Nr. 2S2 4 41. Jahrgang Busgabe A Nr. 145 Bezugspreis: Wöchentlich 70(Solbpfennlg, monatlich 3,—(Bolbmacf voraus zahlbar. Unter ftteuzbanb für Deutschland. Danziz, Saar» unb Memelgebiet. Oesterreich, Uilauen, Luxemburg 4L5 Golbmari, sür das übrige Ausland 3,23 Goldmari pro Monat. Der..Borwärts' mit der Sonntag» beilage„Voll und Zeit" mit„Sieb, lung unb Kleingarten-, sowie der Unterhaltungsbeilage„Heimwelt- unb iZrauenbeilage„Frauenstimme- erscheint wochcntäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, Telegramm-Ahrcsse: „Sozialdemolrat Berlin- Morgenausgabe l« Goidpfennig 100 miliar den ) Devlinev Volksblatt Anzeigenpreise: Die einspaltig» Nonpareille» Zeile 0,70 Goldmark, Rellamczeil» Doldmark.„Kleine Auzeigen- da» fettgedruckt« Wort 0,20 Gold» mark(zulässig zwei settgedruckle Wort«), jede» weitere Wort 0.10 Soldmark. Stellengesuche da, erste Wort 0,1g Eoldmark. jede» weitere Wort 0,05 Doldmark. 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Di« Erklärung, mit der am Diensiag das Ministerium H e r r i o t vor die beiden Kammern getreten ist, betont«inleitend, daß die neue Regierung es für ihre Pflicht halte, das politische Wollen des französischen Belkes, wie es der Ausfall der Wahlen zum Ausdruck gebracht habe, in Taten umzusetzen. Im Innern wie nach außen habe die neue Regierung nur ein Ziel: dem Lande in der Arbeit und auf dem Wege des Fortschritts den Frieden und zwar zunächst den moralischen Frieden zu geben. Wenn da? neue Ministerium sich entschlossen habe, die Gesandtschast beim Vatikan nicht beizubehalten und das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat wieder in Anwendung zu bringen, so geschehe das keineswegs im Geiste der Verfolgung oder der Intoleranz. Es wolle damit lediglich die notwendige Unter- fcheidung zwischen den Gebieten der Religion und denen der öffentlichen Angelegenheiten wiederherstellen. Nicht minder größeren Wert lege die Regierung darauf, Frank- reich den sozialen Frieden zu geben. Um ihre Absichten durch Taten zu beweisen, habe sie bereits am Diensiag einen Gesetz- «ntwurf eingebracht, der von der allgemeinen Amnestie nur di« H o chv er ä t e r und-diejenigen, die sich ihrer militärischen Dienstpflicht entzogen hoben, ausschließe. Sie werde weiterhin. die W i ed er e i n p e ll u n g der nach dem Streik von 1920 entlassenen Eisenbahner in die Wege leiten, und um die parlamentarischen Garantien wiederherzustellen, habe sie die Aufhebung des Ermächtigungsgesetzes bean. lragt. Als ihre wichtigste Aufgabe sehe sie eine gründliche Reform der inneren Verwaltung an. Den Beamten oerbiete die Regie- rung nicht, sich in Berussverbänden zu vereinigen. Sie gewähre chnen ausdrücklich das Koalitionsrecht, aber sie werde, wenn die Beamten dieses Recht gegen die Interessen der Bolksgesamtheit mißbrauchen sollten, mit allen ihr nach Gesetz und Rechtsprechung zu- stehenden Mitteln einschreiten. Die Kammer werde sich schon in allernächster Zeit über eine Reform des Wahlrechts auszusprechen haben. Unter den gegebenen Umständen erscheine der Regierung die Arrandissements-Wahlen(Einmänner- Wahlkreissystem. Red d.„V.") mit entsprechenden Verbesierungen und ausreichenden Schutzmaßnahmen gegen Mißbrauch das klarst«, �rechtest« und sauberste Wahlsystem. Um die völlig« Angliederung Oon Elsaß-Lothringen zu beschleunigen, werde sie das Generalkommissariat aufheben und unter Schonung der berechtigten Interessen der Bevölkerung die Einführung der französischen Gesetz- qebung in den wiedererobcrten Provinzen fördern. In den zer- störten Gebieten werde sie mit allen Mitteln den Wiederaufbau seiner Vollendung entgegenzuführen versuchen. Ueber das sozial« Programm veioreitet sich die Regierungs- erklärung wie folgt. In einer wahren Demokratie gebe ez ein stabiles Gleichgewicht nur in der Bewegung. Deshalb werde das neue Ministeium die Errungenschaften der Arbeiterschaft nicht antasten lassen. Sie werde das Gesetz über den Achtstundentag aufrecht- erhallen, das die materielle und moralische Situation der Fest- besoidelen schon wesentlich verbessert habe. Sie wünsche die p r o mpte Ratifizierung der auf den internationalen Arbeitskonferenzen von Washington und Genf zustande gekonimenen Berein- barungen. Die Erklärung kündigt sodann die Beibehaltung und Mo- dernisierung der staatlichen Industriemonopole, die Durch- fül, rung einer Sozialversicherung,„die den wichtigsten Faktor der Produktion, den Arbeiter und Bauern, gegen Arbeitslosig- keit und Krankheit, die Unbilden des Alters und der Arbeitsunfähig- k-eit sicherstellen soll", und«ine Reform des Bildungs- w« s e n s an die den Ausstieg in die höheren Schulen n i ch t m e h r von dem' GeldbeutG-seMchast in sechs Bänden vor dem Kriege im Inlelverloge erscheinen ließ, soll verbessert und vermehrt neu hcrauSlommcn. Wiederaufbau de» Goelheanam» la vornoch. Di« Tbcosopben wallen den vor einigen Jahren abaebrannlen Theosovh-nt-mp-l. da. sogen. Äoetheanum in Dörnach fSchweiz) wieder ausbauen. Ter Theosopben. sichrer Dr. Steiner hat sich-u diese« flweck an da» Baudepartement von Eolochurn gewandt und diesem die neuen Pläne vorgelegt. Der Reichsbeamtentag. Tie Forderungen der sozialdemokratischen Beamten.' Der zweite Tag begann mit der Fortsetzung der Diskussion über die Reseratc der Genossen Müller, und Wieprecht. Nach dem Schlußwort des Gen. Wieprecht wurden Anträge solgenden In- Halts einstimmig angenommen: Beförderung von Kriegsbeschädigten ohne Zu- rücksetzung wegen ihrer Kriegsverletzungen. Sicherung der Beamtenrechte bei der Umstellung der Reichsbahn auf Grund des Sachverständigengutachtens. Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte gegenüber den Beamtinnen, die vom Abbau betroffen werden. Protest gegen die letzt« Besoldungsregelung und die Forde» rung, daß das Sponnungsverhältnis zwischen den u n- tcrcn und oberen Gruppen aus das Verhältnis im ersten Besoldungsgesetz zurückqeführt wird. Zuerkennung der Rechte und Pflichten der Landesbeam- t e n auch an die Schutzpolizeibeamten. Vorschußzahlung für die Beamten der unteren Klasien auf GruNd der Besoldungsneuregelung noch im laufenden Monat. Hierauf berichtete Gen. Wäger über die„O r g a n i s a t i o n s- fragen". Er führte aus/ daß die Inflationsperiode sich auch in der organisatorischen Entwicklung der Beomtenbewegung außer- ordentlich bemerkbar gemacht hat. Nach Stabilisierung der Ber- Hältnisse wird nun wieder„Der freie Beamte" ab 15. Septem- ber erscheinen und damit den Funktionären ein wirksames Agita- tionsmittel in die Hand gegeben. Für ein« genügend« Abonnenten. zahl habe die Beamtenschaft Sorge zu tragen. Monatlich soll Ma- terial über die Tätigkeit der R e i ch s t a g s fr a k t i o n an die Bezirke gesandt werden. Die Tätigkeit der Beamtenzen- t r a l e könne sich nicht so auswirken wie das im Interesse der Partei und der Beamtenschaft wünschenswert gewesen wäre. Diesem Uebelstande soll in Zukunft durch«ine eng« Verbindung mit Parteivorstand und den F r ak t i o n e n abgeholfen werden. Während in Sachsen sich die Organisation vorbildlich ausgewirkt hat, traf das auf den größeren Teil der andere Bezirk« nicht zu. Durch Einstellung abgebauter Veomtengenossen werde den Bezirksorgmiisationen Gelegenheit gegeben, Beamten- organisation und Agitation in wirksamer Weise zu unterstützen. Be- sonderer Wert müsse daraus gelegt werden, daß die Beamten sich mehr als bisher innerhalb der Partei betätigen. Die B e- z i r k s b e a m t e n t a g u n g e n, die sich bisher gut bewährt haben, seien in Zukunft gemeinsam mit den Bezirkstagungen abzuhalten. Einem allgemeinen Wunsch der Beamtenschast, Reichs- beamtentag« anzuberaumen, soll in Zukunft Rechnung getra- gen werden, da nach den bisherigen Erfahrungen ein dringendes Bedürfnis dazu vorliegt. Der gewünschten Herstellung von neuem Werbematerial soll in Zukunft Rechmmq getragen werden: auch ist die Herausgabe eines Beamtenhandbuches für die Beamtenfunttionäre in Aussicht genommen. Voraussetzung für eine wirksame organisatorische Arbeit sei die enge Verbindung zwischen der Bezirksorganisation und den Beamtenausschüssen. Bei einer sachgemäßen, den örtlichen Verhältnissen angepaßten Anwendung der Richtlinien für den organisatorischen Aufbau der Beamtenaus- schüsse werde auch ein erfolgreiches Arbeiten möglich sein. Eine größere Anzahl Anträge wird dem Parteivorstand als Ma- terial überwiesen. In der Aussprache kam allgemein zum Ausdruck, daß«in« Umformung des zurzeit bestehenden Beamtenbeirats unbedingt erforderlich sei. Ein entsprechender Antrag wurde an- genommen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Tagung geschlossen._ die Opfer des Ruhrkampfes. Die sozialdemokratisch« R e i ch» t a g» fr a kti o n hat, wie wir bereits gemeldet haben, die Einsetzung eines porlamenta- rischen Untersuchungsausschusses gefordert, der 1. die Richtlinien für die Betreuung der Opfer des Ruhrkampfe« nachprüfen und die Beschwerden sichten. 2. Hilfsmaßnahmen für die wirt- schaftlich Geschädigten vorschlagen und 3. der Wohnungsbe- f ch o f f u n g seine besondere Aufmerksamkeit schenken soll. Ueber die Hilfsaktion für die Opfer des Ruhrtampfes erfahren wir aus dem Ministerium für die besetzten Gebiete, daß über die grundsätzlich« Gestaltung der Richtlinien keine Beschwerden vor- liegen. Die Beschwerden betreffen in der Hauptjach« nur die Hand- hobung der Richtlinien durch gewisse örtliche Unter- o r g a n e, wie das auch schon früher bei vielen Hilfsmaßnahmen für das besetzt« Gebiet der Fall war. Bei den Maßnahmen für die wirtschaftliche Sicherstellung der Zurückkehrenden handelt es sich in erster Linie um die Sorg« für die Geschäftsleute und freien Berufe, da die Beamten ihre Gehälter weiter beziehen und bei Wohnungsbefchlagnahmen durch«in gesetzmäßiges Verfahren auf Grund des Okkupations- leistungsgefetzes schadlos gehalten werden. Für die Geschäftsleute und freien Berufe ist eine Regelung im Werden, die zunächst einmal mit Zuschüssen Hilf« schassen will. Die schwierigste Aufgabe liegt in der Frag« der Wohnung s- b« s ch a s s u n g. Es kehren Tag für Tag Gruppen von Eisen» bohnern, meist etwa 1lX> Mann stark, ins besetzte Gebiet zurück. Die Zurückgekehrten sprechen aus den Rathäusern vor und vec- langen zunächst Wohnung, da ihr« bisherigen Wohnungen von Regieeifenbahnern benutzt werden. Es gibt dabei oft unerquickliche Szenen, wie gewisse Borsäll« in Koblenz. Bonn und Düsfeldorf zeigen. Run hat das Reich im besetzten Gebiet bis vor kurzem eine große Bautätigkeit entfaltet. Es wurden«ine Reihe von Wohnungsbauten für die Besatzung auegeführt, die von der Be- satzung nichr in Anspruch genomnien werden, zum großen Teil aber aus Mangel an Mitteln nicht fertiggestellt werden konnten. Der neu« Reichsetat sieht hierfür ebensalls kein« Mittel mehr vor. Diese Bauten sollen nun an die Gemeinden oder an Bau- genossenschaften vertauft und der Erlös aus dem Dertauf soll für die Fertigstellung der Bauten verwandt werden. Dos:st der einzige Weg. die furchtbare Wohnungenot im besetzen Gebiet zu beheben. Die Wohnungsämter haben vor kurzem noch die be- sondere Anweisung erhalten, die zurückkehrenden Opfer des Ruhr- kampfes bei der Vergebung von Wohnungen in erster Linie zu be- rücksichtigen. Amsterdam 17. Juni.(Eigener Drahtbericht.s Der Inter. Nation ale Transportarbeiterverband hat auf Ber- anlassung des Deutschen Eisenbahnerverbandes ein« internationale Aktion sür die F r e i l a s s u ng der zu Gefängnisstrafen verurteilten deutschen Eisenbahner im besetzten Gebiet«ingeleitet. Nach einer Denkschrift des Verbandes der deutschen Eisenbahner befinden sich allein im Gefängnis zu Mainz 32 Eisenbahner, die insgesamt zu 92 Iahren Zuchthaus verurteilt worden sind.(Ein Teil ist in» zwischen freigelassen worden.) Der International« Transportorbeiter- verband hat fein« nationalen Orgonisatlonen veranlaßt, bei ihren Landesregierungen ihren ganzen Einfluß für die Befreiung der deutschen Eisenbahner aufzubieten. Preußen und Thüringen. Auf ein« soz'aldemokratisch« Anfrage erwidert: der lhüringischc Etaalsminister Leuthäuser, daß die thü- ringische Regierung weder mitPreuhennochmitBayern wegen eines Anschlusses des Landes Thüringen an eines dieser Länder Verhandlungen gepflogen habe. Die thüringische Regierung stehe auch den Gerüchten vollständig fern, Verschiebung der Reichstagssitzung? Für die nächste R e i ch s ta g s si tz u n g war der 24. Juni in Aussicht genommen. Der Rcichstagspräsident Wallraf Hot den dringenden Wunsch, an diesem Termin festzuhalten, und er wird darin von verschiedenen Parteien, auch von seiner eigenen, der Deutschnationalen Volkspartei, unterstützt. Andererseits sind aber auch Wünsch« wegen Verschiebung der Sitzung an dcn Präsidenten herangetreten. Die wichtigen Gesetze, die zu dem Sachverständigen- gutachten gehören und an deren Fertigstellung beschleunigt von der Reichsregierung gearbeitet wird, werden voraussichtlich kaum vor Mitte Juli für die Einbringung an den Reichstag reif fein, da darüber vorher auch noch mit den Vertretern der Alliierten ver- handelt werden muß. Präsident Wallraf wünscht trotzdem den baldigen Wiederzusammentritt, da der Reichstag zunächst Arbeits- stoss durch ein« große Reihe von Anträgen und Interpellationen hat und auch anzunehmen ist, daß inzwischen der Reichshaushaltsaus. schuß einige Kapitel des Reichshaushalts zur Verhandlung Im Plenum vorbereitet haben wird. Der Präsident hat. um den Termin der Plenarsitzung zu bestimmen, den A e l t e st e n r a t des Reichs» tag«? auf Mittwoch nachmittag berufen. Treibereien gegen Scheidemann. Koalitionsschlappe in Kassel. Kassel, 17. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In der Kasseler Stadtverordnetenversammlung hatten am Montagabend die Deutsch- nationalen und Völkischen einen Mißtraucnsantrag gegen den Oberbürgermeister Scheidemann eingebrocht, um einen Teil der Versprechungen einzulösen, die sie ihren Wählern vor dem 4. Mai gegeben hatte. Der Antrag wurde, da sich die Demokraten und das Zentrum völlig ins Schlepptau der Reaktion nehmen ließen und sich der Stimme enthielten, mit 24 gegen 19 Stimmen ange. nommen. Trotzdem ist es der Rechten, da die Stadtverordneten» Versammlung 55 Stadtverordnet« zählt, nicht gelungen, die Mehr» heit der Stadtverordnetenversammlung sür ihr Mißtrauensvotum zu gewinnen. Vielmehr vereinigten sich auf einen s o z i a l d e m o. k ra ti s ch e n Antrag, der in seinem Inhalt ein« Vertrauens- erklärung für den Oberbürgermeister enthielt, mehr Stimmen als auf den deutschnationalen Mißtrauensantrag. Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion richtete daher zum Schlüsse seiner Aus» führungen die Bitte an den Oberbürgermeister, an seiner Stell« zu bleiben. Der Graff-prozeß." Tie Aussagen des zweiten Angeklagten. Stettin, 17. Juni.(WTB.) In der heutigen Bormittagssitzung des G r a f f- Prozesses gab der Angeklagte Engel er eine Schilde- rung der Tat. Engeler gibt auch an, daß er drei Schüsse durch die Scheibe der Siraßenbahn auf den belgischen Leutnant Grafs ab- gegeben habe. Erst am anderen Morgen will er erfahren haben, daß der Getötete nicht Schmitz, sondern Grafs gewesen ist. Engeler ist dann mit Leutnant Sander nach Stettin gefahren. Hier hat Sander ihm 5l)l)l> M. gegeben. Später will er in Stettin Koros getroffen haben. Engeler ist dann auf einem pommerschen Gut als Wachtschutzbeamter untergebracht worden. Die in Aachen Verurteilten will Engeler nicht kennen, bis auf Leutnant Reinhardt, denn er vom Sehen kannte. Bei der weiteren Vernehmung gibt Engeler zu, daß er sein« Teilnahme an der Tat überhaupt in dem Augenblick bestritten habe, als er nach Aachen zur Vcr- nehmung vor dos belgische Kriegsgericht gebracht werden sollte. Er hat sich zuerst auch geweigert, in eine Vernehmung durch belgische Richter einzuwilligen. Erst nachdem ihm die belgische Zusicherung freien Geleiis schriftlich vorgelegt wurde, hat er sein« Weigerung ausgegeben. Bei der Vernehmung in Aachen, die vor belgischen Richtern in Gegenwart eines deutschen Staatsanwalrschastsrates stattfand, hat Engeler zuerst ebensalls bestritten, drei Schüsse aus Grasi abgegen zu haben. Später aber hat er dann auch in Aachen zugegeben, daß er geschossen habe. Bei der Tat- schilderung gibt Engeler an, daß er geglaubt habe, der Belgier wollte, nachdem Kaws den Schuß abgegeben hatte, auf ihn, Engeler, schießen. Erst aus diesem Grunde will er die Schüsse abgegeben haben. Die heutigen Erklärungen des Angeklagten Engeler stehen, wie ihm vom Vorsitzenden vorgehalten wird, im Widerspruch mit dem Geständnis, dos er abgelegt hat, als ihm dos Urteil im Aachener Prozeß bekannt wurde. Engeler hat früher angegeben, daß bereits am Nachmittag vor der Tat davon gesprochen worden sei, daß man den Schmitz, den Mörder Chmilewskis, suchen wolle. Engeler erklärt jetzt, daß er erst abends durch einen Schutzpolizisten, der auf der Wache stand, erfahren habe, daß Schmitz der Mörder des Chmilewski gewesen ist. Es folgt dann die Vernehmung Schwirrst s. Er schil- dert ausführlich und freimütig die Vorgänge. Als Kam in den Straßenbahnwagen stieg, will er die Worte gehört haben: „Kommt, das ist Schmitz"(der belgische Polizeiagent, der den Schqnil>?wski erschossen hat). Schwirrst sprang bald wieder ab. Als die Bahn etwa 309 Meter entfernt war, horte er Schüsse knallen. Dann traf er sich mit h«n beiden Angeklagten in einer Nebenstraß«. Schwirrat ging dann ebenfalls in Urlaub, erhielt aber bald ein Tele- gramm, sich wieder in Hamborn einzufinden. Hier sollte er sich den belgischen Behörden stellen, dem entging er dadurch, daß er w i c d e r a b r e i st e. In Stettin erhielt er durch V e r m i t t- lung des Landbundes eine Stellung. Einen längeren Raum in den Verhandlungen nimmt dann die Verlesung der Anklageschrift des belgischen Militär- a u d i t e u r s«in, ebenso wird auch das Urteil des belgischen Kriegs- gerichts vom 27. Januar 1923 gegen Reinhardt und Genossen ver» lesen. Anschließend an dies« Verlesung beginnt die Zeugenver« n« h m u n g. Der zuerst vernommene Zeuge Rudolph gibt ein Bild der Vorgänge, wie Chmilewski durch Schmitz getötet worden ist. Im übrigen schildert auch dieser Zeuge, daß versucht worden sei. seine Aussagen vor dem belgischen Kriegsgericht dadurch zu beein- X flussen, daß man erklärt Hab«, er würde wegen des Verbrechens an Grafs auchängeklagt werden. Der weiter vernommen« Zeuge W a- l« n z i k schildert u. o. die Erregung der Bevölkerung über Schmitz vnd über dessen Tat. Arbeiterpartei und Alatteotti-Alord. London. 17. Zuni.(Eigener Drahtberichl.) vi« Fraklion der Arbeiterpartei Hot sich am Dienstag n. a. auch mit dem Verbrechen der italienischen Faschisten an dem Genossen Maileotti befaßt. Den italienischen Sozialisten wurden die wärmste Sympathie und jede Unterstützung in ihrem schweren Kampfe gegen die gewalllälige Politik der Faschisten und gegen die Vergewaltigung der Freiheit des italienischen Volks ausgesprochen. Die Neuorganisation der Reichsbahn nach dem Dawes-Gutocklea bildet« den Gegenstand eines Interviews, das der englisch« Eisen bahnsachoerftändige Sir William A c w o r t h als Mitglied des Organisati vnskomitees einem Vertreter der Telcgraphen-Union gab. Acwortb sagte, daß der Rahmen der Neuorganisation bereits fest» stehe, die endgültige Redigicrung jedoch noch unbestimmte Zeit er» fordern würde. Deutschland erhalte die Möalichkeit durch den Ruck. kauf der Reichsbah n-Obligationen die auf die Eisenbahnen gelegte Schuld rascher zu tilgen. Auch in der �it, wo die Reichsbahn dem Internationalen Komitee unterstellt ist, bleibt sie im Besitz der Regimma. Mit besonderem Nachdruck betonte Acworth die Notwendigkeit einer Reorganilation der Reichsbahn und erklärte, daß vielleicht ein Personalabbau nolw-ndig sein werde es ließe sich aber durchaus nicht sagen, in welcher Hohc� Die Eilendahnen sollen auf kaufmännischer Grundlage geleitet werden, GeweMhastsbewegung �us einem Großbetrieb. Wie verdient, gespart und Recht gesprochen wird. Die Lotomotiosabrit Orenstein u. Koppel in Nowawes ist ein Teil des Unternehmens, dos unter dem Namen„Orenstein u. Koppel A.> 0." Betriebe in Spandau, Nordhausen, Dortmund, Dorstfeld, Bochum, Teltow usw. in der chand und unter Leitung des Herrn Geheimrats Orenstein oereinigt. Das Unternehmen beschäftigte in seiner höchsten Entwicklung etwa 1 S l> l> 0 Arbeiter und Angestellte, davon die Lokomotiofobrik N o w a w e s allein Z5M Arbeiter und Angestellte. Der Stand des Un ternehmens ist und war bis heute geradezu glänzend, was auch aus den veröffentlichten Geschäftsberichten hervorgeht. Nicht nur der Krieg ist gut überstanden, der Leitung war es auch möglich, in der Inflotionsperiode das Unternehmen in großzügiger Weise auszubauen und zu vergrößern, und zwar in einem Maßstabe, der die Bedürfnisse weit übersteigt, so daß man den Eindruck nicht los wird, daß nur aus dem Grunde darauf los gebaut wurde, um die enormen Jnflationsgewinne irgendwie unterzubringen. Alle Betriebe der Firma, wie Spandau, Nordhausen, Bochum, Dortmund, sind durch riesenhafte Neubauten vergrößert, allein das Werk in Nowawes ist durch Neubauten mehr als doppelt so groß ge- worden. Bier riesige Hallen sind unter anderem neu «ufgeführt, von denen zwei mit ihren Maschincnanlagen unbenutzt dastehen oder nur als Lagerplatz dienen. Im Jahre 1322 war nun der Wert des ganzen Unternehmens mit seinen Grundstücken, Gebäuden, Maschinenanlagen, Eisenbahnanschlüssen, Werkzeugen, Mobilien und Modellen in der Bilanz mit sieben Papiermark angegeben, während in der letzten Papiermark- bikanz, die jetzt veröffentlicht wind, dos ganze Unternehmen mit einer Million Papiermark, dos ist der zehntausendste Teil eines Goldpfennigs, zu Buche steht!— Trotz dieser riesenhaften Abschreibungen, die für das Unterneh- men stille Reserven bedeuten, sind die Aktionäre auch in den letzten Geschäftsjahren nicht zu kurz gekommen. Allein im Geschäftsjahr 1922 wurden nicht nur 1 7 S P r o z. Dividende an die glücklichen Aktienbesitzer oerteilt, es wurde auch das Aktienkapital ver- doppelt, und zwar in der Form, daß die Aktionäre für je eine alle Aktie eine neue zum Kurs von 120 Proz. erhielten. Da zu die- ser Zeit Orenstein-u.-Koppel-Aktien an der Börse mit 8000 Proz. gehandelt wurden, also eine Aktie von 1000 Mark Nennwert 80 000 Mark kostete, und die alten Aktienbesitzer nur 1200 Mark für je eine neue Aktie bezahlen brauchten, erhielten sie in dieser Form für je 1000 Mark Aktienkapital noch ein Geschenk von ungefähr 79 000 M. dazu. Wie steht es aber mit der Lebenshaltung der Arbeiter und Angestellten, die dort beschäftigt sind? Die Firma hat als einzige Wohlfahrtseinrichtung für ihr« IS 000 Angestellten und Arbeiter die sogenannt« Benno- Orenstein-Stiftung, aus der denjenigen, die unvfrschuldet in Not gerieten. Unterstützungen gewährt wurden. Die Schaffung derartiger Einrichtungen war ja anscheinend im alten kaiserlichen Deutschland zur Erlangung des Kommerzienrats- oder Geheimrats- titels notwendig. In wahrhaft„großzügiger" Weise hat nun die Stiftung Arbeiter und Angestellte, die nicht zuletzt durch die ge- zahlten elenden Löhne und Gehälter in Not gerieten, unterstützt. In der Bilanz waren neben den riefenhaften Abschreibungen, den Divi- Senden und anderen Borteilen für die Aktionäre und den Il'/s M i l- lionen Mark Tantiemen für die Aufsichtsräte auch ganze 8 Millkonen Mark für die Benno-Orenstein-Stif- t u n g ausgeworfen. Als diese Summe durch die Inflation zum Nichts zusammengeschrumpft war, wandelle Herr Geheimrot Oren- stein den Betrag in 200(in Buch st oben zweihundert) Goldmark um. Di« Arbeiter und Angestellten der Firma in den Berliner Betrie- den und auch in der Lokomotiofobrik Nowawes werden noch dem Tarif für die Berliner Metallindustrie bezahlt. Der Tarifvertrag sieht für die Arbeiter fünf Lohnklassen vor, in denen sie nach Beruf und Qualifizierung eingruppiert sind. Außerdem wird für hoch- qualifizierte Arbeiter(das sind Arbeiter der Lohnklassen 1 und 2), die schwierige Arbeiten in Lohn ausführen, weil ihre Arbeit nicht in Akkord kalkuliert werden kann, um einen gewissen Ausgleich gegen- über dem Akkordverdienst zu schaffen, ein« besondere mit den Tarif- löhnen festzusetzende Zulage pro Stunde über den tariflichen Stun- denhöchstlohn ihrer Klasse hinaus gezahlt. Die Firma weigerte sich anfänglich, diese Ausgleichzulage zu zahlen, und erst als der Nach- weis erbracht wurde, daß sie in anderen Betrieben der Berliner Me- tallindustrie gezahlt wurde, und der deshalb angerufene Schlichtungs- ausschuß der Firma ausgab, sich mit dem Arbeiterrot darüber zu .einigen, bequemte sie sich dazu. Es kam eine Vereinbarung mit dem Arbeiterrat zustande, nach der olle Lohnarbeiter der Klassen 1 und 2 diesen Ausgleichzuschlag erhielten. Später, im Juli 1922, wurde diese Vereinbarung auch auf die Brustbohrer, die in Klasse 3 ein- gruppiert waren, ausgedehnt, weil auch hier der Beweis erbracht wurde, daß diese Gruppe von Arbeitern in ähnlichen Betrieben mehr verdienten, als es ihnen in der Lokomotivfabrik Orenstein u. Koppel in Nowawes dank der eigenartigen oder besser gesagt rückständigen Betriebsverhältnisse möglich war. Im Dezember 1322 erklärte die Firma dem Arbeiterrat, diese vereinbarten Löhne nicht weiterzahlen zu können, sie seien seinerzeit und bis dahin auch nur unter„Druck" und„Terror" gezahlt worden. Der Protest der Belegschaft und des Arbeiterrates gegen diese Maß- nähme war erfolglos. Am 1. Januar 1923 fanden allgemein Lohn- abzöge statt und der Arbeiterrat war gezwungen, erst einmal für einen Teil der geschädigten Arbeiter die Lohnklage beim Ge- werbegericht Nowawes anzustrengen. 1% Jahre schwebt nun dieser Rechtsstreit. In seinem Verlauf« ist manches zutage getreten, wofür dem Unbefan- genen jedes Verständnis fehlt. Im ersten Termin vor dem Gewerbe- gericht zweifelte der Vertreter der Firma die Zuständigkeit des Ge- Werbegerichts an, weil seiner Meinung nach die Angelegenheit vor den Schlichtungsaus schuß gehöre. Das Gewerbegericht setzte daraufhin das Verfahren aus. Vor dem Schlichtungsausschuß, der jetzt von dem Arbeiterrat angerufen wurde, erklärte derselbe Ber- treter, daß seiner Ansicht nach auch der Schlichtungsousschuh nicht kravkiert mit den Wohlfahrtsbriefmarken für die»Deutsche Nothilfe"! zuständig wäre. Die Klage wurde auch abgewiesen, weil der Schlich- tungsausschuß nur die Aufgab« hätte, Lohnvereinbarungen für die Zukunft zustande zu bringen. Für Lohnforderungen aus einem geltenden Vertrage sei allein das ordentliche Gericht zuständig. Das Verfahren vor dem Gewerbegericht nahm nun seinen Fort- gang und die Firma wurde verurteilt, die zu Unrecht abgezogenen Beträge ihren Arbeitern zuiückzuerstatten. Wenn diese aber nun glaubten, in den Besitz ihres sauer verdienten Lohnes zu kommen, so hatten sie sich schwer geirrt. Die Firma brachte es fertig, die Berufungsklage gegen das Gewerbegerichtsurteil beim Land- gericht Potsdam anzubringen, und hier zerbrechen sich jetzt schon ein Jahr gelehrte Richter und Rechtsanwälle die Köpfe, wie dem Recht zum Siege zu verhelfen fei. Es ist gelungen, die Sache solange hin- zuschleppen, weil sich die Firma auf Formfehler der Gerichtsschrei- bereien stützte. Für das Versagen der Gerichtsschreiberei wird in diesem Falle der Beamtenabbau beim Landgericht Potsdam verantwortlich gemacht, durch den eine Ucberbürdung der noch ge- bliebenen Beamten eingetreten sei. Di« geschädigten Arbeiter geben sich nun der Hoffnung hin. daß, wenn das bisherige Tempo beide- lzalten wird, sie sicher in einigen Jahren ihr Recht bekommen werden, wenn sie bis dahin nicht schon lange aus dem Betrieb hinausgeworfen und nicht verhungert sind. Denn damit scheint die Firma zu rechnen. Bis jetzt sind schon 60 proz. der Angestellten und Arbeiter entlassen, Weitere Entlassungen stehen bevor. Aber hier sei eine Frage erlaubt: War nicht, als man seinerzeit die Gewerbegerichte schuf, einer der Grui�gedanken dabei aer, daß dem Arbeiter, der um seinen Lohn kämpft, schnell zu seinem Recht verholfen werden müßte, und ist keinem der gelehrten Juristen, die mit der Erledigung dieser Sache betraut sind, der Gedcmle gekommen, daß das Vertrauen der Arbeiter in die Rechtspflege nußer- ordentlich erschüttert werden muß. wenn sie sehen, daß ihre Inter- essen zum Spielball formalistischer Erwägungen und Fehler gemacht werden? Ist es notweidig, daß der Arbeiter unter Entbehrungen jahrelang um seine sauer verdienten Groschen streiten muß? Es ist aber heute noch so wie früher. Schwer ist es fü: den Ar- beiter, sein Recht gegen alle die Mächte, die sich gegen ihn verschworen hohen, zu behaupten: sehr schnell und leicht geht es oft, wenn ihm Rechte genommen werden sollen. Jetzt versucht man in diesem „Musterbetrieb" der Arbeiterschaft sogar das Recht zu nehmen, ihre Beschwerden bei ihrer Vertretung, dem Betriebsrat, anzubringen und ihre Interessen von diesem wahrnehmen zu ldssen, indem man einfach der Betriebsoertr-tung die Zeit dazu nicht mehr gewähren w'll. An- gestellte, die der Firma ihre Spargroschen zur Berfü- g u n g g c st c l li haben, sind durch die Inflation um ihr Letztes gekommen, während die Firma als N u tz n i e ß e r i n der In- flation diese mitverwendet hat, um den Betrieb auszubauen und zu vergrößern, lieber dieses und manches andere noch wird ausgiebig an anderer Stelle gesprochen werden. Nur heute noch sei den Ar- beitern und Angestellten gerade dieses Unternehmens zugerufen „Seid einig, wenn ihr nicht durch die Unterdrückungsabsichtcn und Gewaltmahnahmen vollstärchig unter die Räder kommen wollt!" Zum Streik in deu Herrenwäschefabriken. Die abgelehnte Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für die Berliner Herrenwäscheindustrie führte notgedrungen zum Streik. Obwohl der Lohnstrcit von den Schlichtungs-nstanzen für so wichtig gehalten wurde, daß sich der Schlichter damit sofort beschäftigt«, also von diesem doch wohl ein ollgemeines Interesse als vorliegend erachtet wurde, schreibt das zur Beilegung und Ver- hütung von Arbeitskömpfen bestimmte Reichsarbeitsminislerium. „daß im vorliegenden Falle nach Lage der Verhältnisse nicht an- genommen werden kann, daß die Verbindlichkeitserklärung im Interesse der Allgemeinheit und wirtschaftlichen und sozialen Gründen unerläßlich sei." Das Reichsarbeitsministerium setzt sich also mit einer Hand- bewegung über die Gründe und die Einsicht des Schlichter» hinweg. Wenn auch gesagt sein muß, daß der Schiedsspruch keineswegs d e Lohnforderungen der Wäichearbeiterinnen befriedgen konnte, hätte er aber doch ein« Grundlage geschaffen, auf der, den guten Willen der Unternehmer vorausgesetzt, ein« stusenweis« Besserstellung der Beschäftigten möglich gewesen wäre. Wer aber die'oziale Lage der Wäschenäherinnen kennt, wer ihr sprichwörtliches körperliches und häusliches Elend gesehen hat, empfindet auf den ersten Blick, daß her durchaus ein öffentliches Interesse vorliegt, und jetzt, nachdem der Streik bereits die dritte Woche andauert, erst recht gegeben ist. Zum großen Teil sind es ältere Arbeiterinnen, die zur Führung eines selbständigen Haus- Halts gezwungen sind, da der Ernährer der Familie gestorben ist, oder alte Angehörige und Kinder zu unterhalten haben. Die Zahl derjenigen,„die die Beine unter Daicrs Tisch halten," wie sich neulich ein Unternehmer ausdrückt«, ist gering. Di« Unter- nehmer haben aber auch kein Recht, ihren Arbeiterinnen solche Hungerlöhne zu zahlen, daß sie sich von ihren Eltern erhalten lassen nmssen. Es mag allerdings vorkommen, daß die Kinder des Unternehmers im väterlichen Geschäft klug reden helfen und dafür verlangen, von dem Geschästsprofit unterhallen zu werden, der dann eben durch Hungerlöhns der Arbeiterinnen gestegert werden muß. Es wäre nicht das erstemal, daß Arbeiterinnen der Branche öffentliche Unterstützungen in Anspruch nehmen müßten, sollte durch den Machtwillen der Unternehmer der Streik in die Länge gezogen werden. Deshalb wäre es an der Zeit, daß sich die Behörden„im öffentlichen Interesse" mit dem Konflikt befassen. Daß die Arbeitgeber i instand« sind, höhere Löhne zu zahlen, beweist ihre Taktik, den Zuschneidern wesentlich« Ueberverdienste zuzub lligen, um so die Einheil unter den Beschäftigten zu zerreißen. Die Zuschneider sind aber nicht auf diesen Leim gekrochen, sondern haben sich den streikenden Näherinnen solidarisch angeschlossen. Mit Bewunderung sieht man die Streikenden ausharren. Wochenverdienfte von 12 bis 16 Mark bei den Angelernten, von 20-Mark bei Facharbeiterinnen, die ein« Lehrzeit und jahrelange Tätigkeil im Beruf hinter sich hoben müssen, um solche Verdienste zu haben, gestatteten ihnen wirklich nicht, irgendwelche Rücklagen zu machen. Um so beachtenswerter ist ihr Zusammenhalt, der ge- geben ist durch die Ueberzeugung, mit Hilfe der Gewerkschaft«ine gerechte Sache zu verfechten.__ Rcichskabinett und Veamtciigehälter. Das Reichskabinett wird sich heute vormittag mit der Frage der Erhöhung der Beamtengehälter beschäftigen/ Bekanntlich sind sowohl der Regierung, als auch dem Reichstag zahlreiche Protests gegen die letzte Regelung der Bcamtengchälter zugegangen und es wurde vor allem eine Erhöhung der Einkommen für die Beamten der Gehaltsklässe 1 bis ö. also der Unlerbeamten, sowie der sozialen Zulagen verlangt. Die Bcamtenorganisationen haben von der Re- gierung nur ganz allgemein einen Ausgleich nach dieser Richtung erbeten, ohne die Wünsch« zahlenmäßig zu belegen. Hauptbetriebsratswahl im Reichsarbeitsminifterium. Vom Zrntralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Bisher bestand beim Reichsarbeitsministerium lediglich«in Haupt- betriebsrat für die Bersorgungsbehörden. Durch eine neue Ver- ordnung ist es gelungm, den neuen Hauptbetriebsrat auf sämtlich« dem Äeichsarbeitsminssterium unterstehende Dienststellen auszu- dehnen. Entsprechend der verhältnismäßig geringen Zahl von Arbeitnehmern sind nur drei Mitglieder zum Hauptbetriebsrat zu wählen. Die Wahl wurde am 9. Mai vorgenommen. Räch dem jetzt vorliegenden Wahlergebnis werden sämtlich« Mitglieder des Hauptbetriebsrates ledigbch der gemeinsamen Li st e des Zentraloerbandes der Angestellten und des Ver- bandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter«nt- nommen, und zwar entfallen auf den ZdA. zwei Beisitzer, auf den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter ein Beisitzer. Der Hirsch-Dunckersch« GdA. hat nicht die notwendig« Stimmenzahl aufbringen können, um im Hauptbetriebsrat vertreten zu fsin. während der den christlichen Gewerkschaften angehörige Deutsch- nationale Handlungsgehilfenverband von vornherein auf die Auf- stellung einer Vorschlagsliste verzichtet Hot. Der Ausgang der Wahl ist wieder«in Beweis für die Stärke der fveigewertschaftlichen Bewegung. Reinigung in. Metallarbeiterverband. Gclsenkirchen, l7. Juni.(Eig. Drahtb.) Di« beben Kassierer des Deutschen Metallarbeiterverbandes der Ortsoerwaltung Essen Iefft« und Lauhoff, beide Mitglieder der KPD. und von dieler zu dem Kassiereramt im Verband berufen, sind vom Vor- stand des Deutschen Metallarbeiterverbandes wegen uechts- widriger Aneignung von Verbandsgeldern sofort entlassen und aus dem Verband ausgeschlossen worden. Der erste Bevollmächtigte der Ortsverwaltunq Geljen- kirchen des Deutschrn Metallarbeiterverbandes. der kommst- nistische Reich stagsabgeordnet« Map Schütz, wurde ebenfalls laut Beschluß des Stuttgarter Haaptvorstandes des Deut- schen Metallarbeiterverbandes wegen grober Brietdigung von Ver- bandskollegen und Schädigung der Verbandsinleressen aus dem Deutschen Metallarbeitcrverband ausgeschlossen. Die Johres.Plenarvcrsammlunq der Gewerkschastskommission Berlins und Umgegend wird heute abend. 6>/, ll h r. im Ge- werkschaftshous, Saal 1, abgehalten. Die Versammlung befaßt sich mit dem Gejchäslsbericht und der Neuwahl des Ausschusses. Die Delegierten müssen am Saaleingang die Einladung als L« g i t i- matio n vorzeigen, die nicht übertragbar ist. t=-_ Achtung, sämtlich«»«S«.«pparat-snbril»»! Am £»"tlog, den?0. Juni, nnchm 4 Uht, Iasmunoer®tt. 3 mitHlge Sc». -a sammliing. Bericht des Frattionsvorstanlicz. Nruwol,!. Verschiedene- e= Das erscheinen oller Genossen ist Pflicht. Portelausweis legitimierst Der grattiou»»>>rsto»d Wetter für Berlin und Umgegend t Forldauernd warin und zeitweise heiter, etwas Kewiltcrncioung bei ichwachen südöstlichen Winden Aiir veutfchlandt Ueberall warm und zeitweise heiter, in Ostdeutschland trocken, sonss emzelne lokale Barmegewitter. »eroniwortlich siir Politik:«r»si Reuter: Tirtschafi:«.t»r«aternu-t Sewerkschafi-oeweguna: Kr>rdr.«»k».u: Feuilleton: Dr. Z»h. Schikow.ti: L�kole- und Sonstiges: Krt»»arstodti An, eigen: Zh.«locke, tämitich in Berlin. SS« ,�>>rwdrt-.Berl-g m a n n. Falkenderg. GarlenstaMstr. 10. Fredersdork-Petershagen: Otto Wilinski. Fredersdorf. Arndiftraste. Friedenau: Bheinstr. 27. Ecke Pönnedergstraste. Friedrichohageu: M i t t e n 3 w e i, Linden-Allee 14. Grüna»: P> U tz u e r Zovenicker Etr. lud. Kalenser, Grunewald, Elchkamp: Frau Roack. ltiosk benrirttenplatz. Prinaiwohnung: Zaiharinenstr. 4. Heiuersdorf: Frau G o I i> d a ch. ZZiederlchönhaulen. Schiost- aller 48. Seanigsdorf: Frau ft o r b a l i n t t i Ziaihrnaustr. 3. Kerwsdorf: Erich lk n u 1 h Frobnaucr Str. 10. Kohenntnendors: Dehlitz. Oranienburger Sir. 2. Koppegarteu: Rausch Koppegarten-Birteustein. Parzelle 9Jr. 119. Zahanaisthal: Lehmann, Zaiser-Wilhelin-Etr. 6. ftarlshorsi: B e r n d t. ssiosk. Bahnhofolatz. tlaulzdors: Bogt. Bredereckstraste 19. Kiuigswusterhause»: E. M e g e r Potsdamer Etr. S. »ipeuick, Airschgarteu: Schlag ftietzer Str. 6(Loden). Lichtenberg I: Lichtenberg. Darkenbergstr. I. Lichtenberg n. Rummelsburg. Stralau: Lichtenberg. Box- Hagener Str. 62. Lichtenbera Iii, Friedrich, selbe' Franttnrier Allee 183 Laden Lichtenberg IV: H e h m e r, Röderstr. 84. Gartenhaus. Lichterfelde-Osi, Laukwitz: S. Wenzel Lankwitz. Ziethen straste 18. Lichtertelde-Sest: B e r n d t Sieglitzer Sir. lg. Blahledors: Wilhelm lturz. Hönower Str. 177. Marienduri: A u a u st Lein Ehaullerstr 29. Marjenlelde: Greulich. Berliner Sir. UZ. Reuenhageu W e n i t e Ziegelstr. ll. Ze-löll» I: Reckarstr. 2. RenliUn II' Siegfriedllr. 28/29. Renlölln III: ffiiniler. Hobrcchtstr. 40, p. l. Scttfclln. Britz: Mittag. Britz. Chausseestr. 82. Riederlchönewcihe: Schindler, ffennstr. 23. Rowawc»: klart«rphnderg Eitenbahnstr. 10. Oranienburg: v« i ll r. Locuhardt. Liralsunder Etr. 6 Oberschöuewtide: Robert Paul Malhildensir. 8. Pankow: R i st m a n n Mllblenstr. 70. Rahnsdorl: T e i ch e r t. Forststr. 7. Reinickenborl-Ost SchiuboU: Alberl Dohle Prouin, straste 86 �Laden) »einickendoif-Deft:»endt. TcharnwebrrNr. 114. Volks- Haus. Rosenlhal: Hrinrich Gorsii. Hauptstr. 28. Rudow: Olto«ailer. Dollrrsdorfer Chaussee. Rüdeesboil. tkolkberge. Z-tdorl: Adolf Dorrte,«alkberge. Rhedenstraste 15. � Sadowo.»aulsbort-Süd, Mahlsdorf-Süd: Kenschke. «aulstort-SUd. Waldssr. 66, Schmargendorf l- Pl!- ka. Breite Str. 14. Echmargenda-t ll: z a n u s r I. Tunostr. 44, ptr. Schönebeeg: Pelziger Str. 27. Eeniia. Ritienwolde, Schenlcnd-rs, Riederlehwe. Reu« «üble, Z-rnsdorl. Cablow: F r i, d e w- l d Senzig. Ehousseestr. 84. Sicmeasftadt: S t e n,- l.«runnenssr.«. p. I- Sp-nda»: Brohm Achenbachstr. 7. «asten;«öltet Etchenwinlel 16. «««Bich: ff: oft, Schadenrule 2. Eudenbc: L u a w> g Hotskestr. 36.. Tegel. Teqelert: Spiest Teacl Schlieperstr. 82. Teltow: Höfel Rilterstr. 2». Tempelhos: Karsdorf Serderstr. 31 P. Pt.- Ren. tempelhaf:« a n d l e r. Ho!» Trebd,»: G ö r>„, Bahiihofstr. Treptow: Z estler. Ziefholzstr. 188. Waidwaunslnft: Rodde. Oroniendamm llerntorjo 8. 10. Wilhelmshogeu. Waidwaunslnft: Rodde. Oraniendamm 1 Deistensce: G r e n n l e, Langhansstr. Wildau-»oherledw«: R n d. Lei low. Siihelmshage». Hesienwintel: Schulz«. Dilhelmstr. Zl. �« «ilwersdort I: Puhl«. Ludwia-ftlrch-Platz g. Wilmersdorf ll: Schubert,«llhelmsaue 27. Kpf i «ilmersdert lV: Z r m m e r. Augustastr. 34. Hof pa'rt. Wittenau F i d e l l Hanpiftr. 68. Woliersdort: E ck n r b a um Eichendomm 22. Zehlendael. Schlachteusee, Rilola,»«. Zehlendprf. Teltower Strohe 3. Zeuthe». Miersdarl: A. B e b l i n g. Bohnhofftr. 2.. Zossen: Witt. Bohnhosstr. 28. � Säintlldie«>«'-»« Jlowif ��»'"-"«»aktllchen Werfe «»»»«-«*»" die»elchaiisstkieu aeschlosi.» Nr. 2S2 ♦ 41. Jahrgang 7. Seilage ües vorwärts Mittwoch, IS. Jm\ 1424 3m Kampf mit öen Räöern. Ein« Großstadt ohn« Vorkehr müßte schnell sterben, eine W«lt- stadt, deren Verkehrsmöglichkeiten rückständig bleiben, ist zu lang- samem Tode verurteilt. Jede Großstadt, die mit dem Ballast ge- fchichtlichen Werdens belastet ist, bietet aber der Verbesserung des Verkehrs in steigendem Maß« schier unüberwindlich erscheinend« Hindernisse. Di« Schwierigkeiten, den Verkehr auszugestalten, er- scheinen oft so groß, daß man den wahrhaft revolutionären Gedanken, eine neu« Stadt an die Stell« der alten zu bauen, für leichter durch- sührbar hält, als das unsagbar mühevoll«„Verbessern", d. h. immer nur behelfsmäßige Herumflicken an den Verkehrseinrichtungen der großen Städte. Das trifft insbesondere auch für Berlin zu, dessen Verkehrsmittel immer unzureichender erscheinen. Die Wohnverhält- nisse der Großstadt schreien geradezu nach schnellen und ausreichen. den Verkehrsmitteln, so daß der Weg von der Wohnung zur Arbeit abgekürzt und der Großstädter davor bewahrt bleibt, bei dem täglichen Kampf um das„Mit- kommen" eine nicht zu unter. schätzend« Summ« von Nerven- kraft nutzlos zu vergeuden. Die Verkehrsmittel. Die Straßenbahn oermag, trotz der in der letzten Zeit durch- geführten Herabsetzung der Fahr- zeiten den Anforderungen, die an den Verkehr einer Weltstadt zu stellen sind, nur in den weniger belebten Außenbezirken zu ge- nügen. Di« Hoch- und Untergrund- bahn hat in Berlin eine Zugfolge, die im Vergleich mit dem Minuten- verkehr anderer Weltstädte gerade- zu mittelalterlich erscheint. Das Auto, das am ehesten geeignet wäre, mit großer Geschwindigkeit lang« Wege abzukürzen, wird in jeder Weise durch die Anlage der Straßen gehemmt, auf denen sich Fußgänger, Straßenbahnen, Rad- fahrer und Wagen oller Art in wirrem Durcheinander bewegen. In belebten Straßen kann das Auw nur im Schneckentempo vorwärts kommen und es ist psychologisch verständlich, wenn der Großstädter, der sich als Opfer der Verkehrsverhältniff« fühlt, einen gewissen Haß gegen das Awo empfindet, dessen Ge- schwindigkeit in weniger belebten Straßen seinen eigenen Wünschen entspricht, während es ihm selbst unerreichbar er- scheint. Es kommt noch hinzu, daß auch mangelnde An- passungsfähigkeit an die Entwicklung bes großstädtischen Verkehrs im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten die Gefahren erhöht und gerade das schnelle Fahrzeug, an dos sich der einzelne noch nicht gewöhnt hat. erscheint als Urheber von Verkehrsunfällen, die bei einer gewissen Einspielung aller zum weitaus größten Teil vermieden werden könnten. Es mag in diesem Zusammenhang daran erinnert werde», daß sich nach der Umwandlung der Pferdebahn in den elek- irischen Betrieb die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen die„Elek- irische" beteiligt war, ganz erheblich steigert«. Die öffentlich« Meinung war damals über alle Maßen gegen das yeue Verkehrsmittel aufgebracht. Trotzdem lag die Schuld in den meisten, also nicht in allen Fällen an dem zu Schoden gekommenen Fußgänger, der sich an die Geschwindigkeit der Straßenbahn, die uns heute so unzulänglich erscheint, nicht schnell genug gewöhnen konnte. Heute ist nicht mehr die Straßenbahn, sondern das Auto dos bestgehaßte Fahrzeug der Großstadl, das in seiner technischen Ausgestaltung«ine Geschwindigkeit erlaubt, die in der Enge der Straßen nicht ausgenutzt werden kann. Andererseits aber hat das Auto nur dann Daseins- berechtigung, wenn es ein« größere Geschwindigkeit wie die übrigen Wagen entfalten kann. Das wird in der Großstadt immer nur in begrenztem Maße möglich sein. Außerhalb der Städte, aus gut gebauten Autostraßen könnten die Wagen sich austoben— aus der gewöhnlichen Chaussee aber leidet alles, wenn der Wagen mit voller Kraft dahinbraust: die Chaussee, der Wagen und vor allem die Fuß- gänger, die von aufgewirbeltem Staub bedeckt werden und dem Er- reger dieser Wolken niemals die freundlichsten Wünsche nachrufen. Das Verkehrsmittel ist eben den Verkehrswegen vorausgeeilt und es werden Jahrzehnt« vergehen, ehe hier die erforderliche Ueberein- stimmung erzielt ist. Der Zußgänger. Wir müssen uns also damit abfinden, daß grundlegende Aende- rungen bei den Verkehrswegen zurzeit unmöglich erscheinen und müssen den guten willen aufbringen, uns dem Verkehr der Großstadt durch größte Aufmerksamkeit anzupassen. Hier wird viel gefehlt! Man braucht nur einmal auf der Straßenbahn am Führerstand ein« Fahrt durch Berlin zu machen und man wird erkennen, wie groß die Unachtsamkeit der Fußgänger ist. Viele scheinen geradezu im Traumzustand die Straße zu überschreiten. Was geht sie das Klingeln der Straßenbahn, was die Hupe des Autos an, sie gehen ihren ffleg, als ob sie in der Kleinstadl wären. Andere wieder hasten über die Straße und rennen ohne Ueberlegung geradewegs der Gefahr«nt- gegen oder halten es für besonders richtig, kurz vor den heran- kommenden Wagen den Fahrdamm zu überschreiten. In allen diesen Fällen werden schwere Unfälle nur durch die geradezu bewunderns- würdige Aufmerksamkeit der Wagenführer vermieden. Wenn man der großen Zahl der Unglücksfälle die Zahl der möglichen und durch die Aufmerksamkeit der Wagenführer vermiedenen Unfälle gegenüber- stellen könnte, würde die Unfallziffer sehr klein erscheinen. Würden sie genau so unaufmerksam wie viele der Fußgänger sein, wäre ein moderner Großstadtverkehr überhaupt unmöglich. Ein besonderes Kapitel sind die Kinder, die leider in hohem Maß« Opfer des Ver- kehrs werden. Die Ursache liegt in erster Linie in dem Mangel an Spielplätzen. Das Kind will sich bewegen und auf seine Art spielen. Die Straße bringt es mit den Verkehrsmitteln in Berührung, es spielt oft geradezu in atembeklemmender Sorglosigkeit mit der Gefahr. Kleine Kinder laufen vor den Augen ihrer Beschützer, deren Aufmerk- samkeit sich irgendeinem anderen Gegenstand zugewandt hat, auf den Damm und kommen unter die Räder, andere tanzen auf den Schienen der Straßenbahn oder anderen Gefährten einher und können den Wagenführer zur Verzweiflung bringen. Alle Eltern und auch die Schule müssen ihren ganzen Einfluß geltend machen, um die Kinder vor den selbstverschuldeten Gefahren der Straße zu bewahren. Kleine Kinder mühten auf der Straß« ständig unter Aufsicht stehen. Leider machen gerade bei der ärmeren Bevölkerung die sozialen Verhältnisse die Erfüllung dieser an sich so einfachen Fordenmg unmöglich. Der Wagenführer. Auch die Wogenführer sind nur Menschen. Auch ihre Ausmerk- samkeit, die fast immer bis zum äußersten angespannt sein muß, kann versagen. Eine geringe Unachtsamkeit genügt, um einen Unfall her- beizuführen. Es muß von den Wagenführern die genaueste Beachtung der polizeilichen Fahrordnungen und der allgemeinen Verkehrs- Vorschriften erwartet werden. Bei Berufsautofahrern erscheint es felbstverständlich, daß sie die Geschwindigkeit ihres Wagens der Ver- kehrsdichte anpassen. Autofahrern, denen wegen Mißachtung dieser ganz selbstverständlichen Forderung der Führerschein entzogen wird, haben keine Ursache, sich darüber zu beklagen. Privatautos werden sehr oft von irgendeinem guten Freunde des Besitzers geführt, der kaum die Anfänge des Fahrens begriffen hat. Das ist geradezu ein Verbrechen und bei den hierdurch verursachten Unfällen ist der eigentliche Schuldige der Besitzer, der unsagbar leichtfertig gelzandelt hat. Häufig ereignen sich Autounfälle an Kurven, weil die an sich auch wieder selbstverständliche Forderung, überall dort, wo die Straße unübersichtlich ist, langsam zu fahren, nicht erfüllt worden ist. Bei der Straßenbahn ist es dem Wagenführer zur Pflicht gemacht, sich mit den Fahrgästen nicht zu unterhalten. Das sollte für jeden Wagen- führer, auch für die nicht angestellten Führer von Privatautos gelten, die sich in dieser Hinsicht häufig nicht den geringsten Zwang auf- erlegen, lachend und plaudernd ihren Wagen mit großer Geschwindig- keit laufen zu lassen. Es ist kein Zufall, daß der größte Teil der zu Schaden gekommenen Autos nicht von Berufsfahrern, sondern von sogenannten„Herrenfahrern" geführt wurde. Mit dem Chguffeur unterhält„man" sich nicht, aber es wird als sehr unhöflich empfunden, wenn der das Steuer führende Besitzer des Wagens auf die Unter- Haltung seiner Freunde nicht eingeht. Vor allem im Auto sollten alle Fahrgäste so aufmerksam das Treiben der Straße oerfolgen, als ob sie selbst den Wagen führten. Manches Unglück ließe sich durch eine solch« von der Verantwortung diktierte Haltung verhindern. Nur im Zusammenspiel oller im Verkehrsleben der Großstadt Beteiligten lassen sich die Verhältnisse erträglich gestalten. Es nützt nichts, auf schnelle Fahrzeuge zu schimpfen. Ein Auto, das nur mit Fußgängerschnelligkeit fahren darf, ist ein Unding, und eine Ge- schwindigkeit von 30 bis 40 Kilometer in den nicht belebten Straßen ist möglich, wenn der Großstädter sich«den als Großstädter und nicht wie irgendein Einwohner eines verschlafenen Kleinstädtchens be- nähme. Die Zeit drängt uns vorwärts und es geht nicht an, die Geschwindigkeit der„guten" asten Postkutsche für alle Zeit als die .einzig erträgliche festlegen zu wollen. „Tcuke daran" unter Nachnahme. Di« lyrischen Dichter stehen seit csltersher in dem Ruf. gefchäft- lich« Dinge nicht mit dem gleichen Talent zu meistern, wie die Poesie, die sich ohned.es viel gefallen lassen muß. Unserm Zeitalter mar es vorbehalten den Dichter zu schaffen, der auf beide» Gevietcn ein umfassendes Talent entwickelt. Em poetisch veranlagter Tischler Reinhard Müller aus St. G« o r g e n, im Bezirksaint Villingen, verfaßte ein Gedicht mit der Ueberschrift„Denke daran", dessen Inhalt hier leider noch nicht bekannt ist. Abdrucke dieses Werkes versendet er seit Monaten an Firmen und Privatleute, im ganzen Deutschen Reiche tn Nachnahmebriefen. Zunächst begnügt« er sich mit 1,S0 Mark, als er aber sah. daß„die Sache ging", er- höhte er den Preis und nahm zuletzt 5,20 Mark. Die Empfänger der Brief«, die nicht wußten, was sie enthielten, bezahlten in vielen Fällen den Betrag der Nachnahme, von welchen Beträgen der Dichter weniger schlecht als recht lebte. Viele mögen auch der Meinung sein, das Geisteserzeugnis des Ttfchlers nicht zu teuer gekauft zu haben. Einig« dagegen waren von dem Inhalte des Nachnahme- briefes so enttäuscht, daß sie sich an die Polizei wandten. Di« Folg« war, daß der Dichter wegen Betruges van der Kriminalpolizei in Erlangen festgenommen wurde. Diese ver- sucht jetzt den ganzen Umfang der Geschäfte Müllers zu ermitteln und festzustellen. Die Venus von Syrakus. von Clara Rahka. „Natürlich zum Hafen gehen," riet Taddeo immer wieder, und im Grunde hatte er ja recht, zum Hafen kam schließlich jedermann, und am Hafen konnte man alles erftagen. Als die beiden dann nach der Mahlzeit hinter dem Fisch- karren herschritten, hielt es Renzo nicht. „Du mußt mir das nicht verargen," sagte er.„ein jeder hat so sein« Gewohnheiten, ich gehe lieber erst einmal zum Markt." „FreiNch kannst du das," sagte Taddeo bereitwillig,„mich findest du auch noch in zwei oder drei Stunden am Hafen, ich helfe dort verladen." So gingen sie auseinander, beide sehr befriedigt. Ren.zo aber ging, ohne viel rechts oder links zu schauen, z� seiner Venus. Nun mußte er alles abschließen, die schweifende Seele in das eine kleine, strahlende Verlies der Anbetung sammeln: vor s j e hintreten. Doch als er es tat, jetzt, im triumphierenden Sonnenglanz, da war er nicht mehr der vor Erschöpfung tief ergebene Schwärmer des vergangenen Abends. Mit ihm zugleich standen zwei Frauen vor dem edlen Steinbild, fast war es ihm lieb, denn nun ginget sein Blicke auf und ab, zärtlich, doch auch wertend, künstlerisch nach- Merkwürdig, er sah den Kopf nicht mehr so wie in der Das ganz Leichte, Selbstverständliche fehlte. Sa sehr er sich auch mühte, die Erinnerung klar zurückzu- rufen, sie stand hinter den vielen Schleiern einer langen Nacht und dem Glitzern heiterer Gespräche. Der Renzo der wie auf einer Wallfahrt hierhergekommen war. war nicht d�r Renzo, der aus dem quirlenden, alles spie- lend zerflückenden Leben einer Gasse kam. Und doch werde ich dich zwingen, dachte er finster— da eistarrte die letzte Erinnerung an die tief verschlossene Süßig- keit des stolzen Gesichtes. Wiederum ging er langsam um das herrliche Bild von Stein, und als er den fein gebogenen Rücken betrachtete, zer- rann sein kindischer Groll. Nein, diesem Kunstwerk konnte man nur ein beseeltes Haupt geben, wenn man seine ganze Seele gab. Still schritt er fort, in die Sonne hinein, und trotz sein« einzigen guten Anzuges faß er lange auf den Stufen des alten Minervatempels, mit all seinen Gedanken die Aufgabe um- spannend. Doch bei seiner großen Liebe zum Werk, zum Gestalten, bei aller Sammlung blieb der eine Gedanke stehen: der Ruhm. Er schritt nochmals hinüber, denn es kam ihm in den Sinn, jenen, wie ihm schien, einflußreichen Mann wiederzu- sehen, den er am Abend zuvor gesprochen hatte. Der Kustode aber war schwerfällig und hatte keine Lust, sich zu besinnen. Nach zwei, drei Stunden, als Renzo eben fortgehen wollte, meinte der Kustode so ganz nebenher, er könnte ja einmal nach- sehen, vielleicht sei der Herr heute im Teatro Greco oder in den Latomien, er wolle seinen Kollegen fragen, der sei mit dem Herrn gut bekannt. Er kam auch wirklich nach einiger Zeit zurückgewatschelt und sagte, Renzo möchte zu den Trümmerfeldern gehen, über die Brücke, die alte Straße könne er unmöglich verfehlen, dann käme er schließlich zum Theater und zur Latomia del Para- diso; die Herren wühlten dort wie die Maulwürfe. Möglich, daß sie irgendeinen Block mit einer Inschrift oder gar eine zerbrochene Statue fänden, ihm wäre das ganz gleichgültig. Renzo lag mehr daran, mit den Männern zusammenzu- kommen, die in Syrakus Ausgrabungen machten, als eine Stellung zu suchen, die ihm sofort Brot brachte. Er hatte genug im Beutel, um warten zu können. So schritt er denn durch die ihn vertraut anmutenden Gassen, in die jetzt ein frischer Hauch vom Meere hineinblies, zum Hafen hinunter, über die Brücke zu den verlassenen Stät-, ten des alten Syrakus. Die müder werdende Sonne lag mit einem reifen Gold- ton auf den Trümmern der einst so glorreichen Stadt. Das grüne, hier und da von Palmen überfächelte Land wellte auf und ab, in gelblichen Dunst zerfliehend. Aus seiner weichen, südlich überwucherten Rinde starrten Mauern. Blöcke. Säulen, die von Macht, Glanz, Zerstörung und Tod redeten. Und von Schönheit redeten sie, von der Schönheit des starken und großzügigen Menschengeistes, der hier unbeküm- mert, wie für eine Ewigkeit, aufgebaut hatte. Das Schlichte, Große, die geraden Linien, wenn auch tief niedergebrochen, überwuchert von der Anmut der warmblüti- gen stzilianischen Natur, man spürte es überall. Größe, das war es! Renzo fühlte sie, und es war ihm wie damals, als er ver« meinte, er würde in das Herz der Berge eingehen. Er sah in der Ferne die flachen, aus dem Felsgestein ge- hauenen Stufen des riesigen Theaters, das ansteigende Halb- rund, vom silbrigen Grün der Oelbäume wie mit einem slocki- gen Kranz abgeschlossen, durch das die Farben des abendlichen Himmels wie Blüten hindurchschimmerten. Die ungeheure, unabsehbare Weite des stillen Raumes, durch den er dahinfchritt, nahm ihn gefangen. Harmoniselze Schwingungen waren um ihn her: Licht, Farbe, Luft gaben feine Untertöne für die mächtigen Akkorde vergangenen Lebens, auf dessen Spuren er schritt. „Nur wissen, mehr wissen mußte man von alledem," dachte Renzo. Mitten in sein Sinnen hinein kam der Gedanke, wie nun, wenn man den Kopf der Venus findet, heute noch, jetzt, wäh- rend ich hier langsam durch den Staub wandere! „Dann muß ich dabei sein, dann will ich es sehen, will ihn in meinen Händen halten!" Unwillkürlich ging er schneller. Es war ja nur ein Gedanke, wie hunderte am Tage durch den Kopf fliegen, und doch spornte er ihn an. Als er zum Theater hinübergehen wollte, hörte er Stim- men in der Nähe der alten Steinbrüche, und er erinnerte sich wieder des jungen Archäologen, den er während des Wan- derns und Schauen? fast vergessen hatte. Er wollte ihn für sich gewinnen; man mußte ihm eine Nachbildung jener Venus gestatten, und wenn er den Kopf auch nicht mehr so klar und sicher, wie in einer Vision, vor sich sah— Gott würde ihm wiederum eine gute Stunde schenken, dessen war er sicher. Leichten Herzens kletterte er über die Steinblöcke hinweg, ließ sich hinabgleiten, und dann sah er eine Gruppe von Männern, die einen auf der Erde liegenden Torso umstanden. „Ein Krieger," sagte Renzo frei, den Hut dabei tief hinabschwenkend. „Freilich, ein Krieger, das ist uns nicht unbekannt." sagte einer der Herren lachend. Renzo hatte in einem abseits Stehenden den jungen Mann erkannt, der ihn in das Museum hineingelassen hatte. Er nahm allen Scharfsinn zusammen, beugte sich vor, betrachtete den Rumpf genau und dann sagte er laut:„Em Krieger, der irgend etwas Schweres trägt, man sieht es an der Anspannung der Muskeln— hier und hier," er legte feine Hand auf die Stellen,„und dann die leuchte Drehung des Körpers, auch sie deutet darauf hin. Sehen Sie, meine Herren,(0|o eimo ftflnb(( iol" � Der berliner Etat. Gesamtausgabe 383 Millionen, Fehlbetrag 9 Millionen. Der Haushaltsausschuß verabschiedete in erster Lesung den Steuerhaushalt und den Nachtragshaushalt. Nachdem dieser all« bisher eingetretenen Ausgabestelgerungen, nanientlich die Er« höhung der Gehälter, Vergütungen und Löhne umfaßt, schwillt die Gesamtausgabe Berlins 1324 auf rund 385 Mit- lionen Goldmart an. Die städtisch« FinanzoernZaltung ec wartet gegenüber den bisherigen Schätzungen erhöhte Ein- nahmen bei der Einkommensteuer, Grundsteuer, Gewerbesteuer imd Lustbarkeitssteuer, andererseits geringere Einnahmen bei der Beherbergungsssteuer und vor allem bei der Hauszinssteuer, bei welcher die Ausfäll« dauernd zugenommen haben. Auf die Pferde- stcuer muß die Stadl infolge Aenderung der gesetzlichen BestiM' mungen außer für die Luxuspferde verzichten.— Auch nach der neuen Schätzung der Steuererträge, die von mehreren Seiten als zu optimistisch kritisiert wurden, bleibt ein Fehlbetrag von neun Millionen Goldmark.— Der Kämmerer hofft, hiervon 3 Millionen durch Ersparnisse infolge weiteren Personalabbaues zu decken. Die übrigen 6 Millionen werden, wenn nicht die bevor stehende Neuregelung der Landes- und Gemeindesteuern der Ge meinbe weiter« Steuereinnahmen bringt, nur aus einer stärkeren Inanspruchnahme der Einnahmen der städtischen Werke einschließlich der Straßenbahn gewonnen werden können. Mit diesem Vorbehair stimmte der Ausschuß dem Nachtragshaushalt zu.— In derselben Sitzung gab der Hauptsteuerdirektor bemerkenswert« Mitteilungen über die Höhe der bei den einzelnen Steuern entstehenden V« r- w a l t u n g s t o st e n. Sie betragen durchschnittlich rund 3 Prozent des Auskommens und gehen bei der Geträn kesteuer bis auf l>,2 Pro- zent herunter. Am höchsten find die Verwaltungskosten bei der setzt im wesentlichen aufzuhebenden Pferdesteuer und bei der lsunde- steuer.— Der chaushaltsausschuß wird Anfang nächster Woche die Vertreter von Handel, Industrie und Grundbesitz zum Steueroer- teilungsbeschluß hören. Er hofft, seine Beratungen bis Mitte nffchster Woche zu beenden. ver„MfT Sapieha. Die Hochstapeleien eines Warschauer Strajjenbeillers. In«in geheimnisvolles Dunkel über fein« Herturtst suchte sich ein Angeklagter zu hüllen, der gestern vor dem Amtsgericht Mitte unter der Anklag« der schweren Urkundenfälschung und des Betruges aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Nach der Anklage handelt es sich um den Straßen bettler Stanislaus Wog aus Warschau, während der Angeklagt« auch vor Gericht mit großem Redefluß, wenn auch gebrochen deutsch, versichert, daß«r wirtlich der Fürst Cäsar Stanislaus Leon Sapieha aus Oliva im Freistaat Danzig sei. Den Namen Woy habe er nur etwa vier Wochen lang aus poli- tischen Gründen geführt und damals die Papiere eines Landsturm- (TKimws namens Woy verwendet. In der heutigen Verhandlung behauptet der Angeklagte, daß er jetzt m der Lage fei, den richtigen Woy anzugeben. Dieser wohne in Stallupönen in Ostpreußen. Der Angeklagte ist 1923 in Danzig festgenommen und nach Deutschland gebrocht worden. Er nannte sich dort Prinz Sapieha imd in sein«r Begleitung war di« Tochter eines Berliner Gastwirts, die er mit- genommen hatte als ihm der Boden in Berlin zu heiß geworden war. Die Vew«isausnahme ergab, daß der angebliche Fürst ncch im Februar 1322 in einem Keller in Berlin gewohnt hatte. Er ist dann in Beziehung zu d«r Gostwirtstochter Emma Pommerenks getreten mit der er auch auf Reisen ging und dies« ließ sich unterwegs Visitenkarten drucken, auf denen sie sich Prin- zessin Eleonora v Eapi«ha-Ruthland auf Schloß Ruthland namrte. Unter dem Namen Woy war der Angeklagte Angestellter in einem mittleren Grundsiücksvermittlungsgeschäft. Dort hatte er Beziehun- gen zu Grundstücksmaklern bekommen. Plötzlich trat«r mit der Be- hcmptung auf, daß er der Fürst Sapieha fei. Er legt« einen g e- fälschten Diplomatenpaß der außerordentlichen Mission . der weißruthenischen Volksrepublik vor und zeigte eine Photographie, auf der er als Rittmeister eines Hufarenrcgiments zu sehen war. Co fand er Leichtgläubige und konnle die„Europäische Verkehrs- und Grundstücksbank Zl.-G." gründen, deren Auffichtsratsvorsitzender er wurde. Da die Geschäft« der Aktiengesellschaft sich sehr zweifelhaft gestalteten, schieden die meisten Mitglieder aus und die Gesellschaft kam zur Auflösung. Der Kaufmann Joseph Rochmann, der in Berlin zwei Muser besaß, wollte nach seiner Heimatstadt Lublin zurück- kehren.„Fürst Sapieha" bat ihn, ihm die Verwaltung der Muser zu übertragen, weis Rochmann jedoch ablehnt«. Nachdem Rochmann Berlin verlassen hatte, trat der Angeklagte oi schwerkriegsdeschädigten Ehemann Hai. Unter Darlegung der traurigen Verhältnisse hatte Frau Peters ein« Ein- gab« au den Reichspräsidenten gerichtet und das Vorgehen des üsiskus als«ine große Härte bezeichnet, denn der Fiskus habe 1321 die Hall« schon an eine Likörsabrik vermietet gehabt und sei in diesen Plänen nur durch das damalige ungüstige Urteil gehindert worden. Wenn er jetzt den Einwand des Verkehrshindernisses macht, so konnte dem dadurch obgeholsen werden, daß di« Halle nach dem freien Platz etwas zurückgerückt oder verkleinert werd«. Der Reichspräsident hat die Eingabe als nicht zuständig über das Reichs- Verkehrsministerium an di« Cffenbahndirektion, gegen die sich die Eingabe richtete, rveiter gegeben und die Eisenbahndirektion hol kurzerhand mit der Aufforderung der Räumung binnen zehn Tage» geantwortet. Frau Peters beab- sichtigt aber nochmals Schritte zu unternehmen, um den ihr und ihrer Familie drohenden harten Schlag abzuwenden. Milchkartenneuanmeldung. Das Ernährungsamt der Stadt Berlin teilt mit: Di« von den Bezirksämtern on die Milchbezuqsberechtigten ausgegebenen Milch- karten für das Vierteljahr Juii/Septeinber 1924 müssen bis zum 24. Juni 1324 in den Milchtleinhandelsgeschäften und in den Ab- melkwirffchaften(Kuhslällen) neu angemeldet werden. Da» Sladtbad lvedding, Gerichtstr. KS/SS, ist vom Mittwoch, den 18. d. M. ab, nach stattgefundener Kesfelreparatur an den Wochentagen von 10 bis 8 Uhr wieder geöffnet. ver vertaer praler, Kaftanieimllee(Hochbohnstation Danziz« Slrage), bat für diesen Somvicr«in Varieieprogcamm zusamuiengeftellt. wie es Um paulsen. Eine abgebrochene Stadtverordnetensitznng. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung gieren die rechtsstehenden Parteien danach, daß der Abbau des Magistrots und vor allem die Beseitigung Paulsens endlich zur Tat wird. Aber die gestrige Sitzung oerlief so, daß ihnen die Erfüllung ihrer Wünsche noch versagt blieb und ste weiter ihre Ungeduld be zähmen müssen. Im öffentlichen Teil der Sitzung, wo man rasche Arbett machen wollte, wurde eine Reihe wichtiger Beratung?- gegenstände ohne lange Debatte erledigt, darunter zwei von der s oz i a l d e m o kr a t is chen Fraktion eingebracht« An- träge. Ein durch den Beamtenabbau notwendig gewordener Am trag forderte für die ohne Wart«geld oder sonsttge Abfindung ent- lassenen Beamten den Anspruch auf Erwerbslosen- unter st ützung, dessen Berechtigung Genosse Zach ert nachwies. Ein anderer Antrag, vom Genossen Fl ata u begründet, wandte sich gegen die Ungerechtigkeiten der neu«sten B«soldungs- regelung im Reich, die auch für die Gemeinden gilt. Beide Anttäge fanden eine Mehrheit und wurden angenommen. Danach führte die Linke die B e f ch l u ß u n f ä h i g k e i t herbei, so daß der nichtöffentliche Teil, der die Beschlußfassung über den Ma- gistratsabbau und die Entscheidung im Kampf um Paulsen bringen sollte, ausfiel. Di« enttäuschte Rechte quittiert« mit wütendem Lärm. * Die Pfingstpause der Bersammlung Hot sich mit Rücksicht auf unseren Parteitag auf 14 Tage ausgedehnt. Die letzte Sitzung am 3. Juni war in ihrem zweiten, nichtöffentlichen Teil der VerHand- lung über den Abbau von Magistratsmitgliedern ge- widmet gewesen und hatte vorzeitig mit Tumult geendet. Gestern kam der Führer der Deutschen Volkspart«!, Herr v.(Eynern, auf diesen„sehr bedauerlichen" Vorfall zurück, jedoch nur, um zu er- klären, daß er und sein« Freunde der Angelegenheit weiteren Fort- gang zu geben nicht beabsichtigten, zumal auch der damals amtte- rende Vorsteher-Stellvertreter(Gen. Reimanu, der durch den von ihm ausgesprochenen Schluß der Sitzung die hell« Empörung derer um v. Eynern hervorgerufen hatte. Red.)— durch seinen Gesundheitszustand, wie man höre, auf längere Zeit den Sitzungen fern zu bleiben genötigt fei. Nachdem«ine Anfrage der Dnat. betr. die Verkehrs- Unfälle aus der Straßenbahn vom Stadtbaurat Adler dahin beantwortet worden, daß im Durchschnitt di« Zahl dieser Un- fülle zurückgegangen ist, und daß speziell der Ausbildung der Fahrer besondere Sorgfalt zugewendet wird, beschloß die Versammlung, den Rathausfestsaal bis zum 22. Juni den Veranstaltern einer Aus- stellung von Entwürfen für die Bebauung eines Teils des Prinz- Albrecht-Gartens an der Budapester und Anhaltstraße zu über- lassen, und erledigte dann fast ohne jede Aussprache in rascher Folge «ine Anzahl kleinerer Magistratsvorlagen und Inittativanttäg«. Ab- gelehnt wurde dem Ausschußantrage gemäß der von den Demo- traten seinerzeit eingebrachte Antrag Merten auf Aenderung der Geschäftsordnung zum Zwecke der Verschärfung der Disziplinarge- walt des Vorstandes gegen obstruierende Mitglieder, speziell Kam- munisten: Annahme fattd ein Antrag der Wirffchaftspartei insoweit, als der Magistrat ersucht werden soll, durch den Deutschen Städte- tag bei den gesetzgebenden Körperschaften dahin vorstellig zu wer- den, daß zur Hebung der BautRIgkelk und Schaffung von Mlelhäusern weitere steuerliche Erleichterungen auf begrenzt« Zeit — höchstens fünf Jahre— gewährt werden. Der Aufftellung von 10 Rettungssäulen durch die„Aestulap'-Gefellschast wurde zuge- stimmt.— Dann sollt« die zweite Lesung der Vorlage folgen, der die Umwandlung der 308. Gemeindeschule in ein« Lebens. gemeinschastsschul« bezweckt. In der Ausschußberatung ist die bürgerliche Mehrheit zur Ablehnung des Entwurfs gekommen. Aus Antrag Troll(Dnat.) wurde indessen die Vorlage an den Aus- schuh zurückverwiesen, da dieser sie in Abwesenheit des— beurlaubten— StÄitfchulrats Paulsen habe beraten müssen. Angenommen wurden ferner: 1)«in Antrag Müller- Fron» k e n(Wirffch. P.), ein im städtischen Besitz befindliches am Wann- se«. Königstraße, befindliches Grundstück, auf dem«ine Villa mit 20 Zimmern seit Jahr und Tag völlig leer steht, zu verkaufen oder angesichts der schweren Wohnungsnot Wohnzwecken dienstbar zu machen: 2)«in gemeinsam von den Komm., Soz., Dem. und Z. ge- stellter Antrag, die Zahl der Bürgerdeputierten in der Deputation für das Kunst- und Bildungswesen von 5 aus 3 zu erhöhen. Gen. Zach ert begründet dann den von unseren Genossen am 3. d. M. eingereichten Antrag, ,chen Magistrat zu ersuchen, zu ver- anlassen, daß die Verordnung de, Arbeitsministeriums zurückgenommen wird, nach der abgebaute oder entlassene Vean,.., die weder Warkegeld noch andere Abfindungssummen oder dgl. er» halten und daher erwerbslos sind, kein« Erwerbslosenunter- st ü tz u n g erhalten dürfen".— Die Annahme erfolgte mit großer Mehrheit, nachdem Zachert eindringlich die furchtbare Notlage dieser Beamten geschildert hatte, die unverschuldet um ihre Existenz ge- kommen seien und nunmehr auch zu den Aermsten der Armen ge- hören.— Ebenfalls vom 3. d. M. datiert unser Antrag, der auf die großen Ungerechtigkeiten der letzten Besoldungsregelung und ihre noch ungerechteren Auswirkungen hinweist und den Mogistrat auffordert, im Rahmen seiner Kompetenz mit allen Mitteln auf deren Beseitigung hinzuarbeiten. Hierzu gab Gen. F l a t a u die Begründung. Vor der Abstimmung bezweifelte Gen. Dr. Lohmann die Beschlußfähigkeit der Versammlung. Die Auszählung ergab jedoch die Anwesenheit von 114 Mitgliedern, die Zahl der im Saat Be- sindlichen überstieg also die absolute Mehrheit von 113 um 1, die Beschlußfähigkeit war noch vorlianden: di« Wstimmung ergab die Annahm« unseres Antrages.— Hiernach brachte Gen. Dr. Loh- mann einen Antrag auf Vertagung der Sitzung ein. Auf der Tagesordnung war bemerkt:„Die nichtöfsentliche Be- ratung(nämlich des Magistratsabbaues)� beginnt um l1/, Uhr". Di« gesamte Link« verließ den Saal, die Zählung ergab nur 36 Mit- glieder als anwesend, und der Borsteher Haß erklärte trotz des Protestes der Rechten, welche auf der Abhaltung der geheimen Sitzung bestehen zu dürfen glaubte, um 7 Uhr 10 Minuten die Sitzung für geschlossen. � � ♦ Die Beschlußunfähigkeit der Stadtverordnetenversammlung rief bei den Drahtziehern des Bürgerblocks, namentlich bei dem dazu ganz besonders berufenen Herrn Pfarrer Koch den üblichen obligaten Entrüftungssturm hervor. Mit der lauten Stimme, die diesem würdigen Diener der Kirch« von seinem Herrgott mitgegeben ist. brüllt« er d«m Vorsteher, Genossen Haß, ununterbrochen„Schiebung" zu. Die„Schiebung" soll darin bestanden haben, daß die Einladung zur gestrigen Stadwerordnetenoersammlung in der Form erfolgte. daß nur zu einer Sitzung einberufen war und die Beratung des Abbaues lediglich als„geheim« Beratung" bezeichnet war. Da die Herren Koch und Genossen von sich auf andere schließen, so be- haupteten sie, diese Form der Einberufung sei zwischen Haß und der sozialdmokratischen Fraktion verabredet, um di« Beratung des Abbaues in der Sitzung unmöglich zu machen. Wenn Herr Koch anstatt zu v e r l« u m d« n, sich beim Bureau der Versammlung er- kundigt hätte, würde er ohne viel Muh« erfahren haben, daß dies« Form der Einberufung der Praxis entspricht und im vorliegenden Fall außerdem noch vom Bureau ohne näher« Anweisung des Vorstehers veranlaßt war. Schon zu Beginn der Sitzung hatten die bürgerlichen Partien, wenigstens ihr rechter Flügel, durch Herrn v. Eynern erklären müssen, daß ihr Versuch, auf dem Umweg über ein Mißtrauensvotum gegen den Genossen Reimann, eine Vorsteherkrise zu entfesseln, zu ihrem schmerzlichen Bedauern ge- scheitert sei. Man sieht aber, daß sie in ihrer maßlosen Wut gegen die Sozialdemokrat!« jedes Mittel anzuwenden suchen, um ihrem Sozialistenhasse freien Lauf zu lassen. Di« sittlich« Entrüstung der bürgerlichen Parteien darüber, daß die Sozialdemo- kratie sich gegen den sogenannten Magistratsabbau mit allen Mitteln wendet, ist mehr wie kindlich. Die Drahtzieher des Bürgerblocks wissen selbstverständlich genau so gut wie wir, daß sie in schäm- loser Wels« bewußt da. Recht beugen und wider die klaren Bestimmungen des Gesetzes, die aus ganz anderen Gründen und zu ganz anderen Zwecken erlassene Abbauoerordnung zu polil!» schen Zwecken mißbrauchen wollen. Daß sie bei dieser Gelegenheit die Stirn haben, der Viermillionenstadt den verantwortlichen Stadt- schulrat zu nehmen, zeigt nur, welcher Engsfirnigkeit die Herr- schaften fähig sind, wenn es gilt, ihre Parteiinteressen zu wahren. Das Markieren in Entrüstung könnten sich di« bürgerlichen Parteien in diesem Falle wirtlich schenken. Gegen die Nar«, bewußt« und beabsichtigte Dergewaltigung, gegen di« unbestreitbare Verletzung des Rechts wird di« sozialdemokratische Fraktion mit allen Mitteln Front machen. Sie wind sich selbst nicht scheuen, bei einem so ausgezeichneten Kenner jurfftischer Kniffe und Rechtever- drehungeu, wie es der Führer der Volkspartei ist, eventuell Anleihen zu machen. Selbst das Temperament des Herrn Pfarrer Koch wird sie nicht abschrecken, das zu tun, was jeder tut, wenn ihm gegenüber das Recht gebeugt werden soll: si»ch wehren mit allen Mittelnl :r einige Sangesvorträg« zu Gehör. Oss kunclkunkproxrsmm. Mittwoch, den 18. Juni. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 6.30— 7 Uhr: Berliner Uunklcupelle(Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. Adolf Weillraann:„Vom Lautenspiel und anderer Hausmusik"(Jugendeortrag). 8 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Emst Rothe:„Unterbewußtsein, Suggestion, Hypnose, drahtlos beleuchtet". 9— tl Uhr: Blas-Orchester, Dirigent: Kapellmeister Carl Woitschach. 1. Hoch- und Deutschmeister- Marsch, von Ertl. 2.„Leichte Cavallerie"(Ouvertüre), von Er. v. Snppö. 3. Stephanie- Gavotte, von Ozibulka. 4. Kosen aus dem Süden, Walzer, von J. Strauß. 5., Sensations-Foxtrott, von Woitschach! 6. Potpourri aus„Die Fledermaus", von J. Strauß. 7. Aufziehen der Stadtwache, von Leo JesseL 8. Ich liebe dich, Walzer, von R. Waldteufel. 9. Habf ein bl&ue» Himmelbett, ans d«n Lerlmern in eommtrt&eatern W litte« geboten wird. Wir»«- 1 B. Waldteufel. 9. HaV ein bleues Himmelbett, aus.Fxasquita'. «eff« oaj dir Heuttg« Anzeige. j von Loher. 10. Armee-Marsch Kr. 7(L GardnBar).*' Zu dem eeichenfund bei MlHelmsHagen wird mitgeteilt, daß die Person des Toten noch nicht festgestellt ist. Am kleinen Finger der linken Hand hat der Mann einen zwei Zenti» meter langen, also sehr auffallend langen Nagel. Auch der Nagel des rechten kleinen Fingers ist ziemlich lang. Der Revolver ist mit der Mündung unmittelbar auf die Haut gesetzt worden. Die Klei- duttgsstück« sind nicht vom Geschoß durchschlagen. Der Arzt, der die Leiche am Fundort besichtigte, mußte die Kleidung aufknöpfen, um die Wunde bloßzulegen. Das scheint im Widerspruch mit einem Selbstmord zu stehen. Aber es ist doch wohl möglich, daß der Selbst» mörder die Mündung des Revolvers an die Brust gebracht hat, ohne daß er die Kleidung öffnete. Sleirische Sänger ln Berlin. Der S teirlsche Lieber* kränz, dem als österreichischer Dialekt- und Iodlerchor ein ausgezeichneter Ruf vorangeht, trifft, aus München kommend, Sonnabend den 21. Juni, in Berlin ein. Am 16. Juni singt er in München in der Funkzentrale für ein Radiokonzert und gibt anschließend ein großes Volksliederkonzert im Freien. In Berlin wird der Chor nur einmal, und zwar im Saalbau Friedrichshain, auftreten. Diese Veranstaltung wird vom Oesterreichisch-Deutslyen Volksbund Berlin vorbereitet. Außer den Steirischen Sängern, die eine Auswahl der besten Alpenlieder und Steirerjodler vortragen werden, wirkt noch die Deutsch österreichische Liedertafel Berlin mit. Bei dem Fest werden namhafte Parlamentarier für die Anschlußfrag« Deutschösterretchs sprechen. Da, volksbildungsaml Relnlckendorf veranslaltet am Mittwoch, den 18. d. MiS., abends 8 Uhr, im Etrandschlotz ,u Tegel-in 23olf8fcmj0lt, ausgeführt vom Blilthner-Orchester Eintritt 40 Pfennig. Wieder- holung des Konzerts am 20. d. M!s.. abends 8 Uhr, im Gesellschastsgarten zu Reinickendorf, Haupstr. 31/32. Großer Straßenbahnunfall ln Iserlohn. 15 Toke. Z0 Schwerverletzte. Dienstag abend gegen>18 Uhr versagte die Brems« der Straßen. bahn ans der abschüssigen Düsingstraße in der Obergrün« und rannte gegen die Schliepcrsch« Kettenfabrik. Der Wagen wurde vollstän�m zertrümmert. Bisher wurden 15 Tote geborgen und zg S-bwe�» oerletzte festgestellt._ � Dampferkatastrophe in de« Lofoten. In der Nacht zu Dienstag stießen im Wests jorb in den Lofoten dt« beiden norwegischen Dampfer„H<,nkon Jarl" und„Kong Harald" in dichtem Relxl zusammen.„Hactton fkrl" ging unter. 18 bis 20 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder ert ran kein„Kong Harald" wurde' Verhältnis» sttzkn �«Hgt. Nähere Einzelheiten über das Unglück Vierlinge geboren.(Eine Bewohnerin von Nancy, Frau Lopez, hat Vierlinge zur Welt gebracht, zwei Knaben und zwei Mädchen. Sie hatte bereits vorher sieben Kinder. Mrbelslurm in Amerika. Aus San Franziska wird gemeldet, daß ein Wirbelsturm von außergewöhnlicher Heftigkeit Kali- fornien heimgesucht hat, durch den mehrere Städte, vor allen Dirnen Los Angelos, litten. Bis jetzt sind 5 2 Tote und einige 100. Verletzte gemeldet. Der Sachschaden belauft sich, soweit man ihn vorläufig abschätzen kann, auf mehrere Millionen Dollar. Grost-öerliner parteinachrichten. 7. Krci, Sharlottenburg. Donnerstag, den IS. Juni, 7H Uhr, Aula der 82. Semeindeschule. Oranienstroße 13«, öffentliche Elternvcrsammlung. Tagesordnung:„Aufgaben und Bedeutung der Elternbeirötc." U. Kreis Reulölln. Abteilungsleiter Flugblätter zur Slternbeiratswahl ab- holen Donnerstag, den I». Juni, s Uhr. im Parteibureau. Die Ab- teilungcn müssen zum Donnerstag oder Freitag allgemein« Flugblattvcr- breituna vorbereiten. II.«reis«Svenick. Oeffentliche«kltrrnversannnlung in der Aula der Körner- schule am Mittwoch, den IS. Juni, abend» VA Uhr. Ref.! Stadtfchulrat Dr. Loewenstein. Freie Aussprach«. 21. Srei» Reinickendorf, ArbeiterwohlfahrtI Donnerstag, den IS. Juni, Vi Uhr. im Sihungofaal des Bathausc, Reinickendorf-Ost, Hauptstraße. S. Abend. Dr. Hodonn spricht über:„Grundfragen der soz. Hygiene und Aufbau des kommunalen Gesundheitswesens". heute, Mittwoch, den IS. Juni: 14. Abt. 7V4 Uhr Iahlabende: Stark. Putbufer Str. 14, Gillwald. Pukbuser Straß« 24. und Lokal„Ium kühlen Grund", Swinemllnder Str. 14. 27. Abt. Die Abtcilungsversammlung findet nicht heute, sondern Mittwoch, den 23. Zuni, statt 43. Abt. Die Iahlabende finden nicht statt. Kasstert wird in der Abteilungs- Versammlung am 23. Juni. 48. Abt. Funktionarkonferen, bei Ric-podziany, Brondenburgstr. 34. Sämt- liche Funktionäre, Elternbeiräte und Kandidaten müsse» erscheinen. Wich- tiqe Besprechung. 7»., 7.1. und 72. Abt. Wilmersdorf. 8 Uhr gemeinsamer Iahlabcnd im Ieichen- saal der Gemcindcschule, Koblenzer Straß«. Ref.: Genosse Maß:..Da» Sachverständigengutachten". 83. Abt. Lichterseld«. 7sh Uhr öffentlich« Protestversammlung gegen den Ab- rreibungsparagraphcn in der Aula de» Realgymnasiums, Dvakestr. 7«. Redner: Frau Dr. Wegscheider, M. d. L.. Dr. med.«ollwiß, Frau Marie Kuhnert, M. d. L. »I. Abt. Neukölln. Die zu heute einberufene Abteilungsversammlung findet der Kreismitgliederversommlung wegen nicht statt. III. Abt.«ohnodorf. Abend« 8 Uhr bei Heimann, Balte rsdorfer Str., Mitgliederversammlung. 127. Abt. Lohenschönhaufe». VA Uhr Schule Freienwalder Str. 8, Mitglieder- Versammlung. 140». Abt. Wittenau. VA Uhr bei Schulz, Oranienburger Str.. Berichterstattung vom Parteitag. Ref.: Genosse Breuer. Morgen, Donnerstag, den 19. Zuni: 14. Abt. VA Uhr Elternvcrfammlun« der ISO. Knabenschule, Graunstr. 11. 85. Abt. Zcmpclhof. VA Uhr Bersammlun-(zur Elternbeiratswahl) im Gc. nossrnschaflswirtshaus, Dorfftr. 30. Rcfi: Genosse Karsen. Thema:„Aufgaben und Bedeutung der Elternbeiräte." 123. Abt. Kaulsdorf. VA Uhr öffentliche Versammlung in der Turnhalle der Schule Adolfstr, 23. Bortra« des Genossen Dr. Kawcrau:„Ist die weltliche Schule religionslos?" III. Abt. Rcinickendvef-Ost. Donnerstag abend VA Uhr in der Aula des Real- gymnastums. Berner Str., öffentlich« Elternversammlung sämtlicher Schulen Reinickendorfs. Thema:„Warum müssen wir die Liste Schulaufbau wählen?" Ref.: Gen. Rektor Rieck. 21. Kreis Reinickendorf. In der„Borwärt»".Spedition Provinzstraß« stnd die Flugblätter für die Eltcrnbciratswahlen für sämtliche Abtellungcn abzuholen. Iintralarbcitiausschuß. Abend« I Uhr im Redaktionssthungssaal Lindcnstr. 8, 4. Hof, 4 Tr., wichtige Besperchung. außerdem Berteilung der Stimm- zettel und des Restes des Flugblattniaterial» sowie der Wahlplakate. Jeder Kreis muß verteet«!, fein. \ Sterbetafel der Groß-Serliner Partei-Grganifation 27. Abt. Senoffin Anna Kais er. Falkplaß 1, ist»erstorden. Die Be- erdigung find«t heute vormittag 10 Uhr auf dem Kirchhof der Gethsemane. Gemeinde. Nordend, statt. Um reg« Beteiligung wird gebeten, ?ugenüveranstaltungen. r«chtuyg, Iuqendgenossen und.genosfinnen! hin. daß unser Landheim am Lurnzscc für den Ferienaufenthalt zur Beifügung steht. Anmeldungen find an das Iugendfekretariat zu richten. Achtung, Abtelluugskasstercrl Es müssen von allen Abteilungen, foweit da» noch nicht geschehen ist. heute die Beitragsmarken für Inni abgeholt»nd die alten Marek» abgerechnet werden. Ferner ist die„Arbciter-Iugend in Empfang "»ic'ottmft zur Sonnenwende müssen von»erfchirdencn Abteilungen noch abgegcd«» werden. heute, ZNiltwoch, den IS. Zuni, abends 7% Uhr: Friedrichshagen: Jugendheim, Scharnwcberstr. 103, Diskufsson:„Gemein- fchaft." Lichtenberg. Ritte: Jugendheim, Dosseste, 22, Bortrag:„Gesunbheits- pflege und Jugend,"— Lichtenberg-Rord: Jugendheim, Pa er kaue 10, Diskussion: „Gemeinschaft."— Lichteeseld«: Jugendheim, Albrechtstr, 14«, Bortrag:„Iwcck und Iicle der TAI,"— Rieders chäncweid«: Schule, Berliner Str, 81, Vortrag: .Die völkische Bewegung,"— Südost R.-V,: Schule, Glvgauer Str. 15,„Ernst» Toller.Abend,"— Zempelhof: Lyzeum, Germania str. 4,0.„Stammbaum des Menschen." 3, Teil._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Arbeiter. Radioklub, Gruppe Ziergarten, Mittwoch obend im Lokal von Berger. Leveßowstr, 21. Ecke Iagowftraßc, öffentliche Berfammlung Mi« dem Thema:„Die kulturell« Bedeutung der Radiotechnik." Wir bitten unlere Mit- glieder. da« bestellte Material(Kopfhörer und Batterie) im Sekretariat, Eeiixlstr. 20. abzuholen. Bereiniaung für Schul-»ud Erziehung, fragen Berllu-Zrepta«. Bersamm. lungsort: Iciäienfaol der 1. Treptower Gemeindeschul«, Wildenbruchstr. 38, 3 Tr. Beginn 8 Uhr abends. Freitag den 20, Juni. Unsere Vortragsreihe Uber Sexualpädagogik.«Pfarrer Fr. Echwcnckc,) Gemeinschaft proletarischer Freideuker, Steglitz. Mitgliederversammlung am Donnerstag, den IS. Juni, abend» 8 Uhr, im Jugendheim, Kniephof., Ecke Ieperstraßl. EenossevDe. krisch« spricht über:„Eigene Erlebnisse im faschisti- slhen Italien."_ Sport. Renne« zu Grunewald am Dienstag, den 17. Zuni: I. Rennen. 1. Mellarofa(Lüder). 2. Teifi(v. Borke), 3. Herbststurm (Quade), Toto: 40: 10. Platz: 15, IS, 1t: 10. Ferner liefen: FamoS, Träumerin, Anarchist, Iduna, Rib, Kingrivalitz, 2. Renn cn, 1. Holdin(BiSmark), 2. Cicero(Stys), 8. Sllen(Nuß). Toto: 40: 10, Platz: 15, 14, 21: 10. Ferner liefen: Alsterrofe, Laisa, Spokcnkieker, Ouellnymphe, Stcrnfelt. Wilhelma. 2. Rennen. L Esther(v. Cckerlsberg), 2. Minstedt(v. Borke). 3, Tpirüist(Hr. Freese). Toto: 265: 1V. Platz: 4t, 15, 18: 10. Ferner liefen: Danabourg, Fandilla, MelinU, Sinnig. 4. Rennen. 1. Menling(liukulics), 2. Tischen(Schuller), 8. Ostflucht (Mate). Toto: 40:10, Platz: 16. 28,31:10. Ferner liefen: Tippet, Cabinet noir, Trompeter, Snob, Maral, Anyukam. 5, R c n n e 11, 1. Blauschwarz(Gröfchel), 2. Onkel Otto(Dorff), lMrfa). Toto: 107:10. Platz: 29, 72,""" 3. Malacara 33: 10. Ferner liefen: Donnerwetter, Henry(gef.). Morgenstunde, ilhasver, Rosarw(ges,), 6. Rennen. 1. Denkitein(Mate), 2. Tannkönig(StyS), 3. Jnfclbcrg 10. Platz: 2V, 14: 10. Ferner liefen: Parioli(aus- (Ohlei), Toto: 41 gebrochen),« n j Puschkin(Hr. König), 3. Maura(o.P-lzer), Toto: 29: 10. liefen: Grazie. Pharisäer, Held, senta, 2. General(Hr. Hantka), 11, 12, 11: 10. Ferner Geschäftliche Mitteilungen. Dreisen berarltellt werden können, zeigt die zurzeit in Iohanni»thal in der Waldstvau- im �Ntltebcn begriffen« Siedlungsanlage, deren Bauten in der „AMBI.Masnv. Bauweise" errichtet werden. In der Zeit vom 2 0. b i 3«in- 'chlleßiichaz au«i können diese Bauten unter fachkundiger Führung von 9 3 U'dr, am Sonntag nur von S-12 Uhr, besichtigt werden, Sriefkasten öer Redaktion. . B. H. IM. l Zvj.-�-bluna müssen Sie sich zufrieden geben, da Ihnen «in höherer Betrog nicht zusteht. 2. 220 M.— Erbschaft. Di« IS prozentige Aufwertung bezieht sich nur auf Hypothckcnforderungen. Di« Rückzahlung auf- Sypmhelenforderunaen kann nicht vor 1082 gefordert werden.— Nein. 2. Das ilt möglich. Nehmen Sie mit dem Wohnungsamt �ttckiprache Riedel 63. Iur Zahlung der Kirchensteuer für 1S24/2S stnd Sic »I Erheben Sic Einspruch argen die Beranlaguyg.— A, I, l«0. Die Aufwrrlung kann in jeder Höhe vorgcnommcn werden. Die gesetzliche Regc- «ütlichc Verständigung nicht. E« können also von ihr ab- weichende Vereinbarungen getrasse» werden. 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Was ist die Ursache? Die Symptome deuten mit Bestimmtheit auf den werdenden Plattfuß hin. Dieses Leiden entwickelt sich langsam- in drei Stadien: i. Stadium: Llebermüdnng. Die Wölbung des Fußbodens wird durch Muskel und Bänder aufrecht erhalten. Durch vieles Stehen oder schweres Körpergewicht werden diese überanstrengt. Darum sitzt der Schmerz nicht nur im Fußbogen, sondern folgt dem Verlauf der Muskeln bis zum Knie, meist fälschlich als Rheumatismus gedeutet. Am Fuß selbst keine sichtbaren Veränderungen. 2. Stadium: Fuß- Senkung. Beginn der Senkung des Fußbogens(nach außen noch immer nicht sichtbar). Vermehrung der Fußschmerzen, Schiefstellung des Fersenbeins(Knickfuß, Schmerz an den Knöcheln) Bilvung von Schwielen (Hornhaut) an der Fußsohle infolge veränderter Belastung. Fortdauer der Muskel- schmerzen, nächtliche Wadenkrämpfe als Zeichen der Zirkulationsstörung. Aus gleichem Grund oft neuralgische Beschwerden(falsche Ischias). Aebergreifen der Gelenkschmerzen auch auf Knie- u. Hüstgelenke(scheinbarer Gelenkrheumatismus). 3. Stadium: Ausgebildeter Plattfuß. Endgültiger Niederbruch des Ge- wölbes. Verringerung der Fußschmerzen, dagegen Vermehrung der Be- schwerden in den Beinen bis zum Kreuz hinauf. Ernstes Leiden, führt oft �ut gänzlichen Invalidisierung seiner Opfer. Befreiung erfolgt durch Hebung des schwachen Fußbogens mittels der pneu- matischen Schuheinlage ffheumeae Die„Pneumette" hebt das Fußgewölbe durch ein weiches Luftkissen, einen richtigen kleinen Pneumatik(daher der Name„Pneumette").„Pneumette" schmiegt sich lind an die harten Knochenvorsprünge unter dem Fußbogen an und hebt so das schwache Fußgewölbe zart und schmerzlos. Die„Pneumette" gibt dem leidenden Fuß unmittelbar seine Leistungsfähigkeit wieder, deshalb verschwinden die Schmerzen gewöhnlich„wie durch ein Wunder." Die Pneumette kann in jedem Schuh unsichtbar getragen werden, ist federleicht und unverwüstlich, auch beim stärksten Gebrauch. 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Aber trotz des Rückganges der Förderun'g seien in den letzten drei Jahren auf Grund des Versailler Vertrages noch rund 5 5 Mil- lionen Tonnen Repararionskohle abgeführt worden. Aehnlich fei es bei der Braunkohle und bei der Koks- gewinnung. Während 1913 rund 34 Millionen Tonnen Kohle aus-- geführt werden konnten, feien 1922 insgesamt 61,5 Millionen und 1323 rund 28 Millionen Tonnen Kohle eingeführt worden. Im Kalibergbau arbeiteten 1921 insgesamt 219 Werte, während zwei Jahr« später 113 Werke in Betrieb waren, von denen inzwischen miede rum ein Teil bis auf 83 Werk« die Arbelt eingestellt hat. Tausende von Bergarbeitern mußten monatelang arbeitslos dahinleben. Im Erzbergbau chessen-Nasfau seien 80 P r o z. der Betriebe stillgelegt. Auch im Braunkohlenbergbau leien die Verhältnisse nicht besser. chusemann erklärt« dann, daß die Abwehr gegen den Einmarsch in dos Ruhrgebiet im Sinne des verstorbenen Bergarbeiterführers Otto Hue gelegen Hab«. Leider sei der Ruhrkampf verloren worden. weil er nicht mit den rechten Mitteln finanziert und rechtzeitig ab- gebrochen wurde. Der Redner gab anschließend ein wnsassendes Bild von den V ergarbeilerkämpfen der letzten Jahre, die besonders wegen der geforderten Verlängerung der Arbeitszeit geführt wurden. Im Zusammenhang mit dem jüngsten Kampf der Bergarbeiter gegen die Zechenbarone äußerte chusemann, daß i n den letzten vier Wochen viel mehr an Förderung ausgefallen sei, als in den letzten fünf Monaten durch Mehrarbeit von den Bergarbeitern gefördert worden ist. Scharf war di« Abrechnung des Referenten mit den Kom- munisten, deren Sinn darauf gerichtet fei, alles zu zerschlagen, ohne etwas Besseres an die Stell« des Bestehenden zu setzen. Die Kommunisten führton die Arbeiterschaft nicht zu ihrem ZsÄe. sondern immer tiefer in das Elend hinein. Auch während des Bergarbeiter- streiks feien die kommunistischen Schreier die ersten gewesen, die die Arbeit wieder aufnahmen, weil sie fürchteten, entlassen zu werden. In O b e rs chl e f ien, wo die Kommunisten di« Führung an sich gerissen haben, stecken die Arbeiter im tiefsten Elend. Die Verbindung mit der roten Gewerk- schastszentrale in Moskau lehnt« chufemann ab, da ste ein Anhängsel der Kommunistischen Partei sei, während er der Iittemationale von Amsterdam und London Treu« gelobte. Anschließend folgte der Bericht Martmöllers über dl« sozialpolitischen Fragen. Er bemerkte, daß die Ber, arbeiterfchaft mit der Neuordnung der Erwerbslosenfürsorge nüi, allgemein einverstanden fem könne. Di« Beseitigung der Selbswer- waltung bei der Erwerbslosenfürsorge müsse bekämpft werden. Em L-ichtblick sei das R tichskaappfchaftsgefeh. Besonders wichtig sei die Bestimmung in§ 26, daß seder 50 Jahre alte Bergmann Invalid« werden könne, ohne den ärztlichen Roch- weis dcr Berufsunfähiqkeit beizubringen. Di« Rent« werde durch das Gesetz bei 25jähriger Tätigkeit auf 40 Proz. des chauerlohnes gegenüber 22 Prog fefigesetzt. In diesem Zusammenhang bedauert« der Redner das Entgegenkommen des Reichswirtschaftsministers ge- gsnüber den Unternehmern, die ein« Abänderung des Gesetzes wün- schen, da sie die Lasten nicht tragen können. Durch die Arbeits- zeitverordnung sei der Achtstundentag in der Praxis sehr i n F r a g e g e st e l l t. Bis jetzt sei es immer noch geglückt, di« schwersten Anstürme der Gegner auf di« Sozialpolitik abzuschlagen. In der nächsten Zeit seien neue sozialpolitische Gesetze, ins- besondere das Berggesetz, zu erwarten, und da seien Berg- arbeitcrvertreter in den Parlamenten unbedingt notwendig.— Nach einer kurzen Geschästsordnungsdebatt«, in deren Verlauf ein Oppositioneller dagegen protestierte, daß man am Sonn- tag die Begrüßungsrede der sächsischen Regierung zugelassen habe. wurde in die Mittagspause eingetreten. In der Nachmjttagssitzung wurde der Kassenbericht und der Bericht des Kontrollausschusses erstattet. Inzwischen unter- breitete der Vorstand folgend« Entschließung: „Die 24. Generalversammlung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands nimmt mit tiefster Beschämung und höchster Eni- rüstung Keimtnis von den unerhörten Angriffen, di« während der sich gegen den Kapitalismus richtenden Bergorbeiterkämpf« von kommunistischen Zeitungen und ebensolchen Flugblättern in Rhein- land und Westfalen, Obcrschlesien und Sachsen gegen die im Vorder- treffen dieser schweren Wirts chastskämpse stehenden Kameraden erfolgt sind. Di? Generalversammlung erwartet einmütig, daß in Zukunft solch« Kampfesarten unterbleiben, denn sie führen nur zur wei- teren Entzweiung der Bergarbeiter. Die Generalversammlung, zusammengesetzt aus Delegierten, die sich zu den verschiedensten politischen Parteien bekennen, ver- langt, daß Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Arbeiterdewe- guiig in sachlicher Weise und nicht in einer das Leben oder di« Gesundheit bedrohenden Art ausgetragen werden/ Di« Entschließung wurde gegen 6 Stimmen bei einer Stimmenenthaltung angenommen. Es folgte dann die De. batte über den Geschäftsbericht usw., in deren Verlaus Redner aller Richtungen zu Worte kamen. Ein Vertreter de» Saar- gebiets erklärt« u. a„ daß die Leistungen der Bergarbeiter an der Saar um 60 Proz. gegenüber der Vorkriegszeit gestiegen feien. Franz. simdenbura stellt« fest, daß die Löhne im polnischen Teil O b e r f ch l e 1 i e n s um 20 Proz. höher seien als im deutschen Gebret obwohl hier wesenllich mehr geleistet würde als in Polnisch- vberlcbielien Durch die chalrung des Reichsarbeitsministers fei in OberWiiefien oroßer volkswirtschaftlicher Schaden angerichtet worden. Nack dem Bericht der Mandatprüsungskommission sind 146 Delegierte, 19 Vorstandsmitglieder. 29 Bezirksleiter. 8 Kontrollausfchußmitglieder, 2 Redakteure. 4 Verbandsangestellt« und 4 Göst« anwesend. Die Debatte wurde gegen Abend auf Dienstag vormrttag ver- tagt. In einer geschlossenen Srtzung sollen die Mißtrauens- antrage gegen die Vorstandsmitglieder usw behandelt werden. Dritter verhandln»gsta� Dresden. 1?- Juni.(Eigener Drahtbericht.) Vorstandsmitgliedes Schmidt. Ueber eine von Rosemann eingebracht« Entschließung soll in öffentlicher Sitzung abgestimmt werden. In der Nachmittagssitzung wurde die Aussprache über den Ge- schäftsbcncht in der öffentlichen Sitzung fortgesetzt. Borrmann- Oelsnitz besprach den Kampf der sächsischen vergarb eiterschaft und ging scharf ins Gericht mit der Stellungnahme der Reichs- und sächsischen Regierung bei den jüngsten Kämpfen im Bergbau. Er sieht die Hauptausgabe des Verbandes für die nächste Zeit in der Zurückgewinnung der verlorenen Mitglieder. Einen breiten Spiel- räum in der Debatte, an der sich Weilmeyer, Haushamm. Feck, Viktor, Engelhardt, Grüneberger, Krafcik. Richter-Halte. Mandla, Dutschmann und Lawrenz beteiligten, nahm vor allem das umkämpfte Knappschastsgesetz ein. In seinem Schlußwort nahm H u s e- mann dann die Gelegenheit wahr, di« Auffassungen der Delegierten noch weiter zu klären und die schiefen Darlegungen der kommu- nistischen Opposition zu berichtigen,«charf rechnete er dabei mit den kommunistischen Umtrieben im Verbände ab, die sich bis zur Mord hetze gegen die Führer des alten Verbandes ver- oichfeteir. Weißbuch gegen Dolchstoß. Von Er ich Ku ttner. Das amtliche deutsche Weißbuch zur Borgeschichte des Waffenstillstandes stellte seit jeher den schlüssigsten und unanfechtbarsten Beweis gegen di« reaktionäre Dolchstoß- legende dar. Durch die in der zweiten Aufloge(erschienen bei der Deutschen Derlagsgesellschast für Politik und Ge- schichte m. b. H.) neu veröffentlichten 41 Dokumente sind die Beweise dafür, daß die Kapitulation Deutschlands von der Obersten Heeresleitung ausging, nicht durch die viel später einsetzende Revolution erzwungen rourW, noch erheblich vermehrt worden. Eine Anzahl reaktionärer Ge- schichtsklitterungen werden gerade durch die neuen Ur- künden in Nichts aufgelost, wovon wir im folgenden einige Beispiele geben. Gottdertraue« zu Wilso«. Heute schon liest man in jedem reaktionären Llättchen, daß der deutsche Michel Oktober 1918 in unbegreiflicher pazi- Mischer Verblendung auf Wilson und seine 14 Punkte hin- eingefallen sei. Demgegenüber konnte schon auf Grund der bisherigen Dokumente festgestellt werden, daß es gerade Ludendorff war, der am 2. Oktober durch seinen Ver- trauensmann, Freihsrrn von Lersner, das Auswärtige Amt bestürmte, die 14 Punkte Wilsons zur Grundlage des ge- planten Friedensschrittes M nehmen. Ein neues Dokument(Nr. Z9c der Sammlung) zeigt das Gottvertrauen der Obersten Heeresleitung zu Wilson m noch weit stärkerem Glänze. Ein Erlaß des Generalfeld- Marschalls von Hindenburg vom 18. Oktober 1918 an alle Heeresgruppen und an das Oberkommando des Westens be- ginnt mit den Worten: „Umstehend bringe ich eine mir aus vertraulichem Wege zu- geyangene Beurteilung der politischen Lage zur Kenntnis, die ich für zutreffend halte/ Diese Beurteilung, die Hindenburg sich zu eigen macht, stellt folgendes an die Spitze: „Es besteht zurzeit großer Gegensatz Wilson-Foch. Wilson will einen Rechksfrieden der Versöhnung und Verständigung. Foch will völlige Demütigung Deutschlands und Befriedigung der französischen Eitelkeit... Eine militärische Demütigung Deukschlands erstrebt Wilson nicht. Foch dagegen will mit allen Mitteln volle militärische Kapitulation und Demütigung(Beftiedigung französischen Rache- gefühls) erreichen." Der Bericht sucht dann in plump-durchsichtiger Weise dar- zulegen, daß die zu rasche Demokratisierung Deutschlands Wilsons Position gegenüber Foch schwäche!!! Diese absttusen Gedankengänge sind charakteristtsch genug für die politische Urteilslosigkeit beziehungsweise bauernschlaue Tölpelhaftigkeit der führenden Herren Generäle; doch rückt dieser Gesichtspunkt im vorliegenden Zusammenhang in zwette Linie. Hier sei ausdrücklich festgestellt, daß Feldmarschall Hindenburg noch am 18. Oktober 1918 von dem ehrlichen Versöhnungswillen Wilsons fest überzeugt war und ihn gar nicht laut genug rühmen konnte, sei es auch nur in der Absicht, der fortschreiten- den Demokratisierung Deutschlands ein Bein zu stellen. Die gleiche Ansicht vertreten Hindenburg und Ludendorff auch noch m der Anweisung für die Waffen st ill- standskommission(neues Dokument Nr. 76 a). Der Entwurf dieser Anweisung zeigt die Signierung Hin- denburgs und Ludendorffs vom 2 3. Oktober 1918. In dieser Anweisung heißt" es: „Trotzdem müssen wir selbstverständlich stets zur Wiederaufnahm« des Kampfes bereit sein, für den Fgll, daß uns Bsdingungen gestellt werden sollten, die unser« Zukunft zerstören. Solche Be- dingungen Legen wahrscheinlich nichk in der Absicht des Präsidenten Wilson." Erst in den folgenden Tagen tauchen dann der Wilson- gläubigen Obersten Heeresleitung Zweifel auf, die sich aber durchaus nicht auf Wilsons Person beziehen, sondern auf das Die vrachensaat. rcfereni. Schmidt reckmrtich- die Tätigkeit der Verbandsleiwng bei Tcirnoerhandlnrtcen und bei den Verhandlungen über die Ueber- arbeit. Rciemann rmms-hte schärfere Betonung des Klassenkompi- charakters der Gewerkschchien und bei wichtigen Fragen umsasstnde Aktionen an Stelle v«. Teilstreit, in einzelnen Revieren. In sehr sachlicher Debatte nahm die Generalversammlung zu den Aussüh- rungen der beiden Referent«, Stellung, überwiegend im Kinn« de» . i m LuöenöorK-Koömos: Aufklärung im Westen! verfiuchtl 5ch brauche Regenwetter für«eine Saat!* Anwachsen militaristischer Strömungen bei )er Entente, die Wilsons Position erschwerten. Jedenfalls eigen die angeführten Dokument«, daß mindestens bis zum !3. Oktober die Oberste Heeresleitung weit mehr als sämtliche eutschcn Pazifisten zusammengenommen auf Wilson schwor Konnten wir weiter kämpfe«? Die oben zitierte„Anweisung an die Waffenstillstands' 'ommission" ist in einem andern Punkt noch viel bedeutungs- voller. Am 1. Oktober 1918 hatte Ludendorff, total zu nnmengebrolfym, bekanntlich immer wieder betont, daß die Armee keine 24 Stunden mehr auf den Waffenstillstand warten könne. Einige Wochen später erklärt« er dann, sich in er Beurteilung der Lage geirrt zu haben und verlangte Siederaufnahme des Kampfes. Die Protokolle der betreffen« im Kriegsratssitzungen sind bekannt. Der preußische General -on Scheuch hat später bekundet, daß diese Sitzungen, die zu einen traurigsten Erlebnissen zählten, weil die Oberst« )eeresleitung nicht das mindeste Positive zur Begründung chres veränderten Standpunktes anführen konnte. Trotzdem ehauptet Ludendorff heute, daß die militärische Lag« sich � amals tatsächlich gebessert hätte. Die von ihm mitsignierte ' lnweisung der Waffenstillstandskommission beweist da» 'leg enteil. Sie beginnt nämsich mit folgendem Lage- ericht: „Die militärische Lage ist derart, daß die Kraft« des Feldheere» u einem sicheren Halten der Stellung nichtmehrausreichen. er Ersah gleicht die verlasse seit langem nicht mehr au». Wir innten zwar, um die empfindlichsten Lücken zu schließen, unter Schwächung der Kriegswirtschaft au» der Heimat noch ne größere Anzahl Leute herausziehen. Diese reiche« aber nicht ' US, um da» Heer in kurzer Zeit wieder auf ausreichende Kampf» l nft zu bringen. Unser« Feind« dagegen können unter voller Aufrechterhaltung jt Kriegswirtschaft ihr« Heere mindesten» auf gleicher ) ö h e halten. Da» Stärkevorhällnl» de» Heere» wird sich daher dauernd zu i uferen Ungunsten verschlechtern.' Ein deutlicheres Bekenntnis, daß die Lage des deutschen "leeres sich von Tag zu Tag verschlechtert«, kann man sich ar nicht vorstellen. Woher die Unzufriedenheit? vi« Dolchstoßlegende behauptet, daß bereits zurzeit der 1 udendorfffchen Kapitulation(Ende September/Anfang ktober 1918) das Heer revolutionär zerwühlt gewesen sei nd Ludendorff deshalb habe Schluß machen müssen. leder m den alten, noch in den neuen Dokumenten der bersten Heeresleitung findet sich«In Hinweis auf die revo- tionäre Zerwübluw� Wohl aber sind gerade die Dokumente cser Zeit voll des Rühmens über die Tapferkeit der Front» Visionen. Dagegen ergeben gerade die neuen Dokumente ar, daß die zweifellos vorhandene Unzufriedenheit im Feld» : zer, die wir stets betont haben, nicht auf künstliche Propa- mda, sondern auf tatsächsiche Mißstände in der Behand» mg und Verpflegung zurückzuführen ist. Di« Erlasse Hinden- urgs und Ludendorffs aus dem September 1918(Dokumente Zd bis 19«) sind eme einzige Klage über die Minderwertigkeit ';s Offizierersatzes und das schlechte Verhalten des neuen - ffizierkorps. Ein Erlaß Ludendorffs vom 11. September 1919 fteM len Mangel an brauchbaren Offizieren bei der nfonterie fest' und kündet— etwas spät!— an. daß samt- che kriegsoerwendungsfphigen Offiziere zur Frontver« >-endung frei zu machen seien. Persönliche Rücksichten dürsten etzt endsich!) nicht mehr mitsprechen. Diese Ausführungen --inner» an einen schon bekannten Erlaß �des bayerischen riegsministers von Hellrngrath, in dem dieser seine Eni- istung über die große Zahl der k. v. Offiziere in Etappe und Heimat ausspricht. Ein„streng geheimes' Rundschreiben Hindenburgs vom 1. September 1918(Dokument 10d) wird noch deutsicher. )ir zitieren wörtlich: „Mit besonderer Sorge erfüllen mich die sich häufenden Mel» -ngen, daß das vertrauen zwischen Führung und Trupp«, zwischen ifizier und Mann nicht mehr überall da» die fei Die Trupp« ? uß das Mitfühlen ihrer höheren vorgefetzten in allen Logen, -r Soldat insbesondere dierastlose Fürsorge seiner Offizier« r fein leiblich«» Wohl, namentlich für die Verpflegung, fefcerzeit kennen. Schorf« Aufmerksamkeit auf unrichtiges ver- alten yon Offizieren jeden Alters, die dadurch der Ge- mtheit des Offiziertorps und damit dem inneren Gefüg« des :eres schaden, ist geboten. Die Lebenshaltung und «bensführung jedes Offiziers mutz vorbildlich sein." Wer zwischen den Zeilen lesen kann, weiß genug. Der- r stig« Mahnungen werden doch nur erlassen, wenn tatsächlich as Gegenteil geschieht. Uebersetzt man Hinden- ':rgs Mahnung ins Konkrete, so bedeutet sie: Es fehlt an :m Mitfühlen der höheren Vorgesetzten, es fehlt an der ürsorge der Offiziere für das leibliche Wohl des Soldaten, wichtigen Verhallen von Offizieren ist h ä u fi g. die Lebens- ? rltung und Lebensführung der Offiziere sind nicht vor- ldlich.___ Wenn die Sozialdemokratie dies aussprach, hat es jedes- mal ein Wutgeheul gegeben. Es wurden sogar noch bis in die jüngste Zell Strafen wegen Beeidigungen des Offizierkorps verhängt. Hindenburg bestätigt, daß unsere Beobachtung richtig war. Ja. in einem weiteren Erlaß vom 26. September 1918(neues Dokument 10«) führt Hindenburg ausdrücklich das Nachlassen der Disziplin und das Sinken der Kampfkraft mancher Truppenteile nicht auf die Soldaten, sondern auf „Verminderung der Leistungen und der inneren Geschlossen- hell einzelner Offizrer- und Unteroffizier- k o r p s" zurück. Der Obersten Heeresleitung muß gesagt werden, daß auch sie leider für alle diese Mißstände erst im Augenblick der Niederlage Organ und Gefühl halle. Die vielfachen und rechtzeitigen Kritiken der Sozialdemokratie hat sie, solange die Dinge an der Front gut gingen, in den Wind geschlagen. Ein Beweis wehr, daß die Front nicht von hinten, sondern höchstens von o b e n erdolcht worden ist. CAVA! iN OAV 5TU£UPUc.y crct.H ACHTEL- eunctiitm erUÄl Cavalin an Sornraertagen schafft unendliches Behagen. Der Streupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen,— Für Sport und Wanderung. Hentelleria W. Splader A.-O., BerUa C. 19 Hühnerau�' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlanee« Sie •utdräckiich.Lebewohl" Bit FiUring. Wirtschaft Seneralverfammlang See.deutschen Werkel Die dem Reich gehörigen Deutschen Werk« hielten gestern, Dienstag, in ihrem Verwaltungsgebäude Berlin-Wllmersdvrf die Generaloersammlung für das Geschäftsjahr 1923 ab. Zu der vor- gelegten Bilanz, die als Papiermarkbilanz keinen Rückschluß auf den wirtlichen Stand des Unternehmen» zuläßt, wurde mitgeteill, daß ein Auftragsbestand für zwei bis drei Monat« vorhanden ist, jedoch hat sich der Zugang an neuen Aufträgen sehr verlangsann und ist augenblicklich sehr gering. Ai» Auftroggeber fällt besonder» der Hauptabnehmer der Deutschen Werke, die Landevirkschaft, fort. In« folg« der herrschenden Geldnot oerlangt diese Zahlungsstundung. was für das Unternehmen selbst die Notwendigkeit einer empfind- lichen Betriebskapitalerhöhung bedeutet. Günstiger als die kauf- männifche Lag« Hot stch die technische Entwicklung gestaltet, die hoff- nunysooll« Auspicke für die Zukunft gewährt. Besonder» wird die Konzentration Im Unternehmen fortgesetzt, um möglichst bald die Wiedereinstellung einer oermehrten Arbeiterschaft zu ermöglichen. Die Verwaltung ist davon überzeugt, daß, wenn die gegenwärtige Krise nicht allzu lang« anhält, die Deutsch« Werke A.-G. die wirt- schoftliche Depression überwinden wird. Die Goldmalkbilanz ist fertiggestellt, ihre Deröfsentlichung hängt von einer möglichen Ueber- sicht über die Derhältmsfe im Reiche ab. Da» Geschäftsjahr beginnt in Zukunft ab 1. Oktober. Dafür sind Gründe betriebstechnischer Art ausschlaggebend gewesen, z. V. eine zu erzielend« größere Genauig- kett in der Jnnenturaufnahm«. Direktor Henrich führt» im Anschluß an die Erledigung der Seschäfwordnung u. a. trat, daß während der Inflationszeit nur schüchtern« Experimente oersuchsmäßiger Besserungen im Betrieb vorgenommen werden konnten. Erst mit der Goldmarkbilanz wird sich dos zerrüttete Bild imferer Wirtschaft zeigen. Während der Inflation hat die Wirtschaft vom Staat« gelebt. Jetzt lebt aber der Staat von der Wirtschaft. In Wirklichkeit bedeutet da» nur ein« Veberiragung des Saldos. Die Wähiung ist zu guter Letzt nur durch Kreditrestriktion«» stabil geworden. Diese An- spomiuny hat aber den Rest des Konsums auf ein Minimum ein- geschränkt. Dazu kommen die hohen Zinsen. In guten Zeiten rentierte sich das Industriekapital im Durchschnitt mit i'A Proz., bei ganz guten Werken und Unternehmungen mit 12 Proz Wenn heut« aber 36 bis 40 Proz. verlangt werden, so muß diese Zinssvrderung zur Aufzehruna der vorhandenen Substanz führen. Im großen und ganzen kann betont toetbm, daß wir wohl eine stabil« Währung haben, daß aber, wenn keine Lenderung de» gagenwäriigen Zu- stände? eintritt, die wirtschaftlichen Quellen oersiegen müssen. Bon diesem Standpunkt aus kommt man zu folgenden Forderungen: Wir brauchen höchste Arbeitsintensität und billige» Geld. Nachdruck verdient die Forderung nach billigem Kapital. Und hier kann gesagt werden, daß oh«« ausländisches Geld ein« Sanierung der deutschen Wirtschaft unmöglich ist. Herr Henrich schloß fein« interessanten Ausführungen mit einem Appell an die politischen Parteien des Reichstages, ihre Ar- beiden zu beschleunigen. Geschieht bas nicht, dann wäre jedes Be- mühen in der Wirtschaft umsonst. « Soweit unser Bericht. Warn sich Direktor Henrich gegen die hohen Zinsiätze für Leihkapital wendete und im Zusammenhang damit die Kreditpolitik der Reichsbank angriff, so liegt hier eine Verwechslung zweier ganz verschiedener Vorgänge vor. Gewiß, die Reichsbank hat ihr« Kredite eingeschränkt. Aber sie vergibt ihr« Kredite, deren Summ« um SV Proz. höher ist als vor dem Kriege, für lk> Proz. her, wozu noch ein« gering« Provision kommt: die künstlich« Verteuerung des LeihgePes auf 36 bis 40 Proz. ist ein« Folg« der wucherischen Geldpolitik der Privatbanken. Da» wird gerade von denjenigen Leu km so gern verschwiegen, die die Kreditpolitik der Reichsbant angreifen. Deutschland ist, wie wir kürzlich an einer Gegenüberstellung aufzeigten. daseinzigeLand der Welt, in dem heute der Prioatzinsfatz über dem offiziellen Geldlcihfatz liegt. Da« sollte doch zu denken geben. Wenn die Reichsbank heute das Anderthalbfache der Kredit« gewährt wie vor dem Kriege, wenn trogbem der ungeheuerliche Kreditwucher möglich ist, so kann man dafür doch nicht die Reichsbankpolllik verantwortlich machen, sondern man muß die Gründe tiefer suchen. Sie liegen in der ungeheuren Nachfrage nach Bargeld, die entstanden ist mit der durch die Flucht in die Sachwert« während der Inflation vollzogenen Immobilisierung der flüssigen veiriebsmittet. Kein« Volkswirtschaft der Welt kann es sich leiffen, fünf Jahre lang ihr ganze« geschäftliche» Handeln auf den Grundsatz einzustellen. daß der Sachwort alles, da» bare Geld nichts ist. versucht man dennoch«ine Whtschastsführung auf dieser Dosis— und der deutsch« Kapitalismus hat ertigezen den sozialistischen Warnungen diese, Spiel gewagt—, so m u ß in demselben Augenblick, wo normal« Wirtschaftsverhältnisse eintreten, ein ungeheurer Kreditbedarf die Folge fein. Ihm ohne weitere« nachgeben, heißt näht» andere», als durch überreichliche Gewährung von Kre- diten die Gefahr einer neuen Inflation, eine» neuen Währung»- stiuze, mit allen feinen Folgen heroufbejchwöreni Der Leiter der Deutschen Werke ist feiner an der Reichsbonk- Politik geübten Kritik auch nicht ganz sicher. Sonst hätte er nicht eine Sanierung dce: Wirtschaft ohne Auslandkredite als un, möglich hingestellt fljd von den politischen Parteien b« s ch l« u- n> g t« Arbeit— offenbar zur Herstellung der Kreditbafis— verlangt. Do» Ewgchtöndm» und die Forderung sind gleich wichtig, Wem, es wahr ist. daß die«ieberherftelllurg d-r Wirtschaft ohne Ausland, kredite unmvglich ist, so ist es unbillig, sie von der Reich». bank allein zu erwarten. Dann ist es aber in der Tat notwendig, daß durch Annahme des Dawes-Gutachtens die Grundlag« für eine ausgedehnte Kreditgewährung des Auslands an die deutsch« Wirt- schaft hergestellt wird. Dies« Forderung wurde von der Sozial- demokratie seit der Bekanntgabe des Gutachtens vertreten. Sie wird hier als richtig bestätigt von einem Wtrtschaftsführer, der wiederHoll von Rechtsparteien für stch in Anspruch genommen wurde. Krise und flrbettsmartt. Im Reichsarbeitsblatt vom 16 Juni 1924 wird für den Monat Mai dos Einsetzen einer rückl äufigen Bewegung auf dem deutschön Ärbeitsmarkt festgestellt. Räch den besonderen Berichten der wirtschaftlichen Fachverbände. Handelskammern und Landesarbeitsämter sowie von rund 2000 einzelnen Industriebetrieben an die Reichsarbeitsverwaltung ist der Auftragseingang in den verschiedenen Zweigen der Industrie wesentlich schwacher geworden. Di« Rückwirkung auf den Arbeitsmarkt war vorerst noch nicht so erheblich, weil die Betriebe im wesentlichen noch an alleren Bestellungen weitcr arbeiten konnten und die Notwendigkeit schnellen Kapitalumschlag» vielfach zu Einstellungen neuer Arbeitskräfte nötigte zum mindesten da, wo es sich darum handelte, die infolge von Arbeitsstreitigkeilen verzögert« Erledigung von Austrägen zu beschleunigen. Dadurch wurden die Falle ausgeglichen, in denen Unternehmungen aus Aut trag, oder Kapitalmangel bereits im Mai Arbeiter entließen. Im ganzen hat sich die Zahl der Arbeitslosen nach den vorliegenden Ergebnissen noch nicht gesteigert, sse ist vielmehr noch Im leichten Abnehmen begriffen. Der Arbeitsmarkt wies im Mai vorerst im allgemeinen nur Anzeichen für«In wachsendes Angebot von bei zun Hilf, arbeiten zum Teil noch zunehmendem Mangel an Spezialarbeitern auf. Aber die wirtschaftlichen Wirkungen mangeln- usträge und der Kapital- und Kreditschwierigkeiten für die Betriebe bereits stark fühlbar. In verschiedenen Wirtschwts. zweigen kam es im Mai zum Abstoßen von Waren zu herab- '' ten Preisen infolge dringenden Kapitalbedarf». unoermeidli. Immerhin hat Selbsthilfe der Wirtschaft noch nicht in erforderlichen Umfang ausgewirkt, um eine bessere Auf- na hm« sä HIg kett des Auslandes wie des Inlandsmarktes beizusühren. her« Zuspitzung öer valutafrage in dänemark. Au» Kopenhagen wird uns geschrieben: Di« Ablehnung der Valuta- und W i rts cha s t» plä n e fang reiche Mahn« luven noch vor den pnrlamentarilchen Sommerferien zu schaffen. Begründet wurde die Forderung mit dem Hin- weis, daß andernfalls der gegenwärtige Kurs der dänischen Krone nicht zu halten wäre. Bisher sst er durch scharf- Ratio- nierung der fremden Valuten und Zubußen der Nationalbank ge- stützt worden. Die valutazentral« weist aber darauf hin. daß diese Mittel zu versooen beginnen gegenüber einer einsetzenden direkten und indirekten Kapitalflucht durch Bezahlung von Valutarechnungen vor verfall, Stehenlasferr von Geldern im Ausland auf Mark-, Sterling- und Dollarkonti». Die Vevisenzeniral« entwirft selbst einen Plan, einen ll zu besonder« auf die tief zerrütteten Der neuen Kronenfall verhindern und weist in diesem i« tief zerrütteten Derhältvisfe der Staat»- i nä n z e n hin. Statt der fetztjöhrlgen Unterbilanz müsse dos dänische Budget in den nächsten Iahren ollem jährlich 30 Millionen Ueberschuß zur Auszahlung verfallender Anleihen erzielen. Um aber dem Erwerbsleben die zur Deckung der außerordentlichen Steuerlasten ohne Geschäft sstvckung nötigen Kredite zuzuführen, schlägt die valutazenstal« die Aufnahm« einer neuen Auslands» a n l e i h e von 40 Millionen Doqar vor, von denen 10 Millionen dem nords chleswigfchen Markt zufließen sollen und 30 Millionen in die rekonstruiert« Landmannsbank gesteckt werden müßten? Gerade die letzter« Enthüllung beleuchtet blitzartig die f'nanüell« Situation, die fast an 1S06'07 erinnert, wo d'e finan.uellen B-rhältnisse mit Riefenschritten dem Zusammenbruch von 1903 entgegengingen. Di« dänische Sozialdemokratie bat ebenso wie die Bankleute der Devisenzentrale di« drohend« Gefahr erkannt. Mit den Wh'lfsmitteln. die diese vorschlagen(neue, indirekte Steuern. direkte Steuererhöhuugen auf niedrig« Einkommen, neue Gelder für die Landmannsbonk, bei der die Rattonalbank schon 180 Mil- Iwnen zugu» hat) kann sie sich nicht einverstanden erklären. Doch wird die bittere Notwendigkeit hie? eine Brücke finden. Im Lugen- blick oerhandelt Stauning mit der Balutazentrale. Wahrscheinlich wird dem störrischen Landsthing noch ein neuer Valutoplan vor- ge'egt. Bon ihm hängt ab. ob er in di« Sommerfrische gehen oder arbeiten will. Das dänische Wirtschaftsgebäude knistert in den Fugen: packt man nicht zu. dann ist das Schlimmst« zu befürchten. Ltguidlerung oder Umgestaltung der Renlenbank? In der letzten Woche ist im Zusammenhang mit der Notwendigkeit, die Rentenbank gemäß dem Dawes-Gutachten zu liquidieren, die Forde- rung erhoben worden, die Bank in ein Kreditinstitut für die Landwirtschaft umzuwandeln. Maßgebend für diese Forde- rung war die Unmöglichkeit der Landwirtschaft, die Renten- mark-Kredit«(ungefähr 8S0 Millionen) in Kürze zurück- � v*- i t mm v«e& v« � c* e � � i---_____ Y"f„ e___ weiterbestehen bleibt und mit ihr die Belastung der Land» Wirtschaft. Di« Sank würde so in eine Währunas- und in ein« Dorlehnsbcm? geteilt Die erster« käme in 10 Iahren zum Er« löschen, während die zweite zu einem reinen AgrarkredUinstitut ent- wickelt werden soll. Für den Plan sprechen«ine ganz« Reihe von Argumenten, die bereits oben angedeutet find, gegen ihn ober der wichtige Umstand, daß durch ihn die geplante rein« Gold» Währung gestört würde. Da» Finanz- und da» Er- nährung sm in! st erium k>ab