�benöausgabe ttc.273 ♦ 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 137 B-zugstebwgunge» und«njelgensrd)» sind in der Morgenausgabe angegeben RedolNon: STD. 68, cinS-nstrah« 3 Fernsprecher: vönhoss 292— 295 T«I.-Adrelse:SozIaldemokral Berlin Devltnev Volksblatt 5 Golöpfennig 50 Milliarden Donnerstag 12. Juni 1924 Verlag und«nzeigeuadtetlung! »,schast»,elt»-5 a|t Verleger: Born»ar«»-V«rl»g 0«bH Berlin»». M.«ndenftr»»» 3 Fernsprecher! VSohess 2509-1507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemohratifchen Partei Deutschlands Unser Parteitag. Otto Wels erstattet den Bericht des Borstandes. Der Parteitag ist, als die Sitzung kurz nach 9 Uhr von dem Vorsitzenden Dittmann eröffnet wird, stark besetzt. Auf den Zuhörertribünen zeigt sich ein zahlreiches Publikum. Den Austakt bildet heute die Frage, ob zum Bericht der Reichstagsfraktion ein Korreferent für die Minderheit der Fraktion gestellt werden soll. Fleißner be» gründet einen von 8v Delegierten unterstützten Antrag auf ein Korreferat. Ihm erwidert Schreck-Bielefeld, der daran er» innert, daß in der Fraktion niemals eine eigentlich geschlossene Minderheit vorhanden gewesen sei. Gerade der Referent Hermann Müller habe übrigens wiederholt mit der Min- d e r h e i t der Fraktion gestimmt. Schließlich wird der Kor- referent mit 228 gegen III Stimmen abgelehnt. Eine weitere kurze Geschäftsordnungsdebatte entwickelt sich bei dem durch den Genossen Liebmann vorgetragenen Ver- langen, die n e u n g l i e d r i g e Kommission, die der Parteiausschuß am Mittwoch zur Klärung des sächsischen Streitfalles eingesetzt hat, durch zwei sächsische Genossen zu ergänzen. Der Vorsitzende Dittmann erwidert, der Partei- ausschuß sei von der Auffassung ausgegangen, in diese Kom- Mission nur an dem Streit unbeteiligte Genossen außerhalb Sachsens zu entsenden. Selbswerständlich werde jedoch die Kommission beide sächsischen Richtungen genügend hören. Der Parteitag beschließt im Sinne des Parteiaus- schusses. Als W e l s das Wort �Inn Vorstandsbericht nimmt, entwickelt sich ein Sturm dvn redelustigen Genossen auf die Schriftführer, der die Erfahrungen früherer Parteitage weit übertrifft. Im Augenblick haben sich mehrere Dutzend Genossen und Genossinnen zum Wort gemeldet. Der Andrang wird so störend, daß Wels nach einigen Einleitungsworten unterbricht und um Ruhe auf dem Podium bittet. Der Vorsitzende Ditt- mann erklärt, daß diese frühzeitigen Wortmeldungen zwar der Uebung früherer Parteitage entsprächen, da diesmal aber die Diskussion über mehrere Vorträge verbunden werde, fei es doch richtig, Wortmeldungen erst zu Beginn der Nachmittags- sitzung entgegenzunehmen. Der kurze Zwischenfall zeigt jeden- falls, daß mit sehr lebhaften Erörterungen zu rechnen sein wird. Wels selbst hat einen ausgezeichneten Tag. Sein sorg- fältig durchgearbeiteter Vortrag wird für die Partei von dauerndem Werte bleiben. Glaubt Wels auch nicht an große grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten in der Partei, so geht er doch den Fragen, die bis in die jüngste Vergangenheit im geistigen Leben der Partei oft heftige Gegensätze hervorgerufen haben, nicht aus dem Wege. Im Gegenteil arbeitet er gerade die Stellung der Partei zur Demokratie, zur n a t i o- nalen Einheit und Freiheit mit begrüßenswerter Entschiedenheit heraus. Wels bekennt sich nicht nur zur Demo- kratie als einer der größten Errungenschaften der Arbeiterklasse, sondern ruft auch dem Parteitag zu, solange Deutschland nicht aus dem nationalen Elend herausgeführt werde, würden wir leider das Ohr des Volkes für unsere sozialistischen Ideale nicht in vollem Maße haben. Die Partien der Rede, die sich gegen denMißbrauchdesberechtigtenNational- g e f ü h l s durch unsere Nationalisten wendet, aber auch seine scharfe Grenzlinie gegen die der Reaktion dienende poli- tische Verhetzung der Massen durch die Kom- munisten waren besonders wertvolle politische Gedanken. Ein gutes Wort prägte Wels zur Abwehr der schauspielerischen Reliquienverehrung Moskaus für den t o t e n M a r x. Wäre beute der Gründer des wissenschaftlichen Sozialismus noch am Leben, so säße er in Rußland sicher im Gefängnis. Das Verhältnis der Kommunisten zu Karl Marx sei so, wie die Liebe vieler heutiger Christen zu dem toten Christus, wäh- rend der lebendige Christus auch heute noch einmal ans Kreuz geschlagen würde. Im Sinne der Ausführungen des Genossen Wels gegen die Internationale Arbeiterhilfe als einer kommu- nistiscken Kampforganisation läuft noch während des Vortrags ein Antrag Sollmann ein, der von vielen Genossen und Ge- nossinnen unterstützt ist, die Beteiligung an der Internationalen Arbeiterhilfe für unvereinbar zu erklären mit der Mitglied- schaft in der Partei. An einer Stelle der Welsschen Rede blitzte auch der innere Parteistreit aus, der in den Herbstmonaten des vergangenen Jahres zeitweise die Partei in..Vorstondspolitik" und„Oppo- sitionspolitik" zu zerreißen schien. Die Ruhe, mit der der Parteitag diese Stelle der Welsschen Rede aufnimmt, läßt keinen Zweifel darüber zu, daß die Gegensätze nicht nur fach- lich. sondern auch in der Form ihres Austrags sich stark ge- mildert haben. Der Parteitag folgte der Rede des Genossen Wels mit mustergültiger Aufmerksamkeit und am Schlüsse regten sich die Hände der großen Mehrheit zu stürmischen Beifallstund- gedungen. ** Bors. Dittmann eröffnet die erste Sitzung des Parteitages um 9.20 Uhr und verliest ein Vegrühuugstelegramm der Sozialdemokratischen Partei Lettlands, sowie ein Schreiben der französischen P ortet, die bedauert, angesichts der politischen Ereignisse in Frankreich der Einladung zum Parteitag nicht Folge leisten zu können. Zum Punkt 3 der Tagesordnung, Referat des Gen. Hermann Müller über den Bericht der Reichstagsfraktion begründet daraufhin Zkeißner-Dresden einen Antrag auf ein Korreferat für die Fraktionsminderheit: Es ist kein Geheimnis, so führt Fleihner aus, daß ein« Frok- tionsmehrheit und-Minderheit besteht, was sogar bei Abstimmungen Etage getreten sei. Die Tatsache, daß die Politik der Partei in stärk- m Maße beeinflußt und gemacht wird von der Reichstagsstaktion, ß aber andererseits die Partei und die Genossen im Reiche die Verantwortung für diese Politik zu tragen haben, ist wohl geeignet, daß wir uns auf dem Parteitag eingehend über diese Dinge unter- halten. Zwar fetzen wir voraus, daß der Referent auf diese Dinge eingeht, aber bei der größten Sachlichkeit des Referenten slheint mir das bei der Wichtigkeit und Schwierigkeit der Materie völlig un- möglich. Es ist ein alter Brauch rn der Partei gewesen, in wich- tigen Angelegenheiten, wo starke Meinungsverschiedenheiten ge- herrscht haben, auf dem Parteitag beiden Richtungen das Wort zu geben. Wir haben wiederholt in solchen Lagen Referat und Korreferat gehabt. Um die Wichtigkeit der zur Debatte stehenden Fragen zu unterstreichen, erinner« ich nur an die Ruhrattion, an die Bildung der großen Koalition, cm die Frage der Ermächtigungsgesetze. Schon dies« drei Fragen würden unser Aerlangen nach einem Korreferat rechtfertigen. Ich darf dabei darauf hinweisen, daß der Ausfall der Reichstagswahl von diesen Fragen beeinflußt worden worden ist und ganz zweifellos zuungunsten unserer Partei. Bei dieser Sachlage müssen wir uns über diese Fragen eingehender auseinandersetzen. Das Korreferat soll nicht nur zur Erleichterung, sondern auch zur Abkürzung der Debatte bettragen Ich bitte den Parteitag, den Antrag anzunehmen. (Bravo!) Schreck-Bielefeld: Nicht nur aus sachlichen, sondern auch aus taktischen Gründen sind wir gegen ein Korreferat. Was verstehen die Antragsteller unter Fraktionsminderheit? Es ist doch bekannt, daß Minderheit und Mehrheit manchmal stündlich in der Fraktion wechselten, weil unter dem Druck der wirtschaftlichen und politischen Hochspannung unserer Zeit der Politiker nicht nach einem Schema von anno dazumal lzandeln kann, sondern nach den Interessen des demokratischen Sozialismus handeln muß. In der Frage des Ermächtigungsgesetzes kommt noch die be- kannte Tatsache hinzu, daß die beiden Fraktioneoorsitzenden Müller und Dittmann gegen die szaltung der Mehrheit der Fraktion waren und daß sie also die Fraktionsmmderheit auf beste zu repräsen- tieren in der Lage sind. Auch m der.Frage der großen Koalition sind Minderheit und Mehrheil der Reichstagsstaktion durcheinander- aelaufen. Niemand in der Fraktion war gegen Hermann Müller als Referenten in der Frage der Koalition: dsnn es handelt sich m der Hauptsache doch darum, kurz zusammenzufassen, was war, und Richtlinien zu zielen, was kommen muß. Früher handelte«s sich in solchen Fällen um Dinge, ich erinner« an die Agrarfrage, wo Mehrheit und Minderheit in einem geschlossenen Verhältnis zu den Fragen standen. Es gibt leider immer noch Genossen, die glauben, daß nur sie Aufklärungsarbeit leisten können. Aus dieser Ein- stellun« heraus kommt der Antrag auf ein Korreferat. Dabei ist über das Ermächtigungsgesetz und die groß« Koatitian viel zu viel geredet worden, eine Orientierung ist da nicht mehr mog- lich. Aber auch die Debatte wird nicht abgekürzt durch em Kor- refcrat, weil dadurch nur sachliche Richtigstellungen notwendig werden. Wir haben aber in diesem Augenblick alle Veranlassung, gegenüber dem Ansturm von rechts und links eine kompakte geschlossene Aloni herzustellen. Daher dürfen wir uns nicht in Einzelheiten verlieren. Wir brauchen vielmehr eine scharfe Kundgebung nach außen, um den Interessen des demokratischen Sozialismus zu dienen. Aus diesem Grunde bitten wir um Ablehnung des Antrags. Auf Dorschlag des Dorf. Dittmann wird auf ein« weitere Debatte verzichtet. Bei der Abstimmung wird der Antrag aus Einsetzung eines Korreferenten zum Bericht der Reichstagsstaktion mit ZZS gegen III Stimmen abgelehnt. Norf. Dittmann: Parteiausschuß, Kontrollkommission und Partei- vorstand, die am Mittwoch getagt haben, unterbreiten dem Patreitag den Vorschlag, die Referate des Gen. Wels zum Parteivorstand»- bericht, des Gen. Ludwig über die Organisation und des Gen. Möller über die Reichstagsfraktion hintereinander er- a t t e n zu lassen, um dieselbe Diskussion beim ersten und zweiten unkt der Tagesordnung zu vermeiden. Der Parteitag schließt sich dieser Auffassung an. Der Konflikt in Sachsen. In der Sitzung der drei Körperschaften ist auch die Frage der Parteidifferenzen in Sachsen besprochen worden. Ein- hellig war man der Auffassung, daß es zweckmäßig wäre, eine Kom- Mission einzusetzen, oor der alle Einzelheiten der sächsischen Differenzen rückhaltlos erörtert werden und daß dann diese Kom- Mission mit einem Vorschlag cm das Plenum des Parteitages heran- tritt. Pflicht der Kommission soll«s sein, zunächst den Versuch einer Verständigung unter den sachsißhou Genossen zu machen: erst wenn dieser fehlschlägt, soll die Komnnssion von sich aus mit einem entscheidenden Antrag an den Parteitag herantreten. Da alle Genossen, die in Sachsen im Vordergrund stehen, in dieser Angelegenheit Partei sind, soll oon der deutschen Gesamt. Partei dt« Entscheidung gefällt werden. Dt« sächsischen Genossen sollen oon beiden Seiten in ausgiebigster Weise gehört werden, aber in die Kommission selbst nicht delegiert werden. Partei- ausschuß, Kontrollkommission und Parteioorstand schlagen für diese sächsische Kommission folgende neun Genossen vor: Lementzow- Altona, Blum- Burg, Hoffmann- Elberfeld, H e i l m a n n- Brandenburg, B u ch w i tz- Görlitz. Moltmann» Schwerin, D i e t- r i ch- Weimar, Öfter» Stuttgart,' Simon- Augsburg. Liebmann-Leipzig: Di« sächsische Delegation ist zu der Auf- fassung gekommen, daß wir die schwersten Beden ken gegen die Zusammensetzung der Kommtsston äußern müssen. wenn die sächsischen Genossen bei dieser Entscheidung über Sachsen ausscheiden sollen. Ich möchte dringend bitten, daß einige Partei- genossen aus Sachsen in die KommWon genommen werden, damit nicht der Eindruck erweckt wird, als ob die sächsischen Genossen von von vornherein cm die Wand gedrückt worden wären. Dadurch würde die Bedeutung der Kommission von vornherein untergraben; es wäre nur klug, wenn einige sächsische Genossen in der Kommission sitzen. Die Arbeit der Kommission wird nur erleichtert, wenn Ge- Nossen aus Sachsen vertreten sind, die die Dinge aus eigener An- schauung kennen. Wir haben nicht einen Bezirk mehr in Sachsen, der hinter der Mehrheit der Fraktion steht. Ich bitte dringend, den Antrag, zwei Genossen aus Sachsen in die Kom- Mission zu wählen, cmzunehmen. Bors. Dittmann: Die Argument« Liebmanns sind in der Sitzung des Parteiausschusses alle zur Sprache gekomnien, aber nach aus- aiebiger Aussprach« wurde der Beschluß so gefaßt, da die zwei sächsischen Stimmen in der Kommission sich so» wieso aufheben würben. Die große Mehrheit de» Parteitage» tritt bei dir Abstimmung für die vom Parteiausschuß vorgeschlagene Neuner-Kommission ein. Zum bericht ües parteivorstanües erhält das Wort Otto Wels: Der Parteitag, zu dem wir uns oersammelt haben, ist der erst« nach der Bereinigung von Nürnberg, der erst« der Ver- einigten Sozialdemokratie Darin liegt seine besondere Bedeutung. Gewiß werden oerschieden« Strömungen auf ihm zutage treten. Das ist schon früher der Fall gewesen: aber ebenso wie stüher wird auch dieser Parteitag als Derkärperung einer Partei erscheinen, die einig ist und entschlossen, einig zu sein. Di« Zeit, in der ee zwei Parteien gab, liegt wie ein böser Traum hinter uns und nie- mand hat den Wunsch, den Streit in zwei Parteien wieder herbei- zuführen. Da» Wesen einer Partei besteht nicht darin, daß alle einer Meinung sind— das ist unmöglich—, sondern daß jeder nach recht? oder links sein« Stellung stei wählen kann, ohne on ein« Schranke gebunden zu sein. Die Einigung der Partei in Nürnberg hat die Bewegungsfrei heitdereinzelnenMitglieder stark vermehrt. Von dem Recht der geistigen steien Entwicklung ist in der Partei weitester Gebrauch gewacht worden. Ueber allem aber spannt sich heute der verbindende Bogen der gemeinsamen grundlegen- den AuLassung. Ich glaube nicht, daß es auf diesem Parteitag De- backen von höherer prinzipieller Bedeutung geben wird. In dieser Beziehung find wir heute einiger, als es die geeint« Partei oor der Spaltung jemals war. Wir sind einig in dem Festhalten an unserem großen sozialistischen Endziel, einig aber auch in der Er- kenntnis, daß uns kein Wunder den Endsieg in den Schoß legen wird, fondern nur die methodische Schulung der Kräfte des arbeiten- den Volks uns dem Endsiege schrittweise näherbringen kann. Wir unterschätzennichtdieKrästederGegner. Wir wissen. daß es der Kapiialsmacht um die Herrschaft im Staate geht, wir wissen, was sie leistet, um die Press« für sich zu gewinnen. Dieser kapilalsmachl die organisierte Kraft des Proletariats entgegenzustellen, ist unsere Aufgabe. Wir sind uns einig auch darin, daß der Klassentamps gegen das Kapi- tat feinen besten Boden findet in der D e m o t r a t i e. Eß gibt kein schlimmeres Wort zur Verttetsterung der Proletariergehirn« als jenes, das dt« Demokratie als die bloß« Kulisse der Kapitalsherrschaft be- zeichnet hat(Sehr richtig!) Haben sich etwa die Kapita- listen je für die Demokratie eingesetzt? In England waren es die Chartisten, in Paris die Arbeiter, in Deutschland Lassalle, die zuerst für Demostack« gekämpft halben, und in all diesen Kämpfen stand die Bourgeoisie aus der anderen Seit« der Barrikaden. Vor diesem Hause haben einst die Arbeiter Berlins für das gleiche Wahl- recht, für di« Demokratie demonstriert. In diesem Saal hat s a h r- zehntelang das Dreitlassenparlament aetaat, hier sind die großen Kämpfe um das gleiche Wahlrecht in Preußen geführt worden allein oon den Vertretern der Arbeiter. Verdammt iso- liert waren dt« wenigen Sozialdemokraten in diesem Haust, zähester Widerstand wurde ihnen von den Junkern geleistet. Erst bei dem großen Zusammenbruch kam dos allgemein« Wahlrecht, als di« Forde- rung der deutschen Arbeiterttasse, der deutschen Sozial- demokrati«. Da» persönliche Regiment und da» Dreiklasieawahlrecht in Preußen waren die Wälle, die sich dem Bormarsch der Arbeiter entgegensiellteu. Und jetzt wo diese Wälle gefallen sind, soll das alle» nichts gewesen sein? Gewiß hat nie ein Sozialdemostat geglaubt, daß mit der Erringung der demostatischen Staatsoerfassung schon alles gewonnen sei. Aber es war doch gewiß nicht Nichts, wie immer wieder den Arbeitern zugerufen wird, um ihnen di« Freud« an dem Errungenen zu rauben. (Sehr wahrt) Da» gleiche Wahlrecht gibt un« jetzt di« Möglichkeit, in stdem deusichen Parlament die Mehrheit zu gewinnen. So müssen di« deutschen Arbeiter vernünftigerweise an der Demokratie stslhaiien, um durch sst zur Mehrheit zu kommen und dann im Bc- sitze dieser Mehrheit ihren Gegnern zurufen zu können: Der Staat sind wir, di« Arbeiterklasse! Ueberall, wo der demokratisch« Gedanke in Europa Einbuße erlitten hat, hat er sie erlitten durch di« Gegner der Arbetterklass«, wie in Italien durch Mussolini. In Frankreich hat M i l l e r a n d schon am Anfang seiner Prästdentschast di« Diktatur angekündigt, an der er di» zu dem Augenblick festhielt, m dem ihn der Sturm hinwegfegst. Also wir sind einig im Kampf für den demokratischen Staat. dessen Gründung in diesem Saal« stackfand, als der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte 1918 mit überwältigender Mehrheit die Ausschreibung von Wahlen zur Nationaloersammlung beschloß. Seil dieser Zeit treten wir ein für Demostatte, für die Republik und für die Reichseinheit, für die politische, territoriale, iwanztell« Reichseinheit, ohne die es Bartet formiert werden. Die Gdaren fleinbürgerlicher, ja auch| 500 Ortsgruppen, ist ber Blak, mo umfere Parteigenoffen zu arbeiten der politisch nicht geschulten Arbeiterschaft, die jetzt zwischen Sowjetstern und Hafenfreuz haben. Die Komm. Partei aber ist uns feind, wenn auch Klassen genossen in ihr tätig sind. Gegen sie tann es nur einen geschlossenen Rampf geben, und entschieden und klar muß die Schei. Dungslinie hier auf dem Parteitag gezogen werden. Manchem mag das nicht leicht fallen, der in Nürnberg nur mit halbem Herzen die Einigung mitmachte und mehr zu den Kommunisten neigte. Die Einstellung zu den Kommunisten ist eine von den Fragen, die der Partei bei der Einigung die schwersten inneren Kämpfe bereitet hat. Das scheinbare Einlenken der Kommunisten nach dem mitteldeutschen Aufstand täuschte manchen Genossen. So tam es zur Zusammenarbeit in Thüringen und Sachsen, wo man besonders vertrauensselig war. Es waren nicht nur die Unabhängigen, die durch Halle noch ft Deutschland Beine Demokratie und erft recht teine Sozialdemo. fratie geben tann. Wir, die wir immer für unterdrückte Völker eingetreten find, haben das Recht und die Pflicht, für die natio. nale Freiheit unseres Boltes einzutreten. Leider gibt es noch Parteigenossen, die in dem Kampf für die Reichseinheit nichts feben als nationalistische Sentimentalität, die geeignet ist, die politischen Ziele der Partei zu verschleiern, genau so, wie uns unsere Gegner auf der anderen Seite unterstellen, daß wir zum Stimmen.. fang das nationale Mäntelchen umhängen, um unser internationales Gesicht zu verbergen. Diesen Gegnern brauchen wir nicht mit Worten zu begegnen, wir haben für die Reichseinheit unausgesetzt mit der Tat gearbeitet. Die Haltung der sozialdemokratischen Mitglieder an der Saar, am Rhein, an der Ruhr hat bewiesen, daß uns der Wille zur Erhaltung von Staats- und Reichseinheit fein zieren erst recht eine Todsünde an den heiligsten Menschheitsrechten, mehr gelernt haben fonnten als die SPD.- Leute. Lippenbekenntnis, sondern Herzens- und Ueberzeugungsfache war, die wir oft nur unter den schwersten Opfern aufrechterhalten haben.( Sehr richtig!) Aber manchen Parteigenossen scheint der Sinn zu fehlen für den Wert der Reichseinheit und für die Gefahren, in der sie manchmal war. All zu oft haben wir vor landespolitischer Warte aus Reichspolitik treiben sehen. Das dient allein den Separatisten. Ein Zerfall Deutschlands würde auch die schlimmsten Folgen für die Partei haben. An der Entwicklung in Sachsen und Thüringen und Mecklenburg, in den okkupierten Gebieten haben wir die Folgen einer solchen Berstückelung erlebt. Ich erinnere daran, wie im besetzten Gebiet die Arbeiter dem morgenluftwitternden Unternehmertum ausgeliefert sind, denen die französischen Bajonette zu Hilfe fommen, wie in Bayern die Niederknüppelung der Partei dank einer hochverräterischen Diftatur von oben her sanktioniert wird. Soviel Absplitterungen, soviel mißerfolge der Arbeiterpartei. All das gibt uns einen Borgeschmad deffen, was uns passieren würde, wenn die Reichseinheit zum Teufel ginge. Dabei ist heute noch die Sozialdemokratie die weitaus stärkste Frattion im Reichstag, und die Reichsregierung steht doch noch auf einer höheren Warte als die deutschvölkischen Desperados, die sich in den einzelnen Ländern an die Oberfläche gearbeitet haben. Nehmen Sie das alles weg, beseitigen Sie die Demokratie, so gefährden Sie unsere sozialistische Zukunft. Solange die Frage der Reichseinheit, eines unabhängigen Nationalstaats Deutschland nicht gelöst ist, so Republik und Pazifismus immer in zweiter Linie stehen, so lange werden wir das Volk nicht in dem Maße für unser Evangelium gewinnen, wie wir das wünschen. Das ist die Wahr heit, ob sie uns angenehm ist oder nicht. Sie muß gejagt Bofition ableiten oder nicht. Darüber müssen wir uns flar werden, wenn wir im Kampfe die erfolgversprechende Einheit einnehmen wollen. Jezt haten sich Parteien und Kliquen dieses Nationalgefühls bemächtigt, haben diese Sehnsucht nach dem unabhängigen National staat mißbraucht, haben das berechtigte Nationalgefühl zum besinnungslosen Nationalismus umgefälscht und auf gepeitscht.( Sehr wahr!) Das darf uns aber nicht hinwegtäuschen über die Stimmung, die schon bestand, ehe noch Deutschvölkische und Nationalsozialisten in diesen Boden ihre giftige Drachenfaat gefenft haben. Das Bolt will heraus aus dem nationalen Jammer, das Bolt hat es jatt, überjatt, Gegenstand von Bedrohungen zu sein, es fann die täglichen Ohrfeigen und Beschimpfungen durch außerdeutsche Chauvinisten nicht mehr ertragen. hin- und herpendeln, find gern in die Arme des Herrn v. Graefe gefunden, find den Deutschvölfifchen zugetrieben, von den angeblichen Hauptfeinden der Reaktion, von den Kommunisten. Ohne Reaffion tein Poincarismus, ohne Kommunisten keine Reaffion. Das sind die Glieder der Kette, die Deutschland zu erdrosseln droht. Was von den Nationalisten gilt, gilt noch in höherem Maße von den Kommuniften: ihre ganze politische Weisheit besteht im Provozieren, obwohl zum mindesten die Führer sich ihrer jämmerlichen Schwäche durchaus bewußt find. Und bei den Kommunisten ist dieses Provv denn in ihrem Kadavergehorsam gegen Mostau putschen fie mit leben digen Leibern provozierter Arbeiter, an ihren Händen Plebt das Blut von Tausenden. Das Kahr- Bayern, das Großher30gtum Graefe in Mecklenburg find die Erfolge diefer kommunistischen Internationale.( Sehr wahr!) Theoretisch führt sie heute den Kampf im Namen des Marrismus. Sie allein glaubt ihn richtig interpretieren zu können. Einer ihrer deutschen Akademiker, Professor Korsch, führs jetzt den Nach weis, daß die Verflachung des Marrismus bereits begonnen habe, als Marr das„ Kapital" verfaßte und als die Erste Internationale in den sechziger Jahren gegründet wurde. Er stellt deren Manifeft dem kommunistischen Manifest gegenüber und sagt, schon damals fehlte es an der revolutionären Leidenschaft, die heute von den Kommunisten, damals von den Batunisten vertreten wurde und der gegenüber Ser Generalrat der Ersten Internationale sagte, er seize bie ernste und stille Arbeit an die Stelle der lauten Marktschreierei der Bortrevolutionäre.( Sehr gut!) Jetzt hat die Komm.Partei für alle Parlamente vom Dorf- und Stadtparlament bis zum Landes- und Reichsparlament ein Egerzierreglement des parlamentarischen Knotentums herausgegeben, das alles enthält bis zum Hinauswurf. Hierin zeigt sich, was es mit der Regierungstätigkeit der Kommunisten auf sich hatte, von der unsere Genossen in Sachsen einstmals träumten. Der damalige Versuch führte Herrn Heinze nach Sachsen und machte das Eingreifen des Parteivorftandes nötig, deffen schriftliche und mündliche Einwände unbeachtet geblieben waren. Wir vom Parteivorstand traten für die Bildung einer Regierung mit den Demokraten ein, um Herrn Heinze so schnell als möglich aus Sachsen herauszubringen. Jede Stunde war damals eine Gefahr. Diese Arbeit war schwer, aber wir find stolz darauf, sie geleistet zu haben. 24 Stunden haben genügt, um Heinze zu entfernen. Ich will auf 3eigners Politit nicht weiter eingehen, aber ich bin gezwungen, Niemand war sich klarer darüber als Mary, daß der Marrismus hier daran zu erinnern, daß Zeigner dem Parteivorstand unter lebin der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert ein anderes Gesicht haftem Beifall einer Berliner Barteiversammlung der moralischen Rorruption bezichtigen fonnte, ben Beweis aber ablehnte, so daß zeigen müffe als zurzeit des Kommunistischen Manifests, auf Grund der Riefenentwicklung der ökonomischen Verhältnisse. fich der Parteivorstand noch jest im Berteidigungszustand befindet. Den Höhepunkt deffen, was gegen uns und unsere damalige Haltung Den Unsinn, das Kommunistische Manifest als Heilige geschrieben worden ist, stellt zweifellos ein Artikel des 3 widauer Schrift hinzustellen, hat niemand schlagender widerlegt als unser Barteiblattes bar, in dem gesagt wurde: 60 000 Mann Solösterreichischer Genosse Otto Bauer, indem er einfach die Frage daten mußten aufmarschieren, um 3 Kommunisten zu entfernen; aber aufwarf, ob jemand glaube, aus einem Lehrbuch der Phyfit von 1848 felbst diese waren zu schwach, so daß zwei Männer vom Parteivorheute im Jahre 1924 einem Menschen den Stand der heutigen stand, alfo Dittmann und ich, tommen mußten, um die Sache zu zu können. Die Dekonomie hat sich in dieser Zeit ebenso entwidelt wir damals nicht eingegriffen hätten, das zeigt Thüringen, das die allein wahre ungetrübte Quelle der Erkenntnis der Dekonomie müßten aus der Partei gestoßen werden, träfe alles zu, was man mie die Phyfit; aber noch sollen die Lehrbücher aus dem Jahre 1848 zeigt medlenburg.( Sehr richtig!) Wir vom Parteivorstand fein! Marg ist nicht nach Moskau, sondern nach London gelion bringend, sich nicht abhalten zu lassen, die Reinigung an Haupt uns an den Hals gehängt hat. Ich bitte die Genoffen von der Oppogangen, um die kapitalistische Wirtschaft zu studieren. Der Ge banke, daß das ökonomisch zurüdgebliebene Rußland und Gliedern vorzunehmen, die sie angekündigt haben. Wir waren nun plöglich ein Vorbild sein soll für alle Länder, ist ein Sohn gezwungen, in einer feinen Schrift uns gegen das Treiben der Oppoauf Marr selbst. Genau so wie viele Christen den lebenden fition zu wenden. Um welchen strupellosen Kampf es sich Chriftus heute noch einmal ans Kreuz schlagen würden, sehnen sich handelt, zeigt, daß in München zwei Tage vor der Reichstagswahl die russischen Machthaber heute nur noch nach der Asche von Karl in der Flugschriftenreihe der Opposition die Broschüre Der Fall Marg, um mit ihr einen abergläubischen Hokuspokus zu großen und ganzen während des Wahlkampfes die Parteipreffe Auer" erscheinen fonnte. Andererseits ist anzuertnnn, daß im treiben. Der lebende Marg würde in Sowjetrußland genau so im Gefängnis fein wie es jegt die besten einheitlich eingestellt war. Erfreulich ist auch, daß die grundfägliche Einheit der Parteien nicht haltmacht an den Grenzen des Sozialdemokraten bort sind.( Sehr wahr!) Reiches, fondern sich auf alle Glieder der Internationale erstreckt. Daß die Internationale wieder dasteht als gefchloffene, affionsfähige Macht, rechne ich zu den größten Taffachen der Weltgeschichte. Bir find stolz darauf, daß die Einigung der sozialistischen Inter nationale die erste sichtbare Frucht der Einigung der deutschen nationale die erste sichtbare Frucht der Einigung der deutschen haben ihr den Weg bereitet dazu, daß sich diese Tatsache auf Sozialdemokratie war. Wir deutschen Sozialdemokraten lifchen, französischen, österreichischen, dänischen Genossen haben wir deutschem Boden in Hamburg vollzog. Mit unseren enggejubelt ob ihres Sieges. Uns alle eint der gemeinsame Wille, die gegenwärtige Schwäche der Arbeiterklasse als Folge des Krieges zu überwinden und eine Grundlage zu gewinnen, von der aus ein neuer Aufstieg möglich ist. Durch unsere Kraft und unter inferer Führung hat die Politik der friedlichen Berständigung im Deutschen Reichstag einen großen Sieg erfochten. Töricht war es, zu glauben, der Ausgang einer Wahlschlacht könnte genügen, über die deutsche Sozialdemokratie zur Tagesordnung überzugehen. Untraut tann schneller wachsen als der Baum. Aber der Baum wächst weiter, wenn das Unkraut längst verdorrt ist. Dem deutschen Bolte zuliebe, nicht sich selbst zuliebe, muß die Partei ihren einheitlichen gefchloffenen Weg weitergehen. Einig wollen wir marschieren, einig wollen wir schlagen, unter der alten aẞrole: Alles für das Bolt, alles durch das Bolf!( Lebh. Beif.) Der Kommunismus von heute ist durchaus reaktionär. Bürgerliche Politiker, Staats- und Kommunalbeamte, aber leider auch Sozialdemokraten sind der Arbeiterhilfe auf den Leim gefrochen. Dabei sind wir im Besiz eines stenographischen Protokolls des 21er- Ausschusses, in dem Anweisungen für die Internationale Arbeiterhilfe gegeben sind. Gegen die pazififtische Einstellung der Arbeiterschaft soll nach diesem kommunistischen Ererzierreglement angefämpft werden, während die deutsche Arbeiterschaft und die Sozialdemokratie den Gedanken„ Nie wieder Krieg" propagiert. Im 21er- Ausschuß sihen Männer der Internationalen Arbeiterhilfe, die wie Ludendorff es als blödsinnig er klären, diese Gedanken zu propagieren. Das Volk will nur eins: die Ruhe und Sicherheit, wie sie flare Grenzen, wie sie scharf umrissene Pflichten und wie fie unangefochtene Rechte geben fönnen. Die Gefahr, daß weite Kreise des Boltes dem Charlatan des Chauvinismus verfallen würden, hat Scheidemann auf dem Würzburger Parteitag schon gekennzeichnet, als er fagte, daß, wenn wir nach dem Kriege zur Macht fämen, es uns pajfieren könnte, daß das mißhandelte Bolt zu anderen Wunderdoftoren läuft, um bet ihnen Heilung zu finden. Um so mehr müssen wir unserem gepeinigten Bolle helfen, um sein und unser Haus wiederherzustellen. Wir standen mit an der Wiege der deutschen Republik, deren Geburtsstunde im Zeichen des bösen Sterns, des Waffenstillstandes stand, und wir haben heute die Pflicht, für diese junge, unglückliche Republik zu tämpfen, für ihre Einheit und Wirkungsmöglichkeit. Wir müssen die Paladine der Reichseinheit sein und bleiben. Eine zerschla gene und gefchlagene Republit steht, wenn übersächlich ist es der Arbeiterhilfe" möglich) geworden, fast in allen haupt, dann nur als Monarchie wieder auf. Das lehrt die Geschichte.( Sehr wahr!) Das wissen unsere Bölkischen auch sehr genau, und deshalb ihr frivoler Rampf gegen die Repu blit. Also: wer die Reichseinheit gefährdet, der hilft der Reattion und der Monarchie.( Sehr wahr!) Nur in der Reichseinheit fann die große sozialistische Armee und Aus dem Protokoll geht hervor, daß die Arbeiterhilfe von der Kommunistischen Internationale nur geschaffen ist, um fommunistische Politik zu betreiben, wo es anderwärts nicht möglich ist. Die Anweisungen lauten ausdrücklich dahin, in die Gemertschaftspreffe und in die bürgerliche Preise einzubringen und Schritte zu tun, die die Komm. Partei selbst nicht tun fann. LatLändern Propagandaftellen zu gründen. Ihr Zwed ist die große Propagandaarbeit für Sowjetrußland. Für alle Genoffen, bie noch in der Internationalen Arbeiterhilfe tätig sind, genügen die Anweisungen an die Arbeiterhilfe" zur Erkenntnis, daß diese Hilfs. organisation nur zum Aufbau der Komm. Partei bestimmt ist. Die ,, Arbeiterwohlfahrt", unsere Parteiorganisation mit ihren 1 Es folgt das Referat Ludwig über Organisation, Agitation und Raffe. Grillparzers„ Medea" im Staatstheater. Opfer feiner wilden Bhantafie, feiner nie gefühlten Liebesglut und befriedigende Lösung, zumal natürlich die Meinungen über den in das Innere des genialen Defterreichers, der zugieich Held und wichtiges französisches Stück zur Aufführung brächte. Das ist keine feiner philantropischen Unerfättlichkeit gewesen ist. Menschen des im Lichte schwelgenden Orients fahen eine blin fende Wolbe, die sich ganz einsam am blauschwarzen Himmel angeKarlheinz Martin, der Regisseur, hat nicht ohne Geschid siedelt hatte. Diese Dunstinsel, die goldener Sonnenbrand über lichkeit, aber auch ohne Ehrfurcht vor dem Grillparzerschen Wort die flutete, regte die Phantasie der Griechen an. Wenn sie nicht nur am fünfattige Tragödie auf drei Atte zufammengestrichen. So wird das Firmament zu entdecken wäre, sondern auch auf der greifbaren Erbe! Widerspiel zwischen Medea und Jason deutlicher. Ein großer Dialog, Bie ein goldenes Bließ hing diese Wolte am Himmel. Würde sich ein riesiger Monolog, das sind die Mittelpunkte, um die alles freift. dieses Bließ zur Erde senten, dann müßte es erobert und aufbewahrt man wagt es nicht, den Regisseur wegen dieser Arbeit zu fchelten. merden von zauberhaft begabten Magiern, dann müßten diese Bau- Sonst wäre ihm vorzuwerfen, daß er die Bühne allzu primitiv aufberer mit Hilfe des Bließes über märchenhafte Kräfte verfügen. Gebaut. Der Gegensatz der düsteren Ereignisse zu der unendlich heiteren fragte, so formte die antike Phantasie, und sie suchte und fand den Landschaft Korinths, das hätte blühendere Augenwirklichkeit sein höchſt fabelhaften Mythos jener Medea, die eine barbarische Herrin müssen. Es ist in diesem Stüde immer peinlich, daß eine winzige des goldenen Bließes gewefen war, die Gattin eines schönen, aus ful- Risbe und ein metallener Refsel die ungeheuren Zauberwaffen tivierter Fremde kommenden Königsfohnes wurde und ihre Kinder Medeas einschließen sollen. Warum stellt man die Zaubertruhe und umbrachte, weil Jason, der Gatte, ihrer barbarischen Wilbheit und alles, was dazu gehört, nicht in das Märchendunkel der Bühne? magischen Schrecklichkeit nicht treu blieb. Der Mythus von Medea Karlheinz Martin, der Regisseur, hat noch keine neuen Mittel entund Jason stellt die Menschwerdung der Sehnsucht dar, die Bewohner bedt, um die Aufführung der Medea vom ehrwürdigen Hoftheaterstil des antiken Abendlandes nach den Bundern des dunklen Märchen zu befreien. Beinahe möchte man ihn deswegen loben. Denn gerade morgenlandes fühlten. Jason ist der klassische Träger dieser Sehnsucht, Gerda Müller, die Medea, Herr Ebert, der Jason, Herr Medea ist Urborn und Erweckerin des Abenteurer- und Wikinger- Frand, der forinthische König, Frau Schön, die blonde Königsrausches, der seit altersher die Jünglinge und reifen Männer in die tochter, und schließlich Rosa Bertens, die Amme Gora, hingen unbekannte Welt hinaustrieb, mochten sie run Jason, Odysseus oder fanatisch an rhetorischen Ueberlieferungen der Vergangenheit. Sie Christoph Columbus heißen. Das mytische Helenentum mochte nur pflegten diesen Stil wohl, weil sie vom Regisseur dazu ermuntert annehmen, daß der See- und Schicksalsfahrer Jason Todestragif ge- wurden. Auch dieser Mann, der schon zu anderen Göttern schwor, winnt, indem er die Segel lichtet. Bleibe im Land und verheirate befehr: fich wieder zu dem Aften. Solche Rückkehr ist nicht gerade dich nicht mit schwarzhaarigen Barbarentöchten, die den Untergang notwendig. Denn es gibt einen Unterschied zwischen der Ueberliefe verhaßter Brüder und Schwestern heraufbeschwören. Das war die rung, die noch dem Verweltben getreu ist, und der jungen Kunst, die hausbadene Bürgerlehre diefer heroischen Legende. sich von der spielerischen Uebertreibung fem hält. May Hochdorf. " Was Grillparzer zu dem Medeenmythus hinzog, war eine zergrübelte und gemarterte und nie befreite Junggesellennatur. Er gönnte seiner Phantasie jedes Abenteuer, indem er zugleich zwei liebliche Frauen mit seinen Träumen umwob. Aber er war fein ErDie Volksbühne als Asyl französischer Kunst. oberer, er war nur ein schmachtender, vor der Wirklichkeit ver- Die Berliner Volksbühne hatte im Verwaltungsrat des Deutschen ſtummender Frauenlob. Alles, was er von der Herrlichkeit und Ge- Bühnenvereins den Antrag gestellt, daß der völlig überflüssige uno fährlichkeit der Frau wußte, auf Erfahrung beruhte es faum, aus der schädliche Boykott franzöfifcher Bühnenwerfe aufgehoben würde. Ahnung entsprang es nur, es loderte nur aus dem lohenden BerWie aus dem eben erscheinenden zweiten Vierteljahrsheft der Boltslangen. Traumerlebnis und Enttäuschung entzündeten ein Kunst- vereine, ersichtlich ist, hat der Deutsche Bühnenverein den Antrag bühne", der Zeitschrift des Verbandes der deutschen Bolfsbühnen. wert, das die Krankhaftigkeit der tollen Weiber und unbefriedigten der Berliner Boltsbühne abgelehnt. Die Leitung der Berliner Männer entlarvte. Blutzeugnis für das ungeheure Leid, in dem sich Boltsbühne hatte dann vor, den Antrag bei der Generalversammlung der Märtyrer und Tragiker Grillparzer wand, wird spürbar in der des Deutschen Bühnenvereins zu wiederholen. Da aber die erforder großartigen Gründlichkeit und Melodif seiner dramatischen Abrechliche Anzahl von Unterschriften nicht rechtzeitig vorgelegt wurde, nungen. Bevor Medea ihre Kinder ersticht, redet sie den tiefsinnigften fonnte der Antrag auf der Dresdener Generalversammlung nicht zur Verhandlung kommen. Es bleibt also bei der Fernhaltung franzö Frauenmonolog, dessen sinnliche und überfinnliche Schaurigkeit nur jenem Monologe verwandt ist, den Hamlet vor der Ermordung seiner cher Autoren von der deutschen Bühne. Der Vorstoß der Berliner Mutter spricht. Die Worte, mit denen Jason, dec Gatte, als Träger Bühnenvereins wurde von führenden Bersönlichkeiten ohne Wider Boltsbühne hat aber doch eines erreicht: Im Verwaltungsrat des der Kultur, und Medea, die Gattin, als Trägerin alles Urtriebes spruch erklärt, daß der Bühnenverein nichts unternehmen würde, ihren Seelenkampf ausfechten, liefern die aufschlußreichsten Einblicke wenn ein deutsches Theater ein fünstlerisch wertvolles und kulturell tünstlerischen Wert eines Stüdes auseinandergehen können. Aber es ist doch wenigstens gegenüber dem bisherigen Zustand ein gewiffer Fortschritt festzustellen. Besonders zu begrüßen ist aber, daß die Berliner Boksbühne prattische Tat folgen läßt: die schon vor mehreren Wochen ihrem Kampf gegen die Aufhebung des Bontotts auch sofort eine angefündigte Matinee, die den Besuchern der Boltsbühne eine Reihe ron wichtigen jungfranzösischen Autoren vermitteln soll, wird nun am tommenden Sonntag, mittags. 11% Uhr, im Theater am Bülowplay, stattfinden. Neben einem einleitenden Bor. trag und der Rezitation mehrerer Gedichte und Proſaſtücke wird ein fleines Wert von Charles Bildrac, einem der anerkanntesten jungen französischen Literaten, zur Aufführung gelangen. wurde, erhob sich in der rechtsstehenden Bresse ein Sturm der EntAls vor wenigen Wochen diese Morgenfeier zuerft angekündigt rüftung. Man suchte die Mitglieder der Volksbühne gegen die Lei= tung des Vereins aufzuputschen, weil dieje mit der Ansehung der Matinee angeblich die nationale Belange" verlege. Es scheint, daß diese Bemühungen bei den Mitgliedern der Boltsbühne herzlich wenig Widerhall gefunden haben. Jedenfalls ist es zu loben, daß Presse und in ähnlichen Organen nicht hat abschrecken laffen. Mög lich, daß ein paar lebernationalisten fich jetzt gemüßigt fühlen, in die Morgenfeier der Volksbühne zu kommen und dort zu demonstrieren. Es darf aber wohl angenommen werden, daß die Matinee überwiegend von Menschen besucht sein wird, die jede politische Demonſtration bei einer derartigen rein fünsterischen Veranstaltung ab. lehnen. Neue Bergbahnen. Trotzdem das Projekt der Erbauung einer Bahn auf die 3ugipize, den höchsten Gipfel Deutschlands, viela fach auf Widerspruch gestoßen ist, hat man mit der Errichtung diefer Bahn diefer Tage begonnen. Die Borarbeiten sollen Ende Juli fertig fei. Die Bahn selbst foll im Spätherbst dieses Jahres eröffnet werden. Es handelt sich um eine 3 Kilometer lange Geilschwebe. bahn, die mittels elektrischer Kraft in 20 Minuten Fahrzeit die Höhe überwindet. Die Bahn führt auf österreichischer Seite auf den Gipfel. Eine Reihe weiterer Alpenbahnen soll noch in diesem Jahre gebaut werden. In Kizbühel ist man daran, eine Seilbahn zum bei Rechenhall eine Bahn bekommen. Dieser Berg foll zu gleicher ahnen tamm zu bauen. Desgleichen soll der Untersberg Zeit von zwei Seiten, von Reichenhall und Berchtesgaden„ er= schloffen werden. Ebenso ist beabsichtigt, Bahnen auf den Staufen und auf den 3 wiefel zu erbauen. Die Große Bolfsper legt für die Monate Juni, Juli, August ein bein der Geschäftsstelle Kantstr. 9( el. Steinplatz 11581). sonderes Sommerabonnement zu erheblich ermäßigtem Preise auf. Näheres deutschen Opernbühnen bemüht haben, der Dresdener Staatsoper feines neuesten Werfes 3ntermezzo", um das ich alle großen Richard Straußens neue Opet. Richard Strauß hat die Uraufführung als alleiniger Uraufführungsbühne überlassen. Die Oper Intermezzo" ist eine bürgerliche Komödie, deren Text von Strauß selbst stammt. Staatsstreich oder demokratie. Ter reaktiouäe Ansturm gegen den Reichspräsidenten. Die Deutschnationalen demonstrieren praktisch, daß die politische Entwicklung in den Staaten Europas in engsten Zusammenhängen steht. Während sie aufs heftigste gegen die Tendenz zur Zusammenführung der europäischen Staaten auf der Grundlage der Demokratie ankämpfen, unter- liegen sie dem Einfluß der allgemeinen Entwicklung zur Demo- kratie. Sie ziehen Parallelen zwischen Frankreich und Deutschland— falsch zwar, unbegründet, unter gewaltsamer Perdrehung der tatsächlichen Voraussetzungen— aber doch so, daß sie im Grunde die Verwirklichung der Methoden der französischen Demokratie auch in Deutschland fordern. Auf diesen Boden sind sie unversehens gerutscht. Der neue französische Kurs ist ihnen unbequem, da er dem deut- fchen Chauvinismus die Vorwände nimmt. Ein Kurs Mille- rand wäre ihnen ebenso lieber wie ein reaktionärer Staatsstreich in Frankreich. Die„Deutsche Zeitung" gibt den Hofs- nungen darauf offenen Ausdruck: „Die Botschaft Millerands an das französische Volk be- deutet die Kampfansage Millerands an die neue Kam:nermehrhsit. Sie ist geschickt abgefaßt und wird ihr« Wirkung nicht verfehlen. Sie spricht in Worten von den Vertretern der Linken, die geradezu eine Veleidiaung darstellen, und man muß daraus schließen, daß Millerand entschlossen iss. den Kampf bis zum äußersten aufzunehmen. Die höhere Generalität steht auf seiner Seite und auch dieMassedcrArmee dürfte sich, wenn es darauf ankommt, für ihn entscheiden.... Dann aber, dann beginnt der Krieg in Frankreich selbst. Dann geht es totsächlich um das Ergebenis des Weltkrieges, dann wird sich zeigen, daß ein dzgeneriertes. arbeits- scheues und sich inimer mehr oerminderndes Doli nicht die Kraft besitzt, einen ohne Sieg gewonnenen Krieg zu verdauen. Uns kann die Entwicklung der Dinge, die nicht mehr aufzuhalten ist. recht fein. Deshalb nicht so voreilig, deutsche Regierung, mit der Annahme des Derfklaoungsdittats Dawes." Di« Hoffnungen der Deutschnationalen gehen also auf einen Seeg der Reaktion in ganz Europa. Sie sympathisieren mit französischen Staatsstreichplänen, um darin Vorwände für deutsche Staatsstreichpläne zu stnden. Das ist ihr wirk- l i ch e s Ziel. Aus Taktik verbergen sie dies Ziel unter — scheindemokratischen Erörterungen. Im Namen der Demo- kratie führen sie in Deutschland einen Kampf gegen den beut- fchen Reichspräsidenten. Sie sagen Demokratie, und meinen Staatsstreich. Dieser Ansturm gegen Präsident Ebert gilt in Wahr- heit der Demokratie und der Republik. Die Presse der repu- blikanischen Parteien hat deshalb den Kampf gegen die deutschnationalen Angriffe auf den Präsidenten der deutschen Republik aufgenommen. Die„Frankfurter Zeitung" weist diese Angriffe mit folgenden Worten zurück: Völlig unbegründet ist übrigens auch jener andere bei den Deutschnationalen aufgetauchte Gedanke, Präsident Ebert sei durch den Wahlausfall vom 4. Mai irgendwie desavouiert worden. Das kann schon deshalb nicht der Fall sein, weil ja das Votum für die neue Regierung Marx gezeigt hat, daß die Mehrheit die gleiche geblieben ist. Das kann auch darum nicht der Fall sein, weil eben Herr Ebert sich stets einer ganz anderen Zurückhaltung als wie der bisherige französische Präsident befleißigt hat. Man braucht sich also aar nicht darauf zu berufen, daß solch« Schlußfolgerungen einer Reichstagswahl zum Geist der Weimarer Verfassung in Widerspruch stehen würde, die ja grund- sätzlich den Reichspräsidenten nicht zum Vertrauensmann des Par- laments, sondern zum unmittelbaren Vertrauensmann des Voltes gemacht hat. Daß Herr Ebert selbst noch vom Reichstage gewählt ist. ändert daran nichts. Er ist Präsident auf Grund des Artikels 180 her Verfassung, urLi feine Amtspenode hat durch ein besonderes Reichsgesetz im Herbst 1921-ins ganz bestimmte Begrenzung, nämlich bis zum 30. Juni 1925, erfahren. Der Vorgang in Frankreich läßt also keinerlei Rückschluß auf deutsche Verhältnisse zu. Er läßt sie schon deshalb nicht zu, weil jeder Unbefangen« zugeben wird. daß der gegenwärtig« Reichspräsident nirgends im deutschen Volke persönlich Anstoß erregt hat, sondern daß er. im Gegensatz zu Herrn Millerand, sehr viel zur Mlderung. innerpolitifcher Gegensätze beizutragen versteht." Schärfer noch ist die Zurückweisung durch das„Der- liner Tageblatt": „Offenbar sind diese deutschnationalen Dialektiker von der gstsiigen Beschränktheit ihres Publikums fest überzeugt. Nur des- halb können sie es wagen, ihm„Parallelen" vorzuführen, deren Unftnnigkeit und Schwindelhaftigkeit jeder halbwegs urteilsfähige Mensch sofort erkennen meiß.„Hier wie dort" hätte die Opposition gesiegt? Ach, du lieber Gott! In Frank- reich hat die demokratische Linke in den Wahlen eine große, b«> herrschende Mehrheit erlangt. Di« Deutschnationa- len haben, trotz ihrer wüsten Agitation, ganze dreißig Mandate ge- wonnen, und wenn man ihre völkischen Brüder hinzurechnet, kommt nicht viel mehr als ein Viertel der Reichstags- abgeordneten heraus. Ohne den Beistand der Kommu- nisten würde die„siegreiche" Rechne nicht einmal eine starke Oppo- sition im Reichstage sein. Sie überschätzt sich wirklich allzu sehr, wenn sie glaubt, die gleichen Ansprüche wie die französisch« Lwksmehrheit erheben zu können, und wenn sie Ihren Mandats- zuwachs mit dem gewaltigen Sieg« dieser ftanzösischen Linken ver- gleicht." Die„Germani a" verweist auf den vollkommenen Widerspruch zwischen der Stellungnahme der Deutschnatio- nalen für Millerand auf der einen Seit« und zwischen der deutschnationalen Forderung des Rücktritts des deutschen Reichspräsidenten, und sagt weiter: Eine derartige Situation ist wohl jeder Ausnahme zugänglich und ist auf die heutige Lage Deutschlands in keiner Weise zu übertragen. Weder kann der Reichspräsident als der tatsächliche Führer der Politik der letzten Jahre in irgend- einem Partoisinn gelten, noch haben die Parteien, die etwa einen deutschnationalen Kandidaten wünschen, die Mehr. heltimDolkoderimReichsta g." In der deutschnationalen Taktik in der inneren deutschen Politik tritt aufs schärfste die Rückwirkung der inneren Um- wälzung m Frankreich auf die deutsche innere Politik zutage. Die deutsche Rechte wird unsicher und unruhig. Sie sieht eine europäische Situation herannahen, die ihr für immer alle Chancen nehmen muß. Mit allen Kräften sucht sie denn von Deutschland aus, durch die reaktionäre Beeinflussung des inneren deutschen Kckrseb, diese Entwicklung zu durchkreuzen. Sie will E b e r t stürzen, um den Triumph des Staatsstreichs über die Demokratie herbeizuführen— nicht nur in Deutsch- land, sondern in der gesamten europäischen Entwicklung... i."*■'•' V*:»-.'«.«vt*.;*----- Die Segler von pichelsöors. Wer das Seglerleben und feine intimsten Reize studieren will, muß nach Pichelsdorf fahren. Für ganze 15 Rentenpfennige be- fördert die Straßenbahn jeden Interessenten an Ort und Stelle; wenige Schritte führen uns an das Ufer der Hoyel. Sie bildet hier eine große Bucht, die scharfe Lank«, die nach drei Himmelsrichtungen gegen starke Wetter geschützt ist und nur nach Süden zu ein« Aus- fahrt zur breiten Havel offen läßt. Hier haben sich die Segler und Angler angesiedelt. In zierlichen Miniaturgärten steht Laub« an Laube, oftmals recht geschmackvoll von fachkundigen Händen erbaut. Das bekannt« Parzellenagrariertum findet hier keine Stätte; das Element des Seglers ist das Wasser. Jeder Laubenbewohner ist gleichzeitig Besitzer eines Segelbootes. Man merkt, daß hier Leute mit Geld sitzen, die in jahrelangem Sportbetrieb gute Kenntnisse erworben halben. Wahre Prachtexemplare sind unter den Booten, mit allem Raffinement des Faches ausgestattet. In diesem späten Frühjahr herrscht bis in die gegenwärtigen Tage hinein das regst« Leben und Treiben an Land, in den Winterquartieren der Boote und an den Ankerplätzen. Eine gute Pflege ist für die Erhaltung eines Segelbootes von Bedeutung, und mit fast zärtlichen Händen wird hier der alte Lack beseitigt, dort ein Rumpf neu lackiert. Liegt solch ein Wasservogel aufgebackt am Land«, überkommt dem Laien doch ein Staunen, von welchen Ausmaßen die Segelboote der Binnengewässer fein können. Der Teil des Rumpfes, der, aus dem Wasser hervorragend, auf der Fahrt zu sehen ist, ist fast der geringste. Di« riesigen Schwertkiele, dazu bestimmt, das Boot vor dem Kentern zu bewahren, geben größeren Booten«in« Höhe bis zur Bordkante von drei, vier Metern. Dementsprechend ist auch der Tiefgang, und nicht umsonst liegen viele'Boote weit draußen im See verankert. Sonntags morgens in aller Frühe beginnt der Betrieb. Korbmöbel gestatten dem Segler, in aller Bequemlichkeit sein Frühstück vor seiner Laube einzunehmen; die letzten Vorbereitungen werden getrosten, hier ein Seil nachgespannt, vorn noch ein Segel gesetzt, und nachdem die Steuerpinn« eingesetzt ist, geht es los mit vollen Segeln. Ost erlaubt die Größe des Bootes erst vollen Segelbetrieb auf offenem Wasser. Ein kleiner Hilfsmotor tackt auf, und ohne Ruder und menschliche Hilfskraft' gehts aus der Bucht. Ein« ganze Gegenwart und Zukunft von Menschengeschlechtern liegt hier auf dem Wasser. Wundervoll glänzen Segel und Boote in der Sonne. Riesigen Vogelschwingen gleich gleiten sie über das Wasser. Die größte Land- ratte wird begeistert für einen Sport, den leider nur Verhältnis- mäßig wenige betreiben können. Allenthalben sieht man bescheiden« Nachahmungen dieser stil- reinen Segelboote auftauchen, die Enthusiasten mit dürftigsten Mitteln zurechtgebaut haben. Und geht abends der Wind schlafen, treiben sie langsam dem heimatlichen Hafen zu mit dem Bewußtsein, als Herr- scher über Wind und Wasser einen genußreichen Tag gehabt zu haben. Die Leiche im Was im„Schwarzen Adler" zu Syrih beobachtet wurde. Die selsame Beobachtung eines Kellners verursachte. in dem Städtchen K y r i tz in der Prignitz ein« große Aufregung. Aus der Richtung Hamburg traf«in Auto ein und hielt vor dem Hotel„Zum schwarzen Adler". Hier hielten die beiden Insassen mit dem Chauffeur ein« halbe Stunde Rast, um zu frühstücken. Sie waren sehr ausgeregt und erzählten, daß sie ieit dem Tage vorher unterwegs seien. Bei der Zlbfghrt sah der Oberkellner neben dem Chauffeursitz unter dem Schutzleder die Leiche eines etwa-4l> Jahre alten Mannes mit graumeliertem Haar und blauem Anzug liegen. Er war so erschrocken, daß er erst eine Wrile nach der Abfahrt einem anderen Gaste sein« Entdeckung mitteilt«. Dieser machte Anzeige bei der Polizei, die nun auch die Berliner Kriminalpolizei benachrichtigte. Man nimmt vorläufig ccr, daß der Tote ein Verunglückter ,st, den das Auto mitgenommen hat. Di-Z Kriminalpolizei sahndei auf den ziemlich großen offenen Wagen, auf dem außer den Insassen auch noch zwei langhaarig« gelbgefleckt« Pudel saßen. Der Chauffeur wird alz«in etwa 45 Jahre alter Mann mit flottem Schnurrbart geschildert. Der eine der beiden Insassen ist etwa 35-40 Jahre alt und mittelgroß, hat ein volles, frisches, unrasiertes Gesicht und trug einen Regenmantel und einen grünlichen Hut. Der zweite, ein Mann von etwa 20-26 Jahren ist untersetzt, blaß, hager und bartlos. Er trug ein« Autokappe Mitteilungen zur Aufklärung nimmt die Ber> liner Kriminalpolizei entgegen. Im Kampf mit Einbrecher«, Auf der Flucht wuchs in der vergangenen Nacht ein Einbrecher im Nochen der Stadt angeschossen und schwer verletzt. Eine Sueisc der Schutzpolizei überraschte kurz vor 3- Uhr zwei Männer, die dabei waren, an dem Schuhwarengeschäft von Marcinkowski in der Ziegelftr. 28 das Schutzgitterabzubrechen, um in den Laden einzudringen. Als sie sich bemerkt sahen, entflohen die Verbrecher und blieben-auch aus Anruf nicht stehen. Z w e i S chü ss e, die die Be- amten hinter ihnen her abgaben, gingen fehl. Einen Milchmann, der ihnen entgegentrat, hielten sie sich mit einem Brecheisen vom Leibe, mit dem sie ihn schlugen. Ein dritter Schuß traf jetzt einen der Einbrecher in den Unterleib und verletzte ihn so schwer. daß er nach dem Krankenhaus Moabit gebracht werden mußte. Bei dem Manne wurde eine der D i e n st p i st o l e n, mit dem Zeichen des Polizeipräsidiums, die während der Spartakistenunruhen nach der Revolution gestohlen wurden, gefunden. Der Spießgelelle fit ent- kommen._ Müllabfuhr-Abbau? Eine sehr übelriechende Maßnahme trifft die städtische Müll- abfuhr-Aktien-Gesellschast. Sie läßt von allen Wohngrundstücken einen leeren Kasten wegholen, so daß dann für 25 bis 40 Mieter überhaupt nur ein Kasten verbleibt. Die Abfuhrleute er- klären diese Maßnahme mit S p a r a b s i ch t e n. Es soll noch mehr Personal entlassen werden. Jeder Kenner der Berliner Grundstücksverhältnisse weiß, daß selbst im Sommer, wenn die Pritettajche fehlt, in den allermeisten Fällen nur ein Kasten nicht ausreicht. Dvo Folge wird wieder starke Anhäufung von Müll neben dem Kasten und«in nicht gerade lieblicher Hofouft sein. Was sagt denn die Gesundheits- polizei dazu? Und wie steht es mit den nicht gerade geringen Pauschvlgebühren ftir die Müllabsuhr? Das ist ein« Frage, in der die Organisationcu der Hausbesitzer und der Mieter schleunigst ver- eint vorgehen sollten. Die Not der Kinder. Wie bekannt, veranstaltet der„Berliner Ausschuß der Deutschen Nothilfe" am Sonntag, den 15. Juni d. I., einen Opfertag zugunsten der E r h o l u ng- f ü rs o r ae für Kinder und Jugendliche. Wie dringend die Beschaffung von Mitteln für diesen Zweck ist. geht aus den Notschreien hervor, die aus allen Berliner Bezirken bei der Berliner Nothilfe eingegangen sind. So bedürfen, um nur einige Zahlen der Bezirksarbewsgemeinschaften der Berliner amtlichen und freien Wohlfahrtspflege zu nennen, im Be- zirt Friedrichsham etwa' 2300, in Prenzlauer Be»g 3300, in Wedding 6800. in Lichtenberg 10 000. in Charlottenburg 3400, in Neukölln 12 700, in Kreuzborg 7000 und selbst in Steglitz 2300 Kinder und Jugendlich«! dringend der Verschickung, insgesamt mehr als 52 000. Der größte Teil von ihnen muß unberücksichtigt bleiben, wenn nicht der est bewährte WohltStigkeiisfinn der Berliner Bevölkerung wieder hilft. Abgesehen von der Beteiligung ain Opsertage sind auch drin- gcnd größere und kleinere Spenden erbeten an den Berliner Aus- schuß der Deutschen Nothilfe, Berlin NW. 40, Reichstagsufer 3, an die Preußische Staatsbank, Berlin W. 60, Konto 101 920 oder auf Post- fcheckkonto Berlin NW. 7 Nr. 77 955. Großstadtverkehr vor öem Richter. Jagende Hast, ohrenbetäubender Lärm, Ströme von Menschen. Elektrisch« Straßenbahnwagen, dröhnende Autobusse, sausende Autos, fliegend« Händler, Menschenaufläufe, Schupobeanite. Scheinbares wirres Durcheinander, trägt ober in sich Gesetzmäßigkeit. Eigen- bedürfnis und gemeinsames Interesse reguliert den Verkehr. Verordnungen regeln das Ganze. Strafen drohen dem Zuwider- handelnden, polizeiliche Strasversügungen hageln hernieder, gerichtliche Entscheidungen werden angerufen. Sie helfen wenig, kosten aber dem Staate Geld, für das der Steuerzahler aufkommt... Der Gerichtskorridor ähnelt fast einer Polizeiwache. 25—30 Schupobeamte lungern als Zeugen herum, warten stundenlang ihres Aufrufs. Im Gerichtssaal das gleich« Tempo, wie auf der Straße. Berge von Akten sind aufgehäuft, müssen erledigt werden. Jeder Tag bringt neue Strafverfügungen. Chauffeur«. Sie rasen durch die verkehrsreichsten Straßen, als gelte es, als erste an den Start zu gelangen. Jagen in die Straßenbahnwagen hinein, stürzen Radler um. überfahren Fußgänger, nehmen scharfe Ecken, erhalten Strafmandate und sind natürlich nie schuldig. Bezahlt mird die Strafe schließlich doch— die Gerichtskosten noch dazu. Straßen- Händler. Sie halten mit ihren Wagen nicht den vorgeschriebenen Abstand von fünf Metern,— behaupten, andere Händler seien da- zwischen gefahren; sie handeln aixf Straßen und Plätzen, auf denen das Handeln verboten ist und erklären, daß jeder Tag ein anderes Verbot bringt; locken systematisch Käufer für ihre Waren von den Schaufenstern ihrer Konkurrenz weg und wollen nur ihre alten Klienten angesprochen haben; verursachen Verkehrsstörungen an den belebtesten Straßenecken, bald durch ihr« rhetorische Glanz- leistungen, bald durch ihre plumpen Anpreisungen aller Art von Krimskram.— Wie Spieler, die nichts zu verlieren haben, rufen sie dann bei den ergangenen Strafverfügungen gerichtliche Eni- scheidung an. Betrunken«— bilden nachts noch einkr reich- lichen Kneiperei Ketten auf den belebtesten Straßen, als wären sie Korpsstudenten in irgendeiner kleinen Universitätsstadt, johlen und schreien, üben Widerstand gegen Schupobeamte und schieben dann die Schuld auf andere. Wollen von dem Droschkenkutscher, der um die Sauberkeit seines Wagens besorgt, von seinem Verweigerungs- recht Gebrauch macht, unbedingt gefahren werden; bleiben auf den Straßenecken liegen und lassen sich nicht abführen. Hinterher be- haupten sie dann, betrunken gewesen zu sein. Zwangsgestellte wollen nicht zur Wache mit, das Publikum ergreift für sie Partei, der bedrängt« Schupomaun greift zur Pfeife, Kriminalbeamte müssen ihre Marke jedem unter die Nase halten— denn geglaubt wird nur der Uniform—, Schimpfworte schwirren durch die Luft, die Menge mächst bedrohlich an, Verstärkung fehlt, Pistolen werden gezogen, einzeln« werden herausgegriffen und zur Wach« gebracht— sie sind natürlich unschuldig, sie waren nur„zufällig" dabei. Geschimpft und Widerstand geleistet hoben andere. Der Bürger hält nicht immer Ordnung. Selbst auf die Gefahr hin, bestraft zu werden. Wird er bei der U�bertvetung ertappt, so versucht er, einem Schulbuben gleich, leere Ausflüchte. Er gibt sich mit der auf administrativem Wege über ihn verhängten Strafe nicht zufrieden, sondern ruft gerichtlich« Entscheidung an. Die wird fast ausnahmslos bestätigt. Der Verurteilte spekuliert auf den Zufall, hofft auf Herabsetzung der Geldstrafe. Er bedenkt nicht, daß er dem Gericht dadurch eine ungeheure Arbeit auferlgt. Ein Word in Hamburg beschäftigt auch die Berliner Kriminal- polizei. In der Koppeistr. 8 zu Hamburg wurde gestern ein 65 Jahr- alter, aus Mannheim gebürtiger Reisender Wühler in seiner Wohnung im Bette liegend t o t aufgesunden« Er hatte Würge» male am Halse und Kopsverletzungen. Verletzungen an der rechten Hand hat er sich wahrscheinlich im Kampfe mit dem Mörder zuge- zogen. Ein Teil der Wohnung war durchwühlt, besonders auch eine Schub-lade einer Kommod«, die in einem Nebenzimmer stand. Ob etwas geraubt ist, steht noch nicht fest. Die Berliner Kriminalpolizei ist um Hilfe bei der Aufklärung ersucht wqrden. Der Gastod. Eine schwere Gasvergiftung erlitten die Geschwister Bruno und Luise Sch. aus der Tübinger Str. 6. Durch Unvorsichtig- keit waren mehrere Hähne der Gasleitung geöffnet und das ausströmende Gas wirkte so stark, daß der Bruder beim Ein- treffen der Feuerwehr �bereits t o t war. Luise Sch., die ebenfalls eine schwere Gasvergiftung davongetragen hat, wurde in das Schöne- berger Krankenhaus übergeführt. Ein Badeofen explodierte gestern abend im Haus« Uhliand- straße 103 in Wilmersdorf. Die Hausangestellte Emma B. war gerade damit beschäftigt, den Ofen zu heizen, als der Kessel, als Folg« zu wenigen Wasserinhalts, explodierte. Sie erlitt erhebliche Brandwunden im Gesicht und am Körper und wurde in das Kranken- haus in der Achenbachstraße gebracht, wo ihr erste Hilfe zuteil wurde. Beim Pferdeschwemmen ertrunken. Beim Pferdeschwemmen e r- trank im Stößensee der Unteroffizier Paul Krause vom 9. Reichswehr-Rsgimenl. 3. Batl., Maschinengewehrkompagnie. Rettungsversuche blieben erfolglos. Die Leiche konnte noch nicht gc- borgen werden. Kohlensäure im Sergwer?. Sieben Bergleute getötet. Gestern abend wurden aus dem Schacht E g m o n t ver SchlesischenKohlen- undKokswertein Gottesberg 37 Bergleute durch«inen schweren Kohlensäure- ausbruch gefährdet. Dreißig konnten gerettet werden, sieben wurden getötet. Amerikanisches Räuberunwesen. Eine Schmucksqchensendung auf der Straße geraubt. Der französische Possagierdompser„Pari s" und der an-."- konische Dampfer„Leviathan" hatten ein» Anzahl Sendung«: von Schmuckstücken nach New Pork befördert. Ein Lastautomobil transportiert« die betreffenden Pakete auf das Sachverständigen- bureau, um den Wert für die Zollbehörde feststellen zu lassen als etwa 10 Individuen mit Revolvern bewaffnet, das Auto auf der Straße anhielten, sich der Mehrzahl der Pakete bemächtigten, und die Flucht ergriffen. Der Wert der geraubten Pa° ket« beläust sich Schätzungen zufolge auf 125V00 Dollar. Der Uebersoll fand am hellen Tage in einem verkehrsreichen Stadwiertcl statt._ Der ruhelose Vesuv. An den Abhängen des Vesuvs haben sich zwei neue Krater geöffnet, die große Lavamassen aus- strömen. Der Zugang zu diesen Abhängen wurde für den Verkehr gesperrt. Aus dem Zuchthaus entwichen. In der Nacht zum Dienstag gegen 1 Uhr ist der zu einer längeren Zuchthausstrafe verurteilte Raub- mörder H e n r y B o h n e aus der Landesstrafanstalt in W o l f e n- b ü t t e l mit einem zu 7 H Jahren Zuchthaus verurteilten Bäcker namens Kurt Heinemann entwichen. Bon den beiden En:- flohenen fehlt bis jetzt jede Spur. Groß-Serliner Parteinachrichten. 7. ikci»