Nr. 270 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 139. Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmár? pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und geit" mit Gied. Lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reklamegeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( aufäffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Golsmarf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr frith bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Mittwoch, den 11. Juni 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Dem Parteitag! Zu seiner Eröffnung heute abend im Preußischen Landtag. Der Parteitag der Vereinigten Sozialdemokratischen Bar| tei Deutschlands wird heute abend an der Stätte des einstigen Dreiflaffenparlaments, im Haus des Preußischen Landtags, eröffnet. Seine Tagung ist nicht nur für die Parteigenossen eine Sache des höchsten Interesses, ja geradezu eine Herzensangelegenheit, auch für die übrige politisch interessierte Welt ist der Vertretertag der größten politischen Organis sation Deutschlands ein Ereignis von hoher Bedeutung. Die Bernichtung der Sozialdemokratie, zum mindeften ihre Schwächung bis zu einem Grade, bei dem sie aufhört, ein politischer Fattor zu sein, war das Ziel, das sich die Rechte und die äußerste Linke im leßten Wahlkampf gesetzt hatten. Wie wenig es erreicht worden ist, haben die Ereignisse der jüngsten Beit gezeigt. Nach einer fünstlich herbeigeführten und endlos hingeschleppten Regierungsfrise, die feiner der an ihr beteiligten Parteien zum Ruhme gereichte, hat die sozialdemo= fratische Fraktion ihre Arbeit im Reichstag mit einem glän= zenden Auftakt begonnen. Auch fein Gegner, sofern er eines einigermaßen objektiven Urteils fähig ist, wird bestreiten fönnen, daß die Partei mit raschem Entschluß die Führung an sich genommen und die Ehren des parlamentarischen Kampfes für sich eingeheimst hat. Indem die Partei, ohne sonst nach der Beschaffenheit und dem Programm der Regierung zu fragen, für die An= nahme des Sachverständigen gutachtens den Ausschlag gab, tat fie freilich nicht mehr, als was notwendig war. Es so getan zu haben, daß ihr Schritt bis weit über die eigenen Parteifreise hinaus überzeugend wirfte, bleibt ihr Berdienst. Der stürmische Gang der Ereignisse hat uns feine Zeit gelassen, unsere Wunden zu befehen, er hat uns gezwungen, sofort weiterzufämpfen, und das war gut so. Es mar gut, daß uns sofort die Entscheidung über eine große Frage der praktischen Politik und damit aufs neue die Erfenntnis aufgenötigt wurde, daß wir unter den gegenwärtigen revolutionär veränderten Verhältnissen uns nicht mehr auf das Agitieren, Organisieren und Theoretisieren beschränken fönnen, sondern daß jederzeit die Stoßkraft unseres politischen Willens miteinscheidend ins Gewicht fällt. % Während wir früher die Verantwortung für das Schid. fal des arbeitenden Volkes auf die„ herrschenden Klaffen" abmälzen konnten, haben wir sie heute so oder so mitzutragen. Diese Funktionsänderung unserer Partei war es nicht zuletzt, die die große Krife in der politischen Arbeiter bewegung hervorrief. Denn die Massen, die bis dahin auf unsere Gegenwartsarbeit" mur fehr bescheidene Erwartungen gesetzt hatten, fnüpften nun an fie die überschwänglichsten Hoffnungen. Die Zeit, in der die Sozialdemokratie nichts vermochte, fchien ihnen vorbei, und die Zeit, in der sie alles fonnte, gekommen. " eint, oft auf die sonderbarsten Abwege, selbst in die dunkelsten Abgründe der Mystik. Auch hier liegt eine der Wurzeln, aus denen die politische Verwirrung unserer Zeit entspringt. Haben wir also den Massen auf der einen Seite mit den Mitteln der Vernunft zu zeigen, daß sie auf keinen anderen Wegen als den unseren, und auch auf diesen nur allmählich zur Besserung ihrer trostlosen Lage gelangen können, so müssen wir sie auf der anderen Seite auch mit dem Bewußt sein durchdringen, daß sie an sich selber und an ihren Brüdern und Schwestern in der Not eine große fittliche Mission zu erfüllen haben. Sozialismus ist nicht nur Entwicklungsglaube, nicht nur auf die Wirtschaft angewandter Rationalismus, er ist auch littliche Forderung an die Gesellschaft und an jeden einzelnen seiner Bertreter. Es kann nicht unsere Sache sein, in die Niederungen der Demagogie herabzusteigen im Kampf gegen unsere Gegner, noch weniger bei der Austragung unserer eigenen inneren Meinungsverschiedenheiten! Je klarer wir uns nicht nur in unseren Anschauungen, sondern auch in unseren Methoden von jenen unterscheiden, desto besser wird es für uns sein! Möge ihr erster Parteitag die wiedervereinte Sozialdemokratie auf der Höhe ihrer Aufgabe finden! Dieser erste Parteitag der wiedervereinten Partei knüpfe an an die glorreichen Ueberlieferungen der alten, einigen Sozialdemokratie! Drang nach Erkenntnis, Erkenntnis, glühender Wissensdurst gab der deutschen Arbeiterbewegung den Impuls, und die Flamme eines echten, hingebungsvollen I de atismus leuchtete ihr voran. Zurück zu den alten Quellen! Vorwärts zu neuer Kraft! Millerand tritt heute zurück. Voller Sieg der Linken. V. Sch. Paris, 10. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Mit dem heutigen Lage hat die französische Demokratie ihren Sieg vom 11. Mai vollendet, indem sie nach einem beispiellos zähe geführten Kampf nunmehr auch den höchsten und legten Repräsentanten des Nationalen Blods, Millerand, beseitigt hat. Der Präsident der Republik hat in beiden Kammern die Schlacht verloren, so daß ihm tatsächlich nichts anderes übrigblieb, als zu demissionieren. Heute abend ist sein Rücktritt offiziell gemeldet worden, und die notwendige Formalität der Mitteilung der Demission im Parlament wird morgen nachmittag erfolgen. Die von Marsal verlesene Botschaft Millerands war die herausfordernde Kundgebung eines Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat. Demgegenüber haben die Parteien des Linksblocks die Taktik beschlossen, jede Distuffion abzulehnen und über eine von ihnen eingebrachte Resolution abzustimmen, die Regierung Marsal als verfassungswidrig, weil im Widerspruch mit dem Wahlausgang vom 11. Mai stehend, bezeichnete. Darüber hinaus aber hatte die Linke vereinbart, Erfolg. Die Sieger beantragten den öffentlichen Anschlag ihrer Resolution sowie des namentlichen Abstimmungsverzeichnisses. Da die Rechte nicht zu widersprechen magte, wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. So wird Millerands verfassungswidriger Versuch, die Willensfundgebung des französischen Boltes zu mißachten und seine Stellung als Staatsoberhaupt zu mißbrauchen, in ganz Frankreich buchstäblich an den Pranger gestellt werden. Mit dem heutigen Tage ist das gefährlichste Hindernis für eine Versöhnungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich verschwunden, wenigstens auf französischer Seite. Möge man nun endlich in Deutschland begreifen, daß wir an dem Wendepunkt der Geschicke Europas angelangt sind und daß es gilt, um jeden Preis zu verhindern, daß auf deutscher Seite nationale oder kommunistische Treibereien neue Hindernisse auftürmen. Millerands Botschaft. Paris, 10. Juni.( WTB.) Die heute nachmittag um nicht einmal zwischenrufe zu machen und auf feine Provo- 3 Uhr in der Kammer vom Ministerpräsidenten François fation zu reagieren. Mit mustergültiger Disziplin Marial und im Senat vom Juffizminifter Rafier verwurde diese Parole in der mehrstündigen Sigung befolgt, ob- lesene Botschaft des Präsidenten der Republik lautet: wohl der von Millerand vorgeschickte Interpellant Reibel sich eine Brovokation nach der anderen leistete. Das Bild änderte sich jedoch, als die Nachricht von der Niederlage Millerands vor dem Senat in der Kammer bekannt wurde. Der angefündigte Versuch des früheren Ministers Chiron, eine Debatte Zugleich mit dem Machtaufstieg der Partei hatte die zu entfesseln, war allerdings mit nur 10 Stimmen Mehrheit -154 gegen 144 abgelehnt und statt dessen die Ber Nachkriegszeit für die Arbeiter eine Vermehrung ihrer wirt tagung auf morgen beschlossen worden. Damit war auch schaftlichen Rot gebracht. Eines war so natürlich wie schaftlichen Not gebracht. Eines war so natürlich wie die allerlegte Hoffnung Millerands dahin: die Senatsmehrheit das andere. Aber was dem Forscher in seiner Studierstube wollte sich nicht Millerand zuliebe auf einen Konflikt mit der als doppelte Wirkung aus einer Ursache, eben aus dem ver- Kammer einlassen. Mit stürmischem Applaus wurde lorenen Krieg, erschien, mußte es nicht minder aufgeklärten das Abstimmungsergebnis von der Kammer mitten während Maffen als ein trasser Widerspruch erscheinen? Diese der Rede Reibels begrüßt. Dieser wurde nervös und immer Maffen schrien aus tiefster Not, und sahen ihre Vertreter in mehr herausfordernd. Die Linke verlangte aber stürmisch einer Weise handeln, die nicht unmittelbar zu ihrem primitiven Schluß. Auch als Marsal noch einmal das Wort ergriff und Berständnis sprach und die ihnen auch keine fühlbare Besse- sich dabei unglaubliche Entgleisungen leistete, 3. B. als er Besse- Schluß. sich dabei unglaubliche Entgleisungen leistete, 3. B. als er meinte, die Linke handle auf Veranlassung einer fremden Regierung, gab es Krach. Ein Verschleppungsmanöver Marsals, der einen der ältesten Parlamentarier, namens Thomson, als Kronzeugen für Millerands Stand punkt zitierte, endete kläglich: Thomson, ein Freund Gambettas, berief fich auf dessen Beispiel, um unter tofendem Beifall der Linken sich gleichfalls gegen Millerand auszusprechen. Natürlich standen die Kommunisten außer der Reihe und schickten einen Redner vor, der den Präsidenten der Republik persönlich angriff, obwohl dies nach der Berfassung unzulässig ist. Die Minderheit versuchte natürlich, diesen Zwischenfall auszunuzen, und Marsal warf dem Links blod war, er befinde fich im Schlepptau der Kommunisten. rung brachte. Diesen Massen begreiflich zu machen, daß unsere ganze Arbeit nur ihnen gilt, daß sie aber auch hart und lang wierig ist, das ist gewiß eine schwere Aufgabe. Um so schwerer, als sie geleistet werden muß mitten im Geheul einer hemmungslosen Demagogie, die den Begriff der Berantwortung überhaupt noch nicht fennen gelernt hat. So wenig wir Verständnis haben und haben können für die Wesensart tommunistischer und nationalsozialistischer Demagogen, so sehr find wir verpflichtet, Verständnis zu haben für die Psyche jener unserer arbeitenden Volksgenossen, die vorübergehend das Opfer verwirrender Phrasen geworden sind. Daneben dürfen wir auch nicht andere Veränderungen übersehen, die im Bolfsleben vor sich gegangen sind. Die Zeit, in der ein aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnis über nommener fozialer Entwicklungsgedanke schon für sich allein faszinierend wirkte, ist vorüber. Der Krieg hat mit unerhörter Bucht die großen Probleme der Ethit, die Fragen nach dem Sinn des menschlichen Seins überhaupt neu aufgeworfen. Seelisches Unbefriedigtsein quält breite Maffen faum weniger als leibliche Not und treibt sie, mit dieser verAber auch dieses Manöver schlug fehl. Abends wurde von der Rechten eine namentliche Abstimmung durch einzelne Stimmenabgaben beantragt in der Hoffnung, daß zahlreiche Vertreter der Linken fehlen würden. Aber auch dieser Trick war vergebens; die Sigung dauerte dadurch nur eine Stunde länger. Das Endergebnis war 339 gegen 214 Stimmen. Mit 115 Stimmen Mehrheit war Millerands Schicksal besiegelt, und begeisterter Beifall auf der gesamten Linten begrüßte diesen Als die Nationalversammlung mir die Ehre erwies, mich mit 695 Stimmen zu dem höchsten Amte zu berufen, wußte fie aus meinen öffentlichen Erklärungen, daß ich nur bereit war, ins Elysee zu gehen, um dort eine nationale Politit des sozialen Fortschritts, der Ordnung, der Arbeit und der Einigkeit zu vertreten. Die feierliche Verpflichtung, die ich vor dem Lande übernommen habe, habe ich getreulich gehalten. Frankreich dürjiet nach Frieden und Freibeit. Es will nach außen in eine Politik ausüben, die im Einverständnis mit seinen Alliierter Sicherheit, Reparationen, Durchführung des Bersailler Vertrages und Refpettierung jämtlicher diplomatischen Atte gewährt, die die neue europäische Ordnung gegründet haben. Diese Außenpolitik macht eine Innenpolitif notwendig, die sich von den Lehren des krieges leiten läßt, die sich auf das Einvernehmen unter den Franzosen, auf die Achtung vor der Meinung und dem Glauben der anderen und auf das Bestreben gründet, in die sozialen Beziehungen immer mehr Gerechtigkeit und Gutes hineinzutragen, sowie auf den Willen der Aufrechterhaltung eines ffrengen Gleichgewichts zwischen öffentlichen Einnahmen und Ausgaben, um den kredit Frankreichs zu wahren. Diese Idee hat mich in meinen Handlungen stets geleitet und wird mich darin weiter leiten. Durch die Bestimmung, daß der Präsident der Republik nur im Falle des Hochverrats verantwortlich ist, hat die Verfassung im nationalen Intereffe der Stabilität und Stetigkeit dafür Sorge tragen wollen, daß die Bollmacht des Präsidenten sieben Jahre hindurch vor den Schwankungen der Politit geschüßt bleibt. Wenn fünftig die willkür einer Mehrheit den Präsidenten der Republik zwingen fönnte, fich aus politischen Beweggründen zurückzuziehen, so wäre der Präsident der Republik nur noch ein Spielball in den Händen der Parteien. Sie werden mir behilflich sein, eine so furchtbare Gejahr abzuwenden. Ich habe es abgelehnt, von meinem Poften zu desertieren. Es ist nicht möglich, daß das Parlament sich über die Gesetze hinwegsetzt, die beachtet werden müffen. Gefährliche Ratgeber bemühen sich im Parteiinteresse durchzufehen, daß die neue Legislaturperiode mit einem revolutionären Att beginnt. Die Kammer wird ihnen die Gefolgschaft verweigern. Getreu dieser Ueberlieferung wird der Senat, wie er es in den ernstesten Situationen war, der Verteidiger der Verfassung| bleiben. Eine konstitutionelle Frage von solcher Wichtigkeit für die Zukunft der Republit, wie es die durch die gegenwärtige krise aufgeworfene ist, fann nicht im halbdunkel durch Entscheidungen einzelner Personen oder Beschlüffe geregelt werden. Ich appelliere vertrauensvoll an die Vernunft beider Häuser des Parlaments, an ihre Vorsicht, an ihre Liebe zu Frankreich und zur Republik. Aus Pflichtbewußtsein habe ich gern die Verantwortlichkeit übernommen. Für das Parlament ist nun die Stunde da, die feinige zu übernehmen. Marsal vor der Kammer. Paris, 10. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag nach mittag stellte sich die Regierung Marsal der Kammer mit einer furzen Erklärung vor. Sie betonte einleitend, daß das Kabinett konstituiert sei zu dem Zweck, dem Parlament die Möglichkeit zu geben, zu der Debatte tonftitutioneller Natur Stellung zu nehmen, die seit einigen Tagen im Parlament geführt werde. Das neue Ministerium habe unter diesen Umständen auf die Aufstellung eines eigenen Regierungsprogramms verzichtet. Seine Mission habe ein bestimmtes und engbegrenztes Ziel. Entweder das Barlament spreche sich dahin aus, daß die fonftitutionellen Regeln unantastbar und dem Streit der Parteien entrückt sein müssen. In diesem Falle bedeute das Botum den Führern der neuen Mehrheit, daß sie die Pflicht hätten, die Berantwortung für die fünftigen Geschicke Frankreichs, die ihnen bereits angeboten worden sei, aus den Händen des Präsidenten der Republik entgegenzunehmen. Im andern Falle, d. h., wenn das Parlament die in der Botschaft des Präsidenten formulierten Prinzipien nicht billige, werde das neue Ministerium dem Präsidenten von dem Scheitern feiner Mission Mitteilung machen, und dieser werde daraus die Konsequenzen ziehen. Noch bevor Marsal die Botschaft des Elysee verlesen hatte, wurde von dem Kartell der Linken folgender gemeinsamer Antrag eingebracht: „ Die Hammer, entfchloffen, in keinerlei Beziehungen zu einem Ministerium zu treten, dessen Zusammenfehung eine Negation der Rechte des Parlaments ist, lehnt die verfassungswidrige Debatte, die man ihr aufzwingen will, ab und beschließt, jede Diskussion zu vertagen bis zu dem Zeitpunkt, da fich ihr ein in Uebereinstimmung mit dem souveränen Willen des Landes konftituiertes Ministerium präfentieren wird." Paris, 10. Juni.( WTB.) Kammer. Die Tagesordnung Herriot wird mit 329 gegen 214 Stimmen angenommen. Paris, 10. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Taftit der Linken hat das parlamentarische Manöver, mit deffen Hilfe Millerand seine Position retten zu können geglaubt hatte, durchkreuzt. Bom Elysee aus war bereits seit Tagen alles versucht worden, den Fall Millerand, der von Anfang an ausschließlich eine Personen. frage war, zu einer Berfassungstrife aufzubauschen. Ganz in diesem Sinne ist auch die Botschaft des Präsidenten an die beiden Kammern gehalten. Man hatte dadurch gehofft, einige schwankende Elemente auf dem rechten Flügel der Mehrheit sowohl in der Kammer wie im Senat zum Abfall zu bringen, und dieses Manöver sollte unterstützt werden durch zwei Interpellationen, die im Senat Herr Chiron, in der Rammer. Herr Reibel, beide Mitglieder des ersten Kabinetts Poincaré, eingebracht hatten. In der Kammer hatte die Linke durch Eingabe des an anderer Stelle bereits mitgeteilten Antrags die Diskussion über diese Interpellationen verhindert, da nach der Geschäftsordnung zu nächst über diesen Antrag abgestimmt werden muß. Herr Reibel hat sich zwar die ihm offengelassene Möglichkeit, zu dem Antrag der Linken zu sprechen, zunuze gemacht, aber die ganze Debatte hat damit einen völlig anderen Charakter erhalten. Nach ihm nahm nochmals der neue Ministerpräsident Marsal das Wort. Ihm folgten noch die Kommunisten durch den Abg. Jean. 3n namentlicher Abstimmung wurde darauf der Bertagungsantrag der Linken mit großer Mehrheit angenommen. Damit ist die Ministerkrise eröffnet. François Marsal wird sofort nach Schluß der Sigung der Kammer Herrn Millerand eine Richard Strauß. Zum sechzigsten Geburtstag des Meiffers. Bon Kurt Singer. Bir grüßen in Richard Strauß, dem 60jährigen, den deutschen Musiker, der wie fein anderer internationale Geltung hat, den Repräsentanten jener großen schöpferischen Linie, die mit Berlioz und Liszt begann und in ihm feine Krönung fand, den größten modernen Meister des Orchesters und feiner Farben, zu gleich den Musiker, der den Geist seiner Zeit mit seinem Wert, in seinem Wert am instinkt- sichersten widerspiegelte. Man jubelt ihm zu, wenn er in einer Loge der römischen Oper gesehen wird, man feiert ihn in Paris, dem er ein Ballett schenkte, man preist den Dirigenten feines eigenen sinfonischen Werkes in London. Wir haben alle Ursache, diese Repräsentationskraft Strauß' zu unterstreichen; viele schöpferischen Werte von solchem Format haben wir nicht. Und die Zeit wird reif, wo die große Berföhnung mit einem einzelnen Sohn des Volkes zu einer allgemeinen Berföhnung wird. Nimmt man diese schöpferische Potenz als gegeben und als wahr hin, so bleibt über das Wert von Richard Strauß heute faum mehr, faum anderes zu sagen, als was vor etwa 20 Jahren von ihm hätte gesagt werden können. Denn Strauß gehört zu den Mufifern, die sich nicht entwickelt haben, die mit einem einzigen Wurf ihre Meisterschaft bekundeten und diese Tat dann unzählige Male variiert haben. Zugegeben: die Technik wuchs, das Kolorit wurde berauschend, ein raffinierter Kunstverstand entdeckte immer mehr Nüancen eines haftenden, bunten, klingenden Lebens, mit souveräner Meisterschaft schrieb er Partitur auf Partitur, und jede hatte ihren Reiz. Aber Zarathustra" und" Don Juan" nehmen, alle Spielerischen, alle musikantischen, eruptiven, freischwingenden Elemente späterer Zeit vorweg. Domestica" und" Alpenfinfonie", die legten sinfonischen Dichtungen, gleiten auf langer Strede in eine Aeußerlichkeit des splendiden Klanges hinein, die nur noch ideales Kunsthandwerk ist. Wie er innerhalb eines einzelnen Werkes die Beethovensche Form mißachtete, die in großem Sinne zu einer Ent wicklung von Gedanken verpflichtete, so blieb er auch starr an fein Programm gebunden, ohne das Gentbeil in die Tiefe des mensch lichen Daseins zu werfen. Bergleicht man Strauß mit den Sinfonifern unserer Zeit, Bruckner und Mahler, auch Brahms, so fällt diefer Mangel an Tiefgang auf. Die Oberfläche wurde unter feinen Künstlerhänden so schillernd, bunt, so reißerisch schön gemalt, daß für Logik des Baues, für Bekenntnisse menschlicher Gesinnung, für Durchfättigung mit Erotik und Seelenmaterial nicht Raum blieb. Ein prunkvolles äußeres Gewand wurde um eine liebesarme menschliche Figur gehängt. Eine neue Klasse der Befihenden, der Geldadel wollte nichts anderes, kannte nichts anderes. Die Technik eines Jahrhunderts hatte ihren Gott gefunden. Und nicht nur die Technik, auch der Geist, auch der Nerv unserer Zeit. Beide find Feinde der Lyrif und des Gefanges, Gegner des religiösen Selbstbewußtseins.„ Salome" und" Electra" so heißen die Frauen, deren nervöse Reize den Opernmann Strauß am stärk. iten fesselten, Auch im Märchen von der Frau ohne Schatten" Demission überreichen, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird dieser mit der Begründung, daß das Votum der Kammer in erster Linie gegen ihn selbst gerichtet sei, diese Demission ablehnen und selbst zurücktreten. Diesem Ministerium François Marsal wird damit die Aufgabe zufallen, den Kongreß in Versailles, der in den nächsten Tagen, aller Voraussicht nach am Freitag, den Nachfolger Millerands zu wählen haben wird, vorzubereiten. François Marsal dürfte dann dem neugewählten Präfibenten die Demission seines Rabinetts überreichen. Der Senat hat nach der Berlesung der Botschaft des Elysee und der Regierungserflärung mit 154 gegen 144 Stimmen die Bertagung der von dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Chéron eingebrachten Interpellation beschlossen. Dieser Beschluß bedeutet, daß der Senat das Botum der Kammer abwarten und es auf feinen Fall zu einem Gegensatz zwischen sich und der Kammer tommen laffen will. Der weitere Verlauf der Sihung. Paris, 10. Juni.( WTB.) Nach Berlesung der Bot haft des Präsidenten in der Kammer erklärte Rammerpräsident Painlevé: denten der Republik, deren Wortlaut im Protokoll aufgeführt ist Ich nehme Kenntnis von dem Inhalt der Botschaft des Präfiund deren Tert in den Archiven verwahrt werden wird. Hierauf verliest Ministerpräsident Marsal die Regierungserflärung, die von der Rechten und von den Mittelparteien mit Beifall, von den Linksparteien mit eisigem Schweigen aufgenommen wurde. Nach Berlesung der vorliegenden Interpellationen fragte der Kammerpräsident den Ministerpräsidenten, wann deren Diskussion stattfinden soll. Der Ministerpräsident erklärte, er nehme Painlevé die Resolution des Kartells der Linken. die sofortige Diskussion an. Hierauf verlas Kammerpräsident # | graphen, der die siebenjährige Amtszeit des Präsidenten vorschreibt. In diesem Augenblick wird durch den Linftsblock die Abstimmung des Senats verkündet. Sämtliche Mitglieder nehmen diese mitteilung mit dem Ruf auf: Es lebe der Senat! Kammerpräsident Painlevé fann nur mit Mühe dem Redner wieder Gehör verschaffen. fal das Wort. Nach dem Abg. Reibel ergreift Ministerpräsident François Mardie Bertrauensfrage über den Vertagungsantrag der LinNach Beendigung seiner Rede stellt Ministerpräsident Marsal fen. Eine ganze Anzahl von Abgeordneten gibt Erklärungen über ihre Abstimmung ab. Der Bertagungsantrag Herriot wird angenommen. riot das Wort ergreift. Von der Linken schreit man Shluß der Aus der Mitte des Hauses verlangt man, daß der Abg. Her Debatte! Der Kammerpräsident erflärt, die Debatte fönne nicht geschlossen werden. bevor die Rednerliste erschöpft fei. Hierauf er greift der kommunistische Abg. Renaud Je an das Wort. Er erklärt, was man dem Präsidenten der Republik zum Borwurf mache, feien die Handlungen, die er in der legten Zeit begangen habe. Sie feien die logische Folge seiner politischen Entwicklung. Die Arbeiterklasse sei oft von denjenigen betrogen worden, die sie am meisten geliebt haben. Der Retner geht alsdann des Näheren auf die politische Entwicklung Millerands ein und zitiert zahlreiche Stels len aus den Reden, die er zu einer Zeit, als er noch Sozialist war, gehalten hat. Als er von der Hinrichtung Millerands spricht, der gerufen. Nach seiner Ansicht handele es sich heute um einen Kampf man heute beiwohne, wird er vom Kammerpräsidenten zur Ordnung zwischen zwei Diktaturen, der Diktatur der Kapitalisten und der Diktatur der Arbeiter. Nachdem der kommunistische Abg. Renaud Jean seine R beendet hat, ergreift nochmals Kolonialminister Fabry das Wert um für den Präsidenten der Republik einzutreten. Es sei abscheulich, so erklärte er, daß dieser große Franzose von dem kommunistischen Abgeordneten beleidigt worden sei. Es sei nötig, daß ein Protest hiergegen erhoben werde. Hierauf erklärt Kammerpräsident Painlevé, daß das Haus über die von dem Kartell der Linken eingebrachte Tagesordnung Tagesordnung erhalten habe mit folgendem Wortlaut: Die Kammer, abzustimmen habe, daß er aber von dem Abg. Reibel noch eine die entschloffen ist, die Abstimmung der Artikel 2 und 6 der Verfassung vom 25. Februar 1875 zu respektieren, die eine der grundlegenden Garantien der Republik bilden, geht zur Tagesordnung über. Hierauf geben Bertreter der Mittelparteien und der rechtsNamen der elsaß- lothringischen Abgeordneten gleichfalls eine Er stehenden Parteien Erklärungen ab. Der Abg. Walter gibt im erhebt. Ministerpräsident Marsal stellt hierauf die Bertrauens flärung ab, in der er gegen die Verlegung der Berfassung Protest frage, indem er feststellt, daß feiner der Unterzeichner der Tagesordnung, über die abgestimmt werde, das Wort in der Debatte er griffen habe. Hierauf wird in die Abstimmung eingetreten, die bas bereits gemeldete Ergebnis hat. Der Abg. Reibel besteigt die Tribüne und führt aus: Die Jahre gewählt? Wir haben die Absicht, von der Kammer die An Frage, die gestellt ist, ist die folgende: Ist der Präsident auf sieben nahme einer Tagesordnung zu verlangen, in der erklärt wird, daß sie bereit sei, die Bestimmungen des Grundgesetzes zu achten. Herriot und seine Freunde haben die Uebernahme der Regierung einzig und allein abgelehnt, um eine politische Krife und die De führen. In einem Rommuniqué des Elysees ist festgestellt worden, mission des Präsidenten der Republit herbeizu daß Millerand und Herriot über das Programm volltom. men eins waren. Herriot selbst hat diese Miteilung bestätigt. Er erklärte nur, die Unterredung mit dem Präsidenten der Republik habe sich weniger auf ein Programm als auf gewisse Fragen von nationaler Bedeutung bezogen, bei denen es keinen Widerspruch gibt; Millerand aber habe dem Führer des Kartells der Linken volle Freiheit gegeben, das Programm des Kartells durchzuführen. Herriot habe es aber abgelehnt, ein Kabinett zu bilden, weil, wie er sagt, die Mitglieder seiner Partei ihm nicht men. Durch diese Haltung haben die Männer des Linksblocks Erich gestatten, das Mandat aus den Händen Millerands entgegenzunehregung im Lande hervorgerufen. Rebezeit auf 5 Minuten beschränkt wird.' Stammer. Ein Abgeordneter der Linken fordert nun, daß die präsident Painlevé erklärt, das sei unzulässig, da der Abg. Reibel sich über den Antrag auf. Bertagung aussprechen müsse. Der Abg. Reibel fährt fort und erklärt, im Laufe der Debatte hätten die Radikalen und Sozialisten den Präsidenten der Republik in die Debatte gezogen. Die Radikalen hätten sich von den Sozialisten und Kommunisten treiben lassen, weil sie Millerand nicht verzeihen konnten, daß er zum Siege Bolens gegen die roten Truppen ber Sowjets beigetragen habe, und daß er ein Anhänger der Ruhrbefeßung gewesen sei. den Revolutionären auf das antikonstitutionelle Gebiet gefolgt lei; Er wundere sich, daß eine große Partei, wie die radikale Bartel, jetzt den Revolutionären auf das antitonftitutionelle Gebiet gefolgt fet; fie fei der Gefangene derer, die diesen Kampf ein geleitet hätten. Diese Lage erinnere an die Zeit, in ber Radikale und Sozialisten nur durch den antiflerikalen Kampf ge. eint gewesen feien.( Der fommunistische Abg. Ca chin ruft: Faffen Sie sich furz! Man muß es doch verstehen, zu verschwinden.) Der Abg. Reibel erwidert: Man muß auch zu bleiben verstehen, wenn man das Recht auf seiner Seite hat. Der Abgeordnete ergeht sich alsdann in Auslegungen der Berfassung, insbesondere des Para gleißen hysterische, verkrampfte, unfreie Menschheitszüge auf. An Brunt, Feuer, Leidenschaft, an Buntheit und charakteristischem Aus. druck sind diese Partituren nicht zu überbieten, in ihrer Konstruf tion geradezu Borbilder. In den Kern seelischen Erlebens, gefunden erotischen Empfindens, großen Liebesbaseins drang Strauß nicht vor. Auch hierin ging er mit der Zeit, nicht gegen fie; noch weniger beuchtete er ihrem Schritt voraus. In der" Ariadne" wird endlich Ihre Buffopartien sind das Musilechteste, Beste, mas Strauß ge die langersehnte Einfachheit melodisch gestreichelt und oft erreicht. schrieben." Galome" und„ Ariadne", Anfang und Ziel: in beide Arten von" Musikdrama lassen sich alle anderen Werke solistisch und mit allen Stilungleichheiten einreihen.„ Salome" die langsam verblassende Musik der hysterischen Reizsamkeit, die zugrunde gehen wird, je näher wir der gar nicht reizsamen Musik Bachs und Mozarts die Rückkehr zur reinen, in Einfalt fommen; und„ Ariadne" großen Musik. Strauß überragt nicht nur im Handwerklichen, sondern auch an nicht nötig, in den modernsten Schrei zu verfallen. Im Gegenteil: Einfühlung und Einfallsreichtum alle Nebenbuhler. So hatte er es er suchte den Weg von der Lautheit und nervösen Erregtheit zur Stille, vom Mufitdrama zum Singspiel, von der Kompliziertheit zur Klarheit und Reinheit des Gefühls. Wäre er 20 Jahre jünger, so fönnte noch ein Aufstieg von programmatischer Nachzeichnung den Stimmungen zu echtem, großem Gefühl erwartet werben. Aber Entwidlungsfeime der Kunst und der Lebensschein lagen nicht in ihm, und Flügel des Gesanges hoben ihn nicht in andere Gefilde. So blieb er starr in sich selber. Bei der großen Zahl seiner Werte beweist das nur, welcher Reichtum musikantischen Ausdrudsvermögens ihm auf den Weg gegeben war, beweift zu gleicher Zeit, daß Richard Strauß ein zeitgebundenes Genie ist. Ein Genie immerhin. Wir ziehen vor solchen Meistern den Hut. Wie Richard Strauß arbeitet. Als der Komponist der„ Salome" zur Zeit der Einstudierung seiner„ Josephslegende" furz vor Ausbruch des Weltfrieges in Paris meilte, erflärte er einem Mitarbeiter des Journal" gegenüber in Nichtigstellung der phantastischen Berichte der Pariser Blätter, die ihm als einen zügellofen Stürmer und Dränger geschildert hatten, mit der ihm eigenen ironischen Note:„ Ich schreibe an einem Arbeits: tisch, der genau so aussieht wie alle anderen Tische, entweder im Hausrod oder auch im englischen Chevictanzug. Ich bin niemals fieberhaft erregt und trage mein haar furz geschoren. Meine Liebe gilt dem Sommer, dem Land und den Bergen. Ich bin ein under befferlicher Bergfletterer, und die Inspiration überfällt mich oft, menn ich hoch auf des Berges Spike stehe. Den Sommer verbringe ich in Garmisch. Ich habe da viel Grün und viel Ruhe. Die Linden duften mir ins Haus hinein. Im Winter arbeite ich fühl und ohne Hast, ja, sogar ohne jede Erregung. Man muß ja auch Herr über sich selbst sein, wenn man das ewig bewegte Schachbrett, so da Instrumentierung heißt, in Ordnung halten will. Der Kopf, der Triston" komponierte, mußte eistalt wie Marmor fein. Ich arbeite langfam. Von der ersten schöpferischen Idee bis zur endgültigen Jaffung vergeht immer viel Zeit. Ich meine, daß die Erfindung, wenn sie wirklich etwas Neues, Fesselndes bringen soll, Zeit braucht, Offizielle Ankündigung des Rücktritts. Marsal mit feinem Minifterium in das Elyfee. Das Elysee Paris, 10. Juni.( Eca.) Am Ende der Kammerfihung begab niqué, in dem ausgeführt wird, daß der Ministerpräsident in veröffentlicht um 8% Uhr heute abend ein offizielles& ommuBegleitung der Minister fich in das Elysee begeben habe, um dem Präsidenten Millerand über den Gang der Ereignisse in dem Parlament Bericht zu erstatten. Millerand, so heißt es weiter, dantie Marjal und seinen Mitarbeitern für die Hilfe, die sie ihm bet ber Verteidigung der Verfassung geleistet hätten. Als Marjal ihm mitteilte, daß er und feine Kollegen im Anschluß an die Abstimmung der Kammer ihre Demission einzureichen gedächten, antwortete millerand, daß er aus dem Bericht über die Haltung des Parlaments die Schlußfolgerung ziehen wird und zurüdtreten werde. Er bat infolgedessen das Kabinett Marjal, noch im Amte u 3 verbleiben, um seine Demissionsboifhaft morgen vor dem Parlament zur Berlejung zu bringen. Die Demiffionsbotschaft wird morgen zu Beginn der Parlamentsfihung zur Verlejung gelangen. Berbot preußischen Minister des Innern ist der Deutsche Tag in Siegen, des Deutschen Tages in Siegen. Von dem der am 14. und 15. d. M. stattfinden sollte, verboten worden. Die größte Kunst bei der Erfindung ist die Kunst des Abwartens. Nach meiner Ueberzeugung muß jedes Wert in einer anderen Sprache geschrieben werden und sein eigens für den 3wed gemachtes Kleid tragen. Man soll in der Kunst nicht vorgefaßte ästhetische Ansichten haben. In der Malerei wie in der Gfulptur liebe id die fühnen Neuerer nicht minder als die reinsten. Klassiter." Der Reichspräsident an Richard Strauß. Der Reichspräsident hat an Richard Strauß zu feinem 60. Geburtstag folgendes Tele gramm gerichtet:" Dem Künstler, der wie fein zweiter unter den Lebenden deutsche Musik in der Welt zur Geltung brachte, übersende ich meinen Glückwunsch zum 60. Geburtstag. Unser Bolt iſt ſtolz auf feinen Sohn, der die Kunst des Altmeisters Liszt in seinem alle lebensstarken Ausstrahlungen seiner Zeit im fühnsten und wir fungsvollsten Licht des Theaters zu sammeln verstand. Als Meister gepriesen von den Fachwelt, bejubelt von den Hörern, ein weithin fichtbarer Beweis deutschen Musikgenies, so mögen Sie viele Jahre jung und start im Schaffen bleiben! Reichspräsident Ebert." Auslandsreifen von Schülern unerwünscht". Aus einer Mitteilung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbilding an die Brovinzialschulkollegien gibt der Amtliche Preußische Prodienſt folgendes bekannt: Auf Grund zahlreicher Berichte der ausländi fchen Vertretungen Deutschlands, mehrfacher Anregungen des Auswärtigen Amts und im Zusammenhang mit den von der Reichsregierung erlassenen Bestimmungen über Auslandsreisen müssen zur. zeit Auslandsreifen von Schülern, soweit folche von der Schule oder einzelnen Lehrern geplant fein follten, als unerwünscht bezeich net werden. Es set, so heißt es weiter, weder zu billigen, daß be fonders zahlungskräftige Schülergruppen in größerer Zahl im Auslande auftreten, noch auch, daß Schüler im Auslande die Wohltätigfeit der deutschen Kreise oder gar der Bevölkerung in Anspruch nehmen. Beides sei im Auslande mißbilligt worden. Unter dieser Mißbilligung drohe auch in deutschfreundlichen Auslandsfreifen bie Bereitwilligkeit zu leiden, gesundheitlich leidende Kinder bei fich aufzunehmen. Zum Echluß seiner Ausführungen weist der Minister auf die völlig ausreichenden Bildungsmöglichkeiten hin, die Wande rungen und Reisen in Deutschland den Schülern bieten, so daß der Berzicht auf Auslandsreisen keine Beeinträchtigung der Jugendbil bung bedeute. deutscher Schüler sich nicht genug tun fonnte, scheint man jetzt in bas Nachdem man früher in der Förderung von Auslandsreisen entgegengesezte Extrem zu verfallen. Daß Wanderungen und Fahrten durch, Deutschland ber bildungsbedürftigen Jugend mannigfache Anregung und Belehrung bieten fönnen, ist nicht zu bestreiten. Zur Ergänzung und Abrundung der Bildung und zur Erweiterung des Gesichtskreises würde aber gerade die Kenntnis des Auslandes viel beitragen. Daß deutsche Schüler im Auslande hier und da Mißbilligung erregt haben, ist bei der vielfach nationalistisch- chauvinisti' chen Erziehungsiendenz namentlich unforer höheren Schulen leider fehr glaublich. Aber neben völkisch aufgeputschten Lümmeln gibt es doch auch zahlreiche anständige Clemente in der deutschen Schul. jugend, und man sollte diese die Verfehlungen jener nicht entgelten laffen, verfaffungskonflikt in Dänemark! (SSon unserem dänischen Korrespondenten.) K o p e n h a g e n, den 10. Juni 1924. Die politische Lage in Dänemark hat sich zu einem Kampf der zwei Kammern des dänischen Reichstages, des Folkethings gegen das Landsthina, zugespiht. Das dänische reaktionäre Bürgertum, durch einen seit 1849 bestehenden Parlamentaris- nms in allen Kampsmöglichkeiten der dänischen Verfassung geschult, benutzt seit dem Amtsantritt der sozialistischen Re- gierung dasNebeneinanderderzweiKammern, um systematisch die neue Mehrheit des Folkethings, Sozial- demotratsn und Raditale und die auf chr basierte sozialdemo- tratische Regierung an ein Regieren nach ihrem Programm zu hindern. Mittel zu diesem Zweck ist die reaktionäre, aus Konservativen und Nationalliberalen bestehende Mehrheit des Landsthings. Diese Mehrheit entspricht nicht der Mehr- heit der dänischen Wähler, wie die Folkethingswahlen vom 11. April bewiesen, sondern ist ein Ausdruck des veralteten Wahlrechts für den Landstbing. Die Hälfte seiner Mitglieder werden alle vier Jahre durch indirekte Wahl aller stimmberech- rigten Frauen und Männer über 35 Jahre ergänzt, so daß die augenblickliche Zusammensetzung der Wählermeinung vor vier und acht Jahren entspricht. Im Herbst ist die Wahl der Hälste der Landsthingsabgeordneten— also der vor acht Jahren gewählten— fällig. Die Reden, die am dänischen Berfassungstag, am 5. Juni, von den Parteiführern gehalten wurden, beschäftigten sich naturgemäß mit diesem verhängnisvollen Zustand, daß die eine Kammer mit ihrer Mehrheit der bei den letzten Wahlen geschlagenen Partei eine Regierung auf Grund des letzten Wahlergebnisses völlig zu sabotieren droht. Das war bei der Verlängerung der Mister- schutzgesetzgebung schon der Fall, indem der Landsthing die von der sozialdemokratischen Regierung und der hinter ihr stehenden Folkethingsmehrheit beschlossenen Maßnahmen zu- gunsten der Hausagrarier einschränkte. Sabotiert wurde der von der Regierung Stauning vorgeschlagene Valuta- und Jmportregulierungsplan, den die' Lands- thingsmehrheit einfach abgeschlagen hat. Verfassungsmäßig hat der Landsthing in solchem Falle Gegenvorschläge zu unterbreiten, aber noch nicht einmal das tat er. Während feine Konservativen den alten Ladenhüter: Goldzoll hervor- holten, gegen den sogar ihre eigenen Bundesgenossen, die Nationalliberalen, sind, begnügten sich diese und damit die Mehrheit des Landsthings damit, dem Jmportregulierungs- gesetz trotz der Annahme durch das Folkething die G e n e h- migung zu versagen. Diese Politik droht sich zu einem Verfassungskonflitt auszuwachsen, da Konservative und Nationalliberale den Landtag weiterhin als Waffe gegen die sozialdemokratischen Pläne bezüglich Steuerreform, Banken- und Jilktiengesellschaftskontrolle, Abrüstung benutzen wollen. Sowohl Genosse Stauning wie der Führer der Radi- kalen, R o h d e, nahmen in ihren Reden zum Berfassungs- tage den zugeworfenen Handschuh auf. Die Lage ist insofern besonders schwierig, weil eine Vernichtung der reaktionären Landsthingsmehrheit durch die Neuwahl im Herbst, die nur die Hälste seiner Mitglieder ergänzt, so gut wie ausgeschlossen erscheint. Die Verfassung ist unklar in der Bestimmung des gegenseitigen Machtverhällnisses von Folkething und Lands- thing, aber bisher war es Tradition, daß der Landsthing sich ohne weiteres den Grundlinien der vom Folkething beschlösse- nen Gesetze anschloß und seine Aufgabe in der Kontrolle der Versasstmgsmäßigkeit und Durchführbarkeit der Gesetze sah. Dieser Zustand wurde vor allem von den Konservativen und Nationalliberalen, als sie regierten, als richtig und rechtlich angesehen— jetzt, nachdem sie durch die Entscheidung der Wähler als unzulänglich der Leitung des Landes erklärt wur- den, pochen sie plötzlich— wie es der nationalliberals vor- herige Staatsminister Neergaard in seiner Versassungs- rede tat— auf das„Selbstbestimmungsrecht" der würdigen Das Surzschrlftsystem(Babelsberger und die Reichsbahn. Durch Erlaß der deutschen Reichsbahn vom 12. April d. I. wurde das Kurzschriflsiistem(Babelsberger für den gesamten Bereich der deutschen Reichsbahn zum Einheitssystem. Dies wurde zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Preußischen Landtag gemacht und es wurde daraus hingewiesen, daß durch diesen Erlaß dos in Preußen vorherrschende System Stolze- Schrey zum Schaden einer wirklichen Forderung der Kurzschrist benachteiligt werde. Nach der letzten Zählung der beiden größten Kurzschristschulen seien in Preußen 1920—21 in Stolze-Schney 127 627, in Babelsberger nur 23211 Personen u.Uerrichtet worden. Ferner hätten sich im Lause der Zeit olle pmißischei, Eisenbahndlrettioncn bis auf drei für Stolze-Schrey entschieden, und außerdem Hobe das Kultus- Ministerium am 29. Dezember 1920 aus Stolze�Schrey empfehlend für den wahlfreien Unterricht an mittleren und höheren Schulen hin- gewiesen. Das Staatsministenum wurde gefragt, ob es hicnwch bereit sei, auf die Verwaltung der deutschen Reichsbahnen hinzu- wirken, den erwähnten Erlaß dahin abzuändern, daß für den Bereich der Reichsbahnen Preuße» Stolze.Schrey als Einheitssystem bis zur Einführung einer etwa noch kommenden Einheitskurzschnst bestimmt wende. Wie der Amtliche Preußische Ppessedienst mitteilt, führt der Kultusminister in seiner Antwort aus, er sei an die Hauptoerwal- lunfl der deutschen Reichsbohnm mit der Bitte herangetreten, die Ausstihrung des Erlasses vom 12, April vorerst auszusetzen, um nicht das Zustandekommen einer Einheitskurzschrist zu gefährden. lieber da, Ergebnis dieses Schrittes behält stch der Minister weitere Mitteilungen vor. Hosen unter Streifband. Die Indische Stochenschrist„Ihe Raiistan" erzählt, folgende lustige Geschichte: Eine Frau sandte ihrem Sohne ein paar Hosen unter Streifband, was natürlich be- deutend billiger ist als ein Postpaket. Sie bekam sie zurück mit der Bemerkung des Postamts: Kleider tonnen nicht unter Streifband oelondt ivcrdm Wenn Sie m den Postvorschriften nachlesen. werden Sie finden, was unter Streifband �sandt werden kann." Nach einigen Tagen antwortete die Frau:„Ich habe die Postvor- Ichristen eingesehen und finde, daß Sendungen die auf beiden Seiten offen sind unter Streifband gehen. Und wenn Hosen nicht an beiden Enden offen sind, dann mochte ich gerne wissen, was eigentlich auf beiden(�nb�n offen ist. ®ne neue Over oo« Strauß. Richard Strauß hat lein» neueste Oper .Jniermez-o- eine bürgerliche KomSdie, deren Text«benfall» von ibm stammt, der Dresdener Ttaatsvper zur Urautlührung übeilaüen. Diese ilt für den 80. Oktober unter Leitung von Sener-lmusitdirettor Fritz Busch m Aussicht genommen. Operette in der Don am iiSnigsplah iluf vielfachen Wunsch wird unter den gleichen B-dinaunacn wie für die Opemvorslellungen ein tag. I, che s Abonnement ab SO. Juni ausgegeben«erden. Die Prelle werden niedriger als dlelenioen der Op-rnvorftellnngen fein. RntrSge aus Ueberlaffung von AbonnemcniSpIähcn können b!« zum 20. Juni an die �eneralv-rwo lung der StaatStbeater. Doiotbcenstraß- 3, gerichtet werben. Judi mub daicld't im tzlmnier 4S mündlich Auskunft erteilt. m �reiUchltheairr in bät-lifcher«egie. DaS bekannte O h b i n e r LS a I d l p e a t e r„t von der Stadt Zittau in städtische Regie über- nommen und Biu dem Stadttheater Zittau vereimgt worden. alten Herren im Landstbing. So sieht das„fair play" aus, das auch die dänische Reaktion einer Arbeiterregierung zu gewähren versprach! Diese Zuspitzung des innerpolitischen Kampfes in Däne- mark kann auch einen überall interessierenden Beitrag zu dem Thema: Königtum und Arbeiterregierung brin- gen. Denn Genosse Stauning wird bei einem Andauern der Landsthingobstruktion als letztes Mittel zu einer vor- zeitigen, außerordentlichen Auflösung und Neu- wähl des gesamten Landsthings zu greifen versuchen. Eine solche ist aber ohne Zustimmung des dänischen Königs unmöglich. König Christian X. hat, seitdem der Generalstreik der dänischen Arbeiterschaft im Jahre 1920 ihn belehrte, daß in Dänemark eine Politik der Hofkamarilla auf äußersten Widerstand stoßen würde, eine innerpolitisch durchaus neutrale und anzuerkennende demokratische Haltung eingenommen. Wird er diese konsequent durchführen, wenn es gilt, die demokratisch zu Recht handelnde und von ihm selbst, als im Einklang mit Buchstaben und Geist der Verfassung stehend, gerufene Arbeiterregierung von der Obstruktion der Reaktion zu erlösen? Das sind die Fragen, die Dänemark in einen Zustand politischer Hochspannung bringen, der im Sommer oder Herbst sich in Neuwahlen, vielleicht sogar in i n n e r p o l I t i- schen Machtkämpfen anderer Art entladen kann. Und doch wäre nichts dringender, als daß die sozialistische Regie- ning zu schneller durchgreifender Arbeit kommt. Die Staatskasse erweist sich, je tiefer der sozialistische Finanz- mimsder B r a m s n a e s in sie hineinsieht, um so leerer, der Staatshaushalt der vorhergegangenen nationalliberalen Re- giemng weist mehr und mehr„Vergeßlichkeiten" auf der Aus- gabsnseite auf, die Steuerverteilung— rund 70 Proz. indirekte gegen 30 Proz. direkte Steuern, schreit zum Himmel, wichtige Gesetze warten der Erledigung. Was die sozialdemokratische Regierung bisher durchführen konnte, war meist administra- tiv— Streichung der Herbstmanöver. BegnadigunMN, Nach- laß von Armenhilfe. Sie ist sich aber bewußt, daß nun G e- s« tz a r b e i t geleistet werden muß, um endlich freie Bahn zu schaffen. Selbst vor einem nochmaligen Appell an die Wähler beabsichtigt sie nicht zurückzuscheuen. völkische Ehrenmänner. Tr. Grandel«. Co. Der nationale Berteidiger-- so nannte sich einer der Herren Verteidiger im Grandel-Thormann-Prozeß, wohl weil er die natio- nolen Mörder in ihren hanebüchenen Lügen, mit deren Hilfe sie vor Gericht elendiglich kneifen, in allen Prozessen unterstützte— also der nationale Verteidiger hat seine nationalen Klienten In einem blumengeschmückten Auto vom Gefängnis abge. holt. Weil ein deutsches Gericht, selbst Cmmingerscher Prägung, für feststehend erklärt hat, daß Dr. Grandel die Ermordung des Leiters der deutschen Wehrmacht gewünscht und ous deren Herbei- führunq planmäßig hingearbeitet hat: weil ein deutsches Gericht diesen Meuchelmörder, der nur durch Zufall nicht Mörder geworden Ist, als moralisch minderwertig gebrandmarkt hat. weil endlich dieser völkische Held nur dank der ihm so günstigen Auslegung des Ge. setzesparagraphen straffrei ausgegangen ist,— aus allen diesen Gründen und eben aus diesen holt der nationale Verteidiger seinen nationalen Klienten in einem blumengeschmücklen Auto aus dem Gefängnis. Wir wollen hoffen, daß der Sieg über die Verminst, über die Moral, über alle menschlichen und göttlichen Gesetze, bei Sekt und Austern, wenn auch nicht mit Damen, ge- feiert worden ist. Und es würde uns gar nicht wunder nehmen, wenn wir erführen, daß auch Iustizrat Naß. den Dr. Grandel noch kurz vor dem Attentatstage besucht und zu dem auch die Frau Dr. Grandels nach dessen Verhaftung sofort den Weg gefunden hat, auch dabei gewesen ist. Ebenso wenig würde es uns wundern, wenn auch die Herren v. Tettenborn. Köpke und selbst Gilbert, der ja zweifellos nicht nur Herz und Wohnung mit Herrn Tettenborn teilt, sondern auch sein« Informationen aus dem Reichslommissariat für öffentlich'« Sicherheit, zu dem Iubelgelage geladen gewesen wären. Denn gut national, antisemitisch, amimarxistisch sind st« ja alle mitsamt— und v. Seeckt war ja für sie alle in gewissem Sinne ein Schädling. Weshalb denn nicht bei Sekt die Versöh- nung feiern, nachdem der Mordplan gegen v. Seeckt so zur Zu- sriedenheit aller verlaufen ist. Ja, eine feine Gesellschaft! Das ist doch ganz etwa» anderes, als so ein simpler Proletarier. Bei dem gab es kein« Kinderstube, keine Komments, keine Schmisse, keine Offiziersehre— allerdings auch keinen Meuchelmord, keine Judasküsse, keine dreißig Silber- llnge, für die man seine politischen Gesinnungsgenossen dem Scharf- richter ausliefert. Dafür sind es sa auch nicht Ehrhardt- und Roh- bach-Leute, kulturpolitische Baterlondsretter. wie das chemische Finanzgenie Dr. Grandel, nicht geldgierige Arier, wie die Leutnant Köpke und der Major Gilbert snach der Sachverstöndigen-Termino- logie Dr. Grandels, der auch die Verantwortung für diesen Aus- spruch trägt), nicht Geschäftsreisende in nationalen Angelegenheiten wie Thormann, und auch nicht Sekretäre der Deutschvölklschen Frei- heitspartei, wie der aus Anlaß des Parchimer Mordprozesses per- haftet gewesene Herr v. Tettenborn. Blumen, Champagner, Austern— alles nichts. Wenn doch endlich einmal ein genialer Halunke käme, der einen speziellen Orden, auch einen„Pour le rnerite", für Meuchelmörder entwürfe. Trotz juristischer Freisprechung hätten dann Dr. Grandel und Thor- mann, auch nach Bekundung de» Gerichtes über ihre moralische Minderwertigkeit, zweifelsohne einen Anspruch auf diesen Orden. Und ihre völkischen Freunde wurden sie ihnen auch gern gönnen. Eines wäre aber dabei zu bedenken: Tettenborn und Köpke würden vor Neid vergehen. Doch kommt Zeit, kommt Rat.— Sie könnten sich ihn ja auch noch verdienen. vergeuüete Summen. Die Verschwendung der Besattungstruppen'. Ein erschütterndes Bild der finanziellen Kriegsfolgen bietet die soeben erschienene vierte Denkschrift über die Be- satzungskosten, herausgegeben von dem Reichsmwlster für die besetzten Gebiete. Demnach stehen zurzeit im altbesetzten Gebiet, in Düsseldorf-Duisburg und an der Ruhr etwa 206 600 Mann fremde Soldaten, für deren gesamte Bedürfnisse das Reich auskommen muß. Seit dem Ende des Waffenstillstandes sind on unproduktiven Aus- gaben für di« Vesatzungsarmee 8145199022 Goldmark, also weit über 8 Goldmilliarden aufgewendet worden. Hinzutreten die in den französischen Haushaltsplänen zu Lasten Deutschland» aus- geworfenen Mittel für den Unterhall der Vesatzungsarmee und die Ausgaben anläßlich der Ruhraktion, so daß Deutschland nach vor- sichtiger Schätzung etwa noch weitere 266 bis 866 Millionen Gold- mark für die Besatzung wird vergüten müssen. Die Verwendung dieser Summen ist sehr vielseitig. Sie er- streckt sich nicht nur auf die Unterhaltungskosten der Befatzungs- truppen, Verpflegung, Requistionslosten und Beschlagnahmimgen, sondern auch auf Grund st ückserwerhungen, NeHi- bauten und Umbauten, Beschaffung und Unterhaltung von Einrichtungsgegenständen und vieles andere. Die Rheinlandkom- Mission in Koblenz, die im Artikel 2 des Rheinlandabkommsns mit nur 4 Mitgliedern genannt wird, hat sich zu einem sehr bedeutenden Apparat ausgewachsen. Allein ihre französische Abteilung hat 21 Unterabteilungen, von denen wegen ihres offenbar politischen Einschlags folgende besonders zu erwähnen sind: Spezialabieilung für öffentlichen Unterricht(Rechtsschulen, Wissenschaft und Handel), technischer Unterricht, Studium der deutschen Verhältnisse, Ackerbau- schulen usw. Das Gesamtpersonal der Rheinland. k o m m i s s i o n besteht aus über 1366 Köpfen. Allein im Jahre 1923 betrugen die Gesamttosten für diese Behörde 21,5 Goldmillionen. Sehr bedeutend sind auch die Ausgaben für Offizierskasinos, Soldatenheime und D a m e n h e i m e. Die letzteren sind für di- weiblichen fremdländischen Angestellten der Besatzungsbehörde be- stimmt. Um nur auf eines der Kasinos, noch nicht einmal das teuerste, näher einzugehen, greifen wir das französische Offiziers- tasino in Wiesbaden heraus. Für die Lieferung von Kuchen- geraten, Silber, Porzellan, Geschirr, Ergänzung der elektrischen Licht- anlagen wurden im Kalenderjahr 1923 rund 1 287 417 Goldmark aus- gegeben. Auffallend groß sind auch die Aufwendungen für land- wirtschaftliche Betriebe, die die Besatzung für landwirtschaftlichen Unterricht und landwirtschaftliche Versuche glaubt in Anspruch nehmen zu können. Eine Reihe von Domänen und privaten Höfen wurden zu diesem Zweck« beschlagnahmt. Hinzutreten die Beschlag. nahmungen wertvollen Landes für Schießplätze, Uebungsplätze, Exerzierplätze, Reitplätze, Schießstände. Allein die von der Be- satzungstruppe beschlagnahmten Neuanlagen— also außer den früheren deutschen Truppenplötzen— umfaßten Ende 1922 rund 4666 Hektar. Bemerkenswert ist, daß im französischen Haushalt zu Lasten Deutschlands auch die Summen erscheinen, die die Besatzung?- truppen für Suppenküchen ausgegeben hat. Diese find von deutschen Armen lebhast benutzt worden: jedoch durften die wenig- sten missen, daß diese französischen Spenden dem deutschen Reiche in Rechnung gestellt werden. Außerordentlich groß ist die Belastung der Städte durch die Beschlagnahmung von Wohnungen, Geschäfts- räumen und Schulen. Allein im preußischen Sanktion»- und besetzten Ruhrgebiet sind 56666 Schulkinder von den Beschlag- nahmungen bettoffen. In Mainz sind 2366 Wohnungen mit 13 655 Räumen beschlagnahmt. Außerdem erstrecken sich dort die Beschlagnahmungen noch auf 1853 Teilwohnungen mit 2679 Räumen. Aehnlich liegen die Verhälwisie in zahlreichen anderen Stödten. Bettöchtlich sind auch die Ausgaben für die Interalliierte Kom- misston. So betrugen die Kosten für die Ueberwachungsausschüsse bisher 36122 820 Goldmark, für die Reparationskommisston 47 867 205 Goldmark, für die Restituiionsstellen, die für Rücklieferung de» von Deutschland während de» Krieges weggeführten Geldes und Materials zu sorgen haben, insgesamt 17,2 Goldmillionen. Be- satzungskosten und Kosten für die Kommissionen zusammen belaufen sich auf 5 254 229 656 Goldmark. Zum Vergleich sei folgende Zahl genannt: In den letzten vier Iahren vor dem Kriege gab Deutschland für Heer, Flotte und ReichsmilttLrgericht jährlich im Durchschnitt etwa 1 Goldmilliarde aus. Di« Besatzungskosten am Rhein verschlingen also noch mehr als der deutsche Vorkriegs. Militarismus. Die Politik aller vernünftigen Menschen in Europa muß darauf gerichtet sein, diese Ausgaben in Fortfall zu bringen und die Summen der Wiedergutmachung und dem Wiederqufbau zuzuführen._ Erneuerung öer Micumverträge. Ben unterrichteter Seite wird über' die augenblicklich stattfindenden Derhawdlungen betr. die Erneuerung de r Micum- perträge im Bergbau und in der Eifenindustris u. a. mitgeteilt: Das bisherig« Micumabkommen für den Bergbau steht vor, daß von der Kohlenförderung des Ruhrbergbaus 27 Proz. unent- geltlich zu Lasten des Ruhrbergbaus an die Entente abgegeben werden müssen. Dazu kommt de? Zechenfelbstverbrouch einschließlich Deputatkohle mit 12 Proz. der Fövdleruitg, das sind 39 Proz. der Gesamtförderung, für die der Ruhrbergbau keinen Ei lös erzielt. Die Folge ist, daß der Gefamtruhrbergbau feit Oefsnung der Bettiebe nach Abschluß des passiven Widerstandes eine Schuldenlast kontrahiert hat, die zwischen 250 bis 300 Millionen Goldmark liegen dürfte. Di« notwendigen Kredite sind oder nur unter den drückendsten Bedingungen zu erlangen. Don einer Profitrate kann im Ruhrbergbau daher kaum mehr ge. sprachen werden. Würde die Absatzmöglichkeit der Ruhrkohle nicht durch das Mirumabkommen erdrosselt worden fein, so wäre eine er- hebliche Umstellung der Belegschaft in predukttvem Sinne möglich gewesen. Gegenüber der Tagesförderung im Durchschnitt des Jahres 1922 mit 320 000 Tonnen hätte man ohne die Micumlast mit einer 16- bis 18prozentigen Fördersteigerung rechnen können. Da» Micumabkommen aber zwang dazu, alle Flöze und alle Be- triebspunkte mit zu teuren Gestehungskosten stillzulegen, sonst wären die gemachten Zubußen noch ungleich größer, ganz abgesehen davon, daß die erhöhte Förderung zu dein durch die Micumlasten hinaufgetriebenen Preis weder auf deusschen noch auf fremden Märkten abgesetzt werden konnte. Tatsächlich stehen de? durchschnittlichen Tagesförderung von 326 666 Tonnen im Jahre 1922 nach Oeffnung der Betriebe unter dem Micumabkommen folgende Tagesförderung». Ziffern gegenüber: Dezember 1923: 186 666 Tonnen, Januar 1924: 246 666 Tonnen, Februar 1924: 291666 Tonnen. März 1924: 569666 Tonnen. Di« Förderung blieb also um mehr als 16 666 Tonnen täglich hinter dem Tagesdurchschnitt von 1922 zurück, während sie ohne die Micumlast zwischen 366 bi» 386 666 Tonnen liegen müßte. Das Micumabkommen vermindert also die bettiebs- technisch mögliche Kohlenförderung ganz zwangsläufig um täglich mehr als 56 666 Tonnen.__ das Jubalanüabkommen. eondon. 16. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In London ist durch die britischen und italienischen Sachverständigen ein Uebereinkommen über die sogenannte Iubalandfrage zustande gekommen, das in der kürzesten Zeit von den beiden Regierungen ratifiziert werden wird. Durch den Vertrag tritt Großbritannien einen Teil von Britlsch-Somaliland an das italienische Somaliland ab. Die Bedeutung dieses Uebereinkommen« liegt darin, daß. wie die „Tim«»" sagen, nunmehr zwischen Italien und England nicht die geringste Streitfrag, mehr besteht. Die Abtretung de» Iubalandes durch(Bwßbritflnnlen ist ein weiteres Zeichen der immer stärkeren ltalienifch-englischen Annäherung. die Italiener auf Nhoüos. Rom, 10. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Landung von 2666 italienischen Truppen mit Malchinengewehren auf der Insel Rhodos hat den Zweck, die dortige Italienische Garnison. dauernd zu verstärken. In römischen Regierungskreisen herrscht die Aufassung, daß nunmehr mit Kraft die italienischen Interessen in Kleinasien gefördert und ausgebaut werden müssen. Di« italienische Expansionspolitik in Kleinasien findet die Untere stützung Englands.. Bewerkschaftsbewegung Wie kommunisten Streiks führen. Zum Ausstand in Oberschlesien. Wie soll der Arbeiter seine Freizeit nußen? Die Nutzung der Freizeit der Arbeiter wird eine der Angelegen. heiten sein, die auf der bevorstehenden sechsten Internatio nalen Arbeitstonferenz zur Verhandlung kommen. rund 400 000 von der Organisation überwunden. Die Bundeszeitung erscheint wieder. führten Einigungsverhandlungen mit den verwandten Organisationen Die seit der Würzburger Tagung von der Bundeszentrale ge sind gescheitert durch die Schuld der anderen Seite, der vor allem der ehrliche Wille zur Verständigung fehlte. Der Reichsbund hält nach wie por an dem Grundsah der parteipolitischen und religiösen Neutralität fest. Selbst die Solalpolitische Arbeitsgemeinschaft, zu der man sich mit den anderen Organisationen vorübergehend zusammengeschlossen hatte, hat wegen der dabei ge machten trüben Erfahrungen wieder aufgegeben werden müssen. Wit den Bruderorganisationen in Desterreich, Ungarn, England, Italien und der Tschechoslowakei werden freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Auch mit der französischen Bruderorganisation ist neuerdings die Fühlungnahme aufgenommen worden. Man hofft auch hier bald zu einem innigeren Einvernehmen zu kommen. Der Redner schloß mit der Feststellung, daß der Reichsbund trotz aller Stürme in feinen Grundfesten unerschütterlich feststeht. Im Anschluß daran erstattete der Vorsitzende der Sozialpolt Abteilung, Kamerad Pfändtner. Berlin, den Rechens fchaftsbericht über die Es ist nicht etwa beabsichtigt, heißt es in den Mitteilungen des Internationalen Arbeitsamts, den Arbeitern vorschreiben zu wollen, Gleiwih, 10. Junt( Mtb.) Der Ausstand in Westoberschlesien was sie mit ihrer freien Zeit anfangen wollen. Aber es ist doch be Hft erloschen. Seit heute früh ist die Arbeit in den Gruben allgemein grüßenswert, daß sich Sozialpolitiker aus aller Welt mit dieser wieder aufgenommen worden. In der Eisenindustrie arbeiten die Frage befaffen. Es gilt zum Beispiel, den Arbeitern den Genuß falten Betriebe voll, die warmen Betriebe, bei denen gewisse Vor- ihrer Freizeit zu sichern, indem Nebenbeschäftigung gegen arbeiten erledigt werden müssen, haben mit diesen heute begonnen Lohn vermieden wird. Um Gelegenheit zu sinnvoller Nutzung und tommen im Laufe der Woche voil in Arbeit. Der Ausstand hat der Mußeftunden zu geben, muß auch eine Einteilung des in den Gruben fünf Bochen, in der Eisenindustrie drei bis vier Arbeitstages gewährleistet sein, die verhütet, daß die ArbeitsWochen gedauert. Er wurde von den kommunistisch gezeit durch eingeschaltete Unterbrechungen fich auf einen zu langen führten Betriebsräten eingeleitet und geführt, im Rampfe Beitraum erstreckt und damit die ununterbrochene Ruhe ungebühr gegen das Arbeitszeitabkommen, das in der bisher gültigen Form lich verkürzt wird. Ebenso hängt die Möglichkeit vernünftiger Ber. durch Schiedssprüche, die vom Reichsarbeitsministerium für der: mendung der freien 3eit enge mit den Wohnverhältnissen bindlich erklärt wurden, verlängert worden war. Der Kampf hat der Arbeiter zusammen. Wenn das Wohnen in nicht dicht bebauten der Arbeiterschaft nicht das geringste Ergebnis eingetragen. Sie Borotten der Städte gefördert wird, so wird damit zugleich mehr mußte den Ausstand abbrechen, da Streifunterstügungen von den Gelegenheit gegeben, die Freizeit zu Arbeiten in Haus und Gartentischen Rommunisten nicht gezahlt werden konnten und die Arbeitgeber jede und zu Bewegung in frischer Luft zu nutzen, andererseits wird die Berhandlung ablehnten, bevor nicht dem durch die Verbindlichkeits: Gelegenheit zum Wirtshausbesuch vermindert, selbst wenn die Neierklärung der Schiedssprüche geschaffenen gesetzmäßigen Zustand durch gung dazu beſtünde. Wiederaufnahme der Arbeit Rechnung getragen war. she Bersorgung und Fürsorge für die Kriegsopfer. Er betonte, daß der Umfang, Art und Maß der Kriegsopferfürforge Die Erfahrung hat gezeigt, daß eine Verlängerung der Muße nicht nur bestimmt werden von der allgemeinen Sozialpolitik. Die ftunden feineswegs zu vermehrtem Wirtshausbesuch führt. Im Bersprechungen, die im Wahlkampf von allen Seiten den Kriegss Gegenteil, es ist nachgewiesen worden, daß dort, wo der Arbeits- opfern gemacht worden seien, würden nichts als eitel Flunkereien Der Streit in Oberschlesien murde seinerzeit furz vor den tag verfürzt wurde, die Fälle von Trunkenheit abgenommen fein, wenn nicht die Gesetzgebung ihre Ronfequenzen daraus zieht. Reichstagswahlen von den Kommunisten zu Wahl zweden haben. Uebermäßiges Trinken ist häufig die Folge von Im Rahmen der heutigen Wirtschaft und Finanzkraft unferes Staates inszeniert, genau wie die Kommunisten in Mitteldeutsch- Uebermüdung, denn der von der anhaltenden Anstrengung müsse die Steuergesetzgebung die Leistungsfähigen zu den aller. land und im Ruhrgebiet versuchten, einen Generalstreit Verfassen der Arbeitsstätte im Wirtshaus Auffrischung und Erholung wäre es selbstverständlich auch, wenn sie anstatt durch fieben durch an langen Arbeitstagen ermüdete Arbeiter gerät in Gefahr, beim größten Opfern heranziehen. Vorteilhafter für die Kriegsopfer ins Werf zu setzen. Die Kommunisten machten sich die Sache zu suchen. In Frankreich wurde zum Beispiel festgestellt, daß die weniger, aber dafür stärkere Organisationen vertreten würden. Im fehr leicht. Sie stellten recht radikale Forderungen auf, die durch die herabfegung der Arbeitszeit von den Arbeitern ge- Bordergrund der Fürsorgetätigkeit des Reichsbundes stehe das durchzusehen sie den Arbeitern versprachen. Die Warnungen wonnenen Stunden nicht dem Trunte gewidmet werden. Diesbezüg. Rentenrecht. Bei der Aufstellung des Bedürftigkeitsprinzips der erfahrenen Gewerkschaftler wurden nach bekanntem liche Erklärungen des französischen Arbeitsministers ftüßen fich auf feien die Borschläge der Organisation unbeachtet geblieben. AbgeMuster als„ Berrat" bezeichnet. Mit folchen Mitteln gingen eine Erhebung über den Alkoholismus unter der arbeitenden Belehnt werden müsse die Bevorzugung der Bedürftigen auf Roſten bie Kommunisten auf Stimmenfang aus. völkerung. Aus den gesammelten Unterlagen und aus den Er der übrigen Kriegsopfer. Ohne eine ausreichende Kriegsopferfür. Es muß festgestellt werden, daß sie in diesem Punkte in flärungen der Bertreter von Arbeiter und Unternehmerorgant forge fei ein Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nicht denkbar. den Bergbaurevieren einen gewiß nur vorübergehenfationen, von Gefretären von gewerblichen Schiedsgerichten und unbedingt notwendig sei die Fernhaltung der Kriegsopfer von der den, aber nichtsdestoweniger starken Erfolg gehabt haben. Tertretern anderer Institute geht deutlich hervor, daß die neue Rege- Armen fürsorge. Das Unrecht, das mit der Abfindungssumme Die Stimmen der Kommunisten nahmen auf Kosten der hat, sondern daß sie im Gegenteil eine der wichtigen Ursachen für macht werden. Neuerdings plane man sogar die Beseitigung des lung nicht nur feinerlei Bermehrung der Truntfucht hervorgerufen an vielen Kriegsopfern begangen worden sei, müsse wiedergutgeSozialdemokratie bedeutend zu. Wo diese erschwindelten den durch die Statiftit bestätigten deutlichen Rüdgang der Trunk Reichsversorgungsgefehes. Stimmen bei den nächsten Wahlen bleiben werden, darüber fucht gewesen ist. Die entsprechenden Gegenmaßnahmen feien im Einvernehmen mit dem ADGB. angeleitet worden. fann heute schon fein Zweifel bestehen. Der dritte Verhandlungsfag wurde mit einem Referat des Kameraden Schönwald Königsberg über den Während aber die Ruhrbergarbeiter und die Bergarbeiter Mitteldeutschlands bei den Wahlen ihrer berechtigten Erbitte rung dadurch Ausdruck gaben, daß sie in großer Zahl für die Kommunisten stimmten, waren sie doch durch die Erfahrung gewißigt genug, den kommunistischen Generalstreifparolen feine Folge zu leisten. Gewerkschaftlich trauten sie den Kommunisten nicht die Fähigkeit zu, einen großen Kampf erfolgreich führen zu fönnen. Das haben nicht allein die mitteldeutschen Bergarbeiter bewiesen, indem sie sich allen tommunistischen Generalstreifparolen gegenüber taub ver hielten, besonders start trat dies während des großen Kampfes der Ruhrbergarbeiter in Erscheinung. Alle Anstrengungen der Kommunisten, die im Ruhrgebiet soeben einen großen Wahlerfolg errungen hatten, die Führung des Kampfes in ihre Hände zu bekommen, fielen platt zu Boden. So konnte die Ausfperrung mit einem nicht zu unterschäzenden materiellen Teilerfolg, der moralisch noch höher zu bewerten ist, beendet werden. Anders in Oberschlesien, wo es der Arbeiterschaft leider noch an der notwendigen gewerkschaftlichen Erfahrung fehlt. Die gutgläubigen oberschlesischen Arbeiter fielen auf die fommunistischen Parolen herein. Die Gewerkschaften wurden einfach beiseite geschoben, und die von Moskau ausgehaltenen Agitatoren hatten freies Feld. Die getäuschten Arbeiter haben einen heroischen Kampf geführt. Bei jedem Kampfe hängt der Erfolg jedoch wesentlich von dem taktischen Geschid der Führung ab. Radauparolen helfen da gar nichts. Die oberschlesischen Arbeiter müssen diese Erkenntnis jest leider mit einer schweren Niederlage bezahlen. Es wird Sache der gewerkschaftlichen Aufklärungsarbeit sein, dafür zu sorgen, daß die oberschlesischen Arbeiter aus dieser Niederlage die Konsequenzen ziehen und daß diese Niederlage nicht ein dauernder Triumph der Schwerindustrie wird. Aber auch anderwärts muß über die gefährliche Unfähigkeit der fommunistischen Maulhelden Aufklärung verbreitet werden. Wo immer es den Kommunisten gelungen ist, die Arbeiter vor ihren Wagen zu spannen, haben es diese mit einer schweren Niederlage büßen müssen. Dagegen ist es den Gewerkschaften unter den widrigsten Umständen gelungen, auch gegen ein übermächtiges Scharfmachertum einen einmal unternommenen Rampf ehrenvoll zu Ende zu führen. Wir stellen zum Beweis nur gegenüber auf der einen Seite ben von den Kommunisten geführten Kampf der Lud wigshafener Anilinarbeiter und den Streit in Oberschlesien, auf der anderen Seite den von den Gewertschaften geführten Kampf auf den Seeschiffswerften und im Ruhrbergbau. Bei solchen Kämpfen genügt es nicht, in den Versamm lungen die große Klappe zu haben. Die Fähigkeit der Führung erweist sich am Verhandlungstisch, wenn mit den Argumenten und Zahlen der Unternehmer gerungen werden muß. Solche Kämpfe müssen im rechten Augenblick, mit dem die moralischen Gesichtspunkte abschäzenden Geschic geführt und auch im rechten Augenblick beendet werden. Dazu gehört aber ein großes Maß von Erfahrung und Kenntnisse, das durch radikal flingende Reden nicht ersetzt werden kann. Dazu ist aber auch notwendig, daß die Arbeiterschaft restlos gewerkschaftlich organisiert ist, den radikalen Versammlungsrednern gegenüber sich mit Mißtrauen wappnet und unbefümmert um alle Parolen die gewerkschaftliche Disziplin wahrt. Das gilt nicht allein gegenüber den Moskauer Dema gogen, das gilt auch gegenüber den Unternehmern. Seit 1919 wurden in verschiedenen Staaten die Einrichtungen Sowohl Behörden mie zur Nutzung der Freizeit ausgestaltet. private Bereinigungen als auch Unternehmer und Arbeiter selbst haben manches in dieser Beziehung geleistet. Das Internationale Arbeitsamt sammelt die gewonnenen Erfahrungen und schafft damit die nötigen Unterlagen für die Berhandlungen der Konferenz Aus dem Versicherungsgewerbe. Born Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Am 28. Mai war von dem tarifvertraglichen Reichsschlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt worden, durch den die bisherigen Gehälter der Bersicherungsangestellten für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Juli der Versicherungsangestellten für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Juli 1924 um 15 Broz. erhöht wurden. Dieser Schiedsspruch ist von unserem Verband und den anderen am Reichstarifvertrag beteiligten Angestelltenverbänden angenommen, vom Arbeitgeber verband deutscher Versicherungs.internehmungen jedoch mit der Begründung. daß das Versicherungsgewerbe diese Mehrbelastung nicht tragen fönne, abgelehnt worden. In Wirklichkeit dürfte In Wirklichkeit dürfte es wenige Gewerbe geben, die eine gleich günstige Konjunktur auf weisen fönnen wie zurzeit das Bersicherungsgewerbe. Wir haben nunmehr die Verbindlichkeitserklärung des Schieds. ruches beim Reichsarbeitsministerium beantragt. Sollte diefem spruches beim Reichsarbeitsministerium beantragt. Antrag nicht stattgegeben werden, so stehen im Versicherungsgewerbe ernste Kämpfe bevor. Ein Streit in der Luft spielt sich gegenwärtig in Portugal ab. In Lissabon streiten die Militärflieger. Aus ihren Flugzeugen werfen fie Flugschriften ab, in denen sie die Gründe, derentwegen sie streifen, auseinanderseßen. Die Flieger haben ihr Lager mit Maschinengewehren umgeben. Die Regierung hat beschlossen, drei Infanterieregimenter und ein Ravallerieregiment gegen die Streitenden aufzubieten. Das heißt mit Ranonen nach Flugblättern schießen. Eine anständige Behand ung der Militärflieger würde zweifellos von befferer wirtung sein. Die Frankfurter Schwertransportarbeiter haben gestern früh die Arbeit niedergelegt. Achtung, Betrieb Daimler, Marienfelbe! Donnerstag nach Arbeitsschluß toeffen fich alle Parteigenoffen bei Bildgrube am Bahnhof. Der Fraktionsvorstand. Deutsche Kriegsopfer- Tagung. Bom 6. bis 10. Juni fand in Dresden der 3. Bundestag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteil nehmer, Kriegerhinterbliebenen( Siz Berlin) statt. Es waren rund 400 Delegierte aus allen Teilen des Reiches erschienen. gewählt Reichstagsabg. Roßmann, Bundesvorsitzender Marote Zu Borfizenden des Bundestages mit gleichen Rechten wurden und der Vorsitzende der Dresdner Ortsgruppe Mar Richter. Am Sonnabend gab es einen Zwischenfall. Der Vertreter der Roten Fahne" wurde wegen feiner Schreibweise, deren Tendenzen gleich der tommunistischen Zerstörungsarbeit in den Gewerkschaften auf eine Unterminierung der Einheitsfront der Kriegsopfer hinausläuft, von der Berichterstattung ausgeschlossen. Dann erstattete der Bundesvorsitzende Maroke den Geschäftsbericht. Der Berichterstatter beleuchtete zunächst die ungeheuren Schwierigfeiten, die sich aus den Zeiten der Martentwertung für die Organifation ergeben haben und die nur durch meitgehende Organisationseinschränkungen und unter erheblichen materiellen Opfern der an der, Spize der Bewegung stehenden Persönlichkeiten zu überwinden der Bundeszeitung eingestellt werden. Gegenwärtig waren. In der schlimmsten Zeit mußte fogar das Erscheinen befindet sich die Organisation aber überall wieder im Aufbau. Die Bahl der Mitglieder und Ortsgruppen ist im ständigen Wachsen be griffen. Die Inflation wurde mit einen Mitgliederbestand von gegenwärtigen Stand der Versorgung und Fürsorge eingeleitet. Die bestehende Gefeßgebung sei infolge der sprunghaften Entwicklung der Wirtschaft für unsere moderne Zeit als längst über holt zu bezeichnen. Die Reichsregierung müffe fich zwangsläufig der Entwicklung anpassen, weil sonst ungeheure Gefahren für das Staatswesen heraufbeschworen werden. Im ganzen Reiche erfolgten icht Nachuntersuchungen der Kriegsbeschädigten, obwohl bei dem größten Teil eine wesentliche Wenderung des Ges fundheitszustandes überhaupt nicht in Frage tomme. Selbst wenn aber bei einem kleinen Teil der Kriegsopfer die Rente um ein paar Prozente vermindert werde, würden die dadurch eingesparten Renten mehr als aufgezehrt werden durch den höheren Aufwand an Berftimmungen über die Elternrente. Unsere Gesetzgebung müsse waltungskosten. Unbedingt reformbedürftig seien ouch die Be Bolkswirtschaft. Die Versorgung der Kriegsopfer dürfe nicht allein ausgebaut und vervollständigt werden im Interesse der deutschen auf Geldentschädigung aufgebaut werden, vielmehr fomme in erster Linie die Arbeitsfürsorge in Betracht. England fenne einen Unterschied zwischen Schwer und Leichtbeschädigten überhaupt nicht. Dort hätten sich auch die Arbeitgeber freiwillig zur Einstellung von Kriegsbeschädigten in Höhe von 5 Broz des Bersonals ihrer Be triebe bereit erklärt. Bei uns sei der Prozentfak zwar gefeßlich ge regelt, ober ein großer Teil der Arbeitgeber suche sich dieser Ber pflichtung zu entziehen. Große Gefahr bestehe, daß die Bestimmung über die Arbeitspflicht von den nachgeordneten Behörden zu einem Drud( Entziehung der Zufahrente) auf den Kriegsbeschädigten zur Arbeitsannahme benutzt werde. Der Redner schloß mit der Fest. stellung, daß die Reichsregierung auf die Psyche der Kriegsbeschä digten zu wenig Rücksicht nehme. Ueber 200 Anträge lagen zu dem Fürsorgeproblem vor, die mit dem Geschäftsbericht und den beiden Referaten zur gemeinsamen Aussprache gestellt wurden. In dieser ergriff auch Ministerialrat Rerichensteiner Dom Reichsarbeitsministerium das Wort zu Ausführungen über die finanziellen Auswirkungen der Kriegsopferfürsorge. Danach erfordert die Rentenversorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegs. und 263 für Zufahrenten. Ein Achtel des gesamten Reichsetats hinterbliebenen jährlich 710 Goldmillionen, nämlich 447 für Renten wird lediglich für die Kriegsopfer ausgegeben. Daraus fönne man ersehen, welche Schwierigkeifen für die Regierung bei einer allge meinen Rentenerhöhung auch von nur 10 Proz. entsteht, so flein auch für den einzelnen die Rente sein möge. Die Elternrente ge höre zu den schwierigsten Kapiteln der Gesetzgebung. Bei Erlaß der Verordnung über die Fürsorgepflicht habe feine Organisation die hand im Spiel gehabt. Sie fei eine Folge des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländern. Daß der Uebergang zu den neuen Bestimmungen nicht immer reibungslos vor sich gehen würde, war Dorauszusehen. Das Schwerbeschädigtengesez verdiene den Bor fertigte der Regierungsvertreter noch die Abbaumaßnahmen auf zug gegenüber der Regelung in anderen Ländern. Schließlich rechtdem Gebiete der Kriegsopferversorgung, insbesondere auch im Spruchverfahren. An eine Aufhebung des Reichsversorgungsgerichts würde gegenwärtig nicht gedacht. Berantwortlich für Bolitit: Ernft Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eklorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Lokales und Sonstiges: Fris Raritäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co.. Berlin GW. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Hautjucken, Flechten, offene Füße( Krampfadern) auch veraltete Wunden heilt die milde und wohltuende, seit Jahrzehnten bewährte San.- Rat Dr. Strahl's Hanssalbe. 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Der gewaltige Steinbautaften mit seinen vielen Sälen, seinem großen Treppenhaus, der breiten, vielsenstrigen Front und den überlebensgroßen Puppen auf dem Dach, von denen niemand weiß, wen fie vor. stellen und was sie symbolisieren sollen, war noch 1909, in einem Jahr, in dem die Sozialdemokratie die zweithöchste Zahl von Urwählern hatte, der Sozialdemokratischen Partei und sozialistischen Abgeordneten verschlossen. Jetzt wird in diesem Haus, dessen Präfident ein Sozialdemokrat ist, unser Parteitag abgehalten. Beinahe könnte man in dieser Tatsache so etwas wie einen Aft der ausgleichenden Gerechtigkeit erbliden. 11 Dom Dönhoffplatz zur Prinz- Albrecht- Straße. Das Preußische Abgeordnetenhaus, durch lange Jahrzehnte der Typ eines Junker- und Muderparlaments, die klassische Stätte des Wahlunrechts, an der die auf Grund des elendesten aller Wahlsysteme gewählten Abgeordneten faßen, hat im Jahre 1849 eine provisorische Unterkunft im alten Hardenbergschen Palais am Dönhoffplah gefunden. Dieses Provisorium dauerte freilich sehr lange. Schließlich aber mußte man den dort herrschenden ganz unhaltbaren räumlichen Zuständen ein Ede machen. Der Sitzungs fcal war eng und ohne genügende Bentilation, die einzelnen Beratungszimmer waren klein und dunkel, und für die Vertreter der Presse war eigentlich überhaupt teine Sorge getragen. Es war das bezeichnend genug für die Grafen, Barone und Agrarier, die in diesem Haus saßen. Man fümmerte sich nicht um die Presses bengeis", um dieses nowendige Uebel, um jene Menschen, die den Beruf verfehlt hetten" und so unverschämt waren, alle faulen und feigen Machenschaften der Raktionäre schonungslos aufzudecken! Ende der 1880er Jahre endlich wurde beschlossen, in der PrinzAlbrecht- Straße auf dem Terrain der Porzellanmanufaktur und des Herrenhauses ein neues Geschäftsgebäude für das Abgeordnetenhaus zu errichten. Mit der Erbauung wurde von der Staatsregierung der Baurat Friedrich Schulze beauftragt, der im Herbst 1893 mit dem Bau begann und ihn so förderte, daß das Haus am 16. Januar 1899 beim Zusammentritt zur 19. Legislaturperiode der Benugung übergeben werden konnte. Wenn auch vielleicht nach vielen Richtungen zu viel Bomp und Prunt, wie ihn die Herren Bürgerlichen so liebten, entfaltet worden ist, wenn wir auch nicht verstehen fönnen, warum der Präsident des Hauses einen großen Festsaal mit grünen Studmarmorpfeilern und Stofftapeten haben muß, im großen und ganzen muß gesagt werden, daß der Bau allen modernen Anforderungen Rechnung trägt, für Luft und Licht in allen Räumen und Silen sorgt und auch auf die Bedürfnisse der Preffe gebührend Rücksicht nimmt. Die hohen Herren" fühlten sich dann auch sehr wohl in dem neuen Haus, in dem man nicht nur tagen und beraten, sondern auch allerhand Bäder nehmen und die Haare vom Friseur funstvoll fräufeln lassen fonnte. Eine derartige Beschäftigung war übrigens manchem der damaligen Abgeordneten entschieden wichtiger als die langweiligen Sigungen, bei denen man nicht immer unbes obachtet und ungestört schlafen konnte. Man hatte es schön im Hause, aber man wollte es immer noch schöner haben. So wurden noch hier und da Gemälde angebracht, in den Erfrischungsräumen und im großen Sigungsjaal mußten neue Fahrstühle eingebaut werden und was dergleichen lebenswichtige Dinge mehr waren. In deffen man war immer noch nicht zufrieden. Die Sessionen dehnten fich allmählich lange und bis in den Sommer hinein aus und man wünschte sich einen Garten. Vertrauensvoll wandte man sich an das Herrenhaus, das ja befanntlich mit der Front an der Leipziger Straße an das Abgeordnetenhaus angebaut wurde, und Indessen man hatte sich sehr geirrt, wenn man glaubte, dieser Wunsch bat, den schönen Garten der Herrenhäusler benutzen zu dürfen. würde ohne weiteres in Erfüllung gehen. Die Herrenhäusler waren eben noch feinere Leute als die im Abgeordnetenhaus. Sie wollten nicht, daß so einfach die Schutzes und Krauses und Müllers aus dem Abgeordnetenhaus- und freifinnig waren diefe Rerle außerdem 3] Die Venus von Syrafus. Bon Clara Rahka. ,, Gaffen, sehr eng, sehr hoch, am Berg hinauffletternd, voll, voll von Menschen! Menschen über- und untereinander, viel, viel mehr noch als hier!" " 1 Und Frauen?" rief der dice Delhändler begeistert. Niemand hätte ihm diesen Ausspruch zugemutet, am wenigsten seine eigene Frau, die breit auf einem niedrigen Schemel faß und ihr Jüngstes an der Brust hielt. " Frauen?" Renzos Augen blitzten, er warf Fiametta einen lachenden Blick zu, nicht schöner als hier!" man rief, flatschte in die Hände. Nicht schöner als hier, nicht schöner!" Alle freuten sich. " Und was ist mit dem Befun?" fragte Frau Bruscoli, die die Aufmerksamkeit von ihrer Tochter ablenfen wollte. „ Der Vesuv?" Das Gesicht des jungen Burschen wurde ernst. O nein, der Befuv ist kein Aetna." Er hob beide Hände empor, die Flächen wie beschwörend seinen Zuhörern zu gewandt. Der Aetna, diefer Gewaltige, diefer Riese! Schneebedeckt, hoch, breit, unerforschlich!" Er fah fich felbst im antifen heater zu Taormina fißen, das Antlig dem Aetna zu gewandt, tief unten zu seinen Füßen den wundervollen Bogen des arünblauen, in weiße Girlanden und Spigen auslaufenden Meeres. Der Aetna, die Liebe seiner Knabenjahre! O nein, wir haben den Aetna!" rief er tönend, so daß es an den Wänden des Palazzos hinaufschallte, und wir haben den Duft viel füßerer Blumen, den Duft der endlosen Orangen- und Limonenhaine, das haben wir, wir in Palermo das Grün, die Wiesen Als ob diese Sonne nur über Balermo scheinen könnte. Wort. Sonne!" Und wiederum berauschten sich all diese Sonnenkinder am Es war nun ausgemacht und jedermanns Entzüden, daß dennoch nichts Siziliens und Palermos Schönheit erreichen fönnte. Sie trennten fich, schüttelten einander die Hände, als nähmen sie Abschied auf lange Zeit, ja, der junge Falconi umarmte und füßte Renzo, als sei er von dieser Stunde ab auf ewig mit ihm verbunden. Dann trat er zu feinem Esel, der die Augen in einem mohligen Halbschlaf geschlossen hatte, - noch in ihrem Garten promenierten. Sie lehnten also ab mit der wunderbaren Begründung: wenn der Garten des Herrenhauses auch für die Abgeordneten des Abgeordnetenhauses zur Benutzung freigegeben wird, dann muß er einen Zugang haben von der Straße, und dann könnten Hunde in den Garten laufen. Das aber wäre ein zeihung für den Mißbrauch dieses Wortes von damals verstanden unwürdiger Zustand! Ach ja, die Herren Bolfsvertreter Beres ganz ausgezeichnet, mit überaus wichtigen Beratungen die Zeit zu vertrödeln. Doch die Abgeordneten des Abgeordnetenhauses waren starrköpfig. Sie wollten einen Garten um jeden Preis, und so ließen sie sich einen Dachgarten auf dem Dach des Abgeordnetenhauses anlegen, wo sie nach der Anstrengung im Sigungsfaal Bowie und andere erfrischende Getränke zu sich nehmen konnten. 21 Die Abgeordneten des Dreiklassenparlaments. Es ging überhaupt außerordentlich gemütlich zu in dem Abgeordnetenhaus von damals. Am Dönhoffplak präsidierte der alte Köller. Er hielt vor allem darauf, daß die Sitzungen sich nicht zu lange ausdehnten. Ein Vertragungsantrag lag stets in feiner Schublade, und wenn die Uhr drei geschlagen hatte, stand er auf und verfündete würdevoll: Es ist der Schluß der Debatte beantragt worden!" Der Vertagungsantrag wurde immer angenommen. Wenn aber wirklich einmal ein Abgeordneter von einer sogenannten Oppofitionspartei noch nach drei Uhr reden wollte, dann meinte Herr von Röller, jovial, wie er schon war:" Herr Abgeordneter, Sie wollen doch nicht etwa noch sprechen?!" Und der Herr Abgeordnete verstand den Wink und schwieg gehorsam. Hier in dem Haus am Dönhoffplak war es auch, wo der damalige Präsident, als der Abgeordnete von Rochow den Polizeipräsidenten von Sinkelden im Duell erschoffen hatte, die klassischen Worte sprach:„ Unser edler Herr von Rochow hat heute den Berliner Polizeipräsidenten erichoffen. kann dem hohen Haus aber die beruhigende Mitteilung machen, daß unser guter Rochom sich bereits in England in Sicherheit befindet. Nach Herrn von Köller wer lange Jahre Jordan von Kröcher Präsident des Abgeordnetenhauses. Auch er war durchaus für Ruhe, er liebte aufregende Szenen nicht, wie sie damals ab und zu der polnische Abg. Korfanty aufführte, und wenn die herzlich bebeutungslosen Wellen einer Debatte auf niedrigstem Niveau gemäch lich und gemütlich dahinplätscherten, machte er wohl ein Nickerchen auf dem großen und breiten Präsidentenstuhl. Ein Unglück konnte nicht passieren, denn neben ihm saß, wartend und wachend, der Herr Bureauvorsteher. Das Preußische Abgeordnetenhaus vor dem Jahre 1908 zählte 433 Mitglieder. Die Zusammensehung des Hauses bildete gleich zeitig die schärfste Verurteilung des Dreitlassenwahlsystems. Das Haus zählte nämlich zu Mitgliedern: 44 Berwaltungsbeamte, 48 höhere Justizbeamte, 31 sonstige Beamte, 7 Offiziere a. D., 19 Lehrer und Professoren, 20 Geistliche, 26 Rechtsanwälte, 4 Aerzte, 10 Privatbeambe, 6 Schriftsteller, 113 Großgrundbesitzer, 46 Landwirte, 10 Raufleute, 17 Industrielle, 6 Handwerker, 29 Rentner, 5 sonstige Berufe und-2 Arbeiter. Daß ein fo zusammengesetztes Parlament fein Recht hatte, sich eine Voltsvertretung zu nennen, liegt auf der Hand. Die neue Zeit. Aber dann begannen die erbittertsten Wahlrechtskämpfe unferer Partei. Den Herren im Preußenparlament wurde es unbehaglich zu Mute, als fie 1908 im Januar die großen sozialdemokratischen Wahlrechtsdemonftrationen vor dem Abgeordnetenhaus sahen. Bez fanntlich blieb es nicht bei den Demonstrationen. Unsere Worte wurden zu Taten. 1908 30gen die ersten sechs sozialdemokratischen Abgeordneten in das Haus in der Prinz- Albrecht- Straße.( Borg mann, Heimann, Hirsch, Leinert, Dr. Liebknecht und Ströbel.) chen des Herrn von Kröcher. Jezt kam„ Leben in die Bude". Nun war es aus mit der behaglichen Ruhe und dem Nider Unsere Genossen erinnern sich alle noch der Kämpfe, die unsere ersten Abgeordneten im Preußenhaus zu bestehen hatten, der Wider. stände, die sie überwinden mußten, der großen Auftritte und turbufenten Szenen. Wie all die unzähligen Esel Palermos, war er töftlich aufgeschirrt. Rotes Leder, über und über mit glitzernden Münzen benäht, ein Joch mit langen Behängen, auf denen fleine Spiegel blizten. Oben auf diesem Joch und auf dem Kopf des Esels ein bunter, hoher Federschmud, so wie Flametta fie für einen der vielen Händler anfertigte. Doch was wollte diese Bracht neben der des Karrens fagen! Die ganze Geschichte Palermos und Siziliens und die seiner Heiligen fährt täglich, auf blaue, rote, grüne, gelbe Karren gemalt, durch die Straßen. Bunte Szenen bedecken jede größere Fläche. Selbst die Deichseln, die Räder, vorsprins gende Knöpfe, alles ist über und über bemalt. Soll da ein Palermoer Esel fein stolzes Tier werden? Wer in der Welt zieht sonst diese bunten Historien! Und Esel gibt es, alt und ehrbar, dabei nicht größer als ein ansehnlicher Hund- und andere, so rund, prall und stattlich, daß ein rechter Kavalier, wie der junge Falconi, sich nicht zu scheuen braucht, ihn durch lange, volfreiche Via Maqueda zu lenken, dicht neben den eleganten Karossen der Mobili vorüber oder unter die Schatten der hohen Palmen, die das Theater umgeben. Haben sie dies da?" ruft er zu Renzo zurück, der auf der Tischfante siht und den Ruhm einer glücklichen Heimkehr genießt. " Nein, das haben sie nicht!" tönt es stolz zurück, und jeder weiß, daß er Palermos bunte Efelgespanne meint. 2. Renzo Abriani hatte die Freude an seiner Arbeit verloren. Was er auch vollbrachte und ob der alte Gagini noch so wohl wollend knurrte, nichts gefiel ihm. Früher war seine jugendliche Eitelkeit um alles herumgetänzelt, früher hatte ihn das begeisterte Lob des ganzen Palazzos entzückt und angestachelt - das war vorüber. Er war in Neapel gewesen. Aus den Fluten der hohen Kunst, die ihn dort emporgetragen, hatte er fich nicht so stolz und heiter gerettet, wie aus den Kapriolen des alten Seglers. Vor allem konnte er jene Venus nicht vergessen. Doch er sprach niemals davon. Er war von dem Gedanken an sie erfüllt wie von einer großen Liebe. Er fah sie vor sich stehen, das hinabgleitende, im Winde gebauschte Gewand mit der linken Hand leicht zusammenraffend, den schlanken und doch vollen Körper vom Dufte des Meeres umfost. Wer war der Dieb? Als die jungen Mädchen mit den übrigen 15 glücklich das Coupe faßen, bei denen alle vorwurfsvoll Blide zum Plazmachen fruchtlos gefüllt, und sich vergewissert hatten, daß schon sechs auf einer Ban? an Zeitungen abprallten, entdeckte eines von ihnen, daß es sein Portemonnaie verloren hatte. Sein fleines braunes Portemonnaie. Das braune Portemonnaie fand sich nicht. Das Fräulein suchte draußen, denn der Zug hielt noch. Es wollte mit dem nächsten fahren. Da rief ein mächtiger Herr in Blau: Fräulein, steigen Sie nur ein, der Dame neben mir ist auch das Portemonnaie gestohlen worden. Der Zug fuhr, das Fräulein stieg ein. Man überlegte sich, was war geschehen? Was wollte der mächtige Herr sagen? Doch wohl nichts anderes als: Sie geben sich vergebliche Mühe, mein Fräulein, Ihr braunes Portemonnaie zu suchen, sie haben es nicht verloren, es ist Ihnen ebenso gestohlen worden, wie es der Dame neben mir. Das mochte der mächtige Herr gedacht haben und dann weiter: Da Sie Ihr Portemonnaie noch draußen fühlten, so kann es nur einer von den 15 gewesen sein, der das Gedränge des Einsteigens benutzte. Steigen Sie nur ein, mein Fräulein, so sind Sie Ihrem Portemonnaie wenigstens näher, als wenn Sie zurückbleiben, wenn es sich auch in einer anderen Tasche befindet, als in der Ihrigen. Also in der Tasche eines der 15? der Hand, so einfach darauf zu kommen, nichts selbstverständlicher. Es war ein Verdacht. Nicht ausgesprochen, aber so klar auf Wer wagt es, daran zu zweifeln? Einer von den 15, die sich dicht gedrängt aneinander stießen wer? Auf jedem lastete gleichmäßig ein Fünfzehntel des Verdachts. Alle trugen zu gleichen Teilen daran. Die beiden Fräuleins, die sich im Leid gefunden, klebten wie junge Hühner in einer Ede und tauschten ihre Nöte, versicherten sich gegenseitig mit hundert Wiederholungen jede Sekunde des Einsteigens, wobei sich herausstellte, daß keine seltsamerweise etwas ge= merkt, oder doch:" Mir war so, als ob Alles sprach aneinander vorbei, denn sie waren so wohlerzogen, nicht auszudrücken, was sie dachten, etwa: Du in dem grünen Anzug dort, ich sehe wohl, daß deine Hand etwas frampfhaft in der Tasche hält. Ich sehe wohl, daß du dich bemühft, den Blicken der anderen auszuweichen und draußen die öden Häuser anstarrst. Oder du, was zeichnet sich dort verhängnisvoll in deiner Tasche ab? Ist es nicht deutlich die Form mit der nervösen Bewegung deines rechten Fußes ein Etwas in den eines länglichen Damenportemonnaies? Oder du, was scharrst bu Winkel? Ein Etwas, das man nicht sehen kann, aber Es war ein so wohlerzogenes Coupé und doch hätte manch einer auf die Wohlerzogenheit gepfiffen, wenn jemand es laut ausgedrückt hätte: Meine Herrschaften, von uns 15 ist einer der Dieb. Der Zug rüttelte sich weiter, durchschlug ein paar Weichen und hielt. Drei stiegen aus. Es konnte einer von den dreien sein. Es fonnte, aber es mußte nicht. Raffinierte Diebe werden unter so Der Zug fuhr weiter. Aber der Zug hielt wieder und entließ glücklichen Verhältnissen ruhig dorthin fahren, wohin sie wollen. sieben. Und er hielt noch einmal. Es stiegen dret aus, so daß zwei zurückblieben, und zwar das bestohlene Fräulein Nr. 2 und der mächtige Herr in Blau. War noch ein Verdacht vorhanden? Der mächtige Herr sprach es aus: Wer war es nun? Niemand", verfeßte das Fräulein. Ich verdächtige niemanden, man muß das nächstemal seine Sachen beffer hüten." " Fräulein fuhr noch ein Stück weiter, saß fromm in der Ecke und als " Ich empfehle mich," sagte der Herr, denn der Zug hielt. Das der Zug wieder hielt, ftieg es aus, fuchte fein angeblich verlorenes Portemonnaie hervor, entnahm ihm die Karte und dachte fröhlich: Wie gut, daß ich mich getäuscht habe. Die rechte Hand mußte die Brust halb bedeckt haben. Sie fehlte. Kurz über dem Ellbogen war der schön gerundete Arm abgebrochen. Gewiß war der Arm, diese Hand, ein Meisterwerk gewesen, doch was war das gegen den fehlenden Kopf! Der Hals zeigte eine fleine Wendung nach links- oder hatte es ihm nur so geschienen? Wie mochte es sein, wenn dieses herrliche Geschöpf den Kopf leicht gefentt hielt, von der eigenen Schönheit berauscht? wie, wenn das Antlig dem Beschauer zugewandt war, im gelassenen Bewußtsein sieghafter, ewiger Macht? und wie, wenn es fühl und heiter zur Seite blickte? Niemals fonnte die Venus von Syrafus eine Beziehung zu irgend etwas haben, das nicht in ihr selbst ruhte. Es war nicht auszudenken, daß seine Geliebte aus Stein auf der Fontana Pretoria in Balermo gestanden hätte, zwischen anderen Frauen- und Männergestalten, zwischen grinsenden Faunen und wasserspeienden Tieren. Sie fonnte nur einsam sein, fühl und weich, stolz und zärtlich doch allein. Wenn er sie nur einmal lange und ungestört betrachten fönnte, sie selbst, nicht nur ihr Abbild! Die Göttin würde ihm eingeben, wie er ihren Kopf gestalten müßte. Und wenn ihm das gelang, dieses eine, was in ihm brannte, dann öffnete sich ein Born, dann würde ein starker, flarer Quell alle Hemmungen hinwegspülen, dann durchpulste ihn das Gefühl für wahre Kunst, wie sein warmes Blut den Körper, dann war er so tief gesegnet, daß Hand und Auge für Minderwertiges rerschlossen blieben. Niemand von seinen Genossen sah, daß Renzo etwas erfüllte, was ihn von dem täglichen Geplänkel der Liebelei und den Aufgaben des alten Bildhauers fortzog, mur Gagini selbst fühlte die Wandlung ein Fremdsein. ---Die ersten Tage nach der neapolitanischen Reise, das war nur ein Feuerwerf gewesen; jezt, im Lichte langer Alltagswochen, sah der Meister einen grüblerischen und zugleich sehnfüchtigen Zug im Gesicht des früher so übermütigen Burschen. Was in aller Welt fonnte es sein? Doch nicht Fiametta? Die tam in Renzos eigenen fleinen Arbeitsraum wie die Schwalbe in ihr Nest. Viel zu oft kam sie. Man sollte den Renzo allein laffen mit dem, was er in aller Stille schaffen wollte. Aus und ein! Ein und aus! Ein wenig blaß, wenn fie fam, mit geröteten Wangen und blanken Augen, wenn sie ging. So war die kleine Fiametta. ( Fortsetzung folgt.) Pfingsten der Arbeiterjugend. Die Einweihung des Landheims am Quenzfee. Oftern 1923 wurde das Landheim am Quenasee provisorisch eröffnet. Den Bau, den alten sowohl wie den neuen, haben wir bereits vor furzem ausführlich beschrieben. Bleibt noch zu erwähnen, daß die damals start einsetzende Inflationsperiode eine Ausgestaltung und durchaus notwendige Vergrößerung des Heims verhinderte. Doch ließen unsere Genossen den Mut nicht sinken. Etappenweise ging es weiter. Die Stadträtin, Genoffin Weyl. vom Berliner Jugendamt sorgte für Schlafdeden, während der Bezirksausschuß für Arbeiter wohlfahrt, mit Hilfe der Auslandsspenden, Mittel zur Beschaffung von Bettwäsche auf brachte. Erst lange nach der Inflation, Ende April, Anfang Mai 1924 konnte der Neubau von der Sozialen Baugenossenschaft Grundstein" in Angriff genommen werden. Und man muß sagen, daß unsere Bauhandwerker unter Leitung von Baumeister Segli in fünf Wochen ein gutes Stück Arbeit geleistet haben. Ohne eine Miene zu verziehen, schoben" sie Ueberstunden( ohne Aufschlag), um der Berliner und Brandenburger Arbeiterjugend die Einweihung des Heims, die zu Pfingsten vor sich ging, möglich zu machen. " Am Pfingstsonnabend zogen nun die Burschen und Mädels in Massen nach Brandenburg. Im Volkshaus tagte" die Quartierfommission bis nachts 1 Ühr, um auch dem letzten Teilnehmer des Bezirksjugendtages ein Quartier zu verschaffen. Am ersten Feiertag war der Garten des Volkshauses dicht befeßt. In einer Festansprache erinnerte der Stadrat, Genosse Dittmer Berlin, an = die vergangenen schweren Zeiten des Krieges, der einen Kampf geboren hat gegen den Krieg und Bölkerhaß, gegen das mon archistische System. Die Jugend steht in diesem Kampf an erster Stelle. Sie ist dazu berufen, die aufs neue uns drohenden Gefahren abzuwenden. Stärkste Abwehr heißt jetzt das Gebot der Stunde. Doch nicht auf Grund einer machtpolitischen Gewalt wollen wir den Kampf führen. Schmieden wir die Waffen des Geistes, pflegen wir weiter den Gemeinschaftsgedanken und tragen zur Einheit der Arbeiterschaft bei, dann wird es vorwärts gehen, Am Schluffe seiner Ausführungen gedachte der Redner noch der Erfolge der Arbeiterschaft in England, Frankreich, Dänemark und Finnland. In den Mittagsstunden ging es dann zum Landheim. Schon von weitem grüßt hier die rote und schwarzrotgoldene Fahne, die lustig im Winde flattern. Jeder Raum weist einen farbenfrohen Anstrich auf. Man merkt, daß unsere Malergenossen Brandenburgs, die sich jegt unter der Firma Ahlert u. Schwandt selbständig gemacht haben, bemüht waren, etwas Freundliches zu schaffen. Doch nicht nur für den Ferienaufenthalt ist das Heim bestimmt, wie der Jugendsekretär Genosse Walter Rüdiger Berlin in feiner Ansprache hervorhob, sondern es sollen hier auch Kurse abge halten werden, die dem allgemeinen Wissen dienen. Nach den Ansprachen der behördlichen Vertreter, der Gewerkschaften und der Partei wurde das Heim offiziell seinem Zweck übergeben. Völkische Strolche. Wann wird das Restaurant„ Wilhelma" geschlossen? Die Zustände in dem Dorado der Völkischen, Sem Restaurant Wilhelma" an der Ede Kurfürstendamm und Ranke. straße, fdeinen sich jetzt, wie aus zahlreichen Zuschriften an uns hervorgeht, in einem Grade bedrohlich zu entwickeln, daß ein energi sches Eingreifen der Polizei geboten erscheint. Das beweist auch die folgende Schilderung, die uns aus Lesertreisen zugeht. " Am 1. Pfingstfeiertag abends besuchte ich mit einem Herrn das Restaurant Wilhelma" am Kurfürstendamm. Bei einem Glas Bier hörten wir der Militärkapelle zu. Das Publikum dort diftiert jedem harmlosen Gaft unter Gewaitmitteln, wie er sich der dort herrschen ben Stimmung anzupaffen hat. Die Geschäftsleitung fieht diesem Treiben ohnmächtig zu. Bei der Unterhaltung überhörten wir aber bald die Musik und achteten auch nicht weiter barauf, daß sich die Gäste von ihren Plägen erhoben. Der mir befannte Herr war gerade im Begriff, sich eine 3igarette anzuzünden, wozu er aber gar nicht fam, denn er wurde gepackt, so daß er toumelte, der Garderobenständen umfiel und die Gläser vom Tisch stürzten. Die Gäfte im ganzen Lotal waren mit einemmaí, um uns versammelt, stießen den Herrn nach dem Ausgang zu, schlugen ihm den Hut vom Kopfe und schrien: Der Keri muß rausge schmissen werden. der Jude, raus mit ihm. Einige beherzte Kellner redeten dem Herrn zu, doch lieber zu gehen. Mir selbst bot eine dort sitzende Dame„ eins an die Backe an; denn ich hätte wiffen müssen, daß man aufsteht". Draußen endlich sagten die Angestellten unter Achselzucken, daß soiche Vorkommnisse alle Tage üblich feien. So fann ich mir nur das Berhaiten der Gäste erklären, die alle einig sind in dem Gedanken, der Kerl muh raus"; denn unmöglich konnten alle wissen, um was es sich handelt. Ein Herr sagte noch im bjinausgehen: Das Lokal kann man wirklich empfehlen. Ein anderer Herr, der uns sagte, er fei von der Schuppolizei, tonnte uns auch weiter nicht helfen. Soweit die Zuschrift. Wie lange wird die langmütige Berliner Polizei wohl diesem Treiben noch zuschauen wollen? Wie lange wird eine Kapelle der republikanischen Reichswehr wohl noch den Saboteuren der Republik zum lauten Ergößen aufspielen dürfen? Wie lange noch wird der deutsche Bürger dem Terror der völkischen Wie lange noch wird der deutsche Bürger dem Terror der völkischen Strolche ungeschüßt ausgeliefert sein? ,, Erledigung" des Falles Koch? Gegen den Berliner Lehrer Adolf Koch, dessen Körperkulturbestrebungen vor einigen Monaten den Deutschnationalen einen erwünschten Anlaß boten, ihre gegen Stadtschulrat Paulsen betriebene wünschten Anlaß boten, ihre gegen Stadtschulrat Baulsen betriebene Heze durch eine„ Sensation" zu beleben, wird jezt in eigenartiger Weise oorgegangen. Man hatte Koch damals die Ausübung seiner Amistätigkeit bis auf weiteres untersagt, aber das Disziplinarver fahren ließ auf sich warten, und auch durch Anfragen und Mah nungen fonnte Roch nicht erreichen, daß seine Sache beschleunigt murbe. Als ihm vom Mai ab aus nicht flarem Grunde das Gehalt entzogen wurde, das die Stadt bis dahin weitergezahlt hatte, mußte ihm vollends daran liegen, daß es zu einer baldigen Entscheidung tam. Gegen Ende Mai war das Provinzialschulfolle gium endlich so weit, sich zu der Einleitung eines förmlichen Disziplinarverfahrens zu entschließen, d. h. zur Anstellung einer amtlichen Voruntersuchung, nach der dann gegebenenfalls das Hauptverfahren hätte eröffnet werden können. Koch und die Freunde der von ihm vertretenen Körperfultur begrüßten das mit Genugtuung, weil nun die Staatsbehörde zu diesem Problem hätte Stel lung nehmen müffen. Plötzlich aber erhielt Lehrer Koch am 30. Mai von der städtischen Schulbehörde die vom 27. Mai datierte Mitteilung, daß auf Grund der Personalabbauverordnung seine Entlassung aus dem Schuldienst der Stadt beab fichtigt sei und er sich bis zum 30. Mai dazu äußern tönne. Selbstverständlich war in diesem Augenblick eine solche Aeußerung nicht mehr möglich, da er ja das Schreiben erst bei Ablauf der Frift erhalten hatte. An demselben Tage ging ihm aber schon die Nachricht zu, daß er mit Rücksicht auf die Einleitung eines Disziplinar verfahrens fristlos entlassen worden sei. Koch hat gegen diese Art, feine Sache zu erledigen, Einspruch erhoben. Bleibt es bei feiner Entlassung, jo ist damit auch das Disziplinarverfahren über flüssig. Die Staatsbehörde wird dann der Notwendigkeit enthoben, ihre Stellungnahme zu der Körperkulturfrage bekanntzugeben. Die Freunde der Körperkultur haben freilich nicht Lust, sich mit diefer „ Lösung" zufrieden zu geben. Schwerbeschädigte als Arbeitnehmer. Die Auswirkung der Einstellungspflicht in Groß- Berlin. Während des Krieges und längere Zeit nachher bereitete das Problem, die Kriegsverlegten, insbesondere die Schwerbeschädigten ins Wirtschaftsleben wieder einzugliedern, den Reichs, Staats- und Kommunalbehörden große Sorgen. Besonders für Groß- Berlin er. schien es nahezu unmöglich, diese kommunal- und sozialpolitisch äußerst wichtige Frage zu bewältigen. Das hierzu erlaffene Reichs gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter, nach dem jeder Arbeitgeber verpflichtet ist, zur Vermeidung von Zwangseinstellun gen 2 Broz. feiner Arbeitspläge mit Schwerbeschädigten aus freier Entschließung zu besetzen, schien gegenüber den Maffen Schwer beschädigter in Groß- Berlin nicht auszureichen. Inwieweit dennoch Achtung! Genoffinnen! Achtung! Unterhaltungsabend der Frauenwelt" Montag, 16. Juni, abends 6 Uhr( Saaleröffnung 5 Uhr), in der„ Neuen Welt", Neukölln, Hasenheide Auserwählt gutes Programm Künstlerische Leitung: Prof. Rosebery d'Argufo* Mitwirkende: Gesangsgemeinschaft Rosebery d'Urguto. Soliften: Wanda Salle, Käte Lindenberg und Herr A. Meller Rezitationen: Marie Borchardt, Mitglied der Schaubühne Ansprachen ausländischer Genossen, die anläßlich des Parteifages in Berlin anwesend find Die zum Eintritt berechtigten Programme find ab Donnerstag, 12. Juni, vorm., bei allen Kreisleiterinnen und im Frauenfefretariat Lindenstr.8, 2. Hof 2 T., 8r. 1, für 25 Pf. zu haben. Alle Progr. müssen abgefezt werden. Etwaiger Ueberschuß zum Besten der Erholungsfürforge. die Durchführung des Gesetzes nunmehr gelungen ist, ergeben nach folgende 3 ahlen der Bermittlungsstelle für Schwer beschädigte Berlin. Gegenüber ca. 1500 Arbeitgebern bzw. Betrieben im Jahre 1920, welche mit mehr als 20 Arbeit. nehmern, dem Einstellungszwang unterliegen, waren am 31. März 1924 bei 4862 Arbeitgebern mit 910 659 Arbeitnehmern 18 849 Schwerbeschädigte beschäftigt. Die Zahl der Pflicht arbeitspläge betrug 19 487. In der Unterbringungsziffer von 18 849 find 1764 Schwerbeschädigte einbegriffen, die durch die Auswirkung des Kündigungsschutzes und durch freie Entschließung der Arbeitgeber in Arbeit gehalten werden, so daß 2402 Pflichtarbeitspläke unbesetzt blieben. Diese Arbeitspläge entfallen vorwiegend auf Betriebe, die vornehmlich Frauen, Heimarbeiter, jugendliche Arbeiter, Lehrlinge sowie Schwer und Facharbeiter beschäftigen. Den Schwerbeschädigten gleichgestellt waren 3604 Schwerer werbsbeschränkte. Dies bedeutet eine erhebliche Einschränfung der Inanspruchnahme der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Unter den in Arbeit Untergebrachten befinden sich 262 Kriegsblinde und 541 Zivilblinde, von insgesamt in Berlin vorhandenen 1013 Blinden. Mit 982 arbeitslofen Schwerbeschädigten einschließlich 210 Blinden betrug die Arbeitslosigkeit aller Schwerbeschädigten 4,46 Broz, während sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Gefunde 14,44 Pros. betrug. Bon besonderer Bedeutung für die Eingliederung Schwer beschädigter in Industrie und Handel ist, daß nach den bisherigen Feststellungen ca. 95 Broz. aller Schwerbefchädigten zu vollen tariflichen Löhnen beschäftigt werden und die durchschnittliche Leistungsfähigkeit zwischen 60 und 75 Proz. schwankt. Der Schwindler als Rechtsanwalt". holt mit Zuchthaus vorbestraft und wurde mit Rücksicht auf die Gez meingefährlichkeit ihres Treibens zu einem Jahr brei Monaten Gefängnis verurteilt. Für die Angeklagte Barsch machte der Verteidiger ihre Gutgläubigkeit und Unbescholtenheit geltend, so daß fie mit 120 Mart Geldstrafe davonfam, Der Polizeivigilant. Eine Falschgeldangelegenheit. Unter der Anklage des Münzverbrechens hatte sich der Kaufmann Hans Stahl vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte zu ver antworten. Stahl stand unter dem Berdacht, Falschgeldnoten hergestellt und vertrieben zu haben. Um ihm eine Falle zu stellen, hatte der Polizeivigilant Ruhndal, in Gemeinschaft mit einem Kaufmann Michaelis und einem Dritten, Stahl mitgeteilt, baß ein Bauer am Abend am Alexanderplah eintreffen würde, um Falschgeld aufzukaufen. Stahl ging auf den Vorschlag ein, und man verabredete, den Bauer am Bahnhof Alexanderplatz bei der Ankunft in Empfang zu nehmen. Als Stahl sich zur verabredeten Zeit an bem Zusammenfunftsort einfand, traf er da die drei Männer, aber gleichzeitig auch einen Kriminalbeamten, der ihn festnahm. Auf dem Transport zum Polizeipräsidium hob Ruhndahl plöglich 20 Falschnoten von der Straße auf und behauptete, daß diese von dem Festgenommenen weggeworfen worden seien. Es handelte sich um gefälschtes Notgeld der Reichsbahn, wobei aus den Millionenscheinen Billionenscheine gemacht worden waren. Der Angeflagte bestritt, daß er die Scheine weggeworfen habe und bezeichnete das Ganze als Spigelarbeit. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt 3 Jahre Zuchthaus. Der Verteidiger machte dagegen geltend, daß Stahl von dem Kriminalbeamten untersucht worden fei, außerdem habe der Beamte den Festgenommenen am Arm festgehalten, so daß es schwer gewesen sein würde, daß Stahl die Noten hätte wegwerfen fönnen, ohne daß es von den Beamten bemerkt worden war. Es sei viel eher anzunehmen, daß der Lockspiel die Noten selbst meggeworfen und dann gefunden habe, um fich die Belohnung zu verdienen. Da der Vigilant zur Verhandlung nicht erschienen mar, hielt das Gericht den Fall auch für fefe zweifelhaft und fah sich genötigt, den Antrag des Verteidigers stattzugeben und den Angeflagien mangels ausreichenden Beweises freizusprechen. Ein Raubüberfall auf eine Greisin. Bom Schicksal wurden drei Männer ereilt, die einen brutalen Raubüberfall auf eine Breifin verübt hatten und nun gestern sich wegen Raubes vor dem Schöffengericht Berlin- Wedding verantworten mußten. Der Arbeiter Knispel wohnte feinerzeit in der Reinickendorfer Straße 45 als Schlafbursche bei der etwa 70jährigen Frau Ih pron. Als er arbeitslos geworden und infolgedeffen in Geldverlegenheit geraten war, sagte er mit zwei Bekannten, Matthies und Eggert, den Blan, sich durch einen Ueberfall auf seine alte Wirtin das dringend gebrauchte Geld zu verschaffen. Wie verabredet, erschienen dann Matthies und Eggert eines Morgens früh gegen 6 ühr in der Wohnung der alten Frau Thpron, Krispel ließ sie ein und dann stürzte sich das Kleeblatt auf die ahnungslos im Bett schlafende Frau Shpron. Man feffelte die alte Frau an Händen und Füßen, band fie ans Bett, stedte ihr ein Chemisett als Knebel in den Mund, mürgte fie und betäubte sie noch überflüssigerweise durch Borhalten eines mit Aether ge tränkten Tuches. Dann machten sich die drei darüber her, die auszuplündern. Sie ftahlen hauptsächlich Wohnung Wäsche und Anzüge und verschonten dabel noch nicht einmal die Sachen eines anderen bei der Greisin wohnenden Schlafburschen. Die Ueberfallene erwachte jedoch schneller aus ihrer Betäubung, als die Spizbuben vermutet hatten. Es gelang ihr dann, den Knebel aus dem Munde zu entfernen und sich der Fesseln zu entlebigen. Hierauf machte sie sich, nachdem sie sich etwas erholt hatte, quf den Weg zur Polizei, die schon nach zwei Stunden der Räuber habhaft wurde. Leider erhielt die Beraubte ihre Sachen trotzdem nicht zurüd, da die Braut des Matthies, die mitangeflagte Arbeiterin Cortes, bei der die geraubten Sachen zunächst untergestellt worden waren, dese schon weiter ver. fchoben hatte. Das Urteil lautete gegen die drei Räuber auf je pier Jahre Suchthaus, acht Jahre Chrverluft und Zulässigteit von Polizeiaufsicht. Die vierte Angeklagte Cortes wurde wegen Hehlerei zu fechs Monaten Gefängnis verurteilt. Gute Tage für Einbrecher. verübt. Als ein Kaufmann aus der Havelstraße in Charlottenburg Mehrere große Einbrüche wurden während der Pfingstfeiertage in der Nacht zum zweiten Feiertag heimkehrte, begegneten ihm auf der Treppe zwei mittelgroße bartlose Burschen von etwa 17 bis 22 Jahren. Später in der Nacht erwachte die Familie durch ein Geräusch und fah nun, daß Einbrecher ein Stüd aus der Wohnungstür herausgeschnitten, die Sicherheitsfette abgenommen und aus dem Wohnraum für 30 000 m. Wertsachen gestohlen hatten, darunter russisches Silber, Empire- Kaffeekannen und bares Geld.. Die Täter vermutet man in den beiden Burschen. Zubehör, Liförbecher mit Wappen usw., dazu noch 800-900 m. Das Moabiter Kriminalgericht scheint immer mehr zum Eldorado von Schwindlern und zum Tummelplag von falschen Rechts. anwälten, falschen Sachverständigen und ähnlichen Erscheinungen zu werden, die die Notlage der Angehörigen von in Haft befindlichen Angeklagten in frivoler Weise ausnußen wollen. Wiederholt find falsche Rechtsanwälte und Sachverständige entlarvt worden. Jezt wurde wieder ein falscher- Rechtsanwalt dingfest gemacht, der mit besonderer Frechheit aufgetreten ist. Der Schwindler, der über gute Lokaltenntnisse zu verfügen scheint, pflegte seine Sachen im Anwaltszimmer des alten Kriminalgerichtsgebäudes abzulegen dieser auf den Korridoren herumzugehen. Auf diese Weise drängte und dann dort eine mitgebrachte Anwaltsrobe anzuziehen und in er sich auch an einen Mann heran, dessen Sohn sich seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft befand und bisher nicht zur Entlassung tommen fonnte. Es wurde ein Honorarschein über 50 m. ausgestellt und gleich eine Anzahlung von 5 M. gegeben. Der Schwindler, der verschiedentlich auch schon als Verteidiger in Schöffen gerichtsfißungen aufgetreten fein foll, begab fich dann zum Unter fuchungsrichter, legte die Bollmacht vor und ließ sich eine Sprech. erlaubnis als Rechtsanwalt Dr. Sebarffi ausstellen. Als am nächsten Tage die neue Zusammenkunft stattfand, bei der das vereinbarte Haupthonorar ausgezahlt werden sollte, tauchten plöhlich zwei Kriminalbeamte auf, die zur allgemeinen Ueberraschung den Bei einem Studienrat in der Bernburger Straße öffneten Einbrecher an der Wohnungstür im hohen Erdgeschoß das Kunstschloß und angeblichen Rechtsanwalt als Schwindler festnahmen. Die Polizei hatte einen Wint bekommen, daß ein vielgesuchter Schwindler erbeuteten Silberzeug für 18 Personen und Schmucksachen im Gefamtwerte von ebenfalls 30 000 M. In beiden Fällen ist für die gegenwärtig in Moabit sein Unwesen treibe. Es handelte sich um einen vielgewandten, längst gesuchten Betrüger, der als praktischer Ergreifung der Täter und die Wiederbeschaffung des gestohlenen der in letzter Zeit sehr häufigen Fälle wir erinnern an den erst der Frühe des ersten Feiertages brachen Einbrecher auf dem GrundArzt, Frauenarzt und Kriegsgerichtsrat aufgetreten war. Angesichts Gutes eine hohe Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen find an Kriminalfommiffar Galzo w im Polizeipräsidium erbeten. In vor wenigen Tagen aufgetretenen falschen medizinischen Sachverstück Neanderstr. 28 vom Keller aus durch die Dede in ständigen, der einer Frau 2000 m. für ein Attest abschwindelte, an die Aktendiebstähle der Kriminalstudenten und die immer wieder auf. schriftlich ausgestellten Ausweisen von Zeitungen operieren und sich tauchenden falschen Pressevertreter", die mit irgendwelchen handSchweigegelder" auszahlen laffen dürfte es endlich angebracht fein, eine scharfe Kontrolle in dem Kriminalgerichtsgebäude eintreten zu lassen. Eine gefährliche Kinderfreundin. Bu Anfang dieses Jahres wurden auf der Straße fleine Kinder von einer Frauensperson belästigt. Sie betastete die Kinder unter dem Borwand, sie wolle feststellen, ob die Kinder Schmer zen hätten". Bei dieser Gelegenheit zog sie diesen die Unter. wäsche aus und entfernte sich. Nach langen Bemühungen gelang es, die Täterin in der Person einer Else Schild festzustellen, die sich jetzt vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte zu verantworten hatte. Die Verhandlung ergab, daß sie sich auch an Rinder herangemacht hatte, deren Mütter als Heimarbeiterinnen beschäftigt waren und die Kinder zum Abliefern der Ware ausgesandt hatten. Die Diebin nahm den Kindern die Lieferung, Schürzen, Hemden und Kleider unter dem Vorwand ab, daß sie prüfen wolle, ob die Sachen gut gearbeitet seien. Um die Kinder an fich zu loden, hatte sie ihnen vorher Süßigkeiten gegeben. Die Beute hatte sie an die mitangeklagte Näherin Emma Barsch, die sich nunmehr ebenfalls zu verantworten hatte, und der gewerbsmäßigen Hehlerei angeflagt war, verschoben. Die Angeklagte Schild ist schon wieder. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 11. Juni. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm, Nachm. 1.05 Uhr: 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Märchen. gelesen von Hedę Geber. 8 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. med. Ernst Rothe: Zwiegespräch mit unseren kleinsten Weißenfee. Die Vorwärts" Ausgabestelle befindet Lebewesen( Eine bygienische Plauderei). 9-11 Uhr: Blasfich jetzt Langhansstr. 52 im Laden, orchester. Dirigent: Kapellmeister Karl Woitschach. ein Metallwarengeschäft ein und stahlen für 2000 m. des Einbruches vor dem Hause hielt, nahm fünf Männer mit dem Gold- und andere Metallwaren, die sie in einen großen Reifetorb packten. Eine rotbraun lacierte Droschte, die während des Einbruches vor dem Hause hielt, nahm fünf Männer mit dem Reisekorb auf und fuhr mit ihnen davon. Der Chauffeur wird erfucht, sich bei Kriminalkommissar Geißel, Dienststelle B I 7 im Zimmer 56 des Polizeipräsidiums, Hausanruf 195, zu melden. Diese Dienststelle sucht auch eine ganze Reihe von Einbrüchen aufzuklären, die in den letzten Wochen zur Nachtzeit in Radiogeschäften in Moabit verübt und bei denen piele Detektor und Röhrenempfangsapparate gestohlen wurden. Mitteilungen zur Aufflärung werden auf Wunsch streng vertraulich behandelt. Kinderzeichnungen. Die Bezirksschuldeputation 1-6 gründete im Oktober vorigen Jahres freie Zeichentlassen", in denen besonders begabte Schüler und Schülerinnen aus Berliner Gemeindeschulen fostenlos Gelegenheit erhalten, sich im Zeichnen und Malen, im Schreiben einfacher Bierschrift und im Projizieren weiter auszubilden und hierdurch in den Stand gesezt werden, sich eine gute Geschmacksbildung anzueignen. Die Ergebnisse dieser Gründung werden gegenwärtig im 3entralinstitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Straße 120, bis 14. Juni öffentlich ausa gestellt. Sie lassen erkennen, welche Gestaltungskräfte in unferen Kindern schlummern und wie vielseitig deren Auffassungs- und Darstellungsvermögen ist. Besonders erfreulich wirft die Verschieden artigkeit der behandelten Aufgaben und die Mannigfaltigkeit der angewandten Ausdrucksmittel. Neben Bleistiftzeichnungen und Malereien finden sich Linoleum- Schablonenausschnitte, Stempeldrucke Kindern der fünftige Lebensweg gezeigt werden, und deshalb wün und Klebearbeiten. Es dürfte durch diese Neuschöpfung vielen fchen wir ben freien Zeichenklassen" der Bezirksdeputation 1-6 glüdliche Fortentwicklung. Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutsch lands. Der Hauptv or it and der Arbeitsgemeinschaft hat eine Sprech it unde eingerichtet, die jeden Freitag, mittags 12-2 Uhr, im Bureau des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin S 68, Lindenstr. 3, 2. Hof lints 4 St., stattfindet. Stramme Justiz. Den fürzlich an dieser Stelle veröffentlichten Ausführungen des Rechtsanwalts Walter Bahn fügt in folgendem Justizrat Viktor Fraenkt einiges über den Fall Hans Iande an. Bekanntlich hat am 14. Dezember 1923 das Schwurgericht beim Landgericht I Berlin die neunzehnjährigen Arbeiter Hans Jande und Kurt Goldbach wegen Mordes an dem Polizeimacht meister Steiner zum Tode verurteilt. Die Geschworenen, die damals noch allein die Schuldfragen zu entscheiden hatten, haben sie bejaht, und die drei Berufsrichter haben von der gefeßlichen Befugnis, den Spruch zu faffieren und die Sache an ein neues Schwur gericht zu verweisen, nicht Gebrauch gemacht. Es wurde Revision gegen das Todesurteil eingelegt und vornehmlich unter Bezugnahme auf gewichtige Darlegungen des befannten Rechtslehrers Profeffor Dr. Detter die Fassung und Reihenfolge der Schuldfragen gerügt. Das Reichsgericht jedoch hat die Revision verworfen. Das gleiche Schicksal hat dann der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens erlitten, obwohl er auf das neue Gutachten eines vorher nicht ver nommenen Psychiaters gestützt worden ist und dieser darin begründete Zweifel an der zurechnungsfähigkeit von Jande ausgesprochen hat. Auf die fofortige Beschwerde hat das Kammergericht die Entscheidung des Landgerichts gebilligt. Es hat hier, wo es sich um das Leben eines jungen Menschen handelt, die Beschwerde mit dem einzigen eines jungen Menschen handelt, die Beschwerde mit dem einzigen Gaz abgetan: In Erwägung, daß der zutreffenden Begründung des angefochtenen Bescheides lediglich beizutreten war."!!! So ift nur noch übrig geblieben, die Gnaden instanz für Hans Jande anzurufen, damit ein offensichtlicher Justizmord ver. hütet werde. Der in den Jahren des Krieges, als Gewalttaten gepriesen und gefeiert wurden, groß gewordene Berurteilte hat nie die Fürsorge eines Baters fennengelernt. Seine mit schweren materiellen Röten ringende Mutter hat ihn nicht so betreuen fönnen, wie es Begüterte mit ihren Kindern zu tun vermögen. So ist auch an Hans Jande die Zeit des Krieges die denkbar schlechteste Erzieherin geworden und hat die Auswirkungen seiner feelischen Struttur nur noch übler beeinflußt. Daß diefer junge Mensch nun als ein eines Mordes Ueberführter angesehen werden dürfe, ist unhaltbar. Als feststehend ist zu erachten, daß er felbft auf Steiner nicht geschoffen bat. Die Konstruktion, er habe eine vorfäßliche und mit Ueberlegung auszuführende und ausgeführte Tötung durch den Mitangeklagten Goldbach, der zur fraglichen Zeit ebenfalls noch nicht 19 Jahre alt gewesen ist und sich gleich Hans Jance unter Alkoholeinfluß be funden hat, als eigene Tat gewollt, ift, mag man sie juristisch oder rein menschlich betrachten und prüfen, ohne weiteres zu verwerfen.... Mit Recht hat sich daher bald nach dem Spruch des Schwur. Gerichts der damalige Reichstagsabgeordnete und frühere Reichs. juftizminister Professor Dr. Radbruch im Sinne eines Gnadengefuchs an den preußischen Justizminister gewandt. Nach meiner Ueber zeugung darf sich der Gnadenerweis indeffen nicht darauf beschränken, die Todesstrafe in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe umzuwandeln. Er muß vielmehr, wie das in der Eingabe vom 28. Mai d. 3. hervor. gehoben worden ist, bei der Lage diefes Falls ein durchgreifender sein! Justizrat Bittor FraentL Keine Erhöhung der Ausreisegebühren. Aber neue schärfere Kontrolle. Zu den in den letzten Tagen verschiedentlich veröffentlichten Mitteilungen über eine angebliche Erhöhung der Ausreisegebühren wird der Telegraphen- Union von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß in letzter Beit zwei Besprechungen stattgefunden haben. In diesen habe aber eine Erhöhung der Gebühr überhaupt nicht zur Debatte geftanden. Es sei nur über eine schärfere Ron trolle der Ausreife beraten worden. Nach Pfingsten findet eine Rabinettsfigung statt, in der über die ganze Angelegenheit Beschluß gefaßt werden sou. GL Arbeiter- Sport & Arbeiter- Turn- und Sportkongreß. fönnte. Die Hebung der Volksgesundheit wird unter den gegen 1 In der Stadthalle zu Rassel ist am Sonnabend abend der 14. Bundestag des Arbeiter Turn- und Sport. bundes zusammengetreten, der von einer Reihe von Vertretern befreundeter Berbände begrüßt murde, darunter auch von den Delegierten der deutschen und tschechischen Arbeiter- Turner und-Sportler in der Tschechoslowakei. Am Pfingstsonntag um 8 Uhr früh begannen unter dem Vorsitz des Genossen Jeuthe Dessau die eigentlichen Verhandlungen. Bundesvorsitzender Genosse Geffert fonnte über einen sehr erfreulichen Fortschritt der Organisation seit dem Münchener Bundestag von 1921, insbesondere seit dem Ende der Inflationszeit, berichten. Die Zahl der Bundesvereine ist auf 6399, b. h. um 52,4 Proz. gestiegen, die Mitgliederzahl auf 650 166, das ist eine Zunahme von 45,4 Proz. Bezeichnenderweise 650-166, nimmt das Kapitel der Konflikte mit den Behörden wieder einen größeren Platz im Vorstandsbericht ein. In fieben Fällen wurden Prozesse mit der deutschen Turnerschaft, die aus Uebertritten von Bereinen zum Arbeiter- Turn- und Sportbund entstanden waren, zuungunsten des Arbeiterburnerbundes entschieden, weil nach dem Grundgesetz der deutschen Turnerschaft zur Auflösung des Mitglieds verhältnisses Einstimmigkeit erforderlich sei. Anfang Juli wird diese Frage das Reichsgericht beschäftigen. Der erste Berhandlungstag wurde faft ganz ausgefüllt von einer großen Auseinanderfegung mit der tommu nistischen Minderheit, ble ben Arbeiter- Turn- und Sport bund zum Austritt aus der in Luzern gegründeten sozialistischen Internationale dieser Bewegung veranlassen und ihn der kommu nistischen Moskauer Roten Sportinternationale zuführen will. Schließ lich wurde ein Antrag der Minderheit in diesem Sinne in nament licher Abstimmung mit 139 gegen 47 Stimmen abgelehnt. In der sehr lebhaften Distussion hatte Frik Bildung nach schärffter Rennzeichnung der kommunistischen Kampfesweise die fozialdemo fratischen Sportgenossen aufgerufen, endlich zu zielbewußter Gegen mehr überzugehen. Stürmischer Beifall bewies, daß Bildung der großen Mehrheit des Bundestages aus dem Herzen gefprochen hatte. Daran fonnte auch das Eingreifen des Vertreters der Roten Sport internationale, Nikolajev, nichts ändern, der in überheblicher Ruhmredigkeit der seit Jahrzehnten erfolgreich wirkenden Seutschen Arbeiter- Turn- und Sportbewegung vorgehalten hatte, daß der Sowjetterror in Rußland während seines fechsjährigen Bestandes mehr erreicht hätte als die deutsche Bewegung in 30 Jahren. Er erzielte mit diefer unwahrhaftigen und tattlosen Broßerei nur das Gegenteil seiner Absicht. Interessante Ausführungen machte Genosse Buhler Wien- Neustadt, insbesondere über die Notwendig felt Starterer Heranziehung und Ausbildung der proletarischen Kinder und Jugendlichen.( Ein weiterer Bericht folgt.) Obligatorischer Schwimmunterricht in Schulen. wärtigen ungünstigen Verhältnissen deren Ende noch gar nicht abzusehen ist nur gelingen, wenn alle Teile des Volkes zur Mitarbeit herangezogen werden. Ueberlaßt den Vereinen die Schwimmhallen ebenso Turnhallen und Sportplätze gratis und sorgt für weiteste Aufklärung der Eltern und Kinder über die Notwendigfeit planmäßiger Körperkultur, so werden sich bei verhältnismäßig geringer Geldaufwendung sehr bald die Erfolge zeigen. Weltolympia des Arbeitersports. Der gesamte Arbeitersport in allen Ländern beginnt jetzt zu der internationalen Olympia, die Ende Juli 1925 in Frankfurt wird das von Willibald Krain gezeichnete Werbeplatat in allen am Main abgehalten werden soll, zu rüsten. Am 1. Juli d. J. Ländern angeschlagen werden. Am gleichen Tage soll die erste Nummer der im Kupfertiefdruckverfahren hergestellten( im Vorwärts" gedruckt) Festschrift herauskommen; sie erscheint mit" Tegtbeilagen in vier Sprachen, die in den betreffenden Länder hergestellt werden. Eine in der Osternachwoche stattgefundene Internationale Ronferenz hat die letzten Beschlüsse für die Vorbereitung gefaßt. Dabei ist auch die Frage der Zulassung der sogenannten Roten gekommen, in kürzester Zeit in einer gemeinsamen Gigung ber beiden ( Moskauer) Sportinternationale erörtert worden. Man ist überein gekommen, in fürzester Zeit in einer gemeinsamen Sigung ber beiden Bureaus die Plattform für ein Zusammengehen zu finden. Das Frankfurter Stabion geht seiner Vollendung entgegen und verspricht eine vorbildliche Anlage zu werden. Es wird durch die erste Arbeiterolympiade der Welt eine feltene Weihe erhalten. An alle Sportkartelle Groß- Berlins. Der Geschäftsführende Ausschuß des Rartells hat beschlossen, am Genossenschaftsbag, b. Juli( Sonnabenb), mitzuwirken. Ale Turnabtellungen, Radfahrer, Schwimmer, Sänger, die in der Nähe der Lobale Karlshof. Plögensee; Schloß Gaalbau Friedrichshain; Blumengarten, Oberschöneweide; Schönhausen: Schwarz'Sommer- Theater, Lichtenberg; Neue Welt, Safenbelde; Schloßbraueret 1. Eurner: 1 Männer- Red- Riege, 1 Frauen- Pferd- oder Barren- Riege, 1 KinderFrei oder Reulentibung; 2. Rabfahrer: Runftreigen; 8. Gänger: Weldje Lieder?; 4. Schwimmer: Bafferballspiel, Reigen, ftellen tönnen. Ebenso erfuche i bie Mandolinisten um Angaben. Baul Wolff, Neukölln, Biethenftr. 80 II. Schöneberg; Barkrestaurant Südende tagen, werden ersucht, mitzuteilen, ob fie: Schachfämpfe in Bernau. Die Abteilungen Norden III und V des Berliner Arbeiterschadyflubs veranstalten am Sonntag, den 15. Juni, nachmittags 3 Uhr, im Gesellschaftshaus, KaiserStraße 79, einen Mannschaftswettkampf an zirka 20 Brettern. Es wird beabsichtigt, auch in Bernau einen Arbeiterschachverein ins Leben zu rufen. Freunde des Schachspieles find als Gäste willtommen. Auch alle dem Arbeitersportfartell angeschloffene Sportgenoffen werden hiermit eingeladen. Wafferballferienspiele am 18. Junt im Seebad Bichten. berg, Hauptstraße 6. RIaffe A: Union- Borwärts Ia, Schiebsrichter A. Dreyer, Charlottenburg- Borwärts Ib, Schiedsrichter R. Selchow, Neukölln- Neptun B., Schiedsrichter G. Schläffte. Klaffe B: Union- Müggelsee, Schiedsrichter E. Schröter, WelleBorwärts N., Schiedsrichter W. Bahle, Delphin- Tegel- Neukölln, Schiedsrichter W. Luftig. Jugend: Neptun 2- Borwärts N., Schiedsrichter G. Klein, Neukölln- Neptun W., Schiedsrichter W. Schulz. Die Spiele beginnen pünktlich 7 Uhr. Bälle und Rappen sind mitzubringen. Mannschaften, die nicht vechtzeitig antreten, verlieren die Spielberechtigung. Arbelter- Sport- und Kulturfartell Neukölln. Die Blatate und Eintrittstarten zum Raft" find von den fäumigen Bereinen um. gehend von mir abzuholen. Die Abrechnung der Eintrittstarten erfolgt am Freitag, ben 20. Junt, bei mir. as bis dahin nicht abgerechnet ist, gilt als verkauft. Zu der nächsten Sizung des Kartells ersuche dringendst, auf die Kartellvertreter einzuwirken, abgerechnet ist, gilt als verkauft. Zu der nächsten Sizung des ihre Pflicht zu erfüllen, da das Werbesportfest des Kartells in un mittelbare Nähe gerückt ist und die Mitarbeit jedes Sportlers un bedingt erforderlich ft. Paul Wolff, Ziethenstraße 80. Die Spartaffe der Stadt Berlin gewährleistet feit einiger Zeit für alle Ginlagen auf Sparbücher die ert beständigteit auf der Dollargrundlage. Diese Maßnahme ermöglicht den in der Uebergangszeit von der Papiermark zur Rentenmart eingerich feten Goldsparmartverkehr, für den Einzahlungen nicht mehr entgegengenommen werden, einzustellen, Die Spartaffe der Stadt Berlin wandelt Goldsparmarteinlagen fostenlos in Rentenmarifparguthaben 1/10 ist. um, wobei eine Goldsparmart=/ Dollar= 0,42 Rentenmart gerechnet wird. Bei der günstigen Berzinsung der Renfenmarteinlagen von 8 Proz. jährlich für täglich abrufbare und 15 Broz. jährlich für mit Kündigungsverpflichtung hereingegebene Rentenmartguthaben gegenüber 3 Proz. jährlich für Gold sparmarteinlagen empfiehlt es sich, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Noch ein schweres Automobilunglück. Bei Bad Harzburg ereignete fich am Abend des Pfingst. montags ein schweres Automobilunglüd, bei dem brei Personen getötet und drei schwer verlegt wurden. Der Besitzer des Autos ist der Großkaufmann Karl Doering aus Altona, Delferallee 8. Er hat einen Schädelbruch, lebt jedoch noch. Seine Frau ist tot. Ferner starb nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus der Bankbeamte Rudolf Tönnies aus Hamburg Altona. Ferner ift tot feine Hauswirtin, eine 60 Jahre alte Dame, deren Name noch nicht festgestellt ist. Die Wucht des Anpralls war so groß, daß die Leichen etwa 30 meter entfernt am Abhange auf gefunden wurden. Zwei Tage lebendig begraben. Es ist glücklich gelungen, den auf der Zeche hermanns gesegnete Schiffahrt ver schütteten Bergmann Richard Bars in der Nacht zum Sonnabend nach angestrengten Bemühungen zu retten. Bark war 36 Stunden fang begraben. Berhaffung eines berüchtigten Codspitzels in Petersburg. Wie Oft- Expreß meldet, ist der Lockspizel Petromsti verhaftet worden, der 37 Jahre lang im Dienste der zarischen politischen Polizei gestanden hat. Petrowski ist gegenwärtig 69 Jahre alt, war feiner zeit Mitglied in der revolutionären Organisation Land und Freiheit" und hat viele bedeutende russische Revolutionäre der Polizei verraten, barunter Sheljabow, Trigoni, Kolotkewitsch usw. Die Bernehmung Petromstis, der auch in Beziehungen zu Krapotfin und Plechanom gestanden hat, dürfte auch manches historisch interessante Material zutage fördern. Seit dem Siege der bolfchewiftischen Revolution ist Petrowski in einer Fabrit als Arbeiter tätig gewesen. Das gefundheitlich außerordentlich wertvolle Schwimmen war bisher noch nicht wie der Turnunterricht und Spiele als obligatorischer Unterrichtsgegenstand an den Schulen anerBannt. Nun mehr hat der preußte Minister für Wissenschaft, Kunst und Volts. bildung in einer Berfügung vom 3. Mai 1924 die Provinzialschulfollegien und Regierungen ermächtigt, den Schulfchwimmunter. richt in benjenigen Gemeinden und Anstalten, in denen er von Lehrern bezw. Lehrerinnen erteilt und innerhalb der planmäßigen Turnstunden oder des wöchentlichen Spielnachmittags durchgeführt wird, für die Schüler und Schülerinnen etwa voin 12. Lebensjahre ab für ebenso verbindlich zu erklären wie die Teilnahme am Turnunterricht. Diese Verfügung ist ein recht bescheidener Anfang, denn er schreibt das Obligatorium nicht vor, sondern gibt nur die Ermächtigung dazu, wo die örtlichen Verhältnisse dies ermöglichen". Grundfäßlich wird festgelegt, daß die Leitung des Schwimmunterrichts in den Händen der Lehrerschaft liegen soll. Da aber die Bahl der staatlich geprüften Schwimmlehrer noch geringer ist als die der Turnlehrer, so soll auch die Mitwirkung ber Schwimmbereine feitens der Schulbehörden in Betracht gezogen werden. Die Arbeiterschwimmer würden diese Zusammenarbeit mit der Schule zweifellos freudig begrüßen, Voraussetzung ist aber, daß das Schwimmen in die späten Nachmittagsstunden per legt wird. Statt dessen wird angeregt, den Schulschwimmunterricht während der planmäßigen Turnstunden und der wöchentlichen Spielnachmittage durchzuführen, um eine Vermehrung der Gesamtstunden zahl und eine Mehrbelaftung" der Lehrer zu vermeiden. Unter diesen Umständen werden wiederum nur wirtschaftlich selbständige Mitglieder bürgerlicher Vereine mitwirken tönnen. hindernis für die Durchführung der ministeriellen Verfügung liegt in der Geldfrage. Für Kulturzwede und die Hebung der Volks. gefundheit bleibt trotz der hohen Steuern und der Ersparnisse an Militärausgaben heute noch weniger übrig als vor dem Kriege. Die finanzielle Beihilfe Preußens soll sich daher darauf beschränken, bereits vorgebildete Lehrer und Lehrerinnen in furzfristigen Lehrgängen an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen in den neuzeitigen Betrieb des Schwimmunterrichts einzuführen und hier. zu eine Unterstützung zu gewähren. Zwecks Ausbau und Neueinrichtung von Schwimmanstalten besonders an offenen Gewäffern -fowie die unentgeltliche Ueberlaffung an Schulen sollen fich die Schulaufsichtsbehörden mit den Gemeinden in Verbindung setzen. Leistungsschwachen Gemeinden wird die Gewährung von Ergän zungszuschüffen in Aussicht gestellt. Das Haupts Der obligatorische Schwimmunterricht an den Schulen wird durch die obige Berfügung zweifellos gefördert werden. Da aber der Geldmangel eine auch nur annähernd genügende Anstellung von Schwimmlehrern nicht ermöglicht, sollte die Heranziehung der Bereine ganz besonders in Erwägung gezogen werden. Die Arbeiterschwimmbereine unterhalten bereits feit Jahren Schwimmabteilungen für Kinder und verfügen über gutdurchgebildete technische Lehrfräfte, die fich gern den Schulen zur Verfügung stellen, sofern der Unterricht in ihre Freizeit verlegt wird. Bu erwägen wäre auch, ob der Vereinsschwimmunterricht nicht als vollwertiger Ersatz des Schulfchwimmens anerkannt und durch die Schulen gefördert werden Schwimmverein ,, Borwärts" Berlin 1897, Gruppe Süben. Am Donnerstag, den 12. Juni, findet eine Gruppenversammlung ftatt, au der jedes Mitglied über 17 Jahre pünktlich zu erscheinen hat. Bersammlungsort fft Babeanstalt Ratiborstvaße. Anfang pünktlich 8% Uhr. Berliner Schwimm- Union 1913. Die nächfte Sigung file fämtliche MitBereinslokal von Torno, GD. 16, Michaeltirchstr. 28. Die nächste Jugendsigung ist am Sonntag, den 15. M., im Freibad Adlershof. Die Uebungsstunden finden jest jeden Dienstag und Freitag von 6-8 Uhr für sämtliche Abteilungen reserviert in der Flußbadeanstalt Am Mühlengraben, unweit Spittelmarkt( Friedrichsgracht), statt. Ferner bis auf weiteres im Freibad Ablershof, unweit Bahnhof Oberspree, feden Sonntag, glieder über 17 Jahre ist am Donnerstag, den 12. b. M., abends 8 Uhr, im Ruderverein Collegia", Charlottenburg. Sigung jeden Freitag 8% Uhr im Lokal von Thunad, Charlottenburg, Wielandfte. 4. Die Uebungsabende finden regelmäßig Dienstags und Donnerstags im Bootshaus( Spandau- Tiefwerder) fbatt. Dienstag, 17, Juni, Borstandssigung. Freitag, 20. Juni, außer ordentliche Generalversammlung. Erscheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich, Arbeiter- Sport und Kulturkartell, 14. Berwaltungsbezirk( Neukölln). Allen Vereinen, die am Montag die Kartellversammlung nicht besucht haben, zur Renntnis, daß Plakate und Billetts zum RAGE. beim Untenftehenden abgeholt werden müſſen. Die nächſte Kartellſißung findet am 7. Juli, abends 8 Uhr, in ber Klaufe statt. Bereine, die diese Sigung nicht besuchen, werden dem Gefchäftsführenden Ausschuß zur weiteren Beranlassung gemeldet. Baul Wolff, Riethenstr. 80 II. S. B. Sparta 1911. Leichtathlett, Fußball, Soden, Handball. Jeben Dienstag und Donnerstag Training im Lichtenberger Stadion. Gäste herzlich willkommen. Treffpunkt zum RAST. 1 Uhr am Haupteingang. Jeber Genoffe muß aur Stelle ſein.- Freitag, 13. Junt,& Uhr, im Lokal SimonDach- Str. 39, Bollverfommlung. 11. Suni, pünktlich 7½ Uhr abends, bei Bohne, Schloßftr. 45. Wichtige TagesFreie Schwimmer Charlottenburg, Rann- Abt. Sigung am Mittwoch, ben ordnung. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Gäfte herzlich willkommen. Touristenverein ,, Die Naturfreunde. Der Sprechcor trifft fich Mittwoch abend 8 Uhr in der Schule Gipsstraße zur Besprechung. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Donnerstag, 48 Uhr: 1. rhythmischer Uebungsabend unter Leitung von Frau Jutta Alamt in der Turnhalle Straßmannstr. 6. Hierzu von jeder Frauenabteilung 5, Männer- und Jugendabteilung 3 Mitglieder. Gäste keinen Butritt. Arbeiter- Sport- und Stulturkartell Lichtenberg. Für den am 22. Junt im Stadion Grunewald stattfindenden RAST. sind sofort die Eintrittskarten und Blakate beim Sportgenoffen Wegener, Frankfurter Allee 286, abzuholen. AbBereinsausweis zu versehen. Gleichzeitig werden die Vereine ersucht, die holer, welche Wegener nicht persönlich kennen, werden gebeten, sich mit einem Beiträge an Genossen Wagner, Sagenstr. 6, abzuliefern. Gigung der Techniker am Donnerstag, den 12. Juni; Gigung der Delegierten Mittwoch, ben 18. Juni; Sigung mit den Parteivertretern Montag, den 23. Juni, Die Bereine müssen unbedingt erscheinen, da wegen der Werbewoche und Ausstellung viel Arbeit zu erledigen ist. Die Sigungen finden alle bei Wegener statt. Wem wäre es noch nicht aufgefallen, daß trotz täglicher Reinigung mit Zahnpulver oder Zahnpasta die Zähne( namentlich Backenzähne) häufig doch schlecht und hohl werden? Ist das nicht der beste Beweis dafür, daß die Mundpflege mit Pulver oder Pasta eine durchaus ungenügende ist? Die Zähne tun uns nicht den Gefallen, nur an den Stellen zu faulen, wo wir bequem mit Zahnbürste, Pulver oder Pasta hingelangen können. Im Gegenteil, gerade an denjenigen Stellen, die schwer zugänglich sind, wie Rückseiten der Backenzähne, Zahnspalten und Zahnlücken geht die Fäulnis und Verderbnis vor sich. Will man seine Zähne von Fäulnis und Verderben frei, also gesund erhalten, so kann das nur auf eine Art erzielt werden, nämlich durch tägliches Reinigen und Spülen mit einem flüssigen, wirklich unschädlichen Antiseptikum- und das ist Odol. Odol dringt beim Spülen überall hin, in die verstecktesten Mundwinkel, in die Zahnspalten, an die Rückseiten der Backenzähne usw. Es gibt außer Odol zwar noch andere flüssige Zahnantiseptica, z. B. wurden früher Lösungen von Kali chloricum oder von übermangansaurem Kali empfohlen, es hat sich aber herausgestellt, daß diese Lösungen die Zähne angreifen und den Schmelz zerstören. Odol dagegen ist wirklich unschädlich und schützt die Zähne vor Erkrankung und Hohlwerden. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Wir raten deshalb eindringlichst und mit gutem Gewissen allen, die ihren Mund und ihre Zähne gesund erhalten wollen, sich an eine regelmäßige Mundpflege mit Odol zu gewöhnen. Achtung! Elternbeiratswahlen! Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung, Genofsinnen! Achtet auf die Ankündigung des Unterhaltungsabends der " Frauenwelt"! Achtung, Eltern! 4. Kreis Prenzlauer Berg. Alle Parteigenoffen fowie ,, Borwärts"-Leser, deren Kinder die Gemeindeschule Sonnenburger Straße besuchen, werden ersucht, ihre Adressen umgehend an Albert Lorenz, Gleimstraße 56, Hof 2 Tr., abzugeben. 6. Kreis Kreuzberg. 44. Abt. Donnerstag, den 12. Juni, abends 7 Uhr, öffentliche Elternversammlung der 68., 50., 106., 152. Gemeinde schulen in der Schulaula Briger Str. 17-18. Thema: Die Elternbeiratswahlen und deren Bedeutung für die Kinder". Referent Lehrer Schulz.-43. Abt. Freitag, den 13. Juni, abends 7% Uhr, öffentliche Elternversammlung der 83., 93., 144., 163., 176., 192. Gemeindeund der 11. Realschule in Rabes Festfälen, Fichteftr. 29. Thema: ,, Die Elternbeiratswahlen und deren Bedeutung für die Kinder". Referent Lehrer Richard Schröter. 45. Abt. Freitag, den 13. Juni, abends 7 Uhr, öffentliche Elternversammlung der 3. Hilfs., 102., 100., 145., 151., 219. und 232. Gemeindeschulen in der Schulaula Reichenberger, Ede Forster Straße. Thema: Die Elternbeiratswahlen und deren Bedeutung für die Kinder". Referent Lehrer Heinrich Mäcke. Barteigenoffen, deren Rinder in der 23./24. Gemeindeschule, Charlotten. burg, Hallerftr. 3/4, unterrichtet werden, müssen umgehend ihre Adressen beim Genossen Emil Bernsch. Hallerstr. 25, Quergebäude 3 Tr., abgeben. FEJLFFFFFFFFFFFF 5. Kreis Friebrichshain. Achtung, Bildungstommiffion! Donnerstag, den 12. Juni, pünktlich abends 6 Uhr, Friedrichshain, Brogrammbesprechung. 6. Kreis Kreuzberg. Die Ordner des Kreifes treffen sich Donnerstag, den 12. Juni, abends 6 Uhr, im Schultheiß. Hasenheide 22. 20. Kreis Reinickendorf. Arbeiterwohlfahrt: Donnerstag, den 12. Juni, 7% Uhr, im Sigungsfaal des Rathauses Reinickendorf- Oft, Sauptstraße, 2. Abend: Frl. Dr. Hellingerä: 9 Die neue Fürsorgepflichtverordnung ihre Bedeutung und Anwendung in der freien Wohlfahrtspflege". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, Brenzlauer Berg: Monatliche 8ufammentunft Donnerstag, den 12. Juni, abends pünktlich 7 Uhr, im Jugendheim Danziger Str. 23, 8immer 17. Tagesordnung: Sonnenwend. feier. Heute, Mittwoch, den 11. Juni: Mitgliederversammlungen und Zahlabende. 5. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus. Die Genossen nehmen am Donnerstag an der großen Bersammlung im Lehrervereinshaus teil. 6. Abt. 72 Uhr Bahlabende: Bezirke 486/487 bei Schistowski, Rastanienallee; Bezirke 491-495 bei Albrecht, Betevanenstr. 4; Bezirke 496-500. 12. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung bei Schmidt, Wiclefstr. 17. Neuwahl des Abteilungsvorstandes. 16. Abt. Die Mitgliederversammlung findet erst am 18. Juni bei Carus, Boltaftr. 37, statt. Die funktionäre werden gebeten, hierzu einzuladen. 21. Abt. Der Bahlabend fällt aus und findet am 18. Juni statt. 24. Abt. 7% Uhr Bersammlung der 8. Gruppe im Hermannsheim. Die Mitglieder sämtlicher Gruppen gehen morgen( Donnersbag) aur inter nationalen Rundgebung in der Brauerei Friedrichshain. 34. Abt. Der Zahlabend findet erst am 18. Juni statt. teiligung im Saalbau Friedrichshain. 35. Abt. Der Bahlabend wird verlegt auf ben 18. Juni. Donnerstag Be36. Abt. Der Rahlabenb fällt aus. Nächsten Mittwoch Abteilungsverfammlung. Näheres wird noch durch Handzettel bekanntgegeben. 89 Schaumpon mit dem schwarzen Kopf Das altbewährte Kopfwaschpulver 48. Abt. Bezirksführer, abends 7 Uhr Handzettel von Wolf, Gräfeftr. 26, abholen! 44. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus und findet am 25. Juni statt. 46. Abt. Die Abteilungsversammlung findet umständehalber am Mittwoch, den 25. Juni, statt. Am Donnerstag Beteiligung an der Rundgebung im Schultheiß- Ausschank Hasenheide 22. 52. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr bei Büttner, Raiserin- Augusta- Allee 83, Abteilungsversammlung. Bortrag über ,, Schulfragen". Sympathisierende als Gäste willkommen. Schöneberg. 77. Abt. Die Zahlabende am Mittwoch fallen aus und finden am 18. Juni in den bekannten Lokalen statt. 78. Abt. Der gemeinsame Bahlabend findet erst am 18. Juni statt. 79. Abt. Der heutige Sahlabend fällt aus, die Mitgliederversammlung findet am 18. Juni statt. 80. Abt. 7% Uhr im Gesangsaal des Helmholz- Gymnasiums, Rubens. straße, Generalversammlung. Wichtige Tagesordnung. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr Bezirksabende: 1.- 3. Bezirk bei Alabe, Handjernstr. 60-01; 4.- 6. Bezirk bei Schulz, Wiesbadener, Ede Baubacher Straße. Neuwahl ber Bezirksführer. Aussprache über Regierung, Reichstag und Parteitag". Internationale Kundgebung am Donnerstag, den 12. Juni, abends 7 Uhr, anläßlich des Parteitages der BSPD. in folgenden Lokalen: Lehrervereinshaus, am Alexanderplatz Germania- Säle, Chauffeestraße 110 Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain Schultheißausschank( Wintergarten), Hafenheide 22 Neben deutschen Reichstagsabgeordneten werden in allen Bersammlungen ausländische Sozialisten zur Berliner Arbeiterschaft sprechen. Arbeitergesangvereine wirken ebenfalls mit. 86. Abt. Mariendorf. Der Zahlabend findet erst nächsten Mittwoch in den bekannten Bezirkslokalen statt. 88. Abt. Lichtenrade. Die Mitgliederversammlung findet nicht heute, sondern erst am 18. Juni statt. Neukölln. 94. Abt. Der Zahlabend fällt aus. 97. Abt. 7 Uhr im Zeichenfaal der Thomas- Schule, Eingang Thomasstraße, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. Am 98. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt heute( Mittwoch) aus. Freitag, den 13. Juni, 8 Uhr, Funktionärsigung bei Teisch, Benda-, Ede Rnesebedstraße. 104. Abt. Niederschöneweide. 7 Uhr im Reichensaal der neuen Schule, Rudower Straße, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Domden über ,, Schule und Elternbeiratswahlen". 131. Abt. Der Rahlabend heute abend fällt aus. 133. Abt. Buchholz. Der Zahlabend findet erst Mittwoch, den 18. Juni, ftatt. 137. Abt. Reinickendorf- West. 7% Uhr 8ahlabend im Boltshaus Scharnweber. ftraße 114. Abt. 140a Wittenau. Der Bahlabend findet in acht Tagen ftatt. 141. Abt. Rofenthal. Der Bahlabend findet am Mittwoch, den 11. Juni, nicht statt, sondern wird um einige Tage verlegt. Näheres wird noch bekannt gegeben. Morgen, Donnerstag, den 12. Juni: 8. Abt. Die Genossen treffen sich Donnerstag 6½ Uhr Manstein, Ede BülowStraße, aur Rundgebung in der Hasenheide. 81. Abt. Friedenau. 7 Uhr öffentliche Elternversammlung in der Aula der Gemeindeschule Offenbacher Straße. Genoffe Pfarrer Bleier spricht über ,, Weltliche oder konfessionelle Schule". Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 12. Juni: 3. Kreis Webbing. 7 Uhr Funktionärkonferenz an bekannter Stelle. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 12. Juni, im Gaalbau Friedrichshain, Sigung der Funktionärinnen 1 Stunde vor Beginn der öffent lichen Bersammlung. 7. Kreis Charlottenburg. 5 Uhr Sigung der Funktionärinnen im Garten Efchenallee 8. Gebäck ist mitzubringen. Jede Abteilung muß vertreten sein. Material wird ausgegeben. 12. Rreis Steglit, Lichterfelde, Lankwig. Die Funktionärinnen und Abteilungsleiterinnen treffen fich um 8 Uhr bei Stowasser, Südende, Stephanftraße t, zu einer wichtigen Besprechung. Spätestens morgen, den 12. Juni cr., müssen die Wahlvorschläge beim Wahlvorstand eingereicht sein. Kennwort: Schulaufbau! 14. Kreis Reukölln. Die Funktionärinnen treffen fich ½ Stunde vor Beginn der internationalen Rundgebung in der Neuen Welt zu einer äußerst wichtigen Besprechung. 19. Kreis Pankow. Sämtliche Genoffinnen des Kreises werden zu einer wich tigen Besprechung zu Donnerstag, den 12., abends 7% Uhr, nach dem Jugendheim, Pantow, Breite Str. 34, gebeten. Jede Abteilung muß ver treten fein. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 91. Abt. Neukölln. Genosse August Ehrenberg. ist verstorben. Die Beerdi gung findet Mittwoch, den 11. Juni( heute), nachmittags 4 Uhr, auf dem Jeru falemer Kirchhof, Hermannstraße, ftctt. Sport. Rennen zu Karlshorst am Dienstag, den 10. Juni. 1. Rennen. 1. Mellarosa( Lüdar), 2. Simona( Ulbrich), 3. Ellen ( Bismark). Toto: 32:10. Plag: 12, 18, 12:10. Ferner liefen: Manuela, Florentiner, Nama, Douschka. 2. Rennen. 1. Sinnig( Lt. Standig), 2. Palestrina( Hr. König), 3. Mirakel( Haferkorn). Toto: 38: 10. Plaz: 15, 16: 10. Ferner lief: Elfchen, gef. 3. Rennen. 1. Erzelsior( Richter), 2. Puschkin( Cavello), 3. Coa ( Sandmann). Zoto: 49: 10. Plat: 20, 18, 48: 10. Ferner liefen: Dublene, Zwirn, Magister, Galant, Bivatar II, Habicht, Dorna Batra, Memento, Teifi. 4. Rennen. 1. Faun( v. Herder), 2. Mobil( Maj. Braune), 3. Hagel schlag( v. Falkenhausen). Toto: 30: 10. Plak: 13, 13, 17: 10. Ferner liefen: Ahasver, Quellnymphe, Steinberger, Cyganka, gef. 5. Rennen. 1. Narr( Schmidt- Pauli), 2. Noszalovag( Graf Hohenau), 8. Jlberstedt( Hr. Dodel). Toto: 50: 10. Platz: 17, 15, 18: 10. Ferner liefen: Barioli, Diterlied, Atta Troll, Larma, Fahneneid, Atiella, Der Sogenannte, Gabalind. 6. Rennen. 1. Feirefis( Kukulies), 2. Jielberg( Dertel), 3. Giltrud ( Bismark). Toto: 22: 10. Plag: 14, 13: 10. Ferner liefen: Ezel, Sternfels, Kurtchen. 7. Rennen. 1. Rosario( Reim), 2. Adophus( Bolt), 3. Torz( Thiel). Toto: 78: 10. Plak: 30, 32, 26: 10. Ferner liefen: Blautopaz, Wind, Cyganka, Malacara. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Etwas fühler, überwiegend betöltt mit leichten Regenfällen bei mägigen westlichen Winden. Für Deutschland: Ziemlich verbreitete, im Norden etwas stärkere, in Mitteldeutschland schwächere Regenfälle, im Süden größtenteils troden. B CAVALIN DAS STREUPULVER GEGEN ACHSEL FUSSCHWEISS Überall erhältlich! Cavalin an Sommertagen schafft unendliches Behagen. Der Streupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen, Für Sport und Wanderung. Herstellerin W. Spinder A.-G., Berlin C. 19 Schuhwaren titig figh Herren- Halbschuhe weiss Segeltuch, zum Schnüren mit roter Gummisohle... 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Schliestedt, Stuttgart. Der bevorstehende Parteitag wird sich sehr ernsthaft mit Der bevorstehende Parteitag wird sich sehr ernsthaft mit dem inneren Parteileben beschäftigen und zugleich unsere grundsätzliche und tattische Haltung zur RPD. flären müssen. Dabei wird man auch der Gewerkschaftsbewegung gedenken, denn die KPD. lebt agitatorisch nicht nur von ihrem Haß gegen die Sozialdemokratie, sondern in nicht geringerem Maße von der Beschimpfung und Berleumdung der Gewert fchaften. Die Beherrschung der letzteren würde der KPD. erst die notwendige breite Basis geben für die Experimente ihrer Auftraggeber. Allerdings würde der Zusammenbruch der deutschen Arbeiterbewegung in kurzer Zeit erreicht sein. Aus diesen Gründen wird es notwendig, daß auch der Parteitag nicht achtlos an den Gewerkschaften vorübergeht. Zwischen der Partei und den Gewerkschaften bestand seit bem Mannheimer Parteitag 1906 ein freund nachbar liches Verhältnis und bei Attionen, die beide Glieder ber Arbeiterbewegung betrafen, wurde eine Verständigung der leitenden Körperschaften gefordert. Der Parteitag 1907 in Effen bezeichnete die der Generalfommission angeschlossenen freien Gewerkschaften als allein zuständig für die Parteimitglieder. Dieses Verhältnis wurde durch mancherlei Personalunion, besonders in der parlamentarischen Vertretung der Bartei noch weiter befestigt, ohne daß die organisatorische Selbständigkeit beider Teile beeinträchtigt wurde. Die durch den Krieg hervorgerufene Spaltung der Partet brachte den Gewerkschaften naturgemäß Schwierige feiten, und der Gewerkschaftsfongreß in Nürnberg 1919 löfte deshalb das Verhältnis zur Sozialdemokratischen Partei und fierten Wirtschaft. Deshalb ist es notwendig, die politische Wahrnehmung der gewerkschaftlichen Interessen bei einer politischen Partei zu suchen. Der KẞD. fönnen die Gewerkschaften auch nicht das geringste Bertrauen entgegenbringen; zu groß sind ihre beabsichtigten und gelungenen Schädigungen der Gewerkschaften. Als einzige Partei bleibt die Sozialdemo fratie, in der die Gewerkschaften ihre politische Vertretung finden können. So liegt nichts näher, daß der Parteitag seine Bereitwilligkeit ausspricht, das frühere Berhältnis wiederherzustellen, woran schon bisher nicht zu zweifeln gewesen ist. Zum Teil haben die Gewerk schaften bereits die Folgerungen aus der Entwicklung gezogen. Eine Anzahl hat bei den letzten Wahlen zum Reichstag entschlossen zur Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten aufgefordert unter Ablehnung aller anderen Parteien, einschließlich der Kommunistischen. Die Klärung ist erfolgt, für die Gewerkschaften besteht heute feine Wahl mehr, und der Parteitag wird hoffentlich Gelegenheit nehmen, seine brüderliche Unterstügung der Gewerkschaften zu manifeftieren. Auch der soeben Bu Ende gegangene internationale Gemert fchaftstongreß in Wien hat sich für die sozialdemofratischen Parteien ausgesprochen, selbstverständlich unter Betonung seiner Selbständigkeit. Der Parteitag der VSPD. muß ein öffentliches Bekenntnis für die freien Gewerkschaftsorganisationen aussprechen, denn wohl nirgendwo ist die Notwendigkeit stärker wie in Deutschland für die neue Erfüllung des Bömelburgschen Wortes: Partei und Gewerkschaften find eins! Mittwoch, 11. Juni 1924 Ziel und Richtung zu geben in den uns bevorstehenden schweren Kämpfen. Die in Nürnberg erfolgte Einigung der beiden Sozialdemokratischen Parteien war der Anfang eines Gesundungsprozesses der gesamten deutschen Arbeiterbewegung. Wenn bisher nicht alle auf die Vereinigung gefetten Hoffnungen erfüllt wurden, so liegt das nicht zuletzt in dem der auf der Arbeiterschaft schwer lastende wirtdaran, daß die Einigung in einem Augenblick vollzogen wurde, schaftliche Druck das ganze Fühlen und Denken der Arbeiter ungünstig beeinfußte. Wenn erst der außenpolitische Drud, der auf Deutschland lastet, beseitigt ist und wir konsolidierte Berhältnisse haben, wird auch das Proletariat mit ge= steigertem Intereffe am politischen Leben teilnehmen. erflärte die Neutralität der Gewerkschaften in dem Der Parteitag und die Berliner. kunft die deutsche Republik entgegengehen soll, hängt zum Kampf zwischen den bestehenden drei Parteien: SPD., USPD. und KPD. Das war notwendig, solange mehrere Parteien bestanden, die sich in ihrer Haltung zu den Gewerkschaften nicht grundfäßlich unterschieden und die Selbständigkeit der Gewerkschaften nicht bestritten wurde. Inzwischen sind grundlegende Wandlungen eingetreten. SPD. und USPD. sind vereinigt, während die KPD. sich immer weiter entfernt hat. Seit der Spaltung der USPD. in Halle durch die KPD. mit Hilfe der 21 Moskauer Bedingungen ist der Kampf der Kommunisten gegen die Gewerkschaften bauernd gesteigert, und ein lebermaß von Kraft mußte von den Gewerkschaften in den dauernden Kämpfen um ihre Selbftändigkeit gegen die KPD. vergeudet werden. In jahrelangen bitteren Erfahrungen ist die Gewerkschaftsfeindlichkeit der RBD. erwiesen, und wenn die Gewerkschaften heute erheblich geschwächt sind, so liegt die Ursache nicht allein in dem Berlauf der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Deutsch lands. An der eingetretenen Schwächung durch die innere 3er fetzung, dem größten Uebel, trägt die KPD. die alleinige Schuld. Eine Berständigung der Gemert schaften mit der KPD. ist zur Unmöglichkeit geworden, weil sie die Selbständigkeit der Gewerkschaften verneint. Die Gewerkschaften sind teine politischen Parteien und fönnen es ihrem Wesen nach auch gar nicht sein. Sie sind die Klassenorganisationen des Proletariats, denn die Mitgliedschaft in denselben ist nur an die Zugehörigkeit zur Klaffe, nicht aber an ein politisches Glaubensbekenntnis gebunden. Dennoch müssen sich auch die Gewerkschaften um Politik befümmern, und nicht nur die Sozial- und Wirtschaftspolitik beeinflußt die Wirksamkeit der Gewerkschaften. Der Sozialist fieht in ihnen auch noch die zukünftigen Träger einer organis Von Franz Künstler. Der Beschluß der Zentralförperschaften unserer Partei, den ersten ordentlichen Parteitag der geeinten Sozialdemofratie in Berlin stattfinden zu laffen, ist von den Berliner Parteigenossen lebhaft begrüßt worden. Hier in der Reichshauptstadt, der politischen Metropole Deutschlands, hat die Sozialdemokratie feit der Vereinigung von Lassalleanern und Eisenachern im Jahre 1875 nur einmal einen Parteitag abgehalten. Am 14. November 1892 eröffnete Paul Singer in den Konkordia- Festsälen den 3. Parteitag der Sozialdemokratischen Partei nach dem Fall des Sozialistengesetzes. Vor der Bereinigung der beiden sozialdemokratischen Gruppen, im November 1867, hielt der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein in Berlin eine ordentliche Generalversammlung ab, auf welcher J. B. v. Schweizer, der Nachfolger Laffalles im Präfi dium des Arbeitervereins, neben Brade und Fritsche über die Fragen: Preußen und die deutsche Frage", sowie das Allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht" referierten. Diese Generalversammlung des Arbeitervereins fann als der erste sozialdemokratische Arbeiterfongreß, der in Berlin tagte, bezeichnet werden. " " Nach dem unglücklichen Kriege, der zur Spaltung der Sozialdemokratie führte, hielt im März 1919 die Unabhängige Sozialdemokratische Partei im Sizungsfaal des ehemaligen Herrenhauses einen Barteitag ab. Die Zeit der Spaltung ist vorbei. Heute begrüßen die Berliner Sozialdemokraten den Parteitag der Vereinig ten Sozialdemokratischen Partei. Wir Berliner haben nur den Wunsch, daß es dem Parteitag in Berlin gelingen möge, der Sozialdemokratie wie auch der gesamten Arbeiterschaft schlüsse viel dazu beitragen, die Werbekraft der Sozialdemo Der Parteitag fann durch seine Verhandlungen und Befratie zu erhöhen. Klar und eindeutig muß der Parteitag daher zu den in letzter Zeit vielumstrittenen Fragen Stellung nehmen. Nur dadurch wird die Partei ihre in letzter Zeit verlorengegangenen Positionen zurückerobern. In einer Zeit, wo das gesamte Bürgertum alle Kräfte und Machtmittel gegen die Arbeiterschaft und Republit mobilisiert, gibt es für die Sozialdemokratie nur eins, diesem Ansturm die ge= schlossene Front der Hand- und Kopfarbeiter entgegenzustellen. Ein solcher vom Parteitag ausgehender Kampfruf der Sozialdemokratie würde in den Herzen und Köpfen der deutschen Arbeiter lebhaften Widerhall finden und das die Arbeiterintereffen schädigende Treiben der Kommunisten bald unmöglich machen. Mit größter Aufmerksamkeit werden die Parteigenossen die Debatten auf dem Parteitag verfolgen. Die dem Sozialismus und der Sozialdemokratie ergebenen Berliner Arbeiter erwarten vom Parteitag, daß er der gesamten Partei und Arbeiterbewegung neue Energien vermittelt. Belcher Entwicklung unsere Partei, welcher Zuguten Teil vom Ausgang des Berliner Parteitages ab. Wie im ganzen Reich, so bewegt sich auch in Berlin unsere Partei wieder in aufsteigender Linie. Der Kommunistensput verfliegt immer mehr. Das arbeiterschädigende und beleidigende Auftreten der fommunistischen Reichstagsfraktion hat selbst unter den Berliner Arbeitern helle Empörung ausgelöst, die bisher mit den Kommunisten sympathifierten. Seit der Reichstagswahl hat sich die Situation für die Sozialdemokratie in Berlin bedeutend gebessert, was zunächst in einem stärkeren Anwachsen der Mitgliedschaft zum Ausdruck fommt. Ein Wahlkampf, heute ausgetragen, würde für uns in Berlin ein günstigeres Refultat zeitigen, als das vom 4. Mai. Auch die Berliner Gewertschaften gefunden. Der Einfluß der Kommunisten in den Gewerkschaften ist dauernd im Schwinden begriffen. Bei den Buchdruckern, Gemeinde- und Staatsarbeitern und, was besonders hervorzuheben ist, bei den Metallarbeitern, haben die vor einigen Wochen stattgefundenen Delegiertenwahlen zu den örtlichen Generalversammlungen ein starkes Anwachsen der Amsterdamer Richtung gebracht. Gerade die Generalversammlung der Metallarbeiter war durch die starke fommunistische Frattion faft zur Arbeitsunfähigkeit verurteilt. Nach der Neuwahl der Delegierten ist die Ortsverwaltung gegen 67 tommunistische Stimmen von 450 Delegierten ge= wählt worden. In der Zusammensetzung der Generalversammlungen der Gewerkschaften kommt deutlich zum Ausdruck, daß in den Betrieben der Einfluß der Kommunisten zurückgeht. Die aufgeklärten Arbeiter wenden sich von den Parolenfabrikanten ab, das ist das Wesentlichste und Erfreulichste, was allüberall zu beobachten ist. Die wüste Hehe der Kommunisten gegen die Führer der Sozialdemokratie und Gewerkschaften, sowie das andauernde Geschrei vom Verrat bat H.ABEKING 24 Hergt Stresemann Marx / Reichs. Reichs- Ministerium „ Ein letztes Wort! Drei kleine Portefeuillchen, und es wird alles gemacht!" man das Unvermeidliche untätig an sich herankommen läßt und erst nach einer Periode der Depression und nach großem Produktionsausfall verkaufen muß. Das heute herrschende statische Prinzip des Abwartens und Hinausschiebens der Verluste ist durch das dynamische Prinzip zu ersetzen, das allein den Arbeitsmarkt vor schweren Rückschlägen bewahren kann. dazu geführt, daß die Anhänger der Kommunisten sich von Die Gutachter haben mit dem Vorschlag der Einführung eines den Organisationen abwendeten und in das indifferente Lager Tabathandelsmonopols gleichzeitig hervorragende Kritik an den zurückgingen. In Berlin können wir feststellen, daß die von jetzigen Zuständen in der Tabatindustrie geübt und objektiv die den Kommunisten bisher gegen die Sozialdemokratie ange- Fehler aufgezeigt, die dem kapitalistischen Wirtschaftssystem anhaften. wendeten Kampfmethoden sich in erhöhtem Maße gegen die Eine besondere Bedeutung erhält die Kritik dadurch, daß hier einKommunisten auszuwirken beginnen. Die Berliner Sozial- mal Sachverständige, die nicht in dem Geruch stehen, verkappte demokraten, die einen besonders steinigen Boden zu bearbeiten Marristen" zu sein, mit unwiderlegbaren Argumenten die Uebelhaben das liegt nun einmal im Wesen und Charakter dieser fiände und Schäden des Kapitalismus gekennzeichnet und einen Biermillionenstadt-, find voll Zuversicht für die Entwicklung Weg zur Heilung dieser Schäden gezeigt haben, nämlich den der ge- fehlich möglich ist, stärker zu berücksichtigen. Durch die Festsetzung unserer Partei. Ihre Aufwärts- und Vorwärtsbewegung kann beschleunigt werden, wenn der Reichsparteitag an alle Prole- Frankiert mit den Wohlfahrtsbriefmarken tarier den Ruf zum Sammeln ergehen läßt. Das ist der heiße Wunsch der Berliner Sozialdemokratie. Möge der Parteitag die von Hunderttausenden Arbeitern auf ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen. Dann würde er die Proletarier nicht nur mit neuem Kampfesmut für die Ideen des Sozialismus und für die gefährdete Republik erfüllen, sondern auch mit froher Lebenszuversicht. Wirtschaft Kapitalistische Kritik am Kapitalismus. Von jeher war die Tabalsteuer ein beliebtes Steuerobjekt, und die meisten Finanzpolitiker ließen es angelegen sein, sich mit besonderer Sorgfalt und Liebe mit ihr zu befassen, wie sie am wirfsamsten ausgebaut werden könnte. Auch die Sachverständigen des Dawes- Gutachtens, die sich mit dem Problem der Zahlungsfähigkeit Deutschlands eingehend beschäftigt haben, haben über den Ausbau der Tabaksteuer Vorschläge gemacht, und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß das Deutsche Reich erheblich höhere Erträge aus der Tabatsteuer erzielen fann als es bisher erzielt hat. Bemerkenswert sind die Darlegungen insofern, als die Ausführungen der Sachverständigen eine ausgezeichnete Rri ttt der fapitalistischen Produktionsweise und der unrationellen Kapitalverschwendung in der Tabakindustrie darstellen. Es werden die Fehler aufgedeckt, die aus dem Anwachsen der unrentablen mit einander fonfurrierenden Kleinbetriebe sich ergeben haben. Ferner werden die schädigenden Wirkungen, die sich aus dem start aufgeblähten preistreibenden Zwischenhandel entwidelt haben, gezeigt. Um diesen Uebelständen abzuhelfen, und um dem Staat die zum Teil verschüttete Finanzquelle wieder nukbar zu machen, haben die Sachverständigen ein Tabathandelsmonopol vorgeschlagen, daß die Freiheit der Herstellung und des Vertaufs von Tabaffabrikaten durch die Privatindustrie start ein schränkt und dafür bestimmte staatliche Konzeffionen vorsieht. So soll für die Reuerrichtung einer Tabatfabrit oder Erweiterung einer bestehenden Fabrit die staatliche Genehmi gung erforderlich sein. Die Anzahl der bestehenden Labatfabriten ist zu verringern, und zwar werden die Fabriken ohne gewerblichen Charakter und die unrentablen Fabriken geschlossen. Diese beiden Punkte zeigen deutlich die Absicht, die mit diesen Bestimmungen verfolgt werden. Es soll die Konzentration der Produktion herbeigeführt werden. Es sollen nur solche Betriebe der Privatindustrie weiterleben dürfen, die technisch und wirtschaftlich gute Erträge gewährleisten. Die Besorgnis der Arbeiter in der Tabakindustrie, insonderheit die der in den Klein betrieben beschäftigten, daß fie infolge starter Betriebseinschränkungen um Brot und Lohn kommen würden, ist nicht begründet. Denn es handelt sich ja nicht darum, die Produktion zu vermindern, fondern im Gegenteil, durch Konzentration die Wirtschaftlichkeit der großen Werte zu steigern. Um die höchstmögliche Steigerung der Produktion zu erreichen, wird es notwendig sein, daß die Großbetriebe dementsprechend ihren Produktionsapparat erweitern oder mindestens voll ausnutzen und die aus den geschlossenen Kleinbetrieben verdrängten Arbeitskräfte an sich ziehen. Daß derartige Umstellungen ohne große Arbeitslosigkeit möglich find, hat die Praxis bereits erwiesen. Wo allerdings durch die Betriebszusammenfassung eine Umsiedlung an Arbeitern notwendig wird, die infolge des Wohnungsmangels nicht ohne weiteres durchführbar ist, wird sich vorübergehende Erwerbslosigkeit großer Arbeitergruppen nicht vermeiden lassen. Dabei ist jedoch zu bedenken, daß die gegenwärtige rein fapitalistische Produktionsweise mit ihrer starken Tendenz zur leberprodufiion nicht nur ohnehin Arbeitslosigkeit nach sich ziehen muß, sondern auch gerade im Tabatgewerbe bereits schwere, frisen. hafte Erscheinungen gezeitigt hat. Auf die Dauer bietet der monopolartige Betrieb sicherere und regelmäßigere Beschäftigung. Im übrigen müssen wir feststellen, daß bei der Ausführung des Projektes für die Arbeiterschaft das billig ist, was man den Unternehmern als recht zuerkennt. Wenn man, wie es in dem Plan ge schieht, den stillgelegten Betrieben Entschädigungen zu billigt, so muß diese Forderung ist von der Arbeiterschaft auf das bestimmteste zu erheben auch für die von der Umstellung Betroffenen ein Entschädigungsfonds bereitgestellt werden, der den in der Uebergangszeit erwerbslos werdenden Tabatarbeitern zugute tommt. 11 für die Deutsche Nothilfe"! meinwirtschaftlichen Produktionsweife. Daß die Interessenten gegen diefen Vorschlag protestieren, erhöht nur seinen Wert, anstatt ihn zu vermindern; es wäre das erstemal in der Geschichte des Ka pitalismus, daß dieser von sich aus eine gemeinwirtschaftliche Unternehmungsform propagiert, die seine Profite begrenzt und seine Gestehungskosten schärfster Kontrolle unterzieht. Keinen Anlaß zum Protest hätten unseres Erachtens die Kleinhändler. Ihre Gewinnmöglichkeit würde freilich auf 12 Broz. beschränkt sein. Allerdings sollen rührige Kleinhändler besondere Zuschläge erhalten. Auf der anderen Seite jedoch wären sie geschützt gegen die verHeerenden Folgen der Schleuderkonkurrenz, die jetzt im Handel mit Tabatfabrikaten blüht und viele ehrliche und nicht allzu fapitalftarte Geschäfte dem Ruin preisgibt. Eine Verminderung des Tabathandels erfolgt zurzeit ohnehin durch die Folgen der Ueberproduktion, sie wird auch beim Tabathandelsmonopol unvermeidlich sein. Nur würde die unter staatswirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgende Einschränkung auf berechtigte Interessen des Handels Rücksicht nehmen können, während in dem Kampf aller gegen alle, der das Kennzeichen der kapitalistischen Krise ist, oft wertvolle Kräfte in der Warenverteilung zugunsten von gefchickten Spekulanten ausgeschaltet werden. Die Ursache der Stillegungen. Zur Aufwertung der Sparguthaben. Preußen bemüht sich, die Ansprüche der Sparer, soweit das geder Reichsbant, wonach die Rentenmart gleich 1 Billion Papiermart gilt, und durch die dritte Steuernotverordnung, nach der das Reich den Zinsendienst für die Kriegsanleihen einstellt, ist, so wurde in einer fleinen Anfrage im Preußischen Landtag ausgeführt, der Masse der kleinen Sparer alles genommen, was sie sich in jahrzehntelanger Arbeit eripart hat. Die Anfrager führen weiter aus, daß die Sparkassen derjenigen Städte, die Sachwerte in Waldbesitz hätten, mit Leichtigkeit den Verpflichtungen ihrer Sparern gegenüber nachkommen fönnten. Auf die Frage, was das Staatsministerium zu tum gedente, um die Reichsregierung zu veranlassen, die soziale Ungerechtigkeit zu beseitigen", erteilt der Preußische Minister des Innern nachstehende Antwort: eine 2 ufwertung der Guthaben bei öffentlichen oder unter „ Die dritte Steuernotverordnung sieht in den§§ 1, 3iff. 9, und 7 Staatsaufsicht stehenden Sparkassen vor. Die näheren Bestimmun gen über Bildung und Verteilung der Teilungsmasse sowohl als über einen etwa vom Schuldner zu der Teilungsmasse zu leistenden Beitrag sind den Landesregierungen überlassen. Bei Erlaz der in Vorbereitung befindlichen preußischen Ausführungsbestimmungen wird geprüft werden, ob undin welchem Umfange die rechtlich als Schuldner der Sparkassenguthaben zu betrachtenden Gewährleistungsverbände der öffentlichen Sparkassen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu Beiträgen werden herangezogen werden können." auf die Feststellung, daß der von ihr für landwirtschaftliche MelioDie Rentenbank legt gegenüber anderweitigen Deutungen Wert rationen bereitgestellte Kredit nicht unmittelbar von der Bank an die Landwirtschaft vergeben wird. Private Bankgeschäfte darf die Rentenbank nach ihren Eazungen nicht vornehmen. Der Meliorationsfredit wird vielmehr dem Reiche gegeben, das nun finerfeits für die Verwendung und Weiterleitung sorgt. Bon manchen Seiten wird die Produktionskrise, die im Anwachsen ist, auf die Kreditpolitit der Reichsbant zurüdgeführt. In treffender Weife tritt das Rheinische Bandesamtlich dahin beurteilt, daß für Brotfruchtgetreide bei Foridauer Der Saatenstand im Deutschen Reiche wird für Anfang Juni 1924 arbeitsamt in seinem letzten Wochenbericht dieser Auffassung entgegen. Es schreibt: günstiger Witterung mit einer Mittelernte zu rechnen ist. Für Hackfrüchte ist eine abschließente Begutachtung noch nicht möglich. Klee, Luzerne und Wiesen haben sich günstig entwickelt. Im letzten Maidrittel haben Hegelschläge strichweise großen Schaden angerichtet. Ueber den Umfang der wegen Auswinterungsschäden erfolgten Umpflügung liegen jetzt für alle Gebiete des Reiches Angaben vor. Hiernach betragen die umgepflügten Flächen im Reichsdurchschnitt vom Hundert des Anbaues bei Winterweizen 6,6, Winterroggen 11,9, Wintergerste 5,5, Klee 2,4, Luzerne 7,8. Die Frühjahrsbestellung der Felder kann größtenteils als beendet angesehen Der unmittelbare Drud des Kampfes im Bergbau auf den Arbeitsmarkt beginnt mit der Beilegung des Konfliktes zu schwinden. Im übrigen sieht die Lage aber recht kritisch aus. Es droht eine neue Krisis in der Metallindustrie. Die Betriebsein schränkungen und Kurzarbeit nahmen weiter zu oder wurden angekündigt. Sie pflegen die Vorläufer der Stillegungen zu sein. Der Rückschlag ergreift ziemlich gleichmäßig zahlreiche Industriezweige: Nahrungs- und Genußmittelindustrie, einzelne Teile der Textilindustrie- die Lage im M.- Gladbacher Bezirk ist sehr bedent lich, Kleineifenwaren und Solinger Industrie, und auch die schwere Eisen- und Stahlindustrie. Die Zahl der Erwerbslosen steigt an einzelnen Orten. Von einem Werk der chemischen Industrie wird die beabsichtigte Entlassung von 1000 Arbeitern gemeldet. Auf den die beabsichtigte Entlassung von 1000 Arbeitern gemeldet. Auf den Entlassungsscheinen ist häufig vermerkt:„ Entlassen infolge Geldmangels", ein neuer Entlassungsgrund. Fast immer wird als Grund für die Betriebseinschränkungen Geldmangel und Kreditnot angegeben. In Wirklichkeit dürfte es sich in sehr vielen Fällen richtiger um Absag stodung handeln, denn die Fälle, wo Aufträge, deren Abnahme und prompte Bezahlung sicher ist, nur wegen Kapitalmangels nicht ausgeführt werden können, sind nicht sehr zahlreich. Die Unternehmen sigen mit ihren Lägern fest. Wenn durch die stürmisch geforderte reichlichere Kreditgewährung das Weiterarbeiten auf Lager ermöglicht würde, so hätte der Arbeitsmarkt dadurch eine augenblickliche furfristige Erleichterung, die die späteren schweren Schäden nicht aufwiegt, die eintreten müssen, wenn die durch die Absatzstockung aufgeftauten und durch Kredit künstlich genährten und verteuerten Läger die Dämme durchbrechen und sich auf den Markt ergießen. Es ist völlig unflar, worauf man mit dem durchgreifen. den Abstoßen der Läger eigentlich wartet. Auf eine schmelle Hebung der Kaufkraft? Das wäre ein schwerer Rechenfehler. Waren, die heute wegen des Preises nicht abzusetzen sind, werden in einem halben Jahr noch schlechter abzusehen sein, wenn es so weiter geht wie bisher. Die Kauftraft kann sich nur allmählich heben. Sie hängt bei stabilem Geldwert eng mit der Menge der erzeugten und abgefekten Waren und das Tempo ihrer Wirtschaft zusammen. Die Betriebsmittelknappheit fann auch zu Steigerung mit der schnelleren oder langfameren Zirkulation in der einem nicht unbeträchtlichen Teil durch beschleunigten Güter umlauf behoben werden. Durch die Stagnation wird nicht nur Die Kauftraft geschwächt, sondern es werden auch große Summen untätig festgelegt und die beiden lebel nur vergrößert. Dadurch, daß man sich die Verkäufe aufzwingen und die Preise nur widerstrebend langsam abbröckeln läßt, werden die Berluste nicht vermieden oder verkleinert, sondern letzten Endes vergrößert. Das langsame Abbrödeln hält die Wirtschaft in der Abwarten. Die Krisis wird schleichend und gefährschleppenden Mutlosigkeit und veranlaßt die Käufer zum licher. Wird von den Preisen ein gutes Stück abgehackt, so erhält die Wirtschaft einen neuen Impuls, es gibt Luft, und die ZirkuKrisis die Führung nimmt, werden die Verluste kleiner sein, als wenn lation fommt wieder in Gang. Wenn man entschlossen auch in der Preisnotierungen für Nahrungsmittel. werden. Bergwerksgesellschaft Hibernia. In der am 3. Juni d. J. in Berlin abgehaltenen Aufsichtsratsfihung der Hibernia", die dem preußischen Staat gehört, wurde der vorgelegte Abschluß für 1923 festgestellt, der der Generalversammlung zur Genehmigung vorgeschlagen werden soll. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist der Abschluß nach Abzug des Vortrages von 1922 von 1263 122,74 Bapiermark und nach hinzurechnung der Anleihezinsen einen Gesamtverlust von ungefähr 2 300 000 Goldmart auf. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung foll zum 28. Juni d. J. nach Berlin einberufen werden. A Zusammenschluß in der Lausitzer Textilindustrie. Die Ber Webereien A.-G. einigten Jutespinnereien und und Baumwollwebereien G. Heinrich, Ostriz, nebst 3weig in Offrih haben, wie der Konfektionär" erfährt, die Jute-, Leinenfabriken fäuflich erworben. Aufhebung der Umsatzsteuerfreiheit für Einfuhrmehl. Wie wir erfahren, ist mit der Aufhebung der Umsatzsteuerfreiheit bei Getreideimport, wenigstons soweit mehl in Frage fommt, in nächster Zeit zu rechnen. Die Maßnahme ist die erste größere Ronzession an die Landwirtschaft auf dem Gebiet der Getreideeinfuhrbeschränkung. Baunin.ollfirma Pferdmenges Breyer u. Co., Liverpool, die Ver bindungen in Le Havre, Bremen, New Orleans, Savannah und überstehen, in Konkurs geraten. Die Firma wurde im Jahre 1873 Galveston unterhält, ist laut Rofektionär" mit 167 471 Pfund Sterling Passiven, denen nur 5065 Pfund Sterling Aktiven gegengegründet. Riefentonfurs im internationalen Baumwollhandel. Die alte Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Die Abteilungen, die bis heute noch feine Jugendgenossen angegeben haben, welche fich am Gammel. fonntag( 15. Juni) beteiligen, müssen dies umgehend nachholen. Ferner müssen von vielen Abteilungen noch die Juli- Programme abgeliefert werden. Wegen Eröffnung des Parteitages bleibt das Jugendfekretariat heute( Mitt. woch), den 11. d. M., nur bis 5 Uhr nachmittags geöffnet. Heute, Mittwoch, den 11. Juni, abends 7% Uhr: Falkenberg- Alt- Glienice: Am Falkenberg 17, Arbeitsgemeinschaft: ,, BioLichtenberg- Mitte: Jugendheim Dossestr. 22, Vortrag: Wie wandere Ren- Lichtenberg: Mittelschule Markiftr. 12, Bortrag: ,, Urgeschichte der Südost( Reichenberger Biertel): Schule Glogauer Str. 15, naturwiffen,, Erziehung zum Gemeinschaftsgeist". Togie". ich?" Erde". Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je fchaftlicher Bortrag. Wedding: Schule Ruheplay, Ede Antonstraße, Vortrag: Gerstengrütze, lose Gerstengraupen, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1. Hartgrieß Maisgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Andere Punkte regeln das Verhältnis zwischen Staat und Tabakindustrie und setzen fest, daß das zu bildende Tabatindustriellenton fortium fich verpflichtet, sämtliche Tabatfabrikate zu einem angemessenen Preise zu liefern. Der Staat selbst errichtet zur Preiskontrolle eine staatliche Tabaffabrit, um an Hand dieser Kontrolle den angemessenen Preis festzustellen. Die ausländischen Fabritate stehen unter den gleichen Bedingungen wie die heimischen Tabakwaren. Die Organisation des Berkaufs vollzieht sich derart, daß der Staat die Lagerhäuser der Großhändler für eigene 3wede verwendet, daß weiter der Kleinhandel fonzessionspflichtig ist und sich an die staatlich festgelegten Kleinhandelspreise zu halten hat. Auch in diesem Falle werden staatliche Kleinhandelsgeschäfte zweds lleberwachung der Kleinhandelspreise errichtet. Das Ziel aller Maßnahmen ist, die Produktion von Tabatfabrikaten vollständig unter sta a tliche Rontrolle zu stellen Weizengrieß und jegliche unnatürlichen Preissteigerungen zu verhüten, wie sie zum Teil durch die hohe wirtschaftlich ungerechtfertigte Kalkulation der Brivatindustrie bedicgt sind. Die Feststellung des angemessenen Preises foll nicht auf Grund theoretischer Erkenntnisse erfolgen, auch nicht auf Grund gefärbter Selbst. toftenberechnungen Interessenten, sondern der Staat schaltet sich selbst in die Produktion und die Verteilung ein, um durch die Braris die wirtschaftlich richtige Breisstellung zu ermitteln. In diesem Punkte unterscheidet sich der Vorschlag grundlegend von den Kontingentierungssteuern, die dem Produzenten die Abwälzung ihrer Steuerlaft und der Fabrikanten noch erleichterten. Die Sachverständigen glauben, aus dem Monopol nach der llebergangszeit im Jahre 1927/28 den hohen Ertrag von 60 Pro3. der Bruttoeinnahmen gleich 856 Millionen Goldmark garantieren zu können als Erfolg der Umgestaltung und Kontrolle der Tabakindustrie. Diese Summe übersteigt bei weitem die Erträge aus der heutigen Tabaffteuer. Bei diesen Berechnungen ist berücksichtigt, daß etwa ein Viertel der jezigen Fabrikanten entschädigt, ferner den übrigen 35 Proz. der Herstellungskosten und den Kleinhändlern 12 Broz. der Bruttoeinnahmen gezahlt werden. Der Haut- Bleichkrem ,, Kloro" o wie Klorofeife bleichen Gesicht und Hände in furzer Zeit rein weiß. Wirijam erprobte unschädliche Mittel gegen unschöne Hautfarbe, Sommersprojien, Leberflecke, gelbe Flecke. Mit genauer Anweisung in allen Chlorodont- Bertaufsstellen zu haben. Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Kartoffelmehl Linsen, große Makkaronimehl Makkaroni. Schnittnudeln, lose. Bruchreis Rangoon Reis Zentner frei Haus Berlin. 16,25 18,25 Malzkaffee. gepackt 15,00-15,75 Röstgetreide, lose 14,50-15,25 Kakao, fettarm 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt 20,00-22,00 15,75-17,: 0 90,00-100,00 105,00-120,00 11,00-12,50 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 16,75-18,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 21,50-25,25 Inlandszucker basis mel. 34,0-35,50 inlandszucker Raffinade 37,00- 39,09 13,00 14,50 Zucker Würfel....... 41,00-43,00 15,0021,00 Kunsthonig 28,00-32,00 15,25-17,75 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 10,75-13,75 Speisesirup dunk. in Eim. 26,50-30,59 20,50-24,00 Marmelade Eintr. Erdb. 95,00-110,00 27,00- 30,50 Marmelade Vierfrucht 35,00-42,50 21,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 38,00-42,00 31,00-37,50| Steinsalz, lose... 3,10-3,70 39,00-46,00 Siedesalz, lose 4.00- 4,70 18,75-21,00 Bratenschmalz in Tierces 63,50- 64,50 37,00-43,00 Bratenschmalz in Kübeln 64,50-65,50 34,00-36,00 Purelard in Tierces 61,59-62,50 17,00-20,50 Purelard in Kisten 62,00-63,75 14,25-16,00 Speisetalg in Packung 50,00- 52,00 16,25 18,00 Speisetalg in Kübeln 58,00 52,00-55,00 Tafelreis, glasiert, Patna 23,50-31,00 Margarine, Handelsm. Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr., Pflaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari .. 72,00-90,00 Landbutter 48,00-50,00 61,00-65,00 46,00-49.00 30,00-36,00 desgl. li. 82,00-86,00 Margarine, Spezialm. I.. 76,00 42,00-45,00 desgl. II. 50,00 55,00 Margarine III 68,00-72,00 Molkereibutter i. Fässern 166,00-170,00 70,00- 82,00 Molkereibutter in Pack. 172,00-176,00 .... 130,00-135,00 72,00-78,00 Auslandbutter in Fässern 168,00-172,00 145,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 174,00-178,00 Mandeln, bittere Bari 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett.. 62,00-72,00 115,00-120,00 Quadratkäse 95,00-105,00 Quarkkäse 125,00-130,00 Tilsiter Käse, vollfett 18,00-215,00 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 Röstkaffee Brasil 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam. 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Zimt( Cassia) • Kümmel, holländischer. Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 22,00-35,00 35,00-50,00 95,00-110,00 20,00 23,50 16,50-17,50 26,00- 26,50 Often( Petersburger und Frankfurter Biertel): Gemeinsame Veranstaltung im Jugendheim Schule Tilsiter Str. 4. Schulentlaffene find besonders eingeladen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Der Männerchor ,, Sarmonie" Charlottenburg veranstaltet am Freitag, den 13. Juni, abends 7½ Uhr, im Liegensee- Part ein öffentliches Freifonzert, wozu alle Freunde des Gesanges eingeladen find. Die Uebungsstunden des Chores finden sonst Freitags Don 7½ bis 9% Uhr in der Aula der Siemens Oberrealschule, Schloßstr. 27, statt. Deutscher Republikanischer Reichsbund, Ortsgruppe Berlin. Bezirk Often: Am Donnerstag, den 12. Juni, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung in den Residenz- Festfälen, Landsberger Str. 31. Gäste willkommen. RIQUET ammut- Kakao DER FETTREICHE Ladenpreiser 500 g Dose extra ( etwa 27% Fett) M 2.80 500 g Paket fein ( etwa 25% Fett) M 2.00 Einzig ist Riquef MammufKakao, einzig wie seit 1745 die Tee- Marke: RIQUET. Riquet Nur e OriginalPackungen, niemals loss. SCHUTZ- MARKE DE THOMPSON'S SEIFEN- PULVER SCHUTZ- MARKE Dr. Thompson's Seifenpulver frotz größter Waschkraff garantierf unschädlich! 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Danksagung Für die nielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäfcherung meines lieben Mannes und guten Baters Paul Krause fagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Rednern vom Verein vom Dreherbranche, unseren herzlichen Dant. Durch rechtskräftiges] Urteil des Schöffengerichts in Gerbstedt Dom 6. Juli 1922 ist der Lehrer Karl Schmalz in Helbra wegen öffentlicher Be leidigung des Oberpräsidenten Hörfing i.Magdeburg zu einer Gefängnisstrafe von 4 vier Wochen 1 verurteilt worden. Gerbstedt, den 6. Juni 1924. Das Amisgericht. Bleichsucht Blutarmut, Nervenschwäche in turzer Zeit behoben, Reichels Malzelsen pulver, das beste Rezept. 33fähr Erfolge. M. 1,50 ubl. 3 Dosen M. 4,25 In Drog., fonft bet Otto Reichel, Berlin 43, SO, Eisenbahnftr 4. Reste- Haus C. Pelz Rottbuser Str. 5 Anzugstoffe Kostumstoffe Mantelstoffe Kleiderstoffe Seidenstoffe Mäntel, Kostume Röcke 2% Rabatt! Ruhebetten 20M. Deutschen Metallarbeiterverband und der garnit. 170 M. 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