Abendausgabe Nr. 262+ 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 132 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag = Vorwärts= find in der Morgenausgabe angegeben Bezugsbedingungen und Anzeigenprette Redaffion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Douhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 5. Juni 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berlager: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Für Republik und Frieden! Löbes Abrechnung mit den Deutschnationalen. Der erste Tag der großen politischen Debatte im Reichstag begann mit der Fortsetzung jener Erörterungen, die in ben Berhandlungen der Mittelparteien und Deutschnationalen in breitester Form wochenlang immer wieder in der Deffentlichkeit geführt worden sind. Aus den Auseinandersehungen, die durch eine Erklärung der Mittelparteien und durch eine Rede des Grafen We starp geführt wurden, gingen die großen politischen Gesichtspunkte, über die jetzt entschieden werden muß, nicht hervor. Da erhob der Genoffe Löbe durch seine überaus glänzende Rede die Debatte auf das Niveau einer großen politischen und ideellen Auseinandersehung mit dem Problem der deutschen Gegenwart. Diese Rede durch Leuchtete den Sinn des politischen Geschehens, der im Parteigezänk der letzten Verhandlungen um die Regierungsbildung unterzugehen drohte. Die Rede des Grafen estarp war die Ankündigung der Opposition der Deutschnationalen gegen die neue Regierung Marr. Aber aus dieser Ankündigung der Opposition sprach nur zu deutlich die Hoffnung, aus der Oppofition von heute zum Bundesgenossen von morgen zu werden. Aus dieser Hoffnung heraus vermied Westarp die antithetische Zuspigung der trennenden politischen Fragen gegenüber den Mittelparteien. Sein Kampf galt der Sozialdemokratie! Um bie Sozialdemokratie zu befämpfen, wollen die Deutschnationalen die Führung der Reichsregierung. Um die Sozialdemo tratie zu bekämpfen, wollen sie Preußen. In der Sozial demokratie fehen fie die Kampfstellung der Republit und bes demokratischen Fortschritts, die sie zerschlagen müssen, ehe sie in Deutschland zurüdfehren fönnen zum alten reaktionären Kurs der Monarchie. Um die Bundesgenossenschaft der Mittelparteien in diesem Kampf warb Bestarp in feiner Reichstagsrede. Ordentlich vorsichtig verhielt er sich in der Frage der Außenpolitif, in der er die Stellung feiner Fraktion auf die Formel brachte:„ Die Annahme des Gutachtens im ganzen scheint mir nicht möglich zu fein". Die Tage des Bürgerblods sind noch nicht endgültig vorüber. Die Auseinandersetzungen der nächsten Wochen im Parlament werden die Entscheidung bringen müssen, ob die heutige Konstellation zur dauernden wird. Nach Bestarp arbeitete Genoffe Löbe in seiner ausgezeichneten, das ganze Haus in Bann zwingenden Rede den großen Gegensaz heraus. Mit der Rückkehr des Genoffen Löbe in die parlamentarische Feldschlacht hat die Bartei einen glänzenden, fesselnden und gedankenreichen Redner zurückgewonnen, dessen Humor die Gegner zugleich niederschlägt und entwaffnet. Die Rede Löbes diente der ge= schichtlichen Wahrheit, daß jene Außenpolitik, die von der Sozialdemokratie zuerst mit aller Entschiedenheit vertreten und gegen alle Anstürme verteidigt wurde, sich als die zwingend notwendige Gegenwartspolitik erwiesen hat. Löbe zeigte, daß zwar wohl durch die Opposition gegen die Erfüllungspolitik die ertremen Parteien gewachsen wären, daß aber gleichzeitig die Gedankengänge der Erfüllungspolitik auch diese Parteien selbst mit zwingender Gewalt in ihren Bann gezogen hätten. Bunächst die Volkspartei, bis nunmehr auch die Deutschnationalen vor dem Wege nach Damaskus stünden, schwankend zwar und zögernd, nicht ohne Zurückweichen, aber mit der Unsicherheit, die das erste Snmptom des Umfalls ist. Westarp bekämpfte die deutsche Demokratie, Löbe verteidigt die deutsche Demokratie als die Hoffnung der Zukunft. Westarp seht der Wendung des politischen Kurses in Frank reich und England den Willen zur Wendung des deutschen Kurses in entgegengeseztem Sinne entgegen. Löbe er= widert offen und ehrlich das Vertrauen des Auslandes zur deutschen Demokratie, weil aus diesem Vertrauen der Friede für Deutschland hervorwachsen werde. Westarp will die neuere und bessere Atmosphäre für Verständigungsverhandlungen zerstören, Löbe verteidigt den Gedanken des Friedens und der Verständigung. Aus diesem Gegensaz Westarp- Löbe ging mit aller Klarheit hervor, daß die deutsche Sozialdemokratie ideell Die führende Partei in Deutschland ist. Sie ist die Trägerin der Idee der Berständigung und des Friedens, sie ist die Trägerin und festeste Stüße jener Außenpolitik, die in der Gegenwart für Deutschland notwendig ist. Zwei Wege zeigte diese Reichstagssigung: den Weg der Reaktion, der Europa dauernd mit Krieg und Unrecht erfüllen muß, den Weg der Sozialdemokratie, der zum Frieden und zur Verständigung führt. Die Rede Löbes gipfelte in einer starken Proflamation des Willens der Arbeiterschaft zum fulturellen Aufstieg und zur jozialen Gerechtigkeit. Der Gedante des Sozialismus leuchtete aus diefer Rede flar und hell hervor. Auch hier tam der große innere und soziale Gegensatz gegenüber dem Machtwillen der Deutschnationalen zum Ausdrud. Zwei Wege in der äußeren wie in der inneren Politik liegen vor dem deut schen Bolte. Ueber die Wahl des rechten Weges fann fein Bweifel bestehen Herr Graefe hielt schließlich eine Rede im schlimmsten Stile der völkischen Mordheze gegen den Reichstanzler Dr. Marg. Ihr gegenüber müssen fast die früheren Hezreden Helfferichs verblassen. Bräsident Wallraf eröffnete die Reichstagsfißung heute um 10 Uhr 25 Min. Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der Regierungs. erklärung. Berbunden damit wird die erste Lesung des Nothaus. halts für 1924. Nach einer Erflärung des Abg. Scholz( D. Bp.) für die drei Mittelparteien, einer Rede Weftarps( Dnat.) und einer Erwiderung des Reichskanzlers Mary ergriff das Wort der Abg. Löbe( Soz.): Das Kernstück der nächsten Zeit ist die Stellungnahme zu bem Sachverständigen gutachten. wie fich zu ihm die Parteien stellen, der Reichstag stellt, evtl. der nächste Reichstag( Heiterkeit), mie sich das deutsche Volt dazu stellt, falls es zu einer direkten Entscheidung aufgerufen werden sollte. Davon hängt unser Schicksal in den nächsten Jahrzehnten ab. Darauf kommt es an, ob unfere Wirtschaft wieder voll in Gang tommt, ob 60 millionen unserer Bolfsgenossen Nahrung, kleidung und Wohnung finden, darauf kommt es an, ob wir uns als Reich und Bolt erhalten können. ( Beifall b. d. Soz.) Die Ausführungen des Grafen Bestarp nötigen mich, einiges vorauszuschicken. Die starken Barte, die wir von ihm gehört haben, erinnerten mich an einen Ausspruch von dem Großvater jenes neuen Mitgliedes des Reichstages, dem Jugend und Namen vorzuwerfen ein spießbürgerliches Unterfangen wäre. Dieser Großvater hat nicht nur starte, sondern auch schwache 3eiten seines Vaterlandes gesehen und als Abgeordneter des Breußischen Landtages fagte er: Es ist leicht für einen Staatsmann, im Rabinett oder in der Kammer in die Kriegstrom pete zu stoßen und sich dabei an seinem Kaminfeuer zu wärmen. oder von dieser Tribüne donnernde Reden zu halten und es dem Musketier, der auf dem Schnee verbiutet, zu überlassen, ob sein System Sieg und Ruhm erwirbt." Die augenblickliche Lage Deutschlands ist dazu angetan, dieses Wort Bismards in Erinnerung zu bringen.( Große Unruhe rechts.) " Als die Deutschnationale Partei noch in feine Regierungsfombination einbezogen war, hat sie auch von dieser Stelle aus ihren Spott geübt über die Zangengeburten, die bei neuen Regierungsbildungen nötig werden. Diesmal sind Sie( nach rechts) ganz hervorragend in die Kombination einbezogen worden. Die erste Probe von Kraft und Verjüngung bei derartigen Akten haben Sie wirklich nicht bestanden. Jetzt möchte ich aber spöttisch fragen: Wie piel Aufwand ist unnüz vertan, wieviel Kleinliches, allzu Menschliches hat sich in diesen Verhandlungen gezeigt?( Sehr wahr! bei den Soz.) Wenn ich mich eines Ausdrucks bedienen wollte, den ich neulich von der Rechten gehört abe, so würde ich sagen: Und wieviel Knochenerweichung gehört dazu! ( Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Dieser Vergleich ist wirklich nicht übertrieben, wenn man darauf hinweist, daß jedesmal, wenn der Kontrahent zur Bordertür hinausgeworfen wurde, er zur Hintertür wieder hineinkam( Sehr gut und Heiterfeit links). Umgekehrt verstehe ich es nicht, daß der Reichstanzler Marg und die Mittelparteien diesen Vorgängen nicht eher ein Ende gemacht haben, daß sie überhaupt diese Verhandlungsweise geduldet haben, und ich hoffe, daß sie dabei nicht von dem Gesichtspunkt ausgegangen sind, daß sie in dem Augenblid, wo sich ihre Berbindung mit der rechten Seite zerschlägt, auf der andern Seite ihnen eine Kombination zur Verfügung steht, die auf alle Fälle für sie einspringt. Herr Reichskanzler, diese Regierungsbant hätten Sie vor Wochen auch schon haben können. ( Sehr wahr! links.) Wenn Graf Westarp jagt, das parlamentarische Syftem fei ganz unerträglich für Deutschland, so stellt er damit unser eigenes Bolt tief unter alle Bölter mit parlamentarischen Einrichtungen, nicht nur unter die großen angeisächsifchen und romanischen Nationen, die soviel Selbstbewußtsein haben ( Buruf rechts: Das fehlt Ihnen!), sondern auch unter die germanischen Nationen des Nordens, die gar nichts anderes als parlamentarisches System kennen. In demselben Augenblick aber, wo Graf Bestarp das parlamentarische System als unbrauchbar erklärt, ver langt er auf Grund dieses Systems, daß der Reichspräsident der stärksten Partei angehört. Wenn wir doch endlich mal den Augenblic erleben wollten, wahre Ueberzeugungstreue bei jenen Herren zu fehen! Ueber die hanebüchenen Unrichtigkeiten gegenüber dem Sachver ständigengutachten, die sich Graf Westarp erlaubt hat, werde ich fpäter sprechen. Wir bedauern diesen langen Regierungshandel besonders wegen seiner Rüdwirtung auf unsere inter nationalen Notwendigkeiten. In vorigen Reichstag sprach der Außenminister von dem Eilberstreifen am Horizont. Dieser Optimsmus wurde darnals verspottet, aber heute bestreitet niemand mehi, daß im West en die Wolfenwand sich zu heben beginnt.( Widerspruch rechts.) Die Zeitungen der Rechten haben felbst darauf hingewiesen, daß durch die französischen Wahlen der nationale Block eine schwere Niederlage erlitten hat, in Frankreich die Demokratie triumphiert, daß die Linksmehrheit andere Wege einschlagen wird als Poincaré( Ruf rechts: abwarten!), daß in Frankreich der starke Wille zu einem wirklichen Frieden besteht und zu einer vernünftigen Verständigung mit Deutschland, von der auch Herr Hergt in seinem Interview mit dem„ Lokalanzeiger" sprach. Ich erinnere an die Kundgebung Herriots, an die Er öffnungsrede des französischen Alterspräsiden= ten, an die Bemühungen, den Präsidenten Millerand zu entfernen und an die gestrige Rede des Kammerpräsidenten Painlevé. Dieses Vertrauen zur deutschen Demokratie erwidern wir offen und ehrlich, weil wir uns davon eine Befriedigung verfprechen. Gewiß belastet uns das Sachverständigengutachten schwer, auch die neue französische Regierung wird die Wiedergutmachung verlangen, aber es ist eine andere Atmosphäre in die Berhandlungen gekommen. Wir hoffen, daß die im Gutachten nicht berührten Fragen zur Berständigung führen werden, namentlich die Freilassung der Gefan= genen und die Rückkehr der Ausgewiesenen. Diese Verständigung wird gerade dann am schwersten herbeizuführen sein, wenn wir sie zur Bedingung machen.( Widerspruch rechts.) Boraussetzung für die Verständigung ist allerdings daß auch bei uns der gute Wille herrscht und die Haßreden aufhören, denn alle nationalistischen Kundgebungen können die Gefängnishaft nur verlängern. Deshalb begrüßen wir es, daß die Deutschuationalen nicht in der Regierung fihen, denn, wenn sie sich auch auf den Boden des Sachverständigengutachtens stellen, würde doch niemals das Mißtrauen des Auslandes zerstört werden. Bei aller Rücksicht auf das Alter muß ich sagen, Herr von Tirpig hätte sich selbst sagen sollen, daß seine Kandidatur mie ein Alarmruf wirken würde. Graf Westarp hat sich ja selbst in England erfundigt, welche Wirkung die Kandidatur des Herrn von Tirpitz haben würde.( Ruf auf der Rechten: Lüge!- Lärm.) Verehrter Herr 3wischenrufer, ich kenne Sie nicht. Aber wenn Sie mir Lüge zurufen, so haben Sie nicht beachtet, daß der Abg. Koch vorhin den Zwischenruf machte, daß in unseren Verhandlungen protofollarisch erwiesen ist, daß Graf Westarp selbst eine solche Erflärung abgegeben hat. Sie( zu den Deutschnationalen) haben die stärkste Fraktion herbeigeführt mit Abgeordneten, die unter einer anderen Firma gewählt wurden. Sie haben im Moment Ihres Sieges gewisse Tendenzen, die wir vertreten haben, selber aufgenommen, insbesondere in der Frage des Sachverständigengutachtens zwar schwankend, zögernd, aber doch mit derjenigen Sicherheit, die das erste Symptom des Umfalles ist. Abg. Löbe wird von den Kommunisten fortgesetzt unterbrochen und wendet sich, nachdem er längere Zeit diese Unterbrechungen nicht beachtet hat, ihnen mit folgenden Worten zu: Ich hätte gewünscht, daß am Tage der Eröffnung des Reichstages die Wände dieses Gaales hinausgerückt worden wären bis an die Grenzen des Reiches und daß die ganze deutsche Arbeiterschaft gesehen hätte, was hinter dieser abgemachten und bestellten Entrüffung auf Kommando steckt. ( Stürmische Zustimmung bei den Soz. und in der Mitte, Geschrei der Kommunisten.) Ich weiß sehr wohl zwischen ehrlicher Entrüstung und anderer zu unterscheiden. Ich weiß, daß Abg. Rem= mele vor einigen Tagen hier ehrlich entrüstet war, aber ich weiß genau zu erkennen, welche Entrüstung auf Bestellung gespielt aus der man dann, nachdem das Kommando erfüllt ist, wieder in das behagliche bürgerliche Leben zurückfinkt. ( Gebrüll der Kommunisten.) Ich gebe die Ueberzeugung nicht auf, daß außerhalb und auch innerhalb dieses Saales fehe auch( zu den Kommunisten) unter Ihnen eine ganze Anzahl ab gehärmter Proletariergesichter, daß sich auch unter Ihnen wird und. ich viele aufbäumen werden gegen diese Methode, die das Ansehen der Arbeiterschaft schädigt. ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten, Unruhe bei den Kommuniften.) In Medlenburg. Thüringen und Sachsen hat diese Entwicklung schon begonnen aber auch bei den Bölkischen! In Bayern haben die Völkischen von der Landtagswahl bis zur Reichstagswahl 40 000. Stimmen verloren, ein Beweis dafür, welcher Schwemmsand sich da ansammelt.( Buruf von den Bölkischen: Weil alle Führer eingesperrt sind! Stürmische Heiterkeit.) Wie fönnen Sie überhaupt glauben, daß auf Ihre Seite eine Mehrheit des deutschen Volfes trefen wird, wenn wir sehen, Iwelche lange blutige Spur hinter den Anfängen Ihrer Organifation herläuft! Fast jeder Mordprozeß dieser Tage bringt neue Beweise da für. Angefangen von jenem Ehrhardt, den Sie heute abschütteln, der beim Kapp- Putsch aber noch Ihr Führer war, der des Mein eids angetlagt, ein armes Mädchen ins Gefängnis bringt und sich selbst davon macht, über alle diese Morde und Mordprozesse- welche Rette! Wie können Sie, die doch auf die deutsche Offizierschre halten, noch Berbindungen aufrecht erhalten mit diesem Schmuh und Blut, dl« cm Ihren AnfZngen flehen.(Geschrei bei den NationalsoziaNsten. Sie haben Teutschland gründe gerichtet!— Eegenrufe links— minutenlanger Lärm.— Abg. Henning: Sie haben nicht da- Recht, über Offiziersehre zu sprechen!) Herr Henning, Sie haben gestern erklärt:„Wir brauchen keinen Schutz der Polizei, wir sind schärffte Gegner der Juden, an unserem stahlharten Willen werden Sie sich zerschmettern" Herr Henning, sind Sie nicht selber zu dem jüdischen Leiter der Berliner politischen Polizei gegangen, um ihn zu bitten, Ludendorff auf seinem Weg zum Reichstag zu schützen?(Hört, hört! links.— Großes Geschrei bei den Nationalsozialisten.) Herr Henning hat sich zur persönlichen Bemerkung gemeldet, ich bitte, alles bis dahin zurückzustellen. Es wird sich alles bis aus das letzte I-Tüpfelchen herausstellen. Lasten Sie mich in meinen fachlichen Ausführungen fortfahren: Ihr Abgeordneter Ludendorff wußte, daß in dem Zehn» Millionenheer,' das jahrelang draußen kämpfte, Millionen von Sozial- demokraten standen, denen er selber oftmals Dank für ihr« Führung und Tapferkeit ausgesprochen hat. Ludendorff wußte, daß zwei Reichstagsabgeordnete für das Baterland gefallen sind, ein Jude und Sozialdemokrat, Dr. Ludwig Frank, und ein Welfe, den man damals auch einen Reichsfeind uannt«. Wie konnte Ludendoc unserer Partei die Schmähung des Dolchstoßes nachrufen? Wußte er denn nicht, daß unter den Gräbern Hunderttausende Söhne von Sozialdemokraten ruhen bis hmauf zum Reichspräsidenten, dessen beide Söhn« auch gefallen sind.(Neue SchmLhrufe der Nationalsozialisten werden durch stürmische Rufe links und in der Mitte„Ruhel" zum Schweigen gebracht.) Ihr Dr. Gansser hat den Reichspräsi denten g?chmäht, der sein« Söhne geopfert hat. Welche politisch« Klugheit gehört dazu, daß Sie die Sozialdemokraten und Ksmmu nisten unausgesetzt des Dolchstoßes beschuldigen, während Sie doch die allgemeine Wehrpflicht wieder einführen wollen, in deren Heer Sie die Millionen Männer brauchen würden, die Sie schmähen.(Große Unruhe rechts.) So lange Sie mit Ihren Wachlparaden. Fahnenweihen und„Deutschen Togen" alles zerfchla- gen. was eine vernünftige Außenpolitik für Deutschland erreichen könnte, so lange müssen wir die entwürdigende Militärkonttolle er tragen, wie die Heuchelei, daß man uns zur Abrüstung zwingt, wäh reud die anderen weiierrnsteu können. Welche politische Klugheit. die französstch« Macht und den französischen Druck über unsere be- setzten Gebiete unausgesetzt zu verstärken! Wir verlangen, daß die Regierung all diesen Kundgebungen entgegentritt, wir werden aber auch selbst für Abwehr sorgen. Alles, was Ihnen erlaubt Ist, ist auch uns erlaubt und Sie werden in wenigen Wochen eine republikomifche Organisation von „Stahlhelmen" und„Wehrwölfen", nicht mit diesen Namen und nicht mit diesen Zielen, aber von deutscher Arbeiterjugend auf den Füßen stehen sehen, die die Freiheit des Volkes verteidigt. (Große Unruhe rechts, stürmischer Beifall links.) Ich bin am Schluß. Graf Westarp irrt, wenn er behauptet hat, daß das SachvcrftanhigenNftachten den Abbau von 4g Proz. der Eisenbahner verlange. Das Gutachten sagt nur, daß die Ab baumöglichkeit beweis«, daß zuvisl Personal vorhanden sei. Das hat aber Dr. H e l f f e r i ch drei Jahr« lang hier gesagt. Gegenüber Ihren Borwürfen wiederhole ich, was ich im Namen meiner Partei bei der Annahme des Friedensvertrags m der Weimarer Ratio- nalvarsammlung gesagt habe: Wir wisteu. daß wir vor der Welt die Verantwortung tragen. Wir wissen, daß wir kommende Generationen und nicht nur uns belasten, aber wenn ein st unsere Kinder Rechenschaft fordern für die Ver pflichtungen, die wir ihnen und ihren Nachkommen auferlegt haben, so sogen wir ihnen schon heute, daß Sie für all dieses Unglück nicht diejenigen verantwortlich mache» können, die jetzt dem fürchterlichsten oller Kriege ein Ende bereitet, sond.-rn diejenigen, die ihn herbeigeführt haben. (Stürmischer Beifall links.) Der Drang nach Wektherrschaft, der Imperialismus, der Drang nach Gewinn und Ausbeutung, der Kapitalismus haben diesen Krieg herbeigeführt, der unser Boll und auch oll« anderen Völker so schwer getroffen hat. Unsere gefchichSlche Ausgabe bleibt der Kampf gegen diese Gewalten. Trotz der Niederlage sind wir nicht hoffnungslos. Wir blicken hin- aus über die Grenzen unseres Landes. Wir sehen die englisch« Arbeikerflaste in langsamen, sicheren Schritten dem Sieg er.igcgenschreilen.(Lachen rechts.) wir sehen in Frankreich den großen Erfolg der Sozialdemokrakischen Partei. wir sehen die Erfolge unserer Geusssen in Dänemark, Schweden, Oesterreich.(Zuruf rechts: Italien!) Wir begrüßen diese Enkwicklung. Wir schlagen ein in die Hand unserer Brüder und der anderen Völker. Wir erhoffen von dieser Enkwicklvng die Befriedung Europas, hier aber verleidigne wir die Schanze, in der wir kämpfen, die Deutsche Republik!(Stürmischer Beifall links, Zischen rechts, Murren der Kommunisten.) Nach der Rede Lobes richtete Frau Gohlk«(Komm.) die üblichen Beschimpfungen gegen die Sozialdemokratie. Bei Schluß des Blatte» spricht der Deutschvölkifch« v. Graes«. Die Erklärung öer Mittelparteken. Zu Begiim der Verhandlungen hatte zunächst Abg. Dr. Scholz (D. Lp.) im Namen des Zenttums, der Deutschen Demokraten und der Deutschen Volkspartei folgende Erklärung abgegeben: Die drei genannten Fraktionen haben seit Beginn der VerHand- lungen über die Regierungsbildung keinen Zweifel darüber ge- lassen, daß ihr Ziel die E i n i g u n g des Reichstags auf m ö g- l i ch st breiter Front zur Erledigung der augenblicklich im Vordergrund stehenden außenpolitischen Fragen war. Sie haben dies Ziel in langen, immer wieder erneuten Verhandlungen zu erreichen oersucht. Dabei stand für sie von vornherein unverrückbar fest, daß bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Notlage des gesamten Vater- landes und bei der Lage der besetzten Gebiete im besonderen die schleunige Annahme des S a ch v erstän d i q e ng ut- achtens als Grundlage für eine schnelle Lösung der Rcparations- frage unbedingtes Erfordernis fei. tBsifall.) Rur eine solche Hol- tung der Regierung wird unserer Wirtschaft die notwendige» aus- ländischen Kredite zufuhr«» können, ohne die die Wirtschaft- liche Katastrophe kaum aufzuhalten ist. Dieser Standpunkt bedeutet Jesthahen an der mshtt von der Regierung eingeschlagenen Richtung der ouswarngen Poutik. Ohne«in klares und eindeutiges Bekenntnis hierzu war-ine materiell« Grundlage für die Regierungsbildung nicht Zu gewinnen. Eine solche eindeutige Erklärung war zum lebhaften Bedauern der drei Parteien von der Deutsch- nationalen Volkspartei trotz stets erneuter Versuchung nicht zu erlangen. Die mit ihr geführten Verhandlungen mußten daher als gescheitert angesehen werden. � Einen anderen Weg zur schleunigen Bildung einer oktionsfähiaen Regierung als die Einigung c-.uf der Basis der bisherigen Koal tion gab es nach Lage der Dinge nicht mehr. Die drei Parteien haben infolgedessen im Interesse des Vaterlandes das Opfer auf sich nehmen müssen, zur Bildung der gegenwärtigen Regierung zusammenzutreten. Wir sprechen der Regierung das Vertrauen aus, daß sie im Verfolg ihres Programms nunmehr schleunigst alle Vorbereitungen trifft, die auf Grund des Sachverständigengutachtens erforderlich ssnd. Wir erwarten, daß sie gleichzeitig diejenigen politischen Forderungen durchseht, die sie selbst als unerläßlich für die Ausführung des Sach- verständigengutachtens bezeichnet hat. Nur ein solches Verhalten der Regierung entspricht den wirtschaftlichen Notwendigkeiten, aber auch den politischen Forderungen des Volkes.(Sehr wahr b. d. Mittel Parteien. Widerspruch rechts. Ruf b. d. Nttfoz.: Das Volk hat mst dieser Regierung nichts zu tun.) Wer s;m Vaterland liebt, der muß im Augenblick höchster Not nestional fühlen und auch den imieren Zwang empfinden, national zu handeln!(Beifall b. d. Mittelparte en.) Das getan zu haben, nehmen wir für uns in An- spruch.(Große Unruhe und Zurufe b.-d. Natsaz. und Dnatl. Beb fall b. d. Mittelparteien.) Die fwtwort öer DeotZchnationalen. Abg. Graf Westarp(Dnatl.): Ich möchte zunächst auf den Punkt hinweisen, der bei meinen Freunden und mir im Vordergrund steht. Es ist ein Not'chrei der deutschen Seele(Lärm bei den Kommunisten), ein deutscher Rotschrei(groger Lärm und Zurufe bei den Kommu- nisten), den Sie(zu den Kommunisten) als Volksverräter nicht ver- stehen(großer Lärm bei den Kommunisten), ein Notschrei, der auch im Ausland gehört werden muß. Das deutsche Volk besinnt sich darauf, daß seine Ehre im Spiele ist.(Beifall rechts.) Und daß es nicht weiter angeht, mit einem erlogenen und erpreßten Bekenntnis das deutsche Volk verurteilen zu wollen zu dauernder Knecht- s ch a f t.(Lebhafter Beifall recht-) Das wollen auch wir zum Aus- druck bringen, und wir sind der Meinung, daß das Sache der Regierung gewesen wäre, und eine Regierung, an der wir uns beteiligt hätten, hätte das aetan.(Sehr richtig! rechts.) Die Re- gierung hätte feststellen müssen, daß das Schuldbekenntnis des Artikels 2Z2 des Verfailler Vertrages unwahr war und nicht mehr aufrechterhalten werden kann.(Sehr richtig! rechts.) Eine Regierung, die zu dem Sachverständigengutachten Stellung nimmt, muß Widerspruch gegen die Schuldlüge erheben. Wir haben das zu einer Bedingung unseres Eintritts in die Regierung gemacht. Ob diese Bedingung angenommen worden wäre, ist uns nicht mitgeteilt worden.(Hört, hört! rechts.) Das Wahlresultat vom 4. Mai oerlangt einen vollständigen U m s ch w u n g der G c s a in t p o l i t i k. Die drei großen Parteien, die gestern hinter der Regierung gestanden haben, haben im Jahre 1319 44, im Jahre 1921 41,9. im Jahr« 1924 nur noch 29,1 Proz. aller Stimmen erhalten.(Lebh Hört, hört! rechts.) Di« Sozialdemokratie, der Haupttröger der grgßen Koalition, brach'« es 1919 auf 44,2, im Jahr« 1923 auf 41,6, im Jahrs 1924 nur noch auf 29,9 Proz. aller Wähler.(Erneutes lebhaftes Hört, hört! rechts.) Die Gesamtheit dieser Stimmen sank von 88 Proz. im Jahre 1919 auf nur noch rund 50 Proz. am 4. Mai. Dieses Ergebnis spricht«ine deutliche Sprache. Aus der anderen Seite sind wir von 9,9 auf 22,3 Prozent aller Wahlstimmen angewachsen; dazu kommen di« 6,7 Proz. der Nationalsozialistischen Freiheitspartei, so daß auf dieser Seite sich 29 Proz. ergeben. Noch größere Erfolg« in unserem Sinn« hat am 4. Mai das Ergebnis der Gemeindewahlen offenbart. Dazu tritt der gewaltig« Aufschwung des völkischen Ge- dankens im deutschen Volke.(Stürmischer Beifall auf der ganzen Rechten.) Die Aufgabe unserer Pactei, die jetzt 105 Mitglieder zählt, war und ist es, den grundicgenden Ilmschwung herbeizuführen. Das Wahlergebnis verpflichtet uns, aber auch zu sagen, daß wir nicht allein die Führung der Geschäfts im Reich« übernehmen können; bei einer Regierungsmehrheit, an der wir beteiligt sind, muß links von uns bis zu"m Zentrum gegangen werden. Wir sind ent- Ichlossen, olles zu tun, um zu einer Regierungsbildung zu gelanaen, wo auch wir enischeidenten, unserer Stärke entsprechenden Einfluß gewinnen. Bei den Verhandlungen haben wir Entgegenkcmmcn ge» zeigt, das bis an die äußerste Grenze ging. Vorgestern, als uns der Reichskanzler mitteilte, daß et sich zu feinem Bedauern genötigt sehe, die Verhandlungen mit uns abzubrechen, fügte er hinzu, die Zeit drang«, die Regierung müsse in den nächsten Tagen vor den Reichstag treten, die bestehenden Schwierigkeiten mühten in der bleibenden kurzen Frist behoben werden. An dieser Notlag« glauben wir unschuldig zu sein.(Lachen bei den Kommunisten. Zuruf: Sie sind immer unschuldig!) Wir hätten, wenn es nach uns gegangen wäre, vorgestern schon vierzehn Tage weiter sein können, wir haben bereits unmittelbar nach der Wahl und noch am 13. Mai immer wieder darauf hingewiesen, daß die neue Regierungsbildung schleunigst erfolgen müsse. Große sachliche Schwierigkeiten haben der Regierungsbildung entgegengestanden. Aber alle dies« Schwierig- ketten, politische wie wirtlchoftliche, sind doch letzten Endes auf den furchtbaren außenpolitischen Druck zurückzuführen, unter dem unser Volk und unser Land lebt. Das republikanisch-demokratisch-parlamenkarische System lst nicht geeignet, uns davon zn befreien. (Sürmische Zustimmung rechts.) Gleichwohl haben wir alles ver» sucht, bis an die äußerste Grenze zu gehen. Auch der Herr Reichs» Präsident hat nicht Veranlassung genommen, uns mit der Re- gierungsbildung zu betrauen. Unter den Parteien, mit denen wir verhandelt haben, schien uns der gute Wille, mit uns zu einer Einigung zu kommen, voll- kommen zu fehlen bei den Demokraten. Im Zentrum und in der Deutschen Volkspartei ssnd starke Kräfte am Werke gewesen, von denen wir dankbar anerkennen, daß sie mit tätig gewesen ind, der Aenderung der Verhältnisse Rechnung zu tragen und mit uns zu einer Einigung zu kommen. Es ist wohl selbstverständlich, daß, wenn eine starke Partei von 103 Mitgliedern in di« Re gierung eintritt, dann nicht der bisherige Kurs unbeugsam und un- verändert fortgesetzt werden kann, und daß«in solcher Anspruch wirken muß wie ein kaudinisches Joch, unter das wir uns nicht gebeugt haben?— Welches ist nun das Ergebnis? Ein ge waltiger Wabltampf, schwierig« Verhandlungen von Wochen, eine gewaltige Aufregung der Presse, ein Feldzug von Unwahr- h e i t e nl(Sehr richtig! rechts und ironische Zustimmung in der Mitte.) Die jetzige Regierungskoalition stützt sich auf nur 138 Ab geordnete, noch nicht ganze 30 Proz. der Gesamtzahl. Aber auch mit der Sozialdemokratie langt es nicht dazu, ein« von Zufälligkeiten unabhängige Regierungsmehrheit zu schaffen. Ich habe mich dem Eindruck nicht entziehen können, daß di« gestrige Regierungsprogrammrede des Reichskanzlers an ixn großen Problemen vorübergegangen ist. Es steht im Vorder- grund ein energischer Kampf gegen diemoskowitischeSowjet- z a r t e i. Die Partei will Deutschland ausliefern einer Herrschast des Schreckens. Und nach ihrem eigenen Eingeständnis geht sie dazu den Weg des Bürgerkrieges.(Widerspruch und'Lärm b. d. Komm.) Dos Bürgertum wird sich dem entgegensetzen. Und zu diesem Bürgertum gehören auch Millionen deutscher Arbeiter, die bereit sind, die Gesalw abzuwehren. Präsident Wallras: Vorhin ist der Ausdruck von links gekommen: Das sagt einer von der Mörderschul«! Das ist eine Beleidigung des Redners, die ich rügen muß. Abg. Westarp(fortfahrend): Wir bringen die Kräfte mit, auch die Kräfte der großen Verufsstände, auf die wir uns verlassen, um die Gefahren einer zweiten Revolution zu bannen.(Beifall rechts.) Dazu gehört freilich, daß jede Regierung, cm der wir uns beteiligen würden, einen entschiedenen und klaren Trernjuagsstrich gegenüber der Sozialdemokratie zieht. Deshalb verlangten wir auch eine Aenderung der Regie- rungsverhältnisse in Preußen als Ergebnis der Wahl vom 4. Mai. Diese Lösung in Preußen war für uns unerläßliche Voraussetzung, um Preußens selber willen. Denn dort herrscht geradezu eine sozialdemokratische Miß Wirtschaft. (Lebhafte Zustimmung r.'chts.) In bezug auf ein Programm der wirtschaftlichen Maßnahmen bat die gestrige Regie- rungser'lärung verjagt.(Sehr richtig! rechts.) Wir haben dafür ein Programm und hätten aern mitgearbeitet. Wir forderten dober einen Hinweis auf solch« Absichten in der Regierungserklärung. Wir haben uns selbst Zurückhaltung darin auferlegt, aber nun Ist die Bahn frei, und wir«erden ein« Fülle von Anträgen dem Hause vorlegen. Gerade die Sozialdemokratie, die Arbetterintsressen vertreten will, sollte bedenken, daß 40 Proz. der Eisenbahner abge- baut werden sollen.(Widerspruch bei den Soz. In dem Gutachten heißt es, daß de? Achtstundentag einer der schwersten Fehler sei.(Widerspruch bei den Soz. und Ruf: Steht gar nicht drin!) Ja- wohl!(Erneuter Widerspruch bei den Soz.) Ferner wird ver- langt, daß die BeträZe der Zölle und Steuern sehr wesenliich erhöht werden.(Ruf b. d. Soz.: Ist auch nicht wahr. Schwindel!) Auch in wirtschaftlicher Beziehung müssen wir das Gesamtergebnis abwarten, eh« wir dazu Stellung nehme.i können. Wir müssen aber vor allen Dingen mit aller Entschiedeneik darauf bestehen, daß die sogenannten politischen Fragen, die in dem Gutachten nicht behandelt sind, vor dessen Annahme eine für Deutschland befriedi- gende Regelung erfahren.(Zustimmung rechts.) Dazu gehört nichr nur di« wirtschaftliche Befreiung von Rhein� und Ruhr, die Her- stellunq der Perwaitungshoheit, sondern daß di« französischen Garni» fönen heraus müssen aus dem wider dem Bersailler Bertrag besetzten Gebiet. Abg. Westarp fährt fort: Enkscheidend ist für uns die mUstänsche und polikifche Besretting dieses deutschen Landes. Darum wollen wir an die Regierunas- gemalt kommen und unser Bol? zur Freiheit führen. Man hat uns wieder die Stelle der Opposition zugewiesen. Wir werden sie entschlossen und kraftvoll führen. Eine cbivarkende Haltung gegenüber der Regierung einzunehmen, ist unz wecjen der Vorgänge bei der letzten Regierungsbildung nicht möglich.(Leb- hafte Zustimmung rechts.) Alles Dorgettagene möchte ich in die folgende Erklärung meiner Fraktion zusammenfassen, die ich mit Genehmigung des Präsidenten verlese: Der Herr Reichspräsident hat unter völliger und offenbar plan- mäßiger Außerachtlassung des w. dem Wahlergebnis zum Ausdruck gelangten Willens des Volkes nicht den Führer der stärksten Partei, sondern den zurückgetretenen Reichskanzler mit der Regierungs- bildrnig beauftragt und damit den Gang der Verhandlungen in die Hände der bisherigen Minderheitsregierung gelogt. Dennoch hat die Deutschnationale Volkspartei von Anfang an ihre voll« Bereitwilligkeit zur Mitarbeit in der Regierung unter Zurückstellung eigener Wünsch« unzweideutig bewiesen. In Erkenntnis der historischen Bedeutung der Stunde hat sie sich sogar zum Eintritt in eine Regierung unter Vorsitz des bisherigen Kanzlers bereit gefunden und hat in sachlicher und per- sönlicher Beziehung eine außerordentliche Seldstver- leugnung an den Tag gelogt. Trotzdem hat der Reichspräsident sowohl wie der bisherig« Reichskanzler die Verhandlungen in einem Augenblicke abgebrochen, in dem bei gutem Willen der anderen eine Einigung noch möglich gewesen wäre. Die Deuischucöiouale volkspartei zieht aus diesem verhalle» de» Schluß, daß sowohl bei dem Herrn Reichspräsidenleu wie bei ausschlaggebenden Teile» der bisherige» Regierunzsparkeien der gute Wille, zn einer Der- ständlgung z» gelangen, gefehlt hak. Die Frariion zieht hieraus die gegebenen Folgerungen, sie stellt vor dem deutschen Volke fest. daß sie zu der gegenwärtigen Reichsleitung kein Vertrauen hat. (Stürmischer, andauernder Beifall rechts, lärmender Widerspruch b. d. Komm.) Reichskanzler Dr. Marx. (mit lärmenden Zurufen von den Kommunisten empfangen): Jede deutsche Reichsregierung wird es als ein« Selbftvcrständlichkeit er- achten, die Wahrheit über den Ursprung des Weltkrieges aufzuklären. Die im Verfailler Vertrag formuliert« Anschuldigung. daß Deutschland den Weltkrieg durch seinen Angriff entseffelt habe, ist, wie überall bekannt, von der damaligen deutschen Regierung nur unter dem Drucke übermächtiger Gewalt unter- zeichnet worden. Niemand wird behaupten, daß dies« erzwungene Unterzeichnung objektiven Wahrheitswert besaß«. Seither ist nie- mals von deutscher Regiernngsseite«ine Erklärung aboogeben worden, die anerkannte, daß der Krieg auf einen Angriff Deutsch- lands zurückzuführen wäre. Wiederholt ist sowolst von Dr. Stresemann wie von mir unter voller Zustimmung der Regierungsparteien in Reden die Frage in diesem Sinr.« behandelt worden. Die Frag« ist nicht durch leidenschaftliche Reden, sondern nur auf dem Wege nüchterner historischer For- schung zu klären.(Lärmender Widerspruch b. d. Rattoz,) Zahl- lose Deröffentlichungen über die Entsiehung der Katastrophe von 191-1 haben bereits den klaren Beweis erbracht, daß das Verdikt von Versailles über die Schuldfrag« vor den Tatsachen der Geschichte nicht zu bestehen vermag. Die deutsche R-ffernnz ist enkschlosscu. ihrerseits alle» zu lr.n. was der Wahrheit vollends zum Siege ver- helfen kann. Das deutsche Aktenmaterial wird in kurzer Frist rest- los der Oeffentl'.chkeit unterbreitet fein und der Regierung die Mag- lichkeit bieten, die Rolle, die Deutschland in der Weltpolitik der Vor- kriegsjahr« gespielt hat, lückenlos klarzustellen. Es wird alsdann. Sache unserer ehemaligen Kriegsgegner fein, in glei. cher Aufrichtigkeit auch ihrerseits die Archive zu öffnen. (Große Unruhe und Gelächter b. d. Naffoz.. andauernder Lärm, Glocke des Präsidenten.) Der gestern von mir abgegebenen Er, llärung habe ich nichts hinzuzufügen. Sie ist klar und eindeutig. Der Vorredner hat gegen den Herrn Reichspräsidenten Vorwürfe erhoben, als habe er irgendwie nicht fachgemäß gehandelt. Der Reichspräsidenl war. solange das Kabinett noch nicht zurück- gettete» war. nicht in der Lage und wicht berechtigt, irgendwelche Schritte zu tun. um ein Kabinett zu bilden.(Lärm und Zurufe rechts und links.) Der Herr Reichspräsident hat Wert darauf gelegt— und darin stimmt das ganze Kabinett mit ihm überein—. daß es nicht Aufgabe des Reichspräsidenten fein kann, stets der größten Partei des Haufes den Auftrag pr Bildung eines reuen Kabinetts zu geben.(Zurufe rechts: Unerhört!) Ich erheb« den schärfsten Widerspruch gegen die Behauptung des Vorredners, daß ich nicht von vornherein den festen Willen gehabt hätte, mit den Denttch- nationalen ein« jRegierunzskoalition herbeizufuhrem Ich habe mir die beste Müh« gegeben, dies zu erreichen.(Akm. Herat (Dnal.) nickt zustimmend.) Am Dienstag mußte die Sache zur endlichen Lösung gebracht werden, wenn nicht neues unendliche, UnheN über Deutschland kommen sollte. Dies habe ich auch den Herren von der Deutsch- nattonalen Fraktion dargelegt. Zwei Gesichtspunkte waren absolut ausschlwzaebend und maßgebend für mich: Es muß die Sicherheit bestehen und es mußten auch Er- klärungen gegenül»sr dem AuÄande abgegeben werden, daß in der Richtung der bisherigen auswärtige» Volitit keine A e n de r u n g eintreten weide.(Aharufe und großer Lärm rechts.) Ich befand mich bei dieser Einstellung in vollkommener Uebereur» stimmung mit den jetzigen Regierungsparteien. Eine Zustimmung hierzu war von den Herren der D e u t sch na ti o n a l« n Partei nicht zu erreichen. Ich habe allerdings den größten Wert darauf gelegt, Herrn Dr. Stresemann in der Regierung zu halten, da er mir die wertvollste Gewähr für eine unveränderte Fortführung der auswärtigen Politik zu bieten schien. An der Person des Herrn Dr. Slrejematm sollte und durfte aber die Koalition nicht scheitern, auch nicht nach dem willen des Herrn Dr. Sttefemann. Er hat mir die Erklärung abgegeben, daß seine Person keine Rolle spiele und er berest fti, seine Person zurückzustellen. Ferner will ich hier nur bemerken: von Anfang an habe Ich keinen Zweifel darüber gelassen, daß ich es ablehnen müßtt und ablehnen muß, irgend einen Einfluß auf preußische Regierungsverhältnisse zn nehmen(große Unruhe rechts), und daß ick> diesem Verlangen zu entsprechen nicht in der Lage war. Deshalb konnten die Vsrhandluugen nicht zu einem Ergebnis führen. Wenn Herr Graf Westarp dann zum Schlusso sagt«, meine Wiege sei am Rhein gestanden, ja, h-rr öraf Westarp darin scheidet sich unser Weg: Ihre Politik schützt nicht die Rhein- lande.(Lebhafter Beifall bei den Mittelparteien, Händeklatschen im Zentrum.) (Schluß jm Morgenblattt) 3m Prozeh gegen Tyormann und Grandel, die wegen Au- stiftung zur Ermordung des Generals Seecki angeklagt waren, wurde henke vormiklag vilv Uhr folgendes lirieN verkündet: Die Lngekla�en werden auf Kosken der Skaakskafse frei- gesprochen. Die Urteilsbegründung hat folgenden Wortlaut: Die gefährliche und verabscheuenswerte Bereilwilligkeit weiior Kreise zu Mordtaten ist eine Folge des Krieges und der Nachiriegs- zeit, ebenso wie die damit in Verbindung stehende gefährlich« und verdammenswcrte Spitzeltätigteit. BeideAngetlagtenhaben den Wunsch nach der Beseitigung des Generals v. Geeckt gehabt, und sie haben diesem Wunsch auch laut Ausdruck gegeben. Dabei mag in ihrer Ansicht nicht ohne Einfluß gewesen sein die Ansicht des Iustizrat v. C l a ß, daß der General v. Geeckt für Deutschland ein Schädling sei. Daß Justiz- rat Claß etwa die Ermordung des Generals v. Geeckt gewünscht hat, erschien dem Gericht ausgeschlossen. Dies« Ansicht ist auch durch die eidliche Vernehmung des Herrn Iustizrats Claß einwandfrei widerlegt worden. Trotzdem ist das Gericht nicht zu einer Verurteilung der Angeklagten gekommen, denn Z 43 StGB. besagt, daß zwei Personen zur Begehung einer Tot in Willensüber- sinstimmung handeln minien. Eine Verabredung zum Mord liegt jedoch nur vor, wenn beide Teile als Täter oder als Gehilfen den ernsthaften Willen haben, bei der Begehung des Verbrechens tätig zu werden. Eine Verabredung mit Spitzeln gibt es nicht, weil diese den ernsten Willen zur Tat nicht haben. Insoweit ist das Gericht der Auffassung des Reichsgerichts gefolgt. Nun hat die Verhandlung ergeben, daß Tettenborn und Köpke den festen Willen zum Mord nicht hatten. Infolgedesien liegt auch eine ernsthafte Ber- abredung zwischen den Angeklagten und den beiden Zeugen Tettenborn und Köpke nicht vor, denn Tettenborn und Köpke haben amtlichen Stellen zu er kommen gegeben, daß es keineswegs ihr Will« war, aus die Wünsche der Angeklagten einzugehen. Infolge- dessen hat sich auch der Plan zum Mord nicht ernsthaft verdichtet. Man könnte aus den Gedanken kommen, daß vielleicht ein Versuch zum Mord vorlag, der an sich strafbar ist, ober in diesem Falle hier würde es sich nur um den Versuch eines Versuches handeln, und dieser ist nach dem Gesetz nicht strafbar. Strafbar ist vielmehr die Aufforderung zum Mord. Voraussetzung für die Auf- forderung aber ist wiederum der ernstlich: Wille sowohl des Auf- fordernden als des Aufgeforderten. Geht man davon aus, daß Thormann und Grandel eine Aufforderung zum Mord versucht haben, so besteht doch wiederum die Tatsache, daß Tettenborn und Köpke selbst die Aufforderung zur Tat nicht ernst genommen haben. Es kommt schließlich noch Anstiftung zum Mord in Frage, aber auch hier ist wiederum festzustellen, daß Tettenborn und Köpke selbst die Anstiftung nicht ernst genommen hoben. Au» diesem Grunde waren die Angeklagten auf Kosten der Staatskasse freizusprechen. Die Hastbefehl« gegen beide Angeklagten werden mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Das Bemerkenswerteste an diesem Urteilsspruch ist, daß die beamteten Richter mit den Geschworenen mehrere Stunden Hebraucht haben, um diesen Freibrief für Mordanstistung fertigzustellen. Denn praktisch läuft die Urteilsbegründung darauf hinaus, daß ein w o h l v o r» bereiteter Mordplan dann als nicht vorhanden an- gesahen wird, wenn der gedungene Mörder entweder nur zum Schein den an sich ernsthast gemeinten Auftrag übernommen hat oder cor Ausführung der Tat Bedenken bekommt und dann einen Scheinwillen vortäuscht. Ganz zweifellos hat die Verhandlung ergeben, daß Thor« man irgendein Subjekt suchte, das den General v. Seeckt zu killen bereit sei. Ebenso ernsthaft ist nachgewiesen, daß Gran- de! hinter Thormann stand und ihn bei seiner Tätigkeit unter« stützte. Sie hatten also, um die Worte des Gerichts anzu- wenden, den.Tatwillen", einen Mörder zu din- gen. Daß die Personen, die ihnen zu diesem Zwecke gut und brauchbar erschien«� die Tettenborn und Köpke, in diesem besonderen Falle versagten, lag ebenso zweifellos außerhalb ibrer eigenen Kalkulation. Sind sie deshalb nicht strafbar? Das Gericht ist auf die merkwürdige Konstruktion gekommen, daß deshalb, weil Tettenborn und Köpke nur Scheinmörder waren, auch die Auftraggeber straffrei bleiben müssen. Setzen wir den Fall, daß den Thormann-Grandel statt Tettenborn-Köpke etwa die A n k e r m a n n- W e i ch a r d t- Grenz in die Hände gelaufen wären: diese hätten, wie im Falle Haiden erwiesen, bedenkenlos den Versuch unternom» wen. der in der Willensrichtung der Thormann-Ärandel lag. Der Mordwille wäre also vollständig klargestellt. Und selbst wenn der eigentliche Anschlag in letzter Stunde verhindert worden wäre, so würde doch ganz offen die Strafbarkeit der beiden Auftraggeber feststehen. Jetzt liegt nun ganz derselbe Tatbestand vor mit dem einzigen Unterschied, daß die beiden vermeintlichen Gedun- genen nicht die Absicht gehabt haben, den ihnen gewordenen Austrag auszuführen. Und lediglich aus diesem Grunde, der vollkommen außerhalb der Erwägungen der Thormann» Ireispruch im Claßprozeß. Eine unmögliche Urteilsbegründung. Grandel lag. bleibt ihre eigene rechtswidrigeHand- lung ungesühnt! Sie werden jetzt möglicherweise noch als Leute von besonderer vaterländischer Gesinnung gefeiert werden, und die alldeutschnn Tintenfische werden nichts unter. lassen, um die klaren Gewässer durch den Hinweis auf die Spitzeltätigkeit eines Gilbert zu trüben. Sicher ist die Spitzelarbest, die in dem Prozeß wieder einmal enthüllt wurde, eine der übelsten Erscheinun- gen der Gegenwart. Sie gleicht den Blasen, die aus dem Sumpfe auf, zusteigen pflegen und durch ihr Erscheinen den moorigen Untergrund bekunden. Die Tätigkeit solcher zweifelhaften Gestalten, wie Gilbert eine darstellt, und wie sie zu Hunderten und Tausenden in Deutschland herumlaufen, ist nur ein Beweis für die gesellschaftlich« Zer- s e tz u n g. die die Nachkriegszeit für unser Volk gebracht hat. Es wird sehr ernsthaft geprüft werden müssen, wie viele solcher zu allen„Berichten" fähigen Subjekte noch im Dienste der Behörden stehen, die für die Auftechterhaltung der Ord- nung im Land« eingesetzt stich. Jnsbelondere wird man auch sehr genau den Ursprung all des Materials nachzuprüfen haben, dos gegen die Linksputschisten so emsig zusammengetragen wird. Das Reichskommissariat für die öffentliche Ordnung unter- steht dem Oberst K u e n z e r, der bekanntlich auch in Thüri- gen„Ordnung" schaffen sollte. Was in Thüringen durch seine und anderer Instanzen Tätigkeit an Staatsfreud« zerstört worden ist, kann in Jahrzehnten nicht wieder ausgebaut wer« den. Es ergibt sich die Frage, welche Entscheidungen des Reichskommissars bisher auf Grund der Mit- arbeit von Ehrenmännern nach dem Muster Gil- berts getroffen worden sind, und die weitere, ob alle diese Entscheidungen auch heute noch zu Recht bestehen und als Recht anerkannt werden sollen. Man wird im Reichs- tag, der ja die Mittel auch für das Reichskommissariat zu be« willigen hat, eine gründliche Untersuchung der Tätigkeit dieser Behörde vornehmen müssen! Aber abgesehen von Spitzelwirtschast und Urteilsbegrün- dung bleibt der Prozeß, der jetzt in Moabit beendet wurde, ein außerordentlich wertvoller Beitrag zur Kulturgeschichte der Gegenwart. Das Gericht hat zwar dem alldeutschen Claß bescheinigt, daß er einen Mord an Seeckt nicht beabsichtigt habe. Es ist dabei augenscheinlich den Darlegungen gefolgt, die der Leiter der Berliner politischen Polizei vor Gericht gemacht bat. Aber die Tatsache der Verhaftung Grandels, sein Geständnis und die daraufhin erfolgte Beschlag- nähme der Korrespondenz des Herrn Claß haben doch immerhin einen tiefen Blick in die Hinter- treppe npolitik tun lassen, die in den Bureaus von Elaß und anderen belieben wird, und die keinem anderen Zwecke dient, als die Republik zu beseitigen. Mögen die Richter aus formaljuristischen Gründen keinen Anlaß gefunden haben, sich mit Elaß und seinen Kumpanen naher zu beschäftigen, so hat um so mehr die republikanische Bevölke- rung allen Grund, diesen Feinden der Republik ihr« Aufmerk- samkeit zu widmen. Man weiß, daß die Hitler-Ludendorff den offenen Putsck riskiert haben, den sie so lange lärmend vorbereiteten. Die kalten Putschisten aber, die sich um Elaß, Kohr und Ehrhardt zu sammeln pflegen, sind noch gefährlicher als jene. Wenn die Republik ihre Interessen zu wahren verstünde, würde sie diesen kalten Putschisten er- barmungslos den Daumen ins Auge und das Knie auf die Brust drücken. Ein anöeres Urteil. Schwere Strafe« gegen Kommnniste«. Leipzig, 4. Juni.(Ew.) Ein kommunistischer Waffenschiebungv- prozeß fand gestern und heute vor dem Staatsgerichtshofe statt. Angeklagt waren Meckaniksr Willy Schmidt. Korrespondent Albert H o t o p p, Maschinenarbeiter Hans Kroll, Bau- arbeiter Bruno B a n n a f ch, Ingenieur Friedrich P r i« ß, Maler Alfons Both, Stenotypistin Elsa Elassen, Schlächter- meister Wilhelm Ratz und Gastwirt Richard Martini, sämtlich aus Berlin. Die Anqeklagten waren beschuldigt, im November 1923 verschieden« Kisten mit Waffen, die im Hamburger Freihafen zur Auskuhr gelagert hatten und in die Hände der KPD. nach Berlin vcrschoben worb.m waren, teils bei sich verborgen ge- halten, teils ihre Weiterbeförderung besorgt und verdächtige Per- sonerr begünstigt zu haben. Die zweitägige Vernehmung der Ange- klagten und Zeugen beleuchtete, wie geschickt in der Zentrale d e r K P D. gearbeitet wird, lieber das Schicksal der Waffensendun. aen machte Kriminalkommissar Weitzel aus Berlin interessant« Aus- führungsn. Die in dem zur Verhandlung stehenden Fall verschobenen Waffen stammen teils aus den Deutschen Werken in Erfurt, teils aus Waffenfabriken in S u h l und Zella- Mehlis. Sie wurden ursprünglich vrn einem amerikanischen Konsortium zur Ausfuhr nach Amerika aufgekauft und im Hamburger Freihafen eingelagert, zum Teil hatten die Waffen auch die Reife Wer den Ozean angetreten, kamen aber zurück, da der Einfuhrzoll zu hoch war. Das Konsortium sah sich nun im Inland nach einem Abnehmer um und kam dann an den Waffenfabrikanten Krenz in Zella-Mehlis, der seinerseits wicSsr einen Käufer in einem Dr. Winkler sa. Dieser Dn Winkl« r konnie bisher von ber Polizei nicht er mittelt werden. Nach ziemlich einwandfreien Feststellunge! 'cheint er aber identisch zu sein mit dem kommunistischen Volksschul- iehrer Nikolaus Saß aus Suhl, der in der KPD. eine gewisse Rolle spielte und seit dem Einrücken der Reichswehr in Thüringen vor- s'hwunden ist. Von Dr. Winkler erhielt nun ein gewisser Krause m 'Berlin die Wessen. Die eiste Sendung, besteherch aus 4 Kisten mit etwa SO zu Karabinern umgearbeiteten M'litärgewshren, kam An- fang November 1923 zu dem Angeklagten Schmidt, bei dem sie im Keller versteckt aufgefunden wurden. Die zweite Sendung war ein ganzer Waggon Munition. Vom Vertreter der Anklage wurden für Hotopp 2 Jahre 6 Monate Festung, für Kroll 1 Jahr 6 Monats Zuchthaus, für Ratz 2 Jahre Zuchthaus, für Voth und Dtartini 6 und 9 Monate Ge- fängnis und für die Angeklagte Elassen Freisprechung beantragt. Das Urteil lautete auf: Hotopp 4 Jahre Gefängnis. 5000 M. Geldstrafe, Bannasch, Kroll und Prieß je 254 Jahre Gefängnis und ZWO M. Geldstrafe, Both 5 Monate Gefängnis. Diese gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt. R ö tz, M a r t i n i und Elassen wurden freigesprochen. Ein Vergleich mit dem Urteil im Münchens r Putschprozeß drängt sich auf. Die völkischen N o v e m b e r p u t s ch i st e n hatten den Versuch unternommen, mit den Waffen in der Hand die Republik zu beseitigen und an ihre Stelle die Dik- tatur zu setzen. Sie hatten die Diktatur bereits aus- g e r u f e n, sie hatten Mitglieder des bayerischen Ministeriums gefangen gesetzt. Das Urteil kam einem ehrenden Frei- f p r u ch gleich. Im Prozeß gegen die Thüringer K o m m u n i st eil handelt es sich um dasselbe Delikt. Aber die Sache war weder bis zum bewaffneten Aufstand gediehen wie im Fall Hitler- Ludsndorff, noch war ein die Verfassung änderndes Unter- nehmen erfolgt. Lediglich Waffen waren verschoben worden. Das Urteil: fchwereGefängnis-undGeld- strafen. Gewiß, in dem einen Fall war das famose bayerische Bolksgericht die aburteilende Instanz, im anderen Fall der Staatsgerichtshof. Aber wo bleibt die Iustizoberhoheit des Reiches, wo bleibt die Einheit des Reiches, wenn das Recht in dieser Weise gehandhabt wird? Man kann noch nicht einmal sagen, daß die Reichsjustiz sich nicht um die bayerische Angelegenheit gekümmert hat. Gegen den„Vorwärts", der ausdeckte, woher die v ö l- kischen Putschi st en ihre Waffen hatten, wurde ein Landesverratsverfahren eröffnet. Freispruch für völkische Putschisten, Landesvsrratsvsr- fahren für die, die völkische Waffenlager aufdecken, Gefängnis für kommunistische Waffenschieber— es geht heiter zu in den Gerichtssälen der deutschen Republik. Roßbach, Kabr, Eumbe!. Zum Landesverratsverfahreu gegen Gumbel. Bon der Deutschen Liga für Menschenrechte erhalten wir folgende" Zuschrift: Der Oberleutnant Roßbach wird gesucht wegen Fahnenflucht, unbefugter Bildung eines militärischen Verbandes, Geheimbündelei und wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutz der Republik. Mitglieder seiner Organisation waren nachweislich an einer Reihe von politischen Morden beteiligt. Eine Reihe seiner Anhänger wurden wegen des Parchimer Mordes zu langjährigen Zuchthaus- strafen verurteilt. Roßbach wurde im Herbst 1923 verhaftet, ober wegen mangelnden Fluchtverdachts entlassen. Er floh nach Bayern und konnte dort nicht mehr verhaftet werden, da das Gesetz zum Schutz der Republik dort außer Kraft gesetzt worden war. Roßbach war am Hitler-Putsch stark beteiligt. Nach seinem Scheitern floh er mit einem falschen Paß nach Oester- reich. Das Verfahren gegen ihn vor dem Reichsgericht mußte in diesen Tagen vorläufig wegen Abwesenheit des Angeklagten einge- stellt werden. Das Roßbach betreffende Kapitel in Gumbels Buch „Verschwörer" war ohne Wissen des Verfassers auszugsweise im Wiener„8-Uhr-Blatt" erschienen. Unter ausdrück- licher Berufung auf diesen Artikel wurde jetzt gegen Dr. Gumbel ein Verfahren wegen Landesverrats ein- geleitet, da er„Nachrichten öffentlich bekanntgegeben hat, von denen er wußte, daß ihre Geheimhaltung einer anderen Regierung gegen- über für das Wohl des Deutschen Reiches erforderlich war." Das Verfahren gegen Roßbach, den man hat fliehen lassen, wird vorläufig eingestellt. Von einem Verfahren gegen Kohr wegen Begünstigung Roßbachs ist keine Rede. Gegen Dr. Gumbel aber wird eingeschritten. Es besteht die Gefahr, daß dieses Ver- fahren den deutschfeindlichen Gerüchten neue Nahrung gibt, wo- nach die deutsche Regierung die nationalistischen Ge« heimbündeinsgeheimunter stutzt Auf den weiteren Ver- lauf des Verfahrens kann man gespannt sein, da der frühere Reichs- justizminister Prof. Radbruch Gumbels Verteidigung über- nommen hat. was geht in Rumänien vor! Tie Revolutionsnachrichten werden dementiert. London, 5. Juni.(WTB.)„Times" berichtet, daß gestern weder in britischen Negierungstreisen noch bei der rumänischen Ge. sandtschaft irgendwelche Nachrichten über die Lage in Rumänien ringegangen seien, was g««H s e!B c s o i g"'!!««tvecke. Belgrad. S. Juni.(EP) Tie Presseabteilung des lugo- fl-nvisch-n Außemninisteriums veröffentlicht«ine Erklärung, wonach si« von gut informierter Seite verständigt wurde, alle Gerüchte, die m Belgrad über Unruhen in Rumänien verbreitet seien, ent. kehrten jeder Grundlage und seien tendenziös. Wien, S. Juni.(XU.) Die Meldung, daß General A v a r« s c u die Regierung Bratianu gestürzt habe, entspricht nicht den Tatsach.'n. Dagegen fand in Bukarest aus dem Karlsplatz die schon vor längerer Zeit angekündigte Massenversammlung der Opposition statt, zu der 10000 Bauern in Bukarest«ingetroffen waren. General Avarescu hielt eine Rede in der er den Rücktritt der Rogierung sor- dekt- und die Fusion sämtlicher oppositioneller Parteien ankündigt«. Die Opposition werde nicht ruhen, bi» sie gewaltsam die Regierung Bratianu gestürzt hob-. Di« Versammlung selbst nahm einen ruhigen Verlauf. Noch der Versammlung zogen die Bauern durch die Stadt, doch ereignete sich kein Zwischenfall. Die Lag« der Re- gierung Bratianu ist recht kritisch, sie wird nach allgemeiner Ueberzeugung dem Ansturm der vereinigten gutdisziplinierten Oppo- sition nicht standhalten können. Die ftanzösiche Regierungsbilüung. Paris, S. Juni.(WTB.) Um 10 Uhr 30 Minuten vormittags wird der Präsident der Republik den neuerwählten Kommerpräsi- deuten P a i n l e v<5 empfangen, der ihm bei dieser Gelegenheit seine Wahl mitteilen wird. Sofort darauf wird M i l l e r a n d den Besuch Pamlevds erwidern. Nach dem„Maiin" wird bei dieser Gelegenheit eine Aussprache über die politische Log« erfolgen und wohl erst am Nachmittag wird Millerand, der Trodilion entsprechend, die Präsidenten des Senats und der Kammer empfan- gen Es ist sehr orfreulich. daß die beiden Präsidenten den Abg Herriot als den möglichen Ministe rprastdeirten bezeichnen und zugleich auf die Entschließungen der Gruppen des Kartells derLinken hinweisen werden. Millerand wird, so heißt es im„Matin" weller, getreu feiner bisher gezeigten Haltung, diese Entschließungen nicht in Betracht ziehen. Man nimmt allgemein M, daß Herriot dem Rufe ins Elyse« folgen und dem Präsidenten der Republik E r- klärungen abgebcn wird, über die er sich mit seinen politischen Freunden verständigt hat. Die Bedingungen, die er an die Annahme der Mnislerpräsidentschajl knüpfen wird, werden sicher von ZMllerand nicht angenommen werden, von diesem Augenblick an wird Millerand ohne Zweifel feine Konsultattonen ausdehnen. Er wird logischerweise dazu kommen, einem Pollliker die Bildung des Kabinett» zu übertragen, der die konstitutionelle Frage vor das Parlament bringen wird Der Name Froncois Marsal wird genannt. Dann wird man in die parlamentarische Debatte ein- treten» bei der Kammer und Senat ihre Ansicht kundgeben werden. Morel gegen öen Rüstungswahnsinn. London. S. Juni.(WTB.) Das Mitglied der Arbeiterpartei Morel erklärte gestern in einer Rede, er sehe mit Besorgnis die riesige Herstellung von Rüstungen in Mittel- e u r o p a. Die großen Skvdawerke in der Tschechoslowakei und die österreichischen Staatsfabriken arbeiteten unter Hochdruck und er- zeugten einen dauernden Strom von Kriegsmaterial. Für die Tschechoslowakei, Rumänien und in geringerem Maße für Polen. Die Skodawcrke gehörten tatsächlich der Creusot-Schneider-Gruppe und stöndtn unter direkter französischer Kontrolle. Andererseits flehe jeder Industriezweig in den vormals feindlichen Landern wie Oester- reich, der nur entfernt mit Rüstungen zusammerchängs. unter der Kontroll« der Bosschaftsrkonferenz m Poris, deren Tätigkeit ebenso widersinnig wie mysteriös sei, Kommunistischer Parlamentarismus. Die Zerstörung geordneter Gemeindearbeit. Ebenso wird Anweisung gegeben für die Sabotage der Ausschüsse. Bertraulichfeit in den Ausschüssen ist nicht zu respektieren. Im übrigen wird folgender Befehl gegeben: Die Kommunistische Partei will durch ihre Frattionen im ,, Ordnungsrufe sind für den Kommunisten eine Ehre. Reichstag, in den Staats- und Gemeindeparlamenten den Wird einem Genossen megen mehrfacher Ordnungsrufe das Wort Gang der Gesetzgebungs- und Verwaltungsarbeit sabotieren. entzogen, so spricht er dennoch so lange weiter, Sie will Staat und Gemeinden als politische Verwaltungs- bis er feine Ausführungen sachlich beendet hat. Kein Gemeindeapparate zerstören, um an ihre Stelle das Chaos zu sehen. vorsteher oder Vorsitzender hat das Recht, einen Gemeindevertreter Die wüsten Lärmszenen, die sich in der letzten Zeit im Reichs: während der Sitzung aus dem Sigungsraum entfernen zu laffen. tag wie in vielen Gemeindeparlamenten ereignet haben, sind Besteht der Vorsitzende darauf, daß trotzdem unser Genosse den Raum planmäßig vorbereitet, zentral angeord verläßt, fo fügt sich unser Genosse dieser Aufnet, und nach vorgefaßtem Plan durchforderung nicht. Er weicht vielmehr nur der polizeilichen oder geführt worden. Das Ziel und die Technik dieser syste- der militärischen Gewalt. Solche Gewaltafte müssen sofort zum matischen Sabotage der Parlamente geht flar hervor aus Gegenstand von Gegenattionen, Demonstrationen usw. einer Instruktion für die neugewählten tom möglichst noch in der gleichen Sigung gemacht werden. Werden munistischen Gemeindevertreter usm.", die von unsere Genossen aus dem Sigungssaal oder von der Tribüne mit der Zentrale der KPD. herausgegeben ist. Gewalt entfernt, so haben die verbleibenden Genossen soweit wie irgend möglich die weitere Sigung zu verhindern. Jede solche Sigung muß mit dem Gesang der Internationale" beendet werden." Arme Internationale! = = Das Ziel der Tätigkeit der Kommunisten in den Gemeindeparlamenten ist es danach nicht, Kommunalpolitik zu treiben, sondern durch Verhinderung der Gemeindearbeit Anlaß zu demagogischer Agitation und Demonstrationen zu geben und Zusammenstöße mit den Behörden zu provozieren. Zu diesem Zweck wird die Aktion aller Gemeindefraktionen der KPD. von der Zentrale der Partei dirigiert. Es heißt in der Instruktion: 11 Die Leitung der gesamten kommunistischen Kommunalpolitik in Deutschland unterliegt der Zentrale der PKD." Demonstrationsanträge statt sachlicher Arbeit. Die KPD.- Fraktionen werden verpflichtet, undurchführ bare Demonstrationsanträge zu stellen. Es heißt darüber: „ Geschrei der Bürgerlichen und Sozialdemokraten, daß die Anträge undurchführbar feien, nur agitatorischen, de monstrativen Charakter trügen usw., darf unsere Genossen nicht beirren. Werden die Anträge abgelehnt, müssen sie bei jeder passenden Gelegenheit wiederholt werden. Unsere Genoffen dürfen sich nie bewegen lassen, ihre Anträge zu gunsten durchführbarer" Anträge der Bürgerlichen oder Sozialdemokraten zurüd zuziehen." M Diese Anträge sollen durch außerparlamenta rische Aktionen unterstügt werden, das heißt, sie sollen zum Ausgangspunkt von Lärmizenen und provozierten zu sammenstößen gemacht werden. Die Instruktion fordert Demonstrationsumzüge, Lärm der Tri bünenbesucher, Sprengung der Sigungen: Die Demonstrationszüge sind vor die Rathäuser usw. zu führen, soweit durchführbar, stets auch in die Sigungsjäle. Ein Teil der Fraktion begibt sich sofort vor das Rathaus, hält eine kurze Anspruche und führt die Delegation der Demonstran ten oder den ganzen Zug der Demonstranten in den Sigungsraum, wo die Vertreter der Demonstranten das Wort nehmen. Werden unsere Genossen an der Durchführung dieser Aktion mit Gewalt gehindert, so haben sie diesen Gewaltaft fofort zum Gegenstand der Debatte zu machen. Von der Stärke unserer Fraktion hängt es ab, ob die Sigung der Stadtver ordneten( Gemeindevertreter) nach der gewaltsamen Fernhaltung der Delegationen noch weiter tagen kann." Also systematische Störung und Sprengung der Sigungen auf zentrale Anordnung. Die Sabotage der Geschäftsordnung. Die Instruktion fordert von jedem fommunistischen Gemeindevertreter, daß er tein Gesezgeber, sondern ein Agitator sein solle: Zerstörung der Gemeinde. In Gemeinden mit fommunistischer Mehrheit werden die kommunistischen Vertreter zu lokalen Butschen gegen die Gemeindeverfassung und zur Errichtung lokaler Sowjetrepubliken verpflichtet. Für den Fall des Eingreifens der Regierung wird zum offenen Aufstand gegen die Staatsgewalt aufgefordert. Dieser für die Beurteilung der Absichten der Kommunisten besonders wichtige Teil der Instruktion lautet: 1. Wo wir Kommunisten im Gemeindeparlament über die absolute Mehrheit verfügen, besetzen wir alle Aemter mit Kommunisten und führen unsere Forderungen durch. Das Gemeindeparlament muß hier seiner demokratischen Fesseln entkleidet und zu einer Reimzelle eines Räteparla ments ungewandelt werden. In ihm sprechen zu den ein zelnen Punkten nicht nur die gewählten Gemeindevertreter, sondern vor allem die jeweiligen Delegierten der Betriebsräte, Betriebszellen, Erwerbslo= fen, Kriegsopfer ufw. 2. Erfahrungsgemäß verlassen die Bürgerlichen und Sozialdemokraten bei jedem Versuch hierzu sehr bald das Gemeindeparlament. Die Kommunisten tagen dann mit den proletarischen Bertretern der Betriebe und Erwerbsgruppen allein weiter. 3. Die Staatsregierung wird sehr bald solche Gemeindevertre tungen auflösen und zur Neuwahl stellen. Unsere Genoffen müssen ihre Mehrheit so arbeiten laffen, daß bei einer Neuwahl diese Mehrheit sich noch vergrößert. 4. Löft die Regierung alsdann die Gemeindevertretung für dauernd auf und bestellt sie an ihrer Stelle einen Kom missar, so ist dieser Kommissar durch Massendemostra. tionen von der Stimmung der werftätigen Bevölkerung zu überzeugen und so zu behandeln, daß er die Gemeinde recht bald wieder verläßt. 5. Erfahrungsgemäß verlegt die Regierung den Siz des Kommissars alsdann in eine Nachbargemeinde. Durch Demonstrationszüge in diese Nachbargemeinde und Einreihung des ProTetariats dieser Nachbargemeinde in die Demonstrationszüge ift der Kommissar alsdann davon zu überzeugen, daß einige Rilometer Entfernung für das Proletariat fein Hindernis find. 6. Wird endlich die Gemeinde mit fommunistischer Mehrheit ganz aufgelöst und durch Landesbeschluß zwangsweise in eine andere Gemeinde eingemeindet, so muß der Kampf gegen die kapitalistische Zentralgemalt in der neuen Einheitsgemeinde fofort von neuem beginnen. Der letzte Punkt dieser Instruktion zeigt, worum es den Rommunisten mit dieser Taktik geht. „ Die tommunistischen Abgeordneten haben fogar in den Fällen, wenn es ihrer nur einige im ganzen Barlament gibt, burch ihr ganzes Betragen dem Rapitalismus gegenüber eine her. ausfordernde Haltung zu zeigen. Sie dürfen nie vergessen, daß nur derjenige des Namens eines Rommunisten würdig ist, der nicht mir in Worten, sondern auch in seinen Taten ein Erzfeind der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer sozialpatriotischen Handlanger ist." Die Instruktion verlangt, daß auch Kommunisten als Borsigende oder Schriftführer sich den Leitsäzen des„ revolutionären Parlamentarismus" zu fügen hätten.| nußen. Ortskrankenkasse d. Klempner zu Berlin Belanntmachung. Die in der Ausschußfizung am 29. 4. 1924 beschlossene XI. Gagungsänderung( betr. Familienhilfe) ist vom Oberversicherungs amt genehmigt und mit dem 1. Juni 1924 in Kraft getreten. 105/10 Der Borstand der Ortskrankenkasse der Klempner zu Berlin. Hermann Ziegler, Borfizender Mag Przybelsti, Schriftführer. HOLZHAUSER von 500 Mk. an, Schuppen, Hallen, Garagen etc. liefert preiswert kurzfristig Holzhausbau Littmann M 54, Lothringarstrasse 91/93 Morden 6020/21 7. Jede Gemeinde mit kommunistischer Mehrheit muß es sich als Ziel setzen, nicht etwa im Rahmen der fapitalistischen Gesetze eine Reform politik zu führen, sondern mit allen Mitteln proletarischer Energie die Gemeindeverwaltung zum Rampf gegen die fapitalistische Zentralregierung auszuWas trinken wir? Kühle Limonaden, selbstbereitet aus Reichels Limonaden- Sirup- Extrakten Himbeer, Kirsch. Citronen-, Orangen- Aroma etc. Köstlicher Fruchtgeschmack. Der Kinder liebstes Getränk. Vorzüglich auch als Speisenbeiguß. Eine Flasche ergibt 3, Pfd. Limonadensirup M. 0,75, , Flasche M. 0,45. In Drogerien u. Apoth. erhältlich, sonst bei Otto Reichel, Berlin 43, SO., Eisenbahnstr. 4. Mannehme nur Marke Lichtherz, die Qualität verbürgt. Berlin in u. nach Berlin nach auswärts Wohnungstausch wie von Berts am schnellsten durch eine Anzeige im GroßBerliner Wohnungsanzeiger als einzige Spezialzeitung für möblierte Zimmer, Wohnungen u.Tauschwohnungen Unter der Rubrik ,, Möblierte Zimmer zu vermieten" werden Meldungen von Vermietern kostenlos veröffentlicht. Verbund. mit d. ,, Gr.- Berliner Wohnungsanzeiger" ist der Anzeiger für Grundstücks- und Geschäftsverkäufe Bei allen Zeitungshändlern und Kiosken zu haben. Verlag und Hauptanzeigenannahme: Zeitungszentrale( ZZ.) Aktiengesellschaft Jerusalemer Str. 5/6:: Fernsprecher: Dönhoff 3310-3312 Statt Kommunalpolitit Sabotage ber Arbelt der Ge meinden, statt der fachlichen Arbeit zum Wohle der Arbeiter Ausnugung der Gemeindevertretungen zu hochverräterischen Plänen gegen die Verfassung der Republik. Nach solchen Instruktionen handeln die Kommunisten nicht nur in den Gemeindevertretungen, sondern auch in den Landtagen und im Reichstag. Die Lärmszenen der letzten Tage waren also nicht spontane Ausbrüche, sondern wohlvorbereitete Aktionen. Prügel im Sejm. Kaftowih, 4. Juni.( WTB.) Wie die„ Katt. 3tg." aus Warfcha u meldet, fam es im Sejm zu einer Prügelszene. Der kommunistische Abg. Krolikowski hatte in einer von ihm eingereichten Interpellation führende Personen der Sozialdemo fratischen Partei beleidigt. Bei einer Auseinandersetzung mit einem sozialdemokratischen Abgeordneten wurde Krolikowski geschlagen. Arbeit der Reichstagsfraktion. Sozialdemokratische Anträge im Reichstag. Die sozialdemokratische Reichstagsfraftion hat im Reichstag eine Anzahl weiterer Anträge gestellt. Drei Anträge dienen der Aufhebung der unter dem System Emminger durchgeführten Verschlechterung der Rechtspflege in Deutschland. Die sozialdemokratische Reichstagsfraftion beantragt: 1. Die Verordnung vom 15. Januar 1924 über die Entlastung des Reichsgerichts aufzuheben; 2. die Verordnung vom 8. Januar 1924 über die Abänderung des Gefeges über Unruheschäden aufzuheben; 3. die Verordnung vom 12. Dezember 1923 über die Aburteilung von Landesverrats- und Spionagefällen aufzuheben. rechtlichen Stellung der Seeleute: Weitere Anträge dienen der Verbesserung der fuchen, dem Reichstage mit möglichster Beschleunigung folgende Ge1. Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu erjezzentwürfe vorzulegen: 1. Gefeßentwurf betreffend Abänderung der See. mannsordnung vom 1. April 1903; 2. Entwurf eines Reichsbemannungsgefeges für Seeschiffe; 3. Entwurf eines Gesetzes über die Einrichtung von Arbeits nehmervertretungen für die Betriebe der Seeschiffahrt. (§ 5 des Betriebsrutegesetzes vom 4. Februar 1920.) 2. Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu er suchen: dem Reichstage baldigft Bestimmungen über Abänderungen bzw. Ergänzungen des Reichswahlgefches, des Gesetzes über die Wahl des Reichspräsidenten und der Reichsstimmordnung zu unterbreiten, durch die den Besagungen der deutschen Seeschiffe auf See und im Auslande die Ausübung des Wahlrechts er möglicht wird. 3. Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu er suchen: a) dem Reichstage baldigst einen Gesezentwurf vorzulegen, durch den die Seeleute in zweckentsprechender Weise der allge meinen Krantenversicherungspflicht unterstellt wer den; b) bis zum Infrafttreten dieses Gesetzes auf dem Wege der Verordnung Bestimmungen zu erlassen, durch die die erwerbslosen Seeleute der Erwerbslosenfürsorge unterstellt werden. Dem im Verlaufe der fleinen Hitler- Prozesse zu einem Jahr drei Monaten Festungshaft verurteilten Führer der Roßbach- Abteilung Münchens, Heines, wurde auf Antrag der Staatss anwaltschaft durch Beschluß des Obersten Landgerichts die Bewährungsfrist aberkannt. Heines wurde daraufhin zur Verbüßung feiner Strafe fofort in Haft genommen. Wie ver lautet, soll auch in mehreren anderen Fällen eine Aberkennung der Bewährungsfrist ausgesprochen werden. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Ghitomsti, Lotales und Sonstiges: Fris Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Vaul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68., Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage. 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Am rechten Zeigefinger hat er eine kleine Warze. Qualitätswaren. Die Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt! heißt es ja wohl in einem Lied. Nun, den lieben Gott fönnen wir hierbei ruhig aus dem Spiel lassen und richtiger sagen: wer genügend Rentenmark besitzt, der kann sich die weite Welt anehen. Denn reisen tostet immer noch ein schönes Stück Geld. Daß aber trotzdem wieder viel gereist wird und daß namentlich der fingstreiseverkehr ganz große Dimensionen annehmen wird, kann man so recht erkennen, wenn man in diesen Tagen das mitteleuropache Reisebureau im Gebäude des Potsdamer Bahnhofs aufsucht. Ar stehen die Menschen von der Eröffnung am Morgen bis zum Schluß des Bureaus in langen Schlangen und warten geduldig, bis Die Geschäfte aller Art buhlen augenblicklich um die Gunst des abgefertigt werden. Vorfreude soll die schönste Freude sein, aber Bublifums wie wohl nie zuvor, und gerade jezt vor Pfingsten hat die Vielen, die hier vor den Schaltern des Reisebureaus ihre Vorman den Eindruck, beachtet man, was die Plakate in den Schaufreude auf Pfingsten und die Pfingstreise erleben, werden entschieden Menschenfreundlichkeit ihre Ware verschenken. Ein Wagnis war es fenstern den Passanten zuschreien, als ob die Herrschaften aus lauter anderer Ansicht sein. Der neutrale Zuschauer indeffen genießt se daher, furz vor Pfingsten im Rheingold in der Potsdamer daher, furz vor Pfingsten im Rheingold in der Potsdamer etwas wie Schadenfreude und sagt sich vielleicht: warum sollen alle Straße eine Messe zu veranstalten. Man hat denn auch hier diedie, die da zu Pfingsten die Stadt verlassen können, während du hier felben Erfahrungen gemacht, wie in fast allen Geschäften. selben Erfahrungen gemacht, wie in fast allen Geschäften. bleiben mußt, nicht zuvörderst allerhand Unannehmlichkeiten und Räufer fommen nicht, und wenn auch an den Nachmittagen bei Unbequemlichkeiten mit in den Rauf nehmen! Jedenfalls ist der Be- Künstlerkonzerten und Kinovorführungen der Besuch der Messe ein Künstlerkonzerten und Kinovorführungen der Besuch der Messe ein such des Reisebureaus in diesen Tagen für den neutralen Beschauer, reger ist, getauft wird im allgemeinen wenig. Selbst die An reger ist, getauft wird im allgemeinen wenig. Selbst die Ander da mur gemächlich herumschlendert, bedeutend angenehmer, als fündigung, daß jeder fünfte Besucher ein Geschenfim für den, der Geschäfte erledigen muß, das heißt in diesem Fall AusWerte von einer bis zwanzig Mark erhält, hat nicht funft haben oder Fahrkarten, Bett- und Playforten kaufen will. gezogen. Die Aussteller flagen sehr und beflogen die hohe StandEine Abteilung für sich bildet die Stelle für Reifen in das Aus- ohne Einschränkung das Prädikat erteilen, daß fie Qualitätsware miete, die sie haben bezahlen müssen. Dabei muß man dieser Messe ohne Einschränkung das Prädikat erteilen, daß sie Qualitätsware land. Hier steht als Wahrzeichen gewissermaßen und als schöner aufweist. Abgesehen von einigen Geschmaciofigkeiten, wie der StehSchmud eine naturgetreue Nachbildung einer elektrisch betriebenen lampe mit Mufite, ist, was auf Tischen und Bänken ausgebreitet ist, lampe mit Mufife, ist, was auf Tischen und Bänten ausgebreitet ist, Maschine der Gotthard- Bahn. Vor den Schaltern dieser Abteilung gediegen und durchaus preiswert. Das gilt von den Gold- und ist es still, und nur wenig Publikum wünscht abgefertigt zu werden. Silberwaren, von Schmudgegenständen aller Art, von Seifen und Hier sieht man in der Hauptsache ein paar Diener aus den großen Parfumerieartikeln. Das gilt aber besonders von tunstgewerb Hotels, die Schiffstarten bestellen, oder man hört Fahrkarten nachlichen Arbeiten, die in schönen Stüden vertreten sind. Da Marienbad und Karlsbad verlangen, Badeorte, die ja bekanntlich fieht man wundervolle Stickereien in den zartesten Farben, die das heute für uns im Ausland liegen. Haus Walden aus Charlottenburg ausgestellt hat, da fann man sich erfreuen an künstlerisch gefertigtem Schmuck für Kleid und Hut aus den Werkstätten für fünstlerische Handmalerei in Halensee, und da fallen namentlich die Schöpfungen von Käte Grau Künstler auf, die bei aller Eigenartigkeit, Bizarrerie, wenn man will, niemals den guten Geschmad vermissen lassen. Kissen für Sofas find in den mannigfachsten Tierformen, wie Schlangen, Fröschen, Krofodilen und Schildkröten gebildet. Eine gewiß feltsame Idee, und doch kann man diese Laune einer Künstlerin nicht mit Unwillen betrachten. Daneben find große Tücher aus zariem Gewebe mit den Pfauenfedern für die Kleider der Schauspielerinnen. eigenartigsten Malereien ausgebreitet, Schmetterlinge, Blüten und Aber nicht nur im Mitteleuropäischen Reisebureau, auch in den anderen Reisebureaus, ebenso wie in den Reisebureaus der Warenhäuser derselbe Andrang, dieselbe Fülle der Menschen in der Borfreude auf Pfingsten. Die Rentenmart rollt, und da wird immer behauptet, das Gelb sei knapp! Als er seinem Vater entgegenging. Rätselhaftes Verschwinden des Söhnchens eines Generalfonfuls. Das rätselhafte Verschwinden des 5½ Jahre alten Söhnchens Kord des jugoslavischen Generalfonfuls Dr. Ernst Borthausen beschäftigt die Kriminalpolizei. Der Generalfonful wohnt mit feiner Familie in Miersdorf Werder in der Kurthoffmannstraße 20. Von dort fährt er regelmäßig mit dem Auto nach Berlin und zurüd. Der fleine Kord hatte nun eine besondere Vorliebe dafür, mit feinem Vater zu fahren. Deshalb lief er ihm immer ein Stüd Weges entgegen, um für den Rest der Strecke von ihm aufgenommen zu werden. So auch vorgestern, am Dienstag. Jezt aber kam der Bater nicht wie gewöhnlich um 6 Uhr, sondern erst später nach Hause. Der Heine Kord traf ihn also nicht, fehrte aber auch nicht nach Hause zurück und ist seitdem spurios verschwunde n. Die Angehörigen hatten vorher immer noch geglaubt, daß er dem Vater weiter hinaus entgegengegangen wäre und ihn doch noch getroffen habe. Sie hatten auch bereits nach ihm gesucht, ihn aber nicht gefunden. Der Vater benachrichtete nun sofort die Polizei. Kriminalfommissar Kanthad nahm mit mehreren Beamten gestern die Ermittelungen auf, Spürhunde, die angesetzt wurden, führten die Chaussee entlang, den gewöhnlichen Weg des Knaben, und dann seit wärts nach der Dahme an eine Uferstelle, die mit Schilf bewachsen ist. Hier sind in dem weichen Moorboden des flachen Ufers beutlich Spuren von Männerfüßen zu erkennen. Am nieder gedrückten Schilf ist auch zu sehen, daß ein Boot angelegt hat. Die Spur der Hunde war hier zu Ende. Der Wasserschuß und Fischer untersuchten das Gewässer, fischten den in Betracht kommenden Teil Der Dahme ab, fanden aber nichts von dem Knaben. Es ist deshalb nicht anzunehmen, daß er ins Wasser geraten und ertrunken ist. Man vermutet deshalb, daß der Kleine entführt worden ist, entweder aus Rache, oder zu unsauberen Zweden. Verdächtig ist ein vor furzem entlaffener Angestellter, dessen Alibibeweis augenblicklich noch Kriegerischer Pazifismus. | Kunstgewerblerinnen, das ist ein gewiß nicht erfreuliches Kapitel, und die Frauen, die sich diesem Beruf gewidmet, haben kein leichtes Geldverdienen, haben schwer mit dem Leben und den täglichen Sorgen zu kämpfen. Auch diese Kunst verdient, daß sie unterstützt werde. Vorsicht beim Baden. Berlin ausgiebig für Badestellen gesorgt. Im Osten seien besonders genannt: das Grünauer Freibad in der Dahme, die Badeanstalt in Wendenschloß bei Köpenick, das Freibad des Zweckverbandes am nordwestlichen Ufer des Müggelsees bei Rahnsdorf. Mögen diese Zeilen wohlgemeinter und beachtenswerter Ratschläge des Wasserbauamtes dazu beitragen, die Zahl der Unglücksfälle zu vermindern. Zwangserziehung zur Frömmigkeit. Seltsame Methoden befolgt der Kirchentommiffar des Memellandes, der Bruder des litauischen Landespräsidenten, Pfarrer Gailus, dem bekanntlich gleich nach seiner Wahl von feiner eigenen Gemeinde und von fast allen übrigen des Ländchens scharfe Absagen erteilt worden sind. Er schreibt jezt Wahlen zur Bildung der evangelischen Landessynode aus. Jede Kirchengemeinde mit 1500 Seelen und darunter soll einen Vertreter wählen, jene von 1500 bis 3000 Seelen deren zwei usw., so daß also auf 1500 Seelen je ein Vertreter fommt. Das passive Wahlrecht erhalten nur Männer und Frauen über 30 Jahre, das attive Wahlrecht alle über 20 Jahre alten. Jedoch kann nur ein solcher evangelischer Christ eingetragen werden, der wenigstens einigermaßen seinen firchlichen Verpflichtungen nachtommt". Wer das heilige Abendmahl verschmäht, oder es im Zeitraum von 2 Jahren nicht empfangen hat, wer an den Gottesdiensten nicht wenigstens viermal im Jahre teilgenommen hat, ist nicht in die Wahllisten eintragbar. Auch wird diesmal nicht eingetragen, wer erst nach den Ostertagen das Abendmahl nahm, vom Besuch des Gottesdienstes fann in Krankheitsfällen zwar abgesehen werden, die Teilnahme am heiligen Abendmahl ist jedoch verbindlich. Herr Gailus teilt in feinem Erlaß freundlicherweise mit, daß er sich bei diesem Vorgehen auf Martin Luther stüße, der gesagt habe, daß diejenigen vom Teufel besessen seien, die sich als Christen rühmen und wohl ein ganzes oder gar zwei oder drei Jahre das hochwürdige Saframent nicht empfangen haben. Die ,, Memelländische Rundschau" bemerkt sehr trođen zu diesem Utas: Wäre das Gebiet deutsch, schwedisch oder englisch oder sonstwie, dann hätte man ihn( Herrn Pfarrer Gailus) bestimmt in Berkennung" feiner quten Ideen von einem Psychiater beobachten laffen. Hier aber steht er unter dem Schutze seines großen Bruders". Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Ziemlich fühl und trübe mit Regenfällen. deutschland schwächere Regenfälle mit wenig veränderten Temperaturen. Deutschland: In Süddeutschland anhaltende und iärlere, in NordSport. Das englische Derby ist von dem Pferd Lord Derbys Sasis. vino mit sechs Längen leicht gewonnen worden. Das ist seit Jahre 1780 gegründete Rennen von einem Mitgliede der Familie ge137 Jahren das erstemal, daß das von der Familie Lord Derbys im wonnen worden ist. Das Wetter war regnerisch und windig, trotzdem war die Menschenmenge, die nach Epton geströmt war, wie üblich), ungeheuer. An 15 000 Automobile und 800 Omnibusse sind allein auf den Landstraßen nach Epton gefahren. Auf dem Rennplatz sah man nur einen Wald von Regenschirmen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Morgen, Freitag, den 6. Juni: 9. Aht. 7 1hr, Funktionärfonferenz bei Hübner, Wilsnacker Straße 34. 12. Abt. 7 Uhr. Funktionärfonieren; bei Schmidt, Wicleffstr. 17. Alle Genossen und Genossinnen und Vorwärtsleser, deren Stinoer die Schulen in der Siemensund Rostocer Straße befuchen, werden gebeten, ihre Adressen umgehend bei Albrecht, Beukelstraße 5, abzugeben. 14., 15. und 16. Abt. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr, in der Turnhalle der Schule Butbufer Straße: Versammlung fämtlicher Eltern der weltlichen Schule, Putbuser Straße. Reiner fehle. Mit dem Anbruch der wärmeren Jahreszeit regt sich in vielen Menschen das Bedürfnis nach einem fühlen Bade in unseren schönen Seen und Flüffen. Diesem berechtigten Verlangen soll wie seither auch in diesem Jahre durch die Freigabe der Strandstrecken, die zum Baden geeignet sind, in vollem Maße Rechnung geiragen werden. Zugleich fann aber, wie das Wasserbauamt Köpenick schreibt, nicht bringend genug davor gewarnt werden, an den verbotenen Stellen zu baden. Es liegt nicht in der Absicht der Behörde, derch unnüße oder übertrieben ängstliche Bestimmungen die ihr zum Schuge anvertraute Bevölkerung am Baden zu hindern: Aber nicht jedes flache Ufer ist zum Baden geeignet. Oft fällt der Strand namentlich in den Seen östlich von Berlin ganz plöglich in größere Tiefen ab, wodurch die des Schwimmens Unfundigen der Gefahr des Ertrinkens ausgesetzt werden. Andere Uferstrecken sind durch Schlinggewächse, Weidengeflecht und andere Pflanzen so start unter Wasser verwachsen, daß auch gute Schwimmer an solchen Stellen in Lebensgefahr geraten können. Solche Uferstrecken müssen im öffentlichen Interesse für das Baden gesperrt werden. Jeder schützt sich nur selbst, wenn er die bestehenden Verbote beachtet und nur auf den freigegebenen oder besonders hergerichteten Plägen in die kühlen Fluten hinabsteigt. Berliner Straße 30/31, bringt ein billiges Angebot in Glas, Porzellan, WirtPorzellan- Emaille- Markt, Johanna Vögel, Berlin- Wilmersdorf, Gemeinden und Gesellschaften haben in nächster Nachbarschaft von fchaftsartikel.( Siche Inferat.) Solidarität!" Gin galvanischer Strom zuckte durch die etwas müde Versammlung. Handfeste, in zahlreichen Kämpfen mit den Kom munisten geschulte Männer des„ Saalfchuzes" der Organisation nah In einer weftdeutschen Großstadt sprach dieser Tage Ludwig Schlachten wars, nicht eine Schlacht zu nennen. Jämmerlich zermen die Stufen und schritten rüstig zum Sturmangriff. Gin Quidde über seinen„ Landesverrat". Zehn Tage hatten ihn die baye bläut, wurden die Bölkischen mit ihren Besiegern schließlich von der rischen Häscher in Bande geschlagen, und nun erzählte er vor 600 Polizei in Empfang genommen. Auf der Wache ergab die UnterMenschen mit etwas rostiger Rehle und norddeutsch- spiziger Zunge fuchung, daß die Pistole des jungen Hitlerfreundes nur eine Schreck von seiner Märzfahrt durch die Gefängnisse. Der ganze Saal, langmähnige Jünglinge, Arbeiter in Bergwerkschußwaffe war. Sie wurde von Rechts wegen beschlagnahmt. Im Der ganze Gaal, langmähnige Jünglinge, Arbeiter in Bergwerks. Gaale aber durchtoftete der Schlußredner, ein Privatdozent, mit fleidung, etliche Intellektuelle, munter durchsprenkelt von Jungmädchenblusen alles lächelte mit dem sarkastischen alten Herrn, strahlenden Worten den Triumph des fieghaften Pazifismus. als er seine Wiedersehensfreude schilderte. Denn auf all ben Stationen des bajuvarischen Bassionsweges hotte er schon früher einmal gemeilt. Er fannte die hölzernen Eklöffel, die muffigen Bibeln, die harten Matraßen, die schnauzigen Kerfermeister mit all ihren lofalen Besonderheiten. Einst Majestätsbeleidiger, jetzt Berräter: sein Odem ist schon Hochverrot und ist schon Staatsverbrechen, in allen Monarchien und in allen Republiken. Das Auge des ewigen Pazifisten zündete und schleuderte Blike gegen die völkischen Knaben, die sich in der einen Ede, mit Windjacke und Hitlermüze, angesiedelt hatten und friegerisch sprühten. Ludwig Quidde schloß. Beifall umrauschte ihn, als er die Völker verseindung durch den ewigen Frieden frönte. Sphärengefang waffen loser Harmonie breitete sich im Saale aus. Quidde mußte fort, zum tun begann, herausgefordert durch ungeschicklichkeiten des Versamm Jubiläum der erſtan Friedenskonferenz nach dem Haag reisen. und lungsleiters, die Discussion. Frit tam der Kommunist fugeln des Klassenkampfes durchsausten auf einmal die Atmosphäre! Die ersten Fäuste ballten sich in der Tasche, es grollte wie fernes Geſchüßfeuer. Bereitete fich ein Gefecht der Stuhlbeine und Biergläser vor? Aber als der Redner die entwaffnende Bemerkung tat, daß das Gutachten der Sachverständigen gerade deshalb abgelehnt werden müsse, weil die Unternehmer dafür seien, da hüllte sich Mars wieder in eine rosig lächelnde Wolfe. Unter dem Wohlwollen der Versamm fung schrift der kommunist in seinen Schüßengraben zurüd. Und fiehe, ein anderer trat hervor: es war ein völkischer Jüngling. In lebhaft dozierender Weise vertiefte er sich in den Katechismus aus Ludendorffs Walhall. Es blizte das teutonische Schwert, es wehte die Fahne schwarzweißrot, die über den Rhein getragen werden hörden beschlagnahmt wird, fügte ein Zweifler hinzu). War es da ayt zu verstehen, daß die Pazifiſten grollten? Daß stürmische ogen beidenschaftlichen Widerspruchs zum Bodium coilben, in den Saal zurückfluteten, fich an der Tafel der Jungvölkischen brachen imd bald in ein lebhaftes Handgemenge überschäumten? Die fanfteften Pazififtengesichter durchglühte ber streitbare Born, Muskeln spannten sich, und der Gewaltgebante errang einen voll ständigen Sieg. Da redte auf einmal einer der Rechtsmannen einen Revolver empor! Denft euch, in einer Pazifistenversammlung! Eine Flatter. mine explodierte Rcm Podium herab fprang foucher eine blonde Borstandsdame, sie stürmte herunter in die unteren Säle, wo joziaiftische Funktionäre zum friedlichen Rede- Beieinander faßen, und brie mit gellember Summer Befil Beli appelliere ou eure Bürgerliche Pazifisten aller Länder, bewaffnet euch! Redet nicht, wenigftens nicht zu viel und nicht immer. Die Tat ift oft besser als Sie angeborene Blässe der Entschließungen. Denn seht: die mildeste Friedfertigkeit fann enden mit Flamme und Schwert! G. Beyer Köln. Der Blütenbaum. in der Erde im Wald, im Sumpf, da waren es ruhige Tage. Bei Wenn wir in der Reserve lagen, in unseren Blockhäusern, halb Moos den Block auf den Knien und schreibend. Das waren oft Arbeitsdienst und Appell. Im Unterstand sizend, oder im Busch auf schöne Tage. Und doch Weltkrieg. Der 2. Zug war in den Busch geschickt, Ruten schneiden zum schneiden. Die Gruppen verteilen sich und jeder sucht so schnell wie Verpflechten der Wände im Graben. Jeder Mann muß zwei Bund möglich sein Bündel zusammenzubringen, und ist man fertig, wird gelagert. Recht einfam, wo es recht schön ist. Es ist ja Zeit bis zum ächend. Ist es fühl, wird Feuer gemacht. Am Lagerfeuer raucht sich schön die Pfeife an und wer's hat, röstet sich Brot, und es wird erzählt. Wenn der Krieg aus ist, wenn es Friede ist. Aber es war ein schöner Frühlingstag. Warm schien die Nachmittagssonne. Sie hatten geschnitten und ruhten nun aus, die Gruppe, fünf Mann und ein Gefreiter. Sie lagen im Gras und rauchten und sprachen zusammen. Wer weiß, was sie sprachen, wer meiß, was sie fannen? Es war die letzte Feierstunde ihres Lebens. Weiter Erlenbusch und Sumpf links und Busch und Bald ringsum. Mitten drin eine Lichtung, helle freundliche Wiefe in Genrenin, emsiges Laufen von Ameisen und Käfern, Spinnen, die von Zweig zu zweig ihr Nez ziehen, an den alten Stämmen; im Wald hämmert ein Specht. Feierstunde! So ruhig und still. Was sie wohl Was sie wohl Sprachen und fannen, in ihrer Feierstunde, die Sechs? Mitten in der Wiefe, ganz allein, ein Blütenbaum. tnorriger wilder Apfelstamm in voller Blütenpracht. Die Apfelblüte. Du jungfräulicher, reiner, holder Frühlingsgedante stehst du hier und breitest deine Wefte aus? Bist du besonders hingestellt mit deiner Pracht und läßt sie leuchten und zittern wie schüßend und fegnend über die" Sechs". Du ahnst und zittert und blüht nicht mehr lange. Ein was Gie lagern und rauchen, erzählen und sinnen und träumen, in die ftille Frühlingswelt. Und gang langfam tommt es gezogen! de es fingt in der auft und plaficht in den Sumpit Bmmer in ben 21. Abt. 7 Uhr, Sigung jamtlicher Funtionäre und Elternbeiräte bei Kroll, Utrechterstraße 21. 31. Abt. 7 2hr, Funktionärsigung bei Goldschmidt. Stolpische Straße 36. 74. Abt. Zehlendorf. Der für Freitag Abend angekündigte 2efeabend der Frauengruppe in der Kreisschule fällt aus. Der Geschäftliche Mitteilungen. | Sumpf, platsch! Der Russe funt." Einer hat's gefagt. Immer in den Sumpf. Lauter Blindgänger! Hüüüh Banje ihn zupflastern will? Die kommen wohl von weit her, so lang platsch. Ob der ziehen fie ihre Hüüüüh. -w immer flatsch, in den Sumpf. Wenn mal eine mehr rechts geht, und Leis zittert der Blütenbaum, die Sechs finnen und schweigen und frepiert? und verschwinden. Hauen wir ab. Ja, es hat eine Weile nicht Sie haben wohl gedacht, wir wollen Feierabend machen gesungen und geplatscht im Sumpf. Es war so still. Der Blütenbaum streckt seine este im reinen Glanze. Auf! Seht den Blütenbaum! Sitifitt- trach!!! Feuer und Bliz! Die Blätterarme umfangen fie. Der schwarze Boden steigt brüllend auf, er hebt den Baum! Qualm, Erde, Dampf, Eisen! Schwarz fenft es sich nieder. Ein öder wüfter Trichter, wo eben die Bracht noch so rein und im Grund sickert schon das Wasser zusammen. Still ist es, der Russe funkt nicht mehr. Ein Blütenbaum und fechs junge Leben! und wollte sie schützen und segnen. Weltkrieg, warum?! " Der Bogelhändler"( Großes Schauspielhaus). Mieder 3eller, Komponist im Nebenberuf, tgl. Beamter, Desterreicher und löcker und Suppé der unglücklichste aller heiteren Musikanten: Parl eine Dase in der Sandwüste der Operette Nach Strauß und MilRenner der Boltsfeele. Höfische Menschen und Tiroler Bauern, ernst. mentale Lied alles dicht beieinander. Und aus jedem noch so rührhafte und parodiſtiſche Melodien, der Kunstgesang und das fenteigen Stückchen scheint eine ganze Welt zu uns zu sprechen, so echt, so warm, so einschmeichelnd ist das alles. Das Finale des ersten Aftes, das schluchzende Lied vom Ahnerl, das„ Jefus- Jefus" und die Professoren- Parodie, das Liebesduett(„ Sdxau mir nicht so ins Gesicht") und der Auftritt des Brief- Christel welche Fülle con Musit, diskret instrumentiert, durch sich selber froh und tränenreich und walzerhaft wirkend! Ueber allem ein Hauch Altertümlich= feit, Großpäterfreude. Aber wehe uns, daß wir feine Großväter sind. Volksoperette- auch der„ Bogelhändler" gehört zu den besten ihrer Art. Von den Mitwirkenden möchte man an erster Stelle dem Chor danken für das prächtige Finale des ersten Aktes, dann Johannes Müller mit seinem unverfälschten Dialekt und so derb- luftigen wie weich- fentimentalen Wesen, der immer schönen, immer um eine Nuance zu leblofen Cordy Millowitsch, Kußner und der Lachmuskeltruppe Brandt, Waßmann und Wend. Nicht auf der Höhe steht Helene Bola. Ein zierliches Ding, ein liebes Stimm. chen. Rein Temperament, um hier Mittelpunkt zu werden. Die Ge famtaufführung glänzend, auch ohne nationalistischen Böbelrummel. R. G. Schneider Wibbel" in Koblenz verboten. Das Koblenzer Stadttheater hatte auf feinem Spielplan das Luftspiel der Schneider Wibbel" vor. gesehen. Dem Vernehmen nach hat die franzöfifche Besagungsbehörde die Franzose einen Badentretch erhält. Aufführung dieses Schwants verboten, weil im ersten Aft ein Cleuens Bevölferurg. Die Geiomtbevölferung Litauens wird von der was beträgt 27 134 Röpfe. Ben ben 26 im Lande vorhandenen nationalen amtlichen Statistil auf 2175 121 Savoyuer beziffert. Der jährliche Zu. minberheiten Bönnen mus faben mehr als 1000 ingehörige aufweisen. Gewerkschaftsbewegung Die Fünfprozentlegende. Im geftrigen Abendblatt des" Borwärts" behandelten wir„ Die Bilanz des Bergbauvereins" über den Kampf im Ruhrbergbau und eins, als ob die Bergleute lediglich um die weiteren 5 Broz. Bohn wandien uns insbesondere gegen die Darstellung des Bergbauver. erhöhung vier Wochen lang gefämpft hätten. Heute finden wir als Gegenstück zu diefer Füniprozenticgende folgende Darstellung im „ Klaffenfampf" " Klaſſenkamps" für Halle- Merseburg vom 4. Juni. In einer Balemit dieſes kommunistischen Blattes gegen den Beizer Boltsboten", unser Bruberorgan in Zeiß, schrieb dieser Klaffentampf": Behaltet die Tatsachen fest in eurem Gehirn und vergeßt es nicht, Proletarier, daß ADGB.- und BspD.- Führer den Ruhrfämpfern für eine fünfprozentige Cohnerhöung den Dolch in dem Rüden ffießen!" Während also die Unternehmer den Bergarbeitern zum Borwurf machen sie hätten es nur einer geringen Lohndifferenz wegen auf einen solchen Kampf ankommen lassen, die armen Bechenbefizer wegen der 5 Broz. Lohnzulage derart in die Enge getrieben, daß diese feinen anderen Ausweg mehr mußten, als die Bergarbeiter auszusperren, tommen die RD. Strategen mit der Dolch stroßlegende, um der 5 Broz. Lohnzulage willen hätten ADGB., VSPD.- Führer die Bergarbeiter verraten, ihre Interessen preisgegeben, ihnen den Dolch in den Rüden" gestoßen. Es hieße die Absicht der KPDiften zu hoch und das Dent: vermögen unserer Befer zu niedrig einzuschätzen, wenn wir auf Diese Dolchstoßlegende ernstlich eingehen wollten, um sie zurüdzu weisen. Der Hinweis dürfte vollauf genügen, daß die Bergarbeiter der vier Organisationen den Beginn und das Ende des Kamples felber befchloffen und weder die ADGB.. noch die BSRD. Führer desroegen gefragt, geschweige denn ihnen die Entscheidung überlassen hätten. Das soll natürlich feinen Borwurf gegen Sie Bergarbeiter bedeuten, sondern es ist lediglich die Betonung der alten gewerkschaftlichen Praxis. Merkwürdig ist, daß sowohl die Kritiker des Ruhrkampfes im Unternehmerlager wie die im Lager der Kommunisten, sich an die fünf Prozent Lohnerhöhung flammern und das wesentliche Kampf. objeft, den Siebenstundentag, übergehen. Bei dieser Gelegenheit fei noch ein wahres Kabinetistückchen fommunistischer Berichterstattung gezeigt. Der Beizer Boltsbote" fchrieb: Die KPD. hat für den Ort A., mitten im Revier Stinnes Riebedfcher Bechen, eine Bergarbeiterfonferenz einberufen, es waren fechs De'egierte anwesend. In der Nummer des klassenkampf" Dom 15. Mai wird von der Annahme einer Resolution durch 115 De. Igierte berichtet. " Der Boltsbote" lügt", fagt der Klassenkampf, denn der Klassenkamp f" habe in Wirklichkeit folgendes gefchrieben: " Die von der Reichstampfleitung der deutschen Bergarbeiter für die mitteldeutschen Reviere einberufenen Ronferenzen... fanden statt in Bitterfeld, Sandersdorf, Eisleben, Ammendorf und Zeiz, burchschnittlich 115 Delegierte aus den Betrieben waren anwesend. Wenn hier von durchschnittlich 115 Delegierten die Rede ist, müßte man annehmen, daß in jeder dieser Bersammlungen etwa 115 De'egierte, in der einen 100, der anderen 130, durchschnitt. lia, also 115 Delegierte waren. Diefer Bericht wird jedoch nunmehr vom Klaffentampf" am 4. Juni näher erläutert: 16, in Zeiß 11, in Eisleben 23 und in Sandersdorf 60 Delegierte " Und zwar waren anwesend in Bitterfeld 15, in Anumendorf Diese Delegiertenzahl zusammengerechnet, ergibt nach Adam Riese genau 115 Delegierte, wie der Klassenfampf" objektiv berichtet hatte. Damit bricht der offenbare Schwindel" des„ Boltsblattes" in sich zufammen." Jegt fagt der Klassentampf" die Wahrheit. Hat aber der Beiger Boltsbete" gelogen? Die Tapezierer arbeiten tariflos. Die oft wiederholten Verhandlungen auf Abschluß eines neuen Manteftarifs für das Tapezierergemerbe hatten zu einer wesentlichen Abschwächung der von den Unternehmern beantragten Verschlechte rungen geführt, doch blieben noch Differenzen in der Frage der Arbeitszeit, megen des Urlaubs und der Arbeitsnach= meisregelung. Auch in der Lohnfrage machten die Unternehmer durchaus unannehmbare Vorschläge. Nachdem fürzlich eine Tapeziererversammlung zu den strittigen Bunften Stellung genom men hatte, fam es nochmals zu Verhandlungen zwischen den Parteien. Es war aber den Organisationsvertretern wiederum nicht mög lich, die Arbeitgeber von ihrem Standpunkt abzubringen. Eine gestern abend tagende Bollversammlung der im Gewerbe beschäftig. ten Arbeiter und Arbeiterinnen beschloß nach einem Bericht des Be Dollmächtigten Müller und nach eingehender Aussprache, für die Folgezeit ohne Manteltarif zu arbeiten. Müller ersuchte am Schluß der Bersammlung die Anwesenden, dafür Sorge zu tragen, daß in den Werkstätten, in denen Arbeiter entlaffungen vorgenommen werden sollen, erst eine Berkürzung der allgemeinen Arbeitszeit eingeführt wird. Arbeitszeitkampf der Rohrleger. Die Verhandlungstommiffion der Rohrleger und Helfer hatte im Auftrage einer Branchenversammlung bei den Unternehmern die Erhöhung des Stundenlohnes auf 1 M. beantragt. Die Unternehmer machten im Tarifausschuß eine Verhandlung über Lohn. erhöhungen von der Zustimmung der Arbeitnehmer zu einer Arbeitszeitverlängerung abhängig. Da die handlungen und es wurde der Schlichtungsausschuß angerufen. Hier Kommission das rundweg ablehnte, zerschlugen fich die direkten Ververlangten die Unternehmer gleichzeitige Berhandlung über folgende von ihnen eingebrachte Forderungen: Die Bestimmung des Manteltarifs, daß vor Arbeiterentlassungen oder Arbeitszeitverkürzungen mit der gefeglichen Betriebsvertretung zu verhandeln ist, ist zu streichen. Das Abbummeln der Ueberstunden soll in gutunft un statthaft sein. Wünschen der Unternehmer einen Tag früher schließen und schließlich Die Lohnwoche foll nach den soll ihnen das Recht gegeben sein, Arbeitskräfte vom Arbeitsnach weis nur solange zu beziehen, als brauchbare Arbeiter vorhanden find. Die Kommission lehnte ein Eingehen auf diese Fragen ab, da fie nicht zur Diskussion standen. Da in der Spruchtammer weder bie Arbeitgeber noch die Arbeitnehmer auf die Vorschläge des Vorfigenden, Gewerberat Rörners, eingingen, fällte er in feiner amtlichen Befugnis einen Spruch. Dieser geht über die Wünsche der Unternehmer hinaus, indem er ihnen das Recht gibt, für die Zeit vom 1. Juni bis 31. Oktober d. J. überall da, wo sie es für angebracht halten, die Arbeitszeit um eine Stunde täg lich zu verlängern. Die Arbeiter sollen zur Leistung dieser 10 Bro3. gezahlt werden. Die übrigen Bestimmungen des Mantelleberarbeit verpflichtet sein, doch muß ein Aufschlag von tarifs merben bis 31. Oftober 1924 verlängert. Der Lohn soll für Rohrleger 85 Bf. und für Helfer 72 Pf. betragen. leger erflärte Niederkirchner namens der Kommission diesen In einer gestern abgehaltenen Branchenversammlung der Rohr Spruch für un annehmbar. Nach kurzer Aussprache beschloß die Bersammlung demgemäß Eine Branchenversammlung wird in der nächsten Woche weitere Schritte beschließen. Der oberschlesische Herrenstandpunkt. Aus Gleiwig wird berichtet: Auf die Einladung des Reichsarbeitsministeriums, am 5. Juni an Verhand lungen über den Streit in Oberschlesien teilzunehmen, haben die Arbeitgeber ben Bertretern des Reichsarbeitsministeriums erklärt: Die Arbeitgeber find nicht in der Lage, über die Arbeitszeit und über die Lohnfrage au verhandeln Die Arbeitszeit ist durch verbindlichen Schiedsspruch geregelt. Gine Erhöhung der der 2öhne fann bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage, besonders nach den Verlusten durch den Streit, unmöglich gewährt werden. Ueber sonstige noch strittige Punkte sind die Arbeitgeber bereit, nach der allgemeinen Aufnahme der Arbeit mit den Gewertschaften in Besprechungen einzutreten, falls solche beantragt Zum Landarbeiterstreik in Ostpreußen. Bom Berbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns geschrieben: Die Kommunisten mühen sich wieder einmal in ihrer Provinzpreffe ab, die Führer des Deutschen Landarbeiterverbandes als die schlimmsten Verräter und die erbärmlichsten Schurfen hinzustellen, die jemals in der deutschen Gewerkschaftsbewegung zu finden waren, und zwar wegen deren Haltung während des ostTageszeitung für beide Mecklenburg und Lübed) vom 28. Mai schrieb: preußischen Landarbeiterstreits." Die Belttribüne"( kommunistische Die DLB. Bureautraten aber wollten nicht fämpfen. Das bewies die Gaufonferenz des DLB. am 27. April in Königsberg. Obwohl bereits die Kreise Königsberg und Fischhausen im Streif standen, lehnte die Gauleitung alle Anträge der oppofitionellen Bandarbeiter der verschiedenen Kreise auf Ausrufung des Generalstreits für alle Landarbeiter Ostpreußens ab. Die Folge davon war, daß die Junker ihre Klassengenossen der streitenden Kreise fo unterstützen fonnten, daß es diesen nicht barauf anfam, auf die Bestellung der Felber zu verzichten, wenn fie damit ihr Ziel erreichten Die streifenden Landarbeiter aber fahen bald ein, daß sie ihren Rampf nur gewinnen fonnten, men der Streit die ganze Provinz, oder wenigstens den größten Teil derfelben umfaßte, weshalb sie auch immer stürmischer den Generalftreit forberten. Unter biefem Drud der Bandarbeiter mußte dann schließlich die Gauleitung bes D2B. den Streif ausdehnen. Die Ausdehnung des Streifs erfolgte aber so planlos, daß in feinem Kreis eine einheitliche Arbeitsniederlegung möglich war." Einige Zeilen weiter wird behauptet: " Der D2R. wird also nach den Erflärungen des BerbandsDorstandes den Schandtarif anerkennen, nur damit er Tarif fontrahent bleiben fann." Zu diesem Erguß fer der Wahrheit, nicht der Kommuniston megen gejagt: Die Proflamation des Generalftreits unterblieb, meil der Deutsche Bandarbeiterverband nicht den Zusammenbruch der Streitbewegung wollte und deshalb nicht das Dümmste und Törichtste tun wollte, mas gefchehen fonnte. Su einem Generalftreit fehlte der entschlossene Wille der gesamten Bandarbeiterschaft und die Gewißheit, daß sie den Kampf materiell wie moralisch eine Reihe von Tagen, wenn nicht gar Wochen, ertragen fann. Wie sah es hiermit aus? Dieser Wille fehlte nicht nur bei einem Teil der Zentralverbändler und der Unorganisierten, sondern in der Hauptsache auch bei jenen Leuten die fich Rommunisten nennen und vorher nicht genug nach dem Streit schreien konnten. Dies zeigte sich besonders in dem Kreise Niederung und in den Drien, die um die komnicht weiter gestedt sein, wenn man sich die fürchterliche Geldknappheir munistisch stark durchsetzte Stadt Ragni herum siegen. Die Erwartungen auf materielle und moralische Leistungsfähigkeit fonnten der ostpreußlichen Landarbeiter und die geradezu unerhörten Schifagebern und behördlichen Organen über sich ergehen lassen mußten. nierungen vergegenwärtigte, die sie während des Streifs von Arbeitgeben und behördlichen Organen über sich ergehen lassen mußten. Shnen ist es gleich, ob die Bewegung flappt oder in die Brüche Freilich, die Kommunisten haben teine Rücksicht zu nehmen. antwortung bemußt Er sucht die Lohn- und Arbeitsverhältnisse mit geht. Der Deutsche Landarbeiterverband aber ist sich seiner Verdem fleinsten Aufwand von persönlichen Opfern zu verbessern. Diese Erwägungen feiteten ihn auch, als er die Fäden der oftpreußischen geführt zu haben, fällt auf die Kommunisten zurüd. Sie waren Bewegung in die Hard nahm. Der Vorwurf, den Streit planios arbeiter von dem ihnen den der Organisation vorgezeichneten Wege es, die durch ihre blödsinnigen und findlichen Barolen die Landabzubringen versuchten und dadurch dazu beitrugen, daß es nicht überall gelang, der Bewegung die gewünschte einheitliche Form zu geben. Die Latsache, daß zahlreiche Streitversamm furgen Entschließungen annahmen, in denen das Borgehen der kommunisten entschieden verurteilt wird, läßt die Gefährlichkeit ihres damaligen Wirkens erkennen. = Tarif als berechtigt anerkannt, ist echt kommunistisch. Der Deutsche Die Behauptung, der Deutsche Landart- eiterverband habe den Bandarbeiterverband hat in Duhenden von Zeitungsnotizen feine Abschluß der Bewegung erklärt, daß die Entlohnung der ostGegnerschaft zu dem Tarif zum Ausdrud gebracht und auch nach preußischen Landarbeiterschaft nach dem Tarif als das größte Unrecht angesehen werden muß, was ihr jemals zu gefügt wurde. Wenn die Bewegung nicht mehr Erfolg zeitigte, so hat das Treiben der Kommunisten wesentlich dazu beigetragen. 25jähriges Bestehen der chriftlichen Gewerkschaften. Zu Pfingsten bliden die christlichen Gewerkschaften auf ein Alter Don 25 Jahren zurück. Ihr erster Rongreß in Mainz 1899 am Pfingstfest wird als Gründungstag angesehen. Mit Rücksicht auf die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse soll einstweilen von Jubi läumsveranstaltungen abgesehen und dafür im Spätherbst große Rundgebungen veranstaltet werden. Mag man über die Existenz der christlichen Gewerkschaften denten, wie man will, so muß man doch mit iher als Fattum rechnen. In dem letzten Jahrzehnt sind freie und chriftliche Gewerkschaften manchen Weg zusammen gegangen, wie auch jest wieder beim Bergarbeiterkampf im Ruhrgebiet. Es wird noch manches Mal geschehen müssen. Daher liegt es im Allgemeinintereffe der deutschen Gewerkschaften, die Betonung mehr auf das Einirende als auf das Trenmende zu legen. Das hindert nicht, die Unterschiede aufzuzeigen und die sich gelegentlich daraus unvermeidlich ergebenden Unstimmigteiten fachlich- kritisch zu beleuchten. Die Arbeitslosigkeit in der Lodzer Textilindustrie. Die Einstellung des Notendrudes in Polen führte seit Anfang loie Beschäftigungsgrad der Arbeiter im Oktober 1923 und Anfang Februar zu einer ernsthaften Arbeitslofenfriie, von der die Lodzer Februar 1924 zeigt sich in folgendem Zahlenbild: Beschäftigungs- Gesamtzahl der Arbeiter Gesamt- Hundertfag Dftober tage pro Woche Februar Ditober 6 Lage 32 582 5 Lage 4 Tage 2 oder 3 Tage Februar 7268 35,0 8,2 10 237 1 795 11,2 2,0 87 837 11 025 40,7 12,5 12 191 68 265 13,1 77,8 Die Gewertschaften in Lodz hatten 4227 Bollerwerbsloje. Wie es im übrigen in Bolen mit Arbeitsgelegenheit befient ist, darüber berichtet die Prawda": In der Glasindustrie find 21 Fabriken geflossen. Von 9 Zementfabriken find 7 geschloffen. Trotz der Wiederoufnahme der Bautätigkeit sind die Ziegeleien noch nicht wieder in Gang. In der Metall und demischen Industrie hat die Arbeitslosigkeit 40 Proz. erreicht. In Oberschlesien arbeiten die Gruben nur 4 Stunden täglich." Die Werkstätten- und Elektrizitätsarbeiter der Londoner Untergrundbahnen und der Great Western- Eisenbahn haben befchloffen, wegen Lohnstreitigkeiten in den Ausstand zu freten. Der Streit wird von der nationalen Eisenbahnerunion gemißbilligi, deren Mitglieder bei der Arbeit bleiben und somit einen allgemeinen Stillstand verhindern werden. Doch ist die Lage infolge der Haltung der otomotioführer fawierig, melche einen energischen Brief an die Eisenbahngesellschaften gerichtet haben und eine Anzahl Forderungen aufstellten. Berkmeister. Bezirks- Berein Charlottenburg. fammlung. Berliner Straße 105. 6. Juli, Dampferpartie nach Roampnis. Morgen, Freitag, Ber Die Zeit fordert billige Preise Mein Pfingst- Angebot bringt sie!!! 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