Abendausgabe Nr. 29541. Jahrgang Ausgabe B Nr. 148 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreifa End in der Morgenausgabe angegeben Redaftion: SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Goldpfennig Vorwärts Berliner Dolksblatt 50 Milliarden Mittwoch 25. Juni 1924 setleg und Angelgenabteilung Geschäftsgelt 9-5 Uhr Berleger: Borwäris- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Aufnahme der Militärkontrollnote Die Note Macdonalds und Herriots über die Frage der militärischen Kontrolle hat ein doppeltes Echo in Deutschland gefunden. Die Presse, die eine Berständigung ernsthaft will, fieht in dieser Note den Beginn einer neuen Methode, den Ausdrud einer Gesinnung, die Voraussetzung zur Verständigung. ist. Die offische Zeitung" faßt diesen Einbrud zusammen in den Säßen: Herriot und Ramsay Macdonald sprechen zu dem Chef der beutschen Regierung, von dem sie voraussetzen, daß er ein bereit williger Mitarbeiter an dem großen Wert der Schaffung eines wirklichen Friedens ist, in einer ganz offenherzigen, freimütigen Sprache, in der fogar ein Ton von herzlichkeit mittlingt. Die Ankündigung, baß die Politik der Einschüchterung und Gehässigkeit ersetzt werden follte durch guten Willen und Zusammenarbeit wird hier zum ersten Male verwirklicht, wenigstens in der Form. Aus jeber Zeile des Briefes spricht der Wunsch, der deutschen Regierung einen Schritt zu erleichtern, dessen Beinlichkeit der Aufmerksamkeit ber Lenter selbstbewußter Bölfer nicht entgangen sein tann." ,, Germania" und" Berliner Tageblatt" stellen die innere Verantwortlichkeit jener Kreise fest, die Deutschland die Suppe der militärischen Kontrolle eingebrockt haben: bie Nationalisten, die von Wehrhaftigkeit des Volkes reden, obwohl sie im Grunde genommen nur an Züchtung gegen revolutionärer Organisationen denken. Die Germania", die für die Annahme der Kontrollnote eintritt, setzt den Nationalisten auseinander: " ,, Dabei laufen doch die gesamten militärischen Spielereien unferer Jugend doch nur auf eine durchaus nicht ungefähr tiche Selbsttäuschung über die Anforderungen eines tünftigen Krieges hinaus und lassen jeden Anjaz gur Entwicklung des politischen Sinnes im Keime verfümmern. Dieser Mangel an innerer Ronsequenz, dieses partei politische Unvermögen, aus richtigen Beraussetzungen die letzten richtigen Schlüsse zu ziehen, die innere unwahrhaftigkeit, bie der Veranstaltung der hirnlosen militärischen Demonstrationen zugrunde liegt, haben dazu beigetragen, die internationale Stellung des Erzmilitariſten und größten Deutschenhaffers Poincaré für eine merträglich lange Zeit zu fundamentieren." Das andere Echo tommt aus der Presse der Nationalisten. Das andere Echo kommt aus der Presse der Nationalisten. Es ist das stereotype Echo, an das Inland und Ausland schon gewohnt sind, und das Stüße und wertvollster Vorwand des Poincarismus war. Um so markanter der neue Ton in der Note Macdonalds und Herriots hervortritt, um so prononzierter das Festhalten der Nationalisten an dem alten hegerischen Geschrei. Die Deutsche Tageszeitung" spricht von ungewöhnlich dreisten Mahnung", der Tag" von einer„ Sumutung", die Deutsche Zeitung" endlich schreibt: einer „ Ein neues Dokument, das von Deutschlands tiefer Erniedrigung zeugt. Staaten, die über Millionenheere und riesige Kriegsflotten verfügen, Die Regierungshäupter derjenigen beren Truppen im Herzen Deutschlands stehen und die sich anfchicken, bem elenden deutschen Bolte die letzten Groschen als Kriegsfontri bution abzupressen, sie wagen es, von einer„ drohenden Gefahr" zu fprechen, Deutschland der geheimen Kriegsrüstungen zu zeihen und prechen, Deutschland in Aussicht zu stellen, wenn die deutsche Regie rung nicht den letzten Funken nationalen Bewußtseins im deutschen Wolfe austritt." Dies Echo wird im Ausland schwerlich ernst genommen werden, es wird höchstens von den Drahtziehern neuer Heze gegen Deutschland ausgenutzt werden. Dies Echo iſt auch nicht fürs Ausland berechnet, sondern für die Deutschen, die der nationalistischen Phrase nachlaufen. Die„ Deutsche Die Deutsch e 3eitung" freut sich schon darauf, daß die Regierung die Rontrollnote annimmt, um dann um so strupellofer jene verlogene und verantwortungslose innere Heze fortsetzen zu fönnen, die fie nationale Opposition" nennt. Die Bundesgenossen der Nationalisten in Deutsch ad kommentieren die neue Note fast mit denselben Worten wie die Deutsche Zeitung". Sie haben es mit der nationalen Ehre: „ Die unausgesetzten Forderungen Macdonalds und Herriots nach der Entwaffnung Deutschlands im Namen des Weltfriedens natürlich find die frechsten Propotation en. Während der französische und englische Imperialismus unter den„ linken" Regierungen zu neuen Kriegen luftig weiter rüstet, militärische Geheimbündnisse schließt, wollen fie ihren Pazifismus der Welt an Deutschland weismachen... Da arbeitende Bolt Deutschlands wird aber so lange die Bro= potationen goldbetreßter englischer und franzö= Sicher Generale mitsamt ihrem Surengesindel in Deutschland zu dulden haben, bis es nicht selbst die Sache der nationalen Ehre" in die Hand nimmt. Dazu ist aber die Berjagung der deutschen Verbündeten dieser Generale die Vorbe. bingung. Das Verhalten der Reichsregierung und der bürgerlichen Barteien in dieser Frage wird manchem die Augen über den Punkt nationale Ehre" öffnen." So zu lesen nicht im„ Deutschen Tageblatt", dem„ Deut fchen Vorwärts" oder sonst einem völkischen, auf den Fang von Arbeitern für den Nationalismus berechneeten Organ, sondern in der Roten Fahne". Die Verständi ging marschiert. Die friegslüsternen Katastrophenpolitifer aus allen Lagern bellen fie an. Macdonald und die Abrüstung. Militärkontrolle und Völkerbund. Wahnsinn oder Methode? Das Kampfprogramm des Landbundes. Die Landbündier haben dem deutschen Verbraucher den Krieg erklärt. Das geschieht nicht zum ersten Male. Denn das London, 25. Juni.( WTB.) Macdonald erflärte gestern in Durchhalten" im Weltkriege wurde ja von dem LandbundGlasgow, wo er das Ehrenbürgerrecht erhielt, welche Regierung führer v. Oldenburg- Januschau auch mit der Drohung eingeauch immer an der Macht sei und wer auch immer an der Spike leitet, daß man den Getreideanbau einschränken werde. In dieser Regierung stehe, eine oder zwei elementare Tat. der Inflationszeit wurde die Drohung mit der Einstellung der sachen müßten erfannt werden: die Gefeße der Wirtschaft Produktion zur ständigen Redensart bei Verhandlungen mit würden nicht von den Regierungen gemacht und alle Regierungen den Vertretern des Großgrundbesizes. Man braucht fich damüßten zusehen, daß der Handel so kräftig wie irgend möglich ge- her nicht zu wundern, wenn die Landbündler unter der Füh fördert werde. Es sei daher die erste Pflicht des Staatssekretärs des rung des Grafen Kaldreuth bei der Vertretung ihrer Aeußern, die Voraussetzungen. für den Frieden zu Forderungen nach Steuererleichterung, Kreditgewährung und schaffen und zuzusehen, daß die mühsam eingebrachten Einfünfte Schußzöllen, mit aller wünschenswerten Deutlichkeit burthtes Staates nicht für Verteidigungszwede ausgeblicken ließen, daß man- angeblich weil man fein Geld hatgeben würden, die, wenn die Welt vernünftig wäre, nicht not- die Ernte verfaulen lassen will; denn das ist der mendig sein würden. Macdonald schloß, er tue fein Bestes, um die Sache nach der Sinn ihrer Ausführungen, wenn man, wie es in dem Text des Berichtes heißt, auf die Gefahr eines durch Alliierten sowie die vormaligen Feinde Englands zu verstehen, damit durch gegenseitiges Einvernehmen das Gebäude des Mangel an Barmitteln herbeigeführten Stillstandes der Landwirtschaft" hinweist. Und dieser Sinn tritt um so flarer Friedens aufgebaut werden könnte. zutage, wenn man hört, daß in einer Reihe von Bersammlungen und Presseäußerungen der Bauernstreif zur Zeit der Ernte und sogar die Bauernrevolution angekündigt wurde. In der Frankfurter Zeitung" schreibt General a. D. von Die Landbündler tun mit dem erpresserischen Auftreten Deimling: ihrer Sache feineswegs einen Dienst. Der deut,, Es wäre mehr als jämmerliche Kurzsichtigteit, fchen Deffentlichkeit gegenüber freilich haben sie einen Dienst wenn on der im Grunde genommen doch nur untergeordneten Frage erwiesen, insofern, als sie die letzten Zweifel über die poli der Militärkontrolle die Lebensfrage des Eintritts des deut- tische Orientierung des Landbundes zerstreut schen Boltes in den Völkerbund zuum Scheitern täme. Ich und der Allgemeinheit flargemacht haben, daß sie zur Durch tomme eben von Genf zurück, wo ich den Sizungen des Bölkerbund führung ihrer politischen Ziele vor teinem Mittel zurückrates als Zuhörer beigewohnt habe, um persönliche Eindrücke zu schrecken würden. Um die deutsche Agrarwirtschaft: jegewinnen. Ich habe auch Gelegenheit gehabt, mit Bundesratsmit doch, deren augenblickliche Notlage ihnen dem propagandistigliedern über die allgemeine Lage zu sprechen. Von allen Sei- schen Vorwand zu ihren Forderungen gibt, ist es ihnen erst ten wünscht und erhofft man Deutschlands Ein inlegter Linie zu tun. Davon zeugt nicht nur die in die tritt in den Bölkerbund. Auch ven Frankreich wird Form eines Berichtes über ihre Verhandlungen mit dem eine ei widerspruch mehr stattfinden. Im Gegenteil. Die Reichstanzler gefleidete Rundgebung, das zeigt noch deutlicher ganze Welt jehnt sich nach Frieden und erhofft ihn durch Zusammen die Begründung des Grafen Kaldreuth, die über die Bewegwirfen in Böllerbund. Nur Deutschland steht noch abgründe des Auftretens der Landbünde erschöpfende AusTeits! cin; oir dürfen uns den Eintritt in den Völkerbund kunft gibt. nicht perbauen lassen durch eine Geistesrichtung, die zumi Fluche Deutschlands frog der viutigen Lehren des Weltkriegs noch nicht begriffen hat, daß Deutschland, das Land der Mitte von Europa, nur im Zusammenwirten mit den Böttern ringsum, nicht aber in Renitenz gegen sie und in Liebäugein mit dem Revanchefrieg wieder hochkommen tann." Das Ergebnis der Besprechungen Herriots. Austausch der Pfänder. Paris, 25. Juni.( WIB.) Der Sonderberichterstatter des „ Quotidien glaubt folgenden Gesamtüberblid über das Ergebnis der in England und Belgien geführten Verhandlungen geben zu können: Was die Reparationen anbetreffe, so würden die Alliierten den Austausch der Pfänder vornehmen, d. h. räumen, sobald die von dem Sachverständigen das Ruhrgebiet und die Rheinlande wirtschaftlich bericht vorgesehenen Organisationen funtfio nierten. Sofort darauf würden Frankreich und Belgien mit der militärischen Räumung des Ruhrgebiets beginnen, die nach Maßgabe der kommerzialisierung der deutschen Schulden fortgesetzt werden solle. Großbritannien würde Frantreich eine allgemeine schriftliche Garantie fofortiger und vollkommener Zusammenarbeit geben, im Falle Deutschland eine seiner Verpflichtungen, die der Dawes- plan vorjehe, nicht erfülle. Die Vereinigten Staaten würden aufgefordert werden, an der interalliierten Konjernz vom 16. Juli teilzunehmen. Das sei ein wesentlicher Punkt; denn Sir Robert Kindersley have neulich mit Recht erklärt, das Reparationsproblem tönne nur mit der neulich mit Recht erklärt, das Reparationsproblem tönne nur mit der finanziellen Unterffügung Amerikas geregelt werden. Was die Sicherheitsfrage anbetreffe, fo fei Großbritannien geneigt, so mit seinen Alliierten, insbesondere mit Frankreich, einen allge meinen paft gegenseitiger Unterstühung, die im Falle eines Angriffs Deutschlands obligatorisch werde, abzujchließen. Der Bölkerbund werde von nun an im europäischen politischen Leben eine immer attivere Rolle spielen. Dadurch, daß Macdonald und Herriot im September in Genf anwesend sein würden, werde das erste Anzeichen dafür sein. Herriots Rückkehr nach Paris. Paris, 25. Juni.( BTB.) Herriot erklärte bei seiner Anfunft in Paris, die gestern abend um 11 Uhr erfolgte, auf Befragen: Mein Eindruck ist ausgezeichnet. Niemals bin ich von einer Ron ferenz mit soviel Befriedigung und Vertrauen zurückgekehrt wie heute." Einigung bei der Reichsbahn. Zwischen der Hauptverwaltung der Reichsbahn und den vertrags schließenden. Organisationen ist es am geftrigen Dienstag zu einer Einigung über die Schaffung des neuen Tarifvertrages für die Eisenbahnarbeiter gekommen. Die Bereinbarungen wurden durch beiderseitige Unterzeichnung eines Schlußprotokolls endgültig bestä tigt. Der Tarifvertrag fritt am 1. August in Kraft und läuft vorläufig bis zum 31. März 1925. In der Frage der Arbeitszeit und der Löhne ist jedoch eine monatliche Kündigung verein bart. Neben einigen Berbesserungen enthält der neue Tarifvertrag gegenüber dem alten Tarifvertrag auch eine Reihe von Verschlechte rungen, die in der Hauptsache in der Arbeitszeitverordnung begrünbet find. Um allen Mißdeutungen porzubeugen, müssen mir mit dem größten Nachdruck betonen, daß die Sozialdemo frafie die gegenwärtige, durch die verschiedensten Umstände herbeigeführte Notlage der Landwirtschaft durchaus anerfennt. Ihre Notlage ist allerdings nicht die gleiche, wie sie Millionen von Verbrauchern im Weltkrieg und in der Inflationszeit am eigenen Leibe erfahren hatten es ist noch kein -Landwirt verhungert. Aber nicht geleugnet werden kann, daß die gegenwärtige Kreditnot und die Verfassung des inländischen Warenmarktes zu einem Preisdrud für Agrarerzeugnisse geführt hat, der die Gefahr einer Ertensivierung hat es als selbstverständliche Pflicht angesehen, schon vor langer der Landwirtschaft in sich schließt. Und die Sozialdemokratie Zeit auf diese drohende Gefahr hinzuweisen und Maßnahmen duktionsfähigkeit abzuschwächen, wenn nicht gar zu beseitigen. vorzubereiten, die geeignet waren, die Wirkungen eines derartigen Krisenzustandes auf die landwirtschaftliche ProGrinnert sei nur an die Vorschläge des Genossen Otto Braun, deren Sinn und Zweck die Belieferung der Landwirtschaft mit billigen Betriebsmaterialien war, erinnert sei ferner an das große sozialdemokratische Agrarprogramm, daß die produkgreße sozialdemokratische Agrarprogramm, daß die produkfeffung ausmerzen und die Grundlage für eine Kräftigung des tionshemmenden Wirkungen aus der modernen AgrarverBodenbaues bilden soll. Derartige ernsthafte Vorschläge sind von den Agrariern mit hohngelächter aufgenommen worden. Und wenn sie sich heute darüber beklagen, daß die Inflation ihnen das Betriebskapital aufgezehrt hat, so muß doch daran erinnert werden, daß es die deutsch natio nalen Landbundführer gewesen sind, die mit vers fogener und von den Eigenintereffen des Großbefizes diftierter Demagogie eine frühere Bekämpfung der Geldentwertung in gleicher Weise abgelehnt haben, wie die Schaffung der Vorausfeßungen dafür durch eine außenpolitische Verständigung. Es ist doch der Gipfel der Unwahrhaftigkeit, wenn jeht der Landbundpräsident erklärt, daß deutsche Bolt babe während der Inflationszeit aus den Wertpapieren bis zur restlosen Bernichtung des Kapitals gefebi", während einwandfrei feftsteht, daß gerade aus diesem Prozeß, der die Enteignung des Mittelstandes zur Folge hatte, die Landwirtschaft durch die zogen hat, einen Nußen, den sie nicht in ihrer eigenen Tasche zurückzahlung ihrer Hypothekenschulden großen Nugen gebehalten darf und behalten wird, wenn die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftskraft eine Entschädigung der von der Inflation am schwersten getroffenen Boltstreife amangsläufig erfordert. Genau so wie die Sozialdemokratie die landwirtschaftliche Krise zum Gegenstand ihrer Beratungen auf. dem letzten Parteitag gemacht hat, so wird sie auch jetzt und in aller Zufunft eine vernünftige Agrarpolitit unter ft üzen. Die Landbündler aber wollen teine vernünftige Agrarpolitit, sie wollen die erneute Stärfung des Großgrundbesizes, und sie verbinden damit in höchst plumper Weise die Forderung nach der Wiederaufrichfung des alten Wirtschaftssystems der Kaiserzeit, also die wirtschaftspolitische Restauration und gleichzeitig die Sabotage des Dawes- Berichtes, die einer neuen Vernichtung der deutschen Währung gleichfommt. Wenn die Landwirtschaft Steuererleichterungen auf dem Kreditwege mill, jo hat sie mit der erpresserischen Wahrnehmung diefer Forderung einen Stoß in die Luft| gemacht. Denn das Reichsfinanzministerium hat erst fürzlich einen Crlaß herausgebracht, der eine zinslose Stund ung ron Steuern vorsieht, wenn die Gefahr einer Stillegung des Betriebes gegeben ist. Jezt stellt sich heraus, daß dieser Erlaß besonders mit Rücksicht auf die Landwirt fchaft herausgebracht wurde, daß fie alfo hierin schon ihre Forderung erreicht haben, ehe sie fie aussprachen. Alle übrigen Forderungen haben mit der gegenwärtigen Krise nur wenig zu tun. Die Bereitstellung von besonderen Krediten für die Landwirtschaft ist fragios ein dringendes Erfordernis. Man wird sie aber mit Vorstellungen bei der Regierung nicht erreichen können, da Regierung und Reichsbank in ihrer Kreditpolitik solange von der Sorge um die Erhaltung der Bährung geleitet werden müssen, als wir eben feine Gold währung haben. Der Landbund aber tut sein übriges, um die Errichtung einer Goldnotenbank von cornherein unmög= lich zu machen; führte doch Graf Kalkreuth nach dem Bericht der Deutschen Tageszeitung" aus: Heute aber liegen die Preise der Agrarprodukte des Auslandes über denen des Inlandsgetreides, das heißt, daß das Ausland den deutschen Getreidepreis teinesfalls unter= bieten fann. Welchen Sinn es haben soll, gerade jegt Schußzölle zu fordern, ist daher unerfindlich. Geradezu verrüdt aber mutet es an, wenn man in demselben Atem, mit dem man sich über hohe Preise für landwirtfchaftliche Betriebsmittel beklagt, diese Schutzölle nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Induftrie verlangt. Die Landbündler wollen also offenbar die Produttionsmittel noch meiter verteuern. Daß fie damit bei der heutigen Lage des Weltmarktes mit feinen überteuerten Fabrifatpreisen die Gewinne, die sie in einer fernen Zukunft von den Schutzöllen erwarten, an die Industrie abgeben, mertt diese Sorte von verantwortlichen Führern gar nicht. Dabei fönnten sie sich über alle diese Fragen bei einem Manne erkundigen, der ihren Reihen sehr nahesteht, dem Dr. Georg Wilhelm Schiele- Naumburg; dieser Mann setzt sich mit aller Entschiedenheit gegen Agrar leber alle diese inneren Fragen hinaus aber darf die Landwirt- zölle ein und sprach gelassen das Wort aus, daß ein Getreideschaft nicht an der Tatsache vorübergehen, daß die größte Bedrohung preis von 200 m. je Tonne eine neue Inflation bedeutet! der einheimischen Wirtschaft vom Auslande kommt. Wir müüſſen Aber um Agrarpolitik ist es den Landbündlern ja gar nicht zu tun. In sllavischer Anbetung überholter Formen der Wirtschaftspolitik, die heute nicht mehr anwendbar sind, tragen sie Forderungen vor, die als Wahnsinn anmuten. Hinter dem Wahnsinn der Forderungen aber erscheint deutlich Hinter dem Wahnsinn der Forderungen aber erscheint deutlich eben um ieden Preis die wirtschaftliche Reaktion. Auch der Preis, daß Millionen Volksgenossen hungern und verhungern, ist ihnen nicht zu hoch, sonst würde man sich hüten, so leichtfertig die Drohung mit der Stillegung der Landwirtschaft auszusprechen. Nicht nur die Industriearbeiter, auch die vielen kleinen Landwirte, die sich in das Lager des Landbundes haben locken lassen, sollten sich diese ihre Führer einmal ansehen! den Mut haben, dem Auslande zu sagen, daß wir vor der Bleite ſtehen. So lange wir aber im Gegensatz dazu fogar noch Zahlungen versprechen, werden wir immer weiter in das wirtschaftliche Chaos hineintommen. Dieses Chaos wird seine Hauptauswirtung in einem immer stärkeren Anwachsen des Bolichemismus haben. Hier die Methode und Ziel des Kampan TH vor sich und das deutsche Bolt zu bewahren, sieht die Landwirtschaft als ihre Hauptaufgabe an, auf deren Erfüllung fie alle Kraft ein fegen wird. Mit anderen Worten: das Dawes- Gutachten wird abgelehnt, eine Forderung, die die Landbündler mit den Rommunisten teilen, und es nimmt sich ganz eigen artig aus, wenn der Landbund mit großer Bestimmtheit dem Reiche im Falle, der Ablehnung feiner Forderungen den Bolfchemismus verspricht. Man könnte fast auf den Gedanken tommen, als sei die deutschnational fommu nistische Arbeitsgemeinschaft fertig, ihr Aftionsplan perfett. Die agrarische Offensive. Fortsegung des Druckes des Reichslandbundes. Der Reichslandbund hat sich mit einem Schreiben an den Reichstanzler gewandt, in dem er feine bereits mündlich vorgetragenen Forderungen wiederholt. In diesem Schreiben sind die Forderungen über steuerliche Begünstigung der Landwirtschaft im einzelnen formuliert. Der Reichslandbund fordert: Wenn man der Landwirtschaft mit Krediten helfen will, so müssen wir endlich aus dieser ewigen Sorge und dem entjeglichen Krampf heraus, mit dem wir in Deutschland die Fiftion einer Währung zu verteidigen haben. Denn die Rentenmart ist nichts anderes als eine Fittion. Sie ist von vornherein ungeeignet für den internationalen Zahlungsverkehr, auf den Deutschland durch seinen Außenhandel angewiesen ist, fie ist ein Notbehelf, der so bald als möglich durch ein Zah fungsmittel von internationalem Wert ersetzt werden muß. Wollen wir aber die Goldwährung erreichen, so ist die Anwertungsabschläge den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend nahme des Dames- Gutachtens dazu Borbedingung. Kredite für die Landwirtschaft fordern und das Gutachten ablehnen, das ist ein unlösbarer Widerspruch. Die Vermögenssteuerveranlagung ist zur Vermeidung der jetzt zweifellos bestehenden Sonderbelastung der Landwirtschaft auf Grund eines neuen und richtig zu ermitteln ben Wehrbeitragswertes burchzuführen und die Ent zu erhöhen. Sofortige Ermäßigung der Umfassteuer und Beseitigung der Bevorzugung ausländischer landwirtschaftlicher Brodukte bei der Umsatzsteuer. Bei verarbeiteten landwirtschaftlichen Produkten( z. B. Meh) muß ein Ausgleich gegenüber den inländischen Produkten geschaffen werden. Aktionsprogramm der russischen Sozialdemokratie. Im Mai und Juni fanden mehrere erweiterte Blenarsizungen des Barteivorstandes der russischen Sozialdemokratie statt, an denen sowohl die in Rußland wie auch die im Ausland lebenden Genossen teilnahmen. Zu den Sigungen waren außerdem eine Reihe defannter Parteigenossen hinzugezogen. Als Hauptergebnis erscheint jezt das neue ausführliche und detaillierte Aftionsprogramm ter russischen Sozialdemokratie, das die Richtlinien ihrer Politik für die nächste Zukunft festlegt. Das neue Aktionsprogramm verwirft die Diftatur der russischen Kommunistenführer, die mit der Zeit des Aufbau es unvereinbar ift, jede fortschrittliche Entwicklung hemmt und Sowjets und Demokratie nur auf dem Papier tennt. Das Programm fordert die demokratische Republit, ftellt aber in Anbetracht der schweren Kampfbedingungen des Proletariats und um die Einigung mit den kommunistischen Arbeitern zu erleichtern, zunächst nicht die parlamentarische demokratische Republik, sondern einen freiheitlichen Sowjetstaat als Mindeffforderung auf. Das wird in dem neuen Programm folgendermaßen formuliert: ,, Als Mindestbedingung für die Möglichkeit einer solchen Arbeit erachtet die russische Sozialdemokratie die Durchführung der jetzt tatsächlich aufgehobenen Sowjetverfassung und stellt deshalb folgende aktuelle Forderungen: 1. Freiheit des Wortes, der Presse, der Versammlungen, der Vereine, des Gewissens. Unantastbarkeit der Person. 2. Anberaumung freier Neuwahlen der Dorf, Kreis-, Bes zirks und Gouvernementsräte. 3. Unverflausulierte und bedingungslose Aufhebung der Todesstrafe. 4. Sofortige Beseitigung der Tscheta und aller anderen Terrororgane. 5. Beseitigung der Militär- und Ausnahmeiribunale. Uebergabe aller dort schwebenden Prozesse an die normalen Gerichte mit Sicherstellung ihrer Unabhängigkeit und Barteilofigkeit, der Deffents lichkeit des Gerichtsverfahrens und Garantien für eine allseitige Verteidigung der Interessen der Angeklagten. 6. Bolle Amnestie für alle politischen Verbannten, Eins gesperrten, Wiederaufnahmeverfahren bei allen Urteilen in trimis nellen und religiösen Angelegenheiten und Aufhebung jeglicher admis nistrativer Rechtseingriffe. 7. Beseitigung der Privilegien der RKP. und der Rom. Intern. und die Einstellung jeglicher geldlichen Unterſtügung aus Staatsmitteln an beide. 8. Bollständige Freiheit der gewerffchaftlichen und genossen schaftlichen Bewegung, Streitfreiheit, freie Neuwahlen der Fabrikkomitees." August und Heinrich. Die Prügelknaben des Moskauer Kongreffes. Es ist ein eigentümlich Ding um das intime Leben der Kommu nistischen Partei. Es fließt abseits vom Strom. Sie find in all diesen Dingen eine typische Settenpartei. Liest man die Debatte über die Oktoberereignisse in Deutschland" nach dem Bes richt der Roten Fahne" durch, so hat man den Eindruck eine: Familienauseinandersetzung. Da zanten sich Heinrich, August, nicht rulig von Brandler, Thalheimer und Guralfti Kleine und wie die Größen alle heißen. Warum der Bericht " Bindende Erklärungen der Regierung, daß fie bei der fommen den Neugestaltung des Eintommensteuergefeges für die Bandwirtschaft eine Sondersteuer oder besondere Art der Besteuerung im Berhältnis zu anderen Erwerbszweigen nicht beabsichtigt. Auch find Borichriften zu erlaffen, welche den fleinen miespricht, das ist den Außenstehenden unverständlich. Dhe Geheimniss den großen Landwirt einander gleichstellen und ihre Besteuerung nach dem Wirtschaftsjahr sicherstellen. Auch die Frage der Umänderung der Steuergesege, die von den Landbündlern aufgerollt wurde, ist keine Frage, die mit der augenblicklichen Not zusammenhängt, besonders dann nicht, wenn die Möglichkeit der Stundung der Steuern gegeben ist. Sie wird vielmehr im Rahmen der allge meinen Steuergefeggebung zu behandeln und dann in einem Sinne zu lösen sein, der gleichzeitig dem Finanzbedarf des Reiches und seinen außenpolitischen Verpflichtun gen fomie der Lage der Landwirtschaft Rechnung trägt. Es ift sehr wohl denkbar, daß man durch Vereinfachung und gerechtere Handhabung der Steuern den Wünschen der Landwirtschaft auf steuerlichem Gebiet( Grundsteuer, hauszins mirte in hohem Maße entgegenkommen fann, ohne die Tat teuer, 3ugtiersteuer usw.) ist seitens des Reiches einzu fache aus dem Auge zu verlieren, daß auch die Landwirtschaft entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit ihren Tribut zur Aufrechterhaltung der staatlichen Gemeinschaft zu zahlen hat. Wer den Landbündlern den Rat gegeben hat, unter Hinmeis auf die gegenwärtige Agrarfrife den Schutz= 3011 zu verlangen, tann sich wirklich sein Lehrgeld zurüdzahlen lassen. Schutzölle tönnen mur wirken, wenn die aus ländischen Getreidepreise unter denen des Inlandes liegen. Mittsommer. Bon Svend Fleuron( Kopenhagen). Juni, liebliche Mittsommerzeit schönste Tage des Landmannes. Du seztest dem Unterholz'den wehenden Kaprifolienhut auf, hilfst Brombeere und Holunder an der Hede ins weiße Wams. Auf den schwellenden Bufen des Mooses legst du eine Filigranbrosche aus Seerosenblättern, windest um den schlanken Leib des Baches ein buntes Band von Iris und Vergißmeinnicht. Hefteſt an die Seiten des Hügels das luftige Rödchen der Roggenähre und ziehft über des Tal. strichs Fuß den durchbrochenen Blütenftrumpf. Nun wird die Egge an den weißgefalften Stallflügel gehängt, der Pflug unier Dach gefeht, und unten auf der Wiese stehen alle die Arbeitsmähren des Herrenhofes und halten Ferien. Berdroffen steht gebeugt die erfte; das Kreuz eingefallen, der Rüden gebuchtet von Sattel und Sielen; die Mähne steht zottelig empor und gleitet nach der einen Seite spärlich hinab wie Haar eines alternden Beibertopfes. Die Augen sind geschlossen, das Maul schluckt schlapp ums Gebiß und die Ohren liegen lang zurück. Mürrisch, wunderlich schaut der Gaul drein; er hat das Ganze fatt. Doch nicht die Pferde sind das Interessanteste an der Wiese..., mie die Menschen nicht das Intereffantefte an der Welt. Pferde, Menschen sind fast alle eins: gebeugter Kopf, Strohwisch am Ohr Achtung, er schlägt! Weil man uns einmal über die Elastizitätsgrenze hinaus angeftrengt hat, uns täglich belastet, weil man Peitsche und Stah, Schwert und Kreuz anwendet und die ewigen, einfachen Wahrheiten nergeffen hat, die da handeln von drum schlagen wir und beißen wir. Und das alles ist wenig interessant. Aber vielleicht fällt das Füllen am meisten in die Augen; das Füllen mit der blanten, schymuden Farbe, das nach Herzensluft unt hertollt und voller Vertrauen ist zu jeder Hand, die es streichen will. Haben wir nicht selber einmal Füllensinn in uns gehabt und gesehen, mohin es führte? Sind wir nicht wie Fohlen über alle Felder gesprungen, haben ungeniert vom Roggen gefreffen und von den saf rigen Rübenblättern, vom Baume des Lebens und der Erkenntnis? Und wurden wir nicht unversehens in die Stelen gelegt, befamen wir nicht Bebis, Scheuflappen an und Bügel auch? Wurden uns nicht die Stränge angeschnallt? Ziehen wir nicht? Nein, auch mit dem Füllen ist es nichts. Die Blumen, die sind es. gets Um Mittsominer ist der Natur großes Feftfeuerwert in vollem Gange: Not pufft auf, Gelb ftrahit, Biolett zitters. Grün und Weiz und Blau schieben vorm Augeleuchtendes Sommereifenspektrum. Und die Blumen auf den Felde geben einen ähnlichen Eindruck. Am Johannistage wird unter dem gewaltigen Herenteffet der Tatur I främerei geht es nun aber in der KPD. nicht ab. Auguſt( Thal heimer) verteidigt die alte Garde, melche eine Brüde zwischent Begen die Uebergriffe der Länder gegenüber der Land- der zweiten und der Dritten Internationale darstelle". Offenbar ichreiten. Die Regierung muß tlar und unzweideutig erklären, daß die Besteuerung der Landwirtschaft da ihre Grenze findet, wo die Leistungsfähigkeit des Betriebes aufhört und eine Lähmung der Produktion eintritt." meint er damit sich und Radet. Auch bei dieser Debatte zeigt sich wieder, daß der Fortschritt der europäischen Demo tratie die Hauptursache der inneren Differenzen in der Rommu nistischen Internationale ist. Thalheimer betont: Es sei zweifelhaft, ob gegen die demotrafisch- pazifistische Belle mit richtigen Methoden gefämpft wird." Um so rüdsichtsloser und demagogischer gehen die Bertreter der Linten vor: Zur Unterstügung dieser Forderungen hat die deutschnationale Reichstagsfraktion eine Interpellation im Reichstage eingebracht. Die Deutschynationalen und die Agrarier rüsten zum Kampftage um die Verteilung der Lasten der Reparation. gefeuert: Mohn zündet seine Feuer an in der niedrigen Hecke, die Flammen des Adersenfs lecken die rußigen Furchen der Bracherde entlang, Kornradefunken zuden aus dem Weizen auf, und zwischen den Knien des Roggens leuchten blauende Kornblumen hervor. Ein lodernder Brand darüber rauchender Blütenstaub. Die Egge hängt an der Stallmand, die Sämaschine ist beiseite gestellt und die Somentörner, die vor faum zwei Monaten aus: gestreut wurden, find emporgekommen und haben sich in dem großen Wettlauf behauptet. Bleich und zart standen die Keime den einen Tag, hellgrün schlotternd den nächsten. Dann strich der Wind die Erde entlang, bekam die Reimblätter zu fassen, wie ein feiner Kamm in widerspenstiges Haar faßt, und zwang fie nach seinem Willen: das Feld erhielt Form. Und Sonne glüht, Regen fühlt, Tau und Tagwechsel durch Wochen geben dem Stengel der Frühlingsfoat Kraft; fie verliert den hellgrünen Schein, das Jugendliche schwindet, an feine Stelle tritt ein eigentümlich tiefer, dunkelgrüner, vielleicht etwas harter Ton, Gefeßtheit, Strebsamkeit, Zielbewußtheit fündend. Das Feld be: tommt Fülle. Mit Siebenmeilenschritten geht's dem Reifen zu. Der Roggen blüht, der Staub der bläulichen Wehren wogt in Wölkchen vorm Winde, auf, nieder, im Kreise. Gin Landmann tany nicht umhin zu hören, wie die Aehren fich brüsten. Zehnfach, bietet die eine. Fünfzehn, eine andere. Achtzehn! Neunzehn! Und ich will zwanzig geben! Erhigende Rufe schwirren durch die Luft. Die Natur hält auf den freien Wettbewerb. Just im Juni nimmt er das Wort, in der Blumensprache. Der Weizen aber öffnet sich erst soeben. Es barsten alle die grünen Stengel in der obersten Naht, und ein schwerer Aehrentolben steckte die Seite hervor. Um ein Kleines ist die Aehre frei, und menn der Wind übers Feld dahinfegt, biegt er Kopf zu Kopf. Dann raunt es seltsam, summt und flüstert von Lust des Lebens. Dann schafft sich das Neue, Kommende. Und die Gerste tauscht, der Hafer hat es das Neue, Kommende. Und die Gerste lauscht, der Hafer hat es eilig, er blüht zuletzt von den Gräsern. Brotstreber ward der Roggen, als die Zeit der Neigungen vorbei war; der Weizen wird's auch werden, dann die Gerste und dann der Hafer. Brotorang padt auch dich und mich einmal. Leb mohl dann, Mittsommer! Dichter und Künstler für den Achtstundenarbeitstag des Prole tariats. Folgender Aufruf geht uns mit der Bitte um Ver öffentlichung zu: An alle Künstler und geistig Schaffende! Liebe Freunde, Kameraden und Kollegen! Ueberall in ganz Deutschland fteken die Arbeiter im Kampf für die Erhaltung des Achijtunden tages ht Stunden fellein die Arbeiter freiwillig ihren Körper an die Maschine. Acht Stunden spammen sie ihre Nerven fret willig in den Apparat der Industrie. At Stunden wollen fie ,, Die Reden Böttchers und Hederts im sächsischen Lands waren eine banale Komödie. Die Partei rief die Eisenbahner nicht auf, feine Truppen gegen Sachsen zu befördern, obwohl es Mar mechanische, geistötende Tätigkeit üben, acht Stunden ihren ausgemergelten, müden Körper schaffen lassen. Acht Stunden! All die Leute, die nicht wiffen, was es bedeutet, acht Stunden immer diefelbe Hebelbewegung auszuführen, acht Stunden bis 1800 Meter unter der Erde zu schaffen oder vor den höllischen Feuern der Arbeiter her. Sie wollen fie fordern, daß der Arbeiter feinen Dampffefsel und Hochöfen zu stehen, diese Leute fallen über den fiechen, unterernährten Körper nicht nut acht sondern zehn, zwölf Stunden fchuften läßt. Wohlgemerkt, die wollen ihm zwingen, die für sich das Recht an Gewinn der Arbeit in Anspruch nehmen, die sich anmaßen, Träger der Kultur zu sein. Jede Stunde Arbeit mehr bedeutet für den Arbeiter Ausschluß an der Teilnahme und ent dem Genuß der Kunst. Das Recht ist auf Seiten der Arbeiter. Wir Künstler stellen das fest. Bir tönnen nich: ruhig mit ansehen, wie das Recht des Men fchen auf seinen Körper, auf Kultur aller Menschlichkeit zum Hohn mit Füßen. getreten wird. Hunderttausende Arbeiter stehen im Ramp, find von ihren Arbeitgebern ausgesperrt, weil fie nur a cht Stunden schaffen wollen. Wir müssen ihnen zu Hilfe eilen, müffen uns mit unserer Kunst, unserer Feder für sie einfegen. Ueberall in Deutschland, soweit es noch nicht geschehen, müssen sich die Künster zu Arbeitsausschüssen zusammentun, Beranstaltungen arrangieren, um dem für den Achtſtundentag fämpfenden Arbeiter auch materielle Hilfe zu bringen. Das ist unsere Pflicht." Der Aufruf ist unterzeichnet von Hans Baluschet, Alfons Baquet, Ernst Toller, Heinrich Zille, Wilhelm Defterle, Willibald Strain u. a. Die Not der Voltsbüchereien. Bei der diesjährigen Versamm lung des Berbandes deutscher Boltsbibliothetare" it Erfurt wurde vielfach die Not der Bolfsbüchereien hervorge hoben, die durch die wirtschaftlichen Schwierigteiten des vergangenen Johres und den Beamtenatbau start gefährdet und beschädigt sind. Dabei nimmt der Andrang der Leserschaft zu den Büchereien fast alleroris dauernd zu. Die vielfach erst vor dem Kriege ins Leben ge rufenen Bibliotheken, die schon in den Kriegsjahren unter stärksten nirgends recht gewachsen. Es wurde als bringende Notwendigkeit Hemmungen zu leiden hatten, sind dem Ansturm des Publikums fajt hervorgehoben, daß diese Mittelpunkte der freien Bildungsbestrebun gen größere Unterstügung als bisher durch Staat und Gemeinden finden. Leichenkonservierung durch Bersteinerung. Dr. Decio Lapponi, der Sohn des früheren päpftlichen Leibargtes, hat, wie das„ Giornale d'Italia" meldet, fürzlich der Aerzteversammlung in Rom mehrere Leichen vorgeführt, die er feit zwei Jahren durch sein Verfahren in Stein verwandelt hat. Die Leichen sind hart wie wirklicher Stein und bewahren in ihrem Aeußern die Natürlichkeit des lebenden Körpers. Wie das römische Blatt erflärt, beschränkt sich Dr. Lapponi darauf, die Leichen zwei Stunden in ein Bad zu legen, dessen Flüssig. feit aus einer Lösung besteht, deren Zusammensetzung sein Geheims nis ift. In der Bolfsbühne, Theater am Bülamolas, gelangt als crites Stud ber diesjähtigen Sommerspielzeit ngengrubers Bauerns fomödie„ Die Kreuzelschreiber zur Aufführung. Regie: Hans Felis mar, daß die Niederschlagung des fächsischen Proletariats der Niederlage des deutschen Proletariats gleidh tam. Die Chemniger Ronferenz war unvorbereitet. Es ist eine Schande, daß die Rede des linten Sozialdemokraten Graupe den Chemnizer Beschluß entschied. Brandlers Behauptung, daß es der Arbeiterschaft an Kampfbereitschaft fehlte, iff unwahr. Die Brandlerzentrale märe auch ohne Eingreifen der Eretutine abgesägt worden. Der Frankfurter Parteitag bemies, daß teine Banitftimmung vorhanden ist, daß die Bartei konsolidiert ist und daß Die Partei die Hauptfragen im Sinne des linten Bolschewismus ent schied. Thalheimers Behauptung bezüglich der Führerrolle der alten Garde und Raders ist in diesem Falle unzutreffend. Rautsky und Biechanom hatten auch Verdienste und wurden dennoch zu Verrätern. Solche Fragen müssen politisch und nicht fenfimental beurteilt werden." Nach all den Debatten ist schon jetzt kein Zweifel, daß der Butschismus auf dem Weltkongreß restlos fiegen wird. Die Widerstrebenden werden sich fügen, Brandler und Thalheimer warten als disziplinierte einfache Soldaten die Stunde ab, wo der Bankrott der finten Führung offenkundig geworden ist( der Moment kann bald kommen) und des charakterlose Gras der Helden von der Qualität Böttchers und Heckerts laffen sich in die Reihen der heiligen Linfen gerne aufnehmen. Bucharin, der gute Anabe, gibt seinen hohepriesterlichen Segen: „ Es ist nur begrüßenswert, daß die deutschen Proletarier tem= peramentvoller geworden sind." Wir anderen Sterblichen genießen derweils diese Auffrischung" des revolutionären Temperaments an allen Eden und Enden vom Reichstag bis zur fleinften Dorfquaffelbude. Kommunistische Rückzieher. Köln, 25. Juni.( Mtb.) In zum Teil merkwürdigen Erflärungen finden sich jetzt die Kommunisten in den Stadtparlamenten Westdeutschlands zu ordnungsmäßiger Mitarbeit in don Ausschüssen bereit. iSe treten jetzt in Aachen den Rückzug an und berufen sich, indem sie den getränkten Knaben spielen, darauf, daß sie seinerzeit den Handschlag in voller Würdigung des§ 27 Abs. 2 der Rheinischen Städteordnung geleistet hätten, was wohl auch im In Sinne der Verfügung Seperings sein dürste. Dortmund haben die Kommunisten eine ihnen vom Magiftrat zugesandte Erklärung, die sie aufs neue auf die Schweigepflicht vereidigen soll, unterschrieben, worauf der Magistrat die Bedenten gegen die Mitarbeit der Kommuristen an der städtischen Selbstverwaltung fallen ließ. Der rheinische Provinziallandtag. Stellungnahme zum Sachverständigen- Gutachten. Düsseldorf, 25. Juni.( Mtb.) Der Provinziallandtag begann seine gestrige Sigung um 9 Uhr morgens. Für die allgemeine Aussprache waren den vier Fraktionen je zwei Redner mit einer Redezeit von je zusammen anderhalb Stunden zugestanden worden. Das Hauptgewicht lag bei allen Reden auf der Stellungnahme der einzelnen Parteien zu der gegenwärtigen politischen Lage. Als erster Redner sprach der Zentrumsabgeordnete Jansen Pfarrer in Lammersdorf, über das Sachverständigengutachten. Er stellte sich in seinen Ausführungen hinter die Entscheidung der Reichsregierung und verlangte die Annahme des Gutachtens. ,, Wir fordern das", sagte er, in der sicheren Erwartung, daß dann auch die Feifeln fallen werden, die unserer Wirtschaft um= gelegt sind. Ferner verlangen wir, daß die Opfer, die das Sachverständigengutachten uns auferlegt, gerecht verteilt und die Basten der Besagung verringert werden. Für die Arbeitsgemeinschaft Sprach fcdann der Abgeordnet Raiser Röln. Er wies auf die Borbereitung zur Feier der tausendjährigen Zugehörigteit der Rheinlande zum Reiche hin und erneuerte das Treugelöbnis zum Reiche: Wir freien Rheinländer wollen fein ein einig Glied im freien deutfchen Reiche in ungetrennter Zugehörigkeit zum Staate Preußen, der uns unser Deutschtum nach geschichtlicher Erfahrung am besten nerbürgt." Der Redner der Sozialdemokraten, Redatteur Steinbüchel Effen, forderte wie der Zentrumsrebner die Annahme des Eachverständigengutachtens, das allein wieder Zeiten ruhiger Entmidlung bringen könnte und endlich einmal das völkische und fommunistische Treiben verschwinden ließe. Für die Kommunisten forderte Knab unter dem üblichen Redeschwall eine Amnestie für alle politischen Gefangenen Deutschlands. Verlängerung der Micumverträge. Düsseldorf, 25. Juni.( Mtb.) Infolge der fich ergebenden Notwendig feit, die Micumperträge mit den Ruhrzechen, die bis zum Monatsschluß eine Verlängerung erfahren hatten, erneut über den 30. Juni hinaus vorläufig zu verlängern, haben Berhandlungen zwischen dem Sechserausschuß und dem Bergbaulichen Verein sowie den Vertretern der Micum bereits begonnen. Sie werden Ende der Woche zum Abschluß fommen und eine neue zwei bis nierwöchige Verlängerung des Abkommens auf Grund der Bereinbarungen vom 15. Juni erbringen. Das Kabinett Held. München, 25. februar.( WIB.) Nach der München- Augs. burger Ab mdzeitung dürfte sich das kabinett Held efma wie folgt zusammensetzen: Dr. Held, Ministerpräsident und Minister des Aeußern, Dr. Matt, Kultusminifter, Gürtner, Juffizminiffer, Stützel. Minister des Innern, Dr. Arausned, Finanzminister, Dr. v. Meine L, Handelsminifter, Oswald, Sozialminifter, Prof. Fehr, alndwirtschaftsminister. Die Münchener Preffe zur Kandidatur Held. München, 25. Juni.( TU.) Die Lösung der bayerischen Regie: rungsfrise nach fiebenwöchiger Dauer ist begreiflichermeile ein Anlaß, daß die Presse aller Barteirichtungen längere Betrachtungen anstellt. Dabei wird mehrfach zum Ausdrud gebracht, daß die Präsentation des Abg. Dr. Held zur Ministerpräsidentschaft schon deshalb erfolgen mußte, weil man feinen anderen Ministerpräsidenten mehr gefunden habe und weil die bisherigen zu rasch ver braucht worden seien. Im„ Bayerischen Kurier" wird die Ermartung ausgesprochen, daß durch die Kandidatur Held auch die fach lich- programmatischen Differenzen, welche bis jetzt die Regierungs. bildung erschwerten, in Bälde ausgeglichen werden. In den eterminente Münchener Neue Berfönlichteit mehr bereit gefunden, die Berant. wortung als Ministerpräsident zu übernehmen, um schließlich als Sündenbod in die Wüste gefchickt zu werden. So fei wenigstens diesmal der Posten des Ministerpräsidenten von dem Chef der stärksten Partei des Landes felbst übernommen worden. In ber ,, Münchener Augsburger Abendzeitung" wird betont, es sei schade, daß man nicht schon längst auf den jeht verwirklichten Gedanken getommen sei, und daß Dr. Held sich erst entschließen fonnte, als es einen anderen Ausweg nicht mehr zu geben fchien. Beleidigungsprozeß Spieter- Sontag. Bei der heutigen Berhandlung in der, Beleidigungsfloge des Reichspressechefs Dr. Spieler gegen den Korrespondenzredakteur Josef Sontag mußte Sontag alle gegen Spiefer erhobenen Anklagen restlos zurüd nehmen, ohne auch nur den geringsten Wahrheits bemeis antreten zu tönnen. Conten hatte behautet, daß Spieker Gelder des Oberschlesienfonds für die Bermania", den„ Bor parts" und fozialdemokratische Abgeordnete verwandt habe. Die Unterschlagung. Der Jim Laben meines Freundes herrscht große Aufregung. 14½jährige Laufbursche, Hans, ist bei einer Unterschlagung ertappt worden. Verführt von einem älteren Jungen, der einer Jugendorganisation angehört, hat er für das ihm anvertraute Geld einen Jußball gekauft. Man besinnt sich nun auf eine ganze Reihe anderer Unredlichkeiten, die von ihm während der ganzen Zeit begangen worden sind. Er hat bittere Tränen geweint, hat erklärt, er gehe unter feinen Umständen nach Hause-er tue fich was an denn fein Vater würde ihn halbtot schlagen. Als ich zufällig hinzu fam, waren bereits Mutter und Schwester da. Der Hans selbst fas in einem Zimmer eingesperrt, damit er ja nicht irgendeine Dummheit begehe. Hier mußte ich ihm nun aufsuchen und mich mit ihm unterhalten. Er sah natürlich vermeint aus, war aber bald beruhigt und erzählte ausführlich, wie alles gekommen sei. Wir waren in einigen Minuten gute Freunde. Was nun fun? Er fürchtet sich vor dem Bater. Nach Hause geht er nicht. Hier Laufbursche bleiben tann er auch nicht. Man will ihn nicht mehr behalten, auch schäme er sich vor den Angestellten. Wie Rat schaffen? Ich spreche mit der Mutter. Die ist sich darüber im flaren: Zuerst kommt der Junge heran, dann sie selbst denn sie hat ja den Jungen stets verwöhnt". behauptet wenigstens ihr Mann. Ich denke darüber nach, ob ich nicht mitgehen soll. Viel Zeit würde das in Anspruch nehmen; wer weiß auch, wie der Vater uns empfängt. Plötzlich fällt mir etwas ein. Ich schreibe dem Mann einen liebenswürdigen Brief der wirft vielleicht. Gedacht, getan.. Die Angelegenheit nahm dann folgenden Berlauf: Als ich der Mutter den Brief einhändigte, meinte fie, das würde nichts nüßen. Als ich mich einige Tage später nach der Angelegenheit erfundigte, erfuhr ich, daß der Bater den Jungen wirklich nicht angerührt hatte. Nachdem er den Brief gelesen, ließ er sich von seiner Frau den Sachverhalt erzählen, blieb eine Weile nachdenklich sizen, sah fich den Jungen genau an, als jähe er ihn zum erstenmal, erhob sich dann schwer vom Stuhle, nahm seine Mühe und ging fort. Nach, Hause fam er erst, als der Junge schon schlief. Der fand aber gleich am anderen Tage wo anders Arbeit. Wie einfach ist es doch, Kindern und Eltern zu helfen. Und wie selten nimmt man die Gelegenheit dazu wahr. Skelettfund in der Ratiborstraße. Berscharrt auf einem Kohlenplatz. In einem Haufe der Ratiborstraße wurde heute morgen cin Sfelett aufgefunden. Da ein Kapitalverbrechen nicht ausgeschlossen ist, begab sich die, Mordfommission an den Fundort. Weiter wird uns zu dem Fund mitgeteilt: Ein Arbeiter wollie heute morgen eine tote kaze in einer Ede des großen Kohlen plages Ede Ratibor- und Reichenberger Straße verfcharren. Nach wenigen Spatenstichen stieß er aber auf Knochen. Bei weiterem Nachforschen förderie er ein unförmiges weißes Etwas zulage. Als er mit dem Spaten vorsichtig daran icharrte, stellte es sich als ein menschliches Stelett heraus. Dieses ist allem Anscheine nach in ein Tuch gehüllt. Deutlich fann man den Schädel erkennen. Derjenige, der die Leiche hier einmal verscharrte, hatte sie auch noch mit Kalt beworfen, um den Verwesungsprozeß zu beschleunigen. Der erschrocene Mann machte sofort dem Plazmeister von seinem Funde Mitteilung. Es wurde das 110. Renier benachrichtigt. Die fofort dahin entfandten Beamten alarmierten die Mordkommission. Der Fundort liegt an der äußersten Ede des Plages, dicht am Baun an der Seite der Ratiborstraße. Dieser Teil des Plages war aber bor zwei Jahren umgepflügt und mit Kartoffeln und Tomaten bepflanzt worden. In den letzten Jahren hatte man davon Abstand genommen. Der Leichnam tann also auch erst in den letzten beiden Jahren hier verscharrt worden sein. Die Ermittelungen und Untersuchungen der Mordkommission sind noch im vollen Gange. Der Schülermord in Mahlsdorf. Zu den Mitteilungen eines hiesigen Mittagblattes über den Schülermotdin Mahlsdorf wird gemeldet, daß es nicht zutrifft, daß die Polizei das Ermittlungsverfahren gegen Liebed und Gen. eingestellt hat. Vielmehr sind die Atten an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden. Die Polizei steht den Aussagen des Liebed nach wie vor jtep tisch gegenüber. Die Ermittlungen werden fortgeset. Die Geschlechtsfrankenstation in der Fröbelstraße. Im Hause des Db bachlofenainls in der Fröbelstraße ist eine Behandlungsstation für geschlechtstrante Frauen untergebracht. Das Dodach ist zur Unterbringung dieser Station aus manchen Gründen denkbar ungeeignet. Seit dreißig Jahren in Worten dreißig!) erwägt man in den Kreisen der Stadtverwathing deshalb die Verlegung der Station. Jedes Jahr bei der ftabti icher Haushaltsberatung werden von den ergrauten und würdigen Stadtvätern dieselben Reden für die Verlegung gehalten und diefelben Erwiderungen von den Magistratsbehörden angehört. Tagelang foll schon bei solchen Gelegenheiten die Redeschlacht getobt haben. Immer wieder versicherte der hochwohlweise Magistrat, daß er prinzipiell für die Verlegung sei, daß aber noch Erwägungen fchweben" und daß vor allen Dingen die Anwohner der neu zu beglückenden Gegend bereits Proteste, loslassen. Jetzt endlich scheint die Stunde der langeriehnten Tat gefchingen zu haben. Die Station wird verlegt!! Nach Reinickendorf! Und schon beginnt der Proteft Sturm. In der Reinickendorfer Bezirksverordnetenverlammlung mird in der nächsten Sizung ein Dringlichkeitsantrag ohne Zweifel von allen Parteien einstimmig angenommen werden, der dem flammenben Proteft der Reinickendorfer Bürger gegen diefe ftanda lösen Absichten des Berliner Magistrats beredten Ausdrud verleiht. Wir haben volle Sympathie mit diesem Protest. Aber eine Frage: ohin soll die ominöfe Station verlegt werden? Welcher Be 3irt wird, wenn man ihm diese Ehre erweisen will, nicht ebenso flammend protestieren wie Reinickendorf. Armer Berliner Magistrat! Hoffentlich gelingt es Dir, ein wirklich salomonisches Urteil zu fällen. Weil er nicht Lohndrücker werden wollte. das Recht, von seinen Ermerbslejen Arbeit zu verlangen, wenn ihnen Arbeit zugewiesen wird. Gegen das Urteil hat der Bettcidizer n türlich fofort Berufung an Ort und Stelle eingelegt. Vorsteherkrise im Rathaus. Nach den Berichten bürgerlicher Zeitungen wollen die Bürgerlichen Parteien am nächsten Donnerstag eine Vorstehertrise herbeiführen. Der Bürgerblod hat sich gefunden. Die Borsigenden ber bürgerlichen Fraktionen haben gestern abend die Absendung einer trauenserklärung an den Stabiverordnetenvorsteher Haß be schlossen, weil er einen dreifachen Berstoß gegen die Geschäftsordnung begangen habe, indem er 1. auf den Anrag her fozialbemokratischen und der kommuhistischen Fraktion die öffentliche Sigung vor der geheimen einberief, die von den Mitgliedern der nichtsozialistischen Fraktionen beantragt war, obwohl te letztere Antrag am 17., der erstere erst cm 19. Juni eingegangen war; 2. enigegen der Bestimmung der Städteverordnung in der Einlabung zur geheimen Sigung den ordnungsmäßigen Hinweis auf§ 42 der Stödhererordnung( unbedingte Beschlußfähigkeit) unterließ, obwohl der Hinweis noch besonders beantragt war; 3. die geheime Sigung wegen verspäteter ZusammenFerufung auf hob, obwohl nady der Erflärung der Geschäftsstelle und ausweislich der vorgelegten Poststempel die Einladung rechtzeitig am 20. Juni erfolgt ist, wobei wiederum besonders hervor zuheben ist, daß der Antrag schon am 17. Juni vorlag. Die Unterzeichneten erbliden in diesem Verhalten eine Bes günstigung der Obstruktion der Sozialdemokraten und Rommunisten gegen den in Ausführung des Gesetzes von der Mehrheit gewollten Abbou des Magiftrats und sprechen dem Vorsteher megen des hierdurch bewiesenen Mangels an Unparteilichteit ihr Mißtrauen aus. Sie erwarten, daß der Herr Stadtverordnetenvorsteher daraus die gebotenen Folgerungen ziehen wird.' Außerdem sollen die bürgerlichen Fraktionen entschlossen sein, eine Beratung des Etats, der auf der Tagesordnung der nächsten Sikungen der Stadtverordnetenversammlung steht, zu ver hindern. Von Ennern soll die Entsendung einer Depu= tation zum Oberpräsidenten betreiben, um die Aufsich am Donnerstag zeigen, ob die Mißtrauenserklärung, die die Vorlösung der Stadtverordnetenversammlung durchzusetzen. Es wird fizenden der bürgerlichen Frotiionen dem Vorsteher heute vormittag haben überreichen lossen, auch die Zustimmung der Mehrheit der Versammlung findet. Im übrigen zeigen sich die Linien der Bürgerblockpolitik ganz flar. Der Rechtsbruch des politischen Abbaues soll unter allen Umständen stattfinden. Den Etat werden die Herrschaften dreimal darüber zum Teufel gehen lassen. Um so schöner wirkt dann das Zetergeschrei über sozialistische Sabotage. Kindertransport nach Cettland. Wie im vergangenen Jahr hatten die Deutschen in Lettland auch diesmal wieder eine große Anzahl erholungsbedürftige Kinder eingeladen. Gestern um 12 Uhr fuhr der Transport vom Bahnhof Charlottenburg ab. Er ist vom Baltischen Roten Kreuz in Danzig, Delegation Berlin, zusammengestellt und reist unter der Leitung des Geschäftsführers der Delegation, Herrn Girgensohn; als Vertreter des Wohlfahrtsministeriums begleitet Regierungsrat Dr. Schuster den Transport. 221 Kinder aus allen Teilen Deutschlands traten diesmals die Reise an. Am Freitag früh werden sie in Riga sein und dann ihren Pflegeeltern zugeteilt werden. zugeteilt werden. Dás Optionsrecht der Oberschlesier. Die Frist zur Abgabe der Options- und Berzichtserklärungen der Oberschlesier läuft nur noch bis zum 15. Juli 1924. Die Erklärungen werden auf jämtlichen Polizeirepieren Groß- Berlins entgegengenon.men. Es liegent dort auch die näheren Bestimmungen zur Einsicht aus. Sur Begründung des Options- bzw. Verzichtrechts ist der Geburts- oder Taufschein, die Heimatsurkunde, Belege für die Staatszugehörig feit und dergleichen vorzulegen oder eine entsprechende eidesstattliche Versicherung abzugeben. Die Gründungsversammlung der Bereinigung fozialdemokra. fischer Aerzte hat vor furzem stattgefunden. Nach Annahme der vorläufigen Schungen, deren erster Baragraph lautet:" Der Berein bezmedt die Sammlung der in der SPD. organisierten Aerzte und die Beeinflussung der Gesundheitspolitik im sozialdemokratischen Sinne", wurden in den provisorischen Vorstand gewählt die Ges noffen: Silberstein( Neuföln), 1. Borsigender, Chajes, 2. Borsitzen der, Jaffe, Schriftführer, Korach, Stulz, Wygodzinski und Kollwitz. Etmaige Zuſchriften für die Vereinigung erbeten an Dr. Ludwig Jaffe, Charlottenburg 2, Leibnizftr. 20. Die Arbeiter- Samariter- Solonne Berlin E. B., N. 31, Schönholzer Sir. 20, teilt mit, daß der Samariter answeis Nr. 75, lautend auf den Namen Rosalie Robinsohn, und Ausweis Nr. 126, für Balter Strauch, ges itohlen bzw. verloren wurden und hiermit für ungültig er flärt werden. Beim Frühlingsfest der deutschen Preffe ant 12. Juni find Gewinne ges fallen auf die Nummern 1425, 1446, 1786, 2556, 2952, 3087, 3122, Ci Teil davon ist noch nicht abgeholt und steht den Gewinnern bei der Werbebende deutscher Firmen im Lunapark zur Verfügung. Acht Schwerverlette bei einer Pulveregplosion. In Letter bei Hannover fanden gestern abend gegen 8 Uhr Männer unter einer Brüde am Mittelland- Kanal vier Risten mit Schwarzpulver. Die Kisten wurden geöffnet und der Inhalt aus Neugierde mit einem Streichholz angezündet und dadurch zur Explosion gebracht. Während die Riften geöffnet wurden, tamen noch einige Neugierige hinzu. Bei der Erplosion wurden vier Männer, eine Frau und drei Rinder schmer perlegt und liegen zum Teil hoffnungslos darnieder. Außerdem erlitten noch einige andere Personen leichtere Verletzungen. Es steht so gut wie fest, daß das Bulver aus einem Diebstahl herrührt. Explosionsunglüd auf einem Dampfer. Durch die Explosion an Bord des britischen Transportbampfers Egremontcastle" int Hajen von Broofinn, bei der 200 000 Gallonen gasförmi. gen Naphthas in die Luft flogen, wurden fünf Mann der Bejagung getötet, acht weitere schwer verletzt. Aus Furcht Dor weiteren Erplosionen ging der Dampfer in East River vor Anter, wo er bald darauf sant. Neue Blatternfälle in Kopenhagen. Vor einigen Wochen bas fürchtete man in Dänemark eine Blatternepidemie. In den ver schiebenen Stadtteilen Kopenhagens traten einzelne Fälle auf. Durch Desinfektion der Brufstätten und Impfung der Bevölkerung glaubte man Herr der Ansteckung geworden zu sein. Jegt meldet das Ge alles in allem find 8 Batienten in dem Epidemietrantenhaus abelabert morden, merkwürdigerweise hat man eine Verbindung zwischen den neuen und den ersten Fällen nicht nachweisen fönnen. Groß- Berliner Parteinachrichten. In der Nacht zum 20. Dezember waren große Schneemassen in Potsdam niedergegangen. Das Depot der Straßenreinigung forderte in aller Frühe von Magistrat Erwerbslose zum Schneeschippen an. Eine Stunde später standen etwa 100 Arbeitslofe auf dem Feuer wehrhof zum Empfang der Gerätschaften für die Schneebeseitigung. Rautenberg, hatte aber in Erfahrung gebracht, Der Bertrauensmann ber Erwerbslofent, her Schloffer Hermann die städtischen Straßenreiniger bereits is in Kurzarbeit, beſchäftigt waren. Er teilte dieses den Erwerbslosen mit und riet ihnen, nur gegen Lohn zu arbeiten, wie ihn die städtischen Feuerwehrleute bekommen, andern- jenis sid falls würden fie hier als 2chndrücker auftreten. R. beschloß Abftimmung. Das Resultat was Nichtarbeit. In wenigen Minuten hatten alle Erwerbslosen den Hof verlassen. Der Schnee blieb liegen. R. war seinerzeit wegen Aufforderung zum Ungehorsam aus§ 110 StGB. vor dem Potsdamer Schöffengericht angeklagt, aber freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das freisprechende Urteil Revision angemeldet. Das Kammer ericht hob das Urteil auf und verwies die Sache nochmals an dasselbe Gericht. In der heutigen Sigung vor dem Potsdamer Amtsgericht mit dem Ginzelrichter wurde der Angeflegte für schuldig befunden und zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Zur Begründung führte der Vorsitzende aus, daß der Angeklagte die Absicht gehabt habe, die Autorität der Behörde zu erschüttern. Er habe aus grund fäglichen Gefichtspuntien heraus gehandelt. Jeder Magiftrat habe 13. Kreis Marienfelde. Lichtenrade. Die Genossen von Marienfelde und Biotene rade nehmen an der Mitaliederversammlung am Donnerstag in Mariendorf. Schulaula Rönigfiz, teil Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Gen. Otto Meier, M. d. 2. Abt. Buchholz. Donnerstag, abends 8 Uhr. öffentl. Bersammlung bei Raehne. Berliner Str. 29. Tagesordnung: Einrichtung einer Koniumgenossenschafts. Verkaufsitelle. Alle Anjumgenossen. Gemertschaftler und Parteigenoffen find eingeladen. 183. 108. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei Organisation Abt. Röpcuid Genoffiu Elifabeth Necat in am Sonntag, den 22. d. Mts., peritorben Beerdigung Donnerstag, vormittags 11 Uhr, Friedhof Köpenid, Rubower Straße, 12. Sofortige Revision der jegigen unhaltbaren Dienftbauersor Gewerkschaftsbewegung schriften, die nicht nur die Gesundheit des Personals untergraben, Falsche Zahlen des Reichsfinanzministers. Bom Reichsverband der Justizbureaubeamten wird uns geschrieben: Nach Zeitungsmeldungen, unter anderem im„ Berliner Lokal Anzeiger" am Sonnabend, den 21. Juni, 2bendausgabe, und„ Tag" Morgenausgabe, hai der Reichsfinanzminister Dr. Luther dem Haushaltsausschuß des Reichstages eine vergleichende Uebersicht eins. zelner Gehaltsstufen zu den ehemaligen Vorfriegsgehäl tern der Beamten gegeben. Nach seiner Angabe beziehen die Beamten der Gehaltsklasse V ohne Ortszuschlag unter Berücksichtigung bes Frauenzuschlags und zweier Kinderzuschläge 109 Broz. des Friedenceinkommens. Diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen, was durch nachfolgende Aufstellung flar zum Ausdrud tommi. Ein Kanzleisekretär der Gehaltstlaffe V bezieht nach der lezien Gehaltsregelung ab 1. Juni: Anfangsgehalt 1296 M., Endgehalt 1728 M. Hierzu tritt der Frauenzuschlag mit 120 m., weiter Rinderzuschlag für 2 Kinder( die Kinderzuschläge beiragen bis zum Lebensalter von 6 Jahren 16 M., von 6 bis 14 Johren 18 M., über 14 Jahre 20 m. monatlich) durchschnittlich gerechnet 2 × 18 m. 36 M. monatlich, jährlich 432 m. Demnach beträgt das Gesamtjahreseintommen eines Kanzleijefretärs heute 1848 m. bam. 2280 m. Der gleiche Beamte bezog im Frieden: bei den 2 of albehörden Anfangsgehalt 1650 M., Endgehalt 2700 m. Außer bem hatte er einen Ueberverdienst, welcher nach der Staatsumwälzung infolge Abschaffung der Heimarbeit in eine feste 3ulage umgewandelt wurde. Diese Zulage betrug 400 m. bzw. 600 M., so daß das Einkommen des Kanzleisekretärs 2050 m. bzw. 8300 m. befrug. Hiernach ergibt sich, daß der Kanzleifefretär heute im Anfangsgehalt nur 90 Proz. und im Endgehalt nur 69 Proz. des Friedenseinkommens erhält und nicht, wie der Herr Reichsfinanzminister behauptet, 109 Proz. Bei den Provinzialbehörben bezog derfelbe Beamie ein Anfangsgehalt von 1650 m. und ein Endgehalt von 3000 wt., bazu die Zulage von 400 m. bzw. 600 M. Das Einkommen dieses zum Friedenseinfommen beträgt hier nur 90 Pro3. bzw. 63 Broz Beamten betrug demnach 2050 m. bzw. 3600 M. Der Prozentfak Da der Reichsfinanzminister bei seiner Gegenüberstellung den Drtszuschlag hat wegfallen lassen, so ist auch entsprechend dem Friedenseinkommen bei der vorstehender Gegenüberstellung der frühere Wohnungsgeldzuschuß außer Betracht geblieben. Es ist aber von Interesse, einmal den heutigen Driszuschlag mit dem früheren Wohnungsgeldzuschuß der oben genannten Beamten zu vergleichen. Diese Beamten erhielten als mittlere Beamte im Frieden den Wohnungsgeldzuschuß von 800 M. Heute erhalten biese Beamten einen Ortszuschlag in der Drisklasse A von 432 M. Da belannilich dieser Betrag 80 Proz. vom wirklichen Ortszuschlag ft, so geht daraus hervor, daß der Ortszuschlag für diese Beamten päter, wenn die Mieten auf den Friedensstand gebracht werden, mur 540 m. beträgt. 540 m. zu 800 M. ist gleichbedeutend mit tinen Brozentsatz von 67% Proz. In Wirklichkeit beträgt also das Gesamteinkommen dieser Beamten mit den vorstehend genannten Sozialzulagen zurzeit bei den 2otalbehörden im Unfangsgehalt 71 Bro3, im Enögehalt 66 Broz, bet den Brovinzialbehörben 71 Broz. bzw. 61/10 Proz. des Friedenseinkommens. bar Bergleicht man aber das Gehalt eines unverheirateten Beamten der Gehaltstlaffe V mit seinem Friedenseinkommen und diese Zahlen sind in Wirklichkeit allein miteinander vergleich dann ist das Verhältnis ein noch weit ungünstigeres. Denn bann fallen die Sozialzuschläge für Familienväter, die der Reichs finanzminister als Gehalt rechnet, ganz fort. Ohne Ortszuschlag bzw. Wohnungsgeld beträgt demnach das Gehalt bei den Lotalbehörden nur 64,8 bgm. 52,36 Pro 3., bei den Provinzialbehörden 64,8 b3m. 48 Broz.! fehen in Wirklichkeit die 109 Proz. Friedenseinkommen aus, die der Reichsfinanzminister bem Haushaltsauschuß vorgerechnet hat. Es stehi demnach feft, daß die Behauptung des Reichsfinanzministers im Haushaltsausschuß des Reichstages nicht den Lat. fachen entspricht. Es fann Herrn Dr. Luther nur empfohlen werden, bevor er solche Erklärungen abgibt, sich bei den zuständigen Dienststellen genauer zu informieren, damit im Reichstag und in der Deffentlichkeit kein falsches Bild über die Beamtenbesoldung entsteht. Die Beamten der vorgenannten Gruppen erheben schärfsten Protest gegen ein solches Gebaren. Die Forderungen der Eisenbahner. Am Sonntag waren die Bevollmächtigten aller im Deutschen Eisenbahner- Berband organisierten Ortsgruppen des Bezirks Often in Frankfurt a. D. zujanmmen. Nach einbeitenden Referaten wurde nachstehende Entschließung angenommen: sondern auch eine Gefahr für die Reisenden bedeuten. 3. Durch fegung der Bezahlung der 9. Arbeitsstunde els lleberstunde. 4. Ein mirfung auf die politischen Parteien die von der Regierung an gefündigte neue Besoldungsvorlage zu befchleunigen, zu einem für die unteren Gruppen erträglichem Abschluß zu bringen und deren Auswirkung auf die unteren Gruppen der Lohnempfänger auszudehnen. Sie fälschen wie sie atmen. Das nationalbolfchemistische Blatt, deffen beispiellofe Fälschungen hier festgenagelt wurden, versucht sich herauszureden. Dabei beweist es aber nur nochmals, daß es gar nicht anders fann, als fälschen. Es zitiert jegt wörtlich den entzwei geschnittenen Sag: Es ist den Gewerkschaften nicht eingefallen, von den Unternehmern die Anerkennung einer grundsäglichen Forderung zu verlangen, die ein Anhänger der fapitalistischen Wirtschaftsordnung nun einmal, ohne zu lügen, nicht anerkennen tann. Einige Zeilen weiter unten verfälscht das Blatt, das feine Beser offenbar für Idioten hält, den flaren Sinn dieses Sages folgendermaßen: „ Sie stellten feine grundfäglichen Forde rungen auf, die die Kapitalisten ohne zu fügen nicht anerfennen fönnen", das bedeutet doch, daß die Gewerkschaften auf jede sozialistische Forderung zugunsten der fapitalistischen Wirtschaftsordnung verzichten. Das Blatt ter Sinomjem und Reventlow hält seine Lefer für so hirnlos, daß es die groteske Fälschung des Zitats unter Anführungszeichen fegt, als zitiere es wörtlich. Wir fagten: Die Ge führungszeichen fett, als zitiere es wörtlich. Wir fagten: Die Ge wertschaften haben von den Unternehmern nicht die Anerfennung einer Forderung verlangt, die ein Anhänger der tapitalistischen Wirtschaftsordnung, ohne zu fügen, nicht anerkennen fann. Das nationalbolschewistische Blatt aber fälscht, die Gemertschaften stellten feine Forderungen auf, die die Rapitaliften nicht anerkennen fönnen. Selbstverständlich haben auch die fommunistischen Gewerf. schaften niemals von den Unternehmern die. Anerkennung der Diftatur tes Proletariats oder ähnliche tommunistische Forderungen verlangt. Sie haben aber ebenso selbstverständlich nicht darauf verzichtet, diefe Forderungen aufzustellen, deren Durchführung, menn fie möglich wäre, nicht von einer heuchlerischen Anerkennung durch ich ai i in ihrer Gesamtheit sie zur ihren macht. Ebenso denkt fein bie Rapitalisten, sondern davon abhängt, ob die Arbeiter Sozialdemokrat daran, die Sozialisierung etwa von der Anerkennung durch die Kapitalisten abhängig zu machen. Das wäre Blödsinn. Man muß schon die Fälschungsgewohnheit zur zweiten Natur haben, um andern einen solchen Blödsinn unterzustellen. Wenn int übrigen das nationalistische Fälscherblatt mit einer Retourtutsche aufzuwarten versucht, weil wir nicht den Artikel über Streifftrategie" vollinhaltlich abgedruckt haben, fo bemeifen die angeblich unterschlagenen Säge, daß wir finngemäß zitiert bie angeblich unterschlagenen Säge, daß wir finngemäß zitiert haben. Wir haben diese und andere Stellen aber nur deshalb meggelassen, um den Lesern die Ueberraschung, daß es sich um die Behren eines Kommunisten und nicht eines reformi stischen Bongen" handelt, bis zum Schluß aufzusparen. In derselben Nummer des Fälscherblatts beschwert sich der fomnumistische Branchenleiter der Rohrieger darüber, daß mir auf feine erste Fälschung der von uns veröffentlichten Tatsache nicht reagiert haben. Er fügt einige weitere Fälschungen hinzu, die wir ebenso verachten. Wir hoffen, daß die„ bornierten SBD.- Leute" unter ben Robyrlegern seiner treurigen Herrschaft ein schnelles Ende bereiten werden. Proteft der Kommunalbeamten. Durchführung einer Urabftimmung aufzurufen, das Reichsfinanzministerium zur Abänderung seiner Besoldungsneuregelung ge zwungen worden ist. Sie begrüßt es ferner, daß der Hauptausschuß des Reichstages obwohl die Regierungsparteien und die Kommu nisten der sofortigen Ueberweisung der Besoldungsanträge an den Hauptausschuß widersprochen haben dennoch entsprechend der Forderung des ADB. das Besoldungsrecht behandelt und von der Regierung die Zusage der Einbringung einer neuen Borlare erreicht hat. Die Versammlung erwartet jedoch, daß die Abänderung eine mirkliche Aufbesserung der unerträglichen Lage der unteren und mittleren Besoldungsgruppen bringen wird. Die dazu erforderlichen Mittel müssen durch gerechte Erfaffung der Gewinne an den Quellen der Produktion aufgebracht werden. Auf jeden Fall fordert die Versammlung vom Reichstag, baß fie dem Reichsfinanzministerium die Ermächtigung zur selb ständigen Regelung der Beamtenbejoldung entzieht." Chemische Industrie. Afa- Mitgliederversammlung am Donnerstag, 26. Juni abends 8 Uhr, im Berbandsbureau, Bele- Alliance- Sit. 7/10, III. Tagesordnung: 1. Die Borschläge der Arbeitgeber zum neuen Manteltarifvertrag und das Ergebnis 2. Berfchiedenes. Erscheinen aller Kollegen der Verhandlungen am 26. 6. cr. ist Pflicht. Afa- Funktionäre der Metallinduftrie. Donnerstag, den 26. Juni, abends 7 Uhr, Musikerfäle", Raiser- Wilhelm- Straße 31. Wichtige Funktionärversammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Entscheidung des R. A. M. bezüglich des Schiedspruches zur Regelung der Maigehälter und Bericht über die Junigehaltsverhandlungen. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung wird vollzähliges Erscheinen erwartet. Afa Metall- Rartell. Günther. Lange. Rothe. Zentralverband der Zimmerer. Alle Verbandskameraden werden hierdurch auf die am Sonnabend, den 28., und Sonntag, den 29. Juni, in allen Bezirken stait findenen Bezirksverfammlungen aufmertfam gemacht. Ale Bertrauensleute und Funktionäre haben die Pflicht, hierfür die größte Propaganda zu entfalten. Der Bezirf 4 tagt schon am Freitag, den 27. 6., bei Balentin, Krautstraße 36. Des gleichen Bezirk 20( Neukölln) bei Balewski, Boddin. Ede Jfarstraße. Die Funktionär fonferenz findet am Donnerstag, den 26. 6., abends 7 Uhr, im Saal V des Gemeri De Jorstand. fchaftshauses statt. Alle Bezirle müssen unbedingt vertreten fein. Wirtschaft Die Bankkrise in Oesterreich. Aus Wien wird gemeldet: Der Vorstand der Allgemeinen Depojiten bant, die in ganz Desterreich insgesamt 60 Filialen und Wechselftuben mit etwa 1500 Angestellten beschäftigt, beschloß, den Antrag auf Eröffnung der Geschäftsaufsicht zu meldet, geschah der bereits gemeldete Schritt der fünf Großbanken, ftellen, die heute erfolgen soll. Wie das Neue Wiener Jeurnal" die Stügungsattion nicht fortzusehen, nach Befragung des Finanzministers Rien boed und des Nationalbantpräsidenten Dr. Reisch. Sofort nachdem die Großbantenvertreter ihre Mandate zurückgelegt hatten, gab auch der Leiter der Depofitenbant, Direktor Ritscher, seine Demiffion. Die Blätter anerkennen, daß die Großbanten nicht anders handeln konnten, um sich nicht felbft in Gefahr zu bringen, geben aber gleichzeitig ihrem Bedauern Ausdrud, daß, nachdem von den Großbanten bereits Mittel ver wendet werden seien, feine andere Lösung zu finden gewesen wäre, zumal, wie von einigen Seiten behauptet wird, die zuleht vorgenommene genaue Prüfung der Bücher nod, einen Ueberschuß der Aktiven über die Passiven von 20 Milliarden ergeben haben solle. Die Blätter sprechen die Hoffnung aus, daß die Gläubiger der Bank, wenigstens die Depotgläubiger und die Einleger, ihre volle Befriedigung finden werden, und daß die Banten, wenn sie auch jetzt formell zurüdgetreten sind, fich mit allen Kräften bemühen werden, daß die Liquidation der Depofitenbant möglichst glatt verlaufen werde. Hauszinsftener und Werkwohnungsbau. In einer Kleinen Anfrage im Breußischen Landiage wurde Beschmerbe darüber geführt, daß aus den Beiltein des nach der preußi schen Steuernotwerordnung zur Förderung der Neubautätig teit zu verwendenden Teils des Aufkommens der Hauszinssteuern Berkwohnungen gegeben worden seien. Auf die Frage, ob das bisher an die Industrie noch teine Gelder zur Errichtung von Staatsministerium bereit sei, die hierin für die Industrie liegende Härte zu mildern, erteilt der preußische Minister für Volkswohl fahrt nachstehende Antwort: Der Ortsausichuß Berlin der Reichsgewertschaft. Deutscher versammlung gegen die neue Besoldungsordnung zusammengerufen. Kommunalbeamier hatte die Kommunalbeamten zu einer ProtestDer Referent Händeler vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund( ADB.) geißelie das Machwert des Finanzministeriums, Be foldungsordnung genannt, in scharfer Weise. Er zeigte, mie die hohen und höheren Beamtengruppen Zulagen bis zu 70 Broz. erhalten haben, während die unteren Gruppen fich mit etwa 17 Broz begnügen sollten. Das Anfangsgehalt eines Beamten der Gruppe 3, Angesichts der großen allgemeinen Wohnungsnot ift es in der überwiegende Teile der Beamtenschaft eingereiht sind, beträgt bei der Beschränktheit der aus der Hauszinssteuer aufkommenden monatlich 928 m. Man hat es auch durchgefeßt, daß die Spanne nach der Aufbefferung ganze 111 M.; die Gruppe 13 bezieht dagegen und für den Wohnungsbau bestimmten Mittel nicht möglich, Woh zwischen den Gruppen/ wieder die Vorkriegshöhe erreicht hat. Wähnungen, die lediglich für Angehörige eines bestimmten merks zurzeit auszinssteuerrend es im Jahre 1920 gelungen war, die Spanne zwischen den Ge- bestimmt sind, mit öffentlichen Beihilfen hypotheken zu unterstützen. Es find im übrigen seit jeher, und hältern im Verhältnis von 1: 2,8 zu finden, ift fie jest wieder auf zwar nicht nur in Preußen, sondern auch in den übrigen Ländern 1: 6,7 vergrößert worden. Der Redner verurteilte sehr nach sogenannte Werkwohnungen von der öffentlichen Ünterſtüßung drücklich das innige Zusammenarbeiten des Reichsfinanzminifteriums grundsäglich ausgeschlossen worden. Den Werfen bleibt mit der bürgerlichen Preise, die stets in der Lage war, bereits vor Abschluß der Verhandlungen die Deffentlichkeit im Sinne des Finanz- es jedoch unbenommen, dadurch für ihre Arbeiter und Angestellten minifteriums zu beeinflussen. Die Einstellung des Deutschen zu sorgen, daß sie sich an Baugenossenschaften oder ähnBeamtenbundes( DBB.), der bürgerlichen Konkurrenzorgani- lichen Organisationen beteiligen, welche unter Inanspruchnahme von fation des ADB., bei den Gehaltsverhandlungen ist vom Standpunti Mitteln aus öffentlicher Hand neue Wohnungen errichten." ernster Gewerfdaftsarbeit aus zu verurteilen. Auf die Treibereien dieser Organisation ist es zurüdzuführen, daß die Gehaltsverhandlungen für Arbeiter und Beamte getrennt vorgenommen werden, so daß der große Einfluß des ADOB. nicht mehr zur Geltung tommt. Dieser Beamtenbund hat sich auch sonst in friecherischer Weise gegen die elementarsten gewerkschaftlichen Grund fäge vergangen. Es ist nur zu bedauern, daß noch so viele Beamien dieser Organisation angehören. Die Beamtenschaft muß sich endlich einmal von dem alten uniformierten Beamtengeist freimachen. Sie muß die wirtschaftlichen Zusammenhänge erkennen und sich in einer einheitlichen, freigemerfidhaftlichen Bewegung zusammenfinden. Die Bersammlung nahm folgende Entschlie= Bung gegen eine Stimme an; Die Konferenz nimmt von dem Verhandlungsergebnis Renntnis. Sie erflärt, daß das Ergebnis als ein Erfolg der Organisation zu buchen ist, obgleich nicht restlos alle Forderungen durchgefeht werden tonnten. Daß die 10. Arbeitsstunde in den Bahnmeistereien gafallen ist, begrüßt fie freudig. Die Konferenz fordert aber unge- Die Versammlung stellt mit Genugtuung fest, daß infolge des achtet des bisher Erzielten: 1. Einführung von befristeten Pausen Protestes der großen Masse der Beamtenschaft, insonderheit aber infür die Bahmmterhaltungsarbeiter gleich den übrigen Dienstzmeigen. I folge der entschiedenen Absicht des ADB., die Beamtenschaft zur Holland gegen die Tarifbegünstigung deutscher Häfen. Wie das Amsterdamer gemeen Handelsblad meldet, sind die Vers handlungen zwischen den Niederländischen Eisenbahnen und der Reichseifenbahnverwaltung über die Vorzugspreise für die nach oder über deutsche Nordseehäfen beförderten Güter gescheitert. Das niederländische Außenministerium werde höchstwahrscheinlich in der Einstellung der niederländischen Kredite an die deutsche Industrie Berlin weitere Schritte unternehmen und event. unter Androhung die sofortige Aufhebung ber systematischen Bevorzugung der deutfür die niederländischen Häfen beanspruchen. schen Nordseehäfen fordern oder die Borteile der Vorzugstarife auch Berantwortlich für Belitit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedz. Egtorn: Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Constiges: Frig Razftäbt; Anzeigen: Th. Glede; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag. G. m. 6. S.. Berlin. Druck: Bormäris- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin G. 68. Lindenstraße 3. 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