Nr. 267 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 137 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit“ mit..Gied. lung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille gelle 0,70 Goldmart, Reklamegeile 1.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 0,20 Gold. mart( auläffig awei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Mort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Heute nachmittag war man in der Kammer allgemein der Ansicht, der Todeskampf Millerands würde nur noch 12 Stunden dauern, nachdem ihm sein extra aus Algier herbeigerufener Freund Steeg einen Korb erteilt hatte. Dieser galt als feine letzte Hoffnung für die Bildung eines kabinetts, betehend aus Abtrünnigen der Linken. Es wurden bereits Borbereitungen für die Abhaltung des Kongreffes, d. h. der gemeinfamen Plenarversammlung beider Kammern in Bersailles am tommenden Dienstag für die Neuwahl des Präsidenten der Republik getroffen. Am Spätabend hat sich jedoch das Blattgewendet: Endlich ist es der sprichwörtlichen Hartnädigkeit Millerands gelungen, einen Freund zu finden, der das undankbare Gefchäft übernommen hat, fich für eine verfahrene Sache zu opfern. Der Finanzminister des Kabinetts Poincaré, Francois Marsal, hat um 1211 Uhr abends die Bildung eines kabinetts übernommen, das fich beiden kammern am Dienstag um 3 Uhr nachmittags vorstellen wird, um eine Botschaft Millerands zu verlejen. Diefe Botschaft wird, wie Marfal ausdrücklich beim Berlaffen des Elysee erklärt hat, die Demiffion des Präsidenten nicht enthalten. Daß das Minifterium, vorausgesetzt, daß es Marjal gelingen wird, es zu bilden, sofort von der Kammer mit großer Mehrheit gestürzt wird, fleht außer Zweifel. Millerand flammert sich jedoch an die Hoffnung, daß er dem Einfluß von Marsal, welcher selbst mitglied des Se. nats ist, gelingt, eine fnappe Mehrheit im Senat zu erlangen. Ob diese Mehrheit auch ihre Zustimmung zu einer Auflösung der neuen Kammer geben wird, ist dagegen sehr zweifelhaft. Jedenfalls ist die ganze rise in ein sehr gefährliches Stadium getreten. Voraussichtlich wird sie durch den Anschlag von Marsal zum mindesten um einige Tage verlängert. Die Rammer hat heute den Beschluß gefaßt, in Permanenz zu tagen, d. h. jeden Tag mindestens eine furze Sihung abzuhalten. Um eine Ueberrumpelung zu verhindern, fritt fie auch morgen, am Sonntag, um 4 Uhr nachmittags wieder zusammen. Baris, 7. Juni.( TU.) Francois Marjal, der Finanzminister vom letzten Kabinett Poincaré, ist heute abend um 10 2hr zu Millerand berufen worden. Er hat das Elysee um 11 Uhr verlassen und erklärt, er werde die Bildung des neuen kabinetts übernehmen. Marfal wird morgen früh feine Konfultationen beginnen und am Dienstag nach mittag um 3Uhr der kammer und dem Senat die Botschaft Millerands verleien. Die Uebernahme der Kabinettsbildung durch Francois Marjal erregte heute abend bei den zu Hunderten versammelten Journalisten und Politikern eine große Sensation. Er scheint der einzige Mann zu sein, dem Millerand in dieser tragischen Stunde das Bertrauen schenken fonnte und der fich bereit erklärte, das Los auf sich zu nehmen, welches ihm jedenfalls durch einen fofortigen Sturz durch die kammer bevorsteht. Die Kammer sperrt die Kredite. Paris, 7. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Anregung, die Kammer bis zum Ende der krije in Permanenz tagen zu laffen, war von den Sozialisten auf Wunsch Herriots und Painleves zurüdgezogen worden. Die kammer wird statt deffen täglich eine Sigung abhalten, dagegen ist ein Antrag des Abgeordneten Moatet auf Aufhebung des Artikels 213 des Budgetgefeßes mit großer Mehrheit angenommen worden. Er hat zur Folge, daß die von der Kammer des Nationalen Blocs im vergangenen Jahre auf zwei Jahre fest gefehte Gültigkeit des laufenden Etats am 1. Juli aufhört und die vene kammer von diesem Tage ab nicht nur die Kontrolle über die ftaatliche Finanzgebarung, auf die die Reation verzichtet hatte, wieder an sich nimmt, fondern zugleich in die Cage gefekt wird, einer der Kammer gegen ihren Willen aufoftcogierten Regierung die kredite zu verweigern. Mit dieser Waffe in der Hand fann fie der Weiterentwicklung der Dinge in Ruhe entgegenfehen; denn damit ist nicht nur der Herrn Millerand zugeschriebenen Abficht, die Parlamentsfeffion sofort nach der Konfluierung des neuen Minifteriums fchließen zu faffen, sondern auch allen machenschaften ähnlicher Art ein Riegel vorgeschoben. Die Kammer hat zur Bor bereitung der nötigen gefchlichen Maßnahmen eine 44gliedrige Kommission eingesetzt, die sich aus 18 Radikalfozialen, 12 Sozialisten, 6 Republikanisch- Sozialisten 2 Mitgliedern der Linken und 6 Vertretern der Minderheit zusammenfeht. Auch hier hat also die neue Mehrheit einen bemerkenswerten Sieg davongetragen. I Paris, 7. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Das Elysee hat am Sonnabend abend um 8 Uhr ein völlig nichtsjagendes kommuniqué herausgegeben, in dem lediglich mitgeteilt wird, daß Herr Millerand seine Konfultationen am Sonnabend beendet habe. Paris, 7. Juni.( WTB.) Um 74 Uhr abends wurde Poincaré cine Viertelstunde. Beim Verlassen des Elysee erklärte Poincaré, die vom Präsidenten der Republik empfangen. Die Unterredung dauerte Unterredung, die er mit dem Präsidenten der Republit gehabt habe, fei lediglich zur Erledigung der laufenden Angelegenheiten erforderlich geworden. Die Tagung der Kammer. In dem Paris, 7. Juni.( WTB.) Der Organisationsausschuß für die deutschen Industrieobligationen hat sich bis 19. Juni vertagt. De Ausschuß für die Organisation der Reichseisenbahngefell. fchaft nimmt seine Arbeiten in Paris am 16. Juni wieder auf. Deutsch- französische Pfingsten. Reichstagsentscheidung und Millerand- Krise. Pfingsten pflegen die Abgeordneten bei sich zu Hause zu feiern; vielleicht läßt sich daraus erklären, daß der haftig wird. Dieses Fest symbolisiert die Entstehung der allerReichstag der Ausgießung des heiligen Geistes nie teil erften Internationale", des Christentums, und gäbe daher Gelegenheit zu allerhand melancholischen Betrachtungen über das Thema, inwieweit die christlichen Kirchen ihrer hohen AL gabe gerecht geworden find. Indes genüge die Feststellung, daß man echten Pfingstgeist in den Reichstagsdebatten der legten Tage nur an einer Stelle finden konnte, nämlich in den Reden der Sozialisten. In vielen anderen, war weder vom heiligen Geist noch von Geist überhaupt auch nur das geringste zu spüren. *. Immerhin darf man zufrieden sein, daß wenigstens in gekommen ist. Der Reichstag hat mit einer größeren Mehrheit, als selbst Optimisten erwarteten, die von der Sozialdemo gutachtens durch die Regierung ausdrücklich gebilligt. Er fratie geforderte Annahme des Sachverständigenhat damit zugleich auch die bestehende Regierung wissentlich und willentlich als verfassungsmäßige Regierung in ihrem Amt bestätigt, daran fönnen alle staatsrechtlichen Flohknadereien der Rechten nichts ändern. sigung der Kammer verlas der Vorsitzende Painlevé eine Rejo. Paris, 7. Juni.( WTB) Zu Beginn der heutigen Rachmittags. lution der kommunistischen Frattion, in der die Rammer aufgefor. dert wird, morgen zur Abstimmung über einen Borschlag zusammen. zutreten, der darauf abzielt, dem Präsidenten der Republit jeden Kredit zu entziehen. Die Resolution wird von dem Borfizenden Painlevé für un annehmbar erklärt. Er schickt sich an, die Sigung aufzuheben. Der kommunistische Abgeordnete Ber: thon, der über das Datum der nächsten Sigung fprechen will und durch seine heftige Sprache eine Reihe von Zwischenfällen hervor. ruft, erklärt, die Kammer dürfe nicht auseinander gehen, ohne angefichts des Versagens der Regierung über die von den Kommunisten verlangten Maßnahmen abzustimmen.( Buruf aus der Mitte: Aber in der Regierung fibt Ihr ja selbst! Der fommunistische Abgeord nete Berthon fügte hinzu: Und des Verrats des Cinsee.) der Abstimmung des Reichstags die Vernunft zu ihrem Recht Lärm, der darauf entsteht, bleiben die verweisenden Worte, die der Borsigende Painlevé an den kommunistischen Redner richtet, unverständlich. Berthon fährt fort, man weise darauf hin, daß das gemacht werde. Darauf erwidere er, daß der Präsident der Staatsoberhaupt in der Kammer zum Gegenstand einer Debatte Republik sich selbst auf den Rampf eingelassen habe. Millerand sei ein Berräter an seiner Bartei. Der Borhende droht, Berthon das Wort zu entziehen. Dieser fordert zum Schluß, daß die Kammer in Permanenz tage, bis Millerand zurückgetreten fei. Der Abg. Landry, der der Mitte angehört, befämpft den Borschlag auf Bertagung der Sigung auf morgen. Der sozialistische Abgeordnete Barenne erflärt im Ramen fammentrete. Abg. About erhebt Widerspruch gegen die Bertagung der Linksmehrheit, er verlange, daß die Kammer morgen zu. auf morgen, wünscht aber zu wiffen, was morgen auf der Tages ordnung stehen würde. Der Borsigende erklärt, es würden die Tagesordnungen für die späteren Sigungen festgefeßt werden. Der Abgeordnete bringt darauf einen Antrag zur Abstimmung, der die Vertagung bis Dienstag verlangt. Dieser Antrag wird mit 337 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Der Borsigende schlägt darauf nochmals Bertagung auf morgen vor und schickt sich von neuem an, die Sigung aufzuheben. Darauf wird aus der Mitte gerufen: Montag, Montag! Die Linte protestiert und Painlevé läßt durch Handaufheben über die Bertagung auf Montag abftimmen. Auch dieser Antrag wird abgelehnt und es wird befchloffen, morgen nachmittag 5 Uhr zusammenzutreten. Baris, 7. Juni.( WTB) Die Kammer hat sich heute nach Fortsetzung der Prüfung der Wahlergebnisse auf morgen( Sonntag) abend 6 Uhr vertagt. Dieser Beschluß wurde mit 337 gegen 14 Stimmen herbeigeführt, wobei die Rechte sich der Abstimmung enthielt. Paris, 7. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Das Intereffe für die Vorgänge in deutschen Reichstag wird hier start beeinträchtigt durch die eigene Krise, die die ganze Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung absorbiert. Die Kommentare zu den letzten Sitzungen bes Reichstags find deshalb spärlich. Der„ Temps" unterstreicht insbesondere die Reden Breitscheids und Löbes, in denen die sozialistische Partei über zwei Parlamentarier von großer Be. deutung verfüge". Auch die Rebe Stresemanns findet das Blatt im großen und ganzen recht glücklich. Da der Wortlaut noch nicht vorliegt, beschränkt sich das Blatt darauf, die Reben des„ Soz. Barlamentsdienst" zu zitieren mit der Bemerkung, daß, da der Barlamentsdienst" in voller Unabhängigkeit und im Geiste des Friedens redigiert sei, man wohl auf dieses Urteil sehen könne. " Die Durchführung des Gutachtens. Die Pariser Beratungen. Paris, 7. Juni.( WTB.) Die Reparationsfommiffion veröffentlicht folgendes Rommuniqué: Der vorläufige Organi fations ausschuß für die deutschen Industrie. obligationen hat die ganze Woche hindurch getagt. Ende der Woche find die Vertreter der deutschen Regierung auf einige Tage nach Berlin zurückgekehrt. Der italienische Vertreter ist zur Teilnahme an den Arbeiten des Völkerbundes nach Genf berufen worden. | Dem vorläufig entschwundenen Bürgerblod weint Graf estarp in der Kreuzzeitung" einige bittere Tränen nach. stellung daran gescheitert, daß die Mittelparteien auf unverDie Verhandlungen über ihn sind nach seiner eigenen Daränderter Fortseßung der bisherigen Außenpolitik bestanden, während die Deutschnationalen um des Kompromiffes willen auf einem vollständigen Kurswechsel nicht bestanden". aber doch den Kurs ein wenig verschoben haben wollten. Offenbar ist es den Deutschnationalen dabei nur darauf an. gekommen, vor ihren Wählern den Schein eines Kurswechsels aufrechtzuerhalten, was zwar für sie bequem aber für Deutschlands Außenpolitik verheerend gewesen wäre. Daß die Mittelparteien dafür nicht zu haben waren und daß daran der Bürgerblock scheiterte, stellt Graf Westarp selbst fest. Seine eigenen Darlegungen beweisen, daß die Möglichfeit, eine verfassungsmäßige Regierung mit Einschluß der Deutschnationalen zu bilden, zurzeit nicht vorhanden ist. Wenn Graf Westarp trotzdem dem Reichspräsidenten einen Vorwurf daraus macht, daß er nicht, dem Befehl der„ stärksten Fraktion" folgend, Herrn v. Tirpiz zum Reichskanzler ernannt hat, so ist es schwer, ein solches Verhalten anders denn als eine groteske Unverschämtheit zu bezeichnen. Die Regierung Marr hat am 6. Juni mit 247 gegen 183 Stimmen gefiegt, eine Regierung Tirpitz wäre mit etwa 150 gegen 300 Stimmen, gegen eine Zweidrittelmehrheit. unterlegen! Und was hätte eine, von nationalsozialistischen und deutschnationalen Diktaturaposteln gestükte Regierung wohl bann getan? Graf Weſtarp wünscht nicht mehr und nicht weniger, als daß sich der Reichspräsident zum Handlanger eines Staatsstreichs hätte hergeben sollen. Da der Reichspräsident für solche Abfichten nicht zu haben ift, entwirft Graf Bestarp Pläne zu einer parlamentarischen Fundierung des Bürgerblocks. Sie fehen fonderbar genug aus, nämlich fo: Wenn die 32 Abgeordneten der Nationalsozialistischen Freiheitspartei den Entschluß fassen, ihren grundsätzlichen Widerstand gegen den Eintritt in jede Roalition aufzugeben, und wenn andererfeits 3entrum und Volkspartei fich doch noch bereitfinden laffen, eine Einigung auch mit der Freiheitspartei zu suchen, so würde unter Einschluß auch der Bayern und der Wirtschaftspartei eine zahlen. mäßig sehr starke rechtsstehende Mehrheit( 277 Abgeordnete) gesichert merden tönnen. Wir haben unsererseits die Fühlung mit ber Nationalsozialistischen Freiheitspartei nicht ver ioren imh bitrftcn bei ihr ein Ziemlich weitgehendes Mcch der Unter- stützung für unsere Tirpitz-Lösung erwarten. Die jehige gemeinsame Opposition macht die luchsühlung enger, wenn vielleicht auch in Taktik und Tonart noch dieser oder jener Unterschied bestehen bleibt. Der beisere Schrei nach deutschem Blut, vergossen im beut- scheu Bürgerkrieg, den Herr o. G r a e f e jüngst im Reichstag ausstieß, klingt deutschnationalen Ohren wie Sphärengesang. In Tuchfühlung mit Graefe-Ludendorff suchen Tirpitz-Westarp den Anschluß nicht nur an Stresemann-Scholz, sondern auch an Marx-Wirth. Sie suchen ihn, geben aber zu, ihn bisher nicht gefunden zu haben. Und in diesem Zugeständnis liegt auch das andere eingeschlossen, daß die Rechte bei der gegenwärti- gen Konstellation, wie sie sich aus den Wahlen vom 4. Mai ergeben hat, den so oft behaupteten Anspruch auf Macht in keiner Weise besitzt. Mag sie sich bemühen, eine parla- mentarische Mehrheit zu gewinnen, das ist ihr gutes Recht. Versucht sie andere Wege zu wandeln, dann ist von der Re- gierung zu fordern, daß sie die Macht, die ihr der Reichstag gegeben hat, zum Schutz der Republik voll einsetzt. Inzwischen ist die Krise, von der sich Deutschland durch die Abstimmung vom 6. Juni einstwellen befreit hat, weiter nach Westen abgewandert: die französische Republik er- lebt schwere Erschütterungen. Präsident M i l l e r a n d klammert sich, um sich im Amt zu halten, an die Verfassung, die er selber durch seine offene Parteinahme für die geschlagene Reaktion verletzt hat. Was aber wird er tun, wenn er keine Regierung findet, die sich von ihm ernennen läßt und wenn ihm die Kammer die Kredite sperrt? Wir wissen es nicht, wir wissen nur, daß er bei allem, was er für seine verlorene Sache tut, den Beifall der deutschen Nationalisten finden wird. Ist dach die„Deutsche Zeitung" ganz glücklich, daß die Politik der Verständigung mit Deutschland in Frankreich auf Schwierigkeiten stößt, schreibt sie doch beglückt und entzückt: Es war von vornherein anzunehmen, daß sich die notiona- listisckM Element« Frankreichs nicht ahn« weiteres von dem neuen Linksklüngel sehr zweifelhafter Zusam. m e n s e tz u n g an die Wand deückeu lassen würden, um so mehr, als hinter Millerand und Poincare doch immerhin die sehr starke Mi l i t ä r p a r t e j, die von jeher in Frankreich eine ausfchlag- gebende Rolle gespielt hat. sowie die in Frankreich auf dem Flügel des Nationalismus siehende Schwerindustrie stehen. Diese Elemente leisten selbstverständlich' der reinen weltwirtschaftlichen Verbesserung(?) des französischen Staates, die an sich schon weit genug vorgeschritten ist, heftigsten Widerstand. Die internationale Interessengemeinschaft nicht nur der Schwerindustrie, sondern auch der Militärparteien besteht ja schon längst. Aber nie hat sie einen begeisterteren Apostel gefunden als in der„Deutschen Zeitung". Ihm hat offen- bar der Pfingstgeist die Zunge gelöst, denn nicht nur zufällig ist der Chefredakteur dieser wertvollen Offenbarungen der völkisch-deutschnationalen Seele ein Pastor. „Aussprechen was ist", sagte übrigens auch schon der von Maurenbrecher so gern zitierte Jude Lassalle. «- Am 4. und 11. Mai schien es, als ob der Nationale Block, der in Frankreich erledigt war, in Deutschland seine Aus- erstehung feiern sollte. Jetzt, da aus dem Nationalen Block in Deutschland vorläufig doch nichts geworden ist, setzen unsere Nationalisten ihre ganze Hoffnung auf die.zähe Widerstands- kraft ihrer Kollegen im Geschäft der Volksverdummung drüben in Frankreich! Am Freitag vor Pfingsten hat in Deutschland unter der Führung der Sozialdemokratie der Gel st der Verständigung gesiegt, das ist ein schwerer Schlag für Millerand und Poincarck. Aber für ihre fran- zösischen Gegner kann und soll es eine Ermutigung fein. Deutschland, das die Vorschläge der Sachverständigen aus- zuführen bereit ist, braucht zur Mitarbeit ein Frankreich, das entschlossen ist, die im Gutachten selbst formulierten Vor- a u s s e tz u n g e n für die Ausführung loyal zu erfüllen. Inzwischen sucht das Deutschland des Herrn v. Tirpitz nach Morgenwanöerung. Von Emile Verhaeren. Den alten Außweg meiner Sinderjahre. der sich durch Felder schmiegt wie ein verschwiegener Vach. hat dieser Sommermorgen mir zurückgeschenkt. Mein herz Ist heiter, und mein Körper schwer mit Lichl und Luft beladen. Ich habe noch kein Ziel vor Augen, will kein« wissen, ich bin so voller Ruhe und der Erde Untertan. Das läute Leben blieb weit hinter dielen Weizenfeldern zurück wie ein verrauschter Traum. Die Gräser bauen sich als Zaun um die Erinnerung herum. Mein Fuß streift vlume. Stein und Tau. Ich bin so tief zerlassen unter diesem Morgenhimmel. so trunken von der Freude: endlich wieder blaue Lust und den Gesang der Lerchen einwatmen; dieses Land zu fühlen als wie mein eigen haar, den Pulsschlag und die Augen. Ich möchte tausendfach mkh wesenlos zerteilen. ich knie zu denn Gräsern nieder, grüße Vogelnest und Schneckenspur, ich bäume mich hinauf zu den umstürmten VSumen und küsse Vlumenmund»nd trinke den Geruch der braunen Erde. Die VSche klingen an mit mir. und Ihre Arme werfen sich um meine Brüst herum... ich fühle Mutter-NSHe. ich bin schon irgendeines von den Wesen. die hier verwurzelt sind von Ewigkeit zu Ewigkeiten. Mir ist, als würde ich erst jetzt das Leben in der Welt beginnen; was früher Leben hieß, fror wie ein schwarzes Grauen durch mein - vluk. Wie viele Menschen find an diesem Schicksal schon zerbrochen und schenkten totem Schreibwerk ihre beste Srasl. Wer kann mir sagen, ob das Grüne, das hier strotzend die weiten Flächen überschäumt, schon aestern war? Und ob es Aua?» gibt, verrußt vom Alltaa der Fabriken, die vor mir schon der Früchte sastgeschwellte Runtzung, der Rosen Feuerglül, und des Gewässers vläue schmecken durften? Ich bin mit allen Flächen meines Daseins neu geboren, ich liebe meine haare, meine Brust, die haut. die Arme und die Augen: will noch tiefer mich erfüllen. will noch den Himmel und die Sterne tief in meine Lungen saugen. O diese Wandemnaen durch den Sommcrmorqen, durch Wald und Feld bis zu dem Quell der Meere hin: wo niemand stumm bleibt, wenn aus aller Kreatur der Lobgeiang der schönen Erde aus zur Sonne lodert und Drücken baut von Ewigkeit zu Ewigkeit... (Deutsche Nachdichtung ooiz Paul Zech.) der Seele des Frankreich Millerands. Auch diese beiden brauchen einander zur Befestigunz der eigenen Machtstellung, zum Unheil der Völker und zum Ruin Europas. Die Defolöungsregelung. Die Neuregelung der Bsamtenbefoldung vom 24. Mai hat in den weitesten Kreisen der Beamtenschaft eine nur zu ge- rechtfertigte Erbitterung und Entrüstung hervorgerufen. Weit über die unmittelbar betroffenen Kreise hinaus haben auch die lliegierungen der Länder und die Gemeindeverwaltungen die reaktionären Tendenzen der Neuregelung erkannt und sind weit davon abgerückt. Nachdem die Sozialdemokrane im Reichstag die Führung übernommen hat und bereits am 27. Mai einen Antrag eingebracht hatte, der die unsoziale Regelung durch eine soziale ersetzt, haben sich auch die bürger- lichen Parteien veranlaßt sehen müssen, gegen die Verordnung Stellung zu nehmen. So hat die demokratische Fraktion im Reichstag den An- trag eingebracht, die Reichsregierung zu ersuchen, dem Reichs- tag sofort eine Vorlage zu einer Neuregelung der Beamten- gehälter zu unterbreiten, die, den sozialen Notwendigkeiten Rechnung tragend, die Gehälter für die Beamten der unteren und mittleren Gruppen entsprechend den Aufbesserungen er- z höht, die durch die Neuregelung vom 24. Mai 1924 den Be- amten der oberen Gruppen gewährt worden sind. Wie sich aber die Rechtsparteien, die den Beamten im Wahlkampf den Himmel auf Erden versprochen haben, dazu stellen, geht aus der Antwort hervor, die die völkisch-deutsch- nationale„Deutsche Zeitung" diesem Antrag erteilt. Sie schreibt: „In Wirtlichkeit mußten, wie wir bereits mitteilten, bei der erfolgten Umstellung der Veamtenbcsoldung auf 80 Proz. der Friedensbezüge die oberen und mittleren Besoldungsgruppen stärker als die unteren aufgebessert werden, die schon bisher nahe an der Grenze ihrer zahlenmäßigen Friedensgehältsr lagen." Allerdings, wenn die Umstellung der Beamtenbesoldung ans 8v Proz. der Friedensbezüge erfolgen sollte, dann mußten die oberen Bcamtengruppcn stärker aufgebessert werden als die unteren. Aber soll das wirklich geschehen, soll mit einem Schlage die sozialpolitische Arbeit der letzten vier Jahre an der Bcsoldungsregelung zunichte gemacht worden? Nur das ist die Rechtfertigung für die Talsache, daß der untere Beamte nur 15 Mark, der obere aber 332 Mark Zulage monatlich er- halten hat. Die Deutschnationalen und die Deutschvölkischen fragen nicht danach, was der untere Beamte mit dieser„Auf- besserung" anfangen soll, denn ihnen geht die Reaktion über alles. Die Beamten aber werden erkennen, was von den sozialen Phrasen dieser Gesellschaft zu halten ist. Bei diesem Anlaß ist es von besonderem Interesse, daß der Vorstand des Reichsbundes der höheren Be- a m t e n sich in einein von uns veröffentlichten Rundschreiben mit besonderem Eiser für die Niedrighaltung der Beamten- gehälter in den unteren Klassen und für Gehaltserhöhungen bei den oberen Zehntausend einsetzte. Der Vorsitzende dieses Verbandes ist Herr Dr. Scholz, der zugleich'Vorsitzender der Deutschen Vo l t s p a i t c i ist. Nujt hat die Deutsche Volkspartei sich den Anschein, gegeben, als wolle sie die unteren Beamten fördern. Was ihre Versprechungen wert sind, zeigt die Stellungnahme ihres Vorsitzenden, die nicht nur im Gegen- sag zur offiziellen Haltung der Partei steht, sondern auch die wahren Absichten der Jndustriellenpartei mit erfreu- sicher Offenheit klarlegt. Eine Klajsenkampfiüge. Wie die Kontuinuisten die Arbeiter betrügen. Im kommunistischen„Klassenkampf" Nr. 79 lesen wir folgende Behauptungen über den Bericht zur Freilassung der kommunistischen Abgeordneten aus der Untersuchungshaft, den Genosse L ö b e im Reichstag erstattete: der verrückte Sanköirektor. Von Eli-Ha. Ein Drahtbericht aus Wien,, in seiner referierenden Sachlichkeit von erschütternder Ironie, bringt die knappe Meldung von dem irr- sinnigen Bankdjeektor, dem Vorsitzenden des Aussichtsrates der Wiener Lombard- und Diskontbank, Herrn Bronner. Der Hm Brenner hatte Konkurs gemacht, eine Tat, dle keines- falls auf Irrsinn schlietz-'n läßt, der ja ohnehin bei Bankdirektmen nicht oft aufzutreten pflegt. Bcmkdirektoren sind, wie man weiß, vernünftige Männer und von jeoer Art Wahnsinn so weit entfernt. daß sie schoni„Meschugge!" rufen, wenn sie einen Menschen kennen- lernem der nicht von„Transaktionen" lebt. Herr Bronner aber, ein Bankdirektor und Aufsichtsrat, wurde, dem Drohtbertcht zufolge, irr- sinnig— kurz, nachdem«er das Diktat der höchsten Bernuft: Konkurs zu machen, befolgt hatte. Dennoch war Methode in diesem Wahnsinn. Der Herr Direktor stellte sich nachts auf einen freien Platz und schrie aus Leibeskräften: „Ich werde alle meine Schulden bezahlen! Ich werde alle Schulden bezahlen!" Es war dc» öffentliche Bekenntnis einer schönen Seele. Es wer so etwas wie eine Reformation des Bankgeschäfis. Die Protlamierung der Martin-Luther-Thesen an der Schloßkirche zu Wittenberg befceutete einen ähnlichen Bruch mit dem Dogma. D-'r Herr Direktor Bronner war in diesem ernchtlichen Augenblick nichts Geringeres als ein Empörer gegen das Dogma vom Heiligen Ge>st des Bankgeschäfts, der geschäftlichen„Usance", Schulden zu„kon- trahieren", die von den Gläubigern bezahlt werden sollen. Er ver- suchte, dem diskreditierenden Begriff des„jbredits" wieder Kredit zu verschaffen Auf dem freien Platz stand k und rief:„Hier stehe ich und kann nicht anders! Ich will meine Schulden bezahlen." Es war ein revolutionärer Bruch mit der Tradition der Aufsichtsräte. Aber unsere Zeit ist mißtrauisch geworden— und die Bankdirek- toreu haben manches dazu beigetragen. Die Reformatoren und Religionsstifter genießen weniger Kredit als Banken, die Konkurs gemocht haben. Und so kam der Direktor Dronner nicht in die Welt. geschichte. Soudern die verdutzten Zeitgenossen brachten ihn ins Irrenhaus, rn der Erkenntnis, daß ein Bankdirektor, der öffentlich behauptet, er wolle seine Schulden bezahlen, den Verstand verloren haben müsse. Der Herr Direktor wurde in der Klinik von skeptrlchen Aerzten untersucht. Es müssen Mediziner gewesen sein, die mit Banken kein« Verbindung haben Die Wissenschast,-der fces Bekenntnis des Direktors noch nicht Deweis genug war für feinen verlorenen Verstand, suchte nach anderen Beweisen, nach medizinisch, nicht banktechnisch fundierten. Die Wtsjenichaft fand— wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt— keine. Die mißtrauisch« Psychiatrie nahm vielleicht an, daß ein Bankdirektor oerrückt werden könnte: aber daß er so „Herr Löbe, dieser abgesägte Reichstagsvräsident, hat wohl nichts davon gehört, daß der Reichskommissar für öffentliche Ordnung «inen großen Teil dieses Materials gesammelt hat. Der Sozial- demokrat muß sich der alten Regierung Marx im Namen seiner Partei als williger Diener anbieten und die blödsinnigen Spitzellügen mit tatsächlichen Ziele,, der Kommunistischen Partei verwischen. Das blöde Gewäsch des Sozialdemokraten Löbe wird von jedem Arbeiter erkannt werden." Die Wahrheit ist folgende: 1. Der kommunistische Abgeordnete Koenen hat im Ge- schäftsordnungsousschuß unseren Genossen Löbe g e- bete n, die Berichterstattung über die Angelegenheit zu übernehmen. 2. Im ganzen Bericht war ungefähr zehnmal der Hinweis ent- halten, daß esstckiumMoterialdesReichsanwalts handelt. 3. Die Anträge auf Freilassung der kommunistischen Abgeordnel'.ni waren überhaupt vom Genossen Löbe ge- st« l l t, nachdem zwei Tage vorher die gleichlautenden kommunifti- schen Anträge abgelehnt waren. Da der Redakteur des„Klassenkampf" Kilian selbst Reichstagsabgeordneter ist, kann kaum ein Zweifel darüber sein, daß die Lügen des„Klassenkampf" mit voller Absicht ver- breiter wurden, um die Arbeiter zu täuschen. Rangorünung im Sowjetreichstag. Bartels kann nicht berichtigen. Bartels- Krefeld. M. d. R.. schrslbt uns: Unter der Ueberschrist„Ranzordnung im Sewset-Reichstag" beschäftigt sich der„Vcrwärts" mit einem an sich belanglosen Vor- fall, der sich am Mittwoch im Reichstag zugetragen hat. Es wird so hingestellt, als wenn ich zu einem vollbesetzten Fahrstuhl hinzugetreten wäre und verlangt hätte, daß ein« Steno- lypistin aussteige, um mir Platz zu machen. In Wirklichkeit war ich in der Reihenfolge der Wartenden vollkommen! im Recht, �sowohl vor der Stenotypistin wie auch vor dem Abgeordneten Sollmann, die beide später als ich gekommen waren, befördert zu werden. Bartels- Krefeld, M. d. R., bestreitet also.nicht, den klas. fischen Ausspruch getan zu haben:„Es ist unerhört, eine Angck- stellte läßt man mitfahren, und ich als Abgeordneter soll warten!" Gerade dieser Ausspruch aber macht den an sich„belanz- lesen Vorfall" allerdings belangreich. Zeigt er doch, wie so ein Sowjetjüngling, der durch ein Mißverständnis der Wählck in den Reichstag hineingeraten ist, dann sofort von der Höhe seiner neu- erklommenen Würde aus gewöhnliche Sterbliche, die bloß„Angestellte" sind, herabblickt. Wenn die Sorte regierte, ja wahrhostig, da könnte man was erleben!__ Oer �Lanöesverrats� Unfug. vraunschweig. 7. Juni.(Eigener Drahtbericht.1 Gegen den Redakteur unseres Braunichweiger Parteiorgans Genossen Otio Thiele mann ist ein Perfahren wegen Landesverrats eingeleitet worden. Der Staatsanwalt siebt das Verbrechen in einer Meldung des»VolkSfreuiid" vom 25. Februar, die besagie. daß die Braunschweigische Polizei in Blankenburg am Harz bei Mitgliedern deS„Stadlbelm" zwei Maschinengewehre und 17 Ge- wehre mit Munition, die von der Reichswehr stammten, bcschlag. iiabmt halte. Obwohl die Mitteilung seinerzeit von zusräiidiger Stelle bestätigt werden mußte und die Waffenbesitzer auch kürze Zeit verhaftet waren, kommt jetzt das üblich gewordene Landesverratsverfahrcn. Dafür ist das Verfahren gegen die Waffenbesitzer inzwischen eingestellt worden. Deutschöfterreichischer Wirtschaftsvertrag. Amtlich wird mitgeteilt: Die wirtfchastlichen Verhandlungen zwischen Deutschland und Oesterreich sind seit Ostern so weil vorgeschritten, daß vor der Psingstpaufe die zweite Lesung beendet werden konnte. Da sowohl die deutschen als auch die österreichischen Bevollmächtigten zunächst durch andere Beratungen in Anspruch ge»ommen� sind, tvurden einige Einzelfragen zur weiteren Bearbeitung besonderen Kom- Missionen überwiesen. Nach dem Abschluß ihrer Arbeiten wird sofort die dritte Lesung des Vertrages durchgeführt werden. verrückt werden könnte, bezweifelten sie. Die Aerzte stellten also fest, daß der Bantdirektor simuliere. Und ez geschah mit dem Aufsichtsrat der Wiener Lombard- und Diskontbank, was mit allen Empörern zu geschehen pflegt: er wurde verhaftet. So ging der Versuch einer Bankrevolution zu Ende. Die Re- farmation des heiligen Kreditwesens wurde im Keime erstickt. Wenn die Stadt Wien Sinn für historische Ereignisse hätte, müßte sie aus jenem öffentlichen Platz, auf dem der Aussichtsrat(ein Bekenntnis in die Rocht der Gläubiger hinausschri«, ein Denkmal errichten. Es müßte den Aufsichtsrat und Direktor Bronner darstellen, wie er gegen eine Welt von Konkursmachern feine edle Gesinnung bekunder. Aber die Bonkdirektoren würden solch ein Denkmal oerhin-dern. Edle Gesinnung trägt kein« Dividend«. Slrauß-Woche. Mit sämtlichen Werken von Richard Strauß greift die Staatsoper stilvoll in die Feier des 60. Geburtstages des Meisters hinein. Sie deckt in ihren Aufsührungen manche Lücken «ms und beweist gleichzeitig, zu was sie hier und dort fähig ist. In jeder Aufführung der Wocbe oersagte irgendein Teil des Gesamt- Apparates, so daß feine Ausführung gerade mustergültig war. Ein« Terbinetta fehlt, die Chrysosthemis mußt« nächtlich aus Hamburg geholt werden. Die Elektra war nur künstlerisch mittelgut, und wir missen, daß auch der Ochs von Lerchenau nur durch das Bohnen- Gastspiel möglich wird.(Und wenn er absagt?) Solistenersatz ist nicht gut. Ersatz der Solisten tut not. Aber auch das Gute soll be- tont sein. Da ist Schillings, der bis ins feinste Detail hinein die Elektra-Partitur beherrscht und sie, wenn auch nicht gleißnerisch, so doch stilrein ausbreitet. Die Klytemnastra der Arndt-Ober ist von einer Dämonie, die das Herz im Leibe erfrieren macht, ihre Mimik, ihr Schrei, ihr« geisteskranke Grimasse wirken grandios. Erika Wedekinds Stimme ist klein und spitz, da, wo das Orchester flutet, versinkt sie, doch weiß sie darstellerisch zu fesseln. Keine in Leid und Jammer leuchtende, glühende Frau, keine Rächerin von antikem Format, aber eine Intelligenz. Braun, der Figaro der Staatsoper, singt mit großem Ton den lyrischen Orest. Ein« fetter- haste Besetzung. Dennoch ist die herzliche Begeqmingsfzene zwischen Orest und der Schwester nicht tot zu machen. Und sollte nicht Eli« Knepels Ehrrlostkemis sein? Ernrnn Land lieh der R"lle Weichheit, gute Weibheit und aroße Stimm«. In der Solome be- herrschte Frau K e m p die Titelrolle mit einer ungeheuren Leid«»- schestlichkeit und Größe der Darstellun-,. Schamlose Leiert de, daß diese Frau nicht mehr singen könne. Sie singt klarer, weicher, � ts- drucksvoller und gestufter als je. Reben Ihr steht keiner aif der Bühne. In weitem Abstand erst Scheid!, der eindringl'ch« Jochanaan, und die resolut« Herodias der Branzell. Der Herode, des Herrn Bolz spielt in der Lust Klavier und glaubt, da» sei Trunkenheit. Am Pult Szell äußerst gewandt. Ewe der beiden Größen im Etraußschen Schassen leuchtete glitzernd aus. K. S. Emil Elans, einer der hervorragendsten belgischen Imvreifioiiitlen, in dessen Bildern«oft und Straft slandrischer Erde ausstieg, ist in Ajtenc bei Gcnt otflorbc*. Ludendorff am Pranger. Neue Dokumente vom Waffenstillstand. Soeben ist das amtliche Weißbuch über den Waffen stillstand von 1918 in neuer Auflage herausgegeben worden. Es ist vermehrt um weitere Dokumente aus den Akten der Obersten Heeresleitung, die erst später aufgefunden worden sind. Durch diese nunmehr fast Iüdenlose Zusammenstellung der amtlichen Dokumente wird das Berhalten Bubendorffs in den fritischen Tagen vor und nach der Herausgabe des Waffenftillstandsangebotes noch deutlicher herausgeschält als bas bisher schon der Fall war. Und damit wird zugleich auch sein dreistes Gerede vom„ Dolch stoß" charakterisiert, das er bis in die neueste Zeit mit Hilfe gefälschter Bitate fortgesetzt hat. Im Weißbuch werden noch einmal die schon bekannten drin. genden Forderungen Lube ndorffs dokumentarisch auf geführt, schleunigst eine Bitte um Waffenstillstand an den Präfi. denten Wilson hinauszugeben. Allein vom 1. Oftober werden fünf Aeußerungen in sechs Urfunden aufgeführt, die sämtlich auf das Gespräch Ludendorffs mit den Vertretern des Auswärtigen Amts Bezug nehmen. Darin kommen u. a. die Säge vor:„ Heute halte die Truppe, was morgen gefchehen könne, fei nicht vorauszusehen", die „ Ausgabe der Erklärung sei heute nacht geboten"," 48 Stunde könne die Armee nicht noch warten", es fomme alles darauf an, daß das Angebot spätestens Mittwochnacht oder Donnerstag früh in den Händen der Entente sei". In dem schriftlich niedergelegten Borirag des Majors Freiherrn von dem Bussche heißt es, daß die militärische Lage sich in wenigen Tagen grundlegend geändert habe:" Deshalb darf teine Zeit verloren gehen. Jebe 24 Stunden können die Lage verschlechtern und dem Gegner Gelegenheit geben, unsere augenblidliche Schwäche klar 3u erkennen. Das tönne die unheilvollsten Folgen für die Friedens aussichten wie für die militärische Lage haben." Das alles war die Stellungnahme der Obersten Heeres. feitung, für die bekanntlich Hindenburg sowohl als Ludens dorff verantwortlich zeichneten. Eine in der zweiten Auflage des Weißbuchs neu aufgenommene Urkunde vom 10. Oftober 1918 zeigt aber die besondere Haltung Ludendorffs noch deutlicher als bisher. Diese Urkunde ist eine Akten aufzeich nung und lautet: Feldmarschalt läßt Entwurf zu einem Telegramm an Seine Majestät und einem Telegramm an Reichstanzler für Erzellenz Ludendorff durchtelephonieren, um dahin zu wirken, daß feine entwürdigende Antwort an Wilson er teilt wird. 10. Oftober, 12 Uhr 50 nachmittags. 1. Exzellenz Ludendorff rät von der Absendung der Telegramme ab. Sieht Lage erheblich gespannter an. Zur Räumung werden wir grundsäßlich zustimmen müssen. 2. Entwurf für militärischen Teil der Antwort an Wilson wird durch Fernsprecher durchgegeben.". Bei diesen Erörterungen handelt es sich um die Rüdfrage ilsons, ob feine Bedingungen auch wirklich vorbehalt los angenommen würden. Er hatte u. a. auch die Räumung der befetten Gebiete verlangt und die Frage gestellt, ob der Sangler Mar von Baden nur für diejenigen Gewalten des Reiches spricht, die bisher den Krieg geführt haben". Sowohl Hindenburg als Ludendorff haben am 12. Oktober der auf diefe Rückfrage erteilten bejahenden Antwort ausdrücklich zugestimmt. Aus der vorstehend wiedergegebenen Attenaufzeichnung ergibt sich nun folgendes: Hindenburg wollte das Antworttelegramm abän dern, es als„ nichtentwürdigend" erscheinen lassen. Ludendorff aber fah die Lage erheblich gespannter an" und riet von der Absendung der Telegramme ab, die Hindenburg an den Reichsfanzler richten wollte. Ludendorff hielt es also für notwendig, die Rückfrage des amerikanischen Präsidenten so zu beantworten, wie sie der Reichstanzler tatsächlich beantwortet hat. Wenn das eine„ ent würdigende" Antwort war, wie er und seine Anhänger es jetzt darzustellen versuchen, so hat Ludendorff dieser Entwürdigung selbst zugestimmt, weil er einfah, daß der Krieg verloren war. Pfingsten in der Natur. Im uremigen Gezeitenfolge des Jahres hat die Flut des Frühlings die Ebbe eine troslojen langen Winters abgelöst. Und nun hat sich, wie Jahr um Jahr in unabänderlichem Reigen, aus Myriaden lebensschwangerer Knospen das neue Grün ans Licht gerungen, unbekümmert um die Generation des Letens, tie ihm vorangegangen und in Winterstälte vermorscht ist. Raich verging der erste Frühlingsflor. Noch lag Eis auf Geen und Gräben, als schon der gelbe Behang der Hafeln stäubte und die ersten Anemonen durch morsches Laub lugten. Nun aber blinkt es längst in allen Farben aus Floras Füllhorn in Wald und Feld und Wiese. Auf die Obstblüte ist der Blütentraum von Flieder, Kastanien und Goldregen gefolgt, die Rosen erschließen sich und in Gärten und Anlagen erstrahlen Garben von Schwertlilien, auf der Palette der Natur wunderfam in gelb und blau und violett abgetönt. Und schon faywellen die Blütenknospen der Linden, mit deren Ent faltung die Blütenmelle des Sommers bei uns- etwa um Johanni den Höhepunkt erreicht. In den Laub und Mischwäldern erklingt die vleistimmige Ginfonie der Finken, Meifen, Baubfänger und Droffeln. Ueber alle hin weg aber erschallt der jubelnde Flötenruf des Pirols, des Pfingstvogels, durch die grünen Domhallen des Waldes. Die Rufe folgen einander unablässig, schmiegen fich ineinander fommen aus allen Richtungen, der golbgelbe Märchenvogel aber bleibt verstedt in den hohen Wipfeln, und nur selten sieht man ihn im Fluge goldig auf Eligen, wenn er sich von Krone zu Krone fchwingt Solchen Mysterien des Waldes fönnen die Parts und Schmudpläge der Großftabt wenig entgegensetzen. Aber erfreulich ist es doch, zu sehen, wie selbst mitten in Berlin wilde Ringeltauben, Stare und Bachstelzen sich auf Rasenplägen tummeln weniger erfreulich freilich, wie wenige Paffanten einen Blick für sie haben, Die Natur hat ihr Pfingstkleid angelegt. Zum Lichte reckt sie erdumipannend ihr grünes Gewand, in dessen Falten und in dessen Schatten sich das uralte Wechselspiel vom Werden und Vergehen wiederholt. Zum wierielten Male, und wie oft noch? Nehmt das grüne Bunder in euch auf und fragt nicht! Laßt das dünne Band, das den Großstädter noch mit der freien Natur verbindet, nicht zerreißen und knüpft es fester im Walde, an See und Biese! 2. 2. Neu aufgenommen in die Dokumentensammlung ist auch die Anweisung der Obersten Heeresleitung an Die Waffen stillstands tommiffion vom 23. Oftober. In dieser Anweisung wird die Frage erörtert, ob sich ein in zögern der Räumungsverhandlungen empfehle, um noch vor der Rückkehr des Westheeres nach Deutschland die allgemeinen Konturen des Friedens flarzustellen. Diese Frage wird verneinend beantwortet und darüber u. a. gesagt: Ein solches Verhalten würde dem Geiste unseres bisherigen Notenwechsels mit Wilson zweifellos widersprechen. Uns würde mit Recht Hinterhältigkeit vorgeworfen werden. Unsere Stellung gegenüber Wilson die bei dem von uns eingeschlagenen Berfahren von entscheidender Bedeutung für den Ausgang fein wird, würde eine ernstliche Trübung erfahren. Wir haben alles Intereffe an einer offenen, rüdhalilofen Haltung gegenüber dem Prästdenten. Ganz allgemein wird in der Anweisung eine ehrliche und vertrauende Haltung gegenüber den amerikanischen Vertretern für erforderlich erklärt. Jedes Mißtrauen der Vereinigten Staaten gegen uns wird als schädlich angesehen! Gleich zu Beginn gibt diese Anweisung eine heute besonders beachtenswerte Darstellung der militärischen Lage: Es sei nicht mehr möglich, heißt es, das Heer in furzer Zeit wieder auf ausreichende Kampffraft zu bringen. Unsere Feinde dagegen fönnen unter voller Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft ihre Heere mindestens auf gleicher Höhe halten. Das Stärkeverhältnis des Heeres wird sich daher dauernd zu un seren ungunsten verschlechtern". Zusammenfassend wird in der Anweisung ausdrücklich zugestanden, daß teine Möglichkeit bestehe, bestimmte Friedensbedingungen gegen das amerikanisch- englisch. französische Heer durchzusehen. Die Anweisung an die Waffenftill ftandskommission" ist im Konzept gemeinsam von Hindenburg und Ludendorff unterzeichnet; in der amtlich hinausgegebenen Faffung trägt sie die alleinige Unterschrift Hindenburgs. Aus diesen neu aufgenommenen Urkunden geht also noch klarer hervor als aus den bisher schon veröffentlichten, daß Luden. dorff selbst am lebhaftesten zum Abschluß des Waffenstillstandes drängte, daß er die Wiederaufstellung eines neuen Heeres für vollfommen aussichtslos hielt und deshalb alles daran setzte, um durch Entgegenkommen gegen Wilson und die Amerikaner möglichst günstige Bedingungen herauszuschlagen. Mit diesen Tatsachen braucht man nur die I i genhaften Darstellungen der Ludendorff- Bresse von heute zu vergleichen, um die grandiose Unehrlichkeit zu erkennen, die in der Behauptung liegt, der Zusammenbruch wäre durch einen" Dolchstoß der Heimat" herbeigeführt worden. Westarps Quellen. Amtlich wird mitgeteilt: Die Telegraphen- Union hat am Freitag, Den 30. Mai, eine angebliche Meldung des Pariser Petit Journal" verbreitet, wonach das Organisationsfomitee für die deutsche Eisenbahn dem Plan für das neue Statut der Reichsbahn gegen die deutschen Vertreter zugestimmt hätte und für die Bahl der Beamten und Arbeiter die Kopfzahl der englischen Eisenbahnen angeordnet werden solle, was eine 40 prozentige 5er abfegung der jegt bei der Reichsbahn Beschäf tigten zur Folge haben würde. Es ist an dem gleichen Tage von zuständiger Stelle mitgeteilt werden, daß die Meldung in allen thren Zeiten ungu treffend ist. Da trotz dieses Dementis bei der vorgestrigen Reichstagsdebatte der deutschnationale Redner diese falsche Meldung gegen das Sachverständigen gut achten angeführt hat, sei festgestellt, daß nach Auskunft der deutschen Vertreter im Organisationsfomitee für die deutsche Reichs bahn über die Personalfrage nur insoweit verhandelt worden ist als sie einem besonderen Gesez vorbehalten bleiben soll. Ein zelheiten sind überhaupt nicht zur Sprache gebracht, geschweige denn eine Personalperminderung be. schlossen worden. Die bisherigen Nachforschungen haben überdies ergeben, daß das Petit Journal" eine solche Meldung nicht enthalten hat. " Was ein echter Thorwaldsen foflet. In Kopenhagen fand tie Bersteigerung des Nachlaffes des früheren Landmanntantbiret tors Glückstatt statt, der im Gefängnis starb. Sie löfte am vierten Tage die erwartete Spannung aus, als das Thorwaldsen- Relief„ Die drei Grazien" unter den Hammer tam. Es herrschte atemlose Er regung. Deutsche und schwedische, englische und standinavische Käufer überboten einander. Das Thorwaldsen- Museum hatte sich zurüdgezogen, und zuletzt fämpften zwei Norweger um das Relief: das Chriftiania- Museum und ein Architekt. Leßterer bekam das Relief für 20 000 Stronen. Amerita hat die meisten Morde. Für den Amerikaner ist das Ge. fahrenrifito, eines gewaltsamen Todes zu sterben, fünfundzwanzigmal so groß wie für seinen englischen Better und dreimal so groß, als wenn er in Italien lebte. Die Zahl der Morde zeigt in den Bereinigten Staaten eine Jahr für Jahr regelmäßig anfteigende Kurve. Hierüber belehrt die Verbrecherstatistik, die Dr. Frederick Hoffmann, der Mathematiker der Prudential- Lebensversicherungs gesellschaft, für das Jahr 1923 aufgestellt hat. Danach wurden von 100 000 Berfonen 10,2 ermordet, gegen neun im vergangenen Jahre. Im ganzen Land zählte man 10 000 Mordfälle gegenüber nur 200 in ganz Großbritannien. Was die Einzelfälle anbetrifft, so ist die Bahl der Morde in der Stadt New York verhälntismäßig niedrig; es entfallen hier auf 100 000 Menschen nur 5,5 Mordfälle gegen 12,7 in Chilago, 21,5 in St. Louis und 25,5 in New Orleans. Benjamino Gigli, ber erfte Ihrische Tenor der Metropolitan Opera zu em ort, tritt in Deutschland zum erstenmal in der hiesigen Staats. ober am Dienstag als Rudolf in, Bohème" auf. Am Donnerstag singt er zum Besten des Reichsverbandes der Deutschen Presse in der Oper am Königsplak den Lyonel in Martha". " Das Palästina- Theater beginnt unter der Zeitung des Regisseurs Gnessin sein Berliner Gastspiel am Sonntag, 15. Juni, in der Comedia Baletti". Zur Aufführung gelangt die biblische Legende Belsazar" nach Motiven von Henri Nochet. Das Frühlingsfest der deutschen Preffe, das für die Wohlfahrtskaffen des Reichsverbandes der deutschen Presse am 12. Juni bei s ro II stattfindet, wird eingeleitet durch eine Festvorstellung der Oper Martha", in der Benjamino Gigli als Lyonel fingt. Der in Amerifa als„ neuer Caruso" gefeierte Sänger tritt damit in seiner langrolle vor das Berliner Bublifum. Das Gartenfeft, für das gleichfalls hervorragende träjte ( Mar Terpis u. a.) gewonnen find, beginnt um 7 Uhr( Eintritt zum Garten von 3 Uhr an). Starten zu 5 Warf bei Wertbeim, Bote& Bock, Invalidendant und Stroll. Starten für die Over zu 20, 14, 8 und 4 Mark an den staffen der Staatsoper. Reſervierte Bläge im Garten( einschließlich Souper 8 Mart) müssen bis zum 9. Juni bei Stroll belegt sein. Kant- Feier der Kant- Gesellschaft. Unter Mitwirlung des Demann- Duar tetts der Staatsoper veranstaltet die Berliner Ortsgruppe der Stante Gesellschaft am Sonnabend, den 14. Runi, 7 Uhr, in der Neuen Aula ber Berliner Universität eine große Stant- Feier. Die Festrede hält Prof. Ernst Cassirer von der Univerfitat in Hamburg. Ali- Berfiner Possenabend. Das Renaissance Theater unternahm den an sich lebenswerten Versuch, den Allt- Berliner Humor in einer Reihe älterer Bossen lebendig zu machen. Der Versuch ist mißglückt, troß der ehrlichen Bemühungen der Regie und der Darbeller, die zum Teil recht achtenswerte Leistungen boten. In den beiten ersten Guiden von Ralisch Der gebildete Haus. fnecht und„ Die Müzenmacher von Finsterwalde" fonnte man beim besten Willen feine Spur Ali- Berliner Humors entdecken. Mehr Lokalkolorit haben Glasbrenners Bossenszenen Rante", in denen der traditionelle Edensteher mit Wis und Be haglichkeit agiert. Heinz Hilpert, unterstügt von Lotte Stein, Die Dritte Rheinische Literatur- und Bachwoche wurde Sonnabend in gaben sich in den Hauptrollen redliche Mühe, den Glasbrennerschen Möln in Gegenwart zahlreicher geladener Gäffe feterlich eröffnet. Der Humor auf die Bühne zu bringen. Man spürte jedoch auch bei preußische Stultusminister Dr. Boeliz, der die Grüße der preußischen Regiediesem, weitaus besten Stück des Abends, daß zwischen der Vers rung überbrachte, führte in seiner Eröffnungsansprache aus, die Ausstellung ein festes Bekenntnis zu dem unauslöslichen Zusammenhang von Hei gangenheit und der Gegenwart teine Brücke geschlagen wurde. 2. St., Nation und Staat. Ohne Seimat und ohne Menschenliebe, jei der handlers" Sonn- und Feiertags um 74, Uhr, wochentags um 7% 15. Im Großen Schauspielhaus beginnen die Borstellungen des Bogel Staat eine leere Form und ohne starkes Staatsgefühl sei die Heimatliebe ihrer Krone beraubt. I Die sozialistische Internationale. Einmütige Haltung zum Sachverständigengutachten. Demonstrationen gegen den Krieg. Wien, 7. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Egekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale beendete heute abend nach dreitägiger Dauer ihre Beratungen. Sie setzte zunächst die Debatte über die politische Lage fort und prüfte die durch das Sachverständigen gutachten geschaffene internationale Lage. Sie stellte fest, daß alle unmittelbar beteiligten sozialistischen Arbeiterparteien dem Sachverständigengutachten gegenüber eine vollkommen übereinstimmende Hal= tung einnehmen, und bestätigte die bereits in Luxemburg gefaßten Beschlüsse. Die Exekutive beschäftigte sich sodann mit der bevorstehenden Tagung des Bölkerbundes und nahm einen Bericht des österreichischen Delegierten über die Behandlung des öster reichischen Problems im Bölterbunde zustimmend zur Kenntnis. Die Erefutive hörte einen Bericht der ruffischen und georgischen Delegierten über die Lage in der Sowjetunion an. Sie bestätigte die Luxemburger Beschlüsse über die russische Frage und die militärische Otfupation Georgiens und stellte fest, daß es unbeschadet bes Kampfes gegen jede Intervention von kapitalistischen Regierungen Pflicht aller sozialistischen und Arbeiterparteien ist, die sozialistischen Parteien in Rußland und Georgien zu unterstützen und in der Preffe und Literatur den immer stärker gegen die Arbeiter- und Bauernmassen in der Sowjetuniom geübten Zerror zur Kennt nis zu bringen. Die Erefutive stellte auf Grund eines Berichtes des englischen Delegierten Cramp gegenüber einer weitverbreiteten Propaganda fest, daß in Ungarn das Regime des fonter. revolutionären Terrors fortdauere, und es auch weiterhin Pflicht aller sozialistischen und Arbeiterparteien bleibt, dem mißhandelten ungarischen Proletariat ihre moralische Unterstützung zu leihen. Nachdem noch eine Resolution über die Lage auf dem Balfan und namentlich über die Verhältnisse in Bulgarien angenommen worden war, trat die Erefutive mit dem Borstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu einer gemeinsamen Beratung über die Antikriegsdemonstration zusammen und faßte einen Beschluß, wonach in diesem Jahr in allen Ländern frafivolle Demonstrationen zum Gedächtnis des Ausbruchs des Weltkriegs stattfinden sollen, um die Notwendigkeit des organisierten Kampfes gegen neue Kriege, gegen Kriegsrüstungen und Kriegshezze zum Bewußtsein der großen Massen aller Völker zu bringen. Der Tag des Kriegsausbruches, der Tag, an dem das entsetzliche Morden mit dem Tode des unvergeßlichen Vorfämpfers gegen den Krieg, Jean Jaurès, feinen Ausgang nahm, wird der Beginn der Demonstration sein. Für diesen Tag wird die Sozialistische Arbeiterinternationale gemeinsam mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Jugendinternationale auch ein gemeinsames Manifest erlaffen. Um die Asche von Karl Marx. Jean Longuet an Macdonald. Die gegenwärtig in London weilende Delegation ber Sowjetregierung hat, wie wir por furzem melbeten, die englische Regierung um die Erlaubnis zur Ueberführung der Leiche von Karl Mart von London nach. Moskau ersucht. Jean Longuet, unser französischer Parteigenosse, hat Daraufhin als ältester Entel von Karl Marg folgenden Brief an Ramsay Macdonald geschrieben: Mein lieber Macdonald! Paris, 30. Mai 1924. Ich habe durch die Presse erfahren, daß die Delegation der Sowjetregierung, die sich gegenwärtig in London aufhält, dem britischen Innenminister einen Borschlag der russischen Regierung überreicht hat, die Asche meines Großvaters Karl Marg, der seit 37 Jahren auf dem Friedhof von Hampstead beerdigt ist, nach Moskau zu überführen. Sowohl in meinem Namen wie im Namen meiner Brüder und meiner Schwester als einzige Erben von Karl Marg erhebe ich den unzweideutigsten und energischsten Einspruch gegen jeden Borschlag dieser Art. Karl Marg ruht feit 1883 in London neben seiner geliebten Ge mahlin Jenny, neben der Freundin und Gefährtin ihres Heims, Helene Demuth, neben meinem jüngsten Bruder Harry Longuet, in britischer Erde, entsprechend seinem bestimmten Wunsche. Als er nach der großen Niederlage der Arbeiterflasse in ganz Europa im Jahre 1848 als politischer Flüchtling an den Gestaden Englands landete, fand er ein sicheres Asyl bei dieser Mutter der Geächteten". Während mehr als 40 Jahren lebte er in enger Berbindung mit der britischen Arbeiterklasse und fand in diesem Land die wissenschaftlichen Grundlagen für sein großes Werk Das Kapital". Er hatte stets volles Vertrauen in die englische Arbeiterklasse. Die Geschichte hat bewiesen, daß sein Vertrauen voll gerechtfertigt Bivilisation nur in den wirtschaftlich und industriell aufs höchste entwar. Seine grundlegende Auffassung war, daß eine sozialistische wickelten Nationen des Westens entstehen konnte. Ich bin sicher, daß er mit der tiefsten Sympathie den Bemühungen und Erfolgen der ersten Arbeiterregierung gefolgt wäre, die die Welt gesehen hat, und an deren Spize Ste mit so viel Aufopferung, ehrlichem Streben und Geschicklichkeit stehen. Ich glaube nicht, daß Marg jemals eingewilligt hätte- welches auch fetne allgemeine Sympathie für die große revolutionäre Erhebung des russischen Volkes gewefen wäre, daß seine Asche, fein Anbenken, feine fozialistische Auffassung durch den gegenwärtigen Typus des Moskauer Kommunismus zum Monopol gestempelt worden wäre. Alle seine Schriften sind übrigens durchdrungen von einem tiefen Mißtrauen gegenüber den russischen Methoden, und zwar des Rußlands des 3aren sowohl wie des Rußlands Bakunins. Daß er die wunderbaren kämpferischen Eigenschaften Lenins und seine grenzenlose Aufopferung für die Sache der Weltrevolution bewundert hätte, daran zweifle ich keinen Augenblick; aber niemand hat das Recht zu sagen, daß er zugegeben hätte, daß das Werkt des Bolschewismus getragen sei vom Geiste marristischer Philosophie. Wenn es ein Rußland gibt, das beseelt ist vom Geiste seiner Lehre, so ist es das Plechanows und Martows, aber sicher nicht das Sinowjews. Der bestimmteste Wunsch und unbedingte Wille der Erben von Karl Marr ist, daß seine Asche nicht entfernt wird aus dem Friedhofe von Hampstead, sondern daß sie in der vornehmen Erde der großen proletarischen Demokratie jenseits des Kanals bleibe. Seien Sie, mein lieber Macdonald, meiner brüderlichen Zuneigung versichert. Jean Longuet. Lutowinows Abschiedsbrief. In Moskau sucht man eifrig nach dem Verbreiter bes Briefes, den der vor kurzem durch Selbstmord aus dem Leben gefchiedene Kommunist utowinow an das Zentralfomitee gerichtet hat. In diesem Schreiden fritisiert Lutowinow scharf die Taltit des politischen Bureaus gegenüber der Arbeiterschaft. Unter Anführung von Tatfachen aus seiner fommunistischen Tätigkeit weist er darauf hin, daß die kommunistische Partei einer schweren Zukunft entgegengehe. Gewerkschaftsbewegung aber der Auffassung, daß ihre gerechten Forderungen bewil Der Geist des Sozialismus. Der Heilige Geist tommt nicht aus den Wolfen herab über uns in irgendwelcher Gestalt. Er bildet sich in uns, getragen von der Erkenntnis, daß in der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung die Interessen der großen besitzlosen Masse des Volkes in durchaus unzureichendem Maße berücksichtigt werden, daß der Friede innerhalb der einzelnen Völker wie der Friede der Völker untereinander immer wieder bedroht, gefährdet und erschüttert wird, daß die privatfapitalistische Produktionsweise nicht von ewiger Dauer, sondern nur eine Stufe in der Entwicklungs. geschichte der Menschheit ist, von der aus eine höhere Stufe zur fozialistischen Wirtschaftsordnung führt. Diese Erkenntnis in Verbindung mit der Empörung ob der gegenwärtigen zwiespältigen Ordnung der Dinge, dem Mitleid mit ihren wehrlosen Opfern, führt zum inneren Drange, mit. zuarbeiten an dem großen Werte der Menschheitsbefreiung aus dem Joche dieser egoistischen, ungerechten und recht unvollkommenen Gesellschaftsordnung, mitzuarbeiten insbesondere durch Beseitigung all der unzähligen Hemmnisse, die wir auf dem Wege zu unserem Ziele vorfinden. Der Geist des Sozialismus beschwingt die Herzen, erhellt die Hirne und befeuert die Zungen seiner Apostel, die in allen Ländern das Evangelium des Sozialismus verfünden und ihm durch ihr Wirken die Bahn bereiten. Sein Wunderwert ist, daß er die Arbeiter, die sich im WeltPriege jahrelang in feindlichen Lagern bewaffnet gegenüberstanden, wieder geeint hat. Blicken wir zurück auf den Internationalen Gewerkschafts. tongresin Wien, der uns in seinen Beschlüssen unsere nächsten Aufgaben zeigte, für die Sozialgesetzgebung, für den Achtstundentag, gegen die Reaksion, gegen Krieg und Militarismus aufzutreten, dann sehen wir, daß Kräfte an der Arbeit sind allüberall, die unermüdlich im Sinne des Sozialismus arbeiten. Das zeigte uns die gleichzeitig tagende Leitung der Sozialistischen Internationale, und das wird uns in den nächsten Tagen auch der Sozialdemokratische Parteitag hier in Berlin zeigen. Aber noch bedarf es überall der feurigen Zungen für die Ver. fünder des Sozialismus. Der Rückgang der Mitgliederzahlen in unseren Gewerkscheften, der Rückschlag bei den legten Wahlen laffen ersehen, daß wir uns nicht mit der gelegentlichen Sympathie der Mitläufer begnügen fönnen, sondern auf Schritt und Tritt unermüdlich darauf bedacht sein müssen, den Fatalismus wie den Fanatismus in der großen Masse durch die Erkenntnis zu verdrängen, daß nur einheitliches, gemeinsames Borgehen in sozialistischem Sinne uns aus dem heutigen Wirr marr herausführt und uns vorwärts und aufwärts bringt. Der Brauereiarbeiterstreik. haben mit einer Bierpreiserhöhung. Die Streifenden find| ligt werden fönnen, ohne das Bier zu verteuern. Die Unternehmer möchten zu gerne das beliebte Spiel während der Inflation wiederholen. Einige Pfennige Lohnzulage, ein paar Mart Preiserhöhung. Das nennt man dann Geschäft, ausgetragen auf dem Rücken der Arbeiterschaft. Dieses Ausspielen der Arbeiterschaft gegen die Konsumenten soll ihnen diesmal nicht gelingen. Die Unternehmer fonnten den Frieden haben, wenn sie nicht so halsstarrig gewesen wären. Kann man von der Lohnkommission der Streifenden noch mehr verlangen als das Angebot vor dem Schlichter? Dort ist den Arbeitgebern sogar der Vorschlag geArbeit nicht wieder aufzunehmen. Zu Berhandlungen ist es bis zum Sonnabeno nicht gekommen. Der Synditus der Unternehmer wollte es zu einer Machtprobe tommen lassen. Am Freitag, den 2. Juni fragte der Borfizende des Gewerbegerichts, Herr Ober magistratsrat Dr. Wölbling bei den Parteien an, ob sie zu einer zunächst unverbindlichen Aussprache bereit wären. Beide Parteien fagten zu. Die Verhandlungen unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Wölb. ling fanden gestern, Sonnabend statt. Die Unternehmer lehn ten zunächst durch ihren Syndifus jede Verhandlung ab, bevor nicht die Arbeit wieder aufgenommen sei. Schließlich tam es durch die Einwirkung des Vorsitzenden doch dazu, daß die Arbeits geber verhandelten. Die Arbeitnehmer erflärben sich bereit, für die Aufs nahme der Arbeit einzutreten, wenn sofort verhandelt werde. Darauf begannen die Verhandlungen. Die Barteien präzisierten nochmals ihren Standpuntt. Dann trat das Schiedsgericht in Attion. Nach mehrstündiger Berhandlung wurde folgender Schiedssprud gefällt: Internationale Kundgebung t: am Donnerstag, den 12. Juni, abends 7 Uhr, anläßlich des Parteitages der BSPD. in folgenden Lofalen: Lehrervereinshaus, am Alexanderplat Germania- Säle, Chauffeestraße 110 Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain Schultheißausschank( Wintergarten), Hasenheide 22 Neben deutschen Reichstagsabgeordneten werden in allen Versammlungen ausländische Sozialisten zur Berliner Arbeiterschaft sprechen. Arbeitergesangvereine wirken ebenfalls mit. macht worden, bei einigem Entgegenkommen dafür zu sorgen, daß die Streifenden die Arbeit fofort aufnehmen und sogar die Pfingst feiertage über arbeiten follten, damit die Konsumenten voll befriedigt würden. Aber der Bertreter der Unternehmer lehnte jedes Entgegenkommen ab. Die Herren wollten den Kampf. Nun gut, fie follen ihn haben. Die Stimmung der Streitenden ist muſtergültig und wenn die Brauereigewaltigen glauben, mit der Technischen Nothilfe ihre Betriebe in Gang zu bringen, dann werden sie in einigen Tagen eines besseren belehrt Die Ronsumenten, die Pfingsten auf den gewohnten " Tropfen" verzichten müssen, mögen sich an die Brauereien wenden, denn dort fizzen die Schuldigen. merden. Achtung, Bauarbeiter! Streik in der Berliner Baumaterialienschiffahrt. Die feit acht Wochen im Streit stehenden Bau anfchläger haben wiederbolt versucht, den Kampf mit den Unternehmern beizulegen. Die lette Verhandlung am 5. Juni fcheiterte abermals an dem starren ablehnenden Standpunkt der Arbeitgeber. Da bereits über 30 Betriebe, welche dem Schutzverband Berliner Schlossereien nicht angehören, den Bauanschlägern den geforderten 205n zahlen, haben die Bauanschläger in ihrer Versammlung abermals beschlossen, den Kampf bis zum siegreichen Ende durch zuführen. Sie ersuchen die Bauarbeiter, fie in diesem Die Situation im Brauereiarbeiterstreit hat sich insofern ver- Stampf dadurch zu unterstüßen, indem sie die auf Bauten be schärft, als die Technische Nothilfe ohne jeden Grund beschäftigten Anschläger nach ihrer Arbeitsberechtigungsreits in 18 Betrieben eingesetzt worden ist. Es muß immer farte fragen. wieder betont werden, daß die Streifenden sich nirgends gemeigert haben, die Notstandsarbeiten felbst aus. suführen. Aber wie soll man denn von Arbeitgeberseite anders Stimmung gegen die Streifenden machen? Nur so, indem man die Zero" in den Betrieb hineinnimmt, fie Streitbrecherarbeit verrichten läßt und dann in die Deffentlichkeit hinausschreit: Was bleibt uns denn anders übrig, die Streifenden verweigern ja die Notstandsarbeiten!" Dieses Spiel soll den Arbeitgebern nicht Der 3entralstreitleitung ist mitgeteilt worden, daß die Leno" beschäftigt wird mit der Herstellung von Jungbier, Bierabziehen, Gefäßereinigen, Bierverladen auf Wagen. Das ist ausgesprochene Streitarbeit und nicht Aufgabe der Nothilfe. Zu den Brauereien, die nicht schnell genug die Teno" rufen fonnten, gehören: EngelhardtStralau, Groterjan, Hochschulbrauerei, Bazen hofer Nordost, Engelhardt Charlottenburg, Bergschloßbrauerei Neutölln, Schloßbrauerei: Schöneberg und Monopol. Dort verrichtet die Teno" Streitarbeit. gelingen. Wie die Arbeitgeber gegen die Streifenden vorgehen, dafür nur zwei Beispiele: Die Tageszeitung für Brauerei" spricht in ihrem Bericht über die Streiflage, daß die Streifenden die Notstandsarbeiten verweigern und deshalb die„ Teno" eingesetzt werden mußte. Das ist eine gemeine Lüge! Die„ Deutsche Gastwirte zeitung" stößt in dasselbe Horn und erklärt sich mit den Brauerei unternehmern solidarisch, weil diese den Gastwirten graufich gemacht Kleid für junge Mädchen aus marineblauem, bedruckt. Musselin. Lg. 105, 110, 115 cm 10.75 Kinderkleid aus marineblauem Waschstoff, weiß punktiert. Lg. 60 cm 4.90 Je 5 cm länger 0.50 mehr Während durch Verhandlung die Löhne für die Arbeitnehmer der Güterschiffahrt geregelt wurden, machten die Arbeitgeber der Berliner Baumaterialienschiffahrt ein so niedriges Angebot, daß die Verhandlungen scheiterten. Der spruch mußte von den Arbeitnehmern abgelehnt wer Dom Schlichtungsausschuß Berlin im April gefällte Schieds: den, weil infolge Unkenntnis des Vorsitzenden und der Arbeitgeberbeisiger mit den Verhältnissen der Binnenschiffahrt diese nicht berüdfichtigt wurden. Inzwischen ist für die übrige Schiffahrt eine weitere Crhöhung des Lohnes um 2,50 M. je Woche erfolgt, so daß der ohnunterschiedjie Woche 5 bis 10 m. beträgt. Da die Arbeitgeber jegliche Verhandlungen ablehnen, sind die Schiffsmannschaften in den Streit getreten. Wenn in den nächsten Tagen eine Stockung in der Zufuhr der Baumaterialien und damit eine Stodung der Bautätig feit eintritt, trifft die Arbeitnehmer kein Verschulden, die alles unter. nommen haben, um den Wirtschaftsfrieden zu erhalten. Der Streik der Asphalteure beendet! Am 2. Juni erklärten die Unternehmer, von ihrem Angebot von 58 Pf. Grundlohn pro Stunde nicht abgehen zu wollen. Am Abend entschied sich die Arbeiterschaft mit Bierfünftelmajorität dafür, nicht erst den Schlichtungsausschuß anzurufen, sondern Dienstag früh die ,, Der Stundenlohn beträgt ab 30. Mai in Stufe 1 58, Stufe 2 65, Stufe 3 72 und Stufe 76 Pf. pro Stunde. Die Arbeit wird unverzüglich aufgenommen. Maßregelungen aus Anlaß des Streifs finden nicht statt. Ueber die Lonfrage werden sofort neue Bera handlungen aufgenommen." Diefem Schiedsspruch stimmten die Arbeitgeber fofort zu. Die Arbeitervertreter machten die Zustimmung von dem Entscheid der Arbeiterschaft abhängig, die sofort eine Bersammlung abhielt. Die Versammlung der Asphaltarbeiter nahm, nachdem der Bes richt über die Verhandlungen beendet war, nach kurzer Diskussion mit Bierfünftelmajorität den Schiedsspruch an. Damit ist der Streit ständigung mit den Betriebsräten in den einzelnen Bea beendet und am Dienstag bzw. Mittwoch wird nach Vera trieben die Arbeit wieder aufgenommen, Die Arbeit. nehmer werden nun dafür zu sorgen haben, daß sie sich ihre Nebenarbeiter ansehen und dafür sorgen, daß alle Nichtmitglieder ber Organisation zugeführt werden. Generalversammlung der Maschinisten und Heizer. niften und Heizer gab Reinefeld den Geschäftsbericht In der Generalversammlung des Zentralverbandes der Mascht Ihm ist zu entnehmen, daß im Kampf um die Arbeitszeit, soweit Berlin in Frage kommt der Achtstundentag gehalten wurde. Die Löhne weisen gegenüber dem vorigen Quartal eine fichtbare Befferung auf. Von Januar bis April fonnten die Lohn fäße um etwa 15 Broz. erhöht werden. In den Gruppen der Textil. industrie und chemischen Industrie stehen die Löhne auf Grund von Sonderverhandlungen auf einer gefunden Grundlage. Die Mitgliederzahl der Geschäftsstelle Berlin ist infolge der Verhältnisse etwas zurückgegangen. In den letzten Wochen sind aber wieder zahlreiche Neuaufnahmen zu verzeichnen. Lassen die Mitglieder es nicht an dem gehörigen Interesse und der notwendigen Mitarbeit fehlen, dann geht es rasch wieder aufwärts. Bur Delegiertenwahl für den Verbandstag In Breslau wurden folgende Kollegen in Borschlag gebracht: W. Miller- Spandau, Reinefeld, Seidel, Maier und Noad. Die von der Ortsverwaltung oorgelegten Anträge zur Berbandsgeneralversammlung wurden bek fleinen Abänderungen einstimmig angenommen. Achtung, Außenmonteure( Großmaschinenmonteure usw.)! Da die Verhandlungen über Neufestlegung der Auslösungene für Außenmontagen, gültig ab 6. Juli, erst Ende Juni stattfinden, findet die vorgesehene Außenmonteurversammlung am 2. Pfingst feiertag nicht statt. Deutscher Werkmeisterverband, Geschäftsstelle des Bezirks 10. Der Pfing feiertage wegen bleiben die Geschäftsräume auch am Dienstag, ben to. Sunt, geschloffen. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Bellage.) Berantwortlich für Bolttit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Chtorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski, Lotales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruderet Hierzu 3 Beilagen. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68., Lindenstraße& Jogal hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Rheuma, Nerven- und Ischias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,3% Acid. acet. salic., 0,406% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum. Sophien- Säle Säle frei! Asrael GEGR. 1815. BERLIN C Damenkleidung Bluse aus gestreiftem Zephir 2.90 Kleid aus vorzügl. weißen Voll- Voile m. Plissee- Kragen 14.50 Kleid aus vorzüglich. weicher 34.00 Seide mit Batikmuster Mantel aus covertcoatartigem Stoff... 14.50 Mantel aus Alpaka, schwarz 19.50 oder grau Kostüm aus meliert. Stoff, Jacke auf halbseiden. 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Länge 40 cm 45 em 1-2 Alter 1 50 cm 3-4 60 cm 5-6 J. 1.60 1.80 2.10 2.65 Länge 70 cm 80 cm 90 cm 95 cm Alter 7-8 9-10 11-12 13-14 J. 3.20 3.60 4.00 4.50 Mädchen- Beinkleider aus Madapolam mit Stickerei- Ansatz, geschlossen Länge 25 cm 30 cm Alter 1-2 3-4 35 cm 40 cm 5-6 7-8 J. 1.60 1.90 2.25 2.60 Länge 45 cm Alter 9-10 50 cm 11-12 55 cm 13-14 J. 2.95 3.30 3.65 Mädchen- Nachthemden Kimonoform mit Stickerei- Ansatz oder Hohlsaum Länge 70 cm Alter 80 cm 5-6 4.10 3-4 3.75 Länge 100 cm Alter 9-10 5.00 5.50 110 cm 11-12 90 cm 7-8 J 4.50 120 cm 13-14 J. 6.00 Nr. 267+41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Der Berliner Prater. Die Zelte jetzt und einst. Eine historische Stätte der Geselligkeit. Bien ist einigermaßen ftolz auf feinen Prater. Berlin braucht nicht neidisch abfeits zu stehen. Auch die deutsche Hauptstadt hat eine alte und allgemein befante Stätte des Vergnügens, die Zelte, die dem Biener nicht unähnlich find. Noch vor fünfundzwanzig Jahren gehörten die Zeltenfokale zu denen, die der Fremde in Berlin befudyt haben mußte. Und es müßte interessant sein, einen Berfiner jener Zeit, der damals aus irgendeinem Grunde Berlin verlassen mußte und in diesen fünfund zwanzig Jahren nicht mehr in Berlin gewesen ist, in den Pfingst feiertagen zu dem klassischen Bergnügen in den Zelten zu führen und zu beobachten, wie er sich dabei benimmt. Zweifellos, er würde TILE | dämpfte Klänge. So was gibts hier gar nicht. Die Mufifanten im Cofal find für alle da. Denn die Gifter und Zäune, die die Lokale von der Straße trennen, find lächerlich niedrig. Wer drinnen fizzt, fann alles, was braußen paffiert, übersehen. Und der draußen zuträgt. Man steht draußen nämlich nicht nur, man figt auch. Am Stehende oder Sigende fieht jede Kleinigkeit, die sich im Garten Rande des Tiergartens hat sich nämlich ein Unternehmer aufgetan, der für einen Rentensechter einen Stuhl vermietet. Da fißt es sich in dem Gefühl, Konzert per naß zu genießen, besonders gut. Das klassische Frühkonzert. ben Weg dahin finden, denn die Wege sind heute wie damals. Aber anhören, sind gute Bürger und Bürgerstrauen und Fremde. Die Die Leute, die sich in den Zelten das fast klassische Frühkonzert ob der Gute heil hinkommen würde, das ist die große Frage. Da trinken thr Bier und Kaffee und lassen sich, voll der gelassenen mals frachten nur die" Donnerwagen" der Linie Kupfergraben- Freude, daß eine Duvertüre gewissermaßen die Schlagfahne auf dem Morgenfaffee bedeutet, etwas vorfiedeln. Zuweilen werfen sie dann auch halbe oder ganze bedeutsame Blicke über die niedrigen Zäune hinweg zu ben draußen Glebenden. Die aber haben ganz andere Dinge im Kopf, als den Bürgern da drinnen Aufmerksamkeit zu Schenken. Die reizt es gar nicht so fehr, zuzusehen, wie andere effen und trinken. Sie dürften nach dem Manna der Seele", nach der Mufil. Es ift ganz erffaunlich, wieviel junge Leute an den Wochentagen mit ihren Rädern vor den Zelfen stehen und der Musit lauschen. Und nicht minder erstaunlich ist die große Anzahl grauer ( schon wieder grau) Reichswehrjeldaten, die auch ganz Ohr find. Bier Zelte find da und in jedem Zeit ist Musik. In dem einen fidelt, dubelt und Karinudelt eine wadere jaustapelle, und daneben rumort reißerisch eine Jazzband ihren Shimmy. Im dritten Zeit aber donnern und postern echt preußisch die Baufen und Posaunen den Hohenfriedberger und jener belannte Jüngling, der braußen per Bindjade spaziert, pumpt sich bei den Klängen Strammheit in die Baden, preßt fein Kreuz herein und fein Hakenkreuz heraus und vollzieht ein dreimaliges begeistertes, wenn auch unhörbar leises Heil! Für alle Fälle ist ein netter Herr Schupo da, der sein beforgies Auge wohlgefällig über die Herrschaften in den Belten schweifen läßt. Und zwischendurch genießt er die Musit, ein Stüdchen von der Haustopelle, ein Stüdchen vom Shimmy und ein Stüdchen vom Hohenfriedberger. Nur einen einzigen Störenfried gibt es, des find die Autos, deren fotat unmufitatische Chauffeure nur die Hupe spielen tönnen und damit in dem vereinigten Konzert der getrennten drei bzw. vier Kapellen Schauberhaftes Unheil anrichten. Die Menschen immer. wie außerhalb der Belten sind über die Autohornisten empört und wütend und mit Recht. Geht man man aber um die Belte herum, fo findet man, baß ba auch noch Welt und Leben ist. Buerft tann man eine Kahnfahrt unternehmen. Wen es aber nicht gelüftet, die herrlich duftende Spree per Kahn zu betreten, ter gehe einige Schritte weiter und wird auch dort noch feine allerliebste Freude haben. Auch bort wird Mufit verursacht, und zwar mit Instrumenten, die teils aus echtem Meffing zu sein fcheinen und teils wie Gilber aussehen. Der eine Musitant hat sich einen Staubwedel am Hut befestigt, der andere hat einen netten Rafierpinsel an feinem graugrünen( schon wieder grau!) Bibi, der britte und vierte fehen durchaus normal aus und das ganze ist gemäß der Ankündigung eine echte Tiroler Kapelle. Sie spielen mit großer Fertigfeit und die Leute, die diese Musit hören, stehen mitten auf der Straße still und find fo gebannt, daß fein Automobil wagt, durch diese Straße zu fahren. Denn wenn es auch eine Hupe hätte mie eine Dampffirene, von dieser Mufit weicht feiner vom Plaz, als bis der lezte Ton verflungen ist. Denn fie flingt unvergleichlich großartig. Dafür sind es ja auch Tiroler. Jaja, io schön ist es in den Zelten. Aber es ist eine etwas verblaßte und nicht mehr ganz junge Schönheit. In puncto Naturgenuß zu Pfingsten sind wir aber etwas anspruchsvoller geworden- oder oder nicht? Ein Abendkonzert von heute. Charlottenburg durch die Charlottenburger Chauffee. Heute heulen und brummen die Automobile auf allen Straßen des Tiergartens. Das würde den Guten aus der Jahrhundertwende gewiß ganz wirr im Köpfchen machen. Aber immerhin, der Reichstag steht noch. Das Bismard- Denkmal wird ihm neu sein, denn das ist erst 1901 gekommen. Aber die Siegessäule steht in altem Glanz. Das schönste Denkmal aus der Kriegszeit, den vernagelten Hindenburg, fann er Teider wie alle heutigen Berliner nicht mehr genießen, Auch Kroll ift noch da, fieht nur ein bißchen vorteilhaft verändert aus. Durch grün befchattete furze Straßenzüge steuert man auf ein Straßen schild los, auf dem man lieft: In den 3elten". Da ist man also schon nahe bei. Aber die Straße, die so heißt, verdient auch Beachtung. Es ist nämlich eine sehr schöne Straße. Und wenn auch die Automobile hindurchschnaufen, so ist es im allgemeinen herrlich still unb ruhig dort. Die Häuser, zweiftödig und drei ftödig, von jener altfränkischen Reserviertheit, die einftmals solchem Viertel den Namen Geheimratsviertel eintrug. Die Bäume, die in der Straße Schatten spenden, find Eichen, darunter prachtvolle alte und hoch fich emporstreckende Riefen. In dieser Straße hat einst der Kaufmann Wesendod gewohnt, dessen Frau die Muse und Freundin Richard Wagners wurde. Der Musikhistorifer und Wagnerverehrer möge fich das Haus aussuchen. Unsere Zeit wird in dieser Straße durch etwas ganz anderes gefeffelt, nämlich durch das von Dr. Magnus Hirschfeld gegründete und von der Wert schäzung der internationalen Gelehrtenwelt umhegte Institut für Gegualwissenschaft, in der Ede der Straße In den in dem Gefühl, Konzert umsonst zu genießen, besonders gut. Promenade zwischen Pauken. Geschichtliches von den„ Zelten". Die Feiertagserholung im älteren Berlin war begreiflicherweise von anderer Art als heute. Ein Ausflug, ohne den wir uns im Sommer fein rechies Feiertagsvergnügen denten fönnen, galt da bals nicht als unentbehrliche Zutat. Bir an Straßenbahn und Eisenbahn gewöhnten Berliner der neueren Zeit machen uns nicht leicht eine Vorstellung davon, wie die Bewohner des älteren Berlin. bei dem elenden Zustand der fandigen Bandstraßen ihr sich auch mal regendes Verlangen, außerhalb der Stadt frische Luft zu schnappen", befriedigten. Noch bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden Spaziergänge nach Charlottenburg, Schöneberg, Tempelhof, Hafenheide, Treptow, Stralau, Lichtenberg, Weißensee, Bankow, Tegel als tüchtige Ausflüge angefehen. Im 18. Jahrhundert ba gnügten viele Berliner sich sogar mit dem nahen Tiergarten, der großenteils noch Wald, aber doch schon in der Umgestaltung zum Bart begriffen war. Vom Jagdrevier zum Zustwald. Der Tiergarten hatte vom 16. Jahrhundert ab den Kurfürsten als Jagbrevier gebient. Den Hauptteil des bedeutenden Gebietes, große Strecken Wald und Sumpfland, mußte dem Kurfücften Joachim II, als er noch Rurpring war, die Stadt aus ihrem Grundbesig im Jahre 1527 to stenlos( 1) hergeben, mährend er zur Abrundung fleinere Teile privaten Eigentümern abfaufte. Ein An dem in edlen, einfachen Umriffen gehaltenen Gebäude des Jagbrevier, so nahe bei der Etadt und dem Schloß der neue Inftituts vorüber geht es dann weiter. Und plöglich ein dumpfer Tiergarten reichte damals bis zur heutigen Schloßbrilde Schlen Stnall in der Ferne: Bum. Aha, ein geplagter Autoreifen. Und dem werdenden Landesvater umbebingt nötig, bamit er das Berwieder zwei Knalle: Bum Bum Manu, zwei geplante Auto- gnügen fogleich vor der Tür hatte. Bom Beginn des 18. Jahrreifen? Und plöglich ein rafendes Donnerwetter, bas natürlich nur hunderts ab verwandelte sich unter König Friedrich I der Tiergarten von einer Baufe fommen fann, die ebenso natürlich in einem allmählich in einen Luftwald. Diese Ilmgestaltung stand im 3uKonzert in einem Naturgarten der Zelten selber malträtiert mird. fammenhang mit der Entwicklung des hinter dem Tiergarten Regen Und in der Tat, hier sind die Zelte schon und ein Blid genügt, den uralten Dorfes Liezen( auch Liegow), deffen Umgebung von um zu zeigen, daß alles noch recht natürlich hier zugeht. Beinahe des Königs Gattin Sophie Charlotte zu ihrem Sommerfig erforen so wie vor 25 Jahren. Den Zeltenwirten scheint es in der legten und mit einem Schloß ausgestattet wurde." Lietzenburg" nannte Beit nicht schlecht gegangen zu sein, denn sie haben ihre Lokale man das Schloß, aber nach Sophie Charlottes Tob( 1705) erhielt fein herauspuzen laffen. Man liebt hier im Geheimratsviertel Schloß und Ort amtlich den Namen„ Charlottenburg". Vor offenbar grau. Aber es gibt doch Nuancen: Grauweiß, filbergrau, Errichtung des Schloffes in Ließen hatte der Tiergarten erst wenig taubengrau. Damit hat man alles angepinfeit, die Fronten der Wege. Der dorthin führende, den Tiergarten in jeiner ganzen Gebäude, die Tische und Stühle, die Veranden, die Musifpapillons, Länge durchschneibende Hauptweg war fo fandig, daß die Bagenbie Gitter und die alten Gastandelaber, die durch Bogen aus fahrt einen halben Tag erforderte. Nach und nach wurden mehr bünnen Rohren- verbunden sind, aus denen früher in ber hier wire feen und auch Bläge angelegt, unter anderem auf der zur Sicherlich guten alten Zeit das städtische Gas zweds Herstellung einer heit berherrschaften" mit Laternen besetzten Hauptallee ein die italienischen Nacht Floß. So unmodern ist man natürlich heute auch beschwerliche Wagenfahrt unterbrechender Ruhepunkt, der Große in den Zeiten nicht mehr, sich mit Gas italienische Nacht zu fabri. Stern", von dem ftrahlenförmig mehrere Alleen ausgingen. Sehr gieren. Heute geht alles elektrisch. Aber die Kandelaber und die viel angenehmer als die Wagenfahrt durch den fiefen Sand des Röhren sind noch da von anno dunnemals und weden Knaben Tiergartens war eine Schuytenfahrt auf der Spree. Der König erinnerungen aus frühester Jugend. Bier Zelte gibt es draußen hatte für seine Gattin eine Echunte aus Holland fommen lassen, eine immer noch. Und wer sich mit irgend wem, fagen wir mal mit gebette Gondel, die eine behagliche Einrichtung erhielt. Bei den nem Mädel da treffen will, ber muß fich auch genau die Nummer Fahrten von Berlin nach Liegenburg" wurde die Schuyte auf hol merten, fonft fann er lange warten. Da nun aber die Tiefe der ländische Art durch Pferde getreideit, darum hatte sie den gemütlich Grundstüde nicht allzu groß ift, fo fann man ihren gesamten mann flingenden Namen Tredschunte". Später wurde auch einem Unlichen und weiblichen Inhalt bald überfliegen. Und es geht überall ternehmer gestattet, eine Schuyte anzuschaffen und sie hier zu Luftgemütlich und wie gejagt feire natürlich zu. Es gibt hartherzige fahrten für ben Bürgersmann bereit zu halten. Man ficht, wie Birte, die ziehen zwischen dem Bublifum, bas zahlt und zwischen das Amüsierbedürfnis der Hohenzollern und ihres Hofes manchmal dem, das diefe Abficht nicht hat, eine hohe graue Wand. Das ist einen Fortsaritt" gebracht hat, der auch gewöhnlichen Sterblichen höchft unfozial. Man sieht dann braußen nichts und hört nur gezugute tam. Sonntag, 8. Juni 1924 Wie die„ Zelte" entstanden. Der an die Spree grenzende Teil des Tiergartens erhielt eine Anlage, die nachmals Bedeutung für das gefellige Leben Berlins ein von drei Baumreihen umgebener Plaz eingerichtet, von dem erlangte. Vor der Stelle, an der heute die" Zelte" stehen, wurde fieben Alleen ausgingen Birkel" wurde der Blah genannt, auch heute. Unter König Friedrich II., der die Jagd nicht liebte und den Plaz der fie en Kurfürsten", und„ Kurfürstenpiah" heißt er noch früheren Zwed des Tiergartens völlig aufgab, machte die planmäßige Umwandlung des von dem alten Piantenzaun befreiten ehemaligen Jagdreviers in eine parfartige Erholungsstätte rasche gute Gesellschaft Berlins zufammen, cft beteiligte fich Fortschritte. Auf dem Zirf1" tam in den Nachmittagsstunden die daran auch der Hof, und das bunte Schauspiel der gepusten Damen und Herren, der prächtigen Kutschen und der stattlichen Reiter fodie die schauluftigen Spazierganger in Scharen herbei. Eine Militärtapelle, die mit Erlaubnis des Gouverneurs sich hier aufstellte, sorgte für musikalische Unterhaltung, und in einer Art Korfo zogen langfam die Wagen, die Reiter und die Lustwandelnden im Kreise um den Plaz. An ihm wurden, damit die fich mehrenden Besucher auch eine Erfrischungsgelegenheit fänden, die 3e1te" errichtet. Die Belte" find heute Gastwirtschaften in feften Steinbauten mit vorgelagerten Sommergärten, und nichts scheint ihren hergebrachten Namen zu rechtfertigen, ehemals aber standen hier wirklich nur leichte Zelte. Bon 1475 ab durften alljährlich im Sommer am Birkel" ein paar Leinwandzelte aufgeschlagen und Getränke in ihnen feilgehalten werden, zunächst nur von den beiden Franzosen Thomassin und Dortu, die als die ersten diese Erlaubnis erhielten. Später folgten andere und die Zahl der Zelte stieg auf vier, zeitmeife jogar auf fechs. Die leichten Leinwandzle mußten bei Beginn des Winters weggeräumt werden, allmählich aber ersetzte man sie durch festere Solzbauten, in denen auch Winterbetrieb gestattet wurde. 29 Zelten"-Treiben im 18. und im 19. Jahrhundert. Eine zeitgenössische Schilderung, Friedrich Nicolais Bes fchreibung von Berlin, nennt den Birkel" mit den Belten" einen Hauptjammelplah aller Spazierenden" und sagt: An schönen Sommernach: nittagen, sonderlich des Sonntags und Feiertags gegen 6 Uhr, pflegen hier einige tausend Spazierende zu Fuße, zu Pierde und im Wagen zusammenzukommen Auf einem Kupferstich von Chodowiecki fehen wir die Hofequipagen und die Kutschen der Ariftotratie, die Damen in bauschigen Kleidern und mit hohem Haaraufbau, die Kavaliere mit gepuberten Berücken und zierlichem Degen. Die Gäfte der Belte" werden in den 1779 erschienenen Bemerkungen eines Reifenden durch die königlich preugischen Staaten" als eine buntfchedige Gesellschaft geschildert. Stuerhaft gefleidete junge Leute und schlichte Bürgerfamilie't mischten sich durcheinunder. Man trant Kaffee, Tee, Bier, Milch oder, wie der Verfaffer jagt, gar Waffer". Die Männer„ dampften ihre Pfeifen wohlriechenden Knasters", die Jüngeren gaben sich als Empidfame" oder„ ratschlagten über ökonomische Fragen". Friedrich Nicolais Roman Sebaldus Nothanfer", der 1773/76 erfchien, enthält eine anscheinerd ziemlich naturgetreue Echilderung des Treibens bei den Belten", Wir ersehen aus ihr, daß es dort schon damals auch berlinish gemütlich zuging. Ein Pietist, den Sebaldus zu den Belten" führt, wendet sich an die Spazierenben mit einer Strafpredigt gegen dieje weltlichen Vergnügungen" und stellt ihnen die Abicheulichkeit“ eines Sonntagsipazierganges vor. Die Menge sammelt sich um ihn, man schüttelt den Kopf, man lärmt und nennt ihn Irrenhäusler, einige werfen sogar mit Erde nach ihm. Ein Gerter, den er falbungsvoll mit einem Gefangbuchgitat anredet, verulft ihn, die Menge schlägt ein Gelächter auf und der Pietist hat endlich genug. Im allgemeinen bevorzuglen aber diejenigen Kreife, die man hochnäfig als„ nieberes Bolf" zu bezeichnen pflegte, die auf der anderen Seite der Spree im„ Moabiter Band" fiegenden Gartenwirtschaften. Von den Belten" erzählt auch E. T. 2. Hoffmann in feiner musikalischen Novelle„ Ritter " Die Zelten vor 150 Jahren. Glud", die er eine„ Erinnerung aus dem Jahre 1809" nemet. Er schildert die Spaziergänger, die in langer Reihe buntgemischt nash dem Tiergarten hinausziehen und in den Belten" alle Bläge besetzen," Elegants, Bürger mit der Hausfrau und den lieben Kleinex in Sonntagsfleibern Geistliche, Jüdinnen, Referendare, Freuden mädechn, Brofessoren, Puhmacherinnen, Tänzer, Difiziere usw." " Der Mohrrübentaffee dampft, die Elegants zünden ihr Sigaros an, man spricht, man streitet über Krieg und Frieden, über die Schuhe der Madame Bethmann, ob sie neulich grau oder grün maren, über ben geschlossenen Handelsstaat und böse Groschen usw., bis alles in eine Arie aus„Fanchon" zerfließt, wamit eine verstimmt« Harfe, «in paar nicht gestimmte Violinen, eine lungenfüchtig« Flöte und «in spasmatischer Fagott sich und die Zuhörer quälen". Bielleicht war die Musik doch nicht so schlecht, wie der in diesem Punkt sehr empfindliche E. T. A. Hofsmann sie schildert. Damals, im Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde in den Sommermonaten allsonntäglich in einem der„Zelte" auch ein großes„Frühkonzert veranstaltet, das regelmäßig ciußcro-rdentlichen Zulauf hatte. Ein Zeitgenosse erzählt, wie dort Männer und Frauen aller Bevölkerungsschichten zusammen- kamen. Reben einer Dame, die ihre Tasse Schokolobe mit Grazie schlürft, steht«in derber Handwerker, der fein Brot und eine Flasche hervorzieht und dem„Bruder Breslauer" zutrinkt. Auch eine Mit- teilung ans 1841 berichtet über große Beliebtheit der Frühkonzerte. In jenem Jahr lockte das schöne Pfingstwetter so viele Besucher hinaus nach den„Zelten" und den südlich des Tiergartens- liegenden Gärten(Hofsäger, Albrechtshof usw.), daß der Tiergarten schon früh um 5 Uhr von Spaziergängern wimmelte und alle Konzertgärten dicht besetzt wurden. Die„fieUe' in stürmischer Zeit. Ein ganz anderes Treiben herrschte vor den„Zelten" im Jahre 1848. Schon 1842 hatte Berkin eine„Zclten"-Kundgebung unge- wöhnlicher Art erlebt Damals ehrte die Berliner Studenten- s ch a f t die an der Unioersiiöt lehrenden Gebrüder Grimm mit einem Fackelzug, und sie brachte dabei auch dem von der Regierung oerfolgten und zufällig bei den beiden Grimms weilenden Hoffmann v. Fallersleben ein Lebehoch. Nach der Fackelauslöschung, bei der sie auch die„Göttinger Sieben" hochleben ließen, zogen die Studenten nach den„Zelten", nicht zu der üblichen Kneiperei, sondern zu einer politischen Besprechung. Die Studentenschaft stand damals nicht rechts, sondern links. In den„Zelten" war es auch, wo im öahre 1S4S am 6. Mär; die erste politische Versammlung stattfand. Eine Gruppe von Studenten und Künstlern beschloß in dieser Ber- sammlung, dem König eine Adresse(natürlich eine oppositionelle) zu überreichen, und eine dann am 7. März gleichfalls in den„Zelten" abgehaltene allgemeine Versammlung stimmte zu. Von da an wie- derholten sich die„Z«lten"Bersammlungen. Die nächsten folgten schon cm 9. März und am 13. März, und nach dem 18. März wurden sie für längere Zeit zur Regel. Sie fanden meist im Freien auf dem „Zirkel" statt, an derselben Stelle, an der die geputzte Hofgesellschaft des 18. Jahrhunderts sich so oft die Langeweile vertrieben hatte. Die ohne Zestfreuöe. Was dem einen eine Nachtigall, ist auch beim lieblichsten der Feste dem anderen eine Eule. Millionen stellen schon wochenlang vorher tiefgründige Betrachtungen über das Wetter an, erörtern Kleiderfragett, schmieden Reiseplän«, die in den meisten Fällen noch kein« zwei Meilen ins Land hinausführen, weil das Geld für die wenigsten ausreicht, um die Natur dort zu bewundern, wo sie noch viel schöner ist als in unserer märkischen Streusandbüchse. Damit sie sich freuen können, all« diese Millionen, müssen einige Hunderttausende sich noch schwerer als am Werktage in den Dienst t«.- Arbeit und des festfeiernden Massenpublikums stellen. Nein, es sind feine Banalitäten. Denke daran jeder, der sich forttragen läßt vom festlichen Massenstrom. Man schimpft nach alter Gewöhn- heit, wenn im Stadtbahn- und Vorortzuge das leere Dienstabteil verschlossen ist und in den übrigen Abteilen die wie Heringe oer. packten Menschen sich fast die Kleider vom Leibe reißen oder wenn Ausflügler wie die Mauern auf den Bahnsteigen stehen und die Züge nicht mit der ersehnten Schnelligkeit oder bereits überfüllt einlaufen, aber man kann doch zufrieden sein, daß im allgemeinen alles klappt. Solche Riesenapparate mit sicherem Blick zu leiten, ist keine Kleinigkeit. Irgend«in unvorhergesehenes Ereignis, besspiels- weise ein langes Gewitter, kann viel« Dispositionen über den Haufen werfen. Die Menschenmassen flüchten aus den Wäldern, strömen vorzeitig bei den Haltestellen der verschiedenartigsten Verkehrs- instih.it« zusammen. Das sind die gefürchteten Augenblicke, die den Verkehrsmann vor feine schwierigsten Aufgaben stellen. Von den obersten leitenden Köpfen bis zu den untersten ausführenden Händen soll alles funktionieren. Das Publikum darf, damit es nicht nervös wird, Schwierigkeiten gar nicht merken, und jeder Beamte soll, auch wenn ihm„sein Fest" zum Halse heraushängt, tausend gleiche Fragen mit gleicher Ruhe und Höflichkeit beantworten, soll kleine Toll- heiten, die ungemütlichen Leuten auf die Nerven fallen, nicht sehen und die Gabe haben, größere Streitigkeiten mit mehr gutem Zu- reden als mit preußischer Grobheit zu schlichten. So ergeht es in ungezählten Exemplaren auch dem Restaurateur und Cafötier, dem Kellner und selbst der Toilettenfrau, dem Musi- kanten, Bootsführer, Polizeier und vielen anderen, die der Feiertag Die Venus von Syrakus. Von Clara Rahka. „Da wäre ich wieder, Fiametta, und etwas Hübsches habe ich dir mitgebracht." Er zog eine Korallenkette aus der Tasche. Mit einein gurrenden Laut griff sie danach. Dann verloren sich die Augen ineinander. „Kleine Fiametta," sagte Renzo leise und sehr stolz:«r wußte, nach dieser Reise stand er in der Reihe der Männer. Doch während er sie ansah, und während er half, die Kette um ihren Hals zu legen, ging ihm etwas anderes durch den Kopf, ein Racken, Schultern, ein ganzer wundervoller Körper: die Venus von Syrakus, dem Meere entsteigend. Er hatte in Neapel eine Nachbildung dieser herrlichen kopflosen„Aphrodite Anadyomene"(die aus der Meeresflut aufsteigende Liebesgöttin) gesehen, und nun gab es keinen Frauenhals, keinen Frauennacken mehr, den er nicht prüfend betrachtete, kein Antlitz, in dem eV nickst den Ausdruck, die Linien eines Hauptes suchte, das würdig wäre, von jenem schönen Körper getragen zu werden. Dieses Suchen hatte ihn wie ein Fieber ergriffen. Vor fünfzehn Jahren, zu Beginn des neunzehnten Jahr- Hunderts, hatte man die griechische Statue im Giardino di Bonavia in Syrakus gefunden, und bis zum heutigen Tage war es keinem Künstler gelungen, ein Frauenantlitz.zu ge- stalten, das der Liebe jener entsprach, die diesen Schatz hüteten. Hohe Herren und Gelehrte hatten die Künstler zu immer neuen Entwürfen angespornt, doch alle Bemühungen waren vergebens: die Venus, deren Nachbildung Renzo in Neapel geseben hatte, stand in ihrer einsamen, rätselvollen Schönheit in Syrakus, und zu ihren Füßen ruhten unsichtbar, eine stumme, tiefe Huldigung, die vielen Versuche der besten Bildhauer. Fiainettas zarter Mädchenhals, ihr junges, sinnenfrohes Gesicht, das hatte nichts mit jener Fernen zu tun, die einer Vision gleich in ihm lebte. Er legte seine Hände� auf Fiamettas Schultern, feine Augen wurden klar und fest. „Du bist ganz anders," sagte er, sich befreiend. „Anders?" Ihr Gesicht verfinsterte sich._„Wie sollt« ich wohl anders fein? Ich bin genau so, wie ich war, als du abreistest," sie griff nach der Kette. der Masse Mensch mitten in die arbeitsreichsten Berufspflichten hin- einstellt. Der Beamte folgt dem Gewohnheitspfiff nach der Dienst- einstellung, die übrigen sind Feiertagsoerdiener und blasen Trübsal, sobald der Regengott ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Denkt daran und nehmt Rücksicht auf alles, was euch selbst die Festes- freude ermöglicht! Und noch ein« andere Kategorie von Festlosen gibt es. Das sind die Bedauernswertesten. Sie haben nicht das be- rühmte Sonntagshuhn im Topfe, können bestenfalls irgendwo auf Schusters Rappen frische Luft schnappen, sehen griesgrämig auf soviel Festesfreude ringsum. Di«„ausgleichende Gerechtigkeit" sorgt ja dafür, daß niemals alle Räder stillstehen und die Bäume uns allen in den Himmel wachsen._ Ehrenobermeisters Schanötaten. Der zweite große Rahardk-Prozeß. In der zweiten Hälfte des Juni wird der zweite Teil der Straf- oerfahren, die gegen den früheren Präsidenten der Handelskammer, Ehrenobermeister Karl Rahard t, schweben, zur Verhandlung kommen. Mit Karl Rahardt wird wiederum sein Sohn, der Kauf- mann Erich Rahardt, und der Sekretär der Handelskammer, Ernst H o f f m a n n, mitangeklagt. Außerdem haben sich mehrere Kaufleute zu verantworten. Bekanntlich war Rahardt Dater und Sohn und Ernst Hoffmann bereits im Dezember 1922 wegen Betruges und zahlreicher anderer Delikte zu ziemlich langen Gefängnisstrafen verurteilt worden. In dem vorliegenden Falle handelt es sich um die Verschiebung der Danziger Werft. Di« An klag« lautet auf Untreue, Betrug zum Nachteil des Reiches, Beihilfe dazu, Dieb stahl, Preiswucher und Kettenhandel. Als seinerzeit die Danziger Werft aufgelöst werden mußte, wurde die Verwertung der Materialien an Gesellschaften gegeben und es sollte in der Hauptsache das Handwert berücksichtigt werden. Die Anklage behauptet nun, daß Karl Rahardt mit den übrigen Angeklagten sich zu Konzernen zusammengetan und Gefellschaften gebildet haben, die mit den Mitteln der Berliner Handwerkskammer die Ausbeutung der Werft in die Hand nahmen und für ihre Prioatzwecke die Gelder ver- wendeten. Daneben wird nun behauptet, daß weit mehr Material auf der Werft verladen worden ist, als den Prioatgefellschastm zu- stand. Das Materiol soll dann zu Wucherpreisen weiterverkauft worden sein. Karl Rahardt befindet sich seit langem in Haft. In- zwischen ist einer der Mitangeklagten nach Spanien geflüchtet, in- folgedessen sind di« übrigen Mitangeklagten ebenfalls in Haft gefetzt worden. Für die Verhandlung vor dem Schöffengericht sind etwa sechs Wochen in Aussicht genommen worden, den Vorsitz wird Land- gerichtsdirektor Schultz« führen. Die Anklage vertritt, wie im ersten Rahardt-Prozeß, Assessor Dr. Kußmann. Die Verteidigung der sämtlichen sechs Angeklagten haben die Rechtsanwälte Rätter und Dr. Willy Thiele übernommen. Ter kleine Borkhause« tot aufgefundeu. Den Bemühungen de« ReilbSwasserfchutzeS und der Berliner Kriminalpolizei ist es gestern gelungen, das vermißte Kind des Generalkonsuls Dr. Borkhausen aus der Dahme herauszufischen. Ein sremdeS Verschulden kommt nicht in Frage. — Beim Spielen fiel am Freitag der gjährige Schüler Fritz K a n i s ch aus der Huttenstraße in den Verbindungskanal, wurde jedoch von dem Schiffer Erwin Otto gerettet. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 8. Juni(1. Piingstfeiertag). An beiden Pfingstfeiertagen FrDhkonzert von 8— 9.30 Uhr. 4 Uhr: Märchen, gelesen von Fräulein Ilse Kamnitzer. 4.30 bis S 45 Uhr: Berliner Funkbapelle(Unterhaltungsmusik). 6 Uhr: Szenen aus„Martha", Oper von Flotow. Martha: Maiy Wurm- Meisenberg, von der Berliner Staatsoper; Nanev: Else Jörn, von der Großen Volksoper, Berlin; Lyonel: Hans Batteux, von der Berliner Staatsoper; Plumkett: Eduard Kandl, vom Opernhaus, Cbarlottenburg; ein Kammeroichester. Dirigent: Otto ürack, kr. Kapellmeister an der Berliner Staatsoper. Montag, den 9. Juni(2. Pfingstfeiertag). 4 Uhr: Vortrag des Herrn Erdmann Graeser:„Berliner Pfingsten". 7.30—7 Uhr: Sonderkonzert der verstärkten Berliner Funkkapello. Gesangseinlagen: Margarete Schlenzka- Kramm, Willi Weiß. Dienstag, den 10. Juni. 5.30— 7 Uhr: Berliner Punkkapelle(Unterhaltungsmusik). 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Schontok:„Im Salon der schönen Frau". 9—11 Uhr: Orohesterabend. Dirigent: Otto Urack. fr. Kapellmeister an der Berliner Staatsoper. Mitwirkende: Mitglieder des Berliner Philharmonischen Orchesters. Er nahm ihre Hand und streichelte sie, dabei lachte er herzlich auf.„Ja, freilich bist du das! Ich hatte nur eine Idee iin Kopf, eine Vorstellung von einer Frau." „Was, was hattest du?" sie zerrte ihre Hand fort, die dunklen Augen wurden drohend,„eine andere Frau, sagst du? Gott, Herrgott!" Ganz unerwartet brach sie in Tränen aus. „Nein, ich mag nichts mit einem Künstler zu tun haben, ich mag es nicht!" Sie drehte sich der Wand zu, legte den Kopf in den rund gebogenen Arm und schluchzte. Renzo schwieg und betrachtete sie wohlgefällig. „Nein— nein." stieß das Mädchen zwischen heftigem Aufschluchzen hervor,„ich will es nicht! Kaum kommst du heim— die Seele hat man sich aus dem Leib gebangt— und du sprichst von einer anderen!" Renzo küßte ihren Nacken, dann schlang er fest die Arme um sie.„Dumme, süße Fiametta, es ist ja eine Frau aus Stein, eine Statue, etwas Lebloses— und du, du—!" Das Mädchen schnellte wie ein Fisch hin und her, dann warf sie beide Arme um seinen Hals.„Ich habe dich so unbändig lieb, mein Ren.zo," sagte sie schnell, zitternd. Es war das erstemal, daß einer von ihnen solche Worte sprach. Trennung, Angst, Erregung, Eifersucht hatten sie Fiametta entrissen. Auch Ren,zo erbebte und hielt das Mädchen dicht an sich gepreßt. Sein ganzes Leben war ja ein großes Abenteuer.— Aus Taormina war er gekommen, vor noch nicht einem Jahre, aus der hochgelegenen Felsenstadt, in der seine Mutter und seine Schwestern Spitzen arbeiteten und Geflügel verkauf- tcn, wo der Vater, mit schweren Lasten auf seinem Esel, in die entlegensten Gebirgsdörfer wanderte, immer hin und her, grau und braun vom Wetter, wie sein Esel und seine Säcke— und er, er saß hier in der herrlichen, glänzenden und leb- hatten Stadt, war bei dem großen Meister und konnte das einzige tun, wonach ihm der Sinn stand— konnte die Hände ausstrecken nach was er wollte: man liebte ihn, vertraute ihm. olles gelang ihm— und hier, hier hatte er gar ein Mädchen im Arm, ein schönes, warmes, zärtliches Ding. � War er nun ihr Verlobter, oder was wurde aus diesem glühenden Schluß feiner großen Reise? Sein Herz schlug nicht ganz im Takt mit dem der kleinen Fiametta; es mochte kein Ziel fühlen, es stand im Anfang. Zur Mittagszeit versammelte sich eine ganze Schar der Einwohner des alten, nur zur Hälfte bewohnbaren Palazzos im Binnenhof. #JogpItofcn#. Frechheit siegt noch immer. Ein« Bande von Faßdieben trieb seit längerer Zeit un- gewöhnlich dreist ihr Unwesen. Drei Mann fuhren mit einem Ein- spänner auf Fabrik- und Lagerhöfe und luden ungestört leer« und volle Petroleum-, Benzin-, Benzol- und andere Fässer auf, die sie gerade fanden. Man ließ sie ruhig gewähren, weil man sie immer für Arbeiter des Betriebes hielt. Gegen ein Trink- geld half mitunter auch der Pförtner beim Aufladen. Endlich wur- den die Schwindler und Diebe in einem Betriebe im Norden der Stadt entlarvt. Sie hatten mit einer Fuhre bereits wieder den Hof verlassen, wurden aber verfolgt undeingeholt. Einer wurde festgenommen, die beiden anderen entkamen. Der Verhastete, ein 24 Jahre alter Felix Stürmer, der sich wohnungslos in Berlin umhertrieb, war der Nachfolger des ursprünglichen„Unter- nehmers", eines gewissen Nern, der am 26. April seine Ge°> liebte in der Andreasstraße erschoß und auf der Flucht von einem Beamten der Schutzpolizei ebenfalls er- schössen wurde. Mit dem Tode des Nern fiel die Kolonne zu- nächst auseinander. Stürmer aber fand bald neue Helfer und nahm den„Betrieb" wieder auf. Mit den neuen Männern aber„klappte" es noch nicht so wie früher, und so fand das neue Unternehmen plötzlich ein Ende. Im ganzen waren bisher gegen 60 Fuhren gelungen. Die Abnehmer find noch nicht ermittelt. Seine ent- kommenen Spießgesellen will Stürmer nicht kennen. Mit der Beilpicke erschlagen. In Hannover wurde am vergangenen Dienstag nach- mittag die 66 Jahre alte Ehefrau Klara Adolf geb. Jfer- mann mit einer Militärbeilpicke erschlagen. Der Mörder ist etwa 20 Jahre alt und 1,68 Meter groß. Er hat ein rundes rötliches gesundes, bartloses Gesicht, und trug einen bräunlichen oder grauen Jackeitanzug und wahrscheinlich einen weichen weißen Hemdkragen. seine graue Ballonmütze ließ er am Tatort zurück, war« icheinlidi nahm er dafür einen weißen Strohhut mit. Außerdem raubte er 100— 160 Goldmark und einige Kleinigkeiten. Der Verdacht fällt auf einen Mann, der in der Nacht zum Mitt- woch aut dem Bahnhof Hannover eine Fahrkarte nach WünSdorf lösen wollte, aber keine mehr erhielt. Er hatte frische Kratz- wunden am Halse und am rechten Auge eine glänzende aber wenig auffallende Brandnarbe, durch die der Augenwinkel etwa? zusammengezogen ist. Mitteilungen über das Auftauchen de» Mörders, der jetzt in Berlin gesucht wird, an Kriminalkommissar Werneburg im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums. Schützt die Republik. Die groß angelegte Rede des Genossen Löbe am Donnerstag, den 5. Juni, im Reichstag hatte unter stürmischem Beifall der ge» samten republikanischen Linken darauf hingewiesen, daß wir in wenigen Wochen ein« große republikanische Organisation haben werden. an deren Wall die„Stahlhelme" zerspringen und. die„Wehr- wölfe" sich die Köpfe einrennen werden. Und unter nicht enden- wollendem Beifall schloß Genosse Löbe sein« Rede mit den Worten: „Hier aber verteidigen wir die Schanze, in der wir kämpfen, die deutsche Republik." Diese groß« repubk- kanische Organisation� die im Werden begriffen, ist das Reichs- bann er Schwarz-Rot-Gold, Bund republikani, scher Kriegsteilnehmer tGefchäftsstelle Berlin C.> Kaiser- Wilhelm-Str. 46 III). Die Taffache, daß täglich 60neueOrts- gruppen des Reichsbanners sich bilden, sagt wohl genug. In der anhaltischen Stadt Bernburg beherrscht das Reichsbanner mit 12000 Mitgliedern di« ganze Stadt und das Land weit umher und kein Hakenkreuz ler wagt y es dort, sich blicken zu lassen. In Berlin könnte das Reichsbanner Hunderttausende von Mitgliedern haben. Deshalb ist es notwendig. daß alle Republikaner die nächsten großen Veranstaltungen beachten. Am Freitag, den 13. Juni, abends 754 Uhr, findet in der großen Stadthalle des Stadthauses, Klosterstraß«,«ine republikanische Kimd- gebunq statt in der Polizeioberst Schützinger zu dem Thema: „Schützt die Republik!" sprechen wird. Weiter wird am 24. Juni anschließend an die Kundgebungen der Parteien das Reichs- banner am Grab« des ermordeten Reichsministers R a t h« n a u «ine Erinnerungsfeier mit Kranzniederlegung begehen. Hier. zu werden Karten ausgegeben. Die Teilnahm- an der Kundgebung in der Stadthall« steht allen Republikanern frei. kohlenpreise. Di« Preisprüfungsstell« Berlin teilt mit: Vom 10. Juni ab betragen die Preise je Zentner für Briketts 1,45 M. ob Lager, 1,55 M. frei Haus; bei Lieferung über 30 Ztr. 1,50 M. Di« entsprechenden Preise für Kots stellen sich auf 2,09 bis 2.24 und 2,19 M. Gagini hatte einen Tisch herausgeschafft, auf dem alle Leckerbissen der nächsten offenen Küche und einige Flaschen Vino del Bosco standen. Man aß und trank und schwatzte in heiterster Ungebundenheit. Es war wie ein kleines Or- chester von Rattern, Schnalzen und Schmatzen. Man saß. hockte auf der Tischkante und schlenderte herum. Jeder griff nach dem. was ihm behagte. In der Mitte des Tisches stand eine große Schüssel heißer Frittüre, soeben aus dem siedenden Fett geschöpft: kleine Fische, Artischocken und Fenchelschnitzel. saftig, braun, knusperig; daneben ein Korb mit Orangen gefüllt. Den hatten die Brüder Falconi hergebracht. Sie fuhren jeden Morgen zu den Gärten vor den Toren und versorgten eine ganze Reihe von Garköchen, die in Palermo. überall, an Straßen und Gassen, für die Bevölkerung zu jeder Stunde ein Mahl bereiten, mit allem, was diese üppigen Gärten hergeben. Am Nachmittag unternahmen sie Fuhren für den Oelhändler Campofiori. der mit einer vierzehnköpfigen Familie vorn an der Straße wohnte, gleich neben dem Tor- bogen. Ein anderer, sehr gern gesehener Gast war Frau Bruscoli, die Wäscherin. Ihre Leinen mit den flatternden Kleidungs- stücken des gesamten Palazzos, ja der ganzen Via Bandieya, waren jahraus, jahrein über den großen Hof gespannt, in dem sich das Leben der vielen Betriebsamen abspielte. Doch dieses Leben, ganz nach außen hin gewendet, faß, lief, sang, weinte, arbeitete auch auf den vier übereinander liegenden Galerien des Binnenhofes, und es blickte überall aus den Fenstern hinaus. Hier zog man sich nicht zurück, ging nicht aneinander vorbei: man lebte herzhaft unter der hellen Sonne und sprach Not, Liebe. Feindschaft, Zukunft und Berg.angenheit in des Nachbars Gesicht hinein. Und jetzt feierte man. Man feierte, so oft man konnte, mit einer wahren Inbrunst. Alles war der Stunde hin- gegeben. „Und nun sage uns, wie Neapel aussah!" rief der jünger« Falconi, während er den Mund weit öffnete, um eine Hand- voll Makkaroni hineingleiten zu lassen. „Neapel?" Renzo sah sich lebhaft im Kreise um.„Neapel ist ein Juwel, ein Schmuck, eine Krone, kunstvoll hinaufgetrie- ben— hellschimmernd. mit bunten Adern durchzogen— von Bastionen geschützt. Dunkelgelb und rot sind sie, herrisch! Rührt nicht an die Krone!" Alle sahen ihn an, sie berauschten sich am Wort. (Fortsetzung folgt.) Klatsch und Tratsch. Beleidigungskino im Gerichtssaal. Eintritt frei Nur beschränkter Raum, Erste Darbietungen, nirgends überboten. Nie dagewesener Lacherfolg. Hochdramatische Effette. Kein Hokuspokus, alles pulsierendes Leben drastisch und faftig, für jeden Geschmack. Das Spiel beginnt... " Du Schwein!" hat er gesagt. Ich hau Dir eins, daß Dir Deine Zähne von hinten herausfliegen und Deine Augen von vorne! Die falschen noch dazu," faucht die runde Frau." Ob falsch oder echt, darauf kommt es dem Gericht nicht an," meint der Richter." Der Zeuge hatte nichts gehört." Doch, mein Mann saß im Ich reichte ihm Papier."„ Die steden ja unter einer Decke."„ Natürlich." Und sie hat gesagt, die Verbrecherbande, Pollackenbande, kann mir Sieht aus wie ein Ludewig."„ Gelogen!"„ Was ge= fogen!?" Angeklagter und Klägerin stürzen aufeinander los. Es entsteht ein Geschimpfe. Die Zeugen nehmen daran den regsten Anteil, der Richter schreit etwas dazwischen, in den Zuschauerraum tommt Bewegung, drohende Fäuste erheben sich, Flüche werden ausgestoßen. Der Rechtsanwalt, der dazwischenfährt, bekommt so was mie Schnauze" zu hören. Minutenlanger Lumult. Der Sefretär lacht, das Publikum auch, nur der Justizwachtmeister sitzt teilnahmslos dabei. Der Richter versucht zu versöhnen, es dauert lange. Endlich nehmen die beiden die aiten Beleidigungen zurück und beginnen gleich mit neuen. Sie soll die Gerichtskosten tragen. Sie will das nicht, weil sie Kriegerwitwe ist. Natürlich," sagt er, einen Hund kann sie sich halten, seidene Strümpfe fann sie tragen!"„ Alles Schwindell" freischt sie, ich bin eine arme Frau und der hat einen Anwalt!"„ Ihr Schwindel," sagt der Anwalt.„ Mit dem Schwindel, da haben Sie's heraus," pariert sie. Das waren der Portier und die Verwalterin. Der Vorhang fällt. Nächste Nummer. Personen: ein Polizeibeamter, did und gut frisiert, als Hausverwalter. Eine dicke, große, fünfzigjährige Frau von grauer Gesichtsfarbe und giftigem Mund und ihr Sohn, ein Lehrer mit blondem Bart, blassem Gesicht und nervösen, infantilen Bewegungen. Ort der Handlung: die Treppe. Ursache des Zwistes: nicht renovierte Wohnung. Gegenseitige Beleidigungen. Mutter und Sohn haben einen Anwalt mit. Der Richter versucht einen Vergleich. Vergebliches Bemühen. Beide Parteien kommen ins Schimpfen hinein. Erregter Wortwechsel. Die Frau schlägt die Die Frau schlägt die höchsten Töne an. Der Polizeibeamte bleibt natürlich nicht die Antwort schuldig. Der Sohn beruhigt die Mutter, ohne Erfolg. Alle Schleusen find geöffnet. Der Richter läßt es gewähren. Die Frau befiehlt dem Polizeibeamten, den Mund zu halten, sie will allein reden. Der wird rabiat.§ 175 entflieht seinem Munde. Der Sohn wird wild, die Mutter freischt:„ Lüge, Verleumdung!" Man hört den Polizeibeamten:„ Knabe... Hose... Hausflur.„ Nein, das laß ich mir nicht gefallen, ich bin Lehrer. Keine Versöhnung. „ Sie Schieber. Häuser. Galizische Juden."„ Ich bin 25 Jahre Bolizeibeamter!"" Wenn auch, werden es nicht mehr lange sein, wenn ich ausframe, was ich weiß." Der Anwalt fährt dazwischen. Der Verwalter, alias Polizeibeamte, wird plötzlich fleinlaut. Vergleich ist nun möglich. Nur der Sohn läuft noch empört hin und her. Er will noch immer nicht die Behauptung zurücknehmen, daß der Polizeibeamte Zeugen zu falscher eidesstattlicher Versicherung aufgefordert hat. Endlich Schluß. Im Korridor werden gegenseitig die Beleidigungen fortgesetzt. 44 Ein Dritte Nummer. Darsteller: der Angeklagte, ein kleiner, dicer Mann mit einer schiefsitzenden Nase, seine Frau, ebenso did, als Zeugin. Der Untläger und Widerbeklagte, ein schwindsüchtiger junger Mensch, seine Frau und Bruder als Zeugen. Der Angeflagte ist bereit, feine Beleidigungen und Mißhandlungen zurüd zunehmen wie er es mit den Mißhandlungen machen will, ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Der Ankläger will wenigstens sein ärzt liches Attest bezahlt bekommen. Plöglich reicht der Angeklagte dem Antläger die Hand und erklärt: Ewiger Frieden. Der Kläger fchlägt ein. Bierte Nummer: Klägerin und Widerklägerin in Begleitung ihrer Ehemänner. Sieben Zeugen. Die Klägerin tam mit dem Mülleimer in einer Hand und mit Eiern und Geld in der anderen die Treppe herauf. Diese Gelegenheit benutzte die Angeklagte, ihr mit den Händen ins Gesicht zu fahren und ihr Kraßwunden zu verur fachen. Die Angegriffene verteidigte sich mit dem Mülleimer und setzte der Angreiferin eine Beule ins Gesicht. Das Ganze entstand wegen Haustlatsches. Die Anwälte versuchen eine Versöhnung herbeizuführen. Alte Zänfereien werden aufgetischt. Klatsch und Tratsch vor dem Richter. Mißgunst, Kleinlichkeit, Neid, Bosheit, Niedertracht, Gemeinheit, Dummheit, Hinterlift, spießerische Beschränktheit usw. usw. Blüten der bürgerlichen Erziehung. Der Richter, der Ente! eines berühmten deutschen Komponisten, läßt hier sein musikalisches Ohr in Katophonie schwelgen. Er macht aber seine Sache vortrefflich. Er läßt Kläger und Wider fläger sich in wüsten Schimpfereien unter seiner Obhut austoben, und nachdem sie so unter dem Schuße des Gesezes dies in aller Breite getan haben, versöhnt er sie. Ein feiner psychologischer Kniff. Es foftet aber Geld und Zeit." Ein netter Streich. Nach Veruntreuung von 30000 Rentenmark wurde fürzlich ein 23 Jahre alter Bantbeamter August Frey verhaftet. Er bot der geschädigten Bant sein Willengrundstück, das er in einem Vororte befigt, als Unterpfand für Schadloshaltung ant. Er stellte dann auch noch eine Bürgschaft und wurde daraufhin aus der Untersusungshaft entlassen. Bevor die Bant von der Entlaffung benachrichtigt worden war, benutte Frey rasch die Gelegenheit, das Willengrundstück zu verkaufen. Mit dem Erlös in der Tasche, verschwand er eiligst aus Berlin und nahm seine junge Frau mit. Eine Spur des Paares führt nach Stuttgart. Mitteilungen über sein Auftauchen nimmt die Dienststelle B. II. 1. der hiesigen Kriminalpolizei entgegen. Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands. Der Hauptvorstand der Arbeitsgemeinschaft hat eine Sprechstunde eingerichtet, die jeden Freitag, mittags 12-2 Uhr, im Bureau des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, 2. Hof lints 4 Tr., stattfindet. Schaumpon mit dem schwarzen Kopf Das altbewährte Kopfwaschpulver Der Straßenbahnhof in Stahnsdorf niedergebrannt. Nichts gerettet! 3wei große und gefährliche Brände beschäftigten am Sonnabend vormittag die Berliner Wehr am Nordufer 18/19 und die freiwilligen Wehren von Stahnsdorf, Teltow und anderen benachbarten Orten in Stahnsdorf. Hier in Stahnsdorf stand früh der Straßenbahnhof der Berliner Straßen bahn vollständig in Flammen. Die freiwilligen Wehren nahmen ein B- Rohr und 7 C- Rohre vor; es gelang ihnen aber nicht, des Feuers Herr zu werden. Der Bahnhof ist mit seinem gesamten Inhalt, der einen Wert von vielen millionen hat, bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Es fonnte nichts gerettet werden. Die Berliner Wehr und ebenso die Zehlendorfer Wehr erhielten erst Nachricht von diesem großen Feuer, als schon alles in Asche lag, so daß feine Hilfe mehr gegeben werden konnte. Die Entstehungsurfache ist noch nicht aufgeklärt. Frankiert mit den Wohlfahrtsbriefmarken für die Deutsche Nothilfe"! Man vermutet Kurzschluß, hegt aber Zweifel, ob dieser das Unglüd allein verschuldet haben kann. Der Bahnhof ist von dem Kreise Teltow erbaut worden.- Ein ebenso gefährlicher Brand rief die Feuerwehr nach den„ Standard- Werten" am Nord. ufer 18/19, wo besonders Dele und Fette den Flammen reiche Nahrung gegeben hatten. Die 6. Kompagnie war zum Glück schon zur Stelle, und es gelang ihr, durch träftiges Waffergeben mit zwei Motorsprigen stärksten Kalibers die Flammen zu löschen. Der Schaden soll aber ganz erheblich sein. Die Berliner Feuerwehr hatte am Sonnabend abend um 6 Uhr einen größeren Brand in der Heidelberger Straße 75/76 zu löschen, wo im Erdgeschoß infolge einer Staub Eine Zwischenwand von 1½ Steinstärke war eingedrückt. Als die Wehr an der Brandstelle antam, brannten Naturmöbel in solcher Ausdehnung, daß mit mehreren Schlauchleitungen von Motorsprigen Wasser gegeben werden mußte. Der Schaden soll erheblich sein. Ein zweiter Brand beschäftigte die Wehr in Biesdorf, wo in der Dorf Straße 76 ein großer Holzichuppen mit Inhalt in Flammen stand. Auch hier mußte fräftig gelöscht werden, um des gefährlichen Brandes Herr zu werden. Es soll angeblich Fahrlässigkeit vorliegen. Die Elternbeiratswahlen. 1. Kreis mitte. Eltern, deren Kinder folgende Gemeindeschulen besuchen, werden gebeten, ihre Namen an nachstehende Adressen einzusenden: für die 8., 26., 45., 63., 179., 180. Gdule an Gläser, Erfasser Str 49; für die 16., 24., 130. Schule an Ohngemach, Kommandantenſtr. 88; für die 84., 9., 153., 154. Schule an Ausbrassat, Georgenkirchstr. 37; für die 10., 67., 260. Schule und XI. Hilfs Schule an Möbius, Ackerstr. 6/7; Bittoria- Schule, Prinzenstr. 51, Realgymnasium, Sebastianstr. 26, Oberrealschule, Dresdener Str. 113, an Wannhoff, Michaelkirchplay 5 I., Filmschau. Die Filme der Woche. Ein neuer Schwedenfilm ist immer ein Ereignis selbst wenn er nicht voll einschlägt. Nach einem in Schweden sehr bekannten Roman von Elin Wagner sind die Weiblichen Junggesellen" bearbeitet( U.T. TauenhienBalaſt). Man braucht feine schwülen Garçonneszenen zu befürchten, wie in Marguerittes Roman. Vier Mädchen, die sich ihr Brot selber verdienen, bausen zusammen in einem Junggesellenheim, zu dem Männern der Zutritt verboten ist. Bir sehen die Mädchen in ihren Stontoren, wir erleben ihre Sorgen, ihren Streit and ihre fleinen Abenteuer mit. Zu Weihnachten aber geht der Klub mit seinen Grund äßen in die Brüche. Harriet, die Hauptperson, die auch noch für ihren kleinen Bruder mitsorgen muß, verlobt sich mit ihrem Chef, der sie erst als leichte Beute nehmen wollte, Kontrastbilder aus dem wohlhabenden bürgerlichen Leben bringen Ababer von ihr zur Liebe und Achtung befehrt wird. Ein paar hübsche wechslung. Diskret ist die Psychologie behandelt, fein abgestimmt auch die Aufnahmen, aber der Regisseur Per Lindberg bat eine gewisse Monotonie nicht überwunden, die durch den Stoff bedingt scheint. Tora Teje ( vom„ Erotikon" her im besten Angedenten) gab die Harriet mit schöner Innerlichkeit, sie zeigte Adel im Kontorfleid( wenn sie auch nicht auf den vorteilhaften Einbrud losging). Sie erzielt mit ihren Gefährtinnen ein schönes Zusammenspiel. Ein anderer Schwedenfilm: Die Heimat rust!" Gleichfalls nach einem erfolgreichen schwedischen Literaturwert bearbeitet, nach dem Drama Johan Ulfstjerna" von Tor Hedberg wird jett in der Ostwald- Lichtspielen öffentlich aufgeführt. Wir haben gelegentlich seiner Premiere im Brimuspalast bereits auf die Gefahr hingewiesen, daß er zu nationalistischer Hez propaganda ausgemukt wird. Das Publikum der Ostwald- Lichtspiele zeigte aber keine Quit dazu, es stand ganz unter dem starken fünstlerischen Bann. Ein Kapitel aus Finnlands Befreiungskampf ist dargestellt, voll starker Bildplastik und voll erschütternder Tragik. Für den jungen Sohn, der im Verschwörerfomitee zur Ermordung des zaristischen Gouverneurs es ist der berüchtigte Bobritom ausgeloft ist, springt im lepten Augenblick der Vater ein. Er sühnt seine Vergangenheit, die ihn an die Seite der Feinde feines Landes gebracht hatte, und opfert fim für seine Heimat und feinen Sohn. Eine innige Liebesgeschichte geht neben der start erregten Handlung einher, die u. a. bravourhaft inszenierte Bokstrawalle bringt. zur Zierde gereichen. Ivan Hedquist( der Bater), Einar Hanson( der Die Darsteller haben feinsten Kammerstil, sie würden dem besten Theater Sohn) und Mary Johnson( die Braut) sind die starken Träger der Hauptrollen, ganz Natur und Schlichtheit. Die feinste Seelenregung spies gelt sich auf ihrem Antlig, und auch im großen Moment hat man nie das Gefühl der Pose. Deutsche Regiffeure, schafft uns Filme von der Art. d. Der Sumpf wurde uns durch die Alhambra beschert. Es ist der übliche Amerifaner mit seinem gerüttelten Maß voll unwahrscheinlichkeit. Sie wird von einem Manne betrogen und gerät mit ihrem Stinde in das Elend, den Sumpf, aus dem sie ein Jugendgespiele durch die Heirat rettet. Inzwischen spielt ein gelber Mann die Rolle des Beschützers. In der ganzen Belt besteht eine offene Auflehnung gegen den deutschen Durchschnittsfilm. aber unentivegt versorgt uns unsere Einfuhr mit ausländischen Durchschnittsfilmen. Wenn man viele Amerikaner sieht, fällt es einem auf, daß sie wiederholt die gleichen Einfälle verwerten. Sie find wohl erfindungsreich und toll in ihren Einfällen, aber bei ihrer Oberflächlichkeit nehmen sie sich nicht die nötige Muge zur feineren Ausarbeitung. Interessant wird„ Der Sumpi" nur, weil Sessue Haya lawa, ein Sapaner, Frantie Lee, Ameritas jüngster Filmstar und Bimbo, ein Wunder pferd, mitwirken. Regteres, ein ruhiges Zier, fünt mit seinen Stünſten ein paar nette Szenen. Frantie Lee macht seine Sache tadellos. Doch marum fostümiert man ihn in Jadie Coogan Ropic? Sessue Hayakawa ,. der durch die abendländische Schauspielschule ging, paßt sich unseren Darstellern mit richtigem Einfühlen an. Sein hervorragendes Mienenspiel tommt man eben auch im Film sehr weit. Das bemerkt man ebenso in wird durch ein vorzügliches Filmgesicht unterstüßt. Mit der Natürlig feit Die Talfahrt des Severin Hoyer( Primus- Palast), wo man vor allen Dingen die Natur sprechen läßt. Dbzwar drei Menschen ihre Ideen verwerteten, brachten fie dennoch einen anständigen Film heraus. Die schöne Frau eines nur seiner Wissenschaft lebenden Gelehrten steht zwischen dem Mann, der sie befigt, dem, der sie verehrt, und dem, 3. Kreis Wedding. Die Aufstellung von Vorschlagslisten für die Elternbeiratswahl an den christlichen Schulen des Weddings ist unmöglich, wenn nicht alle Barteigenoffen und Vorwärts"-Lefer, die ihre Kinder noch in die chriftliche Schule schicken, bereit sind, an ihrer Schule zu fandidieren und die Wahlarbeit zu unterstützen. Alle sind verpflichtet, ihre Adresse mit Angabe der Schule, die ihr Kind besucht, noch heute abzugeben bei den Genoffen Sudy, Putbuser Str. 36; We de, Goldiner Str. 70; Hempel, Transvaalstr. 14; Goldmann, Gropiusstr. 1; Gustav 3ehl, Hochstr. 13, 3. Aufg. 2. Hof, 3 Tr.; Haase, Lütticher Straße 2 und Dammasch, Dudenarder Str. 24, bis spätestens gewissen Bornehmheit herausgearbeitet, die von selbst jede grobe Sensation zum 9. Juni. da die Listen am 12. Juni eingereicht sein müssen. berbietet. Margit Barnah spielt die Frau des Dr. Land und, unter Für und der Ehemann hält sein Haus rein. den sie liebt. Diefe eigenartige Situation findet ein gutes Ende, Das alles ist in einer meindeschuern der 85., 104., 159., 262, 272. und 284. Gestützt durch eine gute Schneiderin, wird fie ihrer Rolle vollauf gerecht. Die die auf dem Boden der VSPD. stehen, findet am Dienstag, den 10. Juni, abends 7 Uhr, in der Turnhalle der 85. Gemeindeschule eine Versammlung statt. Durch die Naje geschossen wurde gestern abend der Boftbeamte August Schwarz, Holsteinische Straße 17 in Wilmersdorf, als er gerade vom Dienst kam. Kinder haatierten dort recht unvorsichtig mit einem Tesching vor dem Hause, und plöglich ging ein Schuß los; er traf den Sch. direkt in das Nasenbein. Der Rettungswagen der Wilmersdorfer Feuerwehr brachte den Berlegten in das Kranken. haus in der Pfalzburger Straße. Bom Auto getötet. Am Sonnabendvormittag wurde on der Ede. der Borhagener Straße und des Bismardplates die neunjährige Schülerin Gerda Mächting aus der Simon- Dach Straße 38 von einer Kraftdroidhte überfahren und sofort getötet. Das Kind. hatte beim Herannahen des Autos versucht, die Straße zu überschreiten, war aber dann plöglich zurüdgelaufen und geriet so unter die Vorderräder der Kraftdroschke. Der Chauffeur brachte das Kind in, seinem Wagen zum Arzte, der aber nur noch den Tod der Kleinen feststellen konnte. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Sonnabend, den 7. Juni: 1. Rennen. 1. Rodonda( Krüger), 2. Kriegsgewinnler( H. Schmidt), 3. Ristil( Tarras). Toto: 227: 10. Blaz: 28, 11, 11:10. Ferner liefen: Ed, Heliade, Raimond, Teufelsnärrin, Sydow. 2. Rennen. 1. Diestel( D. Schmidt), 2. Eisenkrone( Bachmeier), 3. Favilla( Sengich). Toto: 58: 10. Blak: 18, 23, 14: 10. Ferner liefen: Fontamora, Tatkraft, Teufelsbraut, Cambutta, Robertine, Karawanka, Gentmora. 3. Rennent. 1. Palamedes( D. Schmidt), 8. Farmer( Rofina), Zoto: 19: 10. Plak: 12:10. 1. Hornbori( 2. Tarras). Toto: 11:10. Play: 13: 10. Ferner liefen: Tod und Teufel, Eichkage, Heldraftein. 3 liefen. 4. Rennen. 1. Ganelon( D. Schmidt). 2. Hampelmann( Bleuler), 3. Staffelstab( Olejnit). Toto: 16:10. 3 liefen. 5. Rennen. 1. Dstrea( D. Schmidt), 2. Enve( Rosina), 3. Heimat treuer( Günther). Zoto: 11: 10. Blag: 10, 10: 10. Ferner lief: Gnadenfrist. 6. Rennen. 1. Denfftein( D. Schmidt), 2. Fuchsmajor( Dertel), 3. Rasbet( Grabsch). Toto: 33: 10. Plak: 18, 15: 10. Ferner liefen: Jlberstedt, Sanguinifer, Qiane II. 7. Rennen. 1. Sapienta( Grabsch), 2. Mänade( D. Schmidt), 3. Sheitan( Franzle). Toto: 163 10. Blaz: 50, 31, 31: 10. Ferner liefen: Dalberg, Neptun, Hansa, Münzmeister, Hingebung, Korsoba, Staatsferl, Arienta. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Zunächst beiter, recht beträcht liche Erwärmung bei mäßigen füdlichen bis südwestlichen Winden. Heiter und troden. Für später langsam zunehmende Bewölfung, Regen und Ab. fühlung wahrscheinlich. Für Deutschland: Ueber Deutschland wird fich von Westen her weitere Erwärmung ausbreiten, der allerdings Bewölkung, Regen und Abkühlung folgen wird. Landschaftsaufnahmen witten außerordentlich start. Der Text ist auf das allernotwendigste beschränkt, sogar derartig, daß zuweilen die Bildfolge be fremdend wirkt. Der Regisseur Otto Linnefogel lieferte eine saubere Arbeit, die man tatsächlich als eine Bereicherung des an und für sich so e. b. flauen Sommerprogramms ansprechen tann. „ Die Herrin von Monbijou." Ein Belniffilm unter diesem Titel erlebte seine Uraufführung im Marmorhaus. Eine Bald und Wiesengeschichte mit bem beliebten mondänen Einschlag. Eine fupplerische Wutter, eine zartbe faitete Tochter, ein reicher, ein armer Verlobter, Fürsten, Attachés, ff. Umgebung. Man reift in Italien und an der Riveria herum und erfüllt den 3wed des Filmes an einigen schönen Stellen. ha Mara ist die Tochter, die Ritty heißt und zwischen den Männern ein freudloses Dasein verbringt die Sache zum Sterben langweilig wird. Trotz der schönen Reise herrschen die Atelleraufnahmen in diesem Dugendfilm vor, der extra für die sommerliche Filmspielzeit geschaffen zu sein scheint. Geschäftliche Mitteilungen. Ein Preisabbau, wie ihn Berlin noch nicht gefchen hat. Die Firma M. Riethmüller das Haus der Tuche in Berlin C. 2, Moltenmarkt 15, bringt ab Dienstag( 3. Feiertag) früh 9 Uhr Stoffe für Herren- und Damenbekleidung zu so außerordentlich billigen Preisen zum Verkauf, daß man mit vollem Recht behaupten tann, ein weiterer Preisabbau ist nicht denkbar. Nähere Einzelheiten fagt das Inserat in der heutigen Nummer. Die große Möbelfabrit Albert Gleiser Att.- Ges., Berlin, am Alexanderplag, Alexanderstr. 42, ist jest wieder in der Lage, Möbeleinrichtungen zu Bedingungen und Preisen wie im Frieden anzubieten, so daß jedermann wieder Die langjährig bestehende renommierte Firma Anschaffungen machen kann. garantiert für die erstklassige Beschaffenheit ihrer Erzeugnisse und steht jedem mit fachmännischer Beratung zur Verfügung. Siehe heutige Anzeige. Saalbau Friedrichshain, früher Brauerei Friedrichshain, ist wohl der schönste Naturgarten Berlins und wird am 1. Pfingstfeiertag von nachmittag ab durch einen Bolfstag zu dem billigen Preis von 50 Pf. eröffnet. Geboten werden die größten Spezialitäten und Promenadentonzerte zweier Kapellen, außerdem Freilicht- Rino. Ferner an allen beiden Feiertagen Frühkonzerte, bei un günstiger Bitterung im Riefensaal. Inserat in diefer Nummer.) Raffee kann gefocht werden.( Eiche Briefkasten der Redaktion. Amtmann. 1. Nein. 2. Nach den großen Sommerferien. Näheres wird noch bekanntgegeben. Koch& Leeland bringen die feinsten Aachener Fabrikate Herren- Stoffe„ Kammgarne 15.- 20.Mtr. das Beste im Tragen.. Damen- Stoffe.1.30 breit Gabardine, Rips, Tuche.... Mtr. 6.- 8.Sertraudtenstr. 20/21 gegenüber Petrikirche. RUSO- ZIGARETTEN IN ALLER MUND Drei Mischungen aus edlen Orienttabaken Ruso Rund m. Gold u. o. M. 2 Pf. Ruso Gold 22 Pf. Ruso Kork 3 Pf. / ✓ ZIGARETTEN- U.TABAKFABRIK, RUSO" RUND& SOHN, BERLIN SW 19. A Gewaltig ermässigt Streifen for Blusen mittelfarbig... Meter für Kinderkleider...... Meter 115 Rockstreifen 185 moderne Muster, 100 cm br., Meter Wollmusseline in grossem Sortiment... Meter Popeline reine Wolle, mit kanstseld. Streifen, 100 cm breit, Meter ein195 Verkauf nur soweit Vorrat Perkal für Blusen und Oberhemden, ca 80cm br., Meter Zephir....... Meter 65. 68. 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Und dann ist, und dann ist Alles, wie's gewesen ist. Marx Sonntag, 8. Juni 1924 Hergt 00 Der Ueberraschungsfieg bei einer Schönheitskonkurrenz. Der große Saal war bis auf das letzte Bläßchen gefüllt. Aller Augen blickten in höchfter Spannung nach dem Podium, auf dem foeben der letzte Aft der Schönheitsfonfurrenz begonnen hatte. Sechs Damen hatten die Preisrichter für den engeren Wettbewerb ausgewählt und nun galt es, der Schönsten unter den Schönen den Preis zuzuerkennen. Es war ein schweres Stück Arbeit für die Preisrichter, denn jede der Konfurrentinnen war in ihrer Art eine vollendete Schönheit. Da das Kollegium fich nicht einigen konnte und immer wieder zu erneuten Beratungen zusammentrat, so faßte das Publikum schließlich die Sache von der heiteren Seite auf und ein junges Mädchen, das in der ersten Reihe jaß, brach ganz unvermittelt in ein schallendes Gelächter aus. Empört ob dieser Störung ihrer ernsten Arbeit wandten sich die Preisrichter nach der noch immer harmlos lächelnden Dame um und ein Eclat schien unvermeidlich. Aber o Wunder!... Die erzürnten Mienen des Richterkollegiums glätteten sich mit einem Schlage und der Vorsitzende rief voll Entzücken:„ Heureka! Dort ist die Schönste!". Und die ob dieser Wandlung ganz erstaunte Maid wurde im Triumph auf das Podium geführt und empfing den ersten Preis, obwohl sie nur ein Durchschnittsgesicht hatte. Und des Rätsels Lösung?... Ihr Heiterfeitsausbruch verschaffte der jungen Dame den Sieg, denn eine Bertenreihe entzückender Zähne von einem schneeweißen Schmelz und strahlender Gesundheit verschönte ihr sonst nicht übermäßig blendendes Antlitz in einer Weise, daß die anderen Mitbewerberinnen unterlagen. Die Moral: Nur wirklich gut gepflegte Zähne verbürgen wahre Schönheit, und die Preisträgerin verdankt ihren Ueberraschungssieg einzig und allein dem dauernden Gebrauch des unentbehrlichen Kosmetikums für eine rationelle Zahnpflege, dem weltbekannten Chlorodont. Diese einzigartige Zahnpaste entfernt zumeist schon nach einmaligem Bugen den braunen Belag, wie er besonders nach Zigarettenrauchen aufzutreten pflegt und beseitigt den schädlichen Zahnstein. Ein noch unästhetischerer Schönheitsfehler ift der üble Mundgeruch, der sich bei schlechter Zahnpflege für die Umgebung so abstoßend bemerkbar macht. Hier wirft Chlorodont wahre Wunder. Ein herrlich erfrischender Geschmack und Geruch macht den regelmäßigen Gebrauch direkt zu einem Lebensbedürfnis. Mit Recht ist daher Chlorodont bet Millionen von Kulturmenschen täglich im Gebrauch. Eine große Lube für 80 Pfennige reicht 4-6 Wochen. Kleine Tube 50 Pfennige. Man weise billige Ersatzmittel zurück. Chlorodont ist in allen Apotheken, Drogerien und Parfürmerien zu haben. Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Geite Hauptblatt.) Für den Achtstundentag! Entschließung der Gewerkschafts- Internationale. Die Steigerung der Produktion ist: 1. ein technisches Problem, dessen Lösung verbesserte Werkzeugmaschinen für die Serienproduktion zur Voraussetzung hat, ferner bestimmte Arbeitsmethoden, hochqualifizierte Arbeiter und Wertführer; 2. ein moralisches und soziales Problem, das mindestens ein gewisses Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in jedem Betrieb in sich schließt; 3. ein internationales Problem, da die Nationen immer mehr in gegenseitige finanzielle, industrielle, kommerzielle und landwirtschaftliche Abhängigkeit geraten und es in jedem Lande neben nüzlichen und rationellen auch entbehrliche, unrationelle Industrien gibt. Bei allen Nationen, feien es folche mit schlechtem oder gutem Wechselkurs, sind das wirtschaftlich und moralisch gestörte Gleichgewicht, der Verkauf zu Schieuderpreisen, die Abfahtrisen, die Arbeitslosigkeit und die Lebensmittelbeuerung Folgen der allgemeinen Unsicherheit, ferner der wirtschaftlichen Irrtümer des Friedensvers trages, des übermäßigen Proteftionismus, der hohen Zölle, des Buchers und der Uebergewinne, der Spekulation und der Aufstapelung von Gütern, der Inflation, der Wechselfursunterschiede, der unausgeglichenen Budgets, der noch nicht erfolgten Lösung des Reparationsproblems und der Frage der interalliierten Schulden. Alle Nationen sollen die Ausbeutung ihrer natürlichen Reichtümer anstreben und auf die Wahl von lebensfähigen Industrien achten, ferner auf den Ausbau und die technische Vervollkommnung ihres Produktionsapparates, die Arbeitsteilung, die Erhöhung der individuellen Produktion durch die Reform des Bildungswesens, auf die Gruppierung der Industrien, die Förderung der Landwirtschaft mittels rationeller Bewässerung, Drainage des Bodens, Berwendung von Düngemitteln und zweckentsprechenden Maschinen, endlich auf die Vermehrung der Transportmittel und der Austauschmöglichkeiten sowie auf ein internationales Einverständnis hinsichtlich der größtmöglichsten Zirkulationsfreiheit der Rohmaterialien und Waren. Das Problem des nationalen Wiederaufbaues ist zum Teil iden= tisch mit dem Problem des moralischen und wirtschaftlichen internationalen Wiederaufbaues. Die Unternehmer und Regierungen, die sich höchst wenig mit dem Frieden und dem Wohlergehen der Arbeiter befassen, sind nur auf die dauernde Verminderung der Kaufkraft der Löhne aus, fel es durch die Vermehrung des Popiergeldes oder durch die Abschaf= fung der Gefeße über den Achtstundentag unter dem trügerischen Vorwand, daß der Achtstundentag die Ursache der Schwierigkeiten sei, die der Krieg und ihre Unvorsichtigkeit, ihre Inkompetenz, ihre Untätigkeit und Willenlosigkeit geschaffen und fortgepflanzt haben. Die Angriffe auf den Achtstundentag haben den Zweck, die 48- Stunden- Woche durch die 54- oder gar 60- Stunden- Woche zu ersetzen und sind ein Beweis dafür, daß die Unternehmer und Regie setzen und sind ein Beweis dafür, daß die Unternehmer und Regie rungen nach der Herabsehung des wirtschaftlichen, moralischen und fozialen Niveaus der Arbeiterklasse streben und welches auch die dauernd wiederholten, heuchterischen Versicherungen sein mögen fördern. Die herrschenden Klassen erweifen sich zur Lösung der von ihnen hervorgerufenen und vermehrten Schwierigkeiten unfähig. Auf Grund dieser Erwägungen haben die Arbeiter aller Länder die doppelte Pflicht, sich einerseits mit aller Kraft gegen die geringste Verletzung des Gesetzes über den Achtstundentag zur Wehr zu setzen und anderseits ohne Berzug ein tatsächliches, teilweises Mit wirkungs- und Mitbestimmungsrecht in allen industriellen, kommerziellen, landwirtschaftlichen und finanziellen Betrieben zu fordern, mit dem Ziele, die höchstmögliche Steigerung der Produktion sowie den Austausch in allen Ländern und zwischen allen Ländern rationell zu organisieren und sich den Uebergewinnen, den Schutz zöllen, der Spefulation und der wucherischen Aufstapelung von Waren zu widersehen. 30 011, der 2. 24 573 und die Bereinigte Opposition 56 382. Die der Bezirke jedoch weit entfernt. In Sachsen und Nürnberg Wahlbeteiligung betrug bei der Stimmabgabe für den und an einzelnen Plägen in anderen Bezirken, die einst zu den Hoch Hauptbetriebsrat insgesamt 82,6 Proz. Der DEV. erhielt burgen der Kommunisten gehörten, ist die oppositionelle Bewegung 61,71 Broz( bei der letzten Wahl 73,23 Proz.) die GdE. 10,35 zum Stillstand gekommen; in Nürnberg beklagen fie sogar starfe BerBrozent( 10,98 Proz.), der AEV. 8,48 Proz.( 8,62 Proz.) und die lufte. Noch geringer sind die Erfolge der Kommunisten bei den örtOppofition 19,46 Proz. aller abgegebenen Stimmen. Die lichen Wahlen, denn dort, wo die Wähler die Kandidaten dieser 25 Size im Hauptbetriebsrat verteilen sich so, daß der Richtung in nächster Nähe und am deutlichsten vor Augen haben, ist DEB. 16, die GDE. und der AEV. je 2, die kommunistische Oppo- ihre Neigung, sich ihrer Führung anzuvertrauen, am geringsten. fition 5 Size erhält. Der DEV. bleibt also die führende Organisa Ein anderes Bild bietet die Stimmabgabe für die Betaon der Eisenbahner. Auf seinen Schultern liegt die Auf sirtsbetriebsräte. Hier erhielt der DEB. 181203 gleich gabe, das fachliche Interesse der Eisenbahner maßgebend zu ver 9,83 Proz., der AEV. 24 289 65,30 Broz, die GdG. 27 287 treten. Es ist nur die natürliche Folge dieser Stellung des DEV., 8,75 Proz., die Kommunisten 44 729 16,12 Proz. aller abge- daß sich alle Pfeile der Kritik gegen ihn richten. Während der DEB. die ganze Laft der fachlichen Verantwortung trägt, haben die anderen Verbände volle Freiheit, sich ihren agitatorischen Bedürfnissen hins zugeben. Auch das gilt vor allem für den Kommunistischen Freien Eisenbahnerverband. Im Bewußtsein dieser Stellung und seiner Berantwortung wird der DEVB., unbeirrt von dem Treiben seiner Gegner, die Aufgaben erfüllen, die das Bertrauen der großen Mehrheit der Eisenbahner ihm gestellt hat. Unser = Tnsere werten Leser und Freunde werden gebeten, in allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeitungsverkaufsstellen usw., sowohl in GroßBerlin als auch im übrigen Reich und im Ausland ausdrücklich den 9. VORWÄRTS" zu verlangen. Die kommenden Feiertage bieten Gelegenheit, überall für die Parteipresse zu werben und das Auslegen des Zentralorgans der VSPD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Sollte der ,, Vorwärts" an Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen oder anderen Verkaufsstellen nicht erhältlich sein, so wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar VORWÄRTS"-VERLAG Berlin, Lindenstr. 3:: Fernspr. Dönhoff 2506/2507 gebenen Stimmen. Der Anteil des DEV. an der Zahl der abgegebenen Stimmen ist also in diesem Falle größer als bei der Stimmabgabe für den Hauptbetriebsrat. Bei den Bezirksbetriebsräten waren insgesamt 344 Gige zu pergeben. Davon entfallen auf ben DEB. 244, die GDE. 27, den AEV. 25, die Kommunisten 48. In diesen Zahlen findet die Bedeutungslosigkeit der drei übrigen Richtun gen, verglichen mit der entscheidenden Bormachtstellung des DEB., ihren frappanten Ausdrud. Die Wahlbeteiligung in den Bezirken iwantte zwischen 98,8 Proz im Reichsbahndirektionsbezirk Breslau benachteiligt war, weil es teilweise von der französisch- belgischen und 65,1 Proz. in Elberfeld, deffen Gebiet aber bei den Wahlen Eisenbahnregie besetzt ist. Die Berliner Schuhmacher zum Verbandstag. Am Mittwoch, den 4. Juni, fand in der Königsbant, Große Frankfurter Straße, die Mitgliederversammlung des Schuhmacher verbandes statt, die Stellung nahm zu dem Verbandstag im August sowie zu der Bezirkskonferenz am 15. Juni. Einleitend referierte der Bevollmächtigte Hörg, indem er die Anträge zum Verbandstag, die von der Ortsverwaltung gestellt sind und sich nur auf die Statutenänderung bezogen, erläuterte. Bon den allgemeinen Anträgen ist nur der zu erwähnen, daß der Schuhmacherverbandstag bei der Internationalen Lederarbeiter- Union den Antrag auf Aufnahme des Russischen Lederarbeiterverbandes stellen soll. Hör sprach in der Versammlung nicht als Rommunist. Man hätte glauben tönnen, einen der vielgeschmähten Gewerkschaftsbonzen zu hören. Bon politischer Parteineutralität und gegenseitiger Duldung sprach er. In der Diskussion sprach Vollmershaus über die Statuten. änderung. Die von der Ortsverwaltung gestellten Anträge feien im allgemeinen faum von Bedeutung, doch hätten sie etliche Giftzähne, die gezogen werden müssen, wenn nicht der Gesamtverband finans ziell dabei schlechter fahren soll. Vor allen Dingen wolle er die Rechte des Beirats erweitern, um dadurch den technischen Gang des Verbandes durch Belastung von Urabstimmungen nicht allzu stark zu beschweren. Seine Ausführungen, die von Sachkennt nis getragen waren, fanden auch bei seinen schärfsten Gegnern Anerfennung. Er betonte, daß das Unterstügungswesen auch die vom Zentralvorstand beantragte Aufhebung der Krankenund Wöchnerinnenunterstügung beibehalten werden müsse. Er wunderte sich darüber, daß die Rufer im Streit über„ Klassenfampf organisation", wie die Berliner Kollegen, nicht so fonfequent sind, unterstügung zu beantragen. Hierauf gingen die sogenannten beim Verbandstag auch die Aufhebung der Arbeitsloseni Klassentämpfer in der weiteren Distuffion mit feiner Silbe ein, weil fie wahrscheinlich schon merken, baß ihnen die Felle wegschwimmen. An der weiteren Diskussion beteiligten sich: 3oller, Roch, Stod mann, Müller von der KPD., die selbstverständlich die alte Walze vom ersten Sündenfall bis zur freundlichen Aufnahme in tas moskowitische Himmelreich" ableierten. in feiner Weise den Willen zeigen, das Wahlergehen aller au wahl der Betriebsvertretungen deutlicher zeigt, im Zeichen des Disziplin fordert und daraus für die Verbandsschädlinge die Die Arbeiterklasse soll der Offensive der Unternehmer gegen den Achtstundentag mit der Offensive zugunsten des Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechtes begegnen. Wenn die Unternehmer den Be weis für die Aufrichtigkeit ihrer gegen den Achtstundentag gerich teten Behauptungen liefern wollen, so sollen sie den Hand- und Kopfarbeitern zuerst in allen Betrieben den Anteil an der Leitung und Kontrolle der Betriebe zugestehen, auf den sie Anspruch erheben dürfen und den fie nötigenfalls zu erfämpfen wiffen werden. Ergebnis der Reichsbahn- Betriebsrätewahlen. Am 16. Mai erfolgten in allen Betrieben und Dienststellen der Reichsbahn die Neuwahlen zu den Betriebsvertretungen. Die Wahlen zu den örtlichen Betriebsräten, zu den Bezirksbetriebsräten bei den Reichsbahndirektionen und zum Hauptbetriebsrat beim RVM. wurden gleichzeitig in einem Wahlgange durchgeführt. Dem freigewerffchaftlichen Deutschen Eisenpahnerverbande( DEB.) standen als Gegner bei den Wahlen gegenüber: die christliche Gewerkschaft deutscher Eisenbahner( GbE.), der zum Gewerffchaftsring gehörende Allgemeine Eisenbahnerverband( 2ER.) und die unter der Führung des fommunistischen Freien Eisenbahnerverbandes ( FEB.) stehende sogenannte Vereinigte Eisenbahner opposition". Die Listen dieser vier Richtungen sind an dem Wahlergebnis beteiligt. Von 289 758 gültigen Stimmen, die bei den Wahlen zum Hauptbetriebsrat von 360 474 Wahlberechtigten abgegeben wurden, erhielt der DGB. 178 792, die Gdé. Ein Antrag des Zentralvorstandes, der eine schärfere Ronfequenzen zieht, also eine glatte Selbstverständlichkeit, machte den Leutchen große Kopfschmerzen. Nachdem noch Schüler treffende Ausführungen machte, schritt die Versammlung zur Wahl der Kandidaten zum Verbands tag. Nun hörte die von Hör betonte Duldfamkeit auf. Die rend die der Amsterdamer Richtung 81 bis 99 Stimmen erhielten. KBD.- Kandidaten wurden mit 127 bis 185 Stimmen gewählt, wähDie Wahlen der Delegierten zur Bezirkskonferenz gestaltete fich ebenso. Bergleiche mit den Betriebsratswahlen der früheren Jahre ergeben, daß die beiden im bürgerlichen Bager stehenden Eisenbahnerverbände, die GdE. und der AEQ., einen bestimmten Status an Mitgliedern wie an Stimmen erreicht haben, der niemals nennenswert überschritten, aber auch nicht wesentlich vermindert wird. Das Leben dieser beiden Verbände steht also, wie sich mit jeder NeuStillstandes. Mitten im Rampf steht jedesmal der DEV. Seine Bastionen werden von allen Seiten berannt, aber nur den Oppofitionellen gelingt es, tiefer in feine Reihen einzubringen. Als gute kommunisten" ziehen sie mit allen Mitfein der Demagogie gegen den DEV. zu Felde. So treten sie nicht einmal allerwärts unter ihrem Namen auf. Der fommunistische FEB., der die Führung der Opposition in der Hand hatte, hat nur in Berlin und in Köln unter Nennung feines eigenen Namens Listen zu den Bezirksbetriebsräten eingereicht, während diese Richtung in allen anderen Bezirken unter der vielbeutigen Firma„ Ber- Jahren in dieser Versammung reden fonnten, fönnen auf die Die Amsterdamer Kollegen, die zum erstenmal feit cinigte Oppofition" auftrat. So versuchen es die Kommunisten, die aufgebrachte Stimmenzahl stola fein und müssen nun weiter Stimmenzahl ihrer Listen fünstlich zu erhöhen, denn sie werden auf im Interesse des Verbandes wirken. Sie werden es fich angeleget diese Weise nicht nur unter den Arbeitern der Reichsbahn, die sich fein laffen, ihren Anhängern durch lehrreiche Gewerkschaftsvorträge positiv für den FEB. als Sonderorganisation erklären wollen, sondern das geistige Rüstzeug im Kampfe für die Arbeiterinteressen zu geben. fie vereinigen auf ihren Listen alle Unbefriedigten und Mißvergnügten aus allen Lagern. Am Mittwoch, den 18. Juni, abends 6% Uhr, findet bereits eine Versammlung statt mit dem Thema:„ Die Aufgaben der GewerkTrotzdem ist der Erfolg der fommunistischen Befchaften". Die Amsterdamer Kollegen werden sich's überlegen müssen, wegung unter den Eisenbahnern gering geblieben. Mißt man den Fortschritt, den die Kommunisten gegen das Vorjahr gemacht wahlen zum Verbandstag einzustellen haben, nachdem die wie sie sich zur Ürabstimmung zu den Delegierten= haben, an dem riefigen Aufgebot an agitatorischen KPD.isten ihnen von den drei Mandaten nicht eins abgetreten haben, Mitteln übelster Art, das ein ganzes Jahr lang gegen den trotzdem sie zwei Fünftel der Stimmen aufbrachten. DEB. in Bewegung gehalten wurde; bedenkt man, daß die Verhältnisse des verflossenen Winters und des beginnneden Frühjahrs der Demagogie der Kommunisten einen außerordentlich günstigen Boden bereitet hatten; segt man in Redheung, daß die kurz zuvor abgeschlossenen Reichstagswahlen den Kommunisten gleichfalls Wasser auf die Mühle geliefert hatten, wenn auch sehr trübes, so ist der Fortschritt der KPD. jogar als auffallend gering zu bewerten. Bei der Stimmabgabe für die Bezirksbetriebsräte ist, wie sich schon aus den angeführten Zahlen ergibt, der Fortschritt der Opposition sogar noch geringer als bei der Wahl zum Hauptbetriebsrat. In den Reichsbahndirektionsbezirken Berlin und Oberfchefi en hatte sie schon im vorigen Jahre die Mehrheit in den Bezirksbetriebsräten erreicht. Diese Mehrheiten vermochten die Kommunisten auch bei diesen Wahlen zu halten, und dazu gewannen sie die Mehrheit im Bezirks betriebsrat in Köln. Daneben haben sie einen gewissen Stimmenzuwachs und den Gewinn einiger Mandate in einer Reihe von Bezirksbetriebsräten zu verzeichnen. Von der Mehrheit oder auch nur von einem nennenswerten Einfluß sind sie in der Mehrzahl Dujardin der wundervolle Weinbrand UERDINGEN A RH Wohin Jhr auch den Wanderschritt am Tag der Pfingsten lenkt: Tehmt Euch die liebe Kleine mit So eitel Freude schenkt.-~~ Jch glaube, daß Jhr alle wißt, was es für eine Kleine ift. 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Der eventuelle Erfolg einer dritten Partei wird von größter Be- deutung für Amerikas innere Politik, die dadurch endlich von einem System loskäme, dessen Schattenseiten die Enthüllungen aus dem großen Petroleumkorruptionsskandal in volle Oeffent- lichkeit gerückt haben. Das Vertrauen zu beiden Parteien, zur demokratischen wie republikanischen, hat gelitten, weite Kreise wenden sich von ihnen ab, und in der öffentlichen Meinung wachsen die Sympathien für Borkämpfer gegen die Korruption. allen voran Robert La F ol l e t te" öcnator von Wisconsin, den alten„ehrlichen Bob", der so viele schwere An- griffe als„Prodeutscher" wegen seines tapferen Kampfes gegen Amerikas Eintritt in den Krieg über sich ergehen lassen mußte. Die Gruppe progressiver" Senatoren, die, bisher beiden alten Parteien angehörend, den Kern einer künftigen Partei bilden dürfte, weist Männer auf wie B o r a h, der die Ab- schaffung jedes Krieges auf sein Programm gesetzt hat, Owen, Vertreter des Indianerterritoriums Oklahoma, der die tapfere Rede gegen die alleinige deutsche Kriegsschuld im Senat hielt, Shipstead, den begabten, jungen Führer der Farmer Labor Party von Minnesota— es sind die Männer, die größere internationale Gesichtspunkte haben, die Hetze gegen Deutschland ablehnten und alles für eine gerechtere Beurtei- lung tateir. Noch nennen sich die„Fortschrittlichen" nicht So- zialisten, aber sie rechnen stark auf sozialistische Unterstützung. * Die Sozialistische Partei, verhältnismäßig klein, hat durch kommunistische Zersetzung schwer gelitten! sie ist überdies in ihrer Entwicklung sehr durch die Schnelligkeit, mit der sich noch immer der Aufstieg von einer Klasse in die andere vollzieht, gehemmt, so daß im wesentlichen das Proletariat sich aus den Fremden, aus neuen Einwanderern oller Länder, denen selbst das einigende Band der Sprache fehlt, besteht. Aber ohne Nennung des Wortes„Sozialismus" scbreiten überall Bestrebungen, die ihrem Wesen nach sozialistisch sind, fort, ob sie Nim für„Public O w n e r s h i p"(Gemein- geschäftsbesitz) oder für„I n d u st r i a l Democracy" eintreten, ob sie sich als„r o d i c a l s" oder als„liberal s" nicht nach dem Begriff politischer Liberaler, sondern im Sinne „Freiheillicher" bezeichnen. Sie sind antikapitalistisch, anti- korruptionistisch. für Volksregierung, Volksbesitz, Volksrecht. Völkerfrieden in weitestem Umfang. Die ersten positiven poli- tischen Erfolgs einer dritten Partei würden alle, die bisher un- befriedigt dem Parteileben gegenüberstehen, dieser zuströmen lasten. Bedenkt man, daß etwa die Hälfte der Wähler Ame- rikas ihre Rechte nicht ausüben, fo erkennt man, wie viele auch zahlenmäßig noch gewonnen werden können. Es hat den Anschein, als ob die verschiedensten Sondergrup�en ebenso wie die Sozialisten bereit sind, sich hinter die Präsidentschafts- kandidatur La Follettes und die dritte Partei zu stellen. Gc- lingt es, einen einigenden Rahmen zu schaffen für groß« Ge- sichtspunkte, so ist Boden für radikale Politik gegeben. Jedes Laitd kann nur d i e Politik treiben, die seiner Eigenart ent- spricht— in Amerika handelt es sich zunächst darum, die bis- herige Alleinherrschaft des Großkapitals, seinen unumschränk- ten Einfluß auf Krieg und Frieden. Innen- und Außenpolitik, Presse, Universität und Schule zu brechen. So neigen denn die Sozialisten dazu, realpolitisch das Programm der„Kon- ferenz für progressive politische Aktion" vorläufig als erstes Ziel anzunehmen, das auch die Farmer Labor Party akzep- tiert hat, und darüber hinaus weiter für sozialistische Entwick- lung und sozialistische Erziehung zu arbeiten. Was hier ge- schießt ist nicht quantitativ, wohl aber qualitativ beachtens- wert. Als Arbeiterschule ist die„Rand Schoo!" in New Pork, die unter Leitung von AlgernonLee und der Verwaltung von Berta Mailey steht, mustergültig. Hier pulsiert das beste geistige Leben der amerikanischen Partei, hier wirken ständig führende Köpfe wie Professor Scott Nearing, Harry Laidler, Morris Hillquit, hier hört man Männer und Frauen aus aller Welt.(Ich hörte z. B. in über- Sonntag, S. �uni 1924 fülltem Saale B e r t r a n d Russell, den hervorragenden englischen sozialistischen Gelehrten), hier trifft man sich zu frohen Festabenden und zur Besprechung gemeinsamer Inter- essen. Kurse jeder Art in vielen Sprachen, wie es die Ratio- nalitätenfrage New Porks erfordert, finden statt, eine vor- treffliche Bibliothek, eine Buchhandlung, die Redaktionsräume der neuen sozialistischen Wochenschrift„T h e N e w L e a d e r", all dies ist in diesem Volkshaus untergebracht. Ki Der amerikanischen Eigenheit entsprechend fällt auch der Kirche eine wesentliche Aufgabe bei der Erziehung zu fort- schrittlichem Denken zu. Die Kirche als Gemeinde bemüht sich, oen Kreis der ihr Nahestehenden in all seinen Interessen an sich heranzuziehen, als Zentrum religiöser, musikalischer, gei> stiger, fürsorgerischer, geselliger Bestrebungen, je nach ihrer Richtung von konservativ-orthodox bis zu revolutionär-frei- geistig. So ließ diesen Winter der Prediger von„St. Marcs in the Bowry" allsonntäglich in seiner Kirche altgriechische Tänze in leichtester Gewandung vorführen, zur Freude von Künstlern, zum Aergernis strenger Vorgesetzter, denen er übrigens schließlich nachgeben mußte. Kino und Dortrag haben in der Kirche längst Heimatrecht erworben, Hinsichtlid) der Zulastung von Rednern verschiedenster Anschauung und Bekenntnisse herrscht viel Toleranz. Unter Einhaltung alter Formen sind manche Kirchen Brennpunkte freiheitlichen Kampfes. Eine dieser Kirchen, die Gemeinschaftskirche in Part Avenue, ist besonders bekannt durch ihre Prodiger, John Haynes Holmes und John Hermann Rand all, die unausgesetzt gegen den Eintritt Amerikas in den Krieg und später gegen alle Vorurteile gekämpft haben. Sie bietet z. B. Sonntags Predigten über„Psychologie des Rassenvor- Urteils",„Moralische"Schlußfolgeningen des Korruptions- skandals in Washington",„Die Revolution der Jugend" und oergleichen. Danach gibt es Debatten über ethische Fragen, etwa:„Individuum und Autorität", oder„Gleichberechtigung der Frau",„Ramfay Macdonald, ein Mann höherer Bor- sehung",„Soll Amerika Sowjet-Rußland anerkennen?". Theaterabende, Kunstklub, Jugendgruppen, gesellige Der- anstaltungen halten die ganze Woche hindurch das Interesie rege. Als Mitglied ist jeder, ob Christ, Jude oder Dissident, willkommen, der sich zu folgendem bekennt:„Gegenseitige Hilfe, Kameradschaft, Förderung von Wahrheit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe". Es ist eine Kirche ohne Unterschied der Sekte, Klasse, Nation oder Rasse, nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis. % lieber die Bewegungen gegen den Krieg, die jetzt von manchen Kirchen sich ausbreiten, über den Kampf der Fortschrittskirche gegen Reaktionskirche, über die Stellung von Dienern des Mcnschheitsgedankens gegen Mammonsdiener muß noch ausführlicher berichtet werden. Nur eine kleine Probe durch Kennzeichnung der Stellungnahme des unitari- schsn Blattes„Unity" zu der Ehrung, die der Senat des Staates Wisconsin dem sozialistischen Führer Eugen von Debs bereitete. Wisconsin, eines der fortschrittlichsten Glie- der der Union, ist der Staat, dem auch Senator La Follette entstammt. Seine zwischen vier Seen entzückend gelegene Hauptstadt Madison besitzt eine Universität, an der auch Pro» fesioren lehren dürfen, die wegen„gefährlicher" Tendenzen anderweitig gegangen wurden. Madison besitzt ferner ein Kapitol, das nicht nur vom künstlerischen Standpunkt, sondern auch deshalb bemerkenswert ist, weil dieses öffentliche Ge- bäude, wie mir mit besonderem Stolze versichert wurde, voll- endet werden konnte,„ohne daß ein Pfennig für Bestechung oder Schiebung" dabei daneben ging— offenbar ein Ereignis von historischer Seltenheit. In diesem Kapitol tagt eine Körperschaft, der Senat dieses Staates, der an Eugen Debs eine Adresse richtete» be- sagend, daß dieser Amerikas größter sozialistischer Führer Der- ehnmg verdient wegen seiner lebenslänglichen, uneigennützi- gen Hingabe an die Interessen der Menschheit, als eine her- vorragende Verkörperung der wahren Lehre Christi, der in Nr. 247 4 41. Jahrgang vom„Anderen /lmerika". Von Adele Schreiber. Genossin Schreiber, die kürzlich von mehrmonatigem Aufenthalt in Amerika zurückkam, schildert in den folgenden Ausführungen die dort erhaltenen Eindrück«: Langsam nähert sich das Schiff dem Festland. Im dünnen Nebel des Dezemberabends sieht man nichts als Tausende von Lichtern an unsichtbaren Fäden hoch am Himmel aufgehängt, frei in der Luft schwebend— es sind die Fenster der im Dunkel nicht erkennbaren Wolkenkratzer. Unwirklich, feenhaft, dieser erste Eindruck der unerbittlich wirklichen Geschäftsstadt New Park, der unsinnig übervölkerten Insel Manhattan, die auf engstem Raum so viel Menschen zusammendrängt, wie ganz Schweden birgt! Wie etwa Berlin zu Dinkelsbühl oder Rochenburg o. d. Tauber verhält sich der Verkehr New Jorks zu dem Berlins! Licht in allen Farben, in unbegreiflicher Fülle sick) überbietender Reklame, Verkehr in nie erlebter Schnelligkeit, Dichte und Ordnung(weit überwältigender als in London), Autos, Menschen und Licht nie abebbend die ganze Nacht hin- durch. 1000 Autos in New Bork machen weniger Lärm als fünf in Rom, wo Tuten und Huppen mit zum Vergnügen ge- hört, Hügelauf, hügelab in unerträglichem Spektakel. Groß- artige Beherrschung der Verkehrstechnik macht Unglaubliches möglich— man paßt sich schnell an. Der Fußgänger verlernt bald jeden Einzelwillen. weiß, daß er nur mit dem Strom sich bewegen, gefahrlos Straßen kreuzen, nur als Teilchen der Masie ans Ziel gelangen kann. Anpassung ist Voraussetzung jedes Erfolges, jedes Sich- befriediatfühlens drüben— beobachten, sich hineinfinden! Laßt europäische Begriffe und Maßstäbe daheim, sie passen in keiner Weise! Alles ist anders, überhaupt kaum vergleichbar. Nur 0 bis 10 Tagereisen entfernt— dennoch auch heute noch, d i e N e u e W e l t, die junge Nation, die vor unseren Augen wird, ihre Prägung nock) lange nicht abgeschlossen hat. Eine geist- volle Frau von 50 Jahren feierte ihren Geburtstag.„50 Jahre find ja noch gar kein Alter", trösten sie ihre Bewunderer. „Stimmt", erwidert die Gefeierte,„für eine Kathedrale nicht, aber für eine Frau!" So relativ ist's bei der Nation— Jahrhunderte, ein paar Generationen— Kindheitszeit erst! Dazu kommt der nie versiegende Strom der Einwanderung, er läßt keine Rast, keine Aufsaugung eintreten. * Man begreift den Kampf um die Beschränkung diesesZuftroms.der sonst, besonders jetzt, getrieben von der Not des zerrütteten Europa, vom Erpansionsdrang über- völkerter Ostreiche Amerika völlig überfremden würde. Man begreift das oft übermäßig stark betonte Nationalgefühl, wäh- rend jahrhundertealte Verknüpfungen mit dem Staminland dorob ausgelöscht werden. Irgendeinen Kitt muß dieses Land haben, um die zahllosen verscyiedenartigen Bestandteile seiner Völkermosaik miteinander zu verschweißen.— so treibt denn alles auf Amerikanisierung zu— Politik, Presse, Schule! Vom Deutschtum Amerikas sind Teile assimiliert, andere wahren noch chre alte Zugehörigkeit— aber soweit noch die zahlreichen deutschen Vereine bestehen und sich betätigen, sind die Zeitereignisse, seit dem Ende des deutschen Kaiserreiches an ihrer Einstellung spurlos vobeigegangen. Nachkommen alter 48er haben die freiheitliche Tradition preisgegeben. Gesell- schaftlich untereinander abgesondert, ohne Beteiligung an den Fortschrittsbewegungen der Vereinigten Staaten, sind die Deutsch-Amerikaner politisch von geringem Einfluß. Man wägt sie nicht— nur bei den Wahlen zählt man ihre Stimmen. Bei der nächsten Präsidentenwahl dürften sie nun in einen Zwiespalt kommen, wie denn überhaupt in Amerika so gut wie in anderen Ländern diejenigen Gruppen, die den politisch freiesten und fortschrittlichsten, also nicht nationalistischen Standpunkt einnehmen, vor allem die sind, die bereit sind, Deutschland gerecht zu werden. Wollen demnach die Deutsch- Amerikaner der deutschen Zukunft nützen, so müssen sie für d i e„d r I t t e P a r t e i", die im Werden ist, ihre Stimme ab- geben— diese dritte Partei aber steht dem Sozialismus, der die Pille. Von O t t o K o e st e r. Mein Freund L« berecht, d«r Posthilfssekretär, ist, wie schon sein Rome sagt,«in außerordentlich gutartiger Mensch. Betritt man dos kleine schmuck« Siedlungshaus, das er sich draußen im Osten vom Velde feiner Frau, der geborenen Knubbe, gekauft hat, so wird zunächst da» Auge durch den im wunderschön verschnörkelten, ge- brannten und gemallen Buchstaben ausgeführten Spruch„Grüß Gott, tritt«in, bring Glück herein" über der Haustür gefesselt. Als- dann oerweilt der Blick auf den wohlgepflegtcn feuerroten Geranien, die rechts und links in sauberen grünen Holztästen vor den Fenstern prangen. Das Ohr aber erfreut sich wdessen am Trillern und Quin- quilleren eines echten Harzer Rollers, dessen Käsig im Flur hängt. Verlangt man noch weitere Beweise für di« außerordentliche Gutartigkeit meines Freundes Lcberecht? Das Gesagte dürfte wohl genügen. Und trotzdem: Leberecht ist Sozialist. Wie er das wurde, wo- her er den Mut aufbringt, inmitten einer Siedlung von lauter „Lokalanzeiger".Abonn«nten den„Vorwärts" zu halten(notabene »achdem die Gehälter der mittleren Beamten inzwischen doch er- heblich aufgebessert wurden): das ist ein Kapitel für sich— und ich stehe nicht an. zu erklären: eln für meinen Freund Lebcrecht höchst ehrenvolles Kapitel, auf das ich aber aus Raumrücksichten nicht näher eingehen kann. Tatsache ist. daß Leberecht seit dem November lö18 bis heute unentwegt Sozialist geblieben ist. Nur ein einzig?» Mal wurde er an seiner Uebsrzeuguno einen Augenblick irre. Und daran war ich schuld. Die Sache verhW sich folgendermaßen: Ich schicke voraus, daß Ich leider manchmal einen unbezähm. baren Trieb verspüre, meinen Mitmenschen eins aufzubinden. Ganz besonder, reizt«, mich, friedsame und harmloser Lebensfreude hin- gegebene Naturen aus ihrer Befchaullchteit aufzuschrecken und durch Erzählung haarsträubender und gruseliger Geschichten zu ängstig«». Ich weiß sehr wohl, daß diesem häßlichen Drange letzten Endes nur Neid zugrunde liegt, weil man selber jener schönen geruhsamen Harmanie der Seele von Natur entbehrt oder sie im Verlauf des letzten Jahrzehnts einbüßte, gönnt man sie auch den anderen nicht. 2,°"- man ist ja so schlecht, so schlecht____ 2llfo: eines Tages— es war vor etwa vier Jahren— lud mich mein Freund Leberecht zu sich zu Tisch ein. Die geborene Knubbe hatte, obwohl sie mich eigentlich nie recht leiden konnte(denn sie stammt aus einer Justizhauptkasienkonirolleurfamili« und hegt gegen Schriftsteller und dergleichen fahrendes Volk ein grundsätzliches Mihtraum), eines ihrer Hühner geschlachtet und auch sonst mit ihrer Küche Ehr««ingelegt. Leberecht aß. wie immer, mit vor- gebundener Serviette und vorzüglichem Appetit. Nicht daß er wirtlich geschmatzt hätte. Dazu ist er viel zu wohlerzogen. Aber wenn man ihn etwa so im Film hätte essen sehen, so hätte man hundert gegen eins gewettet: der Mensch da hat bei der Aufnahme ganz tolosial geschmatzt. So wie es beispielsweile auch Leute gibt, von denen man sich sagt' der müßt« von rechts wegen sächsisch reden— obwohl er in Wirklichkeit vielleicht ftallupönifch spricht. Kurz und gut: während ich Lederecht so beim Essen beobachtet«, kam mir ein« teuflische Idee. Mit dem harmlosesten Gesicht von der Welt sagte ich plötzlich:„Du, Leberecht, weißt Du schon, daß die Pille ersimden ist?" Etwas verdutzt hielt Leberecht im Benagen sein?, Hühner- deines inne:„Welche Pille."' „Nun, die Nährpllle. Der bekannte Nahrun gsmittelchcmikrr von der Charlottenburger Technischen Hochschule, Geheimrot Zknauer- Hase, hat nach jahrelangen Versuchen ein Verfahren erfunden, durch das man all« für den Aufbau des menschlichen Körper» erforderlichen Nährstoffe aus der Luft gewinnen kann. Die Stoffmenge, die ein Erwachsener alz tägliche Nahrung braucht, vennag Knaurrhas« zu dem Volumen etwa einer Erbse zu komprimieren.' Ein« ungeheur« Revolution der Volkersnährung und der Volkswirtschaft ist damit angebahnt. Die Regierung verhandelt bereit» mit Geheimrot Knauerhase über den Ankauf der Erfindung. Auf dem Tempelhoftr Felde sollen schon in nächster Zest riefige Fabriken zu ihrer Ver- wertung im Voltsinteresse errichtet werden. In spätestens zwei bis drei Jahren wird ganz Deutschland nur noch von den Knauerhase» schen Nohrpill« leben. Großartig, was?" � Leberecht sah mich aus seinen guten blau«n Augen düster an: „Du meinst, daß diese Ernährungemethode zwangsweise eingeführt werden wird?" „Zwang oder nicht— die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung wird ganz van selbst zu ihr übergehen, wegen ihrer voraussichtlich fabelhaften Billigkeit, wegen ihrer hohen Dckömmlichkeit, wegen ihrer zettersporenden Einfachheit. Bedenke nur einmal, wie viel Zeit die heutige Menschheit mit Essen und Trinken verbringt, die armen Hausfrauen obendrein auch noch mit der Zubereitung der Speisen und dem Aufwasch, dem größlichen Aufwasch. Die Produk- tion der heut« oiif den Markt kommenden üblichen Lebensmittel wird dann ganz von selbst aufhören." „Und du glaubst, daß die Regierung diese Entwicklung fördern wird?" „Eine Regierung, in der di« Sozialdemokratt« entscheidend mit- zureden hat, zweifelkos. Die Sozialdemokratie hat doch dos größt« Interesse daran, di« Aolksmassen auf die billigst«, gesundheits» gemäßeste und einfachste Weise zu ernähren." „Aber das Essen und Trinken in der heutigen Form bildet doch zugleich einen Genuß: soll man auf den dann ganz verzichten?" „Die Derbilliguny der Ernährung und die Zeitersparnis wird es unendlich vielen erst ermöglichen, sich Genüsse zu verschaffen, auf die sie bisher verzichten mußten, Genüsse edlerer, geistig« Art. Und im übrigen: ein Assistent Knouserhäse's toll bereits«in Verfahren erfunden haben, durch das man den Pillen nach Belieben den Ge- fchmack von Hosenbraten. Sauerkohl, Gänseleberpastete usw. ver- leihen kann." „Ja, aber— dann wird man sich M'togs wohl gar nicht mehr um einen fliuber und nett gedeckten Tisch setzen?" „Natürlich nicht, da da» ja dann ganz überflüssig ist." „Nee, weißte," fiel jetzt mein Freund Leberecht«in, und ich hatte Ihn nie zuvor einen so scharfen und entschlossenen Ton an- schlagen hören,„nee. weißt« mcin Lieber, da mache ich nicht mit. Wenn die Sozialdemokratie wirklich ein« solche Entwicklung der Dinge begünstigen sollte, dann würde ich ihr ganz entschieden den Rücken kehren. Zum Donnerwetter, meinen appetitlich gedeckten Familiemnittagsttsch lasse ich mir denn doch nicht nehmen. Da, wäre das Letzte. Das Schöne darf nicht au- dem Leben ausgetilgt werden, auch nicht um noch so großer volkswirtschaftlicher Dorteile willen." Mit gerunzelter Stirn nahm hierauf Leberecht sein Hühnerb» n aus» neue in Angriff. Mein Blick fiel auf die geborene Knubbe. Ll« pflichtete durch eifriges Kopsnicken ihrem Gemahl bei und sah mich zugleich böse an. Man hüte sich, die geborenen Knubbe» vom Aufwasch erlösen zu wollen. Mein Freund Leberecht Hot wich seitdem nicht wieder zu Tisch eingeladen. Wahrscheinlich hat er inzwischen gemerkt, daß die Pill« eine Erfindung von mir und nicht von Geheimrat Knauerhase g«. wejcn ist, einem langen nützlichen Lehen diese Lehre der nächstenliebe| ftreet verkörpert, die Macht in Händen- toricht wäre es, betätigt hat. Die Zeitung Unity" druckt diese Ehrung ab dies zu verkannen. Aber so wie neben dem Frankreich Poinund fügt u. a. hinzu: Hut ab vor der Senatsversammlung carés ,, das andere Frankreich" stets da war, zwar zeitweise von Wisconsin wir fragen, wie viele Kirchen befunden die zur Ohnmacht verurteilt, dennoch nicht auf die Dauer zu unterflare und richtige Einsicht dieser gefeßgebenden Körperschaft?" brücken, so wächst auch drüben das andere Amerika", Noch hält das amerikanische Großkapital, das sich in Wall- das der großen Menschheitsideale und des Völkerfriedens. Der Schrei nach Agrarzöllen. Wer hat Vorteil davon? Allenthalben, besonders aber von den Großagrariern, ertönt jetzt der Ruf nach Echußzöllen. Was die Landwirtschaft angeht, so foll im Folgenden der Versuch gemacht werden, diese Frage vom rein wirtschaftlichen Standpunkte zu beleuchten. Es ist nicht meine Absicht, die politische Seite dieser Angelegenheit, welche bestimmt schon in allernächster Zeit den Reichstag beschäftigen wird, hier aufzurollen. Die deutsche Landwirtschaft befindet sich gegen wärtig in einer schweren wirtschaftlichen Arise, welche mindestens bis zum Zeitpunkte der Verwertung der diesjährigen Ernte andauern wird. Als Ursachen hierfür fommen folgende Faktoren in Betracht: Der Candarbeiter: Die Stellung des Landarbeiters zu Schutzöllen ist ähnlich; wie bei seinen Kollegen von der Industrie. Durch das Anziehen der Lebensmittelpreise wird auch seine Lebenshaltung im aligemeinen verteuert, jedoch wird er noch mehr wie der Industrie: arbeiter von einem eventuellen Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Erzeugung durch Arbeitslosig= Peit bedroht. Landwirtschaftliche Nebenbetriebe bis zu 2 Hektar: Diese Betriebe, welche in erster Linie nur für den eigenen Haushalt produzieren, haben kein Intereffe an Schutzöllen, weil sie nur wertige landwirtschaftliche Produkte auf den Markt 1. Kreditnot und höherer Zinsfuß für kurzfristige Kredite, bringen. 2. das Fehlen jeglicher Rüdlagen. Die Ersparnisse der kleineren Landwirte sind durch die Beldentwertung verloren gegangen, die Zinsen dieser Guthaben fämen selbstverständlich auch der Landwirtschaft zugute. Infolgedessen muß der Landwirt nötigenfalls zu einem ungünstigen Zeitpunkte seine Produkte veräußern, wodurch die Wirt fchaftlichkeit des Betriebes schwer in Mitleidenschaft gezogen wird. 3. Die jetzige starte Besteuerung der Landwirt fchaft. 4. Die ungünstigen Preisrelationen zwischen Erzeugniffen und Betriebsmitteln. Absatz- und Betriebsmittelpreise. Freiherr von Richthofen vom Schlesischen Landbund sagt zu der gegenwärtigen Preisbildung, daß, den Friedenspreis mit der Bahl 100" angefekt, die Erzeugnisse nur 70, hingegen die Betriebsmittel 140 fosten. Diese Zahlen sind wohl absichtlich übertrieben und treffen auf jeden Fall auf das ganze Reich nicht zu. Im Mai waren die Preisverhältniffe für die wichtigsten Produkte und Betriebs. mittel etwa folgende: Friedenszahl= 100. a) landwirtschaftliche Erzeugnisse: Kartoffeln • ° Getreide Rindvieh Schweine Eier Butter Milch . b) landwirtschaftliche Bedarfsartikel: Kali Thomasmehl Superphosphat landwirtschaftliche Maschinen und Geräte Kohlen 170 80 66 80 160 130 160 100 115 130 140 9 170 Für den Kleinbetrieb fommt noch hinzu, daß die für den Familienhaushalt notwendigen Ausgaben in Kleidung, Kolonialmaren ufm. auf mindestens 160 find. Diese Ausgaben spielen für einen Großbetrieb selbstverständlich Broz. des Borfriegspreises gestiegen nur eine untergeordnete Rolle, müssen aber beim Kleinbetriebe bei der Beurteilung des Gesamtergebnisses mit in Betracht gezogen merden. ift Diefem bedeutsamen Preisausfall steht als einziger Attivpoften die Hypothetenabstoßung gegenüber. Schäßt man die Borkriegshypotheken der deutschen Landwirtschaft auf 20 Milliarden Goldmart, so bedeutet dies vorausgesetzt, daß die ganze hypothekenschuld durch Geldentwertung und Konjunkturgewinne getilgt eine Entlastung von 800 Millionen Goldmark jährlich. Dabei ist nicht zu vergessen, daß dieses nur für die Gesamtheit der Landwirte zutrifft Im Einzelfalle bekommt die Sache vielleicht dadurch ein ganz anderes Geficht, daß der betreffende Betrieb überhaupt nicht verschuldet war, sondern noch namhafte Einnahmen aus Rapitalzinjen erzielte. Insgesamt hat die Landwirtschaft etwa 10 Milliarden Spartapital verloren, so daß einem jährlichen Zinsgewinn durch Hypothefenabstoßung in Höhe von rund 800 Millionen ein Zinsverlust von 350 Millionen gegenübersteht. Die Ver= lufte, welche die Landwirtschaft infolge der niedrigen Getreide und Biehpreise in diefem Jahre erlcidet, lassen sich zahlenmäßig schwor Kleinbäuerliche Betriebe von 2 bis 20 Hektar: Festwertanleihen im Monat Mai. Die Rechtsparteien reden bekanntlich aller Welt vor, daß die von inhen vertretene Politik imstande wäre, die Lage Deutschlands das in einer Erhöhung der Börsenkurse der Wertpapiere nach dem zu verbessern. Wenn diese Behauptung richtig wäre, so müßte sich 4. Mai äußern. Die Börse pflegt Hoffnungen, auch wenn sie in der Zukunft liegen und noch unsicher find, sofern es sich nur um wirtliche Hoffnungen handelt, durch steigende Kurse anzudeuten. Trotzdem die Reichstagswahlen eine Stärkung der Rechts- und eine Schwächung der Linksparteien gebracht haben, ist von einem Steigen der Kurse an der Börse nichts zu bemerken. Insbesondere sind die Kurse der auf Gold gestellten Festwertanleihen, d. h. der sichersten Anlagepapiere, während des ganzen Monats Mai auf dem tiefen Niveau geblieben, auf das sie im Monat April gesunken waren. Den Beweis dafür liefert die folgende kleine Tabelle, die die Kursentwicklung der fünfprozentigen GoldHypotheken- Pfandbriefe zeigt, soweit diese Papiere an der Berliner Börse notiert werden. Die Kurse verstehen sich in Goldmark für 1 Kilogramm Feingold( 1 Gramm Feingold= 2,79 Goldmark nach der Definition der Reichsmark). Berliner Hypotheken- Bank Frankfurter Pfandbriefbank Leipziger Hypothekenbank. Meininger Hypothekenbank Norddeutsche Grundkreditbank 1.5. 12.5. 21.5. 30.5. ••• 1,30 1,25 1,25 1,35 . . 1,00 0,98 1,10 1,06 • 1,05 0,98 1,10 1,07 1,00 0,99 1,10 1,10 1,05 0,98 1,10 1,07 Preuß. Bodenkreditbant, Stomm.- Obr. 1,00 0,97 1,06 1,05 Schlesische Bodenkreditbank 1,00 0,99 1,06 1,03 1,05 Westdeutsche Bodenkreditbank 1,00 1,10 Durchschnittlicher Wert der 8 Kurse 1,06 1,02 1,11 1,09 Der Durchschnittsturs der Gold- Pfandbriefe war Ultimo April 1,04. Er ist also während des ganzen Monats Mai fast unverändert geblieben. Dieser geringe Kurs der besten Papiere ist eine Folge der außerordentlichen Geldknappheit, die seit Monaten in Deutschland herrscht, und die mehr und mehr Wirtschaftsbetriebe zum Erliegen bringt. Die Zah! der unter Geschäftsaufsicht gestellten Unternehmungen vergrößert sich von Tag zu Tag, es find darunter Firmen ersten Ranges, wie z. B. das Stahlwerf Becker in Willich- Rheinland. Nur eine umsichtige und gewandte Politik nach außen und nach innen, nicht aber eine führen, ohne die Deutschland aus seiner gegenwärtigen bedrängten Lage nicht wieder herauskommt. Diche Betriebe haben zunächst von Getreidezöllen keine Vorteile, weil sie durchweg Getreide und andere Futtermittel für die Viehzucht zu kaufen. Sie können jedoch bei den jetzigen Biehpreifen auf die Dauer nicht bestehen und müssen daher eine Einhränkung der Fleischeinfuhr fordern. Mit aller Entschiedenheit wird von diesen Kreisen aber eine Verteuerung on Futtergerste und den übrigen vom Auslande eingeführten Kraftfuttermitter abgelehnt. Durch hohe Zölle, wie sie die Großgrundbefizer fordern, würde aber auch die Lebenshaltung dieser Kategorie von Landwirten derart verteuert, daß den gesteigerten Einnahmen aus der Viehwirtschaft ebenso gesteigerte Ausstörrische, nationalistische Politik kann die große Sanierung herbeigaben für landwirtschaftliche Bedarfsartikel und private Lebenshaltung gegenüberstehen würden. Bäuerliche Betriebe von 20 bis 100 Hektar: arbeit mit den Großgrundbesitzern Schußzölle. Die meisten sind sich Diese Betriebsgrößen verlangen heute in engster Zusammen aber über die Wirkung derartiger Zölle wohl noch sehr im un klaren und begreifen in vielen Fällen nicht, daß sie im Grunde genommen nur die Geschäfte des Großgrundbesizers mit ihrem Eintreten für die Schutzölle besorgen. Die bäuerlichen Betriebe find durchweg in der Lage, ihre Wirtschaft entsprechend der Ronjunttur verhältnismäßig schnell umzustellen. Lohnt sich der Getreidebau nicht, so geht man zu intensiveren Kulturen über. In der Regelund wenn es die Bodenverhältnisse ermöglichen be treibt der Großbauer sowohl Milchwirtschaft, Schweinemast als auch bis zu einem bestimmten Umfange Körner- und Hackfruchtbau. Landwirtschaftliche Großbetriebe über 100 Hektar: Der landwirtschaftliche Großbetrieb ist in den meisten Fällen auf örnerbau angewiesen und wird selbstverständlich durch die niedrigen Getreidepreise am stärksten betroffen. Er ist auch der lauteste Rufer nach Schußzöllen und versteht es ausgezeichnet, auch diejenigen Kreise für seine 3wede zu gewinnen, welche wie der nur ganz geringe Vorteile davon haben. Kleinbauer Noch stärker an Schutzöllen find die Verpachter intereffiert. Sie sehen, daß unter den jetzigen Verhältnissen die Bodenrente von Tag zu Tag durch die geringe Rentabilität zusammenschrumpft. Dauern die jetzigen Zustände an, so werden im Laufe der nächsten Jahre die Pächter nicht mehr in der Lage sein, außer den Lasten noch eine nennenswerte Bacht summe zu zahlen. Die Verwarte schaffen, haben das stärkste Interesse an der Erhaltung der pächter sowie der Großgrundbesiz, welche für die Allgemeinheit keine arbeitslosen Bodenrente und somit an hohen Schutzöllen. Wird mit Rücksicht auf die Allgemeinheit in der nächsten Zeit ein gewiffer Schuß für die Landwirtschaft nicht zu umgehen fein, so muß vom Reichstage dafür Gorge getragen werden, daß dieser so ausgestaltet wird, wie es im Interesse der breiten Masse des arbeitenden Boltes liegt. Eine Stärkung der politischen Vormacht der Großgrundbefizer, wie sie von den Agrariern angestrebt wird, muß in jedem Falle vermieden werden. W. Helling. Die Aenderung der Geschäftsaufsichtsverordnung. Die vom Justizministerium ausgearbeitete Verordnung über Aenderung der Geschäftsaufsicht ist dem Reichsrat zugegangen. Sie enthält hinsichtlich der erweiterten Rechte der Gläubiger folgende Hauptpunkte: Aufhebung der Geschäftsaufsicht, wenn die Majorität der Gläubigerversammlung dieses beschließt. Minorität fie verlangt, oder wenn sie von den Aussichtspersonen oder Dr. M. Desorganisation des Kohlenhandels. Auf dem diesjährigen interessanter Weise über die gegenwärtige Lage des Kohlenhandels Kohlenhandelstag, der fürzlich in Bad Harzburg stattfand, wurde in berichtet. Zwar ist man froh, daß die Zwangswirtschaft abgebaut und der freie Kohlenhandel hergestellt ist. Trotzdem hielt man es für nötig, die Konkurrenzfreiheit fofort zu bekämpfen, indem man gegen den genossenschaftlichen Kohlenbezug Stellung nahm, der geeignet sei, den Kohlenhandel zu verdrängen. Also freie Konkurrenz nicht mit den Verbraucherorganisationen, sondern gegen fie. Man scheint der Leistungsfähigkeit der fapitalistischen Kohlenverteilung nicht sonderlich zu trauen! Ueberdies wurden auch Ausführungen gemacht, die die Segnungen der freien Konkurrenz, nämlich eine völlige Des organisation des Kohlenhandels, in grelles Licht rückten. Wilde Händler schießen empor, dient wird! Allerdings nehmen diese Kreise es mit der Ehrlichkeit offenbar nicht gerade deshalb, weil im Kohlenhandel zu wenig vernicht übertrieben genau. Solche Elemente müsse der Kohlenhandel handel dem Platzhandel Konkurrenz, man unterbietet sich gegenausmerzen. Innerhalb des besseren Kohlenhandels macht der Großfeitig. Gegen derartige Auswüchse müffe sich der Handel durch Vereinbarungen selbst helfen. Die Selbsthilfe der Verbraucher will man nicht. Der Verbraucher fann ja zahlen, wenn er nicht selbst so klug ist, das Recht der Selbsthilfe durch genossenschaftlichen Kohlenbezug berart wahrzunehmen, daß auch auf diesem Gebiete die Masse der Konsumenten sich zu einem Macht fattor entwickelt. Der Reichsbankausweis vom 7. Juni zeigt, daß der Ultimosondern durch Abhebung von den Konten der fremden Gelder gedeckt bedarf im wesentlichen nicht durch Inanspruchnahme von Kredit, wurde, die sich insgesamt um 188,6 Trillioren Mark verminderten; ihre Bestände gingen daraufhin auf 804,5 Trillionen Mark zurück. Gesamtkapitalsanlage um 17 auf 2163 5 Goldmillionen. Der Abfluß an fremden Geldern wirkte sich auf die Zunahme des Noten= Die noch gewährten Kredite erscheinen in einer Steigerung der umlaufs aus, der um 177,5 auf 926,9 Goldmillionen wuchs. Auch der Umlauf an Rentenmarkscheinen nahm um 68,7 auf 1630 Millionen zu, so daß nicht weniger als 246 Millionen Goldmark neu in den Berkehr kamen. Dem steht eine weitere Zurücknahme von Notgeld gegenüber, die auf 200 Millionen für den Gesamtmonat Mai geschätzt wird. Der Rentenbanfausweis Ende mai zeigt gegenüber dem Vormonat einige Abweichungen. Von den 1,2 Milliarden, die dem Reiche auf Grund der Rentenbankverordnung zustanden, hatte es bisher erit 1,1 milliarden erhoben. Die seinerzeit für Einlösung der Reichsschatzwechsel noch vorgesehenen, aber nicht benötigten 100 Millionen sind jezt dem Reiche vorübergehend auf 2 Monate als verzinsliches Darlehen gegeben worden. Als erste Rate eines auf höchstens 30 Millionen bemessenen Meliorations fredits erscheinen 3 Milfeſtſtellen. Auch ist zu erwarten, daß die Milchpreise in den nächsten Jahren weiter zurückgehen werden, da sämtliche bäuerliche Betriebe, Die Gläubigerversammlung ist einzuberufen, auch wenn nur eine Reiche als Treuhänder gegeben sind, um bereits begonnene aussichtswelche etwa 75. Broz. des gesamten deutschen Bodens bewirtschaften, in nächster Zeit ihre Biehsta pel zu ergänzen suchen werden. Ferner wird der Milchertrag voraussichtlich auch durch bessere Fütterungsmethoden und vermehrte Einfuhr von hochwertigen Futtermitteln gesteigert. Bei der Beurteilung der Frage, ob die Landwirtschaft tatsächlich in ihrer Existenz bedroht ist, darf man sich nicht durch das Geschrei von der einen oder anderen Seite irreführen lassen, sondern man muß mit größter Sachlichteit prüfen, ob Schutzölle überhaupt in der Lage sind, die bestehenden Zustände zu beffern, zweitens, ob dieselben im Interesse der Allgemeinheit sind und nicht die Sonderwünsche eines einzigen Standes erfüllen. Die Kreditnot wird nicht durch Schutzölle behoben. Ebenso wenig darf man die jetzigen hohen Steuersäge als Begründung für die Notwendigkeit einer weiteren Preissteigerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse anführen. Die höheren Steuern find eine naturnotwendige Folge des verlorenen Weltkrieges und müssen in der Landwirtschaft durch veränderte Lebenshaltung und Umstellung des Betriebes aufgebracht werden, nicht aber durch Erhöhung der Brejse für landwirtschaftliche Erzeugnije, denn dadurch könnte ja fortlaufend die Wirkung erzielt werden, daß bi jeder neuen Steuer höhere Zölle gefordert würden, um dadurch die Steuerlast auf die konsumierende Bevölkerung abzu mälzen. Die Stellung der Berufsgruppen. Prüfen wir zunächst, inwieweit die einzelnen Berufsgruppen von der Wirkung etwaiger Schutzölle berührt werden. Der Industriearbeiter: Diese Berufsgruppe hat felbstverständlich ein Interesse an niedrigen Lebensmittelpreisen und fann für feinen Schuzzell ftimmen, solange die Landwirtschaft bei den derzeitigen Preisverhältnissen noch eristenzfähig ist. Auf der anderen Seite liegt es aber auch im Interesse des Arbiterstandes, eine taufträflige Landwirtschaft zu erhalten und außerdem zu verhindern, daß die beschäftigungslos gewordenen Arbeitskräfte der Landwirtschaft nicht die Reihen des Industrieproletariats vermehren. Auch leidet bekanntlich die Volkswirtschaft als ganzes darunter, wenn ein Teil dieser Wirtschaft zum Erliegen fommt, wodurch unbedingt andere Teile in Mitleidenschaft gezogen werden. dem Gläubigerrat beantragt wird. fichtspersonen abzuberufen und eine andere ZusammenDer Gläubigerversammlung wird das Recht zugestanden, Auffegung des Gläubigerrats herbeizuführen. Die Handelstammer ist zuzuziehen. Ein Gläubigerrat muß auf jeden Fall bestellt werden. Möglich ist die Geschäftsaufsicht nur dann, wenn Aussicht auf eine Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit innerhalb einer vor sie unverzüglich im Reichsanzeiger" zu veröffentlichen. auszubestimmenden Frist besteht. Im Falle der Genehmigung ist Die Aufsicht läuft automatisch ab, wenn der Schuldner binnen zwei Monaten feinen von der Gläubigermajorität akzeptierten 3ahfungsvorschlag anbietet; sie darf an und für sich nicht länger als vier Monate dauern und ist gebührenpflichtig. Für bestehende Aufsichten muß der Zahlungsvorschlag innerhalb eines Monats nach Infrafttretung der Berordnung erfolgen. einzelne Vorschriften im Einvernehmen mit dem Reichsrat nach AnDie Regierung bestimmt die Dauer der Verordnung und kann hörung der wirtschaftlichen Organisationen außer Kraft setzen. Die Stillegungsaktion im Kalibergbau. Der Reichstalirat nahm in seiner Sigung am Freitag einen Antrag an den Reichswirtschaftsminister einstimmig an, wonach die im§ 83a der Durchführungsvorschriften zum Raliwirtschaftsgefeß festgelegte Frist für die Abgabe der freiwilligen Stillegungserklärung bis zum 31. Dezember 1925 zu verlängern ist. Ferner nahm der Reichstalirat einstimmig nachstehenden Antrag an: Um zu erreichen, daß Streitigkeiten über Ansprüche der Arbeitnehmer aus§ 85 möglichst nicht an die ordentlichen Gerichte gelangen, beantragt der Reichstalirat bei dem Herrn Reichswirtschaftsminister, bei der Verlängerung der Stillegungsfrist über den 1. Juli 1924 hinaus den§ 85 dahin zu ergänzen, daß Entscheidungen des Schiedsgerichts, die mit Stimmenmehrheit erfolgen, endgültig sind. = M Der Reichstalirat beschäftigte sich noch mit einigen Anträgen von Raliwerken, betreffend Zulassung der Förderung von nuh baren Mineralien nach Einstellung des Kaftwerksbetriebes, und nahm Stellung zu dem Stillegungsantrag der Hannoverschen Kaliwerke Dedesse. lionen Mark ausgewiesen, die aus den Wirtschaftskrediten dem reiche Meliorationen nicht zum Stillstand kommen zu lassen, und die hierfür bereits innestierten Mittel nicht zu gefährden. Bom Reichsvorgesehen ist, daß die Leistungen der Rentenbank und des Reichsarbeitsminister ist eine entsprechende Rate angewiesen worden, da arbeitsministers für die Meliorierungen in gleicher Höhe erfolgen. Berschmelzung der Dresdner Bank in Danzig mit der Danziger Kreditanstalt A.-G. Die Konzentrationstendenz im Bankgewerbe hält an. Wie der Deutsche Handelsdienst erfährt, plant die Niederlaffung der Dresdner Bank in Danzig eine Zusammenfassung ihrer Danziger Interessen. Die Dresdner Bant ist in Danzig nicht nur durch ihre eigene Niederlage vertreten, sondern auch durch die Danziger Kreditanstalt, deren Aktienmajorität sich in den Händen der Dresdner Bank befindet. Als Grund für diese Zufammenfassung wird angegeben, daß dieser Plan jeit Monaten erwogen wurde, und zwar sowohl im Hinblick auf die hohen Unkosten des Bantbetriebes wie auch mit Rücksicht auf die erheblichen Kapitalien, die heute besonders auch in Danzig der Betrieb des Bankgeschäftes erfordert. Diese Umstände lassen eine Vereinigung der beiden Betriebe als zwedmäßig erscheinen. Da aus rechtlichen Gründen eine Fusion der beiden Banken nicht in Betracht kommen kann, wird den Aktionären der Danziger Kreditanstait das Angebot gemacht werden, daß ihnen der freiwillige Umtausch ihrer Aktien in solche der Dresdner Bant in einem günstigen Verhältnis ermöglicht werden foll. Die beiden Vorstandsmitglieder der Danziger Kreditanstalt sollen in die Leitung der Dresdner Bank in Danzig eintreten. Das Personal der Danziger Kreditanstalt foll von der Dresdner Bank in Danzig übernommen werden. Das russische Staatsbudget für 1923/24 sieht Ausgaben in Höhe Don 1 750 000 000 Rubel vor. Darin sind nicht enthalten die Ausgeben für den Fernen Osten und für die transtaukasischen Republiken. Zur Deckung dieser Summe verfügt der russische Staat nur über 1 350 000 000 Rubel. 200 Billionen follen auf dem Wege der Emiffion neuer Banknoten, der Rest von 200 Millionen durch Anleihen aufgebracht werden. Außer der zweiten Brämienanleihe und der Bauernanleihe, die 40 Millionen Rubel ergeben soll, wird man zur Aufnahme einer dritten, der sogenannten Garan= ticanleihe, fchreiten, die darauf beruht, daß 60 Proz. des Reservekapitals der Industrie für den Stcat herangezogen werden. Die Vertreter der wirtschaftlichen Organisationen stehen auf dem Standpunkt, daß dies Verfahren der russischen Industrie einen tödlichen Schlag versehen wird, die dem Staat bereits 128 Millionen Goldrybel schuldet. Groß- Berliner Parteinachrichten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Die Abteilungsversammlungen im Juni( Abteilungen 24-31) finden umständehalber nicht am 11., fondern 18. Juni ftatt. am 5. Areis Friedrichshain. Achtung, Bildungskommission! Donnerstag, den 12. Juni, 6 Uhr, Brauerei Friedrichshain. Obleute einladen. Achtung, Elternbeiräte! Dienstag, 10. Juni, 8 Uhr, wichtige Gigung bei Wittschuß, Petersburger Str. 5. Jede Schule muß einen Vertreter entsenden. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienstag, den 10. Juni, Ausschußsizung mit den Abteilungsführern abends 8 Uhr bei Pieper, Holsteinische Str. 60. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Genossen, deren Kinder die 7. Gemeindeschule besuchen, wollen ihre Adressen an Genoffen Rieth, Wartburgstr. 37, abgeben. 13. Arcis. Dienstag, 10. Juni, bei Niendorf, Chaussee, Ede Strehligstraße, 7 Uhr, Sigung der Elternbeiräte. 17. Areis Lichtenberg. Laut Beschluß des Kreisvorstandes finden die JuniAbteilungsversammlungen und Zahlabende nicht am Mittwoch, 11. Juni, sondern erst Mittwoch 25. Juni, statt. Morgen, Monfag, den 9. Juni: 109. Abt. Friedrichshagen. Familienausflug nach Mahlsdorf- Süd. Treffpunkt 2 Uhr am Kurpark. Die Berjammlung am Mittwoch, 11, Juni, fällt aus. Uebermorgen, Dienstag, den 10. Juni: 7. Abt. 7% Uhr bel Bärwalde, Schlegelftr. 8, Funktionärsigung. 128./130. Abt. Bankow. 7 Uhr Jugendheim Breite Str. Sigung der Genoffen, die Elternbeiratsvorschläge in Händen haben, mit der Bildungskommission. Behlendorf. 8 Uhr wichtige Funktionärversammlung im Parteilokal Micklen, Potsdamer Straße. Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 10. Juni: 77./78. Abt. Schöneberg. Ab nachm. 4 Uhr gemütliches Beisammensein mit Raffeekochen bei der Genossin Krohne, Rubens, Ede Begasstraße( Apri tosenweg). Kinder sind besonders gern gesehen. Mittwoch, den 11. Juni: 47. 6. 71 Uhr Diskutier und Zahlabende in den bekannten brei Lokalen Bier, Siedentopf und Pflug. Vortrag des Genossen Landtagsabg. Birth: Der neue Reichstag." 48, Abt. 7% Uhr bei Gliesing, Wassertorstr. 68, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Neuwahl der Abteilungsleitung. Mitgliedsbücher mitbringen. Charlottenburg. 51. Abt. 7½ Uhr Abteilungsversammlung bei Schellbach, Königin- Elisabeth- Str. 6. Vortrag des Genossen Dr. Kawerau: ,, Die Sozialdemokratie als Kulturpartei." Die Bezirksführer laden ein. 52. Abt. 7% Uhr bei Büttner, Kaiserin- Augusta- Allee 83, Bortrag des Genoffen Theet über: ,, Schulfragen." 55. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung in der Schulaula Pestalozzistr. 40/41. Vortrag des Genossen Kazenstein über: Die Elternbeiratswahlen." Die Bezirksführer müssen wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung einladen. 56. u. 57. Abt. Alle Genossen, deren Kinder die 13., 14., 21., 22., 25. und 26. Gemeindeschule befuchen, werden gebeten. Dienstag, 10. Juni, 7½ Uhr, bei Liersch, Rant straße 62, zwecks Aufstellung der Kandidatenliste zu erscheinen. 57. Abt. 1. Gruppe: 7% Uhr bei Arndt, Kantstr. 51, Zahlabend. Bortrag des Genoffen Pfarrer Frande über: ,, Erziehung zum Sozialismus." 82. Abt. Steglig. 8 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. Tagesordnung: Organisationsfragen. 85. Abt. Tempelhof. 7½ Uhr Rahlabende in folgenden Lokalen: 2: und 5. Be= zirk: Buse, Werder.. Ecke Kaifer- Wilhelm- Straße; 3. und 4. Bezirk: in der Linde, Werder-, Ede Friedrich- Karl- Straße; 6. Bezirk: Lange, Ringbahnstraße 4; 7. Bezirk: Wanzlid, Oberlandstr. 1. Neukölln. 89. Abt. 7½ Uhr Zahlabende: 1., 5., 7. und 8. Bezirk: bei Stahl, Sanderstr. 11, Vortrag des Genossen Litke; 9., 10., 18. und 19. Bezirk: bei Schulz, Sobrechtstr. 64, Vortrag des Genossen Riegmann. 90. Abt. 7½ Uhr Abteilungsversammlung im Jdealkasino, Weichselstr. 8. Referent: Stadtrat Nydahl über: Schulfragen." 95. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung bei Grieger, Lessingstr. 9. 1. Vortrag. 2. Wichtige Abteilungs101. Abt. Treptow. 7½ Uhr Mitgliederzusammenkunft bei Dettinger, Riefholz, und Bezirksangelegenheiten. Ecke Elsenstraße. Bortrag des Genossen Lempert: ,, Schutz der Republit." 103. Abt. Oberschöneweide. 8 Uhr Mitgliederversammlung und Zahlabend im ,, Vereinshaus zur Post". Tagesordnung: Kreisvertreterwahl und Wahlen zum Bezirkstag. Vortrag des Genoffen Ruben. 115. Abt. Lichtenberg. 7% Uhr Zahlabende in folgenden Lokalen: 1. Gruppe bei Kriehe, Jungstr. 10; 2. Gruppe bei Lohan, Jungstr. 29; 3. Gruppe bei Radtke, Müggel-, Ecke Scharnweberstraße; 4. Gruppe bei Seipke, Kronprinzen-, Ede Scharnweberstraße. Mitgliederversammlungen und Zahlabende in Groß- Berlin! 125. bt. Weißenfee. Der Zahlabend fäfft aus und findet am Mittwoch, 4. Abt. Die Mitgliederversammlung wird auf den 4. Mittwoch verlegt. 5. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus. 8. Abt. Der Bahlabend fällt aus. Die Mitglieder gehen am Donnerstag zur Internationalen Rundgebung", Hasenheide 22. Freitag 7 Uhr Bezirksführersizung mit den Elternbeiräten bei Ridert, Steinmegstr. 36a. 11. Abt. 72 Uhr bei Berger, Levegswstr. 21. Bortrag des Genossen Dr. Wenl über„ Die politische Lage". 12. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung bei Schmidt, Wiclefftr. 17. 13. Abt. 7% Uhr gemeinsamer Zahlabend aller Bezirke bei Goldbach, Bineta. play 7. 23. Abt. 7% Uhr gemeinsamer Zahlabend bei Grunwald, Kameruner Str. 19. 37. Abt. Die Rahlabende fallen aus. Mittwoch, 18. Mai, gemeinsamer Bahlabend im Lokal Petersburger Hof, Petersburger Str. 4. 38. Abt. Die Bezirkszahlabende fallen aus und finden Mittwoch, 18. Juni, statt.( In den bekannten Lokalen.) 39. Abt. 7% Uhr Jugendheim Lindenstr. 3 Mitgliederversammlung. Bortrag der Genosfin Dr. Wegscheider über: ,, Schulpolitik und Elternbeiratswahlen." Abends Uhr ebenda erweiterte Vorstandssigung. 40. Abt. 8 Uhr bei Reufner, Hagelberger Str. 20a, Bortrag des Genossen Robert Breuer. 42. Abt. 7 Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. 44. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt. aus und findet am 25. Juni ftatt. 45. Abt. Die Gruppeyzahlabende fallen aus. Dafür wichtige Funktionär Zonferenz bei Bertsch, Wiener Str. 38. 7 Uhr. 18. Juni, statt. Am 16. Juni Funktionärkonferenz. 128./130. Abt. Pankow. 7½ Uhr zahlabend in folgenden Lokalen: 1. Gruppe bei Majerowitsch, Kaiser- Friedrich-, Ede Berliner Str.; 2. Gruppe bei Mees, Berliner Str., Ede Lindenpromenade; 3. Gruppe bei Ried, Binzftraße 43; 4. Gruppe bei Meier, Türkisches Relt, Breite Str.; 5. Gruppe bei Bater, Mühlenstr. 12; 6. Gruppe bei Neumann, Mendelstr. 17; 7. Gruppe bei Koritkowski, Floraſtr. 73; 8. und 9. Gruppe bei Dohnke, Wollantstr. 31. Vortrag. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 91. Abt. Neukölln. Genosse Mag Nagel, Wissmannstr. 22, ist verstorben. Beerdigung Dienstag, den 10. Juni, nachm. 4 Uhr, Jerusalemer Kirchhof, Hermannstraße. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Bereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden. Genosse Pfarrer Bleier spricht am Sonntag, abends 6 Uhr, im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trinitatiskirche, Charlottenburg. Männerchor Friedenau- Steglit. Am 2. Pfingstfeiertag, morgens 6 Uhr, veranstaltet der Männerchor Friedenau- Stegliz( M. d. DASB.), Chormeister Otto Schumacher, ein Frühkonzert im Partrestaurant Güdende. M.RIETHMÜLLER Berlins größter Preisabbau! Ohne Rücksicht auf den Wiederbeschaffungspreis verkaufen wir 20000m Herren- u. Damenstoffc Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Die Abteilungen, die bis heute noch teine Jugendgenoffen angegeben haben, welche sich am Sammelfonntag( 15. Juni) beteiligen, müssen dies umgehend nachholen. Ferner müssen von vielen Abteilungen noch die Juli- Programme abgeliefert werden. Wegen Eröffnung des Parteitages bleibt das Jugendfekretariat am Mittwoch, den 11. d. M., nur bis 5 11hr nem. geöffnet! Dienstag, den 10. Juni, abends 712 Uhr: Staaten: Jugendheim, Bahnhofstr. 30a. Diskussion: ,, Was ist Demokratie?" Steglig I: Jugendheim, Afbrechtstr. 46. Bortrag: ,, Sonnenwende." Wann fee: Schule, Charlottenstraße. Distusfion: Unsere Pfingstfahrt." Arbeitersport. „ Langenfalza I- Adler 12 I". 3u Pfingsten weilt Sangenfalze, einer der spielstärksten Vereine Thüringens, mit seiner I. Mannschaft in Berlin, um hier am 1. Feiertag gegen die I. Mannschaft des BFC. Adler 1912 ein Wettspiel auszutragen. Das 1. Spiel in Thüringen fonnte Langensalza knapp gewinnen, so daß man gespannt fein darf, wie das jetzige Treffen enden wird, da beide Mannschaften sportplay, Christianiastraße( Ostarplay), um 5 Uhr nachmittags statt. in stärkster Aufstellung antreten. Das Spiel findet auf dem AdlerBorher spielt die 2. Mannschaft Adlers gegen Sparta 11 2. Mannschaft. Männer- und Jugend- Städtespiele. Am zweiten Feiertag, nachmittags 4 Uhr, stehen sich auf dem Lichtenberg I- Plaz am Bahnhof Stralau- Rummelsburg( Kynaststraße) die erste Jugend von RähnißDresden, Meister der ersten Klasse, und Lichtenberg I, Ostfreismeister der MSV, gegenüber. Anschließend spielt die erste Männermannschaft von Langensalza( Thüringen) und ich= tenberg I das Städte- Spiel. Am ersten Feiertag finden auf dem jelben Platz gleichfalls intereffante Spiele statt, und es wird an beiden Tagen guter Sport geboten. Die 22. Männer- Abteilung des Turn- und Sportvereins Fichte" fpielt am. Pfingstfeiertag gegen eine Mannschaft aus Leipzig Raffball. Spielanfang 3 Uhr auf dem Plaz in Hohenschönhausen, Sommerstraße. Die Bundesschule der Männerklasse übt am nächsten Donnerstag auf dem Dominicussportplag am Sachsendamm. 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