Nr. 268 41. Jahrgang Ausgabe A r. 138 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lugemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der, Borwärts mit der Gonntagsbeilage ,, Boll und Beit" mit Sied. lung und Kleingarten", sowie bez Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Die 100 Milliarden Anzeigenpreise: infpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reflamezeile I- Onismar Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 0,20 Gold. mart( aulässig amei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefuche bas erfie Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Den Journalisten erklärte heute nachmittag der zukünftige Minifterpräsident, sein Rabinett werde feinen Unterstaatssekretär haben und dieselbe Anzahl von Ministern wie das Kabinett Poincaré, das jezt zurücktrete. Paris, 9. Juni.( WTB.) Ministerpräsident François Marsal wird heute nachmittag um 5 Uhr dem Präsidenten der Republit seine Mitarbeiter vorstellen. Kammerfihung am Pfingstfonntag. Paris, 9. Juni.( WTB.) Die Rammer ist Sonntag nachmittag zu einer Sigung zusammengetreten, die nur etwa 20 Minu ten dauerte. Es wurde lediglich das Protokoll der gestrigen Sigung verlesen und genehmigt, worauf Rammerpräsident Painlevé mitteilte, es sei ihm folgende Tagesordnung zugestellt worden: ,, Die Kammer, die entschlossen ist, die Beachtung des Willens des allgemeinen Stimmrechts sicherzustellen, beschließt, morgen um 6 Uhr abends eine Eizung abzuhalten." werde: oder aber es würde eine Interpellation eingebracht und zur Debatte gestellt werden. Wahrscheinlich werde für die Minderheit der Abg. Reibel eine andere Interpellation einbringen. Die Fraktionen der Minderheit würden vermutlich eine Debatte verlangen, falls die Mehrheit gegen diese Interpallation märe. Fraktion der Radikalen bereits beschlossen habe, daß nach BerParis, 9. Juni.( WTB.) Oeuvre" glaubt zu wissen, daß die lefung der Botschaft des Präsidenten und nach Eingreifen eines Mitgliedes der Minderheit von der Linken eine Resolution eingebracht werden solle, in der der Regierung die Anerkennung vers fagt und daran erinnert werde, daß sich das Land am 11. Mai unzweideutig für eine entschloffen republikanische und friedfertige Politik ausgesprochen habe. Die proletarische Einheit. V. Sch. Paris, 9. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Das politische Frankreich ist in zwei feindliche Heerlager gespalten, in deffen beiden Hauptquartieren fieberhafte Borbereitungen getroffen werden. Das eine Hauptquartier befindet sich im Elysee, wo Millerand seine Getreuen empfängt, also die führenden Minister und Parlamentarier des nationalen Blocks, die Chefredakteure der Boulevardpresse, das andere Hauptquartier im Balais Bourbon, wo sich die Führer des Lintsblods im Arbeitszimmer des Präsidenten der Deputiertenkammer Painlevé regelmäßig versammeln. Am Dienstag nachmittag 3 Uhr beginnt mun die Entscheidungsschlacht zwischen dem Präsidenten der Republik und der Kammermehrheit, wenn sich das Ministerium Marsal den beiden Kammern vorstellen wird. Ueber den Ausgang dieser Kraftprobe besteht, someit die Deputierten fammer in Frage kommt, nicht der geringste Zweifel: mit über 320 gegen höchstens 200 Stimmen dürfte das Ministerium gleich am ersten Tage gestürzt werden. Es war ursprünglich die Absicht der Linken, jede Debatte über die Programmrede des neuen Minifteriums abzulehnen und sofort nach deren Berlesung zur Abstimmung zu schreiten. Indessen wird sich dieser Wunsch schwer verwirtlichen lassen, da eine scheinbare Interpellation vom ehemaligen Minister Reibel im Auftrage Millerands eingebracht worden ist, um eine solche Debatte zu er zwingen. Millerands Tattit geht nämlich offenbar darauf hinaus, heftige Meinungsfämpfe im ganzen Lande um feine Demiffion zu entfeffeln. Es muß auch zugegeben werden, daß ihm das mit Hilfe der Boulevardpresse auch bis zu einem gewissen Grade gelungen ist. Die großen Blätter des nationalen Blocks haben die Barole ausgegeben, daß Millerand und seine Freunde die ein zigen wahren Hüter der Berfassung seien, während das Borgehen der Linfen einen Angriff auf die Verfassung darstelle, weil fie versucht haben, das Staatsoberhaupt auf Grund eines Beschlusses einer außenparlamentarischen Tagung der linken Parteien zum Rücktritt zu zwingen. Das ist natürlich eine Heuchel ei ärgfter Art, denn niemand ist bekanntlich mit dem Geifte der Ber faffung fo rücksichtslos umgefprungen wie gerade Miller and. Diese sind ungefähr so aufrichtig wie die der deutschen Kommunisten im Reichstage, als sie die Ablehnung der Kan- Mittel bedient. Wir werden unser Kabinett nur zu diesem Zwed 3wed der Roten Gewerkschaftsinternationale ist die Bekämpdidatur Kazz auf den Bizepräsidentenposten als eine ,, Mißachtung der Gepflogenheit des hohen Hauses" bezeichneten. Trotzdem wird dieses Argument der Millerandschen Verfaffungstreue mit einem solchen Aplomb von seiner Preffe vorgebracht, daß es nicht verfehlt haben dürfte, einen gewissen Eindruck auf einen Teil der öffentlichen Meinung und vielleicht sogar auf einen Teil des Senats zu machen. Diese Tagesordnung ist mit 348 gegen 5 Stimmen ange. nommen worden. Die Mittelparteien und die Rechte haben an der Abstimmung nicht teilgenommen. Ein Anhänger der Rechten ruft bei Berlesung des Abstimmungs. ergebniffes: Romödianten! Der Kammerpräsident hebt die Sigung auf mit der Ankündigung, daß die nächste Sigung Montag um 6 Uhr zweds Festsetzung der Tagesordnung stattfinde. Als er feinen Siz verläßt, applaudiert die Linke, während man von rechts und aus der Mitte ironische Zurufe hört. Marsals Absichten. den anwesenden Journalisten: Wir werden uns erst Dienstag Paris, 8. Juni.( WTB.) François Marsal erklärte gestern nachmittag dem Parlament vorstellen. Ich werde eine Botschaft des Präsidenten der Republit verlesen, dor mit dem Barlament in zu treten er sich tilden. Nach der Botschaft werde ich eine sehr kurze minifterielle Erklärung verlesen, um auseinanderzusehen, daß unsere Rolle lediglich darin besteht, eine Botschaft des Präsidenten zu übermiffeln, um eine Abstimmung über die aufgeworfene Präsidentenfrage zu erzielen. Die Abwehr der Kammermehrheit. Paris, 9. Juni.( WIB.) Nach der Morgenpresse beabsichtigt der der sozialistisch- republikanischen Fraktion angehörige Abgeordnete Autériou die Resolution, die 1877 gegen das Kabinett Rochebouet eingebracht wurde und den Rüdfritt des Präsidenten der Republif, des Marschalls Mac Mahon, Ueber die Entwicklung der Dinge im Senat ist man bisher nicht unbedingt so sicher wie in der Kammer. An sich entspricht es .zwar der Tradition, daß der Senat über eine Regierungserklärung nicht abstimme, so dürfte es auch diesmal vor sich gehen. Es geht jedoch das Gerücht, daß der frühere Ernährungsminister Cheron eine Debatte und eine Abstimmung im Senat unbedingt vor der Entscheidung der Kammer herbeiführen will. Es wird jedoch bezweifelt, daß ihm dies gelingen wird. Eine Uleberraschung von dieser Seite ist immerhin denkbar: aber selbst wenn die Regie rung Marsal, d. h. Millerand ein fnappes Vertrauensvotum im Senat erhielte, so würde dies nnur eine weitere Verschleppung der Präsidentenkrise um wenige Tage bedeuten. Dann würde das ge bildete Ministerium in der Kammer gleichfalls gestürzt werden und schließlich müßte der Präsident der Republik doch den Kürzeren ziehen. Eins ist jedenfalls absolut sicher: Selbst wenn Millerand eine tnappe Mehrheit im Senat für seinen Berfaffunugsstandpunkt zusammenbeläme, eine Zuffimmung des Senats zu einer Auflösung tyr kammer ist absolut ausgeschlossen. Der wahrscheinliche Gang der Dinge wird eher dem Programm der kommenden Woche entsprechen, das so gar der Millerand freundliche Matin" heute morgen aufgestellte Behauptung zu widerlegen, daß anläßlich der mehrfachen gestellt hat. n Das Kabinett Marsal. Paris, 9. Juni.( WIB.) Die endgültige ZusammenJehung des Kabinetts François Marsal ist folgende: Borsitz und Finanzen: François Marsal, Juffiz: Senator Rafier, ußeres: Abg. Lefebvredu prey. Inneres: Senator de Selves Krieg: Abg. Maginet, Marine: Abg. Défiré Ferry, Kolonien: Abg. Fabry, Deff mtliche Arbeiten: Abg. Ce Trocquer, Arbeit: Jourdain, Befreite Gebiete: Abg. Louis Marin, Wirtschaft: Abg. Capus, Deffentlicher Unterricht: Abg. Landry, Handel: Abg. P. E. Flandin. Die Formalitäten der Bildung. Paris, 9. Juni.( BTB.) Heute vormittag hat Senator François Marfal dem Rammerpräsidenten Bainlevé einen Besuch abgestattet, um thm mitzuteilen, daß er Dienstag nachmittag um 3 Uhr das Kabinett der Kammer vorstellen und der Kammer eine Botschaft des Präsidenten der Republik mit herbeiführte, faft wörtlich wiederaufzunehmen und am Dienstag nach erklärung einzubringen. Die Resolution lautet in der neuen Faffung: Verlesung der Botschaft des Präsidenten und der Regierungssich dem Parlament vorstellt, die Berneinung der Rechte „ Die Kammer steht auf dem Standpunkt, daß das Ministerium, das der Nation und des Parlaments ist, daß es also die Krife nur verschärfen kann. Die Kammer er flärt, daß das Haus nicht in Beziehungen zu dem inifterium treten kann, und geht zur Tages. ordnung über." J. St. Wien, 7. Juni. Internationale wies nur wenige Augenblicke auf, in denen vorDie gestern abgeschlossene Tagung der gewerkschaftlichen handene geringfügige Unstimmigkeiten durch die LeidenschaftAugenblide galten dem Antrag der englischen Delegation, die lichkeit des Tones ihren Ausdrud fanden. Diese wenigen Berhandlungen mit den russischen Gewerkschaften wieder aufzunehmen und dem Vorschlage, in den Borstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes drei Vertreter der internationalen Berufssekretäre aufzunehmen. Beide Borschläge betrafen in Wirklichkeit dieselbe Angelegenheit. Es ist bekannt, daß die Moskauer Inter nung von Moskau eigene Gewerkschaften und dann eine sonationale auch in die Gewerkschaftsbewegung die Spaltung hineingetragen hat. Die Kommunisten gründeten auf Anordgenannte Rote Gewerkschaftsinternationale. Der in den Satzungen dieser fommunistischen Gründung ausgesprochene bundès und der ihm angeschlossenen Organisationen. Mit Gewertschafts weichen Mitteln dieser Kampf durchgeführt wird, braucht hier nicht näher dargelegt zu werden. Unsere Gewerkschaften und der Internationale Gemertschaftsbund unterscheiden sich von den kommunistischen Gemertschaften vornehmlich dadurch, daß ihr Kampf dem Kapital und seiner Beseitigung gilt, und daß sie bemüht find, in diesem Kampfe die gesamte Arbeiterschaft zu einer einheitlichen Kampffront zusammenzuschließen. Die fommunistischen Ge werkschaften dagegen sind unter der Maste der Einheitsfront einzig darauf bedacht, die Gewerkschaften aller Länder zu zertrümmern. In dem Bestreben der Zusammenfassung aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter haben sich insbesondere bie verauch die russischen Gewerkschaften zum Anschluß zu be schiedenen beruflichen Internationalen bemüht, Bungen nicht frei sind, sondern von den in Rußland herrschenwegen. Die russischen Gewerkschaften, die in ihren Entschlieden Diktatoren abhängen, haben diesen Bestrebungen der beruflichen Internationalen mit dem Versuch beantwortet, auch diese zu spalten oder wenigstens zunächst in Gegensatz zum Internationalen Gewerkschaftsbund zu bringen. Dadurch haben sich eine Reihe von Unstimmigkeiten ergeben, die allerParis, 9. Juni.( WTB.) Der unabhängige Sozialist A u briot dings ohne Tragweite sind, die aber in der Folge zu bedauerbeabsichtigt, die von den dem Einsee nahestehenden Blättern auflichen Konsequenzen hätten führen können. Um die Einheit der internationalen Gewerkschaftsbewegung zu sichern, ist nun innerpolitischen Stellungnahme des Präsidenten der Republik die in Wien der unseren Lesern bereits bekannte Beschluß gefaßt Regierung in feinem Falle von der Kammer interpelliert worden, daß drei von den internationalen Berufsfefretariaten worden fei. Er nimmt zu diesem Zwed eine Interpellation wieder gewählte Bertreter dem Internationalen Gewerkschaftsbund auf, bie er am 15. Oftober 1923 eingebracht hatte und die die angehören sollen, und daß die internationalen BerufsorganiGegenstand hatte. Sie verlangt Auskunft über die Maßnahmen, fationen, bevor sie eine Organisation aufnehmen, die keiner die die Regierung zu treffen gedenkt, um die Durchführung des in Landesorganisation angehört, die dem Internationalen GewertEvreux vom Bräsidenten der Republik entwickelten politischen Bro- schaftsbund angeschlossen ist, sich mit diesem ins Einvernehmen gramms zu sichern. zu sehen haben. Rede des Präsidenten Millerand in Evreur zum Debatteloser Uebergang zur Tagesordnung. Paris, 9. Juni.( BTB.) Ueber die parlamentarische Lage nach Bildung des neuen Kabinetts schreibt Havas, obwohl die Gruppen der Mehrheit erst am Dienstag vormit tag über die einzunehmende haltung beraten würden, fönne man schon jetzt zwei Möglichkeiten ins Auge faffen: Entweder würden nach der ministeriellen Erklärung die Mitglieder der Mehrheit ihrerseits auf der Kammertribüne eine ge= meinsame Erflärung verlesen lassen, in der die Haltung des Kartells der Linken auseinandergesetzt und verlangt würde, daß Die englischen Gewerkschaften glaubten nun, die notwendige gewerkschaftliche Einheit dadurch schneller herbeizuführen, daß man den internationalen Berufsorganisationen völlig freie Hand bei der Aufnahme von Organisationen läßt und daß man die immer wieder versuchten, aber von den Russen immer wieder sabotierten Verhandlungen mit den russischen Gewerkschaften trotz alledem nochmals aufzunehmen versucht. Im Grunde handelt es sich bei dem Antrag der Enge länder nur um ein Mißverständnis, das übrigens im Laufe der Verhandlungen vollkommen beseitigt worden ist. Die englischen Gewerkschaften und die englische Arbeiterpartei befinden sich vorläufig noch in der angenehmen Lage, eine cnz unbedeutende kommunistische Partei in ihrem Lande zu aben, die sich außerdem sehr zahm und verhältnismäßig anständig auffuhrt Die fiir die Arbeiterklasse beschämenden Kämpfe, die die Kommunisten auf dem Kontinente allen Ge- werkschasten und allen sozialistischen Parteien liefern, liegen unseren englischen Genossen fern und sind ihnen auch ziemlich unbekannt. So allein sind ihre Anträge.zu verstehen. Das Mißverständnis ist nun beseitigt, und die gewerk- schastliche Internationale kam auch in diesem untergeordneten Punkte zu einem vollständigen Einvernehmen. Alle Gewerk- schaften haben den dringenden Wunsch, die internationale Ein- Heft des Proletariats durch die Einverleibung der russischen Gewerkschaften in die gewerkschaftliche Internationale herzu- stellen. Ob und wann dies möglich sein wird, hängt davon ab, ob und wann die russischen Gewerkschaften die Freiheit der Entschließung besitzen werden. Solange sie sich noch unter der Herrschast der Diktatoxxn von Moskau befinden, werden alle Eimgungsversuche des Internationalen Gewerkschastsbundes wie der Verufsinternationalen scheitern. In allen anderen Fragen, die den Internationalen Ge- werkschaftskongreß beschäftigt haben, hat von vornherein eine derartige Einmütigkeit nicht nur in der g r u n d s ä tz- l i ch e n Auffassung, sondern in der taktischen Einstellung geherrscht, daß eigentliche Debatten fast überflüssig waren. Ob es sich um die Bekämpfung der Beaktion oder die Reparations- ftage, um den Kampf gegen Krieg und Militarismus, um die internationale Sozialgesetzgebung oder um die Sicherung des Ächtstundentages handelte, überall ergab sich eine so gut wie lückenlose Uebereinstimmung in allen taktischen und grundsätzlichen Fragen. Auch die Fragen der inneren Organisation, die bei der Verschiedenartigkeit des gewerkschaftlichen Ausbaues in den einzelnen Ländern leicht.zu llrrstimmigkeiten führen, sind ohne Schwierigkeiten geregelt worden. Wir verweisen dabei insbesondere auf die Frage der Organisation der Arbeiterinnen. Wer sich der internationalen Kongresse vor dem Kriege erinnert, wird davomum so mehr überrascht sein, als der Krieg alle internationalen Verbindungen des Proletariats zerstört und zu scheinbar liesgehenden Gegensätzen geführt hat. Der Krieg und die FriÄÜmsverträge haben aber nicht nur die internanonalen Verbindungen des Proletariats zerstört und Gegensätze.zwischen den Gewerkschaften und den sozialistischen Parteien der verschiedenen Länder hervortreten lassen. Dgx Krieg und die Friedensverträge haben gleichzeitig das wirtschaftliche Gleichgewicht der Welt zerstört. Die Folgen dieser Zerstörung hatte und hat in erster Linie die Arbeiterschaft der ganzen West zu tragen. In allen Ländern ist schließlich in der Arbeiterschaft die Er- kenntnis durchgedrungen, daß die Wirtschaftskrise nur be- seitigt, die politische Reaktion nur besiegt werden kann, wenn die Friedensverträge einer grundsätzlichen Umgestaltung unterzogen und im Sinne der wirtschaftlichen Solidarität aller Völker revidiert werden. Herne leidet die Arbeiterklasse der gesamten West an den wirtschaftlichen und politischen Folgen der imperialistischen Friedensverträge. Diese Gemeinsamkeit der Leiden hat das internationale Proletariat zu einer Kampfes- Gemeinschaft zusammengeführt, die geschlossener ist, als sie je vor dem Kriege war. Das ist die erfreuliche Erkenntnis, chi« sich uns aufdrängt, nicht allein aus den W�ner Tagungen d« gewerkschaftlichen Internationale, sondern auch aus den Beratungen der Exekutive der sozialistischen Internattonale und den gemeinsamen Verhandlungen der sozialisttschen und der gewerkschastlichen Internattonale. Die proletarische Inter- national« ist heute nicht allein»geschlossener, sondern sie ist auch weitaus stärker als je. Sie ist heute trotz Krieg und Friedensverträge in allen wesentlichen europäischen Ländern ein politischer und wirtschaftlicher Machtfaktor geworden. Wenn es der Arbeiterschaft gelungen sein wird, die kommu- msttsche Verftrung zu überwinden, dann wird die proletarische Internationale Europa und der West den Frieden geben. Milleranüs Schicksal besiegelt. «Das Kabiuett der Botschaftsverlesuug". Paris. S. Zum.(CP.) Die beiden Abstimmungen in Sammer und Senat über die Lolfchafi des Präsidenten morgen Dienstag abend werden die entscheidende Macht« probe über das Schicksal des Präfidenten darstellen. Zn politischen Kreisen erwartet man, daß unmittelbar aus die Abstimmung, das heißt noch morgen abend, Millerand seine Rücktritts- erklärung abgeben wird. Ein andere: Ausweg scheint sür Mllerand nicht mehr offen zu sein. Es ist charakteristisch, daß lu der heutigen Ausgabe, das heißt am Tage vor der Abstimmung, der „M a t i n". den man als das Sprachrohr des Präsidenten Milleraad anzusehen gewohnt ist, ein Wochcnprogramm veröffentlicht, das nicht mehr und nicht weniger als das Todesurteil Millerauds enthält. Der Inhalt des Programms läßt erkennen, daß der„Jltafln" Millerand aufgegeben hak. Das Programm lautet folgender. maßen: «Dienstag: Das Kabinett Marfal stellt sich Kammer und Senat vor und verliest die Botschaft Millerands. Abstimmung in Kammer und Senat. Wenn die Kammerabstimmung gegen den Präsidenten der Republik ausfallen wird, wird dieser unmittelbar darauf eine ueue Volschasl abfassen, die seine Rücktriklserklärung enthalten wird. Mittwoch: Verlesung der Räcktrittsbvtschast Mllerands in Sammer und Senat. Donnerstag: Vollversammlung der Linksparteien im Senatsgebäude. Freitag: Italianalver- sammlung in Versailles für die Wahl des neuen präfi- denken. Sonnabend: llebert ragung der Gewalt an den neuen Präsidenten der Republik. Sonnlag: Bildung der neuen Liuksregierung."— Auch das.Journal'" stellt ein ähnliches Wochenprogramm auf. Die Linksparteien zweifeln nicht im geringsten an der endgültigen Meder- tage Millerands. Das«Oeuvre" schreibt: Das Ministerium Marfal ist nur gebildet worden, um die Botschaft Millerands zu verlesen und nachher zu verschwinden. Man sollte es somit«le Cabinet de Lecture" nennen. Der Senat neutral. Paris, S. Juni.(MTB.) Nach dem„I v 11 r n a l* wird der Senat am Dienstag nach T'Zrlefung der Borschaft des Präsidenten in dem Wunsche, der Kammer die volle Derantwortung zu über. lasfcn, einfach beschließen, die Botschaft zu den Akten zu nehmen. Das englifch-französifche Programm. Entgegenkommen an Deutschland. London, 7. Juni. iE ca.) Der«Daily Telegraph" teilt mit, daß während der franzöfischen Ministerkrise ein Meinungs- austaufch zwischen den Führern der englischen Arbeiterpartei und den französischen Radikalen stattgefunden habe. Das Blatt meint, daß sofort nach Bildung des neuen französischen Kabinetts eine Einigung gelegentlich der Zu- fammcnkunft zwischen herriot und Macdonald möglich sei.und daß diese Einigung folgende Punkte betreffen wird: l. Durchs üHrnNg des Dawes- Dianes, Räumung de» Ruhrgebiet«« und des Rheinlande«, sobald Deutschland die nötigen Geie he angenommen hak. die durch das Gutachken vorgesehene internationale Vera- tungsitellen eingesetzt und imstande sind, ihre Auf- gaben zu übernehmen. Z. Unverzügliche Verringerung und«Ansichkbarkeit" der Besatzung des Ruhrgebiets und Zurückziehung der Truppen, sobald der Dawes-Plan ohne Schmie. rigkeiten mit Hilfe Deutschlands funktioniert. Z. Lösung der Sicherhrilsftagc durch Vermittlung des Völ- k e r b u n d e s, am. besten in der Form eines gegenseitigen Garantie- Vertrages, mehr oder weniger der von Lord Robert Cectt vorgeschlagenen Fassung angenäheri, sobald Deutschland al» Mitglied in den Völkerbund zugelassen ist und die Durchführung dieser Kombination erleichtert. MaLdonald zeigt sich, so schreibt der «Daily Telegraph", zwar sür den von Lord Robert CecN vorgeschla- genen Pakt nicht besonders eingenommen und steht ihm wohl weniger günstig gegenüber, als die Mehrzahl seiner Mnisterkollegeu. 4. lieber- tragung derkontrolle der deutscheaMilitärmacht an den Völkerbund, sobald wie mögllch nach einer neuen inter- ollsierkea Untersuchung, wie die Botichasterkonfercuz sie kürzlich ver- langt hat. S. Besprechung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung im Zusammenhange mit dem Sicherungsvertrage. So würde Frankreich dazu kommen, seine schweren Finaazlasten zu verrlugern, die die Ausrechterhaliung seiner Armee erfordert und die durch die Ruhrakkioa auch noch nokwendiger geworden find.... �Neue Söhnen'. Paris. 9. Juni.(MTB.) Das..Oeuvre" schreibt unter Be- zuznahme auf die Außenpolitik Hcriiots, in den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland müsse Frankreich entschlossen gewiss: Maßnahmen treffen, die jenseits des Rheins die Autorität der Demokraten und der Republikaner stärken. Es dürfe nicht unwidersprochen bleiben, wenn poincare in seinem letzten Schreiben an Macdonald erklärt habe, daß an der ftanzösischea Außenpolitik nichts geändert werde. Als Poincare an Bnands Stelle getreten sei. habe er verkündet, daß die französische Außenpolitik ueue Bahnen einschlagen werde. Herriot alz Mmisterpräsident würde sich angelegen sein lassen, zu beweisen, daß die kostspielige Methode Poincares endgültig aufgegeben werde. Die deutschen Gefangenen, die Geiseln, deren man sich im Rhein- land und Ruhrgebiet bemächtigt habe, müßten in Freiheit geseht werden. Durch eine umfassende Revision der vorgesehenen oder angekündigten Maßnahmen im besetzten Gebiet müsse der Verschleppirngspoliiik Einhalt getan werden. Das Blatt verweist auf die Reguijitions- und Baupläne der französischen Besahungs- behörde in gewissen Ruhrstädten. Das Mindeste, was erwartet werden könnte, sei«ine entsprechende Verminderung der französischen Forde- runzen. Schlimmer als alles sei der moralische S ch a d« n, der Frankreich durch sein« Maßnahmen erwachsen sei. Das müsse auf- hören, vor allem müsse sofort die Beschlagnahme von Schulgebäuden«ingestellt werden. Die belgische Militärbehörde amnestiert. Bottrop. 9. Juni.(TU.) Die belgische Mlitärbehöride der Be- satzungsarmee teilt mit, daß sie die gegen SO Deutsche verhängten Strafen, welche aus Anlaß des passiven Widerstandes verhängi waren, amnestiert habe. Abkühlung für putstbisten. London, 9. Zum.(Eigener Drahlberichk.)«Daily Tele- gcaph" spricht auläßlich der Berliner Meldung, daß eine Putsch» gefahr in Deutschland besteht, die Hoffnung aus, daß der von deut- scheu Sozialdemokraten erfolgreich organisierte Repa- blikschuh— gemeint ist der vom Genofley Löbe im Reichstag erwähnte Fronttämpferbund«Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold"— die Kamxsbegeisterung der Reakttonäre abkühlen und sie zur Ausgabe ihrer Pläne veranlassen'werde. Seipels Gesunüung. Dien, 9. Juni(WTB.). Ueber das Befinden des Bundeskanzlers Dr. S e i p e l wurde heute vormittag folgendes Bulletin ausge- geben: Temperatur 37, Puls 105, Respiration 26. Der Bundes- kanzler hat die Nacht ohne Schlafmittel gut verbracht. Subjektives Befinden günstig. Lungenbefund unverändert. Weiterer Rückgang der diabetischen Stvsfwechselstörung. Gesamteindruck durchaus be- friedigend. Der Gesang im Regen. Die D�ner Arbeiter demonstrieren. Von einem deutschen Teilnehmer am Internationalen Gewerkschaftskongreß wird uns geschrieben: Die Demonstrationen derWienerArbeiterfchaft haben seit der ersten Maiseier 1399 und seit den Wahlrechtsdemon- ftrationen anfangs der neunziger Jahr« einen wohlverdienten Wettruf erlangt. Sie ze-chnen sich nicht ollein durch die Wucht der aufmarschierenden Mafien, gurch ihre mustergültige Disziplin au«, der Diene? Humor, der auch den ausgehungerten Arbeiter nie ganz verläßt, weiß ihnen den Stempel der Lebensfreude oufzu- drücken und in die Eintönigkeit endloser Massen bunte Abwechslung zu trogen. Wir erwarieien also mit Recht, daß die Wiener Arbeiter ihren TradttioPn treu bleiben und in Massen zu Ehren der gewerkschast. lichen und der sozialistischen Jnternolionale aufmarschieren würden. Absc die Wiener haben alle Erwartungen übertrosfen. Als sie sich an ihren Treffpunkten versammelten, begann sich der Himmel zu verdüstern. Und als der' Marsch über dio R i n g- straße begann, setzte ein österreichischer Regen ein, gemütlich, lang- sam, qbwechslungsvoll, zwischen einein leichten Landregen und eine« Wolkenbruch schwankend. Ab�r unaufhörlich. Und in diesem Regen stand wie eine Mauer, nom Schottenior bis zum Schwarzen- berg platz, die ununterbrochen« Kette der Ordner und der Republi- . kanischen Schutzwehr. In diesem Regen stand hinter den Ordnern die Masse der inmpachisierenden Neugierigen, die Masse derer, die nicht vorzeitig ibrs Arbeitsstätte hatten verlassen können, aber dabei sein wollten. In diesem Regen marschierten die harten, abgezehrten Prolerariergestalten, jung und alt, in ihren dünnen, verschlissenen Kleidern.� Sie marschierten zweieinhalb Stunden lang, Aui- und Rückmarsch nicht eingerechnet. Und ungezählte Musikkapellen schmertertcn dazu Wiener Märsche, als strahlt« die Sonne. Awischendurch sangen die Marschierenden. Während ihnen das Waller den Rücken herunterlief, die nassen Füße dnrch das strömende Wasser pallchtzm, sangen sie. Sie waren manchmal ge- blendet von den herabstürzenden Wasserwogen, aber sie sangen trotzdem? Die. Orzgnisatlon hatte st« gerufen, vor den Vertretern der Internationale Zeugnis abzulegen von ihrem Geist« der Solidari- tat, von ihrer Entschlossenheit. Wenig« kurze Austufe in der „Arbestar-Aeitung" hotten genügt. Monchmal stockte der Zug. Ein kurzes Kommando, die Massen standen.- Der Regen strömte, aber niemand wich, niemand drängte. In Zchn-rgrupp-a in Reih und Glied. Die Straßenbahner, die Eisenbahner, � die Postler, die Gas- und Elektrizitätsarbeiter, die Feuerwehr, fle alle marschierten in ihren Uniformen, stramm mili- tärisch, mit Fahnen und Mufik, unzählbar. Dazwischen die dunkle, gewichtige Masse der Fabrikarbeiter, erhellt von den farbigen Blusen der Arbeiterinnen, und die Jugend. Der Eindruck war gewaltig und erschütternd. Mes aber übertraf der Aufmarsch des Republikanischen Schutzbundes. Meist in kurzen Leinenblusen, an der Hüft« mit einem Ledergürtel zusammengehalten, eine Kappe oder einen ans einer Seite hochgesteckten Schlapphut von gleicher Farbe, meist grau, hellgrün oder blau. Diese Schutztruppen schritten gewöhnlich an der Spitze der Demonstrationen ihrer Bezirke. Wer diese stramm militärisch marschierenden Massen gesehen hat, begreist, daß in dem zwischen Bayern, Italien und Horthy-Ungarn eingeklemntten Oesterreich die Faschisten sich nicht hervorwagen. Hut ab vor der Wiener Arbeiterschast! Zwei Minuten. Don Max Geisenheyner. Ich fitze Eafä. Mit dem Rücken zur Straß«. Durch die große Scheibe brennt mir die Frühlingssonne auf den Hinterkopf. Die andere Hälfte der Schödelkugel hängt im Schatten. In jeder Fett- perle meiner Milchschokolade schlürfe ich einen strahlenden Himmels- kaeper nach dem anderen hinunter. Und da beginnt es auf dem dunklen Winterbeet meiner Gedanken geheimnisvoll zu arbeiten und zu sprießen. Auf einem Stengel schwankt ein kleines Häuschen, bunt und zierlich mit weißem Anstrich und grünen Fensterlödchen. Ein blauer Dunst umschwebt es wie einen Heiligenschein. Ein paar Berglilien sind zart darin eingezeichnet. Ueber der Haustür steht in ganz kleinen Buchstoben:«Mar." Nicht weit davon fährt um ein« Stengelspitze ein winziges Auto immer im Kreis« herum. So schnell, daß der rote Lack des Wagens ausschaut wie ein einziges glitzerndes Blumenband. Leise surren die Räder. In den Ehauffeursitz geklemmt hockt ein lachender Neqerboy in wühem Dreß: mein Fahrer und Diener. Ich muß ein« Garage hinter dem Häuschen bauen. Da wird nichts helfen. Und da: Auf einem breiten Grashalm tänzelt ein schlankes Renn- pferd, gesattelt und gezäumt, wie ich es mir immer gewünscht habe. Es wiehert, bäumt sich aus und schießt durch das grüne Gras wie eine glänzende braune Lanze. Ich äuge, ob es nicht noch mehr Wunder geben möchte. Da fährt der Wind in die Halme und ich sehe drei zierliche, schöne Mäd- chen. Di« eine im Cooorcoat-Kosttim mit einem schwarzen Rest- Hütchen, die andere in weißem, flatterndem Tenniskleid um die runden, schlanken Bein«: die dritte lehnt im roten Bodekostüm an einer Butter- blume und guckt, das Händchen über den Augen, in die Weite. Und alz« haben das gleiche oergnüate Gesicht. Und olle sind die gleiche, vergnügte Person?-- Und ich, ich kenne sie. Jawohl. Wer es ist? Das geht doch ncemonden etwas an. Schlußl-- Fertig!—— Punkt! Setzt euch gefällig selbst mit dem Hinterkovf in die Sonne und trinkt Milchschokoladel Eine schwimmende Anlverfität. Ein amerikanischer Ozean- dampfer(die frühere„Prinzessin Alice" des Norddeutschen Lioyd) wird im September von New Port mit einem regulären und vollständigen College und 459 Studierenden an Bord abdampfen und über Japan, China, Indien, die Türkei, Griechenland, Italien, Algier und Tunis, Spanien, Deutschland, Holland, die skantlinavischen Länder, Frankreich und England ein« Fahrt um die Welt unter- nehmen. Di« Förderer dieses Planes erhoffen von seiner Durch- führung außer dem unmittelbar' praknschen Anschauungsunterricht für die Teilnehmer eine Förderung des Derstänünisses der Völker untereinander. Erweist der erste Kursus der„See-Univerfität" fich als ein Erfolg, so soll in jedem Schuljahr eine solche Weltumseglunge- Universität losgelassen werden. Unverminderter Kamps um den Alkohol in Amerika. Nachdem man«in« Zeit lang sehr viel von dem Kampf der Amerikaner um den Alkohol gehört hak. ist es jetzt wieder still geworden. Trotzdem geht der Kampf selbst in den Bereinigten Slaaten in unvermüGer'.er Heftigkeit weiter. Das Alkoholverbot, die sogenannte Prohibition, ist nach wie vor in voller Gültigkeit. Aber auch der Durst der Ameri- kaner ist geblieben. Der Alkoholschmuggel blüht, und die Behörden veranstalten riesige Streifzüg«, die zur Aushebung von heimlichen Alkohol-Schankstätten führen sollen. Welchen Umfang hier der Kamps mitunter oiwimmt, illustriert«ine Meldung aus Atlantic-City. Hier hatte die Behörde aus der gesamten Umgebung Spezialkriminalisten (sogenannte Prohibition so aemen), im ganzen*55 Beamle herbeigezogen. An einem einzigen" Abend wurden nicht weniger als 25 Ver- gnügungslokals geschlossen. 26 Inhaber in Hast gesetzt und alle vor- handenen Spirituosen beschlagnahmt. In einer Bekanntmachung be- zeichnete die Ort-behörde ihre Aktton als«ersten Schritt zur Trocken. legung von Atlantic-City". In einer Nachbar stadl wurden am gleichen Abend 6 Wirte verhaftet und erst gegen Stellung von je 2599 Dollar Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Um die gleiche Zeit wurde aus dem Frochthof einer Bahngesellschaft ein Posten Champagner imd Wisky im Gesamtwerte von rund 59 990 Dollar kassiert. Wie lange klopft das herz beim Spart? Die starken Anstrengun, gen, denen der Körper und insbesondere das Herz bei Spormbun- gen ausgesetzt ist. haben einen stärkeren Einfluß auf die Zirkulation als man gemeinhin annimmt. Ein französischer Arzt hat genaue Beobachtungen darüber ongestellt und gezeigt, wie die«Umschau" seinen Arbeiten entnimmt, daß eine starke Anstrengung den Herz- rhothmus bsi Trainierten 49 Minuten, bei Untrainierten bis zu 6 Stunden stört. Es handelt sich dabei um einen kurzen Lauf von 199 Meter. Ein Lauf von 3999 Meter� wirkt« bei Unträimerten so stark nach, daß völlig normale Herzverhältnisse erst wieder 17 Stunden nach der Anstrengung festgestellt wurden. Rudern wirkt bei 29 Schlägen in der Mwute auf das Herz des Trainierten 39 Mi- nuten, beim Untrainierten bis zu 2 Stunden. Nach Fußboll treten die normalen Berhältniss« früher wieder ein, weil die Muskeltättgtett. die durch kurz« Ruhepausen unterbrochen wird, den Herzmuskel weniger anstrengt. Die Dauer der Störungen wird wesentlich abgekürzt, wenn man nach den Anstrengungen siegt. ver deutsche Zunfienfag wird vorn 1t Bit 13. September in Seidel- v« r g stattfinden. Rettet Zechenback! Em Ausweg aus dem Labyrinth des Unrechts. Seit der Reichstag sich mit der sozialdemokratischen Interpclla- t.on über den Fall Fechenbach beschäftigte, sind bereits nieder viele Monat« ins Land gegangen, ohne daß in der Lage des zu II n- recht Verurteilten sich irgend etwas geändert hätte> Das bayerische Volksgericht hat Achenbach wegen.Landesverrats" zu zehn Jahren Zuchthaus und wegen„versuchten" Landesverrats zu einem weiteren Jahr der entehrendsten Freiheitsstrafe verurteilt. Der vollendete Landesverrat wurde erblickt in der Weitergabe einer Llbschrist des sog. Ritter-Telegramms an einen Schwei» zsr Journalisten, der den Wortlaut dann in einem Pariser Blatt veröffenllichte. Das aus dem Juli 1914 stammende Ritter-Tele- gramm enthält die Mitteilung des bayerischen Gesandten beim Vati» kan, daß der damalige Papst Pius X. und fein Kardinalstaotssekre» tär das kriegerische Vorgehen Oesterreichs billige und energisches Austreten von ihm erwarte. Dies Telegramm, dessen Inhalt tibrigens nicht mehr unbekannt war. weil Eisner es wiederholt in Dsrsanunlungen öffentlich zitiert hatte, soll nach dem Urteil des Voltsgerichts ein«„Nachricht" darstellen, von der Fechenbach nach dem Landesoerratsparagraphen des alten Strafgesetzbuchs„wußte", daß„ihre Geheimhaltung einer anderen Regierung gegen« über für das Wohl des Deutschen Reiches oder eines Bundesstaats erforderlich" sei. Kein Mensch in Deutschland außer den Münchener Volksgerichten wird meinen, daß die Bekanntgab« der Ansicht des verstorbenen Papstes dem Deutschen Reiche— ein Jahr nach Ab» schluß des Krieges— schädlich gewesen sei. Aber nach dem Urteil des Münchener Volksgerichts soll Fechenbach wegen der Weiter» gäbe, nicht wogen der Deröfsentlichtmg, die er ja selbst nicht vorgenommen, 10 Jahre im Zuchthaus verbringen. Tie Zusage der bayerischen Regierung, daß nach Einholung eines Gutachtens des bayerischen Obersten Lcmdesgerichts der Fall Fechenbach von Amts wegen— eine Berufung oder Revision der Dolksgerichtsurteil« gibt es nicht— nachgeprüft und eventuell im Gnadenwege abge» ändert werde, ist bisher nicht erfüllt worden. So sitzt Fechenbach noch immer hinter Zuchthausmauern— nun bald zwei Jahre!— und das Rechtsempfinden bäumt sich auf bei dem Gedanken, daß taz schreiende Unrecht gegen ihn verewigt werden soll. Run hat der als„aktivifUlcher Pazifist" bekannte Dr. Kurt Hiller eine Broschüre erscheinen lassen unter dem Titel:„Es werde Recht! Rettet Fechenbach!", die durch den Pressedienst der„Welt. jugendliga" verbreitet wird. Hiller weist darin eingehend nach, daß wie das ganze Volksgericht so auch sein Fechenbach-Urteil der V e r- s assung des Reichs widerspreche und deshalb der Nach- Prüfung durch das Reich unterliege. Nach Artikel 13 Abs. 2 der Reichsverfasiung hat die Reichsregierung die Möglichkeit, aber auch die Pflicht, die Frage, ob das Urteil rechtsbeständig sei, einem obersten Gerichtshof des Reiches, also dem Reichsgericht zur Eni» scheidung zu unterbreiten. Diese Forderung, die auch von unseren Genossen im Reichstag erhoben wurde, muß um des Ansehens unserer Rechtsprechung nullen immer aufs neue gestellt werden. Und wir schließen uns ihr ausdrücklich an, wenn auch der Per- fester in steinen allgemein politischen Auseinandersetzungen bis- weilen weit über das Ziel hinausschießt. Hiller schadet u. E. der Sache, die er vertreten will, wenn er versucht, ein prinzipiell« Recht vuf.Landesverrat' zu statuieren. Dieses nicht existierende Recht kommt hier um so weniger in Betracht, als im Fall Fechenbach zweifellos nur ein Mißbrauch des Landesverrats-Paragrophen zum .Zweck des Justizmords vorliegt. Fechenbach ist unschuldig, i nb es darf nicht fem. daß ein Unschuldiger im Zuchthaus sitzt, weil bayerisches Landesrecht das Reichsrecht vergewaltigt. Die Vanziger Krise. DaS Regierungsprogramm der Sozialdemokraten. Danzlg, 1 Juni.(TU.) Di« Bereinigt« Sozialdemokratische Partei Danzigs hptte zu gestern eine Funktionörversamm. l u n g einberufen, um zur Frag« der Regierringsneubildung Stellung zu nehmen. Die Versammlung erachtet als Bedingung für das Zustandekommen einer Regierung, an der die Sozialdemokraten sich beteiligen, die Annahme nachstehender neun Punkte: 1. In der Außenpolitik ist auf ein gutes Einvernehmen mit der Republik Polen hinzu» arbeiten unter strikter Wahrung der Souveränität der freien Stadt Danzig und Beachtung der geschlossenen Per- träge. 2. Di« bestehenden gesetzlichen Bestimmungen betr. den Ach t» stundentag dürfen nicht verschlechtert werden. 3. Schleunige Anbringung der Gesetze betr. die Arbeiterausschüsle und Arbeiterkam. mern und möglichster Ausbau der sozialen Fürsorge. 4. Der Be» omtcnabbau ist mit größter Beschleunigung durch ein besonderes Gesetz vorzunehmen und streng durchzuführen. In Verbindung damit ist eine durchgreisende Verwaltungsreform in die Wege zu leiten. 5. Um der Bevölkerung die Lebenshaltung zu erleichtern, ist eine Ermäßigung bzw. Aufhebung drückender und unsozialer Steuern vorzunehmen, insbesondere ist die Umsatzsteuer zu befestigen. H. Das Danziger Wirtschaftsleben ist durch sofortig« Jnangristnahme des Wohnungsbaues zu fördern. Die Mittel hierzu find im An- leihewego zu beschoffen. Zunächst sind die vom Bolkstage bewilligten 2 Millionen Gulden zur Verfügung zu stellen. 7. die Auswertung von Reichsmarkforderungen hat m gerechter Weis« durch Gesetz zu erfolgen. 8. Der Fincmzrat ist entsprechend der neuen politischen Verhältnisse durch Gesetz auszugestaüen. 9. Abänderungen des Senatoren.Pensionsgsfetzes.— Die DSPD. betrachtet die vor- stehenden Bedingungen als Mindestforderungen, deren Durchführung zwecks Gesundung der außen- und innerpoliiischen Verhältnisse Danzigs in kürzester Zeit notwendig erscheint. Diesen neun Punkren geht eine Entschließung voran, in der ausgedrückt wird, daß die Sczialdemokratie bereit ist, mst den Fraktionen des Zentrums, der Deutschen Partei für Fortschrist und Wsttschaft und der Deutsch. Danziger Dolkspartei sowie der Gruppe der Angestellten und Bs» amten zusommenzuarbesten. Kommunistische Wühlereien in Cnglanü. London, 9. Juni.(Eigener Drahtbcricht.) Der von einem inoffiziellen.' unter kommunistischem Einfluß stehenden Streikkomstee provozierte V e r k e hr S st r e i k, der drei Tage long den Londoner Verkehr teilweise desorganisierte, steht vor dem Zusammen- bruch. Di« Exekutive des britischen Eistnbahneiverbandes sprach ausdrücklich ibrs Mißbilligung des Streiks aus. Das offtzielle Bulletin des Verbandes bezeichnet den Streik als«inen ungeheuer- lichen Fehl«.- Unl) Ordert zur sofortigen Arbeitsaufnahme auf. Die bürgerlich. Preffe Londons erblick: in diesem Streik ein« Kraft- probe der britischen Kommunisten, denen es zum ersten Male in England gelungen sei. größere Verwirrung anzu- richten„Daily Expreß" fordert ein« Untersuchung, um eventuell« geheime Fäden zwischen dem Streikkomitee und der russischen Sowjetdelegaston aufzudecken. Di« Kommunistische Partei Englands begrüßt in einer Kundgebung den„wachsenden Geist der Revolte" und oerspricht den Streikenden Hilfe in ihrem Kampf. Die Welt zu Pfingsten. Eigentlich war es so, wie es immer war in den Feiertagen! die„elegante Welt" und die mit vielen Rentenmark Gesegneten hasten Berlin verlassen, um sich vom Nichtstun der vorhergegangenen Wochen in Hotels und Kurhäulern, im Gebirge und an der See zu erholen. Die anderen aus der Welt, da man sich langweilt, die aus irgendwelchen Gründen in Berlin unabkömmlich waren, oder zu mindesten unentbehrlich zu sein glaubten, sah man in Autos, auf ratternden und stinkenden Motorrädern, eine Gefahr für die harmlosen Passanten, oder in eleganten Equipagen in den neuesten und elegantesten Kostümen und Kleidern ins Freie flitzen und auf den dichtgefüllten Tribünen bei den Rennen sitzen. Und doch war es auch wieder in diesen Pfingsstagen anders, als sonst am Pfingstfest. Das Wetter haste alle Wünsche restlos befriedigt. Kühl, um nicht bei langen Wanderungen allzu schnell infolge der Hitze zu ermatten, und andererseits warm genug, um sich im Wald lagern und den mitgenommenen Proviant verzehren zu können. So sah man dann auch an beiden Feiertagen lange Pilgerzüge von Ausflügern, und in den Wäldern von Berlin fand man überall die Lager aufgeschlagen. Der zweite Feiertag spiest ja in dieser Hinsicht seit jeher in Berlin eine größer« Roll«, als der erst« Festtag. Viele Handwerker, Schneider, Schneiderinnen und sonstige Heimarbeiter haben am ersten Feiertag noch viel zu tun um fertigzustellen, was in der Woche vorher nicht haste geliefert werden können. Die Kunden aber pochten auf ihr Recht, wollen um jeden Preis das neu« Kleid oder den neuen Anzug und kümmern sich den Teufel darum, daß sie dem Handwerker den ersten Feiertag und«inen notwendigen Ruherag rauben. Am späten Rachmistag indessen mögen all« die vielen, die noch bis in die ersten Mittags- stunden am Arbeitstisch haben sitzen müssen, nicht mehr die Wohnung und die Stadt verlassen. Sie sind zu müde und abgespannt. Ihr Tag ist daher der zweite Feiertag, und da«r warm und um Mittag schwül war. fand man noch viel mehr Menschen unterwegs und in der Umgebung von Berlin, als am ersten Feiertag. Am Abend war dann auch der Andrang zur Straßenbahn und Stadtbahn«in ganz gewalstger. Und ein« noch konnte man, ebenso wie zu Ostern, auch zu Pfingsten beobachten: Trotzdem die Straßenbahn und die Stadtbahn nur 13 Pfennige für die Fahrt verlangt, sah man sehr viele, und namenllich Familien mit Kindern, von der Wohnung nach dem Wald, oder nach einem öffentlichen Garten und Park laufen. Das Geld ist knapp und man muß sich auf das äußerste einschränken. Auf der einen Seite Leute, die für ein paar Pfingsttage Hunderte an der See und im Gebirge ausgeben, auf der anderen Seile arme Luder, di« an den Feiertagen nicht einmal für sich und die Ihrigen die Straßenbahn zu bezahlen vermögen! Rur denen, die am ersten Pfingstfeiertag zum Frühkonzert sich aufgemacht hatten, ist es nicht ganz gut ergangen, denn es weht« ein verdammt kühles Lüfterl, dem nur ganz Westerfeste trotzen konnten. Wenn übrigens infolge des Streiks der Brauerei- a r b e i t e r hier und da das Bier knapp geworden war, oder die Quell« gar ganz versiegte, wüßt«» sich die„feinen" Leute dadurch zu trösten, daß sie„Echt«" oder Wein tranken. Der Aobester aber, der« für selbstverständlich hält, jetzt kein Bier zu trinken, um nicht Streikbrecher und übermütige Arbeitgeber zu unterstützen, host« kalten Kaffee und Milch mit aus die Wanderung genommen und befand sich dabei sehr wohl und gesünder, als wenn er Bier ge- trunken hätte. * Die■ Berliner Feuerwehr hatte während der Psingstfeiertage viel Arbeit zu leisten. Am ersten Feienog stand nachmittags das Schutzdach für die Dampfkeficlonlage des Messingwerkes Reinickendorf in der Berliner Straß« 97/101 in großer Ausdehnung in Flammen. Der 23. Löschzug aus der Edinburger Straß« war schnell zur Stelle und gab mst mehreren Schlauchleitungen bis zum Eintreffen der freiwilligen Feuerwehr Reinickendorf-West kräftig Wasser. Es gelang eine weitere Aus- dshnung zu verhüten. Di« Entstehung wird auf Funkenflug zurückgeführt. Wegen eines gefährlichen Kellerbrandes wurde o!« Feuerwehr nach der Blänkeist>urgstraß« 5 alarmiert und wegen eines Laubenbrondes an der Ecke der Heeresstraß« und Pichelsdorfcr Straß« mußte die Spandauer Feuerwehr ausrücken. Die Laube brannte mst allem Inhalt.— Putlitzftraß« 10, Stanker« straß« 15, Augsburger Straße 44, Nassauische Straß« 48 und an anderen Stellen brannten Wohnungen. Lauenburger Straße 8«in« Waschküche. Thierstraße 6 in Friedenau«in Keller, Landsberger Allee 38«n« Baubude, Sächsische Straße 73 ein Fahrstuhl. Samariter mußten sich in Neukölln in der Erl- straß« eines schwerverletzten Kindes annehmen. Metzer Straß« 18 war in einer Küche Feuer ausgekommen. Wegen ein« schweren Automobilunfailes wurde die Wehr nach dem Kurfürstendamm 38 alarmiert. Verletzt« hasten sich schon in ärztliche Behandlung begeben. Zwei verunglückte Autos, die ein Verkehrshindernis bildeten, wurden von der Wehr entfernt. Gas- Vergiftungen, an denen es an Festtagen m Berlin nie zu fehlen pflegt, beschäftigten die Feuerwehr u. a. in der Friedrich- slraße 84. Droysenstraße 6 in Charlostenburg. Genarrt wurde die Feuerwehr mehrere Mole. Sie wurde nachts böswillig nach der Ecke der Euno» und Friedrichsruher Straße, nach der Bismarck- und Paschinger Straße, Friedrichsruher Straß« 31 u. a.. Stellen alarmiert. Die Tater sind leider entkommen. Wieder ei« Zug mit Steine« beworfen. Am ersten Feiertage wurde kurz hinter der Station Schön, holz ein Zug mit Steinen beworfen. Die Täter, junge Bur- schen, konnten leider nicht ergriffen werden. Es wurden mehrere Scheiben zertrümmert, aber glücklicherweise keine Personen verletzt. Nachrichten, um diese gemeingcsährlichen Burschen endlich unschädlich zu machen, nimmt Kriminalkommissar R i« m a n n im Polizeipräsidium entgegen. Die Reichseisenbahn- Verwaltung hat für alle dejenigen. die zweckdienliche Angaben machen können, en« hohe Belohnung ausgesetzt. Tollwütige Hunde. Am ersten Feiertag sind mehrere Fälle von Tollwut bei Kunden bekannt geworden. In zwei Fällen konnten sie schnell unschädlich gemach: werden. Im dritten entkam der Hund. In Lichtenrode bemerkte ein-, Frau an ihrem jungen halbjährigen Schäferhunde verdächtige Erscheinungen. Sie rief einen Tierarzt herbei, der Tollwut seststellte und oas Tier tötete. Auf Bitten einer arideren Frau töteten zwei Schupobeamte«inen anderen toll- wütigen Hund durch Reoolverfchusse Auffegender verlief die Jagd auf einen tollen Terrier. Schutzbeomte und Passanten be- obachteten, wie vor dem Haus« B ä r w a l d st r. 8 2 ein älterer Mann von einem Terrier angefallen und gebissen wurde. Der Hund lief dann weiter und biß ein junges Madchen. Beamte mbi Publikum verfolgten jetzt den Hund und versuchten ihn unschädlich zu machen; in der Fontanestraße gelang es einem der Beamten ihn anzusckiießen Der Schuß war leider nicht tödlich. Die Ber. folger eilten ihm nun weiter nach. Ali der Admiralsbrück« verloren ff« ihn aus den Augen und mußten die Derfolgung aufgeben. Es bestehl die Vermutung, daß der Hund, dem blutiger Schaum vor der Schnauze stand, noch andere Persoeren vorher gebissen hat. Beim Baden ertrunken. In der Frühe des ersten Feiertages ertrank der 20!ähriTe Edmund Elsers au» der Lichter. felder Straße beim Baden in der Dahme in der Nähe der sogenannten Bammelecke Die Leiche kennte noch nicht geborgen werden. Eln Gattenmorü! «Tod durch Verletzungen." Am zweiten Feiertage um 9 Uhr morgens erschien der SsjährigS Kutscher Franz Fitzke auf dem zuständige» Polizeirevier und legte«inen Totenschein vor, der auf seine Frau ausgestellt war. Der Arzt haste Tod durch Verletzungen als Ursache an- gegeben Dieser auffällige Umstand machte die Beamten stutzig. Di« Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und nahm sofort die Nacks- forfchnngen auf. Fitzke wohnt in der Zehdcnicker Straße 16 im Quergebäuide. Er hatte seine Frau Berta, geborene Thiesicher, erst vor einem Jahre geheiratet. Die Ehe soll nicht glücklich gewesen sein und oft haben die Nachbarn Zank und Streit gehört. Am Sv:m- abend, so sagt Fitzke aus. hatte er wieder mst seiner Frau Streit gehabt Plötzlich sei sie blau im Gesicht geworden, Hobe mst de? Hand nach, der Brust gegriffen und sei umgefallen. Im Fallen habe sie sich Verletzungen am Ellenbogen zugezogen. D« war um 5 Uhr nachmstrags. Gegen 8 Uhr kam die erwachsene Tochter, die in«am Geschäft arbeitet, und fand ihre Mutter tot im Bett, während der Tater im selben Zimmer ganz ge- krochen auf einem Stuhl saß. Der Arzt konnte nur noch den Tod ftststellen. Um die Zeit, zu der sich Fitzke mst seiner Frau gezankt hat, haben auch RvchbcrÄeute den Streit gehört. Eft« Nachbarin will auch Hilferufe der Frau gehört haben. Gestern kam nun der Ehemann mit dem Totenschein zum Polizeirevier. An der Toten sind kein« Würaemerkmale oder sonst schwere äuße« Verletzungen zu erkennen. Nur die Ellenbogen sind auf- geschlagen und das Gesicht ist völlig aufgedunsen und blau. Der Arzt hat bei seinem Einsteffen Fitzke mit einem Strick um den Hals angetroffen, wahrscheinlich wollt« er einen Selbst- Mordversuch machen. F. ist vorläufig festgenommen. Die Leiche ist beschlagnahmt und wird später obduziert wenden. D« Obduktion und die weiteren Crmistelungen der Kriminalpolizei werden erst weitere Klarheit schaffen. Ein tragisches Unglück bat sich am ersten Feiertag in D r e witz (Kreis Teltowt ereignet. Dort wollte der Kunstmaler Professor Ohmert in der Rähc semer Billa ein« Schußwaffe aus- probieren. Der S2jähriae Landjäger WA Kulipost aus Drewitz und zwei dem Professor bekamst« Herren standen dabei. Der Landjäger erbot sich, dem Professor einige Handgriffe dabei zu zeigen, Ohmert, im Begriff, den, Landjäger die Waffe zu geben, machte wohl eine unvorsichtige Bewegung. Plötzlich krachte ein Schuß und schwer getroffen sank der Land- jag er zu Boden. Die Kugel war dem Beamten in den Leib gegongen und hatte ihn lebensgefährlich verletzt. K. wurde nach dem Posdamec Kreiskranken-haus transportiert. Unwetterkatastrophe in vüstelüorf. Zahlreiche Häuser abgedeckt, ein Kirchturm eingestürzt. Ueber Düsseldorf ging am ersten Pfingstfeiertag gegen/ 2 Uhr nachmittags bei großem Sturm und wollenbruch- artigem Regen ein heftiges Gewitter nieder, das sehr schweren Schaden anrichtete. Der Turm der Martinstirche in Bilk stürzte ein. Dabei fiel der Turmhelm zum Teil auf ein gegenüberliegendes Haus und beschädigte dies« stark, wobei ein Mann getötet und eine Frau und ein Kind vor- letzt wurden. Den größten Schaden richtete das Unwetter im süd- lichen Teil der Stadt an. Der Flora-Garten wurde durch Stutm und Hagelschlag verheert. Die Fahrstraße war infolge herabgerissener Dächer vollkommen unpassierbar. Di« Bretter ein« Holzlagers wurden vom Sturm in die Lust ge» wirbelt und gegen die Häuser geschleudert, wodurch viele Fenster- scheiden zertrümmert wurden. Zahlreiche Häusergiebel sind eingestürzt. Die Feuerwehr wurde in 185 Fällen zur Hilfeleistung herbeigerufen. Zumeist handelt«.«5. sich um abgehobene Dächer, Kamin, und Deckeneinstürze sowie herab- gerissene Hochspannungsleitungen. Zwölf Häuser in einem Dorf in Pommern niedergebrannt. Wie aus Caimnin gemeldet wird, wurden in Pribbern o w durch eine Feuersbrunst 12 Gebäude vernichtet, davon V Wirt- schaftsgebäude und 3 Wohnhäuser. 5 Familien find obdachlos. Rettung aus Seenot. Wie die Reederei d« in der Nordsee untergegangenen Hamburger Dampfers„Olga Elisabeth" mitteilt, wurde die gesamte Besatzung durch einen englischen Fischdampser gerettet. Sie befindet sich auf der Heimreise nach Hamburg. Durch ein« Schlagwetterexplosion sind, wie aus New-Dork ge- meldet wird, in der Grube von Wilkestorr« 29 Arbeiter getötet worden, 40 Bergleute wurden verschüttet. Ihr Schicksal fft noch nicht bekannt. Groß-öerliner parteinackrickten. «. Nit. Diensta«. den 10. Juni. 714 Uhr abends, bei Bon/K, slocksu« Straße 30, cinung der Etiernbeiräte und Kandidaten. Sinlkit'mi»nr Dakilarbeit. Mtlwoch, den 11. Zun»: 7. Ski» CbarlottenBnig. Mittwoch, den lt. Juni, nachmittas» t Uhr. auf dem Städtischen Turnplatz hinter dem Ärankenhaus« Westend: Rhythmisch» Spiel« durch die frei« Schulgemeinde. Spielleiter Adolf Loch. W. Abt. Charlotte udirrq. Abend» 7% Uhr im Sitzungssaal. Ranlestr. t, v. tV. Mitgliederoersammluna. Thema: Politisch«» Wetterleuchten. Referent: Schm st steller Genosse Adolf Abter. Gosänzunzstvahl des Dorstandes. Sport. Deutsche Auhballmeisierschaft. Im Grunewald-Stadion kam am Pfingstsonntag der Kampf um die diesjährige deutsche Fußballmeisterschaft zur Ent- scheidung. 40000 Zuschauer wohnten dem Spiel b«'.. das. von herrlichstem Wetter begünstigt, den vorjährigen deutschen Meister Hamburger Sportverein und den 1. FG. Nürnberg im Wett- bewerb um den höchsten Titel im deutschen Fußballsport sah. Der Kampf endete mit dem verdienten Siege der Nürnberger 210(180), die«in vorzügliches Zusammenspiel.zeigten. Hamburg verdankte die Niederlage in erster Linie dem Versagen seiner Stürmerreihe. Da» Olympia-gußball-Touryiee in Pari» hat mit dem Siea von u r u- SU a q über die Schmeu mit L: S geendet. Uruguay ist damit ffußballmeister er Pariser Olympiade, während die Schweis den zweiten Platz belegte. Ilm den dritten und vierten Platz kämpften Schmcdcn und Holland, nachdem«in erste» Spiel»wischen diesen beiden Staaten unentschieden geendet hatte. Am »weiten Spiel blieb Schweden mit tz:t Sieger Uber Holland und gewann damit den dritten Platz im Tournier. Den beiden Spielen wohnten Uber 5 0 0 0 0 Zuschauer bei.'_ Rennen zu Ruhleben am Sonntag, den S. Zunl: !. Rennen. 1. Margot I(Hm. Schleuznerl: 2. ll.®.(2. Beiß): 8. Saniere fs». Schleusner). Tot.:»9: lO. PI, 20 äs. 28: 10. Ferner liefen: Palms I. Maivnigin I. Ginori, Zohanniefeuer, Mirabelis I. Bismarck, Alerauder H.. Ppfilanti. ffedernelke. Allen«. ttrtJrtea die Sriitzte äasweiu-»um*« Preise Gabardine..impr ssni er»" o_ 4/1 fflr Damen- u. Herren-HSntel Mir. Mandicster-Loden„**»«■. �_ Ä. dicht", für Sport, Jagd u»v.. Mir. ♦ 2CySi/ �pltriklrcf. 2. Rennen. 1. Olley B.( B. Sedert); 2. Lindenhofer( M. Ningius); 3. Beier Harwester( S.Grube). Tot.: 18:10. 7. Renken. I. Seringbrunn( E. Treubers); 2. Bilasta( Swiger); 3. Doritha( J. Mills). Tot.: 35: 10. BI.: 10, 10, 10:10. Ferner BI.: 14, 17, 12:10. Ferner liefen: Leon, Gassenmädel, Stuart Webbs, Prahlhans. Tiefen: Schwarzwaldmädel, Benedict, Losung, Mansur. 3. Rennen. 1. Seidepring I( E. Paul); 2. Sandfest 8. Seiderose B.( Frömming). Tot.: 60:10. BI.: 21, 43, 34: 10. Angriff, E. P., Barometer, Fred Wilkes jr., Balfisch. ( A. Rüdert); Ferner Tiefen: 4. Rennen. 1. Silverius( J. Mills); 2. Stella Sarf( Buhrmester); 8. Erdmann( B. Heckert). Tot.: 40:10. PI.: 14, 14, 17:10. Ferner liefen: Feuerwehr, Bella, Adler, Schlips, Jdealist, Bechfacel, Hartstein, Teufelsbart, Oftermagda, Amorette. 5. Rennen. 1. Fels( J. Mills); 2. Florian( Hm. Schleusner); 3. Precious Watts( S. Weiß). Tot.: 59:10. BI.: 28, 53:10. Ferner Tiefen: Lu cullus. 6. Rennen. 1. Doris( M. Bauer); 2. Razbach( ss. Schleusner); 3. Winnie( 2. Jacobi). Tot.: 55:10. BI. 16, 16, 39:10. Ferner liefen: Willy A., Rapitain Halle, Charade, Duna jec, Jfarwelle, Kartenspieler, Romödiant, Knicker, Lebensluft. Die Melliandseife hilft uns sparen, Gebraucht wird heute sie von Scharen" * der tüchtigsten Hausfrauen, die genau wissen, was sie an Melliands- Dreieckseife haben; der Waschtag ist ein Freudentag halbe Arbeit, blendend weiße Wäsche. Zu haben in allen einschlägigen Geschäften, wo nicht erhältlich weist das Verkaufsbüro für Groß- Berlin, Lützowplatz 11, Tel. Lützow 3819 die nächstliegende Bezugsquelle nach. 31 Gesetzlich Theater ORIGINAL geschützt Melliand Th.i.Admiralspalast Kleines Theat. 81/4 U.: Der Erfolg d. Jahres 10 Monate Tägl. 8 Uhr: Lichtfpicic unterbr. auf dem Spielplan Drunter und drüber ist die große Revue von Aug. Strindberg afw. Volksbühne 7% Uhr: Fahnen Staats- Theater Deutsch. Opernhaus 71 Uhr: Don Juans Reichshallen Theater Täglich 8 Uhr: Stettiner Sänger 8. Rennen. 1. Roronna( F. Schmidt); 2. Gamein( Lichtenfeld); 3. Verdun( S. Baade). Tot.: 60:10. BI.: 14, 12, 13:10. Ferner liefen: Alpenfer, Willn I, Lump, Jeffries jr., Elfchen, Erbgraf, Ostermagda. Rennen zu Hoppegarten am Sonntag, den 8. Juni: 1. Rennen. 1. Wippize( M. Jenisch); 2. Ghummer Teufel( Bleuler); Beba( E. Rrüger). Tot.: 15:10. I.: 11, 12: 10. Ferner lief: Hermy. 2. Rennen. 1. Marquise( Bleuler); 2. Aulis( D. Schmidt); 3. Anfang ( Reiß). Tot.: 24:10. BI.: 13, 13:10. Ferner liefen: Enver, Stigmaria. 3. Rennen. 1. Eilgilbert( M. Jenzsch); 2. Barde( O. Schmidt); 3. Mainberg( Ch. Korb). Tot.: 37:10. PI.: 26, 20:10. Ferner Tiefen: Nicotin, Rinaldo. Verkäufe Nähmaschinen, Singerrundschiff 60, Littauer, Adler, Anter, Naumann, Dür. Zopp, und rüdwärts nähend, 80 Mart. Werner, Brandenburgstr. 4. Nähmaschinen extra billige Preise. Deutschland erwache! Fabrit neuer Maschinen erstklassiger Gelegenheitskäufe wenig Zum Schluß: Ein Fabrikate. Musikantentraum gebrauchter Maschinen mit voller Ga rantie. Cigene Reparaturwerfitatt. Dönhoff- Brettl Fischer, Botsdamerstraße 103. Anf.7%, Sonnt. 5 U. Raumann- Nähmaschinen für SausgeGr. Varieté- Progr brauch und Gewerbe. Teilzahlung. 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