Str. 274 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 141 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolf und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblaff 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. aeile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 1.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruďte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgebrudte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Der Bortongreß der Vereinigten Linken, der am Donnerstag nachmittag um 2 Uhr zu fammengetreten ist, hat mit 306 Stimmen den Präsidenten der Kammer, Paul Painlevé, zum offiziellen Kandidaten gewählt. 148 Stimmen sind auf Doumer- teien erfülle. gue, den Präsidenten des Senats, entfallen. An dem kongreß haben teilgenommen die vier im Kartell der Linken vereinigten Kammerfraffionen, nämlich 147 Radikalfoziale, 103 Sozialisten, 29 Republikanische Sozialisten und 30 Mitglieder der radikalen Linken fowie die 165 Senatoren der demokratischen Linken. Die republitanische Union des Senats, an die auf Wunsch der demokratischen Linken ebenfalls eine Einladung zur Teilnahme ergangen war, hatte dafür Bedingungen gestellt, die das kartell als u nannehm bar abgelehnt hat. Was feit Mittwoch zu befürchten war, ist also eingetreten: Die Linke, die seit den Wahlen in vorbildlicher Disziplin sich den Grund faz: Getrennt marschieren und vereint zu schlagen, zu eigen machte, hat sich in der Frage der Nachfolgerschaft Millerands gespalten. Die Linke der Kammer und die des Senats haben je einen eigenen Kandidaten. Troz aller Bemühungen ist es nicht gelungen, eine Entscheidung zustandezubringen, und das Abstimmungsergebnis auf dem am Donnerstagnachmittag abgehaltenen Borkongreß zeigt deut lich, daß, während die demokratischen Fraktionen der Kammer geschlossen für Painlevé gestimmt haben, die demokratische Linke des Senats ebenso geschlossen an ihrem eigenen Kandidaten festhält. Bainlevé ist zwar nunmehr der offizielle Kandidat der Linken, aber da Doumergue die Verpflichtung, sich der Entscheidung des BorPongresses zu unterwerfen, abgelehnt hat, und mit ziemlicher Sicherheit Freitag in Bersailles als Gegenfandidat Painlevés auftreten wird, so ist der Ausgang der Wahl im höchsten Grade zweifelhaft geworden. Auf jeden Fall wird Painlevé im ersten Wahlgang auf faum mehr als die 306 Stimmen zählen können, die er am Donnerstag auf sich zu vereinigen vermocht hat. Das aber ist wenig mehr als ein Drittel der etwa 890 ftimmberechtigten Mitglieder der Nationalversammlung, und es ist sehr wohl möglich, daß Doumergue im zweiten Wahlgang mit Unterstützung der Ge mäßigten und der Rechten ihm den Rang ablaufen wird. Es ist aber auch ebensogut möglich, daß ein Außenseiter das Rennen macht. Ganz ähnlich lagen die Dinge 1913, wo der Kongreß der Linken Pams gegen Poincaré als offiziellen Kandidaten proflamiert hatte, und Poincaré tags darauf mit Hilfe der Rechten eine Mehrheit von über 150 Stimmen erlangte. Doumergue hatte es abgelehnt, auf dem Vorkongreß zu fandidieren. Er hat un Kritik und Gegenkritik. Beginn der politischen Debatte auf dem Parteitag. Als zweiter Referent des gestrigen Donnerstags schilderte Als zweiter Referent des gestrigen Donnerstags schilderte Konrad Ludwig die innere Parteiarbeit. Mit Recht zog er aus dem geringen Kostenaufwand der von rechts und links beispiellos angegriffenen Partei- 845 000 Goldmart!- den Schluß, daß zehntausende Helfer unentgeltlich sozialdemokratische Wahlarbeit geleistet haben. Ihnen und all den vielen Barteiangestellten, die keine Not der Inflationszeit im Eifer für die Sozialdemokratie lähmen konnte, sprach Ludwig unter einmütigem Beifall den Dank der Partei aus. Sie ſelbſt iſt wieder im Aufstieg, hat über 14 millionen Organisationsmitglieder, und die Leferzahl der Parteipresse hat bereits die Vorkriegshöhe überschritten. Nachdem die Kontrollkommission durch Brühne- Frank furt a. M. die Entlastung des Parteivorstandes beantragt hatte, berichtete als dritter Referent Hermann Müller über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion. Die viel erörterten schweren Entscheidungen, die zwischen dem Agitationsinteresse der Partei und der Notwendigkeit der Sicherung der Republik gegen einen Rechtskurs zu treffen waren, wurden in aller Anschaulichkeit wieder vor Augen gestellt. Bor solche Entscheidungen wird die Fraktion immer wieder gestellt und so tonfequent dahin geführt, daß sie die Republit über das Tages interesse der Partei stellen muß. Diese Taktik ist von der ⚫lleberzeugung getragen, daß das arbeitende Bolk schließlich in seiner Gesamtheit erkennen wird, was die Erhaltung der demofratischen Republik und ihre foziale Ausgestaltung für das Proletariat bedeutet. Die Arbeiterklasse findet in der demokratischen Republik den Boden, auf dem der Kampf um soziale Geltung ausgefochten werden kann. Genoffe Müller widerlegte die Angriffe, die aus dem eigenen Lager gegen die Haltung der Fraktionsmehrheit zur Koalitionsfrage, im Ruhrkampf und zu dem Ermächtigungsgeseh erhoben worden sind. Er fehrte schließlich den Spieß um, indem er das nun überwundene Zusammengehen der sächsischen und thüringischen Genoffen mit den Kommunisten als Ursache des allbürgerlichen Zusammenschlusses, der fäbelherrlichen Reichsexekution und der fchweren Schädigung der Republik antlagte. Paris, 12. Jumi.( WTB.) Eine Delegation der Gruppen der Linken hat, nach Beendigung der Bersammlung der linksstehenden Kammer- und Senatsgruppen, in deren Verlauf keine Einigung über den Kandidaten des Blocks der Linken für die Präsidentenschaft der Republik erzielt wurde, einen Schritt beim Senatspräsidenten Doumergue unternommen, um ihn zu ersuchen, zugunsten Painlevés auf die Kandidatur zu verzichten. Doumergue er widerte, er habe keinen Verzicht auszusprechen, denn er sei bei der vorbereitenden Abstimmung kein Kandidat gewesen. Doumergue hat hinzugefügt, wenn ein reaktionärer Kandidat aufgestellt würde, dann übernehme er die Verpflichtung, im Falle er in die Minderheit gebracht werde, zugunsten des republikanischen Kandidaten zu verzichten, wenn dieser die meisten Stimmen erreicht habe. Nach der Unterredung, die mehrere führende Mitglieder der Linksblock parteien mit dem Senatspräsidenten Doumergue gehabt haben, hat fich eine Delegation, bei der sich Briand und Harriot befanden, zum Kammerpräsidenten Painlevé begeben, um das Verlangen zu ftellen, er möge im Hinblick auf das Ergebnis der heutigen Bor abstimmung auf seine Kandidatur für die Präsidentschaft der Republik perzichten. Painlevé erwiderte, er sei bereit, seine Kandibatur zurückzuziehen unter der Bedingung, daß Senatspräsident Doumergue sich für den Fall der Benennung eines dritten republikanischen Präsidentschaftstandidaten zurückzieht. Eine Delegation hat sich zu Doumergue begeben, um ihm von dieser Absicht Bainlevés Renntnis zu geben und ihn zu fragen, was er nunmehr zu tun gebenfe. Die Delegation besteht aus den Abgeordneten Briand, Thomson, Paul Boncourt( Soz.) und dem Vorstand der demokratischen Linken. Painlevé bleibt kandidat. Paris, 12. Juni.( WTB.) Nachdem Sehatspräsident Doumergue fich bereit erklärt hat, feine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl zurückzuziehen, haben die Parteien, die zum Kartell der Linten gehören, befchloffen, die kandidatur Painlevé aufrechtzuerhalten. Die fozialistische Kammergruppe wird ebenfalls für Painlevé stimmen. Am Nachmittag hörte man zunächst den Bericht der Mandatsprüfungskommission. Der Parteitag hat 400 Teilnehmer, davon 285 gewählte Delegierte. Nachdem Heinrich Schulz über die neuen Aufgaben des Bildungswesens gesprochen und Adolf Braun dargelegt hatte, warum das neue Parteiprogramm noch im Stadium der Vorbereitung ist, versuchte Mardwald die Frankfurter Anträge gegen Ebert auf die Tagesordnung zu bringen. Seine Vorwürfe gegen den Parteivorstand widerlegte Otto Wels. Und nun begann die Besprechung der Berichte, die sich bis jetzt ausschließlich mit der politischen Haltung der Partei beſchäf tigte. Robert Dißmann, Toni Sender, Seydewig3widau, Ströbel und andere führten die Opposition. Von der anderen Seite sprachen nur Scheidemann und Rem= mele Baden. Die Kritiker der Parteipolitik haben gewiß darin recht, daß wir alle uns manches, vieles anders gewünscht hätten, als es gekommen ist. Nur ob ihre Ratschläge geeignet sind, eine Besserung herbeizuführen, das ist die Frage. Zum mindestens haben fie dadurch, daß sie ihren Stoß besonders gegen den Re ich spräsidenten richteten, einen Mangel von politischem Fingerspitzengefühl bewiesen, der geradezu erschreckend wirft. Ebert ist heute hart umfämpft im Ringen zwischen Demokratie und Reaktion. Ihn und Severing in Preußen zu stürzen, scheint der Rechten höchst erstrebenswertes Ziel. Wenn in diesem Augenblick Sozialdemokraten kommen mit dem Ruf:" Fort mit Ebert!" so ist das schon eine Situation von ungewollter Komit! Scheidemann erntete Beifallsstürme, als er den Ebert- Stürzern die Unsinnigkeit ihres Berhaltens vorhielt. Wäre der Parteitag dem an sich äußerst unpraktischen Vorschlag Mardwalds nachgekommen, schon ein Jahr vor der Präsidentenwahl den Kandidaten der Partei zu nominieren, so könnte gar kein Zweifel daran bestehen, wie die Entschei dung des Barteitags ausgefallen wäre. Der donnernde Beifall, der sich erhob, als Scheidemann für Ebert eintrat, hat das flar gezeigt. Aus Wien wird uns gedrahtet, daß Genoffin Adel heid Bopp zur Frauenkonferenz nach Berlin reist und wahrscheinlich noch den Parteitag mird begrüßen tönnen. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3 Arbeiter und Erfüllungspolitik. Von Eduard Bernstein. Bölkische und Kommunisten in holder Uebereinstimmung werfen der Sozialdemokratie Berrat der Arbeiterinteressen vor, weil sie für die Annahme der Resolution gewirkt und gestimmt hat, durch die die Reichsregierung verpflichtet wird, das Dames- Gutachten über die Erfüllung der Deutschland auf Grund des Versailler Friedensdiktats obliegenden Wiedergutmachungszahlungen zu akzeptieren. Dieses Erfüllungsprogramm bedeute nichts anderes, behaupten sie, als die„ Berschacherung von Schweiß und Blut der deutschen Arbeiter an die Kapitalisten der Ententeländer". Es ist angezeigt, diese Behauptung etwas näher zu be= trachten, denn sie wird noch eine gute Weile in der Agitation der genannten Parteien und ihrer Geistesverwandten gegen die verhaßte Sozialdemokratie eine Rolle spielen. Nichts ist ja bequemer, als vor dem großen Publikum, das die internationalen Rechts- und Machtverhältnisse nur ganz oberflächlich kennt, die Dinge so hinzustellen, als habe es lediglich von Beschlüssen des Reichstages abgehangen, beziehungsweise hänge lediglich von solchen ab, ob, wieviel und in welchen Fristen Deutschland überhaupt Wiedergutmachungszahlungen zu leisten hat. Nur, wenn dies der Fall wäre, hätte nämlich die Beschuldigung einen möglichen Sinn. Daß es aber nicht der Fall ist, daß keine Regierung auch nur einer der Ententestaaten es sich gefallen lassen würde, daß Deutschland einseitig über diese Fragen beschließt, daß im Gegenteil sowohl die Arbeiterregierung Englands wie die von den Sozialisten unterstützte radikaldemokratische Kammermehrheit Frankreichs Deutschland die uneingeschränkte Anerkennung des Dawes Gutachtens zur Bedingung für die in Aussicht genommene Befreiung von der Pfänderpolitik Poincarés machen, läßt allein schon die Beschuldigung als gänzlich sinnlos erscheinen. Aber sie ist schlimmer als das. Sie ist eine schamlose Berdrehung der Tatsachen. Um das zu erkennen, braucht man nur die Frage zu untersuchen, was für Deutschland in Aussicht stand, wenn die Abstimmung vom 6. Juni im Reichstag umgekehrt ausgefallen wäre, als sie tatsächlich ausgefallen ist, wenn statt einer Regierung, deren Programm die Erfüllungspolitik ist, eine Gesellschaft die Mehrheit erzielt hätte, die nur in der Verneinung einer ehrlichen Erfüllungspolitik und im Haß auf die demokratische Republik einig ist. Es ist kein Zweifel daran möglich, daß die Wirkung eines solchen Abstimmungsergebnisses für Deutschland politisch wie ökonomisch geradezu verheerend gewesen wäre. Politisch würde es um den Rest von Sympathie geschehen sein, den es noch bei den Völkern genießt. Es geht ein demokratifcher 3 ug durch die Welt. Die Völker ersehnen die Herstellung des Friedens auf der Grundlage der Demokratie. Ein solcher Frieden kann aber nur erzielt werden, wo ein aufrichtiger Friedenswille vorhanden ist, und den kann Deutschland nur überzeugend beweisen durch Betätigung eines aufrichtigen Erfüllungswillens. Friedensreden, denen dieser fehlt. glaubt uns in der Welt, auf die es ankommt, kein Mensch mehr. Das Dawes- Gutachten enthält im einzelnen gewiß drückende Verpflichtungen, aber als Ganzes und in seiner Tendenz wird es in der Welt nicht mit Unrecht als die dar gebotene offene Hand betrachtet, und ein Deutschland, daß auf diese Hand spuckt, mag sich vor Kindern und Narren als als eine Nation erscheinen, der nicht zu helfen ist. Heldenland aufspielen, vor urteilsfähigen Menschen würde es dessen Lage ansahen, als nach dem Wahlergebnis vom 4. Mai Wie verzweifelt Deutschland günstig gesinnte Ausländer die Deutschnationalen und ihr Troß immer unverschämter auftraten, zeigt eine Notiz in der letzten Nummer des New Statesman", die das Datum des 7. Juni trägt, aber am 6. Juni gedruckt wurde. Sie lautet: Die Lage in Deutschland ist wirklich sehr ernst. Es ist schwer, Worte zu finden, die das Ansteigen der oppofitionellen Flut beschreiben, man fann nur sagen, daß es ernster zu sein scheint als je zuvor. Kommt keine Regelung zustande, so kann Dr. Schacht zuvor. Kommt keine Regelung zustande, so kann Dr. Schacht feine Rentenmartwährung nicht mehr lange auf= rechterhalten, und wenn diese dahin ist, ist alles dahin. Hinterher mag es vielleicht nur noch für Ausländer die Bantiers von London und New York- möglich sein, eine Währung aufzurichten, in die das deutsche Volk Vertrauen setzen würde. Es mag sogar selbst notwendig werden, eine Sterling- oder Dollarwährung einzuführen, um über die paar nächsten Jahre hinwegBukommen. Inzwischen würde Chaos herrschen und es nicht möglich sein, das Dames- Gutachten oder irgendeinen anderen Schlichtungsplan in die Praxis umzusehen. Deutschlands Industrie würde gelähmt sein, wie sie es infolge der für die Erhaltung der Rentenmart notwendigen Einschränkungen des Kredits nahezu jetzt schon iſt. " Deutschlands Industrie würde gelähmt sein" das war in der Tat das bevorstehende Verhängnis, das sich schon deutlich abzeichnete. In der ganzen Geschäftswelt herrschte Mangel an Betriebskapital, der Zinsfuß für langfristige Darlehen, wie fie der Fabrikant braucht, war auf eine schier untragbare Höhe gestiegen, die große Mehrzahl der Gewerbetreibenden zitterten bei dem Gedanken an die unvermeidlichen Folgen einer Nieder lage der Regierung der Mittelparteien. Die Leute wußten, warum. -Das Dawes Gutachten sagte Deutschland für das erste Jahr nach dessen Unterzeichnung einen Anleihekredit von 800 Millionen Goldmark zu natürlich zu einem Zinsfuß, bei dem die Wirtschaft sich erholen kann. Wie aber, wenn Deutschland es abwies? Dann war es mit des letzteren Kredit Matthäi am leßten, dann stieg der Zins alsbald auf schwindelnde Höhe, dann bekamen die Geschäftsleute Darlehen, wenn überhaupt, nur noch zu Wucherzinsen grausamſter Art, vor denen die Einen die Segel ohne weiteres streichen, das heißt, die Fabriktore schließen mußten, andere es, solange das ging, mit Preiserhöhungen versucht hätten, was aber auch feine Grenzen hat und jedenfalls Deutschlands Konkurrenzfähigkeit auf den Auslandsmärkten schmer beeinträchtigt hätte. Ein Geschäftstrach trat ein, der alles überbot, was Deutschland von solchen noch erlebt hat. Und die am schwersten unter ihm zu leiden gehabt hätten, das wären die Arbeiter gewesen. Das Arbeiterelend, das nach dem Krach von 1873/74 einsetzte, und von dem unsere älteren Genossen darunter auch meine Wenigkeit-noch zu erzählen wiffen, hätte sich in unendlich verschärfter Form wiederholt. Deutschlands Wiedergutmachungsschuld hätte aber under mindert in der Höhe fortbestanden, wie das Londoner Ulti matum von 1921 fie feftgefeßt hat, und die Weigerung, fie abzuzahlen, würde nun, statt den Abbau der Pfänderpolitik, den das Dames- Gutachten zum Programm erhebt, deren Aufrecht erhaltung und wahrscheinlich noch Zuspigung nach sich ziehen. Das Nein, mit dem Kommunisten und Nationalisten sich brüsten, würde Deutschlands Last um teinen heller ver mindert, sondern nur vermehrt, feine Stellung in der Welt in jeder Hinsicht politisch wie ökonomisch schlechtert haben. ver: Man täusche sich darüber nicht, Deutschland genießt in der Welt ganz überwiegend den Ruf eines böswilligen Schuldners. Ihm in erster Linie ist es geschuldet, daß selbst Länder mit gut demokratischen leberlieferungen fichy passiv verhielten, als Voincaré im Januar 1923 den Einbruch ins Ruhrgebiet ins Werk setzte und das von ihm geleitete Frankreich die Ruhr besetzt hielt und dort ein wahres Gewaltregiment einrichtete, das im Verein mit den der Ruhrindustrie aufgezwungenen licum- Verträgen die Lage der Arbeiter im Ruhrgebiet unerträglich gestaltete. Die Abweisung des Dames- Gutachtens von feiten Deutschlands würde diesem Vorurteil neue Nahrung geliefert und damit die wichtigsten Vorbedingungen für die Besserung der Weltstellung Deutschlands zerstört haben. Bergegenwärtigt man sich dies alles, so erhält man einen Begriff davon, welche Berbindung von Unwissenheit und Gewissenlosigkeit dazu gehört, der Sozialdemokratie vorzuwerfen, durch ihr Eintreten für die Annahme des Dawes- Gutachtens Schweiß und Blut der deutschen Arbeiter an die Kapitalisten der Entente ausgeliefert zu haben. Gewiß, die Borschläge des Dames- Gutachtens sind noch nicht die Befreiung, aber sie eröffnen den Weg dazu. Ein Nein der Sozialdemokratie aber würde den Weg verrammelt und der militaristisch- agrarischgroßkapitalistischen Reaktion den Sieg zugespielt haben. Wenn dte Bölkischen nein heulten, so taten sie das in ihrer Rolle als gründfäßliche Schleppenträger der Reaktion, von seiten der Kommunisten war es Beweis ihrer geistigen Zerfahrenheit und ihres moralischen Tiefstandes. Das Interesse der deutschen Arbeiter vor allem gebot das Eintreten für die Politik des Erfüllungswillens. Nur durch sie tommen wir zur Möglichkeit, des Elends Herr zu werden. Heute muß der Geschäftsmann, der Darlehen für Wirtschaftszwecke braucht, 30 vom Hundert und darüber Binjen zahlen. Was aber ist dieser Zins? Er ist der Tribut, den die schaffende Arbeit dem ruhenden Kapital entrichtet. Die Politik der Bölkischen und der Kommunisten bedeutete, als was sie auf dem Papier ausgegeben wird, praktisch die Forterhaltung, wenn nicht Verschlimmerung dieses Zustandes, die allgemeine Herabdrückung des Zinsfußes wird erst möglich, wenn DeutschDie Lebenden über die Toten. Bon Josephus. Es ließ sich leider nicht vermeiden, daß einige Rennreiter von Karlshorst im Weltkriege fielen. Der Verein für Hindernisrennen" aber und sein Vorsitzender, der Graf We st phalen, blieben am Leben. Sie ließen es sich nicht nehmen" obwohl es ihnen niemand zu nehmen versuchte den Gefallenen von Karlshorst ein ,, Rennreiterdenkmal" zu errichten. Vorläufig legten sie einen Grundstein. Der Bildhauer, der das Denkmal modelliert hatte, heißt Fritsch. Er hat eine seltsame Vorstellung von dem Aussehen gefallener Rennreiter. Er modellierte einen„ edlen Bollbluthengst", auf dem ein lorbeergeschmückter Jüngling fiegreich heimreitet. So sehen aber bedauerlicherweise die gefallenen Rennreiter nicht aus. Ich werde sie Ihnen schildern, Herr Fritsch! Die gefallenen Rennreiter liegen in Massengräbern; in den Karpathen, am Isonzo, in den Vogesen, in Rußland. Sie haben längst nicht mehr das junge Fleisch, nicht mehr die straffe Muskulatur, die Ihr edles Jünglingsmodell aufweist. Die Rennreiter bestehen nur noch aus Knochen. Darüber friechen Regenwürmer, Maulwürfe und allerlei unter irdisches Getier. Und was die Pferde betrifft, so haben Granaten ihre Leiber zerrissen, so, daß man die Eingeweide sehen konnte. Wenn Sie im Felde waren, Herr Bildhauer Fritsch, so werden Sie fich daran erinnern! Der Graf Westphalen hielt eine Rede. Er verlieh der plastischen Lüge des Bildhauers Fritsch einen rhetorischen Aufpuz." Sie starben," so sagte er, den Heldentod für König und Vaterland und ruben jezt aus unter dem grünen Rasen." Sie ruhen aus, meint der Graf. Er stellt sich das so vor, wie sein eigenes Mittags= schläfchen, bevor er in den Klub geht. Aber wie die Grafen schon find ihm genügte es feineswegs, daß schon so viele Rennreiter „ ausruhen", ohne eigentlich müde gewesen zu sein. Er meint, dieses Andenken möge sein:„ Der Gegenwart und der Zukunft ein Ansporn, es den Gefallenen gleich zu tun." Ich weiß nicht, ob die Karlshorster Rennreiter Pazifisten sind, aber ich weiß: Wenn sie zu wählen hätten zwischen der Möglichkeit, für ewig auszuruhen" und der, eine Gedächtnisrede zu halten sie würden sich alle für das gnädige Schid. fal des Herrn Grafen Westphalen entscheiden, der sich auf seinem Kanapee ausruhen darf und nicht unter dem grünen Rasen"; der für König und Baterland" Grundsteine legt, weil die anderen gestorben sind. " Der Zeitungsbericht meldet, daß die offiziellen Persönlichkeiten" sich um den Redner Scharten und„ ergriffen lauschten". Die Ehrfurcht des Schmocks, der dabei war, vor den Persönlichkeiten und dem Grafen ist beinahe so groß, wie vor den toten Rennreitern. In furzer Zeit wird das Denkmal enthüllt werden. Man wird den eblen, gefunden, fiegreichen Jüngling des Herrn Fritsch sehen und, lands Kredit diejenige Hebung erfährt, die ihm das Dames| Gutachten in Aussicht stellt. In dieser Erkenntnis hat die Sozialdemokratie mit Energie für seine Annahme gewirkt und das dürfen wir mit gutem Gewissen sagen sich um das arbeitende Deutschland ein unbestreit bar großes Verdienst erworben. Gegen die Mordfeuche. Einsehung eines Untersuchungsausschusses in Preußen. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtages hat einen Antrag auf Einfegung eines Untersuchungsausschusses über das Gumbelsche Buch 3mei Jahre politischer Mord" eingebracht. Der Antrag hat folgenden Wortlaut: „ Das Reichsjuftizministerium hat mit Unterstützung der Landesjuftizbehörden, namentlich auch mit Unterstüßung des preußischen Juftizministeriums eine Dentschrift als Erwiderung auf Justizministeriums eine Dentschrift als Erwiderung auf das Gumbelsche Buch 3 wet Jahre politischer Mord" ausgearbeitet. Einen Hauptteil dieser Denkschrift, die bisher nur von privater Seite peröffentlicht wurde, bildet die Dent schrift des preußischen Justizministers Dom 22. September 1923, in der eine Darstellung der Gumbelschen Fälle gegeben wird, soweit diese unter die Zuständigkeit der preußischen Justiz fallen. Der Inhalt dieser Dentschrift tann das Rechtsgefühl nicht befriedigen. Die Denkschrift bestätigt im Endergebnis, daß troß der großen Bahl zweifellos rechtswidriger Tötungen, die an lintsgerichteten Personen begangen worden sind, die preußische Justiz auch nicht in einem einzigen Fall imftande gewesen ist, eine aus reichende Sühne des Verbrechens herbeizuführen. Die Gründe, die in der Denkschrift bei den einzelnen Fällen angegeben werden, reichen nicht aus, diesen absoluten Mißerfolg und namentlich seine Regelmäßigkeit hinreichend zu erklären. Vielmehr geben die tatsäch lichen Darstellungen der Denkschrift Anhaltspunkte dafür, daß das beschämende Resultat in erster Linie mit auf ein völliges Ver sagen der zur Strafverfolgung berufenen Staatsorgane zurückzuführen ist. Dieses Versagen ist in einigen Fällen so außerordentlich, daß die Vermutung einer Sabotage der Strafverfolgung beauftragten Staatsorgane, der Rechtspflege durch die in diesen Fällen mit zum mindesten aber der Berdacht einer pflichtwidrigen Saumfeligkeit und Laschheit nicht von der Hand zu weisen ist. Wir beantragen daher die Einsegung eines unter Artikel 25 der preußischen Verfassung über das Verhalten der zur suchungsausschusses von 21 Mitgliedern gemäß Strafverfolgung berufenen Staatsorgane in den Fällen der Dent schrift des preußischen Justizministers vom 22. September 1923. Strafverfolgung berufenen Staatsorgane in den Fällen der DentDa dieser Antrag von allen Mitgliedern der sozialdemofratischen Fraktion unterzeichnet ist, die über mehr als ein Fünftel aller Size im Landtag verfügt, muß ihm ohne weitere Abstimmung stattgegeben werden. Deutschnationale Kulturauffassung. Wiederaufbau, angeblich aus finanziellen Bedenken. Trotzdem der Finanzminister nachwies, das etwa% der Bausumme schon vore handen sei und trotzdem der volksparteiliche Führer die fulturellen Verpflichtungen des Staates eingehend darlegte. Die sonst so traditionsstarten Herren der Deutschnationalen lehnen das Theater mit feiner 150jährigen Ueberlieferung ab, weil die Drahtzieher binter den Kulissen einige rein agrarisch eingestellte Großgrundbesizer sind, deren Parole auch die städtischen Fraktionsmitglieder fritillos folgten. In der Hize des Gefechtes lehnten diefelben Herren sogar die Rückim Lande, besonders in Neustrelitz selbst, Brotestfundgebungen usw. zahlung der eingegangenen Spenden ab. Darob große Entrüstung Das Beschämende an dieser Sache ist, daß das gesamte gebildefe Bürgerfum sich unter die Führung der ausschlaggebenden Sozialisten begeben muß, wenn es gilt, Kulturaufgaben zu erfüllen, weil die Bertreter des sogenannten nationalen Bürgertums in diesem Fall versagten. Die Blamage hat ihnen diesmal der sozialistische Führer in aller Deffentlichkeit besorgt. Vielleicht überlegen sich die deutschnationalen Herrschaften ihre Stellungnahme noch einmal bis zur dritten Lesung, die in diesen Tagen stattfindet. Wozu nur zu bemerken ist, daß es ähnlich überall da geht, wo mit voltsparteilicher liebevoller Unterstüßung der findliche Versuch gemacht wird, die Sozialdemokratie auszuschalten. Nationalbolschewistische Phantasien. Schlimmer als die Deutschnationalen. Herr Eisenberger, der sich schon einmal durch seine fäbelraffelnden Redensarten über„ revolutionäre Offensive" bemerkbar gemacht hat, gab dem Vertreter der Moskauer sweftija" ein neues Interview. Was er ausführt, ist charakteristisch dafür, wie die Führung der europäischen Reattion an die sowjetistischen Kommunisten übergeht. Nach einer Berteidigung der Radauszenen im Reichstag erklärte Eisenterger: Die Bedeutung( dieses Krachs) liege darin, daß einzig und allein die kommunistische Partei Deutschlands gegenwärtig die Kraft dacstelle, die in der Lage wäre, den Plan der Ausplünderung Deutschlands durch die Entente auf dem Wege der Annahme des Sachverdieser Tatsache sehr wohl bewußt und wisse ganz genau, daß die ständigengutachtens zu verhindern. Die deutsche Bourgeoisie sei sich starte Kommunistenfraktion eine reale Bedrohung der Durchführung des Planes der Sachverständigen barstelle. Eisenberger behauptete, daß alle bürgerlichen Parteien, zugeben. Wenn Deutschland der Entente zur Ausplünderung überauch die Deutschnationalen, bereit feien, dem äußeren Feinde nachgeben werde, so werde es zu nationalen Ausschreitungen der proletarisierten Bevölkerungsschichten kommen, die dann endgültig den Glauben an die bürgerlichen Führer verlieren würden. Die Be-. dingungen des Sachverständigengutachtens bezeichnete Eisenberger als ich machvoll". Das Interesse Deutschlands ist den Kommunisten selbstverständlich ganz gleichgültig. Sie sind auch hierin nur die Sachwalter russisch außenpolitischer Inter effen. Die Verständigung Europas wäre für den Von besonderer Seite wird der volksparteilichen Beit" Kreml der schwerste Schlag. In dem„ faulen europäischen geschrieben: Sumpf" ist für sie ebensowenig Blaz wie für die teutonischen Mecklenburg- Strelitz ist das fleine Land der großen(?) Koa. Helden Maurenbrechers, die lieher im Kampf mit ihrem lition. Ein de motratischer und ein deutschnationaler Freunde" Millerand untergehen, als fich mit Herriot ver Minister lenten die Geschide unseres Ländchens; die Sozialständigen wollen. Rußland will feinen europäischen Frieden, demokraten stehen seit der letzten Landtagswahl und dem Ausda es vom Streit lebt, und die deutschen Kommunisten scheiden des Freiherrn v. Reibniz in Opposition, in Wirklich haben dann nichts Besseres zu tun, als teutscher noch als die feit aber ist ihr Führer der ungekrönte König des Landes. Deshalb Deutschnationalen Schulter an Schulter mit den Faschisten tam bisher der starre Wahlwille der Deutschnationalen noch nicht chauvinistische Gewaltpolitik zu predigen. Und so etwas nennt fo sehr zur Auswirkung. Aber in diesen Tagen machten sie dazu sich Arbeiterpolitit! einen Bersuch, der allerdings fläglich an der geschickten Taffit der Sozialisten scheiterte. Gelegentlich der Haushaltsberatungen wurde über den. Biederaufbau des abgebrannten Landestheaters abgestimmt. Im trauten Berein mit den berufsmäßigen Berneinern, den Kommunisten und den Deutschvölkischen, stimmten sie gegen den wer sich in den Dingen der Pietät nicht auskennt, wird glauben, es wäre ein Denkmal für die gefund heimgekehrten Rennreiter. Kann die Perversität der Phrase wirklich so weit gedeihen, daß man sich nicht schämt, das wahre Gesicht des Kriegstodes so zu ver fälschen? Der Nachwelt vorzuspiegeln, daß der Tod für König und Baterland so gut konserviert, daß man aussieht, wie der marmorne Jüngling des Herrn Fritsch? Wodurch haben es die armen toten Rennreiter verdient, daß man sie so verhöhnt?! Daß man über sie die Lüge verbreitet, sie ruhten aus", während sie in Wirklichkeit vermodern?! Aber die toten Rennreiter können nicht dementieren. Die offiziellen Persönlichkeiten"„ scharen sich" leider nicht um die Massengräber, sondern um den Grafen Westphalen. Hier sind sie„ ergriffen". Wie wären sie erst dort? Es ist eines der traurigsten und furchtbarsten Naturgefehe, daß tote Reiter nicht mehr reden fönnen. Aber, daß der Fritsch Denkmäler schaffen muß, ist fast noch trauriger. Wäre ich ein toter Rennreiter, tein Naturgesetz wäre stärker als meine Erbitterung über meine eigene Totenfeier. Ich würde meine Knochen zusammenfuchen, auch, wenn sie mir eine Granate für König und Baterland so weit auseinandergesprengt hätte, wie der König vom Schüßengraben entfernt war. Und zur fiefften, allertiefsten Ergriffenheit der offiziellen Persönlichkeiten würde ich mich selbst um sie und den Redner scharen und um meine eigenen Hinterbliebenen. die diese hohnvolle Pietät mitmachen; und würde mein angenagtes Knochengerüst auf den Grundstein stellen und neben mich den Jüngling des Herrn Fritsch, auf daß die Ueberlebenden lernen, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden und die Phrase vom Heldentod von diesem selbst. Und den Bericht in der Zeitung möchte ich dann gerne lesen. Einfam. Millionen Menschen wohnen nebeneinonber. Zu Hunderten Zu Hunderten sind sie zusammengepfercht in steinernen Kästen. Oben, unten rechts, links, überall menschliche Geräusche, Stimmen, Löne, Klatsch und Tratsch schwirren durch die Treppenflure und Höfe, dringen in das Intimste der Nachbarn ein, wühlen in ihrem Innerften herum. Kann da der Mensch einsam sein, da er von allen Seiten von Menschen umgeben ist? Und er ist es vielleicht gerade deshalb. Geht einfam feinen Weg, findet einfam' seinen Tod. Als ich neulich ins Kriminalgericht ging, standen in einer der Straßen neugierige Menschengruppen auf dem Bürgersteig und blidten zum gegenüberliegenden Haufe empor. Auf dem Balkon des Hauses liefen einige Menschen hin und her. Ein Handwerker hämmerte an einer verschlossenen Balkontür. Ich erfundigte mich, was los fei. Man konnte es mir nicht sagen. Ich befragte die Inhaberin des Milchladens.„ Ein junger Mann", sagte fie, lebt oben in der Wohnung. Nachts hörte man Söhnen und morgens regte sich nichts badrin. Da haben die Nachbarn beschlossen, die Wohnung aufzus brechen. Der junge Mann wird wohl tot fein." Wie alt war denn der junge Mann?" So um die vierzig Jahre," Da mar er Der völkische Bloc in Bayern hat beschlossen, an einer weiteren interfraktionellen Besprechung über die Frage der Regierungsbildung nicht teilzunehmen. In eine Koalitionsregierung trete der völkische Blod nicht ein. Er werde von Fall zu Fall entscheiden, ob er die zu bildende Regierung unterstützen oder bekämpfen werde. " wohl nicht mehr so jung."„ Na, aber noch unverheiratet." Ich ging meines Weges und Sachte bei mir: Ich bin auch unverheiratet, auch so um die vierzig herum, also noch ein junger Mann. Wie lange werde ich denn eigentlich noch jung bleiben, wenn ich überhaupt nicht heirate? Nachmittags fam ich wieder am Haufe vorbei. Ich ging in den Laden und erfundigte mich nach dem jungen Mann.„ Er ist am Herzschlag gestorben," erhielt ich zur Antwort. Ich dachte an mein eigenes Herz und ging hinauf, um den einsamen Loten in seiner Behausung zu sehen. Mit einiger Mühe gelang es mir, Einlaß zu erhalten. Wo kommt denn ein Zeitungsschreiber nicht hinein? Es war eine Junggesellenbehausung: Sie liebende Sorgfalt der. Hausfrau fehlte. Der Tote lag noch in seinem einsamen Bett, in dem er seine Ruhe gefunden hatte. Was mich aber in Verwunderung versetzte, war der friedliche Ausdruck seines Gesichts. Das war fein Einsamer mehr. Unter Toten ist eben der Tote nicht mehr einsam, aber um so einsamer der Lebende unter Lebenden. Jedesmal, wenn ich ins Kriminalgericht gehe und am Hause. vorbei fomme, blide ich unwillkürlich zu den Fenstern des einsam Gestorbenen hinauf, Denfe an mich selbst, an meine einsame Behaujung und an die Lebenden. Weshalb mögen sie eigentlich so einsam sein? Tragen sie denn nicht alle Masten zur Schau? Die einen schützen sich gegen ihre Einsamkeit durch einen gotivollen Humor, die anderen durch gottlos beißenden Sarkasmus, die dritten durch eine ausgelaffene Heiterfeit, die vierten durch Menschenverachtung, die fünften durch einen alles zerfegenden Zynismus, andere wieder durch Pessimismus, Neid ufto. alles Masten der EinfamMit diesen Gedanken trat ich in den Gerichtssaal, schaute mir die Gesichter der Richter, des Staatsanwalts, der Verteidiger, der Zeugen, des Publikums an und stieß immer auf dieselben Masten. Nur die Angeklagten, die aus der einsamen Gefängniszelle tamen, schienen feine Maste zu tragen. Die waren wirklich einfam, ganz einsam und bedurften nicht der Maste in ihrer Belle. Peit. 2. R. Der Anteil der deutschen Häfen an der Schiffahrt. Seit dem Bestehen des Deutschen Reiches ist eine bemerkenswerte Verschiebung der einzelnen Häfen an der Handelsschiffahrt erfolgt, wie aus einer Statistit in Werft, Reederei, Hafen" zu erkennen ist. Zu Anfang der 70er Jahre, als die Segelschiffe noch 90 Broz. unferer Handels. flotte ausmachten, war an der Ostsee fast ebensoviel Schiffsraum beheimatet wie an der Nordsee. Je größer die Zahl der Dampfer wurde, um so mehr verschob sich dies Verhältnis zugunsten des Nordseegebietes, so daß im Jahre 1914 nur noch 10 Proz. auf die Ostseehäfen entfielen. Die deutsche Handelsflotte betrug vor dem Kriege nur ein Zehntel der Welthandelsflotte und macht jetzt nach Ablieferung aller größeren Schiffe faum ein Zwanzigstel der Welttonnage aus. Den weitaus größten Anteil haben Hamburg und Bremen. Der Hamburgs beträgt augenblicklich 56 Proz., der Bremens 25 Proz. der deutschen Handelsflotte, so daß sich alle übrigen deutschen Häfen in einen Rest von 19 Broz. teilen müssen. Davon haben die Ostseehäfen einen Anteil von 14,5 Broz. und für die fämtlichen übrigen Nordseehäfen bleiben nur 4,5 Proz. übrig. nach Hamburg und Bremen hat augenblidlich Stettins Flotte die größte Tonnage, Deutsche Micum- Note in Paris. Weitere Gratislieferungen unmöglich.- Verhandlungen beantragt. 1 Paris, 12. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die deutsche Regierung hat am Montag in der Sache der Verlängerung der MicumVerträge in Paris und Brüssel eine Note überreichen laffen, in der sie erklärt, daß die Industriellen des Ruhrgebiets nicht mehr in der Lage seien, die unentgeltlichen Kohlenlieferungen fortzusetzen und das Reich außerstande sei, diese Lieferungen zu bezahlen. Die deutsche Regierung sei dagegen bereit, mit den Regierungen Frankreichs und Belgiens in Verhandlungen zu treten, um eine Lösung zu finden. In dem darüber mündlich geführten Meinungsaustausch soll von deutscher Seite der Vorschlag gemacht worden sein, die Lieferungen aus dem Ergebnis der von den Sach. verständigen für die Reparationen reklamierten Transport steuer zu finanzieren. Die französische Regierung hat darauf geantwortet, daß sie die Fortbauer des gegenwärtigen Regimes an der Ruhr verlangen müsse, bis die Bildung des neuen mi nisteriums endgültige Entscheidungen ermögliche. Dagegen scheint die französische Regierung, die im April jede Verhandlung mit der deutschen Regierung über diese Frage abgelehnt hat mit der Begründung, daß es sich um eine zwischen den lokalen Instanzen zu regelnde Angelegenheit handle, diesen Standpunkt grundsäglich aufgegeben und auch gegen die Zuziehung der anderen alliierten Regierungen zu diesen Verhandlungen teinen Widerspruch erhoben zu haben. Verhandlungen in Düsseldorf. Am vorigen Donnerstag begannen in Düsseldorf die Beratungen der Micum mit der Sechserkommission, an welche die erste offizielle Einladung zur Besprechung über die Verlängerung bzw. Neuordnung der Micum Berträge ergangen ist. Es liegen Pläne zu dieser Neuordnung bereits vor. Während es fich bisher lediglich um eine einfache, für den deutschen Teil natürlich immer ungünstig aus gehende Kraftprobe handelt, rechnet man jegt, soweit wir unter richtet sind, damit, daß froß des Fehlens einer zwischenstaatlichen Abmachung die vorliegenden Pläne in Anlehnung an Informationen aus Paris und London zu einem neuen Modus und zu einer Abkürzung der Laufzeit der Micum- Verträge führen werden. Düffeldorf. 12. Juni.( Tul.) Die Sechserfommission ist heute abend zu Besprechungen mit der Reichsregierung boerits wieder nach Berlin abgefahren. Die Industriellen gaben bei ihrer Abfahrt dén Journalisten lediglich bekannt, daß die Verhandlungen mit der Micum ergebnis los verlaufen feien und neue Verhandlungen auf kommenden Sonntag 10 Uhr vormittags anberaumt seien. Regierung und Auslandsreisegebühren. Das Reichsta binett genehmigte gestern, wie amtlich gemeldet wird, den Entwurf einer Abänderung des Reichswahl gefeges. Die Frage der Auslandsreisegebühr wird in einer Sonderfigung des Kabinetts zu Beginn der nächsten Woche besprochen werden, da sie nicht zu trennen ist von der Währungsund Kreditlage, die im Zusammenhang hiermit durch den Bräsidenten der Reichsbank eingehend dargelegt werden wird. Fistalische Absichten werden bei der Frage der Aufrechterhaltung der Ausreisegebühr wie bisher vollfommen außer Betracht bleiben. Die Wahlreformnovelle. Zu dem Beschluß des Reichsfabinetts über die Abänderung des Reichswahlgefeges ift ergänzend mitzuteilen: Das Reichs fabinett hat beschloffen, den bereits früher genehmigten Entwurfeiner Novelle zum Reichswahlgesetz( Wahlreformnovelle), welche die Bildung kleinerer Wahlkreise vorsieht, nunmehr beim Reichsrat einzubringen. Die Novelle fieht außerdem vor, daß die Barteien sich an den Kosten des Stimmzette Is beteiligen, um so mißbräuchliche Ausnutzung des amtlichen Einheitsstimmzettels, der sich im übrigen nach Auffaffung weiter Streise vorzüglich bewährt, bei fünftigen Wahlen auszuschalten. Gefangenenrücktransport. Der Tag der Internationale. Glänzender Verlauf unserer Kundgebungen. Die vier internationalen Rundgebungen, die gestern in Berlin zu Ehren des sozialdemokratischen Parteitages und feiner auswärtigen Gäste veranstaltet wurden, standen im Zeichen des Aufstieges. Die Zeiten der Inflation find überwunden und mit ihr die Zeiten des Indifferen tismus. Mit Recht fonnte Genosse de Broudère aus Belgien darauf hinweisen, daß allenthalben in Europa die Arbeiterklasse in siegreichem Vorgehen ist, und daß sie vor allem in jenen Ländern auf demokratischer Grund lage glänzende Siege zu verzeichnen hat, in denen die Arbei ter die Bühlarbeit der Kommunistischen Partei und der Kom munistischen Internationale zurückgewiesen haben. Ueberall, wo die Sozialdemokratische Partei ungeschwächt die Interessen der Arbeiterschaft vertritt, ist heute die Arbeiterflaffe ein Hauptfaktor in der Politik, der nicht mehr übergangen werden kann und dem man den maßgebenden Einfluß ein räumen muß, wo es ihm gelingt, die parlamentarische Mehrheit auf seine Seite zu bringen. Die außerordentliche Wärme, mit der die auswärtigen Gäste begrüßt wurden, legte ein beredtes Zeugnis davon ab, daß in der deutschen Arbeiterschaft auch heute noch jener Geift der Internationale wach ist, der die sozialdemokratische Bewegung Deutschlands vor dem Kriege auszeichnete. Es ist der Geist des internationalen Friedens, der den Geist des Militarismus und des die nationalen Gefühle migbrauchenden Chauvinismus Besonnenheit, Bernunft miß und Menschlich feit entgegenfezt und es war für die Berliner Sozialdemokraten als den Bertretern der deutschen Arbeiterschaft eine besondere Genugtuung, daß ihnen derfelbe Geist auch aus den Reden der auswärtigen Gäfte entgegenmehte, ein Zeichen dafür, daß sich echtes Nationalgefühl und das Bekenntnis zur Internationale in würdiger Weise er gänzen. Im Schultheiß Hasenheide nahm die internationale Kundgebung einen glänzenden Verlauf. Der Saal war überfüllt. Hunderte mußten sich mit Stehplätzen begnügen. Der Arbeitergesangverein Neutöllner Lieberta fel leitete die Feier mit dem stimmungsvollen Kampflied Tord Foleson" ein. Dem internationalen Sekretär de Broudère, der französisch sprach, wurden herzliche Ovationen gebracht. Als die Reichstagsabgeordnete Genoffin füif seine Rede übersetzte, braufte bei den marfantesten Stellen stürmischer Beifall durch den Saal. De Broudère erinnerte in seiner Rede zunächst an die Tage des vorjährigen Hamburger Rongresses, wo die Internationale neu erstand. Damals herrschte in Frankreich noch der Poincarismus, in den anderen Ländern die tiefste Reaktion. Wie haben sich die Zeiten ge ändert! In England eine Arbeiterregierung, in Frankreich der Nationale Block" geschlagen, in Dänemark und anderen Ländern das Aufsteigen des Sozialismus. Speziell in Frankreich ist seit dem Dreyfus- Prozeß noch niemals eine so wuchtige Erhebung zu verzeichnen gewefen als dieser Umschwung zur friedlichen Demotratie. Zwar find wir in Frankreich nicht in der Regierung, aber wir sind mit an der Macht. Die deutschen Sozialisten werden awar sagen: Gewiß, die franzöfifchen und englischen Sozialisten haben viel geleistet, aber was haben die Belgier getan? Sie waren doch auch an der Ruhr beteiligt." Darauf fann ich Ihnen antworten, daß dieselbe Regierung noch da ist, aber sie hat nur den Schatten der Macht. Nur noch einige Wochen und auch die reaktionäre Regierung in Belgien wird verschwunden sein.( Stürmischer Beifall.) Unsere Partei hat den Kampf gegen diese Regierung aufgenommen. Wir Belgier waren es, die zuerst einem Deutschen, den Genossen Saffenbach, in einer öffentlichen Versammlung zu schmäht worden! Der Redner zeigt an Hand von Beispielen, wie Worte kommen ließen. Wie sind wir von den Nationalisten geauch die belgische Arbeiterklasse ihre Errungenschaften verteidigen muß und erinnert an die Demonstration der 200000 Arbeiter in Brüssel megen Aenderung des Gefeßes über den Achtstundenta g. Durch diese Demonstration sah sich die Regierung gezwungen, den Gefeßentwurf zurückzuziehen. Zum Schluß drückt der Redner den heißen Wunsch aus, daß die deutsche Republit allen Stürmen zum Troß fich fonfolidieren möge und daß die deutsche Arbeiterschaft in dieser Republik das entscheidende Wort zu sprechen habe.( Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Als zweiter Redner sprach der Reichstagsabgeordnete Genoffe Simon Nürnberg, der die Arbeiterschaft auf die Einigkeit, als die stärkste Waffe gegen die Reaktion, hinmies. Aus französischem Kerker ins beseşte Gebiet. Die Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland wegen eines Austausches der 42 deutschen politischen Gefangenen auf der französischen Insel St. Martin de Ré gegen 6 wegen politischer Delifte verurteilten Franzosen sind erfolgreich abgeschlossen worden. Mit dem Gesang der Internationale, die von den VerDie deutschen Gefangenen werden nunmehr wieder in Gefängsammelten stehend mitgesungen wurde, fand die eindrucksvolle Kundnissen des belegten Gebiets untergebracht merden. gebung ihr Ende. Dem Linksblock zur Kenntnis! Degoutte verbietet Nachrichten über die Vorgänge in Paris. Hamm, 12. Juni.( Mtb.) Aus Dortmund wird berichtet: Der fommandierende General der Besatzungstruppen gibt bekannt, daß er Sanktionen verhängen würde, wenn die Zeitungen Mitteilungen über die sich zurzeit in Paris abspielenden Vorgänge brächten, die eine Herabsetzung der Würde der Bejagungstrupp en bedeuteten. Genosse Matteotti verschleppt? Rom, 12. Juni.( WEB.) Der jozialistische Abg. Matteotti, einer der Führer der Opposition in der italienischen kammer, ist jeit Dienstag abend verschwunden. Nach Bläffermeldungen wurde er in einem Auto entführt. Die Behörden stellen eifcige Nachforschungen an. Rom, 12. Juni.( EP.) Die amtlichen Erhebungen ergaben, daß Matteotti wie die anderen politischen Bersönlichkeiten zur Ber hinderung etwaiger leberfälle von einem. Geheimpolizisten überwacht, sich ins Parlament begeben hatte und seither von dem Kriminalbeamten aus den Augen verloren wurde. Ein fozialistischer Kollege hat Matteotti zuletzt Dienstag um 7 Uhr abends in der Nähe der Rammer gesehen. Nach der Bekanntgabe des Verschwindens haben sich bei der Polizei Leute gemeldet, die an einer abgelegenen Stelle Roms ein Automobil davonfahren jahen, aus dem Hilferufe ertönten. Das flüchtige Automobil fonnte identifiziert werden. Man glaubt, den Urhebern der Entführung auf der Spur zu sein. Die Oppositionsfreise sind über den Borfall erregt und bestürzt. Nach dem schamlosen Vorgehen der Faschisten selbst in der Kammer gegen die oppositionellen Abgeordneten, wird man um das Schicksal unseres Genossen Matteotti fürchten müffen. Jm Lehrervereinshaus, deffen großer Saas voll befeßt war, begrüßte der Gesangver in Enpographia" die Bersammlung mit in befannter Meisterschaft vorgetragenen Freiheitsliedern. Als erster Redner sprady der sächsische Minister a. D. Genosse Fleißner- Dresden. Niemals sei, führte er aus, eine Zeit so sehr wie die jeßige geeignet gewefen, uns auf die Notwendigkeit des Gutachtens im Deutschen Reichstag werde es darauf cestommen, der Völkerpersöhnung hinzuweisen. Nach der Annahme welche Unterstügung die Arbeiterklasse Deutschlands in ihrem Kampf, der ihr bevorsteht, bei den Arbeitern der anderen Länder findet. Aber allein auf diese Hilfe dürfe sich die deutsche Arbeiterschaft nicht verlassen, sondern sie müsse selber aftio fein, mehr als sie es in der legten Zeit gewesen sei, müſſe den notwendigen Kampf mit aller Schärfe und werde bas Unternehmertum, für das alle bürgerlichen Parteien einRüdsichtslosigkeit führen.( Zustimmung.) Zweifellos treten, hauptsächlich den breiten Massen die Lasten der Erfüllung aufbürden wollen. Mehr als je müsse jetzt unsere fogialdemokratische Parlamentsfraktion draußen in den Massen ihre Resonanz finden. Sie dürfen in rücksichtsloser Bertretung der Intereffen des arbeitenden Proletariats auch vor der Aussicht auf eine nochmalige Auflösung des Reichstages nicht zurückschrecken.( 3uftimmung.) Genosse Fleißner betonte dann die Notwendigkeit, auch die Republit zu schüßen, wobei freilich zu fordern sei, daß die jeßige bürgerlich- kapitalistische Republik eine sozialistische. möglich fein. Schluß machen müsse man mit der Politik des wird. Aber auch das werde nicht ohne ernste und harte Kämpfe Lavierens, nur mit dem Geist der Offenfive fei etwas zu er reichen. Genosse Fleißner richtete an die Sozialdemokratie ande rer Länder die Mahnung, der deutschen Arbeiterklasse in ihrem Rampf zu helfen. Aber dieser Hilfe der Internationale müsse die deutsche Arbeitertiasse sich würdig zeigen. Dann werde sie einen entscheidenden Sieg über ihren Klaffengegner bavontragen.( Stürmischer Beifall.) Dann nahm das Wort unser dänischer Genosse Parteisekretär Andersen, von lebhaftem Beifall begrüßt. Dänemark habe eine einheitliche, einige Sozialdemokratie, um die fich fast die gesamte Arbeiterschaft des Landes schart. Bei den letzten Wahlen habe sie fast 40. Proz. aller Stimmen erhalten, darum habe sie im Interesse der Arbeiterklasse die Regierung übernommen( Bravo), was allerdings nicht immer ein Bergnügen sei. Steuerreform, Achtstundentag und Abrüstung( Beifall) feien einige ihrer Haupts pläne. Den hartgeprüften deutschen Genossen überbringe ich, schloß Genosse Andersen, die herzlichsten Grüße der dänischen Genossen. ( Lebhafter Beifall.) Stets sei zwischen den Genossen in Deutschland und in Dänemark bestes Einverneh men gewesen. Nordschleswig müsse die Brücke der Versöhnung, der Verbrüderung der beiden Bölfer werden. Von der Internationale allein fei eine älterverföhnung zu erwarten. Die Verantwortung für die Kriegstatastrophe laste auf der bürgerlich- kapitalistschen Gesellschaft. Die Solidarität der Sozialisten aller Länder sei der wahre Völkerbund. ( Stürmischer Beifall.) Inzischen war auch ber Bertreter Belgiens, Genosse de Broudère, von lebhaftem Beifall begrüßt, in der Versammlung erschienen. Er überbrachte Grüße Doir der internationalen Tagung in Wien und von den belgischen Genossen Aus der Katastrophe haben die Länder nur die Einigung des internationalen Proletariats und dessen wieder erstartte Macht gerettet. Genoffe de Brouckère schilderte die erfolgreichen Kämpfe der belgifchen Arbeiter gegen das Unternehmertum. Bir haben zu kämpfen um den europäischen Frieden, wir haben gemeinsame Arbeit zu leisten, alle Bruberparteien Europas. Dem internationalen Stampf des Unternehmertums gegen den Achtstundentag wird die internationale Arbeiterklasse gemeinsam fämpfend entgegentretem. werden, daß die deutsche Arbeiterklasse nicht zu einer Ueberschreitung Die Reparationsverpflichtungen Deutschlands müffen fo getroffen des Achtstundentages gezwungen ist. Genosse de Broudère schloß unter stürmischem Beifall mit dem Wunsch, daß die junge deutsche Republik erstarten möge. Ein Referat der Genossin Toni Sender beleuchtete die Zicle des internationalen Kapitals. Auch das Proletariat müsse eine attionsfähige internationale Arbeiterorgani fation haben. Voraussetzung sei eine geschlossene und einige Arbeiterorganisation in den einzelnen Ländern. Diese internationale Kundgebung müsse in uns den Willen zur Macht stärken, dannwerde der Sieg unser sein.( Stürmischer Beifall.) In einem Hoch auf die internationale völlerbefreiende Sozialdemokratie und dem Gesang der Internationale flang die Rundgebung aus. In den Germaniafälen Im Saalbau Friedrichshain lauschten mehr als 2000 Personen den Worten der Redner. Mit hatten fich gleichfalls zahlreiche Parteigenossen eingefunden. Als der dem Siede:" Ein Boll, ein Herz, ein Vaterland", welches in vortreffeinetesche Männerchor die internationale Kundgebung licher Weise vom Berliner Arbeiterfänger- Chor vormit dem Liebe ,, Empor zum Licht" stimmungsvoll eröffnete, war der getragen wurde, begann die Veranstaltung. geräumige Saal bis auf den legten Blaz befeßt. Als internationale Gäste waren die Genossen Mendel- Lewin( Sozialrevolutionäre Bartei Rußlands) und Dr. Otte Leichter Wien anwesend, die mit Bravorufen der Anwesenden begrüßt wurden. Unter stürmischem Beifall trat Genosse Mendel- Cemin an das Rednerpult und erinnerte daran, daß vor 23 Jahren der übeder Parteitag, den er mitmachen fonnte, unter polizeilicher Aufsicht tagte. Heute ist es anders geworden. Wir müssen diesen Fortschritt unbedingt anerkennen. Der Redner zog dann die Parallele zwischen der deutschen und russischen Arbeitertiaffe. Brot und Freiheit hieß die Losung, unter der die Kommunisten in Rußland fiegten. Und was hat dieser Sieg gebracht? Eine furchtbare Hungersnot, die man selbst unter dem Regime des Barismus nicht erlebt hatte. Aber auch die geistige Freiheit ist start eingeschränkt. Zuerst sprach die Genoffin Bell im Namen der englischen Arbeiterpartei. Da fie englisch sprach, wurden ihre Ausführungen vom Genoffen Bärensprung, Mitglied der Bundesleitung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold übersetzt. Genoffin Bell gab einen lleberblick über die Geschichte ihres Landes. Sie erinnerte daran, daß England schon im Mittelalter ein Land war, in dem demokratische Ideen herrschten. So blieb England ohne gehaltsame Umstürze ein demokratisches Land. Die Rednerin kam dann auf die englischen Wahlen zu sprechen. Die Arbeiterpartei ist nun Regierungspartei. Aber im Parlament hat sie nicht die mehr. heit. Das mögen die Arbeiter aller Cänder bedenken, wenn fie meinen, das Tempo der englischen Arbeiterpolitit gehe zu langjam. Auch die französischen Wahlen zeigen, daß man überall endlich bereit ift, die Welt wiederum einzurenfen. Mögen die deutschen Arbeiter dazu beitragen, so schließt Genoffin Bell ihre Ausführungen, eine Welt des allgemeinen Friedens zu schaffen.( Starter Beifall.) Als zweiter Redner referierte Genosse Dan von der russischen Sozialdemokratie und überbrachte deren Grüße. Er knüpft an die Ausführungen der Vorrednerin an und zieht dann eine Parallele mit den russischen Verhältnissen. Weder in England noch in Rußland haben wir eine Arbeiterregierung, die rein sozialistische Politik treibt. In Rußland müssen wir in die Gefängnisse gehen, wenn wir sozialdemokratische Funktionäre sehen und sprechen wollen. Wir haben keinen kommunistischen Staat drüben, fondern einen neuen Kapitalismus, eine neue Bourgeoisie, ein neues Schiebertum. Was sich in Rußland proletarische Politit" nennt, ist ein Verbrechen an der Idee des Sozialismus.( Bustim mung.) Dan endet seine Ausführungen mit der Hoffnung, daß überall die wahre Demokratie zum Durchbruch fommt.( Leb hafter Beifall.) Als letzter Redner sprach Genosse Paul Löbe: Mit neuer Kraft anstrengung, mit neuem Mühen gehen wir ans Werk. Tüchtig müssen wir in der deutschen Republit aufräumen. Auf die Regierungen der Länder und des Reiches dürfen wir uns nicht verlassen. Selbst müssen wir hand anlegen.( Starfer Beifall.) Die japanische Kabinettstrije ist beendet. Der Vicomte Kato Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale hat den Bosten des Premierministers übernommen und ein neues Sozialdemokratie wurde die eindrucksvolle Kundgebung geKabinett gebildet, fchloffen, Genosse Robert Dißmann wies auf die internationalen Kongresse vor dem Weltkriege hin. Als damals der unjelige Krieg über uns hereinbrach, sah jeder ein, daß das internationale Proletariat eine Jeder dachte, er kämpfe um die Freiheit seines Landes. Erst im Schlacht verloren hatte. Die Kriegsfurie saufte durch die Länder. Kriege merkte das Proletariat, daß es belogen war. Dieser Kampf war fein Kampf um Freiheit, er war vielmehr ein Kampf zum Schute des Kapitalismus. Am Schlusse seiner Ausführungen behandelte Genoffe Dißmann die Gewerkschaftsfrage. Leider ist die gewerkschaftliche Stärke im Augenblid arg geschwächt. Doch brauchen wir den Mut nicht sinken zu lassen. Langsam geht es vorwärts. In Horthy- Ungarn haben unsere Gewerkschafts genossen den Kampf gegen die Bourgeoisie mit aller Straft aufgeorganisierten musterhafte Solidarität übten, zeigen, daß es auch bei nommen. Die legten Streifs in Deutschland, wobei auch die Under revolutionären Sozialdemokratie wollen und werden wir siegen, uns wieder vorwärts geht. Unter dem Zeichen der Internationale ( Stürmischer Beifall.) Nachdem der Genoffe Dr. Otto Leichter in furzen Ausführungen den Leidensweg des österreichischen Proletariats geschilbert hatte, um dabei auch hervorzuheben, daß es ebenfalls in Desterreich wieder vorwärts gehe, hörte die Versammlung stehend die Inters nationale" an Der Konflikt bei der Reichsbahn. Die BS.- Korrespondenz berichtet: ** regelung überreicht wurden. Eine materielle Verhandlung fand nicht statt. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Antwort des Reichsverkehrsministers wird in einer für morgen mit den Gewerffchaften vereinbarten erneuten Zusammenkunft mitgeteilt. Das Nachrichtenbureau des Vereins deutscher 3eitungsverleger verbreitet andererseits eine lange Bolemit des Reichsverkehrsministeriums gegen den von uns gestern veröffentlichten Artikel zum Eisenbahnerkonflikt und gegen den Beschluß des Vorstandes und Beirates des DEV. Die von uns veröffentlichten Zahlen, wie die in der Entschließung des DEV. festgestellten Tatfachen werden zwar nicht bestritten, man versucht jedoch mit allerlei Prozentberechnungen nachzuweisen, daß die Eisenbahner hohe Löhne" hätten. In der langen Bolemit heißt es u. a.:„ Die Gewerf fchaften berufen sich darauf, daß die Gehälter der Oberbeamten um 70 Broz., der Unterbeamten um 17 Broz. gesteigert worden seien, die Arbeiter aber mit 5 Broz. abgespeist werden sollen. Wenn diese Zahlen an sich auch richtig sind, so fann der Staat doch nicht nach parteipolitischen Rücksichten verfahren, sondern er muß seine Beamten so befolden, daß er eine unanfechtbare Beamtenschaft zur Berfügung hat." Nachdem die Vorstände der Eisenbahnerorganisationen aller Richtungen gestern und vorgestern in zum Teil stürmischen Beratungen übereingekommen waren, vor Ausrufen des Streifs noch einmal mit dem Reichsverkehrsministerium und der Regierung eine letzte Einigung zu versuchen, fanden gestern nachmittag 24 Uhr mit Vertretern des Reichsverkehrsminifteriums Verhandlungen statt, die etwa zwei Stunden dauerten. Die Organisationen erklärten, daß sie bereit seien, von ihrer ursprünglichen Lohnforderung in Höhe von 30 Prozent unter der Boraussetzung herunterzugehen, daß das Reichsverkehrsministerium andererseits in der Frage der zehnffündigen Arbeitszeit der Bahnunterhaltungsarbeiter, sowie in der Frage der Bezahlung der neunten Arbeitsstunde durch einen Ueberftundenzuschlag und in der Frage der Neuberatung der DienstdauerDienstdauer- schaften vorschriften ein Entgegenkommen zeigen werde. Die Regierungsvertreter haben dann erklärt, daß in der Frage der zehnstündigen Arbeitszeit der Bahnunterhaltung und in der Frage der Dienstdauervorschriften die Berhandlungen wieder aufgenommen werden könnten und vielleicht ein Entgegenkommen gezeigt werden würde. In der Lohnfrage selbst und in der Frage der Bezahlung der neunten Arbeitsstunde durch einen besonderen Zuschlag sei jedoch das Reichstabinett ausschlaggebend, das durch die Vertreter des Reichsverkehrsministeriums befragt werden müßte. Die Bertreter des Reichsverkehrsminifteriums ersuchten darauf um eine Bertagung der Verhandlungen um 24 Stunden, damit die Ansicht der einzelnen vorgesetzten Instanzen herbeigeschafft werden könnte. Im Laufe des Freitags gehen die Verhandlungen weiter. Das Ergebnis diefer Verhandlungen wird die Frage Streit oder nichtstreit entscheiden. Wenn die Regierung nicht ein weiteres Entgegenkommen in den ftriffigen Punkten zeigt, dann dürfte ein das ganze Wirtschaftsleben schwer schädigender Generalstreit der Eisenbahner unvermeidlich jein. Auf der anderen Seite hat die Verhandlung am geftrigen Donnerstag jedoch ergeben, daß die Regierung ihrerseits kon3effionen zu machen bereit ist; und aus diesem Grunde steht zu hoffen, daß im Wege friedlicher Verständigung ein Ausgleich erlangt wird, der sowohl mit den finanziellen Interessen des Reiches vereinbar ist, wie auf der anderen Seite aber auch den Arbeitern der Reichsbahn, die zum größten Teil zu den Schwerarbeitern zu rechnen find, eine Befriedigung gewährt. Soweit die Meldung, deren Richtigkeit mir nicht nachzuprüfen vermochten, da die Vertreter des DEB. nicht zu erreichen waren, mas wir in einem so fritischen Zeitpunkt besonders bedauern. Im übrigen glauben wir, daß diese Meldung im Kern vielleicht richtig, jedoch so aufgebauscht ist, daß sie den Tatbestand wesentlich entstellt. Das Wolff- Bureau meldet: Berlin, 12. Juni. Heute nachmittag fand im Reichsverkehrsminifterium eine Besprechung zwischen dem Reichsverkehrsministerium und den Vertretern der Eisenbahngewerkschaften statt, in der die aus der Morgenpresse bereits bekannten Forderungen der Gewerkschaften auf Lohnerhöhung und anderweitige Arbeitszeit Die Brauereifunktionäre zum Ultimatum. Die Funktionäre der streifenden Brauereiarbeiter nahmen gestern Stellung zu dem Ultimatum der Unternehmer, dessen Wortlaut wir in der gestrigen Morgenausgabe mitteilten. Nach einem furzen. Bericht Hodapps wurde in der Aussprache betont, daß sich die Streifenden durch diesen Anschlag der Unternehmer von der geschloffenen Fortführung des Streits nicht abbringen lassen werden. Folgende, von der Zentralstreifleitung vorgelegte Entschließung fand einstimmige Annahme: Die zum 12. Juni einberufene Versammlung der Funktionäre der streifenden Brauereiorbeiter nimmt mit Entrüstung Kennt nis von dem Schreiben des Vereins der Brauereien Berlins und Umgegend, wonach die Streifenden nur dann auf Wiedereinstellung rechnen können, wenn sie sich bis heute mittag 12 Uhr zur Arbeitsaufnahme gemeldet haben. Die Funktionäre der streitenden Brauereiarbeiter weisen es entschieden von sich, sich durch derartige Alarmmeldungen der Unternehmer im Ausharren in ihrem gerechten Kampfe beirren zu laffen. Die Funktionäre erwarten strengstens von den Streifenden, daß sie das Schreiben der Unternehmer unbeachtet laffen. Wie wir erfahren, wird sich heute ein Schiedsgericht, das auf Anregung von Gewerberat Körner unter Zustimmung der Parteien gebildet worden ist, mit dem Streit im Braugewerbe beschäf tigen. Bei einem entsprechenden Entgegenkommen der Brauereibefizer könnte der Streit mit seinen unangenehmen Auswirkungen beigelegt werden. Aber die Brauereibefizer, die doch wirklich nicht behaupten können, daß die Brauer besonders streiklustig sind( ist dieser Streif doch erst der zweite feit 34 Jahren), find offenbar ins Scharfmacherler abgerutscht. Diese Entwicklung des Lohnkampfes verdient die.achtung der Allgemeinheit. Die Funktionäre der Brauer werden sich in einer Abendversammlung mit dem Ergebnis der Verhandlungen beschäftigen. Zum Streit der Brauereiarbeiter. Die Berichte der bürgerlichen Presse, die meist von den Brauereiunternehmungen inspiriert sind, stellen den Lohnstreif der Brauereiarbeiter so dar, als ob es sich hierbei um exorbitante Forderungen handelte, deren Erfüllung den Ruin der Berliner Brauindustrie bedeutete. Die Unternehmer suchen die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen, in der Erwartung, es gelinge ihnen dies ebenso leicht wie die Gewinnung der Technischen Nothilfe, die sich rühmt, daß sie in 19 Brauereibetrieben 230 Nothelfer eingesetzt hat, um die vom Polizeipräsidium er: tannten Rotstandsarbeiten zu verrichten. Das im Gärungsprozeß befindliche Material foll vor der Vernichtung geschützt werden". Die Brauereien brauchten teine Nothilfe", wenn sie ihre Arbeiter ebenso gut behandelten wie die Nothelfer". Die legte Lohnfeftsegung ergab ab 17. April einen Wochenlohn von 33 Mt. für gelernte Brauer, einen solchen von 29 Mt. für Ungelernte und 30 Mt. für die Bierfahrer. Die Unternehmer rechnen dazu den sogenannten Haustrunt, wahrscheinlich nicht einmal zum Selbsttostenpreis, sondern zum Verkaufspreis. Dem Fahrpersonal wird " Dazu ist zu bemerken, daß die Eisenbahner selbstverständlich niemals verlangt haben, die Beamten, auch die oberen Beamten sollen ungenügend befoldet werden. Aber wenn es zweifellos notwendig ist, eine„ unanfechtbare Beamtenschaft" zur Verfügung zu haben, jo hat der Staat ein nicht minder großes Interesse daran, die Eisenbahner so zu bezahlen, daß sie allen Anfechtungen widerstehen können. Wenn es in der Polemit dann heißt, daß die Republik bessere Beamten als der monarchistische Staat brauche, weil nicht mehr so fommandiert werden könne wie früher und die Belohnung durch Titel und Orden abgeschafft ist, so trifft das zweifellos auch auf die Eisenbahner zu. Nicht nur der Beamte muß, wie es in der Polemik des Reichsverkehrsministeriums heißt,„ sorglos dastehen", auch der Eisenbahner muß die Möglichkeit haben, sich und seine Familie menschenwürdig ernähren zu können. „ Die Chemigraphen Berlins ermächtigen ihre Bertreter int Tarifamt, rücksichtslos dafür zu wirken, in der morgigen Tarifamtsfigung den Brinzipalen begreiflich zu machen, daß wir nicht länger gewillt find, eine Tarifgemeinschaft aufrechtzuerhalten, mo der eine Kontrahent hemmungslos feine Parteiintereffen durchsetzt. Die Chemigraphen Berlins sehen nunmehr feine andere Möglichkeit, zu einer Aenderung im Sinne des Tarifes zu fommen, als von Freitag, den 13. Juni, ab in Berlin die Ueberstunden zu verweigern." Dieser Beschluß wird streng durchgeführt werden. Sämtliche Mitglieder haben sich stritte an die Beschlüsse der Organisation zu halten. Angestellte der Berliner Metallindustrie! Auf Grund zahlreicher Anfragen beilen wir mit, daß die Ge haltszahlung im Monat Juni wie folgt stattfindet: Am 21. Juni 25 Broz., am 30. Juni 75 Pro3. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß am Sonntag, den 16. Juni, die Vergleichsverhandlungen im RAM. bezüglich unseres Antrages auf Berbindlichkeitserklärung des Schiebsspruches zur Regelung der Maigehälter stattfinden. Sobald ein endgültiges Resultat vorliegt, werden wir eine Af- Funktionär persammlung einberufen. Wir bitten daher, in den nächsten Tagen die Arbeiterpreffe zu verfolgen. AfA- Metallkartell: Günther, Lange, Rothe. Konflikt in der rheinisch- westfälischen Schwerindustrie. Effen, 12. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag vor mittag begannen unter dem Vorsiz des Vertreters des Reichskommissars die Verhandlungen über die Löhne, die Arbeitszeit und Die Arbeitgebervertreter wünschten zunächst Berhandlungen über den Rahmentarif in der nordwestlichen Gruppe der Metallindustrie. die Arbeitszeit. Die Gewerkschaftsvertreter lehnten diese Verhandlungen ab und betonten ihren bereits bei den voraufgegangenen Berhandlungen dargelegten Standpunkt, daß zunächst über die 2ohnfrage verhandelt werden müsse. Hierauf begannen die zwangsweise durch den Reichskommissar eingeleiteten Verhandlungen, die nach der Schlichtungsordnung den Schiedsverfahren vorausgehen müssen. Die Arbeitnehmervertreter überreichten ihre Vorschläge, die kurz zusammengefaßt die grundfäßliche Anerkennung der achtstündigen Arbeitszeit reip. 48 Stunden wöchentlich fordern, für durchgehende Betriebe einschließlich Sonntagsarbeit 56 Stunden. Für die Arbeiter an den Hochöfen, in den Kodereien usw. wird die EinWenn dann weiter behauptet wird, daß die Bahnunterführung der dreifachen Schicht verlangt. Für die übrigen haltung ein Saisonbetrieb ist und daß also die Arbeitszeit in den Betriebe tann über die achtstündige Arbeitszeit hinaus eine Stunde Sommermonaten ähnlich wie in der Landwirtschaft und im Bau- Mehrarbeit vereinbart werden, die mit einem Aufschlag von gewerbe verlängert werden müsse, so trifft das, soweit das Bau. 10 Pro 3. zu vergüten ist. In der Lohnfrage wurde für den gewerbe in Frage kommt, nicht zu. Dort besteht nach wie vor Monat Mai ein 20prozentiger Zuschlag auf die Aprillöhne, ab 1. Juni die achtstündige Arbeitszeit. Ein Vergleich mit der Land- weitere 5 Proz. auf die sich für Mai ergebenden Löhne gefordert. wirtschaft hinkt schon deswegen, weil hier die Arbeit von den WitteWeiter wurden einige Verbesserungen zum Rahmentarif sowie die rungsumständen abhängt und durch die klimatischen Verhältnisse zum Die Arbeitgebervertreter haben ihre bekannten Forderungen in vollem Aufnahme des Gießereiabkommens in den Rahmentarif beantragt. Teil, fich auf einige Monate zusammendrängt. Umfange beibehalten Die Verhandlungen werden am Freitag fortIm übrigen bestätigt die Verteidigungsschrift des Reichsverkehrs. minifteriums, daß die Dienstzeit bis 16 Stunden täglich aus. gedehnt werden kann. Eine derartige Dienstzeit gibt es außerhalb des Eisenbahnbetriebes in feinem Berufe. Diese Berteidigungsschrift ist in Wirklichkeit die schärfste Anflage gegen den bureaukratischen Geist der in den höheren Regionen des Reichsverkehrsminsteriums herrscht. Er ist sicher nicht dazu angetan, den Konflikt auf gütlichem Wege beizulegen. obendrein noch das Zehrgeld" in Rechnung gesezt, das diese nicht für sich, sondern für die Brauereien ausgeben müssen. Die Fahrer müssen ihr Frühstück unterwegs verzehren und bei den Wirten, die sie beliefern, auch dann trinken, wenn sie fein Bedürfnis dazu haben. Diese Berufslaft" foll also indirekt auf die Arbeiter abgewälzt werden. " Die Brauereien, die für ihre Flüssigkeitsprodukte immer noch einen Preis von etwa 50 Proz. über den Friedenspreis hinaus fordern und ohne weiteres erhalten, find recht gut in der Lage, die Forderungen ihrer Arbeiter zu erfüllen. Das Manöver, die Dinge so darzustellen, als ob die Brauereiunternehmer die Forderungen hauptsächlich deshalb ablehnten, um den Biertrinfern das Bier nicht noch mehr zu verteuern, daß die Erfüllung dieser natürlich ,, unverschämten" Forderungen ohne weiteres eine Bierpreiserhöhung bedingen, die also die Brauereiarbeiter verschuldeten, verfehlt seine Wirkung. Freilich, wenn die Unternehmer den Bierpreis ohne weiteres erhöhen könnten, dann hätten sie es nicht erst zum Streif fommen laffen, sondern bewilligt und die Löhne, mit einem entsprechenden Zuschlag für fich, in eine Bierpreiserhöhung einkalkuliert. So aber bedeutet jebe Lohnerhöhung eine Schmälerung ihres Profits. In diesem Punkte aber find alle Kapitalisten samt den Brauereiattionären sehr empfindlich. Die Rohstoffpreise sind allerdings noch nicht in dem Maße herabgefeht, wie es notwendig ist. Allein der in der Kriegszeit begonnene und inzwischen erfolgreich weiter geförderte Konzentrationsprozeß in der Brauinduſtrie müßte dennoch zur Herabfehung der Bierpreise führen. Die heutige Monopolstellung der Berliner Brauereien findet lediglich in der mangelnden Kauffraft der großen masse ein gewisses Gegengewicht gegen weitere Preissteigerungen. Würden die Arbeiterlöhne den verteuerten Lebensverhältnissen ebensogut angepaßt wie die Gehälter der Herren Direktoren und Generaldirektoren, dann hätten die Brauereiarbeiter feine Veranlassung zum Streit. Die Brauereiarbeiter, die zum größten Teil Saisonarbeiter sind, die in Nässe, Hige und Kälte zu arbeiten ge= zwungen sind und deren Lebensalter deswegen arg begrenzt ist, wissen, daß sie einen gerechten Kampf um die Erhaltung ihrer Lebensmöglichkeiten führen. Sie werden diesen ihnen aufgezwun genen Kampf aller Berdrehungen in der die Interessen des Brauereikapitals vertretenden bürgerlichen Presse zum Troß, zu einem erfolgreichen Ende zu führen wiffen. Konflikt im chemigraphischen Gewerbe. Die Mitgliederversammlung der Chemigraphen Berlins nahm gestern Stellung zu dem Tarifbruch, den die Unternehmer dadurch begangen haben, daß fie bei Androhung einer Konventionalstrafe von 500 M. in jedem einzelnen Falle die Einstellung von Chemigraphen verboten. Das bedeutet praktisch, daß die Arbeitnehmer, wenn sie ihre Stellung wechseln, riskieren, anderweitig teine Bes schäftigung zu finden. Das Vorgehen der Unternehmer wird noch besonders durch die beiden Tatsachen charakterisiert, daß gleichzeitig aus der Provinz Arbeitskräfte angefordert werden und auch berufsfremde Elemente eingestellt werden. Diese Ueberläufer" werden unter Tarif bezahlt. In der Diskussion kam die allgemeine Erbitterung über das unqualifizierbare Vorgehen der Unternehmer zum Ausdruck und fand in folgender Entschließung ihren Niederschlag: gesetzt. Achtung, streitenbe Brauereiarbeiter! Heute( Freitag) mittag 12 Uhr Funt. tionärversammlung im Gewerkschaftshaus, Großer Gaal. Seute nachmittag 3 Uhr Versammlung fämtlicher Streifenden in den Streitlokalen. Jeder Die Hauptstreifleitung. Deutscher Solzarbeiterverband. Die heutige Sigung der erweiterten Ver. Die Einladung zur nächsten Sigung erfolgt waltung findet nicht statt. fchriftlich. Streifende ift verpflichtet, an diesen Bersammlungen teilzunehmen Verband der Buchbinder- und Papierverarbeiter. Taubftummen- Gettion: Am Sonntag, den 15. Juni, nachmittags, findet in der Brauerei Friedrichshain ein Sommerfest mit Ronzert und Spezialitäten statt. Der Ueberschuß soll für die arbeitslosen Taubstummen verwendet werden. Es wird daher um regen Bertrieb der Eintrittskarten gebeten. Nur von dem Berkauf der Vorverkaufsbilletts haben diese einen Anteil. Daher sind die Billetts im voraus zu ent nehmen. Rarten find auf unserem Bureau sowie in den Rahlstellen zu haben. Die Ortsverwaltung. Jugendveranstaltungen. Für den Sammelsonntag haben verschiedene Abteilungen noch feine Abreißen angegeben. Diese Abteilungen werden hierdurch ersucht, dieses umgehend nachzuholen. Die Programme für die Juliveranstaltungen müssen bis heute( Frei tag) unbedingt abgegeben werden. Achtung, Abteilungsfaffierer! Es müffen heute von allen Abteilungen, soweit das noch nicht geschehen ist, bie Beitragsmarken von den vergangenen Monaten abgerechnet und bie Bei tragsmarken für den Monat Juni abgeholt werden. Ferner find unser Jugend voran" und die Arbeiter- Jugend in Empfang zu nehmen. Heute, Freitag, den 13. Juni, abends 7½ Uhr: Brig: Chauffeeftr. 48, Bortrag: Geschichte der SAJ." Charlottenburg: Jugendheim Rosinenftr. 4, Bortrag: Die bürgerliche Weltanschauung". Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5, Bortrag: Arbeitsdienstpflicht". uisenstadt: Säule Staßschreiberstr. 54, Borttag: Die Gefchichte der prole. tarischen Jugendbewegung". Moabit II: Ratholische Saule am Stephansplag, Diskussion: Unsere Pfingstwanderung". Neukölln III: Jugendheim Nogat. straße 53, Vortrag: Astronomie". Niederschönhausen: 1. Gemeindeschule, Blankenburger Str. 69, Bortrag: ,, Mofes oder Darwin?" Nordost II: Schule Biertel): Schule Naglerstr. 3, Bortrag: ,, Weltverkehr", 2. Teil. Danziger Str. 23, Bortrag: Broletarische Lebensreform" Often( Stralauer Reinickendorf. Weft: Jugendheim Auguste- Vittoria Allee, Mitgliederversammlung. Rosen thaler Borftabt: Jugendheim Sophienstr. 23, Distuffion: Unser Wandern". Südoft( Röpenicker Biertel): Jugendheim Mariannenufer la, Vortrag: ,, Die Entstehung der Erde". Werbebezirk Prenzlauer Berg: Zusammenkunft der Helfer und Helferinnen für den Sammelsonntag heute abend 29 Uhr bei Burg, Prenz Tauer Allee 189. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Sängerchor Pankow 1919. Die Gangesfreunde treffen fich am Sonntag unt 4 Uhr nachmittags im Schloßpark, direkt am Schloß. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 13. Juni, 8 Uhr abends, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53 III, Bersammlung. Referent Dr. Ernst Simmel:„ Seilungs. möglichkeiten und Erfolge der psychoanalytischen Behandlung". Briefkasten der Redaktion. D. S. Unmöglich. Kaufen Sie sich die Zusammenstellung der Berliner Dollarkurse, in jeder Buchhandlung erhältlich. 30 Bf. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eslorn; Feuilleton: Dr. John Shilowski, Lotales und Sonstiges: Frig Ratftäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68.. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. -ONO Von köstlich erfrischendem, würzigem Geschmack. Die stundenlanganhaltende, antiseptische Wirkung konserviert die Schleimhäute und aromatisiert gleichzeitig den Atem. ZAHNCREME MOUSON Trotz der stark desinfizierenden, zahnsteinlösenden Eigenschaften ohne schädigenden Einfluß auf den Zahnschmelz.- Die gründliche und mühelose Beseitigung des Zahnbelages ist augenfällig. J.G.MOUSON& CO. Gegründet 1798 in Frankfurt a. M. Hersteller des weltbekannten Hautpflegemittels CREME MOUSON Nr. 274+41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Die Meister von Keller und Faß. Gegenwärtig steht das Brauereigemerbe im Rampfe mit dem Unternehmertum, um bessere Lohnbedingungen zu erzielen. Nicht nur der Brauer, der eigentliche Hersteller des Bieres, hat das schärffte Kampfmittel, den Streit, ergriffen, sondern das gesamte Brauerei personal. Die Fälle, wo früher die in den Brauereien Beschäftigten zum Streit übergingen, find zu zählen. Damit wird auf das deutlichste bewiesen, daß diese Arbeitnehmergruppe immer bemüht war, mit dem Unternehmer reibungslos zu arbeiten. Im folgenden soll die Tätigkeit des Brauers, herunter bis zum Mitfahrer des Kundenwagens, geschildert werden. Die Tätigkeit des Brauers. Freitag, 13. Juni 1924 Beim erste Abkühlung statt. Aber noch ist der Brauprozeß nicht beendet.| 80 Kunden zu bedienen und verläßt ebenfalls wie der Faßbierfahrer Riesige Rühlapparate, auf 4-5 Grad gefühlt, leiten nun die Würze um 48 Uhr den Hof im Durchschnitt mit 80 Kästen Bier. Trotzdem in Gärbottiche, die aus Zement, Aluminium und Holz bestehen. die Fahrer bereits um 6 Uhr früh ihren Dienst antreten, bekomHier wird Bierhefe zugefeht, worauf das Ganze einen achttägigen men sie die halbe Stunde von 26 bis 6 Uhr nicht bezahlt. Auch das Gärprozeß durchmacht. Dann ist das Bier fertig und wird in Aufladen des Bieres besorgen nur die Fahrer. Die Mitfahrer Lagerfässer und Stahltanks die letzteren faffen etwa bis 1000 haben lediglich für das Puzen und Anschirren der Pferde zu sorgen. Hektoliter geleitet, wo es bis zum Bedarf bei 2 Grad Wärme Hat der Fahrer bei der Abfertigung der Kundschaft schon Ueber= lagert. Schließlich wird das Bier durch Filteranlagen gebracht und stunden machen müssen, so kann er, wenn er abends auf dem Hof dann erst auf Gebrauchsfäffern abgezogen. Kühlmaschinen sorgen der Brauerei anlangt, nicht gleich seine Wohnung aufsuchen. Jetzt für ständig gleiche Temperatur. Soweit die Beschreibung des Brau- wird erst abgerechnet, und wieder verstreicht einige Zeit. prozesses. Infolge der immerwährenden Wasserplanschereien in den Flaschenbierfahrer haftet, wie schon erwähnt, der Mitfahrer ebenfalls Kellereien ist es nicht verwunderlich, daß sich beim Brauer Rheuma- für die Ladung, da der Kutscher und Mitfahrer zugleich tassieren, tismus als Begleiterscheinung seines schweren Berufes einstellt. Die um überhaupt den großen Kundenkreis bewältigen zu können. Der Schon in den frühen Morgenstunden beginnt hier die Arbeit, Arbeit, die im„ fühlen Keller" geleistet wird, ist natürlich ungefund. Weißbierfahrer erscheint in der Saisonzeit, also im Sommer, früh Schon in den frühen Morgenstunden beginnt hier die Arbeit, Kein Sonnenstrahl verirrt sich hier unten... Aber auch die foziale um 4 Uhr auf dem Hof, um seine Ladung( 60 bis 100" Halbe") in die täglich acht Stunden dauert. Hinterher muß aber eine vertraglich festgelegte Ueberstunde abgearbeitet werden. Der Dienstage des Brauers läßt viel zu wünschen übrig. Im Winter droht Empfang zu nehmen. Er hat die Pflicht, seiner Kundschaft die beginnt mit der Zubereitung des Malzes. Die Gerste, das Urprodukt ihm oft das Schicksal der Arbetislosigkeit, wird doch in falter Jahres- 3ober, die zur Aufnahme des Weißbieres dienen, zu fäubern und zeit die Belegschaft gewöhnlich bis auf 60 Prozent verringert.. die frische Füllung vorzunehmen. Eine Nebenbeschäftigung", die des Bieres, geht durch die Reinigungsmaschinen, um dann den Der Böttcher ist dem Brauer gewissermaßen der nächste. Seine der Bierfahrer nicht zu verrichten braucht. Die größeren Braue Weichprozeß- d. h. die Gerste wird 70 Stunden geweicht durchzumachen. Das gereinigte und geweichte Produkt gelangt dann auf Aufgabe ist es, die Reparaturen an Lagerfäffern und Transport- reien haben auch ihre eigenen Werkstätten, so daß wir hier fast alle die Malztennen, um dort zu feimen. Nach mehrmaliger Bearbeitung gefäßen vorzunehmen. Alle Jahre einmal werden die riesigen Lager Handwerke vertreten finden. wird das Ganze auf die Malzdarren gebracht. Bei einer Temperatur fäffer gepicht, d. h. gereinigt. Die Innenwände der Fässer find von 60-80 Grad Wärme geht der Darrprozeß vor sich. Dann folgt mit einer Bechglafur überzogen, deren Erneuerung in jedem Jahr die Entfeimung der Gerste, die darauf den Weg zur Schrotmühle vorgenommen werden soll. Koksöfen erwärmen die Innenwände antritt. Der eigentliche Brauprozek beginnt nach dem Schroten. und bringen das alte Bech zum Schmelzen. Auf maschinellem Wege Das Schrot wird mit Wasser vermischt, zu einem Brei verarbeitet und auch mit der Hand wird dann die neue Glasur vorgenommen. und in einen Kupferfeffel unter 40-60 Grad Wärme gebracht und Ist das Pechen schon an und für sich keine angenehme Arbeit, so hier gefocht. Läuterbottiche nehmen die Masse auf, um sie abzu- Hike, die verhindert, daß der Qualm gut abziehen kann, drückt die wird sie im Sommer als geradezu doppelt schwer empfunden. Die läutern, d. h. die Flüssigkeit abzuziehen. Der im Bottich verbleibende Rauchschwaden in der Effe wieder hinunter, so daß im eigentlichen Rest Treber genannt dient bekanntlich als Viehfutter und wird von den Viehbefizern gern genommen. Der abgezogenen Flüssigkeit, die man jeht Würze nennt, wird Hopfen zugefeßt, und zwar soviel, bis der nötige Geschmacksgehalt vorhanden ist. Dann kommt die Mischung auf Kühlschiffe( Behälter), wo sich die letzten verbliebenen Bestandteile absetzen. Gleichzeitig findet hierbei die 5] Le. ,, Brauerstreik? Quatsch!" Die Venus von Syrakus. Bon Clara Rahka. ,, Sehr lange tenne ich fie. Eine Römerin, jung, schön ich habe nie eine schönere Frau gesehen. Und nun hat sie den alten Mann heiraten müssen, den Principe di San Cataldo. Er ist hier begütert, hat mehr als einen Landsiz. Ach, eine schöne Frau!" " Aber du bist doch Sizilianerin, Bianca?" " Freilich bin ich das. Wäre meine Principessa niemals nach Sizilien gekommen, so wäre sie wohl nicht reich, nein, das wäre sie nicht doch sie hätte den anderen geheiratet den Einen, den Einzigen du verstehst mich schon!" Die beiden schlenderten einen Hang hinauf, über den sich ein Sturzbach von Blüten ergoß. " Du mußt wissen, fie war so jung, als sie hierher fam, und aus Rom fam fie, wo sie wie eingesperrt gelebt hatte." Das Mädchen sprach sehr lebhaft, ihre Worte mit eindrucksvollen Gebärden ihrer schlanken braunen Hände begleitend. ,, Und hier lebte sie mit ihrer Mutter auf dem Gute von Berwandten, fast ein Jahr lang. Ich sah sie jeden Tag und ich durfte sie bedienen. Da war nun ihr Better nie, nie mals werde ich sagen, wie er hieß, der fam oft herangeritten. Gott, das war eine Zeit!" Bianca blieb stehen und ftredte ihre Hände aus.„ Das möchte ich noch einmal erleben!" ,, Liegt das Gut hier in der Nähe, und ist sie wieder Dort?" fragte Renzo, der ihr gern zuhörte, ohne sich weiter für die Erzählung zu intereffiren. " " Das alles werde ich niemals fagen!" versicherte das Mädchen nochmals heftig. Man hat den Better, deffen Familie in den unruhigen Zeiten fast alles verloren hatte, verdrängt, von ihr abgeschnitten hat man ihn. Und dann kam dieser alte Principe di San Cataldo daher in einem hellblau ausgeschlagenen Wagen so oft wie es ihm gerade behagte. Große Güter hat er. Gott mag wissen, wie er sie bekommen hat, dieser Pfaffenknecht; hat er doch seinen eigentlichen Wohnsiz in Rom. Ein großartiger Palazzo soll es sein. Aber du mußt wissen, was er sonst noch hat! Eine hängende Nase, Triefaugen und oben auf dem kahlen Kopfe eine riesige Talgdrüse! Das kann ich ruhig erzählen, denn das sieht ein jeder," Arbeitsraum immer ein dichter Qualm herrscht. 3m Weißbierbrauereigewerbe beginnt die Arbeitszeit im Sommer schon um 4 Uhr früh. Aus eisernen Bottichen, die 100 bis 200 Heftoliter faffen, gelangt das Bier in die Gebrauchsfässer. Jeden Morgen wird etwa 2 bis 3 Stunden gefüllt. In dieser Zeit leistet der Füller eine äußerst angestrengte Arbeit. Im Winter macht sich hier die Arbeitslosigkeit oft bitter bemerkbar. Es gibt Betriebe, die in der talten Jahreszeit 26 Wochen nur halbe Wochen, also etwa 3 Tage, arbeiten, laffen. Das Fahrpersonal. Hier ist zuerst der Faßbierfahrer zu nennen. Schon um 6 Uhr früh begibt sich der Kutscher auf den Hof, um nachzurechnen, wieviel er laden muß, um seine Rundschaft befriedigen zu fönnen. Er gibt dem Kellermeister feinen Bedarf an und beginnt um 6 Uhr zu laden. Um 48 Uhr muß der Wagen, der etwa 30 bis 35 hektoliter ge= laden hat, den Hof verlassen haben. Ist der Fahrer früher fertig, so benugt er die Zeit, um schnell sein Frühstück einzunehmen. Oft tommt er nicht dazu. Um doch etwas Zeit zu erübrigen, tun fich immer vier Fahrer, wohlgemerkt nur Fahrer, zusammen, um durch ein Handinhandarbeiten mit dem Laden schneller fertig zu werden. Bier Mann laden in anderthalb Stunden etwa 120 bis 150 Heftoliter. Jeder Fahrer hat im Durchschnitt 40, und wenn er Privatleute zu bedienen hat, 70 bis 80 Runden täglich abzufertigen. Erwähnt muß hierbei werden, daß der Fahrer für seine ganze Cadung haftet. Bezahlt ein Kunde nicht das Faßpfand, was übrigens fehr oft vorkommen soll, so ist der Fahrer gezwungen, das Risiko des Auslegens auf sich zu nehmen. Die Brauereien verlangen am Abend die Abrechnung für die Ware, die am Morgen geladen wurde. Kann der Fahrer nicht alles abrechnen, weil, wie erwähnt, die Kunden in einigen Fällen das Faßpfand nicht bezahlten, so wird die fehlende Summe auf fein Konto als Rest" gebucht und eventuell am Wochenende vom Lohn abgezogen. Die Arbeit des Bierfahrers ist im Grunde genommen eine Hezarbeit. Neun Stunden soll die Arbeitszeit betragen, und oft, ja fast immer, werden es zehn, elf und noch mehr Stunden. Das Untragbare aber bei dieser Arbeit ist. daß mehr als neun Stunden nicht bezahlt werden, nur die um den Schornstein fahren", also in nächster Nähe der Brauerei über Kundschaft verfügen, haben ab und zu mal das Glück, pünktlich fertig zu werden. Der Mitfahrer beim Faßbierwagen haftet im Gegensatz zu dem Mitfahrer beim Flaschenbierwagen, nicht für die Labung. Hier ist einzig und allein der Fahrer der Ber. antwortlich e. Der Flaschenbierfahrer hat täglich etwa 70 bis ,, und deine Contessa Livia hat ihn dennoch genommen?" " Sie mußte doch wohl!" sagte das Mädchen aufgeregt, ,, die ganze Familie schob fie in diese Ehe hinein. Es war Es war immer so, als ob sie Schulter an Schulter ständen, zwei Reihen, und die Comtessa mußte hindurchgehen. Sie tat es stolz genug, das habe ich mitangesehen. Ich glaube, man hat ihr irgend etwas Schlechtes über den Vetter gesagt, denn daß fie es um des Geldes willen getan hätte, allein um des Geldes willen, das kann ich mir nicht denken!" Das Mädchen stieß diese Worte pathetisch hervor. Renzo betrachtete sie von der Seite, und er fand sie entzückend in ihrer Erregung. Er büdte sich und brach ein paar besonders schöne goldgelbe Blüten für fie ab, die sie dankend in ihr Brusttuch hineinsteckte. Leise fuhr sie fort: Und jetzt werde ich sie wiedersehen. Du gehst deinen Weg, ich gehe meinen Weg. Du sprichst nicht davon, nicht wahr?" Meines ist ja auch eine Geschichte, die leider sehr oft vorkommen soll, Bianca. Nicht bei unsereinem, bei den Reichen." * " Die Löhne der Brauereiarbeiter betrugen bisher 33 M. für Gelernte, 30 M. für das Fahrpersonal und 29 M. für Ungelernte. Für das Fahrpersonal kam dazu ein Fahrgeld von 15 Pf. für das hektoliter ausgefahrenen Bieres für Fahrer, 5 Pf. für Mitfahrer. kommission stellte auf Grund eingehender Beratungen mit der Die Flaschenbierfahrer erhielten pro Kasten 5 resp. 2 Pf. Die LohnKollegenschaft folgende Lohnforderungen auf: die gelernten Arbeiter sollten 45 M., die Fahrer 42,50 M. und die Ungelernten 40 m. erhalten. Das sind die dem Brauereiunternehmertum ungeheuerlich hoch" erscheinenden Löhne. Jeder Einsichtige muß und wird nach dem oben Gesagten die Notwendigkeit der Lohnerhöhungen als unbedingt zugeben. Nach acht Tagen. Le. hübscher Bursche er war. Jedenfalls war es ihm noch niemals vorgekommen, daß ein Mädchen ihm zu verstehen gab, sie hätte einen anderen lieb. bis Das paßte nicht recht in seine Stimmung hinein. Er hätte gerne, unbeschadet seiner Erinnerung an den zärtlichen Abschied von Fiametta, mit dieser Bianca ein verliebtes fleines Spiel gehabt. Nicht lange. Eine Stunde oder zwei der Wagen abfuhr und ihn zum Landhaus des Grafen Ruggiero Lassi brachte. Je nun sie dachte anders darüber! So mochte sie wirklich ihres Weges ziehen, und er ging den seinen. ,, Da hast du mir etwas Hübsches erzählt," sagte er leichthin. Wirst, du mich auch wieder zur Osteria begleiten? Ich glaube, man schirrt schon an." " „ Ich könnte es tun," fagte sie zögernd, ihn voll ansehend, eigentlich gleichst du ein wenig meinem Marcello," fie lächelte reizend, sehr verführerisch, und deshalb, sicherlich deshalb, erzählte ich dir die Geschichte." " Möglich," sagte Renzo und schwenkte seinen Hut,„ du sollst dir nun aber feine Ungelegenheiten mehr um meinet" Dente nur, sie hat unserem Pfarrer geschrieben, und der willen machen; ich laufe schnell hinunter." hat es meinen Eltern vorgelesen." " Was denn?" Renzo lachte. " Nun," sagte das Mädchen selbstbewußt und erstaunt, daß ich zu ihr fommen soll als Rofe." Ja sonatürlich. Hatten deine Eltern nichts dagegen einzuwenden?" Nein, feineswegs. Ich werde sogar mit nach Rom gehen. Doch diesen Sommer und den Winter bleibt der Alte mit ihr in Sizilien. Er hat irgendeinen Doktor, der an ihm herumfuriert, oder Siziliens Luft bekommt ihm besonders gut. Ich weiß das nicht. Es ist mir auch gleich. Ich bin nun bald bei meiner Herrin, der Principessa Livia di San Cataldo!" Troß ihres Abscheus aegen den Alten, wie sie den Brinzen nannte, ließ sie diese Worte kosend im Munde zergehen. ,, Vielleicht ist sie noch stolzer als du, daß sie nun eine Prinzessin ist." " ,, Nun, darauf fann fie auch stolz sein," sagte Bianca es ist nur du weißt schon der Eine!" Ich weiß nicht, aber du scheinst zu wissen," sagte Renzo nedend. Das Mädchen blieb ganz ernst. Ich weiß," fie nickte ein paarmal nachdrücklich. Das war ein falter Guß für Renzo. Er war verwöhnt. Nicht nur die fleine Fiametta fagte es thm, mas für ein Sie blieb stehen, sah ihm nach und winkte mit den gelben Blumen, als Renzo an der Biegung des Weges nochmals zurückschaute. 3. Bei dem Grafen Ruggiero Lassi fand Renzo viel größere Aufgaben, als er erwartet hatte. Es schmeichelte ihm nicht wenig, daß man sie ihm übertrug. Vor allem reizte es ihn, daß er zerbrochene, verstümmelte Figuren zu ergänzen hatte; es war wie eine Vorbereitung auf das, was einmal tommen mußte. Er vertiefte sich in den Ausdruck eines jeden Körpers, in feine Haltung, prüfte diesen Ausdrud mit dem des Gesichtes, und fand eine Mannigfaltigkeit, die ihn entzückte. Seine größte Liebe aber wandte er der Aufgabe zu, den Sohn des Grafen zu modellieren, der ein feces, faunisches Gesichtchen hatte und den ganzen Tag mit seinen vielen Tieren im Park herumtollte. Immer, wenn er glaubte, sein Bündel schüren zu können, um dorthin zu wandern, wo das Ziel lag, fam etwas Neues dazwischen, und so fuhren schon die Herbststürme in das Laub der alten Bäume, die um das Herrenhaus standen, als der Graf ihn endlich entließ Fortsetzung folgt.) Die neue Fleischengroshalle. Das Zentrum des Berliner Fleischhandels. Zwischen den Stationen des Nordrings Landsberger Allee und Zentralviehhof breitet sich eine große Welt aus, eine eigene Welt für sich, von der nur die wenigsten Berliner etwas wissen. Alle diese vielen roten Häuser und Hallen, die Höfe und Kühlräume sind wie eine Stadt in der Stadt, eine Stadt, die, namentlich in den frühen Morgenstunden bis um 10 Uhr morgens, so voller quirlenden, finn verwirrenden Lebens ist, daß man beim Durchschreiten des bunten und bewegten Treibens auf das äußerste acht haben muß, um nicht unter die Räder der vielen Wagen und Automobile, Handwagen und Karren zu kommen. Unmittelbar am Bahnhof Zentralviehhof breitet sich das gewaltige Terrain des Viehhofs aus, umgrenzt von der Thaer-, Eldenaer Straße und der Landsberger Allee, der Schlachthof, auf dem den auf dem Biehhof aufgetriebenen Schweinen, Schafen, Kälbern und Rindern das Lebenslicht ausgeblasen wird und sie für den Verkauf fertig gemacht werden. Auf dem Schlachthof wickelt sich ferner der Fleischengros. handel ab. Hier sieht man in den Ständen der großen Hallen die appetitlichsten Fleischstücke und alle möglichen Fleischsorten, hier tätigen die Berliner Ladenschlächter ihren Einkauf. Indessen hier sowohl wie in der Engrosmarithalle am Alexanderplatz vor längerer Zeit bereits sind die Räume längst zu klein und zu eng geworden. Bald nach dem Krieg sette ein außerordentlich lebhafter Fleischhandel ein, und heute hat Berlin den größten Schweine markt. Große Konservenfabriken in Halberstadt zum Beispiel, die die bekannten Würstchen fabrizieren, beziehen das Fleisch aus Berlin. Um dem Raummangel abzuhelfen aus der Engrosmarkthalle am Alexanderplatz ist bekanntlich der Fleischhandel ganz verschwunden entschloß man sich vor Jahren, entgegen dem lebhaften Protest der Engrosschlächter und Interessenten, die nicht vom Alexanderplatz hinaus auf den Schlachthof ziehen wollten, in un= mittelbarer Verbindung mit dem Schlachthof die neue Fleischengrosmarkthalle zu errichten. Tritt man aus dem rückwärtigen Ausgang des Schlachthofs und überschreitet die Landsberger Allee dicht neben dem Ringbahnhof, steht man vor der großen und imposanten Halle, die der Bollendung entgegengeht. Auf einem Terrain von 12000 Quadratkilo meter Größe erbaut, erstreckt sie ihre Front nach der Landsberger Allee. Auf 160 eisernen Pfeilern, die in Reihen von je 10 Pfeilern stehen, ruht das gewaltige Dach mit der hellen Berglasung. Nach der Deutsch- Kroner Straße sind zwei Hauptportale vorgesehen und zwei weitere Portale liegen Siesen Eingängen gegenüber. Die Hauptausfahrt geht nach der Cotheniusstraße. Rings um das Ge bäude wird, auf eisernen Trägern ruhend ein Giastach geführt werden zur Unterstellung der Fuhrwerke. Die Bauarbeiten, die in der schlimmsten Inflationszeit nur sehr langsam vorwärts schritten, fitten in ihrem Fortgang auch darunter, daß die Kanalisation noch nicht fertiggestellt war und die Rohre provisorisch durch das Gebäude hindurch ins Freie geführt werden mußten. Die Kanalisationsarbeiten sind heute ebenfalls beendet, und wenn die genügenden Mittet zur Verfügung gestellt werden, tönnte die neue Halle am 1. April des nächsten Jahres in Betrieb genommen werden. Jetzt ist in der Hauptsache die Innenausstattung herzustellen, Ser Fußbodenbelag und die Verpuzung der Wände, die aus hygienischen Gründen bis zu zwei Meter Höhe mit weißen Kacheln ausgelegt werden. Die neue Halle enthält dann noch eine große Anzahl von Nebenräumen für Kontore, Banten, Restaurants sowie ausgedehnte Kellereien und eine Wohnung für den Inspektor. Im verflossenen eiskalten Winter hat der Be amte hier bereits gewohnt, und sein Bedarf an Kohlen, um die Wohnung inmitten der großen und eifigen alle zu heizen, muß riesengroß gewesen sein. Ein tieiner Teil der Halle ist seinerzeit, weil man ja doch den Raum noch nicht in Benuhung nehmen konnte, an einen Spediteur verpachtet, der hier einen Lagerraum etabliert hat. Es war die erste Verpachtung in Goldmart, und der Magis strat hat gern bas Geld genommen und gut gebrauchen können; die Firma muß nun natürlich das Terrain räumen. Die Aufräumungsarbeiten auf dem großen Plas rund um die Halle sowie das Sezen einer Mauer werden nicht viel Zeit in Anspruch nehmen und beson dere Schwierigkeiten nicht verursachen. Anders und komplizierter liegt die Angelegenheit der Erbauung von Kühlräumen. Eine Fleischengrosmarkthalle muß natürlich Kühlräume befizen. Zwar kann man sich, wie das auf dem Schlacht. hof unter der rührigen und umsichtigen Leitung von Direktor Caspar geschehen ist, durch Anlegen von provisorischen Kühlräumen helfen. Indessen mit einem Brovisorium fann man nicht immer wirtschaften. Auf der anderen Seite darf nicht übersehen werden, daß die Erbauung von Kühlräumen sehr teuer ist. Die Kühlräume für die neue Fleischengrosmarkthalle sollen zusammen mit dem Maschinenhaus an der Seite der Halle erbaut und bis heran an den Bahndamm des Bahnhofs Landsberger Allee geführt werden. Höchstwahrscheinlich wird man aus den Schwierigkeiten der Geldfrage auf die Weise herauskommen, daß eine Gesellschaft den Bau übernimmt und die Kühlhallen noch für andere gewerbliche Zwecke, wie das Herstellen und Lagern von Fleischton serven, verwendet. Schließlich gilt es, noch eine andere Schwierigkeit aus der Welt zu schaffen, und die besteht in der zufriedenstellenden Lösung der Frage, wie das Fleisch vom Schlachthof in die neue Halle transportiert wird. Es ist nicht daran zu denken, das Fleisch in Wagen über die Landsberger Allee zu befördern, da dadurch der Wagen und Etraßenbahnverkehr der Landsberger Allee lahmgelegt werden würde. Man hat daher die Anlage einer unterirdischen Drahtseilbahn geplant zum Transport des Fleisches. Indessen, das letzte Wort ist in dieser Sache noch nicht gesprochen worden. Wie immer! Die neue Halle ist ein stolzes Wahrzeichen der Stadt Berlin, mit der auch die Herren Engrosschlächtermeister, die sich so sehr gegen den Bau und die Benutzung gesperrt haben, zu< frieden sein werden. Das Urteil im Prozeß Friedmann rechtskräftig. Die von der Straffammer des Landgerichts II wegen schweren Raubes mit Todeserfolg zu je 15 Jahren Zuchthaus verurteilten Mörder des Börsenmaklers Friedmann, Alexander Hoffmann und Alfred Schulz, hatten durch die Rechtsan wälte Dr. Pindar, Dr. Frey und Dr. Eisenstädt Revision gegen das Urteil beim Reichsgericht angemeldet. Andererseits hatte auch Staatsanwaltschaftsrat Dr. Luerße das Urteil bemängelt, indem er davon ausging, daß nach der Urteilsbegründung ein glatter Raub. mord vorliege, so daß auf Todesstrafe erkannt werden mußte. Des Reichsgericht hat jezt beide Revisionen verworfen, so daß das Urteil rechtskräftig geworden ist. Die Bestecke und Konserven der Mitropa. Eine unaufgeklärte Hehlergeschichte. Ein Revisor der Mitropa kam eines Tages auf der Reise in Hirschberg i. Schl. in das Restaurant Felsenkeller, das dem Gastwirt Schiller gehörte. Als er sich dort Speisen vorseßen ließ, machte er die Wahrnehmung, daß das gesamte Besteck, die Gläser und anderen Geräte offensichtlich aus den Be. ständen der Mitropa herrührten. Er wandte sich nun an die dortige Polizei, die bei dem Gastwirt eine Hausfuchung abhielt und ein umfangreiches Lager von Lebensmitteln, insbesondere Konserven, aber auch von Tafelservicen, wie Platten, Bestecks usw., entAchtung! Genoffinnen! Achtung! Ein Sängerfag findet als nächstes Sommerkonzert des Boltsbildungs. amtes Pantom am 20. Juni im Gartenrestaurant des Pankower Bürger parts statt. Beginn 6 Uhr. Eintrittspreis: im Vorverkauf 1 M., an der Abendkasse 1,25 M. Eine Bauerntragödie? Zu der Bluttat am Fläming. Wie erinnerlich, fand man einen Tag vor Pfingsten auf dem früheren Friedrich Köppeschen Restgut Lüsse bei Belzig im Fläming die dort auf Altenteil wohnende 53jährige Witwe Anna Köppe und ihre 23jährige, an den Landwirt Reinhold Kühne verheiratete Tochter erschlagen bzw. erschossen vor. Reinhold Kühne fand man mit einer Schußwunde im Bein auf der Straße laut unt Hilfe rufend vor. Kühne hatte bei seiner Vernehmung ausgesagt, von seiner jungen Frau zuerst geweckt worden zu sein, die ein vers dächtiges Geräusch gehört habe. Die Frau und die Abendfeier der„ Frauenwelt" wiegermutter follen angeblich von Pferderäubern erfchoffen umb Montag, 16. Juni, abends 6 Uhr( Saaleröffnung 5 Uhr), in der„ Neuen Welt", Neukölln, Hasenheide Auserwählt gutes Programm Künstlerische Leitung: Prof. Rosebery d'Arguto* Mitwirkende: Gesangsgemeinschaft Rosebery d'Arguto. Soliften: Wanda Saile, Käte Lindenberg und Herr A. Meller Rezitationen: Marie Borchardt, Mitglied der Schaubühne Ansprachen ausländischer Genossen, die anläßlich des Parteitages in Berlin anwesend find Die zum Eintritt berechtigten Programme find ab Donnerstag, 12. Juni vorm., bei allen Kreisleiterinnen und im Frauensekretariat Lindenstr.3 2. Hof 2 T., 8r. 1, für 25 Bf. zu haben. Alle Progr. müssen abgesetzt werden. Etwaiger Ueberschuß zum Besten der Erholungsfürsorge. deckte, die von der Mitropa stammen mußten. Der Wirt gab bei seiner Bernehmung an, daß er den größten Teil der beschagnahmten Gegenstände und waren von dem Oberfellner F. gekauft habe, der den Speisewagen des D- 3uges HamburgBerlin leitete. Daraufhin wurde F. wegen Diebstahls und der Gastwirt Schiller wegen Hehlerei vor dem Amtsgericht Charlottenburg unter Anklage gestellt. Hier bestritt F. durch Rechtsanwalt Bahn ganz entschieden, irgendwie an den Beruntreuungen beteiligt zu sein. Die Oberfellner der Mitropa befämen bestimmte Borräte zugewiesen und auch sogenanntes Bruchgeld in bestimmter Höhe, um etwa abhanden gekommene Geschirre zu ersehen. Was über diese Summe hinausgehe, müßten die Oberfellner selbst bezahlen. In folgedessen hätten sie gar kein Interesse daran, etwas zu verkaufen. Durch verschiedene von Rechtsanwalt Bahn geladene Revisoren Durch verschiedene von Rechtsanwalt Bahn geladene Revisoren wurden diese Angaben des Angeflagten F. bestätigt; und so tam das Gericht bei ihm zu einer Freisprechung. Schiller dagegen wurde, wenn auch die Herkunft der Sachen in Dunkel gehüllt blieb, 31 drei Monaten Gefängnis verurteilt. Es muß angenommen werden, daß die Sachen aus Diebstählen herrühren, die am Lager der Mitropa verübt worden sind und daß Schiller seine wirklichen Helfershelfer nicht verraten wolle. Die Entlassung des Lehrers koch. Zu den Mitteilungen über die Entlassung des Lehrers Koch teilt die Bezirksschulbe putation 1 bis 6 mit, daß durch den Herrn Minister ersucht worden ist, dem Lehrer Koch bis zum Abschluß des Verfahrens feinen Lehrauftrag zu erteilen. Da fomit teine Möglichkeit be stand, Koch zu beschäftigen, mußte er auf Grund der geltenden Bestim nungen für die Beschäftigung von Hilfslehrkräften entlassen werden. Der Muftergatte", der auch den Griesgrämigsten in Frohlaune perfekt, ergözt jetzt allabendlich die Besucher des RoseTheaters. Dieser dreiaktige Schwant von Avery Hopwood, Theaters. Diefer dreiaftige Schwant von Avery Hopwood, deutsch von B. Pogson, ist Sommerfoft. Er behandelt ein heifles Thema, ohne jemals derb, breit oder beleidigend zu werden. Mar Bae war ein vorzüglicher Bertreter der Hauptrolle, dieses Mustergatten, der durch seine Bravheit seiner kleinen Frau das Leben un erträglich macht, in Berzweiflung und Trunkenheit in die verfäng lichsten Situationen gerät, bis sich alles in Erklärungen und Wohl gefallen auflöst und fein Frauchen ausrufen fann:„ Bill, bist du entzückend, wenn du wütend bist." Wolfgang Müller nugte als Regiffeur geschickt und dabei stets geschmackvoll jebe Situationsfomit aus. Zum allgemeinen Gelingen trugen ferner bei: Erna ein rich, Margarete Rabe und Walter Klam. Zu dem Tode der Kutscherfrau Fihte, über den wir berichteten, erfahren wir, daß auch die Obduktion feine volle Klarheit gebracht erfahren wir, daß auch die Obduktion feine volle Klarheit gebracht hat. Die Todesursache ist eine Kombination von wurde, bestreitet nicht nur die Absicht, seine Frau zu töten, sondern Erwürgen und Ersticken. Fiske, der eingehend vernommen überhaupt, fie getötet zu haben. Er sagt, daß seine Ghe schon lange 3eit unter Zwift gelitten habe und daß es auch am Sonnabend wieder zum Streit gekommen war. Hierbei habe ihn seine Frau, die ihm vorher schon gedroht habe, ihn mit Gas vergiften zu wollen, tätlich angegriffen. Er selbst will sie nicht einmal angefaßt haben. Dem widersprechen aber doch die Verlegungen an den Ellenbogen und auch die Eindrücke am Hals. Freitod der Greife. Das biblische Alter überschritten hatten zwei Lebensmüde, die ihrem Dasein freiwillig ein Ende bereiteten. In der August a straße erhängte sich die 89jährige Witwe Eleonora 2. In seiner in Friedrichshagen belegenen Woh rung wurde der 84 jährige Rentner Hermann T. erfchoffen auf gefunden. Unheilbare Krankheit hat den Greis in den Tod getrieben. Bezirksbildungsausschus. Für Sonnabend, Sonntag und Montag find Karten zu mäßigen Preisen für das Deutsche Opernhaus( gute Blaze) zu haben im Burean des Bezirksbildungsausschusses Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen, Zimmer 8. Das Rundfunkprogramm.. Freitag, den 13. Juni. er Kühne selbst von den Räubern angeschossen worden sein. Sonderbarerweise hat nur aber, wie das„ Belziger Kreisblatt" zu berichten weiß, der Leichenbefund ergeben, daß die junge Frau aus nächster Nähe im Schlaf erschossen worden sein muß. Die Schußwaffe gehörte ihrem Ehemann Kühne und die Berlegungen der Schwiegermutter rühren von einer Art her, die auch dem Kühne gehört und die sich sonst immer in der Futterküche vers steckt befunden hatte. Hoffentlich gelingt es den Behörden nun bald, in diese Bluttat, die allmählich das Ansehen einer Bauerntragödie gewinnt, Klarheit zu bringen. Es scheint da etwas nicht ganz zu ftimmen. Arbeitersport. Der Arbeiter- Turn- und Sportkongreß. Der dritte Verhandlungstag in Kassel wurde mit einer eina gehenden Debatte über die Schaffung eines Einheitsorgans für den ganzen Bund eingeleitet. Der Bundestag beschloß ein solches Organ zu schaffen. Sodann erklärte sich der Bundestag nach dem Referat des Genossen Benedir für den Bau einer Bundes= schule in Leipzig. Die Bundesschule soll zwei Turnhallen, ein Baffin, ein sportärztliches Laboratorium, ein Erholungsheim für die Rurfiften, eine Speiseanstalt und andere für ihren Zwed notwendige Einrichtungen enthalten. Genaue Einzelheiten des Baues stehen noch nicht fest. Zur Kostendeckung wird ein Ertrabeitrag von 1 M. pro Mitglied erhoben werden. Ein Antrag, fünftighin keinerlei Diplome, Ehrenzeichen zu verteilen, wird ebenfalls angenommen. Zu den Organisationsfragen hielt der Bundesvorsitzende Genosse Gellert ein eingehendes Referat, in dem er darlegte, daß den einzelnen Sparten mehr Freiheit im Organisationsleben gewährt werden müßte. Es ginge nicht an, daß die Fußballer und die Wassersportler unter der Vormundschaft der Turner ständen. In der Debatte famen die verschiedenen Meinungen über die fünftige Organisationsform des Bundes zum Ausdrud. Es sprachen Anhänger der straffsten Zentralisation wie auch Freunde einer föderalistischen Verfassung. Genosse Koppisch Leipzig skizzierte als Zukunftsentwicklung, daß der Bundestag der Turner, Fußballer und Wassersportler getrennt einberufen werden soll und daß außerdem in einem gemeinsamen Bundestag die gemeinsamen Fragen besprochen werden würden. Wenn auch vorläufig an die Verwirklichung der Ideen, die Koppisch als Leiter der Fußballer entwickelt hatte, noch nicht zu denken ist, so zeigten die Beschlüsse des Bundestages doch, daß er für das Eigenleben der einzelnen Sparten Verständnis hatte. Denn durch die Neuregelung, die innerhalb der Organisation durchgeführt werden soil, wird jede Möglichkeit der Bevormundung der anderen Sparten durch die Turner behoben. dung über Arbeitersport und Arbeitszeit und über das Reichs. Die angefündigten Referate der Genoffen Je uthe und wil gesetz für Jugendwohlfahrt wurden in Anbetracht der vorgerückten Zeit von der Tagesordnung abgesetzt, jedoch beschlossen, die Referate in Broschürenform als Agitationsmaterial vom Bundesvorstand herausgeben zu lassen. Bei den Wahlen zu den zentralen Bundes förperschaften wurde bestätigt. An Stelle von Gröger, der nach Wiener- Neustadt der bisherige Bundesvorstand mit einigen Aenderungen übergesiedelt ist, wurde der Fußballer Riedel, und an Stelle von Noad zum erstenmal eine Turngenoffin, Frau Eggers Hamburg, in den Vorstand gewählt. Da Riedel auch als Fußballspielleiter be stellt wurde und damit als Beamter nicht mehr unbefoldetes Mitglied des Bundesvorstandes sein kann, wurde an seine Stelle StraubMannheim gewählt. Bei der Wahl des Obmannes des Bundesausschuffes erhielt Klügel- Dresden die meisten Stimmen. Außerdent wurde zur besseren Erziehung der Jugend ein eigener Jugendausschuß gewählt, zu dessen Aufgabe es gehören soll, die Jugeno erziehen. im Sinne der Tradition der Arbeiter- Turn- und Sportbewegung zu Mit der Festlegung Hamburgs als nächsten Tagungsort hatte der Bundestag seine Tagesordnung erschöpft. Der Bundesvorsitzende Genosse Gellert faßte das Ergebnis der Tagung in furzen Worten zusammen, indem er darauf hinwies, daß die richtunggebenden Vorschläge des Bundestages, in denen die parteipolitische Neutralität des Bundes festgelegt wird, vom Bundestag angenommen wurden. Die Spartenbildung ist offiziell anerkannt und den einzelnen Spartenbetrieben Freiheit gegeben. Unsere Turngenoffinnen haben ein außerordentliches Plus an Rechten erhalten. Sie sind in die verschiedensten Ausschüsse zum erstenmal hineingewählt worden. Der Bundestag hat weiterhin den Bau unserer Bundesschule beschloffen und damit wirklich eine Großtat vollbracht. Mit einem begeisterten Frei Heil! und mit der ersten Strophe des Liedes„ Herbei, herbei ihr Turner all" wurde der 14. Bundestag des Arbeiter- Turn- und Sports bundes geschlossen. Arbeiter- Sport- und Kulturfartell im 6. Bezirk( Kreuzberg). Freitag, den 13. Juni, abends 8 Uhr, Sigung im Lokal Jhlenburg, Laufizer Blag 1, Ede Waldemarstraße. Tagesordnung u. a.: Protokoll der Sigung vom 2. Juni; Raffenangelegenheiten( RAST. am 22. Juni, Billettausgabe); Bezirkskartellangelegenheiten: Stellungnahme zu den legten Beschlüssen des G.-A. Die Vereine und Abteilungen, die bei der legten Gigung fehlten, haben unbedingt ihre Vertreter zu entfenden und für pünktliche Beschichtung zu sorgen. Sämt liche Vereine und Abteilungen des Bezirks werden nochmals aufgefordert, thre genauen Abreffen und Mitgliederzahlen( Bestand vom 1. Juni 1924) umgehend entsprechenden Ausweis( Stempel und Unterschrift des Vorsitzenden) zu ver sehen. Billetts und Plakate zum Reichsarbeitersporttag find außerdem jeden Mittwoch und Freitag nachmittag ab 5 Uhr bei dem Rassierer, Sportgenoffen Kistner, SW. 29, Gneisenaustr. 25, 1. Gtfl. part., abzuholen. Die Abrechnung und Ridgabe der Restkarten muß bis spätestens am Freitag, den 20. Juni, dort erfolgen. J. A.: Erich Merlau, Vors. des Bezirkskartells, Berlin SD. 33, Cuvrnstr. 3, v. 3 Tr.( Für sämtliche Anschriften.) Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel einzufenden sowie ſtändige Kartelldelegierte zu bestimmen und diese mit einem in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Sanitätsrats Dr. Frank Trinkwasser". Uhr: Vortrag des Herrn Rudolf Wagner:" Der Kalender". Emil Kühne. Trinklieder: Ernst Osterkamp, von der Berliner 9-10 Uhr: Froher Abend. Lieder: Grete Krüger. Rezitationen: Staatsoper. Klarinettenvorträge: Ernst Fischer, Mitglied des Berliner Philharmonischen Orchesters. Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Wetter für Berlin und Umgegend: Ueberwiegend bewölkt mit Regen fällen und etwas Gewitterneigung. Für Deutschland: Im Diten noch warm, sonst überall Abkühlung mit Regenfällen und strichweisen Gewittern. Achtung beim Einkauf! Man verlange stets ausdrücklich MAGGI Würze und achte auf den Namen MAGGI und die gelb- roten Etiketten Die beste Garantie der Echtheit ist der Einkauf einer Originalflasche zu Gm. 5.-, deren Verschluß plombiert ist. Wirtschaft Der Börsenkrach in Oesterreich. nser Wiener Korrespondent schreibt uns unter dem 10. Juni: Es ist kaum ein halbes Jahr her, daß der Generalfommiffär Zimmermann, der im Auftrage des internationalen Finanzfapitals die österreichische Finanzwirtschaft zu überwachen hat, seinen Auftraggebern den Erfolg seiner Tätigkeit an den hohen Börsen= turfen bewies. In feinem seiner Monatsberichte fehlte damals der Hinweis auf die Blüte der österreichischen Volkswirtschaft, die sich dem Abgesandten des Finanzkapitals in den hohen Börsenkursen aus zudrücken schien. Der Zusammenbruch der Frankspekulation enthüllte mit der Unfähigkeit des Generalfommissärs, wirtschaftliche Dinge richtig zu sehen, auch die Korruption, der unsere ganze Finanzwirt schaft verfallen ist, zu erkennen. minn nicht weniger als 5 Billionen Kronen, das sind etwa| Finanziers, das nur schwer zu überwinden war. Erst in letzter Zeit 400 Millionen Goldtronen, betrug. Die Spekulation der Banten wurde sogar mit den Geldern des Staates betrieben. Nicht nur lieh die Nationalbank zweifelhaften Inftitutionen Dußende von Milliarden, sondern es hat auch die dem Finanzminister direkt unterstehende Post sparkasse den Banken zu 12 Broz. im Jahr Gelder verliehen, die dann von den Banken zu den üblichen Wucherzinsen von 150 Broz. als Taggeld weitergegeben wurden. Einige der jetzt vertrachten Banten sind der Postsparkasse und der Nationalbant Dugende Don Milliarden schuldig. So wurde mit Hilfe der Regierung die Spekulation und die Schieberei fünstlich großgezogen und die Folge war der Börsentra ch, der jeßt die ganze Volkswirtschaft auf das schwerste in Mitleidenschaft zieht. Eine Stützungsaktion für die Berliner Börse. fonnte mitgeteilt werden, daß eine größere Geneigtheit zur Ge währung von Krediten an Deutschland entstanden ist. Herbeigeführt wurde diese auch dadurch, daß auf dem englischen und auf dem amerifanischen Geldmarkt große Mengen anlagesuchenden Geldes vorhanden sind, so daß z. B. die Bundes- Reservebant in New Yort mit Wirkung vom 12. Juni ihren Diskontsaz um ½ auf 3½ Pro3. herabsehen konnte, nachdem sie erst kurz vorher, nämlich am 30. April, eine Ermäßigung auf 4 Proz. vorgenommen hatte. Diese günstige Lage des ausländischen Geldmarktes kommt auch den Bemühungen der Deutschen Golddiskontbant fraglos in hohem Maße entgegen. Man wird sich aber feiner Täuschung darüber hingeben dürfen, daß das Ausland Geld nach Deutschland leiten würde, das es von vornherein verloren geben muß. Das wäre dann der Fall, wenn schwere innen- und außenpolitische Konflikte das mühsam erworbene Vertrauen des Auslandes wieder vernichten würden. Die Quertreibereien der Reaktionäre gegen die deutsche Die gestrige Berliner Börse wurde lebhaft angeregt durch die Tatsache, daß die in der Berliner Stempelpereinigung Außenpolitik und die Annahme des Dawes- Gutachtens sind also im Es wäre verfehlt, den Zusammenbruch der Frantspekulation als aufammengeschlossenen Banten eine Stügungsaktion für die Berlegten Ende Quertreibereien gegen die Leiftungs- und gegen die die Ursache des Börsentrachs anzusehen, den Desterreich jetzt erlebt. Schon lange vorher haben alle ernsten Wirtschaftskreise erkannt, daß die hohen Kurse der Effetten nur eine Scheinblüte der Wirtschaft vortäuschen und daß sich hinter dieser scheinbaren Blüte eine unglaubliche Korruption verberge, die zum Krach führen müsse, und die vom Nationalrat eingesetzte Bankenfommission hat schon vor einem Jahr, ja noch früher die Regierung gewarnt, diese Korruption zu dulden. Aber die Regierung, der die hohen Kurse gerade als ein Mittel erschienen, um die Welt über die schädlichen Folgen ihrer Sanierungspolitik zu täuschen, und die auch dem Finanzkapital, das so freigebig zu den Wahlfonds der beiden Regierungsparteien beige= tragen hatte, nicht wehe tun fonnte, sah ruhig zu, wie die Korruption immer weiter um sich fraß, wie verbrecherische Großschieber das Kapital der Banken für ihre eigenen Spekulationen ver. wendeten, wie die Animierfilialen der Banken die breitesten Schichten des Bürgertums zum Börsenspiel verleiteten und ihnen wertlose Papiere zu hohen Kursen anhängten, ja sie unter: stützte diese Korruption noch ganz unmittelbar dadurch, daß sie den Banken durch Steuerbegünstigungen Milliardenge= fchente machte, daß fie den Großattionären der Aktiengesellschaften bei Neuemissionen von Aktien Milliarden, ja Billionen von Gründergewinnen, also die Auswucherung der Volkswirtschaft, gestattete, daß sie die Einführung wertloser ausländischer Papiere zuließ, und vor allem auch dadurch, daß sie Banktonzeffionen an übel beleumdete Schieber und Bankrotteure verlieh. Durch einen vertraulichen Bericht, der in der Bankenkommission bereits im März erstattet wurde, und der durch eine Indiskretion jetzt von einer Zeitschrift veröffentlicht wurde, und durch eine fachkundige Rede, die unser Genosse Dr. Ellenbogen fürzlich im Nationalrat hielt und auf die die Regierung nichts Wesentliches zu erwidern wußte, sind wir über das Treiben der Börsenhyänen und über die Mitschuld der Regierung jeßt so vollständig aufgeklärt, daß, wenn der Regierung nicht das Attentat eines Wirrtopfs auf den Bundeskanzler zu Hilfe gekommen wäre, sie auf das ernsteste gefährdet gewesen wäre. Was durch diese Enthüllungen noch nicht aufgeklärt wurde, haben die Umstände bei einigen der letzten Zusammenbrüche deutlich erhellt. Einen Begriff über den Umfang des Börsenspiels erhält man, wenn man erfährt, daß, während das alte Desterreich nur 7 Großbanten mit wenigen Filialen hatte, das leine Deutschösterreich nicht weniger als 64 2ftien banten mit 1500 Bantfilialen zählt. Auf der Mariahilferstraße in Wien und ihren Nebengassen zählte Dr. Ellenbogen allein 78 Bant filialen. Und wenn man an einer einzigen Tatsache die Mitschuld der Regierung erkennen will, so ist es die, daß unter 110, Bantfirmen, die durch die Frantspekulation notleidend geworden sind, sich 47 be= finden, die vorher wegen Devisenschiebungen abgestraft wurden. Allerdings hat die Regierung den Devisenschiebern mit ihren Strafen nicht allzu weh getan. Hat sie doch mit einem dieser Gentlemen einen Ausgleich geschlossen, durch den ihm eine Strafe von 300 Millionen Mark auferlegt wurde, was die horrende Strafe von 30 Rentenpfennig ausmacht. Einem anderen, der Schiebungen mit Milliarden Kronen begangen hatte, wurde eine Strafe von 125 Millionen auferlegt und als die Bankenfommission in diesen Aft Einsicht nehmen wollte, wurde ihr das von der Finanzlandesdirektion verweigert. Wie die Regierung den Kapitalisten entgegenfam, fann man daraus ersehen, daß von 277 Kapitalsvermehrungen, die im vorigen Jahr den Aktiengesellschaften bewilligt wurden, die Differenz zwischen Emissionsfurs und Börsenfurs, also der Gründerge Jungsozialisten! Gesamtveranstaltung am Sonnabend, 14. Juni, abends 7 Uhr: Vortrag des Schulrats Genoffen Johannes Schult, Hamburg, über das Thema: „ Die Aufgaben der Jungsozialisten an der Erneuerung des Sozialismus und der Gegenwartspolitik. Die Versammlung findet im Saal 8 des Preußischen Abgeordnetenhauses, Prinz- Albrecht- Str. 5, staff Der Arbeitsausschuß. liner Börse berieten, um plötzliche starte Kursminderungen einzelner Papiere zu verhindern. Obwohl Beschlüsse noch nicht vorlagen, reagierte die Börse auf diese Nachricht mit einzelnen Kurs. erhöhungen. In gewissen Kreisen, die sich durch ihren Kampf gegen die Kreditpolitik der Reichsbank auszeichnen, macht man dafür Stim mung, auch öffentliche Gelder mittelbar der Börse zuzuführen. Das Wiener Beispiel, das oben ausführlich geschildert wurde, sollte wirklich eine Warnung sein, ähnliche Experimente in Deutschland zu versuchen und die Staatsfinanzen zugunsten der Spekulation zu schwächen. Die Dollarkredite der Deutschen Golddiskontbank. Die Bemühungen der Deutschen Goldbistontbant, im Auslande Kredite für die deutsche Wirtschaft bereitzustellen, haben jetzt zu dem weiteren Erfolg geführt, daß ein Syndikat von 34 Banten der Vereinigten Staaten die Uebernahme von Handelswechseln in Höhe von 25 Millionen Dollar oder rund 100 Millionen Goldmart zugesagt hat. Bisher standen zu dieser Rediskontierung von Handelswechseln pon amerikanischer Seite lediglich 5 Millionen Dollar zur Verfügung. Die übrigen Rediskontkredite verteilten sich auf englische, holländische und andere ausländische Bantengruppen. Der jetzt von der amerikanischen Bantengruppe gewährte Kredit ist bereits seit längerer Zeit in Aussicht gestellt, fonnte jedoch nicht nutzbar gemacht werden, da sich die Verhandlungen, wie von amerikanischer Seite betont wird, zum Teil durch die Verzögerung einer internationalen Anleihe für Deutschland, wie sie im Dawes- Gutachten vorgesehen ist. in die Länge gezogen haben. Mit der Erschließung dieser Kreditmöglichkeit werden wiederum erhebliche Beträge, insbesondere für den deutschen Ware nerport nußbar gemacht, die jetzt in der Zeit der allgemeinen Geldknappheit besonders dringend benötigt werden. Die von dem Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht gegründete Golddiskontbank hat damit einen neuen Erfolg erzielt, deren Ertrag der ganzen deutschen Wirtschaft zugute kommt. Die Versuche privater Firmen, Auslandskredite in größerem Umfange der deutschen Wirtschaft zuzuführen, stießen anfangs auf die größten Schwierigkeiten. Private Vermittler hatten sich in großer Zahl an ausländische Finanzgruppen gewandt und durch gegenseitige Konkurrenz die Kreditbedingungen einander ver schärft, wobei sie noch nicht einmal hinter sich die Bereitwilligkeit von frebitnehmenden Firmen hatten. Dadurch entstand gegenüber den deutschen Kreditwünschen ein Mißtrauen bei den ausländischen BILLIGE Kreditfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu einem Zeitpunkt, wo diese mehr als jemals auf den Zustrom ausländischen Kapitals ange wiesen ist. Die Neuregelung der Geschäftsaufsicht. Der Reichstag ermächtigte befanntlich die Reichsregierung, die Zustimmung des Reichsrats vorausgesetzt, zu Abänderungen der Verordnung über die Geschäftsaufsicht. Der Reichsrat hat nun am Donnerstag u. a. folgende Aenderungen der Verordnung beschlossen: Das bisherige Geheimverfahren wird aufgehoben. Es soll in Zukunft die Bekanntmachung im Reichsanzeiger" erfolgen. Die feit dem 1. Mai bestehenden Geschäftsaufsichten follen nachträglich veröffentlicht werden. Die Aufficht fann in Zukunft nur verlangt werden, wenn begründete Aus= sicht besteht, daß die Zahlungsunfähigkeit in absehbarer Zeit behoben wird. Die Anhörung von Handelskammern, Gewerbes Eröffnung der Geschäftsaufficht obligatorisch stattfinden. fammern usw., die bisher nur fakultativ war, muß in 3ufunft vor Gröffnung der Geschäftsaufficht obligatorisch stattfinden. Fortan ist die Geschäftsaufsicht ohne weiteres aufzuheben, wenn in einer Gläubigerversammlung die Mehrzahl, die mehr als die Hälfte der Forderungen vertritt, die Aufhebung beschließt. Die Aufsicht soll ohne weiteres ein Ende finden, wenn der Schuldner nicht binnen einem Monat einen Antrag auf Eröffnung des Verfindet ohne weiteres ihr Ende, wenn brei Monate feit ihrer Anforderung verstrichen sind. gleichsverfahrens eingereicht hat. Die Geschäftsaufsicht Während bisher Gebührenfreiheit bestand, sind jetzt ziemlich hohe Gebühren festgesetzt. Auf Antrag Preußens wurde die aufsichtführende Person verpflichtet, bei Meiterführung des Geschäfts vor allem vorhandene Warenvorräte und Bestände zu veräußern. Die neue Verordnung wird sofort im Reichs. gefegblatt veröffentlicht und damit Rechtskraft erlangen. Aus der Begründung sind folgende Tatsachen interessant: Das größte Amtsgericht, Berlin- Mitte, hatte im Jahre 1923 insgesamt nur 14 Geschäftsaufsichten. Im ersten Bierteljahr 1924 waren es 17. In den Monaten April und Mai dieses Jahres wurden indes allein 143 Anträge auf Geschäftsaufsichten gestellt, ein Beweis, daß dieses Verfahren unserer Wirtschaftskreise, sich über Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, sehr in Mode gekommen ist. Diesem Unfug soll die Verordnung in ihrer neuen Fassung steuern. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, den 12. Juni: 1. Rennen. 1. Basalt( H. Blume), 2. Nimi( Urban), 3. Thrain ( D. Schmidt). Toto: 15: 10. Plak: 12, 19, 20: 10. Ferner liefen: Ed, Caracas, Cifo, Imperator, Leopard, Ristil, Rabindranat, Richt Alberich. 2. Rennen. 1. Anfang( H. Brown), 2. Nobelmann(. Benksch), Toto: 19: 10. Blag: 12, 18: 10. Ferner lief: Matte. 3. Renne It. 1. Hansa( Breege), 2. Roffva( W. Tarras), 8. Enver ( Stofina). Tolo: 87 10. Play: 20, 31: 10. Ferner liefen: Liebes. gedanke, Sonnenstrahl. 3. Mandarin( A. Bleuler). 4. Rennen. 1. Petunie( D Schmidt), 2. Sans Atout( H. Schmidt), 3. Farmer( Stosina). Toto: 36: 10. Plag: 16, 16: 10. Ferner liefen: Carl Heinz, Miterbe. 5. It ene 11. 1. Ban Robert( Olejnit), 2. Mainberg( Ch. Korb), 3. Traumbenter( P. Ludwig). Toto: 33; 10. Plak: 19, 25: 10. Ferner liefen: Doktor, Aulis, Alarid. 6. Renne 11. 1. Lorenzo( D. Schmidt), 2. Drdensritter( Olejnik), 3. 3lberstedt. Toto: 15: 10. 3 licfen. 7. Rennen. 1. Lavinia( Quade), 2. Chartreuse II( Bimmermann), 3. Eisenkrone( G. Bauer). Toto: 67: 10. Blaz: 24, 27, 22: 10. Ferner liefen: Fontamora, Atalanta, Felsenriede, Modepuppe, Karawanka, Gera, Teufelsbraut, Fechterin, Heldin. Tietz BGE Lebensmittel Verkauf sowelt Vorrat Wurstwaren ........ grob Pfd. Freitag Kolonialwaren Rotwurst nach hand 60P. Tafelreis....... Ptand 18Pt. Landleberwurst P.65P. Weizengriess Plan 19Pt. Bauernmettw. ad 98. Hartgriess....... Prand 24Pt. Jagdwurst Pfand 110 Kalif. Backobst P. 58Pf. ff. Leberwurst.. Pfand 125 Kalif. Pfirsiche Pra. 60Pt. Mettwurst And 110 Kalif. Aprikosen Pr. 95Pt. Teewurst............ Pfand Pfand 130 Kalif. Birnen..Pfand 135 Braunschw. Marmeladen In 5- Pfundu. Konfitüren Eimern 1922" Bockenheimer 60 Riesling ****** la Qual., Spezialabfüllung, Fl. 4½ Flasche 107L Vierfrucht Eimer Pfd. 270 00 1921 Trab.Kräuterhaus Naturgewächs Siebener 1500 bei 10 Fl. bei 25 Fl. / Flasche 92 Frisches Fleisch Sonnabend Kalbskamm Kalbskeulen Pfund 70Pf. ...... Pfund 80Pf. Hammel- Vorderfleisch Prd. 78PL. Schweinebauch mit Beilage, Pfund 70Pf. Schweineköpfe gepökelt... 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In feinem Bericht über Organisation, Agitation und Kaffe führte, Genosse Ludwig aus: marten Bei der Vereinigung der beiden sozialistischen Parteien im Oftober 1922 zählte die SPD. nach dem Bericht des Parteitages von Augsburg 1 174 105 Mitglieder, die USPD. nach dem Bericht des Parteitages von Gera 290 762 Mitglieder. Nach den Feststellungen der Bezirksleitungen haben, verursacht durch Treibereien einzelner Blindgänger, nur 206 065 Mitglieder der USP. die Vereinigung mit der SPD. vollzogen. Nach den verkauften Beitragsnicht nach der Höhe der Beitragssumme, die ja teinen Maßstab darstellt zählte die Bereinigte Partei am Jahres fchlug 1261 072 Mitglieder, darunter 130 000 Genoffinnen. Auf biese Zahl können wir stolz sein, wenn wir bedenken, welch furchtbare Inflationsperiode hinter uns liegt und in welchen elenden wirtschaftlichen Nöten sich die deutschen Arbeiter immer noch befinden. Während der Inflationsperiode war die ganze Tätigkeit der Parteileitung, aber auch die der Bezirke, darauf gerichtet, die Organisation und die notwendigen Organe und Einrichtungen aufrechtzuerhalten. Die Bezirke sowohl wie der Parteivorstand mußten, so schmerzlich es war, während der schlimmsten Zeit viele Angestellte und Arbeiter entlassen. Der Höhepunkt der Krise wurde im letzten Quartal 1923 erreicht. Da mußte eingestellt werden: Die Neue Zeit"," Der wahre Jakob",„ Die Gleichheit", das Mitteilungsblatt des Parteivorstandes, das für Beamte und die ,, Gemeindepolitit". Der Parteivorstand hat bis zu der Zeit 40 über ganz Deutschland verteilte Angestellte entlassen müssen. Das alles ist in der Organisation überwunden worden, und seit Januar berichten alle Bezirke über eine Aufwärtsbewegung. Es ist aber auch gelungen, die Parteipresse während der Wirtschaftsfrise, insbesondere während der Inflationsperiode, zu erhalten. Neben der Treue der Genossen und Genoffinnen als Leser, als Vertrauensleute, als Treuhänder, als Preßtommissionsmitglieder, als Arbeiter oder als Angestellte verdanken wir diese Tatsache den Geschäftsführern unserer Parteigeschäfte, und der Parteivorstand beauftragt mich ausdrücklich, diesen allen den besonderen Dank der Partei abzustatten für ihre Hingabe und große Aufopferung in jener tollen Zeit des Jahres 1923. Die Partei verfügt zurzeit über 169 Zeitungen. 104 Zeitungen werden in eigenen Druckereien hergestellt. In diesen befinden sich 121 Rotationsmaschinen, 259 Schnellpressen und 288 Setzmaschinen. Gegen 1914 verfügt die sozialdemokratische Partei über das Doppelte an Parteizeitungen, aber auch der Leserstand, der durch die wirtschaftlichen Verhältnisse zurückgegangen war, steigt seit Januar und hat die Friedenszahl überschritten. Der Parteivorstand gibt seit einiger Zeit wieder das Mitteilungsblatt für Funktionäre heraus, neu erscheint ab Juli d. J. ,, Die Genoffin", Informationsblätter für weibliche Funktionäre. Der Freie Beamte" wird demnächst ebenfalls wieder erscheinen. Zur Reichstagswahl hatte der Parteivorstand die Organisation der Materiallieferung für die Bezirke längst vor der Auflösung des Reichstages in Angriff ge= nommen. Wenige Tage nach der Auflösung erhielten die Bezirke das Handbuch für die Reichstagswahl zugestellt, sodann ein kleines Merkbuch für Parteifunktionäre, fünf Ausgaben Referentenmaterial, darunter zwei Ausgaben für weibliche Wähler. Außerdem lieferte der Parteivorstand den Bezirken 2000 000 bunte Flugblätter und 15 verschiedene Sorten Plakate in einer Gesamtauflage von 500 000 Stück. Daneben wurden den Bezirksleitungen 43 verschiedene Flugblattentwürfe zur Verfügung gestellt. An Gesamtkosten hat der Parteivorstand für die Reichstagswahl 145 000 m. ausgegeben. Er hat alle Materialien den Bezirken gratis geliefert. Die Gefamtunkosten der Partei zur Reichstagswahl betragen nach unseren Feststellungen rund 845 000 m. für sämtliche 35 Wahlkreise. Die Wahl mit diesen geringen Mitteln bei der Heftigkeit des Wahlfampfes zu führen, war nur möglich mit einer opferbereiten Organifation, in der fast alle Organisationsarbeiten für die Wahl ohne Entgelt geleistet wurden. An Stelle des„ Wahren Jakob" erscheint seit dem 15. Januar Dieses Jahres das Wihblatt der Republik„ Cachen links". 11 Redaktion und Verlag wissen, daß noch sehr viel für den Ausbau des Blattes zu tun ist. Für die Frauen erscheint seit dem 1. März d. I. die Frauenwelt". Bis jetzt liegen 8 Nummern vor. Es ist mit vieler Mühe gelungen, der Frauenwelt" sofort einen Modeteil beizufügen, ja, es ist möglich gewesen, ab Nr. 4 einen eigenen Schnittmusterbogen herzustellen. Die Auflage beträgt heute 67 000. Der Frauenwelt" liegt eine Beilage Kinderland" bei. Diese Beilage „ Rinderland" hat bereits heute 5000 feste Abonnenten in den Kindergruppen der einzelnen Orte. Der Verlag Diez hat außerdem am 1. April im Auftrag des Parteivorstandes eine wissenschaftliche Zeit fchrift,„ Die Gesellschaft", redigiert vom Genossen Rudolf Hilferding, herausgegeben. Der Verlag fann heute über 5000 feste Abonnenten buchen. Die Zeitschrift erscheint monatlich einmil. Außerdem wird wieder am 1. Juli d. J. eine Kommunalzeitschrift Die Gemeinde" Halbmonatszeitschrift für sozialistische Arbeit in Stadt und Land erscheinen. Die erste Nummer liegt Ihnen bereits vor. Während wir in den Monaten Januar bis einschließlich 1. Mai eine monatliche Durchschnittseinnahme von 23 000 m. an Beiträgen buchen fonnten, find vom 1. bis 12. Juni 32 000 m. bei uns eingegangen. Die Gesamteinnahme des Parteivor: standes in den zurückliegenden letzten Monaten betrug an Beiträgen der Mitglieder 151 727 m., 145 234 m. andere Beiträge, darunter 63 187 m. aus der internationalen Sammlung, 178 543 m. von den Parteigefchäften, 17 482 m. von der Einkaufszentrale, 763 M. zurück gezahlte Darlehen, 105 M. Zinsen und 8784 M. sonstige Einnahmen. An Beiträgen sind bis zum 10. Juni 151 727 m. vereinnahmt worden, die einzelnen Bezirke, wir zählen 31, haben mit einer Ausnahme dazu beigetragen. An der Spitze der finanziellen Leistung steht Hamburg mit 17 850 M, Dann folgt Leipzig mit 14 857 M., Chemniß- 3widau mit 12 556 M., Berlin mit 11 250 M., Hannover mit 9365 M. Die Größe der Bezirke, nach den Mitgliederbeiträgen errechnet, ist: Hamburg 96 000, dann Hannover, Leipzig, SchleswigHolstein, Franken, westliches Westfalen usw. Nach fünf Monaten ist es das erstemal möglich, einen Bergleich gegen früher, d. h. vor dem Kriege, anzustellen. Die Sozialdemokratische Partei hatte vor dem Kriege im letzten Geschäftsjahr eine Gesamteinnahme von 1 400 000 Mark. Wir haben also gegenwärtig fast den Friedensstand erreicht. Dabei muß ausdrücklich betont werden, daß alle Orte, Bezirke und auch der Parteivorstand früher über kleinere und größere Reserven verfügt haben. Das ist heute nicht der Fall. Ehe ich den Kassenbericht abschließe, will ich auch noch Namens des Parteivorstandes den Genossen aus der Internationale besonderen Dant fagen. Die Deutsche Sozialdemokratische Partei hat aus dieser Sammlung 100 000 m. in den letzten 1½ Jahren zur Aufrechterhaltung ihrer Organisation und Einrichtung erhalten. Das Bildungswesen der Partei befindet sich, ebenso mie die Jugendorganisation und Erziehungsbewegung der Kinderfreunde, in neuem Aufstieg. Die Kinderfreunde- Bewegung zählt, obwohl sie erst etwa ein halbes Jahr besteht, bereits 70 Ortsgruppen, die Jugendorganisation hat eine Mitgliederzahl von über 100 000, und die Zahl der Bildungsausschüsse ist auf 600 angewachsen. Eine ähnliche erfreuliche Entwicklung zeigt auch die Jungsozialisten- und Lehrerbewegung. Brühne- Frankfurt a. M. berichtet als Borsigender der Kon trollkommission über deren Tätigkeit seit dem letzten Parteitag. Zu erledigen waren zwei Beschwerden. Abgelehnt wurde die Beschwerde des Genossen Otto über die Verteilung einer Calfchädigungssumme von 8 Millionen Mart an die Arbeiter und Angestellten des Dietzschen Geschäftes bei dessen Auflösung in Stuttgart, da sich die gesamten Arbeiter und Angestellten und der Arbeiter rat einverstanden erklärt hatten. Die andere Beschwerde erfolgte vom Parteisekretariat für Oft- Hannover über den Beschluß des Partei vorstandes gegen die Aufstellung des Genossen Noste als Reichs tagskandidaten. Auch dieser Beschwerde wurde nicht stattgegeben. Nach Prüfung der Geschäfte des Parteivorstandes beantragt die Kontrollkommission, dem Parteivorstand für seine gesamte Lätigkeit Ent lastung zu erteilen, da alles in Ordnung befunden wurde. Freitag, 13. Juni 1924 Zum Bericht der Reichstagsfraktion erhält darauf das Wort Hermann Müller: Meine Aufgabe wird es sein, darzustellen, was die Fraktion geleister hat, um die Fraktion gegen ungerechtfertigte Angriffe zu verteidigen. Die positive Arbeit der Fraktion ist in unserem Bahlhandbuch bis ins einzelne dargestellt. Die sozialdemokratische Fraktion hat ihr Hauptgewicht darauf gelegt, positiv für die Arbeiterklasse zu mirten. 1879, bald nach dem Erlaß des Sozialistengefeßes, hat fein Geringerer als Friedrich Engels den ersten Rechenschaftsbericht der sozialdemokratischen Fraktion an. gegriffen, weil er der Auffassung war, daß damals die Politik der Fraktion zu reformistisch war. Und August Bebel war es, der Engels antwortete: „ Die Masse verlangt, daß auch für das Heute gesorgt wird, unbeschadet dessen, was morgen kommt." ( Sehr gut!) Dieser Grundsaz war bis in die letzte Zeit hinei unser Leitstern bei der parlamentarischen Tätigkeit. Heute ist uns diefer Kampf besonders erschwert, weil durch die Kriegspsychose irregeleitete Klassengenossen zum Teil den Weg nach rechts finden ließ, und wir auf der anderen Seite mit einer Partei links neben uns zu rechnen haben, deren ganze Taktik darauf hinausgeht, die Sozialdemokratische Partei zu zerstören. Das beeinträchtigt die parlamentarische Arbeit sehr. Es war zum Beispiel in der letzten Zeit ta um möglich, die Anträge der Fraktion auf die Tagesordnung zu bringen. Im neuen Reichstag sollen nun wieder regelmäßig Schwerinstage abgehalten werden, und als erste sollen die Anträge der Fraktionen zur Verhandlung tommen, die zu den auf Grund des Ermächtigungsgefeßes erlassenen Verordnungen eingebracht sind. Aber nach den Skandalzenen, die wir erlebt haben, ist zu befürchten, daß die bürgerliche Mehrheit dafür sorgen wird, daß dies Barlament nicht allzu oft und zu lange zusammentritt. Alfo auch hier schädigt das Vorgehen der Kommunisten die Tätigkeit der Frattion am meisten, die positiv für die Arbeiterflaffe das Möglichste herauszuschlagen fucht. Das Parlament spielt heute eine ganz andere Rolle in der Geschichte als vor dem Weltkrieg und der Revolution. Damals war der Reichstag mehr ein Debattierklub Wallraf hat neulich gesagt: ,, in sanfter Rede und Gegenrede" heute kann das Parlament alles, wenn es nur will. Früher hatten wir eine Obrigkeit, die selbst die Tagesordnung des Parlaments bestimmt hat. Heute haben wir viel mehr Interpellationsdebatten, und die eigentliche Beratung der Geseze wird schneller erledigt als früher. Infolge des Vielpartejensystems besteht teine geschlossene Mehr heit. Die Extreme von rechts und links fönnen sich sehr leicht vereinen auf Grund eines Mißtrauensvotums, wenn es nur ge= fchickt genug formuliert ist, so daß der Sturz einer Regierung besonders wenn nicht schwerwiegende außenpolitische Debatten auf der Tagesordnung stehen eigentlich Woche für Woche möglich ist. Das beeinträchtigt außerordentlich die Arbeit des Parlaments und zeigt auch, daß heute keine Partei, die in der Regierung nicht vertreten ist, völlig frei von Verantwortung ist, wie überhaupt das parlamentarische System zur Wahrheit und zur Ertenntnis der Realitäten in der Agitation erziehen foll.( Sehr richtig!) Denn das Verlangen von Unmöglichem rächt sich an jeder Partei, die gezwungen ist, in absehbarer Zeit selbst in die Verantwortung zu gehen. Damit ist nicht gesagt, daß wir von unseren sozialistischen Grundsägen, von unseren Idealen irgend etwas aufzugeben haben; wir haben jetzt weniger als je Ursache, etwa für den Sozialismus ein Moratorium zu nehmen. Im Gegenteil, objektiv sind die Voraussetzungen für die Durchführung des Sozialismus besser geworden. Nicht nur der Krieg hat in dieser Richtung gewirkt, sondern noch viel mehr die Zeit der Inflation, die ungeheure Massen früherer Selvständiger proletarisiert hat, was uns nur um so mehr veranlaffen muß, diese Schichten in fleißiger intensiver Kleinarbeit dem Heer des Proletariats zuzuführen. Die gekränkten Bürgerblockmädchen. HERGI STRESEMANN MARX WESTARP BREITSCHEID LOEBE DAWES= BERICHT )) 玄 Da sich mir nur die schönen Knaben! Es ist wahrhaftig eine Schmach; Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben, Und laufen diesen Mägden nach! Rüsch 1 bin überzeugt, daß nach einigen Jahren viele turiert sein perden, die noch bei den lehten Wahlen den Rechtsparteien achgelaufen find, daß fie begreifen werden, daß weniger Sozialisten im Reichstag noch nicht ein Mehr an Aufwertung bedeutet.( Sehr gut!) Dabei gleich einige Worte zur Frage des Wahlrechts. Es ist absolut notwendig, daß wir wieder zu fleineren Wahlkreisen kommen. ( Sehr richtig!) Gewiß haben die großen Wahlkreise auch ihre Vorteile. Bei den langen Listen ist der Wahlkampf unpersönlicher, mit weniger Gehässigkeit geführt worden. Aber es erscheint doch notwendig, mehr den persönlichen Zusammenhang zwischen den kan didaten und der Wählerschaft herzustellen, weil dann auch mehr Arbeit geleistet wird zur Erfassung der Schichten, die heute noch für uns zu holen find. Reinesfalls aber werden wir zum System der Einzelwahl zurückkehren, sondern halten fest an dem System der Berhältniswahl und auch an dem Wahlrecht der Zwanzigjährigen. Das Frauenwahlrecht wird ja heute von feiner Seite mehr angefochten. Wir haben auch teine Ursache, etwa das englische oder gar das französische Wahlrecht zu erstreben. Das Tektere iſt zurzeit eines der verrücktesten; es hat unsere Partei zu einer Berbindung mit anderen Barteien gezwungen, um dadurch einen politischen Erfolg zu erzielen. Allerdings haben unsere französischen Genossen dadurch, daß sie sich mit den bürgerlichen Links. republikanern auf eine gemeinsame Liste vereinigt haben, den Beweis geliefert, daß sie Politik zu treiben verstehen.( Sehr gut!) Ich wünschte, daß die deutsche Sozialdemokratie in ähnlichen Situationen denselben Sinn für Bolifit zeigen wird, wie unsere franzöfifchen Bruderorganisationen, die durch diese Politit die Entspannung der internationalen Situation erreicht haben. Bebauerlich ist nur, daß die Entspannung so spät eingetreten ist. Unsere Rechtsbewegung in Deutschland ist ja besonders deshalb so start geworden, weil Poincaré und feine Mannen unseren Rechtsleuten fortwährend Wasser auf ihre Mühlen geliefert haben. Die Sozialdemokratie verfügt jetzt über 100 Mandate gegenüber 171 im vorigen Reichstag. Es hat Leute gegeben, die fich dem Irrglauben hingaben, als ob man mit 171 Mandaten alles machen fonnte. Ich hoffe, daß sie wenigstens begreifen werden, daß mit 100 Mandaten weniger gemacht werden tann als mit 171.( Heiterkeit.) Wir haben feit der Revolution der Partei, die in Rußland solidarisch ist mit der Sowjetregierung,| Gerade das System Severing der Zusammenfassung der und der es auf die Verwendung von Geldern in fremden Ländern demokratischen Mittelparteien zu gemeinsamer Arbeit mit der Sos nicht im geringsten antommt. Die Tatsache, daß eine Partei linfs neben uns auf alles lauert, was bei uns geschieht, muß unsere Agitatoren verpflichten, bei jeder Aeußerung größte Vorsicht zu üben. Wir sind in diese Zustände gekommen, seit in Halle die Spaltung Wir sind in diese Zustände gekommen, seit in Halle die Spaltung der Unabhängigen und Kommunisten erfolgte. Dieser Spaltungsparteitag war die schwerste Niederlage, die die Sozialdemokratie nach der Revolution erlebt hat. Die Bourgeoisie weiß natürlich ebenso, daß unser Klassenhat. Die Bourgeoisie weiß natürlich ebenso, daß unser Klassen kampf dadurch stark beeinträchtigt wird. Deshalb ist es Aufgabe der Partei und auch der Gewerkschaften, die Massenträfte in jedem einzelnen Falle festzustellen, ehe es zu politischen oder gewerkschaftlichen Operationen fommt. Es ist oft ouf die glänzenden Demonftrationen Operationen fommt. Es ist oft ouf die glänzenden Demonstrationen mach der Ermordung Rathenaus hingewiesen worden. Aber es wird niemand leugnen, daß es uns 1923 nicht mehr möglich gemesen wäre, solche Demonstrationen auf die Beine zu bringen, weil Pfaffe ihrer legten Reserven beraubt und so ihre inzwischen die Inflationsperiode die Arbeiter. Kräfte start beeinträchtigt hat. Durch die Markstabilisierung haben wir die Hände wieder frei bekommen und an Macht gewonnen, wenn wir uns auch nicht darüber täuschen dürfen, daß wir zurzeit eine revolutionäre Ronjunttur noch nicht haben, fondern eine ruhige Entwidlung in Deutschland und in Mitteleuropa wünschen müssen, schon im Intereffe der Erhaltung der Republik gegen die Angriffe von rechts. im Parlament niemals die Mehrheit gehabt, haben die Situation nur in der allerersten Zeit der Boltsbeauftragten beherrscht. Damals aber hemmten uns die Ernährungsarbeiten. Bei den ungeheuer vielen, Parteien in Deutschland ist es sorgen, die Schwierigkeiten der Zurückführung des Heeres und vor allem die schon am zweiten Tage nach der Revolution einfegenden Auseinandersehungen mit Spartatus. In der Nationalversammlung haben wir nicht die Mehrheit gehabt und waren damals auch nicht der Auffassung, daß wir eine Minderheitsregierung bilden sollten. Intereffant ist, daß wir jetzt erfahren haben, daß damals Adam Stegerwald in der Zentrumsfraktion dafür eingetreten ist, man möge der Sozial demokratie die Minderheitsregierung überlassen. Mir scheint, er war ein besserer Marxist als andere, wenn er erkannte, daß dadurch, daß man einer sozialistischen Minderheit äußeren Einfluß gibt, die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht andere werden. Es ist damals dem Einfluß Erzbergers zuzuschreiben gewesen, daß Steger wald unterlag und das demokratische Prinzip siegte. 1920 30gen wir als getrennte Partei in den Reichstag ein, und die Sozialdemo▪ tratische Partei lehnte es ab, nach der damals erfahrenen Schwächung in die Regierung einzutreten. Die Auffaffung, daß wir immer in der Regierung sein müßten, ist eigentlich niemals in der Sozialdemokratischen Partei verfreten gewesen. Einige Worte zu den Vorwürfen wegen der Ministerportefeuilles. Ich selbst habe es feit 1920 sechsmal abgelehnt, in die Regierung einzutreten, weil ich meine Anwesenheit in der Fraktion für wich tiger hielt. Im übrigen fann ich sagen, daß es nicht zu den angenehmsten Beschäftigungen gehört, Parteigenoffen zu finden, die in eine Koalitionsregierung eintreten wollen. Ich habe von einer Sehnsucht nach Minister portefeuilles noch nichts gemerkt. Vielleicht fönnten Radbruch und Sollmann aus ihren persönlichen Erfahrungen, soweit die Reichsregierung in Betracht kommt, darüber auch etwas zu sagen. Selbst die Genoffin Sender nicht mir zu.( Heiterkeit.) Wir waren eigentlich nur dann in der Regierung vertreten, wenn nichts anderes übrig bire b, und die Gründe, die uns dazu zwangen, waren fast immer außenpolitische. Nach dem Londoner Ultimatum gingen wir in die Regierung Wirth, um die Be. fegung des Ruhrgebiets zu verhindern. Man hat gefagt, daß der Eintritt in eine Koalitionsregierung foguiagen die Flucht vor dem Klassenta mpf wäre. Ich bin gespannt, ob ein Theoretiker versuchen wird, dafür den Beweis zu liefern. Der Sturz der Cuno Regierung wäre meiner persönlichen Auffassung nach damals beffer einige Tage später erfolgt, denn die Agitation unserer Gegner ift dadurch erleichtert worden, daß die Durchführung der Steuergesetze non einer ganz anderen Regierung übernommen werden mußte. Doch gebe ich zu, daß bei dem Sturm, der sich im Lande bemerkbar machte, Cuno schwer zu halten war. Aber ich frage, was jollte eigentlich nach der Regierung Cuno tommen? Die Aufgabe der Cuno- Regierung war doch die Liquidation der Ruhrbesehung, und die fonnte nur erfolgen durch eine Regierung, die fich auf links stürzte. Wir mußten auch damals in den fauren Apfel beißen, um schlimmeres zu verhüten. In der letzten Zeit haben wir uns darauf beschränkt, eine Regierung der bürgerlichen Mitte zu unterstügen. Ich glaube, daß niemand hier sein wird, der meint, daß wir um die Unterstützung der Regierung Marr herumgefommen wären. Das ganze sozialistische Ausland verlangte von uns, daß wir soviel Bernunft aufbringen, um eine Gesundung Europas herbeizuführen. Die Meinungsverschiedenheiten in der Fraktion waren dann auch darüber viel greinger. Gewiß, wir haben der Regierung Marr tein ausdrückliches Vertrauensvotum ausgesprochen. Aber ich lege auf all diese Formulierungen, Vertrauen oder Billigung usw., leinen besonderen Wert; denn wenn wir einer Regierung das Leben ermöglichen, so geben wir ihr eben den Zuschuß von Vertrauen, den sie braucht, um leben zu können. Wir sollten uns endlich von der Furcht vor diesen Worten emanzipieren. Mit unserem Eintreten zugunsten der Regierung der Mitte haben wir nur getan, was im Interesse der Arbeiterklasse notwendig war. Ohne die Annahme des Sachverständigengutachtens würden die Lage unserer Währung gezählt fein, und was das für jeden Arbeiter bedeutet, ist Ihnen flar. Das ist unsere Auffaffung von parlamentarischer Unterstühung des Klaffentampfes. Ich persönlich glaube nicht, daß die Bäume der Monarchisten in den Ich persönlich glaube nicht, daß die Bäume der Monarchisten in den Simmel wachfen werden. Gewiß ist das eine innerdeutsche Frage, aber nach den Erfahrungen des Weltkrieges würde das ganze Europa und auch Amerifa einfach nicht dulden, daß die Hohenzollern wieder auf den Thron fommen. Sie haben ja nicht einmal das verstorbene Karlchen in Budapest wieder auf den Thron zurückkommen lassen. Verhüten müssen wir vor allem, daß bei uns die Republik nicht zu einer Attrappe wird. Ich fürchte am meisten, daß eines Tages Junter und Kapitalisten an der Republik Gefallen finden, wenn wir nicht verhindern, daß unsere Republik immer mehr zu einer 3idzad republit wird. Wir können die deutsche Republit nicht allein mit Demonstrationen erhalten, sondern müssen es den Republikanern ermöglichen, in der Republik zu fehr schwer, eine sogenannte stetige Politif zu treiben. Wir trauren in dieser Beziehung von den Gegnern lernen, die bei den letzten Verhandlungen mit den Mittelparteien verlangt haben, daß in den fünf größten Ländern im Reich eine der Reichsregierung homogene Regierung gebildet werden müßte.( Hört, hört!) Wir haben leider zu der Zeit, als wir in der Regierung waren, ähnliche Forderungen nicht gestellt, fon. bern die Entwicklung den einzelnen Ländern über. lassen. Ich bin der Lehte, der den sächsischen und thürin= gischen Genossen einen Vorwurf daraus machen würde, daß sie zein verfassungsmäßig gesehen versucht haben, eine Regierung mit rein verfassungsmäßig gefehen versucht haben, eine Regierung mit den Kommunisten zu bilden. Aber politisch gesehen war das das Unflügste, was paffieren tonnte, und nicht gulegt hat die bayerische Reaktion aus solchen Experimenten Rugen gezogen; auch das Bürgertum ift dadurch in besonderer Weise zusammengeschweißt worden. Schon Marg hat uns auseinandergefeßt, daß das Bürgertum feine einheit liche reaktionäre Masse ist, und das gilt heute noch viel mehr. Zum Fall Zeigner hat Wels schon gesprochen. Ueber den friminellen Fall nur ein Wort. Wenn Zeigner deutschnational gewesen wäre, wäre er vielleicht beffer davon gefommen.( Sehr wahr!) Poli tisch muß zugegeben werden, daß die Aera 3eigner eine Schädigung der Republit bedeutet hat, daß 3eigner alles zu einem politischen Führer fehlte. Burufe.) Ihr habt doch selbst nachher gesehen, wie absolut haltlos er sich gezeigt hat. Was Bayern anlangt, so haben wir gefordert, daß das Notwendige geschieht, und als das Notwendige nicht geschah, sind wir aus der Reichsregierung ausgeschieden. Eine schärfere Opposition fann man doch nicht ausüben. Wir haben damals auch unsere Ratschläge gegeben, wie man militärisch und politisch vorgehen könnte, aber fämtliche bürgerliche Parteien waren bazu nicht bereit. In einem Buntt hat die Reichsregierung recht behalten: es ist ihr durch ihre Tattit gelungen, zu verhindern, daß der bayerische Brand auf Norddeutschland übergriff. Wir wissen ja aus dem Küstriner Prozeß und anderen, wie damals die Fäden von München nach Norddeutschland gespannt gewefen find. Die Regierung hielt es für richtig, den bayerischen Herd ausbrennen zu lassen. Die Tätigkeit, die Ludendorff dort entfaltet hat, hat ja dann eine Wendung herbeigeführt, wie wir uns überhaupt freuen dürfen, wenn Ludendorff seine Hand im Spiele hat; denn dann geht es immer schief.( Heiterkeit.) Interessant war, daß die Bayerische Boltspartei, die den schärfsten Kampf gegen uns geführt hat, sich bis zulegt noch für die Erfüllungspolitik erklären mußte, die gerade von München aus am meisten angefeindet wurde. . Biele Angriffe find gegen die Fraktion gerichtet worden, daß wir die Cuno Regierung der Nichterfüllung unter stützt hätten. Ich will nicht die Frage aufwerfen, ob der Einmarsch in das Ruhrgebiet auch erfolgt wäre, menn damais die Regierung Wirth nicht gestürzt worden wäre. Ich glaube, daß die Herren von Block national auch dann ihren Weg in das Ruhrgebiet gefunden hätten. Aber das entlastet die nicht, die den Franzoen den Vorwand geliefert haben. Die Hauptleidtragenden bei der Ruhrbejehung waren jedenfalls die Arbeiter, und wir sind völlig im Einklang mit dem gewesen, was uns von den organisierten Genossen des neubesetzten Gebietes vorgetragen worden ist. Die Art, wie der passive Widerstand im Ruhrgebiet ausgeübt worden ist, hat zweifellos für Deutschland moralische Er oberungen im Ausland mit sich gebracht.( Sehr richtig!) Wir fonnten ja auch den rechtswidrigen Einmarsch nicht einfach hinnehmen; denn schließlich besteht doch das deutsche Bolt nicht aus lauter Hunden, die kuschen, wenn irgendein Unrecht verübt wird. Gerade die Arbeiter= fchaft. die aus Klassenfämpfern besteht, würde eine solche Haltung sehr wenig verstehen.( Sehr richtig!) Daß diese Arbeiterschaft dafür nicht belohnt worden ist, wissen wir ja. Auch politisch hat unsere haltung während jener Zeit uns Nuken gebracht. Bei den hoch gehenden nationalistischen Wogen damals hat sie dazu geführt, daß er passive Widerstand nicht in einen aktiven Widerstand ausartele. ( Sehr wahr!) Vielleicht wäre es möglich gewesen, en Ruhrkampf früher zu liquidieren, wenn die Gozialdemokratie früher zur großen Roalition bereit gewesen wäre. Wir haben uns in jener Zeit immer wieder Mühe gegeben, mit ben sozialistischen Genossen vom Ausland eine gemeinsame Blattform für die Lösung der Reparationsfrage zu finden, und das ist uns gelungen. Zur Zeit der ersten StresemannRegierung ist uns dann vorgeworfen worden, daß wir nicht schnell genug die Sanierung durchgeführt hätten. Aber die Vorwürfe, die hamals Hilferding gemacht wurden, sind zu Unrecht erhoben, beim eine Sanierung der deutschen Währung war nicht möglich, so lange die immenſen Zahlungen für das Ruhrgebiet weitergingen. Ich will auf den Streit um die fleine und große Koalition nicht näher eingehen. Die fleine ist nach den Ergebnissen der Wahl erledigt; die große aud), weil mit einer Stimme Mehrheit nicht regiert Das Wort Klaffentampf fehrt in einer ganzen Reihe Don Resolutionen in diesem Parteitag wieder. Das hat mich sehr betrübt, weil dieser Vorwurf immer wieder erhoben wird. Als Bebel mit Bollmar für das Agrarprogramm eintrat, murde ihm schon derselbe Vorwurf nemacht.( hört, hört!) Man sollte doch endlich einmal mit neuen Vorwürfen fommen, nicht immer die alten Ladenhüter hervorholen.( Heiterfeit.) bgesehen von den skandinavischen Ländern weiß vielleicht feine Arbeiterschaft so gut, worauf es beim Klaffenkampf ankommt, wie die deutsche Arbeiter tlaffe. Das war der Erfolg unserer Agitation in den letzten sechs Jahrzehnten, und wenn dieser Erfolg sich jetzt nicht mehr ganz auswirkt, so deshalb, weil wir infolge der Kriegszeit so viele Jugendliche bekommen haben, die noch nicht aufgeklärt werden konnten. Dazu kommt, daß sich Zustände entwickelt haben, wie sie weder Marr noch Engels voraussehen konnten, und die auf die Fühträge kommen, die sich gegen jede Koalition, im Reich wie in den rung des Klassentampfes einwirkten: wir haben eine Spaltung der Arbeiterklasse, wie man sie in den 90er Jahren für unmöglich ge= halten hätte, haben Rückfälle in die Zeit, wo Bakunin mit Marr, Most mit August Bebel gekämpft hat, Rückfälle in die Zeit des Synbitalismus und Anarchismus, RückWille in allen Ländern, meil diefe Bewegung untertigt with pox I werden kann. Aber mich wundert doch, wenn immer wieder Ancinzelnen Ländern, wenden. Wenn es eines Tages der Reaffion, in Deutschland gelingen follte, den Rechtsturs auch in Preußen durchzuführen, dann werden Sie erit sehen, was die Regierung der großen Soalition für Preußen und für das ganze Reich bedeutet.( Sehr wahr!) zialdemokratie ist das System, unter dem überhaupt die Durch führung der Demokratie in Deutschland nur gewährleistet werden. fann.( Sehr richtig!) Nicht aber die Theorie des Alles oder Nichts, die für Theologen viel besser paßt als für Politiker.( Sehr wahr!) Ich habe in Thüringen seinerzeit gefagt: Ihr werdet die Koalition machen oder ihr werdet alle Positionen räumen, die ihr feit der Revolution gehabt hat. Leider ist es so gekommen: wir haben dort den Trümmerhaufen und brauchen nicht danach zu gieren daß es in Preußen zu ähnlichen Zuständen fommt.( Eehr richtig!) Wenn die große Koalition ihre Politik nicht durchführen fonnte, so hauptsächlich deshalb, weil damals eine schnelle Sa nierung der Finanzen notwendig war und weil die bürger lichen Parteien der Auffassung waren, daß dies nur nach ihrem Rezept geschehen könnte. Wir haben uns dagegen gewandt daß die Sanierung durch Lohnabbau und Verlängerung der Arbeitszeit erfolge. Also der Grund, warum man uns damals herausgedrängt hat, ist ein Rompliment für die Politik, die wir in jener schwierigen Zeit betrieben haben. Die Sanierung fonnte viel beffer vorgenommen werden in früherer Zeit. Darauf haben wir immer hingewiesen. Der Börs liger Parteitagsbeschluß ist gefaßt worden in der Hoff nung, daß in den bürgerlichen Kreisen die Einsicht so groß sein werde, daß die Sanierung erfolgen fönnte. Die Bürgerlichen erflärten uns aber immer, fie fönne nicht durchgeführt werden, ehe nicht endgültig feststeht, was wir an Reparations zahlungen zu leisten haben. Diese Auffassung ist falsch ge= wesen. Auch das Sachverständigengutachten läßt diese Frage noch offen. Die Sanierung wäre viel leichter gewesen damals, als Birth die internationalen Sachverständigen nach Berlin berufen hatte, als das Internationale Komitee in Berlin tagte. Das erste Ermächtigungsgesetz wurde bewilligt, als wir in der Regierung Stresemann waren. Bei der Krifit des Ermächtigungsgefezes follte man nie vergeffen, daß die Rentenmart ein Kind dieses Ermächtigungsgefeßes ift. Wenn die Verhandlungen über die Rentenmark auf dem normalen Wege der Gesetzgebung, über Reichstagsund Reichsratsausschüffe, hätte erfolgen müffen, so wäre fie wahrscheinlich zu spät gekommen. Das Ermächtigungsgefeß fiel, als wir aus der Regierung Stresemann austraten. Die Regierung Marg verlangte von neuem ein Ermächtigungsgefeg. Um dieses zweite Ermächtigungsgesez sind heftige Rämpfe entbrannt. Ich bin der Ueberzeugung, daß in der Demokratie einer Regierung weitgehende Vollmachten zugestanden werden können, wenn man selbst in der Regierung sight und sie von innen heraus fontrollieren fann. Ich war der Auffaffung, daß wir nicht schlecht abgeschnitten hätten, wenn es damals zur Auflösung und zur Reichstagswahl gekommen wäre. Da ich zur Minderheit damals gehört habe, fühle ich mich um so mehr verpflichtet, die Gründe für die Zustimmung darzulegen. Es war nicht die Furcht vor der Auflösung. Zwei Gründe waren vielmehr ausschlaggebend für die Mehrheit der Fraktion: die Erwägung, daß prattisch gar nichts gebessert wird, wenn wir das Gefeß ablehnen. Bis zur neuen Regierungsbildung hätte die Regierung auf Grund des Art. 48 doch alles durchgeführt, was sonst auf dem Wege des Ermächtigungsgefeges geschehen wäre. Und auf Grund des Art. 48 wäre noch manche Verordnung mehr herausgekommen als durch das Ermächtigungsgesetz. Inzwischen stellten wir auch den Antrag auf Ausführungsbestimmungen zuni Art. 48; denn.cs müffen gefeßlich die Grenzen abgesteckt werden, innerhalb deren auf Grund des Art. 48 regiret werden kann. Im November v. I. fagte sich die Mehrheit der Fraktion, daß die neugeschaffene Rentenmart eben erst ins Leben getreten ist, das durch innerpolitische Störungen und durch Auflösung des Reichstags leicht beeinträchtigt werden könnte, so daß eine neue Periode der Inflation heraufbeschworen würde. Selbst, wer der Auffassung ist, daß die Mehrheit nicht richtig gehandelt hat, muß zugeben, daß sie geleitet war von Gründen, die in der Linie der Interessen der Arbeiter gelegen haben. Unsere Währung hat sich gehalten, entgegen allem Pessimismus. In vielen Wahlkreisen find unsere Abgeordneten in Bausch und Bogen abgefägt worden, die fich für das Ermächtigungsgesetz eingefeht haben. Es ist höchste Zeit, daß mit jolchen Anfrägen innerhalb der Partei aufgeräumt wird. Denn sonst erzielen wir nur Heuchler und Gesinnungslumpen( lebh. Sehr richtig!); was wir aber in diefer parlamentarisch bewegten Zeit brauchen, find Charaktere( lebh. Beifall und Händeklatschen), Charattere werden aber durch folches Verfahren nicht grohgezogen. Bir Sozialdemokraten sind der Ueberzeugung, daß alles getan merden muß, um den Achtstunbentag zu verteidigen. Die Ausnahmen sollen beschränkt werden auf tarifliche und gesetzliche Maßnahmen. Als wir Sozialdemokraten die Regierung Stresemann verlassen hatten, hat der Arbeitsminister Brauns am 17. Dezember 1923 die Demobilmachungsverordnung über die Arbeitszeit aufgehoben. Unser Antrag zugunsten des Achtstundentages ist in der Folge von sämtlichen bürgerlichen Parteien niedergestimmt worden. Als Partei haben wir feinen Zweifel darüber gelassen, daß der Rampf um den Achtstundentag nicht beendet ist. Die Gewerkschaften, mit denen wir darüber beraten haben, und die das gleiche Intereffe haben, bald wieder zum vollen Achtstundentag zu tommen, sind zurzeit in der Beratung über die Art der Bors bereitung und Durchführung des Boltsentscheids über diese Frage. Die Führung soll bei den Gewertschaften liegen. Für die sozialdemokratische Presse bleibt es oberste Pflicht, diesen Kampf zu unterstützen, und die Fraktion wird die nötige Unters stützung bei den parlamentarisch erforderlichen Schritten zu leiſtert haben. Nicht die Fraktion in ihrer Minderheit, sondern das ge= schlossene Vorgehen der bürgerlichen Gegner trägt die Schuld, wenn wir nicht alles durchgesezt haben. Bei der Masse der deutschen Arbeiterklasse findet man dafür bei der Darlegung der Gründe auch das nötige Verständnis. Unter dem parlamentarischen System haben wir es zwar oft schwerer, Fragen der aktuellen Politik erklärlich zu machen als früher, wo wir nicht mitzuarbeiten hatten. Der Frattion ist auch vorgeworfen worden, daß die Sozialdemokratie nicht das Nötige getan habe zur Beseitigung des Belagerungszustandes. Demokratie und Belagerungszustand schließen sich an fich nicht aus. Der Erlaß des Belagerungszustandes ist allerdings in der Praxis von heute ein zweischmeidiges Schwert, da es sich in erster Linie gegen die Arbeiterklasse auswirkt. Aber wir mußten uns über die Folgen der Ablehnung eines Antrages, den Belagerungszustand aufzuheben, flar sein. Selbst die Kommunisten haben sich bereit gefunden für die Ueberweisung ihres entsprechenden Antrages an den Rechtsausschuß. Denn eine Ablehnung des Antrages hätte lediglich den Belagerungszustand gestärkt. Wir aber wollten nicht feine verstärkte Legalität. Die Politit der letzten Jahre ist nicht schuld an der sogenannten Niederlage der Partei. Niemand, felbst unter den Optimisten, hat uns mehr als 120 Abgeordnete zu gesprochen. Denn feit Halle waren viele Arbeiter zu den Kommunisten übergegangen. Solche parlamentarischen Schlappen haben wir auch früher erlitten, ich erinnere nur an 1907. Geit 18 Jahren like ich im Parteivorstand und habe noch mit den Alten der Partei zusammengearbeitet. Damals hatten wir andere Möglichkeiten, jede Frage vorzubereiten; damals hatten wir in einem halben Jahre nicht so viele folgenschwere Ent scheidungen vorzubereiten, wie jekt mitunter in einer Woche. Die Führer und die Massen mögen sich an den Alten ein Vorbild nehmen: nicht tleinmütig werden und nicht glauben, daß wir die historische Mission verlieren. Wenn mir uns an ein beffer zu unterrichtendes Bolt menden, dann werden wir auch Verständnis finden. Benn wir uns nicht selbst aufgeben, sondern uns die Treue halten, werden wir neue Sicge vorbereiten fönnen.( Lebh. langanhaltender Beifall.) Um 1 Uhr 15 Min, wird die Sigung auf 3 Uhr nachmittags pertagt 9 Nachmittagssitzung. Zunächst wird der Bericht der Mandatsprüfungstom= mission entgegengenommen. Anwesend sind 400 Genossen und Genoffinnen, unter dieser delegiert 285, Mitglieder des Parteivorstandes 19, des Parteiausschusses 58, der Kontrollkommission 9, der Reichstagsfraktion 18, vor den Mitgliedern der Organisatiostommission, die sonst kein Anwesenheitsrecht auf dem Parteitag haben, 5, 1 Referent und 7 Mitglieder von Parteiinstitutionen, nämlich ein Vertreter der Geschäftsleitung des Vorwärts", ein Vertreter der Arbeiterjugend, des Bildungsausschusses, der Jungsozialisten, ein Bertreter der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer sowie acht ausländische Gäste. Da Beanstandungen nicht vorliegen, werden alle Mandate für gültig erklärt. Als Ergänzung zum Borstandsbericht werden hierauf noch kurze Berichte des Bildungsausschusses und der Programmfommission entgegengenommen. " Die Kulturaufgaben der Partei. Heinrich Schulz: Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen, naht der Poet." Dies Wort hat im verflossenen Jahre ganz besondere Bedeutung gebabt. Erst müssen die materiellen Lebens: bedürfniffe befriedigt sein, ehe man an die Befriedigung der Kulturbedürfnisse herangehen fann, jagt man. Das flingt begreiflich, aber es trifft doch nicht ganz zu. Kultur darf nicht nur eine schöne Feder am Hut des Menschen sein, sie muß als Lebensnotwen digkeit empfunden werden. Sie ist auch nicht nur abhängig von den materiellen Mitteln; wichtiger noch ist die Einsicht in die Not wendigkeit der Kultur und der Wille zur Kultur. Der taiser liche Obrigkeitsstaat hatte die Mittel zur Kultur in Hülle und Fülle, aber ihm fehlte der Wille zur Kultur. Die junge Republik hatte den Willen, wenigstens in ihren ersten Jahren stärker als später, zur Unterstützung der Kultur, aber ihr fehlten Die Mittel. Immerhin ist es uns möglich gewesen, wichtige Kultureinrichtungen zu fördern. Andererseits sind Kräfte an der Arbeit, die dem Reiche die Mitarbeit an den Kulturaufgaben des deutschen Boltes verwehren, die alles zur Arbeit der Länder machen möchten. Bei aller Achtung vor den Kulturaufgaben, die die Länder geleistet haben, gibt es doch noch etwas wie eine deutsche Wissenschaft, eine deutsche Kunst und eine deutsche Kultur, und ich würde es lebhaft begrüßen, wenn auch die deutsche Sozialdemokratie sich mit Nachdruck zum Einheitsgedanten auch auf fulturellem Gebiete bekennen würde und wenn unsere Genoffen in den einzelnen Ländern dem Reiche lassen würden, was ihm zukommt. In der Partei wird leider nicht überall in gleichem Maße die Notwendigkeit der kulturellen Betätigung der Partei anerkannt.( Sehr wahr!) Die Partei ist aber heute nicht mehr nur eine Agitations und Organisationspartei: Früher war sie nur gewissermaßen eine Bahlmaschine, heute steckt sie unmittelbar in der praktischen und teilweise auch schöpferischen Arbeit für Staat und Ge sellschaft. Auch auf dem Schulgebiet zeigt sich überall ein reges Streben und Vorwärtsdrängen. Außerhalb der Schule werden die Kinder durch unsere große Bewegung der Kinderfreunde zusammengefaßt. Die Fühlung der Partei mit dem übrigen geistigen Deutschland ist vorerst nur lose, aber sie darf nicht verloren gehen. Es wäre nichts geführlicher, als wenn wiederum wie schon zweimal in der Geschichte der Sozialdemokratie das geistige Deutsch fand sich enttäuscht von der Sozialdemokratie abwenden würde, beide brauchen einander. Der Sozialismus bedarf des Anschlusses an die Wissenschaft; es wäre ein großes Unglück, wenn der wissen fchaftliche Sozialismus fich wieder in ein mehr oder weniger freiwilliges Ghetto hineinbegeben würde. Und ebenso bedarf die Wissenschaft der Anregung und Befruchtung durch die sozialdemofratische Kritik. Die seelischen Kräfte der Jugend hat die Sozialdemokratie zu wenig unterstützt. Vor dem Krieg erforderte das Bekenntnis zum Sozialismus einen Entschluß und die Anspannung aller Kräfte. Das ist heute nicht mehr der Fall, und wir müssen heute neue Gefühlsenergien für den Sozialismus in der Jugend zu wecken suchen. Möge die deutsche Sozialdemokratie sich ren alten Ruhmestitel, bie Partei der Kultur zu sein, durch erneute und vermehrte Arbeit im Dienste der Kultur neu erwerben. ( Bravo!) Bericht der Programmkommission. Dr. Braun: Wir bedauern als Mitglieder der Programmfommission es auf das lebhafteste, daß ein Programment wurf dem Parteitag nicht vorgelegt werden kann. Wir alle empfinden diefe Lücke unserer Rüstung. Leider muß man feststellen, daß in den letzten 20 Monaten in den Reihen der Partei diese Lücke wenig empfunden worden ist. Das Programm einer so demokratischen Bartei wie der Sozialdemokratie ist nicht zu schaffen von einer Programmfommission, sondern nur unter Mitwirkung sämtlicher Parteigenossen, unter Betätigung ihres Sprachrohrs, der Parteipresse. Leider hat sich die Partei presse sehr wenig um das Parteiprogramm gefümmert. Es ist für die prinzipielle sozialistische Schulung der Parteigenossen viel zu wenig geschehen. In den letzten 20 Monaten ist nur allzu oft Taktik und Prinzip verwechselt worden. Es ist aber ungeheuer wichtig zu wissen, was Tattik und Prinzip ist in einer Zeit, wo ein neues Programm gemacht werden soll. Freilich ist eine Zeit des Zwistes und des furchtbar gesteigerten Mißtrauens unter den Parteigenossen recht ungeeignet, ein Programm zu machen, das ein neues geistiges Band um die Partei schlingen soll. Das Wort des großen preußischen Rechtslehrers Franz Savigny: Unsere Zeit hat nicht den Beruf für die Gefeßgebung" gilt auch für die letzten 20 Monate in bezug auf die Schaffung des Programms der Partei. In dieser trüben Zeit hatten wir außerordentlich wenig Stimmung, um ein Programm zu schaffen. Ich denke, wir gehen jetzt einer besseren Zeit in der Partei entgegen; viele Anzeichen sprechen dafür. Für die Programmfommission fam als hemmend in ihrer Arbeit auch in Betracht, daß unser alter Freund Karl Kautsky, unter dessen großen Verdiensten um die Partei nicht das geringste die Schaffung des Erfurter Programms ist, lange Zeit frant und die letzten Monate im Auslande war. Der Einigungsfongreß in Nürnberg hatte Kautsky zum Vorfizzenden der Programmfommission gemacht, und wir glaubten, daß ein Programm, das gestützt ist auf die Anregungen und Gedanken Kautskys von der Partei viel vorurteilsfreier und lieber angenommen werden würde als ein Programm, bei dem man Kautskys Arbeit vermissen müßte. Hinzu kam weiter noch, daß die Genossen in Anspruch genommen waren durch sonstige Arbeiten für die Partei, so daß es außerordentlich schwierig war, die Brogrammfommission zu versammeln. Wir standen vor der Notwendigkeit, auch unsere noch nicht erfüllten Forderungen zu meffen an den völlig veränderten Berhältniffen. 1890/91 haben wir ganz allgemein Grundfähe und Ziele aufstellen tönnen, während wir heute zu den Problemen des Tages Stellung nehmen müffen. Auch an dem großen Problem der Sozialisierung fann die Programmkommission trotz aller Enttäuschungen nicht vorbeigehen. Wir dürfen aber nicht ausgehen von Zeiten, die verflossen sind und von Kräfteverhältnissen, die überholt find. Bir haben zu unterscheiden zwischen dem, was uns zu Sozialdemokraten macht und was die Zwangslage der praktischen Politik erfordert. Wenn wir mehr Sozialismus in die Massen tragen. dann wird von selbst erwachsen ein richtunggebendes, zum Siege führendes Programm. Ehe die allgemeine Aussprache über die Referate beginnt, begründet Martwald- Frankfurt Anträge feines Bezirks auf Stellung nahme zur Kandidatur des Reichspräsidenten und auf Ausschluß des Genossen Ebert aus der Partei. Im Namen des Parteivor standes erklärt Cenosse Wels, daß die Anträge Frankfurts statutenwidrig waren und daß der Antrag auf Aufstellung einer Reichspräsidentenkandidatur dem Parteivorstand nicht zugegangen ist. Der Schlußjag des einen Antrags hatte allerdings gelautet: Die Reichstagsfrattion wird beauftragt, auf möglichst baldige Neuwahl des Reichspräsidenten hinzuwirken.( hört, hört!) Der Parteivor| stand hat aber nicht das Recht, Teile aus Anträgen herauszunehmen. Dem Genossen Markwald wird anheimgegeben, die Anträge Frantfurts erneut vor dem Parteitag zu stellen. Die Aussprache. Dann beginnt die Aussprache, zu der sich 44 Redner gemeldet haben. Gegen die Rednerliste erhebt Genosse Krille München Protest. Dißmann: In einer Reihe von großen politischen Fragen bestanden und bestehen ernste Meinungsverschiedenheiten. Den Gebantengang, daß wir eine Minderheit sind, daß wir aber trotzdem mittun und mit dabei sein wollen und deshalb die Koalition mit bürgerlichen Parteien eingehen, haben wir zu bekämpfen; denn diese Politik trug bei zu dem Rückgang der Partei. Die Bourgeoisie hat im Laufe der Koalitionsperiode feinerlei Rücksichten auf Voltsinteressen genommen, sie hat die Erfüllungspolitik sabotiert und die Lasten auf die Schultern der Schwachen abgewälzt, so daß es bis zur wirtschaftlichen, politischen Diktatur der Bourgeoisie ge= fommen ist. Sie hat ihr Schuldkonto von sich auf uns abgewälzt. Demgegenüber wäre es Pflicht gewesen, das Proletariat als Klasse aufzurufen zur Sammlung und Geschlossenheit. Uns hat man das Korreferat versagt und es uns damit unmöglich gemacht, unsere Gedankengänge zu entwickeln.( 3ustimmung.) Wir werden uns aber nicht abbringen lassen, unsere Auffassung auch weiterhin über den Parteitag hinaus zu propagieren. Aber diese sachlichen Auseinandersehungen werden und müssen uns nicht auseinander, sondern zusammenbringen. Toni Sender- Frankfurt a. M.: Die Sozialdemokratie erklärt, sie sei eine Partei der Demokratie. Dann darf sie die Demokratie aber nicht nur im Staate verlangen, sondern muß sie auch in den eigenen Reihen verwirklichen.( Burufe.) Demokratie heißt nicht nur, daß die Mehrheit sich durch Beschlüsse durchsetzen tann, sondern Demofratie heißt auch Schuh der Minderheiten.( Sehr richtig!) Genosse Müller hat uns eine Resolution vorgelegt, die eine glatte Verurteilung der Politik der Fraktionsmehrheit und der Parteiinstanzen bedeutet. Da es uns darauf ankommt, Klarheit zu schaffen, haben wir eine eigene, ganz unmißverständliche Resolution einge bracht. Genosse Müller sagt, die Partei sei genötigt gewesen, Roalitionspolitik zu treiben, und das Ziel der Koalitionspolitik müßte sein: Sicherung der Republik gegen den Ansturm der Reaktion. Er sagt weiter, die Teilnahme an der Regierung muß die Erfüllung der bürgerlichen Republik mit sozialem Inhalt und die Durch segung der Demokratie zum Ziele haben. Aber in der Politit will man doch nicht nur Ziele haben, sondern auch Resultate. An den Resultaten sieht man, ob die Politik gut oder falsch gewesen ift. Darüber besteht wohl" Einmütigkeit, daß die von Müller selbst der Koalitionspolitik gestellten Ziele restlos nicht erreicht worden sind. Er selbst hat in seinen Ausführungen gesagt, daß wir nicht haben verhüten fönnen das Erstarken der Reaktion, nicht die bewußte, planmäßig betriebene Politik der Inflation, daß wir nicht die sozialen Errungenschaften haben sichern können, nicht einmal die Garantie des Achtstundentages. Auf der anderen Seite ist gegen über dem Minus an positiven Resultaten ein sehr großes Plus an Opfern zu verzeichnen gewesen, die den anderen an der Koalition Beteiligten gebracht wurden durch die Zustimmung zu den Ermächtigungsgesehen, die eine restlose Blankovollmacht gaben, welche dann auch im antifozialen Sinne ausgenutzt worden ist. Durch diese Preisgabe der Demokratie auf legalem Wege haben wir der Reaktion den Weg gewiesen, wie sie auf legalem Wege ihre Diktatur errichten fönnte.( Sehr wahr!) Es kommt auch nicht auf den Namen ,, Republit" an, sondern auf den Inhalt und Charatter. Wie wenig die republikanische Form ausmacht, beweist ein Blick auf Frankreich, auf das frankret des, Boincaré, und andererseits auf das Bestehen der Regierung Macdonald im monarchischen England.( Zuruf: Alfo Monarchie!) Dieser Zuruf beweist nur Ihren Mangel an Logit. In Wirklichkeit zeigt der Vergleich nur, daß es nicht auf die Staatsform, sondern vor allem auf den Staatsinhalt antommt. Unter der Koalitions: politik haben wir versäumt, die Gegenträfte gegen die Reaktion zu mobilisieren, die Geschloffenheit des gesamten Pro: letariats zu erhöhen.. Es kommt darauf an, unsere Macht als Klasse so zu festigen, daß fie eine ftarfe Anziehungskraft auf alle fluttuierenden Elemente in der Gesellschaft ausübt, indem sie erkennen: hier ist die Kraft, die das Neue, das Junge und Gesunde schaffen will. Daher ist es abwegig, wenn nicht Klassen, sondern Staatspolitit getrieben wird, wenn man jagt, daß das Vaterland zur gegebenen Stunde über die Partei gestellt werden muß. Wir sind der vielleicht etwas antiken Auffassung, daß wir als Klasse, als Partei nicht nur die Interessen einer kleinen Schicht, sondern das Interesse der Gesamtheit des Volkes vertreten. Gerade daraus ziehen wir unsere ganze Begeisterung, daß wir wissen: was wir für uns als Klasse erstreben, liegt in derselben Linie wie das Wohl des gesamten Volkes.( Bravo!) Die Bildung des Bürgerblods bedeutet nichts anderes als die Zusammen. schweißung aller bürgerlichen Kreise, die sich bedroht fühlen. So wollen wir auf der anderen Seite, daß das Proletariat durch eine gradlinige Politif, die von allen verstanden werden kann, die zum Proletariat gehören, eine einheitlich geschlossene Masse wird.( Beifall.) Antrag zur Koalitionspolitik. tät des Reichs entzogen und auch in die Hände des Privatfapitals gelegt wird. All diese Erfahrungen sollten genügen, um diese Bündnispslifik mit den Klassengegnern in einer Zeit verschärften Klaffenkampfes für unmöglich zu erklären. Man verweist auf die allgemeinen Interessen. Gerade darin erbliden wir die Fehlerquelle. Die eigentliche Meinungsverschiedenheit liegt in der Stellung der Arbeiterklasse zu diesem Staate. Wir verteidigen wohl die Republik als Staatsform, sind auch der Meinung, daß sie der Kampfboden für den Sozialismus ist, aber wir wollen nicht vergessen, daß diese Republik nach wie vor großfapitalistisch geblieben ist. Danf ihrer Wirtschaftspolitik ist sie geradezu die Beute der Großindustrie geworden. Deshalb fann die Sozialdemokratie in dem heutigen tapitalistischen Staate nicht mehr politische Berantwort lichkeit übernehmen, als sie wirtschaftliche Macht im Staate hat. ( Sehr gut!) Wir haben das Opfer gebracht und haben Unruhen verhindert, auf der anderen Seite aber hat man den Bürgerkrieg mit der wirtschaftlichen Waffe der Inflation gegen uns geführt. Bei der Frage der Lastenverteilung aus dem Sachverständigengutachten werden wir wieder einen geschlossenen Bürgerblock haben. Es kommt darauf an, daß dieser Parteitag für diese fünftige Wirtschaftspolitik, für die Verteilung der Lasten Richtlinien gibt. Ich sehe in dem Wahlergebnis durchaus tein Unglück für die Sozialdemokratie, wenn sie die Konsequenz zieht und bereit ist, ihre Politik nach der veränderten Wirtschaftslage zu ändern. Die Kommunisten brauchen wir nicht scheuen, aber wir müssen die soziale und wirtschaftliche Struktur Deutschlands für den Kampf der Arbeiterklasse ausnugen, müssen die starken Kräfte der Arbeiter und Angestellten sammeln, indem wir eine Politik machen, die sichtbar sozialistisch iſt. Bei der Koalitionspolitik haben ja die vielen Indifferenten gar. teine Gelegenheit, das eigentliche Programm der Sozialdemokratie fennenzulernen. Was wir wollen, bedeutet nicht den Erfolg für morgen, aber es bedeutet den Weg zur Macht.( Bravo!) Sachsen und die Kommunisten. Seydewih- 3widau: Ueber die fächsische Frage wird beim Bericht der Berständigungskommission noch zu sprechen sein. Wenn man das Zusammengehen mit anderen Parteien für eine Frage der Tattit erklärt, so darf man auch nicht sagen, daß man niemals mit den Kommunisten zusammengehen dürfe.( Sehr richtig!) Man sollte objektiv sein und berücksichtigen, wie das Zusammengehen mit den Kommunisten in Sachsen auf die Kommunistische Partei gewirkt hat. ( Sehr gut!) Sinowiem hat selbst festgestellt, daß die sächsischen Kommunisten nicht erreicht haben, was sie sollten, sondern daß sie auf den Leim gegangen sind. Die Tatsache, daß Brandler, der so etwas wie der liebe Gott in der KPD. war, beiseite gedrückt worden ist, ist erreicht worden durch die Bindungspolitik, die wir in Sachsen und Thüringen getrieben haben. Wir geben zu, daß die Kommunisten die Absicht haben, unsere Partei zu zerstören. Unsere Meinungsverschiedenheiten bestehen nur darüber, wie man diese Versuche der Kommunisten am besten parieren kann. Zu der Beit, als wir mit der KPD. in Sachsen und Thüringen zusammenarbeiteten, war diese Taktik durchaus richtig. Als die Meinungsverschiedenheiten noch gar nicht bestanden, regierte auch das Ministerium Bud nur mit Unterstützung der Kommunisten, und was nachher geschah, war lediglich eine Fortsetzung dieser bisher betriebenen Politif. Das war nicht eine Politik der Parteilinken, sondern die Bolitik der Fraktionsmehrheit in Sachsen. Ich bestreite, daß die Aera Zeigner ein Schaden für die Republit gewesen sei. Da gegen war es die Reichseretutive. Wenn man sagt, daran sind die sächsischen Genossen selbst schuld, weil sie die Koalition mit den Kommunist en eingegangen find, so kommt das darauf hinaus, daß man die Reaktion nicht reizen darf, damit sie nicht noch stärker wird. Die verheerende Wirkung der Reichserefutive, als man mit dem Säbel die parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse und ihre Auswirkung zerschlagen hat, auf die fächsische Arbeiterschaft, hat sich dann bei den Gemeindewahlen gezeigt. Gehen Sie nicht von dem Standpunkt aus, daß in Sachsen nur dumme Jungen die Politik machen. Aus den Reichstagswahlergebnissen sollten Sie erkennen, daß die Politit Sachsens nicht so schlecht gewesen ist, daß wir unsere Pflicht für die Partei erfüllt haben.( Beifall.) Wo sind die Fehlerquellen? Die Ströbel- Berlin: Es besteht die Gefahr, daß die Ursache des sozialdemokratischen Mißerfolges nicht erkannt und nicht abgestellt wird, sondern daß die alte Parteipolitik weitergetrieben wird. Ist es nicht seltsam, daß 5 bis 6 Millionen Wähler der Verhetzung von rechts und links erlegen sind? Wir dürfen nicht sagen, daß die Massen den größten Schreiern nachlaufen; das wäre undemo tratisch. Die Lage des deutschen Proletariats war niemals fo elend und verzweifelt wie in den letzten Jahren. Partei hat in gewissem Sinne schuld an der Entwicklung der Dinge, daß sie die Massen nicht aufgerüttelt hat, wie es nötig gewesen wäre. Wir hatten für die Entwicklung nicht das nötige Verständnis. Der Ruhrkrieg hätte unter allen Umständen verhütet werden müssen. Wir haben nur gegen die Franzosen gefämpft und unsere Front nicht auch gegen die Schwerindustrie und Steuersaboteure gerichtet. Schon in den ersten Monaten hätte Cuno beseitigt werden müssen. Aber man befürchtete den Dolchstoß. Dabei werden auch Ebert und Scheidemann des Dolchstoßes bezichtigt, die wirklich die Novemberrevolution nicht herbeigeführt haben. Der Trennungsstrich ist nicht gefühl und bürgerlichem Nationalismus. Im Kampfe gegen die Rechte fehlte der sozialistische Angriffsgeift. Den Bölkischen und Deutschnationalen gegenüber, die von Novemberverbrechern sprechen, sollte man von Juli- und Augustverbrechern sprechen, die den Krieg heraufbeschworen haben. Inzwischen ist folgender Antrag Hermann Müller ein fcharf genug gezogen worden zwischen sozialistischem Vaterlandsgegangen: Roalitionspolitit ist keine Frage des Prinzips, sondern der Tattit. Das Viel- Parteien- System hat seit der Revolution die Sozialdemokratie im Reich und in den Ländern vielfach gezwungen, mit bürgerlichen Parteien an der Regierung teilzunehmen. Maßgebend waren dafür erstens außen, zweitens innenpolitische Gründe. Das Interesse der Arbeiterklasse erforderte außenpolitisch die Befriedung Europas, innenpolitisch die Sicherung der Republik gegen den Ansturm der Reaktion. Nur auf dem Boden der Republik tann seit dem Berlust des Krieges eine für Deutschland erfolgreiche Außenpolitik getrieben werden. Gleichzeitig ist die Republik der gegebene Boden für den Kampf um das sozialistische Endziel. Die Teilnahme an der Regierung muß die Durchsetzung der Demofratie und die Erfüllung der bürgerlichen Republik mit sozialem Inhalt zum Ziele haben. Sie darf deshalb nur unter Abwägung aller Vor- und Nachteile für die Interessen der Minderbemittelten erfolgen, damit die Sicherheit gegeben ist, daß die Arbeiterklasse nicht einseitig Opfer zu bringen hat." Aufhäuser: In Nürnberg haben wir den organisatorischen Rahmen für die beiden sozialistischen Parteien geschaffen. Heute tommt es darauf an, diesem Rahmen Inhalt zu geben. Wir müssen die Konsequenzen aus dem Anschauungsunterricht der letzten Jahre ziehen, aus den Erfahrungen, die mit der Koalitionspolitik gemacht worden sind. Die erste Koalition ist gesprengt durch die scharfen wirtschaftlichen Gegenfäße außerhalb des Parlaments. die zweite ist ein Opfer der politischen Gegenreattion geworden. Das erste Ermächtigungsgesetz hat die freie Wirtschaft wiederhergestellt, das zweite den Abbau der Sozialpolitik herbeigeführt. Also die Koalitionspolitik war in ihrem Verlauf nicht abhängig von unserem Willen, sondern allein von den ökonomischen Kräften außerhalb des Parlaments. Wir müssen unsere Politik auch diftieren lassen von den wirtschaftlichen Erfordernissen der Arbeiter, wie die Gegenseite ihre Politif nach den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmer einstellt. Die Rentenmark, die Müller als Erfolg der Koalitionspolitik hervorhob, ist doch nicht die Währung, die die Sozialdemokratie gemollt hat, sondern wir haben es für einen Rüdfchritt gehalten, wenn die Währung der Souveränis Reichspräsident Ebert und die Republik. Scheidemann- Kaffel( mit lebhaftem Beifall empfangen): Ich bin Ströbel dankbar, daß er festgestellt hat, daß Ebert und ich an der Novemberrevolution nicht schuld sind; aber die anderen werden es immer noch nicht glauben. Ich verstehe, wenn man in der Partei von einer Stimmung spricht, die fragt, wohin sind wir eigentlich geraten?, aber nicht von einer Unzufriedenheit, denn einen zufriedenen Sozialdemokraten habe ich noch nicht gesehen. Den Genossen im Lande hat es an der nötigen Information gefehlt. Denn die Politif, die wir treiben mußten, war oft undurchsichtig. Wo die Leiter der Parteipreffe die Parteigenoffen aufgeklärt haben, ist diese Stimmung bald zerstört worden. Biele Parteiblätter find aber Organe eines Redakteurs, der glaubt, alle Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Die neurasthe. nische Kraftmeierei in der Parteipreffe verstehe ich nicht, so zu tun( auf den Tisch schlagend), als ob wir die ganze Welt aus den Angeln heben fönnten in einer Zeit, wo die Gewerkschaftsbeamten staatliche Erwerbslosenunterstützung beziehen mußten. Den Genossen, die beantragen, Ebert aus der Partei auszuschließen, sage ich: Sabt ihr denn gar fein bißchen Schamgefühl?( Langanhaltender stürmischer Beifall und Bravorufe im Sigungsfaale und auf den Tribünen.) Ihr mollt einen Mann ausschließen, der so viele Jahre als manche seiner Kritiker Lebensjahre zählen, sein Leben in den Dienst der Partei gestellt hat? Wer wägt zu behaupten, daß Ebert mit allem einverstanden war, was er mit seinem Namen decken mußte auf Grund der Verfassung? Parteigenoffen, blamiert uns nicht vor der ganzen Welt! So ruppig wie die links von uns fönnen wir gar nicht werden. Eine Partei mit Millionen hinter sich muß praktische Arbeit liefern, sonst laufen die Massen weg. Die Kommunisten berufen sich auf Rosa Luxemburg und Radek. Dabei hat Rosa Luxemburg 1911/12 nicht geruht, bis Radet aus der deutschen Partei entfernt war, Und Roja Luxemburg selbst hat, wie die Veröffentlichung ihrer Briefe jekt zeigt, die rest.| Lose Durchführung der Demokratie gegen die Dittatur verlangt. Die Konkurrenz mit den Kommunisten aufzunehmen, wäre sinnloses Beginnen. Die Kernfrage ist: Wie steht die Sozialdemofratie zum neuen Staat? Denn diese Republik ist trotz aller Mängel doch unsere Schöpfung, zu der wir uns anders einstellen müssen als zum kaiserlichen Deutschland, für das Millionen von Arbeitern in den Krieg gegangen sind. Keiner wird sich unter allen Umständen an der Regierung beteiligen wollen. Aber wir dürfen die Schanzen zur Verteidigung der Republik nicht preisgeben, und eine solcher Schanzen ist die Teilnahme an der Regierung. Ein Mindestprogramm muß dabei allerdings geschaffen werden. Aber es ist für eine große Partei blamabel, wenn sich die bürgerlichen Parteien jetzt zusammensetzen und so tun konnten, als ob eine Sozialdemokratie gar nicht bestehe. Das verstehen die Genossen draußen nicht. Es ist falsch, die gleiche Politik zu machen, ob wir in oder außerhalb der Regierung sind. Denn dann können die anderen machen, was sie wollen, in der Voraussetzung, daß die Sozialdemokraten ihnen sicher sind. Wir müssen dahin arbeiten, daß die Gesetze, die jezt notwendig werden, bei der Durchfüh= rung des Sachverständigengutachtens, die prole= tarischen Interessen wahren. Wenn wir dabei eine Reichstagsauflösung provozieren tönnen, sollen wir es tun. Denn es find schon viele belehrt, vor allem unter den Beamten, die einsehen: je weniger Sozi, je weniger Gehalt. Die Franzosen haben jetzt praktische Politit gemacht bei ihrem Zusammengehen mit den Radikalen. Was würden unsere Radikalen zu dieser Wahltaktit gesagt haben? Aber unsere Radikalinski find gar nicht so radikal, sondern konservativ. Keine Bindung durch Resolutionen, gewiß; aber die Verpflichtung wollen wir eingehen, unbeschadet unserer sonstigen Pflichten, die Republik zu retten, foste es, was es wolle, und zu kämpfen für die Republik mit Leib und Seele.( Langandauernder Beifall.) Liette- Berlin: Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß Der Ausgang der Wahl in Berlin mit dem zusammenhängt, was sich bei der Kandidatenaufstellung in Berlin ereignet hat. Wir hatten nicht die Absicht, die Mehrheit auf dem Bezirksparteitag auszunuzen. Aber bei Verhandlungen mit dem Parteivorstand wurde uns der Vorschlag gemacht, Barität zu üben, da sonst die Rechte uns rücksichtslos an die Wand drücken würde. Auf dem Bezirksparteitag fam es dann zu den bekannten Ereignissen, wobei selbst der Zwischenruf fiel, daß die Rechte es zum Bruch treiben würde. Und schließlich wurde die Wahl, die zustande fam, vom Parteivorstand kassiert, obwohl formell fein Einspruch gegen fie erhoben werden konnte. Ein neuer Bezirksparteitag schluckte dann den Vorschlag des Parteivorstandes en bloc. Legten zuerst die Genossen der Rechten nieder, so jetzt die der Linken. Zugunsten der Rechten ist eingegriffen worden, aber nicht zugunsten der Linken. Was zuerst für die Rechte recht war, durfte dann für die Linke nicht billig sein. Zuerst hat sich der Parteivorstand für die paritätische Lifte ins Zeug gelegt. Diesen Eifer haben wir anderwärts, wo es sich um die Linke handelte, vermißt. Wir verwahren uns auf dem Parteitag auf das entschiedenste gegen dieses Gebaren des Barteivorstandes. Die Bezirksparteitage haben allein, wenn feine for mellen Berstöße vorkommen, das Recht der Entscheidung. Im ersten Quartal dieses Jahres hat die Berliner Partei einen Verlust von rund 20 Broz. zu verzeichnen. Unsere heiligste Aufgabe muß es sein, die hier verlorengegangenen Genossen wieder heranzuholen. Dazu ist Boraussetzung, daß der Parteivorstand die Rechte der Mitgliedschaft respektiert.( Beifall.) Remmele- Karlsruhe: Auch in Baden ist die Stimmung der Genossen, insbesondere in den Industriegebieten, gegenüber der Politik der Reichstagsfraktion nicht immer zufriedenstellend gewesen. Die politischen Situationen haben aber tatsächlich so oft gewechselt, daß eine rechtzeitige Aufklärung nicht immer mögWas richtig oder falsch war, wird entschieden vom Erfolge oder Mißerfolge. lich war. Die Reichswehr haben wir oft zu frififieren gehabt; daß aber ein Staat ohne militärische Organisation und polizeilichen Schuh nicht bestehen kann, haben alle diejenigen erfahren, die in schwerer Zeit Verantwortung zu tragen hatten. Wir hätten die Reaktion in Bayern wahrscheinlich nicht, wenn es seinerzeit gelungen wäre, die Verfaffung gegen die Räteherrschaft zu verteidigen. leber die Frage, ob wir in die Regierung gehen oder nicht, entscheidet nicht unser Wille, sondern die politische Situation. Der Eintritt der Kommunisten in die Regierung war für sie nur Mittel zum Zweck für die Erreichung der Nätediktatur.( Beifall.) Mardwald- Frankfurt: Es war unsere Absicht seit Jahren, eine Situation zu schaffen, in der ein glänzender Sieg der Sozialdemo fratie möglich wäre. Dazu gehört, daß man nichts tut, was dem Proletariat schadet und nichts unterläßt, was dem Proletariat nützen fann. Als das erste Rabinett Stresemann gebildet wurde, schrieb der„ Parlamentsdienst": Dies Kabinett sei das Kabinett der Erfassung der Sachwerte. Die wenigen Blätter der sogenannten das eine Farce sei, daß gar nicht daran zu denken sei, eine Erfassung Opposition, die niemals eine Opposition gewesen ist, schrieben, daß der Sachwerte durch dieses Kabinett durchzuführen. Als der Belagerungszustand proflamiert wurde, erklärte der Barlamentsdienst", dieser militärische Ausnahmezustand richte sich gegen Bayern. Wir wußten aber, daß dieser Belagerungszustand sich nur gegen die Arbeiter richtet. Wir haben eine Resolution für die fünftige Politik vorgelegt. Die Fraktion hat seinerzeit gegen die Aufhebung des Belagerungszustandes gestimmt, obwohl mit den Kommunisten eine Mehrheit dafür vorhanden gewesen wäre.( Widerspruch.) Borsigender Dittmann: Ich bitte, den Redner nicht zu unterbrechen; er hat das Recht, auch falsche Behauptungen aufzustellen. ( Heiterfeit.) Mardwald( fortfahren): Erst wenn mit der Politik des Paftierens mit dem jezigen undemokratischen Staat Schluß gemacht wird, wird der Zeitpunkt kommen, wo die Sozialdemokratie den erfehnten glänzenden Sieg davontragen wird.( Bravo!) Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung, Genossinnen! der„ Neuen Welt", Neukölln, Hafenheide, Montag, den 16. Juni, abends 6 Uhr( Saaleröffnung 5 Uhr) in Abendfeier der Frauenwelt". Auserwählt gutes Programm. Künstlerische Leitung: Prof. Rosebery d'Argufo. MitSoliften: wirkende: Gesangsgemeinschaft Rosebery d'Arguto. Wanda Saile, Käte Lindenberg und Herr A. Meller. Rezitationen: Marie Borchardt, Mitglied der Schaubühne; Ansprachen ausländischer Genoffen, die anläßlich des Parteitages in Berlin anwefend find. Die zum Eintritt berechtigten Programme sind bei allen Kreisleiterinnen und im Frauensekretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Trp., Zimmer 1, für 25 Pf. zu haben. Alle Programme müffen abgesetzt werden. Etwaiger Ueberschuß zum Besten der Erholungsfürforge. Achtung, Genoffinnen! Sonnabend, den 14. Juni, abends 7 Uhr, gemütliches Beisammensein der Delegierten zum Frauentag im Festfaal des Abgeordnetenhauses. Gonntag, den 15. Juni, Teilnahme der Genoffinnen als Gäste ab 10 Uhr vormittags an den Berhandlungen der Reichsfrauenkonferenz im Plenarsaal des Landtages, Mitgliedsbuch legitimiert. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh: Freitag, den 13. Juni( heute), 8 Uhr, bei Burg, Brenzlauer Allee 189, wichtige Sigung. Jede Leiterin muß drei bis vier Helferinnen mitbringen. 7. Areis Charlottenburg. Connabend, den 14. Juni, von 5 bis 7 Uhr, im Arbeiterjugendheim Rosinenstr. 4, v. 1 Tr., Sprech- und Kassenstunden der Freien Schulgemeinde in allen Schulfragen. Ausgabe der Flugblätter für die Elternbeiratswahlen, Heute, Freitag, den 13. Juni: 68. Abt. Salenfee. 7½ Uhr Frauenabend bei Sandmann, Bestfälische Str. 42. Sehr wichtige Tagesordnung. 74. Abt. Behlendorf. Frauengruppe: Abends pünktlich 7½ Uhr im Reichensaal der Nordschule, Potsdamer Straße, Leseabend sowie Ausgabe der Eintrittsprogramme für die Abendfeier des Bildungsausschusses. Morgen, Sonnabend, den 14. Juni: 25. Abt. Pünktlich 7 Uhr bei Todleben, Allensteiner Str. 23, Sigung der Funk. tionäre und Elternbeiräte. Wichtige Tagesordnung. 43. Abt. 7 Uhr bei Reim, Urbanstr. 29, wichtige Funktionärigung. 107. Abt. Alt- Glienice. Die Mitgliederversammlung findet um 8 Uhr im Lokal Meier, Straße am Falkenberg, statt. Borher, 7% Uhr, Borstandssigung ebenda. Die Bezirksführer laden besonders ein. Bortrag des Genossen Hermann Lempert über Schwarz- Rot- Gold". * 85. Abt. Tempelhof. Arbeiterwohlfahrts- und Kinderschuhkommission: Das Komitee der Kinderferienspiele veranstaltet am Sonntag, den 15. Juni, im Wilhelmsgarten, Tempelhof( am Ringbahnhof), einen Kinderhilfstag zugunsten der Ferienspiele. Anfang 3 Uhr. Kinderreigen, Lieder zur Laute von Genoffin Strauß sowie humoristische Borträge. Die weitere Debatte wird um 6 Uhr abends auf Freitag, 9 Uhr, Jungfozialistische Bereinigung. Montag, den 16. Juni, 8 Uhr, im Jugendheim vertagt. Lindenstr. 3, Arbeitsgemeinschaft Dr. Engelhardt. Thema: Die religiöfen Strömungen der Gegenwart". Besonders billige Preise für Reise- und Sportkleidung gemusterte Homespunstoffe, in lebhaften 2900 an Herrenhosen in geschmackvollen Streifenmustern von M. 550 Lodenmäntel aus wetterfestem Strichloden Reiseanzüge, modernen Farben, flott verarbeitet, von M. Promenadenanzüge und Farben, elegant verarbeitet, M. in geschmackvollen Mustern 7400 Reiseulsters Donegalstoffen, in moderner Ausführung a imitiert Gabardine, 3150 4200 Reiseulster, Talenform, in schönen Streifenmustern, M. Herren- Gummimäntel, moderne Farben, von M. 16 an Damen- Gummimäntel M. 2250 Gabardinemäntel, vorme Farben, lesche Formen, von M. 62 Gabardineanzugr Straße und Sport, in vorr ehmen 95 an Farben, Ersatz für Maß, von M. 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