Nr. 284 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 146 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Lugemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmart pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Reit" mit ,, Gied. Jung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart. Reflamezcile 4– Gotomart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 0,20 Gold. mart( zulässig awei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Eine Goldmark ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, LindenStraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Berlag: Donboff 2506-2507 Redaktion: Dönhoff 292-295 Donnerstag, den 19. Juni 1924 Faschisten- Dämmerung? Rücktrittsabsichten Mussolinis. Rom, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.). Die politische krisis{ aus Anlaß des Mordes an Matteotti steigert sich immer mehr. Die Position Mussolinis wird mehr und mehr erschüffert. Es wird damit gerechnet, daß er von seinem Posten zurücktritt. Die französische Amnestie. Caillaug wird begnadigt. = Paris, 18. Juni.( Eig. Drahtb.) Der Gesetzentwurf über die Amnestie, der am Mittwochabend von der Regierung in der Rammer eingebracht wurde, sagt in seiner Begründung, die aus den Wahlen Der Papst demonstriert gegen die Mörder. des 11. Mai hervorgegangene Regierung halte es für ihre Pflicht, Rom, 18. Juni.( 2.) Die Ermordung Matteoffis hält ganz die 13. Legislaturperiode mit einer Maßnahme der Güte und der Italien in furchtbare Aufregung. Die Witwe des Er- Gnade zu eröffnen. Sie unterbreite deshalb dem Parlament einen mordeten wurde gestern vom Papst in Audienz empfangen, der Amnestiegefeßentwurf, der weit genug gehe, um eine allgemeine ihr Tröftungen der Religion zusprach. Es steht nunmehr fest, daß Versöhnung und Beruhigung der Geister herbeizuführen. Die Matteotti in einem Auto entführt und in furchtbarer Weise Amneste soll sich erstrecken auf alle Delikte gegen das Breß abgeschlachtet wurde. Die Leiche wurde wahrscheinlich von den Mördern vergraben. Mussolini bemüht sich, die herrschende Auf- gefez, has toalitions recht, die Jagd und Fischerei den Mördern vergraben. Mussolini bemüht sich, die herrschende Auf- gefeße, auf Vergehen gegen die Steuer- und 301 l gejeggebung, regung in ganz Italien zu beschwichtigen und droht fortgesetzt, alle auf die Delikte der einfachen Körperverlegung, des Wider Versuche, den Mord zu politischen Zwecken ausnutzen zu wollen, mit standes gegen die Staatsgewalt, sowie auf alle leichteren, der einder ganzen Gewalt des Staates niederzuschlagen. Mussolini fachen Polizeigerichtsbarkeit unterliegenden Vergehen. Sie soll befürchtet, mit Rüdficht auf eine Reihe von oppositio- ausgedehnt werden auf die durch den Obersten Staats nellen kundgebungen der Arbeiterschaft, daß es zu gerichtshof seit 1914 ausgesprochenen Urteile. Da die gegen einem Streit der Eisenbahner kommen könnte und droht allen Elfen- Maloy ausgesprochene Strafe bereits abgelaufen ist, ist der einzige bahnern, welche sich an einem Streit beteiligen würden, mit der fo- Benefiziant dieser Bestimmung der im Jahre 1920 megen angeblicher fortigen Entlassung. Im Lager der faschistischen Partei gärt es, Beziehungen zu dem Feinde zu zehnjähriger Verbannung verurteilte weil eine ganze Reihe führender Persönlichkeiten fompro- ehemalige Ministerpräsident Caillaug. Darüber hinaus be= mittiert sind. Wie durch die Untersuchung festgestellt wurde, ver- antragt die Regierung, ihr für ein Jahr das Recht zu übertragen, fügt eine Reihe von faschistischen Führern, die noch vor wenigen auch die von den Kriegsgerichten Berurteilten der BegnadiJahren vollkommen mittellofe und existenziose Individuen waren, gung teilhaftig werden zu lassen. jeht über Millionen, viele Häufer und große Guthaben bei den Banken. Mussolini scheint bestrebt zu sein, sich bei dieser Gelegenheit einer Reihe von Mitgliedern seiner Partei, die ihm läftig wurden, zu entledigen. Weitere Faschisten verhaftet. Rom, 18. Juni.( Eig. Drahtb.) Außer den vier bereits verhafteten maßgebenden Mitgliedern der faschistischen Partei, die attiv an der Ermordung Matteottis beteiligt sind, wurden in zwischen weitere Oberfaschisten verhaftet. Filipelli ist dem Unterfuchungsrichter in Rom vorgeführt worden. Es verlautet, daß aus dem bisherigen Verhör der Angeschuldigten mit Sicherheit der eigentliche Täter zu erkennen ist. Gemieden wie die Pest. Genf, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Um den Schwindel aufrechtzuerhallen, als ob die Arbeiter Italiens famt und sonders zu den Faschisten, ihren brutalften Feinden, übergegangen seien, hat die Mussolini- Regierung schon im vorigen Jahre und jetzt wieder nur faschistische Gewerkschafter" zur Internationalen Ar beitsfonferenz in Genf entsandt und natürlich nichtfaschisti schen, also wirklichen Gewerkschaftern die Teilnahme an der Konferenz unmöglich gemacht. Wie im Vorjahr, so lehnen auch jetzt wieder die Mitglieder der Konferenz jede Gemeinschaft- mit dem herzoglich Mussolinischen Arbeitervertreter unbedingt ab, und das erst recht nach der elenden Hinschlachtung Matteottis. Der Generalsekretär der Faschistengewerkschaften Rossini wurde nicht in eine einzige Kommission gewählt. Darauf verlangte die italienische Regierungsabordnung, daß das Vorschlagskomitee der Arbeitskonferenz sich noch einmal mit der Angelegenheit befaßt. Dies geschah- aber es blieb bei der Ablehnung des Herrn Rossini, der also lediglich als läftiger Außenseiter, gemieden wie die Best, die Konferenz mitmachen kann. Die Borstandsmitglieder der Arbeitergruppen beschlossen, an einer Rundgebung der sozialistischen Partei in Genf zu Ehren des ermordeten Matteotti teilzunehmen und dabei das Wort zu ergreifen. Herriot/ Hymans/ Parmoor. Die Pariser Besprechung. Paris, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Besuch des belgischen Außenministers Hymans, der auf der Rückreise von Genf am Mittwoch Paris passiert hat, bei Herriot war von sehr furzer Dauer. Er schien mehr einer Fühlungnahme als einer wirklichen Aussprache gegolten zu haben, die Herriot dem Besuch vorbehalten zu wollen scheint, den er auf der Rückreise von London der belgischen Regierung in Brüssel abzustatten beabsichtigt. Hymans hat beim Verlassen des Quai d'Orsay erklärt, daß er Herriot über die Ergebnisse der Unterredungen in Kenntnis gesetzt habe, die er im vergangenen Monat mit den Premierministern Englands und Italiens gehabt habe, und daß Herriot zugesagt habe, die belgische Regierung in der gleichen Weise über seine Besprechungen in London auf dem Laufenden zu haiten. Es sei wohl nicht nötig, zu betonen, daß die belgische und die französische Regierung sich in vollfommenem Einvernehmen hinsichtlich der Durchführung des Sachverständigenplanes einschließlich der durch die Aktion bedingten Borfichtsmaßnahmen befinde. Bor Hymans war der britische Vertreter im Völkerbundrat, Lord Pormoor, bei Herriot gewesen. Die Einladung Macdonalds an Herriot. London, 18. Juni.( Eig. Drahtb.) Macdonald hat Herrist ge beten, wenn möglich schon am Freitagabend nach London zu tommen, weil er Montag in Glasgow sein müsse und den Wunsch habe, sich mit Herriot zwei volle Tage zu unterhalten. Gegenbesuch des deutschen Botschafters. Paris, 18. Juni.( Eca.) Der deutsche Botschafter hat heute vor= mittag den Besuch Herriots, welchen dieser vorige Woche der deut schen Botschaft abstattete, am Lai d'Orsay erwidert. Breitscheid bei Herriot. Paris, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Reichstagsabgeord: neter Genosse Dr. Breitscheid ist am Mittwochnachmittag von Herriot empfangen worden, mit dem er im Beisein des Abgeord: neten Genossen Moutet eine längere Aussprache hatte. und Warnung an die Deutschnationalen. Paris, 18. Juni.( WTB.) Zu dem außenpolitischen Programm, das in Kammer und Senat gestern in der ministeriellen Erklärung vorgetragner wurde, schreibt der" Temps", die deutschen Rechtsparteien seien gewarnt. Wenn sie die Annahme der Gejeze verzögerten, die zur Durchführung des Sachverständigen berichtes unerläßlich seien, so werde es ihre Obstruktion sein, die den gegenwärtigen Zustand im Ruhrgebiet nur verlängere. Sie hätten denen sie soviel Aufsehens machten, und der nationalistischen die Wahl zwischen den nationalen Interessen, von Phrase, die in Deutschland wie anderwärts gerade die Berneinung des nationalen Interesses feien. In Frankreich weckten die Worte: Räumung des Ruhrgebietes natürlich Einwände, und man werde sich anstrengen, den Nachweis zu führen, daß Frankreich und Belgien das Ruhrgebiet nicht zu räumen brauchten, bevor sie vollständige Bezahlung erhalten hätten, daß die Durchführung der von den Sachverständigen formulierten Empfehlungen, selbst wenn sie mit den vorgesehenen Garantien Hand in Hand gehen, sicher nicht der völligen Begleichung der Reparationen gleichkomme. Das Blatt fährt fort: Wir glauben, bevor man unter Franzosen darüber streitet, daß es flug wäre, in Erfahrung zu bringen, ob England die Absicht habe, am 10. Januar 1925 Köln zu räumen. Die einzige auf die Dauer wirksame Abrüstung ist in den Augen des„ Temps, die moralische Abrüftung. Die neue französische Regierung wünscht deshalb, daß die deutsche Demokratie sich befestige, und nicht ohne Grund steht an dieser Stelle der Erklärung die Ankündigung, daß die Re: gierung die Wiedereinstellung oder Begnadigung Don Ausgewiesenen oder verurteilten Deutschen beabsichtige. Herriot hat nicht gewollt, baß diese Begnadigungsmaßnahmen Gegenstand eines Kuhhandels würden, er hat sie sozusagen umsonst gewährt. So hat er den deutschen Republikanern gezeigt, daß zwischen allen Anhängern der Demokratie und des Friedens, gleichviel in welchem Lager sie sind, eine Interesfengemeinschaft besteht. Denn Frankreich glaubt seiner eigenen Sache zu dienen, wenn es den deutschen Linksparteien ihre Arbeit erleichtert, ebenso wie diese selbst der Sache ihres eigenen Landes dienen würden, wenn sie sich für die volle Durchführung der für den Sachverständigenbericht erforderlichen Arbeiten einsetzten. Der ideale Mut ist eine höhere Form des Klarblics. Das neue litauifche Kabinett hat folgende Zusammenfeßung: Ministerpräsident, Justiz und Inneres: Lumenas; Aeußeres: Czerneptie( bisher Gesandter in London); Landesverteidigung: Oberst Daukantas; Berkehr: Major Sinszis. Alle anderen Portefeuilles bleiben wie bisher besetzt. Die Mitglieder gehören der so. zialistischen Volkspartei und der demokratischen Partei an. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Was wollen fie? Die Rechtspresse und das Programm Herriots. Das Echo der Erklärung der Regierung Herriot in der deutschen Rechtspresse wird die Freude der französischen Nationalisten hervorrufen. Sie werden sich auf diese Breßstimmen stützen, um von Herriot statt der Politik der Verständigung, eine Politik der Sanktionen zu fordern. Die Presse der Rechten wird nie lernen, das Interesse Deutschlands über ihr erbärmliches Agitationsinteresse zu stellen. " Die Deutsche Zeitung" bezeichnet. die französische Regierungserklärung als eine Beleidigung für das deutsche Volk", weil wie sie fälschend behauptet- diefe Erklärung Deutschland als nationalistisch, angriffslüstern und rache dürstend hinstelle". Es ist immerhin beachtenswert, daß die" Deutsche Zeitung" solche Behauptung als beleidigend empfindet. Wir waren bisher gewöhnt, daß die Deutschnationalen jeden, der nicht wie sie von Revanche und monarchischer Restauration träumte, als schlechteren Deutschen zu infamieren fuchten. Nun wird uns die Abwesenheit von Rachedurft zur Ehre gerechnet. Aber die französische Regierungserklärung hat nicht vom Nationalismus und Rachedurst des deutschen Volkes gesprochen, sondern von den nationalistischen und revanchelüfternen Elementen in Deutschland, und die Deutsche Zeitung" denkt nicht daran, sich durch diesen Vorwurf, zu dem sie täglich Anlaß gibt, beleidigt zu fühlen. Hat fie doch erst gestern abend wieder den Generalleutnant a. D. von Cramon schreiben, fossen: „ Wir verbitten uns aber eine Einmischung in unsere inneren Verhältnisse. Drud erzeugt Gegendruck, und wenn Herr Herriot die nationale Welle in Deutschland weiter hochtreiben will, so fann er fein besseres Mittel hierfür anwenden, als in den bisher von Boincaré beschrittenen Wegen weiter zu wandeln. Einmal schlägt die Stunde der Erlösung und dann auch die Stunde der Rache ganz bestimmt." Die Entrüftung über die Beleidigung des deutschen Bolkes ist also geheuchelt. Was ist es demnach, was die deutsche rungserklärung veranlaßt hat? Denn ein Wutschrei ist das Rechtspresse zu einem Wutschrei über die französische RegieEcho der nationalistischen Bresse in Deutschland: „ Das erste amtliche Auftreten der neuen französischen Regierung übertrifft die schlimmsten Erwartungen." über die Erklärung Herriots. So beginnt die Deutsche Zeitung" ihre Betrachtungen Was haben die Deutsch nationalen von dieser Regierungs= erklärung denn eigentlich erwartet? Haben sie geglaubt, daß Herriot auf alle Reparationen verzichten würde? Haben sie geglaubt, daß er eine Verbeugung vor dem deutschen Nationalismus machen würde, haben sie etwa geglaubt, daß er noch mehr Willen zur Verständigung zeigen würde, wo fie doch die Verständigung nur kennen, wo der eine am Boden liegt und der andere ihm triumphierend das Schwert an die Kehle hält. Haben die Deutschnationalen etwa erwartet, daß Herriot ihnen die Rolle Poincarés geben und sich und Frankreich zu ihren Füßen legen würde? Das haben sie alles nicht erwartet. Denn sie haben von dieser französischen Regierungserklärung nur erwartet, was ihre eigene Stellung in Deutschland stützen könnte. Sie haben mehr Nationalismus, mehr Geist vom Geiste Poincarés erwartet. Die Deutsche Tageszeitung", das andere, cffiziellere Organ der Deutschnationalen, beurteilt die Politit Herriots so: im ,, Eine Politif, die zumal sie, wenn sie ihre Wirkung getan hat, jederzeit wieder vom Poincarismus ersetzt werden kann Endeffekt zweifellos für uns bedenklicher ist, als eine geradlinige Fortsetzung des Kurses MillerandPoincaré gewesen wäre." Sie haben also auf eine geradlinige Fortsetzung des Kurses Poincaré- Miller and gehofft. Sie haben zwar erwartet, daß die Regierung Herriot von diesem Kurse abweichen würde, aber sie haben gehofft, daß der Grad der Abweichung gering genug wäre, um ihnen die Fortsetzung ihres Revanchegeſchreis und ihrer Propaganda für eine intranfingente Haltung in der Außenpolitik zu ermöglichen. Daß der Geist der Verständigung über den finsteren Geist des Poincarismus triumphiert das übertrifft allerdings ihre schlimmften Erwartungen nicht für die Zukunft Deutschlands, sondern für die Rückwirkung des Kurswechsels in Frankreich auf die Zukunft ihrer eigenen innenpolitischen Stellung in Deutschland. Denn die Deutschnationalen werten die französische Entwicklung nicht unter dem Gesichtspunkt der deutsch- franzöfifchen Beziehungen, sondern unter dem Gesichtspunkt der Aussichten des Gedankens der monarchischen Restauration und der Machtübernahme der Deutschnationalen in Deutschland. Sie stellen ihr enges Barteiintereffe über die Interessen des Landes. Sie haben ihr Parteigeschäft aufgebaut auf der un versöhnlichen Politik Poincariss. Je schwärzer der Himmel im Westen, um so Heller die Sonne der Volksgunst in Deutschland für sie! Ihre nationale Dischplin geht Zum Teufel in dem Augenblick, in dem die außenpolitische Lage Deutschlands sich bessert und das Parteigeschäst der Deutschnationalen flöten geht. Die geradlinige Fortsetzung des Kurses P o i n c a r 6- M i l l e r a n d wäre i h n e n lieber gewesen— der Kurswechsel ist ihnen bedenklich. Für Deutschland wäre die Fortsetzung des Kurses Poincar6 bedenklich, der Kurswechsel ist eine Hoffnung. Darin liegt die ganze Gegensätzlichkeit der Parteiintercssen der Deutschnationalen und der nationalen Interessen Deutschlands. Nationale Disziplin erfordert, die außenpolitischen Inter- essen des Landes über die Pardeiinteressen zu stellen. Die deutsche Sozialdemokratie hat diese nationale Disziplin immer bewiesen. Die Deutschnationalen haben sie immer gebrochen. Sie brechen sie auch jetzt. Sie werden niemals jene nationale Disziplin üben, die die englischen bürgerlichen Parteien gegen- über der Arbeiterregierung im Interesse des Landes und semer außenpolitischen Stellung erweisen. Sie haben auf den Miß- erfolg des bisherigen Kurses der deutschen Außenpolitik spekuliert. Sie haben diesen Mißerfolg durch die Gassen geschrien zu einer Zeit, als diese Außenpolitik noch in der Auswirkung begriffen war. An ihnen liegt es wahrhaftig nicht, wenn diese Außenpolitik nicht gescheitert und Deutschland nicht ganz ins Verderben gerissen worden ist! Die Deutschnationalen und mit ihnen die Völkischen haben bei jedem Teilerfolg der deuffchen Außenpolitik der letzten Jahre ein lautes Geschrei der Entrüstung erhoben. Immer, wenn ein Hoffnungsblick sich zeigte, haben sie aus Haß und Wut über das Fehlschlagen ihrer Spekulation auf die Der- schlechterung der deutschen Stellung in der Welt eine schamlose Hetze entfesselt gegen die Männer, die im Interesse Deutschlands ihre Spekulation durchkreuzten. In wenigen Tagen sind es zwei Jahre, daß R a t h e n a u den Kugeln völkischer Mord- buben zum Opfer fiel, weil er das Wiesbadener Abkommen schloß, das eine Atmosphäre der Verständigung herbeiführen sollte! Die von. ihnen bekämpfte Außenpolitik steht vor ihrem Er- folg. Deutschlands Stellung kann erleichtert werden. Die Be- freiung der besetzten Gebiete rückt aus der Sphäre der Forde- rung in die Sphäre der Möglichkeit. Nasionale Disziplin er- fordert, diese Entwicklung um des engen Parteiinteresses willen zum mindesten nicht zu durchkreuzen. Da erhebt sich das Re- vanchegeschrei. der Geist des Nationalismus bei den Deutsch- nationalen mit ganzer Kraft— zur Freude jener nationalisti- scher Kreise in Frankreich, die lieber heute als-morgen�zurück wollen zum-Poincarismus! Da erhebt sich aufs neue jene wilde nationalistische Hetze in der deuffchen inneren Politik, jene Verleumdung und Infamierung der Führer der erfolg- reichen Außenpolitik, jene Mordhetze, die Deutschland zerreißt und die Hoffnung der Nationalisten des Auslandes ist! Wut über diwBesserung der außenpolitischen Lage Deuffch- lands, Hetze gegen die Führer der Befreiungspolisik im Innern, das ist das Echo der sogenannten Nationalen in Deutschland auf die Entwicklung in Frankreich. Sollen wir eine neue Hochflut der Mordhetze erleben? Schon hat sie be- gönnen und zielt aus unseren Genossen B r e i t s ch e i d. „B r e i t s ch e i d hat H e r r i o t geraten, N o l l e t zum Kriegs- minister zu ernennen!" So die„Pommersche Tages- post�, und— etwas vorsichtiger verhüllt— die.Leipziger N e u e st e n Nachrichten". Aufs neue soll der finstere Geist der Gewalt erweckt, die Aufklärung des euro- päischen Horizonts verdunkelt werden. ' Da erfordert das nationale Interesse, daß im Inneren Deutschlands dieser nationalen Disziplinlosigkeit ein Ende ge- macht wird! Die Freiheit Deutschlands ist aufs engste ver- knüpft mit dem Siegender Demokratie und des Verständi- gungsgedankens über Revanchegeist und nationalistisches Mordgeschrei. Das Parteigeschäft der Deutschnationalen muß zerbrechen, damit Deutschland leben kann! Nuhrräumung und �erriot-Erklarung. Eine notwendige Feststellung. Als die sozialdemokratischen Redner während des Wahl- kampfes auf die Notwendigkeit der Annahme des Sachverstän- digengutachtens u. a. mit dem Argument hinwiesen, daß nur so die Räumung des Ruhrgebietes erreicht werden könnte, wurden sie regelmäßig durch höhnische Zwischenrufe deutsch- nationaler oder kommunissischer Versammlungsteilnehmer unterbrochen:„Schwindel! Daran glauben Sie selbst nicht! Vierzehn Punkte Wilsons!" und dergleichen. Solange P o i n c a r 6 und der Nationale Block in Frank- reich am Ruder waren, konnte ein gewisser Skeptizismus immerhin begründet sein. Trotzdem war unsere Vehaup- tung unantastbar richtig, daß die Annahme des Sachverstän- digengutachtens die einzige Möglichkeit einer Befreiung des Ruhrgebietes bedeutete, da die andere Möglichkeit, die ge- waltfante Befreiung eine Unmöglichkeit ist. Und es war ferner richtig, daß das Sachverständigengutachten zwar die militä- rische Räumung des Ruhrgebietes nicht ausdrücklich vorschrieb, aber durch die unbedingte Forderung der Wieder- Herstellung der staatlichen und wirtschaftlichen Souveränität Deutschlands innerhalb der gesamten Grenzen des Reiches, durch das Verbot künfsiger militärischer Eingriffe in den Gang der Verwaltung und der Wirffchaft, und durch die Anrechnung der Besatzungskosten auf die Reparationsleistungen die An- Wesenheit der Besatzungstruppen in einen zwecklosen und kost- spieligen Luxus verwandelte. Daher war die Schlußfolgerung berechtigt, daß auch die militärische Räumung des Ruhrgebietes sich mit zwingender Logik aus der beiderseitigen Annahme des Gutachtens ergeben würde. Mit dem Sturz des Nationafen Blocks, mit dem Re- gierungsantritt der französischen Linken hatte sich diese Ver- mutung zu einer Gewißheit verdichtet. Die einzige, aller- dings erhebliche Schwierigkeit war die inzwischen erfolgte Stärkung derjenigen deutschen Parteien rechts und links, die das Gutachten bekämpfen und die Verständigung mit Frank- reich ablehnen. Hätte die Regierung Herriot nicht mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sie am Tage nach der Ruhr- räumung einer Regierung mit deutschnationalen Revanche-. Hetzern gegenüberstehen würde, so wäre die Programmerklä- rung Herriots bezüglich der militärischen Ruhrräumung zweifellos noch viel präziser ausgefallen. Die deutschnationale Presse— von der„Roten Fahne" können wir in diesem Zusammenhang noch nicht reden, weil ihre Redaktion am Dienstag abend die Programmrede Herriots einfach verschlafen hat!— tobt sich natürlich sowohl wegen der Ausnahmen bei der Amnestie wie auch wegen der Stellen über die Militärkontrolle und vor allem wegen der Verklausulierung des Räumungsversprechens ge- hörig aus. Ihre Wutanfälle sind um so begreiflicher als der neue Kurs in Frankreich für sie den schwersten Schlag bedeutet und weil ihr nichts anderes übrig bleibt als jede Aenderung in der französischen Politik dreist zu leugnen. Deshalb sehen wir uns veranlaßt, unzweideutig folgendes festzustellen: Die m i l i t ä r i s ch e Räumung des Ruhrgebietes ist von den Sachverständigen nicht ausdrücklich vor- geschrieben worden. Eine Regierung Millerand-Poincar6 hätte sich nur sehr schwer dazu bewegen lassen. Die Tatsache, daß Herriot diese militärisck)e Räumung nach dem Beginn der Durchführung des Sachverständigenberichtes feierlich ver- sprachen hat, ist«in ungeheurer Fortschritt, diesen Fortschritt verdanken wir nur dem Umstand, daß die deutschnational-kommunistisch-völkische Einheitsfront bei der Abstimmung im Reichstag in der Minderheit geblieben ist. Jeder deutschnationale oder kommunistische Erfolg im Reichs- tag und im Lande trägt nur dazu bei, die Erfüllung dieses Versprechens zu verzögern oder gar zu gefährden. Sehr beut- sich und zutreffend streicht Herbette im„Temps" vory gestern abend in einer Besprechung des außenpolisifchen Programms Herriots das Dilemma heraus, vor dem wir stehen: die Harfe. Äon Paul Mochmann. Quer über das Fensterviereck meines Arbeitszimmers spannen sich ein paar Schienenstränge der Eisenbahn. Wenn die Sonne auf sie scheint, blitzen sie wie die Silbersaiten einer Harfe. Und meine Sehnsucht spielt auf ihnen das Lied von der weiten, weiten Welt. Die Strecke ist eine der Haupwerkehrsstrohen der Länder. Alle Augenblicke rattern, zischen und schnaufen in das Schleifen meiner Stahlfeder die vorüberfahrenden Züge. Güterwagen, zu langen Ketten aneiimndergekoppelt, rollen vorbei. Man hört, auch wenn man es sonst nicht erkennen kann, an dem helleren oder dumpferen Gepolter der Räder und Achsen, welche Züge leer, welche beladen sind. Ohne Hast, mit der sicheren zuverlässigen Ruhe des erprobten Arbeiters, tun sie ihre Pflicht. Personenzüge, oft überquellend von lebendiger Fracht, gehen, immer kürzer schnaufend, allmählich zu schnellerer Fahrt über. Schmetternd rennen die Schnellzugswagen ihren breitbrüstigen Lokomotiven nach. Manchmal kommt ein« einzelne Maschine, hält pfeifend gerade unter meinem Fenster, pafft licht« Dampfwolkem gegen den Himmel, pfeift und rollt rückwärts wieder dem nahen Stadtbahnhof zu. Es sind jahrein, jahraus immer dieselben Bilder. Mein Auge hat sich längst an sie gewöhnt und bringt sein« Eindrücke kaum noch bis an das Bewußtsein. Rur hin und wieder weckt eine Berände- rung flüchtige Aufmerksamkeit. Im Winter sind es die ersten Schnee- Matratzen auf den gewölbten Dächern und den Trittbrettern der Wagen: im Sommer ist es«in grüner Busch, eine wehende Fahne vor einem �Fenster. Dann durchzuckt mich oft die Sehnsucht: nach einem freien Rundblick über beschneit« Bergkuppen oder nach den mittagschwülen Kiefernwäldern und den breiten Seenflächen meiner Heimat. Einmal freilich-kamen in langer Folge Züge, die andere Empftn- düngen oufriihrten. Aus niedrigen Plattcnwagen standen, von Stricken gehalten, scheckig bemalt« Haubitzen und reckten ihre ge- drungenen Hälse bösartig gegen einen milden Herbsthimmel. Protzen. Gullcffchkanonen, Sanitätskarren glitten hinterher. An den Lang- feiten der gedeckten Güterwagen klafften die Schiebetüren mit breitem Spalt. Soldaten in grauem Drillichanzug saßen in der Lücke und ließen ihre plumpen Stiefel vom Rand herabbaumeln. Reichswehr war auf dem Kriegspfade, um irdgendwo hungrigen Arbeitslosen den schreienden Mund mit zackigen Eisenspiittern zu stopfen. Wüstes Grölen aus den Fenstern übertönte den Lärm der eisernen Räder. Mich fror auf einmal. Es war, als würde die furchtbare„Große Zeit" wieder lebendig: die Zeit, in der Millionen von grauen Männern so nach allen Windrichtungen durch Deutschland fuhren, über die Grenzen hinarzs an die Front, wo sinnloses Mühen, ewige Gefahr und der gräßliche Mord auf sie lauerte... Heute morgen lenkte wieder plötzlicher Stimmeillärm mein Auge Pom Schreibtisch weg auf den Bahnkörper. Aber nicht aus über- brüllten Soldatenkehlen kam er. Kinder in hellen Kleidern drängten sich Kopf über Kopf in den offenen Fenstern eines Personenzuges und schrien aus vollen Lungen der Stadt, die sie hinter sich ließen, ihre Abschiedsgrüße zu. Dünne ngckt« Arme stießen so weit nur möglich in die Lust vor und schwangen heftig weiße Tücher. Das Außergewöhnlich«, das Erlebnis einer Reise. um orte gewalsig in dem jungen Blut. So wie die Kinder die Straßen und Höf«, an denen sie entlang fuhren, so füllen die Stare die Abendlust über herbstlichen Stoppelfeldern mit lärmender Unrast, wenn sie sich zum großen Flug über das Meer anschicken. Ich weiß nicht, wo das Ziel des Zuges war. Vielleicht lag es nur am Rande des städtischen Weichbildes, da wo die Häuser niedriger und die Straßen lockerer und" grüner werden: vielleicht auch tief im Lande, oder gar jenseits der Grenzen bei Nachbarn, die menschlich, nicht völkisch beschränkt empfinden. Aber— ob L Kilometer oder SOO, für die Jugend machte es keinen großen Unterschied. Für sie war die Fahrt in jedem Fall«in Er- eignis, ein bglückendes Abenteuer.-- Der letzte Wagen glitt hinter dem Fensterrahmen. Dos Kinder- geschrei wurde'dünner, zerflatterte und verwehte. Leer logen wieder die Schienen'. Sie flimmerten im Sonnenlicht, und es war, als käme von ihnen ein heller, freudiger Harfenton. Amisverkchr zwischen Deutschen. Die Berliner Zeitschrift „Oesterreich-Deuffchland" berichtet: Ein rm deutschen Gebiet ge- lcgenes Gericht Böhmens hatt sich in einer Vormundschaftssache an ein reich s deutsches Amtsgericht zu wenden. Das vom Vor- mimde vorgebrachte Anliegen muß zuerst ins Tschechische über- setzt wcrden(erste Uebersctzung), das Bezirksgericht leitet den Akt an die ffchschische Gesandtschaft in Berlin, die ihn ins Französische übersetzt(zweite Uebersetzung) und an das reichsdenffche Amtsgericht leitet, das sich den Akt ins Deutsche übersetzt(dritte Uebersetzung» und dann deuffch an die Berliner Gesandffchaft sendet. Diese oder das adressierte Bezirksgericht übersetzt sich den Akt wieder ins Tschechische(vierte Uebersetzung), und das Bezirksgericht gibt dann die Erledigung tschechisch und in deuffcher Uebersetzung(fünfte Uebersetzung) an den deutschen Jnlandsvormund hinaus. Also: Um nicht den naturgemäßen Verkehr der In- und Auslandsämter in der Angelegenheit zweier deutschen Parteien in deutscher Sprache zuzulassen, muß ein Apparat gesckafsen werden, der eine fünf- malige Uebersetzung und die Heranziehung zweier nichtdeutscher Sprachen erfordert! Und dies bei Aemtern, in denen, einschließlich der Berliner Gesandtschaft, überall deuffch verstanden wird! Wann wird die Vernunft den Weg zur Naturordnung finden? Förderung künstlerischer Laienspiele. In diesen Tagen fand im Reichsmini st eri um des Innern eine erste Besprechung über das Wesen und die Förderung des Laienspiels statt, zu der das Archiv für Volksbildung eine Reihe von Leiffätzen aufgestellt und einig« interessierte Vertreter des Theaters, der Theatervefbäade, der Prüfungsausschüsse für Jugendschristen und der Jugend ein- laden hatte. Von den Teilnehmern wurde Form und Tätigkeit der dramatischen Dilettantenvereine, die von der Nach- ahmung der. Berusstheater leben und in der Regel einer greulichen '„Die deutschen Rechtsparleien wissen nunmehr, woran sie sind. Wenn sie die Verabschiedung der Ge- setze zur Durchführung des Daweschen Programms verzögern, so fällt jede Verlängerung des gegenwörti- gen Zustandes ihrer Obstruktion zur Last. Auch sie müssen nunmehr wählen zwischen den nationalen Interessen und der national! st ischen Propa- g a n d a, die in Deutschland wie überall eine V e r n e i- n u n g des nationalen Interesses darstellt." .die mr Völkischer Ton in der volksparteilichen„Zeit". Das offizielle Organ der Deutschen Volkspartei, die„Zeit". ist bekanntlich gegründet worden, weil die„DAZ." weder im Ton noch im Inhalt als würdiger Repräsentant der Partei erschien. Indes hat der Mangel an journalistischem Nach- wuchs dazu geführt, daß auch die„Zeit" sehr bald kläglich herunterkam. Es ist keine ausnahmsweise Entgleisung, sondern nur ein Beispiel für die vornehmen Manieren, in denen sich das volksparteiliche Zentralorgan gefällt, wenn dort über die Vorgänge in der Kasseler Stadtverordnetenverfamm- lung folgendes geschrieben steht: Der„Vorwärts" sucht die Bedeutung dieser Abstimmung zu ver- kleinern, indem er meint, der Oberbürgermeister brauche deshalb nicht zurücktreten, wozu ihn auch die Sprecher der Sozialdemokra!:e aufgefordert haben. Daß Herr Philipp Scheidemann so schnell den schönen Posten räumen würde, haben wohl auch die Antragsteller selbst nicht erwartet— die Klebefähigkeit der Art ist ollz u bekannt. „Die Art" Scheidemanns ist uns allerdings bekannt. Es ist die Art von Männern, die' ihr Leben lang unter schweren Opfern und Gefahren ihrer Ueberzeugung dienen. Aber nicht minder bekannt ist„die Art" gewisser Nachkriegs-Iourna- listen, die bereit find, für angemessenes Honorar Führer gegne- rifcher Parteien mit dem Dreck ihrer eigenen Gesinnung zu besudeln. Die Volkspartei zeigt nur, was sie von sich selber halt, wenn sie ihr sozusagen„führendes" Blatt von solchen Zierden der Journalistik redigieren läßt, der Arbeitsplan der Reichstags. Der.Aeltestenrat des Reichstags beschäftigte sich gestern nachmittag in mehr als zweistim'diger Sitzung, an der auch der Reichskanzler Marx teilnahm, mit dem Geschäftsplan für die Sommertagung des Reichstags. Es wurde beschlossen, an dem ur- sprllnglich für die nächst« Plenarsitzung angenommenen Di e n s t a g nächster Woche festzuhalten und dann die ganze Woche hin- durch Sitzungen abzuhalten. Don Sonnabend ab soll dann wieder ein« etwa vierzehntägige Pause eintreten, uM der Regierung Zeit zu geben, die mit dem Sachverständigen-Gutachten zusammenhän- genden Gesetzentwürfe für die Beratung im Reichstag fertigzustellen. Nach der Pause wird also der Reichstag gegen Mitte Juli wieder zusammentreten, um die Reparationsgesetze zu er- ledigen, und es wird angenommen, daß in der ersten Hälfte des August die größere Sommerpause eintreten kann. Die Etatsberatung wird wahrscheinlich bis zum Herbst zurückge- stellt werden, da es möglich fft, daß durch die Repciratiansrrgslung noch erhebliche Aenderungen im Etat erforderlich sind. Der Aelte- ftenrat wird eine Stunde vor der nächsten Plenarsitzung noch ein- mal zur weiteren Beratung zusammentreten. Als Beratung? st off für die nächste Woche sind in Aus- sicht genommen einige kleinere Gesetzentwürfe, die A m n e st i e- antrage der Sozialdemokraten, der Nationalsozialisten und der Kommunisten, die Anträge wegen der Beamtenbefoldung und des Personalabbaues. Die sozialpolitischen Anträge, die sich u. a. au? die Kriegsbeschädigten beziehen, und die an Aus--- fchüsse überwiesen werden müssen. Diesen Beratungsstoff hofft man bis zum Donnerstag zu erledigen. Am Freitag und Sonnabcud sollen die Interpellationen auf die Tagesordnung gestellt werden, soweit die Regierung zur Beantwortung bereit feie surd; Unkultur verfallen sind, scharf abgelehnt und der Hoffnung auf «in« aus der Jugendbewegung erwachsende Besse- rung lebhafter Ausdruck gegeben. Die Aussprache, die als erste die vielen Fragen und Möglichkeiten auf diesem Gebiet nur kurz be- rühren konnte, brachte schon eine Reihe von Anregungen, denen vom Archiv aus weiter nachgegangen werden wird. Es wurde beschlossen, die vorgelegten Leiffätz« in einer Kommission im einzelnen durchzu- beraten und sie in ergänzter Fassung einer zweiten Besprechung zu» gründe zu legen, die in einem größeren Kreise interessierter Person- lichkeiten demnächst-stattsinden soll. Abbau der Krebsbekämpfung. Der Ausschuß des deutschen Zentralkomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrank- heit hat in seiner letzten Sitzung unter dem Vorsitz des Geh. Rat Prof. Dr. Friedrich Kraus beschlossen, an die Minister für Volkswohi- fahrt, für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung und der Finanzen folgende Protestresolution zu schicken:„Das deüffche Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit bedauert leb- Haft den geplanten Abbau der Krebsbekämpfung in Preußen. Es sieht in der Tatsache, daß im diesjährigen Haus- haltungsplan die Ziffchüsse für das Institut für Krebsforschung an der hiesigen Universität sowie für das deutsche Zentralkomitee ge- strichen sind, eine ernste Gefahr für das Weiterbestehen dieser im Interesse der Wissenschaft, Volksausklärung und Krebsbekämpfung wichtigen Einrichtungen. Es ist, inverständlich, daß dieser Abbau bei der geringen Höhe der in Frage kommenden Summen gerade in dem Augenblick erfolgt, in dem aus England infolge der Zunahme der Krebskrankheit in zahlreichen Ländern«in Aufruf an alle Kultur- Völker erfolgt, sich in dem Kampf gegen die Krebskrankheit zu ver- einigen." Der erste Vkapi.Zäger. Im Herzen von Mittelaftika. in dem geheimnisvollen Ituri-Wald lebt die älteste Rasse der Welt: es sind die sogen. Bambute-Zwerge des I t u r i. Der englisch« Afrikarcisende Dr. Cuthbert Christy, der 2S Jahre im tropischen Afrika verbrachte, hat ein« Anzahl von Monaten unter diesen kleinen Urmenschen gelebt und schildert seine Eindrücke in dem soeben erschienen Buch„Groß. wild und Pygmäen". In dem Ituri-Wald findet sich das„seltsamste Tier der Welt", das Okapi, das wie eine Kreuzung aus Esel und Giraffe aussieht und von dem die erste Kunde von Sir H. Iohnfton 1900 nach Europa gebracht wurde.„Ich war der erste Euro- p ä e r schreibt Ehristy,„der dieses Tier im Walde aufspürte und beobachtete: ich war der erst«, f>er das Okapi auf der Jagd schoß und vollständige Felle und Skelette heimbrachte." Es waren die Pyg. mäen. die das Okapi aufspürten, das der Jäger erlegte. Kein Weißer wäre imstande, diesem überaus scheuen Tier im dichtesten Urwald auf die Spur zu kommen. Die Zwerg« erlegen dos Okapi, das eins der ältesten Tiere ist, und wahrscheinlich der Ahne der Giraffe war, mit Speeren: sie fangen es aber auch in verdeckten Gruben und mit Schlingen: das gefangene Tier wird dann mit Knüppeln zu Tode geschlagen. Nach der Erlegung einer solchen Beute tanzen sie zur Begleitung der Trommeln in wilden Sprüngen herum, singen gemeinsam, pfessen. blasen in Hörner und führen die seltsamsten Szenen auf. Dr. Christy sieht in den Bambute-Pyg- mäen„die Nachkommen der frühesten Bewohner des einst ganz mit Wald bedeckten Erdteils," Nach seiner Anschauung ist der afrikanische diese Interpellationen find von verschiedenen Parteien in bezug auf die Notlage der Landwirtschaft und des Weinbaues und auf die landwirtschaftlichen Arbeitsverhältnisse gestellt, ferner von den So= zialdemokraten über die Wirtschaftskrise und die ArBon den sozialdemokratischen Anträgen wurden angenommen ein Antrag, der im Interesse der Wiederherstellung der preußischen Staatswirtschaft auf eine endgültige und ausreichende Abgeltung der durch den Versailler Vertrag erlittenen bergbaulichen, forst fistalischen und sonstigen Berlufte beitslosigkeit. Eine Anregung, die Redezeit für die Beratung der des preußischen Staates drängt, ferner ein Antrag auf Revision Anträge zu beschränken, wurde vorläufig abgelehnt; eine Enfcheider Gütertarife( eventuelle Wiederherstellung der früheren der Gütertarife( eventuelle Wiederherstellung der früheren dung darüber bleibt noch vorbehalten. Motstands- und Spezialtarife), schließlich ein Antrag auf Revision der umfassteuern( Veredelung und Nichterhebung. wo bei ausländischer Konkurrenz die Gefahr der Betriebsstillegung droht). Abgelehnt wurde ein sozialdemokratischer Antrag, der zur Förde rung der Fachschulen für Wirtschaft und Verwaltung eine Erhöhung der planmäßigen Beträge fordert. Beratungen über die Hauszinssteuer. Versagen des Zentrums. Der ständige Ausschuß des Landtags hat am Mittwoch die zweite preußische Steuernotverordnung verabschiedet und die Beschlüsse des Unterausschuffes vom Sonnabend im wesentlichen bestätigt. Es wird also ab 1. Juli die Haus= zinssteuer auf 500 Brez. und ab 1. Oftober auf 600 Broz. der Grundvermögenssteuer festgelegt. Ein Zuschlagsrecht für die Gemeinden, die ebenfalls noch 100 Proz. erheben sollten, wurde abgelehnt. Ab 1. Oktober unterliegen auch die landwirtschaft listen Wohngebäude der Hauszinssteuer in Höhe von 600 Prozent. Ein Fehlbetrag von 60 Millionen soll durch besondere Sparmaßnahmen und durch ein stärkeres Fließen steuerBefremdend war das Verhalten des Zentrums. Seine Bertreter brachten es fertig, die Beamtengehälter der Gruppe 3, 4 und 5 den entsprechenden Einnahmen der Hauer gegenüberzu stellen, und erweckten jo den Eindruck, als halte das Zentrum die bekannten hungergehälter der unteren Beamten noch für zu hoch. Auch fümmerte es sich sehr wenig um die Deckung der licher und fiskalischer Einnahmen hereingebracht werden. Ausgaben, während die Vertreter der Sozialdemokratie trok der Mißbilligung der Reichsbeamtenbesoldung den Beschlüssen des Unterausschusses als dem fleineren Uebel zustimmten. Das Zentrum stimmte sowohl gegen die Hauszinssteuererhöhung als auch gegen die Erfassung des ländlichen Wohnraumes, obgleich vom Finanzministerium betont wurde, daß die Belastung für die Landwirtschaft nur unbedeutend sei und im Bergleich zu den städtischen Wohnverhältnissen die Landwirtschaft eine viel geringere Belastung trage. Nach der Haltung des Ben trums würden über 110 Millionen ungededt bleiben, ohne daß von ihm andere Borschläge zur Dedung gemacht wurden. Diese Stellungnahme des Zentrums steht in scharfem Widerspruch zu seiner Haltung im Unterausschuß, in welchem mit 10 und 11 Stimmen die Deckung angenommen worden war. Die preußische Städteordnung. Der verstärkte Gemeindeausschuß des Landtags beschloß am zweiten Tag der Beratung der Städteordnung, daß be foldete Beigeordnete( Stadträte) auch unter der Bürgermeisterverfassung nicht mehr Stadtverordnete ſein fönnen. Heftig wurde gestritten um die Bestimmung der ersten Lesung, daß durch Ortsstatut festgelegt werden kann, daß zur Anstellung der oberen Beamten die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung notwendig ist. Die Fassung der ersten Lesung blieb aber bestehen. Mit Hilfe des Zentrums wurde zum§ 63 beschlossen: für die befoldeten städtischen Beamten ist eine Dienst ordnung, die die Arbeitsbesoldung und Urlaub regelt, zu erlassen. Vor der Festsetzung und Aenderung der Dienstordnung find von den Gemeindevorständen geordnete Bertretungen der Beamten zu hören. Preußens Wirtschaftspolitik. Aus dem Hauptausschuß des Landtags. Der Hauptausschuß des Landtags beriet am Montag und Dienstag über den Haushalt des Ministeriums für Handel und Ge merbe. Uus dem Bericht des Staatsjefbetärs ging hervor, bab Preußen bei der Reichseisenbahn in Zukunft in fehrs- und Tariffragen stärkeren Einfluß erstrebt. Das Hervorstechende in der Generaldebatte war der Ruf der bürgerlichen Lobredner der freien Wirtschaft nach- Staatshilfe. Bon sozialdemokratischer Seite wurde bessere Durchführung und Einhaltung der Bestimmungen des Heimarbeiterlohngefeges und Fertigstellung der Prüfungsvorschriften für die Aufstiegs. möglich feiten der aus Arbeiter- und Angestelltenfreisen hervorgegangenen Hilfskräfte der Gewerbeaufsicht gefordert. Weiter wurde die allzu bereitwillige Zubilligung von Ueberarbeit besonders bei Arbeiterinnen gerügt. Das Ministerium versicherte, daß es fich im Rahmen des Arbeitszeitgeſehes halte. Rontinent älter als die übrigen, und der Jturi- Wald ist der einzige leberrest jener urzeitlichen Wälder, die das" dunkelste Afrika" be= deckten.(?) Eine Prämie auf den Humor. Eine hübsche SchauspielerEine hübsche Schauspieler Anekdote erzählt Hans Frenz in der bei Hoffmann u. Campe erscheinenden Zeitschrift ,, Bimini": An einem kleinen deutschen Fürstenhof von ehedem war ein Komiter, der öfters durch improviſierte Zugaben feine Kollegen zum Lachen brachte und dann jedesmal der Konventionalstrafe von 60 m. verfiel. Nun geschah es eines Abends, daß bei der Götterdämmerung" das Rob Grane- ein stattlicher Roß Rappe aus dem fürstlichen Marstall in allzu natürlichem Spiel feine umfangreiche Notdurft auf der Bühne verrichtete. Unser HofSchauspieler, der sich im Zuschauerraum befand, rief schlagfertig hinauf: Du, bu, hüte dich! Zugaben sind verboten, fie foften 60 m." Schallendes Gelächter antwortete diesem Scherz, aber der gekränkte Intendant verlangte die sofortige Entlassung des Komiters. Der Fürst aber entschied sich für eine Berdoppelung der Konventionalstrafe und erließ ihm auch diese auf die Bemertung seines Geheimen Hoffelretärs: Die Menschen haben so wenig Humor, daß man nicht noch eine Prämie darauf sehen soll, ihn ganz aus der Welt zu schaffen." Das Zentralinffitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Str. 120, veranstaltet vom 30. Juni bis 12. Juli Studienwochen, insbesondere für Lehrer und Lehrerinnen aller Schularten und für Studenten. Es finden Vorträge und Vorführungen statt über deutsche Stultur, Stunit, Jugendbewegung, Methodit des Unterrichts, neue Erziehungsbewegungen, ferner Führungen durch Museen und geschichtliche Stätten, Unterrichtsbesuche und Ausstellungen. Studienfahrten in die verschiedensten Gegenden Deutschlands schließen sich zum Teil unmittelbar an. Anfragen und Meldungen richte man umgehend an die Geschäftsstelle. Freigabe einer Sunftsammlung von Umerita. ie die Frankfurter Zeitung aus New Yort berichtet, ordnete der Verwalter für das frembe Eigentum die Freigabe einer Sammlung von Gemälden und Stunstgegen. ftänden an, die im Jahre 1915 auf der Ausstellung von San Franzisto war. Die Ausstellung besteht aus 650 Stüden im Werte von 250 000 Dollar. Sie wird nach Wien und Budapeſt gebracht, wo fie formell an die Regierungen zur Herausgabe an die Eigentümer zurüdgebracht wird. Eine neue monumentale Kirche in Rom. Dieser Tage wurde in Nom der Grundstein zu der zulünftigen Kirche gelegt, die dem„ beiligen Herzen der Maria" gewidmet ist und zu deren Bau die Frommen aus aller Herren Länder ihr Scherflein beigetragen haben. Die Kirche wird mit dem sie umgebenden Garten einen Raum von 15 000 Quadratmetern bededen, der Turm eine Höhe von 100 Metern erhalten, und im Schiff werden die Dentmäler der Bäpite Benedikt XV. und Pius XI., auf deren Anregung der monumentale Bau entstanden ist. aufgestellt werden. Die Bevölkerung von Petersburg betrug am 1. Juni 1 177 000. Der Zuwachs der legten Monate beläuft sich auf 40 000. Die Alrussische Kirchentagung hat den Beschluß gefaßt, im Gottesdienst bie altslawische Sprache durch die russische Sprache zu ersetzen. Walfische flatt Sardinen. Spanische Fischer, die auf der Höhe von Figo mit dem Sardinenfang beschäftigt waren, mußten es fürzlich erleben, daß alle ihre Rete von Balfischen zerrissen wurden, die in großer Zahl erschienen waren. Die Fischer erlegten fünf der gewaltigen Tiere, von denen eines 25 Tonnen wog. Die unerwartete Beute wurde nach dem Hafen geschleppt, wo man sogleich zur Ausschlachtung der Wale schritt. Beg nach Walfum fet worden, ob das der Weg nach Walfum sei. Die drei Angeklagten Beugin Maria mill er nicht genau wied wiedererkennen. Hedmann, 21 Jahre alt, ist die Tochter der Besizerin des Cafés Heckmann, die vom belgischen Gericht zu fünf Jahren Zuchthaus perurteilt worden ist. Zeugin sagt aus, daß ihre belastenden Angaben vor dem belgischen Gericht unter Drohungen zustandege kommen sind. Die Borhaltungen, daß ihre Schwester Agnes Reinhardt und Genossen schwer belastet hätten, haben sie veranlaßt, zu allem Ja' zu sagen. Von ihrer Schwester Agnes will sie gehört haben, daß Grabert, Klein und Riebte im Café Heckmann die Waffen geschwungen und R'ache geschworen hätten. Der Vorsitzende äußerte: Am Mittwoch beriet der Hauptausschuß den Haushalt der Staatlichen Borzellanmanufattur. Der kommissarische ,, War es Ihnen nicht schwer ums Herz, als Sie Menschen, die Sie Direktor Schneider, gegen den von der Rechten die bekannte nicht fannten, belasteten? Es ist doch fürchterlich, daß Sie eine Ausüble Hetze entfacht worden war, um ihn von der Leitung zu verjage machten von einer Mordgeschichte, die Sie nie erlebt haben." drängeer( am 1. Juli scheidet Direktor Schneider aus), gab in ruhiger Die Zeugin hat später vor dem deutschen Gericht ihre belastenden und objektiver Weise einen instruktiven Ueberblid über den Haus Angaben teilweise widerrufen. Sie motiviert das damit, daß sie halt, der trotz der schwierigen Verhältnisse( Inflation, Kreditkrise) hier nicht so große Angst hatte. Zeugin Elisabeth Hedmann einen ansehnlichen Ueberschuß aufzuweisen hat. Auf einen hat am 22. März Reinhardt, Riebke und Genc en nicht in dem fozialdemokratischen Antrag hin wird ein Untersuchungsaus. Café ihrer Mutter gesehen. Mit einer Schilderung des Hauptmanns schuß die viel uniftrittenen Fragen der Schädigung der Porzellanmanufaktur durch zu tillige Lieferungen an gewiffe Persönlichkeiten Hoeder über die Uebergriffe der belgischen Besatzung schließt die durchprüfen, besonders jene Lieferungen, wo( wie im Falle eines Mittwochsverhandlung. deutschnationalen Abgeordneten) die Berechnung nach dem Multiplikator 310 erfolgte, obwohl am Zahlungseingangstage bereits der Multiplikator 550 in Kraft getreten war. Die Rechte hatte zwar auch die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses beantragen wollen, schließlich aber die Beantragung vergessen. Der Graff- Prozeß. Die Aussagen der Zeugen. Steffin, 18. Juni. In der heutigen Vormittagsverhandlung des Graff- Prozesses wurde der Polizeihauptmann Haeder vernommen, der frühere Hundertschaftsführer in Hamborn, Haeder schildert unter anderem den Borfall, der sich bei der Leiche Chmilewffis abgespielt hat. Die belgischen Behörden wollten festgestellt haben, daß Grabert und Riebke, beide verurteilt, drohende Worte gegen Schmitz ausgestoßen haben sollen. Hauptmann Haeder bestreitet derartige Angaben und schildert dann weiter die Bekannt. schaft, die der belgische Agent Schmitz zu Termöhlen, der ebenfalls zu den Aachener Berurteilten gehört, unterhalten hat. Schmiß und Termöhlen sind häufig ausgegangen, dabei hat Schmit dem Ter möhlen Wein spendiert und auf Grund dieser verdächtigen Beziehungen mußte dann schließlich Termöhlen aus der Schuhpolizei ausscheiden. Der Zeuge mußte sich dann über den Leutnant Rein hardt, der nach belgischer Auffassung der Anstifter des Mordes an Graff sein soll, äußern. Der Zeuge schildert Reinhardt als einen Menschen, dem sowohl Gewalttätigkeiten als auch Feigheiten fern gelegen haben. Er gehöre nicht zu denen, die andere zu einer Tat anstiften und selbst im Verborgenen bleiben. Der Zeuge schildert dann in seiner weiteren Aussage, daß die belgische Polizei eine große Spigelmannschaft eingerichtet habe. Man hatte das Gefühl, daß jeder dritte Mann ein Spizel wäre. Nach der Tat entstand in Hamborn das Gerede, daß die Mordtát im Café Heckmann ausgehect worden sein soll. Weiter schildert dann der Polizeihauptmann Haeder die Verhaftung des Riebke, der nach belgischem Urteil den Schuß auf Graff abgegeben haben soll. Alsdann wird nochmals der Zeuge van den Berg vernommen, der zur Zeit der Ermordung Graffs auf dem Straßenbahnwagen Fahrdienst hatte. Er wurde vom belgischen Gericht freigesprochen. Ban den Berg fagt aus, daß er die drei An geflagten Kaws und Genoffen am fraglichen Abend nicht gesehen habe. Auch habe er feinerlei Fragen über die Fahrtrichtung vernommen. Zeuge Wilhelm Hartfiel aus Hamborn ist auf dem Hinterperron des Straßenbahnwagens gefragt " Fünf Minuten vor Zwölf. Schlittenbauer predigt die Bauernrevolution. München, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Auf der Generals versammlung des Mittelfränkischen Bauernvereins in Eichstädt hielt Der Landtagsabgeordnete der Bayerischen Volks partei und Generalsekretär des Christlichen Bauern. ereins, Dr. Schlittenbauer, eine Rede, die durch ihren außerordentlich revolutionären Ton geeignet ist, Aufsehen zu er regen. Infolge des ungeheuerlichen Steuerdrucks und der Schundpreise heute vollkommen zerrüttet und stehe unmittelbar vor der Katastrophe, für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sei die deutsche Landwirtschaft während für die Produkte der Industrie und des Handwerks das Zwei- und Dreifache der Borkriegszeit gefordert und durch Streifs und Aussperrungen Hunderte von Goldmillionen verpulver: werden. Ich bin mir der Tragweife meiner Worte vollkommen bewußt und übernehme für sie jedermann gegenüber die volle Berantwortung. wir sind in Deutschland noch lange nicht über dem Berge. Im düsteren Hintergrunde lauert nicht bloß die kommunistische Gefahr, sondern auch die soziale Revolution der Bauern. Wenn die bisherige Politik der Reichsregierung und des Reichstages den deutschen Bauern gegenber nur ein halbes Jahr weitergeführt wird, dann iff die Gefahr afuf. Das ist eine unabwendbare logische Entwicklung. Denn der heutige Zustand ist unerträglich, weil er mit unheimlicher Schnelligkeit die wirtschaftliche Existenz der Bauern vernichtet. Wenn der Drud nicht mehr ertragen werden kann, wenn die Existenz ins Wanten gerät, dann fommt die Explosion und Bauernrevolution, und Bauernrevolutionen sind tadikal, find grausam, find furchtbar. Da gibt es Rauch und Feuer und baumelnde Köpfe, wie die G schichte lehrt. Dem muß vorgebeugt werden. Dazu ist es bereits allerhöchste Zeit. Es ist fünf Minuten vor 12 Uhr." Jn Königshütte fand vor der Straffammer die Berhandlung wegen der im Oktober 1923 erfolgten Sprengung des deutschen Theaters in Königshütte statt. Die Anflage, die Spren gung inszeniert zu haben und teilweise daran beteiligt gewesen zu fein, richtete fich gegen zwölf den Berbänden der Aufständischen angehörige Personen Da die Beweisaufnahme und die Zeugenausfagen nach Ansicht des Gerichts nichts Belaftendes erbrachten, wurden sämtliche Angeflagten freigesprochen. Pefkoffs Mörder verhaftet. Die Polizei in Sofia verhaftete den Mörder des bauernbündlerischen Abg. Pettoff. Der Mörder hat ein volles Geständnis abgelegt. Deutschlands Erneuerer. Lindströms Garde. Deutschvölkischer Sport" in Koburg. . Der Sozialdemokratische Parlamentsdienft" fdyreibt: Immer häufiger mehren sich die Beispiele dafür, daß die Kommunisten mit ihrer Tattif des Butschismus und der parlamentarischen Obstruktion den erbitteriſten Gegnern der Arbeiterflaffe die Hafen in die Küche treiben. Uns liegt u. a. ein Schreiben aus Coburg vor, das den Stempel Deutsch völliser Schuh- und Truzbund, Ortsgruppe Coburg" trägt und mit treudeutschen Heilgrüßen" unterzeichnet ist von Jahnke, Führer der Sport. abteilung". In diesem Schreiben wird unter Hinweis auf die planmäßigen Lärmizenen im Reichs- und Landtag und die vielen Aufdedungen fommunistischer Geheimorganisationen, Attentate ufw." zum organisatorischen Zusammenschluß aller vöifischen Elemento auf gefordert. Zu diesem Zwecke wird zu einer 3ufammenfunft der männlichen Mitglieder des Schuß- und Trußbundes am Freitag, den 13. Juni, abends 8 Uhr, in der Aktienbierhalle in Coburg ein geladen, um von unserer Gruppenleitung Näheres über die Lage und was wir zu tun gedenken, zu hören". Das Schreiben schließt mit einem Hinweis auf den deutschvölkischen Schutzpatron 2uden dorff. Aus dieser Aufforderung dürfte wohl auch das naivfte Gemüt den wahren Charakter diefer„ Sportabteilung" ohne weiteres erfennen. Unter der falschen Flagge der Sportausübung wird hier die militärische Ausbildung für den Bürgerkrieg vorbereitet. Der 3wed einer ungehemmten Haßpropaganda scheint denn auch bereits in diefer Zusammenkunft gründlich erreicht worden zu sein, denn in der darauffolgenden Nacht sind in Coburg zwei jüdische Kauf ! eute auf dem Nachhausewege von einem Trupp Hakenkreuzler verfolgt, belästigt und bedroht worden. Die Burschen versuchten schließ lich jogar, in das Haus der beiden Juden nachzudrängen. Dabei tam es zu Lätlichkeiten, bei deren Abwehr die Berfolgten von einem Revolver Gebrauch machten und zwei der Angreiferer. heblich verlegten. Es scheint, als ob sich weite Kreise noch immer nicht der großen Gefahr der innerpolitischen Verhetzung bewußt wären. Daß aber die fommunistischen Methoden immer wieder dafür sorgen, den völlischen Bekämpfern der Arbeiterklasse neuen Agitationsstoff zu bieten, sollte auch dem blindesten Anbeter der Moskauer Parolen allmählich die Augen öffnen. Werwolfs Ende. del auch das Vertrauen der Leitung und seinen Posten erschlichen hatte. Beim Beten und Judentöten brüllte er am lautesten, er schwang den Biertrug mit wahrhaft deutscher Begeisterung und verstand ein beneidenswertes Familienglück vorzutäuschen Dieser Werwolf" aber mar nebenher sozusagen auch Wolf im Schafstleide: er liebte das feudale Leben, das er von den Herren im Vorstande abgesehen hatte, er lernte neben seiner legalen Gattin auch anderweite„ Ehrendamen" schätzen und im Vertrauen bewundern, wie das im Dasein achselbestückter Etappenbarone die Regel war. Das tostete nun erhebliches Geld, das der ehrenwerte Herr irgendwoher nehmen mußte. Dies Doppeldasein mußte zwar auch den Verantwortlichen befannt fein; doch verstand es Zabel immer wieder, den Ehrlichen zu heucheln. Der von ihm gebetete Wahrspruch" der Werwölfe:„ Helf dir selber, so helfet dir unser Herregott!" öffnete ihm nach wie vor Herz und Beutel seiner Gläubigen. Jetzt endlich ist die Seifenblase 3erplagt: Herr Babel half sich selbst und ist unter Hinterlassung von 30 000 Goldmark Schulden fpurlos verschwunden. Niemand tennt seinen Aufenthalt. Im Lager der Werwölfe herrscht troß aller Vertuschungsversuche heillose Ber wirrung, zumal auch viele kleine Handwerfer und Gefchäftsleute geschädigt worden sind, die sich bitter und berechtigt über die an ihnen begangenen Täuschungsmanöver beklagen. „ Geld für die Kriegsblinden..." Aus Bayreuth wird uns geschrieben: In Kulmbach und Umgegend sammelten vor wenigen Wochen die haten treuza postel Schuhmacher Heinr. Feht, Schuhmacher Joh. Pröbsten, Hilfsarbeiter Pfeilschmidt und dessen Ehefrau alle sind bereits mehrfach vorbestraft Geld für die Kriegsblinden. Bald stellte sich heraus, daß die Beträge auf falschen Sammellisten verein nahmt wurden und der eingezogene Betrag von 889,50 M. in die Taschen der„ Erneuerer Deutschlands" gelangt ist. Der größte Teil der Summe wurde vertrunten anläßlich einer Hitler. Feier, den verbleibenden Reft verteilten die betrügerischen Hafenfreuzler unter sich. Nach erfolgtem Vergnügen folgte dann das dicke Ende. Das Schöffengericht Kulmbach beschäftigte sich mit der Angelegenheit und verurteilte Feth zu 8 Monaten Gefängnis, Pröbsten zu 4 Monaten, Pfeilschmidt und dessen Ehefrau zu je drei Wochen Gefängnis. Die zwei weiteren Nationalsozialisten, die als Hehler in die Geschichte verwickelt waren, erhielten je zwei Monate Gefängnis. Diesmal ohne Bewährungsfrist! Ludendorff zeigt sich. Nur gegen Eintrittsgeld". Stettin, 18. Juni.( Eig. Drahtb.) Die Nationalsozia= Aus Halle wird dem Soz. Parlamentsdienst" geschrieben: Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit, Unbeftechlichkeit und Treue find sellisten Pommerns rüsten zu einer Eonnenwendfeier, ten in dieser Zeit. Die wenigen Inhaber all dieser Bürgertugenden find befanntlich restlos im Stahlhelm und Werwolf vereinigt. Kein Wunder, daß deren Bewegung" nicht recht vorwärts tommt. Seit geraumer Zeit schon friselt es im Werwolf, deffen Geschäftsführer, ein gewiffer 3abel, fich allfeitiger Beliebtheit erfreute und durch bedientenhafte Zuvorkommenheit sich die in der Nacht vom 21. zum 22. Juni, in der Umgebung des Bismard- Turms in Gotlow bei Stettin abgehalten werden soll. In den Anzeigen der Zeitungen heißt es:„ Alle, die völkische Gebräuche pflegen, sind eingeladen. An der Feier nimmt auch General Ludendorff teil. Sämtliche Räume und Festplätze sind abgeschloffen und nur gegen Eintrittstarten zu betreten," Bewerkschaftsbewegung Verbandstag der Bergarbeiter. Bierter Berhandlungstag. Dresden, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Mittwochssigung des Bergarbeiterfongresses brachte zunächst eine furze Geschäftsordnungsdebatte, nach der ein Antrag auf noch malige Abstimmung über die oppofitionelle Entschließung Rosemann abgelehnt wird. Dann folgte ein furzes Referat von Balte= Bochum über die von der Statutenberatungstommission vorgelegten Abänderungsvorschläge für das Verbandsstatut. Bei der Aussprache über die einzelnen Paragraphen verlangt ein Vertreter des Saargebiets eine Vertretung im Hauptvorstand, weil die Regierungsfommission mit allen Mitteln versuch, Bergarbeiter des Saargebiets von der deutschen Zentralgewerkschaft zu trennen. Die Abänderungsvorschläge zu den einzelnen Paragraphen werden zunächst eingeln unter Ablehnung aller neugestellten Anträge oder vorgetragenen Wünsche im Wortlaut der Kommission einstimmig oder mit großer Mehrheit gutgeheißen. In der Gesamt abstim mung wird das abgeänderte Statut mit allen gegen 12 Stimmen angenommen. Danach besteht die Berwaltung des Verbandes in Zukunft aus einem Vorstand von 15 Mitgliedern: den beiden Vorsitzenden und dem Hauptkassierer, 4 Sekretären sowie 8 Beisitzern. Außerdem ist ihm ein Beirat von 10 Mitgliedern beigegeben, der sich zusammensetzen soll aus zwei Vertreten des Braunkohlen-, einem Vertreter des Kali- und des Erzbergbaues, außerdem je einem Vertreter aus Sachsen und Ober- und Niederschlesien, Siegen- Herborn, Aachen- Köln, des Saargebiets und Bayern. Unter den Neuerungen des Statuts ist weiter hervor zuheben, daß die Mitgliedschaft bereits erloschen ist, wenn ein Mitglied mehr als vier Wochenbeiträge schuldet. In außerordentlichen Notfällen fann für 8 Wochen Stundung gewährt werden. Bei der Wiederaufnahme Ausgetretener ist außer dem Eintrittsgeld, das statt 3. M. nur noch 1 M. beträgt, der Beitrag für 3 Wochen voraus= zuzahlen. Der wöchentliche Verbandsbeitrag soll mindestens die Höhe eines Zarifftundenlohnes erreichen. Verbandsfunktionäre und Delegierte zur Generalversamm. lung müssen am Tage ihrer Wahl mindestens zwei Jahre ununterbrochen Verbandsmitglied. sein. Neu festgesetzt werden die Säge der Streitunterstüßung, der Gemaßregeltenunterstützung, der Umzugs unterſtüßung für Gemaßregelte, der Arbeitslosen, der Kranken- und der Sterbeunterstügung. Unfteithaft ist die Erteilung von gebun denen Marhaten an die Vertrauensleute, Delegierte und Betriebs. räte, vor allem auch für die Delegierten zur Generalversammlung. Mit der Annahme einer Entschließung, die den seit Wochen ausgesperrten Kameraden im sächsischen Steinkohlen. revier ihre volle Sympathie ausspricht, der Erwartung Ausdrud gibt, daß der Kampf bald mit Erfolg beendet wird, gegen das Eingreifen der Polizei in diesen rein gewerkschaftlichen und bisher musterhaft geführten Kampf Einspruch erhoben und die fächsische Regierung aufgefordert wird, die Polizei aus dem Aussperrungs gebiet fofort zurückzuziehen, findet die Sigung bereits furz nach 11 Uhr ihren Abschluß, da am Nachmittag ein Dampfer die Delegierten in die Sächsische Schweiz führte. Die Verhandlungen werden heute, Donnerstag, morgens 8 Uhr, fortgesetzt: Die Rote Fahne" als Eisenbahn- Sachverständige. Bom Borstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes wird uns geschrieben: In Nr. 55 vom 15. Juni nimmt die„ Rote Fahne" in einem im Eisenbahnbetrieb perfett" Stellung zu dem Ber Artikel unter der Spigmarte„ Das Berräter tom promiß handlungsergebnis mit der Reichsregierung vom 14. Juni. Mit der ihr eigenen Wahrheitsliebe" schreibt sie u. a. folgendes: Ja, das Berhandlungsergebnis steht noch unter den zu sagen, die die Regierung in den Verhandlungen am 4. Juni, die belanntlich von den Gewerkschaftsführern abgebrochen wurden, machte". Am 4. Juni bewilligte man für die unteren Lohngruppen cine Zulage von 2 Pf. pro Stunde und die Beseitigung der 10. Stunde in der Bahnunterhaltung( ein außerordentlich wichtiger Streitpunkt) wurde abgelehnt. In der Verhandlung am 14. Juni bewilligte die Regierung insgesamt 5 Pf. für die unteren Gruppen und die 10. Stunde wird am 1. Juli 1924 beseitigt; trotzdem diese dummfreche Behauptung der Wahrheitsfahne". Das kommunistische Organ ist aber auch ungemein sachverständig. In Nr. 56 vom 17. Juni schreibt es wörtlich: " Die Reformisten pofaunen es als einen großen Erfolg hin. aus, daß die 10. Arbeitsstunde nur für die Sommermonate wegfällt. Sie wird also im Herbst bestimmt wieder eingeführt werden, wenn sich die Arbeiter bis dahin nicht zu einem geschloffenen und befferen Widerstand aufraffen und ihre bisherigen Führer zum Teufel jagen." Die Eisenbahner werden sich den Bauch halten vor Lachen, wenn sie das lesen. Alle Melt weiß, daß das RVM nur im Sommer mit Bähigkeit an der 10. Stunde festhielt, während man im Winterhalbjahr erst nur 6, dann 8 bzw. 9 Stunden arbeiten lassen wollte, um die Lichtverhältnisse auszunügen. Die Leser der„ Roten Fahne" werden von den Drahtziehern dieser wunderbaren Zeitung geradezu als Idioten betrachtet. Ihnen und solchen Eisenbahnern, die ihre geistige Kost daraus entnehmen, ist nicht mehr zu helfen, wenn sie so etwas ohne rechte Ruzanwen dung vorübergehen lassen. Zum Ende des Zimmererstreifs. für eine Mart pro Stunde". Hierauf Dr. Schöne:„ Det hätten Sie schon vor acht Wochen haben fönnen, aber iagt erst den Repfchläger mit seinem tommunistischen Vorstand zum Teufel, dann bekommt Ihr alles, was Ihr wollt." Der Arbeitgeber Amoser sagte zu den Zimmerern, als fie vorsprachen:„ Erst schlagt den Repichläger tot, dann haben wir Ruhe und Ordnung in Berlin". Die Zimmerer antworteten darauf Herrn Amoser:„ Schlagen Sie erst Ihren Heuer( Vorfizzender der Arbeitgeber) tot, dann ist in Berlin zehnmal mehr Ruhe". Diese Bogromstimmung der Arbeitgeber zeigt, daß die Berliner Zimmerer mit ihrer Kampfführung auf dem richtigen Wege | sind. Zur Information sei den Verbandsmitgliedern noch mitgeteilt, daß diese Woche bis zum 21. Juni die Kontrolle noch in den Bezirken, nachdem nur noch im Bureau, Engelufer 24/25, und auf dem Arbeitsnachweis, Gormannstr. 13, vorgenommen wird. Auskunft über Arbeit erteilt das Bureau( Telephon: Morigplak 2789) oder der Arbeitsnachweis( Telephon: Norden 11 040). Achtung! Alle Baustellen der Firma 3iegeler Anhaltstr. 1, sind für Zimmerer gesperrt, weil die Firma, nachdem die fechs eingestellten Zimmerer 2½ Tage zu den neuen Bedingungen ( 46%-Stunden- Woche und 1 M. pro Stunde) tätig waren, ihre Bemilligung zurückgezogen hat. Alle Bauarbeiter werden ersucht, bei der Firma Ziegeler feine Zimmerarbeiten auszuführen. Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin u. Umg. Regelung der Eisenbahnerlöhne. Wie B. S. berichtet, sind jetzt nach dreitägigen Verhandlungen die Differenzen zwischen dem Reichsverkehrsministerium und dem Eisenbahnpersonal erledigt worden. Die Lohnfrage ist jetzt endgültig geklärt, nachdem über die Ortszuschläge eine Verständigung erzielt worden ist. Den Wünschen des Personals entsprechend, ist die Ortszulage so geregelt worden, daß die Verwaltung sich an die Tarife der Privatindustrie angelehnt hat. Ueber die Nachtdienstzulagen und die Pausen regelung wird im Rahmen der Besprechungen über die Dienst dauer am fommenden Sonnabend ein Uebereinkommen getroffen werden. Unhaltbare Zustände im Versicherungsgewerbe. " = Die Gehälter im Versicherungsgewerbe find, wie bereits in Nr. 279 des Vorwärts" mitgeteilt wurde, durch eine Vereinbarung zwischen den Bertragsparteien am 12. Juni neu geregelt worden. Die neuen Gehälter bedeuteten auch diesmal wieder für die Versiche. rungsangestellten eine Enttäuschung. Es genügt, wenige Ziffern herauszugreifen, um zu erkennen, daß die allgemeine Gehaltshöhe im Bersicherungsgewerbe durchaus nicht mit dem guten Geschäft im Einklang steht, das von den Versicherungsgesellschaften zurzeit gemacht wird. Ein im 21. Lebensjahr stehender Versicherungsanges stellter der Tarifklasse IV( einfache oder mechanische Arbeiten, wie Registraturarbeiten, Reinschriften von Versicherungsurkunden, Aus schreiben von Prämienrechnungen, Entwerfen von einfachen Versicherungsscheinen, einfache rechnerische Arbeit usw.) bezieht ein An fangs monatsgehalt in Ortsklasse A von ganzen 83,60 M. ( in Berlin und Hamburg 88 M.); sein Höchstgehalt, das er nach 10 Berufsjahren erreichen kann, beträgt 125,40( 132) M. In den übrigen Tariftlassen sind die Anfangs- und Endgehälter folgende: Tariftlaffe III( einfache versicherungstechnische Arbeiten) Anfangsgehalt 109,73 m.( 115,50 m.); Endgehalt 161,98 m.( 170,50 Mart). Tarifklasse II( schwierige technische Arbeiten) Anfangsgehalt 141,08 m.( 148,50 M.); Endgehalt 203,78 m.( 214,50 m.). Tarif flaffe I( Angestellte mit Dispositionstätigkeit) Anfangsgehalt 177,65 m.( 187 M.); Endgehalt 250,80 m.( 264 m.). Das Gros der Versicherungsangestellten befindet sich in den unteren Tariftlassen; um Anspruch auf das Gehalt der Tarifklasse I zu haben, muß man schon Oberbuchhalter, Hauptkassierer, 1. Mathematiter, 1. Rorrespondent oder dergleichen sein. Wie schwer der Aufstieg in Tarifflaffe I gemacht wird, zeigt vielleicht am besten die tarif amtlich festgelegte Umfchreibung des Begriffs 1. Korrespondent". Hiernach find 1. Korrespondenten solche, die die gesamte Boſt nicht nur unter Anwendung feststehender Grundsäze, sondern auch insofern selbständig erledigen, als sie bei Auftreten neuer Fragen Rücksprache mit ihren Vorgefeßten nur zu nehmen haben, wenn es sich um befonders bedeutsame Fragen handelt." 1 Sind schon die Gehälter in den Tarifklassen völlig unzulänglich, so schreit die Bezahlung der jugendlichen Angestellten geradezu zum Himmel. Ein Jugendlicher erhält im 15. Lebensjahre ganze 15,68 m. ( 16,50 m.), im 17. Lebensjahre 26,13 m.( 27,50 m.), im 19. Le bensjahre 44,41 m.( 46,75 m.). Wohlgemerkt monatlich und ohne Berücksichtigung der erheblichen Abzüge für Steuern, Sozialversicherungsbeiträge usw. Bei derartigen Gehältern müssen die jugendlichen Angestellten ihren Eltern völlig auf der Tasche liegen. Wie nun, wenn der Jugendliche allein auf sein Arbeitseinkommen angewiesen ist? Oder gar noch zum Unterhalt der Eltern beitragen foll? organisation, des Zentralverbandes der Angestellten, An Bemühungen der in Betracht kommenden Arbeitnehmerdie aufgezeigten Mängel im Entlohnungssystem zu beseitigen, hat es im Laufe der Jahre wahrlich nicht gefehlt. Gelang es, beim Abschluß eines Tarifvertrages Erfolge zu erzielen, so wurden sie im Laufe des Tarifjahres stets wieder hinfällig durch den Umstand, daß die Anpaffung der Gehälter an die Teuerung fast regelmäßig in der Form einer gleichmäßigen prozentualen Zulage erfolgte. Es liegt auf der Hand, daß sich eine gleichmäßig prozentuale Zulage bei den unteren Gehältern materiell ganz anders auswirkt als bei den höheren Gehältern. Für eine Reorganisation des Gehaltsaufbaues vor Ablauf des Tarifjahres ist aber der Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmungen niemals zu haben. Der Lederarbeiterverband im Jahre 1923. Der Deutsche Leberarbeiterverband legt soeben seinen Jahresbericht für das Inflationsjahr 1923 vor. Der Mitgliederbestand fonnte verhältnismäßig gut behauptet werden. Im 4. Quartal 1923 hatte der Verband 48 729 Mitglieder. Nach der Abrechnung des 4. Quartals zählte er am Jahresschluß 1923 insgesamt 46 634 Mitglieder, davon 10 194 weibliche. Die Mitgliederzahl war also am Schluß des Jahres 1923 um 2095 Mitglieder oder 4,3 Pro3. geringer als am Schluß des Jahres 1922. Schlimmer gestalteten fich die Verbandsfinanzen. Die Gesamteinnahmen betrugen im Berichtsjahr 84 102,85 M.. in den Kurswert am Schluß des Jahres umgerechnet. Diese Einnahme entspricht ungefähr der im Jahre 1904 mit 87 500 M. Dagegen hatte der Verband 1913 eine Einnahme, die die von 1923 un mehr als das Fünffache übersteigt. Die Gesamtausgaben betrugen 28 560,10 2. Der Gesamteinnahmen. Am Echluß des Jahres 1913 betrug der Kassenbestand rund 233 000 m.. Ende 1922 nur 17 000 M., dagegen 1923, nach Stabilisierung der den Verband in der fritischen Inflationszeit in großzügiger Weise Mart, 55 000 M. Die ausländischen Bruderorganisationen haben unterſtügt. Im Jahre 1923 sind insgesamt 3049 Lohnbewegungen in 428 Orten und 1439 Betrieben mit 44 789 männlichen und 11013 weiblichen, zusammen also mit 55 802 Beschäftigten geführt worden. Weiter fanden 10 Angriffsstreifs statt. Dieselben erstreckten sich auf 88 Betriebe in 11 Drten mit 1138 männlichen und 147 weiblichen, zusammen 1279 Beschäftigten. Der kürzeste Streit währte einen Tag, der längste fieben Tage. Sämtliche Streits wurden in allen Branchengruppen mit Erfolg durchgeführt. Sie erforderten eine Gesamtausgabe für die Haupttasse von 119 868 Papiermilliarden. Die Kapedisten im Metallarbeiterverband. In der Generalversammlung der Wuppertaler Metallarbeiter in Elberfeld brachte es die Moskauer Richtung bei der Neuwahl der Ortsverwaltung auf 441 Stimmen. Der Richtung Amsterdam gelang es, mit 608 Stimmen zu verhüten, daß die Orts verwaltung der APD. ausgeliefert wird. Die Erfahrungen, die die Metallarbeiter in Essen mit ihren fommunistischen Ortsbeamten machten, müßten von den Mitgliedern des Verbandes, in der Nachbarschaft zumal, noch weit besser beherzigt werden. Die Nordwestgruppe der Metallarbeiter. Bochum, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Eine Bezirksverfammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Nordwestliche Gruppe, welche die Metallindustrie von Hamm bis Düsseldorf umfaßt, nahm zu dem Echiedsspruch in der Metallindustrie durch fol genden Beschluß Stellung: „ Die am 15. Juni tagende Delegiertenversammlung ist mit der bisherigen Tätigkeit der Berhandlungsfommission im gegenwärtigen Lohn- und Arbeitszeitkampf einverstanden. Der am 12. Juni ge fällte Schiedsspruch wird in der Gesamtheit abgelehnt, da derselbe sowohl in der Lohn- als auch in der Arbeitszeitfrage den Wünschen der Metallarbeiter in feiner Weise Rechnung trägt. Die Durch führung der in den Eingaben vom 2. Mai und 12. Juni aufgestellten Forderungen ist mit allen zur Verfügung stehenden gewerkschaftlichen Mitteln anzuftreben." Gescheiterte Verhandlungen in der westdeutschen Schiffahrt Dortmund, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Schlichtungsverhandlungen in Hamm über die Lohn- und Arbeitszeitregelung in der westdeutschen Kanal- und Weserschiffahrt sind abermals gescheitert, da die Arbeitgeber sich nicht für tariffähig erklärten. Am 20. Juni wird in Dortmund ein neues Schiedsgericht unter Vorsitz des Reichskommissars Mehlich zur Schlichtung des Konfliktes zusammentreten. Erfolglose Verhandlungen im sächsischen Bergbau. Im sächsischen Arbeitsministerium wurde gestern Mittwoch über die Beilegung des feit sechs Wochen dauernden Streits zwischen Bertretern der Grubenbefizer und der Streifenden verhandelt. Im lehten Schiedsspruch war ausgedrückt worden, daß die Arbeitgeber den Arbeitern die Hälfte des Urlaubes bezahlen sollten. Auf Arbeitgeberseite sieht man den Urlaub als in der Streifzeit verbracht an. Die Arbeitgeber waren bereit, die Hälfte des Urlaubes zu bezahlen; die Arbeitnehmer aber haben den Schiedsspruch abgelehnt. Die Ar beitnehmer erklärten jetzt, den Streit sofort abzubrechen, wenn ihnen für die ganze Urlaubsdauer Lohn gezahlt würde. Die Arbeitgeber erklärten, fie fönnten angesichts der mißlichen Lage, in der sich die Werke befinden, diese Forderung nicht erfüllen. Infolgedessen fam es nicht zu einer Einigung. Es muß nun abgewartet werden, ob das Reichsarbeitsministerium den Schiedsspruch für verbindlich erflären wird. Die Auffassung der Unternehmer, daß die Bergarbeiter während des Streits schon Urlaub hatten, scheitert an dem nicht unwesentlichen Unterschied, daß die Kosten für diesen Urlaub" die Arbeiter zu tragen hatten. Im rheinisch- westfälischen Bergbau werden die Uríaubstage bezahlt. Vom Spiel mit Arbeitereristenzen. In Königshütte sind gestern 2500 Arbeiter der Friedenshütte entlassen worden, dem Rest der Belegschaft, der sich etwa auf 5000 beläuft, ist die Kündigung zugestellt worden. Den 600 Arbeitern der Knurowgrube wurde ebenfalls gekündigt. Der Arbeitgeberverband der polnisch- oberschlesischen Großinduſtrie hat den Arbeiterorganisationen erklärt, daß die schiedsge= richtlich vereinbarten Löhne nur bis zum 30. Juli gezahlt werden. Es müsse dann eine weitere Lohnfürzung erfolgen. Die Herren erflärten sich bereit, über die Höhe dieser Lohnkürzung mit den Arbeitern zu verhandeln. In Kowno sind die Arbeiter der vier großen Zigarettenfabriken Glaser! infolge Lohndifferenzen in den Streit getreten. nukung spätestens am Freitag oder Montag in der Belt von 3 bis Die Rollegen werden ersucht, die legte Streitunter. 6 Uhr im Zimmer 55 abzuholen. Die Bertrauensleute fönnen, die Unterstützung für den gesamten Betrieb holen. Da die Abrechnung erfolgen muß, kann eine spätere Auszahlung nicht mehr erfolgen. Die Fachgruppenleiting. Die Zustände im Versicherungsgewerbe sind, soweit die BeAcht Wochen hindurch haben die Berliner Zimmerer im allges zahlung der Angestellten in Frage tommt, einfach unhaltbar. Eine meinen Streif den Achtstundentag und insbesondere die bisherige enderung ist aber nur möglich, wenn auch der letzte Ber: Arbeitszeit von 461/2 Stunden pro Woche verteidigt. Im Märzlicherungsangestellte endlich begreift, daß es nötig ist, dieses Jahres nahmen die Verbandszimmerer in allen 41 Bezirken ich zu organisieren. In dieser Hinsicht muß noch viel ge= Groß- Berlins Stellung zur Forderung der Arbeitgeber auf Ein- fchehen. Ganz besonders gilt dies von den jugendlichen Anführung der längeren Arbeitszeit von neun Stunden. In diesen gestellten, die im Gegensatz zur Arbeiterjugend recht wenig Bezirksversammlungen haben sich die Berliner Zimmerer gegenBerständnis für den gewertschaftlichen 3u= seitig streng verpflichtet, auf keinen Fall die Verlängerung der Ar- sammenschluß haben. Ihr außerberufliches Intereffe erschöpft Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales beitszeit auch nur um 5 Minuten, ohne vorher den allerschärfften sich in sportlicher Betätigung. Es heißt aber auch hier, daß eine tun und das andere nicht laffen. Wie für den erwachsenen Versicherungs- Verlag: Vorwärts- Berlag G. m.b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Rampf dagegen geführt zu haben, zuzulaffen. angestellten der Zentralverband der Angestellten die zuständige Ge- und Verlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. wertschaft ist, so gehört der jugendliche Versicherungsangestellte in Hierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". die Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten. Je mehr diese Erkenntis fich Bahn bricht, um so größer die Gewißheit, endlich auch im Versicherungsgewerbe zu befriedigenden Zuständen zu gelangen. Die Arbeitgeber glauben nunmehr, nachdem ihnen die Felle weggeschwommen find, persönliche Rache unter den Zimmerern großziehen zu können. Als nach Beendigung des Streifs auch die Zimmerer der Firma Ziegler zur Aufnahme der Arbeit famen, erklärte Herr Dr. Schöne:„ Na, jest wollt ihr woll die Arbeet für 85 Pf. uffnehmen". Die Zimmerer erflärten hierauf: ,, Nein, aber Sophien- Säle Säle frei! Jetzt besser denn je! Jetzt Die" Kleine Massary" ist wirklich gut. Im Verhältnis zu dem niedrigen Preise ist sie sogar sehr gut. Die letzten Lieferungen der für die MillionenProduktion erforderlichen Tabakmengen sind besonders glücklich ausgefallen, so dass die" Kleine Massary" nicht nur gleich qut, wie bisher, sondern sogar noch besser ist. Deshalb wähle jeder Qualitätsraucher im eigensten Interesse nur die ee Kleine Massary" 28 Telephon: Norden 9296 Sophienstr. 18 Nr.2S4»41.Iahrgatlg 1. Seilage öes vorwärts doünerstag, 19. Juni 1424 Feuerwehr m Sereitfthast. Oben am Neuköllner Ringbahnhaf, in der E m s e r, Ecke Kirchhof st raße, liegt einsam und still eine der Neuköllner Feuerwachen, die wir besuchen wollen, um die Arbeit des Mannes kennen zu lernen, der oft unter Einsatz seines Lebens der brennenden Gewalt zu Leibe geht. Gleich am Eingang zur Wache nimmt uns die Ordonnanz in Empfang und bald stehen wir dem Branddirektor Podziech, dem Leiter des Branddirektionsbezirt Süd, gegen- über. Informatorische Mitteilungen erläutern zuerst in Umrissen den näheren Betrieb. Und da erfährt man so manches, woran der Außenstehende nicht denkt. Die Sranüschutzbezirke. Berlin hat fünf Vrandtnrektionsbezirke, die die Bezeichnungen Mitte, Westen, Süden, Osten und Norden führen. Jeder Brand- direktionsbezirt hat einen Branddirektor. Sämtliche Branddirek- tionsbezirke unterstehen der Leitung des Oberbranddlrektors. der seinen Sitz bekanntlich in der Zentnalseuerwache in der Linden- straße hat. Je nach der Größe des Branddirektionsbezirts richtet sich die Anzahl der B r a n d s ch u tz b e z i r k e, die im Durchschnitt drei bis fünf betragen. Wie schon erwähnt, leitet der Branddirektor sOberbaurat) einen Branddirektionsbezirk, während der Brandschutz- bezirk von einem Brandingemeur(Baurat) geführt wird. Die Brundschutzbezirke haben wieder je nach Größe mehrere Wachen. Neukölln verfügt z. B. über drei, die stch über Arbeitsmangel nicht beklagen können. Hier schwingt der Brandmeister das Zepter. Feuerwehrmann zu werden ist immerhin mit gewissen Schwierigkeiten verbunden. Jeder, der zu diesem Beruf übergehen will, muß gut« Führungszeugnisse ausweisen und ein Hand- werk erlernt haben. Bor dem Kriege kam noch der Umstand hinzu, daß nur Soldaten zum Eintritt in die Wehr berechtigt waren. Heute liegen die Dinge natürlich anders. Die Einstellung erfolgt als söge- nannter Feuerwehrmannsanwärter. Nach einjähriger Dienstzeit wird die Anstellung als Feuerwehrmann, und zwar zunächst auf Kündigung, ausgesprochen. Dann erfolgt erst die lebenslängliche Anstellung. Tätigkeit auf öer Wache. Um 8 Uhr früh wird abgelöst. Es folgt eine Stunde Exerzie- ren, d. h. Fahrübungen, Rettungsarbeiten usw. werden durchgeübt. Viele Leute denken nun, wenn sie so in den Abendstunden an einer Feuerwehrwache vorbeigehen und die Wehrleute ihr Pfeifchen rau- chend zum Fenster hinausschauen: Ach, wie habt ihr es gut. Doch weit gefehlt! Die Feuerwehrleute kennen keinen Achtstundentag. Sie haben 24 Stunden hintereinander Dienst und während dieser Zeit wird gewiß nicht gefculenzt. Jede Wache hat verschie- dene Werkstätten. So finden wir z. B. in der Emser Straße ein« Tischlerei, Schmiede, Schneiderei, Klempnerei, Be- sohlanstalt usw. Selbst der Maler ist hier vertreten. Hier in diesen Werkstätten haben die Leute, die so oft dem Tod ins Auge schauen, eine achtstündige Arbeitszeit täglich abzumachen. Und da jeder Handwerker sein muß, so findet er überall ausreichende Be- schästigung. Fast sämtliche Reparaturen im Hause, an Wagen, Ge- räten und Kleidungen erledigen die Feuerwehrleute selbst. Am Nachmittag wird fleißig geturnt, bzw. finden Instruktionsstunden statt. Dann folgt der Bereitschastsdienst. der bis morgens 8 Uhr sich ausdehnt. Dann erst winken 24 Stunden Ruhe. Der Brandmeister, der die Wachen leitet, hat zwei Tage Dienst und nur«inen Tag frei, weil er gleich auf der Wache seine Wohnung hat. Der Branddirektor ist der Mann, der„nie schläft". Seine Wohnung befindet sich ebenfalls auf der Wache, so daß er immer schnell zu erreichen ist. Stets muß er sich in Dienstbereitschast be- finden. Jede wache hat vier Wagen. Da finden wir zuerst die Gasfprihe, die als Angrisfssahrzeug dient, dann folgt eine Dampf- bezw. Motorspritze, ein Gerätewagen und endlich der bekannt« Lei- terwagen. Jeder einzelne Wagen hat 4 bis 5 Mann Besatzung, die dem Oberfeuerwehrmann unterstcht. Die Ausrüstung der Wagen ist eine der heutigen Technik im Feuerlöschwesen entsprechend moderne. Wir finden da wiederbelebungsapparate, Auspumpapparate, die mit Sauerstoff arbeiten, Sprungtücher usw. Alles aufzuzählen würde zu weit führen. Erwähnt sei aber noch der Schlauchsack. Inter- essant ist es, was einer der Oberseuerwehrmänner darüber erzählt: Diesen Schlauchsack, sagt er, besitzen nur noch wenige Wachen. Man Hot sie abgeschafft, weil sie erst nach Jahren einmal gebraucht wer- den. Und doch hat sich„unser" Schlauchsack bewährt. Ich bin jetzt vierzehn Jahre bei der Feuerwehr. Dreizehn Jahre waren ver- gangen und der Schlauchsack kam nicht zu Ehren. Da brach plötzlich der große Brand bei Sarotti in Tempelhof aus. Oben im vierten Stockwerk standen viele Arbeiter und Arbeiterinnen, die infolge der verqualmten Treppenhäuser den Raum nicht verlassen konnten. Und nun zeigte unser Schlauchsack, daß er auch etwas kann. Nach einigen Schwierigkeiten wurde er am vierten Stockwerk angebracht. Einer nach dem anderen trat den Rutsch nach unten an und wurde fürsorglich in Empfang genommen. Wohl 25» Menschen oerdanken dem plumpen Schlauchsack ihr Leben. Das Sprungtuch kann nicht immer gebraucht werden. Schon ein Sprung aus dem dritten Stock- werk bringt gewisse Gefahren mit sich. böswilliger filarm. Nach diesen Erläuterungen verabschiedete ich mich dankend von dem Branddirektor, um mein Bett im Schlafraum der Feuerwehrleute aufzusuchen. Punkt 10 Uhr wird das Licht gelöscht. Hosen und Strümpfe behält jeder an. während das Jackett am Fußende hängt. Die Stiefel stehen vor dem Bett. Helm, Hacke usw. befinden sich auf dem Wagen. Erst nach längerer im Flüsterton geführter Diskussion verkünden ruhig« Atem- züge, daß die Männer, die unser Heim vor dem Feuer schützen sollen, schlafen. Mein Führer hat mich vorher noch aufmerksam ge- macht, daß wenn die Alarmglocken ertönen, ich sofort das Bett ver- lassen müßte und den angewiesenen Platz auf dem Leiterwagen ein- zunehmen habe. Die Zeit verstrich und nichts geschah. Da plötzlich, kaum nach 2 Uhr nachts, setzen sich die Alarmglocken in Bewegung und erfüllen das ganze Haus mit einem ohrenbetäubenden Lärm. Alles springt aus den Betten, hinein in die Stiefel und hinauf auf den Wagen. Wo brennt es? Wer hat das Feuer gemeldet? Ueber- flüssige Fragen! Jede Wache hat eine bestimmte An- zahl Feuermelder in ihrem Bezirk, die numeriert sind. Drückt nun jemand auf den Knopf des Melders, so werden ohne jedes Zutun sämtliche Lampen auf der zum Melder gehörenden Wache eingeschaltet. Weiter ertönen die Alarmglocken, die in ein- zelnen Schlägen die Nummer des Melders anzeigen. Wenn z. B. der Melder Nr. 3S2 ein Feuer meldet, so ertönen erst drei Schläge, dann folgt eine kurze Pause, das sind die Hunderter, dann folgen fünf Schläge— wiederum eine kurze Pause— das sind die Zehner, und endlich die zwei Einerschläge. Das Ganze wiederholt sich noch einmal. Jeder Feuerwehrmann weiß, wo der Melder Nr. 332 steht und kann es außerdem aus einem in der Wagenhalle an der Wand befindlichen Verzeichnis ersehen. Doch nicht nur das Läutewerk meldet. An einem Lichttableau in der großen Wagenhalle erscheint in leuchtenden Zahlen die Nr. 332. 3m Telegraphenzimmer im ersten Stock, wo sich überhaupt die Bureauräume befinden, läuft auf einem Morseapparat das Lochzeichen mit der Nr. 332 ein. Ein Sammelmorseapparat, den jede Wache hat, und der sämtliche Brände in Groß-Berlin anzeigt, bringt ebenfalls die Nr. 332. Endlich— und hier ist Neukölln vorbildlich— besteht für den Feuermeldenden die Möglichkeit, am Melder durch ein Mikrophon die Brandstelle zu telephonieren, so daß die Wehr, ohne den Melder erst aufzusuchen, jeden Umweg ersparen kann. Der Alarm erfordert am Tage 30 und nachts 40 Sekunden. Befinden sich Feuerwehrmänner beim Alarm gerade im ersten Stock, so können sie an Gleitstangen schnell nach unten gelangen. Ein kurzer Zug an einer Schnur und sämt- liche Türen öffnen sich mechanisch. Hinaus geht es in die dunkle Nacht. Bald sind wir am Melder angelangt und sehen nun, daß irgendeiner den Melder mutwillig in Bewegung gesetzt hat. Hohe Strafen sind hier durchaus am Platze und das Publikum sollte selbst ein Interesse daran haben, diese Leute, die sich nicht scheuen, durch die unnütze Inanspruchnahme der Wehr die allgemeine Sicherheit zu gefährden, der gerechten Verurteilung zuzuführen. Vom Melder aus wird nun der Wache mitgeteilt, daß es sich um einen böswilligen Alarm handelt, und dann geht es wieder heimwärts. Doch nur schwer ist der gestörte Schlaf wieder zu finden... Schon seit Iahren werden bei der Feuerwehr keine Einstellun- gen mehr vorgenommen. Fehlstellen bleiben offen. In jeder Weise macht sich das bemerkbar und es�erfcheint auch uns notwendig, daß man auch den Beamtenabbau bei der Feuerwehr einer Revision unterzieht. 10] Die Venus von Syrakus. Von Clara Rahka. Alle schauten zu ihm hin, schon weil er so laut und ein- dringlich sprach. Auch der junge Mann kam hinzu. Das feuerte Renzo an. „Ich habe mir das oft klar machen müssen," sagte er, und er suhlte, wie sich alles in ihm anspannte. Er stand wie auf einer Bühne und mußte mit sich fortreißen!„Komme ich doch gerade vom Grafen Ruggiero Lassi, bei dem ich manche schöne alte Statue studieren und ergänzen mußte." Und nun gefiel er sich in seiner Beredsamkeit, bauschte etliches recht ansehnlich aus, ließ Feinheiten, auf die er inner- lich sehr stolz war, vor diesen gewiß hochgelehrten Herren hell funkeln, und dannn erzählte er von dem jungen Grafen, dessen Bild er fast erhaschen mußte, da er nicht zu bewegen war, auch nur eine kurze Zeit für ihn stillezustehen. Der«ine und der andere hörten ihm aufmerksam zu, auch der junge Mann. Ein alter Langbärtiger, der seine Reden gar nicht be- achtete und über den Torso gebeugt stand, richtete sich auf und sagte ruhig:„Er hat recht; der Krieger trägt etwas Schweres, ich hatte das bisher nicht gesehen." Ein spärliches Lächeln lief über das Gesicht des Mannes, der Renzo zur Venus von Syrakus geführt hatte. ..„Ich gestatte mir zu bemerken, Herr Professor—" begann' er doch der Langbärtige schüttelte energisch den Kopf, und da der Jüngere schwieg, wußte Renzo. an wen er sich zu halten hatte. Er wurde nun ganz bescheiden und hilfsbereit, schleppte olles heran auf das nur des Alten Blicke sielen, und schließ- lich erreichte er es, daß der Professor ihn wie eine Art Hand- langerduldete. 0rt Vrj V Als ei» kalter, mit grauen Abendschauern durchwehter Wind vom Meere kam, rüstete man sich, heimzugehen. Renzo trug einen Sack, in dem der alte Professor Ar- cangeli— er hatte sich den Namen genau gemerkt— alles aufzubewahren pflegte, was er hier draußen gebrauchte. Gemessen schritt er hinter der Gruppe der Dispu- tierenden her. Der junge Mann hatte ihn gar nicht erkannt. Kein Wunder! 5. Daß Rom nicht in einem Tage erbaut wurde, ist eine zu vlte und allgemeine Weisheit, als daß sie nicht auch in Renzo eingedrungen wäre; dennoch quälte es ihn, nicht schneller vorwärts zu kommen. So vieles hatte er ganz leicht, fast nur den Trieben seiner Natur folgend, erreicht, jedoch das Große fehlte. Sehr bald hatte Professor Arcangcli ihm erlaubt, die Venus zu zeichnen, so oft er nur wollte. Er war mit ihr allein, wie mit einer Geliebten; doch nie- mals kam die Hingerissenheit des Herzens, wie am ersten Abende. Nicht nur eine Arbeitsstätte, sogar einen alten Marmor- block hatte er gefunden; Marmor wie lebendes Fleisch. Wie lange mochte er im Leibe der Erde gelegen haben, um so durchblutet von Leben zu fein. Daß alles so leicht war wie in einem Spiele, das bedrängte den jungen Burschen. Es war, als ob eine ferne Stimme ihn narrte.„Alles, alles hast du, alles gebe ich dir. Willst du noch mehr? Ich werfe es dir hin. Mich fängst du nicht ein." Das war nicht die Stimme der Venus. Es war etwas außerhalb Schwebendes, über der Stadt, über dem Meere, .etwas, das nicht zu erklären war. Den„verstimmten Glückspilz" nannte ihn die kleine Nina, und Taddeo nahm ihn abends mit zum Hafen hinab, wo man tanzte und sang, bis die letzte Spur eines Gedankens ver- flogen war. Und kam man heim, dann warf sich Renzo, ganz durch- drungen von Mißbehagen, in seine Schlafecke. Herzlicher als die Familie Pettinari hätte feine eigene Mutter nicht für ihn gesorgt— aber, großer Gott— was wurde aus seiner Arbeit!— Eines frühen Morgens wollte er gerade wieder hinaus- stürmen, da trat ihm Colina entgegen. Sie war noch kaum bekleidet, trug einen kurzen Rock und ein Tuch um die Schultern, das sie mit der rechten Hand über die Brust zog. „Stehenbleiben! Genau so! Die Hand, die Hand!" rief er atemlos, und sie blieb in ihrer schönen Bewegung regungs- los stehen, denn es war schon oft genug vorgekommen, daß Renzo irgendeinen aus ihrer Familie plötzlich mit dem heißen Wunsch überfiel, ihn so, gerade so, zu zeichnen wie er ging und stand. „Die Hand— die Hand— der Arm!" wiederholte er leise, und in glühender Eile und Versenkung zeichnete er Colinas Stellung, zumal ihre Hand. Das Tor stand offen, obschon es kühl war; drinnen brannte in einem hohen, eisernen Behälter ein offenes Feuer. Vorübergehende blieben stehen, Colina rührte sich nicht. Diesem Gesellen, der bald lustig, bald wehmütig, bald stolz, bald wie ein verregneter Vogel wdr; dem wollte sie gern Liebes erweisen. Die ganze Familie saß und stand um ihn herum, sie sahen ihm wortlos zu. Sie hatten allen Dingen gegenüber jene einfache und steudige Zustimmung, die aus einem kindlichen Gemüte kommt. Auch Renzo war sehr still, und er gedachte niemals mit den Pettinaris und den Nachbarn über das zu sprechen, was er hier vollbrachte: er zeichnete den Arm, die Hand der Venus. Als er fertig war. pochte sein Hirn und sein Herz. Er sprang zu Colina hinüber und küßte ihr beide Wangen. Sie lächelte wie«ine junge Mutter. Das Blatt zeigte er spröde hin, wie ein rechter Geizhals. Er gab es nicht aus der Hand. Dann eilte er zu seiner steinernen Geliebten. „Heute wirst du dich mir nicht versagen," dachte er triumphierend,„heute nicht." Doch als er mit seinem Handwerkszeug vor ihr stand, war ihm, als gleite ein Lächeln um sie. Von dem Kopfe ging e saus, von jenem Kopfe, der heute wie durchsichtig über ihrem wunderbaren Körper schwebte. Kein gütiges Lächeln war es. Renzo setzte sich fast ingrimmig zu ihren Füßen hin. Hatte er diese Knie wirklich geküßt? War wirklich alles einmal warm und nahe gewesen? Er träumte, konnte sich lange nicht aufraffen. Schließlich nahm er dennoch seine Zeichnung, nahm einen zweiten leeren Bogen und dann, fast in starrer Andacht, bog er Colinas Arm, legte ihre Hand auf die schöne Brust, ändernd, alles ein wenig verschiebend, immerfort mit der anderen Hand vergleichend, mit jener, die das im Meereswind gebauschte Gewand um die Schenkel zieht. Und nun war es ihm doch, als löse sich etwas in seinem Innern, als durchströmte ihn ein reinigendes und beglücken- des Feuer.____ Ein zweites, ein drittes Blatt nahm er vor, niemals in dem Gefühl, es sei ihm nicht gelungen, nur in dem Drange, alles noch einmal, vielleicht besser, zu gestalten. Kaum wagte er es sich einzugestehen, /daß er zufrieden sei, als er seine Papiere endlich aufrollte— und dennoch— Gnade! Langsam, in sich gekehrt, glücklich, wanderte er zu der Villa, in der Professor Arcangeli wohnte. Ganz bescheiden, viel bescheidener als sonst, trat er bei ihm ein— schob focht das Blatt vor ihm hin— doch er fühlte keine Spannung, keine Furcht. Das war ihre Hand, niemand konnte anders denken. Arcangeli sah lange hin. Auch er sprach nicht. � �Fortsetzung folgt.) the Der Blick in die Sterne. angeregt durch den in Borfriegszeiten unter der Berliner Arbeiter Selbststudium gute astronomische Kenntnisse angeeignet hat. In seiner Erwerbslosigkeit griff er darauf zurück. Größere optische Geschäfte verleihen die Fernrohre an gut legitimierte Leute, die, auf den Straßen umherziehend, dem Publikum Gelegenheit zur Beobachtung der Gestirne bieten. Es sind gute, von erstklassigen Firmen hergestellte Instrumente dabei, die eine durchaus einwandfreie Beobachtung ermöglichen. Aber man sieht auch alte Gestelle, die aus irgend einem Antiquariatswinkel ausgegraben sind und nur noch ein Loch mit Scheiben" darstellen. Mancher Nachtvogel macht hier einen Abschluß seines Bummels und es sieht fast wie eine moderne Bariation des früher in diesen Kreisen beliebten Liedes aus, in welchem der gute Mond, der so stille durch die Abendwolfen ging, ange= fungen wurde. Und so manche der armen Mädchen der Großstadt nächte mag durch die Sterne sogar einen Blick in die Zukunft erhoffen. Die Mehrzahl der Sternengucker aber nimmt die Sache durchaus von der wissenschaftlichen Seite. Biele mögen hier beim Straßen astronomen die Anregung für ein tieferschürfendes Studium der Sternenfunde mit nach Hause genommen haben. öffentliche Konzert des Steirischen Liederkranzes statt. Die Deutschösterreichische Liedertafel wirkt mit einigen Chören, der Bayerischösterreichische Bolfstrachtenverein„ D'Hoamattreuen" mit historischen Steirertänzen mit. Anschließend Ball. Bei dem Volksfest werden Abreise des Steirischen Liederkranzes erfolgt Montag, den 23. Juni. namhafte Parlamentarier über die Anschlußfrage sprechen. Die Berliner Verkehrsentwickelung. Der Mord auf dem Alteisenplah. Neue Berhandlungen im Mordprozeß Löwinjohn. Unter Borsiz von Landgerichtsdirektor Dr. Tolk findet am Sonns lung gegen den Platzmeister Samuel Löw insohn statt, der bes abend vor dem Schwurgericht des Landgerichts I die neue Verhand schuldigt wird, am 12. Juli 1923 die Ehefrau Fanny Förster auf dem Altmetallagerplay Prenzlauer Allee 181 ermordet und an dem gleichen Tage in der Försterschen Wohnung einen Mord versuch an dem Hausmädchen Dobrunz verübt zu haben, Gegen Löwinsohn war bereits im Dezember verhandelt worden. der widersprechenden Gutachten über den Geisteszustand des Angezu lassen. Löwinsohn ist sechs Wochen in Dalldorf beobachtet worden und Oberarzt Dr. Blume hat ein umfangreiches Gutachten erstattet, das den Hauptgegenstand der neuen Verhandlung am Sonnabend bilden wird. Der Angeklagte, der aus Polen nach Berlin getommen war, hatte bei seinem Landsmann Förster auf dessen Lagerplatz eine Anstellung als Blameister erhalten. Schon mehrfach hatte er sich Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen lassen, mar Anfang Juli war Förster verreift, am 10. Juli entdeckte die Ehefrant aber auf seine Bitten immer wieder in Stellung behalten worden. Förster eine neue Unregelmäßigkeit und es fam zu hef tigen Auseinandersetzungen. Sie ließ sich jedoch schließlich bewegen, die Entlassung wieder zurückzunehmen. Als Frau Förster zwei Tage darauf auf den Lagerplay tam, lockte der Angeklagte sie in den Lagerschuppen und zertrümmerte ihr hier mit einer Eisenstange den Schädel. Darauf begab er sich in die Wohnung und sagte dem Hausmädchen Dobrunz, daß Frau Förster vergessen habe. Ins Schlafzimmer gekommen, warf Löwinsohn das ihn schicke, um die Schlüssel zu holen, die sie unter dem Kopffiffe: Mädchen auf das Bett, drückte ihr die Kehle zu und schlang ihr eine mitgebrachte Schnur um den hals. Er durchwühlte darauf sämtliche Behältnisse, denn er vermutete, daß Frau Förster eine i Brief an ihren Mann über die Vorkommnisse geschrieben habe. Zu feiner Entlastung hatte Löwinsohn einen raffinierten Plan ausgehect. Im Hause Antonstraße 18 wurde er anscheinend ohnmächtig fallen worden wäre. Auf dem Lagerplatz sei ein Händler namens aufgefunden und er gab an, daß er von zwei jungen Leuten überKrause gewesen, um Metall zu verfaufen und Frau Förster hätte ihn mit einem Zettel, auf dem die Adresse Krauses stand, und den Löwinsohn bei sich hatte, weggeschickt, das Metall abzuholen. Krause fei mit der Frau auf dem Lagerplaz allein geblieben. Das Hausmädchen Dobrunz war aber nicht erstickt, sondern hatte sich nach einer Stunde wieder erholen fönnen und war auf den Lagerplay geeilt, wo sie ihre Dienstherrin in einer Blutlache tot auffand. Dadurch fiel das ganze Lügengewebe Löwinsohns auseinander und er hat dann auch die Tat eingestanden, will aber ohne Ueberlegung im Affett gehandelt haben. Die Verteidigung Löwinsohns führt R.-A. Dr. Lelewer. " Der Saturn mit seinen Ringen ist heute wunderbar zu sehen!" Dieser Ausruf zur Mitternachtsstunde an der Straßenecke läßt immerhin aufhorchen und man sieht sich nach dem sternenbegeisterten Mann um. Er steht neben einem gen Himmel gerichteten Fernrohr, an dessen Dreigebein etliche Sternfarten und die Ankündigung hing, daß man für einen Blick in die himmlischen Gefilde 30 Pf. zu entrichten habe. Man läßt die Gelegenheit nicht vorübergehen, wirft Daß die Beseitigung der Inflation einen allgemeinen Auf ein Auge auf den Saturn und auch auf den freundlichen Vermittler chwung der Berliner Verkehrsunternehmungen zur Folge gehabt der Sternenherlichkeit. Es ist ein arbeitsloser Facharbeiter, der fich. hat, ist allgemein bekannt. Trogdem geht der Umfang des Auf Der Prozeß mußte jedoch vertagt werden, da das Gericht sich infolge Schwunges weit über das hinaus, was felbft Optimisten von den schaft start propagierten Besuch der Treptower Sternwarte, im günstigen Wirkungen stabiler Wirtschaftsverhältnisse erhofft hatten. flagten veranlaßt sah, Löwinsohn in einer Jrrenanstalt untersuchen Am meisten kommt diese Entwicklung der Straßenbahn zugute Sie war im Herbst vergangenen Jahres fast ganz bedeutungslos ge Berliner Verkehrs, ähnlich wie in der Vorkriegszeit, zu bewältigen. worden. Jetzt schickt sie sich an, wieder den größten Prozentsatz des Aus dem beifolgenden Schaubild geht deutlich hervor, wie von Monat zu Monat die Straßenbahnen den Anteil des Verkehrs zurüderobern, den ihnen die Stadt und Ringbahn in der Zeit der Inflation dant ungewöhnlich niedriger Tarife abgenommen hatte. Im Mai beförderte die Straßenbahn bereits 44,2 Millionen Fahr gäfte gegenüber 42 Millionen der Stadt- und Ringbahn. In den kommenden Monaten wird sich dieses Verhältnis noch weiter zu gunsten der Straßenbahn verändern, da die Sommerüber den anderen Unternehmungen bedingen. Sie hat deshalb zur monate überhaupt eine Zunahme des Straßenbahnverkehrs gegen zeit nicht weniger als 600 neue Wagen in Auftrag gegeben. Im Jahre 1913 betrug die Zahl der Fahrgäste auf der Stadtbahn 395 Millionen, auf der Hoch- und Untergrundbahn 73 Millionen, auf der Straßenbahn 652 Millionen, auf den Omnibussen 170 Millio nen. Bergleicht man damit die bis jetzt vorliegenden Monatsziffern des Jahres 1924, so ist die starke Steigerung des Hoch- und Untergrundbahnverkehrs auffällig, während die Omnibusse noch viel zu tun haben, ehe sie ihren früheren Stand wieder erobert haben werden. Sie leiden unter dem Vertrage, der zwischen der Straßenbahn und der Hochbahn früher getroffen wurde und der diese beiden Hauptaktionäre der ABDAG., die zusammen über die Mehrheit des Attienkapitals verfügen, zur fünstlichen Niedrighaltung des Omnibusverfehrs verpflichtet. Es ist aber zu erwarten, daß es der Omnibusgesellschaft gelingen wird, ihrer Anteil am Berkehr durch neue Linien weiter zu steigern. Der Untergrundbahnverkehr kann auf den bestehenden Linien kaum noch erhöht werden. Er wird aber wachsen durch die bevorstehende Berlängerung der Nordfüdbahn. Am 1. Oktober b. J. Verlängerung der Nordsüdbahn. Am 1. Oktober d. 3. wird der Bahnhof Kaiser- Friedrich- Plaß und voraussicht. lich am 1. Juli 1925 der Rest der Bahn bis zum Bahnhof Neutölln der Ringbahn eröffnet werden. Dadurch ist natürlich eine be kölln der Ringbahn eröffnet werden. Dadurch ist natürlich eine bedeutende Zunahme des Verkehrs sowohl auf der neuen Strecke wie auch auf den alten Stammlinien zu erwarten. Die Hochbahn trägt diefer kommenden Entwicklung bereits durch Bestellung von über 100 neuen Wagen Rechnung, mit denen es möglich fein wird, die Zugfolge in den Hauptverkehrszeiten auf den Stammftreden bis auf 2 Minuten zu verstärken. Im weiteren Verlauf des Jahres wird sich jedenfalls herausstellen, daß zwischen der Stadt- und Ringbahn und der Straßenbahn das Verhältnis wieder ähnlich wie im Frieden werden wird, daß Hochbahn und Omnibus ihren Anteil bedeutend gesteigert haben und daß darüber hinaus der Gesamtverkehr Berlins bedeutend zugenommen hat. Die nachfolgende Stizze gibt die Verkehrszahlen seit dem Herbst des vergangenen Jahres: Generalversammlung der Konsumgenossenschaft. Auswertungsbeschlüffe. In den Musikerfälen fand die außerordentliche Gene ralversammlung der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgebung statt. Die Bersammlung beschäftigte sich zunächst mit der Aufmertung der alten Geschäftsanteile und Spareinlagen. Die außerordentliche Generalversammlung vom 1. April d. J. über die wir ausführlich berichteten beschloß, eine Rommission von 19 Vertretern zur Generalversammlung einzusehen, die gemeinsam mit Vorstand und Aufsichtsrat der Genoffen. schaft einen entsprechenden Plan vorbereiten und der nächsten Gene ralversammlung zur Beschlußfaffung vorlegen follten. Die Kom mission hat in der Zwischenzeit gearbeitet und alle Möglichkeiten beraten. Geschäftsführer Genosse. Hille berichtete nun gestern über die Beratungen und Beschiffe der Kommissien, die der gesti gen Generalversammlung vorgelegt wurden. Die Geschäftsan= teile werden mit 15 Pro3. des Geldwertes aufgewertet, und zwar soll die Umrechnung wie folgt stattfinden: Alle Einzahlungen bis zum 30. Juni 1918 werden als voile( Boldmark an gesehen, für die Einzahlungen vom 1. Juli 1918 bis 30. Juni 1919 werden drei Papiermark gleich 1 Goldmart gerechnet, für die Einzahlungen vom 1. Juli 1919 bis 30. Juni 1920 werden 10 Papiermart gleich 1 Goldmart, vom 1. Juli 1920 bis 30. Juni 1921 werden 15 Papiermart gleich 1 Goldmart, vom 1. Juli 1921 bis 30. Juni 1922 werden 50 Papiermark als 1 Goldmart, vom 1. Juli 1922 bis 30. Juni 1923 merden 5000 Papiermart gleich 1 Goldmark gerechnet. die nach dem 30. Juni 1923 eingezahlten Beträge werden nur dann angerechnet, wenn sie eine volle Billion ergeben und es wird diese Billion gleich 1 Goldmart angerechnet. Bei dieser Umrechnung werden die Goldmarkbeträge auf volle Mart abgerundet und alle überschießenden Teile gestrichen. Die zum 30. Juni 1924 ausscheiBenden Mitglieder haben nur Anspruch auf die eingezahlten Papiermartbeträge. Die Spareinlagen werden mit 20 Proz. des jeweiligen Golbwertes aufgewertet. Hierbei werden Beträge unter 5 Mart gestrichen bzw. auf volle 5 Mart nach unten abgerundet. Derartig aufgewertete Spareinlagen dürfen vor dem 1. Dezember 1926 nicht abgehoben werden. Während der Zeit vom 1. Juli 1923 und 31. Dezember 1924 werden Zinsen nicht vergütet. Vom 1. Januar 1925 an werden die Beträge zu dem von dem Berwaltung feftgesezten Sage verzinst. In der Debatte versuchten die kommu nistischen Redner mit größtem Stimmenaufwand ihre Ziele durchzufegen. Sie traten für eine vorläufige Aufwertung von 20 Proz. ein, um später noch weiter zu gehen. Sie mußten aber doch zugeben, daß die Genossenschaft pleite wäre, sollte sie alle Beträge voll aufgewertet auszahlen. In der darauffolgenden Abstimmung wurden die Borschläge der Aufwertungsfommission mit großer Majorität angenommen. Damit fielen alle anderen Anträge. Genosse Buchholz gab den Bericht von dem Unterverbandstag in Kolberg. Ueber den Verlauf dieser Tagung hat der„ Borwärts" schon ausführlich berichtet. Auch noch Stierkämpfe? Berlin soll mit einer neuen Senfation gefüttert werden. Nach der ausführlichen Schilderung eines Spätabendblattes hat sich ein spanisch deutsches Konsortium gebildet, das im Berliner Stadion Stiergefechte zu veranstalten gedenkt. Die Berliner sollen es nun nicht mehr nötig haben, nach Madrid, Barcelona oder Sevilla reifen zu müssen, um das großartige Schauspiel eines Stier tampfes fennen zu lernen.( Beiläufig ist uns von einer Sehnsucht nach Stierfämpfen in Berlin noch nichts bekannt geworden.) Das Projekt soll also fertig sein und zu seiner Berwirklichung soll es ,, nur noch der behördlichen Genehmigung bedürfen. Nun, mir halten es für unbedingt notwendig, daß eine solche Genehmigung verweigert wird. Berlin tann seinen Ruf als Weltstadt in dieser Zeit wirklich anders feftigen als durch die Veranstaltung von Stiertämpfen. 60 Beförderte Perfonen in Groß- Berlin. ( In Millionen.) Stadt- u. Ringbahn 50,467 50 63,993 48,088 44,2 43.5 43,0 42,0 40.2 41.3 40 38,9 37,086 30 20 10 Hochbahn 10,794 Straßenbahn 7,4 Schwere Fleischvergiftungen in Wilmersdorf. Nach dem Genuß von Schweinefleisch zeigten sich gestern nachmittag bei den Mitgliedern der Familie I u st us und der Hausangestellten P. in der Landhausstraße 6/7 in Wilmersdorf Ver. giftungserscheinungen. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte schwere Fleischvergiftungen fest und veranlaßte die Ueber. Omnibus 1,428 führung des J. und der P. in die Krankenhäuser Westend und Schöneberg. Wie auf Anfrage mitgeteilt wird, besteht für beide Personen Lebensgefahr. Bei den weiteren Personen war eine leberführung in Krankenhäuser nicht notwendig. Im Laufe des Tages haben sich bei anderen Aerzten noch weitere Personen gemeldet, die Fleischvergiftungen verspüren. Ob das Fleisch von ein und demselben Schlächter bezogen worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Anschlußkundgebungen in Berlin. Der Desterreichisch- Deutsche Volksbund( Borsigender Gen. Löbe, Stellvertreter Rienzl, Prof. Hoeßsch, Heile) hält seinen diesjährigen Bundestag am 21. Juni im Reichstagsgebäude ab. Eine große Zahl von Ortsgruppen- und Gaubelegierten ist aus allen Teilen des Reiches angemeldet. Am gleichen Tage trifft auch der Steirische Liederkranz in Berlin ein. Gegenstand der Beratungen ist die Vorbereitung des Anschlusses Deutschösterreichs, Fragen des Minderheitenschutzes und des Fremdenrechtes. Sonntag, den 22. Juni, erfolgt im Beisein der Steirischen Gäste um 11 Uhr vormittags die feierliche Einweihung der großdeutschen Vereinsstandar'te der Deutschösterreichischen Liedertafel zu Berlin. Der Trompeten und Posaunenchor des Kammervirtuosen Plaß wirkt mit. U. a. wirb Herr Oberbürgermeister Böß sprechen. Sonntag nachmittag 4 Uhr findet im Friedrichshain das einzige 0 25,2 32,8 20,8 18,4 17,197 16,153 14,5 14,8 15,872 15.823 15,5 13,919 www. 13.888 12,210 2,170 1,830 1.984 2.325 2.7 September 1923 Oktober November Dezember Januar 1924 3.424 3.483 Februar März 3,5 April Mai beginnt im Auguste Vittoria Haus, Charlottenburg, Frantstr.( Bahnhof Pflege und Ernährung des Säuglings. Am Donnerstag, den 3. Juli, Westend). ein Kursus für Mütter und Mädchen, in dem alles dos praktisch und theoretisch gelehrt wird, was eine Frau von der Pflege und Ernährung des Säuglings wissen muß. Der Kursus umfaßt vier Doppel5 m. ist im Bureau der Anstalt zu entrichten. stunden, jeweils Donnerstags von 3-5 Uhr. Die Einschreibegebühr von der Gartenbühne übt rege Anziehungskraft auf das Publikum aus, sind Neue Welt. Das vorzügliche Programm der Varietévorstellungen auf doch die mannigfachen Darbietungen auf den verschiedenen Gebieten der Aleinkunst einzig in ihrer Art. Bezirksbildungsausschuß. Karten für das Deutsche Opernbaus( gute Plätze) für Sonnabend, den 21. Juni, Die Bohème", Sonntag, den 22. d. W. ,,, Tannhäuser" und Montag, den 23. Juni, Fledermaus" sind zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., Zimmer 6. Berliner Varietés. Die Scala bringt in diesem Monat ein ausgezeichnetes artistisches Programm, das fich wirklich als international bezeichnen läßt. In erster Linie wären zu erwähnen die fünf Dubstys, Parterreakrobaten von einent Rang, wie wir ihn selten in Deutschland gesehen haben. Der deutsche Gegenpart, die Brüder Kühn, fönnen hier in einem Atem genannt werden, ihr Balancealt auf der Stange steht in Wahrheit turmboch über ähnlichen oft gesehenen Produktionen. Eton, der Mann auf dem toten Punkt, der scheinbar ohne Nerven die waghalsigsten Balancekünfte auf den 60 zerbrechlichsten Dingen ausübt, der virtuose Radaft der zwei Dormondes, die Drahtseiltünstler Beras, fie alle präsentieren sich als Artisten von Selaffe. In einem Musikalatt, dem man in der Vielgestaltigkeit der ver wendeten Instrumente und in der Aufmachung ohne weiteres anmerkt, daß er aus Amerika stammt, verüben die sieben Elliot Savonas eine ziem lich geräuschvolle und ungewohnte Musit. Das Tanzsegtett Herbert 3 ad fons zeigt englische Girls in immer neuen Variationen von Steptänzen. Sonst ist der Tanzclou diesmal die Primaballerina der Mailänder Scala Annita Bronzi mit dem Ballettmeister Faraboni und seinem Sohn, die in Phantasie und Charaktertänzen nach der alten Schule viel Geschmac und Talent entwidein. 50 40 39 20 20 10 Genoffe Stadtfchulrat Dr. Loewenstein spricht am Freitag, den 20. Juni, abends 7 Uhr, in Steglig, Ringstr. 54/55, Gemeindeschule I, über das Thema: Freie oder fonfeffionelle Schule". Eltern und Erzieher, erscheint in Massen! Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 19. Juni. Nachm. 1.05 Uhr: Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7.30 Uhr: Sprachunterricht( Englisch). 8 Uhr: Vortrag des Herrn Baurat Hammer. von der Berliner Feuerwehr:„ Die Berliner Feuerwehr. 9-10 Uhr: Konzert( Berliner Funkkapelle). 10.15 bis 11.30 Uhr: Tanzmusik, Wintergarten. Der Juni- Spielplan weist einige Attraktionen auf, die die Spannung der Zuschauer bis zur Atemlosigkeit steigern, andere wieder, die Ausdrüde der Bewunderung entloden. Mit unübertroffener Präzision und Grazie arbeiten die Bier Ballaston s mit ihren buntleuchtenden Keulen, mit herausfordernder Dreistigkeit balanziert die Brad nas auf einer Leiter, die ihren einzigen Stützpunkt in den in die Höhe gehobenen Füßen ihres Partners hat. Wallastons und Bradnas Kunit bereinigt aber in fich die Japanerfamilie Fuji, die fast noch mehr echtjapanische Rube und Ausgeglichenheit an den Tag legen, als ihre europäischen Stonfurrenten. Eine Glanznummer von Kraft und verhaltener Komil produ giert der Ritter mit dem Knappen. Männliche Schönheit eines wundervoll ebenmäßigen Körpers, verbunden mit äußerster Gewandheit, bezaubern die Zuschauer. Der Ritter läßt 200 Bfund mit einer schier unglaubwürdigen Selbstverständlichkeit auf seinen Naden niedersausen. Zum Schluß gibt es ein wahrhaftiges Drunter und Drüber. Das Durch einander von Menschen und Dingen verursacht ein Durcheinander von Ausrufen der Bewunderung, des Lachens und des Erschredens unter dem Publikum. Exzentrifer und englische Tänzerinnen und Sängerinnen brachten das Uebliche. 21 Tote in Iserlohn. Die Schuldfrage noch ungeklärt. Nach einem Telegramm aus Dortmund hat sich die Zahl der bei dem Straßenbahnunglück bei Iserlohn getöteten Perfonen auf 21 erhöht, da vier der Schwerverletzten verstorben find. Der Schauplah des Unglücks bietet ein graufiges Bild. Verschiedene Tote waren fo verstümmelt, daß ihre Persönlich feit nicht mehr festgestellt werden konnte. Die überaus große Zahl der Toten und Verletzten ist darauf zurückzuführen, daß sich das Unglück furz nach 7 Uhr ereignete und der Wagen mit Leuten, die von der Arbeit famen, überfüllt war. Bei den Opfern handelt es sich meistens um junge Männer und Mädchen. Die Frage der Schuld an dem Iserlohner Straßenbahnun glück ist noch völlig ungeklärt. Die westfälische Kleinbahngesellschaft in Iserlohn ist gegenwärtig noch mit der Feststellung der Ursachen beschäftigt, die sich schwierig gestaltet, da der Führer des verunglückten Wagens selbst sein Leben eingebüßt hat. Allgemein wird angenommen, daß die Führungsrolle des Hochspan nungsbügels auf der abschüssigen Strecke vom elektrischen Leitungsdraht absprang, so daß es dem Wagenführer nicht gelang, die elcftrische Bremse in Tätigkeit zu sehen. Von den Insassen des Wagens man spricht von 70 bis 80 Personen, meist weiblichen Angestellten der Firmen Alsberg und Basse u. Ortmann Knabe durch Absprung während der Fahrt retten. In die fonnte sich ein Krankenhäuser von Letmathe, Hohenlimburg und Iserlohn sind nach den jüngsten Feststellungen 43 Berlegte eingeliefert worden. Der Reichspräsident hat an den Bürgermeister der Stadt Iserlohn folgendes Telegramm gerichtet: Die Nachricht von dem furchtbaren Straßenbahnunglüd in Iserlohn erfüllt mich mit tiefer Trauer. Ich bitte Sie, den Hinterbliebenen der bedauernswerten Opfer meine herzlichste Teilnahme auszusprechen und den zahlreichen Berlegten meine aufrichtigen Wünsche für ihre baldige Wiederher stellung". Stadtbaurat Adler, der die Bahnen im Industrierevier und besonders die Iserlohner Strede genau fennt, macht zu dem Unglück folgende interessante Mitteilungen:„ Es ist die Vermutung aufgetaucht, daß der Straßenbahnwagen, der sich in Iserlohn auf der Talfahrt befand, dadurch verunglückt ist, daß die Rolle, die den Strom von der Oberleitung abnimmt und den Motoren zuführt, vom Draht abgesprungen iſt und daß dadurch ein Halten unmöglich geworden sei. Diese Anficht ist absolut unrichtig. Die Iserlohner Straßenbahnwagen, die das Unglück ereignete starfe Steigungen zu überwinden haben, 20. Areis Reinickendorf. Arbeiterwohlfahrt! Seute, Donnerstag, 715 Uhr, m Gigungsfaal des Rathauses Reinickendorf- Oft, Sauptstraße, 3. Abend. Bortrag über: ,, Geguelle Aufklärung der Jugend." Ref.: Dr. Schreiber. 1. Kreis Mitte. Freitag, den 20. Juni, 7 Uhr, wichtige Sigung des er. weiterten Kreisvorstandes bei Spiegel, Ackerstr. 1. 2. Kreis Tiergarten. Freitag, den 20. Juni, Gigung der Geschäftsleitung und der 1. Abteilungsführer bei Krüger, Putligstr. 10. 3. Kreis Webbing. Freitag, den 20. Juni, öffentliche Elternversammlung um 7% Uhr in der Aula der 65. und 77. Gemeindeschule, Schulstr. 99/100. Thema: Gegen die Zerstörung der Volksschule für den Schulaufbau." 4. Kreis Prenzlauer Berg. Arbeiterwohlfahrt, Kinderschußkommission! Frei tag, den 20. Juni, 5% Uhr, am Wilhelmsplay in Charlottenburg Treffpunkt zur Besichtigung der sozialhygienischen Ausstellung im Rathaus. Die Genoffen, die Interesse daran haben, werden gebeten, pünktlich au erscheinen. Die für Freitag, den 20. Juni, angesetzte ElternversammTung in der Schulaula Greifenhagener Str. 58 findet anläßlich der Arbeitersportwoche nicht statt. 6. Kreis Kreuzberg. 47. Abt. Achtung, Eltern! Donnerstag, den 19. Juni, abends 7 Uhr, öffentliche Elternversammlung der 20., 46., 76., 80., 37., 193. und 195. Gemeindeschule in der Aula, Waldemarstr. 77. Ref.: Lehrer Schröter. 41. Abt. Freitag, den 20. Juni, abends 7 Uhr, öffentliche Elternversammlung der 133., 149., 101. und 91. Gemeindeschule in der Aula, Gneisenauftr. 7. Ref.: Octavius Müller. 42. Abt. Freitag, den 20. Juni, abends 7% Uhr, öffentliche Elternversammlung der 28., 217., 60. und 236. Gemeindeschule in der Aula, Wilmsstr. 10. Ref.: Rektor Kreuziger. Thema in allen Versammlungen: Die Bedeutung der Elternbeiratswahlen für die Kinder." 7. Kreis Charlottenburg. 52. und 53. Abt. Freitag, den 20. Juni, 7% Uhr, Schulaula Wiebestr. 53/58, Eingang Neues Ufer, öffentliche Elternverfammlung für die Eltern der 5., 6., 29. und 30. fowie 35. Gemeindeschule. Thema: Schulaufbau." 58. 96t. 72 Uhr Schulaula Joachimsthaler Straße 31/32 für die Eltern der 7. und 8. Gemeindeschule. Ref.: Genoffe Lehrer Noad. Die für heute, Donnerstag, angefeßte öffentliche Elternversammlung fällt aus. 11. Kreis Schöneberg. Freitag, den 20. Juni, 7% Uhr, öffentliche Elternversammlung in der Aula des Helmholz- Gymnasiums, Rubensstraße. Thema: 1. ,, Die tommende Schulreform." Ref.: Gen. Dr. Lohmann. 2. ,, Gind wir religionsfeindlich?" Ref.: Gen. Theet, Pfarrer a. D. 9. Kreis Bilmersdorf. Heute abend 8 Uhr wichtige Besprechung fämtlicher Abteilungsleiter und der Gaalschußobleute bei Bieper, Wilmersdorf, Sol fteinische Straße. Die Abteilungen müssen unbedingt vertreten fein! fich auf einem zwei Kilometer langen Gefälle mit einer Steigung von 35 Meter pro Mille find mit drei Bremsen ausgerüstet. Zunächst befindet sich an jedem Motorwagen die Handbremse, die so start ist, daß der Wagen mit ihr unbedingt zum Halten gebracht werden kann, dann aber ist auch eine elettrische Bremse vorhanden, die sowohl auf die Räder, als auch auf die Schienen wirkt und die als eine ausgezeichnete Ronstruktion angesprochen werden kann. Die elektrische Bremse tann auf zwei Wegen in Tätigkeit gesetzt werden. Der Fahrer vermag fie durch den Strom in Aktion zu sehen, der von der Oberleitung abgenommen wird und dieser Borgang ist auf gerader Strecke der gewöhnliche. Da aber mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß einmal der Oberleitungsstrom versagt, z. B. die Stange mit der Rolle vom Leitungsdraht abspringt, ist eine zweite Sicherung getroffen. Bei der Talfahrt oder beim Leerlauf des Wagens, d. h. wenn die Stromzufuhr ausgeschaltet ist, wirfen die Motoren des Straßenbahnwagens im entgegengesetzten Sinne, nämlich als Generatoren, die selbst Strom erzeugen, und dieser Strom seht die elektrischen Bremsen in Tätigkeit. Wäre also wirklich die Rolle vom Draht abgesprungen, so hätte dies für die Bremsung des Wagens nichts ausgemacht, da auf dem zweiten eben geschilderten Wege die Bremfung funktionieren mußte. Die Schuld an dem Unglück ist höchstwahrscheinlich dem Führer des Wagens beizumessen, der auf der start abschüssigen Strecke aus irgendeinem Grunde den Wagen bremslos oder mit schwacher Bremsung hinabrollen ließ. Das Kleinbahngefeh sieht ausdrücklich vor, daß bei starten Steigungen während der Talfahrt nur dieselbe Geschwindigkeit erzielt werden darf, wie bei der Bergfahrt. Bei dieser Gelegenheit ist auch die alte Streitfrage, ob Rolle oder Bügel im Straßenbahnverfehr wirk famer oder sicherer seien, wieder aufgerollt worden. Hierzu sei bemerkt, daß die amerikanischen Straßenbahnwagen, die Geschwindigfeiten bis zu 80 Stunder: filometer erreichen, ausnahmslos mit Rollen arbeiten, und die wissenschaftlichen Untersuchungen, die in Berlin angestellt sind, haben zweifelsfrei ergeben, daß die Rolle genau so betriebssicher wie der Bügel ist, daß aus ökonomischen Sungsosialisten und ältere SAJ. Friebrichshain. 8 Uhr Jugendheim Tilsiter Gründen die Rolle, was bessere Stromabnahme und Schonung des Leitungsnetzes anbetrifft, fogar vorzuziehen ist." Schweres Fährunglück auf der Isar. Bei einer Ueberfahrt über die far bei Unterföhring versant plöhlich die den Verkehr vermittelnde Fähre, in der sich 16 Arbeiter befanden. Nur fünf gelang es sich zu retten, die übrigen elf ertranten. Schon wieder ein Eisenbahnunglüd. Der gestern vormittag 10 Uhr den Bahnhof Barmen Rittershausen passierende Eilzug von Effen nach Elberfeld stieß auf der 25 Meter hohen Brücke in der Hügelstraße auf einen Rangierzug, der aus Lokomotive und Backwagen bestand. Die Lokomotiven sind schwer beschädigt und wurden aus den Gleisen geworfen. Beide Backmagen entgleiften. Berlegt wurden drei Personen schwer, acht leicht. Die Verunglückten haben zumeist Beinverlegungen erlitten und wurden in die Krantenanstalten gebracht. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Schuld an dem Zusammenstoß ist noch nicht geflärt. Die Eisenbahnverwaltung nimmt an, daß der ebenfalls schwer verletzte Lokomotivführer des Rangierzuges einen Rangierbefehl falsch verstanden hat, dessen Ausführung den Zusammenstoß herbeiführte. Die Untersuchung ist im Gange. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand. Sonnabend, den 21. Juni, abends 6 Uhr: Sihung im Jugendheim, Lindenstr. 3. Achtung, Abteilungsmietervertreter! Donnerstag, den 19. Juni, 8 Uhr, Versammlung in der Juristischen Sprechstunde, Linden ftraße 3. Genosse Dzient spricht über: Unsere Forderungen und die Partei." Alle Abteilungen müffen vertreten sein. Bentralarbeitsausschuß der soz. Elternbeiräte Berlins! Heute, Donnerstag, den 19. b. M., abends 6 Uhr, im Ronferenzsaal der Borwärtsredaktion, Lindenftraße 3, 4. Sof 4 Tr., wichtige Besprechung und Ausgabe der Stimm gettel und Wahlplatate sowie der restlichen Flugblätter für die Eltern. beiratswahlen. Jeder Kreis muß vertreten fein. Besonders die Kreise 8, 10, die ihr Material bisher noch nicht abgeholt haben. 1. Kreis Mitte. Die Stimmzettel für die Elternbeiratswahlen abholen bei Spiegel, Ackerstr. 1. 11. Kreis Schöneberg. Heute, Donnerstag, 7% Uhr, in der Hohenzollernschule, Belziger Str. 48/52, öffentliche Elternversammlung. Bortrag des Genoffen Dr. Lohmann. Während unserer rechnet haben. Heute, Donnerstag, den 19. Juni: 22. Abt. Bezirksführer und Hauskassierer müssen bis zum 28. Juni abge47. Abt. 7 Uhr Elternverfammlung in der Schulaula Waldemarstr. 77. Gen. Lehrer Schröter spricht über: ,, Die Bedeutung der Elternbeiratswahlen." 48. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferenz mit den Elternbeiräten und Randidaten bei Niespodziany, Brandenburgstr. 54. 56. Abt. Charlottenburg. 2. Gruppe von 6-7 Uhr Flugblätter abholen beim Genoffen Krüger, Windscheidstr. 26. 94. Abt. Seute abend 7% Uhr bei Günter, Schillerpromenade 11, Frauenĭefeabend. Vortrag und Neuwahl. 132. Abt. Blankenburg. 8 Uhr bei Klug, Dorfstraße, öffentliche ElternverfammJung. Vortrag des Genossen Hennicke über: ,, Die Bedeutung der Elternbeiratswahlen." 96., 97. unb 98. Abt, Neukölln. Elternbeiratswahlen der 5. und 6. Gemeinde. Ichule( weltliche Schulen), 7% Uhr, Reichen faal der Schule Mariendorfer Weg 70, VSPD.- Bersammlung. Freunde der weltlichen Schule find ein geladen. Straße 4/5. Vortrag des Genossen Dr. Kurt Bloch über: Die Ent widlungsgeschichte des Staates." Jungsozialisten, Gruppe Nordosten. Bortrag des Genoffen Dr. Mar Hodann über ,, Rassenfrage und völtische Bewegung" am Donnerstag abend 28 Uhr Danziger Str. 28, Jugendheim. Morgen, Freitag, den 20. Juni: 1. Abt. 7 Uhr 1. Gemeindeschule Roppenplak Elternversammlung. Bortvag des Gen. Lehrer Mäde über: ,, Die Bedeutung der Elternbeiratswahlen." 3. Abt. 7% Uhr Sigung der Bezirksführer, Betriebsvertrauensleute sowie fämtlicher Funktionäre im Lokal Krüger, Engelufer 23. 5. Abt. 7% Uhr bei Scheithauer, Gormannstr. 29, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Wuschid über: ,, Die Elternbeiratswahl." 14., 15. und 16. Abt. 7 Uhr öffentliche Wählerversammlung der weltlichen Schule, Butbufer Str. 3, Turnhalle. 33. Abt. 7 Uhr treffen fich sämtliche Elternbeiratstandidaten der Schulen 220, 255, 227, 281 und Stralau in der Schule Hohenlohestr. 10, Ronferenzzimmer. Die Obleute Taben ein. 43. Abt. 7% Uhr bei Reim, Urbanftr. 29, öffentliche Frauenversammlung. Bortrag der Genoffin Stadtv. Riedger: Die Bedeutung der Elternbeirats. mahlen für die Frauen." 46. Abt. 7 Uhr bei Eichhola, Cuvryftr. 23, wichtige Gigung der Funktionäre, Selfer und Elternbeiräte fowie Randidaten. 47. Abt. 7% Uhr Ronferenz aller Funktionäre, Elternbeiräte und Randidaten bei Giedentopf, Mustauer Str. 35. 87. Abt. Marienfelde. 8 Uhr Bersammlung zu den Elternbeiratswahlen bei Saseloff, Berliner Str. 114. Alle freidenkenden Eltern find einzuladen. 91. Abt. Neukölln. 7½ Uhr öffentliche Elternversammlung im Karlsgarten. Ref.: Genoffe Dr. Karsen. 102. Abt. Baumschulenweg. Der Arbeitermännerchor Oberspree" begeht am Sonntag fein Waldfeft. Die Parteigenoffen beteiligen fich geschloffen an der Veranstaltung und nehmen am Rug durch den Ort teil. Abmarsch vom Bahnhof um 2 Uhr. Troßdem wird erwartet, daß zur Elternbeiratswahl am selben Tage alle Genofsinnen und Genossen Wahlhilfe leisten. Freitag, den 20. b. M., 6% Uhr, wichtige Flugblattverbreitung vom Lokal Haß, Baumschulenstr. 72, aus. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr Restaurant Anders, Bahnhofstraße, öffentliche Elternversammlung. Thema: Die Bedeutung der Elternbeiratswahlen." Jungsozialisten, Gruppe Norben. 7% Uhr Ledigenheim, Ortstr. 10, Bortrag des Genoffen Mennide über: Die völkische Bewegung." Jungsozialisten Schöneberg. Freitag abend Feurigstraße Fortfegung: ,, Sachverständigengutachten. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 43. Abt. Am 16. verstarb Genosse Paul Bürger, Boechstr. 47/48. Einäfcherung Freitag, den 20. d. M., abends 6½ Uhr, Krematorium Baum schulenweg. Wetter für Berlin und Umgegend: Troden und ziemlich heiter bei schwachen südöstlichen Winden, Temperaturen nicht wesentlich geändert. Für Deutschland: In Ost- und Nordwestdeutschland stärker bewölkt, sonst ziemlich heiter, überall troden. Jugendveranstaltungen. Achtung, Jugendgenossen und genossinnen! Wir weisen darauf hin, daß unser Landheim am Quenafee für den Ferienaufenthalt zur Verfügung steht. Anmeldungen find an das Jugendsekretariat zu richten. Die Ordner zur Sonnenwende müssen von verschiedenen Abteilungen noch abgegeben werden. Heute, Donnerstag, den 19. Juni, 7% Uhr: Gesundbrunnen I: Schule, Gotenburger Str. 2. Seiterer Abend: Aus Kleinstadt und Dorf." Neukölln I: Jugendheim, Münchener Str. 53, Bortrag: ,, Rechtes Wandern." Reukölln V: Jugendheim, Schierkestr. 44, Junge und Mädel in der Bewegung und Gesellschaft." Norden: Schule, Putbuser Str. 3, Vortrag: Aus dem Leben eines Arbeiterkindes." Schönhauser Borstadt: Schule, Jbsenftr. 17, Bortvag: Der deutsche Bauernkrieg." Spandau: Jugendheim, Neuendorfer Str. 37, Bortrag: Gymnastik." Zehlendorf: Südschule, Auguftstraße, Vortrag: ,, Die französische Arbeiterbewegung." " Werbebezirk Kreuzberg. Werbebezirksmitgliederversammlung im Jugendheim, Lindenstraße 3. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Junglehrer- Jugendgruppen des Bundes entschiedener Schulreformer. Im Haedel- Saal Beethoven- Str. 3, Eingang Straße in den Belten, am Freitag, den 20. Juni, 7%, Uhr: Freier Ausspracheabend für Eltern: Die Stellung der Frau im 20. Jahrhundert. Referent: Rud. Teßmann. Männerchor Prenzlauer Berg". Die Uebungsstunden finden vom Freitag, den 20. d. M., ab an jedem Freitag, abends 8 Uhr, im Schulheißausschant, Kastanienallee 23, statt. Neue Mitglieder jederzeit willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Die Gruppen, welche sich an der Kindersonnenwende des T.-B. Die Raturfreunde" in " Meißners Hof" beteiligen, haben bei Ankunft die genaue Teilnehmerzahl, getrennt nach Bub und Mädel, und die Helferzahl im Hüttenwartzimmer anzugeben. Deden sind mitzubringen. Abfahrtzeiten ab Stett. Bhf. 3.25, 4.30, 5.00. 6.00, 6.30 Uhr, ab Gesundbrunnen 6 Minuten später. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, 16. Kreis. Am Donnerstag, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Jugendheim Köpenid, Grünauer Straße 5. Gäste willkommen. " Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold", Kameradschaft Ober-, Niederschöneweide, Johannisthal. Mitgliederversammlung am Freitag, den 20. Juni, im Lokal Schöps, Grünauer Str. 8 in Niederschöneweide. Vortrag des Genossen Lempert: ,, Republik in Not." Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin.( Gegründet 25. März 1892.) Donnerstag, 19. Juni, abends 8 Uhr, im Bereinslokal, Restaurant Effer, Köpenider Str. 70a, geschäftliche Gigung. Aufnahme neuer Mitglieder.- Sonntag. 22. Juni, Familien Sommer. Partie mit Mufit nach Storrow in der Mart. Abfahrt frilh 7 Uhr 20 Min. mit der Eisenbahn vom Görlizer Bahnhof. Teilnehmerbarten a 2 M. find in obiger Sigung zu haben. Landsleute sowie Gäste sehr willtommen. Berliner Wander- Club( gegr. 1912). Sonnabend, 21. Juni, Treffpunkt nachmittags 1.30 Uhr Görlizer Bahnhof, Wartefaal 3. Klaffe. Spreewaldfahrt. Anmeldungen bis Freitag, 20. Juni, in der Geschäftsstelle, Chrlottenburg, Siemensdamm 4. Soz. Männerchor Friedrichshain. Die Sänger treffen sich Freitag abend 7 Uhr an der Ede Revaler und Warschauer Straße. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Unsere Seitung für die Sonnwendfeier ist abzuholen am Freitag von 6-8 Uhr in der Geschäftsstelle Lindenstr. 3, 2. Sof, 3 Treppen. Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Treffpunkte: Sonnenwendfeier in Meißnershof, Sonnabend, den 21. Juni, nachmittags 6 Uhr: 1. Bahnhof Neukölln. 2. Bahnhof Raiser- Friedrich- Straße. Erwachsene können fich anschließen. Arbeitersport. Reichsarbeiter- Sporttag. Sämtliche Eintrittstarten müssen am Sonnabend, den 21. Juni, nachmittags von 3 bis 8 Uhr, in der Fichtegeschäftsstelle, Röpenider Straße 198, beim Sportgen. Dehlschläger, abgerechnet werden. Ebenfalls die schon ausgegebenen Festschriften, Alle nichtverkauften Karten und Festschriften müssen dort zurückgebracht werden. Bis dahin nicht zurückgebrachtes gilt als verkauft. Arbeitslose Sportgnoffen am Sonnabend noch melden zum Vertrieb der Festschrift im Stadion. Arbeiter- Radfahrer- Bund Golibarität, Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 22. Juni: Auf zum Reichsarbeiterfporttag( Raft) im Stadion, Grunewald. Gammelstart für alle pünktlich 1½ Uhr Tier. garten, Großer Stern. Rleidung wie vom Gausportausschuß; nur einen Blumenstrauß am Lenter. Abteilungs- und Ortsgruppenbanner mitbringen. Start der Berliner Auteilungen 12% Uhr: 1. Abt.: Billowstr. 55. 2. Abt.: Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Laufiger Plaz. 4. Abt.: Weberwiese. 5. Abt.: Landsberger Plaz. 6. Abt.: Ropenhagener Str. 26. 7. Abt.: Colonieftr. 147. 8. Abt.: Waldstr. 8. 9. Abt.: Schulstraße. 10. Abt.: Comeniusplag. 11. Abt.: Ungarn, Ede Edinburger Straße. 12. Abt., Motorfahrer: Laufiger Plaz. Jugend- Abteilung: Alexanderplat. Ortsgruppe Neukölln: 12 Uhr Herzberg. plak. Ortsgruppe Lichtenberg: 12 Uhr Jungstr. 10. Gruppe Pantow: 12 Uhr Mühlenstr. 12. Ortsgruppe Zegel: 112 Uhr Schlieperstr. 64. Ortsgruppe Reinickendorf: Start 12 Uhr. Ortsgruppe Weißenfee: 12 Uhr. Ortsgruppe Briz: 12 Uhr Chausseestr. 64, Kanal. Ortsgruppe Charlottenburg: 1 Uhr Galvanistraße 13. Parteigenossen find an den Ausfahrten, willkommen. Achtung, Fahrwarte! Donnerstag, den 19. Juni, abends 7 2hr, Rungeftr. 17, wichtige Besprechung betreffs Reichsarbeitersporttag. Der G fahrwart. Neuköllner Fußball- Club ,, Berolina" fucht für seine 1. Mannschaft zum Sonnabend, den 21. Juni, einen Gegner auf eigenem Plaz. Spielanfang 6.45 Uhr abends. Mellungen telephonisch Neukölln 811. Tempelhof, 13. Bezirk. Am Sonnabend, den 21. Juni, findet auf dem Fichteplag, Mariendorf, 7% Uhr, die Kartellsigung des 13. Bezirksfartells statt. wegen des bevorstehenden Bezirkskartellfestes muß jeder Verein unbedingt vertreten fein. Ausgabe des Materials usw. Der Kartllvorstand. Kinder: Woche bringen wir zu außergewöhnlich billigen Preisen Verkauf soweit Vorrat Kinder- Taschentücher 45.. weiss, mit bunter Kordelkante Kinder- Taschentücher bunt bedruckt, verschiedene Farben..... 1/2 Dtz. 60 Pf. Damen- Taschentücher 65.. Batist, weiss, mit Hohlsaum..... Damen- Taschentücher 1 welss, mit Hohlsaum und gestickter Ecke... 1/2 Dtz. Makotuch 10 für elegante Leibwäsche............ Meter 40 Leipziger Str. Alexanderplatz Frankfurter Alles Damen- Hemden aus festen Stoffen, gut verarbeitet. Damen- Nachthemd halsfrel, aus testen Stoffen, mit schöner Stickerel reich garniert Prinzessröcke moderne Jumperform Mädchen- Hemden guter, fest. 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Es sind damals viele unrentable Schächte niedergebracht worden, nur um eine Absatzbeteiligung im Kalisyndikat zu erwerben, das, solange das Elsaß deutsch war, eine Monopolstellung auf dem Weltmarkte einnahm und infolgedessen seine Preise beliebig erhöhen konnte. Die deutsche Kaliindustrie war daher schon vor dem Kriege reif für eine Konzentration ihrer Betriebe auf die bestarbeitenden Werke, konnte fich aber dieser Notwendigkeit lange Zeit hindurch entziehen und geht sich aber dieser Notwendigkeit lange Zeit hindurch entziehen und geht erst jetzt zu der Bereinigung ihrer Produktion von den sie unnötig belastenden und die Förderung nicht vermehrenden unwirtschaftlichen Werken über. Sowohl die geschwächte Kaufkraft der Landwirtschaft, die früher noch die Kalipreise in die Höhe zu treiben sich nicht scheute, wie auch die Konkurrenz der elsässischen Kalibergwerke im Ausland zwingen zu einer Produktionspolitik, deren Endziel ein Preisabbau fein muß. Der Braunkohlenbergbau gegen den Preisabbau. Aber auch andere Industriegruppen melden sich jetzt mit der Ankündigung von Betriebsstillegungen. Wie erinnerlich, hat das Reichswirtschaftsministerium fürzlich die Preise im mitteldeutschen Brauntohlenbergbau zwangswese um 10 Proz. herabgefegt, nachdem andere Braunkohlenreviere bereits unter den amtlichen Höchstpreisen verkauften und nachdem eine behördliche Nachprüfung der Selbstkosten ergeben hatte, daß die bisherigen Preise zu hoch waren. Prompt erwidert darauf das mitteldeutsche Braunfohlensyndikat mit einem einstimmigen Protest ihres Aufsichtsrates beim Reichskabinett unter Hinweis darauf, daß eine Reihe von Werfen bei den ermäßigten Preisen nicht bestehen fann ohne Stilllegung einer Anzahl von Betrieben und ohne Ermäßigung der Söhne bei den übrigen Werfen. Mit der Drohung der allgemeinen Lohnherabjegung will man offenbar die Stimmung der im Brauntohlenbergbau beschäftigten Arbeiter dahin beeinflussen, daß auch fie für eine fünftliche Hochhaltung der Preise sich einsetzen. Für den Braunkohlenbergbau gilt bis zu einem gewissen Grade ähnliches, was von dem Kalisyndikat gesagt werden mußte. Der Rohlenmangel in der Kriegs- und Nachkriegszeit hat für den Braunfohlenbergbau eine außerordentliche günstige Konjunktur geschaffen, die es ermöglichte, die Preise unangemessen zu erhöhen und eine große Zahl von Schächten rentabel zu machen, die unter normalen Verhältnissen wegen des geringen Heizwertes der Kohle teinen Absatz fanden. Daher fommt es, daß der Braunkohlenbergbau feine Förderung weit über den Borkriegsstand steigern fonnte. Er hat aber seine Preise auch dann nicht abgebaut, als die Voraussetzungen der günstigeren Ronjunttur nicht mehr gegeben waren. So will man auch jetzt unter Berufung auf die unwirtschaftlich arbeitenden Werke eine Breisermäßigung umgehen. Die fünftliche Hochhaltung der Preise für Kohlen ist aber unvereinbar mit der Forderung, die deutschen verarbeitenden Industrien, deren Produktion für ein Bolt mit hochwertiger Arbeitstraft der größten Förderung bedarf, fonfurrenzfähig mit der ausländischen Industrie zu erhalten. Infolgedessen muß der Abbau der Braunkohlenpreise im Interesse der gesamten Boltswirt fchaft erfolgen. Werke, die dadurch unrentabel werden, sind damit noch nicht der Stillegung preisgegeben, wenn es gelingt, die Förderanlagen mit der industriellen Verarbeitung in Berbindung zu bringen, so daß sich der kostspielige Transport der Braunkohle zum Platz der Verarbeitung erübrigt. Man hat bereits aus der Braunkohle eine chemische Industrie entstehen lassen, man hat fie an Ort und Stelle zu elektrischem Strom verarbeitet und diesen dann auf weite Entfernungen hin mit Hochspannungsanlagen fortgeleitet. Man hat ferner die Braunkohle einem Veredlungsprozeß unterworfen, durch den ihr der hohe Wassergehalt entzogen wird, so daß sich der Transport wesentlich verbilligt. Alle diese produttionspolitischen Maßnahmen werden jegt in erhöhtem Umfange durchgeführt werden müssen, wenn es gelingen foll, den Braunkohlenbergbau zu erhalten. Gänzlich werden sich dabei Stillegungen nicht vermeiden lassen, wo es sich um durchaus unwirtschaftliche oder erschöpfte Lager handelt. Aber man darf sich keiner Illusion darüber hingeben, daß etwa die dem voltswirtschaftlichen Bedürfnis widersprechende fünstliche Ueberhöhung der Breise auch nur auf längere Zeit den Braunkohlenbergbau leiftungsfähig erhalten fann. Die Krise im Ruhrbergbau. In einer ähnlichen Lage wie der Braunkohlenbergbau befinden fich einige Steinfohlenze chen des rheinisch- westfälischen Gebiets. Auch fie fonnten ihre Eristenzfähigkeit nur so lange aufrecht erhalten, als fich die übrige deutsche Industrie dem Preisdiftat der Rohstofferzeuger gern beugte, weil die Inflation ihnen einen unerhörten Vorsprung gegenüber den verbrauchenden Industrien und gegenüber der Konkurrenz des Auslandes gab. Auch hier werden Stillegungen nicht zu vermeiden sein, wenn es nicht gelingt, die Ber= arbeitung der Kohle an ihrem Fundort zu fördern. während die Verkaufspreise der Walzwerkerzeugnisse sich weder nach den Kohlen- und Rotspreisen, noch nach den sonstigen Lasten der Eisenindustrie richten, sondern nach den Weltmarktpreisen und dem Gesez von Angebot und Nachfrage. Diese Lage hat auch diejenigen Werke, die bisher noch ihre Produktion hochzuhalten gesucht haben, zu der Erfenntnis gebracht, daß die Erzeugung durch äußerste Anstrengung der Betriebe und, wo es nicht anders geht, durch Stillegung der Nachfrage angepaßt werden muß. Es ist zu erwarten, daß durch diese den Werfen aufgezwungenen Maßnahmen eine Festigung und Hebung des Preisniveaus eintritt. Dieser Bericht entrollt das typische Bild, das man in der deutschen Schwerindustrie bei Preisverhandlungen gewohnt ist. Man beruft sich auf die hohen Kohlenpreise, die von denselben Leuten gemacht werden, die in der Eisenindustrie herrschen. Daß der Preisabbau im Steinkohlenbergbau infolge der Micum- Laften schwer möglich ist, soll hier nicht bestritten werden, obwohl ein erheblicher Widerspruch darin besteht, daß man die Kohlenlieferungen an die Entente in den Preis einfaltuliert, weil sie umsonst" erfolgen, gleichzeitig aber sich die Zusage geben läßt, diefe LiefePost- Abonnenten Dam amit die regelmäßige Zustellung des " Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Post- Abonnenten, das Abonnement für den kommenden Monat bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Vorwärts= Verlag G. m. b. H. rungen aus der im Dawes- Gutachten vorgesehenen Reparations anleihe bezahlt werden sollen. Mindestens müßte eine Klärung dieser Frage abgewartet werden, ehe man eine Stillegungsaktion größeren Stils ins Auge faßt. Tatsächlich haben aber einige große Werte bereits mit Betriebseinstellungen begonnen. Es gewinnt den Anschein, daß hierbei nicht allein wirtschaftliche Momente ausschlaggebend find. Auch die Schwereisenindustrie fann sich auf die Dauer nicht fonkurrenzfähig erhalten, wenn fie nicht durch betriebstech. nische Neuerungen ihre Produktion verbilligt. Statt dessen ist sie bisher aber immer bestrebt gewesen, dieser Pflicht auszuweichen und anstatt der notwendigen Umstellung die Ab. wälzung der fünftlich überhöhten Produktionskosten auf die Ar beiterschaft durch Lohndruck und Arbeitszeitverlängerung sowie auf die Verbraucher durch Preisüberspannung herbeizuführen. Wenn man auch jetzt noch die im Krieg und in der Inflation bewährten Praktiken verfolgt, so tann das nur den Sinn haben, daß man mit Betriebsstillegungen und fünftlicher Einschränkung des Angebotes die Umstellung überhaupt vermeiden will in der Hoffnung, bei der kommenden Neuregelung des Zolltarifes möglichst hohe Schutzölle für sich herauszuholen. Hierin liegt eine außerordentliche Gefahr für die verarbeitenden Industrien, die jetzt schon über die zu hohen Rohstoffpreise flagen und damit ihre Konkurrenzunfähigkeit am Weltmarkt begründen. Es muß angesichts dieses Borgehens der Rohstofferzeuger, das den Interessen der Gesamtwirtschaft widerstrebt, doch einmal mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die Stiellegungsaktionen der Rohstoffindustrie in einem auffallenden Widerspruch stehen zu ihrer sonstigen Geschäftstätigteit. Man fann es begreifen, wenn Betriebsstillegungen da stattfinden, wo Geldnot oder Absatzmangel die Unmöglichkeit der Aufrechterhaltung der Betriebe offenfundig in Frage stellen. Das ist z. B. in solchen Industrien der Fall, in denen jetzt der Bleitegeier wütet. In den Rohstoffindustrien, über die oben berichtet wurde, ist uns aber auch nicht ein einziger Fall bekannt, daß ein Werk sich unter Geschäftsaufsicht stellen oder gar liquidieren mußte, obwohl man meiß, daß viele Unternehmungen technisch durchaus nicht auf der Höhe find. Trotzdem erfolgen die Stillegungen. Diese Feststellung beleuchtet die Situation auf das schärfste. Sie beweist, daß die Betriebseinschränkungen erfolgen, ehe die technisch überlegenen Werfe Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehi 0/1 80,00-95,00 96,00-110,00 Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. 16,2318,25 Röstgetreide, lose... 15,75- 17,50 15,60 15,75 Kakao, fettarm 14.25 15,- Kakao, leicht entölt 15,50-16,25 Tee, Souchon, gepackt 350,00-430,00 11,00-12,50 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 16,75-18,00 Inlandszucker basis met. 33,00- 35,00 21,50-24,50 Inlandszucker Raffinade 36,00- 38,00 12,75-14,- Zucker Würfel...... 40,00-42,00 15,00-21,00 Kunsthonig 13,50 15,75 Zuckersirup hell in Eim, Weizengrieẞ Hartgrieß 70%, Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Bohnen, weiße, terl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Speiseerbsen, kleine Die Lage der ohnehin unwirtschaftlich arbeitenden Betriebe des Ruhrbergbaues wird noch verschärft durch das Hereinbrechen einer schweren allgemeinen Abfahtrise, deren Ursachen neben ber wenig günstigen Position der Ruhrkohle auf den ausländischen Märkten in erster Linie auf den durch das Darniederliegen der deutschen Industrie bewirkten außerordentlich start zurüdgegangenen deutschen Brennstofftonsum zurückzuführen sind. Bornehmlich wirkt sich die Absatzfrise bei den nicht hochmertigen Sorten, wie bei der Feinkohle aus. Auch der Brikettabsatz ist start zurückgegangen. Kennzeichnend für den start verminderten deutschen Brennstofffonfum ist, daß troß der vierwöchigen Still. legung des Ruhrbergbaues infolge der Bergarbeiteraussperrung Linsen, große nicht einmal eine nennenswerte Steigerung der englischen Kohleneinfuhr festzustellen war. Trotzdem sind die Abfahschwierigfeiten des Ruhrbergbaues nach der beendeten Ruhrfrife die selben wie vorher, da die erwartete gesteigerte Nachfrage nach Ruhrkohle nach Wiederaufnahme des Bergbaubetriebes ausgeblieben ist. Stillegungen auch in der Schwereisenindustrie. Auch die Schwereisenindustrie spielt mit Stillegungen. Das geht aus dem folgenden Bericht hervor, der als Ergebnis der Berhandlungen des Deutschen Stahlbundes am 17. d. M. veröffentlicht wird: Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimehl Schnittmudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pilaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari 10,00 13,00 Speisesirup dunk. in Eim. 20,50-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27,00- 30,50 Marmelade Vierfrucht 21,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00-37,50 Steinsalz, lose....... 39,00-46,00 Siedesalz, lose 18,75-21,00 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 33,00-35,00 Purelard in Tierces 15,00-19,00 Purelard in Kisten 14,00 15,03 Speisetaig in Packung 15,50-17,00 Speisetalg in Kübeln 23,50-31,00 Margarine, Handelsm. I 30,00-36,00 desgl. If... 80,00-84,00 Margarine, Spezialm. I.. 42,00-45,00 desgl. II. 50,00-55,00 Margarine III. Donnerstag, 19. Juni 1924 ihre Ronkurrenzfraft gegenüber den wirtschaftlichen Betrieben überhaupt entfaltet haben und daß die Stillegungsaktion leicht zu einer Prämie für Unwirtschaftlichkeit und Rück ständigteit in der Herstellung der Rohstoffe werden fann. Das Profitstreben, von dem die kapitalistische Wirtschaft geleitet wird, tritt so wieder einmal in schärfsten Gegensatz zu der Probuftion und der Versorgung des Bedarfs, den Voraussetzungen jeder Wirtschaftstätigkeit. Hier hätte die amtliche Wirtschafts. Politit einzusetzen, um schwere Schäden für die Gesamtwirtschaft ou verhindern. Stillegung auch im bayerischen Staatsbergbau. Die Krise im bayerischen Rohlenbergbau hat sich, mie uns aus München gedrahtet wird, insofern noch verschärft, als nunmehr auch die staatliche Grube Peissenberg in Oberbayern und die Oberfränkischen Werte in Amberg ( Luitpoldhütte) und Bodenmais von der Stillegung ab 1. Juli bedroht find. Die Leitung dieser Staatsbetriebe gehört dem Arbeitgeberverband an und hat sich in dieser Eigenschaft unbedenklich der scharfmacherischen Taktik des Privatkapitals angeschlossen. Auf der anderen Seite ist derfelbe Staat gezwungen, zur Berhinderung der drohenden Katastrophe gegen die Arbeitgeber einzugreifen. Dem Sozialministerium obliegt zunächst die Aufgabe, die von den Arbeitnehmern beantragte Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches auszusprechen. Zu diesem Zweck werden die beiden Organifationen nochmals gehört. Am Mittwoch der nächsten Woche soll die Entscheidung gefällt werden. Eine Mitteilung aus Bergarbeiterkreisen gibt Aufschluß über die Taktik der Unternehmer: " Seit Einführung der 7- bis 8stürdigen Arbeitszeit ist von den Arbeitgebern ungeheuer viel durch Unterlassung einer Produktionssteigerung gesündigt worden. Ja, man muß feftstellen, daß die Produktion fünstlich zurückgehalten wurde. Außerhalb der Lohn- und Arbeitszeitpolitit haben die Arbeitgeber nichts unversucht gelassen, eine Atmosphäre zu schaffen, die ganz unabsehbare Folgen im Falle einer Explosion nach sich ziehen muß. Die Behandlung der Arbeiterschaft war in der letzten Zeit geradezu provozierend geworden, besonders im Staatsbetrieb Beissenberg hat ein nicht unerheblicher Teil der Beamten durch seine völkische Einstellung und sein sonstiges Gebaren direkt ergernis erregt. Der Herr- im- Hause- Standpunkt ist dort in frasser Form in die Tat umgesetzt worden. Trotz aller Mehrarbeit und der niedrigen Löhne sollen die Werte nicht mehr rentabel sein, und eine vierproz. Lohnerhöhung soll bei einem Spihenlohn von 3,75 M. der Todesstoß für die Betriebe sein. Dieses Argument erscheint wenig glaubhaft, denn diese Lohnerhöhung macht pro Werk nur etwa 7000 bis 8000 M. im Monat aus. Es ist vor allem die eine Frage zu prüfen, ob nicht die Gest ehungstoften, soweit sie innerhalb des Lohnbereiches liegen, vermindert werden können. Die Arbeitgeber scheinen da eine verkehrte Personalpolitik zu treiben. Die Zahl der höheren Beamten ist trotz des Rückganges der Belegschaften immer noch vermehrt worden." Bon der Stillegung sind insgesamt 12 000 Arbeiter bedroht.. Die Reichseinnahmen an Steuern und Zöllen. Die Einnahmen des Reiches im Monat Mai wurden mit 518,74 Goldmillionen angegeben. Die Entwicklung im Vergleich zum Monat April zeigt folgende Aufstellung der wichtigsten Steuer einnahmen: Besiz und Berkehrssteuern Mat April in 1000 pismart a) Fortdauernde Steuern... 420 190 dabon u. a. Lobnabzug. Andere Einkommensteuern Körperschaftssteuer Vermögenssteuer. Umfassteuer • Kapitalverkehrssteuer Börsenumsatz. b) Einmalige Steuern babon u. a. Arbeitgeberabgabe Landabgabe B • . • Zölle und Verbrauchssteuern Zölle.. dabon Tabaksteuer Biersteuer.: Weinsteuer. Branntweinmonopol Zuckersteuer 415 697 87 890 79 494 73 482 70 640 22 492 25 983 38 618 23 144 184 601 156 429 13 181 9 917 15 802 12 509 701 4864 1 128 3256 92 572 92 559 22 568 20 690 35 903 34954 12 826 10 593 6 359 6 667 3.626 4571 9.983 13 600 Die Gesamteinnahmen sind 5 Millionen geringer als im April und 77 Millionen niedriger als im März. Der Lohnabzug und die Vermögenssteuer steigerten sich dabei nicht unwesenilich. Der Rückgang der Umjazsteuer zeigt den Einfluß der Wirtschaftskrise. Bei der mit einem Minus von 4,8 Millionen Goldmart ausgewiesenen Landabgabe ist zu bemerken, daß diese infolge von Mehreinnahmen in den früheren Monaten auf Grund der endgültigen Feststellung zurückverbucht wurde. Die Erbschafts. steuer hat im Mai noch nicht eine Million, genau 973 485 M. eingebracht. Thyssen schränkt den Hüffenbetrieb ein. Die AugustThyssen Hütte in Hamborn sieht sich, nachdem das Werk kaum wieder in Betrieb genommen worden ist, bereits zu neuen Betriebseinschränkungen genötigt. Am Dienstag wurde folgende Bekanntmachung erlaffen: Die dauernde Unmöglichkeit der Beschaffung genügender Geldmittel und die troß der verlustbringenden Breife bestehenden Abfahschwierigkeiten zwingen uns zu starten Einschränkungen der Betriebe des Hüttenwerts. Da 25,00-32,00 38,00- 43,00 der Bergbau noch Leute einstellen tann, fordern wir zunächst alle 25,00- 29,- diejenigen Mitglieder unserer Belegschaft, die früher beim Bergbau 85,00-100,00 gearbeitet haben, auf, sich bei unserem Bureau für Arbeiterange35,00 40,00 Legenheiten zu melden, damit sie dem Bergbau überwiesen werden 37,00- 40,00 fönnen. 3,10-3,70 4.00- 4,70 61,50- 65,50 65,50-66,00 63,00- 64,00 63,50- 64,50 Spekulative Kurstreibereien in Kriegsanleihen sind, wie wir schon in unserem gestrigen Börsenbericht mitteilen fonnten, wieder einmal im Gange ein Beweis dafür, wie trotz der Geldknappheit 50,00-52,00 noch erhebliche Beträge für Spekulationen zur Verfügung 48,00 50,00 stehen. Der Kurs der Kriegsanleihe wurde bis auf 140 Broz. gegen. 60,00 über einem Höchstkurs von 94 Proz. am Bortage heraufgetrieben. 54,00-57,00 76,00 Man sprach von der Möglichkeit einer erhöhten Aufmerturg. Daß 63,00-65,00 eine Aufwertung überhaupt erst nach einer Regelung der Reparations. 46,00-50,00 68,00-72,00 Molkereibutter i. Fässern 152,00-158,00 frage in Betracht gezogen werben tann, ist von der Reichsregierung Rosinen in Kisten, Candia 70,00- 82,00 Molkereibutter in Pack. 155,00-160,00 feinerzeit betont worden. Wie wir dazu von zuständiger Seite hören, 72,00-90,00 Landbutter 130,00-135,00 hat sich an diesem Standpunkt der Reichsregierung nichts geändert. 70,00-76,00| Auslandbutter in Fässern 168,00-172,00 Wenn auch von einzelnen Parteien Anträge gestellt worden sind, die 143,00-155,00 Auslandbutter in Packg. 174,00-178,00 Mandeln, bittere Bari..135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-35,00 auf eine beffere Befriedigung der Ansprüche der KriegsanleiheZimt( Cassia) 106,00-115,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00-72,00 gläubiger hinauslaufen so fann das auf die Gesamtfrage nicht von Kümmel, holländischer. 110,00-115,00 Quadratkäse 18,00-33,00 Einfluß sein, weil die Parteien, die derartiges fordern, auch für die Schwarzer Pfeffer Singap. 95,00-105,00 Tilsiter Käse, vollfett. notwendige Dedung im Reichshaushalt zu forgen hätten. Ganz Weißer Pfeffer 125,00-130,00 Bayr. Emmenthaler Rohkaffee Brasil..... 180,00-215,00 Echter Emmenthaler 178,00-185,00 unabhängig davon möchten wir aber auch darauf hinweisen, daß der größte Teil der Kriegsanleihe sich nicht mehr in den hän. Röstkaffee Brasil 230,00-280,00 milch 48/16 19,50-23,00 ben der Zeichner befindet, sondern diesen bereits pon den Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 Malzkaffee gepackt 20,00-22,00 Ini. gez. Condensm. 48/14 26,00 26,50 Rurstreibern, die von Zeit zu Zeit aufbauchen, abgetauft worden Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. it Segen eine Aufmering Deportig in petulative blidt sin Wenn sich auch da und dort noch Geschäftsmöglichkeiten ergeben, so ist doch durch die Kreditkrise der Absah immer mehr ins Stocken geraten und die Preise bringen immer schwerere Verluste. Unter diesen Verhältnissen zeigen sich immer deutlicher die Folgen der Micum- Lasten für die Eisenindustrie des befeßten Gebietes. Rohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 Ausl. ungezuck.CondensDie Kohlenpreise tönnen der Micum- Basten wegen feitens bes Bergbaues nicht ermäßigt werden. Darüber hinaus hat die Bisenindustrie felbst noch Lasten und Erschwerungen zu ertragen, 85,00-100,00 150,00-160,00 gegangener Guthaben beim Staate würden wir den schärfften Ein pruch erheben. Unzutreffend ist jedenfalls, daß die Reichsregierung ihre Hand bei der Sache im Spiele hat. In der Tat ging gestern nachmittag der Kurs der Kriegsanleihe wieder zurück. Es ist anzunehmen, daß diese Hausse sich in ähnlicher Weise wieder beruhigen wird wie schon ähnliche frühere Kurstreibereien. " gung einer Proteftattion ift in wesentlichen Punkten irreführend. Die Verbände, die sich hier zusammengeschlossen haben, umfassen nicht den Verband sozialer Baubetriebe", der sich mit größter Entschiedenheit für eine gemeinwirtschaftliche Bautätigkeit einsetzt und der infolge seiner Größe Anspruch hat, an einem„ die gesamte Bauwirtschaft vertretenden Verband be teiligt zu sein. Offenbar handelt es sich wieder um einen der satt fam befannten Broteststürme privatkapitalistischer Interessenten mit dem Ziele, das Wohnungswesen gänzlich dem privaten Profitinteresse auszuliefern. Eine irreführende Proteftatfion. Folgende Meldung geht uns zu: Die Bergangenheit hat gezeigt, daß auch die neuerlichen Maßnahmen und Gesetze nicht imftande sind, die Lage des Baumarktes zu erleichtern und bessere und aussichtsreichere Zustände in der Wohnungswirtschaft herbeizuführen. Führende Verbände, die die gesamte Großhandelsinder. Die auf den Stichtag des 17. Juni berechnete Bauwirtschaft vertreten, haben sich deshalb auf Veranlassung Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts ist Des Schutzvereins der Bauinteressenten, Bergegenüber dem Stande vom 10. Juni( 117,2) mit 117,0 nahezu unvertin W. 9, zu einheitlichem Borgehen verbunden, um den drin- ändert. Die Inderziffern der Hauptgruppen lauten: Lebensmittel gend notwendigen Umschwung zu der amtlichen Wohnungspolitik 99,1( Borwoche 99,4), davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln herbeizuführen. Die gesamten Berbände werden ihre Forderungen 85,6( 86,0), Industriestoffe 150,4( 150,6), davon die Gruppe Kohle in Kürze den Parlamenten überreichen und in einer Zusammenkunft und Eisen 144,7( 144,7), Inlandswaren 107,0( 107,5), Einfuhrwaren Ende Juni vor der Deffentlichkeit vertreten. Die obige Ankündi- 166,9( 166,2). HENKEL'S SCHEUERPULVER Ata HOH Theater Lichtfpiele fw. Komische Oper 8: Direktion: James Klein Heute zum 50. Male 8: Aus der Partei. Die neue Parteizeitung in Löbau. voll= Schon seit langem sind unsere Lausitzer Genossen eifrig an der Arbeit, um sich eine eigene Parteizeitung zu schaffen. Trotz großer Schwierigkeiten ist es den Genossen gelungen, den Neubau für ihre Druderei in Löbau fertigzustellen. Wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, wird am 1. August d. I. die neue Barteidruckerei in Löbau eröffnet und losgelöst von Dresden fommen selbständig und auf eigenen Füßen stehen. Die Gebäude find nahezu fertig, die Maschinen in Löbau eingetroffen, denen recht bald das Schriftmaterial folgen wird. In die Redaktion sind foigende Genossen gewählt worden: Efferoth( Dresden) als Chefredakgende Genossen gewählt worden: Efferoth( Dresden) als Chefredakteur( früher bei der„ Unabhängigen Volkszeitung"), Bombach( von der„ Dresdener Volkszeitung") für Sächsisches und Gewerkschaftliches, Parteisekretär Richter( Löbau) als Lokalrcbatteur. im Theater| des Westens Große Volksopers 7%, Uhr: Der Wildschütz Der große Erfolg! Volksbühne| Staats- Theater Die Opernhaus 71% Uhr: Madame Butterfly Opernhaus am Königsplatz 71 Uhr: Fahnen tanzende Th.l.Admiralspalast rinzessin 10 Monate WINTETORTEN 84 U.: Der Erfolg d. Jahres Varietéununterbr. auf dem Spielplan Spielplan! ist die große Revue 72: Cavaller. rusti- Operette in 3 Akten von Walter Kollo Drunter u.drüber cana Bajazzo Schauspielhaus 712 Uhr: Medea Schiller Theater 7% U.: Korallenkettlin Deutsch. Theater Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gerner Täglich 8 Uhr: Mist.Globetrotter Kammerspiele Tägl. 8 Uhr: Salomons Schwiegertochter Gr. Schauspielhaus 7 Uhr: Der Vogelhändler Residenz- Th. Blumenstr. 9 Tägl. 8 Uhr: So ein Mädel ( Extemporale) Lustspiel in 3 Akten Königst. 3418 8 U: Trianon- Th. Somm.- Dir. R. Pirk Bin Schwank der Liebe Limburg Kleines Theat. Tägl. 8 Uhr: Kameraden von Aug. Strindberg LUNAPARK Hente ELITE- TAG mit Großem Feuerwerk und Sensation. Attraktionen Eintritt 1 Mark 10% Uhr wird das Auto verschenkt! Ob Regen Ob Sonnenschein Zielka Zielka In d. Stadt Im Walde Νόμος Etablissement Grunewaldparadies Rose- Theater Zielka Wald- n. See8: D. Mustergatte Gartenbühne 7/2: Durch Dick u. Dünn 8 Uhr: Internat. Ein Radiofunk ist einpassiert Vom Engel, der den Mond poliert: SCALA Für Ata- Sendung besten Dank, Jetzt putzt er sich noch mal so blank!.. Ata putzt alles blitzblank! Wir beklagen hiermit das Hinscheiden unferes lieben Kollegen 167/18 Paul Bürger Geit 24 Jahren war er Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes und hat in reger und aufrichtiger Art für die Interessen seiner Mitkollegen nur gestrebt. Durch sein schweres Leiden hat dieser edle Mensch zu schnell von uns gehen müssen. Alle, die ihn gekannt, werden ihm ein treues Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Freitag, den 20. Juni, abends 64 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Deutscher Metallarbeiterverband Berlin 3.A: Der Obmann der Südenbezirke. Meine Frau war über 50 Jahre mit einer häßlichen Flechte behaftet. Rein gefundes Fledchen hatte sie auf dem Leibe. Durch Zucker's Patent- Medizinal- Seife wurden die Flechten in 3 Wochen beseitigt. Diese Seife ist Laufende wert. 23." Dazu Zuckooh- Creme( nicht fettend und fetthaltig). In allen Apotheken, Drogerien u. Barfümerien erhältlich. VARIETE Friedrichstr. 60 Restaurant EckeLeipziger Str. 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