Abendausgabe Nr. 27941.Jahrgang Ausgabe B Nr. 140 Bezugsbedingungen und Anzeigenprefe find in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Montag 16. Juni 1924 Berlag and Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Eine Erklärung Herriots. Was soll Nollet als Kriegsminister? Die Erklärung Herriots. Baris, 16. Juni.( EP.) Der„ Matin" veröffentlicht folgende Erklärung Herriots: Die Kompetenz des Kriegsministers General Nollet ist unumstritten, Nollet ist der Mann, der in der ganzen Welt die militärische Lage Deutschlands am besten fennt. Ich wünsche, daß man seiner Erhebung zum Kriegsminister die wahre Bedeutung beimißt. Deutschland ist im Begriff, eine ähnliche Operation zu vollziehen, wie nach dem Frieden von Tilsit im Jahre 1806. Es inftruiert feine Jugend auf einer breiten Grundlage für den Militärdienst, und zwar vor allem durch das Mittel der angeblichen Turnvereine. Mein Ministerium wird Deutschland gegenüber eine versöhnliche Politit betreiben. Wir sind vom besten Willen befeelt. Wir werden alles tun, um der jungen deutschen Demokratie zu helfen. Der Reaktion und den Nationalisten gegenüber werden wir aber eine unerbittliche Strenge an den Tag legen. Der deutsche Nationalismus wird hier jemanden finden, mit dem er zu rechnen haben wird, denn wir haben nicht nur die Rechte Frantreichs zu wahren, sondern auch die Rechte der Demokratie in der ganzen Welt. Ein offiziöser Kommentar zur Ernennung Nollets. Paris, 15. Juni. Die Agentur Havas unterstreicht die vom Ministerpräsidenten Herriof gestern abend der Presse übermittelte Erklärung, warum er General Nollet zum Kriegsminister seines Kabinetts gemacht hat, noch mit folgender Auslassung: Dadurch, daß Herriot General Nollet zum Kriegsminister gemacht hat, deutet er an, welchen beherrschenden Platz für ihn das Problem der Sicherheit Frankreichs einnimmt. General Nollet ist im Augenblic tatsächlich einer der Franzosen, die am besten über die Lage in Deutschland und über den Geistes zustand der deutschen Bevölkerung nach dem Kriege unterrichtet sind. Während seines langen Aufenthalts in Berlin hat er nach dieser Richtung mit seinem fehr großen Scharfblid beunruhigende Feststellungen gemacht, die ihren Widerhall nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Ländern der Alliierten gefunden haben. Herriot hat bei seinen zahlreichen Reden im Parlament bewiesen, daß er wie seine fratischen Elementen im Deutschen Reich zu suchen, aber er will feinerlei Konzeffionen machen, die geeignet sein tönnten, den Rechten und der Sicherheit Frankreichs Abbruch zu tun, die bedroht werden tönnten durch die Borherrschaft der Nationalisten und Alldeutschen. Nach Herriots Ansicht muß die Anwesenheit Nollets in seinem Rabinett Deutschland zeigen, daß es zwar auf den Liberalis mus der französischen Regierung zählen, aber nicht auf die geringste Schwàche hoffen darf. deshalb, weil er die Befreiung durch militärische Mittel für ein Hirngespinst hält. Für die Opfer des Ruhrkampfs. Bon Wilhelm Sollmann. Der Sozialdemokratische Parteitag hat durch seine EntBedruf an Reichstag und Reichsregierung schließung für die Ausgewiesenen und Gefangenen einen gerichtet, der nicht überhört werden darf. Die Erbitterung bei diesen Opfern des Widerstandes gegen die franzöſiſch- belgischen Sanktionen ist groß. Der politische Schaden, den ihre laut erhobenen, meist berechtigten Klagen anrichten, zumal im Rheinlande, ist bedeutend. Zehntausende von denen, die deutverscher Gesinnung und Berufspflichten willen die Heimat und die fcher Gesinnung und Berufspflichten willen die Heimat und die Existenz preisgegeben haben, fühlen sich enttäuscht, ja verraten. Die Lage fordert: Annahme der Ententenote über die Militärtontrolle, loyale Ausführung ber militärischen Klauseln des Friedensvertrages, Eintritt Deutschlands in den Bölferbund und sein wirken für allgemeine Abrüstung durch Beispiel und Propaganda. Alles, was dieser vernünftigen Politik entgegenwirkt, vor allem die nach innen und außen aufreizend wirkenden militaristischen und antirepublika nischenn Demonstrationen, bedeutete eine furchtbare Schädigung der deutschen Boltsinteressen und muß von der Regierung mit allen Mitteln bekämpft werden. Der neue Kurs in Frankreich bedeutet für Deutschland nur dann eine Aussicht auf günstigere Berhältnisse, wenn die deutsche Politik intelligent genug ist, fich auf ihn einzu stellen. Anderenfalls wird eine weitere Verschlechterung unserer Lage die unvermeidliche Folge sein. Das Micum- Abkommen verlängert. Düsseldorf, 16. Juni.( TU.) Die Sedhjertommiffion hat sich, wie das französische Komuniqué mitteilt, heute vormittag 11 Uhr nochmals bei der Micum eingefunden, um die Verlängerung der laufenden Berträge zu besprechen. Die Berhandlungen dauerten mit einer dreistündigen Unterbrechung bis 5 Uhr abends. Folgende Uebereinkunft wurde schriftlich festgelegt:„ Die am 15. Juni 1924 ablaufenden Verträge zwischen den deutschen Industriellen und der Micum sind ohne ende rung bis zum 30. Juni( einschließlich) verlängert worden." Weiterhin kamen beide Parteien überein, daß die möglicherweise vom 1. Juli ab zu treffenden neuen Bestimmungen, ins. besondere soweit fie die Kohlensteuer, die Lizenz und die Derogationstagen, fowie andere in bar zu entrichtenden Abgaben betreffen, rüdwirtend ab 16. Juni in kraft treten. montre Biele von denen, die sehnlichst die große Gefte aus Franfreich erwarten, die ihnen die Rückkehr freigibt, sehen sich zugleich vor die schwersten Sorgen gestellt, denn sie haben mittlerweile alle Dafeinsgrundlagen im Rheinlande verloren; die Unterstützung für Ausgewiesene hört auf; vielfach ist keine Arbeitsmöglichkeit vorhanden; Wohnung und Möbel sind vertoren. Das ist eine traurige Rückkehr. Es liegen dem Reichstage Anträge bürgerlicher Parteien vor, die auf Teilerscheinungen dieser Verhältnisse hinweisen. Der des Zentrums verlangt insbesondere die volle Wahrung der wohlerworbenen Rechte der Beamten". Wenn wir dem auch gerne zustimmen, so muß doch deutlich gefagt werden, daß unzweifelhaft die am schwersten getroffenen Opfer die nicht beamteten Ausgewiesenen, die Arbeiter. Angestellten und freien Berufe find. Wo der Beamte zu Recht sein volles Gehalt fortbezieht, stehen sie vor dem Nichts. -Hart empfundene Ungerechtigkeiten sind seit dem Beginn der Ausweisungen festzustellen gewesen und von uns bekämpft worden. Nicht nur, daß die Beamten stark bevorzugt waren gegenüber den andern, auch innerhalb der ausgewiesenen Beamten sind ungerechte Abstufungen vorgenommen worden, die von dem Geiste zeugen, der die jüngste Besoldungsordnung beherrscht. Sogar die Kinderzuschläge für die Ausgewiesenen werden verschieben bemessen. Die Kinder der Beamtengruppen' VI bis XIII erhalten 4 Mt., die der Arbeiter nur 2.50 bis 3 Mr. den Tag. Das muß auf die Gesinnung Bartei geneigt If, ein Terrain der Berſtändigung mit den demo. Regierung und Sachverständigengutachten. ber Unterbeamten und Arbeiter verwüstend wirken. * Morgen wird die Regierung Herriot vor der Kammer ihr Programm entwickeln. Aber schon am Sonntag hat der neue Ministerpräsident Frankreichs in einem Interview des Matin" einen wichtigen, uns besonders interessierenden Punkt dieses Programms vorweggenommen. Er betrifft die Ernennung des bisherigen Militärkontrolleurs in Berlin, des Generals Nollet, zum Kriegsminister, die Militärfrage, ja, das Verhältnis der neuen Regierung zu Deutschland überhaupt. „ Herriot im Fahrwasser Poincarés", so überfchreibt das Montagblatt des Berliner Lofal- Anzeigers" die Erklärung des neuen Mannes. In solcher Schablonisierung liegt eine gefährliche Täuschung. Es mag richtig sein, daß Herriot in manchen Fragen nicht anders handeln zu fönnen glaubt, als Poincaré gehandelt hat, obwohl man sich auch darüber eines vorschnellen Urteils enthalten soll. Sicher aber ist, daß Herriot entschlossen ist, eine Politik zu treiben, die grund fäßlich das gerade Gegenteil der poincaristischen ist. Während nnämlich Poincaré Franzreich isolierte und schließlich darüber stürzte, handelt Herriot im engsten Einverständ nismitder englischen Regierung. Die Entente, die bis dahin nicht viel mehr als ein zerbrochener Karren war, wird mit einemmal wieder eine leistungsfähige Maschine. Die Arbeit an den Gefeßentwürfen. Wie die Tl. erfährt, fritt das Reichstabinett heute nach mittag 4 Uhr zu einer Sigung zusammen, in der zu der Aus. reisesperre Stellung genommen werden soll. Außerdem wird fich das Rabinett mit der Umbildung der Rentenbant, ferner mit Währungs- und Kreditfragen beschäftigen. Diese Beratungen stehen in Zusammenhang mit der Frage des Sachverständigengutachtens. In diesen Tagen werden die Verhandlungen über die Goldnotenbank und das Statut der Reichsbahn in Berlin fortgesetzt. Die entsprechenden Gesezentwürfe find, wenn auch noch nicht endgültig, so doch in rohen Umriffen fertig. Mit ihrer Einbringung in das Parlament ist, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, vor Mitte Juli nicht zu rechnen. Der englisch- mexikanische Konflikt. Der belagerte Gesandte. Nun ergeben sich bei der Heimkehr Zustände, die im Rheinlande zu neuen gefährlichen politischen Giftherden zu werden drohen. Während die Beamten auf Fortzahlung eines Gehaltes Anspruch haben, felbst wenn feine Beschäftigung mehr für sie vorhanden ist, droht den andern der nad te hunger, am meisten den Treuesten und Tapfersten, vor allen den Eisenbahnarbeitern. Auf Befehl der Regierung haben sie den fremden Eindringlingen die Arbeit verweigert. Sie haben der Lockung, in die Dienste der Regie zu treten, widerstanden und sind lieber von Haus und Hof was bei vielen buchstäblich zu nehmen ist statt der Reichsbahn untreu zu werden. Nun sind ihre Arbeitsplätze in den Händen der Regie und in den allermeisten Fällen besetzt. Die Reichsregierung zuckt die Schultern, fündigt dem Heimgekehrten, überweist ihn der Erwerbs= lofenfürsorge. und der Arbeitslose hat in manchen Fällen noch Heim und Möbel und Vieh dazu verloren. Er erinnert sich der vielen feierlichen RegierungstundgebunSchabloshaltung der Ausgewiesen und ballt die Faust gegen diejenigen, die das Wort nicht hielten. London, 16. Juni.( WTB.)„ Daily Expreß" berichtet aus Merito, daß 18 Männer, darunter Polizeiagenten, die britische Gegen das Kampfiahres, des Gelöbnisses der vollen fandtschaft seit Sonnabend umzingelt halten in der Absicht, den britischen Vertreter Cummins, dessen Ausweisung Präsident Obregon befohlen hat, zu verhaften. Cummins fei voll. tommen isoliert, die Wasserversorgung sei blodiert und die Telephonverbindung abgeschnitten. verfüge aber über reichliche Lebensmittel und sei auf eine Belagerung eingerichtet. Auswärtige Diplomaten suchten in Berhandlungen mit dem merikanischen auswärtigen Amt eine Lösung des Konflikts zu finden. Cummins London, 16. Juni.( Reuter.) Nach einer Meldung aus merito hat das merikanische Außenministerium eine Erflä rung veröffentlicht, in der der britische Vertreter Cummins bePoincarés Politik gegenüber Deutschland erregte das schuldigt wird, der britischen Regierung in Berichten über örtliche Mißfallen der Welt einschließlich eines Teils des franzöfifchen Zwischenfälle vorfäglich unrichtige Mitteilungen gemacht Voltes. Herriots Politif fann in Frankreich und in der ganzen zu haben. Meriko wünsche die freundschaftlichen Beziehungen mit Welt außerhalb Deutschlands auf Beifall rechnen. Und solange Großbritannien zu erneuern, es müsse sich aber dort ein Merito Herriot seinen Ausspruch glaubhaft machen fann, Borgenehmer Vertreter Großbritanniens befinden, der die diplomatifämpfer der Demokratie zu sein und nur die Re- schen Gebräuche beobachte. aftion und den Revanchegeist in Deutschland zu bekämpfen, wird der etwaige Widerstand einer deutschen Regierung gegen feine Forderungen auf militärischem Gebiet nirgends auch nur die geringste, auch nur die heimlichste Unterstützung finden. Herriotist stärter als es Poincaré war. Das ist eine Tatsache, mit der die deutsche Politik rechnen muß. Herriot ist aber stärker als Poincaré auch deshalb, weil Poincarés Politik das ganze deutsche Volt zur Abwehr zufam mienschweißte, während ein großer Teil des deutschen Volkes von der Politik Herriots eine Befferung erwartet. Dieser große Teil des deutschen Boltes ist selber der Meinung, daß jede über die Grenzen des Friedensvertrages hinaus betriebene Goldatenspielerei finnlos und gefährlich ist, er will nicht dieser Soldatenspielerei zuliebe in der er viel mehr eine Gefahr für den inneren Frieden als für den äußeren e: blickt das besetzte Gebiet und ganz Deutschland in ihrer gegenwärtigen troftlosen Lage belassen, er fordert eine Politik der Befreiung durch politische Mittel zum mindesten schon Noch mehr: Die schon am 1. Januar 1924 im befehten Gebiete entlaffenen tausende Eisenbahnarbeiter sind am 30. Juni bei der Erwerbslosenunterstüßung ausgesteuert. Sollen fie dann ganz dem Elend preisgegeben werden? Ist doch der Arbeitsmarkt im heinlonde noch immer schlecht. Die Eisenbahner mit ihren Massen der rheinischen Bevölkerung meinen, daß diesen Ruhrfämpfern auch gewisse, wohlerworbene Rechte" zugestanden werden müssen. Unvergessen ist auch noch, daß über 2000 im früheren Eisenbahnbetrieb beschäftigt gewesene Schwerfriegsbeschädigte erbarmungslos entlassen worden sind. Der Deutsche Eisenbahner- Verband hat zugunften diefer Opfer ohfiegende Gerichtsurteile erftritten, aber noch feine Wiedereinstellung der Schwerbeschädigten oder sonstige Hilfe für sie erreichen können. Biele der Heimkehrenden werden wohnungslos fein. Schon jetzt sind manche der von der Besagung aus ihren Wohnungen Berdrängten trostlos untergebracht. In Bonner Schulen hausen in einem Klassenzimmer Familien mit 6-9 Kindern beiderlei Geschlechts im Alter von 10 Monaten bis zu 22 Jahren. In der Südschule zu Bonn hat eine Familie mit 7. Personen( 5 Kinder) nur 2 Betten. Soll sich dieses Elend nach der von uns erhofften Massenheimfehr vervielfachen? Reichstag und Rheinministerium hilf! Die Opfer des paffiven Widerstandes verdienen es. Wozu sammeln die Kommunisten? 15 000 Mart für Bergarbeiter verschwunden. Die fozialdemokratische Dresdner Volkszeitung" meldet aus Zwidau:„ Die Bergarbeiterschaft von Marienthal nahm in einer Versammlung eine Entschließung an, in der die( kommu nistische 3entralfampfleitung" aufgefordert wird, sofort die Auszahlung der bei ihr eingegangenen Sammelgelder zugunsten der in Not geratenen Bergarbeiter vorzus nehmen. Diese Entschließung wurde der Zentralfampfleitung übermittelt, die daraufhin mitteilte, daß die gesamten Sammelgelder von 15000 m. von der Polizeibeschlagnahmt Zurücknahme von Ausweisungen. worden seien. An den zuständigen Stellen in 3 widau und Wiesbaden, 14. Juni.( WTB.) Wie das Kreisblatt in Höchst Dresden ist von dieser angeblichen Beschlagnahme" felt mitteilt, sind in den letzten Tagen im hiesigen Bezirk 15 Aus. famerweise nichts befannt. Wie wir hören, haben die Beweisungen zurüdgenommen worden. Ferner ist einer hörden sofort eine Untersuchung eingeleitet, um diesen Anzahl ausgewiesener Familien ein befristeter Aufenthalt im bemysteriösen Fall aufzuklären." fegten Gebiet gestattet worden. Ein Vorkämpfer gegen Fälschung. Coßmann verurteilt sich selber. " Herr Professor Nikolaus Co ßmann aus München hat sich durch die„ Dolchftoß"-Nummern der„ Süddeutschen Monatshefte" als Großfünstler in Zitatenfälschung erwiesen. Der Deffentlichkeit ist bereits bekannt, wie er ein Zitat des Vormärts" in finnentſtellender Weise aus den Zusammenhang riß, wie er Ausführungen des Genossen Ha enisch im Handbuch der Politik" durch Fortlassung der wesentlichsten Käge ins Gegenteil verkehrte, wie er dem Gewerkschaftssekretär Gampig eine Aeußerung in den Mund legte, die dieser im genau gegenteiligen Sinne tat usw. usw. Da muß es beinahe zum Lachen reizen, daß dieser Herr Derr Coßmann einmal die Stirn besessen hat, fich als Vorfämpfer gegen literarische Fälschung aufzu ſpielen, in jenem erſten Fechenbach- Prozeß, bei dem es um die sogenannte„ Eisnersche Fälschung" ging, nämlich um die nicht vollständige Herausgabe des v, Schönschen Dokuments vom 18. Juli 1914. Wie straffte sich damals Herr Cozmann in der Pose des sittlich entrüsteten Anflägers, wie glänzte er als geölter Ehrenmann! Der gedruckte Prozeßbericht( erschienen bei Knorr u. Hirth, G. m. b. H., München) gibt eine unvergängliche Illustration des Coßmannschen Charakters. Zunächst läßt sich Herr Coßmann von dem Mitangeflagten Hauptschriftleiter Osterhuber seine absolute und allgemein anerkannte Zuverlässigkeit" bescheinigen. Der Beuge Oberregierungsrat Dr. v. Müller, Honorarprofeffor der Münchener Universität, stimmt einen förmlichen Hymnus auf льріб den Biedern an: „ Ich komme durch meinen Beruf mit vielen Menschen aus wohl allen Kreisen des Voltes zusammen, darunter mit vielen, die ich für mahrheitsliebend halte und deswegen ehre und achte; aber ich möchte mit vollem Bewußtsein sagen, es ist keiner darunter, der von einer so bedingten, wenn man will, rüdsichtslosen Wahrheitsliebe erfüllt ist, wie Profeffor Coßmann." Coßmann selber, dessen Dolchstoß"-Hefte das Musterbeispiel eines unwissenschaftlichen Sammelsuriums von Klatsch und Tratsch darstellen, erklärt hochnäfig, Fechenbach scheine keine Vorstellung von wissenschaftlicher Methodik zu haben". Am Schlusse der Verhandlung tut Coßmann noch einmal seine strengen Auffassungen über literarische Fälschung kund. Er jagt: „ Ganz laienhaft habe ich die Anschauung, daß, wenn jemand einen Mietvertrag auch nur abschreibt, der die Miete eines Stodwerkes betrifft, und er schreibt darüber, der Mietvertrag betrifft die Miete eines ganzen Hauses, und er läßt hierbei alle Stellen fort, die erkennen lassen, daß es sich um die Miete eines Stockwertes handelt, so habe ich die Anschauung, daß der Mann sich einer Fälschung schuldig macht." Wie muß nach diesem selbstaufgestellten Maßstab Professor Coßmann seine Borwärts" Fälschung, seine HaenischFälschung, seine Gampig- Fälschung verurteilen! Selten hat ein Mensch im voraus eine so vernichtende Verdammung über sich selber ausgesprochen, wie Herr Coßmann im ersten Fechenbach- Prozeß. Ludendorffs Treu und Glauben. Mit Tintenstift durchstrichen. Die Neuausgabe der„ Amtlichen Urkunden zur Vorgeschichte des Waffenstillstandes 1918"( Verlagsgesellschaft für Bolitik und Geschichte) bietet nicht nur durch die 41 neu auf genommenen Dokumente dem Historiker viel Interessantes, sondern wirst auch durch eine Anzahl sachkundiger Anmerkungen auf bereits bekannte Urkunden neue Schlaglichter. Ein kleines Charakteristikum soll heute hervorgehoben werden: In der großen Kriegsratssigung nom 17. Oftober 1918 ( Urkunde Nr. 57) iſt auch von der Räumung der Ukraine die Rede gewesen. Staatssekretär Solf hob hervor, daß es nach Zurückziehung der deutschen Truppen wahrscheinlich zu großen Mezeleien durch die Bolschewisten fommen würde. Die Kastanie. Von Hans Wesemann. Auf dem Hinterhofe der Fabrik steht ein Kastanienbaum. Zischend und klirrend fahren auf der nahen Stadtbahn die Züge vor= über und speien ihren Rauch auf sein Kleid. Kein Bruder grüßt ihn, über und speien ihren Rauch auf sein Kleid. Kein Bruder grüßt ihn, er ist allein in Mauern und Wänden und das ewige Rüttern der Maschinen zittert durch alle seine Wurzeln bis an fein grünes Herz. Aber immer hebt er sein Haupt zur Sonne empor, und manchmal, ganz in der Frühe, kommt ein kleiner Bogel und piept ein schüchternes Lied in seinen Zweigen, bis ihn der Lärm des Tages ver: scheucht. Aus den schmutzverwehten Fenstern der Fabrik sehen die Arbeiter nach ihm her. Ein Gruß ist er ihnen, ein Versprechen- ein Erinnern an ein fernes traumhaftes Glück in Sonne und weitem Feld. " Grade so' ne Kastanie hatten wir früher zu Hause, da bin ich als Junge immer reingeklettert" sagt der Grautopf zu seinem Rachbarn. Der aber erzählt dann von seiner Laube und lädt den Alten zum Sommerfest ein. Ueber ihnen im zweiten Stock fizzen die kleinen Fabrikmädchen an den Tischen und fortieren Schrauben und Nägel. Sie sind jung und können noch lachen. Und wenn sie sehen, wie der Baum ihnen einen Gruß hinein wirft, dann denken sie an den Sonntag mit einer Fahrt ins Grüne in hellen Kleidern, an Tanz und Fröhlichkeit. Und wippen mit den Füßen unter dem Tisch, bis der Meister erscheint und sie alle wieder Die Köpfe tiefer über die Arbeit beugen. Aber ein Lächeln liegt noch auf ihren Lippen. Sonntag tanzen wir. Unten im Kontor sagt der Fabrikant zu seinem Buchhalter: Lassen Sie den Baum abschlagen, er nimmt uns alles Licht weg." Junge Franzosen und junge Hebräer. Die Gemüter in Frankreich und Deutschland sind in den letzten anderthalb Jahren merklich ruhiger geworden, obwohl die Nationalisten in beiden Ländern noch großmäulig genug frafeelen. Es lichtet sich mancherlei auf beiden Seiten, und da war es notwendig, daß die Belk sbühne wieder einmal die jungen Franzosen ehren wollte, ehren gegen die Borniertheit des Deutschen Theaterdirektorenvereins, der die geborenen Franzosen verbot, jedoch allerhand internationalen Schund nach Pariser Marte aus Nitodemien und anderen Kitschgebieten bezog. Dr. Grautoff hat Barbusse und Bildrac, Berhaeren, Rimbaud und Jammes geehrt, indem er sie vor den Andächtigen der Boltsbühne erläuterte. Grautoff neigt dazu, die flaffische Erziehung, das künstlerische Bollendungsziel und die mora lische Friedlichkeit, in der all diefe lieben Leute reden, als besonderes Ludendorffs Antwort darauf lautet nach der Drudausgabe des Protokolls: ,, Auch das müssen wir in Kauf nehmen. Ist die Räumung nötig oder nicht für Deutschland? Wenn ja, muß sie gemacht werden trog aller schauderhaften Folgen." Aus einer Anmerkung der Neuausgabe erfahren wir nun, daß sich in der Reichskanzlei eine Abschrift des Proto tolls befindet, in der die Ausführungen des Generals Ludendorff folgendermaßen wiedergegeben sind: " 1 Auch das müssen wir in Kauf nehmen, selbst wenn es gegen Treu und Glauben geht, wenn es für das Heil des deutschen Baterlandes nötig wäre. Ist die Räumung usw. usw." Glauben geht, wenn es für das heil des Baterlandes Die Worte selbst wenn es gegen Treu und 61 62 nötig wäre", sind in der Abschrift mit Tintenstift durch ft richen. trich e n. Sein Cric ndorff hat sein gewohntes Schwein: Gei Ludendorff hat sein gewohntes Schwein: Sein Erscheinen am Brandenburger Tor verwandelte sich nachträglich in einen harmlofen Spaziergang, in München wurde er ganz nichtsführungen gegen Treu und Glauben durchstreicht eine unahnend in die Verschwörung hineingezogen, und seine Ausbekannte Hand mit Tintenstift! = E. K Lindströms Sieg in Siegen. r. 11. „ Herr, mach uns freind Präsentiermarsch vor Rupprecht. R München, 15. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Enthüllung des Mahnmals für die entrissenen deutschen Gebiete, veranstaltet vom Bund Bayern und Reich", verlief ganz im Rahmen des vorgesehenen Programms. Den Auftakt bildete am Sonnabendabend cine Festvorstellung im Prinzregenten Theater Die Herrmannsschlacht", an der auch der ehemalige Kronprinz Rupprecht, der mit drei hochrufen empfangen wurde, feilnahm. An der eigentlichen Feier am Sonntagvormittag beteiligten fich die Prinzen Ludwig Ferdinand und Adalbert, Ministerpräsident enge Beziehungen zu dem Bunde„ Bayern und Reich" verknüpfen. Knilling, Minister Schmeyer und Herr v. Kahr, den ja besonders Die Reichswehr war durch ihren bayerischen Kommandeur Kreß von Kressenstein vertreten sowie durch eine Kompagnie mit den Fahnen und Standarten der alten Armee. Rupprecht, der die Marshalls uniform angelegt hatte, wurde mit dem Präsentiermarsch empfangen. Die Feftrede hielt Professor Herold, der zur Treue und Einigkeit mahnte und sich insbesonEnthüllung des Mahndenkmals in der Feldherrnhalle nahm dere gegen das Aufflackern eines neuen Kulturkampfes wandte. Die Rupprecht vor, wobei er einige furze Worte über die Leiden des deutschen Volkes sprach, das unverdient von diesem schweren UnHerr, mag uns frei!" Die Tafel ſelbſt iſt beſeſtigt mit glück betroffen worden sei. Die Inschrift der Tafel trägt den Titel: 10 großen Bronzenägeln, die im einzelnen die deutschen entrissenen Elsaß- Lothringen, Deutschböhmen und Südtirol. An diesen Nägeln Gebiete darstellen sollen, darunter auch die ehemaligen Reichslande würden Kränze angebracht, die jedes Jahr erneuert werden sollen. Im Namen der entrissenen Gebiete dankte der deutschnationale Brofeffor Martin Spahn. Zu besenderen monarchistischen Kundgebungen ist es nicht gekommen. Auch war die Teilnahme trotz der eingelegten Extrazüge nicht start- es waren ta um 2000 offi Was will der„ Notbann"? Siegen, 16. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Tag" in Siegen war von den Hakenkreuzverbänden mit einem ungeheuren, geradezu höfischen Gepräge vorbereitet worden. Das gejamte Bahnhofsgelände war zum Empfang der„ Großen“ mit Girlanden geschmückt sehr merkwürdig für eine Bahnhofsverwaltung der Republik. Die deutsche Friedensgesellschaft machte jedoch einen Strich durch die Rechnung, fie sezte am Vorabend. des deutschen Tages" eine Versammlung im größten Saale der Stadt an und fand die freudige Unterstützung der republikanischen Bar- zielle Festteilnehmer. teien und Gewerkschaften. Tausende von Republikanern füllten den Riesensaal der Bürgergesellschaft. Die Farben fchwarzrotgold" schmückten den Raum. Gen. H. Vier bücher- Berlin hielt das Referat über das Thema das Haken- München, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Kommu freuz ist Deutschlands Untergang". Der Redner, wurde mit stürministische Frattion des Landtages hat eine furze Anfrage ein schem Beifall begrüßt. Er ging rücksichtslos mit den Schädlingen gebracht, in der die Staatsregierung um sofortige Auskunft über der Republik ins Gericht. Alle Störungsversuche brachen unter dem folgende Fragen ersucht wird: all Willen der Versammelten elend zusammen. Die Ausführungen wur: 1. Ist der Staatsregierung bekannt, daß zurzeit in München von den ständig unterbrochen von begeisterten Ovationen für die Repu- amtlichen und nichtamtlichen Stellen eine Menge militäris blik und die Verständigung. Ein früheres Mitglied einer ausgebildeter Leute unter der Benennung„ Notvölkischen Organisation, das im Ruhrkampf mit aktiv bann" organisiert, zusammengefaßt, zum Teil eingekleidet und in tätig gewesen war, legte das Bekenntnis ab, daß er sich von dem verschiedenen Gebäuden, Kasernen usw. untergebracht wird? Betrug einer iregeleiteten Bewegung ab menden müsse. Land. tagsabg. Fries- Siegen förderte zum Eintritt in das Reich banner schwarzrofgold" auf. Die eindrucksvolle Kundgebung schloß unter stürmischen Hochrufen auf die Republik. Die Völkischen haben damit eine Niederlage erlitten, die sie selbst nicht geglaubt hatten. Sie haben ihren Ludendorff gestern Morgen mit sehr gemischten Gefühlen am Bahnhof abgeholt. 3irfà hundert uniformierte schrieen heil". Diensttuende Arbeiter und Beamten grüßten ihn noch nicht einmal, obgleich die Herren Amt sporstände im Bratenrod erschienen waren. Man sah einige Offiziere in voller Uniform herumlaufen, teilweise begafft und veriocht von den Neugierigen. Vor dem Hauptquartier Gr.„ Gyellenz" in der Villa des Fürsten von Wellersberg hatte sich eine„ Boltsmenge" von vielleicht 100 Personen, meistens Kindern, eingefunden, die gegen gute Ertragaben das Deutschlandlied grölten. Die Stadt, ſtand noch weiter unter dem Zeichen der republitanischen Rundgebung. Der kommende große, republikanische Tag dürfte eine andere Feststimung herporujen als der Deutsche Tag" in Siegen. Ein zweites Mal wird der große Lindström nicht mehr nach Siegen kommen! " 2. Ist der Staatsregierung befannt, zu welchem 3 mede diese Leute eingestellt werden und hat sie Kenntnis, wer das Geld hierfür zur Verfügung stellt? München, 16. Juni.( Tul.) Die geftrige Ausgabe der Belt am Sonntag" in München wurde von der Polizeidirektion wegen über den Notbann beschlagnahmt.(!) Die Polizeibehörde er= Beröffentlichung einer Anfrage der fommunistischen Landtagsfraktion blidt in dieser Anfrage einen Landesverrat. Ruhige Börse. Die Börse eröffnete heute wieder in ausgesprochen fester 5 11 tung man ist sich jedoch in den beteiligten Kreisen darüber klar, daß es sich hierbei um eine Nachwirkung der in der Vorwoche zwischen den Berliner Banten gepflogenen Berhandlungen und demgemäß einen Rückzug der Baissespetulation handelt, daz aber mit einer dauernden Aufwärtsbewegung vorläufig faum zu rechnen ist. Die Dedungskäufe gaben dem Geschäft besonders am Petroleummarfte ein sehr lebhaftes Gepräge. Es notierten Deutsche Petroleum mit 9% und Deutsche Erdöl mit 33 bis 33%. Die Geldmarktlage hat sich unter dem Eindruck der Mitweis noch mehr erleichtert. Es zeigt sich auch hierin eine Rückwirtung der ausländischen Darlehen an die Golddiskontbank. Am Devisenmarkt ist die Lage unverändert.i Butschistenverfolgung in England. Die Polizei ist am gestrigen Sonnabendvormittag in einen Versammlungsraumteilungen der Reiche bank zum vorgestern veröffentlichten Wochenauseingedrungen, in dem man irische Republikaner vermutete. Fünf Verhaftungen wurden vorgenommen, wobei auch Munition und Explosivstoffe beschlagnahmt wurden. französisches Poetenschicksal anzusehen. Nun, das stimmt nicht ganz, doch ist es schön, den deutschen Betrachter bei solcher harmonisierenden Stimmung zu treffen. Grautoff, Romain Rollands Anwalt in Deutschland, freut sich des idyllischen Hanges all diefer jungen Fran30sen, und sein nachdichtender Mithelfer Paul Zech, der Bildracs Skizze Der Heimatíose" auf die Volksbühne dieſem langatmigen Einafter den Atem etwas zu verfürzen. Bildrac brachte, schweigt in ähnlichem Gefühl. Darum scheute sich Zech, gibt sich als Lyriker und auch als Dramotifer seit Jahren einer beträchtlichen Naivität hin. Es ist aber nicht die Schlichtheit des Naturmenschen, der nur in seiner warmen Bewunderung des kleinen Alltags hinlebt, sondern der energische Wille des überkultivierten Mannes, der hier zum Einfachen treibt. Bildrac sucht die winzigen Züge der Kleinbürger, er läßt sich gern vom Philistertum überfchwemmen, er gefällt sich darin, jede Bosheit und jede Güte des Kleinbürgers mit gleichem Wohlwollen aufzuzeichnen. Bildrac verengert mit Absicht den Horizont, der um ihn leuchtet. Die Lösung eines Problems wird nicht gegeben. Der Heimatlofe, der vom alten Europa auswandert, um asiatische Freuden zu suchen, experimentiert mit seinem Dasein, ohne daß er sich nach Zwecken oder Zielen aus. fragt. Vildrac will sehr gerecht sein, indem er seinem Pilger weder recht noch unrecht gibt. Die Moral dieser kleinen, langsam hins friechenden Komödie wäre zu loben, wenn auch die dramatische Form sich gefällig rundere. Aber das Behagen des Erzählers Bildrac und sein Wunsch, dem Philister freundlich zuzulächeln, sind so groß, daß er gar nicht merkt, wie fein guter Wille dem Theater gefährlich wird. Die Voltsbühne spielte nun gerade dieses Stücleir, auch mit großem Behagen, auch im langsamen, die Dinge vorsichtig abtastenden Schritte. Dadurch gewannen die Zuschauer den Eindruck, daß die Bühne der jungen Franzosen nur eine Stätte zum Abhandeln novellistischer Fragen geworden sei. 11 und leberkultur. Die palästinensischen Schauspieler, Berwandmte jener zionistischen Auswanderer, die mit den modernsten Maschinen um den Ertrag der alten Bibelerde ringen, bringen auch die modernste Maschine auf das Theater. Es scheint aber ein Unterschied zu bestehen zwischen den Rechten des Volkswirtes und des geistigen und des fünstlerischen Volksführers. Zu bewundern ist die Energie, mit von dem kezerischen und befehrien Heidenkönig bewegte auch die der Herr Gnefjin feine Schauspieler leitet. Die hebräische Legende Zuschauer wie ein Paſſionsspiel. Mar Hochdorf. Goldgrabungen im Harz. Bor einigen Jahren schon sind im Harz, vor allem in der Gegend von Thale, Gold. und Platinporfommen entdeckt worden. Wie die Magdeburg t Beitung" berichtet, ist man diefen Borfommon neuerdings nach gegangen, und es steht tatfädlich zu erwarten, daß sich im Harz eue große Goldquellen erschließen werden. Wegen der Lockerheit der Substanzen und der geringen Höhe des Deckgebirges ist die Möglichkeit eines Tagebaues naheliegend. Die Analysen haben im Durchschnitt 6 Gramm Gold und 4 Gramm Blatin pro Tonne er geben, au besonders guten Stellen bis 25 Gramm Gold wid 15 Gramin Blatin. Es handelt sich nach den eingeholten Gutachten um ein durchaus abbauwürdiges Vorkommen. Geologe äußerte fich: Ich befone in aller Form, daß ich das Vorkommen des Edelmetalls im Harz unbedingt für wert eradhte, in russichtsreicher Weise auszubeuten. Bemerkenswert ist, daß tri geologische Formationent, Aluvium, Viluvium und Tertiär, die hier übereinander, gelagert sind, von den Edelmetallösungen durchtränkt sind. Nach Schätzung von Sachverständigen soll die obere Schicht allein 600 000 Zonnen ausmachen. In Anbetracht der Goldknappheit stellt also das Vorkommen einen enormen Wert dar. Ein bedeutender Nach dem Todesstrahl die„ Todesratete". Wie aus London gemeltet wird, hat man in England Versuche mit einer mit Flügeln versehenen Brandrakete gemacht, die einen Regen von geschmolzenem Metall über ein Gelände von 8 bis 15 Kilometer im Umfreis vcrtreut Die Versuche wurden bei dem Dorfe North Ferriby in der Grafschaft Vorf ausgeführt. Der Erfinder Ernest Welch erklärt, daß das Plaheit der Rafeie jedes Flugzeug vernichte und daß die Geschosse jogar Stahl und Asbest durchschlagen. Die Versuche wurden auf offenem Felde ausgeführt. Man verwendete winzige Raketen, da die Anwendung der großen Apparate die ganz: Ortschaft ver nichtet hätte. Tur wenigen Personen wurde der Zutritt gestattet. Die fleinen Nafetén verbreiteten einen Feuerrgen geschmolzenen Metalls über Las gelb, der eine Borstellung von der fürchterlichen Wirfung zu geben vermochte. Weitere Versuche in größerem Stil fellen in der nächsten Woche in Anwesenheit von RegierungsverWie versichert wird, intereffieren" fich tretern gemacht werten. die Regierungen von England, Frankreich und Amerita für die Erfindung, und die Bereinigten Staaten haben bereits ein Erwerbsanerbieten an den Erfinder gerichtet. Am gleichen Abend spielte eine Schauspielergesellschaft, die sich das" Palästina Theater" nennt, in neuhebräischer Sprache die bibliche Legende Belsazar". Junge Hebräer zogen in die Comedia Valetti ein. Die Sprache, die sie redeteten, legt fich schwer auf die Muskeln und jedes Glied des Schauspielers. Auch das Neuhebräische verlor dejt majestätischen Charakter der Bibelsprache nicht. Es scheint, daß die subtilen Regungen des Menschen, das Lachen und Weinen in diefer Sprache taum erweckt werden können. Jede Regung wächst ins Erhabene, man erinnert sich, daß König Salomon selbst dort, wo er im hohen Liede zu der geliebten Freun din spricht, hohepriesterliche Klänge erfindet. Das Stück der neuhebräischen Komödionten ist dem Geifte nach sehr volkstümlich, dem Worte noch fehr gelünſtelt. Belſazar, jener König von Babel, der sich gegen den jüdischen Get perfündigte und darum in Schmach endete, fein ganzer Hof, der Zauberer, die Priesterinnen und Mundschenken drücken sich in großartig geschwollener Phrafe aus. Der Gründer und Regisseur dieser Bühne, Herr Gnefsin, hat sich an dem modernsten Stile des Theaters belehrt. Mit verfeinerten Farben, mit phantastischen Urfarben, mit behutsam ausgewählen Lichtmitteln arbeitet er, um seine Bühne bildlich und merkwürdig zu machen. Die Aunenweit: bie er fchofft, ist beträchtlich. Man bedente aber: Die Arania veranstaltet für den Lichtbildervortrag:„ Bon der Zuq. daß er diesen raffinierten Aufwand treibt, um ein ganz primitives ipfe zum Basmann" volkstümliche Vorführungen zum Eintritts. Boltsstück zu spielen. Es mischen sich da hundert Elemente, Kulturpreis bön 50 Pfg. am 17. 19. 21. 22. Juni 8 Uhr. Stresemann und das Kabinett Herriot. Ohne Illufionen und Voreingenommenheit. Karlsruhe, 16. Juni.( WTB.) In einer anläßlich der Tagung der füdwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Boltspartei in Karlsruhe veranstalteten öffentlichen Bersammlung sprach der Reichs minister des Auswärtigen Dr. Stresemann über die politische Lage. Gegenüber der heutigen Situation vertrat der Minister den Standpunkt: Wir ziehen die Konsequenz aus dem verlorenen Kriege und zahlen deshalb die Kriegsentschädigung, aber wir lehnen es ab, als die moralisch Berantwortlichen irgendwelche Wiedergutmachungen zu leisten. Im Verlauf seiner weiteren Ausführungen bedauerte der Mis nister, daß in dieser Zeit der Berhandlungen über das Sachverstän digengutachten die Behauptung aufgestellt worden sei, daß die gegen märtige Regierung feine perfassungsmäßige Grundlage habe. Werde das gegenüber dieser Regierung behauptet, bann habe auch die Regierung Fehrenbach und die von den Deutschaationafen unterstützte Regierung Cun o feine verfassungsmäßige Grund. lage gehabt, denn diese Regierungen hätten ebensowenig das Wort Bertrauen" in ihren Billigungserklärungen gehabt wie die heutige Regierung. Seit die neue Verfassung besteht, habe niemand daran gezweifelt, daß die Regierung erst dann das Bertrauen per liert, wenn eine Mehrheit ihr das Mißtrauen ausspricht. Dieser Mißtrauensantrag der Deutschnationalen sei von der Mehr: heit des Reichstags abgelehnt worden. Der Außenminister wandte sich dann gegen die Anschauung des Auslandes, daß das Deutsche Reich in einer glüdlichen Situation sei, weil es feine Kriegsschulden zu bezahlen habe. Man vergesse bei dieser Betrachtung, daß bie Summe, die durch den Entwertungsprozeß dem Volksvermögen verlorengegangen sei, eine der wichtigsten Säulen der frühe ren Steuerpolitik gewesen sei. Den Verwüstungen in Frankreich ſtänden die Berwüstungen gegenüber, die im deutschen Bolke durch die Proletarisierung der weitesten Schichten der Sparer helfen sei gegenwärtig unmöglich. Sobald dagegen die End summe unferer Verpflichtungen sich übersehen lasse und aus dem deutschen Budget sich Ueberschüsse ergäben, würde auch diese Frage der Verpflichtungen des Reichs gegenüber diefen Gläubigern praftish zur Erörderung stehen. In den Darlegungen über das Sachverständigengutachten wandte sich der Außenminister gegen die namentlich von einer gwiffen wirtschaftlichen Seite geübte Kritit, daß die Privatwirtschaft Ser Entente ausgeliefert, die Souveränität über die Eisenbahnen verloren und feine tatsächlichen Wirtschaftskredite gegeben würden. Diese Kritifer des Gutachtens vergäßen, die heutige Situation mit der Situation nach der Annahme des Gutachtens zu vergleichen. Heute sehen wir, so fuhr der Minister fort, einen Zusammen. bruch der Wirtschaft im bejezten Gebiet durch die Erpreffung der Micum- Berträge, die ungeheure Belastung des Reiches durch die Besatzungskosten und die Reparationsabgabe. Wir sehen zwölf Millionen Deutsche ohne politische Freiheit, ohne Rechts ficherheit, und ungeheurer materieller, politischer und feelischer Bebrüdung ausgeliefert. Wir stehen heute trotz der durch unsere Zahlungsunfähigkeit veranlaßten Auslegung der normalen Repara, tionsleistungen vor einer deutschen Jahresleistung Don über einer Milliarde Goldmart. Gegenüber ber Behauptung Poincarés, daß Deutschland zahlen tönne, aber nicht zahle, steht die Behauptung des Sachverständigen gut achtens, daß Deutschland gegenwärtig aus seinem Budget nicht zahlen dürfe, meil es bann being ng butam remiere. Damit Ein naffer Sonntag. Die mit Recht so berühmten ältesten Beute konnten sich wieder einmal nicht erinnern, daß es fo ununterbrochen geregnet hat von Sonnenaufgang bis fast zum Sonnenuntergang, wie am gestrigen Sonntag. Die Straßen und Steige waren ständig überschwemmt und große Lachen hatten sich dort gebildet, wo gebuddelt wird. Das war aber an sehr zahlreichen Stellen der Fall, denn in Berlin ist man augenblicklich bei einem großen und schon lange Jahre notwendigen Instandjegen der Straßen. Draußen aber, in den Wäldern und auf den Feldern schien die Welt tot und ausgestorben. Und doch waren viele Berliner unterwegs, denn der Sonntag muß nun mal gefeiert werden, ganz gleichgültig, was die Nerven dazu sagen. In den Wagen der Stadt- und Ringbahn riefelten liebliche Bächlein, die von Schirmen und Mänteln floffen. Aber diese Reisenden fahren nicht ins Freie, sondern von einem Stadtteil in den anderen, von einem Restaurant in das andere Restaurant. Die Folgeerscheinungen am späten Nachmittag blieben nicht aus. Man sah viele schwankende Gestalten; außen naß und innen naß. Die Lotale hatten großen Erntetag, denn das Bier lief ja wieder. Nur die Wassersportleute, die ftets unentwegten, hielten dem feuchten Element auch gestern die Treue. Aber wenn man sie beabachbete, als fie am späten Abend aus Wannsee, Grünau oder den anderen Seglerparadiesen rund um Berlin heimwärts fuhren, da bekam man den Eindruck, als ob sie nicht gefegelt oder gerudert, fondem den ganzen Sonntag im Wasser gelegen hätten. Das Eisenbahnunglück am Potsdamer Bahnhof. Im Befinden der verlegten Personen ist, wie wir vom Rettungs. ami Berlin erfahren, feine Kenderung eingetreten. Hoffnungsios danieder liegen noch immer im Urbanfrankenhaus Herr Günther Dampf, ebenso Fräulein Anneliese Boelide aus Rehbrüde bei Potsdam, der bei dem Zusammenstoß der beiden Züge der Arm abgequetscht wurde. Den übrigen Berichten geht es verhältnismäßig zufriedenstellend. Lebhafte Klage wird darüber geführt, daß die Rettungseinrich tungen sich bei dem Unglück als höchft mangelhaft erwiesen haben. Zwar war die Feuerwehr herbeigerufen, aber sie war nicht auf die Bergung von Berunglückten eingestellt, da nur Feuer" genteldet mar. Es dauerte denn auch fast eine Stunde, ehe die Berunglückten geborgen waren. Es dürfte cat der Zeit sein, die Sicherheit des Berliner Eisenbahnverkehrs einer eingehenden Nachprüfung zu unterziehen. Vom Diebstahl zum Mordversuch. Sie wollten ihre Mitwisserin töten. Der Kriminalpolizei in Wien gelang es, zwei junge Burschen zu verhaften, die in Berlin einen großen Teppichdiebstahl ausgeführt und auf einer Wanderung in der Nähe von Dresden ihre Freundin, diz um den Diebstahl wußte, ins Wasser geto B n hatten, um sie zu töten. Es handelt sich um den 21jährigen Beamten Herbert Roßmann aus Thüringen und den 19jährigen Drogisten Werner Drienthuth. Beide hatten einem Hotelier am Rurfürstendamm wertvolle Berferteppiche gestohlen und sie verkauft. Bon dem Erlös machten fie eine Wanderung in die Sächsische Schweiz. In der Nähe von Dresden stießen sie ihre Freundin, eine hausangestellte, in die Elbe, um sie als Mitwisserin zu be seitigen. Als das Mädchen aber nicht ertrant, warfen jie mit half und Mädchen immer Steinen nad ibn und very noch das, Ujer zu erreichen, fuchte, Selbstverständlich sei es Aufgabe der Regierung, bei den Ber- schossen sie mit Revolvern nach ihm. Durch den Lärm handlungen, die gegenwärtig im Gange find, das Befte her fam aber ein Bauer herbeigeeilt, worauf die Burschen die Flucht auszuholen. Das gefte vor allem für die Befugniffe des ergriffen, während das Mädchen gerettet werden fonnte. Eisenbahnfommiffars. Für die Lage im befegten Gebiet fet es von Die beiden jungen Leute waren auf Schleich wegen nach Desterreich großer Bedeutung, daß die uns auferlegten Leistungen die Ge= gekommen und hatten sich in Wien durch ihr herumschleichen um samtsumme der Verpflichtungen Deutschlands darstellen, die Be- Bantgebäude verdächtig gemacht, worauf fie verhaftet wurden. Sie schungstoften also von den Belegungsmöchten übernommen wer= sind auf den Antrag der Berliner Bolizei bereits ausgeliefert worden. liege. den, worin automatisch ein Druck zur Verminderung der Besatzung Die Normelleistungen des Gutachtens feien von den Sachver ständigen überschäht. Sich mit dieser Leistung abzufinden, jei nur möglich im Hinblick auf die Bestimmungen über die Trans ferierung deutscher Guthaben, bie nur aus Ueberschüssen der deutschen Wirtschaft stattfinden darf. Die Lösung der Gefangenenfrage und der Frage der Ausgewiesenen ist, so betonte der Redner, organisch mit dem Sachverständigengutachten verbunden. Ist das Gutachten die Lösung der Reparationsfrage, dann ist es auch das Ende aller Methoden, die während des Ruhrkampfes als Kriegsmethoden angewandt worden find. Das gilt auch für die militärische Räumung des Ruhr gebietes, die zu einem bestimmten Termin in Aussicht genommen werden muß. Der neuen franzöfifchen Regierung ftehen wir ohne Illu sionen, aber auch ohne Voreingenommenheit gegenüber. Unsere Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, der das nebeneinander. leben von Frankreich und Deutschland ficherstellt, die auf friedliches Zusammenleben angewiesen sind und vielfach wirt schaftlich und finanziell vor den gleichen Broblemen stehen. Der Ausschuß für ungeklärte Morde. Wofür die„, Deutsche Tageszeitung" kein Gedächtnis hat Die sozialdemokratische Frattion des preußischen Landtags hat, Die sozialdemokratische Fraktion des preußischen Landtags hat, wie wir bereits mitteilten, die Einsegung eines parlamentari. schen Untersuchungsausschusses über die vielen ungeBärten und ungefühnten Morde aus den ersten Revolutionsjahren durchgesetzt. Darüber gerät die Deutsche Tageszeitung" in But; ihre Zornausbrüche überschreibt fie bezeichnenderweise mit den Worten: Wofür die Genoffen Zeit haben", unt bann weiter ber Sozialdemokratie vorzuwerfen, daß fie in einer Zeit der außenpolitie schen Not nur für innerpolitisches Gezänt Intereffe habe. 17 Die„ Deutsche Tageszeitung" follte ihr Gedächtnis ftärken. Dann würde mindestens dem preußischen Landtagsabgeordneten Baul Baeder, zugleich Chefredakteur der Deutschen Tageszeitung", eingefallen sein, daß vor drei Jahren seine eigene Frattion einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß über die angeblichen Sünden Severings und Hörfings bei der Bekämpfung des mittel. deutschen Kommunistenaufstandes beantragt und durchgesezt hat. Dieser Ausschuß, der doch auch in einer Zeit der außenpolitischen Not tagen mußte und Unsummen gekostet hat, erwies fich allerdings als eine unerhörte Bergeudung von Kraft und Arbeit. Der ganze Apparat diente eigentlich nur als Form für geschwollene Reden des deutschnationalen Abgeordneten v. Dryander, die feinen eigenen Parteigenossen auf die Nerven fielen. Bei der Beweisauf nahme wurden die Deutschnationalen dann immer fleiner und muß ten schließlich einem Bericht zustimmen, der im wesentlichen feststellte, daß die Untersuchung absolut nichts gegen Severing und Hörsing ergeben habe. Dieser blamable Ausgang der deutschnationalen Aktion sollte die„ Deutsche Tageszeitung" eigentlich etwas bescheidener machen. Der jest beantragte Untersuchungsausschus wegen ungefühnter Morde hat beſtimmt umgrenzte Ziele und fann außerordentlich nu lich und luftreinigend wirken, gerade weil er den Faschisten unangenehm ist. Aufbefferung der Militärrenten. Halbamtlich wird gemeldet: In Zusammenhang mit der Menderung der Beamtenbezüge ift on Stelle ber bisher geltenden Erhöhung der Militärrenten um 24 Brcz. mit Wirkung vom 1. 6. 1924 ab eine Rentenerhöhung um 40 Proz getreten. Eine Autojagd. Ein Mann in mittleren Jahren versuchte am Sonnabendnachmittag ein Auto zu stehlen. Er wurde aber gefaßt und non erbitterien Kraftwagenführern übel zugerichtet. Außerdem dürfte er eine empfindliche Strafe zu erwarten haben. Vor einem Lokal in der Waldstraße standen mehrere Autos. Die Fahrer waren im Lotal. Plöglich sahen fie, wie ein Mann, der schon mehrfach um die Autos herumgegangen mar, fich auf eins hinaufschwang und rasch davon fuhr. Er wurde alsbald von den übrigen Wagen führern überholt und angehalten. Aus Mund und Rase blutend, lieferten diese ihren Gefangenen auf der nächsten Wache ab. Hier wurde er als Chauffeur Richard Heerwald aus Bohnsdorf, Gartenstr. 2, festgestellt. Der Dieb wurde der Kriminalpolizei übergeben. Ich habe gebüßt!" wirklich einmal des Kindes Engel", befreite die Kleine aus ihrer furchtbaren Lage. Ueber die mechanische Leiter fletterte einer der allzeit waderen und hilfsbereiten Feuerwehrleuten zu der famin= delnden Höhe empor und rettete den Eltern ihren gefährdeicn Liebling.. Die Bauerntragödie in Lüsse. Geständnis des Täters. Zwischen blühenden Akazien und fruchtbehangenen Bäumen fegt im sogenannten Winkel in Lüsse an der Station Baiz das reiche Bauerngut des verstorbenen Landwirts Köppe. Bor faum acht Monaten hat dort der 32jährige R. Kühne hineingeheiratet, die einzige 23jährige Tochter der 53jährigen Witwe Röppe. Zwei Tage vor Pfingsten fand man die Tochter erfchoffen und die Witwe Köppe durch Arthiebe erfchlagen vor. Kühne selbst war gleichfalls durch Schüsse im Oberschenkel verlegt. Pferdediebe aus Nowawes sollten die Täter gewesen sein. Der Erste Staatsanwalt Gerlach- Potsdam beauftragte die Berliner Kriminalpolizei mit der Aufklärung der Sache. Ein Kommissar zog als harmloser Sommerfrischler nach Lüsse, um dort zu fondieren. Es war nicht leicht, aus den Bauern etwas heraus zu bekommen. Vor drei Tagen hatte man die reichen Bäuerinnen zu Grabe getragen, und gestern abend hat der Ehemann Kühne dem Berliner Kommissar im Belziger Krankenhaus das furchtbare Geständnis gemacht, der Mörder seiner eigenen Frau und feiner Schwiegermutter zu sein. Furchtbar muß das Zusammenleben dieser drei Menschen gewesen sein. Für die zwei Frauen gab es nur eine Parole im Leben: Geldverdienen. Gigentümer der fetten Bauernwirtschaft mar die junge Frau. Auf Kühne sollte die Hälfte der Wirtschaft übertragen werden. Aber die Grundbuchauflaffung ließ zu lange auf fich warten, und da machte Kühne zwei Tage vor Bfingsten furzen Prozeß und beseitigte Frau und Schwiegermutter. Zuerst ging der Mörder an die Hufbewicklung der Pferde, dann öffnete er die Türen des Gartens, um so Einbrecherbesuch vorzutauschen. Dann legte sich der Ehemann mit seiner jungen Frau zu Bett, und als diese gegen 1 Uhr nachts Bauer an, im tiefften Saylafe lag, 30g fid) der fchlich sich an das Lager der Frau und jagte ihr eine Rugel in die Schläfe. Fünf Minuten später, als er merfie, daß seine Frau tot war, schlich er sich in das Alten- Stübchen der Frau Köppe und schlug ihr mit einer Art tür in dem Glauben, daß niemand ihn höre und gab dert einen den Schädel ein. Dann begab sich der Mörder vor die KüchenSchußauffeinen rechten Unterschertel ab. Die Schuhwaffe, eine fogenannte Barabellumpistole, fegte er in einen hohen Stiefelschaft. Sonderbarerweise war aber die Waffe bis heute dert nicht aufzufinden. Erst gestern gelang es sie bei einem Berwandten Kühnes zu ermitteln. Das Bauernhaus bietet ein Bild des Grauens. Die Zimmer starren vor Schmuz. Nichts ließ vor dem Morde auf das nahe Pfingsfest schließen. Blutbefpritzt ist tas tenstübchen der reichen Bäuerin und blutbespritzt das Gebett. Die Betten ter en gleichen einem Lumpenhaufen. Des lebenden Inventars haben sich jezt Bermandte erbarmt und verloffen liegt nun der reiche Bauernhof. Kühne, der als Untersuchungsgefangener im Belziger Krankenhaus liegt, wird nach seiner Genesung nach Potsdam ins Gefäng nis übergeführt werden. Ueber das wahre Mativ der Tat wird nachfolgendes gemeldt: Schon vor seiner Berheiratung liebte Kühne die Magd eines Nachbarbauern. Rant und schlant, aber arm war sie, und trüben faß die Reiche. Raum 23 Jahre alt, mog sie 180 Pfund und wurde daher im Ort, die Fette" genannt. Er nahm die Felle, und die junge Magd zog von Lüffe fort. Aber nor einigen Wochen arg Die Schlante wieder in den stillen Wintel nach Lüsse ihm gegenüber, und nut holan. Gedanken wollte er herr werbenen Webanton megy in der seien 3- it, als sich der im Hause regierenden Schwiegermutter und feiner Grau zu entledigen. Bei seinem Geständnis, das er ruhig und wie crist machte, fagiz er: dh fonnte es im Haule nicht mehr ertragen. Ich hatte nichts zu fagen. Die Melber regierten." In dem Mordhause schlief auch in der fraglichen Nacht ein vier zehnjähriger Ruhrtnabe. Auch diesen hätte der Mörder beseitigt, wenn der Knabe nicht den Rieget vor die Züte geschoben hätte. Die lieben ,, andsleute". Nach seiner Ausplünderung burd) Sanbsleute hat sich gestern ein 37 Jahre alter polnischer Arbeiter Hermann Biefras auf dor Bache des 82. Reniers am Bandsberger Blak erhängt. Pietras, ber im besetzten Gebiet für die Franzosen gearbeitet hatte, bejanb fich auf dem Rückwege nach seiner pocinischen Heimat in Berlin. Gestern tam er, nur mit Hemd, Sose, Hut und Schuhen tefsidet und ganz mittellos nach der Revierwache und bat um Unterkunft. Er war, wie er angab und wie die Ermittelungen bestätigten, in der Gegend des Schlesischen Bahnhofes Bands leuten" in die Hände gefallen. Sie hatten ihn unter der Borſpiege lung, ihm ,, behilflich" fein zu wollen, verschleppt und vollständig ausgeplündert. Die Revierbeamten beschlossen, den Hiffs= bedürftigen mit dem nächsten Transport nach der Fürsorgestelle des Polizeipräsidiums zu bringen. Weil er sehr erschöpft und müde war, fo wiesen sie ihm eine Belle an, in der er sich ausruhen fonnte, und sahen sich wiederholt nach ihm um. Kurz vor der Zeit, daß er nach der Fürsorgestelle gebracht werden sollte, fanden sie ihn dem Tode nahe auf. Der Ausgeraubte hatte sich, wohl in der Bergenommen hatten, so daß er mittellos hätte nach Hause kommen müssen, mit einem Hosenträger, den er dreimal um den Hals falang und dann zuband, selbst erbroffelt. Es gab noch Lebenszeichen von sich und wurde mit einer Krafidroschke schleunigst nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Hier konnten abo die Aerzte nur noch seinen Tod feststellen. Die Leiche eines Mannes wurde morgens um 5 Uhr zwischen den Stationen Karlshorst und Sadowa gefunden. Sie hatte eine fchwere Berlegung am Hintertopf und der rechte Arm war zerschmettert. Bei der Leiche war ein Bettel mit folgender Aufschrift gefunden:„ Bitte benachrichtigt Frl. Else Böttte, CharLottenburg, Cosanderstr. 2". Darunter stand: Ich habe gezweiflung darüber, daß ihm die Räuber alles, was er verbient, abbüßt". Aus den Spuren auf dem Bahndamm fonnte die Polizei erkennen, daß sich der Unglückliche vor einen fahrenden 3ug geworfen hatte. Die feitlichen Räumer der Lokomotive aber hatten ihn gefaßt und beiseite geschleudert. Daher rührt auch bie tötliche Bermundung am Kopfe. Anfangs glaubte man, daß es fich um eine unglückliche Liebe handele. Die Aussagen des auf dem Zettel genannten Fräuleins ergaben aber anderes. Der Tote ist ihr Bruder, der 27 Jahre alte Buchhalter Gerhard Mengsch, Einen Revolveranschlag auf seine Frau verübte ein 26jähriger ber in Senftenberg wohnt. Zu den Pfingstfeiertagen war er zu ihr ftellungslofer Handlungsgehilfe Werner Hornach in der Reichen nach Berlin zu Besuch gekommen. Er hatte vor furzem in Eenftenberger Straße. Hornach lebte mit seiner Frau, die 12 Jahre älter berg einen Prozeß verloren und war verurteilt, für drei uneheliche Kinder zu sorgen. Da diefes feine Vermögens- und Einkommenverhältnisse weit übersteigt, hatte er den Entschluß gefaßt, aus dem Leben zu scheide: Kochherdexplosion in der Konditorei Schilling. Die Berliner Feuerwehr wurde am Sonntagabend in der neunten Stunde nach der Konditorei von Schilling, Kurfürstendamm 234, alarmiert, wo in der Küche ein Kochherb explo diert und drei Personen verlegt waren. Sie wurden an Ort und Stelle verbunden und weitere Gefahren beseitigt. Die Erplosion war durch die Ansammlung von Gasen entstanden. Die Spandauer Feuerwehr hatte in der Nacht zum Montag in Ruhleben zu tun, wo in der Reichswehrtajerne der Heuboden brannte. Es gelang, die Flammen auf ihren Herd zu beschränken. Der Brand einer Räucherei rief den 8. Löschzug nach der Reichenberger Straße 144. Bös milliger Weise wurde die Wehr u. a. nach der Friedelstraße 33 in Neukölln, Müllerstraße 60, Hausvogteistraße 61 alarmiert. Die Täter sind stets unerkannt entfommen. 21 Hause Oranienburger Str. 22 gerufen, wo die fleine dreijährige Am Sonnabend, abends 7 Uhr, wurde die Feuermehr nach dem Tochter der Familie H. hoch oben an der Brüftung des Balfons des 3. Stocwertes zwischen Himmel und Erde schwebte. In Abmesenheit der Eltern legte das Hausmädchen die Kleine schlafen und ging dann auch fort. Das Kind wachte auf, machte sich die Baltontür auf und fletterte im Hemd auf die Balfonbrüstung, wo es etwa zwei Stunden am Geländer hing und jeden Augenblic abzustürzen drohte. Die erschreckten Pasjanten bolten geuerwehr und di ist als er, ständig in Unfrieden. Er mußte wiederholt auch die gemeinsame Wohnung verlassen, wurde dann aber jedesmal wieder aufgenommen. Gestern abend besuchte das Paar eine Gisfonditorei in der Reichenberger Straße 34. Hier gab es wieder Streit. Hornach gab mehrere Schüsse ab, von denen einer seine Frau unter dem Herzen in die Brust traf. Die Getroffene wurde nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht. Sie ist, wie die ärztliche Untersuchung ergab, nicht lebensgefährlich verlegt. Hornach wurde festgenommen und der Kriminalpolizei übergeben. Er sagt, daß er selbst nicht wisse, wie er zu der Tat gekommen fei. Genoffe Bleier spricht Dienstag, den 17. Juni, abends 7 Uhr, in der 312. Gemeindefdule Charlottenburg, Dranienstr., über das Thema: Freie oder fonfessionelle Schule. Es dürfe allgemein bekannt sein, daß Genosse Bleier aus religiösen Gründen die konfessionelle Schule ab= Lehnt. Mütter, Eltern, erscheint in Massen. Ineblo Groß- Berliner Parteinachrichten. 5. Arcis Friedrichshain. Elternbeiräte und Abteilungsleiter: Dienstag, den 17. Juni, 7 Uhr, bei Wittschuß, Petersburger Str. 5, Ausgabe von Wah! material. 7. Areis Charlottenburg. Die Cenqfüinnen können zur heutigen Abendfeier in der Neuen Belt noch bei ihren Abteilungsleiterinnen Programme erhalten, 21, 22. und 23. Abt. Der Frauenabend fällt heute aus. 38. Abt. Seute 7½ Uhr Funktionärsigung bei Bauer, Große Frankfurter Straße 1. 45. Abt. Dienstag, den 2. Juni, pünktlich 7% Uhr, bei Bensch, Glogauer Straße 80, wichtige Flugblettverbreitung. Die Elternbeiratskandidaten und fämtliche Mitglieder sind zur Wahlhilfe vsitet. 111. Abt. Bohnsdorf. Mittwoch, den 18., abends 8 Uhr, bei Heimann, Walters. dorfer Straße, Mitgliederversammlung. fich aber einer starten Täuschung hingeben, wenn sie annehmen Bewerkschaftsbewegung sollten, auch bei der jeßigen Hochkonjunktur im Versicherungsgewerbe Beamtenbesoldung und Arbeitszeit. Der Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner hielt am 2. Juni in Halle eine Sigung seines Gesamtvorstandes ab. Die michtigsten Beratungspunkte waren Besoldung und Wach= Dienstzeit. Zur Neuregelung der Beamteng hälter wurde die Stellung des Gesamtvorstandes in nachstehender Entschließung festgelegt: „ Die 16. Ergänzung des Besoldungsgefeges regelt die Beamtengehälter in unsozialer, den dringendsten Lebensbedürf nissen der Beamten der unteren Besoldungsgruppen nicht Rechung tragender Weise. In diesen Besoldungsgruppen befinden sich auch die Beamten der Berufsfeuerwehren. Das Besoldungssperr gefeß zwingt die Gemeinden, die Bezüge der unteren Beamten der Besoldung der Reichsbeamten anzupaffen. Der Vorstand des Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehr. männer erhebt deshalb gegen diese Neuregelung schärfst en Widerspruch. Er stellt fest, daß das deutsche Wirtschaftsleben nicht gefunden tann, so lange dem schaffenden Teil des Volfes die für Leben und Schaffenstraft unentbehrlichsten Mittel vorenthalten werden. Die zur Heilung der Wunden des Krieges notwendigen Opfer müssen von jenen getragen werden, die sie ohne Schaden für die Wirtschaft tragen fönnen. Bon Reichstag und Reichsregierung erwartet der Borstand, daß sie das auf den unteren Beamtengruppen lastende Unrecht mit höchstmöglicher Beschleunigung beseitigen. Zur Frage der Bachdienstzeit wurde festgestellt, daß an eine zentrale Regelung nicht mehr gedacht werden könne. Der Berband wird jedoch nach wie vor für eine gerechte Bewertung des Bereitschaftsdienstes der Berufsfeuerwehrmänner und der mit dem Feuerwehrberuf verbundenen Gefahren und Anstrengungen fämpfen. Es murde beschlossen: 1. Gegen die Stadt Königsberg den Weg der Privatflage vor dem ordentlichen Gericht zu beschreiten; 2. die ganze Kraft der Organisation jeweils dort zu konzentrieren, wo sie zur Abwehr von Dienstverlängerungen notwendig ist und 3. die Ortsverwaltungen aufzufordern, durch Pflege der Arbeitsgem in chaft eine gute Grundlage für die Abwehr zu schaffen Warum es die Reichspostverwaltung nicht eilig hat. Wir erhalten folgende Erklärung mit der Bitte um Ver: öffentlichung: Die unterzeichneten Organisationen find, geleitet von dem Be. ftreben, die besonders für die unteren Besoldungsgruppen unerträgliche Besoldungsregelung zu bessern, an den Reichsverband deutscher Boft und Telegraphenbeamten herangetreten, um mit ihm gemeinsam die nötigen Vorbereitungen zur Abwehr. dieses Besoldungsunrechts zu treffen. Der Vorstand des Reichsverbandes hat auf unser dringendes schrift liches Ersuchen vom 5. Juni bis jegt noch teine Antwort gegel eben. Durch dieses Schweigen ist jede Möglichkeit unterbunden worden, innerhalb der Boftbeamtenschaft eine einheitliche Abwehrfront zuschaffen. Die Haltung des Reichsverbandsvorstandes läßt viel mehr klar erkennen, daß er nicht gewillt ist, ernstlich an der Aenderung ber fatastrophalen Besoldungsregelung mitzuarbeiten. ihre Angestellten auf die Dauer mit Schundgehältern abspeisen zu fönnen wie während der Inflationszeit, in welcher die Betriebe anerkanntermaßen um die Aufrechterhaltung ihrer Eristenz schwer zu fämpfen hatten. Aus dem Stuck- und Gipsbaugewerbe. Eine gut besuchte Mitgliederversammlung der Stuck und Gips: baufachgruppe der Baugewerkschaft Berlin hielt am Freitag der legten Woche einen Rüdblick auf die fürzlich beendete Tarifbewegung. Der Fachgruppenleiter Sched ließ alle Ereignisse und Momente des Kampfes noch einmal Revue passieren und zeigte, was von den Versuchen der Arbeitgeber, den Tarif zu verfchechtern, am Schlusse des Rampfes geblieben ist. Wer ohne fremden Einfluß seine Schlüsse ziehen fan und wer die Rämpfe der verschiedenen Organisationen verfolgt hat, der fann fid) auch der Tatsache nicht verschließen, daß der Erfolg diefes Streits ein voller war. Ein Erfolg, der allein auf die Einigkeit und Geschloffenheit sowie auch auf das Selbstvertrauen aller Beteiligten zurückzuführen ist. Der fommunistische Verband der ausgeschlossenen Bauarbeiter" versucht nun auf seine Art diese Einigkeit zu zerstören, indem auf einigen Baustellen Hezapoftet ihr Bejen treiben, die, wenn auch unbewußt, den Unternehmern Handlangerdienste leiften. Eine am 3. Juni nach Der Steinstraße einberufene öffentliche Massenversammlung", die von ganzen 53 Mann besucht war, follte Auftlärung" über den von dem bekannten Kaiser als Pyrrhussieg bezeichneten Streitausgang bringen. Es erübrigt sich, hier auf die ethischen und moralischen Absichten solcher Gegner einzugehen, da in der Diskussion der Freitag Versammlung mit gebührenden energischen Worten alle erbärmlichen und einfältigen Anwürfe abgewiesen wurden. " Stimmungsmache des GdA. Die Morgenpost" vom 13. Juni brachte in ihrer zweiten Beilage eine Notiz, wonach bei den Wahlen in der Berliner chemischen Großindustrie zu hen Betriebs- und Angestelltanräten der Gd. 46, der AfA- Bund 8 und der DHB. 4 Size erhalten habe. Wir richten an den Gd. die freundliche Anfrage, ob er nicht gewillt ist, uns mitzuteilen, auf welche Betriebe ich diese Erhebung ftüßt. Wir fönnen schon glauben, daß man bei geeigneter Auswahl einiger Betriebe, in denen zufällig der Gd2. ein besseres Organisa tionsverhältnis aufweist als die anderen Verbände, eine solche Zufammenstellung erzielen fann. Denn nur um einige wenige, ten benziös zusammengestellte Betriebe tonn es fich hierbei handeln. Schon aus der geringen Anzahl der Angestelltenräte geht hervor, daß es sich nicht um eine Gesamtübersicht der chemischen Großindustrie handeln kann, was jeder Fachtenner auf den erster Blid sieht oder zielte die Notiz in der Morgenpoft" auf einen Stimmungsfang unter den Unfundigen ab? Ein nobler Verbandsführer. Der Verband nationaler Berufsschweizer, der als nationalistische Ronkurrenzorganisation des Deutschen Landarbeiter Verbandes ein Landarbeiter- Berbandes den Agrariern wohlgefälliges Dasein führte, hat einen herben Verlust erlitten. erlitten. Sein befannter Borfigender, der deutschnationale Herr Braun, hat, wie wir dem Bressedienst des Deutschen Landarbeiter Verbandes entnehmen, unter Hinterlassung einer leeren Raffe und einer großen Anzahl trauernder Gläubiger feinen Verband in Stich gelaffen. Somit find Hauptgeschäftsstelle, Rechtsschußstelle, Rasse, Redaktion, Bermittlung. Verlag und Verkaufsstelle des nationalen Schweizerverbandes verödet. Ferner hat sich jekt herausgestellt, daß Braun fich weniger mit der Organisation von Schweizern, als mit der von völlisch- nationalen Rampfverbänden beschäftigt hat. Auch den Warenhandel an feine Berbandskollegen hat er auf eigene Rech nung betrieben. Seine Uneigennüßigkeit ging so weit, daß er es fogar unterließ, die Lieferanten Großßirma, zu bezahlen. Auch der Jungdeutsche Orden verliert in fogar unterließ, die Lieferanten der Sachen, eine Nordhausener ihm ein rühriges Mitglied. Das Berhalten dieses Hochstaplers ist der beste Beweis für die Richtigkeit der immer und immer wieder von uns verbreiteten Warnung vor zwerghoften Fachverbändchen, die nicht leben und sterben können, von ihren Mitgliedern große Opfer verlangen, trobem fampfunfähig find; deren Mitglieder feinen Einfluß auf die Führung und feine Kontrolle der Geschäfts- und Kaffen Post- führung haben, so daß man regelmäßig wieder lejen muß, daß groß tuerische Schwindler unter lang bauerndem Schuß der Unternehmer fich ein angenehmes Dasein geleistet haben. Nach diesem Berhalten der Reichsverbandsleitung halten wir es für notwendig, daß unfere Unterorgane( Ortsgruppen, Ortsverwaltungen, Bezirks und Gauvorstände) an die Orts- und Bee zirisgruppen des Reichsverbandes herantreten, um sie darüber zu befragen, ob fie mit dieser Haltung der Leitung des Reichsverbandes einverstanden find. Mit Rücksicht auf die kommende Parlamentstagung ist eine fofortige traftvolle Willensfundgebung der gesamten Beamtenschaft notwendig, die mir nicht nur in Versammlungsentschließungen er bliden fönnen, sondern die entsprechend dem Rundschreiben des ADB. in einer Urabstimmung ihren Ausdrud finden muß. Deutscher Berkehrsbund, Abtlg. Post, Telegraphen- und Fern sprechpersonal. Berlin, den 14. Juni 1924. Algemeine Deutsche gemertschaft. Einigung im Versicherungsgewerbe. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Der Tarifftreit mit dem Arbeitgeberverband deutscher Bersicherungs. unternehmungen, der sich schon seit Monaten hinzog und zu dem in Nr. 255 des„ Borwäris" vom 1. Juni veröffentlichten Schiedsspruch des tariflichen Reichsschlichtungsausschusses geführt hatte, ist nunmehr burch eine am 12. Juni im Reichsarbeitsministerium zwischen den Tarifvertragsparteien getroffene Vereinbarung beigelegt worden, Nach dieser Vereinbarung werden die am 19. Februar festgesezten Tarifgehälter mit Wirkung vom 1. Mai 1924 ab um 10 Broz. er. höht. Die Streitfrage, welche Gehaltssäge im befesten und Randgebiet zu zahlen sind, wurde dahin geklärt, daß rückwirkend vom 1. April 1924 ab nicht die Gehaltsläge der Ortsklasse A, sondern die um 5 Broz. höheren Gehaltsfäße der Sondertarifklasse BerlinHamburg Geltung haben. Die neuen Gehaltssäge tragen durchaus nicht den berechtigten Erwartungen der Versicherungsangestellten voll Rechnung. Das Berficherungsgewerbe wäre auch sehr wohl in der Lage, angemessene Gehälter zu zahlen. Wenn wir trotzdem der vergleichsweisen Erledigung des Tarifftreits auf der vorbezeichneten Grundlage zuge ftimmt haben, so geschah es lediglich deshalb, weil die Aussichten auf eine Verbindlichkeitserklärung des günstigeren Schiedsspruchs vom 28. Mai bei der bekannten Einstellung des Reichsarbeitsministeriums mindestens recht zweifelhaft waren und die Differenz zwischen ben Schiedsspruchsägen und denen der neuen Vereinbarung nicht so erheblich ist, um die Anwendung des letzten gewerkschaftlichen Mittels zu rechtfertigen. Die Arbeitgeber im Versicherungsgewerbe würden Studium des Arbeitsrechts. Profeffor Dr. H. Sinzheimer behandelt in einer kleinen Broschüre ( die im Berlage von Blaret und Bergmann, Universitätsbuchhand. lung, Frankfurt a. M. erschien) die Frage: Wie ftudiere ich Arbeitsrecht?" Zunächst wird die Borfrage behandelt: Was ist Arbeitsrecht? Das Berufsrecht der Arbeitnehmer, das den Arbeitsvertrag, die Arbeitsverfassung, die Arbeitsfürsorge( Arbeitsnachweis, Erwerbslosenfürsorge, Arbeiterpersicherung) umfaßt, wozu noch die Arbeitsbehörden kommen( Gewerbe und Kaufmannsgerichte, Schlichtungsausschüsse, Gewerbeinfpettionen usw.). In der Rechtsentwicklung der lezten Jahre hat sich das Arbeitsrecht als ein felbständiges Rechtsgebilde vom allgemeinen Stamme des Rechts gelöst... Während früher das Recht des Arbeitnehmers im Studium und in der Forschung faum Erwähnung gefunden hat, ist heute das Arbeitsrecht eine besondere Rechtsdisziplin, die ein selbständiges Studium erfordert. as heißt studieren"? Ginzheimer fagt: Unsere Aufgabe ist es, in allem, was wir tun, daran zu denken, ob wir es auch im rechten Geiste tun. Studieren ist mehr wie Lernen. Es genügt nicht, das Recht zu tennen, notwendig ist auch, es zu ver= stehen. Neben die dogmatische Anschauung tritt die reale Anschauung, weiter aber die soziologisch e. Es gibt aber auch feine rechtswissenschaftliche Erfassung des Rechts ohne geschichtliche Anschauung. Hier erst erleben wir den inneren Zusammenhang der Dinge ganz und nehmen wahr, daß auch die rechtlichen Formen ihre eigene Struktur haben, die nicht nur begrifflich gebildet, fondern auch von innen gewachsen ist. Eine solche Kenntnis verbreitet Licht über die Vergangenheit und Gegenwart, aber auch über die Zukunft. Denn indem wir die geschichtlich formenden Kräfte bloßlegen, enthüllen sich die Triebfräfte des Kommen den. Damit fällt unser Blick auf die Einheit alles Lebendigen. Wir versuchen die rechtlichen Erscheinungen auf legte Ideen und ihren Wandel zurückzuführen. Sind nicht auch die Rechtssäke Kulturformen, durchfluten nicht auch sie einheitliche Tendenzen? Das sind Fragen fulturphilofophischer Anschauung des Rechts. Sie führt das Recht ein in das große Reich der Geisteswissenschaft und macht es zum Teil der menschlichen Geistesgeschichte. Es reift der tritische Blick dem geltenden Recht gegenüber, und der fritisch- legislative Gesichtspunkt entsteht. Denn die Aufgabe der Rechtswissenschaft mündet ein in den großen Strom der Kräfte, die auf die Bollendung des sozialen Lebens gerichtet sind, und findet hier ihren legten, frönenden Sieg. In dem Abschnitt: Warum studiere ich Arbeitsrecht? zeigt Sinzheimer auch die Rolle des„ Sydikus" im Arbeitgeberverband. Daß der arbeitsrechtliche Synditus" in den Arbeitnehmerverbänden noch fehlt, sei fein Borzug, sondern ein Mangel. Im Gewirr des heutigen Arbeitsrechts und bei dem praktischen Gewicht seiner Fragen wird es ein dringendes Erfordernis werden, daß auch die Arbeitnehmer verbände arbeitsrechtlich vorgeschulte Hilfskräfte heranziehen. Die Aufgabe des Arbeitsrechts ist die Sicherung der Arbeit für die Produktion, aber auch die Sicherung der Produktion für die Arbeit. Für den größten Teil unseres Boltes ist heute das Arbeitsrecht die Form feiner Eristenz. Seine geistige Durchdringung und innerliche Aneignung ist die Voraussetzung seiner berufsmäßigen Handhabung, und von seiner Pflege hängt das Gedeihen des Volkes und die Kultur seiner Glieder mit ab. Die Beantwortung der eigentlichen Frage: Wie studiere ich Arbeitsrecht? verweist den Studierenden auf seinen eigenen Weg und seine eigene Methode. Der Verfasser gibt ihm vor allem den Rat, sich vor der Zersplitterung seines Geistes zu hüten und seinem Ziel in innerer Ordnung zuzuftreben, Der Stufengang des Studiums wird behandelt, die Art des Studiums, und zum Schluſse werden noch einige beherzigenswerte Mint gegeben. Wird das Programm Sinzheimers für das Rechtsstudium im allgemeinen und das Studium des Arbeitsrechts im besonderen auch nur von einem Teil der Rechtsbefliffenen befolgt, dann werden die Klagen über Klaffenjuftiz geringer und das Butrauen zur Rechtspflege und Rechtsprechung größer. Bis dahin ist noch ein langer Weg, auf dem sich unser Genoffe Sinzheimer auch mit vorliegender Arbeit als Bahnbrecher erweift. Erft Preisabban! Saarbrüden, 12. Juni.( Mtb.) Der Schlichtungsausschuß Saar: brüden zur Regelung der Löhne in der Eiſenindustrie hat gestern in einem Schiedsspruche die bemerkenswerte Auffassung vertreten, daß ein weiterer Abbau der Kohlen und Frachtenpreife sowie eine Ermäßigung der Löhne notwendig ist, um eine Aufrechterhaltung der Betriebe zu ermöglichen. Aus dem Schiedsspruch, der eine endgültige Regelung der Lohnfrage für Ende Juni empfiehlt, ist ersichtlich, daß eine Entspannung der Lage durch die von der Regierungsfommission am 8. Juni mitgeteilte Ermäßigung der Kohlen und Frachtpreise nicht erwartet wird. Von Unternehmerseite war Dor drei Wochen ein Kohlenpreisabbau von 20 Broz. gefordert worben. Angesichts der neuerlichen Entwertung des Franten würde eine Ermäßigung von 15 Broz. heute vielleicht ausreichend fein. Der von der Bergverwaltung zugestandene Kohlenpreisabbau ist jedoch viel zu gering, um die schwere Wirtschaftskrise zu beheben. Man hofft, daß es gelingt, in den Berhandlungen zwischen Behörden und Wirtschaftsorganisationen eine allge. meine Breissen tung herbeizuführen, um eine Serableßung der Löhne, non der man im Augentlid noch Abstand nimmt, zu verhindern. se nala Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnlag, den 15. Juni: 1. Rennen. 1. Twoftep( Raiser). 2. Holiado( D. Schmidt), 3. Tat fraft( Balte). Toto: 46: 10. Blas: 17, 16, 21: 10. Ferner liefen: Blad Bell, Bürgerwehr, Mmenrausch, Brüderschaft, Fata Morgana, Delmora, Aisha, Tiefurt, Senta, Astra. 5. Nennett. 2. Rennen. 1. Lese( Kasper), 2. Wartburg( Reiß), 3. Laufeya ( M. Tarras). Toto: 30: 10. Blag: 16, 16: 10. Ferner liefen: Karara, Puppenjee, Sigrune. 3. Renne it. 1. Bellejus( Raiser), 2. Sanguinifer( Huguenin) 3. Taugenichts( M. Jenzsch). Toto: 68: 10. Platz: 32, 25: 10. Ferner liefen: Mortala, Impresario, Paloma. 4. Rennen. 1. Ganelon( D. Schmidt), 2. Hampelmann( Olejnik), 3. Barde( M. Jentsch). Toto: 14:10. Blag: 10, 11: 10. Ferner lief: Lapis Electrig. 1. Bardes Bruder( Raftenberger), 2. Tanntönig Blak: 15, 12: 10. D. Schmidt), 3. Dorn II( Zorke). Toto: 53: 10. Ferner liefen: Irmsch, Contrahent, Cobria. 6. Rennen. 1. Sheitan( D. Schmidt), 2. Barus( Franzte), 3. Wetterbere( Rosina). Toto: 91: 10. Blat: 25, 58, 41: 10. Ferner liesen: Luror, Alarid, Armadilla, Hansa, Badea, Kriegsgewinnler, Der Main. 7. Rennen. 1. Habatut( D. Schmidt), 2. Fichte( Breege), 3. Mumpis ( Zorte). Toto: 59:10. Platz: 19, 33, 19:10. Ferner liefen: Gripsholm, Märchenzauberin, Robertine, Berseba, Süßes Madel, Riftil, Adria, Nabel. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fricbr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schitowsti; Lotales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei Hierzu brei Beilagen und ,, Blid in die Bücherwelt". Da das Arbeitsrecht noch nicht einheitlich ist und nicht erschöpfend die Beziehungen regelt, für die es bestimmt ist, sondern teilweise noch der allgemeinen Rechtsregelung unterliegt, kann man das Arbeitsrecht nur fennen lernen, wenn man auch das allgemeine Recht fennt, mit dem es in Beziehung steht. Die Frage: Wann be. ginne ich das Studium? wird deshalb dahin beantwortet, daß es nicht am Anfang stehen, sondern erst dann einsehen soll, wenn wenigstens die Kenntnis der allgemeinen Rechts. begriffe und Rechtsgrundlagen auf den Gebieten des öffentlichen Rechts und des Privatrechts vorhanden ist. Ohne diese Voraussetzung wird das Studieren des Arbeitsrechts nicht fruchtbar Berlagsanstalt Baul Ginger 1. Co. Borgari udbrudere sein können." Komische Oper Deutscher Metallarbeiter- Verband Reste- Haus &: Direktion: James Klein 8: Heute zum 30. Male Der große Erfolg! tanzende Trinzessin Operette in 3 Akten von Walter Kollo Allgem. Ortskrankenkasse für B.- Lichterfelde Der 16. Nachtrag zur Sagung ist vom Obarversicherungsamt unterm 2. Juni 1924 genehmigt worden und tritt mit bem heutigen Tage in Kraft Derselbe enthält Abänderungen ber S$ 12, 20, 24, 31, 33 und 98. 105/15 Berlin Bichterfelde, ben 16. Juni 1924. Der Borstand G. Tillack, Borsigender F. Haneberg, Schriftführer. Achtung! Autofchloffer! Achtung! Dienstag, den 17. Juni, abends 7 Uhr, wichtige Funktionär- Sigung der Autoreparaturschloffer Gr.- Berlins im Lotal von Boweleit, Jostystraße 7 Tagesordnung: Lohnbewegung und Mißstände in den Be rieben. Die Ortsverwaltung. Frage Wo kaufe ich billig Schokoladen? Antwort: Nur bei C. Pelz Kottbuser Str. 5 Anzugstoffe Kostümstoffe Mantelstoffe Kleiderstoffe Seidenstoffe Mäntel, Kostume Röcke 2% Rabatt! Allgem. Ortskrankenkasse Berlin- Lichtenberg Eisen& Diamant Traueripenden Der in der Sigung des Raffenausichuffes Dom 21. Mat 1924 befchloffene 16. Nachtrag Kaiserstraße 4. unter hat unter dem 30. Mai 1924 18. 347/24 die Genehmigung bes Oberversicherungsamtes gefunden. Danach werden geändert die$ 8 19, 20, 25, 83 und 34. Druditüde Tind 105/16 Abteilung II: jeber Art liefert preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigyl, 10303. ab Diene ag, den Zigaretten- Engros- Vertrieb Quittungs- Marken 17. Juni 1924 im Raffenlofal erhältlich. 0. Seikel 0. Hamann Schriftführer. Borsigender. Andreasstr. 13( Schles. Bahnh.) Seit 40 Jahren Spezialität Conrad Müller, Schkeuditz- Leipzig ,, Wir haben uns tapfer geschlagen" Jeder Partelgenosse findet die Statistiken der einzelnen Wahlkreise u. alles Wissenswerte im neuen Handbuch Der deutsche Reichstag 1924 Ein e Mark Farbiger Umschlag über 100 Bilder Zu haben: Verkäufe Möbel Metallbetten, Auflegmatraken, Batent Nähmaschinen extra billige Breife. matragen, Chaiselongues Walter. Star Fabrit neuer Maschinen eritflaffiger aarderftrake achtzehn. 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Juni 1924 Sozialdemokratischer Frauentag. 3d mod Am geftrigen Sonntagvormittag trat, wieder im Plenarsaal des preußischen Landtags zu Berlin, die Frauenkonferenz der deutschen Sozialdemokratie zusammen. Die rund 200 Delegiertinnen besetzten die untersten Bankrcihen, der übrige Gaal ist von den Zuhörerinnen gefüllt. Ausländische Genossinnen, mehrere Mitglieder des Parteivorstandes und Bertreter sonstiger Parteiinjtitutionen wohnen der Tagung bei. Marie Juchacz vom Parteivorstand eröffnet die Sigung um 11 Uhr mit dem Hinweis darauf, daß auch die sozialdemokratischen Frauen für die Verwirklichung des Sozialismus arbeiten, der die freie Entwicklung der Persönlichkeit ermöglichen wird. Arthur Crispien begrüßt die Konferenz im Namen des Partei: vorstandes. Die Konferenz soll die Aktions- und Anziehungskraft der Partei stärken. Jede Gefährdung der Existenz, jede Einschränkung der Lebenshaltung wirft zuerst und mit voller Wucht auf die pro= letarischen Frauen. Aber der Haß, der in ihnen entsteht, darf nicht zu nußlosen Attionen führen, sondern muß in vernünftige orgus nifierte Arbeit für die Befreiung der Menschheit umgesetzt werden. Die Arbeit für die sozialistische Gesellschaft wird in ihr kaum nur die gemeinsame Arbeit der Männer und Frauen sein. Für die Aktions fraft der Partei hat der soeben beende Parteitag gute Arbeit ge= leistet, durch die einstimmige Festlegung der nächsten Aufgabe, nämlich der Verwirklichung des Sachverständigen gutachtens und der sozialen Verteilung der Lasten darcus. Im Sinne unferer großen Aufgabe der Erfämpfung des Sozialismus wünsche ich Ihrer Konferenz den besten Erfolg!( Lebh. Beifall.) Minna Todenhagen begrüßt die Konferenz im Namen der Berliner Genoffinnen. Sie weist auf die früheren Verfolgungen hin, auf das erst durch die Revolution beseitigte alte preußische Bers einsgefey, das den Frauen selbst die Mitgliedschaft in politischen Vereinen verbot. Erst die Revolution hat den Frauen das Wahlrecht und das gleiche politische Recht überhaupt gegeben. Die Rednerin gibt einen Ueberblick über die sozialistische Frauenbewegung in Berlin, deren Entwicklung fie ausführlich schildert. Schon 1891 hat das sozialdemokratische Parteistalut den Frauen das Recht der Mitgliedschaft gegeben. Die Rednerin bespricht auch die politische Entwicklung der letzten Jahre und schließt mit dem Befenntnis zur Standhaftigkeit und Treue für die Partei der arbeitenden Menschheit. gibt einen Abriß der sozialistischen Frauenbewegung in Großgibt einen Abriß der sozialistischen Frauenbewegung in Groß britannien, deren solidarische Grüße sie übermittelt.( Lebl). Beifall.) Adelheid Popp- Wien( lebhaft begrüßt): Mit Rührung und Ergriffenheit erfüllt mich der Vergleich der heutigen Zeit mit den Berfolgungen noch bis zum Krieg. Mit ängstlicher Sorge Derbargen die Genoffinnen mein Ausländertum vor der Polizei, wenn ich in Deutschland Versammlungen abhielt. Heute tagt ihr im Parlamentsgebäude! All die Berfolgungen haben uns nur die Be geisterung und den Opfermut gebracht, die eine solche Bewegung braucht. In Wien haben wir über 80 000 politisch) organ fierte Genoffinnen und so ist es im ganzen Staat.( Lebh. Beifall.) Das ständige Wachstum setzte besonders fräftig ein nach der Wahleinbuße von 1920. Wir wollen in Zukunft in derselben Innigkeit mit euch zufammenarbeiten wie bisher.( Stürmischer anhaltender Beifall.) Unter anhaltendem Beifall begrüßt die Vorsitzende die greife Genoffin Ottilie Bader, die der Konferenz beiwohnt. Die dänische Unterrichtsministerin Genoffin Nina Bang ent schuldigt ihr Fernbleiben mit der Ueberfülle ihrer Arbeit, z. B. bei der Ueberwachung der Aemterbesegumg. Sie wünscht der Konferenz besten Erfolg, ebenso Genoffin Bels Belgien.( Beifall.) Das Andenken der verstorbenen Kämpferinnen, por allem Luise Zieg und Martha Demmning- Berlin, deren Marie Juchacz in warmen Worten gedenkt, wird durch Erheben von den Sißen geehrt.stham Nach Konstituierung der Konferenz zu Borsitzenden werden cinstimmig gewählt die Genoffinnen Juchacz, Nemiz und Ryned-wird Tages- und Geschäftsordnung genehmigten mate e In ihrem Referat über die Frau und die Wahlen führte Genoffin Juchacz dann aus: Wir müssen alle Kräfte, auch die Der Frauen, zufammenfassen zum Kampf um die Republik. Der Partei muß zulauf, fommen aus der großen Masse der Frauen, menn der Erfolg beschieden fein foll. Unzulänglich ist die Mitwirkung der Frauen, eine Folge ihrer falschen Erziehung. Bedauerlich ist, ist, daß Bebels Buch troz feines ungeheuren Erfolges noch nicht so gewirft hat, daß Das Frauenwahlrecht fein anderes Frauengeschlecht vor, gefunden hat. Aber die Politisierung der Frauen fann nur ge schehen durch das Recht des aktiven und passiven Frauenwahlrechts. Geit 16 Jahren haben die Frauen das Recht der politischen Betätigung in Bersammlungen. In Zukunft wollen wir für eine ft är fere Bertretung der Frauen im Reichstag forgen. Psychologisch merkwürdig ist, daß ausgerechnet die Deutschnationalen bei der Wahl the Eympathie der Frauen haben. Die Völkischen allerdings und die Sommunisten haben mehr Männer angezogen. Die Frauen der Mitte haben es diesmal mit den Deutschnationalen„ versucht". Es find Frauen von Beamten, des Mittelstandes, Haus- und sonstige Angestellte, Frauen der Fabrik und des Bureaus, die ihrer Klassentage nach zur Sozialdemokratie gehören, die den Deutschnationalen und in Bayern den Bälkischen ihre Stimmen gegeben haben, meil fie sich ihrer Klaffenlage noch nicht bewußt nofsinnen selbst, über ihre Arbeitsmethode, über das geistige Leben unter der Frauen, sind unentbehrlich und werden immer gern gelesen. Politische Aufklärung muß überall geleistet werden von uns, auch und gerade beim Bäder und Fleischer.( Lebh. Zustimmung.) Nach der Mittagspause beginnt die Aussprache. leber 40 Redner und Rednerinnen find zum Wort gemeldet. Bus nächst werden organisatorische Fragen ausgetauscht. Frau Kurfürft- Kiel sagt u. a.: Es haben viele Frauen für die Rechte gestimmt, weil sie nur fühlen, daß es ökonomisch früher besser war als jetzt, weil sie aber der Ursachen nicht inne werden. Da müssen wir noch viel mehr als bisher für Aufklärung forgen; Material und Mittel dazu müssen wir haben. Frau Zabel- Hamburg: Material bringt die Presse genug, vor allem über Parlamente, Gemeindevertretung usw. Unsere Ab geordneten sollten nur Rechenschaftsbericht abhalten. Ein Feldzug gegen den§ 218 mehr Versammlungen mit RSGB.( Fruchtabtreibung) muß eingeleitet werden. Berücksichtigung der Frauen bei der Kandidatenaufstellung. Elf Frau Ziegler- Württemberg begründet einen Antrag auf beffere Bahl der Genoffinnen. Das ist weder demokratisch noch sozialistisch. Frauen in der Reichstagsfraktion das entspricht lange nicht der In Württemberg hat man nicht einmal den vorgeschriebenen Landesparteitag zur Kandidatenaufstellung einberufen. Mich hat man an die vierte Stelle gesetzt. Wir sollten die Forderung Bebels nach Selbständigkeit der Frau bei uns selbst ausführen. In der Schwäbischen Tagwacht" wird uns kein Raum gewährt. ❘tionsmethoden wieder anwenden. Sobald wir nach Verwirklichung Frau Christmann- Barmen: Wir müssen unsere früheren Agitades Sachverständigengutachtens stabile Verhältnisse bekommen, wird es mit unserer Bewegung nieder vorwärtsgehen. Fri. Todenhagen bemerkt zu einem Antrag Mathilde Wurm und Gen. auf Ersetzung des„ bürgerlichen Familienblattes Frauenwelt" durch ein sozialistisches Kampfblatt nach Art der„ Gleichheit", daß die Frauenwelt" zwar ihr( der Rednerin) persönlich nichts biete, aber zur Gewinnung der Indifferenten sei die ganz gut; nur komme sie " an die Indifferenten noch nicht genug heran. Ein Antrag zur Beamtenfrage. Frau Hörreth- Menge( München) befürwortet folgenden Anthit trag Wachenheim: mahlen find laufend genau zu verfolgen, unserer politischen Tätig= feit zugrunde zu legen. Die Partei muß ihre Politik viel mehr fo Elternbeiratswahlen, die Schiebsausschuswahlen find laufend genau zu verfolgen, unferer politischen Tätigfeit unserer Reichstagsfraktion berichten. Frauenwelt" dar. Als er gegenüber einigen Kritifen an der 296 Dr. Lohmann legt die Redaktionsgrundsähe der Modebeilage betont, daß die Parteimitglieder doch nicht über der Mode stehen und z. B. Tony Sender zeige, daß man eine tüchtige Klassentämpferin und doch auch geschmackvoll nach der Mode angezogen sein könne, ruft Frau Ziegler wiederholt und sehr erregt, das sei, unerhört", was mit lebhafter Seiterfeit aufgenommen wird. Der Redner widerlegt dann die Kritik an der Frauenwelt", die weder bürgerliche Vorbilder nachahme noch unfünstlerisch sei. Gerade viele Proletarier wollen in ihren Feierstunden feine Glendsbilder sehen Dia systematische, sozialistische Beein wird mit einem Erfoig geübt, den zahlreiche Briese und Bestellungen fluffung der Leser, wenn auch vielleicht in homöopathischen Dofen, beweisen.( Beifall.) and sen unverminderten Aufmerksamkeit der Konferenz ihre Gedanken über Einige Rednerinnen entwickeln in eindringlicher Weite unter der die Leistung und Ausdehnung der agitatorischen und fürsorgerischen Tätigkeit. Ein Antrag fordert, daß der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt nicht mehr mit der Nothilfe zusammenarbeite. Frau Kirschmann- Röhl( Köln) als letzte Diskussionsrednerin schildert die besonderen Schwierigkeiten der sozialistischen Frauenbewegung im besetzten Gebiet und wendet sich entschieden gegen ein Hineinzerren der Genoffinnen Bartei nicht erfaßt haben. in die inneren Parteidiskussionen, bevor sie die Gedankenwelt der Partei nicht erfaßt haben. " Die Mandatsprüfungsfommission berichtet, daß 114 Delegierte anwesend sind, alle Mandate werden anerkannt. Frau Juchacz fagt im Schlußwort, daß das Zusammenarbeiten der Arbeiterwohfahrt" mit der Nothilfe sich an manchen Orten bewährt habe; man möge die Frage örtlich entscheiden. In einer Anzahl Frauenbeilagen der Parteipreffe stand in der Wahlzeit nichts von der Wahl. Die Genoffinnen müssen sich um die Parteipreffe fümmern, dann werden sie auch den nötigen Einfluß erlangen. Früher haben die Frauenfonferenzen stundenlang die Gleichheit" fritisiert, jetzt lobe man fie auf Kosten der Frauen= welt". Süben wir uns vor Uebertreibungen, und wenn wir Kritik an der Partei oder ihren Einrichtungen üben, so sei sie wohiwollend und gütig!( Lebh. Zustimmung.) Arbeiten wir mit aller Kraft, dann überwinden wir die inneren Hemmungen und sind reif zur selbständigen Tätigkeit. Genoffin Ziegler steht selbst schon zu hoch über den Dingen, als daß sie einen recht feinen Scherz Lohmanns verübeln fönnte.( Heiterkeit.) Mit Hilfe der psychologischen Einfühlung der Männer werden wir Arbeit leisten, die für den Sozia Befühlung lismus brauchbar ist.( Lebh. Beifall.) " Die fozialdemokratische Frauenkonferenz hält für selbstver ständlich, daß bei Aufhebung der Beamtenabbau- Berordnung die verfassungsmäßige Gleichberechtigung der weiblichen Beamten wiederhergestellt wird. Sie ersucht den Parteivorstand und die Reichstagsfraktion, die Bestrebungen, die Ausnahmebestimmungen gegen weibliche Beamte auch für die Zukunft aufrechtzuerhalten, als Bruch der Reichsverfassung zu brandmarken und ihnen auf das energischste entgegenzuwirken." & manis Ferner betont die Rednerin die ungeheure Bedeutung der Be. freiung der Schule von parteimäßigem Mißbrauch zur reaktionären Bolksvergiftung und verdummumg. stars Frau Dr. Wegscheider- Berlin tritt für den Antrag Dresden auf scharfe Bekämpfung des Alkoholismus ein und fordert die Eltern auf, fich für die Schule zu intereffieren. Frau Tünnel- Dresden: Leisten wir mehr für die Par tei, dann werden wir auch nicht mehr über Nichtberücksichtigung bei der Kandidatenaufstellung zu flagen haben. Unser Bezirk Ostfachsen hat als einziger Parteibezirk zwei Genossinnen in den Reichstag gewählt. Für Abtreibungsverbrechen hat Sachsen unter fozialdemokratischer Regierung eine Amnestie erlaffen. Die Leibeigenschaft der Frau gegenüber dem Staat muß beseitigt werden. ( Lebh. Beifall.) " Frau Selbert- Cassel: Die Frauenwelt" ist eine starke Anlehnung an die bürgerliche Sonntagspreffe, ist. fünstlerisch unbefriedi gend und zu wenig in feelische Momente vertieft. Die Frauen welt" follte sich zur zweiten Gleichheit" entwickeln. Die Redaktion müßte allerdings einer Genoffin übertragen werden.( 3uftimmung und Widerspruch.) Ein Antrag, der unter Hinweis auf das bewährte parlamen tarische Zusammenarbeiten von Männern und Frauen bedauert, daß nicht mehr Frauen als Kandidaten aufgestellt wurden, beri weiter befagt, daß die Genosfimmen durch ihre Arbeit für die Partei fich den Anspruch erwerben sollen, daß die Genoffinnen bei Kandidatenaufffellungen in Reich, Staat und Gemeinden sdnbesser berücksichtigt Württemberg, der nur Beschwerde über die Kandidatenaufstellung werden, wird einstimmig angenommen. Damit ist der Antrag führt, ohne die Genoffinnen zur verstärkten Parteiarbeit aufzufor dern, erledigt. adol Dem Parteivorstand überwiesen wird ein Antrag auf AnLuise 3ies. Der Fraktion überwiesen wird ein Antrag, die bringung würdigen Grabschmuckes an der letzten Ruhestätte Aufhebung der§§ 218 bis 219 RStrGB. zu betreiben. Der Antrag Bachenheim wird einstimmig angenommen, ebenso der Antrag Begfcheider auf Bekämpfung des Alkoholismus. Frau Seifert- Birna: Frauenkonferenzen finden zwedmäßiger vor dem Parteitage statt, weil ihre Anregungen sich dann im Parteitag auswirken fönnen. Bei der Beseitigung der SS 218 bis 220 ift befonders auf den Kampf gegen das Kurpfuschet tum zu achten. Die Frauenwelt" wird in Sachsen sehr gern gelesen Wohlfahrtsarbeit wird in Eachfen nicht gemeinsam mit bürgerlichen Organisationen getrieben.( Beifall.) Frau Sachse- Altenburg: Wir müssen i 49 a mehr Frauen zur Wohlfahrtsarbeit und zur tommunalen Tätigkeit mg 5 heranziehen. Das ist die beste Schulung. Frau Niverra- Thüringen: Nicht nur die Resultate der Reichstagswahlen, sondern auch die Betriebsrätewahlen, die Gitrenbeiratswahlen, die Schlichtungsausschußerlebigt. fed Der Antrag gegen die Frauenwelt" erweist sich nicht als ein Antrag an diese Konferenz, fondern als Meinungsausbrud der Elberfelder Genoffinnen, er fommt also auf Anregung Tony Senders gar nicht zur Abstimmung. Damit ist die Tagesordnung and Bors. Frau Ryned schließt die Konferenz mit einer Würdigung ihrer Arbeiten, die gewiß auch Ottilie Baader, die greise Bor fämpferin, zufriedengestellt haben würden. Die dankt den Berliner Genoffinnen für Empfang, Gastfreundschaft und Unterstützung. In den dreifachen Hochruf auf die internationale Sozialdemo fratie ftimmen alle Anwesenden stehend ein und fingen darauf die Internationale. Schluß der Konferenz gegen 7 Uhr abends. Die Politik des persönlichen Regiments Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Bernhard von Bülow, zurzeit in Jaffa, an das Auswärtige Amt. # 19 Jaffa, den 28. Oftober 1898. Odeffa telegraphisch weiterzugeben und von( bort) durch sicheren Das Folgende ift fofort in 3iffern an das Generalfonfulat Expreßboten nach Livadia an seine hohe Adresse en clair zu befördern. Wilhelm II. und der Faschodakonflikt.75 Ende des Jahres 1898 spizten sich die englisch- französischen| Telegrammwechsel mit dem Kaiser, von Rußland über diese Beziehungen sehr ernsthaft zu. Die französische Expedition Situation wieder: M are chand, die im Frühjahr 1897 vom Ubangi her in der Richtung zum oberen Nil aufgebrochen war, hatte schon früh die Aufmerksamkeit der englischen Regierung, die mit großer Eifersucht die englische Befiz- und Einflußsphäre am oberen Nil wahrte, wachgerufen. Als nun Marechand am 10. Juni 1898 mit 8 Offizieren und 120 Senegalejen a scho da am Nil erreichte und besetzte, beschloß die englische Regierung, Ernst zu machen. Der französische Außenminister Delcassé suchte eine Verständigung mit England in bezug auf die Miffionen Marechands einzuleiten, die aber von Lord Salisbury fchroff mit der Erklärung zurückgewiesen wurde, daß England feine durch Eroberungen neu befestigten Befizansprüche auf den Sudan nicht diskutiert sehen wolle. Die Engländer verfind. Diese Frauen müssen wir psychologisch, seelisch zu verstehen fuchen. Die Frauen fühlen sich nicht hingezogen zu den extremen Barteien, aber gerade deshalb ist auch instinktmäßig bei der Sozial demokratie der Platz der Frau. Wir müssen uns psychologisch schuten, um unsere Geschlechtsgenoffinnen in ihrem Seelenleben zu verstehen. Wir müssen uns hineindenken fönnen in eine forgenzermürbte, über. müdete Grau und müſſen unsere Agitation abstellen auf diefe Frauen. Unsere„ Frauenwelt ist feine Nachfolgerin der aj choda Gleichheit"; fie soll es nicht fein. 65 000 Auflage in furzer Zeit erreicht zu haben, ist ein großer Erfolg und zeigt, daß wir auf dem rechten Weg sind. Wie der Baterländische Frauenverein, wie tür gerliche Frauenzeitschriften müssen auch wir Veranstaltungen für die Frauen arrangieren, um fie allmählich für uns zu gewinnen. Durch ständige, stetige Arbeit müssen wir die indifferenten Frauen heronzuziehen suchen. Auch außerhalb der reinen Agitation müssen mir bei unserer Tätigkeit auf dem Gebiete der sozialen Fürforge bemüht sein, unsere Aufgabe in sozialistischem Geifte zu erlangten die Räumung Faschodas, während Delcaffe zunächst füllen, und wir Sürfen nicht zu bescheiden sein, sondern unfere Tätig. darauf bestand, daß Marechand in Fashoda bleiben solle. Der feit auch ins rechte Licht sehen. Jeder foll fid) in Partei und öffent Konflitt spitzte fich fo zu, daß eine friegerische Auseinander fichem Leben betätigen nach seiner Neigung; aber die Frauen find fegung über die weltpolitischen Interessen zwischen England dann auch verpflichtet, die übernommene Arbeit fo zu und Frankreich nahe bevorstand. leisten, daß fie im Sinne der Partei und für die Partei geleistet mird. Die Referentin bespricht dan die wenigen Anträge aus den Dr. ganisationen und weist dabei auf die Frauenforrefpondenz Fin, die der Parteipreffe bereits zugeht, und auf das neugeschaffene Informationsblatt„ Die Genoffin", das mindestens ein. mal monatlich erscheint. Berichte aus der Bewegung, von den Ge Die deutsche Politik verhielt sich abwartend. Der Kaiser bemühte sich, auf dem Wege über den 3aren auf die Parteien einzuwirken. Er war damals auf seiner Orientreise nach Konftantinopel und Palästina. Wir geben in folgendem aus dem 14. Band der„ Diplomatischen Aften des Auswärtigen Amtes" ( Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte) feinen Bülow. An Seine Raiserliche Majestät, den Kaiser aller Russen, Livadia. Länder ihre Flotten mobilisieren. Paris scheint einen Staatsstreich Ich habe aus London und Paris Nachrichten erhalten, daß beide vorzubereiten. Für den Fall, daß ein Zusammenstoß zwischen den beiden Ländern erfolgen follte, würde Deine Stellung ihnen gegen. über für mich von größtem Werte sein. Wie siehst Du die Situation an? Willy. " Bülow. Kaifer Nikolaus II. von Rußland, zurzeit in Civadia, an Kaiser Wilhelm II., zurzeit in Jerufalem. ( Telegramm. Unfignierte Abschrift.) Bom ruffischen Botschafter Grafen von der Often- Saden am 3. November im Auswärtigen Amt zur Beförderung an Kaiser Wilhelm II. übergeben. „Ich habe feine Kenntnis..oon einem drohenden Konflikt zwischen Frankreich und England. Muraview. der gerade von Paris zurückgelehrt ist, berichtete, daß Delcoste ihm.im Gegenteil erzählt habe, daß er keinen Grund zu der Annahme habe, daß der Zwischen soll von Faschoda ein ernstes Mißverständnis zwischen Frankreich und England hervorrufen könnte Ich meine, man sollte in dieser Sache die Ereignisse abwarten, ehe man irgendeine Entscheidung trifft, um so mehr, als es immer mißlich ist, sich ungefragt in die Ge schäfte der anderen zu mischen." Zur selben Zeit erhielt das deutsche Auswärtige Amt eine geheime Mitteilung über ein Gespräch mit M r. Chamber l a i n, in dem dieser von einer bevorstehenden Generalabrech nung zwischen Frankreich und England sprach. Am 5. November beschloß der franzosische Ministerrat, die Mission Marechand zurückzuberufen und gab damit der englischen Forderung nach. Am 11. November stilisierte der Kaiser ein neues Tele gramm an den Zaren, das sich auf die geheime Mitteilung über das Gespräch mit Mr. Chamberlain stützte: Der Staalssekrelär des Auswärtigen Amtes, Bernhard v. Bfiletn*. zurzeit in Baalbek(Syrien), an das Auswärtige Amt. (Telegramm, Entzifferung.) Nr. 128. B a a l b e k, den 11. November 18SS. Ganz geheim. Das nachstehende ganz geheime Telegramm Seiner Majestät des Kaisers und Königs bitte ich durch den Kaiserlichen Geschäftsträger In Sl. Petersburg auf dem dortigen Ministerium des Aeußeren zur Weiterbeförderung an Seine Majestät von Rußland übergehen zu lassen: „Mit bestem Dank für Dein Telegramm vom 8. beeile ich mich, es zu beantworten. Die Berichte, die mich gestern von England erreicht hoben, kündigen an. daß nicht nur die britische Flotte, sondern seit einigen Tagen auch die britischen Landstreitkräfte in der Stille kriegsbereit gemacht werden. Es heißt, daß die britische Kanalflotte irgendwo im Mittelmeer ist, eine Tatsache, die niemals zuvor vorge- kommen ist. Das läßt keinen Zweifel, daß Großbritannien einen plötzlichen Schlag vorbereitet: wie ich aus sicherer Quelle höre, wahr- scheinlich die Annexion von Aegypten und auch des gesamten. Bar-el Ghazal, das den Franzosen gehört. Der Rückzug der letzteren von Faschoda hat in keiner Weise die britischen Ansprüche befriedigt. Die Minister in London haben sich geäußert, daß England sich ohne Auf- sehen zum Kriege vorzubereiten gedenkt und wenn es bereit ist(wenn es nicht vorher gestört wird), plötzlich mit Frankreich„die Rechnungen zu regeln" über den ganzen Erdboll mit einem Schlage. Es wurde hohnlöchelnd hinzugefügt, daß Rußland nicht helfen könne, da Frank- reich knapp mit Geld sei und deshalb unfähig Krieg zu führen: und twß im Winter Rußlands Flotte eingefroren wäre. Da die deutsch« Flotte nicht der Rede wert sei, würde Frankreich gänzlich auf ihre Gnade angewiesen sein. Ich bin überaus erstaunt, daß Graf Mura- view von oll diesen Dingen nichts gesehen und nichts gehört hat. Du wirst zugeben, daß die Situation außerordentlich gefährlich ist und durch den überaus unglücklichen und unzeitgemäßen Rückzug der Franzosen von Faschoda noch gefährlicher gemacht worden ist, der der britischen Gier und skrupellosen Anmaßung einen starken Anstoß gegeben hat. Ich denke im Traum nicht an eine Eirnnischung. After bei ich Sturm sich zusammenbrauen sehe, bin ich»«pflichtet, meine Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, und wünsche meine PÄitrt so weit als möglich mit der Deinigen in Einklang zu bringen für den Fall, daß sich Schwierigkeiten ergeben sollten. Willy." Bülo«. Die deutschen amtlichen Stellen erhoben Bedenken gegen die Absendung des Telegramms. Es wurde umstilisiert und dann schließlich doch abgesandt. Die folgenden Depeschen sind lehrreich für die Einmischung des Kaisers wie für die Stellung der amtlichen Stellen ihm gegenüber: Der Rechskaazler Fürst von Hohenlohe an den Staatssekretär de» Auswärtigen Amtes. Bernhard v. Bülow, zurzeit in Baalbet(Syrien). (Telegramm, Entzifferung.) Nr. 164. Berlin, den 11. November 1898. Das Telegramm des Kaisers von Rußland ist nicht vom 8., sondern vom 3. d. Mts. Es ist nach Eurer Exzellenz Telegramm Nr. 119 höchstwahrscheinlich, daß dasselbe sich bereit» am 7. d. Mts. in Händen des russischen Generalkonsuls in Beirut befand und dann zurückgefordert worden ist, um durch hiesigen russischen Botschafter und hiesiges Auswärtiges Amt befördert zu werden. Soll unter diesen Umständen und bei der durch Lord Salisburys Rede injmifrfjen wenigstens vorläufig etwas beruhigter gewordenen Situation das allerhöchste Telegramm dennoch in dem übermittelten Wortlaut nach St. Petersburg weitergegeben werden? Hohenlohe. Der Stelloerlretende Staatssekretär de, AuswSrflge» Ami«,. Frei- Herr von Rtchthofen, an den Staai,sekre<är Bernhard von Lälow. zurzeil In Rhoda». (Telegramm. Konzept.) Nr. 1KS. Berlin, den 11. November 1898. Durch Wirklichen Legationsrat S le h m et zu entziffern.: Ew. pp. wollen verzeihen, wenn ich mein« lebhaftesten Bedenken gegen Ablassung des kaiserlichen Telegramms an Kaiser Nikolaus aus der Situation, soweit sie hier zu übersehen, hevau« Ausdruck zu geben mich für verpflichtet halte. Meines Erachtens ist es, zumal bei dem in dem Telegramm gegen Graf Murawiew enthaltenen Vorwurf nicht bloß wahrschein- lich, sondern geradezu sicher, daß der Inhalt des Telegramms von Graf Murawiew bei nächster ihm nützlich scheinenden Gelegenheit nach England hin mitgeteilt werden wird. Eine solche Mittel- lung würde die Folge haben, unser ganzes zurzeit freundschaftliches Verhältnis zu England in Frage zw stellen. Andererseits dürften auch Zweifel darüber möglich sein: ob das Telegramm bei Kaiser Nikolaus eine sehr viel verständnisvollere und freund- lichere Aufnahme finden würde als das erste, zumal der schnelle Rückzug srcmzösischerseits aus der Faschodastellung sichtlich unter russischer Pression erfolgt ist. Zudem sind die tatsächlichen Angaben in dem Tele- gramm nicht alle absolut sichere: Einmal ist Graf Meiter- nichs Gewährsmann(der über das Gespräch mit Chamberlain be- richtet hatte) nur von einem, und zwar von dem anscheinend zur- zeit un'edegenen Teil des englischen Ministerium» inspiriert gewesen, l?drnn K' sich laut Auskunft des Oberkommandos der Marine das engli'che Kanalgeschwader, entsprechend älterer Segelorder/ wie alljährlich in dieser Jahreszeit gegenwärtig, und zwar fest dem 31. v. Mts., vor Gibraltar. Selbstverständlich vermag ich nicht zu beurteilen, ob etwa höhere, hier nicht zu übersehende Erwägungen die Absendung des Tele- gramms in fetziger Gestalt Ew. pp. geboten erscheinen lassen. Der Staalssekrelär des Auswärtige« Amte». Bernhard von Bülo«, - zurzeit in Rhoda», an da» Auswärtig« Amt. Nr. 140. N h o d o z, den 13. November 1898... Ganz geheim. �'■;:* Unter Bezugnahme auf Telegramm Nr. 184. Seine Majestät haben dem Telegramm an Seine Majestät den Kaiser von Nußland nunmehr die nachstehende Fassung zu geben geruht: „Mit bestem Dank für Dein Telegramm vom Z., da» ich eben erhalten habe, beeile ich mich, es zu beantworten. Die Nachrichten, die mich gestern erreicht haben, meldeten, daß nicht nur die britische Flotte, sondern seit wenigen Togen auch die britischen Landstreitkräfte in der Stille auf den Krieg vorbereitet werden. Das läßt keinen Zweifel, daß der Rückzug von Faschoda in keiner Weise'den britischen Ansprüchen genügt hat. Die Minister in London sollen sich geäußert haben, daß der Rückzug von Faschoda sich ohne Aussehen zum Krieg« vorzubereiten gedenkt, und wenn es bereit ist, plötzlich mit Frankreich „die Rechnungen zu regeln" über den ganzen Erdboll mit einem Schlage. Es wurde hohnlächelnd hinzugefügt, daß Rußland nicht helfen könne, da Frankreich knapp mit Geld sei und deshalb unfähig Krieg zu führen: und daß im Winter Rußlands Flott««ingefroren wäre. Da die deutsche Flotte nicht der Rede wert sei, würde Frankreich gänzlich auf ihre Gnade angewiesen sein. Du wirst zugeben, daß die Situation außerordentlich gefährlich ist. Ich denk« im Traum nicht an eine Einmischung, aber da ich Sturm zusammenbrechen sehe, bin ich oerpflichtet, meine Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und wünsche meine Politik so weit als möglich mit der Deinigen in Einklang zu bringen für den Fall, daß sich Schwierigkeiten ergeben sollten. Willy." Bülow. Der Stellvertretende Staatssekretär des Auswärtigen Amte» Freiherr von Richthofen an de» Reichskanzler Fürsten von Hohenlohe. zurzeit in Grabows. (Telegramm.)• Konzept von der Hand des Lortragenden Rat» Grafen oon Pourtales. Nr. 22. B e r l i n, den 14. Nooember 1898.'' Fürst Radolin, der im Anschluß an die von Ew. pp. ihm vor- gestern gemachten Mitteilungen die Kaisertelegramm-Angelegenheit oeben mit mir besprach, ist, wie er mir unter dem Anheimstellen der Meldung an Ew. pp. sagt«, der Ansicht, daß auch di« neu« Fassung des Telegramms zü den gewichtigsten Be« denken Anlaß gebe. Fürst Radolin ist nach feiner Kenntnis der Derhältnisie in Rußland ohne jeden Zweifel darüber, daß da, Telegramm sofort nach England werde mitgeteilt werden.. Wenn Seine Majestät ungeachtet des Wortlautes des Zarentelegramm, Wert darauf lege, daß dem Kaiser Nikolaus Aufklärungen im Sinne des Allerhöchsten Telegramms aus Baalbek gemacht«erden,, so empfehle sich jedenfalls nur der mündliche Weg. In erster Linie würde ihm hierfür der Wog durch Qsten-Sacken, ein zweiter derjenige durch Ischirschky angezeigt erschienen. Er selbst sei aber auch jederzeit bereit, sich aus seinem Urlaube heraus zu diesem Zwecke nach Lwadia zubegeben. � Richthofen. Die letzte Fassung des Kaisertelegramms wurde am 14. Nooember noch Petersburg gesandt. Indessen hatte Dil- Helm ll. sich bereits am 9. November oon Damaskus aus in einem Brief« an den Zaren gewandt, der noch schärfer formu> liert war als der erste Telegrammtext. Es hieß in diesem Briefe:' „hier sehen die Leute auf sie(die Franzosen) wie auf«in« sterbende Nation, besonder, seit dem letzten überaus schimpflichen Rückzug der Franzosen von Fasch»' da. Was hat sie eigentlich ergriffen? Nach dieser erstklassig arran- gierten und kühnen Expedition des armen tapferen Marchand? Sie waren in keiner erstklassigen Position und waren in der Lage, uns anderen allen in Afrika zu Hessen, di« ollein sind und der starten Hilf« bedürfen. D« Nachrichten sind hier wie ein Donnerschlag über die östlichen Völker gekommen, niemand wollt« sie glauben! Auf all« Fälle, wenn es wahr ist, was die Zeitungen sagen, daß Graf Murawiew Frankreich riet, diesen törichten Schritt zu unier- nehmen, war er seltsam und außergewöhnlich übel beraten, da er Deinen„Freunden und Verbündeten" hier einen tödlichen Schlqg versetzt hat, und ihr altes Prestiges hier so heruntergebracht hat, daß er sich niemals wieder erheben wird. Die Massem» nennen e» d a« zweite Sedan Frankreichs." Dieser Brief dürfte nicht ohne Larwiffen des Staatssekretärs v. Bülow abgegangen sein. Di« Antwort des Zaren vom 14. Dezember 1898 war abermals entschieden abweisend, wenn auch nicht in derselben Schärf«, wie die erste Antwort des Zaren vom 3. November: „Ich hoffe, daß Englands arrogante Haltung nicht lang anhalten wird. Es schien es sehr ernst zu nehmen beim Beginn seiner Krieg»- Vorbereitungen, aber da es jetzt sieht, daß die Wirkung, di« es auf die Mächte auszuüben hofft«, nicht so groß ist als«» gehofft hatte, so bin ich sicher, daß seine Kriegsstimmung sich bald legen wird." Ueber die Auswirkung der Einwirkungsversuche Dil- Helms II. liegt kein Material vor. Sachlich waren sie Beiträge Sc Isolierung Deutschlands. Zur Beurteilung der Psychologie ilhelms II. sind sie wertvolles Material: der unüberlegte und wichtigtuerische Eifer, der Mangel an Festigkeit zur Abwägung der Tragweite seiner Entschlüsse, das selbstherrliche Eingreifen in die Arbeit der Amtsstellen sind die Charakterzüge. die bei Wilhelm II. immer wiederkehren. der Keichsbeamtentag. Als zweite Sonderveranstaltunz reihte sich am Montag an den Parteitag ein Reichsbeamten tag der Sozialdemokra« tischen Partei Deutsch! and». Im Namen des Parteivor- stände» begrüßte Genosse Dr. Adolf Braun die sozialdemokratischen Beamtenvertreter aus dem ganzen Reiche. In aufbauender Tätigkeit für den Staat zu wirken, fei heute die ganz besondere Aufgabe der Sozialdemokratie, die im Kampf um die D e r t e i d i. gung der Republik an der Spitze steht. Die Beamten al» der sichtbore Ausdruck des Staate» seien von ausschlaggebender Bedeu- tung bei dieser Verteidigung der Republik. Nachdem noch de» ver- storbenen Genossen Franz Krüger gedacht war, erhiell dos Wort zu einem Referat über:„Die Partei und der Staat" Genosse Hermann Müller: Wir müssen bis zu den Anfängen der Partei zurückgehen, wenn wir uns klar werden wollen über das Derhältnis von Partei und Staat, denn die Vergangenheit' der Partei ruht bis heute noch auf diesem Verhältnis. Die Partei ist vor mehr als sechzig. Iahren gegründet worden als eine Klassenorganisation des Pro- letariats. Zwar gehörten bereits in den Anfängen ein« Reih« oon Intellektuellen zu. der Partei in führender Stellung, und Lothar B u ch e r, der Testamentsoollftreckor Lasialle», bezeugte als Beamter der Partei seine Sympathie. Aber der Staat von damals mar ein zerrissenes Gebilde, zusammengefaßt im Bundestag in der Ischenbeimcr Gasse in Frankfurt. An der Tagesordnung jener Zeit standen die Berfassunaskämpfe. Im preußischen Parlament war die aste Anffasjung vom Staate, dem man lediglich die militärische, nj» HnnxtHiit* m* richterlche tdrirtiA MM»""' vorher rschenft. Der Arbeiterklasse gegenüber zeigte dies« Staat seine« vollen Klassen�arakter, so daß sich eine scharfe Stellung gegen den Staat im Prv.'.:äriat ohne weiteres ergab/zumal der Staat be- reit» in jener Zeit gleichzeitig der größte Unternehmer. wurde. Roch 1871 machte die ökonomisch gestärkte Bourgeoisie ihren Einfluß auf den Staat erst recht geltend. Aber Bismarck vermochte doch bis zu seinem Sturz absolut zu regieren. vis heute leiden wir daran, daß das deutsche Bürgerlum im Gegensah zum englsschen, französischen, belgischen und skandinavischen niemals{eine Macht durchzuseheu vermocht hat. Mit der Zeit entwickeste sich denn auch Mit der Zeit antwickelt« sich dann auch der Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Sozialdemokratie immer mehr. Nicht nur die Sozialdemokratie hat als republikanische Bewegung eine starke Opposiiionsstellung zum alten Staat eingenommen, und die sozialistischen Parteien der meisten arideren Länder, die meist Monarchien waren, standen ebenso in Opposition zum Staat. Die briste französische Republik, ebenfalls ein Kriegskind wie die deutsche, hatte sich zunächst auch mühsam auseinanderzusetzen mit den monarchistischen Gegenströmungen, deren Expcrient M a c- Mahon erst Endo der siebziger Jahre vertrieben werden konnte. Der Kampf um dos Problem Staat entbrannte denn auch zunächst m der französischen sozialistischen Partei, zumal als M i l l e r a n d und späte? dann L r i ä n d und D i v i a n i irr bis Regierung delegiert wurden. Interessant ist dabei, heute daran zu erinnern, daß der internationale Kongreß in Paris im Jahre 1999 eine Resolution von K a u t s k y annahm, die erklärt, daß man die Macht nicht stückweise erobern könne. Später gesellte sich, nachdem in Konflikten zwischen Kapital und Arbeit der Staat mit ieiner Macht «inzugreifen sich veranlaßt sah, das Problem der Mittel- b er eilst ellu n g für den Staat dazu. Auf dem Parteitag iu Dresden hat sich di« deutsch« Partei bekanntlich für die Budgtwerweigerung ausgesprochen und auf Antrag des linken Flügels der Franzosen wurde. dieser Beschluß in Amsterdam auf die International« übertragen. Der Charakter des Klassenstaates hat sich bis zum Kriege jcbon am besten dur«b das D r e i tlaf sen w a hlr e ch t in Preußen maniststiert. Aber die Ludgelbewilligung am 4. August 1914 war nicht ein Sieg Lassalles üb«' Marx, wie es Lassa llcs Historiker Oncken hinstellt, sondern ausschlaggebend war die Auf- assung Bebel», der nicht allzu lange vor seinem Tode in der Sudgetkommsssion erklärr hatte, daß es, wenn es zum Kriegs käme, um nicht mehr und nicht weniger als um S e i n u n d Nichtsein Deutschland» ginge. Der Krieg hat da» bewiesen, auch wenn Bebel dm Verlauf des Kriege» im einzelnen nicht voraussehen tonnte, 1 oedern der alte Molrte in der Frage der Dauer des Krieges gegen Bebel recht behalten hat. Während des Krieges hat dann B e t h m a n n H o l l w e g den versuch gemocht, die Massen draußen in den Schützengräben' für die Zukunft mehr am Staate zu rnter- esiieren. Die Wohlrechtsfrage wurde arifg-srolli. Aber de r Wider- stand der Junker konnte nicht gebrochen werden, zumal die Oberste Heeresleitung auf ihrer Sei« stand und der Hauptverant- wortsiche, der heutige Reichstagsabgeordnete Luderidorss. der von der Bourgeoisie bejubelt wird. Di« Entscheidung über die Demokrati- sierung Deutschland« fzgi bei Saloniki, wo unseren Feinden der Dirnhbruch gelang, und die Bulgaren daraufhin abfielen. Da begriff man. daß ein» Wendung kommt und man berief den Prinzen Max. der jedoch nur ein« parlamentarische Regierung mit Einschluß der Sozialdemokraten bilden wollte. Reuwahlerr waren«ine Uirmög- lichkeit. aber es mußt« gehandelt werden. Obwohl wir uns sagten, daß wir in den Konkurs des Reiches hineingezogen werden, war die Verantwortung doch so groß, daß wir die Teilnahme an der Re- gierung be�chlcssen, und Scheidemaiin. der absolut nicht wollte, Dauer und David entsandten. Di« Revolution war kein elementarer Aus- bruch der Massen, sondern zunächst der Zusammenbruch de» mili- «rischen System», vi» Revolution siel zichnrnnen mit der schwersten militärischen Niederlage, die je ein Volk erlitten hat. Rein staatsrechtlich betrachtet, hatten wir in Deutschland bis zu den Wahlen zur Nationalversammlung eine Diktatur de» Prole- tariat». Ewig wird anerkannt werden, daß die Sozialdemokratie e» damals verstanden hat, da» Ableiten der deutschen Verhältnisse in den Bolschewismus zu verhindern und ihren demokratischen und ioziolistisch«? Grundsätzen den Boden zu«rhalren. Die Revolution auszunützen gelang nicht wegen der Verhältnisse der Zeit, die die Probleme der Ernährung und der Rückführung des Heere» in den Vordergrund schoben. Die Spaltung der Arbeiterklasse, die Tätig- kert der Spartakushausen wirkte lähmend und gegen den Einheit». stoat machte sich sofort ein autzerordentlich starker Partikularlsmu« bemerkbar. Ausländisch« Kreise, vor allem die ftanzösischen Militär», hätten in jener Zeit bolschewistisch« Experiment« in Deutschland nicht ungern gesehen, ich bin der Ueberzeugung, daß di« rheinisch- westfälisch« Großindustrie sich unter ihre Bajonette flüchte« würde. Daß e« trotz allem gelungen ist. am 11. August 1919 die Verfassung unter Doch und Fach zu bringen, wird als eine» der größten ver- dienste der Sozialdemokratie für alle Zeiten gebucht werden. Die!« Dersäsiung gibt dem Volke alle Macht, wenn da, Volk sie ausnützi. vorauf spekulieren aber auch die Segner des heutigen Staate», die mit dieser Verfassung der Republik zuleide gehen wollen. Me hak sich die Sozialdemokratie zu diesem neuen Staat zu stellen? . Trotzdem er., ökonomisch betrachtet ein Alasienstäat ist, müssen wir diesem Staat, den wir mityeschaffen haben und der un» ein Feld für. die Durchführung unserer Ziele ist. anders gegenüberstthen al, der alten Monarchie. Schon Engel» hat d!« Republik als den Kamps für die Durchsetzung unserer Ziele bezeichnet. Zur verteidi. gung dieses Staate» sind wir vorläufig aus die verfasiungspmteien neben un» angewiesen. Für die Erhaltung de? Staates. den wir in Weimar geschaffen haben, ist di« De- motratisierung der Verwaltung die wichtigste Voraussetzung. Gewiß glaubt die Partei nicht, daß die Er- »berung der Macht mit Ministerportefeuilles beginnt. Aber von Bednttung ist doch di« Besetzung der führenden Stel- l e n, denn«in großer Teil de» veomtenstabes wird, wenn eine richtige Führung vorhanden ist, die Anweisungen der Führung auch loyal ausführen. Nicht» ist bezeichnender, als daß Hergt bei der jüngsten Negierungsbildung in den fünf größten deutschen Ländern, also vor allem in Preußen und Sachsen, aber auch m Boden, ein« homogen« Regierung, d. h. eine sozialistenrein« Regierung gefordert hat. In den reaktionären Kreisen weiß man. welch« Bedeutung der Reichsrat für die staatsrechtliche Entwicklung hat. Wir würden jedsn Einfluß auf di« Bureau- kratie verlieren, wenn wir zu erkennen gäben, daß wir nie und nimmer in«in« Regierung gehen. Den Staat wie er ist, haben wir am besten da verteidigt, wo wir in der Regierung gewesen sind. Im Interesie der Demokvoli«, der Republik und unserer Partei ist es notwendig, daß die Parteigenossen, die wir berufen. die sachliche Eignung haben, um ihren Posten auszufüllen. Unge. eignet« Elemente schaden der Partei um so mehr, alz die öffentliche Meinung von heul« viel stärker und die Kritik der Press« an den öffentlichen Dingen schärfer ist als stüher- Wir müssen unser« ganz« DI acht dahin ausüben, daß die Diener de» Staate, auf de» Boden der Staatsversassung stehen, verhindert muß werden, daß die Repubti» aushört, Volksrepublik zu fein, daß sie zur Geldfackre publik wird. Di« Konstellotion � in England und Frankreich ist geeignet, die demokratisch: n Kräfte in Deutschland zu stärken. Di« demokratische Republik ist nur möglich, wenn«s der Sozialdemokratischen Partei gelingt, den Staat mit ihren Idealen zu durchdringen, au» ihm den Volksstaat zu machen, den wir all« wünschen, den vor allem aber auch die Beamten zu wünschen baben. (Lebhafter Beifall.) � Den»usführungen Hermann.Müllers folgte ein Reseyai von Geheimrat Dr. Slcgbrecht:„Die Beamtenpolitik der Sozialdemokratie wobei der Rednsr zunächst seinem B«. dauern Ausdruck gab. daß drejer Ptamt-ntaa n-cht vordemPar. ittiUf hat.