Nr. 278 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 143 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmar! pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Boll und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten" sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Gozialdemokrat Berlin* Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille geile 0,70 Goldmart, Reklamegeile 4.- Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( auläffig zwei fettgebrudte Worte), fedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes meitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0,30 Goldmark. Eine Goldmark- ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden Straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 15. Juni 1924 Herriots Regierungsbildung. Dienstag Vorstellung in der Kammer. Paris, 14. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Herriot, der am Sonnabend mittag von dem neuen Präsidenten der Republik nach der üblichen Konsultation der Präsidenten von Kammer und Senat ins Elysee berufen wurde, hat nach einstündiger Aussprache mit Doumergue den Auftrag zur Bildung des neuen kabinetts übernommen. Herriot, der sofort die traditionellen Demarchen bei seinen fünftigen Mitarbeitern begonnen hat, hofft noch am Sonnabend abend sein kabinett beisammen zu haben, so daß die Ernennungsdefrete bereits am Sonntag veröffentlicht werden können. In beiden Häufern des Parlaments wird sich Herriot am Dienstag nachmittag präsentieren und im Anschluß an die Regierungserklärung fich zur fofortigen Beantwortung der eingegangenen Interpellationen bereiterklären. In der Erwartung, daß diefe Debatte spätefiens Ende der Woche beendet sein wird, wird Herriot am Sannabend nächster Woche die Reise nach London antreten, um sich mit Ramsay Macdonald über die verschiedenen internationalen Fragen zu besprechen. * Paris, 14. Juni.( WTB.) Das Minifterium Herriot if gebildet. Es feht sich wie folgt zusammen: Borfitz und Aeußeres: Abgeordneter Herriot( radikal), Juffiz: Senator René Renoult( demokratische Linke), Krieg: General Nollet, Marine: Abg. Dumesnil( radikal), Solonien: Abg. Daladier( radikal), Befreite Gebiete: Dalbiez( radikal), Bensionen: Rovier- Lapierre( fo3. Republikaner), Inneres: Abg. Chautemps( radikal), Finanzen: Senator Clementel( demokratische Linke), Unterricht: Senator François- Albert( demokrafifche Cinte), Deffentliche Arbeiten: Senator Beytral( demokr. Linke), Handel: Abg. Raynaldi( sozialistischer Republikaner), Arbcit: Just in Godart( radikal), Landwirtschaft: Abg. Queuille( radikal). Es find ferner vier Unterstaatssekretäre eingefeht worden, und zwar Pierre Robert für Post-, Telegraphen- und Fernsprechwejen, Léon Meyer( radikal) für die Handelsmarine, Laurent Eynac( fo3. Republikaner) für die Luftschiffahrt und de Moro Giafferi( foz. Republikaner) für das technische Unterrichtswesen. Das Kabinett Herriot, dessen endgültige Zusammenfeßung erst furz vor Mitternacht in Berlin bekanntgeworden ist, entspricht durchaus dem am 11. Mai eingetretenen ll mich wung der öffentlichen Meinung Frankreichs. Neben älteren bewährten Borkämpfern der Demokratie und ehemaligen Mitgliedern früherer radikaler Regierungen, wie Renoult, Clementel, Bentral, Godart undChautemps, gehören jetzt verschiedene neue Männer der jüngeren Generation zum ersten Male einem Kabinett an: so z. B. Daladier, Dumesnil, Dalbiez, François Albert, Bovier- Lapierre und Pierre Robert. Das ist als ein deutliches Zeichen der Sehnsucht des französischen Volkes nach neuen Führern und neuen Methoden zu werten. Diese Berjüngungstur der französischen Demokratie kann dem Lande und ganz Europa nur zum Borteil gereichen. Am interessantesten ist die Ernennung des Generals Nollet zum Kriegsminister, die darauf zurückzuführen ist, daß er nicht allein als ein überzeugter Republikaner und Demokrat gilt, sondern von seinen intimsten Freunden sogar im Grunde genommen als ein Pazifist bezeichnet wird, der fest entschlossen sei, zugleich mit der Abrüstung Deutschlands fest entschlossen sei, zugleich mit der Abrüstung Deutschlands endlich auch die Abrüstung Frankreichs in die Wege zu leiten. * Paris, 14. Juni.( WTB.) Die Kammer hat heute nachmittag eine Sigung von nur 5 Minuten Dauer abgehalten. Als Kammerpräsident Painlevé den Saal betrat, wurde er von der gesamten Linten mit starkem Beifall begrüßt. Während der Beifallskund gebungen rief ein Abgeordneter aus der Mitte Demission"! Die Abgeordneten der Linken protestierten heftig und brachten nochmals stehend ihrem Präsidenten eine Huldigung dar. Hierauf pertagte sich die Kammer auf Dienstag, nachmittags 3 Uhr. Ais Der Temps" ift zu der Erklärung ermächtigt, daß General Nollet regelmäßig über die Arbeiten der Kontrollkommission Bericht erstatte, daß aber unter diesen Berichten sich in der letzten Zeit einer befunden habe, der zu besonderer Beunruhigung Anlaß gebe. Völkerbund und Abrüstung. Eine nicht bindende Resolution Benesch. Genf, 14. Juni.( WTB.) In der heutigen öffentlichen Sihung des Völferbundsrates erstattete Benesch Bericht über die Abrüstungsfragen und brachte hierbei vor allem die folgende bereits in zwei früheren Ratstagungen zurückgestellte Resolution ein: Entsprechend einer Resolution der Bölkerbundversammlung, in der den Mitgliedstaaten empfohlen wird, unter gewissen Vorbehalten während der für die Ausarbeitung und Annahme des allgemeinen Abrüstungsplanes notwendigen Zeit die Gesamtziffer ihres gegenwärtigen Haushaltjahres für Militär-, Flotten- und Luftschiffahrtsausgaben nicht zu überschreiten, beschließt der Völkerbundsrat, allen Mitgliedstaaten durch den Generalsekretär diese Empfehlung zuzustellen und sie zu ersuchen, Mitteilung darüber zu machen, welche Folgen sie der Empfehlung zu geben beabsichtigen. Benesch erklärte, daß er für die Tschechoslowakei die Resolution annehme, worauf 2ord Parmoor darlegte, daß er trotz des befann ten Abrüftungswillen Englands die Resolution nur mit Bor behalt annehmen könne, daß sie nur die Uebermittlung einer Empfehlung darstelle, nicht aber die englische Regierung binde. Salandra Italien nahm denselben Standpunkt ein und wünschte sogar eine dementsprechende Aenderung des Tertes. Auch Branting Schweden steilte fest, daß feine Regierung Verpflich tungen über die Beantwortung der Anfrage eingehen fönne. Der franzöfifche BertreterClauzel machte den gleichen Vorbehalt wie die Borrebner, wobei er hervorhob, = Frankreich fei allerdings bereits der in der Resolution ausgeausgesprochenen Aufforderung nachgekommen. Ishii machte darauf aufmerksam, daß das japanische Heeres budget infolge der Erdbebenkatastrophe start reduziert worden sei und Japan fich daher nicht auf dieses anormale Budget fest tegen fönne. Nachdem Benesch ausdrücklich festgestellt hatte, daß die Resolution teinerlei bindenden Charakter habe, sondern eine bloße Mitteilung an die Regierungen bedeute, wurde der Text unter Bezugnahme auf die verschiedenen Erklärungen der Ratsmit glieder angenommen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 3 Die Partei! Ein Nachwort zum Berliner Parteitag. Auf dem Berliner Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands sind viele gute Reden gehalten worden. Was Wels zum Schluß sagte, war mehr. Dieses Bekenntnis zur Partei in seiner schlichten Kraft riß alle Herzen hoch. Es schien nicht mehr ein einzelner, nicht der vielgewandte Borsigende und Redner, sondern der deutsche Arbeiter selbst zu sein, der am Präsidententisch stand und dem Parteitag das Schlußwort sprach. Der deutsche Arbeiter das heißt nicht der oder jener, der an der Maschine steht, seinem Schicksal grollt, die Reichen haßt und dunkle Träume nach Besserung hegt. Der deutsche Arbeiter das heißt die klare, geschlossene Erscheinung, der wir in der sozialistischen Bewegung so oft begegnet ist, der ziel bewußte zähgeduldige Former des Massenschicksals, der nüch tern- tapfere Borfämpfer einer besseren Zeit. Das ist der deutsche Arbeiter, der das Kaiserreich und seine Paladine zu Respekt zwang und der die Hoffnung aller war, die in der Welt für Freiheit und Menschlichkeit kämpften. Dieser deutsche Arbeiter ist unlöslich verbunden mit der Partei. Für alles, was in der deutschen Arbeiterbewe gung gesund ist, ist und bleibt die Sozialdemokratie einfach die Partei". Die Partei mag gewinnen oder verlieren, fie mag selbst schwanken und irren die Partei" bleibt sie doch! Hat sie verloren, so wird sie wieder gewinnen. Hat fie im einzelnen gefehlt, so bleibt ihr doch Zeit, es besser zit machen. Nur hier ist Hoffnung drüben und draußen ist feine! Was hat sich nicht alles an Ungunst des Schicksals und feindlicher Macht gegen die Partei aufgetürmt! Ja, sie hat es verdammt schwer! Im Sturm des Weltkrieges ist ein neues Europa und ein neues Deutschland entstanden, alle überkom menen Borstellungen und Begriffe sind ins Wanten geratent. Not herrscht im Lande, Millionen haben hoffend auf die Partei geblickt, da die Hilfe nicht rasch genug fam, wandten sie sich enttäuscht ab. Neue Pflichten, neue Verantwortungen find der Partei erstanden, in denen sie sich erst zurechtfinden muß. Es wäre ein Wunder, wenn wir unter solchen Umständen ganz einig wären. Es ist aber schon ein Wunder, wie einig wir trok alledem sind! Welche andere Partei hätte es wagen können, in dieser Zeit der Gärung und der Zerrissenheit eine öffentliche Tagung abzuhalten, in der alle in ihrem Innern vorhandenen Zweifel an der Richtigkeit ihres Kurses, jede UnzuFerner wurde der Tegt einer Resolution genehmigt, der die bis friedenheit mit ihrer Leitung frei und ungeschminkt zum Ausherigen Ergebnisse der Arbeiten der ständigen Abrüftungskommiffion drud famen? Die sogenannten„ Nationalsozialisten" sind in über die Kontrolle der Waffen und Munitions ein paar Dugend Richtungen gespalten und könnten bei solcher fabrikation und des Waffen- und Munitionshandels an den ge- Gelegenheit nur ihre Konfusion enthüllen. Die Kommunisten mischten Abrüftungsausschuß überweist, sowie eine Resolution übersägen im Dunkeln Führergarnituren ab und dulden keine die neue Geschäftsordnung dieses Ausschusses. Nachdem der Rat noch öffentliche Parteikritik. Die Deutschnationalen haben die Böl verschiedene Beschlüsse über die Weiterführung seines Hilfswertes zu- tischen im Leibe, die Bolkspartei ist von Intrigen förmlich gunsten der Ansiedelung griechischer Flüchtlinge ge- unterwühlt, in den anderen bürgerlichen Parteien sieht es nicht faßt hatte, vertagte er feine öffentliche Sitzung auf Montag nach viel besser aus. mittag. Konflikt England- Mexiko. Der englische Gesandte im Hausarrest. London, 14. Juni.( EP.) Nach einer Meldung aus Merito hat sich dort ein diplomatischer Zwischenfall zwischen dem Präsidenten Obregon und dem englischen Gesandten Cunning ereignet. Der genaue Sachverhalt, der zu der Differenz geführt hat, ist noch nicht bekannt geworden, doch hat der Präsident dem englischen GeDas Gebäude wurde mit Polizisten umstellt, so daß der Gesandte gesandten verboten, das Gesandtschaftsgebäude zu verlassen. wissermaßen gefangen ist. Im Foreigne office erklärt man, daß die Lage sehr delikat fei. Das Kabinett wird sich am nächsten Montag mit der Angelegenheit beschäftigen. Das diplomatische Korps in Merito hat sich zwei Stunden mit der Angelegenheit befaßt und beschloffen, den Präsidenten Obregon zu erfuchen, dem englischen Gesandten die breise aus Merito zu gestatten. London, 14. Juni.( Reuter.) Der britische Vertreter in Mexiko Cummins, hat sich das Mißfallen der Obregon- Regierung bei Ausübung seiner Amtspflichten zum Zweck der Beschirmung britischer Intereffen zugezogen und ist mit Aus weifung bedroht worden. Cummins bleibt jedoch auf seinem Posten. Rainlevé den Gigungsfaal verließ, brachten ihm die Abgeordneten Schreckensnachrichten über die rußische Ernte der Linken und eine ziemlich große Anzahl von Abegordneten aus er Mitte und der Rechten nochmals eine Dvation dar. Kein Alarmbericht Nollets. Paris, 14. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die nationalistische Breffe hatte eine Meidung verbreitet, wonach General Nollet, der Chef der Interalliierten Militärfommiffion in Berlin, in den letzten Tagen der französischen Regierung sowie der Botschafterfonferenz einen höchst alarmierenden Bericht über angebliche deutsche Rüftungen und Kriegsvorbereitungen überfandt habe. Diese Nachricht, die von hier aus auch in die englische Breffe gelangt ist und hier wie dort ftart beunruhigt hat, wird am Sonnabend halbamtlich dementiert. I bus einsteigen wollte, auf die Straße geworfen, Aus allen russischen Gegenden kommen alarmierende Meldungen über den Saatenstand, so aus den Bezirken von Saratow, Zarizyn, Jelifametpol, Woronefch, Piatigorst, Bachmut, Kiew, Nikolajewft vernichtet. In mehreren Ortschaften des Zarizyner Bezirks ist ufw. Die anhaltende Dürre hat den größten Teil der Saaten der umgepflügie Ader weiß von Engerlingen. Die ganze Steppe ertönt vom Zirpen der Grillen. Bevölkerung und Behörden stehen aus Mangel an jeglichen Abwehrmitteln der drohenden hun. gersnot ohnmächtig gegenüber. In Tofio haben Japaner einen Amerikaner, der in einen OmniDie Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die sich überhaupt einen öffentlichen Parteitag mit ehrlicher freier Aussprache leisten kann. " 9 Was man die Opposition" nennt, ist mehr Auss druck eines dumpfen Gefühls, als eines flaren Gedankens. Dieses Gefühl, das Gefühl des Unbefriedigtseins, ist in den Maffen zweifellos vorhanden, und jeder Sozialdemokrat muß mit ihm rechnen. Aber beseitigen läßt es sich nur, wenn man ihm an die Wurzel geht, und die Wurzel ist die schwankende gilt den Maffen die Ueberzeugung beizubringen, daß wir auf Grundlage der Wirtschaft, die Unsicherheit der Eristenz. Es dem richtigen Wege find, ihre Lage zu beffern, sie aber auch an die harte Erkenntnis zu gewöhnen, daß entscheidende Erfolge nicht von heute auf morgen zu gewinnen find. Wer wäre den Kritikern nicht dankbar, wenn sie Mittel zeigen könnten, seinen Weg abzukürzen, wer wäre nicht bereit, von Parteigenossen Rat anzunehmen? Was die Mehrheit der Opposition zum Vorwurf macht, das ist nicht die Schärfe ihrer Kritif, sondern ihre Unfruchtbarkeit. Sie macht es ihr zum Vorwurf, daß sie, ohne klare Wege aufzeigen zu fönnen, ihre Kritik oft in Formen gekleidet hat, die geeignet waren, die Liebe zur Partei zu ersticken und den Gegnern Vorschub zu leisten. Einigung in Sachsen, die hauptsächlichste Quelle des Jetzt, wo durch das glücklichste Ereignis des Parteitags, die Unfriedens verstopft ist, wird man hoffen dürfen, daß eine sachliche, kameradschaftliche, nicht mehr persönlich zugespiste Austragung der vorhandenen Verschiedenheiten- mehr der Temperamente als der Meinungen möglich sein wird. Die Debatten haben gezeigt, daß die Partei in der Ablehnung tommunistischer Gewaltmethoden einig ist, daß fie feststeht auf dem Boden der demokratischen Republik, daß sie non diesem aus die Verwirklichung ihrer sozialistischen Ideale erkämpfen will. Dann gibt es aber nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die Bartei lehnt jede Teilnahme an jeglicher Verantwortung ab, solange sie nicht mit chilse einer hinter ihr stehenden Volks- mehrdeit allein regieren kann, oder aber sie muß das Mag von Einfluß, das ihr von den Wählern jeweils zugewiesen wird, dazu verwenden, um ietzt schon nach Möglichkeit Besse- rungen für das arbeitende Volk zu erreichen oder Schädigungen von ihm abzuwenden. Bei Licht besehen, ist jedoch die erste Möglichkeit eine Unmöglichkeit. Denn eine Partei, die politische Abstinenz übt und fünf eine gerade Zahl sein läßt, solange sie nicht die Mehrheit hat, würde niemals die Mehrheit erhal- t e n. Und erhielte sie sie auch, so würde sie zu gleicher Zeit staatsrechtliche Verhältnisse vorfinden, bei denen ihr auch der Besitz der Mehrheit nichts nützt. Und so bleibt von den zwei Möglichkeiten, die es schein- bar gibt, in Wirklichkeit eben nur eine. Die Partei muß in der deinokratisä>en Republik positive Politik treiben. Das heißt nicht, daß sie nicht in Opposition gehen kann. Sondern es heißt nur, daß sie sich genau überlegen muß, was für das arbeitende Volk und für die Republik daraus wird, wenn sie in Opposition geht. Man stelle sich einmal vor, die 100 Sozialdemokraten hätten, weil sie nun einmal geborene Oppositionsleuts sind, mit den 142 Rechtsleuten und den 62 Kommunisten zusammen der Regierung Marx das Mißtrauen ausgesprochen und das Kabinett dadurch zu Fall gebracht? Für ein solches Verhalten hätten sich aus der Theorie und aus der Geschichte des Kabinetts Marx ein Dutzend ausgezeichneter Gründe angeben lassen. Und doch wäre das ein Schildbürgerstreich von Weltdimen- sionen gewesen! Als die Partei der Demokratie, des Weltfrie- d ens, des internationalen A r b e i t e r s ch u tze s. des Sozialismus ist* die Sozialdemokratie die Partei der großen fortschrittlichen Menschheitsideen. Für diese Ideen deklamieren, ist leichter als für sie arbeiten. Der Parteitag hat an die Arbeit gedacht! � Unsere Partei überragt aber die anderen— auch das muß einmal offen ausgesprochen werden— nicht nur an Reichtum der Ideen, sondern auch an Reichtum der Persönlichkeiten. Wir pflegen ja in diesem Punkt sehr bescheiden zu sein, weil wir uns vor nichts mehr fürchten als vor Personenkult. Immerhin darf einmal gesagt werden, daß die deutsche sozial- demokratische Arbeiterbewegung durch ihr Prinzip der Aus- lese und der Schulung mehr v o l i t i s ch e Köpfe hervor- gebracht hat, als alle anderen Parteien zusammengenommen. Gewiß wollen wir uns vor Selbstbeweibräucherung hüten, aber auch vor der leidigen Selbstv e r k l e in e ru n g s sucht! Nimmt man dazu, daß die Sozialdemokratie trotz aller Größe des Schicksals immer noch die größte, bestorganisierte Massenpartei Deutschlands ist, so wird man wissen, was man von den Flausen gegnerischer Neidhammel zu halten hat. Ihnen wird auch unser Parteitag nicht gefallen, aber ihnen zu Gefallen ist er ja auch nicht abgehalten worden. Der Parteitag hat gezeigt, daß wir im Grunde einiger sind, als wir es selbst wahr haben wollten. Aus seinem Verlaus werden Millionen des arbeitenden Volkes die Zuversicht schöpfen, daß in dieser Welt der Zerrissenheit und Zersplit- terung noch etwas Festes, Ganzes, nach hohen Zielen Streben- des geblieben ist: die Partei! Die Partei der deut- s ch e n Arbeiter, die von heute ab wieder, wie in alter Zeit, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt und der die Zukrinft gehört, trotz alledem! Das Echo öes Parteitags. Noch vor dem Abschluß des Parteitages hat die Presse der Parteien begonnen, die Folgerungen zu ziehen. Die r e a k- t i o n ä r e Presse sieht die Stärke und Kampfbereitschaft der Sozialdemokratie, die der Parteitag zum Aufdruck brachte, mit Ingrimm. G r a f W e st a r p in der„Kreuzzeitung" blickt mit Sorge auf„Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold"— trotz aller Bcleusrungsn, daß die reaktionären Verbände keine Furcht vor einer republikanischen Schutztrupps hätten. Er spricht im übri- gen der Sozialdemokratie den Idealismus ab: „Wenn ich gleichwohl der Meinung Ausdruck gebe, daß die Säule der sozialdemokratischen Partei, die den Bau der großen Koalition nach wie vor trägt, morsch sei, so stütz« ich diese Ansicht hauptsächlich darauf, daß auf dem jetzigen Parteitag ein geradezu entsetzlicher Mangel an politisch tragenden oder auch nur agitatorisch wirksamen Ideen zutage getreten ist. Der Achtstundentag und die materialistischen Interessen der arbeitenden Klasse sind das einzige, wovon man sich vielleicht noch einen Eindruck auf die Massen versprechen mag." Die politische tragende Idee sieht er in der— v ö l k i s ch e n Bewegung. Herr v. G r a e f e der Träger des deutschen Idea- lismus. Es berührt merkwürdig, daß der Vorwurf des mangelnden Idealismus auch in der„V o s s i s ch e n Zeitung" von Herrn R. L—n.- erhoben wird. Idealismus ist nicht Sensation, ist nicht das Prangen mit großen Worten nach den Gebräuchen der modernen expressionistischen Politik. Idealismus ist nicht der hysterische Aufschrei und nicht die verstiegene Mystik, die leider ein Teil der jungen Generalion mit Idealismus ver- wechselt, und die�sie mit schwachem Mute und verwirrtem Kopf suchen— ohne zum wahren Idealismus sich durchzuringen— zur selbstlosen Arbeit und Hingabe an ein großes Ziel. Nicht der Lärm und die Sensation macht den Idealismus— ist der von Herrn R. L— n. vermißte Idealismus etwa bei Ullstein zu finden? Davon abgesehen, unterstreicht die„V o s s i s ch e Ztg." gemeinsam mit dem„Berliner Tageblatt" die große Bedeutung des Parteitages und feiner Beschlüsse für den Schutz der Republik. Die„V o s s i s ch e Zeitung" schreibt: „Republikanische Realpolitik: das ist dos Ziel, das die leitenden Männer mit aller Entschiedenheit oerfolgen. Das überzeugte und tatkräftige Eintreten d«r S o z ia ld e m o k r a- ten für die Republik ist heute für den Bestand des Deutschen Reiches und seiner Verfassung um so werwoller, alz bei den bürger- lichen Parteien, die sich zur Republik bekennen, leider nicht immer dieselbe Tatkraft und dieselbe Bekennwisfreudigkeit vorhanden sind." Und das„V e r l i n e r T a g e b l a t t": „Es ist das Ergebnis dieser Verhandlung und der gestrigen Abstimmung, daß das Schlagwort von der„einheitlichen reaktiv- nären Masse", gegen die das„Proletariat" seinen Kampf zu fiihren habe, aus der praktischen Politik der Sozialdemokratie endgültig beseitigt ist. Dies« Entscheidung hat nicht nur parteipolitische Be- geutung. Sie ist zugleich ein Erfolg des republikanU s che n G e da n k e n s und«in« Niederlage der Re- a k t i o n." Die„Z e i t", das Organ der Volkspartei, spricht von einem bedenklichen Auseinanderklaffen der Partei, die nur die äußere Einheit beHaupts. Das ist ein Punkt, über den die„Zeit" nun gerade nicht reden sollte. Denn schließlich ist das Ergebnis der innerpolitischen Entwicklung seit einem Jahre: die Festigung der wiedergeeinten Sozialdemokratie hier, der fortschreitende Zerfall der Deutschen Volkspartei dort. Justiz unö rechtsraüikaler Terror. WaS in der prenstischen Staatsanwaltschaft möglich ist. Die„Vossische Zeitung' veröffentlicht einen Vor- gang, der ein Gegenstück zum Freispruch im Thormann-Gran- dell-Prozeß ist. Der Reichsführer der deutschvölkischen Stu- dentenbewegung, Hans Lutz, hatte an den Chefredakteur der„Vossischen Zeitung" einen Brief gerichtet, der folgender- maßen lautste: „Ich habe in der Presse einen„Offenen Brief cm Herrn Bern» Harb" veröffentlicht. Ich teile Ihnen hierzu noch mit, daß ich Sie ein und für alle Male vor solchen Gemeinheiten unserem Ehrenoorsttzen- den Exzellenz Ludendorff gegenüber warne, anderenfalls ich Ihnen den Glauben nehmen muß, daß sich die deutschvölkische Studenten- bSwegung in Zukunft mit dieser Form der Zurechtweisung de- gnügen muß." Dieser Brief wurde der P o l i z e i übergeben, die ein E r � mittelungsverfahren wegen Nötigung und Bedrohung einleitete und die Akten an die Staats- a n w g l t f ch a f t abgab. Der General st aatsanwalt beim Landgericht I entschied sich nach etwa sechs Wochen folgendermaßen: „Der Beschuldigte bestreitet, Sie mit einem Verbrechen oder Bergehen, insbesondere mit irgendwelchen Gewalt- tätigtet ten bedroht zu haben, und gibt an, er habe nur für den Fall weiterer Angriffe auf Ludendorff gegen Sie und Ihre Politik in ausführlicheren Zeitung sartiteln Stellung nehmen wollen. Dieser Einlassung steht die unklare und allgemeine Fassung des beanstandeten Briefes nicht entgegen Ein Bergehen der ver- suchten Nötigung läßt sich daher dem Beschuldigten nicht mit hin- reichender Sicherheit nachweisen." Der Chefredakteur der„Vossischen Zeitung" erhob Be- schwerde mit folgender Begründung: „Daß der Beschuldigte bestreitet, mich mit einem Ver- brechen oder Vergehen, insbesondere mit irgendwelchen Gewalttätig- keilen bedroht zu haben, ist selbstverständlich. Er ist eben zu feige, um die Folgen seiner Handlungen zu trogen. Dogegen befremdet es mich auf das höchste, daß die Staatsanwaltschaft die Ausflüchte des Beschuldigten als gerechtfertigt betrachtet. Die Fassung des von mir beanstandeten Briefes ist durchaus nicht im allgemeinen unklar, sondern im Gegenteil höchst spezialisiert und klar. Es kann gar keine Rede davon fern, dost der Beschuldigte beabsichtigt hat, mü weiteren Artikeln gegen mich vorzugehen. Denn er verweist mich ja auf einen bereit? veröffentlichten Artikel und erklärt, daß sich di« deutschvölkische Studentenbewegung in Zukunft„mit dieser Form der Zurechtweisung nicht begnügen wird". Der General st aatsanwalt bei dem Kammer- gericht hat der Beschwerde nicht stattgegeben. In seinem Be- scheid heißt es: „Die von dem Beschuldigten gewählt« Wendung läßt nicht den zwingenden Schluß zu, daß er Sie mit einem Vergehen oder Der- brechen bedrohen wollte, oder daß er damit gerechnet hat, daß Sie die Aeußerung als eine solche Bedrohung auffassen würden." Das Verhalten der Staatsanwaltschaft stellt eine u n- erhörte Verweigerung von Rechtsschutz gegen offenbare Bedrohung dar. Kein Wunder, wenn völkische Buben sich durch ein solches Verhalten der Justiz ermutigt fühlen zu Gewalttätigkeiten. Es ist nötig, daß geprüft wird, ob das Verhalten der Staatsanwaltschaften pflichtgemäß war. Will die Staatsanwaltschaft warten, bis der Chefredakteur der „Vossischen Zeitung" das Opfer eines Ueberfalls völkischer Mordbuben geworden ist?__ Neuer Kurs im Nheinlanü. Wiesbaden, 14. Juni.(WTB.) Wie das Kreisbkatt in Höchst mitteilt, sind in den letzten Tagen im hiesigen Bezirk 15 Ausweisungen zurückgenommen worden. Ferner ist einer Anzahl ausgewiesener Familien ein befristeter Aufenthall im be- setzten Gebiet gestattet worden. Koblenz, 14. Juni.(WTB.) Anläßlich der Eröffnung der Mittelrheinischm Industrieausstellung ist einer Reih« von Industriellen, Ue von der Besatzungsbehörde ausgewiesen worden waren, die Rückkehr in die Heimat gestattet worden. Fern« wurde die Ausweisung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs und des Koblenzer Regierungspräsidenten aufgehoben. Anmerkung des WTB.: An Berliner zuständiger Stelle liegt eine Bestätigung der letzteren Meldung noch nicht vor. Der Generalssohn als AntimiNtarist. In C r i st i a n i a wurde der Student Theodor Broch gemeinsam mit 41 jugendlichen Arbeitern wegen antimilitaristischer Propaganda o e r h a f t« t. Theodor Broch ist der Sohn eines höheren Offiziers im norwegischen Generalstab. Wie sollt der Apsel weit vom Stamm« Gesegneter Tag. Dana hat ein Tag dich gesegnet: wesenlos mußt du flehn. so am Abend— wann es geregnet— schöne Frauen über gewölbic Brücken geh». Blumen sind und Gerüche. Aber du weißt es nicht. Bergesseue Sprüche lebeu in deinem Gesicht. Deine Augen zünden ein Leuchten. alle Gestirne heben zu schwanken an. Du aber legst mit feuchten Wimpem— einen Kuß in die Hand dem Bettelmann. ___________ Alfred Brust. Die beiden Raupen. Von Ernst Preczang. Es Ovaren«mmal zwei Raupen, Kinder aus der Familie der Spinner, Porthesia mit Namen oder auch Goldaster, wenn sie das höher« Lebensfiadium des Schmetterlings erreicht haben. Zwei Raupen jener jeltsamen Art, die an der Sonnensucht leidet. Wenn der Frühling sie aus ihrem winterlichen Schlupfwinkel gelockt hat, zieht das große Licht sie an wie ein Magnet das Eisenspänchen. Was hinter ihnen ist. wissen sie nicht. Sie sehen nur die Sonne vor sich, über sich, und klettern langsam höher und höher an den Zweigen, bis in die äußerste Spitze, wo sie lichthmigrig oerharren, bis leib- sicher Hunger sie reizt, sich an den ersten weichen Blättern, die der Lenz trieb, zu sättigen. Und dann erst, wenn sie eine Mahlzeit zu sich genommen haben, können sie sich wenden— vorher geht ihr Weg nicht anders als aufwärts... Bon dieser Art also waren die beiden Raupen. � In dem welken, zulammengerollten Blatt einer Buche hatten sie gemeinsam über- wintert, bis der erste warme Sonnenstrahl des Frühlings ihr Versteck traf und seine leuchtenden Spiele an Stamm und Aesten trieb. Da gähnten sie kräftig, reckten sich und krabbelten aus ihrer engen Be- Häufung hervor. „Wohin?" fragt« die erste. ..Zur Sonne," erwiderte die zweite. Es wird eine beichwerlicke Reise werden." Mas schadet es. Ist das Ziel nicht hoch und schön?" Wie kann der Weg unangenehm sein?" „Wenn wir es nm errelchen..........„„ „Gewiß erreichen wir«s. Oder hast du>etzt ichon mudc Fuße?" „Das nicht. Aber es führen so viele Wege nach oben. Nach ollen Seiten recken sich die Aeste. Welchen wählen wir?" „Den längsten. Den, der am höchsten hmaufreicht. Denn dort sind wir der Sonne am nächsten, und kein Schatten verdunkelt ihr Licht. Wir werden ihre Strahlen trinken vom Morgen bis zum Abend." „Ich ziehe einen kürzere» Weg vor. Auch er führt hinauf in die Helle. Und ich sehe nicht ein, warum ich mich unnötig anstrengen soll!" Und da die beiden Raupen sich nicht einigen konnten, trennten sie sich und wählten verschiedene Wage. Die eine strebte mit allen Kräften dem Wipfel zu: die zweite begab sich auf einen Nebenast, der schon die ersten kleinen Blatt- knospen trieb. Bereits am folgenden Tage Hatto sie die Spitze er- reicht, sonnt« sich hier behaglich im warmen Licht und entdeckte, als sie Hunger verspürie, neben sich zwei wundervoll zarte, grüne Blätt. chen, an denen sie nun zu nagen begann. Wie mühselig aber war der Weg der anderen Raube! Wie unendlich lang! Ganze Tage wanderte sie, die Augen nach oben ge- richtet. Nur in der Nacht ruhte sie und verharrte still auf ihrem Wege. Endlich, eines Morgens, als sie erwachte, breitete sich gol- denes Feuer dicht über sie: der Wipfel glüht« im ersten Lichte des Tages. Hier zweigten sich die letzten Aestchen der Krone ab— und lange überlegte sie, welchen von diesen Zweigen sie besteigen solle. Ueberall sproßten die grünscrstigen Blattknospen hervor— und nur einer war da. der ragte kahl und steil in di« Höhe. Die Sonn« traf ihn mit ihrer ganzen Gewalt und hüllte ihn in ein goldenes Gewand von Lichter, einsamer Herrlichkeit. Zitternd, von Sonnenschnsucht ganz durchbebt, sah es die Raupe und wählte ihn als letztes Stück dos Weges. Bald war sie an die äußerste Spitze gelangt, und trunken von der Prallst ringsum, klammerte sie sich an den letzten dürren Ausläufer des Zweiges und oerharrte dort m Sonnenjeligkeit, bis der Abend die Sonn« oerschluckte und die Dämmerung sich über die Wipfel breitete. Und nun. da es dunkel zu werden begann, erstand ein bisher ungekannies Gefühl in ihr: der Leib fordert« Nahrung. Ihr Blick wanderte /suchend umher: kein Blättchen, keine Knospe grünte in ihrer Nähe. Nichts, das ihren Hunger hätte stillen können. An den anderen Zweigen keimten lockend zahlreiche Blätter, aber sie konnte nicht dahin gelangen. Denn der Gedanke, sich abzuwenden vom hohen Licht, kam ihr nicht. Und so blieb sie, vor Hunger zusammen» gekrampft, an der Spitze ihres Zweiges sitzen und sah die Sonne auf- und untergehen... Ihre Gefährtin hatte inzwischen längst die k»:iden ersten Blätt- chen verzehrt, sich unigewendet und begann nun, einen Zweig nach dem anderen abzugrasen. Sie vergaß darüber di« Sonne und alles Licht, richtete ihren Blick nur noch auf die saftigsten Blätter und ward wählerisch in der Speise. Denn mit>Äxm Tag entdeckte sie neue, reiche Weidegründe. Sie wurde fett und fetter, und als ihr das Buchenlaub nicht mehr zusagte, weil sie einmal etwas anderes fressen wollte, entschloß sie sich, diesen Baum zu verlassen und nach abwechselungsreicheren Mahlzeiten Umschau zu halten. An einem Abend gelangte sie mit ihrem dicken Leibe an den Fuß der Buche und war gerade dabei, sich ein behagliches Schlaf- plötzchen zu suchen, als ein Sturm in den Wipfeln zu rauschen begann. Gewaltig heulte und knackte es im Wald«. Zweige brachen und Aeste zersplitterten. Ein trockenes Holz klapperte durch die Buche und hätte fast die Raupe erschlagen: denn es fiel dicht neben ,hr zu Boden. Und als sie es genauer betrachtete, bemerkte sie ein gelbbraunes Klümpchen mit weißen und roten Längsstreifen, das fast mit der Spitze des Holzes verbunden schien. Da erkannte sie ihre Gefährtin, schüttelte strafend den Kopf und sagte:„Wie mager du bist! Und es ist doch, weiß Gott, genug zu fresjcn da. Aber das kommt von deiner törichten Berstiegenhett, die sich nur mit dem Lichte nähren möchte! Sieh mich mal an! Ich bin beizeiten umgekehrt. Man muß der Helle den Rücken zuwenden. wenn man gut leben will. Mache es ebenso!" Aber die andere tot«s nicht. Sie antwortete nicht«mmol. Denn sie war längst verhungert. Und erst der Sturm hatte ihre Leiche vom Lichte losgerissen. Menschen, üie nicht fortschreiten. Ich liege auf der Wiese, die Sonne brennt. Eine junge Frau hat ihr« Wäsche ausgebreitet, zwei kleine Kinderchen hüpfen umher. „Es ist sehr schwer, zwei Kinder heute groß zu ziehen..." „Gewiß," antwortet sie,„doch eine Frau schickt sich schon drein" Sie fahrt gesprächig fort:„Das kernt man schon als Mädchen. Ich habe mich immer mit Wenigem begnügen müssen, während meine Brüder Geld von zu Hause bekamen. Aber das ist bei Herren auch etwas andres, ein Mann hat doch mehr Ansprüche..." Ich muß lächeln. Das stört sie nicht, sie bleibt bei ihrer Auf- fassung. Auch dann noch, als ich ihr die verkehrte Anschauung klar- zumachen suche. * Ich schreite durch die Anlagen. Am Vormittag. Auf einer Bank sitzt eine Krankenschwester. Ihr milchweißes Angesicht fällt mir auf. Zwei Kinder hütet sie für ihre Herrschaft, sie sitzen ruhig neben ihr, fast traurig, als seien sie noch ärmer als die ärmsten Kinder. Kein Frohsinn lacht mir auf den drei Gesichtern, obwohl die Vögel in den Zweigen zwitschern und di« Blumen zu ihren Füßen freudig nicken. Es regt sich nichts in ihnen, sie sitzen still-> Da fühle ich sehr deutlich die Herrschaft auf den drei Gewalten lasten, die Herrschaft— auch aus diesen Kindern. ■* Mein Nachbar ist Hausmann. Er wird immer begehrt und immer beansprucht, vom Morgen bis zum Abend cst er aus den Beinen.. Er klagt gern über die viele Mühe, die er hat, über die Pfen- nig«. die er bekommt, über die paar Minuten, die ihm zum Ausruhen bleiben. Ich sage:„Meister— und dann lesen Sie auch noch ein Blatt, das die Ausbeutung dieser Gesellschaft billigt? „Nu ja—" antwortet er mir..... Ich sage:„Meister— diese Zeitung gehört m keine Arbeiter- familie." Er antwortet!./Die Zeitung bringt uns mehr Papier..." Ich sage:„Meister— das ist auch alles. Mehr Licht, mehr Raum, mehr Brot, mehr Zeit, mehr Erholung, mehr Recht, mehr Verdienst— das bringt Euch unsre Zeitung." Er antwortet:„Nu ja— wir brauchen aber das Papier...' Johannes Berthold. Giacomo Matteotti. Der italienische Faschismus ist eine unflare und vielgeftaltige Bewegung. Aber feine Substanz fann definiert werden als ein Staatsstreich, ausgeführt pon der Plutokratie Banfiers, Industrielle, Großgrundbefizer, die sich im Krieg bereichert haben zum Schaden des ungeschützten Staates.... Heute ist es nicht mehr möglich, mit ihm zu diskutieren. Das Kapital und die Regierung sind eins, und sie haben Ansehen und Methoden einer absoluten Macht angenommen. Rom, schließlich und endlich, Bundesgenossin der Großbanken, der Großindustriellen und Großgrundbefizer, distutiert nicht mehr Guglielmo Ferrero. es tommandiert. Das tragische Ende Giacomo Matteottis, der als Opfer einer scheußlichen Banditentat des italienischen Faschismus fiel, bedeutet für den italienischen und den internationalen Sozalismus einen schweren Verlust. Matteotti, ein Mann lebhaften Geistes, durch drungen von hoher Kultur, nahm sehr jung die Ideen des Suzialismus auf und wirfte für sie zunächst in seiner Heimatproving Pole fino, dann weit über ganz Italien hin. Sohn einer sehr reichen Familie aus Fratta Polesino, verschmähte er es, auf Grund feines Herkommens und feines Vermögens ein Drohnenleben zu führen; er widmete sich ganz dem politischen Leben zum Nutzen der arbeitenden Klassen und spendete bedeutende Summen zum Besten der Bewegung. Schon auf dem Kongreß der italienischen Sozialisten in Bologna erwies fich Matteotti als eine bedeutende Persönlichkeit. Er wurde 1919 zum ersten Male in die Kammer gewählt. Als Deputierter war er einer der mutigsten und attivsten Bertreter der italienischen Sozialisten. Man muß schon die italienischen Barlamentsberichte nachlesen, um sich annähernd eine Vorstellung davon zu machen, in welch unerschrockener und unermüdlicher Weise Genosse Matteotti durch Resolutionen, Interpellationen, Gesetzesvorschläge usw. für seine Sache kämpfte. Während der 25. Legislaturperiode der italienischen Rammer war er Mitglied des Finanzausschusses und brachte einen Gesegesvorschlag ein, der die Unwählbar feit aller an Staatsfieferungen interessierten Bersonen forderte. Matteotti war ein glänzender, hinreißender Redner, von einer ausgezeichneten Anpassungsfähigkeit, vermöge derer er in der Lage war, auch ohne besondere Borbereitung bei allen möglichen Debatten inner wie außenpolitischen-, bei ökonomischen wie finanziellen Fragen das Wort zu ergreifen. Bei allen feinen Reden wirfte er durch seine große Sachfenntnis und Sachlichkeit durchaus überzeugend. Sein Interesse beschränkte sich jedoch keineswegs auf wirtschafts liche Fragen. In der Kammer geißelte er alle die scheußlichen ver brecherischen Laten, die die faschistischen Banden nicht scheuten, selbst gegen Frauen und Kinder zu begehen. Er selbst wurde mehrere Male das Opfer solcher Anschläge, bis ihn jetzt sein Schidjal ereilte. Trotz vieler ihm zugegangenen Drohungen ließ er sich nicht abhalten, die traurige Lage des italienifchen Lebens unter der Schredensherrschaft Mussolinis immer wieder öffentlich in erschütternder Weise darzustellen. Matteotti war der Sekretär des ,, Partito Sozialista Unitario". Oft war er in fchwierigen Missionen im Auslande tätig. Noch in lebhafter Erinnerung ist seine leẞte Anwesenheit in Berlin anläßlich der Internationalen fozialistischen Repa. rationstonferenz. Hierbei äußerte er auch von Freunden fragt sich über die nächste Zukunft und die innere Lage in Italien sehr pessimistisch. Offiziöse italienische Blätter verbreiten die Nachricht, daß Metteotti den Plan gehabt habe, eine große antifaschistische Organi lation im Auslande einzurichten. Jeder, der das wirken Matteottis tennt, weiß, daß dieser unerschrockene Sozialist nicht im entferntesten daran dachte, durch Schaffung antifaschistischer Organisationen im Auslan be Mussolini zu bekämpfen, sondern daß er immer wieder im eigenen Lande, umgeben von Gefahren und von der Parlamentstribüne herab, die Gewaltpolitik Mussolinis bekämpfte. Es ist daher nur zu leicht verständlich, daß Matteotti ben Faschisten als ein unermüdlicher, unerschrodener Gegner fehr un bequem wurde, besonders da er wegen seiner vornehmen Kampfesmeise große Sympathien auch bei den anderen Oppositionsparteien des italienischen Parlaments besaß. Er hat als ein Held gefämpft und ist als ein Held gefallen. Ein freies Italien der Zukunft wird ihn als feinen Märtyrer ehren. Rom, 14. Juni.( WTB.) Mussolini hatte gestern nach der Rammerfizung eine Unterredung mit Frau Matteotti, die ihn wohl auf Grund der umlaufenden Gerüchte von der Auffindung Mussolini versicherte bei dieser Gelegenheit Frau Matteotti, daß die der Leiche ihres Mannes bat, ihr die Leiche herauszugeben. Regierung alles aufbieten werde, um alle Schuldigen ausfindig zu machen. Da in dem Automobil, in dem Matteotti entführt worden ist, Blutspuren gefunden wurden, wird im allgemeinen angenommen, daß der Abgeordnete tatsächlich ermordet und seine Leiche entweder im Bicosee perfenft oder in den großen Wäldern der Umgegend vergraben worden ist. Förderung des Wohnungsneubaues. Zwischenkredite für Kleinwohnungen. Die Vervon Kleinwohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung Zur Bewährung von Zwischenfredit bei der Herstellung find, wie der Breußische Minister für Boltswohlfahrt in einem Erlaß an die nachgeordneten Behörden ausführt, in beschränktem Umfange staatliche Mittel bereitgestellt worden. waltung dieser Mittel und die Gewährung des Zwischenkredits wird durch die Preußische Landespfandbriefanstalt in des Kredits gibt der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes Berlin SW. 68, Schützenstr. 26, erfolgen. Ueber die Einzelheiten befannt: Der Zweck des Kredits. Der Zwischenkredit wird zur Herstellung von Kleinwohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung in Kleinhäusern jeder Art, ins sekretär für Inneres und Vizekommissar für Luftschiffahrt, Finzi, besondere solchen, die auf gemeinnütiger Grundlage erNach einer Meldung der Agenzia Stefani hat der Unterstaats- besondere in Wohnheimstätten, ferner in Mittelhäusern, insda sein Name indirekt mit dem Berbrechen an Matteotti in Zurichtet werden, gewährt. Er soll grundsäglich zum Aufbau der Häuser fammenhang gebracht worden ist, unter energischer Bestreitung jeden solchen Zusammenhanges seine De miffion eingereicht, um so die notwendige Bewegungsfreiheit zu erhalten, um sich gegen die Berleumdungen feiner Feinde verteidigen zu können. Mussolini hat die Demission Fingis angenommen mit der Erflärung, daß er diese eble und mutige Handlung billige und daß er die Gegner Fingis einlade, ihre Behauptungen zu begrün. den. Angesichts ähnlicher Verdächtigungen hat der Breffe chef des Ministerpräsidenten, Cefare Groffi, der zugleich Mitglied des Biererausschusses der Faschistenpartei ist, ebenfalls feinen Rücktritt erklärt. Mussolini hat auch diese Demission angenommen. Wer hat Matteotti ermorden lassen? Mailand, 14. Juni.( TU.) Zu dem Berbrechen an Matteotti stellt der Avanti" die Behauptung auf, daß die Regierung über das Verbrechen Bescheid weiß. In der Redaktion des Blattes sei ein Kommissar erschienen, um Mäßigung in den Kom. mentaren zu empfehlen, da die Regierung fonft jebe Berantwortung für eventuelle Folgen ablehne. Ferner berichtet das Blatt, in der Nacht auf Freitag sei von der Polizei in Mailand eine große Tätigkeit entfaltet worden. Einige von Faschisten besuchte Lokale seien darauf scharf überwacht und es feices aussuchungen und Verhaftungen vorgenommen worden. Von Mitternacht an sei auch auf dem Bahnhofe eine scharfe Kontrolle des Reisenden verfehrs durchgeführt worden. Der„ Secolo" schreibt, das Gerücht von einer Mitverantwortung hochgestellter Kreise nehme immer festere Form an. Man rede von sensationellen Berhaftungen, die bevorstehen sollen. Paris, 14, Juni.( UP.) Der Bollzugsausschuß der franzöfifchen Sozialistenpartei hat die parlamentarische Graffion der italienischen Sozialistenpartei ein Telegramm gefandt, worin die Entrüstung der französischen Sozialisten über die Ermordung Matteottis ausgedrückt wird. sowie zur Abstoßung von Hypotheken und anderen auf diesem dienen, kann aber auch ausnahmsweise zum Ankauf von Bauland ruhenden Basten gewährt werden. Die Einräumung des Zwischen. fredits erfolgt durch Bermittlung der Preußischen Landespfandbrief. anstalt für Häuser, die von dieser mit Tilgungshypotheken beliehen werden sollen. Der Zwischenkredit ist vor weg genommener Grundkredit. Seine Höhe richtet sich nach der fünftigen Beleihung mit Grundkredit und darf den nach der Sagung der Anstalt beleihbaren Teil des Wertes der Häuser nebst Grund und Boden nicht übersteigen. Die Sicherung des Zwischenkredits. Die Sicherung des Kredits soll bis zur Eintragung von Til gungshypothefen auf den fertigen Häusern in den für die Landes. pfandbriefanstalt zu bestellenden oder abzutretenden Hypothefen oder. Grundschulden, in Bürgschaften sowie anderen Sicherheiten bestehen. zur Prüfung der Sicherheit des Kredits fann die Preußische Landespfandbriefanstalt die Vorlegung der erforderlichen Unterlagen ververpflichten, ihr jederzeit Auskunft über ihre Vermögenslage zu langen. Die Siedlungsunternehmer haben sich auf Verlangen zu geben. Darlehusbedingungen. gegeben. Erfolgt von feiner Seite eine Kündigung, so verlängert Der Zwischentrebit wird zunächst auf ein halbes Jahr sich die Bewilligungsdauer von Bierteljahr zu Bierteljahr, jedoch grundfäßlich nicht über den 1. April des auf die Kreditgewährung folgenden Jahres hinaus. Für die Verlängerung ist eine Provision von Proz. pro Bierteljahr zu zahlen. Der Zwischenkredit wird als wertbeständiges Darlehn gewährt. Der Zinssak beträgt bis auf weiteres 3 Pro3. Ueberreichsbankdiskont für das Jahr; daneben werden einmal 1 Broz. Unfostengebühren und 1 Broz. Bereitstellungsprovision für die Preußische Landespfandbriefanstalt erhoben. Werden diese Beträge nicht rechtzeitig gezahlt, so erhöht fich der Zinsfuß für die Dauer des Verzuges um die Hälfte des jeweiligen Reichsbankdisfonts. Zur Frauentagung. Heute tommen die Genofsinnen aus dem ganzen Reich zusammen, um miteinander zu beraten. Die Arbeit der hinter uns liegenden zwei Jahre, die Erfahrungen der Wahl, geben reichlich Stoff für einen Berhandlungstag. neben der Erörterung der praktischen Dinge ein BeratungsEs war immer üblich in den Frauenkonferenzen der Partei, thema zu stellen, das eine Kulturaufgabe der Partei darstellt, wir uns diesmal in der Ankündigung mit dem einfachen Titel von dem aus wir Wege fuchten für unsere fernere Arbeit. Wenn „ Die Frauen und die Wahlen" begnügten, so bedeutet das durchaus nicht, daß wir auf die Erörterung zufünftiger Ent wicklungsmöglichkeiten verzichten wollen. Im Gegenteil. Die Frau in der Politik, die Frau als tätiges Mitglied der Partei, die Frau als Lernende und Lehrende, die Frau als Wählerin, das sind Problemstellungen für jeden, der sich mit der Frage beschäftigt, welche Aussichten die Sozialdemokratie in der zufünftigen politischen Entwicklung hat. Ob sie jemals zu jener Machtstellung gelangen wird, in der sie ihren ideellen Zielen Machtstellung gelangen wird, in der sie ihren ideellen Zielen näher kommt, und das aus eigener Kraft verwirklichen fann, was sie für die Massen der Arbeitenden wünscht. Boltsbühne. Im Theater am Bülow plat feierte die rheinische Komödie aus der Franzosenzeit, Schneider Wibbel" von Hans Müller Schlösser ihre fröhliche Auferstehung unter der bewährten Regie des Baul Hendels, au dessen Glanz rollen der Schneidermeister Anton Wibbel gehört und zu deffen Ehren als leichtere Sommerfoft das Stück wohl auf den Spielplan gesetzt worden ist. Es macht feinen Anspruch darauf, literarisch ge mertet zu werden. Dafür ist es aber luftig, sehr luftig sogar, so daß die Zuschauer in die beste Laune versezt wurden. Die Komödie ist nicht nach dem üblichen Rezept der Schwantfabrikanten fonstruiert, sondern es entwickeln sich aus einer verschmitten Idee der Frau Bibbel die tomischsten Situationen, in denen der Schneidermeister und München, in einigen Bezirken Hamburgs, in Sachsen, Sehen wir uns die Zahlen an, wie sie sich in Nürnberg gerührt sein eigenes Leichenbegängnis mit ansehen kann und ge. Thüringen und dem Rhein aus der getrennten Abstimmung zwungen ist, einen lebenden Leichnam darzustellen. Die fleinen Schwächen und Eigenheiten seiner Mitmenschen hat Müllerergeben, so fommen wir zu verschiedenen Betrachtungen, BerSchlösser in seiner fölschen Komödie famtos gezeichnet, die Haupt- mutungen und Schlußfolgerungen. In Bayern fehen wir eine rollen des Schneider Wibbel, seiner Frau und des Schneidergefellen relativ starte Stimmabgabe der Frauen für den Bölkischen Mölfes bieten die beste Gelegenheit, in prächtiger Komit zu glänzen. Blod", während die Kommunisten fich feiner übergroßen SymBaul Hendels mit feinen schlaffigen Bewegungen, feinem teipathie der weiblichen Wähler zu erfreuen haben. Ist es so, weise larmoŋanten, teilweise bramarbasterenden Wesen, Thea wie mir jemand sagte, daß der militärische Klimbim und das Grodtczinsky als betuliche, nie um eine Ausrede verlegene, brutale Auftreten seinen Eindruck auf die Frauen nicht verbrutale Auftreten feinen Eindruck auf die Frauen nicht verlieb energische Ehefrau, Harry Berber in seiner fadenscheinigen fehlt, daß sich hier eigentlich ein Stüd Geschlechterpsychologie Grandezza und dem zur Schau getragenen dümmlichen Eigennus, ent enthüllt, wo man am wenigsten daran denft? Dem wider feffelten immer neue Lachstürme. Uebrigens kommt das echt wirkende Stüd nicht jedermann fo fprechen die Ziffern aus Sachsen und Thüringen, wo aus dem harmlos vor. Vor kurzem hat ein franzöfifcher Besatzungskom Stimmenverhältnis deutlich sieht, daß außer den engsten AnStimmenverhältnis deutlich sieht, daß außer den engsten Anmandant aus den Rheinlanden den„ Schneider Wibbel" verboten, gehörigen teine Frau einen völkischen Bettel abgegeben hat. meil im ersten Aft der angeheiterte Schneidermeister despektierliche Aeußerungen über die Franzosen macht. Woraus man erkennen fann, daß das schwer bewaffnete Militär einen nachdrücklicheren Dgr. Schutz nötig hat, als wir simplen Zivilisten. Der Schafftall als Kriegerdenkmal. Die Stadt Dinkels. Der Ent bühl in Mittelfranken befigt eine 1371 erbaute gotische Rapelle, bie in Berfall geraten und zuicht als Safft ali benutzt worden war. Jetzt hat die Gemeinde das Gebäude renoviert und als Kriegsgedächtnis halle ausgebaut. nidlungsgang vom ehemaligen Gotteshaus über den Schafstall zum Molochtempel bedeutet jebenfalls ein Unifum in der Geschichte der Deutschen Architettur. Eine Abbildung des interessanten Baus, die Die Deutsche Tageszeitung in ihrer illustrierten Wochenbeilage veröffentlicht, zeigt übrigens, daß dem Tempel der Charakter des Sdafſtalls auch in feiner neuen würdigen Form" gewahrt ge blieben ist. " Führungen in Museum für Meeresfunde, Georgenstr. 34, Dienstag, den 17, 12 hr, Broj. Krumbach: Wie fich die Wassertiere ernähren. Dienstag, Ben 24., 12 Uhr, Prof. Brühl: Das Baffer der Dzeane. Infendantenteile in Hannover. Billi Grunwald, der Intendant der stäblischen Bühnen in Hannover, hat ein Gesuch um fofortigen Nüdtritt bon feinen mit als Sntendant eingereicht. Er will die Leitung der bereinigten Theater von Hamborn- Oberbaufen- Glabbed übernehmen. Die Gründe für den Rüdtritt Grunwalds liegen in seiner Unzufriedeheiz mit ben inneren Berhältnissen der Theaterverwaltung Ueberall aber, ohne Ausnahme, sehen wir aus dem Bergleich der Ziffern eine starke Beteiligung der weiblichen Wäh gleich der Ziffern eine starke Beteiligung der weiblichen Wählerstimmen an dem Ergebnis für die Deutschnationalen und dort, wo es dominiert, natürlich auch für das Zentrum. Beim letteren, das wissen wir, ist es die starke Bindung durch die Kirche. Aus welchen Kreifen aber rekrutieren sich die deutschnationalen Wählerinnen? Es sind neben den sogenannten Mittelstandskreisen, neben dem eigentlich ihrer Klaffenlage nach zu uns gehörenden Schichten der Beamten, auch unzählige Arbeiterfrauen, die diesmal deutschnational gewählt haben. Es sind die Frauen, denen seit acht Jahren im Grünframteller, beim Kaufmann, beim Metzger, beim Bäder, wenn sie eintaubeim Kaufmann, beim Megger, beim Bäcker, wenn sie eintaufen gehen, eingehämmert wird, ja unter dem Kaiser war alles beffer. Hier ist in all den Jahren eine fyftematische Agitation getrieben worden, die jetzt ihre Früchte getragen hat. Eine Agitation demagogischer Art. In Augenblicken der Verzweiflung, mit geringen Mitteln vor viel zu teuren Waren stehend, wurde Tag für Tag auf die Frauen eingehämmert, ohne ihnen die wirklichen Ursachen der Inflation, der damit verbundenen Teuerung zu nennen, wurden sie hingewiesen auf die monarchistische Vergangenheit, in der die Sozialdemokraten nicht in der Regierung faßen. Es sind aber auch die Frauen, die aus einem begreiflichen Bedürfnis nach Freude und Glanz einoder zweimal in der Woche ins Rino laufen und dort in den verschiedensten, dem ungeschulten politischen Kopf so leicht ein. gehenden Bildern politische Aufklärung" empfangen. Es find aber auch die Frauen, die aus dem gleichen Bedürfnis nach Abwechslung in ihrem täglichen Einerlei die Unterhalneutralen" Beranstaltungen der hinter diefen Blättern stehentungs- und Familienblätter verschiedener Art lesen und die den Organisationen besuchen. Hier( im Blatt, wie im Unterebenfalls, für die Frauen ganz unmerklich, ein Stückchen polihaltungsabend) wird neben guten und schönen Darbietungen tischer Arbeit verrichtet, ohne daß es greifbar ist, werden die Frauen politisch beeinflußt, natürlich gegen die Sozialdemo fratie. Man muß es den Gegnern des Frauenwahlrechts lassen, sie verstehen es gut, die Frauen, die nach ihrer Meinung leider das Wahlrecht nun einmal haben, für sich zu gewinnen. partei gibt es eine Reihe Aufgaben, die in einer ganzen Reihe Für die sozialdemokratischen Frauen und für die Gesamtvon Fragen ihren Ausdruck finden: Wie gewinnen wir die Frauen für die Partei, mie geminnen und schulen wir diese für die Arbeit, auf welchem Wege welches sind die am besten geeigneten Arbeitsgebiete für die führen wir sie am besten zur wirklichen politischen Betätigung, tätigen Frauen der Partei, um ihr Interesse am öffentlichen Leben zu fördern, wie verteilen und verwenden wir am besten unsere Kräfte im Dienst des sozialistischen Gedankens, um zugleich damit einzuwirken auf die großen Scharen der Frauen, die in absehbarer Zeit nur als Wählerinen, nicht als Trägerinnen einer bestimmten Weltanschauung in Frage kommen? Diese Fragen, die sich unendlich vermehren laffen, zeigen deutlich die Verbindung von Theorie und Praxis, führen uns bei dem Verfuch der Beantwortung auf ein so großes Arbeits feld, wo wir nach Herzenlust ackern, säen und auch einmal ernten fönnen. So weit, wie irgend möglich über diese Fragen zur Klarheit zu kommen, damit wir in den nächsten zwei Jahren gemeinsam so viel, wie möglich erreichen, das soll die Aufgabe der Frauenkonferenz fein, ich zweifle nicht daran, daß die Genoffinnen sie mit ganzer Hingabe lösen werden. Manches erscheint einfach und nebensächlich, und ist doch trotzdem die Grundlage alles fünftigen Werdens. So wollen wir an die Arbeit gehen in dem Bewußtsein, daß das Bichtigste von allem für uns Frauen das ist, daß wir unsere Mitschmeſtern in ihren geistigen und seelischen Bedürfnissen fennen lernen müssen, um abfchäken zu können, wo und in welcher Weise wir mit unserer Aufklärungs- und politischen Schulungsarbeit einzusehen haben. Wir wollen als Frauen, und richtiger noch ausgedrückt, wir wollen als politisch tätige Menschen in der Gesetzgebung, in der ganzen politischen Entwicklung mitwirken, in einer Weise, die uns das befriedigende Bewußtsein gibt, an Bflichterfüllung nichts schuldig geblieben zu sein. Die Grundbedingung dafür aber ist, daß nicht nur einzelne Frauen sich daran genügen laffen, ihr eigenes Wiffen der Allgemeinheit gegenüber durch ihre Tätigkeit zu falvieren, nein, Grundbedingung aller demofratischen Entwicklung ist die bewußte Teilnahme möglichst breiter Maffen am öffentlichen Leben. Diese Vorbedingungen zu erweitern und sie zu befestigen, find wir der Sozialdemofratischen Partei, sind wir der Allgemeinheit, sind wir dem Sozialismus schuldig. Entspannung im Reichsbahnkonflikt. Der Konflikt bei der Reichsbahn scheint nach dem Ergebnis der gestrigen Verhandlungen auf dem Wege der Berständigung beigelegt zu werden. Wie wir erfahren, hat die Reichs regierung bei den Verhandlungen an denen außer den Eisenbahnerorganisationen auch die Vertreter der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen teilnahmen, sowohl in der Lohnfrage wie in der Frage der Arbeitszeit ein nicht unwesentliches Zuge. ständnis gemacht. Die Regierung hat sich schließlich bereit erklärt, außer den bereits vom Reichsverkehrsministerium bewilligten Lohnerhöhungen von 5 Pro3. weitere 5 Pro 3. ab 1. Juni jujugestehen. Weiter fällt ab 1. Juli bei den Bahnunterhaltungsarbeiten die zehnte Stunde weg. Allerdings ist die Forderang, die neunte Stunde, weil es sich um eine Ueberstunde handelt, mit einem entsprechenden Zuschlag zu zahlen, noch nicht bewilligt worden. Doch scheinen die Verhandlungen darüber noch nicht abgeschlossen zu sein. Soweit die Dienst dauervorschriften in Frage kommen, beginnen die Verhandlungen darüber erst am Montag vormittag. Wir wollen hoffen, daß auch hier die Regierung bzw. das Reichsverkehrsminifterium ein Entgegenkommen zeigt, das den Eisenbahnern schließlich die Annahme des Kompromiffes ermöglicht. Wir wollen durchaus nicht verhehlen, daß das Ergebnis der Verhandlungen, soweit es bisher vorliegt, unbefriedigend erscheint. Kicht allein wegen der absolut niedrigen Löhne der Eisenbahner, fondern auch wegen der prozentual ungenügenden Aufbeiserung im Verhältnis zur Aufbesserung der Gehälter der oberen Beamten. Wenn auch zweifellos richtig ist, daß im Verhältnis zur Vorfriegszeit die Eisenbahner gewiß nicht schlechter abgeschnitten haben, so darf doch nicht vergessen werden, daß wit, wie das Reichsverfehrsministerium in einer seiner letzten öffentlichen Polemiken gegen die Eisenbahner selbst erklärte, in einer Republit leben und daß dementsprechend aus der soziale Kurs geändert werden muß. Wir erwarten demgemäß, daß bei den Berhandlungen über die Dienstdauervorschriften der Tatsache, daß wir in einer Republit leben, vom Reichsverkehrsministerium auch Rechnung getragen wird. In der Funktionärfonferenz der Ortsgruppen des Bezirks Berlin des Deutschen Eisenbahnerverbandes berichtete gestern Genosse Breunig vom Hauptvorstand über das vorstehende Verhandlungsergebnis. Er bezeichnete das Ergebnis als einen Erfolg, eine Etappe zum Achtstundentag. Bezüglich der Beamtenforderungen wies er darauf hin, daß die Abänderung der Besoldungsordnung Sache des Reichstages sei. Entsprechende Anträge liegen dort schon vor. Die anschließende Diskussion bewegte sich ganz im Sinne des Referenten. Alles muß daran gesetzt werden, um den Achtstundentag wieder zurückzugewinnen. Ein stimmig nahm die Funktionärfonferenz folgende Resolution an: Die am 14. Juni 1924 tagende Funktionärtonferenz des Bezirks Berlin nimmt von dem vorläufigen Verhandlungsergebnis Kenntnis. Sie erklärt zur Lohnfrage, wenn auch nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen find, so betrachtet sie das Ergebnis als einen Erfolg der Organisation. Ebenso ist mit dem Fortfall der zehnten Arbeitsstunde in der Bahnunterhaltung eine dringende Forderung in Erfüllung gegangen. Dagegen müssen unter allen Umständen die Dienstdauervorschriften eine fofortige Rision erhalten, daß die Arbeitszeit auf höchstens neun Stunden festgesetzt wird und die Dienstschichten über zweölf Stunden nicht hinausgehen. Das Personal der Bahnbetriebswerke, mit Ausnahme des Zug beförderungsverfonals. der Umstellungshallen und Güterböden, fomie das Rangierpersonal auf Bahnhöfen mit ununterbrochener Rangierderegung sind von dem DDB. auszunehmen. Die Forderung des Ueberstundenzuschlags für die neunte Stunde und die Wiedereinführung der achtstündigen Arbeitszeit wird nicht eher verschwinden und nicht eher Ruhe im Eisenbahnbetrieb einkehren, bis diese Forderungen ebenfalls resttlos in Erfüllung gegangen sind. Ebenso fordert die Konferenz die Umgestaltung der Besoldungs. ordnung vom Reichstag und Reichsregierung im fozialen Sinne. Sie wünscht eine besondere Berücksichtigung der unteren Beamten. Die Konferenz gelobt, die Organisation fo zu stärken und aus zubauen, damit fie in der Lage ist, diese Forderungen in nächster Zeit durchzusetzen. gebern eine Erhöhung des bisherigen Lohnes, ber in der Spize 60 Pf. betrug, auf 70 Pf. beantragt. Die Unternehmer lehnten in der Verhandlung die geforderte Lohnerhöhung rundweg ab und wollten nur den Jugendlichen eine Zulage von 10 Broz. gewähren. Die Vertreter der Arbeiter konnten diesem Zugeständnis nicht beitreten und riefen den Schlichtungsausschuß zur Entscheidung an: Liefer erhöhte in seinem Spruch alle Löhne des alten Abkommens um 10 Proz. mit Wirkung vom 2. Juni an. Die Versammlung nahm nach längerer Aussprache den Spruch an. Die Redner bemängelten insbesondere, daß die Unternehmer selbst diese geringen Lohnerhöhungen abgelehnt haben. Die Verfammelten lehnten aber auch ein Angebot der Unternehmer, noch einmal in direkte Verhandlungen mit ihnen einzutreten, ab, mit der Begründung, daß die Unternehmer, wenn sie bewilligungsluftig sind, schon in den ersten Verhandlungen Zugeständnisse hätten machen fönnen. Es wurde beschlossen, beim Schlichter die Berbindlichkeitserklärung zu beantragen. Protest der Reichs- und Staatsarbeiter. Gegen das Lohndiktat der Reichsregierung nahm eine vom Deutschen Verkehrsbund nach dem Gewerkschaftshaus einberufene Funktionärversammlung Stellung. Aus dem von der Branchenleitung gegebenen Bericht über die Verhandlungen am 6. Juni war zu entnehmen, daß das Angebot der Reichsregierung für die Arbeiter 2 Pf. und für Handwerker 5 Pf. Grundlohnerhöhung betrug. Dieses Angebot mußte von den Organisationsvertretern als völlig unzuvon den Vertretern der Reichsregierung abgelehnt wurde, mußten länglich abgelehnt werden. Da ein weiteres Entgegenkommen Die Verhandlungen als gescheitert betrachtet werden, worauf die Regierungsvertreter erklärten, daß sie nunmehr auf dem Ver= waltungswege die neuen Lohnjähe verfügen würden. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Die Funktionäre der im Deutschen Verkehrsbund organisierten Reichs- und Staatsarbeiter nehmen mit Entrüstung Kenntnis von den am 6. Juni im Reichsfinanzministerium stattgefundenen Lohnverhandlungen. Sie erheben gegen das von vornherein völlig unzulängliche Angebot der Regierung den allerschärfsten Brote ft. Die Bersammelten stellen fest, daß das Angebot nur in pölliger Verkennung der Tatsachen und ohne Berücksichtigung der bereits erfolgten Erhöhung der Beamtengehälter insbesondere der höheren Beamten geschehen konnte. Sie verlangen von der Reichsregierung, daß das Diktat des Reichsfinanzministeriums umgehend einer Nach prüfung unterzogen wird und eine Erhöhung der Bezüge um mindestens 25 Pro3. an dessen Stelle triit. Der Deutsche Verkehrsbund wird aufgefordert, fich sofort mit der Regierung in Verbindung zu setzen, um der Entrüstung, die das Lohndiktat hervorgerufen hat, Geltung zu verschaffen. Der Kampf in der Berliner Herrenwäschefabrikation.| deren Fachorgan schon oft genug kritisiert wurden. Die AbnehmerDie Funktionäre geloben, fest und treu zum Deutschen Ver organisation( Einzelhändler) hat sogar ihren Mitgliedern wiederholt fehrsbund zu stehen, um gegebenenfalls so gerüstet zu sein, daß dieAm Donnerstag und Freitag dieser Woche fanden Bezirksver- schon empfohlen, mit den Firmen, welche Mitglieder des Arbeitgeber jenigen Organisationen, die bisher ängstlich bemüht waren, sich das fammlungen der Streifenden statt, die einen guten Verlauf nahmen. verbandes sind, keine Käufe zu tätigen. Warum dies geschehen Wohlwollen der Regierung zu erhalten, zu einer klaren und einDie Redner in diesen Versammlungen konnten feststellen, daß am ist, sei hier furz mitgeteilt: deutigen Stellungnahme gezwungen werden, um eventl. den ihnen Pfingstsonnabend die Kollegenschaft der letzten Arbeitgeberfirma des Der Arbeitgeberverband ist von einem derartigen Machtgedanken aufgezwungenen Kampf aufzunehmen. Fabrikantenverbandes ausgesperrt wurde. Die vom Arbeit getragen, daß zwischen Einzelhändler und Fabrikanten der Konditions( Gewerkschaftliches siehe auch 3. Beilage.) geberverbande inszenierte Aussperrung wirkt geradezu tragisch. In streit fein Ende nimmt. Die Preise der Herrenwäsche sind unseres Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; nicht mißzuverstehender Weise haben unzählige Firmeninhaber ihre Erachtens start überteuert. Wenn in dieser Notiz der Textilzeitung" Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schiłowsti; Lokales Arbeiterschaft wissen lassen, daß sie der Aussperrung nur ungern von reichen Lagervorräten gesprochen wird, so muß die Abeitnehmer- Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei Folge leisten und daß ihnen auch nichts daran liegt, für ihre Kon- schaft darüber lachen. Tatsächlich hat man teine Lagerware und die und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Burrenzfirma die Arbeit zu verrichten. Hierzu drei Beilagen und ,, Blick in die Bücherwelt". jetzt hereinkommenden Stoffe, die für Lagerarbeit verwendet werden sollen, liegen brach. Ja, wenn die Mitteilungen, die uns zugegangen, richtig sind, soll manche Firma die Stoffe nicht abgenommen haben. Der Arbeitgeberverband hat bei seiner gesamten Handlungsweise mit der Unwiffenheit der weiblichen Beschäftigten gerechnet. Es dürfte zu den Seltenheiten gehören, daß Arbeiterinnen so fest im Kampfe zusammenstehen, wie in der Herrenwäschefabrikation. Die Bahl der Streifenden bzw. Ausgesperrten beträgt über fünftausend weibliche Beschäftigte, während die Zahl der männlichen etwas über 300 beträgt. Die Arbeit bei den Außenseiterfirmen wird weiter fortgesetzt. Die Redner wiesen noch darauf hin, daß es seit dem Jahre 1905 der vierte Lohnkampf ist, der in dieser Branche geführt wird, hervorgerufen durch das brutale Verhalten der Arbeit. geber. Im ,, Lokalanzeiger" erschien eine Notiz, und zwar am 6. d. M., worin man ausspricht, daß der Durchschnittsverdienst einer weiblichen Arbeitskraft im Stücklohn 22 bis 28 M. und der des Zuschneiders 45 bis 60 m. pro Woche beträgt. Als die Streifenden bzw. Ausgesperrten hiervon Kenntnis hatten, wurde in der Diskussion ausgesprochen, daß dann die Arbeitgeber die Forderungen der Streifen den bzw. Ausgesperrten bewilligen müßten, um der übergroßen Mehrheit diese Verdienstmöglichkeit zu geben. Aber damit nicht genug, bringt die Textilzeitung" am 8. Juni eine Notiz des Arbeitgeber verbandes an seine Abnehmer. In diesem Schreiben spricht man sich dahin aus, daß die Betriebe durch unverantwortliche Streifhehe" stillgelegt wurden und daß die Arbeitnehmerschaft nur ungern in den Streit getreten sei. Die Notiz bringt die üblichen schamlosen Ver drehungen eines Gegners, der sich seiner unverantwortlichen Handfungsweise wohl erst sehr spät bewußt geworden ist. Lohnkonflikt der Emaillierer. Die Streifheze in diesem Lohnkampfe hat wahrlich der In einer Branchenversammlung der Emaillierer berichtete Arbeitgeberverband getrieben. Nehmen doch heute noch die Riedel vom Deutschen Metallarbeiterverband über die letzten Herrenwäschefabrikanten vom Einzelhändler Preise ab, die in Rohnverhandlungen. Die Lohnfommission hatte bei den ArbeitBesonders Wäschestoffe Madapolam mittelstar Mr. 0.60 Hemdentuch kräftig, 0.75 80 cm br., Mtr. Madapolam 85 cm breit, für 0.85 besonders weite Hemden, Mtr. Mako- Batist echt ägyptisch. Baumwolle, 80 cm.... 1.10 Reste und Abschnitte von Wäschestoffen für Leib- und Bettwäsche Gardinen Erbstüll- Halbvorhang 3.60 mit Bändchenarbeit u. Volants Etamin- Halbvorhang m.hohem Fries u. Klöppelspitze 4.20 Mull- Garnitur m. Volants und farbigen Streifen Madrasstoffe auf dunklem Grund, 125 cm breit.... Mtr. 10.50 Korbmöbel Sessel aus Korbgeflecht, 4.90 dichtem Sitz, bequeme Fomit 9.75 Peddigrohr- Sessel mit dicht geflochtenem Sitz... 16.50 Wäschepuff Bienenkorb... 6.00 Einholekorb bunt bemalt.. 2.20 Kissengarnitur für Korbmöbel, Sitz- und Lehnkissen aus bunt 4.45 geblümtem Satin.. 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Noch einer der Schwerverletzten gestorben.— Die ungeklärte Schuldfrage. Noch immer stehen Neugierige vor den Toren des Güterbohn- Hofs und die Doppelposten der Schupo pätrouillieren. Aber die schaulustig« Neugier kommt nicht auf ihr« Kosten. Nichts erinnert mehr an das Unglück vom Morgen. Die Trümmer sind fortge- päumt— die Gleise sind wieder frei und in regelmäßigen Abstän- den knattern die Vorortzüge auf denselben Schienen dahin, die noch vor wenigen Stunden vom Blut genetzt waren. Aber man hat keine Zeit, überflüssige Betrachtungen über Tod und Vergänglich. keit des Lebens anzustellen, der Verkehr fordert sein Recht. Doch aus den Gesprächen der Eisenbahner zittert noch die Erregung nach über das grauenhaft« Unglück, bei dem ste Augenzeugen waren. Di« Untersuchung wird ihren Gang gehen und den Schuldigen be- strafen, soweit hier von Schuld di« Red« sein kann. Die Menge kauft Zeitungen, liest, erregt sich«in wenig und vergißt olles schon im nächsten Augenblick. Irgendwo aber, in einem Berliner sirankenhause liegen verstümmelte Menschenleiber, stille Opfer. Weiteres Todesopfer. Di« Lift« der bei dem furchtbaren Zusammenstoß ums Leben gekommenen ist durch ein weiteres Opfer vermehrt worden. Der Banklehrling Exner aus Schlachtensee, Albrechtstr. SS, ist seinen schweren Verletzungen gestern gegen Abend erlegen. Die loten sind demnach: 1. chedwig Eichenhöfer, Zehlendorf, Potsdamer Thauffee 1. 2. Anna Siehmann, Zehlendorf, Königstr. Ib. 3. Fritz Exner, Schlachten see, Albrechtstr. 33. Von den Verwundelen haben sich noch Fräulein Luise Heine einer Amputation des linken Unterschenkels und Fräulew Anneliese B ö n i ck« einer Amputation des linken Oberarm» unterziehen müssen. Auch das Befinden der übrigen Schwerverlehlen ist»och durchaus besorgniserregend. Herr Willi Thien au» Nowawes, Korlstr. 8, ist auf ganz besonders eigentümliche Art und Weife durch den Unglücksfall in Mitleidenschaft gezogen worden. Er hatte nur leichte Hautabschürfungen davongetragen und wollte sich am Nach- mittag« wieder nach Hause begeben. Als er aber an den Potsdamer Bahnhof kam, wurde er plötzlich von der Erinnerung an das ent- schliche Unglück derart gefaßt, daß er«inen schweren Nerven» schock erlitt und sofort in di« N e r v e n k l i n I k des Birchow- Krankenhauses geschafft werden mußte. Die Ursachen ües Unglücks. Bereits in unserer gestrigen Abendausgab« brachten wir dle ersten amtlichen Erklärungen darüber, wodurch das folgen. schwere Unglück herbeigeführt worden sei. Danach bätte der Fahrdienstleiter im Befehlsstellwerk des Potsdamer Fern- bahnhofes den draußenliegenden Vorortzug durch Block zurückgemeldet, bevor die Einfahrt wirklich erfolgt war. Der Vorortzug gehörte zu denen, die von der Mannfecbahn kommend in Zehlendorf auf die Staatsbahn geleitet werden und dann auf ihr ohne Aufenthalt bis Verlin durchfahren. Er sollte 8,11 Uhr in Berlin auf dem Hauptbahnhof einlaufen, hinter ihm lief aber auf demselben Stammbahngleis der von Magdeburg über Potsdam und Zehlendorf kommend« Fernzug, der fahrplanmäßig 8,18 Uhr in Berlin sein sollte. Da der Borortzug auf dem Außenbahnhof etwa in Höh« der Lützowstraße angehalten wurde und auf das Einfahrtssignal zu warten hatte, so hätte auch der hinter ihm kommende Fernzug angehalten werden müssen. Un- begreiflicherweise meldete nun der Fahrdienstleiter, wie die erwähnte amtliche Darstellung angibt, die noch gar nicht erfolgt« Einfahrt des Borortzuges. Das war möglich, weil in einer zurzeit bestehenden Blockstörung di« Blocktastersperre mit der Hand ausgelöst werden , nutzte. Die verfrüht« Zurückmeldung des Vorortzuges hatte aber die Wirkung, daß der ihm folgende und auf demselben Glet» heranbrausende Fernzug nicht das Haltesignal. sondern das Fahrsignal erhielt. Danach kam es dann zu dem furchtbaren Aufprall des Fernzuges des sich eben erst in Bewegung setzenden Vorortzuges, der wie alle in den Morgen- stunden noch Berlin hineinfahrenden Züge dicht besetzt und über- füllt war. Der Zusammenstoß hätte vieleicht noch vermieden werden können, wenn der Führer des Fernzuges den vor ihm liegenden Borortzug rechtzeitig bemerkt hätte. Die Angabe in unserem Abend- blatt, daß er ihn erst in einer Entfernung von drei Meter bemerkt habe, ist ein Druckfehler: gememt war: dreißig Meter. Aber auch dreißig Meter wäre«ine so gering« Entfernung, daß man fragen muß, ob diese Angabe richtig ist. Unbegreiflich, wie die verfrühte Zurückmeldung des Vorortzuges, wäre eine so späte Erkennung der Gefahr. Eine ausführlichere amtliche Erklärung ist drin- gend zu wünschen. Unglücksstelle Die Crregung an üer wannseebahu. Aus Zehlendorf wird uns berichtet: Der Unglückszug war wie gewöhnlich um 7.57 Uhr abgegangen. Er wird, da er gegen ein Biertel nach acht in Berlin eintrifft, regelmäßig sehr stark von Angestellten in vervntworllichen Stellen. Referenten in den Ministerien und verantwortlichen Beamten benutzt, sowie auch von Kaufleuten, di« hier draußen wohnen und um 8K Uhr im Geschäft und Bureau zu sein pflegen. Ebenso aber auch von sehr vielen weiblichen Angestellten. Der Zug, einer der sogenannten Bankierzüge, wird in Wannsee eingesetzt, hält dann in Nikolassee. Schlachtensee und Zehlendorf-West und zum letzten- mal in Zehlendorf-Mitt« und wird zwischen Zehlendors-West und Zehlendorf-Mitt« von dem Wcmnseebahngleis auf das Potsdam. Ma gdeburger Ferngleis übergeführt. Diese sehr ver- zwickte Ueberfllhrungsstelle, di« so unübersichtlich gelegen ist, daß der Magdeburger Zug unier Umständen dem Wannseezug in die Flank« fahren kann, sei übrigens auch der Aufmerksamkeit der Berliner Direktion und der Oeffentlichkeit dringend empfohlen. Die in Zehlendorf-Mitte Hinzusteigenden benutzen nach der Lage des Bahnhofs die vorderen Wagen. Jedoch haben viele die Angewohn- heit, sofort nach hinten zu gehen und die letzten Wagen zu be- nutzen, weil diese Wagen leerer sind als die vorderen. Als die ersten vagen Nachrichten in Zehlendorf eintrafen, bemächtigte sich der ge- samten Bevölkerung eine ungeheure Ausregung, die sich dadurch äußerte, daß das Fernsprechamt von den Teilnehmern direkt blockiert wurde, weil ein jeder in Sorge um seine Angehörigen war. Inzwischen setzten die Telephonate der Mitfahrenden aus Berlin selbst«in, die ihre Angehörigen zu beruhigen suchten. Viele, die Augenzeugen des gräßlichen Unglücks ge- wesen waren, die die grausam Verstümmelten gesehen und die weithin gellenden Schmerzensschreie gehört hatten, waren kaum fähig, telephonisch nur das Notwendigste zu sagen. Infolgedessen mehrte sich die Unruhe in Zehlendorf. Biel« Frauen zogen es vor, schleunigst nach Berlin zu fahren und selber in den Bureaus nachzufragen. Die Erregung in den Wannseebahnzügen war den ganzen Tag über unbeschreiblich. Als die Mittagszeitungen die ersten namentlichen Listen der Toten und Verletzten brachten, spielten sich in den Abteilen der Wannseebahn erschütternde Szenen ab. Viele hatten ahnungslos die Zeitungen gekauft, stießen auf Namen von Verwandten und Bekannten unter d«n Opfern und erlitten im Abteil einen Nervenzusammenbruch. Frauen weinten und jammerten. Allgemein kam zum Ausdruck, daß der Abbau der Beamten gerade bei der Bahn viel zu weit getrieben sei. Auch di« vollkommen ungenügende Bezahlung der Beamten und die teil- weise unerhört lange Arbeits- und Dienstzeit wurde bemängelt. Auch wurde in den Abteilen der Wannfeebahn verschiedentlich darauf hingewiesen, daß es schon längere Zeit peinlich empfunden worden sei, daß der Magdeburger Zug so dicht hinter dem Bankierzug einfahre. Die Potsdamer Strecke kann auf keinen Fall zu den überlasteten Strecken gehören, es fei denn, daß die große Anzahl der direkt nach Potsdam verkehrenden Vorortzüge — ein Vorzug, den bekanntlich keine andere berliner Vorortstrecke gsmeßt— die Strecke sehr belasten. Erinnert sei hier auch an den von Zehlendorf alljährlich an dl« Berliner Direktion gerichteten und immer wieder abgelehnten Wunsch, die Potsdamer Vorortzüge in Zehlendorf halten zu lassen. Dann würden ssch nämlich die sogenannten Bankierzüge erübrigen. Die Potsdamer Züge fahren so wie so in gewissen Tageszeiten halb oder ganz leer. In Zehlendorf selbst herrscht große Trauer und Niedergeschlagenheit.� Viele Familien, die direkt oder indirekt von den Unfällen betroffen sind, geben ihre Sommerreis« auf. Ms See Chronik üer Eisenbahnunfälle. Die Katastrophe von gestern ruft die Erinnerung an Eisenbahn- Unglücke wach, die in letzter Zeit die öffentliche Meinung aufs schwerste bewegt haben. Das Eisenbahnunglück von B e l l i n z o n e mit seinen erschrecken hohen Verlustziffern an Toten und Berwun- deten, unter denen sich auch bekanntlich Dr. Helfferich befand, hat durch die dramatischen Begleitumstände, unter denen sich das Un- glück vollzog, ganz besonderes Aufsehen erregt. Man hat überhaupt in der Nachkriegszeit eine Zunahme der Betriebsstörungen und Eisenbahnunfäll« jeder Art verzeichnen müssen. Und so hat denn auch die Chronik der Berliner Eisenbahnunfälle gerade in den letzten Jahren eine traurige Zunahme aufgewiesen. Aus der Zeit vor dem Kriege sind besonders noch in Erinnerung jene Hoch- bahn lata st rophe am Gleisdreieck, wo durch den Zu- fammenprall zweier Hochbahnzüge mehr als 30 Menschenleben ver- loren gingen. Weniger verhängnisvoll war ein anderes Eisenbahn- Unglück im Jahre 1912, wo bei einem Zusammenfahren zweier Züge auf dem Bahnhof Iannowitzbrücke eine große Anzahl Personen schwer verletzt wurde. Eins der grauenhaftesten Unglücke in der Nachkriegszeit ist wohl jener unendlich traurige Vorfall am 27. Juni 1922 in der Nähe des Bahnhofs Gesundbrunnen, wo durch einen Unglücksfall ganz besonderer Art etwa 109 Menschen zum Teil getötet oder sehr schwer verletzt wurden. Es waren an diesem Tage wegen des Proteststreiks sämtlicher anderer Berliner Verkehrsmittel anläßlich der Ermordung Rathenaus die Stadl- bahnen überfüllt. Bei dem Vorbeifahren zweier Stadtbahnzüge wurden durch hervorstehende Holzlatten, die ein Mann auf dem Rücken trug, buchstäblich die Menschen, die auf den Trittbrttern des Zuges sich festgeklammert hielten, heruntergestreift und von den Rädern zermalmt. Drei Todesopfer und mehrere Schwerverletzt« forderte auch das Unglück im selben Jahre bei dem Bahnhof Beussel- straße, wo infolge falscher Weichenstellung zwei Güterzüge zu- sammenfuhren. Im Jahre 1923 waren dann noch zwei schwere Ui.i- glücksfälle zu verzeichnen, einer am BahnhofPape straße und der andere am Lehrter Bahnhof. Bei dem letzteren wurde bekanntlich das Stellwerk vom Zuge überfahren, so daß dessen herab- stürzendes Dach mehrere Menschen erschlug. „ Die Venus von Syrakus. von Clara Rahka. So wie sie es wollte, so sollte es sein: die Hand, den Kopf, er gab sie ihr zurück. Niemand in der Welt sollte es wagen, sie nochmals ab- wägend, prüfend mit seinen Blicken zu betasten. Er, er allein wußte, wie sie war, sah ihr stolzes, gelassenes, in allen Tiefen des Ausdrucks dennoch so süßes Gesicht. Leise schritt er auf sie zu, nah, ganz nah betrachtete er sie— ging zärtlich um sie herum, nahm all die feinen Linien in sich auf und war gleichzeitig beschämt, daß er die Wehrlose beraubte. War immer in der heimlichen Angst, der Mann da drinnen im Nebenraum könnte ihn rufen, könnte etwas sagen, das alles verzerrte. Er warf einen Blick zurück— dann beugte er sich vor und küßte die Knie der Venus von Syrakus. Schnell, ein heißes Brennen in den Augen, wandte er sich ab und schritt durch die Tür, die Augen gesentt. Der Mann beugte sich gerade über das Fragment einer Sphinx. Er sagte irgend etwas. Es war wie rauhes Ge- ftammel. Renzö verstand es gar nicht. „Kann ich morgen wieder kommen?" fragte er nur. „Aber gewiß— wir haben hier schöne Sachen. Ja— wie denn? Morgen wollten Sie doch reisen?" „Ich? Reisen? Nein, Herr, nein, ich nicht, ich reise nicht!" '.Nun Sie sagten doch so." R-mzo hatte alles vergessen.„Das habe ich niemals ge- sagt. Unmöglich!" beteuerte er. , Mir soll es recht sein, wenn Sie bleiben, aber nächstens s-bwinbeln Sie sich nicht auf diese Art zu uns hevein. Lassen Sie einmal sehen er griff nach Renzos Bündel. Renzo lachte ein wenig.„Herr, Sie wissen, ich war nur m dem einen Raum."..... Von der Venus konnte er nun nicht mehr sprechen. --Ja— das wohl!" ..Ich habe dennoch etwas mitgenommen. Hier, hier sitzt es!" Er schlug auf sein Herz und vor seine Stirn. ..Na. das ist erlaubt," sagte der Archäologe, nun eben- falls lächelnd,„aber kommen Sie lieber bei Tage." „Ich komme oft," sagte Renzo, auf den Platz hinaus- tretend. Irgendein Lied ging ihm im Kopf herum. Wo hatte«r es nur gehört? Keine weltliche Melodie, ein berauschendes Lied zur Madonna, so schien es ihm. Gewiß kam es aus seiner Kindheit. Vielleicht hatte man es in seiner Heimat gesungen. Seine Füße trugen ihn irgend wohin. Er sah Oellichter, rötlich, mit kleinen, warmen Aus» strahlungen. Einige gingen hin und her, wie freundliche Seelchen. Renzo dachte, er könnte sich ihnen anvertrauen, irgend- eine Ecke würde sich schon finden, in der er seinen Kopf auf sein Bündel legen könnte, und wenn er Glück hatte, gab es eine Decke oder doch einen Sack. Morgen— Gott möchte doch Sonne schicken— morgen wollte er seine ganze Wanderkruste von sich werfen und jener Renzo Adriani sein, dem die Mädchen im Vorbeigehm einen schnellen verliebten Blick. schenkten. „Reizende Mädchen," dachte er taumelnd,„Fiametta, Giulia, Lucia, Bianca, und wie ihr alle heißen mögt, euch -alle Hab' ich lieb, will euer aller Rttter sein— doch jetzt, jetzt spinnt eure Netze um andere Burschen, lauft mit euren kleinen Füßen nicht über meinen Weg— ich richte meine Ehre auf." Dieses letzte, stolze Wort wiederholte er immerfort, denn einmal gefiel es ihm, und dann war er auch viel zu müde, und so hielt er sich an diesem einen, wie ihm schien, großen Ausspruche fest— und gleich darauf an einem dicken Prell- bock, über den er fast gestolpert wäre. Er fluchte so laut und berzhaft, daß eins der freundlichen Seelchen dicht an«in gegenüberliegendes Fenster gerückt kam. Das Fenster wurde knarrend geöffnet und eine tiefe Frauenstimme rief schnelle und starke Worte über betrunkene Land- streiche? hinüber., „Nein, betrunken bin ich nicht und auch kein Land- streich«?, davon könnt Ihr Euch überzeugen!" sagte Renzo, sein« Kraft zusammenraffend,„laßt mich nur eine einzige Nacht bei Euch schlafen, dann habt Ihr eine ganz andere Meinung von mir!" Die fette Matrone stieß einen Wutschrei aus. fuchtelte mit beiden Händen in der Luft herum und verschrieb Renzos Seele dem Satan.'. Das hatte die Folge, daß sich eine ganze Reihe von Fenstern öffnete und dicht neben Renzo eine klobige, ge- waltig große Tür. Eine Hand streckte sich noch ihm aus und zog ihn rück- lings in den dunklen, mit einer unbeschreiblichen Sttcklust er- füllten Raum. Dann schloß sich die Tür sofort wieder. Draußen hörte man Gelächter und Rufe. Wie das Schicksal selber, so hatte Renzo der völlig dunkle Raum verschluckt. Dicht neben sich hörte er unterdrücktes Kichern.„Und doch sind hier Mädchen," sagte Renzo halb lachend, halb ver- zweifelt. „Rate einmal, wie viele?" antwortete eine verstellte Stimme. „Fünf," sagte Renzo aufs Geratewohl. Ein vielstimmiges Gelächter brach los.„Fünf, fünf, fünf! Gut geraten, sehr gut. ja, fünf Mädchen!" .„Nicht nur Mädchen!" sagte eine Männerstimme. „Mir auch recht!" erwiderte Renzo keck. „Gewiß, wolltest doch zu der alten Vettel gehen," flüsterte eine hochgeschraubte Stimme neben ihm. „Kinder, macht Licht! rief Renzo laut,„Licht, sonst schlage ich um mich!" „Schlag doch nur, schlag immerzu!" hörte er eine wohl- lautende Stimme aus der entferntesten Ecke. Doch wie er gerade drauflosschlagen wollte, hielt ihn eine kräftige Männerhand fest. Und nun schämte sich Renzo— er kam von dem Schönsten, und was für Katzen liefen hier über seinen Weg! „O Gott, o Gott, so macht doch Licht!" Dieses Mal war seine Stimme ganz kläglich. Er hörte, wie man an einen Stein schlug, dann kamen Funken, eine kleine Flamme, in der cm alter ziegenbärtiger Mann stand, und endlich wurde es ein Licht, groß genug, um die nächste Umgebung zu beleuchten. Vor allem einmal lagen drei breite Schafe wie Säcke fast in der Mitte des großen und hohen Raumes. Darüber hin- weg sah er das spitzbübische Gesicht eines halbverwachsenen MäMiens. „Fünf, fünf!" rief sie nochmals und streckte ihm die ge- spreizten Finger ihrer rechten Hand hin, mit der linken um- faßte sie einen kleinen verschlafenen Jungen. Renzo lachte.„Wer hat mich hineingezogen?" „Eolina!" rief das Mädchen, und sogleich trat eine große und schöne junge Frau in den Lichtkreis. „Glaub' es ihr nicht." sagte die wohllautende Stimme, „das war Taddeo, mein Mann. Er ist eben ein Taugenichts," fügte sie lächelnd hinzu. � „Und wo sind die anderen'drei?" fragte Renzo fast höflich.(Fortsetzung folgt.) An sich bieten die technischen Vervollkommnungen der Eisenbahn jetzt eine erhöhte Betriebssicherheit. Aber es läßt sich nicht wegdisputieren, daß die Arbeits überlastung der Eisen bahner und noch dazu oft auf den verantwortungsvollsten Stellen, wie z. B. bei Zugführern usw. eine verhängnisvolle Be Taftungsprobe der Nerven darstellt, denen die überan strengten Beamten trotz des besten Willens nicht immer gewachsen fein tönnen. Es ist ein Unding, daß Zugführer von Schnellzugslokomotiven stellenweise einen durchgehenden Dienst von 12 Stunden versehen müssen; in denselben Rahmen paßt auch die falsche Sparsamkeit an Gisenbahnarbeitern und unterem Personal, die nur zu oft in schreiendem Mißverhältnis zu der Zahl hoher und höchster" Eisenbahnbeamter steht. Hier hat der Abbau zum Teil recht bedenkliche Ergebnisse gezeitigt. Man wird sich an leitender Stelle darüber klar sein müssen, daß das Vertrauen des reisenden Publikums nicht durch Erlasse vom grünen Tilch gewonnen werden kann, sondern nur durch die feste Zuversicht, daß das Fahrpersonal, in dessen Hände die Berantwortung für das Leben Hun derter und Tausender von Menschen gelegt ist, nicht über Gebühr in Anspruch genommen wird. Republik in Not. ,, Republit in Not, sammelt euch unter dem Reichsbanner schwarzrotgold!" rief Genosse Oberstleutnant Dr. Schüßinger in den großen Saal des Stadthauses hinein und fand stürmischen Widerhall in den Herzen der alten Frontsoldaten und der enthusiastischen Jugend. " nommen, als fich die Tür öffnete und drei schrecklich aussehende, vermummte und mit roten und schwarzen Larven versehene Gestalten ins Zimmer fchlichen. Hände hoch, oder wir schießen!" hieß es sofort und der schöne Harry" und seine Freundin hoben gehorsam die Hände hoch. Die Räuber bedeuteten nun dem Mädchen, daß sie in den Schrank spazieren müsse. Weinend bat das Mädchen, doch vorher den Säugling in sein Bettchen legen zu dürfen. Das gestatteten die Räuber auch. Dann aber hieß es Nun, marsch ins Spind!" Mit einer Terzerole in der Hand die aber nur eine Attrappe war, stellte sich einer der Räuber vor das Spind als Wache und die Zurückbleibenden plünderten gemeinsam mit Harry" die Wohnung aus. Perferbrücken, Pelze, Wäsche, Tafelsilber, Schmucksachen und Devisen in beträchtlicher Menge fielen ihnen als Beute in die Hände. Als das Verbrechervierblatt bald darauf erwischt worden war, Ausgerechnet in Arbeitervierteln Berlins zählte man bel der Elternbeiratswahl 1922 70-80 Prozent Nichtwähler! Elfern! Wollt ihr fampflos der Schulreaffion das Feld überlassen? Fort mit der Gleichgültigkeit! Keine Stimme den Christlich- Unpolitischen! Werbt und stimmt für die Liste: Schulaufbau! [ Chriftlich- tapolitische" „ Chriftlich- Unpolitische" und Schulabbau. Ein beachtenswertes Kapitel. Das folgende Schreiben erhielt eine Mutter, Mitglied eines christlich- unpolitischen Elternbeirates, zur Antwort, als sie sich in Sorge um die Auflösung ihrer Schule an den Geschäftsführer des ev. Gesamtelternbundes wandte. Es spricht für sich selbst und wundert den nicht, der weiß, was die Christlich- Unpolitischen und ihre Hintermänner vom Abbau erhofften, nämlich Ausmerzung der republikanischen und sozialistischen Lehrkräfte. In Versammlungen erklärten Deutschnational-, unchriftlich- Politische": Beute, die sich nach dem 9. November das bekannte grüne MitgliedsDer Abbau ist ja nicht so schlimm, er fommt nur in Frage für buch( Sozialdemokratie) gekauft haben." Eltern und Lehrer, die nach diefem Schreiben noch die„ Christlich- Unpolitischen" unterstützen, ist nicht zu helfen. S. g. Frau Aus Ihrem Schreiben entnehme ich, daß Sie Ihre Nachrichten und Vorschläge von einem Lehrer, Mitglied des Lehrerverbandes Berlin, empfangen haben. Die Namen der 30 Schulen, darunter Su Ihrer Doppelschule, stammen aus einer vertraulichen Mitteilung, die in einer Vertreterversammlung des LVB. gemacht wurde und die nicht auf Nachrichten aus der Schulbehörde zurückgehen. Es ist also durchaus noch nicht fest bestimmt, ob Ihre Schule vom Abbau betroffen wird. Ich möchte Ihnen dringend raten, sich nicht fritiflos in den Wagen der Lehrerverbands- Agitation spannen zu lassen. Sie sehen sich und die Elternbeiratsmitglieder nur einer schweren Niederlage aus. Denn irgendein Abbau wird doch vorgenommen. Wenn dann nach der Niederlage die Ernüchterung kommt, wird jeder flar urteilende Mensch einsehen, daß der Abbau von Lehrerstellen nicht im entferntesten eine Schädigung der Schule mit sich bringt, wie sie in düstersten Farben und dröhnendsten Schlagworten vom Lehrerverband geschildert wird. Der erschreckende Geburten- und damit Schul finderrüdgang läßt leider einen weitgehenden Abbau an Lehrer stellen zu. gelang es dem blonden Harry auf eigenartige Weise die Freiheit wieder zu erlangen. Ein Mitgefangener, der mit ihm dieselbe Belle bewohnte, sollte entlassen werden, hatte aber feine Lust, das Gefängnis zu verlassen. Er sagte zu seinem Bellengenossen: Weeste Harry, id ha' teen Lust raußzujehn. Et is Winter und ich ha' teene Bleibe. Jeh du for mir." Gesagt getan. Als Krause ließ sich Rothstock entlassen. Während die anderen bereits vor längerer Zeit abgeurteilt worden sind, konnte infolgedessen Rothstock erst jetzt dem Strafrichter zugeführt werden: Dr. Pindar machte als Milderungsgrund geltend, daß Rothstock sofort nach seiner Ergreifung bemüht gewesen war, sämtliche gestohlenen Sachen wieder zu ermitte In, so daß fast der ganze Schaden wieder gutgemacht worden ist. Das Urteil fautete auf ein Jahr sechs Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Der schöne Harry" nahm sofort die Strafe an. Nach Schluß der Verhandlung meldeten sich sehr bezeichnend für den Tanzbodenhelden nicht weniger als vier Bräute", um sich von ihrem Berlobten" verabschieden zu dürfen, aber nur einer, von der angenommen wurde, daß sie die richtige Braut sei, wurde diese Genehmigung erteilt. Die anderen mußten weinend und wehtlagend abziehen. Der Tod unter dem Auto. Die Zeit des Kampfes mit Worten allein ist vorbei,- so will es die sich immer frecher erhebende Reaktion. Verfassungsfragen sind Machtfragen. Soll die Weimarer Verfassung nicht ein Feßen Papier bleiben, so muß sie mit Fäusten gestüt werden. Die Jugend ist das Schicksal des Staates. Die gesamte republikanische Jugend, auch die bürgerliche, die sich jetzt nur in Schwärmen, Spielen und Tanzen gefällt, muß fich zu ihrem Schuße zusammenfinden. Ist es aber nicht Aufgabe von Polizei und Rechswehr, die Republik zu schüßen," wird so mancher fragen. Nein nicht ihre Aufgabe allein ist es, es ist auch Pflicht der Jugend, in fritischen Augenblicken sich an die Front zu stellen. Seit zwei Jahren schon gloßt der Republik die Gefahr des Bürger frieges entgegen. Dem wollen die Sozialdemokratische Partei, wollen alle wahrhaften Republikaner vorbeugen. Der offene Butsch hat sein wahres Geficht im Hitler- Ludendorf- Prozeß gezeigt. Gefährlicher noch ist der trockene Putsch. An der Spize der Republik ſtehen Menschen, die nur Bernunftrepublikaner find, ihre Herzen sind kalt. Die Jugend aber, die einzige wirtliche Stüge der Herzen sind kalt. Die Jugend aber, die einzige wirkliche Stüße der Republik ist vom Einfluß auf die Staatsleitung ausgeschlossen. Einen Machtfaktor fann sie nur darstellen, wenn sie sich hinter die Schuytruppen der Republit stellt, hinter die Reichswehr und die Polizei. Wie sieht es aber in der Reichswehr aus? Es foll nicht gegen ihre leitenden Männer gehetzt werden, sie haben in fritischen Augenblicken sich für die Republit eingesetzt. Jedoch in der Entpolitisierung, der leberparteilichkeit der Reichswehr, die von gewissen Kreisen gefordert wird, liegt eine Gefahr, die Gefahr der sogenannten völkischen Beeinflussung. Noch größer ist die Gefahr, die von seiten derjenigen droht, die, wie z. B. ein General der " Kreuz- Beitung", fordern, daß die Militärkontrolle der Entente unter feinen Umständen zugelassen wird. Der Grund ist klar. In bestimmten Augenblicken soll die von Demagogen irregeleitete Jugend gegen die Republik mobilisiert werden. Die wahren Ziele der Demagogen hat der schmachvolle Deutsche Tag" in Halle offenbart. Durch äußeren Bopanz soll die Jugend ge= blendet, die Toten des Weltkrieges, die mit einem Fluch auf den alten Staat ihr Leben hingaben, zum Monopol der Reaktion er hoben werden. Der Sinn von Halle war Revanche und Gegen revolution. Die einzige Antwort auf den Deutschen Tag" fann nur ein Republikanischer Tag sein. Um ihn aber zu ver- Am 25. Januar war er mit dem von ihm geführten Privat wirklichen, ist die 3ufammenfassung der republi- auto durch die Markgrafenstraße gesauft und hatte an der Kreuzung tanischen Kräfte in dem Reichsbanner Schwarz der Mohrenstraße die die Straße überquerende 54jährige Witwe rotgold notwendig. Welches sind nun seine Ziele, was find feine Schmidt überfahren. Die Berletzte ist nach zwei Tagen im Urban Aufgaben? Durch ihn foll die Polizei, die wie z. B. in Halle macht frankenhaus an den Folgen des Unfalles verstorben. Der Ange los gegen die anstürmenden Hitlerleute war, moralisch gestüt flagte bestritt, übermäßig schnell gefahren zu sein. Es sei ein werden. Aus ihm soll die republikanische Wehrmacht und die republi- regnerischer Tag gewesen und er habe auf dem glatten Asphalt tanische Polizei die republikanischen Kampfreserven schöpfen fönnen chnehin langjam fahren müssen. Nachdem er gebremst hatte, fei im Augenblick, wo es gilt, die Republik gegen den inneren Feind die alte Frau stehen geblieben und er habe dann wieder den britten zu verteidigen. Darum heißt es, sich überall mit dem Zeichen des Gang eingeschaltet, weil er glaubte, an ihr noch vorüberkommen Republikanischen Reichsbanners zeigen, fich in mächtigen Ver- au fönnen. In demselben Augenblick habe die Frau sich aber auch bänden zusammenfinden, eine Ausbildung anzuftreben, die unerwartet in Bewegung gefeht und sei direkt in das Auto den Zwecken des Republikschußzes entspräche, damit die Berbände gerannt. Daher fei er an dem Unglück schuldlos. Zwei Augen sich in die bestehenden Truppenteile und Polizeiabteilungen ein zeugen befundeten jedoch, daß das Auto in ungewöhnlich gliedern fönnen, persönliche Beziehungen zu den republikanischen schneller Fahrt durch die Straße geraft fei und feines Schutztruppen schaffen, eine Führergeneration heran- wegs das Tempo verlangsamt habe, so daß sie sofort die Empfindung züchten Das ist die Aufgabe der Republitschußbewegung. Ihr hatten, es müsse em Unglück geschehen. Staatsanwaltschaftsrat neuer Geist verlangt zwar unbedingte Subordinaton, hat aber nichts Dr. Herrmnn sah in dem Umstand, daß die Straße naß war, feine mit Kadavergehorsam gemein, er verlangt flardentende Bürger Entlastung des Angeklagten, denn er hätte dann mit doppelter Vordes Staates, die mit Einfah ihrer ganzen Persönlichficht fahren müssen. Die Straße fei teine Rennbahn. keit die Republik zu schüßen bereit sind. Er muß ein Der Chauffeur habe so zu fahren, daß das zu Fuß Bekenntnis zur Friedensidee bedeuten, ein Kampf um die Be- gehende Publikum ungefährdet die Straße überfriedung Europas sein. Der gemeinsame Feind ist der Rückschritt schreiten fönne. Amtsgerichtsrat Ahlsdorf erkannte gegen und die Gemeinheit, die Dummheit und die völkische Diktatur. Ihnen den Angeklagten lediglich mit Rücksicht auf deffen Jugend und ün. entgegenstellen wird sich die unüberwindliche Macht des Reichs: bestraftheit trotz der großen Gefahr, der das Publikum Berlins durch banner Schwarzrotgold, selbst wenn es gelten follte das Leben für derartige Autorafereien fortdauernd ausgesetzt ist, auf mur vier die Republik zu lassen. Ein nicht endenwollender Beifall und ein Monate Gefängnis. stürmisches Hoch auf die Republik beschlossen die Versammlung. Biele Beitritte zum Reichsbanner Schwarzrotgold war der unmittelbare Erfolg des Abends. " Einbrecher- Harry, der Held der Tanzböden. Drei Bräute weinen um den Berurteilten. Als der fantasievolle Regiffeur eines richtigen Verbrecher films der Wirklichkeit hatte sich der Dachdecker Erich Roth stod vor dem Schöffengericht Charlottenburg zu verantworten. Der erft 23jährige Angeklagte, eine athletische Gestalt, arbeitete mit dem Hausmädchen trick. Er gehörte zu der gemeingefährlichen Spezies jener Verbrecher, die sich an Hausangestellte heranmachen und dann die günstige Gefegenheit zu Einbrüchen benutzen. Rothstock war der Held der Tanzböden und dort allgemein unter dem Namen der schöne Harry" bekannt. Eine feiner Tangbekanntschaften aus den Spichernsälen war das Hausmädchen Schröder, die bei einem Kaufmann Stadthafen in der Nachodstraße beschäftigt war. Nachdem der schöne Harry" seine Liebste mehrmals in die Wohnung begleitet hatte, hatte er bald heraus, daß dort recht viel zu holen sei. Er verabredete nun mit mehreren Spießgefellen einen Einbruch, der dann auch in Szene gesetzt wurde. Alls an jenem Tage die Dienstherrschaft abwesend war, besuchte er seine Freundin, die im Hause bleiben mußte, um ein kleines Kind zu betreuen. Nach einer Weile ließ sich der schöne Harry" die Schlüssel aushändigen, um noch schnell einige Zigaretten heraufzuholen. Er benachrichtigte jedoch nur die in einer benachbarten Kneipe wartenden drei Mitverschworenen. Kaum hatte ,, Harry" wieder auf dem Sofa Blah geDer Staatsanwalt jagt:„ Die Straße ist teine Rennbahn." Wieder einmal hatte sich das Gericht mit einem Todesfalt zu beschäftigen, der durch die Autoraferet durch die Straßen Berlins verursacht worden ist. Wegen fahrläffiger Tötung hatte sich der Chauffeur Römer vor dem Schöffengericht Mitte zu verantworten. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 15. Juni. 5.30 7 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag des Herrn Schontek:" In den Ferien: Augen auf!" ( Jugendvortrag). 8-11 Uhr: Tanzmusik( Berliner Funkkapelle). Gesangseinlagen: Else d'Heureuse, Rudolf Zank. Montag, den 16. Juni. kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Be in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7.30 Uhr: Sprachunterricht( Englisch). 8 Uhr: Vortrag des Herrn Sanitätsrat Dr. Frank: Gesundheitspflege auf der Reise". 9 Uhr: 1. Rezitationen( Ida Orloff). 2. Zweiter Satz( Adagio ma non troppo), aus dem Klarinettenkonzert, von C. M. v. Weber( Ernst Fischer, Soloklarinettist des Berliner Philharmonischen Orchesters). 3. a) Glück, von W. Berger, b) Ein Traum, c) Vom jüngsten Tag, von Paul Graener( Maria Seret van Eyken). 4. a) Nordischer Tanz, von Grieg, b) Menuett, Aon Paderewski( Celeste Chopwalzer, von Chopin, c) Jota aragonesa, von Gottschalk( Celeste Groenevelt). 5. Rezitationen( Ida Orloff). 6. a) Prélude, b) MinutenChop- Groenevelt). 7. Schmied, Schmerz, Lied der Walküre, von H. van Eyken( Maria Seret van Eyken). 8. Dritter Satz( Rondo- Allegro) aus dem Klarinettenkonzert, von C. M. v. Weber( Ernst Fischer, Soloklarinettist des Berliner Philharmonischen Orchesters. Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Nach den Ausführungsbestimmungen zum Personalabbaugeseh, die wahrscheinlich Ende nächster Woche veröffentlicht werden, ist bei jeder Einziehung einer Schule die Genehmigung durch den Minister jeder Einziehung einer Schule die Genehmigung durch den Minister erforderlich. Wenn Ihnen bekannt wird, daß tatsächlich Ihre Schule von einer doppelten zu einer einfachen umgewandelt werden soll, so geben Sie uns alsbald Nachricht, und wir werden nach Prüfung der Verhältnisse Ihnen so rasch wie möglich sagen, ob und in welcher Weise eine Eingabe an den Minister Ihre Schule retten kann. Sie dürfen überzeugt sein, daß wir um unsere ev. Schule fräftig kämpfen und eine Schädigung der ev. Schule durch den Abbau nicht zulassen werden. Wir halten es aber für völlig verfehlt, die Massen aufzurufen. Die Fragen, die bei der Durchführung des nötigen Abbaus von Lehrerstellen zu behandeln find, find so kompliziert, daß sie nicht in Volksversammlungen erledigt werden fönnen. Wir können es natürlich nicht verhindern, daß der Lehrerverband die Elternschaftinnuglofe Demonftrationen hegt. Der Elternbund beteiligt sich aber nicht daran, er wird vielmehr die Intereffen der ev. Schule durch sachliche Rüc sprache mit den Behörden wahren. Für Ihre freundliche Mitteilung betr. jüdischer Kinder bin ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichster Begrüßung Geschäftsstelle des ev. Gesamtelternbundes Groß- Berlin gez. Foertsch. Der Erfolg hat der Berliner Schulnotgemeinschaft recht ges geben. Ihrer Lifte Schulaufbau" daher alle Stimmen. Wo man singt, da laß dich ruhig nieder-". Durch eine unverständliche Polizeiattade wurde am Freitagabend im Liegenseepart das öffentliche Gesangs. fonzert gestört, das der Charlottenburger Männerchor ftaltete. Solche Konzerte finden auf Wunsch des Berliner Magistrats Harmonie"( Mitglied des Arbeiterfängerbundes) dort veran und feiner Deputation für das Bildungswesen statt, und gem ftellen die auch in der Bevölkerung viel Antlang finden. Die Genehmi fich Arbeiterfängerchöre in den Dienst dieser Kunstpflegebestrebungen, gung zu dem erwähnten Konzert war am 10. Juni vom Berliner Bolizeipräsidium schriftlich erteilt worben, wovon das Bolizeiamt Charlottenburg sehr wohl hätte unterrichtet sein können. Daß Schußpolizeibeamte während des Ronzertes erschienen und die Genehmigung zu sehen wünschten, hätte schon als unliebsame Störung wirken fönnen, aber die Genehmigung wurde ihnen ohne Einspruch und in Ruhe überreicht. Sie nahmen fie mit nach dem Bolizeiamt, fehrten dann nach einiger Zeit zurüd und forderten nach dem zweiten Teil des Konzertes die versammelbe Menge auf, sofort auseinanderzugehen. Der Vorsitzende, der um Rückgaber der Be scheinigung bat, wurde eingeladen, ihnen zum Polizeiamt zu folgen. Inzwischen war das leberfallfommando auf mehreren Kraftwagen eingetroffen, und nunmehr wurden die Konzertbesucher auseinandergetrieben, wobei auch der nüppel seine Arbeit tat. Die Angabe bürgerlicher Blätter, daß die Genehmigung nicht habe vorgewiesen wenden können, ist falsch. Nach der uns gegebenen Darstellung ist kein Grund zu sehen, der ein derartiges Borgehen der Bolizei rechtfertigen tönnte. fann nur annehmen, daß dem Polizeiamt jede Kenntnis des Sachverhaltes gefehlt hat. Der Gefangverein hat an das Polizeipräsidium sofort eine Beschwerde gerichtet, die hoffentlich die notwendige Aufklärung des fonderbaren Verfalles bringen wird. Unseres Erachtens hätte auch der Magistrat allen Anlaß, wegen dieser Polizeiattade sich mit einem Ersuchen um Aufklärung an das Polizeipräsidium zu wenden. Opfertag der Berliner Nothilfe. GummiMan Taufende von unterernährten Rindern und Jugendlichen bedürfen der Ferienerholung. 3ahllose sorgenvolle Eltern warten sehn Berbänden der freien Wohlfahrtspflege und den städtischen Wohlsüchtig, daß ihre Anträge auf Verschidung ihrer Kinder von den fahrtsämtern berücksichtigt werden. Das kann nur geschehen, wenn Taufende und aber Taufende wohltätiger Hände bereit sind, sich zu öffnen und zu spenden, um den Kindern zu helfen. Der Berliner 2usschuß der Deutschen Nothilfe" Reichstagsufer 3 in dem die gesamte Berliner Wohlfahrtspflege zusammengefaßt ist, veranstaltet am heutigen Sonntag einen allgemeinen Opfertag. Die Sammlungen werden in ganz Berlin Durch die Bezirksarbeitsgemeinschaften, die sich aus den Bezirkswohlfahrts- und-jugendämtern und den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege zusammensetzen, durchgeführt. Die Jugendverbände aller Richtungen, Konfeffionelle, Arbeiterjugend, Pfadfinder, die AltersDienst für ihre hilfsbedürftigen Altersgenoffen zur Verfügung gestellt. hilfe der Jugend u. a. haben sich, wie schon so oft, felbftios zum In verschiedenen Stadtteilen werden Straßenkonzerte veranstaltet. Die Borbereitungen sind im vollen Gange. Möge die Berliner Bepölferung heute zeigen, daß sie ein Herz für ihre erholungsbedürftige Jugend hat und dem Opfertage zu einem vollen Erfolg verhelfen. Wie kann man häßlich entstellenden mißfarbigen Zahnbelag entfernen? Ein Kreis junger Damen ist in fröhlicher Unterhaltung zusammen. Eine bildhübsche junge Dame fesselt die Blide der Herren in ganz besonderem Maße. Heitere Worte fallen von beiden Seiten, bis schließlich der sprühende Wig eines Herrn ein fchallendes Geiächter auslöst. Aber, o weh, der entzückende Rosenmund unferer bewunderten Schönen birgt eine Reihe graubrauner Zähne. Alle Illusionen sind dahin. Mangel hafte oder schlechte Bahnpflege? Rettenraucherin? Und wie leicht fönnte sie diesen Schönheitsfehler beseitigen. Durch Mundwasser, Bahnpulver und Zahnbürste allein Durch Mundwaffer, Bahnpulver und Zahnbürste allein natürlich nicht; aber mit der hierfür bewährten Chlo rodont- Bahnpaste. Nachfolgend Gebrauchsanweisung: Man brüde einen 2-3 cm langen Strang aus der Tube auf die Lángsseite der trodenen Chlorobont- Bahnbürste( Spezialedelfabrikat). Nun bürste man nach allen Richtungen hin, von vorn nach hinten und von unten nach oben. Dann tauche man die Bürste in warmes Wasser oder Chlorodont- Mundwasser( brei Tropfen hiervon genügen für ein halbes Tischglas Wasser), bürste gründlich nach und fpüle damit mehrmals aus. Der Erfolg zeigt sich meist nach einmaligem Gebrauch. Der Schmelt der Zähne erscheint in seinem ursprünglichen schönen, elfenbeinartigen Glanz und im Munde verbleibt ein herrlich er frischender Pfefferminzgeschmad. Kein Wunder, daß die Chlorobont- Mundpflege heuie von Millionen im Gebrauch ift! Eine Tube Chlorodont, 4-6 Wochen ausreichend, f. 80. Eine Flasche Chlorobont fonzentriertes Mundwasser M.-80. Eine Chlorobont- Bahnbürste Edelfabrikat Mt. 1.25. Die Stadtverordnetenversammlung hat in dieser Woche am Dienstag eine außerordentliche Sigung, die um 6 Uhr beginnt. In ihrem nicht- öffentlichen Teil soll die Magistrats. abbau- Debatte nebst Baulsen- Heze fortgesetzt werden. Berliner Sängerchor. Dienstag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, beran staltet der Berliner Sängerchor( M. d. A.-S.-B.) im Mariannenpark ein öffentliches Konzert. Zum Vortrag gelangen Boltslieder. Die Direktion des Rose- Theaters gewährt unseren Lesern von heute bis gum 12. d. M. bedeutende Ermäßigung. Jedermann ist es daber möglich, das Nose- Theater zu besuchen und sich den amerikanischen Schwank„ Der Music: gatte" anzusehen. Näheres siehe im Anzeigenteil. Der Schwarzmeiersche Chor( 500 Knaben und Mädchen), durch seine Desterreiajabrt und seine Stonzerte im Birfus Busch bekannt, singt zugunsten des Unterstügungsfonds der gemeinnüßigen Bereinigung Berliner Abende" am Mittwoch, den 18. Juni in einem Gartentonzert bei Stroll. Selbstmord eines Times"-Berichterstatters. Der Berichterstatter der ,, Times" in München, Bater, wurde in einem Hotel, wo er während eines Besuches in Röln wohnte, erschossen aufgefunden. Baker war in den Jahren 1920/22 bei der Kölner Cologne Post" redaktionell tätig und ging von dort nach München. Der Grund des Selbstmordes ist unbekannt. Explosionstatastrophe in Schweden. Aus Hedemora in Schweden wird gemeldet, daß die dortige Pulverfabrik in die Luft geflogen ist. Die Explosion wurde durch ein falsches Verfahren bei der Aufbereitung von Kaliumchlorat veranlaßt. Ein Arbeiter ist lebensgefährlich verwundet worden. Anläßlich militärischer Bersuche ift am Artillerieplay Bofors ein Munitionsmagazin egplodiert. Drei Arbeiter, die mit der Füllung der Granaten be= schäftigt waren, find ums Leben gekommen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung, Eltern! 6. Kreis Krenzberg. 40. Abt. Montag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, öffentliche Elternperfammlung ber 150., 165., 108., 116. Gemeindefchule in der Aula Hagelberger Str. 34. 48. bt. Montag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, öffentliche Elternversammlung der 7. und 47. Gemeindeschule in der Aula Stallschreiberstr. 55. 46. Abt. dos Dienstag, den 17. Juni, abends 7 Uhr, öffentliche ElternversammTung der 8. Silfs, 170., 251., 177., 191., 14., 122., 115. und 237. Ge meindeschule in der Aula der Pflichtfortbildungsschule Wrangelstraße 85. Thema in allen Bersammlungen: Die Elternbeirats. wahlen und deren Bedeutung für die Kinder". 83. Abt. Lichterfelbe. Mittwoch, den 18. Juni, 7% Uhr, in der Aula des Realgymnasiums Drakestr. 76, öffentliche Protestversammlung. Thema: Massenelend und 8wangsmutterschaft". Redner: Frau Dr. Wegscheider, M. b. 2., Dr. med. Kollwiß und Frau Marie Runert, M. b. 2. Actung, Genoffinnen! Montag, den 16. Juni, abends 7 Uhr( Saaleröffnung 6 Uhr), in der Neuen Welt, Hasenheide, Abendfeier der Frauenwelt". Auserwählt gutes Programm. Künstlerische Leitung: Prof. Rosebery d'Arguto. Mitwirkende: Gesanggemeinschaft Rosebery d'Arguto. Solisten: Wanda Saile, Käte Lindenberg und Herr A. Meller. Rezitationen: Marie Borchardt, Mitglied der Schaubilhne. Ansprachen ausländischer Genossen, die anläßlich des Parteitages in Berlin anwesend sind. Die zum Eintritt berechtigenden Programme sind bei allen Kreisleiterinnen, im Frauenfekretariat Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 Sr., und an der Kaffe zu haben( 25 Pf.). Alle Programme müssen abgefeßt werden. Etwaiger Ueberschuß zum Besten der Erholungsfileforge. Achtung, Beamte! Montag, ben 16. Junt, abends 7½ Uhr, geselliges Bel sammensein der Delegierten zum Beamtentag und der hiesigen partei genössischen Beamten im Ebenholzsaal des Rheingold, Potsdamer Str. B. 2. Kreis Ziergarten. Montag, den 16. Juni, 7 Uhr, Elternabend in der Schule Waldenferstraße. 4. Streis Prenzlauer Berg. Montag, den 16. Juni, 7 Uhr, bet Soffmann, Enchener Str. 8, Flugblätter für die Elternbeiratswahlen abholen. Jebe Schule muß vertreten fein. 6. Kreis Kreuzberg. Mittwoch, den 18. Juni, 7% Uhr, Kreismitgliederverfammlung bei Rabe, Fichtestr. 29. Tagesordnung: Berichterstattung vom Parteitag". Referent Genosse Schweikardt. Diskussion. 7. Kreis Charlottenburg. Bezirksverordnetenfraktionssigung am Montag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, im Rathaus Charlottenburg, Gigungszimmer 1, mit sämtlichen Bürgerdeputierten. Mittwoch, den 18. Juni, 7 Uhr, allgemeine Mitgliederversammlung in der Leibniz- Oberrealschule, Schillerftraße 126. Tagesordnung: Die politische Lage und das Ergebnis des Barteitages". Referent Genosse Seinrich Ströbel, M. b. N. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienstag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, bet Pieper, Holsteinische Str. 60, Versammlung der parteigenössischen Eltern, die Kinder in der 1. und 4. Gemeindeschule haben. Erscheinen Pflicht. 10. Kreis gehlendorf. Montag, ben 16. Junt, 7 Uhr, Reefsbelegtertenver fammlung bei Mickley, Zehlendorf, Potsdamer Straße. Neuwahl des Kreisvorstandes. 1 14. Verwaltungsbezirk( Neukölln, Briz). Obleute der Elternbeiräte der Schulen und Abteilungen: Montag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, Sigung im Parteibureau Neckarstraße. Material abholen. Bericht von den Schulen. 14. Kreis Neukölln. Freie Schulgemeinde: Montag, 16. Juni, 7½ Uhr, Versammlung in der Aula des Kaifer- Friedrich- Realgymnasiums, Raiser. Friedrich- Str. 210. Referent Genosse Dr. Löwenstein über Die Elternbeiratswahlen. Mittwoch, den 18. Juni, 7½ Uhr, Kreismitgliederver fammlung im großen Saal von Gebr. Erbe( früher Kliem), Safenheide 13. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag". Referent Genoffe Harnisch. Diskussion. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute und Gewerkschaftsfunktionäre! Am Montag, den 16. Juni 1924, abends 7 Uhr, in den Musikersälen", Kaiser- Wilhelm- Straße 31 Große Konferenz Tagesordnung: 1. Die nächsten Aufgaben der Sozialdemokratie. Referent: Genoffe Franz Künstler.- 2. Diskussion. 3. Wahl der drei Vertreter für den erweiterten Bezirksvorstand. Funffionärausweis legitimiert! 3. A.: A. Holz. 15. Argis. Montag, den 16. Junt, 7½ Uhr, Kreisvorstandssigung mit den Abteilungsleitern bei Schöps, Niederschöneweide, Grünauer Str. 8. 16. Kreis Köpenid. Am Montag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, findet in der Wohnung des Obmanns, Alte Dahlwiger Str. 73, eine Zusammenkunft der Obleute der Schulen statt. Pünktliches Erscheinen ist erforderlich. 17. Areis Lichtenberg. Schulnotgemeinschaft: Kandidaten der Liste Schul aufbau" tommen am Dienstag, den 17. Juni, in der Mittelschule Markt. straße zu einer kurzen Besprechung zusammen. Ausgabe von Wahlmaterial. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Mittwoch, den 18. Junt, pünktlich 7 Uhr, Kreismitgliederversammlung in der Aula der Gemeinde. schule Marktstraße. Berichterstattung vom Parteitag. Referent Genoffe Thurm. Diskussion. Mandat und Mitgliedsbuch dient als Ausweis. 19. Kreis. Die Genossen werden gebeten, die Mitteilung unter Vereine und Bersammlungen" zu beachten. 20. Kreis Reinickendorf. Montag, ben 16. Juni, abends 6 Uhr, im Kleinen Gigungsfaal des Rathauses Wittenau, furze Besprechung der Abteilungs obleute der Elternbeiräte. Ausgabe von wichtigem Material. Pünktliches Erscheinen unbedingt erforderlich), da um 6½ Uhr im gleichen Raum eine Fraktionssigung stattfindet. Die Abteilungsleiter find verantwortlich, daß jebe Abteilung vertreten ist. Morgen, Montag, den 16. Juni: 1. Abt. Pünktlich 7% Uhr Sigung aller Funktionäre bei Spiegel, Aderstraße 1. Die Bezirksführer müssen abrechnen. 14. Abt. 8 Uhr wichtige Funktionärversammlung bei Dietrich, Swinemünder Straße 36. 17. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Dose, Nordhafen 6: 18. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferens bei Müller, Uferstr. 12. Rahlabend in den bekannten Lokalen. Mittwoch 21. Abt. 7% Uhr Funktionärversammlung bei Muller, Adolfstr. 12. Der Vorstand trifft sich um 6 Uhr. 27. Abt. Abends 7 Uhr in der Schule Sonnenburger Straße, Funktionär tonferenz. Tagesordnung: Stellungnahme zur Neuwahl der Abteilungsleitung. Der wichtigen Tagesordnung wegen darf kein Funktionär fehlen. Die Konferenz beginnt pünktlich, da wir, wie bekannt, die Schule um 10 Uhr räumen müssen. 28. Abt. 7% Uhr bei Glabe, Schönhauser Allee 164, Sigung der Bezirks fithrer und der Obleute für die Elternbeiratswahlen. 42. Abt. 7% Uhr Funktionärßigung mit den Elternbeiräten bet Söhlke, Bergmannstr. 69. 88. Abt. Lichterfelbe. 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Quandt, Moltkestr. 81, 84, Abt. Bankwik. 8 Uhr bei Schulz, Kurfürstenstr. 37, Borstandssigung mit den Bezirksführern. 85. Abt. Tempelhof. 7½ Uhr Funktionärsigung in der Linde, Werder, Ede Friedrich- Karl- Straße. Die Elternbeiräte müssen erscheinen. 100. Abt. Rubow. 8 Uhr bei Balm außerordentliche Mitgliederversammlung. Frauenveranstaltungen am Montag, den 16. Juni: 21., 22. unb 23. bt. 7 Uhr bei Grunewald, Kameruner Str. 19, Bortrag des Genossen Wuschick. 39. und 48. Abt. 7% Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 8, Vortrag des Genossen Erwin Marquardt. Uebermorgen, Dienstag, den 17. Juni: 10. Abt. 7 Uhr bei Trümper, Flensburger Str. 3, Funktionärtonferens. 13. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Bausch, Bredowſtr. 35. Mittwoch Abteilungsversammlung in den Arminius- Hallen. Tagesordnung: Be richterstattung vom Parteitag". 47. Abt. Nachmittags 5 Uhr Flugblattverbreitung zur Elternbeiratswahl bei Giedentopf, Musbauer Str. 35. Reiner darf fehlen. Die Bezirksführer Taben ein. 77. Abt. Schöneberg. 8 Uhr im Lokal Will, Martin- Luther- Str. 69, 8ahlabend. Berichterstattung vom Parteitag." Referent Genosse Rarl Bitte. Neukölln. 89. Abt. 7½ Uhr bei Stahl, Sanderstr. 11, Borstands- u. Funktionär figung. 92. Abt. Pünktlich 8 Uhr bei Wolff, Kaiser- Friedrich- Str. 173, Funktionärsigung. Die Funktionäre und Gruppenführer müssen erscheinen. Zur Kreisbelegientenversammlung am Mittwoch, den 18. b. M., 7 Uhr, im großen Gaal bei Kliem, müssen die Bezirks- und Gruppen. führer einladen. 94. Abt. Eltern und Kandidaten der Elternbeiräte der 15. Schule, Lessingstraße, treffen sich 7½ Uhr zur Sigung bei Grieger, Lessingstr. 9. Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 17. Juni: 6. Kreis Kreuzberg. Funktionärinnenkonferenz 7 Uhr bei Wolf, Gräfestraße. Bu erscheinen haben Agitatorinnen, Wohlfahrt, Kinderfreunde. Stellung zur Neuwahl. 79. Abt. Schöneberg. Nachmittags gemeinsames Raffeekochen bei Fintel, Blanke Hölle. Treffpunkt 2½ Uhr bei Groß, Sedanstr. 17. Die Genoffinnen vom Lindenhof sind eingeladen. Programme aur Abendfeier am Montag, den 16. Juni, in der Neuen Welt, Hasenheide, find zu haben bei Groß, Sedanstr. 17, und bei Frau Rohde, Gotenstr. 52. 136. bt. Reinickendorf- Oft. Ausflug der Genossinnen nach Birkenwerder. Treffpunkt vormittags 9 Uhr Bhf. Schönholz und Reinickendorf- Rosenthal. Nachzügler mittags 1.34 Uhr vom Bhf. Schönholz werden vom Bhf. Birkenwerder abgeholt. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Alle find herzlich eingeladen. 45. Abt. Die Bezirksführer Taben zur Kreismitgliederversammlung am Mitt woch, den 18. Juni, bei Rabe, Fichtestraße, alle Mitglieder ein. 95. Abt. Neukölln. 3. und 4. Gemeindeschule, Prinz- Sandjern- Straße: Citern versammlung bei Sürtler, Prinz- Sandjern- Str. 84, am Mittwoch, den 18. Juni, 7% Uhr, Vortrag über Schulaufbau". Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 47. Abt. Unser Genosse Artur Wenzel, Waldemarstr. 65a, verschied am Donnerstag im Alter von 51 Jahren nach schwerem Leiden. Trauerfeier am Dienstag, den 17. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Baum schulenweg. Jugendveranstaltungen. Achtung, Selfer und Selferinnen! Für den heutigen Gammel. fonntag müssen sich alle Helfer bei den ihnen mitgeteilten Stellen melden. Achtung, Jugendgenoffen und genoffinnen! Wir weisen darauf hin, daß unser Landheim am Quenzfee für den Ferienaufenthalt sur Verfügung steht. Anmeldungen sind an das Jugendsekretariat zu richten. Heufe, Sonntag, den 15. Juni: Steglis I: Befuch des Botanischen Gartens. Treffpunkt vormittags 9 Uhr Rathaus. Morgen, Montag, den 16. Juni, abends 7% Uhr: Friebenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Bortrag: Lebensreform". Karlshorst: Jugendheim Auguste- Bittoria- Str. 85, Bortrag: Bolts- und Kunstlied" Mef Stoffe Dur Glide Preinwürdigeen 氨 Güte leit Jahren bekannt 124. Abt. Mahlsborf. 8 Uhr Funktionärtonferens im Lokal von Anders, Bahn- Grenzenloser Preisabbau! Vorkriegspreise erreicht! hofstraße. 125. Abt. Weißenfee. Die Funktionärkonferenz fällt aus. Mittwoch, den 18. Juni, 7% Uhr, Rahlabende in folgenden Lokalen: 1. Bezirk Lothringer Straße 32; 2. Bezirk bei Gallas; 3. Bezirk bei Pohlmann, Langhans. ftraße 102; 4. Bezirk bei Stärte, Charlottenburger Str. 3; 5. Bezirk im ,, Grünen Baum", Berliner, Allee. 141, Abt. Rosenthal. 7% Uhr im Lofal Schneider, Sauptstraße, Bersammlung. Vortrag des Genossen Pfarrer Bleier über Die Elternbeiratswahlen". Junsozialistische Bereinigung. 8 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3, Arbeits gemeinschaft Dr. Engelhardt: Die religiösen Strömungen der Gegenwart". SW. 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Dose 70PL Wertheim- Bank Leipziger Straße 126 Ausführung aller bankmäßigen Geschäfte Sortenwechsel Stahlkammer Direction der Disconto- Gesellschaft Berlin. Unsere Kommanditisten werden hierdurch auf Montag, den 30. Juni 1924, nachm. 4 Uhr, zu der diesjährigen ordentlichen Generalversammlung nach unserem hiesigen Geschäftshause, Unter den Linden 33 V, eingeladen. Verhandlungsgegenstände: 1. Vorlage der Bilanz und Gewinn- und Verlust- Rechnung sowie der Berichte der Geschäftsinhaber und des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 1923. Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz, die Gewinnverteilung und über die der Verwaltung zu erteilende Entlastung. 2. Abänderung der Satzung: Art. 21( Höchstzahl der Aufsichtsratsmitglieder). Art. 31( Aenderung der Frist für die Hinterlegung der Anteile und Anordnung der Beifügung eines Nummernverzeichnisses.) Art. 32( Aenderung der Frist für die Bekanntmachung der Generalversammlung.) 3. Wahlen zum Aufsichtsrat. Zur Teilnahme an der Generalversammlung ist jeder Kommanditist, zur Stimmabgabe bei den zu fassenden Beschlüssen sind nur diejenigen Kommanditisten berechtigt, deren Anteile mindestens acht Tage vor Berufung der Generalversammlung im Aktienbuche der Gesellschaft auf ihren Namen eingetragen sind, und welche ihre Anteile oder Depotscheine der Reichsbank oder der Bank des Berliner Kassen- Vereins spätestens einen Tag vor der Generalversammlung entweder bei einem Notar oder bei der Direction der Disconto- Gesellschaft in Berlin, der Norddeutschen Bank in Hamburg oder dem A. Schaaffhausen'schen Bankverein A.-G. in Köln, oder bei einer Filiale oder Zweigstelle der vorgenannten Banken an anderen Plätzen oder bei den sonstigen im Reichsanzeiger Nr. 136 vom 11. Juni 1924 veröffentlichten Stellen gegen Bescheinigung bis zur Be endigung der Generalversammlung hinterlegen. Berlin, den 11. Juni 1924. Direction der Disconfo- Gesellschaft. Die Geschäftsinhaber: Dr. Salomonsohn. Dr. Mosler. Ruhebetten 201 Klubgarnit. 170M. Dr. Russell. Urbig. Dr. Solmssen. Schlieper. Dr. Frank. Dr. Boner. Bier her Chaiselong.- 12 M. ftellung für den Hausbedarf mit„ Braukraft", den natür decken. Anzengruberstr. lichen Bierbraustoffen Hopfen und Mala, ist ein uralter Brauch Neukölln, 2 und bringt enorme Ersparnis. Das hausgebraute Flaschenbier ist gehaltreid, nahrhaft und durch hohen Rohlensäuregehalt von prickelnder Frische. Die erste Bierprobe ein Ereignis! Hecht draft, dann gutes Gelingen gesichert. In Amerita längst famiTabakwaren- Ein Bersuch und man bleibt dabei. Man nehme nur ,, Brau Zigarren, Zigaretten, liär. Originalpadungen für Braunbler M. 0.60 u. DoppelTabak billig bler M. 0.90 in Drogerien u. Apothek erhältlich. Alleinhersteller Lo Lindenstr. 81 Otto Reichel, Berlin 43, SO., Eisenbahnstr. 4 fr. 278 41.Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Für Freiheit und Kultur! Der Ausflang unseres Parteitages. Gen. Hilfferding fährt in seinem Referat fort: Oberstes Prinzip arbeit. Die wichtigste Borbedingung dazu ist, daß das Repa unferer Taftit muß bleiben: der Masse nicht mehr zuzumuten, als rationsproblem aus der Welt geschafft wird, und sie verstehen, begreifen fann.( Sehr richtig!) Aber auch auf der das tann nur geschehen durch die Annahme des Sachver anderen Seite der Masse begreiflich zu machen, was die politische ständigen gutachtens. Die Sozialdemokratie hat eine histoSituation jederzeit erfordert.( Lebh. Zustimmung.) Jedes polirisch bedeutsame Tat verrichtet, als sie als erste bedingungslos ohne tische Problem ist ungeheuer tompliziert. Ich denke Baudern die Annahme des Sachverständigengutachtens gefordert hat. noch daran, wie Viktor Adler auf das forgsamste jede Krümmung, Sie hat damit nicht nur recht behalten in der Beurteilung der interjebe Einbuchtung einer politischen Frage abtastete, wie er sich selbst nationalen Situation, sondern hat damit auch in der wichtigsten alles Pro und Kontra flar zu machen suchte, und wie erst aus all Frage der europäischen Politik für Deutschland unbestritten diefen Erwägungen dieses umfassenden, tiefschürfenden Geistes schließ- die Führung erlangt. Die Proklamierung der Notwendigkeit lich die bestimmte Lösung eines politischen Problems heraussprang. dieser Annahme war begleitet von der Erklärung der SozialdemoDas hat mir für immer den Refpeft gegeben vor denen, die sich mit fratie, daß sie entschlossen ist, für diese Annahme zu tämpfen und ber Lösung politischer Probleme beschäftigen müssen, und ich sie gegebenenfalls durch den direkten Voltsentscheid durchzusetzen. wünschte, daß auch in unserer Partei dieser Respekt vor der Auch das war richtig, weil dieser Beschluß zugleich den Ausweg Schwierigkeit der Aufgabe gesteigert zum Bewußtsein tommen gezeigt hat, aus allen parlamentarischen Schwierigkeiten unter Ummöge( Bravo!), das notwendig war in einer Zeit, wo wir eigentlich ständen herauszukommen, und weil er dem Ausland die feine politischen Probleme hatten, wo wir nur unsere Weltanschau- Sicherheit gegeben hat, daß unter der Führung der Sozialung zu propagieren und unsere Organisation auszubauen brauchten. demokratie dieser Weg beschritten und bis zu Ende gegangen werden ( Sehr wahr!) wird.( Lebh. Zustimmung.) Politisch schließt das erste Jahrzehnt seit Kriegsbeginn damit ab, daß die Periode des gewaltsamen Druds und der gewaltfamen Entscheidungen zu Ende geht. Der falsche Friede schien zu neuen gewaltsamen Lösungen führen zu müssen, und es gibt gewiß auch jetzt noch in der Welt eine Reihe sehr gefährlicher Probleme. Aber sie sind doch mehr in die Peripherie zurückgedrängt; die allgemeine Erschöpfung nach dem Kriege hat diese Gefahr gewaltsamer Auseinandersetzungen vermindert. Ganz besonders start in dieser Richtung hat nun der Aufstieg der englischen Arbeitertiasse zur Macht gemirft. Trog aller deutschen Romantik und aller bolfchemistischen Ueberschäßung wollen wir aussprechen, daß das Schicksal der Welt und namentlich Europas nicht im Osten entschieden wird, sondern nach wie vor abhängt von der Entwicklung der Demokratie und des Sozialismus im Westen. Diese Entwicklung in England ist nun getrönt morden durch die Entwicklung in Frankreich, die geeignet ist, zur Sicherung des Friedens in Europa zu führen. Ein Wort über die auswärtige Politit Mac. donalds. Er hat die neuen Methoden des Sozialismus in der Durchführung auswärtiger Probleme verwirklicht. Der Sozialismus in der Außenpolitik muß ehrlich sein, weil er feine Macht- und Gewaltpolitit vertritt, sondern durch eine Friedens politit die wichtigsten Nationen zusammenfassen will. Durch diese Politit hat Macdonald auch das Vertrauen der französischen Demokratie gewonnen und hat das Prestige der englischen Bolitit wiederhergestellt. Er hat schließlich beigetragen zu dem Siegesbewußtsein der franzöfifchen Demokratie und damit die große historische Wendung mitbewirkt, die mir in dem Sieg bes Sozialismus in Frankreich zu erblicken haben. Mit dem Wieder erstarten der sozialistischen Parteien in Frankreich ist auch dort der Höhepunkt des Kommunismus vorüber; es beginnen auch dort die Wunden zu heilen, die die kommunstische Agitation überall in der Welt der Arbeiterschaft geschlagen hat. Der Sieg der französischen Sozialisten bedeutet zugleich eine außerordentliche Stärtung der sozialistischen Internationale. Mit den Sozialisten haben in Frankreich alle progressiven Kräfte gefiegt. Ich fehe darin eine Mahnung, die Ideen und die historischen Traditionen nicht zu unterschäzen. Frankreich hat das große Blüd der Trabitionen von 1789, der Traditionen der großen Kämpfe um die Bieberherstellung der Republit, die verlorengegangen war, Frant reich hat das Grid, intellettuelle Schichten zu befien, die mit aller Kraft thres Geiftes und aller Hingabe ihrer Beriön lichkeit eintreten tönnen für die Ideen der Freiheit und der republi tanischen Gleichheit. Wir in Deutschland sind nicht in dieser glück. lichen Lage. Wir haben gewiß die stärkere, beffer organisierte Arbeiterschaft als unerschütterliche Trägerin des republikanischen Ge= bantens. Aber ich hoffe, daß wir auch in Deutschland endlich dazu kommen werden, mehr als bisher republitanische Intellektuelle zu finden, die, mit der Arbeiterklasse vereint, den ganzen Wust von alten historischen, tonservativen Traditionen in Deutschland endlich wegräumen. ( Sehr gut!) So ist der Sieg der französischen Demokratie ein ungeheuer wichtiges Ereignis, das wir uns nicht durch Mißtrauen und Kleingläubigkeit verringern lassen wollen. Ich hoffe, daß dieser Sieg uns auch näher bringen wird der Verwirklichung der Hoffnung aller großen Geister in der französischen und deutschen Nation auf das Zusammenwirten, die Versöhnung und die Solidarität dieser beiben großen Kulturnationen. ( Bravo!) Was die bürgerliche Demokratie allein nicht verwirklichen fonnte, das erwarten wir von dem Zusammenarbeiten der bürgerlichen und sozialistischen Demokratie auf diesem Gebiet. Marr schreibt am Ende seiner Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie:„ Wenn alle inneren Bedingungen erfüllt sind, wird der deutsche Auferstehungstag verkündet werden durch das Schmettern des gallischen Hahnes." Der gallische Hahn hat seinen Ruf erschallen laffen; an uns ist es, die inneren Bedingungen herzustellen, damit wirklich der deutsche Auferstehungstag und der Auferstehungstag für ganz Europa tommt.( Bravo!) Welches find die inneren Bedingungen? Das wichtigste ist, daß in Deutschand wirkliche Friedensarbeit geleistet werden kann, daß auch der Geist des Militarismus, nachdem sein Körper zum großen Teil zerschlagen ist, überwunden wird. Deshalb brauchen wir die energischste, unermüdlichste Friedens. Die Sonntag, 15. Juni 1924 gefchloffen mit der Erreichung der wichtigsten folonialen und imperialistischen Ziele. England hat nur noch ein Interesse an der Erhaltung seiner Macht, daher ist die englische Außenpolitit tonservativ Gegenfäße zu überbrüden und nicht gewaltsam eingestellt und bemüht, die auszutragen. Das Instrument der Friedenspolitit fann und foll der Bölterbund werden. wenn an Stelle des französischen Imperialismus Vertreter der franEr wird sich wesentlich ändern, zösischen Demokratie, unterstützt von den sozialistischen, im Bölkerbund auftreten. Das gibt die Möglichkeit zur Umgestal. tung des Völkerbundes. Deshalb verlangen wir von der deutschen Regierung, daß fie ( Buruf Löbes: In diesem Jahre noch!) Selbstverständlich bei der die Aufnahme in den Bölferbund beantragt. nächsten Tagung. Die bisherige Zurückhaltung war eine Kon dession an die völkerbundfeindlichen Strömungen der Rechten. Mir wünschen auch, daß Rußland in den Völkerbund eintritt. Aber das ist heute eine reine Angelegenheit der russischen Regierufig. Die Gefahr einer imperialistischen Unterjochung Rußlands ist seit der Wendung in Frankreich nicht mehr gegeben. Die russische Regierung ist aber im Irrtum, wenn sie glaubt, fich jetzt alles erlauben zu dürfen. Wir wünschen eine vernünftige russische Regierung, aber diese hat die Verpflichtung, da für zu forgen, daß ihre verschiedenen Bertreter im Ausland politisch stubenrein werden. Für tie sozialistische Friebensarbeit wird im Vordergrunde stehen die Friedenssicherung, sondern eine erhöhte Friedensgefahr. Frage der Abrüstung. Die einseitige Abrüstung ist keine Die allgemeine Abrüftung muß endlich wahr gemacht werden. Die einzigen, die während und nach dem Kriege eingetreten sind für eine gerechte Behandlung Deutschlands, find die Demokraten und Sozialisten der anderen Länder gewesen. Nur vom Sozia= I is mus und der Demokratie tann Deutschland Be= rechtigteit erwarten. Fortschritte der Demokratie und des Sozialismus in der Welt liegen daher im wichtigsten nationalen Interesse Deutschlands.( Bravo!) Bei uns aber müssen alle die Dinge wie schwarze Reichswehr, illegale Organisationen usw. verschwinden. Das Sachverstänbigengutachten legt nicht den Frie den in allen Einzelheiten endgültig fest; wir werden daran noch jahrelang zu arbeiten haben; aber es macht die Bahn frei für diese Friedensarbeit, und der Erfolg dieser Arbeit ist sicher. Das Sachverständigengutachten bedeutet für uns es ist charakte es ist charakte ristisch, daß wir internationale Sozialisten das sagen müssen auch die Aufrechterhaltung und Sicherung der deutschen Einheit. nur durch seine Annahme bekommen wir die Rheinlande und die Ruhr frei. In einem Lande mit wirklichem Nationalbewußtsein, das nichts anderes ist als die Anbetung des alten Machtstaates( Sehr nicht mit dem falschen Nationalbewußtsein der Deutschnationalen, richtig!), aber nicht zur Grundlage hat die Liebe zu allen der Nation Angehörenden, wäre es unmöglich, daß Leute, die sich national nennen, wenn es sich um die Befreiung der wichtigsten Teile des Landes handelt, anfangen zu rechnen, ob ihr Portemonnaie dadurch nicht allzu sehr belastet wird.( Lebh. Zustimmung.) Die Annahme des Sachverständigengutachtens gibt uns die Möglichkeit, die wirtschaftliche Einheit wiederherzustellen, frei zu werden von den Kontrollen, Eingriffen, Zollbarrieren und der Berschneidung unseres Eisenbahnnetzes. Es ist das dringendste wirtschaftliche Interesse, wenn wir für die Annahme eintreten. Die Reichstagswahlen haben bei uns stattgefunden in einer Zeit, wo der Kampf um die Vergangenheit mehr im Vorderdiretten Lasten aus den Micum Verträgen be grund stand als die Gestaltung der Zukunft. Das Gutachten tam zu tragen 1 Milliarde. Biel mehr betragen die spät zur Aufklärung. So wurde die Wahl zur Wahl der Schichten, Schäden aus der Befehung des Ruhrgebiets. Die die aus ihrem bisherigen geistigen und wirtschaftAnnahme des Sachverständigengutachtens bedeutet also eine Erlichen Boden entwurzelt waren. Für sie war die Wahl leichterung der wirtschaftlichen Lage, die prefär und nur die Demonstration für die Dittatur. Diese Schichten gefährlich ist. Groß ist die Gefahr, daß die Kreditkrise umschlägt entschieden den Erfolg der Kommunisten und Völkischen. in eine Probuftionsfrise mit ihrer Arbeitslosigkeit. Durch Wiederherstellung des Vertrauens und durch Vernünftigkeit der Schichten wieder eingereiht in den Produktionsprozeß, dann werden Kommen wir zu neuem ökonomischen Aufschwung, werden diese deutschen Politik müssen wir versuchen, endlich wieder zu einer stabilen Währung zu gelangen. Wir können das Sachversteht. Und daher werden diese Schichten dann wieder das Rekrufie auch wieder verstehen, wie es um die Wahrung ihrer Interessen ständigengutachten auch annehmen, weil wichtige Sicheruntierungsgebiet für die Sozialdemokratie bei fommenden Wahlen sein. fungen Deutschlands die deutsche Währung nicht erschüttern dürfen; gen vorhanden sind. Es ist aufgebaut auf der Idee, daß die Zahdie Zahlungen müssen vermindert werden, wenn die Währung gefährdet wird. In dem Plan selbst ist die stärkste wirtschaftliche Garantie gegeben, daß die Befagung abgebaut wird und die Be jagungsfristen verfürzt werden, weil es im wirtschaftlichen Interesse der anderen Mächte liegt, die Bejagungskosten zu verringern. In der Eisenbahnfrage find falsche Borstellungen er wedt worden. Allerdings hat die Regelung der Eisenbahnfrage auch für uns als Sozialdemokraten starte Bedenken. Ich möchte der wedt worden. Allerdings hat die Regelung der Eisenbahnfrage auch englischen Arbeiterpartei und den französischen englischen Arbeiterpartei und den franzöfifchen Demotraten eines fagen: im Programm der englischen Arbeiterpartei steht die Nationalisierung der Eisenbahn. Wir deutschen Sozialdemokraten haben uns gegen alle Versuche der Schwerindustrie zur Privatisierung der Eisenbahn gewendet. Wir wünschen, daß es in den Berhandlungen mit dem Organisationskomitee ermöglicht wird, die Tarifhoheit des Reiches zu erhalten und seinen Einfluß auf die Eisenbahn so start zu machen, daß ein großer Teil unserer Bedenken beseitigt wird. Wir hoffen, daß es gerade nach der Wahlkrise in Frankreich und bei der Stellungnahme der englischen Regierung möglich sein wird, hier noch gewisse Erläuterungen zu erhalten, die unsere Bedenden zerstreuen. Unser Standpunkt bleibt voll und ganz in Geltung: schleunigste Annahme des Gutachtens, fchleunigste Vorlage der Gefeßentwürfe, damit endlich die notwendigen internationalen Anleihen aufgenommen wer= den können und endlich die politische Sicherheit zurückkehrt. Denn die Herstellung politischer Sicherheit bedeutet ökonomischen Aufschwung und damit Erstarfung der deutschen Arbeiterklaffe und Fortschritt des Sozialismus. Die Kriegsursachen haben mir zu wissenschaftlich und zu wenig politisch analysiert, wir hätten dabei mehr vom Geifte, Temperament und Optimismus eines Jaurès gebraucht. Energie tut uns not zur ununterbrochenen Friedensarbeit. Der Weltkrieg hat ergeben, daß der Massentrieg notwendigerweise zu einer ungeheuren Erschöpfung führen muß. Alle Fortschritte der Kriegstechnik werden nur bewirken, daß die Grenzen zwischen Kom battanten und Nichtkombattanten schließlich vollkommen verwischt werden. Schon im nächsten Kriege wird es feine Etappe mit Etappenleben und fein Hinterland mehr geben; die Fortschritte der Flugtechnik und der Gasverwendung werden diesen Idyllen ein Ende bereiten. Der Krieg hat für den englischen Imperialismus Lage im befeßten und Ruhrgebiet. Da möchte ich doch fagen Für den Wahlausfall war ferner von Bedeutung die ganz besonder mit der Brutalität, mit dem Mangel an pfychologischem Berständnis hat noch nie eine Unternehmertlaffe ihren Angriff gegen die Arbeiter geführt wie das rheinisch- westfälische Unternehmerfum gegen die Bergarbeiterschaft. hingeworfen wurden, mußten kurz darauf herhalten zu dieſem bru Dieselben Bergarbeiter, auf deren Schultern in erster Linie die Last des passiven Widerstandes lag und denen Lorbeerkränze in Fülle talen Borstoß der Unternehmer, die das Bewußtsein leitete, daß ste dabei den Schuß der Besatzung genießen. Der Wahlausfall ist schließ lich auch zu erklären aus dem Stand und der Arbeit des Organisation. Für die fünftige Parteiarbeit müssen wir unt flar werden über die Funktion des Vertrauensmanns der das wichtigste und verantwortungsvollste Glied in der Organi sation ist. Bor dem Kriege waren wir fonkurrenzlos die einzige Arbeiterpartei. Das ist heute anders. Daher muß jedes Wort, das ein Funktionär sagt, daraufhin überlegt werden, ob es nicht zugute tommt den Bölkischen, den Nationalen, den Kommunisten.( Lebh. Zustimmung.) Meinungsfreiheit selbstverständlich. Aber sie hat Grenzen. Wir müssen das Gefühl der Solidarität wieder gewinnen und jede Debatte muß getragen sein vom Geiste der Kameradschaft. Wenn ein Funktionär das Vertrauen nicht mehr besitzt, dann muß im internen Kreise mit ihm abgerechnet werden. Aber nach außen hin müssen wir zusammenstehen und mit Zähnen und Klauen uns verteidigen. ( Eehr richtig!) Bir können teine Funktionäre brau chen, die glauben, fie fönnen fich populär machen durch besondere Angriffe.( Lebh. Sehr richtig!) Das Be. wußtsein der Berantwortlichteit muß wieder zur Geltung tommen, damit wir wieder werden eine Partei der Brüderlichfeit, der Verbundenheit, der proletarischen Solidarität, und wir brauchen eine Auffrischung. Eine wichtige Aufgabe für die Partei ist es, die Lücken auszufüllen, die entstanden sind durch Abgabe von Genossen in Aemter. Dazu muß die Jugend herangezogen werden. Den Preßtommissionen und Geschäftsführern möchte ich nahelegen: jede Verstärkung der Redaktion und jede technische Ausgestaltung ist nicht ein Verlust, sondern die beste Kapitalsanlage. Unsere Redakteure und Preßtommiffionen müssen sich darüber klar sein, daß wir feine Zeitung für Funktionäre brauchen, sondern zur Erfassung der Maffen, Zeitungen, die nicht nur dem Arbeiter als Klassenfämpfer, sondern dem Arbeiter als ganzen Menschen etwas bieten. westarp م v. Graefe LudendorFF Hergt HABEKING 24 Millerand + O , 0 , wir armen unschuldigen Waisen! Was soll nun aus uns werden?" Der Kampf in der inneren Politik wird bestimmt sein durch die Abwälzung der Reparationslasten. Dw wichtigste Frage der inneren Politik ist die des Achistundenkages, für den wir aus schwerwiegenden volkswirtschaftlichen Gründen ein- treten. Auch bürgerliche Nationalökrmomen sind der Auffassung, daß das Verkürzen der Arbeitszeit keine Verteuerung der Produktion lxdeutet, sondern daß sie kompensiert wird durch erhöhte Jntensi- vicrung und durch Verbesserung der Arbeit Brentanos Wort:.Kurze Arbeitszeit und hohe Löhne bedeutet billige Arbeit" ist bis heute nicht widerlegt und kann nicht widerlegt werden. Gewiß waren die Erfahrungen mit der Arbeitszeitverkürzung vor dem Kriege günstiger als nach dem Kriege. Das liegt an der Ernährung und der Unruhe, unter denen der Arbeiter'der Nachkriegszeit tätig war. Der Acht- «undentag ist etwas, was wir mit allen gewerkschaftlichen und poli- tilchen Mitteln verteidigen werden, und wir hoffen, daß es k«r eng- tischen und französischen Regierung gelingen wird, die Ratifi- zierung des Washingtoner Abkommens durchzusetzen; dann wird auch Deutschland ratifizieren müssen. Anderenfalls sind wir entschlossen, den Achtstundentag durch Volksentscheid durchzusetzen. Auch die Lohn frage ist zu einem ausschlaggebenden politischen Faktor geworden. Die Lohnhöhe hangt ab von den Vorsitzenden der Schlichtungsämter, die vom Reichsarbeitsminister eingesetzt werden. Die Besetzung des Reichsarbeitsministeriums äußert sich in jedem Haus- halt; der Lohn, den der einzelne am Ende der Woche mitbringt, hängt zusammen mit der Vertretung der Sozialdemokratie im Parlament. Eine der wichtigsten Fragen. der deutschen Politik ist ferner die Ge- staltung der Handelspolitik. Wir wünschen eine Handels- Politik mit langfristigen Handelsverträgen und mit Freilassung der Lebensmittel und Rohstoffe von Zoll. Wir leugnen die gegenwärtige schwierige Lage der Landwirtschaft nicht. Aber die gesamte Land- arbeiterschaft und die Betriebe bis 5 Hektar haben von der Ein- führung von Lebensmtttelzöllen keinen Vorteil. Aber auch größere Betriebe haben nur einen ooübergehenden Voteil, denn der Zoll wird bald kompensiert durch Steigerung des Vodcnpreises, der maß- gebend wird, sobald ein Besitzwcchsel eintritt. Landarbeiter und Kleinbauern werden aber durch erhöhte Bodenpreise noch mehr vom Boden ausgesperrt. Daher wünschen wir diese Steigerung der Boden- preise nicht, weil sie dos stärkste Hemmnis für die Siedlung und Aufteilung des Bodens sind. In der St euer frage werden wir schwere Kampfe zu bestehen Hachen. Die finanzielle Lage des Reiches hat sich verhältnismäßig günstig gestaltet, allerdings auf Kosten der Arbeiter und Beamten; es ist erreicht worden, daß die Einnahmen die Ausgaben decken, die Goldanleihe konnte zurückge- kauft werden und in den letzten fünf Monaten wurde sogar ein Ueber- schuß von 300 Millionen Goldmark erzielt. Der Kampf um die Abwälzung der Lasten ist aber nicht nur ein Kampf um materielle Besserstellung, sondern es ist der kulturelle Kampf der breiten Masten. Wir wollen die materielle Besserstellung, wesl wir die geistige Hebung wollen. In unserem Volke lebt noch viel zu viel der alte Geist des Obrigkeitsstaates. Mir Knechten und Knechtsgesinnung läßt sich aber keine große Kulturaufgabe durchführen.(Sehr richtig!) Daher führen wir auch unseren Kampf um die Republik, weil wir den Massen die Ueberzcugung beibringen wollen, daß die Republik ein hohes Gut ist, weil die Freiheit ein hohes Gut ist und weil wir ihnen die Ucbekzcgung beibringen wollen, daß es eines freien Mannes unwürdig ist, einem Staate zu gehorchen, den er nicht mitgeschaffen hat, an dem er nicht beteilige ist Wir wollen keine Monarchie, weil wir keine fremde Obrigkeit anerkennen wollen. Glaubt denn jemand an das Voltskailertum des Herrn Stresemann? Weiß picht jeder, daß eine narchie nur kommen könnte nach einem Bürgerkrieg, nach der Nieder- s.ch lagung des Sozialismus und der Demokratie? Daher treten wir mit oller Kraft, mit allem Geist«in für die Re- publik, gegen die Monarchie.(Beifall.) Di« Fragen für das nackte Leben müssen end ich verschwinden. Kultur und Freiheit ist unzer- �irnnlich; deshalb ist auch Sozialismus und Republik unzertrennlich. Dem Genossen Löbe sind wir dankbar, daß er über dem Reichstag das Banner Schworz-Rot-Gold hat wehen lasten. Es ist eine Schande, wenn in großen Industriestädten die Völkischen die Straße beherrschen werden. An der Arbeiterschaft ist es, die völkischen Demonstrationen wenigstens aus den Industrie. stödten verschwinden zu lassen. Wir bekämpfen auch die Aushöhlung der Republik durch partikularistische Bestrebungen. Mir bleiben die Partei des Einheitsstaairs. Unter dem Zwang der Außenpolitik mußten wir mit Bundes» genossen zusammenkämpfen, die sonst nicht unsere Bundesgenossen sein können. Die Möglichkeit für die deutsche Sozialdemokratie, Koa l i tios- Politik zu treiben und in der Regierung zu sein, werde in der nächsten Zeit geringer sein. Bisher geschah der Eintritt in die. Re- gierung nur immer zu«incm Zeitpunkt, wenn es galt, Verantwortung zu übernehmen und Lasten zu tragen. Wir haben gewußt, daß es uns schaden wird, aber wir haben diese Politik getrieben in der festen Ueberzengung, daß wir für unsere eigene Politik erst frei« Bahn be- kommen, wenn wir die außenpolitischen Ausgaben gelöst haben. Den Erfolg der Erfüllungs pw l itik ließen uns die bürgerlichen Parteien schon«bei der jetzigen Re- gierungsbildung nicht teilen. Wenn die ganze Arbeit- nehmerfchaft zum wirklichen Bewußtsein ihrer Lage erwacht ist, dann wird eine Koalitionspolitit nicht mehr mögiich sein. Denn wir er- streben keine Koalition, sondern die Akajorität der Sozialdemokratie im Reichstag. Nichts ist falscher, als wenn die Arbeiter glauben, wir müßten uns mit den K o m m u n i st e n einigen, weil sie Klassen. genossen sind. Klassengenossen sind doch auch nicht mir die Gelben, sondern auch die nationalistischen und völkischen Arbeiter. Einigen können wir die Arbeiter nur auf das Pro. gramm der Sozialdemokratie, das ihre Interessen vertritt. klastengenosten gehören zu uns als Sozialdemokraken. Aber über die eigentliche Induftriearbeiterschast hinaus müssen wir die arbeitenden Schichten schlechthin gewinnen. Wir brauchen als Partei vor allem auch die Intellektuellen(Sehr richtig!), weil sie für gewisse Aufgaben durch ihre systematische Schulung und ihr Bildungsprivileg besser vorgebildet und daher besser geeignet sind. Wir brauchen sie zur geistigen Arbeit, dmnst sie wissenschafllich unsere großen Kuliuronschauungen oertreten können. Wir sind durch schwere Zeiten durchgegangen, das letzte Jahrzehnt stellt die schwerste Demüti- gung der Menschheit dar. Aber der Tiefpunkt ist überschrillen, es geht auswärts. Fortjchrilte sind zu o rzeichnen. Unsere Aufgabe ist es. die Masten hinauszuführen zu Gipfeln der poliiischen Macht der wisfenschaftlichen Erkenntnis, der kulturellen Errungenschaften.(Lang- onhaliender lebhafter Beifall.) Auf Borschlag des Vorsitzenden Wels nird ohne Mittags. pause durch getagt. Während der Rede Hilferdings ist folgend« Entschließung Ton-i Sender, Dißmann, Levi u. Gen. eingegangen: Die Beendigung des Krieges hat nicht zur diner Beruhigung der außenpolitijchen Veziehungen der kapitcknstischen Staaten ge- führt. Der Kampf um fremde Warenabsatzmärkt«, um Kapital- stedlungsplätze und politische Interessensphären, den schon die inter- nationalen Kongresse in Basel, Kopenhagen und Stuttgart als das Kennzeichen der gegenwärtigen Entwicklung des Kapitalismus fest- stellten, ist verschärit und zugespitzt durch Kämpfe um Petroleum- lager. durch Verschiebung der Kräfteverhältnisse in Europa, durch das Aufkommen neuer sozialer und politischer Kräfte in Rußland. durch Aktivierung der außenpolitischen Interessen der amerikani- schen Staaten. Neue schwere Krisen zeigen stch am Horizont. Die deutschen herrschenden Klassen, eingodenkt des Verlusts ihrer imperiolistifchen Stellimg durch den Weltkrieg, hoffen, in neuen Verwicklungen das Verlorene wiedererlangen zu können. In einer unaufrichtigen Außenpolitik, in heimlichen und offenen Rüstungen im Innern suchen sie Zeit und Mittel zu gewinnen. Die BSPD. erblickt ihre wichtigste Aufgab« darin, neuen Krisen, neuen Kriegen vorzubeugen durch entschlossenen Kampf gegen all« dies« Machenschakten der deutschen herrschenden Klassen und insbesondere durch Uederbürdung der schwersten Lasten des verlorenen Krieges auf die, die sie tragen können und tragen sollen, die kriegsschuldige Bourgeoisie. Die Partei ist überzeugt, daß dieser Kampf in dem Maße von Erfolg sein wird, in dem die internatio- nalen sozialistischen Parteien sich vereinigen zu einem gemeinsamen Kampf gegen die Imperialisten und Kriegstreiber aller Länder. einem Kampf, in dem die tragischen Lehren des Jahres 1924 nicht unbeachtet bleiben dürfen. Dann beginnt die Aussprache über die beiden Referate Helling und Hilferding. Dr. Paul Levi: Der Krieg hat uns dos Bild des englischen Imperialismus hinter- lasten, das aber kein dauerndes sein wird. Der Rom-Friede von einst ist ersetzt durch den britannischen Frieden. Aber einst sind unter der Decke des Friedens hohe Kulturnationen zugrunde gegan- gen. Der Kapitalismus bat jetzt die politischen Vorgänge zur größten Beschleunigung getrieben. Auf den britischen Frieden sollten wir nicht bauen. Die Ausfassung, als ob in Rußland nur ein kommunistischer Putsch gewesen sei, ist falsch; dort sind 179 Millionen dauernd ins Nationalbewußtsein eingetreten. Die russische Wirkung der allge- meinen Unruhe auf die ganze Welt beruht nicht aus einer dummen Rede Sinowjews und nicht auf der Kommunistischen Internationale, tritt. Der russische Bauernstaat wird in kurzer Zeit ein imperialisti- sches Machtgcbilde sein. Ich sehe auch die Befriedung nicht nach sches Machtgebilde sein. Ick, seh« auch die Befriedigung nicht nach Annahme des Sachverständigengutachtens. Ich bin für An- nähme des Gutachtens, aber aus anderen Gründen und zu anderen Zielen. Das Sachverständigengutachten gibt der Leistungs pflicht der deutschen Bourgoisie einen Rahmen, durch den wir sie in die durch den Kriegsbeginn übernommene Pflicht pressen können. Dte große g e s ch c ch t l i ch e Wendung sehe ich darin allerdings nicht. Für uns ist die Ueberbürdung der Lasten ein Ziel im Kampf; für die deutsche Bourgeoisie ist das Gutachten eine Atempause. Gewiß ging das Rheinland verloren, wurde die Währung korrumpiert und der Mittelstand aufgerieben. Aber der große Teil der Bou-geoisi« hat den Beutel geschont. Der Zeitpunkt der Ruhe wird auch nach Annahme des Sachverständigen- gutachtens nicht kommen. Jetzt geht es in den Steuerfragen um die kulturelle Stellung des deutschen Proletariats.(Sehr richtig!) Wenn wir über die Kockiittonsfrag« mehr gesprochen hätten, hätten wir uns vielleicht verständigen können auf einer anderen Basis als der Koali- tion. Große sittliche Kräfte gilt es zu mobilisieren, die dem Sozialis- mus, in Deutscbland zumal, abhanden gekommen sind. Unsere negativst« Politik ist die positivste, weil sie Ar- beiter und Intelligenz zusammenschweißt.(Leb- hafter Beifall.) Fleißner- Dresden: Die Hauptursache des Mißerfolges der Par- tei bei den letzten Wahlen war die mangelnde Fühlung mit den Massen. Auch die unverständlichen Schiedssprüche im Berg- arbeiterkampf haben bei dem Mißerfolg mitgewirkt. Wir in Sachsen haben uns nicht in die Defensive drängen lasten, wir haben den An- griff gegen rechts und links diktiert und die Erfolge sprechen für uns. Adams-Hambuyß: Das Referat Dellings scheint leider ganz vergessen zu sein.(Sehr wahr!) Die Umgestaktung des Boden- rechts ist äußerst wichtig. Aber die Kernfrage der Bodenfrage ist heute die Steuerfrag«. Sie ist mit der' Durchführung der wirklichen Grundwertsteuer in Anhalt z. B. glänzend gelöst. Die von HUser- diirg aufgeworfene Frage, wie wir die proletarisierten Intellektuellen für uns gewinnen können, hängt aufs engste zusammen mit der ge- samten Kultur, und Schulpolitik. Die Errungenschaften auf diesem Gebiete sind durch den Ausfall der letzten Wahlen schwer gefährdet. Leider fehlt es auch in weiten Kreisen der Partei noch an Berständnis für die Frage. Unsere Gegner haben viel besser die Bedeutung der Veeinflustunq der Jugend erkannt.(Sehr wahr!) Neben der Verteidigung der Republik müssen alle Fragen der Kultur. und Schulpolitik viel mehr in den Vordergrund unserer Agitation gestellt werden. Knlle-München: Bei den Reichstagswnhlen in Bayern war das Auffallenidste die große Zahl der Richtwähler. Sie ist zurückzu- führen ans das Versagen der R e i chs reg i e r u ng gegenüber der Reaktion in Bayern. Der Sündenfall begann, als man der bayerischen Regierung die Justizhoheit beließ. Sachsen und Thüringen! sind das letzte Glied in der langen Kette von Ber- sngsrn, die uns auch in der Außenpolitik schwer geschädigt haben. (Sehr wahr.) Die Achtung vor den politischen Proble- men, die Hilferding forderte, hat sich leider aus diesem Parteitag wenig gezeigt. Nicht nur hier, sondern überall sehen wir ein gewisses Ausweichen vor der Lösung von Problemen, eine Ueber- schätzung der reinen Organisationsstagen. Ohne den stmkcn Willen von Sozialismus, ohne Begeisterung kann arickj die beste Organisation uns nicht schützen. Die Masse hungert nach einem Glauben, nach etwas, was sie fortreißt, sie bc- geistert. Wir müssen sie wieder erfüllen mit Ber. l ran e n zum S oz ia li s m u s.(Bravo!) Saupe-Leipzig: Die Stellungnahme zum Sachoerständigengut- achten muß von großen historischen Gesichtspunkt'en getrageni sein. Das Ende des Ruhrkonflikts war innerpolitisch eine schwere Nieder- läge des deutschen Proletariats und außenpolitisch die Niederlage des deutschen Kapitals gegenüber dem französischen. Das Sachoerstän- digengutachten ist gewissermaßen die Formulierung der Friedens- Präliminarien zwischen diesen beiden Kapitalmächten. Wir kommen damit gewiß zu einer Befriedung Europas, aber durch die Konzen- tration der Kapitalmacht in Europa im Kampf gegen das Proletariat aller Länder. Die Tragik ist, daß wir unsere Politik nicht von weiten Gesichtspunkten leiten lassen, sondern uns haben treiben lassen von enzbegrenzten Zielen.(Sehr richtig!) Löbe: Unsere Forderung, daß Deutschland in den Völkerbund eintreten möge, darf nicht eine platonische Liebes- erklärung bleiben, wie unser gleicher Beschluß vom Augsburger Parteitag, sondern wir müssen fordern, daß der Beitritt in diesem Jahre noch erfolgt. Bei dem Zusammentritt des Plenums des Völkerbundes in Genf muß der deutsche Antrag aus Ausnahme vorliegen, dieser Antrag, der vom Auswärtigen Amt bald offen, bald hinterlistig hintertrieben wird(hört, hört!), wobei die vom Auswärtigen Amt abhängigen Telegraphenagenturen wie das WTB. bereitwilligst Hilfsdienste leisten. Dies Spiel muß die Sozialdemokratie durchkreuzen. Alle Freunde Deutschlands in der Welt, Sozialisten. Demokraten und Fortschrittler mühen sich seit drei Iahren ab, die Sttmmung auch bei uns zu schaffen, damit wir dem Völkerbund beitreten. Stresemann muß beim nächsten Zusam- mentritt des Reichstages vor die klare Frage gestellt werden, ob er bereit ist, diesen Antrag in Genf bis zum Herbst rechtzeitig ein- zureichen.(Sehr gut!) Vielleicht könnte man überhaupt durch derart knappe Fragen das etwas verknöcherte parlamentarische Leben auf- frischen. Wir könnten gewisse englische parlameitarische Gewohn- heitcn übernehmen, im Augenblick politischer Entwicklungen ganz konkrete Fragen zur sofortigen Beantwortung an die Minister zu stellen.(Sehr gut!) Zur Frage der kulturellen und der bildungs- politischen Arbeit im Parlament ist inzwischen ein Antrag eingereicht worden, wir sollten dies Teilgebiet nicht übersehen. Die schul- und bildungspolitischen Fragen sind nach der Weimarer Verfassung dem Reich übertragen: aber heute sind hundert Kräfte am Werk, um dies« Frage wieder den Ländern zuzuschieben, um Rückschritt und Mucker- tum sich an den verschiedensten Stellen dabei auswirken zu lassen. Unser Antrag will diesen Besttebungen entgegentreten und die kultur- politischen Forderungen der Sozialdemokratie in erster Linie im Reich oerwirklichen lassen.(Bravo!) Bors. Dillmann gibt den eben von Löbe erwähnten Antrag in seinem Wortlaut bekannt. Dißmann: Die Partei und mit ihr die Gewerkschaften haben einen Aktivposten in den letzten Jahren aufzuweisen, indem es ihren jahretangen intern aftonalen Verbindungen gelungen ist. der Vee achtung wirtschaftlicher Gesetze im Zusammenwirken der Völker die Wege geregelt zu haben. Das Sachverständigengutachten, das wir in Partei und Gewerkschaften annehmen, entspricht keineswegs dem, was wir wünschen; aber wir müssen es als das kleinere U e b e l betrachten. Die Durchführung des Gutachtens, die Auf- bringung von 2S99 Mill. Goldmark ist nur möglich dadurch, daß durch die Wiederherstellung eines wirtschaftlich vernünftigen Zu- sammenarbeitens die deutsche Wirtschast sich hebt. Es fragt sich aber. ob wir die große Meng« der dann erzeugten Güter im Ausland werden absetzen können. Ich sehe dabei noch große wirt- schaftliche Krisen voraus. Vor allem wird sich bei uns der Kampf um die Verteilung der Lasten zuspitzen(Sehr richtig!), und dabei werden viele der bürgerlichen Parteien nicht mit uns, sondern mit den Deutschnationalen gehen. Darauf haben wir uns einzustellen. Schon die Behandlung, die uns die Mtlelparteleu in der letzten Zeit haben zuteil werden lassen, müßte uns veranlassen, ihnen den Fehdehandschuh Hinzuwersen. Werden die Lasten aus die Schultern des Proletariats gelegt, dann wird der Kampf ausgetragen innerhalb der einzelnen Indixsttie- gruppen zwischen Kapital und Arbeit.(Sehr wahr!) W i r m ü s s e n daher eine Politik betreiben, die den Gefühlen der breiten A r b ei t e r m a ss e n entspricht, ihr Vertrauen erweckt, von ihnen verstanden werden kann. Das forderte auch Hilferding. Ich hoffe, daß es nicht bei den Worten bleibt, sondern daß denen die Taten der Parteien folgen werden.(Lebhafter Beifall.) Dann wird die Partei eine wettere Stärkung erfahren, und das ist auch der Weg, um zur proletarischen Einigung zu kommen.»Wenn wir die Praktiken der KPD. weit von uns weisen. so müssen wir uns doch darüber klar sein, daß wir es rncht zu tun haben mit Ruth Fischer und anderen einzelnen Personen, sondern mit den 4 Millionen Wählern der KPD., die wir durch eine Politik des unversöhnlichen Klassenkampfes wieder für uns gewinnen müssen.(Bravo!) Es wird gesagt, jeder Funktionär hat die Beschlüsse der Partei zu verteidigen. Selbstverständlich draußen im Kampf gegen den Gegner. Aber in der Partei selbst müssen wir das freie Recht haben, Beschlüssen und einer Politik, die wir für bedenklich halten, entgegenzutreten. Die Parteipolitit muß angesichts der Verschärfung der Klassengegensätze so betrieben werden, daß die Partei die Banner- t r ä g e r i n i st. die alle von rechts und links um sich schart. Möge der Parteitag ausklingen in den Ruf: Wir wollen die Massen sammeln, um dem alten Ruf wieder Geltung zu oerschafseu: Es leb« die revolutionäre völkerbesreiende Sozialdemokratie!(Lebh. Beifall.) Frau Zils-Breslau betont die Notwendigkeit der Reinigung der Reichswehr von Angehörigen illegaler Selbstschutzorganisationen. solange nicht die völlige Beseitigung der Reichswehr möglich fei. Dr Adolf Braun: Hilferding hat eine ausgezeichnete Rede ge- halten, gegen die die Oppositton nichts vorzubringen gehabt und auch die Resolution der Oppositton enthält nur allgemeine Rede- r e i e n. Dißmann hat mit seiner in Volksversammlungen glänzend geschulten Rhetorik n i ch t s R e u e s gesagt, in der Frage der Lasten. Verteilung nur dasselbe, was Müller dem Reichskanzler und Lobe ml Reichstag gesagt hat. Es ist nicht richtig, daß unsere Polittt sich leiten lassen muß von den Gefühlen und dem D e r st a n d n l s der breiten Massen, sondern man muh auch den Mut haben entgegen den Gefühlen der breiten Massen vorzugehen. Gewiß muß das Verständnis der breiten Massen «steigert werden; aber solche Reden können das Berstänlmis für die Partei nicht fördern. Sich nur von den G.-fühlen der breiten Massen leiten zu lassen. nennt man Demagogie. In der Agrarfrage kommt«s darauf an, daß die Landwirtsc�ft international so organisiert wird, daß sie imstande ist, die ganze Be- völkerung zu ernähren. Die Behauptung, daß in der Landwirtschast nicht auch einmal ähnliche Resetze wirken werden wie in der Jndu- sttie ist zum mindesten voreilig. Ich warn« davor, wieder eine neue Kommission zur Beratung der Agrarfrage einzusetzen. Wir haben die allergrößte Mannigfaltigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion und den ländlichen sozialen Verhältnissen. Daher� können wir kein 'einheitliches Agrarprogramm für Deutschland, höchstens eins für Hessen, Süddeutschland usw. mache». Es gibt kaum eine großer«, aber auch keine schwierigere Frag« als die Stellung der Sogialdemo- kratie zur Agrarfrage. Wir sind dabei immer in die Breite gegangen. aber niemals m die Tiefe.(Sehr richtig!) Frau Dr. Stegmann-Dresden: Wenn uns gerade jetzt, wo die von Marx vorausgesagte Entwicklung eintritt, ein« neue Haßwelle gegen Marx entgegenschlägt, so beweist das nur, daß die Kapitalisten. klaffe erkannt hat daß sie vor dem Endkamps steht. Deshalb hat sie das Rationalgeüühl aufgerührt. Das Festhalten am Klassenkampf bleibt für uns immer die Hauptquelle, aus der wir schöpfen. Klassen. kämpf bedeutet einfach die Tatsache, daß sich Besitzlose und Be- sitzende gegenüberstehen. Aber dieser Kampf ,st schwieriger gewor- den, seitdem nicht mehr der arme Weber dem einen Unternehmer gegenübersteht, sondern die Arbeiterschaft dem Unfaßbaren gegenüber- steht, in den großen Konzernen offenbar. Es handell sich darum die ungekrönten König? zu erkennen, die überall in Repu- blik mid Monarchie hinter den Regierungen stehen und die Fäden der Regierung leiten. Etinnes ist tot. ober der unpersönliche Stinnes, der Konzern Stinnes, lebt. Dieser Stinnes-Konzern als Besitzer der Ruhrkohi« und von Eisenbergwerken in Spanien und Schweden steht im Interessengegensatz zu dem französischen Konzen de Wendel, der ebenso international ist Der ganze Ruhrkonflikt sagt man, war ein Duell zwischen diesen beiden Konzernen und sein Ziel war das Stahl. Die Welt ist einqekellt zwischen Oel- und Stahl- interessenten. Wir dürfen nicht verkennen, daß die deutsch« Sozialdemokratie sich in einer schweren Krise befindet. Das kommt daher, daß wir in diesem Kamps gegen das Kapital gescheitert sind. Ich stelle das fest, knüpfe daran keine Krittt. Wir wollen annehmen, es hat nicht anders sein können, aber wir müssen daraus die Lehre ziehen. Dieser Endkamps ist nur abgebrochen, er muß wieder aufgenommen werden.(Braool) Edel-Dresden: Im vorigen Jahre hat Hilferding auf dem Berliner Bezirkspartettag gesagt, der Sozialismus befindet sich in der ganzen Welt in absteigender Lini«. Gleich darauf kam es in England zum Sieg der Arbeiterklasse, und jetzt haben wir den Sieg der jran- zösischen Sozialisten erlebt. Auch in Deutschland konnte das Prole- tariat sich besser schlagen als Hilferding geweissagt hat. Aus dieser tiefpessimistischen, ja fatalistischen Anschauung des wissenschaftlichen Beraters der Partei er- klärt sich manches, was in der Vergangenheit die KrititderParteigenossenausgelösthat.(Sehr wahr!) Eine kampflose Kapitulation kann dem Proletariat schwereren Scha- den zufügen als selbst eine Niederlage im Kampf. Im„Vorwärts" stand geschrieben, daß Sachsen von jungen Redakteuren und Schul- lehrern geführt werde. Aber der Bezirk Ostsachfen ist der einzige, der 6 Reichstagsabgeordnete in den neuen Reichstag entsenden konnte. Man sagt, wir müssen d-n Massen die Mahnahmen der Partei oerstä'idlich machen. Aber für den Ausnahmezustand in Sachsen werden di« Parteigenossen im Lande kein Verständnis auf- bringen können.(Sehr wahr!) Dr. Brcilscheid: Ich halte es nicht für zweckmäßig, sich jetzt dar- über ouszuspwchen, ob eine aggressive oder weniger aggressive Taktik in der Vergangenheit größeren Erfolg gehabt hat. Manche Mitglieder der sogen. Opposition scheinen die Gelegenheit dieser Debatte zu be- nutzen, um die Reden zu halten, die sie gestern nicht halten konnten. Der Genosse Levi ist— wahrscheinlich infolge der kurzen Redezeit— bei einer ganzen Anzahl seiner Gedankengänge zu keiner wirklichen Entwicklung gekommen. So haben wir von ihm gar nicht erfahren, welches denn sein« positiven Ziele für die Politik sind. Er hat sich schließlich genau wie wir auf den Standpunkt der Annahme desG» t achtens der Sachver- st ä n d i g e n gestellt. Das halte ich für das Wesentlichste in dieser falsch, etn Zurückweichen richtet nicht so großen Schaben an wie eine große Niederlage. Wenn hier von Funktionären immer noch davon gesprochen wird, als ob die Sozialdemokratie schuld sei an dem Einmarsch der Reichswehr in Sachsen, wie sollen wir uns dann diesem Vorwurf gegenüber wehren gegen andere Parteien?( Sehr richtig!) Und die Behauptung trifft doch nie und nimmer zu. Wir sind doch sogar aus der Regierung herausgegangen als Protest gegen den Einmarsch. Und trohalledem wird von Genossen, um in Mitgliederversammlungen Beifall zu haben, diese Behauptung immer noch wiederholt, jezt noch, wo es sich nicht mehr um die Bergangenheit, sondern um die Gestaltung der Zukunft handelt.( Sehr richtig!) Das ist ein schlechter Funktionär, der so handelt.( Lebh. Zustimmung.) Nicht was den Beifall der Masse findet, sondern was den Intereffen der Partei entspricht, müssen wir tun. Braun mit 301 und Dittmann mit 800 Stimmen. Zu 5. sigern wurden gewählt: Genoffin Nemig mit 284, Dr. Moses mit 269, Richard Fischer mit 263, Hildenbrand mit 257, Schulz mit 256, Hilferding mit 253, Genoffin Ryned mit 235, Frant mit 225, Stahl mit 201 Stimmen; ferner haben Stimmen erhalten: Aufhäuser 141, Künstler 129, Ströbel 126, Thurm 102, Lepi 99, Otto Meier 89, Krille 80, Liedtke 78; zersplittert waren 3. In die Kontrollfommission wurden gewählt: Löbe mit 339, Brühne mit 275, Bod mit 258, Bren mit 258, engsbach mit 242, Müller- Lichtenberg mit 241, Treu mit 225, Schönfelder mit 224, Genoffin Agnes mit 217 Stimmen. Auf Antrag der Kontrollkommission wird honrath- Aachen einstimmig aus der Partei ausgeschlossen, weil er gegen die Wahl eines von der Partei aufgestellten Beigeordneten der Stadt Aachen die bürgerliche Presse und das Regierungspräsidium um Nichtbestätigung angegangen hat. Die Kontrollkommission hat den Genossen Brühne-Frankfurt zum Vorsitzenden, Bock zum Stellvertreter gewählt. Bors. Wels: Im vergangenen Jahre waren 25 Jahre verstrichen, seitdem Genosse Brühne der Kontrollkommission angehört. So früh wurde er mit diesem hohen Ehrenamt betraut. In all der Zeit hat er das Vertrauen der Partei gerechtfertigt. Im Sinne des Barteitages ist es, wenn ich von diesem Plaze aus dem Neugewählten unsere Gratulation ausspreche. stattfinden zu lassen, bitte ich, dem Parteivorstand zu überweisen. Den Antrag Breslau, den Parteitag im nächsten Jahre dort Genossin Zils: Im nächsten Jahre ist der 100. Geburtstag Las falles, der in Breslau geboren ist. 30 Jahre find vorbei seit der ersten Agrardebatte in Breslau.( Heiterkeit.) Ich bitte den Antrag Breslau anzunehmen. Die große Mehrheit des Parteitags spricht sich jedoch für Ueberweisung an den Parteivorstand aus. Situation, darauf haben wir unsere Kraft zu konzentrieren. Für die Behauptung, daß wir das aus anderen Motiven tun als er, ist er uns den Beweis schuldig geblieben. Auch ich bedauere, daß die Opposition eine besondere Resolution eingebracht hat, wodurch, obgleich sie inhaltlich gar nichts anderes enthält als die Resolution Hilferding, doch nach außen der Eindruck erweckt wird, als gäbe es hier tiefgehende Meinungsverschiedenheiten. Wir sollten vielmehr eine gemeinsame flare Rundgebung unseres Willens auch nach außen hin zum Ausdruck bringen.( Sehr gut!). Auf das Gerede vom Klaffenkampf trifft das alte Wort zu: Das Anständige versteht sich von selbst. Es ist die Grundlage des Sozialismus, daß wir auf dem Boden des Klaffentampfes stehen, und jeder, der sich zum Sozialismus betennt, befennt sich damit auch zum Gedanken des Klaffenfampfes.( Sehr richtig!) Der Begriff Klaffentampf Die Genossen von der Opposition frage ich: waren Sie nicht auch fann aber auch zu einer Phrase werden, vor der gegen die Massenstimmung, als Sie bei Kriegsausbruch gegen den dann niemand mehr Respett hat( Sehr wahr!) Wir Krieg waren, und find Sie nicht heute noch stolz darauf, gegen die sollten uns damit begnügen, eine entsprechende Politik zu treiben. Massen gestanden zu haben? Gewiß, wir müssen mit den Massen Cinen Gegensatz zwischen Staatspolitik und Klassenkampf gibt es nicht, in Fühlung bleiben, aber wir müffen ihnen auch das Berständ. sondern indem wir im Staate unseren Einfluß heute ohne morgen nis für unsere Politit nahebringen. Genossen mit Koalition zu verstärken suchen, tun wir das im Interesse der sprechen von einer vernichtenden Niederlage, wo wir doch alle Klasse der Arbeiterschaft und treiben damit Klassenkampf.( Sehr gut!) wußten, daß hinter den bisherigen Mandaten nicht mehr die Levi meinte, das Sachverständigengutachten bedeute teine geschicht. Wählerschaft von einst stand. Wir haben aber unsere Armee vollkommen intatt erhalten und sie ist bereit, aufs liche Wendung. Gewiß hat sich die Welt nicht mit einem Schlage dadurch verändert, aber durch die Wahlen in England und Frankreich neue fich zu schlagen, je früher desto besser.( Lebist doch die Situation ganz anders geworden, und daraus müssen wir hafter Beifall.) Daher ist es findisch, sich als Funktionär hierherzudie entsprechenden Konsequenzen ziehen. Daß das Gutachten einen stellen und von Niederlage zu sprechen. Darüber dürfen wir die Arbeiterschaft nicht im unflaren lassen, daß die 2½ Milliarden, Sieg des französischen Kapitals über das deutsche bedeute, ist auch deren Zahlung das Sachverständigengutachten vorfieht, zum Teil nicht richtig. Einem großen Teil der französischen Kapitaliſten paßt aufgebracht werden von dem Proletariat und daß das Sachverständigengutachten sehr wenig. Wenn heute die Sicherheit sie nur aus der Produktionskraft hervorgehen können. Der Stand besteht, daß Frankreich sich rückhaltlos auf den Boden des Sachver- punkt der sozialistischen Internationale ist immer gewesen, daß die ſtändigengutachtens stellt, so doch deshalb, weil der Sozialismus mit Verwüstungen des Krieges gutgemacht werden müssen. Hier han. der linken Demokratie in Frankreich einen Erfolg bei den Wahlen delt es sich um eine sozialistische Moral, die aber mit dem Gutachten davongetragen hat, und das find doch feine Kapitalisten. Daß unser an sich sehr wenig zu tun hat. Wir müssen der Gefahr ausweichen, Kampf nach Annahme des Sachverständigengutachtens nicht aufhört, unseren Kampf als Partei herabziehen zu lassen in die Niederungen ist selbstverständlich; aber die Bedeutung des Gutachtens eines Interessententampfes. Wir find feine Interessenpartei wie Damit find wir am Schluß der Arbeiten dieses Parteitags ans liegt darin, daß die internationale Lage entgiftet die anderen Parteien, teine Partei der unmittelbaren materiellen gelangt. Es ist ein Beweis, daß die Partei ihresgleichen unter allen wird. Die Situation der deutschen Arbeiterschaft wird dadurch ver- Intereffen der Arbeiter. Unsere Partei ist berufen zum neuen Auf- Barteien nicht findet, daß es möglich war, die so reichhaltige Lages beffert, daß unsere Politik nun nicht mehr beherrscht wird von dem bau der Gesellschaft. Die Periode, die hinter uns liegt, muß abgeordnung in der furzen Zeit aufzuarbeiten. Es gibt freilich Genossen, Druck, den das Ausland auf uns ausübt, daß der 3wang zur ge- fchloffen werden, dieser Parteitag muß Schluß machen mit allem, die der Ueberzeugung waren und sind, daß eine zwei bis drei Tage meinsamen Front im Innern gegen den internationalen Kapitalis- was hinter uns liegt, und uns stärten für den Kampf in der Zu- längere Debatte der Partei nüßlicher und dienlicher gemesen wäre. mus von uns genommen wird, so daß wir uns jetzt mit größerer funft, dieser Parteitag muß die Arbeiter aufrufen zum Ver. Meiner inneren unerschütterlichen Auffassung gebe ich Ausdruck, Klarheit gegen unsere eigenen Nationalen und gegen unsere eigenen frauen zum Sozialismus und zur Sozialdemo- wenn ich fage: das Resultat des Parteitags wäre fein anderes ge= Kapitalisten zu wenden vermögen.( Stürmischer Beifall.) iratie.( Lebhafter Beifall.) wefen. Wer das nicht glaubt, der unterschäzt die Intensität, mit der der sich die Genossen mit diesen Fragen beschäftigt hatten. Wer zum Parteitag tam, tam mit vorgefaßter Meinung zu den schwebenden Fragen. Trotzdem in vielen Einzelheiten Meinungsverschiedenheiten zutage traten, obwohl nicht wie in der alten Partei Einstimmigkeit bei der Wahl der Borstandsmitglieder sich ergab, so sage ich doch: Die Einigkeit in der Partei, das Betenntnis zur Demokratie und zu den sozialistischen Endzielen war niemals stärker als auf diesem Parteitag. Was uns trennt, find Aeußerlichkeiten, die in einer wahren Arbeiters partei nicht zu umgehen find. Wir wollen unsere Abstammung aus ben Tiefen des Boltes auch hier nicht verleugnen. Unsere Ver. handlungen waren getragen von der Erkenntnis ihrer Wichtigkeit nicht nur für die Partei, nicht nur für die Arbeiter Deutschlands und für das deutsche Bolt, sondern für ganz Europa, für die ganze Kulturwelt. Als die Spaltung der Arbeiterbewegung in Deutschland begann, ahnte vielleicht teiner, welche Wirkung diese Spaltung für die europäische Entwidlung haben fonnte und welche Bedeutung die Internationale erhalten würde, welche im Kriege zusammengebrochen war. Wie ein Phönig aus der Asche erhob fich die Internationale in der Nachkriegsze it. Troz der durch den Krieg verstärkten Macht des Kapitalismus fehen wir den Vormarsch des Sozialismus, ganz besonders in England und Frankreich. Ich betrachte es als eine der größten Errungen schaften des Parteitags. Der mit Beifall aufgenommene Antrag, bie Rebe Hilferdings ais Broschüre herauszugeben, wird einstimmig beschlossen. Es folgt die Abstimmung über die vorliegenden Entstimmig angenommen. Die Resolution Hilferding wird gegen wenige Stimmen angenommen, während die Resolution Sender Dißmann Levi mit großer Mehr. heit abgelehnt wird. Einstimmige Annahme findet ferner ein Antrag 2öbe auf Wahrung und Durchsehung der Bestimmungen der Reichsverfassung über die Schule, und einmütig angenommen wird folgende Entschließung Wachenheim u. Gen. über die Ausgewiesenen und Inhaftierten in den befekten Peus: Wir dürfen in Zukunft nicht nur mehr eine Partei der Industriearbeiter bleiben, sondern müssen uns auch mehr um die Agrarfrage fümmern. Dazu gehört die Forderung eines neuen Bodenrechts, das auch im Art. 155 der Reichsverschließungen. Die Resolution Georg Schmidt wird ein fassung gefordert wird. An Stelle der Grundertragssteuer muß die Grundwertsteuer treten. In Anhalt haben wir das durchgeführt. Das ist Klassenfampf der Tat statt der Redensart.( Sehr gut!) Hätten wir diese Steuer in allen Einzelländern, so wäre unfere finanzielle Lage wesentlich besser. Unsere Großgrundbefizer in Unhalt zahlen heute schon 20mal soviel Grundsteuer als vor dem Kriege. Außerdem muß bestimmt werden, daß aller Grund und Boden, der verkauft wird, an den Staat zum Steuerpreise verkauft werden muß. Dann fann der Staat das Land abgeben an die, die es brauchen, und es bekommen nicht nur die Land, die es bezahlen können. ( Sehr gut!) Inzwischen sind zahlreiche Anträge auf Schluß der Debatte eingelaufen, wogegen sich fein Widerspruch erhebt. Das Schlußwort erhält Hilferding: Wenn wir auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages den Bunft Sozialdemokratie und Landwirtschaft sehen, dann müssen wir die Frage gründlicher vorbereiten. Wir denken daran, die Theoretiker und Praktiker auf landwirtschaftlichem Gebiete aus der Partei zusammenzuberufen zur Ausarbeitung eines Programms. Ich bitte, die Resolution Sender, Dißmann, Levi abzulehnen, da sie das Wesen einer Parteitagsentschließung zu Derkennen scheinen. Ich habe in meiner Resolution bestimmte fonfrete Ziele der Innen- und Außenpolitik aufgestellt. Die Reso lution Sender Dißmann hat teine solchen ton. freten Forderungen. Wir brauchen eine bestimmte, flare Stellungnahme zu den politischen Fragen, die offen find. fönnen es nicht verantworten, in einem Augenblick, wo wir die Regierung auf unsere Linie der Außenpolitik gebracht haben, die Außenpolitik dieser Regierung zu diskreditieren. Wichtig ist, daß auch Levi für die Annahme des Sachverständigengutachtens ist. Es ist ein großer Fehler, einfach und gradlinig aus den wirtschaftlichen Erscheinungen politische Forderungen ziehen zu wollen. Wir haben immer hervorgehoben, daß die Größe der russischen Ummälzung in der Revolutionierung der Bauern liegt. Wenn man sich aber die soziale Struttur des russischen Boltes ansieht, dann glaube ich nicht, daß angesichts der schweren Erschütterung des russischen Bauerntums die Betätigung des russischen Imperialismus so nahe ist, wie Levi es meint. Deutschland darf sich nicht durch eine revolutionäre Romanfit an den Osten binden lassen, sondern muß sich an die westlichen Demokratien anschließen, wenn es in seiner Außenpolitik erfolgreich sein will. Der römische Friede war die Entfaltung höchster Kultur, die einzige Möglichkeit, unter damaligen Bedingungen eine höherentwicklung der Menschheit herbeizuführen. In den letzten zwei Jahren haben wir eine Machtverschiebung gehabt zuungunsten der Arbeitertiaffe. Aber ich bestreite, daß eine Niederlage beffer ist als ein 3urüdweichen. Das Gebieten: ,, Länger als fünf Jahre leidet nunmehr die rheinische Bevölkerund unter dem Druck fremder Herrschaft. Durch den Ruhrabwehrkampf sind tausende rheinische Bewohner aus allen Bepölkerungsschichten von Haus und Hof vertrieben worden und mußten oft ihr hab und Gut schutzlos zurücklaffen. Die Wohnungen der Betroffenen wurden von der Befagung beschlagnahmt, und soweit Ausweisungen zurückgenommen wurden, standen die Opfer nach ihrer Rückkehr obdachlos da, weil die Wohnungsnot im ganzen besetzten Gebiet unbeschreiblich ist. 17 Tausende rheinischer Männer und Frauen, die im Ruhrabwehrkampf und gegen die Separatistenbewegung ihre Treue zur deutschen Heimat und zur deutschen Republik befundeten, schmachten in den Gefängnissen. Trozdem all diese Opfer wegen ihrer Ueberzeugung als Deutsche gelitten haben und noch leiden, hat die Reichsregierung in der Betreuung und Schadloshaltung der Betroffenen vielfach versagt. Der Parteitag verlangt deshalb: 1. Bom Parteivorstand, unverzüglich Schritte bei den Bruder parteien der Ententeftaaten einzuleiten, daß diese mit allen Mitteln danach hinarbeiten, daß die Ausweisungen schleunigst zurückgenommen und die politischen Gefangenen aus den Strafanstalten entlassen werden. 2. Bon der Reichstagsfraktion, daß schleunigst Anträge ein gebracht werden, in welchen gefordert wird: a) Daß ein parlamentarischer Ausschuß eingefeht wird, der die Richtlinien für die Betreuung der Ausgewiesenen prüft und Ungleichmäßigkeiten beseitigt und vor allem auch den nichtbeamteten Ausgewiesenen Rechnung trägt. b) Daß die in die Heimat zurückgekehrten Ausgewiesenen, die ihre Eristenz eingebüßt haben, wirtschaftlich sichergestellt werden. c) Daß in der Beschaffung und Instandsetzung von Wohnungen weitestgehendes Entgegenkommen gezeigt wind und die Verluste an Hab und Gut erseht werden." Das Ergebnis der Wahl des Parteivorstandes ist folgendes: Bon 376 abgegebenen Stimmen haben erhalten ais Borsigende: Hermann Müller 340, Otto els 264, Artur Crifpien 214; als Raffierer: Bartels 313, Ludwig 300. Als Sekretäre wurden gewählt: Molten buhr mit 351, Ge noffin Juchacz mit 306, Stelling mit 305, Dr. Adolf Borsitzender Wels: daß wir wieder unseren alten Namen führen, Sozialdemokratische Partei Deutschlands, daß das„ Bereinigte" wegfällt, das für jeden nichts anderes enthalten fonnte als die Erinnerung daran, daß wir gespalten waren. Damit soll zurückkehren der Geist der Liebe zur Partei, der früher etwas Selbstverständliches war. Diese Liebe müßte erst recht Heimatberechtigung haben in jedem Haus unter der dritten und vierten Generation ,, die inzwischen herangewachsen ist. Mit dem alten Namen foll jeder Gedante an Trennung verschwinden. Die Partei ist start und ungebrochen gegenüber den Stürmen von rechts und links. Wir danken all den Arbeitern, die der Partei die Treue gehalten haben, sie werden die Partei hindurchführen durch allen Druck und durch alle fanatischen Betämpfunger. der Moskauer. Die irregeleiteten Ar. beiter werden sich zurückfinden, wenn die furchtbare wirtschaftliche Not von ihnen genommen ist. Der Parteitag war ein Befenntnis zur Demokratie und zur Republik. Diejenigen sind gewarnt, die ihr zu Leibe gehen wollen. Der Streit unserer sächfi. che a Parteigen offen ist beigelegt und besiegelt mit der Autorität der Gesamtpartei. Bir nähren unter den Arbeitern feine Illusionen, wir müssen sie führen durch die Entwicklungsperioden, die abhängig sind von der wirtschaftlichen Entpidlung. Politische Aufnärung, Revolutionierung der Geister, in diesem Sinne soll vom ersten Parteitag nach der Einigung der Ruf der deutschen Sozialdemokratie ins Land gehen: Vorwärts zur Befreiung des Voltes, zur Befreiung der Arbeit von politischem und wirtschaftlichem Drud. Die deutsche, die internationale Sozialdemokratie, fie lebe hoch, hoch, hoch! Mit dem Gesang des Sozialistenmarsches schloß der Parteitag um 5 Uhr. Tabakwaren- Vertriebs- Gesellschaft m. b. H., Hamburg Wir eröffnen am Dienstag, den 17. Juni 1924, im Verwaltungsgebäude des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes( ADGB.) Berlin, Inselstr. 6( Eckladen), eine Verkaufsstelle für Tabakwaren Es kommen zum Verkauf nur Fabrikate Zigarren, Zigaretten, Rauch- und Kautabake der Genossenschaftsbetriebe der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine m. b. H.( G. E. G.) Bezüglich Geschmack und Preislage kann allen Wünschen entsprochen werden. Arbeiter, Gewerkschaftler, Genossenschaftler! Kauft nur die hochwertigen G. E.G.- Fabrikate! 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Beilage des Vorwärts Die Wirkungen der Balutastabilisierung sind verhältnismäßig am geringsten auf den Märkten derjenigen deutschen Rohstoffe gemesen, die von den fartellierten Industrien erzeugt werden. Mit besonderem Erfolg hat sich der Rohlenbergbau bisher gegen Preisermäßigungen zu schützen gewußt, und zwar fonnte man sich immer wieder auf das Beispiel des rheinisch- westfälischen Bergbaus berufen, der infolge der auf ihm ruhenden Micum- Lasten am wenigsten imstande war, seine Preise herabzusetzen. Die Klagen der verarbeitenden Industrie Mitteldeutschlands über die hohen Braunkohlenpreise fanden bei den Produzenten feine Berücksichtigung. Erst jetzt ist nach langen Verhandlungen durch Anordnung des Reichswirtschaftsministeriums der durchschnittliche Preis für mitteldeutsche Braunkohle und Brifetts herabgesetzt worden, und zwar auf 3,50 m. je Tonne Rohtohle und auf 13,40 m. für die Tonne Briketts. Damit ist insbesondere den Wünfchen der Kaliindustrie Rechnung getragen worden, die immer wieder auf die Notwendigkeit der Kohlenpreisherabseßung hingewiesen hat. Selbstverständlich wird die verhältnismäßig geringe Ermäßigung nicht ausreichen, um alle Schwierigkeiten in dieser Industrie zu beseitigen. Immerhin bedeutet das Vorgehen des Reichswirtschaftsministers eine Erleichterung für die Braunkohle verarbeitenden Industrien. Die Preise für oft elbische Braunkohle brauchten nicht herabgesetzt zu werden, da hier die Verkaufsprese schon um ein Zehntel unter dem Listenpreis liegen. Ebenfalls von der Preisermäßigung ausgenommen sind die Briketts und Rohfohlen des Raffeler Reviers und die Rohtohlen des Magdeburg- Helmstedter Bezirks, da die Produktion dort mit besonderen Schwierigkeiten zu tämpfen hat. Man wird nun abwarten müssen, inwieweit die ver arbeitenden Industrien aus der Herabsetzung der Kohlenpreise die gebotene Ronsequenz ziehen und auch ihrerseits die Preise ihrer Fabrikate senten. Auslandsgeld als Zahlungsmittel. Ein anderes Ueberbleibsel der Inflationsperiode ist die Erlaubnis, in gewissen Fällen auch ausländische Devisen im Inland als Zahlungsmittel zuzulassen. Nachdem infolge der Kreditpolitik der Reichsbank die inländischen Devisenkurse mit den ausländischen Mark furfen in Uebereinstimmung gebracht worden sind, soll jetzt diese Erlaubnis wieder zurückgezogen werden. Lediglich um dem Geschäftsverkehr, soweit er sich noch in ausländischer Währung abwickelt, die Möglichkeit zu geben, sich auf Zahlung in inländischer Währung umzustellen, wird die Verordnung über Annahme aus= ländischer Zahlungsmittel im Inlandsverkehr vom 1. Dezember 1923 ( Reichsgefehblatt 1 S. 1251) bis zum 23. Juni d. J. verlängert. Techniker zum Dawes- Bericht. gleicher und Förderer soll fünftig ein fühl rechnender Frachtfuhrunternehmer werden. Besonderen Wert legte er auf die im Gutachten vorgesehene Rückgabe der Bahnen an Rhein und Ruhr, die zwar nur ein Achtel der Betriebsfläche, aber ein Drittel der Gesamteinnahmen der deutschen Bahnen darstellen. Der Redner schilderte den Wiederaufbau der deutschen Bahnen nach dem Kriege, der ihm die Hoffnung gibt, daß die Eisenbahner auch mit dem Gutachten fertig werden. Ablehnen fönne man dieses Gutachten nicht, weil den Zuständen im bejezten Gebiet ein Ende gemacht werden müsse, falls man nicht überhaupt die Abtrennung wünsche. Die Kapitalsanlagen in den verschiedenen Ländern. Die englische Zeitschrift„ Economist" stellt die neuen Kapitalien, die in den verschiedenen Ländern im Monatsdurchschnitt 1923 an gelegt wurden, zusammen. Die Kapitalien wurden sowohl für inländische und ausländische Unternehmungen wie auch für inländische und ausländische Regierungen und öffentliche Ausmaß der freiliegenden neuen Kapitalien Aufschluß. Der Ver: Körperschaften hergegeben, und so geben die Rahlen nur über das Nachkriegsjahren ist wegen der andauernden Verschiebungen des gleich der Ziffern mit dem letzten Friedensjahr, aber auch mit den allgemeinen Preisniveaus, die besonders in Ländern mit Geldentwertung sehr hoch waren, erschwert. T In den Bereinigten Staaten wurden 1923 im Monats. durchschnitt 300 Millionen Dollar angelegt gegenüber 137 im Jahre 1913. Selbst bei Berücksichtigung des veränderten Preisniveaus be trug die Erhöhung 50 Broz. Diese Kapitalien wurden zum über wiegenden Teil in den Bereinigten Staaten felbft angelegt. In gegenüber 16,3 1913. Bei Berücksichtigung der Geldentwertung be. England betrug der Monatsdurchschnitt 22,6 Millionen Pfund ziehungsweise des erhöhten Preisniveaus ist hier ein Rückgang zu verzeichnen. Für die Schweiz betrug der Monatsdurchschnitt 1913 44, 1923 aber 62 Millionen Frant.( In den Jahren 1920 bis 1922: 78, 70, 67.) Unter Berücksichtigung des Geldwertes und des Preisstandes fann man auch in diesem Lande cinen Rückgang an neu angelegtem Rapital feststellen, wie auch in Dänemark.( 0,7 Millionen dänische Kronen gegenüber 1,1 im Jahre 1913.) Für Deutsch and war der Rückgang infolge der Geldentwertung befonders hom: statt monatlich 103 Millionen Goldmark 1913 4,5 Millionen 1923. Dagegen fonnten große Rapitalsbeträge angelegt werden von Kapı talisten in Holland, wo die Monatsdurchschnittsziffern sind: 13 Millionen Gulden im Jahre 1919 gegenüber 19 Millionen 1923, während in den Jahren 1920 bis 1922 94, 42 und 33 Millionen Gulden monatlich angelegt wurden. In Italien wurden 1923 332 Millionen Lire monatlich angelegt gegenüber 23 Millionen im Jahre 1913, eine sehr erhebliche Steigerung. Holland und Italien letzteres dank der kapitalistischen Wirts fchaftspolitik, des Faschismus besitzen in letzter Zeit sehr träftige Kapitalsmärkte. Japan fonnte sich während des Krieges fehr wurden 1913 38 Millionen Ven pro Monat, 1920 266, 1921 285, bereichern, wofür auch die neu angelegten Kapitalien zeugen: es 1922 112 Millionen Ven angelegt. Sonntag, 15. Juni 1924 tilgung verwandt 4,1 Millionen für Rückauf und Einlösung von Geldanleihe, 22,06 Millionen für Einlösung von Rentenmarfschat. wechseln. Reichsbant. Unter Einfluß der Kreditpolitik der Reichsbank trat, wie der Ausweis der Bank vom 6. Juni beweist, ein Rüdfluß Kapitalsanlage um 12,9 auf 2150,6 Goldmillionen. Diese Entder gewährten Kredite ein, und zwar ermäßigte sich die gesamte lastung ist in der Hauptsache auf Rückzahlungen im Rentenmarkwechsel- und Lombardgeschäft zurückzuführen. Der Betrag der um. laufenden Rentenmark vesminderte sich im Zusammenhang mit diesen Erscheinungen um 12,1 auf 1716,4 Millionen. Dagegen ver. mehrte sich der Papiermarknotenumlauf um 27,4 auf 954,2 Mill Golmart. lehen erhältlich ist, wird von den Notenbanken der einzelnen Staaten Was tostet das Geld? Der Zinsfuß, zu welchem Geld als Dare geregelt. Der Privatzinsfuß, das heißt der Zinsfuß, zu welchem andere Geldgeber als die Notenbank Darlehen gewähren, pflegt in " Bank der Banken", festgesetzte Bankzinsfuß". Daß zum Beispiel der Regel niedriger zu sein, als der von der Notenbant, der Privatzins fuß seit langem sehr beträchtlich höher steht als in Deutschland gegenwärtig das Gegenteil der Fall ist und der der Reichsbankzinsfuß, ist ein abnormaler, durch die Geldentwertung und Kreditknappheit herbeigeführter Zustand, der den glücklichen In Gegenwärtig beträgt der Bantzinsfuß in den verschiedenen Ländern: habern von Reichsbantdarlehen zu riesigen Gewinnen verhalf. England und Schweiz 4 Proz, Bereinigte Staaten 3% Proz., Holland, Spanien 5 Broz., Schweden, Belgien, Italien 5% Broz, Frankreich, Rußland, Tschechoslowakei, Bulgarien, Rumänien option stop, 9 Broz., Deutschland, Ungarn 10 Pro3., Desterreich 12 Proz wegen, Dänemart 7 Proz., Japan 8 Broz., Finnland, Bortugal 6 Proz., Nor Die internationale Gestaltung der Warenpreise. Nimmt man den Jahresdurchschnitt der Inderziffern für Großhandelspreise im Jahre 1923 zum Ausgangspunkt, so fann man für die ersten vier Monate des laufenden Jahres 1924 feststellen, daß sich die Preise gegenüber 1923 in sämtlichen europäischen Ländern erhöht haben. So ist für Dänemark, Holland, Norwegen, die Tschechoslowakei eine ziemlich beträchtliche Erhöhung des Breis niveaus zu verzeichnen. Die Preise in England, in der Schweiz, in Spanien, Italien, Desterreich haben sich ebenfalls erhöht, aber nur in geringerem Maß. Für Frankreich und Belgien war infolge des Franksturzes und der darauf folgenden Erholung des Frant, fur Deutschland und Polen infolge der Stabilisierung, die Preisentwidlung nicht normal. In den letztgenannten Ländern wurden nach der Stabilisierung die Entwertungs- und Risikoprämien abgebaut, wodurch eine Verbilligung gegenüber den letzten Monaten 1923 erreicht werden fonnte. Die Notenpreffe Rußlands wurde erst im März stillgelegt. Bon Januar auf Februar haben sich die Papier rubelpreise noch auf das Bierfache erhöht. In 1923 zurüd, eine Bewegung, die in den europäischen Ländern erst den Vereinigten Staaten und Kanada gingen die Preise gegenüber nach dem Monat April einfegte. Unter den überseeischen Ländern ist das Preisniveau in China und Südafrika auffallend niedrig; es Preise auf der doppelten Friedenshöhe stehen. ist wesentlich höher in Indien, am höchsten in Japan, wo die Einnahmeüberschuß im Reichshaushalt. In der ersten Defade im Juni betrugen die Einzahlungen bei der Reichshauptkaffe 99,65 Millionen Goldmart, die Auszahlungen 97,55 Millionen Goldmart. Er ergibt sich demnach ein Einnahmeüberschuß von 2,1 Millionen Goldmark. Von den Auszahlungen wurden zur Schuldenstellungen über die Kohlenerzeugung ergibt sich die Tatsache, daß die Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Die Kohlenerzeugung der Welt. Aus den statistischen Zusammen. Rohlenproduktion in sämtlichen Kohlenländern der Welt, mit Ausnahme Deutschlands, gegenwärtig höher steht als vor dem Kriege. Die veränderten Kohlenverhältnisse Deutschlands infolge der Abtrennung großer Kohlengebiete wie auch Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je der Ruhrbesetzung sind bekannt, sie sind für den Rückgang der KohlenGerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose..... Roggenmehl 0/1. Weizengrieẞ Hartgrieß Ueber das Sachverständigengutachten und seine Auswirkungen für Wirtschaft, Industrie und Eisenbahnen veranstaltete am Freitag abend der Reichsbund Deutscher Technik im Ingenieurhaus drei Vorträge. Zunächst sprach Dr. Hoff über die allgemeinen wirtschaftlichen Folgen des Sachverständigengutachtens, Die Lasten der Industrie hielt er für tragbar, nachdem der Reichsverband der Deutschen Industrie selbst sich damit abgefunden habe, ebenso den Zinsendienst der Eisenbahn. Mehr als zweifelhaft erschien es dagegen dem Redner, ob es gelingen merde, die 1% Milliarden aufzubringen, die aus dem allgemeinen Staatshaushalt bereitgestellt werden sollen. Man könne nur hoffen, daß es nicht möglich sein merde, derartige Zahlungen in ausländische Währungen zu verfonvertieren und daß alsdann bei Ueberschreitung der 5- MilliardenGrenze die deutschen Leistungen herabgesezt würden. Besonders bedenklich sei die finanzielle Macht des ausländischen Agenten für Reparationszahlungen" und die Umgestaltung der Reichsbahn aus einem gemeinnützigen zu einem Erwerbsunter. nehmen. Auf der anderen Seite stellte der Redner jedoch die wirtschaftliche und finanzielle Einheit des Reiches, die endgültige Kartoffelmehl Stabilisierung der Währung und die Ueberwindung der Kreditkrise so hoch, daß er die Nachteile des Gut= achtens in Kauf nehmen will. Letzten Endes würden die Rückwirkungen des Gutachtens auf die deutsche Wirtschaft von der Art seiner Ausführung abhängen. Nach dem Urteil der Sachverständigen selbst liege ja eine ehrliche Ausführung im Interesse aller Parteien. 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmeh! Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, erl. Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Zentner frei Haus Berlin. 16,25 18,25| Röstgetreide, lose 15,75-17,50 15,00-15,75 Kakao, fettarm 80,00-95,00 14,25- 15,- Kakao, leicht entölt 96,00-110,00 15,50- 16,25 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 11,00-12,50 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 16,75-18,00 Inlandszucker basis mel. 34,06-35,50 21,50-24,50 Inlandszucker Raffinade 36,00-38.00 12,75-14,- Zucker Würfel. 15,00 21,00 Kunsthonig 41,00-43,00 26,00-32,00 14,75-17,- Zuckersirup hell in Eim. 38,00-43,00 10,50-13,50 Speisesirup dunk. in Eim. 25-29, 20,50-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 85,00-100,00 27.00- 30,50 Marmelade Vierfrucht 35,00-42,50 21,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 38,00-42,00 31,00 37,50 Steinsalz, lose....... 3,10-3,70 39,00-46,00 Siedesalz. lose 4.00- 4,70 63,50- 64,50 64,50- 65,50 61,50-62,50 62,00-63,75 18,75-21,00 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 33,50-35,50 Purelard in Tierces 16,00 20,00 Purelard in Kisten 14, 15,75 Speisetalg in Packung 50,00 52,00 15,75-17,25 Speisetalg in Kübeln 48,00 50,00 23,50-31,00 Margarine, Handelsm. 1 58,00 30,00-36,00 desgl. II. 52,00-55,00 80,00-84,00 Margarine, Spezialm. I.. 76,00 42,00- 45,00 desgl. II. 61,00-65,00 50,0055,00 Margarine III. 46,00-50.00 Der zweite Redner des Abends, Dipl.- Ing. Free, stellv. 68,00-72,00 Molkereibutter i. Fässern 158,00-162,00 Geschätfsführer des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten, Rosinen in Kisten, Candia 70,00- 82,00 Molkereibutter in Pack. 162,00-166,00 72,00-90,00 Landbutter erörterte dann die speziellen Rückwirkungen auf die Industrie. Er 130,00-135,00 70,00-76,00 Auslandbutter in Fässern 163,00-172,00 schloß sich im wesentlichen den Ausführungen Dr. Hoffs an und 143,00-1: 5,00 Auslandbutter in Packg 174,00-178,00 wünschte besondere Sicherungen dagegen, daß der fremde Agent die 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-36,00 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... Distont und Kreditpolitit der Goldbank durch62,00-72,00 18,00-33,00 freuzt und daß die leberwachung der Zolleinnahmen nicht zur Auf- Kümmel, holländischer. 110,00-115,00 Quadratkäse. Schwarzer Pfeffer Singap. 95,00-105,00 Tilsiter Käse, vollfett 90,00-105,00 hebung der Handelsvertragsfreiheit des Reiches führt. Weißer Pfeffer 155,00-165,00 $ 125,00-130,00 Bayr. Emmenthaler Als dritte Redner zeigte Ministerialdirektor Hitler vom Rohkaffee Brasil 188,00-215,00 Echter Emmenthaler... 178,00-185,00 Reichsverkehrsministerium, wie die Umgestaltung der deutschen Rohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 Ausl. ungezuck.CondensRöstkaffee Brasil. 230,00-280,00 milch 48/16. 19,50-23,00 Reichsbahnen diefe ihrer bisherigen großen Pflege- und Fürsorge Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 möglichkeiten beraubt, die sie meiten Gegenden Deutschlands und Malzkaffee gepackt.., 20,00-22,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00-26,50 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. vielen Industrien zum Teil werden ließ. Aus dem großen Ausproduktion verantwortlich. Der Monatsdurchschnitt der deutschen Kohlenerzeugung betrug vor dem Kriege 15,8 Millionen Tonnen, 1922 weniger als 10 Millionen, 1923 2,3 Millionen. Für die ersten Monate 1924 find die Ziffern 3, 3,3, 3,3, 5 Millionen. Die eng. Iische Kohlenproduktion war im April geringer als im Monatedurchschnitt 1913, in den vorangehenden Monaten hat sie ihn jedoch beträchtlich überschritten. Belgien erreichte bereits im November vorigen Jahres die Friedenserzeugung und steht seitdem noch etwas höher, 2 Millionen Tonnen pro Monat. Frankreich erreichte erst vor kurzem die Friedenstohlenerzeugung. Im März betrug dia Förderung 3,7 Millionen Tonnen gegenüber 3,4 Millionen Im Frieden. In der Tschechoslowakei war die Förderung im Jahre 1923 durch den großen Bergarbeiterstreit unterbunden." 1924 betrug fie in den ersten Monaten 1,3 bis 1,4 millionen Tonnen gegen über 1,1 im Jahre 1923. Polens Erzeugung betrug 1923 durch ſchnittlich 3 Millionen pro Monat. Die Erzeugung des laufenden Jahres war durch den Bergarbeiterstreit ungünstig beeinflußt. Sol. Iand hat seine Rohlenerzeugung verdreifachen können; von 156 000 Tonnen im Jahre 1913 auf 460 000 bis 480 000. In den Ber. nigten Staaten betrug der Monatsdurchschnitt vor dem Kriege 43 Millionen Tonnen, 1923 49 Millionen; die Förderungsziffern für die ersten drei Monate 1924 find: 54, 48 und 43 Millionen. Da feitdem die Kohlenförderung weiter gesunken ist, dürfte auch die Kohenerzeugung der Vereinigten Staaten gegenwärtig geringer ein als vor dem Kriege. Die Kohlenerzeugung Süd. afritas, Indiens und Japans hat sich zwar seit dem Kriege etwas gehoben, doch sind die geförderten Mengen an sich nicht hoch. ( Japan 1,8 bis 2 Millionen Tonnen pro Monat, Indien 1,3 bis 2 Millionen, Südafrika 0,66 bis 0,90 millionen.) Die Braun. fohlenerzeugung hat sich in sämtlichen Braunkohlenländern, wie Deutschland, Ungarn und Desterreich, wesentlich erhöht, während fie in der Tschechoslowakei erst vor furzem den Vorfriegsstand er* reichen konnte. Allen voran! 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Eine derartige Auslegung des Tarifvertrages stellt die Tariffähigkeit des Arbeitgeberverbandes in Frage. Die Arbeitgeber haben auf jeden Fall nach dem flaren Wortlaut des Tarifvertrages ihre Arbeitsfräfte por zugsweise vom öffentlichen Arbeitsnachweis zu beziehen. Die Versammlung erflärt deswegen, daß sie darauf bringen wird, jeden Versuch, den Tarifvertrag nach der Art des Herrn Hampe zu behandeln, als Tarifbruch zu betrachten und ermartet von der Verbandsleitung, daß sie dementsprechende Maßnahmen gegen die in Frage kommenden Betriebe ergreift. Die Bersammelten verlangen im übrigen, daß die Arbeitgeber bem jah der Entwurf eine generelle 54ftündige Arbeitszeit prs die von ihnen vertraglich übernommene Verpflichtung auf Abschluß eines Lehrvertrages für Kellner- und Kochlehrlinge nunmehr aus Der Arbeitgeberverband Deutscher Gemeinde- und Kommunal cerbände hatte den Reichsmanteltarif, der mit dem 1. Juli 1924 abläuft, gefündigt und bei den Borverhandlungen in Weimar am 2. und 3. Juni einen Entwurf unterbreitet, der die sozialen Einrichtungen unter das Maß von 1900 zurückschrauben wollte. Außer. Woche vor, die nach Bereinbarung auf 60 Rtunden ausgedehnt werden sollte. In den neuen Verhandlungen, die am 11. und 12. Juni sbattfanden, versuchten die Arbeitgeber wieder, den alten Entwurf als Verhandlungsunterlage bestehen zu lassen, obwohl sich die Gesamtlage in zwischen wesentlich geändert hat. U. a. wurden Verschlechte rungen gegenüber dem bisherigen Reichsmanteltarifvertrag gefordert, deren Annahme für den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter nicht in Frage fommen fonnte. Als dann den Wünschen der Arbeitgeber am zweiten Tage in bezug auf die Arbeitszeit nicht Rechnung getragen werden konnte, brachen sie die Verhandlungen plötzlich ab, offensichtlich in der Absicht, auf dem Wege des Schlichtungsverwerben daher unablässig im Kreife ihrer Bekannten und fahrens wenigstens einen Teil ihrer Berschlechterungen in den neuen Reichsmanteltarifvertrag hineinzubringen. stimmen für die Liste der Schulnotgemeinschaft Der Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hat gegenmärtig nicht die Absicht, in ein solches Schlichtungsverfahren ein. zutreten, weil noch über 30 Differenzpunkte vorhanden sind und eine Basis für einen etwaigen Schiedsspruch überhaupt noch nicht gegeben ist. Wir verlangen von den fortschrittlichen Stadtverwaltungen, daß sie den scharfmacherischen Tendenzen in der Geschäftsstelle des Reichsarbeitgeberverbandes nicht folgen und sich bei der Lohnregelung von den sozialen Gesichtspunkten feiten lassen. Auch hier wirten sich die Folgen der letzten Wahlen aus. Die Berliner Hotelangestellten zum Verbandstag. Die Generalversammlung des Zweigvereins Berlin des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Café- Angestellten am Freitag, den 13. Juni, nahm den von dem Kollegen Saar erstatteten Bericht über die Berhandlungen des Verbandstages in Raffel entgegen. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde versuchsweise ein Bericht erstatter der kommunistischen Bresse zugelassen. Nach ausgedehnter Diskussion über den Bericht vom Verbandstag wurde folgende Resolution angenommenn: Die Generalversammlung des Zweigvereins Berlin nimmt den Bericht vom Verbandstag in Kasse! zur Kenntnis. Sie bedauert das durch eine fnappe Mehrheit beschlossene Experiment der Anstellung bzw. Bezahlung der Berbandsbeamten durch die Hauptverwaltung. Der Zweigverein hält diesen Be schluß für außerordentlich gefährlich und nicht zwedentsprechend. Eine derartige Maßnahme war in feiner Weise begründet. Der Zweigverein hält nach wie vor die von ihm gestellten Anträge nach dieser Richtung hin als die bestmögliche Lösung der sich aus dem bisherigen Verhältnis ergebenden Unzuträglichkeiten. Troßdem wird er an der loyalen Durchführung des gefaßten Beschlusses mitwirken und sich dem Beschluß fügen. Im übrigen erklärt sich die Generalversammlung mit dem Berlauf und mit den Beschlüffen des Verbandstages einverstanden und vollauf befriedigt. Sie billigt insbesondere die Haltung der Berliner Delegation auf dem Berbandstag." Zum Streit der Brauereiarbeiter fand eine Sympathieerflärung einstimmige Annahme, worin sich die Versammlung gegen die scharfmacherischen Gastwirteorganisationen wendet, die auch im Gastwirtsgewerbe in jeder Weile reaktionär und tariffeindlich sind. Die Arbeiterschaft wird gut tun, sich zu merfen, daß es gerade die fleinen Gastwirte sind, in deren Betrieben die Arbeiterschaft verfehrt, nämlich der Straußsche Gastwirteverein und die Gastwirteinnung, die gegen die Brauereiarbeiter scharf machen." In der folgenden ebenfalls einstimmig gefaßten Entschließung nahm die Versammlung zu dem Berhalten des Arbeitgeberverbandes im Gastwirtsgewerbe Stellung: Die Generalversammlung des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurants und Café- Angestellten legt ganz entschieden Berwahrung gegen die Auslegung des Tarifvertrages durch den Bertreter des Arbeitgeberverbandes, Herrn Rechtsanwalt Sampe, Auch die freien Gewerkschaften und Angestelltenverbände gehören der Berliner Schulnotgemeinschaft an. Alle freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten, Beamten 11 Schulaufbau!" führen. Die bisherige dilatorische Behandlung dieser Frage durch die Arbeitgeber fann nicht länger geduldet werden. Die Verwaltung wird beauftragt, auch nach dieser Richtung hin alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen." Grubenbefizer der Oberbayerischen Bergwerfs- A.- G. vollständig er. gebnislos verliefen, wurde ein Schiedsspruch gefällt, der den Arbeitern eine 5prozentige Lohnerhöhung zubilligte und empfahl, die bisherige Arbeitszeit beizubehalten. Diesen Schiedsspruch lehnte der Unternehmer ab, da jede Lohnerhöhung für das Bergwerf unerträglich sei; denn es leide seit Monaten an einer nahezu vollständigen Absahstockung, da die in der Qualität viel höher stehende englische Fettkohle auch in Bayern südlich der Donau wesentlich billiger zu haben sei als die bayerische Kohle. Auf Grund dieser Stellungnahme wurden am Freitag in den beiden Gruben Haushamm und Penzberg Anschläge angebracht, in denen die Arbeiterschaft aufgefordert wurde, ihre Kündigung zurückzunehmen und unter den alten Bedingungen weiterzuarbeiten. Wer sich dieser Bedingung nicht unterwerfe, fei ab 30. Juni entlassen. Sollten sich nicht genügend Arbeitswillige finden, so würden die Gruben wegen Unrentabilität vollständig geschlossen. Daraufhin erklärte die Arbeiterschaft, unter feinen Um. ständen zu den bisherigen Bedingungen weiterzuarbeiten. Am Sonnabend und Sonntag finden allgemeine Betriebsversammlungen statt, zu denen auch das Sozial- und das Handelsministerium Ber treter entfandt haben. Die benachbarte staatliche Grube Beißenberg ist infolge einer beſſere inneren Organisation und günstigerer Abfazverhältnisse zunächst noch nicht von der gleichen Krise bedroht. Immerhin ist auch dort die Lage ziemlich ernst. Uus Cuba wird gemeldet, daß der allgemeine Eisen= bahnerstreif andauert und der Verkehr stielliegt. Die Strei fenden von Cuba haben alle Eisenbahnergewerkschaften, vor allem die der Bereinigten Staaten, aufgefordert, sich den Streit anzuschließen. Die Berliner Gewerkschaftskommission hält ihre Jahresplenarverfammlung am Mittwoch, den 18. Juni, abends 6% Uhr, im Gagl bes Gewerkschaftsbauses ab. Auf der Tagesordnung steht der Geschäftsbericht und die Neuwahl des Ausschusses. Die Delegierten find mit Legitimation verfehen, die nicht übertragbar und am Saaleingang vorzuzeigen find. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe Bapier, Sektion Buchhandel. unionärversammlung Montag 7.30 Uhr im Ortsbureau des 86A., BelleAlliance- Str. 7/10. Streitende und Ausgesperrte der Firma Aron, Charlottenburg! Montag. vormittags 11 Uhr, bei Edmann, Charlottenburg, Scharrenstraße, Berfammlung. Wir ersuchen um das Erscheinen aller Beteiligten. Die Streilleitung, Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale Groß- Berlin. Mone tagabend 6 Uhr im Sigungsfaal des Verbandshauses, Johannisstr. 14/15, 1. Gtfl. I, Berfammlung sämtlicher Funktionäre, Betriebsräte, Beitragsfaffierer der Branche Straßenreinigung sämtlicher Betriebe Groß- Berlins. Zentralverband der Schuhmacher. Branchenversammlungen. Buschneider: nachm. 5 Uhr, Gewerkschaftshaus, Gaal 5. Stepperci und Vorrichterei im Betrieb und Heimarbeiter für die Ball, Lurus und Straßenschuh- Induſtrie: Dienstag nachm. 5 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Gaal 5. Maschinenarbeiter und Angestellte der Berliner Metallindustrie. Die jeder Berbindlichkeitserklärung vorausgehenden Bergleichs- Montag nachm. 5 Uhr, Gewerkschaftshaus, Gaal 8. Ballschuhmacher: Montas verhandlungen haben gestern, Sonnabend, im Reichsarbeitsministe rium unter Borsiz des Oberregierungsrats Dr. Grabein statt gefunden. Da die Vertreter des VBMI. gerundsätzlich jede Erhöhung ablehnten, mußten die Verhandlungen als ergebnislos abgebrochen werden. Die Angestelltenvertreter waren zwar zu einem Vergleich bereit, mußten aber von einer Formulierung ihrer Sohntarif. Borschläge bei der Haltung der Arbeitgebervertreter absehen. Die Entscheidung liegt nun beim Reichsarbeitsminister, der hoffentlich bald die Werbindlichkeitserklärung ausspricht. Afa- Metall- Kartell. Günther. Lange Rothe, Die Löhne im Fleischereigewerbe. 28. Lohnbabelle. Laut Tarifvertrag betragen die Löhne ab 31. Mai 1924 bis auf weiteres in den Viehagenturen für Kolonnenführer pro Woche 36,50 M., Treiber 36 M., Aushilfen pro Tag 9,10 m. Großflächtereien: Gesellen über 20 Jahre 34,60 M., Gesellen unter 20 Jahre 32,10 M., Kutscher 33.75 M., Aushilfen ganzen Tag 9,10 m., halben Tag 4,55 m. Häuteverwertungen: Arbeiter 34,50, Aushilfen pro Tag 9,10 M. Darmbetriebe: Qualifizierte Arbeiter 34,50 m., ungelernte nach 1 Jahr 33,35 M., Ungelernte über 20 Jahre 30,90 m., Jugendliche von 16 bis 18 Jahren 23,35 M., über 15 Jahre 19,80 m., bis 15 Jahre 16,30 M., Aushilfen pro Tag 9,10 m. Wurstfabriten: Gefellen mit Verantwortung pro Stunde 80 f.. Gefellen ohne Verantwortung 70 Pf., Maschinisien und Heizer ( Hochdruck) 80 Pf., Maschinisten und Heizer( Niederdruck) 70 Bf.. Handwerfer aller Art 70 Pf., Chauffeure 80 Bf., Rutscher 70 Pf., Arbeiter, Hofarbeiter, Stalleute, Fahrstuhlführer 68 Bf., Wächter und Bortiers 68 Pf., Frauen 59 Bf. Mitfahrer, 18 bis 20 Jahre, Woche 21 M., Jugendliche unter 18 Jahren 20 m. Krise im oberbayerischen Bergbau. zünden, 14. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Im bayerischen Bergbau, in den Gruben Haushamm und Penzberg, droht ein schwerer Konflikt. Die Arbeiter, insgesamt 4500, unter und über Tag beschäftigt, haren vor einiger Zeit den Tarifvertrag und das Ueberschichtabkommen gekündigt. Da die Verhandlungen mit dem Fertigmacher: Dienstag nachm. 4½ Uhr bei Boeker, Weberstr. 17( fleiner Gaal). Bwider und Zwiderinnen der. Handschuhindustrie in und außer dem Haufe: Dienstag nachm. 4% Uhr, Weberstr. 6, bei Boß. Tagesordnung: Unser Sophien- Sale Säle frei! Die Branchenleitungen. Telephon: Norden 9296 Sophienstr. 18 Dujardin der wundervolle Weinbrand UERDINGEN A RH hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Jogal Rheuma, Nerven und Jschias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und fcheidet die Harnfäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,3% Acid. acet. salic., 0,406% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum. Причини 100 WENESI 10 RUND wwwwww WENESTI- RAUCHER! Die angekündigten Preiserhöhungen haben wir unter den augenblicklichen Verhältnissen nur teilweise zur Durchführung gebracht. Die Preise unserer in ihren beliebten Qualitäten erhaltenen Marken sind: WENESTI ORANGE WENEST FERVOR KLEIN TRABANT 238 23 SCHERIF PRINZESS 4 438 Hausmarke Nr.12 213 ORIENT 6 3 RUND 2123 LUXUS ORANGE 33 Hausmarke Nr.14 3 S PRIVAT 10 68 FERVOR 6 s GOBELIN 10-8 64428 WENESTI GOBELIN Die Marken SAMUM au 5-8 und ELIXIER au 88 kommen demnächst neu in den Handel WENES ENE ST ZIGARETTEN FABRIK A G• BERLIN Safis Arbeitersport. Kartell- Sportwoche. In der Woche vom 16. bis 21. Juni ver. anstaltet das Kartell für Sport- und Körperpflege, 4. Bezirf, Prenzlauer Berg, mit den dem Kartell angeschlossenen 20 Arbeitervereinen und Abteilungen auf den Sportplägen an der einsamen Pappel in der Schönhauser Allee die 2. Kartell- Sportwoche. Die Veranstaltung wird am ersten Tage burch einen Mannschafts- Werbelauf eingeleitet. An den darauffolgen. den Tagen finden Turn-, Fußball- und Hockeyspiele statt. Ferner werden vorgeführt Massenpyramiden, leichtathletische Wettkämpfe, turnerische Freis und Geräteübungen, Trodenfchwimmen. Der Arbeiterradfahrerbund Solidarität" wird mit Sondervorführungen tm Radballspiel und Reigenfahren aufwarten. Arbeiter- Fußballspiel. An Sonntag, den 15. Juni, spielen auf dem Stralauplag. D. 17, Goßlerstr. 48, Gtralau Adler 12. Um 2 Uhr beginnen Die 3. Mannschaften, die 2. und 1. Mannschaften anschließend. Die 1. Jugend fpielt gegen Boruffia 1. Jugend und beginnt um 10.20 Uhr. Vorher die 2. Jugend. Rartellverband für Sport, Kultur- und Körperpflege Groß- Berlin. ArbeitsTofe Sportgenossen: Die Festschrift und das Programm zum RAST, ist fertiggestellt. Es werden Sportgenossen gebraucht zum Vertreiben derselben. Gute Entschädigung wird gegeben. Die Sportgenossen melden sich am Mittwoch nachmittag 3 Uhr in der Geschäftsstelle des Sporthauses Fichte", Köpenider Str. 108, Sof rechts( 1), beim Vorsitzenden Oehlschläger.. Die ihm nicht persönlich bekannten Sportler müssen Ausweis mit Bereinsstempel und Unterschrift ihres Vorjizenden vorlegen.- An die Bezeine! Die Ausgabe der Festschrift mit dem Brogramm erfolgt an die Beauftragten der Bereine ebenfalls in der Geschäftsstelle Fichte" am Dienstag abend von 5 bis Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Bauanfchläger Achtung! 8 Uhr und am Mittwoch pon 3 bis 8 Uhr. Bereinsausweis ist mitzubringen. Die Festschrift ist 16feitig im Format des chemaligen Arbeiter- Sport" gehalten und durchweg mit sehr guten Sportbildern versehen. Der Preis be. trägt 50 Bf. Programm der Aufführungen zum RAST. ist darin enthalten. brudt wurden, muß sich jeder Verein beeilen, nicht au turz zu kommen. Da nur 5000 Stück geInferate find in der Festschrift nicht aufgenommen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. tatt. Reichsbanner Suwarz- Rot- Gold. Kameradschaft Lichtenberg: Die für Montag vorgesehene Mitgliederversammlung findet umständehalber nicht fammlung bei Meier, Türkisches Belt", Pantow, Breite Str. 14. Erscheinen Kamerabschaft 19 Bantom: Montag, den 16. Juni, 7½ Uhr, Veraller Rameraden Pflicht. Briefkasten der Redaktion. A. 9. 1. Der Arbeitslohn ist bis zur Summe von 30 Goldmark für die Woche und, soweit er diesen Betrag übersteigt, zu einem Drittel des Mehrbetrages der Pfändung nicht unterworfen. 2. 12 Goldmart wöchentlich oder 50 Goldmark monatlich. Der Familienstand wird durch Freilassung eines weiteren Hundertsages von der Steuer( in Ihrem Falle 2 Proz.) berücksichtigt. 3. Die notwendigsten Gegenstände. 4. Nein. C. S. 50. Nein. Legen Gie Einspruch ein. Wetter für morgen. Wetter für Berlin und Umgegend: Ziemlich fühl und vorherrschend bewölkt, später allmähliche Aufheiterung und etwas wärmer. Keine erheb lichen Niederschläge. Für Deutschland: Im Osten noch wollig und fühl mit einzelnen Regen schauern, in West- und Mitteldeutschland langsame Erwärmung und Aufheiterung. Achtung! Zeitungsverteilungsstellen der Achtung! Metallarbeiter- Jugend. Montag, den 16. Juni, abends 6 Uhe, Auto- Rindlack 7.50 estancant Dams, N 4, Schlegelstraße 9. wie Bild 24X13 cm Jugendabteilung 8, Metalfarb.- Berb., N 54, Linienftr. 83/85. im Verbandshause( Arbeitslosenfaal), Croco- Volleder 3.90 ende, N 20, Rolonieftr. 147 Linienstraße 83/85: Kombinierte Berfammlung Damentaschen Restaurant Ceuner, N 31, Aderſtr. 110 jämtitcher Bauanschläger. bis zu den Tagesordnung: Bericht der Ber elegantesten handlungskommi, fion. " 99 29 Koffertasche 26 cm 13. Schmidt, Auto- Rindlack 13.00 Restaurant Dienstag, den 17. Juni, abends 7 Uhr, Florida- Volleder6.50 im Berbandshause, Linienstraße 83/85: Echt Saffian 10.50 Kommissions- Sihung Aktentaschen: Rindder Werkzeugmacher. Dienstag, den 17. Juni, abend8 8 2hr, im Lofal von Benoit, Abalbertstraße 4: Kommissions- Sikung der Metalldreher. leder m. Griff 7.50 Coupékoffer von 4.90 an Auch Einzelverkauf! 99 Regensburg, N 31, Gartenstr. 75 Carus, N 31, Boltaftr. 37 Araftyt, N 29, Gerichtstr. 71 Raifer. N 37, 8ionsfirchplatz 1 N 58, Bappel- Allee 64 Naß, N 3, Magstr. 12 Bahr. N 3, Gtralauer Allee 47 E. Rofin, 0 34, Gubener Str. 19 Seipfe, 0 112, Kronprinzenstr. 47 Winter, S 42, Fürstenstr. 12 Bienste, S 59, Boppstr. 1 Alement, C 54, Gophienstr. 5 Monarste, C 19, Spreeftr 10 Späth. NO 43, Georgenkirchstraße 21. Sturz, NW 87, Suttenftr. 9 9 99 Lederwaren- Fabrikeftaurant Snapp. N 20, Grünthaler Str. 6 99 Oelschläger, NW 87, Berlichingenstr. 5 Berger, NW 87, Levegowftr. 21 Dienstag, den 17. Juni, abends Metzel Go. Zoenom. 3, Michaeltirchstr. 23 62 Uhr, im Berbandshause( Gigungsfaal), Linienstraße 83/85: Konferenz der weiblichen Vertrauenslenie. Tagesordnung: Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Donnerstag, den 19. Juni, abends 7 Uhr, im Verbandshause( Gigungssaal), Linienstraße 83/85: Branchenversammlung der Werkzeugmacher, Härter u. Scharfschleifer. Prinzenstr. 89 zw. Moritzplatz u. Ritterstraße Restaurant Greive, SO, Rungeftr. 30 " 9 Vogel, SO 26. Briger Str. 46 Benolf, SO 26, Adalbertstr. 4 Baul Deutschmann, N 3, Gfaliger Str. 58 Restaurant Roscher, SO 16. Riefholzstr. 35 Spörer, SW 29, Gneisenaustr. 30 Zepp, SW 68, Alte Jafobstr. 1 99 99 Raul, Adlershof, Genossenschaftshaus, Helbingstr. D. Gloger, Alt- Landsberg, Geeberger Ratsbau 2. 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Frau Schnatterich preist in hohen Tönen( sie weiß, warumn) die guten Eigenschaften des bekannten Sanitätsrat Dr. med. Campe's Kukirol- Fußbades, das Fußschweiß und unangenehmen Geruch, Wundlaufen, Anschwellen und Brennen der Füße verhütet, Sehnen und Nerven stärkt und besonders im Sommer eine unbeschreibliche Wohltat ist für Alle die viel gehen und stehen müssen. Das Kukirol- Hühneraugen- Pflaster vertilgt auch die größten Hühneraugen binnen wenigen Tagen ohne Schneiden und ohne Entzündung, folglich auch ohne Blutvergiftung. Es lindert sofort die Schmerzen, weil es die Hühneraugen sehr schnell erweicht. Es ist in vielen Millionen Fällen bewährt und ärztlich empfohlen. Sie erhalten beide Präparate in allen größeren Apotheken und wirklichen Fachdrogerien, und zwar Kukirol- Hühneraugen- Pflaster für 75 Pfennig pro Schachtel und Kukirol- Fußbad für 50 Pfennig pro Packung. Achten Sie aber recht genau auf die Schutzmarke„ Hahn mit Fuß", denn sie bürgt für Echthelt. Wir sind genötigt, das zu sagen, denn es ist in letzter Zeit mehrfach vorgekommen, daß Käufern, die die Schutzmarke nicht beachteten, stillschweigend ein anderes Mittel eingewickelt und, um die sofortige Entdeckung zu verhüten, als Kukirol in Rechnung gestellt wurde. Oder es wird versucht, den Käufern einen alten Ladenbüter mit unwahren Behauptungen aufzureden, obgleich Kukirol vorrätig ist, weil diese Verkäufer auf dem Standpunkt stehen, daß sie verkaufen können, was sie wollen, und nicht, I was das Publikum will. Wenn es auch nur eine kleine Zahl von Geschäften ist, wo solche Praktiken geübt werden, so ist doch vorläufig das einzige Mittel dagegen die Selbsthilfe des Publikums. Es wird wissen, was es von solchen Geschäften zu halten hat, und wird sie meiden, denn was ihnen bel der einen Ware widerfährt, das kann sich auch bei einer anderen wiederholen. 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