gedraakte Worte). Stellenhans, Alexandrinenftr. 44: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Sagungsänderungen. 3. Bahlen. Den Teilnahmeberechtigten geht eine besondere Benachrichtigung, die gleichzeitig als Ausweis gilt, noch au Der Vorftand. J. A.: Sugo Albrecht 105/9 Allgemeine Ortstrantentaffe Der Borstand Otto Nickel, Borjizender Fr. Murcken, Schriftführer 105/8 Jedes Wort 0,10 Goldmark. 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