Abendausgabe Nr. 26441. Jahrgang Ausgabe B Nr. 133 Bezugsbebingungen und Anzeigenpreife find in ber Morgenausgabe angegeben Rebaffion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts sw Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Freitag 6. Juni 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 63, Lindenstraße 3 Jerufprecher: Dönhoff 2508-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Stresemann über das Gutachten. Breitscheid gegen deutschnationale Demagogie. Ich mache kein Hehl daraus, daß ich bas Sachver.| Heiterteit ihn am Weiterreden hinderte. Es war wte ständigen gutachten als einen Fortschritt an eine Selbstbinrichtung ber beutschnationalen inner fehe gegenüber dem, was bisher ist, und ich übernehme lich verlogenen Politit. Beine Berantwortung für das, was weltpolitisch aus uns wird, wenn wir das Gutachten ablehnen." ( Stresemann.) Eine der ganz großen Drehungen in der Ronstellation der Weltmächte, die nötig sind für die Revision des Versailler Friedens, beginnt sich damit zu vollziehen." ( 5) Deich.) Die ersten Worte sprach heute morgen Stresemann in seiner großen außenpolitischen Rede im Reichstag in oßer Erregung als Antwort auf einen infamen 3 wischen. ruf des Abg. Quaaz, die anderen schrieb Herr Hoe zich, der Deutschnationale, in der„ Kreuzzeitung" über das Sachverständigengutachten zur Rennzeichnung der weltpolitischen Situation. Das eine wie das andere ist die Grundlage der Außenpolitik, die die neue Regierung führt. Herr Stresemann hat mit seiner Rede von heute morgen die Führung dieser Politik mit einer Entschiedenheit an sich gerissen, die eine starte Demonstration der Kontinuität der bisherigen Außenpolitik bedeutet. Mit dieser Rede wurde nicht mur die Notwendigkeit dieser Politik gegenüber aller Oppo fition scharf begründet, sondern zugleich die Praris der Annahme und der Durchführung der Gutachten eröffnet. Stresemann sprach über die Grenzen hinweg zur englischen Arbeiterregierung und zum Links. blod in Frankreich. Der Atmosphäre der Intransigenz, die Die Politik der Rechten schaffen will, segte er die Atmosphäre ber gegenseitigen Anerkennung des guten il Iens hüben und drüben und der Anerkennung der Ehrlichkeit entgegen, die sich auf die Einsicht der Gemeinsamkeit zwingen ber wirtschaftlicher Intereffen gründet. Stresemann sprach in starter Erregung. Das Bewußtsein ber Größe der geschichtlichen Entscheidung trug ihn und ließ thn sich durchfehen gegenüber den stürmischen Wogen der Unterbrechungen und der Zwischenrufe, die immer wieder Don Deutschnationalen und Böllischen gegen ihn aufbrandeten. Die harten Tatsachen der außenpolitischen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands führte er ins Feld gegenüber den Illu fionen, den Agitationsphrasen, den starten Worten von rechts und von ganz rechts. Mit aller Kraft fämpfte er gegen die um Graefe. Jeder Sah, mit dem er die Unmöglichkeit der Bhrafenpolitik der Völkischen fennzeichnete, rief stürmischen Widerspruch auf der Rechten hervor. Ein Widerspruch, der die Bölkischen fennzeichnet. Dann erhielt Genosse Breitscheid das Wort zu einer groß angelegten Rebe über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Gutachten und zu der Regierung. . Bräfident Wallraf eröffnet die Stzung bes Retstages um 10 Uhr 20 minuten. ( Romm.), einen Antrag noch auf die Tagesordnung zu feßen, der Bor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Scholem Einspruch erhebt gegen das Verbot des fogenannten Roten Tages" in Leipzig. " 1 Da Abg. Kahl( D. Bp.) Widerspruch erhebt, kann der Antrag in diefer Sizung nicht behandelt werden.( Lärm d. Komm.) Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Besprechung der Regierungserklärung. Berbunden damit ist die Billigungsformel ber mittel. parteien, das Mißtrauensvotum der Kommunisten und der Bertrauensantrag der Nationalsozialisten. Die Deutschnationalen haben ihren bisherigen Miß trauensantrag zurückgezogen und einen neuen eingebracht, der nach dem Muster des Antrages der Mittelparteten, nur mit umgekehrter Tendenz lautet: " Unter Uebergang zur Tagesordnung über alle übrigen An träge verlagt der Reichstag der Regierung das Bertrauen, dessen fte nach Art, 54. der Reichsverfassung bedarf." Das Wort erhält dann sogleich Reichsaußenminister Dr. Stresemann. Er stellt fest, daß die Ausführungen, die der Reichstanzler gestern über die Stellung der Regierung zur Kriegsfulbfrage ge macht habe, son lebhaften Unterbrechungen der Rechten begleitet gewesen waren. Der Redner meist die Kritit des Grafen Bestarp an der Regierung megen ihrer angeblichen Intermürfigteit gegenüber dem Auslande zurüd. Hätte Graf Bestarp die ausländische Breffe verfolgt, so hätte er wahrscheinlich feine Behaup beim deutschen Botschafter in Paris erhoben über die Reden des hung nicht aufgestellt. Boincaré hat mehrfach offizielle Borstellungen deutschen Reichstanzlers und Außenministers im Reichstage. Die Reichsregierung ist durchaus bereit, die in die Hand zu nehmen, sobald sämtliche Dokumente der Deffent. amfliche Aufrollung der Kriegsschuldfrage lichkeit übergeben find.( Buruf rechts: Warum denn erst dann?) Es tommt nicht darauf an, ob mir überzeugt find, sondern es tommt darauf an, die Welt zu überzeugen. Einmal handelt es sich um die Zurüdmeifung der Behauptung, daß Deutschland der Urheber, der Angreifer dieser Weltkrieges gewesen ist, und zweitens um die Aufforderung an die fremden Mächte, ihre Archive Diese Fraktion, die frisch aus einem Wahlkampf ins Parla zur Klärung dieser Frage zu öffnen. Können Sie( nach rechts) ment gekommen ist, den sie mit unerhörter Demagogie geführt minister weist den Borwurf zurück, daß die Regierung in ihrer Ermir einen anderen Weg zeigen, der schneller um Ziele führt? Der hat, offenbart in ihren Zwischenrufen eine geradezu groflärung die innerpolitischen Probleme gar nicht berührt feste Untenntnis der politischen Tatsachen. Aber lauter habe. Wir haben vor allem ein Interesse an der Beschleunigung und erregter noch als ihr Widerspruch war der der Deutsch ber außenpolitischen Entscheidung. Am 15. Juni laufen die nationalen. Denn indem Stresemann auf die Bölkischen Micumverträge ab. Ich wünschte, daß die Herren, die uns Be fchlug, traf er hart und schmetternd die Deutschnationalen. fchleunigung zum Vorwurf machen, fich mit den rheinisch- westfälischer Ihre Politit, ihre Perspektiven, ihre Agitationsphrasen Industriellen zusammensetzen, die gesagt haben, daß eine Ber find es, die Stresemann den Völkischen vorhielt. Mit wachsen längerung nur vorgenommen werden fönne in der Erwartung, daß ber innerer Erregung folgten darum die Hergt und die deutsche Regierung das Gutachten annimmt. Wer soll auch die We starp der Rede Stresemanns, einer Erregung, die aus im Rheinlande eintreten würde! In zehn Tagen stehen wir erneut Der Stimme Hergts in feinen Zwischenrufen start zitterte. verständlich nicht in der Lage, aus ihren Mittein etwas für die Vervor der Frage, was werden foll. Die Reichsregierung ist felbstlängerung dieser Verträge zu tun. Wenn eine Berlängerung erfolgt, dann ist sie jedenfalls nur für eine sehr furze Zeit möglich.( Sehr richtig!) B Die wahre Bedeutung des Sachverständigengutachtens wurde durch die Rede Stresemanns gegenüber der Rechten fest gestellt. Was wird aus der deutschen Wirtschaft, was wird aus der deutschen Währung, wenn nicht durch die Annahme der Gutachten die Befreiung von den Micum Ber trägen erfolgt? Was wird aus den besetzten Gebieten, was aus der weltpolitischen Stellung Deutschlands, wenn entgegen der Drehung der Konftellation in der Welt in Deutschland selbst eine Außenpolitik betrieben wird, die so intransigent nach außen ist, wie die völkische Politik im Innern? Was wird aus Deutschland, wenn es mehr scheinen will, als es ist, wenn es eine Stärte vortäuscht, die es nicht hat und dieser Täuschung seine Lebensintereffen opfert? Diese starken Argumente trafen die Rechte. In leidenschaftlicher Erregung wandte sie sich gegen den Außen minifter: Stresemann, deffen Kopf fie gefordert hatte, hat der Rechten eine parlamentarische Schlacht geliefert, aus der fie moralisch geschlagen und sicher mit verwirrten Reihen hervor geht. Die Rechte muß die Entscheidung fällen, die Stresemann Wenn Sie eine Regierung vor sich finden, die etwa im Herbst vor der Entscheidung steht, dann wäre die Frage berechtigt: Was habt Ihr getan hinsichtlich der Aufwertung und der Beamtenbesoldung. Wenn wir am 24. Juni wieder zufammentreten, dann wäre es töricht, in der Zwischenzeit die ganze Straft nicht auf die eine Frage zu fonzentrieren, auf die es anfommt. Es kann ja doch eine Frage zu fonzentrieren, auf die es ankommt. Es kann ja doch in der inneren Politit fein Programm aufgestellt werden, wenn wir in den außenpolitischen Dingen nicht Klarheit haben. Herr v. Graefe hat gelagt, bie Bolitit habe von Ratastrophe au Rata. strophe geführt und hat die außenpolitische Situation dom 11. Auguft vorigen Jahres mit der gegenwärtigen verglichen. Mir ist nicht bekannt, daß die englische Regierung die Erklärung, die sie vor einem Jahre abgegeben hat, irgendwie zurückgenommen hätte. Sie besteht noch heute. Noch heute fußen wir auf ihr. Es wäre mir erwünscht, in einem fleineren Streise von Bertretern der Barteien darzulegen, was sich bei der Aufgabe des paffiven Widerstandes gierung einen anderen Erfolg gehabt hätte. Gie haben von Lorb Curzon im englischen Oberhaus gehört, daß wir an der bebingungslofen Aufgabe des paffiven Widerstandes die Schuld hätten, weil wir den Widerstand törichterweise zu lange hingezogen hätten. Als ich damals bie Reichskanzlerschaft übernahm, habe ich selbstverständlich mit dem zurücktretenden Außenminister v. Rosenberg über diese Dinge mich eingehend unterhalten, ihm diese Erklärung Curzons vorgelegt und mit ihm besprochen, der doch bisher diese Dinge behandelt hatte und porin ich vollkommen mit ihm übereinstimme:" Nichts ist förichter gefragt, wie sie parlamentarisch zu verwerten wären, und er fagte, Deutschlands wäre, und dadurch nur Englands Stellung in der die Seite Englands gedrängt hat, als wenn dieses der Sefundant als die Art, wie Deutschland fich bei verschiedenen Gelegenheiten an Entente befestigt hat. wir gar nicht anders handeln. Ebenso töricht ist es freilich, wenn Bei der 3errüttung der damaligen Berhältnisse konnten Soviele Leute heute meinen, daß der passive Widerstand an sich falsch, gewesen wäre und nicht seine große Bedeutung für uns gehabt hätte. Er hat einmal gezeigt, wie fehr Rheinland und Ruhr mit Deutschland verbunden sind( Lebhafter Beifall) und dadurch allen denjenigen Tendenzmeldungen, die in der Welt bis dahin geglaubt wurden, ber Tendenzmeldungen, die in der Belt bis dahin geglaubt wurden, ber Boden entzogen. daß Deutschland die Souvernänität, die wirtschaftliche und finanzielle Wenn der Sachverständigenbericht den Satz an die Spike stellte, Einheit wieder haben müsse auf seinem ganzen Gebiet, so danken wir das den Menschen, die damals gelitten haben, auch wenn sie nicht com paffiven zum affiven Widerstand übergegangen wären.( Sehr wahr!) Ich sehe zunächst einmal in dem Zusammentritt der Sachverständigenkonferenz eine ganz große Instanz der weltpolitischen Lage. Ich sehe darin den Sieg des Gedankens, der auch von der Rechten verfochten worden ist. Es liegt nahe, daß bei der weltpolitischen Bage, in der wir uns befinden, bei unserer Machtwodurch die Reparationsfrage aus der Mach atmosphäre heraus. Tofigkeit, von unserem Standpunkt aus alles begrüßt werden muß, genommen wird und in die Atmosphäre der Wirtschaftsfragen hinein. geftellt wird.( Buruf rechts: Ewige Illufionen!) Dann haben diese emigen Illufionen sehr viele Leute gehabt, darunter auch Professor Hoesch. Wenn ich diesen Namen nenne, fo geschieht es deshalb, weil feiner fo ftart wie er die große meltpolitische Tat fache unterstrichen hat, daß nunmehr die Bereinigten Staaten von hältniffe. Denfen wir an die Zeit vom Dezember 1922 und an die Nordamerita eingetreten sind in die Regelung der europäischen BerRede, die Hughes hielt. Mit vollem Recht hat der damalige Reichs fanzler Cuno in feiner Silvefterrede in Hamburg die fofortige Zu Paris aus ift fofort gesagt worden:„ Wir haben nicht die Absicht, uns stimmung Deutschlands erklärt. Und wer hat sich gegen diese Anregung von Hughes gewendet? Herr Poincaré war es. Von bie Früchte unserer Siege durch internationale Bantiers entreißen zu lassen." Das war die Situation: Auf der einen Seite die Machtpolitit, anderen Seite der englische Standpunkt. Was haben wir dagegen die fagte, alles, was wir haben, wollen wir behalten; auf der als waffenloses Boll? Welche Waffen hat ein Außenminister, wenn er nicht diese Waffen befizt: Einmal das Interesse der Welt, daß die große Wirtschaftskraft Deutschlands nicht zugrunde geht, die Einnicht ein anderes Bolt in den Untergang hineinzuziehen? Er hat sicht eines Boltes in die großen wirtschaftlichen Verhältnisse, um keine andere Waffe, als daß die Welt nicht uninteressiert daran ist, ob Deutschland zugrunde geht. Ich glaube nicht an eine Aenderung der Atmosphäre dahin, daß die Außenpolifit aus Liebe gemacht wird; he wird aus eigenem weltwirtschaftlichen Interesse gemacht. Dieses Interesse der Sachverständigen nicht zu benutzen, wäre ein lofen Staates noch hat, das ist der einheitliche nationale Moment Unerträgliches zurückweift. Wenn Sie( zu den Natsoz.) die. Wille seines Boltes über alle Parteien hinweg, der im gegebenen fen Willen eines Bolles einstellen wollen, dürfen Sie nicht anderen Parteien die politische Ehre absprechen.( Sehr wahr! b. b. D. Vp.) Dann müssen Sie anerkennen, daß der, der auf welchem Wege immer ein Bolt hat, den Sie für sich in Anspruch nehmen.( Sehr wahr!) feinem Vaterlande nuken will, denselben guten Willen für Wir müssen diefen einheitlichen Willen des Volkes in den Ehrenfragen aufammenfassen, um die wir fämpfen, wie wir dadurch schon einmal die Nichtauslieferung der Kriegsverbrecher durchgesetzt haben. Nichts stört diese Einheitsfront mehr als die Rede, die Sie gestern gehalten haben.( Sehr wahr! b. b.. D. Bp., Lärm und Widerspruch rechts.) In dem Zusamentreten der Sachverständigen lag eine große Be. deutung. Daß die Vereinigten Staaten kurz nach dem Kriege das Schlagwort ausgaben: Nie wieder sich einmischen in europäische Dinge, das war unfr Berberb jahrelang, weil die Bereinigten Staa ben schließlich der gegebene ehrliche Makler für europäische Berhältniffe find. Sie find zu reid, um an einer Schwächung Deutsch lands intereffiert zu sein. Sie haben genügend weite Distanz, um biele Dinge zu übersehen. Ich messe allen den Herren, die bei diesem Sachverständigengutachten mitgewirkt haben, die volle Objektivität gar wie wenig in aller Klarheit so formulierte: Es tommt darauf an, ob man abgespielt hat und in diesem Kreise nähere Erklärungen abzugeben. diesen Verhandlungen etwa nach Nationen abgestimmt worden ist, eine der ganz großen Drehungen der Welt. geschichte mitmachen will oder nicht! Nach der fachlichen Begründung der einzig möglichen Außenpolitik die deutschnationale Agitationsphrase. Herr Schlange trat an das Rednerpult, und es er eignete fich einer jener parlamentarischen Zwischenfälle, die beutlicher reden als lange Parlamentsreden. Der erste wohl gerundete Saß des Herrn Schlange war ungewollt eine so treffende und beißende Selbstcharakteristik der deutschnationalen Haltung, daß minutenlange stürmische Glauben Sie, Herr v. Graefe, daß ich ein derartiger Dilet, tant wäre, daß ich nach diesen Erklärungen der englischen Regie rung versucht hätte, sie zu benutzen, um eine andere Erledigung als bedingungslose Aufgabe des Widerstandes herbeizuführen? Wir haben es erlebt und werden es immer erleben, daß in gewiffen Momenten ein englischer Staatsmann, der vor der ganzen Welt seine Ansicht fund tut, nicht die Abficht hat, wegen einer theoretischen Einstellung etwa fo welt zu gehen, die Entente und das Freundschaftsverhältnis parteien.) Ich habe nie geglaubt, daß eine solche Situation kommen zu Frankreich dieserhalb aufzugeben.( Sehr richtig! b. 6. Regierungswürde. Es war notwendig, den passiven Winderstand bedingungslos aufzugeben. Meine Bemühungen um eine Aenderung der Situation sind ergebnislos geblieben. Ich weiß auch nicht, ob eine andere Re wie selbst Franzosen fur eine geringere Belastung eingetreten find. Die Herren haben sich nicht von politischen Gesichtspunkten treiben lassen, sondern anerkannt, daß sie von ihrem wirtschaftlichen Standpunkt aus die Dinge regeln müffen. Das ganze Sachverständigengutachten wird in feinem Effett schließlich von dem Geift bestimmt werden in bem es durchgeführt wird, und von den Berfönlichkeiten, die darüber mit zu entscheiden haben; es fördert diefen Geist nicht, wenn Sie( nach rechts) sich darüber zu diesem Lage ist hier eine bedeutende Entwicklung vor sich gehinwegsehen, daß andere Nationen auch objektiv denken können. Bis gangen. achten bezüglich ber Gisenbahnfrage geübt.( Burufe rechts.) Sie Sie haben eine durchaus abfällige Kritik an dem Guthaben ja anscheinend bas Gutachten gar nicht gelesen. Auch ber Reichslandbunb hat an die Spite feiner Erklärung den Sag gestellt, daß Deutschland an die Entente Kriegstontributionen bis zur Grenze des Möglichen zu bezahlen habe. Und nun bitte ich zu beachten, wie der gegenwärtige Stand der deutschen Belastung sich zu dem verhält, auf das wir nach dem Gutachten eingehen sollen. Was heute aus dem Ruhrgebiet durch die Micumverträge herausgequeischt wird, wird von Sachverständigen auf 1,2 bis 1,4 milliarden Goldmart jährlich geschätzt. ( Zuruf rechts: Wir haben sie nicht gebilligt. Stürmische Heiterfeit im übrigen Hause.) Ich glaube nicht, daß es zur Beruhigung des Ruhrgebiets dienen wird, wenn Sie sagen, Sie hätten sie nicht ge billigt. Kein Mensch hat das gebilligt. Aber wollen Sie die Leute schmähen, die zu den unendlichen Leiden, die die besetzten Gebiete schon auf sich hatten nehmen müssen, auch diese noch auf sich genommen haben? hat nicht Poincaré auch 3echen beschlag. nahmt? Wollen Sie den letzten Reft unserer Volkskraft auch noch der Vernichtung anheimgeben? Unsere Brüder dort haben sich in das Unvermeidliche gefügt, aber in der festen Erwartung, daß die Reichsregierung alles tut, um diese Last so rasch wie möglich zu ver mindern Im Wahlkampfe ist gesagt worden, wir hätten auch die Last der 380 Millionen Besatzungstoften nicht auf uns nehmen sollen; die Uebernahme dieser Kosten sei ein Zeichen der Schwäche der Regierung und ihrer Unfähigkeit, sich gegen solche Zumutungen zu mehren. Es ist doch klar, daß die ganzen Schläge dafür, daß wir nicht zahlten, ocet jener Bevölkerung auszuhalten gewesen wären. ( Lebh. Zustimmung.) Es will mir doch scheinen, als wenn jene großen Worte proportional find der Entfernung vom befehlen Gebiet. ( Stürmisch anhaltender Beifall und Händeflatschen.) Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß das Sachverständigen gutachten in dem Saze mündet, daß Deutschland nicht zugemutet werden könne, gegenwärtig und im ersten Jahre auch nur einen Pfennig aus seinem Budget zu zahlen.( Widerspruch rechts.) Sie ( nach rechts) haben das Gutachten eben nicht gelesen! Was ich fage, ist richtig. Es ist anerkannt worden, daß die Rücksicht auf die deutsche Währung jede deutsche Regierung veranlassen wird, nicht irgendwelche Leistungen jetzt an das Ausland zu machen. Eine der schlimmsten Kriegsschulblügen mar die von dem betrügerischen Bankrott Deutschlands, die Behauptung, Deutschland fönne zahlen, molle aber nicht. Diese Behauptung hat Poincaré dazu gedient, die Besetzung der Ruhr der Welt plausibel zu machen. Wenn also jezt anerkannt wird, daß Deutschland nicht zahlen tönne, bann bricht damit die moralische Grundlage für die Befehung überhaupt zusammen.( Sehr richtig!) Iche habe alle Veranlassung, die Frage der Wiederaufhebung der Befehung als die wichtigste in den Vordergrund zu rüden. In dem Gutachten wird unterschieden zwischen der Zeit des Mora. toriums, der Uebergangszeit, und der Zeit, von der die normalen Leistungen beginnen sollen. Wenn wir uns einnerstanden erklären, so ist es wegen der Bestimmung über die Transferrierung deutscher Leistungen nach dem Auslande, die sich aus der deutschen Leistungsfähigkeit ergibt. Ich weise auf das hin, was Professor Hoegich über das Gutachten gesagt hat. Er hat von einer der großen Drehungen in der Konstellation der Welfmächte gesprochen, die sich zu vollziehen beginne. Die öffentliche Meinung sieht in dem Gut achten, das unter dem maßgebenden Einfluß der amerikanischen Sach verständigen zustande gekommen ist, die wirtschaftliche Bibel er Gegenwart. Wer sich ihm entgegenstellt, muß damit rechnen, daß er die größte Macht gegen sich aufbringt! Wenn die Vorschläge der Sachverständigen Sachleistungen, Uebertragung von Geld und Devisen an das Ausland nur dann verlangen, wenn es ohne Gefährdung der deutschen Wirtschaft ge fchehen kann, so ist das doch ein Bruch mit dem bisher vertretenen System. ( Erneute große Unruhe rechts.)' Herr Abg.» Graefe erregt sich barüber, daß ein deutscher Minister bie Borteile des Sachper ständigengutachtens erörtert. Sind Sie der Meinung, daß Sie mit der veralteten Diplomatie weiterfommen und lediglich durch die einseitige Art der Darstellung irgend etwas auf diesem Gebiet errei hn tönnen, wo es sich nicht um Politif, sondern um nüchterne Wirt schaft handelt, wo jeder in der Lage ist, über all diese Dinge selbst nachzudenken? Gestern hat Graf Westarp auf die Kreditkrisis hin gewiesen. Sie ist nach zwei Richtungen außerordentlich bedentlich. Einmal hat sie infolge der Unübersichtlichkeit der Berhältnisse ob nun das Sachverständigengutachten angenommen wird oder nicht ein Hindernis für viele Verhandlungen mit ausländischen Kredit gebern. Zweitens ist der Angelpunkt des Gutachtens bas Zuffandekommen der internationalen Anleihen von 800 Millionen Mart. Diese 800 Millionen fließen der deutschen Shimmy. Bon Käte Lucie Günther. Gin Bild aus dem Berliner Often. Brete Fürbringer, eine jugendliche Mutter, die in Schlafstelle, Hof viere", wohnte hatte um Hilfe gebeten für ihr unehelich geborenes Kind.. 11 Die Viere" waren beschwerliche Treppen. Sie maren in der Mitte fo start ausgetreten, daß ich mich herauf jonglieren mußte, um nicht mit den Abfäßen hängen zu bleiben. Endlich oben boten mir drei Türen verschiedene Namen. Dichter Nebel schlug mir entgegen, als man mich durch die richtige Tür in eine Küche eintreten ließ. Meine Augen brauchten einige Zeit, bevor sie fich an den scharfen Dunst gewöhnten bevor sie ein Bild aufnehmen fonnten. Ein etwa zwölfjähriger Junge, der mir die Tür geöffnet hatte, stand und gletzte mich an. Am Herd war eine bide Frau mit ordinärgutmütigem Gesicht damit beschäftigt, schmutzige Wäsche zu fochen. Sie nichte mir, wie einer alten Bekannten, gemütlich zu. Ein energischer Wink ihrer naffen Hand trieb den Jungen von mir meg. Er hockte sich neben den Herd auf eine Fußbant und schälte Kartoffeln. Diese Betätigung schien ihm gar nicht zu behagen er erledigte" fie mit trägen, unluftigen Händen. Seine Augen aber, alttluge, verfchmigte Jungenaugen, glitten, so oft die scharfe Kontrolle der Mutter es erlaubte, von dieser ihm aufgezwungenen Tätigkeit ab. Blieben mit Bewunderung auf dem Burschen haften, der sich mit brutaler Nonchalance am Küchentisch lümmelte. Dieser Bursche, etwa zwanzigjährig, war der Geliebte der Grete Fürbringer Das Mädchen saß an seiner Seite. Halb Kind noch, hielt sie an ihrer vollkommen entblößten Bruft einen fräftig entwidelten Knaben. Auch des Mädchens Blicke hingen bewundernd an dem Burschen. Der hielt in der einen Faust ein Stück Wurst in der anderen, mir entgegen geftemmten ein dolchartig aufgeklapptes Taschen. messer. Das dazu gehörige Brot lag auf dem Tisch Sein stupid- frecher, cynischer Blic figierte mich ungeniert. ,, Nanu wat is denn los?" Ich wandte mich an das Mädchen.. Fräulein Grete Fürbringer?" Sie wußte im Moment, warum ich da war. Atmete crieichtert auf. Wies mit stolzer, graziöser Geste auf den Burschen: ,, Er arbeet' mieba!". Der Bursche spizte die abftehenden Ohren. Maß mich angriffs luftig. Ein geflüsteries Wort des Mädchens ließ ihn hähmisch auflachen. Gedehnt stieß er hervor: „ Ach so- o!“ Er sah jich im Kreise um. Der Junge grinfte die Frau nidte ihne verstohlen zu. Da verstand er fetzte fich in Bosition: Jawollefins!-wia arbeeten wieda. Mia brauchen Euch nich. Wia anähren unsern Jung'n alleene!" | Währung zu. Damit tann bie Währingsbant ihre Notenausgabe| Ländern davon gefprochen wird, baß man zu einem modus vivendi ausbauen. Wenn Sie nicht in dieses vollkommen ausgedörrte gelangen wolle, fann da der deutsche Reichstanzler überhaupt je Flußbett ganz neue Gewässer hineinleiten, werden wir etwas anderes erstreben als eine ehrliche Verständigung?( Zustim alle mit verdorren.( Sehr richtig! bei der Mehrheit.) mung bei der Mehrheit.) Die Bestrebungen zur Berselbständigung in den besetzten Gebieten, die eine schwere Belastung der Reichseinheit waren, find zurüdgetreten nur in der Hoffnung auf die Annahme des Gutachtens. Allerdings ist uns eine Eisenbahnpolifit aufgezwungen worden, welche die Eisenbahn zu nichts weiter macht als zur Trägerin des Zinsendienstes. Hierin und in den genannten Summen liegen die tief schmerzlichen Nachteile des Gutachtens. Aber wir müssen uns vor Augen halten, was geschieht, wenn wir ablehnen. Wir sind der Meinung, daß die Herstellung der deutschen Ver waltungshoheit implizite im Gutachten liegt, weil wir sonst gar nicht imftande wären, den geforderten Leistungen nachzukommen. Wenn ich annehme, daß wir etwa am 1. Juli das Gutachten annehmen, und die Alliierten innerhalb der nächsten 14 Tage ihre Anordnungen in den befehlen Gebieten zurüdzögen, so fönnte dann das Gutachten fofort in Kraft treten. Das Fortbestehen der mili. tärischen Belegung hindert natürlich unsere Leistungsfähigkeit. Unsere Leistungen fönnen nur garantiert werden bei Wegfall jeder hinderung unserer Produktivität. Eine Einbeziehung der Ehren fragen in die Annahmefrage des Gutachtens ist unmöglich. Aber die Regierung wird alles tun, um auch diese Fragen zu regeln. das Gutachten ist unteilbar; das ist uns bei unseren Unterhandlungen mit England überhaupt immer gesagt worden. Angenommen haben wir das unteilbare Ganze als Schema. Es geht nicht, daß jede Nation sich aus dem Gutachten ihre Rosinen herauspict; wenn wir das täten, täten es die anderen auch, und sie fäßen am längeren Hebel. Im einzelnen fann verhan delt werden, nämlich bei den Gesezen, die wir im Berfolg des Gutachtens durchbringen müssen.( 3uruf des Abg. Quaatz: Ein gutes Plaidoner für die Gegenseite! Großer Lärm. Pfuirufe in der Mitte.) Das ist das Infamffe, was nur gefagt werden konnte!( Er neute Pfuirufe.) Ich halte das Gutachten für einen Fortschritt gegenüber dem jezigen Zustande.(( Beifall.) Die Zweifel des deutschen Volkes daran, ob die Gegenfeite ihre Verpflichtungen erfüllen werde, nach der Politif, die Deutschland gegenüber bisher eingehalten wurde, der Politif der Demütigungen, ist berechtigt. Aber diese Kritik ist getodelt worden auch von Mac. bon alb und Herriot, und man darf vielleicht hoffen, daß diese Männer in ihrer eigenen Bolitik nunmehr das nicht vergessen werden. Graf Westarp hat sich dagegen gewandt, daß eine Einmischung des Auslantes in die Personenfrage der Kabinettsbildung erfolgt jei. Ich würde es als Außenminister zurüdgewiesen haben, wenn eine folche Einmischung erfolgt wäre. Eine Aeußerung der aus. ländischen Presse und überhaupt des Auslandes über ihre Auffassung von der Lage, in die Deutschland durch die Annahme des Sachverständigengutachtens tommt, fahn uns aber nur erwünscht sein. Ich stimme vollkommen mit Ihnen darin überein, daß die Entscheidung bei den Deutschen selbst liegt. Menn in der Rede des Grafen Westarp eine gewisse Stepfis über das Berhalten der Entente uns gegenüber zum Ausdruc gefommen ist, fo teile ich diese Stepsis. Wir müssen be fonders dem Ausland gegenüber betonen, daß diese im ganzen deutschyen Belke verbreitete Stepfis ihre volle Berechtigung hat infolge der Politik uns gegenüber.( Zustimmung.) Denn das deutsche Bolt ist zu oft getäuscht worden in dem, was es erwarten konnte. ( Erneute allgemeine Zustimmung.) Wir fönnen aber nicht umhin, festzustellen, daß dieses Recht des deutschen Bolles zum mig. trauen auch bereits von denen ausgesprochen worden ist, die " Miß. namentlich an der Spize der englischen Regierung, vielleicht aber auch der französischen Regierung stehen. Was das Ausland Nationalismus“ nennt, hat seine tiefste Wurzel in der Politik, die jahrelang gegen Deutschland getrieben worden ist, so hat Mac. bon alb gefagt. Gerade aus diesem Erkennen des Psychologischen entnehme ich, daß diese Männer im Auslande auch in ihrer eigenen Politik von den Methoden abweichen werden, die Sie( nach rechts) hier mit Recht geißeln. Die Ausführungen, die Herr v. Graefe gestern gemacht hat, find außerordentlich verantwortungslos gewesen.( Unruhe rechts.) Wie kann man, wenn der Reichskanzler von einer ehrlichen deutschfranzösischen Verständigung spricht, die notwendig ist, erklären, die 3 unge folle ihm eher ver. borren, als daß es zu einer Berständigung tomme.( Lärm rechts, Abg. Graf Westarp( Dnat.) ruft: Solange Franzosen im Lande sind, hat er recht.) Es handelt sich ja gerade darum, daß die Fran. 30sen aus dem Lande gebracht werden! Benn in anderen Er lachte mich augenzwinkernd an- zeigte mir ein wunder. Dolles Gebiß und machte eine nicht mißzuverstehende Geste zur Tür. Des Mädchens Augen hingen an seinem Gesicht. Da fonnte ich also wieder gehen. Mein Blid streifte noch einmal voller Mitleid die junge Mutter. Der Bursche hatte seinen Arm um fie gelegt und zwar fo, daß das Messer in seiner Fauft in gefährliche Nähe zu dem Kinde fam und riß sie brutal an sich. Preßte seinen Mund auf ihre ihm hingegebenen Lippen. Da wandte ich mich zur Tür. Nahm mir vor, das junge Menschenwesen im Auge zu behalten.. Ich hatte die Klinte schon in der Hand, da da geschah etwas, das meinen Schritt bannte: Auf den Hof spielte ein Beiertastenmann. " Shimmy!" schrie frohlockend der Junge. Shimmy!" die junge Mutter. Jede andere Politik würde verantwortungslos fein, sie würde dem Bolte Hoffnungen vorspiegeln, an denen es vielleicht zugrunde geht.( Widerspruch rechts.) Man hat fürzlich das wiedererrichtete Moltkedenkmal in Halle eingeweiht und dabei auch an den Wahlspruch des alten Feldherrn erinnert: Mehr sein als scheinen! Das gilt auch in bezug auf größere Entfaltungen von Prunk und Paraden, mit denen wir auch nicht mehr scheinen dürfen als wir find.( Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Wir stehen vor der Tasache, daß wir waffenlos sind und sollten nicht irgendeine Macht vortäuschen, die wir nicht haben, die uns aber die Beendigung der Militärkontrolle unendlich erschwert.( Sehr wahr bei der Mehrheit.) Leider treten wir in die Frage der Erledigung des Sachverstän digengutachtens ein in einer Zeit größter politischer 3errif senheit, wie sich aus den Debatten dieses Hauses ergibt. Gerade angesichts der Entscheidung, vor der wir stehen, die die bedeutungsvolste ist nach dem Frieden von Versailles, wird diese politische Zerrissenheit weder im Lande verstanden werden noch im Ausland. Borteile und Nachteile müssen in der Frage des Sachverständigengutachtens ruhig erwogen werden. Die Regierung hat sich bei diesen Berhandlungen leiten lassen von der Wahrung der deutschen Lebensintereffen und sie ist überzeugt, daß sie mit dem Weg, den sie gegangen ist, den einzig richtigen Weg gegangen ist, der zur Konsolidierung der deutschen und der europäschen Verhältnisse führt. Und wir fönnen nur hoffen, daß die Behandlung dieser Fragen erfolgt mit Sachlichkeit und Leidenschaftslosigkeit, aber nicht aus Parteirückfichten.( Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Schlange- Schöningen( Dnat.): Ich habe heute nach der Rede des Herrn Dr. Stresemann wieder Don neuem das Gefühl gehabt: Wenn Deutschland durch Reden gerettet werden könnte, wäre es schon lange gerettet.( Unruhe bei den Regierungsparteien). Man hat sich andrerseits des Gefühls nicht ermehren fönnen, daß, wie mir so oft an ihm bemerkt haben, daß das, was er sagte, getragen war von den ungeheuerlichsten Illusionen, getragen von dem ungeheuerlichsten Optimismus, aber legten Endes nichts weiter war als eine flingende Schelle, der nachher der Erfolg verjagt war( Stürmische Heiterkeit). Abg. Dr. Breitscheid( Soz.): Sofort bei seinen ersten Worten wurde er von unausgesetzten zwischenrufen der Deutsch nationalen und und Deutschböltischen unterbrochen; diese Zwischenrufe steigerten sich dann zu einer gemeinsamen Berhinderung des Redners am Weitersprechen. Minutenlang brabbelten die Nationalisten wie der Bolfschor auf der Bühne Rhabarber, Rhabarber", bis nach andauerndem Läuten des Präsidenten der Unfug eingestellt wurde und die meisten Rhabarberleute, begleitet von fennzeichnenden Zurufen der Linken, den Saal mit dem Restaurant vertauschten. Genosse Breitscheid führte aus: Von dem Kronprinzen der deuschnationalen Fraktion hatten wir erwartet, daß er die großen hochpolitischen Gesichtspunkte in die Was wir von ihm gehört haben, Debatte hineinbringen werde. waren einmal Redeblüten, die allerdings zur Bereicherung des Inventars an Reichstagsredeblüten beitragen und zum anderen war seiner Weisheit letzter Schluß die Verkündigung: Wir müssen eine Politik treiben, die dem Ausland klar macht, daß, wenn es seine Unterdrüdungspolitik fortsett, es in Deutschland zu Berzweif Iungsausbrüchen fommen fönne. Was aber dann? Was nach diesen Verzweiflungsausbrüchen? Wie, wenn sich das Ausland macht um solche Ausbrüche fümmert und auch nicht fümmert um die deutschnationalen Lehren? Wenn das alles ist, was die Deutschnationalen und ihr Herr Schlange in dieser Situation vorzuschlagen haben, so bestätigt der Eindruck dieser Rede nur jenen Satz des Alten Testaments: Seid flug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben."( Große Heiterkeit.) Der Borredner hat dann die Vorgänge der letzten Wochen aufgerollt. Ich halte es nicht für zweckmäßig, in alle Einzelheiten hineinzusteigen. Von den Regierungsfrisen, die wir erlett haben, war das sicherlich die grotestefte und gleichzeitig die tragischeste. Wenn Abg. Schlange sagte, die Deutschnationalen tämpften um ihren Eintritt in die Regierung, sie wollten sich nicht hineinbetteln und hineindrängen, so ist das wahrscheinlich das Zu Die Mädel stießen sich an-ficherten heimlich und zwinkerten mit der Frau, die ihnen mit widerlich- triumphierendem Lächeln zunidte: Wie lange noch- und die Grete ist unsere Kollegin". Parteilose Politiker. Bon Hans Bauer. Manche Menschen müssen von Berufs wegen auch dort Politiker sein, wo sie es ganz gern einmal nicht wären, und manche andere wieder dürfen es von Berufs megen auch dort nicht sein, wo sie ganz gern einmal ein paar Worte riskierten. Zu der letzteren Menschenflaffe gehören die Geschäftsleute, insbesondere die Friseure und die Künstler, Burzum jenen Menschen, bei denen die Preisgabe ihrer politischen Meinung das Wohlwollen jenes Teiles ihres Bublifums Der Bursche rätelte sich zum Fenster, riß es auf und warf eine oder ihrer Kundschaft verscherzen Bönnte, auf den sie immerhin an " Gold" münze in den Hof. Eine Tür, die wohl in die Stube führte, wurde von innen auf. geriffen, zwei Mädel schoben sich hindurch. Zwei verschlafene, noch Dom Nacht, dienst" geschminkte, hübsche, aber schlaffe Gesichter staun ten mich an. " Shimmy!" schrien auch sie. Der Bursche schob sich ihnen entgegen. Blieb breitbeinig vor ihnen stehen. Wat wollt ihr in de Riche? Hia is unfa Revier. Shimmy schieben fost Jeld!" Die Mädchen lachten übermütig. Holten aus den Taschen ihrer grellbunten Bijamas, Jeld" und gaben es dem Burschen. Aber nicht, ohne ihn zu reizen: ,, Seit wann bist du denn hier Tanzmeester?" Der Bursche ignorierte diese Bemerkung. Er zählte das„ Jeld", das ihm die Mädchen gegeben. Blizschnell ließ er einen Schein ver. schwinden dann schob er sich zum zweitenmal zum Fenster und warf das zuvor eingewickelte Papiergeld in den Hof: unter. Jetzt spielste Shimmy, solange de Atem haft!" schrie er hin Ich war vollkommen vergessen. Der Leiermann spielte. Und der Junge war nicht mehr träge. Seine Hände, seine Füße arbeeteten". Die Frau am Herd schob den Kessel vom Feuer riß das Kind, das die leichtsinnige, junge Mutter von der Brust weg auf den Tisch dicht neben dem Messer des Liebsten gelegt hatte, an sich und berzte es im Taft der„ Mufit“. " Und durch den feuchten, scharfen Dunst, ungeniert von der Enge des Raumes, lachten und blißten die Augen. Bergessen war Not und Elend vergeffen Jammer und Schande Shimmy!" gewiesen sind. Stramme Geschäftsleute und geschäftstüchtige Künstler find diesetwegen politisch objektiv. Beispielsweise die Verwandlungsschauspieler im Varieté. Der mastiert sich als Bismard, Hindenburg, Wilhelm I., Fried rich der Große. Beinahe hätt' ichs vergessen: auch als Bebel und Gerhart Hauptmann. Das heißt man neutral sein, was? Das ist indifferent, nicht? Auf vier Soldaten: zwei Menschen! Da foll einmal einer tommen und Töne reden von Boreingenommenheit! Oder Dr. Lahmanns Gesundheitsstiefel zum Beispiel. Der hat ein Preisausschreiben veranstaltet. Es galt, zehn Köpfe zu erraten. Ein politischer Fanatiker hätte nun, immer feste druff!, Ludendorff, Bulle, Graefe, Hergt erraten lassen. Wie, hingegen, heißen die Auserwählten des zu feiner Partei gehörenden Geschäftsmannes? Nun ja: Hindenburg, Cuno, Bismard, Stinnes: aber, bitte sehr, auch Ebert, Hauptmann, Rathenau. Wenn ich so etwas höre und lese, muß ich immer an meinen Friseur denken. Als fich ain Sonntag der Reichstagswahl einem politischen Gespräch beim besten Willen nicht aus dem Wege gehen ließ, flüchtete er vor einer fonkreten Meinung in die fernigen Worte, er fei fein Parteimensch mit engem Horizont. Er habe sich offenc Blick und cffenes Herz bewahrt, halte überhaupt nichts von den Barteien und trete nur für das Recht ein und für die Wahrheit. Ich drückte ihm mannhaft die Hand. Er sagte:„ So find Sie also auch gegen die verdammte Judenrepublit" und schlug in sie ein. Seitdem ist mir der grünfte Hitlerbengel immer noch lieber als ein Parteiloser. Das Deutsche Opernhaus erhöht mit Beginn der Spielzeit 1924/25 die Zahl der Stammfigpläge. Der 12. Deutsche Esperanto- Kongreß findet vom 7.- 10. Juni während der Pfingstfeiertage in Plauen i. B. statt. Für den dritten Pfingstfeiertag ist eine gemeinsame Fahrt nach Bad Eliter vorgesehen, wo den bereitet wird. Grete Fürbringer bog ihren findhaften Körper unter dem bru Songreßteilnehmern von der Kurverwaltung ein besonderer Empfang talen Griff ihres Liebsten und jauchzte ihm zu. funftsprogramm des Abg. Schlange. Denn in den letzten Wochen und Tagen hatten wir einen anderen Eindrud von der Politik der Deutschnationalen. So oft haben sie die Tür frachend zugeschlagen, um nach ein paar Minuten leise flopfend wiederzukommen und die Tür vorsichtig öffnend und versuchend, ob nicht doch ein fleines Geschäft zu machen sei. Wie oft wurden die Verhandlungen abgebrochen. Im deutschnationalen Sprachgebrauch hat das Wort„ definitiv" offenbar die Bedeutung für 10 minuten".( Heiterfeit lints.) Diese Regierungsfrise fönnte Seiterfeit erweden, wenn sie nicht in eine Situation gefallen wäre, die so ernst und so tief bedeutsam für das Schicksal des Deutschen Reiches ist. Diese Verhandlungen der letzten Wochen haben nicht dazu beigetragen, das deutsche Ansehen zu erhöhen. ( Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Nun erheben die Deutschnationalen als stärkste Fraktion den Anspruch, daß sie zur Regierungsbildung oder zum mindesten zur Mitregierung berufen sind. Das ist eine ganz neue Auffassung des parlamentarischen Systems. Zunächst find Sie die stärkste Frattion nur mit agrarischen und Maregty schen Hilfsaufbauten. Herr Schlange fragte, was wir gefagt hätten, wenn wir als stärkste Frattion nicht zur Regierungsbildung berufen worden wären. Wir sind im ganzen letzten Reichstag die ftärkste Frattion gewesen, haben aber nicht immer in der Regierung gesessen und haben während der letzten Reichstagsfeffion auch nie. mals den Reichskanzler gestellt. Wir haben uns auch nie mit dem Efer um Regierungsstellen bemüht wie jetzt die Deutschnationalen. Es tommt nicht auf die Stärke der eigenen Farktion, sondern auf die Bildung einer Mehrheit an, und zwar einer Mehrheit für eine bestimmte Politit, und das ist nicht möglich gewesen mit den Deutschnationalen. Bestarp und Graefe haben von der großen Weltenwende bei den Wahlen am 4. Mai gesprochen. Nun, die Sozialdemokratie hat am 4. Mai über 6 Millionen Stimmen, die Deutschnationalen haben 5,7 Millionen, die Deutschvölkischen mit der Weltenwende nicht einmal 2 Mil lionen erhalten. Aber die Wahlen haben eine große Mehrheit der Stimmenzahl für diejenigen ergeben, die angesichts unserer außenpolitischen Lage nicht das machen wollen, was die Deutschnationalen und Deutschvölkischen uns vorzuschreiben geneigt sind. Wo hat die Weltenmende fich ausgedrückt, in welchen Ziffern, gegenüber der für den Augenblid entscheidenden Frage? Herr Westarp, der jetzt eine Regierung von den Deutschnationalen bis zum Zentrum fordert, hat noch am 15. November 1923 in Tempelhof eine deufschnationale Diffatur, die sich auf die fogenannten vaterländischen Organisationen stützt, als sein Programm aufgestellt. Wenn man die Macht im Parlament besigt, hat man nichts gegen den Barlamentarismus einzuwenden; wenn man aber durch die Mittel des Parlamentarismus einstweilen von Ministersigen fern gehalten ist, dann zetert man über den Parlamentarismus, der so hinderlich sei für die Machtausdehnung und Machtausübung, wie mian wünscht. 8met Tatsachen sind für unsere Stellung entscheidend: bas Gut. achten der Sachverständigen und der Ausfall der fran. zösischen Wahlen. Das Gutachten muß so schnell als möglich angenommen werden ohne Reserve und von Leuten, zu denen man das Vertrauen hat, daß sie nicht nur aus tattischen Gründen ein Lügenbekenntnis zu dieser Politik abgeben. Es ist davon gesprochen worden, ob es der Würde des deutschen Volkes entspricht, wenn man sich bei der Zusammensetzung der deutschen Regierung nach den Be stimmungen des Auslandes richtet. Ich schweige in diesem Zufammenhang von den Bersuchen der Deutschnationalen in Frankreich.( 3uruf rechts: Das find ja Märchen!) Fragen Sie Ihren Freund Herrn v. Müller, Mitglied der Deutschnationalen Partei, nach seinen Reifeerfahrungen in Paris und Frankreich. Aber Sie haben ja selbst gesagt, daß Sie Informationen befäßen über die Randidatur des Herrn v. Tirpig aus dem Auslande. Sie haben sich selbst über die Kandidatur Tirpit vergewissert. Ich sage Ihnen: die Nachricht, daß die Deutschnationalen in die Regierung eintreten würden, hat Freude und Zufriedenheit im Ausland her. porgerufen, nämlich bei allen Nationalisten, bei allen Kriegshegern. Das ist das Ausland, dem Ihre Regierungs. beteiligung außerordentlich genehm sein würde. Denn es gibt ja nichts Internationaleres als den Nationalismus. Nichts, was sich gegenseitig mehr fördert als die Nationalisten aller Länder. Dori würden Sie die Unterstüßung finden für jede deutschnationale Regierung, und wenn Herr v. Tirpitz oder Herr Laverenz Reichskanzler würde. Darüber aber würde natürlich das Gutachten der Sachver. ständigen zu Fall fommen. Durch das Gutachten wird auch unsere Haltung zur gegen wärtigen Regierung beffimmt. Der gute Ton. Ein deutsch- nationales Bekenntnis. Im Lofalanzeiger" beginnt die Betrachtung über die gestrige Aussprache im Reichstag mit folgender Feststellung: ,, Man fann gegen Sie gestrige Reichstagssigung allerhand einon im Hause auch außerhalb der kommunistischen Fraftion in zuwenden haben, worunter nicht das Letzte sein würde, daß der Ton einer äußerst beflagenswerten Weise noch unter das Niveau des vorigen Reichstags gesunken ist." Gesprochen haben in der gestrigen Reichstagssigung außer den Kommunisten unser Genosse Löbe, der Deutschnationale Graf West arp, der Deutschsoziale Abg. Kunze, die Nationalsozialisten Graefe und Henning, weiter Abg. Scholz für die Mittelparteien, Abg. Leicht für die Bayerische Volkspartei und Reichskanzler Dr. Marr. Die Rede des Genossen Löbe ist nach dem einstimmigen Urteil der Mittelparteien das Ereignis des Tages gewefen. Sie stand weit über dem Durchschnittsniveau des Hauses, und selbst die Gegner der Sozialdemokratie wagen nicht, die Ausführungen Löbes anzugreifen. Daß die Redner der Mittelparteien oder der Reichskanzler der Würde des Hauses etwas vergeben haben, fann nicht behauptet werden und wird auch nirgends behauptet. Es bleiben also nur die Deutschnationalen, Nationalsozialisten und die Deutschsozialen. hier fiel es allerdings allgemein auf, daß man nicht nur durch Mangel an Sachlichkeit und durch flachste Demagogie, sondern auch durch unparlamentarisches Benehmen mit den kom munisten wetteiferte. Wenn sich also der deutschnationale of alanzeiger" über den Ton im Haufe" beklagt, wenn er fonstatiert, daß das Niveau des jezigen Reichstages unter dem des vorigen steht, so versetzt er damit seinen eigenen Freunden eine fchallende Ohrfeige. Einheitsfront des Unsinns. Eine Neugründung im Reichstag. Der deutschnationale Abg. Schlange Schöningen begann seine heutige Rede im Reichstag mit dem klassischen Ausspruch, die Rede Stresemanns sei eine flingende Schelle, der im Endeffekt der Erfolg versagt bleiben werde. Man weiß im Reichstag nicht, ob Stresemann infolge dieser flingenden Maul schelle die Sprache verloren hat, ist aber allgemein zu der Ansicht gelangt, daß der Reichstag an seinem Bufen eine Schlange nährt, zu deren Handwerk das Klappern gehört. Im übrigen geht das Gerücht, daß Schlange, der Mann mit der flingenden Schelle, beabsichtigt, mit einem gewissen Mumm und einem gewissen Höllein in der Wandelhalle des Reichstags ein Rabarett Bur heiligen Dreieinfältigkeit" aufzumachen. Mumm will einen Hundeschwanz vorführen, dem das Lebenslicht Rind, das sich im Sande verlaufen hat. Das Projekt soll in allen stückweise ausgeblasen worden ist, und Höllein ein tot geborenes Parteifreifen auf große Sympathien stoßen. Man ist allgemein be. reit, sich im Hinblick auf die kommenden heißen Tage an der Einheitsfront des Unfinns zu beteiligen und gibt sich der Hoffnung hin, auf diese Weife alle parlamentarischen Schwierigtelten in Zu funft spielend zu lösen. Der Westarp- Schwindel. London, 6. Juni.( BTB.)„ Times" weist an hand von Aeuße Premierminister falsch zitiert habe. Denn Macdonald habe am rungen Macdonalds nach, daß Graf Bestarp den britischen 15. April im Unterhaus gesagt, es werde im Bericht des 1. Sachver ständigenausschusses deutlich erklärt, daß der Bericht ein unteilbares Ganzes fei. Die britische Regierung sei bereit, ihrerseits den Plan in seiner Gesamtheit zu unterstützen. In seiner Rede in Yort am 30. April habe Macdonald erklärt, daß der Sachverständigenbericht als ein Ganzes betrachtet werden müsse. Die französische Regierungskrise. Paris, 6. Juni.( WTB.) Die Agentur Havas schreibt über den mutmaßlichen weiteren Verlauf der Krise: Wenn es zu feinem unvorhergesehenen Zwischenfall komme, werde die heufige Sihung werden. Dann würde die Kammer nach dem Beispiel des Senats fich der Kammer durch die Nachprüfung der Wahlergebnisse ausgefüllt auf Dienstag vertagen und bis dahin werde das kabinett, das miller and zu bilden beabsichtige, in der Lage sein, sich dem Es werde dann in der Kammer eine Debatte stattfinden, in der die Parlament vorzustellen und die ministerielle Erklärung zu verlesen. Gruppen der Linken Gelegenheit haben dürften, entweder direkt oder indirekt sich über die Präsidentenfrage auszusprechen. Wenn das neue Kabinett in die Minderheit verfetzt werde, werde der Präsident der Republik aus der Kammerabstimmung die gebotenen Konsequenzen ziehen. Der japanisch- amerikanische Konflikt. London, 6. Juni.( WTB.)„ Daily Mail" meldet aus Kobe, daß wei weitere Japaner als Proteft gegen das ameritanische Einwanderungsgesetz Selbstmord begangen haben. Die Erregung in ganz Japan nehme zweifellos zu. An verschiedenen Orten feien Vereinigungen zum Bontott ber amerikanischen Maren gebildet worden, und zahlreiche Raufläden in Lokio trügen Schilder, die besagten, daß feine amerikanischen Waren verkauft werden. Einige Aerzte in Lotio teilen mit, daß fie es ablehnen, amerikanische Patienten zu behandeln. Beunruhigende Briefe feien Maßnahmen, um der Lage zu begegnen. 19 Zeitungen in Ofata und an amerikanische Missionare gesandt worden. Die Behörden erwägen Tokio haben eine Erklärung veröffentlicht, daß die vom Kongres in Washington angenommene, gegen Japan gerichtete Gesetzgebung stehe, sondern auch die traditionelle Freundschaft zwischen beiden nicht nur in Widerspruch mit der Gerechtigkeit und Menschichteit Ländern unberücksichtigt laffe. Die Blätter ersuchen die ameri. nische Regierung und das amerikanische Bolt, die Gesamtfrage neu zu erwägen. Abreise des amerikanischen Botschafters. London, 6. Mai.( WTB.) Nach Blättermeldungen aus Tokio ist der amerikanische Botschafter in Tofio Wood, der betanntlich seine Demisfision gegeben hat, gestern nach Washington abgereist. Großfeuer in den Bergmannwerken. Das Imprägnierungshaus ausgebrannt. In den Bergmann- Werfen in der Liebenwalder Straße, die erft| unlängst von einem schweren Schadenfeuer heimgesucht worden waren, entstand heute früh furz vor Arbeitsbeginn ein großes Feuer in dem Block, in dem die Isolierrohre imprägniert werden. Das Feuer, das durch einen Kurzschluß in einem Exhaustor entftand, verbreitete sich in wenigen Minuten durch zwei Stockwerte des gewaltigen Gebäudes und nur dem glücklichen Umstand, daß Die Arbeiter und Arbeiterinnen sich noch nicht in den Arbeitssälen befanden, ist es zu danken, daß nicht zahlreiche Personen den Tod in den Flammen gefunden haben. Ueber den Brand selbst erfahren mir folgende Einzelheiten: Auf dem Grundstüd der Bergmann- Werke, das sich zwischen der Malplaquet, See, Dudenarder, Hennigsdorfer und Lieben. bem mächtigen Block Feuer aus, in dem die Isolierrohre imprägniert walder Straße hinzieht, brach im westlichen Leile des Geländes in und lackiert werden. In der 3. und 4. Etage dieses Fabrifhauses befinden sich mächtige, durch beide Stodwerte emporstrebende Reffel, in denen die Schuhrohre in einer Mischung von Teer, Led und Asphalt Wetterbeständigkeit erhalten. Die zur Im Zur Sicherheit fei noch einmal ausdrüdlich davor gewarnt, sich einem prägnierung der Rohre dienende Flüssigkeit besigt an fich einen fpeIrrglauben über unsere Haltung hinzugeben. Wenn wir einer Tages gififch hohen Brennpunkt, ist aber durch den Zufaß von Teer usw. ordnung zustimmen, die die Stellung der Regierung in der Frage body in hohem Maße feuergefährlich. Die Isolierrohre, der Gutachten stärkt, sind wir weit davon entfernt, der Re- die aus einer Art Pappe bestehen, werden in die Reffel hineingierung Marg eine Blantovollmacht zu geben und ein allge, getaucht und dann gleich daneben zum Trocknen auf lange Holzmeines Bertrauen auszusprechen. Wie wir zu der Regierung Marg regale gebreitet, bevor sie in einer anderen Abteilung dann mit einer dünnen Messinghülle umgeben werden. Heute morgen um 6 Uhr stehen, haben wir zum Ausdrud gebracht bei der Auflösung des 45 Minuten betraten, wie gewöhnlich, die Meister die in der 3. und Reichstages. Der Regierung Mary wird diese Stellung heute wohl 4. Etage gelegenen Säle, um vorschriftsmäßig eine Viertelstunde noch vollständig bewußt sein. Es sind die alten Personen wieder lang die mächtigen Entlüfter spielen zu laffen, die die während gekommen und auch Herr Jarres. Und Herr Jarres gehört zu den der Nacht fich ansammelnden Teergase und Bersonen, zu denen unser Vertrauen mehr als gering ift. Und wenn Dämpfe ins Freie befördern. In dem Augenblid, wir in diesem Augenblid uns trotzdem auf den Standpunkt stellen, in dem ein Meister den an der Decke des Saales befindlichen großen durch unser Botum den Bestand der Regierung nicht unmöglich zu Ventilator einschaltete, entstand aus einer noch nicht aufgeklärten machen, so, weil wir so viel politisches Berantwortungsgefühl be. Ursache Kurzschluß in dem Motor. Die Anterwicklung stand sofort fizen, um damit nicht gleichzeitig das Gutachten zu Fall zu bringen. Maffe in weißglühendem Zustande in einen der großen Teer. in hellen Flammen und wenige Gefunden später flog die brennende Wir stimmen dem Gutachten zu, weil seine Annahme in der bottiche, der sich sofort entzündete. Den Meistern gelang es gerade Richtung der auswärtigen Bolitit liegt, die wir seit Jahren ver. noch, zu flüchten und die Eisentüren nach den Treppenfluren zu treten, in der Richtung jener Erfüllungspolitit, die wir eine Beschließen, als sich die Arbeitsfäle auch schon mit einem unfreiungspolitik genannt haben. In der praktischen Durchführung durch dringlichen äßenden Qualm anfüllten. wird der Rampf beginnen, den wir zu führen haben, auch mit dieser Regierung, wenn es sich um die innere Finanzierung der Durch führung der Gutachten handelt, der Kampf darüber, wer die Basten zu tragen hat. Der Reichskanzler hat von einer sozialgerechten Ber teilung der Lasten gesprochen. Das Wort nehmen wir auf. Wir werden nach Maßgabe der Kräfte mit und gegen die Regierung die gerechte Verteilung der Lasten zur Durchführung zu bringen suchen. Was wir jetzt an Rhein und Ruhr haben, sind schlimmere Verhältnisse als in einer Kolonie. Wenn wir die Möglichkeit haben, den Druck von Rhein und Ruhr zu nehmen, wenn wir die Möglichkeit haben, diese Gebiete zu befreien, dann müssen wir die Gut ochten annehmen. Herr v. Graefe hat auf das russische Beispiel von 1812 verwiesen. Berlin will Herr v. Graefe opfern. Wie wäre es, wenn das Rittergut Goldebee in Medlenburg ebenfalls geopfert und verbrannt würde? Aber wir verlangen weder das eine noch das andere. Es gibt eine andere Gelegenheit, Opfer zu bringen, die nicht so pathetisch aussicht. Das Opfer, das darin besteht, daß der Besitz nach Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit zur Durchführung der Gutachten beiträgt. ( Schluß in der Morgenausgabe.) In der allgemeinen Berwirrung, die erklärlicherweise entstand, fette man zunächst nicht die überall vorhandenen Hydranten in Tätigkeit. Passanten bemerkten dagegen an der großen Qualmentwidtung und an dem Getöse, mit dem die Fensterscheiben barsten, den Brand und benachrichtigten die nahegelegene Feuerwache 24 am Schillerpart, die bei ihrem Eintreffen sofort die Meldung Großfeuer weitergab. In etwa 15 Minuten waren 6 meitere Löschzüge zur Stelle und Baurat Hammer, der die Löscharbeiten leitete, ließ sechs der stärksten Zuleitungen in das Fabrikgebäude hineinführen, um dem Riesenbrand zu Leibe zu gehen. Die Feuerwehrsah sich zunächst vor eine fast unüberwindliche waltig, daß die Löschmannschaften selbst mit Rauchhelmen nicht über Aufgabe geftellt. Die Entwicklung des Teerqualm war fo gedie von einem schwarzen Mebel erfüllten Treppenfluren vordringen fonnten. So mußte man von außen über die eisernen Rettungsleitern bis zum Dachstuhl emporsteigen, eine lebensgefährliche Arbeit, da die Flammen meterweis aus den Fenstern herausschlugen, deren Glas unter der Hize zerschmolz. Bon unten fraßen fich die Fammen dann bis zum Dachstuhl empor. der zum Teil vertohlte und einbrech. Erst nach zweistündigem Waffergeben gelang es, wenigstens die Nachbargebäude vor einem Uebergreifen des Flammenmeeres zu schüßen und als die Teertessel qusgebrannt waren, bonnte man daran denten, auch im Innern des Gebäudes die notwendigen Lösch- und Aufräumungsarbeiten vorzunehmen. Die Mauern des Blodes haben durch die riesige Hige fehr start gelitten. Der Puz ist zum Teil herabgestürzt und an vielen Stellen zeigen sich längere Risse. Erst geçen 10 Uhr fonnten 5 Löschzuge abrücken, doch bedurfte es noch stunderlanger, intensiver Arbeit, die hier und da auflodernden fleineren Brände zu ersticken. Der Sachschaden, der durch Versicherung gebedt ift sehr erheblich sein. = Wie uns von der Direktion der Bergmann Elettri 8itätsmerte mitgeteilt wird, foll das Feuer, gemessen en fchaft wurde lediglich die zweite Etage gezogen, wo papierne Isolieranderen Fabritbränden, nur ein fleines gewesen sein. In Mitleidenrohre lagern. Seit 32 Jahren hat es hier zum ersten Mal gebrannt. Einrichtungsgegenstände und Materialien sind nur teilweise zerstört, so daß mit einer Betriebsstillegung nicht zu rechnen ist. Wie die Direktion weiter mitteilt, war die Gewalt des Feuers bereits in der achten Morgenstunde gebrochen. Verklagt, weil- zuviel Miete gezahlt! Im Mietnotrecht kommen die tollsten Dinge vor. Eelbst beim ollen ehrlichen Ben Atiba dürfte es noch nicht dagewesen sein, daß Mieter von ihrem Hauswirt verklagt wurden, weil sie mehr Miete zahlten als der Hauswirt haben wollte. Dieses Kunststüd hat der Hausbesizer W. in der Wohlgemuthstraße in Baumschulenweg fertig gebracht. Bor zwei Jahren war ein Bergleich geschlossen worden, daß jeder Mieter sein eigenes Treppenstüd reinige und da ür ein Drittel von den Verwaltungsfoften weniger zahle. Wegen Einfüh rung der Godmiete wollten die Mieter in Uebereinstimmung mit dem Reichsmietengesetz und mit gerichtlichen Entscheidungen die Verpflichtung zur Hausreinigung wieder dem Hauswirtauferlegen. Der Hauswirt nahm aber am 1. Mai einen Zahlungsbefehl auf Zahlung der Miete abzüglich von ein paar die volle gesetzliche Miete nicht an und schickte sämtlichen Mietern Pfennigen Verwaltungskosten. Bedauernswertes Gericht, das sich mit solchen Dingen beschäftigen muß! Zunächst hat gestern das Miet. einigungsamt beschlossen, daß die volle gefeßliche Miete zu zahlen und die Berpflichtung der Mieter zur Treppenreinigung erloschen ist. Ueberfallen und beraubt wurde am Donnerstag nachmittag ein Laufbursche Paul Raaz aus der Fehrbelliner Straße, der für eine Firma in Weißenfee bei mehreren Kunden 225 Goldmart eingezogen hatte. In der Charlettenburger Straße zu Weißensee Sprachen ihn gegen 5% Uhr drei unbekannte Männer an und nahmen ihn in die Mitte. Einer von ihnen entriß ihm die Tasche mit dem Gelde, schwang sich auf ein Fahrrad mit gelbem Rahmen und fuhr mit der Beute in der Richtung nach der Gustav- AdolfStraße zu davon. Die beiden anderen hielten ihn noch fest, um eine Berfolgung zu verhindern, ergriffen dann auch die Flucht und entfamen ebenfalls. Zum Reichsbeamtentag am 16. und 17. d. M. werden einige Quartiere benötigt. Die parteigenössischen Beamten, die in der andere Barteigenoffen werden um Angabe ihrer Adresse bei der Lage find, einen Kollegen für die Zeit zu beherbergen, aber auch Bamtenzentrale, Hermann Wäger, Lindenstr. 3, gebeten. Die Vorwärts"-Ausgabestelle in Weißenfee ist von Sedan straße 88 verlegt nach Langhans str. 2, Laden. 97 Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Kinderschänder. Weitere Verfahren wegen Sifflichkeitsvergehen in Potsdam. Seit einiger Zeit häufen sich vor den Potsdamer Gerichten die Anflagen wegen verschiedener Sittlichkeitsdelifte in erschreckendem Maße. Unter dem Borsiz des Landgerichtsrats Hartung fanden gestern vor dem Potsdamer Schöffengericht wieder zwei Berhandlungen statt, die allen Eltern zur Warnung dienen follten. Angeklagt waren der 40jährige Kaufmann Walter Siegfried und der 20jährige Schmied Erich Betras, beide aus Potsdam, wegen Sittlichkeitsverbrechens aus§ 176 Absatz 3 StGB. Siegfried hatte in geradezu infamer Weise das Vertrauen einer ihm befreundeten Famille mißbraucht. Während er finderlos verheiratet war, schlossen sich ihm die 11. und 12jährigen Halbwaisen, ein Knabe und ein Mädchen, der befreundeten Familie an. Sie nannten ihn Onkel, besuchten ihn, machten Ausflüge mit ihm, wurden von. ihm mit Näschereien überschüttet. So ging das drei Jahre lang zwischen Apfelsinen, Bonbons und Schokolade. Die Mutter, anstatt sich Gedanken zu machen, fand nichts dabei, ebenso die eigene Frau. In diefen drei Jahren hat S. mit den Kindern ein geheimes Dreiedleben geführt, wie es auch nicht nur andeutungsweise wiedergegeben werden kann. Systematisch hat er die Geschwister in raffiniertester Weise verdorben. Der als Sachverständige geladene Psychiater Dr. Magnus Hirschfeld Berlin führte in feinem Gutachten aus, daß der Angeflagte für seine franthaften Neigungen die günstigste Gelegenheit gehabt habe. Seine Hemmungen haben den Darbietungen nicht widerstehen können. Der Angeklagte wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der zweite Ange. lagte fah in Botsdam bei einem Eisfest auf dem Heiligensee nach Sintritt der Dunkelheit zwei Schülerinnen sich herumtummeln. Er erbot sich zum Abschnallen der Schlittschuhe, und bei dieser GeTegenheit verging er sich an den Kindern, trotzdem er erst drei Tage vorher eine Strafe wegen einer ähnlichen Sache verbüßt hatte. Am Tage darauf wurde- ein 10jähriger Quartaner im Bart von Sansfouci an einer abgelegenen Stelle das Opfer seiner Neigungen. Das Bericht verurteilte Petras zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. Der„ Sumpf" in Mörs. Eine plögliche Revision des Schlachthofes in Mörs in der heinproving hat Zustände ergeben, die jeder Beschreibung spotten ind nicht unähnlich jenen sind, wie sie Upton Sinclair in seinem berühmten Roman" Der Sumpf" über die Chicagoer Schlachthäuser beschrieben hat. Der Keffel, in dem die geschlachteten Schweine abgebrüht werden, war mehrere Tage lang mit altem Waffer ge füllt, das einen efelhaften Geruch verbreitete, trotzdem war die Gasheizung wieder in Betrieb gefeht, um das Wasser zum neuen lbbrühen bereit zu machen. Die Temperatur im Kühlhaus war +6 Grad Celsius, während sie+ 2 Grad Celsius sein muß. In dem Rühlhaus war ein geschlachtetes Pferd, welches vollständig verdorben war, ebenso Schweinefleisch und ein großer Posten Rinderfett, der mit Maden vollständig durchsetzt war. Eine Anzahl Schinten waren von Ratten bis auf die Knochen auf gefreffen. Der Bevölkerung von Mörs war schon lange befannt, daß die Verhältnisse auf dem Schlachthofe nicht ganz in Ordnung waren; deshalb ist auch die plötzliche Revision vorgenommen worden. Gewerkschaftsbewegung Der Personalabbau bei der Reichsbahn. Ueber den Umfang des Personalabbaues bei der Eisenbahn. verwaltung erfährt die Eca, daß von 426 000 Beamten 88 336 Beamie ausgeschieden sind. 30 252 traten zur Regie über, so daß sich gegenwärtig noch 307 318 Beamte im Dienste der Eisenbahn befinden. Von 580 000 Eisenbahnarbeitern find 187 000 entlassen, so daß sich noch 396 000 Arbeiter im Dienste der Reichsbahn befinden. Betriebsratswahlen im AEG.- Konzern. Bekanntlich steht der AEG.- Konzern von allen Berliner GroßUnternehmungen, bezüglich der gewerkschaftlichen und politischen Organisation der Arbeitnehmer, an erster Stelle. Bei allen Bewegungen, die von den freigewerkschaftlichen Arbeitnehmerorganisationen oder von der VSPD.- Fraktion geleitet wurden, haben sich die Arbeitnehmer des AEG.- Rongerns als bestdisziplinierte Mannschaften erwiesen. Es dann deshalb nicht uninteressant sein, Einblick zu ge winnen in das zahlenmäßige Ergebnis der Betriebsratswahlen für das Geschäftsjahr 1924/25, nachdem nunmehr auch die Wahlen zum Gesamtbetriebsrat des AEG.- Konzerns abgeschloffen sind. Borausgeschickt set, daß die VSPD.- Arbeitnehmerschaft( Arbeiter fowohl als Angestellte) Listen aufgestellt hat, welche nur freigemert fchaftlich organisierte Kandidaten aufwiesen, während die Kommu nisten bei den Arbeiterlisten alle mögliche Parteien und vor allen Dingen Unorganisierte benötigten, um überhaupt vollzählige Randidatenlisten für die Wahlen beschaffen zu können. Das Ergebnis für die Arbeiter zu den Betriebsratswahlen war wie folgt: VSPD. Usp. 60 1 KPD. 72 Chrifti. 1 Bet ben Angestellten ist das Bild noch intereffanter: AFA. G. d. A. Gedag 54 2 6 Der nach den Flugblättern des Gebag ,, gänzlich tote AfA- Bund" hat also es fertig gebracht, in seinem Lodestampf" eine neunmal größere Stimmenzahl aufzubringen, als der Hafenkreuz- Verband mit bem nach einem Ausspruch eines seiner Bertreter angeblich die neue Belt marschiert!". Selbst die Ehrenmitgliedschaft eines Ludendorff fonnte nicht verhindern, daß diese sogenannten„ nationalen" Arbeitnehmer von den„ Stehkragen- Proletariern" hinaustomplimentiert wurden. erkennen, was es auf sich hat, wenn politisch und gewerkschaftlich Das Resultat der Wahlen zum Gesamtbetriebsrat jedoch läßt Disziplinierte jede Vermischung mit anders Eingestellten oder gar Unorganisierten ablehnen. Die VSPD.- Lifte erhielt nämlich, trotzdem die Wahlen für die Betriebsräte der Kommunisten- Lifte einen Vorsprung von 12 Stimmen geschaffen hatten, nunmehr genau die Ein Beweis dafür, daß eine Anzahl kommunistischer Wähler zu ben gleiche Anzahl Stimmen wie die Kommunisten. Betriebsratswahlen zum Gesamtbetriebsrat die VSPD.- Liste wählte. Bei den Angestellten ergab die Wahl zunächst 7 von 8 Sthen für die AfA- Liste, während um den achten Siz das Los entfcheiden mußte, das auch diesen Siz noch der Afa- Lifte verschaffte, so daß im Gesamtbetriebsrat überhaupt fein Schwarzweißroter sitt. Diese Zahlen sollten auch diejenigen zum Nachdenken und zur Befinnung bringen, die auf Grund des kommunistischen und des wie immer damit verbundenen hafentreuzlerischen Trommeffeuers Achtung Teilnehmer am Bezirkstreffen! Chgeschirre und Bestede fub glaubten, an der BSPD. und der freigewerkschaftlichen Sache irre mitzubringen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 36. Abt. Freitag, ben 6. Juni, abbs. 7% Uhr: Funktionärstzung bet Busch, Sulfiter Str. 27. Elternbeiräte der Schulen Petersburger Str. 4, Sulfiter Str. 4, Eckertstraße und Straßmannstraße find besonders eingeladen. Jugendveranstaltungen. werden zu sollen. Rundgebung der Wiener Arbelterschaft. Gestern nachmittag fand ein Empfang der Delegierten bes Internationalen Bewertschaftsfongresses durch Bürgermeister Seiz im Rathause statt. Nachher begaben sich die Teilnehmer des Kongresses und die der Eretutive ber sozialistischen Arbeiterinternationale zum Baria. ment, wo der republikanische Schuzbund und die Wiener Arbeiterschaft in einem Massenaufgebot vorbeimarfierben. Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfall. Internationale Arbeiterinnenkonferenz. ( IGB.) Am Sonnabend, den 31. Mai, tagie im Gebäude der Defterreichischen Gewerkschaftskommission die vom JGB. einberufene internationale Arbeiterinnenkonferenz. Es waren vertreten die Landeszentralen von Belgien, England, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Deutschland und Desterreich durch 44 Delegierte. Den Borsiz führte als Vertreter des Internationalen Gewerkschaftsbundes Johann Sassenbach. Zur Präsidentin wurde Genossin Anna Boschef gewählt. Die Tagesordnung umfaßte folgenbe Punkte: 1. Auf welche Weise tönnen die Arbeiterinnen am besten ben Gewerkschaften zugeführt werden? 2. Die Stellung der gewerkschaftlichen Bandeszentralen zum Internationalen Arbeiterinnenbund. Die offizielle Referentin Miß Edith Macdonald, Ver treterin der englischen Gewerkschaffen, hofft, daß die Konferenz posi tive Vorschläge für eine Rampagne zugunsten des internationalen Busammenschlusses und des gewerkschaftlichen Ausbaues der Frauenorganisation machen werde. Sie erwartet von einer ständigen be ratenden Körperschaft stimulierende Wirkungen für die Arbeiterinnenbewegung der einzelnen Länder, erklärt sich jedoch gegen die feparatistische Organisationsform. Genossin Hanna( Deutschland) tritt für die deutsche Auffassung der Einheitsorganisation ein, hat aber nichts gegen die Abhaltung spezieller Arbeiterinnenkonferenzen. Nach einer ausführlichen Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: 9 „ Die internationale gewerkschaftliche Arbeiterinnentonferenz, zusammengesetzt aus Bertretern der gewerkschaftlichen Landes. zentralen und des Internationalen Arbeiterinnenbundes, die am 31. Mai 1924 in Wien tagt, nimmt Kenntnis von der Erklärung des Bureaus des Internationalen Gewerkschaftsbundes, daß dieses bereit ist, 1. Nach Bedarf eventuell vor dem Zweijahrestongreß des JGB. eine Arbeiterinnenfonferenz einzuberufen; 2. die Frage der Aufstellung eines Arbeiterinnenkomitees, das mit dem JGB. zusammenarbeiten soll, zu prüfen und dies. bezügliche Richtlinien auszuarbeiten; 3. die Anstellung einer besonderen Sekretärin für die Propaganda unter den Frauen späterhin in Erwägung zu ziehen. Die Delegierten der Arbeiterinnentonferenz nehmen die aus den einzelnen Ländern erstatteten Berichte zur Kenntnis und ver. sprechen, ihrer Organisation davon Mitteilung zu machen. Ste erflären es für ihre Pflicht, fich in ihrem Lande eifrigft für die Agitation unter den Arbeiterinnen einzusehen." Genoffin Boschet tonstatierte zum Schluß mit Befriedigung, daß fleine Mißverständnisse beseitigt wurden und sich alle Kongreßteilnehmer im Prinzip für die einbeltliche Organisation beider Geschlechter aussprachen. Ueber die Hauptfrage, die die Konferenz beschäftigt hat, werden sich die Länder selbst an Hand der Resolution auszusprechen haben. Sassenbach versprach die Unterftüßung des JGB. bezüglich der gemachten Borschläge. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebz. Entorn: Feuilleton: Dr. John Schitowski, Lokales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. 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