Abendausgabe bia Nr. 29141. Jahrgang Ausgabe B Nr. 146 Bezugsbedingungen und Anzeigenprette Find in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: SW. 6s, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin his is Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Montag led and 23. Juni 1924 Berlag und anzeigenabteilungi Gefchäftszeit 9-5 r Berleger: Vorwärts- Verlag GmbH. Beelin SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Dartei Deutschlands Der moralische Pakt von Chequers. Die Zusammenkunft Herriot- Macdonald. London, 22. Juni.( WIB.) nach Schluß der in Chequers abgehaltenen Besprechungen wurde cine amtliche Mitteilung veröffentlicht, in der es heißt: der mich bij Zulassung Deutschlands zur Londoner Konferenz. Es bestehe die Aussicht, daß von gewissen Kreisen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Zulassung Deutschlands herbeizuführen. Mussolini und seine Freunde. Rom, 20. Juni. Der Zusammenbruch des Faschismus, der seit dem Bekannt merden der Ermordung Matteottis eingesetzt hat, ist nichts Gesetzestafel die Weihnachtsamnestie vom Jahre anderes als die logische Auswirkung eines Systems, dessen 1922 wurde. In dieser Amnestie wurde der Grundsatz aufgestellt, daß die Parteiangehörigkeit des Verbrechers für seine Strafbarkeit ausschlaggebend sei. halten, die über die Vollmachten hinausgehe, welche bereits in der Rheinlandkommission für den alliierten Oberbefehl vorgesehen feien. Im übrigen sei Macdonald sehr befriedigt über das, was Herriot ihm bezüglich der Umnestie für die politischen Gefangenen und Aus gewiesenen im besetzten Gebiet mitgeteilt habe. Einer der Mörder Matteottis, Dumini, hat etwa einen Morningpost" schreibt, ein sehr wichtiger Buntt sei die Frage Monat vor der Tat einem Mitfaschisten erklärt, er hätte 10 oder 11 politische Morde auf dem Gewissen; es blieb ihm nachgerade nichts anderes übrig, als auf dieser Bahn fortzufahren, wenn er nicht verhungern oder selbst einem Delchstich zum Opfer fallen wollte; diese Erklärungen famen schon vor der Tat dem sozialistischen Abgeordneten Dugeni zu Ohren, und auf seinen Wunsch hat sie der Fischist, von dem sie gemacht wurden, zu Protokoll gegeben. Dumini, dem Biele", wie sie die Amnestie nannte, stellte also für die, die 11 Morde straffrei gelungen waren, Morde mit nationalem fein Borleben kannten, ein stets verwendbares Mittel für die Beseitigung eines Gegners dar. Für ihn gab es fein Zurüd, denn er lebte von diesem„ nationalen Zweck". Wie konnte man ihn auch strafen, der aus dem geheimen Bressefonds der Ministerpräsidentschaft bezahlt wurde, einem offiziösen Presseorgan des Ministerpräsidenten angehörte? Die zwischen den Premierministern Frankreichs und Englands am Sonnabend und Sonntag in Chequers abgehaltenen nicht formellen Erörterungen erstreckten sich auf gewiffe Fragen, die sich aus dem Dawes Bericht ergeben, und auf Maßnahmen, die zu jeiner Berwirklichung notwendig find. Bestimmte Beschlüffe fonnten angesichts der schwebenden Unterhandlungen mit der italienischen und der belgischen Regierung nicht gefaßt werden. Die Unterredungen zeigten eine allgemeine Uebeteinstimmung zwischen den Auffassungen Frankreichs und Eng- uni lands und die gemeinsame Entschlossenheit der beiden Premierminister, den Schwierigteiten in fortgefehtem Zusammenwirten ent- Es ist kein Zweifel daran möglich, daß die Kon gegenzutreten, welche ihre beiden Länder nicht nur, sondern auch die ganze Welt bebrüden. Es herrschte Uebereinstimmung darüber, daß, wenn die anderen Alliierten zustimmen, eine Konferenz in London nicht später als Mitte Juli abgehalten werden felle, um eine end. gülfige Berständigung über das einzuschlagende Verfahren herbeizuführen. Endlich besteht zwischen den beiden Premierministern Ueber. einstimmung darin, daß fie fich beide zur Eröffnung der Völkerbunds. versammlung im September dieses Jahres zu kurzem Aufenthalt nach Genf begeben wollen. Nach der Ausgabe des Communiqués haben Ramsay Macdonald und Herriot beschloffen, folgenden 3ufatz zu veröffentlichen: Angesichts der Schwierigkeiten, die nicht nur die beiden Länder, sondern die gesamte Welt beeinflussen, haben wir uns dahin verständigt, unter uns cinen moralischen Patt zum Zwede fort. gefehter Zusammenarbeit zu schließen. London, 26. Juni.( WTB) Die Konferenz von Chequers zwischen London, 26. Juni.( WTB) Die Konferenz von Chequers zwischen Peretti della Rocca teilnahmen, bauerte von Sonnabend Macdonald und Herriot, an der auch Sir Eyre Crowe und abend 10 Uhr bis 2 Uhr morgens und wurde dann Sonntag von 9 Uhr 30 Minuten vormittags bis 1 Uhr 30 Minuten nachmittags fortgesetzt. Das Drgan der Arbeiterpartei,„ Daily Herald", bezeichnet die 3ufammentunft als uneingeschränken Erfolg und erflärt meiter, der größere Teil der Erörterungen fei einer eingehenden Prüfung des Dawes- Berichtes gewidmet gewesen. Bollfommenes Einvernehmen sei bezüglich der Durchführung feiner Bestimmungen erzielt worden. Alle Anstrengungen würden unternommen werden, um es Deutschland leicht zu machen. Herriot und Macdonald hätten stets deutlich zwischen der deutschen Herriot und Macdonald hätten stets deutlich zwischen der deutschen Demokratie und den deutschen Reaktionären unterschieben: mit der ersteren würden sie bereit sein, entgegenkommend zu verhandeln; follte es jedoch den Nationalisten gelingen, ans Ruder zu tommen, so würde sich die Haltung der Alliierten zweifellos ver freifen. England und Frankreich würden so weit wie möglich gehen, um eine freundschaftliche Lösung zu erzielen, und hofften, daß auch Deutschland ihnen so weit als möglich entgegenkommen werde. Daily Herald" folgert schließlich aus der Absicht beider Bremier minifter, an der Bölkerbundsversammlung im September teilzu nehmen, daß eine Einladung an Deutschland, seinen Blaz fowohl in der Verfammlung als auch in dem Rat einzunehmen, wahrscheinlich sei, damit die Frage der Sicherheit und der Rüftungskontrolle dann vom Bölterbund aufgenommen werden fönne. Condon, 23. Juni.( WTB.) Herriot fährt heute nachmittag nach Brüssel, um die mit Macdonald befprodjenen Fragen mit Theunis und Hymans weiter zu erörtern. ferenz von Chequers wirklich in voller Harmonie verlaufen ist. Denn Macdonald und Herriot find in Berteidigung der von ihnen proflamierten Politik darauf angewiesen, nicht nur zwischen den beiden Regierungen, die sie vertreten, die Me thode der freundschaftlichen Verständigung anzuwenden, sie müssen dieser Methode in ganz Europa Geltung verschaffen, wenn sie nicht unter dem Hohngelächter ihrer Gegner vom Schauplatz abtreten wollen. An der Zustimmung der übrigen alliierten Regierungen zu der geplanten Londoner Konferenz ist nicht zu zweifeln. Belgien, das sich im Schatten der überragenden Macht Frankreichs nie sonderlich wohlgefühlt hat, kann diese Entwidlung der Dinge nur begrüßen, Italien aber, dessen Regierungssystem ins Wanken geraten ist, kann unter den gegebenen Umständen überhaupt froh fein, wenn es noch für voll genommen wird. Die vereinigte Demokratie Englands und Frankreichs befindet sich also zurzeit im unbestreitbaren Vollbesitz der politischen Führung. bunbidee in der europäischen Politif der nächsten Zeit eine Damit ist zugleich auch schon gesagt, daß die Bölter Rolle von erhöhter Bedeutung zu spielen haben wird. Um diefe Tatlache zu unterstreichen, haben Macdonald und Herriot zur Eröffnung der Völkerbundversammlung Anfang September ihren Besuch in Genf angekündigt. Das Ziel einer vernünftigen deutschen Außenpolitit tann jetzt nur sein, den Versuch zur Herstellung einer friedlichen europäischen Völferdemokratie mit allen Kräften zu unterstüßen und sich innerhalb dieser Völkerdemokratie die Stellung eines gleichberechtigten Gliedes zu verschaffen. Der Weg zu diesem Ziel führt über die Annahme der zur Ausführung des Dawes Berichts notwendigen Geseze, die Annahme der Note über die Militärtontrolle und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Während Macdonald und Herriot in Chequer beisammen faßen, haben Poincaré und Hergt Reden gehalten. Die Konferenz der führenden Politiker Europas von heute und die Reden der Staatsmänner von gestern und vorgestern bilden Beispiel und Gegenbeispiel. Regierte Poincaré in Frankreich reich noch und Hergt in Deutschland wieder, so wäre ein Aus. meg überhaupt nicht sichtbar. 97 Herr Hergt hat in seiner Dessauer Wahlrede- laut Lotal- Anzeiger" anerkannt, daß Herriot„ ber alten Gewalt politit abgeschworen" und zum erstenmal in bestimmter Form die Räumungsfrage als für Franfreich in Betracht kommend hingestellt" habe. Indes findet Herr Hergt das Entgegenkommen Herriots noch nicht eines offiziöfen Organs Mussolinis, ist verhoftet worden, obDer Chefredakteur des„ Corriere d'Italia", Filipelli, wohl sich einige der mächtigsten Exponenten der genuesischen Hochfinanz bemüht haben, dies zu verhindern. Filipelli hatte Dokumente bei sich, die den Gerichten in die Hände fielen. Als diese die Dokumente Filipellis ansahen, erließen sie einen Haftbefehl gegen den administrativen Generalsekretär der faschistischen Partei, Marinelli. Da gleichzeitig Verdachtsgründe gegen den Direktor des Pressebureaus der faschistischen Partei, Freddi, laut wurden, enthob Mussolini diesen einstweilen feines Amtes. Den Unterstaatssekretär Finzi schützt geltend gemacht, daß er persönliche Beziehungen zu einigen fein Barlamentsmandat vor der Verhaftung. Gegen ihn wird der Mörder unterhielt und bak die Dokumente, bie Matteotti befas, in erster Linie ihn kompromittiert hätten; gegen ihn spricht ferner, daß er am 12. Juni, 48 Stun den nach der Lat, geäußert hat:... es handelt sich um ein politisches Berbrechen, aber die materiellen Bollieher der Taf und die Auftraggeber find Personen, die der Justiz schmerlich in die Hände fallen dürften". Diese mehreren Abgeordneten abgegebene Erklärung entriß einem von diesen den Ausruf:„ Dann weißt du also, daß Matteotti tot ift!" " as fann aber Mussolini mit der ganzen Sache zu tun haben? Am 8. Juni, zwei Tage vor der Lat, fchrieb ein faschistisches Blatt: Matteotti ist ein winziger Bestandteil dieses Lumpenpads, der schnell ein letzter Windstoß des gefunden Menschenverstandes und eine energische Bewegung des Heerführers( Mussolini) zu vernichten wissen werden. Schon am 1. Juni schrieb das persön liche Organ Mussolinis, das„ Popolo d'Italia":„ Mussolini hat das Verhaltender Mehrheit sogar viel zulangmütig gefunden, denn Matteotti hat( bei seiner Kritik der Wahlme hoben) eine höchst provozierende Rede gehalten, die etwas Greifbareres verdient hätte als die Bezeichnung umpenpad, die der Abgeordnete Giunta gebraucht hat." Das Blatt, das so schrieb, ist direkt von Mussolini inspiriert; daran zu zweifeln, daß es genau die Gedanken des Heerführers wiebergibt, wäre direkt Landesverrat. Der diplomatische Berichterstatter des„ Daily Telegraph" schreibt: Was Frankreich wirklich wolle, seien sowohl Sachleistungen als auch baldige Barzahlungen, um sein Budget für das weit genug. Auch wir würden wünschen, Herriot hätte ich helm gemein, daß er sich für gottbegnadet hält; da ist Jahr 1925 Herriot über der Ruhr trag zu diesem Budget aus der im Dames- Bericht vorgesehenen Anfangsannuität von 50 Millionen Pfund Sterling sichergestellt zu fangsannuität von 50 Millionen Pfund Sterling ſichergestellt zu sehen. Bann nicht Belgiens Priorität weiterbestehen riirde. fo wiirde Frankreich auf 26 von diesen 50 Millionen Bfund Sterling Anspruch haben, und es sei möglich, daß ein franzöfifch- belgisches Kompromiß. Durch das Belgien einen Teil seiner Priorität gegen einen vermehrten Brozentjah eintauchen würde, später in Brüssel erörtert werde. Fer. ner müfje Frankreichs Sicherheit gewährleistet werden durch Wiederaufnahme der alliierten militär tontrolle, die zu einem sehr balbigen Zeitpunkt durch einre Militärkontrolle des Völkerbundes erfetzt merben önne, vorausgefeßt, daß mirffame Methoden für die Bölferbundstontrolle gefunden würden. Macdonald habe dem grundsäglich zugestimmt und habe jogar die Initiative ergriffen, ben Bölkerbundsrat und seine Abrüstungstommission zu ersuchen, die Frage der zu verwendenden Methoden zu untersuchen. Auch Gene ral Rollet prüfe diese Angelegenheit. Beide Ministerpräsidenten hätten den Vorschlag angenommen, daß die Sicherheit mittels des Bölferbundes erzielt werden folle. 5) erriotwerbe sicher night bie Pfänder aufgeben, die Frankreich jezt in Händen hatte, bevor die notwendigen Rontroll. maßnahmen und Bürgschaften zur Sicherung des Erfolges des Dames Planes ausgearbeitet wor benjeien. Die militärische Befehung des Ruhrgebietes fcheine es jedoch unmöglich zu machen, irgendwelche besondere Ston polfe für die Eisenbahnen auf dem linken Rheinufer aufrecht zu er gedrückt, was ihn aber daran gehindert hat, das hat er in der Rammer felbft gesagt: nämlich das Auftreten der deutschen Realtion, bas den Poincaristen und Räumungsgegnern täglich neue Waffen liefert. Herr Hergt meint nun, dem Mangel sei dadurch abzuhelfen, daß in die deutsche Regierung willensstarte und tapfere Männer" feines Schlages aufgenommen würden. Und achselzudend meint er: Die Regierung wird uns nun die Gesetze zur Durchführung der Forderungen der Sachverständigen bringen. Etwa Mittel Juli werden sie dem Reichstag vorgelegt werden. Wie sollen wir uns da verhalten? Ich sehe vorläufig feine Möglichkeit, fie mitzumachen, und bann tommt es eben zum Konflikt. Deutlicher fann nicht gesagt werden, daß die Annahme der Geseze für Deutschland notwendig ist, daß die Deutschnationalen aber sie verhindern wollen, wenn sie nicht in die Regierung aufgenommen werden. Deutlicher fann man die Futterfrippe" nicht über das nationale Interesse stellen, als es Herr Hergt in Dessau getan hat! Herriots Eindruck. Condon, 23. Juni.( EP.) Herriot erklärte u. a.: Ich habe in Macdonald einen Freund Frankreichs gefunden, einen Mann, der die Bedürfnisse Frankreichs versteht. Er legt sich Rechnung davon ab, daß Frankreich beruhigt werden muß. Gr will in Uebereinstimmung mit uns arbeiten und fühlt, daß die Zusammenarbeit eines Tages nicht genügen wird. Er hat feinerlei Opfer von mir verlangt. Er versteht wohl, daß wir Sicherheitsgarantien verlangen. Er begreift, daß ein Land, das so oft angegriffen wurde, solche Sicherheiten und Garantien absolut braucht. wohl auf ihn das Wort anwendbar:„ Die blindesten aber find Götterföhne." Denn Mussolini, der nicht ahnte, daß seine nächsten und liebsten Freunde das Zeug zu Meuchelmördern in sich trugen, war von weniger gottbegnadeten Elementen gewarnt worden. Der diffidente Faschist Cesare Forni hatte in einer Rede in Biella vor Monaten erklärt, daß Mussolini sich in schlechter Umgebung befände; daraufhin wurde er vom Bräfetten von Pavia aufgefordert, die betreffen den Berfonen zu nennen. Er nannte: Cesare Roffi, Direk tor des Pressebureaus des Ministerpräsidenten, Luigi Freddi, Direktor des Bressebureaus der faschistischen Partei, Aldo Finzi, Unterstaatssekretär des Innern, und Francesco Giunta, Generalsekretär der faschistischen Partei. Kurze Zeit darauf, am 28. Januar 1924, sagte Muffolini in seiner Rede im Palazzo Benecia: Diejenigen, die man als die schlechten Berater des guten Tyrannen bezeichnet, find fünf oder sechs Personen, die jeden Morgen zum täglichen Bericht bei mir erscheinen. Auf alle Fälle muß ich erklären, daß für diefe, die die unmittelbarsten Mitarbeiter meiner täglichen Mühsal sind und die vor allem mit mir das falzige Broi der direkten Verantwortlichkeit der faschistischen Regierung teilen, ich hier in euer Gegenwart das tiefste Gefühl meiner Freundschaft und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Außer den von Ferni Genannten tamen hier in Betracht der General de Beno und Marinelli. Heute sind von diesen Leuten zwei, nämlich De Beno und Finzi, im Anschluß an die Ermordung Matteottis, von ihren Stellungen zurückgetreten, Rossi und Marinelli, von ihren Stellungen zurückMordes verhaftet, nur Freddi und Giunta stehen noch, aber fie tönnten stürzen über Nacht". PY Affes in offem tann man fagen, daß die Ermordung Matteottis, die Mussolini als das Wert seines schlimmsten Feindes bezeichnet hat, tatsächlich das Werk seiner treuesten und intimsten Freunde war, derer, mit denen er sich bis jetzt seelenverwandt und solidarisch fühlte. Nach dieser Feststellung, der selbst der orthodoreste Mussolinist" sich nicht entziehen fönnte, muß man sagen: Ja, mer garantiert uns denn in Zukunft dafür, daß dieser Heerführer nicht wieder ein unbewußtes und schuldloses Werkzeug in den Händen des Abschaums der Menschheit wird? Heute wirft die faschistische Breffe mit Wolluft ihre besten Männer" über Bord; alles spricht dafür, daß sie sich morgen mit Surrogaten von gleichem moralischen Wert befreunden wird. Wenn aber bis heute, wie die Faschisten selbst schreiben, im Ministerium des Innern alles drunter und drüber ging, so kann man doch nicht vergessen, dah bisher Mussolini Minister dieses Ministeriums war. Meit Recht meint die Boce Republicana", daß es nicht gut angeht, außer dem unverantwortlichen Staatsoberhaupt auch noch ein unverantwortliches Regierungsoberhaupt zu haben. Wenn die Berantwortlichkeit erst da anfängt, wo sie aufhört, bei den Werkzeugen, so spielte sich das öffentliche Leben in der Praxis ganz jenseits von Gut und Böse ab. " I Dessau. 23 Juni.( WIB.) Die amtliche Feststellung des maydrgebnisses ergab, daß an der bereits gemideion Verteilung der Sige nichts geändert wird. Durch die Reitstimmen fielen je ein Mandat der Deutschen Volkspartei, den Bodenreformern, den KomMandat der Deutschen Bolfspartei, den Bodenreformnern, den Kommunissen, den Deutschvölkischen und dem Hausbesih( Stadt und Cand) zu. Deffau, 22. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die am Sonntag in Anhalt vorgenommenen Wahlen weisen im Vergleiche zur Reichstagswahl eine schwächere Beteiliung auf, unter der fämt liche Parteien gelitten haben. Auffällig ist, daß insbesondere die Stimmen der Kommunist en starf zurüdgegangen sind und auch die deutschnationalen Schreier Erfolge trotz ihrer unverantwortlichen Agitation nicht erzielt haben. Die Demokraten, die bisher ein Mät glied in der Regierung stellten, haben nach den vorläufigen Ergebniffen Berluste erlitten. Die Bodenreformer, die zum erstenmal in Anhalt auftraten, fönnen feinen Erfolg buchen. Sie dürften taum ein Mandat erhalten. Jedenfalls scheint schon jetzt soviel sicher, daß die Listen verbindung von 9 bürgerlichen ficher, daß die Liſten verbindenfalls font fon jest pie Parteien den erwarteten Erfolg feineswegs gehabt hat. Insgesamt waren 13 Liſten vertreten. * Das Wahlergebnis ist ein Beweis dafür, daß für die Sozial demokratie die Krise, die sich in einer Abnahme der Wähler schaft ausdrückte, überwunden ist. Die Sozialdemokratie hat Anhalt, Die Mörderbande gedieh im Schatten der Ministerpräsidentschaft, ohne Wissen des Mannes, der diktatorisch über das Schicksal Italiens gebot. Diesem Blindesten der Blin Blinschaft den will man weiter die Regierung anvertrauen, und es finden in diesen Tagen an allen Orten faschistische Demonſtrain bat, troß der Bahlmüdigkeit, bei der Banhlagsway tionen statt, in denen die Schwarzhemden diesen Willen der Nation" zum Ausdruck bringen. Aber wir verstehen nicht, wie sich mit dieser Tatsache die Haltung eines Teiles der faschistischen Bresse deckt, die dem Präsidenten am nächsten steht. So schreibt der„ Corriere del Polesine": Die faschistische Regierung hat, wie wir wiederholen, den Irrtum begangen, sie nicht mit revolutionären Gesetzen zu verteidigen. Der von der Regierung gelassenen Lüde glaubten einige einzelne Faschisten abzuhelfen indem sie aus eigner Initiative gegen diesen oder jenen Gegner vorgingen, der eine Gefahr für die Partei darstellen fonnte. Das Berbrechen Matteotti gehört zur Reihe der revolutionären Delifte, die außerhalb und gegen das Gesetz vollführt wurden. Wir wollen dies hoffen, aus unserem Herzen als Menschen und Parteigänger heraus; es wäre außer ordentlich schmerzlich anzunehmen, daß persönliche Interessen und unsaubere Spekulationen gemeinen Meuchelmördern die Hand bewaffnet hätten. Es wäre gut, wenn sich die faschistische Partei entschiede. Hat man Matteotti ermordet fraft des Rechts der Revo Iution" oder ist er gemeinen Verbrechern in die Hände gefallen? Bis auf den heutigen Tag ist keiner der Berhafteten aus der faschistischen Partei ausgeschlossen worden. Ist das vielleicht eine Antwort auf unsere Frage? Landtagswahlen in Anhalt. Sozialdemokraten behauptet. Dessau, 23. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die gestrigen Wahlen zum Anhaltischen Landtag hatten folgendes Ergebnis: Demokraten 6 104, Mandate 1, Deutsche Boltspartei 27 969, Mandate 6, Sozialdemokraten 64 480, Mandate 14, Bodenreformer 2 982, Mandate 1, Candbundliste 14 307, Mandate 3, Kommunisten 16 470, Mandate 3, Bölfifchsozialer Freiheitsblod 7146, Mandate 2, Zentrum 2019, Mandate 0, Dt. Bauernbund 891, Mandate 0, Deutschnationale 21 284, Mandate 4, Hausbesih( Stadt und Land) 3 601, Mandate 1, Deutschsoziale Partei 799, Mandate 0, Hausbesik und Gewerbe( Wirtschaftspartei) 5 888, Mandate 1, Gejamtziffer der Stimmen 173 943, Mandate 36. Bei den Reichstagswahlen am 4. Mai 1924 erhielten demgegenüber Bölkischer Freiheitsblod 9 622, Deutschnationale 36 210, Deutsche Volkspartei 37 095, Demofraten 10 247, Sozial. demokraten 65 761, kommunisten 22 762, 3entrum 2331. Bei den letzten Landtagswahlen am 6. Juni 1920 lag folgendes Ergebnis vor: Deutschnationale 28 946, Boltspartei 23 165, Sozialdemo. trafen 61 552, Kommunisten 0, Demokraten 26 957, Landbund 0, Unabh. So 3. 31 430. all Auf dem Wege zur neuen Volkskunst. Tagung der Volksbühnenvereine in Hildesheim. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bericht des Gene: ralsekretärs schließt sich eine längere Aussprache, in der u. a. Eggers, Breslau, aus seinen Eindrücken in Ostpreußen die hübsche Tatsache mitteilt, daß dort die Reichswehr mit ihren Autos in die Städte fommt, um Dilettantenvorstellungen schlimmsten Kalibers aufzuführen. Viele Redner beschäftigen sich insbesondere mit dem Unwesen der Dilettantenaufführungen und den Möglichkeiten eines neuen Latenspiels. Auch auf die Wichtigkeit von Wanderbühnen für die Bewegung wird hingewiesen. = In der Nachmittagsfizung behandelt Eggers, Breslau, das Thema Sonderveranstaltungen der Boltsbühnen". Die Bolfsbühnengemeinden müssen das ganze Leben ihrer Mitglieder tünstlerisch durchdringen, damit sich aus ihnen eine wirkliche neue Gemeinschaft herausbildet. Die Volfsbühnen haben die Aufgabe, bis in die Häuser zu dringen, den Mitgliedern Bücher und künstlerischen Wandschmuck zu vermitteln. Sie müssen die Mitglieder für die theatralischen Darbietungen durch besondere Beranstaltungen vorbereiten und müssen auf allen Gebieten der Kunstpflege, durch Rezitationen, musikalische und andere Darbietungen, unter Heranziehung gerade auch jugendlicher Kräfte mit einem neuen Tempo dazu helfen, daß die Kunst für ihre Mitglieder wirklich die Krönung des Lebens wird Auch an diesen Vortrag schließt sich eine rege Aussprache. Dr. Rayser Berlin verwirft das von Eggers entwidelte Programm als zu schulmeisterlich. Das Kunstwerk müsse durch sich selbst wirken. Erläuterungen dürften sich höchstens anschließen. Auch er tritt für Sonderveranstaltungen ein. 2ber fie müßten aus dem Publikum herauswachsen. Prof. Kestenberg- Berlin hält die Mitte zwischen den Anschauungen der beiden Vorredner für das Richtige. Er vermeist auf die Notwendigkeit der Boltsbühnen, mehr als bisher die künstlerische Produktion zu beeinflussen. Aus der weteren Aussprache traten noch hervor Ausführungen von Dr. Riegler- Stettin über die fünstlerischen Zukunftsmöglichkeiten des Filmes, von H. von 3wehl Frankfurt a. M. über die Notwendigkeit, die Sonderveranstaltungen der Bolfsbühnen dem besonderen Charakter der Orte anzupassen. Döscher- Berlin spricht über die praktischen Methoden von Rinoaufführungen durch die Volksbühnen. Am Freitag abend fand im großen Saal der Stadthalle vor einer Zuhörerschaft von mehr als 1000 Berfonen eine Kundgebung statt, in der der Reichskunstwart Dr. Redslob und der Berliner Intendant Jeßner Ansprachen hielten. Dr. Redslob würdigte die Bedeutung der Volksbühnenbewegung, vor allen Dingen unter den Gesichtspunkten, daß sie den Weg zu neuen Bühnenleistungen frei mache. Nur der Bühnenleiter fönne unter Zerstörung der Tradition schöpferisch Neues schaffen, der mit einer Besuchergemeinschaft rechnen dürfe und nicht bloß ein durch Billettbezahlung gebildetes Bublifum habe. Er betrate den Gegensatz zwischen der mehr historisch eingestellten Zeit der Klassiker und der unseren, die auf ihrer Bühne den Drang der eigenen Zeit lebendig fehen wolle, auch in der Art, wie die ältere Dichtung neu gestaltet werde. Für dieses neue Schaffen fei die Baltsbühnenbewegung unentbehrlich. Jeßner sprach vom Stimmen auf sich bei der Reichstagswahl, während die bürgerlichen Parteien starke Berluste zu verzeichnen hatten. Besonders auffällig ist der Verlust der Deutschen Volkspartei. Dieser Stimmenabgang ist durch den sogenannten Rechtsrud nicht zu erklären, da auch die Deutschnationalen die bei den Reichstagswahlen erzielten Stimmen nicht zu halten ner= mochten. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, daß die Panit, die das Abgleiten zur äußersten Rechten und zur äußersten Linken verursachte, der Vergangenheit angehört. Wenn die Deutsche Bolkspartei trotzdem derart schlecht abgeschnitten hat, so ist das allem Anschein nach auf die Schaufelpolitif dieser Partei zurückzuführen, die in dem Augenblid, in dem flare Entscheidungen zu treffen waren, in wochenlanger Unentschiedenheit hin- und her schwankte. Das Anhalter Resuítat ist ein neuer Belag dafür, daß die Deutsche Volkspartei als Konfurrent der deutschnationalen Monarchisten und Bölkischen stets im Hintertreffen bleibt. Das wird um so mehr der Fall sein, als die Nationalliberale Bereini gung durch die Gründung einer eigenen Partei das Tischtuch zwischen fich und der Volkspartei endgültig zerschnitten hat. Ohne den Mut zu einer eigenen und selbständigen Politik gibt es für die Volkspartei feine Rettung. mallum ug ADD Das Wahlresultat wäre für die Sozialdemokraten und DemoPraten noch günstiger gewesen, wenn nicht auch hier der Wahn finn der Liliputparteien in Erscheinung getreten wäre. Dieser Umstand wird auch die Regierungsbildung ungünstig beeinflussen.agn tom i end Der Reichspräsident in Dresden. Dresden, 23. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Reichspräsident Gebert traf heute vormittag mit dem fahrplanmäßigen Zug in Dresden ein. In seiner Begleitung befanden sich der Reichswehrminister Dr. Geßler, der fächsische Gesandte in Berlin, Zu dem Dr. Gradnauer, und Miniſterialitertor Meißner. Empfang hatten sich u. a. Ministerpräsident Heldt, Oberbürgermeister Blüher, Polizeipräsident Kühn und General Müller eingefunden. Eine zahlreiche Menschenmenge umlagerte trotz des strömenden Regens den Bahnhof. Nach Abschreiten der Ehrentompagnie fuhr der Reichspräsident in Begleitung des Ministerpräsidenten Heldt zur Besichtigung der Textilausstellung nach dem Ausstellungspark. Sonnabend Die Börse hoffnungsvoller. Die Börse eröffnete heute ausgesprochen freundlich. Das am der Internationalen Kreditkompagnie Amsterdam und dem Kölner Bankhaus A. Levy, das vorzüglich der rheinisch- westfälischen In dustrie zugute fommen soll, wird als erstes Zeichen für das Ingangtommen ausländischer Kreditgewährung be= wertet. Man glaubt, daß gerade die rheinische Industrie gute Aussichten habe, wenn nur die erste Geldkalamität überwunden sein merie. Die Montr papiere waren heute demnach besonders nehmen der Hauffe in Kriegsanleihe( diese wurde zu Anfang mit Houſe bevorzugt. Bor abem, da die Spekulation nach dem langsamen Ab128 gehandelt sich wieder mehr den Montanpapieren zuwardte. Außerdem hat der Reichsbanfausweis, der eine weitere Entlastung des Instituts aufzeigt, einen günstigen Eindruck gemacht, besonders aber dadurch, daß es gelungen ist, den Goldbestand der Reichsbant um 6 Millionen Marf zu erhöhen. Man nimmt an, daß dies mit der Entlastung des Devisenmarktes im zusammenhang steht. Am Devisen marit waren teine größeren Veränderungen zu konstatieren. Der franzöſiſche Frank wurde mit 80 genannt. nud Nollet gegen Mangin. Das nationalistische Echo de Paris" greift den General tollet heftig an, weil dieser den General Mangin verboten habe, den Borfiz einer Tagung ehemaliger Frontfämpfer zu übernehmen. Der Teil der französischen Frontfämpferverbände, um den es sich handelt, ist, ebenso wie in Deutschland, start reattionär eingestellt und Nollet als republikanischer Kriegsminister will offenbar die attiven Generäle, besonders solche wie Mangin, dessen unzuverläffige Gesinnung und imperialistische Tendenzen bekannt sind, von der Beteiligung an solchen Veranstaltungen fernhalten, Wenn sich Nollet weiter in diesem Sinne betätigt, so wird dies ein Grund mehr für die deutschen Nationalisten sein, gegen ihn zu hetzen, der ihnen das Geschäft verdirbt. Wie wäre es, wenn auch der deutsche Kriegsminister den Reichswehr fommandeuren im Reich, einschließlich Bayerns, verbieten Nationalliberale Reichspartei. würde, an nationalistischen Kundgebungen teilzunehmen? Die ,, Nationalliberale Vereinigung" als Parteigründerin Der rechte Flügel der Bolispartei, der sich während des WahlPampfes unter dem Namen„ Nationalliberale Bereinigung" von der Volkspartei absonderte, ist nun zur Gründung einer felbständigen Partei geschritten. Im Reichstag tagten gestern etwa 100 Bertreter der Vereinigung. Die Bersammlung beschloß die Gründung der Nationalliberalen Reichspartei". Die zum Aufbau der Parteiorganisation erforderlichen Arbeiten follen schuß wurde gebildet und zum Vorfizenden der Partei der unverzüglich in Angriff genommen werden. Ein OrganisationsausReichstagsabgeordnete Dr. Marek ky gewählt. Der Haushaltsausschuß des Reichstags beriet in feiner gestrigen Sizung über die Abbauverordnung und beschloß zur Prüfung der Frage einen Unter ausschuß einzusetzen, der am Montag zu fammentreten wird. ed prum Standpunkt des Bühnenleiters über die Bedeutung der Boltsbühnengemeinden. Das Theater von heute befinde sich nicht in einem Berfall, sondern in einem Uebergang. Alles fomme hier darauf an, zwischen Theater und Publikum eine neue Einheit herzustellen. Die Bolfsbühnenbewegung habe die wichtige und große Aufgabe, dem Theater eine Zuhörerschaft zu bilden, die es wirklich träet und weiter führt. Jegner lehnte die Auffassung ab, daß der Thinterleiter allein zur Führung des Publikums berufen sei. Andererseits hätten die Besucherorganisationen die Aufgabe, dem Theaterleiter die Möglich: feit zu freier fünstlerischer Arbeit zu schaffen. Das Volkstheater, auch ein Staatstheater, das letzten Endes Volkstheater sein müsse, dürfe fich nicht einer Partei verschreiben, aber es müsse von sich aus eine Gesinnung, eine Atmosphäre schaffen. Wo ein reiner fünstlerischer Bille lebendig sei, gebe es teine Berlegung von Sittlichkeit, Religion als eine seiner Waffen erklärt. Tatsächlich sei das Theater eine oder Parteiglauben. Der letzte Hohenzoller habe einst das Theater Waffe. Es müsse die Waffe sein, um der Republik, um einer neuen Volkskultur den Weg zu bahnen. Paul Mankiewih, bis zu Beginn dieses Jahres Mitglted des Borstandes der Deutschen Bant, ist Sonntag früh auf seiner Besitzung Selchow bei Storkom in der Marf nach längerem Leiden fche Bank ein und hat in ihrer Leitung, der er seit 1898 angehörte, im Alter von 67 Jahren verschieden. Er trat 1878 in die Deut eine sehr erfolgreiche Tätigkeit ausgeübt. Reichstanzler Marg fann am 23. Juni auf eine 25jährige geordneten Rath für den Wahlkreis Neuß- Grevenbroich- Crefeld- Land Lätigteit als Parlamentarier zurückbliden. Er trat am 23. Juni 1899 als Nachfolger des am 1. Mai 1899 verstorbenen Ab in das Preußische Abgeordnetenhaus ein. Bis zum Jahre 1918 gehörte Dr. Marg ununterbrochen dem Preußischen Landtag an; er war ouch Mitglied der preußischen verfassunggebenden 2andesversammlung. In den Reichstag wurde Dr. Marg im Jahre 1910 als Vertreter des Wahlkreises Mülheim- Wipperfürth gewählt. Nach dem Tode Trimborns übernahm er den Vorsiz der 3entrumsfraktion des Reichstages. lischen Kreise sich des Laienspiels angenommen haben, das tatfächlich einen Rückzug auf die vordramatische Zeit bedeutet. Wir aber bekennen uns zum Theater des Dramatifers und Schauspielers, wobei freilich festzuhalten ist, daß Drama und Schauspieler nur das ausdrücken und gestalten fönnen, was Inhalt einer Boltsgemein schaft ist. Das geistige Ziel der Volksbühnen ist wesenseins mit der Erziehung des Menschengeschlechts im Leffingschen Sinn, mit dem, was Goethe ,, Lebensgefühl" genannt hat. Der zweite Referent zu diesem Thema, Seydewiz-Zwidau. erklärt sich mit den Darlegungen Babs einverstanden. Es ist jedoch notwendig, auf den geistigenn Ausgangspunkt der Bolfsbühnen bewegung zurüdzugehen. Das Gefühl der Massen, von der Kuitur ausgeschlosser zu sein, hat sie vielfach in der Bolfsbühne, vereinig. Der Kampf für die soziale Befreiung wird durch ihre Tätigkeit geZusammenwirken zwischen Darsteller und Zuschauer muß gesteigert stärkt. Die Bolfsbühne strebt zur Gemeinschaftskultur. Das merden. Es handelt sich nicht um Theaterreform, sondern um den Aufbau des schöpferischen Theaters. Als Kunstgemeinde muß die Battsbühne sich auch mit anderen Dingen als nur Theatervorstellungen beschäftigen. Eine flare Formulierung des Programims ist erforderlich. Die Sonnabend sizung wird eingeleitet durch ein Referat von Oberstudiendirettor Dr. Löws Gelsenkirchen über Die pinchologischen Grundlagen der Boltsbühnen. Eine lebhafte Diskussion setzt ein, in der Dr. Nestripte der Revolution von 1918 als Abschluß einer Epoche, in der die geifti fratischen Grundlage liegt, als Ausgangspunkt genommen und in den bewegung". Der Redner fennzeichnet zunächst die Bedeutung darauf hinweist, daß die Gesinnung, die in der sozialen und demogen Interessen ganz zurückgedrängt wurden durch die wirtschaftlichen Mittelpunkt gestellt werden muß. Das neue Baienspiel der Jugend und politischen Fragen. Er zeigt, wie dann die kulturellen Bedürf ist nicht gänzlich abzulehnen. Er schlägt vor, die eingegangenen nisse fich stärker anmeldeten und zur Schaffung der Volkshochschulen Entwürfe zu einem Kulturprogramm durch eine Komund der Ausbreitung der Boltsbühnenbewegung führten. Es der Bolsbühnenbewegung" handeln. schließen sich zwei Referate an, die von den„ Geistigen Bielen miffion bearbeiten zu laffen und bem nächstenn Verbandstag ein fertiges Programm vorzulegen. Rudhoff lehnt den Gedanken der Zunächst spricht das System der Einheitsbeiträge, so führt er aus, bedeuten in gezeit eine flare Formulierung eines Programms erfolgen. Professor über dieses Thema Julius Bab. Die Sammlung der Maffen, Gemeinschaftsbildung ab. In der jeßigen Zeit ist sie ein Schlaowort, eine Lüge. Ebensowenig fann jetzt in der drängenden llebergangs wissem Sinne schon das Bekenntnis zu einer demokratischen Welt. anschauung in spezifisch sozialer Färbung, ohne daß sie etwas mit Restenberg betont, daß die Boltsbühnen nicht den Zweck haben, einem sozialdemokratischen Barteiprogramm zu tun hätte. Das Ziel, meinen Bildungsarbeiten abzunehmen. Er weist darauf hin, daß 13 den politischen Organisationen oder den Gewerkschaften ihre allge gerade das Drama den Massen nahezubringen, enthält ferner das Bekenntnis zu dem Geist, der in dem Drama lebendig ist. Die dra der Jugendbewegung in den proletarischen Sprechchören sich bereits ein neues Gemeinschaftsgefühl entwickelt hat. Eine Zusammenarbeit matische Kunst zieht seit ihrer Entstehung, seit der Zeit der Renaissance, seit Shakespeare, wieder und wieder den lebendigen Men- mit dem Bühnenvolksbund bei der Schaffung der gemeinnügigen schen dieser Welt in ihren Mittelpunkt. Dieses Drama bekennt sich Theater ist trok der flar herauszustellenden Gegensäke möglich. Nuch zu einer Diesseitsreligion, die an fein Dogma gebunden ist. Das weiteren Ausführungen und den Schlußworten der Referenten wird Bekenntnis zu einer solchen Diesseitsreligion, zu dem Wert des beschloffen, einer neungliedrigen Kommission die vorliegenden Ent handelnden Menschen ergibt sich damit auch für die Volksbühnen als würfe als Material zur Ausarbeitung eines Voltsbühnenprogramms wesentlicher Teil ihrer weltanschaulichen Einstellung. Wenn die zu überweisen, das dem nächsten Berbandstag vorgelegt werden soll. Bolfsbühnen sich zu dem Drama seit Shakespeare und dem in ihm lebendigen Geist bekennen, so schließt dies natürlich nicht aus, daß auch aus anderen Weltanschauungen Werke herüberdringen, weil sie in den Bezirk allgemein menschlicher, Erlebnisse vorstoßen. Mit allen wahrhaft religiösen Menschen wird die Boltsbühne stets eine legte Waffenbrüderschaft gegen den gemeinsamen Feind, gegen den Philifter und Spießbürger haben. Aber flar ist zu betonen, vom Ratholizismus in feiner mittelalterlichen Bedeutung ist die Belt anschauung der Bolfsbühnen weit entfernt. Den neufatholischen Dramatikern fehlt das Befenntnis zur schöpferisch gestaltenden Menschenfräft. Um so verständlicher ist es, wenn die firchlich fathoDer letzte Berhandlungstag hatte in feinem Mittelpunkt amet Borträge, die sich mit dem Kunstproblem beschäftigen. Zunächst sprach Pastor lic. Moering- Breslau, über das Thema„ Bom naturalismus zum Erpressionismus; zum Ber ständnis der Kunst der Moderne". Die Kunst von heute ist fein einheitliches Gebilde. Aber sie ist geladen von Lebendigkeit, erfüllt von Explosivstoff, revolutionär nicht in dem Sinne eines politischen Willens, sondern im Sinne von gärend, drängen Bedeutsam ist das Verlangen nach seelischem Gehalt. Hierin steht fie im Gegensatz zu der Kunst von gestern. Es war die Zeit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und damit der großen bedeuts Rossi stellt sich dem Gericht. Rom, 23. Juni.( WTB.) Cefare Roffi, vormaliger Leiter des milichen Preffebureaus, nach dem die Polizei fahndete, hat sic geffern nachmittag den Gerichtsbehörden gestellt. Rom, 23. Juni.( EP.) Rossi, den die Blätter als den Haupturheber des Mordes an Matteotti bezeichneten, fuhr in einem Mietautomobil vor dem römischen Untersuchungsgefängnis Regina Coeli vor, um sich zur Berteidigung gegen die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen selbst zu stellen. Während die Polizei Rossi seit einer Woche im ganzen Lande gesucht und man ihn auch schon nach jeder Mindrichtung hin als außer Landes geflohen gemeldet hatte, war er ruhig bei einem Freund in Rom verstedt. Die römischen Blätter hatten in den legten Tagen hartnädig behauptet, er befinde sich noch in Rom, um mit seinen Be schübern in enger Fühlung zu bleiben. Die oppositionellen Zeitungen haben der Regierung sogar vorgeworfen, sie wolle Rossi nicht verhaften lassen, von dem man wisse, daß er zur Regelung seiner Verteidigung mit einigen faschistischen Abgeordneten in Beziehung stehe. Dem„ Giornale d'Italia" hatten glaubwürdige Personen am Sonnabend versichert, sie hätten Rossi in der Hauptffadt gesehen, deshalb seien die Justizbehörden bei der Polizei neuerdings vorstellig geworden mit der Forderung, Rossi zu verhaften. Auf Grund des ersten Verhörs Rossis wurde der Direktor des Faschistenblattes uomo Paese", Bazzi, auf die Polizeidirektion vorgeladen und dort zurückgehalten. Die Faschisten können noch! Turin, 23. Juni.( EP.) Eine Schar Faschisten veranstaltete gestern eine Rundgebung gegen die Stampa und deren Direktor Senator Frassati, den früheren Botschafter in Berlin. Eine Schar Extremisten drang in seine Wohnung ein und zertrümmerte einige Möbelstücke. Zwischenfall in Paris. Paris, 23. Juni.( Eca.) Nach einer fommunistischen Matteotti Brotestversammlung unter freiem Himmel begaben sich Rommunisten fpätnachmittags auf den Bürgermeisterplay Saint- Gervais, wo ein Jahrmarkt stattfand. Als eine der Musikkapellen die Internationale spielte, tam es zu Schlägereien, wobei die Kommunisten eine franzöfifche Trifolore verbrannten. Die Polizei griff ein. Eine Anzahl Personen wurde verlegt. Wieder ein Haßgesang Poincarés. Paris, 22. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Bsincaré tann auch im Ruhestand, zu dem ihn das Land verurteilt hat, von bon Gewohnheiten nicht lassen, die er als Ministerpräsident angenommen hat. Er hat am Sonntag wieder eine seiner Reden gehalten, mit benen er seit Jahren den nationalistischen Geist im franzöfifchen Volke aufzupeitschen versucht. Sie war, wie von Herrn Poincaré nicht anders zu erwarten, ein neuer Haßgesang gegen Deutschland. Eine Feier zur Erinnerung an die Schlacht von Berdun gab ihm von den unerhörten Greueltaten eines mitleidlojen Gegners" und Anschlußkundgebungen in Berlin. Das österreichische Bolkslied. Im Rahmen der Bundestagung des Desterreichisch- Deutschen Boltsbundes fand gestern Vormittag im Herrenhaus die feierliche Einweihung der großdeutschen Vereinsstandarte der Deutsch öfter reichischen Liebertafel zu Berlin statt. Der Festakt fand im Beisein der Bertreter der Behörden, vieler befreundeter Vereine, barunter des Deutschen Arbeiter Gängerbundes und des aus München zu Gast anwesenden Steirischen Lieder: franzes, und zahlreicher geladener Bäfte ftatt. Begrüßungs- und Glüdwunschtelegramine hatten das Reichsministerium des Innern, das preußische Kultusministerium, die staatliche Hochschule für Musik und Angehörige der Musikwissenschaften gesandt. Der Direttor des Beltsbundes, Dr. Mischler, betonte in seiner Festrede, daß die Desterreicher aller Landesteile den lebhaften Wunsch nach baldiger Bereinigung mit Deutschland hoben. Wenn auch das Schicksal Defter reichs noch nicht entschieden ist, so werden doch am Tage des neuen Bölferfriedens die Mitglieder der Deutschösterreichischen Liedertafel als Spielleute voranschreiten auf dem Wege zu neuem futurellen Aufstieg. Bis dahin wird das österreichische Bolkslied die Brüden zu den Herzen der deutschen Stammesbrüder schlagen helfen. Die Farben der deutschen Republik sind die Zukunftsfarben der Einheitsfehnsucht aller Deutschen. Oberbürgermeister Bö überbrachte die Glückwünsche der Stadt Berlin. Er begrüßte die anwesenden Defter. reicher, die jetzt Berliner sind, und sprach den Wunsch aus, daß die neue Standarte ein Zeichen der Zusammengehörigkeit sein möge. Der Vorsitzende des Balfsbundes, Genosse Löbe, erinnerte daran, daß die vielen Desterreicher, die schon stets bei uns wohnten, und heute mehr sind als bisher: Wir betrachten sie als Borboten und Wir sind einig in dem Bannerträger des Anschlußgedankens. Wir sind einig in dem Millen, ein geeintes Bolt, ein geeinter Staat, eine schwarzrotgoldene Republik zu sein. Im weiteren Verlauf der Ansprachen famen noch die Vertreter des Desterreichischen Hilfsvereins, des Vereins der Desterreicher, des Steirischen Liederkranzes und des Vereins der Egerländer in der historischen Tracht zu Wort. Mit dem gemein samen Gesang des Deutschlandliedes schloß die Feier.. Am Nachmittag hatten der Steirische Liederkranz und die Deutschösterreichische Liedertafel ein Defter reichisches Boltsliederfest im Garten des Saalbaues Friedrichshain veranstaltet. Rapellmeister eeb aus Bien diri gierte Biener Balzer und Operetten und die Steirischen Gäste wetteiferten mit der Liedertafel in gesanglichen Darbietungen. Die Steirer fangen unter ihrem hervorragenden Dirigenten Braun echte steirische und Kärtner Boltslieder mit Jodlern und Juchsern und ,, Grüaß di Gott, Dirndl". Man bewunderte die hellen Naturstimmen der Sänger, die uns föstlichen, urwüchsigen Bolfsgefang bermittelten. Der Bayrisch Desterreichische Gebirgs und Bolfstrachtenverein D Soamattreuen" zeigte fich in echten Schuhplattlern und Figuren tänzen. In einer kurzen Ansprache erklärte sich der Borsigende namens dieser Vereine gleichfalls für den Anschluß Desterreichs an Deutschland. Der frühere Abgeordnete. Heile hielt die Festrede. Er Sprach die Hoffnung aus, daß die neuen Staatsmänner Frankreichs und Englands dem Schicksal Deutschlands befferes Berständnis gegen über bringen mögen, als es bisher der Fall war. Dem österreichischen Bolte muß ein Seibstbestimmungsrecht gegeben werden, das dem Anschluß an Deutschland feine Schwierig. feiten bereitet. Die fünftlich zwischen den stammesverwandten Böllern gezogenen Grenzen müssen fallen, Recht muß vor Macht gehen. Zwischen Desterreichern und Deutschen ist fein Unterschied, wir sind eins in Sprache und Kultur, deshalb müssen wir auch verDie Beranstaltungen zeugten von der großen Berbreitung des Anschlußgedankens. Weite Kreise des deutschen wie des österreichifchen Boltes, vereinigt in den verschiedensten Korporationen und Vereinen, haben als Endziel ihrer Bestrebungen die staatliche Einigung des deutschen Volkes. Die Elternbeiratswahlen. dazu den Anlaß. Er begann mit der Aufwärmung der alten Legende schloß daran scharfe Ausfälle gegen diejenigen Franzosen, die aus Verblendung oder Mangel an Mut einen Schleier über die Bergangenheit werfen und das franzöfifche Bolt in die Arme feines Feindes von gestern treiben wollen". Da Deutschland seine Bereinigt in einem Reich sein. pflichtungen nicht gehalten und die Schäden, die es angerichtet, nicht repariert habe, gebe es für einen guten Franzosen fein Vergeffen, und da man ganz sicher garantieren fönne, daß Deutschland fie in Zukunft nicht halten werde, gebe es für Frankreich als RichtSchnur nur die Lehren der Bergangenheit Poincaré sprach sodann Don der Ruhr- Besetzung, und es ist immerhin ein Symptom dafür, daß der politische Umfamung auch an ihm nicht ganz spurios vorübergegangen ist, daß er sich zu dem Bersuch genötigt fühlte, feine Ruhrpolitik zu rechtfertigen. Wie schlecht sein Gewissen dabei war, zeigte er dadurch, daß er bei der Aufzählung des angeblichen Sünden registers des deutschen Boltes auch vor groben Fälschungen der Wahrheit nicht zurückschreckte. Er behauptete, daß Deutschland nicht einmal die Sachleistungen ausgeführt und den Loucheur Rathenau- Bertrag sabotiert habe, obwohl erst vor drei Tagen der französische Ministerpräsident von der Tribüne des Parlaments aus der Regierung Poincaré die Unflage ins Gesicht geschleudert hat, daß fie nur aus Gefälligkeit für die französische Industrie, die sich die deutsche Konfurrenz vom Halfe halten wollte, die Durch führung des Sachlieferungsprogramms verhindert habe. Das französische Bolt hat Herrn Poincaré und seine Methoden abgeschüttelt. Warum sollen wir Deutschen uns länger mit ihm abgeben? famen technischen Errungenschaften. Im Zusammenhang mit ihnen fam ein starker Glaube an den Menschen und eine große Freude an der Welt. Auch die Dichter und gerade die echten unter ihnen, wurden hiervon erfaßt. Ihre Sehnsucht war, das Leben, so wie es ist, nachzubilden in vollster Wahrhaftigkeit. Arno Holz hat die theoretische Formulierung gegeben:" Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein". Aber hiergegen war eine Auflehnung not: wendig. Nicht der Stoff ist entscheidend, sondern die Gestaltung des Stoffes durch den Künstler. Herrscht der Stoff, so wird der Mensch vergewaltigt. Hier nun bricht die moderne Kunst durch, vielfach sich überhehend, überladen von finomatographisch sich abrollenden Geschehnissen, dann wieder eingespannt in starre Geseze, aber immer der Notschrei seelischen Lebens und der Ausdrud des Berlangens nach bleibenden Werten. Noch ist Chaos vorhanden, aber es ist zu hoffen, daß aus der jegigen Gärung auch in der Dichtung das bleibende Gebilde erwächst, das eine weite Begftrede beherrscht. Der Bortrag findet lebhaften Beifall. Ihm reiht sich ein Re. ferat des Berliner Boltsbühnendirektors Frizz Soll über das Thema„ Regie und modernes Bühnenbild" an. Der Bühnenbildner muß die Melodie des Wertes zu hören verstehen und muß der Mittler fein vom Dichter zum Schauspieler und über diefen zum Bublifum. Auf feinen Fall darf, wie es heute vielfach geschieht, der Eigenwille eines Regiffeurs ein Dichtwerf gemaltiam in einen Stil pressen. Der Redner zeigt in diesem Zusammenhange welche bedeutenden Aufgaben den Boltsbühnen zufallen, die durch die Bolfsbühnengemeinschaft den modernen Bühnenftil schaffen fönnen. Holl würdigt insbesondere die Entwidlung, die das Bühnenbild in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Aus dem Bunsch heraus, Dichter und Darsteller in den Mittelpunkt zu rüden, ist schließlich die Stilbühne entstanden, die das Wesentlichste eines Werkes in Farbe, Forin und Ton wiederzugeben sucht. Eine Anzahl von Lichtbildern zeigt Beispiele für die Entwicklung des Bühnenstiles. Holl formuliert die Aufgabe des wahren Bolts theaters, wie es aus der Beltsbühnenbewegung hervorgehen soll, dahin, daß es eine Sammlung des Publikums auf das heiligtum des Dichtwertes bringt, während bisher das Bemühen war, das Publikum zu zerstreuen. Es folgen die Wahlen zum Verwaltungsrat und Vorstand. Der alte Borstand wird einstimmig in seinem Amt bestätigt, der Berwaltungsrat wird durch die Vereine Frankfurt und Hannover verstärkt. Die Tagung endet mit dem Schlußwort des Borsigenden Baate, der auf die Zusammenhänge ber Boltsbühnenbewegung init den Strömungen der Zeit in begeisternden Worten hinweist. Er beendet die Tagung mit einem Hoch auf die Boltsbühnenbewegung. Prof. Dr. Untermann, der Direftor der afrikanischen und ozeanischen Sammlungen des Museums für Bölfertunde, ist in den Ruheft and versezt worden, weil er die Altersgrenze erreicht hat. Heinrich Sperling, der befannte Berliner Tier maler, ein Sürüler Steffeds, ist im Alter von 80 Jahren ae it or ben. Seine Pferdeporträts murden namentlich in Sportfreisen geschäßt. Die junge Wissenschaft der Geopolitit Eat jest ihr erstes Drgan er Halter Prof. Haushofer- München und Prof. Obst- Hannover begründeten eine Zengift für Geopolitit, deren Schriftleitung Dr. F. Heije Berlin hat. Bei der am gestrigen Sonntag pollzogenen Elternbeisatswahl ist anscheinend die Beteiligung sehr gering gewesen. Er. gebnisse liegen erst aus wenigen Bezirken vor, aber schon jest dari man sagen, daß oft noch nicht die Hälfte und manchmal sogar noch nicht ein Drittel Der Wahlberechtigten Mit gemählt hat. Eine Zusammenstellung der uns bis jegt bekannt gemordenen Teil resultate aus den Berwaltungsbezirken 1, 3, 4, 5, 6, 13, 14, 15, 16, 17, 20 ergibt, daß erhalten hat die Liste 56, Schulaufbau 787 Size, die Liste der Kommunisten 234 Size, die Liste der Chriftlich- Unpolitischen 1126 Eige, sonstige Listen 14 Gize. Raubmord bei Karlshorst? Die Leiche einer Ausländerin aufgefunden. Das Opfer eines Berbrechens ist anscheinend eine unbekannte Frau geworden, die gestern abend auf der Trainierbahn zwi schen Rarishorst und Sadowa tot aufgefunden wurde. Ein Spaziergänger fand die Leiche etwa 20 minuten von dem Orte Karlshorst und dreihundert Meter von den Trainierstallungen entfernt unmittelbar am Wege, der von Karlshorst nach Sodowa führt, in einer fleinen Riefernschonung liegen. Sie hatte einn Schuß in der linken Bruſtſeite. Die Mordfommission der Kriminalpolizei ftellte fest, daß die Frau aus unmittelbarer Nähe einen Schuß erhalten hat, der an der linken Brustseite einschlug Die Kugel ging schräg von oben nach unten durch den Körper und blieb dann in der Bluse und dem Jackett steden, fie muß dudh das Herz gegangen sein. Eine Waffe wurde bisher tros allem Suchens nicht gefunden. Die Rugel ist ein fleinkalibriges Geschoß von 7,6 millimeter. Der Schulerlei Bapiere ober ist unmittelbar tödlich gewefen. Bei der Leiche fand man sonstigen Anhalt für die Feststellung der Bersönlichkeit. Der ganzen Erscheinung nach hat die Frau den besser gestellten Kreisen angehört. Sie ist vermutlich eine Ausländerin. Ihr Alter wird auf etwa 28 bis 30 Jahre geschäst. Sie ist etwa 1,70 Meter groß und träftig gebaut, hat dunkles Haar und im ganzen gute Zähne. Die Frau trug ein elegantes schwarzweiß flein fariertes Kostüm, eine Art Sporttoftüm nach englischer Mode, eine elfenbeinfarbene Blufe aus Crep de Chine, einen schwarzen Strohhut, der vorn eine braune Schleife trägt, feidene Florstrümpfe und elegante braune Halbschuhe. Das Jadett hat eine Knopfreihe und einen Gürtel, die Taschen jind aufgesetzt. In der Jackettasche fand man ein Taschentuch mit dem Monogramm 2. I oder 3. 2. Ein zweites Taschentuch war in eine viereckige Stüde zerriffen. Die Zusammenseßung zeigte das gleiche Monogramm. In der Nähe der Leiche lag noch ein drittes Taschentuch, das anscheinend aus zwei halben Herrentaschentüchern zusammengesetzt ist und in der Mitte ein viereckiges Loch hat. Woher diefes stammt, muß noch untersucht werden. Die Ermittlungen der Mordfommission ergaben, daß die unbekannte Frau bereits gestern, Sonntag, morgen gegen 8 Uhr auf dem Wege von Karlshot nach Eadoma geresen ist. Mehrere Trainer, die ihre Pferde auf der Bahn bewegten, sahen sie dort, und einer von ihnen sprach sie auch Bo sie sich seitdem tis zu ihrem Tode aufgehalten hat, meiß nian noch nicht. Morgens hatte sie eine fleine braune Handtasche bei fch. Diese wurde bei der Leiche nicht mehr gefunden. Die Tote scheint nach ihrer Gesichtsbildung der flawischen Raffe anzugehören, fich auch in Amerita aufgehalten zu haben. Ihr Jackett ist mit einer Firma aus Milwaukee gezeichnet. Die Leiche wurde nch der Halls fönlichkeit und zur weiteren Aufklärung nimmt die Mordkommiffion, in Oberschoneweide gebracht. Mitteilungen zur Feststellung der BerRommiffare Gazow und Dr. Berndorff im Polizeipräsidium entgegen. an. * Eine Liebestragöbie hat sich in den letzten Tagen im Jagen 221 der Röpeider Forst abgespielt. Ein Kaufmann aus Charlottenburg jand dort gestern etwa 1 ilometer nordwestlich von Wilhelmshagen eine männliche und eine weibliche Baffe noch in der Hanb. Der Bandposten von Wilhelmshagen und Leie nebenetsanber rich offen auf. Der Mann hfelt Die Kriminalbeamte des 242. Reviers in Friedrichshagen fanden bei dem Baar Bapiere, aus denen die Toten als ein 21 Jahre alter Kaufmann bans Dehn vom Etuttgarter Platz und seine Geliebte, eine 26 Jahre alte Grete Beil aus der Eberstraße zu Schöneberg festgestellt wurden. Aus Briefen, die schon am vergangenen Donnerstag geschrieben worden sind, geht hervor, daß das Baar wegen schechter wirtschaftlicher Berhältnisse, großer Schulden, frei= willig aus dem Leben geschieden ist. Unwetterschäden in Berlin. Blikschläge und Ueberschwemmungen. = Das Unwetter am Sonnabend war, wie sich jetzt heraussteur, ton schweren Folgen für einige Stadtteile begleitet, während andere von dem Unwetter fast unberührt blieben. Besonders das Edhaus Scharnweberstraße 2 wurde schwer betroffen. Ein Blizstrahl traf den turmartigen Aufbau und riß Teile ab, die krachend auf die Straßentreuzung fielen. Die nächsten Feuerwehren waren vollständig entblößt von Fehrzeugen. Es mußte deshalb der Reserva zug 17 aus der Reibelstraße unverzüglich ausrüden, dem dann andere Fahrzeuge schnell folgten, weil der Dachstuhl brannte. Sehr schlimm fah es auf der Bahnhöfen Stralau Rummelsburg und Warschauer Erüde aus, wo die Tunnels hoch unter Wasser standen. Frauen und Kinder fonnten sie längere Zeit nicht passieren. Die Feuerwehr fonnte natürlich nur in den allerdringendsten Fällen schnell helfen, immerhin hat sie in mehreren hundert Fällen, d. h. bis zum Sonntag morgen, ununterbrochen zu tun gehabt. Der Straßenbahnverfehr fonnte im Osien und Süden nur verfürzt aufrechterhalten werden. An einigen Stellen waren die elektrischen Leitungen und die Schienen unbenutzbar geworden, In Pankow war die Ueberschwemmung so stark, daß die Berlicer Straße zwischen Flora- und Breite Straße für den Verkehr gesperrt werden mußte. Vor dem Hause Perleberger Str. 43 schlug der Bliz in einen Etraßenbahnmast, so daß dieser umzu= stürzen drohte. Die Feuerwehr beseitigte den Schaden. Von einem Blitzschlag wurde in Charlottenburg, Schlüterstr. 78, ein Schor n= stein zertrümmert. Der Schaden ist erheblich. Personen wurden nicht verlegt. In den Boden des Hauses Tiedtstr. 28 sching ebenfalls der Bliz ein, ohne jedoch zu zünden, so daß ein Schaden nicht entstand. Größeren Schaden richtete der Gewitterregen in Niederschönhausen an. Das Dach des Hauses Körnerstr. 20 wird zurzeit repariert und war deshalb abgedeckt. Durch die ein strömenden Regenmassen wurden 13 Wohnungen start beschädigt. Das Dach wurde von der Feuerwehr in zirka 1% Stunden provisorisch gedeckt. gedeckt. Ferner schlug der Blizz zündend in eine Laube der großen Baubenfolonie Büfte Sahara" an der Bouchéstsaße in Treptow. Zu ihrem Glüd im Unglüd war die Kolonistenfamilie zur Zeit des Gewitters in Grünau. Die Laube, die nicht versichert ist, brannte mit den Betten und allen sonstigen Einrichtungsgegenständen völlig nieder. In bekannter Solidarität leiteten die übrigen Rolonisten fofort eine Sammlung für die Abgebrannten ein. Guter Verlauf des Arbeitersporttages im Stadion. Der Reichsarbeitersporttag. der gestern im Grunewald Stadion stattfand, roies trog ber bürgerlichen Turn- und Sportwoche Massenbesuch auf. Mit starkem Beifall wurden die vorzüg= lichen Darbietungen der Arbeitersportler aufgenommen. Der Wettergott blieb gnädig und so fonnte der RAST einen guten Verlauf nehmen. Alles in allem fann die Veranstaltung große propagandistische Erfolge für den Arbeitersport buchen. Ueber den sportlichen Verlauf werden wir am Dienstag früh in der Arbeitersportbeilone ausfühlich berichten. Die Verhaftung der Berolina". " m Eine viel gesuchte Echwindlerin, die u. a. eine von Hamburg nach Berlin übergefieteite Witwe um ihr Bermögen brachte, murde von der Kriminalpolizei verhaftet und entlarvt. Die Hamburgerin lernte eine Dame fennen, an der sie Gefalten jand. Man traf fich öfter und wurde näher bekannt. Die Dame bewunderte den Ehmud der Hamburgerin, empfahl ihr aber, ihn modernisieren zu lossen, und erbot sich, die Arbeit für sie durch einen Juwelier besorgen zu lassen. Stachdem sie der Bertrauensseligen auch noch für mehr als 100000 Mart deutsches und englisches Geld unter der Vorspiegelung abgelooft hatte, es vorteilhaft in amerikanischen PetroLeumaftien anzulegen, verschwand die Dame aus ihrem Hotel und war nicht zu finden. Nach der Beschreibung erkannte die Kriminalpolizei, daß die Schwindlerin, die sich ithmüller ge= nannt hatte, eine Dame" fein mußte, die wegen ihrer stattlichen Ericheinung in gewiffen Streifen unter dem Spiznamen Berolina" be= fannt war. Kriminalbeamte trafen die Schwindlerin auf einem Kontrollgang in einem Hotel am Anhalter Bahnhof, als sie gerabe ihre Rechnung mit einem gefälschten Sched bezahlen wollte, und nahman sie fest. Ihre Angabe, daß sie den Schmuck und das Geid falsch. Sie hat alles bereits verbraucht und im Spiel ver= bei der Bauf von Ergland in London hinterlegt habe, erwies sich als loren. Die Swindlerin ist eine 37 Jahre alte Frau Katharina Delmes, geborene Bithmüller, die auch von den Staatsanwalt fchaften in Köln, Bonn, Godesberg und anderen Orten gesucht wurde. Tödlicher Flieger absturz in Leipzig. Die von der Luftschiffahrts= und Flugplay-.- G. am Sonntag auf dem Flugplay in Leip 3ig- Moda u veranstalteten großen Schau- und Sportflüge nahmen ein tragisches Ende. Bei den Vorführungen des Fliegerchepaares Frik und Mia sprong Frau Schindler aus dem Flugzeuge ab, ohne daß sich der Fallschirm entfaltete. Sie stürzte Krankenhaus eingeliefert, wo sie nerftar b. Die Flugveranstal aus etwa 200 Meter Höhe ab. Sie wurde in das naheliegende tungen wurden sofort nach dem Unfall abgebrochen. T Für die Opfer des Straßenbahnunglüds fanden am Sonnabend unter sehr großer Beteiligung der Bürgerschaft auf dem Friedhof zu Iserlohn und auf dem Bioh vor der Mittelschule in Letmathe Trauerfeiern statt. Sils Bertreter der Reichsbehörden war der Oberpräsident Gronowski Münster erschienen. Die Provinz behörden waren vertreten durch den Landeshauptmann Died. mann Münster, der Regierungsbezirk durch den Regierungspräfidenten Rönig- 2rnsberg. Der Bischof von Baderborn hatte den Domkapitular Bierfe entfandt, der den Hinterbliebenen sein tiefstes Beileid aussprach. 21m Grab felbst sprachen u. a. der Oberpräsident von Westfalen und der Oberbürgermeister von Iserlohn. Die Ueberführung der Leichen zu den Grabstätten gestaltete sich zu einer ergreifenden Trauerfundgebung. Die Gemeinde Leimathe hatte reichen Trauerschmud angelegt. Die Freiwillige Feuerwehr geleitete mit brennenden Pechfackein die Bahren. An der Stelle, wo sich das Unglück ereignet hatte, war ein vier Meter hohes schwarzes Kreuz errichtet worden. Für die Reichsbehörden sprach hier Regierungspräsident König- Arnsberg. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: 3eiteilige Ausheiterung, ant Tage etwas wärmer, schwachwindig. Deutschland: Im größten Teile Deutschlands etwas Erwärmung, in Besten schon ziemlich heiter, im Alpenborland Nachlassen der Regenjälle. Groß- Berliner Parteinachrichten. 18. Kreis Beißenfee. Seute abend. Suhr, Fraktionsfigura. Rathaus, Zimmer 21. 20. Kreis Reinickendorf. Mittwoch den 25 Juni, 7 Uhr, Reinickendorf Oft, Sauptitraße 46, Berwaltungsgebäude, Funktionärinnenfigung. Jeder Ort muß vertreten fein. 20. Abt. Dienstag, Ben 24. Jum, 7 Uhr, Gisung der Funktionäre lei Fritsch, Dron heimeritraße 4. Die Abteilungsversammlung findet Freitag, den 27. Juni, bet Bende, Solenieffr. 147, ſtart. 27. Abt. Dienstag, 7 Uhr, Funitionärfonferens Ghule Sonneburger Straße 20, Bewerkschaftsbewegung einem Bericht über bie Pension staffe des Berbandes, die auf Zweiter Verbandstag des ZoA. Erster Tag Caffel, 22. Juni 1924. Heute, Sonning, vormittag 10 Uhr, murde der Verbandstag durch ban Borsitzenden Urban eröffnet, nachdem fich die Delegierten und zahlreiche Gäste am Abend zuvor in den Räumen der Casseler Stadthalle zu einer Festfeier vereinigt hatten, bei der Genosse Scheidemann als Oberbürgermeister der Stadt die Vertreter des Berbandes begrüßte und ihnen erfolgreiche Arbeit wünschte. In feiner Gröffnungsrede heißt der Vorsigende Urban ben Getre tär des Internationalen Bundes der Privatangestellten Smith und Aufhäuser, den Vorsitzenden des AfA- Bundes, willkommen und bedauert, baz der DG B. infolge Arbeitsüberlastung der Einlabung des Zentralverbandes nicht nachkommen fonnte. Wir haben, so führte er aus, uns nach den schweren Erschütterungen der Inflationszeit schnell wieder erholt. Gerade diese Tagung zeigt, daß uns ein dauernder Schaden erwachsen, daß unfere bee lebendig ge: blieben ist. Er schloß mit einem warmen Nachrufe auf Franz Krüger, dessen wertvolle Arbeitskraft dem Verband geraubt ift, und mit dem Bedauern, daß der 2. Vorsitzende Giebel durch Krantheit verhindert ist, an der Tagung teilzunehmen. Nomens er Ortsgruppe Caffei begrüßt fobann Reinbold die Delegierten und die Gäste, morauf der Sefretär des Internatiomalen Bundes der Privatangestellten Smith einen Ueberblick über die Lage der Angestellten organisationen in den wichtigster Ländern Europas gibt. Noch immer steht die deutsche Organisation an erster Stelle. Seine andere ist so start, fo groß, fo gut organifiert wie sie. Alle Bruderorganisationen im Ausland werden die Berhandlungen dieses Verbandstages mit Aufmerksamkeit verfolgen. Aufhäuser überbringt als Vertreter der Af die Grüße der anderen freigewerkschaft. lichen Angestelltenverbände und erwartet von dem zweiten Berbandstag, als deffen Borfißende Urban( Berlin) und Rauscher ( München) gewählt werden, zukunftswichtige Arbeit. In einer Gefchäftsordnungsdebatte beantragt ein Delegierter die Zulassung ber fommunistischen Presse zur Berichterstattung. Borsigende entgegnet, daß die kommunistische Presse, die unsere Be wegung systematisch mit Rot bewerje, das Vertrauert nicht recht fertigen würde, wahrheitsgemäß zu berichten. Der zurückgewiesene Bertreter der Roten Fahne" fei übrigens aus dem Verbande aus geschlossen worden. Der Antrag wird gegen 5 Stimmen ab. gelehnt. Der In einem zweistündigen Geschäftsbericht behandelte Urban die Schwierigkeiten, in die die Verwaltung des Berbandes burch die Ine flation geraten fei. Vor allem hob er die brüderliche Hilfe durch den Internationalen Bund der Privatangestellten hervor. Wir waren gezwungen, zu sparen und abzubauen. Wenn wir alfo nicht ganz chne Schwächung aus dieser kritischen Zeit hervorgegangen sind, so haben wir dies den politischen und wirtschaftlichen Verhältniffen zuzuschreiben. Starfe Arbeitslosigkeit, der Abbau bei ben Behörden, die Entlassung von Angestellten, besonders bei den Bersicherungsgesellschaften, haben unseren Mit glieberbestand verringert. Und doch war es möglich, unjerne Organisationsapparat zu vervollkommnen: wir haben eine eigene Hausdruckerei eingerichtet, eine Kransenfasse für unsere Mitglieder ausgebaut und werden fogar Ende Juli ein Erholungsheim an der Ditjee in Betrieb fezen. In der Berliner Ortsgruppe erlebten wir heftige Diffe renzen, die schließlich zur Gründung der Freien Angestelltengewert schaft" geführt haben. Es handelt sich um Streitigkeiten recht per fönlicher Art, ohne prinzipiellen Charafter. Bir find jederzeit bereit, die einzelnen, von Demagogen irregeführten Mitglieder dieses Verbandes wieder bei uns aufzunehmen. In bezug auf das Berhältnis des AfA- Bundes zum ADGB. erwartet Urban, daß die Entwidlung allmählich zur Nach einem Bericht des Ausschuffes über Belmerden usw. und neuer Grundlage aufgebaut werden müffe, finden die Verhandlungen des ersten Tages gegen 3 Uhr nachmittags ihr Ende. Ein Ausflug nach der Wilhelmshöhe beschloß den ersten Tag Das Zeitungskapital gegen die Journalisten. Um das Journalistengesetz. Zur gleichen Zeit, in der die Delegierten des Reichsverbandes Deutscher Bresse in Königsberg i. Pr. zu ihrer Jahrestagung verfammelt waren, deren wichtigster Punkt die Schaffung eines Jour nalistengefeges bildete, waren die Zeitungsverleger in Stutt gart versammelt, um hier die Frage des Journalistengefezes zu ers ledigen. Der Borsigende des Arbeitgeberverbandes für das Zeitungsgemerbe, Dr. Simon Frankfurt a. M., nahm als erster gegen die gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Redakteure Stellung. Er berührte nach dem MTB.- Bericht die Schwierigkeit und teilmeise Unmöglichkeit, die Begriffe öffentliches Intereffe, Redakteur, Berleger" eindeutig und erschöpfend zu definieren. Besonders scheine es unmöglich, die allerpersönlichste Beziehung von Berleger und Redakteur, die nur aufgegenseitigem, teinem Gesez unterworfenen Bertrauen beruhe, gesetzlich zu erfassen. Möglich und wünschenswert aber sei es, die Sicherung der Redakteure für die Arbeitsunfähigkeit und das Alter und für den Fall des Todes für die Hinterbliebenen herbeizuführen und den in ihnen lebenden, für ihren Beruf notwendigen Idealismus zu stärken. ihnen lebenden, für ihren Beruf notwendigen Idealismus zu stärten. Dr. Carbe Berlin hob besonders drei Gesichtspunkte hervor: er wies auf die Gehaltsregelungen hin, die seit dem Ende der Inflation in einem für die Journalisten durchaus günftigen Sinne gelöft feien, zweitens griff er die Beziehungen zwischen Verleger und Redakteur als ganz individuell und auf geistigen und Charakter grundlagen beruhend heraus und hob drittens besonders die Reinheit der deutschen Presse hervor, die in erster Linie dem Verantwortungsgefühl und dem Jocalismus der deutschen Berleger zu ver danten fei. Er rief der Regierung zu: Hände weg vom Journalistengejek!" Die deutsche Berlegerschaft ist rein und wird ihr Haus auch weiter ohne Gesez rein halten. Wenn Dr. Carbe behauptet, die Gehaltsregelungen feien fett dem Ende der Inflation in einem für die Journalisten d. h. die Redakteure und die Mitarbeiter durchaus günstigen Sinne gelöst, fo hat er damit lediglich seine eigene Auffassung und die des größten Teils der maßgebenden Berleger befundet. Die Berliner Berleger haben den Tarifvertrag nach allen Regeln der Syndizikniffe sabotiert und an Stelle des Tarifvertrages den austarif" eingeführt, das Mitbestimmungsrecht der Redakteure durch deren Organisation beseitigt und den Herr- im- HauseStandpunkt wieder eingeführt. Die Behauptung des Herrn Dr. Carbe vom Hause Mosse bedeutet geradezu eine Verhöhnung der Journalisten und ihres Reichsverbandes, die noch deutlicher unterstrichen wird durch das Diktat der Berleger an die Reichsregierung, te in Journalistengesetz zu schaffen und den Herren Verlegern es felber zu überlassen, welche Behandlung der Zeitungskapitalismus feinen Kopfarbeitern angedeihen laffen will. Reichsminister des Innern Dr. Jarres nahm nochmals zu längeren Ausführungen das Wort, um den Standpunkt der Regierung darzulegen, die den Ausgleich zwischen den entgegenstehenden Anschauungen erstrebe. Ihm erwiderte noch Dr. Jänete- Hannover und Prof. Wolff Dresden, der in seinem Schlußwort nochmals entschieden die Auffassung der deutschen Verleger betonte. Damit war die Frage des ** Journalistengefehes erledigt... Bildung einer„ Dachorganisation führen müsse, die sich mit den gemeinsamen Aufgaben der gesamten Arbeitnehmerschaft befaffen werde. Zum Punkt Sozialpolitif ist der Berband auf eine Umgestaltung des Schlichtungsver fahrens bebadyt. Der Zentralverband ist wie jebe andere Gewerkschaft partet. politisch neutral. Wir fragen nicht nach dem politischen Glaubensbekenntnis, aber mit den freigewertschaftlichen Grundsägen ift es nicht vereinbar, daß Mitglieder des 3d2. zugleich mit glieber reattionärer und voltischer Organisatio. nen find. Konfequenterweise haben diefe Organisationen, der Jungdo, der Werwolf usw., ihren Mitgliedern verboten, dem 3d. anzugehören, In einer temperamentvollen Polemit tritt der Referent fodann der Hezarbeit der Kommunisten entgegen. Alle Erfahrungen zeigen uns, daß es unmöglich ist, mit den Kommunisten gemeinfam fruchtbare Arbeit zu leisten. 3unt Kampf gegen das Kapital, zur Erledigung unserer zufünftigen Aufgaben haben wir eine starte und geschlossene Organisation nötig. Und deswegen wird der Verbandstag erklären müssen, daß fein Mitglied der kommunistischen Bartei zugleich Funktionär unseres Verbandes sein kann.( Lebhafter Für die Journalisten selber ist damit die Frage der Journalifbengefeges beineswegs erledigt. Das geht schon aus der folgenden am geftrigen Sonntag in Königsberg gefaßten Entschließung hervor: Breffe als die berufene Vertretung der an der deutschen Bresse Die Hauptversammlung des Reichsverbandes der deutschen tätigen Journalisten, bekräftigt von neuem und einstimmig die seit mehr als 10 Jahren erhobene Forderung auf Schaffung eines deufchen Journalistengefehes. Der Reichsverband fordert das Reichsministerium des Innern auf, auf Grund der von den beteiligten Ministerien geleisteten Borarbeiten nunmehr so schnell wie möglich dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen. Die Darstellungen, die aus Verlegerfreisen immer wieder über die Stellung von Verleger und Redakteur innerhalb der Zeitung an die Deffentlichkeit gebracht werden, beweisen, daß auch die klare gefeßliche Festlegung der schon durch das Pressege seg deutlich betonten und im Wesen der Ze it ung begründeten Stellung des Redakteurs als des dem Gesez und der AII: gemeinheit verantwortlichen Trägers des geistigen Inhalts der deutschen Bresse nicht verzichtet werden kann. Das Recht des BerNach dem Kassen und Revisionsbericht erstattet legers, die Grundlinien für die Haltung des Blattes zu bestimmen, Lange den Bericht über die Presse und zeigt die Reichhaltigkeit des foll nicht angetastet werden. Aber innerhalb dieser durch den Anaus den verschiedenen Fachblättern bestehenden Verbandsorgans.| ftellungsvertrag bestimmten Bindung des Redakteurs ist die Klä❘ Komische Oper Games Klein) ( Direktion) Beifall.) 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Berlin C 19, Jerusalemerstrasse 18 Postscheck konto: Berlin 81153 rung feiner Stellung und die Sierung feiner Sandlungsfreiheit, insbesondere auch durch die Festi gung seiner materiellen Existenz, dringend nötig, foll nicht das hohe Kulturgut gefährdet werden, das das deutsche Bolt in feiner Preffe besitzt. Die im deutschen Zeitungswesen immer weiter fortschreitende Um ftellung vom persönlichen, auch geistig und traditionell interessierten Verleger zur unpersönlichen Berlagsgesellschaft bedeutet in dieser Beziehung eine ernste Mahnung." Schwarzweißrote Stahlhelm- Würste. Aus der Wurstfabrik U. Lüder, Oschersleben a. d. B. Die miserable Entlohnung und die rigorose Behandlung bat die Beschäftigten dieser Firma in ben Streit gezwungen. Die Löhne sind noch niedriger als in den Halberstädter Wurftfabriken, wo der Spihentchn für gelernte Arbeiter nur 45 Pf. pro Stunde beträgt. Dazu kommt, daß öfter unb tagelang ausgesetzt wird, so daß Hungerlöhne die richtigste Bezeichnung find. Wer aber etwa glaubt, daß in einer Burstfabrik kein Beschäftigter oder feine Familie hungern braucht, der irrt sich sehr. Die Koalitionsfreiheit war stets be fchränkt, speziell durch eine wüste Agitation für die faschistische Bes wegung. Wer im„ Stahlheim" ist, hat beim Geschäftsleiter eine gute Nummer, der auch im Stahlhelm eine führende Rolle spielt. Die Deutschwölkische Einstellung dieser Firma wird auch durch die um die Würste schwarzweißroten Banderolen diefer Firma demonstriert. Delifateßwaren- und Rolonial warengeschäfte im ganzen Reiche sind die Hauptbezieher und viele Arbeitnehmer find die Konsumenten der Probufte dieser Firma, die jede Berhandlung um Bohnerhöhung ablehnt. Am 19. Juni brach der Streit aus, am 20. erschien in der bürgerlich- völ fischen Zeitung ein Inserat, durch das die Firma jedem Arbeitnchmer fristlose Entlassung androht, der sich nicht am 20. Juni, früh 7 Uhr, zur Arbeit meldet. Die Streifenden gaben einmütig die Ant wort: Erst Verhandlungen und menschenwürdigen Lohn und Behandlung, dann Wiederaufnahme der Arbeit ohne Maßregelungen. Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands. Kommunistischer Stimmenrückgang. Ludwigshafen, 21. Juni.( Tul.) Die Kommunisten, die ftets behaupteten, die übergroße Mehrheit der Arbeiterschaft der Badischen Anitin. und Sodafabriten hinter sich zu haben, erlitten bei den Betriebsratswahlen in dieser Fabris eine Niederlage. Für ihre Liste stimmten rund 8500 Arbeiter, während auf die Liste der Angestellten- und Arbeitergewerffchaften über 10 000 Stimmen entfielen. In dem Betriebsrat erhalten die Kommunifter infolgedessen nur ein Drittel der Size. Für Zimmerer find bie Baustellen der Firma Grün u. Bilfinger Aft.- Gef. Mannheim, an der Stadtbahn( BeleDue und Tiergarten) gesperrt, da die Firma die Zimmerer mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 46% Stunden eingestellt hat, am Sonnabend aber die 48- Stundenwoche verlangte. Sie glaubt die Arbeiten mit Einschalern und auswärtigen Zimmerleuten fertigstellen zu können. Darum Einschaler, übt Solidarität, denn die Arbeiten find bisher ausschließlich von Zimmerleuten ausgeführt worden. Sport. Rennen zu Ruhleben am Sonntag, den 22. Juni: 1. Preis von Mühldorf. 2300 m., 2500 Meter. 1. R. Fischs Bismard( J. Mills), 2. Graffus, 3. Margot L. Toto: 37. Plas: 18, 25, 23. Ferner liefen: Bechamelle, Abdullah Silver, Blaumeise, Della, Idealist, Kufer, Hauptmann, Diana VII, Harlekin, Willi I. 2. Preis von Farmsen. 2300 m., 1200 Meter. 1. Geft. Bindows Sudan( N. Großmann), 2. Hersteller, 3. Metter B. Toto: 34. Platz: 20, 29, 31. Ferner liefen: Ludwig, Capitain Halle, Triumpf, Potsdam, Kinostern, Stammerfänger, Dunajet, Divisionär, Karl Alexander, Primus, Cotta. 3. Preis von Straubing. 5000 m., 2400 Meter. 1. St. Fischs Dbysseus( Beſ.), 2. Arworthy J. 3. Heiberoje B. Toto: 35. Plat: 18, 19, 29. Ferner liefen: Edinhard. Batschari, Prinz Audud, Flora Bingen, Allertony, Alpenfer, Nachtfalter, Sybill, Angriff, Marry B., Heidepring I, Gudrun II, Schlieps, Albatros. Fols( 3. Mills), 2. Bildkaze, 3. Frankenstein. Zoto: 19. Blat: 13, 20, 23. 4. Berolina. Ehrenpreis und 7500 m., 2800 Meter. 1. G. Kudlid's Ferner liefen: F. Cadiac Arwerthy, Florian, Agi, Stella Harf, Sturzer Stopf. 5. Preis von Mariendorf. 2300 m., 2200 Meter. 1. Geit Blaz: 21, 76, 36. Ferner liefen: Instanz, Inhaber, Torielanus, Schwarz. Höfleins Ratter( Herm. Schleusener), 2. Peralta, 3. Ludwig R. Toto: 85. waldmädel, 3mitation, Bainmaire, Barmaid, Dompfaff I. Sieglicht. 6. Preis von Gelsenkirchen. 2300., 1200 Meter. 1. Stall Eindt's Drelise Anvil( M. Ringius), 2. Staßbach, 3. Winnie. Toto: 26. Blat: 10, 10, 11. Ferner liefen: Morgensonne, Christl, Klasse für sich, Charade, Diagonale, Dichtung, Dilemma, Filie, Mora. 7. Preis von Bahrenfeld. 5000 m., 2600 Meter. 1. Grit. Blat: 11, 14, 12. Serner liefen: Hartstein, Stuart Webbs, Feuerwehr, Faltenbagens Satyro( J. Mills), 2. Bilasta, 3. Stottingbrunn. Toto: 20. Erdmann. 8. Preis von Breslau. 2300., 2400 Meter. 1. M. Heeses Schneewolle( Rogowski), 2. Jimiene, 3. Else B. I. Toto: 41. Platz: 11, 10, 10. Ferner liesen: Novelle I, Alexander H., Au, Baula Bingen. 9. Preis von München. 2600 M., 2500 Meter. 1. D. Jürgens Harry.( Bes.), 2. Paul B., 3. Haubite. Toto: 28. Blab: 13, 24, 15. Gerner liesen: Germania B., Gatein( o. W.), Koranna, Leichtsinn, Berdun. Berantwortlich für Bolitil: Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: Friedr. Cyforn: Feuilleton: Dr. John Schilowsti; Lotales und Sonstiges: Frig Karfläbt; Anzeigen: Th. Glode; famtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. 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