Abendausgabe Nr. 271 41. Jahrgang Ausgabe Nr. 136 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Mittwoch 11. Juni 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Bordets- Beclag Gmb. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Jernsprecher: Dönhof 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Vor der Präsidentenwahl. Der Sieg der Demokratie in Frankreich. Die Drehung der Weltkonstellation hat in dem Kampf| wußt angestrebt. Sie sieht den Sturz Millerands und um die Person Millerands eine weithin sichtbare Symbolisierung gefunden. Mit Millerand fällt in den Entente ländern die letzte amtliche Stüße jener Nachkriegspolitik, die die Fortsegung des Krieges mit anderen Mitteln war. Der Geist des Friedens und der Verständigung bricht sich Bahn. Eine entschiedene Aenderung der Tendenz der Außenpolitik hat sich vollzogen nicht im Sinne jener deutschen Nationalisten, die mur die Methode der Gewalt und nicht die Methode der Berständigung fennen, wohl aber im Geiste der modernen Demokratie, die eine Bürgschaft des Friedens nach außen und innen ist. Das französische Bolt hat in seiner Mehrheit sich unzweideutig für die Abkehr von den Methoden Poincarés aus gesprochen. Die Mehrheit der französischen Kammer und des französischen Senats hat mit den gegen Millerand gerichteten Beschlüssen den Willer des Volkes vollstreckt. Der Kampf gegen Millerand vollzog sich nicht auf der Grundlage der Macht und der Willfür, sondern auf der Grundlage des demokratischen Rechts auf einer anderen Bafis, als in Deutschland der Handel um den Regierungseintritt der Deutschnationalen sich vollzog. In Frankreich hat die Mehr Deutschnationalen sich vollzog. In Frankreich hat die Mehr heit des Volkes sich unzweideutig für die Aenderung des politischen Kurses ausgesprochen in Deutschland wolltent die Deutschnationalen das Steuer herumwerfen entgegen dem flaren Willen der Mehrheit des Volkes. In Frankreich bedeutet die Machtübernahme durch den Linksblock die Siche rung des Rechts, der Demokratie, der Verfassung, in Deutsch fand hätte der Rechtsblock unter deutschnationaler Führung eine Fälschung des Willens des Volfes, eine Beugung des Rechts bedeutet. Die Mehrheit der französischen Rammer hat mit großer politischer Geste das Recht durchgefeßt gegen den Bräsidenten der Republik. Sie hat gefiegt mit den Methoden der Demofratie, die für ihren außenpolitischen Kurs bestimmend sein sollen. Millerand hat bis zuletzt in der innerpolitischen Aus einanderseßung mit dem Linksblock sich der Methoden be. dient, mit denen er bisher das Verhältnis Frankreichs zu anderen Ländern bestimmt hat der Methoden der Willkür. der Rechtlosigkeit, die dem Geifte wahrer Demokratie ins Gefidyt schlagen. Diese Auseinandersehung zwischen Millerand und der Kammermehrheit hat daher nicht nur formale Be deutung und nicht nur Bedeutung für den Inhalt der französischen Politik, sondern grundsägliche Bedeutung für die Demokratie in Europa. -Formell ist der Sturz Millerands ein Schulbelspiel dafür, wie die demokratische Methode es gestattet. mit einem Mindest. maß innerer Reibung und in verhältnismäßig furzer Zeit die politische Führung und die ausübende Gewalt der Aenderung des Willens des Boltes nachfolgen zu lassen. Mit den Mitteln der Demokratie ist in Frankreich eine Umwälzung vollzogen werden, wie sie in Ländern mit weniger demokratischer Tradition und weniger demokratischer Disziplin auf diesem Wege undenkbar gewesen wäre. Man stelle sich einen der deutschen engstirnigen Gewaltpolitiker vom Schlage Ludendorffs als deutschen Reichspräfidenten vor. Würde ein parlamentarischer Linksblock in der Lage sein, ihn so hinwegzufegen, wie die französische Kammermehrheit Herrn Miller and hinweggefegt hat? Würde ein solcher Gewaltpolitiker in Deutschland nicht Widerstand leisten mit den Methoden der Kapp und Ehrhardt, der Hitler und Ludendorff? Ist das deutsche Volk bereits so diszipliniert in den Methoden der modernen Demokratie, daß ein solcher Konflikt in Deutschland nicht den Bürgerkrieg, die politische Umänderung nicht zugleich blutige Revolution bedeutet hätte? Ist diese demokratische Disziplinierung bei allen Organen des Staates so vorgeschritten, daß ein sich gegen den flaren Willen des Boltes stemmender Machtpolitiker nicht wagen dürfte, gegen das Recht der Demokratie an die Gewalt zu appellieren? Wir sind in Deutschland nahe an einer großen Gefahr vorübergegangen. Es wäre ein Verhängnis gewesen, wenn entgegen dem Willen der Mehrheit des Bolkes die Führung der deutschen Politik den Deutschnationalen in die Hände gespielt worden wäre. Dann hätte sich die Situation ergeben, daß in Frankreich der Geift der Demokratie triumphiert, wäh, rend in Deutschland dem Gedanken obrigkeitlicher Führung des Boltes nachgegeben wird, daß in Frankreichy prinzipiell die inneren Grundlagen für eine Verständigung der Nationen und für die Herbeiführung des Friedens geschaffen werden, während in Deutschland der Kurs abgelenkt wird vom Gedanken des auf Recht gegründeten Friedens der Völker zum Gedanken der reinen Machtpolitik und der Berewigung des Kampfes der Nationen. Zwei Prinzipien wären scharf ein ander gegenübergestellt worden, zwischen denen eine Verföhnung nicht möglich ist. Deutschland wäre zurüdverfekt worden in die verhängnisvolle Situation aus der Zeit des Krieges, in der das Brinzip des Obrigkeitsstaates schwerstes Hemmnis des Friedens war. B Die deutsche Rechte hat eine solche Divergenz zwischen der französischen und der deutschen Entwicklung bes den Sieg des demokratischen Gedankens in Frankreich mit schlecht verhohlenem Mißvergnügen. Grundsätzlich und gefühlsmäßig sieht sie in Miller and den Vertreter der macht politischen Gedankengänge, denen sie auf der anderen Seite selbst folgt, in der siegreichen Kammermehrheit aber die Vertörperung jener verhaßten Demokratie, der ihr Kampf in Deutschland gilt. Die Deutsche Zeitung", das Organ der Alldeutschen, des intranfingenten Flügels der Deutsch nationalen, applaudiert der Botschaft Millerands an die französische Kammer und den franzöfifchen Senat. Sie gibt die Botschaft wieder unter der Ueberschrift„ Die Willfür der Mehrheit". Das ist der Zornesschrei jener, die durch die Willtür der Minderheit das deutsche Volk in den Kurs der Gewaltpolitik hineinziehen wollten. Sie sehen, daß der Vorwände für ihre Politik in Europa immer weniger werden, und in ihrem Unmute zeigen sie unverhohlen die Bundesgenossenschaft mit dem Geifte der Poincaréschen und Millerandschen Gewaltpolitik. Eine Bundesgenossenschaft bis über das Grab hinaus! Die Machtübernahme durch die Rechte in Deutschland Vorzeichen bedeuten, die den Weg zum Frieden ebenso ver würde die Wiederkehr der alten Konstellation mit ungefehrten sperren würde wie die bisherige Konstellation. Heute morgen schreibt der" I a g", der Parteigänger der Deutschnationalen: ,, Aber wir geben uns feinen Illusionen über das praftische Ergebnis der fünftigen Berhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland hin, weil uns auf der einen Seite das Kartell der Linken feine absolute Garantie für die pöllige Beseitigung des Poincaristischen Machtgeistes in der französischen Politik gegen Deutschland bietet und auf der anderen Geite eine er füllungsbereite Reichsregierung steht, die bie nationalen Belange bisher nicht in der Weise vertreten hat, daß mir zu ihr jenes uneingeschränkte Vertrauen haben fönnten, dessen sie im vaterländischen Interesse für die erfolgreiche Führung der Auseinandersetzung mit Frankreich bedarf." Diese Leute scheinen sich verderblichen Illufionen über die Ursachen der Drehung der politischen Konstellation hinzugeben! Der Bille zur Berständigung ist im Wachsen nicht wegen des mangelnden Berständigungswillens der deutschen Rechten, sondern trog ihres mangelnden Verständigungswillens! Es ist nicht der Gedanke der von den Deutschnationalen vertretenen Machtpolitik in Deutschland, der zum Sturze Mille rands geführt hat, sondern der Geist der Demokratie, und die Abkehr vom Geiste der Demokratie und der Verständigung in Deutschland fönnte diese Entwidlung leicht wieder rüd läufig machen! Millerands Abschied. Paris, 11. Juni.( Eca.) Millerand dankte gestern den Mit gliedern des Kabinetts François Marsal, wie eine offizielle Note mitteilt, mit folgenden Worten:„ Meine lieber: Freurbel Darf ich der Selbstlosigkeit haben Sie sich um unseren Freund François Ihnen aus innerstem Herzen meinen Dant ausdrücken. Mit rühren Marsal geschart, um einem Präsidenten Ihre Freundschaft zu be zeugen, deffen Mitarbeiter Sie fast alle gewesen sind, und die Ber. fassung gegen eine Verlegung zu schüßen, bie für das Regime selber bedrohlich war. Wenn troß Ihrer Anstrengungen und den Bemühungen der klarbenkenden Republikaner das Barlament vor unseren Warnungen das Ohr verschlossen hat, so hat das Land diese doch vernommen." Paris, 11. Juni.( Eca.) Die Mitglieder des Kabinetts François Marjal trajen um 12 Uhr im Elysée zu einem Ministerrat unter Borfit Millerands zusammen. Millerand teilte den Teri feiner Rüdtrittsbotschaft mit; die Botschaft wird heute nach miltag 3 Uhr in beiden Häusern des französischen Parlaments verlesen werden. Ein Kartell der Linken. Paris, 11. Juni.( Eca.) Die Mitte, die gestern durch ihre ein mütige Abstimmung die Demiffion Millerands erzwungen hat, steht nunmehr vor der Aufgabe, einen gemeinsamen Kandidaten als Nachfolger Millerands aufzustellen. Die Nationalversammlung wird übermorgen in Versailles zusammentreten. Die französische Verfaffung bestimmt, daß die Neuwahl des Präsidenten im„ Ber laufe von drei Tagen" nach Abgang des Präsidenten zu erfolgen hat. 3n der Zwischenzeit fällt die Erefutivgewalt dem jeweiligen Ministerpräsidenten zu, in diesem Falle also François Marsal, der auch nach der Wahl des neuen Präsidenten die Aufgabe hat, diefen in sein Amt einzusetzen. Für die Nachfolgerschaft Millerands stehen nach wie vor Painlevé und Doumergue im Vordergrund. Bon den Blättern des Linken Blodes tritt nur der„ Quotidien" ausdrücklich für Bainlevé ein, während sich die übrigen Blätter zurückhaltend zeigen. Die„ Ere Nouvelle" schreibt:„ Die Namen Gafton Doumergue und Baul Painlevé werden in den Bordergrund geftellt. Es ist nicht unfere Sache, für den einen oder anderen Partei zu ergreifen. Domergue ist ein loyaler Republikaner, ein hervorragender Senatspräsident. Er genießt die Achtung aller unserer Freunde, die es mit großem Bedauern sehen würden, wenn er den Vorsiz des Senats aufgäbe. Es bestände dann die Möglich keit, daß er durch Poincaré ersetzt werden könnte." Im übrigen besteht die linte Bresse jedoch darauf, es sei umbefingt notwendig, daß das Rartell mit einem einheitlichen Kandidaten vor die Nationalversammlung träte. Es ist vor läufig noch nicht klar, welche Fraktionen und Barteigruppen an der Versammlung der Linden teilnehmen würden, bei der die Kandidatur für die Präsidentschaft aufgestellt wird. In einer Notiz, die gleichlautend von fast allen Blättern des Linten Blods gebracht wird, werden die Frattionen des Kartells eindringlich aufgefordert, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Im übrigen wird die Möglichkeit ins Auge gefaßt, daß die Nationalversammlung in Versailles bereits morgen, Donnerstag, zusammentritt. Befriedigung der Linkspreffe. Paris, 11. Juni.( EP.) Die Demission Millerands hat in der linksstehenden Bresse begreiflicherweise die größte Befriedi gung ausgelöst. Im allgemeinen bezeichnet man Painlevé als voraussichtlichen Nachfolger Millerands. Das„ Deuvre" schreibt: Wir haben nicht die Gewohnheit, die Besiegten mit Füßen zu treten. Aus der gestrigen Gigung fönnen wir aber die furze und inhaltreiche Lehre ziehen, daß Frankreich zum zweitenmal proffamiert hat, daß es unter feinen Umständen einen persönlichen Machthaber nicht verstanden, mit Eleganz zu demiffionieren. Er habe den Augenanerkennen würde. Im Beuple" wird erklärt, Miller and habe es blid verpaßt, wo er feinen Gegnern mit einer gewissen Ironie hätte zurufen können:„ Auf Wiedersehen, meine Herren!" Er habe sich hinter die These der Achtung vor der Verfassung gestellt, Vergleiche angestellt, Stimmen gezählt und jeden Morgen sich bestrebt, dis Lösung der Krife, die vorauszusehen war, noch um 24 Stunden zu verzögern. Er habe die Berabschiedung dem freiwilligen Rücktritt vorgezogen. Die Ere Nouvelle stellt frohlodend fest, Milleront fei niemals auf seine Rechnung gekommen. Er sei mindelweich geslagen worden. Seine Präsidentschaft endige in der Ber. achtung. Der Quotidien" schreibt, daß, wenn Millerand einige Tage früher demissioniert hätte, dies nur das Ende einer Bräsident schaft der Republik bedeutet haben würde. Nach den gestrigen Er eigniffen bedeute aber Millerands Demission auch das Ende Millerands als Politiker. In der„ Bictoire" schreibt Hervé, daß Frankreich seit gestern feine legale Regierung mehr befize. Gestern fei ein Staatsstreidy verübt worben. Es wäre überraschend, wenn es der Oppofition nicht gelingen follte, in den nächsten vier Jahren im Lande die nötige Agitation zu veranstalten, um dann wieder die Mehrheit zu ge winnen. Die neue Regierung möge sich aber in acht nehmen und das Land nicht in zu große Unordnung stürzen, denn in diesem Falle würde sie nicht durch die Stimmzettel, sondern durch Fußtritte aus dem Barlament hinausgeworfen werden. Der neue Kurs. England für deutsche Einheit und Republik. Condon, 11. Juni.( WEB.) Der diplomatijche Bericht erstatter des Daily Telegraph beglückwünscht die belgische Regie. gener in der belgischen Zone. Er ift der Ansicht, man könne sid rung zu der beabsichtigten Freilassung politischer Gefan darauf verlassen, daß die kommende franzöfifche Regierung ein gleiches Berfahren verfolgen werde. Die britische Regierung merbe Belgien für seine Haftung dankbar fein, die, wie man glaube, eine rasche Befferung in den Beziehungen zwischen den Alliierten und Deutschland zustande bringen werde. London, 11. Juni.( WTB.) Im heutigen Leitartikel des Daily Telegraph" beschäftigt sich das liberale Parlamentsmitglies Fisher mit der Deutschen Einheit. Er behandelt die französischen Bersuche, die Zersetzung des Deutschen Reiches herbeisuführen, denen er die Auffassung ber Engländer entgegensetzt, die im Sturz der Hohenzollern monarchie einen wirklicher und wesentlichen Fortschritt für die Sache des Weltfriedens erblickt. Für England sei dieser Sturz ein Ergebnis von fapitaler Bedeutung gewesen. Fisher betont, daß die beutsche Republi? schwach fei, weil sie die demütigenbe Laft des Berfailler Friebensvertrages zu tragen habe. Wenn die deutsche Republit verfuche, den Bertrag zu erfüllen, so feßt sie sich dem Widerftreben eines Teiles des deutschen Boltes, wenn fie dagegen in Ber zug gerät, der Rache der Alliterten aus. Fisher ist der Anficht, daß die deutsche Republit trobem eine beffere Garantie für die Republit Frankreichs bildet als eine deutsche Monarchie. Die Berwendung farbiger Truppen im Rheinlande und die Besetzung des Ruhrgebiets hätten zweifellos die monarchistischen Parteien gestärkt. Biele Franzosen glaubten, daß es zur Sicherheit Frankreichs bei trage, wenn die deutsche Republit immer mehr ins Chaos finde uns das Leben jeder deutschen Regierung in dauernder Gefahr schwebe. Die separatistische Bewegung im Rheinlande, in der Pfalz und Bayern erscheine dem Durchschnittsfranzosen als eine weit vernünftigere und wirksamere Methode, um das Mächtegleichgewicht her zustellen. Es sei die Klaffische französische Politik Richelieus, Mazarins, Colberts und Napoleons, Deutschland zu zerteilen, um es zu fontrollieren. Demgegenüber betont Fisher, daß sich die Entwick lung Deutschlands im Gegenteil zu einer größeren Zentralisierung hinbewege. Man könne nicht glauben, daß irgendein nennenswerter Erfolg befchieden sein könne, wenn Teile des Deutschen Reiches vos Baterland losgelöst würden. \ Grutte-5ehöer in Ungarn verhastet. Wien. N. Zuni.(TU.) Die.Neue Freie presse- melde«: Das Berliner Polizeipräsidium Halle zu Anfang Mai dieses Zahre» die wiener polizeidireklion um die Verhaftung des tSjährigen angeblichen Aoufmonn, Robert Grütte-Lehder au» Hannover-Linden wegen Raubmorde, ersucht. Der junge Mann, der sich auch Gras Anton Lenz und Gduard Falstafs-tSyorffy genannt hatte, ivar. wie das Sicherheitsburcou dann sesislellte, tatsächlich in Wien gewesen und hatte in einer Snopffabrit in hernal» im 17. wiener Be- zirk gearbcilet und zuletzt im hochjchulerheim in der Asylgasie ge- wohnt. Er war aber schon am 23. April 1924 aus seiner Arbeit und aus seiner Wohnung verschwunden. Run wird heute aus Raab (Ungarn) gemeldet, dah Grötte-Lehder dort festgenommen worden ist. Grütte-Lehder wird von der Staatsanwaltschaft wegen Raub- morde? verfolgt. Es handelt sich bei ihm um jenen völkischen Burschen, der mit Ausweisen vom Abgeordneten Wulle und von dem völkischen Generalsekretär K u b« versehen, angeblich die „Aölkische Freiheitspartei" in Pommern organisieren sollte. Er hat seinerzeit damit renommiert, daß er«inen gewissen Leutnant Müller ermordet und oerscharrt habe. Als er dann verhaftet wuide, gestand er die Tatsache ein. Eine im Tegeler Walde aus- fundene Leiche wurde jedoch nls diejenige eines Selbstmörders fest- gestellt, woraus Grütie-Lehder sein Geständnis widerrief und als eitel Renommage hinstellte. Er wurde daraufhin wieder aus der Unter- suchungshait entlassen.' Nun wurde aber Ansang Mai in einer Schonung des Tegeler Forstes durch Spaziergänger«in« Leiche gefunden, die bei näherer Untersuchung als diejenige des angeblichen Leutnants Müller fest- gestellt wurde, der in Wirklichkeit Heinz Dammers hieß und ebenfalls tu völkischen 51 reifen eine Rolle gespielt halte Als mau fetzt de:, angeblichen Kaufmann Robert Grütte-Lehder wieder suchte, war er selbstverständlich längst verschwunden. Auf Grund des Steckbriefes, den die Staatsanwaltschaft hinter ihm erlassen hatte, wurde er auch in Wien gesucht, wohin seine Spur führt«. Er hat sich aber auch in Wien nicht lange aufgehalten und war nach Horthy-Ungarn geflüchtet. Nachdem er dort jetzt in Haft genommen, hat der Berliner Oberstaatsanwalt sofort das Aus- lieferungsverlangen gestellt und das Verfahren ist bereit« eingeleitet. Da Grütte-Lehder wegen Raubmordes verfolgt w:rd, ist anzunehmen, daß der Auslieferung kein« Schwierigkeiten bereitet werden. entscheide« die Möglichkeit, auch über die volkischen Saboteur« zu Gericht zu sitzen. Bis dahim können die Leute um Henning und Ludendorfs ruhig ihre Protestschreiben erlaflen. An den tatsächlichen Verhältnisien werden sie dadurch nichts ändern. Wichtigmacher. Teutzchvöltische«rl» Berfaffungöftütze«. Die Fraktion der sogenannten„Nationalsozialistischen Freiheits» Partei" hat sich bemüßigt gesehen, cm den Reichstagspräsidenten eln Schreiben zu richten, in dem sie die Behauptung wiederholt, nach der Erledigung ihres Vertrauensantrages durch Uebergong zur Tagesordnung habe die Regierung kein Recht, im Amte zu bleiben! Sie stellt weiter die Behauptung auf, es fei mit der Berfassimg unvereinbar, daß eine Regierung mit einfacher Stimmenmehrheit ermächtigt werde, Bindungen gegenüber dem Aus- lande einzugehen, deren Durchführung eine Zweidrittelmehrheit erfordert. Eine solche Zweidrittelmehrheit sei zur Ermächtigung der Regierung schon am 6. Juni erforderlich gewesen. Da sie nicht vor- banden war, so legt die Freiheitspartei„feierlichst Verwah- runz ein" und warnt vo/ den praktischen Folgen und der eventuell sich ergebenden Lage vor dem In« und Auslande. Bin. düngen der Reichsregierung hinsichtlich des Sachverständigengut- achtens werde sie niemals anerkennen. Das ganze Schreiben, ha» die Unterschrift des Abgeordneten Henning tragt, ist eine geschwollen« Wichtigmacherei. E» ist selbstverständlich, daß die Regierimg Bindungen nur so weit ein- gehen kann, a!s sie dafür der Mehrheit des Reichstages sicher ist. Sollte sie an irgendeinem Punkte der Durchführung des Sachoer- ständigengu lachte»? einer Zweidrittelmehrheit bedürfen, so werden die Abgeordneten dann vor die Frage gestellt werden, ob sie dos Scheiteru der Abkommen verantworten wollen oder nicht. Mög- licherweise hätte dann das Volk in neuen Wahlen oder mittels Volts- Deutscher Lehrertag. Allgemeine Anerkennung sozialistischer Kulturarbeit. Breslau, 11. Juni.(Eigener Drahtberichl.) Auf dem Deut- fchen Lehrertag, der zurzeit in Breslau stattfindet, sprach gestern Prof. Aloys Fischer- München über Staatsrecht und Elternrecht auf dem Gebiete der Schule. Er wies nach, daß das Elternrecht«ine Rechtsschöpfung des Staate» sei, da es in der vorstaotlichen Stmnmesverfassung noch nicht«xistieit Hab«. Schulgründer sei vor allem in der neueren Zeit in«ntschei- dendem Maß» der Staat gewesen. Der Staat hatte dem Kinde vi* etwas genommen, ihm immer nur gegeben. Die Erziehung dürfe nicht im Dienst einer Weltanschauung stehen, sondern müsfe den heranwachsenden Menlchen fähig machen, sich selbst em« Weltanschauung anzungrui Der Staat solle sich in einer Zeil der VÄgestaltigkeit der Weltanschauungen nicht mit einer Weltanschauung identisi- zieren. Andererseits hätten die Lehrer alle Ursache, die Mit- arbeitder Eltern an der Schulerziehung von sich aus zu fördc.n. In diesem Sinne wurde auch ein« Entschließung ange- nommen, die den Mißbrauch des Elternrecht» für parteipolilische und konfessionell« SrnderziÄ« verurteilt, aber die weitergehende Heran- Ziehung der Elternschaft zur Schulerziehung empfiehlt. Eine lebhaste Debatte ergab ein Referat über den Stand der Lehrer- bildungssragen. wobei sich, entgegen einem thüringischen Redner, die große Mehrheit der Versammlung zu einer lebhaften Anerkennung der sozialistischen Lehrerbildung s- Politik in Sachsen und Thüringen bekannte. Auch die Tätigkeit des sozialistischen Unterrichtsministers Dr. Strecker in Hessen fand Anerkennung, während an der Politik Dr. Boelitz' nach den Worten eines Sprechers mehr die Reden als die Taten zu loben seien. Ein» Entschließung verlangt, daß am Grundschulgesetz nicht gerüttelt wird l»ib daß der Abbau der Reichskulturpolitik für die Volksschulen rück- gängig gemach; werde. Die Besoldungspolitik der bürger- lichen Reichsrsgierung wird als unsozial in einer besonderen Entschließung oerurteilt, die ganz im Sinne der bereits gestellten sozialdemokratischen Abänderungsforderungen liegt. Die Behanp- tungen über den Rückgang der Dolksschulleistungen seien als Ma- nöoer der Befürworler von Sonderoorjchulen zurückzuweisen. Kommunistische Gemeinüepolitik. Helfershelfer der Teutfchnationalen. Aus Chemnitz wird uns geschrieben: Getreu den Weisungen ihrer neuen Berliner Zentrale haben die Chemnitzer kommunistischen Stadtverordneten in der Sladtverord- netensitzung vom 5. Juni eine Kette von Schildbürger- streichen begangen. Der dümmste ist solgender: Durch den Tod des Genossen Kraus« war die Stelle des be- soldeten Stadlro's erledigt, dem das Arbeitsamt untersteht. Die Bürgerlichen fielen im Wahlausschuß mit dem Antrag, die Stelle nicht zu besetzep. hinunter. Die BSPD. schlug den Genosten S t r o b« l vor,«inen langjährigen und rüchtigen Gewerkschaftler, die Kommunisten aber einen gewissen H a u» d i n g, der erst in diese Sitzung wieder Proben seiner politischen Unfähigkeit und seiner Ruppigkeit gegeben hat:«. Bon den Bürgerlichen war im Ausschuß kein Borschlag erfolgt. Daß sie aber«lwas im Schilde führten, mußie ein Blinder werken!,... In der Sitzung schlugen sie. nachdem ihr Antrag abgelehnl. worden war, die Stelle öffentlich auszuschreiben, durch den de uts ch- nationalen Fraktionsvorsigenden den rechtsgerichteten Sladirechtsrat Dr. D i« t« r l e vor. der 28 Stimmen der Rechts- Parteien erhielt. Die 4 Demokralen gaben weiße Zettel ab. Die 1K SPD.» und 14 KPD.-Bertreler wählten ihren Kandidaten. Nun kam es zur Stichwahl zwischen dem deutschnatio- n a l e n und dem sozialdemokratischen Kandidaten. D i« Kommunisten wählten aberwals Hausding.. Dadurch waren ihre Zettel u n g ü 1 t i g i> und der deutschnatio- nole Dr. Dieterl« wurde mit 28 Srimmen gewählt, während der sozialdemokratische Strobel mit IS Stimmen unterlag. Vorher besaßen die Kommunisten die Dreistigkeit, zu behaupten, die SPD. hätte, weil die Bürgerlichen im Ausschuß keinen Kandidaten aufgestellt hätten, mit der Rechten«inen Kuhhandel abgc- schlössen! Hinlerher schimpften sie in hundsgemeiner Weise auf die Verräter von Sozialdemokraten und rieten ihnen, dem kowmu- nistischen Antrag auf Abberufung sämtlicher besoldeten Srodträ'e zuzustimmen. Dann würde der der SPD. nicht genehme Dr. Diererle auch mit abberufen! Sie vergaßen dabei zu sagen, daß dann Dr. Dielerle K Jahr« lang auf das volle und bis ans Lebensende auf das halb« Stadtraiegehalt Anspruch gehabt hätte, obwohl er nur eine 1-2 Stunde Stadtrat war. und daß die Kommunisten in einer Neu- wähl abermals«fnem bürgerlichen Kandidaten zum Siegs verholten hätten._ Die„Vinter�verfammlung von Crastroüa. Erlebnisse mit der Reichswehr in Thüringen. Als die Reichswehr in Thüringen einmarschierte, nahm sie eines Tages auch in Ernstroda bei Gotha Haussuchungen und Per- Haftungen vor. Dort sollte nämlich ein« proletarische Hun- dertschaft bestehen. Auf Grund«ine- angeblichen Milgliedervcr- zeichnisics wurden drei Arbeiter verhastet und von ihnen zwei je 23 Tage und einer 7 Wochen in Schutzhaft behalten. Außerdem wurde gegen diese drei und gegen 33 weitere Arbeiter ein Strasoer- fahren wegen Teilnahm« an einer verbotenen Hundertschaft ein- geleitet. 3ö Arbeitee erhielten gerichtliche Sirafbefehle über je 1 Monat Gefängnis. Also nicht weniger als 3 Jahre Gefängnis sollten wegen dieser Hundertschaft verbüßt werden! Die mit diesen Strasbefehlen Bedachten erhoben Einspruch, und die Berhandlung vor dem Schöffengericht Gotha sollte die Wahrheit an den Tag bringen. Sämtliche Angeklagten best ritten, daß in Ernstroda jemals eine proletarische Hundert- schoft bestanden hätte. Als der Zeug« der Reichswehr und der Staatsanwaltschaft, ein Gastwirt aus Ernstroda, oernommen werden sollte, stellte der Staatsanwalt den eigentümlichen Antrag, daß während der Vernehmung dieses Zeugen sämtliche Angeklagt« den Saal verlassen sollten, damit der Zeuge unbeeinflußt aus- sage. Das Gericht lehnte den Antrag ab. Bei seiner Vernehmung versagte der'Zeuge völlig, er konnte nicht das geringste bekunden, was die Angeklagten belastet«. Die von dem Verteidiger als Zeugen gestellten Gemeinde rätsmitglieder bestätigten sogar, daß in Ernsttoda niemals«ine proletarische Hundertschaft existiert hat. Auf Verlangen des Gemeindsraisvorfitzenden wurde das angeb- lich« Mitgliederverzeichnis im Termin vorgelegt. Der Zeuge sah sich dies Schriftstück an und— es stellt« sich nun heraus. daß durch einen„Schreibfehler" aus einer harmlosen„Mieter"- Versammlung«ine höchst verdächtige geheimnisvolle„W i n t e r"- Versammlung geworden war. Da« Gericht sprach sämtliche Angeklagt« frei und legte die Kosten des Verfahrens der Staatskasse aus. Damit ist das gegen die drei Arbeiter verübte U n- recht ober nicht gesühnt. Weder für die verbüßte Schutzhaft, noch für die Aufregungen des Prozesses gibt es eine Entschädigung. vom Parteitag. Vor Beginn des Parteitags trat heute im Landtags- gebäude der sozialdemokratische Parteiaus- i ch u ß zusammen. Hauptsächlichster Gegenstand seiner Be- ratungen war der. sächsische Parteikonflikt. Der Parteitag wird cheute abend- um 6 Uhr erössnet werden. Genosse Künstler wird ihn im Auftrage der Per- liner Organisation begrüßen, worauf Genosse Crispien im Namen des Parteivorstandes die eigentliche Eröffnungsrede halten wird. Ihr werden Begrüßungsansprachen der aus- ländischen Gäste folgen.__ Neye Siedlungen in Pommern. Die preußische Domänenver� waltung Hai, wie die„Swinemünder Zeitung" meldet, die 2 8 0V Morgen große Staatsdomäne G r o ß- E o r b s h a g« n, Kreis Franzburg in Pommern, her deutschen Gesellschaft für inner« Kolonisation in Berlin-Dohlem zu Siedlungszweckcn zur Verfügung gestellt. Neben einem Rübenbaurestgut werden besonders 3 0 u n d 60 Morgen große Siedler st«llen gebildet. Ein« Reihe von Flüchtlingen wird bereits im Juli diese, Jahres angesetzt. Aufwertung. Von Lena. Man wird berühmt als Mitarbeiter des„Vorwärts", auch wenn man's nur unter dem Strich ist, dos Hobe ich immer gewußt, aber gefreut hat«s mich doch, als ich neulich folgenden Brief bekam: „Liebe Lena! Wir kennen Ihr bewährtes Urteil und Ihren Scharfblick, denn wir lesen Ihre Artikel unter dem Strich im„Borwärts", und des- halb bitten wir um Ihren Rat in einer für uns und für ganz Deutschland wichtigen Angelegenheit. Wir erwarten Sie am... in.... um....(Folgen die Unterschriften.)"- Als ich zur bestimmten Stunde am bestimmten Tage den be- stftnmten Raum betrot, fand ich dort bereits eine Anzahl, ich muß jagen höchst eindrucksvoller und gewichtig ausschauender Persönlich- leiten versammelt. Einer von ihnen erhob sich, hielt eine kleine feierliche Begrüßungsansprache an mich, in der er betonte, daß er unentwegt deutschnational sei, und fuhr dann fort: „Sie wissen, daß wir Dentschnattonaien uns letzthin besonders mit der Frage der Aufwertung besaßt haben. Ganz unter uns ge- sogt, wir denken uns dadurch populär zu machen, denn wir fürchten, daß es mit unserer Herrlichkeit von der letzten Reichstagswahl sehr schnell vorbei sein wird, weil wir zwar große Redensarten machen, - mis aber darum drücken, eine Verantwortung zu tragen, wenn es gilt. Taten zu zeigen. Nun möchten wir in der Aufwertungsstag» etwas Neues, noch nie Dagewesenes bringen,— Gott, Hypotheken, Sparkassenguthaben, Reichsanleih«—, als ob es nichts anderes gäbe, das aufgewertet werden müßte, dos wertloser geworden ist als dos Papiergeld in der Jnslativnszeit und wichtiger als diese,?" „Wollen Sie mir derartige Dinge nennen, so will ich nach bestem Wissen und Gewissen versuchen. Ihnen Vorschläge für die Aufwer- tung zu machen," oersetzte ich bescheiden. Denn Bescheidenheit ist nun einmal mein« starte Seite. „Also," sagte der deutschnational« Sprecher,„können Sie Herrn Poincare aufwerten? Wenn er w:eder Einfluß bekäme in Frank- reich, dos käme uns sehr zustatten. Ihm verdankten wir doch wesent- lich unsere Stimmenzunahme bei der letzten Reichstagswahl." „O." erwiderte ich,„ihn aufzuwerten sind Sie bereits ganz auf dem richtigen Wege. Halten Sie nur weiter nationalistische Hetz- reden, stören Sie den Gang der Reichspolitik, agitieren Si« man- orchistisch und militaristisch, dann werden Sie Ihr Ziel schon et. reichen. Wieviel Prozent die Poincare-Aufwertung betragen wird, das dürste allein von Ihrer eigenen Totkraft abhängen." Neben dem deutschnationolen Redner auf der linken Seit« faß ein anderer, der ihm recht ähnlich sah, nur schien er«in wenig un. sicherer und ängstlich. „Ach, hören Sie," sagte er,„können Sie nicht helfen, die Zu- oerlässigkeit der Deutschen Volkspartei aufzuwerten? Sie ist so wackelig schon von der Zeit her, als wir noch Nationalliberale war-n und man uns„Fraktion Drehscheibe" nannte. So haben wir uns ja auch jetzt bei der Regierungsbildung von links nach rechts und wieder zurück gedreht." „Nichts leichter als Sie aufzuwerten," antwortete ich.„Mar- schieren Sie nur künftig, wie beim Militär, stramm„Augen links", ohne einmal nach der anderen Seite zu schielen, dann geht's." Jetzt mischte sich ein geistkicher Herr in das Gespräch., „Mich interessiert die Aufwertung der christlichen Näkhstenliebe," sagt« er.„Sie ist sehr in Verruf gekommen. Kein Mensch gibt mehr viel darauf." „Kein Wunder," sagt« ich.„Aber lernen Sie vom Sozialismus wieder neu, daß die Menschheit ein Ganzes ist, daß man nicht hosten und töten darf, daß jeder Geborene gleiches Recht hat an dos Leben." „Vielleicht könnte uns«in« Auswertung durch den Sozialismus nichts schaden," meinte er nachdenklich. „Nun noch«in Letztes," nahm der Deutschnoyonale wieder das Wort.„Wie wertet man den Ruhm Ludendorff», die Roman« der Evurts-Mahler und dos Anstandsgefühl der kommunistischen Par- lamentsvertreter auf?" „Nein, meine Herren," sagte ich,.Unmögliche» dürfen Sie nicht von mir verlangen. Wo keine Substanz vorhanden ist, da kann man auch nicht aufwerten. Da» ist bei den drei Letztgenannten der Fall. Geben Sie den nutz- losen Versuch auf!" Ich glaube, man wird allseitig einsehen, daß ich recht hatte, um so mehr, als selbst der deutschnatianaie Herr mir beistimmte. Benjamins Gigli in der Stoalsaper. Zuerst ist das Erstaunen größer ol» die Bewunderung über diesen Gast, der den Rudolfo in der Boheme singt. Ein kleines, dickes, flottes Männchen mit schwarzem Rock und Leichenbitter bewegt sich quecksilbrig zwischen lauter Riesen. Braun, Scheidl, auch die Jurjewskaja müssen sich bücken, um dem Gast Gigli ins Auge zu sehen. Dos unentwegt Geschäftige mit Hand und Fuß ergibt allerlei drollig« Nuancen der Selbstverspottung. Ein Poet? Eher ein Beamter. Dann aber, als er das eiskalte Händchen der Mimi faßt, wandelt sich Verwunderung in Bewunderung. Ein« metallische, helle, wundervoll ansprechende große Tenorstimm« schwebt in allen Nuancierungen aus meister- baftem Atem dahin, über das Orchester hinweg. Ohne Krampf liegt eine Arie da, auch wenn sie sitzend, vom Stuhl aus, gesungen wird. Der Caruso-Seuszer bleibt nicht aus, und in der stürmisch verlangten Wiederholung wird jede Schönheit des gesungenen Ausdrucks noch einmal unterstrichen. So hält sich der berühmte Mann, der kein italienischer Natursänger, sondern einer von Kultur ist, in völliger Kraft. Menschlich darstellerisch entwickeft er«in Bild des Rudolfo aus lauter kleinen Emzslzügen. Ob er große darstellerische Ausgaben so bewältigt, daß er mit Recht Carusos Nachfolger genannt werden kann, dos bleibt abzuwarten. Die Mimi der Frau Jurjewskaja be- stand in. allen Ehren. Nicht so das Orchester, das Prätorius besonders im ersten Bild sich überschreien ließ A. S. Residenztheater:..Da» Extemporale". Di« Schul«, insbesondere die höher« ii-chul«. mit ihrer Pedanterie und Tyrannei und der Aus- lehnung der Jugend dagegen ist von jeher ein beliebtes Thema der humoristischen und satirischen Literatur. Mit dem Auskommen des Naturalismus würde die Sache dann ernster genommen. Di« Verfasser dieser Komödie, Sturm und Färber, bewegen sich noch ganz in den altüberlieferten Bahnen de» traditionellen Lustspiels, das komische Situationen auf Kosten aller Wahrscheinlichkeit schafft, den Blödsinn auf die Spitze treibt und dann für«inen guten Ausgang sorgt: Man fürchtet, daß die wackelnd- Pagode, die immer höh-'- aufsteigt, jeden Augenblick zusammenkracht, aber che es dazu kommt, hilft«in neuer Einfall über die Schwierigkeit hinweg, und schließlich ergibt sich man sich dem Genius des Sommertheaters, der lachen will— koste e», was es wolle. Lufttg und ulkig genug sind dt« komplizierten Situationen, in die ein Gymnasiallehrer auf Freiersfüßen zu seiner Tochter aus erster Ehe und der Sahn der zweiten Frau, sein Schüler, geroten. Der Direktor ist ein Frauen- se'.ird. und darum muß ihm die Verlobung seines Lehrers verborgen bleiben. Da aber das Fräulein Tochter für den Schüler ein Extein- poral« abgeschrieben hat und er darüber in«ine hochnotpeinlich« Untersuchung gerät, in deren Verfolg einer den andern decken will und sich schließlich Pier als Abschreiber bekennen, so gibt e»«inen Nattenkontg von komischem Durcheinander. Aber Lotte, ein« Spitz- bubin von Backfisch, die all da» Unheil«nrgerichlet, entwirrt den Knoten und bezaubert sogar den mürrischen Gymnafiarchen. Die flott« Darstellung half über all« Klippen hinweg, Hede Gruhl (der Backfisch) und Ernst B r i n g o l f(als Schüler) waren famos 1»ng. und die Typen des Direktors wie des ängstlichen Oberlehrers kamen durch Georg Wie zo reck und Gustav Rovs zu charakteristischer Ausprägung. Des Lachens aber war kein Ende.-r. Eine glänzende Entschädigung. Einen recht grotesk anmutenden Sprung Hot sich der berühmt« deutsche Amtsschimmel wieder einmal in dem westfälischen Städtchen Haltern geleistet. Am 2ö. Oktober 19ZZ ging ein von einer dortigen Firma abgesandtes Paket mit fünf Paar Strümpfen verloren. Die Firma meldet« Schadenersatz hei der Post. Jetzt im Juni 1924— also„schon" nach sieben Monaten— waren die Recherchen so weit gediehen, daß die Firma die ihr zu- stehende Entschädigung ausgezahll bekommen konnte. Und wirk- lich lief bei dem hocherfreuten Inhaber dieser Tag««ine Postanwei- iung ein mit einer Entschädigungssumme in dem staunenswerten Betrage vgn— einem Rentenpfennig! Nach siebenmonatigem Recher- chierey und Rechnen— bei dem mindestens«in Dutzend Dienststellen in Bewegung gesetzt worden sind, hatte die Post als Ersatz für fünf Paar Damenftrümpfe diesen Betrag herausbekommen. Volksbühne. Sei derUraufsührungdei Einakter»„Der Heimatlose» von Charle» Bildrac am Sonntag mittag 1l>/, Uhr wirken mit- Erwin Koiler vom Staatlichen Schausoielbau«. Paula Sazer. Jaharma Koch.«au»r und Fränze Roloff. Regie: Fri, Holl. Mu dieser Ailifiibruna kommt seit ——-,,--- u————ii- i-- ö——■■~—— i*„*, i um m der Derhängung de« oerfchSrsl-n Botzkott» gegen sranzösische Sühnenwerke "'- c ein junger Franzose io Berlin aus die Bühne. zum erstenmal wieder Amerikas Außenpolitik. Eröffnung des republikanischen Konvents. Mere Bort, 11. Junt.( Eca) Anläßlich der Eröffnung ber republikanischen Nationalversammlung in Cleveland hat der Bor figende Burton mitgeteilt, daß bei der bevorstehenden Präsidenten wohl im November Präfitent Coolidge als Kandidat der Republikaner auftreten werde. Burton drückte sein Bebauern aus, daß das Repräsentantenhaus und der Senat nicht den Ratschlägen des Präsidenten Coolidge gefolgt seien und den Bereinigten Staaten länger Zeit gegeben hätten, um die Frage des japanischen Einwanderungsgefeges zu prüfert. Vom Dames Plan erhoffe er ein Verschwinden des Revanchegeistes. Man befindet sich immer noch der Tatsache gegenüber, daß Europa ein System von Offensiv und Defensiv- Bündnissen habe, das der von den Bereinigten Staaten befolgten Politik durchaus entgegengesegi sei. Von einem Eintritt Amerikas in den Bölkerbund könne so lange nicht die Rede sein, als der Völkerbund eine politische Einrichtung habe, in der notgedrungen die mächtigste europäische Nation vorherrscht. Hoffentlich werde eine neue Abrüstungstonferenz in Washington stattfinden; die Vereinigten Staaten würden aber an einer derartigen Konferenz nicht teilnehmen fönnen, wenn als Hauptbedingung für ein Abkommen die Entbindung gewiffer Regierungen von ihren Schuldverpflichtungen gegenüber den Ber= einigte Staaten gefordert werde. Burton trat für eine amerikanische Teilnahme an dem internationalen ständigen Gerichtshof ein, solange diese Teilnahme keinerlei Verpflichtung gegenüber dem Böllerbunde einschließe. Die japanisch- amerikanische Spannung. Kato Ministerpräsident. London, 11. Juni.( WTB.)„ Times" meldet aus Lotio, bak Graf Rato ein Koalitionsfabinett gebildet hat, in dem der vormalige japanische Botschafter in Washington, Baron Schidehara, Minister des Aeußeren ist. " Daily Expreß" berichtet, daß die Unzufriedenheit in Japan „ Daily Expreß" berichtet, daß die Unzufriedenheit in Japan über die amerikanische Einwanderungsbill eine drohende Gestalt über die amerikanische Einwanderungsbill eine brohende Gestalt annimmt. Ernste Folgen würden vom japanischen Botschafter in Washington, Hanihara, vorausgesagt, wenn der Wortlaut der Antwort der amerikanischen Regierung auf den Proteft veröffentlicht werde. Berichte aus Tofio zeigten, daß das japanische Auswärtige Amt ernstlich über die Lage beunruhigt sei. Die Amerikaner in Tofio befundeten eine gewiffe Nervosität, und wer es möglich machen fönne, verlasse Japan ohne Berzug. Graf Kato ift als entschiedener Gegner der amerikanischen Bolitik bekannt. Seine Ernennung zum Ministerpräsidenten enthält also eine scharfe Spitze gegen die Bereinigten Staaten, die durch ihr Verbot der japanischen Einwanderung die jeßige Spannung in den japanisch- amerikanischen Beziehungen herausbeschworen haben. Kanada und England. Offawa, 11. Juni.( Eca.) In der gestrigen Unterhausfigung erklärte der kanadische Premierminister, daß Kanada fich augenblidlich drei Möglichkeit gegenübersehe: 1. ber vollkommenen Unabhängigkeit, 2. dem Anschluß an die Vereinigten Staaten und 3. einem genau formulierten Statut, das Kanada als selbständigen Staat im Rahmen des britischen Reiches anerkenne. Die englische Regierung habe Kanada aufgefordert, einen Bertrag zu ratifizieren, her ihm bestimmte Verpflichtungen auferlege, mährend es nicht aufgefordert morden sei, an den Berhandlungen felbft teilzunehmen. Ranada habe nicht einmal gewußt, daß es auf der Lausanner Konferenz durch Lord Curzon vertreten worden sei. Der tanadische Premierminister führte weiter aus, der Grund, mesmegen bas fanadische Parlament nicht ersucht worden sei, diesem Bertrag zu zustimmen, fei offenbar der, daß man in London annahm, bas fanadisaje Barlament würde das britische Berhalten gegen Ranada nicht gutheißen. Der Justizminifter erklärte, daß die Gleichheit der Nationen, aus denen sich das britische Reich zusammenfeße, fich bei allen Gelegenheiten betätigen müsse. Alle Dominien müßten um jedes Dokument befragt werden, das dem ganzen britischen Reich Berpflichtungen auferlege, da Ranada eine Schwefternationa fei und nichts anderes sein könne. Lebende Leichname. Die russischen Monarchisten haben gestern abend in Berlin eine Bersammlung abgehalten, in der sie optimistische Hoffnungen auf das nahe Ende der Sowjetherrschaft zum besten gaben und den Bräten. denten Nikolai Nikolajewitsch feierten. Die russischen Dinge werden von solchen Tagungen lebender Leichname nicht berührt eher schon die deutschen; denn diese russischen Legitimisten find die Brüder der deutschen Begitimisten, begeisterte Propagandisten des Hakenkreuzes. Neues Einkommensteuergeseh. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, soll die den tommenden neuen Verpflichtungen des Reiches angepaste Einkommen. steuerreformporiage dem Reichstag möglichst balb zugehen und noch vor den Ferien, auf jeden Fall aber bis zum Herbst, durch beraten werden. lleber den Inhalt der Vorlage erfahren wir von anderer Seite u. a. folgendes: Mit einer wesentlichen Reform der bestehenden Tariffäße ist bestimmt zu rechnen. Die 10prozentige Lohnsteuer wird in ihrer jezigen Form beibehalten. Dasselbe gilt auch für das vielumstrittene Prinzip der augenblicklich gehandhabten Gegenwartsbesteuerung. Gegenüber den Wünschen nach Wiedereinführung der Vergangenheitsbesteuerung glauben die zuständigen Stellen nicht auf die Borschußzahlungen verzichten zu fönnen. Täglich neue Konkurse. Zu Beginn der heutigen Berliner Börse lagen wieder zahl reiche beunruhigende Nachrichten und Gerüchte vor. Die„ Geschäftsaufsicht" beim Banthaus Ehrhard Herzer Kommandit gesellschaft verstärkt die bereits bestehende Mißstimmung, da bereits gestern an der Nachbörse größere 3wangsverfäufe bas Kursniveau herabgedrückt hatten. Diese Zwangsverkäufe maren fo umfangreich, daß man sie nicht allein der Firma Herzer zuschreiben fann. Infolgedessen finden Gerüchte über neue bevorstehende Insolvenzen immer wieder Nahrung. Biel besprochen und nicht ohne Einfluß auf die Tendenz war der neue Banttrach in Dänemart. Die Zahlungseinstellung einer größeren dänischen Bant, die in gewiffem Zusammenhang mit der augenblicklichen Geschäftsfrise in Deutschland steht, wird auch ge. wisse Wirkungen auf den Lebensmittelimport aus Dänemark nach sich ziehen. Die Lage des Geldmarktes bleibt meiter angespannt und tägliches Geld wird zu einem Sag von% Promille angeboten. Auch auf allen anderen Marktgebieten brachten bereits die ersten Kurse ziemlich erhebliche Abschwächungen, - Charlottenburger parks. Die frühere Stadt Charlottenburg hatte es stets verstanden, fich den Anstrich einer befferen" Stadt zu geben. Das tam auch in ihren Bartanlagen zum Ausdrud, für deren Pflege immer bedeutende Aufwendungen gemacht wurden. Den Eingang zum Liegenseepart, einer prächtigen Anlage an den Ufern des alten Liegenfees, der seinen Namen von den früher dort massenweise nistenden Wildenben, Liegen genannt, behalten hat, ziert eine Bronzestatue von Professor Lederer, einen Bogen schügen darstellend. Ein wundervoller Ausblick über den Hauptteil des Sees öffnet sich dem Besucher. Vorn eine riesige Rasenfläche, die, sanft abfallend, zum Ufer führt, Im Hintergrunde, am jenseitigen Ufer, Wohnungsprachtbauten, von denen einige gar Bootsstände haben. Die Bewohner scheinen die Vorzüge ihrer die zum See führen, eine Menschenseele. Ihre Lebenshaltung schreibt Quartiere faum zu begreifen; selten sieht man auf den Terrassen, ihnen im Sommer die, nicht den See vor. Auf prächtigen Wegen geht man durch Laubengänge an bunten Blumenbeeten vorüber, die der Jahreszeit entsprechenden Pflanzenschmud tragen. Am Wasser bord entlang ein breiter Schwertliliengürtel, der mit Rotdornbüfchen abwechselt. Nach Süden zu wird der See durch die Ueber brüdung der Neuen Kantstraße start eingeengt. Er erweitert sich aber sofort wieder und wird hier von laubwaldähnlichen Barkwegen umrahmt. Von der Brüde, zu der Rampengänge im Heckenrosen= schmud führen, bietet sich rechts und fints ein föftlicher Ueberblick über die beiden Seeteile mit der Gesamtanlage. Wir schreiben am rechten Ufer weiter und gelangen zu einer stimmungsvoll eingelagerten Kirche. Es ist eine Nothirche, die die Liegenseegemeinde im Jahre 1919 provisorisch als Holzbau errichtete, um einem„ dringenden Bedürfnis" abzuhelfen.„ Erbaut in der Zeit der Not aus starfem Glauben", schrieb man über das Hauptportal, wobei der Berfasser der Inschrift mit dem Baumeister offenbar über den Baustoff geteilter Meinung war. An diesem Teil des Liekensees findet man auch noch Refte der ursprünglichen Umrahmung, alte richtige märkische Fichten. Aus dem früheren Waldsee in Berlins weiterer Art geworden. Schade, daß in die Stille dieses Paradieses nur zu Umgebung ist eine Schmud- und Erholungsstätte hervorragendster Wir fehren zum oft die blötenden Töne der Autofirenen gellen. haupteingang zurüd, gehen die breite Prachtstraße Kaiserdamm" rechts hinunter und biegen am Polizeiamt über den Sophie- Charlotte- Biak in die Schloßstraße ein, die uns in etwa 15 Minuten bireft zum Charlottenburger Schloß führt. Linker Hand ist der direkt zum Charlottenburger Schloß führt. Linker Hand ist der Eingang zum Schloßpart, der an räumlicher Ausdehnung dem Berliner Friedrichshain faum nachsteht. Er ist jetzt unter der Vermaltung des preußischen Finanzminifteriums. Es wendet sich gleich am Portel auf einer Warnungstafel, die noch mit der alten Rönigsfrone geschmückt ist, an die Bürger des Freistaates Preußen mit Anordnungen, die Parkordnung betreffend. Durch einen Bortalgang fommen wir in den Park. Hinter uns liegt links die ehemalige Orangerie, die zeitweise Werkstätten zur Herstellung crthopädischer Geräte für Kriegsbeschädigte enthielt und die Rückfront des Schlosses, dessen Parterreräumliteiten das Fürsorgeamt des 7. Bezirks innehat. Eine breite Allee führt an den Baulichkeiten vorüber. Die Büften einer erfledlichen Anzahl römischer Zäsaren dymüdt fie. Offenbar hat hier der Herr in Doorn die Anregung für fein Siegesallee erhalten. Der Park bietet den Genuß eines Laubmalbes ohne jede gewollte gärtnerische Einmischung. Die Grenze gegen Often bildet die Spree, die weiter abwärts in schlankem Bogen ihrer Bereinigung mit der Havel bei Spandau zueilt. Bom Bart selbst hat man hier auch einen Durchblick auf die Sandsteinfront des Landgerichts. Der Gang am Spreeufer führt bald zu einem Kundbau, dem Kavalierhaus; hier haben sich allerlei intime Borgänge im Leben der verschiedenen Bartinhaber abgespielt, wie Geisterbeschwörungen, Tabatskollegien und anderes mehr. Ein See mit schiffigem Ufer und fleine Wasserarme, die von ihnen ausSee mit schilfigem Ufer und fleine Wafferarme, die von ihnen aus gehen, gestatten hübsche Ausblice durch den Part bis zurück zum Schloß. Wir sind schließlich am Ende des Parts angelangt. Die Ringbahn und der Bahnhof Jungfernheide hindern den Blid über die Spreewiesen. Im fernen Hintergrunde liegen die Siemens- Fabriken, deren Anblick mit der Barkromantik, der wir uns gern hingaben, nichts zu tun hat. Rotkoller? nahme diefes Inserates ab. Die es aufnahmen, reichten aber noch hin für den Zweck, den Heiniz verfolgte. Er erhielt eine Unmenge von Briefen mit einer Mart und begnügte sich damit, diese einzuftesen. Die Chemnizer Kriminalpolizei, die den Schwindler festnahm, fand bei ihm außer vielen zerrissenen Umschlägen noch an 700 Briefe mit ber erbetenen Beilage. Der Verhaftete behauptet, die Absicht gehabt zu haben, die Einsender zu einer„ Interessengemeinschaft" zusammenmertung der alten 1000- Martscheine zu betreiben. zuschließen, um durch sie bei der Reichsregierung die AufIn Wirklichkeit hat er von dem eingegangenen Gelde gelebt, ohne sich um die Absender weiter zu fümmern. Erst Zahlung, dann Ausreise. Die Frau als Pfandobjekt? Riga, der nach dem Kriege von dort hierher übersiedelte, schildert uns, Ein feit einigen Jahren in Berlin lebender Kaufmann B. aus hat. Herr B. betrieb in Berlin ein Erortgeschäft im Verkehr mit Engwas er mit dem Finanzamt Berlin- Schöneberg erlebt land und mußte in England auf Grund des Versailler Vertrages 26 Proz. des Warenumfages als Reparationsleistung entrichten. Den Gegenwert erhielt er in Berlin von der Friedensvertrag- Abrechnungs. ftelle in sogenannten E.- Schahzanweisungen ausgezahlt, die nicht als Bahlungsmittel gelten und die er nicht ohne Verlust hätte los werden fönnen. Die ganz unmögliche petuniäre Lage, in die er dadurch geriet, veranlagte ihn, sein Geschäft aufzugeben. Seine Familie wolte er nach Riga zurückschiden, er selber aber war gezwungen, bis zur Erledigung aller feiner. Berpflichtungen noch hier zu bleiben. Mis B. Ausreise von Frau ſamt Kindern nachsuchte, wurde ihm beim Finanzamt Berlin Schöneberg die Genehmigung zur von einem Sekretär erklärt, daß er noch 70 M. Steuern für das erste Viertel von 1924 zu zahlen habe und daß vor Zahlung dieser Steuerschuld seine Frau nicht reisen fönne. Unter Hinweis auf sein Paket E.- Schazanweisungen schlug B. vor, das Finanzamt solle, wenn es fich nicht aus ihnen bezahlt machen wolle, sich an seiner Kleidung usw. schadlos halten. Die Frau samt den Kindern könne doch nicht als Pfandobjekt dienen; sie seien auch in Berlin ohne Einwendungen waren vergeblich. Der Dezernent, ein Regierungsrat, Wohnung, da er die bisherige zum 1. Juni gekündigt habe. Seine an den er sich dann wandte, wies ihn turz und schroff ab. Obwohl B. $ erst erteilt, nachdem die 70 M. bezahlt worden waren. Wir zweifeln selber noch hier blieb, wurde die Ausreisegenehmigung für die Frau nicht, daß der Sekretär und der Dezernent uns irgendwelche Paragraphen nennen fönnten, nach denen fie in dem geschilderten Fall so verfahren zu müssen glaubten. Aber B. beklagt sich auch über die Form, die man ihm gegenüber für angemessen hielt. Vermutlich handelt es sich um ein paar Beamte, die den preußischen Amts= stubenton der monarchischen Zeit noch nicht ganz abzulegen vermocht haben. Brand in der chemischen Fabrit in der Riedelffraße Am Diens tag abend brach in der chemischen Fabrik der Aktiengesellschaft Riedel in Brig im Hauptschuppen durch Selbstentzündung dort gelagerter Chemikalien ein größeres Schadenfeuer aus. Die Feuerwehr rückte mit mehreren Zügen an. Durch angestrengteste Arbeit wurde schwerer Arbeit wieder abrüden. Der entstandene größere Branddie Gefahr beseitigt. Die Wehr konnte nach weiteren 2½ Stunden schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Zahl der Automobilunfälle wächst ständig. In den letzten Stunden wurden wieder mehrere gemeldet, darunter einer aus Luckenwalde, ein zweiter aus Potsdam, ein dritter aus Prenzlau. An der Ede der Berliner und Westermann- Straße in Pankow überfuhr ein Auto einen Radfahrer, wobei der Fahrer verlegt wurde. Am Knie in Charlottenburg mußte die Feuerwehr ein verunglücktes Automobil beseitigen, das ein Verkehrshindernis bildete. Un die sozialdemokratischen Aerzte richten die Genossen Silber. Graaz, Korach folgenden Aufruf: Bir fordern die parteigenöffifchen stein, Stulz, Wygodzinski, Kollwig, Grotjahn, Suhmann, Jaffee, be motratischer Aerzte" anzuschließen. Meldungen find Aerzte auf, fich der neugegründeten Vereinigung fozialbaldigft zu richten an den Genoffen Dr. Otto Stu13, Neue Königftraße 71( Fernruf: Rönigstadt 1918). Bedingung für die Aufnahme ist die organisatorische Zugehörigkeit zur BSPD. Erste Mitgliederversammlung Freitag, den 20. Juni, abends 8 Uhr, im Hauptgesundheitsamt, Fischerstr. 39/42. Die große Bolfswieje in der Schönholzer Heide wird nunmehr zur Benuzung freigegeben. Sie darf jedoch nur zum Lagern und Spielen mit Ausnahme von Fußball in Anspruch genommen werden. Die die Wiese einrahmenden Böschungen sollen geschont werden. Für Papier, Abfälle usw. find Körbe aufgestellt worden. Die Einwohnerschaft wird mit Rüdsicht auf ihre Mitmenschen gebeten, Sauberteit zu pflegen und Ordnung zu halten. Da die Grasnarbe noch nicht genügend erstarkt ist, ist im Intereffe der Erhaltung des Rasens eine gewiffe Edonung geboten. Dufan aus Schöneberg auf dem Baugelände zwischen Konstanzer Beim Fensterreinigen abgestürzt ist heute vormittag eine Frau Straße und Fehrbelliner Plaz in Wilmersdorf. Sie wurde mit einem Armbruch und schweren inneren Verlegungen in einem Rettungsauto Straße übergeführt. der Wilmersdorfer Feuerwehr nach dem Krankenhaus Pfalzburger Bon einem Teilnehmer des Bezirtsjugendtages des Bereins Sozialistischer Arbeiterjugend, der zu Pfingsten in Brandenburg a. 5. stattfand, wird uns geschrieben: Als wir in den Abendstunden des Pfingstfonnabends unfer Quartier in der Shupotaserne aufsuchen wollten, zogen wir geschlossen und fingend durch die Magdeburger Straße. Unweit der Kaserne tauchte plöglich Schupo auf und trieb die Jugendlichen auseinander. Himmel. Ebenso war es bereits 10 Uhr, so daß das Singen als Anlaß bazu gab das Verbot von Demonstrationen unter freiem ruheftörend bezeichnet werden konnte. Die Genossen gingen nun Zeugen gesucht! Ausflügler, die am Fürstenwalder auf den Bürgersteig, um so schnell wie möglich ins Quartier zu Ulanentag( 18. Mai) vor dem Tor zum Güterbahnhof zwischen gelangen. Dem Schupomann aber, er gehörte einem Ueberfall- obachtet haben und mit einem Radler eine Unterhaltung führten, 9 und 9.30 Uhr vorm. die Vorgänge auf dem Bahnhof betommando aus Potsdam an, ging das alles nicht schnell genug. Unsere ältesten Genoffen waren bemüht, Unbesonnenheiten zu ver= merden gebeten, ihre Anschrift alsbald an Genossen Mittelschulrettor hüten und mahnten: Genossen, geht auf die Bürgersteige." Als Buschta, Fürstenwalde, zu senden. Auslagen werden erstattet. der Schupomann das Wort Genossen" hörte, fuhr er wie von Ich werde euch schon mit Genoffee, los, los" und trug so zur Bereiner Tarantel gestochen, in die Menge hinein und schrie dabei: stärtung der Erregung bei. Die Schupo war im Recht, als sie den Bug auflöfte, mobei ich allerdings hoffen möchte, daß sie bei dem demnächst stattfindenden Saten treuzlertag in Brandenburg ebenso tapfer gegen Demonftranten einfchreiten wird. Es wäre angebracht, dem jungen Schupomann aus Potsdam das Ausmaß feiner Pflichten eingehend farzulegen und ihn von seinem Rot- Weißenfels tommender Personenzua fuhr bei 3eiß in voller foller schmerzlos zu befreien. Die Wohnhauslotterien. Zu der Nachricht über die Genehmigung einer Deutschen Wohnhäuser Lotterie, die vor kurzem durch die Preffe gegangen ist, wird dem Amtlichen Preußischen Pressedienst von zuständiger Seite mit geteilt: Anträge auf Genehmigung von Lotterien zur Förderung des Wohnungsbaues werden neuerdings den zuständigen Behörden in großer Zahl vorgelegt. Die Durchführung solcher Lotteriepläne ftößt aber, wie eingehende Prüfungen ergeben haben, auf unüberwindliche Schmierigkeiten. Die Veranstaltung von Lotterien eignet sich bei der eng begrenzten Aufnahmefähigkeit des Lofe. morftes nur für die Finanzierung bestimmter Einzelzwede. Da gegen ist es unmöglich, auf dem Lotteriewege fo um fangreiche Rapitalien aufzubringen, wie sie für eine Anmirtfame Förderung des Wohnungsbaues erforderlich find. träge auf Genehmigung von Wohnungsbaulotterien haben deshalb eine Aussicht auf Berücksichtigung." Jutereffengemeinschaft der 1000.Markscheinbefizer". Der Schwindel mit den alten 1000- Martscheinen nimmt immer noch kein Ende. Eine neue Art betrieb ein 36 Jahre alter, aus Dres ben gebürtiger Buchhalter Mar Heinig von Chemnitz aus. Er fandte Umgebung von Chemnitz. eine Anzeige, durch die Besizer von art etwa 1000 3eitungen im ganzen Deutschen Reiche, nur nicht in der alten 1000- Martscheinen und alten Münzen aufge fordert wurden, ihm unter Beifügung von 1 M. für Spesen usw. ihre Moreffe mitzuteilen. Der größte Teil der Zeitungen lehrte die Auf„ Republit in Not". Unter diesem Thema findet am Freitag, ftraße, eine republikanische Rundgebung des Reichsbanner Schwarzden 13. b. M., abends 7% Uhr in der Stadthalle, Klosterrot- gold" statt. Für die Ansprache ist Polizeioberst Dr. Schü zin. ger gewonnen. Alle Republikaner find hierzu herzlichst eingeladen. Arbeitertod auf den Schienen. Bier Die Magdeburgische Zeitung" meldet aus Beitz: Ein von Fahrt in eine auf dem Gleis beschäftigte Arbeiterfolonne. Arbeiter wurden getötet, zwei schwer verletzt. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Größtenteils bewölkt mit leichten Regenfällen auffrischendeu südwestlichen Winden und nicht wesentlich veränderten Temparaturen. Deutschland: Im größten Teile Deutschlands leichte Regenfälle und noch mäßig warm. Frische Südwestwinde. Groß- Berliner Parteinachrichten. 2. Areis Tiergarten. Achtung Abteilungsleiterinnen! Am Donnerstag Material abholen bei Jordan, Lübecker Straße 43. 3. Kreis Bedding. Donnerstag, den 12. Juni, abends 6 Uhr, Treffpunkt sämt licher Ordner in den Germaniajälen. Chauffeestraße. 16. Rreis Röpenid. Donnerstag, den 12. Juni, abends 7 Uhr, Funktionärinnen tonferenz Jugendheim, Zimmer 1. 25. Abt. Beteiligung aller Genoffen im Saalbau Friedrichshain. Beim Genoffen Gufe, Allensteiner Straße 7( Laden), lönnen Beiträge abgeführt werben 182. Abt. Blankenburg. Donnerstag, 8 Uhr, Zahiabend bei Alug, Dorfftraße.- Partei genoffen, die noch im Befig von Gammellisten zur Reichstagswahl find, werden erfucht, dieselben umgehend arzurechnen, desgleichen die Maimarken. 137. Abt. Reinidendorf Beft. Donnerstag, 7 Uhr, in Hartmannsbrauerei. Scharnweberstraße 114, öffentliche Bersammlung. Bortrag: Die weltliche Schule und die Elternbeiratswahlen". Vorträge, Vereine und Versammlungen. mit anfließendem Beisammensein am Donnerstag, den 12. d. M., abends Deutsche Lendsmannschaft der Provinz Bosen- Groß- Berlin. Bereinssigung Uhr, in der Rindbraueret, Neukölln. Sermannftr. 214/19. Gemischter Chor Raiser Friedich- Str. 88/89. Seimatflänge" jeben Freitag, abends 8 Uhr, im Lotal von Sammer, Neukölln, Gewerkschaftsbewegung ein Stückchen Wurst von seinem Abendbrot mitnehmen wollte, schrie Das Abflauen der Arbeitslosigkeit. In Nr. 9 der Berliner Wirtschaftsberichte", die vom Statistien Amt der Stadt Berlin herausgegeben werden, wird in Ver hindung mit einer Uebersicht über die Kurzarbeiter fürsorge in Berlin folgende Tabelle veröffentlicht. Die einen zwar unvollständigen, aber nichtsdestoweniger drafnschen Abriz gibt von der ungeheuerlichen Wirtschaftskrise, die als Folge der Inflationswirtschaft auftrat und mit der Stabilisierung wieder September 1923 bis März 1924. berebbte. 29. 10. 3. Novemb. 5. 11.- 10. Auf Jm unbefesten Reichsgebiete auf 100 Krankenfaffenmitglieder unterstilgte Kurz Erwerbsarz[ Erwerbs 56 28377 arbeiter lofe. 5,8 2,4 3,3 oc Unterstügte Kurzarbeiter 100 Rranfenfaffenmitglieder in Berlin unterſtügte arbeiter lofe 10. 9.- 15. Geptbr. 1923 31 782 2,6 5,2 17. 9.- 22. 41.757 3,4 6,8 " P 24. 9.- 29. 65 811 5,6 8,3 7.1 " 1. 106. Oftober 87 476 7,5 " 9; 7 8. 10.- 13. 09 224 8,6 10,7 9,1 4,3 " M 15. 10.- 20. 105 029 " 9,0 11,8 E 22. 10.- 27, 112 892 10,0 12,7 " " 110 888 9,9 116 915 10,6 12. 11.- 17. 120 170 11,0 " 1 14,2 10,6 15,8 173 11,2 7,8 5,9 19. 11.- 24. 137 532 12,7 M 18,9 26. 11. 1. Dezemb. 135 873 12,7 20,4 31 11,1 126 270 11,9 21,3 " 10. 12.- 15. 88 505 8,4 H 21,9 17. 12.- 22. 75 518 7,2 22,1 " " 24. 12.- 29. 41 318 3,9 35 490 3,3 7. 1.- 12. 35 727 3,4 22,5 22,3 22,0 3,9 9,8 7,6. 9,2 5,2 9,4 " " 14. 1.- 19. 27 26 ESS 2,5 21,2 21. 1.- 26. 20 824 2,0 19,9 28. 1. 2. Februar 12770 1,2 M 4. 2.- 9. 10 930 " 1,0 18,5 17,0 11. 2.- 16. 4696 " 3 804 0,4 15,6 0,4 14,0 2541 0,2 12,4 0,9 3. 3.- 8. 2 463 0,2 10,3 " 10. 3.- 15. 5 261 " 0,5 8,6 17. 3.- 22. 24. 3.- 29. " 4.450 2789 0,4 7,4 2,2 8,9 1,5 8,0 7,2 0,6 6,0 43 3. 12. 8. 31. 12. 5. Januar 1924 18. 2.- 23. 25. 2. 1. März 0,2 6,1 9,1 Aus diesen Zahlen geht mit handgreiflicher Deutlichkeit hervor, wie verheerend die Juflation gewirkt hat und wie fast auto matisch mit der Stabilisierung, die zusammenfällt mit der Er haltung der Kauftraft der Löhne, auch die Wirtschaftskrise zurüd ging. Daß die Kurzarbeit ineller abnahm, als die Arbeitslojigfeit, erklärt sich sehr einfach aus der Tatsache, daß bei einem Anziehen der Konjunktur zunächst wieder voll gearbeitet wird, ebe Neueinstellungen erfolgen. Hotel Excelsior, Berlin. Geheimrat und Betriebsrat. Man schreibt uns: Ein Dorado für die gewerkschaftlichen Angestellten ist das Hotel Excelsior, Berlin, am Anhalter Bahnhof. Sein Besizer, Herr Kurt Elschner, nennt fidh Geheimrat und mag irgendwann und irgendwie dazu ernannt worden sein. Daß dieser Geheimrat kein Freund der Republik ist versteht sich am Rande. Noch weniger scheint er sich mit den Betriebsräten befreunden zu können. Bis jetzt sind noch alle Betriebsräte aus feinem Betrieb fristlos hinausgeworfen worden. Der letzte der hinausgeworfenen Betriebsräte hat trozdem sein Jahr ausgehalten. Er befindet sich zwar nicht im Betriebe, aber Herr Eischner muß ihn trotzdem bezahlen. Daß gegen den Herrn Geheimrat ein Verfahren vor dem Staatsanwalt schwebt, weil er seinen Betriebsrat an der Ausübung seines Amtes hindert, sei noch nebenbei erwähnt. Als Herr Elschner Anfang November feinen Aufenthalt von Berchtes gaden nach Berlin verlegte, da hatte der arme Mann doch auch ein. mal einen Lichtblid. Als er im Auto durch Bayern fuhr und dort die Hitlerbanden sah, ließ er seinem Chauffeur die Höchftübersehung einschalten. Er wollte der erste sein, der den Berlinern die frohe Heilstunde brachte. Als er in Berlin vor seinem Hotel anlangte, stürzte er in das Vestibül, und in furchtbar freudiger Erregung schrie er: Meine Herren, jegt ist es Dorbei, jest regiert Hitler!" Der Herr Geheimrat hofft woht, daß er nun Königlich Hitlerscher Hoflieferant und wirklicher Geheimrat" werden würde; besonders aber, daß jetzt schleunigst das Betriebsrätegefch abgefchafft würde. Die Betriebsräte, die er immer wieder rausschmeißen und bezahlen muß, die er sich mit dem Revolver vom Leibe halten muß, die ihm sein Hotel in die Luft sprengen wollen, Streits inszenieren und ihn täglich auf das Gericht bemühen, würde er endlich los merden. Als Herr Clschner einen Angestellten erwischt hatte, wie er sich er: infen gehen die fleinen Diebe raus, und vorn gehen die großen Diebe, meine Direttoren, heraus." So ein„ Geheimrat", mit einem Hotel belastet, hat es sehr schwer. Ein Duhend Direttoren, 10 Direktricen, sie alle fönnen nichts und verstehen noch nicht einmal etwas vom Bettenmachen. Der geplagte Geheimraf muß seine Zimmermädchen persönlich das Bettenmachen lehren. Seine Unparteilichkeit geht soweit, daß er selbst seine Gattin mit Liebenswürdigkeiten" überhäuft, ohne Rücksicht auf die Anfallen, find in feinem Buche von gutem Ton zu finden. Bei seinem mejenheit des Personals und der Gäste. Die Ausdrücke, die dabei Temperament wäre diesem Geheimrat dauernder Aufenthalt in Bayern zu empfehlen. Zum Zimmerer- Streif. " Die Unternehmer des Berliner Baugewerbes veröffentlichten in der bürgerlichen Preise( Lokal- Anzeiger" und Berliner Tageblatt") eine Notiz über den Streit der Zimmerer. Es werden da den Zimmerern Forderungen unterschoben in Höhe von 1,25 und 1,50 M. pro Stunde. Dies ist ein ausgemachter Schwindel, und die Gründe dafür sind sehr durchsichtig. Die Forderung der Zimmerer ist nach wie vor eine Mart pro Stunde und die bisherige Arbeitszeit. Für diese Forderung sind die Zimmerer Berlins gemillt, weiter im Kampfe zu verharren. Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin und Umgegend. Aufwertung von Kautionen. sollig erfolglos geblieben, und was die Berhandlungen der Gemertschaften mit den Unternehmern nach dem verlorenen Streit in den anderen umstrittenen Punkten noch ergeben fönnen, ist in dieser Situation von vornherein eng begrenzt. Bei der Wieder= einstellung wenden die Arbeitgeber eine ausgesprochene Rachepolitik an und lassen Tausende von Arbeitern auf der Straße. Zur Begründung wird angeführt, daß die an sich schon ungünstige Lage der oberschlesischen Industrie durch den Streit noch mehr gedrückt wurde, so daß eine Grube angeblich überhaupt nicht wieder die Arbeit aufnehmen kann. morgen. Donnerstag nachmittag 5 Uhr, in den Residenzfeſtsälen, Landsberger Str. 31, Deutscher Baugewer'sbund, Baugewerkschaft Berlin. Achtung Baudelegierte! wichtige Versammlung aller Baudelegierten des Baugeworfsbundes. Mitgliedsbuch und Delegiertentarte find als Ausweis vorzuzeigen. Wirtschaft Lohn und Profite im englischen Bergbau. Die öffentliche Meinung Englands ist wochenlang durch den Lohnstreit im Kohlenbergbau in Atem gehalten worden, Wiederholt drohte der Konflitt zu einem offenen Arbeitstampfe auszu brechen. Dieser legte Schritt ist nicht getan worden. Die Bergarbeiter haben am 29. Mai das schließliche Angebot der Unternehmer in der Lohnfrage anzunehmen beschlossen. Damit gilt der neue Tarifvertrag, der in seinen allgemeinen Bestimmungen sich eng Die an den vorhergehenden anlehnt, für die nächsten 12 Monate. ebenso interessante wie komplizierte Lohnberechnungsmethode ist auf eine veränderte Grundlage gestellt worden. Die Bergarbeiter erhalten minimallöhne, fog. Standardlöhne mit dem Recht auf Vorwegbefriedigung aus den Einfünften der Bergwerke. Erst dann wenn die Standardlöhne bezahlt sind, darf eine Gewinnverteilung vorgenommen werden. Für die Gewinnverteilung ist ein Standardprofit vorgesehen, der 15 Proz. der Standardlohnfumme beträgt. Der Gewinnre ft nach Abzug der Standardlöhne und Standardprofite wird unter die Arbeiter und Unternehmer aufgeteilt, und zwar erhalten die Arbeiter davon 88 Proz., die Unternehmer 12 Broz. In Nr. 237 des„ Borwärts" vom 21. Mai teilten wir ein Ur teil der Rammer 14 des Gewerbegerichts mit, welches einem Bierfahrer, der vor Jahren, als es noch keine Geldentwertung gab, bei der Brauerei eine Kaution von 500 Goldmark hinterlegt hatte und der jezt die Rückzahlung von 500 Goldmark forderte, nur eine Aufwertung von 15 Broz, also 75 Goldmark, zusprach. Jetzt fiegt uns die schriftliche Begründung des Urteils vor. Sie deckt sich mit der von uns wiedergegebenen mündlichen Urteilsbegründung, faßt aber den für uns entscheidenden und von uns fritisierten Baffus der Urteilsgründe präziser, als es bei der Urteils verfündung der Fall war. Nachdem dargelegt worden ist, daß die Roution feine Kapitalsanlage im Sinne der dritten SteuernotverBei dem früheren Berteilungsmodus find die Bergarbeiter zit, ordnung und deshalb nicht an die durch diese Verordnung gezogene furz gekommen, was allgemein anerkannt wird und was auch der Aufwertungsgrenze gebunden ist, fährt die Urteilsbegründung fort: zur Feststellung der tatsächlichen Verhältnisse der Arbeiter und des Gleichwohl ist das Gericht aus Billigkeitserwägungen und Bergbaus eingesetzte amtliche Untersuchungsausschuß be= unter Berücksichtigung der beiderseitigen wirt- stätigt hat. Die Arbeiter erhielten früher den Friedensnominallohn schaftlichen Verhältnisse im vorliegenden Falle zu dem plus einem Zuschlag von 20 Proz. als Standardlohn, jetzt ist der gleichen Ergebnis wie die Beklagte gekommen, daß nämlich hier 3uschlag auf 33% Pro3. erhöht worden. Die Bergarbeiter eine Aufwertung von mehr als 15 Pro3. des Gold hatten allerdings viel weitergehende Forderungen erhoben, nämlich wertes von der Beklagten nicht verlangt werden die vollständige Abgeltung des Teuerungsinder( 171 im Mai 1924) tann. Das Gericht ist der Ansicht, daß, wenn sogar bei dinglich zuzüglich einem Zuschlag von 2 Schilling pro Arbeitstag, gesicherten und ähnlichen gleichwertigen Forderungen eine Auf- so wie er seinerzeit von der durch Lloyd George eingesetzten Santen wertung von mehr als 15 Broz. gefeßlich verboten ist, der Beklagten Commission, die unter anderem auch die Nationalisierung empfahl, nach Treu und Glauben eine höhere Aufwertung auch nicht zu zur Verbesserung der Lebenshaltung der Bergarbeiter vorgeschlagen gemutet werden tann, sofern nicht etwa vom Kläger dar= wurde. Aber schon im Laufe der Verhandlungen hatten die Arbeitergetan wird, daß durch besondere Umstände die Beklagte einen vertreter Abstriche von diesen Forderungen vorgenommen, und auch höheren Borteil als 15 Broz. des Goldwertes durch die der Untersuchungsausschuß, der im übrigen auf bestimmte Vorschläge hinterlegung erlangt hat. Dies hat jedoch der Kläger nicht zur Streitschlichtung verzichtete, hat sie nicht gutgeheißen. Immerhin nachweisen tönnen, vielmehr hat die Beklagte unwiderlegt haben die Bergarbeiter neben der Erhöhung des Standard behauptet, daß fie die bei ihr hinterlegten Kautionen nicht angreifen lohnes eine Beschneidung der Standardprofite durfte und daß auch ihr eigenes Attienkapital heute noch zirka( von 17 Broz. auf 15 Broz.) und ein günstigeres Verhält 13 Proz. des Friedenswertes beträgt. Unter diesen Umständen könnte nis bei der Restgeminn verteilung( 88 Proz. 12 Pgrz. über die von der Beklagten anerkannte Summe von 75 Goldmark anstatt 83 Proz.: 17 Broz.) erreicht. nicht hinausgegangen werden." dem Rechtsempfinden weiter Boltskreise entspricht es nicht. Alles, Das Urteil mag juristisch durchaus einwandfrei sein. Aber was in dem Urteil angeführt wird, um die Aufwertung mit. nur 15 Proz. zu begründen, mag zutreffen, wenn der Kläger seine Ersparnisse der Brauerei als Kapitalanlage hingegeben hätte, uni 3insgewinne zu erzielen. In diesem Falle könnte man iggen, der Kläger hat mit seinem Gelde Geschäfte machen wollen, er hat es durch die Inflation verloren, er muß den Schaden tragen. Hier aber handelt es sich darum: Der Kläger hat die Kaution hinterlegen müssen, weil er sonst die Arbeitsstelle nicht befommen hätte. Nach Treu und Glauben fonnte er annehmen, daß er beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis den pollen Wert der eingezahlten Kaution wieder zurückerhalten würde. In den Urteilsgründen heiß: hältniffe berücksichtigt. Tatsächlich ist aber mit keinem Wort die Rede es zwar, das Gericht habe die beiderseitigen wirtschaftlichen Vervon den wirtschaftlichen Verhältnissen des Klägers, sondern nur von tungen( wie soll der Kläger diese widerlegen fönnen?) ist thr Attiendenen der beklagten Brauerei. Nach ihren unwiderlegten Behaup fepibal auf 13 Proz. des Friedenswertes gesunken und die hinter legten Rautionen hat sie unberührt liegen laffen. Selbst wenn diese Behauptungen richtig fein sollten, so muß man doch, wenn man die beiderseitigen wirtschaftlichen Verhältnisse berücksichtigt, zu dem Schluß lommen, daß die Brauerei die vollwertige Rückzahlung der Raution viel leichter tragen fann als der Arbeiter ben Berlust von 85 Pro3. feiner Eriparnisse, die er als Boraussetzung für seine Beschäftigung beim Arbeitgeber hinter: legen mußte. Diefen Standpunkt haben wir schon bei der ersten Veröffentlichung des Urteils eingenommen, er wird auch durch die fchriftliche Urteilsbegründung nicht geändert. Schematisch dergestellt sieht die englische Lohnberech Erlös aus der Kohle nungsmethode folgendermaßen aus: 12 000 Pfd. Sterl. 3 250 Selbsttosten. Standardlöhne Standardprofit( 15 Proz.) Reitgewinn Löhne( 88 Proz.) Unternehmergewinn( 12Proa) Gesamtlöhne Gesamtgewinn. . • 5 000 fd. Sterĭ. 750 " 8 750 Pid. Sterl 5 750 " 3 000 Pfo. Sterf. 2 640 Pfd. Sterl. 360 3 000 " " " 7640 . " 1110 " " 8 750 Ptd. Sterl. paritätische Kommissionen zweimonatlich ermittelt. Die zu dieser Berechnung erforderlichen Unterlagen werden durch Unter der alten Regelung sind die Unternehmer besser gefahren Tonne geförderte Roble beziehen, zeigen: als die Bergarbeiter, wie nachstehende Angaben, die sich auf die 1914. Januar- August 1923 Steigerung in Prozenten Internehmergewinn 11,9 d 26,13, 119,58 Pro3. Löhne 74,9 d 130,17, 73,79 Bro. Die Erhöhung des Nominallohnes wird durch die Steigerung der Lebenshaltungskosten überschritten. Im Dezember 1923 bewegten sich die Durchschnittslöhne der volljährigen Arbeiter in den einzelnen Revieren zwischen 42,82 Pro3. und 71,28 Proz des Friedensreallohnes, im gesamten Königreich auf 51,23 Broz., obwohl die Nominallöhne hier von 6 s 5,64 d im Juni 1914 auf 9s 9,41 d im Dezember 1923 ftiegen. Was sind das auch für Zustände! Dußende von Angestellten, die Das Ende des Streiks in Oberschlesien. Hinsichtlich des Leistungseffetts stellt der erwähnte Unter ber Geheimrat hinauswirft, müssen wieder eingestellt werden. Die fuchungsausschuß fest, daß die Förderung pro Kopf und Schicht von Berichte verurteilen zur Zahlung von Entschädigungen, weil man Breslau, 11. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeitsauf 20,3 cwts( 1031 Kilogramm) in 1913 auf 17,97 cwts( 913 Herr im Hause sein möchte. Der einzige Troft für unfern Geheim- nahme in Deutschoberschlesien ist bereits so weit durchgeführt, daß Kilogramm) Ende 1923 gefallen, daß jedoch unter Berüc rat ist, daß er Direktoren hat, an denen er zeitweise seine Wut aus- morgen oder übermorgen alle Betriebe im Gange sind. Die Kom fichtigung der. un rbeitszeitverfürzung von 16 Proz. lassen fann. Bei ihm wird natürlich nur Direktor, wer die An- munisten haben in ihrer Bresse großartig angekündigt, daß der der Fördereffekt um 4 cwt infolge höherer Stundenleistung höher besonderes leistet, wird Generaldirektor( Marke Radfahrer: nach oben herrschen, ganz anders ausgehen werde als im Ruhrgebiet unter der tracht tommen, offen gelaffen wurde. gestellten gehörig„ behandeln" kann. Wer in dieser Beziehung gar Bergarbeiterkampf in Oberschlesien, wo sie die Stimmung zurzeit bei, wobei die Frage, inwieweit hierbei ein Mehraufwand von Arbeitsruhe oder verbesserte technische Ausrüstung als Ursache in Befrummen Budel, nach unten treten). So mußte der Generaldirektor Führung von Gewerkschaftsbonzen. Es kann kein Zweifel mehr Hübner( früher Koch), der sich in dieser Beziehung besonders an strengte, vom Geheimrat sich sagen lassen:„ Sie alter Efel, ich habe daran sein, daß diese Prophezeiung eingetroffen ist, aber in einem erst aus Ihnen was gemacht!"( Bir fönnen Herrn Elschner aus für die Arbeiter sehr traurigen Sinne. Der sechs wöchentliche nahmsweise einmal zustimmen. D. B.) Streit ist sowohl in der Lohnfrage wie in der Arbeitszeitfrage HOLZHAUSER von 500 Mk. an, Schuppen, Hallen, Garagen etc. liefert preiswert kurzfristig Holzhausbau Littmann N 54, Lothringerstrasse 91/93 Norden 6020/21 Vertreter an allen Orten gesucht. Wohnungstausch Großin u. nach Berlin sowie von Berlin nach auswärts am schnellsten durch eine Anzeige im Berliner Wohnungsanzeiger als einzige Spezialzeitung für möblierte Zimmer, Wohnungen u.Tauschwohnungen Unter der Rubrik, Möblierte Zimmer zu vermieten werden Meldungen von Vermietern kostenlos veröffentlicht. Verbund. mit d. ,, Gr- Berliner Wohnungsanzeiger" ist der Generalvertr. f. alle Provinzen gesucht. Anzeiger für Grundstücks- und Geschäftsverkäufe Für Vertreter kein Kapital erforderlich. Für Generalvertreter etwa 100-200 Mk. um die Organisation durchführen zu können. Nur fleiß. Pers, auch Frauen. Um nur ernsthafte Offerten zu erhalten. senden wir nur Material an solche, die f. Porto, Materialk. etc. 1 Mk einsenden. Max Seidel, Königsberg in Pr. Postschließfach 45. Postscheckkto. 2.68. Stocklaternen Bei allen Zeitungshändlern und. Kiosken zu haben. Verlag und Hauptanzeigenannahme: Zeitungszentrale( ZZ.) Aktiengesellschaft Jerusalemer Str. 5/6 Fernsprecher: Dönhoff 3310-3312 Z ähne 1.2 Teilzahlung auf gestattet b. 1. Anzahl u. wöchentl. Abzahlung von 1 G.-M. an. Echte Goldkronen v. 8 G.-M. an. Ersatzkronen v.3 G.-M. an. Zähne ohne Gaumenplatte v. 3. G.-M. an. Zahnz. mit Betäub. 1 G.-M., b. Bestellg. Campions von 3. an von Gebissen gratis. Rat und Munduntersuchung gratis Papiermühen 3d von 3 Jahre weitgehende Garantie. Ueber 20.000 Gebisse zur mit Stod u. Licht, 6 B an 10 Bf. an, alle Sommer u. Feitartikel sehr billig. Gortimente Feuerwert on 1 Man Bengalfeuer, Kilo Magnesiumfadeln, 60 cm lang, 1 Mart Dlartgrafen Maas& Co. fra 84, an Der gindenstz 9-6 Uhr vollsten Zufriedenheit geliefert. Ecke SchönHatvani, Danziger Strasse 1, hauser Allee Vorzeiger 10% Rabatt. Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamiauflage des Vorwärts und tradem ע billig! Stein derWeijen Das Original aller Nagelpoliersteine KOPP& JOSEPH BERLIN W. 37 Ueberall erhältlich Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; und Sonstiges: Fris Karstöbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer i Co.. Berlin SW. 68.. Lindenstrake 3. Gewerffchaftsbewegung: Frieht. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilswsti, Lokales 00001000 Schokoladen in großer Auswahl! Billige Bezugsquelle für Kantinen und Wiederverkäufer.: Paul Grindel, Dircksenstr. 47, nahe Bahnhof Berse. Sanatorium für Nervöse, innerlich Kranke, Telefon 26 Erholungsbedürftige Diabetiker- Kuren Insulinbehandlung 2 Fachärzte Friedrichshöhe Großer hygienischer Komfort. Preise: I. Klasse 10-12 Gmk. II. 7 Chefarzt Dr. Köbisch Prospekte Bad Obernigk bei Breslau ,, Wir haben uns tapfer geschlagen" Jeder Partelgenosse findet die Statistiken der einzelnen Wahlkreise u. alles Wissenswerte im neuen Handbuch Der deutsche Reichstag 1924 Mar Ein C k Farbiger Umschlag über 100 Bilder Zu haben: J. H. W. Dietz Nacht., Berlin SW 68, Lindenstr. 2