Abendausgabe Nr. 285 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 143 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 19. Juni 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Erschütterung des Faschismus. Forderungen der Opposition.- Wiedereinberufung der Kammer? Rom, 19. Juni.( EP.) Die Oppositionsgruppen Spion der Mörderbande Dumini Volpi betätigte | haben sich gestern abend versammelt und sich von den bisherigen und jetzt wieder mit sozialistischen oder kommunistischen AbgeordMaßnahmen der Regierung als nicht befriedigt erklärt. Sie neten unter dem Vorwand Fühlung zu nehmen suchte, er fönne verlangen ein entschlossenes Vorgehen der Regierung zur resflojen Enthüllungen in der Sache Matteotti machen. Traischive, der Aufklärung des Verbrechens, feiner Auftraggeber und feiner Ver- entweder Desterreicher oder Russe ist, fagte aus, er sei unter Spiozweigungen. Sie haben sich für ein gemeinsames Borgehen nageverdacht im Gefängnis zu Neapel gewesen, als er auf Befehl auf parlamentarischem Boden verständigt, dem nur aus Rom freigelassen und zu Dumini nach Rom gerufen die Kommunisten fernbleiben. Am 25. Juni wird eine Berjamm- worden sei, der ihm eröffnet habe, es sei ein großer Streich auslung aller Oppofitionsabgeordneten als Gedächtnisfeier für zuführen. Vor allem müsse er den sozialdemokratischen Abgeord Matteotti ftattfinden, um eine Tagesordnung anzunehmen, in neten Matteotti genau verfolgen, um zu sehen, wohin er welcher die Lage als noch ungeklärt bezeichnet und die Forderun gehe und was er tue. Wenn die Sache gelinge, fönne er eine Be gen der Opposition zur Klärung der politischen Lage aufge- lohnung von 80000 tre verdienen. Da er jedoch gegen zählt werden. das Unternehmen Bedenken gehabt habe, habe er Matteotti von der Gefahr zu unterrichten versucht, habe aber dabei bemerkt, daß er felbst überwacht worden sei. Auf den Dienstag, an dem der Ueber fall auf Matteotti erfolgte, habe Dumini ein Stelldichein mit ihm verabredet, sei jedoch nicht erschienen. Tags darauf habe er ihm gesagt, seine Mitwirkung sei nicht mehr nötig, da schon ge fchehen sei, was hätte ausgeführt werden sollen. Die Frau Matteottis bestätigte, daß in der Woche vor dem Verschwinden Matteottis wiederholt ein Unbekannter mit ruffischem Typus in ihrer Wohnung erschienen sei und unbedingt Matteotti zu sprechen wünschte, dem er persönliche Mitteilungen zu machen habe. Frau Matteotti und das Dienstmädchen schickten ihn in die Kammer, wohin er aber als Ausländer nicht gehen wollte. Auf eine mit Swan unterzeichnete schriftliche Anfrage hin habe er dann später Matteotti auf der Straße getroffen. Matteotti fagte später zu feiner Frau, es handle sich um einen der gewonhten Langweiler. Es ist ein Spion, der sowohl mir wie dem anderen Dienste leisten möchte." Die Gruppe der Einheitsfozialisten nahm eine Tagesordnung an, in der es heißt, die Verantwortung für das entfehliche Berbrechen beschränke fich nicht auf die gedungenen Mörder und die Auftraggeber, sondern treffe die ganze Regierung. Das Andenken Matteottis tönne nur würdig geehrt werden, indem man die Befreiung des Landes von der Dittatur vorbereite, die es unterdrüde und entehre. Einige Abgeordnete beabsichtigen von der Regierung eine genaue Untersuchung über die Verwaltung des Prejsebureaus des 3nnern durch Roffi zu verlangen. Man ist sehr gespannt auf die Erklärungen, die Muffolini am nächsten Dienstag bei der Wiedereröffnung des Senates abgeben wird, jedoch erwartet man vorher noch den Zusammentritt eines Ministerrates. 3m Monte Cafforio wird so wohl von der Regierungsmehrheit als von der Opposition der Wiederzufam mentritt der kammer in Aussicht genommen, die unter dem starken Eindruck des Verschwindens Matteottis und wegen des Sigungsstreifes der Opposition gefchloffen worden war. Die Regierung scheint einem Wiederzufammentritt des Parlamentes grundfählich nicht abgeneigt zu sein, so daß man die Wiedereröffnung in parlamentarischen Kreifen für die erste Julihälffe für möglich hält. Es wurde darüber noch kein Beschluß gefaßt. Die Kammergruppen werden sich heute abend nochmals versammeln. Beschwichtigungsversuche. Rom, 19. Juni.( TU.) Mussolini hat ein neues propis forisches Direttorium der faschistischen Partei er nannt, um eine strenge Disziplin im Hinblick auf den bevorstehenden nationalen Parteifongreß durchzuführen. Die Abgeordneten der Mehrheit sind aufgefordert worden, sich nach ihren Wahlfreifen zu begeben und der Bevölkerung mitzuteilen, daß die politische Situation feinerlei Aenderung erfahren merde. Die liberale Partei hat Mussolini den Ausdruck ihrer Solidarität übermittelt. Rom, 18. Juni.( EP.) Der neue Innenminister Feder: 3oni hatte eine lange Unterredung mit Mussolini, den er davon unterrichtete, daß in allen Provinzen vollkommene Ruhe herrscht und daß die Präfekten versichern, die Bevölkerung erwarte vertrauensvoll(!), daß das von der Regierung begonnene Werf der Gerechtigkeit mit unbeugfamem Willen fortgesetzt werde. Der neue Generaldirektor des Sicherheitsdienst es hat am Mittwoch sein Amt angetreten. Im Zusammenhang mit der Ermordung Matteottis hat die große fastische Tageszeitung„ Corri. ere Italian o" auf den Beschluß der Redaktion hin ihr Er scheinen eingestellt. In der Begründung spricht der Chefredakteur von einer verwickelten und schwierigen Lage des Blattes, die unbedingt eine gründliche Reorganisation und vielleicht völlige Umwandlung erfordere. Rom, 19. Juni.( WIB.) Die Vereinigung der Front tampfer, die fast alle ehemaligen Frontkämpfer umfaßt, hat eine Tagesordnung angenommen, in der versichert wird, daß das Ber. trauen der Massen zum Wert der Regierung Mussolinis lebhaft und unerschütterlich sei. Rom, 19. Juni.( WTB.) Agenzia Stefani medet, das Diret. torium der Faschistischen Partei nahm aus allen Brovinzen einlaufende Kundgebungen entgegen, die alle ihr unerschütterliches Vertrauen zur Regierung und ihre völlige Ergebenheit für Mussolini bekunden. Der Vorstand der faschist i= schen Gewerkschaftsverbände nahm eine Tagesordnung an, in der tiefster Schmerz über das an Matteotti begangene Berbrechen zum Ausbruck gebracht wird und von neuem im Namen aller den Verbänden angehörigen italienischen Arbeiter das unerschhütterliche Bertrauen für Mussolini ausgesprochen wird. Zwei neue Verhaftungen. Rom, 19. Juni.( EP.) Großes Aufsehen erregt besonders in Faschistenkreisen die nunmehr ebenfalls erfolgte Verhaftung des administrativen Generalsekretärs der Faschistenpartei in Rom Marinelli auf Befehl des Untersuchungsrichters. Mari. nelli wird beschuldigt, andere Personen verleitet zu haben, Matteotti seiner persönlichen Freiheit zu berauben. Er stand in engster Beziehung zum Pressechef Rossi und wird auch als Leiter der terro ristischen Bande innerhalb des Faschismus betrachtet, die die unversöhnliche Taftit der Partei begünstigte. Er zeigte sich von seiner Berhaftung äußerst überrascht und protestierte lebhaft. Marinelli gehörte auch dem Großen Faschistenrat an. Früher war er revolutionärer Sozialist und hatte sich dann der Bewegung Muffolinis angeschlossen. Auf Grund einer Anzeige der sozialdemokratischen Gewerkschaften ist ein gewiffer Traifchipe perhaftet worden, der fich unter verschiedenen Namen in Arbeitertreifen als Spiel und 2017 Filipellis Geständnis. Rossi in Livorno? Rom, 19. Juni.( EP.) Die Abendblätter berichten, Filipelli habe die ersten Geständnisse gemacht und dadurch dem Untersuchungsrichter viele Anhaltspunkte gegeben. Filipelli hatte miederholt Weinträmpfe und ist sehr niedergeschlagen. Sein Vermögen in Mailand wurde beschlagnahmt. Auch Dumini begann die indirekte Teilnahme an dem Verbrechen zuzugeben, als ihm das in seiner Tasche gefundene blutige Meffer gezeigt wurde. Er ist sehr gereizt, so daß der Untersuchungsrichter die schärfste Bewachung anordnete. Der faschistische Erpressechef Rossi soll in der Toscana und dann in Livorno gesehen worden sein, wo die Polizei fieberhafte Fahndungen anstellt und alle im Hafen liegenden Schiffe und Boote absucht, bisher jedoch erfolglos. Das Blatt Sereno" berichtet: Der Sekretär der römischen Faschistenfektion hat sofort nach dem Verschwinden Matteottis eine strenge Untersuchung bei allen Zweigseftionen in Rom angeordnet und in Erfahrung gebracht, daß ein Faschist der Entführungsszene zugesehen hat. Der Sekretär machte der Polizei sofort Mitteilung, die aber nicht einmal diesen Augenzeugen verhört haben soll. Die Blätter verlangen, daß die Berantwortung für diese Unterlassung genau festgestellt werde. Das Programm von Chequers. Allgemeine Aussprache. Herriot und die fünf Punkte Poincarés. Paris, 19. Juni.( WTB.) Das„ Echo de Paris" berichtet, Herriot habe Macdonald über das Programm der bevorstehenden Beratungen befragen laffen. Gestern vormittag habe die Downingstreet erwidert, die Berhandlungen würden nur allgemeinen Charakter tragen, und es wäre nicht nötig, Sachverständige zu bemühen. Das Blatt hebt hervor, das Herriot gezwungen sein werde, zu er flären, in welchem Maße er den Inhalt des Poincarébriefes Sachverständigenprogramms von fünf Bedingungen ab. vom 14. Mai zustimme. In diesem Brief sei die Annahme des hängig gemacht worden, Herriot müßte also erklären, ob der Miniſterwechsel auch die allgemeinen politischen Linien schoben habe. Herriot orientiert sich. ver= Paris, 19. Juni.( Eca.) Herriot hat gestern nachmittag eine große Anzahl politischer Persönlichkeiten und höherer Beamten, darunter den Vorsitzenden der Rheinlandkommission Tirard, den französischen Oberkommissar in Straßburg A. La Petit, den franzöfischen Botschafter in London Graf St. Aulaire, den franzöfifchen Gesandten in Wien Lefevre Pontalis, den italienischen Botschafter in Paris usw. empfangen. Besondere Bedeutung legt man dem Besuch Cambons und einer Unterhaltung mit Barthou bei. Der Unterhaltung mit Barthou, in der sich Herriot über die gesamte Lage der Reparationsfrage berichten ließ, wohnte dem„ Matin" zufolge auch der Direktor der politischen Abteilung des Quai d'Orsay, de Peretti de la Rocca, und der bekannte Wirtschaftsfachverständige Sendoug bei; vorher hat Herriot eine eingehende Note über den Stand der Reparationsfrage erhalten. Die Krise der Diktatur. Römische Lehren. Der Sieg der Demokratie in Paris wird zeitlich begleitet vom moralischen Niederbruch der Diftatur in Rom. ursachte Krise in Italien selbst haben wird, ist noch ungewiß. Welche Wirkungen die durch den Mord an Matteotti verursachte Krise in Italien selbst haben wird, ist noch ungewiß. Die internationalen Wirkungen dieser Krise sind heute schon flar ausgeprägt und unwiderruflich. Ganz besonders gilt das für ihre Wirkungen in Deutschland. Seit dem 9. November v. J., das heißt seit dem Tage, an dem der verlogene Ruhm der ,, bayerischen Ordnungselle" mit einem Schlage zusammenbrach, war Italien das gelobte Land des deutschen Faschismus. Die Diktatur Mussolini, das war ja in der Tat das völfische Ideal, ins Italienische übersetzt. Da war, ganz anders als bei den traurigen Erfahrungen, die man mit Kapp, Kahr, Hitler gemacht hatte, ein nationaler Diktator, der wenigstens fein Hanswurst war. Die italienische Bourgeoisie lobte sich die Ordnung, die der neue Herr nach Unterdrückung der Arbeiterbewegung und der öffentlichen Meinung geschaffen hatte, man erzählte Wunderdinge von der Pünktlichkeit des Eisenbahnverkehrs, von der wiederhergestellten Sauberkeit des öffentlichen Lebens. Die nationale Diftatur hatte also in Italien ihr Meisterstück bestanden, und es fam nur noch darauf an, auch für Deutschland den richtigen Mann zu finden, den deutschen Mussolini. Diese Herrlichkeit hat nun etwas über anderthalb Jahre gedauert, aber auch die nur zum Schein. Denn diese anderthalb Jahre hindurch war kein Mensch in Italien, der die Wahrheit zu sagen wagte, seines Lebens sicher. Das ist ja unbestritten der große Vorteil der Diktatur gegenüber der Demokratie. Während die Demokratie jeden öffentlichen Tadel ertragen muß, ja die unaufhörliche Selbstkritik zu ihrem eigentlichsten Wesen gehört, hat die Diktatur ein ungeheuer einfaches Mittel an der Hand, ihre Ünfehlbarkeit zu beweisen durch terroristische Unterdrückung jeder Kritik. Wie in Rußland, so auch in Italien. halten kann als die italienische, so liegt das nur an ihrer Wenn sich die russische Diktatur länger unangefochten ergrößeren Konsequenz in der Anwendung des Terrors und an ihrer geographischen Lage an der Peripherie der europäischen Volksgemeinschaft. In Rußland herrscht eine Parteioligarchie, die jedes Feigenblatt des Parla. mentarismus und der Pressefreiheit verschmäht. Hingegen war der italienische Faschismus genötigt, auf halbem Wege stehen zu bleiben. Weder schaffte er das Parlament des allgemeinen Wahlrechts radikal ab, noch schuf er sich ein Barteimonopol auf die Herausgabe von Zeitungen. Er mußte sich darauf beschränken, Kammerwahlen und öffentliche Meinung durch Drohungen und gewalttätige Eingriffe zu seinem Gunsten zu forrigieren. Zwischen dem legalen Terror der Regierung und dem illegalen der herrschenden Partei entstand auf diese Weise ein Dualismus, der dem System verhängnisvoll zu werden drohte. Die faschistische Staatsgewalt hatte kein Mittel an der Hand, um dem gefährlichen Kritiker Matteotti den Mund zu verschließen. Also trat die illegale Terrororganisation des Faschismus ergänzend in Aktion und besorgte das Geschäft auf ihre Weise. Der Mord an Matteotti trägt alle Charakterzüge eines völkischen Fememordes. Der Unterschied ist nur der, daß in Deutschland gewöhnlich von unten nach oben ge= meuchelt wird, in Italien es aber von oben nach unten geschah. Darum ist die Kompromittierung des Faschismus durch diesen einen Fall nur noch gründlicher. System, das sich selbst im Besize der uneingeschränkten Macht noch des politischen Meuchelmordes bedient, um sich selbst zu erhalten, ist in den Augen der Welt gerichtet. Denn ein Der Mord an Matteotti war feine Affekthandlung politischer Fanatiker. Soviel an den Hintergründen dieses Komplotts noch aufzuklären bleibt, so ist doch jetzt schon gewiß, daß es an dieser Tat Interessenten gab, deren Interesse feinen Aufschub ihrer Ausführung mehr duldete. Matteotti wußte mehr, als die Großen des Faschismus ertragen fonnten. Er hatte Kenntnis erhalten von gewissen dunklen Affären der Korruption, deren Herde in den hohen und höheren Kreisen der herrschenden Partei zu suchen waren. Seit seiner Ermordung spricht ganz Italien und alle Welt von unerlaubten Beziehungen faschistischer Größen zum amerifanischen Petroleumfapital und vom schamlosen Mißbrauch des Diktatursystems zur forruptionellen Bereicherung vieler seiner Träger. Koruption ist vom kapitalistischen System untrennbar. Aber wo die Kapitalsherrschaft, wie in Italien, die politische Form der Diktatur annimmt, wo die Sonde der demokratischen Kritik fehlt, da müssen die Wunden nach innen schwären. Jeder Butsch spült neben größenwahnsinnigen Volksbeglückern auch unlautere Elemente in die Höhe, die nicht imstande find, Macht auszuüben, ohne sie zu ihrem persönlichen Vorteil zu mißbrauchen, eine Reinigung des öffentlichen Lebens durch freie Kritik ist aber ausgeschlossen. Matteottis Tribüne. Da fiel man über ihn her und schlachtete ihn ab. Die Ueberführung der deutschen Gefangenen. Paris, 19. Juni.( WTB.) Die von den französischen Kriegsgerichten in den besetzten Gebieten verurteilten und in Frank- fittlicher Mut errang dieser freien Kritif im Parlament eine reich in Haft gehaltenen Deutschen, ungefähr 40 an der 3ahl, von denen die meisten sich auf der Insel St. Martin de Re befunden haben, sind gestern in die Gefängnisse des belegten Rheilandes übergeführt worden. Bei ihrer Durchreise durch Nancy erhielten sie den Besuch des Legationsfefretärs der deutschen Botschaft in Paris von Rintelen. Von da aus kann man sich ungefähr eine Vorstellung davon machen, welchen Zuständen wir entgegengingen, wenn in Deutschland diejenigen Elemente zur Herrschaft gelangten, denen bisher der italienische Faschismus als Ideal und Vorbild erschienen ist. Sie würden sich um so schamloser entfalten, als man unfer unferen deutschen Ditfaturapoftein eine Geffaft vom| Herrschaft nach dem Mord an Matteotti aufgebedt wird,| Formen angenommen hat, so ift bie Ratlosigkeit des franzöſiſche Ausmaß Mussolinis vergeblich suchen wird. Denn Spanien, in dem die Militärdiktatur das ganze Durchschnittslesers durchaus verständlich. Im Gegensatz zu Deutsch daran ist kein Zweifel, daß der Diktator Italiens die Ent- Land und die Verwaltung in völlige Verwirrung gebracht hat. land weist die parteipolitische Entwicklung in Frankreich eher eine auf. Es soll nun zur artung der von ihm geschaffenen Bewegung bekämpft und Viehische Progrome, Käuflichkeit der Verwaltung, unfähige gewisse Tendenz zur Konzentration Orientierung unserer Leser, die sich wohl in nächster Zeit sehr häufig den an Matteotti verübten Mord als einen schweren Schlag Militärdiktatur schöne Ideale für das deutsche Volk! mit diesen Dingen werden befassen müssen, hier einiges über diejenigegen seine eigene Sache empfindet. Auch im System der persönlichen Herrschaft erwies sich das System stärker als die gen Parteinamen ausgeführt werden, die am häufigsten in den Bes richten vorkommen dürften. Person. Wir betrauern in Matteotti einen edlen Freund, der für die sozialistische Arbeiterbewegung noch Großes versprach. Aber wir hegen die Hoffnung, daß er nicht umsonst gestorben ist. Denn sein blutiger Tod ist eine furchtbare War nung nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa und vor allem für unser eigenes Land. Kommunistischer Nationalismus. Das Neueste aus Bayern. Nach dem Präsentiermarsch die Huldigungsreise. Im Neuburger Anzeigenblatt", Amtsblatt für die Amtsgerichte, Notariate, Finanzämter Neuburg a. D. und Rain a. L., lesen wir: Neuburg, 13. Jumi. S. M. der König traf gestern abends 6 Uhr von Hohenschwangau herkommend mit Auto in Rohrenfeld ein und besichtigte heute eingehend das Kgl. Jagdschloß Grünau, das bekanntlich zum Wittelsbacher Ausgleichsfonds gehört. Tagaus, tagein versprigt die Rote Fahne" ihr nationali- In Begleitung S. M. befanden sich S. R. 5. Prinz stisches Gift. Genau wie die Chauvinisten von rechts hat auch Luitpold, ein Sohn des verstorbenen Herzogs in Bayern fie ein Interesse daran, unter allen Umständen, eine Ver Maximilian, und der Generaldirektor des Ausgleichsfonds, K. Kämständigung zwischen Frankreich und Deutschland zu vermerer und Rittmeister a. D. Ritter und Edler von Rauscher auf hindern. Deswegen muß, namentlich gegen die neue Regie- Weeg. rung Herriot mit allen Mitteln gehetzt werden. Es genügt, die Rote Fahne" aufzuschlagen und ihre Ueberschriften zu überfliegen, dann sieht man, welchen Kurs die Kommunisten einschlagen wollen. In den vier neuen Nummern der„ Roten Fahne" finden wir folgende Ueberschriften: Herriots Poincaré- Regierung. Herriots Ultimatum. Bon Herriot- Schergen zu Tode gehegt. Das Ruhr- Echo" von Herriots Behörden verboten. Herriots Nollet- Programm. General Nollet, der Stern der Hilferdingschen Friedensära. Die Sozialdemokratie spricht Mollet das Vertrauen aus. Rollets Hauptberater Degoutte. Nollet durch Breitscheid vorgeschlagen. Herriot schießt auf eine Antifaschistendemonstration. Breitscheid von Herriot herausgeschmissen. Die Sammlung fann vervollständigt werden. In den legten vier Nummern, denen wir diese bezeichnenden Ueber schriften entnehmen, fehlt es selbstverständlich nicht an gleichen Anwürfen gegen die Regierung Macdonald. Die Geistesgemeinschaft zwischen den Kommunisten und den nationalisti fchen Hezern ist perfekt. Vollständiger kann sie nicht sein. Reaktion ringsum! Das Jdeal der Deutschnationalen. Der mächtige Zug zur Demokratie, der sich in England und Frankreich durchgesetzt hat. erfüllt die unentpegten Reattionäre in Deutschland mit Erbitterung. Sie fürchten, daß unter dem Eindruck dieser Entwicklung die Mitläufer der reaktionären Parteien, die ihnen bei der letzten Reichstagswahl zuliefen, wieder davonlaufen werden. Sie suchen innerlich Halt bei den reaktionären Festpunkten in Europa, um ihre Ideale an diesen Beispielen aufzufrischen. Die" Deutsche Tageszeitung" schreibt in einer Polemik gegen die Bossische Zeitung": 0 " Doch es gibt ja noch andere Staaten. Da ist zunächst un garn, das als erstes Land die demokratisch- jüdische Herrschaft, die ihm schließlich den Bolschewismus bescherte, energisch abschüttelte. Dann machte sich in Italien Herr Mussolini mit seinen Schwarzhemden auf den Weg nach Rom, um die faschistische Demokratie zu begründen. Kaum hatten unsere Demokraten ihre durch den Schreck etwas mitgenommene Bekleidung der unteren Extremitäten wieder leiblich in Ordnung gebracht, da fagte in Spanien der General de Riveira der Demokratie ebenso heftige wie erfolgreiche Fehde an." Man tröstet sich mit den Erscheinungen, die vor der Wendung zur Demokratie liegen. Die Ideale Ungarn, Italien und Spanien find im übrigen bezeichnend: Ungarn mit dem viehischen Terror der Heijasbanditen, Italien, in dem die innere Korruption der faschistischen " Fünf Minuten Trommelfeuer." Von Erich Kuttner. Ich pralle gegen eine Litfaßsäule, von der mich die Worte anrufen: " Fünf Minuten Trommelfeuer vor Verdun." Irgend etwas ist in mir getroffen. Es war ja erst gestern gestern vor acht Jahren. daß ich vor Verdun im Trommelfeuer lag und... Etwas sehr Bitteres steigt hoch. Aber mas hat die Litfaßsäule, was hat Treptow an der Oberspree mit dem Trommelfeuer von Verdun zu tun? Ach so, das ist die Reklame für das Monsterfeuerwerk eines Bergnügungsparks. Mit Doppelmilitärkonzert und bengalischer Beleuchtung. Ja, hm die bengalische Beleuchtung. Die fehlte damals. Das Doppelmilitärkonzert auch. Es waren wohl auch etwas mehr als fünf Minuten. Es waren fünf Stunden, oder vielleicht auch fünfzig Stunden. Der Zeitbegriff geht in solchen Situationen verloren. Aber ich will doch nur von fünf Minuten erzählen. Wirklichen fünf Minuten Trommelfeuer. Es war einer der wunderbar flaren langen Frühjahrsabende. In anderer Situation hätte man den Abendfrieden besungen. Wir mußten längst nichts mehr von Frieden. Der Himmel stand gelb zu mattblau und wir fahen die Granaten wie unheimliche Ratten darüberlaufen. Bei dieser Beleuchtung fann man sie wirklich fliegen sehen. Sind sie am Ende ihrer Bahn, schmettert sie eine unsichtbare Faust in schiefem Winkel zu Boden. Die Granaten, die wir fliegen sohen, schlugen weit entfernt ein. Aber es gab auch genug in unserer Nähe. Hinter uns in der Schlucht stand ein verlassenes franzöfifches Festungswerk vor einem Wald, von dem nur noch die Stümpfe übrig waren. Auf dem Beton dieses Werks malmien die Granaten unaufhörlich und schleuderten schwarze Fontänen von Schutt und Trümmern in die Höhe. Manche Granaten waren auch auf unsern Graben angefeßt. Schlug eine von diesen ein, so zitterte die Erde. Große Stücke Böschungen rutschen herab, in die Kreide gehauene Unterstände brachen zusammen. Unser Graben war nicht schlecht, als schmale Rinne in den Stein eingemeißelt. Aber wir wußten: schlägt es in unserer unmittelbaren Nähe ein, so fliegen wir trotz aller Deckung in die Luft. Das wußten wir seit vielen Stunden, wußten, daß es feine Gegenwehr gegen dieses Ende gab, hockten schweigend und fatalistisch bei unsern Gewehren. Ab und zu warf eine Granate Steine und Dred über uns. Doch von fünf Minuten wollte ich reden. Eine Granate schlug sehr nah ein. Wieder regnete es Schutt und Steine. Aber mitten hinein hörten wir ein seltsames Platschen. S. M. empfing heute vormittag in Grünau eine Deputation von Neuburger Herren, den Ehrenvorsigenden des Festausschusses für das 13. mittelbayerische Verbandsschießen f. 3immerstuhen in Neuburg, Herrn K. Major d. L. a. D. und Buchdruckereidirektor Loibl( Reichstagsabgeordneter der Bayerischen Volkspartei. Anm. d. Red.), den Vorsitzenden des Festausschusses H. Büchsenmachermeister Danner, Schüßenmeister und Herrn Oberleutnant d. L. a. D. Prändl, Mitglied des Festausschusses. Der König nahm deren Bitte um Teilnahme am Haupttag des Schießens am 15. Auguft freundlichst entgegen und unterhielt fich in leutseligster Weise längere Zeit mit den Herren über die wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Baterlandes. Heute nachmittag wird der hohe Herr wieder nach München zurückkehren. Man fönnte über den Hofbericht des bayerischen Lokalblättchens mit einigem Humor zur Tagesordnung übergehen, wenn er nicht mehr wäre als ein Schildbürgerstreich eines in der Weltgeschichte um ein Jahrzehnt zurückgebliebenen Hinter wäldlers. Die Geistesverfassung, die sich hier in einer Grotesfe widerspiegelt, ist die des amtlichen Bayern. In München wurde am Sonntag mit offiziösem Gepräge ein Mahnstein eingeweiht, auf dem die Worte eingemeißelt find: Herr, mach uns frei." Von Seiner Majestät in leutseligster Weise empfangen zu werden und ihr devotest Bittadressen überreichen zu dürfen, das ist die Freiheit, die fie in Bayern meinen, und die bayerische Verwaltung von den höchsten Stellen bis zum Lokalberichterstatter eines amtlichen Provinzblättchens handelt so, als ob Rupprecht von Wittels bach heute bereits wieder König von Bayern wäre. Wie die Reichsregierung diesen völlig unhaltbaren Dualismus zwischen Bayern und dem übrigen Reich überbrüden will, bleibt ein Rätsel. Mit einem Präfentier marsch der Reichswehr vor Rupprecht von Wittelsbach ist die Angelegenheit jedenfalls nicht aus der Welt zu schaffen. Derartige Methoden zeigen nur, daß im Konflikt zwischen der bayerischen und der Reichsregierung Lossom und nicht Seedt der Sieger geblieben ist. Die französischen Parteien.. Bezeichnungen und Charakter. Es ist für den deutschen Zeitungslefer in allgemeinen recht schwer, sich in den französischen Parteibezeichnungen einigermaßen zurechtzufinden, einerseits weil ihre Namen zum Teil geradezu irreführend find, andererseits aber auch, weil die programmati fchen Grenzen dieser zahlreichen Gruppen oft sehr verfch wom. schen Grenzen dieser zahlreichen Gruppen oft sehr verschwom. men sind. Allerdings hört man vielfach in Frankreich die gleichen Klagen über die deutschen Parteien, deren Namen in französischer Ueber fegung entweder nichtssagend oder ebenfalls glatt irreführend find. und da neuerdings bei uns die Parteizersplitterung unheimliche Wie wir hinschauten, lag zwischen uns ein rauchendes mensch liches Eingeweide, frisch herausgeriffen aus einer menschlichen Bauch höhle, Blut und Kot von sich sprigend. Wo der übrige Rumpf geblieben war, ahnten wir nicht. Wir waren gewiß feine Weichlinge. Acht Wochen Grabenkampf machen menschlich hart und gefühllos. Aber damals geschah es, daß einer nach dem, andern sich umdrehte und erbrach. Dann sprachen wir lange Zeit bein Wort. So find fünf Minuten Trommelfeuer vor Verdun in meiner Erinnerung haften geblieben. Für die heute Lebenden ist es freilich schon wieder Feuerwert mit Doppelmilitärkonzert und bengalischer Beleuchtung. Ja, ja es ist seltsam. Aber es ist so. „ Dr. Stieglitz." Fängt man mit der äußersten Linken an, so findet man zunächst die Kommunisten, die mit nicht ganz 30 Mandaten in der neuen Rammer vertreten sind. " Sodann findet man eine fleine Gruppe von„ abtrünnigen Kom munisten", die fich einer etwas sagenhaften Sozialistisch tommunistischen Union" zurechnen. Da sind ausgeschlossene oder ausgetretene ehemalige Kommunisten, die Ende 1922 gegen den Moskauer Kadavergehorsam rebellierten. Ihre hauptsächlichsten Wortführer Frossard und Berfeuil sind zwar nicht gewählt worden, aber etwa ein halbes Duhend von ihnen sind auf Listen des Links blods in der Bannmeile von Paris und in der Gegend von St. Etienne gewählt worden, darunter die Rechtsanwälte Ernest Lafont und Pierre Laval. Sie erstreben die Wiedervereinigung mit den Sozialisten, letztere haben jedoch Bedenken gegen einzelne von ihnen, wie Frossard und Paul Louis, die einst besonders übel für die Spaltung gewirkt und gegen die sozialistische Partei geheizt haben. Mit etwa verdoppelter Mandatzahl ist die alte Sozialisti sche Partei( Unifizierte Sozialisten", resp. Französische Sektion der Arbeiterinternationale) in die neue Kammer zurückgekehrt ( 103 Mandate gegen 52). Dies ist die einzige Partei, die zu Recht den Ehrennamen„ Sozialistisch" führt. Im Senat, der bekanntlich aus indirekten Wahlen hervorgeht, ist die Partei neuerdings durch fünf Genossen vertreten. Eine kleine Gruppe, die faft ausschließlich in Paris und Umgebung besteht, wo sie allerdings einen starken fleinbürgerlichen Wähleranhang besitzt, hat sich nach Kriegsende unter dem Namen Französische Sozialistische Partei" gebildet, sie wird aber mit größe rem Recht von unseren Genossen als die Gruppe der rechtssozialisti fchen" Dissidenten" bezeichnet. Es ist dies die Gruppe Aus briot- Brunet, die etwa acht Mandate auf den Listen des Linksblocks erlangt hat, darunter eines für den Admiral a. D. Jaurès, den Brus der des großen sozialistischen Führers. Die Gruppe gehörte seit 1920 der 3weiter Internationale an, da ihr Verhalten jedoch oft in internationaler Hinsicht alles andere als einwandfrei war, wurde sie ab 1922 vom internationalen Bureau einfach ignoriert und zum Hamburger Gründungstongreß der SAJ. nicht mehr eingeladen. Die„ Dissidenten" haben nun neuerdings eine Fraktionsgemeins schaft mit der weit älteren und stärkeren Gruppe der Sozialis stisch- Republikaner" gebildet, die sich auch lange Jahre hindurch Partei der unabhängigen Sozialisten" nannte. Dies ist ein Gebilde, das vor etwa zwanzig Jahren entstand, als unter Führung von Millerand und Biviani ein Teil der alten sozialistischen Bartei fich für die Beteiligung an der Regierung entschied und es im Gegensatz zu Jaurès ablehnte, sich dem Votum der Internationale zu fügen. Später trat auch Briand dieser Gruppe bei. Aus dieser Partei, die inzwischen längst eine ausgesprochen bürger liche Partei geworden ist, sind Millerand und Briand schon vor Jahren ausgeschieden, neuerdings scheint aber letterer wieder Anschluß an fie gefunden zu haben. Das eigentliche Haupt dieser Partet ist der neue Präsident ger Kammer, Painlevé, ihr Wortführer ist auch der ehemalige Kolonialminister Violette, auf den int vorigen Jahre royalistische Lausbuben einen Ueberfall mit violetter Tinte verübten. Ihr gehören noch etliche einflußreiche und begable Barlamentarier an. Sie zählt in der neuen Rammer etwa 50 Ab geordnete. Ein politischer Unterschied zwischen dieser Partei und ihrer großen bürgerlichen Nachbarpartei, der Radikalen Partei, besteht faum. Es hängt wohl mehr von den lokalen Verhältnissen cder von persönlichen Sympathien ab, ob fich Abegeordnete bei der einen oder der anderen Partei anmelden. Die Radikalen, die sich häufiger noch Radikal Sozialisten nennen, sind eine bür= gerliche Partei, allerdings mit starkem sozialen- fleinbürger lichen und kleinbäuerlichen Einschlag, zum Teil sogar ausge iprochen pazifistisch. Sie entsprechen etwa unseren Linksdemofraten, aber es sind auch etliche unsichere Kantonisten unter ihnen, genau so | nervöser Herr mit der bekannten jüdischen Haft und dem ausdrucks vollen Spiel, in dem Gesicht, der ganze Kopf, Arme und Beine mits wirken. Wie er, in der entscheidenden Unterhaltung mit seinem Sohn, feinen mühsam aufgerichteten Bau der Liebe zusammen brechen sieht und still und stiller wird, da schafft er einen funstvollen Uebergang von omit zu erschütternder Menschlichkeit. Die übrigen Hauptrollen hätten beffer besetzt sein können. Mag Grünberg ( Dr. Stieglitz) ist ein Schauspieler, bei dem die Routine den Weg zum eszen versperrt. Er läßt die Zuschauer kalt. Anna Führing würde sich sehr gut zur Berkörperung einer Rafffefigur eignen. Für eine Dame aus adligem Geschlecht fehlt ihr die Vornehmheit, wie sie etma Alfa Grünberg besitzt. Friedl Harms ist zwar jung, aber zu unbeholfen im Vergleich zu ihren routinierten Mitspielern. Ernst Degner. Der Mann mit den Röntgen- Augen. Der 19jährige Spanier Argamasella, der wegen seiner angeblichen Fähigkeit, durch Gold, Gilber und andere Metalle hindurchzusehen, der Mann mit den Röntgen- Augen" genannt worden ist, befindet sich gegenwärtig in New York, wo er von einer Kommission von Sachverständigen" beobachtet wird. Die Prüfungen bestanden darin, daß Gegenstände in verschiedene Metallfästen getan wurden und Argamasella dann angeben mußte, was darin ist. Er machte die genauesten Angaben über den Inhalt der verschloffenen Kästen, fonnte auf einer Uhr, die ich darin befand, die Zeit angeben, eine Goldmünze ganz genau beschreiben und sogar Gedrucktes hinter den Metallwänden lesen. verbunden; aber er erklärt, daß er damit und ebenso bei künstlichem Licht nicht sehen fann, obwohl feine diretten Sonnenstrahlen notwendig sind. Der Präsident der Gesellschaft für psychische Forschung Jules Bois glaubt, daß irgendeine Eigenschaft in den Augen des Spaniers fein muß, die ihn befähigt, die dunklen Strahlen der Sonne zu benußen. Der Entfesselungstönig" Hundini aber sagt, es handle sich dabei um einen Trid( womit er zweifellos recht hat). Er hat eine Wette angeboten, er könne das auch. Ein jüdisches Stück. Der alte Simon Stieglitz hat sich gesorgt und gemüht und abgeradert nur in einem Gedanfen: aus feinem Sohn Robert soll was werden. Und als es Robert zum Arzt und Dottor gebracht hat, da kennt der Baterftoiz teine Grenzen. Jetzt gilt 15, dem Sohn einen glänzenden Aufstieg zu verschaffen. Er wählt für ihn eine reiche Braut aus, fucht um jeden Preis die junge Bragis hochzubringen und wendet dabei allerlei jüdische Geschäftskniffe an. Aber bei seiner Liebe vergißt er. daß inzwischen aus seinem Jungen ein Mann mit eigenem Wollen geworden ist. Der fann sich die gut- Seine Augen wurden mit Baumwolle bedeckt und mit einem Tuch gemeinten Eigenmächtigkeiten, die ihn völlig unmöglich zu machen drohen, nicht länger mit ansehen. In einer ernsten Unterredung, bei der Dr. Stieglig, der Bevormundung müde, den Bater bittet, feiner Praxis fernzubleiben, stürzt dem Alten eine Welt zusammen. Er streicht den Sohn aus dem Leben. Aber schließlich fiegt doch die Liebe. In heißer Sorge um den Jungen gibt er seinen Groll auf. Er ist zum alten Eisen geworfen und doch wieder glücklich. " Rollt dieser Stoff ein neues Problem auf? Nein. Führt das Milieu in unbekanntes Land? Nein. Die„ Fünf Frankfurter" und Jettchen Gebert" tauchen in der Erinnerung auf. Ist die Kunstform originell? Auch nicht. Was den„ Dr. Stieglig" der Autoren Armin Friedmann und Ludwig Nerz über das Niveau der üblichen Sommerschwänke hinaushebt, sind die mit feltenem Erfühlungsvermögen beobachteten Züge aus der jüdischen Anschauung, die vor uns ein Etüd Leben erstehen lassen. Wie die beiden Geschäftsfreunde Moritz Koppler und Simon Siegliß, jeder auf seinen Vorteil bedacht, um eine Wohnung feilschen, wie die beiden, mitten in höchster Erregung, eine Partie Domino zu spielen beginnen, das muß man gesehen haben. An dem Erfolg des Abends in der Tribüne hatten Paul Morgan und Friedrich Lobe( der auch Regie führt) den stärksten Anteil. Morgan, ein jovialer, tüchtiger Geschäftsmann, den nichts aus abgetlärter Ruhe bringen fann, Lobe, der alte Stiegliß, ein In der Volksbühne, Thealer am Bülowplak, fommen Paquets Fahnen" am Freitag, den 20., 3 um legten Male in dieser Spielzeit zur Aufführung. Die Tanzbühne Laban( Hamburg) veranstaltet in Hamburg am 24. memnons Tod von Rudolf von Laban( nach Noverre). Es wirfen abends 8 1hr, bei Sagehiel die Uraufführung des Zanzibiels Aga. 80 Tänzer und Tänzerinnen mit, Solisten aus der Tanzbühne und die Hamburger Bewegungschöre. Mufit- und Theaterfest der Stadt Wien. Die Gemeinde Bien ver anstaltet in der zweiten Septemberbälfte, anschließend an die Biener Meffe, ein Theater- und Musikfest, bei welchem im Rahmen von Aufführungen in der Staatsoper, Volksoper und anderen Theatern Beethoven, Glud, Richard Strauß, Johann Strauß, Willöder zu Worte fommen. Außerdem werden Kompositionen von Franz Schubert, Haydn, Gustav Mahler( Uraufführung der nachgelassenen X. Sinfonie), Brudner( F- Moll- Messe), ferner von nationale Ausstellung für moderne Theatertechnik und ein internationaler Schönberg und Korngold aufgeführt. Gleichzeitig findet auch eine interMufiterfongres statt. fönnte. wie bei den beutschen Demokraten. Ihr jehiger Führer ist Herriot, ihr einstiger und wahrscheinlich auch fünftiger Führer ist Caillaur. Sehr viele bedeutende Persönlichkeiten zählt sie allerdings nicht, aber sie ist ein startes parlamentarisches Reservoir für Durchschnitts. minister. Die neue Kammer, in der sie als stärkste Partei mit mehr als 140 Abgeordneten vertreten ist, weist jedoch eine ganze Anzahl bon neuen, jungen talentierten Radikalfozialisten auf, von denen der eine oder der andere bald zu einer bedeutenden Rolle gelangen Rechts von den Radikalen hört die Homogenität völlig auf. Da gibt es Gruppen, wie die der Raditalen Linten und der Binksrepublikaner", die teils mit dem Linksblod, teils gegen ihn bei den Wahlen gefämpft haben. Die Scheidung der Geister dürfte sehr bald innerhalb dieser Gruppen eintreten. Sie hat schon damit begonnen, daß z. B. 20 Mitglieder der Radikalen Linken an dem Beschluß mitgewirkt haben, der sich gegen das Berbleiben Millerands aussprach. Auch die Loucheur- Gruppe der Linksrepublifaner scheint Anschluß an die neue Mehrheit zu suchen. Sie wird, wenigstens einstweilen noch, etwas fühl behandelt. Andere ,, Radikale" oder„ Linksrepublikaner" haben in der vori gen Kammer und im Wahlfeldzug gemeinsame Sache mit Millerand und Poincaré gemacht und werden wohl auch in Zukunft in irgend einer Form und unter irgendeinem Namen die Politik des Nationalen Blocks in der Kammer fortsetzen. Der Nationale Block war ein Sammelsurium aller möglichen reaktionären Schattierungen, die unter falscher demokratischer Flagge segelten. Oder vielmehr unter den verschiedensten falschen Flaggen. Ihre Listen führten in den einzelnen Wahlkreisen ganz verschiedene Namen, doch fehlte die zugkräftige Bezeichnung sozial"," republikanisch" oder" demofratisch" niemals. Ihre größte Gruppe nannte sich in der letzten Rammer Republikanisch- demokratische Entente", eine andere Soziale und republikanische Aktion". Das waren ebenso faule Wize wie bei uns die Namen ,, Nationalsozialisten", die„ Deutschsozialen" und dergleichen. Einst nannten sich diese ausgesprochenen Reaktionäre„ Progressisten", d. h.„ Fortschrittler“, oder- noch weiter rechts- action libérale". Wie sie sich fünftig nennen werden, steht noch nicht fest; ein Teil von ihnen hat sich nach der letzten Meldung die schöne Bezeichnung Gruppe der Demokraten" angeeignet. " 1 Das sind natürlich nur politische Roßtäuschertrics, aus denen höchstens unfere deutschnationale Presse Kapital schlagen wird, indem Experiment durch Rundfunk. Im Rundfunk sprach gestern Dr. Rothe über„ Hypnose und Suggestion". Was er sagte, mag für den Uneingeweihten sehr interessant gewesen sein. Der Schwerpunkt lag aber in dem psycho. logischen Experiment, das in der Art feiner Ausführung etwas völlig Neues und Beachtenswertes darstellt. Der Vortragende hatte nämlich erst turze Zeit gesprochen, als er plötzlich von einer Frauen stimme unterbrochen wurde, die sehr aufgeregt nach ihrer Theatertasche fragte. Im Verlauf der Unterhaltung fam es dann zu einem außerst aufgeregten Wortwechfel: träftige Ausdrüde fielen, Dhrfeigen wurden angeboten, man hörte das„ Bananenlied" auf dem Klavier spielen. Dann wurde es still, der Vortragende entschuldigte sich bei seinen Hörern über den Zwischenfall und fonnte nun in seinen Darlegungen fortfahren. Am Schlusse des Vortrages enflärte Dr. Rothe dann den Sinn des Zwischenfalles: es sollte nur ein Erperiment sein, das bis in allen Einzelheiten früher festgelegt worden war und das Wahr nehmungs-, das Apperzeptions:( die innere Verarbeitung des AufBrobe stellen sollte. Es wurden den Zuhörern 6 Fragen, die die genommenen) und das Erinnerungsvermögen der Zuhörer auf die 3wischenfälle betreffen, vorgelegt: ob zwischen den beiden Ohrfeigen ein Pfui" gefallen fei, wer dies Wort gesprochen habe, ob das Bananenlied" am Anfang oder am Schlusse des Gesprächs gefungen worden sei, wie lange der Zwischenfall gedauert habe usw. Die Antworten follen ins Vor- Haus eingesandt werden. Das pfychologische Resultat der Antworten soll dann durch das Radio wieder bekanntgegeben werden. " -W Die Idee war zweifellos gut. than fann auf diesem neuen Beitrag zur Psychologie der Aussage gespannt sein. Bon Bedeu tung für die psychologische Ausbeutung ist aber auch der Zeitpunkt, in welchem die Antworten niedergeschrieben werden. Von ähnlichen Experimenten unterscheidet sich dieses dadurch, daß die Aussagenden nur auf ihren Gehörfinn angewiesen sind. Bekannt ist das Erperiment des verstorbenen Professor Liszt, das er in seinem Seminar junger Mensch, der sich mit einem der Zuhörer in einen äußerst unternommen hat. Während der Sizung erschien plötzlich ein erregten Wortwechsel einließ. Es fam auch zu Tätlichkeiten. Die Zuhörer hatten feine Ahnung, daß es sich um ein Experiment handle. Sie waren ganz bei der Sache und mußten sofort nach Beendigung des Vorfalls ihn niederschreiben. Es ergaben sich dabei bedeutsame Differenzen in verschiedenen Einzelheiten. Die gleichen Experimente wurden von Professor W. Stern und Prof. D. Lipp mann und auch von dem Verein für Kinderpsychologie in Berlin schütterten das Vertrauen von Zeugenausfagen noch mehr, als es Psychologie der Aussagen von größter Wichtigkeit waren. Sie erbereits bis zu diesem Augenblicke der Fall mar. Denn gegen die objektiven unwahrheiten, gegen die Fehler in der Wahrnehmung, in der Verarbeitung des Wahrgenommenen im Gehirn, wo es sich zu leicht mit früher aufgespeicherten Vorstellungen verbindet, endlich in der Reproduktion des Wahrgenommenen schüßt selbst ein Eid nicht, auch nicht die feste Absicht, die Wahrheit zu sagen. organisierten Angestellten in einer ganz schmutzigen Weise in Gegenmart seiner gleichgesinnten Gäste am Stammtisch herunterzupuzen. Ein besonderes Eremplar von Kriedwurm ist der Kapellmeister oberstein. Früher überradikaler Betriebsrat, jezt alle Wünsche der Bölkischen befriedigend. In einem Brief an feinen Arbeitgeber, ausdrücklich, daß er deutschnational sei und unterstützt damit feine in dem er für sich und seine Kollegen um Urlaub bettelt, betont er Bettelei um Urlaub noch durch wiederliche Schmierere. Gin würdiger Unternehmertnecht! Diese Wahrnehmungen, die nicht von den An gestellten herrühren, sollten dem freigewertschaftlichen Arbeiter und Angestellten flarmachen, daß der Wirt von Groß- Berlin" durch das tägliche Aufziehen völlischen Klamauts auf ihre Kundschaft verzichtet. Der Kampf ums Recht. Jezt, wo es in dem Kampf um den Berliner Magistratsabbou hart auf hart geht, beliebt die bürgerliche Presse, in moralischer Entrüftung zu machen. Es verlohnt sich nicht, auf die Tiraden der Rechtspreffe einzugehen. Die Schreier um koch haben duzenb Male, wenn ihnen irgend etwas nicht paste, die Stadtverorneten ohne sich auch nur im geringsten zu genieren. Dazu ist ihr GeVersammlung auffliegen laffen und den größten Krach inszeniert, wissen viel zu robust. Die Rechtsparteien, mit den Deutschnationalent ohne sich auch nur im geringsten zu genieren. Dazu ist ihr Gean der Spize, haben auch die Sorge um die Aufrechterhaltung der städtischen Wirtschaft stets hinter ihr Parteiinteresse zurücktreten lassen. Die Deutschnationalen haben erst im vorigen Jahre mit nielem Hängen und Würgen und erst, nachdem Dr. Steiniger eine Balastrevolution in den eigenen Reihen durchgeführt hatte, zum Geschrei über die energische Abwehr der Sozialdemokraten gegen ersten Male dem städtischen Etat ihre Zustimmung geben. Ihr den Magistratsabbau ist deshalb auch nicht ernst zu nehmen. Wir möchten nur auf zwei Angriffe eingehen. " Im Berliner Tageblatt" spielt Paul Michaelis, der„ Demofrat", den Biedermann. Er bedauert", daß der Kampf um den bedauerliche Verschärfung" erfahren habe. Dadurch sei es zu einer Abbau, der bisher leidenschaftslos behandelt" worden sei, eine sehr Kraftprobe zwischen rechts und links gekommen. Michaelis ver. gißt, wohl nicht ohne Absicht, zu erwähnen, weshalb die Soweiß genau so gut wie wir, daß es sich hier um einen Kampf ums zialdemokraten in diesem Fall sich mit allen Mitteln wehren. Er Recht handelt, das von den bürgerlichen Parteien auch mit seiner Der Demofrat Michaelis weiß auch ganz genau, daß der Führer und der Demofraten Unterstützung schamlos gebrochen werden soll. sie bei nationalistischen Reden solcher Demotraten" auf die Un. angestellt. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß diese Beiträge zur des Bürgerblods im Rathaus ist. Auch die Totschweiges fenntnis ihrer Leser spekulieren und um über die franzöfifche Demofratie" zu hören. Millerands. Diese„ Demokraten" find aber in Wirklichkeit nur die Partei Die einzige unter richtiger Flagge segelnde reaktionäre Partei Frankreichs ist die der Konservativen, der Royalisten, die übrigens außerordentlich dezimiert in die neue Rammer zurüdgefehrt ist. Vor allem sind ihre übelsten Schreier und Hezer, Léon Daudet, de Magallon, Magne und Genossen auf der Strede geblieben. Im Senat ist die Parteigruppierung einfacher, weil sich die gesamte Linke, wie sie beim Linksblock jetzt in Erscheinung getreten ist, unter dem Namen„ Demokratische Linke" eine verhältnismäßig einheitliche Fraktion bildet, die etwa über die Hälfte der Senatorenfiße verfügt. Daneben gibt es. zwei poincaristische Gebilde, die Republikanische Linte" und die Republi= fanische Vereinigung", die alle Schattierungen des Natio. nalen Blods aufweisen. Endlich gibt es auch dort eine fleine Gruppe von Konservativen. Deutschland und Türkei. Dienstantritt des deutschen Botschafters in Angora. Angora, 17. Juni( WTB.) Der deutsche Gesandte( Botschafter) Nadolny hat heute dem Präsidenten der türkischen Republik sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Der Gesandte hielt hierbei folgende Rede: Herr Präsident! Es gereicht mir zur besonderen Ehre, mit der hohen Aufgabe betraut worden zu sein, die offiziellen Beziehungen zwischen meinem Vaterlande und der Türkei wieder aufzunehmen. Ich komme von einem neuen Deutschland zu einer neuen Türkei. Aber die Freundschaft des deutschen Boltes gegenüber dem tür fischen Volf ist ebenso warm und aufrichtig geblieben wie früher. Das deutsche Bolt hat das Schicksal des türkischen Volkes in diesen legten Jahren mit lebhaftester herzlicher Anteilnahme und mit dem Gefühl der Bewunderung verfolgt. Ich wünsche von Herzen, daß es meiner Mission vergönnt sein möchte, unsere Bölfer in offener und ehrlicher gegenseitiger Achtung zusammenzuführen, auf daß es ihnen beiden gelinge, vorwärts und cufwärts zu schreiten zum Wohle der Menschheit. Ich darf dabet der Hoffnung Ausdrud geben, daß Eure Exzellenz und die türkische Regierung mir Bertrauen entgegenbringen und ihre hohe Unterstügung nicht versagen werden. Indem ich meine aufrichtigen Wünsche für die Zukunft der Türkei und das persönliche Wohlergehen Eurer Exzellenz zum Aus: druck bringe, habe ich die Ehre hiermit das Schreiben des Präsiden ten des Deutschen Reiches zu überreichen, das mich bei der Republik der Türkei beglaubigt. Präsident Mustapha Kemal Pascha ermiberte hierauf mit folgender Ansprache: Herr Botschafter! Mit Bergnügen nehme ich aus Ihren Händen das Schreiben entgegen, welches Sie mir übergeben haben in Ihrer Eigenschaft als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minifter mit der hohen Aufgabe, die offiziellen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland wieder herzustellen. Ja begrüße be fonders die Versicherungen, welche Sie mir über den Fortbestand der freundschaftlichen Gefühle des deutschen Volfes gegenüber dem türkischen zum Ausdrud gebracht haben. Das türkische Bolt, das sich ganz seiner inneren Entwicklung gewidmet hat, hegt die gleichen Gefühle gegenüber dem deutschen Volke. Ich wünsche, daß das neue Deutschland sich auf dem Wege des Fortschrittes und der Wohlfahrt entwickeln und daß die freundschaftlichen Beziehungen zur Türkei in stets wachsendem Maße sich festigen mögen. Ich fann Sie versichern, daß alle Ihre Bemühungen in diefer Richtung stets meine und der türkischen Regierung Unter stügung finden werden. Auf die Nadolnysche Bewunderung, die jedermann auf die kriegerischen Erfolge der Türfen gegen die Griechen und indirekt gegen die Entente beziehen wird, hat also der siegreiche Mustapha Remal damit geantwortet, daß das Türkenvoll sich ganz seiner inneren Entwicklung widme. Wie mag Herrn Nadolny da zu Mute gewesen sein? Das Frauenstimmrecht in England. Das Unterhaus hat vor einiger Zeit in zweiter Lesung eine Vorlage angenommen, durch die den Frauen das Stimmrecht vom 21. Lebensjahre an gewährt wird. 3wei fonservative Abgeordnete haben nunmehr zu diesem Gesetz einen 3ujazantrag eingereicht, in dem vorge schlagen wird, daß die Stiremen der Frauen, die mehr aís 30 Jahre alt sind, doppelt zählen sollen. Bei den Wahlen in Südafrika ist Finanzminister Burton unterTegen. Psychologie der Aussage zu erhalten, ist zu begrüßen. Nur müßte Der Versuch, durch den Rundfunk einen neuen Beitrag zur in Zukunft das Experiment hinsichtlich der wissenschaftlichen Ausbeute der Antworten besser vorbereitet werden. Mit Maske und Revolver. Verfuchter Raubüberfall auf der Station Staaten. Gestern abend gegen 12 Uhr, als der Beamte in der Fahr fartenausgabe der Station Staaten damit beschäftigt war, feinen Abschluß zu machen, wurde plötzlich die Tür aufgerissen. Herein drangen drei mastierte Männer mit Revolvern in den Händen. Zwei blieben an gehaltener Waffe auf den Becür stehen, der dritte ging mit voreinschüchtern, schlug zu und drohte ihm, ihn sofort zu erschießen, wenn er nicht auf der Stelle das Geld herausgebe. Der Beamte behielt aber dem Räuber die Pistole aus der Hand Geistesgegenwart, ließ fig nicht und lief, laut um Hilfe rufend, nach dem Stationsgebäude. Die hier anwesenden Beamten eilten fefort heraus und fahen nur noch, wie die drei Räuber in der Dunkelheit fich entfernten. Das sofort herbeigerufene Ueberfallfommando vom 141. Revier in Spandau entfondte Streifen, die das Gelände absuchten. Die Täter wurden nicht mehr gesehen. Man fonnte aber feststellen, daß sie mit Rädern in der Richtung nach Spandau geflohen waren. Da ihnen in Staaten durch das mutige Berhalten des Beamten der Raub entgangen mar, versuchten sie sich an einem Automobil, das auf dem Gute Segefeld stand, schablos zu halten. Sie montierten alle wertvolleren Teile, besonders die Meffingteile, ab und fuhren dann mit ihren Rädern auf und davon. Personen, die zweckdienliche Mitteilungen machen fönnen, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei in Spandau oder bei dem Raubdezernat Kriminalfommissar Berneburg, Polizei präsidium Berlin, Zimmer 80, zu melden. Die Feuerbestattung im Film. Dem Berein der Freidenter für Feuerbestattung hatte schon im vorigen Jahr auch der Film als erfolgreiches Werbemittel gedient. Jezt hat diese in raschem Aufschwung begriffene Organisation einen neuen Film herausgebracht, der über Wesen und Bedeutung der Feuerbestattung in anschaulicher und eindringlicher Weise belehrt. Der von der Industriefilm- Aktiengesellschaft durch Ingenieur Bieper hergestellte Aufklärungsfilm zeigt in einem einleitenden Teil verschiedene Arten der Bestattung und behandelt dann ausführlich die Feuerbestattung der neueren Zeit, ihre Verbreitung über die Länder und im besonderen über Deutschland seit der Er richtung des ersten deutschen Krematoriums zu Gotha( im Jahre 1878), die Entwicklung der Feuerbestattungstechnik, der Krematoriumsbauten und der Urnenhainanlagen. Wir erhalten Ein. blid in die Betriebe des Bereins der Freidenfer für Feuerbestattung, der seine Hauptgeschäftsstelle in Berlin hat, in die Arbeit seiner eigenen Sargtischlerei und feiner eigenen Sterben äichenäherei. Der Film führt uns eine Bestattung mit allen Einzelheiten vor, die Abholung der Leiche im Auto des Vereins, die Ueberführung nach dem Krematorium, die Anfunft der die Halle füllenden Trauergemeinde und die Gebenffeier bis zum Hinabsinken des Sarges. Wir sehen aber weiter auch die sich nicht öffentlich vollziehenden Vorgänge. Wir können beobachten, wie unter der Halle der Sarg in den Verbrennungsofen eingebracht wird, wie nachher die Asche ihm entnommen und in der Urne ver wahrt wird. Schließlich folgt die feierliche Beifegung im Urnenhain. Auch aus anderen Großstädten bietet der Film gute Aufnahmen Film an öffentlichen Bortragsabenden zeigen, die er ihrer Krematorien und Friedhöfe. Der Verein wird den lehrreichen in ganz Deutschland, zunächst in Berlin, veranstalten will. Völkische Strolche auch am Alexanderplatz. befindet sich ein Lokal„ Groß- Berlin, Inhaber Keller, das Man schreibt uns: Am Alexanderplatz, Ede Neue Königstraße, offenbar zum Tummelplatz der Hakenkreuzler werden soll, obwohl mindestens neun Zehntel seiner Besucher Arbeiter und Angestellte find. Das ist allerdings ein Beweis, daß der Arbeiter nicht mit denversucht, wie die Völkischen in Groß- Berlin. Jeden Abend ist das felben Waffen dem andern Volksgenoffen seine Meinung aufzubringen Programm seit Monaten dort dasselbe: Die Wacht am Rhein", Chren", befannie Ghrhardt- Lieber u. a. m. Hat der Affohol feine Siegreich mollen mir Frankreich schlagen"," D Deutschland hoch in Wirkung geian( bekanntlich steigert der Alkoholgenuß den Patriotis mus), dann erfolgen geistreiche Ansprachen. Am meisten beteiligt sich der Wirt dieses, auf Arbeiterfundschaft rechnenden Lokals, an der von unreifen und gehirnlosen Leuten gemachten Provokation. Dieser Herr scheut sich nicht, seine bei ihm beschäftigten, freigewerkschaftlich " taftit, die im Mossehaus demgegenüber angewandt nerd, wird diese Tatsache nicht verheimlichen können. Den Höhepunkt der bewußten Berdrehung der Tatsachen erreicht Michaelis, wenn er behauptet: Es sei im vorigen Jahre der sozialdemokratischen Opposition gelungen, eine Berschleppung des Haushalts bis nach den Sommerferien zu erzwingen". Das past zur Wahrheit wie die Fauft aufs Auge. Der Haushalt fonnte nicht verabschiedet werden, Gelbentwertung vorzunehmen. In Opposition waren die weil die Mehrheit der Demofraten( sie waren dabei gespalten) sich meigerte, eine Anpassung der Steuererträge an die Geldjadparteien, für die auch Michaelis fo gern feine beweglichen Artikel schreibt, trotzdem er sich vom Berliner Stadttämmerer bes fcheinigen laffen könnte, daß Berlin die niedrigsten KommunalSteuern in ganz Deutschland hat. Etwas anderes ist die Haltung der Germania". Das Zentrum weiß offenbar, daß beim Abbau Baulsens eine e flatanie Gefeßesperlegung vorgenommen werden soll. Die„ Germania" fucht deshalb die Stellung des Zentrums von vornherein zu salvieren: " „ Wir haben an diefer Stelle des öfteren mit allem Nachdruck betont, daß wir jede Kulissenschiebung ablehnen, und haben in der Frage des Abbaues des Stadtschulrates Baulien eine Stellung eingenommen, die wesentlich von der anderer Parteien abweicht. Lediglich aus Gerechtigkeitsprinzip fönnen mir uns mit dem Gedanfen eines persönlichen Abbaues des jegigen Stadtschulrates nicht befreunden, weil wir auch die Meinung jener wenigen noch achten, daß eine Stelle dann, wenn sie über. haupt infolge der Unfähigkeit des gegenwärtigen Inhabers teinen Einfluß auszuüben nermag, nicht nötig ist, und verlangen deshalb in erster Linie den Abbau der Stadtschulratsstelle, find aber nicht dafür zu haben, etwa morgen, wenn der jegige.In. haber dieser Stelle von der Bildfläche ver schwunden ist, sie wieder neu zu befeßen. Die Ges meindepolitik ist fein Gebiet, auf dem sich Intrige und Barteifanatismus austoben sollen, sondern ein Arbeitsbereich, in dem zum Wohle der gesamten Bürgerschaft nach den Grundfäßen des Rechtes und der Gerechtigkeit entschieden werden soll." Daß das Zentrum aus anderen Gründen als die robustes ren Merten, Ennern und Koch sich am Standal beteiligt, wird am Effekt nichts ändern. Die bürgerlichen Parteien merden selbstverständlich sofort nach dem Abbau der Stadtschulratsstelle ver fuchen, Herrn Merten für seine Tätigkeit zu be lohnen und ihm zum Stadschulrat zu machen. Db dem Zentrum auch die„ Germania" nicht darüber wundern, daß wir uns gegen dabei wohler sein wird, ist noch sehr die Frage. Jedenfalls sollte sich diefen unerhörten Rechtsbruch wehren, so lange uns rechtliche Mittel in der Stadtverordnetenversammlung an die Hand gegeben sind. Entrüftungsartikel richte man lieber an die ciaene Adresse! Fahrlässigkeit oder Verbrechen? Starter Gasgeruch drang gestern spät abends aus der Stube der Untermieterin Minna Schwarz in der Hochstädter Str. 5. Die Bewohner, dadurch beunruhigt, und weil auf ihr Klopfen ihnen die Tür nicht geöffnet wurde, alarmierten die Polizei des 46. Reviers. Die Beamten verschafften fich gewaltsamen Eintritt und fanden den acht Monate alten Sohn der Frau Schwarz tot in seinem Bettchen vor. Aus dem Gastocher, der sich in der Stube befand, ent strömte Gas. Die ebenfalls fofort alarmierte Feuerwehr, die mit dem Sauerstoffapparat den kleinen Jungen ins Leben zurückzurufen perfuchte, fonnte nicht mehr helfen. Während dieser Vorgänge er schien die Frau Schwarz. Sie wurde von der Kriminalpolizei megen fahrläffiger Tötung in Gewahrsam genommen. Großfeuer in Steglig. Heute Mittag, 12 Uhr, wurde die Steglizer Feuerwehr nach der Kaiferallee 06 gerufen, wo der Dachstuhl in gesamter Ausdehnung in hellen Flammen stand. Auf den Ruf Großfeuer" eilten die Wehren von Friedenau und WiI-, mersdorf ebenfalls zur Brandstelle. " Groß- Berliner Parteináchrichten. Reukölln. 2. Silfsschule Ropfftraße. Eltern und Parteigenossen treffen sich heute, Donnerstag, 7 Uhr, zur Elternversammlung bei M. Richter, Prinz and jern- Straße 3. 19. Kreis Pankow. Material zur Elternbeiratswahl ist spätestens am Freitag vom Genossen Rißmann, Bantom, Mühlenftr. 45, Beitungsexpedition, abzuholen. 43. Abt. Am Freitag, den 20. Juni, bei Rabe, Fichteftr. 23( nicht Reim) öffentliche Frauenversammlung. Vortrag: Die Bedeutung der Elternbeiratswahlen für bie Frau. Referentin Genoffin Stadtverordnete Riedger. 56. Abt. Charlottenburg. Sämtliche Genossen der Abteilung treffen sich heute, Donnerstag, abends 7 Uhr, bei Krüger. Windscheidtstr. 26, zwecks Flugblattverbreitung und Einteilung zur Wahlarbeit. 95. Abt. Neukölln. Bezirksführer, heute, Donnerstag, 6 Uhr, Flugblätter abholen von Sürtler, Prinz- Handjern- Str. 34. Freitag Flugblattverteilung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarzrotgold, Jugendkameradschaft Prenzlauer Berg. Gründungsversammlung heute, abends 8 Uhr, im Jugendheim, Oderberger Str. 57. Einheitsverband sozialistischer Unternehmer. Freitag, den 20. Juni, abends Uhr, in Haberlands Feitsälen, Neue iedrichstr. 35( am Bahnhof Alexanderplag), Berfaminiung felbitändiger Handel und Gewerbetreibender. Bortrag: Was will der E.SU.? Aussprache. Gewerkschaftsbewegung Verbandstag der Musiker. Der II. Verbandstag des Deutschen Musiker- Berbandes trat am Dienstag in die fachlichen Berhandlungen ein. In der Vormittags. sizung erstatteten Vorstand und Beirat zu den einzelnen Abteilungen ihre Rechenschaftsberichte, aus denen fich ergab, daß der Verband auf dem besten Wege ist, die Scharten der Inflationszeit wieder auszu wegen. Die Nachmittagsfitzung galt der wichtigen Frage der Heran bildung des Nachwuchses und der Einrichtung von Orchesterschulen. " W Aus fonders im Arbeitsnachweiswesen, bei der Erwerbs. Die Arbeitszeit in den Bereinigten Staaten. lofenfürsorge, im Schlichtungsausschuß und in den In einer Zeit, wo in europäischen Ländern so vielfach auf die Gewerbe- und Raufmannsgerichten ist viel nuß- Rerlängerung der Arbeitszeit von Unternehmerseite hingearbeitet bringende Arbeit geleistet worden. In der Wohnungsbau wird, hat in den Vereinigten Staaten der Unter frage sind leider nicht die gewünschten Erfolge zu erzielen ge- nehmer nicht so sehr prinzipiell als faftisch in eine Vers wesen. Die Maifeierveranstaltung im Berichtsjahre fürzung der Arbeitszeit gewilligt. Besonders seit war die imposanteste seit Bestehen der Gewerkschaftskommission. Kriegsende hat diese Bewegung nicht mehr aufgehört und hat sich Die Jugendbewegung bezeichnete Sabath als das wichtigste vielfach auch in der Gesezgebung der Einzelstaaten Aufgabengebiet. Es hat sich herausgestellt, daß die Arbeiten am veranfert. Der Tieferblickende kann dabei ganz allgemein in der besten zentral geleistet werden können. Der Ausschuß befaßte fich Union einen markanten Uebergang von den puritanischen in vielen Sizungen mit der Umgestaltung der Betriebs Idealen, die die Arbeit von früh bis spät zur Gewissenspflicht geräte organisation. Das Ergebnis dieser Besprechungen war macht hatten, zu dem Verständnis für Muße, schließlich die Ausarbeitung von Richtlinien, die den Verbänden spannung, Erholung feststellen. Zur Verkürzung der Ars zur Begutachtung zugestellt worden sind. Die Betriebsräteschule, an beitszeit haben die Bemühungen der Arbeiter selbst, der auch das AfA- Ortskartell beteiligt ist, bleibt unter dem Namen andererseits aber auch vielfach freiwillige Maßnahmen Gewertschaftsschule" bestehen. Ihre Arbeitsweise ist vor der Arbeitgeber und die Gesezgebung zusammengewirkt. In welch verschiedenen Formen die Gesetzgebung den Achtbildlich für gleiche Einrichtungen des In- und Auslandes geworden. Benoffe Sabath fam am Schluß seines Berichts zu dem Ergebnis, stundentag besonders auch für weibliche und jugendliche Arbeiter daß die Arbeiten der GK ein Teil der Funktionen der Verbände schützt, dessen Wohltaten sich mehr als 50 Proz. aller Industriewiderspiegelt. Die Berliner Arbeiter haben ein dringendes Interesse arbeiter in den Bereinigt enStaaten erfreuen, geht aus einer Unterdaran, die Macht der Gewerkschaften und damit auch die Macht ihrer suchung des National Industrial Conference Board Berliner Spizenvertretung zu erweitern und zu festigen. hervor, eines statistischen Bureaus der Arbeitnehmerseite. Die älteste, auch jetzt noch vorherrschende Form des gesehlichen Schutzes der Arbeiter besteht in einer ausdrücklichen Festlegung der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit. 3umeist find die Regelungen der Männer, Frauen- und Kinderarbeit durch besonders getrennte Gesetze festgelegt. In 35 Bundesstaaten sowie im Distrikt Columbia find a cht Stunden pro Tag, im Staate Birginia die 44- Stunden- Woche als Marimalarbeits. tag für Kinder festgelegt. Jn 19 Staaten ist die wöchentliche Arbeitszeit für Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren derart teilweise auf 40 Stunden festgelegt, daß ihnen Zeit bleibt für den Besuch von Fortbildungsschulen. Der Arbeitstag für Arbeiterinnen, ist in acht Staaten ausdrücklich auf acht stundentag die höchstgrenze der erlaubten Beschäftigung Stunden festgesetzt worden, in 14 Staaten stellt der Neunist, die Höchstarbeitszeit für männliche Arbeiter zehn dar. Wenn schon gewöhnlich, soweit sie überhaupt gesetzlich geregelt Stunden pro, Tag beträgt, so ist sie doch für einzelne Berufe ausdrücklich auf acht Stunden beschränkt worden. Allgemein darf gejagt merden, daß die Regelung der Frauen und Kinderarbeit von gefegeswegen immer mehr Beschäftigungszweige erfaßt, wenn auch immer noch weit mehr als die Hälfte aller werftätigen Jungendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren ungeschützt bleiben, weil die Kinderfchußgesetzgebung die Landwirtschaft gänzlich unberührt läßt, auf die allein 61 Broz. aller Kinderarbeit entfällt. Genosse Lind gab dann den Bericht des Arbeiterjetre tariats. Er verwies auf den bereits in Nr. 280 des Borwärts" erschienenen Bericht. Der Berichterstatter machte auf das 25jäh. rige Bestehen des Instituts in diesem Jahre aufmerksam und fonnte unter dem Beifall der Versammlung feststellen, daß das Se fretariat ein gut Teil zur Erhaltung des Mitglieder. bestandes der Gewerkschaften beigetragen habe. An diesen Beratungen nahmen Professor Restenberg als Ver. treter des Kultusministeriums und Professor Schüne mann als Vertreter der Hochschule für Musik teil. Alle Redner zollten der Berliner Orchesterschule, die an die Hochschule für Mufit angegliedert ist, höchstes Lob. Profeffor Restenberg legte in längeren Ausführungen den Standpunkt des Ministeriums zur Ausbildungsfrage dar und teilte bei dieser Ge legenheit mit, daß auch in Köln und Frantfurt a. M. nach dem Vorbild Berlins in den nächsten Wochen Orchesterschulen errichtet werden sollen. Diese Mitteilung löste freudigen Beifall aus. Es wurde beschlossen auf jede Weise, durch Abhaltung von Opfer. tagen, durch Interessierung der städtischen und staatlichen Behörden, bei gelegentlichen Veranstaltungen von Städtetagen usw. für die Orchesterschulen tätig zu fein. Der Verbandsvorstand wurde ermächtigt, nötigenfalls auch Verbandsmittel zur Erhaltung der Orchester. schulen zur Verfügung zu stellen. Dem Behrerkollegium und den Förderern der Berliner Orchesterschule sprach der Verbandstag feine Anerkennung und seinen Dant aus. Außerdem wurden dem Berbandsvorstande mehrere Anträge zur Berücksichtigung überwiesen, Nach kurzer Diskussion wurde dem Ausschuß und den beamte in denen die Schaffung eines staatlichen Prüfungszwanten Mitgliedern der Kommission die Entlastung erteilt. Am ges für alle Personen, die die Musiklehrtätigkeit ausüben, ferner Schluß der Versammlung erfolgten die Neuwahlen des Aus die Einführung einer Fortbildungsmöglichkeit für Muschusses. Die von den Industrieverbänden vorgeschlagenen Versiter nach Art der Volkshochschule und schließlich die Beschaffung treter wurden einstimmig gewählt. Gegen wenige Stimmen des nötigen Materials zur Aufklärung über alle Fragen des Nach wurden auch die Richtlinien für die Betriebsräte organisation wuchses verlangt werden. gutgeheißen. Die Berliner Gewerkschaften 1923. Jahresversammlung der Gewerkschaftstommiffion. In der gestrigen Plenarversammlung der Berliner GewerkschaftsCommission und des Af- Ortsfartells gab Sabath den Bericht für das Geschäftsjahr 1923. Von den 45 Organisationen, die am Anfang des Jahres der Kommiffion angeschloffen waren, haben sich fieben mit Schwefterorganisationen verschmolzen, so daß nach hinzu tritt des Chorfänger- und Ballettverbandes im Dezember 1923 39 Verbände durch die Kommission vertreten wurden. Diese Verbände zählten 357 000 Mitglieder, worunter 75 000 weibliche und 9000 Jugendliche. In der Verschmelzung zeigt sich eine gesunde Entwicklung zu großen Industrieverbänden. Die rasende Geldentwer tung machte einen Personalabbau im Bureau der GR. nötig. Die Anregung einer Organisation, durch eine allgemeine Lohnbewegung für alle Arbeiter Groß- Berlins mit einem Schlage beffere Lohn verhältnisse zu schaffen, mußte vom Ausschuß wegen der verschieden gelagerten Verhältnisse in den einzelnen Industriegruppen abgelehnt werden. Die GR. fette aber einen ftions ausschuß ein, der jederzeit und augenblicklich zu den brennendsten Tagesfragen Stellung nahm und fich u. a. auch öffentlich gegen die Jubenprogromhezze wandte. Die GR. fandte ihre Vertreter in die Preisprufungsstelle, wo bei der Preisfestseßung besonders bei Kartoffeln, auf dem Bießmarkt und den allgemeinen Lebensmittelmärkten eine scharfe Kontrolle ausgeübt wurde. Die Lebens mittelpreise wurden allmöchentlich den Verbänden zugestellt, während diese wiederum die Löhne ihrer Mitglieder durch Bermittlung der Kommiffion ausgetauscht erhielten. Die allgemeine politische Lage wurde von der GR. und dem Ausschuß ständig beobachtet. Lage wurde von der GK. und dem Ausschuß ständig beobachtet. Bo eingegriffen werden mußte, geschah es mit beftem Erfolg. Die Zerstörungsarbeit der Kommunistischen Partei ist ein vefonderes Kapitel. Das Wühlen des in Berlin gebildeten ,, Roten Gewertschaftstartells", einer Gegenorganisation, führte schließlich dazu, daß den Mitgliedern der Plenarversammlung ein Revers por gelegt werden mußte, enthaltend die Verpflichtung, mur im Rahmen und nach den Satzungen der freien Gewerkschaften zu arbeiten. Die Berbände der Schuhmacher, Lederarbeiter, Fleischer, 3immerer und der Tabatarbeiter haben die Unterschrift bis heutigen Tages noch nicht geleistet und find infolgedessen auf der Plenarversammlung nicht vertreten. Die GR. ift in den Verwaltungskörperschaften von etwa 80 Behörden vertreten. BeSchokoladen Sprechapparate in großer Auswahl! Billige Bezugsquelle für Kantinen und Wiederverkäufer.: Paul Grindel, Dircksenstr. 47, nahe Bahnhof Börse. Die Inflationszahlen des Kassenberichts laffen sich im Rahmen dieses Berichtes nicht wiedergeben. Sie spiegeln die ganze Tragödie des finanziellen Verfalls der Gewerkschaften wieder. Eisenbahnerkonferenz. Am Dienstag dieser Woche fand in Dresden eine Funktionär. fonferenz des Deutschen Eisenbahnerverbandes für die Reichs bahn Direktionsbezirte Safen und alle statt, zu der 85 Vertreter der bedeutendsten Verkehrspunkte aus beiden Bezirfen erschienen waren. Nach der Aussprache über ein ausführliches Referat des ersten Verbandsvorsitzenden Franz Scheffel( Berlin) nahm die Konferenz einmütig nachstehende Entschließung an: tionärfonferenz der Bezirke Sachsen und Halle des Deutschen EisenDie am 17. Juni 1924 im Dresdner Volkshaus tagende Funkbahnerverbandes nimmt von dem vorläufigen Berhandlungsergebnis Wünsche in Erfüllung gegangen sind, so betrachtet sie das Ergebnis Kenntnis. Sie erklärt zur Lohnfrage: Wenn auch nicht alle als einen Erfolg der Organisation. Ebenso ist mit dem Fortfail er 10. Arbeitsstunde in der Bahnunterhaltung eine dringende Forderung in Erfüllung gegangen. Dagegen müssen unter allen Umständen die Dienstbauer. die Arbeitszeit im Rahmen derselben vorübergehend auf höchstens oorschriften eine sofortige Revision in der Weise erfahren, daß neun Stunden festgesetzt wird und die Dienstschichten nicht über 12 Stunden hinausgehen. Dabei wird erneut besonders zum Ausdruck gebracht, daß bei der vorübergehenden Bereitwilligkeit zur Leistung der 9. Arbeitsstunde auch innerhalb der Dienstdauervor schriften die Eisenbahner grundsäglich am Achtstundentag Bahnbetriebswerke, das Personal der Umladehallen sowie das unter allen Umständen festhalten. Das stationäre Personai der Rangierperſonal auf Bahnhöfen mit ununterbrochener Rangierbewegung find von den Dienstbauervorschriften aus zunehmen. Die Forderung des Ueberstundenzuschlages für die 9. Stunde und der Wiedereinführung der achtstündigen Arbeitszeit wird nicht eher verschwinden und nicht eher Ruhe im Eisenbahnbetrieb ein fehren, bis diese Forderungen ebenfalls restlos in Erfüllung gegangen find. Ebenso fordert die Konferenz die Umgestaltung der Be soldungsordnung vom Reichstag und Reichsregierung im sozialen Sinne. Sie wünscht eine besondere Berücksichtigung der unteren Beamten. Die Konferenz gelobt, die Organisation so zu stärken und auszubauen, damit fie in der Lage ist, diese Forderungen in nächster Zeit durchzusetzen." von Mark 4.50 Vertreter an allen Orten gesucht. Anzahlung an, Rest auf 1/2 Jahr verteilt, Schallplatten von Mark 0.45 Anzahlung an, Rest auf 1 Jahr verteilt. Generalvertr. f. alle Provinzen gesucht. Z Für erwachsene männliche Arbeiter ist die Arbeits. zeit im Allgemeinen nur im Verkehrswesen und im Bergbau gefeßlich geregelt; im übrigen find, was die Gesetze an Mississippi erlaubt Knabenarbeit in Baumwollspinnereien und belangt, für die Männer feine Regelungen erfolgt. Kinderarbeit zur Nachtzeit ist durchgehends untersagt; nur der Staat wirkereien und Georgia verbietet die Nachtarbeit nur für weibliche Arbeiter ist in 16 Staaten untersagt und in 5 Staaten Jugendliche bis zum Alter von 14% Jahren. Die Nachtarbeit für wird verlangt, daß die Dauer der Nachtarbeit unter der Dauer eines gewöhnlichen Arbeitstages bleiben muß. Zunahme der italienischen Auswanderung. tichte Statistik zeigt ein bedeutendes Anwachsen der AusEine vom italienischen Auswanderungsamt für 1923 veröffent wanderung sowohl nach leberjee, wie nach anderen Ländern Europas und des Mittelmeergebiets. Die Rüdwanderung zeigt wenig Aenderung; die Zunahme der Rückwanderer aus Europa wird ausgeglichen durch eine Abnahme der Zahl der aus Uebersee gefomenen Ridwanderer. Die Gesamtzahl der Auswan 348 079, um über 100 000 mehr als 1922. derer, wobei es fich fast ausschließlich um Arbeiter handelt, war Das wichtigste Aufnahmeland der italienischen Auswanderer ift, wie vordem, Frankreich, mohin 1923 142 990 italienische Auswanderer gingen, verglichen mit 85 815 1922. Auch nach den meisten anderen europäischen Ländern wanderten 1923 mehr Italiener als im vorausgegangenen Jahr. Weitere Angaben über die italienische Auswanderung sind zu finden in der Zeitschrift Industrial and Labour Information", die vom Internationalen Arbeitsamt veröffentlicht wird. Berantwortlich für Politit: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". Pähne 1.2 G.-M. auf Teilzahlung gestattet b. kl. Anzahl. u. wöchentl. Abzahlung von Für Vertreter kein Kapital erforderlich. 1 G.-M. an. Echte Goldkronen v. 8 G.-M. an. ErsatzFür Generalvertreter etwa 100-200 Mk. kronen v. 3 G.-M. an. Zähne ohne Gaumenplatte v. um die Organisation durchführen zu 3. G.-M. an. Zahnz. mit Betäub. 1 G.-M., b. Bestellg. können. Nur fleiß. Pers, auch Frauen. von Gebissen gratis. Rat und Munduntersuchung gratis. Um nur ernsthafte Offerten zu erhalten, 3 Jahre weitgehende Garantie. Ueber 20 000 Gebisse zur senden wir nur Material an solche, die vollsten Zufriedenheit geliefert. f. Porto, Materialk. etc. 1 Mk. einsenden. Robert Bork, W. 30, Heilbronner Str. 9 Max Seidel, Königsberg in Pr. Am 9. bis 26. Juli Hauptziehung der Preuss.- Südd. 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Süben: Bärwaldstr. 47, an der Gneisenaustraße. ftraße 31, Sof rechts parterre. Offen: Markusftr. 36. Petersburger Plaz 4. Güboften: Laufiger Plag 14/15. Rordoften: Immanueltirchstr. 24; Gillmann. Friebenau: Rheinftr. 27, Ede Rönnebergstraße. Friedrichshagen: Mittenzwei, Binden- Allee 14. Grünau: Bfügner, Röpenider Str. 105. Prinzen Salensee, Grunewald, Eichlamp: Frau Noad, Riost Henriettenplag. Privatwohnung: Ratharinenstr. 4. Seinersdorf: Frau Goldbach, Niederschönhausen, Schloßallee 45. Sennigsdorf: Frau Rorbafinfti. Rathenauftr. 3. Sermsdorf: Erich Anuth, Frohnauer Str. 10. bei Sohenneuendorf: Wehlig, Oranienburger Str. 2. Hoppegarten: Rausch. Hoppegarten- Birkenstein, Parzelle Nr. 119. Carmen- Sylva- Str. 57, Moabit: Wilhelmshavener Str. 48 und Suttenftr. 67 Bitterling. Webbing: Müllerstr. 34a, Ede Utrechter Straße. Rosenthaler und Oranienburger Borftabt: Wattstr. 9. Gesundbrunnen: Bastianstr. 7. Schönhauser Borstadt: Greifenhagener Str. 22. Ublershof: Frl. Walter, Genoffenfchaftsftr. 6, parterre. Alt- Glienice: Stowronski, Grünauer Str. 68. Baumschulenweg: Frau Röple, Riefholaftr. 180, Laden. Bernau, Röntgental, Severnid. Schönbrüd, Karon und Buch: Seinrich Brofe. Bernau. Mühlenftr. 5. Biesborf: W. Danneberg. Bittoriaftr. 11. Birkenwerber: Frau 8oor, Berffelber Str. 6. Bohnsdorf: Sotlemann, Genossenschaftshaus Paradies. Borgsdorf: Sans Toppe I, Giedlung IV. Borsigwalde: Gebauer, Schubertstr. 32, v. 3 Tr. Buchholz, Blankenburg: Wagner. Blankenburg, Burgwall. ftraße 63. Caputh: Meyer, Brisbamer Str. 5d. Charlottenburg 1: Gefenheimer Str. 1. Charlottenburg II, Eisfeld, Tauroogener Gtr. 11. Charlottenburg II: Joachimi. Raiserdamm 102, Gartenhaus Tt. Reinidendorf- West: Bendt, Scharnweberfte. 114, Boffs. haus. Rosenthal: Heinrich Gorsti, Sauptstr. 28. Rubdow: Otto Raiser, Waltersdorfer Chauffee. Rübersdorf, Ralfberge, Tasdorf: Adolf Goerte, Ralfberge, Rhedenstraße 15. Senfchte, Sabowa, Raulsdorf- Süd, Mahlsdorf- Süd: Raulsdorf- Güd, Waldstr. 66. Schmargendorf I: BIista, Breite Str. 14. Schmargendorf II: Januste, Cunoftr. 46, ptr. Schöneberg: Belziger Str. 27. Genzig: Friedewald, Chauffeeftr. 54. Siemensstadt: Stenzel, Brunnenstr. 6, v. L Spandau: Brohm, Achenbachstr. 7. Staaten: Böltel. Eichenwinkel 16. Steglig: o ft, Schadenrufe 2. Johannisthal: Lehmann, Raifer- Wilhelm- Str. 6. Karlshorst: Berndt, Riost, Bahnhofplag. Raulsborf: Bogt, Brebered fraße 19. Rönigswusterhausen: E. Meyer. Botsdamer Str. 9. Köpenid, Hirschgarten: Schlag. Rieger Str. 6( Lab..). Südende: Ludwig, Halskestr. 36. Lichtenberg 1: Lichtenberg, Wartenbergstr. 1. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: Lichtenberg. Bor. hagener Str. 62. Tegel, Tegelort: Spieß, Tegel, Schlieperftr. 52. Teltow: Säfel, Ritterstr. 29. Tempelhof: Sarsdorf, Werberstr. 31 v. pt. tempelhof: Randler, Sohenzollernkorso 5. Trebbin: Göring, Bahnhofstr. 62. Treptow: Resler, Riefholzftr. 18b. Waidmannsluft: Rohde, Oraniendamm 10. Weißensee: Greunte, Langhansstr. 52. Wildau- Hoherlehme: Rub. Fettow. Rez Lichtenberg III, Friebrichsfelbe: Frankfurter Allee 185, Baden, Sichtenberg IV: Senmer. Röderstr. 54, Gartenhaus. Bichterfelbe- Ost, Lantwig: S. Wenzel, Lantwis, Siethen. ftraße 15. Lichterfelde- Weft: Berndt. Gtegliger Str. 19. Mahlsdorf: Wilhelm Aura, Sönower Str. 177. Mariendorf: August Leip. Chauffeeftr. 29. Marienfelbe: Greulich, Berliner Str. 143. Neuenhagen: enate, Riegelstr. 71. Neukölln I: Nedarstr. 2. Reutölin II: Siegfriedftr. 28/29. Neukölln III: Wintler, Sobrechtstr. 40, B. L. Reukölln- Brig: Mittag. Brig, Chauffeeftr. 82. Rieberschöneweibe: Schindler, Fennstr. 23. Rowawes: Rarl Arohnberg. Eisenbahnstr. 10. Oranienburg: Seint. Boenharbt, Stralsunder Str. 6. 8euthen, Miersdorf: A. Behling. Bahnhofftt. 2. Oberschöneweide: Robert Paul, Mathildenftr. 5. Bantow: Rikmann. Mühlenstr. 70. Wilhelmshagen, Seffenwinkel: Schulze, Wilhelmshagen, Wilhelmstr. 31. Charlottenburg IV: Bufenjat. Augsburger Str. 47, Bortier. Charlottenburg V. Ciefeler, Dahlmannstr. 30, Sof pir. Döberig: Dittfeld, Buchhandlung am Bahnhof. Ertner: Boite. Flafenftr. 9. Fichtenau: Raeste, Bismord ftr. 1. Faltenberg: Salamann, Fallenberg, Gartenstadtstr. 10. Rahnsdorf: Teichert, Forftstr. 7. Frebersdorf Petershagen: Otto Wilinsti, Fredersdorf, Reinickendorf- Oft, Schönhola: Albert Wable, Broving Arndtstraße. Straße 56( Laden). Wilmersdorf I: Buhle, Ludwig- Kirch- Plaz 9, Gtfl. IV. Wilmersdorf II: Schubert, Wilhelmsaue 27. Sof I. Wilmersdorf III: Rimmer, Augustaftr. 34, Hof part. Wittenau Ribell. Sauptstr. 65. Woltersdorf: Schurbaum, Eichendamm 22. Behlendorf, Schlachtensee, Rikolassee: Rehlendorf, Teltowe: Straße 3. Boffen: Witt, Bahnhofstr., 25. Sämtliche Literatur fowie alle willenschaftlichen Berle werden geliefert. Sonntans Hub bie Gefchäftsstellen geichises.