Abendausgabe Nr. 27541.Jahrgang Ausgabe B Nr. 138 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Udreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Freitag 13. Juni 1924 Berlag und Anzeigenabteilung. Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berlager: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands apc Die Politik der Partei. Aussprache und Abstimmung auf dem Parteitag. demokraten im Bölkerbund sehen. Wir bitten Parteitag und Reichstagsfraktion um verstärkte Unterstützung und auch die deutsche Parteipresse sollte bedenken, daß abgesprengte Landesteile wie das Saargebiet eine besondere Pflege nötig haben. Troß unserer speziellen politischen Lage verfolgen wir nach wie vor mit hohem Interesse die Politik der Partei. Die Debatte über den Vorstandsbericht| Wir müssen einen Republikaner, am besten einen Sozial wurde heute vormittag fortgefeßt. Waren gestern vorwiegend Die Redner zu Wort gekommen, die am Vergangenen Kritik iben und eine Umstellung der Parteipolitik fordern, jo tamen heute diejenigen an die Reihe, die die Politik der Partei im großen ganzen für richtig halten und die in den Ausführungen der Kritiker vergebens nach entscheidenden fruchtbaren Anregungen suchen. Besonders stürmischen Beifall fand Sollmann. mit feiner stark positiven Stellung zur Republik. Auch Löbe, vorsichtig abwägend, im einzelnen nicht ohne Stepsis, fommt fchließlich zum Schluß, daß bei den Kritikern fein Rat, wie es besser zu machen sei, zu holen ist. Bei seiner Abrechnung mit der Spezialität der Frankfurter Opposition vergißt er feine berühmte Liebenswürdigkeit und wird beinahe grausam. Aber die große Mehrheit des Parteitages ist ihm dafür nur dankbar. Es ist feine Stimmung für Marcwald. Eine Rede Robert Schmidts zur auswärtigen Bolitik vertieft die Debatte ins Sachliche. Dann wird ein Antrag auf Schluß der Debatte nicht ohne Unruhe mit Inapper Mehrheit angenommen. In seinem Schlußwort stellt Bels zur Berliner Kandidatenfrage noch einmal feft, daß es der Berliner Bezirksvorstand selbst war, der den Parteivorstand zum Eingreifen aufgefordert hatte. Genosse Müller ist genötigt, noch einmal auf die Koalitionsfrage einzugehen, was feine ergögliche Aufgabe ist, denn der Streit, der da entfesselt wurde, rührt im wesentlichen an Bergangenes. Gegenüber, den Frankfurter Angriffen läßt Müller der Persönlichkeit und den Verdiensten des Reichspräsidenten, des Genoffen Ebert, volle Gerechtigkeit widerfahren und erntet damit lebhafte Zustimmung. Nach den Schlußworten von Wels und Müller folgten persönliche Bemerkungen. Dabei wendet sich Crifpien gegen seine alten persönlichen Freunde und betont, die Oppofition werde mit ihren Methoden der persönlichen Angriffe und Verdächtigungen sich selbst um jedes Ansehen bringen, aber auch die Gesamtpartei schwer schädigen. Anlaß zu dieser Gewissenschärfung hatte Crispien vor allem in der Darstellung Liedtkes über den Berliner Randidatenkonflikt und in gewiffen Treibereien gegen den Parteivorstand gefunden, die sich anschließend an diesen Konflikt im Reiche bemerkbar machte. Sodann entspinnt sich eine Geschäftsordnungsdebatte über die Frage, ob der Antrag Müller zur Koalitionspolitik oder die oppofitionellen Anträge zuerst zur Abstimmung tommen sollen. Nach 1 Uhr beginnt die namentliche Abstimmung über den Antrag Müller, dessen Annahme mit großer Mehrheit nicht zweifelhaft ist. Während des Vormittags wurde auch bekannt, daß es in der Neunerkommission gelungen sei, eine Einigung in dem jächischen Parteilonflikt zu erzielen. Die Einzelheiten darüber wird die Kommission erst amNachmittag mitteilen lassen. Zweiter Verhandlungstag. Freitag, den 13. Juni 1924( Bormittagsfizung). Dittmann eröffnet die Sigung um 9,15 Uhr. Das Wort erhält zunächst der Vertreter des Saargebieis, Genossin Sender- Saarbrücken: Die Berhältniffe im Saargebiet gipfeln in der Abstimmung im Jahre 1935, wie es in dent unser Schicksal bestimmenden Versailer Bertrag festgelegt ist. Das Saargebiet ist nicht territorial, sondern nur verwaltungstechnisch von Deutschland abgetrennt und der Treuhänderschaft des Bölkerbundes unterstellt. Eine internationale Regierungstommiffion handhabt in seinem Namen die Berwaltung. Kein Zweifel darf darüber beftehen, daß 99% Proz. der Bevöld rung deutsch sind und deutsch bleiben wollen. ( Bravo!) Ess besteht aber das Bestreben Frankreichs bis zur heutigen Stunde, das Land in untreuer Weise zu verwalten, so daß wir uns mit allen Mitteln gegen eine Annerion stemmen müssen. Denn die Regierungstemmission ist franzo fiert; felbft in ihrem faarländischen Vertreter. Frankreich ist Besizer der Gruben mit ihren 70 000 Bergarbeitern und damit der mächtigste Arbeitgeber. Das Recht, für die Gruben französische Schulen zu errichten wird in Wirklichkeit zur Ver. drängung der deutschen Schule über den Friedensvertrag hinaus benut. wir im Saargebiet find nicht Oftupationsgebiet und habendaher keinen inspruch auf franzöfifches Militär. Bir hoben tein Parlament mit Beschlußrecht, sondern nur cinen Landesrat, der fein Recht hat. Parteigenossen aus dem Reiche und aus Frankreich, die mir eingeladen hatten, durften nicht sprechen. Eine Notverordnung, die mit Zuchthaus gegen die Bevölkerung vorgeht, zeigte endlich der Welt und dem Bölferbund, daß es eine Saarfrage gibt. Auch an dieser Stelle will ich dem Gen. Branting unferen herzlichen Dank fagen für die Unterstügung, die er uns im Bölferbund hat angedeihen lassen.( Bravo!) Auch die englischen Vertreter haben uns in unserer Abwehrtätigleit unterſtügt. Aber unhaltbar ist der Zustand, daß wir uns an die Bertreter von China, Uruguan n'm. menden müffen, daß aber fein deutscher Vertreter vor. banden ist, wenn es jis um deutsche Fragen im Böiterbund handelt. Wir nehmen an allem heißen Anteil und denken nach 11 Jahren wieder zu Deutschland und zur deutschen Partei zurückzuhren, und zwar in eine wohlausgebaute Republit. Wir sind ein unlösbarer Teil Deutschlands und der deutschen Sozialdemokratie. ( Bravo!) des Voltsentscheids war außenpolitisch nicht restlos aus balanziert. Sorgen Sie mit allen Kräften dafür, daß eine starke Hand an die schaftsbewegung nur eine Tattit gibt: immer dabei sein. Gurgel der deutschen Reaktion gelegt wird.( Lebh. Beifall.) Dann wird die große politfche Aussprache fortgesetzt. Sollmann- Köin: Die Behauptung Ströbels, daß ein Teil der deutschen Parteipresse während des Ruhrkampfes nahezu alldeutiche Politif getrieben habe, ist falsch. Wir haben ohne Ausnahme die pöltischen Methoden und die Haßpredigten gegen Frankreich befämpft. Den Ruhrkampf haben wir geführt im Klasseninteresse des gefühl, das Auguft Bebel froß seiner Todfeindschaft gegen europäischen Proletariats, allerdings auch in dem Vaterlands: die bürgerliche Gesellschaft immer wieder befundete. Freilich dem Gen. Ströbel ist auch die jüngste Reichstagsrede Breitscheids zu national. Wenn ich nicht fürchten müßte, den Gen. Breitscheid zu fompromittieren, würde ich sagen: gerade diese Rede war ganz ausgezeichnet.( Heiterfeit.) " Erinnern wir uns doch, daß der Ruhrkampf von der gesamten Internationale bis zum Ende gebilligt worden ist. Noch am 6. Oktober haben die pollfische und die gewerkschaftliche Internationale unfere Politik unterstüht. Wir brauchen uns des Ruhrunternehmens, joweit es von uns geführt wurde, nicht zu schämen. Ohne diesen Widerstand regierte auch heuh noch in Frankreich der Bloc national, Poincare und Millerand. ( Lebh. Zuftiminung.) Freilich hätte der paffire Widerstand eher zu Ende gebracht werden müssen; das war aber nur möglich durch den Sturz Cunos und die große Koalition.( Hermann Müller ruft: Das wollte die Fraktionsmehrheit!) Wir find in die Regierung gegangen, weil die deutsche Arbeiterklasse den Widerstand im Westen nicht mehr ertragen tonnte. Was wollte denn die Oppo= fition? Sie schlug uns auf ihrer Weimarer Sonderkonferenz 3usammengehen mit den Kommunist en vor. Heute fann man doch darüber nur noch lächeln. Das wäre der Untergang der Republit, des Reiches, der sofortige Berlust der Rheinlande, des Faschismus über dem Rumpf Deutschlands gewefen. Die Roalitionspolitik mit den Kommunisten in Sachsen mag die APD. geschädigt haben; aber sie war ein Unglück für unsere Reichspolitif. Gerade als politischer Gegner 3eigners aber möchte ich fagen: an diesem unglücklichen Politiker ist ein Justizverbrechen begangen worden und wird ein neues vorbereitet. Die Art, wie man an dem Wehrlosen Rache nimmt, ist un würdig, erbärmlich, ist bibisch, ist feige, muß Die Berachtung jedes anständigen Menschen herausfordern.( Shirm. Belall.) Unsere Freundin Toni Sender frag: nach Erfolgen der Koalitionspolitik. Sier sind fie: Abbruch des paffiven Widerstandes, faapp vor dem Chaos. Verhandlungen mit der Entente, auf die sich die jetzige Polifit des Sachverständig ngutachtens aufbaut. Erledigung des Separatismus, Fefthaiten an den Rheinlanden gegen die Berjadungspolitiker, Borbereifung der Rentenmart durch Hilferding, Einleitung der Sanierung der Reichsfinanzen, Berhinderung des Rechtsputidjes, Rettung der Republit, Wahrung der Einheit des Reiches. Das ist doch allerlei. Was wäre aus uns im Oftober v. J., als die bewaffnete Reaktion wenn statt des Koalitionsministers aufmarschierte, geworden, Severing ein deutschnationaler preußischer Minister des Innern gewesen wäre? Lebh. Zustimmung.) Reden wir nicht zu lange über unser Verhältnis zu diesem republikanisch- demokratischen Staat; denn fonit ist nicht mehr viel ven ihm da.( Zustimmung.) Gelbst Während wir theoretisieren, treiben die anderen Politif, nicht nur de Maffen, auch manche Führer wiffen Errungenschaften erft zu fehähen, wenn fie wieder zum Teufel find.( Stürm. 3uft.) Ich rufe die Jung sozialisten, die nicht Nurpolififer und Nurwirtschafter find, auf für die Masse der Partei den Anschluß an die groaßen allgemeinen Geistesstörungen unserer Zeit zu suchen und Die Partei zu verjüngen. Reine Kirche lebt allein von der Theologie, umb feine Bartei allein von der Wissenschaft. Selbst wenn es der Margismus wäre. Unsere Jugend muß einen neuen Idealismus und in Stüc neuer politischer Romantik schaffen. Die Bartei aber muß, mobei ihr denglische Arbeiterpartei Borbild sein tann, de Aufnahmeftellung werden für alle, die wirtschaftlich, politisch, kulturell, ethisch und, ich füge hinzu, auch religiös über die Barbarei des Rapitalismus hinaus wollen zu flassenlosen Gemeinschaftsformen. Die große Stunde der Sozialdemo fratie wird erst tommen, und diese Stunde wird uns nicht nur äußerlich mächtiger, fondern innerlich reifer, wissender, fähiger, einheitlicher finden afs ehedem.( Lebh. Beifall.) Heinig- Berlin: Von der Opposition hat uns bisher noch niemand gesagt, was denn nun eigentlich richtunggebend für morgen fein soll. Das ist doch das Entscheidende.( Sehr richtig!) In der Kritit dessen, was geschehen ist, sind auch viele Anhänger des rechien Flügels mit denen von links durchaus einer Meinung. Nach meiner Auffaffung ist Bolitik bewußte Herstellung des labilen Gleichgewichts der Kräfte und ich habe den Eindruck, daß in den jüngst vergangenen Wochen die Partei bei der Frage der Kabinettsbildung nicht immer auf der Linie des stärksten Widerstandes, der in ihr liegen tann, gewesen ist. Es hat manchmal so ausgefehen, als wenn die bürgerlichen Baricien einen Blanfolded von uns in der Tasche batten. Die Berantwortlich in Paricivorkan worden jedenfalls wissen, daß das nicht der Fall wor, aber auch ti Birtung nach außen hätte vielleicht vermieden werden fönnen. Auch die Frage Das Entscheidende ist aber: wir wollen doch nicht getötet werden durch Ideen, die vor dreißig Jahren einmal richtig gewesen sind. Die Entwicklung ist tein kreislauf, es gibt tein Zurück zu dem, was gewesen ist. Es gibt nur das eine, daß die, die nach uns fommen, für die das, was wir erkämpft haben, selbstverständlich ist, Neues auf dem Selbstverständlichen aufbauen. Wir wollen von denen getrieben werden, die morgen kommen, nicht von denen, die aus dem Vorgestern nie herauskommen.( Sehr gut!) Dißmann fagte: wir befämpfen, daß wir dabei sein müssen. Aber gerade er als Gewerkschafter weiß doch, daß es in der Gewerk( Sehr wahr!) Und auch Aufhäuser gegenüber muß ich sagen: darauf sind unsere Erfolge zurückzuführen, daß, wenn wir zehnmal die Treppe vom Unternehmer heruntergeworfen wurden, wir doch das elftemal wiedergekommen sind; denn das ist das Wesen des Klassenfampfes, daß man den Gegner niemals allein läßt. ( Bravo!) Diese Politik des Den- anderen- Alleinlassens machen wir aucy in Berlin mindestens zur Hälfte nicht mit. Zu den Berliner Bergängen, die erwähnt wurden, nur das eine: der Bezirksvorstand ist es gewesen, der den Parteivorstand gebeten hat, in Berlin einzugreifen. Die Genoffin Toni Sender hat gemeint, unsere Aufgabe müßte es sein, die Gegner dazu zu zwingen, gute Republikaner zu werden.( Widerspruch.) Das war der Sinn ihrer Ausführungen.. Jedenfalls können wir das nicht dadurch erreichen, daß wir uns nicht um die Republik fümmern. Genoffin Gender, es gibt auch in der Politit teine Vernunftsehe, und die Republik wird nur in dem Ausmaß gefund sein, wie mir fie lieben, wie wir bereit sind, für sie Opfer zu bringen. Sie ist nicht das Ziel, aber sie ist ein Stück weiter aus dem Gestern zum heute, uno die Aufgabe ist, alle Kräfte zu unterstützen, die aus dem Heute zum Morgen führen. Wenn dem Parteivorstand ein Vorwurf zu machen ist, dann der, daß die Sozialdemokratische Partei noch nicht den Einmüßte. Nach dieser Richtung pofitiv zu arbeiten, darauf fommt s fluß hat, den sie auch auf Grund der letzten Wahlen eigentlich haben an.( Bravo!) Ein Antrag Bernstein. Es ist ein Anirag Bernstein eingelaufen, der wünscht, daß der Parteivorstand die Aeußerungen der übrigen politischen Parteien über das Sachverständigen gutachten im Wahlkampf herausgibt, damit eine Kontrolle möglich ist, wie die Parteien sich vor und nach der Wahl dazu gestellt haben. 3 Dr. Kies- Jena: 1921 hat sich Gen. Müller überaus pessimistisch hinsichtlich der thüringshen Regierungsbildung geäußert. Dabei ist in Thüringen Jahre hindurch gemeinsam mit den Unabhängigen, später mit den Kommunisten bis Anfang 1923 eine Länderpolitik gemacht worden, die den Beireis erbracht hat, wie eine rein fozialistische Regierung in einem Lande zu regieren hat, und welche Möglichkeiten des Aufbaucs sich dabei ergeben.( Sehr gut!) Wir haben dabei auch festgestellt, daß wo Arbeiterpolitit in den Ländern getrieben werden kann, es nur die sozialdemokra tische sein fann. Auch die Kommunisten haben unsere Arbeiterpolitik mitmachen müssen. Mit dem Sturz Lipinskis in. Sachsen fing dann der Versuch der Kommunisten an, die jogen. reine Arbeiterregierung zu bilden, die mit dem 3 u fammenbruch der rein sozialistischen Regierung in Thüringen und mit der großen Koalition in Sachsen endete. Müller sagte, die sozialdemokratische Politik in Thüringen sei ein Trümmerhaufen. Ebenso aber tann positiv gesagt werden: da, wo die Sozialdema fratie soviel gefchafft hat wie in Thüringen, können auch in Zeiten der Reaktion nicht alle Spuren dieser klassenbewußten Arbeiterpolitik vertilgt werden. Was die Bourgeoisie nicht in Jahrzehnten pollbracht hat, ist uns in Thüringen innerhalb weniger Monate ge= lungen. Darauf sind wir ebenso stolz wie die große Partei darauf, daß sie die Republik geschaffen hat. Sollmann stimme ich darin zu, daß die Partei in jenen Monaten, als auch er verantwortlich gezeichnet hat, Rückschläge erlitten hat. Die Reichserefufive gegen Bayern hat sich gegen Sachsen und Thüringen und nicht nur gegen die Kommunisten, sondern auch gegen die Sozialdemokratie gerichtet. ( Lebh. Zuft.) Gen. Sollmann, dieser neue Romantiker, hai nur nebelhafte Borstellungen von fulturellen Ideen. Wir aber wollen auch für die große Politik flare Erkenntnis der gesellschaftlichen Kräfte. Wir brauchen das Marimum an Kraften faltung. aber, Sollman hat in jenen fritischen Tagen ein Maximum an Zurüc haltung gezeigt.( Zust. b. d. Minderh.) In Thüringen ist die a b folute Einheit der Partei durchgeführt, und das ist ein so ungeheurer Gewinn, daß auch der Parteivorsitzende Müller daran nicht vorbeigehen wird. Darin, daß wir den Parteigenossen restles unsere Macht zeigen konnten, ihnen zeigen fonnten, was wir aufzubauen vermögen, lag ein unwägbares Stim mungsmoment, das mir im Kampf nicht missen fönnen. Richt aus Der kontemplativen Anschauung heraus wie Sollmann, sondern aus dem Kampf heraus gewinnt der Sczialist die Seele. und diesen Ramps haben wir in Thüringen geführt. Bei afler Schärfe des Stempfes müssen wir es aber vermeiden. Antibolfchewiſten zu werden.( Bravo!) Wir heben nicht eine Antikommunisten politik, wir haben Arbeiterpolitit zu treiben. Dann werden wir am besten auch eine wirklich gegen die Kommunisten gerichtete Politik treiben.( Beifall.) Schulz- Königsberg: Die Wahlen vom 4. Mai maren nur der Auftakt für die Wahlen, die kommen werden. Wir müssen aus den erachten Geblern birnen. Ueberall, wo wir eine ftrupel lofe Oppofition hatten, ist die Organisation am meisten zurügegangen, fo in Frankfurt a. Mum 6000 Mitglieder gegenüber 1922. Am verheerendsten wirft bas Austragen der Gegenfäge dort, wo der Sozialismus noch| den.( Buruf.) Damit scheint mir die Absicht einer Infamierung Reuland ist, wie in Ostpreußen. Das Abfägen ganzer Führergarni turen ist auch früher nicht vorgekommen. Früher stand die Sozialdemokratie einig da gegen Staat und Wirtschaft, und wir haben, wenn wir den Inhalt des Topfes angriffen, nicht danad) gefragt, ob wir den Topf mit zerschlagen. Heute müssen wir bei der Kcitit im Auge behalten, daß die Republir unsere eigene Schöpfung iff.( Sehr gut!) 3ch halte es für radifaler, in eine Koalition mit Bürgerlichen zu gehen als draußen zubleiben. Ran an den Feind, muß die Parole fein.( Sehr richtig!) Sich pom Feinde loslösen und nur Agitation treiben, das ist pflaumenweich. Ich wundere mich, daß es noch Senoffen gibt, die mit einer Partei wie den Kommunisten zusammengehen wollen, die durch ihre Führer erklären läßt daß fie die Lüge als bewußtes Kampfmittel braucht. Dißmam möchte ich sagen: der größte Schaden der Arbeiterbewegung ist daraus entstanden, daß wir die alte Führerautorität der Borkriegszeit nicht mehr bejizen. Heute muß sich sogar Dißmann auf seinem Verbandstag dagegen wehren, daß man nicht genug Vertrauen zu der Führung hat. Die Geschichte geht ihren Gang, aber wir müssen dafür sorgen, daß dieser Gang beschleunigt wird.( Beifall.) Löbe: Ich bedauere, daß der sogen. Opposition vom Parteitag nicht gestattet worden ist, einen Korreferenten zu stellen, um ihre andere Tattif darzulegen, denn aus den Reden, die gestern von einer Reihe von Mitgliedern der sogen. Opposition gehalten wurden, habe ich doch start den Eindruck gehabt, daß wir sie verhindert haben, uns in flarer, tontrollierbarer Weise die Linie aufzuzeigen, von deren Befolgung fie eine erfolgreichere Politik der Partei erwarten. Außer= dem haben wir es nicht nötig, unserer Partei das Odium der Schwäche oder der Unduldsamkeit aufzuladen.( Sehr gut!) Ich kann mir die Ablehnung nur aus dem Gefühl erklären, daß man sich fagt: wir haben das hundertmal gehört, und es ist aus dieser Kritik nicht flar genug erkennbar, daß sie sich von der Sorge um die Bartei leiten läßt. Troy alledem billige ich den Beschluß des Parteitags nicht. Auch mich berührt es schmerzlich, daß in einer Bersammlung, in der ich gestern sprach, als einzige Literatur has Material gegen Auer verbreitet wurde( Hört, hört!), und ich bedauere, daß ich von Solingen bis Breslau verfolgt werde mit einer Behauptung von Loni Sender, die in einseitiger Weise in der Levi- Korrespondenz wiedergegeben worden ist und die die Tendenz der Reichstagsfraktion gegenüber dem Belagerungszustand nicht richtig wiedergibt, die es so erscheinen läßt, als ob sie aus Liebe zum Belagerungszustand ihre damalige Lattik eingeschlagen hat. All Diese Dinge erschweren natürlich eine ruhige fachliche Kritik. Go leicht wie es Mardwald feinen Gegnern gemacht hat, braucht es bie Opposition wirklich nicht zu tun.( Sehr richtig!) Er sollte doch nicht Bert darauf legen, ber Scholem der Sozialdemokratischen Barteitage zu sein.( Heiterfeit und Sehr gut!) 3u den scharfen Ausführungen Scheidemanns will ich nur sagen, daß ich ror der Ritterlichkeit, mit der er den Kampfgefährten verteidigt, den Sut abziehe, obgleich ich in der fachlichen Beurteilung dessen, was Mardwald tritifiert hat, seiner Meinung nahestehe. verbunden zu sein. Sun, auf mich übt das feinen Einfluß aus. Der Bebante diefer Resolution ist der alte Gedanke: wir verfündigen uns am Klassenlampf, wenn roir mit einem Teil der Bourgeoffie zeitweise zusammengehen, der alte Gedanke von der einheitlichen reaffionären Maffe, von dem Todfeind, der bürgerlichen Gesellschaft. Das hat aber die Alten, die diese Worte prägten, nicht abgehalten, im 3olltaristampf mit einem Teil der Bourgeoisie, mit dem Handelskapital und mit dem Kapital der Fertigindustrie zufammenzugehen gegen die Schwerindustrie und Agratier. Das hat sie auch in der Zeit des Erbschaftssteuer. tampfes nicht abgehalten, zeitweise ein Bündnis mit Teilen der Bourgeofie abzuschließen. Der Unterspied ist nur der: was da mals Episode war und deshalb leichter zu überwinden, wird jezt zu Perioden unseres Kampfes, und deshalb das Miß trauen und die Unzufriedenheit, die sich oft dagegen zeigt. Ist nun der Beg, den wir heute beschreiten, unvermeidlich, oder tönnen wir ein lautes und vernehmliches Kehrt fommandieren, wie Dißmann will? Ich glaube, daß wir das nicht fönnen. Es ist doch nicht von ungefähr, daß in allen europäischen Staaten, in denen die Sozialdemokratie bis dicht vor die Tore der Macht ge= langte, dies Koalitionsproblem in ähnlicher Weise gelöst wird wie bei uns.( Sehr wahr!) Wir atmen doch jetzt förmlich auf, daß die französischen Sozialisten imftande sind, durch die Koalition mit Bürgerlichen der größeren Reaktion ein Pareli zu bieten. Ob die Koalition fryptogam, ab fie versteckt wie bei Fehrenbach oder ein offenes Bündnis ist, ist eine Frage zweiten Ranges. Auch das, was wir in England und Dänemark sehen, ist Koalitionspolitik; nur daß dort unsere Genossen sich in der Notwendigkeit befinden, die Koalitionsbrüder bei den Bürgerlichen zu suchen. Also so einfach wie Dißmann meint, ist die Frage nicht zu lösen. Wir gehen ein zeitliches Bündnis doch niemals ein, weil wir den anderen Parteien damit einen Gefallen tun, sondern um das durchzusetzen, was wir selbst für wichtig halten. menden Rämpfe für ein Programm aufstellen? Löbe meinte, mir hätten einem Rorreferenten doch das Wort geben sollen. Aber dann wären wiederum viele einzelne Redner der Oppofition nicht zum Wort gekommen, und uns muß doch daray liegen, gerade die Deriiedensten Anschauungen hier zu hören. Ein Redner aus Thüringen meinte, wir müssen ein Maximum on Kraji entwickeln. Gemiß, eine sehr schöne Redensart; aber haben denn bt Bergarbeiter in ihrem Rampfe und haben nicht die Gemertfchaften im Rampf um den Achtstundentag ein Marimum an Kraft entwidelt, in einer Zeit, in der ihre ganze Attionstraft ungeheuer geschmächt mar? Aufhäuser meinte, uns fehlen weitgeſtedte Ziele. Aber haben mir nicht solche Ziele fortgefeht propagiert in der Frage ber Erfassung der Sachperte, in den Steuerfragen, ben Währungsfragen, auf jozialpolitischem Ge= biet, wo wir geradezu führend im Parlament gewesen sind? Mit allen Kräften müffen wir tätig fein, um auf der Grundlage bes Sachverständigengutachtens jetzt eine Löjung zu fuchen, die uns im Inneren und nach außen einen Schriff vorwärts bringt. Borsigender Dittmann: Nachdem 15 Rebner gesprochen haben, ist ein Antrag auf Schluß der Debatte eingegangen. Gen. Krüger- Berlin spricht für den Antrag, Gen. FleißnerDresden dagegen. Die Abstimmung ergibt 136 Stimmen für, 131 Stimmen gegen den Antrag. Edfiein- Breslau bezweifelt das Ergebnis der Abstimmung. Vors.Dittmann bittet, es bei dem Beschluß auf Schluß der Debatte zu belaffen, was geschieht. Das Schlußwort erhält darauf Wenn wir vor acht Tagen in die schier unglaubliche Situation gefemmen find, ein Kabinett Marg am Leben zu erhalten, das eben bei den Wahlen mit durch unsere Stöße entfernt werden sollte, so doch nicht den Herren Stresemann oder Marr zuliebe, sondern weil wir im Interesse des Proletariats das Sachver ständigengutachten in Deutschland zur Annahme bringen müssen. ( Sehr wahr!) Immerhin habe ich das Gefühl, daß in unseren ( Sehr wahr!) Immerhin habe ich das Gefühl, daß in unseren Kreisen unterschätzt wird, welch positive Kraft auch in der Opposition liegen kann, daß erst eine fraftvolle Opposition zu Opposition liegen kann, daß erst eine fraftvolle Opposition zu einer fraftvollen Stellung in der Koalition führt. Es ist doch nicht so, daß wir uns aus der Politis ausschalten, wenn wir uns aus der Koalition ausschalten. Das sind zwei sehr verschiedene Dinge. Wir werden, wenn wir zu ähnlichen Bündnissen genötigt sind, in Bulunst Gegeben, daß fie auch in der geeinten Partei von ihren Grundfäßen Zutunft immer abgrenzen müssen, was wir innerhalb dieser Koalition überhaupt nur erreichen können. Denn die Enttäuschung unserer Genossen rührt daher, weil sie von vornherein zu viel er wartet haben.( Sehr richtig!) Die englische Partei hat einen viel nüchterneren Weg eingeschlagen. Sie hat von vornherein zugegeben, daß sie nicht die Macht erobert hat, um ihr ganzes Programm durchzuführen, für das sie in den Kampf gezogen ist, und daß es deshalb darauf ankomme, mit dem Teil der Macht eine fleine Anzahl bestimmter Augenblidsfragen zu lösen. So fellfen auch wir, wenn wir zu einer Koalition gezwungen find, von vornherein den Genoffen fagen: Täuscht Euch nicht, wir bringen Euch nicht Frieden, Freiheit und Brot, sondern wir fönnen im Augenblid nur versuchen, Euch den Frieden zu bringen, um dann um die anderen Ziele den Kampf im eigenen Lande weiterzuführen.( Sehr gut!) Bir müffen uns ferner ernst die Parteigenossen felbst attiver in den politischen Kampf einführen fönnen.( Sehr gut!) Deshalb hauptsächlich habe ich es auf einem der Gebiete für notwendig gehalten, daß wir den großen Ruf zum Schuhe der Republit durch den einzelnen Mann in unserem Lande hinaus ertönen laffen sollen. Die heutige bürgerDie heutige bürger. liche Republik ist noch nicht das, was sie sein soll. Aber mir wollen, aus dieser Republit das machen, was fie sein soll, und deshalb fämpfen wir mit Rägein und Zähnen für diese Republit.( Lebhafter Beifall.) Aber unser Parteiförper follte soviel Autorität besihen, daß er die Minderheit nicht niederzustimmen braucht, sondern ihre Gründe hört und sich mit ihnen auseinandersent. Ströbel hat an Reichstagsreden im neuen Reichstag Kritik geübt, besonders an der meinen. Er meinte, wenn wir den Novembernerbrechen das Juli und Auguftverbrechen entgegengeschleudert hätten, so wäre das wirksamer gewesen. Darüber läßt sich streiten. Im übrigen bin ich in der angenehmen Lage, Ströbels Rede mehr Anerkennung zu zollen als er der meinen. Ich bin mit ihm der Meinung. daß wir inumer Anlaß haben, unsere eigenen Handlungen nach zuprüfen, weil wir weder unfehlbar find, noch selbstlich überlegen, wie wir über die parlamentarischen Rämpfe hinaus gerecht fein follen und weil tatsächlich die Resultate unseres Mühens, nicht fo find, daß die Genoffen im Lande einheitlich damit so zufrieden fein fönnten. Was die Roalitionsfrage anlangt, fo habe ich eben erst die Resolution Dißmann erhalten. Gegen das, was in der Resolution Müller enthalten ist, hat fein Redner der Dise fuffion. einen Sag Borbringen fönnen, sondern man hat nur gejagt: ben Gebantengang, den Ihr damit verbindet, perwerfen wir. Aber was uns in der Resolution Dißmann als Erfah geboten wird, ist doch sehr mager. In sechs Absätzen wird die bisherige Politik von Partei und Fraktion verurteilt, und nur der lezte Absah enthält einen Bufunftsblid, aber auch nur in der ganz allgemeinen Redewendung, daß wir uns in der Zukunftspolitik und agitation leiten laffen wollen von den Gedanken des unpersönlichen Klaffentampfes zwischen Bourgeoffie und. Proletariat von dem doch jeder, auf welchem Flügei der Partei er auch stehen mag, der Meinung ist, daß er diesetr Alaffentampf führt. Das ist also nicht bic präzise flare Entwurde, die Ruhr bejegung erfolgen müsse. Deshalb mußte die 1chließung, die man von der Opposition verlangen müßte. Darüber ist sogar noch namentlich e Abstimmung verlangt.wor Der Genosse. Bon E. Sturm. Der Barteitag war eröffnet. Die Klänge der Internatio. nale, die Begrüßungsworte der Auslandsgenossen noch im Ohr, freuze ich den flutenden Berkehr mit seinem unaufhalifamen Auto strom. Aus den Fenstern des chauvinistisch getauften Kaffeehauses, bas mit den dem deutfc; en Bolte teuren! Cadiner Kacheln aus Bilhelms des Danongelaufenen Gut Cabinen geschmückt ist, tönt laut der Radestymarich, Stechschrittenpo. Na ja, Stahlhelmjüng Tinge das Abzeichen offen neben Hafenfreuz und Schwarzweißrot Bändchen Flanieren davor auf und ab; Dirnen, lebenshungrige junge Menschenfinder beiderlei Geschlechts, untermischt mit altem Lebevoll, bilden ein nach Hunderten zählendes Publikum und schaffen dem fich mühlam hindurchwindenden das Gefühl eines menschlichen Ameisenhaufens, woher, wohin, wozu? Da hinten ein Menschentnäuel. Der berüchtigte. ,, Grüne Wagen" der Berliner, in dem die kleineren Berbrecher der Berachtung präsentiert werden, im Verbrecherjargon Flohequipage genannt, stand wartend auf seine mit dem Zug angekommenen Fahrgäste. Ich stellte mich dazu. Der Magenbegleiter, ein noch jugendlicher, hielt Retten in der Hand. Rob Schmidt: 2s nach dem Londoner Ultimatum das bürgerliche Rabinett zurüdtrat, fonnte es für uns gar teine andere Entscheidung geben als den Eintritt in ein Koalitionsministerium. Wir hätten sonst den deutschen Arbeitern ungeheuren Schaden zugefügt; denn damals waren sich England, Italien und Frank. reich darüber einig, daß, wenn das Ultimatum nicht erfüllt Partei alles einsetzen, um die Ruhrbesehung zu vermeiden. Ich frage wie ein Vorredner: Was will die Opposition eigentlich für die fom Der Hintermann stüßt ihn mit der Faust in den Rücken, er stolpert, die hohe Wagenstufe erklimmend. Borüber.--Was fümmern mich noch die anderen. Hell steht die jugendliche Gestalt des fleinen polnischen Bergarbeiters im Kellergewölbe der Brauerei vor mir, wo wir Flugblätter verteilten zum Januarstreit 1918. Dann die Versammlung, in der er mich Berräter nannte, weil ich nicht mit in die neue Spartatusgruppe ging. Am Abend des nächsten Tages fuchte er mich nochmals auf.... Und wenn er jetzt gewankt hatte bei dem trauten Wort Genosse, war es bligartig in Erinnerung daran, was ich ihm damals gesagt hatte. Daß wir alle, mehr oder weniger, Berbrecher find an dem Saz:„ Liebe die Gemeinschaft mehr als dich", und dieser Satz und seine seelische Geltung Grundbedingung für eine gewaltsame Diftatur im radikalen Sinne zu sein hat. Leiden schaftlich hat er sich damais gestoßen an dem Wort Verbrecher. Erst dadurch 30g ich den Kreis größer und nahm die Bergehen gegen das zog Eigentum mit auf, die mentale Einstellung des fapitalistisch ver gifteten Gigentumbegriffes auf die hohe Berantwortung im jogia. liftischen Gemeinwesen und seines Eigentumschutzes übertragend. Auf eine direkte Frage antwortete ich: Jawohl, das glaube ich! Unter den sich am radikalsten Gebärdenden sind zahlreiche moralisch schwache Naturen, mehr oder weniger verbrecherische." Dicht vor mir ballte er die Fäuste:„ D du-!", fpie aus und ging. Ich hörte nichts mehr von ihm. Heute, unter dem Schein In den Memoiren des franzöfifchen Verber Begenlampe, habe ich ihn nun wiedergesehen. Maryan, dem alles Der Begenlampe, habe ich ihn nun wiedergesehen. Maryan, dem alles brechers und späteren Lodfpizels unter Napoleon III., Vidal, las ich so einfach schien, und der nicht verstand, daß wir den Inhalt der so einfach schien, und der nicht verstand, daß wir den Inhalt der einimal, die Retten hätten meist in den Bagnos die Handgelenke Billen nicht an die Armen verteilen wollten; der es uns holen bis auf die Knochen durchgefcheuert, und wenn mancher die Wahl gehabt hätte, ob er vor dem Anschmieden lieber gehängt sein wolle, wolite, das Geld, die Schmucksachen. Rosa Luxemburgs Worte, die die spießige verlogene Reaktion als Nefrolog durch ihren Blätter. so hätte er gern dem Leben vorher Balet gesagt. Diese Ketten, die wald zog nach ihrer Ermordung:„ O, ihr meine fleinen Stichlinge, der Schupobeamte bereit hielt, brauchten nicht von Fleisch und Anochen geglättet werden, waren vernidelt und poliert, hatten pneu brecher, die man fängt, während die großen fie mühelos zerbeißen," die ihr in den Maschen ihrer Reze hängen bleibt, ihr, meine Berfielen mir bei. matische Schlösser. Bewegung, drei Schupotäppis zeigten sich; ihre Träger gaben Bericht dem Wagenführer.. Die Hälse redten fich. Undeutlich sah man Zivilgestalten hinter Beamten. Aften wurden durchblättert. Einige Bemerkungen getauscht. Eure Geschichte, eure Geschichte, eurer Kinderstube Geschichte!! Wer wird Berbrecher? Ihr, be stimmt? Oder fönntet ihr alle eine einzige Person auf die Anklagebant fenden für euch, die Gesellschaft...?! Und nach dem Spiel: verwechselt, verwechselt das Bäumelein, machtet ihr die Anfläger...? Die Glastür wurde aufgeriffen. Den Zug eröffnet ein Riese. Brutalität war mit offensichtlicher Gutmütigkeit auf dem nicht unfmpathischen Gesicht bemerkbar. Ein mit dürres Männlein war der Zweite der Sieben. Bielleicht gefangen, mitgehangen, fam er bazu. Der Dritte, falfweiß im Ge Ich erschrat: ficht; Sajam fraß ihm das Blut fort. unmög dog. Maryan, der fleine Pole. Leise flüstere ich: Benoffe" Er stugt, das Fahl wird grünlich; er wantt.... lich 27 Einsehen, Gigli hatte feinen großen Tag, und so wurde das erste Das Frühlingsjeft der Deutschen Presse. Der Himmel hatte ein Fest, das der Reichsverband der Deutschen Preise für seine Wohlfahrtstassen veranstaltete, ein voller Erfolg. In der Fastvorstellung, die die Staatsoper bei Kroll aufführte, fang Gigli den Lyonel in der Martha". Es war eine Prachtleiftung des bel canto, in ber sich sein lyrischer Tenor in allen Feinheiten und Extravaganzen bis zum hohen C mühelos erging. Gigli wurde an diesem Abend zum offiziellen Liebling der Berliner er. toren, er bezauberte mit feiner Stimme und mit seinem Gefühl, die beide in dieser Rolle ihr volles Genüge finden, das Bublitum. Er wurde mit Beifall überschüttet und mit einem etagenhohen Kranz mit einer italienischen Tricolore geehrt. Eine vollwertige Partnerin hatte der liebenswürdige Sänger in einem anderen Gast: Hedwig Debica. Sie eine höchst anmutige und im Ziergesang meisterliche Martha gab. Offo Wels: Der Vorwurf der Opposition, daß sie nicht zu Bert gekommen ist, muß zurückgewiesen werden, weil für ihren Antrag auf ein Korreferat andere Gründe maßgebend gewefen sind als die, die liner in einer den Barteivorstand herabsetzenden Weise vorgebracht hat. Gegen die dreitägige Tagung szeit des Barreitages ist con feiner Seite Einspruch erhoben worden. Die Unabhängige Partei war längst dazu übergegangen, von Parteitagen mit einer Dauer von einer Woche abzusehen. Der Parteitag hal em Korreferat abgelehnt aus dem Gefühl, daß der Einheit der Partei und der Klärung der Gebanten nicht badurch gedient wird, daß aller Welt das Schauspiel geboten wird, daß Refe renben und Korreferenten dokumentieren, als ob die Einigkeit nur ein Schemen sei, daß aber nach wie vor zwei Richtungen bestehen. Auf dem Parteitag der Unabhängigen Sozialdemo tratie in Gera hat die Minderheit eine Erflärung ab. nicht um ein Jota abweichen würde, vor allem in den Fragen, die heute noch zur Distuffion stehen. Sie erflärten damit von vornherein, daß sie unbelehrbar sind und nicht nachgeben. Für dic Gesamtpartei hat aber diese persönliche Reservierung feine Geltung, denn sie ist ein Verstoß gegen Sinn und Geist des Beschlusses Don Gera. Der Parteivorstand hat in den eineinhalb Jahren seit der Einigung an Beschimpfungen aus der eigenen Partei mehr erfahren als aus dem Lager der Kommunisten. In dem unausgesetzten Schaffen von Reibungsflächen sehen wir nur die Uebernahme der Parolen der Kommunisten, gegen die fozialdemokratische Parteileitung vorzugehen.( Widerspruch.) Die Beseitigung des Barteivorstandes wurde gefordert wegen seines würdelosen Hinterherlaufens hinter den bürgerlichen Barteien". Unausgefegt arbeitet die Opposition weiter mit Drohungen gegen den Barteivorstand. Die organisierte Opposition fönnen mir sogar dokumentarisch nachweisen. Diese Liebe zur Bartei erinnert mich an das Berliner Wort: Lieb mir oder ich zrhad dir die Kommode!( Heiterfeit.) Der Parteivorstand lehnt es av, den Richtungsftreit als zur Partei gehörig und die Opposition als gleichberechtigte Körperschaft anzuerkennen. ( Schluß in der Morgenausgabe.) Stockungen an der Börse. Die Nachricht, daß die Berliner Großbanten gestern in gemein. famen Besprechungen gewisse Maßnahmen ermogen haben, um ein weiteres Umfichgreifen der Geld- und Börsentrise zu verhindern, gibt naturgemäß dem Effektenverkehr eine wesentliche Stüze. Mant gibt sich jedoch feinen übertriebenen Hoffnungen hinsichtlich der Interventionstätigkeit der Banten hin. Die Meinung der Börje geht dahin, daß die Banken nur dann eingreifen werden, wenn auf einzelnen Märften stärkere Rurseinbrüche erfolgen. Während der Opernaufführung, die sich allzu lange hinzog, hatte bereits das Gartenfest begonnen. Der Bosladsche Bläferbund unterhielt zunächst die Gäste. Nach Schluß der Oper führte das Ballett ber Staatsoper unter Mar Therpis Leitung im entzückenden Rahmen der Freibühne, in die fich das Grün der Bäume schnriegt, Mozarts Schäferspiel auf. Runft und Natur ergaben den holdeften Einklang. Eine Tanzschau des Reichsverbandes für Tanzsport bildete den Beschluß mit ter Borführung neuester Tänze. Die neue Prinzeffin. Das Intereffe an Prinzessinnen ist nicht nur in Deutschland erheblich im Kurs gesunken. Früher waren fie für den lonalen Bürger fleine Göttinnen, von deren Liebenswürdigkeit und Schönheit wahre Wunder erzählt wurden. Für die Töchter befferer Streife gaben sie das Modell in allen Lebenslagen ab( nur nicht in den schiefen). Das ist nun anders geworden, aber der Durchschnittsbürger fann fein Bedürfnis, bewundernd aufzu bliden, nicht so bald aufgeben. Und so muß für Ersatz gesorgt werden. In England ist man dabei auf die Tochter Macdonalds verfallen. Man höre( und staune), was ein Blatt wie die„ Morning Bost", die sehr gut bürgerlich und monarchistisch ist, darüber berichtet: Es wird viel bemerkt, daß noch niemals ein britischer Premierminister so häufig Einladungen nach dem Buckingham- Balaft erhalten hat wie Macdonald, der sozialistische Premierminister, und seine Familie. Und es fällt besonders auf, daß er und die Seinen wieberholt zum Familienfrühstück zugezogen werden. Die Sympathie, die der Hof ihm so auffällig bezeugt, verdantt Macdonald aber nicht allein seinem Berdienst als politischer Führer, sondern vor allem den gewinnenden Eigenschaften seiner ältesten Tochter. Die zwanzigjährige junge Dame vertrift nicht nur ausgesprochenermaßen den Typus Ser englischen Schönheit; sie besitzt auch eine Anmut und eine geistige Lebhaftigkeit, die ihr die Herzen im Sturm gewinnen. Rönigin Mary zählt sie deshalb zu ihren Intimen und pflegt von ihr zu fagen:„ Das junge Mädchen hat mich durch ihre Grazie erobert." engsten Kreis stundenlang zu unterhalten. Die Rönigin beruft fie alle Augenblide zu sich, um fich mit ihr im Es ist nur gut, daß wir in Deutschland aus der Zeit heraus find, da wir uns über Hofgängerei den Kopf zerbrachen, Sonst müße Fräulein Macdonald der Umgang mit Königs verboten werden. Staatliche Kunstbibliothet in Berlin. Nachdem die Sammlung des bis. herigen Runitgewerbe- Museums als Schloßmuseum im Schloß aufgestellt und die Unterrichtsanftalt nach Charlottenburg übergeführt worden ist, wird die Bibliothet in ihren jezigen Räumen, Bring- Albrecht Straße 7a, verbleibent und fortan den Namen führen: Staatliche Kunstbibliothet, vormals Biblio= thef des Stunitgewerbemuseums. Sie wird in ermeltertem Umfange neben dem Runitgewerbe auch die Literatur der freien Künite und die einschlägigen Anschauungsmittel pflegen. Der 3elejaal ist wohentäglich von 9 Uhr früh bis 9 Uhr abends geöffnet. Dr. Rudolf Kayfer, der Redakteur ber Reuen Rundschau", ist als Dramaturg für bie Boltsbühne verpflichtet worden. Der Männerchor Heidenröslein( Mitglied des D.- 5.- 8.) gibt am Sonntag, den 15. Juni, vorm. von 11 Uhr an, unter Mitwirtung jenes Jugendchors", ein öffentliches Plaglongert in Siemensstadt zum Besten der Erholungsfürsorge. Die ltoßmann Zäifchung. Aus dem Zettelkasten der To!chstos;erftnder. Genosse Konrad Haenisch hat dieser Tage im„Vorwärts" auf eine der neuesten und offenkundigst enFäls6)un- gen hingewiesen, die in dem zweiten D o l ch st o ß h c f t der „Süddeutschen Monatshefte" des Herrn Coßmann veröffont- licht wurden. Dieser Zettelkasten für alle Dolchswßhetzer wimmelt nur so von direkten Entstellungen und Fälschungen. Im neuesten Heft der„Glocke" macht jetzt Genosse K u t r n e r auf ein weiteres F älsch e r k u nstst ü ck aufmerksam, das dem Coßmann nicht zu schmierig war. In Heft 8 der„Süd- deutschen Monatshefte" führt Coßmann auf Seite 93 in einer Sammlung angeblich sozialdemokratischer Selbstbezichtigungsn auch folgende an: „Ter sozialdemokratische Gewerkschaftssekre. tär Eampich sagte in einer öffentlichen Versammlung der Deutsch- nationalen Volkspartei in Steinau a. d. Oder vor den Prcußenwohlen 1921:„Ich gebe zu, dag die Front von hinten erdolcht worden ist." („Kreuzzsitung" Nr. 230, 1921.) Dieser Satz, wenn er wirklich so in der„Kreuzzeitung" gestanden hat, steht mit der ollgemein bekannten Wahrheit dermaßen im Widerspruch, daß kein sozialdemokratischer Ge- werkschaftssekretär ihn hat aussprechen können. Genosse G a in p i g, Gewerkschaftsangestellter in Liegnitz, gibt nun in einem von Kuttner veröffentlichten Briefe eine schriftliche Darstellung des wahren Sachverhalts: „In der fraglichen D.'rsammlung in Steinau a. d. Oder sprach ein deutschnationaler Redner in bekannter Manier. Nach ihm sprach der von Breslau gesandte Genosse, Lehrer Kausmann, noch diesem sprach ich wohl gegen 10 Minuten. Auf die Aeugerung des Redners, daß die Front von hinten erdolcht worden sei, habe ich fast wörtlich gesagt:„Gut, geben wir einmal zu. daß die Front von hinten erdolcht worden ist; aber den Vorwurf brauchen wir uns. die wir an der Front waren, nicht zu machen, denn wir lagen ja vorn im Dreck. Denn die Front erdolcht worden ist, so machen wir denen es zuerst zum Vorwurf, die anSiclle der Achsel- klappen Achselstücke trugen. Die Schweinereien in der Etappe, die Pakete mit den Burschen und die Kasinos, wo sogar das Klavier nicht fehlte, der tägliche Braten usw., das waren die 2lnsange der Er- dolchung, der gewöhnliche Soldat hat seine Pflicht getan, wie auch eine Anzahl Offiziere, die ich kennengelernt habe." Der Zusammenhang ergibt also, baß der sozioldemo- krarische Redner genau das Gegenteil gesagt hat, wie das gefälschte Zitat im Dolchstoßzettelkasten ihn sagen läßt. Seine hypothetische Voraussetzung„wenn wir einmal zugeben" wird als eine positive Behauptung hingestellt und die wirklichen Ausführungen über diejenigen, die durch ihr Betragen in der Etappe die Stimmung des Heeres zermürbt haben, fallen vollkommen unter den Tisch! Nach demselben Muster ist das Haenisch-Zitat gc- fälscht, auf die gleiche Art der von allen Ludendörffern im Lande mißbrauchte Satz aus dem„Vorwärts" direkt aus dem Zusammenhang gerissen. Diese Art. Zitate zu be- nutzen, ohne sie im vollen Wortlaut zu geben, sie durch Kürzung in ihr Gegenteil zu verdrehen, nennt man im gewöhnlichen Leben glatt und klar: Fälschung! Da Herr Coßmann Wert daraus legt, geschichtliche Forstfiungs- Methoden zu beherrschen, so trifft ihn der Vorölirf d er Fälschung mitdoppelte- Schwere, Sich das vor Gericht attestieren zu lassen,.wjpd er sich allerdings hüten. Die Sunüesgenoffen. Tie„Teutsche Zeitung" gegen die französische Demokratie. Es gibt nichts Internationaleres als den Nationalis- mus— dies Wort des Genossen Breitscheid findet täglich seine Bestätigung in den Bctrachtunzcn der deutschnotionalen Presse über den Sieg der Demokratie in Frankreich. Arm in Arm mit M i l l e r a n d, M a r s a l und P o i n c a r 6 fordert die „Deutsche Zeitung" täglich dos demokratische Jahrhundert in die Schranken. Marsal hat den lächerlichen Versuch ge- macht, H e r r i o t als den Geschobenen der Kommunisten hin- zustellen— ein Schwindel, der deutsdzen Antisemiten würdig wäre. Die„Deutsche Zeitung" sekundiert: „Die groß« Hoffnung Moskaus ist der neu« stan- zösische Ministerpräsident H e r r i o t. Seit seinem. Rußland 1922 abgestnttctcn Beiuch rechnen die Moskau«? jüdischen Macht- Haber d«n Rassegenossen H e r r i o t zu ihren trenesten u'd besten Tun de sgen offen. Sie sind jetzt fest davon über- zeugt, daß Herriot alle noch vorhandenen Unstimmigkeiten und Zwist'gkeitcn zwischen Frankreich und Rußland in kürzester Zeit beheben wird, da er eine lebhaft« Zuneigung zür Moskauer Räterepublik empfände." Die„Deutsche Zeitung" als freiwilliges Organ M a r f a l s— das zeig: den Internationalismus de? Chau- vmismus und des Antisemitismus deutlicher denn alles rndere. Mit denselben verlogenen und schamlosen Methoden, üt denen die deutsche Rechtspresse bisher die deutsche Demo- rotte bekämpft hat. zieht sie nun gegen die französische Dcmo- raffe zu Felde. Sie schlägt damit den dcuffchen nationalen "nteressen ins Gesicht. Aber die Partei stand den Deutsch- nationalen immer höher als das Vaterland. Die Mobilisierung des kommunistischen Gespenstes gegen die französische Demokratie ist obendrein so einfältig wie mög- lich. Die Mcchode des Bolschewismus hat keinen größeren Feind als die europäische Demokratie. Der Bolschewismus hat Lebenskraft nur solange, als Monarchismus und Chan- vinismus und Reaktion in Europa noch lebendig find. Der Fortschritt der Demokratie ist der Tod des Bolschewismus— die Bundesgenossen Marsal und„D c u t s 6) e Zeitung" werden ihn wieder lebendig machen. Verhanölungen im Eisenbahnerkonflikt. Die Spitzenverbände in Gemeinschaft mit den Vertretern ber Eisenbahnerverbäi'chc sind mit der Reichsregierung in Verbindung getreten. Da das Kabinett infolge wichtiger Besprechungen innerhalb der Reimsreaierung heute verhindert ist. die Sitzung stattfinden zu lassen, sind die Organisationen und Reich�regierung übereingekommen, daß morgen im Laufe des Vormittags die Besprechungen zwischen Reichsregierung und Organifetionsvertrctern stattsinden sollen. (Siehe auch vierte Seite dieses Blattes.) Die Lewährungssrifl bei 13 Nationalsozialisten bcfläKgt. Zu d>r Aushebung der Bewährunassrist qczcn eine Anzahl National. soziallsten w-rd jetzt initgeteilt/daß in 13 Füllen das Oberste L an d c sg e r i ch r die Bcichwerde des Staatsanwaitz ab- gewiesen und die Bowäbrunzzsrisl bestiitiZt hat, Die„konigilchen� Republikaner. Auch eine Reichstagsstatistik. Blättert man im MügliÄierverzeichnis des Reichstags, so stößt man auf vier erlaucht« Mitglieder, die Wart darauf legen, daran zu erinnern, daß sie in königlick�n und kaiserlichen Diensten gestandm haben. Von den Deutfchnationalsn sind es der unoer- meidlich: Graf v. Westarp, Kuno, Kgl. Pmiß. Obervarwoltmigs- gericht-rat c. D. und der Kaiserl. Geheim« Regierungsrat z. D. Hans Sachs aus Crailshsim, der seinem Namansoettar und Poeten dazu nicht gerade Ehre macht. Zu ihnen gesellt sich der Vor» kämpf« für die deutschoolkische Diktatur August Fleck als ver- abschiedet« Kgl. Hauptmann. Man sieht, die„Königlichen" und„Kaiserlichen", die sich offen als solche bekennen, sind recht spärlich gesät. Ihre Brüder im Geiste ziehen es vor, die Titel und Ehrenzeichen in der Gerumpel- kämm« sanft ruhen zu lassen. Ewig« Friede sei mit ihnen! Aber in dem Kleeblatt der Westarp, Sachs und Fleck fehlt ein Blatt. Der Näme des Vierten im Bunds ist nicht ganz ein fall) zu erraten. Er gehört nämlich weder zu den Deuffchnotionalen noch zu den Deuffchvölkischen, sondern ist— Mitglied der Deutschen Volkspartei! Rudolf Heinzs, als Eintagsstatt- Halter Sachsens und Gründer eines deuffchvölkischen Klubs in all«. bester, Erinnerung, heißt der Mann. Diesem würdigen Herrn, der eine Zeit lang als Iusffzminist« der deutschen Republik zeichnete, scheint es ähnlich zu gehen wie Herrn Kohr, der sich beim Puffch- prczeß an nichts erinnerte als an sein« Statthalterschaft für den König. Bescheiden läßt er sich im Mirglicdcr Verzeichnis als Dr. Heinz«, Rudolf, Kgl. Sächsischer Staatssw inister a. D. fuhren! Bei Gott und der deuffchen Republik ist offenbar kein Ding un- möglich. �Deutjchex" Tag in Weimar. Der(Vcist von Potsdam siegt. Vom 21. bis 25. Juni findet in Weimer eine Londwirffchaft- liehe Ausstellung statt, verbunden mit einer Tierschau. Mehr als 2000 Stück Rindvieh sind angemeldet. Als Ausstellungsgelände haben sich die Agrarier den von Goethe und Karl August angelegten Park ausgesucht. Die zu diesem Zweck bereits errichteten Holzbauten dehnen sich bis vor Goethes Garten- haus aus. Da hilft kein Protest mehr. Es wäre auch schade, wenn die Ausstellung verlegt werden müßte. Gerade an der historischen Stätte der deuffchen Klassik wirkt sie als Symbol des Dsuischland von heute. Teste des herzoglichen Schlosses werden in eine Kaserne umgewandelt, Goethes Park muß als Viehwies« herhalten, und neben Goethes Haus bieten die Agrarier ihren Kohl fest. Der Geist von Potsdam, wie er in manchen Gehirnen hcrumspukt, hat über den Geist von Weimar gesiegt. Oder sollte man im Sprachgebrauch des neuen Thüringen unter der Tierschau der 2000 preisgekrönten Rindviehcher«in« Heerschau jener Wähler verstehen, die dem neuen Thüringen in den Sattel ge- hoffen haben, Und sollte man das ganze als„Deutschen" Tag in Weimar gedacht haben? Jede Zeit schafft sich die Symbol«, die sie verdient. Der Wirrwarr bei üer präflöentenwahl. Doch kein Verzicht Doumergues. Barls. 13 Juni.(TU.) Die Auffassungen, über die heutige Präsidentenwahl sind in den politischen Kreisen sehr verschieden. Allgemein betrachtet die Linkspresse die Kandidatur Pain- leoes als sehr gefährdet. Da Painlev« gestern im Kon- groß nur 306 Stimmen erhalten hat, haben die Linksparteien bis nach Mitternacht getagt, um die Kandidatur Painleves zu retten, weil sie bei einer Richtwahl Painleoes dessen Präsidenffchaft in der Kammer als kompromittiert betrachten. In der Tat verlautet, daß Painleoe, wenn er heute nicht gewählt wird, daran denkt, als Präfi- dent der Kammer abzudanken. Das bedeutet für die Linksparteien «ine doppelte Niederlage. Die Besprechungen, die vom Komitee aller Lintsgruppcn gestern nacht geführt worden sind, haben aber keine Klärung in die Situation gebracht. Alles scheiterte an dem W i d e r st a n d e Doumergues, der weder als Konbidar zurückstehen, noch sich als offizieller Kandidat der Linksparteien er- klären lassen wollte. Doumergue rechnet, mit den Stimmen der Rechtsparteien gewählt zu werden. Di« Linksparteien werden in Anbetracht dieser Lag« heu�e um 1 Uhr in Versailles eine.» Kongreß abholten. Es besteht die Ansicht, daß Doumergue die offiziell« Kän- didotur der Linksparteien annimmt. In politischen Kreisen erklart man. daß der Ratgeber Doumergues P o i n c a r ö gewesen s«i, welcher den Posten als Senatspräsident, welch« durch die Wohl Doumergues frei werde, anzunehmen gedenkt. Unter diesen Um» ständen wird die heutige Wahl sehr bewegt fein. Dia Morgenprefle stimmt in der Meinung Lberein, daß Doumergue die größte Lusficht hat. wenn nicht mit absoluter Mehrheit, so doch im?. oder 3. Wahl» gang gewählt zu worden. Bari?, 1?. Iimi. MTB.) Di« sozialistische Ka«m«r. fraktion laßt mitteilen, daß sie unter keinen Umstanden fll? Ssnatspräsidenten Doumergue als Präsidenten der Republik stimmen werde Dagegen hat die Senatsgrupp« der republikanischen Union, Gruppe Poincare, einen Schritt bei Doumergue unternommen, um ihn zu ersuchen, er möge seine Kandidatur für die Präsidentschafi der Republik oufftellen. Die Parteien, die zum Kartell der Linken gehören, haben be- schlössen, die Kandidatur Painleoe aufrechtzuerhalten. Paiuleve gegen Domncrgue. Paris, 13. Juni.(WTB) Um 10 Uhr abends wurde an die Presse folgendes Kommunique ausgegeben: Di« Korfitzenden der Linksgruppen der Kammer und des Senats haben beschlossen, um 1 Uhr 30 Minuten im Kongreßsoal in Bersoillss eine Vollverfomm- lung abzuhalten. Diesen Beschluß deutet das führend« Blatt des Linksblocks, dos„Oeuvre, wie folgt: In Versailles werde heute der Kampf in Gang kommen, da olle Anstrengungen,»in««mheitlich« republikanische Kandidatur zu verwirklichen, gescheitert seien. Pain» Uni, der von der Bolloersammlung der Linksstaktionen aufgestellt sei, werde Doumergue gegenüberstehen. Ein Manöver des nationale« Blocks. Paris, 13. Juni. MTB.)„Er« Rouvelle" spricht npn einem Manöver dos nationalen Blocks und veröffentlicht dar. über folgend« Aeußerung: Wir können auf Grund von Mitteilungen von zuverlässige? Seit« feststellen, daß in der demokratischen Linken der Kommer die Abgeordneten Reib«! und Flandin offen für die Kandidatur Doumergue eingetreten sind und ihre Freunde gebeten haben, sämtlich für Doumergue zu sttmmen. Doumergue sei der gleichen Ansicht, gebe ober das Zeichen zu schweigen. Die Gruppe solle ihre Karten erst im Augenblick der Abstimmung aufdecken. Ist es logisch, so fragt das Blatt, daß die Gegner Millerands stch dem ehemaligen Ministerpräsidenten von 1915 anschlössen, der die Ber- Handlungen Prnneares und Delcassäs mit Rußland zum Abschluß bracht«, dem Senotspräfidenten, der die Ruhrpolitik billigt« und der unmittelbar vor den Wahlen sich beeilt«, zu den Einladungen der„Union der wirtschaftlichen Interessen" zu erscheinen? Müsse man überdies noch daran erinnern, daß Millerand, eh« er sich zum Rücktri'.t entschloß, mehrere Unterredungen mit Doumergue hatte, über die die große Press««in Befremden erregendes Still» schweigen bewahrte? Plante Millerand schon damals die Re- vanche de» nationalen Blocks? Die Verschleppung Matteottis. Ein politisches Verbrechen. Rom. 13. Zun:.(EP.) Auf Antrag Mussolinis find alle pol'zeikrüste Rom, aufgeboten worden, um die Entführung Mallcotffs aufzuklären. Der Generaldirektor d« Polizei. General de Bona, hatte eine lebhafte Auseinandersetzung mit dem römischen polizcidirefkor und übernahm dann selbst die Leitung der Unter. juchvng. E, stellte sich heraus, daß mehrere perfone» am Dienstag nachmlUnz mit angesehen haben, wie Makteoktl gewaltsam in ein Automobil geschafft und entführt wurde. Der „Eorriere d'Ztalia" hält sich dorübor auf, daß diese Leute fetzt erst Anzeige machen und in Rom eine solche Entführung vorkommen kannte. Zm Parlament hat man nur noch geringe Hoffnung, daß Matleoiti noch lebend zum porfchÄn kommen wird. Die' Oppofllionskreise find überzeugt, daß dem Entführten ein tragische» Schicksal bcschjeden ist. Da» Automobil, mit dem die Entführung ausgeführt wurde, konnte in einer großen römischen Hokelgaroge ermittelt werden. Es war unter dem Namen einer bekannten Persönlichkeit, ohne Chauffeur gemietet und Mittwoch früh zurück- gebracht worden. Die Opposilionsblätt« find voll von Protesten. Nach der sozialdemokratischen„Giusffiizia" ist da» Verbrechen rein politischer Natur. Der neue Kurs öer Alliierten. Reform der französischen Diplomatie.— Amnestie für deutsche politische Angeklagte. Abschüttelung der Deutschnationalen. London. 13. Juni.(MTB.) Der immer sehr gut unterrichtete diplomatische Korrespondent des„Daiiy Telegraph" schreibt: Es ver- laut«, daß Herrivt nicht ollein die Besorgnis bekannt sei, die so- wohl in London als auch in Brüssel empfunden und diskret zum Ülusdruck gebracht werde, daß keine Zeit verloren werden sollte, um das notwendige Ueberernkommen zur Durch- führung des Dawes-Plones zu erzielen, f andern daß er diese Besorgnis auch voll teile. Aus diesem Grunde beabsichtige«r, soll er die nächste französische Regierung bilde, mit Macdonald und anderen alliierten Staatsmännern sobald wie möglich'Bern- tungen zu pflegen. Soweit der britische Premierminister in Frage komme, würden Verhandlungen gegen Ende der nächsten Woche mög- lich sein. Herriot habe den Mann, der sein intimster Mitarbeiter im französischen Auswärtigen Amt fei und der die sehr wichtigen Veränderungen überwachen werde, die im französischen diplomatischen Dienst sowie in der französischen Außenpolitik angekündigt werden, so gut wie ausgewählt. Die geplanten Personal veränderunzen umfaßten, wie es heißt, die ständige Leitung des Quai d'Orfay und verschiedene Bot- schafien. Im Falle der römischen Botschaft werde die Ernennung eines hervorragenden Politikers an Stelle eines Berufsdiplomaten nicht unwahrscheinlich sein. Veränderungen im Personal nicht weniger als in den Vermalt ungsmethoden der be- setzten Gebiete, auch außerhalb des Ruhrgebistes würden wahrscheinlich folgen. Die Raffamteit seiner Amnestie für deuksche«ollkischz Beschuldigte wurden auch zu den ersten Fragen gehören, die geprüft werden würden. Auf diel« Frage werde Herriot im Verlaufe seiner kam- Menden Unterredung mit Macdonald über den Dawes-Plan bezug nehmen. Beide Staatsmänner würden wahrscheinlich kein« Zeit haben, das Problem der Sicherheit eingehend zu behandeln sowie die Mittel, durch die es unter der Acgide dnes Bölkerbundcs behandelt werden könnte. Ganz sicher würde ober die Frage der Zulassung Deutschlands durch die nächst« Völkerbundsver» sommlung sowie die Gewährung eines der nicht ständigen Sitze im Böllerbundsrat für den. Anfang erörtert werden. Der Berichterstotter fahrt fort, es fei, offen gesagt, höchst«r» staunlich, daß, nachdem in Frankreich ein« Mehrheitsgruppe zur Macht gelangt fei, die von dem Wunsche nach europäischer Befriedung und Zusammenarbeit erfüllt sei, der den so oft von aufeinander folgenden britischen Regierungen ausgedrückten Wünschen entspreche, die Deutschnationalen so besonder» schlecht beraten fssien, daß sie ihre Haltung rücksichtslosen Widerstandes fortsetzen, nicht nur gegen den Dawes-Plan. sondern auch gegen die angemessene Beendigung der alliierten Militärkontrolle vor ihrer Uebertragung an den Bölker- bund in Uebereinstimmung mit dem Wunsch: Deutschlands selbst. Wenn bei einem derartigen Widerstand beharrt werde, so bewesse dies ebensowenig patriottsmu» wie Weitblick, denn dies würde die emzig« Gelegenheit fein, die sich bis jetzt für Deutschland biete, sich politisch und wirtschaftlich wiedttherzusteldm oder die Auferlegung irgendwelcher Lasten, die seine Leistm�sfähig- keit wirtlich überschreiten, zu verhüten. Die deuffchen„Diehards" müßten klar sehen, daß jede Enffchuldigung, die für den Widerstand des Reiches gegen die militärischen Kloufffn des Dersailler Vertrages rregen der Ruhrbesetzung bestanden Hobe oder nicht bestanden habe, in britischen Augen ebenso wie nach Ansicht der öffentlichen Meinung der Welt von selbst verschwinde von dem Augenblick ab, wo in Frank- r-ich eine Regierung ans Ruder komme, die für Versöhnung eintrete und selbst bereit sei. ein« allgemein« Herabsetzung der Rüstungen zu erwägen, wenn sie angemessene Sicherheitsgarantfcn erhalte. Dies wird nach Anficht des Berichterstatter, von der Marx-Skrefemann-Regierung klar erkannt, die für sich nicht nur in London, sondern auch in anderen alliierten Hauptstädten ein beträchtliches Maß von'Bär, trauen und Wohlwollen erworben hob«. Di« unsewöhn» lichen Berichte, die m der letzten Zeit in der deuffchen reaktionären Presse veröffentlicht wurden und in denen behauptet worden fei, büß das gegenwärtige deutsche Kabinett in London diskreditiert und ver» achtet werde, feien Beweis entweder von außerordentlicher Einbildungskraft oder von Partei man övern dächst ungesunder Art. Derartige Behauptungen stand«» auf dem gleichen Niveau wie der angeblich- britische Wunsch. Tirpitzals Reichs. kanzler zu sehen. Zum drohenden Eisenbahnerstreik. Diese DienstdauerDie gesamten Eisenbahner aller Richtungen, Arbeiter und Beamte, find fich in diesem Kampfe vollständig einig. Selbst wenn die Beamten sich an einem offenen Kampfe nicht beteiligten, so ist doch ihre Sympathie durchaus auf Seite der Kämpfenden, da deren Sache auch die Sache der Beamten ist, ihr Ziel auch das der Beamten. Soll der Kampf vermieden werden, bevor es zu spät ist und unberechenbarer Schaden entsteht, dann muß vor allem das Reichsverkehrsministerium seine Stellungnahme gründlich revidieren und alles dazu tun, was notwendig ist, um die größten Mißlich flände unverzüglich zu beheben. Die Lage im Konflikt der Eisenbahner ist unverändert. Das Die Arbeitszeit bei der Reichsbahn. Reichskabinett wird morgen zu den Vorschlägen der Eisenbahner Aus den Kreisen der Eisenbahner in Sachsen wird uns geStellung nehmen. Ob das Reichsverkehrsministerium schrieben:„ Begründet durch die Betriebseigenart der Eisenbahn, fich nicht inzwischen noch überlegt, ob es nicht ratsam sei, den Wün- die beim Betriebspersonal eine ununterbrochene Ableistung der schen der Eisenbahner entgegenzukommen, um der Gefahr großer Arbeitszeit unmöglich macht, wurden seinerzeit bei der Reichsbahn Berkehrsstörungen vorzubeugen, sieht dahin. Die einjeifigen Dar- Dienstdauervorschriften eingeführt. stellungen des Reichsverkehrsministeriums über den Stand der Dinge vorschriften nahmen neben der Wertung der reinen Arbeitszeit mit 100 Broz. eine Bemessung der zwischen den einzelnen Arbeitsvor: find keineswegs geeignet die Eisenbahner irrezumachen; sie können gängen liegenden Bereitschaften mit 33% bis zu 80 Proz. vor. Die höchstens die Oeffentlichkeit darüber täuschen und sie in eine gefähr- höchst dauer der sich dadurch ergebenden Dienstschichten war auf gefährgängen liche Sicherheit wiegen. 10 bis 12 Stunden festgesetzt. Im Februar d. J. wurden diese Dienstdauervorschriften von der Verwaltung abgeändert. Neben einer äußerst bürokratischen Fixierung der einzelnen Arbeitsvorgänge, mit der man einen Stab mit Stoppuhren ausgerüsteter Beamten beauftragte, brachten es die nunmehr wesentlich ver-, Schärften Vorschriften mit sich, daß fich für einen großen Teil des fahr- und des übrigen Betriebspersonals Dienstschichten bis zu 16 und mehr Stunden ergeben. Die Erregung in den Kreisen des Eisenbahnpersonals über diese übermäßige Verlängerung der Dienstschichten ist außerordentgroß. Der Betriebsdienst stellt Anforderungen an Ge sundheit und Nerven, die bei derartigen Dienstschichten auf die Dauer einfach nicht geleistet werden können. Das Herunterwirtschaften des Personals führt zwangsläufig zu Un= sicherheiten des Betriebes, deren Folgen die Allgemeinheit zu tragen hat. Vom Personal wird seit langem eine Revision der in ihrer heutigen Form untragbaren Dienfidauervorschriften gefordert, bei der die Höchstdauer der reinen Arbeitszeit vorübergehend auf 9 Stunden fefigelegt werden foll. Troßdem die Reichsbahnverwaltung Stunden, die Höchstdauer der zu leiffenden Dienstschichten auf 12 Berhandlungen über die Dienstdauervorschriften zusagte, läßt sie heute noch darauf warten. der heißen Sommermonate auf 10 Stunden festgefeßt, eine Maßnahme, die sowohl vom sozialen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus jedes Verständnis vermissen läßt. dieser Zustand die Unruhe im Personal von Tag zu Tag. Wenn Neben den völlig untragbaren Löhnen und Gehältern steigert die Berkehrsverwaltung in der Lohn- und Gehaltsfrage und auch der Frage der Arbeitszeit nicht bald Einsehen zeigt, dürfte ernstlich mit Betriebsstörungen zu rechnen sein. Die Stellungnahme der Berliner Eisenbahner. In einer überaus zahlreich besuchten Versammlung nahmen die Funktionäre des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Bezirk Berlin, Stellung zu dem vom Reichsverkehrsministerium heraufbeschworenen Konflikt bei der Reichsbahn. Zunächst gab der Bezirksleiter Rollege Dressel einen Bericht über die verflossenen ergebnislosen Berhandlungen und das getroffene Lohndiktat, um dann die Beratungen und Beschlüsse der soeben beendeten Verbandsbeiratssigung bekannt zugeben. Die über das provozierende Verhalten des Reichsverkehrsministeriums äußerst erregten Funktionäre per= In gleicher Weise schweben seit langem ernstliche Differen langten, daß diefen andauernden Herausforderungen gen wegen der Arbeitszeit in der Bahnunterhaltung. endlich einmal mit allen Mitteln entgegengetreten Für die Stredenarbeiter hat man die Arbeitszeit während wird. Gerade angesichts der Drohung des Reichsverkehrsministeriums, einen weiteren Abbau vorzunehmen, übrigens eine offizielle Aeußerung, die von einer unglaublichen linfenntnis über die wirklichen Betriebsverhältnisse zeugt, denn der Betreb kann im Bezirk Berlin beispielsweise jetzt schon nur noch unter Ausnutzung der Arbeitskraft des einzelnen bis durchschnittlich 12 Stunden und häufig noch länger und unter Einstellung einer ganz erheblichen Anzahl von vorüberDie Löhne bei der Reichsbahn. gehend Beschäftigten aufrechterhalten werden, wird von der Ver bandsleitung erwartet, daß sie das Nichteingehen der Entschließung der Magdeburger Eisenbahner. Reichsbahnverwaltung auf die Forderungen des Berbandsbeirates Die Eisenbahner Magdeburgs, versammelt am 10. Juni 1924 mit dem entschlossenen Rampfe beantwortet. Da die am im Artushof, Klosterbergegarten, Admiralspalast und Turmpart Donnerstag auf Grund der gefaßten Beschlüsse neu anberaumten haben von dem Bericht der Referenten über den Verlauf der lezten Verhandlungen feinen Erfolg zeitigten und deshalb zum Freitag 2ohnverhandlungen mit Entrüstung Kenntnis genommen. Sie biis vertagt wurden, beschlossen die Funktionäre, in fürzester Fristigen durchaus die ablehnende Haltung der Spigen wiederum zusammenzukommen, umvon einem Vertreter des Verbandsvorstandes einen Bericht über den Verlauf dieser letzten Berhandlungen entgegenzunehmen, um dann einnen endgültigen Beschluß über die weiter zu treffenden Maßnahmen zu fassen. Diese neue Konferenz ist morgen, Sonnabend, abends 7 Uhr, im Rosenthaler Sof, Rosenthaler Str. 11/12. Alle Funktionäre der Ortsgruppen des Bezirks Berlin sind ver pflichtet, wegen der Wichtigkeit der zu treffenden Entscheidungen an dieser Ronferenz teilzunehmen. Die Bezirksleitung Berlin des Deutschen Eisenbahnerverbandes. Kinderorganisationen gegenüber dem Diktat der Regierung. Wenn von dem Reichsbahndirektorium darauf verwiesen wird, daß der Betriebstoeffizient eine angemessene Lohnerhö hung nicht zuläßt, da Einnahme und Ausgabe mit je 100 Pro gent sich gegenüberstehen, so muß darauf verwiesen werden, daß daran nicht die Eisenbahnerlöhne schuld find. Im Verhältnis zur Friedenszeit, wo der Betriebstoeffizent auf 70 m. auf je 100 m. Einnahme stand, wurden im Verhältnis 25-30 Prozent höhere Anteil an der Berteuerung der Verwaltungskosten der Eisenbahn Löhne gezahlt, so daß also heute die Eisenbahnerföhne den geringsten betragen. Hierin liegt der flare Beweis, daß die im Frieden erzielten Ueberschüsse der Eisenbahn und der Teil der MinderentlohVerkauf soweit Vorrat HERMANN mung von heute in die Taschen der Großindustriellen für die wahns finnig hohen Materialfoften fließen. Ferner muß der Verwaltung entgegengehalten werden, daß der Personalbestand um 25-30 Prozent vermindert ist, jedoch die Arbeitsanhäufung sich nicht verringert hat, folglich von dem jetzigen Kopfstand der Belegschaften mit verrichtet werden muß. Das Re sümee daraus ist folgendes: " „ Größere Ausbeutung der Arbeitskraft und schlechtere Entlohnung." " Größere Ausbeutung der Arbeitskraft und schlechtere Entlohnung." Gegen diese Wirtschaftsmethode" der Reichsbahnverwaltung protestieren die Bersammelten auf das schärfste und weisen mit aller Entschiedenheit die beabsichtigte und jetzt tatsächlich schon vorliegende Ausbeutungsmethode der Arbeitskraft zurück. Die Versammelten fordern Don ihren Organisationen mit aller Entschieden heit, nicht nachzugeben, sondern die Forderung der 30 prozentigen Lohnerhöhung aufrecht zu erhalten. Zu oft haben die Eisenbahner bewiesen, daß fie feineswegs gewillt sind, unnötige Betriebsstörungen zu provozieren, jedoch müssen sie infolge der provozierenden Haltung der Reichsbahnverwaltung sowie der gesamten Reichsregierung erklären, daß sie nicht gesonnen sind, sich in den Hungertod mit ihren Familien treiben zu lassen. Sie sind deshalb gewillt, nach Erschöpfen sämtlicher Verhandlungsmöglich teiten in den sofortigen Kampf einzutreten. Sie ersuchen den Hauptvorstand, sowie den gegenwärtig in Berlin tagenden Verbandsbeirat des DEV. unter allen Umständen Beſchlüſſe zu faſſen, die den Forderungen dieser Entschließung entsprechen. Dagegen geloben die Bersammelten einmütig, bis zum Kampfaufruf ihre Organisation voll in Taft zu sehen und damit alle Lücken auszufüllen. Beilegung des Brauereiarbeiterstreiks? Die heutigen Verhandlungen haben bis zum Redaktionsschlus noch fein abschließendes Ergebnis gebracht. Einig sind sich die Pardürfen. Auch in der Lohnfrage sind sie sich näher gekommen, so daß teien darüber, daß Maßregelungen nicht vorgenommen werden es heute zu einer Verständigung zu kommen scheint. Zu dem Ergebnis der Verhandlungen werden zunächst die Funktionäre des Verbandes der Lebensmittel- und Getränk: arbeiter heute nachmittag Stellung nehmen und dann in den Streifiofalen berichten. Die Streifenden werden ihre Entscheidung durch Urabftimmung treffen, so daß bis heute abend 6 Uhr das AbstimmungsErgebnis vorliegen dürfte. Je nach dessen Ausfall wird die Streik. leitung entscheiden. Ungestellte der Berliner Metallindustrie! Unsere Mitteilung in der Morgenausgabe ist dahin zu berichtigen, daß die Vergleichs= verhandlungen im RAM. morgen, Sonnabend, statt= finden. Jm Condoner Untergrundbahnstreit sind die Einigungsverhandlungen mit den Gewerkschaftsvertretern der Streifenden abgebrochen worden. Auch die Verhandlungen zwischen dem Bollzugskomitee der Eisenbahnangestellten und Mechaniker und den Direktionen verfchiedener Gesellschaften verliefen resultatíos. In vielen Fällen weigern sich die Arbeitgeber, die geforderten Lohnerhöhungen zu zahlen; man nimmt infolgedessen an, daß der Streit sich noc weiter ausdehnen wird. Die Untergrundbahnverwaltung hat den Streifenden mitgeteilt, daß, wenn die Streifenden nicht zum fommenden Montag ihre Arbeit wieder aufgenommen hätten, sie unverzüglich gesetzliche Maßnahmen gegen sie wegen Vertragsbruch chne vorherige Anfündigung einleiten würde. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Shiteweti, Lefales and Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin S. 68.. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. 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Beilage des Vorwärts Es ist ein schöner Nachmittag und die Terrasse eines großen Raffeehauses in der Nähe des Tiergartens hat ihr Publikum, Leute, die es nicht lieben, hinauszupilgern und ihren Genuß an der Ruhe der Stadt und den freundlichen Bäumen des Tiergartens haben. Und dieser Genuß hat vieles für sich, ist zumindest ohne Anstrengung zu haben. An der Terrasse vorüber auf der Straße zieht sich die unabsehbare Reihe der sonntäglichen Spaziergänger. Man achtet darum nicht fehr auf die Vorgänge neben sich und sieht lieber dem bunten Leben auf der Straße zu, das ein wechselvolles und lustiges Bild ist. Aber plöglich wird man doch angeregt, den Kopf zu wenden und in den Hintergrund der kleinen Cafétische dicht an der Mauer zu blicken. Ein plötzlicher Wortwechsel, ein wenig heftiger, als daß es zur Unterhaltung zweier Leute gehören könnte, hat sich erhoben. Im Augenblick neigt sich das allgemeine Interesse der Cafébesucher, wie es bei Leuten der Fall ist, die ihre Gedanken nicht rege beschäftigen, dem neuen Ereignis zu. Eine willkommene Ablentung, ein bißchen Aufregung. Ein junger Mann sigt da, wenig solide, man tönnte fast sagen, ärmlich gekleidet, der sich den lauten Worten und redenden Gesten der Kellner zu erwehren scheint. Man hört aufmerksam zu. Der eigene Kellner berichtet, was geschah. Dieser junge Mann hat sich unterstanden, etliche Kaffees und Kuchen zu genießen, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche zu haben. Er fagt zur Entschuldigung: Er erwarte jemand, und jemand" fommt nicht. Er wartet schon so lange und ißt und trinkt immer mehr, und jener trügerische Freund läßt endlos auf sich warten. Er würde vielleicht noch lange sitzen und warten müffen, und würde das Café arm und kahl essen, und müßte dann aufstehen und nach Hause gehen. Natürlich ohne etwas zu bezahlen. Denn er hat wirklich fein Geld, hat keine Wertsachen, nicht mal eine Uhr. Der junge Monn sigt da und spricht laut und verlegen, und sämtliche Kellner umstürmen ihn. Der Kellner erzählt: Es ist beileibe nicht ein vereinzelter Fall, tagtäglich sind zwanzig bis dreißig Gäfte unter den Besuchern, doch den meisten gelingt es, schnell zu verschwinden, so daß nur der Kellner das Nachsehen hat. Aber dieser wurde ertappt, als er gehen wollte. Was nun? Die Gäſte ſtehen auf und hören, die Straße hat ihr Interesse verloren dafür ein hungernder junger Mann, der seinen Kuchen nicht bezahlen kann. Ein Schußmam erscheint auf der Bildfläche. Die Lage wird fritisch. Der junge Mann ist ganz verlegen, er holt ein Pädchen unsauberer Papiere aus der Brusttasche, der Schuhmann prüft. Plötzlich tritt einer hinzu und legt den Betrag sowie zehn Pfennig Trinkgeld für den Kellner vor den jungen Mann nieder. Der Schuhmann zuckt die Achseln und geht weg. Der Geschäftsführer lädselt, und der Kellner nimmt das Geld. Der junge Mann geht mit dem Blick in die Luft hinaus, verschwindet unter den Leuten auf der Straße. Verhaftung eines Kinderschänders. Auf frischer Tat ertappt wurde gestern abend ein Sittlichkeitsverbrecher, ber fich auf dem freien Felde der Marienhöhe in Marien felde an einem a chtjährigen Mädchen verging. Ein Arbeiter, der mit mehreren anderen auf dem Heimwege den Vorgang wahrnahm, eilte hin, stellte den Unhold zur Rede und forderte ihn auf, ihm nach der Bache in der Königstraße zu Mariendorf zu folgen. Er ging auch mit, weigerte sich aber, in das Dienstgebäude mit hineinzugehen und forderte bas Mäbchen, das er für seine Tochter ausgab, auf, davonzulaufen. Das geschah dann auch. Als sich nun der Arbeiter in das Haus hineinbegab, um einen Polizeibeamten herauszuholen, entfloh der Uebeltäter. Er wurde aber von dem Arbeiter, mehreren Beamten und anderen Leuten berfolgt und auf einem Laubengelände eingeholt, festgenommen und nach dem ersten Berhör auf der Wache der Kriminalpolizei übergeben. Er wurde festgestellt als ein 38jähriger Arbeiter Walter 3.. Das entlaufene Mädchen, eine achtjährige 3. aus Mariendorf, wurde wieder ermittelt und einem Arzte zugeführt. Falsche 50- Mark- Rentenscheine. die ebenfalls an dem Fehlen der Papiermerkmale der echten Scheine, des natürlichen Wasserzeichens und der eingebetteten Fasern, außerdem aber auch an der hinsichtlich der Beschriftung und der Farbengebung meist recht mangelhaften Wiedergabe der echten Scheine leicht als Nachbildungen erkennbar sind. Freitag, 13. Juni 1924 Die Opfer eines Vaters. Fortgesetzte schwerste, unglaublich erscheinende sittiche Berfehlungen fanden vor dem Schöffengericht Dresden strenge Richter. Der 1869 zu Königsberg geborene, vielfach und auch lang. fristig mit Zuchthaus vorbestrafte Schloffer Mar Emil Hugo Die überlastete Galerie im Sportpalast. müller heiratete im Jahre 1916 in Dresden eine geschiedene Frau Billettfälschungen bei den Borkämpfen. Durch umfangreiche Fälschungen von Eintrittskarten wurde die Leitung des Sportpalastes in der Potsdamer Straße erheblich gefchädigt. Als Teilnehmer an den Fälschungen mit unermittelt gebliebenen Helfershelfern hatte sich der Maler Friz Dammenhayn zusammen mit vier Billetthändlern zu verantworten. Die Direktion des Sportpalastes war durch verschiedene Umstände dahinter gekommen, daß es mit dem Billettverkauf zu den großen Borfämpfen, unter denen sich auch der Kampf um die Meisterschaft zwischen dem Schwergewichtsmeister Hans Breiten. fträter und Samson- Körner und das Sechstagerennen im Januar befanden, nicht mit rechten Dingen zuging. Bei einer Razzta, die die Kriminalpolizei vor dem Sportpalast und in verschiedenen Billetthändlerzentralen veranstaltete, wurden bei einigen Billett. händlern in größerer Zahl Eintrittskarten zu der bevor stehenden Veranstaltung vorgefunden, die sich bei genauerer Brüfung als sehr geschicte Fälschungen erwiesen. Auf den ersten Blick war die Fälschung nicht zu erkennen. Erst der Drucker fonnte an einem vom Original abweichenden Buchstaben die Fälschung mit Bestimmtheit feststellen. Die vernommenen Billetthändler nannten als den Verkäufer der bei ihnen vorgefundenen Eintrittskarten den früher im Sportpalast als Kontrolleur beschäftigt gewesenen Angeflagten Dammenhayn. Dieser wollte wieder die Karten welt unter dem Preise von einem Angestellten des Sportpalastes getauft haben, den er aber nicht mit Namen, sondern nur vom Ansehen fennen wollte. Der Verdacht bestand jedoch, daß Dammenhayn mit der geheimen Druckerei in Verbindung stehe. Die Händler hatten von Dammenhayn die Karten zur Hälfte des Kassenpreises erworben. Wie der Direktor des Sportpalastes, Pifard, als Zeuge bekundete, rar er durch einen besonderen Umstand auf die Spur der Fälschun, gen gekommen. Die Baupolizei hatte zu einem der Borkampftage für den ersten Rang nur 450 Bläge aus Sicher heitsgründen freigegeben, und es waren auch nicht mehr Karten ausgegeben worden. An dem Tage der Veranstaltung waren jedoch schäßungsweise 2000 Personen auf der Galerie anwesend. Am nächsten Borkampftage hatte der Sportpalast ein sehr schlechtes Rassengeschäft gemacht; es war überhaupt fein Borvertauf gewesen. Merkwürdigerweise hatten sich aber vor der VorStellung in großer Menge die Händler vor dem Sportpalast einge. funden und standen bis zur Bülowstraße. Sie verkauften auch die Billetts zum Kassenpreise, obwohl der Sportpalast selbst deine Ermäßigungen bewilligte. Es mußte daher etwas nicht mit rechten Dingen zugehen, so daß die Kriminalpolizei benachrichtigt wurde und eine Razzia veranstaltete. Auch später sind noch Fälschungen vorgekommen. So tauchten beim Gechstagerennen wiederum Eintrittskarten auf, die diesmal allerdings ziemlich plump gefälscht waren. Der Beuge Pilard bezeichnete die geschäftliche Schädt gung des Sportpalastes durch das Treiben der Fälscher als besonders gemeingefährlich, weil auch Menschenleben in Befahr gebracht wurden, da durch Ueberlastung der Räume ein Einsturz bewirkt werden könnte. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner beantragte gegen Tammenhayn ein Jahr Gefängnis und gegen die Billetthändler je drei Monate Gefängnis. Die Verteidiger machten den Einwand, daß die Händler im guten Glauben die Karten getauft hatten, da die Fälschungen ja selbst von der Diref= tion nicht gleich erkannt werden konnten. Es sei üblich, daß die Theater an Vereine zu ermähigten Breifen größere Mengen von Eintrittskarten abgeben und die Angeflegten, die Billetthändler, fennten ebenso annehmen, daß hier ihnen von dem Bertreter eines Vereins die billigen Karten angeboten wurden. Das Gericht fonnte euch nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß die Schuld der angeflagten Billetthändler voll erwiesen sei und tam zu deren Freisprechung. Der Angeklagte Dammenhayn wurde zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht nahm an, daß er in Verbindung mit anderen gestanden habe und von den Fälschungen Kenntnis gehabt habe. Einsam gestorben. Nicht Tage hat eine 71 Jahre alte Näherin Frau Marie Heinke in der Bergstraße 69 tot in ihrer Wohnung gelegen. Die alte Frau litt an Herzkrämpfen und pflegte in Anfällen bei ihrer Nachbarin an die Wand zu klopfen. Diese nahm sich dann ihrer an. Am vergangenen Sonnabend früh flopfte sie wieder an und schrie auch, wie immer, wenn sie einen Anfall befam. Die Nachbarin konnte ihr aber Diesmal nicht helfen, weil die Greifin ihre Wohnung von innen ver riegelt hatte. Sie beruhigte sich auch dabei, als das Schreien schnell aufhörte. Seitdem fümmerte sich niemand um die Frau. Gestern nachmittag tam eine Kundin, die der Näherin einen Auftrag geben wollte. Als sie auf wiederholtes Kopfen und Klingeln feine Antwort erhielt, hofte fie Polizei. Diefe ließ öffnen und fand die alte Frau tot vor dem Bette liegen. Sie ist wahrscheinlich schon am Sonnabend früh hilflos gestorben. In verschiedenen Gegenden Deutschlands fmd in der letzten Zeit mehrere Sorten Nachbildungen Rentenbant. scheinen zu 50 mart aufgetaucht, die auf photographischem Wege hergestellt sind und die Vorder- und Rückseite der echten Scheine mehr oder weniger entstellt und ungenau wiedergeben. Namentlich in der Wiedergabe des Untergrundmusters und in der Farbentönung weichen sämtliche Falschstücke von den echten Scheinen ab. Das wichtigste Merkmal der falschen Scheine aber besteht in der abweichenden Papierbeschaffen heit. Während das Papier der echten Scheine in der ganzen AusDehnung von einem natürlichen Wasserzeichen durchzogen ist, ist dieses bei den Falschstücken meist durch Druck oder Farbenauftragung auf dem helleren Rand der Scheine nachgebildet; außerdem find die bei den echten Scheinen im Papier eingebetteten Fasern bei den Falschstücken nur durch Striche in roter, blauer und dunkler Farbe oder Linte angedeutet. Hält man die Falschstücke gegen das Licht, so ist die Unechtheit des Wasserzeichens und der Fasernnachbildungen beicht zu erkennen. Auch falsche Rentenbankscheine zu 10 und 5 Rentenmart werden hier und da in Umlauf gebracht, der heutigen Postauflage bei. Von 12 bis 3 Uhr geschlossen! „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt Fache, geborene Linke, die damals drei zum Leil noch schul. pflichtige Kinder zu versorgen hatte. Bevor Müller in Dresden auftauchte, toer er in der Rheingegend, besonders in Duis. burg, aufhaltlich, wo er viele Jahre mit einer Frau in wilder Che lebte. Diesem Verhältnis waren nach und nach sechs Kinder entsproffen, das älteste, eine Tochter Klara, mißbrauchte er nebenher in nicht wiederzugebender Weise. Müller erhielt wegen Blutschande drei Jahre Zuchthaus auferlegt. Während der Strafver büßung heiratete ein anderer ehemaliger Zuchthäuster jene Frau, Frau, mit der er die Ehe eingegangen war, hatte keine Ahnung, was mit der Müller so lange zusammengelebt. Die Dresdener geschiedens Müller alles auf dem Kerbholze gehabt und welcher Art fein bis heriges Borleben gewesen. Während der letzten Jahre hat der une natürliche Stief- und Pflegevater die drei Töchter gleichfalls schändlich mißbraucht. Um die Mädchen gefügig zu machen und am Schreien zu verhindern, brohte er ihnen die Zunge heraus. zureißen oder mit dem glühenden Lötkolben in den Mund zu fahren. Die Mädchen ließen so gewähren, wurden andererseits dadurch fiftlich vollkommen verdorben. Vor einigen Wochen erlangte die Be hörde Kenntnis, Müller wurde festgenommen und am Donnerstag vor dem Schöffengericht zur Verantwortung gezogen. Nach längerer Verhandlungsdauer erkannte das Gericht wegen der„ Dresdener" Verfehlungen auf insgesamt acht Jahre Zuchthaus, auch geht Angeklagter fünf Jahre der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig. Strafermäßigend fam in Betracht, daß eine fortgefeßte einzige Handlung angenommen wurde, andererseits fonnte die Strafe nicht allzu niedrig bemessen werden, weil es sich im vorliegenden Falle um Berfehlungen schwerster Art gehandelt, wie solche in der Kriminalgeschichte bisher kaum bekanntgeworben find. Eine andere ungewöhnliche Straffache stand vor dem Schöffen gericht Dresden zur Berhandlung. Eine 24 Jahre alte Stüße Gertrud Schwarze war bei einem in Dresden- Strehlen wohnhaften tschechischen Oberstleutnant a. D. Wittich in Stellung, von dessen 13 Jahre alten Sohne, einem stämmigen Burschen, geschwangert und dann vom Vater wegen Sittlichkeitsverbrechens zur Anzeige gebracht worden. Das Kind ist inzwischen wieder gestorben. Die Stüße erhielt sechs Monate Gefängnis und eine breijährige Bewährungsfrist. Der Borsitzende des Gerichts betonte, die Hauptfchuld habe an den Schüler Lothar Wittich gelegen. Richtigstellung. Die Notiz über Die Notiz über„ Die neue Fleisch. engroshalle" am Freitag morgen spricht von einem Terrain von 12 000 Quadratkilometern, auf dem die Halle steht. Das ist natürlich eine ganz gemeine Druckfehlerteufelei, die unsere Leser gewiß schon selbst in 12 000 Quadratmeter richtiggestellt haben werden. Der Tod auf den Schienen. In ben ersten Morgenstunden des Freitag wurde auf der Strecke zwischen Friedrichshagen und Rahnsdorf auf dem Gleis der Bahnstrecke Berlin- Breslau der in der Passauer Sir. 18 wohnende Dr. Arthur Louis tot aufgefunden. Dem Verunglückten war der Kopf, ein Arm und ein Bein vom Rumpf getrennt. Die Leiche wurde dem Schauhaus am Friedrichshain übergeben. Der Sturz auf den Hof. Heute Dormittag gegen 10 Uhr stürzte fich eine 81jährige Frau Julie Bid aus dem im Seitenflügel des dritten Stockwerks des Hauses Friedrichstr. 40 gelegenen Klosett auf den Hof und war fofort tot. Die Tat geschah in geiffiger Umnachtung. Schweres Bootsungläd auf dem Nedar. Zwei Herren und eine Dame unternahmen mit einem felbft gebauten Faltbooi eine Fahrt von Heidelberg den Redar aufwärts und stießen bei Sieblingen auf einen Pfeiler. 3wei Personen sind dabei ertrunten. n. Sie waren vorher auf die gefährliche Stelle aufmerksam gemacht worden. 45 Mann auf einem amerikanischen Schlachtschiff getötet. Be der Explosion eines Panzerturms an Bord bes amerikanischen Kriegs. schiffes Mississippi wurden 45 Mann getötet, während über 20 mehr oder minder schwer verlegt wurden. Der Turm ent hielt 1800 fund Bulver. Der Panzer hat eine Wasserverdrängung von 32 000 Tonnen. Er wurde 1917 gebaut und gehört der Flotten abteilung des Stillen Ozeans an. Ein französisches Wasserflugzeug abgestürzt. Bei einem See manöver von Wasserflugzeugen in Saint Raphael ist ein Flugzeug abgestürzt. Der Führer ist tot, der Beobachter schwer verwundet. Schiffszufammenstöße im Bristol- Kanal. Im Bristol- Kanal fand ein Zusammenstoß zwischen dem Schleppdampfer Beite Rose auf Cardiff und einem unbekannten Dampfer statt. Ein Mann der Besatzung des Schleppdampfers ertrant, bie übrigen fonnten mit Mühe gerettet werden. Cardiff zufolge ist der Dampfer Bumerret ebenfalls mit dem Einer Lloydmeldung aus dampfer Beite Rose anrannte. unbekannten Dampfer zusammengestoßen, bevor dieser den SchleppWetter für morgen. Berlin und Umgegend: Kühler, wechselnd bewölft, mit einzelnen Regenschauern. Deutschland: In West, Süd- und Mitteldeutschland ziemlich fühl und leichte Regenschauer, in Ostdeutschland Gewitter mit Abkühlung. 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