Nr.261 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 134 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und geit" mit., Gied lung und Kleingarten", fowie dez Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Norwärts Berliner Volksblaff 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reklamezeile I- Golbmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), febes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Golbmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten geile 0,30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt Durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 42 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, LindenStraße 3, abgegeben werden. Geöffnet pon 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 5. Juni 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Regierungserklärung im Reichstag. Für Annahme und Ausführung des Sachverständigengutachtens. Die Regierung Marr- Stresemann, die vorgestern wieder auferstand, wie sie vorher war, hat gestern dem Reichstag die Erklärung abgegeben, die sie eigentlich schon vor drei Wochen hätte abgeben können. Es ist im großen Ganzen die Erflärung, die von der Sozialdemokratie verlangt wurde, es wird in ihr der Standpunkt vertreten, den die Sozialdemofratie von dem Tage an, an dem das Sachverständigengutachten veröffentlicht wurde, konsequent eingenommen hatte. Es darf jezt an den Hergang der Dinge erinnert werden. Am 9. April wurde das Gutachten veröffentlicht, am 10. schrieb der„ Vorwärts": Den Sachverständigenbericht ablehnen ist unmöglich. Was man nicht ablehnen kann, das muß man annehmen. Die gesamte Bresse der Mittelparteien vertrat damals demgegenüber die Formel, daß das Gutachten lediglich als " geeignete Berhandlungsgrundlage" anzunehmen sei; fie vers trat also damals den Standpunkt, auf den sich die Deutsch nationalen bei ihren späteren Berhandlungen mit der bürgerlichen Mitte stellten. Inzwischen aber waren auch schon die Regierung und die Barteien der Mitte in die Bofision eingerückt, die die Sozialdemokratie von vornherein eingenommen hatte. Sie hatten begriffen, daß das Gutachten ein" unteilbares Ganzes" ist und daß jeder Bersuch, für seine Annahme Bedingungen zu stellen, die Stellung von Be dingungen auch von der anderen Seite zur Folge haben müßte und damit endlose Verzögerungen und schließlich viel leicht eine Umgestaltung, an der wir keine Freude gehabt htten. Die Regierungserklärung macht denn auch die Ausführung des Gutachtens von feinen Bedingungen abhängig, sic hebt nur ganz richtig hervor, daß das Gutachten Verpflichtungen vertraglicher und moralischer Art nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Gegenseite in sich einschließt. Sie enthält ferner auch zwei Gesichtspunkte, die an dieser Stelle stets in den Vordergrund gestellt worden sind: erstens dak die Annahme und Durchführung der Vorschläge eine Pflicht am befesten Gebiet ist, und zweitens, daß jede Verzögerung die deutsche Wirtschaft mit sicherer Lähmung bedroht. Die Kraft dieser Argumente ist so groß, daß sie nicht nur, nachdem sie zuerst von der Sozialdemokratie vertreten worden waren, allmählich auch von den bürgerlichen Mittelparteien angenommen wurden auch die Deutschnationalen fonnten sich im Laufe der Verhandlungen über die Regierungsbildung ihnen nicht entziehen. Es hat gar nicht viel gefehlt, daß diefe oder eine ganz ähnlich lautende Erklärung von einer Regierung abgegeben worden wäre, in der die Deutschnationalen gefeffen hätten, und die Deutschnationalen hätten dann diese Erklärung decken müssen. Hoffentlich werden die Parteien der Mitte nicht gestatten, daß sich die Deutschnationalen nun wieder auf ihr altes System, Deutschland mit verantwortungslofen Schlagworten zu retten, zurückziehen. Sie können durch Darlegung der geführten Verhandlungen den Beweis dafür erbringen, daß das alles nichts als Schaum ist. Die Deutschnationalen sind in Wirklichkeit viel vernünftiger, niel realpolitischer, sie wissen besser, was den Interessen des deutschen Boltes entspricht, als sie das bisher öffentlich aus Furcht vor dem Unverstand ihrer Manen gelten laffen wollen. Die Sozialdemokratie darf aber nach ihrer eigenen Braris nicht zugeben, daß eine Bartei etwa nur dann zu realpolitischer Vertretung deutscher Volfsinteressen verpflichtet sei, wenn sie selber in der Regierung size. 11 In der Regierung Marr- Strefemann ist die Sozialdemofratie ebenfomenig vertreten, wie die deutschnationale Partei. enn man jene günstig beurteilen will, so wird man bestenfalls finden können, daß sie sich als richtige Regierung der Mitte" von den beiden Barteien zu ihrer Rechten und zu ihrer Linken gleich weit entfernt hält. Wenn sie in der einen Frage der Sachverständigengutachten auf den Standpunkt gelangt ist, den die Sozialdemokratie von vornherein eingenom men hat, so ist das wahrhaftig nicht aus Liebe zur Sozialdemokratie geschehen, sondern aus ganz anderen Gründen. Mit weißem Vorbedacht hat sich die Regierung daher in ihrer Erklärung auf den einen, allerdings entscheidenden Buntt beschränkt, in dem ihre Politik der Billigung der fozialdemokratischen Fraktion sicher sein kann. Diese Billi gung wird erfolgen nicht der Regierung zuliebe, ebensowenig wie die Regierung ihre Politif der Sozialdemokratie zuliebe treibt. Die Sozialdemokratie hat in Wahrung der Interessen der Arbeiter die Annahme des Sachverständigen gutachtens gefordert und sie wird im Interesse der Arbeiter, chne nach rechts oder nach links zu sehen, ihre Energie auf diesen einen Punkt tonzentrieren, der für alle weitere politische Entwicklung der Ausgangspunkt ist. " Erst durch die Ausführung des Sachverständigengutachtens gewinnen wir wieder die Freiheit des Han delns, die uns durch die berüchtigten außenpolitischen 3wangsläufigkeiten" verloren gegangen ist. Seit dem Abschluß des unseligen Krieges ist das deutsche Volk von einer Krise in die andere getaumelt, und so ist jener Zustand wirtschaftlicher und moralischer Zerrüttung entstanden, aus dem der Rechts- und Linksbolschewismus seine Nahrung gezogen hat. Die traute Gemeinschaft, in der Nationalsozia listen und Kommunisten das Sachverständigengut achten bekämpfen, ist ganz natürlich und beruht auf einer Gemeinschaft der Interessen. Diesen Leuten haben eben die deutschen Arbeiter noch nicht genug und noch nicht lange genug sein, fie betrachten jedes Zeichen einer Katastrophe, die genug gehungert, ihnen kann die Arbeitslosigkeit nie groß das Leben von Millionen bedroht, als ein Vorzeichen ihres kommenden Triumphes. Die Sozialdemokratie dagegen braucht zur Durchführung ihres Brogramms die außenpolitische Berständigung und die wirtschaftliche Erholung der Arbeiter klaffe. Halbverhungerte, verzweifelte und durch das ewige Schwanfen des Bodens verwirrt gewordene Massen sind in Wirklich feit nicht tampffähig, sondern nur billiges Kanonenfutter für gewiffenlose Demagogen. Wir wollen eine Arbeiterschaft, die wieder festen Boden unter den Füßen fühlt, die ohne Schimpfen und Toben, das nur ein Zeichen von Ohnmacht ist, vor ihren Klassengegnern gerade stehen kann, wir wollen ben methodischen Kampf für die Besserung der Lebensverhältnisse, für die Umgestaltung der Gesellschaftsordnung auf gesicherter politischer und wirtschaftlicher Grundlage. Darum sind wir für die Verständigung mit den ehemaligen Kriegsgegnern, sind wir für eine Regelung der Reparationen, darum find wir für die einzige Regelung der Reparationen, die praktisch möglich ist, darum sind wir für das Sachverständigen gutachten ohne darauf zu sehen, was nebenher läuft, was gewesen ist und was später sein wird. Hier fällt eine grundsätzliche Entscheidung über Deutschlands, über Europas Zukunft. Unsere Stellung zu ihr ist deutlich und flar. Als am gestrigen Mittwochnachmittag nach 5 Uhr die 7. Sigung des Reichstags begann, war das Haus qut tefeßt, die Tribünen stark gefüllt, in der Diplomatenloge saßen die Vertreter der fremden Mächte. Um 5.20 Uhr erscheint Reichskanzler Marg im Saal; mit ihm die Reichsminister. Präsident Wallraf gibt Kenntnis von einer Danksagung der öftereichischen Regierung für die Beileidsfundgebung des Reichstages zum Attentat auf Seipel. Das Wort erhält fofort Reichskanzler Dr. Marx. Die Kommunisten schreien cine Zeitlang: Amnestie! Freilassung der politischen Gefangenen! Nachdem sie auf Weisung des Präsidenten verstummt sind, führt Reichskanzler Marg aus: Meine Damen und Herren! Ich habe die Ehre, dem neu gewählten Reichstag die Reichs: regierung vorzustellen. Der Herr Reichspräsident hat alle Mitglieder der bisherigen Reichsregierung in ihren Aemtern bestätigt. Die auch bei dieser Kabinettsbildung zu bewältigenden Schwie rigfeiten sind Ihnen bekannt. Ihren tiefsten Grund haben fie in der ernsten und bedrängten außenpolitischen Lage des Reiches. Es ist durchaus verständlich, daß nach den langen, vergeblichen Bemühungen Deutschlands, zu einem wahren Frieden zu gelangen, der Meinungsstreit über den einzuschlagenden Weg bewegter und heftiger ausgetragen wird, als die Einmütigkeit über das zu erreichende Ziel der Befreiung Deutschlands es zu rechtfertigen scheint. Seit Jahren steht die deutiche Politik unter dem Druck der außen. politischen Verhältnisse. Im besonderen Maße ist das jetzt der Fall, ba die beherrschende Frage der großen nationalen Politit die Stellungnahme der beteiligten Völker zum Gutachten der Sachverständigen über das Reparationsproblem ift. Nach der lleberzeugung der Reichsregierung ist das für Deutschland die Lebensfrage. Die Cage unserer Wirtschaft ist troftlos, enn nicht gar verzweifelt. Die Kenner unseres Wirtschaftslebens find darin einig, daß in allerbürzester Frist eine Entspannung auf Wirtschaft erliegen foll. Einen Ausweg aus der schon zu lange dem Gebiete der Geibfnappheit erfolgen muß, wenn nicht die ganze dauernden schweren wirtschaftlichen Krisis, die Deutschland durchlebt, fah die Reichsregierung in dem Gutuachten, das eine Reihe namhafter ausländischer Sachverständigen der Reparationskommission erstattet hat. Sie hat deshalb durch ihre Note vom 17. April die Anfrage der Reparationskommission dahin beantwortet, daß sie in dem Gutachten eine praktische Grundlage für die schnelle Lösung des Reparationsproblems erblide, und daß fie deshalb bereit sei, ihre Mitarbeit dieser Erklärung wird die jetzige Reichsregierung die bereits im an den Plänen der Sachverständigen zuzusichern. Im Einklang mit Gange befindlichen und, wie ich ausdrücklich bemerken möchte, durch die Regierungsbildung nicht verzögerten Borarbeiten zur Durchführung des Gutachtens fortsetzen. Die Organisationskomitees für die Goldnotenbank, für die bereits aufgenommen. Es wird Aufgabe dieser Komitees sein, die Reichsbahn und für die Industrieobligationen haben ihre Arbeiten in dem Sachverständigengutachten noch vorhandenen Lücken auszufüllen und Untlarheiten sowie tertliche Widersprüche aufzuklären. völlig flargestellt und abgegrenzt werden. Insbesondere müssen auch Es müssen dabei die Befugnisse der Kommissionen die weifel beseitigt werden, die hinsichtlich der deutschen MehrWenn die Arteiten dieser Komitees zu einer Einigung geführt haben, heit in den Verwaltungsrat der Reichsbahn vorhanden sind. Materien notwendigen Gesetzentwürfe den gesetzgebenden Körwird die Reichsregierung alsbald die für die Regelung dieser drei perfchaften vorlegen. Ferner müssen auch die Fragen, die mit der Inanspruchnahme der Zölle und Verbrauchsabgaben im Zusammenhang stehen, mit der Gegenseite erörtert und die Befugnisse des Kom. miffars dafür largestellt werden.( Zurufe der Komm.: Neuer Wucher usw.) Ich möchte, nicht für mich, sondern im Intereſſe der Sache das ganze Ausland auf uns sieht, den deutschen Namen und die an Sie( z. d. Komm.) die Bitte richten, in diesem Augenblick, wo deutsche Ehre zu berücksichtigen.( Präsident Wallra sagt den Kommunisten, daß diese ja nachher ausgiebig Gelegenheit hätten, ihre Anfichten darzulegen, fie follten deshalb den Reichskanzler sprechen lassen.) Außerdem muß die Tätigkeit des Agenten für die Reparationszahlungen noch in Einzelfragen geregelt werden. Das Gut achten kann nach der Ansicht der Sachverständigen ſelbſt nur als Ganzes angenommen oder verworfen werden. Die Reichsregierung ist bereit, alles, was an ihr liegt, zu tun, um die in Angriff genommenen Vorarbeiten zu beschleunigen und das Sachverständigengutachten in die Wirklichkeit umzusetzen. Sie hofft dabei cuf die schnelle Mitarbeit des Reichstages. Die von unserer Seite zu erlassenden Gejezentwürfe und Anordnungen werden erst in Kraft treten, wenn klar und eindeutig feststeht, daß auch die Gegenseite das Gutachten als ein unteilbares Ganzes ist, daß die Gegenseite gleichzeitig alle die Maßnahmen trifft, die und unverändert annimmt. Und wenn Gewißheit dafür gegeben Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Die wirtschaftliche und finanin dem Gutachten als notwendig bezeichnet sind, um die deutsche zielle Einheit Deutschlands und seine Verwaltungshoheit müssen gleichzeitig wiederhergestellt werden, weil anders die Leistungen, die in dem Gutachten verlangt werden, nicht aufgebracht werden können. Die ungeheuren Opfer für das deutsche Volk sind nur tragbar, wenn allen Deutschen die Möglichkeit gegeben wird, in ihrer Heimat sich ungestört der Arbeit hinzugeben. Die innere Bereitschaft, die für die Steigerung der Produktivität und die Uebernahme so schwerer Latten notwendig ist, kann nicht ge= schaffen werden, solange das traurige Schicksal vieler tausender Vertriebener und ihrer Freiheit beraubter Deutscher die Nation belastet und beunruhigt. Ihnen Freiheit und Heimat wiederzugeben, ist ein unerläßliches Ziel, von dem die Reichsregierung nicht abgehen kann.( Lebhafte Zustimmung.) Wenn so das Gutachten in dem Geiste ehrlicher Verständigung in dem es entstanden ist, als Ganzes von allen beteiligten Regierungen angenommen und durchgeführt wird, werden wir wieder auf eine vertragliche Grundlage mit unseren Reparationsgläubigern fommen. Es ist nur folgerichtig und unerläßlich, daß dann die vertragliche Basis überall wiederhergestellt toird, fowohl bezüglich des auf Grund des Vertrages von Versailles belegten linksrheinischen Gebiets, als auch bezüglich der über den Vertrag von Bersailles hinaus besetzten Gebiete. Das wird in sich schließen, daß in dem altbesetzten Gebiet das Rheinlandabkommen wiederhergestellt und loyal gehandhabt wird und daß die über den Vertrag hinaus besetzten Gebiete geräumt werden.( Lebhafte Zustimmung.) Die Regierung wird sich bei aller Entschiedenheit für die gerechte Lösung dieser Frage einfeßen. Die Sachverständigen haben diese Fragen bewußt nur deshalb offen ge= lassen, weil ihre Lösung über ihren Aufgabenkreis hinausgeht. Aber fie haben selbst ganz klar darauf hingewiesen, daß die über ihre Zuständigkeit hinausgehenden politischen Fragen zwischen der deutschen Regierung und den allierten Regierungen unmittelbar geregelt werden müssen. Die Reichsregierung sieht hierin eine ihrer vornehmsten und dringlichsten Aufgaben. Nach der Ueber. zeugung der Reichsregierung müssen ror diefen iebenswichtigen, für die Einheit des Reichs wie für die deutsche Wirtschaft gleich bedeutsamen Fragen der Außenpolitik alle innerpolitischen Fragen, mögen fie auch noch so wichtig ericheinen, vorerst zurücktreten. voller Absicht unterlassen wir es deshalb, in der gegenwärtigen ( Widerspruch d. Komm., lebhafte Zustimmung in der Mitte.) In Stunde auf Fragen innerer Bolitik einzugehen.( Geschrei d. Komm.) Bei den großen Entscheidungen, die wir in der Außenpolitik zu treffen haben, ist es Pflicht, die gesamte Kraft der Nation für diese ernste und schwere Ausgabe einzusetzen, ist es Pflicht, auch die drücken- den Sorgen des Alltags in dem Bewußtfein zurückzustellen, daß erst noch Klärung und Bereinigung unserer außenpolilischen Schwierigkeilen der Wieoerousbau im Janern auf staatlichem, wirtschaftlichem und sozialpolitischem Gebiet in An- griff genommen werden kann.(Sehr richtig! in der Mitte.) Die Reichs. regierung wird ihre ganze Krafl an die Arbeit fetzen, die zur schnellen Durchführung des Sachoerftöndrgeirgutachtens erforderlich ist(Lärm b. d. Komm.) und stets ihr Augeimierk darauf richten, daß die sich daraus für das ganze Dolt eigebenden schweren Lasten nach Maß- gab« der Tragfähigkeit gerecht oerteilt werden. Angesichte der verzweifelten wirtichaftlichen Notlage, in der sich die deutsche Wirtschaft befindet, beschwört die Reichsregierung den Reichstag und das ganze deutsche Volk, die in den letzten Monaten langsam, wenn auch unter Fieberschauern, einsetzande Gesundung Deutschlands durch Uneinigkeit und zersetzen- den Kampf nicht wieder zu zerstören.(Lebh. Beifall in der Mitte, Lärmchor der Komm.) Wer wird noch Hilfe bringen können, wenn Deutschland noch«in zweites Mal so dicht an den Abgrund kommen sollte, wie im Nooem- der vorigen Jahres?(Sehr richtig.) In den ckommendeu Wochen handelt es sich darum, den eingeleiteten Eesundungsprozeß(Lärm bei den Kommunisten) durchzuführen und die deutsche Wirtschaft zu retten. All die schweren Opfer, die das deutsche Volk in den letzten Monaten zur Rettung vor dem Zusammenbruch auf sich genominen hat, wären vergebens gewesen, wenn wir jetzt bis zur Erreichung des Zieles nicht stark blieben. Wir dürfen nicht die unsühnbare, schwere geschichtliche Schuld aus uns laden, de» Deutschen Reiches Untergang verschuldet zu haben(Lärm bei den Kommunisten), weil wir im ent- scheidenden Augenblick nicht national« Disziplin zu wahren wußten. (Sehr gut! bei den Mittelparteien.) Das Ausland muß sehen, daß das deutsche Volk geschlossen den stch ihm bietenden Weg in di» Freiheit gehen will. Das Ausland aber muß endlich auch den Beweis erbringen, daß es zu ehrlicher Verständigung bereit ist.(Sehr wahr!) Nur dann wird sich im deutschen Volte der durch zahllose Ent- täuschungen und Demütigungen erschütterte Glaube an wahren und dauernden Frieden wieder festigen. Es geht um deutsche Brüder, «s geht um deutsches Land(Ruf bei den Kommunisten: Um die politischen Gefangenen!), es geht umDcutschlandsRettunq in istzler, hzchffer Rot. Das Rheinland und unierr bedrängten Landsleute an der Ruhr sehen erwartungsvoll auf Sie. mein« Damen und Herren, und verlangen von Ihnen, daß Sie ibnen schnell Rettung und Hilfe bringen.(Lebhafter Beifall bei den Mittelparteien, lang anhaltender Lärm bei den Kommunisten.) Präsiden: Ivallcas schlägt vor, di« Besprechung der Regierung». «rNärung auf heute Donnerstag 10 Uhr zu vertagen und außerdem noch den weiteren Nothaushalt in allen drei Lesungen zu beraten. Abg. Svenen(Komm) widerspricht der zweiten und dritten Be> ratung des Noietvts. Abg. Maskowski(Komm.) verlangt, daß auch der Antrag seiner Fraktion wegen des Bergarbeiterstreits verhandelt werde. Abg. Cöbt(S03.): Di« dritte Beratung muß abgesetzt werden, wenn ein Mitglied widerspricht: darüber, ob die erste und zweite Lesung gleichzeitig stattfinden sollen, entscheidet die Mehrheit. Der Antrag betreffend di« Bergarbeiterfragen kann schon bei der Besprechung der Regie- rungserklärung mitverhandelt werden, wenn aber keine Berbindung damit beantragt und abgelehnt wird, kann er nicht mitberaten werden.(Hört, hört!) Trotz dieser Belehrung besteht Abg. K o e n« n(Komm.) auf der Abstimmung, die die Ablehnung ergibt. Das Haus beschließt, von dem weiteren Nothaushalt morgen di« erst« und zweit« 3krctung vorzunehmen. Schluß%6 Uhr. * Stach der Plenarsitzung traten im Reichstag die einzelnen Frok» tionen zu Sitzungen zusammen und bereiteten die Erklärungen vor. die sie morgen durch ihr« Redner abzugeben gedenken. In den Kreisen der Mittelparteien wurde zwar eine Antragstellung m Erwägung gezogen, aber noch kein Beschluß in dieser Richtung gefaßt. Es wird vielmehr von dem Verlauf der Debatte abhängig gemacht werden, ob und in welcher Formulierung eine Billigung der Regierungserklärung beantragt werden soll, oder ob nur gegen irgendein Mißtrauensvotum, das von anderer Seite em- gebracht werden könnte, Stellung genommen werden soll. Als erster Redner wird für die Deutschnationalan Abg. Graf Westarp zum Wort konunen, darauf wird der Abg. Scholz(DVP.)«ine gemein. same Erklärung fiir s-ine Partei, das Zentrum und die Demokraten abgeben. Di« Nationalisten haben die Abgg. Graes« und Graf R e v e n t l o w bestimmt. 5reitag Abstimmung. Am Donnerstagvormittag um 10 Uhr wird der Reichstag mit der Aussprache über die Regierungserklärung beginnen. Di« Mi t t« l par t« ie n beabsichtigen nur ein« kurze Erklärung abzugeben, dagegen werden die übrigen Fraktionen zwei Vertreter zur Debatte sprechen lassen. Don der Sozialdemokratie sind die Genossen Löbe mch Dr. Breitscheid vorgesehen. Man er- wartet, daß die zweite Rednergarnitur bereits am Donnecstagnach- mittag zu Worte kommt. Am Freitag zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags soll dann die Abstimmung über einen Antrag«r. folgen, der von den Mittelparteien eingebracht wird und die außen- politischen Erklärungen der Regierung billigt. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion be- schäftigt« sich am Mittwoch mit der durch di« Neubildung der Regle- rung und der Regierungserklärung geschaffenen politischen Lag«. Es herrschte Uebereinstlmmung, daß die Fraktion an ihrem bis» herigenKursinder Frage der Sachverständigengutachten f e st- hält und die entsprechenden Folgerungen daraus zieht. Ein Weißbuch der Regierungsparteien. Me die Telegrophen-linion erfährt, beabsichtigen die der Regierung nahestehenden Parteien eine Denkschrift über die Vorgänge bei der letzten Regierungskrise heraus- zugeben. Rangorünuttg im Sswjet-Neichstag. Heiteres Aufsehen erregte gestern im Reichstag folgender kleiner Zwischenfall: Ein Abgeordneter stieg in einen Fahrstuhl und for- derte«ine im Hause beschäftigte Stenotypistin auf, mitzukommen. Ein hinzutretender neugewählter Kommunist, Bartels-Krefeld, verlangte jedoch, daß die Stenotypistin wieder aussteigen müsse, damit er mitfahren könne.„Es ist unerhört, ein« Angestellte läßt man mitfahren, und ich als Abgeordneter soll warten," so äußerte sich der Neugebackene gereizt. Darüber gab es nun eine kurze Aus- einandersetzrmg, die damit schloß, daß der Kommunist erklärte, er werde sich über den Vorfall beschweren. Beschwerdeinstanz ist der jdeutschnatiemale Präsident. Herr W a l l r a f. Krach in Mecklenburg. Ter Landtagspräsident abgesetzt.— Die Kommnniste« sprengen den Landtag. Schwerin, 4. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In der Mittwoch- sitzung des Landtages kam es bei der Berattmg eines kommunistischen Antrages auf Haftentlassung des kommunistischen Abgeordneten Warnte zu wüsten Radauszenen. Wiederholt mußte die Sitzung unterbrochen werden. Der Landtagspräsident wurde durch einen Zwischenfall gezwungen, sein Amt nieder» zulegen. Während Landtag und Aeltestenausschuß di« Debatte über den kommunistischen Antrag für sachlich erklärten, versucht« der Präsident, die Debatte abzflÄtosseln. Das lietz sich selbst das mecklenburgische' Parlament Nicht bieten. Bei der Wahl des neuen Präsidenten kam es zu unbeschreiblichen Auftritten der Kam- munisten. Als der sozialdemokratische Abgeordnete Möllmann während der Red« des Kommunisten Wenzel einen Zwischenruf macht«, schleuderte ihm dieser dos auf dem Rednerpult stehende Glas Wasser ins Gesicht. Di« Sitzung wurde darauf unter großem Tumult unterbrochen. In der sich anschließenden neuen Sitzung benahmen stch die Kommunisten nicht besser. Der Vor» sitzende schloß nach dreimaligem Ordnungsruf den Kommunisten Ambs von der Sitzung aus. Der Aeltestenausschuß billigte T42SSH742/>. Don Fritz Müller, Chemnitz. T 42 586 742 A ist kein Lotterielos, kein Warenzeichen, kein Fern- sprechanschluß, kein Rechnungsbetrag aus der Zeit, da man mit Mil- Honen rechnet«, keine Auto-, Fahrrad- oder loschenuhrnummer, kein Aktenzeichen, sondern vielmehr--- Gestern betrug mein Barbestand 1 Fünfmilliardennot«, S alte Pfennige, einen Dresdener wertbeständigen Groschen, zwei Chem- »itzer Goldmarkschein« und einen öü-Billionenschein. So gern ich große Scheine«innehm«, so ungern gebe ich sie aus. Nicht etwa aus Geiz, sondern um nicht al» reicher Kerl angesehen zu werden. Ich ging deshalb in ein« Gegend, wo man mich nicht kennt, und kaufte in einen, Laden für 4,87 Mark Waren ein. Als es ans Zahlen ging, legte ich den 50-Billion«nschein hin und sagte:„Anderes Geld habe ich. nicht." Dem Kaufmann schien daran zu liegen, seine Waren loszuwerden und die ihm zustehenden 4�7 Mark zu bekommen. Drum versuchte er, mir herauszugeben. Der Versuch glückte, wenn auch das Wiedergeben recht lange dauerte. Bekam ich doch nicht nur 100-, 500-, 1000. und 2000-Milliardenschetne, nicht nur Renten- Pfennige,-fünfer,-groschen,-fünfziger und Markschein«, nicht nur auf Goldmork lautende Scheine der verschiedensten Städte und Der- bände, sondern auch Viertel-, halb« und ganze Dollarschatzanweisun- gen und Dollarscheine der Elsenbahn. Auch eine richtige Dollarnote war dabei.„Wenn Sie das Ding haben wollen?" hatte der Kauf- mann gesagt,„der Wisch gilt ja nur noch 4,20 Mark!" So war ich zu einer Dollarnote gekommen, und zwar— aus Ehre— zur ersten in meinem Leben! Zu Hause sah ich mir das auf der einen Seite schwarz, auf der anderen grün bedruckte Papierchen genauer an. Es trug di« Nummer T 42 586 742 A. Als die Dollarnote so eine Weil« im Scheine meiner Schreibtischlampe dagelegen hatte, begann st« zu erzählen. Zuerst, wie sie in einem Brief von Boston herüber nach Deutsch- ' land gereist war, ihren Empfänger aber nicht erreichte, sondern einem diebischen Postschaffner in die Hönde gefallen war. Dann, wie sie vis Spekulationsobjekt mehrmals ihren Besitzer gewechselt hatte. Danach, was alles für sie gekauft worden war, lauter Dinge, die da- mals bei weitem keinen Weltmarktpreis hatten. Daraus, wie sie bei einer Devisenrazzia beinahe erwischt worden wäre, wie sie je- mand verloren und ein anderer gefunden und auf der Bank ein- gewechselt hatte. Daraufhin, wie ein junger Bankangestellter in Düsseldorf sie nebst anderen Dollarnoten seinem voter nach Chemnitz geschickt, und wie der Vater sie sorgsam aufbewahrt hatte, bis auf diesen Tag. Der Vater war aber der Kaufmann, dem ich für 4,87 Mark Waren abgekauft hatte--— Die Dollarnote T 42 586 742 A schwieg eine Weile. Dann fuhr sie fort:„Ich weiß auch, was Sie jetzt denken!— Soll ich's Ihnen sagen? Ich kann nämlich hellsehenl" — Ich bejahte. Da sagte di« Note:„Sie ärgern sich, daß Sie mich erst jetzt bekommen haben!" Das stimmte.„Fahre fort!", sagte ich,„was denk« ich jetzt?"— „Sie denken daran, als Sie ine Schreibmaschine kaufen wollten, aber nicht genug Geld hatten. Hätten Sie mich damals schon gehabt, so hätten Sie die Schreibmaschine gekauft!-- Jetzt überspringen Ihre Gedanken ein Jahr und wellen auf der Hochzeitsreise. Im August 1922 ging Ihr Reisegeld zu Ende und Sie mußten im Bummelzug und vierter Güte mit Ihrem angetrauten Weiblein heimfahren. Hätten Sie damals meine Wenigkeit--" „Noch ein Wort," rief ich,„und du fliegst in den Papierkorb!" „Ich will schweigen!" sagt« die Dollarnote T 42 586 742 A ganz demütig. Nach einer Weile begann sie wieder:„Und jetzt denken Sie an die Septembertage 1923, in denen Ihr Bübchen ankam. Mit Grausen erinnern Sie sich, wie das Geld Ihnen förmlich unter den Fingern schwand, wie die Preise erst Millionen und bald darauf Mil- liarden betrugen. Hätten Sie mich damals besessen, so hätten Sie es nicht nötig gehabst für Ihr Hanl«! einen gebrauchten Kinderwogen zu kaufen. Da hätten Sie einen funkelnagelneuen„Schwinger" an. schaffen können!" „Der gebrauchte Wagen hat gute Dienste getan und tut sie auch roch," warf ich«in,„unser Bübchen blüht und gedeihst und das ist die Hauptsache! Wozu brauchen wir da---" Da fiel mir die Dollarnote ins Wort:„Ei, ei, was Sie jetzt ge> dacht haben!"—„Was denn?" antwortete ich bestürzst„Sie haben gedacht," flüsterte Frau T 42 586 742 A sehr spitz und höhnisch,„es könne eine neue Entwertung der Mark einsetzen, und da wäre e» gut, daß Sie mich hätten. Und Sie wollten mich aufheben, für alle Fälle!" .Da« Ist aber starker Tabak!" brüllte ich di« Dollarnote an. „was fällt dir ein?"—„Was fällt Ihnen denn ein?" erwiderte sie, „nicht ich habe so seltsam« Gedanken gesponnen, sondern Sie!"— Jetzt war mir die Sache zu bunt und ich beschloh, die steche Dollar» note sofort aus dem Hause zu schaffen.— Sofort? Das ging nicht. da die Läden bereits geschlossen waren. Dann morgen!— Schließ- lich lautete das Urteil: Die Dollarnote wird strafweise ausgegeben, sobald ich außer ihr kein Geld mehr habe und--- wenn--- die Mark stabil bleibt! Reinöarstellung eines Vitamins! „Eine kleine Menge weißen Pulvers auf dem Boden einer kleinen Flasche weckte kürzlich ungeheures Aussehen auf der Bcr- sammlung der amerikanischen Ehemikergesellschafst Es war nämlich das erste Vitamin, das jemals isoliert worden ist, und es wurde von seinem Hersteller, Professor Walter H. Eddy. in Columbia demon- striert." So lautet eine Notiz des amerikanischen Science Service, «wer Einrichtung, die vor einigen Iahren geschaffen wurde, um der Presse neue Forschungsergebnisse auf naturwissenschaftlichem Gebiet zu übermitteln. Ein Stab wissenschaftlich geschulter Mitarbeiter das Porgehen des Präsidenten. Trotzdem weigerte sich Ambs itt der folgenden Sitzung, den Saal zu verlassen. Daraufhin wurde vom Präsidenten die Räumung angeordnet. Die Kommunisten fangen währenddessen die International« und rauchten Zigaretten. �uch öas Thüringer Parlament arbeitsunfähig. Weimar, 4. Juni.(Eigener Drahtbsricht.) Die in den letzten Tagen abgehaltenen Sitzungen des Thüringer Landtages verliefen äußerst stürmisch� da sich Rechtsparteien und Kom- munisten in der wüstesten Weis« beschimpften. Am Mittwoch glänzte die Regierung des Ordnungsblocks bei der Beratung eines tommu- mstischen Antrages auf Milderung der Notlage der Erwerbslosen durch Abwesenheit. Sozialdemokraten und Kommunisten verlangten auf Grund des§ 88 der Geschäftsordnung des Landtages die An- Wesenheit der Regierung. Da der größte Teil der bürger- lichen Abgeordneten ebenfalls fehlte, hatten die beiden Arbeiter- Parteien die Mehrheit, so daß ein sozialdemokratischer Antrag an- genommen wurde, die Sitzung so lange aufzuheben, bis die Re- gierung zur Stelle ist. Im Aeltestenausschuß, der daraufhin zu- sammentrot, hatten die Bürgerlichen jedoch die Mehrheit. Sie er- klärten, die Sitzungen des Landtages nicht stüher aufzunehmen, bis die Kommunisten ihr« Beschimpfungen gegen die Regierung einstellen, und beschlossen Vertagung de» Landtage» auf den 17. Juni. Die Völkische Fraktion hat inzwischen— der sozialdemokratischen nachhinkend— einen Antrag«ingebracht, wonach die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen soll, der die Anzahl der Abgeord- neten auf ein Drittel herabsetzt. Dieses Gesetz soll rück- wirkende Kraft für den gegenwärtigen Landtag haben. Für den Fall, daß staatsrechtlich« Bedenken bestehen, die Verminderung der Abgeordnetenzahl schon für den gegenwärtigen Landtag wirksam werden zu lassen, soll der Landtag beschließen, sein« sämtlichen Aus- gaben einem Ausschuß, in dem die«inzelnen Parteien proportional ihrer Fraktionsstärke vertreten sind, zu übertragen. Die Regierungsfrage in Hapern. Koalitio« mit dem Bauernbuud— Konzession an Hitler? Riünchen, 4. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Regier rungsbildung in Bayern ist insofern einen Schritt weiter� gekommen, als stch der Bayerische Bauernbund nunmehr offiziell bereit erklärt hat, unter gewissen Bedingungen in die Re- gierung einzutreten. Dies« Bedingungen enthalten u. a. den An- sprach aus das Landwirtfchaftsminssterium, für das die Bauern- bündler den früheren Reichsernährungsminister F e h r präsentieren werden. Ferner verlangt der Bauernbund im Koalitionsprogramm eine Sicherung gegen die Wiederkehr der Po. litik, wie sie im letzten Jahre der Aera Knilling betrieben worden ist. Während dies« Bedingungen von der Bayerischen Dolkspartei ohne weiteres angenommen werden, machen die Deutschnationalcn neuerdings Schwierigkeiten. Di« Fraktion der Vereinigten Ratio- nalen Rechten will nur dann eine Koalition eingehen, wenn„ge- nügend Sicherungen für die Einhaltung des nationalen Rechtskurses geschaffen sind". Sie vertritt ferner die Auf» fassung, daß die bisherige Koalition mit dem vauernbund unmög- lich geworden ist und daß, enssprechend des vom bayerischen Bolle bei der Wahl bekundeten Willens, die neue bayerische Regierung nur aus Bayerischer Dolkspartei, Deutschnationalen und Völkischen gebildet werden kann. Sollte ein Einschluß der Völkischen in die Regierung auf unüberwindliche Schwierigketten stoßen, dann wollen die Deutfchnationalen mit der Bayerischen Dolkspartei einstweilen eine Minderheitsregierung bilden, die auf die wohl- wollende Neutralität der Völkischen angewiesen wäre, bis in einem günstigen Augenblick di« vollständig«„Gewinnung der wertvollen Elemente für eine nationale Staatspolitik" sich durchführen lasse. Daß die Bayerische Nolkspartei zu weitgehenden Kon- Zessionen an die Hitler-Fraktion bereit ist, zeigte die Präsidentenwahl im Landtag, bei der ein volles Drittel der Klerikalen(15 Mann) zur Wahlhilfe für den völkischen Kandidaten ab- kommandiert wurde. sollte dafür sorgen, daß der Inhalt der Notizen wirklich aktuell und zugleich zuverlässig wäre— im Gegensatz zu dem, was früher häufig der Fall war. Aber auch die Nachrichten des Science Service er- innern manchmal allzusehr an frühere bombastische Ankündigungen großer Entdeckungen und Erfindungen, die aus dem Lande der un- begrenzten Möglichkeiten kamen. Das scheint auch mit der Notiz über die Reindarstellung eines Vitamins der Fall zu sein, also eines jener Stosse, die, auch als ErgSnzungsnährstosse bezeichnet, in un- meßbar geringen Mengen in den Nahrungsmitteln vorhanden sind. Auf deren Dasein konnte man bisher nur aus krankhasten Derände- rungen schließen, die auftreten, wenn sie in der Nahrung fehlen. Im Jahre 1900 fand der belgische Chemiker Wildier. daß die Hefe einen Stoff enthält, den er„Bios"(Leben) nannte, und von dem schon sehr geringe Mengen das Wachstum einer Hefekultur stark förderten. Dieses Bios ist es. das Professor Eddy nun rein und in kristallischer Form erhalten haben will. Der Schmelzpunkt ist, so besagt die Notiz weiter. 223 Grad; das Molekül enthält 5 Atome Kohle, 11 Atome Wasserstoff und 3 Atome Sauerstoff. Der chemische Bau ist noch ungewiß, dürste aber vielleicht ein reduzierter Pyridinring sein. Danach würde es sich also nicht um einen eiweißähnlichen Stois handeln, wie man bisher annahm, sondern um einen Kohlenwasserstoff. Professor von Euler, der hervorragende schwedische Vitamin- forscher, chot sich nun gegenüber dem Vertreter eines Stockholmer Blattes über dies« amerikanischen Angaben ausgesprochen. Er steht der ganzen Sache sehr skeptisch gegenüber. Wildiers angeblicher Lebensstoff Bios sei sicherlich identisch mit demselben wasserlöslichen Wachstumsfaktor, der schon oft in untrennbarer Gesellschaft mit K-Vttaminen aller Art in fast remer Form dargestellt worden ist. Das Ergebnis ist immer«ine kristallinische Substanz gewesen. Ihr chemischer Bau ist ziemlich gleichgültig: denn dieser Stoff ist nur der Träger, auf dessen Oberfläche der gesuchte lebenfördernd« Stoff haftet. Hierzu kommt der ärgerliche Umstand, daß das Präparat unter einem solchen Reimgungsprozeß immer unwirksamer wird. Dos Endcrzeugnis ist nahezu wertlos, wenigstens als Wachstums- faktor. Die tatsächliche Bedeutung von Professor Eddys neuer Unter. suchung liegt viellicht darin, daß es ihm gelungen ist.«in isoliertes Präparat von aktiverem Charakter zu erhalten als bisher. Aber über diesen wichtigen Punkt bewahrt die amerikanisch« Notiz voll- ständiges Schweigen. Sine rheinische heimatschau in Köln. Als man sich dazu ent- schloß, der ersten Kölner Messe im Meßgebäude in kurzem Adstand die rheinische Heimatschau folgen zu lassen, da stand fest, daß es be- sondere technische Schwierigkeiten zu lösen galt. Die rheinische Heimatschau, die den Reiz und di« Eigenart der cheinischsn Land- schasten in ihrer Verschiedenheit darstellen will, braucht Räum«, die den Ausstellungsgegenständen angepaßt sind. Die Heimalschau ist landschaftlich aufgeteilt. Sie wird die einzelnen rheinischen Land- schasten, Städte und Kreis«— das bergifch? Land, die Eifel die Mosel, den Hunsrück, den Westerwald, den Niederchein Köln Aachen usw.— alle in besonderen Räumen für stch geschlossen darstellen. Dazu kommen Sammelauestellungen wie die des Vereins für Denk- malsfchutz und Heimatpflege und de, rheinischen Wirtschastsv-r- Warum auf Seipel geschossen wurde. Schuftige Berleumdung der Wiener Gemeindeverwaltung Die wadere Kreuz- Zeitung", deren edlen Charakter selbst Bismard, der Großvater allerdings, auf das schärffte gebrandmartt hat, gibt folgender Darstellung ihres Wiener Mitarbeiters Raum: Es ist fein Zufall. daß der Mordanschlag auf den Bundes. tanzler knapp vor ber Genfer Tagung verübt wurde, auf der auch Dr. Seipel erscheinen sollte, um die hinsichtlich der Weiter. führung bes Sanierungswertes aufgetauchten Meinungsver fchiedenheiten abplanieren zu helfen. Je näher die Genfer Tagung rüdte und je wahrscheinlicher es wurde, daß die Sanierung der Staatlichen Finanzen aussichtslos bleibt, wenn gleichzeitig nicht auch in die Länderfinanzen und besonders in die Biener Rommunalwirtschaft Ordnung gebracht werde, desto heftiger und hemmungsloser wurde die Heze der sozialdemokratischen Blätter gegen die Regierung und besonders gegen den Bundes fangler Die Erbitterung in der Bevölkerung über die fozial. demokratische miswirtschaft in der Gemeinde Wien hat in der letzten Zeit außerordentlich zugenommen. Der Steuerbrud, den die sozialdemokratischen Gemeindegewaltigen ausüben, um horrends Summen zu unbekannten Zweden aufzustapeln, wird um fo unerträglicher, zumal da die fcgialdemokratische Gemeinderatsmehrheit im vollen Bewußtsein ihrer rechtswidrigen Baschawirtschaft ben oppofitionellen Gemeinderäten den Einblid in die Raffenbestände verweigert. Sie wehrt sich gegen jebe öffentliche Ron. trolle, fie befürchtet, daß in Genf eine foldye für notwendig befunden werden wird, und darum hat die sozialdemokratische Breffe, je näher die Genfer Tagung rüdte, ihre Angriffe gegen den Bundeskanzler zu einer Maßlosigkeit gesteigert, die den Mordanschlag auf Dr. Seipel durchaus nicht als eine leber: raschung erscheinen läßt. Soviel Worte, foviel schamlose Lügen! Dem Wiener Stadtsenat gehören auch Chriftlichsoziale als vollberechtigte Stadträte ant, die Finanzbebatten im Gemeinderat find öffentlich. Die Ge meinde Wien leistet dank ihrer scharfen Besiz. und Lugussteuern Lugus steuern Borbildliches, ja Mustergültiges, was die Teil nehmer an der Studienreise reichsdeutscher Gemeindeverwalter nach Wien, dafunter der Berliner Stabttämmerer, öffentlich) nach ihrer Rückkehr rühmend anerkannt haben. Gie Gemeinde Bien hat u. a. bereits zahlreiche Bollswohnungen erbaut, 25 000 Kleinmoh nungen find im Bau, die seit Jahren stillgelegte Stadtbahn wird in diesem Sommer noch von der Gemeinde in Betrieb gefeßt. Kulturzwede aller Art werden mit offener Hand gefördert, die Schönheit ber so hart mitgenommenen Stadt blüht nach dem Zeugnis alter Besucher wieder herrlich auf, der Leuchtbrunnen auf dem Schwarzen bergplak springt wieder, und das dankbare Bolt von Wien hat die fozialdemokratische Gemeindemehrheit bei der Neuwahl am 20. Df tober 1923 nicht nur bestätigt, sondern fogar noch vergrößert! Allerdings, die Wiener Rapitalisten, Broßen und Schmaroger überlaufen die chriftlichozial- großdeutsche Regie rung und gut vaterländisch!-auch den Kurator des Bölferbundes, Zimmermann, mit Bitten um Strangulierung der Wiener Gemeindefinanzpolitit, die die Zweimillionenstadt aus eigener Straft erhält und wieder aufblühen läßt. Und diesem Treiben der nicht ausnahmslos arischen Barasiten gegen das Wiener Arbeitervolt zu Hilfe zu kommen das ist die eble, aber aussichtslose Absicht dieses Kreuz- Zeitungs" Berichts, der seine Gemeinheit noch beson ders in der Beschimpfung des Bürgermeisters Genossen Seiß wegen - feines Krantenbesuchs bei Seipel offenbart. Der Attentäter Jaworek. Wien, 4. Juni.( WTB.) Der Attentäter 3amore? hielt, wie bie offiziöfe Polizeiforrefponbenz melbet, bei allen bisherigen Ber hören an seiner ursprünglichen Aussage fest, daß er den Anschlag auf den Burdeskanzler aus eigenem Antrieb ohne irgendwelche mittäter verübt habe. Nach den angestellten Nachforschungen war Jaworet bei seinen Arbeitsfollegen nicht beliebt. Ausführliche Ermittlungen der Wiener Arbeiter- Zeitung" haben u. a. ergeben, daß Jaworet fich längst als„ Opfer fozialdemo fratischen Terrors" ausgegeben habe, woraus man schon schließen bandes, die das ganze Rheinland umfassen. Köln z. B. stellt neben vielen Bildern das große 16 Meter lange Modell von Prof. Schu macher aus. Bonn stellt das Beethoven- und Arndt- Zimmer aus. Bon Bingen wird das Goethe- Zimmer hergebracht. Das Museum Don Mayen stellt ein Eifelzimmer aus. Bom Hunsrück wird ein charakteristisches Zimmer gezeigt und anderes mehr. In die Westhalle und einem Teil der Südhalle find Fachwerkbauten aus Holz eingebaut worden. Für die Bühnenschau, in der alle schaffenden Kräfte, die gegenwärtig im Theaterwefen des deutschen Westens wirffam sind und in der alle namhaften Bühnenbildner und Theater des Rheinlandes vertreten sein werden, werden besonders räumliche Bedingungen geschaffen. Mehrere Bühnen von besonderer Eigenart, so eine des nach Köln berufenen Bühnenbildners Pillars, werden in Naturgröße aufgestellt. Als dritte und vierte Gruppe der Ausstellung tritt die Bücher und Mufifalienschau hervor. fann, was er mit unserer Partei gemein hat. Der Abschiedsbrief an Sprachfehler eines Glawen, der nicht richtig deutsch kann. Jamorek seine Frau, die man bei ihm fand, zeigt übrigens die typischen wird also faum imftande gewesen sein, deutsche Reden und Schriften richtig zu verstehen. Regierungskrise in Danzig. Die Sozialdemokratie zur Regierungsbildung aufgefordert Danzig, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die nach der Neuwahl bes Boltstages von der Rechten gewählten 14 parlamentarischen Senatoren haben am Mittwoch ihren Rüdtritt erflärt. Die Re gierung war als Minderheitstoalition auf die Unterstüßung der Deutschsozialen angewiesen. Diese haben der Regierung ihre Unterstügung entzogen, weil ein abgesplitterter Deutsch. fozialer von der zu der Roalition gehörenden Boltspartei aufgenommen worden ist und die Deutschsozialen dadurch nicht mehr die Stärte einer Frattion hatten. Bei der Abstimmung über den Haushaltsplan blieb die Regierung infolge der so verstärkten Oppofition in der Minderheit. Die parlamentarischen Senatoren haben daraus ihre Folgerungen gezogen, im Gegensatz zu den acht bauptamtlichen Beamtensenatoren, deren vierjährige Wahlperiode erst im Herbst abläuft. Nach der Erklärung der zurückgetretenen Se natoren soll die Sozialdemokratie als stärtste Oppositions. partei nunmehr die Neubildung der Regierung des Frei staates Danzig übernehmen. Die sozialdemokratische Fraktion hat fich ihre Entscheidung vorbehalten, zumal über die Stellung der ent scheidenden bürgerlichen Mittel parteien nod) nichts betammt ist. Der Boltstag hat sich bis zur Klärung der Regierungstrije vertagt. Macdonalds Völkerbundreform. Der englische Premier fährt nach Genf. Condon, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) 3m englischen Außenamt tagte am Mittwoch unter dem Vorsitz Cord Parmoors eine Konferenz der verschiedenen Ministerien, die zu den Abfichten Macdonalds, der Vollversammlung des Bölferbundes in Genf am 25. Auguft d. 3. beizuwohnen und ihr ein Egpofé über die englische Außenpolitit vorzulegen, Stellung nahm. Lord Barmoor ist überzeugt, daß auch der tommende franzöfifche Ministerpräsident Herriot dem plane Macdonalds zuffimmen wird. Die Absicht Macdonalds geht dahin, in Genf gleichzeitig mit der Vollversammlung des Völkerbundes eine konferenz der alliterten Ministerpräsidenten abzuhalten. Außerdem beabsichtigt Macdonald, darauf hinzuwirken, daß der Stab des Völkerbundes fo bald wie möglich reorganisiert wird, da er ihn gegenwärtig in feiner jetzigen Zusammensetzung für ziemlich wirkungslos hält. Macdonald ist außerdem der Ansicht, daß der Bölferbundrat viet öfter zufammentreten und auch viel mehr den Charakter einer ständigen Erekufivbehörde erhalten muß. Er beabsichtigt in der Vollversammlung des Bölferbundes unter anderem auch die Sicherheitsfrage aufzuwerfen, die augenblicklich wieder in den Hintergrund getreten ist. Für diese Frage soll ein besonderer Generalstab des Bölkerbundes gefchaffen werden. Das italienische Krachparlament. Rom, 4. Juni.( Tul.) Die Oppositionsabgeordneten der Kammer murben nach ber gestrigen Sitzung von Faschisten ausgepfiffen und bedroht. Der Abg. Amendola entging mit Inapper Rot einem Attentat. Auch auf der Straße wurden die Bedrohungen und Beschimpfungen fortgefeßt. Bräfibenten bes Reichstages 23 allraf in Grwiberung bes BeReichspräsident Ebert befuchte am Mittwoch nachmittag, den fuches, den der Präsident und der Bizepräsident des Reichstages dem Reichspräsidenten abgestattet hatten. Averescu- Putsch in Rumänien? Prag, 4. Juni.( TU.) Nach hier eingegangenen Telegrammen ist der rumänische General Averescu an der Spitze von 50 000 Bauern in Bukarest ein marschiert. Das liberale" Sabinett Bratianu wurde gestürzt. Averescu hat gegen Bratianu und dessen Bruder, den Finanzminister, die Auflage wegen Fälschungen, korruption und Einführung eines Systems der Gewalt erhoben. Averescu ist in Rumänien sehr populär; er ist schon furz nach dem Kriege für eine Agrarreform eingetreten. In der Agrar reform hat nun die radikale Bauernpartei im letzten Jahr eine scharfe Propaganda mit sehr großem Erfolg betrieben. Es wäre bentbar, daß General Averescu als gemäßigter Bodenreformer einer agrarfommunistischen Revolution der Bauernpartei durch seinen Butsch zuvorkommen will. Averescu will die Frage der Schatzscheine und die Schuldenfrage und endgültig auch die beffarabische Frage mit Rußland regein, was er bereits 1920, als Sowjetrußland international noch nicht so fest fland, Eefürwortete. ** Die hiesige rumänische Gesandtschaft hatte bis zum Redaktionsschluß feine amtliche Nadyricht aus Butareit über einen Umsturz. Am 3. Juni war in Bufarest eine Rundgebung der Partei Averescus, an die fich Demonftrationen angeschloffen haben tönnen. Kleber Millerand. Paris, 4. Jumi.( Eigener Drahtbericht.) Millerands Widerstands traft ist entschieden stärker als sein Charakter. Er weigert sich nicht nur, der von der Mehrheit in Kammer und Senat gestellten Forde rung nach seinem Rüdtritt Folge zu leisten, sondern hat den zu Beginn der Woche bereits perloren gegebenen Kampf mit neuer Zuversicht aufgenommen und scheint dabei feine Hoffnungen vor nicht völlig geflärt au sein scheinen. Die demokratische Linke, die für allem auf den Senat zu fegen, wo die Mehrheitsverhältniffe noch sich allein über die Mehrheit in der ersten Kammer verfügt, hat sich zwar mit allen gegen fünf Stimmen ben von dem Linksblock der Rammer gefaßten Beschluß, in dem Millerands Berbleiben im Elysée als eine Gefährdung des republikanischen Regimes bezeichnet wird, zu eigen gemacht, aber an dieser Sizung haben nur 127 von 164 Mitgliedern teilgenommen, und Millerand scheint 8u glauben, daß die Abwesenden zu feinen Barteigängern selbst wenn sich im Senat eine schwache Mehrheit für eine De gehören. Man wird diese Frage getroft offen lassen dürfen; denn monftration 3 ugunsten Millerands finden sollte für eine Auflösung der Kammer wird sich eine solche Mehrheit unter feinen umständen finden. Das aber ist entscheibend für die Lage. Mil. lerand mag, wenn Herriot und andere Politiker der Linken seinen Auftrag zur Kabinettsbildung abgelehnt haben, einen feiner betrauen und in einer Botschaft an das Parlament appellieren. Das Schidial eines solchen Winifteriums ist im voraus ent. fchieden und mit ihm das seines Auftraggebers. Aber auch das ist noch feineswegs sicher. Es ist möglich, daß von sozialistischer Seite bereits am Donnerstag in der Kammer ein Antrag gestellt wird, die Verhandlungen zu vertagen, in Erwartung einer Mitteilung des Elysées. Wird dieser Antrag angenommen, was ziemlich sicher erscheint, dann wäre Millerand jedenfalls das bisher von ihm geltend gemachte Argument genommen, daß er sich nur einer in öffentlicher Abstimmung von den Parteien gefällten Entscheidung beugen werde b Die Reichsregierung hat gegen die fàiiiche Befola. bungs borlage, die am Montag vom Sonderausschuß bes Sächsischen Landtages angenommen worden war, Ginfpruch erhoben, ba fie gegen das noch bestehende Reichssperrgesez verstößt. finanziellen Lage dem Einspruch stattgeben. Die Sächfiiche Regierung wird angesichts der ungünſtigen Albanien. Die Lage ist verwirrter denn je. Die nationalistischen Aufrührer haben Zirana befezt. Painlevé Kammerpräsident. Paris, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat am Mittwoch nachmittag mit 266 von insgesamt 530 Stimmen den gemeinsamen Kandidaten der Parteien der Cinten, Paul Painlevé, bineffs Poincaré, hat 209 Stimmen erhalten. Die Kommunisten zum Präsidenten gewählt. Maginot, der starte Mann des fahaben dem Abg. Marty ihre 25 Sfimmen gegeben. Der gemeinsame Sieg der republikanischen Parteien vom 11. Mai hat damit feine erste Krönung erfahren. Die Wahl hat zugleich Gelegenheit gegeben, zum erffenmal in der neuen Kammer die beider feifigen Kräfte zu meffen, und der Ausfall hat gezeigt, daß die£ inte auch ohne die kommunisten über eine sichere und solide Mehrheit verfügt. Ob und wie lange Painlevé das ihm Das gepfändete Stadttheater. Der seltene Fall, daß ein Stadt- heute übertragene Ehrenamt verwalten wird, hängt von der Ent. theater Besuch vom Gerichtsvollzieher erhält, ereignete sich in Baden wicklung der Präsidentschaftskrise ab, denn Painlevé ist bei Wien. Das Badener Stadttheater hatte in der vergangenen neben dem Senatspräsidenten Doum ergue der Kandidat der Spielzeit mit ungewöhnlich großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dabei hatte es die Ablieferung der fälligen Luftbarkeits. möglich, daß er schon in den nächsten Tagen den Präsidentenstuhl im Luftbarkeitsinten für die Nachfolge Millerands, und es ist deshalb sehr wohl steuern von Termin zu Termin hinausgezögert. Die Finanzbehörde leitete nunmehr gegen das Stadttheater die Zwangsvollstreckung ein, Palais Bourbon mit dem Aufenthalt im Elysée vertauschen wird. woraufhin an einem schönen Vormittag der Gerichtsvollzieher er Zu Bizepräsidenten der Kammer wurden gewählt die schien und die Pfändung vornahm. Es stellte sich heraus, daß die Abg. Varenne( Sozialis), Godart( Sozialistisch- Republikaner), Theaterleitung auch die übrigen Außenstände nicht bezahlen fonnte. Dumesnil( Radikaljozialer), und Raynaldy( Radikale Cinte). Bon Der Betrieb des Theaters wurde am gleichen Tage eingestellt. Die Sozialisten wurden außerdem ins Bureau gewählt: die Abgg Stadt löste mit fofortiger Wirkung den Pachtvertrag mit dem zah. Barthe als Schriftführer, Rouger und Marquet als lungsunfähigen Direktor. Nunmehr wird auf dem Prozeßwege feft. Sekretäre. gestellt werden, wie weit die Stadt für die Verpflichtungen des Stadttheaters haftbar ist. Die Wasserflugzeuge der Amundsen- Expedition werden noch diese men bas britte Flugzeug fertiggestellt werden kann und bie Witte: Boche zur Zurüdlegung der ersten Etappe bis Zürich aufsteigen, rungsverhältnisse die Ueberfiegung der Alpen gestatten. Jungfranzöfifche Dichtung wird die Vollsbühne in ihrer nächsten literarischen Morgenfeier im Theater am Bülomplag am 15. Juni zum Bortrag bringen lassen. U. a. gelangt ein Ginalter von Bilbrac Der Heimatlose" zur ersten Aufführung. Regie: Friz Holl. Einlagfarten zu 1 M. in den Verkaufsstellen der Bollsbühne. ein 3m Deutschen Opernhaufe dirigiert am Donnerstag Felig gartner zum erstenmal in Berlin Tristan und folde". Der Maler Friedrich Kallmorgen ist im Alter von 77 Jahren auf seinem Landgut bei Durlach infolge eines Herzflags gestorben. Er war 1901-1918 Professor an der Berliner Atabemie, feitbem in Heidel, berg. Seine landschaftlichen Stimmungsbilder, Straßenansichten und Interieurs waren früher regelmäßig auf den Berliner Kunstausstellungen zu feben. Ein Chemifertongreß ohne Deutsche. Am 26. Juni treffen in open. hagen 150 Chemiter aus allen Beltteilen ein. Da die deutschen Gelehrten durch einen Beschluß auf einem der früheren Chemilerlongreffe aus. brücklich von diesem Kongres ausgeschlossen find, baben Sameben und Finnland erflärt, daß sie an dem Stopenhagener Kongreß nicht teilzunehmen wünschen. Es gibt natürlich feine nationalen Wissenschaften. Immerhin spricht bie hohe Bahl der Nobelpreise, die die deutschen Chemifer erhielten, bie beutiche Farbenindustrie und einiges andere eine beutliche Sprache. Ein Chemilerlongres ohne Deutsche ist ungefähr basselbe wie ein internationaler Gewerkschaftstongreg ohne Deutsche. Painlevés Antrittsrede. Paris, 4. Jumi.( WTB.) Nach der Wahl des Präsidiums wurde Nach Berbündigung des Ergebniſſes erklärt der Altersorgerne des die Sigung nach einftündiger Unterbrechung wieder aufgenommen. Bureau der Kammer für fonftituiert und fordert Vorsitzenden auf, feinen Sig einzunehmen. Abg. Painlevé ergreift darauf das Wort zu seiner Antrittsrede. Er stellt fest, daß es ihm nicht zustehe, ein politisches Programm zu formulieren. Es werde Sache der Regierung fein, im Einvernehmen mit ber Mehrheit aus den Wahlen die Lehre zu ziehen. Das allgemeine Stimmrecht gelte für alle und ihm müsse ein jeder sich beugen.„ Das Bolt hat geantwortet," ruft Painlevé,„ es lebe die Republit!" Der Kommunist Marty ruft dazwischen: Amnestie! Amnestie! Bainlevé fährt fort, seine Freunde und er achteten die Berfaffung und das Recht. Mean täusche fich, wenn man die Wahlen fassung und das Recht. Mean täusche fich, wenn man die Wahlen für das Ergebnis des Ausdrucks der Unzufriedenheit hielte, fie feien vielmehr eine Rundgebung des Bertrauens in die Zukunft der Demokratie und eine unermeßliche Friedenshoffnung. Eine unermüdliche und sinnlose ausländische Propoganda, der von franzöfifcher Seite mitunter thre Aufgabe erleichtert worden fei durch die Erzesse und die Intrigen unvorsichtiger Minderheiten, habe bem Märchen von einem imperia liftischen und militaristischen Frankreich Glauben verschafft. Heute gebe es in der Welt niemand, der, wenn er lonal fei, nicht anerkenne, daß das französische Bolt trok feiner Leiden und seiner Berluste teinen anderen Ehrgeiz als den eines ge= rechten Friedens habe, gerecht für alle Völker. Bainlené erinnert an bas Jahr 1917, wo mitten im Kriege die Rammer der Erflärung Beifall gezollt habe: unsere Forderungen. find unabhängig vom Schicksal der Schlachten, sie sind diejenigen bes Rechtes selber, der Sieg wird auch ihren Sieg bedeuten, aber er wird fie nicht erhöhen. Das sei das Ideal, das während der schlimmsten Prüfungen den Mut der franzöfifchen Soldaten gestählt und die Allianzen Frankreichs einig gehalten habe. Diesem Jdeal werde auch das Frankreich der Zukunft treu bleiben und auf ihm man Frankreich zufügen fönnte, fei die, es für fähig zu halten, nach überstandenen Gefahren die Grundfäße zu leugnen, in deren Namen Gerechtigkeit ohne Wiedergutmachung der begangenen Ungerechtig die freien Nationen ihm zu Hilfe getommen feien. Es gebe feine feiten. „ Wir wissen sehr wohl," fuhr Bainfené fort, daß böswillige, revanchelustige Kräfte unfer altes Europa aufrühren. Wenn imperialistische Parteien jenseits unferer Grenzen den Bersuch machen sollten, unsere menschlichen Bestrebungen als die Auswirkungen ihrer Drohungen aufzufassen, so würde das einen betlagenswerten Irrtum bedeuten, den sie selbst als erste Nation am eigenen Rörper verspüren werden. Wir wiffen aber auch, daß neben diesem zerstörenden Unfrieden menschliche Bestrebungen nach Frieden und Freiheit im Gange find und es wäre ein Verbrechen, wollte man fie erftiden, angeblich, weil fie noch zu schwach find, anstatt an ihrer Entwicklung mitzuarbeiten, bis zu dem Tage, wo fie genügend Kraft befigen um zu triumphieren." Painlevé schloß mit dem Ausspruch Jaurès:„ Ohne die Republif ist das Bolt machtlos, ohne das Volk ist die Republik eine leere Formel." Die Gewerkschaften und Herriot. Paris, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Berwaltung ber G. hat ihren Borstand beauftragt, mit Berriot in einen Ge bantenaustausch über die Durchführung des von den Gewerkschaften aufgestellten Mindestprogramms einzutreten. In einer Besprechung, die am Dienstagabend stattgefunden hat, hat Herriot die Zusiche rung gegeben, daß er dieses Programm gewissenhaft auf eine möglichst balbige Berwirtlichung ber darin enthaltenen Forderungen hin prüfen werde. Herriot wird Macdonald besuchen. London, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Es wird nunmehr ale ficher angenommen, bag Herriot nach seiner Ernennung zum französischen Ministerpräsidenten nach London kommt, voraussichtlich am 12. Juni. Gewerkschaftsbewegung Streik in der Berliner Herrenwäschefabrikation. Bom Bekleidungsarbeiterverband wird uns berichtet: In einer Versammlung am 30. Mai in den Germaniajälen faßten die Mitglieder des Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes den Beschluß, die Arbeit niederzulegen. Die Ursache ist folgende: Das letzte Lohnabkommen lief am 29. März 1924 ab. Die Forderungen der Arbeitnehmerschaft ließ der Arbeitgeberverband der Deutschen Herrenwäschefabrikanten( Ortsgruppe Berlin) unbeant wortet. Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband rief den Schlich tungsausschuß an, die Arbeitgeber ersuchten den Schlichter von Groß- Berlin um dessen Vermittelung. Da eine Zahl von 7000 Personen in Frage kommt und hiervon 6500 weibliche Be schäftigte sind, hielt der Schlichter die Angelegenheit für wichtig und erklärte sich für zuständig. Eine Vereinbarung konnte nicht getroffen werden, so daß der Schlichter einen Schiedsspruch fällte, der eine Lohnerhöhung von 5 Pro z. vorsah. Die Arbeitszeitfrage follte durch den Schiedsspruch derart geregelt werden, daß von der 49. bis zur 51. Arbeitsstunde die weiblichen Beschäftigten 3 Pf. und die männlichen Beschäftigten 5 Pf. und von der 52. bis zur 54. Arbeitsstunde die weiblichen Beschäftigten 6 Pf. und die männlichen 10 Pf. erhalten sollten. Den Borsiz in diesem Schiedsstreit hatte Herr Ober- Regierungsrat Dr. Grabein. Die Arbeitgeber lehnten diesen Schiedsspruch ab, während die organisierte Arbeitnehmerschaft den Schiedsspruch annahm. feben Schiebsfpruch abzulehnen, ber mehr als 48 Stimben in der Woche festlegt. Die darauffolgende Abstimmung ergab, daß mit überwältigender Majorität das Teilergebnis abgelehnt wurde und mit demselben Stimmenverhältnis wird der Ber: bandsvorstand ermächtigt, jeden Spruch sofort abzulehnen, der der Gehilfenschaft eine längere als die acht stündige Arbeitszeit aufoftropieren will. Angestellte der Berliner Metallindustrie! Heffen gegen die nene Gehaltsregelung der Beamten. liche Frattionsredner in scharfen Worten gegen den unsozialen Jm Finanzausschuß des Hessischen Landtages sprachen sich sämt Aufbau der Reichsbesoldungsordnung aus und forderten von der Regierung, daß sie auf eine baldige Aufbesserung der unteren Gruppen nachdrücklichst hinwirke. Die Regierung selbst er klärte, daß sie die jezige Regelung für Hessen nur notgedrungen annehme. Mantelberträge im Großhandel( Glas und Keramik, Eisen und Der Rahmentarifvertrag für die Angestellten im Elektrogroß handel ist abgeschlossen. Er lehnt sich im wesentlichen an die Stahl u. a. m.) an, nur hinsichtlich der Ueberstundenbezahlung find fleine Abweichungen vorhanden. Druckeremplare in der Geschäftsstelle des Zda. Auf Grund zahlreicher Anfragen teilen wir mit, daß der Ver2. Juni( Ablauf der Erklärungsfrist) teine Erklärung bezügband Berliner Metallindustrieller bis Montag, den lich des Schiedsspruches zur Regelung der Maigehälter abgegeben hat. Das ist gleichbedeutend mit einer Ablehnung, so daß unfererseits das Reichsarbeitsministerium zwecks Verbindlich feitserklärung des Schiedsspruches angerufen ist. Die auf Wunsch der Angestellten von uns beantragte Die Luisental- Glashütte St. Ingbert( der rheinpfälzischen InAtonto- 3ahlung ist gleichfalls vom BBMJ. abge= dustriestadt, die zum Saargebiet herübergenommen wurde) wird lehnt worden. ihren Betrieb einstweilen aufrechterhalten, nachdem die Belegichaft in Verhandlungen mit der Betriebsleitung in eine Lohnkürzung um 19 bzw. 12 Broz. eingewilligt hat. Die Betriebsleitung hat fich trotzdem das Recht der fristlosen Entlassung vorbehalten, falls ihr die Fortsetzung des Betriebes unmöglich erscheint. Die Glass hütte von Vopelius u. Bengel ist stillgelegt. Afa Metall Kartell. Günther. Lange. Rothe. Um die Löhne der Eisenbahner. Die Berhandlungen der Eisenbahnergewerkschaften mit dem Reichsverkehrsministerium über die Erhöhung der Arbeiterlöhne sind nach zweitägigen Besprechungen am Mittwoch nachmittag als gescheitert beendet worden. Das Reichsverkehrsministerium bot den Gewerkschaften an, eine generelle Erhöhung der Löhne um 5 Prozvorzunehmen. Die Gewerkschaften lehnten dieses Angebot ab, da es hinter ihren Forderungen start zurückblieb. Da das Reichsverkehrsministerium sich auf eine Erhöhung des Prozentsazes nicht einließ, wurden die Verhandlungen abgebrochen. Das Verkehrsministerium Die Arbeitnehmer beantragten die Verbindlichkeitser beabsichtigt nun, von sich aus für die Lohngruppen VII bis IV flärung des Schiedsspruches. Am 16. Mai erhielt der Beklei- eine Erhöhung von 5 Pro 3. vorzunehmen und für die Handdungsarbeiterverband jedoch die Mitteilung, daß der Schieds- werfergruppen eine Erhöhung zwischen 6 und 10 Pro 3. spruch nicht für verbindlich erklärt werden könne, da anzuordnen. Außerdem ist es geneigt, die Brennpunkte der Eifeneine wirtschaftliche oder soziale Notwendigkeit nicht vorliege. Wahrbahnerbewegung durch Ortszuschlag besonders zu befriedigen. lich, das Reichsarbeitsministerium leistet zur Erhaltung des Wirt- Die Eisenbahnergewerkschaften haben sich vorbehalten, ob sie an schaftsfriedens alles Mögliche! Nunmehr blieb der Arbeitnehmer- diesen Verhandlungen über die Ortszuschläge überhaupt noch teilschaft nur noch eins übrig, und zwar: den Kampf aufzunehmen. Be nehmen. Es ist anzunehmen, daß sie Verhandlungen über diese vor aber dieser Schritt unternommen wurde, wandte man sich noch Frage jetzt ablehnen. mals an den Arbeitgeberverband. Derselbe lehrte aber Berhandlungen ab und erklärte, daß er das Vertragsverhältnis nur dann erneuere, wenn wir bereit seien, die Arbeitszeitfrage in seinem Sinne zu regeln. Dies mußte selbstverständlich abgelehnt werden, da die Löhne dieser Branche innerhalb der Bekleidungsindustrie an legter Stelle stehen. Nachdem auch dieser letzte Versuch gescheitert war, mußte der Rampf aufgenommen werden, um diesen Machtstandpunkt der Mitglieder des genannten Arbeitgeberverbandes zu brechen. In der erwähnten Versammlung legte die Organisationsleitung den Versammelten nahe, erst bei den Firmen die Arbeit niederzulegen, wo die Stückentlohnung hier am Drte am niedrigsten ist. Es sind dies die Firmen: Cohn u. Ellenburg, Schönhauser Allee 55, Gebr. Borchardt, Blumenau u. Sohn, A.-G., Magner u. Co., Pappelallee 78/79, Erste Berliner Bäschefabrik, vormals Gebr. Ritter, Gerichtstr. 27, Philippsohn u. Leschziner, Neue Königstr. 83, Salomon Mosse, Alte Jafobstr. 77, Emil Grünbaum, Frankfurter Allee 316. Die Belegschaften dieser Betriebe haben dem Ruf ihrer Organisation Folge geleistet und nur wenige Arbeitswillige haben sich gefunden. Dazu gehören auch verschiedene Herren Zuschneider und kommt hierbei befonders die Firma Salomon Mosse in Frage. Die Arbeitgeber beantworten den Streif damit, daß sie in den nichtbestreiften Betrieben von der Belegschaft verlangen, für die bestreiften Betriebe Arbeit zu verrichten. Dies wurde abgelehnt und somit ist der Kampf auf der ganzen Linie ausgebrochen, da die Firmeninhaber der bisher nicht am Streit beteiligten Betriebe ihre Belegschaften zum Teil aussperren und der übrige Teil aus Solidarität die Arbeit niederlegt. Die Streifenden appellieren insbesondere an die Heimar beiterinnen, da der Kampf ja auch um ihr Wohl geht, solidarisch zu handeln. Da auch jugendliche Arbeitnehmer in Frage fom. men, wird den Eltern nahegelegt, ihre Kinder nicht zum Streitbreder werden zu lassen. Tarifverhandlungen der Lithographen. In einer überfüllten Versammlung der Steindruder, Lithographen und Kunstdruckphotographen Berlins berichtete Kollege Hoffmann über die Tarifverhandlungen und gab bekannt, daß wohl über einige Fragen eine Verständigung erzielt wurde, aber in den entscheidenden Punkten, nämlich Arbeitszeit, Lohnfrage und Ferien es zu feiner Verständigung gefommen ist. Infolgedessen sind die Verhandlungen als gescheitert zu betrachten. Ueber die strittigen Punkte haben die Arbeitgeber bereits das Reichsarbeitsministerium zur Schlichtung angerufen. Berhandlungen finden am 12. Juni statt. Der Verbandsvorstand legt der Kollegenschaft zwei Fragen vor: 1. Nehmen die Mitglieder das bereits vereinbarte Teilergebnis an? 2. Wie stellt sich die Kollegenschaft zu einem eventuellen Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums? In der Diskussion tam zum Ausdrud, daß die Kollegen selbst das Teilergebnis ablehnen, weil die entscheidenden Punkte nicht geregelt seien und die Einführungszulage von 2 und 3 M. völlig ungenügend sei; des weiteren wird vom Verbandsvorstand verlangt, Personalabbauverordnung und Betriebsräteschuh. Aus Königshütte wird gemeldet, um die angekündigte Schließung der Königshütte und damit die Entlassung von über Aufträge erteilt, so daß der Betrieb über den 16. Juni hinaus 5000 Arbeitern zu vermeiden, habe die polnische Regierung größere augebilligt worden sind. fortgeführt werden kann, zumal der Hütte Kreditvergünstigungen Die Wojewodschaft Kattowiz hat zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit im oftoberschlesischen Industriegebiet 1 Million 3loth telegraphisch bei der Warschauer Regierung angefordert. Fabrik ein ernster Streiß entstand. Den Arbeitern wurde der Lohn Aus Lodz wird berichtet, daß in der nahegelegenen Widzewer nicht ausgezahlt.(!) Sie forderten daher vom Fabrikdirektor die Unterzeichnung einer Anweisung, die dieser verweigerte. Er soll deshalb schwer mißhandelt worden sein. ,, 200 Polizisten fonnten der 100 Arbeiter, die sich im Bureau der Fabrit verbarrikadiert hatten, nicht Herr werden. Erst der Feuerwehr gelang es, sie zu zerstreuen. Die Fabrik ist geschlossen worden." Wie nun, wenn anstatt der 200 Polizisten ein einziger Polizist dafür eingetreten wäre, daß den Arbeitern entweder der Lohn ausgezahlt werde, den sie verdient hatten und den sie zum Leben mouwendig gebrauchten, oder falls fein Geld vorhanden irgendein Ausweg geschaffen wurde, den Arbeitern zu helfen. Die übrigen Polizisten brauchten dann samt der Feuerwehr nicht in Aktion zu treten. war Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Das Reichsfinanzministerium hatte turz nach Erscheinen der Personalabbauverordnung den Standpunkt eingenommen, die PAV bedeute eine gefeßliche Verpflichtung zur Entlassung aller An= gestellten, so daß ein Einspruch nach§§ 85 und 96 BRG. nicht möglich sei. Diesen Standpun ft hat das Ministerium auch beibehalten, obwohl die Personalabbauverordnung nur Die Bewegung der Tabafarbeiter in Saloniki wird durch § 84, BRG. außer Kraft setzt. Die Folge war die Entlaf folgende Mitteilung des JAAB. beleuchtet: Die griechischen Tabalsung besonders von Angestelltenratsmitgliedern. arbeiter, die schon von 1918 bis 1920 die Opfer einer ArbeitsBezeichnenderweise ist das Reichsfinanzministerium in Lofigteit waren infolge von maschinellen Verbesserungen in der diefer Frage in feinen eigenen Dienststellen führend voran Herstellung, und die zu interessanten Maßnahmen der Regierung gegangen. Die Arbeitsgerichte hatten sich zum Teil den Anlaß gab, die es den betroffenen Arbeitern erleichtern sollten, in Standpunkt des Reichsfinanzministeriums angeschlossen, zum grö einen anderen Beruf überzugehen, sind von neuem Opfer einer Beren Teil aber gegen teilige Schiedssprüche gefällt. großen Geschäftsstille geworden. Diesmal wurde die Bemerkenswert ist, daß das Reichsarbeitsministerium von Anrise hervorgerufen durch die umfangreiche Ausfuhr fang an den Schutz für die Betriebsratsmitglieder auch weiter für von Robtabat. Der Tabalarbeiterverband und der Gewerkgegeben erachtet. In einem von unserem Verband anhängig ge- schaftsbund haben verlangt, daß diese Ausfuhr in Zukunft verboten machten Prozeß hat das Oberlandesgericht Kiel deutlich zum Ausdruck gebracht, die Personalabbauverordnung stelle eine als Grundlage für einen Erwerbslosenfonds dienen soll. werden soll. oder eingeschränkt durch eine Steuer, deren Ertrag Berpflichtuna zur Entlassung der Angestellten nicht dar, vielmehr seien die Schutzbestimmungen für die Betriebsratsmitglieder nach wie vorzu beachten. Für das Vorliegen einer Achtung, Funktionäre der Transportarbeiter in der Berliner gefeßlichen Berpflichtung würde nach der Begründung des Urteils maßgebend d sein, wenn in der PAV. vorgeschrieben wäre, welche bestimmten einzelnen Perfonen oder welche bestimmte Gruppe von Personen auszufcheiden haben. Soll die Ausnahmebestimmung des § 96 2bs. 2 3ff. 1 BRG. Plaz greifen, so muß die gesehliche Verpflichtung zur Entlassung bestimmter einzelner Personen bestehen. Da die Personalabbauverordnung den Behörden derartige Verpflichtungen nicht auferlegt, müssen die Schuzbestimmungen für Betriebsratsmitglieder in voller Höhe aufrechterhalten blei. ben. Soweit das Urteil. Namhafte Arbeitsrechtslehrer, u. a. Rastel, hatten schon früher die gleiche Rechtsanficht.. Schlichtungsversuch in der Kachelofenindustrie. Der Schlichter der Provinz Brandenburg hatte die Ofenfabrifanten und die in den Fabriten beschäftigten Töpfer des Bezirks 1 des Kachelofenfabrikantenverbandes zur Verhandlung und Regelung der Differenzen zu Dienstag nach Berlin geladen. Nach fünfstündi gen vergeblichen Vorverhandlungen trat ein Schiedsgericht unter Borsiz des Schlichters zusammen, aber auch dieses konnte zu feinem Besultat kommen. Der Schlichter entschied schließlich ohne Buftimmung der Beifiker: ,, Bom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit soll ein Stundenlohn von 56 Goldpfennigen gezahlt werden; der Affordmultiplikator beträgt 0,85. Geltung des Spruches bis 15. Juli. Erklärungsfrist bis 7. Juli". Die Annahme bei den Arbeitnehmern erscheint zweifelhaft, da die Differenz bis zum geforderten 70- Pf.- Stundenlohn noch erheblich ist. Die Fabrikanten haben am 30. Mai die Aussperrung für Brandenburg, Pommern und Mecklenburg beschlossen und zum großen Teil durchgeführt. Bei den Vorverhandlungen am 3. Juni ließen sie durchblicken, daß nach Pfingsten eine Generalaussperrung für ganz Deutschland geplant iſt. Kommt der Schiedsspruch nicht zur Annahme, so ist demnach mit einer weiteren Verschärfung des Kampfes zu rechnen. Metallindustrie! Morgen, Freitag, abends 7 Uhr, in Gaal 3 bes Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, allgemeine Funktionärversammlung. Stellung nahme zum Resultat der Urabstimmung. Sämtliche Vertrauensleute, Betriebs. räte und Generalversammlungsdelegierte find zum Besuch verpflichtet. Einlag erhält, wer fich durch Funktionärkarte und Mitgliebsbuch ausweisen fann und mit seinen Beiträgen nicht über vier Wochen im Rüdstand ist. Deutscher Verkehrsbund, Sektion 5, Industriearbeiter. Zentralverband der Maschinisten und Seizer Morgen, Freitag, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal u, Generalversammlung. 1. Geschäftsbericht. 2. Rassenbericht. 3. Anträge zur Generalversammlung. 4. Berschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden dienstfreien Kollegen, pünktlich zu der Bersammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Sotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlaasanfalt Baul Ginger u. Co.. Berlin S. 68. Lindenstraße 3. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Sierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". Sophien- Säle Säle frei! Telephon: Norden 9296 Sophienstr. 18 Koch& Teeland bringen in der Mode das Neueste Herren- Stoffe„ reine Wolle" 6.- 8.für Anzüge, Paletots usw... Mir. Damen- Stoffe„ neue Farben 3.- 5.für Kleider, Röcke usw... Mfr. Gertraudtenstr. 20/21 gegenüber Petrikirche. weiß Kräuselstoff, Größe 50-100 cm.. Kampedrucktem Ripe mit Prepel and 1.90 Besonders preiswerte Frottierhandtuch the S- 10 1.35 Bluse Kleiderrock Frotté. Knopfgarnierung aus vorzüglichem gestreiften 4.90 Kleid aus bedrucktem Voll- Voile... 12.75 Morgenjacke aus bedrucktem Musselin.. 3.90 Gartenkleid aus einfarbigem Zephir..... 9.50 Reisemantel aus imprägniert. Covertcoat 19.50 .0.45 Bubikragen Hohlsaum.... aus doppeltem Mull mit plissiert mit Rüschen- Schalkragen Hohlsaum... 0.95 Seidenflor m. Laufmasche, 1.75 Pfingst Angebote: aus gestreiftem Perkal mit passendem Kragen 4.90 m mit buntem Besatz, Geishaform oder mit Umlegekragen 5.75 0.35 für Damen, mit Trikot- Badeanzug aufgesetztem Rock, 6.50 schwarz oder farbig... .Mittelgröße Bademantel aus gutem Frotherstoff... 19.50 Sportgürtel Vollrindleder, hell oder dunkel 1.95 Damenhandschuhe Leinen- Nachahm. Kupeekoffer und 2 Schnäppern, 55 cm... mit 2 Druckknöpf. 0.90 niet, mit Schloß 5.50 Kopfbürste weiß, gute Ausführung...... 1.00 Garten- u. Balkondecken waschecht Farbiges Oberhemd und Klappmanschetten Herren- Nachthemd Herren- Sportkragen aus weißen Rips- oder Panamastoffen. ... 5.90 Herren- Waschjoppen hochgeschlossene oder offene Form... Herren- Gummimäntel weite Form, gute Gummierung... 19.50 19.50 Herren- Socken Baumwolle, schwarz, farbig 1.55 Herren- Regenmäntel imprägniert, baumwollener Covertcoat... mit Doppelsohle, 29.00 Büstenhalter Gummi aus weißem oder rosafarbigem 1.80 Sport- u. Reise- Anzug 4 teilig, mit Breeches und langer Hose 68.00 Weiße Sportschuhe mit Gummisohlen, Spielhöschen Qualität, Länge 45, 50, 55 3.90 Selbstbinder offene Form in großer Farbenauswahl........ 0.90 Damen- Strümpfe schwarz, grau, mode gestreift. Waschstoff, vorzügl. Herren- Taschentuch weiß Linon.. Damen- Taschentuch weiß Batist m. Langette u. bestickter Ecke 0.20 0.25 braun, Gr. 120x120 cm 3.95 Gr. 130 × 130 cm 4.95 Einzelpaare Halbschuhe Rahmenarbeit, Damen- Größen 9.50 Herren- Größen 11.50 Größe 35-40 6.90 Größe 41-46 8.75 Nfsrael GEGRÜNDET 1815 BERLIN C SPANDAUER STRASSE. KÖNIGSTRASSE Herren- Strohhut Matelotform Damen- Südwester 1.90 aus weißem oder farbigem 2.90 Satin.... JTr.2�1 4 41. Ivhegons 7. vsnnecstag� 5. Juni 1924 in Ferienheim der Alljährlich zu?''ngstm r.erar.fts'fii tne„T o z i a l i st i s ch s Arbeiterjugend' in ollen Teilen Deuts ckilands Bezirk-jugend, tage, um den Forderungen noll) Iugcndschutz und Jugendrecht den nottvendigsn Nachdruck zu oerleihen. Weiter soll auf diesen Kund- geHungen, wozu sich in ihren Bezirken oft Taufende Juzendgenossen und-genossinnen zusammenfinden, aufs neue ein Treubekenntnis zur Republik abgelegt werden. Auch die Berliner Sozialistische Arbei- terjugend rüstet zum Bezirksjuaenddog, der im alten Branden- bürg a. d. Havel stattfindet. Aber die Berliner Jugend wird dort nicht nur ihr Bezirkstreffen haben. Der Neubau des herrlich gelegenen Landferienheims bei Brandenburg a. d. Hovel am Ouenzfee, ein Werk der Berliner Arbeiterjugend, soll eingeweiht werden. Die folgenden Zeilen oersuchen, von dem Bau zu erzählen, wobei auch die Stadt Brandenburg nicht vergessen werden darf. Das EtaötbUö Sranöenburgs weist eine seltsame Zerrissenheit auf, bedingt durch die vielfach stch teilende Havel. Man kann nicht weniger als fünf deutlich getrennte Stadtteile feststellen. Zwischen Bahnhof, der Unterhovel und dam Schleusenkanal erstreckt sich dos moderne Fabrikenoiertcl. Die alt- berühmten Brennaborwerke dominieren hier. Umschlossen von Ober- Havel, Unterhaoel und Schleufenkanal liegt die Neustadt, nördlich davon auf einer Havelinsel, eigentlich ein winziges Städtchen für sich, dos Vomvierlel, westlich von diesem, wiederum ein eigenes Städtchen, die Altstadt und südwestlich von hier dos Kasernen, und Industrieviertel. Was Berlin nicht hat oder doch in so geringem Um- sang, daß man es suchen muß, das findet sich in dieser aus eine uralte Siedlung zurückgehenden Hauptstadt des Haoellondes reichlich: künstlerisch hervorragende Baudenkmäler. Da ist das berühmteste, die Katharinenkirche, bereits 1ZSS an Stell« eines älteren romanischen Gottesl>auses erbaut, ein Hauptwerk des spät- mittelalterlichen Backsteinboues. Di« äußer« Architektur der Kirche weist ein« großartige Entwicklung auf. Fassade und Giebel der Fron- leichnamskapelle an dieser Kirch« ist wohl mit das Schönste, was norddeutsche Backsteingotik hervorgebracht hat. Man muß Ruhe, Liebe und auch Kunstverständnis hoben, um die Schönheit dieses alten Baues zu genießen. Nicht minder wertvoll ist das Innere der Kirche. Das erweiterte Ferienheim i Die älteste Kirche der Stadt ist jedoch die in der Altstadt gelegene St. Gosihardkirchc. Der heidnische Fürst Pribislaw erbaute sie, als er zum Christentum übergetreten war, im 12. Jahrhundert. Di« Felösteinfundamente stammen noch aus dieser uralten entlegenen Zeit. Beachtenswert ist auch die Äikolaikirchs aus dem 12. und die Iohanniskiräie aus dem 13. Jahrhundert. Wer aber in stiller Ab- gcschiedenheit ein Stückchen heute traulich anmutendes Mittelalter genießen will, der pilgere zur Dominsel. Der Dom ist äußerlich ein- fach, bietet aber im Innern wegen seiner prächtigen Ausstattung«in« Ueberraschung. Ein Prachtstück der profanen Baukunst ist das Alt- städtische Raibaus, das leider feit der kommunalen Bereinigung von Altstadt und Neustadt nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck dient. Das Neustädtische Rathaus ist weit weniger interessant. Man muß aber mit stiller List sich nach seiner Rückfront durchzuschlängeln ver- stehen, dann wird man voller Ueberraschung gewahr, was dieses Ge- bände architektonisch«inst bedeutete. Vor dem Rathaus steht ein Roland als Zeichen alter Städteselbstherrsichkeit gegenüber Fürst«« und Adel. Bemerkenswert sind noch einige oft« Tortürme, so dos bis zu 3l/> Meter dick« Steintor und der achteckige Torturm des Mühlenlores. Brandenburg gehört zu den Städten, durch die man immer wieder langsamen Fußes ziehen muß, und in denen man immer wieder neue Schönheiten entdecken kann. Man muß nur suchen und schauen können. Seine berühmteste Stätte aber ist und bleibt der harlungerberg, feßt Marienberg, den einst ein weitbe- rühmter Triglawtempel krönt«. Aber der Ehrist geworden« Heiden- fürst Pribislaw selbst zerstörte den Tempel und erbaute ans den Trümmern«ine viertürmige nicht minder berühmte Marienkirche, deren Reste dann wieder Friedrich Wilhelm l. abtragen und zum Bau des großen Militärwaifenhauses in Potsdam verwenden ließ. Heute erhebt sich in schauderhafter Architektonik dort oben ein Vis- marckiurm, den man aber dock» besteigen muß, um eine unvergleich- liehe im Osten bis Potsdam reichende Fernsicht zu haben. ?m Lailöheim am �enzsee. Don der Stadt Brandenburg aus bestehen zwei Möglichkeiten, zum Quenzsee. wo sich unser Heim befindet, zu gelangen. Entweder fährt man vom Bahnhof mit der Straßenbahn zum Caföhaus Görden, von wo aus ein Weg durch«inen Laub- und Kiefernwald zum Landheim führt, oder man benutzt den Weg durch die Stadt an den Kasernen vorbei über die Magdeburger Chaussee. Bald taucht die zum Walzwerk Lux gehörende Siedlung aus, die wir hinter uns lassen. Dieser Weg ist wegen seiner allzu großen Nüchternheit nicht zu empfehle». Wir fahren also nach Görden und wandern durch den prächtigen Kiefern- und Laubwald, an der Landesanstalt vorbei bis zur Planer Straßenbrücke und biegen dort rechts ab. Bon hier aus haben wir in wenigen Minuten das Heim, das linker Hand liegt, erreicht. Umgeben von Laub- und Kiefernbäumen hat es hier einen herrlichen Platz gefunden. Vor dem Haufe liegt der durch seine Bereinigung mit dem Plaue? S« riesengroß erscheinende Quenz- se«. Der Bau selbst ist ein sogenannter Zachwerkbau. Die Mauerung ist von Holz umkleidet, so daß selbst im Winter kein« Kälte ein« dringen kann. Der alt« Bau. das ehemalig« Bootshaus, weist zwei große Schlaftäume auf, ein« geräumige Sochküche und zwei Zimmer für den Verwalter. Jetzt, nach dem Erweiterungsbau, ist verfchic- denes anders geworden. Der Neubau, den unser Bill» zeigt, sieht mit seiner Außenftont dem Quenzsee zu. Einig« Stufen führen zu «wer prächtigen Der an da, von der ein« Tür in den Herbergs- räum führt- Wanderer aller Richtungen können hier, soweit sie dem Bunde für Jugendherbergen angehören, übernachten. Ein« kleine Kochmaschin« dient zur Herstellung von Mahlzeiten. Die vor- Sin erwähnten Schlaftäume im allen Vau stehen allein der Sozia- stifchen Arbeilersugend für den Zerienaufevibatt zur Verfügung, Don der Deranda im Neubcw führt ein« Sttege zu einer weiteren Deranda im„1. Stock' und zum Tagesraum, der freundlich und ge. fchmackooll eingerichtet ist. Im Keller befinden stch die Wasch- gelegenheiten für Burschen und Mädels. Weiter finden wir da unten ein« Waschküche und einen Dorrotsraum, der um so not- wendiger ist. weil jeder, der dort seine Ferien verleben will, stch m volle Pension geben kann. Zür 1,20 Ulk. täglich erhält der„Pensio- när" Morgenkaffee mit zwei Buftersemmeln. einen viertel Liter Milch, ein kräftiges Mittagessen, bestehend aus Fleisch, Kprtoffeln und Gemüse, nachmittag« wiederum Kaffee mit Zubrot und endlich abends Kakao oder Tee. Der Verwalter hat ein neues großes Zim- mer erhalten und dafür«in kleineres abgetreten, das nun künftig als Anmeldezimmer dienen soll. Korbmöbel, die sich beinahe in jedem Zimmer befinden, tragen mft dazu bei, die Wohnlichkeit der Räume zu erhöhen. Nicht weniger als 80 Betten für den Ferien- verkehr sowie 100 Plätze für die Herberg« stehen für die Nacht zur Verfügung. Auch von außen macht der Gefamtbou einen an- sprechenden Eindruck. Die Holzbekleidung fit mit Karbolineum gestrichen. worauf weiße Leisten genagelt sind. Um dos ZustonMommen des Heimes machten sich insbesondere verdient der Brandenburger Oberbürgermeister Genosse Auslän- der und der ftühere Stadtrat Genosse Caspari ljetzt Landes- Katharinenkirche in Brandenburg Hauptmann in der Provinz Grenzmark). Schließlich sei noch der Verwalter des Heimes, der Genosse Erich Voigt erwähnt, der da- mals, als das Haus noch einer Rumpelkammer glich, es allein in feine Obhut nahm. * Soweit die Beschreibung des Heims. Wer mehr wissen will, muß sich zu Pfingsten noch Brandenburg begeben. Für die Ber- liner Arbeiterjugend heißt die Parole: Auf zum Quenzsee zur Ein- weihung unseres Ferienheims! Selbftmorü im Gefängnis. Der zu lebenslänglichem Zuchthau» oerurteilte Landwirt- schaftslehrltng Eurt Weiß hat im Untersuchungsgefängnis in Moabit in seiner Zelle Selbstmord verübt. Wie erinnerlich, hatte Eurt Weiß, der Sohn eines höheren Beamten in Vaduz, im' Staat Lichtenstein den Schlächtermeister Wächter bim Wechseln einer Fünfhunderrsranknote mit dem Revolver erschossen und be« raubt. Er war nach Berlin geflohen und lsier ergrifft» worden. Infolgedessen war die im Ausland von einem Deutschen ausgeführte Straftat vor dem Berliner Gericht abgeurteilt worden. In der Der. Handlung ljatte der aus Antrag von Rechtsanwalt Bahn vernommen« Msd.-Rat Dr. Störmer den Beweis als leicht geisteskrank bescheinigt. Die Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Friedmann hatte nicht Mord angenommen, sondern Raub mit Todeserfolg und hatte auf lebenslängliches Zuchthaus erkannt. Unter dem Eindruck feiner Strafe hat Weiß an seinem 20. Geburtstag seinem Leben«in Ende gemacht. Als die Gefängniswärter morgens die Zell« öffnen wollten, fanden sie die Tür von innen verrammelt, so daß es Müh« kostete, dieselbe zu öffnen. Weiß, der sich erhängt hatte, war bereits tot. *] Pukois. Don Anaiole France. „Die Beschreibung könnte freilich auf Putois passen,' meinte mein Vater. „Sehen Sie wohl!' fuhr Frau Cornouiller fort.„Uebri- gens habe ich ihn angerufen. Ich rief: Putois! und er drehte sich» um.' „Dieses Mittel wenden allerdings auch die Sicherheits- Polizisten an, um die Identität von Verbrechern, denen sie nachspüren, festzustellen." „Wie ich Ihnen sagte, er war es!... Ich wußte wohl, daß ich Ihren Putois finden würde. Der Mensch hat ein böses Gesicht. Sie und Ihre Frau waren sehr unbedacht, ihn bei sich in Arbeit zu nehmen. Ich verstehe mich mif Physiognomien, und wenn ich ihn auch nur von weitem gesehen habe, so könnte ich doch darauf schwören, daß er ein Dieb, ja vielleicht ein Mörder ist. Seine Ohren haben keine Ränder, das ist ein un- trügliches Zeichen." „So, Sie haben bemerkt, daß seine Ohren keine Ränder haben?" „Mir entgeht nichts, mein lieber Herr Bergeret. lassen Sie Putois nicht wieder zu sich ins Haus kommen, wenn Sie nicht wollen, daß Sie mit Frau und Kindern ermordet wer- den. Noch eins rate ich Ihnen: Lassen Sie all ihre Schlösser ändern." „Einige Tage darauf geschah es, daß aus Frau Cor- nouillers Obstgarten drei Melonen gestohlen wurden. Da man den Dieb nicht fand, so hatte sie Putois in Verdacht. Die Gen- darmen wurden nach Monplaisir gerufen, und ihre Ermiit- lungen bestätigten Frau Cornouillers Argwohn. Herumziehende Landen suchten zu ftner Zeit die Gärten der Gegend heim. Aber diesmal schien es, als sei der Diebstahl von einer einzigen Person und mit außerordentlicher Geschicklichkeit ver- i-bt worden. Keine Spur von dem Einbruch war zu bemerken. noch irgendwelche Fußabdrücke aus dem feuchten Erdreich. Nur Putois konnte der Dieb sein. Das war die Meinung des Wachtmeisters, der lange.Geschichten über Putois kannte und alle Anstrengungen machte, um de» lockeren Vogels habhaft zu werden. Die Zeitung von St. Omer widmete den drei Melonen von Frau Cornouiller einen Artikel und veröffent- lichte nach ihr zugegangenen Mitteilungen eine Personal- beschreibung von Putois. Er hatte eine niedrige Stirn, so hieß es in der Zeitung, glasige Augen, einen unsteten Blick. Gänsefüße an der Schläfe, hervortretende rote, glänzende Backenknochen. Die Ohren haben keinen Rand. Er ist mager, gebückt, anscheinend schwäch- lich, aber in Wirtlichkeit von ungewöhnlicher Stärke und kann mit Leichtigkeit«in Fünffrankstück mit Daumen und Zeige- finger zusammenbiegen. Man habe allen Grund, behauptete die Zeitung, ihm«ine ganze Reihe von Diebstählen zuzuschreiben, die mit über- rafchendem Geschick ausgeführt seien. Die ganze Stadt beschäftigte sich mit Putois. Man erfuhr eines Tages, daß er oerhaftet und ins Eefängnisregister ein- getragen sei. Aber man erkannte bald darauf, daß der Mann, den man für ihn gehalten hatte, ein Almanachverkäufer war und Rigobert hieß. Da man keine Anklage gegen ihn erheben konnte, so wurde er nach vierzehnmonatiger Untersuchungs» Haft entlassen. Putois ober war nicht aufzufinden. „Frau Cornouiller ward das Opfer eines weiteren Dieb» stahls, der noch frecher ausgeführt war. als der erste... Man stahl aus ihrem Büfett drei kleine, silberne Löffel. Sie glaubte, daß Putois seine Hand dabei im Spiel ge- habt habe, ließ an ihrer Tür eine Kette anbringen und konnte nicht mehr schlafen. 3. Gegen zehn Uhr abends, nachdem Pauline auf ihr Zimmer gegangen war, sagte Fräulein Bergeret zu ihrem Bruder: „Vergiß nicht den Vorfall, Lucien, daß Putois die Köchin der Frau Cornouiller verführte." „Ick, habe schon daran gedacht, liebe Schwester, das ist ja das beste von der ganzen Geschichte. Aber alles der Reihe nach. Putois wurde eifrig von der Justiz gesucht, sie konnte ihn aber nicht ausfindig machen. Als man erfuhr, daß er nicht zu entdecken sei, setzte jedermann seine Ehre darein, ihn aufzu» finden. Den Männern gelang es auch. Und da es viele Männer in St- Omar und in dar Umgegend gab, st» wurde Putois gleichzeitig auf der Straße, auf den Feldern und im Walde gesehen. Es wurde ihm daher eine weitere Eigentum- lichkeit beigelegt. Man oerlieh ihm die Gabe, überall zu sein, die so viele populäre Helden besitzen. Ein Wesen, das imstande fein soll, in einem Äugenblick weite Entfernungen zu durch- messen und das plötzlich da auftaucht, wo man es am wenigsten oermutete, jagt gerechten Schrecken ein. Putois wurde der Schrecken von St. Omer. Frau Cornouiller war überzeugt, daß Putois die drei Melonen und die drei kleinen, silbernen Löffel gestohlen habe. Sie lebte in steter Angst vor ihm und verbarrikadierte sich in Monplaisir. Aber Riegel» Schlösser. Gitter und Ketten vermochten sie nicht zu beruhigen. Putois war für sie ein Wesen von Entsetzen erregender Subtilität, das durch Türen hindurchdringen könnte. Dazu kam ein häus- liches Ereignis, das ihre Angst noch verdoppelte. Ihre Köchin war verführt worden, der Augenblick kam, da sie ihren Fehl- tritt nicht mehr verbergen konnte, aber sie weigerte sich hart- näckig, ihren Verführer zu nennen." „Sie hieß Gudule," sagte Fräulein Bergeret. „Ja, Gudule hieß sie. und man glaubte, sie sei gegen die Gefahren der Liebe durch einen langen gabelförmigen Bart. den sie am Kinn trug, geschützt. Ein plötzlich entstandener Bart beschützte weiland die Jungfräulichkeit jener helligen Königstochter, die in Prag verehrt wird. Gudules Bart, der sich keineswegs mehr im Anfangsstadium befand, hatte aber doch nicht ausgereicht, ihre Tugend zu verteidigen. Frau Cornouiller drang in Gudule, daß sie ihr den Menschen nenne, der sie mißbraucht und dann in der Rot oerlassen hatte. Gudule brach in Tränen aus. aber sie schwieg. Bitlen und Drohungen bliebet, erfolglos. Frau Cornouiller stellte eine lange, eingehende Untersuchung an. Sie fragte in geschickter Weise ihre Nachbarn aus, die umwohnenden Weiber, die Liefe- ranten, den Gärtner, den Chausseewärter, die Gendarmen, doch nichts brachte sie auf die Spur des Schuldigen. Aufs neue versuchte sie. von Gudule ein Geständnis zu erlangen.„Sagen Sie mir doch in Ihrem eigenen Interesse, Gudule, wer es ist?" Gudule blieb stumm. Plötzlich wie ein Lichtstrahl kam Frau Cornouiller der Gedanke:„Putois ist es gewesen!" Die Köchin heulte und antwortete nicht. Es ist Putois! das hätte ich mir gleich denken können! Natürlich ist er es und kein anderer!. O, du Unglückselige!" sSchiutz j Der Zwölfjährige entdeckt. Die Straße dampft: Während sie mit tausend Zielen an ihn vorübergleitet, besinnt er sich darauf, daß es nüßlich wäre, über die Konstruktion der Schaufenstermartisen und Sonnendächer genaueres zu erfahren. Mit 12 Jahren fühlt er heute die Verpflichtung dazu. Morgen werden es die Schienenfreuzungen sein, übermorgen die Normaluhren und das Innere der Litfaßsäulen. Dann fämen viel leicht die finsteren Löcher der Gullys( so fatakombenähnlich die Geheimnisse von Paris). Aber das weiß er noch nicht. Zunächst sind eben die Markisen dran. Er steuert an den Mauern entlang. Heute existieren nicht die billigen Bonbons, nicht die kleinen Modellmaschis nen, die sich bewegen, nicht die Hosenträger, nicht die künstlichen Schuhsohlen. Heute versinkt alle Herrlichkeit der Straße bis auf die Markisen. Er überlegt im Spähen: wie fonnte man bisher an solchen Wichtigkeiten, die ihre Konftruftion wie ein Geheimnis, doch fühlbar, faßbar und erperimentierbereit zur Schau tragen, unbedenklich vorübergehen. Wie war es möglich, all die hundert Stride, Retten und Kurbeln, die da zum Anfassen bereit an den Fenstern baumeln, unberührt zu laffen. Ah, wie sie vorüberlaufen, die anderen, an diesen reizvollen Leinendächern. Er sucht und findet eine herabgelassene Markise und gudt von unten auf diese Röllchen und Ringe, diese Schnüre, Eisenstangen und Gelenke. Er hat die Leine gefunden, die glücklich macht, an der man ziehen muß, und ist nun allein auf der arbeitenden Straße, allein mit seiner Markise. Er zieht und rückt an der Leine das Leinendach wackelt eine Fauft und zwei böse Augen drohen ihm aus dem Laden. Er behält den Strick in der Hand und staunt den Mann an, der es wagt, ihm sein unzweifelhaftes Recht auf Dinge, die zur Straße gehören, zu nehmen. Wickelt sich den Strid langsam von der Hand, ohne einen Blick von dem Mann zu lassen, befühlt noch ruhig eine Schraube als er sich wendet und geht. Geht langsam mit den Händen in den Hosentaschen weiter und bleibt bei der nächsten Markise stehen, die niemand bewacht, denn es ist Mit tag und der Laden zu. Er schwelgt in ihrer Technik, läßt sie spielen. Dann fesselt ihn ein Sonnenbach von einem Café, unter dem Gäste fizen. Die Markisen beherrschen ihn wie eine fire Idee. Er muß mit Hartnäckigkeit an diesen Stricken ziehen, diese Knoten lösen. Dann sputt ihm eine dunkle Phantasie durch den Kopf. Irgendwie ist es ihm noch unflar, aber er beginnt zu fühlen: dieses Hochziehen, Dieses Hiffen, Flaggen wehen, Leinen fnattern. Er umschlingt einen Eisenpfahl, hält sich fest. Das ist ein Mast. Es wird ihm flar, je mehr die Straße um ihn an Wichtigkeit verliert, alle Bewegung fortläuft, die Straßenbahnen, die Achsschreie. Maschinen pochen, Wogen überstürzen sich. Da ist ein Mast, da flattert die Leine, Boden schwankt, ein Kommando trifft: Segel herunter Eine Tür flirrt, ein Fräulein freischt mit verzerrtem Gesicht. Er denkt noch mit der Markisenschnur in der aufgeregten Hand: ,, Angstverzerrt bringt sie aus ihrer von Wasser erfüllten Kajüte, in der ihre Eltern ertrunken sind..." Dann lächelt er mit den herabfallenden refignierenden Mundwinkeln, böse das Erwachen war ohne Uebergang, steckt die Hände in die Hosentaschen, sieht das in die Wirt fchimpfende Fräulein langsam an, prüft und geht in die Wirtlichkeit der rollenden Straße einem neuen Etwas nach, das die Dinge wieder verbindet. Ein neuer Dreh. -O Bürgerlicher Antrag auf Abbau der Stadtschulrats stelle. Daß die Mehrheitsparteien im Rathaus im Begriff sind, einen infamen und nichtswürdigen Rechtsbruch zu begehen, wenn sie den Abbau des Stadtschulrats Paulsen beschließen, scheint allmählich verschiedenen juristisch erleuchteten Köpfen in ihren Reihen flar geworden zu sein. Wenigstens wollen die bürgerlichen Barteien jegt entgegen ihren eigenen Beschlüffen im Ausschuß nicht mehr den Stadtschulrat Paulsen als Person, sondern die Stelle abbauen. Mit diesem Kniff glauben sie wenn nicht gerade ihr Gewissen, so doch eventuell die richterliche Instanz beruhigen zu fönnen, die ameifellos sich mit der Rechtsbeugung der Mehrheitsparteien noch wird zu beschäftigen haben. Selbstverständlich ist das nur ein ganz gewöhnlicher und plumper Trid. In der B. 3." weiß wenigstens der kommunalpolitische Berichterstatter der„ Bossischen Zeitung", der mit besonderem Eifer die Bürgerblodpolitit feines Partei. freundes Merben journalistisch unterstützt, mitzuteilen, daß sich für die Neuschaffung einer Stadtschulratstelle nach dem Abbau wieder eine Mehrheit finden werde". Durch diese Schiebungen übelster Art wird die standalöse Rechtsverlegung, die alle bürgerlichen Parteien unternehmen wollen, nur noch deutlicher. Stadtschulrat Paulsen wird übrigens nach dieser Wendung feinen Dienst sofort wieder antreten. Er wird bereits morgen die Leitung einer Deputationssihung übernehmen. Es ist bekannt, daß feine Beurlaubung auf sechs Wochen nicht seinen Absichten, Liebecks Geständnis. Bayer das Opfer eines versehentlich losgegangenen Schuffes? Der politischen Polizei ist es, wie schon mitgeteilt, gelungen, den jungen Liebed zu überführen, der seinen Kameraden Baŋer er. den jungen Liebed zu überführen, der seinen Kameraden Bayer erschoffen hat. Einer der ersten und stärksten Berdachtsmomente war bie schwarze Sicherheitsnabel, mit der das Taschentuch, das der Erschossene um die Augen trug, zugestedt war. Als Liebed verhaftet wurde, fand man in feiner Tasche ein Bäckchen Sicherheitsnadeln, die mit der, die bei dem Toten gefunden wurde, vollkommen übereinstimmte. Als ihm dieses und noch anderes Beweismaterial vorgehalten wurde, brach er zusammen und gestand die Tat ein. Liebed sagte folgendes aus: An dem fraglichen Abend hätten die Jugendgruppen einen größeren Nachtspaziergang geplant. Auf dem Wege zum Sammelplatz habe er sich mit Günter Bayer getroffen, und gemeinsam feien sie nun weitergegangen. Bayer habe einen Trommelrevolver aus der Tasche hervorgeholt und ihm gezeigt. Nach dem er ihn sich angesehen hatte, steckte Bayer den Revolver wieder in die Tasche. Das Gespräch war jetzt auf Waffen und Schießen gefommen. Bayer rühmte seine Schießfertigteit mit dem Revolver wie mit dem Gewehr! Ja er wollte sogar ein vorher angewiesenes Ziel mit verbundenen Augen nach dem Gefühlszielen treffen, so sicher sei er. Liebed glaubte es ihm nicht und Bayer erbot sich, es ihm Liebed glaubte es ihm nicht und Bayer erbot sich, es ihm fofort vorzumachen. Sie wichen deshalb vom Wege ab, gingen über einzelne dide Tanne. An ihr befestigten sie einen weißen Bettel. einen Haferschlag auf eine kleine Schonung zu. In dieser stand eine Bayer holte seinen Revolver hervor, schritt die Entfernung ab, nahm Stellung und visierte das Ziel an. Als er glaubte, seiner Sache fither zu fein, forderte er Liebed auf, ihm die Augen zuzubinden. Der nahm nun sein Taschentuch, band es Bayer um die Augen und stedte es mit einer Sicherheitsnabel aus seinem Päckchen, das später bei ihm gefunden wurde, fest. Der Schüße drückte ab. Da aber nur vier Kugeln in der Trommel waren, schlug der Hahn zufällig auf eine leere Kammer. Bayer reichte Liebed den Revolver, damit er Revolver ab. Schon vorher hatte Liebed einen leichten Krampf in einmal nachsehen solle, woran der Versager liege. Er nahm den der linken Wade verspürt, der sich jetzt plötzlich verstärkte, als er Bayer den Revolver abnahm. Unwillkürlich griff er in diesem Augenblick mit der linken Hand an die Wade und fuhr mit der rechten Hand hoch. Seine Finger lagen am Abzug, der Schuß trachte und traf den links neben ihm stehenden Bayer über dem linten Augenwinkel in das linke Auge. Der Getroffene fant um und war fofort tot. Als Liebed jah, was er angerichtet hatte, erfaßte ihn tiefe Reue. Er fant neben der Leiche in die Knie und betete ein Baterunfer. Als er etwas ruhiger geworden Bettel und täuschte so einen von den kommunisten war, beschloß er, jeden Verdacht von sich abzulenten. Er schrieb den verübten Mord vor. Dann entfernte er sich. Am nächsten Tage, die Leiche war schon gefunden, machten mehrere junge Burschen einen fleinen Ausflug, denen er sich anschloß. Im Höhnower See badete man. Hier fand er Gelegenheit, den Revolver des Bayer, den er immer noch bei sich trug, im See zu verfenten. Geständnis Liebeds, der vollkommen zufammengebrochen ist, scheint nach den bisherigen Ermittlungen der politischen Polizei auf Wahrheit zu beruhen. Die Ermittlungen gehen aber noch weiter. Der leidenschaftliche Raucher. Seine Leidenschaft zur Zigarette war dem Polizeiwachtmeister 2. verhängnisvoll geworden. Er hatte sich des Diebstahls schuldig gemacht und war vom Schöffengericht Lichtenberg zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Da er gegen dieses Urteil Berufung eingelegt hatte, beschäftigte sich die große Straffanmer des Landgerichts III mit der Nachprüfung des Falles. Auf dem Polizei revier 251 Lichtenberg war bei einem Händler ein größerer Posten Zigaretten beschlagnahmt worden, da die Ware aus der Beraubung einer Eisenbahnladung herstammen sollte. Während die Ermitt lungen schwebten, hatten die Kriminalbeamten den Bosten von etwa 30000 Stüd in das Formularspind eingeschlossen. Nach einiger Zeit wunderten sich die Beamten, daß das Batet zusehends zu sammenschrumpfte. Schließlich gelang es, 2. dabei zu ertappen, als er das Batet öffnete, um sich Zigaretten zu nehmen. Bei der Fest. er das Patet öffnete, um sich Zigaretten zu nehmen. Bei der Fest nahme bat der Angeklagte, von einer Anzeige Abstand zu nehmen, da er alles ersehen wollte. Bor dem Berufungsgericht entschuldigte er sich damit, daß er ein leidenschaftlicher Zigaretten. raucher sei, und daß sein farges Gehalt nicht ausreichte, um feine Leidenschaft zu befriedigen. Er hatte schon morgens vor dem Frühstück drei Zigaretten rauchen müssen, und dann den Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 5. Juni. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Nachm. 1.05 Uhr: ganzen Tag fo wetter. Staatsanwaltschaftsrat Bubbeberg bebauerte, daß nicht auch von der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt worden sei, denn es verdiene scharfe Ahndung, wenn ein Hüter des Gesetzes sich selbst an dem der Polizei übergebenen Gut, und noch dazu Diebesa gut, vergreife. Er beantragte daher die Verwerfung der Berufung. Auch das Gericht war derselben Ansicht und betonte im Urteil, daß eine derartige Handlungsweise eine harte Strafe verdiene. Die Heiratsfabrikanten. Chen, die an einem Tag geschloffen und geschieden werden. " In der weiteren Verhandlung des Prozesses gegen Danziger und v. Häußler wurde die Inhaberin einer Stempelfirma vernommen, bei der Danziger Stempel bestellt hatte. Er hatte sich dort den Anschein gegeben, als ob er Standesbeamter sei. Die durch die Heirat zu Gräfinnen" und" Freifrauen" gemachten Damen waren zum größten Teil ausgeblieben. Der Angeklagte v. Häußler, Sohn eines Berliner Telegraphenassistenten, behauptet, daß er in der Zeit, in der die Straftaten von ihm ausgeführt worden seien, 1918 bis 1919, unter dem Einfluß übermäßigen Alkohol- und Mors phiummißbrauchs vollkommen haltlos und willensschwach gewesen sei. Er fei in jener Zeit vollständig dem Einfluß der verstorbenen Mitangeflagten Anny v. hohendorff verfallen gewesen. Der erste Fall des Verkaufs seines Namens geschah, wie er anerfolgte damals eine Kriegstrauung mit gefälschten Urlaubsscheinen. gab, auf Veranlassung seiner Rufine im Februar 1918. Es Nachdem die erste Ehe, wie verabredet, geschieden worden war, schloß er im Juli 1918 unter dem gleichen Umstande eine zweite Ehe mit seinem rechten Namen. Nach der ersten Ehescheidung lernte er die Malerin Anny v. Hohendorff fennen. Mit Danziger war er beim Militär in Jüterbog bekanntgeworden. Danziger war dort Armierungssoldat und renommierte damit, daß er, obwohl er 1914 eingezogen worden war, niemals ins Feld gekommen fei. Danziger verfügte über eine ganze Anzahl Regimentsstempel. Anny v Hohendorff nugte nun die Sucht der Kokotten und Lebedamen des Westens aus, einen hochflingenden Namen zu erhalten. Die Kauffumme wurde in der Regel von dem Liebhaber der betreffenden Dame gezahlt. Durch notariellen Ehevertrag wurde vorher vereinbart, daß ber Ehemann keinen Anteil an dem Vermögen seiner Zukünftigen habe. Am Vormittag ging man zum Standesamt und schon am Nachmittag begab sich das neuvermählte Ehepaar zum Rechtsanwalt, um die Scheidung zu beantragen. Die Rauffumme betrug durchschnittlich 5000 Mark. Einmal wurde sogar der Vater des Angeklagten v. Häußler zu einer Eheschließung benutt. Um dem Aufgebot zu entgehen, wurde ein ärztliches Attest überreicht, daß der nahe wäre eine befannte Filmschauspielerin, Erna B., zur Gräfin Heiratskandidat sterberstrank sei und eine Nottrauung bewirkt. BeiHardenberg gemacht worden. Der Schluß der geftrigen Sitzung wurde zum größten Teil mit den von den Rechtsanwälten Dr. Grüneberg und Müller- Stromener gestellten Beweisen für die Unzurech nungsfähigkeit der beiden Angeklagten ausgefüllt. Die frühere Braut des Angeklagten v. Häußler, Fräulein Friedländer, befundete, daß der Angeklagte sehr ichywer getrunken habe, an manchen Lagen neun bis zehn Flaschen schweren Wein und dazwischen Schnäpse. Der praktische Arzt Dr. Gener, der Häußler feit 1918 ständig behandelt, bekundet, daß er Alkoholiker und Morphinist sei und außerdem an Syphilis leide. Dr. Schütz hat diese Krankheits erscheinung bei dem Angeklagten in der Leipziger haft jedoch nicht festgestellt. Die Vernehmung der anderen fünf Sachverständigen wurde auf Donerstag früh vertagt. 1010. Zu den Elternbeiratswahlen. Eltern, deren Kinder die 37. Gemeindeschule befitchett, und für -den Schulausbau zu haben sind, werden gebeten, ihre Adresse an den Genoffen Nichainsti, Dresdener Str. 100. zu geben, oder Telephon Moris Sobbien- 2yseum ober die Studienanstalt in der Wein. Sozialistisch oder freiheitlich gefinnte Eltern, deren Kinder das meisterftraße befuchen, werden gebeten, thre Abreffen abzugeben bei Albert Meyer, Kaiser Wilhelm- Straße 12, 2 Treppen, oder im Geschäft bei Albert Meyer fr., Rosenstr. 1( Baden). Genoffen, deren Kinder die 79. Gemeindeschule besuchen, werden aufgefordert, fich beim Ge noffen Mathes, Lychener Str. 25, zu melden, Alle sozialistischen Eltern15 6., 158. Gemeindeschulen, und Eltern, deren Rinder die beiräte der 12., 18., 30., 38., 52, 64., 71., 125., 138., 155., te alschule koppenstraße, 8émteiches gzeum, Fruchts straße und Mittelschule Griner Beg 16, besuchen, müssen am Freitag, den 6. b. M., abends 7%, Uhr, bet Kromphard, Grüner Weg 49, zur Kandidatenaufstellung erscheinen. Alle Genossen nebst Frauen, beren Kinder das Helmholt Gymnasium, die Fontane. Schule oder 8. Gemeindeschule, Rubensstraße, besuchen, werden gebeten, in der Freitagabend 8 Uhr bei Rähn, Rubensstr. 49( nicht Gürlich), stattfindenden Elternversammlung zu erscheinen. B Straußengalopp auf der Grunewaldrennbahn. fondern der etwas eigenartigen Disposition des Oberbürgermeisters Sprachunt Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: pierbeinigen Kollegen, den Rennvferden überlegen find. Die Rennen entsprach. Ueberhaupt muß es befremden, daß der Oberbürger meister in den ganzen Abbaufragen, trotzdem er am ersten wissen muß, daß die beabsichtigte Art des Abbaus den städtischen Jentereffen nicht dient, sich außerordentlich zurückgehalten hat und nicht so für bie Magistratsmitglieder eingetreten ist, wie man das von ihm Ionalerweise hätte erwarten müssen. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Für lommenden Sonnabenb, Sonntag und Montag find im Bureau des Bezirksbildungsaussouffes, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., Karten für das Deutsche Opernhaus zu haben. + ( Englisch). Auf der Grunewaldrennbahn wird in furzem ein mehrtägiges Wettrennen zwischen 30 Straußenvögeln stattfinden, wobei in jedem Rennen 20 Strauße angefeht werden. Die Tiere sollen teils mit Reitern im Sattel, teils im Trabrennen in Sultys aespannt angesetzt werden. Außerdem sollen Vergleichsrennen stattfinden, in denen geprüft werden soll, inwieweit die Strauße ihren werden intereffante sportliche Vergleiche zulassen. Der Berliner Unionflub hat mit den Veranstaltern einen Vertrag abgeschlossen, waldrennbahn vor sich gehen sollen. Bei den Rennen, die von Reiwonach die Rennen in der ersten Julihälfte auf der Grunetern geritten werden, sind die Vögel gleich Pferden aufge= zäumt. Die Leitleine wird ihnen um den Schnabel gelegt. Bor Beginn der Rennen werden die fertig gezäumten Strauße auf dem Probegalopp bzw. eine Probefahrt, worauf sie sich zum Start be. geben. In den Programms find die Namen der Tiere und Reiter oder Fahrer. Farbe des Dreß und die bereits bekannte Form der schönen und von nützlichen Gärten". I. Vortrag: Herr Gartenbaudirektor Lesser, Präsident der Deutschen Gartenbaugesellschaft: burtstage des Komponisten). 1. Einführende Worte( Dr.Felix Günther). „ Frühlingsarbeiten". 8.30 Uhr: Richard- Strauß- Abend( Zum 60. Ge2. a) Nachtgang, b) Traum durch die Dämmerung, c) Seitdem mein Aug' in deines schaute( Manfred Lewandowski). 3. a) Sie wissen's nicht, b) Mit deinen blauen Augen, c) Wiegenlied( Karin Lindholm). 4. Aus der Sonate für Cello und Klavier, I. and II. Satz( Otto Urack, Cello; Dr. Felix Günther, Klavier). 5. a) Zu- Sattelplatz herumgeführt und zeigen dann dem Publikum einen neigung, b) Heimliche Aufforderung( Manfred Lewandowski). 6. a) Heimkehr, b) Der Stern, c) Schlechtes Wetter( Karin Lind holm). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. 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Zunächst wurde eine Anzahl von kleineren Vororts- Wasserwerfen stillgelegt, wie z. B. Rummelsburg, Hohenschön hausen, Niederschönhausen, Heinersdorf usw. Die Wafferlieferung der außer Betrieb gesetzten Anlagen wurde von den perbleibenden größeren Werken übernommen. Die Vorbedingung der Stillegung war, daß die Rohrneze dieser Gemeinden mit dem Alt- Berliner Nez in Verbindung gebracht wurden. Die solcher Gestalt begonnene Ronzentration machte weitere Fortschritte durch ein großes Projekt das zurzeit in der Ausführung begriffen ist: Das vorhandene Alt- Berliner Wafferwert Tegel wird durch Aufstellung moderner Dampfturbo- Bumpen in seiner Leistungsfähigkeit derartig gesteigert, daß es in der Lage ist, in das Berliner Stadtney unmittelbar Wasser abzugeben. Bisher arbeitete das Tegeler Wert auf dem Umwege über das Zwischenwert West= end. Die Durchführung des Projektes erfordert die Berlegung eines großen Druckstranges, der das Tegeler Werf mit dem nördlichen Teil des städtischen Rohrnezes verbindet. Nach der maschinellen Ausgeftaltung des Werkes Tegel und Verlegung der neuen Druckleitung wird es möglich sein, das erwähnte Zwischenwert Westend stillzu legen. Gleichzeitig werden auch die Wasserwerke Reinidendorf und Rosenthal, das Wasserwerk der früheren Gemeinde Tegel und ein großer Teil des Alt- Berliner Wertes Tegel felbft außer Betrieb gesezt werden. Eine ähnliche Zusammenlegung ft für die östlichen, in neuerer Zeit errichteten Werke Müggelsee und Lichtenberg in Aussicht genommen. Es ist klar, daß die Konzentration erhebliche Vereinfachungen und damit Berbilligungen im Betriebe der Wasserwerke zur Folge haben wird. Dies berechtigt zu der Hoffnung, daß der Wasserpreis in Zukunft weiter herabgefeht werden wird, nachdem er im April d. 3. schon einmal von 21 auf 19 Bf. je Rubitmeter ermäßigt worden ist. Um welche wirtschaftlichen Werte es sich hierbei für die Einwohnerschaft unserer Stadt handelt, sei an einer einzigen Zahl dargelegt: Die städtischen Wasserwerke geben bei durchschnittlichen Witterungsverhältnissen etwa 100 Millionen Rubitmeter im Jahre gegen Bezahlung ab. Eine Vermindung des Wasserpreises um 2 Bf. je Rubikmeter bedeutet also für die Berliner Bevölkerung eine Ersparnis von rund 2 Millionen Goldmart. Im übrigen ist auch die Umstellung der Wasserwerte selbst ein Unternehmen von großer wirtschaftlicher Bedeutung, gerade in der heutigen Zeit der geschäftlichen Depression; denn die ausgedehnten Rohrs verlegungen, die Beschaffung der neuen maschinellen Einrichtungen und die dazu gehörigen baulichen Veränderungen geben einer ganzen Anzahl der verschiedensten Arbeitsfräfte eine für sie lohnende und zudem volkswirtschaftlich müßliche Beschäftigung. Dr. ing. M. Majerczyt. Ein Kampf auf den Riefelfeldern. Ein die Riefelfelder bei Bankow. Heinersdorf abschreitender Landposten der Schuhpolizei traf dort den Arbeiter Hugo Sch. aus der Langen Straße, der einen schweren Tragforb schleppte. Sch. versetzte dem ihn anhaltenden Beamten einen Fußtritt in den Unterleib, worauf der den Beamten begleitende Hund den Sch. in den Oberschenkel biß. Endlich gelang es den Sch. zu überwältigen. In dem Tragforb wurden 135 Stüd Seife gefunden. Sch. gibt zu, die Seife gestohlen zu haben. Boftsendungen mit ungenügender Adresse. Fehlen von Straße und Hausnummer, fowie Num= Mängel in der Aufschrift von Postsendungen, namentlich das mer der Zustellungspost anstalt bei Sendungen nach Großstädten, wie Berlin, Breslau, Dresden, Hamburg, München, mirten für Post und Bublifum außerordentlich nachteilig. Brief fendungen nach großen Diten, die feine Straße und Hausnummer Tausenden. Man stelle sich vor, welche ungeheure Mühe und tragen, zählen bei jeder größeren Zustellpostanstalt täglich nach welchen Aufwand an Zeit und Kosten es bei der Post erfordert, täglich solche Messen von Sendungen durch Benutzung von NachSchlagwerken aller Art unterzubringen. In der Regel tritt dadurch noch eine Verzögerung in der Zustellung solcher Sendungen ein. Abhilfe kann der Absender schaffen, wenn er bei Bestsendungen, namentlich nach größeren Orten, stets die genaue Wohnungsangabe des Empfängers hinzufügt. Zur Erzielung vollständiger Aufschriften fann jedermann viel beitragen, wenn er bei den von ihm ausgehen den Bostendungen auf den Briefbogen, Briefumschlägen, Rechnungen usw. stets der Ortsangabe feine Straße und Hausnummer hinzufügt. Werden diese oft wiederholten Hinweise von den Poſtbenutzern nicht beherzigt, so wird man es der Reichspost nicht verübeln fönnen, wenn sie die ihr meist durch Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit entstehenden, die Allgemeinheit belastenden Rosben durch Erhebung einer besonderen Gebühr auf die Schultern derjenigen abbürdet, die jene unnötige Arbeit verursachen. Die Ermittlung einer richtigen Adresse kostet der Post ein Bielfaches des Betrages, den sie durch das Porto einnimmt. Von Ertner nach Fangschleuse- Grünheide und Neuzittau verkehrt seit dem 1. Juni eine Kraftpersonenpost. Hierdurch ist den zahlreichen Ausflüglern in die Umgebung von Ertner die Möglich feit gegeben, bei der Wanderung Hin- oder Rückweg durch Be nutzung der Kraftwagen angenehm zu verkürzen bzw. Die Wande rung entsprechend auszudehnen. Die Wagen verfehren Sonntags nach Bedarf ab Bahnhof Ertner nach Fangschleuse- Grünheide und Neuzittau: 7.10, 8.10, 9.10, 10.10 morgens, 2.10, 3.10, 5.10, 6.10, 7.10, 8.10 nachmittags; ab Grünheide über Fangschleuse nach Bahn. hof Ertner: 7.40, 8.40, 9.40, 10.40, 2.40, 3.40, 5.40, 6.40, 7.40, 8.40. Werktags ab Bahnhof Ertner nach Fangschleuse- Grünheide 6.35 morgens und 6.45 abends, ab Grünheide über Fangschleuse nach Bahnhof Ertner 7.20 morgens und 7.30 abends; nach Neuzittau ab Bahnhof Erfner 5..25 morgens, 4.35, 5.40, 8.15 nachmittags, ab Neuzittau 5.00, 6.00 morgens, 5.10, 6.10 nachmittags. Folgende fozialistische Geistliche predigen in der Pfingstzeit: Pfarrer Bleier am 1. Pfingsttag, nachmittags 6 Uhr, in der Trinitatis- Kirche, Charlottenburg, Karl- August- Blak; Biarrer& r an d e am 1. Pfingsttag, nachmittags 6 Uhr, in der Heilig Kreuz- Kirche, Blücher- Plaz( Hallesches Tor); Pfarrer Dehn am 2. Pfingsttag, vormittags 8 Uhr, in der Refor. mationstirche in Moabit; Pfarrer Schmidt am 2. Pfingsttag, bormittags 10 Uhr, in der Thomas- Kirche, SO, Mariannenplag; Pfarrer Liz. Dr. Biechowsti in Neukölln in der Philipp- Melanchthon- Stirche, Stranold. ftraße 16, am 1. Pfingsttag, vormittags 10 Uhr, und am 2. Pfingsttag abends 6 Uhr. " Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt, Charlottenburg, Frauenboferstraße 11/12. Zu unserem Artikel über die Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt" in Nr. 240 wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß vom 1. Juni ab ein fleines Eintrittsgeld erhoben werden muß. Es beträgt für Einzelbesucher an Sonn- und Festtagen 10 Goib. pfennig, an Wochentagen 20 Goldpfennig. Bei vorher angemeldeten Gruppen von mehr als 20 Personen an ermäßigt fich der Eintrittspreis um die Hälfte. Frauenmord in Hannover. Am Dienstagmorgen wurde im Hause Hildesheimer Straße 7 in Hannover die etwa 50 Jahre alte Ehefrau des Hausbesizers Kürschnermeister Adolf in ihrem Laden ermordet aufgefunden. Die Beilpide, mit der sie erschlagen worden ist, steckte noch hinten im Schädel der Loten. Nach dem ganzen Befund und nach Beobachtungen der Nachbarn muß der Mord am Dienstagnachmittag geschehen sein. Dampferunglüd bei Affona. Der von Hamburg nach dem La Plata abgegangene holländische Dampfer Alcyone" lief bei Altona aus dem Steuer und fuhr in die Altonaer Hafeneinfahrt hinein. Mehrere dort liegende Küstenfahrzeuge wurden start beschädigt. Der Dampfer geriet auf Grund und fonnte bisher trog reichlicher Schlepperhilfe nicht wieder flott gemacht werden. Todesurteil für einen Frauenmörder. Nach viertägiger BerHans Hetsteg, der am 11. Dezember v. J. seine Ehefrau in den Rhein handlung verurteilte das Schwurgericht in Krefeld den Stadtsekretär gestoßen und ertränkt hatte, zum Iode unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Angeklagte hat bis zum Schluß geleugnet und große Ruhe an den Tag gelegt. Er wurde durch einen umfangreichen Indizienbeweis es waren etwa 100 Zeugen ge= laden überführt. Das Gericht stellte fest, daß er schon zweimal die Tat versucht hat. Der Angeklagte hatte sich seiner Frau entledigt, um eine andere, mit der er schon lange Zeit ein Verhältnis unterhielt, heiraten zu können. Furchtbares Eisenbahnunglück in Amerika. Zwei Schnellzüge find bei Attica infolge falscher Signale zusammengestoßen. 9 Fahrgäste sind getötet, 20 schwer verletzt. Die drahtlose Ausrüstung des„ Civiathan". Die größte schwim mende Funkeinrichtung ist auf dem Dampfer ,, Leviathan" der Linien der Vereinigten Staaten eingebaut worden. Im Gebrauch find fünf Antennen, drei zum Senden und zwei für den Empfang. Es wird ein Hochfrequenz- Röhrensender benutzt, der mit den Wellenlängen 1800, 1925, 2100 und 2400 meter arbeitet. An verschiedenen Stellen des Schiffes find Lautsprecher eingebaut, die direkt mit dem Funt raum zur Aufnahme der Rundfuntprogramme verbunden sind. Das Funtpersonal umfaßt acht Beamte. Sport. Rennen zu Ruhleben am Mittwoch, den 4. Juni: 1. Rennen. 1. Kufer( Alb. Freundt), 2. Margot I( Hm. Schleusner), Toto: 102: 10. Blat: 29, 11, 32: 10. 3. Simiene( Hs. Schleusner). Ferner liefen: Allene, Balme I, Johannistäfer, Cinori, zu Ende, Mira belis I, Hauptmann, Bechamele, Armida, Bella Dawson. 2. Rennen. 1. Angora( H. Grube), 2. Barmaid( Rogowski), 8. Jma porteur( J. Mills). Toto: 57:10. Blag: 15, 11, 11: 10. Ferner liefen: Importation, Odessa, Salome, Jduna, Dolina. 3. Rennen. 1. Batschari( E. Perf), 2. Maitönigin I( 2. Rösler), 3. Edinhard( v. Pelzer). Zoto: 48: 10." Blas: 15, 17, 36: 10. Serner liefen: Allertony, Harletin, Kronprinz I, Karneval, Quelle IV, Mirabelis I, Bismart, Flora Bingen. 4. Rennen. 1. Willy S( Weidmüller), 2. Wasserlauf( Hm. Schleusner), 3. Buchdruder( Großmann). Foto: 17: 10. Plat: 12, 17, 13: 10. Ferner liesen: Herster B, Hersteller, Stavitain, Cotta, Minostern, Flamingo. 5. Rennen. 1. Doritha( Ch. Mills), 2. Schlips( Rogomsti), 3. Jirka ( Alb. Freundt). Toto: 15: 10. Blat: 13, 28, 20: 10. Ferner liefen: Prablhans, Ditomar, Teufelsbart, Stuart Webbs. ( W. Krauß), Ferner liefen: 6. Rennen. 1. Zora( Großmann), 2. Lebensluft 3. Doris( J. Mills). Toto: 45: 10. Platz: 14, 19, 14: 10. Kazbach, Lindenwirtin I, Grane, Nora. 7. Rennen. 1. Agi( Hm. Schleusner), 2. Bechfadel( E. Treuherz), 3. Dftermagda( Stops). Toto: 23: 10. Plag: 14, 11: 10. Ferner lief: Sma Guy. 8. Rennen: 1. Fürst( J. Mills), 2. Germania( Weidmüller), 3. Moranna( F. Schmidt). Toto: 25: 10. Plat: 14, 16, 32: 10. Ferner liefen: Ludmill I, Willy I, Simpler, Erbgraj. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Etwas wärmer, zeitweise heiter, aber unbeständig, teine erheblichen Regenfälle bei schwachen Luft. bewegungen. Für Deutschland: Im Westen überwiegend bewölkt und ziemlich fühl mit etwas Regen, sonst größtenteils troden bei etwas an steigender Temperatur. Nach wie vor Unübertroffen! an Güte Pass- Form und Preiswürdigkeit A.F- B. MARKE SALA SALAMANDER INDER Zum Pfingstfest empfehlen wir: kann verwendet werBolle- Cocos- Kaffeesahne den wie Natursahne Bolle- Schlagcreme erkannt nur erste Qualität, Bolle- Vollmilch stets rein und unverfälscht, Bolle- Tafelbutter in Pfund- Packungen, anBolle- Teebutter und-Pfundin Packungen, runde Form, das Beste vom Besten, Bolle- Margarine im Ausstich, sehr ergiebig, besonders empfehlenswert zum Braten, Backen und Kochen, Bolle- Margarine in 2- Pfund- Packungen, bester Brotaufstrich, im Geschmack hervor. ragend, sehr ergiebig, Bolle- Joghurt ein Nähr-, Verdauungs- und Genußmittel ersten Ranges -WWO verlängert infolge seiner gesundheitsfördernden, das Leben. Bolle- Milchzucker Säuglingsernährung darmdesinfizierenden Wirkung unentbehrlich für Er hältlich an unseren Verkaufswagen und in unseren Verkaufsläden, Bolle- Margarine auch in den einschlägigen Geschäften. Außerdem sind in unseren Verkaufsläden alle Bolle- Kolonialwaren in bekannter Güte zu haben. Meierei C. Bolle Akt.- Ges., NW, Alt- Moabit 98-103 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Hiermit geben wir den Mitgliedern. Nachricht, daß unser Angestellter, der Kollege Paul Krause am 2. Juni nach einem kurzen, aber schweren Leiden verstorben ist. Mit ihm verliert die Berliner Verwaltungsstelle einen ihrer besten Mitarbeiter. Nicht rastend hat er in unermüdlicher Agitationsarbeit für die Interessen der Berliner Arbeiterschaft gewirkt. Seit dem 1. Juli 1920 war er in der Verwaltung angestellt. In seiner Tätigkeit als Unterkassierer haben wir den Verstorbenen besonders schätzen gelernt und hinterläßt sein Fortgang in unseren Reihen eine fühlbare Lücke. Wir werden seiner immer gedenken. Die Ortsverwaltung. Die Bestattung findet am Freitag, den 6. Juni, nachm. 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstr. statt km 2. Juni starp umjere tebe Wutter, Schwägerin und Tante, Frau Emmy Sklarz geb. Sabel. BL- Halensee, Joachim Friedrich- Str. 24. Die Hinterbliebenen. Die Beilegung findet am Freitag, den 6. b. M., vorm. 11 Uhr, non der neuen Halle in Weißenfee aus ftatt. fauft Am Montag, den 2. Juni 1924, verSchieb nach hurzem, schwerem Aranten lager mein innigftgeliebter Mann und unser Bater, der Dreher Paul Krause im Alter von 45 Jahren. Berlin N, Sechliner Str. 11, den 3. Juni 1924. Frau Martha Krause geb. Gutsche. Haemorrhoiden sichere Hilfe durch Myrobalanum. Benimmt schnell Schmerz, Entzündung u. Schwellung. Nur äußerlich anzuwenden. M. 2,50. In Droger., sonst bei Otto Reichel Berlin43 SO Eisenbahnstr. 4 Die Einälgherung findet Freitag, ben Hecht Tabakware6. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Are matorium Gerichtstraße statt. 75/ 16a Aranzfpenden verbeten. großhandiang Zigarren, Zigaretten, Tabak billig Lindenstr. 81 Möbelfabrik ,, Zukunft" Eingetragene Genossenschaft m. beschränkter Haftpflicht Eröffnungsgoldbilanz per 1. Januar 1924 Raffekonto Attiva • Sade agar Effettentonto Lothringer Str.48 Ronto- Rorrentkonto Norden 4661 KrausePianos zur Warentonto Bertzeugfonto. Maschinentonto Utensilienfonto 636.85 Anteiltonto. Passiva 63.- Refervefondskonto 12 289. 1400.• 300.1400.150.16 238.85 Hilfereservefonds. tonto Ronto- Rorrentkonto. Darlehnstonto 2 000.150.173 85 775.13 140.16 238.85 Die Mitgliederzahl betrug am 31. Dezember 1922: 7, aus gefchieben durch Ausschluß 2, eingetreten 3, mithin am 31. De zember 1923: 8 Genoffen mit einer Saftfumme von 2000 Goldfich um je 250 Goldmark vermehrt 181/16 Metallbetten Miete mar Das Gefchäftsguthaben fomie die Saftsumme haben Stahlmatratz, Kinderbetten dir. an Priv. Ansbacher Str. 1, Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr.Suhl Thor." Ecke Kurfürstenstraße Der Borstand Karl Bleichroth Ernst Kasten Theodor Losse Bekleidungswerkstätte der Berliner Gewerkschaften G. m. b. H. Auf unsere niedrigen Preise 10% Preisermäßigung bis Sonnabend, den 7. 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Auf die Rede des Herrn Henning trifft das Wort eines Ihrer Anhänger( zu den Natsoz.) zu:„ Wir find die geistig Enterbten!"( Lebhafter Beifall b. d. D. Vp.) Abg. Diffmann( Soz.): Wir werden trog der Rede des Abg. Thälmann für die Haftentlassung eintreten, feine Angriffe weisen wir zurüd. Es folgen persönliche Bemerkungen zum Teil sehr erregter Natur unter vielem Lärm von links und rechts. Unter lauten Bfuirufen der Kommunisten werden sodann die Ausschußanträge auf Ablehnung der Freilassung der fommunistischen Abgeordneten Lindau und Pfeiffer mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien angenommen. Biezepräsident Rießer seht die nächste Sigung auf heute, nachmittags 5 Uhr, an. Tagesordnung: Entgegennahme der Regierungserflärung. Abg. Eppstein( Komm.) beantragt auf die Tagesordnung als ersten Bunft zu sehen: Freilassung aller politischen Gefangenen. Abg. Müller- Franten( Soz.) widerspricht, da noch keine Reichsregierung bestehe. Der Antrag Eppstein findet nicht die genügende Unterstützung. Schluß 4 Uhr. * Im gestrigen Bericht aus dem Reichstag ist ein bei dem Abgeordneten Stoeder gefundener Brief über Terrorafte erwähnt worden. Der Berichterstatter, Genosse Löbe, hat jedoch hinzugefügt, daß Abg. Stoecker im Ausschuß dazu mitteilte, der Brief fei eine der vielen Zuschriften und Vorschläge, die ohne Auftrag bei Abgeordneten eingehen und er könne dafür feine Verantwortung übernehmen. Strafantrag im Grandel- Prozeß Je drei Jahre Zuchthaus für Thormann und Grandel. Das Gericht beschloß gestern im Thormann- Grandel- Prozeß, alle 3eugen zu vereidigen, daß aber aus dieser Tatsache feine Rückschlüsse über die Schuld oder Nichtschuld der Angeklagten zu ziehen seien. Es folgte dann die Bereidigung der Zeugen mit Ausnahme von Gilbert, der nicht aufzufinden war. Nach einer längeren Beratung des Gerichts und der Verteidigung einigten sich alle Prozeßbeteiligten daraufhin, daß der Zeuge Gilbert nicht mehr zur Stelle geschafft werde, daß aber auch seine Aussage in dem Prozeß, da der Zeuge nicht vereidigt werden kann, nicht ausgewertet wer= den soll. Es erfolgte im Anschluß daran noch eine kurze Bernehmung des Prokuristen Grandels, Rupp, der erklärte, daß er Grandel vor seiner Reise im Januar nach Berlin gebeten habe, hier Ach bitte, wo geht's denn hier zur Volksoper?"- Meinen Sie Kroll oder den Reichstag?" einen Bertreter für Norddeutſchland zu engagieren. Haftentlassungsdebatte im Reichstag. Rathenau- Mörder! bei den Grandel und Thormann? -Nach dem Zentrumsabg. Bell sprach in der gestrigen Bor-| Boltsgericht in München im letzten Augenblid die Brüde mittagsfigung des Reichstags Abg. Brodauf( Dem.): Wenn auch nur betrat, die ihm der Vorsitzende baute. Ist der deutsche Geist etwa zu ein fieiner Teil der Beschuldigungen erwiesen wird, so haben wir Hause es mit der schlimmsten Gefährdung der Verfassung und des Staates zu tun. Wir werden uns durchaus freuen, wenn die Zentrale und ihre Mitglieder durch die Untersuchung entlastet werden, aber das Verfahren gegen die beiden Angeschuldigten muß seinen Gang gehen. Das Interesse der Herren Kommunisten an dem ungestörten Fortgang der Reichstagsverhandlungen scheint mir übrigens, nach ihrem ganzen Auftreten hier und besonders nach dem Debut der Frau Ruth Fischer nicht allzu groß zu sein. ( Lärm bei den Kommunisten.) Die Gerechtigkeit und Unparteilichkeit gebietet uns, den gleichen Standpunkt gegen die Herren auf der Rechten einzunehmen, die sich, wie die Deutschvölkischen, auf dem gleichen sittlichen Niveau befinden.( Großer Lärm bei den Nationalsozialisten.) Dort ist u. a. das Schandwort Judenschwein" gefallen. Das ist fennzeichnend für diese Herren. Wir Demokraten wollen gleiches Recht für die Hochverräter von links wie von rechts. Abg. Henning( Natsoz.): Sechs Kommunisten läßt man frei, unser Freund Kriebel, ein Ehrenmann( Lärm bei den Kommunisten), muß in Haft bleiben. Das ist die Gerechtigkeit des Reichstags. Im Ausschuß hat das Zentrum sich für uns erklärt, um so größer war unser Erstaunen über seinen Umfall im Plenum. Auch Herr Dittmann sprach sich dort grundfäßlich für die Immunität aus; im Plenum hoben die Sozialdemokraten ihren Grundsatz:" Recht foll Recht bleiben!" auf. Ausgerechnet ein Mann von der Vergangenheit Dittmanns maßt sich an, von Kriebels Landesverrat zu sprechen( Stürmische Zustimmung bei den Nationalsozialisten. Rufe: Novemberverbrecher! Hochperräter!) Wir ireiben feinen Kuhhandel wie die Sozialdemokraten.( Große Unruhe links und andauernde Erregung im ganzen Hause. Ruf: Idioten!) Es ist der Stolz unserer deutschvölkischen Fraktion, daß sie auch nicht einen Tropfen jüdischen Blutes in ihren Reihen aufweist.( Stürmischer Widerspruch und betäubender Lärm.) Ein Hochverräter ist Ein Hochverräter ist auch ein Vaterlandsloser. Wenn die Herren Stresemann und Marr die Wirtschaftspolitik unentwegt weitertreiben, die das deutsche Volt zum Erliegen bringen muß, jo find auch sie vaterlandslose Männer, mögen sie ihre Baterlandsliebe noch so sehr beteuern. Wir werden unsere Arbeit im Deutschlands Rettung unbeirrt und unerschrocken fortsetzen( Lärmende Zurufe aus den Reihen der Deutschen Voikspart und des Zentrums.) Wir können Sie als Mitarbeiter an der Wiederaufrichtung Deutschlands nicht anerkennen. Reffen fann das deutsche Volk nur eine Diftatur der Deutschvölkischen.( Beifall rechts, Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Levi( Soz.): Die Deutschvolfischen haben sich im Wahlkampf vorgestellt als die Partei der geistig und materiell Enterbten. Der Abg. Henning ist diesem Programm heute nichts schuldig geblieben. Gegen die verhafteten Abgeordneten liegen bis jetzt nur einseitige Darstellungen des Reichsanwalts vor. Wenn aber nur ein Teil der Anschuldigun gen wahr fein follte, so fönnen wir eine solche Kampfesweise nicht nur nicht billigen, sondern wir betrachten sie auch als eine fiefgehende Schädigung des deutschen Proletariats.( Lärm bei den Kommunisten.) Was ist denn dieser deutsche Beist", von dem uns Herr Henning einen Hauch hat verspüren lassen? Der Generalquartiermeister Ludendorff, der von 1916 bis Ende 1918 die ganze Macht Deutschlands in Händen gehabt hat, hat ein großes Spiel gespielt und das Spiel verloren.( Burufe bei den Nationalsozialisten: Durch Eure Schuld, durch die Friedensentschließung des Reichstags.) Ich rede von dem Ludendorff, der 1920 eines Morgens 6 Uhr vor dem Brandenburger Tor erschien. Er hätte den Mut haben müssen vor Gericht zu erscheinen. Er log vor dem Gericht wie ein erwischter Schulbub.( Lebhafte Bfui- Rufe rechts.) Oberstes Gesetz politischer Verbrecher ist, daß sie die Treue halten denen, die ihnen dalfen. Ich rede nicht von dem Abg. Ludendorff, der vor dem ( Buruf bei den Nationalsozialisten: Seipel- Mörder! Buruf links: Bei weiteren Ausführungen des Redners wird von einem nationalsozialistischen Abgeordneten gerufen: Adler!) Wir verleugnen Adler nicht, wir bekennen uns zu ihm.( 3uruf: Weil er ein Jude ist!) Adler hat seinen Pfennig Geld bekommen, wie die Antermann und Weichardt, die Geld für das Attentat gegen Harden erhielten und es versoffen und verhurten. Ich rede von dem Luden dorff, der im November 1923 in München marschiert ist und nachher auf dem Bauche gelegen hat.( 3uruf bei den Nationalsozialisten: Schuft! Unverschämter Lügner! Bizepräsident Dr. Rießer ruft den sich auf seine Aufforderung meldenden Zwischenrufer zur Ordnung) Der Redner erörtert dann die Fälle Urbahns und Frid, bie juristisch und politisch völlig gleich feien.( Zuruf bei den Nationalfozialisten: Unerhört!) Urbahns hat aus durchaus anständigen Motiven gehandelt.( Buruf bei den Nationalsozialisten: Das ist ein Moskowiter!) Beide Fälle sind erwachsen aus der ungeheuren NotDer Redner begründet die Stellungnahme der lage des Volkes. Sozialdemokraten für Haftentlassung der Abgg. Lindau und Pfeiffer, die jetzt nicht einmal der Reichsanwalt mehr mit all den Hochverratsund Mordgeschichten in Zusammenhang bringen fönne. Da würde es fich nicht um eine Aufhebung der Immunität, sondern um eine Bogelfreierklärung zweier Abgeordneter handeln. Der deutsche Arbeiter trage nicht die Neigung zum politischen Mord. Gelernt haben sie den Gebrauch der Sprengstoffe und des Dolches bei Euch( nach rechts).( Buruf bei den Nationalsozialisten: Mostau!) Was sie in vierjährigem organisierten Mord gelernt haben, das verlernen sie so schnell nicht wieder. Der Redner verlangt gleiches Recht für alle: für Kommunisten wie Nationalsozialisten. Wo ist der rächende Staatsanwalt?( Zuruf b. den Natsoz.: Sie sind der ist der rächende Staatsanwalt?( Buruf b. den Natsoz.: Sie sind der Anwalt von Moskau!) Turmhoch über der von Ihnen gerügten fittlichen Verwirrung erhebt sich die fittliche Verworfenheit der deutschen Justiz.( Vizepräsident Rießer rügt diesen Ausdruck.) Auch die Kommunisten müssen auf gleichem Fuß, nach gleichem Recht behandelt werden Abg. Thälmann( Komm.): Mit von Spigeln zusammengetrage. nem Material will man uns befämpfen: es soll ein Sensations prozeß werden. Vor einigen Tagen wurde in der Dunkelkammer her Regierung davon gesprochen, ob man unsere Partei nicht schon jetzt verbieten sollte. Wir werden unser Ziel nie verleugnen, wir haben als Ziel die Organisation der Revolution. ( Ruf rechts: So sehen Sie aus!) Im bürgerlich- fapitalistischen Staat ist der Klassentampf unvermeidlich. Unsererseits wäre es geradezu ein Frevel, zu erklären, daß wir den bewaffneten Aufstand ablehnen.( Sehr wahr! b. b. Komm.) Die Fragen des bewaffneten Aufstandes und der Diktatur des Proletariats hängen eng zusammen. Das Bekenntnis zum bewaffneten Aufstand ist der Brüfftein für jede proletarische Partei. Wir werden nicht stillhalten, wenn Sie( nach rechts) sich bewaffnen, um die Monarchie wiederherzustellen. Das Gewehr in der Hand des Proletariers bedeutet seine Freiheit. Im revolutionären Kriege muß die Bourgeoisie niedergekämpft werden.( Händeklatschen b. d. Komm.) Präsident Rießer macht wiederholt darauf aufmerksam, daß das Händellatschen im Reichstag nicht zulässig ist. Abg. Dr. Kahl( D. Vp.): Wenn etwas den Beweis erbracht hat, daß der Reichstag energisch gegen kommunistische Ausschreitun gen vorgehen muß, so war es die Rede des Vorredners, der den Rampf mit allen Mitteln, auch dem verbrecherischsten, empfahl. Es war eine Brandrede mit Aufreizung zum Mord und allen verbrecherischen Taten. Da haben die Herren ihr wahres Geficht ge zeigt.( Buruf b. d. Komm.: Sie wollten ja die Wahrheit hören!) Hierauf ergriff zur Schuldfrage der beiden Angeklagten in Bertretung des Generalstaatsanwalts, der am letzten Tage der Verhandlung nicht mehr beiwohnte, Staatsanwaltschaftsrat Burchardi das Wort. Die Bereidigung der Zeugen bedeutet nichts für ihre Glaubwürdigkeit. Das gilt auch für die Zeugen Tettenborn und Köpfe, denen ich vollen Glauben geschenkt habe und deren Aussagen auch nicht erschüttert worden sind. Ich glaube nicht, daß die Geldfrage für die Zeugen Tettenborn, Köpfe und Gilbert von ausschlaggebender Bedeutung war. Bielleicht wollten fie nur deshalb viel Barmittel aus Thormann herausziehen, um zu sehen, wer der Geldgeber sei. Aus dieser Handlungsweise auf eine moraAussage des 3eugen Tettenborn war flar und deuts, lische Minderwertigteit zu schließen, halte ich für verfehlt. Die ich und selbst Regierungsdirektor Weiß vermochte sie nicht zu erschüttern. Warum soll man um Grandels Geständnis immer einen Eiertanz aufführen. Der medizinische Sachverständige hat dargetan, daß das Geständnis sich normal psychologisch erklärt. Sicherlich ist Grandel bei seiner ersten Bernehmung niedergebrochen, aber er war doch nicht geistesverwirrt, und wer die klar und logisch aufgebaute Aussage hier vor Gericht gehört hat, der wird zugeben müssen, daß Dr. Grandel trog seines förperlichen Leidens geistig auf voller Höhe steht. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß er in dem Augenblick, als er klar erkannte, was er angerichtet, nicht mehr die Kraft zu weiteren Lügen hatte, sondern daß sein Geständnis vor dem Untersuchungsrichter die Rüdfehr zur Wahrheit bedeutete. Und wenn Dr. Grandel den Herrn Justizrat Claß in seinem Geständnis belastete, so bedeutet auch dieser Umstand nicht, daß nun das ganze Geständnis falsch war. Ich stehe vielmehr auf dem Standpunkt, daß der Angeklagte seine Tat psychologisch rechtfertigen wollte, als er den Namen des Justizrates nannte. Es liegt hier eine Verabredung zum Mord vor, auch wenn das Gericht durch die Bereidigung der Zeugen zu erkennen gegeben hat, daß es die Verabredung mit anderen, etwa mit einem Agent provocateur nicht ernst nimmt, und daß es den Deduktionen der Staatsanwaltschaft nicht folgen will. Aber auch bei dieser Rechtsauffassung bleibt immer noch eine Verabredung zwischen Thormann und Grandel bestehen, und die Angeklagten find deshalb aus§ 59 heraus mit Zuchthausstrafen von 1 bis 15 Jahren zu bestrafen. Was nun die Bemessung der Strafe selbst angeht, so billige ich beiden Angeklagten zu, daß sie sich nicht von egoistischen Motiven haben leiten lassen. Aber das fann man nicht übersehen, daß die Angeklagten feine jungen Fanatiker find, und hieraus fönnen fie feine Entschuldigung für sich ableiten. Man dente, welches neue Unheil über Deutschland hereingebrochen wäre, wenn im Januar der Inhaber der vollziehenden Gewalt durch Mord beseitigt worden wäre. Auch darin kann für die Angeklagten kein Milderungsgrund liegen, daß die Tat glücklicherweise nicht aus= geführt worden ist. Ich beantrage deshalb gegen beide Angeklagte eine Strafe von drei Jahren Zuchthaus unter Anrechnung von vier Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. In seinen Ausführungen über die Schuldfrage der Angeklagten ſtützte sich Rechtsanwalt Bloch vor allem auf die Tatsache, daß Justizrat Claß vereidigt worden sei, und daß niemand es wagen fönne, die Aussage dieses Zeugen zu bezweifeln. Damit breche ein Fundament der Anklage in sich zusammen. Hinter das sogenannte Geständnis Gran dels müsse man ein dickes Fragezeichen machen. Beuge sich wiederholt den Vorwurf habe machen lassen müssen, daß er mit der Wahrheit außerordentlich leichtfertig umgehe. Weiter müsse man die Aussagen der Zeugen Regierungsrat Mühleifen und Regierungsdirektor Weiß gegenüberstellen. Man müsse zu der Ansicht tommen, daß hinter Herrn Mühleifen lediglich ein leerer Raum sich ausdehne. Der Verteidiger schloß mit der Bitte um Freis fprechung. Auch Rechtsanwalt Dr. Sad bat um Freisprechung beider Angeklagter. Hierauf wurde die Urteilsverkündung auf Donnerstag vormittag angesetzt. Wirtschaft Sochverstänüigeagutachten und Gemeinüefiaanzen. Die Annahm« und Durchführung der Sachoerständigenvorschläg« wird auch in die Verhältnisse der Gemeinden tief eingreifen. Der Begriff der Selbstverwaltung, der im deutschen Recht fest ver. ankert ist. kann nicht verhindern, daß die Gemeinden in ihren Finan- zen von der Gesamtentwicklung in Reich und Ländern vollständig abhängig sind. Die Durchführung der Sachverständigenvorschläga bedingt im Laufe der nächsten Jahre«in« vollständige Neuordnung der Reichsfinanzen. Die Grundlagen des Reichsetats werden zum Teil wesentlich verschoben werden müssen und«in neues Finanz- ausgleichsgesetz, ja vielleicht m e h r e r« Finanzausgleichs- gesetz« erscheinen unvermeidlich. In der Besprechung des deutschen Haushaltes für dos laufende Etatsjahr und des Steuersystems weisen die Sachverständigen bereits auf den engen Zusammenhang zwischen den Finanzen des Reichs und der Länder hin und kommen dabei zu Ergebnissen, die unter Umständen von«inschneidender Bedeutung für die Gemeindefinanzen sein können. Es heißt in dem Bericht: „Die Verstärkung der Zentralisation auf finanziellem Gebiet, die nach dem Kriege gemäß der Weimar«? Verfassung stattfand, hat das Wesen der Beziehungen zwischen Reich und Ländern nicht grunblegend geändert... Kein klares Bild setzt die Ein- tunfte der Länder mit ihren Verpflichtungen in Beziehung... Die Lage ist bisher mehr durch rein politischen oder administrativen Opportunismus als durch klar finanzielle Grundsätze beherrscht worden. Das Reich kann entweder dem Drängen nach einem höheren Prozentsatz an Unterstützung nachgeben oder aber den Ländern das Recht übertrogen, einzelne Steuerquellen für eigene Rechnung auszuschöpfen. Die K o n t r o l l« der Gemeinden durth die Länder ist ebenso unzulänglich. In Anbetracht d« Der- unmöglich, die wirklichen Kosten irgendeines Verwaltungszweiges zu berechnen." Schon aus dieser kurzen Bemerkung de? Sachverständigen geht hervor, daß die Entente ein durchaus klares Bild über die inneren Verhältniste der deutschen Finanzen gewonnen hat. Ein« etwaige Verschärfung der vorgesehenen Finanzkontroll« über das Reich durch die Entente— bei eventueller Nichtleistung von Zahlungen usw.— würde also auch die Gemeinden treffen. Dabei hoben die Sach- verständigen die nicht unwesentliche Seite der Angelegenheit gar nicht berührt, die in der Kompliziertheit und Verwicklung der deut- scheu Berwaltungsverhältniss« liegt. Es ist aber bekannt, daß der Verwaltungsluxus, der in den Resten der Kleinstaaterei in Deutschland zum Ausdruck kommt, von allen ausländischen Ver« waltungsfachleuten nur mit Kopsschütteln angesehen wird. Die Sach- verständigen haben an dies« politisch delikate Seite der Sache nicht rühren wollen. Immerbin stellen sie die Forderung: „Es ist nach unserer Auffassung wesentlich, so bald wie mög« lich die Aufstellung vollständiger Statistiken über die Einkünfte und Ausgaben der Länder wieder aufzunehmen. Es wäre sehr wohl möglich, daß sich die Gemeindchaushalte eines beträchtlichen Wohlstandes erfreuen und doch zugleich sich der Reichshaushalt in ärgsten Schwierigkeiten befindet. Es ist klar, daß die deutsche Regierung in nächster Zukunft Schritte unternehmen muß, um die Beziehungen de« Reichs zu seinen Gliedern auf ein« geregelt« Grundla g« zu stellen, dergestalt, daß dies« nicht dauernd die Hilfsquellen des Reiches in Anspruch nehmen. Da» bestehend« Loch im Haushalt muß verstopft werden." Di« Sachverständigen haben allerdings davon abgesehen, Ins einzeln« gehende Ratschläge zu erteilen, well nach ihrer Ansicht dies« Fragen zu sehr mit sozialen und politischen Faktoren zusammen- hängen, die tief in der historischen Ueberlieferung wurzelten. Sie äußerten aber ihr« Meinung dahin, daß es nicht genüge, wenn„das Reich in tatenloser Zufriedenheit über die gegenwärtige Lag« oerharre, nur weil sie das Ergebnis der verfassungsrechtlichen Entwicklung ist". Das Gutachten betont, daß nicht nur das Reich, sondern auch Länder und Gemeinden finanziell den Alliierten gegenüber verantwortlich seien. Sie verlangen infolgedessen: „Die den Ländern und Gemeinden normalerweise zuzuweisen- den Hilfsquellen müssen klar umgrenzt werden, und es muß Sorge getragen werden, daß diese Hilfsquellen nicht üb« die berechtigten Bedürfnisse hinausgehen." In dieser allgemeinen Formulierung kann man an sich jeder der Forderungen der Sachverständigen zustimmen. Ein« klare Umgren- zung ist allerdings erwünscht und notwendig, und niemand wird ver- langen, daß die Zuweisungen über die berechtigten Bedürfnisse hin- ausgehen. Was freilich als„berechtigtes Bedürfnis" anzusprechen ist. darüber werden die Meinungen unter Umständen f e h r g« t« i k t sein. Di« Gemeindepolitik der nächsten Jahr« wird jedenfalls schon aus diesem Grunde zu einem großen Teil« durch die Art der Durch- führung des Sachverständigengutachtens bestimmt werden. Auch bei der Besprechung des deutschen Steuersystem«! äußern die Sachverstän- digen im einzelnen schwere Bedenken. Bekannt ist ihr Einspruch gegen die Umsatzsteuer. Auch hier werden überall Interessen der Gemeindepolitit in starkem Maße berührt. Auf welchem Wege hier ein Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen gefunden werden soll, bleibt vorläufig noch vollständig offen. Das Gutachten selbst enthält sich jeden Lösungsvorschlages, es weist nur auf die Problem« hin und überläßt ihre Lösun'g der Zukunft. der öeutsthe �rbeitsmarkt. Ueber die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkte» im vprll bringt dos„Reichsarbeitsblott" folgend« Gesamtüberflcht: Di« Arbeitsmartllage zeigt bei im ganzen noch günstigen Gesamteindruck manche AnzeicheneinerEchwächung. Da« Angebot offener Stellen mehrte sich nicht mehr in gleichem Maße, wie in den vorangegangenen Monaten: in einzelne» Jndu- strien machte sich sogar ein Rückgang des Stellenagebots bemerkbar, der jedoch durch die Belebung auf anderen Gebieten ausgeglichen wurde. Die Krankenkassen statt st ik ergibt bei insaesamt 55S2 berichtenden Kassen(im Äormonat 5382 Kassen) ein« Zunahme des Mitgliederbestandes von 11199 284 am 1. April auf 11882 911 am 1. Mai, d. h. um 582 727 oder 5,9 v. H.(im Bor. monat 4L v. H.). Di« A r b e i t s l o s e n st a t i st i k der Gewerkschaften läßt ein weiteres Fortschreiten der Besserung erkennen. Am Stichtag, dem 28. April, wurden in 37 berichtenden Derbänden unter 3 825581 durch die Erhebung erfaßten Mitgliedern 396 884 oder 19,4 v. H. als arbeitslos gezählt(im Vormonat 18,6 v. H.). Di« Inanspruchnahme der Erwerbslosenfürsorge im unbesetzten Reichsgebiet hat bis zum 15. Mai weiter abgenommen. Unterstützt wurden am 15. April 482 775, am 1. Mai 319 898, am 15. Mai'243 288 Pollerwerbslose. Auch die Kurzarbeitsstatistik der Arbeiterfachoerbände hat im Berichtsmonat in gleichem Maße wie bisher eine Besserung feststellen können. Unter den 3,3 Millionen Mitgliedern der 32 mel- denden Berbände arbeiteten am Stichtage, dem 26. April, 199939 oder 5,8 v.H.(im Vormonat 9,9 v. H.) mit verkürzter Arbeits- stundenzahl. Nach der Monatsstatistik der Arbeitsnachweise ist im Monat April die Zahl der Arbeitsgesuche weiter stark zurück- gegangen bei einem gegenüber dem Vormonat nahezu unveränderten Stellenangebot. Es wurden gezählt 1,79 Mill. Arbeitsuchende(gegen 2,24 Mill. im Vormonat), also ein Rückgang um 29 v.H., und 888 253 Stellenangebote(gegen 877 947 im Vormonat), d. h. um 1,5 v. H. mehr als im März. Auch die Zahl der Vermittlungen blieb nahezu unverändert: 555 548 im April gegen 552 675 im März {�-9,5 v. H.). Auf 190 offen« Stellen kamen 321 arbeit- suchende Männer(im Vormonat 419) bzw. 144 Frauen(im Vormonat 189). Für beide Geschlechter zusammen betrug die Ge- famtondrangziffer 269 gegen 331 im März. Im Gefamtdurchschnitt wurden von 109 Arbeitsuchenden 31(im Vormonat 25) vermittelt und von 199 offenen Stellen 81(wie im Bormonot) besetzt. Commerz- und Privatbank. Di« A-bschlußzahlen für 1923, die die Cnmmerz» und Privatbank der Oeffentlichteit jetzt vorlegt, sind in den meisten Punkten uninteressant. Man hat sich wiederum darauf be- schränkt, ein« Popiermarkbilanz zu geben, die absolut un- durchsichtig ist,«ei! sie Gold- und Papiermarkwerte durcheinander enthält und nichts darüber aussagt, zu welchen Kursen die Papier- mark eingesetzt worden ist, wo Einnahmen oder Vermögenskonten mit Goldmarkwert irgendwie in den Abfchlußzahlen erscheinen mußten. Es ist daher fast ohne BAang, wenn man weiß, daß Einnahmen und Ausgaben mit 18.78 Mill. Villionen-Mari aufgeführt werden und daß der rechnerisch« Ueberschuß 8,25 Mill. Billionen-Mork be- trägt. Ein Test der verbuchten Einnahmen ist schon früher in w« r t- beständigen Werten angelegt worden: wie hoch diese noch ihrem heutigen Werte stnd, das zu erraten überläßt man der Phon- tafi« des Lesers. Interessanter ist die Bilanz, weil sie wenigsten» in einigen Punkten Rückschlüsse auf da» Anwachsen des Vermögens zuläßt. Di« Commerz- und Privatbant vergleicht dabei ihre Abfchluhzahlen mit denen von 1913, erwähnt aber dabei nicht, daß inzwischen das Unternehmen bedeutend größer geworden ist. Abgesehen von der Fusion der damaligen Commerz und Diskontobank mit der M i t t e l- deutschen Privatbant im Jahr« 1929 hat die Firma ein« große Zahl verschiedener kleiner Bankhäuser aufgesogen und stellt infolgedessen schon in ihrem Besitz an Vertretungen in ihrer Organi- sation und in ihrem Haus- und Grundbesitz etwas ganz anderes dar als die aBnt vor dem Kriege. Um so interessanter ist es, daß in der neuen Bilanz eigen« Wertpapiere, Konfortial- beteiligungen, dauernde Beteiligungen, Bantgebäude und Inventar, sowie sonstig« Immobilien nur noch als Zähl Posten mit je 19 Billionen-Mark aufgeführt sind: allein in diesen Posten steckt eine stille Reserve von fast 69 Millionen Goldmart gegenüber dem Stand von 1913, wobei der inzwischen durch An- gliederungen erfolgte Wertzuwachs noch gar nicht berücksichtigt ist. Im übrigen sind die Bilanzzahlen aus dem bereits erwähnten Grund« schwer vergleichbar. Wo man den Vergleich dennoch oersucht, ergibt sich, daß das Bankgeschäft seinem Umfang nach in Goldmark stark zusammengeschrumpft ist: sowohl gegen Wechsel wie an sonstige Schuldner sind nur oerschwindend wenig Kredit« gegeben worden und die Einlagen sind ebenfalls viel kleiner als vor dem Kriege, wenn man von den kurzfristigen Anlagen absieht. Der Vergleich ergibt also, daß die Banken heute bei viel geringeren Um- s ä tze n als vor dem Kriege gleiche oder doch größereGewinne herauszumirffchaften oersuchen als vor der Inflationszeit. Das ist der Grund, weshalb heut« die Kredit« über alles Maß hinaus verteuert werden. Natürlich hat man sich auf diese Verminderung des Geschäfts. umfanges auch in der Organisation eingestellt, nachdem die im Aktiengeschäft erzielten Umsätze seit der Stabilisierung stark zurückgegangen sind. Man hat fünfzig kleinere Geschäfts- stellen geschlossen und den Ange st eilten st ab von 28999 auf 18 990 Köpfe herabgemindert. Schon diese Zahlen geben einen Begriff davon, wie ungeheuer viel Arbeitskräfte durch die Inflation gezwungen wurden, volkswirtschaftlich unproduk- t i v e Ar b« i t zu leisten und dann brotlos wurden. Die Haupt» schuld trifft dabei die Banken selbst, die bis in den Oktober vorigen Jahres hinein alle sozialistischen Vorschläge zur Bekämpfung des Währungselendes abgelehnt und keine besseren an ihr« Stell« ge- fetzt haben. Den erzielten Gewinn will man zum Ausgleich von „Subjtanzoerlusten" verwenden. In der Bilanz sind, wie erwähnt. solche Substanzverluste nicht erkennbar. Vielmehr erkennt man dos Gegenteil, wenn man weiß. daß. nach dem jeweiligen Dollarstand umgerechnet, rund 214 Millionen Goldmark in Kapital- anlagen und Reserve st ellungen untergebracht worden sind. Bielleicht ist davon ein kleiner Teil verlvren, jedenfalls nicht soviel, daß dieser Betrag nicht annähernd ausgezehrt wäre. Diese Kapitalanlagen und Reservestellungen allein betragen mehr als das Dreizehnfache der gesamten ausgewiesenen Ein. nahm«, wenn man etwa die Billionen-Mark als ein« Popiermark ansehen wollte! So werden Bankbilanzen im Jahre 1924, sieben Mrnate nach der Markstabilisierung ausgestellt. it Aehr.liche nichtssagende Papiermarkbilanzen stellen neueldings die Mitteldeutsche Kreditbank und die Deutsche Bank auf. Eine eingehende Kritik erübrigt sich dazu. ftus üem üänischen Genosseasthastswesen. In der vergangenen Woche hielt der Dänische Genossenschasts- oerband„Det kooperative Faellesforbund so? Dane- mark" fein« Generalversammlung ab. Ein« Auszählung der ihm jetzt angeschlossenen Arbeitergenossenschaften gibt«in treffendes Bild für die Mannigfaltigkeit und groß« Ausbreitung kooperativer Unternehmungen unter der dänischen Arbeiterschaft. Es gehören der Zentrole an: 36 Arbeitergenossenschofts b ä ck e r e i« n(zum Teil mit eigenen Mühlen), 34 B a u genossenschaslen(zum Teil mit eigenen Ziegeleien, Zimmerplätzen u. o.), 1 Genossenschasts b ra u« r e i, 1 Ar b e i t e r b a n k, 15 handwerklich« g e n o ss e n s ch a st- l i ch e Arbeiterunternehmungen, wie eine Maschinen- fabrik,«in« Werkstatt elektrischer Anlagen, zwei Kinos, ein Klempner- Installotionsunternehmen u. a. m.: ferner 35 Konsumvereine, von denen der Kopenhagener Konsumverein nun 199 Verkaufsstellen besitzt. Angeschlossen sind auch die gesamten Unternehmungen der sozialdemokratischen Presse mit Papiergeschäfien usw., außerdem«ine Arbeiter-Lebensversicherung und ein Arbeiter-Buch- führungs- und Revisionsinstitut. Konsum-, Bau- und Bäckerei- genossenschaften sind(mit Ausnahme von Kopenhagen) wieder in Landesverbänden zusammengefaßt. Der Kongreß stell» allgemeine Zufriedenheit und großen Nutzen der nun zwei Jahre bestehenden kooperativen Zentrale fest. Geklagt wurde von den Baugenosienschaften über Kapitalmangel: ohne Staatshilfe könnten sie die umfassende Bautätigkeit nicht auf- nehmen. Die Zentral« ist der„International kooperativ Alliance" angeschlossen. Die Generawersammlung beschloß u. a., sich an der am 15. Juni in Gent stattfindenden Internationalen Genossenschasts- ausstellung mit einem„Dänischen Haus", gebaut von den Bau- genossenschaften, in dem die Erzeugnisse der dänischen Arbeiter- genoisenschaften ausgestellt werden, zu beteiligen. In den neuen Vorstand wurde wieder als Bekräftigung des engen Zusammenarbeitens von Arbeitergenossenschasts-, Gew-rk- feljafts. und sozialdemokratischer Zentral« ein Delegierter der Ge- werkschastszentrale und einer des Parteivorstandes gewählt. De? gesamte Umsatz aller der Zentral« anaeschlossencn Genossenschasten hat nunmehr pro Monat rund hundert Millionen Kronen erreicht. Erhöhung des Zuckerrübenanbaus. Nach dem Verein der Deutschen Zuckerindustrie umfaßte der Rübemmbau 1923 rund 333 425 und 1924 rund 843 549 Hektar. Die Vermehrung be- trägt 4,54 Proz. Sie entfällt besonders aus Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und Süddeutschland. Einen Rückgang haben zu verzeichnen Thüringen, Hannover, Westfalen und Hessen-Nossau. Vor der Aertigsielluug des Dalchenseewerks. München, 4. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Di« vollständig« Fertigstellung des Walchenseewerks steht vor dem Abschluß. Seit der probeweisen Inbetriebnahme des Werkes Ende Januar, die mit zwei Druckrohrleitungen erfolgte, ist nunmehr auch die dritte Druckleitung fertiggestellt und bereits ausgeprobl. Di« Montag« der übrigen drei eisernen Rohrleitungen ist in«inigen Wochen fertig: sämtliche acht Turbinen sind montiert: mit der Montage der Generatoren für den Betrieb der Eisenbahn ist soeben begonnen worden. Beim Drehstrom- teil hat sich während des Probebetriebes die Notwendigkeit heraus- gestellt, an den Wicklungen der Generatoren Aenderungen vorzu- nehmen. Dies« werden zurzeit beschleunigt durchgeführt, so daß da- mit gerechnet werden kann, daß der regelmäßig« Betrieb von Milte Juli ab aufgenommen wird. Rückgang de» Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 3. Juni berechnete Großhandelsindexziffer des Statisti- schen Reichsomts ist gegenüber dem Stande vom 27. Mai(129,2) weiter um IL o. H. auf 118,4 zurückgegangen. Don den Hauptgruppen sanken im gleichm Zeitraum die Lebensmittel von 193,4 auf 199,9 oder um 2,4 v. H., davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 89,5 auf 87,8 oder um 1,9 o. H.. die Industrie st o f f e von 151,8 auf 151,1 oder um 9,3 v. H.(davon die Gruppe Kohlen und Eisen mit 144,7 nahezu unverSndert): die In- landswaren gaben von 199,8 auf 198,7 oder um 1 o. H. und die Einfuhrwaren von 172 auf 168V oder um 3 v. H. nach. Für den Durchschnitt des Monats Mai ergibt sich ein Rückgang der Großhandelsindexziffer von 124,1 auf 122,5 oder IV v. H. Von den Hauptgruppen sanken in der gleichen Zeit die Lebensmittel von 199,7 aus 106,6 oder um 2,8 v. S)., während die Industriestoffe von 139,9 auf 152,2 oder um 0,9 v. H. anzogen. Die Inlandswaren stiegen von 111,7 auf 112,2 oder um 9,4 o. H., die Einfuhrwaren sanken von 185,6 auf 173,8 oder um 6,4 v. H. Oedlandkultivierung als Tlofflandsarbeiten. Seit längerer Zeit werden im S e n n el a g e r zur Vefchäftigung Erwerbsloser B o d e ck. verbesjerungen durch den Kreis Paderborn vorgenommen. Es ist beabsichtigt, rund 14 599 Morgen Oedland zu kultivieren.(Die Karloffelernte von einer solchen Fläche kann mit 115 999 Zentner nach Abzug der Aussaat veranschlagt werden.) Die allgemeine Geld- knappheit stellte auch dieses wichtige Unternehmen vor die größten Schwierigkeiten. Diese sind nunmehr behoben. Reich und Land haben aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge einen Kredit bewilligt, der die Fortführung der Kulttvierungsarbeiten unter Be- fchäftigung von 399 Erwerbslosen auf längere Zeit sichert. Der Wert der Saorgruben. Interessante Angaben über den Wert der an Frankreich von Preußen abgetretenen Soororuben finden sich in dem Beicht der Regierungskommifsion des Saargebiets an den Lölkerbundrat. Bei Feststellung des Steuersolls der fron- zösischen Gruben im Saargebiet für die nächsten drei Jahre(ab 1. April 1924) wird der Wert der Saargruben einscksiießlich Nebenbetriebe auf 346 Millionen Goldmark verans-blagt. Man gang bei dieser Schätzung von einem mittleren Reingewinn pro Tonne vor dem Krieg« von 1,485 Goldmark aus und kam unter Zu- grundelegung der Produktion von 1923 auf 19 Millionen Goldmark. Von Deutschland ist der Wert der abgetretenen Saargruben bekanntlich mit 1199 Millionen Goldmark ange» geben worden. Wenn er tatsächlich nur 346 Millionen Goldmark beträgt, so wird man gut tun, sich diese Summ« für den Fall des Rückkaufes der Saorgruben zu merken. Di« Schätzung der R«- gierungskommifsion hat aber für das Saargebiet jetzt schon eine be- sondere Bedeutung, weil hiernach die französischen Saorgruben nur 14.5 Proz. des Steuersolls im Saargebiet zu bestreiten haben, wäh- rend der größte Teil, nämlich 85,2 Proz. von der Bevölkerung auf- zubringen ist. Die vaumwolleinkäufe de» Allrussischen Terlilsyndikats im Aus- lande. In dieser Saison hat, wie„Die Texlil-Woche" erfährt, das Allrussisch« Textilsyndikat ungefähr 2 Millionen Pud(zirka 32 899 Tonnen) Baumwolle im Auslande gekauft. Hiervon amerikanisch« Baumwolle zirka 1 799 990 Pud(27 829 Tonnen), ägyptisch« zirka 299 999 Pud(4759 Tonnen) und brasilianische 2999 Pud(zirka 30 Tonnen). In den Vereinigten Staaten wurden zirka 1 490 999 Pud(23 299 Tonnen), der Rest w Deutschland und England gekauft.— Bis zum 13. Mai waren bereits 12 999 Tonnen in Ruß. land eingetroffen, 6999 Tonnen sind unterwegs und der Rest wird ebenfalls in kurzer Zeit erwartet.— Die in Bremen abgeschlossenen Verkaufsverträge wurden von der Sowjetregierung auf Grund des Konfliktes mit der deutschen Regierung, soweit dieselben noch nicht erfüllt sind, annulliert. s8iRkiN6lie80NllMKuNÄ eWugtüsWufmiMlMdeZusslM ♦ KLEINE MAS SARY 2� ♦ Groß- Berliner Parteinachrichten. 19. Rreis. Wahlvorschlagstiften für die Elternbeiratswahlen find vom Ge. noffen nichta, Bantow, Görichstr. 30 v. pt., abzuholen. 3. Kreis Bedding. Freitag, 6. Juni, 7% Uhr, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes an bekannter Stelle. 5. Kreis Friedrichshain. Freitag. 6. Juni, 7 Uhr, Obleutesigung der Arbeiter. wohlfahrt und des Kinderschuhes bei Rofin, Gubener Str. 19. Erscheinen der Obleute aber deren Bertreter Pflicht. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag. 6. Juni, 7½ Uhr, erweiterte Kreisvorstands. fizung bei Bieler, Dieffenbachstr. 76. 6. Kreis. Freie Edulgemeinde! Freitag, 6. Juni, 7 Uhr. Ronferens fämtlicher Obleufe des Areises bei Bolf, Gräfeftt. 26. Jede Abteilung und jede Schule muß durch einen Obmann vertreten fein. Listen abrechnen. USP.- Genoffen einladen. Heufe, Donnerstag, den 5. Juni: 4. Abt. Elternbeiratswahl! Fortschrittlich gefinnie Eltern, deren Rinder die 5. Silfsschule besuchen( Blumenstr. 77), werden gebeten, ihre Adresse his Sonnabend an Adolf Hoffmann, Blumenstr. 23, zu senden. 14., 15. und 16. Abt. Achtung! 7 Uhr in der Turnhalle der Schule Buttbufer Str. 8, Versammlung sämtlicher Elternbeiräte der BSPD. 32. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferenz in der Schule Lange Str. 31, 8immer 55. 34. Abt. 7% Uhr Funktionärfonferens bei Rofin, Gubener Str. 19. 8um Frühtonzert des BSPD.- Sängerchors find beim Gen. Rosin noch Rarten zu haben. 36. Abt. Genoffen und Borwärtslefer, deren Rinder die 12. Realschule, Rigaer Straße, besuchen, werden gebeten, ihre Adressen umgehend an den Genoffen Schipper, Löweftr. 3, abzugeben. 38. Abt. Elternbeiratswahl! Eltern, deren Rinder nachfolgende Schulen be. fuchen, geben umgehend ihre Adressen ab: 23. Knabenschule, Strausberger Str. 8/9, beim Genossen Müller, Friedrichsberger Str. 6; 94. Mädchenschule, Strausberger Str. 8/9, beim Genoffen Battowig, Balisadenstr. 69; 59. Mädchenschule, Distelmenerstraße, beim Genoffen Jänisch, Löwestr. 17; 161. Anabenschule, Georgenkirchstr. 2, beim Genossen Wein, Mehnerstr. 2; 66. Mädchenschule, Friedenstr. 16, beim Genoffen Lehmann, Höchste Str. 28; 135. Mädchenschule, Friedenstr. 31, beim Genossen Krause, Friedrichsberger Str. 27; 181. Knabenfchule, Buffendorfstraße, beim Genossen Döhring, Landsberger Allee 157/158( Bigarrengeschäft). 42. Abt. 7% Uhr Sigung fämtlicher Elternbeiräte und Randidaten sowie aller Genoffen, deren Rinder die Schulen 28, 217, 60 und 236 besuchen, bri Höhlke, Bergmannstr. 69. 57. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr erweiterte Borstandssigung bei Rapidhinsky, Krumme Str. 47. 73. bt. Wilmersdorf. 6 Uhr im Lehrerzimmer der Gemeindesäule Mitgliederversammlung. Vorstandswahl und Anträge zur Kreisvertreterversammlung. 97. Abt. Neukölln. 7½ Uhr Funktionärsizung bei Rohr, Siegfriedstraße. Jungsozialisten und ältere SAJ., Kreis Friedrichshain. 7½ Uhr im Jugendheim, Tilfiter Str. 4/5, spricht Brof. Dr. Auguft Müller über die Wirtschaftsverfassung in Nußland." Gäste haben Zutritt. Gruppe Narb often. 7 Uhr Jugendheim, Danziger Str. 23, Bortrag von Otto Bach über: ,, Arbeitsdienstpflicht." Morgen, Freitag, den 6. Juni: 6. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferens bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. 30. bt. Pünktlich 7 Uhr Funktionärtonferena bei A. Carl, Wichertstr. 69. Die Elternbeiräte sind eingeladen. 74. Abt. Behlendorf. Frauengruppe abends pünktlich 7%, Uhr im Gesangsfaal der Nordschule, Potsdamer Straße. Frauenleseabend. 78. Abt. Schöneberg. 8 Uhr erweiterte Borstandssigung beim Genoffen König, Bring- Georg, Ede Feurigstraße. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose.... Roggenmehl 0/1..... Weizengrieẞ Hartgrieß Maisgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmeh! Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine. Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles, Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmeh! Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari 16,25-18,25 Malzkaffee, gepackt 15,00-15,75 Röstgetreide, lose 14,50-15,25 Kakao, fettarm 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt 22,00-24,00 16,50-18,00 100,00-115,00 115,00-130,00 11,00 12,50 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 16,75-18,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 21,50-25,25 Inlandszucker basis mel. 35,00- 37,50 Inlandszucker Raffinade 38,00- 40,50 13,00-14,50 Zucker Würfel 43,00-45,00 15,00 21,00 Kunsthonig 28,00-32,00 15,25-17,75 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 10,75-13,75 Speisesirup dunk. in Eim. 26,50 30,50 20,50-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 95,00-110,00 27,00-30,50 Marmelade Vierfrucht 35,00-42,50 21,00 29,50 Pflaumenmus in Eimern 38,00-42,00 31,00-37,50 Steinsalz, lose. 39,00-46,00 Siedesalz, lose 18,75-21,00 Bratenschmalz in Tierces 37,00-43,00 Bratenschmalz in Kübeln 34,00 36,00 Purelard in Tierces 17,00-20,50 Purelard in Kisten 14,25-16,00 Speisetalg in Packung 16,25 18,00 Speisetalg in Kübeln 23,50- 31,00 Margarine, Handelsm. I 58,00 30,00-36,00 desgl. I 82,00-86,00 Margarine, Spezialm. I.. 76,00 42,00-45,00 desgl. II. 3,10-3,70 4.00 4,70 63,75-64,75 65,25- 66,25 62,25-63,25 62,25-63,75 50,00-52,00 48,00-50,00 52,00-55,00 61,00-65,00 46,00-49.00 50,00 55,00 Margarine III. 68,00-72,00 Molkereibutter i. Fässern 172,00-176,00 70,00-82,00 Molkereibutter in Pack. 178,00-182,00 72,00-90,00| Landbutter 140,00-145,00 72,00-78,00 Auslandbutter in Fässern 176,00-180,00 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 182,00-186,00 Mandeln, bittere Bari.. 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 Zimt( Cassia) 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett. Kümmel, holländischer. 115,00-120,00 Quadratkäse Schwarzer Pfeffer Singap. 95,00-105,00 Quarkkäse Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 62,00-72,00 22,00-35,00 35,00-50,00 125,00-130,00 Tilsiter Käse, vollfett 180,00-215,00 Aust. ungezuck. Condensmilch 48/16 95,00-110,00 20,00-23,50 Rohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 Röstkaffee Brasil 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00- 26,50 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. 81. Abt. Friebenau. 8 Uhr Funktionärsikung bei Alabe, Sandjernftt. 60/01. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr Funktionärsizung, Zimmer 26. 95. Abt. Neukölln. Eltern, deren Rinder die 3. und 4. Gemeindefchule. Bring Handjern- Straße, besuchen, werden gebeten, Freitag, 7% Uhr abends, bei Richter, Prinz- Handjern- Str. 3, zu einer Elternverfammlung zu erfheinen. Barteigenoffen, macht die in Frage kommenden Eltern darauf aufmertfam! 114. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr Funktionärversammlung bei Schwarzer, Gabriel. Mag- Str. 17. Stellungnahme zur Vorstandswahl. 136. Abt. Reinidendorf- Oft. 7% Uhr Jugendheim Seebab, Resibenaftr. 49, Funktionärsgung. Aufstellung der Kandidatenliste für die Elternbeiratswahlen. An den Elternbeiratswahlen intereffierte Genossen stub ein geladen. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! 7./8. Juni Bezirkstreffen in Brandenburg a. d. S. Einweihung des Landheims. Für den Sammelfonntag am 15. Juni müffen fofort von allen Ahteilungen die Namen der Jugendgenoffen, welche sich an der Sammlung beteiligen, dem Jugendsekretariat mitgeteilt werden. Näheres fiehe Rundschreiben Ren. 5 und 6. Heute, Donnerstag, den 5. Juni, abends 71 Uhr: Abteilungsmitgliederversammlungen: Gesundbrunnen I: Schule, Gotenburger Str. 2. Friedenau: Jugendheim, Offenbacher Str. 5a. Neukölln I: Jugendheim, Münchener Str. 52 Norden: Schule, Putbuser Str. 3. Senefelder- Biertel: Badeanstalt, Oberberger Str. 57. Schönhauser Borstadt: Schule, Jbfenstr. 17. Gabweft: Jugendheim, Lindenftraße 3. Spandan: Bahnhoffte. 30a.- Zehlendorf: Güdschule. Auguftstraße. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen Berlin- Treptow. Berfamm lungsort: Beichensaal der 6. Treptower Gemeindefchule, Wildenbruchfte, 53 III, Freitag, den 6. Juni, 8 Uhr abends. Die Grundgilge der Pfycho- Analyfe." ( Dr. Ernst Simmel.) Republikanischer Jugendbund Schwarz- Rot- Gold, Bezirksgruppe Schöneberg. Donnerstag, den 5. Juni, abends 8 Uhr, Werner- Siemens- Realgymnasium, Sohenstaufenstraße. Thema: Republikaner in der Opposition." Referent: B. Citron. Gäste willkommen. " Berband Bollsgefundheit, Ortsverein Berlin. Vortrag des Genoffen Dr. med. Sans Graaz: Die törperlich bedingten Ursachen für die Bildung einer profetarischen Schicht." Borträge finden jeht jeden Donnerstag abend 48 Uhr im Margareten- Enzeum, Jfflandstr. 9/11, nahe Jannowißbrücke, statt. Anschließend Distussion. Eintritt frei. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Kameradschaft Steglig( Steglit, Lichterfelde, Bankwiz). Donnerstag, abends 28 Uhr, bei Stohmaffer, Stegliß, Albrecht, Ede Stephanstraße, Mitgliederversammlung. Republikaner als Gäfte willtommen!-6. Kreis, Jugendgruppe. Freitag abend 8 Uhr Zusammenkunft bei A. Knifer, Hagelberger Str. 20a. Korge am Kottbuser Damm 88-89 Heute Donnerstag spottbilliger Eröffnungsverkauf! 20% % Preisermäßigung Kauft ohne Sorge bei Korge ULAP Theater, Lichtspiele usw. ULAP Staats- Theater Yolksbühne Opernhaus 72: Vasantasena Th.i.Admiralspalast 72 Uhr: Jenufa 8% D.: Der Erfolg d. Jahres Opernhaus 10 Monate am Königsplatz onferbr. auf den Spielplan 7%, Uhr: Madame Drunter u.drüber Butterfly Deutsch.Opernhaus Schauspielhaus 6 Uhr: Tristan u. 7 Uhr: Candida Isolde Schiller Theater Weingartner, Edard, 7 U: Korallen- Lassmann, Hafgren- Dinkela, kettlin Plaschke, Heyer, Leisner, Deutsch. Theater Werner, Spering. Dworsky Sommerspielzeit Intimes Th. Direktion: Staal and Gerner Crêpe GeorgetteTäglich 8 Uhr: 8 U. USW, Mist.Globetrotter Metropol- Theater Kammerspiele 8: Karneval d.Liebe Tägl. 8 Uhr: Salomons Schwiegertochter Gr. Schauspielhaus 7% Uhr: Sommerpreise! Thalia- Theater U. Frasquita Tribüne 8 U. Die Frau v.40 Jahren Der Vogelhändler mit Else Heims Residenz- Th. Blumenstr. 9 Tägl. 8 Uhr: Kleines Theat. Tägl. 8 Uhr: Kameraden von Aug. Strindberg 8 U.: Extemporale U Trianon- Th. ( So ein Mädel) Somm.- Dir. R. Pirk Lustspiel in 3 Akten Bin Schwank Königst. 3418 der Liebe Limburg, Falkenstein Vergnügungspark Am Lehrter Bahnhof Täglich ab 4 Uhr( Sonntags 3 Uhr): Parkkonzert Feuerwerk 3 Neiss auf dem Turmseil Chaplin u. die Attraktionen • VORANZEIGE: Frühkonzert 1. u. 2. Pfingstielertag Frühkonzert Eintritt 50 Pfa. Werbespende Deutscher Kinder 30 Pfa. Deutscher Metallarbeiter- Verband LUNA tung! Chirurgische Brauche PARK Das am Montag verschenkt.Auto erhielt Hr. Max Donnerstag, den 5. Juni, nachmittags 5 Uhr, bei Hummel, Sophienstraße 5: Versammlung aller Bertrauensleute und Betriebsräte. Tagesordnung: Bericht von den Lohnverhandlungen. Bartzke, Stein Achtung! Bauanschläger Achtung! 5, Rose- Theater Theater a. Kotth.Tor metzst, In73 Uhr: Die Prinzessin vom Nil Firmen im Lunapark Casino- Theater Hente Hauptspende: Bine Torpedo- Schreibmaschine der Firma Gebr. Weinitschke TORPEDO Es gelangten z.Ausgabe SCALA folgende Großspenden: 8 Uhr: Internat. VARIETE VarietéSpielplan! Rauchen gestattet! im Theater Große Volksoper des Westens 2. 6. 24 Nr. 16 003 1 Korb der Firma Gabal, noch nicht abgeholt 3. 6. 24 1 große Vase der Firma Glaskunst A.-G., Berlin- Neukölln Georg Hawlitzek, Friedenau, Odenwaldstraße 12 7%, Uhr: Der Wildschütz Neue Welt8: Komische Oper Direktion: James Klein Heute zum 50. Male Der große Erfolg! Die A. Scholz 8: Prinzessin Hasenheide 108 114 1. und 2. Pfingstfeiertag: Frühkonzert und rinzessin Varieté- Vorstellung Operette in 3 Akten von Walter Kollo ( 50 Artisten) Das große Rennen zu Hoppegarten Eröffnungs – Programm Donnerstag, den 5. Juni nachm. 3 Uhr Einl. früh 4 Ubr| Einl. nachm. 2 Uhr Anf. früh 5 Uhr Ant. nachm. 4 Uhr Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr Nur noch kurze Zeit Pummels Martha Nur noch kurze Zeit Der Herr aus Kyritz und das bunte Programm Reichshallen- Theater Täglich 8 Uhr: Stettiner Sänger Deutschland erwache! Zum Schluß: Ein Tägl. 8 Uhr: EliteSänger Vollständig karte Nr. 33750 neues Hente Donnerstag: JUNI. Programm Bill. Preise 700LOGISCHER ZOOLOGI GARTER Gr. Konzert Täglich Aquarium TierkunstAusstellg. Musikantentraum Quittungs- Marken Dönhoff- Brettl Seit 40 Jahren Spezialität ar. Varieté- Progr Schkeuditz- Leipzig. Anf. Sonnt. 5 U. Conrad Müller, Freitag, den 6. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Berbandshause( Gigungs faal), Linienftraße 83/85: Kombinierte Verfammlung aller Bauanfchläger. 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